Nr. 186 Erstes Blatt 176. Jahrgang Mittwoch, N. August 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag«. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. MonatS'Bezvgrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNurnmern infolge höherer (Bemalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Der- lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gieße«. Postscheckkonto: Krantfutt am Main 11686. GichenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitätL-vuch- und Lteindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitnng und Geschäftsstelle: Zchulfttatze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorschrift 20°,, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein: für den An- zeigenteil Hans Züstel, sämtlich in Gießen. Die staatsrechtliche Bilanz der Weimarer Verfassung Don ,D. Dr. Dr. 3. D. Dredt, o. ö. Professor der Rechte a. b. älniversitat Marburg, M. d. R.') Es gilt, die staatsrechtliche Bilanz der Weimarer Verfassung vom 11. August 1919 zu ziehen und festzustelien, was sie tatsächlich Reues gebracht hat. Hm die Verfassung zu verstehen, darf man sich aber nicht beschränken auf ihren Wortlaut, sondern man muh ihre parlamentarische Entstehung mit in Betracht ziehen. Es waren für die Weimarer Vationalver- sammlung gewählt: Deutschnationale 42, Deutsche Dvlkspartei 22, Zentrum 90, Demokraten 75, Sozialdemokraten 165, Unabhängige 22, Verschiedene 7. Es waren also sowohl die Anhänger der alten Ordnung, wie auch die Unabhängigen nur in sehr geringer Zahl vertreten. Aament- lich die Zahl der pinabhängigen zeigt, daß deren 'Ziele im Volke nur wenig Beifall gefunden hatten. Demgegenüber zeigen die hohen Zahlen der Sozialdemokraten und der Demokraten, daß hier offenbar diejenigen Gedanken vertreten wurden, die dem deutschen Volke damals als die richtigen erschienen. DaS Zentrum hatte sich im wesentlichen behauptet und sogar an Anhängern S Wonnen, weil der katholische Glaube durch die mwälzung bedroht erschien. Run war aber die sozialdemokratische Partei tticht so stark geworden, daß sie allein die Mehrheit hätte bilden können: selbst nicht bei einem Hinzutritt der Unabhängigen. Es konnte also keine Rede mehr davon sein, im Sinne des ersten Aufrufes vom 12. Rovember „das sozialistische Programm zu verwirklichen". Es blieb nur übrig, eine parlamentarische Koalition zu bilden, und hierzu war die Sozialdemokratie sofort bereit. Die Weimarer Koalition, bestehend aus Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum schuf die neue Reichsverfassung und gab ihr das Gepräge. Man kann vielleicht sagen, daß aus den Grundgedanken der Demokraten der ä u ß e r e Aufbau der Verfassung stammt, daß das wirtschaftliche Programm der Reichsverfassung im wesentlichen von den Sozialdemokraten, das kulturelle Programm im wesentlichen vom Zentrum beeinflußt worden ist. Es ist eine reine demokratisch-parlamentarische Verfassung, weder eine Präsidentenverfassung nach amerikanischem Vorbild, noch eine Räteverfassung nach russischem Vorbild. Deutschland hat eine Verfassung, wie sie in ihren Grundgedanken ebenso in Frankreich und in England Es fragt sich nun, was hieran noch wirklich neu war, und zwar nicht nur im Vergleiche zum 4. August 1914, sondern vor allem im Vergleiche zum 28. Oktober 1918. Die am letzteren Tage ergangenen Gesetze harten sich zwar nicht mehr auswirken können, aber sie waren doch veröffentlicht, und es kommt darauf an. wieweit in ihnen die Errungenschaften vom 11. August 1919 bereits enthalten waren. Die erste äußerliche Reuerung der Weimarer Reichsverfassung ist die Festlegung der Republik, die Bestätigung der Tatsache, daß die Monarchie am 9. Rovrrnber zusammengebrochen war. 3m Vergleiche zum 3ahre 1871 lag hierin eine ganz gewaltige Umwälzung, denn, Bismarcks Gründung war errichtet auf dem alten Felsen der preußischen Monarchie. Unter Bismarcks Führung hatte auch zweifellos der Schwerpunkt aller Polittk bei der Monarchie gelegen; unter seinen Rachfolgern war dieser Gedanke sestgehalten worben. wenn man auch nicht sagen kann, daß noch immer die unbestrittene Führung bei der Monarchie gewesen sei. Unter Kaiser Wilhelm H. war die Monarchie immer mehr in den Hintergrund getreten; seit der Daily-Telegraph-Affäre von 1910 hatte der Kaiser sich völlig zurückgezogen und dem Reichskanzler oder den Ministern freie Hand gelassen; im Kriege war die Monarchie überhaupt hinter der Militärdiktatur der Obersten Heeresleitung verschwunden. Ob also eine wirklich monarchische Gewalt noch vorhanden war, ist sehr die Frage; soweit sie aber noch vorhanden war, wurde sie auch formell ihrer Macht beraubt durch die Einführung des parlamentarischen Regimentes am 28. Oki ober 1918. Seit diesem Tage hatte der Kaiser nur noch eine Stellung, die inhaltlich derjenigen des heutigen Reichspräsid'nten so gut wie gleichkonrmt. Er war nur noch der äußere Repräsentant des Reiches, der auf die Willensbildung keinen entscheidenden Einfluß hat, der vielmehr das auszuführen und mit seinem Ramen zu verkünden hat. was ein parlamentarisches Kabinett i hm auf Grund parlamentarischer Willensbildung vorlegt. Wäre die Monarchie am 9. Rovember erhalten geblieben, so wäre der innerpolittsche Zustand Deutschlands vorn heutigen kaum verschieden. Aus diesem Grunde haben auch Ebert und Scheidemann am Morgen des 9 Rovember in ihrer ersten Unterredung mit bem Prinzen Mar von Baden die Forderung auf Einführung der Republik nicht gestellt. Sie nahmen vielmehr den staatsrechtlich richtigen Standpunkt ein. daß ihre eigentliche politische Forderung mit dem 28. Oktober schon erfüllt sei, und daß es jetzt nur noch darauf *) Entnommen dem Werk: Die Ursachen des Deutschen Zusammenbruchs im 3ahre 1918. 2. Abteilung : Der innere Zusammenbruch. Band 8. Gutachten des Sachverständigen D. Dr. Dr. Bredt, M. d. R. „Der Deutsche Reichstag tm Weltkrieg". Deutsche Verlagsgeselllchaft für Politik und Geschichte in Berlin W. 8. Die französische Nationalversammlung. Annahme des Derfassungsgesetzes über die Amortisationskafse. - Ungeheure Tumulte der Kommunisten. Paris, 10. Aug. (TU.) Bereits in den frühen Morgenstunden herrschte in und um das Königsschloh von Versailles, wo die Rattonal- versarnrnlung heute die dritte Verfassung abändern soll, eine fieberhafte Tättgkeit. Für die Parlamentarier war eine Anzahl von Extra- zügen von Paris aus eingelegt worden und einige andere Parlamentarier kamen im Auto. Eine Schar von Photographen und Kinooperateuren hatte sich eingefunden, um die Auffahrt im Bilde festzuhalten. Die Rationalversammlung selbst ist im linken Flügel des Versailler Schlosses untergebracht worden, das seit 1871 für parlamentarische Debatten dient. 3n dem Saale tagte die verfassungsgebende Rattonalversammlung bis 1875 und später fanden hier die Kongresse d. h. die gemeinsamen Tagungen von Kammer und Senat statt. Außer der Wahl des Präsidenten der Republik, die hier vorgenommen wurde, dient es auch für seltene Anlässe, so. wenn es sich um eine Revision der Verfassung handelt. Die letzte Verfassungsänderung fand im 3ahre 1884 statt. Die Sitzung, die um 9.30 Uhr eröffnet wurde, begann außerordentlich stürmisch, der 78jährige Senatspräsident de Selves, der die Versammlung leitete, hatte einen schweren Stand. De Selves verliest die Arttkel der Verfassung von 1875, wonach die Kammer und der Senat das Recht haben, sich zum Zwecke einer Revision der Verfassung zur Rationalversammlung zu vereinigen. Der Präsideitt ging dann auf die bekannten Entschließungen der beiden Häuser ein, die sich auf die Schaffung einer Amortisationskasse beziehen und erklärt daraus die Rationalversammlung für v e r- fassungsgebend. Er schlug dann dem Kongreß vor. das Reglement anzunehmen, daß die Rationalversammlung in früheren Fällen beschlossen habe. Er forderte bann zur Abstimmung über bie Annahme des früheren Reglements auf und erklärte das Reglement für angenommen. Auf der äußersten Linken, vor allem bei den Kommunisten und den Sozialisten erhob sich stürmischer Lärm. Unter lauten Rufen: „Zum Wort! Zum Wort!" und unter Pultdeckelklappern erhielt schließlich der Sl^ialist Rena u d e l das Wort zu einer Erklärung, in der er auSführte. die Szenen, die sich soeben zugetragen hätten, zwängen ihn dazu, sich nicht an den Präsidenten, sondern an die Versammlung selbst zu wenden. Dor der Annahme des Reglements hätte dieses zunächst den Parlamentariern zugehen müssen. Der Redner beschwerte sich weiter darüber, daß er das Wort nur auf das Drängen seiner Freunde erhalten habe. Die Sozialisten seien nicht nach Versailles gekommen, um bie Versammlung zu stören, sondern ihre Ansicht zur Kenntnis zu geben. Ein kommunistischer Antrag auf Aufhebung des Artikels 39 der Ge^chästsori-nung, der bie Regierung ermächtigt, bei Vorschlägen auf Abänberung der Tagesordnung die Vorfrage zu stellen, wird hieraus in öffentlicher Qlbftimmung mit 690 gegen 175 Stimmen abgelehnt. Sodann verliest Ministerpräsident Poincare die Begründung des aus einem einzigen Artikel bestehenden Gesetzentwurfes. Er lautet: „Das verfasjungsgesetz vom 25. Februar 1875 wird wie folgt ergänzt: Die Autonomie der Kasse zur Verwaltung der Bonds der nationalen Verteidigung und Amortisierung der öffentlichen Schuld trägt verfassungsmäßigen Charakter. 3fjr werden bis zur vollständigen Amortisierung der Bonds der nationalen Verteidigung und der durch die Kasse verwalteten Wertpapiere zugewicsen: 1. die Einnahmen aus dem labatoerfauf; 2. der Ertrag der einmaligen Steuer bei Eigentumswechsel, die Erbschaftssteuer und die freiroidigen Abgaben: 3. im Falle, daß die anfgezählten Mittel nicht für die Verwaltung der der Kasse überwiesenen Fonds genügen sollten, soll eine entsprechende Annuität in das Budget ausgenommen werden." Während Poincare diesen Entwurf vorlas, unterbrachen ihn die Kommunisten verschiedentlich Die Regierung beantragt hierauf die Dringlichkeitserklärung der Beratung dieses Entwurfes, bie von der Rationalversammlung durch Hanbaufheben beschlossen tourbe., Der Entwurf toirb darauf an den Ausschuß überwiesen. Darauf entspinnt sich eine Debatte über die Zusammensetzung dieses Ausschusses. Schließlich wirb ber Antrag Bonnefou durch Handaufheben angenommen. Darnach sollen bie Finanzausschüsse in Kammer und Senat, bie zusammen aus 77 Senatoren und Olbgeorbnetcn bestehen, 30 Mitglieder für den Ausschuß ber Rationalversammlung unter sich wählen. Trotz Protestes der äußeren Linken beschließt bie Ra- tionalverfammlung darauf, bie heutige Dor- mittagssitzung zu schließen und um 3 Uhr nachmittags die Arbeiten wieber aufzunehmen. Bei Wiederaufnahme ber Sitzung kurz nach 3 Uhr wurde Präsident de Selves von dem Zentrum und der Rechten begrüßt, während die Sozialdemokraten und Kommunisten erneut Lärm erhoben unb den Präsidenten mit lauten Rufen empfingen. Präsident de Selves gab von ber Sitzung ber Kommission Kenntnis unb erklärte bann, bah ber Bericht ber Kommission noch nicht fertiggestellt sei, so bah bie Beratungen uni eine weitere Stunde vertagt werben mühten. Die Ankündigung erregte Lärm auf ber äußersten Linken. 3n ber allgemeinen Aussprache fragt bann der sozialistische Abgeordnete Leon D?um weshalb Senat unb Kammer bas Bedürfnis gefühlt hätten, sich für die Zukunft zu binden und auf diese Weise sich selbst gegenüber ein erstaunliches Mißtrauen an den Tag zu legen. Welches seien die Gründe zur Einberufung der Rattonal- versammlung? Etwa um, wie vor einiger Zeit bie „Times" schrieben, bie Amortisationskasse gegen die Beeinträchtigungen zu schützen, bie bie sozialistische Partei, wenn sie zur Regierung kommen würbe, ihr zufügen könnte, oder um eine günstigere Strömung der öffentlichen Meinung für sich zu schaffen? Wie dem auch sei, er unb seine Freunde würden nicht für den Entwurf stimmen, weil die im Auge gefaßte Lösung nicht die Finanzen der Ration retten und die Lage bessern werde. Die einzige wirksame Lösung sei bie von den Sozialisten vorgeschlagene. Die Regierung habe in Frankreich und im Ausland den Eindruck erwecken wollen, als ob die Amortisierung in automatischer Weise vor sich gehen könne. Auf diese Weise fei man durch ein sonderbares Paradoxon dazu gelangt, 10 Milliarden neuer Steuern annehmen zu lassen, ohne die großen Einkommen zu beunruhigen. Wenn die Preise noch weiter fliegen, wie es wahrscheinlich sei, so werde der Geldbedarf immer stärker werden und daher sei notwendigerweise damit zu rechnen, daß massenhast Franken zur Einlösung vorgezeigt würden. Was werde die Amortisationskasse bann tun? Die Regierung habe bie Wahl zwischen einer allgemeinen Konsolidierung ober ber 3 nf la t i o n, es sei denn, daß sie zu einer außerorbentlichen Steuer auf bas erworbene Vermögen greife. Man müsse das Land fragen, ob nicht ber erbrüdenben Steuerlast, bie von 3ahr zu 3ahr steige, em freiwilliges einmal gebrachtes Opfer vorzuziehen sei. Blum schloß mit den Worten, bie Regierung habe alle Aussicht, ihre Pläne burchzubringen. beim alle ilmftänbe seien ihr günstig. Wenn diese Regierung sich nicht durchsetzen werde, werde sie keine Entschuldigung haben. Wenn sie scheitern sollte, werde man wohl verpflichtet fein, zu ber sozialistischen Lösung zu greifen. Ministerpräsident PonrcarL weist die Behauptungen Blums mit Protest zurück. Blum habe es so dargestellt, als seien die von der Regierung vorgeschlagenen Lösungen in allen Punkten aussichtslos, das, was von den Sozialisten vorgeschlagen werde, habe alle Aussicht auf Erfolg. Poincare wendet sich bann mit einigen Worten zu ber Forderung Blums auf Einführung einer Abgabe vom Kapital. Die Regierung fei nicht der Ansicht, daß man die Gelegenheit benutzen solle, um ein Versa!sungsgesetz zu revidieren, da das parlamentarische Regime den Vorteil habe, sich allen llm ständen anzupassen. Aber die Regierung, die aus Männern zusammengesetzt sei, die -alle ihre Liebe zur Republik bewiesen hätten, sei auch der Ansicht, daß es sich nicht darum handeln könne, eine Verfassungsänderung in einer Periode vorzunehmen, in der es sich vor allen Dingen um die Währungsstabi- l i I i c r u n g handele. Es dürfe darüber jetzt nicht eine Debatte entstehen, in der unvorsichtige Worte ausgesprochen werden könnten. Die Verpflichtungen des Staates würden eingehalten werden. Allerdings sei Vertrauen zur Wiederherstellung der Ruhe nötig. Deshalb schlage bie Regierung vor, die Einnahmequellen der Amortisationskasse unantastbar zu gestalten. 3eht müßten die Vertreter des Landes durch eine feierliche Abstimmung ihre Degeistcrung für die Finanzsanierung krönen. Die Verpflichtungen, die der Staat eingeht, würden von nun ab durch die gesetzliche Vertretung des französischen Volkes unter die Auspizien der Republik und des Vaterlandes gestellt. Der Kommunist Doriot hielt darauf eine scharfe Rede unter steigendem Beifall seiner Kollegen unb wachsendem Protestlärm auf ber Rechten. Doriot erklärte, bie gegenwärtige Krise sei burch den Krieg ent- ft a n b e n , in ben Poincare das Land hineingeführt habe, um ben 3ntereffen ber Hochfinanz und der Schwerindustrie zu dienen. Die verschiedenen seit dem Kriege getroffenen finanziellen Maßnahmen feien gegen bie Arbeiterklasse gerichtet. Doriot tritt für bie Abschaffung des reaktionären Senats ein unb ruft die Proletarier zum Ausstand gegen feine lln- terbrüder unb zur Aufrichtung ber Diktatur auf. worauf ihn Präsident de Selves zur Ordnung ruft. Doriot erklärt, eine Versammlung. bie in diesem Saal vereint war, habe schon einmal zur Zeit ber Kommune die Pariser Arbeiter unterdrückt. Die kommunistischen Abgeordneten rufen laut: Es lebe bie Kommune! 3n dem entstehenden Tumult sind die Worte, die ber kommunistische Abg. Doriot gegen Präsident de Selves ausruft, nicht verständlich. Auf Vorschlag des Präsidenten wird hierauf Doriot das Wort entzogen. Dieser bleibt nichtsdestoweniger auf der Rednertribüne, während die Kommunisten unter Pultdeckelgellapper ein revolutionäres Lieb anstimmen. Präsident de Selves unterbricht die Sitzung, aber nach 15 Minuten, als de Selves wieder den Sitzungssaal betritt, befindet sich ber Abgeordnete Doriot noch immer auf ber Rednertribüne. Der Präsident kündigt an, er werde Doriot unter Anwendung ber ihm zur Verfügung stehenden Mittel abführen lassen. Die Kommunisten stürmen hieraus nach ber Rednertribüne. Der Kommunist C a ch i n' wendet sich gegen be Selves, der Kommunist Renaud 3ean gerät mit einem politischen Gegner heftig zusammen, andere Kommunisten eilen ihm zur Hilfe die Saaldiener greifen ein trennen die Streiten« den und drängen die Äommuniften zur Dank zurück. Die öffentliche Tribüne unb die Pressetribüne werden hierauf geräumt. Der Präsident schlägt vor, die Zensur gegen den Abgeordneten Doriot zu verhängen, worauf bie Kommunisten ein Pfeifkonzert anstimmcn. während bu Sozialisten sich in ruhigerer Form für Doriot einzusetzen bemühen. Der Präsident unterbricht hierauf nochmals bie Sitzung und der Militärbefehlshaber des Senaispalastes, General Pelletier, ein kriegsverleßter, dem der rechte Arm abgenommen wurde, erscheint im Sitzungssaal, gefolgt van fi.ben Soldaten, besteigt die Rednertribüne und fordert den kommunistischen Abgeordneten Dorloi auf, sie zu verlassen, was dieser auch tut. Die Kommunisten stimmen die 3nternotionale an, worauf die Rechte unb die Mitte mit dem Gesang ber Marseillaise antwortet. Hieraus wird die Tribüne wieder freigegeben und de Selocs erscheint, den Gesetzentwurf in ber H'-ud, und laßt unter dem Pultdeckelgellapper btr Kommunisten über den Schluß ber Generaldiskussion und über die einzelnen Arttkel abstimmen. Der Gesetzentwurf ist alsdann in feiner Gesamtheit in i t 671 gegen 144 Stimmen angenommen worden. Die Tagung der Rati^nalver- sammlung wurde darauf geschlossen. anfomme, auf dieser Grundlage durchzugreifen und ben parlamentarischen Willen zur Geltung zu bringen. Die Monarchie ist an jenem Morgen nur deswegen nicht mehr zu halten gewesen, weil ber Sturm ber Ereignisse über s i e hin- co e g g i n g. Als Scheibemann bann die bemo= krattsche Republik ausrief, hat er an dem politischen Ergebnis des 28. Oktober kaum noch etwas geändert, denn das Entscheidende, was hätte kommen können, die Räterepublik, lehnte er eben ab! So ist der Sturz der Monarchie zwar ein Ereignis von höchster ideeller Bedeutung. bie Beseitigung des Palladiums, unter dem Deutschlands Aufstieg sich vollzogen batte,, — aber eine grundlegende Reuerung gegenüber dem 28. Oktober 1918 ist sie nicht mehr gewesen. Eine weitere förmliche Reuerung war der Ausbau des Wahlrechts, wie er schon angedeutet war im ersten Aufrufe vom 12. Rovember, wie er bann durchgeführt wurde im Wahlgesetz für die verfassunggebende Rationalversammlung und den folgenden Wahlgesetzen für ben Reichstag. Das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht zum Reichstage hatte Bismarck schon eingeführt; es wurde jetzt ausgebaut durch Herabsetzung des Wahlalters auf 20 3ahre unb vor allem das Frauenstimmrecht. Daß diese alten Forderungen ber Sozialdemokratie jetzt ver- wiicklicht wurden, kann nicht verwunderlich fein. Das Proportionalwahlrecht hatte schon im Kaiserreiche seinen Einzug gehalten, allerdings nur für gewisse bidtbeDöUertc Bezirke, auch so kurz vor Toresschluß, daß keine Wahl mehr ftattfinben konnte. 