Nr. 8 Erstes Blatt 176. Jahrgang Montag, 11. Januar 192f> Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: Vrühl'sche Univerfitäls-Vuch- und Zteindruckerei R. Lanze in Sietzen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnnmmct bis zum Nachmittag vorher Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspjennig; für Ne» klameanzeigen von 70 n in Breite 35 Reichspjennig, Piatzvorschrift 20 ' , mehr Chesrcdaltteur Dr Friedr Wilh. Lange Verantwortlich. für Pol lik und Feuilleton Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil 5 ans Iüstel, Iamtlich in Gieren Erscheint täglich,außer Sonntags und Ferertags Beilagen; Gießener Familienblatter Heimat im Bild Die Scholle Monaks-bezugLpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten; Anzeiger Stehen. Postscheckkonto; ZronlsurtamMain 11686. Die Budapester Fcnschmünzeraffäre. Das Ergebnis der Untersuchungen. Budapest, 9. Jan. (WTB.) lieber den bisherig eil Verlauf der polizeilichen Erhebungen in der" Fälschungsangelegenheit veröffentlicht das TlngarifcheTelcgraphe.i-Korrespo.rdenzbureau folgenden Bericht: 3m Verlaufe des Dezember 1925 erschien in Budapester Blättern eine Meldung, nach der in Amsterdam mehrere Ungarn wegen 3nverkehrssehung falscher Tausendfrankennoten verhaftet worden seien. Die Staatspolizei leitete auf Grund jener Zeitungsmeldungen sofort jm eigenen Wirkungskreis Recherchen ein. Am 29. Dezember teilte die Amsterdamer Staatsanwaltschaft mit, baß Aristide 3 anko- vich, Georg Mar, ovszky und Georg 3 a n- rovich sich dort in Hast befänden, da in ihrem Besitz 7500 Stück falsche Tausends ran- fennotcn gefunden worden seien und in der Unter Beischluß der Photographien der Genannten und dreier Falsifikate das Ersuchen gestellt wurde, die notwendigen Recherchen nach Mittätern und den Mitteln zur Fälschung anzustellen. Die Amsterdamer Zuschrift erwähnt, daß nach Mitteilung der dort verhafteten Personen von der Angelegenheit auch der Landespolizeichef Dr. N a d o s s i) wußte. Nadossy wurde sofort nach dem Eintreffen der Zuschrift einem Verhör unterzogen. Er nahm infolge einer Verfügung des Ministers des Innern an den Nachforschungen überhaupt nicht teil. Die Erhebungen der Polizei blieben infolge Mangels an Stützpunkten ohne Ergebnis. Es wurden in der Wohnung der in Amsterdam verhafteten Personen Haussuchungen vorgenommen, aber auch diese blieben ohne Ergebnis. Die bei den Banken vorgenommenen Erhebungen ergaben, daß nur bei der Nationalbank eine falsche Tausenfranknote gefunden wurde, die sich als völlig identisch mit den aus Amsterdam eingesandten Exemplaren erwies. Diese gefälschte Note hatte eine Fabrik in der Königsgasse eingeliefert. Die von dec Fabrik gelieferten Daten verwiesen nach dem Larofpakaker Einwohner 6 o - n a c 9, in dessen Wohnung auch die van der Fabrik gekauften Kleidungsstücke gefunden wurden. Ls wurde scsigestellt, daß Kaspar Kovacs Kammerdiener beim Prinzen Win- d i s ch - G r a e h mar. Es wurde, sofort seine Vorführung und eine Haus- fuchung ungeordnet. Kovacs war indessen in seiner Budapester Wohnung nicht auffindbar. Die Haussuchung blieb erfolglos. Kovacs konnte e r st i n den nächsten Tagen f e st g e n o m m e n werden. Er gab an, daß er den in. der Königsgasse verausgabten Tausendfrankenschein sowie weitere sechs Stücke von einer unbekannten Person gekauft habe, und daß er nicht gewußt habe, daß diese Scheine falsch seien, da er sie sonst nicht zur Verwertung an die Pflcgeeltern seiner Kinder nach Amsterdani geschickt hätte. Der Verteidigung Kovacs wurde seitens der Polizei kein Glauben beigemessen, da festgestellt fei, daß sowohl der in Budapest verausgabte wie die sechs nach Amsterdam geschickten Tausendsrankenscheine mit den bet Ian- kovics beschlagnahmten Fälschungen vollkommen identisch waren. Kovacs wurde infolgedessen in Verwahrungshast genommen. Es gelang der Polizei, sich die Telegramme zu verschaffen/die an die im Ausland verhafteten Personen gesandt worden waren. Dabei wurde festgestellt, daß sie von dem Sekretär des Prinzen Windisch - Graetz stammten, der sofort zur Polizei gebracht und auf Grund der aufgetauchten belastenden Daten in Verwahrungshaft genommen wurde. Von dem Sekretär namens Desider R a b a wurde übrigen festgestellt, daß er Personen anwarb, die die falschen Frankennoten in Verkehr bringen sollten. Am 3. Januar meldete sich Radossy freiwillig bei bet Polizei und erstattete eine Meldung, die die Rachforschungen stark förderte. Auf. Grund seiner Meldung erfolgte die Vorführung von Windisch^Grätz. Am 5. Januar erfolgte die Verhaftung Rado s s y s. Runmehr nahmen die Erhebungen einen raschen Verlauf und führten zur Entdeckung der Falschmünzerwerkstätte und der Entdeckung der Teilnehmer und Mitschuldigen. Die polizeilichen Erhebungen stellten fest, daß die Fälschungen im Kartographischen Institut im Keller t-on einigen Angestellten, welche in Präbenliöhaft genommen wurden, hergestellt worden waren. Am 2. 3anuar erhielt die Polizei ein Telegramm von der Shamburger Polizei über die Verhaftung von Edmund Olchvarys wegen 3nverkehrsetzung falscher Tausenfranlenscheine. Auf Grund der bisherigen Erhebungen er» gibt lieb nunmehr foLgenbeä Bild von der Entwicklung der Fäl.chungsangelegmheit: Die 3dee der Frcmkenfäl.chung stammt von dem Prinzen W i n d i s ch - G r a e tz. welcher bereits früher die Durchführung beschlossen hatte. Unter Betonung patriotischer Ziele gelang es ihm, den Polizei- chef und Beamte des Katographischen 3nstituts zu gewinnen. Bald wurden die Arbeiten im Kartographischen 3nst tut ins Werk gesetzt. Octo begann mit einigen Angestellten dieses 3nstituts Qn der Verfertigung der notwendigen Klischees. Rachdem das notwendige Papiermaterial im 3nla-nde nicht beschafft werden konnte, stellte Gerö mit einem Komplizen das Papier in den Kellerräumen des Instituts aus Halbfabrikaten her, die aus Deutschland beschafft wurden. Auch Die Stellenbesetzungen in Genf. Aus dem Auswärtigen Ausschuß des Reichstages. Berlin, 9. 3cm. Heute vormittag um 10 Uhr ist der Auswärtige Ausschuß des Reichstages zu einer Sitzung zusammengetreten. Der Reichskanzler und der Reichsauhen- m i n i st e r w-ohnen der Sitzung bei. Der Ausschuß behandelt die Sekretariatsfrage im Völkerbunde, eine Angelegenheit, die bekanntlich die deutsche Oeffentlichkeit stark beschäftigt hat. Da in der Pressepolemik die Sozialdemokratie und das Zentrum beschuldigt worden sind, ohne Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amte sich mit dem Generalsekretariat des Völkerbundes offiziell in Verbindung gesetzt zu haben, um für ihnen nahestehende Personen Stellen im Völkerbunde zu erlangen, beantragen die Abgeordneten Müller- Franken (Soz.) und Marx (Zentr.) namens ihrer Fraktionen die O e f f e n t l i chk e i t der Sitzung. Diesem Anträge entsprach der Ausschuß mit der Maßgabe, daß, falls nötig, bestimmte Teile der Verhandlungen von der Oeffentlichkeit ausgeschlossen werden können. Am Eingang der sachlichen Beratung gab zunächst der Vorsitzende Abg. H e r g t (Dtschn.) eine ausführliche Darstellung des objektiven Tatbestandes bezüglich der bisherigen Polemik in der Presse. I Außenminister Dr. Stresemann erklärte enlsprechend dem Vorschläge des Vorsitzenden, heute nur auf die Frage der Mitwirkung an der Besetzung der etwa Deutschland zugebilligten Stellen im Völkerbundssekretariat eingehen zu wollen. Insbesondere fasse er seine heutige Aufgabe dahin auf, seine Stellung zu den Fragen auseinanderzusetzen, die durch Presseäußerungen bekannt geworden sind. Dazu führt der Minister etwa aus: Am 22. Dezember sei ein ausführliches Telegramm eingelaufen, in dem davon gesprochen wird, die maßgebende Stelle des Völkerbundssekretariats habe unserem Generalkonsul in offiziöser Form mitgeteilt', sie habe Kenntnis davon erhalten, daß verschiedene deutsche Parteien deutsche Kandidatenliste'! für die S t c 11 e n b c s e tz u n g im Sekretär rar a u f g c ft c 111 hätten, und daß sie darüber st a r f beunruhigt sei. Der Generalkonsul hat sich dann auf meine Erklärung vorn 31. Dezemver 1925 bezogen, die die maßgebende Stelle des Völkerbundssekretariats mit Befriedigung zur Kenntnis genommen hat. Persönlich habe ich die maßgebende Stelle nur kennen gelernt, als sie in Berlin mit Staatssekrtär v. Schubert und mir eingehende Besprechungen hatte. Ich bemerke ausdrücklich, daß irgendein Beamter des Auswärtigen Amtes irgendwelche persönliche Politik in dieser Frage nicht getrieben hat. Entscheidend war das Telegramm vom 22. Dezember. Wenn eine solche Benachrichtigung des Generalsekretärs an unseren Generalkonsul kommt und ihm mitgeteilt wird, daß dadurch Beunruhigung bei ihm entstünde und wenn unser Generalkonsul, wie erwähnt, die Kenntnis solcher Listen verneint, dann sollte man doch wohl mit Angriffen gegen den Generalkonsul aufhören, denn der luann hat ja nur seine Pflicht getan. Welche Vorschläge die Regierung ihrerseits machen wird, steht dahin. Bisher liegen derartige Vorschläge noch nicht im Auswärtigen Amte vor. Wenn es sich aber überhaupt darum handelt, Vorschläge zu machen, so tann_bas Auswärtige Amt überhaupt nur für wenige Stellen in Frage kommen. Deshalb Ijaben wir auch noch keine Vorschläge irgendwelcher Art ausgearbeitet. Der Vorwurf, daß der Bericht beim General-, konsul Aschmann in Genf beftcllt sei, ist durchaus unrichtig. Mir ist jedenfalls nichts darüber bekannt. Der zweite Vorwurf ging dahin, Aschmann hätte einen schwindelhaften Bericht ausgegeben. Nach dem Zusammenhang der Telegramme ist auch das u n r i ch t iL. “ In dem Bericht des ,,Tag" ist übrigens von je drei Kandidaten der Parteien die Rede, und es find auch sonst bestimmte Angaben gemacht worden, die auf das Telegramm des Konsuls Aschmann der Druck des Falsifikate erfolgte im Keller des Kartographischen Instituts. Der Druck wurde Ende September beentet. Damals stanven 25 000 bis 30 000 Stück zur Verfügung. Em Teil davon war mißlungen. Die Personen, die die Verwertung der Fal.if.kate übernommen hatten, wurden vom Sekretär des Prinzen, R a b a, organisiert. Aristides Hankovich, der allem Anschein nach d'.e Verwertungsarbeiten leitete, wohnte gtoei Wochen beim Prinzen. Die die Verwertung übernehmenden Personen prüften zuerst die Falsifikate und vernichteten einen bedeutenden Teil als unbrauchbar. Dabei konnte der Budapester Diener des Prinzen, Kaspar Kovacs, sieben Stücke der Falsifikate entroenöeti und für die eigenen Zwecke verwenden. Die Organisation der Verbreitung und Verwertung wurde Anfang Dezember beendet. Die jungen Leute, die die Verwertung übernahmen sind teils nach Hamburg, teils nach Mailand gereift. Bevor sie jedoch größere Mengen der Frankenscheine in Verkehr setzen konnten, wurde Iankovick heim Ersuch, die Scheine in Holland umzusetzen, verhaftet. Diese Nachricht erschien bald in der Preße. nicht zurückführen können, falls wirklich dieses Telegramm durch eine Indiskretion bekannt geworden sein sollte. Dann ist weiter behauptet worden, durch die „Tägliche Rundschau", die Beziehung des Außenministers zu ihr seien ja bekannt, sei die Nachricht des „Tag" offiziös bestätigt worden. Ich erkläre demgegenüber, daß ich mit dem Chefredakteur der „Täglichen Rundschau", Herrn R i p p l e r, als früheren Fraktionskollegen gute Beziehungen habe, und daß feit längerer Zeit die „Tägliche Rundschau" Aufsätze und Erklärungen, die ich ihr schickte, bringt, evtl, unter dem Vorbehalt besonderer Kenntlichmachung. Im übrigen ist die „Tägliche Rundschau" nicht in höherem Grade mein Organ, als alle anderen Blätter meiner Partei. In der „Täglichen Rundschau" stehen auch sonst Dinge, für die ich zwar verantwortlich gemacht werde, aoer nicht verantwortlich sein kann. Im übrigen hat Herr Rippler erklärt, daß diese Information zu dem Artikel des „Tag" nicht vom Auswärtigen Amte stammt, daß er auch gar nicht im Auswärtigen 2(mte angerufen habe: wohl aber habe i ch angerufen und erklärt, er möchte doch die Sache r i d) 11 g ft e 11: n. Schließlich komme der ganze Streit auf die prinzipielle Erwägung hinaus. Sollen die Sekretariatspoflen nur mit beamteten Persönlichkeiten oder mit Persönlichkeilcn, die außerhalb ber Beamtenkarriere stehen, besetzt werden? Ich stehe, so fuhr der Minister fort, auf dem Standpunkt, daß die Persönlichkeiten, die im Völkerbundsrat arbeiten, sehr starke Kenntnis aus dem Spezialgebiete haben müssen. Darüber zu entscheiden, ist aber erst möglich, wenn wir wissen, welche Stellen zur Verfügung stehen. Was dann die Frage der Vertretung bei den Plenarsitzungen des Völkerbundes anbelangt, so bleiben diese Vertretungen am besten in den Händen der politischen Persönlichkeiten, und zwar aller Parteien, die dafür in Betracht kommen. Wir wollen abwarten, wie die Entwicklung geht. \ Abg. Stampfer (Soz.) wandte sich gegen die verleumderische Behauptung, daß die Sozialdemokratie sich um Stellen im Völkerbundssekretariat bemüht habe Daran sei kein wahres Wort. Auch wäre dem Minister Dr. Stresemann zur Last zu legen, daß die „Tägliche Rundschau" zunächst die Verleumdung sich zu eigen gemacht habe. Die Behauptung, es bestünden Listen politischer Parteien für Genf, sei objektiv unwahr. Abg. Dr. M a r x (Zentr.) gab seinem Bedauern über den sittlichen Niedergang Ausdruck, der sich in einer derart schmutzigen und schamlosen Pressehetze offenbare, wie einige Rechtspressen sie anzuwenden belieben. Der Redner habe seine Vorschläge über die Besetzung wichtiger Posten in der Völkerbunds- bureaukratie lediglich in einem ganz privaten Briefe und nichtnamens seiner Partei gemacht. Er habe die Vorschläge deshalb gemacht, weil er von privater Seite ausdrück- l i ch dazu aufgefordert worden fei. Er habe das Schreiben auch gar nicht an den Generalsekretär des Völkerbundes gerichtet. Uebekdies habe er loyaler Weise dem Auswärtigen Amt sofort die Namen der vorgeschlagenen Persönlichkeiten mitgeteilt. Er sei zu seinem Schritte berechtigt gewesen, weil die Zenirumspartei mit aller Entschiedenheit für sich in Anspruch nähme, bei den Beamtenstellen der verschiedensten Art, namentlich auch in den Ministerien in gerechter Weise vertreten zu sein. Er verwahre sich mit aller Entschiedenheit dagegen, daß man dieses Vorgehen als Stellenjägerei bezeichnet. Ihm sei nichts davon bekannt, daß sein Vorgehen irgendwelche Beunruhigung in Genf hervorgerufen habe. Im Gegenteil, er glaube, daß seine Angaben in Genf gerne entgegengenommen worden seien. Abg. Dr. Rosenberg (Komm.): Wir verlangen, daß nur solche Persönlichketten als deutsche Vertreter nach Genf gehen, die wenigstens etwas Rückgrat gegenüber England haben. Auf jeden Fall ist das Recht des Reichstags bei diesen Ernennungen zu wahren. Es ist auf das Entschiedenste zu mißbilligen, daß Herr Marx als Vorsitzender des Zentrums inoffiziell eine Vorschlagsliste an den Völkerbund gelangen ließ. Wir lehnen eine solche Methode scharf ab. Der Sekretär des Prinzen forderte hierauf die übrigen Teilnehmer telegraphisch auf, die Arbeit sofort einzustellen und heimzukehren. Gleichzeitig wurden die Klischees im Keller des kartographischen Instituts vernichtet und die Maschinen in Stücke geschlagen und als B r u ch e i s e n verlaust. Auch die Falsifikate wurden vernichtet mit Ausnahme derjenigen, die von der Polizei beschlagnahmt wurden. Nach den bisherigen Daten der Erhebung ergaben sich feine r l ei M o - mente, aus welchen daraus geschloffen werden könnte, daß die Vorbereitung oder Durchführung des Verbrechens von irgendeiner politischen Partei oder politischen Gruppe bzw. irgendeinem Verein oder einer Organisation geleitet oder begünstigt worden märe. Sie kann vielmehr als individuelle Aktion einiger zu diesem Zweck vereinigten Personen bezeichnet werden. Nachdem die wesentlichen Einzelheiten des Verbrechens aufgeklärt waren, übergab die Polizei die Akten der in Haft genommenen Verdächtigen te v Staatsanwalt, der eventuell die nötigen Ergänz!,ngsarbeiten in Vollzug setzen tn?; . Abg. Koch- Weser (Dem.): Die Angelegenheit ist ein Musterbeispiel für die Inszenierung eines leider bisher erfolgreichen Derleumdungsscidzuges. Nichts ist gegen die Sozialdemokratie sestgestellt worden. Vom Zentrum ist nur ein korrekter, dem Außenminister mitgeteilter Schritt bekannt. Trotzdem verharrt die Oeffentlichkeit, soweit sie von rechtsgerichteten Zeitungen bedient wird, in der Meinung, als handle es sich um eine Korruption. Das Ergebnis ist, daß man bis heute nickt weiß, wer die verschiedenen Parteien denn eigentlich sind, die sich vergangen haben sollen. Der Ausschuß muß von den Kampfmcthoden derjenigen abrücken, denen jede erdichtete Tatsache als Beweis dafür recht ist, daß im heutigen Deutschland alles korrupt sei. Es handelt sich hier nicht um die Interessen von Parteien, sondern um die Reinlichkeit des öffentlichen Lebens. Abg. Dr. hoehfch (Dn.): Die Initiative bei den Vorschlägen für die Stellenbesetzung, soweit sie Deutschiand betreffe, müsse bei der Reichsreaierung liegen. Sie habe die geeigneten Persönlichkeiten zu bezeichnen und damit die Verantwortung gegenüber dem Parlament. Die ganze Frage könne selbstverständlich erst dann akut werden, nachdem Deutschland in den Völkerbund eingetreten ist. Der Redner und seine politischen Freunde seien der Ansicht, daß es nicht korrekt gewesen sei, wenn sich der Führer einer so großen und einflußreichen Partei, wie es die Zentrumspartei fei, direkt in einem Schreiben an den Völkerbund wende, anstatt die Wünsche der Partei lediglich dem deutschen Auswärtigen Amte vorzutragen. Eine Schädigung des deutschen Ansehens im Auslande sei erfolgt durch das unrichtige Verhalten des Führers der Zen- Irumsfraftion. Reichsaußenminister Dr. Stresemann bemerkte, es fei also ganz deutlich von der Presse- Hetze abgerückt worden. Prinzipiell stehe der Minister auf dem Standpunkt, das Recht jeder Partei sei, bei der Besetzung dieser' Stellen, dem Auswärtigen A n. t e D o r s ch 1 ä ge zu machen. Dagegen wäre es nach feiner persönlichen Meinung wünschenswert, wenn es bei ter Fühlungnahme mit dem Auswärtigen Amte geblieben wäre. Der Minister versichert, daß in bezug auf die Personalpolitik das Auswärtige Amt den Wunsch zum Ausdruck gebracht habe, sich ein Rachbeschluß zu sichern, der auch die katholischen Anwärter vollkommen zufrieten- stellt. Abg. Scholz (D. V. P.) meint, nach Auffassung seiner Fraktion treffe wegen ihres Verhaltens in dieser Angelegenheit weder das Auswärtige Amt, noch den Generalkonsul in Genf ein Dorwurf. 