Nr. 55 Erster Blatt l?6. Jahrgang Donnerstag, Februar 1926 GießenerNMger General-Anzeiger für Oberhessen Postscheckkonto: ^ranksnriamMainH686. vrud uno Verlag: vrühl'jche Univerfilätrvuch- und Sleindruckerei «.Lange in Gieße». öchriftleitung und Geschäftsstelle: SchuNtrahe 7. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Vezugrprelr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Der« lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameonzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorfchrift 20 °/0 mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot: für den übrigen Teil Ernst Blnmschein: für den An« zeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gieße». Eine zweite Rede Mussolinis. Rom, 10. Febr. tAgenzia Stesani.) Unter größter Aufmerksamkeit des Hauses hielt heute urt dichtbesehten Senat der italienische Ministerpräsident Mussolini, von stürmischem Beifall bcgrüfjt, folgende Rede: Die lange Rede des deutschen Außenministers Dr. S t r e s e - m a n n macht eine sofortige Antwort iwtwendig. die klar und genau sein wird, wie die Rede, die ich am vergangenen Samstag in der Kummer gehalten habe. Diese Rede war nicht inrprovi-- iiert, sondern während zweier Monate einer erbärmlichen antiitalienischen Hetze mit Geduld, ich wiederhole mit Geduld, überlegt. Die Tatsache, baß Reichsminister Dr. Stresemann meine Rede anders aus legen konnte, beweist wieder einmal, daß Stresemann und viele andere Deutschen mit ihm ganz und gar nicht von den tiefgehenden geistigen Umwälzungen wissen, die sich in dem zeitgenössischen Bewußtsein- vollzogen haben. Aber das sind nur Einzelheiten der Debatte. Wenige Reden haben in der italienischen Seele und in der öffentlichen Meinung Europas so rasche urrd so starke Rückwir- hingen gehabt, wie meine Rede. Das beweist, daß sie zur Klärung der Lage notwendig war, die sich immer mehr trübte und die zu Ereignissen von außerordentlicher Schwere hätte führen können. Diese Klärung ist einge treten. Der Gegensatz ist geschichtlich klar. ES handelt sich um den Gegensatz zwischen bollem italienischen Recht und dem unsinnigen deut" scheu Anspruch. Ich brauche kaum zu er- Hären, daß ich dem Geiste und dem Buchstaben nach meine letzte Rede bestätige, einschließlich der Anspielung am Ende auf die Trikolore am Brenner, welche Anspielung Stresemann nach seinem Belieben auslegen kann, die aber die Italiener in dem Sinne auslegen, daß Italien niemals die Verletzung der Friedensverträge dulden wird, die seine um blutigen und sehr harten Preis eroberten Grenzen garantieren. Stresemann fal übrigens mit seiner Rede nichts anderes, als alle wesentlichen Punkte meiner Rede zu betätigen. Hat er etwa meine Angabe dementiert, daß Italien in der Nachkriegszeit gegenüber Deutschland eine gemäßigte Politik verfolgte? Rein, denn er konnte daS nicht! Hat er die Kampagne der deutschen Presse dementiert, die während mehrerer Monate die Grenzen des elementarsten Anstandes überschritt, indem sie antiitalienische Lügen verbreitete und Einrichtungen und Gefühle verletzte, die den Italienern die teuersten sind? Rein, denn diese Pressekampagne war organisiert und wurde selbst in Regierungsblättern ausgenommen und sogar in der „Täglichen Rundschau", die mit Recht als das offiziöse Organ des deutschen Außenministers betrachtet wird! Hat Stresemann die Kampagne dementiert, die darauf gerichtet ist, den Boykott der italienischen Waren und des Reiseverkehrs in Italien herbeizuführen? Rein, denn diese Kampagne ist unternommen worden! Sie dauert an und wird schärfer, wie aus den Rachrichten hervorgeht, die ich gerade heute vormittag erhalten habe. Stresemann wollte die Bedeutung dieser Kampagne herabmindern, indem er sie als das Werk kleiner Gruppen von unverantwortlichen Leuten erscheinen ließ. Weih denn Stresemann nicht, daß diese Propa- gairda für einen Boykott gegen Italien i n Bayern in den Universitäten, in den Postämtern, auf den öffentlichen Märtten und auf den Eisenbahn betrieben wurde. Weiß denn Stresemann nicht, daß zu dem Ueberwachungsausschuß für die Durchsicht rung dieses antiitalienischen Treibens ein liberaler Abgeordneter, ein Schulinspektor, zwei Anidersitätsprofessoren und ein ehemaliger Iststizmlnister gehören? Weih er denn nicht, daß am 29. Januar einige Abgeordnete der Deutschen Dolköpartei im Preußischen Landtag den Antrag einbrachten, die privaten italienischen Schulen in Preußen zu schließen? Dr. Stresemann ging mit feinem Wort auf jeden Teil meiner Rede ein, in dem ich auf die unsinnigen Pläne hinwies, mit denen die Führer des Pangermanismus im Juni 1918 liebäugelten, als sie sich in einer falschen Sie» gesgewihheit in Vipiteno im oberen Etschtal versammelten uni> als deutsche Grenze nicht etwa das Gebiet von Salum forderten, sondern die sieben Gemeinden, Desenzano, Peschiera und die Berone^r Klause in der Absicht verlangten, dieses Gebiet zu entnationalisieren. In genauer Kenntnis d^r Tatsachen behaupte ich, daß man m toeitcn Schichten der deutschen Bevölkerung nicht endgültig auf diese verrückten Träume verzichtete, selbst wenn die deutsche Regie» rung sich beute auf einfache Forderungen kultureller Art beschränkt, die übrigens mH,, der vollen Ausübung der c t a l i e n t s ch e n Souveränität unver- traglich sind. Auch sagt Stresemann kein einziges Wort auf meine Feststellung, daß, während Millionen Deutscher von anderen Staaten annektiert worden sind, einzig und allein für das obere Etschtal künstlich eine Agitation betrieben wird, die auf notorischen Lügen aufgebaut ist. Stimmte die Verordnung derPragerRegierung nicht aus den allerletzten Tagen, durch die den Staatsangehörigen der tschechoslowakischen Republik einschließlich der 3,5 Millionen Deutscher der obligatorische Gebrauch der tschechischen Sprache in allen staatlichen Verwaltungszweiaen auferlegt wird? Die geschichtlichen Vorgänge, z. B. die Botschaft des Generals Glraldi und die Kron- rede werden zu einer Stühe der italienischen These, in dem Sinne, daß in Wirklichkeit sich die absolute und bollkommene Anwirksamkeit einer Politik übermäßiger Langmut gezeigt hat, die die Deutschen immer dazu verleitete, sie als ein Zeichen der Schwäche auszulegen. Selbst die faszistische Regierung hat in den ersten drei Jahren ungefähr die gleiche duldsame politische Haltung eingenommen. Sie war aber zu einer kräftigen Aenderung dieser Haltung bereit, als es gegen Frühjahr 1925 die gewaltigen Gefahren sah, in die daS italienische Dolk in mehr oder weniger naher Zukunft geraten könnte. Es folgt sodann eine Behauptung der Rede Stresernanns, die i$ in der formellsten Weise dementieren muß, nämlich die Behauptung, wonach die italienische Regierung in irgendeiner Weise und zu irgendwelcher Zeit einen Ergänzung s p a k t für d i e Sicherheit der Brennergrenze angestrebt hätte. Ich behaupte dagegen, daß die italienische Regierung jede positive Anregung in dieser Angelegenheit vor und wahrend der Konferenz von Locarno nicht nur nicht hervorrief, sondern sorgsam ablehnte, da sie der Lieberzeugung war, daß unter den gegenwärtigen .Umständen die moralische und materielle Kraft der Verträge des italienischen Volkes die stärkste Garantie für die Drenner- grenze darstellt. Der deutsche Außenminister hot sich darüber beklagt, daß ich dem Botschafter von Neurath gegenüber erklärt hätte, die italienische Negierung würde auf einen Boykott durch einen Gegen- boykoit geantwortet haben. Was will man denn? Will man, daß Italien den Boykott seiner Waren duldet und die deutschen Waren frei einführen läfeP Dr. Stresemann erhob Einspruch gegen das, was ich bezüglich der deutschen Touristen gesagt habe. Ich bestätige erneut, daß wir ein gastfreundlick-es Volk sind und bleiben werden, aber wir dulden nicht, daß die Gäste überheblich herrische Mienen zur Schau tragen und uns ihr Geld ins Gesicht werfen, als ob Italien keine andere Lrwerbsmöglichkeit besähe. Zahlreiche Deutsche kennen vielleicht nicht das Italien der Aecker, der Werkstätten und der Werften, das Italien, das sehr gut leben könnte, selbst wenn künftig kein einziger Deutscher mehr über die Alpen kommen würde. Ich habe das Denkmal und die Erinnerung an Walther von der Vogelweide respektiert, aber ich habe es als grotesk empfunden, daß man ihm Dante gegenüberstellen will. Ich verleugne nicht, was ich 1920 über die Möglichkeiten Deutschlands geschrieben habe, aber das Italien, das ich in einem Regime vertrete, welches nicht eine Episode, sondern eine Epoche darstellt, scheut sich nicht vor der Vormundschaft ober Anmaßung, von wem es auch sei, und kennt keine Freundschaften, die nicht auf vollkommener politischer und moralischer Gleichberechtigung beruhen. Ich habe kaum nötig, zu wiederholen, daß unsere Politik im oberen Etschtal, eine Politik, die ich als Politik der „römischen Gerechtigkeit" bezeichnet habe, in diesen Gebieten fortgesetzt werden wird, die man mit viel Keckheit in die Kreise deutscher Kulturgemeinschaft einbeziehen will, während für uns das obere Etschtal in die politische, geschichtliche, geographische, wirtschaftliche, moralische und italienische K u l t u r g e m e i n s ch a f t gehört. Stresemann hat versprosten, daß Deutschland seine Haltung gegenüber den fremden Minderheiten innerhalb der Re^chs- grenzen ändern wird. Ich nehme davon für die Zukunft Kenntnis. Aber für die Gegenwart ist es Wahrheit, daß die Deutschen keine Schulen mit polnischer Sprache in den Gebieten dulden, wo polnische Minderheiten leben und ebensowenig in Gebietern wo dänische Minderheiten vorhanden sind. Es ist eine Rachricht aus der allerjüngsten Zeit, wonach verschiedene dänische Verbände in Schleswig an den preußischen Ministerpräsidenten eine Denkschrift gerichtet haben sollen, mit der sie aufforbem, in Betracht zu ziehen, daß die dänische Bevölkerung in Schleswig seit sechs Jahren darauf wartet, daß man ihnen kulturelle Freiheit gewährt, die, soweit es die Schulfragen betrifft, mit der verglichen werden kann, die die deutschen Minderheiten in Dänemark genießen. Herr Reichsminister Dr. Stresemann! Rehmen Sie den Balken aus dem deutschen Auge, bevor Sie den kleinen Splitter in dem italienischen Auge suchen. Mit diesem Fall ist bewiesen, daß, wenn die Deutschen und Oester- reicher gesiegt hätten, so wäre alles, was italienisch ist, vom Brenner bis zum Garda brüt al vernichtet worden. Die kurze Debatte der letzten Tage hat nicht zwei Minister gegenübergestellt, sondern zwei Auffassungen über eine verwickelte und heikle Lage. Dccher rührt das in der ganzen Welt wachgerufene Interesse und die Erregung. Jetzt, wo die Schleier gefallen sind, erscheint die Lage außerordentlich klar. Deutschland beabsichtigt also, innerhalb und außerhalb des Völkerbundes die Führung aller in der Welt lebenden Deutschen zu übernehmen, sogar der wenig zahlreichen Deutschen im oberen Etschgebiet, die vor dem Kriege nicht Staatsangehörige des Deutschen Reiches waren. Das muß man sich merken und aufmerksam darüber nachdeliken. Ich erkläre aber nicht weniger bestimmt: 1. Die fremdstämmische Bevölkerung im oberen Etschgebiet gehört nicht im geringsten zu jenen Minderheiten, die Gegenstand besonderer Abkommen in den Friedensverträgen waren. 2. Italien wird sich in keine Debatte über diesen Gegenstand einlassen, in keiner Bersamm- lung und in keinem Rate. Daher ist die Entschließung des Tiroler Landtages vollkommen hinfällig. 3. Die faszistische Regierung wird sich mit der größten Energie jedem derartigen Plan widersehen, denn sie würde sich eines wahrhaften Verbrechens am Vaterlande schuldig halten, wenn wegen hunderttausend Deutschen, die auf italienischen Boden hinabstiegen, irgendwie Sicherheit und Friede von 42 Millionen Italienern in Frage gestellt werden sollte, die sicherlich den geschlossensten und homogensten nationalen Block bilden, den es in Europa gibt. Das sind feine Drohungen, für die zweideutige Zweifel gelten könnten, das sind Aeußerungen der Würde und Kraft, die durch die Wirklichkeit niemals dementiert werden können, wie sie auch dem neuen Italien eigen sind, demgegenüber allzuviele Deutsche, die bei der alten Geschichtsschreibung hängen geblieben sind, den schweren Fehler haben, es noch nicht zu kennen. Grundlegend und lebenswichtig ist nicht nur die Frage der Hiwerlet)- lichkeit der Drennergrenze, die Stresemann und ich sage ihm großen Dank dafür - uns rechtlich auf Grund der Friedensverträge zuerkennt. sondern auch alles, was von dieser älnverlehlichkeit herrührt. Der Senat erinnert s'ch daran daß von 1866 bis 1915 die italienische Ration unter der alten unsinnigen Grenze des Trentin gelitten hat, wie unter einem Messer, das der Feind mit der Schneide von den Alpen bis zu den Ufern des Po vorstieß. Diese Grenze bildete einen der beängstigten Aspekte unseres nationalen Dramas des 1366 unterbrochen wurde, aber 1918 mit dem Siege unserer Waffen glücklich abgeschlossen wurde. Dieses Wort ist endgültig und unverletzlich. Wenn ich so spreche, so glaube ich, der tatsächliche Dolmetsch des ganzen italienischen Volles zu fein!“ Die Rede des italienischen Ministerpräsidenten wurde oft von sehr lebhaften Zustimmungskundgebungen unterbrochen. Die markantesten Stellen wurden von ungeheurem Beifall begleitet. Dreimal erhoben sich die Senatoren von ihren Sitzen, um Mussolini zu huldigen. Nitti zum deutsch-italienischen Nonsiikt. Berlin, 11. Febr. (Wolff.) Der Vorwärts veröffentlicht eine Unterredung mit dem sich in Paris aufhaltenden früheren italienischen Ministerpräsidenten Ritti, in deren Verlauf dieser u. a. sagte: Ich bin betrübt, festzustellen, daß zwei Signatarmächte von Locarno. Italien und Deutschland, gegenwärtig Mihhellig- feiten auszutragen haben. Italien hat keinerlei nationale oder wirtschaftliche Interessen, die im Widerspruch zu denen Deutschlands stehen. Sogar die Südtiroler Frage ist weniger ernst, als behauptet wird. Als ich am Ruder war. gab ich dem Gouverneur der neu erworbenen Gebiete sehr einfache Weisungen: Ich sagte thm: Wenden Sie die italtenische Gesetze an, aber tun Sie sogleich Ihr Möglichstes, um nicht das Gefühl der neu gewonnenen Bevölkerung zu verletzen. Und ich habe niemals Zwischenfälle oder Rachteile bedauern müssen. Jin Gegenteil, ich entsinne mich der Zeit, da ich als Ministerpräsident von den berufenen Vertretern der deutschen Minderheit Versicherungen Don Dankbarkeit mir gegenüber und von Loyalität dem italienischen Staate gegenüber erhielt. Ich bin infolgedessen fest davon überzeugt, daß die Einwohner Südtirols niemals etwas gegen Italien unternehmen werden, wenn man ihnen nur Gerechtigkeit widerfahren läßt. Jtalen ist eines der Länder Europas, deren nationale Bevölkerung am homogensten ist. Daher können so kleine slawische oder deutsche Minderheiten durchaus mit Wohlwollen behandelt werden, ohne daß dem Rationalgefühl Italiens dadurch im geringsten Abbruch getan würde. Ls gibt nichts Dümmeres auf der Welt, als die deutsche Kultur zu verhöhnen. Die intellektuellen Leistungen des Deutschtums stehen in der Geschichte der Zivilisation so hoch da, daß nur Ignoranten sich unterstehen können, eine der großartigsten Erscheinungen des menschlichen Geistes ins Lächerliche zu ziehen. Ich dürfte kaum im Verdacht stehen, ein Freund des Faszismus zu fein, aber gerade deshalb glaube ich betonen zu können, daß ich bezweifeln muß, daß der Faszismus gegenüber der Bevölkerung Südtirols mehr Gewalt anroenM, als ropen ■ - Widersacher von brr italienischen Opposition. Ich hoffe daher, daß man in Deutjchland die Bedeutung gewisser Kundgebungen nicht überschätzen wird, denn vor allem gilt es, gute Beziehungen zwischen Deutschland und Italien berzustellen. Der Völkerbund wird am allerbesten dazu berufen sein, eine Annäherung zwischen den Rationen und an der Beilegung derjenigen Streitigkeiten mitzumirken, die gegenwärtig am gefährlich steil für den wirklichen Frieden sind. Arbeiten wir für den Frieden. Schüren wir nicht unnötigerweise, sei es in der Presse, sei es im Parlament, d i e bösen Leidenschaften, die aus der Kriegszeit stammen. Die Zukunft des Friedens liegt in der internationalen Demokratie, und diese wird siegen, allen vorübergehenden und örtlichen Rückschlägen zum Trotz. Die Berliner Presse zurzweitenMussolinirede Zu der zweiten Rede Mussolinis nimmt vorläufig nur ein Teil der Berliner Blätter Stellung. — Der Lokalanzeiger erllärt: ES ist zunächst hervorzuheben, daß sich diese neue Rede Mussolinis wenigstens einigermaßen befleißigt, Entgleisungen des Tones zu vermeiden. In der Sache jedoch ist Mussolini auch nicht um Haaresbreite von seinem bisherigen Standpunkt zurückgewichen. Fest steht, daß Mussolini seine Vergewaltig ungs- absichten gegenüber den deutschen Südtiroler m i t aller Zähigkeit weiter betreiben will, und daß er sich von vornherein jede Befassung des Völkerbundes mit dieser Frage verbittet. Tlnseren deutschen Brüdern in Südtirol geloben wir aber erneut die Treue, die uns ein selbstverständliches Gebot unserer nationalen Pflicht ist. Die Tägl. Rundschau weirdet sich gegen die Behauptung Mussolinis, daß sie „offizielles Organ deS Reichsaußenministers" sei. Die einzige Einflußnahme des Reichsauhenministers sei ein an alle Blätter gerichtetes Ersuchen Dr. Stresernanns gewesen, in der italienischer Angelegenheit doch größte Vorsicht und Zurückhaltung zu beachten. Im „Derk. Tageblatt" heißt cs: Die „unsinnigen Ansprüche", die Deutschland stellt, bestehen in dem Wunsch, daß auch dem deutschen Südtiroler jene feierlich verbrieften Rechte der Minderheiten zuteil werden, die wir selbst ganz im Gegensatz zu der Behauptung des schlecht unterrichteten Mussolini unseren polnischen und dänischen Minder Herten einräumen. Bon diesem Verlangen wird sich das deutsche Dolk auch durch keine Drohrcde Mussolinis abbringen lassen. — Der „Vorwärts" sagt, daß es jetzt nach Abschluß dieser klärenden Auseinaildersetzung an der Zeit sein dürfte, zur Korrektheit der offiziellen deutsch-italienischen Beziehungen zurückzukehren. Die österreichische Presse bezeichnet die zweite Mussolini-Rede gegenüber der klaren und würdigen Haltung SttesemannS als unklar und schwächlich. Sie sei ein Beweis einer sich steigernden Rervosität in Rom, die geeignet sei, weitere ernstliche Befürchtungen zu rechtfertigen. Allerdings habe Mussolini das Schlimmste aus seinen Erklärungen vom Samstag, die Kriegsdrohung gegen Oesterreich, weginterpretiert, indem er die Redewendung von der Trikolore am Brenner nur als defensiv verstanden wissen will. Chamberlain über die Herabsetzung der Besatzungtruppen. London, 10. Febr. (WB.) Im Unterhaus richtete Kenworthy an den Staatssekretär des Aeußern die Frage, ob über die Herabsetzung der noch in Deutschland befindlichen alliierten Besatzungstruppen ein Übereinkommen zustande gekommen sei, und ob solche Herabsetzungen zu erwarten seien. Ehamberlain antwortete: Die Stärke der Besatzungstruppen beläuft sich auf 74 500 Mann oder annähernd auf diese Zahl. Die Politik der Besatzungsmächte geht dahin, daß eine nennenswerte Herabsetzung der jetzigen Besatzungsstärke durchgeführt werden soll, sobald die Verträge von Locarno ratifiziert und Verbesserungsmaßnahmen, die bereits in dem Besatzungsregime eingeführt worden sind, im besetzten Gebiet ihre natürlichen befriedigenden Wirkungen erzielt haben. CrwerbsLosenunruhen in Polen. Warschau, 10. Febr. «Wolff.) In Kali s ch rotteten sich gestern einige hundert Erwerbslose vor dem Rathaus zusammen und verlangten die Verdoppelung der Arbeitslosenzulage. Als der Bürgermeister diese Forderung; ablehnte, drangen die Erwerbslosen in das Rathaus ein, und zerstörten alles, was zu zerstören tixir und verprügelten den Bürgermeister Polizei verdrängte die Menge aus dem Gebäude. Auf der Straße kam es zu einer regelrechten Schlacht. Die Polizciabteilung gab eine Salve in die Lust und eine zweite auf die Menge ab. Darauf überrannten die Demonstranten Die Polizei und drangen abermals in das Rathaus ein. Zwei Bataillone Infanterie stellten schließlich die Ruhe wieder her. Außer dem Bürgermeister wurden neun Arbeiter, ?