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Nr. 258 Erstes Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle MonatS'vezugrprelr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechans chlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zranlfurl am Main 11686. ietzeimAMger General-Anzeiger für Gberhessen General- General- (CBerlin). General- dec b'.S- De- herrn von der Goltz wurde er 1913 Inspektor der zweiten Armeeinspektion 2lm 27. Januar 1914 wurde er zum obersten befördert. Bei Ausbruch des Krieges erhielt Seeckts Nachfolger. Generalleutnant Heye Chef der Heeresleitung. Berlin, 9. OIL (Wolff.) Zum Chef Heeresleitung ist Generalleutnant Heye, her Kommandeur der ersten Divisicn und Eine Kanzlerrede in Essen Die Notwendigkeit der Volksgemeinschaft. nünftigen Grundlage würde niemanden schaden, sondern beiden Ländern helfen. Das Blatt schließt: Eine der größten EchwierigkeitenDeutsch- lands ist die Beschaffung neuen Kapitals. Hier könnte Großbritannien wesentlich Helsen, besonders wenn die Hilfe unter der Leitung von Sachverständigen erfolgen würde. Wir würden tatsächlich gern sehen, wenn Großbritanniens Anteil an der Finanzierung der deutschen Industrie im Berhältnis zu dem amerikanischen Anteil größer würde. Der Austausch von Gedanken über industrielle Organisation und Methoden sollte helfen, das zu- standezubringen. Die Fortschritte in den führenden Fabrikationszweigen Deutschlands sind außerordentlich. Die in Deutschland wahr unehmende Tendenz, mehr im Hinblick auf die ganze Industrie als im Hinblick auf einzelne Gesellschaften oder Firmen zu denken und zu handeln, macht sowohl die gegenwärtigen Zustände, als ihre wahrscheinliche künftige Gestaltung für England sehr bedeutungsvoll. Deshalb war es wohl der Mühe wert, eine freundschaftliche Prüfung und einen freundschaftlichen Gedankenaustausch vorzunehmen. fehlshaber im Wehickreis I, ernannt worden. Generalleutnant Wilhelm Heye wurde am 31. Ianuar 1869 in Fulda als Sohn des Oberstleutnants Wilhelm Heye geboren. Sein Stamm- land ist Oldenburg. Er wurde 1838 aus dem Kadettenkorps dem Ins.-Regt. 70 als Leutnant überwiesen. Aach Besuch der Kriegsaiademia wurde er 1901 als Hauptmann in den Generalstab der Armee versetzt, trat Anfang 1906 als Generalstabsoffizier zur Schutztruppc für Südwest-Afrika über, aus der ec nach Beförderung zum Major am 31. März 1908 unter Versetzung in den Generalstab der 33. Division wieder ausschied. Im April 1913 wurde er als Bata'.l- lonskommandeur in das Infanterie-Regiment 74 verseht unb im Dezember zum Oberstleutnant! befördert. Bei der Mobilmachung wurde er zum Chef des General st abes des Landwehrkorps ernannt, aus dem dann die An.'.ee- Abteilung und später die Heeresgruppe W o y r s ch entwickelte, bei der er bis zum September 1917 als Chef des Generalstabes tätig war. Seine Verdienste in dieser Stellung insbesondere bei dem Weichselübergang nördlich Iwangorod im Iuli 1915, der daran an schl ießenden Offensive bis an die Tschara und den weiteren andauernden Abwehrkämpfen, die namentlich Iuni-Iuli 1916 zu großer Heftigkeit anschwollen, wurde im August 1916 durch Verleihung des Ordens pour le rnerite anerkannt. Im gleichen Monat wurde er zum Oberst befördert. Im September 1917 wurde er zum Chef des General st abes der Heeresgruppe Herzog Albrecht ernannt, der bei Vorbereitung der Fcühjahrsoffensive 1918 die Aufgabe zufiel, durch Scheinuntecnehmungen den Gegner über die tatsächliche, Angrifssfront im unklaren zu halten. Für die erfolgreiche Durchführung dieser Aufgabe erhielt der damalige Oberst Heye das Eichenlaub zum Orden pour le rnerite. Im Sepienrüec 1918 wurde er dem Chef deS Generalstabes des Feldheeres bes anderer Verwendung zur Verfügung gestellt. Im April 1919 wurde er zum Chef des Generalstabes des Oberkommandos Grenzschutz Aord (Sitz Bartenstrin i. Ostpr.), am 1. Oktober 1919 zum Chef des Stabes des Truppenamts im Reichswehrministerium, am 1. Iuni 1920 zum Chef dieses Amtes ernannt, am 16. Juni 1920 zum Generalmajor befördert und mit Wirkung vom 1. April 1922 unter Beförderung zum Gene- raNeutnant zum Chef des Heeres-Perso- nalamtes ernannt. Mit dem I. November 1923 wurde er zum Kommandeur der 1. Division und Befehlshaber im Wehrkreis I ernannt. Generaloberst v. heeringen f. Berlin, 9. Oft. (Wolff.) Heute nachmittag ist der vormalige preußische Kriegsminister Generaloberst von Heeringen im 77. Lebensjahre gestorben. Heeringen wurde 1850 in Kassel geboren. Er trat am 11. April 1867 in das F '..ilier- Reg'.ment Ar. 80 ein. In dessen Reihen wurde er 1870 bei Wörth schwer verwundet. Im Iahre 1887 wurde von Heeringen Major im Kriegsministerium, 1895 Oberst und Kommandeur oes hessischen Infanterieregiments Ar. 117 in Mainz, 1898 Generalmajor und Direktor des Armeeverwaltungsdepartements im Kriegsministerium, 1903 Kommandeur der 22. Division in Kassel, 1906 General der Infanterie und Kommandierender General des 2. Armeekorps in Stettin, 1909 Die Arbeitsbeschaffung. Essen, 10. OIL (WB.) Im städtischen Saal- bau wurde die von der Reichszentrale für Heimatdienst veransta tete Staatspolitische Vortragsreihe durch eine A. spräche des Leiters der Landesleitung (Industriegebiet) Schultz eröffnet. Darauf sprach Ministerialrat Dr. Strahl (ein Sohn des verstorbenen Anatomen unserer Landesuniversität, d. Red.), der Leiter der Zentralleitung der Reichszentrale für Heimatdienst, über die Tätigkeit und Ziele der Reichszentrale ür Heimatdienst, insbesondere in Verbindung mit dem Industriegebiet. Hierauf entwickelte Reichskanzler Dr. Marx. das Arbeitsprogramm der Regierung. Ausgehend von der Politisierung der Massen, in der der Reichskanzler eines der wichtigsten Kennzeichen der mondernen Zeit überhaupt sieht, führte er zunächst aus. daß diese Politisierung eine Folge der Demokratisierung des öffentlichen und politischen Lebens der Neuzeit ist. Sie führt die Massen unmittelbar an die politischen Geschehnisse heran und schlägt gewissermaßen eine Brücke zwischen Volk und Regierung. Darin ist unbedingt der neue Dolksstaat dem früheren Obrigteitsstaat voraus. Aber diese Politisierung birgt auch gewisse Gefahren in sich. Kein anderes Volk huldigt so sehr dem politischen Individualismus wie das deutsche. Dadurch ist ohne Zweifel unser deutsches Volk und unser deutscher Staat stärker als andere moderne Staaten mit innerpolitischen Spannungen und Splitterungen bedacht. Nirgendwo ist die Pflege des Gedankens der V o l k s- gemeinschaft notwendiger als bei uns. Wer von der Notwendigkeit eines einträchtigen Hand-in- Hand-Arbeitens zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerschaft überzeugt ist, wer vom Arbeitgeber soziale Ge- sinnung und vom Arbettnehmer wirtschaftliches Verständnis verlangt, wer von beiden erwartet, dah sie ohne Einschränkung den Staat, wie er heute ist, anerkennen und an seiner Entwickelung Mitarbeiten, der leistet unserem schwer bedrückten Volk den besten Dienst: der leistet gute Arbett im Sinne der Volksgemeinschaft. Der Regierung ist die Mitarbeit aller Parteien willkommen, die die mühsam ausgebaute staatliche Ordnung anerkennen und sich schützend vor sie stellt. Wir brauchen alle Strafte, die gewillt sind zur positiven Mitarbeit. Nur so werden wir die schwierigen Aufgaben lösen, für die wir im kommenden Winter gestellt werden. Wir können uns nicht den Luxus gestatten, große Parteien von vornherein mit dem Stigma der Regierungsunfähigkeit zu brandmarken. Trotz verbesserter Steuereinnahmen kann das Reich froh sein, wenn es in diesem Iahre hart am Defizit vorbeikommt. Dor allem darf man nicht verkennen, dah wir in das Rechnungsjahr 1927 ohne Reserven aus Lieberschüssen der Vorjahre hineingehen. Wenn die Reichsregierung an dem Streben nach weiteren Steuererleichterungen festhält, darf nicht verkannt werden, daß dies nur möglich sein kann bei einer befriedigenden Lösung des Finanzausgleichs. Daß mit der richtigen Gestaltung des Finanzausgleichs auch die A u f - gabenoerteilung zwischen Reich und Ländern zusammenhängt, und daß es sich hier um das finanzpolitische Zentralproblem für das Reich und Die Länder überhaupt handelt, möchte ich mit allem Nachdruck) betonen. Der Zeitpunkt für eine endgültige Lösung des Problems ist jedoch noch nicht gekommen. Die Reichsregierung wird dafür sorgen, daß im nächsten Jahre das Gesetz zur endgültigen Regelung des Finanzausgleichs dem Reichstag sobald zugänglich gemacht werden kann, daß für eine sorgfältige Durchberatung die erforderliche Zeit bleibt. Der Reichskanzler behandelte dann das Problem der Arbeitslosigkeit und Einzelheiten des Arbeitsbeschaffungsprogramms, indem er bemerkte: Die zur Verfügung stehenden Mittel muffen so eingesetzt werden, daß eine Belebung möglichst weiter oberst von Heeringen die Führung der linken Flügelarmee und warf mit dieser in der ersten Feldschlacht des Krieges die in das Oberelsaß eingedrungenen Franzosen bei Mülhausen auf Belfort zurück. Dann erfocht er Schulter an Schulter mit den Truppen des Kronprinzen von Bayern den Sieg zwischen Metz und Vogesen. An der Aisne griff er in den Kampf der von der Marne zurückgehenden ersten und zweiten Armee ein und brachte , den Angriff der zwischen beiden eindringenden Franzosen unb Engländern mit Teilen seiner siebten Armee auf den Höhen südlich Laon zum Stehen. Am 28. August 1916 wurde er zum Oberbefehlshaber der Küstenver- teidigung ernannt. Infolge Auflösung dieses Oberkommandos wurde er dann im September 1916 von der Stellung als Oberbesehlshaber entbunden und am 18. November 1916 zur Disposition gestellt unter Ernennung zum Chef des Kohlbergischen Grenadier-Regimentes Graf Gneisenau Nr. 9. Generaloberst von Heeringen hat acht Iahre lang als erster Präsident des deutschen Reichskriegerbundes „Ky ff hä user" der deutschen Kriegecwvhl- sahrtsgemeinschaft und des reuhischen Landeskriegerverbandes gewirkt. Außerdem war er Ehrenbürger der Stadt Kassel. Die parteMmpfe in Rußland. Verhaftung der Oppositionsführer. Moskau, 9.Ott (TU.) Da die Führer der Opposition ungeachtet des Redeverbotes in die Arbeiter- unh Parteiversammlungen weiter einbringen, hat das Zentralkomitee der Partei Sinowjew. Trotzki unb P i a t a k o w dem Parteigericht übergeben. Ls kann mit der Verschickung der drei Verhafteten nach Sibirien gerechnet werben. Ein Teil der Gruppe Stalins hat bie Ausschließung Sinowjews unb Trotzkis aus der Partei beantragt, jedoch soll Stalin sich dagegen geäußert haben. 3n Leningrad, Omsk unb Odessa sind über 400 oppositionelle Parteimitglieder von der G. P. 1L (der früheren Tscheka) verhaftet worben. In Jnwanowo-Wosnessensk ist es in einer Arbeiterversammlung zu Zusammenstößen gekommen, so baß die G. P. U. Rbie Versammlung auflofte. 3n Kronstadt »ei Mar lneregimenter aufge- l 8 st worden, weil sie sich zur Opposition bekannt und die Ernennung S o f s zum Oberbefehlshaber der Baltischen Flotte verlangt hatten. Kriegsminister. Als solcher hat er drei Heer es vorlag en im Reichstag vertreten, die von 1911, 1912 und 1913. Als Nachfolger des Frei- - Der Weg von Thoiry. Teile der Wittschaft erreicht wird, um den Schlüsselgewerben Arbeit zu verschaffen unb mittelbar auch andere Teile der Wirtschaft anzukurbeln. Daneben muß vor allem die Förderung des Exports angestrebt werden. Der Reichskanzler erörterte dann den Abschluß des Stahlpaktes, dessen wirtschaftliche Bedeutung man nicht unterschätzen sollte. Der Stahlpakl werde durch die Beendigung des Schleuderoerkaufs auf den ausländischen Märkten die Rentabilität der deutschen eisenerzeugenden Industrie erhöhen, ihr und ihren Arbeitern Beschäftigungsmöglichkeit geben, den Wert der deutschen Ausfuhr in diesen Erzeugnissen steinern, was von besonderer Bedeutung für die Gestaltung unserer Handelsbilanz ist. Auch die eisenverarbeitende Industrie mit ihrer Arbeiterschaft wird Nutzen aus dem Abkommen ziehen. Das Abkommen hat eine über das rein Oekonomische hinausgehende Bedeutung. Es scheint mir nicht möglich, baß man innerhalb wichtiger führender Industrien wirtschaftliche Friedensakte abschließen unb sich daneben politisch befehden kann. Das eine schließt das andere aus, denn wir wissen doch alle, wie tief die Kriegsursachen in wirtschaftlichen Gegensätzen begründet waren. So steht zu erwarten, daß auch aus politischem Gebiete eine weitere Entspannung eintreten wird, zunächst innerhalb des Kreises der beteiligten vier Länder, dann aber auch darüber hinaus, denn der Stahlpakt richtet sich gegen kein Land. Jedes andere Land kann ihm beitreten. Die Erkenntnis der Gemeinsamkeit der Interessen hat gesiegt unb Konflikte auf friedlichem Wege zu lösen unternommen, für deren Beseitigung früher gar zu leicht politische Machtmittel verwandt worden wären. Die viel umstrittene Politik der Verständigung hat uns ein gutes Stück weiter gebracht. Die Aera der Diktate und Ultimaten ist überwunden. Weite Gebiete deutschen CanöeS, die jahrelang unter dem schweren Druck der Besetzung zu leiden hatten, sind frei, und Deutschland ist vor einigen Wochen Mitglied des Völkerbundes geworden, der keinen TInterschied kennt zwischen Siegern und Besiegten. Was ist das bisherige Ergebnis der Verständigungspolitik, deren Gegner uns »roch nicht einen besseren und schnelleren Weg, zu Deutschlands wirtschaftlichem Wiederaufstieg zu gelangen, gezeigt haben, als den, den wir von London über Locarno nach Genf gegangen Jinb. Noch manche Schwierigkeiten werden zu überwinden sein, ehe wir zu einer befriedigenden Lösung der zwischen Deutschland und Frankreich schwebenden Fragen kommen werden. Aber ich habe das feste Vertrauen, daß diese Lösung gesunden werden wird, weil ich hüben und drüben den ernstlichen Willen sehe, sie zu finden. Einen Willen, der nicht erschüttert werden darf durch bedauerliche Ereignisse, wie wir sie in den letzten Tagen im besetzten Gebiet erlebt haben. Wie immer auch die Schuldfrage 6ei den schmerzlichen Zwischenfällen aufgeklärt werden mag, das eine ist gewiß, das Ziel der Besprechungen in Thoiry tarnt und darf durch solche Vorkommnisse nicht beeinträchtigt werden. Llnvermeidlich ist es. daß sie auf die Stimmung der Bevölkerung der besetzten ©'trete einwirken. Ich aber habe als der für die Richtlinien der deutschen Außenpolitik verantwortliche Staatsmann dafür zu sorgen, daß wir trotz dieser schmerzlichen Zwischenfälle den W eg weitergehen, der zur Lösung der wichtigen Fragen führt, bie zwischen Deutschland und Frankreich zu erledigen sind. An die Bevölkerung des besetzten Gebietes richt-e ich deshalb die Mahnung, würdige Zurückhaltung zu üben. Solange deutsches Gebiet noch von fremden Truppen besetzt ist, «wird immer die Gefahr bestehen, daß es zu Konfliltetr zwischen Besatzung und Bevölkerung kommt. Solche Konflikte zu vermeiden, liegt in beiderseitigem Interesse. Möge bald der Tag kommen, auf d-m meine und des gesamten Kabinetts heißeste Wünsche gerichtet sind: Der Tag der Defreiuung deutschen Bodens von fremder Besatzung. Die deutsch-englischen Wirtschaftsbesprechungen. L o n b o n , 10. Oft. (IUJ Unter dem Vorsitz von Ci'r Robert Home begann Freitag abend die informatorische Aussprache zwischen elf deutschen und elf englischen Industriellen und Bankiers auf dem Landsitz des englischen Transportministers Oberst Ashley in Broadlands. Die Besprechungen wurden am Samstag fortgesetzt. Nach ihrem Abschluß wurde folgendes offizielle CommuniquL aus- gegeben : In Broadlands fanden über bas wochenenbe zwischen deutschen unb englischen 3nbuffrieüen zwanglose Unterhaltungen statt, die den Zweck halten, sestzustellen, in welchem Umsang es möglich sei, die Interessen der beiden Länder auf eine gern e i n f a m e Formel zu bringen. Die Teilnehmer handelten dabei inprioalerLigenschaft unb es bestanden keine Vollmachten, irgendwie geartete Abkommen zu schließen. Ausgehend von einer Betrachtung der Wirtschaftslage der beiden Länder, wandte sich das Interesse internationalen Abkommen auf wirtschaftlichem Gebiete zu. hierbei wurden die Aussichten erörtert, die für eine gegenseitige Unterstützung bestehen, um Europa einer wirtschaftlichen Gesundung entgegenzusühren, insbesondere im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit in beiden Ländern in größerem Umfange Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. 3m Zusammenhang mit diesem Problem wurde ferner besprochen, wie angesichts einer wachsenden Probuktionssähigkeit bie Kaufkraft der europäischen C ä n_- der, die nach dem Krieg stark gesunken ist, gehoben werben könnte. Die verhanblungen waren getragen von dem ausrichtigen Bestreben gegenteiligen Verstehens, von dem Wunsche, Schwierigkeiten zu beseitigen unb eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen. Es kann gesagt werben, baß die Besprechungen in der Tat eine ausgezeichnete Grundlage für künftige 21 b - machungen zwischen beiden Ländern bilden roür- dn. Darüber hinaus bedeutet nach dem Gefühl aller Beteiligten die Konferenz einen entschiedenen Beitrag für bie wirtschaftliche Uerftänbl- gung In Europa. Die Konferenz beschloß, einen Ausschuß zu bilden, dem u. a. Sir Robert Home, Herr Dulsberg, Herr hannon, Herr Kastl und Herr Rüg ent angehören werden. Ausgabe des Ausschusses soll es fein, die aus- geroorfenn Fragen weiterhin zu behandeln. Weitere Zusammenkünfte der Konferenzteilnehmer sind bereits in Aussicht genommen. Vor ihrer Abreise nahmen die deutschen Teilnehmer Gelegenheit, Eolonel Ashley unb insbesondere Miß Ashley für die überaus herzliche Gastfreundschaft zu danken und dem Gefühl Ausdruck zu geben, baß nicht zuletzt bie gastliche Aufnahme viel zu bem Gelingen der Unterhaltungen beigetragen hat. Sie verschiedenen ergänzenden Berichte stimmen darin überein, daß unter den besonders wichtigen Industriezweigen vor allem Kupfer, Stahl, Kohlen, Textilien und Ehern'kalien Gegenstand der privaten Unterhaltung waren. Später wurde dann au^ die russische Frage und die wirtschaftliche Zukunft Rußlands behandelt. Diese Frage war für die Engländer von besonderem Interesse, da Deutschland ein Handelsabkommen mit Rußland hat. Einer der Delegierten erklärte, daß bei der Konferenz eine Fülle von gutem Willen auf beiden Setten zutage getreten sei und dah auch die w'.rtschaftliche Lage Frankreichs berührt wurde, aber _ in feiner Weise in einem Sinne, der den französischen Interessen irgendwie entgegengesetzt sein könnte. Ein anderer Delegierter betonte, daß die Konferenz nur als ein Fühler und als eine informatorische Aussprache angesehen werden könne. Er hoffe, daß bald weitere Aussprachen folgen könnten. Der diplomatische Jtorrenxmbent des „Observer" bezeichnet die Konferenz als den Auftakt zu einem „wirtschaftlichen Locarno". Er meint, dah die Konferenz das Ergebnis der verschiedenen inoffiziellen Fühler während der letzten zwölf Monate sei, und dah sie den Grund lege für die Besprechungen der allgemeinen Wirtschaftskonferenz im kommenden Frühjahr. Die „Financial Times" sagt, die deutsche und die englische Nation sind vital an gewissen gemeinsamen mit einander in Wettbewerb stehenden Industrien, wie z. D. Kohle, Eien und Stahl, allgemeinen und elektrischen Maschinenbau und Chemikalien interessiert. Deutschland hat die un- ge'eu.e Au ga e, aus die en unb anderen Ove.