Nr. 290 Erster Blatt l?b. Jahrgang Samstag, U. üezember 1926 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnttk vnd Verlag: vrühl'sche Univerfitütr-Vuch- und Steinöruderei R. Lange in Stehen. Schristleitung und Seschäftsstelle: Zchulftrahe 7. Eriche,»« täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen; Gietzenei Familien blätter Heimat im Bild Die Scholle Dlonat$iEe3B5ipret«; 2 Reichsmark unb 20 Reichspsenntg für Trögt» lohn, auch bei Richter« sth^lnen einztlnerRummern infolge höherer Gewalt Fernfprechanlchialfe: 51, 54 unb 112. Lnjchrist für Drohlnach» richten: Anzeiger Oießen. Polfd) cdfoirto: Frankfurt om Main 11686. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bl» zum jiad)mittag vorher» Preis für l mm Höhe für Anzeigen do.i 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 JteidjVpjennig; für Re» klamtan-,eigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrifi 20“ mehr. Ehefrebakteu: Dr Fnebr Wilh Lange. Derantwortlich für *DohtiM Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein: für den An« zeigenteil ü Bertr. H.Deck. sämtlich in Gießen Krisis? Sobald das Weihnachtsfeft naht, scheint in Berlin eine politische Krisis ersten Ranges fällig zu werden. Die Herren Reichstagsabgcordneten glauben es nicht verantworten zu können, in die wohl- verdienten Ferien au gehen, ohne erst am Plag der Republik alles auf den Kopf zu stellen und dann das neue Fahr mit einer Lösung des allgemeinen Wirrwarrs zu beginnen. So trat im Jahre 1924 am 15 Dezember das damalige Kabinett Marx zurück, und erst im Januar des folgenden Jahres gelang es Herrn Luther, ein neues Kabinett zu bilden. Die Regierungstrisis, die im Herbst 1925 aus dem Austritt der Deutschnationalen entstand und am 5. November zur Demission des Rumps-Kabinetts führte, zog sich ebenfalls über die Jahreswende hin. Erst am 19. Januar neu bestätigen. Mit der ominösen giaggenaffäre Mitte Mai dieses Jahres war auch die Kanzlerherrlichkeit Luthers zu Ende und der Zen- trumsmann Marx trat wieder an das Steuerruder des Reiches. Nunmehr sind wir wieder einmal so weit, uns eine Regierungskrisis zu leisten. Man wird gewiß nicht behaupten können, daß das augenblicklich amtierende Kabinett der Mitte das Ideal für ein parlamentarisch regiertes Land darstellt. Es verfügt über keine Mehrheit im Reichstag und muß sich für jede ihrer Vorlagen erst in wuhfeligem Paktieren mit den Parteien Unterstützung suchen. Es muh sie nehmen, wo es sie findet, wenn es nicht das Regieren anderen Leuten überlassen will. Das ist natürlich für die Dauer kein idealer Zustand und besonders bann nicht, wenn außen- wie innerpolitisch eminent wichtige Dinge zur Entschidung stehen. Gewiß besteht in jedem parlamentarisch regierten Staat alle Politik mehr oder weniger aus Kompromissen, aber wenn jede Regierungsvorlage Gegenstand langwierigen Feilschens mit den Parteien wird und man hinter den Kulissen an den Gesetzen so lange „herumvorbessert' bis der Vater des Gesetzes sein Kind selber nicht mehr kennt, wenn jede Gesetzesvorlage nicht mehr fachlich bearbeitet, sondern zum Objekt eines rem politischen Kuhhandels gemacht wird, bann taucht bod) schließlich die Frage auf, ob diese Regierung mit wechselnden Mehrheiten nicht im ganzen gesehen, recht viel Schaden anrichtef. Wir sind nicht so optimistisch au glauben, daß diese Gründe die veiden großen Flügelparteien in den letzten Wochen zu dem Versuch veranlaßt haben, ihren Eintritt in die Regierung zu erzwingen. Man wird jedoch fejb stellen müssen, daß eine Verbreiterung der Regie-- rungvbasis dem heutigen Schwebezustand sicherlich vorzuziehcn ist. Wir erinnern uns, daß zu Beginn der Herbst- tagung des Reichstags die D e u t s ch n a t i o n a l e n den Versuch machten, bei der Debatte über die Er- werbslosensürsorge die Regierungsparteien von ihrer Unentbehrlichkeit zu überzeugen. Leider konnten es gerade in diesen Wochen die Deutsch- nationalen nicht über sich gewinnen, bei aller Mäßigung in der Kritik an der Slrefemannschen Außenpolitik, ihre besonders betonte Kampfstellung gegen das Zentrum aufzugeben: dazu kam noch ein wenig geschickte Taktik im Reichrtagsplenum unb als unausbleibliche Folge bas scharfe Heranrücken des Zentrums an bie Linke. Der Reichskanzler selbst suchte Tuchfühlung mit den Sozialbemokra- te n unb gewann ihre Zustimmling für den abgeänderten Regierungsvorschlag zur Erwerbslosen- nnd ftrifenfürforge. Man sprach damals von der „stillen" großen Koalition. Wie weit mit Recht, darum streitet man sich heute Die Sozialdemokraten, denen man glaubte den kleinen Finger reichen zu können, wollen jetzt die ganze Hand. Darin liegt eine gewisse Konsequenz, wenn man als gegeben hinnimmt, was die Presse der Linken von den damaligen Abmachungen zwischen Reichskanzler und Sozialdemokraten behauptet. Danach soll nämlich der Reichskanzler den sozialistischen Parteiführern zugesagt haben, daß die Regierung, bevor sie eine Gesetzesvorlage im Reichstag einbringt, jeweils mit der Sozialdemokratischen Partei Fühlung nehmen werde. Organe der Deutschen Volkspartei haben schon damals darauf aufmerksam gemacht, daß in dieser Abmachung keine einseitige Bindung der Reichsregierung nach links hin gelegen hätte, vielmehr hätte das Kubl nett sich völlig freie Hand Vorbehalten, gegebenen» falls auch mit den Deutfchnationalen zu verhandeln. Dies ist denn tatsächlich auch erfolgt bei dem Gesetz zum Schuh der Jugend gegen die Schund-- und Schmutzliteratur, das am 3. Dezember bei Stimmenthaltung eines Teils der Demokraten gegen die gesamte übrige Linke, jedoch mit Hilfe der Deutschnationalen angenommen wurde. Besonderes Interesse sand dabei die Tatsache, daß bas Gesetz von dem demokratischen Reichsinnen- minifter Dr. Külz eingebracht war. daß also bie Demokraten sich gegen ihren eigenen Mi- nister stellten. Rachdem schon Herr Dr. G e ß - l e r mit der ganzen unerschrockenen Wurschtigkeit des Bayern bei der Verteidigung seiner Reichswehr gegen alle Politisierungsversuche fich bei der gesamten Linken und nicht zuletzt bei seiner eigenen Partei wenig belie t gemacht hat. bat es nun auch Herr Dr. Külz mit seinen früheren Freunden gänzlich verschüttet. Man sprach schon damals von den politischen Konsequenzen, die diese gewiß merkwür- bige Abstimmung haben müßte, aber die Sozial- Demokraten haben doch noch an sich gehalten, iis nun die berühmt gewordene Insterburger Rede des volksparteilichen Frakf.onssührers Dr. Scholz bad Maß zum Heberlaufen voll gemacht hat. Dabei hat Dr. Scholz seinen ostpreußischen Wählern wirklich nichts gesagt, was man nicht zwei Wochen vorher nicht auch schon gewußt hatte. Er hat die augenblicklichen Koalitionsmöglichkeiten nach rechts und links gegenseitig Der Friedensnobelpreis für Strefenrann. Auch Vriand, Chamberlain und General Dawes Träger des Friedenspreises. In der norwegischen Hauptstadt Oslo ist der von dem verstorber.en Millionär Robel ausgesetzte Friedenspreis für die beiden letzten Iahre auf vier Persönlichkeiten verteilt worden, die wohl alle davon ebenso überrascht worden sind, wie die übrige Welt. Es sind Stres-emann, Vriand, Chamberlain und Dawes. In Deutschland wird man mit unserem Reichs- außenminister Genugtuung über diese An-' erfennung empfinden, die in der Verleihung des Friedenspreises an den Mann liegt, der im richtigen Augenblick mit Mut und Entschlossenheit die Politik eingeschlagen hat, die er jetzt seit drei Jahren, unbeirrt durch Rückschläge und Enttäuschungen der verschiedensten Art, folgerichtig durchgeführt hat. Gerade Minister Dr. 0trefemann verdient eine solche Aneftennung um so mehr, als er wegen feiner Politik, namentlich im Anfang, aufs heftigste angegriffen, getadelt. ja sogar beschimpft worden ist. Daß diese unerfreuliche Seite im politischen Leben Deutschlands noch nicht überwunden ist, zeigen leider mannigfache Vorkommnisse der jüngsten Zeit. Hm so mehr freuen wir uns mit ihm für dieses Zeichen, das man außerhalb Deutschlands der Vedeuiunq dessen, der gleichzeitig an der Spitze unseres Auswärtigen Amtes und der Deutschen Volkspartei steht, vollste Würdigung zuteil werden läßt. Man wird zugleich anerkennen dürfen, daß auch Vriand sich ehrlich um die Förderung der Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich und damit um die Herstellung eines wahren Friedenszustandes in Europa bemüht hat. In diesem Sinne hat auch er den Preis wohl verdient. Aehnlich, wie Stresemann, hat auch Vriand in feinem Heimatlande mit sehr ernsten Hindernissen und Schwierigkeiten zu kämpfen, was wohl keiner besser wissen wird, als er selbst. Insofern ist sogar gerade jetzt sein Weg noch dornenvoller, als er es mit dem versteckten und offenen Widerstand seines übermächtigen Ministerpräsidenten Poincarö zu tun hat. Weniger klar scheint uns die Haltung und damit das Verdienst Chamberlains zu sein. Wie die englische Politik überhaupt, so ist auch die des britischen Außenministers wenig durchsichtig. Gerade jetzt spielen die Forderungen Englands bei den Verhandlungen der Dvtschafter'onferenz in Paris über weitere V schränkungen der deutschen Ausfuhrindustrie eine sehr große Rolle, und man kann nicht behaupten, daß die lediglich aus Handelsneid entsprungene Politik Englands, die dessen Außenminister Chamberlain decken und vertreten muß. der Sache des wahren Friedens sonderlich dienlich sei. Was den vierten Träger des Friedenspreises anbetrifsl, den bekannten General und Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, Dawes, so wird er wohl am meisten über die Zuerkennung erstaunt gewesen sein. Er hat eigentlich nur seinen Hamen für die Arbeit des großen Ausschusses von Sachverständigen hergegeben, die als Grundlage für das Abkommen von London diente. Zweifellos bebrütete dsifts Abkommen einen großen Fortschritt in der Befriedung Europas. Es will uns aber doch scheinen, als ob mit der Zuerkennung des Preises an Dawes mehr ein allgemeines Kompliment für das amerikanische Volk als für den Träger des Preises selbst beabsichtigt ist. Der Festakt in Oslo. Oslo, 10. Dez. (WTB. Drahtrnelbung.) Das Nobel-Komitee hat Stresemann unb Brianb mit, dem Nobel-Friebenspreis für 1926 unb General Dawes unb Chamberlain mit dem Nobel- Friebenspreis für 1925 ausgezeichnet. Die Verkün- bung her Auszeichnungen fand in feierlicher Weife im Saal bes Vobelinstitutes statt. Dem feierlichen Akte wohnten u. a. ber König von Nor - wegen, ber Kronvrinz sowie zahlreiche Vertreter ber Regierung. Des Diplomatischen Korps, bes Parlaments usw. bei. Professor Dr. Fridtjof A a n s e n hielt die Festansprache, in der er u. a. ausführte: In den Jahren nach dem Weltkriege h rrschte in Europa eine unheimliche El mmung. D is erste Anbrechen abgewogen und dabei die Meinung vertreten, daß eine dauernde Koalition mit der Sozialdemokratie bei deren Einstellung zur Reichswehr und bei den gegenseitigen Differenzen in der Frage des Arbectszeitgeseyes für bie Volkspartei nicht möglich sei. D.e Volkspartei sehe ihr Ideal in dem Zusammenarbeiten aller bürgerlichen Parteien und Kräfte, die Fraktion werde aber sachlich und paritätisch versuchen, Hilfe zu finden, wo sie den Ruhen gemeinsamer erfolgreicher Arbeit erwarten dürfe. Das entspricht durchaus der Auffassung, die man in vollspartcilichen Kreisen von den Abmachun- gen des Reichskanzlers mit der Sozialdemokratie schon damals gehabt hat. Man sucht also vergeblich nach Gründen für die drohende Geste Scheidemanns und den geharnischten Deschluh der sozialdemokratischen Fraktion, der erklärt, daß die Fraktion nunmehr wieder freie Hand für alle politischen Entscheidungen habe und über die künftige Gestaltung der Reichsregierung bei der dritten Lesung des Rachtragse:ats eine Klärung herbeisühren werde. „Freie Hand" haben sowohl die Sozialdemokraten wie das einer neuen Zeit war die Annahme des Dawesplanes. Amerika leistete hilfereichend Deistand. und entsprechend dem vom damaligen amerikan.fchen Staates.kcetär Hughes gemachten Vorschlag trat es dafür ein. Deutschlands Fähigkeiten zur Leistung der Entschäd gangen durch Sachverständige untersuchen zu lassen, um eine sachliche und wissenschaftliche Grundlage für die künftige Erleb gang zu schaffen. Der Gedanke fand auch in Frankreich Ank.'ang. D e Annahme des Dawesplanes trug dazu bei, daß die Räumung des Ruhrgebietcs beschlossen wurde und daß die dauernden Konflikte wegen b.-r Schadenersatzleistung durch Deutschland ein vorläufiges Ende fanden. Der Dawesplan ist nicht nur für die Vereinigten Staaten von größter Dedeutung gewesen. Er bildet ferner die wichtigste Voraussetzung für die Friedenspolitik, die zu dem Locamoverlrag geführt hat. der auf die Initiative von Dr. Luther und Dr. E t r e f c- mann zurückzuführen ist. Don dem in Locarno abgeschlossenenRhein- pakt hat man gesagt, daß zum erstenmal feit Ludwig XIV. der Rhein als Streitursache in der europäischen Politik durch ihn ausgeschaltet wurde, er bildet den Abschluß eines Kapitels in der Geschichte und bedeutet eine vollständige Wandlung in der ganzen europäischen Politik. Man war zu der Erkenntnis gekommen, daß die einzige Möglichkeit der Schaffung einer erträglichen Zukunft in dem Wille n, au gemeinsamer Arbeit zusammenzustehen, besteht. Wenn sich die Völker Europas der Scheußlichkeit des Krieges stets bewußt wären, so würden sie dafür sorgen, daß ein Krieg nie wieder kommt. Wenn der nächste Krieg dem letzten auch nur entfernt ähnelt, wird er die Zivilisation Europas zerstören. Der Krieg ist aber keine un- abwendbare Naturkatastrophe, sondern ein Akt menschlichen Willens, und es steht daher in unserer Macht, die Gefahr abzuwenden Die Regierungen Europas sollten sich zu eigen machen, was ich der Kürze halber Politik des Völkerbundes nennen will, ber heute keine abstrakte Idee mehr, sondern ein lebender Organismus ist. Wenn die Völker dies tun, dann wird das Hngeheuer des Krieges beseitigt werden, und untere Zukunft gesichert sein." Die Rede Ransens wurde mit herzlichem Beifall ausgenommen. Im Anschluß daran nahmen der britische, französische, amerikanische unb der deutsche Gesandte die Diplome und Medaillen entgegen. Mit Qltufit- vorträgen fand der feierliche Aft fein Ende. Eine Aentzernng Strefemanns. Genf, 10. Dez. (WV.) Anläßlich der zahl- reichen Glückwünsche, die den neuen Trägern des Friedenspreises von allen Seiten dargcbracht werden, gab Dr. Stresemann der Presse folgende Erklärung: Die Verleihung des Robel- friedenspreises /ft mir eine aufrichtige Freude und Genugtuung. Ich sehe in diesem Ereignis weniger eine persönliche Ehrung für die Außenminister Englands. Frankreichs und für mich, vielmehr betrachte ich die Ent- scheidung als Symbol der Anerkennung, die die Welt der Politik zollt, deren Anfang durch die Ramen London. Locarno, Genf und Thoiry gekennzeichnet ist. Das Ziel dieser Politik ist der dauernde Frieden und das Wohlergehen ter Völker. Wird dieses Ziel erreicht werden? Ich vertraue darauf, solange Männer wie Vriand und Chamberlain die Geschicke chrer Völker leiten. Zwei Männer, die aufrichtig und unter Einsetzung ihrer ganzen Persönlichkeit eine wirkliche Verständigung erstreben und deren große Verdienste um den Frieden der Welt bereits geschichtliche Tatsachen sind. — Dr. Stresemann ersuchte den deutschen Gesandten, telegraphisch dem Robelpreislomitee des Stortings den Ausdruck seines Dankes zu übermitteln. Genugtuung in Berlin. Berlin, 10. Dez. (WB.) Die Verleihung des Robelftiedenspreises an Dr. Stresemann wird von den Berliner Blättern mit großer Genugtuung verzeichnet. — Die „Deutsche Reichskabinett jederzeit gehabt. Reu ist also an dem Beschluß nur die Tatsache, daß die Sozial- öemof raten nunmehr Die Reichsregierung vor die Entschei.ung ft eben wol en, ob sie in Zukunft mit Rechts oder Lims ,u regieren gedenkt. Vermutlich will sie dtese Klärung durch das Einbringen eines Mißtrauensvotums gegen das Ge- famtia&inett erreichen. Das Ziel wäre also doch wohl die Tildung der großen Koalition, also die offene Hebernahme der vollen Regierungs- verantwoftlichkeit durch die Sozialdemokraten. Für die Mittelpartelen wird also nun die Frage lauten, ob entweder das 3entrum sich Au einer Koalition mit den Deutschnationalen entschließen kann, oder ob die Deutsche Volks» partei ihre starken Bedenken gegen den Eintritt in die große Koalition lallen läßt. Sollten b.ioe Parteien aus ihrem bi 3 jerigen Standpunkt beharren, bliebe als letzter Ausweg die Reichs- t r. Stresemann folgendes Telegramm gerichtet: .Zur Verleihung deS RobelfriedenspreiseS spreche ich Ihnen meine und der ganzen Reichsregierung aufrichtigsten Glückwünsche aus. Wenn auch daS Ziel der von Ihnen fett 3abren erfolgreich geführten deutschen Außenpolitik vornehmlich die baldige und endgültige Befriedung unseres Vaterlandes ist, so erblicke ich in dieser Auszeichnung das Anerkenntnis der Weltöffentlichkeit, daß die deutsche Mitarbeit an der Weltpolit.k zugleich dem Frieden der ganzen Erde Dient. gez. Reichskanzler Dr. Mar x." Beglückwünschung in Genf. Genf, 10. Dez. (WB) In der heutigen Besprechung der Rheinpaktmächte beglückwüns.fte der belgische Außenminister Dandervelde Briand, Chamberlain und Dr. Stresemann in herzlichen Wendungen zu der Zuerke.mung Des Friedenspreises der Robelsttftung. Chamberlain gab der Presse folgende Erklärung: .Ich fühle mich sehr geehrt durch die Zuerkennung ces Friedenspreises, weil dieser für das in Locarno vollbrachte Werk das Siegel internationaler Genehmigung darstellt. Die Vertreter von sieben Mächten haben zu den Dsrt erreichten Ergebnissen beigetragen, aber der größte Teil jedweden Verdienstes darf von Briand und Dr. Stresemann beansprucht werd:n und es ist mir eine doppelte Freude, daß mein Raine mit den ihrigen durch die Zuerkennung des Friedenspreises verknüpft worden ist. Die Jlobelpreisoerteilung in S.ockholni. Stockholm, 10. Dez. (WB.) 3m großen Saale des Konzerthauses fand heute d.e Feier der Robe.preisver.eilung statt. Unter den Teilnehmern be.anden sich der König vonSchMe- den, mehrere Prinzen, sowie die M.tg.ieder der Regierung. Prof. Schück, Vorsitzender des Vorstandes der Robelstiftung, hielt die Wftl- tommenrete. Aus den Händen des Königs e np- fingen die Proie,o:en Franck, Hertz, Zsig- mondh und Svedbe rg ihre Preise und Diplome. An Stelle von Bernhard Shaw, der nicht erschienen war, nahm der englische Gesandte in Stockholm den Literaturpreis für 1926 entgegen. Abends fand im Grandhvtel ein Festessen zu E.)ren der Preist.ä re 1926 erschien es angesichts ter schwerrn Wirt chafts- krise unmöglich, an eine Besoldungsregelung heranzugehen. Auch er sei der Ansicht, dah es sich hier nicht um ein 'Weihnachtsgeschenk für die Beamten, sondern um die Rachholung einer .Pflicht der Regierung handele. Er stehe auf dem Standpunkt, dah es ungerecht wäre, die Gruppen über die Gruppe VI bo(Tomaten h:rauszunehmen Ihre Richtberücksichtigung würde große Erregung Die Weihnachtsbeihille. Aus demHaiishaltsausschutz desReichstags Berlin, 10. Dez. (BDZ.) Der Haushalts- auSschuh des Reichstages beschäftigte sich heut« mit der Frage der Besserstellung der Beamten und Angestellten und mtt der beabsichtigten Weihnachtsbeihilfe, zu denen eine gro.>e Reche von Anträgen vorlag. .. Ahg Dr. Frick (Bölk.s begründet einen Antrag, der bis zum Inkrafttreten einer anzu- ftrebenten neuen Desoldungsordnuna eine Erhöhung der prozentualen Zuschläge zu den Grundgehältern und sozxcke Zulagen verlangt. Bei der Weih nachts bei Hilfe muhten die unteren Gruppen besonders bedacht verfahren oder durch diplomatische Ber- hondluvgen erledigt. Die Entscheidung liegt also nach den erwähnten Genfer Berichten nunmehr bei den in Gens versammelten Auhenmlnisiern, die ihren Beschluß ans Grund des Berichts der Botschafterkonferenz vom Freitag zu fasten haben. Die Kompetenz der Botschalterkonseren; besteht bekanntlich nut darin, sestzuste 11 en, inwieweit Deutschland erfüllt hol. Falls die Botschastertonseren; seststellt, dah in zwei Punkten bisher eine Durchführung der Ent- wasfnungvsorderungen nicht erfolgt ist. so können die alliierten Auhenminister dennoch die Aufhebung der interalliierten Mililärkontrollkommifsion beschließen, falls in den Verhandlungen mit den deutschen Stellen eine Klärung über die beiden Restpunkle erfolgt ist. Neue Konferenz der Rheinpaktmächte. Genf, 10. Dez. (WTD.) Die Vertreter der fünf Rheinpaktmächte, bei denen im Lause der Nacht der Bericht der Dotschafterkonferenz ein- I gegangen ist, sind heute vormittag 11.30 ilbr am Sitz der englischen Delegation zu einer -wetten gemeinsamen Besprechung zusammenge- treten. Die Besprechung gilt der durch den Bericht der Botschafter-Konferenz geschaffenen Lage und dem von den Juristen aus- gearbeiteten Bericht über die Abänderung des Investigations-Protokolls, der zunächst von den Vertretern der Rheinpaktmachte genehmigt werden muh. Heber die Besprechung, an der für Deutschland Reichsautzenminis^r Dr. Stresemann und Staatssekretär v. Schubert teilnahmen und die um 1.20 Hhr ßnöe ging wurde folgendes gemeinsam vereinbarte« Kommunique ausgegeben: Die Vertreter der Mächte, die Mitglieder der Botschaftertonferenz sind, haben sich heute vormittag mit den Der- tretern Deutschlands getroffen um sich über die in den Verhandlungen von Paris erzielten Er- gebnisse Rechenschaft abzulegen. Sie haben einen befriedigenden Fortschritt der ® e - samtlage feftftellen können. Ein weiterer Bericht, der ihnen heute von der Dotschafterkonferenz nach deren Rachrnittagssihung zugehen sock, wird erwartet. Eine weitere Beratung wird morgen gesprochen. Sie würden sich aber jetzt der Stimme enthalten, weil sie bei ter dritten Lesung eine Entscheidung über da« Gesamtkabinett herbeiführen wollen. Der Mißtra ensantrag wird gegen die Kom- muniften und Völkischen bei Stimmenthaltung der Sozialtenwkraten und Deutschnationalen ab- gelehnt. Gegen die Linke werten dann die zum Gesetz gegen Schund und Schmutz eingebrachten Ausschußeirtschlietzungen angenommen. In denen eine Verschärfung des Lichtspuckgesetzes und ter strafrechtlichen Verfolgung unzüchtiger Schriften verlangt wird. Wester wird die schleunige Vorlegung eines Reichsbuhnengesetzes gefordert. Es folgt die erste Beratung tes Gesetzes über die Vergütung der DesahungS'- le i ft un g e n und V er mö ge n s s ch ä d en und ter Rovelle zum Besatzungs-Personenschäten- qeseh Der Minister für die besetzten Gebote Dr Bell begrüntet die beiden Entwürfe. Die Vorlagen werden dem Ausschuh für die besetzten Gebiete überwiesen. Das Gesetz zur Regelung des Mitchverkehrs wird te- battelos in allen drei Lesungen angenommen ebenso das Futtermittelaesetz. Hierauf wird die 2. Beratung des Rachtragsetats beim Etat des Reichswehrministeriums fortgesetzt, ter in 2 Beratung nach ten Anträgen des Ausschusses bewilligt wird. Der Germerzheimer Prozeß. London, 10. Dez. (Täl.) Der Beginn des Germersheimer Prozesses ist, wie nunmehr endgültig seststeht, auf den 17. Dezember festgesetzt worden. Hauptpunkt der Verhandlungen wird die Anklage gegen ten französischen Leutnant Rvuzier sein, gegen ten der französische Staatsanwalt die Anklage wegen Totschlages und schwerer Körperverletzung erhoben hat. In ber französischen Anklageschrift wird bezeichnenderweise die Frage ter Rotwehr verneint, jedoch daraus hingewiesen, dah Rvuzier von deutscher Seite provoziert worden sei. Gleichzeitig mit der Anklage gegen den Leutnant Rvuzier werden Verhandlungen übet sechs weitere Anklagen gegen Deutsche vor dem Landauer Kriegsgericht geführt werden. Unter diesen Anklagen befindet sich aber keine solche wegen Angriffes auf Rvuzier. Diese ist vielmehr ausdrücklich zurückgenommen worden. Hol-mann und Matthe« sind nur wegen beleidigender Haltung angellagt De« weiteren sind Fechter wegen Körperverl tzung, die aber nicht mit dem Germersheimer Zwischenfall zu- sammenhängt. Kofler und Arbogast ebenfalls wegen Körperverletzung und auhertem Matthes und Kegel megen beleidigenden. Benehmens auf bei Sondernheimer Kirmes ange- klagt worden. Die Formulierung bet Anklage zeigt deutlich, daß man auch französischerseitS Rau-ier nicht voll decken zu können glaubt. Offenbar ist aus diesem Grunde gleichzeitig die Verhandlung von sechs weiteren Anklagen gegen Deutsche angesetzt worden, obgleich diese Fälle • mit dem Fall Rvuzier nut zum Teil in Hervorrufen. v - Daraufhin wurde folgender Antrag ter Regierungsparteien angenommen: ES erhalten noch vor Weihnachten die Beamten, Wartegeld- und Ruhegehaltsempfanger, Beamtenbinterbliebenen und Slagefteltten der Gruppe 1 biS 4 ein Viertel ihr?