-<•: Twliristen und drei Soldaten verletzt. In bet | Stadt herrscht große Erregung. Die Etatsrede des Reichsfinanzminifters und unserer Reichs. im Gtat zu Reichs Kilometer wurden. Energie zu der. jum Schuhe der Repu r e i ch e n. alle Gefahren auf diesem Gebiete meiden wissen. Sparprogramm. ist unsere Rotlage so, das) weitere Erwerbslosen erfordert sofortige Massnahmen. Verminderte Steuereinnahmen und erhöhte Erwerbslosenausgaben machen sich jetzt bemerkbar. Zur Herabdrückung des Preisniveaus sollen daher Steuererleichterungen kommen. Die wichtigste Herabsetzung soll auf dem Gebiete der Umsatzsteuer slattfinden. die am 1. April dieses Jahres auf 0,6 Prozent gesenkt werden soll. Reben die Senkung der allgemeinen Umsatzsteuer soll die Beseitigung der erhöhten Umsatzsteuer treten. Drittens soll eine steuerliche Erleichterung bei wirtschaftlich notwendigen Betriebszusammenschlüssen stattfinden. d. h. also, die F u s i o n s ste u e r soll auf ein angemessenes Mas) herabgesetzt werden. Wiederaufbau und unser Schicksal ab. Die Rot unserer Wirtschaft sährdung der Währung In keiner Weise zu befürchten sei. Reichsreaierung und bank würden mit rücksichtslosester Kleine politische Nachrichten. Der päpstliche Runtius Pacelli gab als Doyen des diplomatischen Korps ein Diner zu Ehren des Reichspräsidenten, au dem außer dem Reichspräsidenten der Reichs- lonzler, der Reichsauhenminister und die Botschafter und Gesandten der in Berlin vertreten en Mächte teilnahmen. bis 1. Februar 1928 fällig sind. Wenn das deutsche Volk die außerordentlichen Anforderungen des Sachverständigenplanes mit einem großen Entschluß auf sich genommen hat. so ist das geschehen, um der nachfolgenden Generation die Möglichkeit freien Schaffens wiederzugeben. (Beifall.) Auf Grund der Schäden- gesetze sind insgesamt 100 Millionen aus- geworfen worden. Weitere Ausgaben auf diesem Gebiete gestattet die Finanzlage nicht. Don den ortlaufenden Ausgaben beanspruchen die Bezüge der Beamten, Angestellten und Arbeiter des Reiches 670 Millionen (18 Proz.), die Dersorgungsgebührnisse einschließlich der Militärrenten für Kriegsbeschädigte 11 /2 Milliarden (42 Proz.). Trotz aller Rot müsse der Staat für kulturelle Maßnahmen eine offene Hand haben, wie auch in Preußens größter Rot vor mehr als hundert Jahren die Berliner Universität gegründet wurde. Die Mitglieder aller Parlamente müßten sich in der Sparsamkeit zusammenfinden. Ich weiß, daß ich kein Minister des Glücks, sondern ein Minister der Rot bin. Aber gerade in der Rot haben sich die Quellen der deutschen Volkskraft immer be- onders lebendig erschlossen. Mit verdoppelter Arbeit und angestrengtester Sparsamkeit werden wir schließlich doch das Ziel erreichen: den neuen Aufstieg und die alte Freiheit des deutschen Volkes!" (Lebhafter Beifall.) Die Etatberatung wird darauf abgebrochen. Donnerstag Fortsetzung der ersten Lesung des Etats. Der französische Artlllerieschiehplah bei Horrheim-Werher in der Pfalz soll jetzt als Bom benabwurfsgebiet benutzt werden, wodurch während mehrerer Tage in der Woche das Betreten und Bebauen des umliegenden Geländes unmöglich geworden sei. Von dieser Maßnahme werden sechs Gemeinden betroffen Die Staatsregierung soll ersucht werben, Schritte zur Beseitigung dieser Zustände einzuleiten. Durch Reform der Verwaltung und Beschränkung der Aufgaben und Ausgaben Anpassung der gesamten öffentlichen Lasten Deutschlands, soweit wir allein darüber zu bestimmen haben, an dir Steuerkraft unseres Volkes und unserer Wirtschaft. Don der praktischen Lösung dieser Frage hängt der finanzielles Westminster. Eine englische Sportkorrespondenz verbreitet die Nachricht, daß die bekannte französische Tennisspie lerin Susanne Lenglen die Absicht habe, sich mit dem jüngst geschiedenen Herzog von Westminster zu verloben. Der Reichspräsident hat an den Reichstags" abgeordneten F ü r st e n v. Bismarck folgendes Beileidstelegramm gerichtet: Zu dem schweren Verlust, den das Haus Bismarck durch den Tod der Gräfin Rantzau, des letzten Kindes deS großen Kanzlers, erlebt, spreche ich Ihnen und den Ihrigen mein herzliches Beileid aus. Reichspräsident v. Hindenburg. Bei der Erledigung deS Finanzausgleiches wird an dem Fragenkomplex der Realsteuern nicht dvrübergegangen werden können. Jede Aeberschreitung der Grenzen äußerster Sparsamkeit geschehe auf Kosten der Realsteuerpflichtigen besonders in den Gemeinden, Ohne eine Minderung der Realsteuern bleibt unser finanzielles Reformwerk wirtschaftspolitisch ein Torso. — Verwaltungsresorm. - schaftskrisc, in ter Wir uns befinden. Die Wirtschaft in allen ihren Teilen leidet unter Kapital a r m u t. Zur Rotlage der Wirtschaft hat ihre U e b e r l a st u n g mit öffentlichen Abgaben nicht unwesentlich beigetragen. (Lebhafte Zustimmung.) Wir werden daraus die Lehre ziehen müssen, die öffentlichen Ausgaben so e i n z u s ch r ä n k e n . daß die zu ihrer Deckung notwendigen Lasten sozial gerecht gestaltet werden. Sparsamkeit in der öffentlichen Verwaltung von Reich, Ländern und Gemeinden ist notwendig. Das Mittel dazu darf aber nicht der schematische Be° amtcnabbau sein, ein Experiment, das unter keinen Umständen wiederholt werden darf. (Beifall.) Richt Abbau von Personen, sondern von Verwaltungsausgaben, nicht von Beamten, sondern von Pluto st en ist erforderlich. Diese Verwaltungsresorm darf sich nicht auf das Reich beschränken, sondern muß auf Länder und Genieinden ausgedehnt werden. (Beifall.) In der öffentlichen und in der Privatwirtschaft muß mit dem System gebrochen werden, Zukunftsausgaben ans den laufenden Einnahmen zu bestreiten. Den Ländern und Gemeinden muß größere finanzielle Selbst Verantwortung auferlegt werten. Rur in Verbindung mit der finanziellen Selbstverantwortlichkeil wird die Selbstverwaltung wirtschaftliche Schäden verhüten können. Das Ziel muß sein: Der Minister bespricht dann den Haushaltsplan für 1926, ter in Einnahmen und Ausgaben mit rund 7,4 Milliarden das Gleichgewicht hält, im einzelnen. Die Steigerung der Ausgaben gegen 1913 beträgt 2270 Millionen oder rund 85 Proz. Dieser Mehrbedarf er- klärt sich in erster Linie durch die unmittelbaren Ausgaben infolge des Krieges und ter Besatzung, die zusammen 49 Proz. der Gesamtausgaben sirr sich beanspruchen. Der Minister weist die Rot- wendigkeit dieser Ausgaben nach, so daß man der Reichsvertvaltung den Vorwurf verschwenderischer Ausgaben nicht machen könne. Trotzdem letztere wieder dos Zuschlagsrecht erhalten würden, könnten sie künftig die Einkommensteuer nach ihrem eigenen Bedarf cinrichten. Andererseits wären sie aber auch dann gezwungen jede einzelne Maßnahme daraufhin genauestens zu prüfen, ob ste mit den Steuereinkommen in Einklang zu bringen wäre. An den Reichstag richtete der Minister die dringende Bitte, diesen «anierungsplan der Negierung, der auf die äußerste Kalkulation eingestellt sei, durch neue Bewilligungen nicht zu durchkreuzen. So- weit Erhöhungsbeschlüsse in Frage kämen, mußte für die engste Zusammenarbeit zwischen Parlament und I Regierung Sorge getragen werden. Die Ausführungen, die im weiteren Dr. Reinhold über die I Kapitalaufwendungen der Reichsregierung machte, entsprechen im einzelnen den bereits durch feinen Amtsoorgänger bekanntgegebenen Aufstellungen. I "Auch die Begründung, welche der Minister für die Notwendigkeit dieser Ausgaben abgab. entsprach im großen und ganzen den vom Regjerungstisch bisher abgegebenen Erklärungen. Besonders nachdrücklich betonte er die schwere Belastung, die durch die für dieses Jahr bereits eintretenten Reparationszahlungen sich für das deutsche Volk ergeben. Wenn das deutsche Volk trotz der ihm auf erlegten inneren Lasten sowie trotz der Fortnahme seines im Auslande 1 angelegten Vermögens und der vielfach sonst infolge des Versailler Vertrages verloren gegangenen Sachwerte und Kapitalien seinerzeit die außerordentlichen Anforderungen des Dawesplans mit einem großen Beschluß aus sich genommen habe, so sei das. wie Dr. Reinhold mit vollem Recht hervorhob. nur geschehen, um ben nachfolgenden Generationen die Möglichkeit freien Schaffens wieder zu geben. Zustimmung, die diese Worte bei der Mehrheit des Hauses fanden, lieh erkennen, bah die von Dr. Reinhold entwickelten Grundsätze Anklang gefunden hatten. Sitzungsbericht. Berlin, 10. Febr. Aus der Tagesordnung steht die erste Beratung des Reichshaushaltplanes für 1926. Reichsfinanzminister Dr. Reinhold führt dazu aus: „Allein die Tatsache, daß wir im Januar 1926 die traurige Rekordziffer von 2200 Konkursen hatten, beweist im Verein mit ter immer mehr wachsenden Zahl der Arbeitslosen und Kurzarbeiter den furchtbaren Ernst ter Wirt- Der Haushaltsausschuß deS Reichstages beschloß, mit 12 gegen 10 Stimmen entgegen dem Standpunkt des Reichsjustizmimsters Dr. Marx, die Mittel für den Staatsgerichtshof Förderung des Wohnungsbaues in Hessen. Hessischer Landtag. Darmstadt. 10. Fete. Der Hessische Landtag trat heute nachmittag zusammen, um die Anträge zur Förderung des Wohnungsbaues zu beraten, die inzwischen vom Finanzausschuß durchberaten worden sind. 3m ganzen sind es üns Anträge, und zwar drei, die allgemein die Förderung des Wohnungsbaues in Hessen wollen. Der erste ist gestellt von den Abg. Leuschner. H e i n st a d t und Reiber, die den Koallttons- Parteien angeboren, ferner ein Antrag von dem teutfchnationalen Abg. Kindt und ein dritter Antrag von den deutschvollsparteilichen Abgeordneten H a u r y. Dr. R i e p v t h und Gen. Ein Antrag der sozialdemokratischen Abg. Ritzel. Rechthien. Lux, Mann und Gen. bezieht sich auf die Förderung des Kleinwohnungs- b a u e s und ein Antrag der Abg. Dr. Werner und Gen. auf die Wohnungsfrage in Hessen. Präsident Adelung richtet an da« Haus nachstehende Ansprache: Meine Damen und Herren! Am Rhein ist seit einigen Tagen die erste Zone von der fremden Besatzung geräumt Zwar ist der Räumungstermin wesentlich länger hinausgezö- gert worden, als es das Diktat von Versailles vorsah, aber endlich ist doch der Tag der Erlösung für diesen Teil des rheinischen Landes gekommen. Der Hessische Landtag und das bepU sche Voll beglückwünschen auf das herzlichste die von frenttem Druck befreiten Volksgenossen am Riederrhein. Cs harrt noch die Bevölkerung ter zweiten und dritten Zone der Befreiung und ersehnt mit Inbrunst die Stunde, in der der letzte fremde Soldat den deutschen Boten verläßt. (Bravo!) Bis zu 10 langen Jahren sollen deutsche Gebietsteile am Rhein und an der Saar, darunter die hessischen, noch besetzt bleiben. Wenn aber das Verständigungswerk von Locarno zum großen, bleibenden Erfolg führen, wenn die Befriedung Europas und der Welt ehrlich und weitsichtig gefördert werden sollen, barm muß weise Cinscht die Staatsmänner der Entente dazu führen, alsbald ihre Truppen völlig zurückzuziehen. (Lebhafter Beifall.) Die fremde Besatzung in Deutschland ist ihrer ganzen Ratur nach ein starkes Hemmnis auf dem Wege des Friedens und des restlosen Verstehens der Völker. (Sehr richtig!) Der Hessische Lairdtag hofft. mit dem ganzen , deutschen Vaterlande, den Volksgenossen im besetzten Gebiet recht bald Glückwünsche zur Befreiung von den Besahungslasten entbieten zu können. (Lebhafter Beifall.) Hierauf wird in die Tagesordnung eingetreten, auf die alle Anträge gefetzt sind. Aba. Widmann (Soz.) erstattet einen längeren Bericht über die Behandlung der ersten drei Anträge im Ausschuß. Er erwähnt auch die Proteste der Handwerkskammer und der Privatarchitektenschaft und teilt die Beschlüsse des Ausschusses mit. In seiner Mehrheit beantragt der Ausschuß, die obengenannten ersten drei Anträge für e t - ledigt zu erklären. Die Minderheit des Ausschusses beantragt die Zustimmung zu den Anträgen Kindt und Haury. . Statt dieser Anträge empfiehlt der Ausschuß mit acht gegen fünf Stimmen, bei einer etimmentbah tung, eine abgeänderte Fassung des Antrags Leuschner. Heinstadt und Reiber zur Annahme. 3n diesem Antrag wird die Regierung ersucht, daß der im Staatsooranschlag für 1920 einge- flcflte Betrag von 10 Millionen Mark tunlichst bis zur Höhe des reichsgefeßttch vorgesehenen Betrags non 15 Prozent der Friedensmiete erhöht wird, jedenfalls aber der Mehrertrag der Sondersteuer, der sich über den im voran, schlag für 1926 vorgesehenen Betrag hinaus ergibt,' zur Förderung des Wohnungsbaues verwandt wird. Die Borbereihingen für ein Bauprogramm sollen sosort in Angriff genommen werden. Die Staalsregicrung wird ermächtigt, eine Anleihe zur Förderung des Wohnungs- baues aufzunehmen. Die ftaatlichcn und kommunalen otencranteilc sollen an einer Stelle verwaltet und nur zur E^ rid)tung von Kleinwohnungen verwandt werden. Es full ein paritätisch zusammengesetzter w o h n u n g s p o l i t i s ch e r Ausschuß gebildet werden. Weiter trifft der Antrag Bestimmungen über Darlehen, die den Gemeinden gewährt werden können, und über den Rückzahlungsmodus. Der Ausschuß bittet ferner um Zustimmung zu einem in der Sitzung des Ausschusses gestellten Antrag des Abg. Dr. Büchner. Dieser , lautet: „Ich beantrage, die Regierung zu ersuchen, durch eine Kommission von unparteiischen Fachleuten die bisher erstellten Siedlungs- baut en daraufhin prüfen zu lassen, ob sie . fach- und sachgemäß erbaut find und allen gesundheitlichen Ansprüchen genügen.1* Gin« chränkungen unbedingt notwendig sind. Bei den Reparationszahlungen ist für dieses Jahr mit einer Zusatzzahlung von 250 Millionen zu rechnen. Aus das Etatjahr 1926 entfallen hiervon ■ 12 oder 145,8 Millionen, die allerdings erst in vier Monatsraten vom 1. Rovember 1927 Line Hamburger Kundgebung zur wirtschastrnot. Hamburg. 10. Febr. Die Gesamtwirtfchaft Hamburgs, Industrie, Handel, Handwerk und Gewerbe, insgesamt 128 Verbände, veranstalteten in der Börse eine Kundgebung zur Wirtschaftsnot. Rach eingehenden Referaten wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der aus der Erkenntnis einer unbedingt notwendigen Sparsarnteit zur Rettung der deutschen Wirtschaft gefordert werden: 1. Eine unverzügliche und starke Senkung der Steuern und öffentlichen Lasten. 2. Eine Führung der Gesamtwirtschaft allein nach wirtschaftlichen Grundsätzen. Diese Forderungen seien zu verwirklichen durch eine umfassende Verwaltungsrefvrm für Reich, Länder und Gemeinden mit dem Ziele der Vereinfachung und Verbilligung, durch eine umfassende Steuerreform nach dem Grundsatz, daß die Ausgaben des Reichs, der Lander und Gemeinten sich nach der Leistungsfähigkeit der Gesamtwirtschaft zu richten haben, durch eine umfassende Reform der sozialen Gesetzgebung mit dem Ziele der Angleichung der sozialen Maßnahmen an die Bedürfnisse und Leistungsfähigkeit der Gesamt- Wirtschaft und endlich durch die Sicherstellung eines stärkeren Einflusses auf die Gestaltung der Wirtschaftsgesehgebung. Die Kurzarbeiterunlerstützung. Berlin. 10. Febr. Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstages nahm den Vorschlag seines älnterausschusses in ter Frage der Kurzarbeiterunterstützungen an, in dem die Reichsregierung ersucht wird, bet der bevorstehenden Verordnung folgende Punkte zu berücksichtigen: 1. teil Beginn ter ^InterstützungStage nicht nach Ledigen und Verheirateten zu differenzieren, 2. die Kurzarbeiterunterstützung für den 3., 4. und 5. ausgefallenen Arbeitstag in Höhe des Tagessatzes zu bemessen, den der Kurzarbeiter als Vollerwerbsloser erhalten würde, 3. in eine Prüfung darüber einzutreten, ob in Betrieben, in denen Kurzarbeit nicht durch den Ausfall voller Arbeitstage durchführbar ist, nicht auch dann die älnlerstützung eintreten kann, wenn die umgerechneten Stunden die erforderliche Zahl von Arbeitstagen ergeben. Hierauf kam ein sozialdemokratischer Antrag zur Beratung, der die Unterstützungssätze für erwerbslose Hauptunterftützungsempfänger um 30, für Zuschlagsempfänger und für die Höchstgrenze um 16 Proz. erhöhen will. Die Beschlußfassung wurde ausgesetzt, woraus sich ter Ausschuß vertagte. 2Ius aller Welt. Sdjnceffurm In Amerika. Der ganze Nordosten der Vereinigten Staaken wurde tion einem der schUmmsten «chneestürme feit 1888 heimgesucht. 