3n der Abstimmung wurden angenommen 1. ein Antrag der Sozialdemokraten, des Zentrums und der Demottaten, mit 16 gegen 12 Stimmen und zwar mit folgendem Inhalt: Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages stellt fest: Die Behauptung, die sozialdemokratische Partei oder führende Parteimitglieder hatten auf das Bölkerbundssekretariat mittelbar oder unmittelbar einzuwirken versucht, damit Angehörige der Partei zu Mitgliedern des Sekretariats auSetwählt würden, entbehrt jeder tatsächlichen Grundlage. Die gegen das Zentrum gerichtete Behauptung gleichen Inhaltes, gründet sich ausschließlich auf die Tatsache, daß der 2lbg. Dr. Marx eine von privater Seite an ihn gerichtete Frage nach geeigneten deutschen Persönlichkeiten für das Sekretariat nach persönlichem Ermessen beantwortet und von diesem Vorgang das Auswärtige Amt alsbald verständigt hat 2. Ein Antrag des Abg. Scholz (D. D. P.) folgenden Inhaltes: Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages stellt ferner fest, daß keinerlei Tatsachen vorhanden oder bekannt geworden sind, aus denen sich der Dorwurf irgendeines inkorrekten Verhaltens gegen den Generalkonsul Asch- mann ober einen anderen Beamten des Auswärtigen Amtes herleiten läßt. Dieser Antrag wurde mit allen Stimmen gegen die drei Kommunisten angenommen. Die Regierungsbildung. Berlin, 11. Dan. Der Herr Reichspräsident Hal in dec Frage der Regierungsbildung sich entschlossen, die bevor st ehenden Fraktion s b e s ch l u s s e a b ; u w a r t e n , che er eine bestimmte Persönlichkeit mit der Bildung des Kabinetts betraut. Für Montag hat der Reichepräsident die Führer des Zentrums und der Demokraten, die Abgeordneten Fehrenbach und koch, zu sich gebeten, um sie zu ersuchen, alsbald eine endgültige Klärung der Frage der Großen Koalition zu veranlassen, da er eine weitere Hinauszögerung der Regierungsbildung nicht für tragbar hält. — wie die „Montagspofl" wissen will, werde der demokratische Führer Koch dem Reichspräsidenten in der heutigen Mnterrebung inlt- teilen, daß die Demokraten nach wie voc nur eine Reichsregierung aus der Grundlage der Großen Koalition für möglich halten, weil keine andere Koalition nach dem Ausfall der Deutfchnationalen im Reichstag über eine Mehrheit verfüge. Das Zentrum für die Gröhe Koalition. Berlin. 10. £tan. (TU.) Aus her heutigen Sitzung be? Reichvpartcivorstandcs und her Bor stände bei Reichstage und der Landtagssraktionen des Zentrums wurde nach Abschluß her Verband, hingen um 9 Uhr abends folgende» Evmm n n i q ne ausgegeben Ön den Berichten aus alten Üande-teilen. insbe sondere des Westens, 'and di.- ungeheure, non Tag zu Tag steigende W i r 1 i d) n f t s n o t weitester Volksschichten einen erschütternden Ausdruck. Daraus 30g die Versammlung die Folgerung, daß zur lieber niinbung dieser Notlage nur ein e R cgi' rung auf b re Hefter Grundlage berufen hin kann: da» isl die Große Koalition. Der 'Verantwortung vir Bildung einer solchen Regie iimg kann [kb Feine Partei entziehen, der es ernst ist mit der (Vnifübrung einer zielsicheren friedlichen Antzenpoliiit und de, Nusrechterhaitung unserer Verfassung, der Gesundung der Wirnchaft und her Minderung der sozialen Notstände. Unuerant w 0 r t I i ch wäre es und für eine Verfassungspartei unerträglich, in der gegenwärtigen winschoftlichen vrifc noch eine Sta 0 tskrtfe bermifzubeschwä- icn. Sic wurde zur völligen Verelendung unseres Volkes, insbesondere der Arbeitannassen. führen. Die Versammlung erwartet daher non der Ben trum:irciition des NeichVags. hon alle Entschlossen heil und alle politischen Miit-l aufgeboten werden, eine solche tfntwirtlung zu Verbinder n. Die Kasseler LoZ^aiLremoLrratie für die Grotze Koalition. Kassel, 10. Jan. Am Sonntegoormittag fand hier eine Konferenz d.r sozialdemokratischen Ver trauensleut» des Bezirks Hessen Nassau statt, in der '2lbg. Scheidemann über die Frage der Regierungsbildung sprach. Seinem Reierat iolgte eine länger? Diskussion, nach der mit 139 gegen eine Stimme folgende Entschließung angenommen wurde: Die fBcnixmensleuic des Bezirks Nossen-Kassel erwarten von öer Reichstaassraktion, daß sie mit allen geeigneten Mitteln dahin wirkt, daß die Parteien, die die Weimarer Verfassung geschaffen haben, die Reichsregierung übernehmen. Da unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Verfasspngs- part$icn nur unter Hinzuziehung der Deutschen D 0 l k s p a r t e i als Große Koalition eine 'Reichsregierung bilden können, muß im Interesse bei Republik und der Zusammenarbeit der republikanischen Parteien a u f d i e Große Koalition ein gegangen werden. Die Vertrauensleute sind der Meinung, daß neben den bisherigen Erklärungen eine Wucherung der Bolkspartei bezüglich der Fürsten a d f i n d u n g und der Sozialpolitik die Voraussetzung dafür ist. Der Strafvollzug. Aus deni Ncchtsgusschnst des P cuft-scheu Larrdtafies. D e r [ t n. 9. Ilan. Der Rech tsaus schütz des Preußischen Landtages beschloß, daß Gesänge- neu. die während ihrer Strafzeit in eine Irrenanstalt überführt werden müssen, die dort zugebrachte Zeit mH aus die Strafe anzu- rechnen ist. Beschlossen wurde auch, daß die Echlafrüumo für ern,i»ich Erkrankte und solche Gesangene, deren Krankheit von längerer Dauer ist, freundlich er zu g e st alten sind. Auch wurde der Antrag angenommen, den Angehörigen von Gefangenen bei deren Erkrankung sofort Nachricht zu geben. Ferner tourbc beschlossen, dafür Sorge zu tragen, daß in jeder Anstalt bei den Kranken eine ausreichende Pflege bei Tag und Rächt zuteil wird. Annahme fand auch her Antrag, daß zur besseren Aufrechterhaltung der Verbindung eines Gefangenen mit seinen Familienangehörigen, der Empfang eines Paketes mit Lebensmitteln auch zum Namenstag oder Geburtstage durch den Anstaltsleiter gestattet werden kann. Festgesetzt wurde weiter, daß Zuchthaus- gesangene der zweiten Stufe alle zwei Monate. Gefängnis- und Hallgefangene der zweiten Stufe alle vier Wochen besucht werden dürfen. Die Besuchsfristen werden aus die Hälfte herabgesetzt. Der Bricfverlehr soll niemals kleinlich gehandhabt werden. Hierauf wandte sich der Ausschuß der Beratung über die Gefangenenfürsorge und der Frage von IlebergcmgSheimen für entlassene Gefangene zu. Der Rechtsausschutz beschloß, daß bei der Behandlung der Gefangenen für die Erhaltung ihrer vollen Erwerbsfähigkeit unbedingt Sorge zu tragen ist. Weiter wurde em 'Antrag der Demokraten und des Zentrums angenommen, bei den größeren Gefängnissen die Anstellung eines hauptamtlichen Fürsorgers anzustreben. bem vor allem die Vorbereitung der Unterbringung der Gefangenen nach detn Rück- tritt in die Freiheit obliegt. Die Fürstenabfindungen. AnS dem RechtsanSschnst des Reichstages. Berlin. 9. 3an. 3m Rechtsausschuß des Reichstages wurde heule die Beratung über die vermögensrcctztlich? Auseinandersetzung mit den Fürstenhäusern fortgesetzt. Abg. Dr. Rosenfeld (Ö.) fragt, ob die deut,chnattonale Fraktion zum FaliEverling schon Stellung genommen habe. Abg. Barth CSirtL): Auf die Frage habe ich namens der drutschnativnalen Mitglieder des RechiLaus^chusses zu erllären. daß wir unseren Kollegen einstimmig gebeten haben auch fernerhin an den Beratungen des Rechtsausschusses teilzunehmen. iHört. Hört! links.) Äbg. Dr. Rosenfeld (6.): Dazu erkläre ich, daß wir uns weiteres Vorbehalten. Abg. Dr. E v e r l i n g lDntl.): Au? dem Pro gramm der Deutschnalionalen Volkspartei st.-ht nicht nur das 3mereile für den monarchistischen Staatsgedanken sondern auch das Eintreten für den Rechtsgedanken an der ersten Stelle. Da auch nach demokratischer Auffassung der Rechtsgedan.te eine gleichmäßige Auffassung aller Staatsbürger erfordert, hat unsere Partei die Ausgabe, für den Rechtsgedanken und damit für die hier mit Entrechtung bedrohten Staatsbürger einzutreten Der H?ezog dc 1 Altenburg hüt mich schon 1923 mit seiner Vertretung betraut. Reich-lagsabgeordneter war ich damals noch nich' Dbg. Dr. Rosenfeld (ö #: Ich muß schon sagen, daß es rin? .Unverfrorenheit sondergleichen ist. (Der Vorsitzende rügt schar i diese,; Ausdruck), twenn ein Abgeordneter, dem solche Vorwürfe ge macht wurden, hier noch davon spricht, daß er sür ben Rechtsgedanken eintritt, während Recht und Anstand zu an bereit Folgerungen nötigen. Der thüringische Finanzminister von m 111 n n c v behandelte bann zunächst die Alls einonderfetzung mit den ehemaligen in Schwa rz- b u r g -Rudolstadt und Schwarz du r g ■- S 0 n d erSh a u s e n regierenden Fürstenhäusern. 3n beiden Fällen sind bi? nach her Revolution abgeschlossen« n Abf in du ngSverträge später als gegen die guten Sitten verstoßend an - gefochten worden. Die Prozesse schweben noch. Die Auseinandersetzung des Fürstenhauses Renß Jüngere Linie und Reuß ältere Linie ist durch nicht angefochtene Verträge erledigt. Von einem Vertreter der Gesandtschaft des Freistaates Sachsen wurde mit geteilt, tast in Sachsen die Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Königshaus? vom 31. 3uli 1924 endgültig erledigt sei. Hieraus wurde die vorher abgebios ie Geschäfts otdmmgsbestatte über den F a I l (? r er- fing wieder ausgenommen. Abg. von Richt b os en (Dem.) bedauert die Haltung des Abg. Everling ind der Deulleb- milionafen. Der Ausschuß habe iber leine (Mög- lichkeit. eine Aenderung dieser Haltung herbe zu- führen. Abg. Schulte (3tr.i; Dav Zentrum würde einen Abgeordneten. her sich in ähnlicher *3itun- tirn wie b.'r Aea. Everling befindet, aus dem RechisauSschuß inrüetz-ebon. Höchst bedauerlich sei di? Erklärung des deut'chnat'onalen Abgeordneten. Die Ausfchußmebrbrit vertrat den Stand- punli. daß der Ausschuß zu einer geschnstsord- nungsmäßigen Entscheidung des Falles nicht zuständig sei. Hier habe Takt und Geschmus zu entscheiden. Die Behandlung der Frage im Aeltestenrat müsse von den Frate Honen außerhalb des Ausschusses angeregt werden. Der Ausschuß vertagte sich aus Dienstag. Lin Diplomalenjubtläum. Baron (YrvcrS, LV Ja!' c Holländisch, r (tzcsaridte in Berlin. Zu Ehren des holländisch?« Gesandten in Berlin. Baron Gevers, der jetzt 20 3aßre in Berlin wirkt, wird der 'Reichspräsident am Montag ein Diner geben, an dem cer Reichs- k a n z l e r. Reichsminister Dr. S t r e s e m a 11 n, der (Nuntius Pacelli als Dvven des diplomatischen Korps. d?r Vor .tzende des deutschen Roten KreuzeS. Landrsdirekkor v. Winterfeld. der deutsch? Gesandte im Haag. v. Lucius. und einige andere, durch ihren Wir- kungslreis dem holländischen Gesandten nahestehend? Herren teilnehmen woden. Baron Ge- vcrs, der 1856 in Petersburg geboren wurde und in Bonn seine Erziehung erhielt, hak seine Fugend in Deutschland verbra ch t. Sein Vater war niederländischer Gesandter in Petersburg. Vor dem Antritt seines Berliner Postens war Gebers Gesandter in Rom. Gr ist seit 1910 mit einer Tochter des holländischen Generals van dem Bosch verheiratet. An der Durchführung des L i e b e s w e r l e s s ü r Deutschland in ixm verflossenen Jahren war er hervorragend beteiligt. Baron Gevers ist der dienstälteste Gesandte in Berlin. Wer bas ausgezeichnete Wirken des Barons Gevers m den schwersten 3obren, die das deutsche Voll erlebt bat. kennt, wird aus vollem Herzen dem Wunsche zustimmen, daß ihm noch lange ein segensreiches Wirken im Inter llte des niederländischen und des deutschen Volkes beschieden fein möge. Zunahme der Arbeitslosigkeit. Düsseldorf, 9. 3cm. (Wolff.) Dgs Lan- desarbeitsamt der Rh ein Provinz teilt mit: Um die Jahres wcurde wurden in der Rheinvro- vinz 246 000 unterstützte Erwerbslosen gezählt, darunter schätzungsweise 30 000, deren Arbeitslosigkeit durch das Hochwasser verursacht wurde, ferner 19 000 Baufacharbeiter und etwa 40C00 Bauhilfsarbeiter. Der Berliner A r b e i t s m a r 11 weist die'e Woche eine weitere Verschlechterung auf, an d? - fast (fite Beruf sgruppcn beteiligt sind Mit nn erster Stelle stehen die kaufmännischen Berufe. (Ben den Arbeitsnachweisen waren in dieser Woche 170 847 Personen gegen 160 089 in der Vorwoche eingetragen. Fememorde. (Berlin, 10. 3cm. (WB.) Am Montag werden an den Säulen von (Berlin und einer Reihe von Städten im Reich Plakate der (Berliner politischen Polizei fleben, aut denen 6000 Mark Belohnung für die Aufklärung von Fememorden ausgesetzt werden. Es ban- belt sich erstens um den Fall des Wachtmeisters Legner, her im Marz 1923 auf dem Truppenübungsplatz Doeberitz ermordet und vergraben wurde, zweitens um den Fall des ehemaligen Feldwebels Wilms, der im 3ult 1923 mit zwei Schuhverlehungen aus der Havel gelandet wurde, und drittens nun der Fall des September 1923 im Kcsselbruch des Döbritzer Truppenübungsplatzes mit zwei Schußverletzungen aufgefundcnen Leutnants d. R. Sand. 3n allen Fallen kommen Angehörige der damals bei der Reichswehr bestehenden Arbeitskomin.rndos. der sogenannten „Schwarzen Reichswehr", als Täter in Frage. Parlamentarisches aus Hessen. D a r m st 0. b t, 9. 3an Der Gesetzge- bungsa uSschütz beschloß Anträgen auf Aufhebung der Immunität d§> Landtagsabgeordne- ten Sturmfeld und der Einleitung eines Slraf- verfährens gegen ihn die Genehmigung zu versagen. — Die Abgeordneten dB edler und Heinftadt haben einen Antrag eingebracht, in dem auf öle Hochwasserschäden in Hessen hingewiesen wird Die Abgeordneten beantragen, der Landtag wolle beschließen: 1. Die Regierung wird ersucht, den Schaden unverzücp lich unter Zuziehung der Kulturbauämler-Lanb- wirtschafte.- und Forstämter fest st eile 11 zu lassen; 2. ausreichende Mittel zur Be b c » bung der Schäden an Haus, Hof, Vieh usw. bereitzufteilen: 3. den Landwirten durch Vermittlung von Saatgut und Düngemitteln eine neue Aussaat zu ermöglichrn: 4. den geschädigten Landwirten weitgehend bei Pachtreguli.rangen, Pfändungen und Beitreibungen entflcfieinutem«- men; 5. einer Wiederholung solcher W.iffergc- fahren durch sofortig? Inangriifnahme der Regulierung de, Fluß laufe unter Mü- ttirlung her Aachbarländer vorzubeugen, um so mehr als die große Erwerbslosigkeit die Durchführung solcher produktiver Maßnahmen erforderlich macht. Der Pariser SoziuMenkongretz. Paris, 11. Jan. (21t) Der außerordentliche Sozialisteukongreß wurde gestern vormittag in Anwesenheit von 2900 Delegierten eröffnet. Bisher haben sich 32 Delegierte zum Wort gemeldet. Bei Eröffnung der Sitzung herrschte der Eindruck vor, daß die Anhänger der B e t e i l i g n n g s p 0 l i t i l geschlagen werden, da hie Provinzdelegierten die Beteiligungspolitil einmütig ablehnen. Von den Gegnern her Zusammenarbeit mit den 'Raditalen sprach als erster Morel, der in ungewöhnlich scharfen Ausbrüden mit ben 'Radikalen abrechnete, denen er Unentschlossenheit und Unaufrichtigkeit Dorwarf. Die sozialistische Partei habe den Radikalen stets die weitestgehende Unterstützung erwiesen. Die Sozialisten hätten z. V. die Geheimfonds bewilligt. Als Herriot vom Senat gestürzt wurde und die Sozialisten einen Widerstand organisieren wollten, beriefen sich die Radikalen auf die Verfassung und machten nicht mit. Das Kartell sei bereits an diesem Tage zusammengebrochen. Für die sozialistische Partei käme eine Mitarbeit mit den Radikalen nur daun in Frage, trenn sie b i a b s 0 l u t e M e h h e i t der Portefeuilles erholte. 