« Monatsgehaltes, die Gruppen 5 bis 12 ein Fünftel ihres Monatsgehaltes, mindestens aber die Seligen 30 Mk., höchstens 60 Ml., die Empfänger eines grauen- zuschusses 50 Mk., höchstens 80 Mk., unö für ?etes Kind 5 Mk., die Vollwaisen insgesamt 10 Mk., höchstens jedoch 15 Ml. Die Kriegs- beschädigten und Kriegshinterbliebenen erhalten ein Viertel ter ihnen für Dezember zu- stehenden Beträge. Angenommen wurde ferner ein sozialdemokratischer Antrag, wonach den Alt- Veteranen eine einmalige Beihilfe wie ten Kriegsbeschädigten gewährt werten soll. Ferner tourte ein sozialdemokratischer A ttrag angenommen, daß oie einmalige ÄotstanOSbeihilfe auch auf die Arbeiter deS Reiches Anwendung finden soll. , Abg. Steunkops (Soz.) bat die Regierung, die Auszahlung ter Weihnachtsgratifikationen sofort in die Wege zu leiten und nicht erst die Verhandlungen im Plenum deS Reichstages abzuwarten. Deutscher Reichstag. Berlin, 10. Dez. (VSZ.) Aus der Tagesordnung steht zunächst die Abstimmung über ten Mihtrauensantrag. te i die Kommunisten bei ter Beratung über das G-ckeh grgen Schmutz und Schund gegen Öen Reichsinnenminister Dr. Külz eing br dj* teten. Bor der Abslinm.mg ver.iest Abg. Mull er- Frarken (Sozck eine Erklärung dec sozialdemokratischen Fraktion, in ter es y»ihl, die Sozialdemokraten Hütten bet ter Beratung teS Ge- sehes ihr Mißtrauen gegen Dr. Külz scharf ans- Zweifellos ist Paschitsch eine ganz autzergewöhn- liche Persönlichkeit gewesen, und die Serben hoben Recht, wenn sie in ihm den Verlust eines Staatsmannes von sehr großem Format betrauern. Paschitsch hat wohl In den letzten vierzig bis fünfzig Fohren der Battanpolitik stets eine maßgebende Rolle gespielt. Ob diese immer eine sehr glückliche und richtige gewesen ist. möchten wir nicht allzu schroff hinstellen. Aber wenn man ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen will, muh man anerkennen, daß er vom Kindesalter an bis zum letzten Atemzug seinem Vaterland und seinem Bott treu gedient hat und nur testen Größe im Auge hatte. In der Wahl seiner Mittet ist er wohl nie sonderlich besorgt gewesen, dos ist so der Brauch auf dem Balkan, und nicht nur dort, sondern auch in manchen anderen Ländern. Namentlich über die Beziehungen Serbiens zu Rußland vor dem Weltkriege bleibt noch manches Dunkel aufzuhellen. Aber was wir jetzt bereits darüber wissen, genügt vollständig, um sagen zu können, daß sich Paschitsch und die Russen voll- kommen verstanden haben. Das gilt namentlich für die Ermordung des österreichischen Thronfolgers, die schließlich das Signal zum Weltkrieg wurde. Nach dem Verlust dieser ungemein starken Persönlichkeit wird sich erst zeigen, ob die serbische Regierung imstande sein wird, das zusammenzubalten, was sie dank der Paschitschen Politik als dessen Erbe zu übernehmen hat. Italiens Protektorat in Albanien. Rom für einen Ausgleich mit Jugoslawien. Rom. 10. Dez. (WB.) -®iovnalc d'Italia" gibt seiner Freute darüber Ausdruck, daß ter ttalienifch-albanische Vertrag von Albanten em- stimmig angenommen worden ist, obschon Versuche gemacht wurden, um die Kammer zu bewegen ten Vertrag abzuleh.ten. Jetzt beim Inkrafttreten teS Vertrages könnten die Polemiken mit dem Auslände aus hören. Die Rachrichten aus Belgrad schienen nicht zu bestätigen, daß Südstawien gegenüber Italien eine rungsbasis nach rechts wünschenswert erscheint, wobei wir natürlich den einscktigen Standpunkt ablehnen, als ob hier die einzige Möglichkett läge. Selbstverständlich kann man sich unter außenpoltt.sch gefestigteren Verh l niss n sehr wohl die Regierung einet Großen Koalition denken, die namentlich auf sozialpolitischem Gebiet manches zum Ausgleich ter wirtschaftlichen Gegen atze beitragen könnte. Wir werden nun abwartm müs'en, wie sich nach Stresemanns Ruckt.hr ute Vertendlungen zwischen den Pattcken gestalten werden. Daß wir dabei nicht wieder tn eine latente Krisis hineinsteuern, die sich dann wochenlang hinzieht und womöglich ausgeht, tote das Hornberger Schießen, mutz als dringender Wunsch tes ganzen Volkes allen Derantwortftchen ans Herz gelegt werten. Vertagung der Regierungskrifis DerNn. 10. D^. (T2.) Wie die TU. erfährt hat die e.genttich in A-ssicht genommene Parteiführerbesprechung in ter Reichskanzlei nicht ftattgJunten, da man in Kreisen der Regi rungsparteien g.aabt. erst de wettere Klärung ter g genwärttg tn Gen noch ftattfintente.i B rett ngen abwarten zu sollen. Im Laufe des heuttgen Tages hat der Reichskanzler maßgebende Abg ordnft.' verschiedener Parteien empfangen, um sie über den gegenwärtigen Stand der Dinge zu informieren. Rach allgemeiner Ansicht dürften d.e Ergebnisse erst wieder in Fluß kommen, wenn ter Reich-außen- Minister Dr. Stresemann aus Genf zuruckgekehrt ist. Man geht wohl nicht seh, m der Annahme, dah die durch die Haltung der Soz ab temrlcaten angeschnittene Frage einer Bor- änberung ter bish rigen Regicrung^oalttvn sehr wesentlich von ten in Gens erzielten Ergebnissen abhängen wird. Hamborn. Paris im Rebel. Ein dichter Nebel lag Freitag nachmittag über Paris. Gegen Mittag wurde der Verkehr noch dadurch stark gehemmt, daß im Stadtviertel um den Opernplatz eine Störung des Elektrizitätswerkes den Gebrauch des Lichtes )aft unmöglich machte. Vor allem wurden die Operationen an der Börse beeinflußt, deren Eröffnung mehrere Stunden hin- ausgeschoben wurde. Sauerstoffexplosion bei Sterkerade. Im Verladebahnhof des Maschinenbaues der Gute Hoffnungshütte explodierte eine Sauerstoft- flasche. Durch die umherfliegenden Eisenteile ter Flasche wurde ein Arbeiter sofort getötet, während ein anderer schwer verletzt wurde. Zu Tode mißhandelt. 3n Schwerin hatte der Arbeiter Groth, als er schwer betrunken nach Hause kam, mit seiner Frau einen Streit, in dessen Verlaus der Mann seine Frau zu Boden warf und sie so mit den Stiefelabsätzen traf, dah die mißhandelte Frau bald darauf ft a r b. Der Rohling wurde in das Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert. Der neue Mercedes-Motor gestohlen. Der Firma Daimler-Benz, die zurzeit tn Brüssel ausstellt, wurden kurz vor Eröffnung ter Ausstellung dic wichtigsten Reuerungen tes neuen Zweiliter-Mercetes-BenA-Motors gestohlen. Der Verdacht richtet sich gegen etn'.fle Fran- -osen, und eS liegt die Vermutung nahe, daß ausländische Konkurrenzfirmen ter Firma Daimler-Ben zuvorkommcn wollen, da ter nene Tyv noch nickft i^ $ intei fft zwei Streckenarbeiter von einem Zuge getötet. Mittwock, mittag wurden zwei ©tielenarbei* ter in der Rähe des Berliner Bahnhof« V o r k st r a h e von einem Zuge der elektrischen Schnellbahn erfaßt und sofort getötet. Durch ten Rauch einer Ringbahnlokomotive war den Arbeitern das Herannahen des elekrischen Zuge« verborgen geblieben. Aus der Provinzialhauptstadt. Stehen, bat 11. Dezember 1926. Weihnach'.stemperamente. Don Marianne d. Ziegler. Och wühle nicht, wo und wann die lieben Mitmenschen !o deutlich ihr inneres D-len ofrcn- botteu, oli gerade an Wetynachten. Da sind di« allzu vd.imlstischen Drauigänger btc, sobald der erste Schnee fälü, sehr grohartig mir ihren Einkäufen beginnen, um dann wenn sich spL^r zeigt, was dieser wünscht und jener be- nbtiflt, mit leerem Deutet und langem Gesicht vor einem Hauen un. ö i er Dmg« zu stehen. Da sind bk Zauberer, die ewig Unentschlossenen, die wochenlang vor den Schaufenstern her- umzwetleln, in allen Geschäften nach den Preisen fragen, dann aber Io gegen den 23. Dezember in fieberhafter Eile irgendeinen teueren Labenhüter erwerben. Da sind die F.ldherrn natur en. auf die em Gebiet« meist we b ichen Geschieh ts, die einen ahren Kriegsvlan organisieren, von einem Au-ve.kauf zum anderen ei en, dazwischen Md«rci und Drohreinemachen leiten, — und wenn unter ihrem Aarfchallstab da» Heim nicht so oft einem Schlachtfeld gliche, auf dem 'ich )ie Wechnach'senglein geoih unaemüt ich fühlen, '.so wären st« di« vollendeten Bezwinger ihrer Ausaab«. Auch Melancholiker gibt», die nie so kehr über di« schlechten Zeiten jammern. als vor einem Fest. Aber denen ist nicht recht zu trauen: manch einem kommt die allgemein« Geldknappbe tt recht gelegen als schöner Dorwand, um alte, iüstig« (brauche abzuschütteln. Äs gibt nämlich Menschen, die überhaupt nicht gern schenken, imb Atoat au- allen möglichen Gründen: da» Drinzrp der „zugeknöpften Tasche ' ist nur einer davon. Mindesten» ebenso oft ist es die eigene Bequemlichkeit, die es unnötig erscheinen läftt, dah^ man seine Gedanken utzd seine Deine den Mitmenschen zulieb in Bewegung sehe. Wieder ander« würden ja mit dem gröhten Vergnügen ihrrn °kben eine Freude bereiten, wenn sie put wühlen, wie! Diese Leutchen wären meistens föchst erstaunt über di« Feststellung, dah auch le Egoisten sind. Wer nämlich da» ganze Jahr über ein offenes Lug' und Ohr für die kleinen Leiden und Freuden seiner Allernächsten gehabt hätte, der wühte auch an Weihnachten ahne viel langes Fragen, womit er sie glücklich machen kann! Gewalttätige Daturen können nur schenken, was sie selbst für wünschenswert halten. Ihre Gebelaune ergieht sich oft wie ein Dturzbach 'ta Form unnö.izer und überflüssiger Dinge über die Gmpsänger, die manchmal erstaunt drein» schauen. (Run kostet es ja sicher eine gewisse Vieberwindung', einen Menschen mit ganz anders gerichietem Geschmack nach seinen und nicht nach den eigenen Wünschen zu beschenken: man muh sich eben klar werden, wem man eigentlich eine Freude machen will, sich oder ihm! Gs gibt Lebenskünstler, die es trefflich verstehen, — wenigstens nach ihrer Ansicht — beide» zu verbinden. Ich kannte in besseren Zeiten eine hübsch« Frau, die schenkte ihrem lieben Manne zu Weihnachten ein Paar wunderschöner Perlen- knöpfe für» Frackhemd: dank einem sinnreichen Mechanismus liehen sie sich auch als Ohrringe verwenden. Aach Aeujahr bekam der Herr Gemahl die Rechnung vom Ju eiter zuae'chick.': und da die vorsorgliche Gattin sich die niedlichen Ohren den Perlen -ulieb, bereits hatte durchstechen lassen, so blieb ihm garnichts übrig, als ihr balbmögl.chst Drillan bouton» zu tauten, weil er sonst leine Hemdknöpfchen nie hätte tragen können... Gerade die Menschen, für die daS liebe, schöne WeihnachtSsest Io recht geschaffen scheint, st« all«, di« nicht» lieber tun. als erfreuen, be- glücken, efne warme, strahlende Atmosphäre schaffen, haben in den meisten Fällen feit Jahren einen harten Stand und werden ihn diesmal besonders haben. Denn wie viele stnd so glücklich, dah sie noch mit vollen Händen geben können? Unb geanfj fällt es einer Mutter leichter, selbst Aot und E tbehrung zu tragen. alS tägllch in erwartungsvolle Ainberaugen zu sehen, unb zu wissen: eS gehr nicht! — Oder die (Rot eines lieben Menschen kennen und sie nicht, wie in früheren Jahren, lindern dürfen: ober sitzen und auf Dezahlung warten, die längst fällig wäre, und die der andere vielleicht bequem leisten könnte, während man felbst sich vorsagen mufr ohne Gewld ke>n Weihnachten! — das sind Ditternis'e, die tie er schwer en al» Zahnweh! Wer sie kennt oder ahnt, begreift nicht das Jammern derer, die unglücklich sind, weil ihre Tisch« sich nicht mehr wie io einst unter der Last der Defchenle biegen. D e Menge, — das haben wir wenigsten» einfehen gelernt — tut es nicht allein Die Freudigkeit, der Wille zum Beglücken ists. der das Fest verschönt. Ich glaube, dast viele bei unS sich jetzt erst daraus besonnen bähen, au- dem Gefühl heraus, dast sie fhren bescheren ge^orbe-en Gaben außer dem hergebrachten Tanne nzweiglein noch etwas De- sondere» -u'egtn möch'en Unb wo die» geschieht, ist da» Fest ganz gewist ebenso froh, al» es vordem war. Gs gibt überhaupt Virtuosen des FeflefeiernS, die e» unter den widrigsten Umständen noch verstehen, für sich und andere das Schöne aus den verborgensten Tiefen herauszuholen. So traf ich neulich unseren Neben Freund A..(im (vertrauen gesagt, er ist um ein paar Ecken herum mit vebrecktt Hühnchen verwandt!j D r sprachen von Weihnachten. Er strahlte: ..Weihnachten? Für meine Frau und mich heistt daS: ein paar Festtage lang alle Arbeit ruhen lassen! Und bann Dücher! Wir schenken uns nichts als (Büchet. Dor dem C hrist bäum sitzen, Guheln essen und lesen?" — Gr mochte meine Gedanken erraten, denn ich wustte, dast e» ihnen schon jahrlang nicht zum Besten ging. ..Ja." fuhr et etwa» verlegen fort, „die letzten Male machten Wit das so wir musterten aus. Die Dücher, an denen unS weniger lag, — wir hatten ja früher so viele gekauft, — die trugen wir zum Antiquar unb tauschten un» dafür neue. Freilich —" — ei- blieb mit plötzlichem Erschrecken stehen, — „ob wir dies Jahr noch welche finden, von denen wir uns trennen können? Ich fürchte, e» geht nicht mehr!' Wort'o» schritten wir weiter, beide gleich betrübt. Aber schon an der nächsten Ecke lachte er wieder: „Ich Weitz schon, wie wir e» machen! Wir bauen uns von unseren Neben alten Büchern die allerschönsten auf! Das gibt eine ganz famore Bescherung Gleich heute abend wird die Auswahl getroffen; ein richtige» Stück Arbeit wird da» sein!" Ich trenne mich, von unsexem Freund in bet Gewitzheit, baTTFrmlt seiner Frau, ftinen Neben Moderne Bade-Einrichtungen L Waschtische in Fayence und Feuerton in allen Größen und Ausführungen Spülsteine in ' Feuerton undGußeisen, doppelt Dund einfach, sowie alle dazu gehörigen Gegenstände kauft mi| man vorteilhaft und gut in dem Installations-Geschäft von Georg Dahmer Gießen 10231D Besuchen Sie meine Muster-Ausstellung! ’ganefi Geschäftseröffnung. ! Sinern vielgeäutzerten Wunsche nachgestommen. habe j ich neben meinem ieitherigen Unternehmen in meinem Haus«, Sicher Strafe« 15, ein Eisenwaren-, Haus- und Küchengerätegeschäst eröffnet. - Ich bitt« höfl. um geneigten Zuspruch Hochachtungsvoll Friedrich Meinem Lisenwaren, Werkzeuge, Haus- u Küchengeräte Oefen, Herde, Gaskocher, Herde und Tische „Hassia“ Säcmaiditnen Hackmaschinen Lchrotmlihleu tRflbenidiuciber ferner Ulmer Pflüge Mähmaschinen Pumpen Häckieimaichineu aste landwfrtich. Maichincn A. 3. Tröster, Butzbach. Vergessen Sie nicht tue Welhniehtslesle Ihre Böden tu. der neß wlechbxrea und farbechten ^0108-36128 Robina-BoilenwaGhs zu behandeln. Ihre Böden erhalten hierdurch wunderbar Hoc glanz. Ihr Herz schlägt vor Freude höher, wenn Sie sehen, wie sich d. Ltchter- glanz Ihres Christbaumes aut dem Boden widerspiegelt Ze haben heb iaMTts Gastav Celeee. Kolonialwaren. Düchern und feinem glücklichen Wesen «M wahrhaft frohes Fest feiern wirb!--- Aornotizen. — Tageskalender für Samstag : Demscher u. Oesterreickifcher Alpcnoerein: 8.15 Uhr, Hörsaal des Geologischen Instituts (Ludwigstr. 23\ Lichtbilderoonrag und 9ahre--Derfammhmg. — Hessisch« Vereinigung für Volkskunde: 8 Uhr. Restaurant „Andres', Begrutzunasabend mit Lichtbilder- oortrag zur Feier des ^jährigen Bestehens. — Deutschnationaler Handlungsgehilfen-Lerband: Kaufmännisches Dereinshaus, Monalsverfammlung. — Gietzener Rudergeseufchaft: 9 Uhr, Bootshaus, Generalversammlung. — Verein Ruder, pvtt: 9 Uhr, Bootshaus Monatsoerfammlung. — Reichsbund der Zioildienstberechtigten: 8JO Uhr, „Stadt Sich', Mo- natsoeriammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstr.: .Wien-Berlin*. — Aslona.Lichtspiele: „Das Der- schwundene Brillantenkollier*. — Tageskalender für Sonntag. Stadtcheater: 7 Uhr „Johannisfeuer* (Ende 9.30 Uhr). — (Siebener Konzenverein: 5 Uhr, Reue Aula her Universität, Konzett Marta Linz. — Hess. Bereinigung für Volkskunde: 11.15 Uhr vormittags, Grofeer Hörsaal der Landesuniversität Festsitzung mit Dortrag: 4 Uhr nachmittags: (Brofetr Hör^ saal der Landesuniversität Hauptversammlung. — Tlarfusgemeinbe: 8 Uhr, Etadtkirche, Gemeinbefeier ..Deutsche Weihnacht*. — Lukasgemeindc: 8 Uhr, Lukasjaal, Famillenadend. — Katholischer deutscher Frauenbund: Katholische» Dereinshaus. Buch- und Devottonalienausstelluna. — Lichtspickcheater wie Samstag. — Palast-Lichtspiele, Kirchenplatz: „Da- riet»*. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Als Märchen ist für die dies- jährige Weihnachtszeit das Märchenspiel für grob und klein „Frau Holle* angefeRt worden, das bei seiner Erstaufführung vor einer Reihe von Jahren so außerordentlichen Anklang gefunden hatte. Das ursprüngliche Märchen ist noch durch ein originelles Dor- und Nachspiel ergänzt worden, es ist wieder mit einer starken Anziehungskraft des Stückes zu rechnen, das in seinen elf Bildern so viel für Kinderaugen Sehenswertes und für Kinder- Herzen Ergötzliches bietet. Dorbestellungen werden von setzt an an der Theaterkaste entgegengenommen. — Markusgemeinde. Man schreibt uns: Am Sonntagabend 8 Uhr veranstaltet die Markus- gemeinde in der Stadtkirche eine Feierstunde, die Der „Deutschen Weihnacht" gilt. Sologesang für Sopran und Tenor, sowie musikalische Darbietungen für Violine und Orgel liegen in besten Händen und versprechen eine feine Stunde. Ms Redner ist Pro- festor Keller aus Friedberg gewonnen, der weifen Kreisen unserer Stadt aus früheren Vorträgen in guter Erinnerung ist. Wenn die Feier auch von der Markusgemeinde veranlaßt ist, so ist doch lebet- mann herzlich dazu eingeladen. Es empfiehlt sich, das Gesangbuch mttzubringen, da auch Gemeinde- lieber vorgesehen sind. (Siehe gestrige Anzeige.) ♦ ’• Die Kraftpostlinie Gietzen — Hochelheim — Aiederkleen verkehrt vom nächsten Montag ab nach einem ne:en Fahrplan. Die erste Fahrt beginnt moramS 6 45 ilfcr in Hochelheim, an Gietzen 7,40 Ahr. Die zweite Fahrt verkehrt ab Dietzen 10 Uhr vorm., an Äicdcrkleen 11,05 ilfrt. Sodann fährt der Wagen 11,30 Uhr ab Aiederkleen nach Grotzen-Linden Dahnhof an 12,05 Uhr. von hier 12,50 Uhr ab nach Hochelheim, an 1,07 Uhr: sodann von Hochelheim 1,15 Uhr ab nach Gietzen, an 2,04 Uhr na-fjm. Die letzte Fahrt atz Glesien verkehrt 7 Uhr abends nach Aiednckleen, an 8.05 Uhr. Don ab 8.10 Uhr. an Hochelheim 8,29 rlhr. Gs handelt sich hierbei nur um Werktagsverkehr. Sonunb Feiertag» verkehrt die Abendfahrt ab Dietzen 8 Uhr an Aiederkteen 9.05 Uhr. dort ab 9,10 Uhr. an Hochelheim 9,29 Uhr. Früh- führten finden Di?n»:ag». Fre.lags und Samstags nach folgendem Plan statt, ab Hochelheim 3,25 Uhr morgen», an Drotzen-Lmden Dahnbvf 3.46 Uhr. dort ab 3,56 Uhr. an Hochelhei.> 4.12 Uhr: eine weitere Frühfahr: verk hri D.enslags ab Hochelheim 4,20 Uhr früh, an Dietzen Dabn- hof 5,00 Uhr niDtgcraSs hier ab 5,10 Uhr, an Hochelheim 5.44 Uhr. k. D«r Derkehrsverern wtrd voraussichtlich am 1. Januar in sein neue» Heim im Lorhaus am Seltersweg übersiedeln. Mtt diesem Augenblick wird eine we'enll.che Erweiterung des Geschäftsbetriebs eintre.cn. Abge e.;en von der kostenlosen 8r;eUung von Auslunst in allen DerkehrSfraqen wird eine öffentlich« Fernsprech- stelle und ein Derkaus auswärtiger Zeitungen eingerichtet werden. Weiter ist die Herstellung eines Werbeplakat-, das eine besondere land» schastliche Schönheit von Gietzen zeigt, geplant. Wit Deginn der wärmeren Jahreszeit sind ständige Rundfahrten in die nähere Umgebung von Gietzen unter sachkundiger Führung in Aussicht genommen. Weiter soll demnächst «in Wettbewerb zur Erlangung besonder- schöner photographischer Aufnahmen durchge'ührt werden. 3m Interesse des Wintersport ichen Publlkum» wird von jetzt ab der Wetterbericht vom Wintersport- Platz Triberg im Schwar,walb regelmäßig an der Geschäftsstelle des Derrehrsre-ens Seltersweg lTorhäuschen rechts) ausge'ängt. ** D i e Ausstellung der Steuerbücher für 1 927 betrifft eine Bekanntmachung der Stadtverwaltung in unserem heutigen Anzeigenteil. Die Interessentenkreise seien auf diese Veröffentlichung besonders aufmerksam gemacht. •• Wer seinen Hund abgeschafft hat, mutz dies spätestens bis zum 31. Dezember auf dem Stadthaus, Bergstratze Zimmer 19, melden. Versäumt jemand diese Abmeldung, so mutz er auch Im nächsten Jahre die Hundesteuer weiterbezahlen, bis die Abmeldunasanzeige erfolgt. Interessenten mögen die gestrige Bekanntmachung der Stadtverwaltung beachten. ** Der Oberhessische Kun st verein veranstaltet am Dienstag, 14. Dezember, vorm. 111 W)r pünktlich, im Turmhaus am Brandplatz feine Jahres Verlosung für die Vereins mit- glieber Es kommen in diesem Jahr 8 Anrecht^ scheine und 52 Kunstgegenstände: Oelaemälde, Aquarelle, Zeichnungen. Radierungen, Wappen sowie Werke der Plastik zur Anslosuna. Die (Be minne sind, soweit sie ans Kunstgegenständen bestehen, von Sonntag, 12., bis Mittwoch, 15. Dez. in der vorderen Abteilung des Ausstellungsraumes Aur Schau gebracht. Sie wurden Aum Teil in der derzeitigen Weihnachts - Ausstellung: Künstlerhilfe 1926 angekauft, deren Besuch an dieser Stelle nochmals warm empfohlen werden soll. (Siehe gestrige Anzeige.) *• Eine Kauarienausstellung veranstaltet der Verein ,Canaria" Gietzen und Umgegend am morgigen Sonntag im „Postkeller*. Die Ausstellung soll gleichzeitig eine Einkaufsgelegenheil für. gute Vögel bieten. (Näheres im heutigen Anzeigenteil.) WELLBLECH BAUTEN WELLBLECH GARAGE« MIT HEIZUNG WOLF NETTERdJACOBIwERKt BERLIN W 15-FINNENTROP'/WESTE Verlr.: Emil Becher. 