n = reer Anträge zur Erwerbslosenfürsorge. Von den Kommunisten ist inzwischen ein Antrag eingegangen, der ohne besondere Motivierung der gesamten Reichsregierung das Mihtrauen ausfprbcht. Die Völkischen haben gleichfalls einen Mißtrauensantrag gegen die Reichsregierung eingebracht, der mit der Haltung der Regierun.g zu den Reichstagsbeschlüssen zu der Frage der Erwerbslosenfürsorge begründet wird. Re chsarße.tsministcr Dr. Brauns: Rach den Bestimmungen der Verordnung über die Erwerbslosenfürsorge ist die Reichsregierung berechtigt und berufen, die nötigen Anordnungen über die 2Int>affung der Unterstützungssätze an die wirtschaftlichen Erfordernifse zu erlassen. Sie pflegt bei solchen Maßnahmen den Reichsrat zu hören. Sie hat bisher auch mit dem Reichstag oder wenigstens mit seinem Sozialpolitischen Ausschuß vor wichtigen Aenderungen Fühlung genommen. Rach den gestrigen Parteierllärungen steht fest, daß es sich bei den gestrigen Beschlüssen zum Teil um faktische Abstimmungen gehandelt hat unb dah tatsächlich eine Mehrheit des Reichstages für die gestern beschlofsene Erhöhung um 30 Prozent nicht vorhanden ist. Auf Grund dreier Zusammenhänge hat die Reichsregiernng sich gestern entschlossen, im Wege der Verordnung die Unterftühungssätze im Sinne des Antrags der Regierungsparteien um 15 und 10 Prozent zu erhöhen. Heute vormittag haben die Reichsratsausschüsse dem zugestimmt, und daraufhin ist heute mittag die Anordnung von mir vollzogen worden. (Hört! Hört! ber den Kommunisten.) Rur so ist zu erreichen, daß die Arbeitslosen noch in dieser Woche in den Genuß der erhöhten Unterstützung kommen. (Beifall be: den Regierungsparteien.) Gleichzeittg soll der volle Zuschlag auch für das vierte Kind gezahlt werden. Die neuen Lasten werden vom Reich getragen werden. Darüber hinaus ergreift die Reichsregierung die Initiative, um im Sinne der Anträge der Regierungsparteien folgende Aufgaben teils gesetzlich, teils durch Verordnungen und Aus- sührungsbeftimmungen zu lösen: Sie will ohne Verzug einen Gesetzentwurf vorlegen, demzufolge die Bezüge aus der Wochen Hilfe und Fürsorge nicht auf die Er- werbslosenunterstützung angerechnet werden. Sie wird weiterhin eine Vorlage einbringen, wonach den Erwerbslosen die Anwartschaft auf die Sozialversicherung aus den Mitteln der Erwerbslosenfürsorge gesichert wird. Endlich soll durch Gesetz auf dem Wege der Krisenfürsorge den Ausgesteuerten der Fortbezug der Unter» stützungen für den Winter gewährleistet werden. Diese Vorlage soll schon am Donnerstag im Reichs» rat verabschiedet werden. Durch Verordnung oder Ausführungsbestimmungen soll eine gleichmäßige und entgegenkommende Durchführung der Bedürftigkeitsprüfung sichergestellt und verhindert werden, daß Arbeitsstellen mit fortlaufender voller Arbeitstätigkeit auf dem Wege der Pflichtarbeit besetzt werden. Endlich wird die Reichs- regierung entsprechend den Anträgen der Regierungsparteien die berufliche Fortbildung der erwerbslosen Jugendlichen fördern. Die Regierung hält an ihrer bejahenden Stellung zur Sozialpolitik fest und wird daraus alle Konsequenzen ziehen. (Beifall bei den Regierungsparteien.) Abg. Dr. Scholz (D. Vp.) begrüßt das Vorgehen der Regierung und beantragt, die Weiterberatung der Anträge zu vertanen, da sie jetzt doch unpraktisch und unzweckmäßig wäre. Abg. Müller-Franken (Soz.) widerspricht der Vertagung. Die Sozialdemokraten würden Die Elektropolitik des preußischen Staates. Berlin, 9. Rov. (VDZ.) DerPreußische Landtag seht die allgemeine Aussprache zur Elektropolitik des Staates im Rahmen der Beratung des Gesetzentwurfes über die Bereitstellung von Geldmitteln für die Ausgestaltung deS staatlichen Besitzes an Elektrizitätsunternehmungen fort. HandelSmiaister Dr. Schreiber begrüßte, daß die Frage der Clektrizitätswirt- fchaft in der letzten Zeit ganz besonders daS Interesse der Oesientlichkeit gefunden habe. Heute gibt es kein Winschastsseld mehr, das an einer ausreichenden, zuverlässigen und billigen Versorgung mit elektrischem Strom- nicht in hohem Maße" interessiert wäre, und dabei stehen wir in Deutschland auf diesem Gebiete noch inmitten einer sich rasch vollziehenden Entwicklung. Wahrend in den öffentlichen Glellrizitätsuntemehmun- gen Deutschlands im Iahre 1913 erst 2,069 Millionen Kilowatt installiert waren, betrug die Leistungsfähigkeit dieser Unternehmen im Iahre 1925 fefcon das Dreifache. In demselben Zeit» raum von wenig mehr als zehn Iahren hat sich die Stromversorgung mindestens verdoppelt, nämlich von 5,1 Milliarden Kilowattstunden im Iahre 1913 auf schätzungsweise 10 Milliarden Kilowattstunden Im Iahre 1925. Dabei steht diese Entwicklung bei uns in Deutschland, obwohl wir aus dem Gebiete der Elettrotechnik führend in der Well sind, noch weit zurück hinter dem, was in anderen Ländern erreicht worden ist. Der Staat muß darauf bestehen, daß ihm für seine Unternehmungen der gleiche genügende Ent- wicklungsfpielraum bleibt, den der Staat vollkommen bereit ist, den konkurrierenden Unternehmungen auch seinerseits einzuräumen. Er will die billige Versorgung der von ihm betreuten Wirtschaftsgebiete möglichst schnell und nachhalttg herbeiführen. So selbstverständlich es ist, daß die staatlichen Betriebe technisch und organisatorisch so wirt- schaftlich und ooUfonimcn wie nur irgend möglich sein müssen, erscheint noch größer unb wichtiger die Aufgabe des Staates, bas gan« preußische Wiriscyaftsgebiet in möglichst vollkommener Weise mit elektrischer Energie zu versorgen. Hierzu können die einzelnen Grohunternehmungen in hohem Maße beitragen, während der Staat die Stelle sein muß, die über die regionalen Grenzen der Einzelunternehmungen hinaus sich die Förderung der gesamten elektrowirtschastlichen Interessen des Landes zum Ziele gesetzt hat. Ich meine das nicht im Sinne einer Beherrschung oder Bevormundung gut geleiteter und hochentwickelter Unternehmungen, sondern im Sinne einer Zu- sammenführung und Zusammenfassung der Beteiligten zur Lösung der gemeinsamen großen Aufgabe. Die Zusammenführung der verschiedenen Großunternehmungen wird auch den notwendigen Prozeß der Ausscheidung veralteter und wenig wirtschaftlicher Unternehmungen erleichtern. Die wichtige Abgrenzung brt Interessen der einzelnen Elektrounternehmungen wird vom Staate gefördert werden müssen, sie muß aber verbunden fein mit der Einräumung eines angemeffe- nen Einflusses für den Staat innerhalb der in Betracht kommenden Gesellschaften. Dabei braucht dieser Einfluß keinesfalls überall in einer geschäftlichen Beteiligung zu bestehen. Der Staat muß die Möglichkeit erhalten, die allgemeinen öffentlichen Interessen, die er als Vertreter der Stromverbraucher zu betreuen hat, jederzeit zur Geltung zu bringen. jSehr richtig! links.) Besonders wichtig wird es fein, auf eine Rationalisierung der Berte U u n g des elektrischen Stromes bis zum letzten Verbraucher hinzuarbeiten. Die staatliche Verwaltung wird nichts unversucht lassen, neben der Erzeugung der elektrischen Energie auch ihre Versorgung so billig wie irgend möglich zu gestalten. Sre hofft dabei auf die verständnisvolle Mitarbeit der Kommunen und der Kommunalver- bände auf dem Gebiete der Installation. Auf dem Gebiete der Installation und des Absatzes elektrotechnischer Bedarfsartikel soll den vorhandenen mittelständischen Unternehmungen, die lebensfähig und lebensberechtigt find, nicht mit öffentlichen Mitteln Konkurrenz gemacht werden. Abg. Waentig (S.) erklärt, es gelte au dem Gebiete der Elektrowirtschaft, den Konkurrenzkampf durch einen Zustand des Einvernehmens zu ersehen. Dor Staat müsse dafür sorgen, daß nicht aus dem Umwege über Zwischenglieder die Verbilligungen wieder verloren gehen. Die vom Staat hergestellte Kraft müsse möglichst direkt dem Verbraucher zugehen. Letztes Ziel müsse für den Staat fein, Licht und Kraft dem Konsum so billig wie möglich zu verschaffen. Abg. Dr. Pinkerneil (D.Vp.) erflärt, daß es des Staates Aufgabe fei, vor allem dort Werke zu bauen, wo andere nicht bauen können, weil es sich nicht rentiere, wie z. B. in Ostpreußen oder Schlesien. Für die Führung unserer Elektropolitik brauchen wir eine Umorganisation in eine Art Dachgesellschaft mit einheitlicher Leitung. Die Hoheitsrechte des Staats dürfen nicht zu irgendeinem Einfluß auf die Betriebsverwaltung mißbraucht werden. Abg. Falk (Dem.) begrüßte die fast einheitliche Uebereinfttmmung des Landtags bei Behandlung der Elektrovorlage. Man müsse bet der Elektrowirt'chaft denselben Weg gehen wie früher bei den Eisenbahnen. Vorläufig könne man aber der Pionierarbeit Der großen Prrvatunterneh- mungen nicht entbehren. Damit müsse man ihnen aber auch ihre Profite lassen. EinPrv- vatmonvpol müsse man ablehnen. Was die Preis-» Es ist immerhin ein Fortschritt, wenn statt der 2 Millionen im Februar heute nur noch 1,3 Millionen unterstützte Erwerbslose vorhanden sind. Zur Deckung können wir eine Anleihe von 372 Millionen aufnehmen, so daß wir zur Ausnahme von insgesamt 965 Millionen A.ileihe ermächtigt sind. W.r haben aber von der Ermächtigung für Lombardierung von Schatzwechseln noch keinen Gebrauch gemacht. Wir werden auch jetzt noch nicht den Anleihemarkt in Anspruch nehmen, sondern werden den Zeitpunkt dazu sorgsam auswählen. Trotz der Steuerermäßiguirg haben wir eine Finanzgebarung, die zwar hart die Grenze des Defizits streift, die aber doch sich in durchaus soliden Bahnen bewegt. Ernster sieht die Lage aus, wenn w.r die Finanzen der Länder und Gemeinden betrachten. Wir wollen ih.ren im Wege des Finanzausgleichs Hel,en und erwarten bann, daß sie besonders die vielfach überspannten Real steuern senken werden. Jedenfalls kann festgestellt werden, daß die Erwartungen, die das Reichs Finanzministerium im Frühahr aus- sprach, sich erfüllt haben. Ich darf wohl bei der Loyalität der Deutschnationalen annehmen, daß sie anerkennen, daß ihre damaligen pessimistischen Prophezeiungen in keiner Weise eingetroffen sind. Wollen wir die Grwerbslosennot beseitigen, dann brauchen wir eine gesunde Finanz- und Wirtschaftspolitik, gute Handelsverträge und ein gutes Einvernehmen mit dem Ausland. (Beifall bei den Regierungsparteien.) Ein von den Sozialdemokraten eingebrachter Gesetzentwurf will den Mitgliedern der vormals regierenden Zurstenfamillen den Aufenthalt im Reichsgebiet verbieten, wenn andernfalls das Wohl der Republik gefährdet wird. Dem ehemaligen Kaiser Wilhelm II. soll das Betreten des Reichsgebietes untersagt werden: falls er feindliche Unternehmungen gegen bas Reick oder Preußen richtet, soll Preußen das Recht yaben, das ihm im vergleich zuerkannte vermögen einzuziehen. Abg. Sänger (Soz.) betont zur Begründung des Antrags, daß schon das heute geltende Recht über Erwerb und Verlust ter Staatsangehörigkeit den Grundsatz ausstelle, daß Treulosigkeit und mangelnde Pflichterfüllung dem Vaterlande gegenüber zum Verlust der Staatsangehörigkeit führen müsse. Rach die fern Grundsatz müßten Wilhelm II., besonders aber Rupprecht von Wittelsbach, aus dem Reichsgebiete entfernt werden. Wilhelm II., der angeblich alles wußte und konnte, hat eines nicht gekonnt, er konnte nicht fechten unb nicht sterben für die Ehre feines Volkes und seines Hauses. Rühmloser und unköniglicher fei noch nie eine Dynastie gesunken, wie die der Hohenzollern. (Pfuirufe bei den Deutschnationalen.) Heute vor acht Iahren haben die deutschen Arbeiter den Staat gerettet. (Lachen Bei den Deutschnationalen.) Sie (zu den Deutschnationalen gewandt) haben damals feige hinter dem Ofen gesessen. Das deutsche Volk muß endlich Gerichtstag halten und aussprechen: „Seine Majestät erhalten den Befehl, draußen zu bleiben, und diesen Befehl erteilt die deutsche Republik!" (Beifall bei den Sozialdemokraten. — Gelächter bei den Deutsch- nationalen und Völkischen.) Abg. Linde iner»Wildau (Dn.): Die von den Sozialdemokraten unb Kommunisten aufgeworfene ßohenzollernfrage ist wirklich nicht m e h.r • aktuell. Sie ist erledigt durch jenen Vergleich, der die Unterschrift der Sozialdemokraten Braun und Seoering trägt. Was Abg. Sänger heute vorbrachte, entsprang wohl nur dem Lerteidigungs» bedürfnis gegenüber den Kommunisten. Uns erscheint der sozialdemokratische Antrag nicht geeignet, um damit den Ausschuß zu belasten. Wir werden deshalb gegen die Ausschußüberweisung stimmen. Wir verlangen, daß die ehemals regierenden Fürsten dieselben Rechte genießen, wie alle übrigen Staatsbürger. Was meine Freunde in der letzten geftaltung angeht, so müssen die Kommunen gezwungen werden, den Strom billig abzugeben. Ihren Ausfall an Einnahmen muß der Reichstag beim Finanzausgleich wettmachen. Abg. Müller (Wirtsch. Vereinig.) stimmt an sich dem Programm der Regierung und den Bestrebungen, den Strompreis zu verbilligen, zu. Das StaatsmoTvopvl fei das kleinere UebeÜ gegenüber den Privatmonovolen. da dem ersteren! gegenüber die parlamentarische Kontrolle gegeben fei. Es sei ein bed Artliches Zeichen der Elektrizi- täts-PrivatwirtschH, daß sie sich, sobald sie erftarfe, auch die Installation anschließe. Abg. W e i ß e r m e l (Du.) fordert, daß die ^Rentabilität derartig sei, daß die aufgewandten Kapitalien verzinst und amorttsiert werden können. Seine Freunde würden dem Gesetz zu- stimmen. Das Gesetz wirb in zweiter Lesung angenommen unb auch in britter verabschiedet. Annahme finden auch die Entschließungsanträge des Haupt» ausschusfes auf Verbilligung des Strombezugs, über eine Abgrenzung der einschlägigen Elektrizitätsversorgungsgebiete, angemessene Beteiligung kommunaler Selbstverwaltungskörpcr unb Einwirkung, baß nicht auf den Betrieb unb die Installation elektrischer Verbrauchsanlagen Einfluß genommen wird. 8-v "8 6H 52. 52 5"* 2 iti I D f*C ■jB dn n _o' ® C 0 ~ d c, o er* 15 -Gl a :g»|b 'o o iO 'ö 2 <0 ft S G) 3 -u . c 3? o'y 31 T Ö =1= 5C2. 2.o-' 3 2 <3 = off, S3° 3.* m v w Z O p 3 5 p er - o ti - Ä 2. rJi S- 5 'ft c 5 61(22. eSS 5 §32- 5Sgs cr=:§ »2 er5 W Se-Ss K‘3 Seit am stärksten beunruhigt hat, find die Vorgänge, die zur Entlassung des Generalobersten von Seecki geführt haben. Die Entlassung dieses, um das Wohl des Staates in Krieg und Frieden hochverdienten ManneS sehen wir als einen überaus schmerzlichen Verlust des deutschen I Volkes an. Wir bedauern es tief, daß der Reichs- toehrminister durch seine Starrheit diese Entlassung herbeigeführt hat. Unser Vertrauen zum Wehr- ministec ist dadurch weitgehend erschüttert worden. Wir erwarten von dem neuen Chef der Heeresleitung, dem hochverdienten General Heye, daß j er im gleichen Sinne wie sein Vorgänger von f Seeckt arbeiten, und daß er sich dabei nicht stören lassen wird durch parteipolitische Quertreibereien. (Rufe bei den Kommunisten: „Durch die Schwade Reichswehr") Sn der deutschen Öffentlichkeit wird jetzt ein wohlorganisierter Feldzug gegen unsere Reichswehr geführt. Der Abg. L ö b e hat die Republi- kanisierung der Reichswehr gefordert. Ob man die Reichswehr republikanisch oder monarchistisch , beeinflußt, in jedem Falle bedeutet eine solche Politisierung eine schwere Schädigung der Reichswehr. Wir haben gegenüber dem törichten Gerede von unserer verantwortungslosen Opposition erklärt, daß wir jederzeit bereit sind, die Verantwortung für das zu tragen, was wir Vorschlägen. Die übrigen Parteien haben aus unserer Dereitwillrgkeitserklärung keine Konsequenzen gezogen. Die Mittelparteien mögen nun sehen, wie sie ein Mindestmaß von Liebereinstimmung finden zwischen der Theorie und Praxis dieses Parlamentarismus. Wir fordern die unbedingte Sicherung eines berufsfreudigen De r uf sb e a mt e ntums. Die Art, wie der Reichssinanzmrnister den Um» bau seiner Verwaltung vorgenommen hat, scheint uns mit der Verfassung nicht vereinbar zu sein. Wir bedauern auch außerordentlich die Art, wie der preußische Ministerpräsident vor kurzem das Derufsbeamtentum verunglimpft hat. Ebenso bedauerlich sind die Angriffe gegen die Unparteilichkeit der Rechtspflege, wie sie sich aus Anlaß des Landsberger Fememordprozesses gezeigt haben. Man sollte doch etwas Verständnis zeigen für die Tragik der Angeklagten dort, dieser jungen Menschen, denen das Kriegsende all« Hoffnungen zerschlug und die aus dem Kriege in ein Vaterland kamen, das mit ihnen nichts anzufangen wußte. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Diese Offiziere, diese Leute haben damals den Staat gerettet. Das sollte man am Geburtstag der Republik nicht vergessen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen rechts.) Wir wünschen dringend, daß die Jugend wieder auf den richtigen Weg geführt wird. Der Abgeordnete Raedel bezeichnete vorhin den 9. Rovember als Geburtstag der Demagogie. Man möchte fast sagen: Kinder und Rarren sagen die Wahrheit! (Lärm bei den Kommunisten und Rufe: Lump, unverschämter ßügner!) Was am 9. Rovember erreicht wurde, das ist nicht die wahre Freiheit. Wir denken zurück an den Geist der Freiheit, der unser Volk im August 1914 beseelte. 3n diesem Geiste können wir uns vereinigen auf dem Wege zu dem Ziele, «in wahrhaft freies Volk in freiem Vaterlande zu sein. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Reubauer (Komm.) wendet sich gegen den Abg. Sänger, dessen Gouvernanten- rede nicht darüber hinweggetäuscht habe, daß die Sozialdemokratie in der Behandlung der ehemaligen Fürsten, vor allem bei dem Hohen- z-ollernvergleiche, das Volk falsch beraten habe. Die Schwarze Reichswehr habe in Thüringen und Sachsen unerhörte Bestialitäten verübt. Der Hauptschuldige daran sei der Reichswehrminister Dr. Getzler. Um eine Antwort auf die schweren Vorwürfe werde Gehler nicht dauernd herum- komrnen. Es dürften nicht nur die kleinen Verbrecher bestraft werden. Der Redner begründet dann die kommunistischen Anträge auf Ausweisung und Enteignung der ehemals regierenden Fürsten. Weiterberatung Mittwoch Dee neuen Sätze .in der Errverbslosenfürsorge. Berlin, 9. Rov. (WB.) Amtlich. Die Sähe der Lrwerbslosensürforge sind durch Anordnung des Reichsarbeitsministers vom 9. Rovember 1926 nach Benehmen mit dem Verwaltungsrat des Reichsamis für Arbeitsvermittlung mit Wirkung vom 8. Rovember 1 92 6 heraufgeseht worden. Die Erhöhung beträgt für Erwerbslose, die keine 3a- milienzuschläge beziehen, und nicht dem haushalt eines anderen angehören, 15 v. £)„ für alle übrigen haupiunterstühungsempfänger 10 v. h. Ferner ist die obere Grenze für die Erwerbslofenunterslühung in der Weise erweitert worden, dast auch für das vierte Kind (den fünften Familienangehörigen) der Familienzufchlag voll gezahlt wird. Die Anordnung gilt bis zum 31. März 1927. Der neue englische Botschafter. Sir Ronald Lrudsay beim Reichspräsidenten. Derlin, 9. Rov. (Wolff.) Der Reichspräsident hat heute den neuernannten Königlich Großbritannischen Dotschafter Sir Ronald Linds ah zur Entgegennahme seines Deglaubi- gungsschreibens empfangen. Rach dem Empfange nahmen außer den Herren der -Umgebung des Reichspräsidenten der Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann und der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Schulart teil. Auf eine Ansprache des Dotschafters erwiderte der Reichspräsident u.a.: „Herr Dotschafter! 3ch habe die Ehre, ans den Händen Euerer Exzellenz das Schreiben entgegenzunehmen, durch das König Georg V. Sie als Königlich Großbritannischen außerordentlichen bevollmächtigten Dotschafter bei mir beglaubigt. Ich bitte Sie, der Dolmetsch meines aufrichtigen Dankes für die freundlichen Wünsche zu sein, die Seine Majestät für das Gedeihen Deutschlands in seinem Handschreiben auszusprechen die Güte hatte, und Shrem hohen Souverän zu versichern, daß ich diese Wünsche aufrichtig erwidere. Eine große Aufgabe, die der Lösung immer noch harrt, ist der Wiederaufbau und die dauernde Sicherung des Friedens Europas. Ich hoffe mit Ihnen, daß die Verträge von Locarno und Deutschlands Eintritt in den Völkerbund, dessen Sie soeben gedachten. Etappen auf dem Wege zu diesem Ziele sein mögen, und daß Ihre Erwartung auf einen neuen Abschnitt in der Geschichte der Völker sich erfüllen werde. Die Zusicherung Ihrer persönlichen Mitarbeit an diesem Werk nehme ich dankbar entgegen. Zugleich gebe ich der Hoffnung Ausdruck, daß alle Mächte auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet verständnisvoll zusammenarbeiten, geleitet von dem Geiste des Entgegenkommens und der Rücksichtnahme auf die Erfordernisse des nationalen und wirtschaftlichen Lebens der einzelnen Völker. Die Not des besetzten Gebiets. (Berlin, 9- Rov. (VDZ.) Der Ausschuß für die besetzten Gebiete erörterte am Dienstag die Hilfsmaßnahmen für di« westlichen Grenzgebiete, besonders für die Arbeiterschaft und den Mittelstand. Minister Dr. Dell erklärter In seinen Besprechungen im besetzten Gebiet sei insbesondere die gemeinsame Rot hervorgehoben worden, die sich ergebe aus dem Vorhandensein der Desahungstruppen, der damit verbundenen Wohnungsnot, dem Or- donnanzenshstem, dem Gendarmeriewesen, dem Pahwesen und den wirtschaftlichen Verhältnissen. Die Wirtschaft des unbesetzten Gebiets sollte mehr wie bisher bei Auftragserteilung die Wirtschaft des besetzten Gebiets berücksichtigen. Der Minister stellte fest, daß bei allen Besprechungen sich der Grundton der vollkommenen Beseitigung der Besatzung gezeigt habe. Mit derselben Einmütigkeit fei aber auch verlangt worden, daß die Befreiung ohne jede wirtschaftlichen und finanziellen Opfer des deutschen Volkes erfolge. Staatssekretär Schmid besprach die jüngsten Zwischenfälle und stellte fest, daß von der Gegenseite das Befriedungsabkommen loyal durchgeführt worden sei. Es befänden sich noch 113 Gefangene, die wegen gemeiner Delikte verurteilt worden seien, in den Gefängnissen der Alliierten. Das Reichsministerium sei bemüht, hier mindestens'Strafmilderung zu erreichen. Dr. BoeUtz in Spanien. Berlin, 9. Rov. (Priv.