3eht wurde auch diese alte Forderung ber Sozialdemokratie grundsätzlich erfüllt — obwohl sie jetzt nur noch ihren Gegnern zugute kommen konnte! Endlich wurden diese ganzen Reuerungen kurzerhand übertragen auch auf Preußen, ebenso wie auf die anderen Bundesstaaten. 3n Preußen wurde auf diese Weise die Frage gelost, die im Kriege zu den schlimmsten Folgen geführt hatte; es wurde mit einem Schlage gewaltsam das erreicht, was eine kurzsichtige Politik mit allen Mitteln hatte verhindern wollen. Daß die Frage des Wahlrechts auf diese Weise gelöst wurde, war natürlich und gar nicht aufzuhcttten. Wenn ein ganzes Volk in der Weise wie das deutsche vier lange 3ahre hindurch gekämpft. gedarbt und gelitten hat. wenn alle Kreise gleichmäßig au den Lasten des Krieges herangezogen worden sind, bann ist ber Gedanke bes allgemeinen gleichen Wahlrechts ber einzig mögliche. Unb ber unmöglichste Gedanke ist der. den Kriegsgewinnlern etwa burch ein nach Vermögen unb Einkommen abgestustes Wahlrecht einen Vorzug einzuräumen Das alles hätten sich die Konservativen im Kriege bei einiger Ueberlegung selbst können sagen. Sie muhten sich sogar sagen, daß auch ein siegreich aus dem Kriege heimkehrendes Volk sich ganz beftimmt das gleiche Wahlrecht holen würde, fei es so oder so. Für ben Fall einer Riederlage vollends konnte man vrtfc, SaI weniger an eine Der- Weigerung des gleichen Wahlrechts denken. Man kann aber weiter mit Sicherheit sagen, daß eine friedliche Auswirkung der Gesetze vom 2 8 Oktober 1918 bestimmt zur Einführung eines Wahlrechts geführt hätte, das vermutlich ähnlich gewesen wäre, wie das nunmehr eingeführte; höchstens das Frauenstimmrecht hätte vielleicht noch längere Zeit gebraucht, um sich durchzusehen. Auf alle Fälle ist das neue Wahlrecht von 1919 nichts, was außerhalb der gegebenen Linie der Entwicklung gelegen war. Die Revolution hat hier nichtetwasgrund- sählich Neues geschaffen, sondern sie hat nur dem schon im Anzuge befindlichen Neuen die letzten Hindernisse hinweggeräumt. Mit dem veränderten Wahlrecht wirkte die veränderte Stellung des Reichstags zusammen. Das bedeutsame Ereignis der Revolution hatte ja darin bestanden, daß der Rätekongreh auf eine Diktatur der Räte verzichtete und seine Rechte übertrug auf eine National - versammiung. die dann im Reichstage ihre Fortsetzung fanb. Damit war das parlamentarische Regimenc als Nerfassungssorm festgelegt, aber hierin bestand gar keine Neuerung mehr. Am 28. Oktober war schon das parlamentarische Re- giment eingeführt worden in einer Weise, die sich von der Weimarer Verfassung begrifflich überhaupt nicht unterscheidet. Der Schwerpunkt war bereits verlegt auf den Reichstag und seinen Exponenten, das Kabinett. Diese Neuerung stammt also nicht vom 11. August 1919, sondern 28. Oktober 1918; sie hat die Erschütterungen des 9. November 1918 überdauert! Eine rein äußerliche Neuerung bestand in der Einführung eines kollegialen R e i ch s m i n i st e r i u m s. Auch hier aber bleibt zu bcd -rticn, daß die „Stellvertretung des Reichs- kanzlcrV längst über die von Bismarck gewollte Linie hinaus entwickelt hatte. Die Staatssekretäre hatten schon vor dem Kriege eine gewisse selbständige Stellung, wenn auch der Reichskanzler noch formell ihr Vorgesetzter war. Rach dem 28. Oktober 1918 vollends war die alte Stellung überhaupt nicht mehr zu halten, da die Staatssekretäre neben dem Reichskanzler dem Reichstage parlamentarisch verantwortlich gemacht wurden. Die diesbezügliche Gesetzgebung konnte nur zu einem Zustande führen, der ziemlich genau dem entsprach, was in der Weimarer Verfassung festgelegt wurde: an der Spitze ein Reichskanzler, dem die eigentliche Führung in der Politik zukommt, neben ihm Ressortminister, die in ihrem Ressort eine gewisse Selbständigkeit haben, aber nur innerhalb der unter Führung des Reichskanzlers beschlossenen Richtlinien. Auch hier also liegt die eigentliche Neuerung auf dem 28. Oktober 1918. Eine weitere Neuerung endlich zeigte gerade mit aller Deutlichkeit, wie sehr die neue Verfassung von Weimar auf bemalten Fundamente aufbaute und wie sehr sie vor grundlegenden Umgestaltungen zurückscheute: die U m- gestaltung des Bundesrates zum R e i ch s r a tl Bei diesem Problem lag die Entscheidung Wer die Grundfrage des Deutschen Reiches und Volkes, die Frage des Föderalismus! Die sich in der Richtung auf den Einheitsstaat bewegende Paulskirche hatte Schiffbruch gelitten; der auf föderalistischer Grundlage auf- bauende Fürst Bismarck hatte Erfolg gehabt. Am 9. NvveiWer war es die Frage, wieweit jetzt diese Grundlage des alten Reiches sich bewähren und halten würde. Der erste revolutionäre Anlauf ging zweifellos auf den bolschewistischen Einheitsstaat hinaus; er scheiterte aber an der Tatsache, bah sich auch in sämtlichen Einzel st aaten sofort neue Regierungen btt» . beten und ihre Stellung verteidigten. Der erste Versassungsentwurf von Dr. Preuh beruhte aus i dem Grundgedanken einer Neueinteilung Deutschlands in „Gliedstaaten", ohne Berücksichtigung f der historischen Zusammenhänge; er scheiterte an dem offenen Widerstande fast aller Bevölkerungskreise. So ergab sich von selbst die Erhaltung des alten föderalistischen Fundamentes der Dismarckschen Verfassung, und es konnte nur darauf ankommen, es den neuen Verhältnissen anzupassen. Träger der Souveränität und eigentlichen Regierungsgewalt konnte der Reichsrat nicht mehr sein, da jetzt das parlamentarische Regiment die Grundlage bildete. Der Reichsrat konnte nur noch eine Vertretung der Einzel st aaten sein mit dem Charakter als Oberhaus oder Staatenhaus. Dieser Neuerung, wie sie sich in der Weimarer Verfassung findet, war aber auch schon der Weg bereitet worden durch die Gesetze vom 28. Oktober 1918. Durch die Einführung des parlamentarischen Regimentes war zunächst dem Bundesrat seine alte führende Stellung genommen, wenn es auch nicht mit Worten ausgesprochen war. Daß es aber von da an nur noch eine Art bvn Oberhaus darstellen sollte, kam klar zum Ausdruck in der Bestimmung, daß der Reichskanzler, die Staatssekretäre und die Kriegsminister dein Bundesrat verantwortlich sein sollten. Eine solche Konstruktion war nach der Dismarckschen Reichsverfassung gänzlich unmöglich; sie war nur möglich bann, wenn man eben den Bundesrat als eine Art von Oberhaus ansah. Auch diese Ausgestaltung der Weimarer Reichsverfassung also war nur die logische Folge der Neuerung vom 28. Oktober 1918. In ihrer äußeren Gestaltung steht die Weimarer Reichsverfassung zweifellos über der alten Dismarckschen Verfassung. Die letztere war ja im Grunde nur ein erweiterter Bündnisvertrag gewesen, in dem alles vermieden wurde, was den guten Willen zur Reichsgründung bei den Cinzelstaaten irgendwie beeinträchtigen konnte. Sie war aber weiterhin auch derart zu- geschnitten auf die Person von Bismarck, daß sie nach seinem Abgänge notgedrungen gewisse innere Wandlungen durchmachen muhte, die nicht auf verändertem Wortlaute, sondern nur auf veränderter Handhabung beruhten. Die Weimarer Reichsverfassung ist demgegenüber ein großzügiges Werk aus einem Guß, dem man in seiner Ausgestaltung vollste Anerkennung zollen muß, auch wenn man politisch nicht mit allem übereinstimmt. Das eine aber darf im deutschen Volke niemals vergessen werden: auch die Weimarer Reichsverfassung steht auf dem festen Grunde der Fundamente, die Bismarck geleg't hat. Mag auch die Regierungsform geändert worden fein: das Reich ist noch das alte, das Bismarck uns geschaffen hat Man wird nicht einmal sagen können, daß Bismarcks Andenken heute bewußt verleugnet werde. Einen Mann wie ihn hat c5 nur einmal gegeben, und keine Reichsverfassung konnte für die Dauer beruhen auf der Annahme, daß ein ebenbürtiger Nachfolger Bismarcks an des Reiches Spitze stehe. Wenn das deutsche Dolk sein Erbe verwalten wollte, dann blieb ihm schließlich gar nichts anderes übrig, als dies selbst mit eigener Kraft zu tun! Daß man fast drei Jahrzehnte die Fiktion aufrechterhalten hat, das Reich werde geleitet von einem wirklichen Nachfolger Bismarcks, das ist im Grunde die Erklärung für alles das, was sich zwischen 1890 und 1918 ereignet hat. Nach Bismarcks Abgang war der Weg zum parlamentarischen Regimente vorgezeichnet; man hätte nicht zu warten brauchen bis zum 28. Oktober 1918. Der 11. August 1919 vollends hat bewiesen, baß Deutschland selbst durch Bürgerkrieg und Straßenschlachten nicht von diesem vorgezeichneten Weg abzubringen war. Ob allerdings Las parlamentarische System auch für die Zukunft das Glück und das Heil des deutschen Volkes bedeutet. — das ist eine ganz andere Frage. Cs wird darauf ankommen, ob Bismarck auf deutschem Boden noch einmal Epigonen findet! Lin Zahr ökumenische Bewegung. Eine Unterredung mit Erzbischof Söderblom. Berlin, 9. Aug. (TU.) Auf der Welt- tagung der christlichen Jugend in Helsingsors hatte ein Vertreter des Evangelischen Presseverbandes Gelegenheit, den Primas von Schweden, Erzbischof D. Dr. Söderblom-Upsala, über die Entwicklung der ökumenisch-kirchlichen Arbeit seit der Stockholmer Weltkonferenz zu befragen. Die Aeußerungen Söderbloms, des bekannten Führers der mit Stockholm verbundenen ökumenischen Bewegung, sind um so bedeutsamer, als sie auf die unmittelbar bevor- stehende Tagung des Stockholmer Fortsehungsausschusses in Bern ein interessantes Licht werfen. 1. Auf die Frage, worin er hauptsächlich Fortschritt und Auswirkungen der ökumenischen Bewegung seit Stockholm sehe, führte der Erzbischof etwa folgendes aus: Das Jahr nach der Stockholmer Weltkonferenz ist hauptsächlich dadurch gekennzeichnet, daß dir dort behandelten Probleme den Ausgangspunkt für eine großzügige ausgedehnte öffentliche Diskussion bildeten. Als die Zentralfrage der gesamten Erörterungen bezeichnete der Erzbischof die Frage nach dem Reiche Gottes. Stockholm habe die Wichtigkeit des Reich-Gottes-Problems den Kirchen ins Gewissen gerufen; ihre unausweichliche Aufgabe sei es, auch in der Oeffentlichkeit das Verständnis dafür zu wecken und zu fördern. „Ich komme soeben von der Universität Dublin, an der ich Vorlesungen über Luther gehalten, habe. Sie sind zugleich eine Vorbereitung für e i n Lutherbuch, das ich demnächst in englischer Sprache veröffentlichen werde. Der Sinn meiner Vorlesungen war es, die große und tiefe Erkenntnis Luthers und der Reformation vom Reiche Gottes der anglikanifchen Welt nahe zu bringen, und ich habe dort großes Verständnis für die Werte der deutschen Reformation gefunden." Söderblom verwies hierbei auf das bedeutsame Werk eines Engländers über die Stockholmer Konferenz, in dem der Antei». der Lutheraner an den Verhandlungen sehr verständnisvoll gewürdigt und Luther als eine Art „Daß" in der Harmonie der Kirche gewertet wird. Zusammenfassend bemerkte Soderblom, das Jahr nach Stockholm sei zwar nicht reich an äußeren greifbaren Erfolgen, aber in solchen Dingen dürfe man nicht mit gewöhnlichen Maßstäben rechnen. 2. Auf die Frage: Was erwarten Sie von der Berner Tagung des Stockholmer Fortfeßungs- ausschusses ging Erzbischof Soderblom besonders ausführlich ein. Er verwies zunächst auf die Vorarbeit der Kommissionen. Einer der Hauptverhandlungs- gegenftände wird in Bern das internationale sozialethische F o r s chun g s in sti- t u t fein, dessen Gründung auf der Stockholmer Konferenz von Bischof Dilling- Schweden angeregt und von Prof. T i t i u s ° Berlin, dem Vorsitzenden der dafür eingesetzten Kommission, sehr entschieden unterstützt wurde. In der Frage der Ausgestaltung dieses Instituts stehen sich zwei Ansichten gegenüber Die eine möchte mit dem Institut einen großzügigen internationalen Apparat verbinden und ein Jnfonnatiensbureau für die breite Oeffentlich'eit mit mehr propa- gcurdisti scher Tendenz schaffen. Die andere Auffassung — und ihr scheint Soderblom ziuuneigen — ist die. daß hier mit aller Gründlichkeit ein Werk geschaffen werden soll, an dem alle ernsthaft interessierten Persönlichkeiten Mitarbeiten können. Das Institut soll gewissermaßen ein Zentrum werden, in dem die theoretische Grundlage der ökumenischkirchlichen Arbeit von Männern der Wissenschaft in gründlichem Studium erarbeitet wird. Es fehlt uns, so meint Soderblom, noch viel an der theoretischen Basis unserer Bewegung, die Idee der s o z i a I e n Wirksamkeit der christlichen Kirche müßte z. D. noch viel gründlicher herausgestellt werden. lieber die Aussichten der Kriegsschuldfrage befragt, die gleichfalls den Stockholmer Fort- sehungsausschuß auf seiner Berner Tagung beschäftigen wird, verwies Erzbischof Söderblom auf die gründliche Vorarbeit der Kommissionen, u. a. des Sonderausschusses, der unter dem Vorsitz des Engländers Garvie steht; besonders sprach er feine Anerkennung aus für die überaus feine und taktvolle Art. in der die deutsche Delegation, an ihrer Spitze Präsident Kapler- Berlin, diese heikle Frage behandelt habe. Zwar werde diese Frage gewisse Schwierigkeiten bereiten, aber diese feien sicherlich zu lösen, wenn man auf allen Seiten völlig loyal sei. | Schließlich sind wir, so schloß Soderblom., eine kirchliche Organisation und können eine politische Frage nicht aus der Welt schassen. 4. Zum Schluß äußerte sich der Erzbischof über die mit der ökumenischen Arbeit eng zusammenhängenden Frage der Stellung des Christentums im öffentlichen Leben. Es ist ausfällig, mit welch feinem Verständnis die Frage nach der tiefen Wirklichkeit des Christentums gerade von ganz einfachen Menschen ausgenommen wird, von Bauern, Tagelöhnern, besonders auch in der Arbeiterwest. Diese Menschen haben oft ein seines Gefühl für das, was Christentum heißt. Auf der andern Seite aber sind es die ihrer Verantwortung bewußten Staatsmänner, die im Christentum die einzige Macht sehen, die uns helfen kann. Söderblom erinnerte dabei an den früheren deutschen Reichskanzler Dr. Luther, den englischen Arbeitersühce M a c b o n a l d, den amerikanischen Staatssekretär Hoover. Alle diese Männer enrpsinden aufs tiefste ihre Verantwortung als Christen im öffentlichen Leben. Soderblom verwies ferner hierbei auf die führenden Juristen der großen Staaten: Reichsgerichtspräsident Dr. Simons (Deutschland), Lord Parmoor (England), die schwedischen Minister Frh. Marks v Würtemberg und Hamaskjöld. Bei allen diesen Männern, die im öffentlichen Leben eine einflußreiche Stellung haben, die keine Geistlichen oder Priester sind, liegt für das Christentum die einzige Hoffnung. Diese Tatsache ist eines der verheißungsvollsten Zeichen für die Zukunft der ökumenischen Bewegung. Wir brauchen nicht zu verzweifeln, wenn wir ein solches Echo in der Öffentlichkeit finden. Lin spanisch-italienischer Vertrag Mittelmeer. — Afrika. — Südamerika. — Die Ratsfragc. Rom, 11. Aug. (prio.-Ict) 3n Madrid haben am 7. August der italienische Gesandte und der fpa- nische Minister des Aeutzern einen Freundschaft^- und Schiedsgerrchlsverlrag unterzeichnet. Danach verpflichten sich beide Staaten, im Falle eines nicht herausgesorderten Angriffs einer dritten Macht völlige Neutralität zu bewahren. Der Vertrag regelt außerdem verschiedene zwischen beiden Regierungen schwebende Angelegenheiten. Eine besondere Bedeutung gewinnt das Abkommen dadurch, daß die Verhandlungen über die nordafrikanifchen Fragen noch nicht abgeschlossen sind. Der Vertrag wird von der italienischen Presse allgemein als ein großer bedeutungsvoller Akt gewürdigt. Die „Iribuna“ unter- fireichi als besonders wichtig die Bedeutung des Vertrages für die Stellung Italiens als Mittelmeermacht. Außerdem, so erklärt das Blatt, wird sich der Vertrag auch bei der Wahrnehmung der italienischen Interessen in Südamerika als vorleilhast erweisen. Giornale d'Jtalia hält den Vertrag seines umfas- enden Inhalts wegen für wichtiger als alle übti- jen von Italien mit anderen Staaten abgeschlof- enen llebereinfomraen. Der Vertrag dürfte sich wohl chon am nächsten Monat bei der Ratstagung und der Versammlung des Völkerbundes in Genf auswirken. Ls wurde kürzlich angedeutet, daß Italien aus dieser Tagung für die Erteilung eines ständigen Ratssihes an Spanien eintreten würde. Die Aufnahme in England. Verschiebung des Gleichgewichts im Mittelmeer. London, 10. Aug. (WTB.) Der italienisch-spanische Vertrag beschäftigt lebhaft die politischen Kreise. Don britischer Seite wird betont, daß man bisher keine Kenntnis von dem Entstehen des Vertrages gehabt habe. Gleichzeitig wird bemerkt, daß die Wirkung des Vertrages auf die öffentliche Meinung in Frankreich möglicherweise nicht unbedingt beruhigender Art sein und mit der Zusammenkunft Chamberlains mit Mussolini in Rapallo sowie mit der Londoner Reise des spanischen Königs in Verbindung gebracht werden könne. Den Aeußerungen der französischen Blätter wird daher mit großem Interesse entgegengesehen. Im Zusammenhang mit der britischen Stellungnahme in der Frage der Beteiligung Italiens am Tanger- Problem, die sich bekanntlich mit dem französischen Standpunkt nicht ganz deckt, wird zugegeben, daß es die Politik Großbritanniens sei, keiner Nation einen überwiegenden Einfluß in dieser Frage einzuräumen. „Manchester Guardian" betont, baß bis zum Zustandekommen des italienisch-spanischen Vertrags erfolgreich Stillschweigen gewahrt worben sei, werde als ausgesprochener Triumph der Methoden der alten Diplomatie im Gegensatz zu den unwirksamen und rhetorischen Methoden des deinokratischen Regimes begrüßt. Sowohl von der „Tribuna" als auch von der „Giornale d'Jtalia" werbe bie Bedeutung des Vertrages für die parallelen Interessen beider Länder besonders im Mittelmeer hervorgehoben. Der Korrespondent bemerkt, wenn auch in Rom keinerlei Andeutung gemacht werde, daß der neue Vertrag gegen Frankreich gerichtet sei, so sei es doch vollkommen klar, daß er eine Verschiebung des Gleichgewichts im Mittelmeer im Sinne einer Stärkung Italiens gegenüber der Stellung Frankreichs bedeute. Man dürfe nicht vergessen, daß fast an