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Nicht von Eintagsfliegen soll hier die Rede sein, auch nickt von den Steige rungssonNdn de» Herausfliegens, sondern vom Fliegen „tn die weite Welt hinaus'. „Da streiien sich die Leut herum", ma» einmal werden solle, wenn oe» Nuckelpinnen-Berkehr weiter wie bisher zunähme. (Früher sagte man dazu Auto-oS). Alle Sorgen sind unnütz. Wer wird in Zukunft noch die Nuckelpinne benutzen? Wer mit bemChausses- floh fahren? Den kennen Sie nicht? Er hört auch auf Moiorrad! Das Serienslugzeug der Zukunft wird alle» schl igen. Die ganze Welt wird fliegen schaftSlokalevti auch mit Lagerraum, in bester Vaoe u. Nabe des BahnbofS, für Anfang Januar 27 zu vermieten. Schr. Angeb. u 10270Dan den (flieh. Anz. erb. HMMWWW Bäckerei Weitzel, Langgöns. Zuverläfs. u. ehrlich. Raiismädchen sowie ein tüchtiges KiDteilcheii meiner tarn für ruhige Werkstatt zu mtelen gesucht. Schr.Anoeb. u.O8«3l an d. Gieh An» erb. MSdl.Zimmriiks. Schrill 1. Ang. u.08641 a. d. Giest. Anzeiger. 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Dez., abends 81/.- Uhr: Monatsversammlung bet Kamerad DippeL Anzug: Zivil. lu’xc DaS Kommando« Radf.-Verrin, „Sortuno“. Sonntag nachmit- tag «'/, Uhr: zuhlour nach der Wellersburg. AbmarschEckeMarb. Str — Citanlafle. »■«»p Dar Vor»land. Stadttheater Sonntaa, 12. Dez.» 9. Sonntag-yü.-BorfL von 7 vto 9*/, 11 ür: joüßnuiöfeuer Schansvielin4> k ett von sudermaun. Dienstag, 14.Tez., lO.Dle.istati-tin.-brfL von 7'/, bis 10 Uhr: Mulwisseukl Schaiisvtelin4Atien von Sitdermann. Mittwoch, Iö.Tca. il.mntraoöi-liö.- DHL von 7V, b. geg. lOllbr Sei Hebe aiuguitia Operette in 3 Akten von Leo ft-au. ftccitan, 17. Dci-, 10 Nkiiag-AV -VoNl. o.7‘ zb.geg. lO' «Uhr: ß^onie. Lustiviel (nach Scrtbei m 4 Akten von Leo Lcn „ Lonntag. 19. Sei., von 3'/, bis 5*/« Uhr: Stau Solle Märchenspielt. Grost und Klein in 11 Bildern uns Bor- und 'Nachspiel für die WeihnachtSz tt von Herrn. Lieingoetier. 10. Soillllag-AV.'VM. von 7 bis 9’ « Llbr : Bettinas Beriobung Lustsviel in 3 alten I von Lenz. tmMa llr. 290 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Samstag, vezeinber |92b Krregsbriefe eines deutschen Reeders. Ein neues Ballinbuch: Die Kriegszieidebalte. Heiterkeitserfolge deutscher Auslandsvertretungen. Die Bundesgenossen. Der 0-Bootkrieg. Das Berliner Regiment. Der Patriotismus eine Magenfrage. Der heimliche Kaiser von Deutschland. Albert Dallin, als Gründer der Hapag der erfolgreichste deiche Reeder, hat nach der be- kannten Lebensgeschichte Bernhard Huldermanns jetzt in Peter Franz S t u b m a n n noch einen -weiten Biographen gefunden, dessen umfangreiche- Werk (DerlagSanstall Hermann Klemm A-G. Derlin-Grunewald) die frühere Arbeit Huldermanns nach der menschlich-politischen Seite hin auf das glücklichste ergänzt, ohne dabei jedoch die außerordentlichen kaufmännischen und organisatorischen Leistungen dieses groben Hanseaten außer Acht zu lassen. Sein Werk wird noch besonders bereichert durch die Beifügung einer Reihe aufschlußreicher Briefe Dalliiis an den intimsten feiner Freunde, den ehemaligen Chef- redakteur des Hamburgischen Torrespondenten, späteren Professor.Dr. Ernst Francke, von denen wir im folgenden einige interessante Kriegs- briese zum Abdruck bringen. Hamburg, 31. Oktober 1914. ... Don der Agitation, die von Herrn Witting') und Genossen vorbereitet wird, hatte ich bereits Kenntnis. Diese Herren übersehen ganz, wie wichttg es für Deutschlands Zukunst ist, den Frieden so zu gestalten, dab nicht ein ewig langer Hast -wischen den heute im Kriege stehenden Mächten bestehen bleibt. Dor allen Dingen aber verteilen, wie Sie selbst sehr richttg sagen, die Leute das Fell deS Bären ehe er erlegt -ist. Ich halte es für ganz unmöglich, sich heute mit der Aufstellung eines Gegenprogramms erfolgreich zu beschäftigen, denn die Konstruktion irgendeines Programmes hängt doch ganz und gar ab von der militärischen Lage. Solange wir den Der laus der Dinge auf dem Kriegsschauplatz nicht zu übersehen vermögen, haben alle derartigen Bestrebungen nicht einmal einen akademischen Wert. Wenn wir, wie diese Herren meinen, mit einer groben Truppennracht nach England bin- überkönnten und England, wie der schöne Ausdruck lautet, auf die Knie zu bringen vermögen, bin ich auch mit Begeisterung dafür, dab wir nicht nur Belgien und die fvamösische Stinat- küste, sondern auch England behalten, es von seinen Bewohnern evakuieren, die wir ja leicht im französischen Kamerun unterbringen könnten, und so uns Grobbritannien als eine angenehme Kolonie angliedern. Ich kann nicht einsehen, warum die Alldeutschen, wenn sie ihrer Phantasie die Zügel schieben lassen, so bescheiden sind. Eine andere Frage ist wirklich die, wer von den Männern, die heute im Hauptquartier sitzen, die Kraft und die Klugheit Ixet, einmal erfolgreich den Frieden zu verhandeln." ... Hamfelde. 12. Januar 1915. .. Der schwedische Minister Wallenberg hat kürzlich geäuhevt. dab die Vertretung der deutschen Interessen durch Herrn von Reichenau im Dergleich zu der Vertretung der englischen Interessen ungemein minderwertig ist. und ich bin wirklich der Ansicht, dab die Zeiten doch nachgerade zu ernst Hnö. als dab man diese völlig unzulänglichen Männer auf wichtigen Posten sitzen lassen kann. Die deutsche Gesandtschaft im Haag erziell ja auch nur Heiterkeit-- erfolge. ') Shem. Oberbürgermeister von Posen, später Direktor der Rationalbank. Dab man den serbischen Zipfel an der Donau nicht schon vor Monaten beseht hat. ist ein ungeheurer Fehler, der wohl nicht nur Oesterreich- Ungarn auf das Konto zu setzen ist, sondern der auch auf einen Mangel an Erkenntnis der Wichtigkeit dieses Hemmnisses bei uns schlichen läßt. Wenn Oesterreich die Truppen nicht hergeben formte, so hätten wir sie stellen müssen. $ie_ Frage ist von vitaler Bedeutung und heute natürlich viel schwieriger zu lösen als vor einigen Monaten. Dah England jederzeit bereit sein wird. Frieden zu machen, ist zweifellos: aber dieser Friede würde vermutlich auf den Status quo ante bellum basiert sein müssen. Deshalb ist die heutige Friede ns bereitscha st Vaglands für uns wertlos, uird wenn es uns nicht gelingt, aus England einen starken militärifchen Druck auszuüben, so sehe ich nicht, wie wir weiterkommen wollen. ... So sehr ich bestrebt bin, der gegenwärtigen Lage ein freundliches Gesicht auszuzwingen, so wenig will es mir doch gelingen. Ich sehe nicht recht, wie wir weiterkommen wollen, fühle den auberordenllichen Mange! an Persönlichkeiten. habe das Empfinden, dab immer noch mit Rücksichten. Mißtrauen, Ranküne und anderem Teufelswerk dem wahren Interesse von Thron und Ration entgegengewirkt wird. Das macht mich sehr traurig. Wenn wir in einer solchen Zeit nicht über unfern kleinen Ehrgeiz und unsere kleinen Sondennteressen hinaus- wachsen, dann sieht es schlimm bet uns aus. ... Hamfelde, den 14. Januar 1915. - - - Don Rumänien und Italien höre ich nichts Gutes. Der jämmerliche Zusammenbruch der Oesterreicher in Serbien hat natürlich au| dem Dallan und auch in Italien sehr gegen uns gewirkt. Man sollte kein Wittel unversucht lassen, um Oesterreich zu bewegen, sich mit Italien zu vereinigen. Ich werde das Gefühl nicht los, dah die Entscheidung dieses Krieges zu einem sehr wesentlichen Teil davon abhangt, dab man Italien und Rumänien befriedigt. Beide Länder rüsten jetzt fo stark, dah sie zum Frühjahr nur noch die Alternative haben, loSzuschlagen oder auf friedlichem Wege ihre Ansprüche befriedigt zu sehen. Tun sie weder das eine noch das andere. so haben sie eine Revolution, welche die Dynastie fortschwemmt ... Hamfelde, den 9. Februar 1915. ... Polittsch scheint mir dieser Monat für unsere Zukunft garu außerordentlich kritisch zu fein. Wir werden in diesem Monat noch feststellen können, ob unsere Unterseeboot- Blockade ein Erfolg ist oder nicht. Es liegt ja auf der Hand, dah wir die Blockade niemals effekttv machen können: dazu ist die Zahl unserer Unterseeboote viel zu klein. Aber wenn es uns nur gelingt, wöchentlich 2 Handelsdampfer zu versenken, so wird, schon im Hinblick auf die zwischen uns letzthin behandelte Mannschaftsfrage der Verkehr nach Europa auf ein Minimum sich verringern. Dann werden wir in diesem Monat noch mit dem prophezeiten groben Ersolg im Osten -u rechnen haben, und — was das Allerwichtigste tst — die italienische und rumänische Frage muß doch wohl in diesem Monat zu einer Entscheidung gebracht werden. Es ist sehr zu bedauern, dah diese Entscheidung in unserem Sinne nicht schon vor Wochen erzielt worden ist. Ich höre aber, dah selbst heute die Sache infolge der österreichischen Weigerung, Opfer zu bringen, noch sehr schlecht auSsieht. DaS ist natürlich eine ernste Gefahr ... Hamfelde, den 14. August 1915. . . Sehr dankbar bin ich Ihnen auch für Ohren Bericht über Dafsermanns Rede. Diefe alles antizipierende SiegeS st immung ist töricht und befvndcrs verwerflich für die nationalliberale Partei, die wieder ihre große Stunde verfäumt. weil Baffermann in der Sorge um den Erfolg des Konkurrenzunternehmens, welches Fuhrmann') eröffnet hat. auch st euer los im alldeutfchen Strome schwimmt. Es ist überhaupt ein trauriges Zeichen unserer Zeit, daß die Männer, welche berufen erscheinen. nur ihren persönlichen Erfolg im Auge haben. Don Bethmann bis Zalkenhayn. von Hildebrandt bis Dassermann. von Kirdorf bis Erzberg^r, — alle wollen sie für sich einen glanzenden Erfolg nach Hause bringen. Dieser schwierigen Situation ist aber nur derjenige gewachsen, der gewillt und stark genug ist. fein Gewicht in die Wagschale zu werfen, unbekümmert um den Beifall oder die Mißbilligung der Galerie. Der Reichskanzler vor allem mühte wissen. waS er will, und mühte bereit fein, dafür zu fallen. Hat doch selbst Bülow, der gewiß ein Jongleur war, schließlich in der Retchs-Finanzresorm mit Anstand durchgehalten. Aber militärisch ist die Situation ja so glän- zend, daß man hoffen darf, das deutsche Doll wird auch über diese inneren Schwächen glücklich hinwegkommen ... Hamburg, den 13. Rovember 1915. ... Die Arbeit (Sicherstellung der Ernährung in der Heimat. D Red.) welche der Staatssekretär**) zu leisten hak, ist eine ganz über- menschliche, und die Hemmungen liegen nicht etwa in seiner Aktionskraft, sondern meines Erachtens darin, daß andere Ressorts dem Wagen hinten in den Rädern liegen. Ohne die inneren Vorgänge genau zu kennen, behaupte ich, dah es unmöglich ist. die Aufgabe, die dem ReichSamt des Innern in dieser schweren Zeit erwächst und die, wie die Dinge augenblicklich stehen, mir fast schwieriger erscheint als die äußere Kriegführung. ich sage, daß diese Aufgabe für das Reichsamt des Innern nicht erfolgreich durchzuführen ist. wenn der leitende Mann von allen Seiten gehemmt und durch eine übelwollende Kritik angeekelt wird. Sie selbst haben die Schwierigkeiten in Ihrem Briefe richtig geschildert ... Schon mehr als sechs Monaten habe ich den Reichskanzler persönlich vor der Zeit gewarnt, die wir jetzt durchleben. Ich habe ihn daran erinnert, daß auch der Patriotismus eine Magenfrage fei und dah. wenn er nicht Delbrück freie Dahn schaffe, wir -um Winter tn grobe Bedrängnis geraten würden. Ich habe — unter uns gesagt — das Gefühl, dah der Reichskanzler damals und auch später sich sehr wenig um diese Sache gekümmert hat. Der Kanzler hat seine ganzen Gedanken auf die Vorgänge im Hauptquartier und aus den Kriegsschauplatz eingestellt: ein anderes Gespräch mit ihm zu führen, als über den äußeren Kricg, ist unendllch schwer, älm so lebhafter habe ich die Arroganz beklagt, welche in der kürzlichen Bekanntgabe lag, dah ') Freisinniger Politiker. **) Delbrück, Staatssekretär des Innern. »der Reichskanzler zurückgekehri sei, die inneren Angelegenbeiten in die Hand genommen habe und nun sich alles zum Guten wenden müsse". Wenn ich Delbrück gewesen wäre, hätte ich auf diese Rotiz hin Herrn von Dethmann m:in Portefeuille mindesten- an den Kopf geworfen Um fur$_ mein Urteil jufammenudaffen über die großen fragen, die Sie anregen, so muh ich sagen, dah die Sache nur dann in bessere Wege geleitet werden kann, wenn man den Staatssekretär deS Innern, einerlei, ob es Delbrück ist ober ein anderer während dieses Krieges mit solchen Vollmachten ausrüstet, dah er sich von den preuhischen Ministerien und von den verschiedenen ReichS- parteien nicht in der freien Entfaltung feiner Gewalt behindern zu lassen braucht. Es handelt sich nicht nur um das Lcmdwirischaftsminifterium und die groben agrarischen und konservativen Interessen, die es vertritt, es handelt sich sogar um kleine Leute, wie einen Unterstaatssekretär im preuhischen Handelsministerium, der einen Konkurrenzladen gegen daS ReichSamt des Innern eröffnet hat, es hmrdelt sich um Männer wie Grzberger. den Sie selbst mal sehr richtig a!S den heimlichen Kaiser von Deutschland bezeichneten, und es handelt sich am letzten Ende auch darum, dah der Staatssekretär sich neue Kräfte überall da heranziehen kann, wo die bisherigen nicht mehr voll ausreichen. In diesem Sinne sollte man überall wirken, auch in der Presse, soweit die hohe Zensur eö gestattet. Hamburg den 21. März 1916. . Ich baute Ihnen vielmals für Ihren Brief. Der Unverstand der führenden Leute bei und ist unendlich grob. Es ist auch mit den Leuten nicht zu reden: sie wissen alles besser. Das ist auch eine der schönen Eigenschaften, welche die Reichstagstätigkeit den Inhabern der Mandate einimpft. Ich werde im Sinne Ihres Brieses wirken. Dah man Tirpih jetzt gehen lieh, ist der Gipfel der Dummheit! Hamburg, 12. März 1918. ... Dah der Friede im Osten in dieser Form bestehen bleibt, kann kein vernünftiger Mensch glauben. Die große Offensive, die man im Westen vorhat, wird wieder Hunderttausend« MenschenlebM kosten, und dabei bin ich der Ansicht, dah sie uns dem Frieden nicht näher bringt, sondern ihn hinausschiebt. Wenn wir die Rerven hätten, dreiMonatestill stehen zu können, würde Lloyd George, dessen Stern doch im Erbleichen ist, sicher fallen. Durch die Offen,ioe haben wir alle Atlssicht, ihn noch fester in den Sattel zu fetzen. Dasselbe trifft zu auf Elemenceau, und wenn diese Offensive wirklich ein sebr großer Erfolg ist und wir kommen nach Paris, so werden wir dort die Revolution entfesseln, die auch unser Haus in Brand zu setzen geeignet ist: und fom- men wir nach Calais, so werden die Engländer auf ihre Insel gehen und mit Amerika zusammen die Weltwirtschaft wieder aufnehmen unter Ausschluß von Deutschland. Zu einem Frieden kann man weder England noch Amerika zwingen. DaS ist, abgesehen von allem anderen, schon eine geographische Llnmöglichkeit. Ich hörte schon von Holtzendorff. dah Admi- ral Hebbinghaus sich jetzt für den ^1-Doot-Krieg erwärmt. Früher war er ein Gegner dieser verhängnisvollen Unternehmung. Die Leute arbeiten immer noch auf Grund von Statistiken. Daß es bei den Engländern auch knapp wird und daß sie sich Entbehrungen auferlegen müssen, wie wir Grabbe. Vom Dr. HanS Thhri o t. Dieser Mensch, her heute vor 125 Jahren m der wunderschönen Stabt Detmold zur Welt kam — Christian Dietrich Grabbe — ist Zeit leine« kurz eil Lebens ein Kcemder, ein Einsamer, ein trüber Gast gewesen, 'ß es geblieben bis heute und wird cs bleiben' in alle Ewigkeit. Ein Einsamer: dies ist sein eichen: man kennt ihn nicht, man weih nichts von ihm, wie in den dreieinhalb Iahrzehillen seines irdischen Wandels kaum einer etwas von ihm hat wissen wollen oder ihm hat helfen können. Wenn man aber doch etwas von ihm weih, dann ist eS gewöhnlich nichts Gutes. Gewiß ist er nicht ohne Schuld gewesen an der üblen Rachrede (obwohl auch mancherlei Unwahres daran hängt) aber es hat keinen Stirn und kann nicht die Aufgabe fein, hier nach Schuld zu stöbern: wir müssen uns zufrieden geben: man weih nichts von ihm, und er ist noch heute der Auhenseiter, Unzugängliche, Spröde und Grobe, der Säufer und Sohn eines Zucht Haus vor Walters, a 16 bet er seine unglückliche LebenSfahrt angetreten bat Wohl gibt es eine ganz kleine Gemeinde, wohl gibt eS Ltteraturbeflifsene, die immer wieder um ihn gekämpft haben und für ihn eingetreten sind. Wohl gibt es — endlich — eine schöne Ausgabe, gibt es ein Grabbe-Buch und einen Lebensroman, der neben unzulängliche Biographien treten kann. Es haben sich auch ein paar wagemutige Intendanten gefunden, die das verlorene Kind des deutschen Theaters mit Verständnis und Liebe auf die Bretter gebracht haben: und mehr als einer war betroffen von der Glut der Sprache, von der Wucht und dem funkelnden Prunk der Bilder, von der Groh- artigteü der Gedanken und Stoffe im Werk des Unbekannten. Aber das ging vorüber, einzelne konnten feine Rettung leisten (die man vielfach als .Ausgrabung' bezeichnete), und die Ansätze zu einer Grabbe-Renaissance scheinen schon wieder abgetan, ehe ein Tag kam, wie dieser, wo man noch am ehesten in Deutschland der vielen Verlorenen und Vergessenen und Derstohenen sich zu erinnern pflegt. Wer will sagen, wie Vorbestimmung, Um- well und Eigencharatter einen Menschen bilden und seinen Weg bestimmen? Gewiß ist, dah dieser Grabbe schon Pech hatte in dem Augenblick. als et zur Welt Farn; das Pech einer dunkeln und wenig verheißungsvollen Herkunft und eines zum mindesten absonderlichen Elternhauses. Und man hat immer wieder das Gefühl, als ob der Dichter die Zuchthausatmosphäre seines armseligen Kin erlandes lebenslänglich nicht mehr losgeworden wäre. Man kann es nicht in ein paar Sätze zusammenpreisen. was alles dem Menschen und Künstler Grabbe auf seinem Damaskus Wege von 1801 bis 1836 zugestohen ist. was er hat auf sich nehmen und auskosten müssen, was einem ent- gegenquilll aus Briefen und Biographien und Anekdoten: Auflehnung, Troy, zerschlagene Hoff- nungen, Hunger. Krankheit und Kränkung, Truickenheit und Derkornmenheft, zähneknirschende Erbitterung an der Seite einer verhaßten Frau und ein elendes Ende. Rur ein paar Lebens st ationen kommen einem immer wieder ins Gedächtnis, wenn man an ihn denkt, immer dieselben flüchtigen Lichter fallen auf die monotone Szenerie, in die, nur mit wechselnden Kulissen, das Trauerspiel seines Lebens immer wieder hineingestellt toirö. Während Bonaparte mit siegreichen Fahnen durch die Welt rettet, hockt in Detmold — der Schatten der Desängnismauern scheint trüb die enge Stube zu verdüstern — der kleine Knabe Christian mit einem Haufen bunter Pferdebohnen am Boden, fpiell .Krieg" mit ihnen und wacht ängstlich darüber, dah ihm die gute Mutter (sie ist die einzige gewesen, die nie den Glauben an ihr Kind verloren hat) nicht die dickste, seinen Ra Poleon, unachtsam zertritt. Mtt 21 sitzt er in Berlin, das Primanermanuskript seines „Gothland" in der Tasche und den Kopf voller Pläne, und muh so nach und nach feine silbernen Löffel verkaufen, die groben zuerit und dann die Meinen, um leben zu können. Als ein geschlagener Mann kehr: er beim, ist nichts, hat nichts, will ein deutscher Shakespeare werden und muß froh fein, als kleiner Jurist, als lippeschcr Milttäraudtteur llnier- schlupf zu finden: schreibt Stück um Stück, versäumt den Dienst, verliert die Braut, heiratet eine ungeliebte Frau, bekommt den Abschied und rettet sich nach Frankfurt, wo er in einer armseligen Dachkammer an seinem genialsten Drama arbeitet, am .Hannibal". Kaum eine Ateorpause. Auch in Düsseldorf hat er kein Glück, Immermann möchte ihm helfen und kann nicht, weil niemand ihn zu halten vermag: ein junger Musiker. Durgmüller, der ihm Gefährte hätte sein können, stirbt: und es geht unaufhaltsam abwärts mit Christian Dietrich In tragischem Zwielicht verflackert ein ruheloses Herz, erlischt ein unbanbig ausbrechender Geist, fällt der Vorhang über die Historia deS Einsamen von der roten Erde. Grausam grell blitzt-vor dem Ende die mephistophelische Episode auf, wie das heruntergekommene Genie in der Schenke einem verständiüslos blöden Haufen von Zeitgenossen eine seiner funkelndsten Szenen vorliest. Erschüttert Höri man von der Sterbestunde Christtan Dietruhs in den Armen der alten Mutter, indes die Ehefrau, geborene Clostermeier, kaum unterdrückte Triumphe feiert, daß er endlich, endlich tot ist. Was man von Kleist unbilligerweise sagte, gilt mit Recht von Grabbe: der erste Wurf trägt bereits alle Keime der späteren künstlerischen Entwicklung in sich ihre dichterischen Merkmale vorausweisend. In den ausladenden Akten des ^Gothland" ist schon der ganze Grabbe enthalten, im Guten wie im Bösen. Im felsblockhaften Szenengefüge findet sich Großartiges, Groteskes und Schauriges dicht beieinander, barocker Humor und naive älnmöglichkeit, wüste ilnftätigfeÜ und zarte Lyrik seltsam vermischt. Man lauft von Grabbe halten, was man will, dies eine muh man ihm lassen: er ist niemals kleinlich gewesen, er H..1 sich nie mit Geringfügigkeiten abgegeben. Er greift in die Vergangenheit hinein — wie in eine Spielzeugschacktel zwar — ab«: was er greift, hat Profil, Charakter und Größe, was er gestaltet, bedeutet fast immer einen Markstein, einen Schnittpunkt, eine große Wende im welthistorischen Werden. Rapoleon, Hannibal, Arminius, Alexander und Christus heißen seine Sjelben. Elba, Paris und Waterloo, Karthago und der heimatliche Teutoburger Wald sirrd seine Schauplätze. Alle seine Figuren sind überlebensgroß angelegt in ihren Ausmaßen, und werfen riesige, flackernde Schatten vor sich her: alle seine Szenen, ferne Schlachten und Reden haben den gleichen Zug nt8 Große, zum heroischen Historien- stil. sind monumentale, ekstatisch gesteigerte Tafelbilder selbst da noch, wo sie Fragment geblieben find, wo die Kraft ihres Schöpfers nicht auÄge- reicht hat. Gewiß: manches ist übersteigert und verzerrt, vieles naiv und unmöglich: der kleine Knabe, der in Detmold zu Füßen Der Mutter mtt Dohnen feine Schlachten schlägt — das Kind im Mann, das spielen will, und das Genie, dem das älnmögliche gerade recht ist, schaffen oft genug Szenen, die es in der Geschichte des deutschen Dramas nur einmal gibt Man hat die Achseln gezuckt und darüber gelächelt, man wird immer darüber lächeln — und mit Recht. Aber wer das blutrot überflackerte Ende Rapoleons hinter ferner gefallenen Garde bei Waterloo erlebt hat, oder den unheimlichen Vorabend der Schlacht, wo nahes Geschüyfeuer ein rauschendes Bankett übertönt, der wird diese dramatische Chrvnck lieben, die Fritz von Un- ruhs klirrendes Preußen!red in manchen Teilen seltsam vorwegnimmt. Wer den einsamen Untergang des großen Puniers im „Hannibal" kennt, fühlt auch, dah Grabbe mtt diesem reifsten Werk — ein Jahr vor seinem Tode — zugleich ein tragisches