(en seinen Umsatz zu steigern, um ausreichende UeberschüsiezurBestreitungderDa- weszahlungen zu gewinnen. Großbritannien hat die Aufgabe, während diese energische deutsche Bemühung im Gange ist, seinen zurück- gegangenen Ausfuhrhandel auszubauen. Das ist die Lage. Es ist nur natürlich, daß die Männer, die für die Produktion und Fabrikation verantwortlich sind, und die sie finanzieren, das Bedürfnis nach freundschaftlicher Prüfung dieser Lage haben. Die Möglichkeit eines unbeschränkten Wettbewerbs, während der Grad der wirtschaftlichen Erholung der konsumierenden Länder eine unbekannte Größe ist, würde eine Bedrohung für die Fabrikanten und Kaufleute enthalten, die nach Möglichkeit vermieden werden sollte. Zusammenarbeit bei Kontrolle der Produktion und Preise auf einer ver- Preußischer Landtag. Der Magdeburger Mordprozcft Helling. Berlin, 9. Oft. (LU.) In der Samstag- fitzung deS preußischen Landtages wurde die Gr- werbslosenaussprache fortgesetzt. 2lba. Langer- Oberhausen (Dtsch. Vv.) weist hin auf die gefährlich hohen finanziellen Aufwendungen für die Erwerbslo'enfürsorge, die zur 5eit 110 Millionen Mark betragen. ES sei ?>u befürchten, daß evtl, landwirtschaftliche und Facharbeiter ins Ausland gehen. Dagegen solle man den kolonialen Gedanken eifrig verfolgen und dahin streben, die Beschäftigung ausländischer Arbeiter in Deutschland einzuschränlen oder ganz einzustellen. Der L a n d s l u ch t mü s- ein He.nm- schuh angelegt werden. Die unterstützende Er- werbslosenfürsorge müsse nach Möglichkeit umgewandelt werden in eine produktive. Abg. Hourtz (Dem.) hebt hervor, daß der Stumm-Konzern die Stillegung der Zeche Margarethe mit Zahlen begründet habe, die sich nachher als falsch herausstellten. Bei der nochmaligen Nachprüfung der wirtschaftlichen Lage der Zeche sollten auch Laien hinzugezogen werden. Man brauche nicht für Arbeitsdienstpflicht zu werben, sondern solle zunächst einmal die Ueberschichten und äleöerstunden abschassen. Der allzulaute Auf nach Verringerung der sozialen Lasten schädige auch den Mittelstand. Die Großindustrie sei drauf und dran, das ganze nationale Vermögest Deutschlands in ein paar Händen zusammenzufafsen. Wäh end der AuL^ührunre i des A g Schubert (Komm.) tragen mehrere kommunistische Abgeordnete eine Anzahl großer Pakete durch den Saal und legen sie auf der Ministerbank nieder. Sie enthalten Tausende von Protest- untersch riften der Erwerbslosen in Frankfurt a. M., die die Erfüllung ihrer For- oermrgen verlangen. Die Besprechung wird geschlossen. 2n der Abstimmung werden die Ausschußanträge angenommen, in denen das Staatsministerium ersucht wird, mit allen Mitteln bei der Reichsregierung eine Einheitlichkeit der Erw'erbslosenunterstühung auch in der Kurzarbeiterfrage zu erzielen. In einzelnen Bezirken eingelretene Härten bei der Bemessung der Höhe der Unterstützung sollen ausgeglichen, die Unterstützungssätze erhöht und die Unterstühungsdauer verlängert werden. Das Staatsministerium wird beauftragt, in Verbindung mit den Beteiligten nochmals zu prüfen, ob nicht Wiederinbetriebnahme der Steinkohlenzeche „Vereinigte Margarethe" in Sölde (Kreis Hörde) möglich ist. Das Haus geht dann über zur Besprechung der Iustizbvrgänge in Magdeburg. Zur Beratung steht eine sozialdemokratische Anfrage über den Fall Kölling—Tenhold. Die Anfrage verlangt auch Auskunft, ob das preußische Staatsministerium noch weiter den Preußischen Richterverein als Standesorganisa- tion anerkennen wolle, da er den Denatspräsi- denten Großmann ausgeschlossen habe. Abg. K u t t n e r (Soz.) erinnert an das Wort deS Geheimrates Kahl, daß die Existenz einer Vertrauenskriseinder Justiz sich nicht mehr leugnen lasse. Der Redner gibt Änen Ueberblick über den Gang des Verfahrens und der Ermittelungen in Magdeburg. Richt etwa Schröder habe die Justiz auf eine falsche Fährte gelockt, die Organe der Justiz selbst seien vielmehr daran schuld, daß eine vorgefaßte Meinung weiter verfolgt worden sei. Schröder müsse die Akten gekannt haben. Wenn man die Alten einsehe, würde man finden, daß nach der Ergreifung des Schröder zwei Monate keine Eintragung erfolgt sei. Der Schröder suaoerie^te Unbekannte Adolf habe sich gewandelt. Aus groß sei er klein geworden, aus schlank untersetzt, aus blond schwarz, auS schnurrbärtig bartlos, aus Adolf wurde Haas. Als man aus Schröder den Ramen Haas herausge- preßt habe, sei überhaupt nur gegen Haas vorgegangen worden. Alles andere habe geruht. Köllings Aktenführung grenze haarscharf an Attenfälschung. Die von Haas angebotenen Cnt- ^lastungsbeweise seien nicht brachtet worden. Dagegen seien die Zeugen beeinflußt worden, so daß ptrer Vorsitzende in der Hauptverhandlung erklärt habe, er verstehe nicht, daß die Voruntersuchung .in dieser Art geführt werde. Köldings Verhalten, wenn es zunächst aus gutem Glauben entstanden sei, sei später nicht mehr als gutgläubig zu bezeichnen. Die Berliner Kommissare Der bienten besonderen Dank, denn nur durch sie sei in diesem Fall bas Ansehen der deutschen Rechtspflege wieder ihergestellt. Staatssekretär Fritze vom preußischen Justizministerium gibt dann zunächst eine eingehende dokumentarische Darstellung der Vorgänge in Magdeburg und bemerkt zu den gestellten Einzelfragen folgendes: Gegen den Landgerichtsrat Kolli n g und den Landgerichtsdirektor Hoffmann in Magdeburg ist durch den dafür zuständigen Disziplinar- senat des Oberlandesgerichtes in Raumburg das förmliche D isz i pin arv er f a hren eröffnet worden. Kölling ist beschuldigt, in der Prc se Erllärungen veröffentlicht zu haben, In denen er gegen andere Staatsbehörden und ihnen angehörende Beamte unberechtigte Vorwürfe erhoben hat Ferner seinen Ramen unter einen in Wahrheit von anderer Seite verfaßten Brief an den Magdeburger Polizeipräsidenten gesetzt. Der Vorsitzende des Oberlandesgerichtes in Rauiuburg ist ersucht worden, ob Pllichtvev- letzungen bei der Aufnahme deS Tatbestandes über die Ermordung Hellings festgestellt worden sind. Die Beschuldigungen gegen H o f s - mann gehen dahin, ob er dem Landgerichtsrat Kölling durch Mißbrauch vorsätzlich beeinflußt und den genannten Untersuchungsrichter in der Mordsache Helling beraten und maßgebend beeinflußt, obwohl er mit der Mordsache Helling dienstlich nicht befaßt gewesen sei. Ferner wird Hoffmann beschuldigt, daß er In zwei Presseveröffentlichungen unberechtigte Vorwürfe gegen staatliche Behörden und ihnen angehörende Beamte erhoben habe. Auch seine Pflicht zur Amtsverschwiegenheit habe er verletzt. Endlich wird ihm zur Last gelegt, einer Airordnung deS OberlandeSgerichtspräsidenten bewußt zuwidergehandelt zu haben, ferner in das Verfahren unbeteiligte Dritte in Magdeburg unter Verletzung deS Dienstgeheimnisses zu Hilfe gerufen und sie veranlaßt zu haben, den Landgerichtsrat Kölling aufzusuchen und auf dessen Entschlüsse -inzuwlrken. Das Disziplinargericht hat dem Antrag des Generalstaatsanwaltes stattgegeben. Die beiden Richter haben xu. ihrer Verteidigung geltend gemacht, ihre Veröffentlichungen in der Presse seien erforderlich gemacht und gewesen zum Schutze gegen weiter unzulässige Eingriffe der Verwaltungsbehörden und gegen eine weitere, das gerichtliche Un- tersuchungsverfahren breinträch igende Be- einslußnahme der Presse, schließlich auch zum Schuhe der Ehre des Untersuchungsrichters. Das Dlsziplinarverlahren gegen die Richter befinde sich noch im Verfahren der Unter» suchung. Der Iustizmimster habe den Generalstaatsanwalt in Naumburg zur tunlichsten Beschleunigung angewiesen Staatssekretär Fritze teilt mit, daß in dem Disziplinarverfahren gegen den Magdeburger Krim na. omm'sfar Tenhold nicht nach gewiesen werden konnte, daß Tenhold während der von ihm in der Mordsache Helling geleiteteten Ermittelungen die Verfolgung der Spur gegen den Kaufmann Rudolf Haas wider besseres Wissen betrieben und er dem Schröder die Kenntnis der diesem unbelannten Personen und Oertlichkeiten vorsätzlich ermittelt habe, sowie daß Tenhold Schröder die Berichtigung der Mordanstiftung gegen Haas suggeriert habe. Der Name von Haas und die Oertlichkeiten des tschechoslowakischen Konsulates seien in die Sacke bereits zu einer Zeit hineingezogen worden, als Tenhold die Sache noch gar nicht kannte. 2m Laufe des Ermittelungsversahrens gegen Tenhold habe sich ergeben, daß dieser sich disziplinarisch vergangen habe. Bisher seien keine Tatsachen bekannt geworden, die Maßnahmen des Iustizministers zur Einleitung eines Verfahrens wegen kriminell strafbarer Handlungen Köllings oder eines anderen beteiligten Iustizbeamten erfordere. Der preußische Richterverein selbst als Standesorganisation b? Alchterschaft habe in der ganzen Angelegenheit Zurückhaltung beobachtet und sich jeder öffentlichen Stellungnahme zu der Angelegenheit enthalten. Es besteht kein Anlaß, in der Anerkennung des preußischen Rich ter Vereines als Standesorganisation etwas zu önbern. Abg. (Seelmann (Dn.) erklärt, daß seine Fraktion nicht daran denke, Verfehlungen, die in der Justiz vorkämen, zu decken. Das Disziplinarverfahren sei zu billigen, damit festgestellt werde, was bei den Beschuloigungen wahr ist. Vorher könne ein Urteil nicht abgegeben werden. 3m ersten Stadium könne gegen den Untersuchungsrichter Kölling ein erheblicher Vorwurf nicht erhoben werden. Richt das geringste sei für die Behauptung erbracht, daß Kölling aus politischen Gründen gehandelt habe. Das müsse man auch von Tenhold sagen. Starke Vorwürfe seien gegen Herrn Hörsing erhoben. Gr habe als Ober- Präsident es nicht verstanden, den richtigen Weg zu gehen. Das habe sich auch in dem bekannten Schreiben gezeigt, in dem er gegen Juristen den Vorwurf erhob, sie stellten sich stützend vor einen Mörder. (Zurufe links.) Sie lnach links) messen nach zweierlei Maß. Hätte Hörfing nicht eingegriffen, so wäre die Sache viel schneller vorwärts gekommen, (Lachen und Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Es ist sestgesteitt, daß der preußische Richterverein sich forreft verhalten hat. Staatssekretär Fritze erwidert auf die Frage nach dem Vorgehen gegen Hörfing, daß durch gemeinsamen Erlaß des Ministerpräsidenten und des Innenministers das Vorgehen Hör- sings nachdrücklich gemißbilligt worden ist. Abg. Dr. Schmidt (3.) erklärt, es ließe sich schon jetzt sagen, daß Unfähigkeit, verletzte Eitelkeit und Ueverhebung sowie die mit hinreichendem Verdacht anzunehmende gewisse rwli- tische Voreingenommenheit und Verantwortungslosigkeit in Magdeburg einen Iustizwirrwarr hervorgerufen habe, der bald zu einem Justizmord hätte führen können. Wenn ein hoher politischer Beamter wie Hörsing an diesem Wirrwarr Anstoß nehme und mit gutem Erfolg eingreife, könne man das nicht fabeln. Dann wird die Debatte unterbrochen. Das Haus vertagt sich auf Montag. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des Hohenzollernvergleichs und Fortsetzung der Magdeburger Debatte. Jur angeblichen Rückkehr Kaiser Wilhelms. Berlin, 9. Ott. (Wolff.) Im Zusammenhang mit der Bestimmung im oermögensrechtlichen Vergleich mit dem Hohenzollernhaus, daß dem vor» maligen Kaiser Schloß und Park in Homburg v. d. H. als Wohnsitz auf Lebenszeit zur Verfügung gestellt wird, waren sowohl im In- als auch im Auslande Gerüchte aufgetaucht, daß der frühere Kaiser in nächster Zeit aus Doorn nach Deutschland zurückzukehren gedenke. Das „Acht-Uhr-Abendblatt" erfährt dazu, daß diese Nachrichten's eder Grundlage entbehren. Bei den Verhandlungen über die ver- mögensrechtliche Auseinandersetzung zwischen Preußen und den Hohenzollern sei von seifen des Exkaisers der Wunsch ausgesprochen, es möge ihm in Deutschland ein Haus als eine Art Zuflucht- statte zur Verfügung gestellt werden. Er denke jedoch nicht daran, nach Deutschland zurückzukehren. Die Bestimmung über das Schloß in Homburg o. d. H. sei übrigens schon vor etwa Jahresfrist in den Vertragsentwurf aufgenommen worden. Zusammentritt des hessischen Landtages. Darmstadt, 10. Oft. Der hessische Landtag wird am 20. Oktober zu einer Sitzung zusammentreten, um über bas soeben bem Hause zugeleitete Volksbegehren desHeisischenOrdnungs- unbWirt- schastsblocks auf Auslösung bes Landtags die Ent- scheibung zu treffen. Amtlich würbe sestgestellf, bah bas Volksbegehren über 61 000 gültige Stimmen aufweist. Aus aller Welt- Preußischer Richtertag. In Kassel begann unter außerordentlicher Beteiligung aus bem ganzen Reich ber 5. Preußische Dichfertag. Die Verhandlungen wurden mit einer Eröffnungsansprache des Amtsgerichtsrats Dr. Pracht eingeleitet, ber nach einem Hinweis auf bie in ber Öffentlichkeit viel besprochene Vertrauenskrise forderte, bah gerade irn jetzigen Augenblick alles getan werben müsse, um die Kluft zwischen bem Volk unb bem deutschen Richter zu überbrücken. Der Vertreter- des Justizministeriums, Geheimrat Dr. Schwister, sührfe aus: Es haben sich lelber schwere Vorwürfe aus bem Volk heraus gegen bie Justiz gerichtet, bie insbesonbere auf Die Unabhängigkeit unb Unparteilichkeit bi »zielen. Das Justizministerium ist ber Ansicht, baß biese Vorwürfe unbegrünbef sind unb oah es sich immer nur um einzelne Fälle handelt. Die richterliche Unabhängigkeit muß gerade heute in der Republik die Grundlage für Recht unb Rechtsprechung bilden. Es muß mit aller Entschiedenheit betont werden, bah der deutsche Richter, ber den Cid auf die Verfassung geleistet hat, unbedingt an dieser Verfassung sesthalfen und für sie einfreten muh. Darauf erstattete Dr. Pracht den Jahresbericht. Er trat u. a. für eine wirtschaftliche und soziale Heraufsetzung der Altersgrenze auf 63 Jahre aus. Eine Entschließung wurde einmütig gefaßt, in der es u. a. heißt: Die Richter und Staatsanwälte erblicken in der Weimarer Verfassung die Grundlage des Rechts und bie Gewähr für ben Bestanb des Vaterlandes unb bekunden ihre unerschütterliche Verfassungstreue. Die Richter sind Diener des im Gesetz niebergdeafen Willens des deutschen Volkes, nicht Diener irgendeiner Partei. Sie erachten es als ihre Pflicht, bie Verfassung ber Republik als oberstes Gesetz des deutschen VolkssfaatS zu stärken. Sturmflut an der deutschen Küste. Eine Sturmflut, wie sie seit zehn Jahren bie beutsche Küste nicht mehr heimgesucht hat, ist burch die von Rorbengland über bie Rorbsee ziehende Depression an bie beutsche Rorbseeküste geworfen worben. In Hamburg ist das mittlere Hochwasser um 3 Meter erhöht eingetreten. Diese Erhöhung von 3 Meter wirb im allgemeinen auf allen Stationen der Rorbseeküste unb in ben Fluhläufen ber Elbe, Weser unb Ems einfreten. Das nächste Hochwasser dürfte jeboch bereits wieber um 1 b-s ll/3 Meter niebnger eintreten. Der auf Schienen laufenbe in Eisen- konstruktion errichtete Riefenkran ber Dunker- kohlengesellschaft ri.ß infolge des Sturmes aus ber Verankerung, trieb gegen ben Prellbock unb stürzte krachenb in sich zusammen. Gegenüber dem Dagebüller Koog, baS vollkommen unter Wasser steht, sinb über hunbert Schafe ertrunken. Beim Dammbau auf Westerlanb-Shlt sinb bie beiden Anlegebrücken bei Keithum für die Material- anfuhr weggerissen und weggeschwemmt worben. Der starke Sturm, ber am Samstag unb Sonntag bie Insel Sylt heimgesucht hat, hat an ber Strecke Hörnum-Westerland erhebliche Zerstörungen angerichtet. Der Bahndamm ist auf eine Länge von 4—500 Meter zerstört worben. An ber Westküste trat ein erheblicher Lanbabbruch ein. Auch sinb größere Verluste an Vieh, bas aus bem überschwemmten Vorlande untergebracht war, zu beklagen. Auch entlang ber ganzen Ostseekuste entstand ein heftiger Sturm, bet zeitweise bie Windstärke 10 erreichte. Es wurden in Stettin unb Umgebung Ziegel von ben Dächern geworfen, Fensterscheiben eingebrückt unb Bäume entwurzelt, so bah bie Feuerwehr vielfach zu Hilfe geholt werben muhte. Die im Hafen liegenden Schiffe konnten nicht auslaufen. Gin mit fünf Personen besetztes Boot kippte um. Vier Mann der Besatzung konnten gerettet werben, ber fünfte ertrank. Schwere Bergstürze am Slmplon. Infolge gewaltiger Wolkenbrüche sinb bie Sturzbäche am Simplonmassid derartig «ange» schwollen, dah sie über die Ufer traten. Drohe Mengen von Geröll unb schweren Felsblöcken werben von den Wassern zu Tal gerissen unb vermehren die Ueberschwemmungsgefahr. Die Hauptstrecke ist bereits zerstört unb bie Brücken über den St. Barthelemh-Fluh zusammengestürzf. Auch ber SimplonÄunnel ist durch Geröllmassen verschüttet unb ber Verkehr vollkommen unferbunben worben. Pioniere sprengen bie Felsblöcke, um ben Absluß bes Wassers zu erleichtern. Der Eisenbahnverkehr über ben Slmplon muß über Ber n unb ben Lots chberg um» geleitet werden. Mehrere Häuser muhten ber drohenden Einsturzgefahr wegen von ben Bewohnern geräumt werden. Kunst und Wissenschaft Eröffnung des 1. internationalen Kongresses für Sexualforschung. 