-Tel.) Der ehemalige preußische Kultusminister Dr. Boelitz, der der Deutschen Volkspartei angehört, unterzieht in besonderem Auftrag d i e deutschen Schulen Spaniens und Portugals einer eingehenden Besichtigung und ist allenthalben, wohin er gekommen ist, Gegenstand höchster Beachtung von feiten der wissenschaftlichen Kreise Spaniens geworden. Von besonderer Wärme war fein Empfang in Bilbao, wo die Tageszeitungen Bilder des ehemaligen preußischen Kultusministers gebracht haben und in einer Reihe von Aussätzen das Werk feiner Reform des Dildungswesens eingehend gewürdigt haben. In Barcelona und Madrid, wo sich heute deutsche Kolonien von je 5000 bis 6000 Deutschen befinden, hat man den feit - langem dort bekannten Pädagogen besonders herzlich begrüßt. Dr. Doelitz befindet sich zur Zeit in Sevilla, von wo er sich nach Malaga und später nach Portugal begeben wird. Die Zahl der deutschen Schulen in Spanien und Portugal beläuft sich heute auf 11, unter denen die Deutschen Oberrealschulen in Barcelona und Madrid jede etwa 400 Schüler und Schülerinnen aufweisen. Der Besuch Dr. Boelitz' in Spanien dient in hervorragendem Maße der Kräftigung der Beziehungen des Auslanddeutschtums auf den Iberischen Halbinseln zu dem Deutschtum in der Heimat. Die deutschen Schulen in der Tschechoslowakei. Prag, 9. Rov. (WB.) Im Dudgetausschuh des Abgeordnetenhauses versprach LInterrichts- minifter Hodca, daß es zu keiner Einschränkung im S ch ulw e s e n komme. Der Minister forderte einen gesunden Rationalismus, der keineswegs Haß gegen andere Rationen bedeute. In der Schulfrage dürfen nicht politische Tendenzen zur Geltung gebracht werden. Ein Zwang, von welcher Seite er auch komme, fei in rechtlicher Hinsicht strafbar und in moralischer verwerflich. Der Minister trat für internationale Beziehungen auf kulturellem Gebiet ein. Es ist kein Verrat und fein Vergehen gegen den nationalen Stolz, sagte er, wenn wir intellektuelle Deziehungen mit der großen Kulturnation der Deutschen auf der Grundlage der Gleichberechtigung pflegen. Das deutsche Mittelschulwesen in der Tschechoslowakei sei keineswegs benachteiligt, sondern weise ein Plus von zwei Prozent zu Gunsten der Deutschen auf. In der Frage der Reform der Selbstverwaltung auf dem Gebiete des Schulwesens würden alle Forderungen erfüllt, die es den Deutschen ermöglichten zu sagen, daß sie eine Schulautonomie' besitzen. Das italienische staatsschntzgesetz Annahme in der Kammer. Rom, 9. Rov. (WTD.) Die Kammer hat ihre Arbeiten wieder aufgenommen. Am Regie- rungstisch sahen alle Minister und Unter ft aate- fefretäre. Mussolinis Platz war mit Lorbeer und Rosen geschmückt. Die Abgeordneten, die fast alle in schwarzen Hemden erschienen waren, bereiteten Mussolini eine stürmische Ovation. Das Parlament ging dann zur Abstimmung über das von dem Minister Rocco ausgearbeitete Gesetz zum Schutze des Staates über. Weiter wurde über den Dringlichkeitsantrag des Generalsekretärs der faszistischen Partei, Turati, der den Verfall der Mandate für die A b- ge ordneten der Aventin-Opposition und der Kommunisten beantragt hatte, abgestimmt. Die Kammer nahm den Gesetzentwurf mit 341 gegen 12 Stimmen an. Es folgte eine geheime Abstimmung, die 318 Stimmen für und 6 gegen den Entwurf ergab. Auch der Antrag Turatis, der die Abgeordneten der Opposition und die Kommunisten rhres Mandats verlustig erklärt, wurde angenommen. Gegen das Staatssicherheitsgeseh stimmte der liberale Abgeordnete S o l e r i, der Vertrauensmann Gi olittis, der selbst der Sitzung nicht beiwohnte, und die meisten Abgeordneten der liberalen Opposition. Salandra hatte vor der Abstimmung unter Gelächter den Saal verlassen Mussolini rief bei seinem Ramensausruf: Alles für den Faszismus. Die Kammer jubelte ihm stürmisch au. Der Abgeordnete Lazzi wurde durch Tätlichkeiten gehindert, an der Kammer- sitzung teilzunehmen. Der frühere Llnterstaats- sekretär Calo, der auf der Tribüne der Sitzung beiwohnen wollte, wurde gezwungen, den Saal zu verlassen. Der Abgeordnete Scotti der gegen den Ausschluß der Aoentin-Opposition gestimmt hatte, wurde in den Wandelgängen r>on einem faszistischen Abgeordneten g 2 ohr- f e i g t. Zwei Abgeordnete, darunter ein Anhänger Rittis, wollten die Sitzung vor der Abstimmung verlassen. Faszistische Abgeordnete hinderten sie daran und beide stimmten dann m i t j a. Die zwölf Abgeordneten, die mit Rein stimmten, waren teils Anhänger Giolittis, teils Kriegsteilnehmer. Der Abgeordnete Gasparoto, der auch zu ihnen gehörte, demissionierte nach Schluß der Sitzung als Vizepräsident. Die franzöfifch-ttalienifche Spannung. Ausweisung Garibaldis? Paris, 10. Rov. (TLI.) Der französisch- italienisch Rotenwechsel über die unerquicklichen Vorfälle der letzten Zeit hat die erhoffte Entspannung noch nicht gebracht. Mussolini hat der französischen Regierung mitteilen lassen, daß er zwei Offiziere und zwei Fasziften, die für die Ereignisse in Tripo lis verantwortlich find, vor Gericht gestellt habe. Von französischer Seit« war weiter gefordert worden, daß für die Beschädigung des französischen Konsulats in Tripolis Entschädigung geleistet und der französischen Fahne auf dem Konsulat militärische Ehren erwiesen werden müßten. Man wird es den Italienern nachfühlen können, wenn es ihnen schwer fällt, diese Forderung zu erfüllen. Baron Avezzana, der italienische Botschafter in Paris, ist daher bei seiner Regierung um neue Instruktionen vorstellig geworden. Der Zwischenfall in D e n g h a s i gilt dagegen als erledigt, da die italienischen Erklärungen befriedigten. Ebenso der Zwischenfall in Ventimiglia, nachdem durch neue Grenz- abmachungen die eine Seite des Bahnhofes für exterritorial erklärt worden ist, um hierdurch fein Betreten durch italienische Polizisten zu verhindern. Weiter hat sich die französische Regierung entschlossen, Garibaldi auszuweise n. Sie glaubt hierdurch der Rotwendigkeit enthoben zu sein, in gerichtlichen Verhandlungen politische Zwischenfälle aufrollen zu müssen, deren öffentliche Behandlung böses Blut machen würde. Briand hat am Dienstag den Ministerrat in diesem Sinne über die gesamten italienisch-französischen Zwischenfälle unterrichtet. Die katalanische Verschwörung. Paris, 9. Rov. (Wolff.) Der Sonderberichterstatter des „Petit Parisien" meldet aus Perpignan, daß in der gestrigen Vernehmung der frühere saszistische General B e l g r a n i, der mit dem Obersten Macia zusammen fest- genommen wurde, im Beisein von Maria auseinandergeseht habe, wie die verhafteten Italiener für das katalanische Llnternehmen an« geworben wurden. Alle hätten sie Wort gehalten bis aus den aus der Assaire Garibaldi bekannten S c i v 01 i. Dieser sei über den vollständigen Plan des Llniernehmens auf dem laufenden gewesen. Durch ihn habe Garibaldi davon Kenntnis haben müssen. Maria habe diese Erklärung Bel- granis bestätigt. Macia selbst fei folgende Erklärung Garibaldis vorgelesen worden: Ich habe Kenntnis von der spanischen Verschwörung gehabt. Die Geldmittel hierzu sollten durch den Diebstahl des Kirchenschatzes von Rot re Dame beschafft werden, dessen sich die spanischen Anarchisten und Separatisten bemächtigen sollten." Maria habe aufs neue protestiert und erklärt: „Wann werde ich nach Paris kommen, damit die Wahrheit ans Licht kommt?" Garibaldi sei nicht der Urheber des katalanischen Unternehmens, sondern er, Maria, selbst. Es sei seit mehr als zwei Jahren beschlossen gewesen. Garibaldi habe er erst jüngst kennen gelernt. Das syrische Mandat. Deutschlands und Italiens Kolouialansprüche. Gens, 10. Rov. (TU.) Zu der vor einiger Zeit von der englischen Presse gebrachten Meldung über eine Uefoertragung des französischen Mandats über Syrien an Italien bringt in einer scheinbar inspirierten Darstellung das „Journal de Geneve" einige bemerkenswerte Mitteilungen, wobei eine Lieber- tragung des syrischen Mandats an' Italien mit den deutschen Forderungen auf Zuteilung eines Mandatsgebietes in Zusammenhang gebracht wird. Das Blatt erklärt, die deutschen Forderungen nach einem Mandatsgebiet als Folge des Paktes von Locarno sowie des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund haben in London und Paris offizielle Ablehnung erfahren. Man müsse aber damit rechnen, daß die deutsche Regierung eines Tages offiziell in Gens die Forderung auf Liebertragung eines Mandatsgebiets stellen werde. Demgegenüber beständen jedoch zwei große Schwierigkeiten, erstens sei keine der gegenwärtigen Mandatsmächte geneigt, ein Mandatsgebiet an Deutschland ab- 8U tret en. Die zweite große Schwierigkeit fei dagegen die, daß Italien im Falle des Freiwerdens eines bisherigen Mandatsgebiets oder bei Schaffung eines neuen Mandatsgebiets unbedingt seine bevorrechtigte Forderung darauf geltend machen werde. Das „Journal de Geneve" teilt nun mit, daß in Frankreich tatsächlich bei sämtlichen Parteien Geneigtheit bestehe, die sehr kostspielige und politisch und militärisch schwierige Verwaltung Syriens auf» zugeben. Die Erklärung des Italien.schen Botschafters bei seinem letzten Besuch bei Briand, Italien sei bereit, das Mandat von Syrien zu übernehmen, falls Frankreich es ausgeben wolle, habe in der französischen Presse keineswegs eine Ablehnung gefunden. Frankreich könne jetzt durch die Abtretung Syriens sich die italienische Freundschaft auf lange Zeit hinaus sichern. Die deutschen Aussichten auf Erlangung eines Kolonialgebiets seien wenig günstig. Die Wirkungen des englischen Kohlenstreiks. 5m Unterhaus erklärte der Präsident des 5)an« delsamtes Sir Philipp Cunliffe Lister in Beantwortung einer Anfrage über die infolge des Kohlenstreiks und des Stilliegens der Kohlenbergwerke im Mai für England entstandenen Verluste, man schätze den Produktionsausfall auf ca. 250 bis 300 Millionen Pfund Sterling. Die wirtschaftlichen Verluste, die dabei noch durch die Störung des Wirtschaftsverkehrs, die Nichterfüllung von Kontrakten und die Rückgängigmachung von nicV bindend erteilten Aufträgen entstanden seien, fciei.- in dieser Summe nicht miteinbegriffen, und es sei unmöglich, ihren Wert abzuschätzen. Der Sekretär des Bergamts Lane Fox tritt mit. daß die britischen Bergwerke seit Anfang Mai rund 10,5 Millionen Tonnen Kohle gefordert hätten. Ungefähr 15,5 Millionen Tonnen Auslandkohle feien während dieser Zeit in den brittschen Häfen eingetroffen. Der Scheldevertrag. Die Konkurrenz Antwerpens für Rotterdam. Amsterdam, 10. Rov. (TLI.) In den Deo- Handlungen der Zweiten Kammer des holländischen Parlaments hat sich die Stimmung gegen das Projekt auch durch die Empfehlung deS Ministers nicht geändert. Die einzelnen Redner hielten an ihren Einwänden fest. Das Haupthindernis sieht man nach wie vor in dem Zux geständnis zum Dau eines neuen großen Kanals zwischen Antwerpen und dem Rhein über holländisches Gebiet. Rotterdam ist, wie man hier sagt, ein „armer Hafen", der sich zum größten Teil auf Deutschland stützt. Während Antwerpen.1925 schter seine Vorkriegsstellung erreicht hatte, führte Rotterdam 1924 noch vier Millionen Tonnen weniger aus als im Jahre 1913. Die Konkurrenz der beiden Häfen hinsichtlich des Seeverkehrs und in be^ug »auf ihren Anteil «an dem deutschen Export bilder den Kernpunkt der Verhandlungen. Die polnisck-e Staatstirifis. W a r f chau, 10. Noo. (TU.) Am Dienstag ist den Präsidenten des Sejm und des Senats die amtliche Mitteilung zugegangen, daß der Staatspra- fident die Eröffnung dieser beiden Körperschaften auf den 13. November, 2 Uhr nachmkMgs i m Königlichen Schluß festgesetzt hat, und zwar wird diese Sitzung eine gemeinsame von Sejm und Senat sein. Die sozialistische Partei Po- lens teilte darauf dem Sejmpräsidenten mit, daß ihre Abgeordneten zu diestr Sitzung nicht erscheinen werden. Auch die übrigen Parteien sind äußerst unzufrieden. Sie sind der Ansicht, daß diese Sitzung ein Bruch der Verfassung ist, da die Verfassung eine gemeinsame Sitzung des SVjnu und des Senats als Nationalversammlung betrautet und eine solche nur für die Wahl eines Staatspräsidenten einberufen werden darf. Aus aller Wett. Polarforscher in Berlin. Am Dienstagabend gab die Wissenschaftlich« Gesellschaft für Luftfahrt Im Flugverbandshause einen Begrühungsabend für iÜ« internationalen Wissenschaftler, die zu der Tagung der Studiengesellschaft zur Erforschung der Arktis mit dem Luftschiff etngetroffen sind. Reben Professor Raufen sah man die prominentesten Vertreter von Deutschland, Ror- wegen, Dänemark, England, Rußland, Spanien, Estland usw. Geheimrat Schütte, der Präsideitt der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt, begrüßte die Gäste: Die Gesellschaft zähle 180 Mitglieder aus 19 verschiedenen Staaten. ES sei ihm eine besondere Freude gewesen, als Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt und als alter Luftschiffbauer die Mitglieder der internationalen Studiengesellschaft, insbesondere aber den Präsidenten Raufen begrüßen zu dürfen. Anschließend dankte Ransen für die Gäste. Wir sind dankbar unb stolz, so fuhr Ransen fort, daß die erst« Tagung der Studiengesellschaft tu Berlin stattfindet. Sturmkatastropße in Nordamerika. Washington, 10.Noo. (WTB. Funkspruch.) Die Umgebung von Washington wurde am Dienstagnachmittag von einem heftigen Orkan heim- gesucht, der in La Plata ein Schulgebäude unb verschiedene Prioatwohnungen zerstörte. Die Angaben über die Zahl der Toten und Verwundeten sind widerspruchsvoll. Bei Ausbruch des Sturmes waren 75 Kinder in dem Schulhaufe an- wesen, das nach Angaben von Augenzeugen w i e ein Stück Papier zerknittert wurde. 14 Personen sollen nach den letzten Meldungen getötet worden sein, darunter 12 Kinder. Entdeckung eines Raubmordes nach zehn Monaten. Bei einer Treibjagd unweit des Bahnhofs Laage (Mecklenburg-Schwerin) wurde eine verscharrte Leiche aufgefunden. Der zweifellos Ermordete wurde als ein polnischer Vorarbeiter festgestellt: dem mutmaßlichen Raubmörder ist die Polizei bereits auf der Spur. Ein englischer Arbeiterführer Ehrendoktor von Oxford. Die Llniversität Oxforo hat gestern dem Arbeiterführer Thomas die Würde eines Doktor jur. honoris causa verliehen. Ein Prager Spionagenest. Die Polizeidirektion hat den in der lithographischen Abteilung der tschechischen Militärdruckerei beschäftigten Invaliden Josef Simunef, der militärische Dokumente entwendet und einem Mitglied der Vertretung eines fremden Staates verkauft hat, verhaftet. Infolge feines Geständnisses wurden als Mitschuldige sieben Personen, darunter die Frau eines kommunistischen Redakteurs und ein russischer Student, verhaftet. Lebendig verbrannt In Mülheim (Ruhr) gerieten beim Zurück- schieben eines Kessels vorn 5)erb die Kleider einer 81 Jahre alten Frau in Brand. Die Frau erlitt derartige schwere Brandwunden, daß sie als- bald starb. Ein Flugzeug in die Nordsee gestürzt Am Sonntagabend ist nordwestlich von Ymui- den (Holland) «in aus nördlicher Richtung kommen- des Flugzeug in die Nordsee gestürzt. Schleppdamp- fer trafen eine halbe Stunde später an der Unfall- stelle ein, konnten sedoch weder von dem Flugzeug, noch von den Insassen eine Spur entdecken. 3n heimatlicher Erde beigeseht Die Leiche des im Herost 1914 m Rordfrank- reich gefallenen P rinzenMaxvonHessen- Homburg, die mittels Sonderzugs am Samstag in Kronberg i. T. eingetroffen ist, wurde abends in Gegenwart einer außerordentlich starken Trauergesellschaft in der fürstlichen Familiengruft in feierlicher Weise beigesetzt. WetLerve Die Aussichten auf eine stabil« Wetterlage sind noch gering. Unter dem Zuströmen von etwas kühlerer Luft ist zwar Barometeranstieg und Aufbesserung eingetreten, es liegt jedoch über den britischen Inseln ein Regengebiet, das ostwärts vordringen und auch unserem Gebiete vorübergehend wieder Verschlechterung bringen kann. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 11,2 Grad Celsius. Minimum: 5,2 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 6,5 Grad Celsius. .nzeigen ohnedies in Sprechfturiden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloffen. Für unverlangt eingeiandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigeaaufträge sind lediglich an die Geichästsstelle zu richten. tung von Herrn Schaub vorgetragen, mit kleinen Aufführungen der Markus-Jugend und gcmeinfamen Liedern in bunter Folge. Besondere Hreude bereiteten einige schöne Chorlieder, die von dem Frauenchor des Vogelsberger Höhenclubs gesungen wurden. Don Mitgliedern des Frauenvereins und Aus dem Amtsverkündigungsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 90 vom 9. November enthält: Maul- und Klauenseuche in Oppenrod und Fungoiehweide bei Grünberg. — Straßensperren. — Dienstnachrichten. Aur der Provinzialhauptftadt. |" Gießen, den 10. November 1926. Geheimrar Prof. Dr. (Beppert 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Neue Operetten. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45 Uhr: Vortrag von Stadtmedizinalrat Dr. Keding beim Stadtgesundheitsamt Kassel, über: „Die Bedeutung der ärztlichen Eheberatung für die Volks- gesundheit". 6.45 bis 7.15 Uhr: „Die Reformmetbod« im neusprachlichen Unterricht, an deutschen Beispielen dargelegt", Dortraa von Geh. Rat Max Walter. 8.15 bis 9.15 Uhr: Bläser-Kammermusik. 9.15 bis 10.15 Uhr: Operetten-Abend. Anschließend dis 12.30 Uhr: Tanzmusik. des Mädchenbundes wurden Kaffee und Kuchen an- geboten, so daß man trotz der großen Versammlung doch sich behaglich fühlte wie in einer großen Fa- mitte. Der Verkauf der Handarbeiten zum Besten der Gemeinde-Weihnachtshilse war ebenfalls sehr rege, besonders in den Mittagsstunden. Der Markus- Frauenverein, der bei der Veranstaltung von den beiden Schwestervereinen in Eberstadt und Treis an der Lumda durch Besuch und Beihilfen freundlichst unterstützt wurde, darf diesen Tag als einen guten Erfolg in mannigfacher Beziehung betrachten, was auch in de mSchlußwort von Pfarrer Becker noch besonders ausgesprochen wurde, der allen, die dazu geholfen haben, den herzlichen Dank der Gemeinde aussprach. —.— Der Mandolinen- und Gitarrenverein „Neapolita" gab am Sonnt agnachmit tag in der Neuen Aula der Universität vor einer sehr großen Zuhörerschaft ein Konzert, das durch die Mitwirkung deS auf dem Gebiete des Gesanges bestens bekannten Wendling- Quartettes aus Offenbach nach eine besondere Anziehungskraft erhielt. Unter der bewährten Leitung des Dirigenten Hans Sonntag wurde Wie in allen derartigen Dingen, ist es meist der kleinere Geschäftsmann, der immer wieder auf die Lockungen zweifelhafter Reklameunternehmungen hereinfallt, denn der als sicher in Aussicht gestellte „riesige Erfolgs muß ausbleiben, schon aus dem einfachen Grunde, weil willkürlich verteilte, vom Leser nidjt bezahlte Anzeigenankündigungen auch zu Weihnachten wirkungslos jein müssen. Also: Vorsicht und incnöci nad)GCa I Hujien lucruen luiuuc. v*uii ql iqe gegen Lohn- auch gewirkt hat, ein hochgeschätzt Wendel noch m lichkeit, Milde Wohlwollen ut 1-----1 hervorstechende Zuge seines Wesens, Ab- o ::,2it und Weisheit die Merkmale seines^ Urteils. Der Weltkrieg hatte ihm seinen einzigen Sohn und damit die schönste Hoffnung seines Lebens geraubt. Die Liebs zu Jugend, Volk und Vaterland aber war lebendig geblieben in ihm, fein Wille zur Mitarbeit am Wohl der Gemeinschaft blieb ungebrochen. Besonders im Kirchenvorstand und im Dor- — Tagcskalender für Mittwoch. Stadttheater: 7.30 Uhr, „Die Jungfrau von Orleans" (Ende 10.30 Uhr). — Fuhrunternehmer: 8 Ahr, Versammlung bei Gastwirt Dippel. — Süd- westdeutscher Radioklub: Restaurant Strasser, Lud- wigstraße, Mitgliederversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der schwarze Engel". — Astoria-Lichtspiele: „Die Spürhunde von Winkelstadt". . Wie wir in unserer gestrigen Ausgabe bereits berichteten, beging der Direktor des Pharmakolo- gischen Instituts unserer LandeSuniversität, Geh. Nkäizinalrctt Prof. Dr. Julius Geppert, am Sonntag, 7. Nov., seinen 7 0. Geburtstag. Geheimrat Prof. Dr. Geppert wurde am Klage des Bezirksfürsorgeverbands Hanau-Land gegen den Bezirksfürsorgeverband Friedbera auf Erstattung von Unterstützungs- kosten. Der Kläger hat den Th. Nees in der Zett vom November 1925 bis März 1926 infolge eines auf dem Wege von Bergen bis Büdesheim erlittenen Knöchelbruches durch Gewährung von Krankenhauspflege unterstützt. Der Kläger begehrt vom Beklagten Erstattung der Kosten, da -der Unterstützte vor seinem Unfall in Büdesheim seinen gewöhnlichen leite dies um so mehr, für einen obdachlosen Wanderer, der nur vorüoergehend bei Dreschmaschinenarbeiten Hilfe leistete. Der Prooinzialausschuß wies nach Beweisaufnahme die Klage als unbegründet stand des Elifabcthhauses war er eifrig tätig. * D i e Chaussierung der Straße am Amtsgericht, über die wir vor einiger Zeit bereits berichteten, ist nunmehr vollendet. Der Fahrdamm ist annehmbar hergerichtet, dagegen wäre an den Bürgersteigen wohl noch einiges zu tun, um diese in einen einwandfreien Zustand zu bringen. Ferner erscheint uns der Abschluß des Fahrdamms 3n der Provinz Hessen-Nassau ist an verschiedenen Stellen der Ka r t o f f e l k r e b s ausgetreten, so in neuester Zeit in Schweins- berg. also dicht an der oberhessischen Grenze. Weiterhin sind noch krebsverseucht die Gemeinden: Frechenhausen, Wallau, Weifen- -bach im Kreis Biedenkopf, Dillenburg im Dillkreis, Großauheim und Niederrodenbach im Kreis Hanau, Klein-Schmalkalden und Springstille im Kreis Schmalkalden. Cs besteht für die hessische Landwirtschaft die große Gefahr, daß . diese ungeheuer gefährliche Kartosfelkrankheit bei Chrenboktor ausgezeichnet. uni durch Einfuhr von Speise- und Saatkartoffeln m n < i nn I 2us diesen verseuchten Gebieten einaeschleppt Vorsicht: „Merhnachtsanzerger!