3m übrigen seien die Sozialist c,. bereit, die Macht allein zu übernähmen. Vis dahin könnten sie sich mit her Wieder- a u f n a h m e einer bedingten Unter - stü h v 11 g 6 p 0 I i t i f begnügen, wobei jedoch die Beschlüsse des letzten Kongresses entscheidend maßgebend sein werden. 3n der Vaciuiittagssihung sprachen Ren nudel und Paul Voncour im Sinne ter Veteillgungspolitik. Die Generaldebelle nahm einen interessanten Verlauf d.irch das Eingreisen des befnnuten Gewerkschaitssührers der französischen Eisenbahnen V i d e g n r a y, bet warm für die Beteiligung her Sozialisten an der Regierung eintrat. Das Kartell habe immerhin ferne Verdienste gehabt Zum Beispiel fei ihm die Räumung der R u h r zu verdanken und die Wiederaufnahme der Beziehungen mit Sowie t r u ß l a n d. Den stärksten Eindruck rief die Rede bet, Abg. Paul Boncour hervor, der bekanntlich derjenige Sozialist ist, der nm stärksten für eine Beteiligung der Pnrtei an der 'Regierung ein tritt. Seit 1917, so erklärte er, habe sich die sozialistisch» Partei aus der politischen Arenn pirückgezogcn. Daher sei es auch gekommen, daß her Krieg auch später zu Ende gegangen sei, als man gewollt habe. Paul Boncour beschworle bann in pathetischen Worten bic Sozialistische Partei, nicht die Mehrheit der Links- gruppen zu sprengen. Die Geldmächte hätten wieder Vertrauen gewonnen, und man dürfe sich nicht der Gefahr nusseßen, baß der Sozialistischen Partei der Vorwurf gemocht werde, daß sie diese (Aeidmächte unterstützt und zur Liquidierung des Kartells der Linken beigetrogen habe. Ebensowenig dürfe man die Sozialistische Partei verantwortlich machen können für den Sturz des politischen Regimes vom ll.Moi 1924 uiib für ben finannziellen Zusammen brud) des Landes. Er könne ben Sozialismus nicht io auffaffen, daß dieser feine Geschicke auf dem Unglück des Landes aufbaue. Die Vollsitzung des außerordentlichen fozialifti^ fchen Parteitages ist um Mitternacht zu Ende ge- gangen und die Weiterberatung auf Montag vormittag vertagt morden. Der Manoatsauss chuß des Parteikov- greffes, der im Laufe der Mandalsprüfungen die von den einzelnen Bezirtsparteitagen vor* genommenen 21 b ft i m m u n g e n zur Kenntnis zu nehmen hotte, hat folgendes feftgefteUt: Es haben sich 1769 Stimmen gegen die Beteiligung, also für den Standpunkt der extremen Richtung, und 1306 f ü r den revisionistischen Standpunkt, also für die Richtung Renoudel, ausgefprvchen. Kunst und Wifisnschast. Derle'hung de: großen Staatspreise der Alademie der Künste. Die Akademie her Künste hat bic großen Staaisvreife der Bildhauerin Ruth Horadan in Düsselborf und dein Architekten Erich P re- tor ius in Kassel verliehe 1. Internationale Kunstausstellung in Venedig. Die Leitung der Internationalen Kunstausstellung in Venedig hat Deutschland, wie früher, zur Teilnahme ein geladen und dabei ben Wunsch ausgebrückt, daß die Organisation der deutschen Abteilung durch den Direktor der städtischen Kunstsammlungen in Leipzig. Prof. Dr. Richard Graul erfolgt. Direktor Graul hat den Auftrag angenommen. 2lus aller Welt. Das Hochwasser in Holland. Der ursprünglich nur 8 bis 10 Meter breite Durchbruch der Pssel bei Zalk hat sich auf etwa 120 Meter erweitert. Das ganze Gebiet zwischen der Zuhdersee, der (Mel und bem hohen Landstreisen der Veluwe steht feit Samstag vormittag bereits zum größten Teil unter Wasser. 15 größere Ortschaften find bedroht. Die durch das Gebiet führende Eisenbahnlinie ist bereits erreicht. Eine HilfSexpedilion der »Hessen". Berlin, 10. Jan. lWB.) Die Reichs-- marine bat das Linienschiff „Hessen" mit Begleitschiffen zur Rettung der im Finnischen Meerbusen in EiÜn01 befindlichen deutschen Schiffe entsandt. Da bei dem 'Rettungswert möglicherweise fremde Territorialgewässer berührt werden, find die S 0 w j e t regierung, die finnische und die estnische Regierung um ihr Einverständnis gebeten worden. Die genannten Regierungen haben dieses bereitwillig gegeben und jede Unterstützung der Hilfsaktion z u g e s a g t. Rcmbiiberfall in Mexiko. Mexiko, 11. Ian. l'WTB Funttpruch.) 01 ad) Meldungen aus Guadalajoro überfielen 20 bewaffnete und vermummte Räuber einen Pettonenzug zwischen Guadalajara und Mexiko. Sie ermordeten die Mehrzahl der Reitenden und zahlreiche Soldaten der Begleitmannfcha'st. Zwischen den Haltestellen Regrete und (Mre- cuaro Überfielen die Räuber, die den Zug in Guadalajara bestiegen hotten, plötzlich die Soldaten und Reifenden mit Messern. Von dir mi'litärllchen Beglcinnannschaft wurden alle dis auf 7 getötet. Die mit bent Leben davon gekommenen Soldaten sind schwer verwundet. Der Zug wurde in Brand gesteckt. Die Räuber fian» ben unter dem Befehl eines früheren Obersten. Sie entkamen auf her Lokomotive mit 300 000 Pesetas. Die telegraphischen Verbmbungen wurden durchschnitten. Die Verfolgung ■ ist etnge- leitet. Bisher sind aus ben Trümmern bes Eisenbahn- zuges 20 mit Brandwunden bedeckte Leichen gc borgen worden. .1tein 'Wagen des in Brand ge steckten Zuges ist von den Flammen verschont gc blieben. Die Banditen sollen das 'Verbrechen began gen haben, weil sie in dem Zuge den General Ferreira vermuteten. Die Lokomotive, die die Banditen zur Flucht benutzten, wurde einige Stationen von dem Schauplatz des Verbrechens entfernt entgleist aufgcfunben. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 11. Januar 1926. Die Einkommensteuer-Vorauszahlungen. Das Reichsfinanzministerium teilt wegen der bevorstehenden V 0 r a u s z a h.l u n g s r a t e auf Einkommen- und K 0 r Perschaftssteuer mit: **■ — Am 10. 0as Kalenderjahr 1925) vorliegt, hat sich der Reichsminister der Finanzen im Hinblick auf die Vetriebsmittelknappheit der Wirtschaft mit folgender weiteren Anpassung einverstanben erklärt: 1. (Buchführende Gewerbetreibende können eine vorläufige Jahresbilanz vorlegen und ben Unterfchiebssteuerbetrag, bet sich nach der vorläufigen Jahresbilanz aus den bisher für 1925 geleisteten Vorauszahlungen ergibt, als letzte Vorauszahlung für 1925 einzahten. Dabei können fic die Bewertungsvorschriften des (Sin- kommensteuergefetzes onwenben. Für die Eröffnungsbilanz (1. Januar 1925) können einst' weilen bic Werte der Handelsbilanz eingesetzt werden, da die Werte für die Vermögenssteuer 1925 noch nicht feststehen. Auch müssen bic Ein- lommensteuervoifichriften über bic zulässigen Qlb- züge (§§ 15—18 des Einkommensteuergesetzes, 13—18 des Korperschaftssteuergesetzes) beachtet werden. 2. Steuerpflichtige mit Einkommen aus Haus- besitz und Kapitalvermögen batten schon bisher ihre Vorauszahlungen nach dem Ueberfchuß der Einnahmen über die Werbungskosten zu zahlen. Es durften aber Absetzungen für Abnutzung (bet Hausbesitz), ferner Schulbzinfen einschl. Renten und Lasten, endlich Versicherungsbeiträge und Kirchensteuern nicht abgezogen werden. Diese Steuerpflichtigen können biefes Mal auf einem befonberen Bogen ihr Einkommen unter Berücksichtigung her Abzüge ermitteln, die davon zu zahlende Einkommensteuer selbst berechnen und den llnterschicdsbetrag '.wischen dem errechneten Gesamtsteucrbetrog und den bisher im April, Juli und Oktober 1925 geleisteten Vorauszahlungen cinjüblen. Bei der Absetzung für Abnutzung bes Hausbesitzer, kann erstmals von dem Vermögenssteuerwert für die Dermögenssteuer für 1024 ausgegangen werben. 3. Wer als Einkommensteuerpflichtiger (nicht Korperfchaftsfteuerpflichtiger) von dem Recht zu 1 und 2 Gebrauch macht, kann, wenn sein Einkommen 10 000 Rm. nicht übersteigt, 550 Rm. als steuer freien Einkommensteil abfetzen. Lohnempfänger, die veranlagt werden, können 860 Rm. absetzen. An Sondorleistungen (Versicherungsbeiträae, Ausgaben für Berufsfortbildiir-.ci, Kirchensteuer ufro.) können ohne Einzelnachweis 180 Rm. abgefetzi werden, höhere Beträge müffen nachgewiefen werben. Für Versicherungen find keinesfalls mehr als 480 Rm. f ir den Steuerpflichtigen selbst unb je 100 Rm. für Ehefrau und jedes ininderjäyrige Kind abzufeßen. 4. Der Tarif beträgt: von ben ersten 8200 Rm. Einkommens 10 v. H.. von den weiteren ^•000 Rm. 12' . v. H., von den weiteren 4000 Rm. 15 v H./ von ben weiteren 4000 Rm. 20 v. H., von den weiteren 8000 Rm. 25 v. Sy, von ben weiteren 18 000 Rm. 30 v. Sy, von ben weiteren 34 000 Rm. 35 v. H.. von den weiteren Beträgen 40 v. H. BK der Körperschaftssteuer beträgt der Sah grundsätzlich 20 v. H. 5. Wer ein.' solche Gesamterklärmrg (wie zu 1 und 2) jetzt nicht abgjbt, sondern feine Vorauszahlung für Oktober bis Dezember 1925 nach den an sich bestehenden (Normen ohne Rücksicht auf die endgültige Schuld leistet, erleidet dadurch keinerlei Schaden. Ein etwa erforderlicher Ausgleich findet bann bei ber Veranlagung statt. Rückzahlung bei früheren Terminen zu viel gezahlter Beträge erfolgt in jedem Fall erst aus Grund der Veranlagung, die im Frühjahr vor- genommen w'.rd. 6. Die Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung bleibt in jedem Fall unberührt. Auch Rachprüfungen dleib?n in jedem Fall Vorbehalten. Wer zu wenig Vorauszahlungen entrichtet hat, wird gegebenenfalls Verzugszuschläge zu leisten haben. 7. Zur Vemreidung von Irrtümern wird darauf hingewiesen, daß solche Gewerbetreibenden, die in der ersten Hälfte des Kalenderjahres 1925 (z. V. 30. 3uni 1925) abgeschlossen haben, ,im 10. Januar 1926 eine Vorauszahlung nach den Vorschriften des Steueri'cberleitungsgesehes und der zweiten Steuernotvsrordnung zu enb richten haben, w'rm fie einen Steuerbescheid noch nicht erhalten haben. Haben sie ihn erhalten, dann ist nach Maßgabe des Bescheids die Vorauszahlung erst im Februar zu entrichten. Wettervoraussage. Heiler bis wollig, später stärkere Vewol- hing, südliche bis östliche Winde, noch kalt, vorwiegend trocken, doch Morgennebel. Ge strige T.'geslemperaturen: Maximum 3.4 Grad (y.Vüitx Minimum: minus 5 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: minus 3.4 Grad Celsius. Bornotizen. T a g e s ka l e n v e r für Montag. Gießener Konzertverein: 7.30 Llhr Reue Aula her Universität Shmphoniel'onzert. --- Gießener ; 1 ei.r'lligc Feuerwehr: 8 illjr bei Boß, Kaiser- । i: Bionatsversammluag. Freiwillige (. ; 1.1; tei e ctvehr: 8.30 Ubr Lei Sauer Monats- anlung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: r Kampf mit dem Drachen". — Astoria-Licht- spieie: .Der Findling von Reutzork". — Aus dem Stadttheaterbureau wirb uns geschrieben: Der Vortragsabend des Herrn l f etnqt, > b(5 ... .heM ^nbahn- bt5 in ^'chl-n qC; QWiJ?nb q ; " Sol’' **"6"n= h lo{onw. ?ner,’l aWNä. 11 1L Oan«ar 1926 am in ‘® ‘ft ä; 'fcünt 1 01 ote ep»., t» . *SStt ä'F- “«•fei* Mlm" Mng *tefa* Ihm. A,Wer die zuläffigm A>- inivmmensteungefrhes. loWeuergesehes) be- liinlommtn aus haus-- hatlen schon bisher ihre Ueberschuß der Einnah^ en zu zahlen. Es dursie-i niijung (bei haurbesitzi, Reuten und Lasten, enb= mb Kirchensteuern nidjt -teuerpslichtigen können mberen Bozen ihr Ein- Mg der Abzüge emii- : Einkommensteu« selbst liedsbelraz zwischen dem trag und den bisher im [925 geleisteten Borans- der Absetzung für Ab- ann erfhnaß von dem 't 'ßermogensfitutT für ccheuerMchtiM' (nidjt z vvu dm N 1 \, rwM sein Eintommen zt, 550 Rm. als steuer- men. Lohnempfänger, die 1 860 M absehen. An rungsbeiträae, Ausgaben rchensteuer usw.s können 'M abgeseht werben, ichqewiesen werden. M salis mehr ois 480 3tm. rlbst und je 100 Rm- für -jährige Kind abzusehen. - von den ersten 8w ». Sy. von dm wlteM wn den weiteren 4000 weiteren & ®i » .000 Im. 23 p. von ,0 D «, von den • 1 von den fiteren !»'« * S’sss Se5Mt, s# °»l " $5Ät 's urr Mabe «Jer MS J? 5unbeMi. »" äs«*1 *J*öS*“S ■35»$ ÄS MF SH.-- •sah* otuk- WS mlunS-. .. gewahrt. der 534Oss Winterkur für 6.00 An- sind Nervenkranke u. Nervös-Erschöpfte. Spezinlksrranstalt Hof heim i. Taonus bei Frankfurt a. M. Prospekte durch Dr. 51. Schclze-Kahleyss. Nervenarzt stelle Dad-AaFH-nm, Heinrich Preiß zu Grünberg. beim Vermessungsamt Grünberg, vom 1. Januar 1926 ab zu Vermessungssekretären. ** Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 355 Ochsen. 33 Bullen, 1134 Färsen und Kühe, 424 Kälber, 461 Schafe. 4051 Schweine. Turnhalle-Einweihung in Heuchelheim. * Heuchelheim. 9. San. Unter sehr star- tcr Beteiligung seiner Mitglieder und deren Familienangehörigen. sowie zahlreicher Gäste beging heut eabend der Turnverein Heuchelheim die Einweihung seiner neuen Turnhalle. Um 7 Uhr stellten sich die Mitglieder des Vereins vor dem alten Dereinslokal auf. Von hier aus erfolgte in geschlossenem Zuge mit Lampions unter Vorantritt der Kapelle Otter von Gießen der Marsch nach dem neuen, eigenen Vereinsheim. Hier angekommen, nahm der stattliche Zug Aufst llung vor der Front des mittels Scheinwerfers beleuchteten und mit den hessischen Farben Rot-Weiß reich geschmückten Gebäudes. Der Vertreter der Baukommission Fritz Rinn leitete hier die Uebergabe des Baues an den Verein mit einer Ansprache ein, in der er daran erinnerte, dah man viele Sahre lang das Bedürfnis nach einem eigenen Heim empfunden, dann endlich dessen Bau im Herbst 1922 beschlossen und von da ab mit voller Tatkraft trotz zahlreicher Schwierigkeiten (Inflation, Stabilisierungskrise. Geldknappheit) zum heutigen glück! chen Ende gebracht habe. Der opferfreudigen Hilfe der M tglieber und der Güte der Spender außerhalb des Ver-eins sagte der Redner namens der Kommission und .des Vereins herzlichsten Dank. H'erauf übergab er dem Dereinsvorsitzen^en L. Schmidt VH. die Schlüssel zu dem Gebäude, der sie mit Dankes- worten an die Finanz- und Baukommission sowie an die Spender und Mitglieder übernahm, dabei die Hoffnung aussprechend, dah sich die edle deutsche Turnerei in dem neuen Heim kräftig entwickeln möge. Das begeistert aufgenommene Gut Heil dieses Redners galt der deutschen Turnerei. Dunmchr erfolgte der Einzug des Vereins in seine künftige eigene Heimstätte. Die Einweihungsfeier, die erfreulichev- weise nicht mit der sonst üblichen Tanzerei ver- quicft war. brachte den Teilnehmern, die den nahezu 800 Personen fassenden Saal füllten, eine reichhaltige und vielseitige Voxtragsfolge. Rach ** Pers onalien. Ernannt wurden: Lehrer Emil Hahn an der Volksschule zu Gießen zum hauptamtlichen Fortbildangsschullehrer an der Fortbildungsschule Hierselbst, die Lehrerin Elisabeth Sch 0 n e b 0 h m an der Volksschule zu Gießen zur hauptamtlichen Fortbildungsschullehrerin an der Mädchenfortbildungsichule zu Gießen; die Vermessungspraktikanten Werner Ha nitsch zu Alsfeld, beim Vermessungsamt Alsfeld, Richard Hübner zu Hungen, beim Vermessungsamt Hungen, Georg M 0 r ch zu Bad-Rauheim, bei der Reuvermessungsdienst- Klab und ist auf einen spateren Zeitpunkt verschoben worden. — ’lud) die Erstaufführung von ,F 0 r st e r ch r i st e l", die für den 15. Januar vorgesehen war, findet erst später statt: am 15. Januar wird im Freitag-Abonnement „D a s Dorf ohne Glocke" wiederholt. — „9m glühenden Einmaleins" von Philipp, das morgen hier zum ersten Male gegeben wird, wirken mit die Damen Heym und Krghmer und die Herein Volck, Gef- f e r 5, 5) a n f e und B a ft e. Hoffentlich findet diese Erstaufführung, die eine lustige Abhandlung über das Thema „Liebe" darstellt, ein recht zahlreiches Publikum. — Ein Vortrag für Frauen findet morgen abend im Katholischen Vereinshaus statt. Räheres im heutigen Anzeigenteil. daß der gesamte Abendmahlsbesuch betrug 1211 Personen, nämlich 513 Manner und 696 Frauen. Der Abendmahlsbesuch ist also als gut zu bezeichnen. Auch die Gottesdienste erfreuten sich im allgemeinen eines guten Besuches. Der bcstbesuchte Gottesdienst war der Morgengottesdienst vom ersten Ofterfeiertag mit insgesamt 424 Personen, nämlich 236 Männer, 126 Frauen und 62 Kinder. An Gaben für evangelisch-christliche Liebestätigkeit gingen ein 906 Mark. In dieser Zahl sind eingeschlossen der Wert zweier Wagenladungen Feldfrüchte, die dem Evangelischen Schwesternhaus in Gießen überbracht wurden. L. A. Von der Landes-Aniversi- tat. Studienrat Dr. Fr. König von der hiesigen Oberrealschule hat einen Lehrauftrag für Grenz- unb Auslanddeutschtum an der hiesigen Universität erhalten. Dr. K 0 ni g beginnt noch in diesem Semester mit einer einführenden Vorlesung von einer Stunde. Eine Vorbesprechung sindet Mittwoch, 13. Jan., im Hörsaal 45 statt. •* Der diesjährige Schul schlutz in Hessen. Die Ferienordnung für die hessischen Schulen bestimmt, daß das laufende Schul- iaf:r an allen höheren und Volksschulen am 20. März schließt. An diesem Tage werden die 14- jährigen Schüler und Schülerinnen aus der Schule entlassen. Das neue Schuljahr beginnt wieder am 20. April. " Die Hessischen Aussuhrungs- b e sc i m m u n g e n z u in A u f w e r t u n g s g e - s e h sind nach einer Mitteilung in der jüngsten Darmstädter Stadtverordneten-Sctzung M.tie Februar zu erwarten. , *» Von der Hundesteuer in Hessen. Sn den Mitteilungen der Zentralstelle für d,e Lan- desstatzstik sind jetzt die Ergebnisse der Hundesteuer Im Jahr- 1924 veröffentlicht worden. Hiernach wurden in ganz Hessen 117 399 versteuerte und 1482 steuerfreie Hunde gezählt. Der Ertrag der Staatshundesteuer betrug J 366 072 Mk. Am 1. Januar 1925 betrug die Zahl der Hunde in ganz Hessen 90 823; auf 1000 Bewohner kommen in Hessen 67 Hunde. Nur in vier Gemeinden wurde keine Ge- meindehundesteuer erhoben, dagegen mußten die Hunde in 982 Gemeinden versteuert werden, und zwar erhoben 61 Gemeinden 1—2 Mk., 102 3 Mk., 280 4 und 5 Mk., 249 6 Mk., 101 8 Mk., 176 9 bis 12 Mk. und 13 16—24 Mk. für einen Hund. ** Die Postautolinie Gießen —Krofdorf — Fellingshausen. Wie wir zuverlässig hören, haben die Verhandlungen zur Schaffung einer Kraftpost-Omnibusverbindung zwischen Giehen—Krofdorf—Fellingshausen zu dem Ergebnis geführt, daß zwischen Gießen, Krofdorf, Fellingshausen einerseits und der Reichspostverwaltung anderseits ein Einvernehmen zustande kam. Jetzt ist noch die Zustimmung der hessischen und preußischen Regierungsstellen herbeizuführen, an deren Einverständnis nicht zu zweifeln sein dürfte. Mit der In- betriebnahme der Linie ist in naher Zeit zu rech- nen. Der Kraftpostomnibus ist übrigens schon hier eingetrofsen. ** Don der Kraftpost Alrich st ein — Lauterbach. 