3m Reichstag wurde ber 1. internationale Kongreh ber Sexualforscher in Gegenwart des Reichsministers Dr. Külz und anderer Vertreter ber Reichs- und Staatsbehörden feierlich eröffnet. An ber Tagung nahmen führende Gelehrte aus Deutschland. Oesterreich, Frankreich, England, 3talien, Schweden, Holland, Dänemark und anderer Lander teil. Der Präsident bei internationalen Gesellschaft für Sexualforschung, Dr. Moll, begrüßte die Teilnehmer. Reichsminister Dr. Külz hieß darauf die Mitglieder des Kongresses im Ramen der Reichsregierung herzlich willkommen. Der Minister gab ber festen Hoffnung Ausdruck, baß die Forschungen unb Erörterungen des Kongresses dazu beitragen werben, Licht in das Dunkel hmeinzutragen, das noch über so vielen Problemen liege, unb daß bie Forschungen ben Verhandlungen den Weg weisen und bie Möglichkeit geben, in Sitte, Gesetz und Verwaltung bie Einstellung zu finden, die notwendig sei, um die Grundlage jeder Kultur, die geistige und körperliche Volkskraft, unversehrt zu erhalten. Weitere Begrüßungsansprachen hielten bann noch Vertreter deutscher unb ausländischer Universitäten. historische Juabe in Fritzlar. Auf dem Gipfel des sagenumwobenen Gura- berges. in dessen Umgebung sich einst erbitterte Kämpfe zwischen Chatten und Römern abgespielt haben, fanden in den letzten Monaten Ausgrabungen durch den Archäologen Prof. Dr. Vonderau- Fulda statt. Es gelang ihm, die ehemalige Bergfeste, den einst von dem Apostel Bonlfaziue gegründeten Bischofssitz, freizulegen und aus der noch vorhandenen Kapelle die Altar steine ans Licht zu bringen. Der bedeutungsvollste Fund ist die Feststellung eines Taufbrunne ns aus Bonifazius Zeiten, in dem der ehemalige Bischof von Bur.iberg die Heiden durch Uittertauche» taufte. Der Brunnen hat eine beträchtliche Tiefe. Geheimrat Eckert Ehrenbürger der Universität Köln. Die Universität Köln verlieh dem geschäfts- führenden Vorsitzenden des ÄuratoriumS ber Universität Köln. Geh. Regierungsrat Professor Dr. Cch Eckert, in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste um bie Kölner Hochschule während eines Dierteljohrhunderts und bei ber Gründung ber Universität Köln, bie Würbe eines Ehrenbürgers ber Universität. Wettervoraussage. Rach anfänglicher Aufheiterung erneut trüber unb auch Regenfälle, int ganzen milbe, sübliche bis westliche Winde. Aus der Provinziaihauplstadt. Gießen, bat 11. Oktober 1926. Der Durchreiseausenthalt. (Eine Telegramm-Geschichte.) Herr Joseph Aappelich leert am Abend gemäch- llch den Briefkasten an der Haustür und folgt dann feiner im Treppenhaus wartenden Frau. Beim sanft fließenden Licht betrachtet er die Poff: „Eine Karte von unserer Jüngsten aus Tirol, und hier, sieh mal, sieht aus wie ein Telegramm und was ist's?! Eine Reklame für ein Kräftigungsmittel! So ein Unfug! Erft bekommt man einen Schrecken eingejagt, denn ein Telegramm bringt doch selten was Gutes, und dann ist's Reklame!" Inzwischen sind beide in der Wohnung angelangt. Herr Zappe- lief) wirst immer noch brummend das gelbliche Papier auf den Tisch und lieft bann feiner Frau die engbeschriebene Karte vor, bei der sich seine Züge allmählich aufhellen. Am nächsten Morgen, als Herr Zappelich schon längst im Geschäft ist, fällt seiner Frau beim Auf. räumen von ungefähr die „Reklame für das Kräftigungsmittel" in die Hand, und sie sieht zufällig auf die Rückseite. Ja, was ist denn das, da stehen doch kleine Buchstaben wie bei einem richtigen Tele- gramm! Wo ist denn nur die Brille? Frau Zappe- lich rennt aufgeregt in der Wohnung umher, Übersicht den schon zurecht gestellten gefüllten Putzeimer und stößt ihn um, glücklicherweise ohne sich babei wehe zu tun. Zwar sind die Schuhe und Strümpfe vollständig durchnäßt und das Zimmer steht unter Wasser, aber Frau Zappelich hat ihre Brille ent- deckt. Endlich kann sie lesen, was da"fo-4ücherllch klein und schwach geschrieben steht: „Auf Durchreise 20 Minuten Aufenthalt. Ankomme Freitag 10 Uhr 29 Gleis 5. Bruder ÄarL* „Ach du liebe Güte, der Karl aus Königsberg, 12 Jahre bat man sich nicht mehr gesehen, — das ist die große Geschäftsreise, auf die man ihn schickte, — am Freitag. . . ., das ist ja heute, um .. . was, um 10 Uhr 29, ich muß fort, — dem Joseph muß ich telephonieren — ach, und die nassen Schuhe unb Strümpfe . . . !" Frau Zappelich zieht sich in größter Eile um, ergreift ihre Tasche und stürzt zur Türe hinaus. Als sie im Bäckerladen die Telephonnummer suchen will, entdeckt sie, daß sie ihre Brille daheim liegen ließ, die freundliche Bäckersfrau hilft ihr aber aus ber Verlegenheit. Der Anschluß ist ausnahmsweise mal schnell ba, nur ihr Mann ist gerade abwesend. Sie will das Telegramm diktieren, aber das liegt, wie sie jetzt merkt, daheim bei der Brille auf dem Tisch in dem unter Wasser stehenden Zimmer. Doch Frau Zappelich hat trotz aller Vergeßlichkeit ab und zu ein gutes Gedächtnis, sie bringt den Wortlaut auch jetzt wieder zusammen und gibt entsprechende Anweisungen für ihren Mann. Dann will sie das Gespräch bezahlen, aber sie hat ihre Geldbörse, als der Milchmann kam, auf dem Küchentisch liegen lassen. Ein Glück, daß sie hier bekannt ist, und die gute Bäckersfrau leiht ihr noch Geld dazu. Mittlerweile ist es schon 10 Uhr 9 geworden. Die Straßenbahn läßt natürlich wie immer auf sich warfen, und Frau Zappelich rechnet sich aus, daß ihr mindestens noch vier von den zwanzig Minuten verloren gehen. Endlich kann sie mit der Elektrischen losaondeln, bann hat sie eine Bahnsteigkarte, sie lauft zum Gleis 5, ber Zug ist aber noch nicht ba, also auch noch Verspätung! Dann läuft ein Personenzug aus dem benachbarten Städtchen ein, von Karl keine Spur... Inzwischen hat Herr Zappelich von bem telephonisch übermittelten Telegramm Kenntnis erhalten und stürzt seinerseits ebenfalls in höchster Eile zum Bahnhof. — Bahnsteigkarte — Gleis 9 — der Zug steht schon abfahrtbereit ba, Karl lehnt an einem Fenster, aber von ber Frau Zappelich keine Spur. Karl brüllt ihm entgegen: „Josevh, wieso kommst du hierher!?" — „Du hast doch telegraphiert, denke ich!?" — „Ja, ich habe aber doch die Zahlen verwechselt und geschrieben 10 Uhr 29 Gleis 5 . . ." Pfff — ba fährt ber Zug ab. Joseph schüttelt ben Kopf und winkt mit so verständnisloser Miene dem Absahrenden nach, daß ein vorbeigehen- ber Beamter in schallenbes Gelächter ausbricht. Dann fängt Herr Zappelich an, zu simulieren, unb als er zum zweitenmal von einem Gepäckwagen angefahren wird, kommt er auf die Idee, nach Gleis 5 zu gehn. Und dort findet er feine Frau. „Karl ist nicht gekommen", sagt sie sehr enttäuscht. „Aber auf Gleis 9 ist er abgefahren", sagt der Gatte triumphierend. „Er hafte aber doch telegraphiert, Gleis 5!" — „Man kann auch mal zwei Zahlen verwechseln, liebe Frau, du hast mir telephoniert, Gleis 9! Daher habe i ch ihn gesehen." Tacho. Deutsche Tomaten« Es dürste wohl allgemein bekannt sein, baß not« reis gewordenes Obst fade schmeckt und weniger süß unb daher nicht so bekömmlich ist. Die Notreife bei den Fruchten unserer Obstbäume stellt sich ein, wenn sie durch Trockenheit stark leiden. Und solche notreif gewordenen Fruchte kaufen unsere Deutschen Tag für Tag, weil sie es nicht anders kennen, denn die dunkelblutrote Farbe der Früchte ist so verführerisch. Ich denke dabei an die italienischen Tomaten, bie bei uns massenhaft ein« geführt werden. 1925 find nur durch Einfuhr italienischer Tomaten dem deutschen Volksoermögen über 21 Millionen Nenfenmark verlorengegangen. Die italienischen Tomaten sind viele Tage unterwegs und würden den Transport gar nicht aushalten, wenn sie reif gepflückt worben wären. Man nimmt sie deshalb dort im ganz grünen Zustande von den Pflanzen ab, verpackt sie sehr sorgfältig, damit sie die Reife nach Deutschland gut überstehen. Durch die Hitze und die recht lange Reise reifen sie unterwegs, weshalb auch jetzt der Eifer der Händler zu verstehen ist, sie so schnell wie mögltd) abzusetzen, bevor sie in Fäulnis übergehen. Wie anders dagegen schmecken unsere deut- s ch e n Tomaten! Was für ein Genuß ist es, in eine so frisch gepflückte reife Tomate beißen zu können. Wir bevorzugen ja unsere Tomaten wegen ber Wichtigkeit der in ihnen enthaltenen Vitammstosse für bie Ernährung des menschlichen Körpers. Dazu muß man aber ausgereifte Früchte nehmen! Wir sind ein armes Volk geworden und müssen und sollten [parfam mit dem Gelbe umgehen. Wir können es uns nicht mehr leisten, das Geld für unterwegs notreif gewordene Fruchte aus dem Fenster herauszuwerfen. Wir wollen lieber unsere Spargroschen für gesunde deutsche Tomaten anlegen. H. K. Lornotizeu. — Tageskalenber für Montag. Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Die elf Schill- schen Offiziere". — Aftoria-Lichtspiele: „Unter der Sonne der Südsee". Ü7014 bin lysrler 8338SS Karl Schmidt, Neuenweg 42, Tel. 1075 Gießen, den 1. Ollober 1926. 8342Q I“"h25 Bezirks-Direktor August Schwan MM Waagen aller Art empfiehlt u. werden eichfähig hergestellt. beide im Konzern der „Assecuranz-Ülnion von 1865“, übernommen habe. Meine neuen Gesellschaften sind erstklassige, sehr gut fundierte Institute, die sich während ihres 80jährigen Bestehens durch günstige Prämien und Bedingungen, sowie durch kulante Schadenregulierung die Gunst des Publikums in hohem Maße erworben haben. Ich zweifle daher nicht, dah mir das bisher allgemein entgegengebrachte Vertrauen auch weiterhin für meine jetzigen Gesellschaften geschenkt wird. Wie bisher, wird es auch weiter mein Bestreben sein, meine verehrliche Kundschaft in jeder Hinsicht zufriedenzustellen. Zur Entgegennahme neuer Anträge und Abgabe von Offerten für alle Versicherungszweige halte ich mich bestens empfohlen. Wiims Wetü[flH3-6ompaflnie in Würg, gegründet 1843 SWU-WWWSMkW erfordern heute eine sorgfältige Textgebung und Satzaussiattung. Gute Satzleistungen find nur erreichbar, wenn die Anzeigen ItiiMig genug suigegeüen werden. Der Annahmefchluh für alle Anzeigen im Giehener Anzeiger entfällt auf den Nachmittag vor der Ausnahme. Empsehlungs- anzelgen müssen, je nach Umsang und Satz- fchwierigkeiten, zwei bis drei Tage vorher bestellt sein. Nur mit Sorgfalt und dem notwendigen Zeitaufwand gesetzte Empfehlungen Wem Den ernüMtoi Rundfunk-Programm. Dienstag, 12. Oktober. 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45: Konzert des HauLorchesters: 2le tere Schlager. 5.45 bis 6.05: Die L Munde. 6.45 bis 7.15: Funkhochschule Frankfurt. „Abhärtung". Vortrag von Stadtarzt Dr. Reinheimer. 8,15 bis 9.15: Aebertragung von Kassel: RezitationSabend won Intendant Anton Otto. 9.15 bis 10.15: Liebertragung von Kassel: Klavievabend O. D. Maeckel. Frielendorf. Mahrunßsmitlelwerk (Markenartikel) sucht tüchtigen Reisenden zum regelmäßigen Besuch der Detailgeschäste. Herren mit Derkaufstalent, die auf eine Dauerstellung Wert legen, wollen sofort ausführliches Angebot mit Lebenslauf sowie Angabe des frühesten Sintritls- termins und der Gehaltsansprüche einreichen unter 8264c an die Geschäftsstelle des Giehener Anzeigers. Drucksachen aller Att jmrein und preiswert die vrähl'sche UatverßtSts.Vrnckeret, v. Longe, -letzen. Schutslr. J. rate dcr Gießener Freiwilligen Feuerwehr an- gerückt. Da das Llebungsobjckt dem Depot der Gailschen Feuerwehr direkt gegenüber lag, war es nur natürlich, dah diese als erste an der „Brandstelle" in Tätigkeit trat. Sehr rasch war auch die Freiwilltge Sanitätskolonne vom Roten Kreuz zur Stelle, die sich gut in den Rahmen der Hebung eiiipahte. Als Llebungsidee war folgendes angenommen: „In dem nach der Reustadt zu gelegenen Wohngebäude, in dessen Parterre Lager» und Verkaufsräume, darüber aber Wohnungen sind, ist im Mittelbau Feuer aus- gebrochen, das sehr rasch einen großen Umfang angenommen und das Treppenhaus verqualmt hat, so daß den Personen in den oberen Stockwerken der Rückweg abgrschnitten ist. Diese Personen erwarten in den oberen Stockwerken an den beiden Flügeln Rettung durch die Feuerwehr. Da die Berufs-Feuerwache bei Ausbruch des Brandes in der unteren Frankfurter Straße mit (Löschen eines Feuers beschäftigt ist, muß der 2llarm sofort an die Freiw. Feuerwehren gegeben werden. Das Feuer hat bis zu deren Eintreffen auch den Dachstuhl in Mitleideirschaft gezogen, so dah Einsturzgefahr besteht. Die herrschende Windrichtung ist Westwind, durch Funkenflug haben bereits der Stall und die rückwärts gelegene Rudclfabrik Feuer gefangen. Aufgabe der Feuerwehr ist: a) sämtlichen gefährdeten Personen Rettung zu bringen, b) das Feuer möglichst auf seinen Herd zu beschränken, c) die Rachbargebäude zu schützen, d) bei dem drohenden Einsturz des Dachstuhles auf Rotsignale hin die Leute zurückzuziehen und den Angriff anders zu organisieren. Cs wird angenommen, daß durch den Einsturz des Dachstuhles die Gewalt des Feuers geschwächt wird, so daß es dadurch gelingt, das Feuer zu löschen, ohne daß die Rachbargebäude in Mitleidenschaft gezogen werden." Der Aufmarsch der Geräte und dec Angriff gegen die „Nammen" gingen flott vor sich, so daß schon um 6 Uhr das erste Wasser gegeben werden konnte. Sämtliche Hebungen der Feuerwehren und der Sanitätskolonne erfolgten exakt und sachgemäß, so dah der städtische Branddirektor Braubach und der Feuerwehr°Dezer° nent Beigeordneter Dr. Hamm den Wehren kund der Sanitätskolonne mit Recht volle Anerkennung für ihre guten Leistungen aus- sprechrn konnte. In erheblichem Maße versagt hat nur die polizeiliche Absperrung, die trotz vorheriger Anmeldung der Llebung und der Ülebungsstelle etwa bis zur Mitte der Arbeiten bei der großen Zahl von Neugierigen ganz ungenügend war, wodurch die Tätigkeit der Wehren und der Sanitäter beeinträchtigt wurde. Rach dieser Richtung hin muh in Zukunft auch tm Interesse drs Publikums Wandel geschaffen werden. ** Sin Kellerbrand entstand am Samstagnachmittag gegen 5 Uhr in dem Geschäftskeller der Firma Salomon & Co., „Haus der Handarbeiten", Seltersweg 8. Dort brannte ein Stoß leerer Paopschachteln. Die um 5.08 Uhr alarmierte Feuerwache löschte die Flammen rasch, so daß wei- teresUnheil verhütet wurde. Um 5.40 Uhr konnte die Wache wieder im Depot einrücken. Der Schaden ist gering. D i e Hegezeit für Rehwild und Hasen ist vom hessischen Minister des Innern für das lausende Jagdjahr wie folgt festgesetzt worden: 1. die Schußzelt für weibliches Rehwild wird auf die Zeit vom 1. bis 30. November 1926 beschränkt: 2. die Hegezeit für männliches Rehwild beginnt am 1. Dezember 1926; 3. die Hegzeit für Hasen beginnt mit dem 1. Januar 1927. Die Verkürzung der Schußzeiten erfolgt zur Schonung und Hebung der Wildbestände. ** Sperrzeit für Tauben. Die Besitzer von Tauben sind jetzt amtlich aufgefordert worden, ihre Tauben während der Saatzeit vom 11. Oktober bis 8. November in den Schlägen zu halten. Wer I rÜraieEmaltungFärberei Gehr. Rover Schmutz, Flecken und Krankheitskeime werden beseitigt, dabei werden die meisten Gegenstände ehern. Reinigungswerke H wieder wie neu. — Denken Sie bitte auch an die Reinigung oder das Auffärben Ihrer Vorhänge, . , _ _ , , . . _ Gardinen, Decken, Kissen, Teppiche, Handschuhe usw. b2ti,id Lßdßfi * Marktplatz 8 .. Telephon 1459 Janas“ SanAM MsWkUW- Miktt-WMWi DOO1848 — Der Gesangverein Heiterkeit veranstaltet am Sonntag, 24. Oktober, in der Neuen Aula ein Konzert, das den Besuchern einen besonderen Genuß verspricht. Der Kartenvoroerkauf hat jetzt begonnen. Näheres in der Anzeige oom Samstag. ** Das Erntedankfest wurde gestern vormittag in unseren evangelischen Kirchen in feierlicher Weise begangen. Die Kirchen waren aus diesem Anlaß mit Feldfrüchten und Blumen festlich geschmückt. Der Gottesdienst wurde durch Dorträge der Chorschule, in der Johanneslirche außerdem durch einen Gesangsvortrag von Frl. Ida Stammler verschönt. In die Stadtkirche zogen unter Gemeindc- gesang Jungfrauen und Jünglinge nut Ern clorben feierlich in die Kirche ein; mit dem Dottrig ^on Bibelsprüchen wurden die Körbe am Altar weder- gelegt. Der Besuch der Gottesdienste war m beiden Kirchen erfreulicherweise wieder stark. •* ein ft a r t e r Herbst sturm brauste von Samstag abend bis gestern vormittag über unsere Stobt Der Sturm, der von einigen kräftigen Regenschauern begleitet war, rüttelte die Bäume so trästig daß nicht nur das Laub tn Massen zur Erde herniederfiel, sondern auch mehrfach Zweige von Öen Bäumen abgerissen wurden, lieber weiteren Schaben ist uns bis zur Stunde nichts bekannt geworden. Das Bild der Anlagen hat sich nun schon recht herbstlich gestallt und erinnert wieder mal recht eindringlich an die rasche Vergänglichkeit aller Lebenskraft und Daseinspracht. *• Akademische Ehrung. Wie uns heute erst bekannt wird, hat Geheimer Schulrat Dr. Hensell in Gießen am 5. August fein goldenes Doktorjubiläum begangen. Aus diesem Anlaß hat ihm die philosophische Fakultät der ilniberfität Marburg das Doktordiplom erneuert. , , *• Der Unterricht in den Schulen unserer Stadt hat heute, wieder begonnen. Die Schulpflicht durste unseren Buben und Mädels nach den 14tägigen Herbstferien in den ersten Tagen wohl nicht besonders gut schmecken. Aber nur wenige Wochen dauert es ja, dann winkt ihnen wiederum die Freude der Weihnachtsserien. ** Der Schaufensterwettbewerb gelegentlich der Giehener Verkehrswoche hat auf die Dekorationsarbeit unserer Geschäftswelt recht anregend gewirkt. In zahlreichen Schaufenstern kann man auch in diesen Tagen wieder neue, recht fesselnde Dekorationen bemerken, die zum Teil Rellamekunst bester Art darstellen. Als originell kann man auch wieder eine lebende Reklame in den Schaufenstern der Firma Gebrüder Baer, Warktstraße, bemerken, wo zwei junge Mädchen .als Mittelpunkt der Schaufensterausgestaltung wirken. ** Ülnnühe Finger an denPostauto- mat en. Der Polizeibericht meldet: In der Rächt zum Freitag wurde versucht, einen der vor dem Stadlpostamt in der Schulstrahe aufgestellten Postautomaten zu erbrechen. Ferner wurde festgestellt, daß in den letzten Tagen Schulkinder und Jugendliche an den Wertzei ngebern sich zu schaffen machten und allerlei Unfug verübten. Cs wird hiermit darauf hingewiesen, dah derartige Automate zum öffentlichen Ruhen