Ur. 1Z4 Erstes Blatt 176. Jahrgang Strittig, n. Juni 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag«. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Dill» Die Scholle Movats-Bezvgrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichs Pfennig für Trägerlohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schristleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: $ranffurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnttk und Verlag: vrühl'sche UnioerfitülL-vuch' Mld Zteiudruckerei B. Lange in Gießen. Zchriftieitung und Geschastrstelle: Zchulstraße l. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm hohe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 7V mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20"/, mehr. Thefredoktsur: Dr. Friedr. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Lange; für Feuilleton Dr H.Thyriot; für den übrigen Teil Trust Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen. DerReichskanzler gegen die Fürstenenteignung Endgültige Annahme des Berliner Vertrags im Reichstag. 2lm x Recherungstisch: Reichskanzler Dr. M a r j, Dr. Külz. President L o e b e eröffnete die Sitzung um 12.20 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des Regierungsentwurfes über die Fürstenabfindung. Die kommunistische Interpellation. die sich gegen den Hindenburg- Dr i es richtet, wird mit der Debatte verbunden, DaS Wort erhält sofort Reichskanzler Dr. Marx: Der vorliegende Entwurf entspricht dem Versuch des Reichstages, die vermögensrechtliche Auseinandersetzung zwischen den Ländern und den früher regierenden Fürsten» h&ufern durch Jnitiativgeseh herbeizuführen. Die Steflierung hat diese- gesetzgeberische Vorgehen von voncherein begrübt und hat es in allen Phasen seiner Entwickelung mit Rachdruct unter- sültzt. Sie hat in allen Verhandlungen die Regierungsparteien auf dem Boden eines Kom- promiygesehentwurfes zusammengeführt und bei der Fassung deS Entwurfes weitgehend mitge- toirtt. Sie hat schließlich, um über das Stadium der Ausschubberatungen hinaus zu positiven und praktischen Desehgebungsresultaten zu kommen, von sich aus den heule vorliegenden Gesetzentwurf beim Reichsrat eingebracht. Der ReichSrat hat diesen Gesetzentwurf mit sehr grober Mehrheit angenommen. Die Reichsregierung legt entscheidenden Wert darauf, dah auf der Grundlage des jetzt zur Beratung stehenden Gesetzentwurfes eine befriedigende Losung der Auseinandersetzung mit den vormals regierenden Fürstenhäusern gefunden wird. Der Gesetzentwurf, der dem bevorstehenden Volksentscheid zu Grunde liegt, ist nach Auffassung der Reichsregierung keine solche befriedigende Losung. Die grundlegenden Veränderungen in politischer, staatsrechtlicher und wirtschaftlicher Beziehung, die in der Äachkriegs- zeit eingetreten sind, konnten die vermogensrecht- lichen Beziehungen zwischen den Ländern und den ehemals regierenden Fürstenhäusern nicht unberührt lassen. Rach der verfassungsmäßigen Heber- Windung der Revolution müssen die Grundlagen des Rechtsstaates unversehrt bleiben. Zu ihnen gehören: Rechtsgleichheit aller Staatsbürger und Unantastbarkeit des Privateigentums. Die im Volksbegehren verlangte entschädigungslos- Enteignung der ehemaligen Für st en Häuser ist unvereinbar mit diesen ober st en Geboten eines Rechts st aale s. Demgegenüber hält die Regierungsvorlage an den verfassungsmäßigen Grundlagen fest, ohne die poli- tischen und gesetzgeberischen Notwendigkeiten außer Acht zu lassen, die sich aus dem Wegfall der staatlichen Hoheitsstellung der Fürsten und aus der durch Krieg und Inflation hervorgerufenen allge- mein Volksverarmung ergeben. Die Auffassung der Reichsregierung, daß der vorliegende Gesetzentwurf eine befriedigende Lösung des Auseinandersetzungsproblems darstellt, wird von den Staatsregierungen, der an der Losung dieser Frage in erster Linie beteiligten Lander, insbesondere von denen Preußens und Thüringens geteilt. Die Reichsregierung ist aber des weiteren auch der Auffassung, dah die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes den dringenden Wunsch und den Anspruch hat, daß der Reichstag eine gesetzgeberische Lösung seinerseits findet. Sie hält es deswegen für ein innerpolitisches Gebot, das Gesetz über besten Einzelheiten monatelang in der eingehendsten Weise beraten worden ist, nunmehr mit aller nur möglichen Beschleunigung zu verabschieden. Die Reichsregierung möchte dabei keinen Zweifel lassen, daß es durchaus irrig fein würde, anzunehmen, daß sie nach einem verneinenden Ergebnis des Volksentscheides von einer gesetzlichen Regelung 21 b ft a n b nehmen könnte. Die Reichsregierung wird auch bann mit . aller Entschiedenheit auf eine gesetzgeberische Regelung im Geiste der Vorlage dringen und würde die ihr geboten erscheinenden Konsequenzen nicht scheuen, falls sich im Reichstag endgültig die Unmöglichkeit des Zustandekommens eines Abfindungs- gesetzes ergeben sollte. Die gegen den Entwurf auf entschädigungslose Enteignung gerichteten Ausführungen des Reichs- kanzlers wurden von den Sozialdemokraten und Kommunisten mit lautem Widerspruch, von der Roten mit Beifall ausgenommen. Abg. v. Guerard (Z.) gibt namens der Re- gierungsparteien folgende Erklärung ab: Die Regierungsparteien haben Ende April den Gesetzentwurf über die Enteignung, der Fürstenver- mögen, der jetzt dem Volksent,ckeiti unterliegt, einmütig a b g e l e h n t. Sie haben aber niemals verkannt, daß eine vernünftige gesetzliche Regelung der oermögensrechtlichen Auseinandersetzung zwischen Fürstenhaus und Land unbedingt erforderlich ist. Dieser Auffassung entsprechend find die Regierungsparteien dauernd tätig gewesen, seitdem die 'Frage"an den Reichstag herantrat. Ihre Arbeit hat in einem vereinbarten Gesetzentwurf ihren Ausdruck gefunden, dessen Inhalt die Reichsregierung zur Grundlage des zur Beratung stehenden Gesetzentwurfes gemacht hat. Die Regierungsparteien begrüßen die heutige Erklärung der Reichsregieru'ng und nehmen mit Genugtuung davon Kenntnis, daß die Regierung gewillt ist, mit dem vollen Einsatz ihrer Verantwortlichkeit auf die Verabschiedung dieses Gesetzes hinzuwirken. Angesichts der Tatsache, daß im Lande befürchtet wird, im Falle der Ablehnung des Volksentscheids werde jede reichsgesetzliche Regelung scheitern, wollen die Regierungsparteien keinen Zweifel darüber lassen, daß sie den Erlaß eines, die Auseinandersetzung zwischen den beteiligten Ländern und den Fürstenhäusern regelnden Gesetzes für unbedingt notwendig erachten. Sie erklären mit nachdrücklichstem Ernst, daß sie alles daran setzen werden, den vorliegenden Gesetzentwurf in allen wesentlichen S e ft a n titelten zur Annahme z u bringen. In ihm soll ein Gesetz geschaffen werden, das der veränderten staatsrechtlichen Stellung der Fürstenhäuser entspricht. (Beifall bei den Regierungsparteien.) Abg. Müller-Franken (Soz.) gibt ebenfalls eine Erklärung ab, in der es heißt: Der Reichspräsident sei unter Mißachtung seiner verfassungsrechtlichen Stellung veranlaßt worden, gegen den Volksentscheid einseitig Stellung zu nehmen. Der Redner wandte fich scharf gegen den Reichspräsidenten und erklärte, es sei nicht Aufgabe eines Staatsoberhauptes, in solcher Weise einseitig Partei zu ergreifen. Die Erklärung schließt mit einem Protest gegen die Parteilichkeit des Reichspräsidenten und fordert die Wähler auf, für den Volksentscheid zu stimmen. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die Entscheidung dieser Frage liege nicht mehr beim Reichstag, sondern beim Volke. Wenn der Brief des Reichspräsidenten als Privatbrief bezeichnet werde, so sei dies eine Spiegelfechterei. Wit Herrn v. Loebell brauche man sich nicht weiter zu beschäftigen. (Zustimmung bei den Soz.) Reichskanzler Dr. Marx: Auf die Ausführungen des Abg. Müller-Franken zu dem Briefe des Reichspräswenten an den Staatsminister a. D. v. Loebell habe ich namens der Reichsregierung folgendes zu erklären: Rach Artikel 50 der Reichsverfassung bedürfen alle Anordnungen und Verfügungen des Reichspräsidenten zu ihrer Gültigkeit der Gegenzeichnung. Da die Verfassungsvorschrift von Anordnungen und Verfügungen spricht und bestimmt, daß ihre Gültigkeit Port der Gegenzeichnung abhängig ist, ergibt sich, daß sie nur solche Kundgebungen im Auge hat, die der Reichspräsident mit der ihm unmittelbar zustehenden verfassungsmäßigen Staatshoheit vor- nimmt, und ihrer Ratur nach die Möglichkeit einer Vollziehung zulassen. — (An dieser Stelle entsteht großer Lärm links.) Der Reichskanzler sagt darauf: „Hören Sie mich doch erst an!“ — Der Lärm dauert aber fort. — Abg. Rosenfeld (Soz.) ruft: „Decken Sie den Wortbruch Hindenburgs?" Dieser Zwischenruf ruft den äußersten Sturm der Rechten hervor. Es ertönen Rufe von rechts: „Frechheit! Unerhört!“ — Der Lärm dauert lange Zeit an. — Präsident Loebe bemüht sich vergeblich, die Ruhe wiederherzustellen. Von rechts wird stürmisch ein Ordnungsruf verlangt. Der Präsident erteilt den Ordnungsruf, der in dem Lärm nicht überall verstanden wird. — Abg. Rosenfeld ruft nocheinmal: »Es ist doch ein Wvrtbruch!“ — Von rechts wird abermals ein Ordnungsruf verlangt. — Präsident Loebe erklärt, er habe den Ordnungsruf erteilt. sei aber nicht überall verstanden worden. — Von rechts wird gerufen, daß der Zwischenruf zum zweiten Male erfolgt sei. — Nachdem einigermaßen wieder Ruhe eingetreten ist, erklärt der Reichskanzler: „Ich verwahre mich entschieden gegen den Vorwurf, daß der Herr Reichspräsident irgendwie sein Wort gebrochen hat!" — (Lebhafter Beifall rechts — neuer Sturm links.) Reichskanzler Dr. Marx fährt dann in seiner Erklärung folgendermaßen fort: „Diese Voraussetzungen liegen nicht bo; bei persönlichen Meinungsäußerungen des Reichspräsidenten, die keine Anordnung oder Verfügung enthalten und nicht bestimmt sind, in den Gang der Staatsgeschäfte unmittelbar einzugreifen. Die in Frage stehende Kundgebung des Herrn Reichspräsidenten erübrigte hiermit eine Gegenzeichnung. Im übrigen gestatte ich mir noch, folgendes hervorzuhe^em Ti? Richt'in'en der Po i ik nerden nach Art. 56 der Verfassung vom Reichskanzler bestimmt, der gegenüber dem Reichstag die Verantwortung übernimmt. Eine entschädigungslose Enteignung der vormals regierenden Fürstenhäuser, wie sie in dem Volksentscheid verlangt wird, hat die Reichsregierung bereits wiederholt als mit den Grundsätzen eines Staates nicht vereinbar bezeichnet. Der Inhalt des Briefes des Herrn Reichspräsidenten, der die gleiche Auffassung zum Ausdruck bringt und ausdrücklich auf die Stellungnahme der Reichsregierung Bezug nimmt, ist danach die sachliche Anerkennung der von mir verfolgten Politik. Eine Mißachtung seiner verfassungsmäßigen Stellung kann ich in dem Verfahren des Reichspräsidenten nicht erblicken. Der Abg. Torgier (Komm.) wird wegen eines Zwischenrufes zur Orbnung gerufen. Abg. Dr. Barth (Dn) grbt im Ramen seiner Partei folgende Erklärung ab: Wir stimmen der ilebettocifung der Regierungsvorlage an den Rechtsausschuh zu. Wir werden dieser Frage gegenüber dieselbe auf Recht und Gesetz gegründete Stellungnahme, die wir in der ganzen Frage — insbesondere bei unserer Mitarbeit an der Beratung der verschiedenen Kompromiß- gesetzentwürse im Rechtsausschuß — eingenommen haben, weiterhin bewahren. Wir heben hervor, dah wir die in dem Volksentscheid beabsichtigte Enteignung der Fürstenvermögen als eine Verletzung der wesentlichsten Grundlagen des Rechtsstaates ansehen. Deshalb ergreifen wir die Gelegenheit, unter scharfer Zurückweisung der von der Sozialdemokratie erhobenen Vorwürfe dem Herrn Reichspräsidenten herzlich zu danken, daß er sich in dem Abwehrkampf gegen den Bolschewismus als der getreue Eckart des deutschen Volkes bewährt hat. (‘Beifall rechts. Sturm links.) 2lls hierauf der Abg. Reubauer (Komm.) das Wort nimmt, verlassen die meisten Abgeordneten der Rechten unter dem Gelächter der Kommunisten den 6aaL Abg. v. Graefe (Volk.) verliest eine Erklärung des Inhalts, baß seine Fraktion die Regierungsvorlage ablehnt. weil sie in verschiedenen Punkten den Grundsätzen des Rechts widerspreche. Der Redner erklärt weiter, er lehne es ab. auf die sinnlosen Anwürfe gegen die Person des Reichspräsidenten und auf die Beschimpfungen der Fürsten einzugehen. Abg. v. Guerard (Zentr.): Die Zentrumsfraktion vermag nicht anzuerkennen, dah die Angelegenheit des bekannten Briefes des Herrn Reichspräsidenten durch die lediglich auf die staatsrechtliche und verfassungsrechtliche Seite sich beziehende Erklärung des Reichskanzlers erschöpft ist. (Hort! Hort!) Der Brief des Reichspräsidenten ist an sich ein politischer Akt. (Sehr wahr! beim Zentrum und link'*.) Abg. Koch- Weser (Dem.) erklärt, die demokratische Reichstagsfraktion könne sich der Erklärung des Reichskanzlers zum Hindenburgbrief nicht anschließen. Sie halte an dem von Bismarck auf gestellten Grundsatz fe$t, daß das OtaatSober- baubt sich „nicht ohne minifterteile Dekleidungs- ftücre“ in der Öffentlichkeit zeigen soll. Abg. Mo ll ath (W. Vag.): Die Auseinandersetzung, die die Fürstenhäuser mit der Staatssorm hatten, soll die gerechte Festsetzung des tatsächlichen Privatvermögens der Fürstenhäuser ermöguchen. Eine entschädigungSlose Enteignung de^ so festgestellten Privatvermögens steA in ernstem Widerspruch zu der Verfassung und zu den Grundsätzen von Recht und Gesetz. Damit schlicht die Aussprache. Die Vorlage wird dem ReÄtsausschuh überwiesen. — Da der kommunistische Mißtrauensantrag noch nicht im Druck vorliegt, wird die Abstimmung hierüber auf Vorschlag des 2lbg. Müller- Franken auf Freitag vertagt. Es folgt die erste Beratung des deutsch-russischen Vertrages vom 24. April 1926. Reichskanzler Dr. Marx erklärt dazu, dah der Außenminister durch Krankheit verhindert sei, die Vorlage zu vertreten. Dee Vertrag bedürfe an und für sich nicht der Zustimmung des Reichstages. Angesichts feiner besonderen politischen Bedeutung habe sich die Reichsregierung aber entschlossen, diese Zustimmung trotzdem einzuholen, bevor der Austausch der Ratifikationsurkunden stattfinde. Der Reichskanzler verweist dann auf die Rotwendigleit guter und freundschaftlicher Beziehungen zu Rußland und erinnert an den Rapallovertrag. Seitdem sei die Entwicklung der internationalen Politik fortgeschritten. Die deutsche Politik mußte die Linie verfolgen, auf der Grundlage des Versailler Vertrags zu einer Verständigung zu gelangen. Man habe in Rußland die letzte Phase der deutschen Auhenpolitit zunächst mit Mißtrauen angesehen. Die Verträge von Locarno und der an- gekündigte Eintritt Deuts chlands in denVolkerbund seien m'.ssischerseits anfangs vielfach als eine radikale Schwenkung unserer Politik und als eine ausschließliche Orientierung nach dem Westen fritifiert worden, die die Aufrechterhaltung guter Beziehungen zu Rußland auf die Dauer unmöglich machen würde. Der Reichskanzler erklärt dazu: Dieses Mißtrauen war unbegründet. Auch deutscher'eits wurde aber anerkannt, dah das deutsch-russische Verhältnis der neuen, durch die Locarnoverträge geschaffenen politischen Situation angeglichen werden müßte. Diese Angleichung ist der eigentliche politische Gewinn des Berliner Vertrages. Der Ausgleich liegt sachlich darin, dah die beiden Länder sich die unveränderte freundschaftliche Fühlung in dem gemeinsamen wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten versprachen, und haß sie sich daneben zur Reu- t r a l i t ä 1 für den Fall verpflichteten, dah einer von ihnen trotz eigenen friedlichen Verhaltens angegriffen, oder dah er zum Gegenstand einer agressiven Wirtschaftspolitik gemacht wird. 3m Grunde wird dadurch keine neue Lage geschaffen, fontiern tiiegegebeneCagenur geklärt. Die fo amomädjle hätten niemals verlangt, daß Deutschland in eine gemeinsame Front gegen Rußland einttele. Deutschland denkt auch nicht daran, durch diesen Verlragsabschluy etwa den Vertrag von Locarno auszuheben. Der RNß- erfolg der Märztagung des Völkerbundes fallt nicht Deutschland zur Last. Deutschland ist bereit, mttzuarbeiten und die Schwierigkeiten zu beseitigen. Die deutsche Politik ist eine poli- tik des Friedens. Aber eine Friedenspolitik kann nicht einseitig sein. Das System friedlicher Abmachungen muß sich auf alle ßäntier erstrecken. Gerade das Nebeneinander- bestehen von Locarnoverträgen und Berliner Vertrag ist eine wichtige Phase der friedlichen Entwicklung Europas. Es ist keine Ueberschätzung unserer politischen Rolle, sondern einfach eine Folge unserer zentralen Lage, wenn mir versuchen, die Brücke zwischen Ost und West zu bilden. Wir dürfen erwarten, daß unsere Politik bei allen denen, die das gleiche Fricdensziel verfolgen, nicht nur Verständnis, sondern auch Unterstützung findet." Abg. Dernburg (Dem.) gibt im Namen der Regierungsparteien eine kurze Erklärung ab, in der der Abschluß des Dertrages begrüßt wird. Abg. Dr. D r e i t s ch e i d (Soz.) erklärt die Zu- stimmung der Sozialdemokratie zu dem Vertrage, ber ein Werk des Friedens und eine willkommene Ergänzung der Locarnopolitik sei. Abg. Dr. Hoetzsch (Dntl.) begrüßt gleichfalls den Vertrag. Abg. Graf R e v e n t l o w (Völk.) erklärt, feine Freunde hätten die Zukunft der deutschen Politik immer im Osten gefehen. Sie könnten deshalb dem Vertragsabschluß rückhaltlos zuftimmen. Der deutsch-russische vertrag wird sodann in allen drei Lesungen einstimmig angenommen. Dagegen stimmten nur einige aus der Partei ausgeschlossene kommunistische Abgeordnete. Die vertagte französische Regierungskrise. Paris, 10. Juni. (T. 11.) Entgegen ber Erklärung der Regierung, der Finanzminister habe niemals die Absicht gehabt, zu demissionieren, hält d«s „Scho de Paris" ferne Behauptung aufrecht, daß PLrrt am Dievötag fein RÜcktnttSgesuch auf Veranlassung Franklin Bouillons etngereicht habe, aber von Briand von Genf aus veranlaßt tearben fei, das Gesuch vorläufig zurü^uziehsü. Mei - nungsverschieveüheiten imutiforp Ves Kabinetts seien nur vorübergehend befestigt worden, well Doumergne darauf hingewiesen habe, daß eine ReglernngZLrise im jetzigen Augenblick mit Rücksicht auf die englische Schulden regslung besonders gefährlich fei. Franklin Bouillon habe gestern abend in einer Besprechung mit Briand noch einmal darauf hingewiesen, dah ein Kabinett der nationalen Einigung gebildet werden müsse. Briand habe aber durchblicken lassen, daß augenblicklich eine Aenderung unmöglich sei. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, steht die Entscheidung über die U m b i l - dung der französischen Regierung unmittelbar bevor. Selbst innerhalb des Kabinetts Briand gehen die Manöver gegen den FortbestandderRegierung weiter. Die Erklärung des Ministerpräs'deuten Briand, dah er sich mit FrantlinB o u i 11 o n lediglich über die Verhandlungen vor dem Auswärtigen 2lu3- schuh der Kammer unterhalten habe, dürfte nicht zutreffen. Franklin Bouillon hatte in den Wan- telgängen der Kammer erklärt, er habe nicht auf seine Interpellation verzichtet, er habe sie nur auf später vertagt. Er werde seine Inter -ella'ion nur in Tlebtzreinstimmung mit dem Mini,' erd äsi- denten einbringen und wenn er den Moment für geeignet halte. Von der PLesse wird die Möglichkeit eineS Ministeriums der großen Koalition von den Sozialisten bis zu den Rechtsrepublikanern etf»ig besprochen. Der „Temp s" wendet sich 'chon jetzt gz- gen diese Idee der großen Koalition nü* Einschluß der Sozialisten, denn durch Konzesfioncn an die Sozialisten könne man die Finan?,Projekte der Regierung keineswegs verbessern. Eine u.ue Majorität könne sich nur im Hinblick auf die Finanzpolitik bilden und auf Cörunb dieser Mehrheit müsse sich auch die neue Regierung auf* bauen. Der englische Bergs,rbsKerftre:l. L o n d on , 11. Juni. (W. T. B. Furckspruch.) Der Dergarbeiterverband hat gestern ein Manifest veröffentlicht, in dem er noch.'als seinen früheren Standsrnnkt klar macht und eine Intervention der Regierung anf'gt, um eine Regelung in der Kohlenindustrie hö.oeizusühreTr. Die Blätter geben im allgemeinen den Eindruck wieder, dah die Beendigung der Derabau- frife bevor st ehe. Der parlamentarische .-c.-re- spondent des „Daily Telegraph" spricht von einer Mitteilung der Regierung daß sie gesetzgeberische Maßnahmen zur Durchführung der Arbeiten der KohleTnmssion vorbereite. Bei der Regierungspartei des Hinterhauses Befiehl der lebhafte Wunsch, daß die Regierung unverzüglich eine Gesetzesvorlage einbrinSen möge, auf Grund deren in den Bergwerken mehr als 'L Stund ml gearbeitet werden konnte. Der Krie^, inister äußerte sich in einer Rede, s. G. sei der Zeitpunkt gekommen, in dem die Regierung die Schwierig- reiten, die einer Wiederaufnahme der Arbeit entgegenstehen, durch gesetzgeberische Maßnahmen beteiligen müsse. Der Sekretär des Dergarbeiterver^andes, C o o t. teilte in einer Rede mit, dah die Bergarbeiter aus Rußland 380 OOOPfund erhalten hatten. Diese Gelder kämen nicht von der russischen Regierung, von ber er übrigens Gelder anzunehmen bereit sei, da es sich um eine Arbeiterregierung handele, sondern von den russischen Gesellschaften. Austritt aus dem Völkerbundsrat. Eine Erklärung Spaniens. Genf, 10. Juni. (TU.) In der heutigen Sitzung des Völkerbundsrates ergriff Paul Boncour das Wort zu dem ersten Punkt der Tagesordnung, der auf Grund des Briefes von Briand den Antrag der französischen Regierung auf internationale Zusammenarbeit der Staaten zum Schutze gegen Falschmünzerei betrifft. Paul Boncour wendet sich in scharfen Worten gegen die ungarische Regierung und wies aus die Verwicklung hochstehender ungarischer Persönlichkeiten in die Frankenfälscheraffäre hin. Gerade in einem Lande, das noch den Schulze des Völkerbundes genieße, müssen derartige Verbrechen aufs schärfste verurteilt werden. Die öffentliche Meinung sei durch die Rechtsprechung der ungarischen Gerichte nicht befriedigt. Nach ihm sprach der tschechische Außenminister Bene sch, der dem französischen Vorschlag aus Ergreifung praktischer Maßnahmen zum Schutze gegen Fälschungen zustimmte. Tatsächlich seien die verschiedenen Münzfälschungen lediglich als politisches Mittel angewandt und damit der europäische Frieden in Gefahr gebracht worden. Nach Benesch ergriff der Völkerbundskommissar für Ungarn Smith das Wort, der auf die befriedigende Finanzlage Ungarns und insbesondere auf die Stabilisierung der Währung hinwies und erklärte, daß die Völkerbundkontrolle ihre Aufgabe erfüllt habe. Darauf erstattete Scialoia, der Berichterstatter des Ungarnkomitees, Bericht. Der Völkerbundsrat nahm einstimmig den Antrag des Komitees an, der die Aufhebung des Postens des Völkerbundskommissars für Ungarn und der damit verbundenen Kontrollmaßnahmen zum 1. Juli vorsieht, jedoch die Kontrolle über die Restbestände der Völkerbundsanleihe und der für den Zinsendienst verpfändeten Einnahmen aufrechterhält. Damit findet die Völkerbundskontrolle in Ungarn in gleicher Weise wie in Oesterreich zum 1. Juli ihr End e. Genf. 10. 3unl. (111.) Am Schluß bet heutigen Nachmitlagssißuna des Välkerbundsrales verlas dec Vertreter Brasiliens, 2U e t ( o Franco, im Namen feiner Regierung eine zehn Seifen lange Erklärung. Die brasilianische Regierung erklärt, daß sie in Anbetracht der entstandenen Differenzen in der Ratsfrage mit dem Abschluß dieser Session des Völkerbundsrates ihren Austritt aus dem Rat erkläre. Sie betrachte sich nach Schluß dieser Session nicht mehr als Mitglied des Völkerbundsrates. Mello Franco bat den Rat, der Völkerbundsversammlung im September den Dank Brasiliens für die mehrfache Wiederwahl in den Rat auszusprechen, hiermit ist jedoch keinesfalls der Austritt Brasiliens aus dem Völkerbund erfolgt, sondern Brasilien verbleibt vielmehr nach wie vor im Völkerbund, ist jedoch nicht mehr Mitglied desRates. Eine offizielle Erklärung Spaniens. Genf, 10.3uni. (TU.) 3n der heutigen Sitzung gab der Vertreter Spaniens eine offizielle Erklärung der spanischen Regierung ab, in der es heißt, daß Spanien der, Zusatzvertrag zu Artikel 4 des Dölker- bundpaktes, der die Turnuswahl der nichtständigen Ratsmitglieder betrifft, bisher a l s einziges Ratsmitglied aus dem Grunde noch nicht ratifiziert habe, weil es wünschte, auf diesem Wege fortlaufend in den Völlerbundsrat hineirrgewählt zu werden, b i s Spanien eine u ständigen Ratssih erhalten habe. Die spanische Regierung habe ihre Stellung immer offen kundgetan. Da die gegenwärtige Situation die Anwesenheit Spaniens bei der Wahl ausschließt und da der Umstand, der Spanien verhindert hat, damit weggefallen ist, hat die spanische Regierung beschlossen, die Ratifizierung des Antrages vorz unehmen. Allgemein wird diese Erklärung dahingehend aufgefaßt, daß Spanien an den Wahlen zum Reifer- bundsrat im September nicht teilnimmt. Ein Zwischenfall. Genf. 10. Juni. (TA.) Heute vormittag um 1/211 Ahr ereignete sich im Völkerbundpalais eine außergewöhnliche Skandalszene. In die Sitzung des Ungarn» Komit ees des Völkerbundsrates, das um zehn Ahr zusammengetreten war. drang plötzlich auf Grund einer Pressekarte des Pariser DlcckteS „®re Rondelle" der Generalsekretär der ungarischen republikanischen Partei und Sekretär des Führers der Pariser ungarischen Emigranten, Justh, ein. Er verlas eine Protesterklärung gegen den Grasen Bethlen. Aach der Verlesung ging er auf Graf Bethlen zu und gab ihm eine Ohrfeige. Er wurde auf der Stelle verhaftet. Aaturgemäh erregte dieser Vorfall außerordentliches Aufsehen. Der Beginn der heutigen Ratstagung erlitt infolgedessen eine Verspätung. Der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drumm ond, hat ein Schreiben an den Grafen Bethlen gesandt, in dem er feine Empörung über die Bethlen zugefügte Mißhandlung ausdrückte und tief bedauerte, daß eine solche Tat in den Räumen des Sekretariats des Völkerbundes habe geschehen können. Sir Drum- mond erklärt, der Täter sei sofort der Polizei des Kantons Genf zugeführt worden. Englische Biätterstimmen. London, 11. Juni. (WTB. Funkspruch.) Die Blätter beschränken sich hinsichtlich des Auftretens Brasiliens und Spaniens in Genf auf die Wiedergabe der Depeschen ihrer Genfer Berichterstatter. Der Korrespondent der „Times" schreibt, man habe allen Grund zu der Erwartung, daß der a n g e d r o h t e Rücktritt zweier Länder vom Völker- bundsrat im höchsten Falle zeitweilig sein werde. Was vor fünf Jahren Öen Völkerbund vielleicht ruiniert haben würde, sei heute ein bedauerlicher Zwischenfall und Verlust , für diese Körperschaft, aber auch nicht mehr als das. — Der Genfer Berichterstatter des „Daily Telegraph" meldet, einige faßten den Entschluß der spanischen Erklärung so auf, daß Spanien endgültig aus dem Völkerbunde ausgetreten sei, während andere glaubten, daß Spanien beabsichtige, sich der ferneren Stimmabgabe im Rat zu enthalten und bis zu seiner Wiederwahl sich einem nichtständigen Ratssihe zu widersetzen in der Hoffnung, doch noch einen ständigen S i h zu erlangen. Ilnterhamösbatte über die Moskauer Gelder. London, 10. Juni. (TU.) Wie der „E v e» ning Standard" erfährt, sind die russischen Geldüberweisungen nach England aus Gründen der Vorsicht nicht direkt erfolgt, die ^Beträge wurden vielmehr bei einer französischen Bank m Parisange wiesen und dort zur Der- fiigung der englischen Bergarbeiter gehalten. Ein Beamter der Labour-Party begibt sich allwöchent- lich nach Paris, wo er das Geld oder einen Scheck auf eine Londoner Bank auf Grund des von ihm präsentierten Kreditbriefes ausgehändigt erhält. Die russischen Unter ft Übungen stehen heute im Mittelpunkt des englischen K o hl e n k a m p f e s. Die Tatsache der Annahme russischer Hilfsgelder hat die Position der Bergarbeiter erheblich geschwächt, obwohl der Nachweis noch nicht erbracht werden konnte, daß diese Gelder tatsächlich von der Sowjetregierung stammen. Der Innenminister Sir Johnson Hicks erwiderte heute im Unterhaus auf eine Anfrage, schon seit zwei Jahren hätten russische Staatsmänner in ihren Erklärungen dem Wunsche und der Absicht Ausdruck gegeben, sich in das englische Wirtschaftsleben einzumischen. Die ganze Frage sei von so großer Bedeutung, daß die englische Regierung sich lebhaft mit ihr beschäftige. Macdonald gab sich mit der heutigen Erklärung des Ministers nicht zufrieden und fragte ihn noch einmal, ob es überhaupt erwiesen sei, daß die russische Regierung selbst Streik- gelber an die englischen Bergarbeiter gesandt habe. Darauf entgegnete der Minister, daß ihn das Foreign Office von den Unterstützungen an die Generalstreikexekutioe unterrichtet habe. Das Geld, das heute noch aus Rußland an die Bergarbeiter komme, stamme von verschiedenen russischen Organisationen. Premierminister Baldwin erklärte, die Regierung fahre fort, zur Inkraftsetzung ihrer Vorschläge die erforderlichen Maßnahmen oorzubereiten. Sie mache aber darauf aufmerksam, daß sie sich volle Handlungsfreiheit bei Ablehnung ihrer Vorschläge durch Grubenbesitzer oder Bergarbeiter vorbehalten habe. Der „S t a r" fordert heute die Regierung auf, endlich zu handeln. Eine Regierung müsse entweder regieren oder f i e m üsse gehen. Das sei die Alternative für Baldwin und seine Kollegen. Der Kohlensireik sei eine vitale nationale Angelegenheit und die Regierung dürfe der Terrorisierüng der englischen Jn- d u st r i e nicht länger mit verschränkten Armen zusehen. Das Volksbegehren in Hessen Das Volksbegehren in Hessen, das vor einem Monat durch Offenlegung von Listen eingeleitet wurde, um eine Auflösung des Hessischen Landtags herbeizuführen, hat bis jetzt schon die stattliche Zahl von 120000 Anterschrif- ten aufzuweisen. Diese Ziffer geht weit über das gesetzliche Erfordernis hinaus. Aach den hessischen Bestimmungen ist die Meinungsäußerung von einem Zwanzigstel der Wahlberechttgten notwendig, das sind etwa 46 000 Unterschriften. In ter Linkspresse erschienen fortgesetzt Artikel, in denen es so hingestellt wurde, als hätten es die Rechtsparteien schwer, die notwendige Zahl von Stimmen aufzubringen und es wuroe behauptet, sie griffen deshalb zu Unterschriften- fälschungen. Gerate das Gegenteil ist richttg. In manchen Orten, in denen bisher immer schwach gewählt Worten ist, haben sich diele Wähler in die Ästen eingezeichnet. Jede Woche vermehrt sich die Zahl der Anterfchriften um tausende. An« t gesichts ter gewaltigen Zahl von Anzufriedenen mit ter gegenwärtigen Regierungskoalition in I" Hessen ist diese Tatsache nicht weiter verwunderlich. Allen Versuchen der Linkspresse, die Unter- ' schriften als nicht gehörig beglaubigt hinzustellen, damit sie der Wahlkommissar als ungültig bezeichnen soll, dürfte doch wohl durch den Hin- wtis auf die überwältigende -Zahl von Meinungskundgebungen — jetzt schon dreimal mehr als gesetzlich erforderlich — die Spitze abgebrochen fein. Bemerkenswert ist, daß unter den Anterfchriften die Beamtenschaft aller Kategorien vertreten ist, daß sie sich also nicht durch die Auslassungen der Linkspresse einschüchtern ließ; es ist das auch ein Beweis für die Tatsache, daß nicht allein die politischen und die Wirtschaftskreise einen anderen Kurs der inneren Politik in Hessen verlangen. Auffallend ist, daß ein großer Teil der Anterfchriften aus ganz anderen Kreisen stammt, als den Oppositionsparteien: gerade die Angehörigen ter Koalitionsparteien sind mit ganz beträchtlichen Ziffern in den Listen vertreten, namentlich das Zentrum und die Demokraten. Aicht wenige ter Anterschriften wurden auch aus Kreisen ter Arbeiterschaft geleistet. Es zeigt sich hier, daß die von den Führern ter Linksparteien inszenierten Kundgebungen gegen das Volksbegehren keineswegs ein getreues Spiegelbild ter Stimmung der hinter ihnen stehenden Wähler bietet. Preußischer Landtag. Berlin, 10. Juni, 12 Ahr. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlangt Abg. K o r f f (Komm.) Verbindung eines kommunistischen Antrags mit der Justizdebatte, der daraus verweist, daß in kurzer Zeit in Berneastel der Prozeß gegen 29 Winzer wegen der Bemcasteler An- ruhen beginnen soll. DaS Staatsministerium soll ersucht werten, das Verfahren gegen die ange- klagten Winzer niederzuschlagen. Der kommunistische Antrag wird mit der Justizdebatte verbunden. Einstimmige Annahme findet sodann ein kommunistischer Antrag, ter das Staatsministerium ersucht, den Polizeiorganen Anweisungen zu geben, daß jegliche Wahlbehinderung beim Dollsentscheid unterbunden wird. Als ter Abg. Pieck (Korn.) sich schwerer Beleidigungen gegen den Reichspräsidenten Hindenburg schuldig '.rächte, wurde er von dem Präsidenten zur Ordnung gerufen' Der Abg. v. d. Osten (Dn.) stellte den Antrag, die Sitzung zu unterbrechen und eine Aeitestenratssihung ein- zuberufen, um zu der Angelegenheit Siellung zu nehmen. Bei der Abstimmung über diesen Antrag blieb c>a die Linke sich an ter Abstimmung nicht beteiligte. Das Haus ist beschlußunfähig. In ter sofort angeschten neuen Sitzung wiederholte Ava. v. d. Osten (Dm) seinen An l r . q. die Sitzung ,u untecorechen, sowie den Aeltestenrat ufamin.cn.trctcn zu lassen. Wegen ter groben Beschimpfungen des Reid- Präsidenten durch den Äbg. Pieck könne seine Partei eine Verhandlung des Hauses nicht zu- lassen. Als der Abg. Pieck zur Geschäftsordnung sprechen will, kommt es zu stürmischen Unter» brechungen auf der Rechten. Der Abg. Kaspar (Kom.) geriet in Handgreiflichkeiten mit Wge- ordneten der Rechten. Präsident Barthels vermag die Ruhe des Hauses nicht herzustellen und unterbricht die Sitzung auf zehn Minuten. Präsident Barthels unterbricht die Sitzung auf 10 Minuten. Am 1.30 Ahr wird die Sitzung wieder eröffnet. Präsident Barthels: Die Sitzung ist wie» eröffnet. Mit Rücksicht auf die vorherigen Vorkommnisse vertage ich das Haus auf eine weitere halbe Stunde und rufe für sofort den Aeltestenrat ein. (Hört! Hört! bei den Kommunisten, Beifall rechts.) Rach 2.30 Ahr eröffnet Präsident Barthels wieder die Sitzung. Die Abgeordneten aller Parteien scharen sich um die Rednertribüne und hören in vollkommener Ruhe die Ausführungen des Präsidenten Barthels an. Präsident Barthels: Der Aeltestenrat hat sich mit den Vorgängen, die sich hier abgespielt haben, beschäftigt. Alle Fractionen, mit Ausnahme der Kommunisten, haben die Ausführungen des Abg. Pieck entschieden verurteilt und zurückgewiesen. Es ist festgestellt worden, daß Pieck, nachdem er mit drei Ordnungsrufen belegt war, beim Abtritt von der Rednertribüne sich einen weiteren beleidigenden Zwischenruf in Bezug auf die Person des Herrn Reichspräsidenten hat zuschulden kommen lassen. Ich habe den Zwischenruf nicht gehört und auch im Protokoll ist er nicht notiert. Hätte ich ihn gehört, so würde ich zu schärferen Maßnahmen gegriffen haben. (Hört! Hört! bei den Kommunisten, Zurufe rechts: Es ist Ihnen doch gesagt worden.) Ich betrachte damit den Vorfall als erledigt. Das Haus setzt die Justizdebatte fort. Die Erregung der Abgeordneten ist aber noch so groß, daß die Ausführungen des Abg. Meyer- Herford (D. Vp.) zunächst im Lärm des Hauses vollkommen verloren gehen. Als der Redner auf der Tribüne verständlich wird, trägt er Wünsche der Justizbeamten vor. Auch die Deutsche Volksportei wünsche einen modernen Strafvollzug. Abg. L e d i ck e (Distl.) begründet einen schon im Ausschuß angenommenen Antrag seiner Partei, nachdem die Verzinsung der nach dem Aufwertungsgesetz wieder eingetragenen Hypotheken spätestens vom 1. April 1926 einheitlich wieder eintrete. Der Redner trägt Wünsche für die mittleren und unteren Beamten vor und verlangt vet'-nebrte Einstellung von Militäranwärtern in den Justizdienst. Abg. Dr. Schmidt- Düsseldorf (Zentr.) betont, wer glaube, daß durct^dcn modernen Strafvollzug die Disziplin in den Strasgefangenenanstalten aus- gehoben und dort etwa Unordnung herbeigeführt werden sollte, der habe. keine Ahnung von den Zielen dteser Reform. Der Strafvollzug in Stufen müsse im Mittelpunkt der ganzen Reform stehen. Zeige eine innere Wandlung des Gefangenen Besserung. Fähigkeit und Willigkeit, so muß er in eine günstigere Stufe kommen. Aus Verstand, Gemüt und Willen des Gefangenen müsse eingewirkt werden, um ihn zur Besserung zu bringen. Abg. Kasper (Komm.) begrüßt die Ausführungen des Vorredners, die von Humanität getragen feien. Leider blieben die Beschlüsse auf eine humanere Gestaltung des Strafvollzugs durchweg auf dem Papier stehen. Staatssekretär Fritze macht auf die finanziellen Schwierigkeiten, die in den Anträgen auf Vermehrung der Beamten lägen, aufmerksam. Das Verfahren gegen die Winzer wegen der Bernkasteler Unruhen sei gesetzlich notwendig. Die besonderen Schwierigkiten der Winzer würden dabei berücksichtigt werden. Abg. Arte ld-Oelzen e WJf?... ‘i1 1810 Ä.™ d-, 2uhre I87» ®erN)eim 1677 Mental A JeUe zu "kheit feinen"A*mann ,ru«8 Orr sffi L 92 ?e iulamintngefa6( v” in her L? wÄ'y "■ ™5 H = ,v ®re'n ein Ä®*»* *« wlnteS' emelnben ö?* Er.« 'N ben Ä i-d°ch oÄ ’F Gemeinde nicht xuS "erung erft imtÄ E^liberfiedelte ?£ '"?°ben anbei, Wwn noch ziemlich die. rhundett froher. Mh„^ uiders auf seine Detanlal. -n mallen, die das fijr. - n ©emeinbe in durcharei. Wn gehör! die schon er- -ladt in vier Psarrbezirle. horte zu den entschiedenen -biete der Totlesdienstord- ch es zuzuschreiben, daß der !staltet wurde, also dah die - des Geistlichen mit Wch Jahrzehntelang hat sich Kirchengesangwesens ange. er den hiesigen Kirchengc. >rch eine lanae Sieihe von ) der Landessynode, in der en Anregungen hervortrol, (et Körperschaft ein Redner ingehött wurde. Tein eigen. Inneren Mission. An vielen en hat er teiigenommen rind ienen Zweigen der Inneren -rachen. Den „Allgemeinen Krankenpflege', sowie dos *)QU6 hat er lange Jahre 'biet ber Untren Mission, ätigt H; zuW not) bat ündung von evangelischen aber besonders lag ihm :yn. Gemeinsam mit Der- ung war er aus diesem @C] Auch im Ruhestände zu te er sich noch Bestrebungen d seines Lebens zunehmende cherte. lieber diesen Arbeiten iod) niemals sein eigentliches Predigers, Lehrers der > aus dem Auge gelaßen. r in schwerer Lebenslage ein Berater, in seiner lang«' ienschen kommen und gehen, Mallhausgeme.nde war e war ein Mann von st nnem Geiste noch 'M Mer Jnleresie auf neue Gedanken ^e f-,- ,6 *'e ">» ^e-btisch^A°be ,ur ihre kii fcSp: steler Ken» scheid q Io9, die k n,et’n sie polten ?.Qs von Trächtiges (schwarzwcikeS) Rind teilungshalber 0,073 zu verkaufen. Groben-Lmlieo, BtSmarckstrahe 15. Habe mehrere Waggons Brennholz und WetgWmen abzugeben. Anfrag, sind zu richten an Wagner, Mühle, Buderader!, Kreis Liegen. t,0CD tarnte taM« e. 1. Am Sonntag, dem 13. Juni findet ein Sängertag mit dem Gesangverein Union, Wehlar, in sämtlichen Näumen der Liebigshöhe statt. Anfang 3 Uhr nachm. Sammelplatz für oft. Mitglieder um 2 Uhr am Bahnhof. Zahlreiche Beteiligung auch der pass. Mitglieder erwünscht. Nur Mitglieder und deren Angehörige haben gegen Borzeigen der blauen Mitgliedskarte Zutritt. 6>-iC Lieferung frei Haus. eo27D chWl Illi (ür den l einen 1 ii' flauer Grri|,gfif nefi^rt. q? f s. LeiPsiS-b« SVÄ ©je Organ, noch nicht emW schäften außer den Verbände ®erfin’ deutschlanö Dettreter mver Iraunschloelg. uni Magdeburg teil ■Berlin auf dem M \M * nQ(9 5 zur Teilnahme M.as vier Meine stark I erste Schritt i» emer deutschen FOollfpoi Welch ein Unter Meisterschaften und Deutsche Fuhball-M mit insgesamt 10 (X es säst 6000 mit am geworden. Diese Zi ftnanziellen Degleft schäften zum Ausdi Schaffung machte di Schwierigkeiten. Ges, Deuffchland nur wer rennbahnen gespielt, scheuten das Dagn'ü zu übemehmen. da t eine Deckung der Pwpagandaiosten m ermöglichten. Die g< entstehenden Deftzits seits wieder die Der verzichten. Heute firn längst über alle Sch wohnten dem Endspi 62000 Zuschauer bei am Sonntag zwischen Hamburger S.D. ai diese Zahl fast wieder In den bisher schäften hält der 1. < rungenen Siegen de sind in der Dachkrim der Aürnberger Dei An zweiter Stelle f meister, der D.f.B. kiegsjahren öreima Berlin führte die C Aufstellung über bi S°lgt folgendes Bild $3: 'M. Leipz 1904: Dicht ausgeti Dritannia D 18B. .Wih Union Derli 2:0. 1901. Freiburger £ mit Geschirr, sowie ein Wurf reinrassiger deutscher Boxer abzugeben. “”D Roth, Lehrer, Weltsaaien, Post Ätücke oiiüiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiD Morgen Samstag 4 M fieW 1 Mark. Empfehle meine Wirtschastsräume. 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Heute wurde durch Gottes Ratschluß unser lieber Gatte, Vater, Großvater, Schwiegervater, Bruder und Onkel Herr Wilh. Müller plötzlich und unerwartet in die Ewigkeit abgerufen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Kath. Müller geb. Schäfer. Gießen (Steinstraße 68), den 10. Juni 1926. Die Beerdigung findet statt: Montag, 14. Juni, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof. 04124 Am 9. Juni, abends 11 Uhr, starb unerwartet meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwester, Schwiegermutter, Schwiegertochter, Großmutter, Schwägerin und Tante Fm Elisabeth Her geb. Weiw im 62. Lebensjahr. e In tiefer Trauer: Kaspar Walter nebst allen Angehörigen. Am Mittwoch starb im 80. Lebensjahre mein lieber Mann lieb. Mert D. Georg Sehlosser früher 42 Jahre Pfarrer in Gießen. Dies teile ich Verwandten und Freunden, besonders den Gliedern seiner Gießener Gemeinde, soweit sie sich seiner noch erinnern, zugleich im Namen unserer Kinder und deren Familie mit. Marie Schlosser geb. Rendtorff. Sreitag, Juni 1926 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Mechefsen) Nr. !34 Zweites Blatt Turnen, Sport und Spiel £ dem Sportplatz Trieb verpflichtet. Handball. Wetzlarer Sport. h. 2lm kommenden Samstagabend hat Wetzlar wieder ein Treffen seiner Städtemannschaf 1 im Handball. Als besondere Delikatesse wird dieses Mal ein Gegner aus der Reichshauptstadt geboten. Die Techn. Hochschule Charlottenburg hat ihre ausgezeichnete Studentenmannschaft angemeldet, die abends um 6.30 Tlhr auf dem F.-C.-Plah an der Raubornerstrahe gegen die stärkste Wetzlarer Vertretung antritt. Frankfurter Theater. 3m Reuen Theater wurde Eugene G. O ' R e i l l s Schauspiel „'9er haarige Affe" mit Heinrich George in der Titelrolle auf- geführt. Diese Aufführung und das Gastspiel ergaben einen Abend, der unbedingt von tünst- lerischem Interesse war. Der Dramatiker O'Reill ist leicht geneigt, sensationeller Lheatralik die Tiefe des Problems zu opfern. Auch hier im „haarigen Affen" mutet die gegebene Handlung stark tinohaft an. Aber das Ganze ist mit heihem Herzen geschrieben, überdies von einer primitiv-eindringlichen Dramatik erfüllt. Vob Smith, Schisfsheizer auf einem Luxusdampfer, wird von seiner ganzen menschlichen Umgebung zur seelenlosen Bestie degradiert. Er ist für alle der „haarige Affe", wie ihn die Milliardärs- tvchter bezeichnet. Ihn hat das Schicksal dazu bestellt, schwarz, tief unten im Schiffsöauch vor dem glühenden Kessel zu stehen, während dis anderen dem Himmel näher sind und reinere Lüfte atmen. Sein Weg führt aus der menschlichen Gesellschaft hinaus — in den Affenkäfig, und die Tragik des Schicksals gipfelt in seinem Tod durch seinen Tier-Bruder, den großen Gorilla. Es sind acht Bilder, die das traurige Schicksal des armen Bob Smith verkünden, und oft genug weih O'Reill starke, packende Szenen aneinander zu reihen, wie die zwischen der Milliardärstochter und dem haarigen Affen. So weit O'Reill', nun zu dem künstlerischen Höhepunkt des Abends, zu der Darstellung Heinrich Georges. Er läßt die Figur des Heizers zur schicksalschweren Lebendigkeit erwache,:. Erzieht die groben Register seines Könnens und Iaht hinter aller Brutalität und Dertiertheit die abgewiesene Menschenseele borvorleuchten. Seine Schreie erfüllen das Spiel, aber in der Wut und dem Hab schwingt der Unterton der Verzweiflung. Gustav Hartung hatte die Aufführung inszeniert, sie bietet starke und interessante Regie- möglichketten, welche Hartung in Gemeinschaft mit dem Bühnenbildner F. C. Pilarh restlos erschöpfte und das Spiel nach Kräften eindrucksvoll gestaltete. Das Ensemble des Rcuen Theaters fügte sich ergänzend in den Stil des Aben'^s ein. Das Publikum nahm George, sowie die ganze Aufführung beifallsfreudig auf. L W. 3s und Dot. Don Luise Glaß. Altenburg. Ich habe manch hübsche Tiergeschichte erlebt, das Verblüffendste aber hat mir die kleine Dot bereitet. Sie war bildhübsch; weiches, seidenes, gelocktes, schneeweiß gepflegtes Haar, in dem Wuschel- gesichtchen ein schwarzer Nasenstubs und darüber zwei strahlende, listige Braun-Augen. War sie jemand sehr wohlgesinnt, so zeigten sich die rosigen Lippen, die lächeln und lachen konnten. Js war schwarz, glatthaarig und zu Schwermut geneigt, ihre rasselose Häßlichkeit mochte sie mit den rauhen Seiten des Lebens bekannt gemacht haben, aber sie hing mit leidenschaftlicher Treue an ihrem Herrn, dem alten „Achtundvierziger" Corvin; Dot war der verwöhnte Liebling von Corvins Frau, und als das Ehepaar einmal eine längere Reise unternahm, holte ich mir das Hundepärchen aus Leipzig herüber, um es zu betreuen. Cs war ein ehrenvolles Dertrauenszeichen, das mich beglückte, nicht ganz entzückt war mein Vater über die Gäste; aber kaum hatte Fräulein Dot das gemerlt, als sie ihn zu erobern beschloß. Sie beobachtete ihn zuerst vorsichtig einige Tage und mußte sehr schnell, was ihn störte, wann er etwa Zeit für ihre Späße hatte. Nie nahte sie sich feinem Schreibtisch, jede seiner freien Minuten nützte sie für ihre kleinen Koketterien aus, und sehr bald zeigte auch er ihr das freundliche Gesicht, das sie von jedermann zu sehen gewohnt war. Js kümmerte sich um niemands Neigung oder Abneigung, sie ertrug den Ortswechsel wie ein anständiger Hund harte Pflichte»- erfüllt; der Herr hatte ihr Bescheid gesagt, mich ihr als Stellvertreter benannt, sie achtete das, fühlte sich aber nur „zu Hause", wenn sie auf der mitgebrachten Decke lag, die etwas von der Witterung des Herrn fest-, zuhalten schien. Es wurde mir nicht ganz leicht, die beiden nach der Rückkehr ihrer alten Herren zurückzubringen; ich erhielt hohes Lob ob der guten Pflege, die sie genossen, und bildete mir ein, die vier Hundeaugen hätten bei meinem Scheiden gesagt: bleib doch da! Natürlich bildest du dir das ein, sagte ich mir auf der Heimkehr, als ich aber das nächste Mal die (Uten Freunde besuchte, erlebte ich einen rührenden Empfang. Js tat einen freudigen Blaff — etwas Im Reiche. Rasensport. Das überragende Ereignis ist das Endspiel um die Deutsche Fußball-Meisterschaft zwischen Hertha D. S. C. und Spielver- cinigung Fürth im Stadion von Frankfurt a. M. 3n <5 a g a n wird die südostdeutsche Fußball- Meisterschaft erneut ausgetragen; Oberhausen und Hamborn stehen sich im Stadtespiel gegenüber, ebenso Gelsenkirchen und Hagen (am Samstag in Wattenscheid). 3m Ausland sind die größten Ereignisse die Länderspiele zwischen Holland und Dänemark (m Kopenhagen), und zwischen Frankreich und Jugoslawien (in Paris). 3m Handball gibt es em Städtefpiel Chemnitz — Dresden (als Rückspiel in Chemnitz), Mittelsachsen — Westsachsen der Turnermannschaften. Leichtathletik. 3nternationales Sportfest von Viktoria 96 In Magdeburg. Sportfeste in Hamburg (der dortigen Großvereine) und Berlin (Polizeisportoerein); Hochschul-Meisterschaften der Schweiz (mit deutscher Beteiligung); 3. Pfälzische Kampfspiele (in Frankenthal); Oberschlesisches Sportfest (amSams- tag in Gleiwitz); Reichsarbeiter°Soorttag im Grunewaldstadion-Berlin; 2. Deutsches Taub- stummen-Turn- und Sportfest in Frankfurt a. M. Schwimmen. Die größte Beachtung verdient das 3nter- nationale des S. C. Poseidon-Dresden, bei Beteiligung ungarischer, tschechoslowakischer und öfter- Die deutsche Zutzballmsisterschaft Fürth oder Berlin? Die alljährlichen Kämpfe um die höchste deutsche Fuhballwürde sind abermals bis zur Entscheidung gcbicben. Hertha D.S. C. Ber- I i n und die S p i e l v e r e i n i g u n g Fürth haben sich für den letzten Kampf qualifiziert. Rach einem fast einjährigen Hindurchkämpfen durch die Klippen einer Derbandsme.sterschaft und den daran anschließenden schweren Dorproben in den Vor- und Zwischenrunden der deutschen Fuhballmeisterschast steht der Enderfolg in greifbarer Rahe. Roch einmal alle Rervon zusammen- genommen. allen Willen und alle Energie in einen P/nftünöigen Kampf gelegt, bann ist die Erringung des „Blauen Bandes" in der 'Fußballmeisterschaft gesichert. Die deutsche Fußballmeisterschaft hat sich in ihrem fast 25jährigen Bestehen eine Tradition geschaffen. 1902 begründet, kam sie ein 3ahr darauf erstmals zur Entscheidung und sah den V. f. D. Leipzig, der im Lause der 3ahre noch zwölfmal an den Endlämpfen teilnahm und damit der erfolgreichste deutsche Verein ist, als Sieger. Die Organisationsform des Deutschen Fußball-Bundes stand noch auf schwachen Füßen. Die allerorts bestehenden Städtegruppen waren noch nicht einheitlich zu Landesverbänden zu- sammengefaßt, so daß an den ersten Meisterschaften außer den Meistem der bestehenden Verbände Berlin, Süd-, West- und Mitteldeutschland Vertreter der Städte Hamburg. Hannover, Braunschweig, Kottbus, Kassel. Breslau und Magdeburg teilnahmen. 