Nr. 212 Erstes Statt 176. Jahrgang Hrettag, 10. September 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Sezugsprei«: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Krankfnrt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Steinöruderet R. Lange in Stehen. Zchriftleitung und Seschäftsftelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummcr bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20°/, mehr. Eheftedakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein: für den Anzeigenteil i.Dertr. H.Deck, sämtlich in Gießen. Der Einzug der deutschen Delegation in Gens. Die Begrüßung in der Vollversammlung. - Stresemann spricht. — Briands Willkomm. Die Ankunft der deutschen Delegation in Genf. Genf. 9. Sept. (WTB.) Unter sehr starkem Andrang des Publikums und der Presse sind heute abend kurz nach 5.15 Uhr Reichs- minister des Aeuhexn, Dr. Stresemann. Staatssekretär v. Schubert und Ministerialdirektor Dr. Gaus mit anderen Mitgliedern der deutschen Delegation hier eingetroffen. Die deutschen Delegierten wurden auf dem Bahnhöfe vom deutfchen Gesandten in Bern. Dr. Adolf Müller, durch den deutschen Generalkonsul in Genf. Asch mann, und den Führer der derzeitigen deutschen Delegation für die Abrüstungskommission, Oberstleutnant v. Bo et kicher, den Grafen Bernstorff und andere begrüßt. Nachdem die Herren den Zug verlassen hatten, begaben sie sich sofort in drei offenen Autos nach dem Hotel Metropol, wo für sie in der dritten Etage Zimmer reserviert waren. Dor dem Hotel sammelte sich schnell ein großer Menschenhaufe an, der etwa eine Stunde warten mußte, ehe Dr. Stresemann mit seiner näheren Begleitung zu Fuß das Hotel verlieh. Er begab sich zum Reformationssaal, um die Plätze der deutschen Delegation zu besichtigen. Der zweite Teil der deutschen Delegation, insbesondere die parlamentarischen Sachverständigen, trafen heute abend 8.38 Uhr in Genf ein. 3n -er Völkerbundsversammlung Genf, 10. Sept. (WTB. Funkspruch.) Bereits vor Beginn der Sitzung ist das Präsidium unter N i n t s ch i t s ch vollzählig an seinem Platz. 10.30 Uhr ertönt das erste Klingelzeichen. Die großen Delegationen sind vollzählig anwesend. Unter den zahlreichen Anwesenden von Angehörigen der deutschen Delegation befinden sich auch Frau Dr. Stresemann und ihr ältester Sohn. 10.35 Uhr wird die Sitzung eröffnet, und zwar mit der Formalität der Berichterstattung der Mandatsprüfungskommission, die die Feststellung der Ordnungsmäßigkeit der Vollmachten der deutschen Delegation hat vornehmen lassen. Präsident N i n t s ch i t s ch fordert die deutschen Delegierten auf, ihre Plätze einzunehmen. Unter minutenlangem Applaus betreten Dr. Stresemann, Dr. v. Schubert und Dr. Gaus den Saal, um ihren Platz einzunehmen. Nintschitsch bezeichnet den Vorgcma in seiner Begrüßungsansprache als in doppeltem Sinne bedeutungsvoll und geschichtlich erstens, da er die Universalität des Völkerbundes um einen großen Schritt weiterbringt und dann, da die Aufnahme einer neuen europäischen Großmacht eine sichere Gewahr für den Frieden und die Wohlfahrt der Welt bedeuten. In kurzen Worten begrüßt er herzlich die Vertreter des Deutschen Reiches als Mitglieder der Versammlung. Nach der Aufforderung durch den Präsidenten betrat hierauf Reichsminister Dr. Stresemann unter neuem, anhaltendem Beifall, zu dem Chamberlain und Briand das Zeichen geben, die Tribüne, um in deutscher Sprache nachstehende Rede zu halten: „Deutschland rückt mit dem heutigen Tage in die Mitte von Staaten, mit denen es z. T. seit langen Jahrzehnten in ungetrübter Freundschaft verbunden ist, die zum anderen Teil im letzten Krieg gegen Deutschland verbündet waren. Es ist von geschichtlicher Bedeutung, daß Deutschland und diese letzteren Staaten jetzt im Völkerbund s i ch zu dauernder friedlicher Arbeit zusam- menfinden. Diese Tatsache scheint deutlicher als Worte und Programme es können, zu erklären, daß der Völkerbund in hohem Maße dazu geeignet fein kann, dem Entwicklungsgang der Völker eine neue Richtung zu geben. Die grundstürzenden Ereignisse eines furchtbaren Krieges haben die Menschheit zur Besinnung über die den Völkern zugewie- senen Aufgaben gebracht. Wir sehen, wie die Wirtschaft die alten Grenzen der Länder sprengt und neue Formen internationaler Zusammenarbeit er« . strebt. Wollen wir eine ungestörte Weltwirtschaftsentwicklung, dann wird das nicht geschehen durch Abschließung der Länder voneinander, sondern durch Ueberbrütfung dessen, was bisher die Wirtschaft der Völker trennte. Wichtiger aber als alles materielle Geschehen ist das seelische Leben der Völker. Es kann nicht der Sinn einer göttlichen Weltordnung sein, daß die nationalen Leistungen gegeneinander gehen und damit die Vorwärtsentwicklung immer wieder zurückwerfen. Die politische Auswirkung dieser Gedanken liegt in einer inneren Verpflichtung der Staaten, gemeinsam zusammenzugehen. Deutschland hat schon vor seinem Eintritt in den Völkerbund. bewiesen, im Sinne friedlichen Zusammenwirkens zu arbeiten. Davon zeugt die deutsche Initiative, die zu dem Pakt von Locarno führte. Davon zeugen jetzt die mit allen Nachbarstaaten abgeschlossenen deutschen Schiedsverträge. Die deutsche Regierung ist entschlossen, diese Politik mit aller Entschiedenheit weiter zu verfolgen. Sie kann mit Genugtuung feststellen, daß diese Gedanken — anfangs in Deutschland heftig bekämpft — sich allmählich immer mehr das deutsche Volksbewußtsein erobert haben, so daß die deutsche Regierung auch für die große Mehrheit des deutschen Volkes spricht, wenn sie erklärt, daß sie sich an den Aufgaben des Völkerbundes mit voller Hingebung beteiligen wird. Die deutsche Delegation glaubt, daß bei den weiteren Arbeiten zunächst diejenigen Gebiete besondere Beachtung verdienen, bei denen die einzelnen Völker durch Einordnung in gemeinsame Einrichtungen die eigene Leistungsfähigkeit zu steigern vermögen, vor allem durch das Streben nach einer allgemeinen Rechtsordnung, das in der Gründung des Weltgerichtshofes sichtbaren Ausdruck gewonnen hat. Von besonderer Bedeutung sind ferner die Bestrebungen, die sich auf die Abrüstung beziehen. Die völlige Abrüstung Deutschlands ist durch den Versailler Vertrag als Beginn der allgemeinen Abrüstung festgesetzt worden. Möge es gelingen, einer allgemeinen Abrüstung in praktischer Arbeit näfjer zu kommen und damit den Beweis zu erbringen, daß eine starke positive Kraft den großen Idealen des Völkerbundes fchon jetzt innewohnl. Deutschlands Beziehungen zum Völkerbund werden freilich nicht ausschließlich durch die jetzt gegebene Möglichkeit der Mitarbeit bestimmt. Der Völkerbund ist vielmehr in mancher Beziehung auch Erbe und Vollstrecker der Verträge von 1919. Daraus haben sich, wie ich offen ausspreche, in der Vergangenheit vielfach Differenzen zwischen dem Völkerbund und Deutschland ergeben. Ich hoffe, daß sich die Behandlung der hierbei in Betracht kommenden Fragen infolge unserer künftigen Mitarbeit im Völkerbunde immer leichter gestalten wird. Dem Dölkerbundsgedanken widerstrebt es, die im Bunde mitarbeitenden Nationen zu trennen in solche, die Sympathien und Antipathien miteinander verbinden. Ich lehne in diesem Zusammenhänge auch ganz entschieden die Auffassung ab, als wenn die Stellung, die Deutschland bisher in Angelegenheiten des Völkerbundes eingenommen hat, von solchen Sympathien oder Antipathien eingegeben worden wären. Deutschland wünscht mit allen Nationen im Völkerbund auf Grund gegenseitigen Vertrauens zusammenzuarbeiten. Wenn der Eintritt Deutschlands auch einen wichtigen Schritt zur Universalität des Bundes bedeutet, so müssen wir doch unserem lebhaften Bedauern darüber Ausdruck geben, daß Brasilien die Absicht kundgetan hat, sich aus dem Völkerbund zurückzuziehen. Dieses Bedauern wird um so lebhafter, als Deutschland auf dem Standpunkt steht, daß zum Begriff der Universalität des Völkerbundes auch der Gedanke gehört, nicht einem Erdteil die maßgebende Bedeutung gegenüber anderen Erdteilen einzuräumen. Wir sehen