jedem Punkte der nordafrikanischen Küste die italienisch-französischen Beziehungen Reibungsflächen aufweisen. Abessinien, Tunis, Marokko und Tanger bildeten dauernd Gegenstand von Pressefehden. Für den Augenblick würden zweifellos die Ergebnisse des italienisch-spanischen Zusammenwirkens in Italiens Haltung gegenüber der Völkerbundspolitik Spaniens und in ihren Rückwirkungen auf die Tangerfrage gesucht werden müssen. Pariser Presseecho. Gute Miene zum bösen Spiel. Paris, 10. Ang. (WTB.) Der Abschluß des italienisch-spanischen Vertrages wird vom „Temps" begrüßt. Vom französischen Standpunkt aus könne man nur befriedigt fein, daß ein neues Band zwischen zwei Frankreich benachbarten Nationen geknüpft worden sei, von denen die eine gemeinsam mit Frankreich in Marokko vorgehe. Man könne die spanisch-italienische Freundschaft nur begrüßen int Hinblick auf den sicher zu erwartenden Zusammenschluß der lateinischenVöl- ker zur Verteidigung der Zivilisation. — Der „Paris Soir" schreibt, die faszistische Diplomatie habe in den letzten drei Monaten eine sehr große Tätigkeit entfaltet, ob es nun in Lybien, Albanien, in Kleinasien oder auf dem Balkan sei. Mussolini scheine die Rolle der früheren österreichisch-ungarischen Regierung übernommen zu haben. Bald habe er Jugoslawien und Griechenland geschmeichelt, bald diese Länder bedroht, und kürzlich habe er General Avarescu eingeladen, ihn zu besuchen. Das Abkommen scheine eine Vervollständigung von einer ganzen Reihe von Abmachungen zu sein, deren Inhalt aber geheim geblieben sei. Aber nach allent könne es auch sein, daß die beiden Diktatoren, der Führer der italienischen Faszisten und der Leiter des spanischen Direktoriums, einen Sicherheitspakt gegen eine Umwälzung unterzeichnen wollten. Amerika gegen Llemeneeau. „Impertinent und unverschämt". Neu York 10. Aug. (LU.) Während die amerikanischen Zeitungen fast ausnahmslos in Leitartikeln das Vorgehen Clemeneeaus mißbilligen, versucht der französische Geschäftsträger die vernichtende Wirkung des Brieses dadurch abzu- schwächen. daß er erklärt, Clemeneeaus Brief trage keinen amtlichen Charakter. Präsident Coolidge hatte von seinem Ferienort aus ein längeres Telephongespräch mit Staatssekretär Kellogg wegen des Briefes. Am nächsten Samstag wird der Präsident mit Hoover über die Schuldenfrage konferieren. Senator Ernst, der Hauptberater der Regierung in der Schuldenfrage, erklärte, Clemenceaus Worte seien impertinent und unverschämt. Aehnlich scharfe Worte werden Coolidge selbst zugeschrieben. Oberst House, der Vertrauensmann Wilsons während des Krieges, erinnert in „Mc. Calls Magazine" daran, daß die Amerikaner während des Weltkrieges und nachher hunderte von Millionen Dollar für Europa geopfert hätten, nur um jetzt Geldverleiher und „Shylocks" genannt zü toeri>en. Der Hauptgrund der europäischen Unzufriedenheit sei die Weigerung der amerikanischen Regierung, an der Rehabilitierung Europas teilzunehmen. Diese Nichtteilnahme sei die Folge des ewig währenden Konflikts zwischen der Exekutive und dem Senat. Neuyork Tribüne" meldet aus Washington, daß das amerikanische Schatzamt die Erörterung über Len offenen Brief Clemeneeaus ablehnte. Das Schatzamt habe aber angedeutet, daß der am meisten umstrittene Posten im Schuldenabkommen, nämlich 400 Millionen für das amerikanische Kriegsmaterial, von Frankreich wahrend derMinisterpräsibentschaftClemen- ceaus übernommen wurde. Die politischen Kreise erklärten, daß der Brief Clemenceaus den Widerstand des Senats gegen die Ratifizierung des Schuldenabkommens weiter verstärken werde. Der BaManstreit. Eingreifen der Großmächte in Belgrad. Belgrad. 10. Aug. (Wolff.) Der bulgarisch-jugoslawische Streit über die Bandenüberfälle auf die beiderseitige Grenze ist in ein neues Stadium getreten. Der jugoslawische Gesandte in Sofia. Sa- kitsch, wird voraussichtlich noch Im Laufe des heutigen Tages eine Note feiner Regierung in Sofia übergeben. Wie „Vremo" erfährt, enthält sie folgende Forderungen: 1. Auflösung des mazedonischen Komitees, 2. Auslieferung der Komitatschiführer 3. Entschädigung an die Familien der bei den jüngsten Grenzzwischenfällen ums Leben gekommenen Personen. Nach Mitteilungen aus Sofia wird die bulgarische Antwort auf diese jugoslawische Note darauf Hinweisen, daß kein Beweis dafür vorhanden sei. daß Banden Don bulgarischem Gebiet auf jugoslawisches, griechisches und rumänisches Gebiet über getreten feien. Wenn man von Bulgarien eine hermetische Absperrung der Grenze verlange, so müsse man bedenken. daß infolge des Friedensvertrages nicht mehr als 20 Gendarmen zur Beobachtung einer 50 Kilometer langen Grenz- strecke zur Verfügung stehen. Bulgarien habe nichts zu verbergen und sei jederzeit bereit, sich dem Spruch einer internationalen Untersuchungskommission zu fügen. Die Großmächte, denen die Verantwor- tung für die unhaltbaren Zustände auf dem Balkan voll und ganz zufällt, haben sich herbeigelassen. dem üppig gewordenen Jugoslawen einen Dämpfer auszusehen. Der englische Gesandte in Belgrad erschien gestern beim Minister des Aeußeren Nintschitsch und ersuchte ihn um Informationen über die jugoslawische Note an Bulgarien. Der Gesandte betonte, daß seine Intervention mit Wissen und Zustimmung Italiens und Frankreichs erfolge und empfahl dem Minister des Arnhem, den jugoslawisch-bugarischen Streitfall der Septembertagung des Völkerbundes zu unterbreiten. Nintschitsch gab die Wünsche der jugoslawischen Regierung bekannt und versicherte dem Gesandten, daß die Haltimg der jugoslawischen Regierung nicht im geringsten aggressiv sei. Empfang des diplomatischen Korps durch den Reichspräsidenten. Berlin, 10. Aug. (WB.) Der Herr Reichspräsident empfing heute nachmittag im Garten seines Hauses die Mitglieder des diplomatischen Korps mit ihren Damen zum Tee. An dem Empfang nahmen u. a. der Reichskanzler, der Reichsminister des Auswärtigen, der Reichstagspräsident, sowie die Abteilungsleiter des Auswärtigen Amtes mit ihren Damen teil. Die Landtagsauflösung in Hessen. Darmstadt, 10. Aug. Amtlich wird be- temntgegeben: Zur Beschlußfassung über das Volksbegehren auf Auslösung des 3. Hessischen Landtags gemäß Artikel 10 und 20 des Gesetzes über Volksbegehren und Volksabstimmung vom 17. März 1921 findet am Donners- tag, den 12. August 1926, vormittags 11 Uhr, im Staatsministerialgebäude, Neckarstvaße 7, die Sitzung desLandesabstimmungsaus- schusses statt. Die Verhandlungen sind öffentlich. Aus aller Wett. Gedenkfeier für Otto Lilienthal. Unter der Lilienthal-Höhe in Lichterfelde, am Fuß des Monumentes für den Vater der modernen Flugkunst, fand am Dienstagnachmittag anläßlich des 30. Todestages Otto Lilienthals eine Gedenkfeier statt, zu der der Aero-Klub von Deutschland andere Luftsahrtorganisattonen geladen halte. An der Feier nahm u. e aui dem Bal- xn sich herbei- -en Jugoslawen englischeGe- >stern beim TKv und ersuchte ihr. goslawische Die ;tonte, dah smne und Zuslim« ankreichs er- >t des Amern Stteitsall d" .ölkcrbundes ch gab die Dun- mg bekannt uw die Haltung der im genngfim orps durch reuten. s?ss* igwE- \W 3. «m L 20 irtikel 1 ''«Jjflb* sä« b'""' gzrlt- t w der it den Mittag °'SZS -:kKx tpobe*cr daß die Feier der Qluftaft zu einer großen ®ebenfDcranftaltung für Otto Lilienthal sei, die im September stattfinden werde und anläßlich der man einen Lilienlhal-Hain ins Leben rufen wolle. Festnahme eines schweren Jungens. Ein auf Urlaub in Köln weilender Kriminal- beamtet erkannte auf der Straße den vielgesuchten Ein- und Musbredjer Heinrich Metzler wieder und veranlaßte seine Festnahme durch einen Schupobeamten. Die Festnahme gelang jedoch erst nach schwieriger Jagd durch mehrere Straßen, da Metzler den ihn verfolgenden Beamten dadurch zu entkommen suchte, daß er auf dem Hohenzollern- Ring in ein Tafö hinein- und auf der entgegengesetzten Seite wieder hinauslief. Auf der Lütticher Straße sprang er auf einen gerade vorbeifahren- den 'Autoomnibus und befahl dem Führer unter Dorhaltung feiner Pistole, schnellstens mit ihm da- vonzufahren. Als der Kraftwagenführer dem Ansinnen nicht nachkam. er vielmehr Anstalten traf, ihn festzuhalten, schoß Metzler ihm eine Kugel in den Arm. Die dann zugrcisenden Beamten hatten Mühe, das in große Erregung gekommene Publikum von dem Festgenommenen, den man zu mißhandeln oer- suchte, abzuhalten. Metzler war zuletzt aus der Strafanstalt in Landau in der Pfalz ausgebrochen. Er hat insgesamt noch 16 Jahre Zuchthaus zu verbüßen. licberfaU in einem Eisenbahnzug. In der Nacht zum 1. August erschienen in einem Cisenbahnwaggon des Personenzuges Sillei n — Kaschau maskierte Räuber. Einer der Reisenden riß, als'er den ersten der maskierten Räuber sah. diesem die Maske vom Gesicht. Der Mann gab daraus sofort drei Revoloerschüsse auf den Reisen- den ab, die diesen auf der Stelle töteten. Darauf zog der maskierte Räuber die Notbremse und die Bande sprang bei der Gemeinde Warin ab und flüchtete. Erdstöße in Island. Im Lause des Sommers gab es zu verschiedenen Malen Erdbeben auf Reykjanes in der Nähe des Reykjaneser Leuchtturms. Diese Stöße haben in den letzten Tagen in beunruhigender Weise a n Starke ,ju genommen. Im Laufe des Sonntags erfolgten 50 Stöße: in der darauf folgenden Nacht bewegte sich die Erde die ganze Nacht hindurch, so daß die Bevölkerung nicht in den Häusern bleiben konnte. Die Möbel beweg- ten sich von ihren Plätzen. Bis jetzt sind Meldungen über Materialschaden noch nicht eingelaufen. Ein neuer Kandidat für die Kanaldurchschwimmung. Der deutsch« Dauerschwimmer Otto Kem- mer id> wird am 12. August von Husum nach England abreifen, wo er einen Versuch zur Durch- schwimmung des Aermelkanals unternehmen wird. Kemmerich wird alles aufbieten, um den von Fräulein E d e r l e auf gestellten Weltrekord zu drücken. Die Goldschätze der Bettlerin. Eine alte grau, Clise Kobeleh, die sich durch Vetteln ernährte, wurde von der Polizei aus ihrer Verliner Wohnung in der Mulackstrahe entfernt. weil sie durch die Unfauberfeit in ihren Wohnräumen die Gesundheit der Mitbewohner des Hauses gefährdete. Den in die Wohnung eindringenden Kriminalbeamten bot sich ein furchtbarer Anblick, und ein infernalischer Geruch schlug ihnen entgegen. Ein Beamter, der den Küchenschrank erbrach, fiel in Ohnmacht. Zur größten Ueberraschung entdeckten die Beamten, daß die fchmutzstarrende Bettlerin eine schwerreiche grau ist. 3m Strohsack des Bettes fanden sie 31 000 Mark in Gold, 4000 Mark in Silber, 42 000 Mark Kriegsanleihe und ein Sparkassenbuch über 116 000 Mk. Der aufgefundene Schatz wurde einstweilen beschlagnahmt. Flugzeugunfälle in Aegypten. Bei drei verschiedenen Flugunsällen wurden drei britische Flieger getötet und zwei verletzt. Bei einem Unfall stürzte ein Flugzeug am Morgen in der Aähe der Pyramiden zur Erde, während dichter Aebel herrschte, der hier sehr selten ist. Wettervoraussage. Verhältnismäßig kühl, halb bis ganz bedeckt, westliche Winde und weitere Regenfälle. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 24,3 Grad Celli us, Minimum 13,6 Grad Celsius. Heutige Morgentemperaturen: 19,0 Grad Celsius. Aus der provinzialhauptstadt. Gießen, den 11. August 1926. Heimliches Feiern. Wenn die drei großen Feste des Jahres im Reigen der Monate zu uns kommen, oder wenn die vielen kleinen und größeren Festtage im Familien- und Freundeskreis das ewige Einerlei willkommen unterbrechen, so schieben wir beiseite, was uns sonst Alltag und Berus aufbürden, und geben uns für ein paar Stunden der Sorglosigkeit, der Fröhlichkeit hin. Wir geben freundlichen Gedanken Raum und legen festliche Kleider an, in froher Stimmung schmücken wir uns selber und schmücken auch unser Haus mit Blumen. Und wir teilen Festfreude und Fest- ftimmung mit Menschen, die uns lieb und wert sind. Wer aber hat nicht Gedenktage in feinem Leben, die ihm ganz allein gehören? Wer erinnert sich nicht in Treue an Stunden, die ihm, ihm allein ein Geschenk, feinem Leben allein reichen Inhalt gaben? An Tage, die mit hellem 2eud)ten durch unser Geben gegangen sind, die hohe Feste für uns, für uns allein bedeuten, obschon außerhalb unseres eigenen Lebens grauer Werktag war. die da kamen und gingen, keinem anderen bedeutungsvoller als jeder gewöhnliche Tag. uns aber das Gnadengeschenk des tiefen Erlebens brachten? Und mag eS sich dann zu Glück ober Leid gewandelt haben — und bleibt nicht das Leuchten solcher Tage gleich groß und rein? Und wenn wir die Jahre durchleben unb die Tage zählen und uns sagen: nun kommt der Tag wieder, der mich einst so reich beschenkt. kehrt da nicht wieder FeiertagSstim- mung in unser Herz ein? Unsere Seele flieht aus dem Werktag und hüllt sich in das Festgewand der Ruhe, unsere Hände legen die Arbeit hin und halten stillen Feiertag. Wir möchten dem gewesenen, erlebten Großen. Schönen ein Dankopfer bringen, mit unferm stillen Feiern und Gedenken, wir füllen unser Haus mit Blumen — Blumen für uns und unser Erinnern allein — weil wir Festtag haben, hohen großen Festtag, den Blühen und Duften nicht minder schmücken sollen, als die Festtage, die wir mit all den andern begehen. Wir holen die immer wiederkehrenden Blumen herbei zu unferm immer wiederkehrenden heimlichen Feiern! Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Versafsungsfeier: 8l/x Uhr StadttHeater. — Licht- spielhaus, Bahnhofstraße: „Cicbc und Trompeten- blasen." -Palast-Lichtspiele: „Carlos, der Abenteurer." — Sonderkonzerte. Man schreibt uns, daß für das 1. Eonderkonzert am Donnerstagabend im Philosophenwald ein geschickt zusammen- gestelltes Programm zum Vortrag gebracht werden wird. Wie bei den bc :bten Abonnements- konzerten wird auch diesmal die Kapelle sich für Streichmusik einrichten. es ist zu hoffen, daß das Konzert im Freien abgehalten werden kann. Aus der Musikfolge sind delonders hervorzuheben: „Das Liebesmahl der Apostel" (eine biblische Szene), R. Wagner, „Prinz Eugen, der edle Ritter" und „Historische Märsche von 1400 bis 1900". Ein Besuch wird jedem Freund der Militärmusik empfohlen. * •• D i e Spareinlagen erreichten bei den hessischen Sparkassen Ende 3uni 1926 den Betrag von 55,1 Millionen Rm.. die Girogut- Haben den Betrag von 18,3 Millionen Rm. 3m ersten Halbjahr 1926 ist somit eine Steigerung um 15,9 Millionen Rm., bzw. 4,7 Millionen Rm. eingetreten. •’ D. H. C. Dom besten Wanderwetter unterstützt, unternahm der V. H. C. Gießen am Sonntag seine Augustwanderung nach dem schönen Lahntal. Bei der Ankunft in Rassau hatte sich der herrschende Frühnebel, der die Lahnberge umhüllte. verzogen, und die liebe Sonne behauptete fast für den ganzen Tag das Feld. Ueber Derg- Rassau mit hübschem Rückblick auf Rassau und den Burgberg ging es zum lieblichen Mühlbachtal, das unstreitig das schönste Seitental der Lahn ist. Bald einem schmalen Fußpfad am Dache entlang, bald hoch über dem Tal gehend, genoß man herrliche Ausblicke auf das vielgewundene Tal, auf stelle Berahänge. bewaldete Höhen und saftige Wiesengründe. Auch dem Aussichtspunkt .Dr.-Haupts-Ruhe" mit prächtigem Rundblick, auf allerdings ziemlich stell ansteigendem Fußpfad. wurde ein Besuch abgestattet. Rach genügender Erholung auf der idyllisch gelegenen Schulmühle ging eS über den Schlldekopf. der wiederum einen wundervollen Rundblick bot. zur MlltngSrast nach dem hochgelegenen Städtchen Singhofen. Den Beschluß der genußreichen Wanderung bildete der Weg durch das wildromantische Dörsbach- oder Jammertal mit schroffen Felspartien am luftig plätschernden Dach entlang über den Klosterberg mit reizendem Dl ick in das Lahntal zum herrlich gelegenen Kloster Arnstein. dessen Geschichte und Entstehung von einem der jetzt dort weilenden frommen Drüder bereitwillig erläutert wurde. Da die am Ausgange des Tales gelegene Klostermühle wegen Ueber- füllung die nahezu 80 Teilnehmer nicht alle auf- nehmen konnte, wurde der Schlußtrank auf der Terrasse einer Wirtschaft am Dahnhof Obernhof, von wo die Heimfahrt erfolgte, eingenommen. * 3m Lichtspielhaus, Dahnhof- st r a h e läuft gegenwärtig der Film „Liebe und Trvmpetenblasen" — „eine luftige ■Begebenheit aus dem heiteren Wien vergangener Tage", wie der Untertitel befagt Das Film- manuskript wurde nach dem gleichnamigen Guft- spiel von Hans Sturm und Hans Dachwih bearbeitet. Die vorzügliche Besetzung der Hauptrollen gibt dem Film eine beachtenswerte Basis. Harry Liedtke (Rittmeister Ottokar Reichsgraf von Epvenstein) ist ein charmanter, schneidiger Offizier, der auch in den unmöglichsten Situationen einen Ausweg findet. Die Rolle der Komtesse Maria Charlotte, seiner kleinen Frau, die er auf höheren Befehl lieben lernen muß (und auch lieben lernt), lag bei Lilian Harvey in guten Händen. Eine gute Figur war auch Hans 3unkermann als Major Frosch von Fröschen, der „intelligente“ Kommandant einer kleinen Garnison. 3m ganzen: ein Bildstreifen, der viel Heiterkeit erregt und d^n .sommerlichen" Ansprüchen der Kinobesucher Rechnung tragen dürfte. *z. *• D ie Maul- und Klauenseuche ist in 3 nheiden ausgebrochen. Es wird ein Sperrbezirk gebildet aus der Gemarkung 3n- heiden und ein Beobachtungsbezirk, bestehend aus den Gemarkungen Utphe und Trais- Horloff. Preußen. Kreis Wetzlar. I Groß-Rechtenbach, 10. Slug. Ein schwerer Motorradunfall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel, ereignete sich heute nachmittag bei Langenhain-Ziegenberg. Am steilen Berg fiel von einem Motorrad mit Deiwagen die Antriebskette herunter. Der Motorradfahrer machte seine im Beiwagen sitzende Frau hierauf aufmerksam, die, einen Unfall befürchtend, aus dem fahrenden Beiwagen heraus- sprang und dermaßen aufdenKopfzu Fall kam, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Der Motorradfahrer und fein auf dem Soziussitz fitzendes 13jähriges Kind blieben unverletzt; auch das Motorrad erlitt keine Beschädigungen. 0 Oberkleen, 10. Aug. Jagdaufseher Eigen st etter von hier erlegte im hiesigen Gemeindewald auf dem Ansitz einen Keiler, der „aufgebrochen“ ein Gewicht von 101 Kg. hatte. Cs ist dies das dritte Wildschwein, welches innerhalb 14 Tagen im hiesigen Jagdbezirke zur Strecke gebracht wurde. 0 Vollnkirchen, 10. Aug. Hier hat sich ein Kleinkalibersch ühe «verein gegründet, der sich die Pflege des Kleinkaliberschleßsportes zur Aufgabe macht. Der Verein ist Mitglied des Verbandes hessischer Kleinkaliberschühenvereine; er zählt 35 Mitglieder. Dem Vorstände gehören an: Fr. Rücker als Vorsitzender, Wilhelm Vogt als Schatzmeister und Wilh. Ulm als Hauptschießleiter. Der Schiehstand ist auf einem von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Platze eingerichtet. 