1904 setzte dann Berlin auf dem Bundestag zu Kassel einen Beschluß durch, nach welchem nur solche Verbände zur Teilnahme zugelassen wurden, die mindestens vier Vereine stark sind. Hierdurch wurde der erste Schritt z- einer straffen Zentralisierung im deutschen Fußballspvrt getan. Welch ein älnterschied zwischen diesen ersten Meisterschaften und heute! Damals zählte der Deutsche Fußball-Bund noch nicht 200 Vereine mit insgesamt 10 000 Mitgliedern, heute sind es fast 6000 mit annähernd 900 000 Mitgliedern geworden. Diese Ziffern kommen auch in den finanziellen Begleiterscheinungen der Meisterschaften zum Ausdruck. Lange Zeit nach der Schaffung machte die Kostenfrage nicht geringe Schwierigkeiten. Geschlossene Plätze gab es in Deutschland nur wenig, meist wurde auf Radrennbahnen gespielt. Die plahbesitzenden Vereine scheuten das Wagnis eines Meisterschaftsspieles zu übernehmen, da die geringen Zuschauerzahlen eine Deckung der Reise», Schiedsrichter- und Propagandakosten nur in den seltensten Fällen ermöglichten. Die gemeinsame älebernahme des entstehenden Defizits veranlaßte aber andererseits wieder die Vereine, auf die Teilnahme zu verzichten. Heute sind die Meisterschastsrunden längst über alle Schwierigkeiten hinweg. 1922 wohnten dem Endspiel int Berliner Stadion 52 000 Zuschauer bei und auch der letzte Kamps am Sonntag zwischen Hertha D. S. C. und dem Hamburger S. V. an der gleichen Stätte hat diese Zahl fast wieder aufgebracht. 3n den bisher ausgetragenen 16 Meisterschaften hält der 1. F. C. Rürnberg mit vier errungenen Siegen den Rekord. Alle vier Siege find in der Rachkriegszeit erfochten, fünfmal war der Ölümberger Verein insgesamt im Endspiel. An zweiter Stelle folgt der mitteldeutsche Altmeister, der V. f.B. Leipzig, der in den Vor- kriegsjahren dreimal Sieger blieb. Victoria- Dcrlin führte die Würde zweimal heim. Die Aufstellung über die Meisterschasts-Endkämpfe zeigt folgendes Bild: 1903: D. f. D. Leipzig gegen D. F. C. Prag 7:2. 1904: Richt ausgetragen. 3m Endspiel standen Dritannia Berlin und der Verein f. B. Leipzig. 1905: Union Berlin gegen Karlsruher F. V. 2:0. 1906: V. f. B. Leipzig — Pforzheimer F. V. 2:1. 1907: Freiburger F. C. — Victoria Berlin 4: 2. unerhörtes bei der Menschenfeindin — und Dot begrüßte mich mit einem Freudensturm und Hellen, wechselnden Iubeltönen, tollen, sich Überschlagenden Sprüngen, strahlenden Augen, lächelnden Lippen, die alle Zähne sehen ließen. Js rieb während dem sanft und still iyre Nase an meiner Hand, als wolle sie sagen: ich lärme nicht, aber ich meine es ebenso. Als der Herr, der herzlich lachend zugeschaut hatte, endlich in sein Arbeitszimmer ging, folgte ihm Js, Dot setzte den Sturm fort und Frau von Corvin sagte etwas zurückhaltend: Wir sind natürlich schuld, wir haben öfter zu ihnen gesagt: Wo bleibt Lulu? Gebt acht, ßulu kommt. Ich merkte eine leise, aufsteigende Eifersucht und wehrte ab, als wir aber endlich zum sitzen kamen, sprang der kleine weiße Seidenball mit jähem Schwung auf meinen Schoß und haschte nach meiner Kehle. Ihre Herrin hatte ihr das Lecken abgewöhnt und ihr als Zärtlichkeitsbeweis ein zierliches Zufassen mit trocknen Lippen beige- bracht. Sie kam dabei nie ins Gesicht, sondern huschelte sich unter das Kinn. Das tat sie mir jetzt und konnte sich nicht genug tun. Hatte meine alte Freundin vorher den Kopf geschüttelt, jetzt sah sie ernstlich oerftimmt aus, denn diese Liebkosung gehörte doch ihr allein. — Aber sie bezwang sich, sagte: „Nun ja, das erste Mal", und ging mit mir in ein anderes Zimmer, .damit man doch Ruhe habe". „Nächstes Mal ist Dot wieder vernünftig". Aber das fiel Dot gar nicht ein, es blieb auch weiterhin bei dem tollen Empfang und als einmal „das Getobe" kein Ende nehmen wollte, sagte Frau von Corvin, das Tier heftig scheuchend: „Geh' weg, du bist nicht mehr mein Hund, geh' mit der Lulu'. Dot stutzte, sah die Herrin forschend an, spürte Ernst, zog sich auf ihr Fell unterm Schreibtisch zurück, rollte sich zusammen, schloß die Augen, schob die kleine schwarze Nase zwischen die Pfoten und rührte sich nicht mehr. Nur das Ohr blieb in Lausch- siellung. Frauchen aber sagte zu mir: „Es ist Ernst, nimm sie mit, sie ist nicht mein Hund". Ich lachte: „Denk' nicht dran, natürlich ist sie dein Hund". Und wir redeten von anderem. Es vergingen Wochen ehe ich wieder kam, nicht ohne Svannung, wie sich das Eifersuchtsdrama weiter entwickeln würde. Ich trat in den Flur — tiefe Stille. Ich sprach — nichts rührte sich. Sonst be- Steinstoßen und einer 4xl00-Mctcr-Staffel. Gemeldet sind 355 Wettkämpfer. Diese Zahl ist sehr hoch, wenn man bedenkt, daß nur 20 Turnvereine diesem Bezirk angeschlossen sind. Dom 1. Gcruveroand des Mitterrheinkreises D. T. — 3n das Gebiet des Gaues Hessen fallen dieses 3ahr zwei wichtige Veranstaltungen des ersten mittelrheinischen Gauverbandes, dem die Gaue Hessen, Frankfurt, Of'enbach-Hanau. Kinzig und Main angehören. Am 19. und 20. Juni wird in Bad-Rauheim eine Gauoer bands- turnstunde abgehalten, an der etwa 80 der besten Turnwarte und Vorturner des Gauverbandes teilnehmen werden. Am Samstagabend wird vom Gauverband im Kurhause zu Bad- Rauheim ein großes K u n st - und Werbe- turnen veranstaltet, an dem sich auch Vereine des Gaues Hessen mit Vorführungen beteiligen werden. Am 20. 3uni finden außerdem in Friedberg die Gauverbandswett- spiele in den So.nmerspielen statt, woran sich die Faust- und Schlagballmeister genannter Gaue beteiligen. Die Meister, die an den Kreisspielen teilnehmen dürfen, werden durch die Ausscheidungsspiele festgestellt. Fntzball. V. s. B. (-) Die L i g a m a n n s ch a s t tritt am Samstag- nachmittag in Butzbach gegen die Liga des dortigen B. f. R. an. Aller Erwartung nach dürste sie mit einem einwandfreien Sieg nach Hause kommen. Ausschlaggebend wird sein, ob V. f. B. seine flache Spielweise beibehält, oder sich die halbhohe bzw. hohe des Gegners aufzwingen läßt. Am Sonntagoormittag findet auf dem Waldsportplatz ein Treffen von weit größerer Bedeutung statt. V. s. B. hat hier die „Germania" Marburg zu Gast. Das letzte Spiel beider Ligamannschaften fand in Marburg statt und endete, trotz reichlichem Ersatz in der V. f. B.-Elf, mit einem unentschiedenen 5:5. Daß die Germanen auf der Höhe sind, beweist ihr klarer 6:2-Sieg am ersten Pfingstfeierlag über den Kasseler Kreismeister „Her- mannia", der tags darauf L. f. B. auf eigenem Platz 2:0 schlagen konnte. Die Platz,nannschaft des Sonntags sollte sich verpflichtet fühlen, die damals erlittene Schlappe wieder gut zu machen. Die Aufstellung zu beiden Spielen dürfte wohl die gleiche des Vorsonntags sein, die durch den 5:1-Sieg über F. C. 05 Wetzlar sich als sehr gut erwiesen hat. Nachmittags treffen sich die Alten Herren v o m V. f. B. und der „G e r m a n i a" Marburg zu einem Freundschaftsspiel. Die burd) ihre vorzüglichen Resultate und faire Spielweise bekannt gewordene Dritte, sowie die S chü l e r m a n n s ch a f t sind nach D a u b r i n » gen zur Platzeinweihung eingeladen. Spielvereinigung 1900 Gießen. Die Spielvereinigung 1900 wird morgen nachmittag ihren neuen Sportplatz auf dem Trieb, der in mühevoller Arbeit und unter dankenswerten Opfer:', der Mitglieder entstanden ist. zum erstenmal in Benutzung nehm : (. Die feierliche Einweihung soll erst gelegentlich des Stis-> tungsfestes am 15. August erfolgen. Für das morgige Spielereignis hat sich die Li gamannschaft zum Gegner die faire, schnell und schön spielende „Germania 0 8" Marburg verschrieben. Die bisherigen Begegnungen beider Vereine erbrachten immer spannende Kämpfe Der Ausgang des morgigen Treffens ist vollständig offen. Vorher spielt die 1. Jugend des Platzbesitzers gegen die gleiche der „Viktoria" Aschaffenburg, die bekanntlich Mainbeziris- jugendmeister ist. In den Pausen der Fußballspiele wird die zahlreiche Mitglieder umfassende Leichtathletikabteilung der Vereinigung einen Stillauf und mehrere Staffelläufe zeigen. gönn der Willkommensturm drin im Zimmer, so wie ich die Vorsaaltür öffnete. Ich wurde von der Hausfrau bewillkommnet, Js erschien zu gewohnter, freundlich gesetzter Begrüßung, Dot fehlte, — und ich fragte nicht. Wir gingen ins Zimmer: Da lag sie auf ihrem Fell, als habe sie sich seit meinem letzten Besuch nicht gerührt: Augen zu, Nase zwischen den Pfo- ten, steifer Schwanz, nur die Ohrspitze zitterte ein wenig! Ueber das Gesicht meiner alten Freundin ging ein Leuchten, ich wurde dringend zum Bleiben gebeten, sie eilte in die Küche, etwas Leckeres für mich zu holen. So wie sie das Zimmer oer- ließ, fing das Dotfchwänzchen leise zu wedeln an, die Ohren wurden gespitzt. 2lls der Schritt der Frau am Flurrande verklang und die Küchentür schnappte, flog das kleine Geschöpf im jähen Sprung auf meinen Schoß und überstürzte mich mit Liebkosungen, nur ohne einen Laut dabei auszustoßen. Das setzte sie leidenschaftlich fort, bis draußen die Schritte zurückkamen, dann war sie mit demselben jähen Sprung wieder unter dem Schreibtisch, lächelte mich noch einmal zärtlich an, schloß die Augen, schob die Nase zwischen die Pfoten und schlug nur noch leise mit dem Schwanz auf und ab, als wolle sie sagen: „Sie ist nun mal so und man nimmt Rücksicht nicht wahr? Aber wir verstehen uns, wir droei. Kurz darauf zogen die alten Freunde nach Thüringen, und Jahre vergingen, bevor ich Js und Dot wiedersah. Ich gestehe, daß ich nicht an sie dachte, als ich ins Elgersburg einfuhr, um den schwererkrankten Corvin noch einmal zu sehen. Aber plötzlich, bevor der Zug hielt, ertönte ein wohlbekanntes doppel- stimmiges Hundegebell, und in wildem Lauf stürmten Js und Dot'den Bahnsteig entlang. Frauchen hatte ihnen gesagt: Lulu kommt, sucht! und ohne einen Herzschlag lang zu zögern oder zu zweifeln, rasten sie los und standen fest, sowie sie mein Abteil erreicht hatten — eine gleich rührende Treue des Gedächtnisses und der Sinne. Aber Dots Liebeslist war doch das weitaus Erstaunlichere gewesen, denn das konnte man durchaus nicht mit den gewohnten Erklärungen Instinkt und Vererbung abtun, das war das Ergebnis einer Reche von Ueberlegungen recht menschlicher Art. 1908: Victoria Berlin — Kickers Stuttgart 3:1. 1909: Phönix Karlsruhe — Victoria Berlin 4:2. 1910: Karlsruher F. V. — Holstein Kiel 1:0. 1911: Victoria Berlin — D. f. D. Leipzig 3:1. 1912: Holstein Kiel — Karlsruher F. D. 1:0. 1913: V. f. D. Leipzig — Duisburger S V. 3:1. 1914 Sp. V. Fürth - V. f. D Leipzig 3:2. 1920: 1. F. C. Nürnberg — Sp. V. Fürth 2:0. 1921: 1. F. C. Rürnberg — Vorwärts Berlin 5:0. 1922: Richt ausgetragen, nachdem zwei Spiele zwischen 1. F. C. Rürnberg und Hamburger S. D. unentschieden eirdeten. 1923: Hamburger S. V. — Union Oberschöneweide 3:0. 1924: 1.5. S. Rürnberg — Hamburger S. V. 2:0. 1925: 1. F. C. Rürnberg — Franks. F. S. D. 1:0. Und dieses Mal? Die Frage nach dem End- heger ist durchaus offen. Beide Vereine haben schon in früheren Jahren als ernste Bewerber an den Meisterschaftskämpsen teilgenommen und sind auch in diesem Jahre würdige Vertreter ihrer Verbände. Die Fürther Spielvereinigung errang 1914 bei ihrem erstmaligen Antreten in einer so schweren Konkurrenz den Meistertitel, nachdem sie vorher die Spielvereinigung Leipzig 2:1 und den Berliner Ballspiel-Club nach 151minutigem Ringen 4:3 aus dem Rennen geworfen hatte. Die Berliner waren die besseren, verloren aber schon nach zehn Minuten durch Verletzung einen Spieler und muhten das 21,2- stündige Spiel mit zehn Mann durchspielen. Den Endspielgegner V. f. B. Leipzig besiegte Fürth dann 3:2. 1920 finden wir die Fürther abermals in der Schluhkämpfen. Münsten-Gladbach wird 7:0, die Breslauer Sportfreunde 4:0 nieder- gekontert, im Endspiel aber bleibt ihr Rürn° Verger Gegner 1:0 Sieger. 1923 stehen sie zum dritten Male in der Konkurrenz. Wieder sind die Breslauer Sportfreunde die Gegner und wieder gibt es ein 4:0 für die Fürther. In der Zwischenrunde aberzeigt derBerlinerMeister Union- Oberschöneweide. das bessere Stehvermögen und siegt 2:1. Hertha-BSC. vertritt die Farben der Reichshauptstadt erstmals als deren Meister 1906. Zusammen mit Union, dem deutschen Meister 1905, der das Recht auf Verteidigung seines Titels hat und Rorden Rordwest, dem Meister des Märkischen Fußball-Bundes. Aber alle drei Vereine kommen über die Zwischenrunde nicht hinaus. Hertha siegt in der Vorrunde gegen Schlesien- Breslau 7:1, unterliegt aber in der Zwischenrunde gegen den auch das Endspiel gewinnenden V. s. D. Leipzig mit 2:3. Roch einmal finden wir Hertha — nach seiner Vereinigung mit dem B. S. C. als Hertha-BSC. — 1925, also im Vorjahr, in den Schluhkämpfen. In der Vorrunde wird der Baltenmeister, V. f. D. Königsberg, auf eigenem Platze 3:2 geschlagen. In der ersten Zwischenrunde Turu Düsseldorf sogar 4:1, aber in der zweiten Zwischenrunde wirft der Frar.k- surter F. S. D. den Berliner Meister mit einem 1: 0°Erfolg aus dem Rennen. Fürth oder Berlin ist die Frage, die in den Tagen bis zum Sonntag die deutsche Sportwelt bewegt. Das Frankfurter Stadion ist die Stätte des Kampfes, der unter der Leitung des Schiedsrichters Spranger -Glauchau steht. Das letzte restlose Erfassen der Fuhballinteressenten beim Meisterschaftsendspiel, dann folgt einen Sonntag daraus in Rürnberg der Länderkampf gegen Schweden, mit dem die Fuhballspielzeit schlieht. Turnen. 4. Turnbezirk. Das Bezirksturnfest des 4. Bezirkes findet am 13. Ium in Groh- Felda statt. Damit ist ein Wettkampf in volkstümlichen Uebungen verbunden. Die Uebungen bestehen in: Weithochsprung, Weitsprung, Kugelstoßen, 100-Meter-Qauf und einer Freiübung. Die Sonderkämpfe bestehen in: Stabhochsprung, Aus dem Arbeiter-Turn- und Sporrbund. (Ein Auswahlspiel findet am Sonntag auf dem Sportplatz in Heuchelheim statt. Dieses Spiel hat den Zweck, die Bezirksmannschaft, die gelegentlich des Bezirksfestes in Wiefeck einer Bezirksmannschaft des 2. Bezirks (Frankfurt-Offenbach) gcgenübcrgestellt werden soll, auszuwählen und zusammen zustellen. Als Gegner sind aus der einen Seite die 1. Mannschaft der Freien Turnerschaft Gießen, ans der anderen Seite eine Mannschaft der übrigen 1. - Klasse-Mannschaften vorgesehen. Im übrigen bringt es das Näherrücken des Be- zirksfestes in Wieseck mit sich, daß der Fußball etwas zurückgestellt wird und anderen Dorbercitun- gen den Vorrang läßt. Nur in der zweiten Klasse müssen die r ü ck st ä n d i g c n Der- bandsspiele fortgesetzt werden. Die Gießener 2a-Mann schäft hat auf eigenem Platz am Samstagabend die 2. Mannschaft der Ium- und Sportgemeinde Wetzlar als Gegner. Der besseren 2. Mannschaft Gießens gegenüber konnten die Wetzlarer am Samstag vorher ein 3:3 herausholen, die schwächere 2a.Mannschaft wird wohl die Punkte hergeben müssen. In Wieseck treffen sich die 2. Mannschaft des Platzoereins und die 1. Mannschaft des Sportvereins Leun. Hier find die Gegner schon gleichwertiger, so daß ein intereffantercr Kamps zu erwarten ist. Die Leichtathleten Gießens haben die Handballmannschaft der Freien Turnerschaft Frankfurt (Abteilung 11) zu einem Handballwettspiel am Sonntagnachmittag auf au Sauer ;en Samstag oderner 04120 zabend il Jazz-Band abend r-Konzert rkte Kapelle WZ«. «41t* M M iLlkiröhrew lauft SriiljIWWtrd -D Wtr. 7'9 hittioi* * Nenner b. Ksenhni „12.3®1926 w* NA im HB. Samstag und Sonntag: 5(11118* »s oenen 5 U6t nachm. BeziehendeSLagerO Sen Wismarer Brücke und tajg SSÄft fist* Konzert IfcCarl^* d:TA^Z reichischer Meister und Meisterinnen. Weiter ist das Verbandsoffene des Dessauer S. C. 04 zu nennen. Ein Verbcmdsofffenes veranstaltet noch Dorussia-Poseidvn-Stettin. Der Elberfelder S. C. 83, sowie S. D. Repttin-Gera veranstalten kreis- offene Schwimmfeste. Der Kreis I Gau 1 bringt Ausscheidungskämpfe für die Deutschen Kampsspiele. In Beuthen O.-S. geht ein Städte-Wett» kampf zwischen Beuthen und Hindenburg vor sich. Die Ruhrstaffel wird vom Gau 3 des Kreises IX gauintern ausgetragen. Ruderregatten finden statt in: Lübeck (anläßlich der 700-Äahr- feier). in Konstanz (18. Internationale Boden- see-Regatta), tn Dresden (40. Äubiläumsregatta), in Wien (41. Internationale Regatta mit deutscher Beteiligung), in Mainz, Mülheim (Ruhr), Halle a. d. S., Brandenburg a. d. H., Frankfurt a. d. O. und Hameln. Kanuregatien aus der Reisse bei Görlitz: auf der Riederelbe (Außenalster in Hamburg Kreismeisterschasten und Äugend), auf der Ruhr in Duisburg (Städteregatta Duisburg — Essen): Leipziger Regatta: 1. Saar-Langstreckenwettfahrt auf der unteren Saar. Radsport. Bahnrennen finden statt in Elberfeld mit Saldow, Möller. Bauer. Krewer. in Berlin- Treptow mit Vanderstuhft, van Rutzsseveldt, Sawall, Wittig, in Nürnberg mit Rosellen. Weiß, Lejour, Eatudal, Herbst, in Erfurt. Rürnberg, Krefeld, Rachen und Köln. Radfernfahrten sistd: der Große Handels-, Ändu- strie- und Pressepreis der Stadt Hannover als dritter Lauf der Straßenmeisterschaft derD.R.