uns ferner eins mit dem im Bunde vereinigten Nationen in der bestimmten Hoffnung, daß die wertvolle Mitarbeit Spaniens im Völkerbund erhalten bleiben möge. Erst durch die Universalität wird der Bund vor jeder Gefahr geschützt, seine politische Kraft zu anderen Diensten als zu reinen Friedensdiensten einzusehen. Nur auf der Grundlage einer Gemeinschaft, der alle Staaten in voller Gleichberechtigung angehören, können Hilfsbereitschaft und Gerechtigkeit die wahren Leitsterne des Menschenschicksals werden. Deutschland ist entschlossen, sich in seiner Politik auf den Boden jener erhabenen Ziele zu stellen. Möge die Arbeit des Völkerbundes sich auf Grundlage der Grundbegriffe: Freiheit, Friede und Einigkeit vollziehen, dann werden wir dem voki uns a* ?n erstrebten Ziele näherkommen. Daran freudig mitzu- arbeiten, ist Deutschlands fester Wille!" Die Nede Stresemanns, der von der Versammlung schon bei seinem Aufstehen lebhaft begrüßt wurde, wurde an verschiedenen Stellen von lauten Beifallsbezeugungen unterbrochen, auch die Schlußworte der Rede wurden mit stürmischem Beifall aufge- nommen. Nach der Liebertragung der Nede des Reichsministers Dr. Stresemann in französische und englische Sprache ergriff 11.30 Ähr der französische Außenminister Briand, mit Händeklatschen und begeisterten Zurufen begrüßt, das Wort zu einer überaus eindrucksvollen Rede, in der er zunächst seine Freude darüber aussprach, daß es ihm von der Versammlung vergönnt worden sei., gleich nach dem so würdigen Vertreter Deutschlands die Tribüne des Völkerbundes zu besteigen, um unmittelbar nach ihrem Eintritt an die deutschen Vertreter Worte der Begrüßung zu richten und sie herzlichst des ausdrücklichen Wunsches Frankreichs zu versichern, mit Deutschland gemeinsam im Geiste der Opferwilligkeit für das gemeinsame Ziel zusammenzuarbeiten. Er hoffe und habe verstanden, daß das Erscheinen des französischen Vertreters auf ter Tribüne in diesem Augenblick gleich nach den beredten und würdigen Worten, die man gehört habe, ein Umstand von nicht nebensächlicher Bedeutung fei. Das Ereignis, dem man hier beiwohne, verspreche in seiner Auswirkung die Erfüllung der so berechtigten Hoffnungen, die die Völker hegen. Dann wandte sich Briand mit temperamentvoller Geste gegen die Spötter und die Derkleinerer des Völkerbundes, denen es gefallen habe, seine Festigkeit in Frage zu ziehen und sein demnächstiges Verschwinden zu prophezeien. Ohne den Völkerbund wäre ein solcher Tag nicht möglich gewesen, ein Tag wo die Völker die in dem furchbarsten aller Kriege, den es je gegeben hat, ihren gemeinsamen Willen der Zusammenarbeit an diesem Ort kund- geben. Der heutige Tag bedeutet: Ls ist aus mit dem Krieg! von nun an wird der Richter die internationalen Konflikte regeln, wie er die privaten regelt. Fort mit den Kanonen? Nun ist der Friede da? Deutschland und Frankreich haben den Frieden, wo sie Heldentaten verrichten können. Die Wege dahin waren nicht bequem und wir haben schwere Kämpfe zu bestehen gehabt, bevor wir zum Ziel gekommen sind. Wir haben mit den Strömungen in unseren eigenen 2än« dem zu kämpfen, die von uns einen Geist des Egoismus verlangen. Wir wissen die Versuchungen von uns zu weisen, die und gegeneinander hetzen und den Geist der Verschwörung hierher mitbringen, Unfere Völker werden durch den Verzicht auf gewisse egoistische Wünsche nur größer werden, um neuen auftauchenden Problemen mit Geduld gegenüberzutreten und alle Vorfälle im Geiste des schiedsrichterlichen Gedankens zu behandeln. Den Gedanken des Völkerbundes müssen wir mit unserem ganzen Herzen verteidigen. Mit uns der Friede! Die schönen Worte, mit denen Deutschland und Frankreich sich ihrer Mitarbeit versichert haben, dürfen nicvt nur Gesten fein." Anschließend an die Worte des Reichsministers Stresemann gab dann auch Briand der festen Hoffnung Ausdruck, daß man Brasilien und Spanien durch Mitarbeit des Völkerbundes erhalten werde. Seine Rede wurde von der Versammlung mit anhaltendem Beifall ausgenommen. Nach Briand ergriff noch kurz der englische Delegierte Sir Austen Chamberlain zu einer Begrüßung der deutschen Delegation das Wort. Nach seinen Degruhungsworten schlägt der Präsident der Vollversammlung vor, die Sitzung zu vertagen. Dem wird entsprochen. Die nächste Sitzung findet heute nachmittag 3.30 Uhr statt und bringt die Fortsetzung der Diskussion über den Bericht des Generalsekretärs des Völkerbundes. Polen und der Eintritt Deutschlands. Polens Forderung nach einem ständigen Ratssitz nur vertagt. Paris, 10. Sept. (WTB.-Funkspruch.) Der polnische Außenminister Zalewski hat einem Vertreter des „Petit Parisien" in Gens über die durch Deutschlands Eintritt in den Völkerbund geschaffene Lage erklärt, Polen freue s i ch am meisten darüber, offen und loyal mit Deutschland zusammen zu arbeiten, um alle Mißverständnisse verschwinden zu lassen. Die Epoche der großen politischen Kontroverse sei hoffentlich endgültig mit Deutschlands Eintritt geschlossen. Polen sei immer bereit, feine Handelsbeziehungen mit Deutschland aus einer gerechten Basis zu regeln. Zur Frage, ob Polen von der Verteilung der Völkerbunds- ratssihe befriedigt sei, erklärte Zalewski: „Wir haben in keiner Weise unsere Forderung aus einen ständigen Sitz auf« gegeben, die polnische Regierung muh volle Freiheit hinsichtlich der Wahl des Augenblicks für eine neue Aktion zur Verwirklichung dieser Forderung bewahren. Polen hat nur gegen w ä r t i g die bereits bestehenden Schwierigkeiten des Völkerbundes nicht vermehren und das für alle annehmbare Kompromiß nicht unmöglich machen tootlen.“ Bitterkeit in Schweden. Deutschlands Eintritt und die Ohnmacht der Völkerbundsversammlung. Stockholm, 10. Sept. (SU.) Sämtliche Stockholmer Zeitungen drücken ihre Zufriedenheit über Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund aus. Das konservative „Nya Dagligt Allchanda" meint, Deutschlands Eintritt bedeute einen großen Gewinn für den Völkerbund. Es sei aber fraglich, ob nicht einzu.hoherPre.isdafürgezahlt worden fei: die Ohnmacht der Völkerbundsver- f a m in l u n g. „Svenska Dagbladet" schreibt, Deutschlands Eintritt in den Völkerbund vereinige alle bösen Vorzeichen in Genf. Heute herrsche in Genf derselbe heuchlerische Geist wie in der Märzversammlung. Man spreche von Unabhängigkeit und Freiheit, aber die Völker- bundsoersammlung werde durch geheime Intrigen um ihrMitbeftimrnungsrecht gebracht. Der liberale „Dagens Nyheler" schreibt, die Freude über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund sei mit viel Bitterkeit gemischt. Das Regierungsorgan „Svenska Morgen- bladed" meint, Deutschlands Eintritt in den Völkerbund habe sich in freundlichen Formen vollzogen. Mehr könne nicht darüber gesagt werden. Der Völkerbund sei nur ein Bund der Sieger st aaten. Die Plattform für eine friedliche Entwicklung sei zwar gegeben, aber leider d o • minierten d i e Interessen der Großmächte und die französischen Intrigen beraubten die Völkerbundsmitglieder jeglicher Handlungsfreiheit. Fortdauer der Krisis. Die Beschwerden der kleinen Mächte. Genf, 9. Sept. (Sil.) 3n der heutigen Vor- mittagssihung der D ö lk erb und sv e r f a nun* l u n g wurde die Diskussion über den Bericht des Generalsekretärs fortgesetzt. Der Delegierte Kanadas, F o r st e r, betonte die Notwendigkeit, daß auch die Vereinigten Staaten dem Völkerbund beitreten. Lord Robert Cecil betonte, daß im Völkerbund sämtliche Aktionen konzentriert werden müßten, die die internationale Zusammenarbeit zum Ziele hätten. Der Delegierte von San Salvador, G u e» rero, erklärte, er müsse darauf Hinweisen, daß, da Brasilien und Spanien sich vom Völkerbund zurückgezogen hätten, er die Völkerbundskrife noch nicht als ge - l ö st ansehen könne. Der französische Außenminister Briand habe gesagt, die gegenwärtige Krise sei eine Wachstumkrife. Er könne jedoch diese Auffassung nicht teilen. Er verlange, daß vor allem das Gleichgewicht innerhalb des Völkerbundes hergestellt werde. Der norwegische Delegierte