Sinnbild geschaffen und sich selber ein Henkmal errichtet hat, unter dem als ungeschriebene Grabschrift das traurige Sprüchlein steht: Sie haben gehabt weder Glück noch Stern, Sie sind verdorben, gestorben. Konzert für zwei Klaviere. In neuerer Zeit hat das Spiel für zwet Klaviere durch Max Reger eine ganz besondere Förderung erfahren. Insbesondere wird ihm aber auch die Wiedergabe der groben modernen Orchesterwerke zufallen überall da, wo ein aus- führender Origi nalflangiö rper nicht zur Vor- fügung steht; mit der Wiedergabe von Drückner- schen Symphonien hat man z. B. gute Erfahrungen gemacht. Wenn auch die eigentliche Farbe fehlt, so kommt doch die Sttmmenverwebung zu ihrem vollen Recht. Und gerade Werke mit kontra pünktlicher Struktur eignen sich besonders für solche Wiedergabe. Das zeigte sich an Ioh. Seb. Dachs Passacaglia, die wir gelegentlich des Dachkcnzeris im Frühjahr fo vollendet zu Gehör bekamen. Ist auch die Klangwelt dieses Werkes für die Orgel gedacht (und das Werk verlangt durchaus danach), so kam es auch in der (Bearbeitung von Hermann Keller zu seiner Geltung, da für die Ausprägung der orgelmäßigen Linie durch die Verteilung an die zwei Spieler Gewähr gegeben ift Gespielt wurde das Werk sehr klar, mit besonderer Herausarbettung des Grundthemas, die beiden Spieler verschmolzen klanglich zu einer organischen Einheit. Der gleichen Welt gehören Regers Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart an, die von dem Konzert der Meininger im Vorjahre noch in lebhafter Erinnerung stehen Reger selbst hat das Werk für diese "Besetzung über- tragen. Auch hier wurden die einzelnen Daria- tionen in ihrer Gigenhett recht geschickt durchgeführt. der Schluhfuge hätte man. namentlich auch in den tontvapunktierenden Stimmen, noch rnehr Plastik wünschen mögen; auf jeden Fall churden die beiden Spieler den eminenten technischen Anforderungen des Werkes vollauf gerecht. Gegenüber diesen in sich fo streng gefügten Werken konnte allerdings daS Rondo von Chopin (Ob. 73) nicht recht zur Geltung kommen, obwohl sich die Konzertgeber voll für das Werk ein feisten. Jedenfalls bedeutet der Abend für Emil Freund. Dießen, und Franz Loeffler, Würzburg, einen Erfolg beim Publikum und angesichts der Werke, eine respektable Leistung (besonders, da der eine der Herren blind ist). Wenn auch die Aula erhebliche Lücken aufwies, so war das Publikum um so beifallsfreudiger, und ohne Zugabe ging eS nicht ab. -in- sie mm schon fast drei Jahre fermen, ist zweifellos; aber wer glaubt, dah die Engländer aus dem Grund Frieden machen, kennt eben diese Station nicht, die heute vollkcanmen fanatisiert ist. Wären sie das nicht, mühten die Engländer doch rinsehen, dah sie in diesem Kriege herabsinken jur Kolonie von Amerika . . . Aus der Provivzialhauptstadt. Gießen, den 11. Dezember 1926. Krüppelheimbau-Lotterie. Der Hessische Minister des Innern hat dem Hessischen Fursorgeverein für Krüppel in Darmstadt Die Genehmigung zur Beran st altung einer Wohlfahrtslotterie zugunsten der Errichtung eines Krüppelheims mit Klinik und Forschungsinstitut am Sitze der Hessischen Landesuniverfilät erteilt. Die Verhandlungen des Vereins wegen Errichtung einer derartigen Anstalt begannen bereits vor dem Kriege. Schon damals hatte man erkannt, daß die für die Heilung von Körperbehinderten aufgewendeten Mittel wohl viel Segen bringen, daß aber auf der anderen Seite die Ausbildung der jungen Aerzte In der Orthopädie die nächste und wichtigste Art der Krüppelfürsorge darstellt. Dieje Ausbildung soll die Heranwachsenden Aerzte befähigen, überall im Lande rechtzeitig die Krüppelschäden zu erkennen und rechtzeitig für deren restlose Beseitigung zu sorgen. Für die Schaffung eines derartigen Heims — als Ort kam nur die Universitätsstadt Gießen in Frage — waren bereits Mittel vorhanden. Zum Teil waren sie dem Verein in Form von Legaten zur Verfügung gestellt, zum Teil waren Derficherungsträger Mir Hilfeleistung bereit Der Kriegsausbruch und die ipätere Entwertung aller Vermögen warf den Plan über den Hauken. Aber sofort nach Eintritt stabiler Geldoerhältnisse suchte der herein neue Mittel für den alten Plan zu gewinnen. Durch tatkräftige Hilfe weitester Kreise der hessischen Bevölkerung war es möglich, ein Kapital von 50 000 Mark im Lande zu sammeln. Getragen von der wohlwollenden Unterstützung weiter Bevölkerungskreise, auf das wärmste unterstützt von Reichs- und Lardesbehörden, auf das lebhafteste gefördert von der hessischen Landes- universität hofft der Verein, daß ihm die Durchführung der Lotterie das fehlende Geld und die Möglichkeit zum raschen Baubeginns schafft. Niemand, der die überallhin versandten Bildprospekte gesehen, wird sich dem Rufe des VSreins als Träger der hessischen Krüppelfürsorge verschließen. Die Arbeit des Fürsorgeoereins erstreckt sich über ganz Hessen. Jährlich werden durch den Verein und durch die mit ihm verbundenen unentgeltlichen ärztlichen Fürsorge- und Beratungsstellen etwa 400 Körperbehinderte einer Heilung zu geführt. Dabei geht die ganze Tätigkeit lediglich von dem Gesichtspunkte aus, unglücklichen Menschen zu helsvn. Die Arbeit ist frei von jedem konfessionellen oder sonstigen Einschlag. Eine wertvolle Unterftühunp wurde dem Lotterieunternehmen bereits durch dw deutsche Industrie und von deutschen Firmen zuteil. Sie stellten bereitwilligft Gewinngegenstände im Fabrikwerte von etwa 35 000 Mark zur Verfügung. Da der erste Hauptgewinn der Lotterie ein Einfamilienhaus im Werte von 30 000 Mk. fein fall und da ins- jjefamt Gewinne im Werte von 120 000 Mk. ausgespielt werden, so bleibt für weitere Spenden noch reichlich Raum. Hoffenllich finden sich noch Geber, die es dem Verein ermöglichen, die Änkaufssumme für Gewinne weiter zu beschränken. Für die Lose- beneher dürsten nach dem Gewinnplan gute Aussichten bestehen. Sind es doch rund 10 000 Gewinne, bie zur Ausspielung kommen. Jeder, der ein Los für die Krüppelheimbau-Lotterie erwirbt, sollte dieser guten Aussichten eingedenk fein, und ferner daran denken, daß selbst im ungünstigsten Falle, nämlich in dem des Nichtsgewinnens, er einer guten Sache ein Opfer dargebracht hat. Keine Versendung non Geld in gewöhnlichen Briefen. Don der Oberpostdirektion Darmstadt wird uns geschrieben: Die Gewohnheit des Publikuncs, Geld und geldwerte Gegenstände in gewöhnlichen Briefen mit der Post zu versenden, ist tief eingewurzelt. Sie beruht auf dem Vertrauen der Oeffentlichkeit zur Post und auf der Erfahrung, daß gewöhnliche Briefe nur selten verloren geben. Es darf aber nicht vergessen werden, dah die Verhältnisse jetzt anders liegen als vor dem Kriege. Die Deutsche Reichspost beschäftigt in ihrem Betriebe rund 300 000 Personen. ES ist verständlich, dah die Erscheinungen der Kriegs- und "Nachkriegszeit, die sich mit dem Niedergang der sittlichen Kraft des Boltes überall bemerkbar machten, an einem so zahlreichen, dazu mit Hilfskräften durchsetzten Personal nicht spurlos vorübergehen tonnten. Die Deutsche ReichSpvst hat weder Blühe noch Kosten gescheut, um die in den letzten Jahren hervorgetretene Unsicherheit des Beförderungswesens, eine Erscheinung, unter der die Eisenbayn gleich- mähig zu leiden hätte, nachhaltig zu bekämpfen. Erfreulicherweise haben sich die Verhältnisse seit den Jahren 1919 und 1920 schon sehr gebessert. Immerhin ist die Sicherheit der BorkmegSzcit im Postbetriebe noch nicht erreicht; auch das Publikum muh an der Gesundung mithelfen. Dazu ist es notwendig, dah es endlich mit der Gewohnheit bricht, Geldscheine in gewöhnlichen Briesen zu verschicken. Durch diese BerfendunaSart werden ungetreuen Elementen innerhalb und außerhalb der Postbeam-- tenschaft Anreiz und Mittel in die Hand gegeben, stch auf verhältnismäßig leichte und bequeme Weise Geld zu verschaffen. Driefkastenräuber, die kürzlich in einer Großstadt dingfest gemacht worden sind, haben offen zugegeben, daß es ihnen weniger um die auf den Briesen verklebten unentwerteten Freimarken als darum zu tun gewesen ist, in den Bwesen Geld oder Gcldeswert zu finden. Ihnen sind auch namhafte Geldbeträge in die Hömde gefallen. Aber auch die Versendung von Geld in Einschreibbriefen ist nicht unbedingt sicher. Geht ein beiartiger Dries verloren, so erhält der Absender 40 Mark Ersatz. Wird aber ein Einschreibbries um feinen Geldinhalt beraubt, so ist die Post nicht ersatzpflichtig, denn nach Paragraph 10 des Pvstgesetzes besteht die Haftung nur für den Verlust, nicht aber für die Beschädigung eines Einschreibbrreses. Darum Vorsicht auch bei der Versendung von Geld in Einschreibbriefen. Die einzig richtige Art, Geld zu ver- schicken, ist die mit Postanweisung oder Zählkarte, u. II. Geldbrief. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Mutter 180 bis 190, Matte 35 bis 40, Wirsing 8 bis 10, Weihkraut 5 bis 8, Rotkraut 10 bis 12, Gelbe Rüben 10, Rote Rüben 10, Spinat 25 bis 35, Sinter-Kohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 20, Rosenkohl 35 bis 45, Feldsalat 80 bis 120, Tomaten 50 bis 100, Zwiebeln 10, Meerrettich 30 bis 80, Schwarzwurzeln 35 dis 45, Kartoffeln 6, Aepsel 15 bis 30, Birnen 30, Honig 45, junge Hahnen 100, Suppenhühner 100 bis 110, Ganse 90 bis 120, Tauben 50 bis 70, Rüsse 65 bis 80 Pfennig; das Stück: Eier 17 bis 20, Blumenkohl 80 bis 150, Endivien 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 8 bis 10, Sellerie 20 bis 40; 10 Stück Käse 60 bis 150 Pfennig. ' Ortsgewerbeverein. Gestern abend hielt der Ortsgewerbeverein eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Zunächst beschäftigte man sich mit jer Wahl eines Handwerlerrates. Syndikus Röhr, der in der vorigen Mitgliederversammlung sich schon in längeren Ausführungen über den Zweck dieser Einrichtung verbreitet hatte, erläuterte nochmals bereit Aufgabenkreis. Der Handwerkerrat soll eine Schlichtungsstelle fein bei Streitigkeiten zwischen Produzenten und Konsumenten. Diese Einrichtung, die in ähnlicher Weise bei Handel und Industrie schon seit längerer Zeit besteht, kann für den Handwerker außerordentlich segensreich wirken, da sie bei Unstimmigkeiten zwischen ihm und seinen Auftraggebern die Anrufung der ordentlichen Gerichte und damit das Entstehen größerer Kosten dadurch zu vermeiden sucht, dah sie im Schlichtungsverfahren die streitenden Parteien zu einigen trachtet. 3n der Aussprache fand der Plan allgenuine Zustimmung. Den Vertretern der einzelnen Innungen wurde aufgegeben, bis zum 20. ds. Mts. die Herren namhaft zu machen, die dem Handwerkerrat angehören sollen. Sodann besprach man die Errichtung einer Buchführung s stelle. Syndikus Röhr referierte über deren Rotwendigkeit. Buchführung ist auch für den Handweifer unbedingt notwendig. Sie gibt ihm den richtigen ileberblid über die Rentabilität seines Betriebes, lernt ihn die Höhe seiner Geschäftsuntosten kennen und versetzt ihn in die Lage, eine einwandfreie 6teuer- einschätzung vorzunehmen. Es ist deshalb notwendig, daß die jüngeren Handwerker eine Buchführung erlernen, den älteren will man diese Arbeit dadurch abnehmen, daß man Buchführungsstellen errichtet, die nach den Aufzeichnungen der Handwerker ihre Bucher führen. Diese Einrichtung ist in anderen Handwerkskammerbezicken schon seit langem getroffen und hat sich sehr gut bewährt. Die anwesenden Vertreter der Handwerkskammer erklärten, dah die Kammer bereit sei, durch Abhaltung von Buchführungsmr- fen die Sache zu unterstützen. In der Aussprache zeigte sich, daß man allerseits die erkennt. Cs wurde beschlossen, die Handwerkskammer zu ersuchen, neben den geplanten Buch- fübruKgdZurfen in Gießen alsbald eine Rotwendigkeit einer geordneten Buchführung an» Duchführungsspelle zu errichten. Zum dritten Punkt der Tagesordnung, der sich mit der geplanten Ausstellung befaßte, berichtete der Vorsitzende, Prof. Dr. Krausmüller, über die Verhandlungen, die er mit dem Dolkshalle- verein und der Stadt in dieser Sache geführt hat. Die Ausstellung soll gegebenenfalls anfangs Juni stattfinden. Der endgültige Beschluß darüber, ob sie überhaupt stattfinden kann, wird erst gefaßt werden, wenn feststeht, wieviel Aussteller sich daran zu beteiligen gedenken und wieviel Ausstellungsraum von ihnen gefordert wird. Deshalb sollen bis spätestens 1. Januar alle Handwerkervereinigungen und alle Einzelaussteller, die sich beteiligen wollen, sich bei Gewerbeschulrat Dr. Bünnings, unter Angabe des von ihnen benötigten Ausstellungsraumes, melden. Zum Schluß wurde noch von verschiedenen Seiten Klage geführt über öftere Zurücksetzung des Gießener Handwerks bei Vergebung städtischer Arbeiten. ** „Kriegerehrungen und Heimatschuß" war das Thema, über daS vor einigen Tagen Reg.-Daurat Schneider - Gießen auf Veranlassung des Mittelrheinischen Architekten- und Jngenieurvereins, sowie des Hessischen Bundes für Heimatschutz in einem Höc- faal der Technischen Hochschule zu Darmstadt sprach. Der Vortragende, der in seiner amtlichen Eigenschaft Gelegenheit hatte, im Kreisamts- bezirk Gießen eine größere Anzahl Kriegerdenkmäler zu projektieren und auszuführen, gab zunächst einen Rückblick auf die nach 1870/71 errichteten Kriegerdenkmäler, die, künstlerisch betrachtet, teilweise nur wenig befriedigen konnten. Als während des Wellkrirges 1914/1918 die Rvtwendigkeit, in größtem Umfang Kriegerehrungen errichten zu müssen, erkannt wurde, war es zuerst der Heimatschutz und Werkbund, der neue Richtlinien hierfür aufstellte. Deher- AigenSwerte Worte hat in diesem Sinne Ho- s ä u s 1919/20 gefunden, die von dem Redner im Auszug bekanntgegeben wurden. An vielen Beispielen, die durch vortrefsliche Lichtbilder dar- gestellt wurden, zeigte der Vortragende, welche Gesichtspunkte zu beobachten sind, um dem Gedanken der Kriegerehrung den richtigen Ausdruck zu verleihen: die Grundlage des Denkmals im einzelnen, die richtige Heranziehung geeigneter Bildhauer für die plastische Ausbildung, die Cinpafsung und Anlehnung der Anlage an die Umgebung und Einfügung in das Dorfbild nach städtebaulichen Gesichtspunkten. Verschiedenartige und reizvolle AuSdruckSmöglichleiten tourben vorgeführt, die den Hörer fühlen liehen, tote ernst und verantwortungsvoll die Aufgabe ist, die hier den Architekten und Bildhauern gestellt ist, und von deren Wichtigkeit alle diejenigen durchdrungen sein müßtrn, die hier maßgeblich mitzuwirken haben. Beispiele ausgeführter Anlagen in Holzheim, ©rünlngen, Müschen- heim, Rieder-Dessingen, Odenhausen, Londorf, Utphe, Albach, Langsdorf, Dorf-Güll, Gberstadt, Garbenteich, Ettingshausen, Klein-Linden u. a. verdeutlichen die künstlerischen Absichten eines mit Verständnis und Empfinden an die Ausgaben herantretenden Fachmannes, der sich dabei der ausgezeichneten Mitarbeit von Bildhauern wie Huber» Offenbach, Ködding - Gießen und Arnold- Beuern erfreuen durfte. Der Vortrag, der sehr gut besucht war, fand großen Beifall, dem der Vorsitzende, Ministerialrat Wagner, in anerkennenden Worten Ausdruck gab. ** D i e Maschinenbaufchule Gießen. Vom Bund der technischen Angestellten und Be- amten, Ortsgruppe Gießen, wird uns geschrieben: Am Dienstagabend fand im Hotel Köhler eine vom Bund der technischen Angestellten und Beamten, Ortsgruppe Gießen, einberufene Versammlung statt, in der auch über die genannte Schule sehr eingehend gesprochen wurde. Außer technischen Angestellten, aus Wetzlar beteiligten sich an der Aussprache der Gauleiter Horn von Frankfurt sowie der Direktor der Schule, Gewerbeschulrat Dr. B ü n n i n g s u. a. Aus den Ausführungen ging hervor, daß die Schule schon vor dem Krieg bestand und von der hessischen Regierung konzessioniert ist, auch jährliche Unterstützungen von dieser und der Stadl Gießen erhält. Sie ist Dierfemeftrig und hat den gleichen Lehrplan, wie die preußischen niederen Maschinenbauschulen. Ein von der hessischen Regierung bestellter Kommissar nimmt mit dem Landesgewerbeschulrat die Abgangsprüfungen ab. Die technischen Angestellten sind mcht sehr erfreut über das Bestehen so vieler technischen Fachschulen, können sie aber nicht verhindern. Die Maschinenbauschule Gießen als solche wird von den technischen Angestellten nicht bekämpft, sondern nur prinzipshalber. Es hat nämlich der Zustand überhand genommen, daß jeder, der nicht weiß, welche Laufbahnen er einschlagen soll, glaubt Techniker werden zu müssen. Wenn man überlegt, daß auf jede zu besetzende Technikerstelle 50 Bewerber entfallen, so liegt es nur im Interesse von Eltern und Schülern, vor der Ergreifung des technischen Berufes zu warnen. Nicht ganz besonders befähigte Techniker haben gar keine Aussicht auf eine Stellung. Wie der Direktor erklärte, soll die Schule nur dazu dienen, für die Meisterprüfung oorzubereiten und Detriebstechniker beranzubilden. Die meisten Schüler würden nach Absolvierung der Schule zu ihrem Maschinenbauerberuf zurückkehren. Es wurde ausdrücklich feftgefteUt, daß keine Mißstände an der Schule bestehen, wie dies aus Zeitungsberichten in letzter Zeit vermutet werden könnte. (Der „Gießener Anzeiger" hat derartige Berichte nicht gebracht. D. Red.) * * „Deutsches Heldentu m." Die Ortsgruppe Gießen des Deutschnationalen Handlungs- gehilfen-Derbandes ließ am Mittwochabend den Weltkriegsfilm „Deutsches Heldentum" vorführen. Der Film, der von der Heeresleitung zur Verfügung gestellt ist, zeigt in mehreren Abschnitten Bilder und Kampfhandlungen von den verschiedensten Kriegsschauplätzen. Zuerst sieht man dos Auslaufen eines unserer U-Boote. Man begleitet das Schiff bis auf das freie Meer. Ein feindlicher Zerstörer kommt in Sicht; das U-Boot taucht unter und entwischt dem Feind. Das Boot hat bann eine Begegnung mit U. 202. Nun erscheint ein feindliches Flugzeug, mit dem ein deutscher Kampfflieger alsbald in Kampf gerät. Nach einiger Zeit stürzt das feindliche Flugzeug brennend ab. Im andern Abschnitt beobachtet man die Füllung eines Fesselballons. Dieser wird zum Ankerplatz gebracht, der Kopb wird angeknotet, und der Beobachter steigt ein. Bald entdeckt er die Stellung einer feindlichen Batterie. Seine Beobachtung wird sofort weitergemeldet, und bald liegt die feindliche Batterie unter deutschem Artilleriefeuer. Es erfolgt nun ein Fliegerangriff auf den Fesselballon; der Beobachter kann sich durch Abspringen mit dem Fallschirm retten, der Ballon wird eingezogen. Sodann werden Schützengräben gezeigt. Ein Stoßtrupp verläßt seinen Unterstand, um einen Angriff auf ein feindliches Blockhaus zu unternehmen. Handgranaten werden geworfen. Man sieht das Explodieren einer feindlichen Mine. Sofort wird der Sprengtrichter besetzt. Erbeutete Maschinengewehre werden nach hinten gebracht. Ein anderes Bild läßt uns deutsche Pioniere beobachten, die in Gummianzügen in einem Strombett arbeiten, über das sie eine Brücke legen. Man sieht dann noch die Rückzugsstraßen des Feindes, die lange unter dem Feuer der > deutschen Artillerie lagen. Hierauf wird ein Zug gefangener Franzosen und eine Reihe englischer Tanks gezeigt. Der nächste Teil des Films führt wieder auf das Meer. Man sieht den Maschinenraum eines deutschen U-Bootes und das Hebeschiff „Vulkan". U. 178 sichtet einen feindlichen Munitionsdampfer, den es versenkt. Ein deutscher Hilfskreuzer kommt in Sicht, mit dem das U-Boot sich durch das Sprachrohr verständigt. Man sieht dann verschiedene Großkampfschiffe, aufflärenbe Zeppeline und Flieger. Weiter beobachtet man bas Ausladen von Truppen und Material auf der Insel 0 e f e I. Aehnliches sieht man auch Im Hosen von L l b a u. Im folgenden Film-Abschnitt wird man I wieder zu den Landtruppen versetzt und beobachtet einen Änfanterieangriff, der durch heftiges Minen- feuer vorbereitet wird. Der Angriff ist erfolgreich, der Feind wird zurückgedrängt; viele Gefangene werden gemacht. Reseroetriippen treffen ein und beziehen ihre Stellungen. Die Artillerie wird vorgeschoben. Man fiefjt Feldküchen und endlose Muni- tions- und Promontkolonnen. In den nächsten Bildern begleitet man ein U-Boot, das lange Zeit draußen gewesen ist und reiche Beute gehabt hat, auf seiner Heimreise. Man freut sich mit über die herzliche Begrüßung, die dem Boot zuteil wird. Zuletzt wird man noch ins große Hauptquartier geführt. Man sieht Hindenburg und seine Mitarbeiter bei ihrer Tätigkeit. — Anschließend wurde noch der Film „Die R u h r s ch a n d e" vorgeführt, der in wenigen, aber guten Bildern einen Begriff davon gab, wie bie Franzosen 1923 im Ruhrgebiet hausten. Deutscher Ofibunb, Ortsgruppe Gießen. Man berichtet uns: Um die Interessen der vertriebenen Ostdeutschen wirksam zu vertreten, wurde 1918 der Deutsche Oftdund gegründet. Galt es zunächst nur, die wirtschaftlichen Belange der Verdrängten durchzufechten, so kamen dazu sehr bald kulturelle und örtliche soziale Aufgaben, die in letzter Zeit auch von selten der Reichsregierung und des Reichstages im Sofortprogramm des Ostens eine weitgehende Unterstützung erfahren haben. Auch im Westen erfolgte nach und nach der Zusammenschluß der Ostdeutschen. In Gießen wurde am 2. Oktober auf Anregung des Prof. Dr. Specht eine Ortsgruppe gegründet, die zur Zeit bereits 52 Einzel- mitglicber ohne Familienangehörige umfaßt. Ebenso wie sich im Reiche fast sämtliche Städte des Ostens, ferner Leipzig, Dresden, Frankfurt a. M., Düsseldorf, Braunschweig u. a., ganze Vereine, Handelskammern usw. dem Ostbunde als korporativ« Mitglieder ongeschlossen haben, ist hier als erster Verein der Allgemeine deutsche Frauen-Derein, bank dem Verstänbnis und ber Initiative seiner Vorsitzenden, der Frau Oberst Naumann, dem Ostbund beigetreten. Auch von feiten der Reichs- und vieler Landesregierungen findet ber Ostbund weit- gehendste Unterstützung, wie dies am deutlichsten aus dem ständigen Oftausschuß des Reichstages her- vorgeyt. Am 6. Dezember fand in Gießen ein Vor- trag des Vorsitzenden des Landesverbandes Hessen, Hesien-Nassau, Herrn Prager statt, ber in instruktiver Weise alle politischen und wirtschaftlichen Momente des Ostmarkenvroblems erörterte. Keine Reichsrcgierung yabe sich bereit gefunden und dürfe sich je bereit finden, die gegenwärtigen Ostgrenzen des Deutschen Reiches als endgültig zu garantieren. Die Expansion des wachsenden deutschen Volkes könne sich nur nach dem Osten hin entladen. Von der Notwendigkeit einer hierdurch bedingten Neuordnung der Ostgrenzen fei au* Polen überzeugt, und es wirtschafte-mit gewisser Absicht die ehemals deutschen Teile des Ostens wieder herunter. Mit der Stunde, in ber diese Provinzen wieder an Deutschland zurückkämen, würde auch die Erwerbslosigkeit im Reiche rapide zurückgehen. Daher seien die durch den vstbund vertretenen Interessen auch die Interessen des ganzen deutschen Volkes. Der Deutsche Ostbund umfaßt in 520 