'Don jetzt ab verkchrt der Krast- dem üblichen Croffnungsmarsch der Kapelle Otter unb dem von den Turner-Sängern unter Leitung von Lehrer Knab gelungenen Sänger- gruß entbot der 1. Dorsitzende de- Vereins, Ludwig Schmidt VII., den Gästen unb Mitgliedern herzlichen Willkommengruß. Die Turner- Sänger erfreuten hierauf durch den eindrucksvollen Gesang des Deethovenschen Chores „3>ie Himmel rühmen bei Ewigen Ehre." 3m Damen des Kreisamtes sprach dann Oberregierungsrat Dr. Heß herzliche Worte des Glückwunsches an den Verein, die er mit einer Hulbigung an die «deutsche Turnerei und deren hohen sittlichen Wert für Dolk und Dal er land verknüpfte. Mit einem begeistert auf genommenen Hoch auf das deutsche Vaterland unb dem gemeinsamen Gesang des Deutschlanb-Liedes fand bie eindrucksvolle und mit lebhaftem Beifall aufgenommene Rebe ihren Abschluß. 3n einem von Fol. Emilie Kreiling vorgetragcnen Vorspruch, den Fabrikdirettor Gustav Bergen versaßt hatte, bekam man einen interessanten Einblick in die Vereinsgeschichte. Die Weiherebe, gehalten von Lehrer Kreiling, zeigte in schwungvollen Worten die hohen Ideale auf, denen bas deutsche Turnen nächstrebt unb denen auch der Heuchelheimer Verein stets mit Eifer bienen wirb. Der 2. Gauvertreter, Drut- kereibesiher und Redakteur S chnei der -Dich- bach, überbrachte in zündenbcnr Worten bie Glückwünsche des Gaues, ferner überreichte er den Gau-Ehrenbrief für Verdienste um bie beutsche Turnfache dem Ehrenvorsitzenden des Vereins, Friedrich Wilh. Kreiling, unb bem Fabrikanten Ludwig Rinn; letzterer dantte anschließend im Damen beider Geehrten unb gelobte dem deutschen Turnen auch weiterhin tatkräftige Förderung. Bürgermeister Kreiling sprach alsdann namens der Gemeinde Heuchelheim. älniverfitäts-Oberinspektor Erle im Auftrage der Gießener Turnerschaft, der Vorsitzende des .Krosdorfer Vereins Rinn im Damen seiner Mitglieder herzliche Glückwünschwvrte. Für bie Heuchelheimer Vereine gratulierte K a r l R i n n. Einen Prolog, ber bas deutsche Turnen unb bas deutsche Lieb verherrlicht, sprach Frl. Deibel, hieran schlossen sich ausgezeichnete turnerische Darbietungen bes festgevenben Vereins. Ein fioti gegebenes turnerisches Werbespiel, eine an» feuernde Ansprache des Gaufrauenturnwarts Paul- Gießen, gesangliche und weitere turnerische Darbietungen füllten den Rest des Abends in schönster Weise aus. Der Verein bart "mit dem glänzenden Verlaus der Feier sehr zu- frieben sein. Seine Halle, über bie wir morgen noch einiges berichten werden, ist ein Schmuckstück, defscn Besitz alle Mitglieder mit Stolz erfüllen muß. Kirche unb Schule. : Beuern, 9. Jan. Aus den Auszeichnungen des verflossenen Jahres über das kirchliche L e - b e n in unserer Gemeinde (runb 1000 Einwohner) entnehmen wir folgende Zahlen: Getauft wurden 14, konfirmiert 17 Kinder. Zum Traualtar traten 12 Paare, bee.digt wurden 8 Personen. An den öffentlichen Abendmahlen beteiligten stch 1165 Personen, davon 505 männliche und 660 weibliche. An den Hausabendmahlen im Frühjahr unb im Herbst nahmen 8 Männer und 38 Frauen teil, so Amtsgericht Gießen. * Gießen, 5. 3an. Einige Zeit vor Weihnachten bot eine Witwe aus dem Biebertal einem hiesigen Uhrmacher eine goldene Kette zum Kauf an. Dieser untersuchte die Kette in Gegenwart seines Lehrlings in seiner Werkstätte auf ihren Goldgehalt unb kehrte nach wenigen Minuten wieder in seinen Laden zurück, um bie Kette zu wiegen. Sofort erklärte die Witwe, das stimme mit der Kette nicht, her Uhrmacher habe ein Glied herausgenommen. Auf dessen erstaunte Frage, ob sie damit sagen wolle, er habe sie bestohlen, antwortete sic: ..Ja, Sie haben mich bestohlen." Da sie ihren Damen nicht angeben wollte, behielt der Uhrmacher die Kette zurück und ging sofort mit ihr zur Polizei. Dort gab man ihm den Rat, die Kette unverzüglich durch einen Sachverständigen untersuchen zu lassen. D. r Uhrmacher tat dies auch, unb ein näherer Ahrmacher, bei dem zufällig ein auswärtiger Kollege anwesend war, stellte zusammen mit diesem sest, daß von der Kette zwar ein Glied sehle, daß dies aber- unmöglich an dem betreffenden Tage entfernt sein könnte, daß dies vielmehr schon längere Zeit vorher geschoben sein müsse, da alle an der Kette vorhandenen Lötstellen schon alt seien. Der Ahrmacher erhob daraufhin Privatttage gegen die Witwe wegen Beleidigung. Diese blieb auch in der heutigen Verhandlung dabei, daß der Ahrrnacher ein Glied herausgenommen habe, da sie sich vor der Aebergabe der Kette an ihn davon überzeugt habe, daß kein Glied daran gefehlt habe. Das Gericht kam zu der Aeberzeu- gung. dah die Witwe, eine hochbetogte Frau, sich geirrt, und daß der Ahrmacher kein Glied an der Kette entfernt habe, dah dies vielmehr schon früher geschehen sein müsse. Der Witwe formte der Schutz des § 193 StGB, nicht zuteil werden, weil sie bei ihrer Aeuherung zwar in Wahr' nehmung berechtigter Interessen g-handelt, dabei zugleich aber auch die Ab'icht gehabt habe, den Ahrmacher in seiner Ehre zu kränken, wie sich aus ihren Worten: „Sie haben mich bestohlen" ergebe. Mit Rücksicht auf die gesamte Sachlage wurde eine Geldstrafe von zehn Mark für ausreichend gehalten. Postwagen Ulrichstein—Lauterbach nach folgendem Fahrplan: Alrichste.n ab 12,15 Ahr, Lauterbach an 1,48 Ahr mittags, Lauterbach ab Ahr, Alrichstein an 7,29 Ahr abeichs. 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Die erste Woche des neuen Jahres stand voll- fomemn unter dem Eindruck dec Vorbereitungen, die bie- sozialistischen Departementsorganisationen für den außerordentlichen Sozialistischen Kongreß getroffen haben, der am kommenden Sonntag zusammentritt, und der die grundsätzliche Entscheidung darüber bringen soll, ob und unter welchen Umständen sich die Partei an der Regierungsbildung beteiligen kann. Dieser Beschluß wird von großer Bedeutung für die innerpolitische Entwicklung in Frankreich fein, vorausgesetzt, daß es dem Parteitage gelingt, eine klare Entscheidung zu treffen, und daß er nicht dazu gelungen wird, zu einer Kompromißlösung feine Zuflucht zu nehmen, weil feine der beiden Richtungen eine starke Mehrheit erzielen kann. Roch stehen einige Ergebnisse aus. Ader trotzdem kann man schon behaupten, daß der Gedanke, die Sozialistische Partei müsse die Verantwortung für eine Regierungsbildung übernehmen, wenn sie sich nicht als eine Partei erweisen wolle, die zu praktischer Mitaardeit weder gewillt noch befähigt sei, seit der letzten offiziellen Abstimmung des Sozialistischen Rationalrates, also des kleinen -Parteitages, Fortschritte' gemacht. Man rechnet jetzt damit, daß die Tagesordnung von Faure, die nur eine rein s o - z i a l i st i s ch e Regierung oder eine Regierung, in der die Sozialisten die Oberhand haben, zuläßt, etwa 1600 Stimmen erzielen wird, während die Resolution Renaudel, die eine Linksblock- regierung unter allen Umständen fordert, über 1400 Stimmen auf sich vereinigen könne. Es liege also der Gedanke des Kompromisses nahe, für das man z. B. im alten Bezirk von Saures, dem Departement Tarn eintritt, wo Paul-Boncour herrscht, der „miniftrabelfte" von allen Sozialisten. Die Anhänger des Ausgleichs wollen die Extremen dadurch befriedigen, daß sie für ein. solches Linksblockkabinett gewissermaßen imperative Mandate schaffen, so daß der radikale Minister- Präsident (als der im Augenblack Herriot allein in Frage kommen könnte) die Handlungsfreiheit nicht mehr haben würde, die sonst einem Ministerpräsidenten zusteht. Sie fordern, daß die s o z i a l i ft i > fcbe Parteileitung d i e Mini st er bestimm t. Wenn der Parteitag eine intransigente Haltung einnimmt, müßte logischerweise die sozialistische Kammerfraktion von kommender Woche ab die Zusammenarbeit mit den übrigen Parteien des Blocks der Linken ablehnen, und das könnte dazu führen, daß einige radikale Minister des Kabinetts Briand ihren Rücktritt erklären. Beharrt dann D r i a n d, der vor einigen Tagen, als die Demission des neu ernannten Finanzministes Douiner drohte, erklärte, daß er trotz des Ausscheidens der radikalen Minister am Ruder bleiben wolle und die ausscheidenden Minister sofort ersetzen werde, auf seinem Standpunkt, bann mühte diese Haltung naturnotwendig zu einer „Konzentrationspolitik" führen, bei der Briand nach rechts über- areift, wenn ihm feilens des rechtsstehenden Flügels der Radikalen (Franklin-Bouillon) Unterstützung zugesagt würde. Eine derartige Haltung einer Minderheit der Radikalen würde, wenn nicht de facto, so doch scheinbar einem Rückzug der Radikalen gleich- fommen. Damit wäre dann der Block der Linken, aus dem bereits die Fraktion Loucheiir mit *41 Mit Liedern ausgefdjieben ist, vorerst beseitigt, und die Politik mußte bann von selbst jene „Politik der mittleren Linie" werden, die, nach Ansicht der führenden Männer um Herriot, Painleve und Blum eine Verfälschung des Ergebnisses der Kammerwahlen vom 11. Mai 1924 bedeuten. Hieraus ergibt sich also die Wichtigkeit her Entscheidung des außerordentlichen sozialistischen Parteitages. Der neu ernannte französische Botschafter in Washington Senator Henry Beranger hat die Reise nach den Vereinigten Staaten angetreten. Große Hoffnungen der französischen öffentlichen Meinung begleiten ihn, da man in Paris annimmt, daß er nach der Einigung der Vereinigten Staaten mit Italien bessere Bedingungen erzielen wird, als sie Caillaux im Oktober angeboten wurden. Beranger ist Finanzsachverständiger. Er hat während des Krieges im Auftrage des Kabinetts Cle- menceau eine wichtige Mission in Amerika durchgeführt und sich gute Beziehungen zu Finanz- und Handelskreisen geschaffen. Es wird sich bald erweisen müssen, ob er diese nutzbar machen kann und ob es ihm gelingen wird, die Unentwegten in der Schuldenfundierungskommission zu einer Halt- tung zu bestimmen, die es ermöglicht, nicht nur in der Zinsenfrage, sondern auch in der Kapitalfrage Frankreich entgegenzukommen. Die Lage in Syrien kann als absolut u n - durchsichtig bezeichnet werden. Die Drusen kämpfen nicht mehr, so daß man annehmen kann, daß tatsächlich Friedensverhandkungen geführt werben. Doch ist bis jetzt nicht bekannt geworden, ob sie zu einer Entscheidung geführt werden. 'Auch aus Marokko liegen außer den Unter- wersungsnachrichten einiger wichtiger Stämem feine Meldungen vor, die mit absoluter Sicherheit daraus schließen lassen, daß Abd el Krim nicht mehr kämpfen will oder kämpfen kann. Sein Emissär C a n - n i n g hat sang- und klanglos Paris verlassen, aber auch der Generalresident Steeg, der in diesen Tagen in Rabat eintreffen wird. Aus dessen Aeuße- rungen kann man schließen, daß er auf dem Wege der Einzelverhandlungen mit den mächtigsten Rifstämmen den Frieden sucht, daß er also den Versuch machen will, Abd el Krim zu isolieren. Vie Losung des Saargebteies. Don Dr. Hermann Röchling. Der Kanfttt der letzten Jahre, der in der Iahrtausendfcier des verflossenen Sommers seinen überzeugenden Ausdruck fand, hatte zum Ziele, der Welt und damit Frankreich zu beweisen, daß das gesamte Saargebiet ohne Ausnahme deutsch ist und deutsch bleiben will. Dieser Kampf ist gewonnen l Frankreich ist heute überzeugt, daß weder c i'.t Anschluß des Saargebiets an Frankreich, noch ein Verharren in dem widersinnigen Zustande des Völkerbundsgebiets in Frage kommt. Wenn einzelne Franzosen und auch „Deutsche" glaubhaft zu machen versuchen, daß eine der Zukunftsmöglichkeiten noch die Selbständigkeit des Saargebiets sein tonnte, so geschieht dies bloß, um ihr eigenes Dasein als eine gewisse Rotwendigkeit erscheinen zu lassen. Das sranzösische Volk ist sich heute klar darüber, daß auch diese Lösung weder der Saarbevölle- rung noch dem deutschen oder französischen Volke irgendwelchen Ruhen bringen könnte. Denn der wirtschaftliche Unsinn der Versailler Schöpfung macht sich auch in Frankreich drückend bemerkbar. Die verschiedenen französischen Industrien und viele andere Erwerbszweige fangen an zu begreifen, daß die saarländischen Industrien ein Pfahl im Fleische auf dem französischen Markte find. Wir gehören eben nicht dort hin und sind als Konkurrent auf dem französischen Markte unerträglich. Wann wird der Aln= sinn des Vertrages von Versailles, der das Saargebiet zur trennenden Scheidemauer zwischen Deutschland und Frankreich machte, beseitigt werden?! Vorzeitiger Rückkauf der Saar- gruben seitens Deutschlands und damit zugleich Rückkehr des Saargebiets zum Mutte r l a n d e — das ist die einzige Lösung, die dem Interesse beider Völker gilt. Auch Frankreichs Steuerzahler ist zu armv um sich den Luxus einer Saarkolonie unter Völkerbundsverwaltung mit wirtschaftlichem Derlustsaldo leisten zu können. Wer sind die Nestorianer? Von Dr. 