Nr. 185 Erstes Blatt 176. Jahrgang Dienstag, 10. August 1926 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertag«. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis. 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter, scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanfchlüsse: Schriftleitung 112, Der« lag und Geschäftsstelle 5L Anschrift für Drahtnach« richten. Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vruck und Verlag: Vrühl'sche Univerfitätr-Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: 5chulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Rachmittag vorher. Preis für l mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 20°,., mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen. Die Rheinlandbesatzung. (Sin deutsches Memorandum an die Alliierten. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 10. August. (IU.) Der deutsche Botschafter in Paris, v. hös ch, hat dem Außenminister B r I a n d ein Memorandum dcr deutschen Regierung überreicht, in dem die deutschen Ansprüche bezüglich der Herabsetzung der alliierten Streitkräfte im Rheinland enthalten sind. Es handelt fich hierbei um keinen neuen ofsiziellen Schritt des deutschen Dotschasters bei Briand, sondern um dir Uebcrrei- chung der schriftlich skizzierten Wünsche durch Herrn o. hösch anläßlich seiner letzten Besprechung mit Briand. Die Behandlung der gleichen Frage in Brüssel, Rom, London und Washington dürste im Rohmen der laufenden Besprechungen über völkerbundsangelegenheilen erfolgt sein. Es scheint der deutschen Regierung also an einer Klärung dieser Frage noch vor dem Eintritt in den Völkerbund, der jetzt zum zweiten Male bevorstehl, außerordentlich viel zu liegen. Die Partner des Locarnovertrags lassen sich indes Zeil. So kann es leicht geschehen, daß die deutsche Regierung in wenigen Wochen vor der schwerwiegenden Entscheidung steht, ob Deutschlands völkerbundseinlritt erfolgen soll, obwohl die hinsichtlich der Besatzung die eo ipso mit dem Geist des Friedens von Locarno nicht vereinbar ist, gegebenen Versprechungen, die als einzige „Rückwirkungen" von Bedeutung übrig geblieben waren, nicht eingehalten wurden. Dor der Herbsttagung des Völkerbundes. Deutschlands Erwartungen. Berlin, 10. 2lug. (SU.) Zu der bevorstehenden Tagung des Völkerbundes macht die dem Reichsauhenminister nahestehende „Tägliche Rundschau" folgende bemerkenswerten Ausführungen: Del einer Ueberprüfung der mancherlei ausländischen Reden, Überredungen und Presse- äußerungen der letzten Zeit, die sich mit der bevorstehenden Regelung der Frage der Rats- sitze des Völkerbundes befaßten, drängt sich die 'Bermutimg aus, als ob die Beschlüsse, die im März von dem zur Klärung der Angelegenheit berufenen Ausschuß gefaßt wurden, einigermaßen ins Wanken gekommen wären. Offenbar ist derDefuchdesKönigsvonSpanien in London für Spanien nicht ohne Erfolg gewesen, und es scheint nicht ausgeschlossen, daß Spanien, was wir hier immer betont haben, von Deutschland durchaus mit Wohlwollen angesehen wird, seitens Englands in Genf einiges Entgegenkommen finden wird. Immerhin wäre es von Interesse, bald einmal mit aller Bestimmtheit hören, wann der Studienaus- schuß zu seiner zweiten Sitzung einberufen werden wird, damit von diesem endgültig volle Klarheit geschaffen werden kann. Das wäre nach dem Gang der Verhandlungen des Völkerbundes im Frühjahr, in dessen eigenem Interesse noch vor seiner Herbsttagung durchaus zu wünschen. Für das deutsche Volk ist jetzt vor der Entscheidung über den Eintritt in den Völkerbund allerdings von fast größerem Interesse als die Ratssih- frage die Frage der Minderung der Besatzung im b es e hten.Gebiet am Rhein. GS ist bekannt, daß immer noch nicht, wie es unS in Aussicht gestellt worden war, „annähernd die normalen Ziffern" der Besatzung herbei- geführt worden sind. Diese Annäherung ist auch nicht dadurch zu erreichen, daß etwa nur eins bis zwei Regimenter nach und nach abgebaut werden. Die Erwartung des deutschen Volkes geht vielmehr dahin, daß die Besahungsziffer. die die normale Ziffer noch um mehrere 10 000 überragt, schnell und gründlich vermindert wird, und daß diese Verminderung noch im Laufe dieses Monats, also noch vor dem Zusammenttitt des Völkerbundes, fühlbar in Erscheinung tritt. Das Recht der Minderheiten. Beschlüsse des Internationalen Jnriftenkonqresses. Wien, 10. August. (TU.) Gegenstand der Beratungen des Internationalen Iuristenkongresses bildet zur Zeit die Frage des Minoritäten- s ch u tz e s. Daß dieser Programmpunkt einer der wichtigsten ist, zeigt der starke Besuch insbesondere von Delegationen aus den Nachfolgestaaten. Den Vorsitz führt der Profesior an der Universität Man- chester Hopkins, der in einem eingehenden Referat die gegenwärtigen Rechtsverhältnisse dcr Minoritäten nach den Friedensoerträgen erörterte. Die Gleichberechtigung sei zwar in diesen Verträgen fest- geleat, auch die Hilfe des Völkerbundes zugesichert, die Geltendmachung dieser Gleichberechtigung werde jedoch formell außerordentlich erschwert, weil die Klagen der Minoritäten nicht direkt an den Völkerbund gingen, sondern an dessen Dreier-Ausschuß. Von diesem sei js abhängig, ob i)ie Angelegenheit vor einen Schiedsgerichtsho komme oder nicht. Klagepartei könnten praktisch nicht die Minoritäten sein, sondern nur die betreffende Regierung, gegen die der Völkerbund wiederum nicht unbequem werden wolle. Professor B r u - n e t, der Vorsitzende der französischen Delegation, stellte an die Spitze seines Referates die Feststellung, die größte Gefahr des jetzigen Verfahrens fei, daß es geheim gehandhabt werde. Wenn die Klage eingebracht sei, erfahre die Minorität weiter nichts über deren Schicksal..Professor Brunet verlangt, daß beide Teile als gleich b e - rechtigte Prozeßparteien behandelt werden. Die Vollversammlung hat bann nach lebhafter Debatte die folgenden Grundsätze in einer ausführlichen Resolution zum Ausdruck gebracht: 1. D.e Minderheiten sollen im Gegensatz zur bisherigen Praxis von der Antwort der beteiligten Regierungen an den Völkerbund Kenntnis erhalten und zu ihr Stellung nehmen dürfen. 2. Der gesamte Derfahrensschriftwechsel soll, wie dies bisher nur in einem Ausnahmefall geschehen ist, künftig nach Möglichkeit im Journal Officiel des Völkerbundes veröffentlicht werden. 3. Der alhährliche Rappott des Generalsekretärs an die Vollversammlung soll einen Bericht über den Stand der Verhandlungen bezüglich der vorliegenden Petitionen erhalten. 4. Cs wurde einstimmig zum Ausdruck gebracht, daß der Dölkerbundsrat bisher unzureichend * voi^ der äleberweisung einer Petition an den ständigen Gerichtshof im Haag zwecks Erstattung eines Gutachtens über Rechtsoder Tatfragen Gebrauch gemacht habe. 5. Die Tätigkeit der bestehenden Minderheitskommission der International Law Asso- ciation wurde dankbar anerkannt und für die künftigen Aufgaben die Erweiterung der Tätigkeit der Kommis ion auf Angehörige von national gemischten Staaten und zwar deren Mehrheits- wie Minderheitsangehörige beschlossen. Die Entschließungen, die sich innerhalb des bestehenden Rechts halten, würden für den Schutz der Minderheiten durch die Stärkung der Publizität des Verfahrens einen wesentlichen Fortschritt bedeuten. Sie sind deshalb von deutscher Seite lebhaft zu begrüßen. Es bleibt zu hoffen, daß der Völkerbund diesen begründeten Vorschlägen Rechnung tragen wird. Die Notstandsarbeiten. Berlin, 10. Aug. (Wolff.) Laut „Dor- wätts" fand gestern eine Aussprache der S p i h en v e r b an d e aller Gewerkschaf t s r i cht un g e n im Reichsarbeitsministerium über das Arbeitsbeschaffungsprogramm für die Erwerbslosen statt. Don den Gewerkschaflsvettretern wurde die bxschleu- nigte Durchführung der vorgesehenen Rot» standsarbeiten verlangt. Die Aussprache ergab, daß über eine Anzahl der vorgesehenen Projekte die Verhandlungen mit den beteiligten Behörden abgeschlossen sind, so daß in nächster Zeit mit einer Vermehrung der Rotstands- arbeiten zu rechnen ist. Die Gewerkschaftsvertreter fordetten weiter eine sofottige Verlängerung der Unter st ühungsdauer, damit den ausgesteuetten Erwerbslosen der weitere Fottbezug der Erwerbslosenunterstühung ge- sichett bleibe. Empfang beim Reichspräsidenten. Berlin, 9. Aug. (WTD.) Der Herr Reichspräsident veranstaltete heute im Gatten seines Hauses einen Empfangstee, an dem u. a. die in Derlin anwesenden Mitglieder der Reichsregierung, der preußische Ministerpräsident mit den z. Zt. in Derlin । weilenden preußischen Ministern, die Reichsral- | bevollmächtigten der Länder, die Staatssekretäre Clemenceaus „Offener Brief". Es wird wohl kaum jemand mehr überrascht gewesen fein, denn Präsident Coolidge selbst, als er von dem offenen Brief Kenntnis erhielt, den der alte Tiger C l e m e n c c a u an ihn gerichtet hat. Der Tiger ist aus dem Altersschlaf erwacht, jubelten seine Anhänger und priesen den pathetischen Appell des Mannes, der einst in Paris zusammen mit Lloyd George den Präsidenten Wilson gründlich übers Ohr gehauen hat. Herr Coolidge hat nicht lange auf sich Watten lassen und einfach geantwortet, für ihn wäre die Schuldenfrage erledigt. Rach dieser Abkühlung kann sich also der Tiger beruhigt wieder zum Schlafe niederlegen. Der Schritt Clemenceaus ist ein neuer Beweis dafür, wie wenig Franzosen vom Schlage Clemenceaus. zu denen man auch Poincare rechnen kann, von der Psychologie der Amerikaner und anderer Völker verstehen. Clemenceau gerade wäre der allerletzte, um einen Appell an den Edelmut der Amerikaner zu richten, denn er war es ja, wie chon eben angedeutet, der Präsident Wilson bei den Friedensverhandlungen in Paris die schmähliche Riederlage beigebracht und die ganze Welt auf Jahre hinaus mit neuem Haß und Drand- toff erfüllt hat. Der gänzlich ahnungslose Präident der Vereinigten Staaten ist mit Clemenceau und Lloyd George mit falschen Karten, mit gefälschten Statistiken und mit ähnlichem Material einfach betrogen und schließlich gezwungen worden, seinen Ramen unter den Schandvertrag von Versailles zu sehen, der nachher von seinen eigenen Landsleuten verworfen worden ist. Wie Poincars zusammen mit Iswolski die Hauptschuld am Ausbruch des Weltkrieges trägt, auch nach Feststellung des amerikanischen Geschichts- prosessors Barnes, der vor kurzem in Berlin herüber einen Vortrag gehalten hat, so hat fein geistiger Verwandter und Nachkomme P o i n c a r 6 mit der Haß- und Zwangspolittk gegen Deutschland, mit seinen Sanktionen und dem Ruhreinbruch den Gipfel erreicht. Clemenceau ist der Urheber, Poin- cars der Fortsetzer des übertriebenen Chauvinismus, Militarismus vnd Imperialismus Frankreichs. Beide zusammen sind schuld daran, daß noch immer Frankreich eine Rüstungslast trägt, unter der es schließlich erliegen muß, und beide sind die eigentlichen Urheber des Unglücks, aus dem jetzt Poin- cars mit äußerster Anstrengung Frankreich wieder erlösen soll — eine Ironie der Weltgeschichte, wie man sie schroffer kaum je erlebt hat. In dem offenen Brief Clemenceaus wird Frankreich als das Unschuldslamm hingestellt, das kein Wässerlein trüben kann, sondern ein Opfer der Ränke Englands geworden ist. Dann spricht er von der Lüge der deutschen Reparationen, die. den Anlaß zu den amerikanischen Zahlungsforderungen gegeben habe. Auf den Eselstritt nach England wird ihm von dort wohl noch die gebührende Antwort kommen. Wenn Clemenceau aber die deutschen Reparationszahlungen als Lüge bezeichnet, dann bekommt er von un sdiesen Vorwurf mit Zins und Zinseszins zurück. Wir haben bereits ungezählte Milliarden in den Rachen des Reparationsmolochs geworfen, und wir haben mit dem Dawes-Abkommen eine Last auf uns genommen, an der wir schwer au tragen haben. Jedenfalls hat Clemenceau seinem Volk keinen Gefallen getan, als er den Brief an Präsident Coolidge abfaßte. Die Zähne des Tigers sind stumpf geworden, und man merkt, daß er in der letzten Zeit fest geschlafen hat. Von der Wandlung, die sich