H a m b r o beschwerte sich, daß die kleinen Staaten in den ständigen Kommissionen des Völkerbundes nicht vertreten feien. Auch er sei der lieberjeugung, daß die gegenwärtige Krise des Völkerbundes noch nicht als gelöst angesehen werden könne. Er hoffe dringend, daß es in Zukunft nicht mehr notwendig sein werde, auf dem Altar der Einstimmigkeit seine Hebeczeugung zu opfern. Amerikanische Pressestimmen. Neuyork, 9. Sept. (TU.) Die arnerikan sche Presse behandelt Genf als europäisches Ereignis. Die demokratische „World" weist in ihrem Leitartikel daraus hin, daß sich die Methoden der europäischen Politik seit Versailles geändert hätten. Der 8. September habe zum erstenmal in voller Klarheit gezeigt, daß die Entente-Staatsmänner nicht mehr, wie feinerzeit in Versailles, danach strebten, dem besiegten Deutschland Diktate aufzuerlegen. — „Neuyork American, schreibt, der große Krieg fei nun vorüber. Der nächste komme vielleicht vom Osten. Westeuropa wünsche fick dazu die bewährte Mithilfe Deutschlands, das einen Wall abgeben soll gegen d i e östliche Gefahr. Gott gebe, schließt der „American" seine Ausführungen, daß Coolidge und der Senat von ihrem Streben nach Schiedsgericht und Völkerbund bald geheilt sind. Ei» Buch Stresemanns. Im Buchhändler-Börsenblatt wird ein zweibändiges Werk des Reichsminister des Aeußern, Dr. Stresemann, angekündigt. Unter dem Titel „Nach Locarno und Genf" soll es ein Quellenwerk fein, in welchem der Leiter der deutschen Außenpolitik „selbst Aufschluß und Rechenschaft über sein Tun und Lassen" ablegt. Telegrammwechsel zwischen Reichskanzler und hessischem Staatspräsidenten. Berlin, 9. Sept. (Wolff.) Ein der Presse durch das Presseamt des Staatsministeriums nicht mitgeteilter Glückwunsch des hessischen Staatspräsidenten Ulrich zu Deutschlands Eintritt in den Völkerbund hat der Reichskanzler wie folgt beantwortet: Der hessischen Staatsregierung sage ich namens der Reichsregierung herzlichsten Dank für ihre Begrüßungsworte anläßlich Deutschlands Eintritt in den Völkerbund. Auch die Reichsregierung hofft, daß die Annäherung der europäischen Staaten untereinander, die auf diesem Wege erstrebt wird, recht bald fühlbare Erleichterungen, namentlich auch für die noch besetzten Gebiete unseres Vaterlandes, mit sich bringen möchte. England und das kontinentale Eisenkartell. Berlin, 9. Sept. (SU.) Wie dem Deutschen Handelsdienst aus Druffel gemeldet wird, hat der belgische Außenminister Vandervelde, dessen Beziehungen zu internationalen Kreisen der Hochfinanz und Schwerindustrie bekannt sind, durch persönliche Vorstellungen maßgebende englische Stellen ersucht, die englischen Eisen- und Stahlproduzenten zum Anschluß an das Internationale Eisen- und ©tajttEartell zu veranlassen. Rach einer anderen Version soll Vandervelde von englischer Seite ersucht worden sein, die belgischen Eisen- produzenten zu einer abwartenden Stellung zu veranlasens. um die Teilnahme der englischen Industriellen an den Eifenpaktverhandlungen zu ermöglichen. bie Ml vn,a tik. diese der Wirtschaft könne ohne Dawesabkommens nicht auf- Kü 8d trieben könne der steuern. Der Niedergang Abänderung des beitervertreter zur deutschen Sozialpolitik, tote sie unter dem hohenzollernschen Kaisertum ein- gerichtet und in den letzten Jahren unter Posr- tiver Mitwirkung der deutschnationalen Reichs- tagssraktion vervollkommnet wurde, bekennen. Mit Entrüstung wird gegen die Behauptung Einspruch erhoben, wonach die Sozialdemokratie die maßgebende Vertretung der deutschen Arbeiterschaft sei und das deutsche Reich nicht ohne sie regiert werden könne. 3n MIM Geiger M soziale freier des » neuen Dertr Freud« Au Arbeitsinva! den zuständl! der Orgams Mitarbeit bi sorge habe Eine E n t s « der die Segi men zur Bei Äröeilsinvall sucht lverden. Versicherung reichend und mal von ein sprachen Verl kein Ersah fü der Dersiche Irrnenunterst und eine vir Die Prüfung des Volksbegehrens in Hessen. AnsdcmLandesabftimmuugsausschich. (Bon unserer Darmstädter Redaktion.) Darmstadt, 9. Sept. Der Landesabstimmungsausschuh setzte heute seine Arbeiten fort mit der Prüfung der einzelnen •Giften aus die Gültigkeit oder Ungültigkeit der Unterschriften hin. Es handelt sich darum festzustellen, ob Formfehler vorliegen und ob diese erheb- Gintadu«s an sömMrhe Lesev und Äuftvaggebev des Gketzerrev Änzeigevs rnv SSvdevung von wivksamen Äertungsameigen h, । Dem §urch ( -unächs/ ge Sonne halb immer und i deckt vorder zum Regime August und ganzer zu ein uns der Sept Mit feine für FchvM Mvnair. De der Morgen uns bann ' noch in reit Saun noch t Aasen träur Seranim un Aalur in d° NM das Wen im L Singen i AM für die bau. , Führt de ®[fen ihre 7 die gehen anz, als noch lag, verloren ^nd mit, oöei *a leudito oä Die Gartenbau- und Elektrizitäts-Ausstellung in Gietzen bietet der Geschäftswelt Gelegenheit, die hiesige Einwohnerschaft und die zahlreichen Besucher aus dem Hinterlande zum Einkauf ihres Herbstbedarfs anzuregen. Es darf also damit gerechnet werden, dah die Zeitungsanzeige während der Ausstellungszeit vom 11. bis 19. Sept, in besonders sorgfältiger und geschickter Aufmachung in die Erscheinung tritt. Wie es für den Leser wichtig ist, den Inhalt dieser Empfehlungsanzeigen zur Kenntnis zu nehmen, so ist es auch für die Geschäftswelt wesentlich, die Anschauung des Ieitungslesers über die Wirkung der Anzeigen auf ihn kennen zu lernen. Wir stellen deshalb an alle Leser des Giehener Anzeigers folgende Frage: wekhe Ernpfehlungsmrzeige in den Nummer» des Gießener Anzeigers vom 11. bis 19. September einschließlich macht den lebhaftesten Gindvmk ans Sie? Bei der Beantwortung darf nur eine Anzeige mit ihrer Nummerbezeichnung benannt werden unter Anfügung der genauen Anschrift des Einsenders. Die Nummer muh also deutlich geschrieben über der Anschrift stehen. Andere Zusätze sind nicht angängig. Die Einsendungen, die am zweckmäßigsten auf Postkarten vorgenommen werden, müssen am 21. Sept, bei uns eingegangen sein. Die Einsender, deren Nummernangaben sich in größter Zahl auf die bevorzugten Anzeigen vereinigen, werden in drei Gruppen geteilt und für ihre Mitarbeit mit folgenden Geldbelohnungen bedacht: Gvtts Gvupper Ove! Belohnmrgen von ie AM. 50.- (Anzeige mit der größten Stimmenzahl) Zweite Gruppe: Drei Belohnungen von ie KM. 25.- (Anzeige mit der zweitgrößten Stimmenzahl) Dritte Gruppe: Drei Belohnungen von ie KM. 20.- (Anzeige mit der drittgrößten Stimmenzahl). Das Los entscheidet in jeder Gruppe. Nur Leser, die sich diesen Bedingungen unterwerfen wollen, sind zur Beteiligung eingeladen. Angestellte unseres Verlagshauses sind ausgeschlossen. Zehn Anzeigenbettellev, auf deren Empfehlungsanzeigen sich die größten Stimmenzahlen vereinigen, werden mit je einem wertvollen Werk über Geschäftswerbung bedacht. Es soll ihren Sinn für gute Reklame noch mehr anregen. Wir bitten um ausgedehnteste Mitwirkung unserer Leserschaft in Stadl und Land, wie wir auch die Anzeigenaustraggeber darum bitten, ihre Empfehlungsanzeigen rechtzeitig vorzubereiten, damit ihnen eine hervorragende Ausstattung gesichert werden kann. SevSag des GieSenev Anzeigers erklärte Generalsekretär K o l l b a ch , daß sich die Vertreter des Wirtschafts- und Ordnungsblocks von den weiteren Beratungen zurückziehen würden, wenn in dieser Tonart verhandelt würde. Dre Durchsicht der Listen dauerte etwa 2'/» Stunden. 3m Verlauf der Sitzung wurden den Aus- schutzmitgliedern einige der R e ch t s g u t a ch t e n der juristischen Sachverständigen im Wortlaut gedruckt vorgelegt. Längere Zeit wird auch über Doppeleintragungen in den Listen debattiert. Der Ausschuß hatte beschlossen, daß dte Listen noch auf Dop- pelerntragungen hin geprüft werden sollen: Generalsekretär Kollbach hatte bereits gestern beantragt, dte Listen zurückzuverlangen, da die -Prüfung längere Zeit dauern werde und das Ergebnis auf die Zahl der gültigen Stimmen keine Wirkung mehr ausübe. weil genügend vor- ?.