20 Esenbahnzüge blieben im Schnee stecken, der stellenweife 10 Fuß hoch liegt. Alle Schulen im Staate Neuyark und in anderen Staaten sind geschlossen. Fabriken und Handels Plätze liegen ganz still oder hallen einen beschränkten Betrieb aufrecht. In der Stadt 9leut)orF ist der Betrieb der Verkehrsmittel gestört. 20 000 Stra ßenreiniger arbeiten fieberhaft, um die Straßen frei zu machen, da sonst die Versorgung der Stadt mit Leven sm itteln gefährdet wäre. Schweres Explosionsunglück. Mittwoch morgen gegen 71 > -Ut)t ereignete sich auf dem Fabrilgeläude der Earbonit A. G. in Schlebusch bei Köln ein schweres Cxplofions- Unglück. Ein M e n g h a u s des Dynamitbetriebes der Fabrik, in dem Sprengstoffe gemengt werden, flog in d i e Lust. Sechs Qlrbeitev tourten getötet. Die Entstehungsursache der Explosion konnte noch nicht ermittelt werden. Die Explosion war so heftig, daß in der ilmgegenö auf mehrere Der Minister kündigt eine Vereinfachung der Steuerveranlagung und Steuererhebung an. Ein großer Teil des älnmuts im Volke richte sich nicht so sehr gegen die Belastung wie gegen die Belästigung durch die Häufung der Termine für den Steuerpflichtigen. I Zustimmung!) die Fensterscheiben zertrümmert Steuersenkungen. Beim Beginn der Etatsberatungen im Reichstag hat her neue Reichsfinanzminister Dr. Reinhold Den Reigen der Reichsminister, die nacheinander ihre Wünsche dem hohen Hause vorzutragen und ihre Begründung darzulegen haben, eröffnet. Eine Etatsrede im eigentlichen Sinne konnte es schon deshalb nicht fein, weil Dr. Reinhold einen Haushaltsplan vertreten muß, ter einmal ein Werk feiner Vorgänger im Amt und andererseits zu einer Zeit ausgestellt worden ist, in der die toirt- schaftlichen Voraussetzungen doch noch andere waren, als bei dem gegenwärtigen Höchststand der allgemeinen Wirtschaftskrise. ES handelt sich also im großen und ganzen bei den Ausführungen des Finanzministers um eine Progrv m m r e d e, in der er seine grundsätzlichen Ansichten über die verschiedenen Probleme entwickelte. Im Mittelpunkt aller Darlegungen stand seine Ankündigung, daß Steuerermäßigungen von großer Tragweite notwendig seien, um der Wirtschaft den Weg zur Gesundung zu bahnen. Aus einer gefunden Wirtschaft ergeben sich dann von selbst getunte Finanzverhältnisse des Staates. In diesem Zusammenhang stellte auch Dr. Reinhold mit Recht die Wirtschaftskrise und das Problem, wie man geeignete Hilfsmaßnahmen hiergegen möglichst beschleunigt einleiten könnte in den Vordergrund. . Entscheidendes Gewicht legte Dr. Reinhold auf eine weitreichende Aktion zur Herabsetzung der Derwaltungskosten, die eben nur durch eine Derwaltungsreform erreicht werden könnte. Weniger dürfe man an den Massenabbau von Beamten denken, als vielmehr an einen rücksichtslosen Abbau der Remter und überflüssig gewordenen A m t s st e 11 e n. Auch durch eine Vereinfachung der Steuererhebungen müsse t.nb könne an Aufwendungen gespart werden. Wenn durch die von dem Minister projektierte Senkung der plmsatzsteuer von 1 auf 0.6 v. H. sowie durch eine Halbierung der Fusionssteuer eine Senkung ter Steuerlast erreicht werden könnte, die etwa 570 Millionen ausmachen würde, so bedeutet auf ter anderen Leite das für den Staat einen ensprechenten Ausfall an Einnahmen. Zur Deckung mühten Reserven her- angezogen. und, soweit solche nicht vorhanden wären, ter Weg der Anleihe beschritten werden. Vorläufig allerdings brauche weder an eine Anleiheaufnahme noch an eine Schatzscheinausgabe gedacht zu werden, da die vorhandenen Kasfentestände noch beträchtlich wären. Der ÄwmE I SiemnS sollen dio Satten beteiligt »erben. Beb?S cminiW feine nächsten StaWjaJr auftreten »erben. Die Sinn- Kritik an den Maßnahmen seiner AmtSvorgänger ^^en retchen ntcht auS . O» ^>Cr^m^ne «ä SSÄö. K arte nTna"^e^Ste"u rankte? B^völle^nng Aufeinanderfolge zweier Vermögenssteuerveran- einen^r-on ^sistchllchen^ Bedenken ^ei77n^üte7 Wn für .nKtVi.thwunfi HM-triti stebei naben dm den. Zu diesem Zweck wtrd ter Vorauszahtungs» ssäsS -ss-t MLei , Dr. Reinhold notwendig, ein Vorgeben ein- | Neubildung von größter Bedeutung ist 'zuleiten, dessen weitere Auswirkung die Möglichkeit einer Besserung eröffnet. Bei der Forderung eine Politik äußer ft er . Sparsamkeit machte Dr. Reinhold darauf auf« marffam, daß die Gesamtbelastung der deutschen Volkswirtschaft als sozial gerecht und wirtschaftlich tragbar sei. Auf Grund der neu eingeführten Fi- nanzstatiftiten müsse das Reich mit den Ländern und Gemeinden zu einem Finanzausgleich kommen, der den vorerwähnten Voraussetzungen Rechnung trage. Das Korrelat der kommunalen Selbst- Verwaltung fei die Selbftverantwortlich- teil der Gemeinden und Lander. Wenn — Auch die Lohn st euer soll vereinfacht werden. Die Steuermilderungen werten für 1926 ebnen Cinnahineausfall von 550 Millionen bringen. Es mutz daher ei-ire Reugestaltung der Einnahmeseite des Haushaltes erfolgen. Der Münzgewinn von 133 Millionen soll in Einnahme gestellt werden. Bei der Reichsschuld sind einige Mehreinnahmen und Minder ausgaben zu verzeichnen, so daß damit 80 Millionen gedeckt werden. Der Rest von 370 Millionen soll dadurch gedeckt werten, dah außerordentliche Ausgaben aus Anleihen genommen und vorhandene Betriebsmittel als Einnahmen eingestellt werten. Unbedingte Voraussetzung der Steuererleichterungen i t aber, daß ter Haushaltsplan keine höheren Ausgaben als die vorgelegten aufweist. — D^r Minister richtete an_ den Reichstag die dringende Bitte, die Pläne der Re» ?,lerung durch neue Bewilligungen nicht zu durch- reuzen. Erhöhungsbeschlüsse eines Ausschusses sollten wie in England nur im Einverständnis mit der Regierung gefaßt werten. Der Minister kündigt ein Gesetz zur Reugestaltung des Branntweinmonopols an. Ferner soll auch ein Kraftfahrzeug- steuergeseh vorgelegt werpen, das die Wege- unterhaltungspslichtigen in den Stand setzt, für die Wiederherstellung und Modernisierung des deutschen Wegenetzes Sorge zu tragen. Der Minister stellt bann fest, daß eine Ge» Ucbcr die Anträge zur Förderung Dc5 Klein- wohliuugsbaucs und zur WIhnuugsiragc erstatten die Abgg. Widmann und Lückel Bericht. Mit Ausnahme eines Punktes des erstgenannten Antrages werden die Anträge vom Ausschuß für erledigt erklärt. Abg Leuschncr (6o.v) verbreitet stch in längeren Ausführungen über die Anträge, ferner über die Wohnungsnot und über die Mahnahmen zu deren Behebung. Er kritisiert zum Schluß die von Abgeordneten anderer Parteien gestellten Anträge. Abg. Haury (D-V.P) wendet sich gegen die Behauptung des Vorredners, Daß die Hemmung des Wohnungsbaues von den Hausbesitzern ausgehe das sei nicht richtig: die Mieter- schu tz vereine stellten sich der Entwicklung entgegen, indem sie die Hinausschiebung des Termins der Friedensmiete verlangten. Der Redner fetzt sich dann noch mit verschiedenen andern Ausführungen des Vorredners auseinander. Er wendet sich auch gegen die Behauptung, daß die Typisierung und Vor- malisierung das Bauen wesentlich verbillige. Namentlich wendet sich der Abgeordnete gegen das Regiebauen, wodurch die Architekten geschädigt wurden. Er emphielt dafür seinen Antrag, (der aus 10 Punkten besteht und früher bereits milgeteilt worden ist) unter den Handwerkern und den Architekten wären auch Arbeitslose, ebensogut wie ustter den Arbeitern, man solle ihnen helfen, indem man ihnen Arbeitsgelegenheit verschaffe. Der Präsident verliest sodann einen neuen Antrag R i h e l ° L e u s ch n e r, in dem die Regierung aufgefordert wird, bei der Reichsregierung zu beantragen, dost Inhaber von Wohnungen, die mehr Räume als nötig ist, bewohnen, eine höhere Mietzins st euer bezahlen müssen, die dann zur Förderung des Wohnungsbaues verwendet werden soll. Abg. H e i n st a d t (Ztr.) vertritt den Standpunkt, dast auch durch eine Auslondanleihe der Vaumarkt belebt werden müsse. Gegen die Bauhandwerker und die privaten Unternehmer sei man nicht, aber man wolle auch nicht das kommunale Bauwesen unterdrücken. Der Antrag der Koaliiionsparteien sei noch das beste Mittel zur Behebung der Wohnungsnot, das es gegenwärtig gebe. Abg. Dr. L e u ch t g e n s (Bbd.) erklärt, der bisherige Weg, die Wohnungsnot zu beheben, sei verkehrt gewesen, auch die jetzigen Vorschläge. Erst müsse die Zwangswirtschaft im Wohnungswesen beseitigt werden. Die ganze Angelegenheit des Wohnungsbaues, das ganze Programm habe wenig Wert, es handele sich doch um eine Finanz- frage. Wenn Geld da sei, könne gebaut werden. Erst solle man einmal abwarten, was im Reichstag über die Friedensmiete beschlossen werde. Me Anleihen mit dem Wohnungsbau zu verquicken sei verhängnisvoll. Gegen den ersten Antrag Leuschner wäre Sturm gelaufen worden, daraufhin wäre ein Kompromistantrag angenommen worden, der so verwaschen sei, dast die Antragsteller selbst nicht mehr ihren Antrag verständen. Seine Partei (der Bauernbund) lehne den Antrag ab. Abg. Mann (Soz.) meint, die private Wirtschaft könne den Wohnungsrnangcl nicht beseitigen: er empfiehlt die Annahme des Antrages der Koalitionsparteien. Abg. Dr. Werner (Dntl.) empfiehlt den Antrag Kindt und lehnt den Koalitionsantrag ab. Die Zwangswirtschaft im Wohnungswesen sei von Uebel, doch könne sie nicht plötzlich, sondern nur mit Uebergangsbe st immun gen a u-f gehoben werden. Weiter verlangt der Redner eine Statistik über das Bauwesen in Hessen: namentlich auf dem Lande sei viel in dieser Beziehung geschehen. Der Redner nennt Rockenberg. Auf der anderen Seite gebe es aber auch Gemeinden, die noch so gut wie nichts getan hätten zur Behebung der Wohnungsnot. Ie mehr sich der Wohnungsmarkt bessert, um so eher müßten die Wohnungsämter abgebaut werden. Durch die Zwangswirtschaft werde eine ganze Anzahl von Wohnungen dem öffentlichen Wohnungsverkehr entzogen. Es wird der Antrag der Koalitionspavteien über die Förderung des Wohnungsbaues angenommen gegen die Rechtsparteien. Don dem Antrag Dr. Werner wird der mittlere Absatz angenommen. Der Antrag Ritzel über die Mietzinssteuer wird für erledigt erklärt. Zur Beratung des Budgets tritt der Landtag voraussichtlich am 2. März zusammen. Aus -er Provinzialhauptstadt. Gießen, den 11. Februar 1926. Gietzener Wochcnmarktprcise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmartt: Butter das Pfund 150 bis 180, Matte 30 bis 35 Pf., Käse 10 Stück 70 bis 140 Pf., Wirsing das Pfund 30 bis 40, Weißkraut 25. Rotkraut 25 bis 30, gelbe Rüben 20. rote Rüben 20. Spinat 35, Unter-Kohlrabi 10 bis 15. Grünkohl 30, Rosenkohl 60. Feldsalat 100, Endivien^ 80 bis 100, Zwiebeln 20, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 60 bis 70, Kartoffeln 4 bis 5, Aepfel 20 bis 30, Birnen 30, junge Hahnen 120, Suppenhühner 120 Pf., Gänse 130 Pf., Eier das Stück 16 bis 17. Blumenkohl 60 bis 180, Salat 40, Oberkohlrabi 10 bis 15, Lauch 10 bis 20, Sellerie 40 bis 60 Ps. Bornotizcn. — Tageskalender für Donner s tag. Gesellschaft für Erd» und Völkerkunde: 81/* ^lhr, Reue Aula der Universität, Lichtbilder-Vortrag von Prof. Dr. Fritz Klute. — Deutsche Volks- Partei: 8 Uhr, Gasthaus „Hindenburg", Vortragsabend. — Zweigverein vom Roten Kreuz: 5 Uhr nachm. im Saale 52 des Landgerichtsgebäudes. ordentl. Mitgliederversammlung. — Lichtspielhaus, Dahnhofstr.: „Die Verrufenen". — Astoria-Lichtspiele: „Wer trägt die Schuld?" — 2lus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Es wird ausdrücklich darau hingewiesen, daß, in Abänderung des Wochenspielplans am nächsten Sonntag (14. Februar eine Aufführung des beliebten Lustspiels „Die fünf Frankfurter" von Carl Röhler stattfindet. Die Ausführung zählt im Sonntag«- abonnement. — Ein Kv l o u ia l - D o r t r a g findet heute abend 8 Uhr im Palast-Lichtspielhaus au Veranlassung des Polizeibeamten-Verb.indes statt. (Siehe Anzeige.) E i n e W o h l t ä t i g k c i t s v e r a n st a l- t u n g zugunsten der durch Ueberschwemmung Geschädigten gibt der Evang. Arbeiterverein am Sonntag abend im Saalbau Sauer. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. o ** Die Schüler-Anmeldung zur Volksschule betrifft eine Belanntmachung des Stadtschulamtes in unserem heutigen Anzeigenteil. Interessenten seien auf diese Veröffentlichung besonders hingewiesen. ** Die frachtfreie Beförderung von Kirche nglocken. Nach einer Mitteilung von zuständiger Stelle werden Ersatzkirchenglocken nur noch bis zum 30. Juni frachtfrei befördert. Mit einer weiteren Verlängerung der Frist ist nicht zu rechnen. ** Deutsche ÜB o l (sparte i. Man berichtet uns: In einer gut besuchten Vorstandssistung, die der Provinzialverband Oberhessen der Deutschen Volkspartei im Universitätsrestaurant abhielt, er griff der Landesvorsilzende der Partei, Rechtsanwalt D i n g e l d e y . M. d. L., nach Erledigung verschiedener geschäftlicher Fragen das Wort zu seinem Vortrag: „Die wirtschaftliche und finanzpolitische Lege im Reich und in Hessen". Ausgehend von der Regierungsbildung wies der Redner'anf den schweren Kampf hin, den heute nicht nur das Reich, sondern auch die Länder und die Gemeinden um ihre Existenz führen. Nur durch die allergrößte Spar- amkeit und Beschränkung auf die allernotwendigsten Ausgaben kann der finanzielle Zusammenbruch vermieden werden. Wie wenig diesen berechtigten Forderungen Rechnung getragen wird, wies der Redner eingehend und überzeugend an Beispielen aus Hessen nach. Gegenüber ca. 25 Mill. Mark direkter Steuern, die Hessen vor dem Kriege aufbrachte, zahlen die hessischen Steuerzahler heute ca. 80 Mill. Mark an Steuern, und trotzdem besteht noch ein Defizit von ca. 9 Mill. Mark. Eine weitere Erhöhung der Steuern würde nur den vollkommenen Zusammenbruch der davon betroffenen Wirt- chaftskreife mit sich bringen. Auf der Ausgabenseite müsse vor allem der stark angeschwollene Verwaltungsapparat, besonders in der Zentrale, cinge-- chränkt werden. Die kulturelle Höhe Hessens sei zu begrüßen, aber auch hier müsse man zunächst dafür Sorge tragen, daß das Volk überhaupt leben und existieren kann, bevor man Ausgaben bewilligt, die untragbare Lasten mit sich bringen. In der regen anschließenden Diskussion ergriff noch Ober tudiendirektor Dr. Keller- Büdingen, M. d. L., das Wort, um die Stellung der Deutschen Volkspartei zur Fürstenabfindung klarzulegen. Die Aus- ührungen der beiden Redner wurden von der Versammlung, die sich eines guten Besuches erfreute, durch starken Beifall unterstrichen. ** Der Deut sch nationale Handlungsgehilfe n-Verband, Ortsgruppe Gießen, hielt am Samstag seine diesjährige Iah- reshauptversammlung im Kaufm. Vereinshaus ab, die von den Mitgliedern zahlreich besucht war. Vorstand und Geschäftsstelle erstatteten, wie man uns berichtet, den Iahresbericht, dem zu entnehmen ist, daß der D. H. V. seinen höchsten Inflations-Mitgliederbestand nahezu wieder erreicht hat. 270 000 Mitglieder umfaßt der D. H. V. heute. Der Deitragseinzug hat sich gesestigt, sehr im Gegensatz zur Inflationszeit, indem jetzt etwa 98 Prozent der Beiträge eingezogen werden. Die Zahl der berufsamtlichen Geschäftsstellen beträgt 140, die Zahl der Ortsgruppen 1400. Im vergangenen Iahre konnte ein weiteres Erholungsheim auf Sylt hinzuerworben werden. Aeuherst umfangreich war die sozialpolitische Tätigkeit, während die Tariftätigkeit infolge der Wirtschaftskrisis weiter nachgelassen hat. Die Krankenkasse umfaßt 174 500 Mitglieder und 73 500 versicherte Familien. Der Deitragseingang betrug 18 Millionen Mark. 2285 Kinder wurden in Erholungsheimen für Kinder verpflegt. Die D. H. D.-Krankenkasse wandte hierfür 172 000 Mark auf. Richt weniger als 30 Prozent der Kinder wurden bei der Aufnahmeuntersuchung als tuberkulosegefährdet befunden, ein erschrek- kendes Zeichen der Zeit. Die Krankenkasse besitzt eine gan^e Anzahl eigener Erholungsheime und Kindererholungsheime. Die Ortsgruppe Gießen hat auch im vergangenen Iahre eine günflige Entwicklung gehabt. Sie besitzt heute 108 Mitglieder mehr als ihr höchster Inflations- Mitgliederbestand. Ihre sozialpolitische Tätigkeit war eine recht rege, und zahlreiche Vorträge dienten teils der Fortbildung, teils gewerkschaftlichen Zielen. In drei öffentlichen Versamm langen wurden brennende TageSfragen erörtert. Die Zahl der stellenlosen Verbandsmitglieder hat erfreulicherweise ein erträgliches Maß nicht überschritten. Sehr geklagt wurde über die mangelhafte praktische Ausbildung des kaufmännischen Rachwuchses. Der Gutachterausschuß des hiesigen Kaufmannsgerichts schloß sich bis auf einen Punkt den Anträgen der Ortsgruppe betr. Schuh der älteren Kaufmannsgehilsen, die unter der Wirtschaftskrisis besonders leiden, an. Die Iugend- gruppe umfaßt über 150 Lehrlingsmitglieder. •• Der „S t a h lh e l m" - F i l m a b en d, den die hiesige Ortsgruppe des ..Stahlhelm" Bund der Frontsoldaten, am Sonntag abend im Saalbau Sauer veranstaltete, war getragen von bester Kameradschaft und fester Vaterlandsliebe. Rach den herzlichen Begrühungsworten des Ortsgruppenführers wurde der erste Film durch die Ortsgruppe Straßburg. Sitz in Frankfurt a. M., vorgeführt, der in prächtigen Bildern das Leden des Ehrenvorsitzenden des Stahlhelms, Reichspräsidenten v. Hindenburg, als Mensch, Führer und großen Patrioten zeigte. Hierauf folgten fesselnde Filmbilder von unserer schneidigen Reichswehr im Manövergelände, die eindrucksvoll offenbarten, daß unsere kleine Wehrmacht noch vom alten pflichttreuen Soldatengeist beseelt ist. Als dritten Film sah man Aufnahmen vom Stahlhelmtag in Frankfurt a. M., die einen starken Eindruck von der Gröhe dieser Tagung und von dem dort herrschenden prächtigen Geist hinterließen. Anschließend sprach der Ortsgruppenführer, Kamerad Spies, über Zweck, Ziel und Bedeutung des Stahlhelmgedankens, wobei ex die Ueberparteilichkeit des Bundes betonte und mit dem Treugelöbnis des Bundes schloß. Kamerad Bandis wandte sich mit einem begeisterten Anspruch an die Mütter. Vaterländische Lieder umrahmten den Abend, der allgemein einen sehr guten Eindruck machte. ** Blinden-Konzert. 