Ortsgruppen heute 1 200 000 Einzelmitglieder, ohne die angeschlostenen Vereine und Städte. Er nimmt nicht nur Ostdeutsche auf, sondern will feine Gedanken gerade durch Gewinnung aller Deutschen in die weitesten Volksschichten hineintragen. Politische, religiöse und soziale Stellung des einzelnen ist dabei völlig gleich. Und auch hier haben sich bereits einige Hessen der Bewegung angeschlossen. Es wäre zu wünschen: daß diese De- ftrebungen des Ostbundes auch hier weitgehendste Unterstützung finden. * * Di e Maul- und Klauenseuche ist neuerdings in Wickstadt (Kreis Friedberg), Lützel- linden und Hofgut Büblingshausen (Kreis Wetzlar) amtlich festgestellt worden. In Langd (Kreis Gie- ßen), Okarben (Kreis Friedberg), Altenkirchen und Oberlemp (Kreis Wetzlar) ist die Seuche erloschen. * • Gestohlene Stoffe. Der heutige Po» lizeibe richt meldet: Am 3. Dez. abends gegen 7 älhr wurden von einem Personenauto m der Bahnhofstraße zwei Pakete folgenden Inhalts entwendet: 3 Meter graukarierter Kleiderstoff, 2 Meter rotkarierter Blusenstoff, 3 Meter getupfter, weißer Mull, 1 Paket mit schwarzer und bunter Wolle, 24 Rollen Zwirn, weihe Derlmutter-Hemdenknöpfe, Herrenkleiker-Knöpfe, Knopfseide, Spitzen, Paspelierband, eine Büchse weihen Emaillelack und ctoei Flaschen Kognak. Vor Anlauf dieser Sachen wird gewarnt. Sachdienliches hierzu nimmt die Kriminalpolizei <8>w ßen entgegen. Eine Eisenbahnbeschwerde aus ber Wellerau. Man schreibt uns: Die geradezu sttefmütterliche Behandlung der oberen Wetterau auf unseren Bahnen ist sett Jahr uni) Tag fast sprichwörtlich. Wir haben bloh drei Züge, bie uns von Echzell nach Friedberg und weiter befördern. Früh 7 11 br geht der erste Zug ab, der zweite schon um 10 Ähr und der dritte erst nachmittags resp. abends 5 Ahr. Gerade dieser letzte Zug läßt unö fahrplanmäßig knapp zwei Stunden Zeit in Friedberg. Wenn man dort nicht übernachten will — und wer kann das? — muh sich in Friedberg abhetzen und wird doch nicht fertig mit den allernötigsten Besorgungen. — Seit einigen Wochen spottet aber der Verkehr mit diesem Zug jeder Beschreibung; ist es doch vorgekommen, dah wir schon von Ridda her mit halbstündiger Verspätung abfuhren, so daß, wenn der Zug fahrplan- mähig um 3/47 hr in Friedberg abfährt, es sich kaum der Mühe lohnt, dorthin zu fahren. Unterwegs, in Beienheim, aber hält der Zug ab und zu eine Viertelstunde. Man sollte uns doch unseren Rachmittagszug um 3 Ähr nach Friedberg endlich wieder ein st eilen — es wäre kein Schaden für die Bahn —, bann aber zum wenigsten die Bummelei, die in den letzten Wochen eingeriffen, abstellen und die Züge fahrplanmäßig verkehren lassen. Die Züge sind doch des Publikums wegen da, nicht aber daS Publikum der Züge wegen. L. Aussperrung in der Schuhindustrie des Maingaues. WEN. Frankfurt a. M., 10. Dez. In einer bebeutenben Offenbacher Schuhfabrik hat ein Teil ber Arbeiterschaft oyne Einhaltung der Kündigungsfrist unter Bruch des Arbeitsoertraaes die Arbeit niedergelegt. Die Gewerkschaf- t en Haden das Verhalten dieser Arbeiter gebilligt und die übrige Belegschaft veranlaßt, sich mit den Streikenden solidarisch zu erklären, eine Zusam- menarbeit mit Ersatzkräften zu verweigern und so eine Schließung der Betriebe zu erzwingen. Auch in Mainz haben bereits amei Betriebe wegen Streiks und Kündigung bie Arbeit eingestellt. Die Vereinigten Schuhinbustriel- len des Maingaues haben daraufhin sich mit den bestreikten Firmen einstimmig solidarisch erklärt und beschlossen, von den Gewerkschaften bis heute mittag eine Erklärung darüber ßu verlangen, baß sofort in allen Betrieben bie Arbeit wieder ausgenommen, sämtliche Forderungen und Äündiaun- gen zurückgezogen werden und eine geordnete Auf- Lonntansdrettlt b. Herzte it. :iU6Ch2fett nm 12.12.28 Dr Steinreich. S.-R. Dr. Schttevbake. Bclikannvotb. Zahnarzt: Dr Ja,er 011D Endlich gefunden! Ein Ü In bekannter Arzt 'n Hl die» alle „Ich wünsche daß ieder Asthmatiker hierorts (oder in der Tat jeder Asthma-Leidende In ganz Deutschland' meine Behandlung gfinzlich auf meine Kosten und mem Risiko erprob-" — dies kündigt Dr. Et Schiffmann allen Leidenden an Er sagt w. iter: .Wie heftig auch immer die Anfälle oiler wie hartnäckig ein Fall von Asthma sei. und wie lange man auch über das Leiden klage A-rmador-Zigareiten ec hallen sofortige Linderung, gewöhnlich in 10 bis 1b Sekunden, stets jedoch innerhalb ebensovieler Minuten." Er weiß. wns da# Mittel für Tausende von Asthmatikern tret an hat, die es schon verzweifelt auf gegeben hatten, irgendwelche Linderung zu finden Um daher auch diejenigen zu überzeugen, die bisher sein Mittel und dessen ausgezeichnete Wirkung noch nicht erprobten, hat er besondere Vorsorge getroffen, alle Apotheken hierselbet (wie auch in allen anderen Städten Deutschlands) — Heilmittel für Asthma. ii Leidenden In Gießen beweinen. (1U244A insgesamt 6139 Apotheken — mit Proben von Asihmador- Zigaretten (In Aluminium • Taschen- Etui) zu verebben zwecke Gratis Abgabe morgen oder übermorgen, wobei nicht eine einzig- Apotheke vergessen wurde. Orr Asthma-Leidende braucht daher nur hei seinem gewohnten Apotheker, hierselbst oder auswärts, vorzusprwhen, um die (-ratisprobe zu erhalten - Solch ein tatsächlicher. persönlicher Versuch wird den überzeugendsten Beweie von Ur. Schif’matme Behauptung erb, i'.tten und ist der einzige Wae, um das Vorurteil Tausender von Asthmatikern zu”iiber- wtnden, die bisher vergeblich Linderung fruchten. — Sollte jemand au* Irgendeine >> Grunde keine Probe erhalten können. *o wird ihm solche umgehend pi-r Poet übersandt, wenn er seinen Namen und volle Adresse inehtt 10 Pf. in Briefmarken für Porto) anDrR Schiff mannsNiederlage. die Viktoria- Apotheke Berlin SW 48, Friedrichstr. 19, einsendet. für den , Jahren ZuchtbauS. sowie »ebn Jahren Ehrverlust. Don der Untersuchungshaft werden 16 Monate angerechnet. Lurz ist einer der bekanntesten Separatistenführer und Hot während der separatistischen .Hochflut" eine üWe Rolle gespielt. Buntes Allerlei. Russische Wandzeitungen. Die .Wandzeitung" ist eine ®inn&tung im heutigen Ruhland, die dort eine grotze Rotte spielt, von der man sich aber bei uns bisher keine rechte Vorstellung machen konnte. Die Wandzeitung ist ein Kind der schlimmsten Rotjahre deS Bürgerkrieges; sie war zunächst nur ein Aushängebrett der örtlichen Telegraphen- Dureaus, auf dem Depeschen mit Kriegsberichten und sonstigen wichtigen Veröffentlichungen an- geklebt wurden. Als barm die Zeitungsdruckereien, besonders m der Provinz, weder Papier noch Farbe zur Herstellung richtiger Zeitungen besetzen, mutzte man sich mit der handschriftlichen Vervielfältigung der eingegangenen Rachrichten begnügen. So wurden die Anschlagstafeln in den Fabriken, BureauS, Schulen und Kasernen zum besten Wege der Mitteilung, und diese Wandzeitungen bürgerten sich so ein, datz sie von Der Eowjetregierung offiziell anerkannt und gefördert wurden. Man beziffert gegenwärtig die Zahl der russischen Wandzeitungen auf etwa 40 000, und auf einer Ausstellung wurden kürzlich mehr als 2000 dieser Wandzeitungen vor- geführt. 3n den Dörfern sind sie gewöhnlich mit en sog. „Lesehütten" verbunden, in denen Zeitschriften und Bücher auSliegen. Die Wandzeitung hat die verschiedenartigsten Formen angenommen, von dem mit Bleistift geschriebenen Zettel biS zu dem künstlerisch ausgeführten Aguavell. Die Gröhe schwankt zwischen einer Doppelfolioseite und einem Riesenplakat von 150maI 300 Zentimeter; sie besteht aus einer festen Papier- ober Äartouunterläge, auf die die einzelnen Beiträge aufgeklebt werden. Der Kops der Zeitung mit dem bi-wetten phantastischen Qlamen ist meist sorgsam gezeichnet und mit Wasserfarben aus- getufcht; dabei ist eine Vorliebe für leuchtende Farben festzustellen. Die Flamen stammen gewöhnlich aus dem Wortschatz der Revolution, wie z7D. »Trommel". „Das neue Dorf", .Lenins Morgenröte" usw. Einfacher sind die Bezeichnungen, die sich auf den Betrieb beziehen, in dem die Wandzeitung auShängt. wie Der rote Gummiarbeiter", .Der Putilowez" in oen Putt- low-Werken usw. Der Kops der Zeitung bleibt meist unverändert, während der Text alle Monate ober auch alle Wochen wechselt. Die vm der Redaktion angenommenen Beiträge werden entweder in Schreibmafchinenfchrift oder auch in schöner -Sanft- oder Pmselschrift abgeschrieben, die ^leberfchristen gemalt, Illustrationen und Karikaturen eingefügt, wobei man auch Phot)- graphien und Ausschnitte aus itluftrierten Zeitungen verwendet, und atteS wird dann in Spalten geordnet. Lin fünfjähriger wunderprediger. Ganz Birma ist in Aufregung und Verzückung über daS Erscheinen eines wundersamen Heiligen, der erst fünf Jahre alt ist. Dieses Kind, daS den Ramen Maung Tun Kyaing führt, waS soviel bedeutet wie .Der kleine erhabene Duftende", ist ein Sohn armer Eltern; sein Vater, ein Landarbeiter, seine Mutter eine Matten - Weberin, und doch ist aus ihrem Bunde dies Wunderwesen hervorgegangen, in dem man die Wiederverrörperung eines berühmten birmanischen Buddhisten, Hunkyaung Sayadaw, erblickt. Der Knabe predigt seit Monaten, zittert lange buddhistische Texte und liest Bucher in der birmanischen und in der Palisprache Die groben Massen, die dem Kleinen zrchören sind wie verzaubert und hängen an feinen Lippen, da sie glauben, dah der grobe Heilige aus feinem Munde spricht. Genaue Prüfungen sollen ergeben haben, datz das Kind alles genau versteht, Waes predigt, infolgedessen wird der Knabe als ein .Winsa" verehrt, d. h. als ein Kind, das die Schicksale seiner früheren LedenSzustünde enthüllen kann. Die Birmanen sind nämlich strenge Anhänger des Glaubens von der Seelenwande- rung und meinen, datz besonders begnadete Wesen, „Winsas', die Gabe besitzen, sich an alle Ereignisse aus früheren Gristenzen zu erinnern, ötn solcher Winsa ist der kleine OHaung Tun Kpaing. und er ist rasch zu dem gefeiertsten Prediger gc- worden, der in neuerer Zeit in Birma auf getreten ist. Büchertisch. — 2 oh. Friedrich Schmidt. Seminarmusiklehrer am Drotzh. Lehrerseminar zu Friedberg. Gin Lebensbild gezeichnet von Schülern und Freunden. Friedberg 1 H. 1926. Karl Dindernagel. — Bei dem rastlosen Wirken Schmidts für Pfleg« der Musik in über fünfzigjähriger Lehrtätigkeit am Friedberger Seminar werden diese (Erinnerungen von Schülern und Freunden an den aut 30. Dezember vorigen Jahres verschiedenen trefflichen Lehrer und Dirigenten nicht nur, wie Prof. Dr. Dreher in der Vorrede sagt, zu einem hohen Lied auf den deutschen Lehrerstand, sondern auch zu einem wertvollen Beitrag zur Geschichte des musikalischen Lebens in der alten Reichsstadt und damit auch zur neueren Kulturgeschichte unseres Hessen- landes überhaupt. So werden sie auch autzer- halb der Lehrerkreise ihre Leser finden. 829 — Eigene biographische Aufzeichnungen von Justus von Liebig. Erngeleitet und herausgegeben von Karl Esselborn. Giehen 1926. Verlag der Gesellschaft Liebig- Museum. — Freunde und Verehrer unseres groben Meisters der Chemie seien auf den mit Einleitung, erläuternden Anmerkungen und Bildern dreier ßtebigdftätten (Geburtshaus in Darmstadt, Apotheke in Heppenheim, Laboratorium in M versehenen Reudruck des erstmalig 1891 fen Sohn Georg in der Deutschen Rundschau veröffentlichten Bruchstücks einer Selbst- bivgraphie LiebigS hingewiesen. Sie gibt, trotzdem sie scheinbar nur bis in die Anfänge der Siebener Wirksamkeit reicht, doch eine vollständige Schilderung des wissenschaftlichen Werdegangs Liebigs überhaupt und verdient schon deshalb, in den weitesten Kreisen bctaimt zu werden. Der Kun st wart (Verlag Georg D. W. Callwey, München), Dezemberheft. Sin richtiges Weihnachtsheft, reich an wertvollen künstlerischen und literarischen Gaben. Lind eS ist Geist von Avenarius' Geiste, der in diesem Hefte wieder neu und lebendig wirkend wird, das aus Qlnlab seines 70. Geburtstages am 20. Dez. zu einem Teil ihm selbst gewidmet ist. Avenarius' Persönlichkeit, sein Werk und seine zeitliche und bleibende Bedeutung für die deutsche geistige Kultur labt Wilhelm Stapel, sein langjähriger früherer Mitarbeiter, in beredten warmen Worten festbegründeter lieber Beugung als mahnendes und anspomendes Ehrendenkmal vor unS erstehen. Heber „Moderne Baukunst", das heute am stärksten umstrittene Gebiet künstlerischen Schaffens, führt 3ofcf Popp sehr Beachtenswertes aus. Die deutsche „Jugcndschriftenbewe- gung“ betrachtet rückschauend bis zum jetzigen Stand Wilhelm Fronemann einer der auf diesem literarischen Oonbergebiete berufensten Beurteiler. Eupen-Malmedh, das, fast schon halb vergessen, jetzt wieder neue Anteilnahme heischt, und seine geschichtlichen und kulturellen Beziehungen zum alten und neuen Deutschen Reich bilden das Thema deS letzten gröberen Aussatzes. Die „Losen Blätter" bringen nutzer kurzen Aussätzen und Gedichten von Avenarius die schöne Weihnachtö- erzählung aus dem Buche des vlämischen Dichters Felix Timmermans „Das Jesuskind in Flandern". An Bildern zieren das Heft: eine farbige Rachbildung des Altarbildes von Grünewald ..Die Verkündigung", ein Avenarius-Bild- nis von Leo Samberger, ein Tiroler Bauernbild des kürzlich verstorbenen Malers Egger- Lienz und das so viel trauliche Wärme niederdeutscher Weihnachtsstimmung ausstrahlende Bild „DaS Rikolassest" von San Steen. Zwei eigen- Bahnhofstr.65B Gießen Fernruf 1367 Filiale Lich, Butzbacher Straße 12. Gegründet 1876. Alleinvertretungen von Steinway & Sons (bedeutendste Klaviermarke der Welt) Rud.Ibach Sohn Orotrian — Steinweg Schiedmayer & Soehne 98*« W. Rilmüller & Sohn (Deutschlands älteste Pianofabrik) fielegeniicltsltagl Dito, in Silber, Gold und farbig, franz. Absatz, x jRs90 primaQualität I Derselbe, tn besserer Qualität mH echtem L XV.- 4 ßSC Absatz . . 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Rur dah Italien sich damals am Beginn seiner Exi- Isienz alS s^bständiges Königreich befand, dem rrd) niemandMeine besonders grobe Lebenskraft twraute, während das Italien von heute, die . t-ritie Grohmacht Europas, trotz aller seiner inneren Schwierigkeiten doch ein Staat und Volk Icon strotzender Lebenskraft und auch Grschlosfen- beit ist. mit einem Druck nach außen, dessen Ducht in einem Menschenalter sich verdoppelt und verdreifacht hat. Damit läge für das Italien ton heute erst recht die Schlußfolgerung von 1882 nahe, die Erispi zog. nämlich in dieser Situation und in diesem Gegensatz (da das Der- hcnltrvis zu England ja unverändert weiter besteht) die Orientierung aus Deutschland zu zu lü^ren. Es sieht so aus. als wenn in der italie- cklchen Politik dergleichen Erwägungen auch an- ijjrftdlt würden. Aber sie ist leider vor wie unter Mussolini zu sehr daran gewöhnt, von der 4»and in den Mund zu leben. Anläufe zu machen, die man nicht zu Ende führt und sieht. w»aS in so weitgreifenden Gegensätzen unmöglich iß. die Weisheit darin, rasch vorstobend und Drückt ratend jeweils den einen gegen den an» iwren und den anderen gegen den einen auszu- lpielen. Diese Schwäche hat der Mussolini diplo- imitisch weit überlegene B r i a n d auf das genaueste erkannt. Daher die bewunderungswürdige Scherbett in seiner Behandlung Italiens und it!>e Ucberlegung von deutscher Seite über diesen tzlisammenh^rng muh eben leider auch von dieser Lttsache, wie heute die ttalienische Auhenpolitik «schaffen ist, ausgehen — sehr zum Schaden des uropäischen Gleichgewichts und des Friedens. 'Dewuht und unterstrichen will Ruh land 'eine Stellung jetzt und auf die Dauer außerhalb dieser ganzen Machtbeziehungen nehmen, wie sie um Gens herurnspielen, auf Genf ihre Wirkungen ausüben und in Genf durch die Angelegenheiten des Völkerbundes hindurch sich auch windeln. Das hat Tschitscherin mit großem Rach- taua am 6. Dezember zur Berliner Presse aus- geführt. Der grohe Gegensatz zu England, zielbewußte friedliche russische Vertrags- vvlitik. die Ablehnung des Völkerbundes schlecht- hüt All Diese Gesichtspunkte sind verständlich, entsprechen den augenblicklichen Interessen Ruß- ands und bilden zusammen ein zweifellos geschlossenes und wie stets bei solcher Gechlofsen- fel wirksames System. Aber auch das hat feine Schattenseiten. Saisonbeginn am Nil. Von unferm 3. D.-Korrespondenten. Kairo, Dezember. .Saison"! Don Kairo bis Assuan ein Seufzer der Erleichterung, bei Eseltreibern und Hotelbesitzern, Führern und Allerturnshändlern. und mehr noch, bei allen Kaufleuten überhaupt. Denn nun ergibt s.ch ein Strom gelben Goldes ins Land, der allen irgendwie zugute kommt, und dieS etwa fünf Monate lang. Die Saison beginnt, wenn der Einheimifche fröstelnd seinen Paletot anzieht und der auS dem Rorden kommende Fremdling dasselbe Kleidungsstück schwitzend in den Schrank eines Hotelzimmers hängt. Wenn die großen Hotels des Riltales ihre den Sommer über geschlossenen Pforten öffnen. Die Fremdenindustrie ist die blühende — boshafte Leute behaupten, die einzige — Industrie des Landes.« Sie bringt Geld ins Land, für welches die Fremden Reiseeindrücke. Antiguitäten, teilweise sogar echte Teppiche auS Persien. Kupfer gegen stände und Schic.etgewebe aus Assiut eintauschen. SS gehört im Westen noch immer zum guten Ton, mal einen Winter in Kairo. Luxor oder Assuan verbracht, die Pyramiden von Giseh und Sakkara. die phantastischen Ruinen Karnaks und vor allem die Königsgräber besucht zu haben. Aegyvtens Fremdenindustrie Datiert cigerfdid) aus dem Jahre 1869, als der große, viel verleumdete und viel verkaimle Khe- dive Ismael die Kunststraße nach den Pyramiden anlegen ließ, um seinen zur Eröffnung des Suezkanals erschienenen fürstlichen Gästen, vor allem der Kaiserin C u g c n i e, die Wagenfahrt in die Wüste zu ermöglichen, und als er auch einen regelmäßigen Rildampferverkehr einrichten ließ, da es im Riltal noch keine Eisenbahn gab. Das größte Kontingent an Touristen stellen die Angelsachsen von beiderseits deö Ozeans. Dann kommen in weiten Abständen die anderen Die Russen, welche früher eine große Rolle spielten, fehlen von den hier gestrandeten Emigranten, welche nicht zu den Touristen gerechnet werden können, abgesehen, jetzt fast ganz. Die Deut sch e n, die an Zahl in Ser Vorkriegszeit gleich hinter den Angelsachsen kamen, stellen sich erst langsam wieder in größerer Zahl ein. Im allgemeinen wird die Zahl der Aegypt.n in der Saison besuchenden Fremden überschätzt: tatsächlich übersteigt diese nicht ein Dutzend Tausende, aber es sind meist schrecklich reiche Leute, die über eine Halde Million Pfund im Lande lassen, welche, und dies ist die Hauptsache, zu 80 Proz. als Reinverdienst der ägyptischen Volkswirtschaft anzusprechen sind. Daß nicht mehr Leute Aegypten besuchen, dürfte feine ilrfad>e darin haben, daß die K o st e n einer solchen Reise gewöhnlich überschätzt werden. Man kann aber, bei mittleren Ansprüchen, schon für fünfzig Pfund oder rund taufend Mark von Hamburg oder Rotterdam aus eine Reise rund um Europa über England, Portugal, Spanien. Frankreich und Italien nach Aegypten und wieder zurück machen, sich einen Monat im Lande aufhalten und das Sehenswerteste sehen. Allerdings muß man sich auS- fennen, nicht gerade ins „Shophärds" gehen und vor allem nicht den zahlreichen Touristengeiern. die auf allen Wegen lauem, in die Hände fallen Es ist eine Fabel, wenn behauptet wird, daß von Fremden, der Einkäufe macht, das Doppelte des Wertes der Waren verlangt wird; man verlangt vielmehr häufig das fünf- b t 6 fechsf ache. Interessant ist, wie die Mentalität der Verkäufer, Dragomane usw. auf die Frem- denindustrie, daS heißt die industrielle AuL- toertung des Fremden, eingestellt ist. Ich sah oft, wie man in Geschäften Fremde, die einen gewissen als zu niedrig eingeschähten Preis boten, ruhig Weggehen ließ, während mon einem hier Ansässigen, der viel weniger bezahlte, die Ware anstandslos überließ. Rimm vom Fremden, waS er — hat! Die tüchtigsten auf diesem Gebiet sind die sich als „landeskundige Europäer" gebärdenden, wohlwollenden Levantiner und Kopten. Unangenehm empfindet der Reisende den Mangel eines guten, nicht veralteten Reisehandbuches. Auch der berühmte „Baedeker" stammt aus der Vorkriegszeit und ist nicht mehr wahr. Aegypten gatt früher als das Mekka der Lungenkranken. Jetzt wird behauptet, sein Klima sei im Gegenteil schädlich und eine geschickte Propaganda hat Davos und andere Orte als Lungenheilplätze ebenso in Mode gebracht, wie es seinerzeit Aegypten war. Der dem Klima Aegyptens gemachte Vorwurf dürste richtig fein, wenn er sich auf Kairo bezieht. Die afrikanische Großstadt mit ihrem Staub, ihrer durch die Rilverdunstung verursachte große Luftfeuchtigkeit. den großen Temperaturunterschieden von Tag und Rächt, den dicht bevölkerten, jeder Hygiene spottenden schmutz gen (Eingeborenen- vierteln — richtigen Dazillenfabriken — wird angegriffenen Lungm eher den Gnadenstoß geben, alS sie der Heilung zusühren. Ganz anders verhält es sich mit den in einiger Entfernung vom Riltal in der Wüste gelegenen Oasen Heliopolis und Heluan ober mit der Gegend bei den Pyramiden. Hier erreicht die Keimfreiheit der Luft ein Maß. wie es sonst nur auf hoher See zu finden ist. Die endlosen benachbarten Wüstenflächen ergeben eine außerordentliche Lufttrockenheit und einen langsameren täglichen Temperaturwechsel. Aber in Sen Oasen und bei den Pyramiden ist es auf die Dauer langweilig und die Sensationen des nahen Rilparis sind zu nahe und zu verlockend, um ihnen widerstehen zu können. Mit den Schwalben kamen nicht nur die Fremden, auch die Regierung, der königliche Hof und die Ministerien, das diplomatische Korps und die sogenannte gute Gesellschaft des Landes, welche sechs Monate am Strande bei Alexandrien verbracht hatten, schlossen sich ihnen an und hielten ihren Einzug in Kairo. Der Einzug des Hofes war von besonderer Feierlichkeit. Es war alles da. was zu solchen Gelegene heilen gehört, beflaggte Straßen, grüne Girlanden. aufgeregte Polizisten und ein fürchterliches Gedränge. Die Straßen, die der Wagen des Königs nehmen mußte, waren mit gelbem Sand bestreut, der sich rasch in Staub verwandelte, und kein Auge trocken ließ. Den Wagen des Königs voran ritt eine Abteilung Lanzenreiter in prächtigen roten Uniformen. Der König faß sehr gut, beinahe zu gut aus — er wollte eigentlich in diesem Sommer nach Karlsbad gehen — und wurde selbstverständlich mit lebhaften Hochrufen begrüßt. Die Hochrufe und das Beifallklatschen verstärkten sich um ein vielfaches, als im Zuge der Wagen des Kammerpräsidenten Saad Saghlul Paschas erschien. Der hochgewachsene, überschlanke Greis grüßte nach allen Seiten und — lächelte listig. Gr soll aber, wie vielfach behauptet wird, diesmal, wenn auch stürmischer als sein Souverän, aber weit weniger herzlich als