* wird. Der Schaden, der durch den Kartoffel- Unter diesem Stichwort wurde im Vorjahre krebs verursacht wird, ist außerordentlich groß, mancher vertrauensselige Geschäftsmann auf das Es liegt im Interesse unserer beUifJen Land- Wesen. so „unerreichbar wirksamer" und „erfL wirte, unbedingt gegeneme Einschleppung dieses klas iger" Reklamegelcgenheiten, wie sic alljährlich gefährlichen Feindes sich zu schuhen. Es dürfen gegen die Weihnachstzeil hcrvortreten, aufmerksam aus den verseuchten Gebieten temcriei Speise- gemacht und vor Schaden bewahrt. Abgesehen von oder Saatkartoffeln emgefuhrt Werdern Sollten den Anzeigenfriedhöfen, die im Laufe eines Jahres sich weiterhin irgendwo verdachttge Anzeichen, ohnedies in Festbüä)ern, Vereins- und Kaffeehaus- die auf Krebs hindeuten bemerkbar machen, so Programmen und dergleichen immer wieder angelegt sind diese umgehend der ^.andwirtschaftstammer werden, dürfte bald Gelegenheit gegeben sein zu für Hessen in Darmstadt mitzuteilen. neuen „konkurrenzlosen Reklamemaßnahmen". Zu Beginn der Weihnachtsgeschäftszeit werden sich | 4-orNoNzen. wirirer allerlei „außergewöhnliche Reklamegelegen- h eiten" an die Geschäftswelt herandrängen, Reklamegelegenheiten, die heute und in aller Zukunft ebenso vollkommen wertlos find, wie seither. Sogar Zeitungen, deren Vorhandensein während der Zeit von 11 Monaten im Jahr nicht bemerkt worden ist, machen sich namentlich in Großstädten im Hinblick auf die Weihnachtszeit marktschreierisch breit; aber auch in kleineren Städten stellen sie sich eines Tages ein in Friseurläden, in Wirtschaften und in den Geschäftshäusern und Läden, die zur Tragung der Unkosten für den neuen ober alten „Weihnachts- Anzeiger" oder „Geschäfts-Anzeiger" ober „Beam» len-Kalender" ober „Frauen-Weihnachtsmarkt" aus- ersehen sind. Höchste und allerhöchste Auflagen wer- den wieder zugesichert werden, als ob die auch in den anderen 11 Monaten des Jahres erscheinenden und jedermann bekannten ortsansässigen Blätter in der Weihnachtszeit nicht auch da wären. Wohnsitz gehabt haben soll. Der Beklagte lehnte den Erstattungsanspruch ab und behauptet, daß Nees seinen gewöhnlichen Aufenthalt in dem Bezirk des Fürsorgeverbands Friedberg nicht erworben hatte. Der Unterstützte sei als obdachloser Wanderer anzusehen, der nur vorübergehend Landwirten beim Dreschen geholfen hatte, und nicht zur Bedienungsmannschaft des Dreschmaschinenbesitzers gehörte. Wenn nach bestehender Rechtsprechung des Bundesamts für das Heimatwesen schon Saisonarbeiter, die etwa ein halbes Jahr lang an einem Orte als lanb- . wirtschaftliche Arbeiter tätig sind, ihren gewöhnlichen 7 atDbemberU11856Lhi 2erlin°grboren.Hn' 1875 I Aufenthalt im Sinne des Fürsorgegefetzes an dem bis INTst^dierie er in Herdelbrrg. von 1877 bis Ort ihrer Beschäftigung.nicht,erw^ven konnten, so 1879 rn Berlin, wo er auch das Staatsexamen ab- I 9r “ ** ***" legte und zum Dr. med. promoviert wurde. Ton | Di 1880 biS 1885 war er als Assistent an der Inneren Klinik in Qterhn beschäftigt, von 1887 ...... , - bis 1899 wirkte er als Assistent am Pharma- kostenpflichtig ab. kvlogischen Institut in Bonn. Dori wurde er tm 3abre 1887 Privatdozent, 1892 erhielt er in MOTTO jyClHrCDS Bonn die Ernennung zum außerordentlichen Pro- hciRfchen ®rCH30e fessor. 3m 3a5re 1899 kam er als ordentlicher ) o Professor der Pharmakologie nach Gießen. 1909 Don der Hess. Landwirlschaftskammer in wurde ihm der Titel Geheimer Medizinalrat I Darmstadt wird mitgefeilt: verliehen. Das Arbeitsgebiet deS Gelehrten er- streckt sich aus Gasanalyse. Atmung. Narkose, Blausäurevergiftung und Theorie der Neini- gungsmittel. Durch seine unermüdliche totffen- sthastliche Arbeit und seine liebenswürdigen ilm- gangssormen hat sich Geheimrat Geppert in der Gelehrtenwelt sowohl, wie auch darüber hinaus in der Bürgerschaft unserer Stadt allgemeine Wertschätzung erworben. 3n Würdigung seiner Verdienste um die Tierheilkunde wurde er jetzt von der Delerinärmedizinischen Fakultät unserer Landes Universität mit der Ernennung zum «Mgslr-WWMmeim I erfordern heute eine sorgfältige Textgebung blauen Donau" zu Gehör. Der starke Beifall der und Satzaurstattung. Gute Satzlcistungen Zuhörer zwang den Verein hier bereits au einer RHbnur ™«. n,,nn M« «nS.lg.n Äeitlg genug ausgegeveu I prachtvolle Vortrag erntete stürmischen Beifall, werden. Der Annahmeschluh für alle Anzeigen und die Offenbacher Öliger spendeten den dank- im Gießener Anieiaer entfällt auf den Nach baren Zuhörern noch das nicht minder stimmungS- B " Xnfehlunös volle .Das Herbstlaub fällt zur Erde nicbef. Die mittag vor der Aufnahme. Empsehlungs sichere und erfolgreiche Arbeit deS Singcnten anzeigen müßen, je nach Umfang und Satz- kam bei dem Auftreten der Schülerabteilung des schwierigkeiten. zwei bis drei Tage vorher Vereins noch besonders zum Ausdruck. Das bestellt sein. Nur mit Sorgfalt und dem not- Publikum erwies auch den beachtenswerten Darwendigen geitaufwand gesetzte Empfehiungen I bietungen dieser strebsamen jungen Leute alle — , , » prfA Anerkennung. Die Loreletz - Paraphrase von Um oei etroüalffleo dtfolg! ää.&kM'ä™" so kam auch in dies ent ihr reiches mustkalisches ------- • 1 Können zur vollsten Wirkung. Noch zweimal trat und d°-r.ch,.n Bürrig- m der «nach k^-nn T«pp°n°nL ober einc^terraffenförmige Atufung J« - ^in-r Wiesengelände abfällt. ** Dee K r i e g e r v e r e i n Gießen hielt — Verdien st tum d e n I a g d s ch u tz. Ge- dieser Tage im Postkeller seine Monatsversaminttmg legentlich der Hubertusfeier, die der Hessische Jagd- ab die auch von Angehörigen der M.tatteder gut klub am Samstag in Darmstadt sehr würdig beging, besucht war. Der 1 -Vorsitzende, Kamerad Tr umwurden von Geheimrat Ol-rsorftmeister (Ebel Die pert, begrüßte ble neuaufeenommenen MtgUeder, Ehrungen bekanntgegeben und verteilt, die all- m deren Namen spater Kamerad Krau sch dankte, jährlich zum Hubertustage besonders den Jägern zu- Der Abend galt in erftcr 2mic der Ehrung des Ka- teil werden, die sich um die Bekämpfung des Wil- meraden, Metzgermeister Franz S ch m i bi, der am dererunwcsens verdient gemacht haben. Die ober - i 1- November dem Verein o0 Jahre angehorte. Der hessischen Jagdschützer, die bei der Feier geehrt erste Vorsitzende überreizte dem Subilar da, wurden, seien nachsolgend genannt: Fürstl. Hilfs- Hassiaabze.chen mit der goldenen, „50 und eine sörster Theodor Luft (Ortenberg), bereits vom Ehrenurkunde, wobei er daraus h'nwies. daß ADJV. mit einem Ehrenhirschfänger ausgezeichnet, Kamerad Schmidt wie m früheren Jahren, erhielt ein Bild nebst Ehrendiplom. Gendarmerie- so auch heute als ^unfundsiebzigjahriger mit vobild- j Wachtmeister Knauß (Nidda) wurde für wackeres Uchem Eifer an den Veranstaltungen des Vereins Verhalten beim Abfassen von Wilderern mit einem teilnimmt. Kamerad D a um e r t hielt einen sehr Ehrendiplom ausgezeichnet. Ehrenurkunden für her- lehrreichen Vortrag „Vom Bau des Weltalls . Die vorragende Leistungen im Jagdschutz erhielten auch Kameraden blieben noch lange in angeregter Unter- Förster Kreutzer (Büdingen), Jagdaufseher O. Haltung zusammen, d,e durch musikalische Dortrage L u b b e (Michelnau) einiger Kameraden und gemeinsame Gesänge in an- •• S o 11 e r i e St ü n ft ( e r t) i l f e 1 9 2 6. ffiie S-a-hM-k ®cife unterbrodjen mürbe. in den beiden letzten Jahren, so wird auch Heuer •• Frauengruppe der Deutschen durch die mit staatlichen Mitteln vom Landesamt Volkspartei. Am Montag sprach Frau Pro- für das Bildungswesen eingerichtete Künstlerhilfe fessor R olo s f tn der Versammlung der Frauen- eine Wcihnachtslotterie zum Besten unserer wirt- Ortsgruppe der D. B. P. über .Kärnten und seinen schastlich sehr notleidenden Künstler in ganz Hessen Dichter Perkonig". S.e schilderte d'.e Lage Kärn- veranstaltet. Die Organisation liegt in der Hand tens nach dem Zusammenbruch Oesterreichs, und der Neuen Hessischen Arbeitsgemeinschaft für bil- seine Treue, trohallem bei Oesterreich bleiben zu dende Kunst. Die Gewinne bestehen in Kunstwerken, wollen. Sie gab einen sein zusammengefaßten von bedürftigen Künstlern bestellt oder angekauft. Aeberblick über die Geschichte Kärntens, über die Der gesamte Lotterieertrag geht in den Gewinnen Dölkerfolge, die seine Geschicke besttmmt hat. Sie auf; er kommt infolgedessen den Künstlern ganz zu zeigte, wie die Nassen, Deutsche und Slovenen, gute. Der Vertrieb der Lose erfolgt ohne Kollek- friedlich zusammen gelebt hatten, trotz der 1848 teure, nur durch die uneigennützige Werbetätigkeit emsehenden Propaganda der Südslawen. Beim — Ober belli Icker G e s ck i ck t s v e r e i n. für die Sache interessierter Personen. Er ist daher Einfall des serbischen Heeres nach dem Zusammen- Am momiaen Donnerstag 11 November findet der auf die tätige Förderung und freigebige Beteiligung bruch wußte die Kärntner Heimatwehr das Land orte Äao biefe" int«Vual° 6« ft bem B-r. °ll°r »reife im 3ntere(fe ber sfunft unb ber Kur.ft- ,u wrteibigaL Auch aU f« bot ben ubermätWt- eL°g-t°L beMten ber Äen Lanbes- '» 'n hohem M°he °nge°iefen . 9® ^tfafe^tCne/Ub?ldlI&e?^elrterrPete’t>aB:';e las zuerst ^^l^utternbe Vortragende an demselben Abend wieder wegfahren Büchlein gibt den Auskunftsuchenden dank Übersicht- Gedenkblatt. das $erf°ni& muß. lieber Anordnung des Stoffes schnellen Aufschluß. Yat, der während der Besetzung hat sterben muffen, • Namentlich der Geschäftswelt und den amtlichen 'm Leben und im Tod von feinen Söhnen ge- ' I SÄÄ.«S. W& ISS SÄESRÄ-Ä s- KÄÄÄK Provinzialausschutzfitzung. •• 3uf bt>n Klage des Arihnr Heine in Bad-Nau- (gi€^ner Realschule 1873—75 studierte er an der gegeben werben, in ber Anschrift ber Sendungen •• D i e Maul- und Klauenseuche iss heim gegen das Kreisamt Friedberg wegen Ver- Lechni chen Hochschule in Darmstadt, um nach Ab- alle Angaben, die den Aufenthalt des Emp- neuerdings in Langd und Oppenrod (Kreis Gießen), sagen eines Wandergewerbescheines. legung öe5 Zeichcnlehrerexarnens zunächst in Gie- fängcrs in ber Anstalt erkennen lassen, burch Höchst a. d. Nidder, Rohrbach, Echzell, Eckartsborn, Kläger hatte bei dem Kreisamt Friedberg um Er- ^en im Schulamt tätig zu sein. Nach bestandener ileberfleben ober Durchstreichen unlesbar gemacht Schwickartshausen und Blofeld (Kreis Büdingen), teilung eines Wandergewerbescheins nachgesucht, um Maturitätsprüfung am Realgymnasium in Gießen werben, Damit verhütet wird, daß unbeteiligte Ilbenstadt und Vilbel (Kreis Friedberg) sowie in im Umherziehen das Gewerbe als Zauberkünstler widmete sich Carl Zimmer von 1883 an natur» Personen von dem Anstaltsaufenthalt bes Brief- Krofdorf (Kreis Wetzlar) amtlich festgestellt worden, ausüben zu dürfen. Das Kreisamt versagte den wissensckrnstlichen Studien die er 1889 mit der Prü- empfängers Kenntnis erhallen. Aus der Jungviehweide bei Grimberg ist die Seuche Wandergewerbeschein gemäß § 57a der Reichsge- fung für ba8 höhere Lehramt zum Abschluß führte. RDV. Ordnungsmäßiges Verhalten erloschen. werdeordnung, weil Heine noch keine 25 Jahre wurde ihm auf Grund seiner Dissertation von Schülern auf der Eisenbahn. Das I ---------- alt ist, noch nicht 4 Jahre im Wandergewerbe tätig „Phönologische Beobachtungen über das Aufblühen Betragen von Schülern auf der Eisenbahn gibt <Ö*«e*X6*«**fc roar und auch nicht Ernährer einer FamiUe ist. ÜOn (iSparcium Scopanum“ von der philosophischen leider nicht selten zu Klagen Anlaß. Schreien, villtl vfUllR5 Dej Provinzialausschuß rotes die Klage als unbe» Fakultät der Universität Gießen die Doktorwürde Johlen, Kartenspielen, Raufereien und ähnlicher Un- - ftrntifritriei? SenderS gründet kostenpflichtig ab. verliehen. Carl Zimmer war ein trefflicher Kenner I fUg belästigen häufig die Reisenden sowohl in den " 'L «, * Klage der Elise Seipel in Dorheim der hessischen Flora, besonders der durch seltene Wartesälen, wie auch in den Zügen. Die Eisenbahn- (AUS bet »Nabw-llmsHau .) gegen das Kreisamt Friedberg wegen Versagen eines Arten gekennzeichneten Pflanzenwelt bei feiner Hei- Verwaltung hat deshalb jetzt bas Stations-und Zug- . Wandergewerbeschein s. Die Klägerin hat mat Lich. Seine schulamtliche Tätigkeit begann Carl personal angewiesen, gegen Derartiges Betragen I yonnerstag, u. Jtooemoer: beim Kreisamt Friedberg um Erteilung eines Wan- Zimmer, wie oben sckon gesagt, in Gießen, wo energisch einzuschreiten und nötigenfalls die Namen dergewerbescheins zum Handel mit Seife im Kleinen er von 1880 bis 1896 an der Höheren und Er- ber Uebeltäter zwecks Bestrafung festzuftellen. Eltern nachgesucht. Da sie taubstumm ist, hat bas Kreisamt weiterten Mädchenschule segensreich wirkte. Von und Lehrer werden gebeten, die Schüler zu einem den Wandergewerbeschein versagt. Der Provinzial- 1896 an war er in Alzey an ber Realschule und gesitteten Betragen auch auf der Eisenbahn ernstlich ausschuh billigte den Standpunkt des Kreisamts und dem Progymnasium tätig, bis ihm dann zu Ostern anzuhalten. wies die Klage kostenpflichtig ab, da nach Lage der 1905 die Leitung der neugegrünbten Höheren ** , e ber Markusgemeinde, Verhältnisse es angezeigt erschieß im vorliegenden Bürgerschule zu Bad-Nauheim über» We am Sonntag in der Turnhalle stattfand, war so Falle von der Bestimmung des § 57a Zimmer 2 der tragen wurde. Die Entwicklung dieser Anstalt, der er rtart besucht daß viele keinen Platz mehr fanden. Gewerbeordnung, wonach ein Gewerbeschein in der bis zu seiner 1920 erfolgten Ruhestandversetzung ylllzu rasch gingen die schönen gemeinsamen ©tun» Regel zu versagen ist, wenn der Nachsuchende taub- vorstand, ist mit seinem Namen aufs engste ver- ben vorüber Nach kurzen Begrüßungsworten von stumm, blind ober geistesschwach ist, Gebrauch zu knüpft. Es gelang ihm, das Interesse für feine aus» Kirchenvorsteher Horst wechselten Musikstücke, von machen. gebaute höhere Schule in Bad-Naubeim bei Regie- bem Posaunenchor des Wartburgvereins unter Lei- Klage des Bezirksfürsorgeverbands rung, Stadtverwaltung und Bürgerschaft zu wecken - - - — • Frankfurt a.M. gegen den Bezirksf ür- und nutzbar zu machen. Nachdem im Jahre 1909 forgeverband Friedberg wegen Erstattung der stattliche Neubau nut seiner gediegenen Aus- von KrankenhauLpflegekosten. Der Wanderarme stattung seiner Bestimmung übergeben werden Paul Hermann war vom Wohlfahrtsamt Frank- konnte, fehlte nur noch die Umwandlung der Ernst- furt a. M. durch Gewährung von Krankenhauspflege- Ludwig-Schule in eine staatliche Realschule. Als kosten unterstützt worden. Der Kläger erachtete den 1914 die Erhebung in die Reihe der höheren staat- Beklagten als erstattungspflichtig, weil Hermann im lichen Schulen Hessens erfolgt war, galt Carl Zim- Herbst 1924 bei einem Landwirt in Rendel beim mers weiteres Bemühen dem Ausbau zur Doll- Kartoffelausmachen geholfen hat. Der Beklagte anstatt, der nur wenige Jahre nach dem Scheiden lehnte den Erstattungsanspruch ab, weil der Unter- des Verftorbenen aus dem Schuldienste schon W>rk- stützts nach Lage der Verhältnisse in Rendel nachge- Weit werden konnte. Carl Zimmer war wo er wiesenermaßen nicht mindestens 7 Tage gegen Lohn- auch gewirkt hat, ein hochgeschätzter Lehrer. Freundarbeit beschäftigt war und weder in Rendel noch tn lichkeit, Milbe, Wohlwollen unb Hilfsdereitsckast einem anderen Orte des Kreises Friedberg seinen waren hervorstechende Züge seines Wesens, Abgewöhnlichen Aufenthalt begründet hatte. Auch I geklärtl)eit und machte der Beklagte geltend, daß der Srftattungsan» 1":'" an'ri' spruch nicht rechtzeitig angemeldet worden war. Der Prooinzialausschuß wies nach Beweisaufnahme tue Klage kostenpflichtig ab. IS * d°n den 3, "icht das ( ist viel zr beschäftigt darübet i Dam ler, die ei deutsch« frm Hinderniss fauligen 6 bet etwa Deutschland! W Dvh Munn, । lifchen und -ösische Ä! einzufiböp hat. Mar an der sir ganze 2 aller Lö Ruhe gek fahren be Lndurchsi scheu 6k Franzose sogar (lei schäftet a Deckung f Jede D Politischer Hatton ist darss dui kann nier (das ist . muffen), getreten. § eine Aentne bequemen 5 Men Sir der Zvm Erben W zoie, der \\ Maflilet br J Uchereir tt-iben^ir MW tvls> ! London, die Mr denn W ° Tast < nur E s Fieundfcht ausfallen ist beinah die W l*„M Interesse Pflichtige Bruc @inc (j fou- Das A Lr^'a 1 L°ni in fll* der " ■ OeM ' voren Es ist Derkb Schaft! Au 2Wndei Wm war j im gebund Jot feinen wurde 6?, turunMev _ Dar Wienertur urtoü^[ig( «en nicht itch konve GleOener Konzertverein Erstes Orchesterkonzert Donnerstag, 11. November 1926, a scheinen erbeten. Ausgabe d. Wetter- vormerkungSkanen für i>. L 12. 26. Tonntag, 14.Nov., Helsnröien-Weioers- haln-Uö.-Oömen. 5Std. Abf. 3.24 Uhr. SonntagSlarte Grünberg. 9224 c Hubertus Heute ntsT Hess. Hof Schachklub Gießen. Täg!.5—8Uhr freier Schachverkehr im Gaf6 Krämer. Jeden Donnerstag Spiel-Abend im Cass Astorta. Gäste Willkomm. tS ztiÄrv Blüten-Schleuder gar. rein, goidkl.fiüss. ob. fest, 10-Pib.-Büch, se x 10.— frko.. halbe >*5.50frnnfo; Rachn. 30 Pig. meüt Gar. Znrückn. und Rachn. Lehrer a.D. bischer, Obernealaud 76. Kr. Brem. Provaaan- davärkcbcn 1* ,Pfd. netto frko.b.Einsg. von Mk. 1.70. Schellfische Cabliau Seelachs Schollen Goldbarsch Hechte Karpfen Schleien empfiehlt nur feiutte Warez.vill.TageSp. ksWS.MKSIg. Ä. Soüi lioöioiget Schulstraße 10. 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August 1925 (RGBl. I S. 214) in Verbindung mit §§ 56 ff. der Ausführungsbestimmungen vom 14. Mai 1926 (Reichsministerialblatt S. 503) sind die von dem Grundwertausschuß nach dem Stand vom 1. Januar 1925 festgestellten Einheitswerte für landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche und gärtnerische Betriebe sowie Grundstücke (Häuser, Bauplätze) in den Liensträumen des Finanzamts öffentlich ouszulegen, wenn die Einheitswerte in weitaus überwiegender Zahl festgestellt worden sind. Die Offenlegung dauert einen Monat und erfolgt in Listenform. Für das Gebiet der Gemarkungen Gie- tzen und Schiffenberg können die Listen ah 10. Rovember 1926 an den Werktagen in der Zeit von 8 bis 11 Uhr vormittags und mit Ausnahme der Samstage auch in i>er Zeit von 3 bis 5 Uhr nachmittags auf Zimmer 73 des Finanzamts Gießen, Kiebigstraße 16, eingesehen werden. Der Zeitraum, in dem die Offenlegung der Landgemeinden erfolgt, wird ortsüblich tzekanntgemacht. 9238C Gießen, den 9. November 1926. _____________Finanzamt.________ | Vermietungen i "3u oeffllelä Fn einem beschlag- nahmetreien Etnfa- milienhaus können neuen Vorauszahlung einer Jahres- miete ob. eines Bau- zufchusseö in Höhe von 1-2000 R.-Mk. zwei grobe 3 hu niet Kückc, Keller, mit Gartenanteil und ionstigemZubebör, Wäfoe Gießens, äußerst nute Bahn- verbinduna, abgegeben werden. Schrifil. Angebote unter 07863 an den Gieß. An», erbeten. Frenndl. möbl. Zimmer Ofen, evtl. m. guter Pension sofort äu verm. Langsdorf, ■7w] Asterweg 12 1. »1. .AM zu vermieten 07856 Marktplatz 18 1. Ä. Zimmer zu vermieten 07864 Ederstraße 5 p. [Wohnungstausch) Gesucht geräumige b'-Ziiunm.-Wn. ivarterre». Geboten 5- und 3-Zimmer- Wobnung in bester Lage. Schrifil. Angebote unter 07847 a. d. Gieß. Anz. erb. |Stellenangebote| Für eine tu errichtende Niederlage in Lebensmitteln suchen lüiT einen Herrn cötL Dame m.geeia.Raum. Sicherheitsleistung erw. Schr. Angeb. u. 07854 o. b. Gieß. Anz. Anständiges, tüchtig. Mädchen für Haus u. 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Das Ausströmen des Raturhasten hatte der Synrphonie Schuberts im Gegensatz zu den klassischen Werken eine neue Gestalt gegeben. Die Klassiker brachten musikalischen Inhalt bewußt in Liebereinstimmung mit der Form, wie bei Beethoven ost mit persönlichem Ringen. Bei Schubert ein Hervorbrechen des Gefühls und ein persönliches Sich-Sclbstgeben ohne Rücksicht auf thematische Verarbeitung. Die Erkenntnis dieser von den Zeitgenossen abgelehnten formalen Lln- Zulänglichkeit veranlaßte Schubert noch kurz vor seinem Tode' bei Simon Sechter ein Arbeiten im gebundenen Stil auszunehmen. Der Tod gebot seinen Plänen Einhalt. 30 Jahre später wurde Sechter der Lehrer ebenfalls eines Raturmusikers: Anton Bruckners. War Schubert mehr der Vertreter des Wienertums, so stand hier bei Bruckner eine urwüchsige Raturkrast gegenüber, die, eben nicht eingeschränkt durch irgendwelche menschlich konventionellen Bindungen, sich frei in unverkümmerter Frische und Kraft entfalten konnte: die Verkörperung der oberösterreichischen Landschaft! Aus ihr erwuchsen seine Schöpfungen in ungehinderter Spontaneität und Raivität; denn ihm war jegliche Reflexion fremd. Sein Lebensgefühl wurde zum Grund seiner Werke. Das Eich-Geben war der Zweck seines Schaffens, nicht das Erschaffen der Form. Diese knorrige, urwüchsige Persönlichkeit gibt sich frei in ihrer Unverfälschtheit, so wie cs ihr die augenblickliche Stimmung, das augenblickliche Erleben eingibt. Beseelte Sinnlichkeit prägt sich in dem Glanz und der saftigen Farbenpracht aus, fern von aller Artistik. Dem ougenblickllchen Erlebnis folgend, hält er nicht stereotyp an den einmal gewonnenen Formen fest, sondern seine Themen wandeln sich im Laufe des Werkes. Lind so mag es erscheinen, daß seine Schöpfungen fast den .Charakter riesiger Improvisationen tragen. Weckpolitik. Wenn wir auch die Auffassung unseres Londoner Korrespondeten nicht in allen Punkten teilen, bringt sein folgen- ' der Aufsatz doch eine Reihe interessanter Gesichtspunkte, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. D. Red. Es ist vielleicht lein Zufall, daß die Meilen- steine der weltpolitischen Entwicklung durch die Ramen von S.'