0 Tiefenbach, 10. Aua. Unter dem Namen „Lahnwiesen > Bewässerungs - Genossenschaft Tief enbach" hat sich hier eine Genossenschaft gegründet, die sich die Bewässerung von Grundstücken und die Unterhaltung von Bewässerungsanlagen nach einem von dem Kreisbaumeister F1 e n b e r, Wetzlar aufgestellten Plane zur Aufgabe mache. $ie Satzung der Genossenschaft ist durch den Regierung^räsi- deuten zu Koblenz genehmigt. Kreis Biedenkopf. T WaldgirmeS, 10. Aug. 3n den letzten Tagen war hier Hochbetrieb im Handel mit Frühbirnen. Cs wurden 7 bis 9 Mark pro Zentner gezahlt. T Raunh eim, 10. Aug Dieser Tage kam es auf unserer KirmeS in der Dbendpaufe zu einer wüsten Schlä gerei, wobei zwei Brüder auS Hermannstein verletzt wurden. Die hiesige Krankenschwester legte die ersten Verbände an. — Gestern wurde der Zimmermeister Reeb von hier, ein alter Einsiedler m dem einzigen Häuschen jenseits der Lahn, als Leiche auS dem Wasser gezogen. Reeb war lange Zeit in Ame- dika, wo feine Kinder in guten Verhältnissen leben. Das Heimweh hatte ihn vor mehreren 3ahren wieder in die alte Heimat gezogen. Dillkreis. WER. Dillenburg, 9. Aug. Gestern fand ein Lokomotivführer bei Riederfcheld in der Dill in der Rähe der Blockstelle die Leiche eines unbekannten ManneS, die schon längere Zeit im Wasser gelegen haben mich. Wie die polizeilichen Ermittlungen ergaben, handelt es sich um einen Mann von 48 Jahren, gebürtig aus Straßburg, der von seiner Frau geschieden ist. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Nachklänge zum Flessa-Prozetz. WER. Frankfurt a. M., 9. Aug. Die Gerüchte, daß die verurteilte Krankenschwester F1 e s s a einem Herzschlag erlegen ist, sind unzutreffend. Ob gegen das Urteil Revision eingelegt wird, sei es von der Staatsanwaltschaft, sei es von der Verteidigung, steht noch dahin, jedenfalls ist bis jetzt eine dahingehende Erklärung noch nicht abgegeben worden, noch hat die Angellagte das Urteil angenommen. Die Kosten des Prozesses werden in die Tausende gehen, und besonders der zweite Prozeß wird recht teuer sein, da zahlreiche der geladenen Zeugen von weither kommen mußten. Schon während der Verhandlung trafen mehrfach an das Gericht Schreiben in dieser Sache ein. Der M. T. V. Gietzen auf dem Rhönlurnfeft. DaS am letzten Sonntag auf der Wasserkuppe abgehaltene Rhönturnfest, über das bereits an dieser Stelle berichtet wurde, brachte dem Männer-Turnverein Gießen einen vollen Erfolg. Sämtliche zum Wetturnen entsandten Turnerinnen und Turner konnten sieggekrönt heimkehren. Es errangen beim Frauenturnen Else Dickeihaupt den 1. Sieg, Tilly Efpach den 2. Sieg, Mariechen Röhmig den 9. (Sieg; in der Turner-Oberstufe Heinz Meyer den 18. Sieg und Ludwig Malko.mefiuS den 20. Sieg. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Donnerstag, 12. August. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des HauS- ovchesters: Leoneavallo. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45 Uhr: Uebcrtragung von Kassel: „Richtlinien für die moderne Fütterung des Milchviehes nach dänischen Mustern". 6.45 bis 7.15 Uhr: Stunde des Süddeutschen Radioclubs. 7.15 bis 7.45 Uhr: „Die deutsche Amateur- Photographie". Dortrag von Otto Mehrens. 8.30 Uhr. Uebertragung von ‘Berlin: Romantischer Abend. Anschließend: Reue Schallplatten. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bl» 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefugtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenaufträge find lediglich an die Geschäfts st eile zu richten. Verantwortlich für den lokalen Teil i.D.: Dr. Hans T h h r i o t. f.kukenthxxl °XCSC^»vVCtl t»lcTC im 21. Lebensjahre. In tiefem Schmerz: - Ohne Ohlor- Gietzen (Hardt), 11. August 1926 05523 Ausführung aller Möbelhaus 6544D Neuenweg 23 Niedrige Preise Beste Arbeit ;,,UD । 6541A Wnm.-Mhn. i erster Firmen Gur möbl. sonniges GkSkekes luüBfitielies Werl in 654 3D zurück. HamburgerKaffee- verrandbauö sucht gut eingesührten Vertreter Angebote mit Referenzen unt.L.V. 30925 an Ale - Haaieistein Freitag, 13. Ana., abends 8'/, Uhr: Monals- versammlung im N.-C., L Stock. Ossas Der Vorstand. Fritz Spira Lilian Harvey Mary Kid Harry Liedtke Harry Halm Hugo Flink Hans Junkermann Pani Morgan Peter Voß Ellen Plessow An gebildetes Ehepaar 2 gut möbl. 3 i nr in e r in mod. Haufe abzug Schr. Angeb. unter 05591 a. d. Gieß. Anz W. Port Grünberg. Lollar, den 10. August 1926. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 12. August, nachmittags 4 Uhr, statt. Erzherzog Leopold............. Komtesse Maria Charlotte..... Josefa von Pokorny............ Rittmeister Ottokar............ Leutnant Karl, sein Vetter.... Baron Brechtl, Adjutant ...... Major Frosch von Fröschen.... Fllegenbein, sein Bursche..... Rekrut Dirmoser............... Amalie Spießlein, Kammerfrau (9tenbau), sofort bezieh b., zu verm. Näh. Crcdnerstr. 161. Tapezierer-, Polsterer- C.Leisler) unj Dekorationsarbeiten Die trauernden Hinterbliebenen I. d. N.: Karl Gerlach Wwe. Schokolade Kakao Heute mittag 12 Uhr entschlief sanft nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden unser herzensguter Sohn, mein einziger Bruder Heinrich Euler, Techniker im blühenden Alter von 21 Jahren. In tiefem Schmerz im Namen aller Hinterbliebenen: Familie Heinrich Euler. Wieseck, den 10. August 1926. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 12. August, nachmittags 5 Uhr, vom Sterbehause, Ermelgasse 3, aus statt. Eiente ta-Expsfc Gießen,Lindenplatz 1,Telephon 1257 Erwin Wendt Erna Wendt, geb. von Zangen Vermählte Bietzen sucht zum Herbst für das Kaufmännische Bureau einen Lehrling Damen- Bedarfsartikel Wochenbett* Ausstattungen sowie alle 64,0 Zagdverpachtung. Die hiesige Gemeindejagd, 460 ha, davon 82 ha Wali), an größere Staatsund Markwaloungen angrenzend, wird Donnerstag, den 26. August l. I., uachmittagS 31/. Uhr, im hiesigen Rathaus auf 6 Jahre öffentlich verpachtet. Ranstadt, den 9. August 1926. Hess. Bürgermeisterei Ranstadt. 6518D Birkenstock. Brieftasche mit Inhalt von (Schiffen berg über Llcher Strane nach dem Brandplatz verloren. Geg. Belohn, abzug. •>ss,s Brandplaü 3. Gnnuni'Bcttsioffo Sämtliche Gummiwaren : Drogerie Winterhoff Getrennte . Abteilung vormittags 9 Ähr, auf dem Rathaus zu Allendorf a.d.Lahn Berschleifungsarbeiten Mk 1700.— veranschlagt in 2 Losen, vergeben werden. Die Berdingungsunterlagen liegen auf Hess. Bürgermeisterei offen, wohin die Angebdte in Prozenten des Voranschlags verschloffen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei bis zum Eröffnungs- lermin einzureichen sind. Zuschlagsfrist 14 Tage. 6538V Gießen, den 7. August 1926. Hessisches Kulturbauamt Gießen. H. Steinbach. 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August 1926, WS Ar. 186 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Mittwoch, U. August 1926 Aus Natur und Technik. Der Empfang der Rundfunkwellen. r Don Dipl.-Jng. Mangold, Duisburg. (Nachdruck verboten.) Die von den Nundfuntsendern ausgestrahlten elektrischen Wellen sehen sich aus der ursprünglichen, ungedämpften Trägerwelle und der dieser überlagerten Welle zusammen, welche durch die Aufnahme der Sprache oder dec Musik erzeugt ist und ihr genau entspricht, wenn sie auch eine Umwandlung der langsam schwingenden Schallwelle in eine elektrische Welle barfteilt. Die zuerst erwähnte Welle, die Trägerwelle, wird auch dann ausgestrahlt, wenn der Sendeapparat nicht besprochen wird. Die Empfangstechnit steht nun vor der Ausgabe. die Welle des gewünschten Senders dem Aether zu entnehmen und sie so umzuformen, baß die Sprache oder die Musik, durch deren Tonschwingungen 'die Welle moduliert wurde, im Hörer oder im Lautsprecher wiedergegeben werden fanu Wir besitzen heute allein in Deutschland Drehkondensator der Antenne C1 Antennenspule L1 und Erdung E, und den Lenkundär- kreis bestehend aus Selbstinduktivnsspule L2 und Drehkondensator C 2. Dre Kopplung zwischen beiden Kreisen wird als fest bezeichnet, wenn die Spulen eng zu- sammenstehen. und als lose, wenn sie weiter entfernt sind. Im ersterem Falle erreicht man wohl eine größere Lautstärke, aber auch eine viel weniger große Störungsfreiheit. Insbesondere ist herauf hinzuweisen, daß durch eine zu feste Rückkopplung nicht nur der eigne Apparat, sondern auch die ganze Nachbarschaft in dem Rundempfang gehindert werden kann. Auf ganz ähnliche Weise kann man nun an den zweiten Kreis noch einen dritten und an den dann auch noch weitere koppeln. ilnfet Ohr vermag aber nun auf den von der Antenne ausgenommenen Strom von einigen Hunderttausend Schwingungen nicht reagieren. Um die hochfrequenten Schwingungen hörbar zu machen, müssen wir den umgekehrten Weg als wie beim Sender einschlagen. Die hochfrequenten Schwingungen müssen so umgewandelt werden, daß aus ihnen die Tonschwingungen entnommen muß. um noch einen Gleichstrom hervorzurufen. Dleibt sie darunter. Io kommt wohl noch ein schwacher Strom zustande, welcher aber kein Gleichstrom. sondern ein Wechselstrom ist. da die negative Halbschwingung genau so groß wie die positive ist. Hierdurch erklärt sich auch, warum der Detektor nur bei ganz nahen Sendern Verwendung finben kann. Sehr ferne Sender verursachen in dem Detektor eine so geringe Spannung, daß nut ein Wechselstrom zustande kommt, welcher auch trotz Verstärker im Telephon keine Schallschwingungen hörbar machen kann. Die zweite Möglichleit, hochfrequente Ströme im Telephon hörbar zu machen, gibt uns die Elektronenröhre. welche als ein ideales, masseloses Relais anzusehen ist. Sie besteht bekanntlich aas einer birnenförmigen, aufs höchste luftleer ge- pumpteit Glasröhre, welche im Innern einen Heiz- fabelt H enthält, der durch den einer Heizbatlerie entnommenen elektrischen Strom zum Glühen gebracht wird. Ihm gegenüber befindet sich eine Metallplatte K und dazwischen ein Gitter G. Beim Glühen des Fadens geht nun der Strom der Anodenbatterie vom Heizfaden (Kathode) nach der Metallplatte (Anode) über, ohne daß Schema des Empfanges mit Zwischen- und Sekundärkreis. Schema des Detektors. Charakteristik des Kristalldetektors. Schema des Audion- empfängers mit Rückkopplung. G Schema der Elektroröhre mit Gitter. Ansicht einer Elektronenröhre. zur Zeit 20 Sender und in ganz Europa mögen es wohl rund 50 sein, welche entweder alle oder viele gleichzeitig ihre verschiedenen Welleit in den Aether ausstrahlen. Dazu kommen noch eine Reihe Telegraphiesender, deren Wellenlängen auch im Bereiche derjenigen des Rundfunkes liegen. Nur mit Hilfe der Gesetze der Resonanz ist es möglich, sowohl ganz bestimmte Wellen von jedem Sender auszusenden, als auch jede einzelne Welle im Empfangsapporat so aufzunehmen, daß keine Störung durch die übrigen Wellen eintritt. Zu diesem Zwecke muß im Empfangsapparat die Möglichkeit vorhanden sein, die Größe seiner Selbstinduktion und Kapazität genau wie die des Sender« unter Derücksichtigung seiner örtlichen Tage einzustellen Sobald dies durch Ausprobieren geschehen ist, kann man den Sender hören, d. h der Empfangskreis ist dann zum Sender und unserem Ohr hörbar gemacht werden. Hierzu wird der hochfrequente Wechselstrom in Gleichstrom umgewandelt, was Gleichstromstöße von sehr kurzer >aucr zur Folge hat, welche sich, in Gruppen eingeteilt, den niederfreqeunten Modulationsschwingungen unterordnen. Wenn wir nun diesen Gleichstrom durch ein Telephon leiten, so wird dieses nicht auf die schnellen Hochfrequenzschwingungen ansprechen, sondern seine Membran wird sich im Takt der niederfrequenten Modulationsschwingungen bewegen und so die in den Sender geleiteten Laute wiedergeben. Zur Gleichrichtung der Hochfrequenzströme kommt nun der Kristalldetektor und die als Audion geschallete Elektronenröhre in Frage. Die Kristalldetektoren bestehen aus einem Mineralstückchen und aus einer feinen Grap fit- oder R1 R Schaltung eine« Zwifchenverstärkers. Schema einer zweifach Niederfrequenzverstärkung. eine leitende Derbiirdung besteht (Edisonesfekt). Auf ihrem Weg von der Kathode zur Anode passieren die Elektronen das Gitter, das mit dem Empfangsschwingungskreis und durch einen hohen Widerstand Si mit der Kathode verbunden ist. Im Anodenkreis liegt das Telephon T, mit dem parallelen Dlockkondensator TC. Die Wirkungsweise der Elettronenröhre als Detektor b^w. Audion ist kurz folgende: Nach Einschaltung der Heiz- und Anodenbatterie fließt ein Strom vom Heizfaden durch das Gitter zur Anode, welcher das letztere immer stärker negattv auflädt, weil der Kondensator G ein Abströmen der Elektronen xur Kathode verhindert. Eine vollständige Unterdrückung des Kathodenstromes durch das Gitter wird vom Widerstand Si verhindert, welcher die Ladung des Gitters langsam zur Kathode abfliehen läßt. Treffen nun die von der Antennei aufgenommenen Hochfrequenzschwingungen des Senders auf das Gitter, so wird der Anodenstrom in deren Rhythmus verstärkt und geschwächt. Diese Veränderu..gen des Anodenstromes entsprechen genau den vom Sender auf genommenen Tonschwingungen und werden im Telephon hörbar gemacht. Die Audionröhre übertrifft neben ihrer Eigenschaft als Gleichrichter für die ankommenden Wechselstromschwingungen den Kristalldetektor durch eine weit höhere Empfindlichkeit. Durch ihn können weit geringere Energiemengen, auf welche der Kristalldetektor nicht mehr anspricht, verstärkt und so aufnehmbar gemacht werden. Trotzdem die Audionröhre in Rückkopplungsschaltung eine sehr hohe Empfindlichkeit besitzt und auf außerordentlich geringe Ströme schon an- fpricht. reicht sie jedoch oft besonders dann nicht aus. wenn man mehrere Kopfhörer oder gar einen Lautsprecher benutzen will. Hier kann man durch einen Niederfrequenz Verstärker, bei dem auch wieder die Eigenschaften der Elekttonenröhre als maßloses Relais benutzt werden, die vom in Resonanz und in der Lage, durch die geringste von außen kommende Schwingungsenergie selbst Schwingungen auszuführen, die den des Senders in Periodenzahl, Form, Modulation und Zeitdauer genau entsprechen. Die Aufnahme der elektrischen Energie aus dem Aether zum Empfangsschwingungstreis »mH möglichst groß fein und wird durch die Antenne bewerkstelligt. Wir unterscheiden zwei Formen von Antennen, nämlich solche mit offnem Oscillator, d. h. ein Drahtgebilde, das als Hochantenne im Freien oder als Innenantenne im Zimmer ausgespannt ist und Erdleitung besitzen muß, und die Rahmenantenne. welche kein offener Oscillator, sondern ein geschlossener Schwingungskreis ist. In den aus Kapazität und Selbstinduktion bestehenden Empfangsschwingungskreis werden durch jede elektrische Welle Hochsrequenzschwin- gungen hervorgerufen, wenn die beiden Größen auf die in Frage kommende Welle abgesttimnt sind. Diese Absicht wird in der Praxis so erreicht, daß der Selbstinduktion einen für das gewünschte Wellenbereich notwendiger Mittelwert gegeben wird, die Kapazität aber durch einen Drehkondensator verändert wird, um so die Feinabstimmung innerhalb des betreffenben Wellenbereiches vorzunehmen. Da die Kurve der Stromstärke bei einer schwach ober gar nicht gedämpften Welle in eine steile Spitze ausläuft, so erreicht die Sttomstärke nur an einer Stelle ihren Höchstwert. auf das der Empfänger scharf einzustellen ist. Die Spitze in der Kurve einer schwach gedämpften Welle hat auch noch den großen Vorteil. daß bei einer geringfügigen Aenderung der Abstimmung und eventuelle Abstimmung auf eine nahe dabei liegende Welle die zuerst empfangene keinen Hochfrequenzstrom mehr hervor- ruft, was im Interesse der Störungsfreiheit außerordentlich erwünscht ist. Da die Antenne auf den Schwingungskreis stark dämpfend wirkt, so nimmt man sie aus ihm heraus und koppelt sie mittels einer besonderen Selbstinduktionsspule puf den SeDstinduktionskreis, d. h. man legt in die Antenne die eine Spule und in den Schwin- aungskreis die andere und nähert die eine Spule Der anderen, so daß die Kraftlinien der Anten- nenspule die des Senkundäckreises schneiden und in dieser einen Strom induzieren. Da man die Antenne auch abstimmen muß. so liegt in ihr auch ein Drehkondensator. Wir erhalten somit Den Primärkreis bestehend aus der Antenne A, Metallspihe. welche den Kristall unter leisem Druck berührt. Im allgemeinen erfordern die Kristalldetektoren im Gegensatz zu der Elektronenröhre keine besondere Stromquelle. Durch eine Schraube S kann mittels einer Feder F die Spitze Sp mehr oder weniger fest an den Kristall K gedrückt werden. Don dem Kristalldeteftor weih man, daß thermoelektrische und berührungselettrische Er- Detektor oder der Audionröhre kommenden Ströme weitgehend verstärken. Dies geschieht durch Röhren, an welche die vom Empfänger abgenommene und durch den Transformator erhöhte Spannung gelegt wird. Bei jeder Spannungsschwankung, welche automatisch auf eine Aenderung des Empfangsstromes folgt, stellt sich der dazu gehörige Anodenstrom ein. Hinter den ersten Verstärker kann in derselben Weise nun noch ein zweiter Schema des Superheterodyne-Empfanges. Transformator 6 w A Übertyre Schema einer Hochfrequen-Verstärkung. a) mit Sperrkreis b) mit Hochfrequenztransformator. scheinungen bewirken, daß der Strom nur nach einer Richtung hin durchgelassen wird. Sehr anschaulich ist dies darzustetten. wenn wir die Kennlinie eines Detektors als Abhängigkeit von der am Detektor liegenden Spannung auftragen. Daraus ist ersichtlich, daß alle negativen Spannungswerte einen ganz geringen Strom von weniger als 0,5 ma Hervorrufen, alle positiven dagegen einen sehr starken Strom bis zu 4 ma. Tritt nun eine Wechselspannung (elektrische Schwingung) am Deteftor auf. so erzeugt deren posttive Halbschwingung einen Gleichstrom, in Form, Dauer und Frequenz der Wechselspannung ähnlich, die negative Halbschwingung wird dagegen fast vollständig unterdrückt. Aus der Kurve folgt, daß die dem Deteftor zugeführte Spannung einen gewissen Betrag überschreiten geschaltet werden, an welchen bann das Telephon ober der Lautsprecher angeschlossen ist. Die Prinzipschaltung eines Zweifach-Nieberfrequenzver- stärkers ist folgendermaßen: An den Eingangs- llemmen wirb ber von ber Audionröhre kommende Strom abgenommen und über einen Transformator Tr, welcher hier die Llebersehung 1:6 hat, der Elektronenröhre zugeführt. Das Spiel wiederholt sich dann noch einmal mit einem Transformator Tr 1:3, an den dann das Telephon angeschlossen ist. Eine Erhöhung der Reichweite ist durch die Niederfrequenzverstärker jedoch nicht möglich. Soll er Verwendung finden, so muh stets ein wahrnehmbarer Kopfhörer-Empfang möglich sein, auch wenn er nicht mehr verstanden werden kann. Wenn man jedoch am Empfänger selbst nichts