3m Katholischen Dereinshaus fand ein Konzert des erblindeten Flötenvirtuosen Rudolf Thies statt. Die Klcwier- bcgleitung lag in Händen von Frl. Dagmar W i e- n n b. Das Programm wurde eröffnet mit der O-Dur-Sonate von Beethoven, die Frl. Wiegand in allen Sätzen gut durchgearbeitet zu Gehör brachte. Sodann folgte das O-Dur-Konzert von Mozart für Flöte und Klavier. Herr Thies hatte in diesem immer wieder gern gehörten Konzert Schach-Ecke. Beat bettet von W O r b a ch. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind ziu richten an die Schachredattion des „Gießener Anzeigers". Gudspicl Nr. 12. Don A. Trokhki. Schwarz. a b c d e f sh Weiß. Weih am Zuge gewinnt. 8 8 6 5 5 3 3 Weih: 5 Steine Ka4. Sb3. Se8, Be3, Be6. Schwarz: 2 Steine Xa6, Te5. Lösung des Endspiels Ar. 12. Don A. Troitzki. 1. Sb3 - c5-{-, Te5xc5, 2. e6 - e7, Tc5-c4-|-! 3. Ka4-b3, Tc4-c4 4. Se8-c7, Ka6-a5! 5. e7-e8T!, (Falsch wäre hier cSDP, wegen 5...... Te3:+ 6. De3: patt.) und gewinnt. 1....., Ka6-a7 2. e3-e4, Te5xc5 3. e6-c7, Tc5-e5 4. Se8-d6, Te5xe7 5. Sdö-cS-f- und gewinnt. Problem Nr. 4S. Don P. E. Deckwiih. 1. Preis ,im Turnier der „Cincinnati Commercial". Schwarz. a b c d e I 2 h Weiß. 8 6 5 5 3 2 Deitz zieht und seht in drei Zügen matt. Weih: 6 Steine Kg6, Dhl, La5, Lb5, Bc2, Be4. Schwarz: 2 Steine Ke3, Bg7. Lösung deS Problems Tr. Don Fr. as Geyersta^. 1 .Df 1 —18Kd3: 2. Df3-f 1....., Ke5: 2. TeS-H". Aus der Lchachwelt. Schachmeister I. Wetger gestorben. Iohanncs Metger, der Senior der deutschen Schachmeister, ist am 25. Januar 1926, im Alter von 72 Iahren in Kiel gestorben. Rachdem er im Hauptturnier zu Leipzig 1876 den 1. Preis errungen hatte, beteiligte er sich an verschiedenen internationalen Schachturnieren, wobei er jedesmal einen Achtungserfolg zu verzeichnen hatte: fo in Frankfurt am 9. März 1887, Breslau 1889. Berlin 1897, Ostende 1907. Seine letzte schach- liche Betätigung war die Leitung des vorjährigen großen Baden-Badener Schachturniers, welche in seinen Händen ruhte. Die Narrenkappe. Splitter und Sparrev vom RedakttonStisch. Aha. daher. Das „Eulengesicht" war ein Tagelöhner. Erschallte viel, und wenn er ordentlich geschafft, hatte, trank er bei dem dicken Schorsch, dem Wirte, der um die Ecke wohnte, einen Schnaps. „Segen ist der Mühe Preis", sprach er zu sich selbst. Das kluge Gulengesicht kannte seine „Glocke" noch von der Schule her. Der dicke Schorsch, der Wirt, war geizig von Iugend an. Ganz gegen die sonstige Gewohnheit der Dicken. Schon lange kam dem runden Eulengesicht der Dünne Schnaps des dicken Schorsch verdächtig vor. Als ihm dieser eines Abends wieder fein Viertelchen „Ordinären" vorgesetzt und der Gast davon getrunken hatte, fragte ihn das harmlose, runde Eulengesicht, wobei es die Augen zukniff wie ein Kauz bei Tage, also so ganz von ungefähr: „Weißte Schorsch, toorim bei’ Schnaps so dinn is?" „Oläa.“ — „Weil i ch mir — soviel Wasser eninn getan hab!" Appetit. „Herr Leutnant/' erzählt der Unteroffizier seinem Zugführer, „der Musketier Balzuweit verdrückt zwei Kommißbrote auf einen Sitz!" — „Was?" sagt der Leutnant, — „Donnerwetter, großartig, Kasino erzählen!" - Das tut er denn auch, findet aber nur Staunen und Unglauben. Schließlich wettet er, er wolle den Fretzkünstler morgen vorführen und wolle die gesamte Zeche bezahlen, wenn der Balzuweit nicht die zwei Kommißbrote vertilge. Frühmorgens gibt er dem Unteroffizier Anweisung, den Balzuweit um sieben Uhr ins Kasino zu beordern, damit er sein Kunststück dort vorführe. Punkt sieben Uhr tritt der Soldat ein, man ist sehr nett zu ihm. er Darf sogar abschnallen und sich an den Tisch setzen. Dann geben sie ihm zwei Kommißbrote, und et legt los, wie ein Scheunendrescher. Aber beim zweiten fängt er an zu schwitzen, die Augen quellen ihm aus dem Kops, er bekommt Erstickungsanfälle und erklärt schließlich, als anderthalb Brote verdrückt sind: „Geht sich nid) mehr, Herr Leitnant, is sich unmegglich!" - Der Leutnant ist wütend, jagt ihn hinaus und kauft, sich anderen Morgens Den Unteroffizier. „Donnerwetter," pfeift er ihn an, „kostspieliger Scherz, haben mich angelogen. Kerl frißt ja gar keine zwei Brote!" — „Verzeihen Herr Leutnant," ertoibert Der Unteroffizier, „ich hab's gestern abenD, ehe Der Mann ins Kasino ging, noch zweimal mit ihm geübt. Da klappte Die Sache tadellos!" Stumpfsinn. An einem Fluh sitzt ein Mann und angelt. Sechs Stunden. Hinter ihm steht ein Mann und sieht zu. Sechs Stunden. Der Angler fängt nicht den kleinsten Fischefisch. Endlich reißt Dem Zuschauer Die Geduld. „Es gibt doch nichts Stumpfsinnigeres als Angeln", sagt er. »Doch." „Was Denn?" „Zusehn." Gelegenheit, seine brillante Fingertechnik und seinen gut ansprechenden Ton voll und ganz zur Geltung zu bringen. In der folgenden Ballade in bl-Moll vor, Liszt für Klavier bewies Frl. W i e - g a n D wiederum ihre feine musikalische Auffassung und korrekte Fingertechnik. 9m zweiten Teil des Programms brachte Herr Thies die leider so selten gespielte Berceuse von Doppler und bas Andante in E-Dur von Mozart in allen Teilen gut klingend zu Gehör. Rach einigen weiteren Klavier- folts, Werke der bekannten russischen Komponisten Rachmaninoff und Mussorgski, bildete die Große Konzertfantasie Le Trem von Demersseman. ein prachtvolles Werk, das verdient, öfters gespielt zu werden, den Abschluß des Konzerts. Die Besucher lauschten mit sichtlichem Interesse den vortrefflichen Darbietungen der beiden Künstler und kargten nicht mit Beifall, wofür Die Künstler mit einer Zugabe dankten. k. —Eine Kaninchenausstellung veranstaltete der hiesige Kaninchenzuchtverein in der Turnhalle des Gymnasiums. Die Ausstellung war mit wertvollem Zuchtmaterial sehr gut beschickt, auch war der Besuch recht zahlreich. Als Preisrichter hatie man Herrn Wießner-Neu-Isenburg gewonnen. Besonders waren die Rasten Schwarzloh, Silber, Holländer, Alaska, Havanna, Riefenschecken, Marburger Feh, Angora, Blaue Wiener und Hermelin vertreten. Die Preisverteilung hatte folgendes Ergebnis: Als höchste Auszeichnung erhielt für beste Gesamtleistung Georg Schellhaas-Gießen den Bun- despreis des Bundes Deutscher Kaninchenzüchter. Bclgische Riesen: Ehrenpreis Will). Opper- Daubringen. B. Weiße Riesen: 1. Preis Ernt. Zipp-Niedershausen, 2. Preise Gg. Schellhaas-Gle- ßen, August Ludwig-Niedershausen. C. Silber» Kaninchen: Ehrenpreise: Otto Steih-Gteßen, W. Opper-Daubringen. Georg Pieh-Gießen: 1. Preise Otw Stech-Gietzen, Richard Scheinoflug-Dorlar: 2. Preise: Georg Schellhaas-Gießen, Hewnch Wa- genbach-Daubringen, Otto Steih-Gießen.K. Damm- Saasen und Heinrich Römer-Gießen. D. Weihe Wiener: Ehrenpreis: Hans George-Großen- Linden- 2. Preis Karl Kirchner-Gießen. E. Blaue Wiener: Ehrenpreis und 1. Preis: Gg. Schellhaas-Gießen, 2. Preis Hch. Kaspar-Wallen- rod. F. Marburger Feh: Ehrenpreis und drei 2. Preise Richard Glagow-Gießen, 1. Preis K.Me- lius-Gießen. G. Schwarzloh: Ehrenpreis Hch. Feiling-Dorlar, 1. Preis Ioh. Folsing-Gießen, L. Kreiling-Gießen, 2. Preis Hch- Mattern-Dorlar. H. Eng11fche Schecken: Ehrenpreis Heinz Rer- chard-Krmdorf. zwei 1. Preise Herrn. Haibach-Krofdorf. J. Hermelin: Ehrenpreis und zwe» 1. Preise Hch. Mattern-Dorlar. K. Jungtiere: Ehrenpreis Gg. Schellhaas-Gießen: 2. Preise Ioh. Appel-Gießen, W. Ullrich-Gießen, Gg. Schellhaas. Gießen. L. Andere Rassen: 1. Preis K. För- ster-Dorlar (für Thüringer), 2. Preise W. Ullrich Gießen (für Groß-Chinchilla), Hch. Mohr-Niedergirmes (Havanna), 3. Preise Alb. Will-Niedershausen (Holländer), Hch. Becker-Gießen (Angora). M. N e u Züchtung (Deren Felle Denen Des Blaufuchs nahe kommen): Langhaarige Groß-Silber zwei 3. Preise Hch. Kreuter-Gießen. N. $ r o D u f t c: Hier würben Pelze und Pelzgarnituren, aus Kaninchenfellen her gestellt, gezeigt. 2. Preise L. Kreiling und Ioh. Ap pel, beide aus Gießen, 3. Preis K. Schäfer-Gießen. — Mit Der Ausstellung verbunden war eine Versammlung des hiesigen Kaninchenzucht Vereins und Die Hauptversammlung des Kreisvereins. Nach dem Jahres- unD Kaffen bericht zählt der Kreisverband 170 Mitglieder und ein 23erbanDsoermögen von 750 Mk. Der Kreisoer band lehnte Die Unterstützung Des Vereins ß a n g - Göns ab unD schloß Den Verein aus Dem Verbände aus. Die Kreisverbandsarisstellung für 1926 für Die zusammengelegten Greife Gießen und Alsfeld wurde Dem Kaninchenzuchtverent ÄlsfelD übertragen. Die Kreisvorstandswahl hatte folgenbes (Ergebnis: 1. Vorsitzender Kreiling- Gießen: Stellvertreter W a g en b a ch - Daubringen; I. Schriftführer M e lins; 2. Schriftführer Ulrich: 1. Kassierer Schmidt, 2. Kassierer Schäfer (sämtlich in Gießen): Beisitzer Reitz- Stangenrod. Der Verein Gießen überreichte Dem Züchter Walter Ader mann in Anerkennung feiner Verdienste eine Ehrenurkunde. Es wurde bejchlossen, daß in jedem Monat eine Versammlung mit Aussprache und Vor trag gehalten werden soll, um die Kaninchenzucht in Gießen wieder mehr zu heben. Es ist Tatsache, datz feit Den letzten Jahren Die Kaninchenzucht zurück- gegangen ist. Die Hauptversammlung Des Hessischen SanDesoerbanDes findet am 7. März im Hotel Hopfeld in Gießen statt. Auftrieb auf Dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: fünf Kühe. 1176 Kälber, 507 Schafe, 637 Schvxine. GC^e Sodener Pastillen gegen Husten, Heiserkeit, Verschleimung Heute morgen 10V« Uhr entschlief plötzlich und unerwartet nach kurzer Krankheit unser liebes Kind, Schwesterchen und Enkelchen Elly im Alter von l1/« Jahr. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Ludwig Nepp 11. und alle Angehörigen. Großen-Linden, den 10. Februar 1926. 0984 Die Beerdigung findet Freitag, den 12. Februar, nachmittags 3* 'sUhr, vom Sterbehause Stein weg 11 aus statt. Gießen, den 10. Februar 1926. 0951 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen sagen innigen Dank Karl Appel, Zugführer L R. Emmy Dllfer geb. Appel Tilly Appel Peter Dllfer. Danksagung. Für die überaus zahlreichen, wohltuenden Beweise aufrichtiger Teilnahme an unserem schweren Verluste sowie für die zahlreichen Kranzspenden sagen wir auf diesem Wege allen unseren herzlichsten Dank. 1. N. der Hinterbliebenen: Karl Koch, Lehrer. Rödgen, den 10. Februar 1926. 1306D Schwaab's Weinstuben ™a Warme Küche — Kalte Platten Gote Auwchankweine Bodega u Drei getrennte Räume :: Für Vorbestellung Fernruf 27 Bekanntmachung. Die Anmeldung der mit 'Beginn des neuen Schuljahres (19. April 1926) schulpflichtig werdenden Kinder hat zu erfolgen 1. Für alle Knaben: Montag, den 15. Februar 1926, vormittags 9 bis 10l/3 älhr, in der Stadtknabenschule. Äordanlage 8; 2. Für alle Mädchen: Dienstag, den 16. Februar 1926, vormittags 9 bis 10V2 Ähr, in der Stadtmädchenschule, Schillerstrahe 8. Bei der Anmeldung ist der Impfschein und bei auswärts geborenen Kindern auch der Geburtsschein vorzulegen. Die Schulpflicht besteht für alle Kinder, die bis zum 1. Mai 1926 das 6. Lebenswahr vollendet haben. Es können jedoch zu derselben Feit auch solche Kinder angemeldet werden, die bis zum 30. September 1926 das 6. Lebensjahr vollenden, und die geistig und leiblich als schulreif erkannt werden. Ein weiterer Termin für die Schulaufnahme findet nicht statt. (Ziehen, den 9. Februar 1926. 1260B Stadtschulamt. I. D.: Pr. Alle s. Arbeitsvergebung. Unter Hinweis auf den Ministerial- erlah vom 16. Juni 1893 und seinen Ergänzungen werden nachstehende Innenausbau-Arbeiten mit Lieferungen für das Beamtenwohngebäude IV. Reihe in Nidda im öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben : Glaserarbeiten, Weibbinder- und Anstreicherarbeiten, Tapezierarbeiten, Schreinerarbetten, Schlofferarbeiten, InstallationSarbetten: ».Beleuchtung, b. Wafferzu- und Ableitung. Zeichnungen, Bedingungen und Angebotsunterlagen sind auf unserem Amt einzusehen, die letzteren find daselbst zum Selbsttostenpreis, solange Vorrat reicht, erhältlich. Die Angebote sind verschlossen und mit der Aufschrift »Beamtenhaus Nidda" bis zum Eröffnungstermin am 25. Februar 1926, vormittags 11 Uhr bei unS einzureichen. Zuschlagssrist 4 Wochen. Büdingen, den 10. Februar 1926. _______Hess. Hochbauamt. Frey. 12,1D Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. B wurde heute bei der Firma Commerz- und Privatbank, Aktiengesellschaft Filiale Gießen olgendes eingetragen: Dr. Otto Fischer und Wilhelm Horn, beide in Berlin, sind aus dem Vorstand ausgeschieden. Gießen, den 5. Februar 1926. 1280B _______ Hessisches Amtsgericht._______ Bekanntmachung. Der Voranschlag für 1926 liegt vom 12. d. M. ab eine Woche auf dem Amts- zimmer des Bürgermeisters zur Einsicht offen. Einwendungen' können während dieser Zeit schriftlich odc mündlich zu Protokoll erhoben werden. Beuern, den 10. Februar 1926. Bürgermeisterei Beuern. Lindenstruth. 1277D Senilen Brauöl Neuen Baue 22 Gltt möüi. Zimmer Bette Verpflegung Tel. 1085. MP mW. Zimmer zu vermieten 10963 Franks. Str. 43 p. Gut möbliertes Zimmer sofort zu verm rwoa Mrdurger 5fr. 49 p. Freund!., gut möbl. Zim tuet beste Lage, eleklr. Lickt per 15. Febr. evtl. 1. 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Gäste herzlich willkommen. Non 7' i Uhr ab Ausgabe von BundeSschrislen und Büchern int IohanneSsaal. 1242 D Der Vorstand. Hessische Vereinigung für Volkskunde Freitag, 12. Febr. 1926, abends 8 Uhr, im Großen Hörsaal der Universität: 23ortrag mit Lichtbildern von Herrn Prio.-Doz.vr.AdolfSpamer aus Frankfurt am Main über: Das kleine Andachtsbild d.14. bis 20. Jahrhundert Eintritt frei. Gäste willkommen. Der Vorstand: Dr. Gg. Faber, Vorsitzender. 11771) MeMe morgen früh eintreffend: 1308c SAllWeo.S....W. 35 Bf. merlon 3/r2ufünöig ,, 35 Bf. Grüne Heringe 20 Bf. eßüilouo.8. . .Bfö. 30/35 Bf. Seelachs 0.6 25/30 Bf. MMMiiMO Babnbofstr.27, Telepbon 1631 pferde-versteigerung. Montag, den 15. Februar 1926, vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Hofe des Marsiallgebäudes, Mathiidenplatz 17, dahier, acht ausgemusterte Landgestütsbeschäler, zwischen 9 und 14 Jahre alt, darunter ein Gespann schwerer, großer Füchse, ein Gespann schwerer Braune und ein Gespann leichter Braune, geeignet als Arbeits- und Fuhrhalterpferde, gegen gleich bare Zahlung, öffentlich versteigert werden. Darmstadt, den 8. Februar 1926. Hessische Landgestüts-Direftion. Schorfe. 1276D Morgen Freitag, 12. Februar: WeiiM .MIM MIO Mall WEM MKlM Freitag, den 12. Februar nachmittags 2 Uhr versteigere ich im Löwen» Neuenweg dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Bücherschrank, 1 Schreibtisch mit Sessel, 2 Divans, 1 Tisch, 1 Kontrollkaffe, zwei Ladentische, 1 Ladeneinrichtung, 2 Glaskasten, verschiedene Büchsen Lack und Farben, 1 Klavier, J Schreibtisch, eine Standuhr, 1 Damenfahrrad, 4 Gasherde, 8 Milchkannen, 1 Küchenherd. 1303D Hebbel Hessischer Gerichtsvollzieher in Gießen Dammstraße 24 I. EinBäckermeisters- fohn vom Lande findet Gelegenheit, fick int dritten Lehrjahre in der Feinbäckerei weiter auszubilden. Näheres bei Herso, -Llockstr. 5. (1279h Suche Stelle als NM in Konditorei. Schr. Angeb. unter 0969 an den Gieß. Anz. erb. Stellengesuche Wlkermeisierstolhkec 2l J.,evgl., sucht zum 15. März ob. später Stellung In gntem Hanse zwecks Erlernung des Haushalts m. FamiltenanschU a. liebst, wo Dienstmädchen vorh. Etw. Taschengeld erw. Offerten unter 12000 a. d. Oberh. Zeitung, Alsfeld, Oberh. H9»P | Verkäufe j Ein Wurf Ferkel gute Fresser, mit Schlappohren. t9G1 Salzböden, Junkermühle. Mehrere leichte Einspänner- Wagen für Wiederverkauf., Schmiede u.Wagenb. billig zu uert 0978 Fahrzeugbau O. Faber, Mühlstr.22, Tel. 1096. Leicht- Motorrad bis zu 3 P. 8.. zu kaufen gesucht. Schr. Angeb mit Preis u. 0972 an den G. Anz. «K Alle Hausfrauen loben unsere billigen Fleisch- und Wurstkonserven Unterzeichnete Geschäfte sind durch gemeinschaftlichen, größeren Kaufabschluß mit einer der bedeutendsten Fleischkonservenfabrik Deutschlands in der Lage, nachstehende Konserven anzubieten: 1 Kilodose prima Rindfleisch im eigenen Saft Mk.1.38 ’/• „ prima Gulasch (Rind-u. Schweinefleisch) „0.88 V? „ Deiikateß-Rotwurst......... „ 1.25 V» ,, Delikateß-Leberwurst........ „ 1.25 Der unerwartet große Absatz veranlaßte uns, einen zweiten größeren Posten hereinzunehmen, den wir ab heute zum Verkauf stellen. Touristen wollen diese Gelegenheit nicht versäumen. Auf Wunsch werden Kostproben verabreicht. 1286D J. M. Schulhof Marktstraße 4 Adolf Plack Neuen Baue 17 Holzversteigerung im Fürstlichen Forstrevier Hungen. Distrikt Dietrichsberg bei Villingen am Montag, dem 15. d. M., 10 Llhr vormittags im Saale der Gastwirtschaft Strack zu Villingen. Zum Ausgebot kommen aus dem Distrikt Dietrichsberg bei Villingen: Fichten: 607 Stück Reisstangen und 1500 Stück Bohnenstangen. Buchen: 272 Rm. Scheiter, 168 Rin. Knüppel, 51 Rm. Stöcke, 412 Rm. Ast- unö Stammreiser. Eichen: 45 Rm. Knüppel. Fichten: 14 Rm. Knüppel, 11 Rm. Stöcke. Gleichzeitig kommen zum Ausgebot aus Distrikt Tiergarten bei Hungen. Eichen: 3 Rm. Knüppel, 36 Rin. Weich- holz-Stamrnreiser. Fichten: 17 Am. Knüppel, 28 Rm. Stöcke. Buchen: 357 Stammreiser. Für die auswärtigen Käufer steht am 7 Uhr-Zuge vormittags ein Führer zur Besichtigung des Holzes zur Verfügung. Das Holz sitzt meistens an der Straße oder in deren Rähe, V, Stunde von Villingen entfernt. Das blau gekreuzte Holz kommt nicht zum Verkauf. Braunfels, den 10. Februar 1926. ________Fürstliche Rentkammer. 1297D Bekanntmachung. Der Voranschlag für 1926 liegt vom 11. ds. Mts. ab eine Woche auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters zur Einsicht offen. Einwendungen können wahrend dieser Zeit schriftlich oder mündlich zu Protokoll erhoben werden. 1295D Bettenhausen, den 9. Februar 1926. Bürgermeisterei Bettenhausen. ____________Leidner.____________ la MsenflM ver M......i.oo la SWM MM.......0.70 la WWM...........1.00 la MösMMen........1.10 Gießener zieischhalle lvalltorstratze 52. 