'SHr ■ÄS nid)* ,Iönnen fUt- Me I* Ztz Q bis 1. 9uli en gemeldeten icier Bekannt- m Polizeiamt, i’e. und Stauen« iedberg) ist die Nr. 159 Erstes Blatt 176. Jahrgang Samstag, 10. Juli 1526 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag«. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspsennig für Träger- lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: granffurt am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvtk und Verlag- vrühl'sche Univerfitütr-Vuch- unö Stelndruckeret R. Lange in Sieben. Zchristleitung und Seschäftsftelle: Zchnlsttahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer "bi« zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschcin: für den An- zeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen. Kompetenzen. Es hat fast den Anschein, als ob man der Politik doch noch einige sommerliche Urlaubs- Wochen gönnen würde. Der hessische Landtag hat schon seit langem seine Pforten geschlossen, der Reichstag ist in die Ferien gegangen und nun folgte auch der Prerchische Landtag dem guten Beispiel, allerdings nicht, ohne vorher einen der in diesem Hause besonders seltenen „großen Tage" gehabt zu haben. Hm den Sih des schon vor neun Monaten verstorbenen Geheimen Kommerzienrats Arnhold im Verwaltungsrat der Reichsbahn ist zwischen Preußen und dem Reich ein Konflikt entbrannt, der offenbar schon eine lange Vorgeschichte hat, nun aber erst mit der durch die Reichsregierung erfolgte Ernennung des ehemaligen Reichskanzlers Dr. Luther zum Mitglied des Derwaltungsrats die große Oeffent- uchkeit beschäftigt. Man weih, daß das Dawesabkommen dem Reiche nicht allzuviel Rechte an seinem wertvollsten materiellen Besitz, der Reichsbahn, gelassen hat. Hm so wichtiger ist es, daß diese Rechte durch Männer wahrgenommen werden, deren Wirtschafts- und finanzpolitische Fähigkeiten die feste Gewähr für eure gedeihliche Arbeit der Reichsbahn im deutschen Sinne geben. In diesem Ziele sind sich Reich und Länder einig. Hm so bedauerlicher ist es, wenn um die Besetzung eines dieser wichtigsten Posten im Verwaltungsrat der Reichsbahn ein krasser Kompetenzkonflikt entsteht, der die personelle Seite der Angelegenheit fast ganz vergessen läßt. In dieser personellen Seite liegt jedoch offenbar der Keim des ganzen Streites. Roch zu Lebzeiten des Generaldirektors O e s e r unter der Kanzlerschaft Luthers hatte Preußen darauf bestanden, den Ministerialdirektor Schulz an die Stelle des Geheimrats Arnhold in den Verwaltungsrat zu berufen. Die Reichsregierung, vor allem der Reichskanzler, hatten indessen darauf bestanden, einen erfahrenen Mann der Wirtschaft, wie es ja auch der verstorbene Arnhold gewesen war, mit dem Posten zu betrauen. Auch Generaldirektor Oefer hat diesen Standpunkt der Reichsregierung geteilt. Man hat hin und her verhandelt, inzwischen ist Dr. Luther aus seinem Kanzleramte geschieden und Generaldirektor Oefer seinem schweren Leiden erlegen. Mit einer Schnelligkeit, die an sich vielleicht ihre guten Gründe hatte, indessen doch das Destätigungsrecht der Reichsregierung und des Herrn Reichspräsidenten zu einer bloßen Formsache herabdrückte, hat der Verwaltungsrat der Reichsbahn Oesers Stellvertreter Dr. Dorpmüller zum Generaldirektor ernannt. Die Reichsregierung hat mit der Bestätigung gezögert, in dem begreiflichen Verlangen, ihre Rechte dem Derwaltungsrat gegenüber- voll gewahrt zu wissen. Es handelt sich hierbei keineswegs um die Person Dorpmüllers, der auch der Reichsregierung der geeignete Mann für den schweren Posten zu sein scheint, sondern um die Frage, ob das Destättgungsrecht der Reichsregierung eine bloße Formsache ist, oder ob das Reich das Recht hat, vor der Ernennung beS Generaldirektors gehört zu werden. Die Hamburger Sitzung des Verwaltungsrats hat hierüber offenbar Klarheit geschaffen, so daß der Ernennung .Dorpmüllers wohl kaum mehr etwas im Wege stehen wird und damit der Konflikt zwischen Verwaltungsrat und der Reichsregierung beigelegt ist. Zu gleicher Zeit hat die Reichsregierung von sich aus, ohne vorherige Verständigung mit Preußen, den ehemaligen Reichskanzler Dr. Luther an Stelle Amholds zum Mitglied des Verwaltungsrats ernannt. Das preußische Kabinett hat dies einmal als besonders krasse Rücksichtslosigkeit empfunden, und zum anderen der Deichsregierung das Recht hierzu überhaupt ab- gesprochüm, Preußens Vorschlagsrecht dabei nicht gewahrt worden sei. Preußen geht dabei von dem Grundsatz aus, daß nach dem Staatsvertrag den Preußen bei dem Hebergang der preußisch-hessischen Eisenbahn an das Reich seiner Zeit abgeschlossen hat, der preußischen Regierung das Vorschlagsrecht für diesen Sitz im Verwaltungsrat zuerkannt wurde, und daß es dieses Recht auch bei der Ernennung des Geheimrats Arnhold ausgeübt hat. Inzwischen ist nun aber durch das Londoner Abkommen vom August 1924 die Reichsbahn durch die Gründung der „Deutschen Reichsbahngesellschaft" in eine andere Form übergeführt. Cs entsteht nun also die Frage, ob der semerzeitige Staatsvertrag Preußens mit dem Reich durch die Gründungsakts außer Geltung gesetzt ist oder nicht. Der preußische Ministerpräsident D r a u n hat in einem sehr temperamentvoll gehaltenen Schreiben an das Reichskabinett von einer „offenkundigen Drüs- lürung des Landes Preußen" gesprochen und bekannt gegeben, daß er den Konflikt beim Staatsgerichtshof anhängig machen toerbe. Der geschichtlichen Entwicklung nach scheint uns Preußen, wenn vielleicht mich keinen materiell begründeten, so doch zum mindesten einen moralischen Anspruch darauf zu haben, seine loch als größtes deutsches Land recht beträchtlichen Interessen verkehrstechnischer Art in.ber Verwaltung der Deutschen Reichsbahngesellfchaft durch einen Mann seines besonderen Vertrauens vertreten zu sehen. Hat doch gerade P^uhen bei weitem bas größte Gut in die neue Gesell schäft eingebracht. Es scheint uns aber auch, daß man erst im Lause der Verhandlungen wahrend dec letzten neun Monate vielleicht von beiden Seiten die Frage der Kompetenzen zu sehr in den Vordergrund geschoben hat und darüber erst den Konflikt sich in einer so überaus unerfreulichen Weise hat zuspihen lassen. Es wäre Laillaux' Sieg in der Kammer. Die Kammer spricht dem Kabinett Vriand-Caillaux mit 296 gegen 247 Stimmen das Vertrauen aus. Paris, 10. Juli. (WTD.) Die Kammer ist gestern nachmittag in die Diskussion der Interpellationen über das Finanzpr)» gramm ber Regierung eingetreten. Als erster Redner erklärte ber ber radikalen Partei ange- hörenbe ehemalige Budgetminister Bonnet, bah er und seine Freunde sich weigerten, etwas von den Rechten des Parlaments aufzugeben, das allein berechtigt sei, Steuern anzunehmen und abzuändern. Selbst während des Krieges habe man Driand nicht bas Recht gegeben, burch Dekrete zu regieren. Heute, wo bie Lage nicht so ernst sei, bestehe fein Grund, baß das Parlament auf fein Kontrollrecht verzichte. Er lehne es ab, bie Ratifikation bes Washingtoner Schuldenabkommens in Verbindung zu bringen mit der finanziellen Wiederaufrichtung Frankreichs. Frankreich müsse seine Schulden regeln, aber in voller Freiheit. Beoor man an auswärtige Kredite zwecks Stabilisierung denke, hätte man die Frage erörtern fallen, ob eine außerordentliche Steuer nicht eher zum Ziele geführt hätte. Die Stabilisierung ber Wahrung könne man nicht erzielen, solange bie schwere Bedrohung ber schwebenden Schuld auf dem Schatzamt laste. Es fei also eine Zwangsanleihe ober irgendeine andere Lösung für die Bonds zu schaffen. Der Redner verlangt vor allen Dingen, daß der Verrat derer bestraft werde, die ihr Vermögen ins Ausland gebracht hätten und schließt mit den Worten, daß Frankreich auf seiner eigenen Kraft stehen solle, damit es sich retteni könne. Der der demokratisch-republikanischen Vereinigung angehörende Abgeordnete Tigny de Pouet wendet sich gegen die Abgaben vom Kapital und erklärt, daß ber Sachverständigen- plan in vielen Punkten unannehmbar erscheine. Das Washingtoner Schuldenabkommen berge Gefahren in sich. Es müsse darauf geachtet werben, daß bei bet Ausführung bes Sachverständigenplanes die Selbständigkeit der Dank von Frankreich gewahrt bleibe. Die Währung dürfe nicht auf ihrem augenblicklichen Stand stabilisiert werden, beim daburch würden ungerechterweise die geschädigt, die Vertrauen zum Staat gehabt hätten. Eine teilweise Revalorisierung sei also nötig. DerAbg. Bokanowski tritt für eine Stabilisierung des Franken auf dem ungefähren Gegenwert von 125 Franken für ein Pfund Sterling ein. Der Finanzminister habe ein zu düsteres Bild von der Lage entworfen. Warum habe er nicht erklärt, daß das Schatzamt bald ein Guthaben von einer Milliarde bei der Bank habe und demnächst durch die direkten Steuern 71 Milliarden erlange? Der Redner tritt für eine Stabilisierung aus eigener Kraft ein und wendet sich gegen auswärtige Kredite. Der Direktor der Föderal Reserve Bank habe dem ehemaligen Gouverneur der Bank von Frankreich erklärt, als er von Vorschüssen gesprochen habe: Warum wenden Sie sich nicht an die Franzosen, bie mehr als zehn Milliarden Golddevisen im Auslande besitzen? Man müsse das Vertrauen wiederherstellen, bann werbe man sehen, baß bie Regelung, bie man jetzt anstrebe, leicht fei. Wie will bie Regierung Vertrauen erwecken, wenn sie anbeutet, baß bie Ratifizierung bes Washingtoner Abkommens, bie den Kern bes Sachverstänbigenplanes bildet, aufgeschoben werben soll? Die Auslandskrebite sinb nichts anderes als eine verschleierte Inflation. Wenn man uns demütigende Bedingungen stellt, so ist mir bie Inflation lieber. Der Finanzminister hat erklärt, er werbe in den kommenden Wochen gezwungen fein, zu Behelfen zu greifen. Wie kann er da von uns ein Vertrauensvotum verlangen? Balanowski wäre damit einverstanden, baß dem Finanzminisier die Ermächtigung zur Erzielung von Ersparnissen erteilt würde. Aber die Kammer könne nicht auf ihre Daseinsberechtigung. nämlich auf das Steuerbewilligungsrecht, verzichten. (Beifall auf allen Bänken.) Der Redner wäre höchstens damit einverstanden, daß die Regierung von der Kammer die unveränderte, Annahme oder Ablehnung eines Steuergesehentwurfes verlange. Er hatte erwartet, daß die Regierung unter dem Schutze der Inflation greifbare Pläne vorbereitet hätte. Er verlange, endlich Taten zu sehen. Der nächste Redner, Francois Poncet von der Demokratischen Linken, erklärte, ber Sachver- ständigenplan fei berjenige, ber in mehreren Ländern feit dem Kriege angewandt worden fei. Indessen könne man die gegenwärtige Lage Frankreichs nicht mit derjenigen Deutschlands ober Oesterreichs vergleichen, da in diesen Länbern im Augenblick ber Stabilisierung bie Währung vollkommen vernichtet gewesen fei. In toyiigen Monaten werbe Driand gezwungen sein, bie Erfolglosigkeit feines Finanzministers einzugestehen. Am Schlüsse der Rachtsihung der Kammer erklärte Ainanzminisler Laillaux, er werde eine rigorose Sparpolitik betreiben. Eine Stabilisierung des Frankens sei unmöglich ohne Regelung der interalliierten Schulden. Diese Frage müsse sofort nach seiner Rückkehr aus London behandelt werden. Die Aufnahme sofortiger Kredite sei unerläßlich. Er verspreche, am Achtstundentag nicht zu rühren. Schließlich kündigte Caillaux! an, baß er nicht gewiß zweckmäßiger gewesen, rechtzeitig zu dem Ausgangspunkt des Streites zurückzukehren, durch den Versuch in der Personalfrage eine Einigung herbeizuführen. War es schon der Grundsatz des verstorbenen Generaldirektors Oefer, den Verwaltungsrat vorzugsweise mit Männern der Wirtschaft zu besehen, so hätte ein Abwägen der Persönlichkeit beider Kandidaten doch auch das preußische Kabinett unbeschadet seiner polittschen Einstellung bestimmen können, sich mit der Wahl Dr. Luthers einverstanden zu erklären. Gerade der ehemalige Reichskanzler, einer der ganz wenigen posittven Staatsmänner, die wir feit Bismarcks Tagen gehabt haben, „die Mutter der Rentenmark", wie er einmal scherzweise aber sehr treffend genannt wurde, vereinigt alle Vorzüge des preußisch- deuffchen Derwaltungsbeamten mit dem weiten Blick und der außerordentlichen Erfahrung des Wirffchaftters in sich. Wenn ein Mann seines internationalen Ansehens bereit war, feine Kräfte der Reichsbahn zur Verfügung zu stellen, so sollten wir meinen, daß auch das preußische Kabinett chn als besten Vertreter der deuffchen Intereffen schlechthin und damit auch der Interessen des preußischen Staates ohne Schaden hätte akzeptieren können. Statt dessen ist nun aber ein Streit entstanden, der den früheren unter der Devise „Bayern und Reich" zu Tode gehetzten Kon- fkikten verzweifelt ähnlich sieht. Hnd gerade in Preußen, und vor allem in ber preußischen Sozialbemokratie, bie boch im preußischen Kabinett bie Führung hat, hat man boch früher für biefe Art bes blau-weißen Föderalismus niemals Verständnis gezeigt. Ministerpräsident Braun hat im Plenum des Landtags eine sehr schneidige Attacke gegen bas Reichskabinett geritten unb hat damit den lebhaften Beifall nicht nur seiner Partei- unb Koalitionssreunbe, sondern auch den der oppositionellen Rechtsparteien gefunden. Zu einem früheren Zeitpunkt dieses Streites wäre das wohl undenkbar gewesen. Wenn sich nun das ganze Preußenparlament von den Völkischen bis zu den Kommunisten verletzt fühlt, so ist daran wohl vor allem die brüske Form schuld, die nach und nach in den Verhandlungen zwischen Braun und dem Reichskanzler Marx an Stelle bes sonst doch wohl üblichen Derkehrstones getreten ist. Aber bas durste boch nicht ber Anlaß werden zu Reben von so ausgesprochen partiku- laristischer Färbung, wie man sie bei ber Besprechung des Reichsbahnkvnfliktes im Preuhen- lanbtag zu hören bekam. Wir sind die letzten, bie gerade in ber Gegenwart bie Notwendigkeit eines starken preußischen Staatswesens als Voraussetzung für ein starkes Deutschland verkennen. Wir sehen aber auch in der Vereinheitlichung ber Eisenbahnen als des wichtigsten Gliedes unseres Verkehrswesens und bes wertvollsten Gutes unseres Volksvermögens, eine ber wenigen Segnungen, die uns bie Nachkriegszeit beschert hat. Wer einmal im Ausland das wirre Nebeneinander der verschiedensten Gesellschaften mit den unterschiedlichen Tarifen unb Detriebseinrichtungen kennengelernt hat, wirb bie großen Vorzüge einer Zusammenfassung bes gesamten Verkehrswesens unter ber Führung tx>8 Reichs zu schätzen wissen. Gerade ber Verkehr und vor allem bie Eisenbahn, als besten Hauptträger, kann eine partikularistische Einstellung unb eine Beurteilung nach polittschen Gesichtspunkten besonbers schlecht vertragen. Wir finden es deshalb bedauerlich, daß in dem gegenwärtigen Reichsbahnkonflikt derartige Momente zutage getreten find unb wir möchten im Interesse der Sache wünschen, daß beide Parteien, sowohl das Reichskabinett wie das Land Preußen, ungeachtet ber von dem Staatsgerichtshofe oder einer anderen juristischen Instanz zu klärenden Rechtsfrage, sich über die sachliche Seite der Angelegenheit nach bestem Wissen unb Gewissen einigen. Wenn der Konflikt nicht bald auf gütlichem Wege aus der Welt geschafft wird, droht er in eine ganz falsche Richtung zu geraten unb • bann unermeßlichen Schaden anzurichten. Wir haben an dem Scherbenhaufen dieses letzten halben Jahres ohnehin schon genug au leimen, einen Bruch zwischen Preußen unb dem Reich können wir gut und gerne entbehren. Reichrregierung und Reichsbahn. Eine Vertretung des Rcichskabinetts im Vcrwaltungsrat. Berlin, 10. Juli. (TU.) Die Reichsregierung hatte die Bestätigung Dr. Dorpmüllers als Generaldirektor der Reichsbahn davon abhängig gemacht, daß in Zukunft die Mitwirkung des Reichskabinetts bei wichtigen Beschlüssen des Verwattungsrats vor der Entscheidung garantiert wird. Um völlige Sicherung für die Berücksichtigung ihrer Wünsche bei künftigen Fällen zu haben, hat die Reichsregierung dem Verwaltungsrat vorgeschla- gen, daß von jetzt ab bei allen wichtigen Angelegenheiten der Reichsoerkehrsminister oder einer seiner Vertreter mit beratender Stimme zu den gegen den Willen des Parlaments eine Erhöhung der Steuern vornehmen werde. Die Kammer hat dann bie Beratung gegen! 4,30 Hhr früh beendet. Die Tagesordnung ber Abgeordneten Astier, Accambray und Monligy, die angenommen wurde, hat folgenden Wortlaut: „Die Kammer nimmt Kenntnis von den Erklärungen der Regierung, hat das vertrauen zu ihr, daß sie den Kredit und die Finanzen des Staates wiederherstellen und die Wahrung stabilisieren werde und stimmt der Tagesordnung zu." Nach Stellung der Vertrauensfrage wurde diese Tagesordnung mit 269 gegen 247 Stimmen angenommen. Das Ermächtigungsgesetz. Paris, 10. Juli. (WTD. Funkfpruch.) Finanzminister Laillaux hat Henle vormittag nach der Abstimmung in der Kammer einen Geschentwurs über die dem Ministerium zu gewahrenden Vollmachten unterbreitet, den er am kommenden Dienstag vor dem Finanzausschuß vertreten wird. Der Gesetzentwurf soll nur einen einzigen Artikel enthalten, in dem erklärt wird, daß die R.gierung das Recht habe, durch Dekret alle für die Aufrechterhaltung des Budgetglsichgewichts und für die Stabilisierung notwendigen Maßnahmen zu treffen. Die Maßnahmen finanzieller Art würden in einem Anhang zu diesem einzigen Arttkel erläutert werden. Das SchuWenadKommLN mit England. Caillaux fährt nach London. Paris, 10. Juli. (Havas.) Es ist wahrscheinlich, daß Finanzminifter Caillaux sich Anfang nächster Woche nach London begibt zur Unterzeichnung des franco-britischen Schuldenabkommens. Die 93er- Handlungen mit Churchill sollen vor dem Abschluß stehen. Das Abkommen soll 62 Annuitäten zu 12,5 Millionen Pfund Sterling mit einem Moratorium und gewissen Erleichterungen in den ersten Jahren vorsehen. Trotz verschiedener Dementis wird betätigt, daß Großbritannien für die Regelung der ranzösischen Schulden die Sicherheitsklau- e l bewilligt, die bekannllich darin besteht, daß die ranzösischen Zahlungen nur nach Maßgabe der deutschen Dawes-Zahlungen erfolgen. Angesichts der Unpopularität des Washingtoner Abkommens sollen Briand und Caillaux beschlossen haben, erst nach den Verhandlungen mit England neue Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten aufzunehmen, um gegenüber der amerikanischen Regierung ein Druckmittel in Händen zu haben. Sitzungen des Derwaltungsrats hinzugezogen wird. Entsprechend soll der Generaldirektor der Reichsbahn künftig an allen Kabinetts» H (jungen teilnehmen, bei denen über Fragen der Reichsbahn Beschlüsse zu fassen sind. Die Sitzung des Verwaltungsrats der Reichsbahn in Hamburg hat zu einer grundsätzlichen Zuftim - mung des Verwaltungsrats zu den Wünschen der Reichsregierung geführt. Es ist jedoch noch die Frage zu klären, wie weit die Teilnahme eines Regierungsvertreters an den Sitzungen des Derwaltungsrats mit dem Reichsbahngesetz in Einklang zu bringen ist. Eine Einwendung seitens der ausländischen Mitglieder des Verwaltungsrats gegen diese Neuregelung wird nicht erwartet. Der Reichsbahnkonflikt. Cin Brief des Reichskanzlers au den Ministerpräsidenten Brann. Berlin, 9. Juli. (Wolff.) In Beantwortung bes Briefes beS preußischen QHinifterpräfi- benten an ber Reichskanzler vom 7. bs. Mts. in ber Frage ber Besetzung einer Stelle im Verwaltungsrat ber Reichsbahn hat Reichskanzler Dr. Marx folgendes Schreiben an den preußischen Ministerpräsidenten Braun gerichtet: Berkin, 8. Juki. Sehr geehrter Herr Ministerpräsident! Ihre gestern im Preußischen Abgeordnetenhaus zur Besetzung einer Stelle int Verwaltungsrat der Reichsbahn gemachten Ausführungen geben mir Veranlassung, mich zu der ftrittigen Frage nochmals eingehend zu äußern. Dieses Bedürfnis empfinde ich um so ftärfer, als den Vertretern der Reichsregierung bie Möglichkeit fehlt, um Preußischen Landtag auf bie Ausführungen preußischer Regierunasvertreter zu erwidern ober irrtümliche Darlegungen richtigzustellen. Dabei versage ich es mir aus gewichtigen Gründen, auf bie Form Ihres Schreibens wie auf die Tatsache einzugehen, daß Sie das Schreiben in der Oeffentlichkeit zur Verlesung brachten, bevor es mir zugegangen war. Wenn ich zunächst auf bie Rechtslage eingehe, zu beten Klärung Die preußische Staatsregierung nunmehr ben Staatsgerichtshof ange- rufen hat, so tue ich das nicht beshalb, weil etwa bie Reichsregierung unter Außerachtlassung aller anderen Gesichtspunkte lediglich ihr formales Recht wahrnehmen wollte. Die Rechtsfrage oder, anders ausgedrückl, das angebliche preußische venennungsrechl ist viel- mehr im Laufe der langwierigen Verhandlungen über die Besetzung der Stelle gerade seilens der preußischen Regierung in den Vordergrund gerückt worden. Sie preußische Regierung beruft sich bei der Der- fc^tung ihrer Ansicht, wonach ihr das Recht zur '2V erm.ung bei der Besetzung dieser Stille zustche. au^ tic Erklärungen zur Auslegung des Staats- Vertrages über den Liebergang der Staatseisenbahnen auf das Reich, die am 25. Qltätg 1924 zwischen dem Reichsverkehrsminister und dem preußischen Handelsminister ausgetauscht worden sind. Die Ziffer 4 dieser Erklärung lautet wie folgt- „Zn den zukünftigen Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn, auch dem etwa vorläufig zu bildenden, erhält die preußische Regierung eine Vertretung aus eigenem Recht. Es f-H angestrebt werden, daß unter den Mitgliedern des DerwaltungsrateS, die etwa aus der freien Wirtschaft genommen werden, Preußen vertreten ist." Diese Zusage bezieht sich auf den Verwaltungsrat, der nach der Verordnung über die Schaffung eines Unternehmens „Deutsche Reichsbahn" voin 12. Februar 1924 und nach dem auf Grund des § 10 dieser Verordnung zu erlassenden Eisenbahnfinanzgesetz in Aussicht genommen war. Die Auffassung der preußischen Staats- regierung, daß diese Zusage auch für die erst ’m August 1924 gegründete DeutscheReichs- bahn-Gesellschaft Geltung habe, hat sich Die Reichsregierung, wie im Laufe der zwischen dem Reich und Preußen hierüber geführten Verhandlungen mündlich und schriftlich mehrfach mit* geteilt worden ist, nicht anschliehen können. Die Mitglieder der Reichsregierung sind vielmehr einstimmig der Meinung, daß die ausdrückliche oder stillschweigende Aeber- tragung dieser Zusage auf die jetzige Aerchs- bahn-Tesellschaft nicht erfolgt ist und wegen des völlig anders gearteten Aufbaus dieser Gesellschaft auch nicht erfolgen konnte. Die es