'Artasches A b a g h i a n. Bei der Behandlung der M o s s u l s r a g c werden immer unter den Völkerschaften des strittigen Gebietes auch die Nestorianer erwähnt. Ihre Zahl beträgt dort etwa 35—40 000. Das sind die Reste der sogenannten Dschilos, d. h. der nestoriani- schen Bergbewohner, die 1918, unmittelbar vor dem Ausgang des Weltkrieges, gezwungen waren, ihre Heimstätten oder „Adiernefter" in der Provinz Hekfitari in Türkisch-Kurdestan zu verlassen und in dem angrenzenden Mossutgebiet bei den Engländern Zuflucht zu suchen. Der Weltkrieg war ganz besonders auch für die Nestorianer ein großes Unglück. Denn dieses arme, unwissende altchristliche Völkchen wurde von den Türken grausam verfolgt und ausgerottet, zugleich aber auch von den Russen und den Engländern für eigennützige Zwecke ausgenutzt, in den furchtbaren Krieg hineingezogen und zuletzt von ihnen treulos ihrem Schicksal überlassen. Aber auch noch heute haben die Ueberrefte dieses alten Kulturvolkes feine Ruhe. Wie es nämlich vor ganz kurzem die Kontrollkommission des Völkerbundes unter dem Vorsitz des estnischen Delegierten Laidoner an Ort und Stelle festgestellt hat, sind die Nestorianer auch heute unmenschlichen Verfolgungen ausgesetzt. Infolge ihrer traurigen Ges Dichte haben also die Nestorianer im letzten Jahrzehnt die Hälfte ihrer Volks- und Glaubensgenossen verloren, die Mehrheit der überlebenden Nestorianer aber sind in alle Winde zerstreut. Ein Teil von ihnen lebt gegenwärtig im Mossulgebiet. Es ist nicht leicht, die ganze Zahl aller Nestorianer gegenwärtig festzustellen! sie beträgt wohl im Mossulgebiet und den Nachbarländern nicht mehr als 120 000; im Kaukasus, in Turkestan und in Amerika zählen die nestoriani- schen Gemeinden je einige 1000. Auch in Indien leben bis zum heutigen Tage etwa 100 000 als Nachkommen der Nestorianer. Die Engländer begründen nun ihren Anspruch auf das Mossulgebiet u. a. auch damit, sie hätten sich schon vor Jahren zum Schutze der christlichen Nestorianer verpflichtet. Noch meljr: die britische Delegation in Genf verlangte zuerst auch eine „Verbesserung" der türkisch-irakschen Grenze, und zwar Das w estdsulfche Erdbeben Das Erdbeben, das in der Rächt vom 5. zum 6. Januar das Rheinland, besonders die sogen, .niederrheinische Ducht betraf, ist wohl den t e k- Ionischen Beben zuzurechnen, d. h. es entstand durch eine kaum merkliche Verschiebung der Erdschollen, welche die Erdoberfläche bilden. Diese tektonischen Erdbeben sind wohl zu unterscheiden von den vulkanischen, die ihren Ursprung aus eingeklemmten vulkanischen Spannungen flüssiger oder gasförmiger Massen nehmen, die sich durch einen Ausbruch genügend entlasten können. Wenn nun auch in der Nähe des Rhein-Ruhr-Gebietes die Eifel liegt, die bekanntlich noch in frühgeschichtlicher Zeit Schau- $ einer heftigen vulkanischen Tätigkeit war, welche sich jetzt noch durch heiße Quellen und Kohlensäuredämpfe verrät, fo entspricht doch ■alles, die Art der Ausdehnung des Bebens, seine Eigenart und das Fehlen gewisser Begleitumstände dagegen, daß dieser ehemalige Vulkanismus etwas mit diesem Beben zu tun hat. Glücklicherweise, denn die vulkanischen Beben sind meist außerordentlich heftig und zerstörend, wie die Beben in Kalabrien, Messina und Japan zeigen. In Japan hat die säst jede Woche unruhige Erde dazu geführt, Steinbauten als Häuser zu vermeiden und kleine Holzhäuser aus elastischem Bambusholz aufzuführen. Trotzdem sind die Verluste an Menschenleben bei den japanischen Beben noch sehr groß und auch das Erdbeben von Messina im Jahre 1908 hat fast 200 000 Menschen das Leben gekostet. Hier handelt es sich aber, wie gesagt, um eine andere Art Leben, die in diesem Falle glücklicherweise nicht besonders gefährlich war. Die sogen, niederrheinische Bucht bildet ebenso wie die oberrheinische Tiefebene von Mainz bis Basel ein Graben gebiet, d. h. beide Gegenden verdanken ihre Bildung dem Umstande, daß dort zwischen den Schollen der umliegenden Gebirge ältere Schichten fast senkrecht verschoben und zusammengekeilt in die Tiefe gesunken sind, wie wenn sich zwei Eisschollen aneinander reiben und die Splitter zertrümmert dazwischen zum Grund sinken. Run ist es be- gleiflich. daß solche Stellen gewissermaßen Wunden oder Rarben der Erde darstellen und empfindlicher sind als andere Strecken. So hat auch die Gegend des Riederrheins, durch irgendeine Belastung beschwert, eine kleine Verschiebung vorgenommen, die sich als Erdbeben fühlbar machte. Interessanterweife wurde vor etwa 15 Jahren, am 16. November 1911 die oberrheinische Tiefebene, die einen sehr ähnlichen geologischen Bau aufweist, um 10.30 Ähr abends ebenfalls von einem ziemlich heftigen tektonischen Beben betroffen, das so stark war. daß die Erdbebenapparate zum Teil außer Gebrauch gesetzt wurden. Es Dauerte mit Unterbrechungen eine halbe Stunde. Ziegel flogen von den Dächern, Kamine und Mauern stürzten ein. Bilder fielen von Der Wand und Gegenstände in Den Wohnungen zerbrachen. Dieses Beben merkte man dis nach Aachen, Kassel. Erfurt, Dresden, Mailand und Turin, westlich bis Ranch und Befancon, östlich bis Prag und Wien. Sein Mittelpunkt war in den Tiroler Bergen, hier in dem cinne, daß die Einverleibung der Provinz Hefliari, der historischen Heimstätte der Nestorianer m ihr Schutzgebiet Irak erfolgen lallte. Im übrigen ist das strittige Mossulgebiet weder türkisch, noch arabisch-irafisch, sondern verwiegend kurdisch. Wie auch die Völkerbundkommis- ßon festgestellt hat, bilden die Kurden die Mehrzahl der Gesamtbevölkerung des Mossulgebieles: 500 000 unter der Gesamtzahl 800 000. Die Zahl der Araber beträgt dort 160 000, die der Türken aber nur 40 000. Den Rest bilden eben die Nestorianer, die Jeziden. die Syrer-Chaldäer und andere Dolkssplit- ter. Objektiv war der Vorschlag der Völkerbunds- fommission, die auch monatelang das Mossulproblcm an Ort und Stelle studiert und auch die Wünsche der Bevölkerung kennen gelernt hat, der einzig gerechte: die Schaffung einer kurdischen Auto- n o m i e im Mossulgebiete, die auch den Nestorianern und anderen Minderheiten die Möglichkeit kultureller Selbständigkeit gewähren würde. Die Bezeichnung „Nestorianer" ist eine recht unglückliche, denn darunter kämm man überhaupt keinen Volksstamm verstehen. Aber auch in kirchlich-religiöser Hinsicht trifft diese Bezeichnung nicht mehr zu, denn es gibt heutzutage auch viele „Nestorianer", die nicht mehr Nestorianer sind. Also die Verwendung dieses Namens darf nur als eine bedingte angesehen werden. ; Ethnographisch betrachtet sind die heutigen Nestorianer die Nachkommen der Syrier, eines der bekanntesten Kulturvölker des alten Morgenlandes. Aber auch dieser Name ist nicht zutreffend; er ist nichts anderes als die entstellte griechische Form des Namens Assyrier. Syrier, d. ‘ i. also Assyrier nannten nämlich die Griechen die Aramäer — ein in der alten Geschichte bekanntes und in der Bibel oft erwähnten Volk in Vorderasien, östlich vom Mittelmeer, da ihr Land zu jener Zeit, als die Griechen sie zum ersten Male kennen lernten, unter den Provinzen des mesopotamischen mächtigen Staates der Assyrier zählte. Die Assyrier und die Syrier (Aramäer) waren jedoch gänzlich verschiedene Völkerschaften, wenn sie auch beide der semitischen Rasse ongehörten. Da weiter das Griechische ein Jahrtausend lang die Verwaltungssprache jenes Landes war, blieben auch die Aramäer in der späteren Geschichte als Syrier bekannt. Diese letztere Bezeichnung fand eine breitere Verwendung ,als die Syrier das Christentum annahmen. Sie entwickelten im Orient eine weit verbreitete kirchlich-religiöse Kultur, begründeten dort eine reiche Literatur. Lange Zeit übten die christlichen Syrier, deren religiös- kulturelle Hauvtzentrum Edessa im Norden Mesopotamiens war, einen großen Einfluß auf die orientalischen Völker aus. Die Nachkommen dieses alten großen Kulturvolkes find eben die heutigen Volkssplitter im nahen Orient, die unter dem Namen Nestorianer bekannt sind. Ucbrigens nennen diese sich selbst nicht Nestorianer, sondern einfach und richtig Syraye, d. h. also Syrier. Mit dem Namen Syrier sind sie auch bei den Russen, Armeniern und anderen Völkern des Orients bekannt. Sie bezeichnen sich weiter als Mefchihaje, die Messianer, d. h. Christens um sich von der mohammedanischen Umwelt zu unterscheiden. Selten nennen sie sich Ne- storianer, und zwar nur in den Fällen, wo f.e sich von ihren unierten Stammesgenossen unterscheiden wollen. Diese leßteren werden als Syrio - Cha 1 ° d ä c r bezeichnet. Nestorianer werden die christlichen Syrier ober vielmehr ein Teil von ihnen, deswegen genannt, weil sie in den dogmatischen Streitigkeiten des 5. Jahrhunderts Anhänger des Konstantinopeler Patriarchen N e st o r i u s waren. Dieser wurde von den orthodoxen Vätern der Kirche als Ketzer abgesetzt (431) und bitter verfolgt. Das Wesen seiner Lehre bestand darin, daß er in Christus zwei Naturen und zwei Personen annahm, die nur in einer äußeren Erscheinung verneint sind. Daher sind sie auch in Der Kirchengeschichte afs Diophysiien bekannt. Im Okzident verfolgt und verdammt, fanden die Nestorianer einen weiteren Anhang im Orient. 498 gründeten sie ihre eigene Kirche mit dem Sitze in Ktesiphon auf dem persischen Boden unweit von Mesopotamien. Die Perser und später die Araber begünstigten den Nestorianismus als einen Gegenfaktor der orthodoxen Kirche, die in dem oströmischen Reiche herrschend war. Dabei spielte allerdings das politische Motiv die Hauptrolle. Die Dleftorianer verbreiteten ihre Lehre in Asien und in Afrika. Sie fanden Anhang nicht nur in Persien, sondern auch in Indien China und in Der Mongolei. Hier wurde sogar im Mittelalter ein ne- storianisch-theokratischer Staat begründet. Sie waren nicht nur Träger Der christlichen Religion im fernen Osten, sondern auch Pfleger der Wissenschaften. Aus ihren Reihen gingen bekannte Naturwissenschaftler, Astronomen, Mediziner, Historiker und andere Gelehrte hervor. Der Zerfall des Kalifats durch die Mongolen und namentlich durch das Vordringen des bekannten Lenktemurs im nahen Orient wurde auch der Nestorianismus in seiner Existenz bedroht. Viele von ihnen traten zum Islam über, sie verloren mit her Zeit auch ihre Sprache und wurden arobifiert. Im 16. Jahrhundert vollzogen viele andere Ne- aber in Der tektonisch besonders empfiuDlichen GrabengegenD Der oberrheinischen Tiefebene trat, wie eine geringe Ursache oft eine Lawine bewegt, jene Unruhe Der abgefunfenen ErDschollen ein, Die sich als ErDbeben äußerte. Aehnlich wirD es diesmal am Niederrhein liegen. Dr. F. S. Das Nürnberger Sän ^erniuseunr „Ein Schatzkästlein des Deutschen Sängertums, an feinem Teil Dazu bestimmt, Den Glauben an Deutschlands Zutunft festzuhalten unD zu stärken" — Das soll Das Deutsche ©ängermufeum in Nürnberg sein, über Dessen Einrichtung August RicharD in Der „Bergstadt" berichtet. Dieses Museum hat an Der Denkwürdigsten Stelle seinen Platz gefunden, Die Dafür auserkoren werden konnte, nämlich in jenem Ka tharinen- Ä Io ft er zu Nürnberg, dessen Kirche lange Zett hindurch von den Meistersingern als Ort ihrer Versammlungen und Singstunden benutzt wurde. An dieser Stätte, Die Durch Das Wirken von Hans Sachs unsterblich geworben ist und von Der Richard Wagners Meistersinger künDen, ist nun Deutscher Sangeskunst ein schönes Denkmal geschaffen. Während in Den übrigen Klosterräumen Die Nürnberger Volkshochschule ihre Heimstätte fanD, wurde Das ehemalige in edler Gotik gehaltene Refektorium Dem Deutschen Sängerbund für fein Museum zur Verfügung gestellt. Die Schätze sinD Dort unD in Den darüber befindlichen Gelassen untergebracht. 3ni Vorraum sind in zahlreichen Schaukästen Ausstellungen Derjenigen Vereine untergebracht, Die aus ihrem reichen Besitz besonders kostbare Gaben ge- Montag, st. Januar 1926 storianer ihren llebertritt zur römisch-katholischen Kirche und ließen sich im Norden Mesopotamiens nieder, -seitdem ist auch Mofsuk das Zen- mtm der unierten Nestorianer oder der Syrer-Chal- döer. Der Rest der Nestorianer aber, die ihm Glauben treu blieben, fanden meist in den unzugänglichen Bergen Kurdistans, im Bezirk von iietfiari am oberen Tigris und Zab ihre Zuflucht. Dort gründeten sie ihre „Kinattibe Nschiri", d. h. bie Adlernester, wie sie ihre Bergdörfer nennen. Außerdem übersiedelten viele Nestorianer nach Nordpersien, den Bezirken Urmia und Salmast. Ihrer Lebensweise nach zerfallen die Nestorianer in zwei Hauptgruppen: Bewohner der „Adlernester", die auch „D s ch i I o" heißen und die der Ebene, Die hauptsächlich in Urmia konzentriert sind. Alle Nestorianer aber bilden eine abgeschlossene kirchlich-theokratische Gemeinschaft, unter Führung Mar-Schimons, der das religiöse und zugleich das rechtlich-bürgerliche Oberhaupt aller Nestorianer ist. Sein historischer Sitz ist Kotschhanes bei Dschulmark in Kurdistan. Er ist der Patriarch oder der Katha likus der nestorianifchen Christen. Seine Macht ist erblich. Als der Erde Mar-Schimons (d. h. Herr Simeon), so heißen ausnahmslos alle Oberhäupter der Nestorianer, gilt immer der älteste unter seinen Neffen, da er selbst unverheiratet sein muß. Mar- Schimon übt seine Herrschaft durch die Meleks, d. h. Fürsten oder nestorianische Scheichs aus. Diese stehen Mar-Schimon immer zur Seite. Das Leben unb die Sitten der Dschillos, D. h. also der Bergnestorianer, unterscheidet sich nicht viel von Demjenigen ihrer kurdischen Nachdar-Aschireten, mit denen jedoch die Nestorianer in ewiger Feindschaft leben, ba sie von ihnen immer verfolgt gewesen sind. Schon in Der Mitte Des 10. Jahrhunderts hatte Der Führer Der kurdischen Aufständischen, Der bekannte Bederkhan die größten Stämme Der Bergnestorianer — Tyrari und Tehoma — ausgerottet. Wie die Kurden, sind auch die Bcrg-Ne- ftorianer meistens mit Viehzucht beschäftigt; die Berge Kurdistans mit ihren Zeichen Weiden bieten Dafür Die besten Vorteile. Ihre Häuser sind unterirdisch und höchst armselig. Unter einem und demselben Obdach finden oft zusammen mit Den Menschen auch Die Tiere Unterkunft. Viele Bergnesto- rianer behaupten ihre Dürftige Existenz Durch Die Jagd. Auch die Bienenzucht und einige Handwerke sind bei ihnen üblich Im allgemeinen herrscht bei ihnen Die Naturalwirtschaft, und zwar in Der Form, wie sie vor vielen Jahrhunderten schon üblich war. Wie ihre Nachbarn, die Kurden, sind die Dschilos-Nestorianer höchst kriegerisch unb mutig. Sie haben meist hohen Wuchs, ausdrucksvolles Gesicht, sehen rötlich-braun aus und haben oft helles Haar. Auch durch ihre Tracht unb viele ihrer Sitten und Gebräuche stehen sie Den kurdischen Aschirets nahe. Die Nestorianer Der Ebene sind friedliche Leute; sie beschäftigen sich mit Acker- und Gartenbau. Von den Handwerken ist bei ihnen die Malerei sehr verbreitet; nestorianische Maler kann man überall in Persien wie in Transkaukasien unb in den Zentren Sübrußlands finden. Die Angehörigen dieser Grtippe sind im Verhältnis zu Den Dschilos fortschrittlicher und haben eine gewisse Neigung zur Bildung. Im allgemeinen aber sind alle Nestorianer sehr rückständig und unwissend. Die Dschilos kennen fast keine Schule, nicht einmal alle ihre Priester sind Des Lesens und schreibens kundig. Die Nestorianer der Ebene sind nicht in diesem Maße rückständig. Missionare fast aller Konfessionen haben bei Den Urmia- Nestorianern seit vielen Jahrzehnten ihre Tätigkeit ausgeübt: römisch-katholische wie evangelisch, amerikanische wie russisch-orthodoxe. Sie haben auch einen gewissen Erfolg erzielt. Demnach sind auch viele „Nestorianer" in Wahrheit nicht mehr Nestorianer, sondern orthodoxe, römisch-katholische oder evangelische Christen. KotakomLen-SchuleninSüdlirol Jeden Tag hören wir von neuen Gewalttätigkeiten und .Uebergrtffen Der Italiener gegen Die unterdrückten Deutschen in Südtirol. So wirken auch Die neuen Herren mit allen erdenklichen Mittel Dagegen, daß deutsche Kinder in ihrer Muttersprache unterrichtet werden können. Durch das italienische Schulgesetz von 1923 ist das Deutsche, selbst in den ersten Klassen, völlig vorn Lehrplan Der Schulen gestrichen. Irn neuesten Heft Der von Eugen Diederichs herausgegebenen Monatsschrift „Die Tat" führt Albrecht L. Merz einen rührenden Zug an, der beweist, wie innig die deutschen Südtiroler trotzdem an ihrer Muttersprache hängen. „Hm trotz des Verbotes Den deutschen Kindern den Unter— richt in der Muttersprache zu ermöglichen." schreibt er, „taten sich wohlhabende Bauern zusammen und schufen in Kellern „tagende" Schulen, in Die Die Kinder Der ärmeren Deutschen als Freischüler aufgenommen wurden. In diesen geheimen Kellerschulen sahen die Tiroler die einzige Möglichkeit, ihren Kindern eine Erziehung zuteil werden zu lassen, die einzig tinD* stiftet oder leihweise überladen haben. Fahnen und Banner, Sängerpokale und Trinkhörner, vielfache Erinnerungszeichen schmücken Die WänDc. Auch in Dem Hauptraum sind zahlreiche Fahnen ausgestellt, Dazwischen Elfenbeinbüsten. Plaketten und Bilder von Den größten musikalischen Meistern und Den Männern, Die sich um Die Pflege Des Deutschen Gesangs verDient gemacht haben. Der Hauptteil Des Museums ist in vier Abteilungen geglieDcrt und in 37 Schaukästen übersichtlich aufgestellt. Die eine Abteilung veranschaulicht Die Entwicklung des Männergesangs von seinen frühesten Anfängen; hier fesseln vor allem Die Reliquien, Die von Hans Sachs und Den Meistersingern erzählen, Bildnisse, Schultafeln und SingorDnungen, Notenbücher, Handschriften und seltene Drucke. Heber Haydn, Beethoven und Mozart führt Dann Der Weg zu Schubert und Weber, zu Kreutzer unD Silcher, Den eigentlichen Meistern Des deutschen Liedes. Eine andere Abteilung ist Der Ausgestaltung des Männerchorwesens gewidmet, llebersichten und Tabellen, Urkunden und Denkschriften, Liederhefte und Festbücher zeigen Die Entstehung Der einzelnen Vereine, Die dann zu Dem großen Deutschen Sängerbund