°,n ö IS Kleinkurt wiederholt heute }inb bittet, da er damit bei den ton F, o f .4. r „.. durchdringt daß die Arbeiten beschleunigt werden. Der Ab- stimmungsleiter bemerkt dazu, er habe sich bereits a s ™ Egermeistereien der Städte Darmstadt und Worms gewandt, daß die Prüfung innerhalb ° 7en beendet werden möchte. Es werden dann zahlreiche Schreiben von Bürgermeistereien verlesen. dte Aeuherungen über die Unterschriften, Straßenkämpfe in Athen. Ein Aufstandsversuch der Republikanischen Garde blutig niedergeschlagen. Athen, 10. Sept, (Wolff.) Auf Gerüchte, daß die Republikanische Garde die Ausrufung eines Direktoriums beabsichtige, lieh Ministerpräsident 6 o n d y l i s die Kasernen, in denen sich zwei Bataillone der Republikanischen Garde befanden, von regierungstreuen Truppen umzingeln. Kondylis forderte die Offiziere auf, sich zu ergeben und stellte ihnen ein mehrere Jahr« wahrendes Ruhegehalt in Aussicht. Den Soldaten bot er den Eintritt in die Gendarmerie an. Die beiden Kommandanten Dertills und Zervas erklärten sich nach einigem Zögern mit diesem Angebot einverstanden, baten jedoch um Zurücknahme der Regierungstruppen, damit die Uebergabe im weniger demütigender Form erfolgen könne. Kcm- dylis genehmigte diese Bitte. Die Republikanische Garde unternahm jedoch darauf den Versuch, gegen das Stadtinnere durch; u brechen und feuerte aus die Regierungs- truopen, die das Jeuec erwiderten. Die auf den Höhen rings um Athen aufgestellten regierungstreuen Batterien eröffneten das Feuer auf die Republikanische Garde. Zwei Panzerwagen der Garde fuhren in raschem Tempo durch die hrmpl- strahe bis zum Derfossungsplah und schossem während der Fahrt ununterbrochen in die Menschenmenge. Eine große Zahl von unbeteiligtem Zivilisten fiel dem Feuer der Wagen zum Opfer. Die versuche der Panzerwagen, die Ministerien zu stürmen, mihlang. Der eine wurde ooiu Regierungstruppen genommen, der andere in die Luft gesprengt. Das Ge- secht zwischen Regierungstruppen und Republikanischer Garde dauerte drei Stunden. Die Ruhe isl wiederhergestellt und die Regierung Herr der Lage.. tag. Wirtschaftspolitik um ihrer selbst willen und losgelöst von der allgemeinen Staatspolitik be° jetzigen Wirtschaftsnot nicht staates, zur Abhilfe der schweren Wirtschaftsnot und zur Arbeit an der Befreiung von der äußeren Zwangsherrschaft zu einigen. Vie deutschnationalen )ndnstriellenzurRede§ilverberg§ Köln a. Rh., 9. Sept. (SU.) Deosnderes Interesse fand die heutige Sitzung des Arbeitsausschusses deutsch national er Industrieller, in der zunächst Reichstagsabgeordneter Dr. Rademacher sprach. Die öffentliche Hand sei im Begriffe, weite Gebiete der wirtschaftlichen Betätigung zu erdrosseln. Die wirtschaftliche Betätigung der öffentlichen Hand müsse sich auf einen Umfang beschränken. der zur Erfüllung des öffentliche Zweckes notwendig ist. Ueber die deutschnationale Zoll- und Handelspolitik berichtete Abgeordneter Dr. Reichert. Die Steuer- und Finanzpolitik behandelte Reichstagsabge- neter Oberfohren und Reichstagsabgeordneter Leopold das Thema „Sozialpvli- jiunfi Vertins L W 1C England in China. Strafexpcdition gegen Wanhsien. London, 9. Sept. (WTB^) Reuter meidet aus- Hankau, in den europäischen Kreisen sei man ber Ansicht, daß die Strafexpedition der britischen Kanonenboote nach Wanhsien hin- sichtlich der Befreiung von fünf der sechs ge- fangengenommenen Offiziere der englischen Handelsmarine erfolgreich gewesen fei: und darüber hinaus eine exemplarische Bestra- fung bedeute für die Beschimpfung der britischem Flagge durch die Chinesen. Das Feuer der Kanonenboote habe beträchtliche Opfer gefordert. Es lägen, sogar Meldungen vor, daß die Stadt Wanhsien durch die Beschießung zerstört wurde. Die englische Marine plant einen neuen Vorstoß nad) Wanhsien, um die von General Zang-sen beschlagnahmten beiden englischen Schiffe zu befreien. Nach dem „Neuyork Herold^' ist das englische Admirali- tätsschiff „H a w k i n g", an dessen Bord sich Prin;> Georg, der Sohn des englischen Königs befindet unter Volldampf nach Hankau in 'Begleitung. jener zwei Kanonenboote abgegangen, die am vergangenen Sonntag mit den Chinesen im Kamps' standen. Drei Kreuzer, die Ablösungsmannschas- ten nach China bringen sollen, werden England am: 15. September verlassen. Wenn auch diese Entsendung der 2lblösultgsmannschaften vor einiger Zeil: schon beschlossen wurde und keinerlei Zusammenhang mit der gegenwärtigen Lage hat, wird ihre Ankunfr dem Oberbefehlshaber weitere drei Schiffe und weitere 1200 Mann an Offizieren und Mannschaften zur Verfügung stellen können. Mt unb J JWfn di, -Asch be Daß sich der deutsche Arbeitsminister in London auf das Washingtoner Abkommen festgelegt habe, betrachte die deutschnationale Industrie mitSorge. Die Steigerung des Produktionsanteiles zur Verkürzung der Arbeitszeit müsse der Leitsatz der Gegenwart und Zukunft fein. Der Anschluß des Arbeiters an die Volksgemeinschaft sei Vorbedingung für eine nationale Politik. In der sich an die Referate anschließenden Diskussion wurde auch die Rede des Industriellen Dr. Silverberg in Dresden behandelt. Die Einladung an die Sozi a l d e m o k r a t i e zur Mitregierung, so wurde betont, sei in einem Zeitpunkt erfolgt, in dem die Verfolgung durch Severing und Braun in der deutschen Industrie noch nachwirken. In der Deutschen Dolkspartei gäbe es hervorragende Stellen, dre sich von dem Silverbergschen Angebot nichts versprechen. Unendliche Verwirrung der öffentlichen Meinung und eine Ueberrumpe- lung der anderen im Vorstand des Reichsverbandes sitzenden Männer sei eingetreten Es wurde P r o t e st gegen die Ausführungen Silver- bergs erhoben und eine Klarstellung gefordert in welchem Umfang tatsächlich die führenden Manner des Recchsverbandes hinter diesen Ausführungen stehen. Aus einer im Rahmen des Parteitages abgehaltenen deutschnationalen Ar- bertertagung wurde eine Entschließung angenommen, wonach sich die versammelten Är- l i ch sind. Für die Oesfentlichkeit haben Debatten darüber kein Interesse, zumal, da längst seststeht, daß die für das Volksbegehren notwendige Zahl von Unterschriften vorhanden ist, wenn auch formell die Feststellung immer noch nicht erfolgte. Anfangs nahm die Aussprache scharfe Formen an; einmal Der deutfchnattonate Parteitag. Programmredc des Grafen Westarp. Köln, 9. Sept. (TU.) Heute nachmittag begann der eigentliche Parteitag der Deutsch- nationalen Vollspartei. Der große bis auf den letzten Platz besetzte Saal war mit schwarzweih- rvten Fahnen und den Flaggen der Länder reich geschmückt. Fanfarenklänge und Bläserchöre leiteten die Tagung ein. Der Parteivorsitzende, Graf Westarp, eröffnete den Parteitag und hielt das große Referat über die politische Lage. Er erklärte, die Deutschnationale Partei habe entsprechend den Rechten und Pflichten der Opposition an Hand ihrer zahlenmäßigen Stärke und ihrer inneren Kraft und Bedeutung entsprechenden Einfluß und unmittelbaren Anteil an den Regierungsgeschäften in Reich und Ländern erstrebt. Daß man in einer Regierungsgemeinschaft nicht alle Ziele erreichen könne, wisse die Partei gut. Auch wisse sie, dah man sich in einer solchen Gemeinschaft gegenseitig die notwendige Unabhängigkeit und Selbständigkeit in den letzten Grundsätzen und Zielen einräumen müsse. Zur Außenpolitik erklärte Graf Westarp, die Partei halte nach wie vor an ihrer Ablehnung gegenüber der Lo- carno-Politik fest, um so mehr, als die Ereignisse der Zwischenzeit ihre Bedenken vollauf bestätigt hätten. Den Eintritt in den Völkerbund habe die Partei nicht verhindern können. Es ergebe sich ober aus diesem Eintritt eine neue politische Lage. Die Partei sei entschlossen, an den Aufgaben, die sich nunmehr für die deutsche Politik im Völkerbund ergeben, verantwortlich und mit dem ihr zustehenden Einfluß mitzuarbeiten. Die Partei werde dabei folgende Ziele verfolgen: beschleunigte Besreiung der besetzten Gebiete an Rhein und Saar, Sicherung der Ostmarken, Wiedergewinnung Eupen und Malmedys, Ablehnung fremder Einmischung, Beseitigung der Militärkontrolle. Gleichberechtigung