gegenüber Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden damals geschehen war, eine unbeschränkte Zusage hinsichtlich der Ernennung von Verwaltungsrotsmrtgliedern geben, da die Gestaltung des Verwaltungsrats dem freien Ermessen der Reichsregierung überlassen war. Sie unterlag also beim Unternehmen „Deutsche Reichsbahn" auch keinerlei Beschränkungen in der Zahl der Mitglieder des Verwaltungsrats. Bei der jetzigen Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft unterliegt die Gestattung des Verwaltungsrats nicht öem freien Ermessen der Reichsregierung. sondern vielmehr den Bestimmungen des Rerchsbahngesetzes vom 30. August 1924. Rach diesem Gesetz besteht der Verwaltungsrat aus achtzehn Mitgliedern, von denen nur neun von der Reichsregierung, die anderen neun von dem Treu- händer als Vertreter der Gläubiger der Reparationsschuldverschreibungen ernannt werden. Von den neun von der Reichsregierung zu besehenden Stellen können noch dazu beim Liebergang von Vorzugsaktien in fremde Hände vier Stellen dem Ernennungsrecht der Reichsregierung verloren gehen. Denn nun die ursprünglich den fünf genannten Ländern gemachte Zusage auch für die Zusammensetzung des verwoltungsrats dec jetzigen Reichsbahngesellschaft Geltung haben sollte, so würde die Lage entstehen können, daß die Reichsregierung auch nicht eine einzige Stelle des verwoltungsrats nach eigenem Ermessen besehen könnte. Run wird von der preußischen Staatsregierung ausgeführt, daß die Reichsregierung diese ihre Rechtsauffassung Wohl gegenüber Preußen, nicht aber auch gegenüber Bayern und Sachsen geltend gemacht hätte. Auch diese Anschauung entbehrt der Begründung. Weder der Reichs- bohndirektionspräsident a. D. Hertel noch Ministerpräsident a. D. und Kreishauptmann Buck sind auf Grund der in den Erklärungen vom Frühjahr 1924 den Ländern gegebenen Zusage einer Vertretung im künftigen 'Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn aus eigene mR e ch t in den Verwaltungsrat der neuen Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft entsendet worden, sondern sie sind, und zwar beide in ihrer Eigenschaft als Beamte, von der Reichs- regierung zu Mitgliedern des Verwaltungsrats bestellt worden auf Grund zustande gekommener Verständigung zwischen der Reichsregierung und den Ländern über die Persönlichkeiten. Wie jedoch bereits dargelegt, war bel der Entschließung der Reichsregierung die formale Rechtslage nicht die entscheidende. Riemals war es insbesondere die Absicht der Reichsregierung, das ihr nach ihrer Auffassung unzweifelhaft zustehende Recht der Ernennung in schroffer Weise wabrrunehmen. Es war vielmehr von jeher ihr lebhafter Wunsch, sich über eine geeignete Persönlichkeit als Rachfolger des verstorbenen Geheimrats Arnhold mit der preußischen Regierung zu verständigen, so wie es seinerzeit bei der Ernennung Ärn- holds der Fall gewesen war. Die preußische Staatsregierung hat jedoch sowohl meinem Amtsvorgänaer wie auch mir gegenüber in mündlichen und schriftlichen Erörterungen immer erneut -u erkennen gegeben, daß sie aus der Ernennung gerade der von ihr einzig benannten Persönlichkeit unter allen LI rn st ä n d e n bestehe. Die gleiche Haltung nahmen Sie, Herr Ministerpräsident, auch in den letzten beiden mit- mir geführten Unterredungen ein. Es wurde namentlich die Anregung der Reichsregierung abgelehnt, statt eines aktiven Deai-ten eine führende Persönlichkeit aus dem Wirtschaftsleben Preußens zu örnennön. Bei. dieser Anregung war die Reichsregierung aus guten Gründen davon aus- geaa.:gen, daß es bei der Besetzung der freien Steife weniger auf fachmännische und eisenbahn- ti.ti-ische Kenntnisse, als vielmehr auf sozialen und wirtschaftlichen Weitblick ankäme. Erst als die Reichsregierung nach meinen mit ihnen gepflogenen eingehenden münd- lio'cn Erörterungen die Lieberzeugung gewonnen hatte, daß die preußische Staatsregierung nicht ".'Willi sei, ihrerseits eine Persönlichkeit von wirt- schastüchem und sozialem Ruf vorzuschlagen, biet* wehr entschlossen sei, ihren Vorschlag lcdigli7h aus eigenem Recht und nach eisenbnhn- technischer Eignung zu machen, hat die Reichsregierung ihr sormales cnennunaZrecht unter Berücksichtigung dieser fei* ler.b .n Gesichtspunkte geglaubt ausüben zu müs e >. Den mehrfach geäußerten Wunsche der Reichsregierung, Preußen möchte anstatt eines aktiven Beamten einen Wirtschaftsführer zur Ernennung vorzuschlagen, ist die preußische Staatsregierung mit dem Hinweis entgegengetreten, daß auch die Reichsregierung seinerzeit einen aktiven Reichsbeamten zur Wahrnehmung der Reichsinteressen in den Verwaltungsrat abgeordnet habe. Dieser Vergleich kann nicht gezogen werden, denn bei dieser Ernennung war ausschlaggebend, daß nach den geltenden Verträgen die Reichsbahn an der Zahlung der Reparationsschulden hervorragend beteiligt ist und der betreffende Reichsbeamte an der Bearbeitung der gesamten Reparationssragen seit Jahren im Reichsfinanzministerium leitend mitwirkt. Meine Darlegungen möchte ich dahin zu- sammenfasscn, daß die Reichsregierung bei ihrem Vorgehen die Rechtsansprüche Preußens nicht verletzt hat und daß sie weiter ihr formelles Ernennungsrecht erst ausgeübt hat, nachdem Preußen es endgültig abgelehnt hatte, eine Persönlichkeit vorzuschlagen, deren Stellung im öffentlichen Leben und in der Wirtschaft die erforderliche Gewähr für die Vertretung der nachweisbaren staatspolitischen und volkswirtschaftlichen Belange bot. Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung. gez .Dr. Marx. Die deutsche Sozialpolitik. Köln, 9. Juli. (WB.) 3m Ausschuß der rheinischen Zentrumspartei machte Reichsarbeitsminister Dr. Brauns heute Ausführungen über den Stand der deutschen Sozialpolitik. Der Minister betonte u. a. nachdrücklich daß eine neue Ausrottung des Aufwertungsproblems eine absolute Llnmöglichkeit darstelle. Woltten wir diese Grundfrage wieder von neuem aufrollen, dann würde das wahrscheinlich mit einem neuen Ruin unserer Währung und einem völligen Zusammenbruch unserer Wirtschaft enden. Man werde selbstverständlich versuchen, den verarmten! Kreisen a uf andere Weise möglichst zu helfen. Die Fürsorgepvlitik des Reiches habe aus diesem Gebiete große neue Wege beschritten. Binnen einem Jahre sei die im Fahre 1923 sozusagen zusammengebrochene Sozialversicherung besser wieder ausgebaut worden als sie vorher war. Der Sozialversicherung solle eine neue Verfassung gegeben werden. Er glaube, daß wir dazu kommen werden, daß die ganze Sozialversicherung der Selbstverwaltung der beteiligten Kreise überantwortet werden kann. 3m Arbeitsministerium werde die letzte Hand angelegt zu einem großen Einheilsacbeiterschuhgeseh, das alle in der Gewerbeordnung zerstreuten Arbeiterschugbestimmungen zu einem einheitlichen System zusammenfaßt. Die gegenwärtig brennendste Frage sei die Be kämpfung der Arbeitslosigkeit, die unbedingt vor attem durch Arbeitsbeschaffung bekämpft werden müsse. Wenn wir nach dem vom Reichstag angenommenen Regierungsprogramm schon 500 000 Menschen an die Arbeit beginne, vielleicht auch noch einige Hunderttausend mehr, so daß wir die Arbeits- losenzisfer auf annähernd die Hälfte im Laufe des Sommers vermindern, dann haben wir für unsere Verhältnisse und für die gesamt Weltwirt- chaftlichen Verhältnisse ungeheuer viel geleistet. Zum gleichen Thema sprach auf der Dundes- ausschußsitzung des Allgemeinen deutschen Ge- werkschastsbundes Geh. Rat Dr. Weigert als Vertreter des Reichsarbeitsministers. Er bekundete den festen Witten des Ministers und der Reichsregierung, die A r bei t s l osen ver- fieberung in diesem Winter zur gesetzlichen Regelung zu bringen. Die Arbeitslosenversicherung sei auch in einer Zeit größerer Arbeitslosigkeit lebensfähig, solange die Fluktuation unter den Arbeitslosen fortbestehe. Der Redner wandte sich dann der Erwecbslosenfürsocge zu und erklärte, daß die Reichsregierung bei den Bemühungen um ein Lohnklassen- b ft em in der Erwerbslosenversicherung niemals auf den Abbau der Erwerbslosenunterstühung ausgegangen sei. Sie habe nur die Unter» tühung der natürlichen Gliederung der Arbeiter- chaft und ihrem verschiedenen Lebensstandard anpassen wollen. Ratürlich von einzelnen Fällen abgesehen, die sehr zu bedauern seien, weil sie einen Anlaß zu unberechtigten Derattgemeine- tungen gebe, beeinträchtige die Grwerbslosen- unterstühung den Arbeitswillen nicht. Das beweise der starke Rückgang der Erwerbslosen in agrarischen Bezirken und die schon mehrfach besprochene Fluktuation unter den Erwerbslosen. So waren am 15. 3uni von mehr als einer Million Arbeitslosen, die am 1. Mai unterstützt wurden, nur noch ein Viertel in Unter* tützung. Die anderen hatten, wenigstens vorder geh end, Qlrbeit gefunden. Der Verdienst an dieser Entwicklung sei zu einem wesentlichen Teil den öffentlichen Arbeitsnachweisen zuzuschreiben, die allein im Mai trotz der wirt* chaftlichen Depression über 400 000 Vermittlungen tätigten. Die Stärkung der Arbeitsnachweise, ihre richtige räumliche Llnterbringung und ihre Ausstattung mit geeignetem Material sei eine der wichtigsten Voraussetzungen gerade für das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung. Iiasteur Wirtschaftslage. Mussolini über den Tiefstand der Lira. Rom, 9.3uli. (Wolff.) 3n einer Rede bei der Eröffnung des 3nternationalen 3nstitutes ür Ausfuhr beschäftigte sich Mussolini.mit der Sage der italienischen Währung und erklärte: „Die Entwertung der Lira kann nicht ihre Llrsache in der Schuldenfrage haben, denn diese haben wir geregelt, auch nicht im Danknotenumlauf, da wir ihn ja eingeschränkt haben und ebenso nicht im Staatshaushalt, denn dieser ist nicht nur im Gleichgewicht, sondern er wirft sogar einen recht beträchtlichen Lleberschuß ab. Man muh also weiter nach den Llrsachen forschen. Prüfen wir zunächst die Zahlungsbilanz, deren wichtigster Faktor die Handelsbilanz ist. Aus dieser Prüfung ergibt sich, daß nur sechs bis sieben Artikel wirklich auf die italienische Handelsbilanz drücken: aus ihr gewinnt man aber außerdem den Eindruck nicht einer erschöpften Ration, sondern eines Volles, daö voller Kraft und Aufschwung ist. Dieser Eindruck verstärtt sich wenn man berücksichtigt, daß unsere industrielle Entwicklung und unser gesteigertes Wirtschaftsleben überhaupt erst nach dem Kriege eingesetzt hat, oder, genauer gesprochen, vier Fahre nach dem Waffenstillstand, nämlich 1922. Heute herrscht in 3talien die größte Disziplin. Der Arbeiter leistet das Höchstmaß an Arbeit; das Ansehen der Ration in der Welt nimmt zu. Das sind alles Elemente, die unsere Erzeugung günstig beeinflußt haben. 3ndessen müssen wir alle negativen Clemente kontrollieren, ändern und, wenn möglich, beseitigen. Das Ausfuhrproblem muß von der italienischen Ration in seiner Gesamtheit gelöst werden. Das italienische Volk fühlt die Größe, Bedeutung und Rotwendigkeit dieses wichtigen Werkes, das unsere Volkswirtschaft verbessern und der Welt die Macht, den Willen und die Leistungsfähigkeit des neuen Italiens zeigen wird. — Die Blätter bringen nach der Rede Mussolinis Artikel über den Ernst der wirtschaftlichen Lage und fordern, aüf englische Stoffe, französische Parfümerien, deutsches Spielzeug sowie auf alle Luxusartikel zu verzichten. Die faszistische Parteileitung hat beschlossen, am 25. Juli und 1. August in den Provinzen des Landes große Versammlungen abzuhalten, um die Oeffentlichkeit über das wirtschaftspolitische Problem aufzuklären. Aus aller Welt. Wottrenbruchkatastrophe im Kreis Rotenburg. WSR. Gersfeld, 9. 3uli. Der Kreis Rotenburg und das angrenzende Gebiet ist von einer schweren Wolkenbruchkatastrophe heimgesucht worden. Am ärgsten hat das Llnwetter in Bebra gehaust. Dort waren im Ru der Salz* und der Bebrabach überflutet. Das Wasser stieg 3um Entsetzen der Bevölkerung in den tiefer gelegenen Ortsteilen bis zum 1. Stock, toaste sich wie ein reißender Sturzbach fort und richtete großen Schaden an. Das Vieh konnte nur unter größter Anstrengung durch die Feuerwehr gerettet werden. 3n der .Umgebung sind die Getreidefelder zum größten Teil verwüstet. Auf den Straßen bei Hergertshausen und Baumbach haben umfangreiche Erdrutsche stattgefunden, so daß die Straßen versperrt wurden. Bei Gilfershausen wurde der Bahndamm der Debra- Göttinger Bahn teilweise unterspült. Es wurde sofort ein Hilfszug von Debra herbei- gerufen. Ueberall wurden die Erwerbslosen zu den Aufräumungsarbeiten herangezogen. Der Schaden ist außerordentlich groß. Neue Unwetter über Sachsen und Thüringen. K o b u r g , 10. Juli. (WTB. Funkspruch.) Ein schwerer Wolkenbruch ging gestern abend gegen 10 Uhr auf den Höhen östlich der Stadt Coburg nieder. Die Fluten strömten meterhoch in die Straßen der östlichen Stadt und setzten die Erdgeschosse unter Wasser. Die Bewohner wurden teilweise i n ihren Betten überrascht. Der Zugverkehr auf der Steinach-Bahn mußte unterbrochen werden. Von einem schweren Unwetter ist die gesamte Wurzener Gegend bis vor die Tore Leipzigs in der Nacht vom Donerstag zum Freitag betroffen morden. Ein furchtbarer Wolkenbruch ging nieder und setzte das Dorf Mackern vollständig unter Wasser. Gegen Morgen ist der Eisenbahndamm auf einer Strecke von 150 Meter in Bewegung geraten. Die Eisen bahn strecke L e i p z i g—W u r z e n stebk bis zu einem Meter unter Wasser. Die Felder und Fluren find total verwüstet. Der Deichdamm der Luebschützer Deiche wurde nachts gegen 2 Uhr von den Wassermassen durchbrochen. Die Bewohner konnten nur das nadte Leben retten. Sehr viel Kleinvieh ist umgekommen, lieber den östlichen Teil des Kreises Peine ging ein schweres Unwetter mit wolkenbruchartigem Regen und Hagelschlägen nieder. In Peine selbst waren bald alle Straßen überschwemmt. Ein Landwirt, der noch schnell eine Fuhre Heu unter Dach bringen wollte, wurde a u f dem Wagen ft eßend vom Blitz erschlage n und war sofort tot. Der beim Ausladen helfende Knecht wurde gelähmt. Die beider; Pferde wurden getötet. In der Nacht zum Freitag hat die neue Ho ch- roaff ermelle der Glbe an der anhaitisch, oreußischen Landesgrenze mit elementarer Gewalt den Elbedam oberhalb der Stadt Coswig, am sog. Lug, gerissen. Der Damm ist in einer Länge von etwa 30 Meter gerissen. Die Fluten ergossen sich in das weite Gelände und vernichteten den Ertrag all der Wiesen, Aecker und Getreidefelder, die bisher von der Katastrophe verschont geblieben waren. Der Schaden ist unermeßlich groß. Flugzeugunglück. Ein holländisches Flugzeug der Linie Rotterdam-Paris ist infolge des ungünstigen Wetters bei Rohverthen, südöstlich von Brüssel, zu einer Rotlandung gezwungen und dabei stark beschädigt worden. Der Flugzeugführer und der an Bord befindliche Passagier, ein Holländer wurden getötet. Das Verkehrsflugzeug ver- ließ um 9.25 Llhr den Rotterdamer Flughafen mit der Bestimmung Paris. Bei Rohverthen, 13 Kilometer westlich von Brüssel, scheint das Flugzeug in starke Rebelmassen geraten zu fein, wobei der Führer die Orientierung verlor und gegen den Boden flog. Der einzige Fluggast, der ebenso wie der Führer den Tod erlitt, war ein bekannter Amsterdamer Kaufmann deutscher Herkunft namens Heppner der sich auf einer Geschäftsreise nach Basel befand und bereits mehr als hundert Luftreifen unternommen hatte. Das abgestürzte Flugzeug ist der bekannte Apparat, mit dem seinerzeit der Slug von Holland nach Riederländifch-3ndien ausgesuhrt wurde. Schreckenstat eines Geistesgestörten. 3n St. Vith in der Rähe von MalmedH erschlug ein Geistesgestörter seine fünf Kinder und erhängte sich selbst. Der Täter war seit dem Tode seiner Frau schwermütig und nicht im- innde, seine Familie ernähren zu können. Raubüberfall. Banditen überfielen in der vergangenen Rächt ein Bauernbesitztum bei Postary in Polen ermordeten den Besitzer und seine beiden Söhne und verletzten die Frau schwer. Rach der Beraubung des Gebäudes zündeten die Banditen das Haus an. Es gelang jedoch der Frau, sich zu retten und die Polizei zu alarmieren. Eine schwimmende türkische Ausstellung. Der türkische Handelsminister hat den Dampfer „Kara D e n i tz" als Messeschiff ausgerüstet und jur Erweiterung und Förderung der Handelsbeziehungen nach West- und Nordeuropa gesandt. Die chmimmende türkische Ausstellung wird am 14. Juli dieses Jahres Hamburg anlaufen und dort fünf Tage verbleiben. Zugzusammenstoß in Holland. Bei Gülpen (Holland) fließen vier beladene Guterwagen, die sich aus dem Bahnhofe Wcchl- I wyre beim Rangieren losgerissen hatten, mit der auf der abschüssigen Chaussee nach Gülpen führenden Straßenbahn zusammen. Drei Güterwagen wurden vollkommen vernichtet, und auch der Straßenbahnzug wurde größtenteils zertrümmert. Ein Schaffner rourde getötet; 12 Insassen der (Straßenbahn wurden verletzt, davon sechs schwe»'. Wettervoraussage. Wolkig, westliche W'.nde, erneut einsetzende Regenfälle, Temperaturen im ganzen wenig Aen- derung. Gestrige Tagesteinperaturen: Maximum 22,8, Minimum: 15,3 Grad Celsius. R.ederschläge: 16,6 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 17’9 Grad Celsius. Aus der Krovinzralhaupiftadt. Gießen, den 10. 3ult 1926. Der Unentbehrliche. Wer das ist, weiß natürlich jeder sofort, es kann ja in diesem Sommer kein anderer sein, als der Regenschirm. Zwar ist es durchaus unmodern, sich heutigentags noch über jjaenö etwas ?u wundern, aber ich bin in diesem Punkte altmodisch, denn ich wundere mich — ach, ich kann gar nicht sagen, wie oft I So habe ich mich, um nur einiges herauszugreifen, den ganzen W nter über die Florstrümpfe der Damen gewundert, wundere mich dauernd, daß es seit der Erfindung des Mensendieckens und dem epochemachenden Film „Wege zu Kraft und Schönheit" noch dicke, kraftlose und nicht schone Menschen gibt (vielmehr, wie mir scheint, die korpulenten Erscheinungen auf der Straße in steigendem Maße zunehmen), ich wundere mich bei jedem Blick in die Zeitungen, wie viele Vereine noch den Mut auf bringen, Sommerfeste zu arrangieren, von denen mindestens neun von zehn doch zu Wasser werden. Lind endlich, um auf mein Thema zu kommen, kann ich mich nicht genug wundern, daß weder Mode noch Industrie sich in diesem 3ahr mit elementarer Gewalt auf den Regenschirm gestürzt haben, um ihn als Unentbehrlichstes Requisit mit allen erdenklichen Reuerungen und Reizen auszu statt en. Daß es fast in jedem Modebericht heißt: „Llnentbehrlich für jede Ausstattung der eleganten Dame ist heutzutage der Plis.seerock, welcher. . ." ist ja begreiflich; bei dem ewig nassen Wetter verregnen und schwinden atte Plisseefalten bekanicklich in kürzester Zeit wie Dickt er an der Sonne, und die Plisseebrennereien wollen auch leben, was ihnen in einem heißen, trockenen Sommer erheblich erschwert sein würde. Aber zu meiner Verwunderung suche ich vergebens nach dem längst erwarteten Satze: „Llnentbehrlich für die Ausstattung der eleganten Dame, wie der berufstätigen Frau, des eleganten Herrn, des modernen Kindes, ist der Regenschirm, welcher..." 3a, welcher! Es gibt tatsächlich noch immer nur richtige, einfache Regenschirme, wie es sie, abwechselnd schlank, vollschlank und dick, schon seit Jahrzehnten gegeben hat. Wenn ich eine Schirmfabrik hätte! 3ch wäre eine gemachte Frau in diesem Sommer geworden. 3ch hätte Reuheiten aus den Mcnckt geworfen, daß die Bestellungen aller einschlägigen Firmen von der Post in Hand- toagen in mein Kontor befördert werden müßten. 3ch hätte bast- und kunstseidene Regenschirme, forderte, handgemalte, zartgetönte, indanthren- gefärbte, blonde und rosenholzfarbene hergestelli, Regenschirme, die zu duftigen Tanz- und Fest- tteidern paßten, blaudruckgemusterte für Wandervögel, kreuzstichbestickte für die bulgarischen Blusen, winzige Schirmchen für Zweijährige, mit dem kleinen Einmaleins bedruckte für Schulkinder, ovale (Marke Viettiebchen) für Liebespaare, unentbehrlich für jeden flotten jungen Herrn, sogenannte _ Doppeldecker für Ehepaare, Riesenschirme für große glückliche Famttien, kurz, ich hätte mich den trüben Zeitläuften angepaßt, mich umgestellt, eingestellt, aus der Rot eine Tugend gemacht und den Markt mit meinen sinnvollen Erzeugnissen überflutet, womit ich mich dem Wetter in jeder Beziehung angepaßt hätte. Zu ärgerlich, daß ich keine Schirmfabrik habe. E.v.M. I Die Arbeitsmarkttage im nördlichen Oberhessen. 3m Bereiche des Arbeitsmarktes für das nördliche Oberhessen, zu dem die Stadt und der Kreis Gießen und die Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten gehören, hat sich die Arbeit s m a r k t l a g e im Laufe des Monats 3uni weiterhin leicht gebessert. Die günstigere Gestaltung ist in der Hauptsache auf die Inanspruchnahme von Arbeitskräften durch die Landwirtschaft zurückzuführen. Ferner wurden eine Anzahl Leute bei städtischen Arbeiten untergebracht, ebenso fanden Leute aus dem hiesigen Bezirk Beschäftigung bei den Lahn- regulierungsarbeiten bei Fronhausen. 3m einzelnen ist auf Grund der Feststellungen vom 1. 3uli zu berichten: Stadt Gießen: 1. 3uli: 493 Hauptunter- stühungsempsänger, 695 Zuschlagsempfänger (am 1. 3uni 432 bzw. 532). Kreis Gießen: 1. 3uli: 1222 Haupt- unterstühungsempfänger, 1366 Zuschlagsempfänger (am 1. Juni: 1372 bzw. 1497). Kreis Alsfeld: 1. 3uli: 438 Haupt- unterstühungseinpsänger, 771 Zuschlagsempfänger (am 1. 3uni: 411 bzw. 640). Kreis Lauterbach: 1. Juli: 95 Haupt- unterstühungsempfänger, 164 Zuschlagsempfänger (am 1. 3uni: 91 bzw. 172). Kreis Schotten: 1. 3uli: 240 Haupt- unterstühungsempsänger, 497 Zuschlagsempfänger (am 1. 3uni: 314 bzw. 753). Insgesamt: 1. Juli: 2488 Hauptunter- stützungsempsänger, 3493 Zuschlagsempfänger (am 1. 3uni: 2620 bzw. 3594). Giehener Hochschulgesellschaft. Die Festsitzung der Gießener Hoch- schulgesellschaft wird zur diesjährigen Tagung am morgigen Sonntag, 11. 3uli, vorm. 10.45 Ähr, zwei Lichtbildervorträge aus dem Gebiete der Archäologie und der Kunstgeschichte bringen. „Römische Glas- und Tonindustrie in Trier" lautet das Thema, über das Prof. Siegfried Loeschcke, Der Entdecker und Ausgrabungsleiter des großen Tempelbezirks in Trier, mit farbigen Lichtbildern sprechen wird. Daß auch Glas in Trier hergestellt wurde, ist erst feit kurzem durch Ausgrabungen und Forschungen von S. Loeschcke bekannt geworden. Von Triers blühender keramischer 3nduftrie wußte man schon feit 3ahrzehnten, ihre systematische Erforschung " hotten m-. * ;?