1288D TBarum ärgern Sie sich immer wieder, baß Ihre Zahnpasta beim Gebrauch so spritz« unö Ihnen jedesmal 3hre Sachen beschmutzt? Versuchen Sib einmal die choX-lHNN-Zahnpasta, sie besitzt diesen Fehler nicht und ist dabei bedeutend sparsamer, nur Io« wenig genügt ooHfommen. Eine Tube reicht dreimal solange wie andere Marken. Alle guten Eigenschaften und Wirkungen, die bei der Reklame anderer Zahnpasten hervorgehoben werben, sind in der Sauerstoff-Zahnpast« BIOX ULTRA vereinigt. Holzversteigerung. Die Fürstlich Solmsische Obersörsterei Hohensolms versteigett an Ort und Stelle: Montag, den 15. Februar aus dem Distrikt Windelbach: Stammholz Fichten Va.Kl. 5 St. mit 3,30 Fstm., Vb-Kl. 29 St. mit 5,12 Fstm., Lärchen Vb-Kl. 3 St. mit 0,71 Fstm.: Stangenholz Derbstangen Eichen 2. Kl. 10 St. (Wagendeichsel), Fichten L/III. Kl. 452 St., Reisstangen Fichten 95 St.; Schichtnutzholz Eichen 9 Am. Ruhscheit (Döttcherholz), 4 Rm Rollen, 6Rm.Knüppel. Scheitholz Buchen 47 Rm., Eichen 3 Rm., Knüppel Buchen 121 Rm., Eichen 24 Rm-, Kiefern 6 Rm., Fichten 4 Rm.; Stockholz Eichen 39 Rm., Reisholz Buchen 5270 Wellen, Eichen 1500 Wellen. Zusammenkunft 10*/a Ahr auf der Landstraße Eingang in die Windelbach. Dienstag, den 16. Februar, aus dem Distrikt Ißelscheid: Stammholz Kiefern IV. Kl. 1 St. = 0.57 Fstm., Fichten Va-Kl. 2 St. = 0,81 Fstm., Vb-Kl. 71 (St = 12,99 Fstm., Stangenholz Derbstangen Fichten l./IIL Kl. 368 St., Reiserstangen Fichten IV. und V. Kl. = 2600 St., VI. Kl. = 600 St. (Bohnenstangen), Schichtnuhholz Eichen 3Rm. Rutzknüppel. Knüppel Buchen 24 Rm., Eichen 14 Rm , Reisholz Buchen 2900 Mellen, Eichen 1000 Wellen. Zusammenkunft 10 Uhr bei Brennholz Rr. 1. 1235D Schönes 3x6- Ziiiwtas mit Bad u. großem Garten, in feiner, ruhiger Lage zu verkaufen, wogegen 2 oder 3x4- Zimmer-HauS nebenentspreckender Verauszahlung in Zahlung genommen wird, bei gletchzeit. Wohnungstausch. Schr. Angebote von Besitzern unt 0964 an den Gtest. Anz. dllllllllllllllllllllllllllllllllll Geschäftshaus beste Lage, Laden und Wohnung frei, Anzahlung 10 000 .A Bauplatz zu günstigen Bedingungen zu verkauf. Schr. Angeb. u. 0993 an den Gieß. Anz. millllllllllllllllllllllllllllllD Ein starker Mimen zu verkaufen. 0966 Steinbach, Hauprstrahe 45. 1 Vertiko, 1 Köchen- sokraak, 1 Kommode, 1 rote» Pltixcbsofa, 1 Tisch, Bettstelle m. I!Ietr.,fern.AnxttgeiL Schuhe billig su oett npg i Kirchenvl. 15, MM komplett, zu verk. Bäulke, 0973 Wolsstrahe 21. 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Abfahrt 8.16 nach Grünberg (nicht wie im Wan- dervlan angegeben: Abmarsch 9 Uhr». Wanderung von Grünberg nach Gießen. 1287D Monatsversammlung Samswg, 13.3eöroar. oöenös 8.30 in der„StadtLich". Der Verbands- tag 1928 tn Gießen steht auf der Lagesordnung. 0976 _Ter Borstand. Q12. II. 8 Uhr Vortrag Br. H. mit Sehw.n.6, Stadttheater Freitag, 12. Febr., 1S.Ireltag-Abn.vM. von 7'/« b. geg. 10 Uhr Sie äötifenatiffcl. Operette in 3 Akten von Jarno. u37$ Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhssfen) Donnerstag,«. Februar 1926 Nr. 35 Zweites Blatt Wünsche der Landesuniversitat. (Schluß.) 3n der Veterinär-Medizinischen Fakultät liegen sehr dringende Bedürfnisse vor. und zwar handelt es sich 1 um die ordentliche Professur für Veterinär Hygiene, beantragt am 3.8. 1923, vom Landesamt als dringend wünschenswert anerkannt am 4. Dezember 1924; 2 . um die außerordentliche Professur für Geburtshilfe und Poliklinik, von der Fakultät schon vor 23 Jahren, vom Gesamtsenat am 12. November 1924 beantragt. Die umfangreichen und bedeutungsvollen Aufgaben, die dem Veterinärhygienischen und Tierseuchen-Institut in Volks- und landwirtschaftlicher, in sanitäts- und veterinärpolizeilicher Hinsicht zukommen, sind schon ausführlich dargelegt worden, als dem Landtag der Antrag zur Errichtung eines solchen Instituts unterbreitet wurde. Nachdem nun das »euerrichtete Institut seit etwa 1V2 Jahren den Betrieb ausgenommen hat, find seine Arbeiten im Dienste der wissenschaftlichen Forschung, des Hnterrichts unb der praktischen Bekämpfung der Tierseuchen schon jetzt zu einem solchen Umfange angewachsen, daß der Direktor der Medizinischen Veterinärklinik neben den Aufgaben dieser Klinik fernerhin nicht auch zugleich die des Veterinär- hygienischen und Tierseuchen-Instituts nebenamtlich bewältigen kann. An sämtlichen übrigen veterinärmedizinischen Fakultäten und tierärztlichen Hochschulen Deutschlands und auch an den auherdeutschen tierärztlichen Lehranstalten besteht schon — und zwar an den meisten seit Jahrzehnten — ein Ordinariat für Veterinär- Hygiene. In Gießen allein fehlt ein solches. Menn unsere Veterinärmedizinische Fakultät auch weiterhin neben ihren Schwesternanstalten gedeihen soll, so ist die Errichtung dieses Ordinariats eine unabweisbare Lebensnotwendigkeit. Auch die Errichtung der planmäßigen außerordentlichenProfessurfürGe- b u r t s h i l f e und Poliklinik ist für die volle Leistungsfähigkeit der Fakultät von allergrößter Wichtigkeit. Die Entwicklung der Veterinärmedizin hat den Instand, wie er in Gießen besteht, schon längst und weit überholt. An sämtlichen tierärztlichen Fakultäten und Hochschulen in Deutschland bestehen entweder für das Fach der Geburtshilfe allein oder in Verbindung mit Tierzucht oder Poliklinil eigene Professuren, und zwar Ordinariate mit geburtshilflichen Kliniken. Die Bedeutung, die der Geburtshilfe in der Tätigkeit des praktischen Tierarztes zutommt, und die jedem, der von den landwirtschaftlichen Verhältnissen auch nur einigermaßen unterrichtet ist. ohne weiteres klar sein dürfte, verlangt gebieterisch eine bessere Ausbildung der Studierenden auf diesem Gebiete. Zu diesem Zwecke ist die Errichtung einer geburtshilflichen Klinik und einer besonderen Professur für das Lehrfach der Geburtshilfe, das in Gießen bis jetzt nur nebenamtlich auf Grund eines Lehrauftrags von dem Kreisveterinärrat vertreten wurde, ein unauf- schiebliches und dringendes Bedürfnis. Auch das Ministerium des Innern ist bereits zu der Heberzeugung gekommen, daß die Verbindung des Kreisveterinäramtes mit dem Lehrauftrag für Geburtshilfe. Veterinär Polizei und Poliklinik nicht länger aufrecht erhalten werden kann. Die Anträge zur Errichtung eines Instituts für Geburtshilfe an der Veterinärmedizinischen Fakultät gehen bis auf das Jahr 1900 zurück. Schon damals fanden sie beim Gesamtsenat wärmste Hnterstützung und bei der Regierung eine bereitwillige Aufnahme. Aus verschiedenen Gründen, insbesondere aus solchen finanzieller Art. sodann infolge des Krieges, wurde die Ausführung des Planes immer und immer wieder hinausgeschoben, so daß unsere Veterinärmedizinische Fakultät auf dem Gebiete des geburtshilflichen Unterrichts rückständig geworden ist. Der Mangel eines solchen Instituts beeinträchtigt die praktische Ausbildung der Studierenden in hohem Grade. Unter den bestehenden Verhältnissen kommt es vor, daß der frisch in die Praxis hinaustretende Tierarzt noch nicht einmal eine normale Geburt gesehen hat. Die immer dringender sich geltend machenden Forderungen der Wissenschaft und Praxis auf dem Unterrichtsgebiet der Geburtshilfe sowie die Vorschriften der neuen Prüfungsordnung für Tierärzte vom 21. August 1925, die die Abhaltung von geburtshilflichen Kursen verlangen, machen die Errichtung eines geburtshilflichen Instituts zum unabweisbaren Bedürfnis, dessen Nichterfüllung unsere Veterinärmedizinische Fakultät aufs schwerste schädigen würde. Dieser Rotwendig- keit hat sich auch die Regierung nicht verschlossen. Einer Anfrage der Abgeordneten Brauer und Genossen wegen der Errichtung eines geburtshilflichen Veterinär-Instituts wurde von der Regierung die Antwort zuteil, daß sie die Not- ivendigkeit durchaus anerkenne und lediglich in Rücksicht auf die offensichtliche Rotlage des Staates — es war die Zeit der Inflation — nicht in der Lage sei, Mittel bereitzustellen. Ferner hat die Regierung auf eine Anfrage der Abgeordneten Fenchel und Genossen vom 13. Oktober 1925 am 4. Rovember 1925 folgendes geantwortet: -Rotwendigkeit und Dringlichkeit der Errichtung oes Instituts werden — wie seither schon — von uns durchaus anerkannt. Sobald die wirtschaftliche Lage den kritischen Tiefstand überwunden hat, auf dem sie sich heute befindet, und der u. E. jede erhebliche Anforderung aus- schließt, werden wir im Sinne des Antrages Fenchel eine Sondervorlage vorbereiten." Nachdem also die Errichtung eines Instituts für Geburtshilfe an der Veterinär-medizinischen Fakultät allieitig als eine dringliche Notwendigkeit anerkannt worden ist, hoffen wir bestimmt, daß der Verwirklichung dieses Planes sobald als irgend möglich nähergetreten wird. In der zweiten Abteilung unserer Philosophischen Fakultät stehen noch aus: 1. die dritte landwirtschaftliche Professur. 2. die außerordentliche Professur für Agrikulturchemie. 3. die außerordentliche Professur für experimentelle Psychologie. Der gesamte landwirtschaftliche Unterricht liegt zur Zeit in den Händen zweier planmäßiger ordentlicher Professoren, zu denen zwei mit Lehrauftrag versehene nicht planmäßige Dozenten treten. Dieser Zu st and rann unmöglich länger ausrechterhalten werden, denn die Lehrtätigkeit der beiden Ordinarien ist im wesentlichen auf die Fächer der Betriebswirtschaft und der Tierzucht, die der beiden beauftragten Herren auf Pflanzenbau und Agrikulturchemie beschränkt, während für alle anderen Fächer von zum Teil großer Wichtigkeit: für 'Pflanzenzüchtung, für Molkereiwesen, für Pflanzenschutz, d. h. Bekämpfung der tierischen Schädlinge und der Pflanzenseuchen, besonders auch für das jetzt im Vordergrund stehende landwirtschaftliche Maschinenwesen und den öffentlichen Wetterdienst, fachmännische Dozenten fehlen, wie sie nicht nur die landwirtschaftlichen Hochschulen Hohenheim und Poppelsdorf, sondern auch anbere landwirtschaftliche Hniversitätsinstitute besitzen. Untere Forderungen gehen nun nicht so weit, daß wir sofort die Schaffung neuer Professuren für alle diese Fächer beantragen, aber für durchaus notwendig halten wir die Schaffung zweier neuer plcurmäßiger Professuren. Die Notwendigkeit einer dritten planmäßigen Professur ist auch von der Regierung längst dadurch anerkannt, daß die Professur schon einmal in den Staatshaushaltsplan eingestellt war. Eine vierte Professur, das Extraordinariat für A g r i k u l t u r ch e m i e, ist seit dem Wintersemester 1918/19 wiederholt vom Senat der Landesuniversität beantragt, aber Aus der religiösen Dichtung der Gegenwart. Lic. Goebel- Marburg sprach bei Keißner an einem zweiten Abend über den Schweizer Dichter Albert Stessen (geb. in Murgenthal 1884). Ausgehend von einer Stelle aus dem Drama „Die Manichäer" charakterisierte der Vortragende als die seelische Grundrichtung Steffens die beständige Suche nach dem noch unaus- getragenen Schicksal in der Welt. Steffens Weltanschauung ist Naturanschauung; nicht pantheistisch wie bei Morgenstern (dem der erste Abend gewidmet war), sondern geistige Naturansicht, in tieferem Goetheschen Sinne. In einem Aufsatz Der Weg des Dichters" (Steffen selbst kam in längeren Exzerpten aus seinen Büchern ausgiebig zu Wort) wird die Maxime aufgestellt. den Meister nicht in den Menschen, sondern, von der Natur geleitet, in der eigenen Brust zu suchen; die Natur als Erzieherin zur kosmischen Liebe. Aus einer anderen Schrift, der „Pilgerfahrt zum Lebensbaum" wird die merkwürdige Einstellung Steffens zu den Dingen der Natur . gekennzeichnet. Die Betrachtung der Pflanzenwelt (die Goethesche Metamorphose und Hrpflanze wird gestreift) führt zur Befruchtung des lyrischen Dichters. Im Anschluß an einige Proben zog der Vortragende vergleichsweise Stellen aus der Lyrik Rilkes an, was, zum mindesten nach den gehörten Gedichten, etwas gewagt erscheint; Steffen wurde hier doch Wohl auf Kosten des Stundenbuchdichters überschätzt. Von den Dramen des Schweizers wurde „Das Diergetier" eingehender behandelt. Höchst sonderbar: in Qlbler, Löwe und Stier, den Tieren der Evangelisten Johannes, Markus und Lukas ergeben sich Beziehungen zu dramatischen Elementen. Tiere werden offenbar als Apperzeption dramatischer Begriffe behandelt. And wie das Pflanzenreich den Dichter zum Lyriker macht, muß der Dramatiker auf das Tierreich schauen. Man muh solcher Raturbetrachtung, selbst wenn man sie für abstrus hält, mindestens Originalität zuerkennen. Heber die Entstehung des Dramas vom Viergetier hat sich Steffen in der von ihm geleiteten Zeitschrift „Gretheanum" ausgelassen, wo eine merkwürdige, an den Naturalismus erinnernde Vision in einem Berliner Hinter Hause beschrieben wird. Der Grundgedanke dieses Dramas ist, wie Steffen sich ausdrückt, das Suchen nach dem erlösenden Wort. Endlich die Epik (Romane und 2kovellen liegen vor). Für die Epik ergeben sich, analog dem oben Entwickelten, die inspirierenden Beziehungen für Stessen aus dem Mineralreich; hier scheint in der Tat der ästhetische Konstruktivismus auf die Spitze getrieben. Nach der Besprechung zweier Romane („Die Erneuerung des Bundes" und „Die Bestimmung der Roheit") kehrte der Vortragende zu der anfangs zitierten „Manichäer"-Stelle zurück und schloß mit einer Gegenüberstellung von Steffen und Christian Morgenstern. -y- Mufik und Medizin. Die Volksmedizin enthält einen überaus reichen Schatz von Erfahrungen, der durch die Jahrtausende aufgespeichert worden ist unb immer wieder toenbet sich auch die moderne mebizinische Wissenschaft diesen uralten Hausmitteln und Ratschlägen zu, die, sofern sie nicht auf reinen Aberglauben gestellt find, häufig einen beachtenswerten Kern enthalten. So ist es auch z. B. mit der Verwendung der Musik in der Heilkunst. Nervenärzte der allerjüngiten Zeit haben besonders in den Vereinigten Staaten auf die besänftigende und beruhigende Macht der Töne hingewiesen, die schon König Saul erprobte, da er sich von David die Harfe schlagen ließ. Man hat diese Einwirkung näher erforscht und besonders Tonstücke namhaft gemacht, die bei gewissen Krank- heitserscheinungen anzuwenden sind. Solche Beobachtungen sind aber natürlich nicht neu, sondern wurzeln wie die ganze Volksmedizin in -Urformen des Denkens und Glaubens. In einem überaus inhaltsreichen, bei der Dietrichschen Verlagsbuchhandlung in Leipzig erschienenen Werk „Antike und moderne Volksmedizin" hat Eduard Stemplinger mit ausgebreiteter Gelehrsamkeit die Wurzeln dieser Anschauungen in dem Dämonenglauben aufgezeigt und die ganze antike Literatur über bte kultischen und oktultisti- schen Heilmethoden, über die astrologische Medizin, die kritischen Tage usw. herangezogen, um sie mit den modernen Erscheinungen zu vergleichen. Dabei beschäftigt er sich auch mit der „musikalischen Medizin". Er führt diesen Glauben an die Heilkraft der Töne letzten Endes auf die mystische Bedeutung zurück, die die Zahlen in der Dolksmelodie besitzen, und dieser Glaube an die glückliche Bedeutung gewisser Zahlen war es. der die Pythagoreer zum Ton und zur „Harmonie der Sphären" führte. Gellius berichtet über diesen Zusammenhang der pythagoreischen Lehre mit den medizinischen Vorstellungen: „Nach dem Gesetz der Siebenzahl sollen bei dem Menschen auch die Blutadern oder vielmehr die stets aus finanziellen Grüirden abgelehnt worden. Der agrilulturchemische Unterricht, an dem in diesem Semester fast 100 Studierende teilnehmen, hat aber gerade seit dem Kriege eine besondere Bedeutung dadurch gewonnen, daß jetzt eine rationelle Düngerwirtschaft vom Lanowirt und Forstwirt, eine rationelle Futterwirtschas: vom Landwirt und Veterinär verlangt werden muß. Die Förderung des agrikulturchemischen Unterrichts durch Schaffung einer planmäßige.: Professur liegt im Landeskulcurinteresse. wie im Interesse des landwirtschaftlichen, forstwissen- schaftlichen und veterinärmedizinischen Unterrichts. Für die experimentelle Psychologie haben Fakultät unb Senat seit 1921 immer toieber eine außerordentliche Professur beantragt, beren Notwendigkeit angesichts der Bedeutung des Faches auch von der Regierung anerkannt worden ist. Nur aus finanziellen Gründen wurde die Einstellung dieses Extraordinariats wiederholt verschoben. Jetzt fordert der Ausbau des päda- g o g i I ch e n Hnterrichts an der Universität diese Professur um so dringender. Ist beiden Abteilungen der Philosophischen Fakultät sollen wichtigc Lehraufträge und unentbehrlicheAssistentcnstellen zum 1. April dieses Jahres dem endgültigen Abbau verfallen. Die Einstellung der Lehraufträge in den Haushaltsplan von 1926 ist, wie toir hören, vom Landesamt beantragt, aber vom Finanzministerium abgelehnt worden. Dadurch werden wertvolle Lehrkräfte der Philosophischen Fakultät in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdet und unter Umständen gezwungen, ihre akademische Tätigkeit um des Broterwerbs willen einzuschränken oder ganz aufzugeben. Der Abbau unentbehrlicher A s s i st e n t en st el l e n würde die wissenschaftliche Arbeit und die Lehrtätigkeit unserer Institute und Seminare stark beeinträchtigen unb unfern akademischen Nachwuchs empfindlich schädigen. Wenn es sich wirklich als unmöglich erweisen sollte, diese Lehraufträge unb Assistenzen in den Haushaltsplan für 1926 wiedereinzustellen, so bitten wir den Landtag dringend. den Dispositionsfonds des Landesamtes für bas Bildun^wesen so hoch wie irgend möglich zu bemessen, damit die Stellen wenigstens notdürftig erhalten unb dadurch in bessere Zeiten hinübergerettet werden. Wir verhehlen uns nicht, daß die lange Reihe unserer zum Teil erheblichen Forderungen bei der heutigen wirtschaftlichen Lage auch auf Freunde der Landesuniversität entmutigend wirken kann. Wir hegen jedoch zu dem Landtag bas feste Vertrauen, daß er diesem Gefühl nicht nachgeben, sonbem trotz der Not der Zeit das geistige Erbe des Landes nach Kräften wahren unb mehren wird. Bei dem Aufwand für die Veterinärmedizin und für die Landwirtschaftslehre drängt sich der große Nutzen für die Gesamtheit einem jeden auf. Aber eine weitblickende Volksvertretung wird niemals verkennen, daß auch die Aufwendungen für die Pflege der Natur- und Geisteswissenschaften, für die Erweiterung der Universitätsbibliothek und für die körperliche Ertüchtigung der akademischen Jugend im edelsten Sinne des Wortes produktive Ausgaben sind, die ein Staat nicht sparen tarnt, ohne seine höchsten Güter zu gefährden. Die Landesuniverlität dient aber keineswegs dem Lande Hessen allein, sondern, wie sich zahlenmäßig beweisen läßt, fast in gleichem Matze dem übrigen deutschen Vaterlande. Um so dringender fordern wir, daß das Reich unterem Lande, das von den Lasten der Besatzung wie kein zweites bedrückt und in seiner Steuerkraft geschädigt ist, auch bei der Erfüllung seiner Kulturaufgaben zu Hilfe kommt, unter denen die Erhaltung unb Ausgestaltung der Landes Universität unbestritten an hervorragender Stelle steht. Rektor und Gesamtsenat der Landesuniversität, gez. Dr. Bürker. Schlagadern in Bewegung gesetzt werden, und zwar nach dem Ausspruch der Aerzte, welche sich der Musik als Heilmittel bedienen, und dieses Heilmittel nennen sie den harmonischen Dier- Ilang.