hören kann, so muß man zu einem anderen Hilfsmittel Zuflucht nehmen, und das ist der Hoch-' srequenzverstärker welcher ähnlich Wie der Nieder- srequenzverstärker mit Elektronenröhren ausgeführt wird. Dcr Hochfrequenzverstärker wird vor den Detektor oder die Audionröhre eingesetzt. Sehr wichtig ist die Tatsache, daß eine Hoch- srequenzverstärkung. welche sich natürlich auch in ihrer Ausführung von der Niederfrequenzverstär' kung unterscheidet, nicht ohne weiteres über euu Röhre hinausgebracht werden kann. SS müssen dann besondere Kunstgrisse angewendet werden, wie es z. D. bei der Neutrodvne-Echaltung geschieht. Bei dieser Schaltung sind zwischen Güter und Anodenkreis kleine Kondensatoren in det Gröhe der Röhrenkapazität, sogenannte Neutro- dyns, eingefügt, welche die innere Röhrenkapazität ausheben. Die Neutrodynschaltung wird u. a bei Fünfrohrenempfänger angewendet, in denen die beiden ersten Röhren als Hochsrequenz- verstärker. die dritte als AuiOonröh^e. und die vierte und fünfte als Niederfrequenzverstärker ausgebildet sind. Ein anderes Empsangssystem, das an Empfindlichkeit und Reichweite die Neutrodyn-Emp- fänger noch übertrifft, ist der Superheterodyne- oder Transponierungsempfang, welchen man auch besser als Zwischenverstärlung bezeichnet. Er baut sich auf dem Grundgedanken auf, die kurze Rundfunkwelle von z. D. 300 Mir. von der zehnfachen Länge umzuwandeln und bann eine Verstärkung der langen Welle in einem normalen Hochfrequenzverstärker vorzunehmen. Die Umformung der kurzen in die langen Wellen geschieht durch Uebertragung. Bei diesen hochwertigen Empfängern, auf deren Wirkungsweise wir hier heute nicht eingehen können, erreicht man eine sehr große Röhrenzahl. Für den größten Teil der Rundfunkliebhaber kommen sie wegen ihrer erheblichen Kosten nicht in Frage. Man mußte deshalb darauf bedacht sein, auch mit den Zwei- unb Dreiröhrenapparaten hohe Leistungen zu erzielen. Mit Hilfe der Reflexschaltung ist es möglich, mit einem Zwei- und Dreiröhren-Emsänger die Wirkung eines Vier- und Fünsröhren-Ernp- sängers zu erreichen. So nennen wir als Beispiel eine Schaltung, bei der die erste Röhre gleichzeitig als Hoch- und Niederfrequenzverstärker, die zweite afs Audion und die dritte als zweiter Niederfrequenzverstärker benutzt wird. Vie Lagerstätten des Platins. Bon Dr. Emil C a r t h a u s. Man kann wohl sagen, daß der neuzeitlichc Bergbau der ganzen Welt auf dem fußt, mac- fremde Völker ursprünglich in Deutschland gelernt haben, und auch noch heute genießen unsere Berg akademien und Bergschulen im Ausland durchaus berechtigtes Ansehen. Das hat sich jetzt wieder in Transvaal gezeigt, wo ein deutscher Bergingenieur, Herr Merensky, außerordentlich reiche Platinlagerstätten mit einer Längenerstreckung von nicht weniger als 300 Km. entdeckt und dabei eine viel größere bergmännische Findigkeit als seine eng tischen Kollegen bewiesen Hal. Der verdienstvolle Fachmann wurde denn auch dafür vor kurzem von der Berliner Technischen Hochschule durch Ver leihung des Ehrendoktortitels geehrt. Ebenso wie die Entdeckung so großer Mengen von dem kostbaren weißen Edelmetall durch unseren Landsmann für die Weltwirtschaft von großer Bedeutung ist, weil sie durch die starke Verminderung der Zufuhren vom Ural in eine wahre Platinnot versetzt war, ist sie es auch für die Wissenschaft. Stehen dieser doch in Zukunft wieder größere Mengen des für einzelne ihrer Forschungsgebiete geradezu unentbehrlichen weißen Metalls zur Verfügung, und zwar zu einem erschwinglichen Preise, nicht aber wie in den letzten Jahren zu dem fünf- bis sechsfachen des Goldes. Abgesehen hiervon gewähren uns die Merenskyschen Funde einen über raschenden wissenschaftlichen Einblick in das Vorkommen des Platins auf primärer Lagerstätte, das heißt, noch eingeschlossen in das Muttergestein, mit welchem es aus dem tieferen Erdinnern bis zui Erdoberfläche emporgehoben wurde. Sozusagen alles bisher in den Handel kommend» Platin, wovon über 95 Hundertstel bei Nischny Tagilsk, Blagodad und anderen Orten des Ural ge- wonnen wurden, fand sich nämlich auf sekundärer Lagerstätte, auf welche es zusammen mit dem Schute seines verwitterten Muttergesteins durch bas Wasser verschleppt wurde, wobei es stellenweise eint bedeutende Anreicherung erfuhr Zwar gelang es vor noch nicht langer Zeit, im Ural einige winzige Stückchen von dem edlen Metall noch aus primäre, Lagerstätte zu finden, eingebetet im kristallinischen Gesteine, die wie der Diabas, der ttabbro und die Felsarten der Peridotitteihe sehr reich an Kalk sowie Magnesia, dagegen sehr arm an Kieselsäure, mithin stark basisch waren, aber über den mineralogischen Charakter der Gesteine, aus deren Schutt das wertvolle weiße Edelmetall der Hauptsache nach in Rußland gewonnen wurde, ließ fich mit Sicherheit nur sehr wenig sagen. Weil dieser Gesteinschutt so auffallend reich an Olivin, einer fast gänzlich aus Magnesia und Kieselsäure bestehenden, eisenhaltigen Mineralverbindung war, ließ sich allerdings wohl annehmen, daß alles im Ural gefundene Platin auf primärer Lagerstätte an eine jener stark basischen Oelsarten gebunden war; zur Gewißheit ist dieses jedoch erst durch die Aufdeckung und geologische Untersuchung der so ausgedehnten Platinselder von Transvaal durch Dr. Merensky geworden. Dort zeigt sich nämlich das weiße Edelmetall noch überall eingeschlossen in sein Muttergestein, und dieses besteht aus Felsarten der Nord- und Peridotetgruppe, welche beide Gesteinsarten sich nur durch das Vorhandensein bzw. Fehlen von sehr stark kalkhaltigen Feldspaten voneinander unterscheiden, dabei dort beide reich an Olivia sind. Aehnliche stark basische Felsarten erkannte ich als die Träger des Platins auf reiche Ausbeute versprechenden Lagerstätten im Indischen Archipel. Daß solche kieselsäurearmen kristallinischen Gesteine, zu welchen auch noch einige andere ihnen verwandte, zum Teil aus magnesiareichen Mineralien der Pyroren-Gruppe bestehende, sehr alte Felsarten zu rechnen sind, sozusagen überall das Muttergestein des Platins bilden, erscheint sehr natürlich. wenn man damit rechnet, daß dieselben sichtlich viel größeren und deshalb an gewissen schweren Metallen höchstwahrscheinlich weit reicheren Erdentiesen entstammen, als die aus einer der Erdoberfläche mehr genäherten Tiefenzone (Granit, tzuarzporphyr usw.), welche ja auch ein viel geringeres spezifisches Gewicht besitzen. So erscheinen auch Nickel- und Chromerze, evenso wie der Diamant auf primärer Lagerstätte fast ausnahmslos an jene stark basischen Tiefengesteine gekettet. Damit ist aber keineswegs gesagt, daß man überall, wo letztere zutage treten, auf das Vorkommen von abbauwürdigem Platin oder von einem anderen der genannten wertvollen Mineralien rechnen kann. In einigen Weltgegenden schließen diese Felsarten überhaupt keines davon in nennenswerter Menge in sich, in anderen nur eines von ihnen. So finden sich in dem aus zersetztem Peridotit bestehenden „blue ground“ der Diamantschlotc von Transvaal nur diese Edelsteine, und zwar in erstaunlich großer Menge, und die Olivingesteine von Neu-Caledonien enthalten allein Nickelerze, aber ebenfalls in Hülle und Fülle. Die Olivingesteine von Südost-Borneo führen stellenweise Gold tuib zugleich Platin, stellenweise Diamant und Platin, an wieder anderen Stellen nur letzteres. Bei den außerordentlich hohen Platinpreisen der letzten Jahre wurde auch an dem an Nickelerzen ungemein reichen Nickelerzgruben des Sudbury-Distriktes von Kanada Platin, besonders aber ein ihm chemisch sehr nahestehendes Metall, Iridium, gewonnen, wovon zeitweise das Kilogramm mit 120 000 Mark bezahlt wurde. Außer den genannten Platinlagerstätten sind für den Weltmarkt nur noch die südamerikanischen von Columbien, wo zuerst das weiße Edelmetall, und zwar unter dem spanischen Namen platma, d. i. Kleinsilber, bekannt wurde, von einiger Bedeutung. Dort findet man das Platin auf sekundärer Lagerstätte, doch weisen die es begleitenden Stückchen von Chromeisenstein deutlich darauf hin, daß es auch hier ursprünglich an Olivingesteine gebunden war. Soviel läßt sich schon heute sagen, daß in Zukunft Transvaal und der Indische Archipel die Hauptplatinlieferanten für den Weltmarkt, an welchen der Bergbau schon vor dem Kriege jährlich bis zu fast 10 000 Kilo ansteigende Mengen von dem kostbaren Metall abgab, sein werden. Zur Frage der Errichtung eines Mehhofes in Gießen. Von geschätzter, fachmännischer Seite erhalten wir zu dem in letzter Zeit mehrfach an dieser Stelle behandelten Problem die folgenden Ausführungen: Der gesamte Viehhandel erfüllt drei Ausgaben'. er nimmt dem Züchter seine Heber» Produktion oder abgängigen Stücke ab, um sie der wirtschaftlichen Verwertung zuzuführen und bringt dieses Material an den Käufer, sei es den Metzger oder den Landwirt, der seinen Bedarf nicht durch eigene Zucht, sondern durch Zukauf ergänzt. Beide Funktionen werden durch Händler besorgt. *2lur ausnahmsweise tritt in unserer Zeit der Käufer mit dem landwirtschaftlichen Produzenten direkt in Verbindung. Zwischen diesen beiden Funktionen liegt der Austausch der Ware von dem aufkaufenden zu dem verkaufenden Händler. Dieser Austausch ist außerordentlich wichtig, denn er bewirkt den Ausgleich zwischen den Produktionsgebieten und den Bedarfsgebieten, und ermöglicht es dem Handel, sich das Material so zu beschaffen, wie es dem Bedürfnis seiner Kundschaft entspricht. Dabei wird die gesamte Handelsware geschieden in Schlachtvieh und Nutzvieh. Das Schlachtvieh wird zum Teil den Interessenten (Metzgern) direkt zugeführt. Zum größeren Teil wandert es auf die Schlachtvieh Höfe. Der Austausch des Nutzviehs vollzog sich von alters her auf den Nutzvieh Märkten. Seit neuerer Zeit macht sich allgemein das Bestreben geltend, diesen Nutzviehhandel — wie schon seit langem den Schlachtviehhandel — auf Vieh Höfe zu verlegen. 3m Gegensatz zu den Schlachtviehhöfen, die man auch als Fettviehhöfe bezeichnet, nennt man diese Nutz- viehhöfe vielfach Magerviehhöfe. Dabei gewinnt dieser Viehverkehr fortgesetzt an Intensität. Die Gründe für diese Bevorzugung der Nutzviehhöfe gegenüber den Nutzviehmarkten erkennt man ohne weiteres, wenn man sich den Unterschied in der Einrichtung der Diehmärkte gegenüber den Diehhöfen vergegenwärtigt. Die Diehmärkte stellen die primitivere Form der dem Handel dienenden Einrichtungen dar. Der Unternehmer des Marktes stellt einen umfriedigten Platz zur Verfügung, auf dem sich der Handel abspielt. Er sorgt für die veterinär- polizeiliche Ueberwachung des Antriebs, die Aufrechterhaltung der Ordnung, für Anbindevorrichtungen für die Tiere — alles andere ist Sache der Tierbesitzer (Händler), welche den Markt befahren. Sie haben für die Zubringung der Tiere — sei es auf dem Landwege, sei es mit der Bahn — zu sorgen, für deren Entladung, Unterbringung in privaten Stallungen, Zuführung zu diesen Stallungen, Verpflegung der Tiere, Zufuhr zum Markt am Tage des Marktes selbst und Abtransport. Namentlich die Unterbringung der Tiere in ungünstigen Stallungen und deren Verpflegung ist oft Gegenstand ernster Sorgen. Diese Schwierigkeiten wachsen mit der Ausdehnung der Märkte, der oft die Möglichkeit der Einstallung nicht Schritt hält. Die Ansprüche für eine gute Unterbringung der Tiere wachsen damit, daß die Tiere oft lange Neisen hinter sich haben, bevor sie zum Markte kommen und vor dem Markt eine gute Unterbringung und Verpflegung haben müssen, um nicht Not zu leiden', sie wachsen weiter mit der Empfindlichkeit der Tiere, die — oft hochtragend oder sehr kurz nach der Geburt — zum Markt gebracht werden. Sie wachsen schließlich mit dem Wert der Tiere. Dazu kommt, daß die Intensivierung des ge- samten Verkehrs auch den Viehverkehr beeinflußt. In früheren Zeiten lagen die Verhältnisse viel einfacher als heute. Die Wurzelgebiete der Märkte (d. h. die Gebiete, aus denen der Markt seine Zufuhr bezieht) waren relativ klein. Die meisten Tiere kamen auf dem Landwege an. Der Antrieb rekrutierte sich ausschließlich aus den Tieren, die den Rassen entstammten, die in der Umgebung der Märkte bodenständig waren. Sie waren widerstandsfähig und litten nicht unter den Einflüssen des Klimas und des Wetters, an das sie ja gewohnt waren. Heute liegen die Verhältnisse anders. Die Ware wird den Märkten aus Entfernungen von Hunderten von Kilometer zugeführt. Diese Tiere kann man nicht mehr ungestraft in unzureichende Stallungen unterbringen oder sie den Unbilden der Witterung aussetzen. * Dazu kommen in neuerer Zeit die Gefahren di^rch die Ausbreitung von Tierseuchen, die um so bedeutender sind, je größer die Wurzelgebiete der Märkte sind. Diese Gefahren waren lange Zeit hindurch die Ursache dafür, daß man die Ausbreitung der Wurzelgebiete der Märkte sehr ungern sah und nicht förderte. Die Ansprüche der Wirtschaft haben sich aber schließlich als entscheidend erwiesen. Was man nicht aufhalten kann, muß man in richtige Bahnen lenken und fördern. So ist es auch mit der Ausbreitung des Viehhandels auf Märkten gegangen — trotz der steigenden Seuchengefahr. Natürlich suchte man durch entsprechende Maßnahmen diese Gefahr zu mindern. Untersuchun- S Kontrolle der Tiere bezüglich ihrer Her- t aus unverseuchten Gebieten an der Hand von Kontrollbüchern, Gesundheitsschernen und Ur- sprungsattesten, Sperrmahnahmen bei drohender Gefahr aus der Nachbarschaft der Marktorte sind die Waffen, mit denen dieser Kampf geführt wurde. Trotzdem kommen bei den primitiven Einrichtungen der Märkte Seuchenverschleppungen vor. Tiere können durch das enge Maschennetz der Untersuchungen durchschlüpfen und der Kontrolle entgehen. Infektionen sind möglich auf den Wegen zu den Einstellstallungen und in diesen selbst, Zwischenträger können in den zerstreuten, nicht kontrollierbaren Gaststallungen die Infektion verbreiten, zumal diese Verbreitung bei der Maul- und Klauenseuche als derjenigen Seuche, die hauptsächlich in Frage kommt, so außerordentlich leicht ist. Ganz anders liegen die Verhältnisse auf einem Vieh Hof. Das Wesentliche ist. daß die Anlage außer dem Verkaufsplatz (Rklrktplah) auch die Stallungen für die Unterbringung der bereits vor dem Markte angebrachten Tiere — es sind dies weitaus die Mehrzahl — enthält. Ferner hat der Biehhof eigenen Bahnanschluß. Es fallen demnach der Transport des ankommenden Viehs über öffentliche Straßen zu den Gaststallungen und von da zum Maickt weg. Die Einstallung des Antriebs erfolgt in_ gute, hygienisch einwandfreie Stallungen, die für alle Tiere gleich gut sind. Für verdächtige Tiere und für Ueberständer ist ein besonderer Kranken- und Ueberständerstall da. Kein Tier kann den Kontrollen entgehen. Die Fütterung der Tiere erfolgt aus den Futterbeständen der Diehhof- verwaltung, die das Material beschafft und zu angemessenen Preisen an die Interessenten abgibt. Die von den Herren, welche die Ausführungen vom 2. d. M. verfaßt haben, befürchtete Gefährdung des gesamten Antriebs im Falle eines Vorkommens von Maul- und Klauenseuche auf dem Markt selbst wird dadurch vermieden werden können, daß nicht das sogenannte Hallen- shstem, bei dem alle angetriebenen Tiere in einer Halle, die zugleich als Stall dient, untergebracht werden, bei der Errichtung des Vieh- hoss gewählt wird, sondern daß scharf getrennte I Einzelstallungen errichtet werden, die erst in dem Reisen. Von Heinrich L h o tz k y'). .... Das Reisen als solches wird von vielen als Heilmittel noch zu wenig geschätzt. Bäder haben ja unendliche Vorzüge. Sie sind für den Lauernden Aufenthalt behaglich und neuzeitlich eingerichtet, aber schließlich doch mehr für Ruhe- bedürftige. Aergerinenschen sind in der Regel gerade abwechslungsbedürftig. Der Klatsch der Badeorte ist für sie Gift. Sie sollten einmal alles anders haben als daheim, und über dem ständig Reuen könnten sie genesen. Das würde das Reisen an sich leisten. Für viele wäre es sogar gut, ohne bestimmten Reiseplan fortzugehen und sich dem Zufall und der Laune zu überlassen. Damit würde auch der Postverkehr von daheim unterbrochen, und gerade in der Befreiung von allen rückwärtigen Verbindungen für kurze Zeit liegt ein Stück Genesung. Viel zu wenig werden einfache Fußreisen geschätzt. Cs gibt nichts Erquickenderes als ein Wandern in reiner Gebirgsluft, weit über den Niederungen der Alltäglichkeit. Es ist nicht nur die Luft des Gebirges, sondern die beständige Ablenkung der Gedanken des Wanderers, die von Bedeutung ist. Man meide nur zu große und ungewohnte Anstrengungen. Körperliche, schwere Ermüdung ist auch eine Aergerquelle und Belastung des Geistes. Wir sollen aber geistig entlastet werden. Es gibt zudem nichts, was so geeignet wäre, die Verdauung zu regeln, *) Autorisierter Abdruck aus dem Buch von Heinrich Lhotzky „Daß ich mich nicht ärgere" ^Haus Lhohky-Verlag, Grünwald bei München). als eine nicht überanstrengte Fußwanderung. Eine gute Verdauung ist aber das beste Heilmittel gegen Verärgerung. Man wird finden, daß oft nur wenige Reisetage genügen, um eine grundandere Stimmung, Arbeits- und Lebensfreudigkeit zu erzeugen. Vorher glaubte man, wenige Tage lohnten nicht und könnten nichts nützen. Wenn man sich schließlich doch losgerissen hat, fühlt man sich wie neugeboren. Ich sage absichtlich „lvsgerissen hat". Der Alltag ist wie ein Netz mit festgeschlossenen Maschen, das uns gefangen hält, so daß wir auch nicht wollen können. Um die Menschen her walten physische Einflüsse bindender Kraft, die von Menschen und auch von Oertlichkeiten ausgehen. Es gibt geistige und seelische Fesseln, die weit stärker halten als Stricke und Ketten, weil sie die Gedanken und die Willenskraft lähmen. In gewisser Umgebung ist ein Anderswollen überhaupt ausgeschlossen. Die Gebrauchsunfähigkeit deS Willens ist aber Anlaß zu seelischer Schwächung und deshalb Förderung der Verärgerung. Diese unsichtbaren Fesseln werden oft durch eine Reise auf gehoben, namentlich wenn sie noch nicht zu lähmend und zerstörend gewirkt haben. Wie stark sie sind, merkt man an der Schwere, mit der manche Menschen sich auch für kurze Zeit lvsreißen können. Es gibt Aergerkranke, die sich allein nicht loszuwinden vermögen. Denen sollte der Arzt oder der Freund oder die Familie behilflich sein. Loskommen ist allein ein ernstes Heilmittel. Am fördemdsten ist natürlich eine Reise, wenn sie möglichst wenig belastet ist mit Gewohntem. Das erste wäre also, die Postverbin- dung wenigstens immer für Sage durchzuschneiden. Die geschäftliche, alltägliche und irgendwie Augenblick zu einer gemeinsamen Halle geöffnet werden, wenn der Markt beginnt. Bis dahin