zusammengeschlossen wurden. Eine weitere Abteilung behandelt das Lied Der AuslanDDeutschen, eine vierte Das LieD im Weltkriege; Doch ist für Die Ausgestaltung Dieser Gruppe noch viel zu tun. Mit Dem Sängermuseum zusammen wurde ein Ehrendenkmal für Die im Weltkrieg gefallenen Sänger enthüllt, Das an einer SeitenwanD Der Katharinen-Kirche errichtet ist. gemäß ist. nämlich aus dem Ht> unb Mutter- laut heraus dessen Beziehungen zur Umwelt zu enttDictcIiL Die nirgends fehlenden Denunzianten lenkten die Aufmerksamteit der Italiener auf diese Katakombenschulen und die Folge war, daß die Beherberget dieser Schulen, die Eltern und Lehrer, beschimpft, bestraft, zum Teil aus- gewiesen und die Schulen geschlossen wurden. Jeden Hund läßt man in seiner eigenen Sprach« bellen-, um dos Tier zu erziehen, läßt der Mensch sich herab, sich dem Wesen des TiereS anzupalsen, weil dadurch ein Erfolg gewährleistet wird. Di- Italiener aber verlangen, daß deutsche Äiuhcr in einer ihrem innersten Wesen fremden Welt erzogen werden! Dies ist ein ungeheuerliches Verbrechen am Kinde und am Menschen, und es ist umso schlimmer, als dies in einer Feit geschieht, in der gerade das Erziehen von innen heraus im Mittelpunkt des Interesses steht. Es handelt sich hier nicht um ein politisches Ereignis — nein! Es handelt sich hier um die Zertreinng der Menschenwürde, um die Grdro'selung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker. Es handelt sich hier um ein Ereignis, daS jeden wahren Menschen jeder Rasse, jeder Richtung, jeder parteipolitischen Einstellung im tiefsten erschüttern muß." Oberhessen. LauvkrerÄ Gicszen. • G r ü über g. 9. Ian. Der Bezirk Grün- berg deS Hess. Land-Iugenobundes veranstaltete im Gasthaus ..Zum Rappen" seine diesjährige Weihnachtsfeier, die sich eines starken Besuches erfreute. Der 1. Bezirks-Vor- litzende, Wilh. Seipp- Geilshausen, richtete nach dem üblichen Groffnungsmarsch herzliche Worte der Begrüßung an die Erschienenen, ganz besonders gedachte er dabei der Ortsgruppe Stein- Heim. die sich freiwillig dem Bezirk Grünberg mit der Aufführung des historischen Theaterstückes ..Andreas Hofer" zur Verfügung gestellt hatte Es folgte dann ein Gedichtvortrag von Willi L r i n k a u s -Grünberg, dem sich eine längere Ansprache des 1. Vorsitzenden des H. L. I. B., Robert Schmidt-Steinheim, an» schloß. Hierauf kam daS Stück ..Andreas Hofer" zur Aufführung. Das vorzügliche Spiel aller Mitwirkenden ernetete brausenden Beifall. Danach ergriff Dr. R o h b e r g - Gießen das Wort zu einigen Erläuterungen und Ergänzungen im Anschluß an das Theaterstück, und dann folgte daS Deutschlandlied. Die Bescherung (Verlosung) unter dem brennenden Weihnachtsbaum wurde durch das Lieb „Stille Rocht, heilige Rächt" eingeleitet. Den Schluß bildete Tanz. H. Harbach, 9 .Ion. Im Gegensatz ^ur geradezu beängstigenden Zunahme der Arbeitslosigkeit in Stadt und Land haben wir in unserem Dorfe nur 3 Arbeitslose. 15 Leute von hier geben Tag für lag nach Wieseck zu Drainage- arbeiten. Dort ist eben die Feldbereinigung im Gange, und es sind umfangreiche Drainagearbeiten notwendig. Der Unternehmer Schäfer- Wieseck hat einen größeren Teil davon an die Harbocyer abgegeben. Aber es ist ein saures Stück Brot, das sich die Leute verdienen: denn abgesehen von der dauernden Nässe und dem Wasser in den Gräben haben sie jeden Morgen einen fast grundlosen Weg nach Saasen vor sich. Don Station Rödgen fino es bann noch | Stunden nach der Arbeitsstelle. <5 Harb ach. 10. Ian. Rachvem die Dür- germei st erwähl am 12. Juli 1925 vom KreiSarrsschuß für ungültig erklärt wurde, sand reute Reuwahl statt. GS erhielten: Dltbür- Lgermeistcr M ü n ch 96 Stimmen, der neugewählte XanMbat Wilhelm Schvmbe r 2, Landwirt, '139 Stimmen. Zwei Stimmen waren zersplittert. _Im ersten Wahlgang erhielt Altbürgermeister 'Münch HZ Stimmen, Wilhelm Schomber 2 135 Stimmen. Der Wahlgang verlief sehr ruhig. Reinhardshain, 11. Ian. Bei der gestern auf dem Wirberg vorgenommenen C r» gänzungswahl zum Kirchenvorstand wurden gewählt Bürgermeister Heinrich Gieß. Landwirt Wilhelm S e ip und Landwirt Friedrich G-r ü n. Für die beiden lehtgenannten, die seither Mitglieder der Kirchengemeindevertretung waren, treten als neue Mitglieder in die Kirchengemeindevertretung die seitherigen Grsahmänner 'J3eter Jacob und Landwirt Scheich ein. 2) Lich, 9. Jan. An der jüngsten Abendsitzung des neuen Stadtvorstandes nahmen außer dem Bürgermeister und dem Beigeordneten samt- Franziska. Roman von L i e s b e t Dill. 40. Fortsetzung. Nachdruck verboten. So oft Hasse einen Mustkalienladen, eine Buchhandlung betrat oder den Kasten eines Photographe!-. streifte, sah er „sie" halbnackt in ihren falschen Juwelen, den Perlenschnüren, dem weichen, fließenden blonden Haar, alles überbietend, was eine Hoftheatersängerin jemals gewagt. Es war zum erstenmal einer Künstlerin gelungen, dieses weibliche Enigma menschlich verständlich zu machen und ihre letzte Tat begreiflich. Diese Salome wurde Mode. Dank ihrer weichen Bewegungen, dem weißen, leuchtenden Fleisch ihrer Haut, deut fließenden Haar, den matten, verschleierten Augen schien sie geschaffen dazu. Man drängte sich um ihre neuesten Aufnahmen, die an der Ecke der Königsstraße unter einem Glaskasten ausgestellt waren. Die Photographen erwarteten sie auf der Straße, vor dem Theater, wenn ihr Wagen hielt. Die Reporter tarnen von auswärts, Näheres über ihre Lebensweise und Charakter zu erfahren. Man sah sie in einem offenen Wagen in Begleitung der Sentimentalen, die eine feuerrote Jacke trug, den Pinscher zu ihren Füßen, und auf dem Rücksitz lag ein großes kunstvolles Bu- !ett. Man engagierte fte nach auswärts zu F.-stvorstellungen. Ihr Ruhm verbreitete sich rasch. Der scharfe Doktor machte einen Ausfall gegen he, er warnte vor Hebertreibungen, denn das Repertoire von Franziska war immerhin Hein. Bis jetzt hatte sie nur bewiesen, daß ihr die „ausgefallenen“ Rollen, die Gventuab rollen lagen, die an den meisten Bühnen nicht lest besetzt sind und nur nothilsSweise von den Damen vom anderen Fach gegeben werden. Es war ganz unmöglich, vom Theater zu sprechen, ohne die Rott zu erwähnen. Franziska bcgnüatc sich nicht mehr mit vereinzelten Rollen, sondern sie begehrte auch die großen Rollen, die Kameliendame, einst die beste Rolle der AssSkY, zu singen. Zu dem Abend kam die Schwedin ans Wiesbaden herübergesahren lichc 12 Stadtoorstandsmitglicder, von denen drei neugewählt waren, teil. Zu der Sitzung hatten sich eine größere Anzahl Zuhörer eingefunden. Der Bürgermeister eröffnete die Sitzung mit herzlichen Begrüßungsworten und brachte dann die wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen der Landgemeindeordnung zur Kenntnis. Sodann führte er die neu ein» getretenen Stadtvorstandsmitglieder Hch. Marie, Vanbmin. Karl Drechsler, Straßenwärter und Jakob Schmidt, Bürgermeistereiajststent, in ihr Amt ein und ließ sie das Handgelöbnis ablegen, das Amt eines Stadtoorstandsmitgliedes mit Eifer, Treue und Gewissenhaftigkeit und unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften zu führen. Anschließend hieran wuroe die Wahl der Finanzkommissiou vor» genommen und diese Kommission gleichzeitig damit beauftragt, in der nächsten Sitzung Vorschläge für die Besetzung der übrigen Kommissionen zu unterbreiten. Zum Kontrolleur wurde das Stadtvorstandsmitglied Ludwig Wolf II., Landwirt und als Auffichtsperson des städtischen Faselstalles Mitglied .Heinrich Marke, Landwirt, gewählt. — Ein hiesiger Metzgermeister kehrte vor einigen Tagen mit seinem Fuhrwerk vom Ileberlandfahren zurück und erlitt auf der Straße Lich—Hungen in der Nahe des Wegekreuzes nach Birklar einen Unfall, der leicht schlimme Folgen hätte haben können. Er sowohl wie ein ihm entgegenkommender Krafrwaaen waren bei bereits eingetretener Dunkelheit ohne Beleuchtung, und so konnte es gar nicht aus« bleiben, daß em Zusammenstoß stattfinden mußte. Der Fuhrmann wurde vom Wagen geworfen und erlitt nicht unerhebliche Prellungen. Der Wagen fiel um, die Schere brach ab und das Pferd, frei geworden, stürmte feinem heimatlichen Stalle zu. Das Kraftfahrzeug soll roenirg beschädigt davongekommen sein. l. Hungen, 8 Ian. Heule hielt hier der Verein der ober des ft scheu Schäfer, wie im verflossenen Jahre, wiederum feinen Appell ab. Eine recht stattliche Zahl Kollegen und Freunde der Schafzucht waren teils zu Fuß, teils mit den Frühzügen angekommen und marschierte unter den Klängen einer Musikkapelle nach dem Versammlungslokal, Darmstädter Hof, wo namenS der Landwii tfchaftskammer, deren zweiter Vorsitzender Bär Begrüß ungSworte sprach und Professor Dr. Kncll-Gietzen einen sehr interessanten und lehrreichen Lichtbildervortrag hielt. Oekonvmierat Dr. Wagner von dem LandwirtschastskammerauSschuß für über» Hessen sprach über die Zuchtrichtung, wie sie sich nach den gemachten örfabrungen am besten für die hiesige Gegend eignet. Hiernach mar* ichierten die Hirten nach dem Marttplay „Die Psamre", wo der 1. Dorsiyende deS Verein-, Schäfer Müller- Stangenrod nach Begrüßung der ^Anwesenden eine kernige Ansprache hielt und der Gesangverein „Eintracht^ dckS Hirtenkied „Dies ist Der Tag des Herrn" zum Vortrag brachte. Gin Hirtenlaufen der Schäfer und Schäfer sf rauen, bei dem der Sieger Hil-tenkönig und die Siegerin König wurde, und außerdem ein Mutterschaf mit Lamm und ein Hammel zu gewinnen waren, brachte recht spannende Momente. Hierauf wurde in der Lindenallee der Fest - zug auf gesellt, um unter den Klängen Der Kapellen durch die Stadt zu ziehen. Den Zug eröffneten fünf Vorreiter, an die sich in Wagen und einem Automobil die int Dienste ergrauten Schäfer, die Wind und Wetter so oftmals getrotzt, anschloffen. Der älteste derselben, eine kernige kräftige Schäscrgestalt, ritt seinen Kollegen auf einem Maultier voran. Sin schöner Festwagen, eine hessische Spinnst u b e darstellend, die Hirten mit Bandelier und Schippe machten einen würdigen Eindruck. Die übrigen Festteilnehmer beschlossen den stattlichen Zug. Im Versammlungslokale begrüßte Bürgermeister Fendt namen8 der Stadl Hungen die Hirten, und Anwesenden und brachte ein Hoch auf den Hirtenstand und den oberhesflfchcn Schä- serverband aus. worauf Reichstagsadgeordneter Prof. Dr. Werner eine Airfprache hielt und mit einem Hoch auf DaS Blühen, Wachsen und (Anleihen unseres Vaterlandes schloß. Die Ver» samnUung fang hieraus unter Mitwirkung der Musikkapelle daS Deutschlandlied. Rach Verspielen eines Hammels und an Der en Gegenständen, war der Rachmittag dem gemütlichen Beisammensein gewidmet. . uIphc, 9. Ian. Mit Beginn des neuen Jahres hat her neugewählte Gemeinderat seine Tätigkeit aufgenommen. An die Stelle der beiden ausscheideuden Mitglieder Stork und Gr meinderechner Schäfer sind nun Landwirt Wilh. Sack und Heinrich Hirz in gor getreten. — Die Hundesteuer wurde hier oeim alten Satze belassen, weshalb denn auch die Anzahl der gehaltenen Hunde sich nur um einen vermindert hat, — In letzter Zeit mußte eine beträchtliche Anzahl von Wasferleitungsanschlüssen erneuert werden. Es soll dies darauf zurückzuführen sein, daß die Erde, in die die Zuleitungsrohre gebettet sind, stark eisenhaltig ist und auf chemischem Wege die Rohrrvnndung zerfrißt, so daß diese bann dem starken Wasserdruck nicht mehr ftandhält. Inwieweit auch Fehler bei Der Herstellung der Wasserleitung, die im Jahre 1906 erfolgte, mttspielen, muh dahin gestellt bleiben. Jedenfalls bedeutet die Häufigkeit der Reparaturen, während deren Dauer das Wasser abgestellt wird, nicht nur eine finanzielle Schädigung, sondern auch eine unliebsame Störung des Haushalts. — Bei der letzten Viehzählung wurden hier feftgeftellt 108 (100) Pferde, 434 (438) Stück Rindvieh, 4 (12) Schafe, 529 (583) Schweine, 68 (69) Ziegen, 163 ( 265) Gänse, 2 (20) Enten, 1402 (1312) Hühner, 55 Kaninchen und 5 Bienen- Völker. Die in Klammer gesetzten Zahlen stellen das Ergebnis der vorjährigen Zählung dar. Einen wejentlichen Anteil an diesen Zahlen hat natürlich das hiesige Hofgut. :/; Au s dem Horlofftal, 10.Jan. Allmählich beginnt nun auch die Horloff, die von Trais ab in breiter Fläche das ganze Tal bis zu ihrer Mündung überschwemmt harte, wieder in ihr Bett zurückgetreten. Während des Höchststandes konnte man von S t e i n h e i m aus vorübergehend die Station Trais-Horloff nur auf dem hohen Bahndamm erreichen. Die Verbindung zwischen Unter - Widdersheim und Utphe war ganz unterbrochen. Trotzdem versuchten manche Fuhrwerke durch Orientierung nach den Telegraphenstangen sich den Weg dürch die Flut zu bahnen. Solche starte Ueberschwemmungen sind jetzt aerweise infolge der Flußregulierungen eine ine, kehrten aber in früheren Zeiten alljährlich besonders zur Zeit der Schneefchmelze wieder, io daß das Horlofftal sehr sympfreich war. Aus dieser Tatsache erklärt sich ja auch ihr Name, der mit deni althochdeutschen Worte horo (Sumpf) zuscmr- menhängt.Der gleiche Bestandteil findet sich ja auch in vielen Ortsnamen wie Hornau, Hornbach. Harbach sowie in dem bekannten Haarlein. Durch die regelmäßig wiederkehrenden Ueberschwemmungen und die dadurch verursachte Versumpfung des Horloffgrundes wird auch die Tatfache verständlich, daß im Gegensatz zu anderen Flüssen hier die menschlichen Siedlungen nicht unmittelbar am Flußlauf selbst entstanden, sondern unterhalb Trais sich in entsprechendem Abstand davon halten. Kreis Friedberg. | Rieder-Florstadt, S. Jan. Der (6 t n- spru ch gegen die Gemeinderatswahl wurde beute vor dem Kreisausfchuß in Friedberg v er handelt. Die Gründe, die zur Anfechtung der Wahl führten, wurden nicht für stichhaltig genug erkannt, und die Wahl für gültig erklärt. Da aber Formfehler Vorlagen, eine Beeinflussung des Resultats jedoch nicht nachgewiesen tfl. wurde Die Gemeinde zum Tragen der Kosten verurteilt. Wert des Gegenstandes 1000 Marl. — Eine Versammlung, die einen Ginblick in die Entwicklung, Wirkung und Versuche zur Bekämpfung der Wo h - nungSnot und In Den Gedanken Der Bau - sparkvnten gab, war leider nicht so stark besucht, wie man bei Dem allgemeinen Interesse an der Materie erwartet hatte. GS waren meistens solche Leute erschienen, die bald bauen wollen. Abg. L u x gab einen Ueberblicf über die Entstehung der Wohnungsnot schon zu Beginn des Krieges und ihre Auswirkung nach dem Kriege. Dann schilderte er Die Versuche, die .zu ihrer Linderung unternommen wurden l Zwangseinmietungen. Baukostenzuschüsse. Bau- hilsedarlehen, Tätigkeit der Wohnung» sürsorge- gesellfchasr und der ihr airgeschlofsenen gemein- nützigen Baugenossenschaften). Zu den neu errichteten Bausparkonten müssen möglichst alle heitre! cn. Damit Gelder für den Bcuimarkt frei werden. Rach kurzer Erläuterung der beiden Bausparsysteme kam er zu dem Schluß, daß viele die Gelder aufbringen können und mit diesem Plan die Wohnungsnot allmählich behoben werden kann. Lehrer Heller zeigte an Hand von Zahlen, wie stark der Wohrrirgsbarr hinter den Anforderungen zurückgeblieben ist. wie sich die Ausbringung der Gelder in den Jahren 1924 und 25 für den Bauherrn gestaltete, wie sie 1926 sein wird und welche Vorteile ein Bausparkonto und faß in ihrer Loge, verschmintt, bleich vor Verachtung, und fie Iachte im dritten Alt, als Franziska zu sterben begann. „DaS ist nicht anzufehen". sagte sie laut. Daß es alle Um« sitzeirden hören fonnten. Dennoch hatte Franziska ungemessenen Beifall. Ihre Stimme ohne Grenzen, von dem Professor zu einer fast unglaublichen Höhe heraufgebro.f't, ihre Schönheit siegte Über ihr Spiel. Worth urteilte nachher auf Halles Zimmer über Die Vorstellung. „Die Rott, parhon, daß ich sie so nenne, ist zur „Äantelienbame“ einfach zu gesund Im ersten Alt mit Dem 65am° pagnerkelch in der Hand gelang ihr die Arie entzückend, in einer Toilette, rot mit Silber unö grauem Chisson." Worth beschrieb die Toiletten immer genau, er hatte Sinn dafür. „Aber nachher, wo sie in Spitzen stirbt, da ist sic mir einfach zu deutsch." Hasse rauchte urti> horte lächelnd zu. Er war jetzt ruhig geworden, jene Tage lagen weit hinter ihnr, als ob ein Rebel feine Empfindungen bedeckte. Er hatte feine Versuche ivieder auf genommen und sich einen Orang-ilttm angefchafft, den er impfte und beobachtete Das Tier fror in feiner Ecke Wenn das Effen gebracht wurde, rieb er sich Die Häirde, erfreut wie ein Mensch. Gr amüsierte sich tagsüber mit einem kleinen Handspiegel, in Dem er sich immerzu betrachtete. Sobald er Hasse sah, versteckte er Den Spiegel Hasse