ausgestellt sind und Beschädigungen nach § 304 des ReichsstrafgesetzbucheS bestraft werden. In diesem Falle ist der Versuch schon strafbar. Personen, die über die Täterschaft Wahrnehmungen gemacht haben, werden ersucht, der Kriminalpolizei Mitteilung zukommen zu lassen. Die städtiscke F u h r w e r k s w a g c in der Neustadt, bie einer längeren Reparatur unterzogen werden mußte, ist letzt wieder in Betrieb genommen worden. ** 'Sonderzüge zum Grünberger Gallusmarkt. Aus Anlaß des diesjährigen Gallusmarktes in Grünberg verkehrt am Mittwoch, 13. Oktober, ein Sonderzug von Mendorf (Lumda) bis Grünberg, Allendorf ab 10.25 Uhr, Grünberg an 11.04 Uhr. Außerdem verkehrt ein Sonderzug von Alsfeld nach Grünberg, Alsfeld ab 10.10 Uhr, Grünberg an 11.06 Uhr. Der in beschränktem Umfange bisher freigegebene Zug 4450 von Burg und Nieder-Gemünden nach Gießen, Grünberg ab 8.43 abends, Gießen an 9.26 Uhr abends, wird am 13. Oktober als Vollzug bis Gießen durchgeführt. Dieser Zug hält ausnahmsweise in Göbelnrod. *’ Eine Alarmüb ung unserer Freiwilligen Feuerwehren fand am Samstag gegen Abend statt. Als ülebungsobjekk diente das Griebsche Anwesen in der Reustadt 32. Ihn 53/1 Mr wurde von dort aus durch den Feuermelder der Alarmruf an die Feuerwache gegeben, umgehend ertönten die Sirenen und arbeitete die Alarm-Ringleitung der Feuerwehren, und schon wenige Minuten darauf kamen die Mitglieder der Freiw. Gailschen Feuerwehr mit ihren Geräten, etwas später auch die Ge- Bekanntmachung. Ich bringe hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, dah ich mit dem heutigen Tage die Dezirks-Direktion des „Allianz-Konzerns" niedergelegt und diejenige der und des dem nicht entspricht, riskiett, daß die Tauben ab- i geschaffen werden und er obendrein noch bestraft ! wird. । * Einen Taschensahrplan in dem die Eisenbahn» und Kraftwagen-Linien unserer engeren Heimat zusammengefaßt find, hat die Druckerei Seibert in Gießen jetzt heraus- gebracht. (Siehe heutige Anzeige.) D i e Mode auf dem Lande. Unser ^-Berichterstatter schreibt uns vom Lande: In früheren Jahrzehnlen dauerte es beharrlich lange, bis eine neue Modeschöpfung auf dem Lande Eingang fand. Meistens war es jo, daß unsere dörfliche Welt eine Modeperiode zurücklag. Erstrahlte am städtischen Modehimmel schon wieder ein neuer Stern, so leuchtete der dort im Erblassen begriffene erst auf dem Lande auf. Der geübte Blick der Städterin erkannte das Mädchen vom Lande schon aus Wurfweite an dem Kleiderschnitt und der Hut- orm einer überlebten Mode Hcuje haben sich diese Erscheinungen gänzlich gewandell. Die Modezeitung ist auf dem kleinsten Dorfe heimisch, die Zeitungen mit ihren werbenden Inseraten bringen in immer größerer Zahl in die Dörfer ein, der Verkehr mit der Stadt ist lebhafter geworden und die fertigen Kleider zu erschwinglichen Preisen tragen die neueste Mode in das entfernteste Bergdorf. Kein Röckchen ist zu kurz, kein Florstrumpf zu dünn, die Jugend trägt sie am Sonntag stolz zur Schau. Ucberlebte Mode ist so ziemlich abgetan. Was auch neue Mode bringen mag: Crepe de chine ober Waschseide, Gabardine oder Waschsamt — das Land ist auf dem laufenden, und die Modedame aus der Stadt hat feinen Grund mehr, über allzu große dörfliche Rückschrittlichkeit zu spötteln. (In der Neigung der Landjugend zum kurzen Rock und zu den Florstrümpfen können wir keinen Gewinn für echtes Volksleben erblicken. Wir würden es vielmehr begrüßen, wenn die weibliche Landjugend auch wci- . terhin die schöne alte Tracht als besten I Schmuck pflegen und die Wiedereinführung der Tracht da, wo sie jetzt verschwunden ist, betreiben würde. D. Red.) Nur gegen eine Modelaune sträubt man sich noch entschieden, gegen den Bubikopf. In den kleinen Städtchen hat er wohl Eingang gefunden, aber die große Gefolgschaft blieb ihm auch hier versagt. Die dörfliche Welt steht ihm noch ge- schlossen feindlich gegenüber. (Recht so! D. Red.) Die Jugend liebäugelt vielleicht im geheimen nach ihm, aber der leiseste Wunsch muß in der Kehle ersticken, weil elterliche Gewalt das Schwergewicht grenzenloser Abneigung in die Wagschale der Entscheidung wirft. Auch des Dorfes Stimme wird gefürchtet. (Hoffentlich bleibt bas so! D. Red.) WSN. Gefängnis st rasen für böswilliges Alarmieren der Feuerweh/. Eine empfindliche Strafe verhängte das Anlls-- gericht zu Bremen gegen einen 30jährigen Tischler, der in der Zeit von Dezember 1925 bis Anfang März 1926 in 13 Fällen durch Inbetriebsetzung von öffentlichen Feuermeldern die Feuerwehr böswillig alarmiert hatte. Er muß seine gemeingefährliche Handlungsweise mit zwei Jahren Gefängnis büßen. — Recht so! Zur Nachahmung empfohlen! ** Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 516 Ochsen, 73 Bullen, 772 Kühe, 398 Färsen, 314 Kälber, 197 Schafe und 3458 Schweine. Strafkammer Gießen. ' Gießen, 8. Olt. Der Inhaber eines hiesigen Wasserhäuschens hatte am Sonntag. 7. Februar l. I., durch seinen Sohn Zigaretten verkaufen lassen und erhielt daher wegen Ueber- tretung der für die Sonntagsruhe im stehenden Handelsgewerbe der Stadt Gießen bestehenden Vorschriften einen Strafbefehl, der auf Einspruch hin vom hiesigen Amtsgericht aufrechterhalten wurde. Das Urteil erster Instanz nimmt Bezug auf eine grundlegende Entscheidung des Oberlandesgerichts Darmstadt. In ihm wird ausgeführt, daß Wasserbuden, wenn sie auch im übrigen als Schankwirtschalten anzusehen sind, in Beziehung auf den Handel mit Rauchwaren an Sonn- und Feiertagen den Schankwirtschaften nicht ohne weiteres gleichstehen. Vielmehr sei hier die Frage zu prüfen, ob ein Verkauf von Rauchwaren zum Genuß auf der Stelle möglich sei. Dies sei zu verneinen, da nach den ganzen räumlichen Verhältnissen und dec Art des Verbrauchs der Rauchwaren bei Wasserhäuschen ein Genuß auf der Stelle regelmäßig nicht stattsinde. Der Betrieb sei hier derart, daß die Konsumenten die verabreichten Getränke, anders wie in Wirtschaften, im Stehen genössen und dann gleich weitergingen, ohne Platz zu nehmen. Die Strafkammer schloß sich dieser Rechtsaufsassung an und verwarf die Berufung des Verurteilten, der Bezug nahm auf eine entgegenstehende Entscheidung des preußischen Oberverwaltungsgerichtshofs. Den übrigen Teil der heutigen Strafkammer- sihung füllten Deru^ungsverhandlungen gegen mehrere Burschen von Erbenhausen auS, die wegen Körperverletzung und groben Unfugs zu Gefängnis- und Haststrafen verurteilt worden waren: ihre Berufungen wurden verworfen, da die Beweisaufnahme die Feststellungen des ersten Richters durchweg bestätigten. Hauszinssteuer oder Grundrente? Don der Leitung des Deutschen Land- kreistages wird uns geschrieben: Nach den letzten Verlautbarungen der Reichsregierung ist anzunehmen, daß bie bereits für 1J27 in Aussicht gestellte endgültige Regelung des Finanzausgleichsgesetzes aus ein weiteres Jahr verschoben wirb. Wenn unter den obwaltenden Umstanden dieser Vertagung auch zugestimmt werden muß, so ist für bie Zwischenzeit eine finanzielle Stärkung der Länder, Gemeinden und Gemeindeverbände bei ihrer zweifellos bestehenden Finanznot unumAänglich notwendig. Insbesondere werden diese titeuergläubiger Wert darauf legen müssen, daß bie fteuerlldje Erfassung der Jnslati onsaewinne bei'Orunb« stücken, die bisher im Wege der Hauszinosteuer erfolgt, als wesentlicher Bestandteil des Finanzausgleichsgesetzes e r h al t e n bleibt. Die Widerstände gegen diese Steuer und die ihr anhaftenden Fehler sind beiannt. Ihre Abanderungsbe- bürftigfeit ist unbestritten. Aus der Iahreotaguna des Deutschen Städtctagcs in Stettin ist eine Entschließung gefaßt worden, wonach die Haus- zinssteuer in eine individuell zu bemessende ablösbare Amortisationsrente umgewandelt werden soll. Dieser Plan wird von den übrigen kommunalen Epitzenverbänden, d. h. den Pro- i oinzen, den Landkreisen, den kreisangehörigen Stabten und den Landgemeinden abgelehnt. In einer der Ocssenllichkeit zuoängig gemachten gemeinsamen Verlautbarung der Leiter dieser Spitzenverbänbe werden jedenfalls folgende schwerwiegende Bedenken gegen den Rentenplan geltend gemacht: Die Einführung einer Rente würde die gesamte Auswertungsfrage erneut aufrollen, da- bei aber praktisch vor der durch die Aufwertung bedingten Richtigstellung der Grundbuchblätter unmöglich fein. Eine Erleichterung für die Wirtschaft würde der Rentenplan nicht bedeuten, weil ja zur Ablösung der Rente anderweitige Schulden aufge- nommen werden müßten, bie den Geldmarkt und Die Wirtschaft unnütz belasten. Für die Wirtschaft und die öffentliche Verwaltung ist es auch unerträglich, wenn durch eine gleichbleibende Rente die für die öffentlichen Finanzen notwendige Geldquelle ohne Rücksicht auf die wechselnden wirtschaftlichen Bedürfnisse unabänderlich festgelegt wird. Schließlich ist der Ersatz einer öffentlichen Abgabe durch eine privatrechtliche Belastung des Eigentums etwas finanz politisch Neues und besonders gefährlich, da lediglich ©runbftücfe, losgelöst von der allgemeinen Volkswirtschaft, belastet werden sollen. Die Frage der Erfassung von Jnflations- oder Deflationsgewinnen läßt sich eben niemals bei einzelnen Berufsgruppen oder einzelnen Vermöoens- gegenftänben lösen. Dies kann nur durch eine allgemeine öffentliche Abgabe geschehen, so daß die Hauszins st euer zwar mehr als bisher den sozialen Verhältnissen Rechnung tragen, in ihrer Grundform als laufende Steuer jedoch erhalten bleiben muß. Da die Erfahrung gelehrt hat, daß die bisher aus der Hauszinssteuer entnommenen bedeutenden Mittel (fünfzig Prozent des Gesamtaufkommens in Höhe von 900 Millionen) nicht ausreichen, um die Wohnungsnot erfolgreich bekämpfen zu können, ist Aufstellung und Durchführung eines auflängere Zeit berechneten Bauprogramms erforderlich, das im Anleihewege zu finanzieren ist. Die Hauszins st euer darf, von der Deckung des allgemeinen Finanzbedarfs abgesehen, lediglich für den Tilgungs- und Zinsendienst dieser Anleihen verwendet werden. Eine erhebliche Herabsetzung der Hauszinsstetter und somit eine wirkliche Erleichterung der Wirtschaft verbunden mit einer groß- zügigen, den Erfolg sichernden Neubautätigkeit wäre die Folge. Daher keine Rente, sondern eine laufende, den wirtschaftlichen Verhältnissen an- gepahte öffentliche Abgabe. Leiiemetiemgstmüi bisher „Biene Livttrmrtsr ' KiebeBSVcrsicLeraagsbaakA.-6. Ueber- 1924 1925 schuß ru-d JLM. 1600000 2600 000 Hieraus cberweis. i an die Gewinnrückl, | 9O*/e 9 ,37° der Versicherten I Wär suchen für Oberhessen und einige anstoßende Kreise des Reg.-Bez. Kassel zur Unterstützungdes Bezirksleiters einen in der Werbearbeit erfahrenen und fdfe Organisation befähigten Inspektor Krleie teinng in der Werbe- arbeitdurctiUmstellung alter Bestände gelioen. Bewer bungen mit Bild und Angabe von Referenzen erbeten an den Vorstand in Stuttgart Größerer trockener Narim als Werkställe oder Lagerraum a. oerin. Steinttr. 72. f Mietqesüche Angestellter in niiitL Jahren iDauerm.s sucht z. 1. November behagl ch möbl. Simmer Schrift!. Angebote mil Vrelö llnt. 8326V an d. wieh. AnA- erb. Studentin in höherem Semester suchl in guter Familie ruhige#, möbl. Zimmer Schr. Angeb U.8223D (t d. Gieß. Anz. erb. $1* HI V.vy U M ■ -ck Gießen, den 11. Oktober 1926. 07018 In tiefer Trauer: Michael Meidmann t und alle Angehörige Gießen (Erdkauterweg 41), den 10. Oktober 1926. £ Die Beerdigung findet Dienstag, den 12. Okt., | nachm. 31 . Uhr, auf dem Neuen Friedhöfe statt. 8346D 1 Danksagung. Für die uns beim Heimgange unserer lieben Entschlafenen Frau Luise Wagner in so reichem Maße erwiesene Teilnahme sagen wir allen unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Samstag nacht 12*/4 Uhr entschlief sanft nach W langem schweren, mit großer Geduld ertragenem «jgi Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Tante Frau KaroHne Heidmann | im 61. Lebensjahre Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unserer lieben Entschlafenen und allen, die uns in den langen Jahren ihrer Krankheit tröstend und helfend zur Seite gestanden haben, sagen wir unsem herzlichsten Dank. Familie F. Gengnagel Familie L. Sommeriad. Großen-Buseck, Grünberg, den 11. Oktober 1926. 8334V Lichtspielhaus DIE ELF MEESCHEN OFFI7TEPT Unter derSonne der Südsee Reoie: RUDOLF MEINER! Der französische Kommandant . Albert Steinrück Ein französischer Offizier... Charles Willy Kayser Königin Luise....... Freiherr von Wedel ... Marie, seine Tochter. Fritz, sein Sohn..... Udo von Reckenthin. Major von Schill....... Freiherr von Mallwitz ... Camilla von Hollay Henry Peters Arnolds .. Jack Mylong Münz Minne............ Franz, ein Knecht Ein Freischärler. ...... Grete Reinwald Leopold von Ledebur . Imogene Robertson ....... Ernst Rückert .... Werner Pittschau .......Rudolf Meinert ...----- Fritz Greiner Darsteller: König Friedr.Will).IILv. Preußen Gust.AdolfSemler Wir können besonders diesen Fila der Gießener Jugend empfehlen und haben Jagendliche zu den Nach- alltags-Vorstellungen sn ermäßigten Preisen Eintritt! Bis einschließlich Sonntag auf dem Spielplan Bahnhofstraße 34. Heute Premiere Astoria-Lichtspiele Ab heute bis einschließlich Mittwoch: Sensationsschauspiel in 7 Akten. Ferner: Falschspieler ii^2 Akten. ____________________________________________________8332c AH WZ U Ä-i V X I t W L K I '■/ A <1 In tiefer Trauer: Familie Carl Faber Familie Otto Faber Gießen, Frankfurt a. M., den 11. Oktober 1926. Die Einsegnung findet Dienstag, den 12. Okt, nachm. 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Beileidsbesuche und Kranzspenden dankend verbeten. __8353D Nach einem langen, arbeitsreichen Leben wurde am Samstag abend 8 Uhr unser lieber, guter Vater, Großvater und Urgroßvater Carl August Faber im 83. Lebensjahre von seinem schweren Leiden durch einen sanften Tod erlöst. Statt besonderer Anzeige. Am 9. Oktober entschlief sanft nach langem schweren Leiden mein innigstgeliebter Mann, unser herzensguter Vater, Bruder, Schwiegersohn, Schwager, Onkel, Neffe und Vetter SMientFrofe$sorDr.EduartlVolp Für die tieftrauernd Hinterbliebenen: Friedberg, den 10. Oktober 1926. 8344D Frau Amalie Volp geb. Klietsch Amely Volp Else Volp. Die Beisetzung findet auf Wunsch des Entschlafenen in der Stille statt. Von Beileidsbesuchen bitten wir absehen zu wollen. yluhiger Student sucht Mes Simmet mit Zentralheizung für 1. Nov. Schrift! Angeb. unter 8345D an den Giest. Anz Möbl. Zimmer zu mieten ges. Schr Angeb. nut Preis u. 8349D an d. G. Anz. QIIIHIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIID Studentin sucht gut möbliertes 3 i in m e r in. HeizungSgelegen- heit Aum 15. oder 20. Okl. in gutem Hause. Schr. Angeb. U.8333DO. t>. G. Anz. OlliliillilflllHUIIIIlilllllHin ZMWMskelgeriW. Freitag,den 5. November 1926, vormittags 11 Llhr, wird durch das hiesige Amtsgericht, Zimmer 203, 11. Obergeschoß, das im Grundbuche von Gießen den Karl Gehner Eheleuten in Gießen zu je V, zugeschriebene Grundstück Flur 7 No. 1393/IO = 694 qm Grabgarten, geschäht auf 1388 Mark, versteigert, jedoch nur die der Ehefrau Marie Gehner geb. Theiß davon zustehende ideelle Hälfte im Schätzungswerte von 694 Mark. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht angeheftet. 7284c Gießen, den 7. September 1926. 3. A. des Hess. Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. ^MlskewW^W Freitag, den 5. November 1926, vormittags 10 Llhr, wird am Amtsgericht Gießen, Saal 203, II. Obergeschoß, das im Grundbuche von Gießen den Franz Lösch Eheleuten in Gießen zugeschriebene Grundstück Flur 38 Nr. 161 = 3006 qm Acker hinter der Pulvermühle, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt. 7677c Gießen, den 30. August 1926. Hessisches Amtsgericht. J A.: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Zwangsversteigerung. Freitag, den 19. November 1926, vormittags 10 Llhr, wird im hiesigen Amtsgerichtsgebäude, Zimmer 203, 11. Obergeschoß, das im Grundbuche von Gießen der Frau Heinrich Schott geb. Kaietsch in Gießen zugeschriebene Grundstück Flur 23 Nr. 87 — 1817 qm Acker, am Galgenweg, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an dec Ortstafel Bergstraße 20 zur Einsicht ausgehängt. 7427c Gießen, den 1. September 1926. 3. A. des Hess. Amtsgerichts Gießen: Leo. Ortsgerichtsvorsteher. »Ich war am ganzen Leibe mit behaftet, welche mich durch da» ewige Zucke» Tag und Nacht peinigten. Nach dem Lesen Ihrer Drucksache war mein erster Aea zur Apotheke, natürlich nur in dem Gedanken, eine Mark zu ver. schenke»; aber e9 kam ander». Rach einer Einreibung von kaum 14 Tage» mit -Hackrr'e Latent. Medlzlnal-Leile- waren meine Flechten vollständig verschwunden. Deshalb labe ich e» mit nicht nehmen. Ihnen 1000 mal Tank »u lagen, den» -Zucker'» Patent.Mediziual»keifr^ ist nicht Ml. 1.50 sondern Mk. 100.— wert. Sergt. M? A 6td. 60 Pfa. (16% lg), Mk. L-(26%lfl) und Mk. 1.50 (35% tg, stärkste Form). Dazu „zmkooh.Lruur" 4 4b, 66 und 00 Psg. In alltn Lpothtkar, Drogerien und Varfümerie» erhältlich. MW! SM«! Preiselbeeren große Sendung frisch eingetroffen. 