Nr. 265 Erstes Blatt 176. Jahrgang Donnerstag, 11. November 1926 Erscheint täglich,anher Sonntags und Feiertag». Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monals-Lezugrrrelr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch Lei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt, Fernfprechanlchlüffe: 51, 54 und 112. Anschrift für Drohtnach» richten: Anzeiger Siehen. pollschtcktonto: Krankfvrtam Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Vrvö vnd Verlag: vrühl'fche Univerfilälr-Vuch- und Steinörudcrei R. Lange in Gietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die lagcsnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 rom höhe für Anzeigen do.i 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 20 ",a mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil i.Dertr. H.Deck, sämtlich in ©legen. • England für Aufhebung der Militärkontrolle. Lord Crewe bei Briand. Paris, ll.Tioo. (TU.) Die die Telunion von gut unterrichteter euglischcr Seite erfährt, hat der englische Botschafter in Paris, Lord Crewe, im Auftrage der englischen Regierung B r i a n d am Dienstag mitgeteilt, daß nach englischer Auffassung die Ausgabe der interalliierten Kontrollkommission in Deutschland been- d e t sei, da Deulichland die im Versailler Vertrage ihm auferlegien 2tbrüffungsbeftimmungen durch- geführt habe. Dem Ucbergang der IHilifärfon- trolle auf den Völkerbund siehe nach Auffassung der englischen Regierung nichts mehr im Dege. General Walch hat am Dienstag Brianb erklärt, dah die zwischen der Reichsregierung und der interalliierten fiontroUfommifjicn noch bestehenden Streitpunkte nichtsoerheb.ich seien, dah deswegen die Aufhebung dec interalliierten Miiitärkommission oerzö- gert werden mühte. Auch er soll damit einoet- standen gewesen sein, dah ihre Befugnisse demnächst auföic Organe des Völkerbundes übergehen, wie in gut unterrichteten französischen Kreisen verlautet, wird General Dalch demnächst nach Berlin reisen, um mit den deutschen Behörden eine lehte Rücksprache ju nehmen. Alan erwartet ihn vor dem Beginn der VSlkerbnnds- ratssihung in Paris zurück. Der „Petit Parisien" fchrpibt dazu, es müsse anerkannt werden, dah Deutschland seit seinem Eintritt in den Völkerbund und seit der Besprechung von Thoiry den guten Willen bekundet habe, den letzten Ansprüchen der Botschafterkonferenz Genüge zu leisten. Obwohl einige Punkte noch nicht völlig geklärt seien, gewinne die baldige Ersetzung der Kontrollkommission durch eine Ueberwachunaskoinmission des Völkerbundes immer mehr an Wahrscheinlichkeit. Dor kurzem habe Strese.nann den Wunsch ausgesprochen, daß die Angelegenheit noch vor dem Zusam- mcntritt des Völkerbundsrates im Dezember geregelt werde. Daraus hatten die Vertreter der alliierten Machte in Berlin dem Reichsauhen- minister versichert, die Aufhebung der interalliierten Kontrollkommission werde um so früher erfolgen, je schneller und entschlossener die deutsche Regierung die Abrüstung vollende. DieMehrheits erhältnisse im Reichstag. Niederlage der Regierung im Sozial- polrt scheu Ausschuss — Emlenken der Sozialdemokraten. Berlin, 10. Roo. (Wolff.) In der heutigen Sitzung des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstages stand der Regierungsentwurf über die Krisenfürsorge zur Debatte, wonach den ausgesteuerten Erwerbslosen Unterstützungen bis zum 31. März 1927 gezahlt werden sollen. Ein deutschnationaler Antrag, die ausgesteuerten Erwerbslosen wie bisher durch die Wohlfahrtspflege unterstützen zu lassen, wurde abgelehnt. Angenommen wurde jedoch mit den Stimmen der Kommunisteli. der Sozialdemokraten, der Deutschnationalen und der Völkischen ein kommunistischer Antrag, der sämtliche Beschränkungen' in der Erwerbslosenfürsorge aufheben und die Zahlung der Unterstützungen unbegreiizt fortführen roolüe. Hierauf erklärte der Abg. E s s e r (Ztr.), dah der Regierungsentwurf gefallen fei und die Beratungen ausgesetzt werden müßten. Er schlug vor, morgen die Beratung des Arbeitsgerichts- aesetzentwurfes oorzunshmen. Hiergegen erhob Abg. AndrS (Ztr.) Einspruch, indem er erklärte, daß die Vertreter der Regierungsparteien sich nicht an den weiteren Beratungen beteiligen könnten, bis eine Klärung der Mehrheitsverhältnisse erfolgt sei. Der Vertreter der Deutschen Volkspartei schloß sich ausdrücklich diesen Erklärungen an. Hierauf vertagte sich der Ausschuß. Der Vorsitzende, Zentrumsabgeordneter Esser, begab sich unverzüg- lich nach Schluß der Sitzung zum Reichstagspräsl- henten Höbe, um ihn von dem Scheitern der Regierungsvorlage über die Krisenfürsorge für die ausgesteuerten Erwerbslosen Mitteilung zu machen und ihm zu erklären, daß er keinen Wegzu einer positiven Zusammenarbeit in dem Ausschuß mehr sehe. Wie die „Vossische Zeitung" mit- teilt, ist bereits gestern im Reichstag bekannt geworden, daß der Vorstand des Zentrums beim Reichs- kanzler in dem Sinne vorstellig geworden ist, er möge von sich aus die Initiative zur Mehrheitsbildung ergreifen. 2m Reichstage fanden denn auch bereits Verhandlungen der Regierung mit den Parteiführern der Regierungsparteien statt. Dabei ist allerdings über die Frage der Regierungsbildung noch nicht verhandelt worden, sondern lediglich über bi? Fragen, die heute im Sozialpolitischen Ausschuß in Der Erwerbslosenfrage und im Haushaltsausschuh in der Frage neuer planmäßiger Stellen im Verkehr s m i n i ft e r i u in zu Äoni Litten geführt haben. Das Zentrum verlangt, daß die planmäßigen Stellen nicht in dem Rachtragsetat eingestellt, svn ern erst im Hauptetat für 1 92 7 zur Entscheidung gebracht werden. Das Reichskabinttt gesenkt morgen darüber zu beraten. ob dies? Personalien im Rachtragsetat gestrichen werden Linnen. In der Erwerbs- ü>sensrage wird die Hoffnung geäußert, dah Erwerbsleben. Gegen die öffentliche Hand im Am 10. November haben die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft in einer eindrucksvollen Kundgebung gegen die zunehmende wirtschaftliche Betätigung der öffentlichen Hand Einspruch erhoben. Es ist cm sinnwidriger Kreislauf der Dinge: da Wird die Steuerkraft der Wirtschaft bis zu den äußersten Grenzen ausgenutzt und ausgeschöpft. In seltsamer Mißachtung der wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhänge geschieht von den öffentlichen Gewalten alles, um die für das Gemeinwohl und für das Staatsleben wichtige Steuerkraft zu zermürben und zu zerstören. Zunächst war es die Sozialisierung der gesamten Wirtschaft, sodann dve der Schlüsselindustrien. Da die Schwierigkeiten und Hemmnisse zu groß und zu stark waren, blieb cd vielfach bei der Losung: die Sözialisierung marschiert. Trotzdem wurden umfangreiche wirtschaftliche Energien in der öffentlichen Hand organisiert. Reich, Länder und Gemeinden verfügen nun einmal entwicklungsgeschichtlich über gewisse Monopole. Dazu gehören im Reich die Reichspost, früher auch die Reichsbahnen, bis sie durch den Dawesplan als eigenes Unternehmen eingerichtet wurden. In einigen Ländern wächst die Steigung, immer mehr Gruppen der Wirtschaft der mittelbaren Staatshoheit zu unterwerfen. So vor allem in Preußen, wie sich das bei den Verhandlungen über dieE l ek - t r opo litik im preußischen Landtag gezeigt hat. Das Reich hat sich ferner das Branntweinmonopol angegliedert. Gerade das Schicksal dieses Monopols ist ein Schulfall für das Mißverhältnis von Kraft und Aufwand zur Erreichung eines bestimmten Zieles. DieDrannt- weinindustrie galt als Goldgrube, aus der sich in Hülle und Fülle schöpfen ließ. Heute herrscht lern Zweifel darüber, daß das Branntweinmonopol ein Fehlschlag war, den das Reich mit dem Verlust einer ergiebigen Steuerquelle bezahlt hat. Weiter fei an die Deutschen Werke erinnert, die nicht einmal in der Inflationszeit flott werden konnten. Und der ungeheure Konz.rn, der als Vereinigte Industrieunternehmungen aufgebaut ist, hat sich von der öffentlichen Hand mehr als einmal stützen lassen müssen, um über die Krise hinwegzukommen. Schließlich sind es auch die Gemeinden, die die Verstadtlichung von Licht, Kraft und Wässer dazu benutzen, der Wirtschaft das Leben sauer zu machen, ilnb das zu einer Zeit, wo fast alle Gemeinden die Gewerbesteuer bis zur cklnerträglichkttt ausg:baut haben. Don den Gewerbetreibenden wird verlangt, dah sie in Form von Steuern die Mittel aufbringen, um den Stadtverwaltungen den großzügigen Ausbau ihrer Monopolbetriebe zu ermöglichen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn die Stäitte, wie es vielfach geschehen ist, den Gas- und Elektrizitätswerken besondere Unternehmungen angliedern, die Heiz- und Beleuchtungskörper verkaufen, die Installation besorgen usw. ES handelt sich nicht um Kleinigkeiten. Es ist offenbar, daß die gewerbliche Betätigung der öffentlichen Hand zu einer Gefahr an Volk und Staat wird. Gewi') bestand ursprünglich wohl die Absicht, die wirtschaftliche Betätigung der öffentlichen Hand gewinnbringend für Reich und Länder zu gestalten. Wenn aber ein Linker- nehmen wirtschaftlich gedeihen soll, müssen die fähigsten Kopfe an die Spitze gestellt werden. In gewissen Ländern sind aber gerade die staatlichen oder vom Staat finanziell abhängigen Betriebe zu Versorgungsanstalt.m von Berufspolitikern geworden. Die Kosten hierfür muh doppelt und dreifach das deutsche Volk zahlen. Es ist fein Gegenbeweis, dah einzelne Unternehmungen ertragfähig sind, dah sie llcber- schüsse abwerfen. Wenn es sich um monopolartige Betriebe handelt, ist das kein Kunststück. Aber die Frage ist, ob diese Unternehmungen dem Volke und dem Staate nicht weit mehr dienten, sofern sie sachkundig und privatwirtscha'tlich gewinnbringend betrieben würden. Die Unternehmungen der öffentlichen Hand sind überdies weniger mit Steuern und Abgaben belastet, sie gemeßen außerdem den Vort.il, daß sie sich auf einen umfangreichen Werbeapparat für die Abnahme ihrer Erzeugnisse stützen fönnen. Reuerdings wird ja auch versucht, den 'Baurn a r f t der öffentlichen Hand anzugliedern. Als Auftakt hierzu dient das sogenannte Wohnungsbauprogramm der Gewerkschaften, das nicht nur die Spareinlagen in den gemeindlichen Sparkassen, sondern auch die Kapitalien der öffentlich- rechtlichen Dodenlreditanstalten für diesen Zweck Herangehen will. Das führt dazu, daß wichtige Zweige der Privatwirtschaft, eben der Baumartt. durch Zwang gefesselt find und dadurch behindert werden, ihre volkswirtschaftlich überragende Aufgabe zu erfüllen. Auf der anderen Seite werden der Wirtschaft die Kosten für eine Erwerbslosen- fürsorge aufgepackt, deren greifbares Ergebnis das ist, dah es trotz der groben Arbeitslosigkeit schwer hält, brauchbare Arbeitskräfte zu bekommen. Die Kundgebung der Spitzenverbände der Wirtschaft wendet sich gleichermaßen an die Oessentlichkeit und an die Parlamente. Es ist Gefahr im Verzug. Gefahr auch deshalo, weil das unvermeidliche Versagen der wachsenden wirtschaftlichen Betätigung der öffentlichen Hand zu einer Krise führen muh, deren Umfang und deren zerstörende Gewalt viel härter und verhängnisvoller sein werde als selbst die Inflation am schlimmsten Ende. Die Protestaktion der Spitzenverbände. Berlin, 10. Rov. (WTB.) Die Spitzen- verbände der deutschen Wirtschaft fanden sich heute nachmittag in einer gemeinsamen und überaus stark besuchten Kundgebung in Berlin zu einer Protestaktton zusammen, die eine Darstellung der Gefahren zum Thema hatte, welche nach Ansicht der beteiligten Kreise der Wirtschaft aus der zunehmenden Betätigung der öffentlichen Hand im Erwerbsleben sowie aus sämtlichen Beschränkungen und Beeinträchtigungen das Privateigentum bedrohen. Die Kundgebung war von rund 1000 Persönlichkeiten aus allen Kreisen der Wirtschaft besucht. Einleitend kennzeichnete der Präsident des Re.chsverbandes der Deutschen Industrie, Gehnmrat Professor Dr. Duisberg, den Zweck der Kun)gebung. Aus dem zahlreichen Erscheinen der Vertreter der Behörden und der Parlamente schloß er, dah sich die Reg'erung der schweren Verantwortung bewußt sei, die sie in wirtschaftspolitischer Hinsicht Lage. Durch die Beteiligung der öffentlichen H----b im Erw. leben, die nach dem Kriege in zunehmendem Maße eingesetzt habe, seien vor allem der industrielle Mittelstand und das deutsche Handwerk gefährdet. Hierauf sprachen hervorragende Vertreter der deutschen Wirtschaft zu dem Thema der Kundgebung. Für das Handwerk führte der Borii(jcnbe des Reichsverbandes des Deutschen Handwerks, klempner.neisker Derl'.en, Hannover, aus: Don den he.:t. >-.rsammelten wirtschaftlichen Verbänden hat öaB Handwerk Wohl schon um längsten Einspruch gegen das Eingreifen der öffentlichen Hand in das private Wirtschaftsleben erhoben. Es scheint, als ob wir noch unter einer gewissen Kriegspsychose ständen. Damals glaubte man alles von der offen!.ichrn Hand aus machen zu können. Trctz zahlre )?r Fehffchlägr will dieser Ge.st und wollen diese Unternehmungen nicht sterben, weil sich ein Heer von Interessenten dagegen stemmt. Klagen des betreff men Gewerbes führten ledig ich dazu, dah man die Gesellschaften in die privatwirtschaftliche Form überführte, im Übrigen aber alles beim alten lieh. Dieses Verschleierungsverfahren wird heutzutage überhaupt mehr und mehr üblich. Man gründtt Gesellschaften unter unverfänglicher Firma und erweckt dad rch bei cklnkun- digen den Anschein, als ob es sich um private Unternehmungen handele, während in der Tat die öffentliche Hand nach wie vor ihre verderbliche Tätigkeit fortsetzt. Reichs-, Slaaick- und Gemeindebehörden richten immer mehr eigene Druckereibetriebe ein; fortgeftht laufen beim ReichHverband des D.utschen Handwerts K.'agm darüber ein, daß selbständige Handwerker ihre Existenz durch Crrichtuug von Regebetrieben verlieren. In 99 von 100 Fällen würde sich ergeben, daß das freie Gewerbe den vorhandenen Bedarf billiget decken tarnt. Wer die Singt ffe her öffentlichen Hand in die private Wir.schäft nicht billigt, der darf auch die öffentlichen Betriebe nicht unnötig in Anspruch nehmen und ihnen nicht seine Kundschaft zuführcn. Wenn jeder der heute hier vertretenen Berufsstände einmal in dieser Beziehung feine Mitglieder auf rüttelt und sie im e.genen Hause RachschaU halten läßt, dann werden wir schon ein gttes Stück vorwärts kommen. Die Inflation hat die Masse des Proletariats schon genügend vermehrt, inan braucht ihr durch die sogenannte kalte Sozialisierung nicht noch neue Scharen zuzuführen. Für den Einzelhandel sprach Senator May, Bremen: In Düsseldorf hat der preußische Handelsminister Dr. Schreiber anläßlich der letzten Tagung der Hauptgemeinschaft d^ Deutschen Einzelhandels alle, die es angebt, erneut daraus hin- die Sozialdemokraten schließlich ein Entgegenkommen zeigen konnten. Man stützt sich für diese Annahme besonders darauf, daß in der heutigen Plenarsitzung die sozialdemo.ratische Partei nicht für den kommunistischen Antrag gestimmt hat, die Vorlage über die Krisen Fürsorge sofort auf die Tagesordnung zu setzen. Der Abg. Esser (Ztr.) als Vorsizen er des Sozialpolitischen Ausschusses murre von den Vertretern der Regierungsparteien ausgefordert, am Donnerstag mit den Sozialdemokraten in dieser Angelegenheit Fühlung zu nehmen. Im Lause des Abends fand auch eine Fühlungnahme zwischen KabinettsmitgliL em und so- zialdemokrattschen Vertretern über die schwebenden Meinungsvers chiedenheiten statt. Die Blätter sprechen in ihren Berichten über die Besprechungen im Reichstag von einer Entspannung der innerpolitischen Lage. Rach der „Voss. Ztg." wurde bei den internen Besprechungen der Frak ior.svorstände der Regierungsparteien die Auffassung vertreten, dah auf eine Klärung der Me '.rheusoerhä.tnisse gedrängt und Sicherheit ba ur geschaffen werden müsse, daß sich Vorgänge wie im Plenum an Montag und Diens.ag und im Sozialpolitischen Ausschuß nicht wiederholen. Man hat bei den Regierungsparteien den Eindruck, daß die Sozialdemokraten zu einem gewissen Einten:n bereit seien. — Auch der „Vorwärts" spricht von der Bereitschaft der sozialdemokratischen Partei, „diesem unwürdigen Zustand e;n Ende zu bereiten“. gewiesen, wie wichtig für unsere gesamte deutsche Wirtschaft der Einzelhandel ist unb wie notwendig nach all den Schwierigkeiten der letzten Iahre eine pflegliche Behandlung sei. Umsoweniger ist es zu verstehen, dah die maßgebenden öffentlichen Stellen vielfach auf seine Ausschaltung bedacht sind und jede Rücksichtnahme vermissen lassen. Am schärfsten fühlbar macht sich die Konkurrenz der Gis- und Elektrizitätswerke. Soweit diese Werke durch Ausschaltung usw. auf neue Artikel Hinweisen, durch deren Gebrauch der Konsum von Gas und elektrischen Strom gesteigert wird, (Gaskocher, Kochapparate, Plätteisen, Staubsauger usw.) und diese Artikel praktisch vor'ühren. sind Einwände nicht zu erheben. Die Werke sind aber zum großen Teil zum Selb st verkauf solcher Artikel übergegangen und machen dem Einzelhandel unter rücksichtsloser Ausnutzung ihrer öffentlichen Machtstellung die schärfste Konkurrenz. Die städtischen Werke sind durch Befreiung von einer ganzen Reihe von Steuern dem Einzelhandel gegenüber im Vorteil. Sie haben ferner die 2Nöglichkeit. etwaige cklnterbilanzen durch Erhöhung von GaS- und Strompreisen sowie andere Gebühren auszu gleichen. Die Konkurrenz zwischen ihnen und dem Handel beruht also nicht auf freiem Wettbewerb. In ifjrcyn Interesse betroffen werden hier vor allen Dingen die Deleuchtungsgeschäfte und Eisen warenhändler. Zu weiteren schweren Klagen des Einzel Handels gibt die Derkaufstätigkeit städtischer Gärtnereien, Park- und Frirdhossverwaltungen Anlaß. Die Tatsache, dah in den letzten !'/_> Iah- ren nicht weniger als 1200 Blumengeschäfte ein- gegangen sind, ist z. T. auf die Konkurrenz der Stadtgärtnereien und Friebhofsverwaltungen zurückzuführen. Schwere Beeinträchtigungen liegen auf dem Gebiet des Kohlenhandels vor. Zum Deifpi : hat sich die Stadt Berlin in der Berliner Brenn stoff-Gcsekl'chast ein Unternehmen g schaffen, da sich nach eigenen Behauptungen seit s Her Grün Dung im Jahre 1922 zum größten Kohlenplcch betriebe Deuttchlands entwickelt hat. Daß di Berliner Kohlenhandelsbetriebe mit über dreißig Angestellten im Iahre 1925 gegenüber 192i einen durchschnittlichen Umsatz-Rückgang um 12.6 Proz., in Einzelsällen bis zu 23 Proz., zu verzeichn.» hatten, ist zu wesentlichen Teilen auf die Tätigkeit der Berliner Drennftoff-Gefellschast zurück- zusühren. Besonders nachträglich für den Einzelhandel ist ferner der Deamtenhandel und die Tätigtest der staatlichen Bcschasfungsstell.n. B i den ReichLbehorden, in Sachsen und in Thüringen ist der Deamtenhandel bereit; v.räotcn worden. Der Einzelhandel muß taut und deut.ich die Regierungen auffordern, sich an den § 164 der Reichkverftsfung zu erinnern, der bestt nmt, daß der selbständige Mittelstand in Land- Wirtschaft, Gewerbe und Handel in Gesetzgebung und Verwaltung zu fordern und gegen lieber- laftung und Aufsaugung zu schützen ist. Für den Kleinhandel sprach Generaldirektor Dr. Toepffer, Präsident der Industrie und Handelskammer Stettin: Es liegt der Privatwirls^aft fern, grundsätzlich jede wirtschaftliche Betätigung der o^entkichen Hand zu bekämpfen. Hebcrall dort, wo die Eigenart der Aufgabe es mit sich bringt, dah die Privatwirtscha t zu ihrer Losung nicht in dem Maße fähig sein kann, wie es de öffentliche Hand ist, wird eine verständige und ihrer Grenzen bewußte Privatwirtfo.a t die in Frage kommenden Gebiete der Betätigung der öffentlichen Hand überlassen; jedoch dürfen Betriebe, deren oberster Zweck Versorgung der Qlllge mein Leit ist, nicht das Bestreben nach privatwirtschaftlichem Erwerb in den Vordergrund stellen und sich zu reinen Erwerbsbetrieben ausoilden. Und doch sieht man eine derartige Entwicklung auf allen Gebieten, vor allem bei den Kraftwerken und Gasanstalten, bei den Kra tverlehrsgeie'l>u,aften und auf dem Gebiete der Wohnungswirtschaft. Die Gefahren, die der Wirtschaft durch die Betätigung der öffentlichen Hand entstehen, sind wesentlich großer als dis Gegensätze zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Mana,'em Bürgermeister, Landrat oder Gemeindevorsteher möchte ich heute zurufen: „Bedenken Sie, daß ohne Individualisierung, ohne kaufmännischen Geist, im wahren Sinne des Wortes kein Unternehmen gedeihen kann, und daß Unternehmungen, die nur dadurch gehalten werden können, dah zur Deckung von Deffzits Steuern erhoben werden, auf die Dauer unhaltbar sind. Untergraben S i e nicht die Steuerkräfte der Privatwirtschaft, auf der letzten Endes die Lockerung der Wohnungs- zwangswirt chasr in Preußen. Berlin, 10. Noo. (Wolff.) Nach einem Bericht des „Lokalanzeigers" wird in den nächsten Tagen eine Verordnung des preußischen Wohl fahrtsministerlums erscheinen, nach der Wohnungen mit einer Friedensmiete von 30 00 