>nh ''Jin Nt. ’ »! r 8,*n^ ■^^'te22'8 *en 10- Ouli 1926, Mlche. Fps Z7^L M**SS KÜn*«).i? '|'Ä $te VS? ^hr mit .Regenschirm getont ^lchsks jAZ und Arizen Zedern Nodebeücht Ausstattung der M PUeenck, l'ch: bei -em etvia Mo schwinden alle .Mer Ze» to;e le yWIeebrennereim en In einem heißen, erschwert sein würde, ng suche ich vergeben- Me: »Unentbehrlich Men Dame, wie der leganten Herrn, deS genschirm, welcher..? ^sächlich noch immer nschirme, wie es sie, iank und dick, schon hat. Dem ich eine :e eine gemachte Frau l Ich hätte Äeuheiten baß die Bestellungen )n bet Post in Hand- Ser/ teerten müßten, iterre Regenschirme, etönte, intxmtW zfarbene hergesteb n Tanz- und Fest' usterte für Dante? : die bulgarischen jüt Zweijährige, mit uclte für Schullinder, für Liebespaare, im* n jungen Herrn, so- : Ehepaare, Äiesm- r Familien, kurz, ich äusten angepaßt, mich Xr M eine Tugend lit meinen sinnvollen womit ich mich dem angepaht hatte. Zu * & arkllage Vberhessen. xitsmarktes für daS dem die Stadt und Preise Meld L^ n hat I-ch die Ar- Lause des Monats tzt gebessert. Die ? der Hauptsache a^ Arbeitslrästen durch *S» *» gas« ä&s jKKp inlafl. 1L dem & “Mi-s xL-zS SW tst allerdings noch sehr im Rückstand. Loeschcke hat auch in den Töpferwerkstätten Triers gegraben und überraschend schöne und sichere Resultate gewonnen. In seinem Dortrag wird er nicht ausschließlich über Trierer Erzeugnisse s -rechen sondern zugleich auch an Hand in Trier be ind- licher Gefäße im allgemeinen auf die Zusammenhänge zwischen Bronze-, Glas- und Tongesäßen eingehen. Insbesondere wird er die eigenartigste Gruppe der Trierer Tonindustrie behandeln. Da Loeschcke selber seit Jahren an der wissenschaftlichen Ergründung der römischen Glas- und Ton- Industrie aktiv mitarbeitet, werden seine Ausführungen dem Fachmann, wie dem Laien mancherlei Reues bieten. Im zweiten Dortrage der Tagung wird der kunsthistorische Fachvertreter unserer Universität. Prof. Dr. Christian Rauch, einen Einblick geben in die reichen Aufgaben, die das hessische und mittelrheinische Gebiet der Kunstgeschichte stellt, und wird von den Arbeiten berichten, die daS kunstwissenschaftliche Institut diesem seinem eigensten Arbeitsgebiete, in dessen Mittelpunkte es steht, gewidmet hat und widmet. Das Land Hessen und bei Rhein ist das Herzstück des ältesten und reichsten westdeutschen Kultur- und Kunstgebietes. Hier stoßen die Dölker und Stämme zusammen und sehen sich auch in der Kunst auseinander, hier dringen zu Zeiten fremde Einflüsse zuerst herein, um auch zuerst wieder in eigenes bodenständiges Gut verwandelt zu werden. Ein Bild von gewaltiger Fülle wogenden künstlerischen Geschehens und seiner Meisterung durch den künstlerischen Genius tut sich vor dem Suchenden und dem Genießenden in diesen gesegneten Landen auf. Der Blick reicht von der gewaltigen Schöpfung der Kaiserpfalz Karls des Drohen zu Ingelheim bis zu dem lebendigen Schaffen der Moderne. Untergrund und Erweiterung deS im Rahmen des Dortrages nur anzu- deutenden unendlichen Themas soll die A u's - stellu ng des Kunstwissenschaftlichen I n st i t u t e s in der Universität geben. Mese Ausstellung freilich kann auch nur weiter eine Anregung und Anreizung bieten. Das Kunst- wissenschaftliche Institut in lächerlich kleinen und unwürdigen Räumen eingepfercht, kann seine Schätze und seine Arbeit nicht, wie es will und sollte, ständig der Bildung und dem Genüsse weiterer Kreise darbieten. Solange nicht, bis endlich diese notwendigen Räume dafür erzwungen sind. Der Zutritt zu den Dorträgen und der Ausstellung ist für jedermann frei. Oberhessischer Kunstverein. Der Oberhessische Kun st verein eröffnet morgen Sonntag, 11. Juli, eine neue Ausstellung, in welcher Oelgemälde des am 15. Februar l. Is. verstorbenen Kasseler Malers Friedrich Sennel und Aquarelle des Dresdener Künstlers Josef Hegenbarth zur Schau gebracht werden. Zur Einführung in diese Ausstellung sei furj das Folgende bemerkt: FriedrichSennelist Vertreter der deutschen Heimatkunst und gehört dem Kreise an, zu dem Danher, Thielmann, ülbbelohde zählen. Er ist am 12. August 1872 in Wehlheiden geboren und begann seine Laufbahn als Glasmaler, später bezog er die Akademie in Kassel und wurde Schüler von Kolih und Dürmeburg. Dort hat er auch bis zu seinem Tode gewirkt. Einem ihm von Carl Danher gewidmeten Rach- ruf entnehmen wir folgende Aeuherung über seine Kunst: „Wie alle Hessen, durchdrungen von größter Heimatliebe, fand er sein höchstes Glück darin, mit voller Hingabe sie zu verherrlichen. Alle seine Werke zeigen die gleiche Liebe und Treue, Aufrichtigkeit, Schlichtheit und Gewissenhaftigkeit der Schilderung. Ebensofern wie dem Menschen Eitelkeit im Auftreten, lag auch dem Künstler jede Eitelkeit der Darstellung völlig fern. Richt durch Aeuherlichkeiten, sondern durch Gediegenheit haben Sennels Werke einen großen Kreis von Verehrern in und außerhalb Hessens gefunden. Außer durch seine Landschaftsgemälde ist Sennel auch bekannt geworden durch figürliche Darstellungen um) sactuge cui.^e.^,.iu.uye.l. ihn der Feldzug nach Frankreich führte, hat er dort auch als Soldat eine Reihe vortrefflicher, lichtvoller Gemälde geschaffen. Der Hingang eines durch hervorragende und seltene Eigenschaften ausgezeichneten Menschen und Künstlers bedeutet einen großen schmerzlichen Derlust nicht nur für den Räherstehendrn, sondern auch für die All- gemeinheit." Ganz anders geartet ist die Kunst Josef Hegenbarth s. Er ist am 15. Juni 1884 in Kamnih geboren und entstammt einer deutsch- böhmischen Künstlerfamilie. Auch er ging nach Verlassen der Schule zur Kunst über und bildete sich auf der Dresdener Akademie, insbesondere bei seinem Detter Emanuel Hegenbarth, auch bei Pro'essor Danher arbeitete ec einige Isit. Zum ersten Male 1914 und seitdem regelmäßig stellte er in Dresden mit der dortigen Künstlervercinigung aus unb fiel bald durch phantastisch«, tiefsinnige D'lder auf. Er ist ein Künstler moderner Richtung, und in der kommenden Ausstellung mit 25 Aquarellen vertreten, welche figürliche Darstellungen, insbesondere Zirkusszenen und Bilder aus dem Gesellschaftsleben zmn Gegenstarck) haben. Die Ausstellung ist wieder Sonntags, Montags, Mittwochs und Freitags von 11 bis 1 llfjr, Mittwochs auch von 3 bis 5 Uhr geöffnet, und dürfte das Interesse des Publikums verdienen. Dre Vorgärten in Giesten. Eine Besichtigung der Dorgärten unserer Stadt wurde im Laufe dieser und der vergangenen Woche durch den Verkehrs- verein vorgenommen. Diese Besichtigung soll im August wiederholt und dann vorwiegend auf die Beurteilung des Fenster- und Dalkon- schmucks ausgedehnt werden. Man ging von dem Gedanken aus, daß die Zeit der Rosen-, Relken- und Staudenblüte zur Bewertung für spätere Prämiierung, besonders geeignet sei- Cs ergab sich, daß Straßenzüge, wo jeder Besitzer mit den andern in der geschmackvollen Ausstattung und Unterhaltung der Vorgärten wetteifert, wie das in der Hofmann- und Moltkestraße zutage tritt, nur selten sind. Vielfach fehlt noch das Verständnis dafür, daß die Vorgärten der Verschönerung des Stadtbildes dienen sollen. Selbst in den gepflegteren Stadtteilen finden sich abschreckende Beispiele dafür, wie es nicht gemacht werden sollte. So ist auch in diesem Jahre der freie Platz vor der Alten Klinik in einem Zustande, daß man wünschen möchte, einer der vielen Arbeitslosen, die dort täglich verkehren, würde ein menschliches Rühren empfinden, das ihn treibt, ein paar Hände voll linkroutmittel „Ex" vor dem Gebäude auszustreuen, das dem Andenken Liebigs gewidmet ist, oder die verwilderte Duchs- baumhecke zu scheren, die den Hauptweg umsäumt. Im übrigen sind die Vorgärten der Liebig st raße, soweit sie für den Hauptverkehr vom Bahnhof in Betracht kommt, bei weitem besser gehalten wie im Vorjahre. Auch sonst sind erfreuliche Besserungen festzustellen, selbst in Straßen, die unter der llngunst dichter Daumpflanzungen leiden, wie beispielsweise die We st anlag e. die verlängerte Liebig- strahe, wo breitkronige lllmen, Linden und Ahorne auf 7 Meter Entfernung gepflanzt, jeden Sonnenstrahl auffangen, und die Kaiserallee. In solchen dumpfen Gärten finden nur noch Hortensien. Fuchsien, Funkien, Dachwedel oder Geisblattspierstauden, Efeu und Waldfarne ihr Gedeihen. Die Gemüsezucht ist mit verschwindenden Ausnahmen überall zurückgetreten. Auffallend häufig finden sich Dahlien angepflanzt, die einen reichen Herbstflor versprechen, und sehr viel junger Rasen ist gesät worden, dessen llnter- haltung, was rechtzeitigen Schnitt betrifft, noch viel zu wünschen übrig läßt. Mancher Vorgarten, aus dem der Rosenflor in reichem Farbenspiel leuchtete, konnte bei der Dewertung keine Derück- sichtigung finden, weil die Pflege des Rasens, — ein erstes Erfordernis für einen Vor- machung der schönsten Gärten wird später erfolgen. R. Vornotizen. Tageskalender für Samstag. Deutschnaticnaler Hand unasgehilftnverband: 8* 2 Uhr im Kaufmann schen Dereinshaus Monats- versammlunm — Wassersport verein „Hellas", 81/. Uhr, Bootshaus, Monatsversammlung. — Marine-Verein: 9 Uhr. Dereinslokal, Generalversammlung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Grüß' mir das blonde Kind am Rhein". — Astona-Lichtspiele: „Par.fette". — Tageskalender für Sonntag. Gießener Hochschulgesellschaft: 10.45 Uhr, Reue Aula der Universität, Hauptversammlung und Festsitzung mit Lichtbilder-Dorträgen von Prof. Dr. Loeschcke (Trier) und Prof. Dr. Rauch (Gießen). — Kreismeisterschaften des südwest- beutfden Hochschuikreises in Leichtach'estk: vorm. 10 Uhr und nachm. 4 Uhr auf dem akadem. Turn- und Spielplatz am Schützenhaus. — Markus-Gemeinde: nachmittags Gemeindese.er auf der Hardt. — Gewerkschaft Deutscher Eisenbahn- Fahrbeamten und Anwärter: 2.30 Uhr nachm., Eisenbahnholel Hupfeld, Versammlung. — V. f. B. Jugend: vorm. 10 Uhr: Gasthaus Germania, Pflichttraining. — Lichtspieltheater wie Samstag. » DerSiebenbrüdertag. Der 10. Juli ist der Siebenbrüdertag. Er wird in der Ueber- lieferung mit verschiedenen Ramen wiedrrgegeben und ist nach den als Heilige verehrten sieben Brüdern benannt, die der Sage nach im Jahre 251 n. Ehr. in einer Höhle, in der sie Zuflucht vor dem Wetter gesucht hatten, einschliesen unö erst nach 200 Icchren wieder erwachten. Auch an diesen Tag knüpft der Landmann eine Wetterprophezeiung: „Die Sieben Brüder machen das Wetter, weinen oder lachen." Im Grunde genommen dürfte der Einfluß dieses Tages auf die Witterung ebensowenig von Bedeutung sein, wie der der vielen übrigen Lostage, mit denen nach alter Ueberlieferung Wetterregeln oerbunben sind. Immerhin ist aber zu wünschen, daß der Siebenbrüdertag ein freundliches Gesicht zeigt und daß nach den vielen regenreichen Tagen endlich für längere Zeit wieder warmes und trockenes Sommerwetter eintritt. ** Gegen dummes Gerede über das Gießener Krematorium wendet sich die Stadtverwaltung mit der nachstehenden Zuschrift an uns: „Zur Zeit wird in Gießen das Gerücht verbreitet, eine im Krematorium vorgenommene Leichenoerbrennung fei nur unvollkommen gelungen, so daß die Leiche zur restlosen Verbrennung in das Krematorium nach Friedberg hätte überführt und der Ofen hätte umgebaut werden müssen. Diese Erzählung ist völlig unzutreffend. Es wurden bis jetzt zwei Leichen verbrannt. In beiden Fällen konnte das vollkommen einwandfreie Arbeiten des Ofens nach jeder Richtung hin (restlose Einäscherung, rasches Hochheizen usw.) festgestellt werden, so daß anschließend mit dem Einbau der mechanischen Sargsenkvorrichtung in der Friedhofskapelle begonnen werden konnte. Die Arbeiten sind soweit fortgeschritten, daß das Krematorium etwa Ende Juli eröffnet werden kann." — Es ist doch unglaublich, wie leichtfertig Geschwätz in die Welt gesetzt wird, das nur die Stadt als Ganzes schädigen kann, und wie leicht solcher Unsinn seine Abnehmer findet. Hoffentlich halten die verantwortungslosen Schwätzer nun ihr Mundwerk. D. Red. *♦ Sperrung des Selterswegs für den Fährverkehr. Das Polizeiamt teilt uns mit: Wegen Instandsetzungsarbeiten am Straßenbahngleis wird der Seltersweg zwischen Westanlage und Goethestrahe in Abschnitten für jeden Fährverkehr — die Straßenbahn ausgenommen — bis auf weiteres mit sofortiger Wirkung gesperrt. Radfahrer haben abzusteigen. Ansammlungen von Zuschauern an den Arbeitsstellen sind verboten. Die gesperrten Abschnitte werden jeweils durch Sperrtafeln gekennzeichnet. ** Landsturmtagung in Gießen. Die Kameradschaftliche Vereinigung ehemaliger Angehö- t.tier ois ua. zu hall am Sonntag. 18. Juli, ihre diesjährige Tagung in Gießen ab (siehe Anzeige). ' Das Adonnementskonzert unserer Reichswehrkapelle unter der Leitung von Obermusikmeister L ö b e r, das am Donnerstagabend aus der „Liebigshöhe" statt- sand, gelangte als S t r e i ch - K o n z e r t zur 'Durchführung und brachte damit eine dankbar begrüßte Abwechslung in die bisherige Konzertweise. Das gut zusammengestellte Programm wurde in treff.icher Weise zum Vortrag gebracht und von den überaus zahlreichen Besuchern mit starkem Beifall aufgenommen. Besondere Anerkennung fanden das Flötensolo „Gute Rächt du mein herziges Kind" (Herr Mayer): das „9. Konzert für Violine" von Ehr. de B^riot (Herr Wan i heck), ferner die großen Fantasien aus den Opern ..2o5engrin‘r und „Hän'el und Gretel". 3m ganzen bot der Abend wieder einige Stunden recht angenehmer Unterhaltung. Auch die Kapelle dürfte mit dem ihr bekundeten Interesse (der Saal war überfüllt) zufrieden gewesen sein und hieraus einen Ansporn für ihre weitere Konzerttät'gkeit schöpfen. ' Irn Lichtspielhaus Bahnhofstraße kommt gegenwärtig ein neuer Rheinsi m zur Vorführung. Das Werk zeichnet sich durch eine gute Ausstattung aus und bringt u. a. vorzügliche Tiit er eines Grol kampfMges im QTc’.cn mit Tankangriff, fo nie Bilder aus den 'e- freiungsMpen des Rtzeinlandes (Räumung . n Köln und Bonn). D e Hauptrollen liegen in den Händen prominenter Darsteller, die vorzügli e Leistungen bieten. Der Film hält sich im ganzen auf gutem Riveau. -z. Der 5aaCenf1anb in Preußen Anfang Juli. Auf die Entwicklung und das Gedeihen der Feldfrüchte, sowie auf den Ausfall des Ernteertrages übt bekanntlich die Iuniwitterung einen großen Einfluß aus. Durch die Lleberschwem- mungen sind viele Acker- und Wiese n- bestände vernichtet, durch die schweren Regengüsse ist viel Getreide gelagert worden Andererseits ist die nahkühle Juni- Witterung den meisten Feldfrüchten sehr günstig gewesen. Die Durchschnittsziffem für die einzelnen Fruchtarten sind in den Regierungsbezirken, außer Ostpreußen, ziemlich gleichmäßig, nur bei den Hackfrüchten zeigen sich merkliche Abweichungen. die zum Teil auf zu spätes Bestellen und den hohen Grad der Verunkrautung zurückzusühren sind. Sämtliche Getreidearten. Hülsensrüchte. Flachs, Luzerne und Wiesen werden mit 2,5 bis 2,9, also besser als Mittel bewertet: sie haben sich im Staatsdurchschnitt gegen den Vormonat fast durchweg um 0,1 bis 0,2 Punkte gebessert, Luzerne und Wiesen sogar um je 0,3 Punkte. Die Rote 3,0 weisen Kartoffeln und Zuckerrüben, 3,1 Futterrüben, Raps und Klee auf. Gegen das Vorjahr ist der Stand des Wintergetreides etwas zurück, und zwar bei Weizen und Gerste um je 0,2, bei Roggen um 0,4 Punkte, doch ist zu berücksichtigen, daß 1925 ein überaus guter Stand des Wintergetreides vorhanden war, der zu einer der besten Ernten führte. Alle Sommerhalmfrüchte sind jedoch gegen das Vorjahr um 0,2 bis 0,5, Hafer sogar um 0,6 Punfte besser. Die Entwicklung dec Halmfrüchte ist fast durchweg recht befriedigend. Es wird mit einer leid- l i ch guten Ernte gerechnet, besonders an Stroh. Von den Hackfrüchten befinden sich die Frühkartoffeln in voller Blüte und werden vielfach schon geerntet. Auch die Spätkar - toffeln haben sich gut herausgemacht, doch wurden sie durch die naßkalte Witterung, sowie durch Schäden infolge Auftretens von Drahtwürmern und der Kräusellrankheit nachteilig beeinflußt. Das Wachstum der Rübenarten wird durch die Rässe gehemmt. An H e u und Gras sind große Mengen durch Regen und Hochwasser verfault. Der Schaden läßt sich noch nicht vollständig übersehen. i482a SCHUH« BIS ERMÄSSIGT 95 90 sdrorarz, echt R'Chevr. mit festem Absatz, lute Paßform Sjfümpie Socken Herrensocken Gießen, Seltersweg 91 Braune Lederspangcnsch., guter eleg. Kostürnschuh, M. 6.90 in allen modernen Farben und Mustern: la Seldenflorslrtlmpfe t Damen 1.55 la haltbarste Waschseide v. 2.95 an Graue Segeltuch-Turnschuhe Chrcxnsohfe 3.2.5 2.25 1.95 1.75 1-50 B. ■k Verreist Dr. Hinze prakt. Arzt Ludwigstraße 57 Von der Reise zurück übe ich meine zahnärztliche Praxis wieder persönlich aus. ßr. med. et med. dent.Wetzell Arzt und Zahnarzt, Laubach. 5786D Zahnarzt Dr. Fischer verreist. Vertreter: Dr. Petsch u. Dr. Adam. 6™D Versteigerung. Montag, den 12. Juli, nachm. pünktlich 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen" den Restbestand eines Korbwarenhauses wie: Wasch-, Näh-, Reise-, Kartoffel-, Papier- u. sonst. 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Horion, Landeshauptmann der Rheinprovinz. Der Mindestbeitrag für Vereinsmitglieder beträgt Mk. 3,—. Beitrittserklärungen sind zu richten an das Sekretariat des Zentral-Dombau-Vereins c. V., Köln, Dombauhütte. Geldspenden und Mitgliedsbeiträge werden erbeten auf das Postscheckkonto des Vereins: Köln Nr. 53169. Mvim § A«tz!MS werd, fachgemäb u. preiswert gestimmt u. repar. G.Etzern OieBen.Piomit.il Telephon 2403. AokrmIgbr.Klav. u. Harmoniums Suche f. Samstag mittag einen guten Ziettaeh Vertretung für den Bezirk Bietzen und 60 Kilometer im Umkreis zu vergeben. Offerten mit Angabe von Referenzen find zu richten unter F. R. P. 179 an Rudolf Stoffe, Frankfurt am Main. haus mit Garten Darmstadt zu tanwta grotzer Schrankap» porar, fast neu, mit | Verkäufe | Pa. frischmelkende junge 04831 Milch- u. Fahrkuti steht zum Berkaus Heuchelheim, Gietzener Strotze 20. Zuersr. b Ann.-Erp. Germer 6 Wagner Neuenweg 50. 04761 Rädchen vom Lande, für morgens von 7—12 oi»o6 gesucht. Westanlage 51 v. 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Das hervorragendste nationale Kunstdenkmal auf deutschem Boden, das Wahrzeichen deutscher Einigkeit, ist bedroht Sein Gestein hält nicht stand. Die Bauschäden werden täglich größer. Mit kleinen Mitteln kann nicht mehr geholfen werden, wenn nicht aus der bisherigen Absturzgefahr einzelner Teile eine Einsturzgefahr für konstruktiv wichtige Bauteile entstehen soll. Es handelt sich jetzt darum, ob wir das Nationaldenkmal. am deutschen Strome erhalten oder verfallen lassen wollen. Der Zentral-Dombau-Verein ruft alle Kreise und Schichten des deutschen Volkes auf. Denn trotz der Not der Zelt ist die unversehrte Erhaltung des Domes eine Ehrenpflicht des ganzen deutschen Volkes, der cs sich nicht entziehen kann, ohne sich selbst aufzugeben. Tretet dem Domsau-Verein bei! Linser Ruf geht zunächst an die Kölner, die den Dom in ihren Mauern bergen und stets seine opferfreudigsten Freunde und Hüter waren. Alsdann an die übrigen Rheinländer, denen Dom und Strom die untrennbaren ewigen Symbole det Heimat und des Glücke» sind. Schießllch an das ganze deutsche Volk, das sich dem treuen Wächter am deutschen Rheine gerade jetzt, wo er ihm wieder gesichert ist, In alter Liebe und neuer Begeisterung zuwenden wird. Für den Vorstand des Zentral-Dombau-Vereins: Karl Jooef Kardinal Schulte, Erzbischof von Köln ._ ' Ehrenvorsitzender. Reichsminister a. D. Dr. Frenken Präsident. Konsul Helnr. Maus Kommerzienrat Alfred Neven-DuMont Geh. u. Oberbaurat Hertel Ludwig Becker, Bersrod Most Reiskirchen, Tel. Nr. 22 Grohen-Buseck. Verkaufe im Auftrag Wohnhaus 3 Stuben u. Zu beb., elektr.Lichtu.Wasser, tn Zell «Bahnstation Zell-Romrod«, alsbald beziehbar, zum Preise von 1500 Mk. iAnzhl. n.Uebereink.« sow. 1 Stand Bienen t.Strohkörb. Alberti u.Halbrahm.»Stöcken sowie leere, neuwertige Stöcke. Kittel- mann, Zell (Str. Als- selb), TeL Romrod 2. 3x5 Ziiimrhauö inbesterLagezuverk. Wohnung wird durch Kauf frei. 