sind aber alle Tiere untersucht, und ist keine Gefahr mehr vorhanden. Der Verkaufsraum — Marktplatz — ist bei Vieh Höfen in der Regel überdeckt! oft wird aber für die Monate mit besserer Witterung auch ein offener Marktplatz bereit gehalten. Der Vorteil, der hierin für die Gesunderhaltung der angetriebenen Tiere liegt, ist leicht zu ersehen. Auch den Marktbesuchern, insbesondere den Händlern, kommt dieser Vorteil zugute. Ein besonderer Vorteil der Viehmärkle in veterinär-polizeilicher Hinsicht liegt in Folgendem: Das neueste und anscheinend wirksamste Hilfsmittel der Bekämpfung der Maul- und Klauenseuchegefahr, die von den Märkten ausgeht, ist die Impfung aller zum Markt angetriebenen Tiere. Diese Impfungen sind aber nicht auf einem Viehrnarkt mit fernen zerstreut liegenden Gaststallungen, sondern auf einem Vieh Hof mit seiner Zentralisierung des Betriebs durchführbar. Durch die Impfungen wird es auch voraussichtlich möglich fein, die ständige Gefährdung der Existenz der Diehmärkte zu beseitigen, die durch das Verbot der Abhaltung von Viehmärlten bedingt ist. Dieses Verbot der Abhaltung der Märkte muh nach § 168 der Bundesratsausführungsbestimmungen 5 um Reichsviehseuchengesetz ausgesprochen werden, sobald in einer Entfernung von weniger als 15 Kilometer um einen Marktort ein Seuchenfall vorkommt. In Zeiten stärkerer Seuchenverbreitung tritt dieser Fall sehr oft und nicht selten für lange Dauer ein. wie z. B. in G i e ß e n jetzt schon seit Monaten. Solche lange Perioden der Stillegung des ganzen Marktbetriebs sind natürlich der Entwicklung, sogar der Erhaltung der Märkte sehr nachteilig. Bei einem Viehhof mit Durchführung einer geregelten Impfung wird voraussichtlich von der Durchführung dieser Marttverbote in der Hauptsache Abstand genommen werden können. Darin liegt ein ungeheurer Vorteil für die Märkte, die sich auf eine Diehhofanlage stützen können. Auch für den Handelsverkehr des Marktes ergeben sich aus dem Vorhandensein eines Viehhofs wesentliche Verbesserungen. Fast auf allen Viehmärkten pH ne Viehhof blüht ein lebhafter Borhandel. Dieser Dorhandel ist aber ein Krebsschaden für das reelle Geschäft. Wenn der eigentliche Markt beginnt, ist ein großer Teil des an- getriebenen Diehs bereits in festen Händen. Die von auswärts ankommenden, oft auf weite Strecken zugereisten Käufer haben das Nachsehen, der Kettenhandel blüht, das reelle Geschäft leidet. Eine gewisse Ratlosigkeit und Nervosität beherrscht den ganzen Betrieb. Jeder will der erste sein, um seine Ware anbieten zu können. Auf den öffentlichen Straßen entwickelt sich ein sehr lebhafter, oft recht lärmender Betrieb. Das ist auf dem Viehhof alles ganz anders. Vor Beginn des eigentlichen Marktes darf kein Käufer den Markt betreten, erst wenn die Markt- glocke den Beginn des Marktes anzeigt, treten Verkäufer und Käufer in Verbindung. Alle Verkäufer bieten unter gleich guten und gleich schlechten Voraussetzungen ihre Ware an und niemand kann sich durch irgsndwelche Beziehungen und Gelegenheiten einen Vorteil verschaffen. Außerdem bietet der Viehhof durch seine Börse Gelegenheit zu einer ordnungsmäßigen Abwicklung der Geldgeschäfte. So liegen die Verhältnisse im allgemeinen und auch für Gießen im besonderen. Wer einmal einen Markt in den Herbst- und Winter- monaten bei schneidendem Wind und klatschendem Regen mitgemacht hat. der weiß, welchen Fortschritt es bedeutet, wenn die Tiere, ohne Marsch vom Bahnhos zu den Gaststallungen und von dort beim Morgengrauen zum Marktplatz, in gedeckter, schützender Halle, die sie von dem Viehhofstall aus unmittelbar erreichen können, zum Verkauf gestellt werden können. Auch für den sonstigen Verkehr in den betroffenen Straßen der Stadt ist es von Vorteil, wenn er von dem Diehverkehr des Marktes befreit wird. Die Einführung der Impfung wird die lähmende Gefahr der Marktverbote beseitigen, mindestens vermindern. Es wird sogar voraussichtlich möglich sein, die Märkte — wie auch andererorts, wo Vieh- Höfe bestehen — wöchentlich abzuhalten. Die Vorteile, die die Stadt in ihrem ganzen Betriebe — Gasthofbesitzer, Kaufleute — von dem Markt haben, werden gefördert, — nur die Interessen einiger Gaststallbesitzer leiden. Das ist natürlich sehr bedauerlich. Ob es aber die Frage entscheidend beeinflussen kann, steht dahin. Es war in der langen Zeit, in der während des Krieges und nach ihm die Märkte eingestellt waren, den meisten Gaststallbefitzern möglich, ihre Räume anderweitig nutzbringend zu verwerten. Als die Märkte wieder begannen, standen zunächst nur wenige und nicht ausreichende Gastställe zur Verfügung. Mit der Zeit haben sich wieder mehrere Besitzer entschlossen, Einstellstallungen unerfreuliche. Die erfreuliche kann ja leicht aufrechterhalten werden, allenfalls telegraphisch. Dann sollte aber auch jede Begleitung sehr ernsthaft erwogen werden, womöglich auch mit dem Vertrauensarzt zusammen. Er weiß vielleicht gar nicht mehr wie die Beteiligten, kann aber leichter ein Machtwort sprechen. Namentlich Ghen, die viel Verdruß bergen, sollte man nicht mit auf Erholungsreisen verschleppen. Die weitaus meisten Ehen, auch die besten, bergen Aergerzeiten, in denen man aneinander leidet. Torheit, das nicht einfach zuzugeben. Durch Aergerzeiten wird keine Ehe unglücklich. Wer sie überwindet, wird sogar sehr glücklich und unendlich befriedigt. Aber solange sie da find, ist's besser, die Aergerquelle nicht mit sich herumzutragen. Wer den andern freilassen kann, bindet ihn um so fester an sich, wer aber den andern zu fesseln trachtet, verliert ihn um so sicherer. Kleine Entfernungen erhöhen die Wertschätzung des andern, und ausgesetztes Beisammensein setzt sie herab. Das sollten alle Eheleute bedenken, wenn sich für eines von ihnen die Notwendigkeit einer Reise herausstellt. Diese liegt immer vor, wenn Verärgerung vorhanden ist. Leiden beide Ehegatten dran, so sollten sie abwechselnd kurze Zeit zu verreisen trachten, womöglich allein. Es sind meist nur Sage nötig, aber Sage wirklicher Abwechslung und geistiger und körperlicher Luftveränderung. Für den Großstädter ist freie Natur- stille angezeigt, für den Kleinstädter und Dörfler ist ost Großstadtlärm sehr heilsam. Alles Reisen zu Heilzwecken muß unter der Losung stehen: Heraus! Heraus aus dem Alllag, dem Aerger und allen physischen Ketten der Gewohnheit. Niemand ahnt, was für seelische Gewalten die Menschen umlauern und langsam ein- spinnen in unzerreißliche Netze. Diele, die dieser herzurichten, die aber bei starkem Austrieb oft — bei ihrer sonstigen Mangelhaftigkeit — noch nicht ausreichend sind. Ein großer Seit der jetzt vorhandenen Stallräume wird wohl einer anderweitigen Benutzung wieder zugeführt werden können, zumal sich der Hebergang nicht schnell, sondern allmählich vollziehen wird. Die gesamte Diehhändlerschast steht einstimmig hinter dem Wunsche auf Errichtung eines Diehhoses. Es ist ein Irrtum, wenn dies in dem Aussatz vom 2. d. Mts. bezweifelt wird. In einer Versammlung der Viehhändler, die am 1. d. M. in Gießen tagte, sprach auch nicht eine Stimme gegen das Projekt, dagegen erhoben sich bei einer Abstimmung alle Anwesenden — etwa 80 — für den Plan. Andere Städte haben sich den dringenden Argumenten für die Einrichtung von Diehhöfen nicht verschlossen. Nachdem die Bewegung anfangs nur zögernd an Boden gewann, haben in letzter Zeit mehrere Städte mit bedeutendem Dieh- handel Nuhviehhöfe eingerichtet. Dortmund, Osnabrück, Altona und Emden sind so in den Besitz von zum Seil sehr schönen und wertvollen Anlagen gekommen. Auch Leer, dessen Markt eine Frequenz von 1500 bis 1800 Tieren hat — zuweilen bis zu 5000 (!) — plant die Errichtung eines Diehhoses. * •— Gießen mit seiner zentralen Lage mitten in einem Heberschußgebiet der Zucht mitteldeutscher Höhenrassen, ist berufen, ein Hauptumschlagplatz für Nutzvieh nicht etwa zu werden, sondern zu bleiben — sofern es den Anschluß nicht verpaßt. Dor dem Kriege hatten wir hier Märkte mit einem Antrieb von 2000 Stück Dieh, und auch nach dem Kriege hat der Markt, trotz der Ungunst der Verhältnisse, eine Frequenz von bis zu 1000 Tieren gehabt. Kommt uns allerdings eine andere Stadt mit der Errichtung eines Diehhofes zuvor, dann ist die günstige Position von Gießen stark erschüttert, wenn nicht unhaltbar; dann hat Gießen das Nachsehen. Der Markt trägt den Namen der Stadt Gießen nach Hunderten von Orten, an denen man — ohne ihn — von Gießen nichts wüßte. Er hebt die Bedeutung von Gießen als Handelsstadt und bringt Leben, Umsatz und Verdienst in ihre Geschäfte. Es lohnt sich, in jeder Beziehung an feiner Verbesserung und Erhaltung zu arbeiten — und diesem Ziel dient zweifellos die Errichtung eines Viehhofes. K. Zu gleicher Zeit mit den vorstehenden Ausführungen erhielten wir eine Zuschrift vom Vorstände des Viehhändler-Vereins für Gießen und Umgegend, die sich ebenfalls gegen die in unserer Nr. 178 wiedergegebenen Ausführungen der Gaststallbesitzer wendet und sich zugleich der oben erhobenen Forderung nach Schaffung eines Diehhofes in Gießen entschieden anschließt. Oberhessen. Landkreis Gießen. X Klein-Linden, 10. Aug. Nachdem die Kornernte beendet ist, wird gleich mit der Weizen-, Gerste- und Haferernte begonnen. Die heißen Sage führen eine schnelle Reife aller Fruchtarten herbei, so daß der Landwirt von morgens früh bis abends spät ununterbrochen tätig sein muß, um alle Arbeiten in Haus und Feld zu bewältigen. — Nunmehr ist die Ein- deckung der Kreis st raße Wetzlar—Gießen bis an unseren Ort beendet, und es beginnt für deren hiesige Anwohner wieder die Zeit der fürchterlichen Staub plage. Eine merkwürdige Tatsache ist es, daß die Straßen in freiem Felde durch Teer und Kleinpflaster fast staubfrei her- gestellt werden, während in den Ortschaften ununterbrochen haushohe Staubwolken aufwirbeln. — Dieser Sage fand das diesjährige Jahres- f e ft der hiesigen Kleinkinders chule statt. Unter Dorantritt des Posaunenchors bewegte sich ein Festzug vom Maiplatz nach dem schönen, früheren Rinnschen Garten, wo sich bereits eine große Menschenmenge versammelt hatte. Pfarrer Ackermann hielt die Festrede, in welcher er auf das jetzt 30jährige Bestehen der segensreichen Einrichtung der Kleinkinderschule hinwies, welche nur durch die tatkräftige Unterstützung hilfsbereiter Frauen, während der Notzeit des Krieges, vor dem fast sicheren Untergang bewahrt geblieben sei. Weiter gedachte Redner der Gründer der Anstalt, von welchen nur noch zwei am Leben sind: Gg. Schmidt, hier, und Ldw. Weigel, jetzt wohnhaft in Dutenhofen. Spiele der Kinder, Musikstücke und Lieder wechselten ab und boten allen Festteilnehmern einige genußreiche Stunden. Besonderen Dank gebührt den beiden hiesigen Schwestern, welche sich um das Gelingen der Deranstaltung große Derdienste erworben haben. n. Großen-Linden, 10. Aug. Die Dreschmaschine ist jetzt hier im Betrieb. unheimlichen Einflüsse inne werden, haben sie schon durch böse Geister erklärt. Das ist ganz unnötig. Die Ausstrahlungen der menschlichen Psyche und gewisser Oertlichkeiten mit irgendwie belastender Vergangenheit würden zur Erklärung völlig ausreichen. Vorhanden sind solche Einflüsse; wie sie erklärt werden, ist gleichgültig. Sie sinds hauptsächlich, die im Aerger festhalten. Also ist das beste Heilmittel: Heraus! Reisen ist nicht teuer und auch für bescheidene Verhältnisse möglich. Man reise nur kurz, zu Fuß. und allein, bann kann es jeder Beutel auS- hallen. Der Ruhen des Reisens ist so ungeheuer, daß er durch Arbeitskraft und Lebensfrische reichlich bezahlt wird. Reisen spart zudem oft eine Krankheit und die damit verbundenen Unkosten und Erwerbsausfälle. Alles Reisen aber werde so eingerichtet, daß keine Geldgedanken mitlaufen. Es ist besser, eine Reise doppelt so teuer zu bezahlen, als unterwegs zu rechnen und zu sorgen. Auch die billigste Reise muß so vorgesehen werden, daß sie über den Geldgedanken steht. Geld ist Sorge und Aerger. Der Verärgerte ist krank im Denken. Er darf also keine krank machenden Gedanken mitnehmen, wie sie sich an Geldsocgen nur zu leicht hängen. Jeder wird sich ja einrichten, wie seine Verhältnisse es gestatten. Nur eines möge man mir glauben. Das Reisen als solches ist das königliche Heilmittel für alle Aergerkranken. Es muh nur mit Verstand und Heberlegung eingerichtet werden, d. h. so, daß es nachher keine Hebet- legung und keinerlei Gedankenanstrengung erfordert. Es muh wirklich bedeuten ein großes „Hinaus aus dem Alltag und feinen 2Ierger- quellen". Effi Gssshusas TEunrir - s ä n q; ^ASTOR-WS WALDORF-A$TORIÄ 25 CIGARETT II I ■ ö I I A Dreieichenbarn, 10. Aus. 3n unserem Städtchen verlebte von 1811 big 1820 der bekannte Komponist vieler DoUSlieder. ehemaliger Seminar-Musiklehrer in RkörS, Ludwig ß r f. seine 3ugend. Pie Gemeinde beabsichngt. eine neue Orgel anzuschaffen, die den Hamen „ßrf•Orgel“ führen soll. Don der alten Orgel, auf der Ludwig Erk von seinem Vater. dem Lehrer A. TD. @rf. in den Anfangsgründen des Orgellpiels uMerwiesen wurde, sollen die Pro spckt- und alle noch brauchbaren Pfeifen in die neue eingebaut werden. Rheinhessen. WSA Alzey, 9. Aug. Ein schwerer Einfall ereignete sich gestern in der Dörrftädter Gegend am Hochweiler Hof. Der Forstverwalter Dein unternahm seinen üblichen Abendgang zum Anstand, als er im Felde ein lebendes Wesen beobachtete, aus das er, ein Wlldschwein vermutend, einen Schuh abgab. Zu seinem Entsetzen muhte er feststellen, daß er Veit 21jährigen Sohn des Gutsbesitzers August Hemmer erschossen hatte. Die eingetretene Dämmerung war dem Forstverwalter zum Verhängnis geworden. Preußen. Kreis Wetzlar. t Wetzlar, 10. August. Die diesjährige Wanderversammlung der Oberhessischen und Kurhessischen Dienenzüchtervereine wurde gestern durch den Vvrsiheirden Schulrat K i m p e l (Kassel) mit einer Begrüßung der zahlreich Versammelten eröffnet. Den ersten Vor- trag hielt Assistent Gilbert vom Zoolog. Institut Gießen über „Arbeitsteilung im Dienenstaat". Der eiitgehende Vortrag fand Deifall, den der Vorsitzende in anerkennenden Worten auSsprach. Aach der Degrühung des inzwischen eingetroffenen Vorsitzenden deS Deut schcn Imkerbundes. Rektors Dreiholz, sprach Prof. Zander (Erlangen) über die Harmonie des Dienenlebens und ihre praktische Auswirkung. Auch dieser Vortrag, der die Verbindung des Wissenschaftlers und Praktikers zeigte, fand die einmütige Zustimmung der Versammlung. In der anschließenden Aussprache kam noch viel Wissenswertes für junge und alte Imker zur Sprache. Rektor Dreiholz sprach dann über die Dedeutung des deutschen Imkerbundes für die Förderung der deutschen Dienenzucht. Zum Schluh fand die Dekanntgabe der Prämierung und die Verteilung der Preise statt. — Gelegent sich der bienenwirtschaftlichen Ausstellung fand die Iahrestagung der beiden Hauptvereine des Oberhessischen und des Kurhessischen D i e - nenzüchtervereins, statt. In der des Oberhessischen Vereins berichtete Oberamtsrichter Klietsch (Düdingen) über den von ihm der diesjährigen Ausschußsihung in Giehen vorge legten Entwurf der neuen Satzungen des Ober hessischen Dienenzüchtervereiits. Der vortreffliche Sayungsentwurs wurde von der Versammlung einstimmig angenommen. ZJ Wetzlar. 10. Aua. Die Frage der (E i n gemeinbung nach Wetzlar beschäftigt zur Zeit sehr stark die Gemüter unseres Rachbar- dorfes Garbenheim. Dekanntlich ist es der Wunsch der Stadt Wetzlar, aber auch eines Teiles von Garbenheim, der seit einer Reihe von Jahren nach dieser Richtung hin tentieri Seitens des Bürgermeisters Dr. Kühn sind bereits in Garbetcheim Vorträge und Despre- chungen abgehalten worden. Am vergangenen Sonntag war auch der Dürgermeister Brock- meier von Krofdorf, zu dessen Amtsbereich die Gemeinde heute noch gehört, zu einer Aussprache mit den Gemerndeangehörigen erschienen, die sehr zahlreich besucht war. Das Für und Wider wurde sowohl in dem Vortrag als auch in der hierauf einsetzendett lebhaften Aussprache ausgiebig behandelt. Allgemein kann gesagt werden, dah der Grundbesitz kein Freund der Cingemeindung ist, während ein Teil der ‘Beamten» und Lehrerschaft, fötale auch Telle der Arbeiterschaft sehr stark für die Eingemeindung propagieren. Daulich besteht zwischen beiden Orten keine direkte Verbindung und ist auch für die Zukunft durch den die Grenze bildenden langgestreckten Lahnberg nicht gut möglich. Dagegen liegt der Wetzlarer Güterbahnhof bereite heute schon im Zuge der Lahnbahn auf Garben- heimer Gebiet und feine etwa erforderlichen Erweiterungen können nur in dieser Richtung weiter vor sich gehen. Die Gewerkschaft Raab am Taubenstein hat z. D. ihre Grubenstollen wiederum auf der Grenze in der Wetzlarer Gemarkung, während ihr Kalkwerl schon nach Garbenheim gehört. Da die Feldmark als auch der Waldbesiy von Garbenheim nach Westen ausschließlich mit der Wetzlarer Feldmark zu- sammenstöht, so wäre eine Eingemeindung für die Stadt immerhin von Vorteil, weil hierdurch Wetzlar für spätere Zeiten freie Hand in seiner Entwickelung erhielt. Wie der Kreistag und besonders die Gemeinde Garbenheim selbst sich bei einer Abstimmung entscheiden werden, ist mit Sicherheit nicht vorauszusehen. Es werden hier noch manche Kämpfe zwischen den Parteien der Befürworter und der Gegner ausgesochlen werden. — Das Postauko kommt täglich von Rieder» fleen an Ben hiesigen Dahnhof, damit die Reisenden aus dem Kleebachtal den um 12’ < Uhr mittags nach Gießen fahrenden Personenzug benutzen können. Am Bahnhof wartet das Auto Stunde, so dah die mit dem Personenzug Ar. 780 hier eintreffenden Reisenden in den Hüttenberg bis Riederkleen fahren können. Die Benutzung deS Autos war gestern und heute gering. An den Gießener Wochenmarkttagen dürfte der Verkehr besser werden. — Der im Jahre 1883 von hier nach Rordamerika ausge- toanb ertc Heinrich Pfaff ist jetzt zum erstenmal zu Defuch hier eingetroffen. — In Leihgestern traf zum erstenmal der im Jahre 1881 nach Rordamerika auSgewanderte Kaspar Müller ein. Lollar. 10. Aug. Gestern abend gegen ’/V Uhr ereignete sich auf der Bahnstrecke -wischen Daubringen und Lollar auf dem Bahnübergang bei dem Dausterschen Tuffsteinbruch ein bedauerlicher AlnglüdSfall, dem leider ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel. AlS der Düterzug 8896 von Londorf die fragliche Stelle passierte, hielt an dem Aleber- gang das Fuhrwerk der GastwirtSwitwe Verlach mit einem angehängten Mäher. Durch den Pfiff der Lokomotive, die an der Stelle pfeifen muh, scheuten die Pferde und rasten über den ilebergang. Der Zug erfaßte den Mäher und schleuderte den Führer des Fuhrwerks, den 20jährigen Sohn der Witwe G e r l a ch . z. Zt. Student in Marburg, von dem Wagen. Er trug eine Kinn- und Kopfverletzung davon und wurde alsbald in die Gießener Klinik übergeführt, wo er in der Rächt seinen Verletzungen erlag. Ein mitsahrendes Dienstmädchen touroe ebenfalls vom Wagen geschleudert und erlitt leichtere Verletzungen. Der Hinterbliebenen Witwe Verlach bringt man allgemein Anteilnahme entgegen, um so mehr, als sie erst vor kurzem ihren Mann verloren hat. !