ädtrn und Dörfern in der französischen Schweiz bezeichnet werden: Locarno, Gens, Thoiry. Man mißt damit das weltpolitische Geschehen an der Landkarte, und dte dafür gewählte Landkarte ist das Gebiet eines neutralisierten Landes. In Thoiry sind die Dinge bisher stehen geblieben. Lieber Thoiry ist man nicht hinausgegangen, weder nach Paris noch nach London, noch nach Berlin, geschweige denn in die Vereinigten Staaten von Amerika. So liegt denn die Frage nahe: Stehen wir wieder vor einem Fehlschlag, ist wieder einmal ein großer Aufwand um nichts vertan worden? Um was handelt es sich denn bei diesen ganzen Unterhaltungen, bei allen diesen Pro- sekten? Die Antwort lautet: Europäische Verständigung. Aber müssen wir nicht fragen, ob der zunächst beschrittene Weg einer Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland mit dem Gelbe Englands und der Vereinigten Staaten nicht schließlich ein Irrweg war? Bedeutet nicht die Tatsache der erneuten Herrschaft Poincares ein Zurückstellen der Uhr um mehrere Jahre, treiben wir nicht im Grunde eine Illusionspolitik, wenn wir, gebannt nach Westen blickend, dort die Gewißheit einer neuen und deutschen Zukunft zu erblicken vermeinen? Daß auch zum Frieden Geld gehört, nicht nur zum Kriege, ist selbstverständlich. Daß eine Freundschast mit Frankreich, wie sie auch immer aussallen mag, schließlich Kosten verursachen muh, ist beinahe ein Geme.nplah. Wir brauchen nur die französische De'chichte zu betrachten, um zu sehen, daß die ..Grande Ration" weiter kein Interesse hat, als sich andere Staaten tributpflichtig zu machen, um von ihrem Gelde einen guten Tag leben zu können. Seit dem Weltkriege ist dieser Charakterzug, der früher in der Bezeichnung der Franzosen als einer Rentner- nation zum Ausdruck kam, noch stärker hervorgetreten. Frankreich betreibt heute mehr denn je eine Rentnerpolitik. Man möchte beruhigt einen bequemen Tag ohne gar zuviel Arbeit und mit sicheren Einnahmen leben, die man alsdann in der Form von Kapital anlcgen oder seinen Erben hinterlassen kann. So stellt sich der Franzose, der spießbürgerliche, der maßgebende Franzose, seine nationale Zukunst vor. Die Verwirklichung irgendeines großen Gedankens liegt dem gegenwärtigen Frankreich durchaus sern. Man ist viel zu sehr mit seinen trivialen Küchensorgen beschäftigt. Wir werden die Zeche zahlen müssen, darüber ist kein Zweifel. Darum wäre es aber ein grundsätzlicher Fehler, die ersten aus diesem einzig möglichen Wege deutsch-französischer Verständigung liegenden Hindernisse als unüberwindlich anzusehen. Die heutigen Schwierigkeiten entstammten viel weniger der etwa nicht vorhandenen Bereitwilligkeit Deutschlands, die entsprechenden Beträge für dieses Wohlergehen des französischen Volkes beizusteuern, als vielmehr der Abneigung der englischen und amerikanischen Finanz, in dieses französische Danaidenfaß noch größere Beträge Hineinzuschöpsen, als es schon bisher verschlungen hat. Man muß zwei Dinge voneinander trennen: an der finanziellen Sanierung Frankreichs hat die ganze Welt ein Interesse. Dieses friedloseste aller Völker muß bestochen werden, wenn es Ruhe geben soll. Aber das vorgeschlagene Verfahren besaß den großen Mangel der finanziellen Undurchsührbarkcll. Man muß unterscheiden zwischen Staatshaushalt und Dolkshaushalt. Der Franzose ist sparsam, nüchtern und hie und da sogar fleißig: aber der französische Staat teilt» Tdjaftet aus dem Vollen und denkt nicht daran, Deckung für die verausgabten Beträge zu suchen. Iede Währung ist ein Ausdruck der finanzpolitischen Rechtssicherheit eines Landes. Inflation ist fortgesetzte Deckung des täglichen Bedarfs durch Ausgabe von Schuldscheinen. Damit kann niemand tociterlommen. Es fragt sich also (das ist die Antwort, die Poincarö wird geben müssen), ist Frankreich in der Lage, die Sanie- rung der französischen Staatsfinanzen aus e i • g e n e r Kraft zu sichern oder nicht. Thoiry hat damit verhältnismäßig wenig zu schaffen: denn hier handelt es sich nach den Erklärungen der reckenden Staatsmänner eben um politische Verständigung mit finanziellem Beigeschmack. Aber man hat bei jedem Gericht schließlich die Wahl zwischen verschiedenen Gewürzen. Das Veto der englischen und amerikanischen Finanz gegen die ursprünglich beabsichtigte Form der deutsch-französischen Verständigungspolitik besitzt jedoch noch eine weitere und vielleicht auch tiefere Bedeutung. Die englische Regierung war in den vergangenen Monaten viel zu sehr durch die Kohlenkrisis in Anspruch genommen, um sehr weitgehende, politische Pläne in Angriff zu nehmen Man tritt in London kurz. London ist das Zentrum der europäischen Geldtoirtschaft. Wenn Frankreich saniert werden will, fo_ steht cs nicht allein. Auch Polen will und wünscht, finanziell gestützt zu werden. Der italienische Duce braucht Geld. Hilft man dem einen zu sehr, läuft man Gefahr, einen anderen zu ver- schnupfen. Man denkt in England reUpolitischer. In diesem Zusammenhänge kann gleich eine weitere sehr wesentliche Erscheinung der vergangenen Monate gebucht werden. Fast un- bemerft haben sich die Vereinigten Staaten aus der europäischen Politik zurückgezogen. Weder in Locarno, noch in Genf, noch in Thoiry figurierte der bisher stets zugegene amerikanische Beobachter. An die Stelle der Vereinigten Staaten ist England getreten. Amerika benutzt England als politischen Horchposten in Europa. Die letzte Aktion Amerikas war die Beteiligung an der Dawes-Konferenz in London, und hier beschränkte sich seine Teilnahme auf finanzielle Ratschläge, allerdings gegeben durch seine hervorragendsten Bankiers. Heute ist nicht einmal hiervon mehr die Rede. Zwar reifen noch hie und da amerikanische Finanzsachverständige in Europa umher. Morgan verbringt einen großen Teil seiner Zeit in London und Paris: aber der Amerikaner hat zugelernt, er mischt sich nicht mehr so sehr in Dinge, die er doch nicht gay, so gut beurteilen kann wie der eingeborene Europäer. Amerika macht Geschäfte und keine Politik. Man prosperiert, man wird reich, man amüsiert sich und ist die Politik leid. Die gegenwärtig in den Vereinigten Staaten stattfindende »Wahlkampagne zeichnet sich durch einen viel bemerken Mangel an politischem Gehalte aus. Man kämpft nicht mehr um politische Ideale oder Wir freuen und, unseren Lesern einen Originalbeitvag aus der Feder des bekannten französischen Wirtschaftspolitikers Louis Loucheur übermitteln zu tonnen. Loucheur ist bei uns besonders durch das sog. »Wiebadener Ab kommen" bekannt geworden, das er als Minister im Iah re 1921 mit Walther Rathenau abgeschlossen hat. Die Tendenz seiner Ausführungen, die Befriedung der Well durch internationale Wirtschaftsabkommen, ist ja bereits in Fluß. Sie wird zweifellos auch die Aussprachen auf der kommenden Welt- wirtschaftskonferenz beherrschen. D. Red. Wenn man das europäische Problem in seiner Gesamtheit prüft, wird man gewahr, daß die Verrückung der Grenzen, die Verringerung des industriellen ober landwirtschaftlichen Wert- bestandes gewisser Rationen und schließlich die Währungskrisen uns vor Aufgaben gestellt haben, die noch kaum untersucht und bisher rein zufällig oder überhaupt nicht g löst worden sind. Es mag am Platze sein, die Krankheit zu diagnostizieren. Deshalb braucht man aber noch nicht an der Heilung zu verzweifeln. Ich meine zunächst, daß eine gemeinsame Prüfung nottut. Es gilt, die Ideen zu konfrontieren. Die Rationen mögen zusammenkommen, unter einander die Aeutzerungen der wirtschaftlichen Krise objektiv untersuchen und zusammen die Mittel suchen, sie, toeim nicht zu heilen, so doch einigermaßen unschädlich zu machen. So entstand der Plan zu einer internationalen Forderungen, man bekämpft nur noch die Personen, was der beste Beweis politischer Sterilität ist. So scheint es denn, als wäre die Welt- polllik in einem Zustande der Versumpfung: denn weder geschieht etwas, noch sind irgendwelche großen Projekte (ausgenommen Thoiry) in Erscheinung getreten. Rur im O st en gärt es. Die Zustände in Polen und in Rußland sind, wenn auch aus verschiedenen Gründen, gleich un- flat und besorgniserregend. Wie lange Pilsud- skis Herrlichkeit noch währen wird, ist eine offene Frage. Bricht aber seine Macht zusammen, dann fürchtet man vielfach einer erneute Erschütterung der europäischen Politik. Wie früher der Balkan der Wetterwinkel Europas war, so ist es heute der polnische Osten. Die starke Beachtung, die der russisch-litauische Vertrag allenthalben gefunden hat, zeigt, die Anteilnahme an den dortigen Ereignissen. Polen ist aber faktisch bankerott. Die englische Kohlenkrisis brachte ihm zwar eine Scheinblüte und ermöglichte Pilsudski den Beweis erfolgreicher Regierung, ohne daß er sonderlich großen Anteil an diesen Verdiensten besässen hätte. Aber auch diese Konjunktur geht zu Ende. Was werden wird, weiß niemand. Nur dos weiß man in London, daß eine neuerliche Erschütterung der europäischen Politik Verhängnis- volle Wirkungen auf all die angebehnten Verstän- digungsaktionen haben wird. So sehr man auch die Gefahr fürchtet, so weit ist man davon entfernt, die Hand zu ihrer Beseitigung anzulegen. Aber vielleicht ist es nützlich, daß allgemach die Erkenntnis allgemein wird, daß die polnische Frage den Scklüssel zu der wirklichen Befriedung Europas darstellt. Polen macht verzweifelte Anstrengungen, um eine Verknüpfung der polnischen Frage mit der deutsch-französischen Verständigung herbeizuführen. Dieser Versuch dürfte schwerlich von Erfolg gekrönt sein. Wohl aber empfindet Pilsudski das dringende Bedürfnis, Polen, sowe't es nur geht, wieder in den Vordergrund zu schieben. Alles in allem müssen wir jedoch zu dem Schluß kommen, daß wir, abgesehen von dem europäischen Osten, allgemein das Bedürfnis nach Ruhe und Stetigkeit finden. Die Ernte wird langsamer heran- reifen, als man das, besonders in Deutschland, vielfach erwartet hat. Aufbauen ist schwerer als Zer- stören. Das ist vielleicht im deutschen Interesse deswegen erfreulich, weil Deutschlands parteipolitische Zustände noch nicht dazu angetan sind, um eine för- derliche Behandlung außenpolitischer Fragen zu ver- bürgen. K. Wirtschaftskonferenz, die hofsentllch bereits nächstes Frühjahr in Genf unter Beteiligung aller Rationen der Welt zu ©Lanbc kommen wirb. Aber welcher praktische Vorschlag wäre barm ins Auge zu fassen? Ohne Zweifel sind bereits zahlreiche Lösungen untersucht worben. Ich will hier nur eine davon entwickeln. Meiner Meinung nach wäre schon ein großer Schritt getan, wenn aus dem allgemeinen Gedankenaustausch z. D. bie Idee entstünde, bas wirtschaftliche Europa und, wohl verstarrben, tn der gleichen Richtung bie Welt nach bem System zu organisieren, bas bie Deutschen »Horizontal s h st e m" nennen. Ein Beispiel: Die Kohlenprvbuktion ist in keiner Weise geregelt. Vor bem Kriege exportierte England eine gewaltige Tonnenziffer, Deutschland viel weniger, Frankreich war vollends im Rückstand. Rach dem Krieg ist der Markt durch die Zerstörung der französischen Gruben und bie allmählich Wieberinbetried- sehung ber beutschen Gruben schwer gestört toorben. Wäre es nicht ein Leichtes, bie Kohlen- prvduktion burch ein internationales 2ll>kommen zu regeln, das von Monat zu Monat durch eine in Genf stationierte Zentraltommifsion neu ange- paßt würde, und sie über Europa und die ganze Welt nach fetten, im voraus verabredeten Bedingungen zu verteilen? Wenn eine bedeutende Verlangsamung in der Industrie einträte und eine allgemeine Herabsetzung der Produktion, so würde diese unverzüglich derart geregelt werden, daß nicht Wiedec, wie so oft in der Vergangenheit, eine leichte Produktionssteigerung den ganzen Kohlenmarkt stören und ein für bie ganze Industrie äußerst verderbliches Schwanken der Preise Hervorrufen könnte. Wenn dagegen die Entwicklung der VLeltindustrie eine Llcbcrproduktion an Kohle erforderlich machte, so begreift man, daß sie ebenfalls leichter durch eine gemeinsame Verständigung durchgesührt werden könnte. Lind wenn in ber Welt und vor allem in Europa die hauptsächlichsten Industrien derart organisiert sein werden und an ihrer Spiya jeweils einen Dirigenten haben, der für die notwendige Harmonie sorgt, so wird es well leichter fein, dis Zollfragen zu erledigen: sie w e r - dennurnocheinsehr viel geringeres, vielleit gar kein Interesse mehr haben. Der selbstsüchtige, jedoch oft unvermeidliche nationale Protektionismus wird dann durch eine Art von internationalem Protektionismus ersetzt werden. Außerdem würde man damit zu, einem zweiten, noch vorteilhafteren Ergebnis gelangen. Lim dies zu zeigen, nehme ich eine andere, die Automobilindustrie zum Beispiel. Ame- rifa mit seiner im Vergleich zu Frankreich dreimal stärkeren Bevölkerung, die zudem mindestens über die doppelten Kaufmittel des Durchschnittsfranzosen verfügt, konnte an die Schaffung mäch- tiger Fabriken gehen, von denen manche 4000 bis 5000 Wagen im Tag herausbringen, und zwar zu außerordentlich nieberein Preis trotz der sehr hohen Löhne. Die Aufnahmelraft des ameri- lanischen Marktes ist also zehnmal, ja zwanllg- mal so groß wie die eines großen europäischen Landes. Außerdem haben bie amerikanischen Automobile, trotz aller von unseren alten Rationen aufgerichteten Zollschranken auch uns überschwemmt. Träte in Amerika pwtzlich eine Krise ein, so würde das Bedürfnis, in Europa Absatz für bie Wagen zu finden, noch steigen und die amerikanischen Produzenten veranlassen, ihre Preise in einer Weise Herabzusehen. die für die Lage ber Automobilindustrie unseres Kontinents vernichtend wäre. Iedermann sieht die Gefahr einer solchen Konkurrenz und die Rottoendig- feit des Eingreifens. Wenn man unser Programin befolgt, so wäre cs möglich, auf Grund der dann zum Abschluß gebrachten „horizontalen" liebere intommen in einem ober z."ei Ländern Europas ein paar mächtige Fabriken einzurichten, die zu gleichen oder doch mindestens sehr benachbarten Sätzen im Vergleich mit Amerika liefern könnten, mit Hilfe der Absatzfähigkeit des gesamten Europa. Ja, es ist leicht einzusehen, daß diese horizontalen Ab- Commen sich unschwer bis auf die amerikanische Produktion selbst erstrecken könnten. Selbstverständlich würde dies durch geführt werden, ohne die Entwicklung der bestehenden Fabriken irgendwie zu hemmen. Das Ergebnis wäre demnach eine Minderung und Milderung der Handels- kämpfe, die Vermeidung katastrophaler Preisstürze, die Ermöglichung einer intensiveren und infolgedessen billigeren Produktion und zu gleicher Zeit die Beruhigung der sogenannten wirtschaftlichen Gereiztheit. Selbstverständlich tonnten derartige industrielle Konzentrierungen nicht ganz ungefährlich sein, sowohl in sozialer Hinsicht, als auch von einem Standpunkt aus, der uns alle angeht: vom Standpunkt derDerbraucher. Hier gerade scheint es mir unumgänglich, daß eine internationale Verständigung stattfinde und Regeln aufgestellt werden, die ohne lästiges Eingreifen ber Staaten die Kontra Ile dieser Trusts in ihrer Arbeits- und Preispolitik ermöglichen. Es wäre dies eine Art praktischer Sozialismus. Der Völkerbund kann meines Erachtens entweder durch schon bestehende ober durch neu zu schaffende Organe und in Einklang mit verschiedenen Staatengruppen die Kontrolle dieser großen Organisationen in annehmbaren Bedingungen durchführen. Ich kann von diesen Europa- ober Welttrust- Fragen nicht sprechen, ohne einer ersten, mit ziemlichem Geräusch erfolgten Verwirklichung kurz Erwähnung zu tun: gemeint ist das Stahl- kar t e 11 ober besser, bie „Stahl-Entente", bie soeben zwischen Frankreich, Deutschland, Belgien und Luxemburg zustande gekommen ist. Ich bebaute es, daß die internationale Wirtschafts- konserenz nicht schon vorher zusammengetreten ist und so die allgemeinen Leitsätze für diese ■w-»., _„.u ■■■nm i 1 Europas wirtschaftlicher Wiederaufbau. Von Louis Loucheur, ehern, franz. Finanzminister, Abgeordnetem und Vertreter Frankreichs ün Völkerbund. Bruckners Themen, formal nicht begrenzt, geben in ihrer gewaltigen Ausdehnung und Dogenspannung etwas Gigantisches, Koloh- haftes, fast etwas Zyklopisches: bas einem formalistischen Zeitalter schlechthin unverständlich bleiben muhte, solange man in ber Musik einen Ablauf gewisser Formen erblickte. Es ist eben das allgemeine Menschentum, das sich jenseits des Derstandeserlebens bei ihm erschließt. Lind gerade nach einem Zeitalter der exakten Wissenschaften führen die Wege jetzt um fo mehr zu Bruckner hin, dessen Werk aus dem Urgründe alles Seins entsprossen sind. Sein weltfremdes Wesen fand so umso leichter das Band zu den über» weltlichen Regionen. Fast scheint er das Werkzeug ber großen treibenden Kraft, die aus chm spricht, indem sie sein naturhaftes Erleben aufs höchste steigert. In der Reche seines symphonischeii Schaffens prägen sich Raturergebenheit und Welt- entrückung als Gegenpole aus. Das gesteigerte Raturgefühl in der 4. Symphonie, die Weltenferne in der 9. Richt mit Unrecht hat man darum gerade die 4. Symphonie als das glücklichste Erbtell der deutschen Romantik bezeichnet. 2lus dem Tremolo der Streicher erhebt sich der Ruf des Hornes, das Thema wird durch die Holzbläser verdeutlicht, und aus chm erwächst in seinem Fortgang das zwelle Thema in dem typischen Drucknerryhthmus (zwei und drei Taktviertel verbunden), das glanzvoll wuchtig durch die Blechgruppe zur Höhe geführt wird. Ein gehaltener Homton leitet von der Fülle der Kraft hin zum 3. Thema, nach Bruckners eigenen Worten — durch den „Zi-zi-bee-Ruf" der Waldmeise erweckt. Das Glücksgefühl steigert sich zum Entzücken, das 2. Thema bewirkt die Weiterentwicklung zur hymnischen Steigerung und beschließt mit einem Friedensgefühl die Exposition deS 1. Satzes. Die Durchführung bringt die beiden ersten Themen zu ihrer Vereinigung: ein Aus- schwelgen im Klanglichen, Erdgcfühl und Er- lösungsgedanke, Raturerleben und Religiosität verbunden. Lind zum Wiedereintritt der Themenabfolge erscheint das Eingangsthema von der Flöte verklärt umspielt, fast visionär entrückt: zum Schluß ein gewaltiges Herauswachsen aus dem Urgrund, Grundton und Quinte als Orgelpunkt. Das Andante ist in seinem Grundzuge wehmütig, elegisch gestimmt; sich im verklärten Gesang zum Triumph über alles Rieder- brüdenbe erhebend. Das Scherzo versetzt in die heitere Wirklichkeit: aus jagdlichen Klängen sich entwickelnd, gibt es (nach einer Bemerkung Bruck- ners) im Trio „eine Tanz weise während ber Mahlzeit zur Iagd". — Das Finale zeigt die Riesengröße Drucknerscher Formung. Allmählich erwächst das Hauptthema aus seinen Anfängen zu gigantischer Größe im Unisono, bas erste Thema des Eingangssahes klingt an. In Überwältigender, überweltlicher Feierlichkell schlleßt das gewaltige Werk. Wenn wir Bruckners Symphonien anhören, so müssen wir uns vor allem von dem analytischen Ersassen-Wollen freimachen. Bruckners Klangwelt verträgt sich nicht mit dem Intellekt. Schalten wir gänzlich unser bewußtes Wollen aus und vertrauen uns seinem Tonstrome an und lassen uns von ihm führen, so wird sich seine Welt uns erschließen, uns bereichern und innerlich erheben. -in- Uraufführung in Darmstadt. Im Kleinen Hause des Hessischen Lan- destheaters fand bie Uraufführung des Schauspiels von Herbert Kranz »Der Berg" statt. Das Drama ist einem Auftrage der Bühne entsprungen, bie wohl vor allem ein zugkräftiges Stück haben wollte und erst in zweiter Linie die Derbunbeiiheit des Theaters mit bem Autor wiederherzustellen beabsichtigte. Die Leitung ber Bühne beruft sich hier auf das Vorbild von Otto Brahrn. Im großen und ganzen wird man nicht wünschen, daß dieses Experiment öfters gemacht wird, wenn auch diesmal der Erfolg das Verfahren scheinbar rechtfertigt. Das Ergebnis ist ein unbestrittener Erfolg für das hessische Künstlertheater gewesen, der in Darmstadt erklärlich ist, weil hier seit langer Zeit fein Theaterstück mit einer handfesten Dramatik auf geführt worden ist, sondern fast nur solche moderne Dramen, -bie mit Allegorien und Symbolen überfrachtet und dadurch unllar und verworren sind. Bemerkenswert ist, daß dem Drama eine Art Prolog vorangeht, ber von einem Chor von sieben Herren, teils einzeln, teils gemeinsam gesprochen wirb. Die Wirkung war eindringlich: es werden die Leiben und Gefahren des Bergmannsberufes geschildert. Kranz sucht hierfür einen höheren Standpunkt zu gewinnen, aber ihn hindert daran schon eine gewisse, stark betonte, sozialistische Anschauung. Für alles wirb ber Aktionär verantwortlich gemacht, obwohl bie staatlichen Betriebe den Bergleuten kaum bessere Arbeitsbedingungen bieten dürften. Kranz erweist sich in seinem neuen Drama als ein Rach- zügler der Qlaturaliften; es ist etwa mit Hauptmanns »Webern" zu vergleichen. Auf jeden Fall ist aber sein Stück sehr tbeatertoirffam, sowohl durch bie Milieuschilderung, wie auch durch die Einzelschicksale, die er heraus stellt. Es handelt sich um eine Auseinandersetzung in schärfsten Formen zwischen zwei Bergleuten, von denen der eine ältere Rechte auf ein Mädchen geltend macht. Der andere lauert ihm im Bergwerk auf, und gerade als sie sich auf Tod und Geben gegenüberstehen, geht eine Strecke zu Bruch: sie befreien gemeinsam einen Verschütteten, jedoch immerfort schwebt über jedem bie Furcht, daß ber Gegner ihn selbst bei dem Rettungswerk hinterrücks erschlägt. .Unter dem Eindruck des schweren Erlebnisses vollzieht sich die Aussöhnung: die Braut fällt dem zu, ber die älteren Anrechte hat. Zu Beginn ist die Szenenführung des Stückes und ber Dialog lebendiger, schwächt sich später etwas durch bie Wiederholung des Furchtmotivs und durch eine gewisse Redseligkeit der Hauptpersonen ab. Die Handlung ist fpannenb, bleibt jedoch im Raturalismus stecken; eine seelische Vertiefung tritt nur hie und da einmal hervor. Das Schauspiel seht sich aus 17 Szenen zusammen, die sich, Dank der Regie Hans Meißners, glatt abwickelten; auch die Darsteller wurden ihrer Aufgabe in vollem Maße gerecht. S. D. Verbände nicht festgelegt worden sind! dies hätte mir ohne Zweifel zwei Einwände erspart. Erstens ist esn ich t ausgedehnt genug. Wir hätten gerne alle Stahl produzierenden Ander, auch die mit weniger bedeutender Tonnage, darin eingeschlossen gesehen. Die Schöpfer des Kartells geben darauf zur Antwort, dah die Türe offen bleibt und diese Länder jederzeit eintreten können. Das ist richtig, aber mit welcher Quote? Aach welchen Grundsätzen? Wer gibt den Ausschlag, wenn über die auf