Mark jährlich und mehr völlig aus der Wohnungszwangswirtschaft herausge^ n o m m e n werden. Lediglich die Mietpreis- r e g e l u n g und der Kündigungsschutz sollen für diese Wohnungen noch bestehen bleiben. Rein gewerbliche Raume, die mit der Wohnung zusammcn- hängen, werden völlig aus der Zwangswirtschaft losgelöst werden. Existenz des Reiches, der Länder und der Kommunen beruht, indem Vie Konkurrenzen schaffen, die niemals das leisten können, was privat- wirtschaftliche Tätigkeit leisten kann und letzten Endes uns in eine Staatsfvrm treibt, die Sie selber nicht wollen." Ferner sprachen Freiherr von Kerke- rinck zur Borg für die Vereinigung der Deutschen Dauernvereine, Kommerzienrat Fr owe in für den Reichsverband der Deutschen Industrie. Dr. Mos le r für das Dank- u nd Dankiergewerbe, Geheimer Kommerzienrat Dr. Ravenä für den Groß- handel und Direktor Hilgard für das Der- sicherungsgewerbe. Sodann fand eine von den Spi!)enverbänden unterzeichnete Resolution gegen die Betätigung der öffentlichen Hand im Wirtschaftsleben einstimmig Annahme. Sn seinem Schlußwort stellte Geheimrat D u i s b e r g fest, daß die Svitzenoeroände diese Kundgebung einberusen haben, ausdrücklich die Subventions- Wirtschaft mißbilligend. Der Nachtragsetat. Deutscher Reich Ztag. Berlin, 10. Rov. (DDZ.) Auf der Taaesord- nung steht die Abstimmung über den kommunistischen Mißtrauensantrag gegen die Regierung. Der Antrag wird bei Stimmenthaltung der Deutschnationalen gegen die Kommunistcn und Völkischen ab gelehnt. Mit demselben Siimmenveryältnis wird auch der völkische Miß- trauensantrag gegen die Regierung abgelehnt. Hierauf wird di« erste Beratung des Nach- tragsetats fortgesetzt. Reichswehr»» inifter Dr. Gehler: Abg. v. Lindeinn-Wildau hat an der Entlassung des Generalobersten von Seeckt scharfe Kritik geübt, aber er ist nicht auf den Anlaß cingegrmgen. Sch muh das tun. Der älteste Sohn des Kronprinzen ist einige Wochen zur militärischen Dienstleistung dem 9. Infanterie-Regiment bei einer Hebung in Münsingen zu geteilt worden. Diese Sache ist eine außenpolitische und innenpolitische Unmöglichkeit. Außenpolitisch unmöglich, weil sie mit den Erklärungen im Widerspruch steht, die die Reichs regieruna abgegeben hat, daß sie allen ungesetzlichen Einstellungen in die Reichswehr mit absoluter Strenge entgegentreten werde. Unmöglich in einem Augenblick, wo wir dafür kämpfen, daß endlich mit dem demütigenden System der Militärkontrolle ein End» gemacht wird. Es ist unmöglich, daß von dem obersten Führer der Reichswehr eine solche Maßnahme ausgeht: sie ist es auch innenpolitisch, weil sie auch im Widerspruch steht mit den Erklärungen, die ich in diesem Hause abgegeben habe. Se't Sahr kund Tag bemühe ich mich unter Aufbietung aller Kräfte, die Reichswehr aus der Atmosphäre des Mißtrauens herauszubringen. aus der sie unter allen Hmständen heraus muh. Sch lasse mich dabei nicht beeinflussen von professionellen Hetzern gegen die Reichswehr, aber ich trage den verfassungstreuen Parteien gegenüber die Verantwortung. Es ist deshalb ganz ausgeschlossen, daß ein Prinz, der immerhin gewissen Kreisen als Thronprätendent gilt, In einer ungesetzlichen Weise in die Reichswehr ausgenommen wird. Heber diese Vorgänge hat mir gegenüber General v. S e e ck t die volle Verantwortung übernommen. Daraus kann sich gerade für jemand, der den militärischen Standpunkt so vertritt wie die Herren der Rechten, keine andere Konsequenz ergeben, als daß der Chef der Heeresleitung seinen Abschied nehmen mußte. Sch habe es abgelehnt, hierher zu kommen, den Chef der Heeresleitung zu desavouieren und hier gewissermaßen auf mildernde Hmständr für ihn zu plädieren. Dafür steht mir seine Stellung und dafür steht mir der Mann zu hoch. ES kommt noch etwas anderes hinzu: Sch habe von diesen Vorgängen keine Kenntnis bekommen. . Ich habe es immer abgelehnt. meine Hand zu ' bieten für ein kompromittierendes Spihelsyslem. > Das seht aber aus der anderen Seite auch voraus. daß ich über alles, was meine volitiscl)e F Verantwortung betrifft, rechtzeitig In Kenntnis gesetzt werde, weil ich sonst die Verantwortung '» nicht tragen kann. Das ist nicht geschehen. Aus meiner Darstellung acht hervor, daß das, was geschehen ist, mcht em Akt des Starrsinns gewesen ist, sondern der Staatsraison. Die Staatsraison ist stark genug: das hat dieser Fall bewiesen, sich gegen jeder« mann durchzusetzen, und es ist tragisch, daß sie sich auch gegen den Mann durchsetzen muhte, der so außerordentlich viel zur Stärkung der Staats^ autorität beiaetragen hat. Die staatstreue Presse hat nur eine Anstandspflicht erfüllt, wenn sie bei seinem Ausscheiden anerkannte, daß dieser Mann in voller Einsetzung seines moralischen Ansehens und seines militärischen Könnens in der trübsten Zeit den Aufbau des Staates gefördert hat. Seien Sie überzeugt, daß es für mich, der ich jahre« lang mit ihm zusammen um die Festigung dieses Staates gekämpft habe, nicht leicht gewesen ist, diese Stellung einzunehmen, die ich allerdings vom ersten bis zum letzten Augenblick ganz konsequent eingenommen habe. Ich habe es abgelehnt, in Fragen der Staatsraison Kompromisse zu machen. Mit Parteipolitik hat das gar nichts zu tun. Der Uebergang hat sich ohne jede Erschütterung voll« zogen. Das ist einerseits ein Beweis für die Lopa- lität des Herrn v. Seeckt, andererseits dafür, wie festgefügt jetzt die Reichswehr dasteht. General von Heye, der jetzt die Leitung der Reichswehr übernommen hat, ist auch vom Abg. v. Lindeiner in seinen Fähigkeiten anerkannt worden. Er hat eine schwierige Ausgabe übernommen. Er wird sich vor falschen Freunden hüten müssen (lebhafte Zustimmung), vor Leuten, die sich an ihn herandrängen werden, und die kein Verständnis haben für die Verpflichtungen gegen die Republik, die man mit dem Eid für die Verfassung übernimmt. (Lebhafte Zustimmung.) Dis- cite moniti! Sch habe immer dafür Verständnis gehabt, daß das alte Offizierkorps Zeit brauchte, um sich auf den neuen Staat einzustellen. Wer also wirklich der Wehrmacht Helsen will, der verschone sie mit einer falschen Freundschaft, die diese Hemmungen noch vermehrt. Abg. Er sing (Zenlr.) wirft die Frage auf, wie die Kosten für den Rachtragsetat, die zusammen mit den Dawes-Lasten über eine Mil- liarde ausmachen, ausgebracht werden sollen. Der Hnwille des Volles über die gewaltige Steuerlast ist berechtigt. Der Redner bedauert die unklaren Mehrheitsverhältnisse i in Reichstag. Die Weimarer Verfassung müsse ausgebaut werden. Durch eine Wahlreform müsse der Wähler in engere Fühlung zum Abgeordneten gebracht werden. Die Deutschnationalen streben nach Ministersesselm Wenn sie Grwerbs- lofenf ragen aber parteipolitisch behandeln, so sei das ein Hohn auf die Rot des Volles. Dasselbe gilt auch den Sozialdemokraten. 2wg. Dr. Cremer (D. Dp.): Bei seinem Ausscheiden danken wir dem Generalobersten v. Seeckt für seine verdieirstvolle Tätigkeit im Weltkrieg und ganz besonders nach dem Kriege zur Konsolidierung der deutschen Reichswehr, für sein tadelloses Verhalten In schwierigen auhen- und innenpolitischen Situationen. Wir müssen aber anerfermen, wie er auch selbst anerkannt hat, daß die politische Folge des bedauerlichen Zwischenfalls nicht anders aussehen konnte, wie sie jetzt aussieht. Es ist verwunderlich, daß die Kritik von den Deutschnationalen kam. Es handelt sich doch um einen Willen'Sakt des Herrn Reichspräsidenten, der den Oberbefehl über die Reichswehr führt. Sede Politisierung der Reichswehr muß vermieden werden. Wir sind überzeugt, daß die Reichswehr jetzt konsolidiert ist. Große Parteien, die, gleichviel mit welchen Mitteln, die Beteiligung an den Regierungs- aeschäften erstreben, werden sich darüber klar sein müssen, daß ihr Streben nur Erfolg haben kann, wenn sie zuvor die Hemmungen über- roinben, die in ihnen selbst einem Linschwenken In die Richtung einer Politik europäischer Zusammenarbeit und innerpolitischer Konsolidierung entgegenslehen. Die Fragen der Veamtenstellung und Be- amtenbesoldung mühten in der nächsten Zeit mit größter Aufmerksamkeit behandelt werden. Cs müsse vorsichtig abgewartet werden, ob sich die deutsche Wirtschaft nach der Beendigung des englischen Kohlenstreiks weiter so günstig entwickeln werde. Der Finanzausgleich müffle schleunigst neu geregelt werden. Die Länder und Gemeinden mühten dem Beispiel des Reiches in der Steuerermäßigung folgern Die beste Lösung wäre freilich nach seiner persönlichen Meinung, wenn die Sonderverwaltung der Länder einmal aufhörte und an die Stelle des Kantönligeistes der Einheitsstaat trete. Wenn die Parteien rechts und links von uns Glauben, zusammen eine Regierung bllden zu önnen, dann räumen wir ihnen gerne die Ministersessel ein. Wenn sie das aber nicht können, dann sollen sie nicht versuchen, uns mit Gewaltmahnahmen an der Arbeit zu hindern oder uns gar in widernatürliche Koalitionen hineinzuzwingen. (Beifall bei der Deutschen Volkspartei.) Abg. Dr. Haas (Dem.): Die Rede des Abg. v. Lbndeiner weiche erfreulich ab von der leidenschaftlichen und gehässigen Redeweise vieler seiner Parteifreunde. Die Entlassung des Generalobersten v. Seeckt war eine Rotwendigkeit. Wir fordern, daß endlich die Reichswehr mit repubManischem Geist erfüllt wird. Bisher ist sie nicht entpolitisiert, sondern bewußt und absichtlich mit monarchistischem Geist erfüllt worden. DaS muh aufhören. Die Armee eines jeden Staates muh fest auf dem Boden der Staatsform dieses Staates stehen. Die Reichswehr braucht das Vertrauen des ganzen Volkes, auch der Arbeiterschaft. Die Einführung der Fride- ricusmarke, bedeutet eine unnötige Störung des inneren Friedens und für weite Kreise eine bewußte Provokation. Friedrich der Große hat eine eigentlich deutsche Politll nicht getrieben, sondern erklärt, Preußen müsse mit Frankreich züsammengehen und dürfe nicht dulden, daß Frankreich Evsah-Lothringen verliert. So leidenschaftlich wie er, würde heute wohl keiner von ims die Locarnopolitll treiben. Abg. Leicht (Bahr. Vp.) meint, daß Bild der Reichsftnanzen scheine doch nicht so rosarot, sondern mehr wie die Farbe der Domherren: violett. (Heiterkeit. L. ist selbst Domkapitular des Erzbistums Bamberg.) Wenn der Finanzminister die Absicht äußerte, den zu komplizierten Weg des finanziellen Verhältnisses zwischen Reich und Ländern zu vereinfachen, so müssen wir ihm sagen: Die deutschen Länder sind nicht Mitglieder einer Aktiengesellschaft, deren Aktien man einfach zusammenlegen kann. Sie haben auch kulturelle Belange zu verteidigen. Zu der iimenpolitischen Situation möchte ich erinnern an einen Ausdruck, den wir in Bayern anwenden, wenn Leute zusammen- gehen wollen und nur schwer zusammenkommen. Dann sagen wir: Sie werden sich schon zu- sammenrausen. Die Deutschnationalen legen die Betonung mehr auf das Raufen als auf das Zusammen. Abg. Loebe (Soz.): Abg. v. Lindeiner hat sich gegen meine in einer anderen Versammlung geäußerten Vorschläge für eine Reform des Heeresers atzes ausgesprochen. Sch bin allerdings durchaus gegen die einseitige politische Auswahl des Heeresersahes in einem der gegenwärtigen Staatsform feindlichen Sinne. Sn Hanau und Fulda unterhalten rechtsradikale Offiziere Bureau, in denen Ersatz für die Reichswehr besorgt wird. (Hört! Hört!) Die Reichswehr ist im monarchistischen Sinne politisiert worden. Bei ihren letzten Manövern wurde von Reichswehrangehörigen das Ehrhardtlied gesungen. Wenn gesagt wurde, es werde nicht gelingen, die Reichswehr auf den Boden der Republik zu bringen, so sage ich: Wir werden nicht eher ruhen, bis das Heer, das die Republik erhält, auch der Republik ergeben sein wird. Weiterberatung Donnerstag. Prlsudfkis Reformpläne. Gegen die politische Korruption in Polen. Warschau, II. Rov. (TH.) Großes Aufsehen erregt ein Interview, das Marschall Pil - I u d s k i einem amerikanischen Journalisten gewährt hat. Pilsudsti erklärte u. a. wörtlich: Sa- Wohl, es ist wahr, daß ich Diktator in Polen werden will. 2lbec nur ein Diktator, wie es der amerikanische Präsident i st. Kein Diktator, wie er in einigen europäischen Ländern herrscht. Sch halte unser parlamentarisches System für veraltet und zu sehr verwickelt. Auch muß ich sagen, daß die Volksvertreter sich oft ihrer hohen Pflichten nicht gewachsen zeigen, da unter den Abgeordneten sich leider eine Menge von Analphabeten befindet. Auch die Verfassung ist nicht geeignet, das Land gedeihen zu lassen. Sie muh radikal geändert werden. Es sind in Polen zuviel Parteien, die das Land regieren und die nie einig sind. Der Staatspräsident muh nicht von der I Rationalversammlung, sondern vom Volk selbst gewählt werden. Er muß in seiner Tätigkeit nicht von den Parteien abhängig, sondern nur dem Volke verantwortlich sein. Die Minister müssen sich von den Parteien unabhängig machen. Sie müssen vom Präsidenten ernannt und ihm verantwortlich fein. Die Hochzeitsfeierlichkeiten in Brüssel. Brüssel, 10. Rov. (Wolff.) Heute vormittag fand in der S t. G u d u l a - K i r ch e die kirchliche Trauung des Kronprinzen Leopold mit der Prinzessin Astrid von Schweden statt. Seit 73 Sahren. seit der Vermählung des nach- maligen Königs Leopold II. mit der Erzherzogin Maine Henriette von Oesterreich, hatte die K rche keine derartige Feierlichkeit erlebt. Das Fest wurde von gutem Wetter begünstigt. Eine riesige Menschenmenge, die das glänzende Schauspiel angelockt hatte, bekundete lebhaft ihre patriotischen Gefühle und begrüßte das junge Paar, die königliche Familie und die fremden Fürstlichkeiten. Auf den Straßen, die der Braut- zug passieren mußte, hatten Truppen in Feld- dienst-Hniform und Stahlhelm Aufstellung genommen. Vor der Kirche hatte eine sechzig Mann starte Abtellung schwedischer Marinesoldaten Aufstellung genommen. 3m Innern der Kirche, die mit dem Danner der alten Brüsseler Gilden und mit einem von der Königskrone überhöhten Throichimmel aus rotem Samt geschmückt war, hatten sich nach 10 Hhr vormittags alle offiziellen Gäste eingefunden. Hm 11 Uhr traf das Brautpaar ein, das von der Menge, die sich vor der Kirche staute, begeistert begrüßt war. Die Trauzerrmonie wurde vorn Erzbischof von Mecheln, Monsignore van Rosy, Primas von Belgien, zelebriert. An der Feierlichkeit nahmen außer den Angehörigen des Brautpaares auch der König und die Königin von Dänemark, Prinz Heinrich von England, die Großherzogin von Luxemburg und ihr Gemahl, Prinz Felix von Bourbon sowie Prinz Olaf von Norwegen teil. Dach der Trauungsfeierlichkeit fand im Schloß ein Frühstück statt, am Dachmittag ein großer Empfang, an dem über 3000 Personen teilnahmen. Entspannung zwischen Paris und Rom. Paris, 10.Dov. (TH.) Der offiziöse »Petit Parisien" spricht die Erwartung aus, daß Mussolini in etwa acht Tagen, wenn er im Senat eine ausführliche Darstellung der außen- und innenpolitischen Lage gebe, auch vor aller Oefsentlichkeit aus die Notwendigkeit der A u f - rechterhaltung der freundschaftlichen Beziehungen zu Frankreich Hinweise. Der Quai d'Orsay legt auf die Feststellung Wert, daß Driand bei der Hnterredung mit Baron Avezzana die Hoffnung ausgesprochen habe, die italienische öffentliche Meinung werde in Zukunft sich ungerechtfertigter Angriffe gegen Frankreich enthalten, deren Wirkung der gutem Zusammenarbeit der beiden Regierungen keineswegs nützlich fein könnte. Kleine politische Nachrichten. Der deutsche Botschafter v. Hösch hatte Mittwoch wieder eine lange Hnterredung mit Driand, In der die Erörterung der bekannten zwischen Deutschland und FranckrÄch schwebenden Probleme weitergeführt wurden, wobei die noch ausstehenden Fragen auf dem Gebiete der Entwaffnung Deutschlands und die deutsche Zollfrage Derücksichtigung fanden. ♦ Der Preußische Landtag lehnte ein deutschnationales Mißtrauensvotum gegen den Minister des Innern, G r z e s i n s k y, mit 211 gegen 172 Stimmen der Rechtsparteien und der Wirtschaftlichen Bereinigung ab. Die Kommunisten enthielten sich der Stimme. * In einer Rede in Kassel betonte der Reichstagsabgeordnete PH. Scheidemann, daß das Bestreben der Deutschnationalen, in die Regierung zu gelangen, mit allen Mitteln verhindert werden müsse und, wenn nötig, dieSozialdemokratiesich an der Regierung beteiligen müsse, um das Eintreten der Deutschnationalen zu verhindern. * Der Direktor der Landwirtschaftlichen Zentralkasse und des Verbandes der Landwirtschaftlichen Genossenschaften in Bozen, Arbogast von P l a - w o n, erhielt auf Grund des italienischen Gesetzes über den Aufenthalt von Ausländern im Grenzgebiet einen Ausweisungsbefehl. Er ist ein Einheimischer, der in Dintschgau begütert ist und dort sein Stammschloß hat. Mussolini empfing den Ingenieur Flettner, den Erfinder des Rotors, und versprach, das Rotorschiss „Darbara" bei seiner nächsten Reise nach Italien zu besuchen. Er interessiere sich lebhaft für die Erfindung. * Die Errichtung eines russischen Generalkonsulates in Danzig steht unmittelbar bevor. Dr. Kalina vom Volkskommistariat für Auswärtiges soll für den Posten des Generalkonsuls bestimmt sein. Der türkische Außenminister Ruschdy Del ist auf dem Panzerkreuzer „Hamidie (früher „Goeben") in Odessa eingetroffen. Tschitscherin und der türkische Dotschafter in Moskau befinden sich auf dem Wege nach Odessa, wo die beiden Außenminister eingehende Besprechungen über eine gemeinsame Asien- Politik haben werden. Aus aller Welt. Die Taqnnq d r ArktiForscher. Die Internationale Studiengesellschaft zur Erforschung der Arktis mit dem Luftschiff „E. V." hält vom 10. bis 12. Noocmber in Berlin ihre erste ordentliche Generalversammlung ab. Die Eröffnungssitzung wurde eingeleitet durch eine kurze Ansprache des Vorsitzenden Dr. Fridjof Nansen Reichsinnenminister Dr. Külz überbrachte die besten Wünsche des Reichsministeriums. Professor K o h l s ch ü t t e r, der Vorsitzende der deutschen Gruppe, berichtete sodann über die Entstehung und Entwicklung der Studiengesellschaft. Nach diesem Bericht sprach Professor Fridjof Nansen über die wissenschaftliche Notwendigkeit, Arktisforschung zu treiben, und die Unzulänglichkeit der bisher benutz- ten Forschungsmiltel. Der Redner erklärte, daß das lenkbare Luftschiff bereits in seinem heutigen Entwicklungsstadium große Vorzüge für die Untersuchung der arktischen Gebiete habe. Sein Aktionsradius umfasse augenblicklich schon die gesamten unbekannten Gebiete. Nach einem Vortrag des Generalsekretärs Hauptmann a. D. Walter Bruns über „Praktische Wege für den Einsatz des Luftschiffes zu ausgedehnter wissenschaftlicher Erforschung der Arktis und ihrer ständigen Ueber- wachung" wurde die Eröffnungssitzung beendet. Ein Schnlhans vorn Sturme zerstört. In L a Plata bei Washington vernichtete ein Sturm das S ch u l h a u s. Aus den Trümmern wurden 16 Kinderleichen geborgen. Weitere verwundete Kinder liegen in Washingtoner Hospitäler. Der Sturm drückte die Schule wie ein Kartenhaus zusammen. Entsetzliche Szenen spielten sich ab, als bekannt wurde, daß die Schule vernichtet sei. Das Unglück ereignete sich, als die Lehrerin die Kinder gerade entlassen wollte. Die Kriegerfürsorge In Deutschland. Nach einer Erhebung des Statistischen Reichsamtes und des Relchsarveitsmaristeriums erhallen noch ungefähr 650 000 Kriegsbeschädigte Der- sorgungsgcöührnisse. Rund 40 000 Kriegsbeschädigte leiden an Lungentuberkulose, 2700 llnd blind. Rund 20 000 sind Arm- und Handamputierte, 44 000 haben ein Dein oder einen Fuß verloren. Für die Versorgung und Fürsorge der Kriegsbeschädigten und Kriegrrhmterbllebe- nen braucht das Reich rund ein Drittel seiner Gesamtausgaben. — __ Schwerer Vulkanausbruch In Mitlelamerika. Wie aus San Salvador berichtet wird, ist aus dem Vulkan Izo! ko im Bezirk Matagano ein 400 Meter breiter Strom glühender Lava ausgebrochen und hat weite Gebiete verwüstet. 