äl., Berlin-Frankfurt a. d. O. — Berlin. Berlin — Küstrin — Frankfurt — Berlin, „Rund um Dresden". Hannover — Hamburg — Hannover, der Große Mifapreis vom Chiem- und Salzachgau. Weiter werden vom B. d. R. Gaumeisterschaften im Einerstreckenfahren über 150 Kilometer zur Entscheidung gebracht. Die Radfernfahrt „Rund um Zürich" mußte abgesagt werden. Motorsport. Än Baden-Baden findet das dortige Automobilturnier seinen Abschluß. Der R. C. Cronach veranstaltet „Rund um den Ködelberg". Än Berlin (Avus-Grunewald) wird die Klubmeisterschaft von Deutschland durch die D. M. S. zur Entscheidung gebracht. Eine 30-Stundenfahrt um die Mark Brandenburg veranstaltet der Gau I des A. D. A. C. Weiter wird vom A. D. A. C. Plauen das Wolfsbergrennen abgehalten. Än Oesterreich werden die Motorrad-Landesmeisterschaften von Riederösterreich und Wien aus der Badener Radrennbahn entschieden. Der Kgl. Ungarische A. C. veranstaltet vom 13. bis 15. d. M. die ungarische Tourenfahrt. Der M. C. Heidelberg (D. M. B.) bringt das Schriesheimer Bergrennen zur Durchführung. Reichsoffene Wettkämpfe der D.T. 4. Zu dem Bericht über die reichsofse- nen volkstümlichen Wettkämpfe in Offenbach o. M. bei denen die Gießener Tur- nerschast so ehrenvoll abgeschnitten hat, sind noch einige weitere Erfolge des Gaues Hessen nachzutragen. Äm 3 0 0 0-M e t e r l a u s belegte M. Diehl vom Tv. Sterzbausen, einer der besten Langstreckenläufer unseres Heimatgaues, den 2. Platz mit der guten Zeit von 9 Minuten 40,9 Sekunden. Der Turnverein 1860 Bad-Rauhe im hatte zwei seiner Volksturner entsandt. W. Lehmann kam im Stein st oben (offen) L mit 7,24 Meter an die 3. Stelle, außerdem wurde er im Dreikampf der älnterstufe mit 2551/2 ^Punkten 3. Sieger, während es ihm im offenen , Dreikampf nur gelang, sich mit 269 Punkten den ' 5. Platz zu sichern. Richard Wiener vom gleichen Verein wurde im Speerwerfen (offen) mit 40,30 Meter 2. Sieger. Den gleichen Rang nahm er auch im Hochsprung (Unterstufe) mit 1,50 Meter ein. Äm Diskuswerfen (älnterstufe) kam er mit 29.42 Meter an die 3. Stelle. An den ebenfalls reichsoffenen Wettkämpfen des Turnvereins von 1817 Mainz, über die in diesem Zusammenhang noch kurz zu berichten wäre, nahm aus dem Gaugrbiet nur der Turnverein 1860 Bad-Rauheim teil. Beachtenswert ist der Erfolg, den W. Leh- Aus Portugal. Von E. o. Ungern-Sternberg. Lissabon, im Frühling 1926. Es ist ein Aberglaube, daß blutige Revolutionen den Volkern Glück und Befriedigung bringen. Seit König Dom Carlos und der Kronprinz Dam Fe- lippe grausam in den Straßen Lissabons von republikanischen Verschwörern durch Flintenschüsse ermordet wurden, und Dom Miguel abdanken mußte, seit 15 Jahren folgt in Portugal eine politische Erschütterung der anderen, und jedesmal, wenn dos Maschinengewehrfeuer in den Straßen geknattert hat und Menschenblut geflossen ist, wird die Retttmg des Vaterlandes und das neuerworbene Glück der Bürger in Regierungsedikten verkündet. Die Spuren der oorjähngen Revolution sind schon lange von der Avenida und von der schonen Plaza Eduard des Siebenten verwischt worden, die Judas- bäume blühen und duften, als ob nichts geschehen wäre, und die Palmen erheben ihre mächtigen Kronen ruhig in den monddurchleuchteten Himmel, aber Melancholie und Trauer lagern über der Stadt. Doch keine Revolullou kann Lissabon den Zauber der herrlichen Landschaft rauben, die Romantik der alten, in Garten pcrsteckten Paläste, den Ueberfluß an duftenden Blumen, und vor allem nicht den Tuja, der breit und majestätisch an der Stadt, die sich an seinem rechten Ufer kilometerweit hinzieht, vorbei strömt, sich bei Cruz Quebrada zusammenpreßt und sich beim nahen Cassaes, wo die Brandung bei der Boca de Inferno lost, in den Ozean ergießt. Vor dem Hotelfenster breitet sich das kunstvolle Mosaik des Rocio aus, das die Wogen des Meeres nochohmk, und auf dem der Fußgänger schwindlig werben kann. Links an der Gold- und Silberstraße ziehen sich einförmig die kas-ernen- sörmigen Steinhäuser hin. die der Marquis von Pombal, nachdem das große Erdbeben die niedrige Stadt zerstört hat,e, anstichtcn ließ, rechts liegt die Prachtstraße der Avenida und liegt der Bahnhof. Die Besucher Lissabons pflegen stets einen 'Ausflug nach dem nahen Cintra zu machen. Kaum jemandem fällt es ein, unterwegs auf halber Fahrt in Ouelluz Bellas auszusteigcn und sich in den stillen halbvcrwi'.derten Gärten des einstigen Königsschlosses zu verlieren. Eine Menge von Riesenm a n n im Kugelstoßen (offen- errang. Er schaffte sich an die 2. Stelle und blieb mit 19,05 Meter nicht weit hinter dem gefeierten Frankfurter Kämpen Wengenroth zurück, der mit 20,29 Meter eine blendende Leistung vollbrachte. Äm Steinstoßen (Mittelstufe) brachte es Lehmann nur auf 7,43 Meter, womit er noch den 3. Platz belegen konnte. R. W i e n e r vom Bad- Rauheimer Verein wurde im Dreikampf (offen) mit 44 Punkten 4. Sieger. 3m Vierkampf für Turnerinnen holte sich Anna M ö r l e r nur 58 Punkte und kam infolgedessen art die 4. Stelle. Turngau Hessen jD. T.) Vezickstumen des 1. Bezirks. — Marburg, 8. Juni. Der 1. Bezirk im Turngau Hessen hielt fein diesjähriges Bezirksturnfest im nahen Marbach ab, wo der Turnverein gleichzeitig die Feier seines 25jährigen Bestehens begehen konnte. 554 Teilnehmer traten zu den Wett- übungen im volkstümlichen Fünfkampf an. Trotz des schlechten Wetters werden zum Teil ganz vorzügliche Leistungen geboten. So sicherte sich der Sieger im Turner-Fünfkampf den 1. Platz mit 101 Punkten. Von den Sonderwettkämpfen verdient an erster Stelle Erwähnung die 4 mal 100- Meter-Slaffel, die vom Turn- und Spo. Marburg in der sehr guten Zeit von 4 5,1 Se- künden gelaufen wurde. Im Kugelstoßen sah man V. f. L. Marburg in Front, während im Dreisprung der Tv. Kirchhain den 1. Platz belegte. Aus der S i e g c r I i ft c nennen wir in jeder Stufe die drei ersten Sieger: Aktive Turner (Fünfkampf): 1. B. Men- nen, Akad. Tv. Marburg, 101 P., 2. W. Beaupain, T. u. Spv. Marburg, 94 P., 3. P. Grätsch, T. u. Spv. Marburg, 88 P. Jugendturner, Oberstufe (Fünfkampf): 1. R. Kürschner, Tcl. Neustadt, 96 P., 2. H. Black, Tv. Weiffenbach, 90 P., 3. H. Henkel, T. u. Spv. Marburg 1860, A. Dersch, Tv. Michelbach, 85 P. Jugend, Unterstufe (Fünfkampf): 1. K. Müller, Tv. Biedenkopf, 96 P., 2. A. Mälzer, Tv. Wallau, 92 P., 3. P. Rüppel, Tv. Cappel, 84 P. Schüler (Fünfkampf): 1. W. Gris, Tcl. Neustadt, 101 P., 2. Fritz Drefcher, Tcl. Neustadt, 95 P., 3. E. Bodenbender, T. u. Spv. Marburg, 93 P. Turnerinnen, Oberstufe (Vierkampf): Ehrensieg Anna Pitz, Tv. Cölbe, 86 P., 1. Friedel Ehren, Ev. Cölbe, 82 P., 2. Jngeborg Fischer, T. u. Spo. Marburg, 80 P., 3. Ria Hoffmann, T. u. Spv. Marburg, 70 P. Turnerinnen, Mittelstufe (Vierkampf): 1. Luise Wenzel, T. u. Spv. Marburg, 64 P., 2. Eva Fuchs, Tgm. Marburg, 59 P., 3. Käte Seibert, Tgm. Marburg, 58 P. Turnerinnen, Unterstufe (Vierkampf): 1. Else Schneider, T. u. Spv. Marburg, 78 P., 2. Gretel Weißmann, Tv. Marbach, 77 P., 3. Marie Guter, Tv. Marbach, 75 P. Fechten im Turngau Hessen <,8 am 22. Mai d. Ä. in München und von Frau H. W u n r a m (DSD. Hildesheim) für 400 Meter Rücken in 7:00,8 am 28. Mai d. Ä. in Magdeburg. Rundfunk-Programm des ftranffiirter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Samstag, 12. Juni: 3.30 bis 4 ilfrr: Die Stunde der Äugend. 4.30 bis 5.45 Ähr: Konzert des Hausorchesters: Richard Strauß. 5.45 bis 6.05 Ahr: Die Lese- stunde. 7.15 bis 7.45 illjr: Funkhochschule Frankfurt „Von der Romanliteratur Sowjetrußlands", Vortrag von Prof. Dr. Franz Schultz. 7.45 bis 8.15 Ahr: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Die Gefährdeten und die Gesellschaft", Vortrag von Frau Dr. Lucie Lies- mann. 8.15 bis 9.15 Uhr: Heiterer Abend. 9.15 bis 10.15 Uhr: Stolhe, Vater und Sohn, Alt- Frankfurter Dichtungen. Anschließend bis 12 Uhr: Übertragung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funklapelle. der Stadt und über dem Strom. Selbst die Sterne, die goldfunkelnd, breit und prunkhaft am Himmel stehen, sind fremdartig lockend und senden Träume von unmöglichem Glück zu den Erdenkindern hinab, die an den Pflock des Augenblicks gebunden find. Die Nächte in Lissabon find still, ohne den rüden Lärm der großen Städte Spaniens. Eine diskrete Musik spielt auf der Terrasse des Avenidapalastes, Spaziergänger genießen die i rme Nacht, die voller Düfte ist und schwül auf de Stirn lagert. In den Konditoreien am Chiado meiden kühlende Limonaden und Eis verkauft, und alles ist so billig, daß man zu staunen anfängt. Die Leute sind freundlich ohne Ueberschwenglichkeit, und die Zeit bis zur Sperrstunde vergeht wie im Fluge. Auf den Steinfliesen an den Ufern des Tajo flüstern, schleichen und rauschen die Wasser, es ist der Widerhall der Stille. Und obwohl die Großstadt mit ihren Leidenschaften so faßlich nahe liegt, und die gewaltigen Schiffkörper der Ozeanriefen mit ihren tausend Lichtern im Hafen stehen, so scheint hier doch alles so fern vorn unheiligen Lärmen der Dämonen Europas zu fein, es scheint, als ob Revolutionen und Blutvergießen gar nicht in den poetischen Frieden Portugals hineinpafsen wollten. Literarische MeisterMschungen. linier Ben Weihnachtsbüchern des vorigen Äahres, die in England großes Aufsehen erregten, befand sich auch ein Buch mit dem Titel „Das Tagebuch einer jungen Dame von Welt in dem Äahr 1764 65". Es enthielt die Auszeichnungen eines jungen Mädchens namens ©leone Knox, die einen spannenden Liebesroman, ihre Flucht aus Ärland nach Venedig und ihr Leben in öeu vornehmen Kreisen der Roloko-Gesellschast erzählt. Aus dem Titel war angegeben, daß dieses Tagebuch von ihrem Rachkcmmen Alexander Dlacker Kerr herausgegeben sei. Die überaus echten und lebendigen Szenen wurden mit großem Beifall ausgenommen. Rambafte Gelehrte meinten, daß dies Tagebuch an historischem Wert neben das berühm e Tagebuch von Pepya gestellt werden müsse unö daß die Schilderungen „zugleich an Smolle.t und den Abbe Prevost er- innenen“. Wenn auch einige Zweifel austauchten, so nahm man doch das Buch als ein historisches Dokument, und innerhalb von drei Monaten tour- Italiens Aspirationen. Don unserem römischen Korrespondenten. Rom, Anfang Äuni. Marokko, mit seinen großen wirtschaftlichen und unbegrenzten politischen Möglichkeiten, war der Schrittmacher des Weltkrieges. Marokko, nach dem Zusammenbruch seines Freiheitskampfes mehr denn je von drei Mittelmeermächten umbuhlt, zu denen sich nun plötzlich als vierte Italien gesellt, steht wie ein Feuersignal vor dem großen Zusammenprall an der „Völkertränke". Denn es wird Streit geben um das Erbe Abd el Krims. Cs ist nicht so wie nach dem Burenkrieg, wo nut einer nach dem Gold griff: es ist anders als in Syrien, wo zwar die Greuel von Damaskus zum Himmel schreien, nicht aber zu den Ohren der Kullurwelt. Es handelt sich dort ja nicht um deutsche Kanonen. Der Himmel ist weit und Genf hat genug zu tun mit feinem Kinderschuh und Opiumhandel. Es wird sich also auch nicht dazu verstehen, wegen eines „Rebellen", der das Selbstbestimmungsrecht der Völker unerhörterweise auch den Alliierten gegenüber forderte, -feülfi Tagesproduktion von 1500 Kilogramm Drucksachen zu steigern. Das Wort hat Frankreich. Frankreich und Spanien geben sich, als habe sich durch die Riederringung Marokkos der Status quo ante nicht geändert, noch werde er durch eine Austeilung des Landes geändert. Ätalien ist anderer Meinung. England wartet, seiner erprobten Staatskunft getreu, zun ichst einmal ab. Mussolini hat das Abwarten noch nie verstanden und noch nie gewollt. Er erklärt also das Tangerstatut für null und nichtig, verlangt Ätaliens Hinzuziehung zur Reuregelung der Dinge und im übrigen mehr Platz. Militarismus, Marinismus, territoriale Aspirationen, Expansion und Imperialismus — alle Antugenden, die eine hochzivilisierte Welt einmal Deutschland vorwarf und in ordentlichen Paragraphen ein für allemal aufhob, alle hat das junge Ätalien, Mussolini als Bismarckverehrer voran, übernommen. Die erhabene Kulturwelt findet es in der Ordnung. Es ist ja nicht ein deutscher Kaiser, der sich heute als Cäsar, gestern im Auto, links als Admiral, rechts als (Steuermann, in allen Lagen und Posen photographieren läßt, mit Trompetengeschmetter und Trommelwirbel durch die Zeitgeschichte reitet Man hört, man liest seine großen Worte, man sieht sein Schwert unaufhörlich durch den südlichen Himmel zucken, aber niemand fällt es ein, dem Schicksalsrade in die Speichen zu greifen. Mit einem Fatalismus wie von 1914 taffen wir es auf uns zurollen, um dann, wenn es so weit ist, Berge von gelehrten Büchern über die „Ursache" zu schreiben. Sollte zufällig Ätalien den Kürzeren gezogen haben, ja, dann freilich, dann ist natürlich Mussolini an allem „schuld", die der deutsche Kaiser, und die Weltentrüstung kommt über sein Haupt. Es ist furchtbar einfach. Weltgeschichte zu schreiben — hinterher. Vielleicht wäre es besser, Weltgeschichte dieser Art vorher zu verhüten. Aber niemand macht auch nur den Versuch dazu. Mussolini hat also seine Ansprüche angemeldet. Wie er sie durchsetzen will, darüber ist er sich noch nicht im Klaren. Er möchte möglichst von jedem etwas kriegen und es mit keinem verderben. Daher das lebhafte Farbenspiel seiner Politik. Ä .merhin lassen sich zwei Grundzüge erfenne:'. Entweder gegen Frankreich mit Hilfe Deutschlands, oder Geschäft mit Frankreich auf Kosten Deutschlands. Der erste Gang könnte nur ein Waffengang sein, der zwecks wüä>e eine Vereinigung der lateinischen Werkstätten bedeuten, sofern der französische Sozius geneigt wäre, Tunis, Ri^za, Savoyen, Korsika und etwas Küstenland im näheren und weiteren Mittelmeer ä fonds perdu einzulegen. Pessimisten werden meinen, das Geschäft müsse sich an der Zugeknöpftheit Frankreichs zerschlagen. Denn was bietet Ätalien dagegen? Run, mehr, als die Einlage wert ist: es bietet die Hand zum Frieden« So zu lesen in der franzosenfreundlichen Presse. Wie dann die andere schreibt, kann sich auch ein politischer Laie vorstellen. Das Reue in dem Verhältnis zwischen den lateinischen Schwestern ist nämlich, daß Ätalien der Appetit beim Zusehen schon kam, nicht erst beim Essen (von Rizza, Savoyen usw.). Kaum verlangte es die ersten Gerichte, kaum prokla- mierte es, die Hand gegen England erhebend, den über 30 000 Stück verkauft. Run macht der „Daily Expreß" die aufsehenerregende Enthüllung, daß das Buch eine überaus geschickte Fälschung darstellt und daß die Verfasserin eine 20jährige Ärin ist, Magdalen King-Hall, die Tochter eines Admirals, die auf ihrem einfamen Schloß in Ärland, wo sie lebte, aus Lange- Welle diese Erzählung erfunden hat. Sie war in Lausanne in Pension, hat sich kurze Zeit in Paris und in Venedig aufgehalten, aber sonst keine besonderen Studien gemacht. Sie erUärt, daß niemand erstaunter sein konnte über die Annahme, es handle sich um ein echtes Dokument, als sie selbst. „Äch dachte, jedermann würde gleich merken, daß es sich hier um eine Erfindung handelt", meinte sie, wobei eine gewisse Äronie in ihren Augen auf blitzte. Sie hat mit diesem „Zeitvertreib" in müßigen Stunden sehr viel Geld verdient und ist mit einem Schlag eine bekannte Schriftstellerin geworden. Es ist dies nicht die erste derartige Fälschung, die im englischen Schrifttum Aufsehen erregt. Eine solche Fälschung von weltgeschichtlicher Bedeutung waren die Gedichte Ossians, die Äames Macpherson verfaßte und als das Werk eines sagenhaften gälischen Dichters ausgab. Die Offian-Mode schlug damals alle Welt in ihren Bann. Goethe, der im „Werther" den Ossian verherrlichte, glaubte ebenso an feine Echtheit wie Schiller, Rapoleon ebenso wie Byron, und Macpherson wurde in der Westminster-Abtei beigeseht. Einen tragischeren Ausgang hatte der junge Chatterton, der schon als 15jähriger Knabe Dichtungen veröffentlichte. die aus dem 15. Äahrhundert stammen sollten. Bedeutende Gelehrte, wie Horace Walpole, wurden getäuscht, aber die Anachronismen in diesen genialen Poesien waren so groß, das mau sie als Schwindel enthüllte, und der unglückliche Äüngling starb mit 18 Äahren im größten Elend. Oesters hat man versucht, Fälschungen als Stücke von Shakespeare ober gefälschte Dokumente über ihn in die Literatur ein- zuschmuggeln. Ein solches falsches Shakespeare- Stück ..Dortigem" von Sheridan wurde sogar aufgeführt, und um die gefälschten Shakespeare- Solümeirte von William Henry Äreland entbrannte ein langer Kampf, bis man sie als Betrug entlarvte. füll ßllernbe' Detr.: Die staates H u 120 v 9 Die' WX, einem Die zum I- £ 8 Einst N Dar 5 Än die Hat berg eu istesdk tierärztl tiere zu find, fof Sie zur Aus Antrag si Wache b ist. Die nächsten ‘ 'Die: Die Detr.: Äa um sich Albert, des Ort Sb Detr.: Der bildete 1 von der und der Deobach 'Gie Detr.: i M mahnahn Gie Krimini 91 §l)rtsetzunk Willi? ,Omf‘ . »W hast sich erstaunt . -wn, ich hü ,°L- * w pd> * Wanken!" t ,"^ie sind ! "3qido[P" 9°0enern Kopf -.Marias "■Oer j)grr m oÄ ^reiben & besorgt" gehört?" a . "3a — « ' wieder i'p|«!Ju» *016 nuV?11 7 W. Der dritte Schutz. Kriminalroman von Ole Stefani. 9. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Du kannst es telephonisch aufgeben, wenn du willst." „Wo hast du denn hier Telephon?" Kramer sah sich erstaunt nach der Leitung um. „Nein, ich habe noch keins. Aber Maria kann mit einem Zettel rüber zu Esser gehen, der gibt es dir gern aus. So machen wir es immer." Gut!" sagte Kramer. „Laß uns ins Haus gehen." Sie gingen um das Gebäude herum und stießen aus Franz, der an die Mauer gelehnt dastand und vor sich hin sang: „Et is noch ümmer, ümmer jut jejangenr ,,«ie sind ja in einer großartigen Verfassung!" sagte Brcntheim. Und schrie in einem plötzlichen Wntanfall: „Scheren Sie sich ins Bett'." „Jawoll!" sagte Franz mit erschrocken eingezogenem Kopf und trollte sich unsicher davon. ‘ „Maria!" sagte der Kommisiar in der Küche. „Der Herr Rechtsanwalt wird einen Telegromm- zettel schreiben, den tragen Sie zu Esser, er soll gleich besorgt werden. — Na . . . haben Sie nicht gehört?" „3a — Herr Kommissar!" sagte das Mädchen mit gedehnter, weinerlicher Stimme. „Aber et kommt doch'gleich ein Gewitter!" Ich was!" Brenlheim warf einen Blick durchs Kückenfenstcr. „Das kommt poch lange nicht. Es ist ja noch nicht mal windig. In einer Viertelstunde sind Sie wieder zurück. Na — was ist denn?" Anstatt zu antworten, hob Maria den Schürzen zipfel zu den 'Augen und begann leise zu weinen. „Ja, sind Sie denn blödsinnig geworden? Was ist denn passiert?" „Och — ich fürchte mich so!" gestand das Mädchen unter Schluchzen. „Herr Kommissar — wenn et als nu wieder heut nacht im Garten schießt —" „Dumme Person!" sagte der Kommisiar mit zu- farnmengebifsenen Zähnen. Kramer nahm seinen Ann. „Ich gehe lieber selbst. Es ist mir auch sicherer. Fangt nur ruhig ohne mich an zu essen. Ich bin gleich wieder da!" „Das gebe ich nicht zu. Bloß weil diese Kuh da —" ,Laß sie nur! Wir können es ihr heut nicht verdenken." „Eigentlich hatte er noch eine Bitte an den Alten: er möge, ehe er das Licht andrehen würde, vor den Fenstern des Wohnzimmers die Rolläden herunterlassen. Aber er sprach sie nicht aus, um Brentheim nicht zu beunruhigen. Der Kommissar beschrieb den Weg zur Nachbarvilla und gab Kramer für alle Fälle eine elektrische Taschenlampe mit. — Der Anwalt schritt schnell vorwärts, so gut das letzte Tageslicht es ihm noch erlaubte. Er hatte keinen Menschen getroffen, als er an ein Gebäude kam, das er für die Billa Esser hielt. Er rief über den Zaun, worauf ein Hund wütend bellte. „Kusch!" ertönte die fette Stimme des Weinhändlers. „Sind Sie es, Sandberg?" — Kramer schwieg überrascht. „Nein," sagte er schließlich, „hier ist Kramer." „Nanu! Wie kommt mir solcher Glanz und so weiter? Kommen Sie näher, Herr Rechtsanwalt! Der Köter ist nur zum Bellen da, er kann nicht mehr beißen. — Außerdem liegt das Biest an der Kette." — „Ich komme mit der Bitte zu Ihnen, Ihren Fernsprecher für ein dringendes Nachttelegramm benutzen zu dürfen", sagte Kramer, als er eingetreten war. „Bitte! Steht Ihnen zur Verfügung! Babett- chen!" schrie er ins Nebenzimmer, worauf ein sehr hübsches, üppiges Mädchen in der Tür erschien. „Bring uns ein Püllchen Rauenthaler!" Er grinste zu Kramer hinüber und zwinkerte mit den Augen. Der sprach ins Telephon: „Abschließet Kauf viertausend. Kramer, Villa Grete bei Gotesberg." Das war das für n!ic Fälle mit Schulz verabredete Signal: „Komm her, so schnell du kannst!" „Na, was sag ich!" schmunzelte Esser, der sich aar nicht geniert Hane, zuzuhören. „Der Herr Rechtsanwalt scheint jo allerhand Geschäftchen nebenbei zu machen. Hier, Mann, nehmen Sie ein Schlückchen!" „Sehr liebenswürdig. Ich muß leider dankend ablehnen, da ich große'Eile habe. Ich möchte nicht noch in den Regen kommen." das gesamte Mittelmeer zum Mare nostrum, da ba dachte es auch an Marokko und die deutschen Kolonien. Mehr Platz! Aber das nicht allein. Mehr Rohmaterialien! Milten in dem dauernden Siegesrausch überfiel Mussolini die Erkenntnis, daß man. ein Schwert zu schmieden. Stahl und Feuer brauche, nüchtern gesagt, also Deutschland. Rachdenllich lehrte er von den großen ligurischen Rüstungsstätten nach Rom zuruck und erklärte von dem gleichen Platze aus. von dem er di« Brennersanfare in die Welt hinausgeschmet- tert hatte, ruhig und bescheiden, Italien könne den Brenner verteidigen, ohne fremde Hilfe, solange dort nur Oesterreich stehe. Er war gar nicht erbaut davon, daß ihm der vorhergehende Redner, der alte Deutschenfresser Tolomei. der in der radikalen Derwelschung Südtirols seins Lebensaufgabe sieht, mit seinen bösartigen Ausfällen beinahe das Konzept verdorben hätte. Wenn man nur mit Oesterreich fertig werden kann ohne fremde Hilfe, wie sieht es dann bet einem Treffen mit Frankreich aus? Die franzosenfrcundliche Presse witterte sofort die .Umstellung im fieberhaft arbeitenden Gedankenschaltwerk des Duce und versuchte ihn abzulenken: Gut. wir brauchen Eisen und Kohle, das ist das Wichtigste, aber vielleicht können wir das von Frankreich haben! Frankreich, so führte der „Messaggero" aus. hat Rohmaterialien in Ueberfluh. in Tunis und Marokko. Frankreich wird und muß sie uns geben. Wir brauchen Deutschland nicht. Mussolini zweifelt. Abtretung von Rohmaterialien ist gewöhnlich mit der Abtretung von Territorium verbunden und damit mit dem Prestige, dem empfindlichsten Rerv Frankreichs. Gibt es nicht noch ein zweites Eisen, das man ins Feuer stecken könnte? Gewiß: die deutschen Kolonien. Also fordere man einen Teil. Tunis, Marokko, Kolonien. Die technische Grundlage wäre also gegeben. Bleibt noch die diplomatische Einleitung der imperialistischen Manöver. „Ich glaube,- man muh es sehr schlau und höflich anfangen", meinte der starke Mann im Senat. Und nach Genf gewendet: ..Riemand darf etwas erhalten, bevor Italien befriedigt ist. Ich mache die Herren daraus aufmerksam, daß Italien immer, wenn es nach Genf geht, einen Dolch im Gewände trägt, fein Vetorecht." Wenn nun die Wilhelmstrahe nicht gerade auf den Ohren sitzt, so weiß sie, was sie zu tun hat Sie soll den Stein ins Rollen bringen, indem sie im Herbst, nach der feierlichen Aufnahme in den Völkerbund — „immer meine These gewesen", versicherte Mussolini — ein Kolonialmandat begehrt. Darauf wird Herr Scialoja sich erheben und erHärcn, er habe nichts dagegen, nur müsse zuerst Italien bedacht werden. Run werden England und Frankreich Farbe bekennen müssen: Italien, auf alle Einwande gefaßt, beteuert-wieder einmal, in Dersailles über die Löffel halbiert worden zu sein und sakrosankte Ansprüche auf Kompensationen zu haben, um so mehr, als es ausschließlich Mittelmeermacht sei, die Beutefrage von Marokko taucht auf, Tunis läßt sich bei dieser Gelegenheit am Schopfe fassen — kurz, der Stein ist tatsächlich im Rollen. Hoffen wir. daß er sich nicht zu einer Vier- zehner-Lawine auswachse. Englands Baumwollpläne im Sudan. Don Dr. Paul Qeuttoein. Nachdem England es verstanden hat. den Weltmarkt in Kautschuk zu beherrschen, sind die wirtschaftlichen Gegensätze zu den Bereinigten Staaten wesentlich schärfer geworden. Die Dec- einwten Staaten haben dafür die Borherrschast in Erdöl und Baumwolle. Es ift seit langem das Bestreben Englands, diese Vorherrschaft zu brechen. So groß das englische Kolonialreich ist, hat es doch nicht genügend Crdölerzeugung. So er- klären sich die englischen Bestrebungen auf Mos- sul und Persien. Wesentltch günstiger smd tue Aussichten der englischen Kolonien für Baumwolle. Führend an Menge der Baumwollerzeugung ist Indien. Die Qualität der indischen Baumwolle läßt aber immer noch zu wünschen übrig. So führt England mit gewohnter Zähigkeit den Plan durch, ilganba und den Sudan zu einem ergiebigen Erzeugungsgebiet für Baumwolle umzugestalten. Das hat wieder zu Gegen- fähen mit Aegypten geführt, das jährlich 1 bis l1/. Millionen Ballen Baumwolle meist bester Qualität erzeugt. Aegypten ist vom Ril abhängig, England beherrscht dagegen die Zuflüsse des Ril, unter denen der blaue Ril und der Qltbara die hervorragendsten sind. Unter halb des Atbara empfängt der Ril keine Zuflüsse mehr. Es ist daher begreiflich, daß Aegypten für seine Daumwollerzeugung nichts mehr fürchtet als Stauanlagen im oberen Rilgebiet, die den Wasserstand des unteren Ril verringern könnten. England hat seinerzeit die großen Stauanlagen bei Assuan gebaut, um im eigenen Interesse die Daumwollerzeugung Aegyptens ficherzuftellen. Seit indessen die Unabhängigkeitsbewegung in Aegypten immer weitere Fort- chritte macht, ist der leichter zu beherrschende Sudan für England wichtiger geworden. Ohne Rüasicht auf die Interessen Aegyptens ist nun im Sudan eine große Stauanlage durchgeführt worden, die das weite Gebiet der Gezirahebene zwischen Koartum und Sennar bewässern soll. Diese Anlage überquert den blauen Ril bei Sennar und wird daher meist Sennardamm genannt. Der Damm ist drei Kilometer lang und gilt technisch für besser als der gradlinige Damm bei Assuan. Für die Dswäsferung der Gezirahebene >ind rund 6000 Km. Kanäle gebaut worden, wozu noch in größerer Gesamtlänge Bewässerungsgräben kommen. Die Anlage wurde 1911 begonnen und ist nach großen Schwierigkeiten Anfang 1926 in Betrieb genommen worden. Die Hauptschwierigkeiten machte der stark wechselnde Wasserstand des blauen Rils. Zeitweise waren die Anlagen überflutet und muhte der Weiterbau unterbrochen werden. Die Kanalanlagen sollen ein Gebiet von über 400 000 ha bewässern. Selbstverständlich gilt der Sennardamm, so bedeutend er ist, nur als die erste der geplanten großzügigen Sperren. England beweist seine viel weiter gehenden Pläne durch den Dau einer Bahn die El Obeid über Sennar mit Kassala und später mit Port Sudan verbinden soll. Port Sudan, das bisher über Atbara mit Khartum verbunden war. würde alsdann eine zweite direkte Verbindung mit der oberen Rilgegend erhalten. So gedenkt England diesen groß angelegten Hafen zum Ausfuhrhafen des Sudans zu machen und damit den Sudan ganz von Aegypten los- zulosen. Da nun der blaue Ril ebenso wie der Atbara aus Abessinien kommt, werden die neuerlichen Pläne Englands und Italiens auf die Unabhängigkeit Abessiniens erst verständlich. England braucht letzten Endes das Stromgebiet der beiden wichtigsten Rebenflüsse des Ril genau so wie den gesamten Oberlauf des Ril selbst bis ?um Viktoria-See. Italiens kolonisatorische Leistungsfähigkeit scheint man an der Themse — trotz Mussolini — nicht zu fürchten. Qllqn hofft wohl auch zu gelegener Zeit Italien wieder ausfchalten zu können. Dieser ganze auf dem Kampf um die kolonialen Rohstoffe beruhende Plan hat auch für Deutschland das lebhafteste Interesse, denn Italien hat ja genugsam feine Reigung bewiesen, sich durch deutsches Kolonialgebiet von England abfinden zu lassen. Für Italien, das seine wichtigsten Kolonien bei Abessinien besitzt und neuerlich das Iubaland erworben hat, käme nach Lage der Dinge nur Deutsch-Ostafrika in Frage. In Deutschland sollte man aber endlich einsehen, daß die deutsche Industrie nicht länger ohne eigne koloniale Rohstoffgebiete sich auf dem Weltmarkt behaupten kann. Wenn die neuesten Einfuhrzahlen Deutschlands einen starken Rückgang an kolonialen Rohstoffen ergeben, so ist das keineswegs ein erfreuliches Zeichen. Deutschland kann die kolonialen Rohstoffe, insbesondere Baumwolle und Kaut- schul, durchaus nicht entbehren. Der Rückgang der Einfuhr bedeutet daher einen Rückgang der Kaufkraft und damit der beteiligten Industrien. Es ist so oft die Rede davon gewesen, ernstliche Anstrengungen zur Rückgewinnung der deutschen Kolonien zu machen, doch ist es bis jetzt bei Anläufen verblieben. Die Schwierigkeiten für Deutschland sollen nicht unterschätzt werden. Wir sind nun einmal ein besiegter Staat, und England und Italien sind Sieger. Indessen beweisen doch Locarno und die Genfer Begebenheiten, daß Deutschland als Zentrum Europas nicht übergangen werden kann. Daran können die Intrigen Frankreichs, Polens und der Tschechoslowakei nichts ändern. Ist es auch erfreulich, daß die deutsche Regierung darauf bestanden Hatz den Eintritt in den Völkerbund von einem ständigen Ratsfih abhängig zu ckachen, so scheint uns ''ie koloniale Frage mindestens ebenso wichtig zu fein, ilnfere Interessen liegen in Afrika. Dort ist wirtschaftlich noch sehr viel herauSzu- Holen, ohne daß die überschätzte aethiopische Bewegung diese wirtschaftliche Nutzbarmachung Afrikas verhindern wird. Es gilt daher, unsere kolonialen Ansprüche immer wieder geltend zu machen. Der Petroleurnfrieden. Rach langen Verhandlungen ist jetzt daS Abkommen zwischen England und der Türkei über das Mossul-Gebiet zustande gelommen und von der türkischen Rationalversammlung bereits ratifiziert. Auch das englische Unterhaus wird keine Schwierigkeiten machen. Der englisch-türkische Friede ist damit gesichert, und die Türkei kann nach fast zwanzigjährigen ununterbrochenen Kämpfen nun endlich daran gehen, die Reste ihres Staates neu aufzubauen. Allzu viel hat sie England gegenüber nicht erreicht, immerhin aber hat sie doch mehr als einen Prestigegewinn herausgeholt. Das Mossul-Gebiet ist ein Teil des auf Kosten der Türkei und gegen die Türkei gebildeten neuen Irak-Staates, über den England Mandatsrechte ausübt. Dieser Irak- Staat, für den sich sonst niemand auf der Welt interessieren würde, hat nur dadurch seine Bedeutung, daß er das Mossul-Gebiet umschließt, das eins der stärksten Petroleumvorkommen der Welt aufweist. Und damit kommt man dem Kern des ganzen Streites näher. Ein kluger Rationalökonom hat einmal gesagt, der nächste Weltkrieg würde ein Krieg um das Petroleum fein. Das ist vielleicht etwas überspitzt, aber im Kern doch richtig, denn das Petroleum. das langsam, aber sicher die Kohle von ihrer Monopolstellung in der Schiffahrt verdrängt, ist heute die Voraussetzung für jede Weltmachtpolitik. Deshalb sind alle diejenigen Stellen, wo das kostbare Oel aus der Erde fließt, der Gegenstand heißer wirtschaftlicher Kämpfe, die sich meist in politischem Gewände verstecken. Der große Gegensatz bestand ursprünglich zwischen der amerikanischen Slandard-Oil-Com- pany und der englischen Shell-Gesellschaft, die sich — echt englisch! — einen holländischen Mantel umgehängt hat, um dadurch die englischimperialistischen Pläne um so besser durchführen zu können. Auf dem amerikanischen Kontinent hat sich die Standard-Oil so ziemlich ein Monopol gesichert, auch in Mexiko hat sie sich' durchgeseht. Die großen russischen Vorkommen in Datum und Baku scheiden aus diesem internationalen Bewerb aus, weil die Russen selbst ihre Hand daraufgelegt haben. Rumänien und Galizien sind aufgeteilt, Mossul aber braucht England, weil daS die beste Möglichkeit ist, um die erforderlichen Reservoirs für den Dampfervenehr nach Indien zu sammeln. Rur aus diesem Grunde wurde der Völkerbund in Bewegung gesetzt, aie die Türkei auf Mossul nicht verzichten wollte. Und es war selbstverständlich, daß dieser von England mehr oder minder abhängige Völkerbund an England die ergebene Ditte richtete, das Qlianbat über 3rat noch weitere 25 Jahre auszuüben. Die Türkei hat von vornherein erklärt, daß sie sich öent nicht fügen würde, sie hat wenigstens soviel nicht fügen würde, sie hat wenigstens fo viel erreicht, daß ein Teil des strittigen Gebietes ihr zugesprochen wurde, daß aber außerdem sie an dem finanziellen Gewinn beteiligt ist und so die Möglichkeit einer Anleihe ihr winkt, die sie zur inneren Stabilisierung braucht. Kemal Pascha hat also für den Augenblick verzichtet, um das Rotwendigste herauszuwirtschaften, alles andere aber einer späteren Zukunft überlassen. Trotzdem wird ihm der Verzicht nicht leicht gefallen fein. Er hatte an sich starke Trümpfe in der Hand, weil ja ein Krieg um Mossul die Engländer zu sehr starken militärischen Anstrengungen auf einem für sie ungünstigen Gebiet zwingen würde. Gerade deshalb aber wurde von London aus Angora stark unter Druck genommen mit der Drohung, daß Italien und Griechenland wieder einmal die englischen Kriege in Kleinasien führen würden, und diesen Wink hat Kemal zuletzt verstanden. Er hat fid> aus dem Spiel zurückgezogen, wahrscheinlich in der Hoffnung, daß die Atempause, die hier einseht, sowieso, nicht allzu lange dauern wird, da Rußland die Engländer ohnehin kaum in Mossul zur Ruhe kommen läßt. England wieder hat an anderen Stellen Sorgen genug, um es als willkommene Entlastung zu begrüßen, wenn eS wenigstens für die nächste Zeit im Irak eine Rückendeckung gegen die Türkei nicht mehr nötig hat. Die Lage in Aegypten ist doch nicht ganz unbedenklich. wenn auch heute noch das englische Militär stark genug fein wird, um die Rationalisten niederzuhallen. Aber auch die Verhandlungen über Rord-Warokkv interessieren in London sehr stark, während Italien für seine Unterstützung in Somaliland abgefunden und mit Hoffnungen auf Abessinien vertröstet ist. Aus all diesen Zusammenhängen heraus war das Mossul-Gebiet einer der Angelpunkte der großen Politik: und wird es vermutlich auch bleiben. England hat Gelegenheit, starke kolonisatorische Arbeit zu leisten. Ob es aber die Früchte auch nur der Kapitalien erntet, die es hineinstecken muß, ist eine Frage, die heute niemand zu beantworten vermag. Denn wenn auch die Türkei zunächst ausgeschallet bleibt, dcr Krieg um das Petroleum geht weiten. Und da hier die Amerikaner sich immer fester verbeißen, wird er zusehends an Schärfe gewinnen. Oberhessen. Landkreis Gichert. !