wenigstens auch in einem Teil des französischen Volkes und der französischen Politiker jüngst vollzogen hat, weih er nichts. Ebenfalls weiß er nichts davon, daß man gerade in Amerika und anderwärts sehr wohl unterrichtet ist darüber, wer noch immer der Störenstted in Europa ist, und wohin die Milliarden der deutschen Reparationszahlungen geflossen sind. DaS Verhalten der französischen Offiziere im Militärunterausschuß zu Genf hat den Amerikanern, soweit es überhaupt noch nötig war, vollends die Augen darüber, geöffnet, daß am französischen Militarismus der von Qlmerita besonders eifrig gepflegte Abrüstungsgedanke zu scheitern droht. Gerade in dem Augenblick, in dem der Völkerbund durch, die Ausnahme Deutschlands die Wendung vollziehen soll, die den spateren Eintritt Amerikas vorbereiten und den Völkerbund aus einem Machtinstrument Frankreichs in einen wahren Bund der Völker umtoanbcln soll, tritt Clsmenceau mit diesem Brief an die Oeffentlichkeit, der mit falschem Pathos fich an die Großmut der Amerikaner wendet und um Erlaß der Kriegsschuld bettelt, nachdem Frankreich immer und immer wieder von neuem beteuert hat, es fei bereit und willens, feine Schuld zu bezahlen. Die ttchtige Antwort hat Präsident Coolidge mit der trockenen Bemerkung gegeben, er lehne es ab, die Aeußerungen Clemenceaus als offiziell zu betrachten, denn sie ständen im schroffen Widerspruch zu dem, was die französische Regierung fortgesetzt beteuert habe. Weder er noch , feine Landsleute lassen sich durch Redensatten von den noch immer zerstörten Gebieten und von den gebrachten Opfern mehr beeinflussen, denn allzu viele Amerikaner haben sich davon überzeugen können, was für Schwindel noch immer damit getrieben wird. Der Clemenceausche Brief und die Kriegervereinsreden Poincares stehen auf gleicher geistiger Höhe. Poincare hat diesen Teil seiner Tätigkeit eingestellt und wird ihn hoffentlich nie wieder aufnehmen. Clemenceau darf ruhig wieder in seinen Winterschlaf fallen, aus dem ihn niemand stören wird. Die Wirkung in Amerika. R e u y o r k, 9. Aug. (TU.) Die gesamte amerikanische Presse läßt die Tatsache erkennen, daß die gereizte Stimmung gegenüber Frankreich durch ?en Brief Clemenceaus nichtunwesent- lich verschärft worden ist. Die Washingtoner Berichterstatter der Reuhorker Presse übertreffen sich gegenseitig in Angriffen gegen Clemenceau. Washington, so heißt es u. a.. erinnere daran, daß Frankreich bisher keinenPfiffer- ling zurückgezahlt habe. Präsident Coolidge erhalte aus allen Teilen des Landes Berge von Briefen, in denen die Regierung der Vereinigten Staaten aufgefordert werde, in der Schuldenfrage keinesfalls nachzugeben. In Washington frage man sich erstaunt, wer wohl Clemenceau den Rat gegeben habe, ein derartiges Schriftstück zu verfassen. Der Brief Clemenceaus sei im ganzen ein Stück großer Unverfrorenheit. Die „Times" veröffentlicht ein Telegramm aus Regierungskreisen, in dem die Einstellung der Regierung folgendermaßen zu- sammengefaßt wird: Frankreich müsse alle Vorstellungen in der Schuldenfrage durch die regulären diplomatischen Kanäle weiterleiten. Amerika beabsichtigt jedenfalls, alle diplomatischen Verhandlungen nur a u f diplomatischem Wege zu führen. Die Schuldenfrage sei für die Regierung endgültig erledigt. Das Abkommen sei den französischen und amerikanischen Parlamenten vorgelegt worden. Diese hätten das Abkommen anzuerkennen oder abzulehnen. Die deutsch-feindliche Presse, auscheinend in der Absicht, die verheerende Wirkung des Cle- menceau-Briefes abzuschwächen, bringt erneut Sensationsattikel über Die „deutschen Kriegsrüstunge n“. ..Evening Post" erklärt, der neue angebetete „Darling" der „alten preußischen Kriegsmaschine" schaffe in der Reichswehr insgeheim eine neue Armee, in der „jeder den Marschallstab im Tornister trage". Die Kontrollkommission sei viel zu nachsichtig gegenüber Seeckt. In Deutschland wisse man überall, welche Macht von Seeckt besitze. Die Alliierten täten gescheiter, weniger Proteste über die Kriegsschuldenfrage loszülassen. als auf die Rüstung der deutschen Armee aufzupassen. Das Pariser Echo. Clemenceaus Brief: „Die frucht später Gewissensbisse". Paris. 9. Aug. (Wolff.) Der „Tempo" schreibt zu dem offenen Brief Clemenceaus an Coolidge, er habe wie ein Blitz aus einem Himmel eingeschlagen, der bereits nicht mehr ganz heiter gewesen fei. Der Bries entspreche dem fast einmütigen Gefühl der Franzosen. Es müsse jedoch eine vermi tt elnde Lösung gefunden werden, und zwar im Interesse der beiden Rationen, eine Lösung, die den Bereinigten Staaten ihre berechtigte Desttedigung und Frankreich die notwendige Beruhigung verschaffe. Das „Echo de Paris" schreibt, daß Clemenceau in den Bereinigten Staaten eine Autorität genieße wie kein anderer Politiker Frankreichs. Die amerikanische Schuldenpolitik fei nach langen Beratungen festgelegt. Die Amerikaner hätten sich immer als Fremde in Europa betragen. Sie hätten neben dem Krieg einen besonderen Krieg geführt. Der französische Irrtum sei gewesen, sie stets als Alliierte zu behandeln. Wenn man aber das Abkommen nicht ratifizieren wolle, müsse man alles tun, um Rückschlägen vorzubeugen. Man müsse zunächst das Abkommen mit London ratifizieren, um die Solidarität zwischen Lyndpn und Reuhork zu vernichten. Der „Quotidien" schreibt, Frankreich werde jetzt keine Amotti- sationskasse brauchen, wenn Clemenceau nicht in seinem gewissenlosen Hochmut den Vertrag der Täuschungen geschaffen hätte, der Frankreich den Alliietten ausliefere. In dem Briefe könne man nur die Wirkung später Gewissensbisse entdecken. — Die kommunistische „Humanite" behauptet, daß der Herausgeber des „Avenir", Bure, Clemenceau zu dem offenen Brief an Coolidge verleitet habe. Er habe seinerzeft Clemenceau als Botschafter nach den Vereinigten Staaten bringen wollen, doch habe Clemenceau es abgelehnt. Run sei es Bure gelungen, den offenen Brief durchzusetzen. Londoner Presfestimmen. Der Drahtzieher Poincars. London, 10. Aug. (Wolff.) Clemenceaus Intervention hat hier beträchtliches Aufsehen erregt. Der „Daily Graphic" schreibt, Clemenceaus Brief an Coolidge und indirekt an England sei ein bedauerlicher Fehlgriff. Diese Tattik mache das Herz Amerikas nur noch härter. Auch die „Daily Rews" ist der Ansicht, daß der Bttef keine gute Wirkung haben werde. Er komme zu spät. Das Blatt betont, daß die Ratifizierung der französischen Schuldenabkommen eine wesentliche Dorbeding ung für die Stabilität des Franken sei und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß Poincare seinen Landsleuten die vernichtenden Ergebnisse einer entgegengesetzten Politik vor Augen halten werde. Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt, der Entschluß Poin - c a r s s, unter dem Druck einiger seiner Kollegen der Reichsministerien. der Oberbürgermeister von Derlin, zahlreiche höhere Offiziere der Reichswehr und der Reichsmarine sowie führende Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens, der Kunst und Wissenschaft mit ihren Damen teilnahmen. — Der Herr Reichspräsident wird nach seiner Teilnahme an der Derfassungsfeier am 15. August nach P ommern reifen, um an der Hochzeit eines Enkels teilzunehmen. Der Reichspräsident begibt sich dann zu einem eintägigen Aufenthalt nach Berlin zurück, um darauf seinen Urlaub in Oberbayern zu verbringen. Das höhere Schulwesen in Preugen. Berlin, 9. Aug. (TU.) Wie der „Amtliche Preußische Pressedienst" mitteilt, wird auf Veranlassung des preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung soeben als unverbindliche Grundlage für weitere Verhandlungen der Referenten entwurf eines wichtigen Gesetzes veröffentlicht. Der Entwurf enthält vor allem eine Aendsrung in der Unterhaltung der städtischen höheren Schulen derart, daß unter gewissen Voraussetzungen die Reichskommunalverbände, denen auswättige Schüler dieser Schulen entstammen, zur Tragung von drei Viertel der Kosten des einzelnen Schülers dieser Schulen herangezogen werden können. Im Zusammenhang damit regelt der Entwurf die Rechte von staatlichen Schulaufsichten und die Studienfrage. Der Entwurf soll bei' den für Ende September 1926 vorgesehenen Verhandlungen mit den Kommunal- spitzenverbänden als Unterlage dienen. i>te Ratifizierung des ettglrfch-französischen und des mnerikanisch-französischep DHuldenfundie- rungsabkommens zu verschieben, werde in zuständigen Kreisen Londons für äußerst bedauerlich angesehen. Pertinax meldet dem „Daily Telegraph" aus Parts, Clemenceau habe den Brief an Coolidge augenscheinlich zu dein Zweck veröffentlicht, die Entscheidung des heutigen französischen Ministerrats über die intcraUiterten Schulden zu beeinflussen. Die Wirkung des Schreibens werde wahrscheinlich sein, das) das Kabinett bestimmt würde, die gesamte Frage bis zum Herbst zu verschieben. Die einzige Frage sei, ob die frarIösischr Währung im kommenden Monat der Belastungsprobe amerikanischer (Erregung widerstehen könne. Sn zuständigen Kreisen hoffe man auf keine Aenderung der äleßercinfunft durch Verhandlungen mit Wa- fhington. Allgemein glaube man, das) die sofortige Ratifizierung des Londoner Abkommens in Amerika übelgrnommen werden würde. HranMche LparmatznahMN. Paris. 9. Aug. (Wolss.) Heute vormittag fand im Elhsee unter de in Borst tz des Präsidenten der Republik Doumer- gue ein Ministerrat statt, in dessen Verlauf, wie der amtliche Bericht sagt, die zu ergreifenden Ersparnis mast nahmen geprüft wurden. Es wurden zwei Komitees innerhalb der Regierung geschaffen und zwar eines, das sich besonders mit der Prüfung der Sparmaßnahmen bei der Verwaltung beschäftigen soll und das Poineare, Tardieu und Louis Marin bilden wird, und ein anderes, das die Mastnahmen zur Betämpfung der L e b e n s t e u e r u ng prüfen soll und das aus Louis Darthou, Boka- ncwsti, Aueuille und Sarraut besteht. Der Han- delsminister wurde beauftragt, dringlich die Vertreter der Handels- und Sndustrie-Organisation-en einzuberufen, sowie die Ein- und Verkaufsver- bände des Lebensmittel-Handels, um über„ die Herabsetzung der Preise im Verhält- nis zur Besserung des Franken zu verhandeln. Der Minister für öffentliche Ar- bcucn, Tardieu, erstattete Bericht über die Mastnahmen, die zur Behebung des durch das An- Lauern des englischen Dergarbeiterstreiks entstandenen Kohlen mangels getroffen worden sind. Em ftamo- rmmnisches Bündnis. Briands Da!!?crnpo!iLrtz. Paris. 