die Produktion dieses oder jenes Landes bezügliche Tonnage eine Diskussion entsteht? Hier zeigt sich deutlich die Rotwendigkeit einer übergeordneten Organisation, einer Art von Wirtschaftsgerichtshof, vor den die Frage gegebenenfalls gebracht werden könnte, eines Versöhnungsgerichtshofes natürlich, der zu einer Art von Schiedsspruch gelangt. Der zweite Einwand geht dahin, daß, obwohl in diesem Kartell von einer Festsetzung der Preise nicht die Rede ist. die bloße Tatsache, daß die Verhältniszahlen der Produktion festgelegt sind, auf den inneren Märkten die Konkurrenz zwischen den verschiedenen beteiligten Rationen ausschaltet. Was soll dabei aus dem Verbraucher werden? Wenn die \ Leiter des Kartells nicht sehr vernünftig sind, könnten sie sich nicht vielleicht aus übertriebener Gewinnabsicht zu einer Heber st eigerung der Preise verleiten lassen? Einige von ihnen kenne ich persönlich und habe das Vertrauen, dah sie nicht in diesen Fehler verfallen werden. Aber das ist doch nur eine Hoffnung, und damit derartige Uebereinkommen nicht Zorn erregen und keine Opposition in der öffentlichen Meinung Hervorrufen, müssen Garantien dafür gegeben werden, dah die Verbraucher nicht der Willkür eines Menschen oder eines nur aus Produzenten zusammengesetzten Komitees ausgeliefert sind. Indessen begrühe ich diese erste Verwirklichung mit Freuden. Besser etwas als gar nichts: es wäre durchaus falsch, denen, die durch ihr Beispiel den Weg gewiesen haben, Vorwürfe zu machen. Wir müssen auf diesem Wege weitergehen, allerdings nicht ohne die gewissen Sicherungen, von denen ich gesprochen habe. ____ __ Oberhesien. Landkreis Gietzcn —Klein-Linden, 9. Nov. Mit der Errichtung eines Ehrenmals für die im Weltkrieg gefallenen Söhne unserer Gemeinde befaßte sich eine Bürgerversammlung in der neuen Schule, zu der sich der Bürgermeister, der Pfarrer und die Vorstände von etwa 20 hiesigen Vereinen eingefunden hatten. Es wurde ein Denk- malsausschuh gewählt, dem als 1. Vorsitzender Ar. Schimmel, als Schriftführer Jul. I u n g , als Rechner W. Germer, ferner Bürgermeister Jung, Pfarrer Ackermann, Hch, L u h u. a. m. angehören. Regierungsbaumeister Schneider vom Kreisbauamt Gießen wurde mit der Herstellung eines Modells betraut, das in Kürze hier ausgestellt werden soll?Das Ehrenmal soll in Granit ausge- führt werden; es wird etwa 6—8000 Mk. kosten. Als Standort hat man u, a. den alten Friedhof an der Wetzlarer Straße ausersehen. Die Kosten sollen größtenteils durch freiwillige Spenden in Ortssammlungen aufgebracht werden. Auch erwartet man, daß die Gemeinde einen Zuschuß zur Unterstützung dieser guten Sache gibt. Ein gutes Vorbild hat der Raiffeisen-Verein Klein-Linden gegeben, indem er bereits im Frühjahr auf seiner Generalversammlung eine namhafte Summe zur Errichtung des Denkmals zur Verfügung stellte. Die Grundsteinlegung des Ehrenmals soll im kommenden Frühjahr erfolgen. — Der hiesige Gesangverein „Eintracht" hielt am Sonntag eine Generalversammlung ab. Es wurde u. a. beschlossen, eine neue Vereinssatzung anzufertigen, die jedem Mitglied ausaehändigt werden soll. Der 1. Vorsitzende Hch. Luh warb für die Errichtung des Ehrenmals und erwartet von allen Der- einsmitgliedern, daß sie sich bei der Ortssammlung so beteiligen, wie sie es bereits vor mehreren Jahren bei der Vereins-Ehrentafel bewiesen hätten. ck. Heuchelheim, 9. Nov. Am Sonntag- t abend hielt der hiesige Gesangverein „Liede r k r a n z" unter Leitung seines Dirigenten F(9 örlach - Gießen in der Turnhalle sein erstes Konzert ab. Der etwa 800 Personen fassende '* Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Vortragsfolge wickelte sich unter Mitwirkung der Ka- Da$ große Würfelspiel. (lUartina Vilemar.) Roman von Franz lauer Kappus. 38 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Heddsnhausen fiel zurück. „Ja, warum?" Er rundete die Augen, als wundere er sich selbst. „Das ist ja die Geschichte. Vielleicht reitet mich der Teufel. Vielleicht bin ich manchmal nicht recht bei Sinnen. Jetzt zum Beispiel, wenn ich da sitze und Sie an- starre: auf einmal habe ich kein Mark in den Knochen, der reine Jammerlappen. Machen Sie den Mund auf und verlangen Sie etwas; ich tue es. Fordern Sic, daß ich stehe, in bin dabei. Sagen Sie ein Wort: ich schmeiße alles hin und wandere nach Australien aus. Alles, was Sie wollen, geschieht." Hcddenhausen ballte die Faust auf dem Tisch. „Ich bin Ihr Knecht geworden, Fräulein Wile- mar." Er lächelte. „Ihr armer, hilfloser Knecht." „Sie sind doch so stark, Herr Heddenhausen", sagte Martina und verstand, was in dem Manne vorging. Hart bedrängt fühlte sie sich plötzlich. „Was soll man da tun?" fragte Heddenhausen und ließ die Blicke kreisen. „Die verfluchte Zeit, in der wir leben! Lauter Barrieren riegsum, lauter Gitter. Wäre es eine andere Zeit: Himmel, ich wüßte mir zu helfen!" Seine Augen blitzten drohend. .Herr Heddenhausen!" rief Martina, aufs äußerste beunruhigt. Er lachte wild. „Müssen Sie den Burschen heiraten? Ausgerechnet diesen Windbeutel? Könnte es nicht -in anderer sein?" Martina senkte die Stirne. „Ich muß Benno heiraten", sprach sie leise. „Müssen? Wer muß?" „Ich muß, Herr Heddenhausen", nickte Martina entschlossen. „Es ist gar nicht anders möglich, als dah ich Benno heirate." Im selben Augenblick trat Kreuth durch die Tür. In seiner braunroten Lederjoppe und in den gelben Gamaschen kam er direkt vom Kursus. Die Reste der Kriegsausrüstung taten jetzt gute Dienste. Sofort sprudelte Kreuth los. Wie ein Tier habe er den ganzen Tag in der Werkstätte geschuftet. pelle Topp aus Gießen vortrefflich ab. In sehr gefälliger Weise wurden Lieder von Mozart, Kämpf, Hansen, Schnuß, Wohlgemuch usw. zu Gehör gebracht. Die Herren Kehrmann (Flöte) und Topp (Piston) erfreuten durch prächtige Solovorträge. Den Schluß bildete der mit Blasorchester vorgetragene Chor „Wieland der Schmied" von Host- mann. Reicher Beifall belohnte die Sänger und ihren feinsinnigen Chormeister, sowie die Kapelle. £ Wieseck, 9. Nov. Durch die nunmehr abgeschlossene Feldbereinigung machte sich eine Neuverpachtung des Gemeinde- und Kirchengeländes notwendig, die am Samstag an Ort und Stelle vorgenommen wurde. Wie zu erwarten war, hatten sich hierzu außerordentlich zahlreiche Interessenten eingefunden. Die erzielten P a ch t p r e i s e sind wesentlich höher als bei früheren Verpachtungen. Diese Erscheinung ist aus den Umstand zurückzuführen, daß sämtliche Grundbesitzer gelegentlich der Feldbereinigung einen 7prozentigen Abzug an ihrem Grundbesitz erhielten, der zur Erschließung des neuangelegten Wegenetzes erforderlich war. Dadurch wurde der einzelne Grundbesitzer in seinem Anbaugelände geschmälert, der Ausfall mußte also durch Pachtgelände ausgeglichen werden. Für weiter entfernt gelegene Grundstücke, so bei der Badenburg, in der Heide usw. wurde ein Pachtpreis von 1 Pf. pro Quadratmeter erzielt, hingegen erzielten Grundstücke in der Nähe des Ortes Pachtpreise von 3 Pf. und mehr pro Quadratmeter. Besonders günstige Aecker, bei denen von vornherein mit einem guten Ertrag zu rechnen ist, waren heiß umstrittene Objekte. Die Gemeindekasse kann diese Mehreinnahme bei den mannigfachen Anforderungen sehr gut gebrauchen. Eine Verpachtung des sehr ausgedehnten Wiesen- g e l ä n d e s fand nicht statt, hierbei wird an der seitherigen Hebung festgehalten und die G r as- nutz u n g alljährlich bei der Heu- und Grummeternte versteigert. Auch hier dürfte, bei der sich immer mehr bessernden Beschaffenheit der Wiesen, mit einer erklecklichen Mehreinnahme gerechnet werden. be. Mainzlar, 9. Nov. Hier konnten in den letzten Tagen wieder drei Neubauten unter Dach gebracht werden, von denen zwei noch dieses Jahr bezogen werden sollen. Die Bauten wurden ermöglicht durch Darlehen der Gemeinde und des Staates. Voriges Jahr erstanden in unserem Orte sogar fünf neue Häuser. Damals konnten Darlehen nur in kleinerem Maße gewährt werden, wodurch die Bauherren gezwungen waren, sich die Bausteine selbst herzustellen und auch manche Handwerkerarbeiten selber zu machen. — In diesem Jahre kam auch unsere Gemeinde zu einem Sportplatz. Er befindet sich an der Hachborner Straße und wurde von Arbeitslosen angelegt. Schon verschiedene Wettspiele wurden im Laufe des Sommers auf ihm ausgetragen. 's Treis a. d. Lda., 9. Nov. Bei einer gestern in der Försterei Treis abgehaltenen Treibjagd wurden 3 Rehe, 3 Hasen und 1 Fuchs zur Strecke gebracht. — Um dem durch die Feldbereinigung entstandene Mangel an Ob st bäumen (es wurde damals eine Unmenge von Apfel- und Zwetschenbäumen unnötigerweise entfernt) wieder auszugleichen, beziehen die hiesigen Landwirte alljährlich größere Sendungen junger Bäume durch die Vermittlung der Landwirt- schaftskammer. Auch in diesem Herbst sind schon viele Bäumchen gepflanzt worden. Bekanntlich ist der Herbst die beste Zeit für diese Arbeit. — Am Sonntagabend gab der Gesangverein Ljede r k ra n z in Wills Saal einen Konzert- und Theaterabend. Unter Leitung seines Dirigenten Konrad Ni ckolai - Großen-Buseck brachte der Verein eine große Auswahl trefflich eingeübter Männerchöre zu Gehör, die von fleißiger Vereinsarbeit und gutem musikalischen Verständnis zeugten. Den musikalischen Teil hatten einige Herren von der Kapelle Topp übernommen, die ebenfalls Vortreffliches leisteten. Nach dem Konzert kam ein von Dereinsmitgliedern und ihren Damen fein und sinnig gespieltes Theaterstück zur Aufführung. Mit einer kleiner Tanzunterhaltung fand der schön verlaufene Abend seinen Abschluß. z. A l l e n d o r f a. d. Lda., 9. Rov. Vor kurzem wurde hier ein Hundezüchterverein gegründet. 3m Anschluß hieran fand am Sonntag hier eine Propagandavorführung des Hundezüchtervereins Lollar statt. Es wurden Führungen mit und ohne Leine, Springen, sowie als interessantester Teil die Mitwirkung des Hundes zur Aufdeckung von Verbrechen gezeigt. Die Vorführung wurde von den zahlreichen Zuschauern äußerst beifällig ausgenommen. In jeder Beziehung sei er bereits auf dem Damm. Niemand könne ihm mehr etwas vormachen. Freilich, das wichtigste folge noch: die Prüfung vor der Hauptverkehrsstelle des Polizeipräsidiums. „Komme ich durch, dann kann es losgehen." „Der Anlaß wird natürlich gefeiert", sagte Heddenhausen freundlich. Wieder hatte er sich vollkommen in der Gewalt. „Ein kleines Abendessen zu dritt: Sie werden doch nichts dagegen haben, Fräulein Wilemar?" „Sehr verbunden", sprach Kreuth an ihrer Stelle und verbeugte sich leicht. Erst hinterher sagte Martina still: „Gerne, Herr Heddenhausen/ Eine Weile schaute Heddenhausen schweigend zum Fenster hinaus. Dann empfahl er sich förmlich. Auch Kreuth und Martina gingen bald. „Wie hast du Heddenhausen eigentlich kennen- gelernt?" fragte Kreuth, als man in der Untergrundbahn saß. Kurz berichtete Martina von der ersten Begegnung. „Und weiter?" „Das habe ich dir doch schon erzählt, Benno." „Alles?" Kreuch zog die Mundwinkel herab und senkte das linke Augenlid leicht. „Alles hast du mir erzählt? Also harmlos, durchaus harmlos?" Martina haßte diesen Gesichtsausdruck. „Wie kannst du nur fragen, Benno?" Kreuth lächelte mokant. „Im Grunde — rührend diese Selbstlosigkeit!" Rasch fügte er hinzu: „Ich würde ihm auch nicht raten, weniger selbstlos zu sein." In Martina klaffte etwas schmerzlich. Seit Benno wieder da war, standen solche Fragen und Anspielungen auf der Tagesordnung. Schon der Ton verletzte. Eine abgefeimte Ueberlegenheit lauerte hinter den leicht hingesprochenen Worten. Konnte Benno so etwas überhaupt in den Bereich der Möglichkeit ziehen? War nicht jede Silbe eine Beleidigung? „Ich dulde das nicht länger", sagte Martina, als Kreuth wieder einmal dergleichen gesprochen hatte. „So kannst du mit anderen reden, aber mit mir nicht!" Im Augenblick duckte sich Kreuth. „Verzeih, Liebes: so war es nicht gemeint." Alles Fremde schwand aus seinem Antlitz. Demütig wn. Weickartshain. 9. Noo. Die Gewerkschaft Luise, die ihren Bergwerksbetrieb feit 1. Oktober o. I. stillgelegt hat, beabsichtigt jetzt, ihn in beschränktem Umfange wieder z u eröffnen. In der Vorkriegszeit wurden im Durchschnitt täglich 150—160 Tonnen gewaschenes Eisenerz produziert und mit der Eisenbahn oer» fruchtet. Während des Krieges erhöhte sich diese Zahl auf 200—220 Tonnen durch Verlängerung der Arbeitsschichten. ri. Cid), 9. Nov. Arn Sonntagnachmittag versammelte sich in der Marienstiftskirche die Jugend unserer Stadt zu einem besonderen Jugendgotte s d i e n st, den Stiftsdechant Lenz unter Mitwirkung des Posaunenchors und des Frauenchors hielt und der einen tiefen Eindruck auf die zahlreich erschienene Gemeinde machte. ri. Nieder-Bess innen, 9. Nov. Während des Krieges entstand hier einAlicefrauenverein, der unter der Leitung der Lehrerfamilie Graulich stand und eifrig für unsere Soldaten arbeitete und sammelte. Da uns Lehrer Graulich vor einem Jahr durch den Tod entrissen wurde und seine Familie letzt von hier weggezogen ist, war es nötig, den Verein neu zu gestalten. Zu diesem Zweck versammelten sich am Sonntag alle Frauen unserer Gemeinde. Pfarrer Schorlemmer von Lich hielt einen Vortrag über die Aufgaben und Arbeiten der Frauenoereine. Man beschloß, im Winter jeden Monat einmal an einem Abend im Schulsaal, der zu diesem Zweck freundlicherweise von dem Gemeinde- rat zur Verfügung gestellt wurde, zusammenzukom- men, um edle Geselligkeit und geistige Unterhaltung zu pflegen und dabei Handarbeiten für wohltätige Zwecke anzufertigen. Der Vorsitz wurde auf einstimmigen Wunsch Frau Prinzessin Ludwig zu Solms-Hohensolms-Lich auf Hof Mühl« sachsen übertragen, die auch die hiesige Mädchenvereinigung leitet. Die Verbindung mit dem hsssi- .schen Roten Kreuz soll auch fernerhin aufrecht erhalten werden. ri. Cangsborf, 9. Nov. Unser Ortsgeistlicher, Pfarrer Klingelhösfer, verläßt demnächst unsere Gemeinde, in der er seit Herbst 1915, allerdings mit einer Unterbrechung durch Kriegsdienst, tätig war. Er verläßt seine oberhessische Heimat und tritt in den Dienst der Braunschweiger Landeskirche über. bs. Rodheim b. Hungen, 9. Rov. ’2Iuf Veranlassung des Bürgermeisters Hofmann fand hier eine Vorführung von Pflügen der führenden deutschen Pflugfabriken statt. Man hatte dazu die am schwersten zu bearbeitende Flur „Am Theresia" gewählt. Wüt über 200 Bauersleute» aus den umliegenden Ortschaften Langd. Rabertshausen, Steinheim und Antr.'-W.ddersherm hatten sich eingefunden, um die Leistung der neuesten Pflüge zu beurteilen. Auch die Fortbildungs- schulen der Umgegend waren anwesend. Rach- einander wurden in Doppelgespannen oder bei Zweischarpflügen vierspännig die einzelnen Pflüge in der Arbeit gezeigt. Man war erstaunt, wie leicht dieser allerschwerste Tonboden mit diesen Spezialmarken zu bearbeiten war. Kreis Friedberg. B. R o d h e i m v. d. Höhe, 9. Noo Gelegentlich einer Besuchsreise bei den Kinderpflegestationen der hiesigen Gegend hielt in unserer Kinderschule die Reiseschwester Lydia Roth vom Diakonissenmutterhause Nonnenweier hier einen Vortrag vor Frauen und Mädchen der Gemeinde über die Geschichte und die Arbeit des Diakonissen- hauses Nonnenweier, das feit Jahrzehnten die hiesige Station mit Schwestern versorgt hat. Kreis Büdingen. „T Ridda, 9. Rov. Wohl aus der Einsicht heraus, daß nur sachverständige Bewirtschaftung des Bodens geeignet ist, die landwirtschaftliche Produktion zu steigern, weisen die Besuchs - ziffern der landwirtschaftlichen Schulen in diesem Jahre erfreulichen Zuwachs auf. Die hiesige Schule konnte im ersten Jahre ihres Bestehens über 30 Schüler in die Unterklasse aufnehmen. Bübingen hat eine Schülerzahl von über 80 in zwei Klassen. In Schotten, wo schlechte Verkehrsverhaltnisse und der harte Winter des Vogelsbergs die Besucherzahl beeinträchtigen, kann auch der letzte Lehrgang für die Obrrklasse in diesem Winter nicht mehr stattfinden, da nur ein kleiner Teil der im Vorjahre Aufgenommenen sich zum Weiterbesuch entschließen konnte. Somit ist schon in diesem Herbst die landwirtschaftliche Schule daselbst aufgelöst. schaute er Martina an. „Dieses Hundeleben da unten," murmelte er, „halb verkommen ist man dabei." Er griff nach ihrer Hand und umklammerte sie fest. „So ift’s gut. Immer hätte es so sein müssen." Fast sitbenweise fügte er hinzu: „Bald wird es ja endgültig so sein." Dazu lächelte er eigen. Spitze Nadeln drangen Martina ins Herz. War das das Glück? Lächelte das Glück mit solchen Lippen: halb freudig, halb wehmütig? Und klang aus ihr nicht selbst der gleiche Widerhall? Frohlockte das Glück vielleicht in chr? Länger als ein Jahr hatte man sich gebangt. Bis zum Rande war jede Stunde voll Pein und Sehnsucht gewesen. Und das Wiedersehen kam — und es war ein Tag wie jeder andere. Die Welt sprang nicht aus den Fugen, der blaue Himmel barst nicht. Gleichgültig liefen die Wochen weiter, gleichgültig reihten sich die Dinge. Immer aufmerksamer horchte Mattina in sich hinein. Wo blieb der jauchzende Ton, auf den sie wartete? Wie ein dunkler Waldsee breitete sich ihre Seele. Kein Sturm und keine Sonne ging darüber. Der liebe Gott wußte, wo das Leben indessen brauste und weiße Funken aus Menschenherzen schlug. So weit war man alldem, so unendlich fern. Nichts als Ruhe war das ganze Dasein. Was manchmal aufschäumen wollte, verebbte rasch. Die Bestürmung über Heddenhausen, die Zweifel an Benno, die beschwingten Stunden im Krankenhaus: wie ein Stein versank alles, wenn der Anlaß vorüber war. Ring legte sich an Ring, bis der letzte kaum noch fühlbar an das Ufer des Bewußtseins stieß. Stand die Zeit still, flog sie vorbei? Aber es kam der Tag, an dem Benno so weit war. Mit vorzüglichem Erfolg hatte er feine Prüfung bestanden. Der Fahrtausweis lag am Polizeipräsidium zum Abholen bereit. Ungezwungen gratulierte Heddenhaufen. Im Adlon hatte er ein Souper auffahren lassen, das seiner Routine zur Ehre gereichte. Immer wieder stieß er mit Martina und Kreuth an „Aus eure Zukunft, meine Lieben!" Merkwürdig flackernd sprangen seine Augen umher. Jedesmal nippte er nur an seinem Glas. Lange Minuten saß er bann schweigenb ba, bie ausgestreckte Hand auf dem Tisch. △ Nidda, 9. Noo. Die Kapelle des Reichswehr-Inf. - Regt s. Nr. 15 aus Gießen gab am Sonntag tn der neuen Turnhalle hier ein Konzert, das von Obermusikmeister Löb er persönlich geleitet wurde. Das nachmittags ausgeführte Blasmusikkonzert wies einen befriedigenden Besuch von Nidda und Umgebung auf. Daß aber viele Musikliebhaber in einem geschlossenen Raume die Streichmusik der Blasmusik oorziehen, bewies der bedeutend stärkere Besuch des Konzerts am Abend, bei dem die Streichinstrumente ausschließlich zur Geltung kamen. Das sehr geschickt ausgewählte Programm wurde nadjmittags und abends in vorzüglicher Weife durchgeführt. Die einzelnen Musikstücke riefen oft stürmischen Beifall der Zuhörer hervor. Dem Abendkonzert folgte Tanz. Für den Turnverein war das finan- zielle Ergebnis der ganzen Veranstaltung befriedigend. Bei der vor acht Tagen vorgenommenen Verlosung der Geldlotterie des Turnverems hatte man ganz außerordentliches Glück, indem der Hauptgewinn von 1200 Mk. auf ein Los fiel, das der Turnverein selbst spielte. Ebenso fiel auch bie Prämie dem Turnverein mit 150 Marp zu. bs. Ober-Widdersheim, 9. Rov. Die Erweiterungsbauten des Hartbasaltwerkes I. Rrckel sind nun beendet. Gegenwärtig wird das letzte Stück der Straßenüberführung tn Eisenbeton vollendet. Zur Behebung der hier herrschenden Wohnungsnot laßt die Firma ein Doppelwohnhaus errichten, das noch vor Winter in Rohbau zu stehen kommen soll. Infolge der Rachfrage nach Bascrltsteinen sind die beiden hiesigen Dasaltwerke vollauf beschäftigt. Erwerbslose gibt es hier nicht, Kreis Schotten. ~ . =.