früher bei ähnlichen Gelegenheiten, von der Volksmenge begrüßt worden fein, was auf die überraschende Rachgiebig- fett, welche der greife Führer in letzter Zeit gegenüber England gezeigt hatte, zurückge- sührt wird, und durch welche er scheinbar an Popularität eingebüßt hat. Eine Stunde nach dem König kam die Koni g i n müt den Kindern in prächtigen Automobilen, unverfchleiert, vorzüglich konserviert, mit einem hutähnlichen schief sitzenden Turban auf dem Kopf. Die Eröffnung der diesjährigen Winter- session des ägyptischen Parlaments bedeutet einen wichtigen Abschnitt in der politischen Gesch chte des Landes. Was sie bringen wird, hat Saghlul Pascha in einer Rede am 13. Rovember, dem achten Jahrestag seit dem Erscheinen einer ägyptischen Deputation unter Saghluls Führung in der britischen Residenz, die die ägyptische Un"bhängigkeit gefordert hatte, verraten. Er sagt - bei der Gedenk,Ur, die ägyptischen Parte.c.. hätten hinsichtlich der äußeren Beziehungen eine Politik der „Weisheit und Mäßigkeit" eingeschlrgen. Das bedeutet nichts weniger als die Vertagung des Aufrollens aller zwischen Aegypten und England strittigen Fragen auf unbestimmte Zeit, das Vegraben des Kriegsbeils. Wenn dies die Möglichkeit ergeben sollte, die Verwaltung des Landes zu verbessern, die Volksbildung zu fördern, die Bevölkerung aus ihren beklagenswerten sozialen, hygienischen und kultureklen Verhältnissen in wesentlich bessere zu heben, könnte man wirklich von einer „Politik der Weisheit" sprechen Zur friedfertigen Haltung Saghlul Paschas dürfte von seinen persönlichen Ambitionen, welche gegen Englands Willen n cht durchzufetzen find, abgesehen, auch die gegenwärtige Daumwoll- k r i s e einiges beitragen. Der Sturz der Baum- Preise weit unter die Gestehungskosten hat zur Folge, daß alle Daumwollpflanzer AÄgyptens, das sind fast alle wohlhabenderen Leute, ihren Verpflichtungen nicht nachkommen können. Die weitere Frage ist ein Rattenkönig von Fallimenten in allen Branchen, dessen Ende nicht ab- zusehen ist. Das ist der tiefe Schatten auf Aegyptens heuriger „Saison". Diese russische Außenpolitik ist sehr geschlossen. sehr zielbewußt und folgerichtig, aber sie ist z u starr. Wer einigermaßen die inneren russischen Verhältnisse und die Kämpfe der Parteien dort erkennt, weiß, daß das, was dort Dor» geht, mit absoluter Sicherheit auch auf die Außenpolitik sich auswirken muß. IInb schließlich kann ja Rußland diese Außenpolitik nicht in den luftleeren Raum treiben. Es schließt Verträge mit Staaten, die Mitglieder des Völkerbund.s sind, wie Lttauen und Persien, und treibt damit die Erörterung der Dölkerbundsprobleme. namentlich des Artikels 16 Don sich aus weiter. DaS ist seine Ablicht, die wir Wohl Derstehen und wenn das dem Völkerbund und seinen G.iedem Schwierigkeiten macht, so ist das ja nicht Rußlands Sorge. Aber andererseits braucht Rußland dieses Europa, das nun einmal im Völkerbund zusammengeschlofsen ist. Es will mit den einzelnen Staaten feine Handels- un^ Kreditverträge, die Bereinigung der Schuld nfra;e und alles das, was zur Aufrechterhaltung ver inneren Ordnung und zur Lieberwindung der Wirt- schafrsnot notwendig ist. Es weiß, daß heute die Weltrevoluion nicht vorwärtsgehl und daß der Kapitalismus außerordentlich stark ist. Es arbeitet fortgesetzt mit der Vorstellung von einer Einheitsfront dieses Kapitalismus gegen Ruß- lanS. die EnglanS herbeiführen wolle, und weiß, wie wir, daß diese Einheitsfront weder besteht noch entstehen wird, weil zu ihrer Schaffung weder die Kraft Englands ausreicht, noch auf die Mitarbeit der in Frage kommenden Staaten, in allererster Linie Deutschlands, überhaupt zu rechnen ist. Damit ist aber schon erklärt, warum Rußland in einer so angelegten und geschlossen wirkenden Außenpolttik Jo wenig oder so langsam vorwärts kommt. Ein großer Erfolg war unzweifelhaft der Vertrag mit Litauen, dagegen ist die Zusammenkunft in Odessa international, wie es gamicht anders fein konnte, ein Schlag ins Wasser gewesen. Europa weiß, wie. die Türkei zwischen Rußland und England, zwischen RußlanS und dem Völkerbund tat ächlich steht. Verträge mit Afghanistan und Persien nützen wenig, die Verhandlungen mit den anderen Randstaaten gehen langsam vorwärts. Die ‘Begebungen zu Polen stagnieren bestenfalls und an Fernen Osten sieht Rußland mit Gewehr bei Fuß einer Entwicklung zu. die es selber fium irgendwie beeinflußt. Deine Verhandlungen mit England und Frankreich aber gehen nicht vorwärts und eine Anerkennung der Vereinigten Staaten von Amerika liegt in weitem Feld. Es ist nicht unsere Siche, zu sagen, was für die russische Außenpolitik richng sein würde ober nicht. Wir fassen das Problem so klar wir es können, und Deutschlands Situation darin ist ja glücklicherweise gegeben und fest. Das hat i Tschitscherin auch zu unserer Befriedigung in ! Berlin klipp und klar erkannt. Das ist das Ergebnis einer zielbewußten deutschen Ostpolitik. Worauf es an kommt, ist, daß nun der Führung der deutschen Außenpolitik in dem Lärm von Genf und in dem Durcheinanderspiel der 3n- tcreffen- und Wachtbeziehungen, wie es von so gewandten Männern wie Br,and und Chamberlain betrieben wird, dieser Gesichtspuickt unb dieser Rlaßstab nicht aus dem Auge entschwindet. Dies um so mehr, als ja schlieblich in dies« Ratstagung mit dem Einspruch Persien« 3um Artikel 16 und noch mehr mit der Liste Chinas in Sachen seines Vertrages mit Belgien vom 3. Dezember weltpolitifche Fragen in den Völkerbund hereinspielen, an Sen en Rußland sehr interessiert ist und zu denen Deutschland Stellung zu nehmen hat. SietzenerLingemeindungsfragen In unserer Ausgabe vom vorigen Samstag (Gieß. Anz. Rr. 284, viertes Blatt) Haven wir über Eingemeindungsfragen im Maingau berichtet. Was man in jener Mitteilung erfährt, ist über den rhein-mainischen Wirtschastsbezirk hinaus von großem Interesse. Man sieht dort 'Bestrebungen im Gange, die auf eine weitreichende Zusammenfassung der kommunalwirtschaftlichen Kräfte von Städten und Dörfern abzielen. Fraick- furt a. M. steht auf der einen Ecke des Städtekranzes am Untermain im Mittelpunkt der Verschmelzungsbestrebungen. Wiesbaden bildet daS Zentrum am andern Ende des Interessengebietes. Gemeinsames Ziel ist die Schaffung eines Zweck- Verbandes, dessen Dortell für alle Beteiligten auf der Hand liegt Diese Bestrebungen nach Zusammenfassung der kommunalen Kräfte eines engeren Wirtschaftsgebietes lenten die Gedanken emeut auf die Gießener Eingemeindungsfra- g e n, über die — auch im Gießener Anzeiger — früher schon mancherlei geschrieben unb in Versammlungen usw. oft auch gesprochen tourbe. Dis-' her wurde diese außerordentlich wichtige Angelegenheit nur als eine „akademische Erörterung" betrachtet. Die großen Ausgaben und wirtschaftlich weittragenden Möglichkeiten einer nahen Zukunft dürften aber wohl bald dazu führen, daß die ötaSt Gießen unb ihre benachbarten Ortschaften ben Gedanken der Eingemeindung nun mehr als Frage der Praxis betrachten werden, einer Praxis, die bald zur großen T a t führen muß. Als Eingemeindungsinteressenten kommen die Stadt Gießen und die Landorte Klein- L i nd e n, H eu che l he i m und Wies eck in Betracht; Mittelpunkt nach jeder Richtung hin ist die Stadt Gießen. Voraussetzung für das Zustandekommen des .Unternehmens ist, daß alle Beteiligten guten Willen an den Verhandlungstisch mitbringen, Weitblick bekunden, aber feine Kirchturmspolitik treiben, Verständnis füreinander haben, Opferbereitschaft zum gemein- famep Besten erkennen lassen, eirdlich die Angelegenheit in allererster Linie Dom wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachten. In wenigen Wochen oder Monaten wird ein so großes Werk natürlich nicht zu Dollbringen fein, nimmt Man aber die Richtlinien zur Grundlage, die wir eben in kurzen Worten hervor do ben. so wird manches Hindernis schon von vornherein aus dem Wege geräumt oder verringert worden sein. Zunächst mm einige Worte über die Gründe, die für eine Eingemeindung sprechen. Wir nennen zuerst einige wichtige Dom Standpunkt der Stadt Gießen auS. womit nicht gesagt sein soll, daß das Gießener Interesse an Eingemeindungsbestrebungen drängender sei alS das der Rachbarorte. Reben einer aus weite Sicht eingestellten Derkehrspolitik sind eS Fragen der weithin raumgrcifenSen Stadterweiterung durch eine ganz großzügige Bautätigkeit bei bet Aushebung der Wohnungszwangswirtschaft, die hier im Vordergründe stehen, daneben tauchen noch auf die langsichtige Reuordnung der Fticdhofsge- ländesrage, die Dcsntigung pnfertr unglüJfcIigen Eisenbahnverhältnisse. die Lahnkanalisierung und die Schaffung eines Lahnhafens für den Güterumschlag von der Eisenbahn auf die Wasserstraße, die Errichtung eines Elektrizitätswerkes unter Benutzung der Wasserkraft der Lahn, die Erweiterung des Elektrizitätsnctzes. die Reuordnung der Gasversorgung (Gruppengaswerk oder Gas- fernbegug), Ausbau des Straßenbahnnetzes -ur Heberlandbahn. Heranziehung von Indust ie. Run zur Rachbarschaft. An der Lösung mancher dieser Fragen sind auch die Rachbargemein en interessiert, zum Teil sogar sehr stark' hier würden also schon Gießener Interessen mit den Erfordernis en Ser Vororte sich decken. Defonders wichtig sind für diese aber folgende unmittelbare Ausgaben: Schaffung von ei.rcoand- freien, häu.tg bereitstehenden Derkehrsmitieln bzw. deren Ausbau. Herabminderung der, Gemeindeverwaltungslasten und damit Erleichle. rung der Steuerbürde, starke Stütze bei der Lösung der Wohnungsnot. Heber diese Gegenwarts- wünsche hinaus sind die Vororte auch an einer Beteiligung an den produktiven ZukunstSplänen der Stadt Gießen interessiert. Es fragt s'rch nun. wie die wirtschaftlichen Grundlagen für eine Verschmelzung Gießens mit feinen drei Vororten beschauen sind. Daß Gießen kein armes Gemeinwesen ist. sondern über sehr hohe Vermögenswerte und einen guten Stand der Finanzen verfügt, dürfte so allgemein bekannt sein, daß wir hierüber wohl keine weiteren! Ausführungen zu macken brauchen. Wenden wir den Blick nun zunächst nach Klein-Linden. In unserer gestrigen Ausgabe haben wir einer . Hebersicht über „Kommunale Arbeiten und Aufgaben in Klein-Linden" Raum gegeben, die sehr interessante Angaben enthält. Mcrn s.eht da daß dieser Vorort in mancher Beziehung schon mit Gießen verwachsen ist, weitet ist recht regeS produktives Schaffen zu erkennen. Abgesehen Den einigen tausend Mark Auswertunasschulden ist die Gemeinde Klein-Linden schuldenfrei. auS ihrer Feldbereinigung kann sie sogar mit einem sehr erheblichen Heberschuß rechnen. Tie Gemarkung ist rund 29D Hektar groß, im Gemeinde iqentum befinden sich etwa 70 Morgen Land Waldbcsitz ist nicht vorharrden. Weirn die Vermögrnswerte unserer südlichen Vorortgemeinde alio auch nicht sehr bedeutend find, so sprechen doch andere Gründe, namentlich auf dem Gebiete des Eisen- W&r -will guten Kaffee machen. Der braucht keine sieben Sachen: Farbe,^£irze, Duft und Kraft JVcber 8 Carhbader ihm fchaffi: bahnwesens und das Interesse einer Besihabrun- dung, stark dafür, bei einer Eingern:indungsaktion Klein-Linden nicht beiseite zu lassen. Allerdings wird man sich in Klein-Linden vo-n vornherein darüber klar sein müssen, daß die Stadt Gieren hierbei den weitaus stärksten Dermögensgrundstock 'n die kommunale Ehe mitbringen würde, und danach mühten dann auch die Grundlagen des Abkommens eingestellt werden. Auf der entgegen» gesetzten Seite unserer Stadt kommt Wies eck als Eingemeindungsfattor in Betracht. Die Brr- mögenswerte sind hier weitaus größer als beim südlichen Machbar. WieseckS Feldg.marlung umfaßt 767 Hektar, davon entfallen auf den verpachteten Grundbesitz der Gemeinde 361 638 Quadratmeter und 30 000 Quadratmeter auf angrpflanzte Baumspicke. Ferner nennt Wi seck 280 Hektar Wald s«in eigen, endlich wllst es zwei sehr wertvolle Sandgruben, Dasaltstcirbrüche, Lehm- und Tongruben und sehr reiches Ok:rv.rkomrnen als Gemeindebesitz auf. Auf dem Gebiete des Verkehrswesens kann es seine Autolinie mit zwei großen und in Kürze einem w.'itevsn, etwas lleineren Wagen für d.n Dienst nach Aiten-Buseck voczeigen, unb es kann dabei grltenb machen, dah dieses kommunale Betriebs unternehmen sehr entwicklungsfähig ist. Der Abschluß dec Feldbereinigung und die in der Gemarkung nunmehr gegebenen Iukunftsmöglichkciten dürswn Wohl auch gana beachtenswert sein. D.w Stand der Demeindefinanzcn ist, gleich wie bei Klein-Linden, auherordentlich günstig: abgesrhe-.r von einigen kleineren Aufwrrtungsschulden steht auch diese Gemeinde schuldenfrei da. tUebrigens ist auch hier schon ein gewisses Derbundensein mit Gießen vorhanden, denn bekanntlich erhält Wieseck zum Teil Wasser aus der Gießener Leitung, während es die Elektrizität vom Gießener Elektrizitätswerk bezieht. Man kann also wohl sagen, daß Gießen ruch in diesem Falle in bezug auf das Vermögen der stärkere Teil ist, datzeben aber Wieseck eben- - falls eine gute Aufwartung machen kann, älnser westlicher Vorort Heuchelheim wäre gleichfalls in der Lage, bei der Eingemeindung einige wertvolle Aktiven in die kommunale Ehe einzubringen. Diese Gemeinde besitzt etwa 38 Hektar Wald und rund 300 Morgen Gemeindeland, ferner umfangreiche Obstbaumonlagen in Gemeindebesitz. Wenn diese Vermögenswerte auch nicht her an reichten an die Große dessen, was Wieseck in dieser Richtung zu bieten vermag, so kann Heuchelheim aber vor allem auf die sehr rege Industrie Hinweisen, die in seinem Ortsbereich ansässig ist: hierbei darf man nicht allein die Tabakindustrie ins Auge fassen, man muß sich auch vergegenwärtigen, daß die Betriebe Abendstern, Windhof und noch einige andere Steinindustrien eine sehr bedeutsame Rolle spielen. Die Gemeindrfinanzen sind nach dem heutigen Stand der Dinge nur mit einigen tausend Mark Aufwertungsschulden belastet, im übrigen stehen sie völlig frei da. In diesem Zusammenhang ist jedoch zu bemerken, dah die Genreinde Heuchelheim bis jetzt noch ohne Wasserleitung und Kanalisation ist, zwei Dinge, die eine starke finanzielle Anspannung erfordern werden. Der Gedanke der Eingemeindung hat in Gießen sowohl wie in den Vororten zahlreiche Anhänger. aber auch nicht wenige Gegner. Wer die Tinge jedoch in Ruhe überlegt und sich dabei von dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit und der weitgehenden Interessengemeinschaft leiten läßt, wird zu dem Ergebnis kommen, daß die Eingemeindungsfrage in positivem Sinne ihre Erledigung finden muß. Labei sollte man die Lösung dieser Aufgabe baldmöglichst in Angriff nehmen, damit endlich ein Werl geschaffen würde, das schon lange als wicht gstes im Vordergründe der kommunalen Arbeit stehen mühte. Dah bei der Ausarbeitung des Gießener Generalbebauungs- planes die hier besprochene Entwickelung der Tinge gebührend in Rechnung gestellt wird, darf man übrigens wohl als selbstverständlich anfehen. Oberhesfen. Landkreis Gictzen. i2 L 0 llar, 10. Dez. Die Zahl derErwe r b losen in unserer Gemeinde beträgt gegenwärtig 2 2 Personen. Einige arbeitslose Leute haben in jüngster Zeit erfreulicherweise wieder Beschäftigung gefunden. — Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, auf der nach dem Lol° larer Kops zu gelegenen Seite des Holzmühlenweges «ine neue Baufluchtlinie zu genehmigen. Mit der Bebauung dieser Straßenseite soll jetzt begonnen werden. 4 Lieh, 10. Dez. In der Braugasse werden gegenwärtig Kanalisationsarbeiten vorgenommen.' Der dort seit den 80er Jahren sich befindliche Schichtkanal erwies sich als unzweckmäßig: er wird durch große Rohre ersetzt, da sich die Einmündung in den Hauptkanal erst auf der von Süd- west nach Nordost ziehenden Hauptstraße der Unterstadt befindet, sind beide Straßen für jeglichen Fuhrwerksverkehr gesperrt. Der Verkehr nach Gießen geht durch die Kohlgasse, der Verkehr nach Lau- dach durch die schmale Hintergasse. Die Arbeiten, die bald beendet sein werden, sind Vorarbeiten, die erst erledigt sein müssen, bevor die Klein- Pflasterung in Angriff genommen werden kann. s) Lich. 10. Dez. Dieser Sage fand in der Gastwirtschaft von Louis Hammel dah er die diesjähr. Generalversammlung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins statt. Die Versammlung war sehr gut besucht. Der l. Vorsitzende, Bürgermeister Völker, erstattete den Jahresbericht. Er führte u. a. aus, dah der Veranstaltung eines Blumenwettbewerbes und den Märkten ganz erhebliches Interesse gewidmet wordm sei. Leider habe man in diesem Jahre von der Deranstaltrmg eines Schaufensterwettbewerbes Abstand nehmen müssen. Sodann wurde auf Antrag des Vorsitzenden derDeitrittzumOberhessi- schcn Derkehrsbund einstimmig beschlossen. Dem Kassenbericht war zu entnehmen, dah ein nennenswerter Llebersch.ih nicht erzielt wurde, da die Anforderungen, die an den Verein gestellt werden, bedeutend größer seien als die ihm zur Verfügung stehenden Mittel. Im Mittelpunkt des Abends stand die Verkündung und Verteilung der zuerkanaten Preise des Blumenwettbewerbes. Die Höchstpunktzahl, die erreicht werden konnte, betrug 40. Erste Preise erhielten: Konrad Heinrich Walz, Ludwig Weber, Forstrat a. D. Schlot- terer, Jakob Katz. Heinrich Ihring, je 40 Punkte, Max Chambre I.. 38 Punkte, Postmeister Rau, 37 Punkte, Dr. S ch a a d, Ludwig Volz L. Elise Röger, Johannes Spahr. Gg. K. Ldg. Schmidt, O:to Pappe, Johannes Dietrich, je 36 Purk e. F?rd nand Zimmer, Heinrich Hisgen, K. Ldg. Kasp. Jung Wtw., Gustav Oh le muh. Emll Buh, Felix Mendelsohn, je 35 Punkte: ferner ko men noch zur Verteilung 23 zweite Preise, 37 dritte Preise, für vorzügliche Leistungen wurden 63 lobende Anerkennungm ausgesprochen. Jedem Preisträger w rde durch den Vorsitzenden eine Ehrenurkunde überreicht, außerdem wurden noch für die allerbesten Leistungen schöne Geschenke in Gestalt von Blumenkörben und -stöcken ausgegeben. Es wurde allgemein anerkannt, dah die Idee zu dieser Veranstaltung ausgezeichnete Früchte getragen hat. Eine kleine Verlosung einer Anzahl Blumenstöcke beschloß die Sitzung. : Trais-Horloff, 10. Dez. Arn Sonntag starb in einem Gießener Krankenhaus' unser langjähriger Lehrer Geck. Vor zwei Jahren fiel er dem Abbau zum Opfer und wurde in den einstweiligen, später in den endgültigen Ruhestand verseht. Er bewohnte jedoch bis zuletzt seine hiesige Dienstwohnung. Die Beerdigung fand auf dem Reuen Friedhof in Gießen statt. Der Vorsitzende des Ortsschulvorstandes widmete ihm einen warmen Rachrus. Ein Mitglied deS Gemeinderats legte für die Gemeinde einen Kranz nieder, ebenso der Vorsitzende des DezirkSlehrervercins Hungen, der besonders her- vorhob, daß in dem Entschlafenen der Verein daS Mitglied mit der langiährigsten Erfahrung verliere, die er allezeit gerne in den Dienst des Vereins stellte. In der Gemeinde wird sein gutmütiges, allzeit hilfsbereites Wesen ihm ein bleibendes Andenken bewahren. Kreis Büdingen. Tübingen, 10. Dez. Der Oberhessische Geflügelzüchteroerband, dem 38 Vereine angehören, veranstaltet unter Mitwirkung der Land- wirtschaftskammer vom 7. bis 9. Januar n. I. in unserer Stabt eine Ausstellung von Nutz- rass e n. Zur Ausstellung zugelassen werben nur Mitglieder der bem Verband angefchlossenen Vereine. Kreis Schotten. Gedern, 10. Dez. Auf dem jüngsten Schwei nemarkt waren 129 Schweine auf- getrieben. Die Preise betrugen für Ferkel 35 bis 45 Mark, für Läufer 55 bis 70 Mark. Der Absatz war ziemlich flott, so dah nur ein unbedeutender ileberftanö verblieb und gegen Ende des Marktes ziemlich ausverkauft war. — 2n unserem Bericht über das neue Wappen der Stadtgemeinde Gedern war die Signatur desselben nicht ganz korrekt angegeben. Die amtliche Angabe der Merkmale des Wappens lautet: In rotem Schild zwei silberne Pfähle, belegt mit je einer nach innen gekrümmten roten Forelle. Kreis Alsfeld. • Dannenrod, 10. Dez. Kürzlich wurde auch in unserem Orte ein Schützender ei n gegründet. Dem Verein traten 15 Mitglieder bei, die das Kleinkaliberschießen pflegen wollen.' Der Kriegerverein stell e seinen Schießstand dem jungen Verein zur Verfügung. Starkenburg. D a r m st a d t, 10. Dez. Heute nachmittag wurde hier im Orangeriehaus die 4. Allgemeine Mittel- u. Süddeutsche Geflügelschau eröffnet, die etwa 800 ‘Hummern umfaßt: Hühner, Enten, Gänse und Tauben. Der Darmstädter Verein für Geflügelzucht feiert sein 50jähriges Best eh en. Aus diesem Anlaß überreichte bei dem Eröffnungsakt Gewerbe'ehrer Bro hm dem Dereins- vorsidenden, Derwa!tungsvber'nspektor Hein, ein Diplom. Der Landwirtschaftskammer--Aus- schuß für Starkenburg war vertreten durch Lehrer A ck e r m a n n , der ebenfalls dem Iubilä- umsverein Glückwünsche übermittelte. — Die Darmstädter Dachdeckermeister setzten sich in einer öffentlichen Erklärung energifA tut Wehr gegen die sog. Bedachungsgeschäfte Die Inhaber dieser Firmen werden genannt, ferner wird daraus hingewiesen, daß sie keine Fachleute sind und keine Fachleute beschäftigen. WSN. Offenbach, 10. Dez. Gestern nachmittag würbe im Walde auf bem Biederer Berg ein vOjähriger Mann aus bem Stabtteil Bürgel erhängt aufgefunden. Wie es heißt, soll er wegen schwerer Familienzwistigkeiten in den Tob gegangen sein. Rheinhessen. WER. Mainz, 10. Dez. In der gestrigen Sitzung des Mainzer Verkehrsamtes wurde mitgeteilt, daß das Reichsverkehrsmini- ?erium nach monatelangen Verhandlungen jetzt ie Konzes ion für den Flugplatz Mainz- Wiesbaden erteilt hat. Die Interalliierte Rheinlandkommisfion dürste wohl die erforderliche Genehmigung hierzu auch bald geben. Preußen. Kreis Bicvcniopf. XX Rodheim ad. Bieber, 10. Dez. Reben dem Ebenstem ist von ackersher ein vorzüglicher Kalkstein im D.e^ertai gewonnen Forcen. Außer Grube Königsberg, die leit 1664 die Ludwigs.^ü.te bei B edenwpf versorg.e, ist es Gruoe ..Eleonore" bei Bieber, die be.be einen erstklassigen E.senstein l.efern und z. Zl. in vollem Betrieb sind. Dagegen liegt d.e einst so blühende K a l k st e i n i n d u st r i e gänzlich darnieder. Infolge ces steten Wechsels der Ofen- bescher ist zum großen Leidwe en der v e.en Bau- hanöwerker gebrannter Kall schon längere ^eü nicht mehr zu haben. Es waren früher fünf ergiebige Kallste.nbrüche in flo.tcm Gang, die, alle in hiesiger Feldmark gelegen, vielen Arbeitern Verdienst boten. XX Aus bem Biebertal, 10. Dez. Nur allzu kurze Zeit hat für bte fünf Orte des Nodheimer Bezirks bte Postautooerbtndung nach bem Amtsstädtchcn Gladenbach bestanden. Auch die Biebertalbahn trägt in ihrem Frühzug den vielen Arbeitern, die in Gießen beschäftigt sind, durchaus keine Rechnung. Da der Morgenzug erst 7.38 Uhr in Gießen eintrifft, müssen alle Arbeiter den weiten Weg zu Fuß zurücklegen, um rechtzeitig zur Arbeitsstätte zu gelangen. di reis Wktzla v .»I Wetzlar, 10. Dez. Der Oberpräsident der Rheinprovinz hat eine neue Poiiz.werord- nung über die Festsetzung und Handhabung der Polizeistunde in Gast- und Schankwirtschaften usw. erlaffcn. Hiernach ist die Polizeistunde für Gast-, Schank- und Spcisewirt- schnsten, CaföS usw. auf die Zeit von 11 Uf>r abends bis 7 ittv morgens festgesetzt. Die Orts- polizeibehörden sind berechtigt, im Falle eines tatsächlichen Bedürfnisses die Polizeistunde bis 12 ilpr nachts zu verlängern: sie sind ferner befugt, bei nachgewies.nem Bedur nis für einzelne Veranstaltungen, oder aus b.fonbcrem Anlaß vorübergehend allgemein eine Verlängerung der Polizeistunde bis 3 lllhr morgens zuzulas-en. Für Rummelplätze beginnt die Polizeistunde abends 10!