75 Personen f in b ums Leben gekommen. Die Bewohner der benachbarten Dörfer befinden sich auf der Flucht, da ein neuer Ausbruch des Vulkans befürchtet wird. Schweres Straßenbahnunglück. Auf der Straßenbahnlinie Emmerich — Zülphen, kurz vor Emmerich, wurde die Frau eines Arbeiters von einem Straßenbahnwagen erfaßt und auf der Stelle getötet. Beim Weiterfahren fuhr der Wagen in eine Gruppe von Holländern hinein. Einer der Heberfah«^en wu^de buchstäblich in zwei Teile geschnitten. Zwei weitere Personen wurden so schwer verletzt, daß mit ihrem Ableben jeden Augenblick gerechnet werden muß. Ein vierter Holländer erlitt ebenfalls schwere Dcr- letzungem Der Straßenbahnsührer wurde in Haft genommen, da sein Wagen die höchst zulässige Geschwindigkeit an gefährlichen Straßenkreuzungen überschritten hatte. Schweres Autounglück. Sn Lankarlhire (England) fuhr ein großes Personenauto, in dem sich 28 Kinder des dortigen Krüppelheimes befanden, infolge Versagens der Dremle gegen eine Mauer. Der Anprall war s» stark, daß der ganze Kraftwagen umstürzte und e^nen großen Teil der Kinder unter sich begrub. Einige Kinder wurden schwer verletzt, die üvrigen kamen mit leichteren Der- wundurrgen davon. kohlenschleber. Die Duisburger Kriminalpolizei ist einer grohao Schieverattlon auf die Spur gekommen, die mit Ausfuhrbewilligungen des Aelchskohlenkommissars getrieben worden ifK Eine größere Anzahl solcher Ausfuhrbewilligungen wurde beim Kohlensyndikat in Essen und Duisburg cuStoär.ic.en Firmen verkauft. Daraufhin fanden dann zahlreiche Kohlen- Verschiffungen nach dem Auslande statt. Es wurden von der Polizei mehr als 50 Pe.sonen, Firmeninhaber und Angestellte, ermittelt unb zum Teil fe st genommen, nach ihrer Vernehmung aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Auch Angestellte von Firmen, die dem Kohlensyndi^ an^ehören, sind in diese Angelegenheit, die tägllch weitere Kreise zieht, verwickelt. Eine größere Anzahl belaßener Kohlenkähne wurde von der Polizei beschlagnahmt. Unterschlagungen bei bet Reichsbahn. Ein Beamter der Güteckasse des Bahnhofes Luckenwalde bei Berlin wurde von Beamten des Eisenbahnüberwachungsdienstes der Reichsbahndirektion Halle wegen fortgesetzt«: Hnter- schlagungen in Haft genommen. Die Höhe der veruntreuten Gelder ist noch nicht ftstgestellt, i dürfte aber 5000 Mark übersteigen. Der verhaftete Beamte wird außerdem beschuldigt, aus der Kasse des Beamtenvereins 600 Mark unterschlagen zu haben. Begnadigung. Das braunschweigische Staatsministerium hat gegen Landesschulrat Stolze! die im Sommer in der Bcrufsinstanz verhängte Gefängnisstrafe von einem Monat im Gnadenwege in eine Geldbuße von 100 Mark umgewandelt. Die Der- urteilung Stölzels war bekanntlich erfolgt, weil dieser in einigen Fällen aus Dienstreisen die dritte Wagenklasse benutzt, jedoch hierfür die zweite Wagenklasse liquidiert hatte. Der gefährliche Weinkeller. Dieser Tage waren in einem badischen Dorfe ein Küfermeister, fein Geselle und sein Lehrling Damit beschäftigt, in einem Keller Wein aufzufüllen. Der Meister ging als erster in den Keller hinunter und leerte seinen Stand in das 2000 Liter haltende Faß aus. Dabei wurde er von den ausströmenden Gasen betäubt, und stürzte hinunter. Der Geselle, der ihm mit einem weiteren Stand gefolgt war, wurde beim Eintreten in den Keller gleichfalls ohnmächtig. Zurückgeblieben war allein der Lehrling, der die Geistesgegenwart hatte, nicht auch nach hinunterzusteigen, sondern den Unfall der Sanitätskolonne meldete, die die Rettung des Gesellen und des Meisters, trotzdem sie schon stark durch die Gase angegriffen waren, bewerkstelligen konnte. Großfeuer im Hunsrück. In Simmern brach In letzter Nacht ein Feuer aus, das in wenigen Stunden zwei Wohnhaus e r mit vollen Scheunen und Stallungen vernichtete. Die Feuerwehr konnte nur brt Anwesen vor dem Feuer bewahren. Der Schaden ist noch nicht zu schätzen. Die Familien sind obdachlos geworden. L-ttervoraussage. Höchstens leichter Nachtwost, allmählich mil- I der und stärkere Bewölkung, vorwiegend trocken. Aur der Provinzialhauptstadt. Dietzen, den 11. Avvrmber 1926. Schauend Leben. Neben dem alten, ehrwürdigen Manne aing ich den Weg zur Höhe hinan. Wie rüstig er schritt, trotz feines hohen Alters! Und doch war es der Schritt des innerlich Tüchtigen, des herrlichen Reifen. Auf einer Bank kurz vor dem kleinen Gipfel liehen mir uns nieder und genossen schweigend die Schau in die wälderreiche Weite und auf das liebliche Tal zu unseren Füßen. (£» war ein prächtiger Herbstnachmittag. Nach einer Weile des ergriffenen Schauens führte mich der Greis auf die Höhe. Welch ein Blick ringsum ins herbstgoldene Land! Ein frischer Wind wehte und fahte die Falten seines Mantels. Barhaupt stand der Alte: weiß wölkte sich sein Haar. So gab er ein Bild, das packte und zur Ehrsucht stimmte. Dann begann er zu sprechet, llnb es war etwas Priesterliches in seinem Wesen: „Unser Leben schauend gelebt, ist unsere Ernte gehalten!" Nicht wahr, Sie kennen das Wort des feinen Carl Hauptmann? Freund, ich habe mich strebend gemüht, schauend zu leben. In solchem Sinne versuchte ich ehrlich, mich zum faustischen Charakter heranzuleben! Sehen Sie, hier oben bin ich fast jeden Tag einmal gestanden, wenn ich daheim war. Wie schön da- hier oben ist! And denken Sie, hier hinaus kommt kein Mensch. Das Tal hat sie alle zu sehr, die Enge, der ßrotze und der kleine Acarn. Sie wissen ja, daß ich so gut wie einsam hier lebe. Aber diese Höhe, der kleine Kreis meiner Lieben, meine Bücher, und dann und wann ein hergereister Freund, die gaben wir so viel, daß ich nur immer wieder danken kann! 3a, diese Höhe hat sehr viel gegeben, diese wildverwachsene. Krüpplige Höh«! ,Dm D:rg der Weisheit" habe ich sie heimlich genannt. Was gab mir der -Sturm, die Fruh-v der Sonnenuntergang, die gliche, freie Welt der ©lerne, der Rhythmus r einzelnen Jahreszeit! Was gab mir der g hier hinaus, dieser unwegsame Geselle, der einem zuweilen den Sand in die Augen Vars! Freund, hier oben habe ich Horizont gewonnen! Hier liech ich mit alle Enge der vier Wände fortblasen vom herrlichen Bruder Sturm! Hier oben fachte ich meine besten Gedanken. An meinem Berge der Weisheit bin ich jung geblieben! Er stand vor mir als der leibhaftige Grundsatz: Ieden Tag hinaus! Mein gutes Weib wollte mich manchmal abhalten, zu gehen, wenn eS gar zu schlimm mit dem Wetter war! Aber ich ging, und wenn ichs auch manchmal nur bis zur halben Höhe, bis zu der Dank geschasst habe! — Schauend gelebt! Jede Blume hier hats mich gÄehrtl Der rieselnde Sand, die sich hochkrup- pelnden Afer. Alles sprach zu mir! Berg der Weisheit! Berg der Wachheit! Dera, auf dem ich ein Mensch war, von dem ich soviel Starkes. Frommes. Weites jedesmal mit heimbrachte. An dieser Höhe bin ich in meinem Rhythmus geblieben, habe ich ihn immer wieder gesteigert! Schauend gelebt! 3a, Freund, was ist das Leben ohne das Wunder der Gesamtschau! Ohne das feine Werk, sich in das Ewige hinernzu- schauen, feinen „Standpunkt am Ufer der Ewigkeit" zu gewinnen! Man schaut sich Unendlichkeit in die Seele. Dankbarkeit, Tiefe, Weite, das reine Leben. Man schaut sich empor, man schaut sich reif! Die Menschen sehen ja nur immer, sehen aus die Akten, das sausende Werk der Räder, auf das Geld! In die Winkel des Alltags. Gewiß, lauch das ist notwendig. Aber wer recht sehen will, mutz auch zu schauen verstehen, den Blick einmal abwenden von den Dingen der Erde und hinaufschauen in die W.ite! Weil es die Menschen schraubt in die Gassen Hastigkeit! Deshalb sind sie so ohne Uebcrblid über sich selbst, ihren eigenen KreiS! Deshalb leben sie immer nur Zeit und niemals das Ewige, der Urgewalt ihrer Seele! Ieder mühte einmal wenigstens fin der Woche einen Blick in die Weite oder von einem Hügel haben! Das läßt sich überall machen! Ein freies Stück Feld ist schon zu flnbert, lau« der Seele für die S:ele! Das tiefe Glück sich erschauen und die Kraft zum Kämpfen, Stand- Punkt gewinnen! Schauend leben! O welche Wonne! Wie wunderbar doch, ein Mensch zu sein, der erwacht ist!" Der Greis hatte die Arme von sich gestreckt int Uebecschwang der inneren Kraft. Das Bild vergesse ich nie. Dorbild und Ansporn! Unerschöpfliches Geschenk, weil es das Leben selber war! R. D. Die erste Ziehung der Auslosungsrechte. WTB. Anfangs Dezember wird die Reichs- schuldenoerwaltung mit der Ziehung der Aus- los u n g s r e ch t e, die die Anleihe-Alt- besitze r von den Reichsanleihen bisher zugeteilt erhielten, beginnen. Die erfte Auslosung wird in Swei Ziehungsab schnitte zerlegt. An der ersten nehmen die Luslosunasrechte teil, die bis etwa Mitte November den Anleihegläubigern xugeteilt sind (Nr. 1 bis 30 000). Der zweite Teil der Ziehung der ersten Losung, an der nur die Auslosungsrechte teilnehmen, die von der ersten Ziehung nicht mehr umfaßt wurden (Nr. 30 001 bis 60 000) findet in der ersten Hälfte des Jahres 1927 statt. Die zweite im Jahre 1927 fällige Auslosung wird im Oktober 1927 unter Einbeziehung aller ausgegebenen Auslofungs« reckte durchgeführt. Die zugesprochenen Auslojungs. rechte werden den Antragstellern durch die Dermitt- lungsstellen, bei denen sie seinerzeit den Altbesitz, antrag einreichten, ausgehändigt. Für die Anleihe- ablösungsfchuld der Auslosungsrecht«, die an der ersten Teilauslosung teilnehmen, wird Mitte No- oember die Kursnotterung an den Börsen aufae- nommen, für die -er zweiten Auslosung Voraussicht- lich im Januar des nächsten Jahres. Gläubiger von Auslosungsrechten, die auf die Auslosung verzichten wollen, um sich für später das Recht auf eine Vorzugsrente zu wahren, haben diesen Verzicht als- bald der Reichsschuldenvcrwaltung unter Beifügung der Auslosungsscheine zu erklären, nachdem die Aus- lofungsscheine ihnen oder ihrer Bank ausgehändigt wurden. Keine Verzugszuschläge bei Reichssteuern. Einheitliche Berechnung der DerzugSftnsen. WTB. Der Reichsminister der Finanzen hat am 8. Rovember eine Berordnung über Der- »ugszuschläge und Derzugszinsen erlassen, die für ole Zeit vom 1. Dezember ab anordnet, daß auf dem Gebiete der Reichs steuern D e r z u g s z u s ch 1L g e, die zur Zeit halbmonatlich 9h v. H. betragen, nicht mehr erhoben werden. Infolge der Anordnung wird vom 1. Dezember ab die bisher bestehende Un- gleichmähigkeit aushören, daß für die wichtigsten Steuerarten, die Einkommensteuer. Körperschafts- steuer, Vermögenssteuer. Erbschaftssteuer, ilm- fatzsteuer, ObligaLionssteuer Verzugszuschläge mit einer Schonfrist von einer Woche in Ansatz kamen, während für die übrigen Steuerarten Derzugszinsen ohne Schonfrist berechnet wurden. In Zukunft werden für alleReichssteuern Derzugszinsen nach dem Iahressatz von 1 0 v. H. zur Anwendung gelangen. Eine Schonfrist gibt es nicht mehr. Wer also den Derzugszinsen entgehen will, hat z. D. die nächste fällige Einkommensteuervorauszahlung bis zum 10. Ianuar 1927 und nicht mehr zum 17. Ianuar zu leisten. Bei gestundeten Steuerbeträgen beläuft sich der Zinsfuß, sofern nicht zinslose Stundung bewilligt ist, nach wie vor auf höchstens 6 v. H. jährlich. Gießener Wochenmarktpreise. Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 160 bis 180 Pfennig, Matte 35, Käse (10 Stück) 60 bis 150, Wirsing 8 bis 12, Weißkraut 3 biö 5, Rotkraut 8 bis 12, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 25 bis 30, älnterkohlrabi 5 bis 6, Grünkohl 20, Rosenkohl 50 bis 60, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 10, Meerrettich 30 bis 100, Schwarzwurzeln 45 bis 60, Kartoffeln 5,5 bis 6. Aepfel 15 bis 30, Birnen 10 bis 15, Rüsse 80 bis 100, junge Hahnen 100, Suppenhühner 100 bis 110, Gänse 90 bis 120; das Stück: Gier 16 bis 18, Blumenkohl 50 bis 150, Endivien 8 bis 20, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 50. Bornolizen. — Tageskalender für Donnerstag: Gießener Konzert-Derein: 71/* älhr, Stadttheater, Symphonie-Konzert. — Oberhessifcher Eeschichtsverein: 8 Uhr, Dorlesungsgebäude der Universität (Hörsaal 44). Dortrag von Prälat D. Dr. Diehl-Darmstadt. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ein Walzertraum". — Palast-Lichtspiele (Kirchenplah): „Ein Walzertraum". — Astoria-Lichtspiele: „Der Rekord". ** Die Notwohnungen aus Eisenbahnwagen, die die Stadtverwaltung auf dem Gelände der Margarethenhütte errichten läßt, gehen zum Teil bereits ihrer Vollendung entgegen. Die Guterwagen ruhen auf einem Kellergewölbe, das auf dem Boden aufgemauert wurde, und das man zum Schutz gegen die Einwirkung der Kälte noch mit Erdanhäufungen umgeben will. Zeder Wagen ist durch eingezogene Wänds in mehrere Räume abgeteilt, an den Außenwänden und der Wadendecke find Gipsdielen in einer Entfernung von etwa fünf Zentimeter von der Wagenwand angebracht, der Zwischenraum ist mit Torfmull ausgefüllt, damit auch auf diese Weife ein möglichst weitgehender Schutz gegen die Kälte erzielt wird. Die Räume werden mit verschiedenfarbigem Anstrich versehen, damit sie ein freundlicheres Aussehen bekommen. In diesen Behelfsunterküllften sind Wohnungen von zwei und drei Räume einschließlich Küche geschaffen. Vorgesehen sind insgesamt 30 solcher Not- Wohnungen, von denen ein Teil schon in den nächsten Tagen bezogen werden kann. In unmittelbarer Nähe dieser Unterkünste soll noch ein Waschhaus errichtet werden, ebenso ist eine gemeinsame Abort- anlage vorgesehen. Wenn die Räume natürlich auch klein sind und den Eharakter einer behelfsmäßigen Maßnahme nicht verleugnen können, so ist doch fest- zustellen, daß diese Unterkünfte bester sind, als manche andere baufällige oder höchst ungesunde „Wohnung" in der Stadt, die bisher bewohnt werden muhte, obwohl diese Räume eigenttich schon längst zu keinerlei Wohnzwecken mehr hätten Der- Wendung finden dürfen. Zn die Unterkunftsräume an der Margarethenhütte sollen bekanntlich Familien ziehen, die wegen Baufälligkeit ihrer bisherigen Wohnung ober aus ähnlichen Ursachen obdachlos acworden sind und vorübergehend unter Zuschuß- leiftung der Stadt in Gasthäusern usw. Unterkommen fanden. ** Kein öffentliches Jtarneoaltrei- den im Jahre 1927. Der hessische Minister des Innern hat eine Verordnung erlassen, die jede Maskerade und jedes karnevalistische Treiben, wie beispielsweise auch das Werfen von Konfetti und Luftschlangen, auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen verbietet. Don Aschermittwoch 1927 ab sind alle karnevalistischen Veranstaltungen, wie Maskenbälle, Kostüm- und Trachtenseste, Kappenabende usw. verboten, und zwar auch für geschlossene Gesellschaften. Wer diesen Vorschriften zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis bis zu drei Monaten und mit Geldstrafe bis zu 10 000 Mark oder mit einer dieser Strafen bestraft. Die Verordnung gilt bis zum 30. April 1927. ** Straßensperren. Wegen Neubefestigung des Kreuzes Bahnhofstraße und Wektanlage hat das Polizeiamt die Westanlage vor der Bezirksschule und die Bahnhofstraße von der Westanlage ab bis Aur Alicestrahe bis auf weiteres für jeglichen Fahr- verkehr gesperrt. Ferner wurde wegen Vornahme von Bauarbeiten der Verbindungsweg zwischen Weser- und Schillerstraße bis auf weiteres für den Fährverkehr geschlossen. ** Die Kliniksbrücke am Bahnhof ist jetzt soweit durchrepariert, daß das Polizeiamt die Hälfte der Brücke für den Verkehr wieder freigegeben hat. ** Wandergewerbescheine und G e - Werbelegitimationskarten. Das Polizeiamt weift darauf hin, daß die Ausstellung von Wandergewerbescheinen für 1927 alsbald bei den für die Wohnungen der Antragsteller zuständigen Polizeirevieren zu stellen sind. Ebenso sind Anträge auf Neuausstellung von Gewerbelegiti- mationskarten für 1927 alsbald bei den Polizeirevieren einzureichen. *• Ein wackerer junger Mann ist der Unterprimaner Karl 'Detter von hier. Durch Mut und selbstlose Rächstenliebe hat er einem Jungen das Leben gerettet. Das 6l/a Iah re alte Kind litt an Dlutfleckerckrankheit, die schließlich zum Tode hatte führen müssen, wenn nicht ein junger, nicht verwandter Mann sich bereit erklärt hätte, von seinem eignen gesunden Blut wiederholt bestimmte Mengen auf den Patienten übertragen zu lassen. Der Unter- primaner Karl De tter erklärte sich zu dieser Dlutabgabe bereit, die im Oktober vorgenommen wurde und dem kranken Kinde das Leben rettete, so daß der Iunge jetzt wieder genesen ist. Dem Retter, der das hiesige Landgraf-Ludwigs-Gym» naifum besucht, wurde von dem Direktor der Schule, nach Besprechung im Lehrerrat, voiv versammelter Klasse und in Gegenwart des Ordinarius der Dank und die Anerkennung der Anstalt ausgesprochen und ihm zum bleibenden Gedächtnis an seine Großtat ein Buch mit entsprechender Widmung überreicht. Die öffentliche Anerkennung für dieses vorbildliche Handeln ist dem jungen Manne in gleicher Weise gewiß. ** Drei Flugzeuge der Deutschen Lufthansa weilten in den letzten Tagen auf dem Gießener Flugplatz, um von hier aus Sonder- und Rundflüge über unsere Gegend zu machen. Sämtliche Flüge verliefen ohne jeden Unglücksfall. Hoffentlich wird durch diese gelungene Flugoeran- ftaltung das Vertrauen in die Sicherheit des Paffagierluftverkehrs eine weitere Stärkung erfahren. ** Vermißt wird feit dem 4. November der Hilfsarbeiter Paul Frank, geboren am 15. April 1911 zu Gießen. Der junge Mensch ist 1,70 Meter groß, hat auffallend langes, nach hinten zurück- gekärnrntes dunkles Haar, Der rechte Mittelfinger ist auffallend dick. Frank trägt feldgrauen Anzug, helle Datfchmütze (mit braunem Leder eingefaßt), schwarze Schnürschuhe, schwarze Ledergamaschen und weiß und blau geftreiftes Hemd. Personen, die über feinen Verbleib Warnehrnungen gemacht haben, werden ersucht, der Kriminalpolizei Gießen Mitteilung zu machen. ** Fe st genommen wurde hier eine steckbrieflich gesuchte Person wegen Diebstahls. WSN. Viehzählung am 1. Dezember. 2(uf Grund von reichsgesetzlichen Vorschriften ist am 1. Dezember eine Viehzählung vorzunehmen. Sie erstreckt sich auf Pferde, Esel, Maulesel, Maultiere, Rindvieh, Schafe, Schweine, Ziegen, Geflügel — Gänse, Enten, Hühner, jedoch ohne Trut- und Perlhühner — sowie Bienenstöcke. Die Durchführung liegt den Gemeindebehörden ob. L D i e Dortragsvereinigung hatte am Dienstagabend ihren zweiten Dortrag, den Rudolf Bredschneider aus Aussig über „Wanderungen in den Bayrischen und Salzburger Alpen, sowie Hohen Tauern mit Besteigung des Gvotz-Benedtger-E hielt. .Ich will," so etwa sagte der Dvrttagende eingang- seiner Rede, »dem Kenner der Berge eine Stunde froher Erinnerungen schenken und dem Richtkenner Luft machsn. die Dergwrlt zu besuchen." Dieses Ziel hat der Redner sichtlich voll erreicht. denn er verstand e-, in seiner durch seinen Humor gewürzten Rede, die unterstützt wurde durch eine große Anzahl prächtiger Lichtbilder, den Besuchern unvergeßlich: Bilder von der großartigen Schönheit der Bergwelt vor die Seel« äu zaubern. Die Wanderung begann in Salzburg. Dessen herrliche Lage und baulich: Schönheiten jährlich Tausende von Fremden anlocken. Man sah dann das durch seine Wa serkünste bekannt« Schloß Hellbrunn und kam nach Berchtesgaden, dem als Sommerfrische und Wintersportplatz diel besuchten Städtchen an der Ache, das auch durch sein Salzbergwerk berühmt ist. Hier hatte man eine wunderbare Aussicht auV die B?rge. be- sanders den Wahmann Der Weg führte weiter am Hintersee bei Ramfau vorbei. H;er war Gelegenheit. prachtvolle Aipenschlüsielblumen zu bewundern. Dann sah man den Königssee. den Glanzpunkt dieses ganzen Gebietes, einen der schönsten Alpenseen, der von fast 2000 Meter hohen Felswänden einqeschloss:n wird. Run ging die Fahrt über den See, dir Landung erfolgte bei dem Dorfe St. Bartholomä. Don hier aus wurde eine Hvchtour über daS Steinerne Meer nach der Schönfeldspihe (2651 Itter) an getreten, von der man einen erheb mden Eindruck gewann Beim Abstieg ging es durch die Ramseider- Scharte nach Saalfelden, von hier au5 mit der Dahn nach Zell, dem reizvollen Städtchen am gleichnamigen See. von Zell aus wurde die Schmittenhöhe besucht. Run ging die Wairderung durch das Kapruner-Tal, die Franz-Ios^P- Straße entlang zur Thun-Klamm. Der Weg führte dann längs der Ache auswärts. Bald wurde die höchste Talstu.'e, der Moserbodm. erreicht. Am andern Tag ging die Wanderung über das Kapruner-Törl nach der Rudolfshütte. Die Gletscherwelt der Ostalpen erschließt sich hier in ihrer ganzen Pracht. An nächsten Tag wurde die Granatspitze beftie^en, von dort aus ging es ins Stubachial, wöbet man die verschiedensten Arten von Enzian zu sehen bekam. Das Ziel war älttendvrs im Pinzgau-Tal. Don hier aus wurde mit der Dahn nach dem Klater-Sulzbachtal gefahren. Aufwärts ging es dort auf den Groß- Vcnediger. Man passierte die Kürsinger-Hütte, sah wunderbare Eispartien und gelangte endlich über Schnee und Gis zur Spitze des Groß- Denedigers (3660 Meter) D:im Anstieg ging es über das Krimmler-Torl und an der Warnsdorf er Hütte vorbei ins Krimmler-Achental. Weiter talabwärts bewunderte man dir Krimmler Wasserfälle, die großartigsten drr Alpen, und kam dann nach Krimmel, daS, umschlossen von hohen Bergen, den Ausgangspunkt für viele Hochtouren bildet. Hier endigte die schöne Wanderung. Der Dortrag war außerordentlich stark besucht. ** Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 4 Ochsen, 68 Kühe, 947 Pferde, 1318 Schafe, 434 Schweine. Kirchliche Nachrichten. Israelitisch: Gemeinde». Isr.ReNgionSgemeinde. ^'otteSd. I. d.Synagoge (Südanlage). Samstag, den >3,Rov. 1926.Dorab«nb: 4.30, morgens: 9.00, abends: 4.55 und 5.35. Gottesdienst der isr. ReligtonSgesellschaft. Sabbatseier, den 13. Rov. 1926. Freitag abend 4.20, Samstag vormittag 8.30nachmittag3.30, SabbatauS- gang 5.35, Wochengottesdienst: morgens 7.00. abends Geschäftliches. Die Goldene Medaille der Stadt Düsseldorf ist auf der „Gefolei" Kathreiners Malzkaffee-Fabriken verliehen worden: eine neue markante Anerkennung für den schon in früheren Jahren mit 27 Goldenen Medaillen ausgezeichneten „echten Kathreiner". Der Gehalt macht's! Der Firma henkel L (Eie. A.