== Aus bem Kreise Schotten, 9. Noo. In nächster Zeit werden in den Schu - len des Kreises Schotten mit Unterstützung des Kreisschulamts Vorträge über unsere ehemaligen Kolonien durch einen guten Kenner derselben, den Gouoernementssekretär Dietz aus Darmstadt, gehalten werden. Kreis Alsfeld. •er. Homberg a. b. Ohm, 9. Noo. Die wäh- renb der Inflationszeit erbaute Stabtha11e ölrb jetzt immer mehr in das Stadtbilb eingefügt. Da bie Jahre vorher ber Zugangsweg in schlechtem Zustande und häufig sehr schmutzig war, wurde er In diesem Sommer neu hergerichtet und mit Gossen versehen. Längs ber Häuserreihe würbe ein Fußsteig angelegt. Jetzt ist man daran, zwischen dieser Zugangsstraße und der höher gelegenen Hauptstraße eine stattliche Mauer zu errichten, und beide, dem Postamt gegenüber, noch durch eine Treppe zu verbinden. Da man schon stets darauf bedacht war, den vor der StabtaUee gelegenen Turnplatz burch Anfahren von (Erbe, Schutt u. bgl. z u oer» großem, hat man jetzt auch auf dieser Seite mit ber Errichtung einer stabilen Mauer begonnen, bie aber noch nicht ganz uoUenbet ist. Der Platz wirb bann so groß, baß sämtliche Märkte, Zirkus, Turnaus- sührungen, Juxplätze usw. bnrt genügend Raum finden. Leider ist die Stadthalle äußerlich noch nicht verputzt, was aber wohl auch nur eine Frage der Zeit sein dürfte. — Das Werk Neuhaus der Firma (Sehr. Himmelsbach, das in feiner Blütezeit etwa 100 Arbeiter beschäftigte, steht leider noch i m m e r ft i 11, so daß die hiesige 21 r b e 11 s- (ofigfeit noch keine Verminderung erfahren hat. = Ober-Ohmen, 9. Rov. In ber jüngsten Gemeinderatssitzung wurde eine Erhöhung der elektrischen Licht- und Kraftstrompreise beschlossen. Seither stellte sich die Kilowattstunde auf 40 Pf. bei Licht und 35 Pf. bei Kraftstrom. Der Umbau von Holzmasten auf Dachständer und die Durchführung anderweitiger Verbesserungen brachten es mit fichi, dah eine Erhöhung auf 45 und 40 Pf. eintreten muhte. Um dem seither beobachteten Anschluhunfug mancher Kreise wirksam zu begegnen — unsere Gemeinde ist Großabnehmer des Heberlandwerkes, die Stromversorgung stellt einen eigenen kaufmännischen Betrieb dar —, wurde die Mindestabnahme von Kraftstrom auf 80 KUvwatt-Stunden pro Jahr festgesetzt, ferner wurde die Mindestabnahme von Licht auf 12 Kilowatt-Stunden pro Jahr festgelegt. — Bezüglich des Voranschlags des Kirch» s p i e l s Ober-Ohmcn, Ruppertenrod, ilnter- feibertenrod für das Rechnungsjahr 1926 wurde die Gemeinde Ober-Ohmen aufgefordert, Schon nach bem Beluga-Kaviar unb ben Austern war Kreuth in Stimmung. Mit allen Sinnen sog er bie Atmosphäre bes vornehmen Raumes ein. Das viele Licht, bas blitzende Silber, bie festlich gekleideten Menschen: alles rebellierte sein Blut. Mit bem Finger markierte er bie Synkopen bes Jazz-Or- chesters. Lange war es her, baß man so eine Luft geatmet hatte. Heute hatte man ein Recht bazu. Schweres war erlebigt. Silles weitere würbe ein Kinberspiel sein. „Martina. Siebling!" Lachend wandte Kreuth ihr bas Antlitz zu. Nie war Martina ihm schöner erschienen als in biesem Augenblick. „Trink doch auch einen Tropfen!" Martina ließ sich nicht bitten. In einem Zuge leerte sie ben schweren Wein. Doch ber Erfolg blieb aus. Nicht um einen Grab würbe ihr wärmer ums Herz. Alles in ihr sehnte sich fort von hier. ? Heddenhausen sah von seinen Hamburger Kücken auf. „Liebes Fräulein Wilemar: so geht bas nicht!" Er lächelte in seinen Teller. „Ober sind wir bei einem Leichenschmaus?" „Leichenschmaus ist glänzend", stellte Kreuth fest. Noch einmal bat er von bem Salat Lorette. Gleichzeitig begann er mit einer Geschichte, bie in Zermatt spielte unb von einem überaus gefräßigen Engländer handelte. „Ganze Berge Salat schlang ber Mensch in sich hinein!" Wieder griff er nach seinem Glas. „Unb ber Arzt hatte ihm boch gerabe Salat verboten. Aber so find die Menschen. Immer schmecken die verbotenen Früchte am besten." Mit der Hartnäckigkeit bes Leichtbenebelten spann Kreuth bas Thema fort. Groß mahnten Martinas Augen. „Benno!" rief sie leise. Aber er hörte sie nicht. Wieder trug er die verhaßte Miene zur Schau. Seine Blicke streiften umher. Ganz fühlte er sich in feinem Milieu. Jeden Moment lächelte er ohne Veranlassung. Auf einmal fragte Heddenhausen: „Unb die Wohnungsfrage? Haben Sie über bie Wohnungsfrage schon nachgedacht, Fräulein Wilemar?" „Daheim ist Platz", sagte Martina kurz. „Unb ber Berus — Ihren Berus werden Sie doch aufgeben?" (Fortsetzung folgt.) 1200 ML. für unbekannt« Zwecke zu befahlen. Der Gemeinderat war nicht abgeneigt, den Betrag zu bewilligen, machte die Zustimmung jedoch von der Bekanntgabe des Der- Wendungszweckes abhwigig. Da sich die Kirche weigerte, den Zweck der Gemeinde initau- teilen, so lehnte der Gemeind^at die D e w i l l i - gung des Betrages ab. Daraufhin legte die Kirche beim KreiSamt in Alsfeld Revision ein, und die Gemeinde wurde nun von dort aus aufgefordert, den Betrag zu zahlen. Da auch auS der krrisamtlichen Anforderung der Verwendungszweck nicht hrrvorging. beschloß die Gemeindeverwaltung, auch die kreisamtltche Anforderung abzulehnen und es auf ein Derwaltungs st reitverfahren anlom- men zu lassen. Ls bleibt abzuwarten, zu wessen Gunsten dieser Streit enden wird. Ober-Ohmen, 9. Nov. Unsere Gemeinde wurde in diesem Jahre durch verschiedene außergewöhnliche Ausgaben sehr in Anspuch genommen. Einige Arbeiten, die für hiesige Verhältnisse ansehnliche Beträge erforderten, waren im Voranschlag für das laufende Rechnungsjahr nicht vorgesehen. Hierher gehört vor allem der Umbau des elektrischen Ortsleitungs- Netzes, das Eigentum der Gemeinde ist. Der Betrag von 2000 Mark dürfte dafür kaum ausreichen. Um die Gemeindekasse nicht zu sehr au belasten, sollen die Arbeiten in diesem Jahre nicht xu Ende geführt werden. Der Umbau des Schulge- b ä u d e s und die Instandsetzung der Sch ul sä le erforderten mindestens 3000 Mk. Für die Herstellung des Pfarrhauses waren etwa 1000 Mark vorgesehen, und für die demnächst stattsindende Reparatur unserer Kirchen- orael 2500 Mark. Zu den letzten beiden Summen mutz die Gemeinde zwei Fünftel beitragen, in den Rest teilen sich die beiden Filialgemeinden. Zu dielen zum Teil unvorhergesehenen größeren Arbeiten kommen zahlreiche kleinere, die ebenfalls die Gemeindekasse sehr belasten. Infolgedessen mußten andere sehr nötige Jnstandfetzungs- und Unterhalt tungsarbetten verschoben werden. Eine gründliche Reparatur des Gemeindehauses und der Lehrerwohnung soll im kommenden Jahre vorgenommen werden. Sehr nötig ist auch der Neubau oder der Ankauf eines Armenhauses, da das jetzige baufällig ist. Die Orts st raßen und die Feldwege bedürfen gleichfalls dringend der Jnstondsetzungsarbeiten. So harren für das Jahr 1927 der Gemeinde manche kostspielige Arbeiten, die den Gemeindesäckel erheblich belasten werden. Aber unsere Gemeinde kann sich, gestützt aus schönen Waldbesitz, der einen guten Ertrag abwirft, und auf ansehnlichen Besitz an Aeckern, Wiesen und Obstanlagen, doch mehr vornehmen als manche ärmere Gemeinde. l. Elbenrod, 9. Nov. Trotzdem unser Dorf nur etwas über 300 Einwohner zählt, besitzen wir eine verhältnismäßig große Zahl von Arbeitslosen. Dies kommt vor allen Dinaen daher, daß der Q u a r zi t sie i n b r u ch in der „Dick" seinen Betrieb sehr eingeschränkt bat. Früher verdienten nicht nur die meisten Ar- beiter unserer Gemeinde, sondern auch viele aus Bersa, Lingelbach und Eifa dort ihr Brot. Auch die Arbeitsmöglichkeiten in der Möbelfabrik und den Webereien zu Alsfeld find zur Zeit ungünstig. Es ist darum ein Glück, daß die Gemeinde die Arbeitslosen beim Bau der Straße von hier nach Eifa beschäftigen kann. So hat man im vergangenen Frühjahr auch den Weg noch dem Friedhof neu heraestellt. In vielen Familien hat man auch den Webstuhl wieder hervor- geholt: die Hausweberei blüht wieder auf. Eine große Kunstfertigkeit besitzen die hiesigen Weber in dem Herstellen von altdeutschen Decken und dergleichen Webwaren. Sehr zu begrüßen ist es, daß mancher Vater nun auch wieder seinem Sohn dieses Handwerk, das wirklich eine Kunst ist, lernt. Ein gutes Handwerk hat immer noch einen goldenen Boden. Kreis Lauterbach. 8 Dirlammen, 9. Rov. Auf Anregung des Kreisfeuerwebrinspektvrs wurde die Umwandlung der hiesigen Pflichtfeuerwehr tn eine Freiwillige Feuerwehr beschlossen. Die anwesenden Pflichtfeuerwehrleute traten der neuen Organisation restlos bei. Rheinhessen. WER. Mainz, 9. Rov. Die Stadtverordnetenversammlung wählte gestern in geheimer Sitzung den Stadtbaurat Maurer, Oppeln, zum technischen Beigeordneten der Stadt Mainz. Ferner wurde der Errichtung einer A u t o I i n i c von Mainz über Bretzenheim, Ober-Olm und Stadecken nach Rieder-Olm zugestimmt. Die Fahrpreise werden sich zwischen 20 Pf. und 1,90 Mk. bewegen. Ebenso wurde der Errichtung einer Autolinie nach Hochheim zugestimmt, da dem Dau einer Straßenbahn noch große Schwierigkeiten gegenüberstehen. WSR. WormS, 9. Rov. 3m Dorfe Hamm bei WormS bedrohte ein Zigeuner, der bettelnd von Haus zu Haus zog, die Einwohner mit dem Messer, wenn ftl allgemeine Billigung findet, besteht für den zweiten nicht ohne weiteres Einhelligkeit der Meinung. Wir müssen Theologen der Bibel fein, der Rechtfertigung allein aus Gnade und Glauben. Der Protestantismus muß einstehen für Wahrheit und Gewissen. Der Weltprotestantismus ist heute angelsächsisch geprägt. Aber in der deutschen Theologie ist noch die deutsche Gesinnung vorhanden, das Einstehen für Wahrheit und Gewissen in Verbindung mit Luthers Lehre. Daß es eine Theologie geben muß, eine geschützte Stätte der Forschung und Lehre, ist wohl allgemein Ihre Meinung; wenn die Theologie dieser Art abftürbe, so würde man sie zurücksehnen. Es muß einen Platz geben, wo gedacht und verkündet werden darf, was als Wahrheit erkannt ist. Die Theologie lebt im Protestantismus. Lutherus vivit, Luther lebt!" Grüße überbrachten ferner noch Innere Mission und Badischer Hauptoerein. Nach diesem Höhepunkt fand die Tagung am Montag in geselligem Beisammensein ihren harmonischen Ausklang. Wirtschaft. •* Frankfurter Messen Im Jahre 19 2 7. Die vereinigten Fachausschüsse beim Messeamt Frankfurt a. M. haben in einer stark besuchten Versammlung- die Messetermine für das 3ahr 1927 festgelegt. Danach findet die Frühjahrsmesse vom 27. bis 30. März, die Herbstmesse vom 18. bis 21. September statt. ' Sin umfangreicher Schienenauftrag der Deutschen Reichsbahn. An der gestrigen Derliner Börse verlautete, daß die Deutsche Reichsbahn Aufträge im Gesamtbeträge von 800 000 Tonnen Schienen zu einem Preise von 135 Mk. die Tonne vergeben habe. Aus Anfrage wird dem DHD. beftättgt, daß Aufträge in größerem Ausmaße gegeben worden sind; doch legt man sich auf die obengenannten Ziffern nicht fest. * Die 3nsolvenzen der ersten Ro- vemberwoche. Während sich in der ersten Rovemberwoche die Anzahl der neuen Konkurse gegenüber der letzten Oktoberwoche geringfügig von 107 auf 114 erhöht hat, zeigen die neuver- hängten Geschäftsaufsichten einen prozentual viel höheren Rückgang von 45 auf 36. Rach Unter- nehmungsformen betrachtet, ergibt sich folgendes Bild: Konkurse wurden neu eröffnet bei 4 A. G. (3), 16 G. m. b. H. (13), 2 Komm.-Gef. (3), 3 eingetr. Genossenschaften (2), 3 offene Handelsgesellschaften (7). Geschäftsaufiichten wurden verhängt über 5 A. G. (—X 3 G. m. b. H. (—) und 4 o. H. G. (4). * Abflauen der Bauanmeldungen. Im Oktober wurden im Bautennachweis der „Bau- roelt" 3958 Wohnhäuser und 744 sonstige Bauten (Fabrikgebäude, Verwaltungsgebäude, Kirchen, Schulen, Krankenhäuser, Garagen, Brücken usw.) veröffentlicht, gegenüber 4260 Wohnhäusern und 1142 sonstigen Bauten im Vormonat. Im Oktober 1925 wurden 4598 Wohnhäuser und 1742 sonstige Bauten gemeldet. Krankfurtsr Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt, 10. Noo. Tendenz unsicher. — Die Börse hatte in Erwartung der Rede des Reichs- bantpräjibenten Dr. Schacht, die dieser heute im Enquete-Ausschuß zu halten beabsichtigen soll, ein unsicheres Aussehen. Die Spekulation hielt sich zurück, so daß die Umsätze recht bescheiden blieben. Die Lorbörse war immerhin fest und angeregt, für manche Werte aber schwankend. Bei Beginn des amtlichen Verkehrs war die Stimmung gedrückt bei uneinheitlicher Kurslage. Die Kauflust war äußerst gering, und der Geschäftsverlauf nahm einen lustlosen Charakter an. Eine Reihe von namhaften Werten blieb zunächst ohne Notiz. In etwas lebhafterem Verkehr standen Schisfahrtsaktien, von denen Nordlloyd um 1,75 Prozent anzogen. Hapag unverändert. Am Chemiemarkte kam es bei I. G. Farben zu großen Schwankungen. Vorbörslich zog das Papier bis auf 370 Prozent an (am Vorabend 367 Prozent) und senkte sich schließlich bis auf 363,5 Prozent. Montanaktien wiesen starke Unregelmäßigkeiten auf. Niedriger wurden Buderus minus 0,5, Harpener minus 1,5, Nheinstahl minus 2,25, Stahlwerke minus 0,75 Prozent, dagegen konnten fid) befestigen: Klöckner plus 2,5, Mannesmann plus 0,5, Mansfelder plus 1, Niebeck plus 2 Prozent. Kaliaktien höher. Don Chemiewerten büßten Scheideanstalt 2 Prozent und Goldschmidt 4,1 Prozent ein, dagegen Holzverkohlung plus 2 Prozent. Der Elektro- markt hatte zumeist gehaltene Kurse. Bergmann konnten sich um 2,5 Prozent befestigen. Am Banke n m a r 11 waren die Rückgänge, die etwa 2,5 Prozent betrugen, überwiegend. Nur Berliner Handel plus 1,5 Prozent. Dresdner gehalten. Deutsche und Darmstädter je minus 2 Prozent. Don Motorenwerten zogen Daimler um 1,5 Proz. an. Kleyer behauptet. 0 e l a f t i e n fest, besonders Riitgerswerke plus 1 Prozent. B a u st o f fa k t i e n uneinheitlich. Dyckerhoff plus 1,25, aber Holzmann minus 1,25 Prozent. Wayß & Freytag unverändert. Zuckeraktien fest. Badischer plus 2,5 Prozent. Zellstoffaktien konnten sich gleichfalls befestigen. Am heimischen Rentenmarkt zeigte sich etwas Interesse für Kriegsanleihe, die mit 0,835 eröffneten, später aber auf 0,827 nachgaben. Ausländische Stenten eher schwächer. Der weitere Verlauf brachte eine neue starke Verstauung der Gesamtbörse. Farbenaktien gingen bis auf 356 Prozent zurück. Diese Farbenbaisse verstimmte den ganzen Markt, der in schwacher Haltung schloß. Am Geldmarkt war reichliches Angebot vorhanden. Tagesgeld 3,5 Prozent, Monatsgeld 5,5 bis 7 Prozent, je Adresse. Privatdiskonten 4,65 bis 4,90 Prozent. Jn- dustrieakzepte 5,13 Prozent. Im Devisenoer' kehr erfuhren die lateinischen Valuten eine weitere Abschwächung. Mailand notierte gegen London 117,50, Paris 159,50. London gegen Kabel unverändert 4,8480. Die Reichsmark war gegen Kabel erneut schwächer mit 4,2125. Aranksurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 10. Nov. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 30 Mark; Roggen, inländischer, 24,75; Sommergerste für Brauzwecke 24 bis 26,55; Hafer, inländischer, 20 bis 20,25; Mais Weißkraut zum Einfckneideu. Rotkraut, Karotten, dicker Meerrettich, Blumenkobl, Schwarzwurzel», Mäuschenkartoffeln, Winterzwiebeln, Nuffe, Aevsel und Endivien ein- actroffen. Verkauf TonnerStaa früh 8 Nbr am Eina. vom Botan. Garten. Fra» Frosch, Tel. 1051 Vom 15. Rvvember ab beginnt mein MM-MW für Mädchen und Frauen. Kleider und Weihzeugnähen sowie Handarbeiten können gründlich erlernt werden. S. 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Doll--Schatz-Arurcilna..) — — — E 4’/o Zolllürken......... 18.3 18,12 _ — 5% Toldmerikana ..... 48.25 — — — 9 Novbr. 10. Novbr. Amtliche Noti.rung Amtliche Notierung (Sub Brier (Seid Bries ÄMst.» 9t0ll. 168.17 168,59 168,29 168,71 1.714 Buen.-Aircß 1.710 1.714 1,710 Brss.-Antw 58.68 58,72 58,58 58,72 Christianta. 105.22 105.48 105,28 105.54 Kopenhagen 111,91 112,19 112,00. 112,28 Stockholm 112,28 112.56 112,32 112,69 HelfingforS 10,576 10.617 10,58 10,62 Italien. . 17,66 17.70 17,57 17,61 London. . 20.393 20,445 20,397 20.447 Neuyork . . 4.2065 4,2165 4,207 4.217 Daris. . . 13,69 13,73 13,52 13,56 Schwei; . 61,09 bl.29 Sl.l.i 81,35 Spanien ■ 63,72 63,88 63.60 63,76 Japan . . . 2,067 2.071 2.067 2.071 Mo de Jan Wien in D-- 0,572 0.574 0,566 0,668 Oest. abgest 59,29 59,43 59,29 69.41 Prag .... 12,45 12,49 12,455 12,495 Belgrad . . 7,415 5,892 7,435 7,415 7,435 Budapest. . 5.912 5,892 6,912 Bulgarien 3,037 3,047 3,032 21,525 3,042 Lissabon 21.525 21,575 21,575 Danjig. . . 61,49 81,69 81.49 81,69 flonft'.nHn- 2,125 2.135 2,125 2,135 ?ltden 5,29 5,31 5,24 6,26 Canada. . . 4,209 4.175 1,219 4.21 4.22 Uruguay . . 4.185 4,185 4,195 Berlin. 9 Novbr Geld Brief Amerikanisch« Note» ..... 4,194 58,50 111,62 4,214 58,8) 112,18 Belgische Noten..... . . Dänische Noten ....... Englische Noten........ 20,359 20,469 Franchsssche Noten ...... 13,82 13,88 Holländische Noten ...... 167,73 168,57 Italienische Noten ...... Norwegische Noten...... Deutsch-Ocsterr., äioo Kronen 17,60 104,96 59.07 2,305 111,94 80,80 17,68 105,48 69.37 2,345 112,60 81,10 Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten ....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . 63.49 63,87 12,422 12,482 llngarische Noten....... 6.862 5,902 le Grüße u sein und us diese Be- emertte der ib der Pro- öährend der e Billigung )ne weitere; n Theologen i aus Gnade uß einstehen jprolestanti-' Wer in der ,e Gesinnung eit und Gk' hre. Daß e- jützle Ställe jemein Are rl abftürbt, einen Platz darf, was ie lebt im lebt!" -re Mission Höhepunkt em Beisan" ng durch rger in der Otto- Beamten Merschost men durtz > .Problem 'eingesührl. zeigen, daß -lehr- eine 'überlrossen llen Folge. wir diese. ' das neue !t wie das rn/cheu aus durch [ein geitaltenb muß, wie n werden mu^ den st sich die idee. Nicht Iturprssimis- der Mensch n den Dienst unterordnct, in die ®irb . Durch bist der Welt- n dir gr> -Wn, üt ,"n letzten |®J» heute Mit und uberschrit. l>ern evan- Gs Zen. kl Das soll ,eier!° 60 tnenftüoUen D- Diesem. m um den KapstSn. Suther. ieni .101 bl-ttt llmat Vtr i allen Apo- schmerz'«8 [WOHL ■"Ä ;W0Sschachld Äwg* No^'WÄ I9-10- ilwagen. leer von rh n.8°*n' ich Gieße"; unff werden mitsebracht onl^ k?°user emtOjent stL Abbahn l« über Me der bevor, ®nh. Bi* fÄ Gelten es. !S in . Qnb die ’MplOlg 0- wieder, bwartigen m und iefen fr, '«re (Ent. ablpielten nten mit 'n Sinn Einbruch IW Semen den Ein Roman. S384D (Neuauflage mit (Silbern von Earl Dantzer und einer Einführung von Will Scheller. Ganzleinenbanb 6 Mark. (Vorzugspreis bis zum 31. Ofr * tober 1926 4.80 Mk. AlfreÜ Sock Die Pariser Ur. 264 Dritter Blatt Ein chinesischer Roman 608 Aus dem Schrifttum fremder Völker. — Arthur Rimbaud, Gedichte. Ucbertragungen von Franz v. Rexroth. 109 6. ®r 8". Dioskuren-Derlag, Wiesbaden. — Arthur Rimbaud (1854 bis 1891) gehört in die ®ruppe der Symbolisten wie Verlaine und Mallarme. Wie bei Verlaine ist Leben und Dichten bei ihm untrennbar, man kann sein glühendes, abenteuerliches von wilder Tatkraft erfülltes Leben aus seinen Gedichten erstehen lassen. Anders als Ver- laine, dem nur vom Gesühl Vestimmten, beherrscht ihn Gefühl und Verstand. Das durchaus Sn» rellektuelle seiner Gedichte neben dem hmreryen- den Schwung der Leidenschaft macht chn so französisch, mehr als Verlaine, der, ihm zwei Jahre eng verbunden, immer wieder zum Vergleich herangezogen werden muh. Rimbaud erinnert an Dehmel in der Art, wie die durchaus Der- standesmähig erfaßte Sdee neben dem Gestammel der Leidenschaft steht, manchmal packend, meist -verletzend. Er beginnt, noch im Gymnasium, ganz klassizistisch mit Gedichten in balladesker Form: in Paris, wohin er aus Elternhaus und Schule entflieht, findet er sein eigenes Wesen. Rimbaud ist Impressionist, seine schönsten Gedichte, die den reinsten Eindruck hinterlassen, wo nicht der krasse Schluß das ganze verzerrt, sind meislerhast gefaßte Bilder, mit wenig Strichen farbig hmge- haucht, so „Der Schalk", „Die verblüfften Kinder , „Der Schläfer im Tal". Die künstlerische Entwicklung führt ihn von diesen impressionistischen Gedichten — Wiedergabe eines Augeneindrucks zu expressionistischen Gebilden, in denen eine reiche Phantasie um Ausdruck ringt. Unter ihnen sind „Das trunkene Schiff" — es gab dem Drama eine^> deutschen Dichters, der Rimbauds Lebensschicksal gestaltete, seinen (Hamen — „Die Läuse- suche.innen" und „Vo'.ale" die bedeutendsten. Hier isi die Wortkunst Rimbauds von vollendeter Meisterschaft, und von diesen Gedichten geht wohl der große Einfluß aus, den Rimbaud auf die ganze kommende Generation gehabt hat und noch hat. Die Meberitagung Rerroths ist zum größten Teile gelungen. Bisweilen bringt der Original- text in Sahbau und Wortwahl störend durch. Die meisten Gedichte aber sind wirklich deutsche Gedichte geworden, soweit ein absolut französischer Dichter in unsere Sprache übertragen werden kann. 469 — Marcel Prevost: Seine Gesiebte und ich. Uebersetzung aus dem Fran- Di« chinesische Literatur kennt „zehn Metster- vücher', die die eigentlichen klassischen Werke dieses uralten Schrifttums sind. Es smd terls Romane, teils Dramen, und imtet ihnen nt be- »onberv anziehend eine ErzMung, die noch heute von vielen Millionen in China eifrig gelesen wird. Es ist das vermutlich aus dem 17. JaDr- hun ert stammende „Hao kiu tschuan , das seinen Tsiel dem ersten Vers des berühmtesten chinesi» fajen Liederbuches, des Schilin^ entnimmt und wörtlich „Geschichte cim>r glücklichen Gattemwahl be eutet. Der überaus schwierigen Ausgabe, die- kn etwa 100 000 Schristzeichen umfassenden chi- ne f ischen Text mit seiner blumenreichen und feierlich getragenen Ausorucksweise in ein gutes Deut'ch umzugiehen, hat sich der Sinologe Tsranz Kuhn unterzogen und die erste deutsche Ori- ainalwiedergabe eines klassischen chinesischen Wertes im Insel-Verlag (343 E. 8-, Leipzig 1926) unter dem Titel „Eis Herz und Edel- iaspis" veröffentlicht. Die Verdeutschung der reichlich eingestreuten Verse wurde von bem Dichter Albrecht Schaeffer anmutig durch- geführt. Der Held der Geschichte, der junge Gelehrte, der den Rainen „Edeljaspis" führt, ist ein Wann von ebenso großem Wissen wie Muk und Entschlossenheit: als ein wahrer Weiser ist et ein Beschützer dec Armen und Wehrlosen, während er die gewalttätigen und betrügerischen Großen zur Rechenschaft zieht und über sie triumphiert. Ein mächtiger Beamter, der sich der Unterstützung anderer Würdenträger erfreut, will die schöne und kluge „EiSherz" gewinnen, aber „Edelsaspis" weiß alle die Intrigen und Verbrechen der Feinde zu durchkreuzen und^gewinnt schließlich nach vielen Gefahren und Aden- teuern seine Geliebte. Diese aber zeigt ihre Seelengröße und Charakterstärke, indem sie sich über die Schicklichkeit hinwegseht und den um ihretwillen beinahe vergifteten Edeljaspis in das Ennach ihres abwesenden Vaters bringen laßt, wo sie ihn aufopfernd pflegt. Damit bringt sie sich in schlechten Rus. denn sie hat etwas getan, was fein anständiges chinesisches Mädchen tun darf, aber ihre Reinheit siegt über alle Verleumdung, und so ist dieser Roman zugleich em Zeugnis der ersten Frauenemanzipation, die die Sitte um der wahren Sittlichkeit willen überwindet. Das Buch bietet ein getreues Abbild des chinesischen Lebens, wie es auch heute noch trotz aller Steuerungen in dem uns so wenig bekannten inneren China herrscht, und gewährt nach einem Wort des Geschichtsschreibers der ch nesischen Literatur Wilhelm Grube „die lehr- reichsten Einblicke in die nationale Eigenart und Kultur dieses merkwürdigen Volkes". Aber über das Chinesische hinaus vermittelt die Erzählung auch rein menschliche Eindrücke, wie fi$ schon Goethe im chinesischen Roman fand, als er chn in einer unzulänglichen französischen Bearbeitung eines solchen Werkes kennenlernte. Eckermann fagle zu ihm. ein solcher chinesischer Roman müsse wohl sehr fremdartig aussehen. „Richt so sehr, als man glauben sollte," erwiderte Goethe, .du Menschen denken, handeln und empfinden fast ebenso wie wir, und man fühlt sich sehr bald ihresgleichen, nur dcch bei. ihnen alles Ilarcr, reinlicher und sittlicher zugeht." — Die Ausstattung des Buches ist mustergültig. Roman stellt sich als ein Kulturbild von packender Wahrhastigkeit und Schönheit dar. Land und Leute erstehen vor dcm Leser in ihrer ganzen Ursprünglichkeit. Handlung recht sich an Handlung in lebendiger Entwicklung. Sprache und Zwiesprache stießt, offener Mutterwitz sprüht. Run gesellt sich Meister Bantzer hinzu, das Buch mit seiner Kunst zu schmücken. Man weiß, M) er m der ganzen Welt als großer Künstler geleiert wird. Der hessische Dichter und der hessische Maler haben sich zu schönem, vielsagenden Bündnis vereint. In allen Gießener Buchhandlungen vorrätig. Deutsche Landbuchhandlung G. m. b. H., (Berlin SW 11. Gietzenrr Anzeiger (General-Anzeiger siir Oberhessen)Mittwoch, 10. November 1926 (654) Seele. (Preis geb. 3,80 und 5 Mk.) Reclam, Leipzig. (Llniversal-Bibl. Rr. 6695.) — Wir haben an dieser Stelle bereits vor einiger Zeit auf den Dramatiker Robert Walter auf- mcrlsam gemacht als auf einen nicht gebührend beachteten Können in unserem modernen Schrifttum. Wir empfahlen damals die Tragikomödie — Herbert Eul »nberg läßt bei Bruno Cassirer in Berlin W 35 einen neuen Band Schattenbilder unter dem Titel .Sterblich iln» Bühnenleiter sollten sich dies dankbare, übrigens mehrfach gespielte Werk nicht entgehen lassen. 