/? Übr, für Lichtspieltheater abends ll*/s lllhr. Die Bestimmungen finden auch Anwendung auf geschloßene Geselllchasten. Vereine, Klubs usw. 0 Volpertshausen, 10. Dez. Die Zusammenlegung der Grundstücke der hiesigen Gemarkung wirb mit derjenigen der Gemeinde Weiden Hausen gemeinsam durch- geführt. Die Dermcsiungsarbllten sind infolge der jetzigen Witterungsverhältnisse für dieses Jahr vorübergehend eingestellt. Die Aussteinung und Ausmästung des Dorfes uni) des Wegenetzes in der hiesigen Gemarkung sind bereits beendet. Die Ucbergabe der neuen Pläne soll im Früh'abr und Herbst 1023 Ttat<"in,'cn. 00 Münchholzhausen, 10. Dez. Bei einer hier abgetaneren Feld- uni) Wald- treibjagö kamen 33 Hasen und ein Fuchs zur Strecke. Auch in der hiesigen Gemarkung ist der Bestand an Hasen in diesem Jahre wesentlich geringer, als im vorigen und in den früheren Jahren. Die Jagd wurde in der Inflationszeit gegen Roggenwert verpachtet. Die dadurch der Gemeinde zufließend«» Pacht bleibt hinter der Friedenspacht um mehr als die Hälfte zurück. Pächter sind Herren aus Wetzlar. < Riederwetz , 10. Dez. Die wirtschaftliche Zusammenlegung der Grundstücke der hiesigen Gemarkung schreitet rüstig vorwärts. Dieser Tage fand die Vergebung des Ausbaues der Wege, Graben usw. in dem Gemarkungsteil linls des Wehbaches, sowie der Lieferung der Zementröhren zu den Durchlässen statt, ebenso die Instandsetzung eineS Weges innerhalb der Gemarkung Riederquem- bach. Ditttrcis. i WER. Dillenb irg. 10. Dez. Zum zweiten Male innerhalb von vier Wochen ist das Dorf Stzchshelden im Dillkre se von einem verheerenden Großseuer heimgesucht worden. Aachts um 2 lllhr, genau zur gleichen Zeit wie vor vier Wochen, brach in der Scheune des Maurermeisters Sauber Feuer aus, das im Ru auf zwei benachbarte Scheunen Übergriff, die f cf ort in Hellen Flammen standen. Mit Hilfe der zwei Orts^euerwehren, sowie der Feuerwehren aus Dillenburg und Manderbach gelang es nach angestrengter Arbeit, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Die drei Scheunen brannten bis auf den Grund nieder. Die gesamten Erntevorräte sind vernichtet worden. Der Schaden ist nur teilweise d. rch Versicherung gebetft. M t aller Bestimmtheit wird angenommen, daß Brandstiftung vorliegt. Äntersuchung ist eingeleitet. bl. Herborn, 10. Dez. Im Steinbruch „Ravenschlag" bei Hirzenhain verunglückte der Arbeiter M a i von Lixfeld derart schwer, daß er dem Krankenhaus Dillenburg eingeliefert werden mußte. Kreis Usiiiqen. —!— Cleeberg, 10. Dez. In den legten Tagen ist in den Gemeinde- und Staatswaldungen unserer Gegend mit dem Holzfällen begonnen worden. Dabei findet eine beträchtliche Anzahl arbeitsloser Leute Beschäftigung, so daß die Zahl der Erwerbslosen hier merklich zurückgegan- gen ist. Mainau. WSN. Frankfurt a. M., 10. Dez. Heute nachmittag sand im Nieder Rathaus die erste gemeinsame Sitzung der Eingemeindungsausschüsse von Frankfurt und Nied statt, lieber das Ergebnis ist noch nichts bekannt geworden. Immerhin rechnet man in Nied darauf, daß die Stadt Frankfurt zu weitgehenden Zugeständnissen bereit ist. — Vor einigen Tagen wurde der Kriminalpolizei gemeldet, daß etne langjährige Angestellte eines Konfek- ttonsgefchäfts jahrelang unbemerkt Kleidungsstücke, in der Hauptsache Kindersachen, gestoh» l e n hat. Kriminalbeamte begaben sich zu dem Geschäft und fanden nach kurzem Verhör die Angaben bestätigt. Eine A b te i lu n g s l e i te r i n wurde vorläufig f e st g e n o m in e n. Wie man hört, soll sie die Durchstechereien zusammen mit einerWaschfrau vorgenommen haben. Letztere soll fast täglich in dem Geschäft erschienen sein und von der Abteilungsleiterin Pakete mit Kleidern in Empfang genommen haben. Der größte Teil der Diebstähle konnte polizeilich beschlagnahmt werden. — 5m benachbarten Nied wurden in der oergangenen Nacht in den Hühner st all des Direktors des Eifenbahr.ausbesterungswerks ein- gebrochen und20Hühner, sowie mehrere E n t e n an Ort und Stelle abgeschlachtetund mitgenommen. Die Täter konnten unentdeckt entkommen. W2R. Bad Hornburg v. d. H._ 10. Dez. Wie wir aus zuverläs iger Quelle erfahren, hat am DienStag eine Besichtigung von RitterS Parkhotel, des einüffen Groß-Hotels, das Bad Homburg noch aufzuweisen hat. durch den Vorstand der Deutschen Z^aufmanns-Srhr^ungs- heim-G.'sellirhaft ftattgefunden, die aus dem Hotel ein Erholungsheim für Kaufleute zu machen beabsichtigt. Arcis Fulda. WER. Fulda, 10. Dez. Am Mittwochnachmittag kurz nach 2 ilfjr stürzte infolge Motor- desckteS zwischen Keutzelbuch und Rückers (KreiS Fulda) ein Doppe ldecker a-b.-JS)a_- Flugzeug befand sich auf einer lllebungsfahrt von Staaken nach Mannheim Die Maschine wurde zertrümmert, während der Führer, Hans Rowak aus Weimar, urweilletzt blieb. Aus vcri. Amtsvcrkündtqunqsbkatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 99 vom 10. Dezember enthält: Kurzarbeiterfür» sorge. — Wahl der Beisitzer des Oberschiedsgerichts. — Vornahme der Fleischbeschau. — Wandergewerbe- scheine. — Gewcrbelegitimationskarten. — Maul- und Klauenseuche in Langd. — Nebenamtlicher Fortbildungsschulunterricht. — Feldbercinigungen in Großen-Linden und Beltershain. — Osfenhalten der Geschäfte vor Weihnachten. — Straßensperre. Rundfunk-Programm. Sonntag, 12. Dezember: 8.30 bis 9.30 Uhr: Weihnachtswoche des armen Kindes: Morgenfeier. 11 bis 11.30 Uhr: Eltern« Slinde. 12 bis 1 Uhr: Uebertragung von Kassel: Uttagskonzert. 1.45 bis 3.45 Uhr: Uebertragung von München (Sportplatz des Turn- und Sportvereins München v. 1860): Ländcrfußballfpiel Deutschland—Schweiz. 3.30 bis 4.30 Uhr: Weihnachtswoch» des armen Kindes: Die Stunde der Jugend. 4.30 bi» 5.30 Uhr: Konzert des Haucorchesters: Die Oper der Woche. 5.30 bis 6.30 Uhr: „Spinoza und die Gegenwart", Vortrag und Vorlesung von Dr. Carl Gebhardt. 7 Ühr: Uebertragung aus dem Frankfurter Opernhaus: „Der Golem", Musikdrama in drei Akten. 10.30 bis 11 Uhr: Weihnachtswoche des armen Kindes: Abendfeier. Montag, 13. Dezember: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Neue amerikanische Tanzmusik. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde. 6.30 bis 7 Uhr: „lieber das Briefmarkensammeln eine Einführung für den "'lnsänger", Vortrag von 9. A. Boßhard. 7 bis 7.30 Uhr: Funkhochschule: „Charaktergestalten aus der Geschichte des neueren deutschen Unternehmertums: Albert Ballin und die Entwicklung der Hapag (Hanckwrg- Amerikanische Paketfahrt-Aktien-Gesellschaft)". Vortrag von Prof. Dr. G. Küntzel. 7.30 bis 8 Uhr Englischer Sprachunterricht. 8 bis 8.15 Uhr: Englische Literaturproben. 8.15 Uhr: Sinfonie-Konzert. 10.30 bis 11 Uhr: Weihnachtswoche des armen Kindes: Krippenspiel „Das Gotteskind". Geschäftliches. Die Goldene Medaille der Gefolei (Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und ße.bcs- übungen in Düsseldorf) wurde der Firma G.Engelhardtü-Co. in Kassel, der Herstellerin der „Chasalla-Fußgelenk stützen und „C h a s a l l a »S ch u h e, für hervorragende Leistungen auf ihrem Gebiete verliehen. Seide und Kultur. Der Zug tu heubfacr Vebcntbeiabung, bet untere getarnte Kultur erfüllt, findet einen ftavfen Ausdruck in der Sport- und .Kölperkulmrbewea"mr und nicht zuletzt in der Mode. Bubikopf, kurzer Rock, ^mnannltdnmn der Dameninode sind fitltnrelle Ericheimtnaen. die den Zeuaeist lotberfuieacin. Wenn bt? beute noch nicht in tuet eiten 51 reifen ha? Bedürfnis nach einer praktischen und btUiaen Elea amt bemebiat wetd-n kann, fo ist daS auch eine bedauerliche Äuswirkunr des KrieaeS und der Inflatien, die au beMtfaen die Aui.iabe der deutschen Industrie fein mutz. DieieS *vro. lem ist allerdings, wie v eie nicht äh wissen scheinen, hinsichtlich der Leide längst aelöst. Tie eturtae deutsche fiunitfeibenlabr'it welche *tad) UekHidevem erfahr en die tonennimie flup>er« leide bersteli i die I. V Bembern A.-G. in Bin men, fttUmicrt eine s unutetbe, bte leibst der Iachnmna von rliaiinietbe kaum unterscheiden kann Die Bember,setoe kostet aber nur einen Bruchteil der Naturseide. Was Bemberafeide beute und in Zukunft immer ment für daS < ciamte Kni uileben bedeutet, reiflt etne neue kleine Broschüre mit l ochktinstler«scheu Zeichn naen und n bctuorraacnbei AuSstatii nq. Bekamt e Modeichrifniester plaudern über den Leidenstr,nnpi al Rui urinbor, über die Wäsche deS r?erin über das aione GelienumS u a Die Broschüre, welche eine Zierde j-des VcfcAimmerl ist wir > von der Z. i< Bembera A -(«. in t armen-R. an solche Leser, welche sich für „Seide und RtiUur* iuteressteren, nerne uuemaeiilich aUacaetfen Generalvertreter: S. Grünewald, Bebra. 9342s« 1Ö MW! nur Grch in N. de direKt in Reelle ur Eigene R oifeuds Wir iünbigi osrlungsgeje^ ti- sowie die hiem Barablöt Die zuftäit! trage angttuft Mösungsbelri Dießen, btn 8. Sonr an JBod Wunt 138 leibet k, \ Ns 1 ^Im s°ntt. ftf.« test tejs *1« tn eLn unb b£w6it ^er|rQV ZO > des armen Sitte'. iK®S*5* •-»iff* ywutt «■‘fix;.'« „TS^'inX ."Elich,, . utibbtrtiniflynttt ®ttaßtn|ptrrt, Wamm. NI den fi5Äk5 armtn lL30 Uhr: (Ettem, WNg von ftafle!: Uhr: Uebetltaming um« unb Sportw Wall|pid it: Weihnoihktyati der Äoenb. 4.30 bi» chcrs.At Oper der P'noza unb bie Er- IR) von Or. darf n9 aus dem Frank« ■m‘, Musikdrama ii Weihnachlswoche des hes. Nolel flusstellMk Fürsorge unb ßt.bts- murbe der Firme löffel, bet -erstellen» (entflößen un) r hervorragende w rließen. Mur. iti.bcinbnnfl, ber uniert pi einen imv'en “n* }ötDeduliiirbriW''irt ^ubitopl. fbherw» imobe finö ■ST« da» and) ?Sckqe» und der JunbebetbcmMf« i?km »L6tin»Ji itett bmnd)tüd) der eibeniabxM SLZ »'S«* Ä*.*K 'öeoffiih' nrnien’* rrttieu«b»«s$ Bahnhofswirtschaft Gießen Sonntags ab 4- vormittags an Wochentagen ab 4^ vormittags geöffnet. 1O258D Ltagengefchäft Sonneborn Aliceftrahe 11 10388* (lllllllillHIIllllllUllllllllllilliiiiiiiiiifiiiiiiiiilMIIIIIIIIUeilllllllllllflHtHHtHtffHIIIItUlftfMI von M. 1.95 an von M. 1.75 an von M. 14k) an Tischdecken . Kopfkiffen Damenhemden bestens geeignet! Vettkattnn....... 95, 70, 84 Pf. 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Mit einem ganzen Straub von Kapital- Zusammenlegungen beglüdte allein die Maschinen- und Daggonbauindu- strie die Wtienbesitzer. Bei weiteren Gesellschaften schein! die Entwicklung gleichfalls hierauf h-inzusteuern. Die verschiedenen Kursstürze der LerichtSwöche dürften diese Vermutung rechtfertigen. Sv hat der Kurs der Ufa, deren Aktien im Freiverkehr der Berliner Börse eine bedeutende Rolle spielen, einen Stand von etwa 37 Proz. erreicht. Wenn man sich den Zukunfts- Hoffnungen der Verwaltung nicht anschlieht, wird man eine außerordentlich schwierige Lage der U f a durch die zu sehr angewachsenen Produktionskosten feststellen müssen. Eine durchgreifende Reorganisation ist jetzt nicht mehr zu umgehen. Wenig günstig lauten auch die über Daimler bekanntgewordenen Nachrichten Sofern es zu- trifft, dah die Daimler-Benz A. G. einen Schuldensaldo von 26 Mlll. Mark hat, dann werden die Hinweise' auf den günstigen Auftragsbestand kaum eine Beruhigung auslösen können. Die Ge- samtschulden sollen bei Daimler 40 Mil. Mark betragen. denen Debitoren in Höhe von 14 Mill. Mark gegenüberstehen. GS ist nun bezeichnend für die gespannte Stimmung an der Berliner Börse, daß die Erörterungen über den Status von Daimler einen Kurseinbruch in den Aktien der Gesellschaften herbeiführten, der die gesamte Börse zeitweise recht ungünstig beeinflußte. Tin weiterer Kurssturz war einige Tage vorher in Canada Shares festzustellen, der ebenfalls bk Allgemeintendenz nachhaltig beeinträchtigte. Diese beiden Bewegungen standen bei den mehrfachen Boissevorstöben, die diesmal von Erfolg begleitet waren, an der Spitze Die eingangs hervorgehobenen verschiedenen Einzelerscheinungen trugen wesentlich dazu bei, daß die Kontermine Morgenlust witterte. Durch die Blankoabgaben und nachfolgende Deckungskäufe schaukelte die Tendenz der Terminkurse des Aktienmarktes ständig hin unb her, wobei das Beachtenswerteste ist, dah sich das Publikum fast restlos abwartend verhält, also auch keine Verkäufe tätigt. Nur die Spekulation nahm einige Operationen vor, die zum Teil allerdings nicht immer freiwillig gewesen sein bürften. So bewirkte bie Kürzung der Reportkredite durch die DiScontv-Gesellschast das Austauchen des Gespenstes einer allgemeinen Repordgeldkontingen- rierung, das vorübergehend umfangreiche Posi- tionSabgabcn auslöste. Durch daS Einspringen cine3 PrivatbankhauseS ist die Lucke rn den Reportgeldern zwar aufgefüllt worden, eine sichtliche Spannung aber zurückgeblieben. Diese Spannung ist durch die Entwicklung der Gel d Marktverhältnisse nach dem Rovember-Ummo noch verschärst worden. Die Sätze für Tagesgeld, die in den letzten Monaten immer sehr rasch nach dem Ultimo wieder her- untergingen. besinden sich jetzt noch auf der Höhe von 6 bis 7'/, Proz. Die Prolongat on, die bevor- steht, wird 8 bis 8'/r Proz. p. a. kosten, ein Sah, der seit langer Zeit nicht angelegt werden mußte. 3n diesem Zusammenhang durste übrigens interessieren, baß bie bebeutenbe Unterbewertung des Bez' gsrechtes der Hansa-Dampsschiffahrtsgesell- schast auf Angebote von Dezugsrechten zurückzuführen ist, die an lombardierten Wertpapieren hängen. Die jetzt festzustellende Anspannung des offenen Geldmarktes dürfte wohl nicht mir auf den größeren Iahresendbedarf, sondern auch auf die Solawechsel-Submission der Völddiskontbank zurückzuführen fein, bie zusammen Angebote von 72,6 Mill. Mark angenommen hat. Süddeutscher Produktenmarkt. swb. Das Geschäft bewegte sich in dieser Woche in sehr engen Grenzen. Die Meldungen auS den Weizen exportierenden Ländern boten zu lebhafteren Umsätzen keine Veranlassung unb man glaubt infolge bet weiterhin günstigen Ernteschätzungen aus Argentinien unb Australien allgemein an ein weiteres Zurückgehen bet Preise. Die Umsahtätigkeit an ben deutschen Märkten blieb äußerst gering, und auch der süddeutsche Produktenmarkt blieb ohne jegliche Anregung. Es wurde verlangt für ausländischen Weizen 31.25 bis 33.25, ausl. Roggen 26.50 bis 26.75. Auch inländisches Brotgetreide bröckelte im Preise ab, trotzdem bas Angebot nach wie vor nicht bringend ist. Man nannte deutschen Weizen mit 30.25 bis 30.50, süddeutsche Qualitäten waren zu 30 angeboten. 3nL Roggen 25.25 bis 25.50, pfälz. Roggen 25.50 bis 25.75, während rheinische Ware etwas billiger war. Das Geschäft inn Gerste unb Hafer war ruhig bei ziemlich uTWeränberten Preisen. Braugerste 26.25 bis 29. Futtergerste 21 bis 22, inlänb. Hafer 18.75 bis 19.50, auslänb. 20 bis 23.25. Das Mehlgeschäft ist weiter schleppend: bie Mühlen- forberungen für Dezember bewegten sich zu 41.25 bis 41.50. 3anuar-Februar-März-Lie,crui.g <0.75 bis 41. Roggenmehl, je nach Ausmahlung. 34.50 bis 37. Futtermittel lagen ebenfalls unverändert bei mäßigen Umsätzen. Fest und gesucht sind lediglich Kleie (fein) wofür 11.50 bezahlt wurden. Grobkleie 12.25 bis 12.50, Weizenfuttermehl 14.50, Weizennachmehl 22.75 bis 23. Oel- kuchen unverändert, Rapskuchen 17, Erdnuß- suchen 21. Ausländ. Biertreber 16.50 bis 16.75. Malzkeime 15 bis 16. • Metollgesellschaft — Metallbank — Deutsche Gold- und S i l b e r s ch e i d e . a n ft o I L In den gestrigen Sitzungen der Aufsichtsräte der Mewllgesellschast, Metallbank und der Deutsä)en Gold- und Silberscheideanstalt wurde beschlossen, Dividende von 10 Prozent jür die Metallgesellschaft und von je 8 Prozent für die Scheide- anstalt und die Metallbank vorzuschlagen. Die .'inupiuerfammlungen werden am 7. Januar statt- jinben. Die Hauptversammlung der Metallbank wird auch über eine Erhöhung des Stammkapitals von 25 600 000 Reichsmark auf 36 000 000 Reichsmark zu beschließen haben. * Verein für chemische Industrie A.-G., Frankfurt a. M. Die Gesellschaft kündigt zum 31. d. M. die durch Hauptoersammlungsbeschluß vom 28. Dezember 1920 gratis ausgegebenen 10 000 ttzenußscheine und will die Inhaber durch Barabfindung, und zwar 8,50 Reichsmark pro Stück, durch Hauptversammlungsbeschluß entschädigen lafien. Wie sie mitteilt, ist der Geschäfi-'gang 1926 bis jetzt zufriedenstellend gewesen, so daß mit einer angemessenen Dividende gerechnet werden kann. Für das Ge schästsjahr 1925 wurde bekanntlich eine Dividende von 5 Prozent verteilt. Torientert?. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M, Telegraphische Auszahlung. strankkuri a.M. Berlin Sthlu .1 ÜUM | i-Uhr- ftur* Schl-h. . Rur» Anfang lie Tota-n: 10. 12. , ii. \i 10. 12. 11. 12 5% Deutsche ReichSanleihe 0.71 -.7275 u 705 U.73 4e/o Deutsche SieichSan leihe — d U.645 '.»675 Te ursche Netch-an leihe 0 645 — 0.65 ) 6675 3°/e Ternsche NeichSrnleihe Teurschc Svorvrc.micnanleih-7 4°/o Preußische flonfplfl - 0.75 — 0.74 0.75 0.44 — 0 4175 — 0.65 — i>.66 0,675 4% Stficn.......... o.62 — 0 69 3■/,’/« Hessen.......... — — U 6, — 3% Helsen........... — —— 0.6 • — Deutsche Werrb. Dollar-Aul 99 ■ — 98 5 — dio. Doll -Schay-Amrrilng. -1 — — 4*7O SoUtürTen......... 15 15,25 15 — 5% Gold Mexikaner...... <2.9 44 — Berliner Handelsgesellschaft. 252 — 255,5 255.5 Cammer;- und Privat Bank Talmst. und Naiionalbank . -ti.S 191 186.5 191 .44.25 247 243.5 246 Tcutichc Bank......... 175 175 5 175 176.5 DiSlonlo b.ommanbit ... 165.25 166 164.75 165 Dresdner Bank........ Mctallbank........... 154 155.5 154 75 155 165 167 165 — Mitteldeutsche Crrdilbank . . 111.5 — 140 141,5 Ocsterrcichischc Trcditanstalt. 7.45 .— 7.5 7.4 Neichsbonk......... 166 156 156.25 156.75 Bochumer Guß........ 162.5 — 163 166 Buder.iS. ........... .01,5 103,25 101,5 — Caro ............. — — — — Deutsch Luxemburg...... 164 — 163.25 H.6.75 Gelsenkirchener Bergwerke. . 163.5 167,25 164.9 167.62 Harpencr Bergbau...... flaltwcrkc AscherSleben.... 177.6 — 176,25 177.5 135.12 — 137 135 flaliwerk Westeregeln..... 143 — 145.5 145.12 VaurahüUc ........... 72 — 73 73 Mannesmann....... . 181.25 — 180,75 183.5 Mans selber........... Cberbcbarf........... 128 128,75 127,62 H6 129 107 Phönix Bergbau....... I2J 120.9 120.25 121.25 Rheinische Braunkohlen . . . 230 — 2-8 229,75 Nhcinstahl........... 184.5 187 IS4 186.5 Niebeck Montan........ I7D 25 — 171 — TelluS Bergbau - ...... no — — Bereinigte Stahlwerke.... 136 — 2.37 128 Hamburg.Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovo . ... 162 163.75 161 164.12 158 160 150.5 159,75 Cheramische Werke Albin . . 95.25 - - - Jfincnnvcrt Heidelberg . . . 122 75 124 Philivv Hottmann...... 153.5 152,5 155 Äuglo Cont Guano..... — 101 — Chemische Mäher Alapin. . . — — (Goldschmidt....... . 132.9 — lul — Holzveriohlung. . . ..... 68 9 69.75 —- — st iS starven-Jnduftrte. . . 306.25 .>07,5 305 ■308.25 Nnlgcrvwrrke ........ 125 — 124.25 125.9 Cchetd^ansialt......... 166,75 — «llg. Elcktri;i,älS-Gcscllschast 153.75 154.5 152.5 153.4 Bergmann .......... 149 149 15'1 148 Elektr. Lieferungen...... Licht und flrast........ Mainkraftwerke........ 149 — 144 150,25 — 151 112 112 Schuckert............ 153 151 152 153.4 Siemens & HalSke ...... 188,25 188.5 185 188 ?ldlerwerke fliehet...... 95 25 96 94.5 94 5 Daimler Motoren. ...... 76 79.5 77 79 Hehligenstaedt......... ich Meguin............. 50 51 _ Mannheimer Motoren .... — 36 — frankfurter Armaturen — — — flonservcnlabrik Braun . . N.etallgesell chast Frankfurt . 55 * — - 166.5 — — 117 — 116 — Schnh'abrik Hcrj...... — ■ 61 — Sichel.............. — — 5 — Zellstoff Aschaffenburg.... 141 142 5 140 .^ellslo i Waldlwi. . . . . . 215,75 * 216.5 .06.12 Zuckermbrik Frankenthal . . 10i,5 * 10 । — Zuckerfabrik Waghäusel . . . 125 — 123 10. Dczbr. 11 Dezbr. Amtliche Noti rung Amtliche Notierung ffldb 'Brief >«eld -"riei Amll.-:)ioii 167.94 168,36 167.82 168.24 Buen-Airc^. 1.715 1.719 1,711 1.718 Bris.-llntw 58.42 58,56 58,415 58.515 Christiania 106.14 106.40 105.79 106.05 flovmhagen 111,89 H2.17 111,84 112,12 Stockholm 112.22 112.50 112.13 112,41 Helsingsor- 10,567 10.607 10.559 10,599 sttolicn. . . 18.25 18.29 19,10 19,11 London. . . :0.368 20.418 .'0,359 20.40» Vieunort . . 4.1995 4.2095 4,198 4,208 Pari-. . . 16.525 16.565 16.62 16,66 Schwei; . . 61,16 öl.36 öl. 09 ■>1,29 Sva>>i:n . 63.79 ►73.95 03.81 63,97 Japan . . . 2.061 2.065 2,048 2,052 «io de Jan 1.455 1.457 1.479 .481 Dien in D-- Ceft. abgesl 59,245 »9,385 59,232 59,372 Prag - . - 12,431 >2,471 12.421 12,461 Äclirad . ' 7,397 7,417 7.392 7,412 Budav.-lt. J.874 J.5U5 ».87 5,89 Bulgarien 3.03 J.O4 3,035 3,015 “iffabon 21.525 1.675 31,575 21,62a Don;ig. . hl.50 •'1,711 81.45 61.65 flonft nun t, 112 .125 2.112 2,122 Athen. . . 5.44 5.46 5.41 5 43 Eanada 4,196 4,206 4.195 4.205 Um uah < 205 4.215 4.205 4,215 Cairo . . 20.899 20.951 20.884 20.935 Banknoten. Berlin. 10 Dezbr Geld Brie' -lmrrikanilche Noten ..... Belgische Noten ....... Tönilche Noten ....... Englische Noten........ stran;osische flöten...... -volländifche Noten...... slt.licnische Noten...... Norlvegikche Noten..... Deutsch Ccftcrr .ilOOfirontn Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schmetter Noten....... Svanische Noten....... Tschcchoilowakische Noten . . Ungarische Noten...... 4.189 58.39 111.61 :0,31 16.505 167.60 18 17 106.00 59.10 2.06 111.97 81.00 63.54 12.415 5.845 4,209 58.69 112,18 '0.11 16.585 168.44 18.27 106.41 59.40 2.10 112.53 51.4(1 63.86 12,475 1.885 Frankfurter Börse. Frankfurt. 11. Dez. Tendenz: Uneinheitlich. — Der Wochenschlutz brachte keine einheitliche Tendenz, da einerseits neue Meinungskäufe vorgenommen wurden, andererseits aber auch neue Realisationen sich einstellten. Bankaktien zum Teil erneut abgeschwächt. Commerz und Dresdner ie minus 1 Prozent. Montanwerte uneinheitlich. Deutsch - Lux minus 0,5 Prozent. Gelsenkirchen plus 025 Prozent. Auch Schiffahrtsaktien unregelmäßig. Von Chemiewerten setzten 3. G. Farben wieder um 2.5 Prozent schwächer ein. Die Werte des Wetallbankkonzerns waren weiter gedrückt. Scheideanstast minus 1 Prozent. Elektroaktien lagen freundlicher. Schuckert plus 0.5 Prozent Autoaktien gut behauptet. Heimi fche An- Rätsel-Ecke. Silbenrätsel. Aus den 35 Silben: an — ar — ce — di — do — gi — gte — tag — tu — tu — la — la — na — nal — ne — net — neu — nue — nun — o — re — test — ri — rief, — spe — te — ti — ti — to — ul — ns — US — wa — wert — zo find zwoli Wörter mit folgender Bedeutung zu bilden: 1. halbseidenes Gewebe, 2.' Llpfclart; 3. Ur- scbrift; 4. seines Gebäck: 5. sranwsischer Roman- id)riftfteUer; 6 ungarischer Weinort. 