—! Lollar. 10. Juni. Ein lang gehegter Wunsch der Kirchgänger geht jetzt in Erfüllung: man hat nämlich mit der N e u h e r st e 11 u n g des Innern unserer Kirche in Kirchberg begonnen. Die Maurerarbeiten werden von Maurermeister Deibel (Lollar), die Weißbinderarbeiten von den Weißbindermeistern R i n g l e d e r (Lollar) und August Weimer (Daubringen) gemacht. Die Leitung der Arbeiten, die nach den Plänen von Prof. Walbe (Darmstadt) ausgeführt werden, hat das Kreisbaliamt Gießen. Kirchenmaler Veite wird die Malereien und die allen, vielleicht unter Verputz befindlichen Inschriften und Malereien ausführen. Damit die Weißbinder beim Entfernen des Verputzes vorsichtig arbeiten, erhalten sie beim Aufdecken von alten Wandmalereien eine Prämie. Man hofft, mit einem Voranschlag von 20 000 Mk. äuszu- kommen. Der Gottesdienst wird nächsten Sonntag bei schönem Wetter im Freien abgehalten werden, wobei die Feuerwehrkapelle das Orgelspiel ersetzen wird. t. Aus dem Busecker Tal, 10. Juni. In diesem Jahr hat in unserem Tal der Landmann außerordentlich günstiges Wetter zu r A u s - Pflanzung seiner Setz fr lichte. Die vergangene Woche und auch diese Woche brachten tqg- lief) Regen. Die Setzpflanzen, die den einen log umgepflanzt wurden, streckten schon am andern Tag die Köpfe hoch. Durch dieses Wetter begünstigt, ist denn auch das Setzen bereits beendet. Ein Nach- setzen wie in trockenen Jahren wird dem Landmynn in diesem Jahr erspart bleiben. Sollte sich bald beständiges Wetter einstellen, so wird sich an das Setzen die Heuernte anschließen. V Ruttershausen, 10. Juni. Zu einer längeren Verkehrsstockung tarn es gestern nachmittag gegen 4.30 Uhr auf der hiesigen Lahn- brücke. Ein Lastauto und ein mit Bructtteinen schwer beladenes Fuhrwerk begegneten sich auf der einspurigen Brücke, so daß keines an dem andern vorbei konnte. Weder der Fahrer des Autos, noch der Steinfuhrmann gab nach. Der wörtlichen Auseinandersetzung folgten Tätlichkeiten, die wohl zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt hätten, wenn nicht der Zufall den Gendarmeriewachtmeifter aus Lollar zu den beiden Streithähnen geführt häkte. Rasch waren jetzt die Schwierigkeiten behoben. Der Lastwagen mußte zurückfahren und vor der Brücke halten, so daß der Rosselenker, froh über seinen Sieg, weiterfahren konnte. Für die Zuschauer bei derartigen Vorkommnissen empfiehlt es sich, etwas mehr Zurückhaltung zu üben und nicht noch schürend die Tätlichkeiten zu verschlimmern. Ein paar beruhigende Worte auf beide streitende Parteien hätten diesen gordischen Knoten früher lösen können. Streik Friedberg. Z!" Bad-Rauheim, 10. Juni. Unsere Stadt stand heute im Zeichen der akademischen Jugend. Die Lan d e sun i v e r s itä t Gießen hatte einen Ausflug mit Sonderzüg nach hier unternommen. Dozenten, Beamte, Studenten, zusammen etwa 650 Personen, darunter auch viele Damen, weilten hier, um sich in den' „Was Jagen Sie als einem alten Wetterkenner! Das Gewitter kommt nicht vor Mitternacht, ich gehe jede Welle mit Ihnen ein, ich weiß doch Bescheid in der Gegend hier!" „Ich möchte trotzdem —" „Herr Rechtsanwalt — im Guten gesagt: Sie können einen Rheinländer nit tiefer beleidigen, als wenn Sie ihm abschlagen, ein Glas Wein mit ihm zu trinken!" „Sie erwarten doch noch einen Gast!" ,3a — Sandberg, den Architekten. Aber ich weiß man nit genau, ob er kommt. Also setzen Sie sich, Herr Rechtsanwalt. Prost!" „Setzen werde ich mich nicht, aber — um Sie nicht zu kränken: Prosit, t)err Esser!" In das Gläserklingen hinein meldete der Telephonapparat. „Ja? Hier Esser! — Tag. Herr Sandberg, was is los? Warum sind Sie denn noch nit hier? — Ach, machen Sie doch kein Gedöhnsl--Wo sind Sie jetzt? In Koblenz?--Ja, was machen Sie denn da?--Ach, Ihre fiesen Geschäfte! Die soll als der Deubel holen! — Na, andermal, ja? — Is recht. — Ich hab einen anderen Gast hier, der is mir lieber als Sie. — Wer das is? — Raten Sie mal." Er lachte dröhnend. Kramer winkte dem Dicken zu, zu schweigen, aber der ließ sich nicht aufhalten. „Der Rechtsanwalt Kramer!" rief er breit in den Apparat. „Ausgerechnet der Herr Rechtsanwalt Kramer aus Berlin! . . . Wat sagen Sie nun? — Grüßen soll ich . . . Ja, gern, wird gemacht!" Kramer drängte es heftig, wieder in die Nähe seines alten Freundes zu kommen. Unruhig trat er von einem Fuß auf den anderen. Der Weinhändler horchte geraume Zeit, dann sagte er: „Bries dreihundertoierzig? — Bestimmt, ja? Es is sehr norwendig — also sofort? Schön' Auf Wiedersehen! Ich soll grüßen, mein Freund, Prost!" „Sie werden wenig Freude an mir haben, Herr Esser. Mein Glas ist leer, und ich muß gehen." „Lieber Gott — diese Berliner!? ächzte der Weinhändler. „Aber wissen Sie wat — ich geh mit Ihnen!" Kramer fand nicht gleich eine Antwort, aber schon hatte Ester es sich anders überlegt. „Ach nee!" sagte er. „Der lange Heimweg nachher im Dunkeln . . . und womöglich im Regen. Ich bm jetzt auch viel zu müde, ich geh gleich schlafen. Sie — Rechtsanwalt —" er rückte ihm dicht auf den Leib und riß seine kleinen Augen weit auf: „Et is nit ganz geheuer da draußen um diese Zeit. Vor ein paar Tagen war der Hund die ganze Nacht wie närrisch am Bellen . . . und das Babellchen sagt, es hätte irgendwo geschossen . . ." Er grinste zu der Tür hinüber, hinter der das Mädchen ver- schwanden war. — Kramer verabschiedete sich und schrill durch das Dunkel slußwärts. Die Wolken deckten den ganzen Himmel zu, und er sah zeitweilig nicht die Hand vor den Augen. Immer noch war die Luft dick und dunstig, und das Laub hing schlaff und ohne Laut von den Bäumen. In der Ferne schlug eine Uhr: neunmal. In der Kölner Gegend ging ein schwaches Wetterleuchten durch die Wolken über den Horizont. Der Weg wurde immer schwieriger. Kramer gewahrte zu feinem Schrecken, daß er die elektrische Taschenlampe auf Essers Tisch hatte liegen lassen. Er tastete sich mühselig vorwärts. Auf einmal stand er in einem weiten Getreide- seid. Er war schon lange Zeit gelaufen und mußte sich zu seinem Schrecken eingestehen, daß er sich verirrt hatte. Es war zum Verzweifeln. Die Furcht, in seiner Abwesenheit könnte in der Billa Grete sich etwas zutragen, jagte ihm das Blut in die Schläfen. Er rannte blindlings ins Dunkel, durch Gesträuch und Felder und stolperte über Steine und Aeste. Der Weg schien ihm eine Ewigkeit zu dauern. Keuchend blieb er stehen, als er in weiter Ferne eine Autohupe hörte. Er blickte sich um und sand am Himmel seitlich einen grauen Schein. Das mußte Bonn fein. Er versuchte sich danach zu orientieren. Da tauchten irgendwo die Lichter des Autos auf. Sie schienen aus der Ferne direkt auf ihn her zu schießen. Schon hörte er das Rattern des Wagens. Die Lichter vergrößerten sich, schienen dann aber stehenzubleiben, er hörte, wir der Motor einige Schläge lang aussetzte. Das dauerte nur ein paar Augenblicke, bann lief das Auto weiter, scheinbar ihm entgegen. herrlichen Anlagen oder beim Konzert auf der Kurhausterrasse einige Stunden der Erholung zu gönnen. Wo man hinschaute, gaben die bunten Mühen der Studenten dem Kurleben ein farbenfrohes Gepräge. Nachmittags wurde während des Konzerts der Kaffee auf der Kurhausterrasse eingenommen, später sah man viele der Teilnehmer auf dem Johannisberg. Am Abend strahlten das Kurhaus und die Terrasse zu Ehren der Gäste im Lichte einer farbenprächtigen Illumination. Im Großen Hause vereinigte Tanz jung und alt vor dem Abschied noch zu einer frohen Stunde. Unsere Badestadt ist der Landesuniversität dankbar für diesen Besuch. pb. Butzbach, 10. Juni. Die Oberrealschule Butzbach, die am 12. und 13. Juni unter großer Beteiligung der Bevölkerung und vieler ehemaliger auswärtiger Angehöriger der Schule ihr SOjähriges Bestehen feiert, blickt auf eine lange, ereignisreiche Geschichte zurück. Bereits im Jahre 1540 wurde hier die erste höhere Schule gegründet, die weitbekannte Butzbacher Lateinschule. Sie hatte van 1604 bis 1643 unter Landgraf Philipp von Butzbach ihre Blütezeit, so baß später von 1689 ab öfters den Butzbacher Abiturienten das Recht erteilt wurde, ohne vorherigen Besuch eines Pädagogiums direkt die Universität zu beziehen. Von 1701 an ging die Lateinschule langsam zurück, und die deutsche Schule trat mehr in den Vordergrund unter Bevorzugung der realen Fächer. Das Latein blieb jedoch als fakultatives Fach bis in die Neuzeit erhalten. Im Jahre 1762 stiftete Rektor Clermont 1000 Gulden, deren Zinsen als Latein-Prämien verwendet werden müssen. Später wirkte der bekannte Rektor W e i d i g an der damals so genannten „Erweiterten Volksschule", und 1876 wurde bann die Höhere Bürgerschule gegründet, die 1891 in eine Realschule und 1926 in eine Ober- r e a l s ch u l e umgewandelt worden ist. tz Münzenberg, 10. Juni. Linser Städt- 'chcn rüstet sich zum würdigen Empfang der Turnerjugend des Mittelrheinkreises der Deutschen Turnerschaft, die unabhängig von der von anderen Ver«- bänden bereits angesagten Svmienwendfeier am 19. und 20. 3uni hier ihre diesjährige 3o hannisfeier veranstalten wird. Der Gau Hessen, dem unser Turnverein angehört, und der hiesige Turnverein haben die Borbereitungen in die Hand genommen. Die hiesige Bürgerschaft wird möglichst allen Teilnehmern Freiquartiere einräumen. Bon Butzbach trifft am Samstagabend ein Sonderzug hier an, der auch den zahlreichen Frankfurter Besuchern An- schluhmöglichkeit bietet. Auf der Burg wird am Samstagabend das Sonnenwendfeuer abgebrannt. Am Sonntagmittag wird in Arnsburg die 3ohannisfeierstunde abgehalten und im Anschluß daran eine Führersitzung. Durch das herrliche Gottesackertal führt dann ein S Umgang auf die Hardt bei L i ch, wo ein frohes Treiben 3ung-Mittelrheins die Tagung beschließen wird. y. Aus der mittleren Wetterau, 10. Juni. Infolge der feuchten Witterung haben sich in den letzten Tagen die Futterpflanzen und die Halmfrüchte, besonders das Sommergetreide und das Korn, äußerst gut entwickelt. Auch der Weizen hat sich vielfach von den Schäden des Rostbrandes erholt, und Früh-, sowie Spätkartoffeln lassen in ihrem jetzigen Stand auf eine gute Ernte hoffen. Während die Birnen weniger unter den Nachtfrösten gelitten haben, zeigen die Apfelbäume geringeren Behang. Die Bee- re n ft räuber liefern im allgemeinen eine mittlere Ernte. 1 Kreis Büdingen. F —Berstadt, 10. Juni. Eine Bezirks- p s erde schau fand gestern für den hiesigen Bezirk ''statt. Dabei wurden Stuten mit den im laufenden Jahre gefallenen Fohlen, mehreren Fohlen und zwei- und dreijährigen Fohlen prämiiert. Preisrichter waren Oekonomierat Breidenbach (Dorheim), Oekonomierat Alias (Nieder-Florstadt) und Ober- landstallmeister S ch ö r k e (Darmstadt). Ergebnis der Preisbewertung: A. Belgier: 1. Klasse S.tuten: 2. Preise Joh. Völbel II. (Berstadt), Gg. Fr. Müller (Bellersheim), 3. Preis Aug. Wolf IV. (Berstadt), 4. Preise Wilhelm Sonntag (Inheiden), Hugo Schmidt (Berstadt). 2. Klasse, 3jährige Fohlen: 2. Preis Richard Becker (Trais-Horloff). 3. Klasse, 2jährige Fohlen: 2. Preis Karl- Rau (Berstadt), 3. Preis Rudolf Hinkel (Berstadt). B. Oldenburger (Warmblut), Wagenschlag: 1. K l a s s e, S t u t e n : 2. und 4. Preis Ferdinand Bopp (Bellersheim), 4. Preis Joh. Rau IV. (Berstadt). 2. Klasse, 3jährige Fohlen: Otto Muhl (Wohnbach). 3. Klasse, 2jährige Fohlen: Hermann Kammer (Bellersheim). Der Bewertungsausschuß sprach seine volle Zufriedenheit aus über den Stand der Pferdezucht und über die züchterischen Leistungen der Pferdezüchter im Bezirk Berstadt. Aus dem Niddatal, 10. 3uni. Mit nur geringen Ausnahmen sind die Weizenfelder mehr oder weniger stark vom Rostpilze befallen, eine Erscheinung, die in den letzten 3ahrzehnten kaum zu beobachten war. Die Landwirte führen diese Krankheit auf das trockene Frühjahr zurück und fürchten eine Benachteiligung der Fruchtentwicklung. Der Roggen ist vorzüglich geraten und steht jetzt in voller Blüte. Die Halme erreichen eine Höhe, wie sie nur in besten Fruchtjahren zu beobachten ist. Auch G e r st e und Hafer sind gut entwickelt und viel versprechend. Der Hederich, das Schmerzenskind der Wetterau, tritt hier nur sehr vereinzelt auf. Ein verderbliches Llm- sichgreifen des Schädlings kann nicht beobachtet werden. Kreis Schotten. -r- Schotten, 10. 3unt Während die Maul- und Klauenseuche in Hartmannshain im Abflauen begriffen ist, sind jetzt durch einen Ferkeltransport drei weitere Orte im Norden des Kreises verseucht worden: Köddingen, Meiches und Helpershain. Lim sich und andere vor Schaden zu bewahren, möge jeder Landwirt den von auswärts eingeführten Ferkeln gegenüber die größte Vorsicht walten lassen. Kreis Alsfeld. -er. Homberg a. b. Ohm, 10. Juni. Der sog. „Warme Markt" fanb am gestrigen Mittwoch tatt. Noch nie war er so stark besucht, wie in bie- em Jahre. Diese Erscheinung erklärte sich aus bem päten Termin bes Alsfelber Prämienmarktes. Ganze Wagenreihen, einige von weither kommenb, nahmen auf bem Marktplatz Aufstellung. Aufgetrieben waren 505 Ferkel, bereu Besichtigung geraume Zeit währte. Die Preise, bie anfangs für 8 bis 10 Wochen alte Ferkel 60 bis 65 Mk. pro Kopf betrugen, für einzelne, stärkere Tiere mitunter noch höher waren, sanken im Laufe bes Marktes wesentlich. Jüngere Tiere kosteten etwa 48 bis 52 Mk. pro Kopf. Auch bereu Preis sank gegen Eube bes Marktes. Mancher Laubwirt erzielte nicht ben anfangs erwarteten Preis, setzte aber dennoch ab, um seine Tiere nicht wieber mitnehmen zu müssen. Trotzbem blieb ziemlicher Ueberftanb. Starkenburg. WSN. Erbach t O.. 10. 