—! Daubringen, 10. Aug. An dem Bergturnfest des Lahn-Düirsberg-Gaues in Kesselbach beteiligten sich vom hiesigen Männer- tunwerein 4 Turner in der Oberstufe, 3 in der Unterstufe und 9 Schüler. Heinrich Walter errang den 23. Preis in der Oberstufe, Wilhelm Dort den siebten in der Unterstufe und der Aufbauschüler Wilhelm Braun den siebten der Schülerklasse. : Beuern, 10. Aug. Einen schönen Erfolg hatte die Schülerriege des erst vor einigen Monaten gegründeten Turnvereins „Gut Heil" zu verzeichnen. Am letzten Sonntag beteiligten sich acht Mitglieder derselben am G a u - Schülerturnen des Lahn-Dün sberg- Daues in Kesselbach. Jeder der acht Teilnehmer errang einen Preis. Es ist dies eine recht anerkennenswerte Leistung in Anbetracht der starken Konkurrenz, traten doch 198 Mitturner zum Wettkampf an. Q Dorfgill, 10. Aug. Am Sonntag fand hier ein Fest der Inneren Mission statt, das von Prediger D o m a h, Lich, geleitet wurde. Es hielten Ansprachen Ortspfarrer Weber, Stadtmissionar Herrmann, Gießen, und Prediger H ö r d l e. Die Posaunenchöre von Holzheim und Dorl-Gill trugen verschiedene Musikstücke vor. Auch der hiesige Gemischte Thor trug durch verschiedene Gesangvorträge zur Verschönerung des Festes bei. — Ein eigenartiger Unfall trug sich unter dem Viehbestände des Landwirtes Wilh. S a m e s von hier zu. Sarnes hatte zwei Pferde zusammen in einem Stalle stehen, von denen sich das eine von seinem Stande losrih und dem anderen ein Dein dermaßen zerschlug, daß dieses nur noch etwas an den Sehnen hing. Das verletzte Pferd mußte sofort abgeschlachtet werden. Kreis Friedberg. sf. Friedberg. 10. Aug. Der Bundestag der „Adler und Falken" und der Schill- jugend fand in den letzten Tagen mit dem großen Bundestagsfeuer seinen Abschluß. l?I Vilbel, 10. Aug. Der bürgerliche Radfahrerverein „Germania" veranstaltete ein Rad- f a b r e r f e ft, verbunden mit einer Wettfahrt .Rund um Vilbel". Die Strecke war 108 Kilometer lang und mußte zweimal durchfahren werden. Es gelangten 15 zum Teil wertvolle Preise zur Verteilung. Der 1. Preis kam nach Wies- baden. Den 6. Preis, einen Pokal, den die Stadt Vilbel gestiftet hat, erhielt der Kirchendiener Adam Schwarz von hier. Leider ereigneten sich bei dem Rennen einige Unfälle, von denen zwei als nicht leicht zu bezeichnen sind. Ein Fahrer erlitt einen Arm» und Beinbruch, ein anderer trug eine leichte Gehirnerschütterung davon. — Rächsten Sonntag und Montag findet der bekannte ,,‘BilbeIer Markt" statt. Die Vorbereitungen dazu sind bereits in vollem Gange. !?! Klein-Kar den, 10. Aug. Die Aid dar eguli erung ist nun auch bei unferm Dorfe, nachdem sie unterhalb bei Vilbel und Massenheim beendet ist, in Angriff genommen worden. Die Regulierung hat sich hier als unbedingt notwendig erwiesen. Haben doch die häufigen Regenfälle im Vorsommer wieder Aleber- fchwemmungen und empfindliche Schädigungen gebracht. Die Regulierungsarbeiten werden von Erwerbslosen ausgeführt. Kreis Büdingen. —Aus dem Riddertal, 10 Aug Das schöne Wetter der vergangenen Woche Hai die Erntearbeiten fc|r gefördert. Alle Fruchtarten sind gut geraten, sowohl was den Äömerertrag, wie auch das Stroh angeht. Das Korn hat zum Tell eine Höhe erreicht, wie es nur in besten Jahren der Fall ist. Stellenweise ist die Erntearbeit allerdings sehr mühsam, da die Frucht sich infolge schweren Regens stark gelagert hat und deshalb nicht mit der Maschine abgemacht werden fann; auch das starke Durchwachsen des Klees erschwert die Arbeit. Glücklicherweise scheint sich das Wetter wieder aufzuklären, und bei einigermaßen günstiger Witterung dürfte die Ernte bald und gut einlommcn. Ein besonderes Merkmal dieses Sommers ist wohl infolge der naßschwülen Witterung das starke Auftreten der Schnaken. )( Orten berg. 10. Aug. Dieser Tage wurde hier durch den Superintendenten von Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner- Gießen, eine ordentliche Kirchenvisitativn abgehalten. Der Altar der Kirche war festlich ge- schmückt. Im Dormittagsgottesdienst, in dem der Kirchengesangverein mitwirkte, hielt der Visitator eine zu Herzen gehende Ansprache über Lukas 19, 41 bis 44. An den Gottesdienst schloß sich eine Besprechung des Superintendenten mit der Kirchengemeindevertretung, dem Organisten und dem Dirigenten des Kirchengesangvereins an. Rachmittags fand für die schul- und christenlehrpflichtige Jugend ein Iugendgottesdienst statt, der durch Chöre der obersten Schulklasse unter Leitung von Lehrer Carl umrahmt war. Später fand eine Sitzung des Kirchenvorstandes statt, in der alle wichtigen Fragen des kirchlichen Gemeindelebens zur ausführlichen Besprechung tarnen. -/- Lindheim, 10. Aug Irrtümlicherweise ist die Ansicht verbreitet, daß unsere Haushaltungsschule aufgehoben worden sei. Das ist nicht der Fall. Die Schule konnte nur in diesem Sommer wegen unzureichender Anmeldungen keinen Lehrgang abhalten. Bei genügenden Anmeldungen wird sie im Januar 1927 wieder eröffnet und in der bisherigen Weise weitergeführt. ];[ Gelnhaar. 10. Aug. Angeregt durch eine Bürgerversammlung wurde in der hiesigen Gemeinde eine Abstimmung vorgenommen, um festzustellen, welche Einwohner für dieWasfer- leitung sind. Das Ergebnis war ungefähr 95 Prozent dafür. Der Gemeinderat beschloß daraufhin, die Wasserleitung bauen zu lassen, wenn die Voraussetzung — das nötige Wasser — vorhanden fei. Alm Wasser in der Gemarkung zu suchen, ließ die Gemeinde den Frankfurter Oberingenieur Schermulh kommen. Dieser benutzte zum Suchen des Wassers einen von ihm selbst erfundenen Apparat. Es war keine Wünschelrute. Der Ingenieur machte von hier aus eine sogenannte Fernbestimmung und gab die Richtung und die (Entfernung an, in welcher sich ein Wasserlauf befinden sollte. ES wurde tatsächlich ein Wasserlauf festgestellt Bewahrheiten sich die Angaben des Wassersuchers, so kann an dieser Stelle ein Sammelbecken angelegt werden. Der nötige Druck ist damit vorhanden, und die Gemeinde hätte eine natürliche Wasserleitung. t). Echzell, 10. Aug. Alm der hier herrschenden Wohnungsnot zu steuern und Arbeitsgelegenheit zu verschaffen, laßt die Gemeinde ein Vierfamilienhaus erbauen, wozu die Arbeiten bereits ausgeschrieben sind. Kreis Schotten. • Eichelscrcksen, 10. Aug. Vorgestern feierten unsere beiden Schulklassen (Lehrer A l t und Steinhauer) auf dem am Rande des Dorfes gelegenen Turnplätze das Iugendfest. Cs war aber, da Ortsvorstand, Schulvorstand und alle dörflichen Vereine, sowie fast die ganze Gemeinde und viele Gäste aus Rachbardörfern teilnahmen, das, was es fein soll, ein Volksfest. Die Lieder. Spiele. Reigen, Freiübungen und Wettspiele der Kinder fesselten die beifallsfreudigen Zuschauer bis zum letzten Augenblicke. Männergesangverein und Turnverein Eichelsachsen boten ebenfalls viel Schönes in Lied, Freiübung unb Turnspiel. — In letzter Zeit wurde das äußere Gewand unserer im Jahre 1722 erbauten Kirche erneuert. Hell und freundlich blickt nun wieder das Gotteshaus, eines der schönsten im Gebiete des Vogelsberges, aus dem Kranze der Kirchenlinden hervor. Im kommenden Jahre soll das Innere der Kirche einer gründlichen Wiederherstellung unterzogen werden. dn. Michelbach. 10. Aug. Alnsere Gemeinde besitzt seit 16 Jahren eine Wasserleitung . die in trockenen Sommern aber nicht immer genügend Wasser für die Haushaltungen lieferte, so dah bisweilen Wassermangel ein trat. Obwohl in diesem Sommer jener Mißstand nicht eingetreten ist. und wohl auch nicht mehr zu befurchten ist. hat doch der hiesige Gemeinde- vorstand in anerkennenswerter Weise beschlossen, das Wasser aus dem an einem Abhänge südöstlich unseres Dorfes gelegenen Buchenborn oder Hundsborn, der der Gemeinde gehört und seit Menschengedenken stets reichlich gutes Wasser liefert, dem Behälter der Hochwasserleitung zuzu- führen. Da letzterer aber bedeutend höher liegt als der HundSborn. muß das Wasser zuerst in einem besonderen Wasserbehälter am Südvstende deS Ortes gesammelt und von da mittelst eines Pumpwerks den, Hochbehälter zugeführt werden. Die Srdarbeiten sind so weit gediehen, daß in Kürze mit der Rohrlegung und Erbauung des neuen Wasserbehälters nebst Maschinenhäuschen begonnen werden kann Allerdings wird durch die Erweiterung unserer Wasserleitung das Wassergeld erhöht werden müssen. Es ist aber auch zu hoffen, dah dann der Wassermangel hier endgültig befeitigt ist. Den Arbeitern von hier ist die Derdienstmöglichkeit sehr willkommen. Kreis Alsfeld. st Romrod, 10. Aug. Vor ein* gen Tagen fand hier eine gut besuchte Versammlung statt, welche die Gründung eins Turnvereins zur Folge hatte. Auch einige Turner auS der Rachbarstadt Alsfeld waren erschienen, darunter der Bezirksturnwart des Bezirkes, Aug B a - ftian. Es traten 45 junge Bürger dem zu gründenden Verein bei. Als Vorsitzender wurde Herr Rausch und als Turnwari Lehrer Bell gewählt. Die Turnstunden finden jeden Dienstagabend statt Auch wird die Stadt Romrod den jungen Verein bei der Anschaffung von Geräten unterstützen. ch Lehrb ach, 10. Aug In seiner letzten Sitzung hat der Gemeinderat in verständnisvoller Wahrung der hiesigen Verkehrsinteressen die angeforderte (Sarantiefuinme von 200 Mk. für die A u t o p o st l i n i e K i rch h ai n — K i r- torf für ein weiteres Jahr bewilligt. Wenn auch das Postauto bei der Sage der Dinge nicht übermäßig von der hiesigen Bevölkerung in Anspruch genommen wird, so fann doch jeder einmal im Lause des Jahres darauf angewiesen sein, sei es in Krankheitsfällen, sei es, daß es Besuch zu etnpfangen gilt, sei es in eigenen dringenden Angelegenheiten. Cs mußte im Interesse der All- .gemeinheit daher alles getan werden, die infolge der Alirrentabilität gefährdete Autopostlinie, soweit es in unseren Kräften stand, zu erhalten helfen. ch Erbenhausen, 10. Aug. Der Aufgang zu unserer hochgelegenen Kirche ist nun neu hergestellt. Dies bedeutet sowohl eine wesentliche Erleichterung für die Kirchgänger und hebt zum anderen den Gesamteindruck unserer Kirche unb des daneben sich befindenden Kriegerdenkmals. — Die Verbringung einiger wertvoller und interessanter alter Grabsteine von dem Friedhof in die Kirche, um sie vor Verwitterung und Beschädigung zu schützen, ist in Aussicht genommen. • Kreis Lauterbach. fl. Maa r, 10. Aug. Im Ortsteil Reu-Maar ereignete sich vorgestern abeich ein bedauerlicher AI n f a 11. Ein dreijähriges Kind wurde in der Rähe des väterlichen Hauses am Rande des (nicht erhöhten!) Bürgersteigs von einem nach Lauterbach heimkehrenden Radler überfahren, der in Schlangenlinien die Straße herabfuhr. Anscheinend war er infolge des feuchtfröhlich verlebten Sonntags nicht mehr Herr über fein Rad. Das Kind erlitt einen schweren Beinbruch Es ist ein Wunder, daß nicht schon öfter ähnliche Alnglückssälle in Reu-Maar zu verzeichnen sind. Richt ortskundige Kraftfahrer fahren oft in einem rasenden Tempo durch, trotz Strahenkreuzuirg, Kurve und kinderreichen Häusern auf beiden Seiten. Schilder, die ein langsames Fahren gebieten und wenigstens auf einer Straßenseite ein erhöhter Fußsteig, wären sicher für Bewohner und Fremde eine Wohltat. Starkenburg. • Darmstadt, 10. Aug. Vom 15. August ab wird auf der Strecke Mainz — Kostheim - Trebur — Rauheim (Kr. Groß-Gerau) eine Kraftpostlinie eingerichtet, die außer den genannten Ortschaften noch' Gustavsburg. Gins- heim, Bauschheim und Astheim berührt. * Darmstadt, 10. Aug. Jetzt ist das Hauptverfahren gegen einen hiesigen Privatlehrer eröffnet worden, der im vergangenen Jahre unter dem Verdachte der Fälschung von Reifezeugnissen höherer Lehranstalten verhaftet worden ist. Außer ihm sind im Verlauf der Alntersuchung etwa ein Dutzend Mittäter festgestellt worden. Rach Beendigung der Gerichtsferien wird die Verhaird- hing in dieser Angelegenheit stattfinden.Das Dezirksschoffengericht verurteilte den 32jährigen verheirateten Buchhalter Georg Mohr aus Wiebelsbach, der bei einer Bank angestellt war und dort 30 000 Mark unterschlagen hatte, zu einem Jahr Gefängnis. Mohr, der Familienvater ist, hatte ein Liebesverhältnis und andere Passionen, wie Jagd und Automobilfahren! eine Rotlage bestand bei feiner gesicherten Stellung nicht. — Der 19jähriye Schreiner Cornelius Bohm unb die 18jährige Katharina Helfrich aus Dieburg überfielen an einer einsamen Stelle den etwas geistesschwachen Installateur Simon Wolf aus Groß-Zimmern und beraubten ihn seiner Barschaft im 'Betrage von 3 (drei) Mark. Die Tat geschah in Dieburg. Das Bezirksschöffengericht verurteilte wegen gemeinsamen Raubes Böhm zu 8 Monaten und die Helfrich zu 6 Monaten Gefängnis. ASTOR-HAOS G. CIGARETTEN R DORF Die neue 6Pfg. Cigarette, in ungewöhnlich milder Qualität und vollem Format WS2l. Wetzlar, 10. Aug. Dorgestern ereignete sich auf dem Zementwerk der Buderus- Eisenwerke ein tödlicher Anfall. Der Vor- zeichner Ernst Scheib aus Siegen verlor bei der Befestigung von Dachbändern das Gleichgewicht. Zwar versuchte er, sich noch an den Gerüststangen festzuhalten, diese gaben jedoch nach und so stürzte er 18 Meter in d i e Tiefe. Mach Einlieferung in das Krankenhaus verschied der Schwerverletzte. 3 Wetzlar. 10. Aug. Der Bezirksausschuß zu Koblenz hat auf Grund der § 39 und 40 der Iagdordnung vom 15. Juli 1907 für den Umfang des Regierungsbezirkes Koblenz - - also auch den Kreis Wetzlar -- für das Jahr 1926 den Schluss der Schonzeit für Birk-. Haselund Fasanenhennen auf den 29. September festgesetzt, so dass der 30. September der erste Oagbtag ist. Die Schonzeit für Rehkälber hat er auf das ganze Jahr ausgedehnt- 3 Kinzenbach. 10. Aug. Die Maul- und Klauenseuche ist hier erloschen. Die an- geordnelen Sperr massnahm en sind aufgehoben. 3,Launsbach. 10. Aug. Hier hat sich eine Drainagegenossenschaft gebildet, die den 21 a m c n „Drainagegenossenschaft Launsbach" führt und ihren Sitz in der hiesigen Gemeinde hat. Die Genossenschaft bezweckt die Entwässerung von Grundstücken und die Anterhaltung von Entwässerungsanlagen nach einem Plane, den Re- gierungslandmesser C r u s i u s , Wetzlar, bei Gelegenheit der Durchführung der wirtschaftlichen Amlegung der Grundstücke der hiesigen Gemarkung aufgestellt hat. Die Satzung der Gnossen- fchaft ist durch den Landeskulturamtspräsidenten zu Kassel genehmigt. 3 Wißmar, 10. Aug. Ebenso wie in Launs- bach. ist auch hier eine Drainagegenossen- s ch a ft gegründet, die sich den Ramen „Drainage- genofsenschaft Wissmar" beigelegt hat. Die Genossenschaft bezweckt die Entwässerung von Grundstücken und die ^Unterhaltung von Entwässerungsanlagen. Der Entwässerungsplan ist von dem Regierungslandmesser Schütz. Wetzlar bei Gelegenheit der Zusammenlegung der Grundstücke der hiesigen Gemarkung aufgestellt. Die Genossenschaftssahung hat die Genehmigung des Landeskulturamtspräsidenten zu Kassel gefunden. -s- Atz b ach, 10. Aug. Unser rühriger Turnverein trifft grosse Vorbereitungen zur würdigen Ausgestaltung des am 21., 22. und 23. August in unserem Dorf stattfindenden Gauturnfestes des Lahn-Dünsberg-Gaues. Das Fest sollte ursprünglich schon am 10., 11. und 12. Juli abgehalten werden, wurde aber damals in letzter Stunde von der Behörde wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche verboten. —c— -Ehringshausen. 10. Aug. I n Di e Mähmaschine geriet ein Landwirt aus dem Rachbarorte Greifenthal bei dem Schnitt des Getreides. Der Mann zog sich schwere Fussverlehungen zu und musste in ärztliche Behandlung übergeben werden. 3 Dornholzhausen, 10. Aug. An der Maul- und Klauenseuche war zuletzt nur noch der eine der beiden Gemeindezuchtbullen erkrankt. Rachdem dieser abgeschlachtet ist, gilt die Seuche als erloschen. Das Landvatsamt hat die an geordneten Sperrmahnahmen aufgehoben. 3 Hochelheim, 10. Aug. Die Bohrungen nach Wasser an den von dem Wünschelrutenforscher Heinemann im hiesigen Gemeindewald bezeichneten Stellen werden eifrig fortgesetzt. In einem Schachte ist man in einer Tiefe von 9,5 Meter auf eine Quelle gestoßen, die nach vorgenommenen Messungen etwa die Hälfte des Wasserbedarfes der hiesigen Ge° . meinde liefern dürfte. Wenn die Bohrungen an der zweiten Stelle ebenfalls zu einem befriedigenden Ergebnis führen, kann die Wasserversorgung der Gemeinde aus eigenen Quellen als gesichert gelten. An den Bau einer Wasserleitung soll dann sofort herangegangen werden. — Wie vor kurzem im „Gieß. Anz." berichtet, ist zum Rachfolger des verstorbenen Pfarrers Schneider von hier dessen Sohn, der Hilfs- Prediger Paul Schneider von Gelsenkirchen- Rüttenscheid durch die Mrtreter der Kirchengemeinden Hochelheim und Dornholzhausen einstimmig gewählt worden. Die W a h l ist nunmehr -durch das Evangelische Konsistorium der Rheinprovinz zu Koblenz bestätigt worden. Pfarrer Schneider hat die Stelle bereits angetreten. Die formelle Amtseinführung durch den Superintendenten wird in Kürze erfolgen. Die Krummhölzer. Roman aus den bayerischen Bergen. Bon Michael Wagner. 