“ Theophrast gibt an, baß man an Ischias Leidende dadurch gesund mache, daß man an die kranke Stelle in der phrygischen Tonart hin- bläst, und des weiteren gibt er an, Schlangenbisse würden durch ein weises und mäßig angewandtes Flötenspiel geheilt. Demokrit erklärt in seiner Schrift „Heber Epidemien" das Flötenspiel für ein Heilmittel bei den meisten Krankheiten, und Apollonios Dyslolos empfiehlt, durch ein 5 Tage lang fortgesetztes Flötenspiel jeden schmerzhaften Körperteil zu heilen. Caelius Aurelianus teilt zahlreiche Fälle mit, in denen Geisteskranke je nach der Art ihrer Erkrankung teils mit dorischen, teils mit phrygischen Ton- folgen erfolgreich behandelt wurden. Namentlich die pythagoreischen Aerzte verwendeten gern die besänftigende Wirkung der Musik bei Operationen. Diese „musikalische Medizin" geht ursprünglich von dem Gedanken aus. daß dadurch die Krankheitsdämonen befänftigt würden, unb diese Anschauung erhielt sich auch in der neueren Zeit. Luthers Melancholie wurde von seinen Klosterbrüder, mit Harfe unb Gesang verscheucht; die krankhafte Schwermut Philipps V. von Spanien konnte nur die Stimme des berühmten Sängers Carlo Broschi bannen, und der infolge der Bartholomäus-Nacht wahnsinnig gewordene Karl IX. von Frankreich war durch Musik von seinen Tobsuchtsanfällen zu heilen. HebrigenS sagt schon der berühmte antike Arzt Galen, er habe durch Musik Gemütsleiden gelindert. Paracelsus will heitere Musll mit geradezu staunenswertem Erfolg gegen Gicht und Muskelrheumatismus angetoenbet gaben, und der berühmte französische Naturforscher des 18. Jahrhunderts, Charles de Bonnet, bestätigt diese Heilerfolge auf Grund langjähriger Erfahrungen. Einer der bedeutendsten Chirurgen Frankreichs, P. Default, benutzte die Macht der Töne, um tollwutkranke Menschen zu heilen. Der Professor der Chemie an bei Royal Institution zu Manchester, Der 1873 gestorbene Grace Calvert, ließ Nervenleidenden sanfte Melodien Vorspielen, die die Kranken sofort beruhigten und in einen wohltättgen Schlaf versetzten. Die Wirkung der Musik auf den kranken Menschen faßt der französische Psychologe Vigneul-Warville tn den Worten zusammen: „Die Musik unb die Klänge der Instrumente tragen zur Gesundheit des Kör- Oberhessen. Landtreis Gies;cn. ' Großen-Linden, 10. Febr. Am Sams« tagabenb veranstaltete der hiesige Turnverein (D. T.) sein diesjähriges Wintervergnügen. Die Turnhalle war bis zum letzten Platz gefüllt, als der 1. Vorsitzende die Erschienenen nut einer kurzen Ansprache begrüßte. Besonders galt sein Gruß dem ©auoberturnmart W. Will - Gießen und dem 2. Vorsitzenden des Gaues Hessen K. Schneider- (Butzbach). 3n seinen weiteren Ausführungen gab der Redner einen Bericht über das verflossene 93er- einsjahr unb zeigte an Hand der großen Zahl von errungenen Preisen, daß die Turner unter bewährter Leitung ihrer beiden Turnwarte mit gutem Erfolg an den Wettkämpfen beim Bezirksturnfest, Gautum- fcst und Kreisturnsest teilgenommen hatten. Das anschließende Programm war sehr abwechslungsreich zusammengestellt. Im Vordergründe standen die turnerischen Vorführungen, von denen besonders das Reckturnen einen deutlichen Fortschritt der einzelnen Turner erkennen ließ, während das am Schluß gezeigte akrobatische Turnen wahre Bewunderung und durch seine teilweise humoristische Einstellung große Heiterkeit hervorrief. Die von der Damenabteilung in sehr schöner Weise gebotenen Volkstänze wurden ebenfalls mit großem Beifall ausgenommen. Daneben sorgten zwei flott gespielte Theaterstücke unb ein lustiges Bauernpaar für dis nötige Unterhaltung. Im Laufe bes Abenbs nahm Herr K. Schneider- Butzbach das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der er aus die Bedeutung der deutschen Turnsache für Volk und Vaterland hinwies unb zur treuen Mitarbeit aufforderte. Tanz beschloß den wohlgelungenen Abend. “ Treis a. d. L d a., 10. Febr. Am Sonntag hielt der Gesangverein Liederkranz seinen diesjährigen Familienabend im Vereinslokal bei Gastwirt Lemp ab. Die Einleitung! bildete ein Chor mit darauffolgender Ansprache, des 1. Vorsitzenden Wilhelm Decker V., die mit einem Hoch auf das deutsche Lied schloß. Der Verein, der seit kurzem unter der Leitung des Herrn Konrad N ic o l a i -Großen-Buseck steht, leistete Vorzügliches und erntete reichen Beifall. Für einige humorvolle Einlagen sorgte ein Sangesbruder aus Rödgen, ebenso brachte die Kapelle« Decker- Treis vortreffliche Konzertstücke zu Gehör. Tanz hielt alt und jung lange zusammen. * Treis a. d. Lda., 10. Febr. Bei der Ausführung unserer F e l ö b e r e t n i g u n g, die unsere Feldflur im allgemeinen durch Anlegung eines schönen unb praktischen Wegenetzes sehr zu ihrem Vorteil verändert hat, war auch am linken Ufer der Lumda durch Anlage einer breiten Straße Baugelände erschlossen worden, das im Laufe der Jahre, wenn es zur Bebauung gekommen wäre, die Lücke zwischen unseren beiden Dorfteilen hätte ausfüllen können. Da aber dieses Gelände zum Teil sehr gutes Gartenland ist unb sich besonders zu Hausgärten eignet, weil es nahe bei den Hausern liegt, zum Teil aber auch sehr wasserhaltig ist, so hat man von seiner Benutzung zu Bauzwecken abgesehen und nach anderem Baugelände Umschau gehalten. Dieses wurde am Ausgang des Dorfes nach Mainzlar au gefunden. Ein Bebauungsplan ist bereits von der Kreisbaubehörde ausgearbeitet und der Ortsbehörde vorgelegt worden. Wenn das dem hessischen Staat gehörige Gelände käuflich abgegeben wird, woran wohl nicht zu zweifeln ist, so ist für lange Zeit Daulustigen, die das nötige Geld dazu haben, Gelegenheit zur Betätigung geboten. Die m letzten Jahre unter Dach gebrachten fünf neuen Wohnhäuser sehen in diesem Jahre ihrem inneren Ausbau entgegen. Bg. Großen-Buseck, 10. Febr. Obwohl mit den Holzhauerarbeiten erst nach Weihnachten begonnen wurde, gingen sie, da zeitweilig mehr als 60 Mann beschäfttgt waren, rasch von- statten. Ende vergangener Woche waren sie zum Abschluß gebracht und gestern fand bereits die erste Versteigerung statt. Es mürbe geboten für 5 Raummeter Reisig 17—36 Mk., für 2 Raummeter Buchenprügel durchschnittlich 32 Mk. und für Buchen- pers und des Geistes bei, reinigen das Blut, vertreiben traurige (Stimmungen und erweitern die Gefäße und Die Poren; die für das Wohlbefinden so wichtige Hautausdünstung wird dadurch gefördert." Frankfurter Theater. In den Kammerspielen hat Heinz Hilpert einen interessanten Abend, man tarnt schon sagen: Anti-Frauenabend, zusammengestellt. Zuerst kam Strindberg in den „Gläubigern" zu Wort. Ein wütender Frauenhasser polemisiert gegen die Frau, als daS niederziehende, vernichtende Element im Leben des Mannes. Die „Gläubiger" stammen aus einer Zeit, da der „Vater", „Kameraden" und „ Fräulein Julie" entstanden, noch steht der damals Vierzigjährige inmitten seiner aus glühendem Haß gebotenere Anklagen, so sind auch die „Gläubiger" Tragikomödie, oder besser gesagt Tragödie der Anklage. Die Darstellung war von ausgezeichneter Modellierung; in knavper Sachlichkeit, bis zur "Brutalität gesteigert, formte Hilpert die Gestalt des ersten Mannes und Rächers, Karl Heinz Jaffe wußte den versinkenden, von krankhafter Ekstase gerüttelten Adolf in zwingender Eindringlichkeit zu zeichnen. Leontine S a g a n s Tella, ganz und gar das Weib mit der scheinbaren Doppelseele, hinter der sich Hohlheit und Egoismus verbirgt, eine Frau, die letzten Endes doch nur Weibchen ist, sie liebt beide auf ihre Art. t— Den zweiten Teil des Abends erfüllte Georges Courtelmes tragische Posse „Dou- bouroche". Hier konnte Hilpert einen Beweis seiner gestaltenden Vielseitigkeit bringen. Denn als Doubo:> Niederkleen, 10. Febr. Bei der im hiesigen Gemeindewald stattgefundenen Drenn- holzversteigerung wurden folgende, als recht hoch zu bezeichnende Preise erzielt: Buchenscheitholz durchschnittlich 20 Mk. je Rm.. Buchen» knüppel 'durchschnittlich 18 Mk. je Rm., 50Duchen- wellen 20 bis 28 Mk., Kiefernknüppel durchschnittlich 10 Mk. je Rm., Äiefemreifer 50 Dellen 9 bis 10 Mk., Fichtenftangen 2. Klasse 2 Mk. je Stück, Fichtenftangen 3. Klasse 1 Mk. bis 1,20 Mk. je Stück und Kiefernstockholz je Rm. 3 Mk. Eine zweite Brennholzversteigerung soll voraussichtlich noch in dieser Woche stattsinden. Das Nutzholz soll, wie alljährlich, mit demjenigen von Ebersgöns und Oberkleen in gemeinsamer Versteigerung verkauft werden. — Die Fertigstellung des Wasserleitungsbaues für die hiesige Gemeinde ist nunmehr öffentlich ausgeschrieben. Die Vergebung wird Ende dieser Woche statt- finben. k. Vollnkirchen, 10. Febr. In Berichtigung der in der Nr. 29 des „Gieß. Anz." vom 4. Februar veröffentlichten Notiz wird uns mit- geteilt, daß dem Lehrer Nagel von Rengsdorf oie hiesige Lehrer stelle nicht endgültig, fondern zunächst einstweilig übertragen ist. Kreis Biedenkopf. g. Fellingshausen. 10. Febr. Die Wasserleitungsarbeiten, die infolge der Kälte längere Zeit rmterbrochen werden mußten, nehmen bei der jetzigen günstigen Witterung guten Fortgang. Dadurch ist manchem Ar» beitslolen wieder Beschäftigung geboten. Die Wasserleitung ist insofern günstig, weil hier die Quelle nebst Sammelbecken sehr hoch am D ü n ft- bet g liegen, wodurch die in anderen Gemeinden kostspieligen Pumpwerke hier überflüssig werden Dillkreis. bl. Herborn. 10. Febr. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr blickt in diesem Jahre auf ihr 75jähriges Bestehen zurück. Desgleichen können die Wehren der Gemeinden Manderbach und Flammersbach auf eine 25jährige Tätigkeit zurückblicken. bl. Haiger, 10. Febr. Das van der Zhpen'sche Werk in unserer Gemarkung wurde still gelegt. Etwa 100 Arbeiter fallen dadurch erneut der Erwerbslosenfürsorge anheim. Auf der im nahen Niederscheld gelegenen „Advlfshütte" konnten etwa 60 Arbeiter wieder eingestellt werden. Maingau. WSN. Frankfurt a. M., 10. Febr. In der Stadtverordnetensi,tzung wurde ein sozialdemokratischer Antrag auf Verstadtlichung der Frankfurter Bühnen- A.-G. mit 38 Stimmen der bürgerlichen Parteien gegen 29 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten a b g e l e h n t. Die jährliche -Unter- stützung für die städtischen Bühnen wurde darauf gemäß den Anträgen des Hauptausschusses genehmigt, nachdem sich auch Oberbürgermeister Dr. Landmann dafür ausgesprochen hatte. — Im Interesse der Erhaltung des Goe- 1 heb aus es und feiner Sammlungen hat der Magistrat beschloss n, dem Freien Deutschen H o ch st i f t, das nach Verlust seines Stiftungs- kapitats in der Erfüllung seiner Aufgaben vor großen finanziellen Schwierigkeiten steht, eine jährliche Subvention bis zu 15 000 Mk. zu bewilligen unter der Voraussetzung, daß das Reich sowohl als der Staat den gleichen Beitrag leisten. - Die weitere Steigerung der Aufwendungen für das städtische Schulwesen hat den Magistrat zu dem Beschluß veranlaßt, das Schulgeld künftig für alle höheren Schulen auf jährlich 150 Mk. und für Mittelschulen auf 72 Mk. festzusehen. Wie bisher, soll bereits für das zweite Kind eine Ermäßigung von 20 Proz. und für das dritte und jedes weitere Kind voller Dchulgelberlaß eintreten. — In der Mainzer Landstraße, in der Nähe des Bahnübergangs, wurde gestern nachmittag ein dreijähriger Knabe von einem Straßenbahnwagen erfaßt und überfahren. Dem Kinde wurde dabei der Kopf f a ft völlig v o m Rumpfe getrennt. Der Tod trat auf der Stelle ein. Turnen, Sport und Spiel Paottno schlägt Jones k. o. Der mit Spannung erwartete Boxkampf jmu schen dem Besieger Breitensträters, dem spanischen Meister P a o l i n o . und dem Kanadier Jones, der im Cirque de Paris zum Austrag kam, endete bereits in der ersten Runde mit einem k o. - S i e g Paolinos. Damit ist der Boxkampf zwischen P a o 1 i n o und Diener in Berlin am Freitagabend endgültig gesichert. Kirche und Schule. „Stockholm“ in Metzen. Pfarrer Maas, der in kirchlichen Kreisen bekannte Redner, spricht über „Stockhol m". Das hatte eine ganze Reihe von Gliedern bet Matthäus-Gemeinde und Freunde bet Sache am Sonntagabend in die Stadtkirche geführt. Rach einem vom Stadt Organisten Simon prächtig bargegebenen Orgelvorspiel begrüßte Lehrer Wehrheim, um bann sogleich dem Redner des Abends, Pfarrer Maas- Heidelberg, das Wort zu geben. Als Delegierter beft Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen hat Pfarrer Maas selbst an der „allgemeinen Konferenz der Kirche Christi für praktisches Christentum" in Stockholm vom 19.—30. August 1925 teilgenommen und berichtete nun als Augenzeuge: Stockholm war eine ungeheure Sehnsucht. Angesichts der gewaltigen Größe dieser Konferenz und der machtvollen und der stillen Weihestunden — hingewiesen sei anir auf das in allen Sprachen gemeinsam gesungene, gewaltige Bekenntnislied Luthers: „Ein feste Burg ist unser Gott!" — hatte man den Eindruck nicht nur: der Herr kommt, sondern: er ist da. ilnb nicht das gab der Konferenz ihre Vollmacht, dah sie von 700 Frauen und Männern aus 35 Nationen und noch mehr Kirchen beschickt war, sondern nur das eine, daß der Herr bei ihr war. Was hat Stockholm den evangelischen Kirchen zu sagen? Es will uns ein Prophet sein, der zu uns spricht: 1. Wacht aus! In seiner Schlußpredigt in der Kathedrale zu Upsala hat der betagte geniale Leiter und Vater der ganzen Wellkirchenkonferenz, Erzbischof Nathan Söder- b l o m, diesen Ton angeschlagen, den der Redner nun der Gemeinde weitergab und anläßlich dessen er begeisternde Worte über den Erzbischof fand. Aus Stockholm klingt es heraus, daß wir wach werden sollen zum Schauen des Todes um uns, und besonders zum Schauen des Gottes in unS: so ist Stockholm eine gewaltige Erweckungft- predigt.2. Dienen und si ch dienen lassen! Wie die ganze Konferenz unter diesem Zeichen gestanden hat, so soll und muß e- toeltertlingen in den Herzen aller Evangelischen. Der Redner zeigte die Bereitwilligkeit des ganzen schwedischen Volkes zu dieser Konferenz, vom Königshaus an bis zu dem kleinsten Mann, und zeichnete bann ble Unterschiede zwischen den einzelnen Delegationen: neben den Führern der englischen Kirche, Bischöfe und Laie, die Franzosen, leidenschaftliche Ekstatiker, dann die deutsche Delegation unter Führung des Landes- bischofs von Sachsen D. Ihmels - Dresden, schwer und massig: die nordischen Bischöfe, ferner die Amerikaner und Orientalen, beide die jugendlichsten in der Konferenz, Chinesen und Japaner, ja, ein Inder und ein Negerbischof. Wir müssen bereit sein, das Christentum anderer Kirchen kennen zu lernen und zu verstehen. 3. Die Kirche der Hoffnung! Stockholm hat uns eine große Hoffnung und eine große Aufgabe gegeben. In allen christlichen Gemeinden müßten sich jetzt Arbeitsgruppen bilden, die bereit sind, alle Fragen durchzudenken: Menschen, die Herkommen von der ganzen Erfassung der Berg- prediat Jesu, und solche, die ganz erfaßt sind von der rauhen Wirklichkeit, müssen zusammen- kommen. Wir müssen kämpfen gegen die teuflische Lehre, das jedes Ding, jeder Beruf, jede Klasse in der Welt eigene Gesetze hat, daß wir weiterkommen, das verlangt die Kirche der Hoffnung. Die Sünde ist mächtig, aber die Gnade ist noch viel mächtiger und an die Gnade sollen wir glauben. Pfarrer Mahr wies in seinem Schlußwort darauf hin, daß wir herauskommen müssen aus der Enge der Kleinstadt, und über unseren Ge- meinbeaufgaben nicht den weiten Blick für die große Kirche Jesu Christi verlieren, und erhob den Appell an die soziale Kraft, die im Christentum ruht. Nach dem Gesang „Ach bleib’ mit deiner Gnade" schloß der eindrucksvolle Abend, für den dem Redner Dank gesagt sei. Am Vormittag hatte Pfarrer Maas im Hauptgottesdienst gepredigt und eine andächtig lauschende große Gemeinde gefunden. H. Die 7. Tagung der Dorskirchen-- vorsteher in Grotzen-Linden. ~ Die am Sonntag und Montag in @ r o fleußt n b e n stattgehabte siebente Tagung der Dorfkirchenvorsteher hatte für die oberhessische Dorskirchenbewegung ihre besondere Bedeutung. Sie war ein Wagnis. Denn die Dorfkirche, die die Werte des Evangeliums au£ Grund des naturgegebenen Volkstums pflegen will, hatte bislang ihre Kräfte in der Hauptsache in Gegenden erprobt, die im großen und ganzen ein geschlossenes dörfliches Volkstum aufweifen. Mit der Grohen-Linbener Tagung begab sie sich bewußt und absichtlich auf ein ihr seither weniger vertrautes Gebiet: in eine Landschaft, deren Dörfer sozial, kulturell und religiös stark von dem Fluten des modernen Verkehrs und der Industrie durchsetzt sind. Wohl war es ein Wagnis: aber soweit man geistige Werte an äußeren Maßstäben messen kann, darf man sagen: dieser Vorstoß ist durchaus gelungen. Die Dorfkirche Oberhessens hat damit den Beweis erbracht, dah sie das innere Recht hat, die sozial gemischten Gemeinden in ihren Wirkungsbereich zu ziehen. Insofern wird die Tagung von Großen-Linden richtungweisend für die Zukunft sein. Daß die Veranstaltung so wohl gelang, hatte einen ganz persönlichen Grund darin, daß sie vorbereitet war von einem vorzüglichen Kenner und Erforscher dörflichen Volkstums, dem Ortspfarrer Schulte. Der Verlauf selbst hatte schon seinen eigenen Stil, der sich ganz von selbst so entwickelt hat. Die Veranstaltung umfaßte zwei Tage: Sonntag und Montag. Der Sonntag gehörte der Gemeinde, die das Fest veranstaltete. Diesmal stand die ganze Tagung unter dem Generalnenner: Der Sonntag auf dem Dorfe. Den Auftakt bildete der Gottesdienst, in dem Pfarrer Köhler-- Nidda in stimmungsvoller Predigt die Vorbereitung zu dem ganzen Fest bot. Für die Gemeinde war weiter ein Gemeindeabend veranstaltet worden, indem Großen- Linden all seine musikalischen Kräfte aufbot, um einen wirklich wertvollen Abend zustande zu bringen. In seiner bekannten volkstümttchen Art sprach Heinrich N a u m a n n - Renzhausen über den „Sonntag im Volks- und Familienleben". Dekan S c r i b a überbrachte die Grüße der Dorfkirche. Der Montag galt den Kirchenvorstehern. Etwa ihrer 300 nahmen teil. Vehr Frankfurt a.M. Berlin Schlachtviehmarkl. Datum: | •> Wirtschaft 63. 