10. August. (WTB. Funkspruch.) Ein hier feit langem kursierendes Gerücht über den Ab- fast'.i. eines französisch-rumänischen Bündnisses scheu' ’ i) nunmehr zu bestätigen. „Journal" glaubt miü. .. zu können, daß die Verständigung einen Areundschaftsvertrag, einenRichlangrisfs- cciivag und ein Schiedsabkommen zur Regelung dc- zwischen beiden Ländern etwa entstehenden Streitigkeiten umfasse. Es handle sich nicht eigentlich um ein Deoensivbündnis. Rian dürfe nicht ver- aess-u, dast die französische Regierung die 23 e - setzuug Bessarabiens ausdrücklich anerkannt habe. Das gleiche gelte nicht für Italien, das seine Beziehungen zu Moskau mit denen zu Bukarest zu vereinen suche. Frankreich habe alles Jr.teresse daran, dah das italienische Vorgehen in Osteuropa sich mit demjenigen Frankreichs decke. „Echo de Paris" erklärt, in einem Zusatzvertrag bekunde die rumänische Regierung ihre Absicht. Ihren sämtlichen Nachbarn Richtangrisssvertcäge anzu- bieien. Der Korrespondent des „Makin" in Bukarest behauptet, dah Drland im Begriffe sei, einen Dertrag der gleichen Art mit Jugoslawien ab- zuschllehen. Dsr Kulturfampf in Mexiko. Mexiko, 10. Aug. lah die feierliche Einweihung des S. A. Siemens-Denkmals statt. Gleichzeitig wurde ein Siemens-Fonds gegründet, der dazu dienen soll, alten Helgomndern ihren Leoensabend zu erleichtern. Rresenbetriigereien. Die Leipziger Kriminalpolizei nahm den Kaufmann Paul Voigt, Snhaber des seit fünfzig Jahren bestehenden, hoch angesehenen Papier- und Schreibwarengeschäfts Max Äoske Nachf., und den Prokuristen dieser Firma, Rudlos f, est. Veranlaßt durch den schlechten Geschäftsgang hatte Voigt Darlehen aufgenom- m e n und dafür die Geschäftseinrichtung und die Lagerbestände der Firma verpfändet. Das war in 50 Fällen geschehen und es wurden jeweils auch von sechs Leipziger Bankhäusern Darlehen in Höhe von 10 000 Wk. gegeben. So waren schließlich Einrichtung und Lager für zusammen 4 0 0 0 0 0 Mk. verpfändet, während ihr wirklicher Wert sich au höchstens 160 000 Mk beläuft. Die Darlehensgeber sind um mindestens 240 000 Mk. geschädigt. Der Betrug kam dadurch heraus, daß zwei Darlehensgeber sich im Geschäft trafen, wo ihnen z u gleicher Zeit d i e Einrichtung verpfändet werden sollte. Die gefährliche Rekke. Ein pensionierter Finanzbeamter, der den Schnellzug Eger-Karlsbad benutzte, nahm in einem Abteil Platz, in dem bereits zwei Herren und eine elegant gekleidete Dame saßen, die sich in einer fremden Sprache unterhielten. Die Dame steckte im Verlause des Gespräches dem Beamten eine Nelke ins Knopfloch, worauf dieser in einen f e st e n Schlaf verfiel, auä dem er erst auf der Station Falkenau erwachte. Er entdeckte jetzt, daß seine Mitreisenden verschwunden waren und daß ihm aus der Brust lasche ein aut 16 000 Kronen lautendes Sparkassenbuch und 2000 Kronen in bar entwendet worden waren. Die Nelke war mit einem Narkotikum getränkt. Ein Schwindler auf der Reichsbank. Einem jungen Mädchen, das bei der Berliner Reichsbank einen Scheck über 5000 Mark einzulösen hatte, näherte sich, während es auf die Abfertigung wartete, ein Mann, der sich als Reichsbantbeamter ausgab unb von ihr die am Schalter erhaltene Kennummer abforderte. Der Scheck sei ungedeckt, und die Lleberbringerin werde einen Bries ausgehändigt bekommen. Nachdem längere Zeit verstrichen war, ohne dah das Mädchen den Brief erhalten, hatte, wendete es sich an einen Beamten, der feststellte, dah der Scheck mittels der von dem Mädchen an den angeblichen Beamten übergebenen Nummer eingelöst worden sei. Der Betrüger entkam. Raubüberfall in Berlin. Sn einem Hause in Berlin-Westend wurde die allein anwesende Haustochter von einem etwa 25jährigen Manne überfallen, der ihr einen Revolver vorhielt, sie an den Händen fesselte, ihr einen Knebel in den Mund steckte und alsdann sämtliche Behältnisse nach Schmuck» und Wertsache durchsuchte. Durch das Hinzukommen einer Hausbewohnerin wurde der Räuber, ohne Beute gemacht zu haben, verscheucht. Ermordung eines Deutschen in Tsingtau. S« Tsingtau wurde der.. deutsche Suwelier Karl Fischer durch bewaffnete Räuber ermordet. Ein Diener, der die Hilferufe des Uebcrfallenen hörte, lies zur Polizei. Die Räuber flohen und schossen auf die Polizei, wobei sie einen Chauffeur verwundeten. Es gelang ihnen, zu entkommen. Seit 15 Fahren ist dies die erste Ermordung eines Ausländers. (Brafjfeuer in einem heeresproviautamt. Aus bisher unaufgeklärter Ursache brach im Proviantgebäude des Heeresverpflegungsamts in Feuerbach bei Stuttgart am Montagnachmittag ein Brand aus. Gegen 4 Llhr war fast der gesamte Snhalt von eta>a 6000 Zentnern Futtervorräten ein Raub der Flammen geworden oder durch Wasser und Schutt unbrauchbar gemacht. Das Gebäude ist samt Einrichtung bis auf die Umfassungsmauern niedergebrannt. Alugzeuglandung in einer Hamburger Strohe. Hamburg, 10. Aug. (WTD.-Funkspruch) Ein mit zwei Passagieren besetztes Flugzeug, das einen Rundflug ausführte, muhte, da der Motor plötzlich aussetzte, mitten in Hamburg landen. Der Flugzeugführer ' brachte nach kurzem Gleitsluge daS Flugzeug unbeschädigt zu Boden. Absturz eines Zopfakrobaten. Sm Zirkus Darum in Hannover ereignete ich ein schweres Unglück. Zwei Mitglieder der Chinesentruppe Lio Hoi Tsehn schwebten an ihren Zöpfen hängend frei über der Manege, als sich plötzlich die Desesttgung des Seiles unter der Zirkuskuppel löste, wobei ein Zopf- atrobat in die Tiefe stürzte und so unglücklich auf seinen'Vater fiel, daß sich dieser das Rückgrat brach und sofort ins Krankenhaus über- ührt werden mußte. Man zweifelt an seinem Aufkommen. Der Sohn blieb wie durch ein Wunder unverletzt. Absturz von der Zugspitze. Don der Srmerscharte ist der Kaufmann Otto Nauenstein aus München abgestürzt unb von einer nachfolgenden Lawine verschüttet worden. Die Suche nach dem Toten wird dürch Neuschnee erschwert. — Schwerer Autounfall. Am Sonntagnachmittag gegen 4 Uhr fuhr ein von Weener kommendes Auto mit voller Kraft gegen die zur Emssühre führende Schranke, wobei der Sperrhaken der Schranke sich löste und der Wagen kopfüber in die Ems stürzte. Während einer der Snsassen des Autos aus der Ems gerettet werden konnte, konnten der Wagenführer sowie sein Enkelkind und der fünf Sahre alte Sohn des Geretteten nur als Leichen geborgen werden. Ein englisches 11-Boot gesunken. Ein englisches Unterseeboot ist bei Reparaturarbeiten im Hafen von Devonport gesunken. Das Boot war gerade von einer Probefahrt zurückgekommen und hatte am Bollwerk fest- gemacht, als es sich plötzlich zu neigen begann und unterging. Sechs der an Bord befindlichen Leute warfen sich sofort ins Wasser, wo sie auf- gefischt wurden. Man befürchtet, daß die übrigen an Bord befindlichen Personen ertrunken sind, da wahrscheinlich im Augenblick des Untergangs die Luken des Bootes offenstanden. Hunderte von Dockarbeiter strömten an der Unglücksstelle zusammen. Das Bein abgeguelschk. Ein schwerer Unfall ereignete sich in Äelfte r b a cf) beim Anlegen eines beladenen Kahnes aus Köln. Der 54jährige Schiffsführer Martin Krüger aus Köln geriet mit dem rechten Fuß zwischen ein Drahtseil und den Schiffsblock in dem Augenblick, als sich das Seil anfbannte. Dabei wurde dem Bedauernswerten der Fuß vollständig abgeguetscht. Seeffürme in Italien. In der Nacht zum Montag brach ein heftiger Sturm im Hafen von Neapel aus. Verschiedene Straßen wurden überschwemmt. Mehrere Finanz- beamte kamen dabei ums Leben. Livorno hatte unter Sturm und wolkenbruchartigem Regen zu leiden. Von den Dächern fielen die Ziegel, unb im Hafen rissen sich viele Barken los. Auch in Florenz und Pistoja gingen schwere Unwetter nieder. Aur der provinzralhauptstadt. Gießen, den 10. August 1926. Gießener Wochenmarktpreise. Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 180 bis 190 Pfennig, Matte 30, Käse (10 Stück) 60 bis 80, Wirsing 12, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 25, gelbe Rühen 10 bis 15, rote Rüben 15, Spinat 30, Römisch- kohl 5 bis 10, Bohnen (grüne) 20 bis 30, Bohnen (gelbe) 30, Erbsen 15 bis 25, Mischgemüse 10, Tomaten 20 bis 40, Zwiebeln 20, Rhabarber 20, Pilze 25, Kartoffeln 5, Falläpsel 7 bis 8, Frühäpfel 20 bis 25, Dirnen 25 bis 35, Heidelbeeren 40, Preißelbeeren 60, Sohannisbeeren 30, Pflaumen 30, Mirabellen 45 bis 50, Reineclauden 40, Honig 50, junge Hahnen 80 bis 100, Suppenhühner 100 bis 120; das Stück: Eier 12 bis 13, Blumenkohl 80 bis 120, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 50, Einmachgurken 1 bis 5, Oberkohlrabi 5 bis 15, Rettich 10 bis 20; das Bund: Radieschen 10 Pfennig. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Bauerscher Gesangverein: Vereinslokal, Zusammenkunft. — Sungdeutscher Orden: Konvent. Wettervoraussage. Nach Aufkommen einer stärkeren Bewölkung langsames Einsetzen von Negenfällen mit nachfolgender Abkühlung. Die erwartete Störung der Schönwetterlage verzögerte sich etwas, da das die Wetterlage beherrschende Hochdruckgebiet über Deutschland bisher nicht abgeschwächt wurde. Stärkerer Druckfall über Frankreich deutet jedoch darauf hin, daß ein über den britischen Inseln liegender Wirbel jetzt schneller östlich vorrückt. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 22,6 Grad Celsius; Minimum: 9,8 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 15,1 Grad Celsius. * * Verfass ungsfeisr. Von zuständiger Stelle wird bekanntgegeben, daß sämtliche Karten für die morgige Verfcrssungsfeier ausgegeben sind. — Aus Anlaß dos Derfassungstages werden mittags von 12 bis 12'/i älhr die Glocken der hiesigen Kirchen geläutet. * * Gesellen Prüfungen. Die Anmeldungen zu den im Herbst stattfindenden Gesellenprüfungen werden am Mittwoch, 11. August, und Samstag, 14. Aug., im Gewerbehaus, Zimmer 13, von 3 bis 6 Uhr angenommen. Vorzulegen ist der Lehrvertrag; die Prüfungsgebühren betragen 7 Mark. (vgl. die heutige Anzeige.) • * Ausgehobene Straßensperun- gen. Das Polizeiamt teilt mit: Die Rohrverlegungsarbeiten im Wetzlarer Weg zwischen Klinik- und Glaubrecht st raße sind inzwischen beendet. Die unterrn 4. Mai erlassene Sperrung des Wetzlarer Weges wird hiermit wieder aufgehoben. — Ebenso wird die unterrn 17. Suni angeordnete Sperrung des Driller- -aäßchcns hiermit wieder aufgehoben, da die Aufbruchsarbeiten beendet sind. O Strahenbefestigung. Sm Wetzlarer Weg, wo ein tiefes Mauerwerk das Eisenbahn- gelände von der Straße trennt, ist vor einigen Tagen ein Teil des Strahengeländes gesunken. Die Untersuchung ergab, dass unter der Strassendecke di« Erde nachgegeben batte. 3etzt wird durch ein festes Tcauertoerf die Strasse besser gestützt, jedenfalls hat der schwere Automobilverkehr. den jetzt, infolge der Sperrung der Frankfurter Strasse, der Wetzlarer Weg aushalten muss, mit dazu beigetragen, dass der Schaden entstand. ** Berkehrsver stosse. Das Polizeiamt teilt mit: 3n der Zeit vom 1. bi- 31. 3ult 1926 wurden folgende Anzeigen wegen Zuwiderhandlungen durch Fahrzeugiührer bzw. Kraft- und Radfahrer gegen verkeyrspolizelliche Vorschriften erhoben: 15 Anzeigen wegen Fahrens zur Nachtzeit ohne hellbrennende Laterne, 13 Anzeigen wegen Fahrens auf Bürgersteigen. 2 Anzeigen wegen Fahrens mit übermässiger Geschwindigkeit, 6 Anzeigen wegen Fahrens ohne die rechte Strassenseite einzuhalten. 37 Anzeigen wegen Fahrens durch gesperrte Strassen und 8 Anzeigen wegen sonstiger Zuwiderhandlungen in verkehrS- pvlizeilicher Hinsicht '• Schwarzer Besuch in Giessen. Gestern nachmittag 5.15 Ufjr traf mit dem Zuge aus Kassel am hiesigen Bahnhofe eine recht gemischte Gesellschaft von Marokkanern, Acgyptern und Albanesen in der Stärke von etwa 40 Kopsen ein, darunter Frauen und Kinder jedes Alters. Cs.war sehr schwer, sich mit den Schwarzen zu verständigen, eö war aber soviel zu erfahren, dass sie nach Belgien reisen wollten. Offenbar waren sie unterwegs dauernd abgefchoöen worden, denn sie warei^ nicht zu bewegen, mit demselben Zuge ihre Fahrt fortzusehen. Sie machten daher hier Halt, um sich erst einmal gründlich zu starken, wobei sie für eingemachte Gurken eine veson- dere Vorliebe zeigten. Die schwarze Gesellschaft machte einen äusserst schmutzigen Eindruck, so dass sich das um sie versammelte Publikum in angemessener Entfernung hielt. Abends 7.36 Mr setzten sie ihre Reise, zunächst mit dem Ziele Wiesbaden, fort. O Ein Abschiedsständchen. Gin Mitglied der hiesigen Reichswehrkapelle, das nach 12jähriger Dienst-rit am Samstag ausschied, wurde von seinen Kollegen zur Bahn gebracht. Auf dem Bahnsteig wurden dem Scheidenden einige Stücke gespielt, und unter den Klängen von „Muss i denn . . " setzte der Zug sich in Bewegung. Der Vorfall hatte eine grosse Anzahl Menschen angelockt. WSR Vom Sauerwerden der Milch. Die Milch, wie sie aus dem Guter der Kuh gewonnen wird, ist keimfrei. Trotz grösster Reinlichkeit lässt sich jedoch nicht vermeiden, dass Bakterien in die Milch kommen, und diese kleinen Lebewesen sind es sgünstige Lebensbedingungen vorausgesetzt), die den Milchzucker der Milch in Milchsäure verwandeln und so das Sauerwerden der Milch bedingen. Bekämpft werden die Bakterien der Milch durch Kälte, d. h. durch Temperatur unter 10 Grad und Durch Hitze, d. h. durch Abkochen der Milch. Die Abkühlung der Milch wird jedoch nur von Erfolg sein, wenn sie möglichst rasch vorgenommen wird, ehe eine starke Säuerung eingesetzt hat, wie auch bei starker Säuerung die Milch beim Abkochen schon gerinnt. Oberhessen. Loitdkrcis Gießen 4. Wieseck. 