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Der berüchtigte Einbrecher Thomas schnitt mit einem Stück Eisen von seiner Pritsche und einem Nagel das Schloß seiner Zellentür heraus, öffnete andere Schlösser, grub sich durch das Mauerwerk hindurch, wobei er eine Tonne Steine entfernte, und nahm schließlich Abschied, indem er an die Wand die Worte schrieb: „Gute Nacht, angenehme RuheI" Alle In- sasien eines amerikanischen Gefängnisses, unter denen sich mehrere Mörder befanden, entkamen, als es einem von ihnen geglückt war, eine Uhrmachersäge in einem Brotlaib cinzuschmuggeln. Mit diesem Instrument schnitt er die starken Stahlsiäbe durch, nachdem er sie zunächst längere Zeit mit Lumpen umhüllt hatte, die mit dem Desinfektionsmittel des Gc- sängnisies, Formalin, getränkt waren. Die italienische Polizei wurde kürzlich von einem Mörder in Aufregung gehalten, der immer wieder entkam. Man halte ihn in der stärksten Zelle des Mailändischen Gefängnisses untergebracht, aber er würgtenachts seinen Wärter, schloß die Türe auf und entkam. Er wurde wieder gefangen und in Genua eingeterkert, aber wieder verlieh er diese ihm nicht zusagende Wohnung auf geheimnisvolle Weise, indem er die Ketten zerbrochen und die Wächter betäubt zurückließ. Nach schwerem Blutvergießen sing man ihn in Turin und setzte ihn in eine unterirdische Kasematte. Doch auch hier glückte ihm die Flucht, bis er ein viertes Mal gepackt und auf dem Fleck erschossen wurde. Ein belgischer Verbrecher wurde nach einem langen Sündenregister zum Tode verurteilt und in einer unterirdischen Zelle bis zu der Hinrichtung untergebracht. Er machte sich Schlüssel, indem er sein Zinngesäß einschmolz, entkam aus der Zelte, kletterte über die hohe Mauer, tlomm an der Dachrinne empor, ließ sich 15 Fuß tief herunlerfalten und kam nach einigen anderen, gefährlichen Abenteuern glücklich aus dem Gefängnis heraus. Er brach sofort bei einem Schneider ein, versah sich mit eleganter Kleidung, versorgte sich mit Geld, Zigarren und anderen schönen Dingen und verschwand schließlich vollständig. Vielleicht schmachtet er in einem fremden Gefängnis, vielleicht vergnügt er sich in einem fernen Lande unter anderm Namen. Die europäische Polizei ist nicht wieder auf seine Spur gekommen. Ausbrecher-Künste. Die Geschichte der Kriminalistik ist reich an geradezu unglaublichen Proben von Ausbrecherkünsten, bei denen hohe Mauern und schwere Ketten der zähen Energie der Gefangenen keinen Widerstand bieten konnten. Einem solchen ^.Außenseiter der Gesellschaft", der sein ganzes Leben in steter Gefahr und stetem Kampf verbracht hat, erscheint nichts unmöglich, wenn er einen schwachen Punkt in seiner Zelle oder irgendein brauchbares Werkzeug entdeckt hat. Gr lauert dann nur auf die günstige Gelegenheit, und er entdeckt eine solche mit einer Sicherheit, Die 99 seiner Mitinlassen abgeht. Einige Beispiele solcher Ausbrecherkünste aus neuester Zeit werden von dem englischen Kriminalisten Dr. Frederick Graves zusammengestellt. Im eng- Sterauf-J* ]|it, und o no». Kid. durch die hüll. Gießen ioethest# . Ni senbahn, ilM einem Knnee- linen Eintritt derber innen 'benMaui unb cnunwcSam 'ini g«,, «HC *och, ind8im Ätzer i Schikanen, ch gllbo.-nran, m fest. Preis . verkaufen. Mw ephon toi. Whg. y^ttin v°m ln eme Geld. 0.- send Aeichz. 926. S339o n. rpiäie Molinien 9 ;en sowie im 8335D ieibert : 3, erhältlich. cd. iadiflcmöb sstsä MS! sende Organisation. . . Nock stehen abseits der „R e i ch s b u n d höherer Beamten" mit rund 100000 Mitgliedern und der freigewerkschaftliche „Allgemeine Deutsche Beamtenbun d", der seine Mitgliederzahl verschweigt und Grund dazu haben wird. Aber auch in den Lagern der Abseitsstehendcn sind viele der Zersplitterung müde, überall regen sich die Freunde der Einheits-Organisation. Man ist in der Beamtenschaft durch die nicyt enden wollende Beamtenhetze aufgesckeucht worden und sucht naturgemäß Schutz im Zusammenschluß. Es liegt auf der Hand, daß es sich hier um Vorgänge handelt, die auch politisch bedeutsam werden können. Nicht in dem Sinne, daß sich eine „Be- amtenpartei" bildet, oder daß eine einzelne Partei in engere Beziehungen zur Beamtenschaft treten könnte. 3m Gegenteil! Der jetzt erfolgte Zusammenschluß ist ein Sieg des Gedankens der Partei- politisch neutralen Berufsorganisation. Eben darum ist eine Annäherung zwischen dem Reichsbund höherer Beamten und dem Deutschen Beamtenbunde sehr wohl denkbar. Beide zählen Anhänger aller Parteien zu ihren Mitgliedern, beide lehnen die Einheitsfront aller Arbeitnehmer für die Beamten ab, die im Gegensatz dazu der freigewerkschaftliche ADB. für Beamte, Angestellte und Ar- Das neue Danzig-polnische Zollabkommen. Don Dr. Otto 2 o e n i n g , ehem. Vizepräsident des Danziger Parlaments. Unter schweren Opfern hatte sich Danzig im Oktober 1923 eine eigene Währung geschaffen. Das Experiment ist, wie allgemein anerkannt, vollkommen aeglückt. Die Danziger Finanzen schienen damit in Ordnung. Da machte jedoch die Danzig auserlegte Zollunion mit Polen einen Strich durch die Rechnung. Da der gesamte Zolldienst in Danzig zu Lasten der Freien Stadt geht, hat Danzig durch die Zollunion eine jährliche feste Ausgabe von cn. 6,5 Millionen Gulden. Auf der anderen Seite erhält Danzig von den gesamten Zolleinnahmen des Zollgebietes eine bestimmte Quote, die im Jahre 1921 zunächst für einen dreijährigen Zeitraum, dann erneut auf co. 7 bis 8 Prozent der Zolleinnahmen festgesetzt war. Das machte für Danzig 1924 ca. 23 Millionen Gulden aus, im Fahre 1925 ca. 19 Millionen, im laufenden Jahre würden es ca. 8,6 Millionen fein. Nichts kennzeichnet besser als diese Zahlen, wie unrichtig die ständige polnische Betonung ist, daß Danziä durch die polnische Zollunion nur gewinnen könne. 3m Gegenteil, die Danzig-polnische Zollgemeinschaft ist bei dem völligen Darniederliegen der polnischen Wirtschaft für Danzig dasUngesundeste.wasmansichdenkcn kann. Da Danzig außerdem durch die mitteleuropäische Wirtschaftskrise ebenso wie seine Nachbarländer in Mitleidenschaft gezogen wurde, da der Handel mit Polen immer mehr bei der geringen Kaufkraft des Zloty zurückgeht, so ist in Danzig eine überausernsteFinanzkrise entstanden. Da auch die Verhandlungen mit Polen über einen neuen Zollverteilungsschlüssel nicht vorwärts zu bringen waren, entschloß sich Danzig, dieH i l f e des Völkerbundes für eine Anleihe von 60 Millionen zu erlangen. Nachdem durch die Londoner Sitzung des Finanzkomitees des Völkerbundes im Sommer dieses Jahres die Hoffnungen Danzigs auf diese Anleihe sehr gestiegen waren, erfolgte plötzlich jetzt bei der Völkerbundstaaung in Genf eine gewaltige Enttäuschung. Zunächst wurde nicht mehr von einer 60-Millionen Anleihe gesprochen, sondern nur von 30 Millionen. Sodann aber wurde auch die Empfehlung dieser Anleihe von einer ganzen Anzahl für Danzig sehr drückender und beschämender „Anregungen" zum Teil sogar innerpolitischer Natur abhängig gemacht. Außerdem aber erntete Danzig, was es selbst gesät hatte: nämlich die Verquickung der Anleihe mit der Danzig-polnischen Auseinandersetzung über den Zollverteilungsschlüssel. 3n dem Danziger Bestreben, den Völkerbund so wenig wie möglich mit Danzig-polnischen Streitigkeiten zu befassen, ist man in letzter Zeit den Weg gegangen durch Verhandlungen mit Polen Streitigkeiten beizulegen.- Dies Verfahren hat dann einen Sinn, wenn zwei Vertragsgegner sich ungefähr gleich gegenüberstehen und beide Parteien mehr oder minder auf dasselbe Ziel hinauswollen. Wenn aber eine Partei aus dem bestehenden Zustand nur Nutzen ziehen kann, wäh- '' Nafer. l'nsen, nkern, *- ' j immauAa.’kvr.f h i u i ^Maana bei kälterem Klima als zu Lebzeiten des Alt- elefanten hatten Eiszeitjäger auf der Antiquus- terraffe bei Lämmerspiel ihre Werkstatt, denn dort fanden sie das Material für ihre Werkzeuge, den Chalzedon, der dort im Basalt eingebettet vorkommt. Dem Aufsatz ist eine Karte beigegeben, auf der die Fundstellen verzeichnet sind. Es kommen zwei Sandgruben hierfür in Betracht: dis südliche davon war schon längere Zeit benutzt. „Massenweise sollen, wie die Arbeiter erzählten, solche „Feuersteine" gefunden worden sein. Aber leider sind sie mit dem übrigen Sand zu Wegbauten usw. mitverwendet und damit für immer verloren gegangen. Dennoch gelang es dem Ter» ।affet mit Hilfe von Schülern, noch eine Reihe von wertvollen Stücken zu sammeln, die die außerordentliche Bedeutung der Funde erkennen ließen." Die Hauptfunde wurden in der nördlichen Sandgrube gemacht. Auf einer Tafel sind einige der Typen von Werkzeugen usw. abgebUbet; es sind darunter ein Faustkeil, verschiedene Spitzen, Schaber, Bohrer usw. Die Zahl der guten Werkzeuge wird mit 250 angegeben, dazu kommen noch Stücke mit Gebrauchsspuren und halbfertige Stücke. Das Ergebnis der Funde wird vom Verfasser in folgenden Sätzen zusammengefaht: „Diese Formen und die ganze Technik sowie auch die geologischen Verhältnisse deuten auf Moustsrien hin. Die genauere Vergleichung mit anderen deutschen Anden dieser Kulturstufe (Kartsteinhöhle, ©träte und Markkleeberg bei Leipzig) hat ergeben, dah die Lämmerspieler Station an den Ausgang des QHouft^rien zu setzen ist. Sie ist jünger als Markkleeberg, aber sie ist die älteste Ansiedlung.Hessens. . . . Die Wohnstätte jener Neandertaler allerdings ist bis jetzt noch nicht gefunden worden, aber es ist zu hoffen, dah auch diese bei den weiteren Grabungen noch auf gedeckt wird." Ablauf des jetzigen Abkommens dis Selbständigkeit des Danziger Zolldienstes ihrer letzten Rechte berauben. Es ist schon richtig, daß damals und auch jetzt Danziger Hoheitsrechte materieller Interessen wegen preisgegebcn werden. Das ist die Frucht der Verquickung von Anleihe und Zollabkommen. Mit Recht kann man dem Finanzsenator entgegenhalten, was Danzig denn getan hat, um jener von ihm bezeichneten angeblich notwendigen Entwicklung des Zollwesens entgegen 3 uarb eiten. Die Antwort für die frühere und die jetzige Regierung wird gleicherweise lauten: nichts, gar nichts! Das Schlimmste scheint aber auch heute das zu sein, daß man auch jetzt noch mcht gewillt ist, dieser gottgewollten Entwicklung entgegenzutreten. Ein hessischer OrnUhologe. Dem Gedächtnis eines hessischen Vogelkun- digen, dem im Alter von erst 36 Jahren im Juni d. Is. verstorbenen Dr. Albrecht Schwan, widmet Hubert Erhard im letzten Heft der Zeitschrift „Volk und Scholle" einen längeren Aufsatz. Er bezeichnet Dr. Schwan als einen Ornithologen, der zu den größten Hoffnungen berechtigte. Schwan stammte aus Darmstadt, hatte in seiner Vaterstadt, München, Rostock, Hatte studiert, am Weltkrieg als Reserveleutnant teilgenommen und 1919 mit einer Arbeit „Heber die Abhängigkeit -des Vogelgesanges von meteorologischen Faktoren, untersucht auf Grund physikalischer Methoden" promoviert. Seit 1922 war Dr. Schwan als Kustos der Zoologischen Abteilung des Landesmuseums in Darmstadt tätig. Erhard schreibt über den Verstorbenen u. a.: „Der Äame Schwans wird unter den Vogel-- fennern durch seine ausgezeichnete Promotionsarbeit fortleben, die nicht nut' weit über den Durchschnitt der Doktorarbeiten hinausragt, sondern geradezu als eine der besten biologischen Arbeiten der letzten Jahrzehnte überhaupt bezeichnet werden muh. Die Anregung zu dieser Arbeit verdankt er seinem Lehrer Haecker in Halle, der in mühevollen schönen Tlntersuchun- gen das Zustandekommen der Färbung des Vogelgefieders erklärt und den Vogelgesang analysiert hat. Schwan hat den Einfluß von Helligkeit, Temperatur, Feuchtigkeit, Luftdruck. Wind, als abkühlendem und als mechanischem Faktor Regen, Schnee, elektrischer Leitfähigkeit, Bewölkung, Windrichtung auf den Beginn des Morgengesanges der Vögel untersucht, sowie einige Beobachtungen über Einfluh des Gewitters und des Mondscheines aus den Gesang der Vögel gemacht. Regelmähig wurden Singdrossel, Amsel, Kohlmeise, Grünfink, Girlitz, Pirol, Weidenlaubsänger, Haussperling und Ringettaube, gelegentlich auch noch die eine oder die andere Vogel- art beobachtet. Bekannt war schon vor Schwan, Fürth. Fürth zeigte gute Leistungen und siegt« verdient. j NorddeuLZchland gegen Westdeutschland 2:1. Dor etwa 12 0Ö0 Zuschauern fand am gestrigen Sonntag in Köln das Vorrundenspiel Nord- deutschland gegen Westdeutschland statt. Im Verlaus des Spiels zeigten sich die Norddeutschen überlegen. Westdeutschland schoß das erste Tor, jedoch gelang es der norddeutschen Mannschaft kurz darauf, durch einen glänzenden Alleingang Harders gleichzuziehen und bis zur Paule mit einem weiteren Tor in Front zu gehen. Dieses Ergebnis änderte sich bann bis zum Schluß nicht mehr. Dr. P-ltzer startet über 1000 Meter. Wien, 10. Oft. 3m Rahmen des Fußball- Länderkampfes Oesterreich-Schweiz startete heute der Weltrekordläuser Dr. P e l tz e r in einem Vorgabelauf gegen 15 ausgewählte Wiener Mittelstreckenläufer über 1000 Meter auf dem Sportplatz ..Hohe Warte". Infolge des Regens und teilweisen Gegenwindes wurde Peltzer, welcher erst heute mittag in Wien eingetroffen war, in 2,32.4 Vierter aus der 1000 Meter langen Strecke. Er konnte die von 35—120 Meter bemessenen Vorgaben nicht alle aufholen, so dah er erst als Vierter durch das Ziel ging. Erster wurde Zabal-Viktoria-Wien mit 90 Mtr. Borgabe in 2.28*7,0- Zweiter: Dlosh - Verein Hakoa mit 60 Meter Vorgabe. Dritter: Bösem vom Wiener Athletik-Verein mit 60 2Keter Vorgabe. Letzterer erreichte^ganz kurz vor Dr. Peltzer das Ziel. Diener schlägt Knut Hansen. Re uh o r k, 9. Oft. Der deutsche Schwergewichtsmeister Franz Diener schlug gestern abend den Amerikaner Knut Hansen in einem Zehnrundenkampf überlegen nach Punkten. Der Sieg Dieners hat große Bedeutung, da Hansen demnächst mit TunNeh um die Welt- m e i ft e r f d) a f t kämpfen wollte und Diener nun an seine Stelle getreten ist. Diener wurde nach seinem Siege vom Publikum mit brausendem Jubel begrüßt. Das Krähbergrennen. Frankfurt a. M., 10. Oft. (WB.) Der Hessische Allgemeine Automobilclub, Darmstadt, veranstaltete heute auf der klassischen Bergstrecke, dem Kräh berg, sein diesjähriges Automobilrennen. das gleichzeitig als Schluh- rennen dieser Saison gilt. Die Organisation war in jeder Beziehung einwandfrei. Wenn auch nur 33 Fahrer teilnahmen, so wa.r doch erste nationale Klasse am Start. Die Strecke war in schlüpfrigem Zustand und stellte an die Fahrer auch durch ihre gefährlichen Kurven die höchsten Anforderungen; es muß Wunder nehmen, dah noch unter diesen Tlmständen so gute Zeiten herausgefahren wurden. Die Rennen selbst gipfelten in dem Duell zwischen Kimpel (Ludwigshafen) auf Bugatti und Heuher (Kleinschmalkalden), in dem es Heußer gelang, seinen scharfen Rivalen aus idem Rennen zu werfen und einen neuen Streckenrekord mit 3:38,4 Min. (der alte betrug 3:56 Min.) aufzustellen. Auch die guten Zeiten der beiden Bugattifahrer Andreae (Frankfurt) und Wecker le (Frankfurt) sind sehr gut. Ersterem gelang es sogar, dem bekannten Rennfahrer T r ü h s ch l e r (Bugatti) mit V« Sek. älntevschied das Rachsehen zu geben. ■ Stürze erfolgten nicht. Motorradrennen auf der Opelbahn. Frankfurt a. M., 10. Oft. (WTB.) Die Opelrennbahn in Rüsselsheim war am Sonn- tag der Schauplatz interessanter Motorradrennen, auf der der Frankfurter Motorrad-Club (DMV.) feine diesjährige Meisterschaft für Hessen und Hessen-Nassau zum Austrag brachte. Trotz des unsicheren Wüters waren Tausende von Spott- lustigen zur Opelbahn gepilgert. Das Weiter hielt sich prächtig, und alle Rennen konnten ohne jede Störung gefahren werden, zudem der Zustand der Bahn ausgezeichnet mar. Sämtliche Rennen, außer dem letzten, gingen über 20 Runden = 30 Kilometer. Im ersten Rennen — Maschinen mit Seiten- wagen — lagen nach der 6. Runde nur noch K a r- rer und Vollmer im Rennen, während die anderen fünf Fahrer wegen vrschiedener Defekte zeit- weise aufgeben mußten, später jedoch zum Teil wieder teilnahmen. Sieger blieb schließlich Karrer- Frankfurt a. M. auf Bücker. Dos zweite Rennen sah elf Fahrer am Start, darunter Hyronimus- Erlangen auf Emag, den französischen Meisterfahrsr daß mit dem Längerwerden des Tages der Vogelgesang immer früher einsetzt, während zum Beispiel die Singdrossel Anfang März etwa um 6 Tlhr ihr Lied beginnt, fängt sie zur Zeit den Sonnenwende, um den 24. Juni, schon um 3 Tlhr zu fingen an, während Mitte Juli ihr Lied erst um 3 llfir 30 Minuten beginnt. Schwan stellte fest, dah die erste tägliche Lautäußerung der meisten Singvögel mit dem Erwachen zu- sammenfällt; für jede Art ist eine bestimmte „Weckhelligkeit" nötig, und zwar ist diese für die einzelnen Arten, nicht aber für die einzelnen Individuen einer Art, verschieden: „Arthelligkeit". Der Haussperling benötigt z, D. eine größere Weckhelligkeit als die Singdrossel, er beginnt sein Morgenlied durchschnittlich dreiviettel Stunden später. In sehr fesselnden Darlegungen wird nun in dem Aufsatz ausgeführt, wie durch verschiedene Umstände die Reizempflnd- lichkeit auf die Helligkeit unb damit auf den Beginn des Mocgengc langes beeinflußt werden kann. (Brunst, Mauser, Temperatur, Luftdruck, Wind usw.). Schwan plante in einer wetteren Arbeit den Abendgesang der Vogel zu untersuchen, die Ursachen für die Intensität des Vogelaesanges zu ergründen und seine tier- psychologischen Beobachtungen an Vögeln nie» derzulegen. Ein großer Teil der Vorarbeiten liegt fertig vor; der Tod hat den nimmermüden Forscher an der Riederschrift der Arbeit gehindert. Die schönsten Stunden seines Lebens hat der Verstorbene, nach seiner Aussage, in der freien Ratur zugebracht, wenn er in dem ersten Morgengrauen dem Erwachen des Do» gelgesanges lauschte. Er war nicht nur ein ausgezeichneter Kenner der Vogel und ihrer Lebensweise, sondern ein feiner Raturbeobachter überhaupt, von umfassenden, mehr selbst erworbenen, als aus Büchern erlernten Kenntnisse^. Immer wieder zog es ihn an den Kühkopf am Altrhein wohl die schönste Beobachtungsstelle im westlichen Deutschland. Wenige haben ch« hessische Heimat so sehr geliebt wie Schwan. Turnen, Sport und Spiel. Sportmasiage und Leistungssteigerung. Wenn wir die Sportsleute draußen im Freien oder in der Halle beim Training beobachten, so können wir uns des Eindrucks nicht erwehren, daß sie in dem Bestreben, ihre Leistungen zu verbessern, wohl eifrig an der Arbeit an sich selbst sind. Und doch muß es uns gleichzeitig oft wundernehmen, wie sie verhältnismäßig wenig in anderer Weise bedacht sind, sich möglichst günstige Vorbedingungen für ihren Körper in bezug auf seine Leistungsfähigkeit zu schaffen. Mag dies zum Teil auch daran liegen, daß viele glauben, mit dem „Althergebrachten" sei schon genug getan, und mögen wohl auch noch aewisse äußere Umstände hemmend entgegenstehen, so ist cß doch nicht allein hieran gelegen. Oft könnten sie selbst aber sehr wohl dazu beitragen, ihre Leistungen nocti weiter zu verbessern, wenn sie es nur recht wollten bzw. wenn sie immer richtig dazu angeleitet würden. Die Zahl dec sogenannten „Hilfsmittel" hierzu, die man an seinem Körper selbst anwenden kann, wird noch zu wenig