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Das edle Sandsteinmaterial hat selbst in den feineren Profilierungen dem Wetter und Sturm standgehallen und erst in den letzten fünfzig Jahren hat der Bersall der alten Baudenkmäler mit einer Heftigkeit eingesetzt, daß ^ocreits von einer vollständigen Zersetzung die Rede sein kann und es nur einer kurzen Spanne von einigen Jahrzehnten bedarf, um diese Zeugen alter und glänzender Zeiten äußerlich und innerlich zu zerstören. Es ist ein gewaltiges Ringen, das jetzt zur Erhaltung dieser unerseh- l.chen Kulturwerte anhebt, gilt es doch einen unsichtbaren Feind — die schweflige Säure — unschädlich zu machen, die mit dem Anwachsen unserer Industrie, mit der Konzentration in und um die Großstädte und den Hunderitausenden rauchenden Schloten die Luft unserer Industrie- !egenden zu einem hohen Prozentsätze durchsetzt at. Was ^Wind und Wetter in einigen Jahr- underten nicht zerstören konnten, das hat diese schweflige Säure in der Luft in knapp einem halben Jahrhundert vermocht, die Sandstein- quadern bröckeln ab, Kapitäle und Figuren lösen sich aus den Gesteinmassen und die bildhauerischen Arbeiten zerfallen Stück um Stück. Die große Gefahr, die unseren ehrwürdigen Domen droht, darf nicht unterschätzt werden, weil es sich nicht um einen Zersehungsprozeß handelt, der nur auf die Oberfläche einwirkt, im Gegenteil zeigen verhängnisvolle rostbraune Flecken, daß die chemische Zersetzung tiefer ins Innere vorgedrungen ist. Wenn man auch bei verhältnismäßig bescheidenen Mitteln versucht, die schwersten Beschädigungen auszumerzen, so sind sich die Fachleute heute darin einig, daß die alten deuftchen Bauwerke, die so erheblich von den Giftgasen unserer modernen Zeit angegriffen werden, nur dann erhalten werden können, wenn genügend Mittel zur Verfügung stehen, um fortlaufend die kranken Stellen zu entfernen. Eine andere Bekämpfungsart des unsichtbaren Feindes kennen wir nicht, und täglich, mit der Ausdehnung unserer industriellen Großwerke, mit der Ausdehnung der Städte, vermehrt sich die «fliftige Luft, die den Zerstörungsprozeß unbehindert fortseht. Damit wächst dieser Kampf der Menschheit zu einem großen Problem aus. weil cs gilt, die mittelalterlichen Bauwerke über unser -3 erteilter der Kohle hinaus zu erhalten und «inen ständigen Kampf zu fuhren gegen die Aebenerfcheinungen, die als typische Zeichen unserer Zeit der Technik und Maschinen, von denen richt geahnt wurde, die einstmals ihre Dome in freier und reiner Luft erbauen konnten. Die schon seit Jahrzehnten von unseren So- .,ialhygienikern betriebene Bekämpfung des Bauches. der nicht nur Steinbauten zerstört, sondern auch die Maschine Mensch vorzeitig zum Still- sand bringt, hat Wohl vorbeugende, aber kaum Ibwehrmittel gebracht. Wir find dem 3er- itzungsprozesse der unreinen und chemisch geradezu gefährlichen Luft gegenüber machtlos, es ;'t der Hauch eines langsamen und großen <5ter» lens. Wir können gewiß nicht in die Zukunft sehen und nicht annähernd Voraussagen, wann * nmar die Kohle, die heutigen schwarzen Dia- inanten, ihre Rolle in der Menschheitsgeschichte ciusgespielt haben werden. Vielleicht in einem Jahrhundert, vielleicht schon eher. Soviel ist ,mr gewiß, daß der Tag einmal konunen wird. Heute schon hat die Oelfeuerung eine mitbestim- inende Bedeutung erlangt und der nicht rastende Menschengeist wird diese neuen Dahnen immerfort ziehen. Reuland erobern und altüberkom- ntene Zustände und Verhältnisse über den Haufen werfen. Dis dahin aber gilt es, Kulturwerke nrit alten Mitteln zu erhalten. Wenn der preußische Staat für die Dau- arbeiten am Chore des Kölner Dornes 6,5 Das handels-U-voot „Deutschland" landet in Laltimore. Zur Erinnerung anden 10. Juli 19 16. Ruhmreiche Gedenktage der jüngsten Kriegsgeschichte gibt es genug, allein dieser Juli-Tag vor zehn Jahren ist wohl ein ganz besonderer Ehventag, da er neben einer kühnen Tat zugleich einem technischen Wunderwerk, das deutscher Er- sinderaeist geschaffen hatte, zur Geltung verhalf. Als England damals gegen alles Völkerrecht und Seerecht eine Papierblockade erklärte, um den englischen Kanal und die Seefahrt nördlich Schottlands bis Island zu sperren, verhängte es damit auch eine Blockade über die neutralen Hafen Hollands und Skandinaviens. Selbst einem friedlichen Austausch von Waren, die mit dem Kriege gar nichts zu tun hatten wur^ dadurch jede Möglichkeit genommen, bis Deutschland fern großes Handels-U-Boot baute und Amerika, mit Lern man in vegen Austauschbeziehungen stand, trotz Englands Vorschriften und'Dehindwingen, die so nötig für die arnenkanchhe Volkswirt-, schäft gebrauchte Ladung von Farbstoffen und cm deren Fabrikaten überbrachte. Der Führer des Bootes war der Handels- kapitän König: kein schreidiger, junger Kapitän- Icutnant, wie man ihn auf U-Booten fand, sondern ein ruhiger, zurückhaltender uni> im rmfeii Alter stehender Offizier, der schon als Führer mehrerer großer Dampfer rm Dienste des Rord- deutschen Lloyd seine Zuverlässigkeit und Er- iahrung bewiesen hatte. Und für eine solche Fahrt wie sie die „Deutschland zurucklegen sollte, bedurfte es eines kenntnisreichen, ruhigen imd auch politisch besonnenen Mannes, ber bet der Landung drüben mit Vankees mit englischem Haß und französischer Riedertiacht zu tun haben Würde — Die Erwartungen, die man von deutscher Seite gerade hierin an ihn knüpfte, hat Kapitän König nicht enttäuscht. Er verstand es. die Menschen zu nehmen, und hat den amerikanischen Reportern bei seiner Ankunft "i Baltimore die rechte Antwort zu geben gewußt. Dem stolzen „Britannia rules the Waves“ setzte er mit seiner „Deutschland" einen recht kräftigen Dampfer entgegen, und das gerechtere Wort: » Seit und Gleichheit für alle Rationen auf den Meeren" wurde ihm zu einer Idee, der er auch Millionen Mark bewilligt Hal. so ist bei der Gröhe des Bauwerkes damit nur das Aller- notwendigste zu schaffen und dem Verfall in seinem gröbsten Ausmaße vorzubeugen. Rach fachmännischer Schätzung aber müssen allein für den Kölner Dom mindestens noch 15 Millionen Mark bereitgestellt werden. Aehnlich liegen die Dinge bei dem zweilen rheinischen Bauwerke, dem in der Zeit von 978 bis 1009 entstandenen Mainzer D o m. dessen Westturm vollständig angefressen ist und der nur durch durchgreifende Konstruktionsarbeiten erhalten werden kann. Es unterliegt keinem Zweifel, daß hier für Staat und Reich eine Aufgabe von selten weittragender kultureller Bedeutung vorliegt: die jetzt schon gewaltigen Mittel, die zur Behebung der augenblicklichen Schäden benötigt werden, sind so groß, daß sie den Kulturetat überlasten, sie werden aber von Jahr äu Jahr noch größer und schließlich unerschwinglich werden, wenn erst die vollen Lasten des Dawesplanes unsere öffentlichen Gelder aufsaugen. Mit privaten Mitteln allein, die meistens nur für Stückwerke notdürftig aus- reichen. ist es aber nicht möglich, das drohende älnheil abzuwenden. Wir sind zwar bitterarm als Volk geworden, müssen allesamt Lasten auf uns nehmen, die oftmals jenseits der Grenze des Möglichen für den einzelnen liegen, allein in einem Augenblicke, wo die stummen Zeugen unserer kulturellen Entwicklung in Staub zu versinken drohen, wird die Kraft unseres ganzen Volkes sich einsehen müssen, um uns und der Welt jene Werte reiner deutscher Kunst zu erhalten, deren Verlust ein böses Geschick für die ganze Menschheit bedeuten würde. Der glanzvolle Aufstieg unserer Technik kann nicht über die Trümmer von Kulturepochen gehen, deren Zeugen uns von Werken menschlicher Arbeit und menschlichen Geistes künden, die in ihrem Glanze auch unsere fernen Epigonen mit andächtiger frommer Scheu erfüllen wird Im heutigen Anzeigenteil finden unsere Leser einen von der tiefen Sorge um die Erhaltung des Kölner Domes diktierten Aufruf des „Z e n t r a l - D o m b a u - V e r e i n s". dem anzugehören einst in besseren Zeiten eines jeden Deutschen, gleichgültig ob Protestant oder Katholik, Ehrensache war und heute, da der „Treue Wächter" am deutschen Rhein in Staub zu zerfallen droht, wieder Ehrensache werden muß. Außenpolitische Umschau. Von Professor Dr. Otto Hoetzsch, M. d. R. Mit der Bestätigung durch den Haushaltsausschuß des Reichstags ist die Angelegenheit der Russenkredite zum Abschluß gekommen. Das Geschäft, das ein wohl einzig dastehendes Ausmaß an sich trägt, kann in Angriff genommen werden. Was den Abschluß solange aufgehalten hat, war weniger die Frage der sogenannten Ausfallgarantie, die das Reich und die Länder unter sich verteilt und übernommen haben, darüber ist man sich verhältnismäßig rasch einig geworden. Die Schwierigkeit lag vielmehr in der Finanzierung und in der Provision für das von den Banken übernommene Finanzgeschäft. Die deutschen Banken, die sich daran beteiligten, standen auf dem Standpunkt, dem man ein gewisses Recht nicht bestreiten kann, daß sie den Russen diese außerordentlich langfristigen Kredite, mit denen ein großer Teil der Kapitalkraft sestgelegt worden ist, nicht billiger geben könnten, als dem deutschen Kreditnehmer. Darüber ist jetzt eine Einigung erzielt, und die Inanspruchnahme dieses Kredites durch russische Bestellungen kann im großen Umfang beginnen. Sie sind ja bereits, wie der Minister Curtius im Ausschuß mitteilte, in vollem Gang. Das Geschäft ist für Rußland in seiner augenblicklichen Schwierigkeit geradezu von entscheidender Bedeutung. Es kommt für Rußland, das ein großes Aufbauprogramm für feine Industrie in Angriff nehmen will und das noch mehr den bisherigen Industrieapparat, wie man in Rußland sagt, „remontieren" muß, darauf an, Kapital für diese großen Unternehmungen zu gewinnen. Mit eigenen Kräften kann es das schlechterdings nicht machen. Zwar ist auch Rußland in einem sehr bescheidenen Maße in der Kapitalbildung wieder drin. Aber als schlichter Handelskapitän dienen konnte und wollte. Ehe das Schiff seine Reise von Bremen aus antrat, wurden wvchenlange Versuche in der Ostsee gemacht, um mit der Handhabung des Bootes vertraut zu werden und die Ladung und den Ballast richtig auszubalancieren. Als die „Deutschland", deren Entstehung und Ausfahrt nur den Eigentümern (der Deutschen Ozean- ReÄrerei) und der Admiralität bekannt war, am 14. Juni Bremen verließ, hatte sie 180 Tonnen Heizöl mitgenommen, von denen bis Baltimore nur die Hälfte verbraucht worden war. Ebenso waren von den 20 Tonnen Trinkwasser 10 Tonnen erübrigt worden. Das Ll-Boot hätte demnach eine noch längere Reise glücklich zurücklegen können. Am 23. August 1916 kam es wieder wohlbehalten in Bremen an, durchquerte zum zweiten Male im Rovrinber den Ozean und lief Rew- London an. Als es Mitte Rovember sich auf die Heimfahrt begab, wurde es von dem Schlepper, der es aus dem Hafen brachte, beschädigt! und muhte in den Hafen zurück zur Reparatur. Am 10. Dezember erreichte es jedoch die Heimat an der Wesermündung ohne weitere Zwischenfälle und ist danach nie wieder ausgelaufen. Die Erwartungen, die man an die Weitemusgestaltung der Handels-Ll-Boote geknüpft hatte, haben sich nicht verwirllicht, da derartige Transportschiffe wohl nur im Kriegsfall von Ruhen sein können Olympia. Von Anna Kapp st ein. Aus der Reede von Katakolo ankert der Dampfer „Lützow", auf dem der Norddeutsche Lloyd die Hellasfahrer wohlig vor der fragwürdigen Unterkunft in kleinen griechischen Häfen bewahrt. Wer in Katakolo ausgebootet wurde, wer die Gasthäuser in Phvgos sah, dem Eisenbahnknotenpunkt. wo man, von dem armseligen Katakolo konrmend, nach Patras oder nach Athen umsteigen famt. wer gar erst an der Station Olympia nach Gaststätten ausblickte (obgleich das Reisebuch sie „ordentlich" nennt), der erst weiß die Kultur und Sicherheit eines modernen, großen Schiffes zu würdigen. Auch die Landschaft ist bescheiden. Korinthen- roenn man in Aufrufen an den Sparsinn der Bauern, die vom russischen Reichspräsidenten und Finanzminister ergingen, die Zahlen ansieht, 13 000 Sparkassen im ganzen Reichsgebiet und 62 Millionen Rubel Einnahmen, davon nur 1,5 Millionen Einlagen von Bauern, so erkennt man, daß schlechterdings nichts an Kapital für jene weitergreifenden Zwecke vorhanden ist. Nebenbei gesagt, ließen diese Aufrufe überhaupt die ganze kapitalistische Einstellung der Sowjelregierung recht gut erkennen. Sie kämpft um ihre Währung, und wenn man auch in einer gefährlichen Inflation nicht drin ist, wenn die seit jetzt bald vier Jahren stabilisierte Währung an sich stabil geblieben ist und bleibt, so kann man das in einem Lande, wo schlechterdings alles in bezug auf Währung in Geldverkehr in der Hand der Regierung ist, natürlich machen. Die Sowjetformel ist auch ganz richtig, daß die Ursache der Teuerung, die in Rußland besteht und die bewirkt, daß der Bauer trotz zunehmender Kapitalkraft nicht oder nur ungenügend seinen Bedarf an Industriewaren decken kann, nicht auf der Geldscite liegt, sondern auf der Waren feite. Das ändert praktisch nichts an der Spannung und Gefahr der augenblicklichen Situation, daß die Preise für die Industrieproduktion, die der Bauer braucht, zu hoch sind, daß der staatliche Jndustrieapparat zu teuer arbeitet, daß der „Warenhunger", der im größten Maße besteht, nicht befriedigt wird. Da man andererseits die aktive Handelsbilanz aufrecht erhalten will, drosselt man die Einfuhr, die sonst im freien Verkehr vom Ausland her den Warenhunger befriedigen konnte. Das ist der Kreislauf und die Schwierigkeit. Aus ihr heraus hilft fein Appell an Sparsamkeit und kein großes Programm, sondern aus ihr heraus hilft der K r e d i i a b f ch l u ß mit dem A u s l a n d e. Um diesen bemüht sich die Sowjetregierung in den langwierigen Verhandlungen mit England und Frankreich seit langem, aber vergeblich. Denn da kommt sie über die Frage der Anerkennung der Schulden des alten Rußland im Ausland nicht heraus und kommt in sehr heikle Fragen herein, nämlich, wie diese Schulden anzuerkennen und ,zu verzinsen seien, wie Schäden und Verluste dieser Gläubigerstaaten als Folge der kommunistischen Wirtschaft zu ersetzen seien. Der Rapallo-Vertrag mit Deutschland, der in dieser Beziehung heute noch die Grundlage bildet, hat bekanntlich darin zwischen Deutschen und Russen reinen Tisch geschaffen. Man hat auf derartigen Ersatz gegenseitig verzichtet, Deutschland ist sichergestellt, als es Kraft Meistbegünstigung, wenn Rußland in dieser Beziehung den andern entgegenkommt, auch seine Ansprüche entsprechend erheben kann. Und Deutschland hat erst im vorigen Herbst mit dem 100 Millionen-Kredit, dann jetzt mit diesem noch größeren Geschäft einen positiven Schritt unmittelbarer Unterstützung Rußlands getan. Es ist doch nichts Kleines, wenn erhebliche Summen deutschen Kapitals so zur Installation von Industrien und zu ihrer Ausbesserung auf Jahre, bis auf vier Jahre hinaus, kreditmäßig fest- gekegt werden. Die deutsche Regierung, die mit ihr zufammen- gehenden Banken und Wirtschaftsführer sowie der Reichstag haben das getan im wohlerwogenen Interesse Deutschlands selbst. Natürlich muß ein solches Geschäft unmittelbar belebend auf die deutsche Industrie und die deutsche Ausfuhr nach Rußland zurückwirken. Nebenbei aesagt, kommt damit endlich, was längst hätte geschehen sollen, das deutsche Angebot in eine einheitliche Konzentration herein. Immer wieder hat man von deutscher Seite über das russische Außenhandelsmonopol, die staatliche Regulierung des Verkehrs mit dem Auslande geklagt. Natürlich war darüber zu klagen, aber es war doch ganz unmöglich, diese (Einrichtung, die zu den Grundpfeilern des heutigen Sowjetregims gehört, zu erschüttern oder außer Wirkung zu setzen. Worauf es ankommt, war von uns jahrelang, aber immer vergeblich gepredigt worden, daß der in einer Hand konzentrierten russischen Nachfrage die Konzentration des deutschen Angebotes gleichfalls in einer Hand entsprechen mußte. Hätten das die beteiligten Kreise von Anfang an eingesehen und durchgesetzt — ich habe schon im Februar 1922 auf diese Notwendigkeit eines deutschen „Pols" für das Russengeschäft hingewiesen —, so hätte man sich Enttäuschungen und Unannehmlichkeiten erspart. Jetzt, da die Kredite ja durch eine Hand gehen müssen, wird also diese Vereinheitlichung hergestellt. Pflanzungen überwiegen, dürftige Siedelungen, ein paar Olivenbäume und Zypressen dazwischen. Und hinter hellem Strandstreifen das Meer. Den Sand hat der Alvheiosfluh bon den Bergen Arkadiens herabgeschwemmt. Immerhin kein gewöhnlicher Sand. Rach kurzer Bahnfahrt wairdern --- fast läuft einem das Wort „wandeln" in die Feder — wir selber im Tale des Alpheios. Mit uns wandeln die alten Götter. Professor Dörpfeld, ihr Erwecker aus dem Schutt der Jahrtausende, hat sie beschworen, daß wir den Hauch ihrer Rahe verspüren. Wie in Korfu ist er unser verehrter Geleitsmann im heiligen Bezirk von Olympia, in dem jeder Stein ihm vertraut ist. Roch sind die Ausgrabungen, die schon Winckel- mann anregte, nicht abgeschlossen. Ein Vortrag von Ernst Curtius in der Berliner Singakademie im Jahre 1856 ermunterte seinen Schüler, den späteren Kaiser Friedrich, zu dem Versprechen, die Forschungen zu unterstützen. Rach dem deutsch- französischen Kriege hat dann die deutsche Regierung die Grabungsarbeiten bezahlt und Dörpfeld zu ihrem Leiter berufen. Im gegenwärtigen Zustand der berühmten Stätte ist ein klarer Eindruck der alten Anlagen zu gewinnen. Doch das Stadion, von dem so viele „olympische Spiele" unserer Tage ihren Ramen lechen, ist nur zum kleinen Teile freigelegt. wohl aber in seinen Massen festgeftelll. Es lehnte sich an den Kronoshügel, an dessen anderer Seite der Tempel der Göttermutter, der Gemahlin des Kronos, einer der ältesten, sich in seinen Resten zeigt. Dieser Hügel, das Wahrzeichen der Landschaft, ist mit Fichten bewachsen: sie säten sich von selber aus, und in 40 Jahren sind die Ruinen der breit zu Füßen des Berges hingestreckten Heiligtümer mit Bäumen freundlich durchgrünt. Blumen sprießen zwischen den Steinen: Würzeduft, Falter, Dogelstimmen umgaukeln die graue Vergangenheit mit heiter unschuldigem Leben. Golden glüht der Ginster. Die beiden Haupttempel waren dem Zeus und der Hera geweiht. Sie sind gleich nach den Perserkriegen errichtet worden. Im übrigen hält Dörpfeld den ganzen Boden für viel älter, als durchschnittlich angenommen wird. Er fand Haus- reste aus dem 3. Jahrtausend v. Ehr. Griechen übernahmen die alte Kultur ihrer Vorgänger: unsere Götter sind die Kinder der euren. Die Diese Kreditverträge schließen den Strcis det deutschen O ft p o l i t i t sinngemäß ab. Sie sind ein wirtschaftliches Unternehmen, aber sie dienen auch der politischen Interessengemeinschaft, die zwischen Rußland und Deutschland besteht und die in den bekannten Verträgen bis zum Berliner Vertrag ausgebaut worden ist. Auch wer eine Entwicklung wollte, wie sie in Locarno und mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund auslief, mußte sich unbedingt darüber klar sein, daß eine Ergänzung dieses neuen Systems durch entsprechende Abmachungen nach dem Osten eine absolute Notwendigkeit für das deutsche Interesse war. Wir freuen uns. daß das heute wohl im ganzen deutschen Volke anerkannt wird, und begrüßen diesen Abschluß eines Kreditgeschäftes über 300 Millionen Mark auch aus diesem Grunde nachdrücklich. Wir erwarten bestimmt, daß davon bedeutungsvolle Wirkungen für beide Teile ausgehen. Zu Ende sind die deutsch-russischen Verhandlungen damit auch noch nicht. Kleinere Angelegenheiten sind zu erledigen, so ist doch nun bestimmt wohl zu erwarten, daß die Frage des Moskauer Studenten Prozesses jetzt endlich ihre Erledigung in bfriebigenbem Sinne findet. Dann aber erinnere man sich, daß die bisherigen Verträge ja noch keinen eigentlichen Handelsoertratz enthalten, sondern zunächst nur den Rahmen dafür. Jetzt hat die Arbeit einzusetzen, einmal für den eigentlichen Handelsvertrag zwischen beiden Ländern, der nicht geringe Schwierigkeiten machen wird, und sodann "über den Garantieoertrag zwischen Deutschland und Rußland, den, wie bekannt, der Berliner Vertrag ausdrücklich in Aussicht nimmt, und der seiner- seits die notwendige Ergänzung des ganzen Werkes ist, wenn auf der anderen Seite die Locarnoentwicklung tatsächlich zum Anschluß an den Völkerbund hinein ausläuft ... Daß sich die deutsche Wirtschaft mit einem so hohen Betrage für den Osten kreditmäßig feftlegen kann, daß sie zur gleichen Zeit sich mit einem auch sehr hohen Betrage an der in Neuyork aufgelegten Stahlanleihe beteiligen konnte, daß dieSpa r- e i n l a g c n zugenommen haben — der Außenminister hat neulich in einer Rede darauf hingewiesen —, das sind natürlich erfreuliche Zeichen einer Konsolidation unserer Wirtschaft, die wir nicht gering schätzen und in ihrer Bedeutung verkleinern wollen. Aber sie besagen keineswegs, daß dis Kredit- und Wirtschaftskrise, die wir durchleben, heute zu Ende sei. Mag sein, daß die Zahl der Konkurse und Geschäftsaufsichten etwas zurückgegangen ist, die absolute Zahl bleibt als ein Symptom der Krankheit groß genug. Und an eine Abnahme der Erwerbslosenzahl in einer absehbaren Zeit ist gar nicht zu denken. Es liegt aber auf der Hand, daß man sich damit nicht aofinben kann, indem man sagt, Deutschland würde nun einmal auf längere Zeit so gut wie England mit großen Erwcrbslosenzahlen rchnen müssen. Erstens ist Deutschland in bezug auf Kapitalkrast und Kreditrückhalt nicht England. Zweitens drückt auch England diese Last der Arbeitslosen in jeder Beziehung schwer. Drittens aber ist es natürlich ein Zeichen der Krankheit im Wirtschaftsorganismus, wenn Millionen Arbeitsfähige und Arbeitswillige keine Arbeit finden können, wenn sie von einer unter ihren Lasten an sich schon ächzenden Wirtschaft durch Unterftüt- znng über Wasser gehalten werden müssen. Hier ist etwas krank und faul. Aber es ist etwas, das allein durch eine Volkswirtschaft und ihren Staat nicht geheilt werden kann. Alle Völker Europas und Nordamerika dazu spüren beute, daß sie miteinander wirtschaftlich auf das engste verbunden sind, daß in dieser Zeit des Weltkapitalismus nun einmal die Gesetze der Wirtschaft so wirken, wie sie tatsächlich wirken. Aber diesem Gefühl, dieser Einsicht entsprechen auf der europäischen Seite nicht die Mittel, dem Uebel zu steuern, und auch nicht der Wille, auf der amerikanischen Seite aber, wo die Mittel im reichsten Maße vorhanden sind, schwächt sich der Wille zu einer Interessengemeinschaft an Europa aus bekannten innerpolitischen Gründen Nordamerikas wieder ab. Wenn wir uns über Erscheinungen wie Russen« kredit oder jene Stahlanleihe, oder die Spareinlagen freuen, so kann das nicht darüber täuschen, daß die Krise, daß die Krankheit unserer Wirtschaft noch schwer in ihr sitzt. Und soweit wir die Außenpolitik dafür heranzieh'en, würden wir dann sofort wieder in Weltwirtschaftskonferenz, Völkerbundsabmachun- Ungleichheit der Tempelsäulen erklärt sich auS der Tatsache, daß die ursprünglichen Säulen aus Holz waren und verwitterten. Rach Bedarf ersetzte man sie einzeln in Stein und baute diese! Steinsäulen je nach dem Stil, der gerade »modern" war, innerhalb 800 Jahren. Roch 200 n. Chr. sand sich eine Holzsäule im Tempel. Alles, was heut wieder steht und'schimmert, hat tief unter der Erde gelegen. Tleberschwein- mungen, Erdbeben, Verwüstungen ließen es sinken. Vieles blieb für ewig zerstört, so die Hunderte von Statuen, von denen Pausanias berichtet. Auch an Inschriften ist weniges bewahrt, weil sie auf Bronze gemeißelt waren. Die Bronze würde gestohlen wie das Gestein, das in ben Kalkofen wanderte. Der schmerzlichste Verlust ist der des weitberühmten goldelfenbeinernen Zeusbildes von Phidias Hand. Sechs Meter hoch, thronte der Gott in seinem Hause, so daß Lukian fhortete: wenn er sich erheben würde, nähme er die ganze Decke mit. In der Ecke befand ftch ein Loch: der (außerhalb gedachte) Gott sollte sein Bildnis sehen formen. Der Künstler mag diese vorgeschriebene Lücke zu Beleuchtungszwecken mit verwendet haben. Mit diesem Werke sollte die Athene im Parthenon überboten sein. Die Zierde des Hergtempels, der Hermes des Praxiteles, dankt ihre Erhaltung den Lehm- ziegeln, unter denen sie verschüttet lag. Run steht dies einzige, der Gegenwart vererbte Werk des Meisters in einem Sondergemach des Museums von Olympia. Man kennt es aus zahllosen Abbildern. Das Leben des Marmors, die kunstreiche Behandlung der Haut, des Leinen- und Wollgewebes an den Kleidern des Gottes und des Dionysosknaben, den er im Arm trägt, sind nur vor dem Original zu bewundern. Die anderen Hauptstücke der Sammlung sind die