-G. in Düsseldorf wurde aut der „Gefolei" für hervorragende Beteiligung an Der Ausstellung durch fabrikatorische Dor° führung ihrer ausgestellten Fabrikate, besonders „Persil' und „Ata" sowie für ihre mustergültigen sozialen Einrichtungen die höchste Auszeichnung „Die Große Reichsmedaille" zuerkannt. tzMeywck wtedznZuate Katarrh- issnbons Gönnen Sie sich öfters die Wohltat einer Helivon-Kovfwälche. dann ethtemen Sie immer mit einem reinen, duftigen Leidendaar. — »Stein anderer. 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Man darf sich bei Schlier ebensowenig wie bei Kleist durch äußere Merkmale romantischer Prägung (die überdies vielfach Zugeständnisse an den Zeitgeschmack waren) täuschen lag em Für Schiller bedeutet die Jungfrau" eine Rückkehr zum schrankenlos gefeierten Idealismus, zur radikalen Persönlichkeitsform seiner Iugenddramen auf anbertn Boden — er löste die vor her _ heitz- erkämpfte und streng behauptete Objektivität des historischen Dramas in die bewußt g^oollte dichterisch höhere Wahrhaftigkeit und Echtyett der Tragödie auf, die nicht aus chromkalifch festgelegtem Ablauf, vielmehr aus der inneren Spannung zwischen Freiheit und Rotwendigrert Spanien ist ein großes Volk von geringem sozialen Gleichllang, das keinen großen gemeinsamen Idealen zugewendet ist. , Die Masse der DauernundArbeiter, tiq>t über die ganze Halbinsel verstreut, ist nüchtern, arbeitsam, geduldig und he^er. Für eine kraftvolle Einwirkung auf die Ratziereuden fehlen die notigen Vorbedingungen: entwickelte Fähigkeiten, Di.düng und der Glaube an ihre Auswirkungen in der Richtung auf Coolulion oder Revolution. Di« spanische sofiali.tische Partei tritt, nachdem ihr Organisator und leitender Geist, Pabw Iglesias, gestorben ist, seit langem nicht Sie folgt nur ihren von bestimmt wird. Schiller wollte nicht, was Shaw wollte, er hörte au;, wo für jenen brr Sinn des Ganzen erst anhebt, mit dem Tode. Richt mit der Verbrennung auf b m Scheiterhaufen — mit einem glorreichen Ende unter siegreichen Fahnen, das w.e em? Verklarung der im Tode gesühnten, schuldhaften Verstrickung anmutet. (Man kommt um die etwas verstaubt riechenden Begriffe ei er ehrwürdigen Dramaturgie nicht herum, toe'.l sie mit dem Wesen der klassischen Tragödie unlöslich verbunden sind.) In der 10. Szene des 3. 2Iktes, im Angelpunkt des Dramas ist das Schicksal der He ligcngestcrll, wie Schiller sie sah, enthalten. „Das große, g.gan- tische Schicksal, welches den Menschen erhebt, wenn es den Menschen zermalmt." Die im Sinne der Alten unfaßbare Fügung rätse^after Mächte, die dem zuvor nachtwanblecisch, blind einem Gottesbefchl gehorchenden Geschöpf in einer Sekunde zwischen Diesseits und Jenseits gleichsam die Binde löst, es mit menschlichen Augen sehend werden und seines irdischen, weiblichen Herzens sich bewußt werden läßt. Daß mit der oben angebeuteten Entwicklung bcs Historiendramas vom „Wallenstecn" und bet „Stuart“ fort in der „Jungfrau" zugleich eine gewisse Auflösung bes Szenenstils sich vollzogen hat, bie übrigens eher als alle äußeren Stil- merkmale, an benen man herumgebeutet hat, das Beiwort „romantisch" rechtfertigt, empfinben wir, die wir längst an ganz andere Lockerungen dramatischer Form uns gewöhnt haben, kaum noch so, wie es damals empfunden werden konnte. Merkwürdig ist die Begleiterscheinung, daß Schiller hier gelegentlich jenen „Saltomortale in eine Opernwelt" nicht verschmäht hat. den er vor 13 Jahren in der berühmten Egmontrezension so scharf getadelt hatte. Man mag darüber lächeln: die Freude am Glanz und Prunk eines unerhört musikalischen Sprachstils — dem in der neuen „Romantik" alle strengen Fesseln gelöst waren — wird hierdurch gewiß nicht getrübt werden. • Die Inszenierung Sieingoetters — als Ganzes angesehen eine schöne und schwungvolle Leistung — hatte insonderheit an das sprachliche Element, an die schwingende Dersmusik der Tragödie verständnisvolle Arbeit gewendet und eine Reihe wertvoller Sprecher und Sprecherinnen auf die Szene gestellt. Wir nennen schon hier die Namen Hanke, Gehre, Teleky. Dolck, W e h r l, H e y m und Baumann. Doch erwies sich auch | in einigen Szenen, welche Anforderungen die stehen, auch die verschiedenen Ausschüsse sind bereite gebildet worden, um die Vorbereitungen für das Fest zu treffen. Unser neuer, vorbildlich ungelegter Sportplatz wird unter Einfügung des umliegenden Geländes als Festplatz dienen, cm breiter Zugangsweg, der vorsorglich seitens der Gemeinde schon mit Kanalisation versehen wurde, ist geschaffen worden. Die neue, jehr geräumige Turnhalle, die das Interesse aller Turnfreunde findet, wird dem Verein für das Fest gut zustatten kommen. * Großen-Linden, 10. Noo. Am Sonntag sand hier im Gasthaus „Zum Rebstock" eine lokale Ausstellung des Geflügel - und Kanin- chenzuchtvereins statt. Es wurden etwa 60 Kaninchen und 105 Nummern Geflügel gezeigt. Als Preisrichter fungierten die Herren M enge 1, Marburg, für Geflügel und Ullrich. Gießen, für Kaninchen. Eine Anzahl Preise wurden für die besten Ausstellungsobjekte verteilt. —211 len bot f (2 a b n), 10. Rov. Infolge ber Geldknappheit hat bie Bautätigkeit in unserem Orte in biet em Jahre etwas nachgelassen. Tlbgesehcn von einigen landwirtschaftlichen Umbauten und Reparaturen wurden nur zwei Wohnhäuser gebaut. Da bei unserer Grundstücks-Zusammenlegung aber schöneBa u- plätze hergestellt wurden, hosjt man für die nächsten Jahre auf eine Belebung der Bautätigkeit. (D ® rüningen, 10. Nov. Die durch die Beurlaubung unseres Lehrers R u 11 m a n n freigewor- , bene Lehrerstelle wurde einem abgebauten Junglehrer, dem Schulverwalter Kruger, übertragen. bz. Großen-Buseck, 10. Nov. Die heule hier stattgehabte Lehrerversammlung des Bezirks Gießen-Land nahm mit einer Lehrprobe in neuzeitlichem Turnen ihren Anfang. Rektor Inderthal, der an einem vierwöchigen Turnkursus in Darmstadt teilgenommen hat, führte die Oberklasse vor und zeigte in vollendeter Weise die Vorzüge der neuen Gymnastik. Anschließend fand unter dem Vorsitz von Schulrat Fischer eine Besprechung des Gesehenen statt. Das Kreisschulamt hat die Absicht, in weiteren Kursen allen Lehrern Gelegenheit zu geben, bie neue Turnkunst kennen zu lernen. Anschließend sprach Jung, Großen-Buseck, über den Spielnach- mittag und seine fruchtbare Gestaltung. Der Rückgang der allgemeinen Volksgesundheit verlangt gebieterisch, den Leibesübungen mehr Raum als seither zu gewähren. Das Ziel müffe sein: der "natur- freudige, charaktervolle und sportlich gebildete Mensch. Jedes Jahr soll mit einem Spießest, das am besten mit dem amtlichen Iugendsest zusammen- fällt, schließen. Nach einer Pause machte der Vor' sigende noch eine Reihe Mitteilungen, den Abschluß der Versammlung bildete ein gemeinsames Mittägig der Wagen weiter nach Muschenheim _______ch, wohin auch umliegende Orte ihre Gaben bringen wollen. Oueckborn hat seine Liebes- opser in das Schwesternhaus nach Gießen gesandt. Nieder-Bessingen beteiligte sich an der Sammlung für das Studentenheim Gießen. So ist unsere Gegend eifrig bemüht, sich an den Werken der Wohltätigkeit nach Kräften zu be- waren. Wir nennen mit besonderer Anerkennung Hankes sehr charakteristisch gefaßte, w^chliche Königsfigur. G e h r e und L i n k w a n n, zwei>nänn. liche Offiziersköpfe (La Hire, Du Chatel), Telekys wuchtigen und schwerblütigen Talbot, Boids leidenschaftlichen, klangvollen Thibaut; Maryela Baumann, die Königsgeliebte, eine vornehme, aber etwas konventionelle Erscheinung. Auguste M a r ck s war als Isabeau viel zu weich und undämonisch: die Rolle ist für ihr liebenswürdiges Temperament nicht gcschasten. — Das sehr gut besuchte, beifallsfreudige Haus mag bewiesen haben, wie dankbar es auch heute noch ist. Schiller zu spielen: und Schiller kann uns füglich für das gesamte klassische Drama als ein vorbild- mehr tätig cuf. Sie folgt nur wren von der Politik gänzlich ausgeschlossenen Führern: die aber zeigen sich für die Forderungen und die Liebens würdigteiten der Regierenden empfänglich, die ihnen gegenüber einen geschickten uiw entgegenkommenden Kurs verfolgen, so daß sie aus jede Schärfe verzichten. Die Mittelklassen find in Spanien fast nicht vorhanden, und wenn sie vorhanden sind, so unterhalten sie keine belanntgewordenen Organisationen. Sie stellen eine geduldige und amorphe Masse dar, die ihre Tage voll Arbeit und Elend ohne Ideale und ohne Hoffnungen schwer dahinbringt. Die Aristokratie ist nur noch ein Hofornament, etwas, das man zur Ehre und Zierde der Monarchie erhält. Ihr sozialer -Einfluß .ist gleicy Rull, und sic besitzt auch nicht die Fahigtciten für die Ausgaben der Staatslenkung. Der König ist noch eine persönliche und historische Macht .von großem und positivem Einfluß. Er ist jetzt ein Mann in seiner vollen Kraft, der, wie wenig Spanier, das RAlieu des Landes kennt und den Rus der Sachkenntms und Geschicklichkeit genießt. Die Person AlfonsXlll. ist sehr umstritten. Er erweckt nicht jene Bewunderung und Zuneigung, wie sie früher einige Monarchen in anderen Ländern sich erworben haben, die sich sogleich dem Gedächtnis eines jeden präsentieren, der die Geschichte Europas und seiner Monarchien gelesen hat. Aber cs gibt keinen einzigen vorurteitewsen und wahrhaftigen Spanier,. der dem König nicht Autorität zugesteht. Seit einiger Zeit geht er mit diesem Kapital verschwenderisch um. Alfonso XIIL hat stets mehr Vertrauen zu sich selbst als zu seinen Ratgebern und Ministern gehabt; er ist von äußerst liebenswürdigem Charakter, aber klug, mißtrauisch und wandelbar; er hat eine sehr bestimmte Auffassung von seiner Ausgabe und eine eigene und persönliche Meinung von der Regierung. Er findet sich nach Charakter und Tempera.:,ent, nach ererbten Anschauungen und Meinungen nur schlecht mit der gleichmütigen und unpersönlichen Rolle des verfaß ungsmäßigen Königs ab, der herrscht, aber nicht regiert. Dee Verfassung von 1876, welche die Grundlage der Wiedereinsetzung der gegenwärtigen Dynastie gewesen ist, ist in seinen Händen zergangen, und heute sucht er, in den Armen einer derben militärischen und verfas.ungsfcindlichen Diktatur, ohne Zweifel mit forschenden Augen den dünnen Hori vnt des Vaterlandes ab. Der General Primo de Rivera, ein aristokratischer Soldos und durch feine Familie, seine Beziehungen und seine Leistungen ein Liebling deS Schicksals, ist die Autorität, die, ohne andere Richtschnur als seinen Willen, ohne andere Erleuchtung als die seines Verstandes und ohne andere Ei schränkung als seine Lebenserfahrung, regiert. Jüngst, als ihm vom Rektor der Universität Salamanca die Doktorquaste übergeben wurde, sagte er geradeheraus: „Ich bin Meister in der Wissenschaft des Lebens, und kraft der Gießen:r Stadtthecrter. S iöer: „D:e Innifrair von Orleans". Wit der neuen Ausführung der „Jungfrau" verbindet sich ein dreifacher Sinn, dreifache innere Rechtfertigung. Zum ersten ist es eine schöne und alte Sitte (die leider auch an großen Theatern vtestach in absichtliche und ganz unkluge Vergessenheit kommt), die Dichter, die wir^als Klassiker zu nennen und zu kennen uns gewöhnt haben, an ihrem Geburtstage mit einem festlichen Dühnenfificl zu ehren. Deswegen ist es gut und ziemlich, am 10. Rovember Schiller auf den Spielplan zu setzen. , , 3um andern: eS ist nicht übel, sich von Zett zu Zeit mit Schonung daran erinnern zu lassen, daß wir au. Die Vereinigung ehemaliger Augustiner- f ch ü l e r veranstaltet auch in dem kommenden Winter eine Reihe von beehrenden und gemeinverständlichen Vorträgen. Sie hatte mit dem ersten Abend einen entschiedenen Erfolg zu verzeichnen. Herr Hch. Bitsch sprach über „Moderne Dühnenfragen" in eindrucksvoller und leichtverstänilicher Art und zeigte an Hand von vielen Beispielen, welcher Mittel sich der moderne Regisseur bedient, um den Stimmungsgehalt eines Werkes voll auszuschöpfen. Eingeleitet wurde der Abend in stimmungsvoller Weise durch den Vortrag einer Anzahl Dichtungen von Hugo v. Hoffmannsthal, R. Marie Rilke, unsren Landsmann Albert H. Rausch durch stud. Steinbach. Der Besuch war ein alle Erwartungen übertreffender, was um so mehr zu begrüßen ist, als sich Herr Bitsch schon früher große Verdienste um die Hebung des Theaterwescns in unserer Stadt durch Veranstaltung vortrefflicher Liebhaberaufführungen erworben hat. WSR. Bad-Rauheim, 9. Rov. 3n der letzten Stadtverordnetenssshung wurden zwei größere Vorlagen, bbe die Herstellung von Regen- und Schmutzwassertanälen (Sielbauten) vovsehen, genehmigt und der erforderliche Kredit in Höhe von etwa 1Q0 000 Mark bewilligt. Die Arbeiten sollen so rechtzeitig vorgenommen werden, daß für die Durchführung noch Zuschüsse aus der produktiven Erwerbslosenfürsorgo gesichert sind. Ferner wurde der Beitritt der Stadt zum Verein zur Vorbereitung der Autostraße Hamburg—Frankfurt a. M.—Dassel (Ha- fraba) beschlossen. a. Vilbel, 10. Nov. Die Gewährung von Baudarlehen durch die Gemeinde hat durch einen Gemeinoeratsbeschluß eine grundlegende Aenderung erfahren. Während in den vergangenen Jahren den Baulustigen neben dem staatlichen Darlehen auch ein solches von der Gemeinde zu 5 Prozent mit 1 Prozent Tilgung gegeben wurde, ist es jetzt Sache des Bauherrn, die erst- st eilige Hypothek selb ft auszubringen. Die Gemeinde übernimmt lediglich die Bürgschaft für 3000 Mark und zahlt die Zinsen, die meyr al‘5 5 Prozent betragen. Auf diese Weise kann der Bauherr 3000 Mark mehr als die Beleihungsgrenze aufnehmen, wodurch er finanziell nicht schlechter gestellt ist, als bei der seitherigen Regelung. KreiS Büdingen. Büdingen, 10. Rov. Der hiesige Gesangverein „S a n g e r l u st" veranstaltete am Sonntag ein Wohltätigkettsronzert, dessen Reinerlös dem Grundstock zur Wieber- beschasfung der im Kriege geopferten dritten Kirchenglocke zugute kommen soll. Der Besuch des Konzerts war außerordentlich stark. Die Männerchöre wurden vortrefflich zu Gehör gebracht. Als Sängerin wirkte Fräulein Liefe! Böhm aus Laubach mit, deren Mezzosopran in hohem Maße ansprechend war. Rektor Pebler begleitete auf dem Klavier in feinsinniger Weise. Den musikalischen Teil bestritt das Hanauer Stadtvrchester recht zufriedenstellend. L 91 i b b a , 10. Nov. Heute wurde hier der Martinimarkt abgehalten. Der sonst recht bedeutende F e r k e l m a r k t mußte ausfallen, weil in einigen Orten der Umgehend die Maul- und Klauen- ^seuche herrscht. Der Krämermarkt war infolge -des sehr günstigen Wetters recht gut besucht. Die ^Krämer machten hauptsächlich in Kurzwaren und ^Winterartikeln gute Geschäfte. — Besonders stark ' verbreitet hat sich die M a u l - u n d K l a u e n - seuche in dem nahen Wallernhausen. Dort sind 29 Gehöfte verseucht. Glücklicherweise scheint aber die Krankbeit bis jetzt nicht bösartig zu verlaufen. Es find ihr bisher zwei Kälber zum Opfer gefallen. Aus Furcht vor Ansteckung der Schweine finden jetzt schon in dem Orte verhältnismäßig viele Hausschlachtunyen statt, die sonst erst im Dezember vorgenommen würden. th. L e i d h e ck e n, 10. Rov. Rachdem unser Ort fast 5 Jahre von der Maul- und Klauenseuche verschont geblieben war, ist sie nun schon In zwei Gehöften auSgeb rochen und ber Verlust von Jungvieh und Ferkeln zu be- V Marlinstag. Don Ernst Edgar Reimsrdes. .Der beste Vogel, den ich weih, das ist die fette Gans", so beißt es schon In einem 1540 zuerst gedruckten Volkslieds.' Damals und lange vorher galt die Dans bereits als Gericht des MartinStages, sie spielte bei den Martins- schmäusen, die In Rord- und Süddeutschland, Holland, Flandern und Frankreich abgehalten wurden, von jeher eine grobe Rolle. Diese Schmausereien, bei denen der neue Wein, Mar- ttnSwein, MärtenStrunk, nicht fehlen durfte, der an die Stelle der Odinsminne trat, dauerten die gan^e Martinswoche hindurch, die deshalb -Scylampwoche" hieß. Damals gab es zahlreiche Bereinigungen, die sich besonders zu diesen Feiern zusammentaten; ihre Mitglieder nannten sich MartinSbrüder. Der Schutzpatron dieser Ge- fellschaften war der heilige Martinus, der ehr- würdige Bischof von TourS, der, obwohl sein Leben der Askese geweiht war, zum Schirmherrn der Schlemmer und Säufer wurde. In Frankreich nennt man heute noch die Trunkenheit, besonders aber ihre Folgen, den Katzenjammer, mal de St. Martin... Am Rhein verzehrt man nach altem Brauch Martini viel- fach Reisbrei mit Früchten. - DaS Martinsfest hat seinen Ursprung im germanischen Herbstdank- fest, das nach Beendigung der Ernte zu Ehren WodanS und FretzaS stattfand. Das bevorzugte Opfertier war dabei die Gans, das älteste deutsche Rutzgeflügel. Das festliche Opfergebäck hatte die Form eines Horns! eS sollte eine Rachbildung des Kopfschmucks des Stiers oder deS Trinkklagen. Ferner besteht bei einem Gehöft Verdacht der Rotlaufseuche. Kreis Alsfeld. — Ober-Ohmen, 10. Rov. Unser Turnverein beschloß in seiner letzten Generalversammlung die Gründung einer Schwimm- und Fechtabteilung. So- lange die Dadeanlage in Ober-Ohmen noch nicht vorhanden ist, soll daS Schwimmen in dem Freibad Groß-Eichen gepflegt werden. ---Ruppertenrod, 10. Rov. Die Freiherrlich Riedeselsche Revierverwaltung Ober-Ohmen veranstaltete gestern in ihrem Jagdrevier in unserer Gemarkung eine Treibjagd. Es kamen 5 Rehe und 3 Hasen zur Strecke. Im Aachmittagstreiben in dem gepachteten Jagdrevier Ober-Ohmen Süd wurden 3 Rehe und 5 Hasen erlegt, so daß sich die gesamte Jagdbeute aus 8 Rehe und 8 Hasen beläuft. ' Groß-Felda. 10. Rov. Auf dem Ferkel m a r k t waren hier über 100 Tiere aufgetrieben. Geringere Frrkel kosteten 25 bis 28 Mk., mittlere 28 bis 34 Mk., beste 38 bis 42 Mk. Der gleichzeitig stattsindende Krämermarkt war nicht stark besucht. 