9. Aug. 3n seiner letzten nichtöffentlichen Sitzung beschäftigte sich der G e - meinderat neben anderen wichtigen Ge- meindeangelegenheiten auch mit der Abhaltung der diesjährigen Verfassungsfeter. Dabei wurde mit allen gegen die zwei kommunistischen Stimmen beschlossen, dass bei der Feier am 11. August die Gemeinde als Veranstalter auftritt. Sämtliche Vereine unserer Gemeinde haben ihre Teilnahme zugesagt. Der Festrede sollen sich Gesongvoriräge der hiesigen Gesangvereine und ein Konzert der bekannten Kapelle Mank- Wieseck anschliehen. T Grünberg. 9. Aug. Aus der letzten Gemeinderatssihung wird folgendes berichtet. 3n einein Schreiben des Ministeriums an das Kreisamt wird gewünscht, dass die Gemeinden die Sondergebäudesteuer auf 26 Prozent der Friedensmiete festsehen, wenn sich dos betreffende Haus nicht mehr als mit 4 Prozent rentiert hat: hierüber hat man sich dann mit dem zuständigen Finaitzamt in Verbindung zu sehen. Der Genteinderat beschliesst dementsprechend. — Beschlossen wurde, dass die Vergnügungssteuer nach den bisherigen Sätzen auch weiterhin erhoben wird, in eiligen Fällen der Bürgermeister über die Höhe ohne Befragung des Gerneinderals zu entscheiden hat. — Da täglich Anfragen über die Beschickung des G a l l u s m a r k t e s mit Karussell einlaufen, wird diese Angelegenheit der Marktkommis- sivn überwiesen. — 3n Angelegenheit des Gendarmeriehauses, das auf der Wetterseite wegen Rässe nicht bewohnbar ift, soll das Hochbauamt über die Art der 3nstandsehung und Herkunft der Kosten befragt werden. — Ob Zuwachs steuern und in welcher Höhe von Grundbesih und Häusern durch die Gemeinde erhoben werden sollen, wird wegen der Wichtigkeit dieser Einnahme der Finanzkommis- fion überwiesen. — Ferner wurde beschlossen, dass der Leichenwagen einer gründlichen Instandsetzung und die Friedhvfslirche einer ausserordentlichen Reinigung unterzogen werden sollen. Die Arbeiten für die 3nstandsehung der Ralhausgiebel sollen demnächst ausgeschrieben und der WirtschaftSplan für den Wald eingehend besprochen werden. z. Allendorf (Lumda). 9. Aug. Dieser Tage ereignete sich auf der Strasse Climbach— Allendorf ein Radunfall. Ein Radfahrer aus Climbach fuhr auf der stark abschüssigen Strasse einen Mann aus dem gleichen Ort um. Der Ilmgefahrene erlitt schwere Kopfverletzungen, so dass sofort ärztliche $Ufe an Anspruch genommen werden muhte. — Gin schwerer Unfall betraf ein in 3lschhausen bedienstete- Mädchen von 15 Jahren, das auf einem Herrenrad auf der Strasse Ilschhausen—Allendorf fuhr. 3n einer steilen Kurve kam das Mädchen zu Fall. Ein in der Rähe arbeitender Landwirt wurde durch Hilferufe aufmerksam und brachte die schwer Derletzte sofort auf feinem Wagen zum Arzt, der schwere Rückgratvcrletzungen feststellte. DaS Rad selbst war vollkommen zertrümmert. : Kesselbach. 9. Aug Unser im oberen Lumdatal landschaftlich wunderbar gelegenes Dörfchen war am Samstag und Sonntag das Ziel der Turner aus dem Lahn-Düns- berg-Gau. Bundestnrnwart Schmidt von Launsbach hielt am S imstagabend die Kampf- richterfihung ab. Rach seiner Mitteilung waren zum Bcrgturnen 223 und zum Schülerturnen 203 Anmeldungen bei ihm eingelaufen. Ein Fackel- zug führte die Gaste und Einwohner zum Fest- plah. wo der Männergesangverein Liederkranz (Kesselbach) die Feier mit dem Chor ..Schäfers Sonntagslied" eröffnete. Sodann sprach Lehrer Schmidt von hier herzliche Worte der Begrüssung. Ein Mitbegründer unseres festgebenden Vereins. Bildhauer Grohhaus. überreichte in kernigen Worten eine in weissen Marmor gehauene Erinnerungstafel. 3n Anerkennung seiner Verdienste um den Verein wurde unter Überreizung einer Ehrenurkunde durch den Dereins- vor'itzenden. Balthasar Dietz, zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. — Rach dem üblichen Weckruf am Sonntagmorgen und dem Abholen der Turner begann auf einem wunderbar gelegenen, 300 Meter hohen Berg, rechts von der Strasse nach Geilshausen, das Turnen. Die Turner fanden in 25 Riegen Aufstellung. 3nfolge guter Organisation wickelte sich das Turnen rasch ab. Die Ergebnisse sind aus unserem heutigen Sportteil zu ersehen. Ein Festzug mit rund 30 Vereinen bewegte sich nachmittags zum Festplatz. Hier ergriff der Dereinsvorsihende Dietz das Wort zu seiner Festrede, wies auf die hohe Bedeutung des Turnens hin und forderte aus zur tatkräftigen Mitarbeit am Wiederaufbau unseres Vaterlandes. Um 6 Mr wurde die Preisverteilung vorgenommen. Hreis Friedberg. !?! Vilbel, 9. Aug. 3n diesem Sommer hat es an Regen noch nicht gefehlt. Die Fluren zeigen daher ein üppiges Aussehen. Die G e- treibeernte befriedigt sehr, der Körnerertrag ist säst als sehr gut zu bezeichnen. Die Wiesen lieferten einen ausgezeichneten ersten Schnitt, auch der zweite verspricht sehr gut zu werden. Auch die Futterpflanzen und Hackfrüchte haben einen guten Stand. Rur treten bei den Kartoffeln infolge der reichlichen Feuchtigkeit, gegen die sie sehr empfindlich sind, mancherlei Krankheiten auf. die den Ertrag beeinträchtigen. Häufig zeigt das Kraut braune Flecken, die sich rasch vergrössern. Die Krankhettserscheinung rührt von einem Pilz her, der die sogenannte Krautfäule verursacht. Die Verbreitung Der Krankheit wird durch die feuchtkühle Witterung, wie wir sie in diesem Sommer haben, sehr begünstigt. Der Pilz bringt meistens bis zur Kartoffelknolle vor, wo er sein Zerstörungswerk verrichtet. 3n seiner Gefolgschaft sind oft zahlreiche andere Pilze und Bakterien, die verschiedene Krankheiten, in erster Linie die „Knollenfäule", verursachen. So kann man auch vielfach Klagen über Rassfäule bri den Frühkartoffeln vernehmen. Die Spätkartoffeln haben noch unter einer anderen Krankheit zu leiden, die Daran zu erkennen ist. dass die Pflanzen abfterben, ohne dass man die Air* fache zu erkennen vermag. 00 Nieder-Florstadt, 9. August. Dieser Tage sand hier in der Turnhalle ein Werbeabend statt, zu dem die Turngemeinde Florstadt eine Turnerinnenabteilung des Turnvereins Dorheim (Gau Wetterau) eingeladen hatte. Rach kurzer Begrüssung durch den hiesigen Dereins- vvrfihenden Claus und einer Ansprache des Leiters der Turnerinnenabteilung begannen die turnerischen Vorführungen. Gezeigt wurden Cangftab», Kurzstab-, rhythmische Freiübungen und Delenkigleitsübungen, Turnen am Pferd und Turnspiele. Die Ausführung war gut und wurde von den zahlreichen Zuschauern mit grosser Spannung verfolgt und mit reichem Beifall belohnt. Reuanmeldungen für die neugegründete hiesige Abteilung zeigten, dass der Zweck des Abends, für den Gedanken des Mädchenturnens zu werben. erreicht wurde. Schauturnen der Mitglieder der Turngemeinde Florstadt und des Turnvereins Dorheim gaben den Zuschauern ein Bild von den vorzüglichen Leistungen in beiden Vereinen. §§ Ober-Florstadt, 9. Aug. Ein vielbeobachtetes Schauspiel sah man in letzter Zeit auf den Wiesen zwischen Staden und Reichelsheim. Fast allabendlich konnte man dort Dutzende von Störchen, junge wie alte, beobachten Unter grossem Geklapper halten sie hier ihr Stelldichein, gleichzeitig werden die Zungen auf Flugvcrmögen geprüft. Richt selten kommt es vor, dass Schwächlinge und Flugunfähige mit grimmigen Schnabelhieben von den anderen zu Boden gestreckt werden. Seit Ende 3uli rüsten die Störche zum Abzug in wärmere Länder. B Rodheim v. d. Höhe, 9. Aug. Zu einer Wiedersehensfeier waren gestern die Siebzigjährigen aus Anregung des Ortsgeistlichen in ihrer allen Heimat zusammengekommen. Von 31 Gleichalterigen find noch 22 am Leben, von denen nur drei durch Krankheit am Erscheinen verhindert waren. Am Vormittag war unter Anteilnahme Der ganzen Gemeinde eine gottesdienstliche Feier, in Der wie vor 56 3ahren Die ehemaligen Konfirmanden um Den Altar Der grossen Kirche fassen. Am Rachmittag fand ein geselliges Zusammensein mit Den Angehörigen Der 3ubUare statt, Die verschönt wurde von Mii- gjiebern Der Gesangsabteilung des evangelischen Frauenvereins und durch Vorträge musikalischer und deklamatorischer Art. Kreis Alsfeld. Alsfeld. 9. Aug. Der von der Stadl neu angelegte sogenannte Srlenteich. Der zu einer willkommenen Abwechslung und Belebung des Landschaftsbildes in unmittelbarer Rähe der Stadt beiträgt und der als Eisbahn für Den Wintersport gedacht war, hat noch eine, von Der Stadtverwaltung allerdings nicht beabsichtigte Bedeutung erlangt; er hat sich zu einem Freibad entwickelt. In welchem sich, besonders an heissen Tagen, ein lebhaftes Treiben der Badegäste entwickelt. ES bat sich jedenfalls heraus- gestellt, dass Die Errichtung eines Freibades, insbesondere eines Schwimmbades, für unsere, Stadt ein Bedürfnis ist. Da Der Erlcnteich feiner ganzen Anlage nach hierzu aber nicht geeignet ist, und da auch das stimmungsvolle LandschaftSbild durch Errichtung einer Badeanlage gestört werden würde, Dürfte es eine der nächsten Aufgaben unserer Stadtverwaltung sein, ein solches Freibad an einer anderen Stelle alsbald zu schaffen. Rach- Dem sich die bereits im vergangenen 3ahre deswegen geführten 'Verhandlungen nicht hatten verwirklichen lassen, hauptsächlich wegen der Schwierigkeit eines geeigneten Platzes, soll Die Angelegenheit, wie wir hören, im kommenden Winter wieder aufgenommen werden. Hoffentlich wird diesmal etwas aus der Sache. Falls das neue Projekt zur Ausführung gelangt, das zur Vorlage kommen soll, wäre auch die sehr begrüssenswerte Möglichkeit geschaffen, im Wege einer produktiven Fürsorge Die für den Winter toieDer sehr zahlreichen Erwerbslosen zu einem grossen Teile zu beschäftigen. — Die Arbeitslage hat in hiesiger Stadt keine nennenswerte Besserung erfahren, die Zahl Der Erwerbslosen bleibt in Den letzten Monaten ungefähr immer noch auf etwa 100 stehen, eine Ziffer, Die in Anbetracht der in Der jetzigen 3ahreszeit verhältnismässig günstigen Arbeitsgelegenheit für die hiesigen Verhältnisse als hoch bezeichnet werden muh. Kreis Büdingen. ' R i d d a, 9. Aug. Die Tagung der „Dorfkirchenfreunde im südlichen Oh er Hess en", Die alljährlich hier oder im benachbarten Salzhausen Ende September oder Anfang Oktober stattfindet, wird in diesem 3ahre bereits am 15. September in Ridda abgehalten werden. Es werden sprechen Pfarrer Traue aus Schwarz (Proz. Sachsen) über „Alte und neue Wege im ländlichen Konfirmandenunterricht" und Prälat D. Dr. Dreh l, Darmstadt, über „Das Reformationsjubiläum von 1526 und feine Feier in Kirche und Schule". Die Derhandlungs- gegenstände für die Dorfkirchenvorstehertagungen des kommenden Winters sind noch nicht festgelegt. „ ?" R i d d a. 9. Aug. Ende Der Woche wurde Damit begonnen, Weizen und vereinzelt auch Hafer zu schneiden. Zum Weizenschnitt verwendet man auch wieder Die Mähmaschinen. Hat doch diese Fruchtart fast kaum durch Lagerung gelitten. Gerste und Roggen sind zum grössten Teil eingefahren. — Die Einweihung Der hiesigen neuerbauten Turnhalle soll am 21. und 22. August stattfinden. Bekanntlich war der Raubaa schon anlässlich des Gauturnfestes soweit fertiggestellt, dass er dabei erstmalig Verwendung finden konnte. Die Einweihungsfeier soll nun das grosse Werk krönen, das in schwierigen Zeiwerhältnissen hoffnungsfroh begonnen, zielbewusst fortgeführt und unter opfer bereiter UcbertoinDung Der finanziellen Schwierigkeiten beenDet wurde. — Die alljährlich um diese Zeit in unserer Gegend einsetzende Knappheit an Mastschweinen bringt es mit sich, dass Die Verkäufer fetter Schweine grösste Zurückhaltung zeigen, weil sie höhere Preise zu erzielen gedenken. Da Die Metzger ihren Schweinebedarf grösstenteils auf Dem Lande decken, sind sie jetzt gezwungen, die Preise des Frankfurter Vieh- Markts, oder gar noch darübsrliegende anzulegen, um nur die unbedingt nötige Zahl an Schlachtschweinen zu erhalten. Die Ferkelpreise halten sich nach wie vor auf ziemlicher Höhe. Von einem merklichen Sinken, wie es in sonstigen 3ahren um diese Zeit einsehte, ist nichts zu beobachten. 