64. 1926. Banknoten. 0,4 4,7 Devisenmartt Berlin—Frankfurt en Entwicklungsgang e'meS jungen Sportsmannes zum Weltmeister im Schwergewichtsboxen. Anglaubliche Intrigen einer unbekannten Macht stellen sich ihm nach den ersten Siegen entgegen, scheinen ihn um den Erfolg im letzten groben Entscheidungskampf bringen zu wollen — und doch erreicht der junge Boxer nach endlosem Mühen sein Ziel. Gin guter Unterhaltung s- roman, in dem ein fesselnder Stoff ausgezeichnet verarbeitet ist, so dah auch ein sportlich uninteressierter Leser mit Aufmerksamkeit folgen wird. 710 1 Sammeln Sie J^M^Utfdjein» &Ä®k Bonbonniere Leinkuchen 20,70 bis 8,10, Kartoffelflocken 18,90 bis 19. Frankfurter 32. Schweine: Dollfleischige von 80 100 Kg. 80 bis 81. unter 80 Kg. 75 bis 79, 100 bis 120 Kg. 80 bis 82, von 120 bis 150 Wettervoraussage. Halb bis ganz bedeckt, Temperaturen wenig fallend, Rebelbildung, sonst durchweg trocken. Infolge Einströmens von südlicher Luft nach Deutschland ist die Frostgrenze ins Küstengebiet verdrängt worden, wo auch leichte Riederschläge niedergehen. Während daS russische Kaltluftgebiet sich südlich verlagert, entwickelte das atlantische Wirbelshstem seinen Hauptwirbel in Rordeuropo. während es in Westeuropa an Raum verloren hat, so daß uns hauptsächlich nördliche bis östliche Luft erreicht. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 8. Minimum 4.1 Grad Celsius. Riederschläge: Millimeter. Heutige Morgentemperatur Grad Celsius. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger-".) Frankfurt a. M., 11. Febr. Auftrieb: 5 Kühe, 1176 Kälber, 507 Schafe, 636 Schweine. Es wurden bezahlt für 100 Pfund Lebendgewicht: Kälber: Feinste Mastkälber 60 bis 67, mittlere Mast- und beste Saugkälber 50 bis 59, geringere Mast- und gute Saugkälber 40 bi« 48, geringe Saugkälber 30 bis 35. S ch a f e: Mastlämmer und Masthämmel 42 bis 48, geringere Masthämmel und Schafe 33 bis 41, mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzfchafe) 25 bis 'Ne. ®2ehen. NDiel rjjn Ä ,oÄ >4 ft M der i fü.’’ "flNnen 1 19-30?^ len^GZe & ;«“?•£ . Ä JJ «Ts? «SV «ich! S ’S da. ynK > &UmZ Bonnern aus 3s * ^alhan Söder, •n. Den der Redner ’^mIWch dessen «n Erzbischo, S ÄtoiI tofl* w Ädes um unz. A ®ottö in MS: W ErweckMgS- ch dienen laf, «p unter diesem E und mu6 eS iller Evangelischen. Uhgteit des ganzen ■ Konferenz, vom kleinsten Mann. ^erschiede zwischen rben den Führern e und Laie, die ftatiker, dann die Ning des Landes- >meis-Dresden, m DMse, ferner , beide die iugenh» eien und Japaner, ischvs. Wir inüfiat i anderer Kirchen »erstehen. 3. Sie Stockholm hat uns ine große Ausgabe Gemeindm mühten ten, die bereit sind, Menschen, die Her- Fassung der Derg- ? ganz ersaht sind muffen zusammen- gegen Sie teuflifdje Beruf, jede Klasse dah wir weiier- :che der tzoMng. die Gnade ist noch Gnade sollen wir Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Isr. ReNgionSgemelnde. GotteSd.l. b. Synagoge (Südanlage). Samstag, 13. Februar 1926. Borabd. 5.30, morg. 9.00, Predigt, abds. 5.45 u. 6 25. Gottesdienst der isr. ReligionSgesellschast. Sabbatfeier, den 13. Februar 1926. Freitag abds. 5.10, Samstag vorm. 8.30, Predigt, nachm. 3.30, Sabbatausg. 6.25. Wochengottesdienst morg. 7.00 und abds. 5.00. Grabsteine, ein 200jäbri$er Opferstock. Die Orgel wurde von ihrem einstigen Erbauer, der Firma 9 ö r ft e r & Nikolaus in Cid), zu einer Saalorgel mit acht Registern zusammengezogen, die vollbrachte Leistung wird von Sachkennern als ein Meisterstück unserer obcrhessischen Orgelbauindustrie angesprochen. Der große Saal hat 280 Sitzplätze, das obere kleine Versammlungslokal etwa 80. Dazu kommt noch ein beträchtlicher Raum auf der unteren Empore, die von der alten Kirche her geblieben ist. Die Kosten des Umbaues sind zum Teil durch Sammlungen bereits aufgebracht. Ausgenommen werden mußten etwa 30 000 Mark. Die Kirchen- gemeinde wird, nachdem die Dankeskirche völlig schuldenfrei ist, an dieser Belastung nicht allzuschwer zu tragen haben, da 23 000 Mk. zu dem erträglichen Zinsfuß von 8 Prozent geliehen werden konnten. Eine vielseitige Verwendung steht für das neue Gemeindehaus in Aussicht. Es ist ab und zu für Gottesdienste geeignet. Es wird in der Hauptsache aber dem Kindergottesdienst und dem Konfirmandenunterricht dienen und das Heim der verschiedensten Vereine werden, wie des Missionsvereins, des Jünglings- und Männervereins, des Gustav- Adolf-Vereins, des Frauenbundes, wie es auch für die Beratungen der Kirchengemeindevertretung der gegebene Ort ist. So hat unsere evangelische Gemeinde, geführt von ihrem treusorgenden Geistlichen, in schwerer Zeit ein Werk vollbracht, das ihr Ehre macht und späteren Geschlechtern ein Zeugnis evangelischer Tatkraft und Glaubenshoffnung, ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns fein wird. Rundfunk-Programm des Frankfurter Tenders. (Aus der „Radio->Amschau".) Freilag. 12. Februar: 3.30—4 Uhr: Die Stunde der Jugend: Führung ins Berufsleben durch Mitglieder des Städtischen Berufsamtes: „Perfekte Stenotypistin gesucht", Vortrag von Frl. Steinhäuser. Für Kinder vom dreizehnten Jahre ab. 4.15—5.45 Uhr: Hausfrauen-Nach° mittag. Programm u. a.: „Weibliche Polizei im In- und Ausland". Vortrag. 5.45—6.15 Uhr: Die Lesestunde (Briefliteratur): Aus den Briefen der Günderode. 6.15—6.45 Uhr: „Ortsgesprächsgebühren und Zählerbeschwerden", Vortrag von Ober- Telegr.-Jnspektor I. Thonet. 6.45—7.15 Uhr: Englischer Sprachunterricht. 7.45—8 Uhr: Stunde der Frankfurter Vereinigung für Heimatkunde. 8—8.15 Uhr: Film-Wochenschau. 8.15—9.15 Uhr: Vortragsabend Alfred Beierle 9.15—10.15 Uhr: Volkstümlicher Abend des Hausorchesters. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 11. Febr. Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 26 bis 26,25, Roggen (inl.) 17,50, Sommergerste (für Brauzwecke) 20 bis 22,50, Hafer (inl.) 18,50 bis 21,50, Mais (gelb) 18,50, Weizenmehl (inl. Spezial 0) 40 bis 5),50, Roggenmehl 25,75 bis 26, Weizen- und Roggenkleie 10 bis 10,25. — Tendenz: ma-t. berliner Produktenbörse. Berlin, 10. Febr. Der Berliner Weizen- marft steht weiter im Zeichen recht geringen ausländischen Angebots, das nach der Besserung der Auslandbörsenberichte erneut im Preise höher gestellt ist. Die Exporttätigkeit ist nicht sehr groß. Bei Beginn des Verkehrs war effektwe Ware leicht befestigt. Auch Roggen zeigt sich gegenüber dem Bortag etwas erholt. Gerste nur in besten Sorten gefragt, sonst still, Hafer ruhig, Mehl ohne Umsätze. Im Lieferungsgeschäft war die Tendenz bei größter Zuruckhaltung für Weizen bis 3 Mk. befestigt. Mär§ eröffnete um 2,50 Mk (268,50) Mai um 3 Mk. (277) befestigt. Zn Roggen setzten sich gleichfalls die festen Kurse durch, doch ist die Unternehmungslust sehr gering. Es notiert^ pro Tonne: Weizen (märt) 246 bis 250, Weizen (pomm.) 246 bis 250, Weizen (März) 268,50 bis 268, Weizen (Mai) 277 bis 276, Roggen (märt.) 146 bis 152. Roggen (pomm.) 146 bis 150, Roggen (März) 168, Roggen (Mai) 171,50 bis 171, Gerste (märt.) 168 bis 196, Futtergerste 140 bis 158, Hafer (märt) 126 bis 167, Hafer (März) 179. Raps 340 bis 345; Pro Dvppel- 5% Deutsche ReichSanlethr 4% Deutsche Reichsauleihe . 3'/,°/, Deutsche Rnchoanleih« 3% Deutsche Reichsanleihe Deutsche Sparprämienanleihe 4% Preußische KousolS ■ • • 4* 0 Hessen 3V*°/o Hessen ..... ... 3% Hellen Dcullche Verth. Dollar-Ani. dto- Doü-Tchatz-Anlretsug.'s <*/o BoHtütfen....... . Wo Soldmerikaner ... . Berliner Handelsgesellschaft Commerz und Prtvat-Bank Darmst. und Nakionalbanl Deutsche Bank Deutsche Bereinsbank .... Disconto Lommandit . , Metallbank Mitteldeutsche Creditbank. Oesterreichilche Creditanstalt Weltbank Bochumer Gaß ....... Buderus . ....... Taro Deutsch-Luremburg Gelsenkirchener Bergwerke. Sarpencr Bergbau . ... Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln Laurahütte Oberbedarf ......... 'Bbönir Bergbaa ..... Rheinslaht ...... Rieben Montan ..... Tellus Bergbau Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd Cheramtsche Werte Albt» . . Zementwerk Heidelberg . . Philipp HoUmann . . . . Anglo-Cont.-Guano Chemische Mayer Alapin . . 9- G 7varbsnindusüle, A-G. Goldschmidt Holzverkohlung Rütgerswerke Scheideanstqlt aUfl. ElektrtzttätS-Gesellschast Bergmann . ...... Mumkraftwerkr ....... Schuckert ....... Siemens 1 Halske ..... Ädlerwerke Kieper ..... Daimler Mowren. ..... HgyligenSaedt. . ..... Meauin. ■ ...... Motorenwerke Mannheim . Frankfurter «nnamren . . Konservenfabrik Braun . . Melallgesellchast Frankfurt. Per. Union A -G. . . . . . Schnhtabrik Her; . . . . . Sichel........... Zellstoff Doldhof ...... Zuckerfabrik Frankenthal .. Zuckerfabrik Waahäusel . . . Büchertisch. — Friedrich Manns Pädag o g i s ch es Magazin. (Abhandlungen vom Gebiete der Pädagogik und ihrer Hilfswissenschaften^ Heft 1072: Rudolf Süden und sein Zeitalter. Studien von Prof. D. Dr. Friedrich Lienhard, Dr. Alfred Deck. Prof. Curt Hacker und Prof. Dr. Bruno Iordan. (Schriften aus dem Euckenkreis, herauS- geaeben vom Euckenbund, Heft 21.) — Heft 1070: Ptaton als ethischer Erzieher. Bon Dr. Demro v. Hagen. (Euckenbund, Heft 20.) Hermann Deher und Söhne (Beyer uiti) Mann), Langensalza. seinem Lchluhioort kommen müssen aus d über unseren w «iten Wick füt die erlieren, und erhob fraft die im M« bleib' mit deiner ,[[e Abend, für den farrer Maas un eine andachliZ efunden. Dorskirchen- zen-Linden. Mtoji« •>«»'* nteTagunso" hatte für Ne ota* ihre bcso'^re^ r A seither S.<7LkchH »llgiös stark l LL und der 'Emnr es ein NI® Werte an ? 8 «stau saE Al die die TaMg A d sur die x) s io ** jfirfÖ*1* schon st i°_enJ Sonntag zwei her g fl«K! Diesmal 5^ WD tf •***,- ) 1^^ Das Geschäft schrumpfte stark zusammen. Der G e l d m a r l t bleibt weiter leicht. Tagesgeld war zu 5'/,. Proz. angeboten. Mvnatsgeld 5Vt bis 6' . Proz. Im Devisenverkehr notierte Parts gegen London 132. London stellte sich gegen Kabel auf 4,8635. Die übrigen Valuten waren nicht wesentlich verändert. DSrsenkurse. Bries 4.216 19 li) 103.86 20,163 li 48 168.52 17,0t 85 46 59:21 112,58 81,07 59 05 ,2.44 5.87 Letzte Nachrichten. Schweres Explofions-Unglück in München. München. 11. Febr. (2DIB. Drahtbericht.) 3m Haufe Rumforlstrahe 8 ereignete sich heute vormittag ein schweres Explosionsunglück. Bei der Desinfektion einer Wohnung explodierte der Apparat. Die Räume wurden teilweise eingedrückt. 3n der Umgegend von 200 Meter von der Unfallstelle wurden fämtliche Fensterscheiben zertrümmert. Fehn Personen wurden verletzt und muhten in die Chirurgische Klinik gebracht werden. Die Strohe ist mH Glassplittern und Trümmern übersät. Die Explosion soll darauf zurückzusühren sein, dah sich die zur Desinfektion verwendete Blausäure mH Leuchtgas vermifchte und Knallgas gebildet hat. zentner Weizenmehl 32,25 bis 35,50. Roggenmehl 22 bis 24, Weizenkleie 11 bis 1150, Roggenkleie 9,30 bis 9,70, Biktoriaerbsen 26 bis 35, Heine Speiseerbsen 22 bis 25, Futtererbsen 20 bis 22. Peluschken 20 bis 21, Ackerbohnen erfreulich war die Anwesenheit der Aeltesten aus den benachbarten preußischen Gebieten, die ja mit den Hessen in der Hauptsache eines Stammes find. Der 8 e st g ° t t e s d i e n st in der wundervollen Kirche muß als der Höhepunkt der Tagung angesprochen werden, besonders durch die kraftvolle, hoffnungssichere Predlgt des Prälaten D- Dr. Dieh l. An den Gottesdienst schloß sich der erste Bortrag über den Sonntag an. Er gipfelte in der Forderung, daß das Dorf alles aufbieten müsse, um das Edelgold des Sonntags von der es umftarrendfr Schmutzschicht zu befreien. Rachdem in den Häusern die Gastfreundschaft der Festgemeinde in vollem Lichte erstrahlt hatte, schritt man zur Rachversammlung in der Turnhalle. Hier sprach noch einmal Heinrich Rau° mann vom Heiligtum des Sonntags. In der Besprechung, die wieder von Dekan Scribd geleitet wurde, kamen die verschiedenartigsten Meinungen zum Austausch. Bon besonderem Wert, gerade für eine Einzelfrage, war die Anwesenheit eines Kreisvertreters. Sehr erfreulich war auch die die ganze Tagung durchziehende Mitarbeit der Schule, die zumal in vortrefflichen Worten des Kreisschulrats Fischer gipfelte. Um der Veranstaltung einen nach außen sichtbaren Ausdruck zu geben, wurde folgende Entschließung einhellig gutgeheihen: „Der siebente oberhessische Dors-Kirchenvorstehertag zu Großen-Linden erhebt vor dem ganzen Land seine mahnende Stimme und beschwört unser-Volt, das Heiligtum dtzs Sonntags von Ieiner Beschmutzung zu reinigen. Wir bitten alle Regierenden, tunlichst alle rauschenden Feste und Vergnügungen und alle Wahlen auf Wochentage zu legen. Wir bitten alle Werks- und Fabrilherren, alle Dienst- und Lehrherren, alle Turn- und Sportvereine, chren Arbeitnehmern und Anhängern den Sonntag zu erhalten, soweit wirtschastliche Lebensinteressen es gestalten. Wir bitten allle Hausmütter und -Väter: Erhaltet um eurer Kinder und Rachkommen willen die Heiligkeit des Sonntags. Wir Kirchenvorsteher geloben, unseren Dörfern mit allen Kräften den Tag des Herrn zu bewahren, weil er eine Segensquelle unseres Volkstums ist." Ein evangelisches Gemeindehaus in Bad-Nauheim. <£ Bad-Nauheim, 8. Febr. Der gestrige Sonntag war für die hiesige evangelische Gemeinde ein denkwürdiger Tag. War es doch möglich, wie schon kurz berichtet wurde, das neue evangelische Gemeindehaus, das man durch Umbau der alten Wilhelmskirche trotz der Schwere der Zeit im letzten Jahre geschaffen hat, in würdiger Weste in Gegenwart des Superintendenten für Oberhessen, Oberkirchenrats Wagner- Gießen, Dekans Vogel- Bruchenbrücken und Geh. Oberbaurats Walde -Darmstadt einzuweihen. Vor geladenen Gästen, unter denen sich sämtliche Vertreter der Kirche, der Schulen, der städtischen und staatlichen Behörden befanden, auch solche, die anderen Bekenntnissen zugehören, wurde das in seiner Art wohl einzige Gemeindehaus den vielseitigen Zwecken übergeben, denen es in Zukunft dienen soll. Nach dem einstimmenden Orgelvorspiel von Dr. Otto W i s s i g - Oldenburg hielt Kirchenrat W i s s i g, der greise Ortsgeistliche, der seit mehr heim einem Menschenalter die hiesige evangelische Gemeinde betreut, die W e i h e r e d e. Ausführlich schilderte er die Geschichte der 1740 mit Unterstützung der hessisch-nassauischen Regierung erbauten Wilhelmskirche, die bis zur Einweihung bet neuen Dankeskirche vor zwei Jahrzehnten das anheimelnde Gotteshaus der Nauheimer und der Kurgäste war, die dann den Weltkrieg und seine Nachwehen stark spüren (Lebensmitteldepot der Heeresverwaltung, Möbelmagazin für Flüchtlinge) und Wunden davontragen muhte, die sie nach und nach dem Verfall geweiht hätten, wenn sie dank dem Weitblick unserer Kirchenvertretung nicht mehrmals nach fröhlicher Wiedererstehung einer neuen, durchaus zeitgemäßen Aufgabe zugeführt worden wäre: neben dem eigentlichen Gotteshause, der Dankeskirche, ein weiterer Sammelpunkt der Gemeinde zu werden. So darf die Wilhelmskirche, die im Aeußeren noch ihr altes Gewand trägt innen sich aber unter der leitenden Hand des Künstlers ihrem neuen Zwecke angepaßt hat, mitwirken an der Lösung wichtigster Lebensfragen der evangelischen Gemeinde und damit gleichzeitig am Wiederaufbau der durch den Krieg und seine Folgen erschütterten sittlichen, religiösen und sozialen Zustande. Nach der tiefempfundenen, gedankenreichen Weiherede gab eine mit viel Liebe und reifer Ueber- tegung zusammongestellte Vortragsfolge in Wort und musikalischen Darbietungen Antwort auf die Frage: „Was soll hier gebaut und gepflegt werden?" Eine unzertrennliche Dreiheit ift es, wie Kirchenrat W i s s i g in anschaulichen Ansprachen überzeugend ausführte: Ein Glaubensgrund, ein Herzensbund, eine Gebets- und Hoffnungsgemeinschaft. Edelste Musik ergänzte jeweils die vom Geistlichen gesprochenen verbindenden Worte und lieh sie zu einem noch nachhaltiger wirkenden Erlebnis werden. I. S. Bach, Arnold Mendelssohn, Händel, I. Brahms waren die Meister der Kirchenmusik, von denen Werke durch die Orgel, ein Quartett, ein kleiner Chor und Sologesang unter Mitwirkung von Violine, Viola, (Tello" und Klarinette packend zu der andächtigen Festgemeinde sprechen, sie bis ins Innerste ergreifend und in eine andere Welt versetzend. An der Wiedergabe der erhabenen Musik waren in erster Linie Angehörige unserer Pfarrfamilie beteiligt, nicht nur Dr. O. W i s s i g - Oldenburg mit fernem vollendeten Orgelspiel und Frau Anni Q u i st o r p - Wissig (Leipzig) mit ihrem klangschönen Sopran, auch das Quartett und der kleine Chor setzten sich vorwiegend aus Mitgliedern der Familie W i s s i g zusammen. So war die Einweihungsfeier des neuert Gemeindehauses nicht nur eine Festfreude, sondern auch eine Stunde wirklicher Erbauung, eine Stunde der Stärkung im Glauben an die Zukunft. lieber den Umbau der Wilhelmskirche und die Einrichtung des neuen Gemeindehauses fei noch kurz folgendes mitgeteilt: Begonnen wurde vor etwa Jahresfrist mit den Arbeiten. Hiesige Geschäftsleute und Handwerker führten das Werk aus und schufen nach den Plänen von Geh. Oberbaurat Professor W a l b e (Darnsttadt), des hessischen Denkmalspfle- gers, in kiebevollsr Vertiefung in die ihnen gestellte Aufgabe ein wahres Schmuckkästchen aus dem Jnnenraum der alten Kirche. Der bekannte Kirchenmaler Belte- Darmstadt gab dem Ganzen den warmen inneren Top. Durch eine senkrecht durchgehende Wand wurde ein größerer Teil des alten Schiffes als Saal abgetrennt, während der verbleibende kleinere Teil unten die nötigen sanitären Einrichtungen, eine Teeküche, die Luftheizungsanlage u.dgl., oben aber einen kleineren Vereinssaal 'm den Maßen 6 auf 11 Meter enthält. Alles, was geschichtliche Erinerungen an die alte Kirche wachruft, ist erhalten geblieben: die alte Kanzel, die alten Berlin, 10 Febr Amerikanische Note« . . . . . Belgische Noten . Dänische Noten ...... Englische Noten. ...... Frcmzöffsche Noten ..... Holländische Noiru ..... Ziatienische Noten ..... Norwegische Noten Deutsch-Oesierr.L 100 Kronen Rumänische Noten Schwedische Noten Schweizer Noten ..... Spanische Noten . Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten ..... Frankfurter Geld ).19< 19.00 103.34 20,365 15,40 (67,68 16 93 85.04 8.91 112.02 80,6? 58.75 12.38 5.83 Getreidebörse. 19,50 bis 20,50, Wicken 22 bis 24, Lupinen (blau) 12 bis 13, Lupinen (gelb) 14 bis 15, Serradelle 20 bis 21, Rapskuchen 14,80 bis 15, 20,80, Trockenschnttzel 8 bis 14 bis 14,50, Soyaschrot * Die Bauvorhaben im Ianuar 1 9 26. Im Bautennachweis der „Bauwelt" wurden im Monat Ianuar 2272 Wohnhäuser und 744 sonstige Bauten (Fabrikgebäude, Verwaltungsgebäude, Schulen, Krankenhäuser, Brücken, Kirchen usw.) gemeldet, gegenüber einer V^r' öffentlichung von 3871 Wohnhäusern und 964 sonstigen Bauten im Dezember 1925. * Von der nassauischen Elektrizitätswirtschaft. Die Lahnkraftwerke QI.-®, in Limburg, die den Dau und die Ausnutzung von Wasserkräften zur Erzeugung elektrischer Energie zum Zweck hat, ist jetzt in das Handelsregister des Amtsgerichts Limburg eingetragen worden. Das Grundkapital betragt 2V- Mill. Mark. Gründer der Gesellschaft sind: Das Land Preußen, der Regierungsbezirk Wiesbaden, die Kreise Limburg, Oberlahn, Tlnterlahn, Unlcr- taunus, Oberlaunus. Wiesbaden-Land, Höchst a. M., Königstein, Qt^eingau und Ufingen, die Städte Diez und Limburg, die Elektrizitäts-A.-G. vorm. W. Lahmeyer & Co. in Frankfurt a. M. und die Mainkrastwerke-A.°G., Höchst a. M. Diese Gründer haben sämtliche Qlktien übernommen. Der Vorstand der Gesellschaft besteht aus Direktor B a n s a - Limburg und Direktor Schober- Frankfurt a. M. Mitglieder des Aufsichtsrats sind: Landeshauptmann Dr. W o e l l - Wiesbaden, Stadtrat Lutsch- Frank« furt a. M., Generaldirektor Dr. Salomon- Frankfurt a. M., Direktor Koeppchen- Essen, ferner der Landrat der älnterlahnkreises, der Bürgermeister der Stadt Limburg und vier Ministerialräte in Berlin. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"^ Berlin, 11. Febr. Der Börsenbeginn stand wieder unter dem Zeichen einer starken Unsicherheit. Der Kursbeginn gestaltete sich anfangs sehr verschieden und ließ eine einheitliche Grundtendenz vermissen. An den führenden Terminaktienmärkten setzten sich die Rückgänge zunächst fort, wobei es zu Kursabschwächungen von 1 bis 2 Prozent kam, anscheinend infolge von Entlastungsverkäusen der Spekulation in Hinsicht auf den bevorstehenden Medio und des Fehlens der zweiten Hand. Auch die Nebenmärkte hatten überwiegend Kursabschwächungen aufzuweisen, und auch hier war die Kursgestaltung recht unterschiedlich. Günstige wirtschaftspolitische Nachrichten, ebenso die programmatischen Erklärungen des Reichsfinanzministers, blieben von der Börse ziemlich unbeachtet. Die lebhaftere Bewegung am Anleihemarkt hielt an. Das Hauptinteresse konzentrierte sich weiter auf Kriegsanleihe, bie auf 0,380 anzogen. Am Devisenmarkt fanden die Hauptumsätze in der polnischen Währung statt. Warschau stellte sich gegen Kabel auf 7,50. Paris mar gegen London heute eine Kleinigkeit erholt. Am Geldmarkt ist die Lage unverändert. Tagesgeld ist weiter sehr leicht bei 5 bis 7 Prozent, Frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 11. Febr. Tendenz: Leicht erholt. Wenn auch die Dorfe die bisherige Unsicherheit noch nicht überwunden hat, so find doch wieder Anzeichen einer regeren Tlnternehmungslust festzustellen, die sich durch Deckungskäufe der Spekulation bemerkbar machten. Die außenpolitische Lage wird trotz der neuen Rede Mussolinis etwas freundlicher beurteilt, besonders die ErWrungen Chamberlains, der für eine Herabsetzung der Stärke der Besahungs- truppen eintritt, boten etwas Anregung. Mit großer Defriedigung wurden aber die Steuererleichterungen ausgenommen, die der Reichsfinanzminister in seiner gestrigen Rede angekündigt hat. Zn Beginn des offiziellen Verkehrs setzten auf nahezu allen Märkten leichte Kurserholungen ein. die teilweise bis zu 2 bis 3 Prvz. gingen, vereinzelt waren die Besserungen auch noch höher. Das Geschäft hielt sich aber in engen Grenzen und entwickelte sich nur am Ante i h e in arkt in größerem Umfange. Irn Vordergründe standen hier wieder Kriegsanleihe und Schuhgebietanleihen, die höher gingen. Die Anleihen der Länder hielten sich im allgemeinen auf dem gestrigen Stande. Ausländische Renten waren weiter vernachlässigt, doch konnten sie sich irn Kurse behaupten. Pfandbriefe lagen ruhig. An den Aktienmärkten war die Stimmung unsicher, doch stellten sich auch hier Erholungen ein. Bankaktien waren gehalten, nur Reichsbank lagen etwas schwächer. Von Schiffahrtswerten gingen Hapag etwas zurück, während Rordd. Lloyd fast unverändert verkehrten. A u t o ° A k t i e n waren leicht gebessert, ebenso Zuckeraktien. Der Kassamarkt der Industriepapiere lag unregelmäßig. Im Freiverkehr kamen nennenswerte Umsätze nicht zustande, die Tendenz war leicht nachaebend. Api 0,4, Deckerstahl 45 Proz., Deckerkohle 58 Proz., Benz 34 Prvz., Brown- Doveri 70 Proz., Entreprise 9 Prvz., Growag 51 Proz.. Krügershall 90 Proz., Ufa 69 Proz., llfra 59,5 Proz. Im weiteren Okrtaufe änderte sich in der Stimmung nur wenig. Die Kurse hielten sich zumeist auf ihren Anfangsnotierungen. ;W; 1 Hl: m3 Sd>(u ,»| 1-Ubc- Schluß Anfang fiurs ! flur» flnrt | 10. 2. j U - 10.3. 1 11 2 0,370 ' 380 9.3675 1 0.88 — 0.365 1 3 25 0 :i; -w- 0,355 ! 0 36 0.41 — 0.1'2 । 0,402 0,206 0.21 ; — 0.36 — 0,355 0,36 0.32 — —* 1 — —— 1 — 1 0.325 — 90,25 । •w* 92 —— !>!) — 99,15 —• 10.05 ! 85 — — 43 —— — 145* — 142,2' 144 7' 105 5* — 1-M>* 106* 125.3’ 126,5“ — 125 5' 125 1‘ — 124* 123.5* 55 5 I — 119.2 ; 118,2* 118,2' 118,5’ 92 91 97,25- 98 8 25' 98.25 7.32 7.4 7,5 7 4 0,032 0 038 - — —• — 84* 83,5* 41 43 42-12 41 25 43,5 — 44* 41* 85' 86,5* 85,75' 86.5* »' 35- — 87* 87 25* 109 5» 108* 109 5* 1U9 5' 115* — 115 7' 115,25 118,5 11? 25 18.75 — 3>,5 34 :-3.5* 33 75 48 5* d 49.5' 49* 76’ > 6 5* 75.5' 75* 8 ' 79* 77.75' 78,73' 85.75 88 87 54.5 — — 128,5' 125' 126.7' 125 4' 134* .32' 133' 130,5' — — 77,5 78 ol 5 01 61,5 —- — 88 — —- * — 127* 126.6* 127' 126.7' 70 — 69 12 68,25 54 53 - 75 — 74 - 5.75 — W 96,25* 95. 5' 116.5* 82,3* — 84,75' 85 80 81.75 — 83* t2 82* 81,5' 99* — 97.75' 98,75* 36 86 5 37 38.25 33 31 33 75 34 23 5 - — 31 31,5 — — — 2? 75 —- —p - — — — -w- — 108 5 108.75 —» — 60,5 - 60 — 27 — 6 — i-5 — 97,5 98 97 96,5 44 j - — — 43 43 43 — 10 Febr. 11. Febr. Amtliche Nori runa Amtliche Geld totierung Brief Geld Brief . Arnft.-Rou 168,11 id-j.ST 168.12 168,(4 Buen--Aires 1,716 19 075 1,720 1.712 1,716 Brff.-Antw Chriftiania - 19.115 19,075 19.150 85,29 85.51 85 31 85, 6 Kopenhagen 103,57 103.83 104,07 103,83 Stockholm - HelsingforS Italien. . London. . 112, 5 10.552 16.93 10,404 112,63 10,592 16.17 20,456 112,35 10,652 16.93 20,40 t 112,63 10,692 16,97 20,455 Neuyork . . 4.19a 4,205 • 5,36 4,195 4,20-5 Paris. . . 15,32 15,465 15,505 Schwei» . • 80 78 8 >.98 80,795 äO.flOa Spanien. 5 .98 59,12 59,lo 59.30 Japan . . . Rio de Jan 1,881 1.888 1.891 1,898 0 622 •.624 0.620 0.62-2 Wien i« D-- Ceft. abgest 59,06 59,70 59.04 59,18 Prag .... 12.41 (2,45 12,450 12,455 Belzrad . . 7.37n 7,395 7.37 7,39 Budapest. . □ ,878 3,898 5,878 5,89 Bulgarien Lissabon 2,98 41 245 2,99 21,295 3.98 21,245 2,99 21,293 Danzig. . 80 91 81.11 80,91 2,20 81.11 Konstantin. 3,2ii 2,21 Alben 6 09 6.11 6.14 6.16 (Sanaba. . . 4 18 4,19 4.18 4.19 Uruguatt 4.315 4.3:5 4,315 4,385 FRISCH GEKIRNT FEINKOST-MARGARIN Hf. 5 E Sonntag Giehenk! Hk! Dlono: 2 M Deichs? lohn. 1 scheinen insolge %trnf; Schnftl- /ognnd AnsM richten: Po zrankst' Sos D» linanynin schwmder hem Fül bant def tioUtilJ1 reu Fin Iorwur! müßte e ton 192 übertrieb Minister werden, 1924 zu dem 2lb den 6t neuen A tnill, 6 Qeutffinai I Lachen lii lerer M Wir den 6 5to||el: gctung i SeitckDas cnW nid fröhlich im Der Winist« eiiinchmen chen, |p m Wigen, i Site geg leihen, n werbenden Io recht zu Wenn in ilbbauooi Reichstag brschllchl mb hem f rlz Wry s&» h Ä«. 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Dr. Hainer. 1278V la gelb- und weihfleischige Blllten'Schleuder» a. «A i ** < -öiuten»Cscylcuber« Spetjelartoffeln honig gesunde, auserlesene Ware, empfiehlt CiL 0.50,Garant.Zurückn. jHe /AtCffiSlCr r)"'^?enenhobZnh **T. . _,x * Cerl Scheibe. Ober« Stemstr. 73 Tel. 1581. [iwd Neuland 73 Bremen. Jenny Stern Julius Levi Dillenburg Morihftraße 6 Dr. Bogdan MKoloff und Frau Emmy geb. Baur Bremen - Gießen (Seltersweg 35) Februar 1926 Gießen Schiffenberger Weg 61 edelst.Qu.10-Pfd.-Ti. ir.Nachn.llM, halbe Ihre Vermählung geben bekannt Johann Mergehen Martha Mergehen geb. Neumann ziehen. Wie soll ich Ihnen schonend die Wahrheit sagen, wie kann ich —" Vogelkäfige Vogelfutter Waldvögel Saat-Niemand MSusburg 17. """ Sonntag,den14. Februar, nachmittags Großer Faschings-5-Uhr-Tee mit TANZ Ab 8 Uhr abends großes Faschingstreiben Voranzeige! Cafe Astoria Rosenmontag nachmittags 3 bis 7 Uhr: Kinder-Kostümfest Kinder haben nurmit Erwachsenen Zutritt WWMWIlMMkll Sonntag, den 14. Februar, abends 6 Uhr 59 Min. AMMWlIll > auf der Liebigshöhe Herreukarten 2.-, Damenkarten 1.50 M. tSebeimkartenbiszur Demaskierung 1— Lmx® Im Vorverkauf in den Friseurgeschäften von Fr. Büttner, Landgraf-Phtttov-Platz. W. Pfeil, Walltorstratze, Gg.Wahl,Neustadt: 1 «sj/ Damenkarten im Modehaus Salomon er- 1 haltllch. [1281D1 Der Vorstand. Lnr»(1>^ Zu Gesellschaften :: Anlässen:: empfehle aus eigener Kuhl- und Gefrieranlage stets vorrätig: Junge Mast-Enten Junge fette Suppenhühner Junge Mast-Hahnen Junge Fasanen Junge französische Poularden Junge Perlhühner Junge Puten Frisch geschossene Hasen Schleien Steinbutt _ Ächcn Rotzun^ Carl Schwaab Realschule u. Prorealgymnasium zu taubach. Anmeldungen neuer Schüler und Schülerinnen für das Schuljahr 1926/27 werden am Mittwoch, dem 17. Februar, von 10-1 Uhr im DireKtorzimmer entgegengenommen. Vorzulegen sind Geburtsschein, Impfschein und Abgangszeugnis der zuletzt besuchten Schule. Laubach, den 9. Februar 1926. virettion der Realschule und des Prorealgqmnafiums Lichtspielhaus Heute bis einschl. Sonntag der Zillefllni: Die Verrufenen Roman aus dem Leben. 8 Akte. — Dazu: Die neueste Wochenschau sowie ein glänzendes Lustspiel in 2 Akten: = Wie einst im Mai ------ Größere Lager- und Bureauräume möglichst nahe Bahnhof, von GrMirma Att mieten gesucht, evtl, mit Wobuung. Schr. Angeb. mit genauer Grönenanaabe und Preis unt. 1302D an den Gieß. An». Solonlol-Botliiio heute abend 8 Uhr im Palast-Lichtsvielhaus Thema: 1. Braucht Deutschland Kolonien? 2. Konnte Deutschland kolonisieren? Referent: Polizeioberleutnant Götzinger. Interessenten sind höflichst eingeladen. - Eintritt 50 Pfennig. Verband d. Polizeibeamten Hessens Samstag, den 13. Februar abends 8 Uhr: Kostüm-Fest (Bö-Bu-Ba) „Genug? Ich habe mit Ihnen nichts mehr zu reden. Wenn Sie noch Anspruch erheben auf den Namen eines Ehrenmannes, verlassen Sie diesen Wagen!" „Nicht ohne Ihnen gesagt zu haben, Andrea, daß Sie mir bitter unrecht tun. Sie müssen —" „Sii' haben gehört, ich verlange allein zu bleiben. Oder ziehen Sie vor, daß i ch in ein anderes Coup6 gehe?" „Wenn Sie befehlen, verlasse ich Sie auf der Stelle. Ich hätte Ihnen gern noch ausführliche Erklärungen gegeben, aber Ihre Forderung zwingt mich zur Kürze? Er hatte sich erhoben und die aus- gerauchte Zigarette behutsam im Aschenbecher zerdrückt. „Meine Reverenz denn, Gnädigste! Nur nod, zum Abschied ein Wort zur Klärung der Situation. Ihr Gatte — verzeihen Sie, ich bin ja zum Lapidarstil verdammt — Ihr Gatte ist —" »Nun, er ist —" Sie bebte am ganzen Leibe, die künstliche Streckung des Dialogs, obgleich er von ,Lapidarstil" faselte, peinigte sie wie eine sadistische Folter. Wieder war Andrea peinlich berührt. Sie gedachte ihrer letzten Unterredung mit ihrem Mann, und wie heiße Eifersucht gegen Müylfeld wallte es in ihr auf. Dieser Mensch also durfte sich rühmen, wahrscheinlich mit voller Berechtigung rühmen — daß er ein Vertrauen genoß, das der Gatte seiner angetrauten Frau schuldig blieb. Jedenfalls hatte aud) Mühlfeld Einblick in den ganzen Umfang des Bankgeschäfts. „Sie sagten, daß Sie Herrn Vansclow am Telephon sprachen. War denn mein Mann nicht zu ^ause." „Leider nicht. Man sagte mir, er sei im Auto nod) Lübz gefahren." „Nach Lübz? Was mag er da wollen?" „Das entzieht sich natürlich meiner Kenntnis. Und da ich nicht kombinieren darf —" „Nun, ich will einmal eine Ausnahme gestatten." „Na, in Lübz hat dock) der Rittergutsbesitzer Zechlin seine Güter. Zechlin hat schwere Depots bei Ihrem Gatten." Purpurröte schoß ihr ins Gesicht. Was sollte diese dunkle Andeutung? „Id, verstehe Sie nicht", sagte sie und suchte ihrem Ton Harmlosigkeit zu geben. 2lber die Erregung zitterte durch und verriet ihre Besorgnisse. Langsam und bedächtig zog Mühlfeld seine goldene Zigarettendose. „Darf ich?" „Bitte!" Er steckte sich eine Papyros an, schlug ein Bein übers andere und meinte dann leichthin: „Gott noch mal, Herr Zechlin ist ein schwieriger Kunde! Es ist gut, wenn man sich mit solchen Leuten recht- zeittg auseinandersetzt." Schon im Türrahmen stehend, kam er langsam Zurück, immer lächelnd, immer die Augen gebieterisch auf die Frau gerichtet, deren stolz? Schönheit in dlesen Augenblicken sichtbarer Seelenqual von hilfloser Verwirrrung überflutet war. „Nein", sagte er und schüttelte mit geheucheltem Bedauern den Kopf. „Es könnte brutal klingen, und id) wurde abermals in ein schiefes Licht geraten!" „2lrmc, gnädige Frau — Sie verkennen vollständig die Situation, weil Sie keinen Einblick in die Er- Außergewöhnliches Möbel-Angebot! 1 SchWnmr hochelegant, Ktrschbaum poltert.. fflt 1500.- Sein oder Nichtsein. Lin Kriminalroman von der Wasserkante. Von Moritz Schäfer. 18. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Mühlfeld lächelte überlegen. „Kombination, verehrte Freundin, weiter nichts. Doch Sie werden zugeben, daß ich logisch kombiniere." Sie hörte nur wieder, daß er einen Grad vertraulicher wurde, und wappnete sich zur Abwehr. . Aber ihr frostiges Schweigen entmutigte ihn nicht. Er begann in hohen Tönen Wallots Loblied zu fingen, und prophezeite dem jungen Mediziner eine glänzende Zukunft: ,,2lud) Herrn Banfelow habe ich am Telephon aufgetragen, Lorenzen meine Gratulation auszurichten, daß Margot bei Wallot so gut aufgehoben ist. Wenn alles gut geht, und es fugt fid) bann, daß die beiden ein Paar werden —" „Herr Mühlfeld, ich bitte Sie, Ihre Kombinationen nicht allzuweit auszudehnen!" „Wie, Sie befehlen, meine Gnädigste! Es fei . ferne von mir, mich in die persönlichen Angelegen- i heilen des Hauses Lorenzen zu mischen. „Darum möchte ich auch gebeten haben." „Zu meiner Entschuldigung darf ich vielleicht anführen, daß mein Freund Lorenzen kürzlich selbst ' non einer solchen Möglichkeit, wie ich sie eben an- ' deutete, zu mir fpradj/' „Hat er das getan? Das wundert mich, offen gestanden." „Aber ich bitte Sie, Gnädigste! Wie ich mit Ihrem Gatten stehe! Id) darf mich rühmen, zu wissen. Ja, ich schmeichle mir, daß id) der einzige bin, mit dem ihn wirklich ein enges Vertrauensband verknüpft." Sie konnte fid) nicht länger beherrschen. Jäh aufspringend, trat sie vor Mühlfeld hin. Ihre Augen blickten ihn zornfunkelnd an, als sie rief: „Sie behaupten, ein Freund meines Mannes zu sein, und wagen es —" Sie vermochte es nicht, weiter zu spred)en, Entrüstung erstickte ihre Stimme. „Was denn, was denn, verehrte Frau Andrea?" Die schräg gestellten Augen blickten ganz verwundert drein, „ich bitte Sie, regen Sie sich doch nicht grundlos auf. Bedenken Sie, in den anderen Coupös sitzen auch Passagiere." „Ich will wissen, was Ihre versteckten Anspielungen bedeuten", beharrte sie mit weniger erhobener Stimme, aber fest und unerschütterlich. „Sie haben zu viel gesagt, um einen Rückzug antreten, zu können. Ich muy erfahren, wo die Quelle der schmutzigen Verdächtigungen ist, die seit einiger Zeit bis vor unsere Türe kommt." Wieder ein langer Zug aus der Zigarette. Mit Behagen nahm Mühlfeld den Rauch über die Lunge, bann erst bequemte er sich, ber Zornbeben- ben Antwort zu geben: „Sie reben von Verdäch- tigungen, gnäbige Frau! Aber Sie wissen doch: Wo trübe Quellen rinnen, da gibt es Schmutz, den die Wasser ausrühren. Auf blankem Grunde bleibt das Wasser rein." Ein gurgelnder Laut drang sich über ihre Lippen. Nach Fassung ringend, schleuderte sie Mühlfeld entgegen: „Sie werden das — meinem Mann gegenüber zu vertreten haben." Astoria-Lichtspiele Heute bis einschl. Sonntag der große Zirkus- und Sensations-Film: Wer trägt die Schuld 7 Akte — Fenier: Das Gewehr über Tolle Humoreske in 2 Akten. 1291c 1 spellejlmmer M. 1500. 1 SMkiiMM hochelegant, Nußbaum, komplett M. 1600. 1 SMkvZMM hochelegant, Eiche, komplett.. Hit. 1000. Besichtigung jederzeit ohne Kaufzwang gestattet „Ich bezweifle das, meine Gnädigste!" Er blieb äußerlich vollkommen kühl, nur feine Augen . ... .. .. .. -------- - — rebeten dreister, und wieder traf Andrea jener ^Grusse erhielten, die sich hinter den Kulissen voll- Schlangenblick, der sein Opfer faszinieren möchte. ’ — -------- Slber sie wehrte sich mit aller Macht gegen diese hypnotisierenden Pupillen. 6NiWr »ä-Win Sonntag, 14. Februar, abends V', Uhr, im „Saalbau Sauer" W Bunter Abend W iogiinften öetonrd) WtMiing SesWiglev Musikalische und theatralische Darbietungen ernster und heiterer Art, Reigenaufführungen Eintrittskarten: Für Mitglieder Mk. 0.50 und 0.80, für Nichtmitglieder Mk. 1.00 und 1 50, im Musikhaus Kirchner. — An der Abendkasse Aufschlag. 12850 1307c Gar.naturr.Bteneu-