in Rüstungsfragen, wirksames Selbstbestimmungs- recht für die deutschen Elemente Mit- teleuropas. die Anschluß an das Reich erstreben. Es dürfe nicht geschehen, daß die deutschen Minderheiten schrittweise in die Ration der fremden Staaten aufgehen. Was deutsch sei, müsse deutsch bleiben. Deutschland müsse im Völkerbund deutsche Politik treiben. Bedeutsame Wandlungen im Gesicht des Völkerbundes seien unverkennbar. Internationale Illusionen seien zerstoben, nationale Machtgelüste beherrschten den Bund und charakterisierten sein Gefüge. Der pazifistische Illusionismus habe eine völlige Riederlage erlitten. Zur Innenpolitik übergehend betonte Graf Westarp die Rvtwendigkeit der Behandlung wirtschaftspolitischer Fragen durch den Partei- gehalten werden. Auch Teilregelungen könnten nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, daß das Dawes-Abkommen von Tag zu Tag ungeeigneter erscheine, die Wirtschaftskrise zu beheben. Kleber den politischen und materiellen Aufgaben werde die Partei die Pflege von Religion und Sittlichkeit, von Kultur und Erziehung nicht vernachlässigen. Die Partei werde auf einer baldigen Entscheidung über das Schulgesetz bestehen. Sollte der Reichstag noch einmal versagen, so würde die Partei auch zu einem Volksentscheid der christlichen Elternschaft die Hand reichen. Glaubt die Mitte, so fuhr Graf Westarp fort, angesichts der Fülle unb Bedeutung dieser außen- unb innenpolitischen Aufgaben weiter dafür die Verantwortung tragen zu rönnen, daß sie uns um der Sozialdemokratie willen von der Regierungsgemeinschaft ausschließt, so wird die Partei ihre positive Arbeit in ber Opposition entschlossen und mit guter Zuversicht auf praktische Erfolge fortfetzen. Es ist nicht das erstemal, daß wir uns bereit und entschlossen zeigen, eine Einigung herbeizuführen unb dadurch eine Verantwortung zu übernehmen, bie zu tragen wir uns vielleicht nicht im Parteiinterefse, wohl aber im Interesse des Lanbes verpflichtet fühlen. Die Entscheibung liegt in der Hauptsache, wenn nicht ausschließlich beim Zentrum. Unser Verhältnis zur Weimarer Verfassung ist vollkommen geklärt, durch das, was ich namens der Fraktion am 27. Januar 1925 im Reichstag gesagt habe. Wenn das Zentrum darüber hinaus von uns ein Bekenntnis zur Republik fordert, als Voraussetzung zux Teilnahme an den Regierungsgeschäften, so setzt es sich damit in klaren Widerspruch zu seiner eigenen Haltung und der der damaligen Regierungsparteien, die auf Grund jener Erklärung die Gemeinschaft des Jahres 1925 eingegangen sind, die bekanntlich nicht an unserer Einstellung zur Verfassung gescheitert ist. Zum Schluß ging der Redner mit warmen Worten der Zustimmung auf den Vorschlag ber Herren Freiherrn v. Gayl unb Dr. Jarres ein. Der große Zusammenschluß soll dem Kampf unb der Abwehr gegen internationale unb Klassenkampfbestrebungen bienen. Er soll sich die Wiederaufrichtung des Rechts- und Ordnungsstaates, die Abhilfe der schweren Wirtschaftsnot und bie Arbeit an der Befreiung von der Fremdherrschaft zum Ziele setzen. Dem widmen wir, schloß Graf Westarp, unsere gesamte Arbeit im Parlament und im Volk, klar das Ziel, fest der Wille. Unter lebhaftem Beifall wurde an den Reichs- präsidenten v. Hindenburg ein Begrü- tzungstelegramm gesandt. Einstimmig wurden am Schluß des ersten Verhandlungstages drei Ent - Ichließungen angenommen, von denen bie eine sich mit der Räumung des R h e i n l a n d e s befaßt, die zweite der Deutschnationalen Volksoartei Danzig Zustimmung unb Genugtuung ausspricht für den kraftvollen und schweren Kampf ber Danziger Deutschnationalen für Unabhängigkeit unb Bestand des deutschen Danzigs. Die dritte Entschließung spricht den Führern ber Reichs- unb der Landlagsfraktion die Zustimmung aus, daß sie den Vorschlag ber Herren Frhr. o. Gayl und Dr. Jarres zum Anlaß von Verhandlungen genommen haben und gibt dem Wunsche Ausdruck, daß diese Verhandlungen f o r t g e f ü h r t werden mit dem leijtta Ziel, alle staatserhaltende Kräfte innerhalb und außerhalb der politischen Parteien .zur Wiederauftzichtung des Rechts- und Ordnungs- Erklärungen zu den Beanstandungen afw. enthalten. Gegen Schluß der Sitzung entspinnt sich eine Aussprache, die rund eine Stunde dauerte und sich um die Frage drehte, wann der Ausschuß wieder zusammentreten soll. Schließlich tour- den um 21/lt Ilhr die Verhandlungen abgebrochen und die nächste Sitzung auf morgen vormittag 11 Uhr anberaumt. — Der spätere Beginn wurde gewählt, damit die Ausschußmitglieder Gelegenheit haben, die Gutachten zu studieren. Die Pläne des Reichsfinanzminifters Eine deutsche Ausländsanleihe. — Die Verwaltungsreform. Berlin, 9. Sept. (SU.) Reichsfinanzminister Dr. Reinhold äußerte sich in einem Kreis von Pressevertretern etwas genauer über seine diel besprochene Andeutung auf finanzpolitischem Gebiet aus der Dresdener Tagung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie. Der Minister betonte erneut, daß er bei dem augenblicklichen Stand der Reichsfincmzeu durchaus in der Lage sei, den finanzpolitisch g ü n st i g st e n Zeitpunkt für eine Anleihe im Ausland selbst zu wählen. Er hoffe bei der Aufnahme einer solchen den Beweis führen zu können, dah wir aus der Zeit heraus sind, in der wir Anleihen auf Gold, Feingold, Valuta oder andere Surrogate der Reichsmark ausgenommen haben. Die Reichsmark müsse nun auch formell als eine unanfechtbare Währung wieder in Erscheinung treten. Schon die Tatsache, dah neuerdings nur auf Reichsmark lautende Hypothekenpfandbriefe im Ausland viele Käufer gefunden haben, sei hierfür ein bedeutsames Symptom. Wenn eine Auslandanleihe in Frage komme, dann werde sie nur auf Reichsmark lauten. Das Reich denke auch nicht daran, wieder auf einen Zinsfuß in solcher Höhe einzugehen, wie wir ihn noch bei den Dawesanleihen übernehmen muhten. Auch hier werde der Ge- daicke maßgebend sein, daß Deutschland nach feinem Eintritt in den Völkerbund wieder volle Anerkennung in seinem Rang als Großmacht gefunden habe, und daß diese Anerkennung auch in der internationalen Stellung der deutschen Wirtschaft zum Abdruck komme. Der Reichsfinanzminister wandte sich weiter erneut gegen die Auffassung, daß er den Stand der Reichsfinanzen besonders günstig beurteile. Es werde im Gegenteil sehr schwierig sein, um ein Defizit herumzulommen. Auch die geplante Verwaltungsreform in« Reich sei notwendig, da die bestehende Verwaltung trotz der sehr hohen steuerlichen Belastung nicht getragen werden könne. Mit aller Entschiedenheit aber weise er eine Katastrophenpolitik in der Finanzverwaltung zurück. Solange er Finanzminister sei, müsse und werde eine solche verhindert werden. für romflnl,c reklor am Hamburg' W« gc p' Del Vunlker. Wirts chaf t und Staat". Die sozial- demokrattsche Politik einer einseitigen Wirtschaftsvertretung der Industriearbeiterschaft ende folgerichtig mit der Verelendung dieses Standes. äne ’yimuth 'Ssresor^- genauer 5 >ui ^"mioniju^ Tagung UMm L»LL^ ®ö®t fei kAu '«1,1 b in Äbnnen- öab aAXlfr genommen haben SM formen als bJuHtoieter in .n°\6 .Nafy, bah »Mäh8* wie Käufer ge. AN? Thmp, «u t.it «'•» iä4*s kLS'L werde der & 3 Deutschland nad -n Dölkerbun! i seinem Rang aü daß Liese in» lartonalen Stellung *. zum AuödruZ "§er wandte sich ufsassung, daß er besonders günstig tfetl sehr schwierig mzukommen. Auch lgsreform im «stehende Derwat- erlichen Belastung könne. Ml Mr eine Katastrophen- ng zurück. Solange : und werde eine rin Athen, rrsuch der e blutig nieder- it, Auf Gerüchte, bflfe itbe die 'Kus- :lumr üeMchllgk, vNr die Kasernen, bet Republikanischer rungslreuen Truppen irrte die Offiziell auf, len ein mehllll Zahn lusstchf. Den Solbaleo ®enbarnierie an. Die :tili5 unb Zervor jögetn mil diesem Uti- edoch um Zurücknahme mit die Ikbttgabt to i erfolgen tonne. Sonic. Die wyMamM batauf ben Detfuch arte bntchzubre< d''e Regiek;«^ r erwiderten. Die Ml ™ «ulsefle* "6 &n i® 5« * iroei panzermgea M 'K°°Lx Der eine M»168 ' gen°E§ se'pr :cuppen ift Regierung W aLhina- Wanhste». ““i «V** 11 en W ’elh"r bri1 , non funi r : M-L-KN W'unyb{t Rononw- ,6 hie Sie eng' ■k1 ilbnul°' bä« I ie ^unC^|| SAsK» SS'LI ieren n«n- Kunst und Wissenschaft. Vereinigung für hessische Kirchengeschichte. Anläßlich ihres 25jährigen Bestehens veranstaltet die Vereinigung am Montag, 27. d. M., nachmittags 3 Uhr, in Friedberg, Saal des Predigerseminars, eine Hauptversammlung, bei der Interessenten willkommen sind. Es werden sprechen Prälat D. Dr. Diehl über „25 Jahre Arbeit auf dem Gebiete der hessischen Kirchengeschichte" und Archiorat Dr. Hermann über „Die kirchliche Inventarisierung in Hessen und ihr Ertrag". Professor Schädel t- Professor Bernhard Schädel Ordinarius für romanischen Sprachen und Kultur und Direktor am romanischen Institut der Hamburger ilniberfität ist im 48. Lebensjahre gestorben. Professor Fran; INuncker f. Der Geheime Hofrat Professor Dr. Franz M u n ck e r, Professor für neue deutsche Literaturgeschichte an der Universität München, ist ganz plötzlich und unerwartet gestorben. Mus aller Welt Verbaudstag der Arbeitsinvaliden. In München fand der 3. Derbandstag des Ientralderbandes der Arbeitsinvaliden und Witwen Deutschlands statt. Ministerialrat Dr. G e i g e r vom bayerischen Staatsministerium für soziale Fürsorge begrüßte gleichzeitig als Vertreter des Reichsarbettsministeriums die erschlc- neuen Vertreter des Verbandes und gab seiner Freude Ausdruck, daß die Organisation der Arbeitsinvaliden im guten Einvernehmen mit den zuständigen Behörden arbeite. Viele Wünsche der Organisation seien erfüllt worden, und die Mitarbeit der Sozialrentner in der sozialen Fürsorge habe das gegenseitige Vertrauen gehoben. Eine C n t s ch l i e h u n g wurde angenommen, in der die Regierungen um durchgreifende Maßnahmen zur Behebung der Rot in den Kreisen der Arbeitsinvaliden und deren Hinterbliebenen ersucht werden. Die Leistungen aus der sozialen Versicherung seien in vielen Fällen nicht ausreichend und zum Teil so gering, daß nicht einmal von einer bescheidenen Lebenshaltung gesprochen werden könne. Die soziale Fürsorge sei kein Ersah für die mangelhafte Leistungsfähigkeit der Versicherung. Die Fürsorge müsse des Armenunterstühungscharakters entkleidet werden und eine wirklich soziale Einrichtung sein. Aus der Provinzialhauptstadt. I* 1 Gießen, den 10. September 1926. Dem Herbst entgegen... Durch Ströme von Regen war der Sommer zunächst gegangen, Woche um Woche. Frau Sonne hatte das Beste gewollt, aber sie war immer und immer von dicken Wolkenwänden überdeckt worden, so daß sie eigentlich nicht recht zum Regiment kommen konnte. Dann kam der August und löste das Schuldkonto seiner Vorgänger zu einem guten Teil ein, und nun bringt uns der September den „Altweibersommer". — Mit seiner frischeren Lust ist der September für Fuhwanderer sogar einer der trefflichsten Monate. Wenn die Rebelschwaden verzogen sind, der Morgen kühl und hell einseht und der Weg uns dann hinausführt vorbei an Gärten, die noch in reicher Dlumenpracht stehen, wenn am Faun noch die bunte Winde nickt, und die letzten Rosen träumerisch über die Sternenköpfe der Geranien und Astern schauen, dann jubelt die Ratur in den feurigen Farbentönen so lebensbejahend, daß wir wohl den Gesang aus Vogelkehlen im Moment nicht vermissen, denn es ist ein Singen und Klingen in eigener Brust voll Dank für die Schönheit, die uns die Ratur offenbart. Führt der Weg am letzten HauS vorbei, am letzten Garten, dem Walde zu, dann schicken die Elfen ihre Grüßen fein gesponnene weiße Fäden, — die Fetzen der Schleier, die sie beim Morgen» tanz. als noch der Rebel auf Wiesen und Feldern lag, verloren haben. Lustig flattern sie am Hutrand mit, oder hängen sich an den Rockärmel... Da leuchtet es rotgolden hinter den Kiefernstämmen und huscht von Baum zu Baum. Sind es die Elfen, klang's nicht wie das Knacken eines Astes, wenn ein Fuß daraus tritt. .. Rotgoldenes ^.aar “ es weht noch im Geäst oben am Baum.. ®in Eichhörnchen ist's, das vielleicht nur eben einmal nachgesehen hat, wie es mit feiner Ernte steht, und wann es wird einheimsen können... So gehen die Wunder am Wege weiter: Roch murmeln die Bächlein, noch erzählt Baum und Strauch sein Svmmermärlein. Drum nicht gesagt: „Es geht bergab, es ist September" — sondern: September! hei, da wollen foir noch einmal froh sein. Herbst und Winter kommen noch früh genug." M. Gr. Bornotizen. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am kommenden Dienstag gelangt als letzte Vorstellung im Sommerabonnement der neue Schwank von Schwartz und Mathern „Das goldene Kalb" zur Aufführung. Das wirklich lustige Stück hat bereits am Reuen Theater in Frankfurt und verschiedenen Svmmer- bühnen einen durchschlagenen Heiterkeitserfolg erzielt und dürfte daher einen angemessenen Abschluß unserer, hauptsächlich der heiteren Muse gewidmeten, Sommerspielzeit bilden. Wettervoraussage. Vorwiegend heiter, nachts kühl, tagsüber ansteigende Temperaturen, trocken, morgens stellenweise dunstig. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 21,8 Grad Celsius, Minimum 9,2 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur 14,5 Grad Celsius. * Die amtliche Großhandelsindexziffer. Die auf den Stichtag des 8. September berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem 1. September um 0,4 v. H. auf 127,0 gestiegen. Von den Hauptgruppen "hat die Indexziffer der Agrarerzeugnisse um 0,6 o. H. auf 128,1 ungezogen, während die Indexziffer der Inoustriestoffe mit 125,0 fast unverändert blieb. Mutterehrung durch Blumen. Die Liebe zur Mutter ist der den Lebewesen eigene natürliche Anlehnungstrieb, veredelt durch Lebenshaltung und Erziehung. Die Mutter ist der Mittelpunkt des häuslichen Lebens. Mutters Geburtstag ist ein Fest- und Feiertag im Familienkreise, und wo Feste gefeiert werden, sind Blumengrüße und Blumengaben besonders geeignet. Stimmung und Freude zu erwecken. Bietet doch jede Jahreszeit Pflanzen und Blumen in Fülle, um je nach Wollen und Können ein äußeres Zeichen der Liebe und Dankbarkeit zu bieten, das immer willkommen ist und jede weitere Gabe sinniger und würdiger zu machen geeignet ist. Blumengrüße sendet der in der Ferne weilende Sohn der Mutter in der Heimat, Blumen bringen ihr die Kinder und Enkel ins Haus, ilnö der Heimgegangenen Mutter legt das dankbare Kind Blumen auf das Grab an ihrem Ge- burts- und an ihrem Todestage. ** Ein hessischer Kindergottesdienst-Verband wurde im Dezember v. I. in Offenbach gegründet. Der Verband hält nun seine erste Landesversammlung am 11. und 12. b. 3)1. in Mainz ab. Prälat D. Dr. Diehl (Darmstadt) und der Superintendent für Rheinhessen, Oberkirchenrat Zentgraf, werden an der Tagung teilnehmen. Auf der Tagesordnung stehen Vorträge bedeutsamer Art. ** Der Konsum verein Gießen veranstaltet in der Woche vom 11. bis 19. September ebenfalls eine Werbewoche. Wie er uns mitteilt, wird er seine Schaufenster mit Eigenfabrikaten der Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine unter Mitverwendung von Blumen aus- statten, damit gleichzeitig auch den Bestrebungen der Gartenbau-Ausstellung Rechnung tragend. Weiter will der Verein im Saalbau Sauer eine Warenausstellung Herrichten, in der ebenfalls Produkte der Großeinkaufsgesellschaft, die aus Eigenbetrieben stammen, gezeigt werden sollen. Endlich sollen an drei Tagen der Werbewoche Filmvorträge im Lichtspielhaus „Einhorn" statt- finden, wo Bilder aus den Betrieben der Konsumvereine gezeigt werden. Räheres in der gestrigen Anzeige. Die Ruder-Regatta auf der Lahn wird morgen, Samstag, nachmittag mit den Vorrennen beginnen. Am Sonntagnachmittag folgen die Hauptrennen. Es kommen 14 Rennen zum Austrag. Man beachte die heutige Anzeige. Ein Waldbrand in der sechsten Schneise unseres Stadtwaldes wurde gestern abend 8.31 Uhr durch Feuermelder und telephonischen Zuruf der Feuerwache gemeldet. Die Wehr rückte sofort aus, beseitigte die Gefahr und traf um 9.28 Alljr wieder auf der Wache ein. Es handelte sich nur um eine geringfügige Sache, die glücklicherweise noch rechtzeitig bemerkt worden war und durch das rasche Erscheinen der Wehr bekämpft werden konnte. ** E i n Unglücksfall ereignete sich nm Dienstagvormittag im hiesigen Braunsteinbergwerk. Dort stürzte der Steiger Ludwig Schmidt bei Aufräumungsarbeiten etwa vier Meter hoch ab, wobei er leichte Verletzungen am Hinterkopf und eine Fußoerstauchung erlitt. Der Mann wurde in die Chirurgische Klinik verbracht. Sein Befinden ist den Verhältnissen entsprechend gut. Wirtschaft. * Die Auslandanleihe des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Wie der DHD. erfährt, ist der in Holland aufgelegte Teilbetrag der zweiten Tranche der Auslandanleihc des Deutschen Sparkassen- und Girooerbandes ebenso wie der in Neuyork begebene Betrag vielfach über- zeichnet worden. Börsen kn rle. Datum: 56/o Deutsche RctchSanlcibr . 