00 Aus dem mittleren Niddatals, 9. Aug. Das gute Wetter in der letzten Woche hat die Getreideernte sehr gefördert. Roggen und Gerste sind abgemacht und zum grössten Teil eingesahren und gedroschen. Haser und Weizen sind schnell herangereift, fo dass die Emtearbeiten ohne Unterbrechung weitergehen konnten. Der Weizen konnte vollständig mit der Maschine gemäht werden, Die Arbeit forderte deshalb gut, und mancher Landwirt ist schon mit dem Schnitt fertig. Der Hafer hatte sich stellenweise gelagert, deshalb muss neben Der Maschine auch die Sense benutzt werden, was etwas mehr aufhält. Auf Wiesen, die im Herbst noch als Viehweide benutzt werden, ist das Grummet schon gemacht und eingefahren. Der Ertrag war an Güte und Menge sehr befriedigend. Die Hackfrüchte stehen gut, da es nicht an Feuchtigkeit fehlt th. L e i d h e ck e n, 9. Aug. 3nfolge Der günstigen Witterung der letzten Tage ist in unserem Orte Die Ernte Der Gerste und des Kornes soweit beendet, und es wird nun mit Dem Schnitt des Weizens und Hafers begonnen. Trotz Der ungeheuren Regengüsse im Monat 3uli kann Die Ernte noch als eine gute Mittelernte bezeichnet werden Die Obsternte hingegen wird gering ausfallen: bessere Sorten Obst, vor allem Steinobst und Aepfel. gibt es sehr roemg, auch Dirnen nicht sehr viel, jedoch sind die sogenannten .Honigbirnen" dieses 3ahr ertragreich. so dass wieder jedermann seinen .Latwerg" kochen kann. ]:[ Gelnhaar. 9. Aug. 3n einer der letzten Rächte wurden unsere Bewohner durch das Feuersignal aus dem Schlafe geweckt. Der Kommairdant Der Feuerwehr hatte unerwartet eine Rachtübung angesetzt Die Mannschaft war sofort zur Stelle und konnte daher in wenigen Minuten fand Geräten an her angegebenen Brandstelle fein. Die Hebung ist zur Zufriedenheit verlaufen. Krci4 Schotten. .?** Schotten, 9. Aug. Die Maul- und Klauenseuche greift weiter im Kreise um sich. Ober- und Mittel-Seemen sind nun gleichfalls verseucht. Um einer erneuten Einschleppungsgefahr durch das zum Sommermarkt berangriübrte Klauenvieh zu begegnen, ordnete das Kreisamt ein mehrtägiges Weide- verbot für die hiesigen Viehzüchter an. =.= Gedern. 9. Aug. 3n verschiedenen Orten des Vogelsberges waren in letzter Zett wieder einmal Schwindler am Werk. CS handelt sich um zwei jüngere Leute, die zu einem unmöglich billigen Preise Bohnenkaffee anbieten und bei Abnahme von 10 Pfund ausserdem als Gratis- Augabe eine Kaffeekanne in Aussicht stellen. Aus den zu liefernden Kaffee lassen sie sich eine Anzahlung machen. Die für sie natürlich die Hauptsache ist. und verschwinden damit auf Rimmer» Wiedersehen. Hoffentlich gelingt es bald. Die beiden Personen auf frischer Tat zu ertappen und sie ihrer Bestrafung cntgegenzuführen. □ Lauba ch. 9. Aug. Der obere Teil des sog. „D ü r g c r t u rmi“, Der durch die Witterung in feinen Holzteilen beschädigt ist. soll ausgebessert werden. Veränderungen des Baus sollen nicht stattfinden. Cs ist tief bedauerlich, dass Die Rot der Zeit nicht gestattet, den Turm in seiner ursprünglichen Gestalt wiederherzustel- len. 3n seiner ursprünglichen Form bot er einen höchst malerischen Anblick. Er war höher und mit vier kleineren Türmchen (Turellens am Ansatz des Dachhelms versehen. Diese ursprüngliche Gestalt des TurmS ist unS durch zwei Darstellungen auS der ersten Hälfte deS 17.3ahrhun- derts bekannt. Die, in ihrem Entwürfe voneinander unabhängig, völlig miteinander übereinstimmen. Rach der Ausbesserung beabsichtigt man, im Turm die Archivalien Der Stadt Laubach unterzubringen. — Rachdem in voriger Woche mit der Einerntung Der Gerste begonnen worden war, hat man in dieser Woche auch mit dem Schnitt des Roggens begonnen. Die letzten warmen Tage haben die Körnerreife sehr gefördert. Mühselig wird die Ernte wegen des massenhaften Lagerns der Frucht. Aus dem Vogelsberg, 9. Aug. Rach dem Eingehen der Dostautolinie Mücke-- Feldkrücken sah sich die zuletztgenannte Gemeinde genötigt, Die im Bau befindliche Autohalle zur Versteigerung auszuschreiben zwecks eventueller Verwendung derselben als Grundstock für ein zu erbauendes Wohnhaus. Starkenburg. * Darmstadt, 9. Aug. Der Direktor Der Landesbibliothek in Darmstadt, Dr Loitz, der Direktor der Universitätsbibliothek in Giessen, Pros. Dr. Ebel und der Direktor Der Bibliothek der Stadt Mainz, Dr. R u p p c l. sind für hie Zeit vom 1. August 1926 bis Ende 3uli 1929 zu Mitgliedern Der Kommission für Die Prüfung der Anwärter des mittleren Dibliothekdienstes ernannt worden. Preussen. Wetzlar. WSR. Wetzlar, 9. Äug. Bei Verlegung von Leitungen im Strassenkörper Der Lanagasse stiessen städtische Arbeller auf einen Begehbaren, gemauerten, mit schweren Platten abgeDedten alten Gang bzw. Stollen. Der noch sehr gut erhalten war. Es handelt sich wahrscheinlich um ein Stück Der früheren StaDtHefe st i g u n g. bei Der einzelne Stellen durch unterirdische Gänge miteinander verbunden waren. XX Ehringshausen. 9. Aug. Eine vielbewunderte schwierige Arbeit erforderte die für unsere Gemeinde jetzt zum Abschluss gebrachte Wasserleitung, Deren vorzügliche Quellen in der Rähe Der Dianaburg liegen. Während ein Zuleitungsrohr in die Dillbrücke gelegt wurde, galt es, auch ein frostfreies Hauptrohr durch den Fluss zu legen. Der dieferhalb durch hie Dill aufgeführte Damm wurde wiederholt bei Hochwasser durchbrochen, und hierdurch Die Ausführung Der Arbeit gehemmt. 3n der abgelaufenen Woche konnte die Rohrlegung beenDet unD Der Schuhdamm wieder beseitigt werden. Streik Biedenkopf. xX Aus Dem Biebertal, 9. Aug. Unter bewährter Führung von Hauptlehrer Helwig, Rodheim, fand am Samstag eine Pflanzen- kundliche Wanderung durch unser freundliches Tal statt, an welcher die Arbeitsgemeinschaft her 3unglehrer des Kreises Wetzlar, sowie fast alle Lehrer der Bürgermeisterei Krofdorf beteiligt waren. Der Weg führte über Meil- hardt zu Dem Grubenfeld „Eleonore". Daselbst wird ein vorzüglicher Eisenstein, Eleonorit genannt, gewonnen, Der sonst nirgends vorkommt. Grosses 3nteresse wurde Dem Einsturzgebiet entgegengebracht, das in seinen kesselartigen Vertiefungen einen Umfang von mehreren 100 Meter hat. Unten hat sich ein schöner See gebildet, aus Dem Die abgestorbenen Zweige her mit eingestürzten Kiefern hervorragen. Aber welche Seltenheiten trifft man erst hier unter Der Pflanzenwelt, auf Die Der sachkunhige Führer Hinweisen konnte. ßeiDer konnte Der Lehrgang wegen des einsetzenhen Regens nicht bis zum vorgesehenen Endziel hurchgeführt werben. Gr hat aber allen Teilnehmern gezeigt, wieviel Raturschonheiten gerade unsere engere Heimat bietet. Dillkreis. bl. Strassebersbach (DillkreiS), 5. Aug. Die hiesige Volksschule wurde zum Dauern- Den Gedächtnis an 3d bann Stilling in eine „3 ung-Stilling-Schule" umgetauft. mumm 9/4 0 ! DEUTSCHE &ESRRUCHSWRGEM Die neuesten Preise Phaeton...........M. 8450.- Puilmann-Limousine M. 10300.- Abnehmbare Pullmann-Llmouslnen, Landauletta, Lieferwagen In allen Ausführungen, ab Werk eechasltzlg, Vierradbremse, sechsfach ballor.berelft, mit elektrisch. Licht und Anlasser, elektrisch. Signal, Kilometerzähler, Geschwindigkeitsmesser, Fahrtrichtungsanzeiger. Scheibenwischer, Gepäckbrücke usw. Auf Wunsch Zahlungserlelehterunaen PrestowerkegMA,kS.ftChemnitz. General-Vertretung: Dupont A.-G., Frankfurt a.M., Kaiserstr. 64,Telephon: Hansa 6836,4694 ti WH* , Päckchen = 4 Stück = 10 Pf. Ueberall erhältlich! 6S WRIGLEY KAU-BON WRIGLEY AKTIEN - G EGE LISCH A FT. 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Die für die Herstellung des städtischen Dienstgebäudes Asterweg Ar. 9 vorge- sehenen Weitzbinderarbeiten sollen vergeben werden. Angebote auf Vordruck verschloffen und mit entsprechender Aufschrift versehen, sind bis zum Eröffnungstermin: Montag, den 16. August, vormittags 10 Uhr, bei uns einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 4. August 1926. Der Provinzialdirektor der Provinz Oberheffen. G r a e f. Gießen (Weserstraße 20), Alsfeld u. Dornburg a. S., den 10. August 1926. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 12. August, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. 05499 Jakob Schäfer LudwigstraBe 57 Herren- und Damen- Frisiergeschäft Silzli adewanne zu kaufen oder zu leiben geiucht. Schr. Ang. u. 05497 an den Gieß. Anz. Hans Mangelsdorff Dentist von der Reise zurück Programm: 1. Musikstück: Vorspiel zur Oper „Die Meistersinger von Rürn- berg" von Richard Wagner 2. Eröffnungsansprache . 3. Gesangsvortrag des Gesangvereins „Eintracht : Maiennacht von C. A. Kern 4. Musikstück: Hymne und Triumpfmarsch aus der Oper „Aida von G. Verdi m 5. Festrede über Staatsgestnnung, gehalten von Privatdozent Dr. Friedrich Raab, Giehen . „ 6. Gesangsvortrag des Gesangvereins ^Heiterkeit - Bleib deutsch du herrlich Land am Rhein, von Arnold 7. Musikstück: Vork'scher Marsch von Beethoven 8. Deutschlandlied.___________ 64440 Lebewohl das ärztlich empfohlene Mittel gegen Hühneraugen " ® und Hornhaut Blechdose (8 Pflaster) 75 Pfg. Verreist vom 14. August bis 19. September Gesetzliche Gesellenprüfungen Anmeldungen ZU den im Herbst statlfindenden Gesellenprüfungen werden Mittwoch, den 11. August, und Samstag, den 14. August, im Gewerbehaus, Zimmer Nr. 13, von 3—6 Uhr entgegengenommen. Mitzubringen ist der Lehrvertrag und 7 Mark Heizer der eine Dreschaar- nitur. behebend aus Dreschwagen, Presse u. Selbstsahrerloko- mobile schon selbständig gefahren bat, wird noch eintic- stellt bet 05489 Friedr. Tbörner l. Langsdorf. Telephon Amt Lich Nr. 62. Philosophenwald Donnerstag, den 12.August, abends 8 V. Uhr 1. Sonderkonzert der Kapelle des Reichswehr-Regiments 15 Leitung: Obermusikmstr. Löber. ß Bei ungünstiger Witterung im Saale Streichmusik, s Danksagung. Für die uns anläßlich des Hinscheidens unseres unvergeßlichen lieben Vaters, Schwiegervaters, Großvaters, Bruders, Schwagers und Onkels Herrn Gutkind Edelmuth erwiesenen Teilnahme möchten wir auf diesem Wege unseren tiefempfundenen Dank aussprechen. [8SS7D Die tieftrauernden Hinterbliebenen. Beuern, Ulrichstein, Großen-Linden, Frankfurt a. M., Reiskirchen, Neuyork, Kirchhain, den 11. Aug. 1926. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben Mann, unseren lieben, herzensguten Vater, Schwiegervater und Großvater HerrnAlbertLindig Bäckermeister zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Familien Lindig und Hoeck. kann sofort Lehrstelle bekommen. Zu er- sragen bet vcrio, - '. (6532h WOW-M 1926 Am Mittwoch, dem 11. August d. Is., abends 8*/t Uhr, findet unter Mitwirkung der Kapelle des 1. Batl. Reichswehr- Jnf.-Regts. Rr. 15 und der Gesangvereine ^Eintracht und Heiterkeit" im Stadttheater eine Verfaffungsfeier mit nach- tehendem Programm statt, zu der die Bewohner der Stadt und des Kreises Dießen hiermit freundlichst eingeladen werden. Leistungsfähige süddeutsche Putzrvollsabrik sucht einen VERTRETER der bet der verbrauchenden Industrie bereits einyesührt ist. Schriftl. Angeb. unter 6509 D an den Gieß. Anzeiger A Frische Weintrauben W A daS Pfd. 90 4tn ca. 9-Psd.»Sletgen Bruno Psund 65 4 8 Frische Pfirsiscke. Psund 45 4 ■ Frische Tomaten B Pfund 2» 4» 3 Piund 80 4. U K die Steige Brutio 20 Pfd. Jt 4.50 W S Frische Messina Citronen fcj Dutzend 80 4. 6527c E IWMnMNBl 8 Babnbosstr. 37, Fcrnipr. 163l. A 3ÜW3IW Mittwoch früh 9 Ubr Feinste frische Schellfische C a b l i a u und Seelachs im Ausschnitt. Heringe Neue boll. 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Drittes Jugendtreffen der D. T. - Das dritte Iugendtreffen der Deutschen Turnerjugend in Hir sch berg, worüber wir schon kur- berichtet haben, war gegenüber den beiden ersten derartigen Veranstaltungen ein weiterer Fortschritt m der noch neuen Turner- Jugendbewegung. Obwohl das Treffen in der schlesischen Grenzmark stattfand, waren über 10000 Jugendliche aus allen Teilen Deutschlands herbeigeeilt. Den Auftakt bildeten Wettspiele und Stasielläufe, wobei gute Leistungen gezeigt wurden, namentlich im Schlagball der Iugend- lichen und Faustball der Mädchen. Den Staffellauf gewann der Turnkreis Thüringen. Der Festsonntag brachte eine erhebende Morgenfeier in der Gnadenkirche. Einen farbenprächtigen Fest- zug her Zehntausend und als feierlichen Abschluß des Treffens eine Abendfeier, die besonders dem deutschen Volkstum in den besetzten und ab- getrennlen Gebieten gewidmet war. Turnfahrten in dos Riesengebirge gaben dann noch Gelegenheit, die landschaftlichen Schönheiten des Schlesierlandes kennen zu lernen. Auch die Turnerjugend unseres Mittelrheinkreises beteiligte sich zahlreich an dem Treffen, besonders Frankfurt, Mainz, Darmstadt waren gut vertreten. Aber auch unser Hessen- gau fehlte nicht Tv. 1846 Gießen. Tgm. Friedberg, Tv. Gladenbach und Akad. Tv. Marburg stellten etwa 30 Jugendliche, die auf längerer Turnsahrt ein schönes Stück unseres Dater- landes kennen gelernt haben. Das Rhönturnfest. Das 20. Rhönturnfest auf der Wasferkuppe wurde, wie so oft in den Vorjahren, wieder verregnet. 