28 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Da begann in Bater Uracher eine dunkle Unruhe aufzudämmern, was denn da werden solle aus dem Hof, wenn seine alte Hand nicht mehr die Zügel führen konnte? Und er spürte allmählich das Alter . . . Eine unbestimmte Furcht setzte sich in ihm fest, Zenos Warnungen und Mahnungen könnten doch Irgendwie ... Er fühlte nun selber in seiner derben, naturhaften Art, daß Toni sich dem Bauerntum völlig entfremdete, sich vielleicht gar nicht mehr dazu zurückfand. Stundenlang grübelte Uracher über diese Dinge nach in den langen Tagen von Tonis Abwesenheit — der hielt sich nun meist in München auf — und sand keinen Ausweg. Er fürchtete sich, von neuem Vorwürfe machen zu müssen- denn die Erinnerung an Veris trauriges Ende war in seinem Gedächtnis noch nicht verblaßt. Den Weg zu Zeno aber fand er wieder nicht. . . Er kämpfte gegen Furcht und Selbstvorwürfe ebenso erbittert an, wie damals bei Veris Tod. Mit aller Kraft wehrte er sich in heimlichen heißen Kämpfen gegen die unerbittlich sich durchringende Erkenntnis, daß auf diese Art der Hof eben doch in Gefahr geriet! Der alte Uracherstolz und -trotz erstand wieder in ihm und gab ihm die Kraft, sich zu widersetzen. Und dabei quälte er seinen weißhaarigen Kopf Tag und Nacht um einen Ausweg. Endlich schien er einen gesunden zu haben: Heiraten mußte der Toni! Eine richtige, rieglsame Däuerin, die auch Etliches mitbrachte, mußte her! Toni mußte mit allen Mitteln dazu gebracht werden, den Hof selbst zu regieren ... „Tua amal dein Blattl weg, Toni!" sagte also Vater Uracher eines Abends zum Sohn, „i möcht' a Wort! reden mit brr!" Toni studierte gerade die Kursberichte. Unwillig kaute er an seiner Virginia und knurrte hinter dem Zeitungsblatt hervor: „Siehst doch, daß i lies!" —Z— Münchholzhausen, 10. August. Dem hiesigen Landwirt Alt haus wurde in Anerkennung seiner Berdienste um die Förderung der Kriegervereinsfache in hiesigem Orte von dem Borstand des Preußischen Landeskriegerver- bandes das Krieger Vereinsehren kreuz 2. Klasse verliehen, das ihm vor kurzem durch den Vorsitzenden des Kreiskrieger Verbandes Wetzlar überreicht wurde. — Während die erwerbstätige weibliche Jugend in andern Orten unseres Kreises zumeist in Zigarrenfabriken als Fabrikarbeiterinnen beschäftigt ist, findet ein grosser Teil der einheimischen jungen Mädchen in den Ob st bäum schulen und Gärtnereien der Kreisstadt Wetzlar als Kultur- und Gartenarbeiterinnen lohnenden Verdienst. Obwohl die Mädchen täglich einen verhältnismäßig weiten Weg zu ihrer Arbeitsstätte zurücklegen müssen, ziehen sie diese oft von ungünstiger Witterung beeinträchtigte Verdienstmöglichkeit bei weitem der Tätigkeit in den ungesunden Fabrikräumen vor. —5— Aus dem Hüttenberg, 10. Aug. Eine fast tägliche Erscheinung in den Dörfern des Hüttenbergs sind die zahlreichen Händler. die mit ihren verschiedenen Handelsartikeln die Landorte „bereisen". Während vor einigen Wochen Kirschen und Heidelbeeren in allen Tonarten angeboten wurden, sind jetzt die Gurken der „Saisonartikel". Da wegen des starken Schnek- kenfraßes in vielen Gemüsegärten nur eine geringe Gurkenernte zu erwarten ist, werden Salat- und Einmachgurken fast von jeder Hausfrau gekauft, so daß die Händler über keinen schlechten Absatz zu klagen brauchen, der bei Kirschen und Heidelbeeren manches zu wünschen übrig ließ. — An vielen Zwetschenbäumen ist in diesem Jahre das Auftreten der Rarren - ober Taschenkrankheit zu beobachten. Die durch einen Pilz (Taphrina Pruni) verursachte Krankheit verleiht den befallenen Früchten oft wunderliche Formen und gibt ihnen einen faden, bitteren Geschmack. 3 Oberkleen, 10. Aug. Der an der Wegegabelung Oberkleen-Griedelbach-Oberwetz stehende ,,R a p o l e o n st o ck", über den vor einiger Zeit im „Gieß. Anz." berichtet wurde, ist jetzt wieder vollständig neu instand gesetzt worden. Der Stock hat einen neuen schwarz-weißen Anstrich erhalten, auch die Rapvleonfigur ist ihm auf einem besonderen Brette wieder auf gemalt. Ausserdem hat man bei ihm eine Ruhebank auf gestellt. Wenngleich, wie seinerzeit berichtet wurde, der Stock nicht den geringsten historischen Wert hat, so hat man sich feiner behördlicherseits doch deshalb angenommen, weil er in den Meßtischblättern usw. als „Rapoleonstock" eingezeichnet ist. Wirtschaft. Berliner Börse. Berlin, 11. Aug. Die scharfen Kursrückgänge an der gestrigen Börse haben eine starke ilnfidjerfjeit zurückgelassen. Die Spekulation beschränkte sich bei Beginn des heutigen Verkehrs auf Leerkaufe, die teilweise Kurserhöhungen von 1 Prozent mit sich brachten. Im ganzen blieb die Tendenz bei Eröffnung uneinheitlich und verschiedentlich schwach. Die Abgaben, die aus Publikumskreisen noch an den Markt gelangten und bei der geringen Aufnahmelust auf die Haltung der Effektenmärkte drückten, wurden durch die anhaltende Verknappung am Geldmärkte und den weiteren Rückgang der Frankenvaluten noch begünstigt. Rach Festsetzung der ersten Kurse wurden Meldungen aus dem Kohlengebiet bekannt, die eine Abnahme der Haldenbestände um 50 Prozent feststellen, außerdem eine Rachricht, daß die Dresdner Bank unmittelbar vor der Erhöhung ihres Wtienkapitals um 20 Millionen Reichsmark stehe. Diese günstigen Mitteilungen veranlaßten stärkere Deckungskäufe der Spekulation, denen sich lebhafte Rückkäufe anderer Kreise anschlossen. Die Tendenz wurde daher freundlicher unter Bevorzugung von Bank-, Montan- und Elektroaktien. Auch die Werte der I. G. Farbenindustrie und verwandter Gesellschaften konnten sich befestigen. Im Devisenverkehr ging der französische Franken gegenüber dem gestrigen Mittagskurs um weitere 8 Punkte auf 178 gegen London zurück. Brüssel hatte den gleichen Stand gegen das Pfund und lag damit relativ günstiger. Mailand war nur mäßig schwächer mit 145,75 gegen London. Die sonstigen Valuten ’i—hwhi । ii>»wiii|nirwBiniMJuiiis!M«E.wiwrBBwwwnaBss«at „Nachher töt i halt ftadhalten! Hörst doch, daß i reden möcht mit dir!" gab der Alte in einem Tone zurück, daß Toni ganz unwillkürlich seine Lektüre unterbrach, das Blatt sinken ließ und verblüfft den Vater anstarrte. Also?!" fragte er dann, nun selber gespannt, was da kommen würde. Vater Uracher nickte. „Ganz kurz g'sagt, Toni — du muaßt deine Handelschaften jetzt aufgeben und den Hof selber in d' Hand nehmen!" „Oho!" platzte der Toni heraus. „In welcher Tonart soll's denn heut' wieder geh'n? — Oder soll bös bedeuten, daß du dich in meine Angelegenheiten mischen willst?" „Laß mich ausreben!" erroiberte Uracher in unerschütterlicher Ruhe. „Von Einmischen kann niemals a Reb' sein — bal man,5 Recht zum Mitbisch- ferieren hat! Verstehst! Unb i wollt' bir nur ..." Tonis Augen funkelten erregt aus dem hochroten Gesicht. Recht zum Mitbischkerieren?!" unterbrach er den Vater, besten Worte in aufreizenber Betonung wieberholenb, „dös versteh i net! Dös klingt ja grab, als ob i unter Kuratel ftünb’!" Uracher aber steuerte unbeirrt auf sein Ziel los. „Du sollst beipe Handelschaften aufgeben und endlich amal dein Hof selber in d' Hand nehmen! I will mein' Austrag unb meine Ruah! hab zeitlebens a'rackert unb g'werkelt — jetzt könnt's schon langen!' Toni biß sich auf die Lippen. Diesen Augenblick hatte er im stillen mit einem gewissen Unbehagen erwartet und sich immer wieder mit der Hoffnung darüber hinweggetröstet, der „Alte" werde schon weiter machen, so lange es gehe. „Warum — wie stellst dir beim bös eigentlich vor, han?" warf er dem Vater hin. Der schaute scheinbar höchst verwundert auf ob dieser Frage. Und dennoch funkelte etwas Eigenes in feinem Blick. „3 t)ab’ dir Zeit g’nua lassen zum Nachdenken! Den Bauern sollst jetzt du machen — i mag nimmer!" „3 — Bauer?!" Das war alles, was Toni darauf zu erwidern wußte. wiesen nur geringfügige Schwankungen aus. Am Geldmarkt machte die Verknappung weitere Fortschritte. Tagesgeld dürfte sich auf 5 bis 6,5 Prozent erhöhen. Börsenkurje. (Ohne Gewahr.) Frankfurt a.M. Berlin Schlug. Kurs i.Uhr. fiurs Schluh-tAnfana Kurs Rur-. Datum: 10. 8- ; 11. 8- 10. 8. 11. 8, 5°/.) Deutsche Reichsanlcihe • i>492 0.490 0.4925 _ 4°/0 Deutsche RcichSanleiye - — -- 0.445 37a% Deutsche Reichsanlcihe 3% Deutsche Reichsanlcihr . (1.45 — 0,45 — 0,525 — — 0,507 Deutsche Sparprämienanleihe 4% Preußische Jtonlolö • . . 0,27 — 0.27 0.455 — 0.455 0.41 4% Hessen 0.41 — 0,465 3‘/»o/o Hessen......... 3% Hessen........... — _ — _ — _ 0,42 _ Deutsche Dcrlb- Dollar-Anl. 97,7 _ 99,25 _ dto- Doll.-Schatz-Anireiing.*> — — <% Zolltürken......... 13,75 14,25 13,5 _ 5% Goldmerikaner ... . 45 — 44 — Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bauk 197 — 195.5’ 194.5* 139* 137* 138* 137* Darmst. und Nationalbank . 187' 187’ 187* 187* Deutsche Bank......... 169.5 169,2* 170’ 170- Deutsche Vereinsbank • - • 93 — Disconlo Lommandit 160.5* 160,7’ 161,2- 161,2- Metallbank. . ........ 133.75 132.7* 136* Mitteldeutsche Kreditbank . Oesterreichische Kreditanstalt. 140 7,12 137' 138' 7.12 Bochumer Guß ........ 150,5* 148’ 93,75* 83* 148- 95 95,75 82 Caro ............ 85,25 Deutsch-Luxemburg..... 156,5’ 156.7* 156* 156,7- Gelsenkirchener Bergwerke . . Harvencr Bergbau...... 178.5’ 152 137 178* 151,5* 177.5* 151.1- 137.5* 177,2* 151,2- 139’ Kaliwerke Äscöersleben.... 148 56,25 146.2* 56.5 »8.25 Laurahütte......... 55,5 Obcrbedars........... 70.1 74,12* 74 Pbönir Bergbau ...... 126* 125,7* 126,7* 126 Rheinstahl........... Riebeck Montan........ 150' 149,25 149,5* 147,75 149,4* 144 148.2* 148 Tcllus Bergbau ■ ...... 72 158' 151,2* Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd .... 159,7* 153,2* 158* 150,4’ 159* 151,1* Cheramtsche Werke Albin . . — _ __ Zementwerk Heidelberg . . . 122.75 _ Philipp Holzmann...... 98,25 97,75 98 Anglo-Cont.-Guana..... 124 _ 90.5 92 Chemische Mäher Alapin . . 9 G- Warbenindustrie, A.-G. 288,7* 288.5* 283,5* 784,7’ Goldschmidt.......... 116 115’ 117,25 Holzverkohlung....... 57 57,5 Äütgerswerke........ 111.12 109,75 109,5 Schcidcanstalt......... 159,75 161 Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 152,7* 149,5* 150.5* 149,5* Bergmann . . ....... Moinkraftwerke ........ 142,2* 140* 142* 138’ 103,75 Schlickert . . .......... 131 130,2* 131* 129,9* Siemens & Halske ...... 177.5' 177’ 176,7* 176,7* Adlerwerke Kicher ...... 84 81,5 82 81 Daimler Motoren. ...... 82 82 83,62 83,5 Hehligenstacdi......... 26 Mcguiu............ 47,75 16 _ Motorenwerke Mannheim — 37 — Frankfurter Armaturen . - Konservenfabrik Braun . . . 16 44 — — Melallgesell'chaft Frankfurt. Per. Union A--G...... 144,5 86,75 143 86,75 Schuhfabrik Her;...... _ 52 Sichel.............. 2.8 _ — Zellstoff Waldhof...... Zuckerfabrik Frankenthal . . .Zuckerfabrik Waghäusel . . . 167 164 165,25 163 75 83 72,25 83 83 frankfurter Börse. Frankfurt a. M, 11. Aug. Tendenz: unregelmäßig. — Das Börsengeschäft zeigte heute wieder eine unsichere und reservierte Haltung. Die Kursabschwächungen und Erhöhungen hielten sich im allgemeinen die Wage, so daß die Tendenz als uneinheitlich angesprochen werden kann. Die ilmfatj tätigfeit hat eine Einschränkung erfahren, die auf den Mangel an einer nennenswerten Beteiligung außenstehender Kreise zurückzuführen ist. Die Rähe des Medios veranlaßte auch die Spekulation, vorsichttg zu disponieren und von größeren Engagements abzusehen. Infolgedessen waren die Abschlüsse ans ein Minimum zusammengeschrumpft, so daß für eine Reihe von Wertest eine Erstnotierung nicht zustande kommen fonirte. Es verdient aber hervorgehoben zu werden, daß die auftretende Realisationsneigung eine kräftige Widerstandsfähigkeit des Marktes fand, wodurch die Rückgänge sich allgemein in engen Grenzen hielten. Eine Anzahl von Werten hatte auch Besserungen aufzuweisen, die sich im Rahmen von etwa 1 Prozent hielten. Von Mon - t a n a f t i c n konnten sich befestigen; Deutsch- Lup plus 1,25 Proz., Buderus und Mannesmann plus je 1 Proz., Gelsenkirchen, Harpen er und Rheinstahl plus je 0,5 Proz. Dagegen wurden niedriger: Riebeck-Montan minus 1,5 Prozent, „Halt wie sich's g'hörk!" sprach Uracher weiter. „Und noch was — denkst net selber a, daß es Zeit wär', sich — um a richtige Bäuerin z' schauen?" „Bäuerin?!" lachte der Toni schallend heraus, „Bäuerin?! — Hä, ha, ha!" „— A richtige, Hand- unb rieglsame Bäuerin, die a was mitbringt — a solchene muaß her! D' Walli is a schon a alt's Leut' unb schafft's nimmer lang!" führte ber Vater in seiner sonderbaren, anscheinend unerschütterlichen Ruhe weiter aus. „Hör auf!" fuhr jetzt Toni barsch dazwischen. „— 3 kann bös dalkerte G'schwatz net hören!" Vom Vater kam nicht sogleich eine Antwort. Starr und forschend waren seine grauen Augen auf Toni gerichtet. Das Unbehagliche der Situation reizte Toni. „Wie stellst du denn dir bloß dös vor!" begehrte er auf, sich zu einem Lachen zwingend, „Bauer — Bäuerin! — Daß i net lach!" „Was gibt's denn ba zum Lachen? — Du nimmst bein’ Hof unb schaust bir um a Bäuerin — i möcht' enblich amal ausspannen, unb b' Walli hat's a oerbient!" Uracher war lauter geworben, dumpfe Erregung grollte in feiner Stimme. Doch er zwang sie noch nieder. „Bis Pfingsten laß i dir noch Zeit — solang mach i dir noch den Bauern!" „Red' doch kein' Unsinn, Vater! Da werd ewig nix draus!" „Werd nix draus?! — Warum nachher net? Han?" Toni hieb mit ber Faust aus ben Tisch. „3a, glaubst beim du im Ernst, daß i in mein' Leben jemals wieder an Bauern mach?" „Bua!" brach Uracher jetzt los und fuhr auf. Sein mächtiger Brustkasten hob und senkte sich in gewaltiger Erregung. Grollend kam es draus hervor: „3etzt langt’sü" Auch Toni war aufgesprungen, wich aber sofort bis in die Mitte ber Stube zurück. Wut, Trotz unb Furcht verzerrten seine Gesichtszüge. „Herr im Haus bin allemal i!" stieß er mit überfchnappenber Stimme heraus. „Unb i laß mir von gar niemand was breinreden!" „Was mit dem Hof is, will i wissen!" „Da g'schieht, was i haben will!" schrie der Toni. „Da brauchst gar net bis Pfingsten z' warten, Laurahütte minus 0,75 Prozent unb Phönix minus 0,25 Prozent. Von Chemieaktien konnten I. G. Farben 1 Prozent anziehen. Scheideanstalt plus 1,75 Prozent und Holzverkohlung plus 0,5 Prozent. Elektroaktien hatten bei geringer älmsahtätigkeit unregelmäßige Tendenz. AEG. und Bergmann wurden niedriger. während Schuckerk und Siemens sich befestigen konnten. Am Bankaftienmarkte setzten sich die Kursabbröckelungen fort. Darmstädter minus 1,25 Prozent, Dresdner minus 1 Prozent. Scharf gedrückt waren Mitteldeutsche Kredit, die 3 Prozent verloren. Schiffahrts- a k t i e n lagen ziemlich fest. Hapag plus 0,75 Prozent, Rordllohd plus 1,25 Prozent. Don Motorenaktien senkten sich Kleher um 2 Prozent, während Daimler unverändert blieben. Zellstoff- unb Zuckeraktien gehalten, nur Zucker-Frankenthal waren stärker rückgängig und büßten 3 Prozent ein. Oelartien konnten sich befestigen. Deutsche Erdöl plus 1,5 Prozent, Rütgerswerkc plus 0,75 Prozent. Der heimische Anleihemarkt verharrte in Lustlosigkeit, die Kurse waren zumeist unverändert. Von ausländischen Renten bestand etwas Jnteress? für ZoUtürken. Im Freiverkehr waren Ufa angeboten und auf 38 Proz. abgeschwächt. Brown^Boveri 120, Entreprise 7, Growag 60, Frankfurter Handelsbank 90,5, Anterf ranken 90 Proz. Der weitere Verlauf brachte zunächst Schwankungen, doch konnte sich schliesslich eine freundlichere Tendenz durchsetzen. Die Kurse der Aktien, die niedriger eröffnet hatten, konnten etwas an- ziehen. Die befestigten Werte erzielten weitere leichte Steigerungen. Der Geldmarkt steht im Zeichen einer stärker gewordenen Verknappung. Tagesgeld stellte sich auf 41/2, Monatsgeld 5 bis 5Vs Proz. je Adresse. Im Devisenverkehr lagen die westlichen Frankenvaluten erneut abgeschwächt. Paris stellte sich gegen London auf 175, Brüssel auf 176. Mailand lag fast unverändert mit 145,25 gegen das Pfund. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) 10. August. 11. August. Amtliche Geld Kotierung Brief Amtliche Notierung Geld 1 Brief Amst.-Roll. 168,52 168,84 168,43 168.85 " Buen.-AireZ 1,698 1,702 1,698 1,702 Brff.-Antw. 11,66 11,70 11,57 11,61 Christiania. 91,88 92,12 91,93 92,17 Kopenhagen 111,26 111,56 111,34 Ul, 62 Stockholm . 112,26 112,54 112,29 112,57 Hclsingfors. 10,554 10,594 10,553 10,593 Italien. . . 14.08 14,12 14,00 14,04 London. . . 20,397 20,449 20,395 20,447 Oleuhort . . 4,195 4,205 4,195 4,205 Paris. . . . 11,88 11,92 11,62 11,66 Schweiz . . 81,12 81,31 81,11 81,31 Spanien. . 64,27 64,43 64.02 64,18 Japan . . . ?h‘io de Fan. 1,998 2,002 1,998 2,002 0.646 0.648 0.648 0.650 Wien in D-- Oest. abgest. 59,32 59,46 59,345 59,485 Prag .... Belgrad . . 12,42 12,46 12,42 12,46 7.40 7,42 7,402 7,422 Budapest. . 6,867 ',887 5,87 5,89 Bulgarien . J.015 1.045 3,04 3,05 Lissabon 21,40 21,45 21,40 21,45 Danzig. . . 81,28 81.48 81,36 81,56 Konstantin. 2,335 2,345 2,332 2,342 Athen. , . 4,74 4,76 4,74 4,7h Canada. . Uruguay 1,197 4,207 4,197 4,207 1.185 4.195 4.185 4,195 Banknote N. (Ohne Gewähr.) Berlin, 10. August. Geld Briet Amerikanische Note« ..... 4,175 4,195 Belgische Noten........ 11,75 11,81 Dänische Noten ....... 111,02 111,58 Englische Noten. ....... 20,369 20,465 Französische Noten ..... 12,04 12,10 Holländische Noten...... 168,10 168,94 Malienische Noten ...... 14,41 14,49 Norwegische Noten...... 91,37 92,0! Teutsch-Oesterr., äioo Kronen 59,40 59,70 Rumänische Noten...... —— Schwedische Noten ...... 111,92 112,48 Schweizer Noten ....... 81,20 81,60 Spanische Noten ....... 64,09 64,41 Tschechoslowakische Noten . . 12,385 12,445 Ungarische Noten ....... 5.83 5.87 3-'urrkfr.vUr Getreidebörse. Frankfurt a. M., 11. Aug. Es wurden notiert: Weizen 1 Wetterauer, neue Ernte) 28,50 bis 29. Roggen (int., neue Ernte) 19,75 bis 20, Hafer (ausl.) 20,50 bis 22, Mais (gelb) 18,25 bis 18,50, Weizenmehl (inl., Spezial 0) 42 bis 42,75, Roggenmehl 30, Weizenkleie 8,75, Roggenkleie 10,50. — Tendenz: Leicht befestigt. I kannst es gleich hören — roennft nimmer magst, | nachher kannst in dein' Austrag gehen, i halt bi net auf! Unb b’ Walli kannst von mir aus mitnehmen! Auf ben Hof aber kommt nachher a — Verwalter!" Einige Augenblicke stand Uracher wie erstarrt. Um ihn schien sich alles zu drehen. 3hm war, als kochte ein Vulkan in feinem 3nnern. Er biß die Zähne zusammen. Stark bleiben! „Niemals hat ben Krummholzerhot a anderer in der Hand g'habt als a Uracher! Unb solang i noch leb, kommt a koa Frember ba rein!" Wie ein Schwur klang bas. Toni frohlockte innerlich. So bog man bas stärkste Eisen. „Na, also — nachher muaßt halt roieber weitermachen!" Breitspurig ftanb ber Toni jetzt vor bem Vater, voll scheinbarer Ueberlegenheit in Ton unb Miene, die Hände in den Hosentaschen. Uracher stierte ihn wie einen Fremden, Unbekannten an. „Und — wenn i amal bei der Mutter draußen im Freithos lieg — was is dann? Han?! Was g'schieht ebba bann mit'm Hof?!" Da lachte ihm der Toni ein freches, gemeines Lachen ins Gesicht. „O mein — berroeil lauft noch viel Wasser nunter! Was nachher g'schieht — bös tuat bir nimmer weh!" Lachte, brehte sich brüsk auf bem Absatz herum unb verließ bas Zimmer. Wie entgeistert stierte Uracher auf bie Tür, als sie längst hinter Toni ins Schloß gefallen. Dann erbebte feine hohe, noch im Alter kraftvolle Gestalt, die braunen, zerschrundeten Fäuste krampften sich um bie Tischkante . . . Langsam ließ er sich auf bie Bank niedcrfaüen, ber Kopf mit bem grauen Haar schlug hart auf bie Tischplatte. Er fühlte in diesem Augenblick, wie ihm ein unerbittliches Schicksal ben Fuß auf ben Nacken setzte. Qualvoll stöhnte er auf. So fanb ihn nach einer Stunbe bie erschrockene Walli. Seltsam — dies beängstigende Gefühl, das Zeno längst wie ein Alp bedrückte: irgendeinem dunklen Verhängnis mit derselben grausigen Gewißheit zuzutreiben, wie etwa ein steuerloses Boot der Stromschnelle — erfaßte nun auch Vater Uracher. (Forkfetzung folgt.)