nahm ihn ihm ab, da er fürchtete, er tonnte ihn anfnabbern, • Darüber wurde der Affe wütend und warf ihm ein paar Hände Sand nach. Hasse las auf Dem kleinen Taschenspiegel die Inschrist„kc>r ever". Gr fragte den Diener danach, und der Mann antwortete: Ich fand Den Spiegel auf Ihrem Sofa, Herr Doktor." Hasse ließ Den runden Spiegel in seine Tasche gleiten, der .Mann lächelte hinter ihm her. er wußte sicher ebensogut, von wem er kam, dieser verräterische Spiegel, in welchem „sie" sich betrachtete, Die Haar ordnete auf der Chaiselongue, ehe fte ging. Sie wußten es alle, obwohl er nie von Franziska gesprochen, doch eS war ihm gleichgültig. was man Darüber dachte. Er sagte zu Worth, die Sach? sei erledigt. „Hat sie sich Don selbst erledigt?" „Sie hat sich aufgelöst." Das war dein Glück, dachte Worth, aber er begnügte fich, es zu denken. „Was gedenken sie Dagegen zu tun, lieber Fremrd?" „Ich habe mir einen Affen angeschasst, mit dem ich mich in meiner freien Zeit vortrefflich unterhalte, ich entdecke jeden Tag neue Aebnlich- feiten zwischen Mensch und Tier, es ist wirklich amüsant." „Ich verstehe," entgegnete Worth, „aber ich bin enrpsiirdllch gegen Gerüche in meinen Wohn- räumen —" „Das stumpft sich alles ab", sagte Hasse. Als er das erstemal Franziska begegnete, ging sie mit einer Schar Kolleginnen zum Bahnhof, sie trugen Blumen im Gürtel und begrüßten einander ausgelassen wie Leute, Die einen gemeinsamen Ausflug unternehmen. Gs gelang ihm, unbemerft an ihr vorbeizukommen, und er batte Die Empfindung einer Trockenheit im Halse, einer plötzlich aufsteigenden Scham. — Gin anderes Mal frühstückte er in Dem zu ebener Erde gelegenen Speisesaal des großen Hotels Europa am Bahnhof mit Worth, als er Franziska im Pelzmantel mit einem stattlichen Herrn im Zylinder, der das Aussehen eines Impresario hatte, eintret en sah. Sie gingen, vom Kellner gefolgt, an feinem Tisch vorüber, ohne daß Franziska ihn zu bemerken schien. Sie sprach so eifrig mit dein großen Herrn im Zylinder, daß ihre Augen ihn nicht streiften. Sie fanden ihren bereits gedeckten Tisch an einer Ecke gegenüber einem Pfeiler und nahmen Dort Platz. „Das ist der „Hans Sachs" von gestern abenb. Ein Bariton aus Stockholm", erklärte Worth. Hasse blieb zerstreut, er hatte bemerkt, daß Franziska, Me ihm Den Rücken zukehrte, einem Spiegel gegenüber sah, durch welchen sie ihn beobachten konnte. Das war ihm unerträglich. Schließlich stand er auf, fte wollten Den Kaffee nach System 1 gerade für die Aufbringung Des Zusatzdarlehen bietet. Während dieses System' dem sofortigen Wohnungsbedürfnir: abhelfen soll und noch mit staatlichen Baudarlehen arbeitet, ist das System 2 so eingerichtet, daß auch bet geringer Sparmöglichkeit doch allmählich durch wöchentliche Einzahlungen eine Bausumme erreicht wird. Es wird 1928 ein setzen und Dann die Bauherrn durchs Los bestimmen, aber auch Den nachhaltigsten Sparer berücksichtigen. Genaue Zinsberechnungen gaben ein 'Bild der Schwierigkeiten, die zur überwinden sind, unb warnten vor überstürztem Bau. In der Aussprache gab eä noch wichtige Anregungen, die auf einer Versammlung in Friedberg ihre Klärung finden werden. Kreis Schotten. >g. Gedern, 9. Jan. Infolge eines Herzschlages verschied in Darmstadt ein Sohn unterer Gemeinde, Rechnungsrat Heinrich Franz, tätig am Ministerium, int besten ManneSalter. Der Verstorbene, der sich durch persönliche Tüchtigkeit zu dieser geachteten Siel' lung empvrgearbeitet hatte, war ein*lre*er Verehrer feiner oberhefsifchen Berge, und groß ist Die Zcchl Derer, denen er die Schönheiten des Vogelsverges erschlofsen hat. Roch vor wenigen Tagen ehrte ihn der Darmstädter Zweigverein des V. H.-C. durch Verleihung Des goldenen Wanderabzeichens. )—( Gonterskirchen , 9. Jan. Der B e - zi rk Cauba d) hat nunmehr auch seinen Fort- bildungsschullehrer im Hauptamte in der Person unseres seitherigen zweiten Lehrers Karl M o x t e r. Sein künftiger Amtssitz ist Laubach. Herr Morter hat am 4. d. M. seine Tätigkeit be- gönnen. Zu seinem Bezirke gehören die Orte Lau- ach, Freienseen, Gonterskirchen, Ruppertsburg und Wetterfeld. Da jetzt mehrere hundert Lehrer stellen« los sind, so konnte auch für unsere zweite Schulklasse bereits als Nachfolger Moxters der Schulvenvalter Hoffmann bestimmt werden. Starkenburg. WSR. Darmstadt, 10. Ian. "Re gier irrig* rat Dr. Roo fener vo-m Kreis amt in Büdingen, zur Zeit hessisches Mitglied Der Reichs- entschädigungssteile für Aus gewiesene von Rhein und Rühr in Würzburg, ist unter 150 Bewerbern zum ersten Synk»ikus der Industrie- und Handelskammer Darmstadt gewählt worden. WSN. Groß-Gerau, 9. Ian. Die Zigeu* n e r p l a g e wird hier von Tag zu Tag stärker fühlbar. An der Mörfelder Chaussee ist ein ständiges Lager der braunen Gesellen Abgesehen von dem lästigen und unverschämten Betteln sind es die sich mehrenden Falle von frechen Diebstählen und Betrügereien, die gebieterische Maßnaymen gegen diese Landplage fordern. So fand ein hiesiger G a st w i r t bei seiner Rückkehr von einem Aus- gang einen Zigeuner in seinem Kartoffelkeller, der sich angeblich verirrt hatte. Eine gehörige Tracht Prügel wies Ihn schnell auf den rechten Weg, mit dem Messer, das recht schnell zur Hand war, konnte der Zigeuner nur wenig gegen den energischen Herrn ausrichten. — Im Kreise Groß-Gerau find gegenwättlg 7 200 E r - w e r b s l o s e mit 7140 Angehörigen vorhanden, d. h. etwa ein Fünftel der Kreiseinwohner. In den lebten 14 Tagen hat sich die Ziffer um annähernd 3000 Erwerbslose gesteigert. WSR. Heppenheim a.0.B., 10. Ian. In einem in der Gemarkung Sonderbach gelegenen, einer Heppenheimer Firma gehörigen Steinbruch wurden Dieser Tage mit einer SchwarzpulverlaDung von ungefähr 21/l Zentner große Mafsen Granitma terial losgelöst. Darunter ein massiver Block von über 300 Kubikmeter, zu dessen Transport 60 Eisenbahnwaggons benötigt werden. Rheinhessen. WSR. Blain z, 10. Jan Heute nacht zwischen ein und zwei Tlhr ist in einem auf Der Zitadelle gelegenen großen französischen Automobilschuppen Feuer ausgebrochen. das nahezu zwei StunDen anhielt und Durch Den gewaltigen Feuerschein und Die hohe Lage der Brandstelle weithin sichtbar war. Das Gebäude mit Inhalt brannte völlig nieder. Die Feuerwehr hatte vollauf zu tun, um daS -liebergreifen das Brandes auf Die Dabei liegende Kaserne zu verhüten. im Saal nebenan trinken, schlug er vor. »Schade," meinte Worth, „eS war doch so gemütlich fiter* Das Dritte Mal traf er fie In Den Kolonnaden, sie stand unter Den Säulen und schien aus jemand zu warten. Er zog den Hut und Franziska Danfte, indem sie sich verfärbte. Von da ab nahm er sich vor, fie einfach zu grüßen, wenn sie sich begegneten. Aber sie begegneten sich nicht mehr. Im Frühjahr verließ Franziska die Stadt. Sie hatte einen Kontrakt mit einer Wiener Truppe abgeschlossen, welche von Stadt zu Stadt reiste unb nur „Salom e" gab. Der Strom Der großen Welt nafwn fte auf. An einem Abend im Herbst traf Hasse auf einem der Diners, Die sein Chef g*»rtnmnb = 3:1. S V Orfe 06—6. B. W «ff« - 3.1. F. D 08 Duisburg Pveußen-DlnSburg 10. D. f. D. Botteovp—Weiderich 06 — 0; 5 F. ff Gellenki vch»n 07 M D D. Lindo n 4:2. Preußen-Essen -D. 1. B. Dortmund *- 4 3 6. D Oberßtncken-St-rwn—Duisburg -1:1. F. ff Kronmber^-B D. 04 Düffel dort —- 2:3. D. ff. Düsseldorf 05—Spiel- und Sport ff*i- berfdb »1:3. Uniot»-6refe£b—D. f. D. Ruhrort *=■ 6 0. Unioro-Sambom—3. D. Beek — 2:2. Heffen-Kassel—Dorussia-Fulda = 0: 0. D. f. B. Marburg—^Sport-Kassel 1:5. Arminia-Bielefeld —S. D. Hamm 2:2 Greven OS—B. f. L. Osnabrück - 2:4 ®. ff-. 03 Kassel— Kurhefsen - Kalles — 2:1 Norddeutsche Fußballmeisterschaft. vo. Die Spiele um die Meisterschaft der Weser- und der Slbestaffel brachten am gestrigen Sonntag mir eine Ucberrakbung. Sowohl der Favorit der Alsterstaffel, der H. SV, als auch der der »orauSsichtliche Meister Der Slbestaffel. 2lltvna 93. konnten ihre Spiele siegreich beenden. Nur daS Ergebnis Viktoria—Polizei 0:2 bedeutet eine Ueberraschung. Alfter st affet H. S. V -St. Georg 4:0 (2:0), Viktoria—Polizei 0:2 (0:0), Wandsbecl -Eimsbüttel 1:3. Elbe - staffel: QHtona 93—Rothenburgsport 5:1 (3:1), St. Pauli-Sport—Union 2:2 (2:0). Blankenese Holsasia 3:2 (1:0), Nienstedten—Ottensen 3:5 (2:0). Damit hat der H. S. V. in der Alsterstaffel einen klaren Vorsprrmg inne, beim Viktoria. stand bisher nur mit einem Punkt zurück an zweiter Stelle. Auch Altonas Spitzenstellung in der Elbestaffel hat sich durch das unentschiedene Spiel der .Union gegen Di. Pauli-Sport verbessert. Berliner Fuhball. Die Berliner Fußballmeislerschaftss^iele brachten in der Abteilung A ein interessantes Spiel zwischen Hertha B. S. C. und Spandauer S. V.; nach dem 1:0-Siege steht Hertha weiter ungeschlagen an der Spitze. — In der 'Abteilung B hat sich Norden Nordwest durch einen l:0-Sieg über die an zweiter Stelle stehende Tasmonia die Fühlung erkämpft. Der schwedische Fußballmeister in Köln. Jdrottsförening tzalftngborg—Köln (Stabte- Mannschaft 4:3 (3:2). Der schwedische Fußballmeister Jdrottsföre- ning Hälsinborg, der sich auf seiner Rückreise aus Portugal befindet, trug am gestrigen Sonntag in Köln ein Freundschaftsspiel gegen die bärtige Städtemannschaft aus. Etwa 20 000 Zuschauer hatten sich etngefunben, um Zeuge eines gut durchgeführten Spieles zu werden. Don den Vertretern der Stad) wurden die Schweden vor Beginn des Spieles begrüßt und ihnen ein Blumengewinde überreicht. Die Gäste traten tn ihrer stärksten Aufstellung an. Vorzügliche Leistungen boten bei ihnen der Torwart, der Finte Qfertef- diger und der Linksaußen. Die Kölner Mannschaft hatte in der Läuferreihe einen schwachen Punkt. Der Sturm war gut. _ 87.75* 48.5 43.75 1 112' ! 66 I 112* 112* 46.5 ! 57* ! 87 I 90* I 71,76* 70 , 61* 76,12* 28.12 21.5 15 27 5 68.6* 16,5' B4 38.5* 68.7.5 78* 96,75* 100* 101,5 35 40* 70 6' 75,68* 99* 10 .5 112.5 33 89.1* 69,25' 66* Berlin, 11 Jan. Die neue Woche begann in ausgesprochen f c st c r T e n d e n z. Schon vorbörslich hörte man Kurse, die Prozentweise über den bisherigen Notierungen lagen, und bei Eröffnung des osfiziellen Verkehrs konnten sich diese Kurse ausrechterhalten. Infolgedessen setzte das Geschäft sehr lebhaft ein, namentlich am nngen . Schifsahrts- und E I e k t r o m a r k t e. An oggenanleih e der Verzinsung zugrunde l der Vörse waren dabei Gerüchte über Kom- Dic seit Monaten immer ungünstiger gewordene ! Geschäftslage hat die deutsche Erzeugung an Roheisen, Rohstahl und Walzerzeugnissen stark zurück gebracht. Die allgenieine Lage der Eisen schaffenden Industrie war, laut Fachzeitschrift „Stahl und Eisen", zur Zeit des Uebergangcs vom November in den Dezember bei den einzelnen Werken bzm. Verbänden und in den Erzeugnissen verschieden; teils ließen die eintrefsendcn vielen Anfragen, wenigstens aus dem Inlands, die Meinung zu, sie werde ein etwas freundlicheres Aussehen gewinnen, teils hatte sich die Nachfrage aber noch merklich abgeschwächt, nennnenswerte Geschäfte kamen nicht zustande, und die Lage verfchlechterte sich noch.. Nach und nach verschlechterte sich aber die Lage allgemein. Reichliche Aufträge in dem der Weiterverarbeitung dienenden kaltgewalzten Bandeisen, die auch an- hielten, ließen die Meinung aufkommen, daß in der weiterverarbeitenden Industrie vielleicht eine Besse rntifl sich anbahne. leider aber bestätigte sich dies nicht. Im Drahtgeschäst war keinerlei Besserung zu merken. Die schlechte Geschäftslage machte sich auch in dem geringeren Bedarf der Walzwerke und Maschinenfabriken, an Schmiedestücken und Stahlguß mehr und mehr bemerkbar. während der Inlandmarkt Zeichen der Besserung nod) nicht erkennen läßt, ist auf dem Auslandmartt in den Tagen kurz vor Weihnachten zweifellos eine gewisse Stetigkeit festzustellen. Die Lage auf dem Erpnorkt ha« sich gegenüber dem Bormonal nicht gebessert, der Verbrauch an inländischen Erzen ging infolge der schlechten wirtschaftlichen Lage und der zu hohen Gestehungskosten immer weiter zurück. 68,9* 34 38.5* 67.75* 72,5* 95 75 99.25* 103.62 29 40* 67' 58.9* 73,6 61,6 1,75 87 42 Hessische Braunkohlen-Roggenanleihe. Die nach der Anl ihebedingung I b der auch 39.6* 99' 109 109 5 !«.; Wirtschaft. Die zukünftige Kreditpolitik der Reichsbank. Der Neichsverband der Deutschen Industrie Hot vor einigen Tagen das Reichsbank-Di- rektorium um einige Informationen über die Art der in Aussicht genommenen Restrik - tionserleichtcrungen gebeten. Wie dos Neichsbank'Direltorium auf die An- t frage des Neichsverbandes nunmehr geantwortet hat, „soll die zu Anfang Dezember eingeleitete F Lockerung des Systems der Kreditkontingentierung dahin führen, daß die Neichsbankanstalten * für die Folge nicht mehr gezwungen sind, die Diskontierung von angebotenen Wechseln lediglich aus Kontingentsrücksichten abzulehnen. Für die Entscheidung, ob zum Ankauf angebotene Wechsel seitens der Neichsbankanstalten herein- genommen werden können oder nicht, sind also künftig im allgemeinen nur noch d ie wirt- ^chaftlichen Gesichtspunkte, insbesondere auch der Umstand, ob es sich um einwandfreie Handelswechsel handelt, und die Rücksichten auf die Sicherheit der Engagements und der einzelnen Wechsel maßgebend. Die sich aus der Kreditlockerung ergebenden Vorteile sollen den Wirtschastslreisen gleichmäßig zugute kommen. Natürlich liegt es aus der Hand, daß Firmen, die schon jetzt ihren Kredit bei der Neichs- bank stark angespannt haben, nur noch insoweit aus der Lockerung Nutzen ziehen können, al« den Neichsbankanstalten ein Weitergehen, in der Kreditgewährung unbedenklich erscheint." Der deutsche Eisenmarkt im Dezember 1925. 139* 1 98* 107.7' 108,1* 60 106* I 81,1 94.25* 0.4 0 033 Berlin schiuft.sÄÜifana fiitr« I *Vi". an der Berliner Börse amtlich notierten 6 pro- zentigen Hessischen Braunkohlen - Ri " ' 47,5 ' 74. 5 112,7' n 112 2* U2 6* । 15 I Kleine Strafkammer Gießen. ' Gießen. 8. Ian Der Handelsmann Johann Gg. W. von Gießen war am 10. April 1925 mit dem Kprbmacher H. dahier in einer Gastwirtschaft in Streit geraten, in dessen Verlauf er von diesem und einem anderen Gast hart bedrängt und zur Türe hinausbefördert wurde. Vor der offenen Türe zum Gastzimmer gab er au« einer Walzenpistole einen scharfen Schuß ab, der den H. am Unken Unterarm streifte. Vom Amtsgericht war angenommen worden, daß W. sich zwar in Notwehr befunden, diese aber überschritten habe, denn e« hätten ihm andere Mittel als der Pistolenschuß zur Verfügung gestanden, um sich den Angreifern zu entziehen. Die erkannte Geldstrafe von 30 Mark wegen Körperverletzung schien der Staatsanwaltschaft zu gering; sie verfolgte daher 'Berufung, auch zu dem Zweck, die Einziehung der Walzenpistole herbeizuführen., Der Antrag auf Straferhöhung wurde zurückgewiesen, die Einziehung der Waffe ausgesprochen. Durch das Amtsgericht war der Kraftfahrer Heinrich L von Nieder-Mörlen von der Anklage des fortgesetzten Nücksalldiebsbahls fre gesprochen worden. Er hatte in etwa neun Fällen zu Bad° Nauheim Bettzeug, das in die Fenster ausgelegt war, an sich genommen, behauptete ober, dies nicht in Diebstahlsabsicht, sondern aus einem unwiderstehlichen Hang zur S lbstbefriedigung getan 411 haben. Obwohl ein Sachverständiger aus der Heil- und Pflegeunstalt Goddelau, wo der Angeklagte zur Beobachtung uirtergebracht war, die Anwendung des § 51 StGB, verneinte, sprach 9.. 75' 198,25* 96 5* 101.2 unt> Im Anschluß an diese« Länderspiel das ; Stüdtespiel geplant war. Berlin-Budapest nbegsagt. Berlin—Wien sehr fraglich! Verschiebung der Grohen Sport» woche in Winterberg. oo. Die Große Sport Woche des Sauerländi- Ichen Bob- und Auto-Clubs, die vom 10. bi« 14. Januar stattfinden sollte, ist der ungenitgen- den Schneeverhältnisse halber um 8 Tage, auf Den 17. bis 20. Januar, verschoben worden. Ski. Bei den auf dem Nuhestein im Schwarzwald abgehaltenen Sprungläufen wurde bei den Sprüngen an der Heinen Schanze Erster: Hengstteller- Heilbronn (24,28 und 26 Mtr. gestanden), und bei den Sprüngen an der großen Schanze errang Willi Dick, ein Deutschböhme, mit einem gestandenen Sprung von 34G Met erden ersten Preis und damit auch den Ruhestein- wanderpdkal. Radrennen. Bei internationalen Radrennen im Berliner Sportpalast gewann die deutsche Mannschaft Koch-Miethe das Dreistunde 11 - M an n- schastsrennen gegen beste ausländische Konkurrenz. Wasserball. Bei einem Rückspiel im Magdeburger Wilhelm« bad trafen gestern die alten Rivalen Hel- laS-Magdeburg und W a s s e r s r e u n d e- Hannover erneut aufeinander. Auch dieser hartnäckige Kampf sah wieder die Magdebu r- ger wie vor acht Tagen in Hannover siegreich (6:1). Boxen. Die Südwestdeutsche Amateurmeisterichaiten, die am Samstag und Sonntag in Ludwigshafen ,311111 Austrag kamen, haben folgende Sieger ergeben: Fliegengewicht: Wieland- Frankfurt (über Hen- iiber Nicolai)-Ludwigshafen); Federgewicht: NI i - lecke-Frankfurt (über Üergl-Mannheim); Leichtgewicht: Röder 1. Frankfurt (über Witfchorke- Mannheim): Weltersgewicht: W 0 r 1 e -Mannheim (über Krieger Mannheim); Mittelgewicht: Zimmer- Mainz (über Mayer-Singen) und Halb- schwergewicht: R 0 demich - Mainz (über Schulz- Heilbronn). Reue Weltrekorde im Schwimmen. 