3n den Vormittagsstunden herrschte undurchdringlicher Rebel, der mittags in dichten Regen überging, so daß nicht alle Konkurrenzen ausgetragen werden konnten. Es ist den unentwegten Turnern hoch anzurechnen, daß sie sich durch hie ungünstige Witterung nicht von der Abhaltung ihres Festes abbringen liehen. Sie hatten bei dem durchweichten Doden keine leichte Arbeit. Wir geben im Folgenden die ersten Sieger der Abteilungen. 1. Oberstufe (für Turner über 18 3ahre). Dierkampf, Teilnehmerzahl 90. — 1. Heil. Hettenhausen) 75 P.; 2. Engel, Hausen, 73 P.; 3. Braun, Homburg v. d. H., 71 P. 2. Unterstufe (für Turner von 14—18 3.), Dreikampf, Teilnehmerzahl 120. - 1. Völker, Wernshausen, 80 P.; 2. Roth, Hersfeld, 72 P.; 3. Schipper, Schmalnau, 69 P. 3. Damenturnen, Dreikampf, Teilnehmerzahl 30. — 1. Bichelhaupt, Gießen, 54 P.; 2. Espach, Gießen, 50 P. und Kreß, Fulda: 3. Fuhrmann. Fulda. 48 P. R ö h m i g, Gießen, konnte außerdem in dieser Konkurrenz den 9. Platz belegen. 4. Knabenturnen, Dreikampf, Teilnehmerzahl 80. — 1. Storch, Fglba, 63 P.; 2. Hofmann, Gersfeld: 3. Helfrich, Gers- feld. Das Bergturnsest und Schülerwetturnen des Lahn- Dünsberg-Gaues. : — ■ Kesselbach, 8. Aug. Von herrlichem Wetter begünstigt wurden heute in unserem Dorfe die Wettkämpfe des Lahn-Dünsberg-Gaues ausgetragen. Sie bestanden für Turner und Turnerinnen in einem Dierkampf, nämlich Stab- hoch-, Weitsprung, Speerwurf und Kugelstoßen. Die Schüler maßen sich in einem Sechskampf, bestehend in einer Barren-, Reck- und Pferdübung, Hochsprung 0,75 bis 1,20 Meter, Weitsprung 2 bis 4 Meter und einer Freiübung. Ueberpunlle wurden nur für Turner gewährt, nicht für Schüler. Anschließend folgen die Ramen der ersten Sieger in jeder Klasse. Oberstufe (48 Sieger bei 76 Bewerbern): Ehrenpreis: Wilh. Hofmann, Alten-Duseck, 83 P.: l.Pr. Wilh. B e p l e r - Kinzenbach 81 P; 2. Karl Agel - Lollar und Reinhard Schiefer- ' stein- Launsbach je 80 P.; 3. Ludw. Depler- Kinzenbach 77 P. Alters st use unter 40 3ähren: 1. Preis Ludw. Hasselbach- Rodheim a. d. D. 82 P.; 2. Wilh. Schienbein - Hausen 80 P . 3. Heinr. R o h r b ach- Lollar 74 P. Alters st ufe über 40 3ahre: 1. Preis Heinr. Amend - Garbenteich 57 P Mittel st ufe (24 Sieger bei 43 Bewerbern): 1. Pr. Rudolf Buß- Großen-Duseck 92 P.; 2. Horst Adler- Großen-Duseck 91 P: 3. Karl Dort- Großen-Duseck 87 P. Unter (tute (42 Sieger bei 72 Bewerbern): 1. Pr Otto Wolf- Lollar 102 P. : 2. Richard Depl er - Kinzenbach 88 P.: 3. Otto Feiling» Atzbach 86 P. Turnerinnen (Oberstufe): 1. Pr Anna Pfeiffer- Launsbach 37 Punkte: 2. Elisabeth Keller-Wieseck 57 P.: 3. Lina Döcher- Wieseck 54 P. Turnerinnen (Unterstufe): 1. Pr. Lina Haas- Steinbach 74 P.; 2. Sophie Haas- Steinbach und Wilhelmine Hasselbach- Londorf je 60 P.: 3. Gertrud Müller- Launsbach 52 Punkte. Schüler (198 ^Bewerber): 1. Pr. Karl Hahn- Großen-Duseck 112 P.: 2. Ludwig Gerhardt-Steinbach 110 P.; 3. Heinrich Rüh l- Deuern, Karl Klein- Lollar und Osk. Baude- Allendorf a. d. Lda. je 109 P. 4X1 00-Meter-Staffel. Sieger des Wairderpreises: Schüler von Großen-Duseck in 58,6 Sekunden. Das Schülerwetturnen in Heuchelheim. £ Am Sonntag versammelten die Arbeitersportler in Heuchelheim ihre Schüler und Schülerinnen zu einem volkstümlichen Wetturnen, das in allen Teilen als wohlgelungen zu bezeichnen ist. Rund 300 Kinder traten am Vormittag an. Vorgeschrieben war bei den Schülerinnen ein Fünfkampf (Hochsprung, Weitsprung, Dallweit- werfen. 50-Meter-Lauf, Freiübung), bei den Schülern ein Sechskampf (Weitsprung, Weithochsprung. Kugelstoßen, 50°, bzw. 75-Meter-Lauf, Ballwcitwerfen. Freiübung). Schnell belebten die 20 Riegen den schön angelegten Heuchelheimer Sportplatz, wozu das sich immer mehr aufhellende Wetter wesentlich beitrug. Für die zahlreichen Zuschauer waren ganz vorzügliche Einzelleistungen zu beachten, und zwar in Dezug auf die erzielte Höhe des Resultats, und die dabei gezeigte Technik. Weitsprünge von 4 Meter und Hochsprünge von 1,15 Meter (Latte, ohne Brett) sind sehr anerkennenswerte Leistungen von 12jährigen Schülerinnen: bei dem 50-Meter-Lauf war die beste Zeit 7,2 Sekunden. Der Rachmittag wurde eingeleitet durch den Festzug der Kinder. Auf dem Sportplatz zeigten sich die Kleinen nochmals so recht in ihrem Element, es folgte der Teil, der beim 3ugendturnen die meiste Beachtung und Pflege finden muß: Spiele. Wer das sorglose Lachen und Lärmen dabei hört, und die Ungebundenheit des frohen Getriebes beobachtet, erkennt ohne weiteres den Wert dieses Uebungs- teiles für den kindlichen Charakter. Vorher trat aber erst noch einmal her Ernst in seine Rechte, als es galt, die gemeinsamen Freiübungen zu zeigen. Schüler und Schülerinnen entledigten sich dieser Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit, wobei für die Schülerinnen ein kleines Plus festzustellen war, das in den anmutigen Uebungs- sormen begründet lag. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete die gegen Abend vorgenommene Siegerverkündigung, wobei es stolz strahlende, aber auch recht tränenreiche Gesichter gab, wenn die Erwartungen nicht ganz erfüllt waren. Wir geben im nachstehenden die 10 ersten Preisträger jeder Stufe wieder: Schülerinnen (O b e r st u f e, 20 Teilnehmer): 1. Frieda 3 un g. Krofdorf, 446 P.: 2. Hilde Bremer, Wieseck, 430 P.. 3. Klara Amend, Krofdorf, 398 P., 4. Anna Sack, Heuchelheim, 393 P.. 5. Else Schwalb. Heuchelheim, 390 P.. 6. Marie Kreiling, Heuchelheim. 356 P.. 7. Gertrud Gombert. Krofdorf. 354 P.. 8. 3ha Schmiht, Krofdorf. 338 P.. 9. Gretel Spieß. Gießen, 336 P.. 10. Dina Hinterlang. Gießen, 334 P. Schülerinnen (Unterstufe, 45 Teilnehmer): 1. Marie Hahn, Gießen. 392 P., 2. Lina Lückel, Heuchelheim. 351 P. 3. Lina Schöff- mann, Wieseck. 347 P.. 4. Ottilie Raumann, Lollar, 337 P., 5. Minna Klug, Wieseck, 330 P., 6. Helene Sie rau. Lollar. 327 P.. 7. AnnaSchmidt, Steinbach, 312 P.. 8. Erna Seibert. Wieseck. 294 P.. 9. Emmy Hoffmann. Heuchelheim. 293 P., 20. Milli Vollmann. Krofdorf. 280 P. Schüler (Oberstufe, 100 Teilnehmer): 1. Willi Munzert. Lollar. 518 P.. 2. Wilhelm Faber. Grohen-Linden. 495 P. 3. Ernst Schöff mann, Wieseck. 493 P.. 4. Karl Wagner. Launsbach. 498 P., und Otto Weller I., Wieseck, 489 P.. 5. Eugen Schwalb, Gleiberg. 484 P.. 6. Karl Decker, Lollar und Kurt Umbach. Wieseck, 476 P.. 7. Otto Wagner, Odenhausen, 451 P.. 8. Willi Synowski. Wieseck, 449 P.. 9. Adolf Schmidt, Fellingshausen, 444 P., 10.Ernst Dellof, Wieseck, 441 P. Schüler (Unterstufe. 120 Teilnehmer): 1. Otto Deibel. Wieseck, 512 P., 2. Otto Valentin. Krofdorf. 511 P.. 3. Karl Leib. Krofdorf. 510 P.. 4. Otto Rudolf. Lollar. 503 P„ 5. Otto Exner. Krofdorf. 494 P.. 6. Erwin Pfaff. Steinberg. 490 P.. 7. Ernst Seel. Gleiberg. 485 P.. 8. Karl Dechtold. Krofdorf. 477 P.. 9. Willi Möckel, Watzenborn, 475 P.. 10. Konrad Will, Fron Hausen, 467 P. Schwimmen. Pascoe gewinnt das Ausscheidungsrennen für die Europameisterschaften. Anschließend an die Deutschen Schwimm- Meisterschaften in Düsseldorf fand in dem dortigen Stadion ein weiterer Vorbereitungskursus für die Olympia-Kandidaten Des Deutschen Schwimmverbandes statt, an dem auch Fritz Pascoe vom Gießener Schwimm- v er ein auf Anordnung des Verbandsschwimm- warts de- D. S. V., Studienrat Dinner- Dreslau, teilnahm. Am letzten Tage des Kurses wurde im 200-Meter-Drustschwimmen ein Ausscheidungsrennen für die Ende August in Budapest stattfindenden Europa-Meisterschaften zwischen den besten Brustschwimmern Deutschlands ausgetragen — abgesehen von Rademacher, dessen Meldung von vornherein feststand. Selten wurde ein Rennen mit soviel Rervosität sämtlicher Teilnehmer ausgetragen wie dieses, was sich auch in den erzielten Zeiten auswirkte: galt es doch, den zweiten Vertreter der deutschen Farben im Brustschwimmen neben Rademacher zu bestir.rmen. Pascoe gelang es, das Rennen für sich zu entscheiden und feine auf den deutschen Kampfspielen erzielte Zeit von 3 Min. 6 Sek. auf 3 Mün» 5 Sek. zu verbessern. Zweiter wurde Kümmert, Hellas Magdeburg, in 3:5,5 Min.. Dritter Zientz, Dortmund in 3.6 Min., her auf den Kampfspielen vor Pascoe hen zweiten Platz belegt batte. Die Entscheidung herüber, ob nun tatsächlich neben Rademacher ein zweiter Vertreter im Brustschwimmen vom Deutschen Schwimmverbanh nach Budapest entsandt wird, steht noch aus. Wasserball-Meisterschafts - Vorrundenspiel im Frankfurter Stadion. Am Sonntag kam im Frankfurter Stadion das Vorrundenspiel um die deutsche Wasser- ballm eist er schäft zwischen 3ungdeutschland Darmstadt und Schwimmiportverein Erfurt 1905 zum Austrag. 3ungdeutschland Darmstadt konnte sich wahrend des Spieles nicht recht zu- sammenfinden, während die Erfurter nach der angenehmen Seite auffielen. Rach einem ziemlich harten Kamps blieb der süddeutsche Meister. Zungdeulschlanh Darmstadt mit 5.4 (Halbzeit 32) knapper Sieger. Fußball. Freie Turnerschaft Gießen. £ Arn Sonntag Ijjtte die Freie Turnerschaft Gießen vier Mannschasten in». gestellt, von denen drei siegreich heimkehren konnten. Die erste Mannschaft bildet mit Wetzlar die Spitzengruppe, so daß diesem Spiel einige Bedeutung zu- kam. Auf der unrühmlichst bekannten Ochsenwiese in Wetzlar standen sich beide Rivalen gegenüber, auf beiden Seiten war der stärkste Sicaeswillc unverkennbar, denn vom Ausgang dieses Spieles hing viel ob. Gießen war zuerst erfolgreich, es konnte durch seinen Mittelstürmer in Führung gehen. Wetzlar kam das Glück zu Hilf«: ein Handelfmetcr konnte verwandelt werden. Bei äußerst flottem, ober auch scharfem Spiel wogt das Spiel längere Zeit auf und ab, ohne daß auf einer Seite Erfolge erzielt werden können. Schließlich erhält Gießen einen Elfmeter wegen unfairen Angehens seitens Wetzlars zugesprochen, der der Mannschaft abermals die Führung brachte. Das gleiche Vergehens Wetzlars wird vom Schiedsrichter abermals durch Elfmeter bestraft, der von Gießen zum dritten Tor verwandelt wird. Ein überraschender und schneidig durch geführter Durchbruch Wetzlars brachte auch dieser Mannschaft den zweiten Erfolg. Nach der Pause steigerte sich das Tempo noch mehr. Der zu kleine Platz beeinträchtigte stark das Spiel. In stetem Wechsel fallen die weiteren Tore. Zunächst stellte der Halblinke Gießens das Resultat auf 4:2, bald darauf wird es durch Wetzlar in 4:3 umgeändert. Die äußersten Anstrengungen Gießens werden durch einen weiteren Erfolg belohnt: 5:3 für Gießen. Fünf Minuten vor Schluß erzielt Wetzlar noch eine Ecke, die eingeköpft wird, wodurch das Schlußergebnis auf 5:4 gestellt wird. Für den Tabellenstand Wetzlars ist die Niederlage schmerzlich, Gießen hat sich seinen Erfolg jedoch redlich verdient. Der Schiedsrichter hätte etwas durchgreifender sein können. Ein ausgeglichenes Spiel lieferten sich die 2a- Mannschaft Gießens mit der zweiten Wetzlars. Der knappe 2:1-Sieg der Gießener hätte höher sein können, wenn die ersatzgeschwächte linke Seite nicht so viel günstige Momente ausgelassen hätte. Einen einwandfreien Erfolg erzielte die Iu- gend Gießens, indem sie gegen die Weßlarer Jugend 4:0 gewinnen konnte. Dabei stellte sich heraus, daß die in die erftc Mannschaft übernommenen seitherigen Iugendspieler recht gut ersetzt sind. Aber auch hier der gleiche Mangel wie