Gie- belsriese des Zeustempels, einer eine Opferhand- hing, der andere einen Drautraub der Zentauren darstellend, und die herrlich schw^ende Rike des Paionivs. Betrachtete man diese Skulpturen, so ergänzt die Phantasie willig im Grabunasb^irk Bruchstücke der alten heillgen Gebäude, selbst wo nur ihre Fundamente aufgedeckt finb und sieht die Festzüge zu diesem RativnalheillgLum bön Hellas wallen, zu dem aus. der Feme das Tteer herüberleuchtet. der Stad! WMMMMMWWWM WM Molti Kühne umuegenoen urte erwerbslos sind. Aber auch die andere hiesige Bevölkerung bekommt die unange- Friedrich Diel. Er beg Pomologie: nach ihm ist ^D^DWWWWWWWWWWWWWMMtMWMMtMtMMWMMMMMMMMtti Gießen, Für die Hinschi besond' die tro Grabe, Im 6i Für di sowie für c gange mei Her sagen w Fr Gießen, de Turnen Die Ki Dach der Vorrunden nachmittag di P.T.T, 2erl statt, dii erw her Berliner DasserbaF zjger Gemeinst Iungdeuts, lebhaftem öpv einen 3; 2- (3: 'M Bchmen Dt 'm ckgmeinen Lenen ber 6:1 Hauer bemerk' fortgesetzt Die gaben folgend' 300 Meter: 1 Standschieben, 251 Dinge', i den ^"s'iches Tt Arbeits tf*' °U' d-r j ZLr. tgyi -N- ■ m'ö L,1l!tg d sP JnH" «Wrf,if • echoen, (flUf Der--" § K; Kette, - fifÄ’S- 191 $601. Ho ' vormittag gl-" aHladen e-n 1° halt ergov den Derlehr bi Zr-L LkuchK und hielten nich nid, als man Tonne sch-" Für die vi Heim, wir auf di< Daniel Wieseck, d Spezialgeschäft für Reiseartikel und feine Lederwaren gegründet 1798 Fernrnf 820 WWW WWWWWWWW WWW WWWWW Diensta Einfu 1924: 7768 481 1684 5547 1925: 12489 2193 1803 905 findet die Verpflichtung und rung des neuen Bürger- m e i st e r s in sein Amt durch den Kreisdirrktor aus Schotten statt, lieber ein Jahr dauerten die Oberhessen. Das Unwetter im Kreise (Ziehen. bs. Ober-Widdersheim, 8. Juli. Seit Menschengedenken ist eine solche Wasserflut wie heute hier nicht dagewesen. In der ganzen vergangenen stacht wetterte es, und da mehrere Gewitter am Harbhang nicht weiterziehen konnten, ging ein mehrstündiger, wolkenbruchartiger Regen nieder, der solche Wassermassen über die Gemarkungen Borsdorf und Ober«Widdersheim schüttete, daß sich die Flut durch den niedrig gelegenen Teil des Ortes einen Weg bahnte. Da teilweise die Wegeunterführungen das Wasser nicht abnehmen konnten, ergoß sich am Ortsausgang nach Borsdorf zu der Wasserstrom über den Bahndamm, so daß das Geleise stellenweise f a st einen halben Meter überflutet wurde und der erste Zug nach Nidda gestellt werden mußte. Die Verbindung mit der Bahnstation .Häuserhof war unterbrochen, und nur auf weiten Umwegen konnten die Arbeitsleute zur Station gelangen. Viel stärkere Regenmassen fielen auf dem jenseitigen Abhang nach den Dörfern Rodheim, Steinheim, Rabertshausen und Ulfa. So schnell wie sie gekommen mar, verschwand die Wasserflut auch wieder. Am Nachmittag hatten die Wasseradern ihren normalen Stand fast wieder, nur das Horlofftal von Trais-Horloff bis nach Echzell hin bildete einen See. oo Rodheim a. d. Horloff, 8. Juli. Unser Dorf hat in dieser Woche ein nie Dagewefenes erlebt: Hochwasser von einer Höhe, die die ältesten Leute nicht gesehen haben. Auch Archiv oder Chronik wissen von ähnlicher Niederschlagsmenge nichts zu melden. Da wir an keinem Bachlauf wohnen, nur ein harmloser Flutgraben das Dorf berührt, kam das Hochwasser von wolkenbruchartigem Regen. Schon am Montag gingen im oberen Teil unseres schmalen Tales solche Wassermassen nieder, daß die Hauptstraße überflutet wurde. Aber gefähr- licher wurde es durch die gewaltigen Niederschläge der Donnerstagfrühe. Gegen *5 Uhr strömten die Wasser von den waldigen Hängen zu Tal und ins Diehmarkt oder Viehhof in Gießen? Das Bestreben der Städte, durch werbende Einrichtungen der verschiedensten Art dem heimischen Wirtschaftsleben eine Kräftigung von außen her zuzuführen, ist bereits in den Dorkriegsjahren recht stark gewesen. In der neueren Zeit sind diese Bemühungen auf den mannig' fachsten Gebieten unseres Wirtschaftslebens noch mehr in Erscheinung getreten. Große Städte schufen Messen, bauten gewaltige Sportanlagen, begünstigten die Errichtung von Flughäfen, zogen weithin wirkende Ausstellungen, -künstlerische Ereignisse, Tagungen großer Verbände und dergl. mehr an sich. Mittlere und kleinere Städte suchten in mancherlei Hinsicht und oft auch mit dem erhofften Erfolg den Spuren der großen Kommunen zu folgen, vornehmlich aber waren sic bestrebt, t-urch die Auswertung ihrer wirtschaftlichen, geistigen und Verkehrs-Möglichkeiten unter Anpassung an die Eigenart und die Bedürfnisse des Heimatbezirks sich zu dessen Mittelpunkt zu machen. Ein beliebtes und oft auch erfolgreiches Mittel zur Erreichung dieses Zieles war und ist bis heute noch die Schaffung von Märkten, insbesondere von Viehmärkten, denen mit Recht :inc besondere wirtschaftliche Bedeutung beigemessen wird. Die Gießener Diehmärkte gehören zu den Einrichtungen, denen unsere Stadt im Hinblick aus den überwiegend landwirtschaftlichen Charakter der Provinz Oberhessen und der benachbarten preußischen Kreise stets aufmerksame Förderung angedeihen ließ. Diese Einrichtung immer weiter auszubauen, wird und muß ein Zielpunkt unseres Strebens sein: denn auf diesen Märkten verkauft ja nicht nur der Landmann oder der Händler sein Vieh und zieht nach erledigtem Geschäft mit dem Gewinn von dannen, sondern die Verkäufer benutzen die Einnahme zum Teil sogleich, um Einkäufe oder Bestellungen bei der hiesigen Geschäftswelt zu machen, die von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind. Daß diesen Märkten eine aufwärtsstrebende Tendenz innewohnt, die uns veranlassen muß. zur weiteren Ausgestaltung dieses Teiles unserer Kommunalarbeit nach besten Kräften beizutragen, zeigen die folgenden Auftriebsziffern der letzten drei Fahre. Es kamen auf den hiesigen Märkten zum Verkauf. hört, und ferner wies man darauf hin auch im Hinblick auf städtebauliche Zittvntts-- crfordern'.sse der Viehmarit an dieser Stelle keinen Platz haben könne. Beiden Gründen stimmen wii durchaus zu. Man rann den in der Rühe der Eiscnbahnwcrkstättc wob- ncnden Mitbürgern eine solche 'Nachbarschaft nicht zumuten, und ebenso wenig darf man die Eisen- bahnwertstätte für Einrichtungen verwenden, die derart beschaffen siird, daß dadurch die ersehnte Hinausverlegung der gesamten Eisenbahnanlagen der oberhessischen Strecken aus dem Stadtbereich erschwert wird. Die Stadtverwaltung muß sich das Eisenbahnwerkftättenobjckt zwar sichern, aber sie darf es nur in einer Weise benutzen, die vereinbar ist mit den berechtigten Ansprüchen der Rachbarn und der Erfüllung kommunaler Zukunftsaufgaben in dieser Gegend. Aus diesen Erwägungen heraus, die wir mit Anerkennung begrüßen, ist der Gedanke, die Eisenbahnwerkstatte für Viehmarktzwecke herzurichten, ebenfalls auf- g'egeben werden. Aunmehr wird eine Lösung angestrebt. Die uns vorteilhaft erscheint. Wenn auch nicht zu übersehen ist. daß einige Bedenken eine gewisse Berechtigung haben, so darf man doch nicht außer Acht lassen, daß die Möglichkeit einer durchgreifenden. befriedigenden Dauerregelung wichtiger ist als ein Teilgebiet von Bedenken. Man hat in dem Bestreben, etwas zeitgemäß Vollkommenes und für unsere Stadt recht Zukunftsreiches zu schaffen, die Frage jetzt so formuliert: „Viehmarkt oder Viehhof?", und man ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß die Schaffung eines neuzeitlichen Viehhofes die kommunalwirtschaftlich zukunftsreichste und auch für die Händlerschaft beste Art der Lösung des Problems sein wird. Als Platz für diesen Viehhof wird an die Rachbarschaft der M a r g a - rethen Hütte gedacht. Dort besitzt die Stadt genügendes Gelände zur Schaffung einer derartigen Anlage, die erforderlichen Gleisanschlüsse könnten mit Leichtigkeit hcrgesteslt werden, und der Anmarschweg für das Vieh wäre nur etwa 500 Meter länger als jetzt. Wohnviertel wurden nicht beeinträchtigt werden, veterinärpolizeiliche Bedenken dürften u. E. wohl auch nicht geltend zu machen sein. Ratierlich würde die Errichtung einer solchen Anlage eine gewisse finanzielle Anstrengung der Stadt bedeuten. Man darf dabei aber nicht übersehen, daß unser Gemeinwesen dann um eine gute werbende Anlage bereichert werden würde. Die außerordentlich günstige verkehrsgeographische Lage unserer Stadt kann bei richtiger Auswertung der Möglichkeiten den Vorteil bringen, daß hier ein Mittelpunkt für den gesamten Viehhandel Oberhessens, des Lahn- und Dilltales, des Westerwaldes und bis weit nördlich von Marburg erstünde. Die gegenwärtigen Einkaufsreisen beispielsweise von Dillenburg, Weilburg. Treysa, Marburg nach Frankfurt und der Transport des Viehes von dorther könnten bei dem Bestehen eines gut geleiteten Diehhofes in Gießen und bei dem Einkauf an dieser Stelle um die Hälfte abgekürzt werden, was ansehnliche Geldersparnis und beträchtlichen Zeitgewinn bedeuten würde. Das sind Dinge, die für jeden Käufer von Wichtigkeit sind. Auf der andern Seite würden für unsere Stadt regelmäßige Besucher gewonnen, deren Kaufkraft zweifellos nicht nur in der Viehhofkasse zu bemerken toärcti, sorchern auch manchem hiesigen Geschäftsinhaber und Gastwirt zugute käme, ilnD auch der Stadtsäckel könnte sich durch diese Einrichtung in Gestalt höherer Gebuhrenerträge eine Mehreinnahme von Dauer erschließen. Aus all diesen Erwägungen möchten auch wir die Frage „Viehmärkte oder Viehhof?" mit einer Bejahung für den letzteren beantworten, und wünschen, daß die Verwirklichung dieses Gedankens alsbald mit Tatkraft in die Wege geleitet wird, damit wir nicht erst dann mit dem Projektieren anfangen, wenn etwa eine Rachbar- stadt uns den Rang abgelaufen hat. Verhandlungen, und cs mußten drei Verwal- tungsgerichte entscheiden, bis endlich auch unferc Gemeinde ihren rechtmäßigen Bürgermeister hat. Landwirt Wilhelm Kunkel siegte bei der letzten Wahl mit einer Stimme Mehrheit. Hoffentlich kehrt jetzt auch die Ruhe in unserer Gemeinde wieder ein. Rheinhessen. WSR. Mainz. 9. Juli. Eine Frau war wegen ehelicher Zwistigkeiten einigeT'age von ihrem Manne nach Frankfurt gegangen. Als sie zurückkehrte, um ihre Sachen zu holen, muhte sie mit Gewalt die Türe offnen lassen, wo fig beim Betreten zu ihrem Entsetzen feststellte, daß der Mann sich am Fensterrahmen erhängt hatte. Die Polizei lieh nach Feststellung des Sachverhaltes die Leiche nach Dem Friedhof bringen. Zm vorigen Jahre brachte ein Markttag sogar einen Austrieb von über 1000 Stück Vieh. Wenn diese Ziffer auch noch weit entfernt ist von Der Austriebsziffer von 1800 bis 2000 Stück an einem Markttage in der Vorkriegszeit, so geht aber doch aus den vorstehenden zahlenmäßigen Angaben über die letzten Jahre hervor, daß unsere Viehmärkte in Der Gesamtrichtung aufwärts- streben. Diese Entwicklung wird sich in der Zukunft noch viel deutlicher ausprägen, wenn unsere Stadt Den Wünschen des Viehhandels. Der ja das Hauptkontingent Der Marktbesucher stellt, nach besten Kräften entspricht. Es ist den eingeweihten Kreisen schon lange klar, daß die jetzigen Verhältnisse auf unserem Viehmarktplah nicht mehr den berechtigten An- sprücheu vollkommen Genüge leisten können, und es ist auch bekannt, daß man in Händlerkreisen darüber klagt. Mancherlei Projekte zur Schaffung befriedigender Einrichtungen sind in den letzten Zähren erwogen worden. U. a. tauchte der Gedanke auf. den Diehmarkt auf das rechte Lahnufer hinter den Schlachthof in Die Rühe des Elektrizitätswerkes zu verlegen. Dieser Vorschlag konnte nicht zur Verwirklichung kommen. Das fragliche Gelände liegt im Hochwassergebiet der Lahn, ferner kann aus veterinärpolizeilichen Gründen im Hinblick auf die Seuchcngefahren (Maul- und Klauenseuche) nicht gestattet werden, daß Rutzvteh und Schlachthofvieh denselben Weg über die Lahnbrücke im Zuge der Rod- Heimer Straße gehen müssen: man hätte also eine neue Lahnbrücke, mindestens aber einen ausreichend tragfähigen Steg über die Lahn unterhalb des Elektrizitätswerkes bauen müssen, Den man Dann auch noch in das Hochwassergebiet gelegt hätte. Endlich Darf nicht unbeachtet bleiben, daß dieses Terrain bei Der künftigen Kanalisierung der Lahn und bei Der geplanten Anlage eines städtischen Wasserkraftwerks zur Elettrizi- tätsgewinnung eine sehr bedeutsame Rolle spielen wird. Das sind Gründe, Die mit ihrer (tariert Stichhaltigkeit Das Lahnuserprojekt von vornherein zum Scheitern verurteilten. Vor einigen Wochen trat Dann ein anDerer Gedanke in Den Vordergrund. Man zog Die stillgelegte Eisen- bahnwerkstätte m Den Kreis Der Betrachtungen Manche besonDers Hellhörige in der Bürgerschaft verbreiten jetzt Die Kunde. Die Eisenbahnwerkstatte sei für Die Zwecke des Viehmarktes fest bestimmt worden. Diese Erzählungen entsprechen nicht Den Tatsachen. Richtig ist. daß eine Inaugenscheinnahme des Objekts im Hinblick auf die erforderliche Lösung der Viehmarktfrage durch die maßgebenden städtischen Stellen stattgefunden hat._ Dabei hat sich aber herausgestellt, daß das Gelände für die Diehmarkterfordernisse zu klein .st und außerdem so weitreichende bauliche Veränderungen (Beseitigung Der gesamten Schienenanlagen, Entfernung von schweren Unterbauten u. Dgl.) erforderlich wären, daß Der Kostenaufwand nicht im rechten Verhältnis zu Dem Raum- unD Terraingewinn stänDe. Außerdem wurde geltend gemacht, daß eine derartige Einrichtung mcht in eine Gegend verlegt werden Dürfe die heute schon zu Den Wohnbezirken 1923: Großvieh 5675 Kleinvieh «Kälber) 932 Schweine 1932 Pferde 233 Zur Reisezeit empfehle ich mein großes Lager in Reisekoffern aller Art Bahnkoffer, Kabinen- u. 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Da auf dem Berge selbst kein Raum mehr für neue Hofreiten ist, so entsteht auf dein rechten Ufer unseres Flusses allmählich ein ganz neuer Dorf teil, im Valksmiinde „Sachsenhausen" genannt. Zu Den bereits im Vorjahre gebauten cif Häusern kam- men jetzt wieder drei neue. )—( Gonterskirchen, 9. Juli. Die früherer Lehrer und Fortbildungsschullehrer im Hauptamte, Herr Maxtor, der seit Ostern als (Schilfe des erkrankten Rektors Döll in Laubach tätig mar, wurde ab 1. Juli an die Volksschule zu Dudenhofen im Kreis Offenbach versetzt, da Herr Döll seine Schularbeit wieder übernommen hat. Man sieht den beliebten Lehrer nur sehr ungern von hier ziehen. Der Männergesangverein Gonterskirchen und die „Harmonie" ßaubad) verlieren in ihm ihren begabten Dirigenten, der Sängerbund „Horloff-Met- lcrtal" seinen ersten Vorsitzenden. X1X Burkhard s. 9. Zuli. Am nächsten überflutet. Zn der Mitt- des Dorfes stand das Wasser etwa einen Meter ho ch. Mit großer Mühe wurde dos Vieh aus den iiberfdjmrmmten Ställen gerettet. Trotzdem ist größerer Schaden nicht zu beklagen. Freilich hat es viel Lager frucht gegeben, so daß die Ernte mühsam sein' wird. Aber im allgemeinen ist unsere Hoch- wasserkatastrophe gnädig abgegangen. Um die Mittagszeit hatte das nasse Element sich verlaufen. Das Gauturnfest in Mddo. * Nidda, 9. Juli. Das 53. ©auturnfeft d e s Gaues Hessen der D. T. in Nidda vom 10. bis 12. Juli wird in vollem Umfang abgehalten, aud) bei schlechtem Wetter, (fs ist dafür Sorge getragen, daß bei ungünstiger Witterung sämtliche Wettkämpfe an geeigneten Plätzen durchgesührt werden können. Landkreis Gießen, !'—■ Dau bringen, 8. Juli. Am Dienstag wurde hier unter der Führung von Landwirtschaft-.- rat Bocher- Grünberg ein G e m a r k u n g s - rundgang unternommen, woran sich abends ein Vortrag des Leiters über das Gesehene anschloß. Aus Dem mittleren Horlofital, 9. Juli. Zufolge Der feuchtwarmen Witterung weisen Die kaum abgeernteten Wiesengr u-n D e unseres Tales bereits wieder einen ganz ungewöhnlich starken Wachstumsansatz auf, so daß man mit einer vorzüglichen G r u in m e t e r n t c wird rechnen Dürfen. Atter- Dings stehen zur Zeit weite Flächen infolge Der wolkenbruchartigen Regensätte Der letzten Tage unter Wasser. Sv günstig die Witterung Den Wiesen war, so schädlich hat sie sich Den Ge - treideäckern erwiesen, indem zum großen Teil die Frucht sich gelagert hat. Auch befürchten Die Landwirte, daß sich nach Diesen heftigen Platzregen bei Hein Eintritt heißerer Witterung wieder eine starke Verkrustung des Bodens bemerkbar machen wird. Kreis Schotten. Schotten, 9. Juli. Im Anschluß an den gestrigen Bericht über Das wieder aufgehobene Verbot des Viehbütens an den Sonntagvormittagen sei noch bemerkt: Man darf nicht annehmen, daß das Viehhüten am Sonntag eine Unsitte sei, die die neue Zeit heraufbeschworen. Schon seit Jahrhunderten kämpft die Kirche vergeblich gegen den Weidegang am Sonntag. Anläßlich der Generalkirchenvisitation in Hessen 1628, zu einer Zeit, wo infolge Der Unfreiheit der Bauern das Kirchenregiment strenger war und sein konnte, wurden vielerorts im Vogelsberg Klagen der Pfarrer laut, ihre Pfarrkin- Der hüteten am Sonntag das Vieh und blieben der Kirche fern. Vermahnungen und Warnworte fruchteten wenig. Der Weidgang blieb. Das Festhalten an Dem Viehhüten am Sonntag darf auch nicht auf Starrköpfigkeit oder Mangel an kirchlichem Sinn zurückgeführt werden. Die großen Hutweiden im Vogelsberg veranlassen die Landwirte, sich einen größeren Viehbestand zu halten, als es ihr Eigenbesitz an Wiesen erlauben würde. Um Die Wintervorräte an Futter nicht unnötigerweise zu schmälern und das Durchhalten ihres Viehes nicht in Frage zu stellen, glauben sie, auf den sonntäglichen Weidegang nicht verzichten zu können. □ L a u b a ch, 8. Juli. Die hiesige „Untere Lang- gasse" zeigt eine Anzahl von architektonisch bemerkenswerten Häusern. In der Mehrzahl gehören sie noch dem 17. und 18. Jahrhundert an. Daß das Haus des Beigeordneten Kaufmann Diehl auch zu den älteren gehört, zeigt die in einem Balken des zweiten Stockwerks eingegrabene Inschrift, die durch die Tünche verdeckt war und jetzt bei der Erneuerung des Anstrichs wieder zutage trat. Es zeigt die Jahreszahl 1 6 8 6. Demselben Jahrhundert gehört das Haus des Metzgermeisters R e i d t (1622) sowie das S ch m i d t - V ö ch e r s ch e Haus an. Vielleicht noch älter sind die Häuser des Bäckermeisters P i tz und des Metzgermeisters "Diehl. Letzteres hatte früher einen zierlich geschnitzten, sehr schönen Erker, der leider um das Jahr 1860, trotzdem er noch wohlerhalten war, vom vorigen Besitzer abgerissen wurde. Die ältesten mit einer Inschrift versehenen Häuser der Stadt Laubach stammen beide aus Dem 16. Jahrhundert. Sie zeigen beide die Jahres- zahl 1593. Das eine architektonisch hervorragende Haus, das sog. „Draudtsche Haus" in der „Oberen Langgasse" ist mit einem schönen Erker versehen und steht unter Denkmalschutz. Das andere Haus, das ebenfalls aus dem Jahre 1593 stammt, ist auch typisch in seiner Bauart und architektonisch beachtenswert, obwohl bescheidener in seiner Anlage. Es verdient auch, unter Denkmalschutz zu kommen. Heber seinen Erbauer sind wir nach Urkunden des Reichsgräfl. Solms-Laubachschen Archivs genauer unterrichtet. Das Haus, Nr. 2 in Der „Planke", neben Buchbinder Göbel, wurde erbaut von dem Rektor der (1555 vom Reichsgrafen Friedrich Magnus zu Solms begründeten Laubacher Lateinschule, Magister Philippus P i st o r i u s (Philipp Becker). Nach den Schulprotokollen erscheint er beim Frühjahsexamen 1577 als Schüler der 4. Klasse. Im Frühjahr 1586 erscheint er unter den Schulern Der 1. Klasse und hält Die „gratiarum actio“ (Akttisrede). Im Frühjahr 1591 “mürbe er als zweiter Lehrer der Lateinschule angestellt. Laut Bestallungsbries vom 9. April 1592 wurde er Rektor der Schule und blieb in dieser Stellung bm 24. Juni 1599, wo er Pfarrherr in Trai« - Horloff wurde. 1602 wurde er zweiter Diakon in Vattbad). 1609 ging er als Feldprediger bc« Grasen Albrecht Otto, bei Ausbruch des Iu 11 ch - C 1 e v i s chc n Erbsolgekricg^ aus den Kriegsschauplatz. Nachdem Graf Albrecht'Otto bei Bredenbend am 2. März 1610 gefallen war kehrte er nach Laubach zurück. 1613 wurde er Super intenöent und starb als solcher am 26. Januar 1616 Inf Den Tod des Grafen Albrecht Otto, eines -Schwagers des reg. Landgrafen Ludwig V de« ^-"uen non Hessen-Darmstadt, bezieht ‘ sich das treffliche Oelgemalde im Schiff der Kirche zu Laubach ^Muppertsburg, 9. Juli. Noch immer ruht Der Betrieb der chemischen Fabrik Friedrichs Hütte, so daß viele Arbeiter der Preußen. KreiH Wetzlar. —p— Aus dem K1 eebachtal. 9. Juli. Die fast täglichen starken R e g c n f ä 11 c haben in den Feldern großen Schaden angerichtet. Viele Getreidefelder liegen wie gewalzt darnieder. Bei der außerordentlich gut stehenden Sommerfrucht werden sich die Lagerschäden besonders empfindlich bemerkbar machen, da eine Bestäubung und Körnerbildung der am Boden liegenden Aehren nicht mehr erfolgen kann. In niedrig gelegenen Kartoffeläckern steht das Wasser in den Furchen: das mit Feuchtigkeit übersättigte Erdreich vermag das viele Wasser nicht mehr auszune'hmen. Stellenweise macht sich bei den Kartofselstöcken schon ein Zurückbleiben im W a ck) s t u m bemerkbar. In den D i ck w u r z - und M a i s ä ck e r n hat eine starke Verunkrautung eingesetzt, namentlich in letzteren hat das Unkraut vielfach bic noch kleinen Pflänzchen völlig überwuchert. Die Bearbei- hing dieser Aecker kann wegen des aufgeweichten Erdbodens nicht erfolgen. Mit Sorgen denken unsere Landwirte schon an die kommende Ernte. Kreis Marburg. sch. Marburg, 9. Juli. Die Lage des Arbeitsmarktes im Kreise Marburg hat sich in ber letzten Woche wieder verschlechtert. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug 1990 (Vorwoche 1912) . Erwerbslosenunterstützung bezogen 886 Per- fönen (Vorwoche 873). sch- Marburg, 9. Jätti. Die Lahn hat gestern wieder ein Opfer gefordert. Der 25- jährige Sohn des Bäckermeisters H. Karger in Weiden Hausen fuhr mit einem Kameraden in einem Falt boot auf Dem durch einen wolkenbruchartigen Regen stark a n g c • fchwoNenen Fluß. Das Boot f enterte durch Die starke Strömung und der des S ch w i m- mens unkundige Karger versank in den Fluten, nachdem Rettungsversuche ohne Erfolg geblieben waren. Der zweite Insasse konnte sich in Sicherheit bringen. Die Leiche des jungen Mannes konnte bis jetzt noch nicht geborgen werden. Kreis Biedenkopf. sch. B i e d e n k o p f, 9. Juli. Abgebrannt sind hier das Wohnhaus und die Scheune des Landwirts Müller mit allem Mobiliar und Vorräten. Menschenleben sind nicht zu beklagen. XX Gladenbach, 9. Juli. Unser schmuckes Hinterlandstädtchen ist im Sommer das Ziel vieler Sommerfrischler und Touristen. Die Umgebung der Stadt ist gebirgig, entbehrt aber nicht schöner bewaldeter Höhen. Der Ort samt Gericht war ehedem im Besitz der Grafen von Gleiberg und ging später erblick; an die Herren von Merenberg über. Vom Jahre 1313 ab kam Gladenbach in den Besitz der hessischen Landgrafen. Unter Philipp Dem Großmütigen wird der bedeutende Bergbau auf Silbererze erwähnt, seine höchste Entwicklung erlangte dieser Betrieb aber unter Landgraf Ludwig von Marburg, ber auch eine Münze erbauen ließ. Im Jahre 1558 wurden die ersten Gladenbacher Taler aus dem hier gewonnenen Silber geschlagen. Die Münze trug die Inschrift: „Ich getraue Gott in aller Not." Gladenbach hat mehrere bedeutende Männer hervoraebracht, so den berühmten Forstmann Gg. Ldw. Hartwig, geboren am 2. September 1764. Rach einer glänzenden Laufbahn wurde er 1811 Oberlandforstmeister in Berlin. Damals bewahrte er Den Staat in den Zeiten größter Finanznot vor der Veräußerung eines großen Teiles der preußischen Staatsforsten. Er starb am 2. Februar 1837 in Berlin. Ein anderer Sobn Gladenbachs war Dr. Aug. wissenschaftliche Diels Butterbirne benannt. gen, amerikanische Schuldenarrangements mit europäischen Staaten, amerikanische Anleihen berein- kommen, und, nicht zu vergessen, was Damit zusam- menhängt und davon berührt wird: Die Revision des Dawes-Planes, für die die Zeit allmählich nun auch heranrückt! 9. 3uli schießen auf laufendes Wild lult Ton tag onntag, Weinberg. "rrkior nach Km FrieW 5792D Missionar Hendrich. Gießen, den 9. Juli 1926. 04798 Wieseck, den 10. Juli 1926. 11. Juli, nachmittags 5828 D Berwen- für Arbeitsvergebung. VkkUgWg 30Q SßUGtÜelten Gießen, den 9. Juli 1926 04817 Wieseck, den 10. Juli 19^6. 5809V 2979.9.0 Mk. Grabcnacbeiten zu 04810 nommen. 5791V den 8. Juli 1926. Familie Karl Anna Becker Meter, im Sche'.ben-Piftvlenichiehen. 175 Meter: Wusterhavfen-Stuttgart im Schrrbenpistokenschie- ' nächst^ "g unb Kugelmannschafts- 3. <5. Diana-Derlin Schäfer VI als Braut. fjen. 35 Mt scheiöen'ck ic1 Marti - " M.Ch. Mühlstein sadgrotihonöiung. Gießen.Ludwigür 31 TelevKon ■ü2. Architekt L lünTtl. u. techn. Kraft, m. mehrjäbr. Pra».,suchtgutein- klesührt.Archttekten- büro zu kauf. ob. zu miet.; evkl.Arbeits- aemcinsch. mit ar^ beitSsreub. Architekt. ob. Bauunter- nebm.Cn u.M.2€Bti. Ann.-Exp. D.Frenz, G. m. b. H., Sainz. Weyrauch-Zelle 1811 im Jagd> auf laufendes Wild. 65 Meter aller Art auch nach auSwartö, werben billig über Iffezheim, Mannheim und Frankfurt verbraucht, ©‘egen das Urteil hatte sowohl die Staatsan- Waltschaft als auch der Angeklagte 'Berufung eingelegt. Letzterer, der die Schuld nicht bestritt. beantragte mildernde Umstände. Aach ausführlicher Beweisaufnahme erkannte die Strafkammer auf drei Jahre 6 Monate Gefängnis. abzüglich 2 Monate ^Intersuchungs- Bürgermeistere Euler. Scha'uspielbaus Sonntag Maingau WSA Frankfurt o Frühkartoffeln stets auf Lager. GrobabnehmerBor- zugspreise. 15818V H. Drechsler Lteirrstrake 7.3 Televbon 1581. ctzlar. cbachiai.h.M. allt haben in ben aoen nngerid)ttt. 'Hielt troaljt barniebtr. Bei bet iben Evmmcrsruchl chad.en befonbers cmp. da eine Bestäubung unb cn liegenben Aehrcn nickt niedrig gelegenen Rar. Wasser in ben «fürstest ubcrföüiglc Erbtet nicht mehr auszunehincr den Kartofsclstöckcn schrn m Wachstum bemer!- unb Waisätf ern b$: ung eingt^t, mimen! itraut vielfach ne- erwucheri. Die '8cnrt egen bes auigerotidji it Sorgen denken unser, menbe Ernte. irburg. Ii. Die Lage der At- An, /dll'chtu, reuen o». Eberverkauf. Der abgängige Gemeindeeber soll im Faselstall am 13. Juli 1926, 2 Uhr nach, mittags, öffentlich versteigert werden. (Brüningen, 9. Juli 1926. versehen, po[i mtn einzureu Wochen. Gießen, veruntreute Geld dungSzwecke, neu u. gebraucht, wasserdichte Waaenvia- uen unb Pferde« decke». sowIcErnte- decken liefert bll- wieder oerschlechterl. ?: betrug 1990 (BorM: stützung bezogen 886 Aili. Die Lahn hat fer gefordert. Der 25* »rmeisters 5>. Karger fuhr mit einem Mim? boot auf tem durck i Segen stark angc- Das Dvot fenterte iwibferM «<&»»» karger versank u, ttungsversuche oha- -r -Veite Inlasle könnt. Leiche des lange" u noch nicht geborgen hessisches Kulturbauamt. Steinbach. abends 8 bis 10 Uhr! Per froh Lpiclplan der ^rantfurtcr Zhoater. Opernhaus Sonntag. 11. bis Sonntag, 18. Juli Adrienne Anfang icw'Us 8 Uhr. Ende nach IO1 , Uhr. abends 8 bis 10 Ilbr: Deckend Montag 12 abends 8 bis 10 ilbr: Schluck und 3au. Diens m Nr ;. ieo?r ««nnS,ur neu, cu(t ;"unf?re; iatob als Dichter unb Mensch", Vertrag von Redakteur Mosinger. 7.45 bi» 8.15 Uhr: Funkhochschule Frankfurt: „Die letzte Form des N'belungenliebcs". Vortrag von Prof. Dr. Naumann. K.ir> bi=> *i.15 Uhr: Dichtungen in Frankfurter Mundart. '.'.15 bi? 10.15 llbr: llebrnragung von Kassel: Konzert der siasselcr Schupo Kapelle. lr.M)t ungern n > ■ei" ®°nter5f ,5n vieren In ünh Arbeitsvergebung, für die Feldbereinigung Wieseck sollen Freitag, den 16. Juli 1926, vormittags g Uhr, auf der Bürgermeisterei zu Wie- .Tm- Stau n offnen lassen, tw fi. zi ehen seststellle. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unserer lieben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Daniel Oswald I. und Kinder. Niederlagen durch Schilder kenntlich Die Herstellung von etwa 1000 Meter Kabelgraben soll vergeben werden. Angebote sind verschlossen bis zum 15. Juli d. j., vorm. 11 Uhr. bei der Direktion des Stöbt. Elektrizitätswerks, Zimmer Nr. 3, einzureichen, woselbst auch die Vordrucke erhältlich sind. 5777c Frei Auswahl des Unternehmers bleibt Vorbehalten. Gießen, den 9. Juli 1926. Städtisches Elektrizitätswerk. S t o 11 e. cdenkopf- SS» «Ws rs«Ä*“ Inter W'IJ’P c gilbte lenöe erlangte le f l « * ’l 2onb9,lue "'S- y ersten fd)(flgcn. JJ en Ällb“ Stt in n*1“ > setrou ,^ Jänner ^rühmten i'or|1Vr161 Lieferungsvergebung. Die Lieferung von etwa 120 cbm reinem gesiebten Lahnkies für Kabellegung soll vergeben werden. 5776c "Angebote sind verschlossen bi? zum 15. Juli d. I., vormittags 11 Uhr, bei der Direktion des Stöbt. Elektrizitätswerks, Zimmer Nr. 3, einzureichen, woselbst auch die Vordrucke erhältlich sind. Freie Auswahl unter den Bewerbern bleibt vorbehalten. Gießen, den 9. Juli 1926. Städtisches Elektrizitätswerk. Sto 11e. im blühenden Alter von 27 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Infolge eines schweren Unglücksfalles verschied am 8. Juli, nachmittags gegen 5 Uhr, unser lieber unvergeßlicher Sohn, Bruder und Pate, mein herzensguter Bräutigam Karl Schäfer rei bis zum Eröffnungster- jen sind. Zuschlagsfrist drei 6 A'ngc: im Haustuch 150 breit, i nr la Qual. Mithlita 140 breit, t oe U Köper 1*0*3 so lauar Vorrat L Teitler, Tammstr.LSp., gegenüber d. H. Mädchenschule. 04808 M MänirWerein 1926 Zur Feier unseres YV.Stistungzfester am Sonntag, dem 18. Juli in der Badeanstalt laden wir unsere verehr!. Mitglieder nebst Angehörigen herzlich ein. 5782D Gäste können eingeführt werden. Dorm. 9 Uhr: Wettschwimmen. Nachm. von 3 Uhr ab: Konzert und sonstige Belustigungen. Um zahlreichen Besuch bittet 5782V Der Dorstand. tag. 13, abends 8 bis 93 \ ilbr Der fröhliche Weinberg. Mittwoch, 14., abends 8 bis 10 ilbr: Schluck und 3au. Donnerstag 15.. abends 8 bis 10 ilbr: Week-end Freitag 18., rbends 8 dis 10»/, ilhr: Das Käthchen von Heilbronn. Samstag. 17.. abends 8 bis 10 ilbr Der 13. April. 19. Mai b. 3. be^palb zu zwei Jahren Z u ch t b a u s und 2tberfonnuna der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre Der Angeklagte, der ein Monatsgehalt von 370 Mark bezog und wirtschaftlich durchaus gesichert war, hat das Standschießen, 175 Meter: Pachmeyer-Traunstein 257 Hinge; im Wehrmann-Düchsenschiehen. 175 Kbechliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 11. Iuli. 6. n Trinitatis. Gießen. Stadtkirche. Pfr. Mahr. Zugleich Christenlehre f. d. Aeukonfirmiert. a. d. Matthäusgemeinde. 9' : Pfr. Becker. Beichte und heiliges Abendmahl f. d. Matthäus-und Markusgemeinde. 11V«: Kin» kirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Becker. - Zvhanneskirche. 8: Pfarrasi. Schultheis. Zu. gleich Christenlehre für die Aeukonsirmierten a. d. Lukasgemeinde. 9V,: Pfr. Ausfeld. Beichte und heiliges Abendmahl für Lukas» und Zohannesg. 11"«: Kinderkirche für die Iohanne?gemeindc. Pfr. Ausfeld. 8: Dibelbesprechung im Iohannes- saal Pfr. Ausfeld. — Kirchberg. 10; 11: Christenlehre f. d. männl. Zugd. - Lollar. 1'/,. Saubringen abds. 8'/,. - Wieseck. 9V, Christenlehre: Pfarrasi. Schultheis ° Gießen. - Wahenbom-Garbenteich. Watzenborn^teinberg: 1 Garbenteich: V21O mit Christenlehre. Katholische Gemeinden. Dietzen. Samstag, 10. Juli. 41/, und 7 Beichte. Sonntag, 11. Juli. 7. Sonntag nach Pfingsten. 6'/, Deichte, 7 Messe, Kom. der Jünglinge, 8 Som., 9 Hochamt mit Predigt, 11 Messe mit Predigt, 2 Christenlehre und Andacht, — Grünberg. 9'/, Messe mit Predigt. — Hungen. 9'Hochamt mit Predigt. — Lich. 7'/. Messe mit Predigt. Die Beerdigung findet Sonntag, den 2 Uhr, vom Trauerhause, Gießener Straße 49, aus statt. h»“■ «°e3S Einladung zum WWelllitzMeN Mittwoch, den 14. Juli, nach«. 2 Ubr. Redner: Kirchenrat Drommershausen, Frankfurt Misfionsdirektor Schmidt, Barmen einer gestern abgehaltenen Gastwirteversammlung, in her die Notlage des Galtwirte-- gelverbes besprochen wurde, wurde e, n st i m - mig ein Antrag auf Verweigerung der Bezahlung der städtische" ©etrönfo {teuer von 5 Prozent ab 1. Juli angenommen. — Die Städtische Bäderdirektion hat in den Familien-Strandbädern am Main und an der Aidda für die daheimgebliebenen erholungsbedürftigen Personen, die sich keine Ferienreise erlauben können, billige und angenehme Erholungsstätten bei voller -Tagesverpflegung eingerichtet, die mit der Straßenbahn bzw. dem Dampfer zu ermäßigten Preisen erreicht werden können. — In der Aacht zum 6. Juli wurde hier in der Altkönigstraße ein großer W o h n u n g s e i n b r u ch mittels Nachschlüssels ausgeführt, wobei den Dieben Werigegenstände in Höhe von 2000 Mark, u. a. eine goldene Herrenuhr mit goldener Kette, zwei Damenringe, eine goldene Halskette, zwei Herrenringe, eine Dorstecknadel unb eine große Münzensammlung, öaruntec Bronzemünzen aus Deutsch-Ostasrika. ein türkisches Pfund und fünf Tabora-Goldstücke von 1916 in die Hände fielen. WSA. Homburg v. d. H, 9. Juli. Heute vormittag glitt in der oberen Luisenstrahe beim Abladen ein 10-Zentnersah Honig vom Wagen und tief aus. Der süße, zähe Inhalt ergoß sich über den Fahrdamm und hielt den Verkehr buchstäblich auf. Ein Aadfahrer blieb in Der faustdicken, fiebrigen Masse hängen, auch die Lokalbahn wagte sich nicht hindurch und hatte einen längeren Aufenthalt. Zahlreiche Schau- und Schlecklustiae hatten sich angesammelt und hielten nicht mit spitzigen Bemerkungen zurück, als man den Honig wieder in die Tonne schaufelte. Chaussierungsarbeiten 375.— „ Verlegen v. Zementröhren 209.— „ Liefern v. Zementröhren 633.— „ Liefern von Holzbohlen 500.— „ Liefern von Pflöcken 20.— „ veranschlagt, vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hess. Bürgermeisterei offen, wohin die Angebote in Prozenten des Voranschlags, L3WWM liefere ich Bruchsteine, sowie Lahn- kies und Lahnsand weit unter seitherigem Preise. Fuhren aller Art werden zu billigen Preisen übernommen, ssosd Ernst Valentin, Telephon Nr.Z!30 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie für die reichen Blumenspenden bei dem Heimgänge meines lieben Mannes, unseres guten Vaters Herrn Jakob Siegel sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank Frau Siegel Wwe und Kinder dessen Weltruf in der Verwendung nur aller- V besten Materials u. sorgfältigster Arbeit beruht. 'M Trotzdem ist Brennabor nicht teurer als jedes A andere Fahrrad unbestimmter Herkunft u. deshalb kauft der Kenner nur Brennabor Rj Das bes$e iiiiii— iiiiiiimiiuni m i uiiiii rrnm— Für die vielen Beweise innigster Teilnahme beim Hin scheid en unserer lieben Entschlafenen ta Ipolloiia Hege geb. Rebel besonders für die zahlreichen Blumenspenden und die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers am Grabe, sagen wir auf diesem Wege herzlichen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Gerhard Hemstege und Kinder. Zum Deubau einer Forsthofreite in Wohnbach werden auf Grund der staatlichen Berdingungsvorschriften nachstehende Arbeiten zur Vergebung öffentlich ausgeschrieben: 1. Erd-- unb Maurerarbeiten, etwa 120 cbm Ccdaushub, etwa 60 cbm Bruch-, 68 cbm Backsteinmauerwerk, 110 qm Fachwerkswände. 2. Zimmerarbeit: 930 m vorhandenes Bauholz abzubinden. 3. Grobschlofferarbeit: 50 kg Eisenzeug usw. zu liefern. 4. Dachdeckerarbeit: 285 qm Dach mit Biberschwänzen einschl. Lattung. 5. Spenglerarbeit: 33 Ifd. m Hangerinne, 15 m Abfallrohr usw. Angebotsunterlagen sind auf Zimmer 2 erhältlich. Zeichnungen und LIebernahme- bedingungen liegen ebenda offen. Angebote in verschlossenem Umschlag mit entsprechender Aufschrift der Bauarbeiten bis Samstag, 24. Juli 1926, erbeten. Eröffnung 11 Uhr vormittags in Zimmer 2. Zuschlagsfrist 4 Wochen. 5801D Friedberg, den 7. Juli 1926. Hessisches Hochbauamt: Haag. Turnen, Sport und Spiel. Die Kölner Kampfspiele. Dach der Austragung der Handball- Vorrunden am Freitag vormittag sand gestern nachmittag die Zwischenrunde zwischen P. S. D. Berlin und Turnerbund Hamm statt, die erwartungsgemäß mit einem Stege der Berliner Polizei 11: 1 (5:1) endete. Im Wasserball schlug Poseidon-Köln die Danziger Geineinschaft für Leibesübungen 11:2 (5:0). Jungdeutschland-Darmstadt holte nach lebhaftem Spiel gegen S. S. £>. Sparta-Köln einen 3:2» (3: 1)-Sieg heraus. Die Wettkämpfe im Aahmen des Tennisturniers brachten im allgemeinen die erwarteten Ergebnisse, unter denen der 6:1, 6:3-Sieg Prcnnz' über Molden- Hauer bemerkenswert ist. Die Spiele werden fortgesetzt. Die Wettbewerbe im Schießen er- 229 Finge, int Wurftaubenschießen: Gierlich« Rheinland 91 Tauben und im Wurftaubenschießen (Mannschastsv"ttbewerb): I. C. Diana-Berlin. Gießener Wochcnmarktprcrse. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 180-190. Malte 30 -35. Wirfing 30. Weißkr.-.ut 25 - 30, AofeRüben 15- 20. Spinat 25. Aomlschkohl 10-15, Bohnen 60. Erbsen 25-30. M'schgemüsc 10 -15, Tomaten 70. Zwiebeln 20 bts 25. Ahabarbcr 15 20. Pi ze 35 40. Kartoffeln (neue) 12, do , alte) 5. Birnen 40 - 50, Kirschen 50—50, Heidelbeeren 35. Stachelbeeren 20—30, Johannisbeeren 30, Erdbeeren 70—80. Walderdbeeren 40—70. Himbeeren 65. Pflaumen 70, $onig 40, Jung.' Hahnen 120 Suppenhühner 120 Pfg. das Pfund. Käse (10 Stck.) 60-80, Eier 12—13, Blumenkohl 30-100. Salat 5-10, Salatgurken 50-70, Ober-Kohlrabi 15—20 Tauben 80 Pfg. das Stück, Gelbe Aüben 15. Aa- d'eschen 5 -10 Pfg das Päckchen. Amtsgericht Gießen. 'Gießen, 7. Juli Zwei auf dem Aeu - fipf bei Leihgestern bedienstete Familien Sch^ und G. sind seit einiger Zeit miteinander verfemdet. Aachdem die Frau G. vor einigen Wochen wegen Beleidigung der Frau Sch. verurteilt worden ist, kommt heute eine Beleidigungsklage des G. gegen Sch. zur Verhandlung. Letzterer wird beschuldigt, geäußert zu haben, G. fei ein Spihbub, er. Sch., habe schon gesehen, wie G. Zeug nach Haule geschleppt habe. Sch. will ganz allgemein ohne Aennung von Aamcn von Spitzbuben, die schon Zeug nach Hause geschleppt hätten, gesprochen haben. Allein ein Zeuge bekundet mit aller Bestimmtheit, daß das Wort ..Spitzbuben" sich nach der eigenen Angabe des Sch. auf den Privatlläger G.. der. wie Sch. selbst gesehen habe, schon gestohlen habe, bezogen hat. Der Angeklagte Sch. wird daher trotz seines Leugnens der Beleidigung des G. für überführt erachtet und deshalb zu einer Geldstrafe von 25 Mark und zur Tragung der Kosten des Verfahrens verurteilt. Hoffentlich unterlassest nun beide Familien, nachdem jede von ihnen gestraft worden ist und erhebliche Kosten zu zahlen hat, in Zukunft alles, was zu weiteren Klagen Anlaß geben könnte. Gerichtssaai. WSA. Karlsruhe. 8. Juli. Vor dec Strafkammer als Berufungsinstanz wurde gestern gegen den städtischen Finanz-Inspektor Heinrich Haller (Karlsruhe) verhandelt. Haller war angeklagt, als Kassierer der Stadthauptlasse in den Jahren 1924 26 Gelder der Stadt Karlsruhe in Höhe von 28 000 Mark veruntreut zu haben. Das Schöffengericht verurteilte ihn am l Lahntal- Sängerbunö Dem Gesangverein Frohsinn, sowie der gesamten Einwohnerschaft von Londorf für die überaus gastfreundschaftliche Aufnahme und Bewirtung anläßlich des 34. Lahntalsängerbundesfestes, spricht der Bundesvorstand nochmals herzlichsten Dank aus. gez. Stroh. Bundesvorsitzender. Aellere angesehene Großhandlung sucht zur Vergrößerung des Betriebes und durch Ausnutzung leerstehender Räume Teilhaber mit zirka 15 - 20000 Mk. Einlage gegen Sicherheit. Inhaber verfügt über größeren Grundbesitz. Schöne Wohnung könnte evtl, freigemacht werden. Angebote unt. Ar. 7 an Annoncen-LxpedMon Germer L Wagner. Neuenw.50. Ausruf! Alle Interessenten, die durch das kürzliche Hochwasser des Klingelbachs geschädigt wurden, sowie alle die. jenigen, die dauernd unter dem steigen- den Wasserstand dieses Daches und seiner Zuflüsse leiden, werden zu einer Besprechung auf Montag. 12. Juli, abends 8V* Uhr in das Unioersitäts- Tafä. Plockstr. 5,1. Stock eingeladen. 04835 Mehrere Interessenten. Rundfunk-Programm deS Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Sonnlag, 11. Juli: 8 bis 9 Uhr: Morgenfeier, veranstaltet vom Wartburgverein Frankfurt n. M. 12 bis 1 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Mozart-Opern. 3 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4 bis 7 Uhr: lieber^ trogung von Köln: Die Deutschen Äampfspiele in Köln. 8.30 bis 9.30 Uhr: Chorkonzert, veranstaltet vom Männergesangnerein „Concordia", stirdors bei Bad Homburg. 9.30 bis 10.30 Uhr: Klavierabend Michael Zadora (Berlin). Anschließend bis 12 Uhr: Uebertragung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle. Moniag, 12. Juli: 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Nationaltänze. 5.45 bis 6.05 Uhr Die Lesestunde. 6.45 bis 7.15 Uhr: „Heinrich Hans- Heinrich Meier Gießen. Walltor- strahe 46. Tel. 622 . Zwei gebrauchte Herrenfahrräder preiswert zu verk. Fahrrad- Handlung 45 Kaiserallee 45 Televb. 1248. ,TWc Bin unter Nr. 75 an das Fernsprechnetz angeschlossen. Ioh. Fink 04820 Maler- u. Weitzbindermeister. 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Dezember 1926 Ist unabhängig von den Gewinnen mindestens der Ersatz des Losprelsesgarantlert 43 680 Gewinne und 2 Prämien im Werte von Mark 500 000 Höchstgewinn auf ein Doppeltes i. W. v. M. 200 000 Höchstgewinn auf ein Einzellos I W. v. M. 100 000 2 Hauptgewinne i.W. Mari6 60 000 2 Prämien im Werte vtic 40 000 usw. usw. Einzellos M. 1.— Doppellos M. 2.— Ohne Nachzahlung gültig für beide Ziehungen Porto und Listen für beide Ziehungen 40 Pf. extra. GlückshfiefeTo..0 (5 Doppellos.) ein- scbl. Porto u. in M List. f. 2 Zieh, iü 111. Versendet: A. Dinkelmann, Worms, Post- check-Konto 15 194 Frankfurt a. M. Hier bei: Staat! Loti.. Einn. Buchacker u. Flimm; außerdem b. Konrad Emmerich, Hermann Kuhl, Friseur Lotz, Frau Ella Reuter Wwe, Wilhelm Sammler, Frau Alma Vogt 540658 |T,trtTTr,TT.T.T.t.T,|,tttrtt..-Tt[Tr.rfrTt t r»48JSt4 RegimentsappellInf.-Heff.Nr.lGO (Ls wird daraus aufmerksam gemacht, das; das ehem. 9. Rhein. Jnf.-Reg. Nr. 160 am 11.. 12. u. 13. SepL 1926, in der ehem. Garnison Bonn einen Regimentsappell veranstaltet. Die Regimentsangehörigen der hiesigen Gegend werden gebeten, ihre Teilnahme schon rechtzeitig an Herrn Hauptmann Baumann, Essen-Brrdeney, Talbogen 6, zu geben. 5771ss Stephan ßcfjnffn Oberhessischer Kunstverein Von Sonntag, den 11. Juli an: Oeigemälde des verstorbenen Malers Friedrich Fennel, Kassel Aquarelle von Josef Hegenbarth, Dresden Die Ausstellung ist wieder Sonntags, Montags, Mittwochs und Freitags von 11—1 Uhr, Mittwochs auch von 3—5 Uhr geöffnet. Eintritt für Mitglieder und Familienangehörige frei, für Nichtmitglieder 30 Pfennig a Person. 