637 — Lulu von Strauß und Torney: Der Hof am Drink — Das Meer- minnete. Zwei Geschichten. (Verlag von Engen Diederichs. Jena. Brosch. 5,50 Mk., Leinen 8 Mk.) — Beide (Novellen führen den Leser ins Mittelalter zurück, in die Zeit der großen Glaubenskriege. Die erste Rovelle. in deren Mittelpunkt ein aufrechter, hartköpfiger Dauer steht, vom „Saturnischen Liebhaber", dje sich nicht unwürdig neben gewisse romantische Werke Eulenbergs stellt: wir freuen uns, heute in dem vorliegenden Drama, das durchaus das Zeug zu einer guten und echten Komödie in sich hat, den ersten Eindruck bestätigt zu sehen. In straffer Komposition und geistig-funkelnder S'.'nenfüh- rung rundet sich hier ein Spiel mit Menschen schwächste (Banö einer Romantrilogie. Der Kampf mit den Elementen, der die beiden ersten Dände beherrschte, tritt zurück hinter dem Kampf um das Geld. Spekulanten- und Schieberckypen voll krassen Egoismus' sind die „Helden" des Buches. Unsere Zeit kennt eigentlich diese Sorte Mensch zu gut. um sie in den hier gezeichneten Schemata als wahr und echt empfinden zu können. 543 — Sie und Ich. Roman von Jerome K. Jerome. (Llllstein-Verlag. Berlin.) -- Ein hübsches Anterhaltungsbuch, dem man einige angenehme Stunden verdankt. Als Reiselektüre bestens zu empfehlen, aber auch daheim an den langen Winterabenden ist es willkommen. 232 Schöne Literatur. durch Arbeiten vertreten. Don dann an entwickelte sich zwischen beiden und bald auch mit Goethe ein reger Briefwechsel, der das ganze literarische Schaffen der vier in seinen Kreis zog und uns retrospektiv wichtige und interessante Ausschlüsse vermittelt. 499 — Die köstlichsten dichterischen Werke G o 11 - Helfs sind jene volkstümlichen kürzeren Erzählungen, von denen über ein halbes Hundert vorhanden sind. Davon sind nun die schönsten, anderthalb Dutzend etwa, in einer 1300 Seiten umfassenden mustergültigen Ausgabe im E u g e n Rentsch Verlag, Münck;en, erschienen, zwei Bände vor Jahresfrist und jetzt der dritte Band. Dieser Band ist zweifellos der schönste. Wir finden da neben dem Erddeeri Mareili, vielleicht der meistgeliebten Erzählung Gotlhelfs, die herrlichste Idylle deutscher Sprache, „Der Sonntag des Großvaters", in der mit unerhörter Konzentration ein ganzes Leben mit Für den Büchertrsch Reisen und Abenteuer. — Kurt Hielsch er: Jugoslawien (Slowenien, Kroatien, Dalmatien, Montenegro, Herzegowina. Bosnien, Serbien). Verlag Ern t Wasmuch, Berlin W 8. — 3n dem großen Sammelwerk „Orbis terrarum“ saßt als neuesten Band der Künstler der Kamera, Hietschrr, dem wir schon so manches Meisterwerk auf oie-em Gebiet verdanken — erinnert fei nur an .Das unbekannte Spanien", das vor Jahren leinen Ruhm begründete, an „Deutschland" und die beiden ItalienbÄide — all das V eUaltige an Landschaft Volksleben und Baukunst zusammen, was der moderne Staat Jugoslawien, die Groß' macht des Daltans. in sich schließt. Die verschiedensten Völker, die verfch ebensten Kuckuren schneiden sich hier und leben auch heute noch hier nebeneinander, Orient und Okzident, haben hier zusammen gewirkt, um eine Mischkultur von eigenartigem Reiz her- Donubringen, wie wir sie auf europäischem Boden kaum ein zweites Mal in dieser seltsam cinbntd- lieben Prägung beobachten können. Griechen. Römer, Germanen, Slawen, das alte römische Reich deutscher Ration mit seinem ungarischen Ausläuser, Venedig in der Blüte feiner Macht, die Osmanen und schließlich, die verschiedenen südslawischen Völker selber, sie alle haben hier in - herrlichen Bauten Doku.nente ihrer eigenartigen Kultur zurückgelassen. Vielfältig wie die künstlerischen Ausdrucks ormen ist die Landschaft. Sie dalmatinische Küste, schroff und bizarr, ihr vorgelagert eine pittoresk zerklüftet« Inselwelt, mit der üppigen Vegetation des Mittelmeers, an Resz keinem andern südlichen Gestade nachstehend. Das Hinterland von durchaus alpinem Charakter, mit tiefen Taleinschnitten, mit herrlichen Wäldern und Seen. Im Rordwesten, nach Mitteleuropa aus vorgestreckt, das rauhe, wasserarme Karstgebirge, großartig in seiner nackten, trostlosen Einsamkeit, berühmt durch die Grotten und unterirdischen Flüsse, ilnb nach Süden zu, die malerische Landschaft um äckesrüb und Prileb mit vielen alten befestigten Städtchen, seinen Klöstern und Stiften, das .Herz" Serbiens, von wo bic Sürlenbcfreiung und der Aufbau der modernen jugoslawischen Macht begann. So spricht eine reiche Geschichte aus diesen Bildern, noch mehr eine Landschaft und ein — durch besonders zahlreiche Ausnahmen ausgezeichnet dargestelltes Volksleben zu uns, die des A.ischauens und des gründlichen Studiums wert sind. Keinen besseren Führer gibt es dazu als Hielscher und seine Billter. 440 — A. Radclyssc Dugmore: Frieden im Sudan. Mit der Filmkamera auf dem Anstand. 46 Abb., 2 Karten, 283 S. 8". F. A. Brockhaus, Leipzig 1926. — Unter ägyptischem und türkischem Joch, dann und wann in oyn- mächtigem Zorn der Verzweiflung sich auflehnend, nur um in noch tiefere Abhängigkeit gepreßt zu werden, versklavt, entrechtet und gefesselt, waren die Stämme des Sudan jahrhundertelang aller Willkür preisgegeben. Sie hatten verlernt darauf zu hoffen, die Leitung ihrer Geschicke je selbst wieder in die Hand zu nehmen. Auch heute hat die Stunde der Selbstbestimmung für diese Völler noch nicht geschlagen. Doch seit mit der blutigen Riederlage des Mahdi und der Derwische der letzte verzweifelte Ausstand der Sudanesen zu- ammenbrach, übt der Engländer die Aegierungs- gewalt im Lande aus. wenn auch dem Hamen nach mit ägyptischer Assistenz. Und der Engländer versteht zu kolonisieren. Durch großzügige Eisenbahnbauten und durch die Anlage des neuen großen Rildammes bei Sennar versucht England die lange zurückgehaltene Entwicklung des zutunstreicheu Gebietes zu fördern. So ist in den letzten 40 Jahren in dem lange von blutigen Ausständen heiingesuchten Lande Frieden eingezogen, die Bevölkerung beginnt sich zu erholen und auf ein Leben produktiver Arbeit eiitoufteilen. Das etwa ist in groben Umrissen der Kern des neuen kleinen Reisewerks von A. R. seiner vielgestalten Umgebung in die knappe Zeit weniger Stunden zusammengedrängt ist. Dann den Besenbindcr von Rychiswyl. in solidem Holz aus dem Leben geschnitten, und als Gegenstück die markante Prachtiigur Barthlis des Korbers mit feinem eifersüchtig behüteten schönen Töchterlein. Hart und eine Zeitlang recht bedrohlich geraten in „Oberamt mann unb Amtsrichter- Adelsstolz und Bauerntrotz aneinander, bis schließlich der Konflikt mit feinem Humor einer harmlos friedlichen Lösung zugeführt wird. Tief ins menschliche Gemüt schaut Gotthclf im ,,'^fuch" und in der rührenden Geschichte von der 5rau Pfarrerin, dem letzten Werk Gotlhelfs. — Ls find Juwelen deutscher Erzähliingskunst, die in diesen drei Bänden geboten werden. Sie stehen über der Mode, aber sie verraten eine ungeheure Kenntnis des Lebens und zeigen dem heutigen Menschen von neuem das Bild seines Wesens und feiner zöfifchen von R. Leder und M. Fuchs. Internationale Bibliothek G. m. b. H. Berlin W 66. — Prevosts neuer Roman ist der typische, gute, französische Unterhalttmgsroman. Der Held seziert rückschauend alle Phasen einer großen Leidenschaft mit beinahe medizinischer Genauigkeit. Er tut das so genau und peinlich, daß man kühl dabei bleibt und eben diese Leidenschaft nicht miterleben kann. Aber das und die Ich- Form, dazu die unaufdringliche Mahnung, daß andere, Jüngere klüger handeln sollen, begegnet in französischen Romanen ähnlichen Genres oft. Prevost ist ein guter Erzähler, er fesselt von Anfang an, wenn man die etwas mühsame Einleitung überwunden hat. Reu ist die Konstellation der nordisch-kühlen Frau zwischen den romanischen Männern: dem einen gehört sie durch das Recht einer geistigen Freundschaft, der andere gewinnt sie kraft des Rechtes der alles besiegenden Zusammengehörigkeit des Blutes und der Seele. Das Titelbild erweckt falsche Vorstellungen: das Buch ist ein durchaus ernsthaft gemeinter Eheroman, kein Reiher. 514 — Knut Hamsun, Der wilde Cho Einbandentwurf von Rafaelo Busoni. (In Pon- genette gebunden, mit Goldschnitt und Kassette 5 Mk. Verlag I. M Spaeth.) In einem Nachwort zu dieser Ausgabe spricht Hamsun über das Zustandekommen seiner Verse und feiner Prosa. Er zählt sich nicht zu den großen Lyrikern, die im Augenblick der Inspiration unmittelbar ein Gedicht in vollendeter Form hervorbringen. Das zeugt von seiner großen Bescheidenheit. Seine Gedichte find nicht aufwühlend modern, sondern schlicht und oft herkömmlich in der Form, aber sie sind immer beseelt und von einem tiefen Gefühl beschwingt. Neben volkstümlichen Motiven findet sich Liebe in allen Spielarten, neckisches Liebesspiel und romantische Schwärmerei, erstes schamhaftes Erwachen des Gefühls und die große Leidenschaft mit ihrer verzückten Hingerissenheit und tiefen Verzweiflung. Als Grund- ton aber durchzieht das Buch das beseligende Einsgefühl mit dem All, das berauschende Mitklingen der Seele im „wilden Chor" der großen Natur. In der lauten Zwiesprache seines Herzens findet er sich selbst wieder und die Freude an allen, auch den kleinsten Dingen. Und er sticht über das Gezappel der Menschen unb sticht zuletzt über sich selbst und die närrische Rolle, die er unter ihnen gespielt hat. (552) — Ernst Diding: Spekulanten, Roman. (Verlag Georg Westermann in Braunschweig.) Er ist der dritte, leider aber auch der — Einen wertvollen Beitrag für die Beziehungen der Klassiker zur frühen Romantik bietet der soeben im Insel-Verlag zu Leipzig erschienene Briefwechsel der Brüder Schlegel mit Schiller und Goethe. Sämtliche vorhandenen Briefe hat der im Kriege gefallene junge Dresdener Literarhistoriker Dr. Ernst Wieneke gesammelt. Josef Körner hat ihnen einen sehr eingehenden, wertvolleit kritischen Apparat beigefügt. Hm 1795 herum traten die Brüder Schlegel — Friedrich Schlegel ist allerdings nur mit einigen wenigen Briefen vertreten — in Beziehungen zu den Weimaranern. August Wilhelm hatte über Schillers „Künstler" eine größere Abhandlung erscheinen lassen und Schiller forderte nun seinerseits den jungen Literaten zur Mitarbeit an seiner Zeitschrift „Reue Thalia" , ------- -~-r , auf In den späteren -Horen" war er dann bald unserer Zett. Im ^bema der Munchhausenfabel - — ~ 1 1 jener Tragikomödie nicht ganz unähnlich, gestaltet die Hahnenkomödie das ebenso alte, wie immer junge Motiv Vater und Sohn (das Motiv jeder jungen Generation) im Spiegel eines ober- slächensernen, nach innen gekehrten und sehr inenschlich empsundenen Humors, bei dem einem die klassische Formulierung einfällt: Humor ist. wenn man trotzdem lacht. - Spürsinnige Dugmore. Der Autor, englischer Afrikareisender uno Tierphotograph, war mit der Absicht, auch an den Ufern des Äils Vogel- und Tieraus- ________ _ nahmen zu machen, in den Sudan getomme-n; I sterbliche" erscheinen (Preis geh. 5 Mk.), der doch der Weidmann, auch der mit dem Objektiv, mit vollen Händen in d'.e Iahrhund rtc der ist von den Launen des Zufalls nur allzu ab- Menschheitsgeschichte hineingreift und Porträts hängig, und so verdarb auch hier ein ungünstiges I hervoryolt. die es wert sind, angeschaut zu n>er- Geschick dem Filmmann den Plan. Aber man den. Mit seiner packenden, frischen, unvermittelten weih nicht, ob man das bedauern soll, denn so Art. Charaktere zu zeichnen, indem ihr ganzes hatte Dugmore Muße, sich mit Land und Leuten Milieu vor uns entsteht, hat Eulenberg auch h er dieses auch uns Deutschen sehr wenig bekannten wieder eine ganze Reche ausgezeichneter, scharf ge- Gebietes eingehend zu befassen und uns ein le- febener Skizzen geschaffen. Von größter Feinheit, bendiges Bild ihrer Schicksale zu vermitteln, von subtilster Empfindsamkeit das Porträt Paula Trotzdem spielt auch das Wild eine (Rolle: wir Rlodersohns, famos frisch Franz Hals, sehr g'.ud- erleben ausregende Elesantenjagden und schwi- lich auch Leopardi, wc.ter die Muster Derlioz, rige Vogelausnahmen mit, und die zahlreichen Liszt, Gluck, Händel, die Dichter Pascal, Balzac, gut wiedergegebenen Abbildungen, die das Buch I Goldoni. Milton, Klopstock, Stifter und Anzen- schmücken. geben ein anschauliches Bild von dem gruber, die beiden 'Dänen Andersen und Jacobsen, photographischen Können des Verfassers, wie auch I die Maler Eanaletto, Reyno.ds, Friedrich, Leibi, von den Gegenständen und Personen, die sein um nur einig«? aus dem reichen, anregenden Buch Interesse fesselten. Das in geographischer, politi- zu nennen. 536 scher und zoologischer Hinsicht gleich interessante — Zwischenzwer Frauen. Eine Sch lck- Buch wird bei dem heute so regen Interesse an salsgeschichtc von Herbert Eulen berg. 198 Q. Aegypten und dem Sudan viele Freunde finden. 8°. Ganzleinen 5 Mark. 3. Engelhorns Rachf., 572 Stuttgart 1926. — Das alte Thenra vom Grasen »on Gleichen, das immer aufs neue zum Künstler- , ~ "d^run gen rrn Q ue ens land cr[e£)ni5 wird, Gestaltung fordert und wohl me busch. Von W. L. Vuxley lVerlag Kurt ^^$5^ werden mag. Die schillernde Pro- V ow r ncke l, Dsrlu^Grunewald. Prns 7 Mk). blcmalit bie vielfältigen Möglichkeiten des - Ern auherordentllch seffelndrs Rmsebuchdas Motivs scheinen sich bereits in den beiden Faß den Leser u^lpan^nver Werse mit der^unber ?upgen bcr Voetheschen „Stella" durchsichtig ge- Welt der australischen Landschaft bekannt macht. nu» symbolisiert zu haben. Eulenberg ruckt das Puxley erwerst sich dannals ern rerzvoller $rei ftirn feiner sehr sein umrissenen Haupt- Erzahler, dem man mit großem Genuß folgt. galten ins tragische Wetterleuchten eines Schrck- Vrele vortrefflrche Dckddrucke bereichern1 dre Text- s^romans. Die versöhnlich mögliche Fassung schrlderung in bester Weise. ®.m Vr ch sei di nur siimmungsbckdhaftes Bor- warme Empfehlung mitgegeben. 1 sp^l. Der Mann zerbricht an seiner Doppelliebe — Berühmte Weltfahrer. Von A und steht am Ende vereinsamt, da er beide Frauen v. Ezibulka. (Drei Maslen-Verlag. München.) verlor, zwischen zwei Toten (die freilich in ihren — Ein sehr wertvolles Buch. Von Marco Polo Kindern, seltsam vertauscht, wieder au^zuerstehen über Brehm, Barth, Livingstone. Stanley, Shack- ober seelenverwandelt weiterzuleben scheinen). Das leton Ämundsen bis Sven Hedin: aus den reichen jst natürlich so möglich, oder anders: im inneren Erlebnissen dieser Männer auf ihren großen ®esüge des vom Dichter Erzählten muh es not- Forschungsreisen, von ihren packenden Aben- wendig und unabweisbar „so" sein, und man folgt teuern erfahren wir hier. Diese WirklichkeitS» diesem Roman willig, miterlebenb, ergriffen bis schilderungen sind spannender als alle erdichteten ans Ende. Dabei denkt man wohl zuweilen Erlebnisse in phantastischen Romanen. Weit und ans „Gänsemännchen" und ans „Zweite Gesicht": vezaubernd schön tut sich hier die Welt vor uns aber dennoch ist Eulenberg immer ein Eigener, auf. Dieses Buch birgt in sich selbst die allerbeste gand er selbst, in seiner psychologischen Feinsühlig- Empfehlung. Man behalte es für den Weih- teit, seiner flackernden Leidenschaftlichkeit, seinem nachtstisch im 2^uge. 382 ganz behutsam und zart atzentuierenden Stil. 523 — Hans Knobloch, Die Liebeschronik Seiner Durchlaucht. Roman aus dem achtzehnten Jahrhundert. 379 Seiten. (Ganzleinen 6 Mk. Verlag der I. G. Eottaschen Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart.) Held des farbenreichen Werkes ist der Herzog Joachim Georg, eine Kraftnatur aus fernen, versunkenen Tagen. Wie er zur Welt kommt, an dein Tag, an dem seine Mutter stirbt, wie er, ein junger Wildfang, heranwächst und als Vier- zehnjähriger verlobt wird, als Sechzehnjähriger die ersten Liebensabenteuer besteht und wie dann seine Liebcschronik von der kleinen Schusterstochter zur Venezianerin und Kolombine über die große Liebeskünstlerin in Paris und über die mannweidijche Sennerin in die Ehe mit der ihm einst Verlobten führt, wie damit der Reigen seiner Liebesabenteuer nicht schließen kann, sondern neu anhebt und sich weiterspinnt bis an sein Lebensende, das ist der Inhalt dieses Buches. (667) — Die Hahnenkomödie. In drei Akten. Von Robert Walter. 80 S. Klein 8°. Philipp spi-elt im Wesenlanden unter den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, während d'.e zweite das erste Eindringen der Reformation in Holland schildert. Das Gewissen eines jungen Kaplans wird durch das grausame Schicksal einer schönen jungen Ketzerin geweckt, so daß er mit Familie und Kirche bricht und zum Anhänger der neuen Lehre wird. Kraft, die sich zügeln weiß, ist das Kennzeichen dieses Buches, dessen Persönlichkeiten in balladenhast eindringlichem Stil gezeichnet sind. Dieses Buch bereitet dem fein empfindenden Leser köstliche Feierstunden. 213 — Das Fräulein und der Levantiner. Don F. v. Zobeltitz. (Llllstein-Derlag. Berlin.) — Ein wundersames und wechseldvlles Schicksal, das in dieser Erzählung ein deutsches Mädchen in der Rot der Rachkriegszeit mit einem Griechen aus Konstantinopel zusammenbringt und lange -Zeit beisammenhält. Re'zvvll hat Zobeltitz mit aller Meisterschaft die Handlung geformt, prächtig die Personentypen ge^ichnet. wunderbar die Mil euschtlderungrn herausgearbeitet. Kurz: Dieser Roman ist ein neuer guter Zobeltitz voll höchster Spannung. Das Buch empfiehlt sich selber. 224 — Diel Lärm um Liebe. Roman von QL M. Frey. (Drei Masken-Derlag, München.) — Eine phantastische Erzählung, an der man sein Ergötzen hat: die „Abenteuer" einer Königskrone im Hutkoffer. -Zum Teil voll feinen Spottes, daneben aber auch durch'lutet von frisch pulsieren-- dem, echten Menschentum. F:sselnd bis zum letzten Augenblick, wo die mit ständig steigender Spannung verfolgte Schürzung des Knotens ihre hübsch gestaltete Lösung findet. Dieser Roman dürfte sich viele Freunde erwerben 383 — Hans Richter: van Utrechts romantische Reise. (Verlag Dr. P. Langenscheidt, Berlin W 57.) — Der bekannte und gern gelesene Verfasser der vortrefflichen Jndustrie- romane „Der Hüttenkonig", „Tradition" u. a. hat uns in diesem neuen Q5krf wieder eine köstliche Gabe geschenkt. Der Roman spielt in der internationalen Diplomatie und Hochfinanz: Berlin, Konstantinope.', Re York, Rotterdam, Haag. Tiflis, Baku sind die Orte dec Handlung. Die Brennpunkte des Geschehens liegen in T.flis und Baku in der Zeit der staatlichen Reuorientierung nach dem Kriege. Fein gezeichnet sind die Dolkstypen, die hier als Handelnde auf der Schaubühne erscheinen, meisterhaft sind die M lieuschilderungen. Reben dem Holländer steht ein deutsches Ge- schwisterpaar im Vordergründe des Gestehens. Hochstrebender, staatsbildrnder Kaufmannsgeist ringt mit der Kleinlichkeit von Krämerseelen, mit diplomatischen Intrigen, die an dem Genfer Völkerbund ihre Stütze haben, und erliegt schließlich an Ort und Stelle, bleibt aber dennoch herrschend für den weiteren Entwicklungsgang des neuen Staatswesens. Die Packend gestaltete Handlung hält den Leser bis zum Schluß in stärkster Spannung. Dem Buch gebührt ein bevorzugter Platz in dem Bücherschrank jedes Gebildeten. 343 — Der Ritt in dieSonne. Roman von Paul R o s e n h a y n. Drei Masken^Verlag, München.) — In feiner Gestaltungskunst versteht der Dichter seine Leser immer ftärter in den Dann der Erzählung zu ziehen. Dis zuletzt hält die hohe Spannung an, mit der nuttn den Geschehnissen folgt. Ein köstliches Buch, das viel Freude bereitet. 380 — Der Glücksfilm. Roman von Monica Ewer. (Drei Masken-Verlag, München.) — Eine fröhliche Geschichte: reich an tollen Einfällen und köstlichen Verwicklungen. Schauplatz: London. Hairdelnde: Glücksritter vom Film einerseits, ein junger Lord andererseits. Mit Recht sagt der Verlag: Hier ist er, der' lustige Filmroman unserer Zeit! Das sehr unterhaltsame Buch wird vielen gefallen. 381 — „D e r grüne S) u t", Roman von Michael Arien (Verlag Ullstein, Berlin). Die eigentümliche Schönheit dieses Romans liegt in der Kunst, mit der in einer Folge reizvoller Zwischenfälle die Spannung gesteigert wird, die sich erst am Schlüsse mit dramatischer Kraft entlädt. Eine schöne Frau kämpft gegen die Vorurteile der englischen Gesellschaft mit der Freimütigkeit der gleichen Rasse. Sie hat den Mut, ihr eigenes Leben zu leben, die Kraft, eine große Liebe zu wahren, den Stolz, sich selbst zu Wisern. Ebenso wie die Heldin sind eine Reihe von Charakteren fein und eindringlich gezeichnet. (466) y — D i e Prinzessin von BabeL Roman von Oskar G l u t h. (Verlag L. Staack- nrann, Leipzig.) — Der Dichter macht uns mit dem reichen Leben einer jungen Deutschamerikane- rin, der Erbin unfaßbaren Reichtums und Besitzerin selten hoher Geistesgaben,bekannt. Das Buch ist ein reizvoller Roman für die Frauen, der diese in hohem Maße fesseln wird. Starker sittlicher Gehalt ist ein weiterer Vorzug des empfehlenswerten Buches. 