4% Deutsche NeichSanleche . BV«o/o Deutsche Reichsanleihe E£/n Deutsche RctchSanlethe • Deutsche Svarprannenanleihe <% Preußische KoniolS . . . 4% Hessen 3‘/i0/, Hessen....... 3% Hessen ...... Deutsche Wend. Dollar-Ant. dto. Doll.-Schatz-Anlrti lug.*) 4e/o Zoll türken 5°/o Toldmetikaner ■ . . Berliner Handelsgesellschaft. Commerz, and Privat-Bank. Darmst. und Nationalbank . Deutsche Bank Deutsche BereinSbauk .... Disconio Commandit . . Mctallbank.......... Mitteldeutsche Kreditbank . . Oesterreichische Kreditanstalt. Weltbank ........ Bochumer Guß . ..... Buderus ...... Caro Delltsch-Luxemburg Äclsenkircheuer Bcrgtverke. . Harpencr Bergbau Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurahüttc ..... Oberbedars । , Phönix Bergbau Rheinslabl . , Rickeck Montan TelluS Bergbau Bereinigte Stahlwerke A,-Hio de Jan. Wien in D-- 0.637 0,639 0,6.34 0.644 Oesi. abgcst. 59,21 59,35 59,20 69,34 Prag .... 12,417 12,457 12.42 12,46 Belgrad . . 7,413 7,433 7,418 7,438 Budapest. . 0,877 5,897 5,872 6,892 Bulgarien . o,05 3,06 3,042 3,052 Lissabon 21,405 21,455 21,425 -1,475 Danzig. . . 81,34 81,64 81,35 61,45 Konstantin. 2,23 .',24 2,212 2,222 Alben. 4,79 4,81 4,79 4.81 Canada. . 1,198 1.208 '.197 4.207 UruguaN . 1 20 4.21 4.20 4.21 Berlin, 9 Septbr. Geld Brie» Amerikanische Note» ..... Belgische Noten ....... Dänische Noten ....... Englische Noten........ Französssche Noten...... Holländische Noren ...... Italienische Nolln...... Norwegische Noten...... Deutsch-Ocsterr., ä 100 Kronen Rumänische Noten ...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten...... Spanische Noten ....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten . ... 4,175 11,50 111,09 20,825 12.22 167,75 15,28 91,62 59.1.3 2,065 111,77 80,87 63,62 12,378 5,8.37 4,195 11,56 111,65 20,42.5 12,28 168.59 15,36 92,08 69.43 2,105 112,33 81,27 63.94 12,438 5.877 Frankfurter ('Zelrecdebörse. Frankfurt a. M., 10. Sept. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 27,75 Mark: Roggen, inländischer, 21,50; Sommergerste für Brauzwecke 23 bis 26; Hafer, inländischer, 17,50; Mats, gelb, 18,50; Weizenmehl, inländisches (Spezial 0), 40,75 bis 41,50; Roggemehl 31,50 bis 32,50; Weizenkleie 9; Roggenkleie 10,50 Mark. Tendenz: ruhig. Kirchliche Nachrichten. Gottesdienst der tsr. Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 11. Sept. 1926. Vorabend 6 20, morgens 8.00 Ahr Predigt, nachmittags 4.00, Sabbatausgang 7.35. Wochengottesdienst: morgens 5.15, abends 6,00. Isr. ReliglonSgemeinde. GotteSd. i. d. Synagoge (Südanlage). Samstag, den 11. September 1926. Vorabend 6.30, morgens 8.30, abends 6.55 u. 7.35. Äeschäftlithcs. „Das weih doch jedes Kind" ist die Antwort, die häufig auf eine vermeintlich „törichte" Frage gegeben wird. Man bedenkt eben nicht, daß es viele Dinge gibt, die selbst manchem Erwachsenen unbekannt geblieben sind. So trifft man z. B. auch noch Hausfrauen an, die nicht wissen, daß sie vieler Sorgen enthoben sind, wenn sie Maggi's Würze vorrätig halten. ZMWMsWMNg. 17/26 Freitag, den 5. Rovember 1926, vormittags 11 Ähr, wird durch das hiesige Amtsgericht, Zimmer 203, II. Obergeschoß, das Im Grundbuchs von Gießen den Karl Geßner Eheleuten in Gießen zu je V, zugeschriebene Grundstück Flur 7 Ro. 139"/«, = 694 qm Grabgarten, geschätzt auf 1388 Mark, versteigert, jedoch nur die der Ehefrau Marie Geßner geb. Theiß davon zustehende ideelle Hälfte im Schätzungswerte von 694 Mark. Die amtsgerichtliche Verfügung' ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht angehestet. 7284c Gießen, den 7. September 1926. I. A. des Hess. Amtsgerichts Gießen: Leo. Ortsgerichtsvorsteher. ZMWMWkkW. Am 18. September, vormittags 9 Llhr, werden in Rodheim, Gastwirtschaft Bechtold versteigert die Grundstücke Gemarkung Rodheim Ktbl. 21, Parz. 44, 42 und 43, 2,82 Ar, 2,85 Ar und 0,73 Ar groß, Haus Rr. 4, Mühlecke in Rodheim, mit Hausgarten. Eigentümer Heinrich Reutzel in Rodheim. Gladenbach, den 4. September 1926. Das Amtsgericht. [7301D PERFLOR rcrrwfirurrr i xfcr/^/ct^tn I \ FLAUMER • ----- • •• • . und du wirst sehen, da| idi bin als dein seitheriges Wasdi- mittel, seien es Seifenflocken oder Du kannst in handwarmer Lösung deine feine Wäsche mit mir auswaschen oder deine große Wäsche mit mir kochen. In jedem Falle nehme ich jeden Fleck, wasche und bleiche schneeweiß, dabei bin ich im Gegensatz zu selbsttätigen pulvrigen Waschmilleln ohne jede Schärfe und mild wie mildeste Seife. Kaufe mich und du wirst glücklich mit mir sein, ich koste nur 45 Pfg. Perflor, die einzige selbsttätige Seifenflocke und das einzige milde < selbsttätige Waschmittel ME v :vr; viJ- 1 --y/ LEBEWOHL beseitigt .ihre * HÜHNERAUGEN u HORNHAUT? Nit 5 Mutt Jüan hll öjöon 3“ lagen, toai Äh d°- man nicht ebc ®an im Schr "a-h Aauhein Ziehen ha^" «’Ä L M«Äl ?°®®en2 r ’nr,eninoJöt< an di- L ’N ll&fe 6(1 m(J0t8toan ?¥ Vilich m ö°bt. Halle A Zehrfürchl ?ut|ii d» ®01l L'"S te- °-> 4 t SÄ! s&t bei Erl 7 lich: Atz c flle^g mc (*e ballen unb I MMDl' Ti 3ladji oai ifl bemÄ; lich |e»-eA msieE nnchM bit tnnit bitt ßirftu nbe Icreits seitöf: rung unb bem offener fto ihr Mong t über bie neu kennen. Sie « doh sie den N flücfnafme bc Uebcrrcbungsl bröchle bic ') ArtilleriekMlN (abolib unb 6 schanzen b überzugehen, o fanterie jufam ihre Seite fiel rühr ihren ®l Prinio be 9 vor den Tlcul stets durch Ene so zögerte er a in Segosia u Truppen gegen geweigert Haiti tzen, vielleicht iotium et 1 ganze Arii ÄMetieaM pen, ihnen <8t für bie Ungtl fig bem Aust Glück, baß b ursprünglich i macht hatten, unb sich der ' tilleristen a l l ff? ist oiel/i bah eine ganze siert worben i wehrunsähig bl nie bagerocfen, meutert hat un Wohl unb W setzte. Met bi kein Zurück rr Der Artil ober bas gar stützt im ’ffh unb Harden s bie Megerlru Nen aus bi ^oencemenf gi auf hin, bah ben. Aber im: unb bie Stellv lich Es geht | bebeutfamer, a men ist unb s Aiveras gef bedenken, bah | publikaner find, Werbewoche iiei*ii**ii*i*n**n*n*"*ii"^n**nee*iK besonders auch Kränkliche, uue zurückgebllebeneund solche mit steifen Deinen, gesunden und 6843V RASSOL tSBfck I Wohnungstauschi I Einzelne Dame ob. 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Zum Ausschank gelangt das In seiner Güte bekannte Auerhahn- Export-Bier aus Schlitz Blumenkorso ■ Die Aufstellung der Fahrzeuge usw. sür den Blumenkorso erfolgt am Sonntag, bem 12. I. M., nachmittags 2 Uhr, auf Oswaldsgarten, für den Reklamewagenkorso auf der Nordanlage bzw. in der Steinstratze. Abmarsch 2'/, Uhr durch Neustadt, Bahnhofstraße, Alicestratze, Seltereweg, Sonnenstraße, Schulstratze, Walltorstraße, Ostanlage, Moltkestraße. Kaiserallee zur Dolkshalle. Schaufensterwettbewerb IDas Publikum soll nach Besichtigung der Schaufenster entscheiden, welche 7 Firmen am schönsten ausgestellt haben. Wer vom Publikum die durch die Abstimmung als die Besten ermittelten Schaufensterausstellungen aus seinem Stimmzettel aufgeführt hat, erhält einen der bei der Firma Kaeß Nachfolger (Inh. Wilh. Horn), Kreuzplatz ausgestellten Preise. Stimmzettel sind unentgeltlich an den mit Plakaten erkenntlich gemachten Stellen zu haben, sie müffen bis spätestens Mittwoch, den 15. I. M., in die hierzu bestimmten Briefkästen eingeworfen werden. Briefkästen sind aufgestellt: 1. Marktplatz (am Rathaus), 2. Plockstraße (am Eafä Astoria), 3. Selterstor (Ecke Südanlage), 4. Bahnhofstraße (Ecke Westanlage, Eingang zum Dolksbad), 5. Lud- wigsplatz (Haltestelle der Elektrischen), 6. Kreuzplatz. Straßenkonzerte ■ finden nur am Dienstag, dem 14. l. M., statt, und zwar von 5 bis 6 Uhr auf dem Linbenplatz, von 6-7 Uhr in der Plockstratze. 