3 Aus dem Ohmtal, 10. Noo. Wegen der Maul- und Klauenseuche sind die D i e h m ä r k t e in unserer Gegend (z. B. Homberg und Alsfeld) ausgefallen. Nunmehr kaufen Ferkelhändler junge Tiere direkt auf; sie bezahlen 30 bis 35 Mk. je Stück, im Verkauf kosten 7 Wochen alte Tiere 35 bis 40 Mk. Starkenburg. WSR. D a r m st a d t, 10. Rov. Rach dem heutigen Polizeibericht wurden in der Rächt zum Sonntag aus einem an der Peripherie der Stadt gelegenen Anwesen zehn Hühner ge - st o h l e n. Die Hühner wurden durch Hinein- langen durch ein? von den Tätern zertrümmerte Scheibe entwendet und ihnen sofort die Köpfe abgedreht. Die abgerissenen Köpfe ließen die Täter am Tatort liegen. WER. Jugenheim, 10. Rov. Ein dreister Einbruch wurde hier in das Bureau der Bürgermeisterei verübt. Die Einbrecher vermuteten in dem Kassenschrank Erwerbslosengelder, die am Samstag zur Auszahlung gelangen sollten. Der Beamte nahm aber den Betrag vorsorglich nach Hause, so daß die Täter mit der „reichen" Beute von drei Mark abziehen muhten. Die Täter sind durch ein Treppenhausfenster eingedrungen und haben mit einem Stemmeisen die Dureautüre erbrochen. Die Ausführung der Tat läßt eine genaue Ortskenntnis erkennen. Rheinhessen. WSR. Mainz, 10. Rov. Hier gerieten zwei in der Rochusstrahe wohnende Frauen in Streit und bearbeiteten sich derart mit Putz- e i me r n, daß eine der Streitenden eine klaffende Wunde am Kopse davontrug. Auch an der Ecke Gröhe Dleiche-timbach kam es am Montagnachmittag zu einem Han dgemenge zwischen zwei Frauen, was naturgemäß eine große Menschenmenge anlockte, die sich erst wieder verzog, als ein Polizeibeamter einschritt. WSR. H e ch t s h e i m, 10. Rov. Ein mit zwei Pferden von dem Hochheimer Viehmarkt heimkehrender Viehhändler wurde von einem Lastwagen samt seinen Pferden a n g e f a h - ren. Beide Tiere kamen zu Fall und rissen den Viehhändler mit, der sich eine schwere Brust quetschung zuzvg, da die Pferde auf ihn zu liegen kamen. Das eine der Pferde rih sich los, während das andere durch die Verletzungen transportunfähig war und in Kastel abgeschlachtet werden muhte. Ohne sich um den verletzten Mann zu fümmern, fuhr der Chauffeur weiter, wurde aber von einem Radfahrer, der dem Auto folgte, namentlich festgestellt. Preußen. Obcrlahnkreitz. * Löhnberg, 10. Rov. Gegenwärtig wird das Ehrenmal für die im Weltkrieg gefallenen Helden unserer Gemeinde errichtet. Es wird auf dem Friedhof aufgestellt. Den Entwurf lieferte Regierungsbaurat a. D. Pfaff (Gießen), das Modell der krönenden Figur schuf Bildhauer Ködding (Dießen), die Steinmeharbeiten führte die Firma H e m m i n g in Runkel a. d. Lahn aus. Mit der Ausführung der Dildhauerarbeiten ist die Grabmallunstwerkstätte Werner in Hungen betraut worden. Als Material wird der graue Muschelkalk verwandt. Kreis Marburg. WER. Marburg, 9. Rov. Rach dem Bericht der städtischen Sparkasse standen die verflossenen drei Quartale dieses Jahres im Zeichen einer recht erfreulichen Zuhorns der Germanen sein, das beim Opferschmaus die Runde machte. Diesem Opfergebäck verdanken die Martinshörnchen ihre Form, die einst am Martins tage in großen Mengen gegessen wurden. Wie Ostern und Johanni entzündete man ehemals auch am Abend des 11. Rovember auf Bergen und Hügeln Freudenfeuer, um die ein als St. Martin verkleideter, in Stroh eingehüllter Bauerbursche Herumritt; eine Erinnerung an Wodan, den Schimmelreiter. Sein Roh bestand aus einem Stock, an dem ein PferdÄopf be- festtgt war, und einer darüber gebreiteten Decke. — Auf Zusammenhänge mit dem heidnischen Herbstdankfest weist der einst am Riederrhein verbreitet gewesene Brauch hin, ins Martins- feuer einen Korb mit Aepfeln, Dirnen usw. zu stellen, die, wenn die Flammen schon daran emporzüngelten, ausgeschüttet und von den Kindern eingesammelt wurden. Hierher gehört auch daS ehemals in der Gegend von Erfurt üblich gewesene Ginläuten des Marlinstages (GanS- läuten), von dem man Einfluß auf das Gedeihen der Feldfrüchte erhoffte. Während die Martinsfeuer früher so allgemein verbreitet waren, daß der 11. Rovember lange Zeit Funkentag hieß, kennt man sie heute hauptsächlich nur noch am Rhein zwischen Köln und Koblenz. An die Stelle Wodans trat nach Einführung des Christentums St. Martin, von dem die Legende berichtet, daß er aus Gutherzigkeit seinen Mantel (ein Attribut Wodans) mit dem Schwert zerteilte und eine Hälfte einem frierenden Bettler gab. Wahrscheinlich ist es auf die rein menschlichen Eigenschaften Martins zurückzuführen, daß er zum Kinderfreunde und Gabenspender wurde, ebenso wie St. Rikolaus «ahme der Einnahmen. Die Spareinlagen mehrten sich von 707 000 Mk. am 1. Januar 1926 auf 1 326 000 Mk. am 30. September. Bei den Einlagen im Scheck- und Konwkorrentverkehr ist in der gleichen Zett ein Zuwachs von 364 000 Mk. zu verzeichnen, so baß der Gesamteinlagenbestand am 30. September 1 702 000 Mk. beträat. An Darlehen wurden In den verflossenen drei Quartalen 632 000 Mk. gegen Hypotheken auf städtische und ländliche Grundstücke, 110 000 Mk. in kleinen Darlehen gegen Faustpfand und Dürgschaft und 340 000 Mk. als Kredüe in lausender Rechnung gestellt. Bei der Ausleihung langfristiger Darlehen wurden in der Hauptsache die Finanzierung von Reubauten und die Instandsetzung alter Häuser bevorzugt. Maingau. WSR. Frankfurt a. M., 10. Rov. Zu den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung in den Fragen der Gewerbesteuer und der Grundvermögens st euer hat der Magistrat dahin Stellung genommen, daß er den Anträgen auf Herabsehung der Gewerbesteuer von 460 Prozent auf 400 Prozent sowie den Anträgen auf Herabsetzung bzw. Aufhebung des städtischen Zuschlags zur GrundvermögenS- steuer mit Rücksicht auf die obwaltenden Finanz- Verhältnisse nicht beizutreten vermag, daß er aber der Forderung auf Schäftung von Erleichterungen und Milderungen unter Anwendung von Härteparagraphen zusttmmt. — Zur Frage des Zuschusses an die städtischen Du hnen liegt ein eingehender Bericht des Aufsichtsrates vor, aus welchem sich ergibt, daß keine Möglichkeit geordneter Fortführung des Theaterbetriebes besteht, wenn nicht bte vom ursprünglich geforderten Zuschuß a b g e - strichenen 300 000 Mark noch bewilltgt werden. Der Magistrat hat sich auf Grund von Prüfungen der städtischen Finanzverwaltung von der unbedingten Rotwendigteil der Zuschuß- leistung überzeugt und wird deshalb entsprechenden Antrag bei der Stadtverordnetenvev- sannnlung erneut stellen. Maingau. WSR. Oberursel, 10. Rov. Zu einer großen Kundgebung versammelten sich heute nachmittag sämtliche Gewerbetreibende von Oberursel, um gegen die erdrückenden Steuerlasten, speziell der Gewerbe- st e u e r, zu protestieren. Mehrere hundert Handwerker und Gewerbetreibende zogen geordnet durch die Stadt nach dem Rathaus, wo eine Abordnung dem Bürgermeister Füller eine Resolutton überreichte. Rach längeren Verhandlungen erschien der Bürgermeister am Fenster und teilte der Versammlung mit, daß die Rach- ft e u e r von 1925 vorerst zinslos gestundet ei bis zur endgültigen Regelung, und der Gewerbesteuerertragszoll ttir 1923 einer nochmaligen Prüfung durch Magistrat und Finanzausschuß unterzogen werde, tim dem Protokoll Rachdruck zu verleihen, warm sämtliche Geschäfte von 3 bis 5 tihr geschlossen. Kirche und Schule. Evangelisch-soziale Arbeitsgemeinschaft. hr. 3n Frankfurta-M. sand am Montag eine Tagung der Evangelisch-sozialen Arbeitsgemeinschaft in Hessen statt. Rach kurzer Begrüßung des Vorsitzenden, Pfarrer Heß (Darmstadt), ergriff Pfarrer Kappes (Karlsruhe/ >as Wort zu seinem Thema „Die Kirche in ?ct Krisis der bürgerlich en G e s e l l s ch a f t". Ausgehend von dem Gedanken, daß unsere ganze heutige Weltgestaltung „dämonisch" ist und daß der Kirche der Kampf gegen dies Dämonische, den „altbösen Feind" zulommt, stellte er für die Kirche die Forderungen, ganz real die Wirklichkeit schauen zu lernen und sich in allem Tun Gott gegenüber verantwortlich zu fühlen; für diese allgemeinen Forderungen brachte er die verschiedensten Beispiele der Praxis, die alle getragen waren von dem heiligen Ernst, die verzettelte und äußerst schwierige Lage der Gegenwart mit dem Geist wahren Christentums zu durchdringen. Sein Korreferent Pros. Kahn Frankfurt a'. M. ging von einer anderen Grundeinstellung seiner Betrachtung aus: sah der Redner in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung Abfall von Gott und Sünde, so sieht er vielmehr darin göttliches Schicksal und eine große Aufgabe. — Das zweite Referat, das Pfarrer Marx (Darmstadt) übernommen hatte, beschäftigte sich mit der „Kirche und den polittschen Parteien". Es wurde einstimmig folgende Erklärung an die Hessische Staatsregierung angenommen: „Die Ev.- soz. Arbeitsgemeinschaft sieht in den Bestrebungen der Gastwirte und des Draukapitals, die Feierabendstunde hinauszuschieben oder ganz aufzuheben, eine schwere Schädigung des ganzen Volks; wir bitten die Hessische Staatsregierung, mit und Knechl Ruprecht. Hinter allen dreien^steckt Wodan, der Göttervater. Ramentlich in Süd- «and hat St. Martin von jeher im Leben nder eine große Rolle gespielt. Als Marttnsmann oder Pelzmärtel geht der Heilige in den Häusern herum und beschenkt gute Kinder mit Martinshörnchen (z. D. in Württemberg); die bösen aber bekommen die aus Dirkenzweigen gebundene Rute zu kosten. Diese Dirkenrute ist wahrscheinlich ein tieberbleibsel aus altgermanischer Zeit, wo die Dirke als Mittel gegen Zauberei und Verhexung der Tiere galt. Deshalb Hintz man früher in den Ställen geweihte Dirken- zweige auf. Ehemals wurden außer den bereit- erwähnten Martinshörnchen am 11. Rovember mancherlei andere Backwaren, die MarttnSkrap- fen usw. verzehrt. In einigen Gegenden backte man sogar besondere Brote, Martinswecken, die häuftg als Spenden an Arme zur Verteilung Selangten und denen man besonders heilkräftige igenschaften nachrühmte. — Mit dem 11. Rovember sind auch mancherlei Bauernregeln verknüpft wie: „St. Martin tut'S Feuer in den Kamin"; „Wenn um Martini Rebel sind, — so wird der Winter ganz gelind"; „Wenn die Gänse um Martini auf dem Eise stehen, — müssen sie Weihnachten im Kote gehen." In Rordwestdeutschland sind auf Martini heute noch mancherorten Kinderumzüge üblich, bei denen nach dem Absinaen von meist uralten Liedern allerlei Gaben, tote Aepfel und Rüsse, eingefammelt werden, so z. B. in Hannoverland, Westfalen, Oldeirburg, Mecklenburg. Am Rhein (namentlich in Düsseldor ) sowie in OstsrieSland und Thüringen tragen die Kinder bei den timallen Mitteln sich dagegen zu wenden." Das Korreferat hatte Kirchenrat Pfarre: v. I. K ü b el (Frank urt a. M.), ver vor einem einseitigen Standpunkt der Kirche warnte. Eine rege Aussprache schloß die inhaltsreiche Tagung ab. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 10. Nov. Eine eigenartige Rechtsauff assuna vertritt ein Landwirt aus Lang-Göns, der mit feiner Ehefrau, feinem Schwiegervater und anderen Verwandten im Streit lebt. Er hat nämlich feine Schwägerin, die sich auf die Seite feiner Frau stellte, wie er selbst sagt, durch Schläge auf den Kopf „verdroschen" und auch beleidigt. Er glaubt hierzu berechttgt zu fein, und wollte deshalb frei» gesprochen werden. Das Gericht war jedoch anderer Meinung und verurteilte ihn wegen Beleidigung und Körperverletzung mit Rücksicht auf sein rohes Vorgehen zu zwei Geldstrafen von zusammen 100 Mark und zur Tragung der Kosten des Verfahrens. Ein Unternehmer aus der Nahe von Gießen hat einen Fabrikdirektor wegen Beleidigung verklagt, weil dieser angeblich behauptet habe, der Unternehmer, der eine Arbeit für ihn ausgeführt, habe seine Firma bestohlen und seinen Meister bestochen. In der heutigen Hauptverhandlung erklärte der Angeklagte, er habe seine Aeußerungen nicht gegen den Unternehmer, den er für einen sehr ehrenwerten Mann halte, sondern gegen dessen Sohn gerichtet. In diesem Sinne sagte auch der Zeuge aus, demgegenüber der Angeklagte sich geäußert hatte. Auf diese Erklärung hin, die zu Protokoll genommen wurde, zog der Unternehmer seine Privatklage zurück. Ob fein Sohn nun tlageff werd, steht noch dahin. zügen erleuchtete Papierlaternen ober Kürbisse; Gaben werden dort jedoch tm allgemeinen nicht gesammelt. Frankfurter Theater. Im Reuen Theater wurde Israel Z a n g w i l l s vierattiges Lustspiel „Der K ö - nig der Schnorrer" aufgesührt. Man lernt ; in diesem Stück ein famoses Milieu-Lustspiel kennen und fragt sich, warum es erst heute den Weg zur Buhne gefunden hat. Die Handlung spielt fernab von unseren Tagen, zur Zeit des Reifrockes und der weißen Perücke in England (London) und ist um den schlauen Juden Ma- nasse Dueno Durzilai Azevedo da Costa, der ebenso interessant ist wie seine lange "Hamen- reihe herumgeschrieben. Die lustigen Schnor- rereien dieses Königs in seinem Fach ergeben den Inhalt des Lustspiels. Die Hauptsache ist, man unterkält sich gut dabei, denn es ist Geist und Witz in dem Spiel. Max O p h ü l s Reaie arbeitete, unterstützt durch die stimmungsvollen Bühnenbilder von K a l b s u ß. das Stück mit liebevoller Sorgfalt heraus und hatte die Rollen wirkungsvoll beseht. Mittel- und Höhepunkt: Alois Großmann, ter wirklich königlich schnorrte. Mit dieser Hauptfigur steht und fällt das Lustspiel. Ausgezeichnet waren auch Heinrich Fuchs, Hermann K n e r und die Damen Hertha Hambach. Dora T h a l m e r und Gustel Hansen, tim Delsall brauchte nicht geschnorrt zu werden, die vrgnügte Stimmung des Publikums entlud sich tm lauten Applaus. (L, W.) Vermischtes. Verkehr mit Riesenschlangen. Die Angst vor der Schlange scheint dem Menschen seit den Paradiesestagen tief eingewurzelt zu sein, und nichts erregt auch bei Mutigen einen solchen Schauder wie der Atzblick eines riesigen Reptils. Die Schlangen sind aber auch — wie so manches andere — besser als ihr Ruf, unt> die Furcht vor ihnen geht häufig von ganz irrtümlichen Vorstellungen aus. Einer der besten Kenner der Schlangenwelt, der amerikanische Professor Henry Sheak, hat die Lebensgewohnheiten und daS Verhalten der Riesenschlangen In der Gefangenschaft genau studiert und manche neuen Ergebnisse gefunden. So weist er daraus hm, daß bei der periodischen Häutung der Schlange nur die dünne, brüchige Oberschicht beteiligt ist, während die eigentliche Haut gänzlich unverändert bleibt; diese wird nach dem Ableben des Reptils vielfach zu Leder verarbeitet. Die Häutung ist für die Schlange lebensnotwendig während ihres fortdauernden Wachstums, dem die Oberhaut der Schlange nicht folgen kann. In der Freiheit vollzieht sich die Häutung auf einmal und in einem Stück; in der Gefangenschaft dagegen löst sich die Haut nur langsam und in einzelnen Stücken ab. Die Riesenschlangen gedeihen nur bei hoher Temperatur; finkt diese unter 20 Grad Celsius, dann sind sie nicht mehr imstande, die Rahrung zu verdauen, sondern diese geht im Magen in Gärung über. Die alte Fabel, daß der Mensch die Schlange durch den bloßen Blick bändigen vnne, wird von Sheak als völlig unzutreffend bezeichnet. Man bedarf aber solcher Künste auch gar nicht, denn ein solches Reptil laßt sich durch freundliche Behandlung zähmen, soweit das überhaupt möglich ist. Das Sntsehen vor der aus dem Maul heraussch leben den gegabelten Zunge der Riesenschlange ist ganz unbegründet; die Zunge ist vollkommen harmlos und spielt bei d>r Schlange keine andere Rolle als bei anderen Tieren, abgesehen davon, daß sie auch Geruchswahrnehmungen vermittelt. Riesenschlangen, deren Zähne nur zum Ergreifen der Rahrung dienen, beißen niemals, • wenn sie nicht gereizt werden, und ihr Biß erzeugt keine Blutvergiftung. Irrtümlich ist auch die weit verbreitete Anschauung, daß die großen Schlangen ihre Deute lebendig verschlingen. Das trifft nur für kleinere Arten zu. Ebensowenig pressen die Schlangen ihre Deute auf ein geringeres Volumen zusammen, um sie leichter zu verschlingen. Die Fähigkeit der Riesenschlange, Tiere von vierfachem Durchmesser ihres eigenen Schlundes zu verschlingen, beruht auf dem losen Zusammenhang ihrer Kinnbackengelenke und der Rachgieb.gkAt der "Bindegewebe. Die Riesenschlange kann ohne weiteres ein Pferd oder einen Ochsen durch titn- schlingung töten und einen ausgewachsenen Mann im ganzen verschlingen, aber sie greift niemals ohne Herausforderung einen Menschen oder ein größeres Säugetier an; sie begnügt sich mit kleineren Säugetieren und Vögeln, die sie mühelos verschlingt. Eine einmalige Ration verdaut eine solche Schlange 5 bis 1 Tage und braucht daher nur alle 7 blS 10 Tage neue Rahrung. Solange sie satt ist, liegt sie träge da; wird sie aber hungrig, dann bewegt sie sich mit großer Lebhaftigkeit hin und her und hebt dabei den Kopf ie Der Abbau, der bergmännische Betrieb eines Bergwerks, ein Ausdruck, der wettcrytn rn der Heeres!prache eine Rolle spielt, vom Abbau der Nachkriegszeit gar n.cht zu reden, kann zum Raubbau wer.en, wenn nur aus augenolta- lichen Gewinn, tfin: Rücklicht auf späteren Be- trieb, gebaut wir,). Der reine Gewinn der sich . nach Abzug der Kosten auS dein Betriebe ergwr. h eicht Ausbeute. Zubuße aber der von den Gewerken nach M-chgabe ihrer Shi?e lDcrg- oder Grubcntrilc, 123 in einer Zeche, in der Form Kulus zuerst 1327 in einer böhmischen Ur- künde) au zahlende Beitrag zu den Betriebs- kosten, der so lang' geleistet werden muh, als das Bergwerk sie nicht selbst zu decken vermag. Zur Anlegung eines Bergwerks an einem bestimmten Orte brdurste es der Erlaubnis, um Wohl, wenn etwas nicht stimmte, und er besah Eharakterseftigkeit genug, nicht nachzulassen, bis er das Gewollte erreicht hatte. Deshalb stellte er auch, wenn er merkte, dah sein Auge nicht «cht hoch über den Boden. Denn sich Schlangen in der Gefangenschaft weigern. Rührung aufzu- nchmen, so braucht man sie nur mehrmals zwangsweise zu futtern, um tftncii den normalen Appetit Wiederzugeben. Riesenschlcu-grn kSnnrn ohne weiteres mehrere Monate, manchmal sogar bis zwei Jahre ofyrw Rührung auskommen. DergmaanSsprach«. mehr zu erkennen vermochte, wie einem Mangel abzuhäsen sei. die Bilder monatelang argen Dand. ehe er sie wieder vornabm. Zu einem Zur Anlegung ein stimmten Orte bed . . die gemutet, nachgesucht werden mutzte (mhd. muoien. etwas haben wollen, verlangen, davon muotunge. Begehren: Vermutung machen hiech, aus Anzeichen erkennen, wo sich der Grubenbau lohnt). Ilm nach Erzlagern au suchen, muß man die Erdoberfläche au reihen, die oberen Erdschichten abdecken, in der Sprache des Bergmanns schürfen — die Berichte über Vorträge und Reden schreiben ost von „tie'schürfenden' Darlegungen: auch w:nn diese Vorträge als reichhaltig bezeichnet werden, lieat ein bergmännischer Ausdruck vor. der sich eigentlich auf metallreiche Erze bezieht. Die Beschaffenheit des Metalls erkundet man durch die Stichprobe, die durch einzn Stich mit dem Probelöffel dem Schmelzofen entnommene Probe — auch von dem Reichtum, der Vollständigleit eines Buches überzeugt man sich durch Stichproben. Die Laaer- stätte des SrzcS, die Stein- oder Kohlenschicht nennt der Bergmann ein Flöh (in älterer Schreibung Fleh oder Fläz), aus mhd. vlehe, ahd. flazzi, slezzi, geebneter Boden. Tenne, auch Hausflur: xu dem davon abgeleiteten Zeitwort vletzen, breit daliegen, lagern, gehört der Fläz, der dummgrobe Mensch, der sich hinfläzt, breit hinsetzt: zur Schicht dec Gebildeten zählt ec nicht. Die Schicht im Sinne von Lager geht auf mhd. Bildnis, das jeder andere begabte Maler spielend in zwei, drei Siyungen von je zwei Stunden hätte ausführen können, brauchte Whistler 30, 40. ja 50 Sitzungen von jedesmal acht Stunden oder noch mehr. Die Besteller von Porträts waren ost peinlich berührt, wenn der grobe Künstler, was zuweilen geschah, das ganze Bild abkrayte und von oom anfing, nachdem sie einen vollen Monat lang ermüdende Sitzungen gehabt hatten. Seine Arbeit machte häufig den Eindruck, als sei sie rasch auSgeführt. fast heruntergestrichen. Das war sie aber nie. Er brauchte endlos lange, um auch nur die kleinste Figur zu zeichnen. äleberhaupt machte Whistler das Zeichnen grobe Mühe, und als er einmal die sichere Art sah, mit der Landor eine Skizze hinwars, rief er hingerissen auS: „Könnte ich s o zeichnen, wäre ich ein grober Maler!" »Whistler brauchte zum Ankleiden eine ungeheure Zeit", berichtet der Verfasser über ihr Zusammenleben. „Das Wellen feines HaareS. daS Anordnen der unsterblichen weihen Locke, genau wie und wo sie sein sollte, das Binden seiner Tageskrawatte, damit sie eine besonders künstlerische Wirkung hatte, das waren ihm alles überaus wichtige Dinge. Sein Anzug — den ein französischer Schneider nach seinen Ideen angefertigt hatte — machte einen graulich »spahigen", unbehaglichen Eindruck: er behauptete aber, kein Schneider in ganz England könne etwas Achnliches zuschneiden und nähen." Ebenso sorgfältig war der Künstler bei der Auswahl seiner Mahlzeiten. „Er war ein grober Feinschmecker und widmete dem Essen eine ebenso grobe Aufmerksamkeit wie dem Malen. Stunden brauchte er, um seine Speisenfolge zusammenzustellen. Gewöhnlich wurde der Chef heranbefohlen, um besondere Anweisungen entgegenzunehmen. Whistler liebte die komplizierten Gerichte. Die englische Küche sei nur für Barbaren: es gäbe überhaupt nur eine mögliche Küche in der Welt — die französische. Es war wirklich ein Vergnügen, ihn Gerichte kosten zu sehen, die g?nau nach seinem Geschmack waren. Er schnalzte, die Augen glänzten, und er gab sich seiner fast kindischen Begeisterung so schiht Geschehnis, Drbnung, Einteilung, Reihe, geordnete Arbeitszeit zurück: vir Bergleute verfahren oder machen Schichten von 6—6 Stunden: erst tm 17. Jahrhundert ist Schicht machen verzeichnet in der Bedeutung aushören zu arbeiten, wozu der Rus Schicht! daS Zeichen gibt. Ob umschichtig = wechselSweise zur DergmannSschicht gehört, ist zweifelhaft. Roch zu erwähnen ist dec Bergmannsgcub Glückauf!, der noch viel mehr, als eS bereits geschieht, in allgemeinen Gebrauch kommen sollte. 1770 fragt Hermes, Sophiens Reife: Woher kommt mir daS altfränkische Wort Glückauf? Es ist nicht vor 1660 nachzuweisen: Meltzer, 1684, Deichreibung der Stadt Schnee- berg, gibt für diese „bergmännische Redeart" die Erklärung: Ich wünsche Glück, daß sich die Reue Geschichten von öbiftler. James McReille Whistler, der grobe amerikanische Waler, ist bei Lebzeiten durch seine originelle Persönlichkeit säst noch berühmter gewesen als durch seine Werke. Unerschöpflich ist der Strom der interessanten und lustigen Geschichten. die von diesem Meister des Bluffs und der Reklame erzählt werden. Eine Fülle neuer Whistler-Anekdoten finden sich in der Lebensbeschreibung des berühmten Forschungsreifenden A H. Savage Landor, die unter dem Titel .Der wilde Landor" soeben bei F. A. Drockhaus in Leipzig erschienen ist. Landor hat wohl mehr aufregende Abenteuer und gefährliche Fahrten erlebt als irgendeiner seiner Zeitgenossen: zugleich aber war er ein hochgebildeter, feinfühliger Mensch, ein vortrefflicher Schriftsteller und begabter Maler, und so spiegelt sich die Vielseitig- leit seines Lebens in den bunten Reflexen seiner Erzählung. Landor wohnte eine zeitlang mit Whistler zusammen in der Wohnung ihres gemeinsamen Verlegers Heinemann. Auch er wurde von der hinreibenden Lebendigkeit seines Wesens und von dec blitzartigen Schlagfertigkeit seines Witzes gefesselt. lieb sich aber durch seine Bosheiten nicht aus dem Häuschen bringen und ist so einer dec ganz wenigen Menschen gewesen, die mit diesem ewigen Zänker keinen Streit gehabt haben. Später besuchte er ihn oft in seinem Atelier und konnte ihn bei seiner Arbeit beobachten. .Die absolute Vollkommenheit seiner Bilder", erzählt Landor, „erreichte er gana allmählich nach ungemein langweiliger Versuchsarbeit, bei der er malte und wieder zerstörte, bis er das Bild in allen seinen Teilen genau so hatte, wie er eS haben wollte. Er wutzte recht völlig hin, dab et sogar vergab, von seinen Widersachern und Fehden zu plaudern." So hinreißend er im Gespräch war, so ungefchickt und schwerfällig war er als Redner. Ec liebte es, die malerischen Lichtwirkungen am Chelsea-Kai zu beobachten und batte für die einfache Ratur wenig übrig Als ihn Landor eines TageS auf- socderte. mit ihm einen Spaziergang durch den Hyde-'Park zu machen, wo das GcaS so schön grün sei. sah er ihn mitleidig an und sagte in seiner schläfrig langsamen, beibenben Art: .Ra ja... Sie brauchen wohl viel Drünfutter." Rundfunk-Programm deS Frankfurter Tender-. (Aus der .Radio-Umschau-.) Freitag, 12. November: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Hausfrauennachmittag. ..Weinen und Lachen des Kindes". Vortrag von Dr. Marcho Türk. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45 Uhr: „Rettungsfahrten und Heldentaten". Vortrag von Herrn Frankl von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. 6.45 bis 7.15 Uhr: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger, und Fortgeschrittene sDiktot von 80 Silben aufwärts). 7.15 bis 7.45 Uhr: Italienischer Sprachunterricht. 8.15 Uhr: „Gesellschaft", Schauspiel in drei Akten von John Galsworihy. Briefkasten her Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung ) L. Z. in 2L Wenden Sie sich an die Kommunale Landesbank in Darmstadt. h. B., Sdtersrocg. Bei den kiesigen zuständigen Stellen ist ein solcher Fall noch nicht eingetreten. In Preußen ist die fragliche Frist auf drei Jahre festgesetzt. Erkundigen Sie sich doch einmal bei dem Landesamt für das Bildungswesen in Darmstadt. SprerHsku »den bet Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bi, 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen Für unverlangt eingefanbte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen Anzeigenausträge sind lediglich an die Geschäfts st eile zu richten Keine mißfarbenen Fußböden mehr! Hein, Farb'fiae eiafl ia* oslv lilh, rot, b.-aao, nicht so mlSEhtarbea wie die anderer Bolonbel. eg. Acea sprechen Sie warm «3 wie Lino enm. Oel-Wachsbeize Lichtecht und naß wischbar Pfunddose SCO gt Verlangen Sie den hochwertiger. Ruhr-itete heizkräftigster,sparsamster Brennstoff für Zentralheizungen Erhältlich in allen größeren Kohlenhandlungen. nnA —■ 11 ...................... +MiH- Eine Erlösung von dauernder Qual ist dao Der hmte 9250A Sprasizband (Deutacbete Reichepateut) kein Gummiband, ounc ,»e er. ohne Schenkettiemen, trotzdem unbedingt au» verlättig für alle Arten von Brüchen. Leiste vollste Waranile. («längende Zeugnisse. auch Teilerfolge. Billigste Berechnuni. 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Immer blieb sie vor den gleichen Möbelstücken stehen und starrte sie wie Feinde an. Was sollte der Krimskrams heute noch? Nicht zu begreifen war, daß man an so etwas einmal gehangen hatte. Tausendmal toter erschienen alle die toten Dinge jetzt. Wie eine Gruft hallte die Wohnung, ob man auch über Teppiche schritt. Nirgends atmete ein Mensch. Nichts wartete auf jemanden, der kommen würde. Ernst war begraben: längst moderte der wohl in seinem engen Bett. Lily war in Aegypten oder in Italien. Kaum jemals bekam man Martina zu Gesicht; fremder Schlafgast war sie geworden. Draußen kauerte das Mädchen in der Kammer. War das ein Leben? Mit dem rechten Arm beschrieb Julie eine Bewegung, die durch die offenen Türen wies. „Sie sollen sie haben, die Wohnung", sprach sie still. „Meinetwegen die ganze, wenn sie die Miete bezahlen können." Was bekümmerte es sie, daß Martina mit ihrem Chauffeur da hausen wollte? Es ging sie nichts an. Mochten sie hier einziehen und sich vermehren. Vollkommen gleichgültig war es, wie die Untermieter hießen. Irgendein Zimmer würde schon übrig bleiben. Ein Zimmer reichte wahrhaslig hin. Man war ja bescheiden geworden. Man mußte bescheiden sein, wenn es kaum noch für Wochen reichte. Bescheidenheit war keine Zier, wenn Schulden drückten und kein ordentliches Kleid im Schrank Das Mädchen erschien auf der Schwelle. „Herr Bernhard Carsten", sagte das Mädchen und lächelte wissend. Julie hob die Hand. „Hier herein. Ich komme gleich." Sie ging in ihr Schlafzimmer und stand einen Moment vor dem Spiegel. Sah sie nicht wie eine Greisin aus? Niederschmetternd war, was die letzten Monate aus ihr gemacht hatten. Aber was! Man durfte sich nicht klein kriegen lassen. Etwas Rouge auf die Wangen, da der Lippenstift: schon wirkte man wieder. Nun noch den Körper gestrafft, zwei Griffe rechts und links in das Haar: so — für den Augenblick genügte das. Im Herrenzimmer erhob sich Carsten aus seinem Fauteuil. Bettvorlagen, BrückenI lllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllll Läufer 1 Seltersweg 81: Bao? tisr iussiaihiojj. r Freitag, den 12.November 1926 nachmittags 2 Ähr, versteigere ich im „Löwen", Beuenweg 28, zwangsweise gegen Barzahlung: 1. 1 Divan, 2 Nähmaschinen, 1 Acker* schleife, 1 Egge, 1 Sekretär. 1 Sofa, 2 Vchreibtifche, einen Waschtisch, zwei Schränke, 1 Glasladentheke, 2 Vertikos, 1 Flurgarderobe, 1 Sisfchrank, 2 Kleiderschränke, 1 Motorrad, zwei Fahrräder, 1 Landschaitsbild, 1 Ladentheke, 1 Musikautomat. 2. Voraussichtlich bestimmt: 1 Schreibtisch mit Sessel, 1 Doppelpult, 1 Bücherschrank, 1 Schreibtisch, eine Registrierkasse. Hebbel Gerichtsvollzieher in Gießen, Dammstr.241 Telephon 289. 9267V Löfen Sie es einfach in warmem Waffer auf. Beachten Sie die außerordentliche Ausgiebigkeit: 1 Paket SU MA genügt für 4 Eimer wafchkräßige Lauge. Kochen Sie dann hierin die vorher in einer fdiwachen SUMA-Lauge eingeweichte Wäfche 10 — 15 Minuten lang. Hierauf gründlich gefpült und getrocknet, — das iß alles. — Kein hartes Reiben, kein Bür- ßen, kein mühfames Arbeiten am Wafchbrett, kein Mißerfolg ! Dabei vollkommenße Schonung der Gewebe und Farben. Heuchelheim November 1926 Mischer iHaXlwhe -VeflSChe 9265 a stens Finger griffen höher. „Ganz allein für mich. Oder —" Er schaute auf. Stumm flehten seine Augen. Tief aus der Brust sagte er dann: „Oder mit dir, Julie. Wenn du willst. Wenn du dich dazu entschließen kannst. Nichts ist ia jetzt im Wege." Julie schwieg. Erst nach Minuten sprach sie lächelnd: „Das wohl, Bernhard Carsten, das wohl." Langsam sank ihr Kopf zurück. Die Gedanken schwirrten. Bilder kamen und gingen. „Gar nichts ist jetzt im Wege." „Ich weiß, Bernhard Carsten." In dem tiefen Fauteuil bebte Julies Körper. Weiche Wärme floß aus dem Herzen. „Sonne," sagte Julie leise, „viel Sonne. Ein kleines, sonniges Haus am Meere: warum nicht?" Seufzend richtete sie sich plötzlich auf. „Mir ist recht elend zumute, Bernhard Carsten; du weißt gar nicht, wie elend." Starr blickte Carsten auf einen Punkt. „Es soll viel Schönes in Italien geben", sprach er ein wenig ungläubig. „Manche Menschen verbringen ihr ganzes Leben damit, das viele Schöne anzustaunen. Vielleicht kämen auch wir mit der Zeit dazu. Das wäre schon etwas wie ein Daseinszweck. Nicht ganz leer würde die Maschine dann laufen." „Man müßte reisen," sagte Julie, „immerfort reifen. Gar nicht zur Ruhe dürste man kommen: jeden Tag etwas anderes, jeden Tag neue Eindrücke: so ginge es schon." Ihre Augen fragten brennend. „Ja, auch reifen", erwiderte Carsten gedämpft. „Oder nur stillsitzen und hinausschauen auf das Meer — je nachdem." Er stand auf und reckte die Arme hoch. „Weiß Gott, was das Bessere ist." Schwer ließ er sich wieder in den Fauteuil fallen. „Ich bin müde, Julie; müde und krank." Julie drückte die Fingernägel in die-Ballen. Eine letzte Tür öffnete sich. Wenn sie wollte, konnte sie in vierzehn Tagen Bernhard Carstens Frau fein. War das kein Ziel? Durfte sie nur einen Augenolick überlegen? Ging es ihr nicht eben schlecht genug? „Nun?" fragte Carsten. „Ich will darüber nachdenken." Ein alter, kranker Mann, überlegte Julie. Still sitzen und hin- ausschauen auf das Meer: ob sie sich bareinfinben könnte? Verzicht wäre bas, enbgülhger Verzicht. „Ich habe nicht viel Zeit, Julie/ (Sortierung folgt.) „Da bin ich also." „Spät, aber doch, Bernhard Carsten." Julie warf ein Bein über das andere. „Ich freue mich, daß du dich meiner erinnerst. Und du? Wie geht es dir? Bist du nun endlich geheilt?" „Wenn man das geheilt nennen kann," sprach (Tarften gedehnt, „so wäre ich ja so weit." „Ah _ laß doch hören!" Carsten lächelte still. „Ich baue ab. Eine neue Aktiengesellschaft übernimmt die Miethäuser. Das Krankenhaus wird auf eine vernünftige Basis gestellt. Keine Gratisbehandlung mehr, keine philanthropische Geste, keine unsinnigen Spesen. Der Betrieb soll von selbst laufen." Die Augen Julies triumphierten. „Wer hat recht gehabt, Bernhard Carsten?" „Mit Recht ober Unrecht hat bas nichts zu tun. Das alles beweist nichts gegen bie Jbee. Nur überstürzt angepackt war die Geschichte." Carsten blickte auf seine Hände nieder. „Es gibt keine Radikalkur für die Seele, hat Morell einmal gesagt. Urtb Morell hat recht behalten. Nicht du, Julie." „Egal", sprach Julie abgekühlt. „Immerhin bist du jetzt um eine Erfahrung reicher. Schließlich ist es doch der goldene Mittelweg, auf dem das Glück liegt." „Das Glück", wiederholte Carsten mit sonderbar gewölbten Lippen. „Es gibt auch kein Glück. Es gibt nur mehr oder weniger Unglück." Zögernd setzte er hinzu: „Und irgendwo in der Ferne vielleicht einen Schimmer von Frieden." Julie fühlte, daß das ihr galt. Verlangend streckte Carsten zwei Finger aus. Wie einst lächelte Julie. „Was willst du nun beginnen, Bernhard Carsten?" fragte sie teilnahmsvoll. Carsten zuckte die Achseln. „Ich habe allerlei Absichten." Er verbesserte sich rasch. „Eigentlich nur eine Absicht: fort von Berlin." „O! Und wohin, Bernhard Carsten?" „Nach Italien." Carsten nickte ernst. „Nach Italien. Es bleibt nichts anderes übrig, wenn die Maschine leergeht. Man tut dann so, als ob die Maschine nicht leerginge." „Das ist doch sehr interessant", lachte Julie hell. Ihr halb offener Mund spannte sich. „Nach Sorrent wahrscheinlich. Ich habe auch schon ein Haus gekauft, ein kleines, sonniges Haus am Meer. Dort will ich versuchen zu leben." Car- Endlich spürte Martina, wie etwas in ihr frei wurde. Hell lachte sie auf. „Warum soll ich meinen Beruf aufgeben, Herr Heddenhausen? Ich fühle mich sehr wohl bei meinem Berus. Ich begreife nicht, wie Sie auf den Gedanken kommen." Noch einmal lachte sie. Verwundert schaute Heddenhausen auf. „Auch wenn Benno so reich wäre wie Sie, würde ich wahrscheinlich weiter in das Krankenhaus gehen." „Na, na", machte Kreuch. Im selben Atemzuge wandte er sich Heddenhausen zu. „Ist sie nicht süß?" „Sehr süß", sprach Heddenhausen mit starren Lippen. Es war, als könne er sich nicht länger beherrschen. Plötzlich fiel sein Unterkiefer herab. Seine Augen bettelten. Der Kellner entkorkte den Sekt. ,Letzt auf Ihr Wohl, Herr Heddenhausen!" In einem Schwung trank Martina den Kelch leer. Ihre Stimme bebte leise. „2(Jf Ihr Wohl Mehr kann ich nicht sagen. Auf einmal drängte es sie, dem Manne Gutes zu erweisen. Mit schwimmenden Augen dankte Heddenhausen. Schon hielt Kreuch bei der nächsten Geschichte. Seine Bewegungen wurden sahrig. Gleich daraus sammelte er sich wieder. Immer tiefer zogen sich seine Mundwinkel, wenn er durch den Saal blickte. Plötzlich verstummte er jäh. Leichenfahl saß er da. Auch an den Tischen ringsum stockten die Gespräche. Nach ein paar Takten schwieg das Orchester. Alle Hülse reckten sich. Wie Säulen standen die Kellner mit ihren Platten. Federnd schritt eine Dame in goldlila Brokat durch die Mitte. Im Nacken lag ihr Kopf mit dem braunen, glatt gescheitelten Haar. Weit griffen die dünnen Augenbrauen in die weiße Stirne. Feierlich ging ein Herr neben ihr. Sein Einglas blitzte. Stumm nahmen die zwei än einem reservierten Tische Platz. Rödgen! Sonntag,14. November, nachm.3 Uhr, findet die WIM Its WB von Wilhelm Wagner II. statt, wobei die beiden hiesigen Gesangvereine und die Kapelle Mank, Wieseck, mitwirken. 07874 Anschließend Tanz! faßte Orlmi zeiett m d» aus dem Verlag Emil Roth = Zu haben in jeder Buchhandlung! s „ZUM ANDRES“ Freitag, den 12. November EMETZELSUPPEE Spezial-Ausschank der Gräflich Görtzischen Auerhahn-Bräu Schlitz Empfehle meine separaten Klubräume zur Abhaltung von Versammlungen, Festlichkeiten, Hochzeiten p. p. sowie einen guten Mittags- und Abendtisch auch im Abonnement W1LH [JÄULKE. Hauptsorteo Mischung I 4 Mark Ä - 9261a sni.'-imjmmm11 ||,1,l‘**llllllllllllll,llllllllltIllix>JWMumlvif uiiiHHMimufi Donnerstag, 11. November 1926 Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Nr. 265 Drittes Blatt Mk., der Frau 15 Mk. zur Last. P l o ch, Schotten. tand der Gütertrennung. hiernach eigenen Feststellung fehlen, derem die Frage nach den . Es ist dies unter an« lältnis iin 75 derem die Frage nach den theologischen Richtungen und der sozialen Betätigung der Geistlichen. 9m Vertrauen aber auf Diehls unbeugsame Offenheit haben wir den festen Glauben,, daß nur bei ihm Darstellung und Verdikt darüber so lauten werden, wie sie müssen, und ganz abgesehen davon, daß wohl nur er die Materie so beherrscht, daß sie uns in Buntes Allerlei. Dlutzufuhr per Auto. Dreiviertel Liter Blut, die von dem Insassen eines Londoner Krankenhauses stammten, wurden im Kraftwagen durch ganz London befördert, um dem Patienten eines anderen Kranlenhauses ein» gespritzt zu werden. Es war dies der erste Trans» Port des Blutes bei einer Transfusion auf einer längeren Strecke. Dies Wunder der modernen Heilkunst wurde mit Hilfe einer neuen medizinischen Erfindung ausgeführt, durch die es möglich ist. das Blut während einer Reise im guten Zustand und in der notwendigen Temperatur zu erhalten. Ein Londoner Chirurge muhte eine Operation auS- führen, bei der beschlossen worden war, dem Patienten nachher neues Blut zuzuführen. Das Blut wurde einem Kranken in einem an der entgegengesetzten Seite Londons gelegenen Hospital entnommen, der sich zu der Abgabe bereit erklärte. Der * Transport des Blutes ging vortrefflich vonstatten, der Kraftwagen traf im richtigen Augenblick ein, und nachdem die Transfusion vorgenommen war. befindet sich der Kranke in gutem Zustande. Die Besteuerung der Ehegatten nach dem Reichssteuerrecht. gegeben sind. 3. Das Bermögenssteuergefetz vom 10. August 1925 in § 10. Ehegatten werden hiernach zur Vermögenssteuer zusammen veranlagt, wenn ihr Vermögen nach § 48 Reichsbew.Ges. zur Feststellung des Einheitswerts zusammenzurechnen ist. B. Haftung. Was folgt nun aus der gemeinfck)aftlichen Ver> anlagung? Die Antwort gibt uns § 95 Abf. II der AO.: Ehegatten, die zusammen zu einer Steuer veranlagt werden, haften als Gesamtschuldner. Dies bedeutet vor allem, daß das Finanzamt die Steuer von jedem der Ehegatten ganz oder zum Teil einlosen weniger. Die Erwerbslosen ihrerseits bür« I fen allerdings in der Wahl emer neuen Arbeit nicht so wählerisch und anspruchsvoll sein, toic man es häufig erfahren mub. Die Hauptsache I ist doch, zunächst einmal tolebcr Arbeit gefunden zu haben. Tiit der Zeit findet sich fchcn wieder Gelegenheit, in seinen eigentlichen Beruf, bzw. an eine baffere Arbeit zu kommen. Bielfach hört man allerdings Arbeitslose bei der Aach- frage um Arbeit fragen: wie hoch ist mein Verdienst und wie lange mub ich arbeiten? Liegt der Verdienst unter den: Unterstützungssätze ober nur einige Mark darüber, und die Arbeitszeit über acht Stunden, bann toirb in vielen Fällen verzichtet, weil bann das Leben ohne Arbeit bequemer ist. Solche Fälle mühten unnachsichtig dem ArbeitSamte gemeldet werden, damit die Unterftüöung entzogen wird. MitzuHelsen an der Linderung der Arbeitslosigkeit ist unser aller Pflicht. Wir müssen den Erwerbslosen und ihren Familienangehörigen, so gut es eben möglich ist, über diese schwere Zett hinwegheffen. Don den Erwerbslosen aber muh verlangt werden, daß sie jede ihnen gebotene Arbeit annehmen und an dieser Arbeitsstelle nach besten Kräften ihre Pflicht tun. Bei der Auswahl soll so weit als möglich auf den Br- ruf Rücksicht genommen werden. Tur wenn die Allgemeinheit und die Erwerbslosen die Behörden in ihrer Arbeit unterstützen, werden totr I diese schwere Krise ungestört überwinden, lln» I ruhen und Demonstrationen schaffen weder Arbeit | noch Brot. Sie bringen nur Sorgen Arbeitslosen sreizumachen. Wer eine ausreichende Pension bezieht, die von der QUIgcmein- beit aufgebracht wer dm muß, sollte nicht durch TebLnbeschäfiigung Erwerbslosen die Arbeitsstellen fort nehm en. , Der größte Krebsschaden jedoch xft btc Schwarzarbeit. Zeder Erwerbslose, der neben seiner Unterstützung noch Schwarzarbeit: verrichtet, mühte wegen Betrugs unter ©träfe gestellt werden. Beide Teile sündigen an sich selbst, insbesondere aber an ihren Tlrtmcnidjzn. Dem Handwerker nehmen sie die Auftrage fort, dem Handwerksgesellen die Arbeit und formt Lohn und Brot für ihre Familien. Das Heer der Arbeitslosen wird dadurch vergrößert jedermann ist berufen, die Schwarzarbeit vadurch zu bekämpfen, in dem er den Innungen bzw. dem städtischen Arbeitsamt über Schwarzardett, von der er Kenntnis erhält. Mitteilung macht. Gelingt es, die Schwarzarbeit zu beseitigen, so ward dadurch toieberum manche Arbeitsstelle frei ge» "^Aicht am Platze ist in Zeiten großer ^Arbeitslosigkeit die Engherzigkeit der offentl.chen Arbeitsnachweise, denen allerdings gesehltch allem die Arbeitsvermittlung zusteht. Heute sollte man jedem dankbar sein, der sich mit der Unterbringung von Erwerbslosen beschästtt. Es tst sogar eines jeden Menschen Pflicht, toenn cs ihm möglich ist, Arbeitsgelegenheit zu schaffen dies im Interesse der Allgemeinheit ohne zu zögern, zu tun. Wenn sich alle dieser Pflicht bewußt wären, so hätten wir manchen Erwerbs- Maß beschränkt bleiben. Die Tot der Erwerbslosen und ihrer Fa° milien kann auf die Dauer auch mit erhöhten Unterstützungen nicht gemeldert werden. Die beste Arbeitslofeiiuitterstützung ist Arbeit. Arbeitsgelegenheit zu schaffen, muß In erster Linie Aufgabe der Behörden sein. Da wo Industrien entwicklungsfähig find, muß geholfen werden. Wo neue erfolgversprechende Unternehmungen zu gründen find, sollte entsprechende Unterstützung der Behörden nicht versagt werden. Mit jedem Hundert Arbeitsloser, die in Arbeit und Lohn gebracht werden, werden hunderttausend Marl pro Iahr erspart, abgesehen von dem Elend, das man damit beseit.gl, und dem Familienglück, das man damit schafft. Nicht Staats- und Kommunal» betriebe beseitigen die Erwerbslosigkeit, sondern die freie und ungestörte Entwicklung der Privatwirtschaft. Die sogenannten Doppelverdiener bei den Behörden müssen beseitigt werden, um diese Plätze den erträglicher Gestalt vorgesetzt wird. Wer im Erleben der Geschichte unserer engeren Heimat innerlich fester stehen will, nehme dies Buch zur Hand. Es wird in seiner lebendigen Sprache die Vergangenheit wecken und uns Kraft geben, an ihr zu wachsen. (561) Dr. Hermann B rä u n i n g - O k ta v i o. Hassia sacra. Dor vier Jahren erschien der erste Band dieses von Wilhelm Diehl im Auftrag der Historischen Kommission herausgegebenen Sammelwerkes „Hassia Sacra“ unter dem Titel: „Hessen-Darchstädtisches' Pfarrer- und Schulmeisterbuch". Das Buch ist längst vergriffen, und jeder Forscher, insbesondere der Fa- millenforscher weiß, ein wie wertvolles Nachschlagewerk er in diesem ersten Band besitzt. Nun sind schon einige Monate ins Land gegangen, daß uns der um seinen rastlosen Forschcreiser und seine un- schöpfiiche Arbeitskraft beneidenswerte, durch Amt und Würden beschwerte Herr Prälat den zweiten Band vorlegt: „Die Kirchenbehörden und Kirchendiener in der Landgrafen- schäft Hessen - Darmstadt von der Reformation bis zum Anfang des neunzehnten Jahrhundert s"*). Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis beweist bic Masse des bewältigten und in lesbare, zusammenhängende Darstellung gebrachten Aktenmaterials. Der erste Teil bringt in Abschnitt 1 (Das Kirchengebiet und feine Sprengel) eine kirchliche Geographie: in Abschnitt 2 (Die Superintendenten der einzelnen Sprengel) Biographien sämtlicher Oberhirten der Hessen • darmstädtischen Diözesen Darmstadt, Groß - Gerau, Marburg, Alsfeld, 6t Goar, Hohenstein, Schmalkalden und Büdingen; in Abschnitt 3 (Die Desinitorien und die Definitoren als Gehilfen der Superintendenten in ihren Sprengeln) und 4 (Die Konsistorien zu Darmstadt und Gießen und das Verhältnis der Superintendenten zu den Konsistorien) Beiträge zur Geschichte der Definitoren zu Darmstddt, Gießen, Marburg und St. Goar, sowie die Konsistorien zu Darmstadt und Gießen; in Abschnitt 5 (Die Einteilung der Sprenael in Konvente und Diözesen) und 6 (Die geistlichen Leiter der Diözesen und Konvente und ihre Stellung zu den Superindenten) Beiträge zur Geschichte der Metropolitanate und Inspektorate nebst Verzeichnissen von ihren Leitern. Im zweiten Teil Abschnitt 7 (Zugang und Abgang von Geistlichen und Schulmeistern) eine Darstellung über Zusammensetzung und Herkunft der Theologenschaft. Abschnitt 8 handelt von den Exu- *) Jin Selbstverlag des Verfassers, Darmstadt, Waldstraße 40. Gebunden 20 Mk. In 30 Jahren ist dieser Band geworden, und als er schließlich gedruckt und verlegt werden sollte, da war es Diehl selbst, der auch die materielle Sorge der Drucklegung und des Selbstverlages in gesundem Gottvertrauen aus die eigene Schulter nahm. Mit demselben Mut, roie er auch das halbe Hundert der „Hessischen Volksbücher" zusammen mit Gleichgesinnten ermöglichte. Darin brachte er echtes Gut popularisierter Historie in weiteste Kreise und scheute kein Geldopfer, durch die Tat seine im tiefsten Grund soziale Gesinnung zu beweisen. Er hat nicht Schätze gesammelt, die Motten und Rost fressen. Nach Dank hat er wohl nie gefragt. Aber die Anerkennung dieses tapferen Wirkens kann ihm nicht versagt bleiben, wenn auch sein 25jähriges Dienstjubiläum und sein 50jähriger Geburtstag vorübergingen, ohne daß man in dieser jubiläumssüchtigen Zeit seiner gedachte. Wir wollen uns darüber freuen und dankbar sein, daß es ihm geschenkt wurde, diese Arbeit von 30 Jahren zu Ende zu führen. Wie wenig Menschen ist es vergönnt, das Werk ihrer Jahre zu vollenden; wie wenig Menschen sind so gesegnet! Und wie wenig Menschen sind sich bei aller sichtbaren Führung und Krönung so gleich geblieben! Den neuen Band konnte nur er schreiben. Und wenn dem, der das Werden des Buches vom Manuskript bis zu den fertigen Bogen betreuen durfte, und so, wie vielleicht bisher niemand, manches Kapitel zwei, ja dreimal Buchstabe um Buchstabe gelesen hat, ein ungestillter Wunsch übrig bleibt, so ist es der, daß Diehl uns noch die Kapitel in einem dritten Bande schreiben möge, die hier nach feiner Bei selbständiger Veranlagung entfiele auf den Ehemann eine Steuer von 10 Mr., auf die Ehefrau eine solche von 40 Mk. Don der ©teuer hat dir Ehefrau den Teil zu tragen, der auf das Dor- behaltsgut entfällt. Sic ist also zu teilen im Der- von 5:25 oder 1:5, dem Mann fallen mit- zuerkennen. . . .. Eine Ausnahme vom Grundsatz der gememschaft- . » . liehen Ehegattenbesteuerung besteht darin, wenn das lonoeres Einkommen der Ehefrau in Einkünften aus sonstiger meinen selbständiger Berufstätigkeit, obf aus nicht selb- ständiger Arbeit in einem dem Ehemann fremden Betrieb besteht. Wenn also die Ehefrau einen selbständigen freien Beruf ausübt (z. B. Aerztin) oder in einem fremden Geschäftsbetrieb angestellt ist, wird sie selbständig veranlagt (bzw. unterliegt bc.n Lohnabzug), nicht aber wenn sie selbst einen Gewerbe- bcir.cb besitzt .. 2. Das Reichsbewertungsgesetz vom 10. August Don Reg.-Rat Dr. Reichsrechtliche Bestimmungen über die Ehe- gattenbefteuerung und die gegenseitige Haftung der Ehegatten für Steuerschulden finden mir in der Abgabenordnung, dem Einkommensteuergesetz, dem Vermögenssteuergesetz, dem Reichsbewertungsgefetz und in der Beitreibungsordnung. A. Veranlagung. Wann und wie werden Ehegatten gemeinschaftlich veranlagt? Die Frage beantwortet uns: 1. Das Einkommensteuergesetz vom 10. August 1925 in § 22. Eine sogenannte Haushaltsbesteuerung liegt hiernach dann vor, wenn beide Ehegatten unbeschrankt steuerpflichtig sind, und solange sie nicht dauernd voneinander getrennt leben. Ob eine dauernde Trennung vorliegt, dürste nach den tatsächlichen Verhältnissen zu beurteilen sein. Der Reichsfinanzhof fordert zu diesem Begriff völliges Getrenntsein im ehelichen Leben, im Haushalt, in der Wirtschaftsführung, herbeigeführt in der erkennbaren Absicht, die Trennung für längere Zeit festzuhalten. Die außergewöhnlichen Verhältnisse, wie sie die Wohnungsnot verursacht, werden mit großer Vorsicht auszulegen sein. Selbstverständlich muß eine gültige, also standesgemäße Ehe vorliegen. Die Einkommen beider Ehegatten werden bei der Veranlagung einfach zusammengerechnet Es darf nicht verkannt werden, daß infolge des Prinzips der progressiven Staffelung des Steuertarifs die Einkommensteuer bei gemeinschaftlicher Veranlagung höher ist, als wenn jeder Ehegatte allein besteuert würde. Allein man geht bei Ausstellung dieses Grundsatzes von der Tatsache aus, daß auch die Verwaltung regelmäßig gemeinschaftlich erfolgt, und erzielt insofern auch eine Erleichterung, indem d'e ost schwierige Frage der Trennung der einzelnen Vermögens- bzw. Einkommensbestandteile ausgeschaltet wird. Die gemeinschaftliche Veranlagung selbst erfolgt zum erstenmal für das auf den Eintritt der Voraussetzungen folgende Kalender- oder Wirtschaftsjahr. Wenn also zwei Steuerpflichtige, für deren Veranlagung das Kalenderjahr maßgebend ist, am 17. Oktober 1926 die Ehe eingehen, dann werden sie erstmals im Frühjahr 1928 für das Jahr 1927 gemeinschaftlich veranlagt. Noch im Frühjahr 1927 erhalten sie getrennte Steuerbescheide. Die gemeinschaftliche Veranlagung erfolgt bis zu dem Zeitpunkt, wo eine Voraussetzung wegfällt, also z. B. bei Scheidung der Ehe mit dem Tag der Rechtskraft des Scheidungsund 19 verweisen, die in Verbindung mit dem umfangreichen Kapitel 2 wohl den größten Teil der von hesien-darmstädtischen Theologen 1567 bis 1802 im Druck veröffentlichten Schriften aufführen, vor allem Leichenpredigten und Gelegenheitsreden. Manche der Kapitel lesen sich wie packende Sittengemälde ihrer Zeit. Man ist versucht, einige her- auszuheben und als lebendige „Bilder deutscher Pastoren und Schulmeister ins Volk zu tragen. Wenn je Geschichte lebendig werden kann, hier könnte sie es werden; denn wir erleben^ unsere Väter so, wie sie wirklich waren, in ihrer Größe und in ihren Schwächen. Was gehen uns „Exulanten" an? Die abgesetzten Opfer der „Reformationen nach der Reformation", wie Diehl mit Recht die gewöhnlich als „katholische (Gegenreformation" gekennzeichnete Periode (nach 1555) umtauft; denn die auf Grund der Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens in der zweiten Hälfte des 16. und der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts vorgenommenen Gegenreformationen gingen nicht nur von katholischen, sondern auch lutherischen und kalvinistischen Landesherren aus und trafen nicht nur lutherische und kalvinistische, sondern auch katholische Gebiete. Aber kein Kapitel ist so wie dieses achte geeignet, die politische und religiös-konfessionelle Zerrissenheit unseres Vaterlandes vor Augen zu führen. Interessant ist auch die Entstehungsgeschichte dieses neuen Bandes; enthält er doch die Forscherarbeit von 30 unermüdlich im Di en st des Gei st es gelebten Jahren. Schon als junger Student hatte Diehl in einer Fehde gegen die Altertumsforscher vom Fach Recht behalten. Als er sich nun gor an die Kirchenhistorie machte, geriet der „junge Mann" von Dornherein in Widerspruch mit den großen Leuchten seiner Zeit. Nach deren Urteil nämlich war das Thema, wie es sich im Titel dieses zweiten Bandes der Hassia Sacra ausdrückt, längst geklärt, und auch QueUenmaterial, das neues Licht hätte verbreiten können, nicht vorhanden. Diehl aber erkannte in den reichhaltigen Akten der großen Generalkirchenvifitation von 1628, die ein Zünftiger für wertlos hielt, den für die Geschichte des geistlichen Standes in Hessen wertvollen Ausgangspunkt; dazu fand er 1898 in dem „Rationarium Synodi Geravianae“ (von 1555) die Akten, die mit die Hauptgrundlage für die kirchliche Rechtsgeschichte der Landgrafschaft Heffen-Darmstadt bilden. 1925 in § 48. Ganz analog dem Einkonunensteuergesetz wird hernach das Vermögen von Ehegatten, die un- beschränkt steuerpflichtig sind und nicht dauernd voneinander getrennt leben, für die Feststellung des Einheitswerts für das Gesamtvermögen zusammengerechnet. Die Voraussetzungen für die Zusammen- redjnung müssen am Hauptfeststellungszeitpunkt oder dem sonstigen Stichtag gegeben Jein. Erfolgt eine Eheschließung im Lause eines Feststellungszeltraums, so ändert sich hier bezügl. der Vermögenssteuerpflicht nichts, da eine Neu Veranlagung nur erfolgt, wenn die Voraussetzungen des § 75 Reichsbew.-Ges. Erwerbslofennot und ihre Bekämpfung. Von Otto Adams, M.d.T. Das größte Unglück, das einen Mensch« k der heutigen Zeit treffen kann, ist der D-rlust seiner Arbeitsstelle. Monate-, la iahrelangar» bettslos zu fein, das ist ein Los. das man weder einem Familienvater noch einem alleinstehenden Arbeitnehmer wünschen darf. .?ur wenige können sich in die Lage dieses^Unglücklichen hmemver- setten. Die vielfach porkommende abfälligeBeurteilung der Arbeitslosen sollten die Glucklt<^ren unterlaßen. Große Arbeitslosigkeit nn- Lande ist ein nationales Anglück. Daher sollten alle Volksteile und jeder einzelne bestrebt fern, nntzuhelsen, sie zu beseitigen. ,, r, .... Dazu möchte ich einige praktische Vorschläge machen, die zwar nicht neu find, an bie man ober immer wieder erinnern solfi Hervorgerufen durch das Kriegsende und Die Deseittgung der allgemeinen Wehrpflicht in unserem Daterlande haben wir eine ständige Arbeitslosenarmee von 800 000 bis 1 Million. Die übrigen Arbeitslosen sind auf die darniederliegende Wirtschaft zu buchen, welche bei besserer Konjunktur von ihr wieder' ausgenommen werden. GS gilt also in erster Linie diejenigen zu beschäftigen, die s o n st Soldat waren. Für längere Zeit ist es ausgeschlossen, daß die deutsche Wirtschaft sich so entwickeln wird, daß sie diesen Hunderttausenden Arbeitsgelegenheit zu bieten in der Lage ist. Es gibt daher nur zwei Möglichketten: entweder durch Wiedergewinnung von Kolonien die Möglichkeit der Auswanderung dorthin zu schassen, oder aber sich ernsthaft mit der Schaffung eines Arbeitsdienst - Pfichtgesetzes zu beschäftigen. Durch die Arbeitsdienstpslicht muß die "Arbeitskraft von Hunderttausenden junger, Leute, die heute arbeitslos sind, dem Staate, der Allgemeinhett nutzbar gemacht werden. Das liegt auch im Interesse dieser jungen Leute selbst, M Tie sonst zu einem großen Teile langsam, aber sicher der Verwahrlosung anheimfallen und damit sittlich, aber auch geistig und körperlich zuschaden kommen. Diese Gefahren lassen sich durch die Arbeitsdienstpslicht vermeiden. Durch Deschästi- gung und Schulung der Arbettsdienstpflichtlgen für und durch den Staat werden die Arbeitslosen-Unterstühungsgelder produktiv angelegt. Es gibt noch so manches Stück Oedland, das kultiviert werden kann. Bei Waldbranden, Hochwasser ufto. wurden die Arbeitsd'.enstpflich- tigen wertvolle Hilfe leisten. Die Landwirtschaft braucht dann in Erntezeiten keine ausländischen Kräfte mehr, weil diese durch Arbeitsdienst- pflichtige ersetzt werden könnten. Durch Schulung der Arbeilsdienftpflichtigen würde vielen auch noch die Möglichkeit gegeben, ein Handwerk ober einen anderen Beruf zu erlernen. Beim Ausscheiden aus der Arbeitsdienstpslicht haben wir es dann mit jungen Leuten zu tun, die an Arbeit, Gehorsam, Pslichtbewußtsein, Fleiß, Ordnungsliebe ge- wöhnt find und das menschliche Leben mit größerem Ernst und Verständnis betrachten. Die Arbeitsdienstpslicht würde genau wie früher die Militärdienstzett für die jungen Leute eine Schule fürs Geben bedeuten. Die Zahl der Erwerbslosen würde wie früher auf ein geringes lauten; Abschnitt 9 von den Konvertiten und Proselyten im hessen-darrnstädtifchen Kirchcndienft, Abschnitt 10 (Aus der Totenliste) beschreibt die „merkwürdigen" Todesfälle; Abschnitt 11 handelt von den Absetzungen; Abschnitt 12 von den Emeritierungen und Amtsniederlegungen; Abschnitt 13 von den Uebertritten hessen-darmstädtischer Theologen zu anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften. Sechs weitere Abschnitte sind der Darstellung der sittlichen Zustände und des wissenschaftlichen Lebens gewidmet. Abschnitt 14 handelt von der Wahrung des Decorum pastorale in Haus, Dienst, bei Rekrea- tionen und in der Kleidung; Abschnitt 15 (Die Diözesansynoden); 16 (Die Pastoralkonvente) und 17 (Bibliotheken und Zeitschriften) von den Mitteln, die der wissenschaftlichen Weiterbildung der Geistlichen dienten; Abschnitt 18 (Die Graduierten unter den Geistlichen) und 19 (Veröffentlichungen hessen-darm- städtischer Geistlichen und Schulmeister) von der wissenschaftlichen und sonstigen literarischen Tätigkeit. Abschnitt 20 (Arbeiten hessischer Theologen auf dem Gebiet der Bekehrung Andersgläubiger) ist dem Werk der Judenmission gewidmet. Kulturgeschichtlich von unschätzbarer Bedeutung stnd die Kapitel 8 bis 11 und 14. Das über die „Wahrung des Decorum pastorale" halte ich für das zur Beurteilung des Standes wichtigste; gleich- zeifig ist es von größtem Interesse für jedermann. ,,3d) habe eine Frau für mich, die gehört in die Küch' und der Psasf in die Kirch' und der Teufel in die Helle". Dies Sprichwort bringt die Auffassung der Zeit und der kirchlichen Behörden, an der Jahrhunderte lang festgehalten wurde, klar zum Ausdruck: der Geistliche solle mit der „Welt" möglichst wenig zu schaffen haben, müsse er sich aber in der ;,2ßelt Händel" mischen, so nicht als Weltkind, sondern als Geistlicher. Diehl gibt auf einem halben Hundert Seiten Verfehlungen gegen das Decorum pastorale; als Ganzes betrachtet, Einzelfälle, die der großen Anzahl der rechtschaffen und sittlich einwandfrei lebenden Geistlichen gegenüber nicht viel besagen wollen. Zugleich ist dieses Kapitel ein Beweis für den unbeugsamen Wahrheitssinn Diehls. Mit der Offenheit des Forschers nennt er die Dinge, wie sie sind, gibt also auch „Nachtstücke"; denn „ein Urteil über die Geschichte eines Standes wird nur der gewinnen, der Licht und Schatten kennt". Schließlich möchte ich noch auf die Abschnitte 18 ziehen kann, und daß die Erfüllung durch einen der Ehegatten auch den anderen befreit. Zur Lösung von Zweifelsfragen ist in § 22 Ws. 2 des Vermögenssteuergesetzes bestimmt, daß die Haftung eines Ehegatten für bie Steuer nicht dadurch ausgeschlossen wird, daß er Einkommen im Sleueradschnitt nicht bezogen bzw. daß er Vermögen am Feststellungszeitpunkt nicht beseffen hat. Im Verhältnis der Ehegatten zueinander, also zivilrechtlich, soll nicht etwa eine Verteilung nach dem Lerhättnis der Einkommen der einzelnen Ehegatten zu dem gesamten Einkommen eintreten, sondern eine solche nach dem Der- hältnis der Steuern, die bei getrennter Veranlagung der Ehegatten zu erheben wären (§ 22 Ws. 3 EStG.). Nach § 17 VermStG. gilt für die vermögensrechtlichen Beziehungen der Ehegatten zueinander jeder Ehegatte 61s Schuldner des Steuerteils, der nach den Derhältniszahlen berechnet wird, die sich ergeben, wenn jeder Ehegatte getrennt mit seinem Vermögen veranlagt worden und hierbei § S (Freigrenzen) nicht zu berücksichtigen gewesen wäre. Z. B. I. Bei gemeinsamer Veranlagung — 6000 Mark Einkommensteuer. Bei getrennter Veranlagung hätte zu zahlen der Mann 3000 Mark, die Frau 2000 Mark. Die Ehegatten hätten alsdann die Steuer von 6000 Mark untereinander nach dem Verhältnis 3:2 zu tragen, also der Ehemann 3600 Mk., die Ehefrau 2400 Mk. II. Vermögen des Mannes = 10 000 Mk., eingebrachtes Gut der Frau = 15 000 'Ulf., Vorbehaltsgut der Frau = 5000 Mk. Gesetzlicher Güter- stand. Bei gemeinsamer Veranlagung beträgt die I Steuer — 90 Mk. . . ki C. Vollstreckung. Urteils, oder mit dem Augenblick der dauernden örunblfl0c für bie Vollstreckung bildet FS'« »'s ÄS.*-*« | Läsckbä ";s s s. frau durchgeführt werden, so braucht wohl ein besonderes Leistungsgebot gegen die Frau im allgc nicht zu ergehen. Die Bekanntgabe an den Ehemann wirkt hier gemäß § 226 Ws. 1 in Verbindung mit § 85 AO. auch gegen diejenige, deren Vermögen verwaltet wird, also gegen die Fran. Eine besondere Zustellung an die Ehefrau ist nur dann erforderlich, wenn das Vermögen der Frau der Verwaltung des Mannes entzogen ist, also beim Vorbehaltsgut der Ehefrau im gesetzlichen Güter- tand, bei der allgemeinen Gütergemeinschaft, bei H?r Errungenschaftsgemeinschast. der Fahrnisgemein, chaft, ferner beim Vermögen der Frau im Güter- 6 Seine besoni -urch Sic W Stättebaues und weil wbe -usaminen biete zu e -unkten Planl bah dus ftill aui ivMim ErM, fvnd auch des 3 Unter dem beliebigen: sundheit -es ßnttoi ganz mod Dem einer : heitliche vielleicht ei Landesplan bürfnii für ftef}!. erWi sches Etaatse tfvtb man au Mchm M z.2. des T Erholung v ler mit der für uns i Zwangsmil rens ®et von einer Zwangswlr Wendung & ufto. Sabot Sie Sem foll auch t unbehlnder Idjroerrolcgi fläche folli Dar pri Aie Reg 2erli" ordnung^ fe* -Z d SÄ &in'J S?«s Spiel' Aapitei beich eignen ge baulichen ® -Dohnungsi' völkerung w chende D^lt- Go !ll. $ -Ä -Z tzi Snl^Lp richt-" W pfl^- $rantfttrtfllfl Sen Gemein verliehen. Ci Wege des ($ eignuna bet IN f° fel baues unter nicht zum u Wirtschaft ai ein oerftänbn N die ülbfit hat man es des Landes l weifen. N. Lei, 85 ermöglich, ""gspläne übe dirchzuführen. ye hinviec WQüntere^ Wern dürfe üenaue %9?l u.%.6 'chadlgu^ sagbar, i Schneimm^ Jiffe gegebc lZaftfch^ bei 3’ Ung hon *Mulathn Jonen jft ; ^ilchödiqt ? s* patte r tzS-De M der ■ Stofen S bracht oTlA’nii Der ultraviolette Zoo. Der Londoner Zoologische Garten hat vor einiger Zeit ein „Bersuchsaffenhaus" erhalten, dessen Dach mit „Ditaglas" gedeckt ist, einer neuen Glasort, die die ultravioletten Strahlen durchläßt. Man erhoffte von der Wirkung dieser heilsamen Strahlen viel für die Bewohner des neuen Affenhauses, und man hat sich nicht getäuscht. Der Gesundheitszustand der Tiere war sehr viel besser als in dem alten Affenhaus; Krankheiten kamen wenig vor, und in zwei Jahren haben sich nur zwei Todesfälle ereignet. Der beste Beweis für die Wirkung der Strahlen war aber ein Drang Utan, der ganz kahl gewesen war und jetzt in einem leuchtend kastanienbraunen, dichten Pelz sich präsentierte. Die Stimmung der vierfüßigen Insassen hat sich außerordentlich verbessert; sie sind so frisch und lustig wie noch nie zuvor. Seit einem Jahre hat auch das Löwenhaus ein 8000 Quadratfuß großes Dach von Bitaglas. Dem König der Tiere ist diese Bestrahlung nicht weniger gut bekommen als den Affen. Kein einziger Todesfall hat sich ereignet. Auch das neue Reptilienhaus soll ganz mit diesem die ultravioletten Strahlen durchlassenden Glas ausgestattet werden. Das Glas, das sich in feinem Aeußern von dem gewöhnlichen Glas nicht unterscheidet, kostet nichl mehr als Plattenglas. Es ist in England bereits bei einigen Däusern angewendet worden, und die neue Gesundheitsgesellschaft, die in England für eine Besserung der hygienischen Maßnahmen eintritt, empfiehlt die Verwendung des Glases für Schulen. Krankenhäuser beginnen es ebenfalls anzuwenden, und in den Vereinigten Staaten verwendet man das Glas desgleichen, nachdem der Londoner Zoo so gute Erfahrungen gemacht hat. Lchweine-Jodler. Amerika ist nicht nur das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sondern auch der merkwürdigsten Künste. Rur hier konnten sich die Schweinehirten zu solchen Virtuosen entwickeln, daß sie bei einem Wettbewerb in Omaha als wahre „Carusos der Schweinetriften" gefeiert wurden. Dieser Wettkampf der „Schweinejodler", der natürlich von der Radiostation in Omaha im Rundfunk weithin verbreitet wurde, hat in den Vereinigten Staaten große Veachtung gefunden unö das Interesse für den seltsamen Stand der „Schweine-Rufer" geweckt. 