5788c Kreismeisterschaften des südwestdeutschen Hochschulkreises Lehrer Wilhelm Helwig Lina Helwig geb. Kirchhof Vermählte Nodheim a. d. Dieber ... . , ,/Ä . ---- ------ Tlefenbach(Kr. Wetzlar) den 11. Juli 1926 Nr. 159 Drittes Blatt Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)Samstag, f0. Zuli 1926 Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen Reisen in Spanien. Von E. o. Ungern-Sternberg. Madrid, im Frühling 1926. Tausende von glücklichen Menschen, die die Möglichkeit haben, in den Frühling hinaus nach dem Süden zu fahren, stellen sich die Frage: Spanien oder Italien? Man erinnert sich, daß auch in Spanien die Zitronen blühen und herrliche Kathedralen den Fremden in feierlicher Stille grüßen. Die Wasser des Guadalquivir, Ebro oder Tajo tragen mehr Romantik, als der Po. Aber schließlich ist die anti- thettsche Frage: Spanien oder Italien? nicht richtig gestellt, die beiden südlichen Länder sind nicht dasselbe, sie ergänzen sich bloß. Die Erlösung, die uns Deutschen Italien gab, finden wir in Spanien nicht. Die heilige Jugendstunde, die uns allen ward, als wir zum ersten Male nach der Nachtfahrt in Verona erwachten, diese Stunde kommt uns weder in Toledo, noch auf den schönen Hügeln in Granada. Man soll nicht nach Spanien gehen, um sich zu erholen. Es gibt in Spanien kein Sorrent uqb kein Capri, es gibt auch keine Mandolinen, nicht die Süße eines neapolitanischen Gesanges. Es soll eigentlich nur hierher kommen, wer ein iianz ernstes Herz hat und dem Klingen der Ge- chichte nachzuhorchen versteht. Dann versteht man 'ie granitene Herrlichkeit des Escorial, den steinernen Gesang der Kathedralen von Zaragossa, von Toledo ober Burgos, den Zauber der Moschee von Cordoba und die Herrlichkeiten Sevillas. Für malerische Wandervögel ist Spanien nicht geeignet. Dazu sind die Strecken zu weit und zu öde, und der Spanier, der stets viel auf die äußere Form gibt, würde ähnlichen Besuchern wenig Verständnis entgegenbringen und wäre versucht, sie mit Stromern zu verwechseln. Spanische Wandervögel gibt es nicht, auch keine Handwerksburschen, die mit dem Ranzen auf dem Rücken durch die Lande ziehen. Wie auch würde sich der Wandervogel unterwegs in den Dörfern und Centos verständigen? Denn nirgends werden fremde Sprachen so wenig wie in Spanien verstanden. Ein fleißiger Tourist kann in vier Wochen Spanien genügend kennen gelernt haben, ein sehr fleißiger sogar in 14 Tagen. Er wird dann geraissenhaft alle Alkazare erstiegen haben, er wird mit dem Mu- bejarftil vertraut sein und sich mit den Mozarabern Don Toledo befaßt haben. Das spanische Volk aller« tings, sein Wesen, seine Kultur und sein Herz, wird chrn fremd bleiben. Wer recht viel Geld hat, kann fs sich in Spanien sehr bequem machen. Er steigt in Madrid oder Barcelona im Riß oder im Palast- Hotel ab, zahlt etwa 50 Mk. für ein Zimmer, durcheilt schnell das gegenüberliegende Pradomuseum, laßt sich vom Führer die Goy-, 'Murillo- und Ve- Inzquez^säle zeigen, schreibt Ansichtskarten, hört am Nachmittag Zigeunermusik in der Hotelhalle, fährt im eigenen Hotelauto nach Aranjuez, ober nach Tolebo, eher gen Norden in den Guadarrama und den Es- lorial, und hat es genau so komfortabel, als ob er im Adlon ober in den Luxushotels von Paris ober London weilen würbe. Man kann auf biefe Art burch Spanien riesen, ohne mit Spanien in Berührung 3*i kommen. Aber bas Reisen in Spanien ist auch für Touristen mit anberen Anforberungen nicht billig, we- rigstens nicht für ben, der sich nicht einzurichten verficht, und die einheimischen Sitten nicht kennt. Es üt meistens geboten, bei einem Aufenthalt auf einige Sage ein Hotelzimmer mit voller Pension zu neh- rnen. Sehr gute Hotels berechnen einen vollen Pensionspreis von 24 Pesetas — eine Peseta rund gleich 0) Pf. Es ilt üblich, in Spanien höhere Trinkgelder ols in Deutschland zu geben. Bei einer kleinen Rechnung, etwa für einen Kaffee, ein Glas Bier usw. fff legt man dem Kellner 15 bis 20 Prozent zu gewähren. Bei größeren Rechnungen 10 Prozent. Man rechte auch viel auf das Aeußere. Der Spanier kleidet ssch immer gut, es wird beinahe als eine Unhöflich- Hüt aufgefafet, wollte man in Kniehosen ober Loben- mantel Spanien bereisen. Bei noch längerem Aufent- Halt kann man anstatt eines Hotels eine gute Pension aufsuchen: bort schwanken bie Preise zwischen 10 u-inb 18 Pesetas täglich. Das Essen ist gut unb wichlich. Man vergesse in Spanien auch nie bie Höflichkeit, unb man habe Gebulb. Die norbbeutsche Tu- 8pnb der Schneidigkeit ist hier niemals angebracht, M wird als Ungezogenheit aufgefaßt und kann zu unangenehmen Ueberraschungen führen. Es gibt f*'ine höflichere Polizei als es bie spanische ist, man f'mnt in Spanien auch keine Paßschikanen, keine rrufenthaltsbewilligungen unb ähnliche Errungen- I'haften ber Nachkriegszeit, es ist also fast unmöglich, mit ber Polizei in einen Konflikt zu geraten; aber einige wenige beutsche, schneibige Touristen haben es boch zuwege gebracht, unb ba ist es gut zu wissen, baß eine Widersetzlichkeit gegen bie Polizei im Dienst nicht wie in einigen anberen ßänbern mit einer Gelb- ober Arreststrafe belegt wirb, fonbern wenigstens zwei Jahre acht Monate Gefängnis kostet. — Die spanischen Weine finb schwer unb gut aber es ist in Spanien nicht Sitte, über ben Durst zu trinken, ein Trunkener ist eine verächtliche Erscheinung, unb ba ist es ebenfalls gut zu wissen, baß Trunkenheit hier bei allen Delikten nicht als Ent- schulbigung, fonbern als straserschwerenb gilt. 3m übrigen finb bie Spanier ein liebenswürdiges Volk, freundlich und in den oberen und niederen Schichten voll feinster Sitte. Aber sie sind anders als die anderen Völker. Es scheint, als ob überall in ben Hintergrünben Spuk unb Wunber lauern. Es gibt geheimnisvolle Mabonnen, bie Glastränen weinen unb in weite Krinolinröcke mit reichem Ge- schmeibe gefleibet finb unb beren Füße Männer unb Frauen. küssen. Angefangen vom eleganten König bis zum Schnürsenkelhänbler tragen alle geweihte Amulette, unb bie meisten glauben an den bösen Blick. Es ist für einen Nordländer nicht leicht, unter Spaniern heimisch zu werden, er ist entzückt, er bewundert, aber er ist nicht zu Hause. Auch das Familienleben mit dem Zeremonienkram arabischer Art weicht vom Familienleben in anderen Ländern ab. Man hüte sich, in Gegenwart der Männer allzu galant gegen die Damen zu sein, man fordere niemals die Hausfrau oder die Haustochter zu einem Spaziergang oder einem Theaterbesuch auf, ohne die Mutter oder die Tante mit in den Kauf zu nehmen. Die spanischen Bahnen werden oft im Auslande verleumdet, mit Unrecht. Die Wagen sind sauber unb bequem, bas Publikum höflich unb freunblid) unb bie Bebienung zuovrkommenb. Es ist Sitte, ben Mit- reifenben feinen Speisekorb zur Verfügung zu stellen, man pflegt jeboch banfenb abzulehnen ober nur ein Stückchen Konfekt ober eine Zigarette anzunehmen. Zunge reifenbe Damen sollen es nicht für unhöflich halten, wenn sie einfach beim Vornamen ongerebet werben, nur Matronen ober älteren Frauen steht bie Anrebe Dona zu. Eine Unbequemlichkeit ber spanischen Bahnen muß erwähnt werben. Die Schnell- unb Expreßzüge pflegen keine Wagen zweiter Klasse zu führen. Wer also in Deutschlanb eine Fahrkarte zweiter Klasse birekt nach Mabrib löst, läuft Gefahr, an ber Grenze einen Post- ober Bummelzug benutzen zu müssen. Man löst beshalb am besten bei ber Ankunft auf spanischem Gebiet an ber Grenzstation ein sog. Ki- lometerbiüctt erster Klasse, bas etwa ben Runbreise- biUetts entspricht, woburch bie Fahrt sehr erheblich verbilligt wirb. 3eber Reisenbe barf 30 Kilogramm Freigepäck führen. Uebergewicht muß sehr teuer bezahlt werben. 3n ber schönen Jahreszeit finb bie Nächte lau unb laben zum Träumen ein. Prächtig sind die Sonnenaufgänge und «Untergänge, schöner als man sie in den Alpen genießen kann. Der Himmel glüht, als ob er aus orientalischem Glas wäre. Goldene Sternenreihen treten wie Legionen an, und in der kurzen Dämmerung scheinen Lichtgestalten aus dem Himmel zu schweben und sich in schillernden Farben auf die Erde zu senken. Spanien ist kein Land für Leute, die früh zu Bette gehen wollen. Die Theater beginnen um einhalb 11 Uhr abends. Die Cafes und VarietSs finb bis 3 ober 4 Uhr morgens geöffnet. Es ist schwer, vor 9 Uhr morgens bas Frühstück zu erhalten. 3ebem, ber nach Spanien gekommen ist, würbe bie Reise zu einem Erlebnis. Es gibt kein anberes Lanb, wo man ben Staub ber Seele so leicht abschütteln unb ben Alltag vergessen kann. Die Erlaubnis zur Einreise nach Spanien für deutsche Staatsangehörige, die ihren ordentlichen oder vorübergehenden Wohnsitz in Hessen haben, wird ausschließlich durch das Königlich Spanische Konsulat in Frankfurt a. M. erteilt. Dem einzureichenden Gesuch sind nebst eingehendem Beleg- material zur Begründung der darin enthaltenen Angaben folgende Unterlagen beizufügen: 1. ein von der jeweils zuständigen Behörde ausgestellter ordnungsmäßiger Reisepaß, 2. ein polizeiliches Führungszeugnis, 3. ein Lichtbild des Antragstellers. Bei Besuchs-, Studien-, Erholungs- und Vergnügungsreisen die schriftliche Bürgschaft von zwei namhaften Firmen oder Persönlichkeiten, die für jedwede Einwandfreiheit des Antragstellers mithasten, und deren Unterschriften, wenn dem Konsulate nicht persönlich bekannt, behördlich beglaubigt sein müssen. 4. An Gebühren 'sind zur -Zeit 22 Mark in bar mit dem Antrag im voraus zu entrichten. Die Einreiseerlaubnis hat Gültigkeit für ein Jahr. * Eine zweckmäßige Verbindung von Gießen nach Spanien ist gegeben mit den Zügen: Am Vormittag. O-Züge: Gießen ab 5,42 v., Frankfurt a. M. an 6,52 v. (umsteigen), Frankfurt ab 7,15 v., Appenweier an 11,20 v. (umsteigen), Appenweier ab 11,28 v., Straßburg an 12,25 n.. Straßburg ab 12,40 n. (über Mülhausen Belfort), Lyon an 10,42 n., Lyon ab 11,00 n., Avignon ab 3,55 v.. Tarascon an 12,24 n., Portbou an 3,18 n., Portbou ab 4,00 n., Barcelona an 7,20 n. Am Rachmittag. B. P.: G.eßen ab 3,38 n., Frankfurt a. M. an 5,10 n. (umsteigen), Frankfurt ab 5,32 n. (O-Zug bis Paris). Paris an 6,03 v. (umsteigen), Paris ab 10,00 v. (täglich verkehrender Luxuszug über Bordeaux, 3run), Madrid an 10,40 v. Oder: O-Zug Paris ab 8,40 n., Madrid an 10,37 n. Der Fahrpreis Gießen—Barcelona beträgt ungefähr 3. Kl. 51,10 OHL. 2. Kl. 78.30 Mk., 1. Kl. 114,60 Mk. Der Fahrpreis Gießen -Madrid über Paris beträgt Ungefähr 3. Kl. 75,40 Mk., 2. Kl. 119,50 Mk.. 1. Kl. 170,80 Mk. Bei Benutzung des Luxuszuges wird noch ein besonderer Zuschlag zur 1. Kl. erhoben. Schlechtes Wetter in der Sommerfri.che. »Gut Wetter" führt schon Luther in seiner Erklärung des Vaterunsers als zum „täglichen Brot" gehörig auf, und auch wir wiederholen diese Bitte, wenn wir die trüben Wolken am Himmel sehen, ober den Regen gegen das Fenster prasseln hören und dabei entweder schon in der Sommerfrische sind oder an unsere Ferien denken. Aber schönes Wetter ist nun einmal etwas, was man nicht so ohne weiteres vom Laufe der Ratur erwarten darf, und so ist es klug, sich auch bald auf schlechtes Wetter einzurichten, wenn man in die Ferien reift. Man muh nur verstehen, sich dem Welter in Kleidung und Lebensweise anzupassen, dann kann man sich schließlich auch recht gut erholen und ganz wohl fühlen, wenn es gießt und stürmt. Wertvolle Ratschläge für diese Wetteranvassung des Ferienreisenden gibt der Göttinger Hygieniker Prof Dr. Reichenbach. Die sprichwörtlia-e Redensart: „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur gute Kleider" hat insofern ihre Berechtigung, als man bei einer sachgemäßen Kleidung allen Launen des Himmels trotzen kann. Der Hygieniker empfiehlt selbstverständlich, den Wetterschutz in die Ueberkleidung zu verlegen, da man sich ja im Zimmer nicht gegen Regen. Kälte und Wind zu schützen braucht, und er beschränkt sich hauptsächlich auf Mäntel, die ja über jeder beliebigen Kleidung getragen werden können. Rach der Einwirkung der verschiedenen Formen des schlechten Wetters auf den Körper wäre danach nötig: gegen Regen ein voUkommen wasserdicht^, aber wenig Wärmeschuh bietendes Kleidungsstück; gegen Kälte ein gut wärmendes, dabei lufthaltiges und poröses Kleidungsstück und gegen Wind ein engporiges oder ganz luftundurchlässiges Kleidungsstück mit mittlerem Wärmeschutz. Cs gibt keine Kleidung, die gegen Regen, Kälte und Wind gleich gut schützt. Am ehesten entspräche noch dem Ideal ein gut imprägnierter und nicht zu schwerer Lodenmantel, aber bei starkem Regen hält er nicht dicht, heftiger Wind bläst durch, und bei Regen und hoher Temperatur ist er zu warm. Deshalb soll man, gegen Regen und gegen Kälte, nicht dieselben Kleidungsstücke verwenden, sondern wenigstens zwei Mäntel zur Verfügung haben, von denen einer ganz leicht ist und aus voUkommen wasserdichtem Stoff besteht und der andere aus warmem und porösem Stoff und am besten auch gegen Regen imprägniertem Stoff besteht. Der glücUiche Besitzer dieser beiden Mäntel trägt bei Regen und warmem Wetter den leichten wasserdichten, bei Regen und kaltem Wetter den warmen und den leichten darüber, bei Kälte und schwachem Wind den warmen, bei Kälte und starkem Wind denselben und den leichten darüber. Für den leichten Mantel eignet sich weitaus am besten der dünne, mit Leinöl getränkte Baumwollstoff, der unter dem Rainen „Regenhaut" im Handel ist; er ist sehr dünn und zugleich wasserdicht. Der sehr dicht gewebte imprägnierte Stoff, aus dem man die sog. Windjacken verfertigt, ist viel schwerer und nicht so regensicher, gibt aber besseren Wärmeschuh. Richt zu empfehlen ist die kurze Form der Jacke, M sie bei Männern nicht die Knie schützt und auch bei den kurzen Röcken der Damen keine Abwehr des Regens bietet. Besonders wichtig ist natürlich kräftiges, wasserdichtes Schuhwerk und ein nicht zu dünner Strumpf. „Den Frauen muh besonders gesagt werden," meint Prof. Reichenbach, „daß Florstrümpfe und Spangenschuhe keine passende Bekleidung bei Regenwetter sind, nicht einmal in der Stadt und noch viel weniger in der Sommerfrische." Kann man so durch die richtige Kleidung dem schlechten Wetter Trotz bieten, so muh man doch auch sein ganzes Verhalten in der Sommerfrische danach einrrchten. um durch böse Witterung keine Schäden zu erleiden. Vor allem soll man zu Anfang im Genuß von Freiluft und Bewegung mähig sein. Man darf nicht sofort unter den veränderten Verhältnissen, die durch daö Klima und die Lebensbedingungen des Ferienaufenthaltes gegeben sind, weite Spaziergänge oder grobe Bergbesteigungen machen, längere Zeit im Meer baden ulw. Da sich der Organismus nur allmählich den neuen Verhältnissen anpaht, da sich Herz und Gefähe langsam darauf einstellen müssen, so muh man systematisch vorgehen und sich auf die ungewohnten Körveranstrengungen cinarbeitcn. Gerade ganz leichte Luftströmungen, der vielberufene „Zug", führen leichter zu Erkältungen als starker Wind, und so kommt der Hygieniker zu der Feststellung, „dah sich Erkältungen in der Sommerfrische bei wirklich schlechtem Wetter vermeiden lassen und tatsächlich auch weniger vorkommen als bei gutem Wetter, wo die Schädigungen viel heimtückischer und hinterlistiger austreten, ohne dah die richtigen Abwehrmaßregeln getroffen werden". Endlich muh man auch darauf achten, dah man in der Sommerfrische ein heizbares, hübsches und behagliches Zimmer hat, in dem der Aufenthalt angenehm ist, wenn das Wetter einmal an einem Tage so ist, da*h< man „auch einen Hund nicht vor die Türe schickt". Wanderfahrten. kahensurl — Ulmbachlal — Bellffein — Greifenstein — Edingen. Wir benutzen den Frühzug nach Katzensurt (Sonntagskarte), gehen durch Greifental, vorbei an dem anmutig am Waldrande gelegenen Forst- Haus Langengrund.nach dem lieblichen Ulmbachtal, das bei Holzhausen erreicht wird. Aeuß'rst lohnend ist die Wanderung an dem luftig plätschernden Bächlein auswärts mit reizvollen Ausblicken in die Seitentäler, au; romantische Fels- Partien und die nahen Westerwälder Berge. 3n Deilstein, das umgeben von bewaldeten Hohen mit seiner auf mächtigem Dasaltfelsen mitten im Dors liegenden Burgruine einen hübschen Anblick gewährt, ist eine Ruhepause am Platze. Dicht bei der Ruine gute Gastwirtschaft. Der Weitermarsch mit schönem Rück- und Ausblick führt über die Deilsteiner Ley, einem im Walde gelegenen interessanten Basaltsteinbruch, dem leider durch Abtragung der Untergang droht, durch hübsche Waldung nach Greifenstein. Beim Austritt aus dem Wald prächtiger Blick auf die Burgruine. Rach Besichtigung der Burg und genügender Erholung aussichtsreicher Abstieg nach Edingen, von wo wir heimfahren. Dauer der Wanderung höchstens 4 Stunden. Gießen — Wettenberg — ßrofboefer Forst — Schmelz — Fronhausen. Diese Wanderung ist, da fie v:el durch Wald führt, für die heiße Jahreszeit zu empfehlen. Wir gehen entweder die Krosdorser Straße oder fahren mit dem Postauto bis zum Wegweiser nach Launsbach, wo unser Wegezeichen (schwär.,e Punkte), dem wir auf der ganzen Wanderstrecke folgen, seinen Anfang nimmt. Die Markierung geht, wie schon früher beschrieben, über den Wettenberg. Bei Ueoerschreitung der Krofdors- Wißmarer Straße kreuzen wir die gelbe Punft- marfierung. An dieser Stelle hat der V. Sy C. Gießen neuerdings einen Abzweig (weißer Strich) angebracht, der auf die Alte Schanze, einen gut erhaltenen Wall mit Graden aus dem Siebenjährigen Krieg, führt. Rachdem wir ein kurzes Stück an wogenden Kornfeldern vorbei gegangen sind, nimmt uns jetzt der prächtige, ausgedehnte Krofdorfer Forst auf, der uns stundenlang das Geleite gibt. Unterwegs kreuzen wir das liebliche Wißmarbachtal (schwarze Striche), nachdem kurz vorher eine weihe Keilmarkierung nach dem Waldhaus abzweigte. Etwas später überschreiten wir bei der „Drautbuche" die rote Keilmarkierung: Lollar—Waldhaus. Bald darauf führt uns ein steiler Abstieg, der sog. Hirschsprung, in ein bewaldetes Tälchcm, dem wir folgen und im Salzbödener Tal den Wald verlassen. Wir gehen nun das Tal aufwärts bis zur reizend gelegenen Schmelz, wo Gelegenheit zur Einkehr ist. Ein Fußpfad, der gleich hinter der Schmelz in die Hohe geht, bringt uns wiederum durch schönen Hochwald zum Endziel Fronhausen. Die ganze Wanderung dauert, von Gießen gerechnet, fünf Stunden. WM MMM! tiiete Reizender Blick v. d. herrlich gelegenen Terrasse auf das prächt.Landschaftsbild Angenehmer Familien-Ausenthalt Pensionspreis 5L4L 5.- Zbgverbindungen: 1.43, 4.33, 5.30, 6.42, zurück 7.47, 9.43. 4874D Fernruf 183. Flensungerhof Christliches Erheiannsheia Station Mücke i. H. Reine Höhenluft. 3 Mtn. vom Heim ausgedehnte Waldungen. TageStonren In den Vogelsberg möglich. 4 gute reicht. Mahlzeiten. Liegehalle. Milchkuren möglich. Lägt. Andachten. 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Kren',Worträtsel. 0.5225 96.25 15,62 105,25 121’ 1121.5’ 99.9 1 Kreuzworträtsel. B A K G V. Danknoten. ausländischen Tranchen * Statistik Juni. Im Juni werden im Bautennachweis 4317D 152 148,5- 249’ 92,75 102,75 81.5 89.5 au es ra 5. 9. Stahlwerke dient. Mittel aus Len Danken auf ließen. t m der 139' 121« 119,2' 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 69,75 80 123.5' 176 156.5' 145' 86 81.9 245’ 97,75 101 152 146.5 die den 135' 91,25 135’ 158,5* 82.5 88,5 170' 122.5' 173’ 152' 142.5’ 116’ 7,15 152' 146 5* 137.2’ 121’ 120' 161’ 80,25 89,75 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. T e l e g r aphische Auszahlung. SonntansVicnst b. Acrzte n. Dr.Meyerhoff. Prof. Or. Homgmann iabnar^t: Dr GJon’et 104 136 137,5’ 152,7' 148,2' der Bauvorhaben 0.5225 0.50 0.48 0.58 0.485 38 127.5 85 33,75 3,12 156,5 79 0,50 0 46 0,46 0.5675 0,265 0,465 0,445 0.44 97 139.5 137 7* 85,25 34 158 68,5 168.88 1.698 9,89 92,17 111,45 112.67 10,588 14,47 20,453 4,205 10,88 81,36 66.58 1,970 0.660 59,445 12,462 7,44» 5,883 3,055 21.405 81,10 2,32 5,11 4,209 4.205 Sprichworträtsel. Wer reisen will, der schweig' fein still. Ansehen kostet nichts. Wer Geld hat, ist ein lieber Mann. Das ist doch sonnenklar. Was man nicht sieht, das will man nicht haben. Mit Schafen fängt man keine Wölfe. Er jammert ihm die Ohren voll. In der Welt ist nichts ohne Mühe. 134,5' 93.5 77' 135,5’ 157.5’ 141.5' 139' 146,13 55 112.5’ 134.7' 149,5 112.2’ 136.5’ 148 152’ 86.5 I M3-; 115 116 1 7,15 1 135.5 I 91 1 76 I 133* \ 155' 142’ 139’ 148 56 75 ; 69 । 112’ 136.7’ 142' 74 I 151’ ; 147.2' ; 531 106,5 85,75 0.51 0,45 0.54 0,275 0.41 168,46 1,694 9,85 91,93 111,17 112,39 10,548 14.43 20,401 4.195 10,84 81,16 66.52 1,966 0.658 59,301 12,422 7,425 5,865 a,ü45 21,355 80,'JO 2,31 5,09 4,199 4.195 Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom Redaktionstisch. Der fiuge 2lrzt. Dame: „Ich weih nicht, was ich machen soll. Der Junge will keine Medizin nehmen." 2lrzt: „®ie Sache ist sehr einfach. Gießen Sie die Medizin in ein Glas und verbieten Sie dem (Zungen aufs schärfste, davon zu trinken." Steigerung. QIn einem Felsen, in der Rähe eines Schweizer Aussichtspunktes, fand sich folgende Inschrift: „Sah hier mit meiner Frau. Famos! Schulze, Berlin." Wenige Tage später fand sich darunter eine zweite Inschrift: „Sah hier ohne meine Frau. Doch famoser- Meyer, Hamburg." 1,698 10,06 92,17 111,40 112,72 10,59 14,505 20.450 4,205 10,96 81,40 66,65 1,970 0.668 59,445 12,462 7.445 5.88 3,045 21,425 81.10 2,305 5,11 4,209 4.205 Welches Volkslied wird durch vorstehendes Bildchen illustriert? Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. Die hinter uns liegende Börsen Woche bat in ihrem Endergebnis wiederum zu ansehn- lid>en Kurssteigerungen geführt. Einige Tage gönnte sich die Börse zwar Ruhe, doch nur, um gewisscrmahen die allgemeine Stimmung der breiten, zur Zeit an der Spekulation beteiligten Kreise zu sondieren. Es hat sich ergeben, dah ein unverä nderter Optimismus zu herr- fd en scheint. Inzwischen hat die Börse auch tat- säcklich wieder neue Haussebewegungen erlebt. Allerdings hat man jetzt den Eindruck, als wenn diese einen mehr künstlichen Charakter tragen. Es liegt nicht mehr der Schwung in den Steigerungen, der die Kursbewegungen der vor- hcrgehi-nden Wochen kennzeichnete. Bei der markt- technischen Lage darf dies nicht verwundern. Linse re kürzliche Andeutung, dah ein eventueller Rückschlag angesichts des Fehlens einer Baiss^ gruppe scharfe Formen annehmen könnte, hat sich bereits als nicht ganz unberechtigt erwiesen, denn die Kursrückgänge am Montag und Dienstag dieser Woche waren ebenso sprunghaft, wie es augenblicklich die Steigerungen sind. Das Interesse beschränkt sich unverändert nur auf Spezialwerte. Die Gerüchte über schon in Sichtweite befindliche kommende Finanztransaktionen, die diesen Sonderbewegungen den Hauptanstoß geben, wollen dabei nicht verstummen. Dies gilt neben anderen Papieren für Schifsahrts- aftien. Mit der bevorstehenden Heimkehr Dr. Cunos aus Amerika erwartet man das Akutwerden einer Kapitalerhöhung der Ha° pa v. Die A'tien der F» r b e n i n du str i e, die im Brennpunkt des Börsengeschäftes stehen, werden unverändert von ersten Seiten gekauft da sich die Gerüchte über eine zu erwartende Kapitalerhöhung hartnäckig erhalten. In den Dörsensälen will man sogar bereits Einzelheiten des Bezugsrechtes kennen. Aus Seiten der Verwaltung behauptet man, von solchen Absichten „nichts zu wissen". Für Montanaktien stimulierte selbstverständlich der außerordentliche Erfolg der S t a h l t ru st - An le i h e sehr. Es heißt ausserdem, dah die Skahltrust-Aktien demnächst eingeführt werden. Ueberblidt man aber, un- beenqt durch diese Spezialbewegungen, die augenblickliche Gesamtlage arnEffektenmarkt, so dürfte doch die Feststellung am Platze sein, dah alle hausseartige Steigerungen nur mit halber Freude mitgemacht werden. Selbst in der Großbaukwelt scheinen die Tendenzen nicht ganz 'einheitlich zu sein. Die Reichskreditgesellschaft will offenbar mit ihrer Einschränkung der Reportgeldausleihung nicht nur ihre Beamten entlasten, sondern auch der Ansicht Ausdruck geben, dah sie gegenüber den sprung- hasten Steigerungen der Aktienkurse ein? größere Zurückhaltung für angebracht hält. Diese Meinung steht in Großbankkreisen nicht allein da. Auf der anderen Seite hört man von der gleichen Richtung aber auch Stimmen, dah man einer Bewegung. die von breiten Kreisen getragen ist und noch keine ausgesprochene eberfRefutation darstellt, nicht in die Zügel fallen soll. Am Geldmarkt hat die E n t s p a n n u n g infolge der neuen Diskontherabsetzung der Reichsbank raschere Fortschritte gemacht.Tagesgeld wird wieder zwischen 5 und 6 Prozent genannt. So löblich und fruchtbar die Absicht der R-.ichsbank ist, die Zinssätze zu erleichtern, so bedauerlich erscheint uns, dah die Danken die Spanne zwischen den Debet- und Kreditzinsen nicht genügend verringern, um für die Wirtschaft wirkliche Erleichterungen . zu schaffen. Die Verflüssigung des offenen Geldmarktes dürste im Laufe dieses t Monats noch weitere Fortschritte machen. Die Einzahlungen auf die Vorzugsaktien der Reichs- 7 bahn stehen den Banken noch den ganzen Monat über zur Verfügung, und die Einzahlungen auf T di? Stahltrust-Anleihe werden den Markt vor- aussiä.llich deshalb nicht verknappen, weil die Anleihe sicherlich auch zur Abtragung der etwa 110 Mill. Rm. Bankschulden der Vereinigten Außerdem werden noch 118 163 ! 