7291D Verkehrsverein e.v., Gießen gehl erster Tage leer nach Frankfurt. Nah.SüdaulagclO. Televh. 149!). °01»' Wie lieblich wirkt ein von vollem, seiden- glänzendem Haar umrahmtes Gesicht! Solch schönes Haar ist der Erfolg regelmäßiger Kopfwäsche mit dem unübertroffenen Schwarzkopf - Schaumpon. Versuchen Sie es selbst und verlangen Sie beim Einkauf ausdrücklich Schcuirnpcn mit dem schwarzen Ubpf Ganz anders jetzt als obenhin erfassen wir des Verses Sinn: das „GEG-Samod" beweist tagtäglich, daß es recht so heißt. „FAMOS“ Ist das selbsttätige Waschmittel der GEG Dienstag, ben 14. September 1926 ©offlDiel des SMeolm Boö-lianöelm Erstaufführung! N golhtoe Sold Schwank in 3 Akten von Otto Schwartz und Earl Mathern. 7303c Anfang 8 Uhr. Ende nach 10 Uhr. Der Vorverkauf beginnt am Samstag, dem 11. Sept., in den gewöhn!. Kaffenstunden. {Verschiedenes) Beteiligung od. Geschäft zu kaufen gesucht. Schr. Ang. u. 06192 an den Gieß. Anz. Blechdose (8 Pflaster) 75 Pfg. Lebewohl-Fußbad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachte) (2 Bäder) 50 Pfg.. erhältlich in Apotheken und Drogerien. Sicher zu haben bei: A. Noll, Kreuz-Drogerie, H. Noll, Ludwigsplatz - Drogerie und Neustadt - Drogerie, O. Winternoff, Drogerie, Kreuzplatz 9-10. 1001A Annerod Sonntag, den 12., u. Montag, den 13. Septbr. D. H. V. Samstag, den 11. Septbr., 8V3 Ubr, im Karrsm. Per- einSbauS, Nordan- läge 15: 7aeD Mitgliederversammlung. 0. Holonlül- i kreme. Wir verweisen unsere Mitglieder nochmals auf die am Sonntag, dem 12. d. M-. vornu 9.80 Uhr, bei Dippel statt- findende öejirfstagung. Der Bezirks- und BundeSvorsitzende haben zur Taauna ihr Erscheinen zuge- saat. Zu dem am Nachmittag ftnilhn- denden aemütlichen Beifammeusein sind auch Gäste herz- lichst einaeladen. Doppelkonzert, Beleuchtung, mehrere Tanzkapellen. Das Fest findet bei jeder Witterung statt. y|elD »echthold, LaunSbach. Gut gelegenes,zwei- stöckigeS (7300D Eckhaus in Wicicek m. Laden und Werkstatt, zwei Wohnungen, davon eine frei werdend, -u verkaufen. Näheres Wiefeck, Tnrnstratze v. | Kaufgesuche | Das Hbgienifche Institut, Frankfurt. Strotze 10L kauft Hamster, ttaninchen u. weihe Mäuse. Sehr gut erhaltener Lanlerbacher Wagen mit Pferden ob. ein Break zu kaufen gesucht. Schr. Angcb. unter 72990 a.d.Gtetz. Anz. 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Red.: Die inzwischen telegraphisch eingetroffenen Meldungen von der tatsächlichen Niederschlagung der Revolte in Spanien lassen den vorliegenden Brief, der unter dem ersten Eindruck der Unruhen geschrieben ist, nicht uninteressant werden. Madrid erwachte heute mit einer großen Ueberraschung. Ueber das ganze Königreich war der Kriegzustand verhängt worden. Die Garnisonen waren alarmiert und in den Kasernen in Marschbereitschaft gesetzt. Ordonnanzen eilten in allen Richtungen, Generäle in ihren Autos fuhren vor dem KrieLsministerium vor, um Orders zu erhalten und Primo de Rivera und der Kriegsminister, Herzog von Tetuan, hatten die ganze Nacht am Telephon verbracht, hatten wiederholt mit dem König in San-Sebastian konferiert und schließlich seine Zustimmung für ihre strengen Maßnahmen errungen. Der König reiste sofort im Automobil nach Madrid ab, um der Entwicklung der Ereignisse die Stirne bieten zu können. Die Stunde war ernst, sie ist es auch heute noch! Bereits seit dem Juni bestand zwischen der Regierung und dem Artillerie- und Jngenieurkorps ein offener Konflikt. Die 2lrtillerieoffiziere und ihr Anhang weigerten sich, das königliche Dekret über die neuen Avencementsbedingungen anzuerkennen. Sie gingen in ihrem Widerstand so weit, daß sie den Rücktritt Primo de Riveras und die Rücknahme des königlichen Dekretes forderten. Alle Ucbcrrcdungskünste blieben fruchtlos und jetzt brachte die Regierung in Erfahrung, daß sich die Artilleriekommandeure mit ihren Truppen in Valladolid und Segovia in ihren Lagern zu verschanzen begannen, um zur offenen Meuterei überzugehen, die regicriingstreuc Kavallerie und Infanterie zusammenzuschießen, falls sie sich nicht an ihre Seite stelle, kurz sie beabsichtigten durch Aufruhr ihren Willen durchzusetzen. Primo de Rivera mußte energisch eingreifen oder vor den Meuterern kapitulieren. Und da er sich stets durch Energie und Festigkeit ausgezeichnet hat, so zögerte er auch hier nicht. Er tat den Generälen in Segovia und Valladolid nicht den Gefallen, Truppen gegen sie zu entsenden, die sich vielleicht geweigert hätten, gegen ihre Kameraden zu schießen, vielleicht gar zu ihnen übergegangen wären, sondern er l ö st e mit einem Federstrich das ganze Artilleriekorps auf, kassierte alle Artilleriegeneräle und Offiziere, verbot den Truppen, ihnen Gehorsam zu leisten, setzte Standgericht für die Ungehorsamen, ein und brach damit vorläufig dem Aufruhr die Spitze ab. Er hatte dabei das Glück, daß die Ingenieur- und Genieoffiziere, die ursprünglich mit der Artillerie gemeinsame Sache gemacht hotten, im letzten Augenblick Angst bekamen und sich der Disziplin unterwarfen, so daß die Artilleristen allein als Meuterer zurückblieben. Es ist vielleicht ein noch nie dagewesener Schritt, daß eine ganze Truppengattung in einem Heer kassiert worden ist, so daß Spanien im Augenblick wehrunfähig bleibt, es ist aber auch ebenso noch nie dagewesen, daß eine ganze Truppengattung gemeutert hat und aus Sonderinteressen hinaus das Wohl und Ansehen ihres Vaterlandes aufs Spiel setzte. Aber die Würfel sind gefallen, es gibt jetzt kein Zurück mehr. Der 2lrtillerieaufruhr muß gebändigt werden, ober das ganze Staatsgebäude Primo de Riveras stürzt im Chaos zusammen. Artillerie, Kavallerie und Garden stehen bisher treu zur Regierung, auch die Fliegertruppen sind loyal, sie alle haben ihren Nutzen aus dem Dekret über das außerordentliche Avencsment gezogen, und nichts deutet bisher darauf hin, daß sie sich dem Putsch anschließen würden. Aber immerhin ist die Lage sehr verworren und die Stellung Primo de Riveras wird gefährlich. Es geht hart auf hart. Die Stunde ist umso bedeutsamer, als der König nach Madrid gekommen ist und sich an die Seite Primo de Riveras gestellt hat. Nun muß man allerdings bedenken, daß die Artilleristen alles andere als Republikaner sind, sie gelten im Gegenteil als ein sehr Lustreife. Eine Luftreise habe ich gemacht, von Gießen nach Frankfurt bin ich geflogen, in dreißig Minuten — das ist alles. Man soll etwas darüber schreiben, etwas davon erzählen. Ja aber, gibt es denn etwas zu sagen, was nicht jeder schon weiß, wenn nicht erlebt, so doch hundertmal gelesen hat? Könnte man nicht ebenso sich vermessen, zu berichten, daß man im Schnellzug nach Berlin, oder im Auto nach Nauheim gefahren sei, und was man dabei gesehen habe? Bor zwanzig — vor dreißig Jahren, da hätte man freilich mit diesem Satz etwas zu sagen gehabt, hätte Aufsehen verursacht, hätte berechtigt einen ehrfürchtig lauschenden Zuhörer- oder Leserkreis um sich sammeln können — mit diesem Sätzchen: ich habe eine Luftreise gemacht, bin durch die Wolken gese^e t. Abglanz vom Wunderbaren, vom phantastischen Abenteuer hätte unsere Stirn verklärt, Zukunftsmusik hätte uns gegenwärtig umspielt. Heute — pah! —: eine Luftreise haben Sie gemacht? Soso. Sonst haben Sie keine Neuigkeiten? Nein, was man wiedergeben, notieren, andeuten kann, ist ohne Allgemeininteresse, ist unwichtiger, persönlicher Eindruck, Privatangelegenheit. Für den Einzelnen, dem dies zum ersten Mal widerfährt, für den, der es gerade unternimmt, für den wird es ein — großes oder kleines — Erlebnis bleiben. Einem größeren Kreise läßt sich wenig erzählen, was nicht hundert