00. In Eh 1 kag 0 sind die beiden Weltrekord schwimmer Arne Borg und Weißmüller bei der Arbeit. Der Schwede ftelltc eine neue Bestleistung über 440 Bards (402,25 Meter) mit 4:47,2 aus (A. R.: Weißmüller 4:51,4). Weißmüller ver besserte seinen Weltrekord über 220 Bards auf 2:10,4. — Bei den Damen gelang es Frl. Ethel Lackte eine neue Ti>elthöchstleistung zu erzielen. Für 100 Aards benötigte sie 1:02,8. ' A.-G. fürOptik und Mechanik vvrm. Ehr. Kremp, Wetzlar. Die Gesellschaft beruft auf Anfang Februar eine H. B., in der der Vorstand von der Beendigung der Gefchäftsauf- sicht Kenntnis geben und eine Ersatzwahl in den Aussichtörat vorgenommen werden wird. Briicke 11 baute 11 der Reichsbahn. Die deutsche Reichseisenbahn-Gesellschaft beabsichtigt, das im Jahre 1925 begonnene Brückenbauprogramm in diesem Jahre mit allem Nachdruck fortzusetzen, und hat zu diesem Zweck einen sehr erheblichen Betrag bereitgestellt, der den im Jahre 1925 aufgewandte n überschreitet. Die Rheinbrücke bei Hochfeld soll bis zum Jahre 1927 fertiggestellt werden. Die Vorarbeiten für den Umbau der Rheinbrücke bei Wesel haben bereits begonnen. Hierzu kommen an bedeutenden Neubauten: zwei Mainbrücken, mehrere Brücken über die Ruhr und eine Brücke über die Mosel. Weitergeführt werden außerdem die Bauarbeiten bei mehreren Brücken über die Elbe und die Warthe. Die Hauptarbeiten an den Oderbrücken in Stettin und Küstrin, die sich gegenwärtig im Anfangsstadium befinden, werden gleichfalls in diesem Jahre unternommn werden. Des weiteren wird ein Teil der bestehenden Brücken auf eine er- höhte Tragfähigkeit umgebaut und verstärkt werden. Die neuen und verstärken Brücken sind auf einen Achsendruck von 25 Tonnen eingestellt, gegenüber der bisherigen Tragfähigkeit von 15 Tonnen. ‘Bötfenlntk. zu legenden Du rchs chn i t t s P r e i s e für da» vom l .Mai 1925 bis 30. April 1926 lausende Zinsjahr betragen für eine Tonne gesiebte För- derkvhle der oberhesstschen staatlichen Draun- kohlengruben 5,20 Rm., für einen Zentner Roggen 11,44 Rm. Das Mittel hieraus ergibt 8,32 Rm., so daß für den am l. Februar 1926 fälligen ZinSschein für eine Einheit ein Zinsbetrag nach Abzug der Kapttalertragsteuer (Ein" löfungöbetrag) von 0.45 Rm., für Ve Einheit ein Betrag von 0,23 Rm. und für '/. Einheit einen Betrag von 0,12 Rm. ausgezahlt wird. Rundfunk-Programm des Frankfurter SenderS. (2lus der „Radio-Umschau-.) Dienstag, 12. Januar: 3,30—4 Uhr- Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 6 Uhr: Nachmittagskonzert des Hausorchesters: Charakterstücke. 6—6.30 Uhr: Die Lesestunde: Aus dem Roman „Pitt und Fox" von F. Huch. 6.30,—7 Uhr: Italienischer Sprachunterricht. 7—7.30 Uhr: Schach- stunde. 7.30—8 Uhr: Funkyochschule Frankfurt am Main (Abt. Völkerkunde): ..Die Grundlage der chinesischen Kultur", Vortrag von Prof. Wilhelm. K—10 Uhr: Konzert des Harmonieorchesters des Frankfurter Orchesteroereins. binattonen in der internationalen Glektro-Industrie in Umlauf. Auch Anilinwerte zogen stärker an, da der Druck, der durch da« große Angebot in diesen Werten kürzlich zu beobachten war, vollständig gewichen ist. Kombinationen über Zufammenziebun- gen der deutschen Petroleum-Gesellschaften mit ausländischen Gruppen führten zu einer regen Nachfrage in Oel-Aktien, die gute Kursavancen zu verzeichnen hatten, wobei der Nachfrage aber durchaus kein Angebot gegenüberstand, sodaß die Notierungen ausfallen mußten. Der Bö r f e n ge l dm a rk t ist weiter austerordentlich leicht, tägliches Geld war zu 6 bis 8 Proz. reichlich angeboten und war sogar unter 6 Proz. nicht unterzubringen. Mo°> natsgeld eher nominell 8l/2 bis 10 Proz. Im Devisen ver kehr lag Paris mit 127,40 gegen London etwas schwächer, während Warschau mit 7,85 gegen Kabel mehr Stabilität zeigte. Die Reichsmark notierte gegen Mittag in London 20 37, Paris 6,20, Amsterdam 59,22'/r, Zürich 123,15. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraph,!che Auszahlung. Amerikanische Violen .. . .. Belgische Noten Dänische Noten ...... (ttialische Noten ....... Framösischc Violen ..... Holländische Noten ..... Italienische Noten ..... Norwegische Noten . . . . DkUtsch-Ocstcrr.L 100 Kronen Rumänische Noten Schwedische Noten ..... Schweiler Nytcn....... Spanische Roten Tschechoslowakische Noten • • Ungarische Noten....... Frankfurter Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 11. Ian. Tendenz erst leicht abgeschwächt, dann sehr fest. - Die au ße r- ordentl ich feste Haltung der Es - fekten-Papiere während der letzten Woche ist auch auf den heutigen Börsenverkehr übergegangen. Zwar eröffnete die Börse etwas unsicher und schwankend, doch wurde nach Festsetzung der ersten Kurse die Timsatztätigkeit wieder lebhaft und entwickelte sich im weiteren Verlaufe zu einer ausgesprochenen Hausse. Das Hauptinteresse wandte sich wieder am Terminmarkte den Montan-, Elektro- und Anilin-Aktien zu, die erhebliche Kursgewinne zu verzeichnen hatten. Recht kräftig zagen Schiffahrtswerte an, wo Hapag mit 100 bis 102 Geld zu hören waren. Der Markt der deutschen Anleihen lag ebenfalls etwas freund- lid)er. Der Freiverkehr hatte bei lebhafterem Geschäft ziemliche Besserungen aufzuweisen. 'Benz 29 Proz., Brown-Boveri 52,5 Proz., Gro- trag 40 Proz., Ufa 49 Proz., UntcrfranEen 55 Prozent. Rastatter Waggon 3 Proz. Im weiteren Verlaufe steigerten sich die Kurse auf allen Märkten so daß verschiedene Papiere rationiert werben mußten. Im Devifenverkehr ist die Lage unverändert. Pari« lag gegen London: etwas schwächer mit 127,20. Am Geldmarkt hält bae starke Angebot weiter an. Tagesgeld hörte man zu 6'Prozent. MonatSgeld 8\ ■ bi« 9' . Prozent, je n j Adresse. Berliner Börse. Sic hüben Ihr Kind lieb, eine Dinrrhbe (Durch fall), auch der geringsten kann schwere Schädigungen der wenig widerstandsfähigen körperlichen Konstitution desKindeshoryorruten. Geben Sie dem Kinde Stopp-Stopp Scho olade ..Moho“, welche gerne infolge des angenehmen Schokoladengesehmacks genommen wird. Uie Wirksamkeit Ist hervorragend, «las Mittel selbst völlig unschädlich. 8t.opp - Stopp - Schokolnde „illlcho“ (ausdrücklich verlangen) kostet 50 II. und ist in Apotheken und Drogerien erhältlich. Frankfurt a.M. Sd)lu>j»! l«Uhc- flnro | flut« ihn das Amtsgericht Dab-Nauheim frei mit der Begründung, daß nach feiner Ains ich i die freie Willensbestimmung bei der Tat ausgeschlossen gewesen sei; denn der Angeklagte leide an angeborenem Schwachsinn mit hysterischen Zügen und an einer perversen Erregung in der Form des Fetischismus, der als eigentliche Ursache für seine Diebstähle in Betracht tomme. Auf diese Berufung der Staatsanwaltschaft wurde das Urteil erster Instanz aufgehoben und auf 2 Jahre Gefängnis erkannt. Der wiederholt vernommene Sachverständige erklärte den Angeklagten für strafrechtlich verantwortlich. Der Glasschleifer Bruno H. aus Nieder- Mörlen hatte am 29. März v. 3. die Gebrüder D. aus Bad-Nauheim schwer mißhandelt, indem er den einen vom Rade riß und ihm derart auf den Kopf schlug, daß dieser bewußtlos liegen blieb; er hatte eine Schädelfraktur; den anderen schlug er mit einem Gummischlauch nieder, den er Ihm abgenvmrnen hatte. Dorausgegangen war ein Wirtshausstreit zwischen Hitler- und Reichsbannerleuten, an dem jedoch die Verletzten in keiner Weise beteiligt waren. Das Amtsgericht hatte auf drei Monate Gefängnis erkannt. 3n der Berufungsinstanz wurde die Straf?' auf e I n Monat Gefängnis herabgesetzt. Im Juli v. 3. hatte der Schneidermeister Ferdinand G. in Gießen zwei Polizeiwachtmeister durch Schimpfworte beleidigt und kurze Zeit später einem hiesigen Geschäftsmann ohne jede Veranlassung von hinten einen Tritt versetzt. Er erhielt wegen beider Handlungen vom Amtsgericht 14 Tage Gefängnis. Die heutige De- rufungsverhandlung mußte infolge eines erheblichen Deweisanirags vertagt werden. --------------- ) Großer Schöffengericht Giehen. Tdtmt: 5% Deutsche RcichSanlcilie • 4% Deutsche RcichSanleihe . 3'/i°/o Deutsche Nctch»anlcth« 3°/., Deutsche Ncichsinleide - Deutsche Svarprämicnanletbe 4°/0 Prcuhische Konsolü . . . 4" 0 Sofien ....... Hcffen 3°/o Helfen........... Deutsche Wcrtb. DoNar-Anl. dto. ToU.Schav-Anneisng.*) <»/<> Zollturken........ 5% Goldmcrikaner ... - Berliner Handelsgesellschaft. Commerz und Privat-Bank J'nrmit und Naiionalbank leutlchc Bank Demschr BereinSbank .... DiSconto Üommandit . . Mclallbank Mitteldeutsche Ercditbcmk. . Oesterreichische Lredttanstalt Äcslbnnk ....... Bochumer (Sah . BuderuS...... Caro Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke . . Harpcner Bergbau ... .Ualtwcrke Aschersleben.... tkaliwcrk Westeregeln .... Laurahütte Clcrbcbarf . ♦ * • i'böiur Bergbau ...... Nveinstabl Aicbcd Montan ..... Tclluü Bergbau ■ ...... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd ... Lhrramtsche Werke Albin . . >icmcnNverk Heidelberg . . Bbilipv Hohmann .... «ngl0',ülgcrSmcrke . Echeideanstalt ........ «Hfl. ElektruitätS-Gesellichaft Bergmann ....... . Mamkrastwerke ....... Schlickert Siemens 4 Halske ..... Adlerwerke kklcyer ..... Daimler Motoren. ..... Hcpligeiistaedt . 'HiCQUlll.......... Motorenwerke Manubeim | frankfurter Armaturen .Konservenfabrik Braun . . N/etallgesell chaft ftranlfnrt . Pct. Union A -G. ■ . . Echnhlabrik Her; . Sichel ,'icllstoss Waldbof .'luitfrfQbdt Frankenthal . . suckerfabrik tiBaabäuftl . . . * Gießen, 6. Ian. Der Former Gustav Bernhard D. von Vilbel hatte sich heute wegen schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrugsversuch zu verantworten. Irn vergangenen Jahre hatte er eine abgelaufene Wochen - fahrkarte dadurch gefälscht, daß er die Wochen-- zahl abänderte und dann von der so gefälschten Fahrkarte zum Zwecke der Täuschurra Gebrauch gemacht, indem er sie an der Sperre verzeigte in der Absicht, damit nach Frankfurt zu fahren und so das Fahrgeld zu sparen. Doch wurde bereit« an der Bahnsteigsperre die Fälschung entdeckt und sein weiteres Vorhaben vereitelt. Nachdem das Reichsgericht auch die von der Reichsbahngesellschaft ausgegebenen Fahrkarten für öffentliche Urkunden erklärt Hai, mußte der Angeklagte wegen schwerer Fälschung einer öffentlichen Urkunde bestraft werden. Unter Zubilligung mildernder Umstände wurde gegen ihn auf die gesetzlich zulässige Mindeststrafe von 3 Monaten Gefängnis erkannt Unter einer vertrauenerweckenden Firma hatte der Robert Sch. von Gießen ein Han^ delsgeschäft betrieben, bei dem ihm in sehr kurzer Zeit die Verhältnisse über den Kopf gewachsen waren. Um sich aus dieser finanziellen Bedrang- Frankfurt a. M., 11. Ian. Es wurden no- I nis herauszuhelfen, hat Sch. in außerordentlich liert; Weizen, Wetterauer 25,50 bis 25,75, Roggen, gewissenloser und leichtfertiger Weife in einet inländischer 17,50, Sommergerste für Brauzwecke Reihe von Fällen Wechfelfälsckmngen und ölan» :?2,50 bis 25, Hafer, mländischer 18,50 bis 21,50, lettfälschungen begangen, indem er auf einem 'Olai* gelb 21 biß 21,25, Weizenmehl, inländisches, I Teil der Wechsel die Namen der Bezogenen und -pezial 0 41 bis 41,50, Rogenmehl 26 dis 26,50, Akzeptanten fälschte und diese dann an feine Weizcnkleie 11,25 bis 11,50, Roggenkleie 11,50, Erb- Gläubiger an Zahlungsstatt zur Tilgung seiner |cn 30 bis 34, Linsen 40 bis 70, Heu, süddeutsches, Schulden weitergab, bzw. ihm ausgehändlgte gut, lrocken 9,50, Weizen- und Roggenstroh 5 bis 6, Blankoakzepte hinsichtlich der ^H'^summe ganz Treber, getrocknet 18 bis 18,50. Tendenz: Stetig. willkürlich ausfüttte. Auf Gruiid de« Ergebnisses » ,, , . der Beweisaufnahme sah das SchÖsfengerrcht Sch. Frankfurter Schlachtviehmarkt. in 4 5änen im öinne der Anklage, d. h. der Frankfurt a. M.. 11. Ian. Austrieb: schwerer Fälschung von Privaturkundrn für über- 1522 Stück Rinder, darunter 355 Ochsen, 33 jiU)rt und erkannte gegen den Angeklagten, dem Bullen, 1134 Färsen und Kühe, 424 Kälber, in Anbetracht seiner Jugend und seiner bisheri- 4051 Schweine. Es wurden bezahlt für 100 Pfd. qcn Unbestraftheit in weitgehendem Maße mil- Lebendgewicht: Rinder: Ock-sen, vollfleischige dernde Umstände zugebilligt wurden, auf eine ausgewachsene höchsten Schlachtwert« 52 bis 59, Gesamtstrafe von 1 Jahr Gefängnis, junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere -- ausgemästete 43 bis 51, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 35 bis 42; Dullen, vollst. -LUCylClVe ausgemästete Färsen höchsten Schl ach twerts 50 bi« Wetzlar 8. Jan, Wegen Betrugs war 54, vollst^ jüngere 43 bis 49. mäßig genährte Z. in Haft befindliche Gärtner Karl H. junge und gut genährte dltea'e 35 bis 42, Fg^en ^igekiagt. Der Angeklagte erschien an einem und Kühe, vollfl. ausgemastete Färsen höchsten $ A jm ^luguft v. Is. bei dem Zeugen W., gab Schlachtwerts 50 bis 58, vollst, ausgemästete Kühe diesem als Landsmann zu erkennen und höchsten Schlachtwerls bi« zu 7 ^h^ 44 bis »b der Zeuge ihm schon lange 6e- 51, wenig gut entwickelte Färsen 39 bis 49, altere - . Vj ließ sich vom Angeklagten über- ausgemästete Kühe und toemg gut entwickelte h^em ein Darlehen von 3^Mk. zu geben, jüngere Kühe 33 bis 43, mäßig genährte Kühe ; innerhalb drei Tagen zurück- und Färsen 23 bl« 32, gernng genährte Kühe und Tollte. Als schließlich 2 Wochen ver- Färsen 15 bi« 22. Kälber: Feinste Mast- ^mren^miie ^^uge falber 76 bi« 82, mittlere Mast' und beste Saug>- entliehenen Geldes war, schrieb er falber 65 bis 75 geringere A^ost-und gute Saug Angcttagten unter der ihm von diesem zukälber 58 bis 64, geringe Saugkälber 50 bi« 58 rückgelassenen Adresse eine Postkarte, Inhalts Schase: Mastlammer und Masthänimel 45 bis um Rückerstattung der 3 Mk. ersuchte. 50, geringere Masthammel undSchafe 37 b^ 44 w Postkarte aber als unbestellbar zuruck- M ? I i kam, erstattete der Zeuge Anzeige gegen H. % bi« 34. S ch w ^n c. Vollfl. von 8 wegen Betrugs, woraus das Hauptverfahren ge- 100 Kg. 82 bis 86, unter 80 Kg. 100 bi« 120 und von 120 bis 150 Äfl. 82 bi« 86, 3 dei^das^Geld mittlerweile zurückerstat- uitreine Sauen und ges"en. Ebei 75 bis 80. 9«i gte^ Bcflrttt jeglid)e Betrugsabsicht. Er Marktverlauf: Langsanier 5anbJ. (Sei ccblvci • Rückzahlung habe sich deshalb Der- nen und Großvieh geringer Ueberstand. | ®ßgert ev bei jetner Rückreise von Wetzlar unterwegs verhaftet worden fei und zur Zeit eine Haftstrafe verbüße. Die dem Zeugen angegebene Wohnung fei mittlerweile von feinem Sohne aufgegeben worden und dah^ otc «ane als unbestellbar zurückgekornmen. Das Ger cht vermochte dem Angeklagten den ^^"9 nachzuweifen und sprach ihn kostenlos freu 9.1 11 1. 1.20) ; 0.2175 9 Ian. 11. Ian. Amtliche Noti rttiig Amtliche CArlb Notierung 1 Brief (Selb Brief AMst.'Noii Buen-Aireo Brff-.Autw. Christinnln Kovenhagcn 6tocfl)olni HelsingsorS Italien. . London. . Ncuyork . Pari«. . . Schwei» . . Spanten - Japan . . . Nio de Jan Wien In D-- Ceft. adgcst Prag .... Belgrad . . Budap.'st. ■ Bulgarien Viffabon Dangg. . Konst itttltt. Sltbrn Canada. . Uruguap 168,6» 169,118 1.738 1,742 19,02 ! 19,06 85,43 , 85,62 104,42 104,68 112,16 112,54 10,536 10,596 10,9.35 16,975 20,351 20,401 4,195 4,205 16,01 16,05 81,0? 81,22 59,43 59,57 1,830 1.814 1.614 1.016 59,07 1 69,21 12.415 12.455 7.42 7,44 5,871 6,891 2,9 ih 7,975 21.305 : 21,065 80,65 80.86 4,23 , 2,21 5.59 1 5.61 4.19 4.20 4,305 1 4,315 Dankn 0 tc 168.61 1.788 19 03 85.39 1'11,37 112,28 10.652 16,945 91.37'5 4.193 15,114 Kl 05 59.58 1,831 1 blö 59,02 12.415 7.42 5.87 2,965 21 305 80.70 5,715 4.19 4.305 n. 169,05 1,742 19,07 85,61 1'14,63 112,56 10,595 16,985 20,403 4,205 '5,98 81.25 59,72 1,835 1.617 59,18 12,455 7,44 5,89 2,973 21,855 80,91) 4,23 5.735 4,20 4.315 Berlin, 9 Ian lyeld Brief i.lO.l 4,213 18.06 19 U'i 101,22 101,74 20,317 20,417 16,01 16 09 168,35 164,19 16 91 17,02 85.26 85 68 68.93 69,23 —• 112.04 112,60 80.99 81,31 59.27 59.57 12.39 12.45 5,835 5.875