in Wieseck: Das Spiel war für ein Iugendspiel viel zu scharf. Die 2d-Mannschaft hatte hrc 1.Mannschaft Fronhausens als Gegner. Hier konnten die Fronhäuser, wenn amh nur knapp mit 2i1 Toren, Sieg und Punkte einheimsen. Freier Turn- und Sportverein Wieseck. £ Das erste Verbandsspiel her Rachrunde hatte für hie erste Mannschaft einen negativen Erfolg, has Treffen ging, wenn auch recht knapp verloren. Der Gegner, her Männe^Turn- verein Marburg, zeigte ein weseirtlich besseres Spiel als am Sonntag vorher gegen Gießen. Für hie Marburger hatte ausschließlich beten Verteidigung die Punkte gewonnen. Sie leisteten, vesondern in der zweiten Halbzeit, während welcher Wieseck ständig im Angriff lag, ganz außerordentlich erfolgreiche Abwehrarbeit. Der linke Verteidiger war hierbei glänzend, ebenso stand der Tormann auf voller Höhe. Bei Wieseck merkte man die neuen Leute, die technisch sehr gut sind: aber es fehlt noch an dem notwendigen Kontakt mit den übrigen Spielern. Zudem erwies sich die Aufstellung als unglücklich; dieser Mangel wurde zwar in der zweiten Halbzeit abgestellt, aber Marburg hatte (Erinnerungen an GttoLilienthal. Es ist in diesen Tagen erst 30 Jahre her, Daß der Vorkämpfer der heute zu so getoaltiger Bedeutung gelangten Flugkunst, Otto Lilienthal, seine bahnbrechenden Versuche machte, bei denen er am 10. August 1896 durch einen Absturz aus 15 Meter Höhe seinen Tod fand. Aus diesem Anlaß veröffentlicht Anna Lilienthal in „W e ft e r ■ manns Monatsheften" fesselnde Erinnerungen, die ein überaus anziehendes Bild von dem hochbegabten, tatkräftigen und stets opferbereiten Mann geben. Schon der Blick des Knaben haftete immer wieder mit heißer Sehnsucht an dem Schauspiel des Dogelfluges: im Jüngling und Mann wuchs diese Sehnsucht zu dem rastlosen Bestreben, dieses Geheimnis zu erforschen und auf diese Weise fclbft das Fliegen zu erlernen. 3n feinem Buche ..Der Dogelflug als Grundlage der Fliegekunst" ist diese Sehnsucht aus- gedrückt in einem Gedicht, dessen Schlußverse lauten: „O Mensch dort im Staube, wann fliegest auch du, Wann lößt sich dein Fuß von der Erde?" Lilienthal war aber fein Schwärmer und Träumer, sondern ein lebensfroher harmloser Geselle, her seine Gaben nützen, Werte für die Menschheit schaffen wollte. „Technische Unmöglichkellen gibt cs nicht," war sein Wahl- fpruch, aus rastloser Arbeit schöpfte er das Glück seines Lebens. Aus seiner Werkstatt gingen eine Reihe wertvoller Erfindungen hervor, so ein- Schlangenrohrkesfel, schmiedeeiserne Riemscheitv. Sirenen für hen Signaldienst auf den Marilre- ftationen an der deutschen Küste, die wchrämm- maschine, eine Einrichtung zur Erleichterung der Kohlengewinnung im Bergbau usw.: auch her Ankersteinbaukasten ist eine Lilienthalsche Er- finhung. Auf hen Wiesen Anklams, wo Störche und Vögel jeder Art heimisch waren, machten Otto Lilienchal und sein Bruder Gustav die ersten Versuche, den Flug der Vögel nachzuahmen. Sie muhten es bei Rächt tun, um dem Gespött her Schulkameraden zu entgehen. Jede freie Minute war ausgefüllt mit Beobachtungen, mit Messungen an selbstge-ertigten Apparaten, Vogel- modellen, Flügelformen und Windberechnungen. Diese Versuche wurden auch in späteren Jahren unermüdlich fortgesetzt, in Lichterfelde, wohin die Brüder ihren Wohnsitz verlegt hatten. Oft brachten sie die Last zerbrochener 2lpparate und Modelle heim, aber für sie war es kein Mißerfolg, sondern nur eine Stufe zu besserer Erkenntnis. Als Otto Lilienthal sich ein Landhaus bauen konnte, errichtete er ein Storchnest. das freilich nicht bezogen wurde; vier junge Störche, die darauf angeschafft wurden, verschwanden am ersten Tage, an dem sie flügge geworden waren. 3n der Rähe des Wohnorts lieh sich Lilienchal einen 15 Meter hohen Berg aus eigenen Mitteln aufschütten. „Opfer müssen gebracht werden", Pflegte er zu sagen, wenn die Sorge der Hausfrau Einwände erhob. 3n der Kuppe des Fliegeberges befand sich ein Schuppen für die verschiedenen Gleitflügeformen. Es war ein schöner Anblick, wenn die prächtige Gestalt des kühnen Fliegers heraustrat und sich anschickte, mit ausgebreiteten Schwingen weit ins Gelände hineinzufliegen. Für die Berliner war der „fliegende Mann" ein ganz neues billiges Vergnügen, zu dem sie sich in Massen einfanden; den ganzen Sonntag lagerten sie am Fuß des Berges, begleiteten die Flüge mit Lob und Tadel, amüfierlen sich köstlich und zogen abends unter Hinterlassung ihrer Stullenpapiere geräuschvoll wieder ab. Otto Lilienthal fjat aber auch auf einem ganz andern Gebiete, als Theaterdirektor, versucht und auch hier ein Verdienst erworben. Als ihm ein Theater im Berliner Osten das Geld für die Heizungsanlage schuldig blieb und er bei dieser Gelegenheit das ganze Schauspielerelend kennen lernte, beschloß er, selbst die Sache in die Hand zu nehmen und hier inmitten her Arbeiterbevölkerung eine Volksbildungsstätte ersten Ranges zu schaffen. Er strich die Schuld, machte aber dem Theaterleiter zur Bedingung, nur wertvolle Stücke, vor allem die Klassiker, zu spielen. Dem öden Raum gab er aus eigenen Mitteln durch Farbe und Blumenschmuck ein freundliches Ansehen. Zu Preisen, die von 10 bis 50 Pfennig gingen, konnte man dort gute Aufführungen her „Braut von Messina", des „Wilhelm Teil" und anderer klassischer Dramen genießen. Der Versuch, den Geschmack des Publikums zu heben, gelang glänzend. Das Haus war alle QTbenbe überfüllt, das Publikum begeistert, und dem Urheber dieses Glücks, der in feiner Loge saß, blitzte die Freude aus den Augen. Einmal fand er ein altes Mütterchen weinend an der Kasse stehend vor, weil das Haus ausverkauft war und sie „doch zu gern einmal Wilhelm Teil gesehen hätte". Er nahm fie daraufhin mit in seine Loge. Bei einer Aufführung der „3ungfrau von Orleans" fehlte ein Darsteller für den Herold, und sofort sprang Otto Lilienthal in die Bresche, spielte aber so schlecht, daß die nicht verwöhnten Zuschauer lachen mußten. Er verfaßte auch selbst ein Drama „Moderne Raubritter", das die Ausbeutung eines biederen Handwerkes durch Spekulanten behandelt und eine gute Beobachtung des Berliner Volkslebens beweist. Der Held kommt ums Leben, indem er sich aus Verzweiflung aus dem Fenster stürzt. Das weiche Herz des Dichters litt aber allzusehr unter diesem traurigen Ende. „3ch konnte die Rächt nicht davor schlafen," erzählte er selbst. „Am Morgen um fünf Uhr setzte ich mich an Öen Schreibtisch und verbesserte dos Stück." 3n der zweiten Fassung siegle die Tugend und das Laster ging zu Grunde. Der heitere Ausgang aber nahm dem Stück ganz die Wirkung. Unvergeßlich ist der Verfasserin der letzte Abend in Otto Lilienthals Leben. „Draußen Oetoitierftimmung, drinnen sorgenvolle Gespräche. Der Bruder drängte zum vorläufigen Abschluß 6er Gleitflugversuche aus wirtschaftlichen Gründen, die Hausfrau aus der Angst ihrer Seele heraus." „3ch will morgen nur noch einen, den letzten Versuch machen", sagte Otto zum Bruder. Seiner Frau schlug er lachend auf die Schulter: „Wenn ich diesen Klotz nicht am Bein hätte, würde ich noch viel höher fliegen." Am Tage darauf stürzte er ab und wurde sterbend in die Klinik gebracht. Seine letzten Worte waren: „Opfer müften gebracht werden." Das Seitalter der Frauenfreundschaft. Es ist ein altes Wort, daß die Frauen für wahre Freundschaften nicht gemacht sind. Alle berühmten Freundespaare der Geschichte von David und 3onathan bis zu Schiller und Goethe sind Männer gewesen, und niemals hat die Dichtung hie Freundschaft von Frauen so verherrlicht wie die von Männern. Ader die Frau, die jetzt so viele Eigenschaften des Mannes erobert hat, tritt nunmehr auch in das Zeitalter ein, wo sie der echten Freundschaft fähig wird. Dies behauptet wenigstens die Engländerin Diana Bourbon in einem Londoner Blatt. „Eine große, bisher unbekannte Gabe ist der Frau des 20. 3ahr- hunderts zuteil geworden," schreibt sie, „es ist die Gabe des wahren Verständnisses und der tiefen Reigung zum eigenen Geschlecht. 3n der Vergangenheit, als der Wettbewerb um den Mann für den Hauptinhalt des Frauenlebens galt, als jede Frau in her andern eine Rebenbuhlerin und Feindin sehen wollte, da gab es keine Freundschaft zwischen Frauen in dem Sinne, in hem Männer dieses Wort verstehen. Die Gegenwart hat die alle Behauptung, daß Frauen keine guten Freundinnen miteinander fein könnten, zunichte gemacht; sie hat den Frauen das Gefühl für den außerordentlichen Reiz eröffnet, den eine gute Kameradschaft mit einer andern Frau bietet. 3st doch die Frau feit 3ahrhunderten die beste Gefährttn des Mannes gewesen, und sie hat dadurch Eigenschaften entwickelt, die sie zur Kameradin besonders geeignet machen. 3m gesellschaftlichen Verkehr, in einer heiteren Gastfreundschaft und im anmutigen Gespräch durste sie von jeher ihre Vorzüge entfalten; aber der Mann beherrschte auch dieses Bereich ihres Wesens; sie konnte nicht selbst Freundin werden, weil sie zu eng an den Mann gefesselt war. 3etzt aber hat sie die Freihell unb die Gelegenheit erreicht, nut all diesen Gaben andere Frauen zu beschenken und zu beglücken, sie darf sich Freundinnen wählen und mit ihnen in enger Kameradschaft leben. Ueberall geben jetzt Frauen Gesellschaften nur für Frauen, gehen mit andern Frauen auf Ausflüge und teilen mit ihnen ihre Vergnügungen, und fie lernen nun einen Genuß kennen, der ganz rein und ursprünglich ist und bet ihnen früher verschlossen war. Riemals sind Frauen so vergnügt, so anmutig, so geistreich, als wenn sie unter sich sind. Die Legende von der Unfähigkeit der Frau zur Freundschaft, die vom Manne verbreitet wurde, ist jetzt in ihrer ganzen Unwahrheit erwiesen, und hie, Frau ist als ideale Freundin her Frau entdeckt." Damm: v Getreidebörse. 160 150,5* 152,7 144,5' 166,75 Nachdruck verboten. 21. Fortsetzung. 180 5’ 85,75 287* 114,25 112,25 144,5* 104,75 M' 152.2 144.4 85 85,5 25,5 47.5 180' . 85,75 : 83,75 292* 119.9* 50,5 114 161.5 (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 10. Aug. Cs wurden notiert: Weizen, Wetterauer (neue Ernte), 28,50 bis 29; Roggen, inländ. (neue Ernte). 19,75; Hafer, ausländ.. 20,50 bis 22; Mais (gelb) 18,25 bis 18,50; Weizenmehl, inländ., Spezial 0. 42 bis 42,75; Roggenmehl 30; Weizenkleie 8,75; Roggenlleie 10,50. Tendenz: Ruhig. 1923, das schwarze Jahr, brach an. Da begann der große wahnwitzige Tanz mit dem bedruckten Papier, das sich die hochstaplerische Bezeichnung Geld anmaßte. Hatte es vorher immerhin ein Jahr gedauert, bis die Fahlen aus den sogenannten Banknoten äußerlich zwar um eine Null fetter, inhaltlich dagegen erheblich leichter geworden waren, so setzte nun ein bedeutend lebhafteres Tempo in diesem Vorgänge ein. Große, leistungsfähige Gcldzettelfabriken brachten es nun schon allmonatlich ans eine neue Null — später jedoch zu unvergleichlich höheren Leistungen. Doch verweilen wir beim traurigen Lenz dieses noch traurigeren Jahres 1923. Daß auch die treffendste Beurteilung nur bedingt richtig ist, erwies sich zu jener Zeit am krassesten. Als ein ganzes Volk unter der auf ihm wuchtenden entsetzlichen Last aufstöhnte, da regte sich munterer denn je der ekle Ning schleimiger Parasiten. Uebcrall saugten sie sich gleich Blutegeln am ausgemergelten Bolkskörper fest und mästeten sich an seinem Elend. Die eigene Geißel dieser Ge- 86 52 3,25 166 83.25 92 .-90,5* 118,25 113.9 weiter ab, zumal nur geringe Aufnahmelust bestand. Am Geldmarkt ist eine Verknappung fest zu stell en. Tägliches Geld dürfte heute wieder auf 5 Prozent anziehen. Monais- geld 5 bis 7 Prozent je Adresse. Bankdiskonten 4i,2 bis 45/8 Prozent, Industrie-Akzepte 4' 8 bis 5i/2 Prozent. Im Devis enverkeh r lagen die lateinischen Valuten erneut schwächer. Paris gab gegen London auf 159,25, Brüssel auf 170,50 nach. Mailand senkte sich auf 145,25 gegen das Pfund. Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) Höhe standen, zeigten ein äußerst spannendes Spiel, das Frankfurt infolge körperlicher ^leber- legenheit mit 3:2 für sich entscheiden konnte, nachdem Ober-Schmitten bis kurz vor Spielschluß mit 2:1 geführt. Hellas Friedberg (A= Klasse) spielte gegen Rieder-Mittlau auch nach Spielverlängerung mit 2:2 unentschieden: das Los entschied für Hellas. Im Cntscheidungs- kamps Frankfurt gegen Friedberg siegte Sportverein Frankfurt mit 3:0 und konnte den wertvollen Pokal in Besitz nehmen. Rudern. Gießener Ruderklub „Hassia". Zum Schluß der diesjährigen Dudersaison fand in Mainz, wie bereits gemeldet, die Meisterschaftsregatta oes Süddeutschen Ruderverbandes statt, woran sich der hiesige Ruderklub „Hassia" in der Iungmannklasse beteilgte. Der Verein konnte bei dieser Regatta, wie bei den vorherigen Veranstaltungen, einen überlegenen Sieg im Vierer mit der Mannschaft W. Muller, R. Schmitt, W. Rinn, H. L e u n i n g, Steuer E. Roll, erringen. 2m Iungmannen-Achter ging die Mannschaft bei 5 startenden Vereinen als zweites Boot durchs Ziel. Die Krummhölzer Roman aus den bayerischen Bergen. Von Michael Wagner. markt machte sich eine gewisse Derknappuna bemerkbar, so daß der Sah für Tagesgelb auf 4V3 bis 61/, Proz. anzog. An den A k t i e n m ä r k t e n verstimmte auch der weitere Rückgang der Frankenvaluten im Hinblick auf den französisch-amerikanischen Schuldcnkonflikt. Paris gab gegen London bis auf 170 nach. Brüssel senkte sich auf 174 gegen das Pfund. Mailand notierte gegen 1 London 145. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt o. M. Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) Mit einem lauten Jubesruf jprang Marianne auf und hing unter Lachen und Küssen an Zenos Hals. „Du Böser! — Solche Sachen machst du hinter meinem Rücken — und ich" schmollte sie, während ihre Augen vor Freude strahlten. Zeno verschloß ihr mit einem herzhaften Kuß den Mund. „Brav sein, Weibert! Upd morgen fahren wir nach München zur Kunstausstellung!" Da lief ihm Marianne wie ein ungeduldiges Ferienkind davon . . . Als Zeno am Nachmittag des nächsten Tages, Arm in Arm mit Marianne, unerkannt unter einer Gruppe von Betrachtern im vornehmen Kunstausstellungsgebäude vor seinem eigenen Werke stand, da schlug sein Herz hoch. Stumm, überwältigt, drückte Marianne seine Hand. Ihr standen Tränen in den Augen, so ergriffen war sie. Zeno Uracher aber hätte nun rechtens restlos glücklich fein können, wenn — Wenn die dunkle Wetterwolke nicht gewesen wäre . . . 288.7- 116 cs streng geheim. Niemand durfte das Werk entstehen sehen, nicht einmal Marianne. So verrann ein Jahr. In steter, sicherer Linie ging es mit Zenos Geschäft aufwärts. Dies einjährige Arbeiten unter den neuen Verhältnissen hätte allein schon genügt, Zeno zum wohlhabenden Manne zu machen. Das ihm von seiner Vertragsfirma seinerzeit zum Ausbau des Geschäftes vorgestreckte Kapital war zurückbezahlt. Zeno konnte in vollster Zufriedenheit auf das verflossene Jahr zurückblicken; es hatte fein häusliches Glück vervollkommnet und ihn geschäftlich um ein gewaltiges Stück in die Höhe gebracht. Wenn ihm Fortuna noch darüber hinaus ein Weilchen wohlwallte, durfte er auch auf eine Befriedigung feines künstlerischen Ehrgeizes rechnen. Zenos heimlich geschaffenes Werk war vollendet. Doch immer noch verbarg er es eifersüchtig. Und eines Tages lieh er es, in eine große Kiste sorgfältig verpackt, zur Bahn bringen .. Da schmollte Marianne. Zeno ober lächelte verheißungsvoll und suchte sie mit allerlei geheimnisvollen Andeutungen zu trösten. Bloß einige Wochen möge sie sich noch gedulden — am liebsten gar nicht daran denken. Nun — auch diese Wochen vergingen. Zeno selbst aber verlebte sie in einer inneren fieberhaften Unruhe; er schien das, worauf er Marianne immer vertröstete, wenn sie in ihn drang, nun selbst kaum mehr erwarten zu können. Endlich schlug die Stunde der Erlösung. Die eben angekommene Zeitung in Händen, trat Zeno eines Tages mit seltsam glänzenden Augen vor Marianne. Stumm wies er mit dem Finger auf eine Stelle im Feuilleton. Mariannes Herz schlug Generalmarsch, öic mußte sich setzen; denn ihre Beine zitterten vor Aufregung. Dann las sie unter der Ueberschrift: „Rundgang durch die große Kunstausstellung": „. . . Berechtigtes Aussehen erregt der „Sterbende Krieger" von Zeno Uracher, einem noch jungen, bodenständigen Heimatkünstler . . . Das Werk verrät ein ganz eigenes, selten starkes Künstlertum . . ." Nun folgte eine kritische Würdigung, schließend mit den Worten, daß man sich den Namen Zeno Uracher für die Folge wohl merken müsse . . . Die Zeitung raschelte zu Boden. 43.5 147.25 85,5 49.25 2.8 166.75 75.25 84 ncration: die Parasiten des Krieges, der Revolution und nun der Inflation! Ihnen galt nur eines heilig: Börse — Dollar —» Spekulation! Herr Toni Uracher, Großhändler, vorwiegend in Holz, und Gutsbesitzer, erkannte mit dem diesen seltsamen Volksfreunden anhaftenden materialisti- jchen Feingefühl ohne weitere sdie Zeichen der Zeit und warf das Steuer herum. Der bisher betriebene Holz- und sonstige Großhandel — alles auf eine eigene dunkle Art natürlich — diente nur mehr als Aushängeschild. Eigentlich war man jetzt nur mehr Börjenmann — Spekulant. Toni Uracher „arbeitete" in engster Fühlung mit einem kleinen Kreis würdiger Gleichgesinnter, zu welchem außer dem uns schon bekannten Bullinger ein gewisser Herr Moriggl, Inhaber eines obskuren Finanzbureaus, ehemaliger sogenannter „Krawattlmacher", sowie ein gewisser Herr v. Schoritz, gewöhnlich der Baron genannt, zählten. Der Baron trat als Finanzier und stiller Teilhaber von Moriggls Bureau auf, befleißigte sich in Gesellschaft der beiden innigen Geschäftsfreunde aus dem Oberlande, Uracher und Bullinger, eines höchst jovialen Tones, war aber sonst nur ein ganz gewöhnlicher hochstaplerischer Schmarotzer. Moriggl, die ganz geriebene und mit allen Wassern gewaschene Seele des würdigen zeitgemäßen Konsortiums, verstand es vorzüglich, den versierten Finanzmann und glatten Börsenjobber zu mimen, dem nur darum zu tun ist, gegen bescheidene Prozente anderen biederen Bürgern zu einer raschen Vervielfachung ihres Kapitals zu verhelfen. Und es war erstaunlich, wie das Geschäft blühte. Mit leiser Unruhe sah Vater Uracher, der als grauköpfiger Austrägler immer noch für Toni den Hofbauern machte, daß alle Last der Arbeit nunmehr einzig und allein auf feinen Schultern lag. Gekümmert hatte sich der Toni noch nie viel um den Hof, seit er Händler geworden, aber er besprach doch in den Zwischenpausen wieder das Nähere mit dem Vater, obwohl er ihm die Wirtschaft allein überließ. Nun ober fiel auch diese Gepflogenheit weg. Nur bei Geldangelegenheiten hörte der Toni noch hin — alles andere wies er barsch von sich. (Fortsetzung folgt.) Berliner Börse. (Eigener Drahtöericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 10. Aug. 2m heutigen Dorbörsen- verkehr war die Tendenz an den Aktienmärkten unter Bevorzugung der Elektrowerte und Stahltrustaktien außerordentlich s e st. Bei Eröffnung des amtlichen Verkehrs kam jedoch starkes Angebot heraus, das einen Umschwung in der Kursgestaltung herbeiführte. Gegenüber den Kursen des Freiverkehrs waren Rückgänge bis zu 5, Proz. zu verzeichnen, auch gegenüber den Schluhnotierun- aen des Vortages eröffnete die Börse schwächer. Besonders gedrückt lagen Kaliaktien im Zusammenhang mit der ungeklärten Preiserhöhungs- frage. In Börsenkreisen glaubt man auch, mit einem baldigen Ende des englischen Bergarbeiterstreites rechnen zu müssen, wodurch sich die Lage im deutschen Kohlenbergbau wieder verschlechtern dürfte. Bankaktien waren angeboten und gingen mehrere Prozent zurück. Am Geld- 5% Deutsche Reichsanlethe . 4% Deutsche Rcichsanleihe . 3Va°/n Deutsche Rcichsanleihe 3% Deutsche Rcichsanleihe . Deuische Svarprämicnanlcihe 4% Preußische Koniols • ■ • 4°/« Hessen 3Ve°/n Heuen.......... 3% Hellen Deutsche Dertb. Dollar-Anl. bfo. Doll.-Schav'Llnrreisng.*) 4°/o Zolltürkcn 6°/0 Goldmexikaner Berliner Handelsgesellschaft. Lämmer»» und Pnvat-Bank ■ Tarmst. und Natioualbank . Deutsche Bank Deutsche BercmSbauk .... Disconlo Commandit .... Mctallbank........... Mitteldeutsche Kreditbank. . Öcsterreichische Creditanstalt. Wcstbank ...... Bochumer Gus BudcrnS...... Caro Deutsch Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke . . Harveuer Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln..... Laurahütle ......... Obcrbedars .......... Phönix Bergbau ...... Nheinstahl Riebect Montan Tellus Bergbau ■ ...... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd..... Theramtsche Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmcmn...... Slnglo-Cont.-Guano .... Chemische Mayer Alapin . . I. G. ssarbcnindustrie, A.-G- Goldschmidt Holzverkohlung RütgerSwerkc Scheideanstalt Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann ... ....... Mainkraftwerke ....... Schucken ■ - ........ Siemens r: Stunde der 2ugenb. 4.30 bis 5.45 LIHr: Konzert des Hausorchesiers: Operettenmusik. 6.15 bis 6.45 ilbr: „Sprachen und Literaturen von Hinter- Indien". Vortrag von Dr. L. H. Schütz. 6.45 bis 7.15 ilbr: „Konstantinopel einst und jetzt". Dor° trag von Dr. Klinghardt. 7.15 bis 7.45 ülhr: Stenographi s che r Fortbi^dungskursus. 7.45 bis 815 ilbr: Italienischer ülnterricht. 8.15 übt: „Der große und der kleine Klaus". Drama von Gustav af Geijerstam. Sprechstunden der Nedaktion. 12 bis 1 Ahr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandte Manus krippe ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenausträge sind lediglich an die Geschäfts stelle zu richten. Verantwortlich für den lokalen Teil i. V.: Dr. Hans T h y r i 0 t. Frankfurt a.M. S-HIuiz.' I-Uhc. llurs ! ftuts 9. 8. ! 10. 8. 9 August. 10. August. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Sncr Geld Brief B«n.'Aires 168,38 I 1,626 168.80 1,709 168,52 1,698 168,84 1,702 RSÄ- 12,38 91,84 12,42 92,06 11,66 91,88 11,70 92,12 Kopenhagen 111,28 111,46 111,26 111,56 Stockholm . 112,28 112,56 112,26 112,54 10,594 SelsingforS. 10,55 10,59 10,554 Italien. . . 14,11 14,13 14,08 14,12 London. . 20,395 20,447 20,397 20.449 Neuyork . . 4.195 4,20- 4,195 4,205 Paris.... 12,31 12,35 11.88 11,92 Schweiz . . 81,10 81,30 81,12 bl. 31 Spanien . . 63,92 64,08 64,27 1,998 64,43 Japan . . . 2.002 2,00! 2,002 Rio de Jon. 0.644 0.646 U.618 - - u.648 Wien in D-- Oest. abgest. 59,35 59,48 59,32 1 59,46 Mlrvtfl 12,418 12,488 12,42 12,46 Belgrad . . 7,40 7,42 7.40 7.42 W Budapest. . 5,87 5,88 5,867 Bulgarien . 3,04 3,05 ■',015 Lissabon 21,40 21,45 21,40 21.45 Danzig. . . 81,33 81.53 81.28 81.48 Korutanttn. 2,357 2,367 2,335 2,345 Sitten. . . 4,74 4,76 4,74 4,76 Lanada. . 4,199 4,209 4,197 4,207 Uruguay . . 4,165 4.175 4.185 I 4.195 Banknoten. (Ohne Gewähr.) Berlin, 9. August. Geld Briet Amerikanische Note» . . 4,176 4,196 11,81 Belaiicke 9?nten . . . 11,75 Dänische Violen . ...... Hl,02 111,58 Englische Noten. . ...... 20,36 20,46 Srnniriitirh? 'Pnfptt .... 12,67 12,73 Holländische Noten . . . 168,03 168,87 Italienische Noten . . . — A A 14,56 14,64 Norwegische Noten. . . 91,57 92,03 Deutsch-Oesterr-, äioo Kronen 59,43 59.73 Rumänische Noten . . . 1.94 1,98 Schwedische Noten . . . 111,92 112,48 Schweizer Noten ... 81,25 63,79 81,65 Spanische 9loten . . . . 64,11 Tschechoslowakische Noten . . 12,385 12,445 Ungarische Noten . . . . 5.83 5.87 0,51 1 0.5022 0,5025 > 0.50 0.4! — 0,46 0,445 0,45 — 0.46 0.455 0,53 — 0.53 0.53 — — 0,277 — 0.455 — 0,46 0,455 0,47 0,46 — — — 0,46 — — — 0.46 — 98,25 . — — — — — — — 13.75 i 14,12] 13.75 — 45.75 45 45,5 — 199 — 199,5* 197* 141' 139* 141’ 138.5* 188,5* 187.5' 189,5* 187.5* 174.T — 174,2* 170' 91 — — 161’ 160' 161,5' 161,5* 134.5 133 — *• 143 — 138 140* 7,2 — 7.25 7.12 —- — — — 155.2* 150,5* 144,7' 151* 98.5 97 98,25 96* 85 — 86 84.5* 161' 169’ 159,7* 158* 183’ 179,5* 182' 179,7* 158* 155 157,r 154' 147.75 138 146’ 138* 154 — 153,75 150* 57 57 58 59 72 — 73,9' 74,62' 128’ 128* 127,9* 128* 153,2* 153* 153.2* >51' 156.4 151 (54,75 150,5 71 — — — 163.5* 158' 162.6* 156* 156,5* 152.5* 155' 150* — — — — 123 123.75 — —— 99,62 98,5 100 —-