81.5 | 87.5 | 25,75 123,5’ 175.5* 156' 146' 115* 168.48 1.694 10,02 91,93 111,12 112,44 10,55 14,465 20,398 4,195 10,92 81,20 66.49 1.966 0.666 59,305 12,422 7,425 5.86 3,045 21.375 80,90 2,295 5.09 4.199 4.195 «hilft-Diott. Buen.Aires Brfs.'Antw Christianta. Kopenhagen Stockdolm Hclnngfors Italien . . London. Wcnnor! . . Paris. . . Schweiz . . Spanien. Japan .. . Hio de Jan Wien in D-- Ceft abgeft Prag .... Belzrad . . Budapest. . Bulgarien Vmabon Danrig. . fionftantin. Neben llanaba. . . Grufluah Silbenrätsel. Aus den 22 Silben: — chau — cke — dampf — dec — dol — en — — ham — i — la — man — mer — ner — — re — renn — Jan — schiff — stieg — Silbenrätsel. 1. Aegir-, 2. Edikt: 3. Ravenna: 4. Gymnasium: Eggmuhl: 6. Revue-, 7. Zagrab: 8. Enklave; Holbein: Aerger zehrt am Leben. Berliner Produktenbörse. Berlin, 9. Juli. Die Haltung im Berliner Produktengeschäft war heute in der Gesamtlage in Uebereinstimmung mit dem Ausland ziemlich abwartend. Die Abgeber sind im großen und ganzen infolge der erneuten Regenfälle wieder vorsichtiger geworden, so dah die vorhandene! Declungsfrage in Brotgetreide teilweise eine leichte Erholung der Preise bewirtte. Speziell der Weizen profitterte an dieser Bewegung, während Roggen vernachlässigter blieb. So gewann im Lieferungshandel der Juli- und September- Weizen etwa 1,50 Mk., während Oktober mit um 50 Pf- erhöhtem Vortagskurs einsetzte. Roggen änderte sich per Juli nicht nur Oktober, infolge starker Frage 1 Mk. höher. Hafer fest. Gerste bei einiger Frage nach gutem Material still. Mehl ohne größere Umsahtätigkeit. Futterstoffe wie auch Oelsaaten haben laufende Bedarfs frage. Es notierten für 1000 Kilo: Weizen, märt 303 bis 302, Roggen, märt 211 bis 214, Braugerste, märt 205 bis 212, Futtergerste, neue 190. bis 204, Hafer, märt 209 bis 218; für 100 Kilo: Weizenmehl 37,75 bis 39,75, Roggenmehl 3) bis 31, Weizenlleie 10, Roggenkieie 11,25, V'.ktoria- erbfen 35 bis 46, kleine Erbsen 30 bis 31, Futter- etbfen 22 bis 27, Peluschken 23,53 bis 2’, Ackerbohnen 22 bis 24,50, Wicken 32 bis 33, Lupinen, blau 14,50 bis 16,50, do. gelb 19 bis 21, Rapskuchen 14,50 bis 14,70, Leinkuchen 19,40 bis 19,70, Trockenschnitzel 10,40 bis 10, Sohaschrot 20,60 bis 20,90, Kartoffelflocken 22,50 bis 24. Aus vorstehenden acht Sprichwörtern ist je ein Wort zu nehmen. Zu einem Satz vereinigt, ergeben diese dann ein neues Sprichwort. (Krqänznngs°Aufc|abe. Bau — Ger — Schrift — Furt — Thal — Wehr — Lohn — Ring — Pferd — Schiff — Meer — Fleisch — Gast — Text — Blatt. Jedes der vorstehenden einsilbigen Wörter soll durch Vorsetzen eines der nachfolgenden zu einem neuen, zweisilbigen umgewandelt werden. Ist die Ergänzung richtig erfolgt, ergeben die Anfangsbuchstaben, aneinandergereiyt, eine beliebte sommerliche Einrichtung. Dampf — Ei — Eis — Ernst — Fuchs — Geiß — Jll — Nil — Not — Ohr — Rind — Rund — Süd — Ur — Zaun. Volksliedcrrätscl. Brief 4,204 10.18 111,40 20,462 11,10 169,02 14,79 92,43 59,85 112,76 81,70 66,82 12,46 5.86 ebenso Zellstoffaktien. Stark gedrückt waren Deutsche Erdöl, minus 2,25 Prozent. Eine Steiaerung von 4 Prozent hatten Hirsch-Kupfer und Maschinen Eßlingen zu verzeichnen. Zuckeraktien lagen nachgebend. Am heimischen Anleihemarkt war die Umsatztätigkeit für Kriegsanleihe anfangs ziemlich bedeutend, doch flaute später das Geschäft ab. Kriegsanleihe 0,522$. Ausländische Renten lagen unverändert. Der Freivekehr war lustlos. Becker Stahl 25, Benz 86, Brown Boveri 123, Gro- wag 60, Entreprise 6,5, Rastatter Waggon 15, Ufa 38,5, Unterfranken 79 Prozent. Der weitere Verlauf war starken Schwankungen unterworfen. Nach einer stark hervorgetretenen Abschwächung kam es vorübergehend zu mäßigen Erholungen. Farbenaktien zogen um 1 Prozent an. Das Geschäft blieb lustlos. Am Geldmarkt ist die Lage weiter leicht. Tagesgeld 4 bis 4,5 Prozent, Monatsgeld 5 bis 5,25 Prozent. Im Devisenverkehr war Paris gegen London leicht befestigt auf 188. Brüssel lag schroä- cher mit 206 gegen das Pfund. Mailand erholt auf 140 gegen London. Berliner Börse. Berlin, 10. Juli. Der außerordentlich feste Verlauf des Vorbörsenverkehrs ließ einen ebenfalls festen Beginn der Börse erwarten. Die ersten Kurse brachten demgegenüber eine Enttäuschung. Die Anfangsnotierungen hielten sich größtenteils untej den gestrigen Schlußkursen. Nur in einzelnen Werten lagen Kaufaufträge vor, im übrigen war das Geschäft bei Beginn sehr minimal, und die Spekulation beobachtete größere Reserve. Gebessert waren neben I. G. Farben einige Elektro- werte, Bankaktien, einige Maschinen- aktien und vor allem Riebeck-Montan, die um 8,5 Prozent höher gingen, wahrscheinlich im Zusammenhang mit Fusionsbestrebungen. Die Ausland- und Publikums-Orders gingen sehr spät ein, woraus sich die große Geschäftsstille während der ersten Börsenstunde erklärt. Die leichte Lage des Geldmarktes trug dazu bei, größere Kursrückgänge zu verhindern. Tagesgeld 4,5 bis 5,5 Prozent, in großen Posten angeboten. Monatsgeld 5,5 bis 6,5 Prozent. Im Devisenoerkehr war der französische Franken minimal befestigt, während Brüssel auf 206,50 gegen London zurückging. frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 10. Juli. Tendenz überwiegend schwächer und lustlos. — Zum heutigen Wochenschluß hielt sich bei Börsenbeginn das Geschäft in ganz engen Grenzen, da es an Aus- lanbfaufaufträgen und an sonstigen Anregungen fehlte. Die Spekulation, die sich mit Rücksicht auf die angekündigten Krediteinschränkungen zur Eindämmung des Effektengeschäftes von weitern Engagements zurückhielt, war eher auf der Verkäuferseite, wie überhaupt die Re a l i s a t i o n s n e i g u n g vorherrschte. Die überwiegend schwächere Veranlagung der Börse zeigte aber anfangs größere Unregelmäßigkeit. Während Elektro-, Montan- und Schiffahrtsaktien sich mäßige Abstriche gefallen lassen mußten, waren I. G. F a r b e n weiter gefragt und höher. Der Kurs stieg bis auf 250 Prozent, konnte sich aber im Verlaufe nicht halten und ging auf 246 Prozent zurück. Am M o n t a n m a r f t waren Verluste bis zu 1,5 Prozent zu verzeichnen. Stark gedrückt waren Buderus minus 1,75 Proz Höher wurden Gelsenkirchen plus 0,5 Proz Rie- beck Montan plus 1 Proz. Von C h e m i e w er t e n waren Scheideanstalt um 2,5 Proz. gesteigert. Am Elektromarkt betrugen die Rückgänge 1 bis 2 Prozent. Bankaktien blieben gehalten mit Ausnahme von Darmstädter, die 1 Prozent einbüßten. Autoaktien lagen nicht einheitlich- wahrend Kleyer 1 Prozent gewannen, büßten Daimler 0,5 Prozent ein. Der Kassamarktder Jndustnepapiere hatte nur kleine Veränderungen aufzuweisen, die Kurse hielten sich zunieist auf dem gestrigen Stande. Baustoffaktien behauptet Deutsche 'Jietd)3an!cttK 4% Deutsche NcichSauleihc 3V0°/u Deutsche Neichsauleide 3°/. Deutsche Neichsonleilie Deutsche Lvarpramicnanleibe 4% Preußische Noniols 4° o Hessen 3‘A)% Hessen 3°/0 Hei,en ■ ■ • • • • Deutsche Wertd- Dollar-Anl. v,o Doll - Schab-Auireilua-’l <% VoUturkcu .5°/0 ©üfbmcritnna Berliner Haudclsgclcllschaft Commerz- und Pnoat-Bomk Dannst. und Nationaldank Deutsche Bank Deutsche BercinSbank • • • DiScomo Eommandit Äerallbank • • • • Mitteldeutsche üredttbank. . CciiciTfidjiicfje Lrcdttanstalt Westbank Bochumer Gutz . Buderus Earo • Deulich-Lurcmburg Gelsenkirchener Bergwerke. . Harvencr Bergbau . « .ikaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurabünc ..... Lderbedarf - ...... Phönii Bergbau ..... Nlieiimahl 'Xirbcd Montan lellus Bergbau . . Hantvurg-Amenka Paket. . . Norddeutscher Llovd . . , Lheramlschc Werke AlbM . , Kementlvert Heidelberg . . Pbilipp Holzmunn . . . Anglo-Cont.-Guano . . . . Chemische Mayer Alapin . . I. ®. Farben.ndnstric, A.-G. Goldschmidt Holzverkohlung Nükgcrswerke Scheidcanstalt Allg. ElektrtzitütS-Gesellschaft Bergmann , Mainkraftwerkc ....... Schildert ..... . * . Siemens L Halske ..... Adlcrwerke Kieper ..... Daimler Motoren. ..... Hepligenstaedr . ....... Meguin..... Motorenwerke Mannheim frankfurter Armamren Konservenfabrik Braun . . . Metallgescll'chaft Frankfurt. Pc«. Union Ä.°G. Schuhfabrik Her; . . . Sichel Zellstoff Waldpos Zulterrabrik ?krankenthal . . Zuckerfabrik Waadäuiel . . • Geld 4.184 10,12 110,84 20,362 11,04 168,18 14,71 91,97 59,55 112,20 81,30 66,48 12,40 5,82 1. Von links nach rechts: 1. Stadt in Hessen-Nassau; 7. ausgestorbene Rin- derart; 8. Vogel; 9. Fluß in Sibirien; 11. tür« kischer Personenname; 12. Fruchtkörper; 13. andere Bezeichnung für Leumund; 15. Raubtier; 17. Geburtsstand; 18. überirdisches Wesen; 20. Fluß auf der Pyrenäischen Halbinsel; 21. biblische Person; 22. Fluß in Turkestan; 23. Stadt iiT Belgien; 25. Blutgefäß; 26. Titelheld eines Shakespeareschen Dramas; 28. päpstliche Krone; 29. Wehrmacht. 2. Von oben nach unten: 1. Stadt in Schlesien; 2. Kartenblatt; 3. Frauenfigur der deutschen Heldensage; 4. kleiner Meerbusen; 5, Flächenmaß; 6. zügellose Schar; 7. militärische Gattung; 10. Stadt in Westfalen; 11. biblische Person; 14. Ungeziefer; 16. bekannter Verleger; 17. Schaltier; 19. weiblicher Vorname; 20. Neger- stamm; 22. weiblicher Vorname; 24. biblische Per- son; 25. andere Bezeichnung für Faultier; 27. ägyp- tischer Gott. Auslösttnqett. Sikben-Kapsel-Rätsel. Diel Vergnügen — gute Erholung. DrbnungeräffeL Gemüsegarten. Bilderrätsel. > Die Liebe macht zum Goldpalast die Hütte. £ Berlin, 9 Juli Amerikanische Noleu . . . .. Belgische Noten ....... Dänische Noten ...... Englilche Noten. ...... Hramöftsch- Noten ..... Holländische Note« JtMienische 'Noten . Norwegische Noten Deutsch-Qcsterr., 5 ioo Kronen Numänische Noten...... Schwedische Noten ..... Schwe-^r Noten Spanische Noten Tschechoslowakische Noten . . Unaarische Noreo..... |ii verlange ausdrücklich, ......_ __ . .. ■ „Bauwelt" 3698 Wohnhäuser und 561 sonstige Bau.en (Kirchen, Schulen, Krankenhäuser, Fabrikgebäude, Garagen, Brücken usw.) gemeldet, gegenüber 3429 Wohnhäusern und 264 sonstigen Bauten im Monat Mai. — Im Juni 1925 wurden 3454 Wohnhäuser und 798 sonstige Bauten veröffentlicht. Die Zahl der Bauanmeldungen hält sich auf ungefähr bisheriger Höhe. Die Vorbereitungen für Neubauten werden, wie hieraus hervorgeht, trotz der schwierigen Geldbeschaffung und der in vielen Fällen unsicheren Zeit der Bauausführung selbst, eifrig weiter betrieben, ein Zeichen, wie nötig die Wohnbauten sind. - Ueberzeichnung der Amerika-Anleihe der Mannheimer Großkraftwerke. Die in Neuyork zur Zeichnung aufgelegte 3 - Millionen - Dollar - Anleihe der Großkraftwerke Mannheim A.-G. und der Pfalzwerke A.-G. wurde in kurzer Zeit überzeichnet. In demselben Anleiheprospekt der auf 15 Jahre laufenden hypothekarisch gesicherten Anleihe, deren Ausgabekurs sich auf 96,5 Prozent stellte, werden die Mannheimer Werke einschließlich der geplanten Neubauten und Verbesserungen mit 4,4 Mill, und die Pfalzwerke ohne den Ausbau mit 3,09 Mill. Dollar bewertet. ? Farbenindustrie-Pulvergruppe. Wie verlautet, bestätigt es sich, daß zwischen der I. G. Farbenindustrie und dem Puloerkonzern Fusionsverhandlungen geführt werden. Beabsichtigt sei ein Aktienaustausch, wobei eine Farbenaktie gegen zwei Aktien der Pulvergruppe gegeben werden soll. Vermutlich werden in den heutigen Generalversammlungen der Puloergruppe, der Köln-Rottweil- A.-G., der Dynamit-A.-G. vorm. Alfred Nobel & Co., der A.-G. Siegener Dynamit-A.-G., der Rheinisch - Westfälischen Sprengstosf - 21.=®. usw. nähere Mitteilungen gemacht werden. Die Meldungen von einer Analiederung der Deutschen Gasolin- werks und ein Aufgehen der Rheinstahlwerke in dis I. <8. Farbeninduftrie werden von Derwaltungs- ftite als unzutreffend bezeichnet. tri — umph sind 11 zweisilbige Wörter zu bilden, die folgende Bedeutung haben 1. militärisches Kleidungsstück; 2. Astronom; 3. Kammweg im Thüringer Walde; 4. Stadt im Freistaat Sachsen; 5. biblischer Priester; 6. Volksstamm; 7 Verkehrsmittel; 8. deutscher Dichter; 9. Festsaal; 10. feierlicher Einzug eines Siegers; 11. Stadt in Galizien. — Sind die Wörter richtig gebildet, ergeben die Anfangsbuchstaben von vorn nach hinten und Endbuchstaben von hinten nach vorn ein Zitat von Schiller. '£$riid)ftü(frätfcL Aus den Wortbruchstücken: j—e, j—d, a—u, a—t, l—i, o—b, u—i, g—r, l—b, o—t, m—-t sind durch Einfügung des Mittelbuchftabens Wörter zu bilden. Die Mittelbuchstaben selbst müssen, aneinandergereiht, eine Erholungszeit nennen, die wir allen unseren Lesern wünschen. Aiiasiram m. Ich 9 5 6 1 einen Brief geschrieben An meine 2 3 1 6 4 8 7; Ich L 5 8: „Komm zum 6 5 2 2!" Legt' ein Vergißmeinnichtchen 6 13 4 3 1 ist mein 5 2 2 1 4, Ich 2 1 6 1 ganz allein nur ihr. Zwar möcht' ich ihren Namen hier nicht nennen; Doch wird man ihn aus 1 bis 9 erkennen. Jn Apotheken Jasir-lOtebewädrt. 1426d Verantwortlich für Feuilleton i. 23.: Dr. Fr. W. Lange. Frankfurt a.M. Berlin Schtu • Kurs Sch'Uk-IAnfaNg nur- 1 . >' Datum: 9. 7 10 7 9 7 | 1'1 7 9 Juli- 10 Juli. Amtliche Noti rung Geld Briet Amtliche Notierung (tzeld । Brief Die Krummhölzer. Roman aus den bayerischen Bergen. Don Michael Wagner. 1. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Oeha. Bräunl! — Halt stad! Wenn mich schon dein Bauer net sieht!" Der Uracher schreckte auf, zog ganz mechanisch die Zügel an. „Jeß, der Annodomini! — Jetzt wär' i bald an dir vorbeig'rutscht und hält' dich gar net kennt!" „Freili! Freili!" knurrte Sanktjohanser humorig, „wenn ma schläft, da sieht man halt nix, gel? Net amal seinen besten Spezi!" Auf den geschmückten Schlitten weisend, setzte er dann augenzwinkernd hinzu: ,L glaub' gar, du fährst auf Brautschau, Han?" „Na," erwiderte Uracher ernst, „na, aber der Zeno kommt mit dem Nachmittagszug!" Die rote Nase des Försters fuhr wie ein aufgezogenes Eisenbahnsignal in die Höhe. „Was sagst, der Zeno kommt?!. Ja, was is denn dös, so so!" Ein sonderbares Räuspern. „So, so, der Zeno!" „Ja, jetzt is er ganz frei!" bemerkte Uracher. „Mhm! Frei, mit 'm Stelzfuß!" knurrte Sanktjohanser dawider. Dann fragte er ganz unvermittelt: „Fährst nachher gleich hoam?" Uracher nickte. „Da schwang sich der Förster kurz entschlossen zu ihm^auf den Bock. „Hü!" rief er, „fahr zua! y möcht dem Zeno a gleich d' Hand geben und fahr hernach mit bis zum Kramerbuckel!" Der Uracher fragte nicht lange wie und was, schnalzte mit der Zunae und ließ den Gaul wieder laufen. Eine Biertelstunde später standen die beiden Männer auf dem menschenleeren Bahnsteig vor dem roten Stationsgebäude und warteten auf den Zug, der den Heimkehrer bringen sollte. Die Signalglocke schlug an und der Beamte drehte an einigen Kur- beln. Schweigend standen die beiden nebeneinander. Urachers Gesicht zeigte keinerlei Aufregung, es war ruhig und fest in den harten Zügen wie sonst. Nur in den grauen Augen, die immerfort den Schienenstrang entlang schauten, war ein unruhiges Flackern. „Jetzt kommt er!“ rief der Förster plötzlich in das Schweigen hinein, und gleich darauf ertönte wie zur Bekräftigung ein schriller Pfiff und der Zug bog um den letzten Bergrücken. Zischend und fauchend donnerte die schwere Lokomotive noch ein Stück an ihnen vorbei, bis mit knirschenden Bremsen die Wagenreihe anhielt. Einige Abteiltüren flogen auf, da und dort flieg irgend jemand aus und eilte grüßend an den zwei Alten vorüber. Die aber achteten kaum darauf. Ihre Blicke hasteten von Wagen zu Wagen, da nichts und dort nichts, endlich, dort ganz hinten öffnete sich noch eine Tür, eine feldgraue Uniform wurde sichtbar — „Da hinten is er!" schrie der Förster, als hätte er einen Wildschützen entdeckt, und wie auf Kommando trabten die beiden Grauköpfe den Zug entlang. Es sah sich ganz sonderbar an. Und sie kamen gerade recht, um dem Berwun- beten die Stufen herab zu helfen und einen großen, braunen Karton, den ein altes Weibele aus dem Wagen langte, in Empfang zu nehmen. Ein Pfiff, Pufferklirren, und langsam rollte der Zug weiter.. . Die drei standen allein auf dem Bahnsteig. Da nahm Zeno, der Heimkehrer, seine zwei Humpelstöcke in die Linke und streckte dem Vater mit einem Lächeln in dem etwas blassen, von einem kaufe« ligen rotblonden Bart umrahmten Gesicht die Rechte hin: „Vater, grüß dich Gott!" „Grüß Gott dahoam, Dua!" Mehr sagte er nicht, der Uracher, aber es zuckte in seinen Holzschnittzügen, als er mit beiden Händen des Sohnes Rechte ergriff. Sekundenlang standen sie so, Hand in Hand, die zwei Uracher. Auch der Herr Forster Sanktjohanser rührte sich jetzt, schob die Pelzmütze aus der Stirn und klopfte Zeno auf die Schulter: „Alos nachher Grüß Gott dahoam, alter Hau- deaen!" rief er laut im tiefen Grohlbaß seiner Stimme. Es sollte wohlwollend scherzhaft klingen, kam aber sehr gemacht heraus. „Grüß Gott, Herr Förster! I dank für die Ehr!" Zeno wandte sich zum Förster und wechselte einen kernigen Händedruck mit ihm. „Papperlapapp! — Ha! Wär schon glei recht! — Ha! — Und übcrhaupt's — ob mir da steh'n bleiben wollen im Schnee, bis uns ’s Zipperl juckt? — Han? Draußen wart' der Schlitten!" Unter solch verdächtig lauter Grobheit bückte sich der Förster nach dem im Schnee liegenden Karton, brauchte merkwürdig lange, bis er den Schnee weg- geklopft, und halte, als er wieder den Kopf hob, ein hochrotes Gesicht. „Also nachher?!" % „Soll i dich führen?" fragte Uracher den Zeno. „So a Manderl werd' glcid)Jpebiert fein, wenn's pressiert!" erklärte resolut der Förster. Zeno aber schüttelte den Kopf. „Dank schön, i geh schon recht guat!" Langsam gingen die drei bann hinaus zum Schlitten. Zeno an zwei Stöcken in der Mitte, rech- terhand Uracher, schweigsam, doch in einer Haltung, als ob er jeden Augenblick den Sohn stützend umfangen muffe, linkerhand der Förster mit der Pappschachtel. Verstohlen schielte er von der Seite her nach Zenos Beinen, und seine Augen beobachteten mit einer gewissen Scheu, wie dessen rechtes Bein sich so automatisch gleichmäßig hob und senkte, dann mit dumpfen Tone auftretend. Draußen angelangt, ließ es sich Zeno nicht nehmen, auch den freudig aufwiehemden Bräunt mit Tätscheln und einigen freundlichen Worten zu begrüßen, ehe er sich von den beiden Alten im Schlitten versorgen liefe. Während Uracher wieder seinen Platz auf dem Kutscherbock einnahm, setzte sich der Förster zu Zeno. Dabei wickelte er diesem mit großer Fürsorglichkeit die Decke um die Beine. „Bei dem oan' bräucht ’s zwar nimmer," brummte er dazu, „denn an dem erfrierst dir ganz g’rolfe koan Zehen mehr!" „Jjat seine guaten Seiten!" scherzte Zeno. Still und unbeweglich lehnte Zeno in der Schlittenecke, aber aus dem unbäuerisch zarten, von langer Lazarettzeit gebleichten Gesicht glänzten seine großen Grauaugen in heimlicher Freude. Seine Blicke eilten dem Schlitten voraus, über das Heimatdorf hinweg zum „Krummhölzer" hinauf, wo breit und stattlich das Vaterhaus in der scheidenden Wintersonne stand. Und sie wanderten grüßend bas Tal entlang und hoch hinauf zu den vereisten und verschneiten wilden Felsgraten und kühn gebauten Gipfeln, welche mit dem Silber ihres Schneekleides scharf und klar, umjubelt vom freudigen Rotgold der Aoend- sonne, ins dunkle Blau des Himmels stachen. Gedankenverloren erwiderte der Heimkehrer da und dort den Gruß und Zuruf eines Bekannten oder Kameraden oder antmoriele kurz auf all das, was der Forster ihn fragte und sagte. Wie es cigent« lich so ganz genau bei feiner Verwundung zugegan- gen fei, wollte der biedere Alte wissen, wie es denn mii dem großen Durcheinander in den Städten stehe und derlei mehr. Zeno in seinem in sich versunkenen Schauen hatte gerade zu hm, um dem Wißbegie- rigen auch nur einigermaßen Rede und Antwort zu stehen. Ein Stück hinter dem letzten Hause, wo am Kramerbuckel sich die Straße teilt, liefe Herr Dominikus Sanktjohanser den Schlitten halten. Uracher hatte während der ganzen Fahrt nicht ein Wort gesprochen. Bolzengerade und breitschulte, rig safe er mit ernster Miene auf dem Bock und fuhr wie ein Herrschaftskutscher dahin, der nur umzu- schauen oder zu reden hat, wenn er gefragt wird. Mit einigen Scherzen und freundlichem Händedruck verabschiedete sich der alte Grünrock von Zeno, dem Uracher aber rief er zu: „So, Johann, jetzt können S' weitersahren! — Servus, Quarin!" Grinste und stapfte rechtsab durch den Schnee davon. „B'hüat dich, Annodomini!" gab der Uracher zu- rück, winkte grüßend mit der Peitsche und ließ bann den Bräunl wieder anziehen . . . Und als der Schlitten mit einbrechender Nacht dann droben vor dem Hause hielt, da drängte sich alles heran, was der Krummholzerhof an Menschen barg. Der Zeno hatte seine liebe Not, um noch vor her Haustüre jedem die Hand zu drücken und grüß Gott zu sagen. Schier am schnellsten ging’s mit Toni, dem Bruder. Der sagte mit einem schalen Lächeln im roten, fleischigen Gesicht: „Grüß di, wie war d' Roas?" und streckte ihm seine klebrige Pratze zum Gruße hin. Zeno erwiderte freundlich den frostigen brüderlichen Willkomm, wandte sich dann aber Walli, der Hauserin, zu. Die stand da im Kreise ihrer Untergebenen, vor denen sie die herkömmliche Autorität zu wahren versuchte, was bei ihr stets mit möglichst bärbeißiger Miene geschah, und kämpste schluckend und augenwischend "gegen die Rührung, welche „alle G'setztheit" wegzu- schwemmen drohte. z (Fortsetzung folat.) Torfisotherm D. R. P. Wirksamste Isolierplatte der Gegenwart gegen Wärme-, Kalte- und Schallübertragung für Wohnungen, Wände, Decken und Dachausbauten Wasserabweisend — Fenerhemmend — Schalldlmplend Torf plattenwerke A. G., Triangel Generalvertretung: DipL-Ing. H. Hillmann Cassel-W., Brasseisberg, Telephon: Elgershausen 44 4864 V Wrigley P.-K. Kaubonbons Waff alböden für Eiswaffeln Bauer’sche Bonbons Schokoladen. 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