3n der „World" unterrichtet ein großer Schweinezüchter das unkundige städtische Publikum über die Bedeutung dieser Männer. „Mag man über das Schweinerufen als Kunst deinen wie man will," schreibt er, „so ist doch seine Rühlichkeit unbestreitbar. Die meisten der mehr als 30 Millionen Schweine, die in den Südweststaaten gezüchtet werden, sind nicht solch fettes, faules Volk, wie man es auf den Viehausstellungen findet, sondern sie sind flinke schlanke Tiere, die sich der Freiheit auf der Weide freuen und von Wurzeln, Gras usw. nähren. Ratürlich werden sie daneben auch in regelmäßigen Zeitabständen mit Getreide gefüttert, und um sie von den weiten Weideflächen zusammenzurufen, ist die Kunst des Schwe.nejodlers notwendig. Cs ließe sich eine ganze „Anthologie von Schweinerufen" zusammenstellen, wenn man Die verschiedenen Melodien und Tonfolgen sammeln wollte, die in Rebraska und Omaha, in Indiana und Westkentucky zum Heranlocken dieser Vierfüßler verwendet werden. Es sind langgezogene, schrille und doch melodische Schreie, die in bestimmen! Wiederholungen ausgestoßen werden und auf die Rüsselträger eine zauberhafte Wirkung ausüben. Mag man auch die musikalischen Fähigkeiten des Schweines nicht sehr hoch ein- schähen, so besitzt es doch ein scharfes und feines Gehör, durch das die Tiere den ihnen geltenden Ruf von denen für Kühe, Pferde und Hunde genau unterscheiden. Wenn der Schweinejodler auf den weiten Ebenen von Texas oder Delaware sein langgezogenes „Puh-ji!" in rhythmisch bewegten Tonfolgen erschallen läßt oder sein nicht minder gut klingendes „Wuu-i!" oder „Suu-i!" ausstößt, dann würde selbst Rurmi Mühe haben, mit den Schweinen Schritt zu halten, die von allen Seiten herbeieilen." Diese Jodelrufe der amerikanischen Schweinehirten sind uralt und scheinen zuerst in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhun- Deists von den musikalisch so begabten Regern ausgebildet zu fein, die als Schweinehirten verwendet wurden. Die besten Schweinejodler des Landes hatten sich in Omaha zusammengefunden, Mid sie liehen eine Stunde lang ihre Rufe vor dem Preisgericht, der großen Zuhörerschar und den beim Rundfunk versammelten Millionen ertönen. Sie plauderten auch allerlei aus der Schule und erzählten, daß man für die aiten Eber ganz andere Töne anschlagen muh als für Säue und die „Schweinebackfische". Das Repertoire einiger von ihnen war überaus reich und musikalisch interessant. Cs wurden viele Medaillen und. Auszeichnungen verteilt. Als Sieger aber ging Fred Patzel aus Madison in Wisconsin hervor, der eine schwergoldene Medaille und ZOO Dollar erhielt. Berichtssaal. Verleitung zum Meineid. sch. Marburg, 10. Roo. Wegen Verleitung zum Meineid hatte sich heute vor dem hiesigen Schwurgericht der Arbeiter Joh. Par- t h e s i u s aus Gemünden zu verantworten. Er hatte im Jahre 1923 in Gemünden ein Schaf gestohlen und seinen Freund, den Maurer Diehl, zum Mitwisser gemacht. Letzterer hatte bei seiner Vernehmung durch den Landjäger zunächst den Diebstahl Parthesius' zugegeben, dann aber auf dessen Drängen seine Angaben vor Gericht geändert. Später wieder gab Diehl zu, daß er einen Meineid geschworen hatte, und wurde infolgedessen zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Parthesius, der bereits wegen des Diebstahls bestraft ist, erhielt nun noch wegen Verleitung zum Meineid e i n Jahr Zuchthaus. Gefängnis für einen Arzt. WSN. Gelnhausen, 10. Nov. Großes Aufsehen erregte seinerzeit ein gegen einen praktischen Arzt aus Langenselbold geführter Prozeß wegen Verbrechens gegen das keimende Leben (§ 218). In der Hauptverhandlung wurden dem Angeklagten sechs Fälle zur Last gelegt, in vier Fällen für schuldig erachtet und zu zwei Jahren G.'- fängnis verurteilt. In der Berufungsinstanz wurde gestern nach 12stündiger Verhandlung das Urteil der ersten Instanz aufgehoben und gegen den An- a-klagten auf ein Jahr sechs Monate Gefängnis erkannt. Ein Vatermörder vor Gericht. WSR. Koburg, 10. Rov. Vor dem hiesigen Schwurgericht fand gestern die bis in die späte Rächt hineindauernde Verhandlung gegen den 20 Jahre alten Ziegeleibesiherssohn Georg S ch e d e l von Dörfles bei Kronach statt. Die Verhandlung entrollte ein trauriges Familienbild. Von den sieben Kindern der Schedelschen Eheleute starb bereits eine blöde Tochter, drei weitere Töchter und ein Sohn sind geistig beschränkt. Im Hause Schedel herrschte fortgesetzt Zank und Streit, was auch die Llrsache zu der Bluttat war. Der Angeklagte war geständig und will in furchtbarer Wut gehandelt haben, da chn fein Vater wieder geschlagen hatte. Es wurden 23 Zeugen vernommen. Das Llrteil lautete auf 10 Jahre Zuchthaus und 3 Jahre Ehrverlust. Wirtschaft. * Dahnb edarf A. G., Darmstadt- A q u i l a - A. G. Die Fusion der Bahnbedarf A.-G., Darmstadt mit der Aquila A.-G. für Handels- und Jndustrieunternehmungen wird in der Weife vor sich gehen, daß das Vermögen der Dahnbedarf A. G. als Ganzes ohne Liqui- datton mit dem Rechte der Weiterbenutzung der Firma mit Wirkung vom 1. April 1925 auf die Aquila A. G. übergeht und den Dahnbedarf- Aktionären auf je nom. 800 Rm. Stammaktien nom. 200 Rm. Stammaktien der Aquila gewährt werden. Den Aktionären, die von diesem Um» tauschangebot nicht Gebrauch machen wollen, wird eine Barabfindung in Höhe von 30 Prozent seitens der Aquila angeboten. Die bei der Bahnbedarf QI. G. noch bestehenden 8000 Rm. Vorzugsaktien sollen eingezogen werden. * Die Kölner Frühjahrsmesse 1927 wird in den Tagen vom 20. bis 25. März stattfinden. Die Allgemeine Messe dauert vom 20. bis 23. Marz einschl., die Technische Messe vom 20. bis 25. März«^ Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 11. Nov. Tendenz: weiter gebessert, aber uneinheilich. — Der st arte Kurseinbruch, der am Vortage die Börse beherrschte, konnte sich im gestrigen Abendverkehr schon etwas ausgleichen. Die Befestigung machte heute weitere Fortschritte, doch kann die Unsicherheit noch nicht als überwunden gelten. Das Geschäft behielt seinen lustlosen Charakter bei. I.- G.- F a r b e n stellten sich heute bei Festsetzung der ersten Kurse auf 348,50 — am Vorabend 352,5 Prozeni — und zogen später auf 394,5 Prozent an. Scheideanstalt plus 2 Proz., dagegen Holzverkohlung minus 4 Prozent und Goldschmidt minus 4 Prozent. Die Mehrzahl der M o n - tanwerte hatte kräftige Aufbesserungen zu verzeichnen: Bochumer plus 3, Deutsch-Lux plus 2, Gelsenkirchen plus 2,25, Harpener plus 0,25, Rheinische Braunkohlen plus 3,5, Riebeck plus 2, dagegen Stahlverein minus 2,7 Prozent. Kaliakiien etwa 2 Prozent fester. Elektrowerte waren um 1 bis 2 Prozent gebessert. Siemens plus 3,5 Prozent. Bankaktien zeigten im allgemeinen nur geringe Veränderungen. Eine stärkere Steigerung erzielten Darmstädter auf 252,90 plus 3,12 Prozent, aber Commerz minus 2 Prozent und Metallbank minus 0,5 Prozent. Schiffahrtsaktien lebhafter gefragt. Nordlloyd plus 3,5, Hapag plus 1 Prozent. Motorenwerke wenig verändert. Daimler plus 0,5 Prozent. Zuckeraktien vernachlässigt und überwiegend niedriger. Zellstoffaktien schwach. Von Baustoffaktien büßten Zement Heidelberg 3 Prozent ein. Deutsche Anleihen lagen still. Kriegsanleihe 0,7924, Schutzgebiet 16,25. Ausländische Renten gehalten. Türkenlose 30,75. Im weiteren Verlaufe traten keine wesentlichen Veränderungen ein. Vereinzelt wurden leichte Besserungen erzielt. Farbenaktien konnten sich auf 353,5 Prozent befestigen. Am Geldmarkt hält das reichliche Angebot an. Tagesgeld 3,5 Prozeni, Monatsgeld 5,5 bis 6,75 Prozent. Jndustrieakzepte 5,5 Prozent, Privatdiskonten 4,65 Prozent. Im D e- visenoerkehr lagen Paris und Mailand weiter schwach. Paris gegen London 150, Mailand 116,50. Das englische Pfund stellte sich unverändert auf 4,8475 gegen Kabel. Die Reichsmark lag erneut schwächer mit 4,215 gegen Kabel. Be.^ r Börse. Berlkn, 11. Nov. Die Baissebewegung nahm bei Beginn der heutigen Börse nicht in der bisherigen Schärfe ihren Fortgang. Die Spekulation schritt vielmehr zu kleinen Deckungen, die zunächst das Kursniveau etwas besssserten. Trotzdem lagerte über den Aktienmärkten eine Spannung, die sich in einer von allen Seiten ausgeübten st a r t e n Zurückhaltung bemerkbar mache. Die Gesamttendenz war in der ersten Stunde uneinheitlich; soweit keine Besserungen Vorlagen, gaben die Papiere weiter nach. Die Verstimmung ging vom Farbenmarkte aus, wo sich stärkeres Angebot bemerkbar machte. Daneben trug auch die inner- politische Lage und der zu erwartende Antrag auf Erhöhung der Börsenumsatzsteuer zur Zurückhaltung bei. Die Flüssigkeit des offenen Geldmarktes konnte hieran nichts ändern. Bei dem stockenden Geschäft war Tagesgeld kaum gefragt. Der Satz stellte sich auf 35 bis 5,5 Prozent, Monatsgeld 5,75 bis 6 Prozent. Im Devisen- verkehr konnte die Reichsmark eine leichte Besserung auf 4,2110 gegen Kabel erzielen. Das englische Pfund erholte sich mäßig auf 4,8470 gegen Kabel. Paris gegen London unverändert, 150,12, Mailand 117. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 11. Nov. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 30 bis 30,25, Roggen, inländischer, 24,75 bis 25, Sommergerste für Brau- zwecke 24 bis 26,50, Hafer, inländischer, 20 bis 20,25, Mais (gelb) 19,75 bis 20, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0, 42,25 bis 43, Roggenmehl 35,50 bis 36,50, Weizen- und Roggenkleie 11,25 Mk. Tendenz stetig. Frankfurter SchtachtvierMarkt. Frankfurt a. M.. 11. Rov. Auftrieb: 72 Ochsen, 947 Kälber, 1318 Schaft, 434 Schweine. Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 72 bis 77, mittlere Mast- und Saugkälber 62 bis 71, geringe Kälber 50 bis 60. Schaft: Mastlä.nmer und jüngere Masthämmel, Weidemast 37 bis 41, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schaft 30 bis 36, fleischiges Schafoieh 24 bis 29. Schweine: Vollfleischige Schweine von ca. 240 bis 300 Pfd. Lebendgewicht 80 bis 83, von ca. 200 bis 240 Pfd. 81 bis 83, von ca. 160 bis 200 Pfd. 79 bis 82, fleischige Schweine von ca. 120 bis 160 Pfd. Lebendgewicht 78 bis 80. Marktverlauf: In Kälbern langsamer, in Schafen reger, später abflauender Handel. Ausverkaust. In Schweinen reger Handel und geräumt. Berliner Produktes rse. Berlin, 10. Rov. Das Berliner Produk- tenge''chaft war heute denkbar klein. Das Ausland blieb mit seinen Forderungen etwas williger, während hier Kauflust für außerdeustches Material vollständig fehlte. Die Jnlandsangebote 167.5 168 5 180.5 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. B a n t n o t c n. 208 86,25 169 | i 12.4 148.25 140 13t.5 148,5 139 63 181 162,5 164 161 150 62 402 Hl 103 53 360 145 66 141 183 165 164,75 111.75 151 203 109 102 36 54 172.5 152 161,5 101.25 -33.25 190 197,5 107,25 99 155 112,5 368.5 143,25 142,5 186 6' 153’ 161 75.5 104.5 133.7* 196.75 176 75 149,75 179.25 174,75 127 63,75 6 j 212 89 ! 110 . 171 | 118,25 । 163.25 I 158 147 I 199 107.5 99 174 187 153 I 16:1 77,5 i 103.5 135.5 194 177,5 j 100 I 149.75 I 182 176.75 : 9U i 130. 154,5 ‘ 15 50 184 129.5 62 2 35 216 75 90.-5 112,5 168.75 113 5 178 185.5 150,5 162.5 76,25 103.5 133,25 190.25 172,75 i 147.5 | 177 1171,75 Bochumer Nutz ...... Buderus ......... Kato .......... Deutsch-Lurembnrg tyelscnkirchener Bergwerke. harpener Bergbau ... Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln. . . . , Üaurahülte Oberbedars Pbouix Bergbau ..... Ndciuiiahl ....... 'Jiiefied Montan ...... Tellus Bergbau ..... Bereinigte Stahlwerke A.-G- Hamburg-Amerika Pak«. . . Norddeutscher Llovo . , Eheramliche Werke Albin . Zementwerk Heidelberg . . Bbiltpv Holzmann ..... Anglo-Conk.-Guano . ... Chemische Mc-ycr Alapiu . . y. G. ^arbeniuduslrie. A.-lA. Goldschmidt Holzverkohlung........ Nütgerswerle Scheideanstalt . . Allg ElekrruitStS^Gesellschaft Bergmann ....... Mainkrastwerke . ..... Schucken ........ Siemens & Halske . .... Adlcrwerle flieget ..... Daimler Motoren. ...... Hevligenstaedr . , o.'eguin Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . flonseroensabrik Braun . . Metallgelell chaft Frankfurt 'Bet. Union ?l.-(8 . . . Schuhiabrik Herz . . .... Sichel ...... .-tcQftoff Waldhof..... 3uiferfabrif Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel in Weizen wie Roggen find kaum nennenswert und in den Forderungen sehr hoch, um überhaupt zu Abschlüssen anzureizen. Export kann sich noch nicht entwickeln. Auch im Zeitgeschäft war keine Belebung der einzelnen Märkte Fu erkennen. Erste Kurse waren nur schwer festzu- setzen und hatten für Weizen unveränderte Kurse, für Roggen infolge vermehrter Begleichungen Preisrückgänge bis 1,50 Mart zur Folge. Hafer eröffnete bei wenig Angebot ziemlich fest. Die Geschäftslage für Gerste ist wenig verändert. Mehl lustlos. Futterstofte weisen nur geringfügige Preis Veränderungen aus. Es notierten (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, 278 bis 281; Roggen, märkischer, 228 bis 233; Sommergerste 220 bis 260; Wintergerste 195 bis 208; Hafer, märkLcher, 187 bis 199; Mais, loco Berlin, 201 bis 206; (100 Kilogramm): Weizenmehl 36,25 bis 39,25; Roggenmehl 33 bis 34,75; Wei- zenkleie 12; Roggentleie 11,75; Viktoriaerbftn 58 bis 63: kleine Speifterbsen 42 bis 46; Futter- erbftn 26 bis 31; Peluschken 21 bis 22; Ackerbohnen 21 bis 23; Wicken 25 bis 26; Lupinen, blau, 13 bis 14; Lupinen, gelb, 14 bis 15; Rapskuchen 16,20 bis 16,40; Leinkuchen 20,80 dis 21; Trockenschnitzel 9,70 bis 9,90; Sohaschrot 19,30 bis 19,60; Kartoffelflocken 25 bis 25,50 Mk. Torf entarte. ( Ohne Gewähr.) Vüchertisch. — Segelfahrt ins Wunderland. Im Reiche der Papageien und Guanakos. Bon Gunther Plüschow. 226 Seiten 8°, mit 17 Tafeln. Llllstein, Berlin. — Plüschow ist schon während des Krieges durch die abenteuerliche Schilderung seiner Flucht aus Tsingtau berühmt geworden. Dann, nach dem Krieg, stürzte er sich wieder in den Kampf mit dem Leben, ging wieder zur See, betätigte sich als Kaufmann, als Kameramann, als Vortragsredner, „landete" schließlich in ganz „veralteter" See-Romantik: Frankfurt a.M Berlin Schlu,» fiurs i-ubc. Nurs Schluh-IAnfana Knr« ‘in—. Datum: 10. 11. 11. 1t. 10. 11. 11 11. 5% Deutsche RctchSanleihe 0.815 •i 7925 0.8102 0.7975 4°/0 Deutsche Rcichsanlethe - 0,8015 0,77 3‘/a% Deutsche Rcichsanleth« 0,77 0.7905 ft,76 3°/. Deutsche RctchSanleihe 0.90 _ 0.9! 0.89 Deutsche Svarprümienan leihe 0.495 _ 0,50 4% 'preußische flonsols . . . 0,77 _ o 80 0,76 ♦° o Heuen ... 0.75 _ 0,76 3'/,"/» Hessen......... — 0,76 — Deutsche Werth. Dollar-Anl dto- Doll -Schatz-Liur«islla.'> — - 4°/0 Zoll türken........ 17.5 _ 17 5% Goldnierikaner . . . 47.5 — Berliner Handelsgesellschaft 270 - 265.5 264 Commerz- und Privat-Bank 191 188 191.5 188 Darmsi. und 'Jlaiionalbant 258* 186' 112 5 452.13 184 - 257 I86.2’ 251.5 183 Deutsche Lereinsdank ... DiSconro Commandit ■ . 173 171 170,5 Metall dank .... 175 - 173 168 Mitteldeutsche Kreditbank 154 — 155,25 146,12 Ce|tciTcid)ti(6e Kreditanstalt 8.25 - 6.7 8,3 Weltbank - ........ - - 10 Novbr. 11 Äovbr. Amtliche Aoki rung Amtliche Notierung meld Bnei (Yeld Brief flnun»ytou Bueu.-Aire; 168.29 168.71 168,27 168,69 1.710 1.714 1.709 1,713 Bni.-Antw 58.58 58.72 58,58 58,72 Christiania 105.28 105,54 105,17 105.43 flovenhngen 112,00 ,12.28 111,98 >12,26 Stockbolm 112,32 112,69 112,25 112.53 Helsingfors 10,58 10.62 10,510 10,517 Italien 17.57 17.61 17.46 17 5 । London. O.;i97 20,447 :ü,391 20,443 Oleunork 1.207 1.217 1,206 4,216 Paris. . 13,52 13.56 13,57a Schweiz -1.15 1.35 M, 15 61.35 Spanien 63.60 63.76 63.65 63,81 ifavan . 2.067 2.071 2.067 2,071 •h'io de Jan Wien in D-- 1.566 |.568 >.559 0.561 Ce'L abgcfl 59,29 59,43 19.27 59,41 Prag . • 12,455 ,2,495 12,4-,7 12,497 Belgrad 7.415 7.4:i5 7,417 ?,4ö7 Budavest. i,8U2 >,912 >.892 1,912 Bnl-arien .1,032 „ -.042 3.039 >,049 Lüiabon 21,52.1 21,575 21.525 21,57a Danzig 81.49 ■d.69 61,42 81,62 Konst nnn 2.125 2,135 .',135 .,14h ?Itben 5,24 5,26 5,24 5,26 Canada- . . 4 21 1.22 1,109 1,119 Uruauati 4.185 4.193 4.18 4.19 Berlin, 10 Novbr (Seid Brie« Amerikanische Note»..... Belgische Noten ...... Dänische Noten ....... Englstche Noten........ Franiöstsche Noten ..... Holländische Noten .... italienische Noten ...... Norwegische Noten. ... Deuisch-Qesterr, ä ioo Kronen Rumänische Noten..... Schwedische Noten..... Schwerer Noten .... Spanische Vieren ...... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten . . . 4,192 58.47 111.67 41.357 13,62 167.92 17.48 104,99 59.15 2.315 111.97 80,90 6?. 4'1 12,432 5.868 4,212 58,77 112.23 20.457 13,6» 168.76 17,76 105,59 59.45 3,355 112.53 81,30 63,72 12,492 5.908 auf einem großen Segelschiff fährt er wieder durch die Welt. Ist Segelflicker. Haistschfänger, Walsischjäger, schindet sich mit der übrigen Mannschaft die Hände blutig im Kampf mit den vernichtenden Stürmen bei Kap Horn, wird ebenso schnell wieder Landratte, reitet durch Feuerland und Patagonien, durch Chile aufwärts bis zum Aequaior, dur.h LIrwäii er und Salpeterwüsten — und findet, daß auch der abenteuerlichste Weg durch die Welt immer wieder eine Vetternstrahe des Auslands-Deutschtums ist. Von alledem erzählt dieses prachtvoll unlite- rarische und urwüchsige Buch, das kaum einer .Empfehlung bedarf, um feinen Weg zu machen 614 — Heinrich Heine, Gedichte. Herausge- geben von Walter Eggett-Winbegg. Mit 4 Bildern. (Verlag Strecker & Schröder, Stuttgart. Ganzleinen 3,50 Äk., Halbleder 5,50 Mk.) Um Heine als Dichter gerecht zu werden, muß man eingedenk fein, daß das Dichterische im Menschlichen feinen Ursprung hat und im Ästhetischen und nicht im Moralischen endet. Dieser Dichter bedarf nur des seinem poetischen Charakter gemäßen Stoffs, um Bedeutendes hervorzubringen. Romanzen wie Balsazar und Die Wallfahrt nach Kevelaer ober Gedichte epischen Stils gehören denn auch schon zu den besten ihrer Art. Die eigentliche, höchste dichterische Kraft aber, die auch Heine zum großen Dichter macht, ist damit noch nicht berührt: sein Menschliches, seine Leidenschaft. Die vorliegende Ausgabe wird den vielen oreunben Heinescher Lyrik besonbers willkommen sein, bietet sie hoch in ber Auswahl ein ganz neues Heinebilb, nämlich bas Heinebilb unserer Tage. (666) — Das Hessische Spark a44 LL e s e tz u n b b i e Mustersatzung für Sparkassen erläutert von Dr. jur. Ahl, Regierungsrat im Hessischen Ministerium bes Innern. Preis einschließlich Spesen 4,25 Mk Hessischer Staatsoerlag, Darmstadt. - Der Verfasser, ber Sparkassenreferent bes Hess. Ministeriums bes Innern, hat bie auf Gesetz, Satzung unb Verwaltungsanorbnunaen deruhenben, heute gültigen Vorschriften für bie hessischen öffentlichen Sparkassen in bieser Abhandlung erschöpfend behandelt. Der Verfasser erleichtert damit den verantwortlichen Organen und den Beamten der Spar- lassen ihre Arbeit. Den Garantiegemeinden und -verbänden gibt er Gelegenheit, sich ohne Schwierigkeiten über das Sparkassegesetz unb seine Auswirkungen, insbesondere über ihre Rechte unb Pflichten, weit besser, als es bis jetzt möglich war, zu unterrichten. Aber auch über ben Kreis ber unmittelbar Beteiligten hinaus wirb mancher, ber ben hier behanbelten Fragen noch fremb gegenübersteht, erwünschten Aufschluß über bie Aufgaben ber Sparkassen unb ihre Bebeutung erhalten. Auf bie Vergangenheit ist insoweit Rücksicht genommen, als sic für bie Beurteilung bes heutigen Rechtszustanbc; von Bebeutung ist. Der Gegenwatt mibmet ber Der faffer seine Hauptarbeit, unb von ihr ausgehenb dchanbelt er die ben Sparkassen im Rahmen ber gegebenen Vorschriften obliegenben Aufgaben. Die mii dem Kommentar verfolgten Zwecke werben in bei gebotenen Arbeit in vollem Umfange erreicht. In klarer, möglichst kurz gehaltener Sprache, mehr au' bie Praxis als auf bie Theorie Rücksicht nehmend schafft ber Verfasser praktische Arbeit. Das Buck bringt jebermann, ber über bie Entwicklung unt ben Stanb bes beutschen Sparkasiewesens genügend unterrichtet sein will, eine wertvolle Ergänzunc seiner Bücherei. (483) Schöffengericht Wetzlar. Q Diebstahl, schwere Llrkundenfälschung, sowie versuchter und vollendeter Betrug wurden einen, Arbeiter aus Roßbach zur Last gelegt. Wie die Beweisaufnahme ergab, soll sich der Angeklagte gelegentlich des Besuchs der Sprechstunde eines Arztes mehrere Rezeptftrinulare angeeignet und mit diesen, nachdem er vorher die Llnterschrist des Arztes gefälscht hatte, Medikamente (Puhlmanns Tee) aus einer Apotheke entnommen haben. Der Preis für den Tee 1,55 und 12,60 wurde der Apotheke von der zuständigen Krankenkasse erstattet. Einige Zeit später soll der Angeklagte zwei wettere Rezepte, die die Llnterschrist des Arztes sowie Vermerke über verabreichte und bezahlte Medikamente im Betrage von 31 und 14 Mark trugen, und eine weitere Quittung einer Apotheke über vom Angeklagten verauslagte 11,65 Mark an die vorerwähnte Krankenkasse gesandt und um Erstattung dieser Beträge gebeten haben, worauf die Kasse aber nicht reagierte. Auch ein vom Angeklagten an die Krankenkasse gesandter Post- auftrag über 45 Mark hatte keinen Erfolg. Run ging der Angeklagte persönlich zur Kasse, erhielt aber nichts, da dec Kasse die Sache von vornherein verdächtig vorkam. Der Angeklagte, der besttttt, die Linterschttsten der Rezepte und Quittungen gefälscht zu haben, kam jedoch mit seinem Leugnen nicht durch. Das Gettcht sah ihn durch die eidlichen Zeugenaussagen als über- sühtt an und erkannte auf drei Monate Gefängnis. Ein Arbetter aus H a i g e r, der angeklagt war, einen Rachtwächter beleidigt und in rechtmäßiger Ausübung seines Amtes Widerstand geleistet und tätlich angegriffen zu haben, wurde zu 7 0 Mark Geldstrafe, Hilfsweife 14 Tage Gefängnis verurteilt. Mehrere (9) Burschen aus Holzhaufen standen unter der Beschuldigung, in einer Rachi im Juli gelegenttich einer Schlägerei, bei der Messer und Knüppel eine Hauptrolle spielten, zwei Einwohner vorsätzlich schwer mißhandelt zu haben. Da zwei Angeklagte dem Termin ferngeblieben waren, wurde das Verfahren gegen sie abgetrennt. Die Verhandlung ergab kein klares Bild, wer eigentlich der Llebeltäter war. Daher erfolgte Freisprechung sämtlicher erschienenen Angeklagten mangels Be- weises. altbewährte ävitlid) empfohlen-überall erhältlich | cxud 317ab un£> £)opfert, ohne ^ucberyufaf) * QUleimg