7. männlicher Personenname: 8. Farbenabstusung: 0. Bad in Schlesien. 10. gerichtliches Sicherungsmittel: 11. Insel vor der Elbmündung; 12. päpstlicher Gesandter. — Richtig gebildet, ergeben die erste Buchstabenreihe von vorn nach hinten und die dritte von hinten nach vorn ein Zitat von Sirius. Mrcupvorträtfc!. io v* 19 25 2b 21 28 23 21 12^ 130 !3d 31 3^ 13 16 4* 7 n 9 L [12 L_ 15 1. Von links nach rechts: 1. Abschiedswort: 4. Amphibie: 7. Stadt In Holland: 8. Schmerz über eine begangene Tat: 10. Tageszeit: 11. Stadt in Jugoslawien: 13 Riese: 14. großer Widerwille: 16. Trinkstube: 17. bc° drängle Lage: 19. Hohepriester: 20. Nebenfluß der Donau: 24. türkischer Beamtentitel: 26. griechische Göttin: 29. altnordischer Beamtentitel: 30. Bodensenkung: 31. Insektenlarve: 32. biblische Person: 33. Name einer Königin: 34. Vogel. 2. Bon oben nach unten : 1. Blutgefäß: 2. biblischer Name, 3. deutsche Hafenstadt: 4. Amtstracht: 5. rumänische Münze: 6. weibliche Gestalt der griechischen Götterlehre: 7. Wild: 9. mathematische Bezeichnung: 10. wie 24 wagerecht: 12. germanische Göttin: 13. Prophet: 15. Weinort an der Mosel: 18. Werkzeug eines lebenden Körpers-, 21. Teil des Wagens: 22. Pa- pageienart; 23. Stadt in Württemberg: 24. Schick- salsgöttin: 25. Stadt in Südtirol: 26. Bad in Hessen-Nassau: 27. Titel: 28. weiblicher Personenname. Literaturrätscl. Nachstehendes Bildchen nennt uns die Titel dreier Romane. Welche sind dies? Buchstabenrätsel. Mit G ist's Schmuck zugleich und Schirm für Licht, Mit S ist mancher Schlecker drauf erpicht. Die letzt're in der Mehrzahl und vermehrt tim einen Laut, zu einem Land gehört, Das man fast täglich in der Zeitung nennt, Doch ist sie durch das Meer von ihjn getrennt. Bruchstückaufgabe. --ut, —o—len, c—o—, k--te, —ur—, —mu—, pa—e—. Vorstehende Bruchstücke sind durch je zwei Buch- staben z.i Hauptwörtern umzugestalten. Diese je zwei Buchstaben ergeben, werden sie aneinandergereiht, eine vorweihnachtliche Deranslalttma. Diätfd. Am Baum vor meinem Fenster läuft ein Vogel auf und nieder, In seinem Namen kehrt der Baum sowie sein Treiben wieder. Doch wenn des Namens erstes Wort zu vielen sich vereint. Das andre aber stehen bleibt, bann alsogleich erscheint Ein rauber, aber tapfrer Mann aus fernem wilden Westen, Der jebem wohl im „Lederftrumpf" gefällt am allerbesten. Auflösungen. Silbenrätsel. 1. Wechsel: 2. Alba: 3. Ranzen: 4. Marburg: 5. Emme: 6. Rapier: 7. Hagcnow; 8. Elli: 9. Rechen: 10. Belfort, 11. Stunde: 12. Trtller. Warmer Herbst — langer Winter homonym. Raten. Bilderrätsel. Wenn Löwen um die Höhle streuen, barj kein Lamm Schiedsrichter sein. Kopf-Dechselrätsel. Cid — Hocke — Runde — Ilse — Sole — Tiegel — Metze — Eber — Tasio — Tirol — Euter. Christmctte. Kreuzworträtsel. s|e|lLM|l in ira IH n SIE FIT SZ oj» NIE UmfleQungsräffel. Diner — Euter — Rhone — Boa — Rispe — Argus — Tibet — Alwin — Palme —Falsch — Eris — Lech. Der Bratapfel. Die Narrenkappe. Splitter uns Sparren vom Redakttonstifch^ Irren ist menschlich. 3m Schnellzug Berlin—München fitzen zwei bejahrte Herren. 3n der Gegend von Hof kommt folgender Zwiedialog zustande: „Sagen Sie, wann sind wir eigentlich in Hamburg?" Der andere schüttelt mitleidig den Kopf: „Da sind Sie Wohl falsch vuigeft.egen. Ich fahre nach Königsberg!..." (Lust. Dl.) Sudermann-Anekdote. Oskar Dlun.enthal inszenierte damals ein Sudermannsches Stück, in dem ein quicklebend.ger Gaul auf die Bühnenbretter zu humpeln hatte. Bei der Generalprobe passiert dem Tier was Menschliches--ein Bühnenarbeiter kommt mit der Schippe, und Sudermann steht händeringend vor Blumenthal: „Hm Himmels willen! Wenn das bei der Premiere passiert, bin ich für mein Leben bla* miertül" Antwortet Oskar mit Sngelsruhe: „Keine Gefahr, mein lieber Sudermann: bei der Premiere wirds so voll sein, daß kein Apfel zur Erde kommen kann!..." (Lust. Dl.) leihen etwas fester. Kriegsanleihe 0,730, Schutzgebiet 15. Ausländische Renten konnten sich gleichfalls etwas erholen. Am Geldmarkt war die Lage fast unverändert. Tagesgeld 5 Prozent, Monatsgeld 6,5 bis 8,25 Prozent je Adresse. 3m Devifenverkehr unterlag Paris gegen London Schwankungen und notierte zwischen 124 und 122,75. London-Mailand 111 gegen das Pfund. London-Kabel 4,8490. Die Reichsmark lag unverändert. Berliner Börse. Derlin ll. Dez. Die heutige SamStagbörse lieh sich außerordentlich still an. Der Orderseingang setzte erst verspätet ein, während die Spekulation stch bei Beginn des Verkehrs abwartend verhielt. Infolge des zusammengeschrumpften Verkehrs kamen zahlreiche Crstnotrerungen überhaupt nicht zustande. Dte Tendenz war uneinheitlich bei Kurs- Deränberungen, die über 1 Prozent aber kaum hinausg.ngen. Freundlich war die Stimmung für Schi f f a h r t s ak t ien im Zusammenhang mit Freigabehoffnungen, für einige Montan- we r t e und Elektropapiere. Andererseits bröckelten zahlreiche Werte leicht ab. Späterhin wurde die Gesamttendenz etwas freundlicher, da eine günstigere Auffassung über die politisch? Lage Platz griff. Der kurzfristige Geldmarkt zeigte eine leichte Entspannung, Tagesgeld stellte sich auf 5 bis 6*/$ Prozent, Monatsgeld 61/» bis 7 Prozent, da letzteres diesmal über den Iahresichluß läuft. 3m Devisenverkehv wurde Paris gegen London mit 122,50 bis 123,50 gehandelt. Die übrigen Valuten waren kaum verändert. Berliner ProdukLenbörsc. Berlin, 10. Dez. Es notierten (1000 Kilogramm) : Weizen, märkischer, 272 bis 274 Mark; Roggen 233 bis 238; Sommergerste 117 bis 147; Wintergerste 192 bis 205; Hafer, märkischer, 178 bis 188; Mais, loto Berlin, 196 bis 200; (100 Kilo- gramm): Weizenmehl 35,75; bis 38,50; Roggenmehl 32,75 bis 34,75; Weizenkleie 13, Roggenkleie 11,70 bis 12; Diktoriaerbsen 54 bis 61; kleine Speiseerbsen 32 bis 34; Futtererbsen 21 bis 24; Peluschken 20 bis 22; Ackerbohnen 21 bis 22; Wicken 22 bis 24; Lupinen, blau, 14 bis 15; Lupinen, gelb, 14,50 bis 15; Serradelle, neu, 20 bis 22,50; Rapskuchen 16,20 bis 16,30; Leinkuchen 21 bis 21,30; Trockenschnitzel 9,60 bis 9,80; Soyo- schrot 19,30 bis 20; Kartoffelslocken 26,30 bis 26,60 Mark. Letzte Nachrichten. Ein Auto gegen ein Fuhrwerk. D Großen-Linden, 11. Dez. Gestern nachmittag, k^rz vor Dämmerung, truj (ia> auf der Straße nach Klein-Liuden, etwa 2.0 Met r von der Waldsche.cke entfernt, ein Auto- Unfall zu. Ein von Großen-Linden kommendes Fuhrwerk konnte einem von Klein-L nd .n kommenden größeren Automobil nicht mehr schnell genug ausweichen, wurde von dieiem am Hinterrad erfaßt und völlig demoliert. Der Wagenführer, ein Wirseck.w Fuhrmann, und das Gespann kamen mit d m Sch.eckcn davon. Der Autosührer verlor durch den Zusammenstoß die Herrschaft über das A to. und infolge Versagung der Steuerung rannte es g e g e n e i n e n B a u m, der ' . Meter über der Erde glatt abgesägt wurde. Das Auto, ein stattlicher, schöner Wagen, fuhr die 2 Meter hohe Böschung hinunter, ohne sich dabei zu Überschlags. 3m feuchten Wiesengrunde blieb es stecken, wurde aber noch am Abend in demoliertem Zustande nach Gießen abgeschleppt. Die Reste des Fuhrwerks wurden heute morgen per Wagen abgefahren. -Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Jür unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine ©eroi>.,t übernommen. DerFrosch mit -erMaske Roman von Edgar Wallace. 13 Fonsetzung Nachdruck verboten „Geld ist nicht alles", sagte Johnson mürrisch. „Mit welcher Arbeit sind Sie denn jetzt eigentlich beschäftigt, Ray?" „Das kann ich Ihnen nicht sagen", antwortete Ray geheimnisvoll. „Ich konnte es auch Ella nicht sagen, obgleich sie stundenlange Verhöre mit mir angestellt hat. Es gibt eben Geheimnisse, über die man als Geschäftsmann nicht sprechen kann." Herr Johnson schwieg. Er dachte an Ella und hätte gerne gewußt, wie lange es noch dauern würde, bevor ihr hübscher junger Gefährte sie wieder zurückbrächte. Ach, Herr Johnson war nie hübsch gewesen und nun beinahe em Fünfziger. In der Abgeschlossenheit des Rosengartens erzählte Ella Gordon von ihren Befürchtungen. „Ich fühle, daß Vater olles erraten hat. Er war fast die ganze letzte Nacht aus. Ich blieb wach bis er zurückkam, und er war entsetzlich blaß. Er hat mir erzählt, daß er die ganze Zelt umhergewandert ist, und nach dem Kot an seinen Stiefeln zu schließen, muß es wohl wahr sein." „Wenn ich auch wenig über Herrn Bennett weiß," sagte Dick, „so glaube ich doch nicht, daß er der Mann ist, der schweigend dulden würde, wo es sich um Ihren Bruder handelt. Ich könnte mir eher einen höchst unliebsamen Austritt oorstellen. — Warum ist Ihr Bruder so unfreundlich gegen mich?" Sie schüttelte den Kopf. ,Lch weiß nicht. Ray ist plötzlich ganz verändert. Das neue Leben richtet ihn zugrunde. Worum hat er denn nur einen falschen Namen angenommen, wenn — wenn er einem ehrlichen Beruf nachgeht? — — — Als er mich heute morgens küßte, roch sein Atem nach Whisky und Sie wissen doch, daß er früher nie getrunken hat." Sie hatte aufgehört, ihn mit „Herr Gordon" anzusprechen. Das Kompromiß, ihn nicht bei seinem Namen zu nennen, machte Dick jubeln, denn er erkannte wohl, daß es ein Kompromiß war. Der Tag war warm und der Himmel wolkenlos. Ella servierte den Tee auf dem Rasenplatz und sie fand in Johnson und Dick zwei eifrige Helfer. Die Haltung des Jungen blieb fernerhin feindlich und nach ein paar flüchtigen Versuchen, sie zu besiegen. gab Dick es auf. Auch die Gegenwart des Vaters, der den Nachmittag hindurch her Gesellschaft fern* geblieben war, brachte nun keine Wendung zum Bessern. '„Das Schlimmste an dem Beruf eines Staatsanwaltes ist wohl," warf er in die mühsame Unterhaltung bei Tisch ein, „daß er diesen Beruf nie abzustreifen vermag. Vermutlich vermerken auch Sie die belanglosesten Gesprächsthemen für den späteren Gebrauchsfall in Ihrem Gedächtnis." Dick legte gemächlich ein dünnes Butterbrot zusammen, bevor er antwortete. ,Lch habe sicherlich ein gutes Gedächtnis. Es hilft mir auch, mich in schwieriaen und unange- neyrnen Situationen ruhig zu verhalten." Plötzlich wendete Nay sich um. „Seht nur," rief er triumphierend, „dort'steht das Oberhaupt seiner Spione. Sein getreuer Elk" Dick war verblüfft. Er hatte Elk auf einer neuen Froschspur verlassen, der jener nach dem Norden zu folgen Im Segriffe_mnF. Und nun stand Elk hier, die Hände um die «täbe bes Gartentores gelegt, das Kinn auf die Brust gafynkt und blickte über feine Augengläser hinweg traurig nach der Gruppe. „Darf ich hereinkommen, Herr Bennett?" fragte er. John Bennett nickte. „Ich bin ganz zufällig hier in die Nähe gekommen und es fiel mir ein. Sie zu besuchen. Guten Abend, Fräulein. Guten Abend, Herr Johnson. „Gib Sergeant Elk deinen Stuhl", sagte John Bennett mürrisch zu Nay. „Inspektor!" verbesserte der Detektiv. „Es ist merkwürdig, wie viele Leute sich einbilden, daß ich eeraeant bin. Nein, danke, ich möchte lieber stehen bleiben. Uebrlgens, ich kann es mir manchmal selber nicht recht vorstellen, besonders wenn mich die Polizisten zuerst grüßen. Ich vergesse dann zurückzu- grüßen." Seine verschleierten Blicke gingen von einem zum andern. „Ihre Beförderung hat wohl eine ganze Menge von Gaunern In Angst versetzt, Elk?" spottete Ray. „Ach ja, besonders die Amateure", sagte Elk. „Sonst," gestand er bescheiden, „hat die Neuigkeit keinerlei Sensation heroorgerufen, denn London ist ja gerade jetzt so voll wie noch nie von Geschichtenerzählern, die Millionen unter die Armen ausstreuen wollen, wenn man ihnen nur zuerst hundert Pfund leihen wollte, um ihnen sein Vertrauen zu beweisen. Es gibt auch viele lumpige Prejskämpfer, die von Erpressungen und Räubereien leben und fast eben- sovielc schöne junge Damen gibt es, die Spielsalons und Tanzlokale leiten. Rays Gesicht wurde tiefrot und wenn Blicke töten könnten, so würden Inspektor Elks Freunde an die- em Abend wohl nur mehr im Flüstertöne von ihm lesprochen haben. Aber Elk wendete seine Aufmerk- amkeit nun Dick zu. „Herr Hauptmann, ich haste gern gewußt, ob ich nächste Woche einen Tag frei bekommen könnte? Ich habe eine kleine Familienunannehmlichleit." Dick, her nicht gowußt haste, daß sein Freund überhaupt eine Familie habe, war überrascht. „Das tut mir aber sehr leid", sagte er mitfühlend. Elk seufzte. „Io, es ist etwas sehr schweres für mich", sagte er. „Ich möchte es Ihnen gern erzählen. Wollen Sie uns für einen Augenblick entschuldigen, Fräulein Bennett?" Dick erhob sich und folgte dem Detektiv an das Tor. Und dann sagte Elk hastig und leise: „Um ein Uhr morgens ist in Lord Farmleys Haus einge brachen worden, und die Frösche sind mit der Kopie des Vertrages auf und daoongegangen." Ella beobachtete verstohlen Dicks Gesicht, aber es hatte nicht den Anschein, als habe Elks Geheimnis irgendwelchen Eindruck auf ihn gemacht. Er kam langsam zum Tisch zurück. „Ich furchte, ich werde nun gehen müssen", sagte er. „Elks Angelegenheiten erfordern meine Anwesenheit in der Stadt." Er empfing einen Blick des Bedauerns aus Ellas Augen, her ihn für den (Entgang vieler Stunden entschädigte. Sie beschleunigten Abschied und Abfahrt. Im Auto begann Elk zu erzählen. „Lord Farmley hat das Wochenende in feinem ' Stadthaus verbracht. Er hat an zwei neuen Klauseln i gearbeitet, die auf die privaten Vorstellungen des i amerikanischen Gesandten hin eingeschaltet worden | waren. Dieser hatte, wie gewöhnlich, eine beobach j tenbe Haltung eingenommen, und es war ihm, I gleichfalls wie gewöhnlich, gelungen, sich die für fein ! Land wünschenswerte Verbesserung einer Klausel zu > sichern, welche von Schiffstransporten handelte. , Lord Farmley hatte das Dokument in das oafe gelegt, das ein „Cham"-Fabrikat der letzten Ersin ! düng und in die Wand seines Arbeitszimmers ein- ! gebaut ist. Er hat die Stahltüren zweimal versperrt, die Alarmglocken in Gang gesetzt imb ist zu Bett | Gegangen. Erst nach dem Mittagessen haste er mietet Gelegenheit gehabt, bas Safe zu öffnen. Allem An« scheine nach waren dessen Türen nicht berührt worden. Der Minister steckte, als er nach dem Essen wieder an dem Vertrage arbeiten wolle, den Schlüße! ins Schloß und entdeckte, wahrend er ihn um- drehte, daß die Schlüsselbärte keinen Widerstand sanden. Er berührte den Handgriff, und dieser ließ sich leicht herausziehen. Das Safe war offen, und der Vertrag mit allen feinen Anmerkungen und 93er- befferungen fehlte " „Wie sind sie in das Haus gekommen?" fragte Dick, während der Wagen die Landstraße dohinraste. „Durch das Speisekammerfenster. Die Speisekammern der Haushofmeister sind geradezu von einem Einbrecherarchitekten erfunden worden", meinte Elk. „Es war eine ehrliche Arbeit. Die feinste, die ich leit zwanzig Jahren gesehen habe, und nur zwei Männer auf Der ganzen Welt gibt es, die dergleichen mckchen können. Keine Fingerabdrücke, keine ins Safe gesprengten häßlichen Löcher, alles nett und wunderbar schön gemacht. Es ist ein Vergnügen, es ZU sehen." „Ich hoffe, daß Lord Farmley ebensoviel Befriedigung über diese Handfertigkeit empfunden hat, wie Sie", antwortete Dick grimmig. Und Elk schnupfte. „Er war nicht zum Lachen aufgelegt", sagte er. Wenigstens nicht, als ich megging/ Seine Lordschast war auch um nichts heiterer, als Efk zurückkehrtc. „Das ist doch schrecklich, schrecklich, Gordon! Wir hasten heute abends eine Kabinettssigung über den Fall^ab. Der Ministerpräsident ist nur deshalb in die Stadt zurückgekommen Es bedeutet ja den poli- tifchen Ruin für mich." „Glauben Sie, daß die Frösche dafür »«antwortlich gemacht werden können?" fragte Dick. Sorb Farmleys Antwort bestand darin, daß er die Tür des Safes Jffnete, Auf der Innenwand war ein weißer Abdruck zu sehen, genau der gleiche Abdruck. den Elk am lürpaneel von Herrn Broads Wohnung gefunden hatte. Es war für einen Nicht- Experten fast unmöglich zu entdecken, wie das Safe geöffnet worden war. Elk erklärte die Arbeit. Sie hatten zuerst den Handgriff herausgenommen und waren fo imstande gewesen, das Schloß durch ein wirksames Explosiv zu zerstören, das niemand im ganzen Hause gehört hafte. oiqD ELEKTRIZITÄT IN HAUSHALT UND GEWERBE AEG-Fabrikate Elektromotors Poliermotoren Bohrmaschinen Schleifmaschinen Steinschieilmaschinen Schm iedefeuergebläse Hauswasserpumpen Elekir. Lötkolben Leimkocher Schnellkocher Kaffeemaschinen Teekessel Tauchsieder Koch- und Wänneplatten Tischherde Heiß wasserspeicher Bügeleisen Haartrockner Heizkissen Strahlöfen und Kamine Küchenmaschinen Ventilatoren Nähmaschinenmotoren Waschmaschinen — Randfunkapparate Beleuchtungskörper Installationen, Reparaturen Spezialvertrieb durch» KONRAD MESSERSCMMIDT Dorfgill WILLI BRÖCKEL Langgöns Karl Ott Leihgestern Heinrich Riehm Lollar FRITZ FRANZ LOUelllnden GEORG SCHMANDT Watzenborn 10256a Ratenzahlungen können vereinbart werden. 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Die Marken sind im gesamten In- f und Auslandverkshr an Stelle der gewöhnlichen Briefmarken gültig und außer an den Postschaltern auch beim städtischen Wohlfahrtsamt, Garten- slraße 2, Zimmer Jlr. 8, erhältlich. Den Freimachungswert erhält vorweg die Deutsche Reichspost, und den lieber- schuh mit 60 Prozent die Gießener Win- ternothilfe — aber nur bann, wenn die Marken beim Wohlfahrtsamt entnommen werden —, mit 10 Prozent der Landesausschuß und mit 30 Prozent der Reichs- ausgleichsstock. 16040C verwende also jeder und insbesondere für die Weihnachts-, Neujahrs, und Oster- post nur die Wohifahrlsbriesmarken, und kaufe er sie nur beim Wohlfahrtsamt, Garlenstratze 2, Zimmer Jlr. 8. Gießener Winternothilfe 1923. Dr. FreyBeigeordneter, Vorsitzender. Bekanntmachung. Ab 3. Januar 1927 nehme ich meine berufliche Tätigkeit in Großen - Buseck wieder auf. BESTE GESCHÄFTSREKLAME IST STETS EIN INSERAT IM GIESSENER ANZEIGER Zsisige, Distelfinken Hänflinge, Rotkehlchen H. Köhres Staat!, gepr. Dentist 102|2D Betr.: Die Ausstellung der Steuerbücher für 1927. Alle am 10. Oktober 1926 in Gießen Vögel aller Z Kanarien, Wellensittiche Vogelkäfige u. la Futter Sauen Scheel S wieder eingetroffen. 3. M.Schulhos, Marltstraße 4 Telephon 119. 102130 wohnhaft gewesenen Arbeitnehmer werden hiermit ausaefordert, tm Stadthause Bergstraße 20, Zimmer Nr. 13, vormittags in der 3ejt von 8—1 Uhr, die für j 1927 erforderlichen Steuerbücher aus- stellen ju lassen, uuh zwar ist es Sache I?des Steuervflichtigen, dasür zu sorgen, daß er zur Zeit seiner ersten Lohn- ober GchaltszahlunA im Jahre 1927 im Be° [ !itze seines Steuerbuches ist. Personen, I Jj leren Arbeitslohn aller Voraussicht nach 5*--------------,__________ ___ den Betrag von 100 Reichsmark monat» I I I - 8 yi • sich nicht übersteigt sLehrljnae, Lehrmäd- IfmQIl 1111 0 hflfil) &’Äuär,n6e|*) bÄ md IIII Io ml ■ 11 Uly Zur schnelleren Abwicklung der Steuer- bücher-Ausstellung und insbesondere zpr Vermeidung von Zeitverlusten für den einzelnen Arbeitnehmer, ist es dringend zu empfehlen, daß die Arbeitgeber die Steuerbücher für ihre am 10. Oktober 1926 in Gießen wohnenden Arbeitnehmer bei der obenerwähnten Stelle abholen lassen. Die vorherige Einreichung einer Liste mit den Namen der Arbeitnehmer ist ratsam. Ruhegehaltscmpfänger und ihr« Hinterbliebenen, die ihre Bezüge von auswärtigen Kassen erhalten, haben ihr Steuerbuch unverzüglich der auszahlenden Kaste einzusenden. Bogen zum Einkleben der Steuermarken sind bei dem Finanzamt Gießen und dem Städtischen Steuerbureau erhältlich. Gießen, den 10. DeKencker 1926. Der Oberbürgermeister. I. D.: Dr. 6etb. |11 „ Grau- und ■ 91r Weiß-Stück WM O fi von bester Quah ■ 'tt und größter W w WW www ! rgiebiifkrit zu biL Preis C. Rübsamen, Gießen _____ Fernsprecher ItinU 2251c ianos 1Q262D und Das vortrefflichste finden Sie in den Marken Philipps Bülow Arnold QUALITÄTS -PIANO dies ist die allgemeine Anerkennung, die diesen geschmackvollen und 9 klangschönen Instrumenten gezollt wird? Nur wegen Qualitätsarbeit wurde der Name „Philipps“ berühmt. Nicht alle anderen Pianomarken entsprechen so vollständig dgn heutigen Anfoiderungen an ein gutes Instrument in so außergewöhnlich niedriger Preislage. Allein-Vertrieb: Busch'5 Musikhaus Gießen. Särge w in Kiefern», Tannen- u. Eichenholz, Verbrennungssarge Reiches Lager, billige Preise Auto-Transporte bei mäßiger Berechnung Anton Wagner Marburger Strafte 3t) Telephon 927 Ab 7. dieses Monats hälfe ich in Gießen, Bahnhofstraße 541 Sprechstunden Werktags von 1 bis 4 Uhr Mittwochs keine Sprechstunden L. Kaietsch Mitglied der Vereinigung Deutscher __Mflgnetopathen. 0^5 Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. A wurde eingetragen: 10218C Am 2. November 1926 bei der Firma Emil Fischbach in Gießen: Die Firma ist erloschen. Am 23. November 1926: 9) bei der Fjrma R. Rau.tenberg & Co. in Heuchel, heim: Die Finna ist geändert in Rauten- berg & Graf, b) Bei der Firma Schunk & Ede, Hepchelheim: Dem Kaufmann Friedrich Wilhelm Brinkmann hf* Hamborn ist Prokura erteilt. Am 2. Dezember 1926 bei der Firma Ludwig Dölf II. in Gießen: Das seither von Ludwig Döll unter der Finna seines Namens betriebene Geschäft ist mit Wir» hing vom 1. Juni 1926 und dem Rechte der Weiterführung der seitherigen Firma auf den Kaufmann Wilhelm Döst in Gießen übergegangen. Die Prokura d-s ?ßib beim Döll in Gießen ist erloschen. Gießen, den 4. Dezember 1926. __________Hessisches Amtsgericht ZWWMileiMW. K 45/26 Donnerstag, den 16. Dezember 1926, vormittags 10 Uhr, wird durch das Amtsgericht Gießen, Zimmer 112, 1. Obergeschoß, das im Grundbuche von Gießen den Heinrich Valkmann sX. Eheleuten in Heuchelheim zu je j zugsschnebene Grundstück Flur 39, Nr. 340 = 1041 qm Acker auf dem Wolfsfprl, geschätzt aus 625 Mk„ versteigert, jedoch nur die dem Ehemann zugeschriebene volle Hälfte. 8898L Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 28. Oktober 1926. I. A. des Amtsgerichts Gießen. _______Ley, Ortsgerichtsvorsteher.__ Bekanntmachung, Behufs Ergänzungswahl dßs Vorstay? des 'unserer Gemeiiche für H-rrn Rechtsanwalt Eugen Rothenberger, dessen Wahlzeit abgelaufen ist, liegt die Liste aller Stimmberechtigten drei Tage lang zur Einsicht der Beteiligten ip dem Bureau des Unterzeichneten, Alicestraße 2, eff?n. 10226D Nur wahreich dieser Zeit können Einwendungen gegen den Inhalt bei Liste zugelassen werden. G i e ft e r Öen 10. Dezembex 1926. Der Vorstand dex Israelitischen Religjßnß? gemeinde Gießen. Louis Marcus. 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