benutzt und nicht recht zweckmäßig ausgenutzt zu einer gewißen Formverbesserung. Wenn sie auch einzeln mcht direkt ins Gewicht fallen, so wirken sie doch sekundär und durch ihre Summation als etwas Förderndes. Dor allem feien in der sportlichen Massage und Hautpflege zwei hauptsächliche Stiefkinder genannt! Den Spottsleuten wird die Bedeutung derselben in bezug auf die Verbesserung ihrer Leistungen einleuchten, wenn wir Zweck und Ziel von s p o r t ä r z t l i ch e n Gesichtspunkten betrachten und physiologische Erläuterungen ihnen gleichzeitig an die Hand geben. Aus der Selbsterkenntnis des eigenen Körpers und seiner zweckmäßigen Instandhaltung mag auch auf das Ziel der sportlichen Leistungsfähigkeit hin so aus ureigenem Interesse Genügendes geschehen. Daß gerade der sportlichen Massage noch nicht die rechte Würdigung zuteil wird, zeigt un stier Umstand, daß, wenn sie sich nach dem Training und dem Wettkampf „massieren" lassen, schon etwas Besonderes geschehen ist. Und doch ist gerade die Massage, wenn sie systematisch und zweckmäßig angewandt ist, in der Vielseitigkeit ihrer Wirkung ein nicht zu unterschätzender Faktor. Die richtige Abstufung derselben, die mehr „erfühlt" als erlernt werden kann, wird nicht nur von den Leuten angenehm empfunden, sondern läßt uns auch einen gewissen Einfluß auf die sporllichen Temperamente insofern ausüben, als eine gewisse Beeinflussung auf bas „Startfie - b e r* zustande zu kommen scheint, je nachdem, ob wir es für den einzelnen Wettkampf bei manchem zu verstärken oder herabzusetzen für ratsamer halten. Einesteils setzt sie in gewisser vorbeugender Wirkung sowohl die Gefahr kleinster Muskelrisse, besonders bei kaltem Wetter, auf ein Minimum herab, außerdem wirkt sie abhärtend im Sinne von äußeren Reizen auf die Haut, für die Durchblutung der kleinsten Hautgefäße sorgend. Als „E i n st e l - lungsmassage" angewandt, unterstützt sie die rechte Blutoerteilung und reguliert diese gewissermaßen für die Plötzlich in Betrieb zu setzende Kraftleistung zweckmäßig, so die vermehrte Arbeit des Herzens gerade zur rechten Zeit erleichternd. Als „S e l b st m a s s a g e" ist sie leicht zu erlernen und kann so vom einzelnen viel mehr benutzt werden, zumal sich auch zeitlich außerhalb des Trainings täglich dazu Gelegenheit bietet. Trotzdem ist es erstaunlich, wie wenig gerade diese Art der Massage uns bei unseren Sportsleuten entgegentritt. Sollte man nicht auch gleichzeitig, was den „Frauensport" anbelangt, so manche unliebsame Bemerkung von Seiten der Zuschauer verhindern können, wenn gerade das weibliche Geschlecht, das Spott treibt, sich mit diesem Zweige der sportlichen Massage „rechten Ottes" mehr beschäftigen würde? m > m wn muh iwi n, i vwt wiurttn jrtr minmm Ferner dient die sog. Entmudungsmas- sage dem Zweck, die Ermüdungsstoffe hintanzuhalten bzw. zu verringern- — mögen auch vom wissenschaftlichen Standpunkt aus die Akten über diesen Begriff und die Art des ganzen Vorganges noch nicht geschlossen sein. Sie erfüllt weiterhin die Aufgabe, dem beim Training eine große Arbeit leistenden Herzen dadurch unterstützend zur Seite zu stehen, daß fie für die entsprechende Blutverteilung und günstige Veeinflussung der Zirkulation Sorge trägt. Da außerdem die Ermüdungszeit dec Muskeln verkürzt wird, sei besonders darauf hingewiesen, daß sie möglichst nicht zu hart ousgeubt wird: denn ermüdete Organe sind eben druckempfindlich! So z. B. für einen Mehrkämpfer, der oft im Wettkampf gezwungen ist, bald eine llebnngs- i art der anderen folgen zu lassen, ist eine gute Massage von besonderer Bedeutung: sie wird nicht nur angenehm empfunden werden, sondern auch bis zu einem geroißen Grade auf das Vollmaß der Leistungsfähigkeit von Einfluß fein. Dr. E. S. Die Arbeiter-OLympiabe 1827 wurde der Tschechoslowakei übertragen. Die Hauptkämpfe finden vom 2. bis 6. Juli 1927 in Prag statt. Der gef-ritze Fußball im Mainbezirk. Der 10. Oktober brachte durch verschiedene ^leberraschungssiege verschiedene Umgruppierungen in der Spitzengruppe der Tabelle. Die größte ileberrafdjung dürfte wohl die 0:2-Riederlage des Sportklubs Rot-Weiß gegen den V. f. L. Reu-Isenburg sein. Die Isenburger bewiesen mit diesem Siege, daß sehr viel in ihnen steckt. Die zweite Tleberraschung ist wohl das Tinentschieden (0: 0) von Kickers-Offenbach gegen Hanau 93. Damit setzte sich Eintracht-Frankfurt mit Kickers-Offenbach an die erste Stelle. Zwei Punkte zurück folgen nun der Sportklub Rot-Weiß und Fußballsport-Verein. Die wichtigsten Vorentscheidungen werden nun wohl am nächsten Sonntag fallen, wenn die Eintracht-Frankfurt gegen den Fußballsport-Verein und Kickers- Offenbach gegen Rot-Weiß antreten. Diese beiden Spiele dürften die endgültige Gruppierung in der Spitzengruppe vorerst entscheiden. Die Eintracht komtte am gestrigen Sonntag durch ihren Sieg in Hanau sich zwei sehr tvertvolle Punkte sichern (2:0-Sieg). Der 4:0°Sieg des Fußballsportvereins gegen Germania ist sehr hoch ausgefallen, entspricht aber kaum dem Spielverlauf, da Germania das Spiel noch bis 20 Minuten vor Schluß unentschieden gestalten konnte. Der 3:2- Sieg von Aschaffenburg gegen Uniow-Riederrad ist ebenfalls eine kleine Tleberraschung. Aschaffenburg hat sich damit die ersten zwei Punkte erobert. Fußball im Bezirk Bayern. Die Spiele in Bayern brachten gestern einige Äeberraschung. Als größte Sensation dürfte das Unentschieden des DeutfchenMei- sters gegen den Liga-Reuling Bayreuth auf eigenem Platze anzusprechen sein. Die Spielvereinigung Fürth spielte weit unter Form, während der Fußballklub Bayreuth sehr flink war, aber allerdings von Glück sagen muß, daß es ihm gelang, ein Tor zu schießen. Tleberraschend kam auch das Ergebnis bei dem Spiel Wacker-München gegen Nürnberg. Das Spiel stcrnd bei Halbzeit noch 1:1, und es war kurz vor Schluß noch nicht entschieden, wer das Spiel gewinnen sollte. Nürnberg zeigte gute Leistungen und hat dadurch letzten Endes beit Sieg verdient. Tleberraschrnd tarn auch die Riederlage von 1860 M ü n chen auf eigenem Platze gegenD. f. R. Sourdot, ein DKW.-Ream u. a. m. Hyr 0 ni - mus-Erlangen auf seiner 250er Emag ging sofort in Front, während S o u r d o t - Paris und Friedrich- Zschoppau auf DKW. längere Zeit Bord an Bord lagen. S) g r o n i m 11 s, genannt der „Rote Teufel", fuhr eine Durchschnittsgcschwindig- feit von 104 Kilometer, und siegte in einer Zeit von 17:24 vor F r i e d r i ch auf DKW. und Sourdot- Paris. Im dritten Rennen, das wiederum Hyrc- nimus am Start fad, siegte Katz auf Ardie-Sport. Hyronirnus hatte feine Maschine überanstrengt und mußte nach der zehnten Runde infolge Ventllscha- dens aufgeben. Im vierten Rennen fuhr Jslin- g c r°Mannheim zum ersten Male eine 1000er .nor- rex. Durch Kerzenschaden verlor er jedoch zwei Runden, konnte aber eine Runde durch Lor leg en eines mörderischen Tempos bald wieder elnholen. Man stoppte eine DurchschnittsgSfchwmdigkeit von 122 Kilometern. Das fünfte Rennen sah nur Kar- rer auf Bucker und Krämer aus Hnrrer mn Start. Bemerkenswert dabei ist, daß beide Maschinen mit einem Kolurnbusmotor gleichen Typs ausgestattet waren. Dank feiner besseren Fahrttchn.k tonnte Krämer »ierbci 6en ---.eg erringen, Die Meisterschast von Hessen und Hessen-Nassau hat Michel auf BMW. errungen, der feinen vorjährigen Rekord um 12 Prozent überbieten konnte. Oberhessen. Landkreis Gießen. ! Hungen. 9. Oft. Das von der Stadl- Verwaltung in diesem Jahre errichtete städ t. Freibad konnte erst im Laufe des Sommers fertiggestellt und feiner Bestimmung übergeben werden. Die Gemeindevertretung hat damit eine Anlage geschaffen, die anderen Gemeinden vorbildlich sein kann. Das Bad zerfällt in zwei Teile, einen kleineren für ^Nichtschwimmer und einen größeren für Schwimmer. Gespeist wird das hübsche Bad durch eine Ableitung des Mühlgrabens, der klares Wasser führt und noch nicht von Abwässern beschmutzt und verseucht ist. An der nach Norden zu gelegenen Seite sind eine größere Anzahl Auskleidezellen für die Erwachsenen errichtet, während an einer anderen Seite zwei überdeckte Hallen den Kindern Gelegenheit zum An- und Auskleiden geben. Leider konnte das neuerrichrete Bad nur noch im Nachsommer benutzt werden, aber die überaus zahlreiche Benutzung desselben zeigte bereits, daß der weitaus größte Teil der Bevölkerung die Neueinrichtung mit Freuden begrüßt. Schon viele Damen und Herren, haben in den wenigen Wochen die Kunst des Schwimmens hier erlernt. Nachdem im nächsten Frühjahr einige kleinere Aenderungen und Ausbesserungen vorgenommen sein werden, wird das Bad bei Beginn der warmen Jahreszeit wieder in Betrieb genommen. Aus dem angrenzenden Geländestreifen beabsichtigt man auch noch ein Lust- und Sonnenbad an-,ulegen. Alle einsichtigen Einwohner werden dem Gemeinderat Dank zollen, wenn er die Volksgesundheit auf jegliche Art zu fördern gedenkt und sich nicht durch abfällige Urteile beeinflussen läßt. Wasser, Lust und Son- nerüicht sind gesundheitsfördernde Faktoren, die dem menschlichen Organismus dargeboten werden müssen. , , f Grünberg, 9. Oft. Wie außerordentlich stark der Hasenbestand in unserer Gegend im Abnehmen begriffen ist, zeigt ein Jagdergebnis der letzten Tage. Die Jagdpächter des Grünberger Stadtwaldes haben als Schutzjagdbezirk die halbe Lehnheimer, die ganze Weickarts- hainer und die Lauterer Feldjagd gepachtet. Diese Reviere wurden jetzt bejagd. Dabei wurden im ganzen Bezirk nur vier Hasen anaetroffen, von denen zwei zur Strecke gebracht wurden. — Der Reit- und Fahr- verein wird beim Gallusmarkt in vier Abteilungen reiten. Gezeigt werden Abteilungsreiten, Wettbewerb im Schulreiten, Wettbewerb im Galopp-Flachrennen, Trabrennen, Geschicklichleitsübungen. Dem Verein sind vierzig Preise zur Prämiierung der Sieger von Grünberger Bürgern gestiftet worden. I Lau ter, 9. Okt. Fast den ganzen Sommer über hat unter den hiesigen Viehbeständen die Klauenseuche gemutet. Die Seuche hat sich hier in ihrer heimtückischsten Art gezeigt. Viele Ferkel und Kälber sind eingegangen, auch einige Notschlachtungen wurden vorgenommen. Jetzt stellen sich aber erst noch die schlimmsten Schäden ein, denn dauernd müssen Rinder und Kühe, die nicht mehr tragend bleiben, aber sonst krank erscheinen, zu recht geringen Preisen verkauft werden. Streik Aricdbcrg — Bad-Nauheim, 9. Okt. Nachdem er noch die Kirmes in feinem Lokal gefeiert, ist Mitte tiefer Woche der Besitzer des Saalbaus Thalysien- Hof im Auto mit seiner gesamten Familie abgereift. Da das Anwesen st a r t verschuldet ist, nahm man sofort an, daß es sich um einen Fluchtversuch ins Ausland handelt. In Freiburg i. B. bot der Entwichene fein Auto, das er erst im Frühjahr zu 12 000 Mark gekauft und auch noch nicht ganz bezahlt batte, zu 2000 Mark zum Verkauf an. Das billige Angebot machte verdächtig. Der Gastwirt gab seine hiesige Adresse an und sagte, man solle sich telephonisch nach ihm erkundigen. Die Verbindung wurde aber mit einem hiesigen Geschäftsmann gleichen Namens hergestellt. Dieser benachrichtigte die Polizei, die sofort die Verhaftung des flüchtigen Gastwirts in Freiburg noch veranlassen konnte. Kreis Büdingen. „?" Nidda. 9.Okt. Dieser Tage riß sich ein wütender Ochse, der geschlachtet werden sollte, l o s und rannte in die Orts st va Heu, so daß alles vor ihm flüchtete. Ten Bemühungen einiger Mehgerburschen und anderer beherzter Helfer gelang es, das wütende Tier wieder eiw- zusangen, ohne daß jemand zu Schaden gekommen wäre. n?“ Ober-Widdersheim. 9. Olt. Hm dringender Wohnungsnot abzuhelfen, sollen noch jetzt zwei Doppelwohnhäuser im Rau begonnen und bis zum einbrechenden Winter im Rohbau vollendet werden. Das N i ck e l s ch e Dafaltwerk. das in diesem Jahre seinen Betrieb durch verschiedene Neubauten erweiterte und technisch verbesserte, beschäftigt zur Zeit gegen 100 Arbeiter, so daß sich unsere Bevölkerung von Jahr zu Jahr mehr verdichten dürfte. Kreis Schotten. Gedern, 9. Okt. In diesen Tagen war an einem an der Straße Gedern — Ober-Seemen stehenden Apfelbaum ein Zweig mit Blüten zu sehen, die für unseren Vogelsberg noch mehr als für andere Gegenden zu dieser Zeit wohl als große Seltenheit anzu- sprechen find. Der Baum hatte seicher noch nicht getragen. Die überaus milden Herbsttage hatten die Blütenbildung begünstigt. * Eichelsdorf, 9. Ott. Noch vor Jahresfrist betrug hier der Pachtpreis für den Morgen Ackerland 50 bis 70 Mark. Die seitdem dauernd sich verschlechternde Lage der Landwirtschaft, sowie die große Zahl der in letzter Zeit abgehaltenen Ackerverpachtungen haben eine Senkung der Pachtpreise auf 30 bis 40 Mark herbeigeführt. — Die Gemeindewiesen, die sogenannten Weidstüae, im Niddatale gelegene saure Wiesen, wurden wiederum auf sechs Jahre verpachtet. Die allgemein erwartete größere Pachtpreissenkung trat nicht ein. Vielmehr herrschte unter dem Eindruck des in diesem Herbste flott gehenden Heuhandels rege Kauflust, und viele Wiesen hielten die seitherigen Preise. Nur bei geringwertigeren Stucken traten Preisrückgänge bis zu 25 v. H. ein. — Im Anschluß an diese Verpachtung führte Bürgermeister Knodt eine Aussprache über Obstbaumschädlingsbe- k ä m p f u n g herbei. Nachdem das Landwirt- fchastsamt Schotten ein größeres Daumstück mit Klebgürteln versehen hat, ist zu hoffen, daß recht viele Landwirte dem gegebenen Beispiel folgen, zumal alle Gemeindeäpfelbäume Klebringe erhalten. Auch auf die Bedeutung der Dogelwelt für den Obstbau wurde hingewiesen und Erhaltung der Hecken, sowie Anbringen von Nistkästen empfohlen. H e r ch e n h a i n , 9. Okt. Der Besuch des Jugendheimes (genannt „Vaier-Bender- Heim) durch jugendliche Wanderer, Schüler und dergleichen muß als recht zufriedenstellend bezeichnet werden. Dies geht aus der großen Zahl der Uebernachtungen hervor, die feit der Eröffnung des Heimes (zirka zwei Monate) mehr als 800 beträgt. In der nächsten Zeit erfährt das Heim eine Erweiterung durch den Bau einer Halle zur Unterbringung von Heu ufro. für den landwirtschaftlichen Betrieb des Hausverwalters. = Hnter-Seibertenrod, 9. Okt. In unserem Orte besteht bereits seit zwei Jahrzehnten ein Posaunenchor. Dor kurzer Zeil hat sich nun unter der Leitung unseres Lehrers noch ein gemischter Kirchenchor gebildet. Das kirchliche Leben in unserem Orte erfährt durch die beiden Vereine reiche Befruchtung. Kreis Alsfeld. Nieder-Gemunden, 9. Okt. Als Vorarbeit für die in absehbarer Zeit hier beginnende Fcldbereinigung wird hier gegenwärtig in hiesiger Gemarkung eine G r u n d st ü ck s v e r - Messung durchgeführt, mit der gleichzeitig eine Besitzaufnahme verbunden ist. An Hand der Karte werden die Grenzsteine ausgesucht und fehlende Steine durch neue bzw. Holzblöcke ersetzt. Nach Vollendung dieser Arbeiten wird dann die Ausmessung der Grundstücke vorgenommen. Die Dermessungsarbeiten werden durch das Landesvermessungsamt Darmstadt ausgeführt. : Ober-Ohmen, 9. Okt. Nachdem erst zu Beginn der Woche ein hiesiger Einwohner infolge einer schweren Verletzung in die Augenklinik verbracht worden war, ereignete sich am Mittwoch wieder ein U n g l ü ck s s a 11. Die Frau des in einer Fechenheimer Fabrik beschäftigten Arbeiters Karl Horst machie in einer Pfanne Del heiß, während ihr dreijähriges Söhnchen in der Küche spielte. Gerade als die Mutter dis Pfanne vom Feuer nahm, stieß das Kind dagegen, so daß ihm das heiße Oel dos ganze Gesicht stark verbrannte. Da sich sein Zustand über Nacht verschlimmerte, brachte der Arzt es im Auto in die Hautklinik nach Gießen. Das Befinden des Kleinen hat sich mittlerweile etwas gebessert. — Ober-Ohmen, 9. Okt. Das prächtige Orgelwerk in unserer Kirche, von dem im Kriege beträchtliche Teile des Metalls abgeliefert werden mußten, soll jetzt einer gründlichen Erneuerung unterzogen werden. Don den Dewohnern des Kirchspiels wird dieser De- schluß mit Genugtuung begrüßt. — Hnser Dorf wird in Kürze zweimal jährlich Schweine- und Krämermarkt veranstalten. Die Geschäftswelt und die einheimischen Züchter, aber auch die Käusertreise unserer Umgebung versprechen sich davon recht beachtenswerte Vorteile. — In unserem Orte wird gegenwärtig die elektrische Freileitung von den alten, mürbe gewordenen Holzmasten abgenommen und auf moderne Dachständer umgelegt. — Ein lehrreiches Beispiel für rationellen Weidebetrieb gab der hiesige Landwirt Karl Lenz. Er richtete im vorigen Jahr eine Dauerweide ein, die er in diesem Jahr das erste Mal beschickte. Der Erfolg bei den ausgezeichnet geinästetcn Tieren war hervorragend. Die Einrichtung findet jetzt die allseitige Aufmerksamkeit unserer Landwirte. vGrebenau, 9. Okt. Ein schwerer Unglücksfall forderte gestern im benachbarten Wallersdorf ein blühendes Menschenleben. Als der 30jährige Landwirt und Müller Wilhelm F a u ft gegen Abend eine Wagenladung Runkelrüben elnfuhr, geriet der Wagen in Unordnung und die Pferde gingen durch. Der Be° itzer stürzte kopfüber und geriet unter den chwerbeladenen Wagen, dessen Räder ihm die schwersten inneren Verletzungen verursachten. Aerztlicher Beistand konnte keine Rettung mehr bringen. Nach einer Stunde erlagder Verunglückte seinen Verletzungen. Das Bedauern mit der schwer geprüften Familie ist um so größer, als der Vater vor einer Reihe von Jahren ebenfalls im Alter von 30 Jahren durch einen Unglücksfall beim Fuhrwerk ums Leben kam. Kreis Lauterbach. Ü Schlitz, 9. Okt. An den Folgen einer heimtückischen Kriegsverwundung ist Fabrikant Wilhelm Zöller im 44. Lebensjahre verstorben. Der Entschlafene war im Sommer noch zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in Bad-Nauheim, nach seiner Rückkehr von dort ist aber eine Verschlimmerung seines schweren Leidens (Lungensteckschuß) eingetreten, dem der starke Mann nun erliegen muhte. Zöller hat den Weltkrieg als Offizier mitgemacht. Trotz seiner seit Jahren stark angegriffenen Gesundheit hat er sich stets in vorbildlicher Weise in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Er war Vorsitzender der Ortsgruppe Schlitz und Vertrauensmann des Kreises der Deutschen