247 Aus Po itik und Geschichte — Fritz Vigener: Drei Gestalten aus dem modernen Katholizismus. Verlag von R. Oldenbourg, 1926. — Am 2. Mai 1924 ist Fritz Vigener, Ordinarius für Geschichte an der Landesuniversität, seinem Leiden erlegen: noch bis zum 6. April hatte er an diesem seinem letzten Werk gearbeitet. So blieb die letzte der drei „Gestalten" unvollendet. Mit feinem Takt hat die kongeniale Gefährtin seines Lebens darauf verzichtet, das Fehlende zu ergänzen, offensichtlich geleitet durch Goethes tiefe Erkenntnis: „Ein Kunstwerk ist in jedem Stadium fertig." Denn wie in Digeners Lebenswerk, dem monumentalen „Ketteler" — dessen Bedeutung die seinen hochgesinnten Schöpfer verblüffende Wut der „Gegner" ebenso bewies wie die Anerkennung der Unbefangenen — handelt es sich hier nicht um eine jener rein wissenschaftlichen Leistungen im gewöhnlichen Sinn, die mit Gelehrsamkeit, Verstand und Fleiß zu erledigen sind, — wie wohl jede Großtat des Geistes und namentlich jedes wertvolle Geschichtswerk sind die „Drei Gestalten" letzten Endes ein Ergebnis kunstver- Wan Mer Eingebung und Gestaltung. Methodische Menschen haben sich gewundert, daß Vigener immer wieder Kirchcnmänner der Reuzeit „zum Stoss wählte": denn fein offizieller Leisten war .mittlere Geschichte" (auf deren Gebiet er übrigens ebenfalls Vortreffliches geleistet hat). Diese ordentlichen Menschen wissen nicht, was der große Flaubert gewußt hat: „On ccrit des chefs- d’oeuvre sous le coup d’une inexorable fatalit6.“ Ohne Paradoxie kann man sagen: der wahre Schriftsteller wählt nicht feinen Stoff, der Stofs wählt ihn, und nur der kleine Rormalschreiber, der aus Ehrgeiz oder Gewinnsucht nach der Feder greift, „sucht Stoff". So kam Fritz Vigener, dieser tiefe und charaktervolle Mann, der sein Leben lang mit religiösen und kirchlichen Problemen rang wie Jakob mit dem Engel, zu den drei Gestalten aus dem modernen Katholizismus Möhler, Diepenbrock und Döllinger — dessen von Denkarbeit und Leid zerwühltes Gesicht Lenbach so ergreifend dargestellt hat —, und er hat sie nicht von außen gesehen und abgemalt, sie sind von innen erfaßt und mit Blut und Leben erfüllt. Auch von diesem letzten Werk des Fünfundvierzigjährigen, der auf der Höhe seiner Entwicklung dahingemuht hat, gilt, was an dieser Stelle von seinem „Ketteler" gesagt wurde: es ist ein Denkmal deutscher Forscherfreude, deutscher Hingebung, deutscher Ehrfurcht. 630 Dr. G. E. — Hessische Agra rges chichte im 17. und 18. Jahrhundert insonderheit des Kreises Hersfeld, mit 2 Kartenskizzen von Dr. Lerch-Schenklengsfeld. Preis 5 Mk. Verlag Hans Ott-Verlag, Hersseld. — So lautet der Titel des neuesten Werkes der hessischen Heimatgeschichte. Es ist bis jetzt die erste und einzige Arbeit ihrer Art und schildert vor allem das Leben des Landvolkes im alten Kurhessen, ihre Sitten und Gebräuche in den vergangenen Jahrhunderten. Der Verfasser, durch Herkommen und Beruf aufs innigste mit den Verhältnissen vertraut, hat es geschickt verstanden, die Geschichte der Vergangenheit lebendig zu machen. Aus seinem einfachen Stil spricht neben strenger Sachlichkeit eine tiefe Heimatliebe. Ob er von den Meiereien, Leib-, Laß- und Landsiedelgütem, von Grundzinsen, Zehnten und Frondiensten, von Forst- und Fischerei, von Leinen- und Bier- und Dranntweinbereitung usw. handelt, überall geschieht es mit größtem Interesse, überall findet man ganz Reues. 643 — G. B. Volz: Das Sanssouci Friedrichs des Großen mit einem Anhang: Das Sanssouci von heute (mit 21 Textabbildungen und 76 Tafeln, Ganzleinen 15 Mk.). Verlag K. F. Koehler, Berlin W 9. — Einer der besten Kenner der Geschichte des großen Preußenkönigs spricht hier an Hand eines ausgezeichnet ausgewählten und ebenso gut wiedergegebenen reichhaltigen Bildermat?rials über Fr edrichs Lieblingsschloß, feine persönlichste Schöpfung, dem wunderbarsten Zeugnisse seines Wesens, des Menschen und Künstlers Friedrich. Wir verfolgen an Hand der zeitgenössischen Schriftstücke die Dau- geschichte des Schlosses, das Werden des Parks als Spiegelbild von des Königs Entwicklung. Ein besonderer Reiz liegt uoer diesem Bande, der uns Friedrichs Persönlichkeit in einer seiner Schöpfungen nahebringt. 567 Rechtsliteratur. — Stein-Ionas: Die Zivilprozeßordnung für das Deutsche Reich (12. und 13. Auflage 1925 und 1926, Tübingen, Verlag von 9. C. B. Mohr sPaul Siebecks). Der große zweibändige Kommentar, der seit geraumer Zeit in Lieferungen in 12. Auflage erschienen ist, und an dieser Stelle schon einmal besprochen wurde, liegt nunmehr vollständig vor. Wie sehr diese Auslage einem allgemeinen Bedürfnisse entsprach, beweist die Tatsache, daß, während die Herausgabe der 12. Auflage noch nicht beendigt war, bereits eine 13. Auflage notwendig wurde. Der heutige Verfasser hat es in hervorragender Weise verstanden sich in den Geist seines großen Vorgängers einzufühlen. Auch in den neuen Teilen des Kommentars tritt die aus den alten Auflagen bekannte Klarheit Disposition und Trennung des Wichtigen vom Unbedeutenden hervor. Das benutzte Material ist wissenschaftlich und systematisch durchgearbeitet und damit das An- sammeln und Aneinanderreihen wahllos gesammelter Zitate, wie es aus anderen Kommentaren zur Genüge bekannt ist, vermieden worden. Sehr zu begrüßen ist die weitere Ausbildung der den einzelnen Abschnitten vorausgestellten längeren Vormerkungen: sie führen das Werk übe- das rein Kommentarmäßige hinaus zu systematischer Darstellung. Um so anerkennenswerter ist dies, als es fast vollständig an Lehrbüchern oder dgl. neueren Datums im Zivilprozeßrecht fehlt. Auch erleichtern diese Vorbemerkungen sehr das Auffinden der Darstellung grundlegender Fragen. Ob das Verteilen der Entlastungsverordnung an die jeweils geeignete Stelle im Gesamtkommentar ein glücklicher Griff war, mag dahingestellt bleiben: es erschwert doch sehr das Finden der fraglichen Gesetzesstellen. In Besprechung von einzelnen Abschnitten einzutreten, verbietet der Raum. Das Buch, das sich schon längst den ersten Platz unter den Kommentaren gesichert hat, ausdrücklich zu empfehlen, erübrigt sich." (570) — Heinsheimer: Hebungen im bürgerlichen Recht (4. Auflage 1926, Berlin, Otto Liebmann). Heinsheimers Fälle sind weder für die Dozenten noch für die Studenten eine Neuigkeit. Sie erfreuen sich schon längst allgemeiner Beliebtheit und werden viel in Hebungen und in Stunden der Examensvorbereitung benutzt. Nunmehr sind sie in neuer Auflage erschienen. Es sind 170 Fälle, die uns durch die verschiedensten Gebiete des Bürgerlichen Rechtes führen. Möge das Büchlein auch dieses Mal den Erfolg herbeiführen, dem es sein Verfasser zugedacht hat, dem Studenten das Grundsätzliche und Bleibende in der flüssigen Rechtsmaterie nahezubringen! Daß die Fälle frei von Aufwertungsfragen sind, ist sehr begrüßenswert, da es für den angehenden Juristen nichts Bedenklicheres gibt, als gerade diese mit den Regeln von Treu und Glauben übermäßig gesättigten Streitfragen aus diesem Gebiet. Die streng systematische Auslegung muß dem Anfänger nahegebracht werden, die freiere Auslegung im Sinne der Regeln von Treu und Glauben muß späterer Zeit vorbehalten bleiben. (562) Naturwissenschaften. — Im Dienste des heimatlichen Naturschutzes und der hessischen Vogelkunde erscheint soeben im Verlag H. Robert in Grünberg, Hessen ein neues Werk: Karl Rudolf Fischer „Das Vogelbuch von Vogelsberg, Wetterau und Rhön" mit vielen, aus Künstlerhand stammenden Abbildungen. Autotypien nach Lichtbildaufnahmen, und einem Geleitwort des bekannten deutschen Naturforschers und Schriftstellers Dr. Curt Flocricke. Zum ersten Male wird in dem vorliegenden Heimatbuche der Versuch gemacht, eine einheitliche Grundlage zum Studium der Wohngebiete und der Verbreitung unserer hessischen Vogelwelt zu schaffen. Dem Werk liegen außer einem reichen Beobachtungsschatz des Verfassers die Beiträge eines großen Mitarbeiterkreises und die Angaben eines umfangreichen Schrifttumes als Material zugrunde. Es ent- hält eine umfassende Zusammenstellung aller in dem Beobachtungsgebiet vorkommenden Stand-, Zug- und Durchzugsoögel. Eine besonders günstige Möglichkeit zum Kennenlernen der Vögel bietet das Werk dem Laien dadurd), daß der Verfasser im Gegensatz zu der seither in der zoologischen Literatur üblichen systematischen, wissenschaftlich überaus trockenen Behandlungsweise einen neuen Weg eingeschlagen hat und die Dogelwelt von Vogelsberg, Wetterau und Rhön nach ihrem Standort und Vorkommen, also nach biologischen Gesichtspunkten geordnet, aufzählt, so daß jeder sofort weiß, wo er die betreffende Vogelart zu suchen hat. Aus dieser Grundlage entwickelt der Verfasser die innigen Beziehungen, die zwischen Landschaft und Dogelwelt bestehen, die bedingt sind durch die Eigenart von Untergrunö und Aufbau des Bodens, vom Klima des Landes, von feiner Flora, und somit siedlungsgeschichtliche Bedeutung haben. So ergibt es sich von selbst, daß in diesem Zusammenhang auch die noch kaum behandelten Gebiete der Ausbreitungs- und Besiedlungskunde zum Gegenstand der Betrachtung gemacht werden und somit auch die Tierpsychologie, der Vogelzug und Vogelschutz eingehende Berücksichtigung finden. Die Stärke des neuen Heimatbuches bilden die im Anschluß an die wissenschaftliche Aufzählung der einzelnen Arten gebrachten, in Form von Naturschilderungen gehaltenen Aufsätze über Volk und Vogelwelt. Gerade dadurch, daß der Verfasier die rein wissenschaftlichen Abschnitte des Buches trotz feines Aufbaues auf gediegen wissenschaftlicher Grundlage auf das ge- ringft notwendige Maß beschränkte, und, unterstützt durch gemeinverständliche, unterhaltende Darstellungsweise, durch anschauliche Form und Lebendigkeit der Sprache der volkstümlichen Seite des Vogelbuches einen starken Raum ließ, wird es geeignet sein, unserer seither so überaus stiefmütterlich behandelten hessischen Vogelwelt zu ihrer weiteren Erforschung uzt) immer größerem Schutz viele Freunde zu werben. — Das Aerztliche Volksbuch Gemeinverständliche Gesundheitspflege. Herausgegeben von Dr. med. Heinrich Mena. Stuttgart, unter Mitwirkung von Dr. med. Paul Federn, Wien und Dr. med. Karl August Fiehler, Berlin und Mitarbeit von über 40 Aerzten und Raturforschern. 1650 Seiten Gcoßoktav, und 110 teils farbige Tafeln. Hippokrates-Berlag. G. m. b. H., Stuttgart-Berlin. — Es handelt sich hier um einen zwar umfangreichen, aber notwendigen Ge- fundheits-Schatzbewahrer, der uns erst theoretisch dann praktisch nach allen Richtungen mit unserem Recht und unserer Pflicht gesund zu sein, vertraut macht. Im ersten Bande wird Bau und Funktion des menschlichen Körpers und die Gesunderhaltung an Körper und Seele in Wort und Bild dargetan. Ohne daß der Gegenstand verflacht wurde, werden die schwierigsten Dinge mit schöner Klarheit leicht faßlich gemacht. Man lernt die ungezählten Bestandteile unserer Lebensmaschine kennen, sie wird vor unserem Auge auseinandergenommen. wie der Mechaniker ein Automobil zerlegt, um es wieder zusammenzusetzen. Dec zweite Band lehrt uns, wie wir leben sollen, was geschehen muß, wenn die Gesundheit in Unordnung geraten ist. Beruhigend für den aufmerksamen Laien ist dabei, daß er fühlt, daß das Werk keiner ärztlichen Schule untertan ist, daß es unparteiisch ist, die Allopathie, wie die offizielle in Universitäten und Kliniken gelehrte Medizin genannt wird, nicht bevorzugt, sondern auch die Homöopathie und die Raturheillehre zu Worth kommen läßt. Auch die allerneuesten Richtungen in der Heilkunde, die verlangen, daß der seelische Faktor bei Behandlung des Körpers mitbestimmend sein muß, werden eingehend geschildert, und der Laie kann sich in allen diesen bis ins Unendliche verzweigten Fragen viel guten Rat holen. Erfreulich ist, daß die Heilkunde nicht in ihrem jetzigen Stande als etwas Endgültiges dargetan wird, daß umstrittene Fragen als solche geschildert werden, und dem Patienten das Recht, fein eigenes Empfinden, was ihm bekömmlich sei und was nicht, darzutun, ausdrücklich bestätigt wird. Damit wird dem Arzt auch die Pflicht auf» erlegt, nicht nach Schema F vorzugehen, sondern jeden einzelnen Fall für sich zu beobachten und zu behandeln. Herausgeber des verdienstvollen! Weckes ist Dr. Meng. Es würde zu weit führen, alle Mitarbeiter aufzuzählen, aber es sei mit Befriedigung festgestellt, daß viele Ramen von Klang darunter sind. Das Werk sei warm empfohlen. 519 Buntes Allerlei. Weine Freunde - die Menschenfresser. „Bei meinen Fahrten und Wanderungen durch die Inseln der Südsee habe ich öfters Menschen- freffer angetroffen, die sehr nette Menschen waren und mit denen ich F- .'undschatt schloß/ erzählt der bekanntcaustralischeF crschungsreisendeZackMcLaren in einer englischen Zeitschrift. „In einem Dorf in dem unerforschten Westen von Reuguinea wurde ich von einem schweren Malaria-Antals überfallen und gcuoß dabei die aufopfernde Pflege von einer Anzahl Wilder, deren Ohrläppchen entzweigeschnitten und zu bis auf dieSchultem herabhängenden Ringen ausgezogen waren. Diese Leute trugen auf ihrer Brust Einschnitte, durch die die Zahl der Menschen angezeigt wurde, die sie getötet und oer- speist hatten, und sie trennten sich nie von ihren Keulen und Speeren. Sie verstanden zwar nicht viel von der Krankenpflege, aber sie taten das Menschenmögliche, um mir zu helfen, versorgten mich mit ihren Heilmitteln, veranlaßten den Dorfzauberer, seine Künste an mir zu versuchen, und ließen von ihren Flauen die besten Leckerbissen für mich bereiten. Schließlich weigerten sie sich, die Geschenke anzunehmen, die ich ihnen anbot. Sie erklären, sie hätten nicht dec Bezahlung wegen sich um mich gekümmert, sondern nur, weil sie Mitleid mit mir gehabt hätten. Dabei hat dieses Dorf einen besonders furchtbaren Auf, die schlimmsten Mörder und Menschenfresser zu beherbergen. Auf der Insel Malaita. dec wildesten in dec ganzen Salomo-Gruppe, lebt ein Häuptling, der sein ganzes Leben hindurch Menschenfresser gewesen ist und m diesem Lande, in dem die Wildheit zu Hause ist, für den wildesten der Wilden gilt. Vielleicht liegt es nur daran, daß ich ihn niemals in seiner schlimmen Laune angetroffen habe, aber jeden'alls weiß ich soviel, daß er sich mir gegenüber innrer als der anständigste Mensch von der Welt zeigte, freundlich und ede.mutig, ohne jeden Falsch, als ein leuchtende: ! Beispiel öafüi, daß die Wilden doch „dessen Menschen" sind Manchmal ist die Fceundscha die man bei primitiven Volksstämmen sindet, nU > so selbstlos In dem unzugänglichen Gebirgslani des inneren Rcuguinea wurde ich von einem ganzen Dorf mit der größten Auszeichnung begrüßt. Die Frauen häuften Mengen von Bananen und anderen Früchten als Geschenke zu Füßen meiner Träger auf. Die Häupt'inge überreichten mir Amana-Rüsse, das Zeichen der Blutsbrüderschaft, sie veranstalteten Tänze zu meinen Ehren und erzählten mir, was für ein großartig r Mensch ich wäre. Das machte mich etwas argwöhnisch, und der Verlauf der Dinge gab mir recht. Man hatte mich nur deshalb so mit Guttaten überhäuft, weil der Stamm einen Krieg gegen einen anderen stärkeren Stamm plante und sich dabei der Hilfe meiner Gewehre bedienen wollte. Sie waren äußerst gekränkt, als ich ablehnte, und sagten, ich hätte sie betrogen, indem ich ihre Gastfreundschaft annahm und sie nicht erwidere. Da dieser Vorwurf sich in recht bedenklichen Formen äußerle, so machte ich schnell, daß ich fortkam." Hochzeits-Zaungäste. Warum gibt es so viele Frauen, die nichts lieber sehen, als eine Hochzeit? Warum sammelt sich immer eine Menge höchst teilnahmvoller Zuschauerinnen, wenn die Wagenreihe mit den galonierten Dienern vor einer Kirche hält? Diese Frage, die sich schon mancher Mann vorgelegt hat, sucht ein Psychologe zu beantworten und führt drei Gründe an, warum die Zahl der „Hochzeits-Zaungäste" fast immer weiblichen Geschlechts ist. Zunächst einmal wollen sie die Braut sehen und ihre Toilette; dann erregen auch die Gäste ihre Anteilnahme, die Zahl der Brautjungfern, das Aussehen des 'Bräutigams usw. Aber das wichtigste ist der dritte Grund, ist ein romantisches Gefühl, das tief im Hnbewußten schlummert. „Ich habe oft versucht, herauszubekommen," schreibt der Verfasser, „ob mehr verheiratete oder unverheiratete Frauen bei den Hochzeiten zusehen. Aber es gibt da keinen Unterschied: beide kommen auf ihre Rechnung. Die Verheiratete sieht in der lächelnden und aufgeregten Braut ihr eigenes Bild und versenkt sich in dieses größte Ereignis ihres Lebens vor vielen, vielen Jahren . . . Das junge Mädchen aber schaut im Anblick der Braut in Die Zukunft, träumt sich selbst an ihre Stelle, lächelt dem Bräutigam zu, wie wenn es ihr eigener wäre, und findet ein Stückchen Märchenland in der rauhen Wirklichkeit. So ist e sbie ewige Liebe zur Romantik, die auch in der modernsten Frau noch lebt, die den oorübereilenben Damen unwiderstehlich Halt gebietet, wenn sie einen Hochzeitszug sehen. Es ist ein Stück Poesie mitten im Alltag. Und aus diesem Grunde müssen manche Frauew trtt allen Hochzeiten dabei sein, ziehen dieses Schauspiel jeder anderen Vergnügung vor und sind „Stammgäste" bei den Trauungen. Die Braut aber möchte auch diese „Zaungäste" nicht missen, denn diese so neugierig auf sie gerichteten Blicke scheinen sie einen Augenblick in den Mittelpunkt der Oefesntlichkeit zu rücken: sie empfindet einen Abglanz des Ruhmes, kommt sich vor wie eine Filmdiva und denkt noch lange, lange an diese Blicke zurück . . . Gerichtssaal. Der Raubüberfall im Zuge Kassel—Warburg. sch. Marburg, 9. Nov. Wegen versuchten Raubmordes stand heute der 25 Jahre alte Kaufmann Karl Reichardt aus Salzgitter vor dem hiesigen Schwurgericht. Er hatte bekanntlich im März d. I. in einem beschleunigten Personenzug der Strecke Kassel—Frankfurt einen R a u b ü b c r = fall aus einen Eisenbahnbeamten verübt, um sich in den Besitz von Geld zu setzen. Die erste Verhandlung im März war vertagt worden, weil der Angeklagte zuerst auf seinen Geisteszustand untersucht werden sollte. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß Reichardt nicht geisteskrank, sondern geistig minderwertig ist. In der heutigen Verhandlung wurde der Fall noch einmal aufgerollt. Reichacdt, dec in seinem Berufe wiederholt Schiffbruch erlitten und zuletzt durch eine Schwindelfirma das wenige Baroermögen verloren hatte, kam am 8. März nach Kassel. Zunächst trug er sich hier mit Selbstmordgedanken, dann beschloß er, durch einen Raubüberfall sich in den Besitz von Geld zu setzen. Zu diesem Zwecke fuhr er wiederholt nach Hannoversch- Münden, versah sich dort mit einem Hammer und einem Revolvers und gab bann Postanweisungen an seine eigene Adresse auf. Hierdurch wollte er erreichen, daß ein Geldbriefträger ihn in seiner Wohnung besuchen sollte, den er dann seiner Barschaft berauben wollte. Von diesem Plan nahm er aber Abstand und löste dann am 12. März eine Fahrkarte 2. Klasse von Kassel nach ©unterlaufen. In demselben Abteil saß der Maschineninspektor Erich Dettmer aus Treysa. Zwischen Wabern und Zimmersroda zog Reichardt plötzlich seinen Revolver und schoß zweimal auf Dettmer, dem die eine Kugel in die linke Kieferseite, die zweite ober- halb des Herzens in die Brust drang. Trotz dieser schweren Verletzungen gelang es Dettmer, die Notbremse zu ziehen und den Zug zum Stehen zu bringen. Reichardt, der nach der Tat vollkommen zusammengebrochen war, wurde darauf festgenommen. Das Urteil lautete wegen versuchten Raubmordes und unbefugten Waffenbesitzes auf sechs Jahre Zuchthaus, 30 Mark Geldstrafe und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren. Sieben Monate Zuchthaus und die Geldstrafe sind durch die Untersuchungshaft verbüßt. ]( Marburg, 8. Rov. Am 3. Dezember vorigen Jahres kam es in der Rühe von Rosenthal zu einem Zusammenstoß zwischen dem Chauffeur eines P o st a u t o s und den Insassen eines dörflichen Schlittens, dec dem Auto nicht ausweichen wollte. Bei dieser Gelegenheit wurde der Chauffeur von den Schlitten-' fahrern verprügelt. Ec fuhr nun nach Rosenthal zurück, wo zufällig aus irgendeinem Grunde viele Menschen versammelt waren. Die Folge war, daß eine Anzahl von diesen dem Schlitten entgegengingen und die Insassen zwangen, zwecks Feststellung der Ramen mit nach Rosenthal zu gehen. Dabei soll es Prügel für die letzteren abgesetzt haben. Heute beschäftigte sich das Gericht zum drittenmal mit Dem Vorkommnis. In den ersten beiden Verhandlungen waren die Insassen des Schlittens die Angeklagten, die auch mit mehr oder weniger Geldstrafen bedacht wurden. Heute erschien die Gegenseite, und zwar 13 Angeklagte aus Rosenthal, gegen die Anklage wegen Landfriedensbruch gestellt war. Die Verhandlung, bei der eine Menge Zeugen zur Vernehmung gelangten, zog sich stundenlang hin. Sie endete damit, daß die Angeklagten zu Gefängnisstrafen von drei bis sieben Monaten verurteilt wurden. Bei Zahlung von je 160, 80 und 40 Mark tritt Bewährungsfrist ein. Ein Angeklagter erzielte Freisprechung. — Ferner wurde ein Mann, der schon 23 zum Teil recht bedeutende Vorstrafen hinter sich hatte, wegen eines in Amöneburg begangenen Lederdiebstahls zu 2 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und Polizeiaufsicht verurteilt. Außerdem wurde er wegen Landstreichens der Landespolizei überwie'en. Als er das gestohlene Leder damals zur Rachtzeit verkaufen wollte, nahmen ihn die Landjäger von Schweinsberg und R.-Holzhausen, Die „zufällig" in Dem Hause waren, zu seiner großen ilefcer- raschung in Empfang. * 'S a r m ft a D t, 9. Rov. Wegen Uhter- schlagung von Krank enkassengelDern im Betrage von 8500 Mark wurde der Beigeordnete Schnell von Raunheim bei Groß-Gerau vom Bezirksschöfsengerid)t zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.