3uni. Der seit langen 3ahreu hier als Archivvorstaud und Kustos der Sammlungen im Gräflich Erbach'scheu Schloß tätige Archivrat Karl Morneweg, geboren in Groh-Bieberau, der sich auch al$ Schriftsteller einen Namen gemacht und um die Geschichte des Odeuwaldes Verdienste erworben hat, konnte gestern seinen 7 0. Geburtstag begehen, bei welcher Gelegenheit ihm zahlreiche Glückwüusch dargebracht wurden. Preußen. Kreis Marburg. sch. Marburg, 10. Juni. In der jüngsten Sitzung ber Stabtverorbneten würben u. a. für eine bauliche Erweiterung der Ortskrankenkasse, beren Mitglieberzahl sich inzwischen auf 7000 erhöht hat, 5000 Mk. aus Anleihemitteln bewilligt, besgleichen 17 000 Mk. für bie Erweiterung bes stäbtischen Bauhofes unb 15000 Mark für ben Neubau einer Kraftpostwagen- Halle in ber Biegenstraße. Den Vorschlag bes Magistrats, zur Deckung ber außerorbenllichen Ausgaben von ber Deutschen Girozentrale Frankfurt a. M. ein vorübergehenbes Darlehen bis zu 750 000 Mk., bei einem Zinsfuß von 9$ Prozent, aufzunehmeu, würbe zugestimmt. — Runb 15000 Mk. Gemeinbezuschläge zur Grunbvermögenssteuer, bie von Personen, bie sich in wirtschaftlicher Notlage befinben, nicht aufgebracht werden konnten, wurden niedergeschlagen. — Schließlich wurden noch wichtige Beschlüsse gefaßt, um die Bautätigkeit anzuregen. Die durch die Verordnung des preußischen Staatsrninisteriuins angeordnete Steueroergünsti- gung für Wohnungsbauten hinsichtlich der staatlichen Grundverrnögenssteuer wurde auch auf die Gemeindezuschläge zur Grundvermögenssteuer ausgedehnt, mit der Beschränkung daß das Grundstück in der Zeit, für welche die Vergünstigung gewährt wird, im Eigentum des Bauherrn oder feiner Angehörigen verblieben ist. Ferner sollen für Neubauten aus Anleihemitteln Zusatzhypotheken, und zwar an zweiter Stelle jn Höhe von 50 Proz. der gesamten Baukosten gewährt werden. Die Verzinsung dieser Zusatzhypotheken soll 9) Proz. jährlich, die Tilgung 2 Proz. ab 1. April 1928 betragen; außerdem soll als vorschußweise Zahlung der Hauszinssteuerdarlehen den Baulusti- gen aus Mitteln der Inlandanleihe Kredit zum Zinssätze von 9£ Proz. gewährt werden. Die- ser wird nach Eingehen der Hauszinssteuer ab- gedeckt. Wirtschaft. * D i e amtliche Großhandels- Indexziffer. Die auf den Stichtag des 9. Juni berechnete Grobhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem 2. Juni bei im einzelnen nur geringen Preisschwankungen mit 123,7 unverändert geblieben. Die Agrarerzeugnisse liegen wieder auf 123,6 und die Jndustriestoffe auf 123,8. * Ll eberzeichnun g der Reichsbahn - Vorzugsaktien - Zertifikate. Infolge des überaus großen Eingangs von Zeichnungen auf die Zertifikate der Reichsbank über Vorzugsaktien Serie IV der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft hat die Konsortialleitung die Zeichnung mit Ablauf des gestrigen ersten Zeichnungstages geschlossen. Bekanntlich beläuft sich die neue Tranche der Reichsbahn-Vorzugsaktien auf 150 Mill. Mark, von denen 50 Mill. Mark von der Reichspost sowie der Reichsfinanzverwaltung übernommen, während 100 Mitt. Mark zur freien Zeichnung aufgelegt worden sind. • Zinsermähigung für e Personalkredite der Deutschen Rentenbank und der Deutschen Rentenbank-Kre- ditanstalt. Wie dem DHD. mitgeteilt wird, haben im Anschluß an die Herabsetzung des Reichsbanksatzes die Deutsche Rentenbank, und die Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt (Landwirtschaftliche Zentralbank) beschlossen, die Zinsen für die von ihr ausgegebenen Personalkredite gleichfalls auf 6l/2 Prozent für die bevorzugten Institute, die mehrere Zwischenstetten haben, auf 6 bzw. 5X]2 Prozent (Genossenschaften) herabzusetzen. Die Zinsermäßigung tritt gegenüber den Kreditinstituten mit Wirkung vom 7. Juni ab in Kraft. * Zur Einstellung der deutschen Reparationskohlelieferungen nach Belgien. Der Entschluß der belgischen Regierung, ab 1. September keine deutsche Repara- tionskohle mehr zu beziehen, wird dahin ergänzt, daß nach diesem Datum wieder Einfuhrlizenzen in beliebiger Höhe für deutsche Kohle an Privatverbraucher ausgestellt werden sotten. Der Wert der so importierten Kohle wird über das Reparationskonto an die belgische Regierung überführt werden. Die belgische Regierung verzichtet auf den offiziellen Bezug von Repara- tionskohle, weil sie diese billiger an die Industrie abgeben muhte, als sie ihr angerechnet wurde. Die der Industrie so gewährte Exportprämie beläuft sich auf 40 Franken je Tonne. Llebrigens fiel im dritten Dawesjahr die belgische Reparationsquote von 8 auf 41/- Prozent, so daß bei weiterem Kohlenbezug für andere Sachleistungen nicht viel Spielraum geblieben wäre. Monatlich bezog Belgien bisher etwa 275 000 Tonnen Kohle. Frankfurter Börfe. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt. 11. Juni. Tendenz: Schwächer. — Während vorbörslich die Stimmung zuversichtlich blieb, machte sich bei Beginn des amtlichen Verkehrs eine ausgesprochene Abgabeneigung geltend, die fast das gesamte Kursniveau in rückläufigeBewegung brachte. Die Spekulation sah sich infolge der Zuspitzung der innerpolitischen Verhältnisse, wie sie in der gestrigen Reichstagssihung anläßlich der Fürstenabfindungsfrage zum Ausdruck kamen, zu starker Zurückhaltung veranlaßt. Infolgedessen war das Geschäft lustlos und die Llmsahtätigkeit hielt sich in engen Grenzen. Die Verstimmung die sich bereits gestern auf dem Farben- markte bemerkbar machte, wirkte sich heute infolge der enttäuschten Hoffnungen stärker aus. I. G.-Farben-Jndusttie waren um nicht weniger als 3,5 Proz. gedrückt, während die anderen Chemiewerte nur geringe Veränderungen aufzuweisen hatten. Scheideanstalt konnten sogar ihren Kurs um 1,25 Proz. aufbessern. Montanaktien lagen stark nachgebend, besonders Rheinstahl und Mannesmann hatten Verluste von 2 bis 3 Proz. Deutsch-Lux minus 1, Gelsenkirchen minus 1,5, dagegen Buderus plus 1,2 Proz. Elektrowerte waren gleichfalls stark gedrückt. Siemens & Halske minus 3 Proz. Der Dankenmarkt zeigte bei ruhigem Geschäft gehaltene Kurse, vereinzelt stellten sich Abbröckelungen ein. Schiffahrtsaktien waren fast ohne Geschäft, die Kurse neigten nach unten. Ziemlich fest lagen Mvtorenwerte. Kleher plus 1 Proz., Daimler plus 0,8 Proz. Deutsche Erdöl waren stärker begehrt und hatten einen Gewinn von 1,25 Proz. aufzuweisen. Deutsche Anleihen lagen lustlos. Aus - ländis che Renten ftill und kaum verändert. Im Freiverkehr waren wesentliche Veränderungen nicht zu verzeichnen. Becker Stahl 26, Brown Boveri 87,5, Entreprise 8, Growag 58,5, Hansabank 95, -Ufa 47, Llfra 76 Prozent. Im weiteren Verlaufe kam für I. G. Farbenindustrie wieder eine freundlichere Tendenz zum Durchbruch, wodurch das Papier sich um 1 Prozent erholen konnte. Sonst blieb die Kursgestaltung uneinheitlich und das Geschäft weiter zurückhaltend und lustlos. Am Geldmarkt hat das Angebot eine Steigerung erfahren, zumal Nachfrage kaum vorhanden ist. Tagesgeld wurde unter 4 Prozent angeboten. Monatsgeld 4,75 bis 6 Prozent je Adresse. Bankdiskonten 4,37 bis 4,5 Prozent. Jndustrieakzepte 5 Prozent. Im De - Visenverkehr blieb 'ne Lage der westlichen Frankenvaluten unsicher, und die Kurse gaben nach. Paris gegen London 165,75, Brüssel gegen London 163,—. Mailand lag gegen London ebenfalls schwach mit 134.50. Mark und Pfund sind unverändert. fBötf entarte. (Ohne Gewähr.) 0.4125 0,410 0,44 95 109 135,5' ! 135,5* 131 131' 7,2 135' 197* 193,5' 197* 81 80,25 88,15 89 35 37,75 121 137 0,385 0,39 89,9' 119,5* 67.5 73,75 97,5 67,25 123 120,2 69 31 114,7* 73.75 57,5* 116- 119,9’ 128,7* 131.6- 138,5 137.9 135' 137,7- 135,7- 73 58* 114* 118* 131* 110 109* 7,1 137.4 58 109,9* 6,8 54* 90* 118,5- 114,62 196* 79,5 112' 154,2- 62 65 12,55 50,75 59 68.5 13,25 51 160,7* 109* 141’ 135* 1121,5* |119,1* (110,9- 1151,5* 63,25 65,5 128* 135 37 54* 89’ 120,5* 117 0.355 97 121,7* 118 12,5 i 51 I 84 ! 131,5* I 110 109* I 6,8 I 152' 64 65 123,2* 119 96.5 112,5* 155* 61,75 64,25 0,405 0,3825 0,38 58,1 I 87 88 134 I 134,75 89* 131 116,85 63 । 139,5* : 135* | 52,11 98 68 i 1159,7' | 109' 141,2' 134,5' 35 120,75 70 | 29 3 136 , 58.5 68 Rtebcck Montan . . Tellns Bergbau. ...... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddemscher Llovd . ... Cheramtsche Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . Philipp Holzmann ..... Anglo-Coni.-Guano..... Chemische Mayer Alapin . . 9- G- Farbenindustric, A.-G- Goldschmidt . . ....... Holzverkohlung........ Rütgerswerke Scheideanstalt Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mainkrastwerke ..... Schultert Si-menS & Halske...... Adlerwerkc Kleyer ..... Daimler Motoren. ...... Heyligenftaedt...... Megutn...... ..... Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . Metallgesell'chaft Frankfurt. Pet. Union A.-G Schuhfabrik Herz • • . . . Sichel . Zellstoff Waldhof Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel 160 | 109* 142,5* ( 141,5' 5% Deutsche ReichSanKthe . 4% Deutsche ReichSanlethe . 8V*% Deutsche Reich? anleihe 3% Deutsche Reichsanleihe . Deutsche Sparprännenanlethe 4% Preußische Ko nsals - . . 4°/0 Hessen ..... . 3*/i% Hellen.......... 3% Hellen Deutsche Wertb. Dollar-Anl. bfo- Doll-Schah-Anweisog.*) 4% Zolltürken 5% Toldmertkaner .... Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- and Privat-Bank Darmst. und Ratioualbank . Deutsche Bank......... Deutsche BereinSbank . . . . Disconw Commandit . . . Metallbank....... . . . Mitteldeutsche Creditbank. . Oesterreichische Creditanstalt. Westbank ........... Bochumer Guß ..... BuderuS....... • • . • Caro ......... . . Deutsch-Luxemburg ..... Gelsenkirchener Bergwerke. . Sarpencr Bergbau...... aliwerke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln. . . . . Laurahüttr......... Oberbedarf . . .. Phönix Bergbau ....... 0.41 0,385 0,385 0,435 0,245 0,3775 65 ! 113,5* 73 72,25 57 I 113.7* 115* 118.5* 119,2' 128.7* । 129,5* 129.5* | - 135 131,25 36,75 Frankfurt a.M. Berlin Sd)lu j»i l.Uhr. Kurs Kurs Schluß-«Anfang Kurs f ftarc Datum: 10. 6. 1t. 6. 10. 6 | 11. 6. Berliner Börse. Berlin, 11. Juni. Die freundliche, Grundtendenz der gestrigen Nachbörse übertrug sich auch auf den heutigen Beginn. Am M o n t a n m ar f t, wo zahlreiche Orders aus der Provinz, besonders aus dem Rheinlande, Vorlagen, waren gegenüber den gestrigen Kursen leichte Besserungen zu verzeichnen. Anfängliche Gewinn-Realisationen führten zu einer Fortsetzung der gestern eingetretenen A b - schwächung für I.G. Farbenindustrie, infolgedessen auch Rheinstahl von ihrem ursprünglichen Gewinn einiges hergeben mußten. Schiffahrtswerte lagen nach wie vor still. Am Elektromarkte waren größere Po - s i ti o n s l ö s u n g e n zu beobachten, die zu einem Nachgeben der Kurse führten. Leicht abgeschwächt waren auch Bankaktien. Reges Interesse bestand für S p r e n g st o f f a k t i e n, die nicht nur ihren gestrigen Gewinn behaupten konnten, sondern weitere Avancen erzielten. Lin- bestätigte Gerüchte behaupten, dah der Farbenkonzern sich jetzt lebhaft für diese Werte interessiere. Heimische Anleihen lagen durchweg schwächer. Der Qlu dl andre nl eTrm a r 11 blieb ohne Bewegung. Am Geldmarkt hält die Flüssigkeit unverändert an. Im e bi f e n - verkehr hatten lateinische Valuten erneut eine starke Abschwächung zu verzeichnen. Die Pariser Pfundparität stieg auf 166 bis 167. Brüssel gegen London senkte sich auf 164,50 bis 164,75. Mailand gegen London mit 135,50 ebenfalls stark abgeschwächt. Madrid war dagegen befestigt. Mark und Pfund liegen unverändert. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Banknoten. Berlin, 10 Juni Geld Briet Amerikanische Note» ..... 4,187 4,207 Belgische Noten ..... . 12,55 12,61 Dänische Jtolen ....... 110,92 111,48 Englische Noten........ 20,38 20,48 Fran;ösische Noten ...... 12,69 12,75 Holländische Noten ...... 168,18 169,04 Italienische Noten ...... 15,63 15,71 Norwegische Noten...... 93,06 93,52 Deutsch-Oesterr., ä 100 Kronen 59,40 59,70 Rumänische Noten...... 1,78 1,82 Schwedische Noten...... 112,02 112,56 Schweizer Noten...... 81,27 81,67 Spanische Noten ....... 64,04 64,36 Tschechoslowakische Noten . . 12,387 12,447 Ungarische Noten....... 5,83 5,87 o-rankfurter Getreidebörse. Frankfurt, 11. Juni. Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 30,50 bis 31, Roggen (inl.) 20,75 bis 21,25, Sommergerste (für Brauzwecke) 22 bis 24, Hafer (inländ.) 21 bis 23, Mais (gelb) 17,50 bis 17,75, Weizenmehl (inländisches, Spezial 0) 42,50 bis 43, Rvggen- metjl 28,75 bis 29,50, Weizenkleie 9,25, Rvggen- kleie 11. — Tendenz: Stetig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 10. Juni. Die Tendenz im Berliner Produktenhandel gestaltete sich heute bei ganz minimalen Llmsähen für Weizen fester, für Roggen nicht einheitlich. Die inländischen Getreidebestände aus letzter Ernte sind schon stark zusammengeschmolzen, und was noch gehandelt werden kann erfordert höhere Preisbewilligung. Das Kursniveau für effektiven Weizen lag etwa 1 Mk. fester, und zwar in Liebereinstimmung mit erhöhten argentinischen und kanadischen Forderungen und dann auch infolge vermehrter Deckungen seitens der inländischen Mühlen. Gerste in Futtermittel ist begehrt und fest. Auch Hafer in besten Sorten höher bezahlt. Mehl ruhig; Futtermtttel ohne besondere Bewegung. September-Weizen besserte sich um 2 Mk., Juli dagegen nur um 1 Mk. Aehnliche Stimmung verbreitete sich für Roggen. Auch hier lag September 1 Mk. über Vortags- schluh, während andere Termine schwächer eröffneten. Es notierten (pro 1000 Kilogramm): Roggen (märk.) 177 bis 182 Mk., Sommergerste 187 bis 200, Gerste (inländ.) 173 bis 186, Hafer (märt.) 195 bis 206,(pro 100 Kilogramm): Weizenmehl 37,25 bis 39,50, Roggenmehl 25,25 bis 26,75, Weizenkleie 9,75, Roggenkleie 11,30 bis 11,40, Diktoriaerbsen 36 bis 46, kleine Speiseerbsen 27 bis 33, Futtererbsen 22 bis 27, Peluschken 22,50 bis 27,50, Ackerbohnen 23 bis 26, Wicken 32 bis 35, Lupinen (blau) 13,50 bis 15,50, Lupinen (gelb) 17,50 bis 19,50, Rapskuchen 13,70 bis 13,90, Leinkuchen 17,60 bis 17,80, Trockenschnihel 9,90 bis 10,30, Sohaschrot 19,50 bis 19,80, Kartoffelflocken 20,30 bis 20,60. Büchertisch. — Mereschkowski, der zeitgenössische Vertreter des historischen Romans in Rußland hat seiner grohangelegten Romanreihe „Der Antichrist", deren erster Band „Julian Äpostata" den Verfasser schnell berühmt gemacht hat, einen Roman „Alexander I." folgen lassen, der neben der glänzenden Schilderung des Romantikers auf dem Zarenthron ein breit aus geführtes Kultur- und Sittengemälde des Rußlands zu Beginn des vorigen Jahrhunderts ist. Fast verwirrende Einzelheiten aus der Geschichte jener Tage schließen sich in der glücklichen Komposition des Dichters zu einem eindrucksvollen Gesamtbild einer der interessantesten Epochen russischer Geschichte. Das umfangreiche Werk ist vom Verlag R. Piper & Co. in München mit Bildermaterial nach zeitgenössischen Vorlagen verschwenderisch ausgestattet. 17 Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Isr. ReNgionsgemeinde. ®otte5b.d. Synagoge (Südanlage). Samstag, den 12. Juni 1926. Dorabd. 7.45, morgens 8.30, Predigt, abends 8.55 u. 9.35. Gottesdienst der isr. Neligionsgesellschaft. Sabbatfeier, den 12. Juni 1926. Freitag abds. 7.45, Samstag üorm. 8.00, Predigt, nachm. 4.30, Sabbat- ausg. 9.35. Wochengottesdienst: morg. 6.30, abds 7.15. Verantwortlich für Politik i. 33. Dr. Hans Thyriot. x- Gummimäntel - ' für Damen, Herren von 14.50 an in allen Farben, 16.50, LlNZUgk 25.—, 48.—, 60.— Kleiber und Mäntel I = wasche ----- Auf Wunsch Teilzahlung. I Hm ann Kavlansgasse 18 L J unidllll, eine Treppe^ Wem täglich frisch ein« treffend, empfiehlt billigst 49950 W. Hankel 7 Neuen Säue 7 Telephon 612. » J.1 war. 2), Stiften •E-S.? Zrrs rO- Hälfte Sugegen getzM entschM in ÄS? Mte fo S* «folgt ?! $o »vn btr si Ll« Met [ %rja[i , Mm - SlW hi. 7 Nach LWs ,zs W schrin-n-'L ÄW zur Fürst w Ml-»""' Juni, SÄ* to .*» “ ™ Zamcken WS" xk°LL- ° 'VlS LkL-u- “ÄZ mnns und der Vemc wn der WehrheU a Mstimmung d« ita W *“ LrS vMlicyen stritten von den Ter Antrages. Twhdeni Unklarheit über bi »über das, ' irkungen, tiid twffenen, die 31"1' Gesamtheit unseres tuellen Folgen in Äinstcht, falls die der kommunistisch steiler ausfallen so fach die Begriffe entschvd", was ai lich ist - ist es Verfassung das er Doll in feinen fii in die Lage Vers sonst durch feine T unmittelbar Einflu Verabschiedung eii seiner innersten Lei entweder durch Del oder durch geatblei zu verleihen. Jäher trotz aller schon erfvl mmal das Wesen- Itar-usteüen. Jer übliche D der packmenttrisch Von der Reichsregi^ Neichsrat und mit Reichstag eingebn verabschiedet, tum und im Reic^esl sonderen Wen al Einbringung eines < erhebt diese Forde Die erforderl Msten für den § der Gesamtzahl all die Mhlerzahl der Wwe gelegt wird. Nen die vom 4. 12,5 Miliione 7 ^geschriebene