Volkspartei. Seine glänzende Rednergabe und seine sachliche, versöhnliche Art befähigten ihn, über unsere Stadt hinaus der Partei größte Dienste zu leisten, vor allem auch in den verflossenen Wahlkämpfen. Seiner Persönlichkeit ist es in erster Linie zu danken gewesen, daß die Deutsche Volkspartei in unserer Stadt eine ihrer hessischen Hochburgen hat und darüber hinaus auch in den rein ländlichen Bezirken des Schlitzerlandcs festen Fuß fassen konnte, wie die Wahlen der letzten Jahre erwiesen. So sehr der Verstorbene auch überzeugter Parteimann war, so stellte er als echt deutscher Mann das V a t c r- land aber stets über die Partei. Seins reine, solbstlose Gesinnung, sein versöhnlicher Cha- rakter. seine über alles gehende Heimat- und Vaterlandsliebe waren Anlaß, daß er sich der Achtung und Wertschätzung der gesamten Bevölkerung erfreuen konnte. Außer der Arbeiterschaft der Firma G. L. Riepvth & Co., der er em stets wohlwollender Vorgesetzter Ivar, außer feinen Parteifreunden nehmen alle Volkskrsise der Stadt und Hmgebung lebhaften Anteil an dem schweren Schicksalsfchlag. von dem die alteingesessene Familie Zöller durch das Ableben Wilh. ZöllerS betroffen worden ist. Starkenburg. • Darmstadt, 10. Olt. Die Turngern e i n d e Darmstadt 1 846 beging gestern und heute die Jubelseier ihres 80jährigen Bestehens. Aus diesem Anlaß wurde dem Verein durch den Präsidenten des Landeöamtes für das BildungSwesen, Hrstadi. eine Ehrenurkunde, die der Staatspräsident ausstellte, überreicht, ebenso wurde der Gauoberturnwart Wilhelm Hosserberth durch eine Ehrenurkunde geeyrt. Zu Ehrenmitgliedern wurden ernannt Pros. Dr. Finger, Josef Magnus und Karl Kraus. Neun Mitgliedern der Turngemeinde wurden Gauehrenbriefe überreicht. Preußen. Kreis Wetzlar. XX W e tz l a r, 9. Oft. Nach einer Verfügung des preußischen Ministers für Kunst und Wissenschaft soll fortan das Reformationssest als Schul feier tag gelten und daher der 31. Oktober als Gedenktag der Reformation für alle evangelischen Lehrer und Schüler schulfrei fein. Kreis Biedenkopf. XX Crumbach, 9. Okt. Die durch den Weggang des Pfarrers Schmidt erledigte Psarr- stelle wurde Pfarrer Adolf Schulz aus Simmersbach übertragen. Oberlahnkreis. * Weilburg, 9. Okt. Nachdem die Stadtver«, ordnetenversammlung die Forderung des neu- gewählten B ü r g e r in e i st e r s Beckmann aus Schötmar auf Einstufung in eine höhere Gehaltsgruppe abgelehnt hatte und auch Verhandlungen keinen Erfolg brachten, hat Bürgermeister Beckmann jetzt die Annahme der Wahl ab gelehnt. Es wird nunmehr eine neue Büraermei st erwähl stattfinden. Dillkreis. bl. Dillenburg, 9. Okt. Welches Jntereffe man der vom Kreise geschaffenen Beratungs- stelle für Nerven- und Gemütskranke entgegenbringt, beweist die Zahl der Besucher. Vom 1. Oktober 1924 ab bis beute besuchten rund 120 Ratsuchende mit allen möglichen Leiden die Sprechstunden. bl. Niederscheld, 9. Okt. Freitag mittag brach im Viertel hinter der Kirche Groh feuer aus, das nach kurzer Zeit drei Scheunen fast vollkommen vernichtete. Die Erntevor- rate wurden ein Raub der Flammen, lieber die Entstehungsursache verlautet noch nichts. Maingau. WSN. Frankfurt a. 1, 9. Oft. Stadtrat Asch. der Verwalter der städtischen Finanzen, ist soeben von seiner Reise nach Amerika nach Frankfurt zurückgekehrt. Entgegen der Annahme, daß der eigentliche Zweck dieser Reife der Abschluß einer neuen großen Anleihe für Frankfurt sei, erfährt die „Frankfurter Zeitung", daß es sich bei der Mission des Kämmerers zunächst nur um Sondierungen für eine eventuell zu plazierends neue Anleihe handelte. Seine zweite Aufgabe war die Erledigung der letzten Formalitäten (Hnterschcistleisiung) für die 4 Milliv- Das grotze Würfelspiel. (Martina Wilemar.) Roman von Franz Inner Kappus. 12. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Ich verstehe das nicht, Julie." Er reichte ihr einen Brief. „Lies das." Julie überflog die wenigen Zeilen. „9ft doch klar", sagte sie stockend. „Bernhard Carsten bestellt dich zu sich. Er hat etwas für dich. Du solltest dich freuen, Ernst." „Wie verfällt der Mensch gerade auf mich?" Frau Julie zog die Oberlippe hoch. „Kann ich hellsehen?" „Ich kenne Bernhard Carsten nur dem Namen nach." Nachdenklich fuhr sich Wilemar über den kahlen Kopf. „Weiß nicht mehr, als alle Welt weiß: was gerade in den Zeitungen steht." „Vielleicht ist es das. Carsten soll verschiedenes vorhaben, dazu braucht er Leute." Di? Blicke Julies sprangen von einem Bild zum andern. „Vielleicht hat dich jemand empfohlen. „Ausgerechnet mich?" „Vielleicht haft du nicht nur Feinde, Ernst." „Man hat nur Feinde heutzutage", sprach Wilemar bitter. „Jedenfalls — du gehst doch hin, gleich morgen?" „Gleich morgen." Tags darauf entwickelte Carsten feine Ideen. Der alte 6rumbad) hatte große Pläne und Zeichnungen aufgerollt. Zwei fire junge Leute blätterten in Kostenvoranschlägen und nannten sechs- bis sie- benstellige Ziffern. Die Namen von Firmen und Lieferanten wirbelten durcheinander. Offerten wur- der verlesen und gegeneinander abgewogen. Der magere Nettelbeck notierte mit fliegendem Stift. Erst nach einer Stunde erfuhr Wilemar, worum es sich drehte. In letzter Stunde hatte Carsten noch einen namhaften Betrag flüssig gemacht. Mit dem Geld sollte in der Canooa-Straße in Südende ein drittes Miethaus erbaut werden: etwas kleiner als die beiden anderen, aber ebenso solid und komfortabel. Ob Ernst Wilemar die Ausführung übernehmen wolle? Natürlich könne er an dem Plan, der in großen Zügen bereits entworfen fei, noch ändern, was ihm zweckmäßig schiene. „Zum Beispiel die Mansarden," sagte Carsten und fuhr mit dem Zeigefinger auf dem Pauspapier hoch, „eigentlid, bin ick) gegen Mansarden. Es ist nicht sehr gemütlich unterm Dach. Und unsere Parteien sollen es gemütlich haben. Wie zugeschnürt war die Kehle Wilemars eine Weile. Er wollte fragen, wem er das Glück zu danken habe, wollte einwenden, daß er als Architekt seit vielen Jahren nicht gearbeitet hatte: aber Carsten lieh ihn nicht zu Wort kommen. „Auf der Stelle müssen Sie sich entscheiden. Die Zeit drängt. Wir hallen vor dem März. Im Herbst sollen die Häuser unter Dach." Wilemar sagte zu, plötzlich von tausend Bildern bestürmt. Der Jammer daheim machte ihn mundtot. Offenbar wollte Carsten mit der Sprache nicht heraus. Man durste nicht neugierig sein, wenn einem das Wasser bis zum Halse reichte, man mußte seinem Schöpfer nur danken für den Glücksfall. Bis in die Nacht dehnten sich die Konferenzen an den nächsten Tagen. Dann war man über alle Punkte im Reinen. Reichlich für ein Jahr war Wilemar gesichert. Schienen die Ziffern auch hupp bemessen, so würde man sein anständiges Auskommen doch finden. Vielleicht ließe sich nebenbei dies und das verdienen, vielleicht konnte man beim Bau weitere Ersparnisse erzielen. Jedenfalls war die Möglichkeit, seine Familie zu ernähren, wieder da. Und mit halb freudiger, halb schmerzlicher Entschlossenheit ging Ernst Wilemar an die Arbeit. Frau Julie atmete auf. Ernstlich trug sie sich mit dem Gedanken, die sechs Zimmer, die Hutchinson bewohnt hatte, nicht weiter zu vermieten. Es würde schon irgendwie zusammengehen. Und auch Martina — auch Martina sollte endlich zur Vernunft gelangen. Auf die hundertfünfzig Mark, die die Holzindustrie A. G. ihr bezahlte, käme es wirklich nicht mehr an. Aber Martina sprach entschieden: „Ich gebe das Bureau nicht auf." Ein fast feindseliger Trotz saß in ihren Mienen. Nachsichtig lächelte die Mutter. „Mit der Zeit wirst du dir Kreuth aus dem Kopfe schlagen. Das Leben ist stärker als wir." Martina sagte nichts mehr. , Aber ehe sie in ihr Zimmer ging, blickte sie die Mutter mit Augen an, in denen hundert zweifelnde Fragen geschrieben standen. Ohne einen Laut bewegten sich ihre Lippen. „Bernhard Carsten", sprachen ihre Lippen immerfort. Genau halle sie den Mann angesehen, aus dessen Automobil die Mutter vor einigen Wochen gestiegen war. Er hatte ein rundes, bartloses Gesicht mit vollen Lippen und starken, leicht zusammengewachsenen Brauen. Demselben Gesicht war sie seither wiederholt im Bilde begegnet. Diele der Wirtfchastszei- tungen, die im Bureau bei ihr ständig durchliefen, brachten die Photographie Carstens, der jetzt alle Welt beschäftigte. Anfangs zweifelte Martina; es konnte sich ja um eine zufällige Ähnlichkeit handeln. Dock) je länger sie überlegte, um so mehr bestärkte sid) ihr Verdad)t. Nun arbeitete der Vater plötzlich im Auftrage dieses Menschen als Architekt: Hatte der Vater sich nicht selbst gewundert, als der Brief gekommen war.-' Und hatte die Mutter nicht einen Moment wissend gelächelt, als der Name Bernhard Carsten fiel? Wie reimte sich das alles zusammen? Mit brennenden Augen starrte Martina in die Finsternis. Ruhig gingen die Atemzüge Lilys an der anderen Wand. Wie gut es die Schwester doch hatte! X. „Aber, aber, Herr Hanikch!" Lily Wilemar wischte sich die Tränen aus den 2(ugen. Immer neue Lachstöße schüttelten sie. Mit dem Blick eines verwundeten Tieres schaute Anton Hanisch sie an. „Ist das so komisch, daß ich - Sie heiraten mochte? Oder zweifeln Sie an meinem Ernst? Mein Ehrenwort, Fräulein Lily: Ich heirate Sie vom Fleck roeg. Ist das so komisch?" Langsam beruhigte sich Lily. „Das ist komisch — und überhaupt alles!" Sie dämpfte die Stimme. Die Damen in der Nachbarloge waren aufmerksam geworden. „Was alles?" fragte Hanisch hartnäckig. „Das da; ein Heiratsantrag im Kino, nach der Bekanntschaft durch die Zeitung, gleich bei der ersten Begegnung — so etwas war bestimmt noch nicht da." .. Hanisch nickte elegisch. „Sie haben recht, Fraulein Lily — es ist komisch. Aber vergessen Sie nicht, daß ich reich bin. Bis Ultimo Dezember habe ich hunderttausend Meterzentner Zucker nach Deutschland exportiert; teils per Bahn, teils auf der Elbe. Wenn Sie daran denken, wird Ihnen alles vielleicht weniger komisch erscheinen." Die Vorstellung war zu Ende. Erst auf der Straße betrachtete 2ilp den Menschen genauer. Fast um einen Kopf überragte sie ihn. Doch verwegen faß der modische, steife Hut auf seinen flachsblonden Locken. „Ich habe keine Lust, in Prag zu wohnen", sagte Lily beim Abschied. Flüchtig blickte sie auf die Armbanduhr. Dieser putzige Neureid)e war Nummer fünfzehn. Um dreivlertel sieben wartete Nummer sechzehn in der Königin-Bar. Sie mußte sich beeilen. Ob er ihr schreiben dürfe, fragte Hanisch. „Wenigstens schreiben?" Und er faltete die Hände in den bunfelroten Lederhandschuhen. „Schreiben, soviel Sie wollen. Dieselbe Chiffre, dasselbe Postamt. Vielleicht sehe ich mal nach. Lily verlor sich in dem Trubel vor dem Mar- morhaus. Der betreßte Portier der Königin-Bar zog die Mütze. Kaum hatte Lily den kleinen, ruhigen Raum betreten, erhob sich ein älterer Herr von seinem Tischchen. „Parfait oder Schokolade?" fragte er lächelnd. Gewandt half er Lily aus dem Pelzmantel. Das Wichtigste ist nämlich, daß der Kellner verschwindet", sagte er leise. Lily entschied sich für Parfait. „Sie wissen ja, liebes Kind: Baron Rheinfeld." Liebes Kind? Beleidigt wollte Liln die Wimpern senken. Aber dann riskierte sie einen prüfenden Blick. Der Mann konnte sich die Ansprache erlauben. Viele kleine Fältchen nisteten in seinen Augenwinkeln. In tadelloser Haltung saß er ihr gegenüber. Angelegentlich studierte er ihre Züge. „Sie müssen verzeihen: Sie wollen doch zum Film. Da ist das Gesicht sehr wesentlich." „Sind Sie vielleicht selber —" „Dann faße ich nicht hier, liebes Kind. Neinr Ich habe gute Freunde im Klub." Rheinfeld sog an feiner- Whisky. „Das Gesicht wäre nicht übel — natürlich nur rein filmmäßig gesprochen." Kurz setzte er auseinander, worauf es ankam. Sekundenlang schwieg er darauf. (Fortsetzung folgt) n en-Dollar-Anleihe des vorigen Jahres, eine Arbeit, die ihm echt amerikanisch dadurch erleichtert wurde, daß mit seinem Frder- halter durch eine Transmission noch weitere 17 Halter verbunden waren, so daß bet einmaliger Unterschriftleistung 18 Stück gleichzeitig unterschrieben wurden: durch diese Vereinfachung hatte er seinen Vamen „nur“ rund 300mal zu schreiben. Der amerikanische Geldmarkt soll nach Decbachtungen des Stadtrats Asch für die Aufnahme von Auslandanleihen nicht ungünstig fern. Ob jedoch Frankfurt, obwohl verhältnismäßig günstige Bedingungen zu erhalten wären, in Amerika eine Anleihe aufnehmen werde, stehe beute noch nicht fest. Fest stehe indessen, dah für die verschiedensten schwebenden Projekte eine neue Anleihe von 50 Millionen Reichsmark auf- ■ genommen werden müsse, und zwar sei diese Anleihe in der Hauptsache bestimmt für den Ausbau des Gas- und Elektrizitätswerkes, für den bereits begonnenen Dau der neuen Grobmarkthalle, sowie für das neue Hallenschwimmbad und eine Reihe anderer kleinerer Projekte. Wenn es möglich sei, die Anleihe am deutschen Markt unterzubringen, so sollte dies versucht werden, erst wenn dies nicht gelinge, dann werde die Anleihe in Veuyork plaziert werden. — Die Polizei hat den 20jährigen Arbeiter Konrad Welzhofer aus München, der im Verdacht steht, in einem Kolonialwarengeschäft in der Scheidswaldstraße einen schweren Einbruch verübt zu haben, fe st genommen Dei seiner Vernehmung stellte sich heraus, daß er bei den Metzgermeistern sehr gut das „Klopfen" versteht. Die ergaunerten Wurstwaren, von denen er Äebersluh hatte, verkaufte er. Mit dem Gelde, das man ihm fdjenfte und das er aus dem Der- *-•/ erlöste, machte er sich in Spielklubs vergnügte Stunden. — Auf der Wilhelmsbrücke ereignete sich gestern ein schwerer Unfall Ein Gefchäftsauto stieb mit einem Fuhrwerk zusammen. Der Zusammenstob wäre ■ noch glimpflich verlaufen, wenn nicht sofort danach ein Strahenbahnwagen herange- braust und mit beiden Fahrzeugen zusammengeprallt wäre. Deide, sowohl Fuhrwerk wie Auto, wurden auf den Bürgersteig geschleudert und erheblich beschädigt. Der Chauffeur und zwei Passagiere wurden erheblich verletzt und mubten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Auch der Strabenbahnwagen wurde beschädigt. WSR. Höchst a. M., 10.Okt. Der 31jährige Autohändler Paul F l e b b e stieß gestern nachmittag zwischen Sindlingen und Hattersheim, als er gerade ein neues Motorrad a y 6 probierte, mit dem Drückkarren eines Landwirts zusammen. Der Zusammenstoß war so heftig, daß Flebbe in weitem Bogen vom Rade gegen einen Telegraphenmast geschleudert wurde, wobei er sich einen Bruch des Halswirbels zuzog. Er war sofort tot. — In einer hiesigen Wirtschaft wurden zweijüngere Leute namens Hartmann und Aport fe st genommen, die unerlaubten Handel mit Kokain pflegten. 3n ihrem Besitz wurden noch etwa IV2 Pfund des Giftes gefunden. Man glaubt, daß es aus einem Diebstahl bei der Firma Merck in Darmstadt herrührt. WSR. Hanau, 10. Okt. Die Weinbrennerei Gebr. Hirsch mann und ihre Schwesterfirma, die Weinbrennerei Jacob Stück A.-G. haben aus Anlaß ihres gestrigen 5 0- bzw. 1 OOjähri- gen Bestehens der Stadtverwaltung einen Betrag von 8000 Mark überwiesen, der zu Beihilfen für Arbeitslose und Ausgesteuerte. Kleinrentner, psychopathische Kinder und Kriegshinterbliebene Verwendung finden soll. Amtsgericht Gießen. ' Gießen, 8. Okt. Zwei in den städtischen Baracken nebencinander wohnende Familien liegen seit längerer Zeit gegenseitig in dauerndem Streit. Heute war das eine Ehepaar wegen Beleidigung und Bedrohung des andern angeklagt. 2sach umfangreicher Beweisaufnahme wurde der angeklagte Ehemann wegen dreier Beleidigungen ^zu Geldstrafen von zusammen 3 0 Mark, "feine Ehefrau dagegen wegen einer Beleidigung -zu einer Geldstrafe von 10 Mk. verurteilt. Von der Anklage der Beleidigung in einem weiteren Falle und der Bedrohung wurde der Ehemann mangels ausreichenden Beweises sreige- sprochen. Die Kosten wurden unter beide Parteien entsprechend verteilt. Ein Händler von hier war wegen Mißhandlung feiner geschiedenen Ehefrau angeklagt. Zunächst bestritt er, ihr überhaupt etwas getan zu haben. Als ihm dann vorgehalten wurde, daß er früher bei einer polizeilichen Vernehmung selbst zugegeben habe, ihr einige Ohrfeigen versetzt zu haben, erklärte er, er habe damals „renommiert". Schließlich stellte er nicht mehr in Abrede, seine Frau geschlagen zu haben. Daraufhin kam es zwischen den Parteien zu einem Vergleich. Der Angeklagte bedauerte seine Tat, übernahm sämtliche Kosten einschließlich des Sonderhonorars des Vertreters der Privatklägerin in Höhe von 45 Mk. und zahlte für Arzt- und Apotheker- kosten 20 Mk. Damit sind alle Ansprüche der Privatklägerin aus der Mißhandlung erledigt. Gerichtssaal. Drei Monate Gefängnis für einen wilden Autler. * Darmstadt, 9. Okt. Vor dem Bezirks- schöffengericht hatte sich der Generalsekretär der land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft, Pieper, wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. Er war auf einer Probefahrt miteinemAutomobilzu schnell gefahren, stieß an einer Straßenkreuzung mit einem Radfahrer zusammen, dör überfahren und getötet wurde. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu drei Monaten Gefängnis. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. " Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 81 vom 8. Oktober enthält: Maul- und Klauenseuche in Queckborn, Warthof bei Grünberg, Harbach und Lauter. — Mitgliederversammlung des Hessischen Schutzvereins für entlassene Gefangene. — Kreisstrahensperre. — Kalender des Auslanddeutschtums. — Bvlksbäder. — Volksbüchereien. — Kosten für den nebenamtlichen Unterricht und die nebenamtliche Leitung der Fortbildungsschule. — Feldbereinigungen in Allendorf (Lahn) und Beltershain. — Straßensperre. — Dienstnachrichten. Wirtschaft. Von den Schlachlviehmärkten. An den Schlachtviehmärkten der vorigen Woche gestaltete sich die Marktlage für alle Gattungen, mit Ausnahme von Kälbern, die zumeist gutes und flottes Geschäft hatten, nicht so günstig wie in der Vorwoche. Die Auftriebs- ziffern erfuhren nur bei Schweinen eine größere Zunahme. Die Preisgestaltung ergab für Kälber gut behauptete Kurse, während die übrigen Gattungen ihren Preisstand nur knapp behaupten konnten. Auf den nachstehenden Märkten wurden für ein Pfund Lebendgewicht in Pfennig 1 notiert: Rinder Kälber Schafe Schweine Berlin 20—56 58-100 32-61 74-85 Bremen 23-55 40-90 25-55 65-77 Breslau 20-60 53-80 30-60 72-85 Chemnitz 25-62 62-85 35-52 72-84 Dortmund 25-58 60-100 32-50 68-80 Dresden 25-62 66-92 30-63 72-87 Düsseldorf 25-60 55-92 — 65-84 Elberfeld 25-60 55-95 — 70-84 Esten 30-61 55-120 30-50 68-81 Frankfurt M. 20-62 60-92 28-47 65-84 Hamburg 15-54 38-95 25-57 66-80 Hannover 15-57 45-95 30-53 65-80 Husum 15-56 — 38-48 — Karlsruhe 20-58 80-86 — 79-84 Kastel 25-62 60-75 — 75-87 Kiel 17-50 33-82 28-55 49-78 Köln 23-62 60-92 30-38 63-80 Leipzig 25-60 45-88 25-55 72-85 Magdeburg 20-58 32-80 28-53 70-82 Mannheim 16-62 56-88 34-36 68-85 München 30-63 74-88 — 61-84 Stettin 12-56 30-88 15-52 70-84 Stuttgart 14-61 60-84 — 64-84 Zwickau 20-58 65-87 30-56 76-86 « * Die hessischen Do l l a r s cha tz a n - Weisungen. Von der hessischen Staatsschut- denverwaltung wird bekanntgegeben: Gemäß den Bedingungen der Dollarschatzanweisungen des Volksstaates Hessen vom 20. Oktober 1923, Reihe A und B, wird die Einlösung der am 18. Oktober 1926 zur Rückzahlung fälligen Stücke mit einem Aufgeld von 20 Prozent in Reichsmark nach Abzug der Kapitalertragsteuer erfolgen, wobei der Dollar zum Durchschnitt der Mittelkurse der amtlichen Berliner Votierung für Auszahlung Veuyork int Monat September 1926, gleich 4,20 Reichsmark, gerechnet wird. ' Einfuhr deutscher Automobile nach Polen. Den amtlichen statistischen Angaben zufolge hat sich die Einfuhr deutscher Automobile nach Polen wesentlich erhöht. Das polnische Verkehrsministerium plant einen bedeutenden Kauf von Lastkraftwagen zur Güterbeförderung und Auto-Omnibussen zur Vermittlung des Verkehrs zwischen einzelnen Städten und Dörfern. Ein Teil dieser Bestellungen soll auch nach Deutschland vergeben werden. Die Niederlassung Ford in Polen hat eine große äln» Zufriedenheit in französischen Automobilbaukreisen hervorgerufen. * Wayh & Frehtag A.-G., Frankfurt a. M. Zu dem Kursrückgang in den Aktien der Gesellschaft wird erklärt, daß die bisher vorliegenden Meldungen hierüber nicht als zutreffend gelten können. Der Stambul-Kanali- sationsauftrag stelle bei weitem nicht das Haupt- objekt der Gesellschaft dar, vielmehr nur einen kleinen Ausschnitt aus dem jährlichen älmsah. Die in Argentinien, Brasilien und vor allem in Deutschland laufenden Tief- und Hochbauten bilden nach wie vor das Hauptgeschäft. Das erste halbe Geschäftsjahr sei durchaus nutzbringend verlaufen. Das türkische Geschäft erstrecke sich übrigens auf eine längere Reihe von Jahren. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 11. Okt. Tendenz: Fest. — Die Börse zeigte zu Wochenbeginn auf nahezu allen Märkten zuversichtlicheStimmung. Die älnternehmungslust der Spekulation war sehr rege, was in besonders steigendem Maße für Farbenaktien zum Ausdruck kam. Unter dem günstigen Eindruck des Fortganges der Londoner Wirtschaftsverhandlungen, die größere Beachtung fanden, standen 3. G. F a r b e n im Zeichen eines bedeutenden Geschäftes mit einer neuen bedeutenden Kurssteigerung. Der erste Kurs stellte sich bereits auf 301 Prozent, und im weiteren Verlaufe sprang die Votiz bis auf 307 Prozent. Die Vachrichten über die Konjuukturbesserung im Wirtschaftsleben, die heute vertrauensvoller lauteten, wirkten sich auch auf den übrigen Märkten aus. Montanaktien hatten gute Besserungen aufzuweisen. Gelsenkirchen plus 1,75 Prozent, Har- pener plus 3 Prozent, Mannesmann plus 1 Prozent, Mansfelder plus 3,5 Prozent, Oberbedarf plus 2,5 Prozent, Rheinstahl plus 2,25 Prozent, Riebeck-Montcm plus 6,25 Prozent. K a li- werte traten erneut in eine bedeutende Aufwärtsbewegung, Aschersleben plus 4,5 Prozent, Westeregeln plus 4 Prozent. Am Elektro- markt tendierten alle, Werte sehr fest. AEG. plus 0,75 Prozent, Bergmann plus 2 Prozent, Licht und Kraft plus 2,25 Prozent, Siemens plus 1 Prozent. Bankaktien eröffneten ebenfalls überwiegend befestigt mit Ausnahme von Darmstädter, die etwas niedriger wurden. Die günstige Lage des Schiffahrts - Marktes vermochte für diese Werte Besserungen bis zu 2 Prozent hervorzurufen. Auto- af ti en fest. Kleher plus 2 Prozent, Daimler plus 2,25 Proz. Lebhaft gesteigert waren Z e l l- stoffaktien, besonders Aschaffenburger, die mehr als 4 Prozent anzogen. Waldhof plus 2.7 Prozent. Bauaktien uneinheitlich. Wahß & Freytag plus 1 Prozent, Holzmann gehalten, Dyckerhoff etwas niedriger. Oelwerte hatten bedeutendes Geschäft bei Itarfen Kursavancen. Deutsche Erdöl plus 6 Prozent, Rütgerswerke plus 3 Prozent. Zu ck e rak tie n waren zumeist um etwa 1 Prozent erholt. Heimi s che Anleihen hatten ruhiges Geschäft bei kaum veränderten Kursen. Auch am A u s l a nd r e n t en- markt vollzog sich das Geschäft in ruhigen Bahnen bei teilweise leicht nachgebender Tendenz. Der Freiverkehr war eher befestigt. Brown Doveri 132, Growag 60, Frankfurter Handel 85 Prozent. 3m weiteren Verlaufe blieb die Tendenz fest, das Geschäft nahm aber ein ruhigeres Gepräge an. Am G el dm a rkt machte sich das Herein strömen neuerer größerer a merika nis cher Anleihen be- merkbar, so daß sich die Flüsfigkeit in einer Ermäßigung des Satzes für Tagesgeld aus wirkte, der auf 4,5 Prozent berunterging. Monatsgsld 5,5 bis 7 Prozent je Adresse. 3m Devisenverkehr war Paris leicht abgeschwächt auf 168,75. Brüssel notierte 174,50 gegen das Pfund. Mailand lag dagegen befestigt auf 121 gegen London. London gegen Kabel 4,85,25. Die Reichsmark notierte gegen Kabel 4,20. Dörsenwrse. Frankfurt a.M. Berlin Schlug. Kurs l-Uhr- Kur» Schlich» Kur» Anfang Sure Datum: 9. 10. 11 10. 9. 10. 11. 10 5% Deutsche RelchSanlctbe • 4% Deutsche Reichsauleihe ■ 6.6075 0,605 0.61 0,5907 u.6075 0,5975 8'/a% Deutsche Reichöanlethe 0,5807 0.59 3% Deutsche Rcichsanlcihe ■ 0.8 — 11.8O 0,80 Deutsche Svarpräunenanleihe — — 0.3602 4% Preußische Koniols • > ■ 0.6 — 0.5907 0.6975 «"/o Hessen........ 0,6 — 0,65 — 3V$°/n Hessen......... — — — — 3% Heilen ••••-•■• 1 Deutsche Dertb. Dollar-Ant. — — 0.6 _ 95 — 99.9 _ dto. Doll.-Schav-2luwcilug.') — — — 4*/0 Zolltürkcn......... 18 18 18 5% Gold Mexikaner ... . 45.5 — — Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- and Privat-Bank 229 — 230 229,75 150 151' 150 151* Darmst. und Nanonalbank . 233 31* 232 231* Deutsche Bank......... 183,25 184.5* 182,75 181.9* Deutsche Bereinsbank .... 1011 — Disconlo Commandit . . 170.9 172,5* 170.4 171.5* Metallbank.......... 152,75 153 152 152.25 Mitteldeutsche Kreditbank. . 113.25 — 143.5 145,75 Ocsterreichische Creditanstalt. 8,3 8,45 8,5 Weltbank ......... — — — - Bochumer «Haß ...... 161 — 160.5 162,75 104.5 104,75 104 104,75 Caro ............ 73,5 74,5 Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . 161.5 170 162 171,75 160.25 168.5 162,75 ,71.5 Harpener Bergbau...... 169.75 171 170 170.5* Kaliwerke Aschersleben.... 141.5 146 141 Kaliwerk Westeregeln..... 153,5 157 154,5 156 Laurabüttc........... 79 78,5 78 75 Oberbcdars ......... 74 76.5 73,5 74.5 Phönir Bergbau ....... Rpeinstabl , Riebeck Montan........ Tellus Bergbau...... 121.5 160 151.5 121.75 162 25 160,75 82 120,5 159.5 154,75 121,5* 161,62 160 Vereinigte Stahlwerke A,-G. — 144,5 145,5 Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . ... 167.5 164.25 169 167,75 168.75 165,9 168.9 166.9 Cheramtsche Werke Albin . . 72.5 Zementwerk Heidelberg . . . 134,75 133.5 - I Philipp Holzmann...... 134,5 134,9 134,5 Anglo-Cont.-Guano..... — 99,5 Chemische Mäher Alapin . . — - — 9- G. Farbcnindustrie, A.-G. Z97 307.2* -'96,25 307* Goldschmidt.......... 119 123 121 123 Holzverkohlung ........ Rütgerswerke . . ..... 53,75 127 57,75 HO 128 129.25 Scheideanstalt ........ 173,5 176,25 — «llg. Elektrizitäts-Gesellschaft 164.9 165.5 161 165.75 Bergmann ......... 164 166 164,25 166 Mainkraflwerke ........ 104.75 — Schlickert........... Siemen- k HalSkr ...... 142.25 142.75 141.5 143* 208.25 209,12 207,75 206,62 Adlcrwerke Kleyer ...... 87,5 89,5 88 87 Daimler Motoren. ...... 82.5 84,75 83,13 85 Heyligensiaedi......... 27 Mcgnin............ 46.12 —- Motorenwerke Mannheim - 38,75 — Frankfurter Armaturen . . 17 — — — Konservenfabrik Braun . . . 44 — Metallgesell'chast Frankfurt. Pet. Union A.-G. ..... 163.5 97 163,9 98 — Echuhsabrik Herz....... — — 59,5 — Sichel............. 3.05 — 3 — Zellstoff Waldhof...... 191.75 194.5 190,25 174 Zuckerfabrik Frankenthal . . 87.4 86 86 Zuckerfabrik Waghäusel . . . 102 102,62 102 — Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 9 Oktbr. 11. Oktbr. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Briet Geld Briet Amst.-Ron. 167,82 168,24 167,89 168,31 Buen.-AireS 1.708 1,712 1.712 1,716 Brff.-Antw. 12,64 12,68 11,71 U-75 Christiania. 91,82 92,04 91,87 92,09 Kopenhagen 111,40 111,68 111,44 111,72 Stockholm . 112,08 112,36 112,13 112,41 Helstngfors. 10.545 10,585 10,55 10,59 Italien. . . 16.81 16,85 17,40 17,41 London. . 20,357 4,195 20,407 20,379 4,195 20,409 Neuyork . . 4,205 4,205 Paris. . . 12,10 12,14 12,11 12,15 Schweiz . . 80,99 81,19 81,0-1 81,24 Spanien. . 62,89 63,05 62,52 62,68 Japan . . . >Hio de Jan. 2,030 2,040 2,033 0.586 2,037 0.586 0.581 0.583 Wien in D-- Oest. abgest. 59,21 59,35 69,21 69,35 Prag .... 12,42 12,46 12,42 12,46 Belgrad . . 7.415 7.4:5 7.42 7.44 Budapest. . Bulgarien 5,872 ■>,025 5,892 3,035 5,872 •5,035 5,892 3,045 Lissabon 21,475 21,525 21,475 21,525 Danzig. . . 81,39 81,59 81,42 81,62 Konstantin. 2,185 2,195 2,165 2,175 Athen. . 5,24 4,197 5,26 5,34 5,36 Canada. . - 4,207 4,199 4,209 Uruguav . 4.205 4,215 4.205 4.215 Banknoten. Berlin. 9. Oktbr. Geld Bries Amerikanische Note» ..... 4,18 11,61 4,20 11,67 Belgische Nöten........ Dänische Noten ........ 111,07 111,53 Englische Noten........ 20,32 20,42 Franzönsche Noten ..... 12,22 167,43 12,28 Holländische Noten..... 168,27 Italienische Noten...... Norwegische Noten...... 16,81 16,89 91,62 92,08 69,35 Deutsch-Ocsterr., äioo Lronen 69,05 Rumänische Noten...... — Schwedische Noten..... 111,77 112,33 Schweizer Noten....... 80,80 81,20 Spanische Noten....... 62,64 62,96 12,435 Tschechoslowakische Noten . . 12,385 Ungarische Noten....... 5.84 5.88 Berliner Börse. Berlin, 11. Okt. Der feste Wochenschluß über trug sich auf den Beginn der heutigen Börse. Bei lebhaften Llmsähen und stärkerer Beteiligung des Publikums nahm die Haussebewegung iu3. G. Farben-Aktien, Elektrowert e n, einigen Schiffahrtsaktien, Oel- aiftien und verschiedenen anderen Spezial- papieren ihren Fortgang, während Montan- und Bankaktien mehr oder weniger zurücktraten. 3. G. Farben erreichten einen Rekordstand von 307 Prozent. Die Anregung zu der Farbenhausfc ging hauptsächlich von ixm günstigen Fortgang der amerikanischen Verhandlungen des Farbentrustes c.u Am Elektromarkt hatten AEG. die Führung, da sie angeblich mit der Automatisierung des Pariser Fernsprechnetzes ein neues großes Projekt in Angriff nimmt. Außerdem wurde darauf hingewiesen, daß Loucheur einen Zusammenschluß der westeuropäischen Glektrizitätsgesellschaften angeregt habe. Diese Frage soll in Berlin behandelt werden. Die Aufwärtsbewegung am Schifffahrtsmarkte ging von Hansa aus, die eine Kapitalverdoppelung beantragt haben soll. Es verlautet, daß noch weitere Transaktionen im Schiffahrtsgewerbe zu erwarten seien. Die Aufwärtsbewegung der Kurse setzte sich unter besonderer Beachtung der erwähnten Papiere fort und wurde durch die flüssige Verfassung des Geldmarktes noch gefordert.. Tagesgeld war zu 4,5 bis 6 Prozent angeboten. 3m Devisenverkehr bildete die starke Befestigung des Lirekurses die Sensation des Tages. Vtailand befestigte sich gegen London auf 118. Man begründet diese Bewegung mit den @r-i folgen der Znflationspolitik Italiens und den sehr günstigen Ernteergebnissen des Landes, die die Lebensmitteleinfuhr stark einschränken und die bisher passive Handelsbilanz Italiens wesentlich bessern. Die übrigen Valuten waren kaum verändert. Die Reichsmark notierte gegen Kader 4,20. Frankfurter J treidebörsc. yranffurt a. M., 11. Okt. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 28,50 bis 28,75 Mark; Roggen, inländischer, 22,75; Sommergerste für Brauzwecke 24 bis 28; Hafer, inländischer, 18,75 bis 19,25; Mais (gelb) 19; Weizenmehl, inländisches, Spezial 0, 41,25 bis 42; Roggenmehl 33 bis 34; Weizenkleie 10; Roggenkleie 10,50; Erbsen 40 bis 60; Linsen 45 bis 75; Heu, süddeutsches, gut, trocken 7 bis 7,50; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt 3,25 bis 3,75, gebündelt 2,75 bis 3; Treber, getrocknet 15,50 bis 16 Mark. Tendenz: stetig. Frankfurter Schlachwcehrnarkt. Frankfurt a. M., 11. Okt. Auftrieb: 1790 Rinder, darunter 516 Ochsen, 73 Bullen, 772 Kühe, 398 Färsen; 342 Kälber; 238 Schafe, 4128 Schweine. Es notierten: Rinder: Ochsen: vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwerts: jüngere 56 bis 59 Mark; ältere 52 bis 57; sonstige vollfleischige: ältere 46 bis 51; fleischige 40 bis 45. Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 48 bis 52; sonstige , vollfleischige oder ausgemästete 43 bis 47. Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 48 bis 52; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 40 bis 47; fleischige 30 bis 39; gering genährte 20 bis 29. Färsen (Kalbinnen, Jungrinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 55 bis 59; vollfleischige 48 bis 54; fleischige 42 bis 4L. Sä Iber : beste Mast- und Saugkälber 84 bis 90; mittlere Mast- und Saugkälber 74 dis 83; geringe Kälber 66 bis 73. Schafe: Mastlämmer und jüngere Mast- hämmel: Weidemast 40 bis 45; mittlere Mast- lämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 33 bis 38; fleischiges Schafvieh 26 bis 32, Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 80 bis 82; vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund 80 bis 83; von etwa 200 bis 240 Pfund 80 bis 84; von etwa 160 bis 200 Pfund 80 bis 83; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 76 bis 79; Sauen 65 bis 75 Mark. Marktverlauf: In Rindern gedrücktes, in Schweinen langsames Geschäft. Es verbleibt Ueberftanö. Kälber und Schafe werden bei lebhaftem Handel ausverkauft. Büchertisch. Die tiefe Kluft zwischen Strafgefangenen und freien Menschen schildert mit beredten Worten Gerhard 3acobi in seinem Beitrag „Die Welt des Strafgefangenen" in der neuesten Vummer 4255 der Illustrierten Zeitung (Verlag 3. 3. Weber, Leipzig). Prof. Theodor Wedepohl hat seinen Gemälden aus 3sland einen interessanten Degleittext „Ileberraschungen in Island" beigefügt. Die letzte, reiche Blumenpracht des Herbstes tritt uns yr dem Beitrag „Herbstblumen" entgegen. Karl Piloths Schaffen ist anläßlich des 100jährigen Geburtstages des Künstlers in einem Kunstbeitrag gewürdigt. 25 entzückende Kinderbilder — das Ergebnis des Preisausschreibens „Ansere Kindeq in der Sommerfrische" — sind in der vorliegenden Vummer veröffentlicht. Die wichtigsten Tagesereignisse sind textlich und bildlich in eingehender Weise be- rücksicht; unter den Porträts von berühmten Persönlichkeiten ist das des gegenwärtig in Deutschland weilenden indischen Philosophen Tagore hervorzuheben. — Veue Frauenkleidung und grauen tultur, 10. Heft, XXII. Jahrgang. Verlag G. Braun, G.m.b.H., Karlsruhe. — Die Aufsätze des neuen Heftes beschäftigen sich vorwiegend mit den jetzt so brennenden Fragen der Körperpflege der Frau, Dauer des Schlafes, 3ungerfjalten durch 3ungbleibenwollen usw. Die Modenbilder bringen neue Festkleider, große und kleine Abendkleider, von denen die Erzeugnisse der Modewerkstätte Baltin, München, besonders durch chre rassige Form auffallen. Ein Aufsatz mit Abbildungen über neue Gebrauchskeramik ist dem Heft der Zeitschrift angegliedert, die, vielseitig anregend, eine der besten Modezeitungen der kulturell hochstehenden Frau ist. — „Die Kunst", Monatshefte für freie und angewandte Kunst. (Verlag F. Bruckmann A.-G. in München.) — 3n neuem von dem bekannten Buchkünstler Professor Preetorius entworfenen Gewände erscheint das den 28. 3ahr- gang beginnende Oktoberheft. Die Beschäftigung mit Kunst darf kein Luxus nur für wenig Aus- erwählte sein; auch dem, der in den materiellen Kämpfen des Daseins steht, muß die Kunst die Erhebung aus dem Alltag bringen. Dies zu vermitteln ist die Zeitschrift „Die Kunst" in vorbildlicher Weise tätig. Aus dem reichen 3nhalt des Oktoberheftes erwähnen wir den großen illustrierten Aufsatz über die Dresdner internationale Ausstellung; zu dieser Darbietung moderner Art steht in pikantem Gegensatz die ebenfalls sehr schön illustrierte Veröffentlichung über die Neuerwerbungen der Berliner Vational- galerie; Abbildungen der herrlichen neuentdeckten Epheben-Statue in Pompeji, Wohnungseinrichtungen der Vereinigten Werkstätten in München (Entwürfe von Paul Troost) von höchst kultiviertem Geschmack; ein Landhaus des Berliner Architekten Heinrich Straumer; entzückende Gläser der Bimini-Werkstätten in Wien usw. — Der Hund, unabhängige Zeitschrift für praktische und wissenschaftliche Kynologie. Verlag Gersbach & Sohn, Berlin W 35. — Das 18. Heft ist von programmatischer Bedeutung für die Stellung zum Problem der „Spür- sähigkeit" der Hunde. 3m Leitartikel spricht Konrad Most von den Methoden der Plnter- suchungen auf die Spürfähigkeit und die Vot- Wendigkeit, sie in wissenschaftlich einwandfreier Weise vorzunehmen, indem er die von ihm selbst angewandten Methoden in Wort und Bild zur Darstellung bringt. Lieber „Die psychischen Fähigkeiten des Hundes" verbeitet sich anregend und lehrreich Dr. Drüggemann, indem er entschieden von der Vulgärpsychologie abrückt. Einen gediegenen Beitrag über „Die Degeneration in der Hundezucht, Rassenkynde und Züchtungsbiologie" gibt Dr. F. Goerttler, in dem die Ursachen der Degeneration, Charakterbildung, 3nzucht, Farbe u. a. zur Sprache kommen. Winterkur für 4582ss Nervenkranke u. Nervös-Erschöpfte. SpcziaIkuranBta.lt Hofheini L Tanna« bei Frankfurt a. M. Prospekte durch Dr. M. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt.