0-' Lnuayare von Hnjeiatn für die Tagesnummer vir zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8. auswärts 10 Neichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 20°/. mehr. Thefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Volitik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H-Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Hans Iustel, sämtlich in Dietzen. DieFriedensbedingungensür AbdelKrim Abreise der spanisch-sranzöfischen Unterhändler. General-Anzeiger für Oderhessen Vrvck und Verlag: Vrühl'sche Unwerfilälr-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Sieben. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnlstraße 7. Mussolini in Tripolis. Snischen Schwestern der stillen Via delle Isole auf. Hier habe ich sie manchmal vom Fenster aus gesehen, wie sie mit flinkem Schritt und hellen Augen stadteinwärts eilte. Don den wenigen Personen, die man in der Via delle Isole zu Gesicht bekommt, war sie sicher die unauffälligste. Ein hoher Polizeibeamter, der zur kritischen Stunde den lleberwachungsdienst auf dem Kapitol leitete, gestand: „Jede Person, die sich dem Duce zu nähern versucht haben würde, hätte ich zurüu- gerissen, nur nicht diese Frau!" So ganz und car ungefährlich schien sie mit ihren wmven Haaren, ihrer kindlich-harmlosen Reugierde, ihrem Taschentüchlein in der Rechten . - . Run hat man sie also nach allen Regeln der modernsten Kriminalstattstik gemessen, photographiert, auszusragen — versucht. Umsonst, Miß Gibson läßt sich nicht aus ihrer Ruhe bringen. Eisig ihr Schweigen, gelassen — der Polizei- bericht sagt zynisch — ihre Haltung So spreche ihre Korrespondenz, ihr Gepäck! Aber al5 man die Reisetasche — ach, sie reifte als Schwester eines Millionärs, als Besitzerin eines großen Danllontos, arm und dürftig — aufmachte, kam ein bißchen Wäsche heraus. Und die schwarze verdächtige Holzkiste enthielt nichts als H^ligen- bilder und Erbauungslektüre. Roch ein Griff Rom, 10. April. (TU.) Der Kolonialminister Di Scalea veröffentlicht im_ „Popolo di Roma" einen längeren Artikel über die italienische Kolonialpolitik. Eingangs seiner Aus- ührungen weist der Minister darauf hin, daß eine gesunde Kolonialpolitik auf dem Grund- ah der uneingeschränkten Souveränität des kolonisierenden Staates in den Kolonien aufgebaut sein müsse, die nicht durch Sonderabkommen mit politischen ober religiösen Sonder- aruppen innerhalb der Kolonien beschränkt tigerten dürfe. Die Sondergruppen könnten m den Kolonien nur einen beratenden Charakter zu- gebilligt bekommen. Aus diesen Gründen sei Die Besetzung der heiligen Stadt der Genüssen, Dscherabul und der an das Somali-Land angrenzenden Sultanate notwendig gewesen, da Italien nicht zugeben könne, dah von dort aus von Sondergruppen Verhandlungen mit anderen Mächten geführt würden. Ebenso wenig tonne einer angeblichen äthiopischen Rationalität in Erytrea Gehör gegeben werden. Die Entwickelung der Dahn von ©ibuti nach Aeth:- opien und der Entwickelung des Roten-Mecr» Hafens Massaua sei größte Bedeutung bei- zulegen. Das Rote Meer könne nicht dem einteiligen Interesse des englischen Imperialismus unterworfen werden. Aus diesem Grunde müsse der Hafen von Massaua als Flotten- Station ausgebaut werden. Auch könne nach dem Busammenbruch des ottomanischen Staates den gebildeten arabischen Staaten, die letzt noch hin und her schwanken, heute die größte Beachtung geschenkt werden. Der Hasen von Massaua sei der Wachtturm der italienischen Kolonialpolitik am Roten Meer. Der Minister weist ferner darauf hin, daß die Gründe für die bisherigen Mißerfolge einer großzügigen Kolonialpolitik in dem noch unentwickelten kolonisatorischen Geist der breiten Dolksmasse Italiens und in dem bureaukratischenDer- waltungsshstem in den Kolonien zu suchen seien. Heute bedeute die Kolonialpolitik einen integrierenden Teil einer einheitlich durch- gesührten Auhenpolittk. Das siegreiche Italien beanspruche das Recht, in seinen Meeren nicht unterdrückt ober blockiert zu werden. Für das faszistische Italien seien die Kolonien die Schild- wachen seiner Gröhe. Staatsstreich in Peking. Peking, 11. April. (TU.) 3n der Rächt -um Samstag ist wieder ein plötzlicher Umschwung in Peking eingetreten. WuPei Qu und Tsangtsolin scheinen sich wieder entzweit zu haben und Wu Pei Fu hat eine selbständige Bewegung gegenPeking vom Süden her eingeleitet. Die in Peking noch verbliebenen Teile der (bolschewistensreundlichen) Rational- Armee haben darauchin gestern abend einen Kriegsrat abgehalten, (/e Truppen in der Tar- tarenftabt konzentriert und den Rcichsverweier aufgefordert, die Stadt durch Sperrung der ^ore in Verteidigungszustand gegen Wu Pei Fu zu sehen. Der Reichsv erweserder augenscheinlich wieder Fühlung mit Wu Per Fu und den hinter ihm stehenden ausländischen Mächten (England Japan, Amerika) genommen hat rief indessen die Leibwache heraus und ließ kas Regierungs- und GesandtschaftSviertol durch Wachen ab sperr en. Daraufhin sind nach Mitternacht die Rationallruppen zum Angriff Dorgcgangen, haben die Leibwachen lampflos entwaffnet und versucht, den Reichverweser gefangen zu setzen. Der Staatsstreich wurde in größter Heimlichkeit ausgesührt. Die Tore der Stadt wurden geschlossen und der Telephonverlchr für mehrere Stunden unterbrochen. Die Residenz deS Reichsverwesers Tuantschihui wurde von Truppen umzingelt. Sonst waren keine Anzeichen dafür bemerkbar, dah sich irgend etwas Bedeutungsvolles abspiele. Tuantschiuyi hat sich offenoar Ium 1 Uhr morgens, noch bevor der Staatsstreich vollzogen war. zur französischen Gesandtschaft begeben Erfolg führen werde, da Add e( Krim glaube, dah Spanien und Frankreich eher den Frieden brauchten als er, da man in diesen Ländern wegen des erfolglosen Marokkokrieges immer unzufriedener würde. Auch auf dem marokkanischen K riegsfchau- platz herrscht in spanischen Offizierskreisen durch, aus die Ansicht vor, dah man vor einem Waffen- stillstand noch möglichst günstige Aus- gangsstetlungen erobern mutzte, von denen aus jederzeit mit Leichtigkeit neue Angriffe gegen Abd el Krim aufgenommen werden könnten, die bann zur endgültigen Unterwerfung des Rifführers führen würden. In diesen Bestrebungen wird die spanische Generalität auch von französischen Offizierskreisen unterstützt. Vom sranzösi- cheu und spanischen Oberkommando wird eine so- ortige militärische Operation befürwortet, die die Abschnitte von A l h u c e m a s und M e l l i l a verbindet, so daß auch an dieser Kampfront eine einheitliche und durchgehende Linie dargestellt wird. In militärischen Kreisen ist man bet Ansicht, daß die französischen und spanischen Unter- Händler in ihren Waffenstillstandsbedingungen auch die Forderung aufgestellt haben, daß Abd el Krim verschiedene strategisch wickkige Punkte zu räumen hat, damit sie von spanischen und französischen Truppen beseht werden können. Nach den letzten Meldungen aus Marokko sind im spanischen .Hauptquartier bereits alle Vorbereitungen getroffen worden, um im Abschnitt von 211- hucemas und Melilla sofort zur Offensive übergehen zu können, wenn Abl el Krim nicht freiwillig die von der spanischen Heeresleitung verlangten Ruck- zuqsoperationen antritt. Eine gemeinsame Aktion der französischen und spanischen Flotte im Alhu- cemasabschnitt ift bereite vorbereitet. Auch in wirtschaftlichen Kreisen Marokkos machen sich gegen die ^riedensverhandlungen mit Abd el Krim Widerstände geltend. Die in Rabat versammel- tenVertreter der landwirtschaftlichen Verbände Nord-Marokkos haben an den fron- zösischen Generalgouverneur Steeg ein Telegramm gerichtet, in dem sie die Aufnahme von Friedensverhandlungen mit Abd el Krim im gegcnmartiaen Augenblick als verfrüht bezeichnen. Die heroischen Erfolge der französischen Truppen wurden durch die e Voreiligkeit aufs schwerste gefährdet. DerFne- densschlutz im jetzigen Augenblick fei eine große lln- klugheit und würde sich durch schwere En r- täuschungen r ä d) e n. Frarizostzch-Nordafrlka würde weiteren Drohungen ausgesetzt fein und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes wurde durd) die Unsicherheit im Rifgebiet nur aufgehalten werden. Die Lage auf dem Kriegsschauplatz. Paris, 12. April. (WTD. Funkspruch.) „Journal" meldet aus Fez, unter ben Eingeborenen verlaute, bah Add el Krim seinen Truppen Weisung erteilt habe, eine rem defensive Haltung einzunehmen. — An der ganzen Front herrscht vollkommene Ruhe. Ein spanisches Flugzeug sott in der Gegend Targist in ben | seindlichen Linien gelandet fein. interessanten Ausbeutungen. Ein rumänischer Prälat, der eine Studentengritt>pe geführt hatte, tauchte fein Taschentuch in die Mischung. Die Automobile gingen durch wie scheuende Pferde. Frauen schrien auf. Andere stürzten vor ihrem Abgott nieder und küßten ihm den Saum seiner Kleidung. Die Carabiniere linnbften hart mit den Lynchjustizlern. Der pvinilche Gesandte, der von seinem Fenster aus die Sache mit angesehen hatte, raste zum Papst, die Reuig- feit zu überbringen. Rur einer in der kopflosen Panik behielt den Kopf oben: M u s l o - lini. Roch die Hand an der blutenden Rafe, gab er den ersten Befehl aus: Keine Storung der Ruhe, keine Repressalien! Fuhr nach Haufe und telephonierte seinem Bruder nacy Maitano. Eine Lapvalie! Ein rofa Heftpflaster über der Wunde, bis in die Mitte beioer Wangen reichend, fährt er ein paar Stunden spater lächelnd durch das Delirium der Menge. Kein Punkt an dem Programm darf geändert werden. Er seht das neue Rationaldirektorium zur zr Unerreichbare d..ästn verletzliche. „O allmäcyttgcr Gott, d.r du willst daß Italien groß werde, empfange unsere 4-ranen der Freude, unsere Danköar.eit. Lu. v Gott, hast den Mann gerettet, den wir mehr li.ven all, ten eigenen Vater. Du hast uns gereitet ten, ber in feiner Person verkörpert die Zu'Ui.r d^Z D.. lands, der in sich begreift ben tausendiahrigen italischen Witten nach,ckknabhangigkei. und Macht — sei gebenetrit auf den Kmen! Dein Rom I die von dir auserwählte Stad^ entfaltet in dir Hr 84 Erstes Blatt 176. Jahrgang IRontag, 12. April 1926 Eichener Anzeiger Varis. 12. April. (TU.) Der spanische Delegierte für die Ariedensverhandlungen mit Abd el Krim, Lopez Olivan, hat am Sonntagvormittag eine lange Aussprache mit dem Kriegsminister D a i n l e o e gehabt. Ls wurde befchlosjen, dah Olivan zusammen mit den französischen Delegierten, General Simon und Pousat, am Dienstag nach Oudja abreisen soll, wo bei ihrer An- kunst die Rifdelegierten bereits anwesend sein werden. Der dritte französische Delegierte. Duclos. wird später nachfahren. „ , „ Der Berichterstatter der „Daily Heros in langer will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, dah die französisch-spanischen Fr ieben sb eDingungen für Abd el Krim sind: 1 Anerkennung der politischen und geistigen S o u v e r ä n i t ä l des S u l t a n s von Marokko durd) Abd el Krim. 2. Vollständige AbrüsiungallerKriegs- 3. mVmV'rische Beaufsichtigung des Risgebieks durd) eine französisch-spanische Streitkraft. . . 4. vesehuiig einiger strategisch ro,ch- tiger Punkte im Rifgebiet durch die Spanier. 5. Sofortige Aufnahme wirtschaftlicher Beziehungen mit den frucht- baren Tälern nördlich des Aerghaflusses. Die Rifagenlen erklären, dah Add el Krim nur der er st en Bedingung zustimmen werde, dah jedoch die Abrüstung der Kriegsstämme, die Beaufsichtigung durch französifch-spamsche Truppen und die Besetzung einiger strategisch wichtiger Punkte unbillig sei. Wi derstände gegen die Friedenspolitik. Madrid, 10. April. (TU ) In spanischen Militärkreisen ist man mit der Einleitung von Friedensoerhandlungen in Marokko keineswegs einverstanden. Es wird darauf hingewiesen,daß die Friedensbemühungen Abd el Krims nicht ernft j.u nehmen sind, sondern lediglid) ein diplomatisches Manöver seien. 3n verschiedenen Blättern weifen Offiziere, die eben von der Ma- rokkofront kommen, daraus hin, daß die letzten Er eigniffe hinter der Front Abd el Krims darau schließen lassen, daß die Rifstämme eine neue große Offensive vorbereiten. Sie be= ürchten, daß Die Kämpfe von Abd el Krim sofort wieder ausgenommen werden würden, falls ihm die Vorschläge Frankreichs und Spaniens zu hart erscheinen sollten. Von verschiedenen Generalen wird daher noch vor Eröffnung der Friedensoerhandlungen eine große Offensive befürwortet, um Abd e l Krim für d i e F r i c ö e n s b e D i n g u n g e n reif zu machen. Auch wird von diesen Kreisen darauf hingewiesen, daß die spanischen Politiker nicht vergessen dürften, daß das spanische Heer Ja t zwei Iahrzehne in Marokko gekämpft habe und jetzt den berechtigten Wunsch hege, durch einen letzten großen Mafsenersolg den Frieden herbeizuführen. In militärischen Kreisen wird schon jetzt Doraus« gesagt, daß die Friedensverhandlungen zu keinem Peking ist froriäufig ruhig, doch hegt man Besorgnisse wegen einer Gefährdung der Gesandtschaften durch die bolschewistischen Nattonaltruppen, besonders wenn der näherrückende Wu Per Fu die Stadt zu entsetzen versuchen sollte. Das diplomatische Korps hat gegen das Fliegerbombardemont üer Stadt Peking und gegen die Unterbrechung des Vertehrs Einspruch erhoben und in Abrede gestellt, daß Präsident Tnantschiyui sich im Gesandtschafts- viertel aufhalte. Die bloten der ausländischen Mächte würden jedoch von der chinesischen öffentlichen Meinung, die sich von chrrr Wirkungslosigkeit Rechenschaft ablege, ironisch ausgenommen. 3it einer von der Nationalarmee (derKuomintschu- partei) angeschlagenen Proklamation heißt es: Luantschiyui habe seit seiner Amtsübernahme dem chinesischen Volke schlechte Dienste geleistet. Sein schlimmstes Vergehen ist die Unterzeichnung des Zollschrankenabkommens, die ohne Zustimmung des Volkes erfolgte, und die Nieder» metzelung der demonstrierenden Studenten. Er sei von Mitgliedern der Anfupartei umgeben, die ihn bei der Verletzung der Gesetze bei der Förderung seiner Privatinteressen unterstützt haben. Tschang-T?o-Lin und RutzLand. Tokio, 12. April. (WTD. Funkspruch.) Das japanische auswärtige Amt hat erfahren, Tschang» tsolin nähere sich Peking. 3n Darren in der Mandschurei soll ein Komplott zur Ernwrdung Tschangtsolins aufgedeckt worden sein, in das die Sowjetregierung verwickelt sei. Die Verschwörer hätten in Uhren versteckte VombenausWla- diwostok nach Mukden eingefuhrt. Tschang- tsolin habe die Ausweisung des russischen Vizekonsuls in Mull»cn sowie verschiedener Svwjetagenten an der chinesischen Ostbahn befohlen. Er habe auch dem russischen Botschafter in Peking. Karachan, telegraphisch angeraten, die Hauptstadt zu verlassen, da nach Pekings Einnahme seine sofortige Verhaftung erfolgen würde. Die chinesisch-russischen Reibungen in der Mandschurei sollen zunehmen. DieAbrüstungskonferenz Paris, 11. Aprril. (Wolff.) Die „Chicago Tribüne" berichtet von nicht offiziellen Verhandlungen zwischen verschied uen europäischen Mächten wegen einer nochmaligen Vertagung der Abrüstungskonferenz, die am 18. Mai unter den Auspizien des Völkerbundes in Genf beginnen soll. Diese Verhandlungen seien durch dir jüngste Erllärung Tschitscherins veranlaßt, daß Rußland sich nicht an einer, auf schweizerischem Boden stattfindenden Konferenz beteiligen wurde. Die Meinungsaustausche zwischen einigen a n Rußland grenzenden Staaten wiesen darauf hin, daß keine von ihnen sich mit der Herabsetzung der Rüstungen einverstanden erklären würde, solange nicht auchdie Sowjetregierung in die Herabsetzung der Stärke der 'russischen Armee einwilligen würde. Pol^n, die Tschechoslowakei und Rumänien seien besonders daran interessiert, und Frankreich werde durch seine Beziehungen zur Kleinen Entente ebenfalls unmittelbar berührt, doch beabsichtigten diese Regierungen nicht, dem Völkerbund offiziell eine nochmalige Vertagung vorzuschlagen, besonders wegen der Stellungnahme der offiziellen amerikanischen Kreise zu dieser Frage. Botschafter von Hoesch bei Briand. Die Zusammeu setzung der Studien- kommisfion. Paris, 11. April. (121.) Der deutsche Botschaj- ter von hoesch hat, wie erst heute amtlich milgeteilt wird, während des gestrigen Besuches am c Quai d'Orsay das deutsch-französische 2virt- j- schastsprooisoriurn unterzeichnet. Ja der Unterredung mit Briand wurde außerdem die interalliierte Militärkontrolle und der Stand der Luflfahrtverhandlungen erörtert. Sodann hat die Zusammensetzung der Kommission für die Erweiterung des Völkerbundsrats den Gegenstand der Aussprache gebildet. Der deutsche Botschafter hat an Briand folgende Fragen ge- richlek: 1. Wird die Kommission rein beratenden Charakter haben? 2. Werden die Mitglieder Bevollmächtigte sein oder nur Sachverständige? 3. Wie wird sich das juristische Verhältnis des deutschen Vertreters zu den übrigen Delegierten gestalten? 4. Wird die Kommission außer der Erweiterung des Rates auch andere Fragen zu prüfen haben? Eine endgültige Antwort darauf ist noch nicht erfolgt, so daß mit einem weiteren Besuch von hoeschs zu rechnen ist. Die hier verlautet, wird auch der deutsche Botschaster in London, Sthamer, in dieser Angelegenheit Schritte beim Foreign office unternehmen. Fest stehl bereits, daß die einzelnen Mächte beschlossen haben, sich in der Kommission durch ihre Völkecbundsdeleaierten vertreten zu lassen. Die italienische Regierung hyl als erste gestern abend der französischen Regierung mitgeteilt, daß der italienische volkerbuuds- delegierte S c i a l o j a zum Vertreter Italiens in der Kommission ernannt wird. Frankreich wird nicht durch Briand, England nicht durch Chamberlain vertreten sein. Der hessische IagdKlub vor dem französischen Kriegsgericht. WSN. Landau, 11. Marz. Vor dem hiesigen französischen Kriegsgericht, dessen Geltungsbereich sich auch auf den südlichen besetzten Teil des Freistaates Hessen erstreckt, hatten sich am Freitag vier Mitglieder des Hessischen Iagdllubs wegen verbotenen Waffentragens bzw. wegen angeblicher Teilnah meanmili- tärischen Vorbereitungen zu verantworten. Mitte August v. Zs. veranstalteten etwa 20 Mitglieder des Hessischen Iagdllubs auf dem Schießplatz Bechtheim bei Worms Schießübungen, wobei von französischen Geheimpolizisten festgestellt wurde, daß vier Mitglleder des Klubs nicht im Besitz ordnungsgemäßer Jagdscheine waren, nämlich der Landwirt- schaftsstudent Karl Biegler aus Dorn-Dürk- heim, der Landwirt Otto Krebs aus Alsheim, der Landwirt Friedrich Karl Hirsch aus Westhofen und der Kaufmann Philipp Georg Dre t- 8er aus Alsheim. Biegler wurde im Besitz eines 8-Millimeter-Iagdgewehres angetroffen, das die Franzosen als sogenannte Kriegswaffe betrachteten, außerdem trug er eine schwarzweißrote Kokarde am Hut: ferner soll er Schüler einer Rad- und Fahrschule in Elmshorn (Schleswig-Holstein) gewesen sein, die fron den französischen Behörden als eine Anstalt für militärische Vorbereitungen betrachtet wird. Ferner soll er einen Brief bei sich getragen haben, in dem in herabsetzender Weise von der französischen Besatzung gesprochen worden sein soll. Nach stundenlanger Beratung verneinte schließlich der Gerichtshof die Frage des mllitärischen Charakters der Elmshorner Anstalt, verurteilte jedoch Biegler wegen Besitzes einer Kriegswaffe zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten und 500 Mark Geldstrafe: für die Gefängnisstrafe wurde ihm Bewährungsfrist zuerkannt. Die drei Mitangeklagten wurden zu Geldstrafen von 25, 50 und 100 Mark verurteilt. Mißerfolg der französischen Schulpolitik im Saargebiet. Wie aus dem Bergmannsdorf Heicigen- w a l d, in dem die Franzosen mit aller Macht versuchen, die französischen Schulen durchzusetzen, gemeldet wird, hat sich dort beim Beginn des neuen Schuljahres die Flucht aus der französischen Schule fortgesetzt. Während weit über hundert Kinder zur Neuaufnahme in die deutsche Schule angemeldet wurden, sind nur zwei Kinder der französischen Schule zugeführt worden. Wie in Heiligenwald, ist das auch in den übrigen Orten des Saargebietes der Fall. Die französischen Schulen sind infolge des Versiegens des Zuflusses neuer Kinder heute schon auf den Aussterbeetat gesetzt. Keine Rückkehr des Exkronprinzen Carol. TTl. Bukarest, 10. April. Wie der Vertreter der Telunion an zuständiger Stelle erfährt, entspricht die Meldung über eine Reise des Kronprinzen Karol nach Budapest und Bukarest nicht den Tatsachen und ist als eine Irreführung auf $uf affen. Die Nachricht wird darauf zurück- gefuhrt, daß von den in Budapester Palace ab- gefliegenen rumänischen Staatsangehörigen Belin, Radu und Konstantin Vilu, ersterer auffallende Aehnlichkeit mit dem Kronprinzen Karol hatte. Die Budapester Polizei stellte jedoch sofort fest, daß eine Identität mit dem rumänischen Kronprinzen nicht vorliege. Nach zuverlässigen Informationen befindet sich Kronprinz Karol nach wie vor in Paris. Der Bukarester Presse ist unter Androhung des Verbotes des Erscheinens die Veröffentlichung der Meldung über die angebliche Reise des Kronprinzen Karol nach Budapest untersagt worden. Kleine politische Nachrichten. In parlamentarischen Kreisen wird davon gesprochen, daß der Reichsjustizminister Marx demnächst von feinem Amte zurück- treten wolle, um Nachfolger Fehren- bachs als Führer der Zentrumsfraktion zu werden. Vom 24. bis 31. August wird eine Weltkirchenkonferenz in Bern tagen, die als Fortsetzung der Stockholmer Kirchenkonferenz angesehen werden kann. Der Schweizer Bundes- Präsident wird die Konferenz im Namen des Bundesrats begrüßen. Der tschechoslowakische Gesandte in Warschau Dr. Robert Flieder wir nach Spala abreifen, um dem Präfidenten der polnischen Republik die goldene Kette zum weihen Löwenorden zu überbringen. Die auf ständigen Drusen haben die Eisenbahnstrecke zwischen Damaskus und Dsraa an vier verschiedenen Stellen a u f g e r i f f e it und den Eisenbahnverkehr vollkommen unterbunden. Eine Abteilung Aufständischer soll in Damaskus eingedrungen sein fünf Gendarmen gefangen genommen und vier weitere getötet hwben. In Beirut ftnd 2000 Mann französische Truppen als Verstärkung angekommen. Der französische Botschafter Herbette teilt mit, daß eine französische Flotten ab- teitung in diesem Sommer Sebastvpvl, Odessa und Leningrad besuchen wird. Die Sowjetregierung hat Anordnungen zum festlichen Empfang der Gäste getroffen. Kunst und Wissenschaft. Religiöse pädagogische Konferenz In Dena. In Gegenwart zahlreicher Vertreter der pädagogischen Wissenschaft, sowie der kirchlichen und staatlichen Behörden fand in Jena die dritte religiöse pädagogische Konferenz statt. Der Vorsitzende, Vizepräsident Dr. W a ß n e r (Magdeburg), wies in seiner Eröffnungsansprache darauf hin, daß diese Tagung die erste sei, die von der vor einem Jahre gegründeten Gesellschaft für evangelische Pädagogik veranstaltet wurde, und verbreitete sich über die Notwendigkeit und die Aufgaben dieser Gesellschaft, die das gesamte Gebiet der pädagogischen Wissenschaft für die Gestaltung der religiösen Erziehung fruchtbar machen will. Geheimer Schulrat Dr. Kürst en (Erfurt) gab einen geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung des Berufsschulwesens und seiner inneren Ausgestaltung. Als Forderung stellte er auf, daß in allen Berufsschulen nicht nur Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, sondern der ganze Unterrictstsstoss vom Reiche der ethischen Werte aus beleuchtet we» den solle. Die wichtigste Vorbedingung hierfür sei die Persönlichkeit des Lehrers. Oberregterungs- und Schulrat Nickol (Düsseldorf sprach über neue Wege auf dem Gebiete des l ä n d l ich e n Fort- b i l d u n g s s ch u l w e s e n s und die Bedeutung der Möglichkeit religjös-sittlicher Erziehung, lieber die städtischen Berufsschulen und die in ihre notwendige und mögliche Erziehung sprach Dberregierungsrat Dr. Busch (Düsseldorf). Der 9iebner zeigte, daß die Möglichkeiten, die di» gesetzlichen Bestimmungen für Erteilung des Religionsunterrichts an den Berufsschulen geschaffen hätten, leider bei weitem noch nicht ausgenutzt seien. Auch müsse sich die Elternschaft in viel stärkerem Maße um die Berufsschulen kümmern und dafür sorgen, daß sie erhalten und ausgebaut würden, und daß auch die Raumfrage, unter der ihre innere Entwicklung sehr leidet, gelöst werde. Am Nachmittag tagte der Konvent der Gesellschaft für evangelische Pädagogik, auf dem von einem starken Anwachsen der Mitgliederzahl und einer erfreulichen Aufnahme der neuen pädagogischen Zeitschrift der Gesellschaft „Die evangelische Pädagogik^ berichtet werden konnte. Die ganze Tagung war ein Beweis für die intensive und weitreichende Arbeit, die beute auf dem Gebiete der evangelischen Pädagogik geleistet wird. Reichsmischshekonsereuz. In Berlin tagte die erste Reichsmifchehen- kcmferenz. Außer dem Evangelischen Bund, der sie angefagt hatte, war eine Reihe weiterer Orga«* nifationen vertreten. Nach einleitenden Referaten wurde das Mischehenproblem in angeregter Besprechung behandelt, in der davon auSgegangen wurde, daß die katholische Kirche entgegen früherer Hebung in Deutschland ihre dogmatischen An- schauungen und kanonischen Ordnungen in verschärfter Form zur Geltung bringe. Die Konferenz konstituierte sich als ständige Einrichtung. An die Kirchenbehörden richtete sie einen Antrag auf Herstellung eines einheitlichen evangelischen Mischeh en rechtes. Die firebsüberlragung. In der letzten Sitzung der Deutschen Chirurgischen Gesellschaft in Berlin machte laut »Börsenkurier" während der Aussprache über die Entstehung und chirurgische Beseitigung des Darmkrebses der Königsberger Privatdozent Dr. Kurtz ahn die Mitteilung, daß erSelbstversuchederKrebs- Übertragung von Mensch zu Mensch unternommen hat. Dr. Kurtzahn hat sich ein Stückchen einer operierten Krebsgeschwulst der Brustdrüse in fein Bein überpflanzen lassen. Gr wollte damit die herrschende auch fron ihm selbst vertretene Ansicht, daß der dirett übertragene menschliche Krebs an einem Gesunden nicht lebensfähig ist, beweisen. Dies gelang ihm auch, da das übertragene Gebilde schon nach einigen Tagen abstarb. Die wetteren Versuche des Arztes mit Serum, das aus seinem nach der älebertragung abgezapften Blut gewonnen wurde. Kranke zu heilen, zeigten ein negatives Ergebnis. Professor Lintner f. Geheimer Hof rat Dr. Karl Theodor Lintner, ordentlicher Professor der angewandten Chemie — insbesondere der Gärungschemie — an der Technischen Hochschule in München, ist im 71. Lebensjahre gestorben. Der als Forscher und Gelehrte gleich angesehene Wissenschaftler zählte zu den ersten Autoritäten auf dem Gebiete der Gärungschemie. Aus aller Wett. Eingerneindungspläne Heidelbergs. Die vor einigen Jahren abgebrochenen Verhandlungen der votqöt Heidelberg mit der etwa 5000 Einwohner zählenden Nachbargemeinde Rohrbach werden voraussichtlich demnächst wieder ausgenommen werden, nachdem jetzt eine Bürgerausschußsit- zung der Gemeinde Rohrbach mit 39 gegen 22 Stimmen den Wunsch nach Eingemeindung nach Heidelberg zum Ausdruck gebracht haben. Es dürfte anzunehmen fein, daß von Heidelberg aus den in Aussicht stehenden Verhandlungen keinerlei Schwierigkeiten gemacht werden, so daß Rohrbach, das sich in den letzten Jahrzehnten von einer rein ländlichen Gemeinde zu einem Industrieoorort entwickelt hat, bald in Heidelberg aufgehen dürfte. Bundestag des Deutschen Feldposlbundes. Der „Deutsche Felbpostbund" (Vereinigung aller Feldpost- und Telegraphenbeamten aus dem Weltkriege) hält feinen fünften Bundestag vom 13. bis 16. Mai in Hamburg ab. Delegierte aller Bezirksgruppen hn Deutschen Reich werden an dieser Tagung teilnehmen. Die Tagung soll neben der Beratung einzelner Bundesangelegen- heften im besonderen der Aufrechterhaltung des kameradschaftlichen Zusammenhanges, der Pflege des vaterländischen Gedankens und der Fürsorge für die Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen Kameraden dienen. Die Tagungstellnehmer werden ferner Gelegenheft haben, die Stadt Hamburg und den Hafen zu besichtigen. Weiter ist eine Fahrt nach Friedrichsruhe vorgesehen. Ein grauenhafter Raubmord. In der Gemeinde Rockendorf bei Marienbad wurde ein bestialischer Raubmord verübt, dem bisher drei Menschenleben zum Opfer fielen. Zwei weitere Personen sind schwer verletzt. Ein Opfer dürfte mit dem Leben davonkommen. Der 40jährige in Rockendorf wohnhafte Landwirt Rudolf Döll- n e r hatte dieser Tage einen Ochsen verkauft und hierfür etwa 4000 tschechische Kronen bekommen, die er in feinem Hause aufbewahrte. Von diesem mußte der bisher noch nicht bekannte Täter Kennt- nis erlangt haben. Er überfiel um 1 Uhr nachts die in ihrem Bell schlafende Familie, ermordete mit einer Axt zunächst einen zweijährigen Knaben, ein vierjähriges Mädchen und die zwanzigjährige Magd. Darauf fügte er dem Landwirt Zöllner und einem siebenjährigen Kind schwere Verletzungen zu, die ihren Tod herbeiführen müssen. Die Ehefrau des Döllner erhielt ebenfalls schwere Axthiebe über den Kopf. Man hofft jedoch, sie am Leben erhallen zu können. Dem 13jährigen Sohn Kaspar war es gelungen, von dem Mörder unbemerkt unter das Bell zu kriechen, von wo er von Schrecken gelähmt dem blutigen Wüten des Mörders gegen seine Eltern und Geschwister zusah. Der Knabe bemerkte auch, wie der Mörder nach vollbrachter Bluttat Schubladen und Kasten durchwühlte und, als er das Geld fand, dieses zählte und darauf das Haus verließ. Der Knabe alarmierte sofort das Dorf. Aus dem nahen Königswart wurde Gendarmerie mit Polizeihunden herbeigerufen, auch ein Arzt war bald zur Stelle. Ein Kilometer vom Tatort entfernt wurde im Walde die Axt gefunden, mit der die Tat verübt wurde. Der Glockenkurm zu Toulouse eingeslürzl Am Sonntag früh ist der aus dem 15. Jahrhundert stammende Glockenturm von Toulouse eingestürzt. Die Trümmer fielen auf ein Wohnhaus, das völlig zerstört wurde. Vier Hausbewohner sind getötet worden. Bei den Aufräumungsarbeiten wurde noch ein Schwerverletzter zutage gefördert. Man befürchtet, daß sich noch weitere Opfer unter den Trümmern befinden. Flugunglück auf einem englischen Flugplatz. In 90 Meter Höhe stieß auf dem Flugplatz Henlow ein mit vier Personen besetztes Flugzeug mit einem Zweisitzer zusammen. Beide Apparate singen sofort Feuer und stürzten brennend zu Boden. Dem Unglück fielen zwei Offiziere und drei Soldaten zum Opfer. Zusammenbruch eines hungerkünsllers. Der Hungerkünstler Wallmann, Der in einem Berliner Lokal in Der Frankfurter Allee mindestens 50 Tage hungern wollte, um Den Rekord i>e5 Hungerkünstlers Colly zu Bremen, erlitt in feinem Glaskasten angesichts der großenMenschen- menge einen Lobsuchtsanfall. Er zertrümmerte die Scheiben, verletzte sich dabei und stürzte blutüberströmt durch die entsetzte Menge auf die Straße. Nachdem Walllnann, der bereits 31 Tage gehungert hat, auf der Rettungsstelle verbunden war, wurde er in feine Wohnung gebracht. Die Hochwasseckalastrophe am Tigris. 5000 Arbeitern ist es bei ununterbrochener Tätigkeit bls jetzt gelungen, die Stadt Bagdad vor der drohenden Kleberschwemmung zu bewahren. Der Wasserspiegel des Tigris ist um acht Zentimeter gefallen. Auf dem Bahnhof lagernde Waren im Werte fron V* Million Pfund (Sterling find teilweise überschwemmt. Sachverständieg bezeichnen die Lage in Bagdad als schlimmer denn je. Das ^leberschwemmungsgebiet in der die Stadt umgebenden Wüste dehnt sich rasch aus und der Wasserstand ist dort 15 Fuß höher als in vielen Teilen von Bagdad. Der Gesamtschaden beträgt bisher weit über eine Million Pfund. Der Großglockner im Privalbesih. Es dürfte nicht allzusehr bekannt fein, daß einer der mächtigsten deutsch-österreichischen Gletscherberge, nämlich der 3800 Meter hohe Großglockner im Zillertal, das käuflich erworbene Eigentum eines Herrn Weiler aus Essen a. d. "Ruhr ist. Der Eigentümer hat bereits vor einiger Zeit diesen hochalpinen Sportberg für die Alpinisten sperren lassen wollen, diesen Plan aber wegen deS Entrüstungssturmes unter den Bergsteigern aufgegeben. Nunmehr will Herr Weiler aus Essen endgülttg seine Rechte geltend machen und das Besteigen des Großglockner in diesem Sommer verbieten. Die Deutsch-österreichische Alpenklub hat gegen dieses „Attentat", gegen das rechtlich nichts zu machen ist, Protest eingelegt Herr Weller aus Essen scheint sich in seinem Bergbesitz ein privates alpines Schutzgebiet errichten zu wollen, um das Wild an den Abhängen und in den Wäldern des Großglockners zu schützen. Die Suche nach dem Kölner Mörder. Die britische Geheimpolizei von Scvlland Bard stellt zurzeit Nachforschungen nach Dr. P roch er an. der verdächttg ist, den Architekten Oberreuter in Köln ermordet zu haben, auf dem Luftwege nach England floh und von den deutschen Behörden in London vermutet wird. Die bisherigen Nachforschungen haben nichts ergeben, daß ein Passagier, auf den die Beschreibung Prochers zutrifft, in England gelandet ist. Die in den verschiedenen Hotels angestellten Nachforschungen sind ergebnislos geblieben. Ein Taubstummer überfahren. In Lampertheim tourbe ein 20jähriger taubstummer Arbeiter, welcher sich auf dem Rade befand, fron einem Lastkraftwagen erfaßt und überfahren. Er war auf der Stelle tot. Der Verunglückte, der naturgemäß die abgegebenen Signale nicht Horen konnte, scheint dirett in den Lastkraftwagen hin e in g e fahren zu sein. Brandstiftung. Die Nachforschungen nach dem Täter des vor einigen Tagen gemeldeten Laubenbrandes in (Brunau bei Berlin, dem - zwei Menschenleben zum Opfer fielen, haben dazu geführt, daß der Laubenbesitzer Braun unter dem dringenden Verdacht verhaftet wurde, den Brand in seiner Laube selbst gelegt zu haben, um sich seiner Frau und seiner Schwiegermutter, mit denen er dauernd in Streitigkeiten lebte, zu entledigen. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 12. April 1926. Dis Luftpost. Seit dem 8. April, dem Tage der Wiederaufnahme des Luftverkehrs, können Postsendungen auch von Gießen aus direkt mit dem Flugzeug abgeschickt werden. Die wichtigsten Bestimmungen über diesen Verkehrszweig sind folgende: Zur Beförderung als Luftpostsendungen sind zugelassen: Jnr Inland verkehr und nach der Freien Stadt Danzig gewöhnliche und eingeschriebene 'Brieffenbungen jeder Art, gewöhnliche und dringende Pakete, die in keiner Ausdehnung 60 Zentimeter überschreiten (Einschreiben und Wertangabe nicht zugelassen), sowie Zeitungen von Verlegern mit Anschrift der Empfänger (Mindestmenge je 5 Stück einer Nummer); im Verkehr mit dem Auslande gern ö h n li ch e und eingeschriebene Briefsendungen jeder Art. Wegen der nach einzelnen Ländern zugelassenen Versendung von Paketen und Zeitungen geben die Schatterstellen der Postämter Auskunft. Alle Luftpostsendungen einschl. der zugehörigen Paketkarten müssen die deutliche Angabe „M i t Luftpo st" oder „M i t F l u g p o st" tragen. Dieser Vermerk kann handschriftlich, durch Druck oder durch Zettelaufllebung hergestelll werden. Luftpostsendungen werden bei allen Postanstal- ten angenommen. Gewöhnliche Brieffendunaen können auch durch die Briefkasten aufgdiefert werden. In Gießen müssen die Sendungen beim Postamt 1, Bahnhofstraße, für die Flüge nach Kassel spätestens 9 Uhr vormittags, für die Flüge nach Frankfurt a. M. spätestens um 12* Uhr nachmittags oorliegen. Um die Luftpostsendungen vor anderen Sendungen bester kenntlich zu machen, empfehlt es sich, sie ganz oder wenigstens zum Teil (neben den gewöhnlichen Freimarken) durch Luftpostmar- k e n freizumachen, oder die besonderen Luftpostkarten zu benutzen. Luftpostwertzeichen, von denen am 1. April eine neue Ausgabe erschienen ist, werden bei allen größeren Postämtern ständig zum Verkauf bereit gehalten. Zur beschleunigten Abtragung der Luftpostsendungen am Bestimmungsort ist Eilzustellung unter Vorausbezahlung der Eilzustellgebühr (für Briefsendungen im Ortszustellbezirk 30 Pf.) zweckmäßig. Für Luftpostsendungen wird außer den gewöhnlichen Gebühren folgender Luftpost Zuschlag erhoben: Nach dem <5 n I a n b e sowie nach ber Freien Stadt Danzig, Litauen einschl. Memelgebiet und Oesterreich für Postkarten 10 Pf., für andere Vriefsendungen (einschl. Päckchen) bis 20 Gramm 10 Pf., bis 50 Gramm 20 Pf., bis 100 Gramm 40 Pf„ bis 250 Gramm 1 Mk.„ bis 500 Gramm 1,50 Mk., bis 1 Kilo 3 Mk., bis 1Z Kilo 4,50 Mk., " es bei IIl9ns- ä^SSftK Iuf7? 2'gris .? bM iWtz LZBÄ SZLÄ »Ä-S IlÄ“* ' M8 fiÄH »aäfs !"s^S£^ ierrelchjsLe SLJi^te« «W ÄSZ bem fiofaer Mürber fcÄei d°n öajtlonb nach S? Mächtig ch, den 2l£ JJ" Äofn ermordet England »oh UASor-en IrL Con5on ^fanget Äachforschnngcn WhÄ au $*£grilk in < m kn $w Jungen fmb ergebniS- imma übnsahren. 5™^ ^n 20iähriger taub- Mr ich auf dem 3abt Lasurasttvagen erfaßt und : auf btt Stelle tcL Der üurgemaß die abgegebenen tarnte, scheint direkt m den ungefaßten zu sein, mdstistung. m nach dem Täter der w den Saubenbranbesw. M zmi Menschenleben zmn izu geführt, daß der Laubm- bem -ringenden Verdacht Der- >nü in seiner Laube selbst sich seiner Frau und seiner men er dauernd in Streitig- len- liliMhWM :ßen, den 12. MNM Luftpost. I, dem Tage der Wiederaus- •=>. können Postsendungen auch direkt mit dem jlug- werden. Die wichtigsten Legen Verkehrszweig sind so!' als Luftpostsendungen sind rkehr und nach der Freien hnljche und eingeidinebene Att, gewöhnliche unb bnn- feiner Ausdehnung 60 ZenN- Tinschreiben und Wettang°be >ie Leitungen von ißetlegern ’mpianger Wndestmenge |t 'erZ: hem Auslände gr- Ui*« **" <(•'2 y6>i* die deutliche w tw» Ä-* sLss äsRtä Hf ttfl6ii£k für V •ÄSS®m* inbungen o^e^ffes1 p4. h zu ma*y,iI (neben A Sie kStK^K ks^*m Z S- ’** U «"Sa uf., rf* JL 20 $f" E ZOO JS Wunsch haben wir Büchertrsch seine Habe kann sich jeder mit Lr.AelnrelchsMottovLt-rrl Worms. Unter dem Namen verein" sind die kurhessischen die ihre Jahresversammlung Bebra abhielten. Lehrer organisiert, am Samstag in Unfallrenten. Dringende Pakete zwischen Deutschland und Frankreich. Dom 15. April an sind im Verkehr mit Elsah-Lothringen dringende Postpakete bis zum Gewicht von 10 Kilogramm zugelassen. Dom gleichen Zellpunkt an übernimmt die Deutsche Reichspost die Wer- terleitung dringender Pakete aus Elsah-Loch- ringen nach Hinterländern Deutschlands und um- (to r Kilo 6 Mr.; Pakete bis 1 Kilo 2 Mk.. dar. toer für jedes angefangene * Mo 60 Pf. lieber die Gebühren nach dem A u s l a n d e er» hält man bei den Postämtern Auskunft. Bornotizcn. Färberei Gebr. Rover ehern. Reinigungswerke ----Laden: Marktplatz 8 :: Telephon 1459 Mode töricht sei. = Z u der Lehrertagung in Heppenheim, über die wir am Freitag berichteten, wird uns mitgeteilt, daß es sich dort um die Haupt- oersammlung des Katholischen Lehreroer- eins für Hessen handelte. Der Hessische Landes- lehreroerein tagte Freitag und Samstag in — .... - „Hessischer Lehrer- Vvllenduna ber Selbstverwaltung. In einem Schluhabschnrtt setzt sich der Verfasser mit den latenten Gegenkräften auseinander, die auS den manchefterlichen Dedankengängen (vor allem in Verfolg von Ansichten dcS Engländers MalthuS) und auS ungerechtfertigten Analogien Darwinscher Lehren auf gescllschaftS- und kulturwmen- schädlichem Gebiet entsprungen sind. — Der Kakteenzüchter von TS. Roeder. Mit 32 Tafeln und 26 Abbildungen im Text. Zranckh'sche Derlagshandlung, Stuttgart. PrelS geh. AM. 2.40. in Halblw. geb. AM. 4 —. Sine neue Mode beschäftigt sich gegenwärtig mit der Aufzucht von Kakteen, weniger aus Liebe und Derständnis für die Pflanze dl8 mehr um einer Laune zu genügen. Bücher darüber gibt es genug, doch nur wenige, tue To wie dieses in die biologischen Lcbensbedingungen und -Vorgänge dieser merkwürdig geformten, stacheligen Pflanzenformen einsühren und eine Grundlage schassen, um aus einer Modelaune eine bleibende Liebe für diese seltsamen Aaturgebilde zu schas- I fen, die so viel Reiz und Freude bergen. 129 unterrichtSstelle m Hessen. Denzer. sowie Rektor Clatz. den Vorsitzenden deS Hess. Deamten- bundes. begrüßen. 3n seinem Jahresbericht hob der Dorsitzende hervor, daß das Reichsschulgesetz zwar zu Fall gekommen sei, die Gesahr wäre aber noch nicht beseitigt. 3n der Beaufsichtigung des Religionsunterrichtes sei eine Verbesserung erzielt worden, die den Forderungen des Hess. Landes-Lchrervereins entspreche. Ferner teilte der Vorsitzende mit, daß auf einstimmigen Beschluß des Dorstandes der Landtagsabgeordnete Dr. L e u ch t g e n s aus dem Hess. Landes- Lehrerverein ausgeschlossen worden ist. Lebhafter Beifall der Dersammlung billigte diesen Beschluß des Dorstandes. Zur Steuerung der Rot der abgebauten Junglehrer wurde der Boisttand ermächtigt, einen ausreichenden Sonderbeitrag monatlich von den Mitgliedern zu erheben. Ferner wurden Besoldungsfragen, die Frage der Der- Wendung weiblicher Lehrkräfte und weitere De- russfragen verhandelt. Am Abend fand ein Begrühungsabend statt, der geselligen Charakter trug. ___________ Schöffengericht Wetzlar. gekehrt. •• Einschreibsendungen im Aus - landverkehr. 3m Postbetrieb sind vielfach Einschreibbriefe nach dem Ausland aufgefallen, auf deren Rückseite Spuren getrockneter Gummilösung vorhanden bzw. Papier- oder Marken- streifen aufgeklebt waren. Solche Merkmale deuten auf eine Oesfnung und einen Wiedervrr- schluh vor der Einlieferung hin und sind nach Art. 22 § 1 der Vollzugsverordnung zum Weltpostver- trag von Stockholm nicht zugelcrssen. Die Postanstalten sind daher angewiesen, Einschreibebriefe nach dem Auslande mit derartigen Merkmalen zurückzuweisen. ** Unsere Blumen und die Mode. Die Sammlung von Geboten und Gesehen, die wir Mode nennen, die einander immer wieder bald verdrängen, bald ergänzen und denen die Frauen sich so Sem unterwerfen, weil sie ihrer Freude an Slbwechs- tngen schmeicheln, die hat sich eigentlich kaum jemals auch über die frischblühenden Blumen zum Herrn gemacht. Denn wenn auch einmal „Blumenschmuck" für Hüte und Kleidung als Parole ausgegeben wird, so handelt es sich dabei doch immer um Kunstblumen. Warum muß das so fein? Blumen aus Samt und Seide haben freilich den Borzug der längeren Haltbarkeit, dafür wirkt aber ein kleiner Strauß von echten duftenden Blumen doch viel natürlicher; denn das ist ein Stückchen lebendiger Natur, die man sich damit zu eigen nimmt, mit dem man teilhat an dem großen Wunder, das in dieser Zeit sich erneuert: die Auferstehung und Wiederkehr all des Schönen, dessen wir uns Jahr um Jahr erfreuen dürfen. Wenn man also echte Blumen statt künstliche zum Schmuck nimmt, dann ließe sich, dies eine Mal wenigstens, nicht behaupten, daß die noch weniger ausgewirkt hat. - Auftrieb auf dem heutigen, Frankfurter Schlachtviehmarkt. 3d2 Ochsen, 38 Bullen, 782 Färsen und Kühe, 314 Kälber, 48 Schafe. 3811 Schweine. Icrhrestaoung des Hessischen Landes - Lehrervere.ns. fw. Worms. 11. April. Freitag unb Samstag fand hier die Iahrestagung des Hell. Landeslehrer-Vereins statt. Sie Vertreter-Versammlung, an der 5-600 Lehrer teilnahmen, wurde Freitag vormittag von dem Lanves- vorsitzenden Rektor Reiber eröffnet. Der Redner konnte in seiner Begrüßungsansprache als Vertreter des Landesamtes für das Bildungs- toefen die Oberschulräte Diehl und 3 u n g, Schulrat Friedrich und den Leiter der Werk- — Wege zur Bildung. Herausgegeben von Dr. Friedrich Matthaesius. Band l: Dr. Hermann Ammon, Organische Bildung. .Ein Führer zu Büchern und zum Wissen. C. Dunn- haupt Verlag. Dessau. - Der Verfasser grbt hier auf 136 bescheidenen Seiten einen guten, äußerst zufammengedrängten übersichtlichen Wegweiser (für Laten. Autodiktaten, Dlldungs- hungrige jeder Art, jedes Alters, jeden Geschlechts) und den bibliographischen Leitfaden, mit dessen Hilfe es jedermann ein Geringes sein wird, sich die Wege zum Wissen, zur Erweiterung des Horizontes feEbft ohne Mühe zu erschließen, mit dessen Unterstützung manche Entmutigung, Enttäuschung, viel nutzloses, planloses Suchen, eine Menge überflüssiger Ballast und toter Kram vermieden wird. Das Büchlein wird von vielen dankbar begrüßt werden, wird jedem ein verläßlicher Ratgeber fein. „ . 133 — Die ges ellschaf tliche Bedeutung der Wohlfahrtspflege. Vortrag, gehaüen bei der sächsischen Landeswohlsahrts- tagung (Recht und Staat in Geschichte und Gegenwart 40.) 1926. 40 S. 8*. - Sie Wohlfahrtspflege ist zu einem der wichtigsten und umfänglichsten Zweige staatlicher und gemeindlicher Betätigung geworden. 3hre Bedeutung für das gesellschaftliche Leben erhellt bte vorliegende Schrift. Ausgehend von einer Begriffs- beutung. was Wohlfahrtspflege ist unö_ will, untersucht sie zunächst deren Leistungen für die Privat- und Volkswirtschaft. die Wohlfahrtspflege als Förderin der Produktion und chre konsumpolitische Wirkungen, die sich in Konsumveredelung zeigen. 3m zweiten Teile werden die sozialethischen und politischen Werte aufge- zeigt Die Wohlfahrtspflege erschließt Quellen ; innerer Dolksverbimdenheil und führt in den i neuzeitlichen Fo.men Der Beteiligung ehrenamt- Julll 10211211 I sicher Helfer und Verbände auf ihrem Gebiet zur > <2 Wegen Unterschlagung hatte sich ein ehemaliger Derwaltungsgehilfe aus Wetzlar zu ver- I antworten. Dem Angeklagten, der bei dem Stadtwohlfahrtsamt in Wetzlar beschäftigt war, wurde zur Last gelegt, etwa 1400 Mk. unterschlagen zu haben. Das Geld hat der junge Mann in leichtfertiger Gesellschaft verjubelt. Mit Rücksicht auf das Geständnis des Angeklagten, sowie darauf, daß der I der Stadtverwaltung entstandene Schaden in» I zwischen von den Estern des Angeklagten voll gedeckt worden ist, erkannte das Gericht wegen fort» I gesetzten Betrugs auf 200 Mark Geldstrafe, evtl, für je 5 Mk. ein Tag Gefängnis, sowie Auferlegung der Kosten des Berfahrens. Eine Geburtstagsfeier, die recht blutig endigte, fand jetzt ihr gerichtliches Nachspiel. Fünf Burschen aus bringen ft ein hatten sich wegen geföhr- I licher Körperverletzung zu verantworten. Sie hatten auf dem Heimweg von der Wirtschaft, in der man I gefeiert hatte, einen Teilnehmer mit Zaunlatten. I ^pazierstöcken und Fußtritten mißhandelt, einer der Täter hatte dem Verprügelten auch einen schweren Messerstich beiaebracht. Die Angeklagten wollen die Tat in Notwehr begangen haben, was das Gericht aber nicht als vorliegend ansah. Das Urteil lautete I gegen den Hauptangeklagten auf 1 Jahr Gefängnis unter Anrechnung von sechs Monaten Untersuchungshaft, ein weiterer Angeklagter erhielt 6 M o n a t e und die übrigen je 2 Monate Gefängnis, auch wurden den Angeklagten die Kosten des Bewahrens auferlegt. Diebstahl und Urkundenfälschung wurde den | Eheleuten N. aus Dillenburg zur Last gelegt. Die 'Angeklagten hasten die Gasrechnung nicht bezahlt. Da ihnen deshalb der Gasbezug gesperrt worden war, hatten sie heimlich aus der Leitung Gas entnommen und zu diesem Zwecke Manipulationen an der Gasuhr vorgenommen. Beide Angeklagten beftritten die strafbaren Handlungen, was jedoch durch die Beweisaufnahme widerlegt wurde. Das Urteil lautete gegen den Ehemann wegen fortgesetzten schweren Diebstahls in Tateinheit mit versuchter schwerer Urkundenfälschung auf 3 Monate Gefängnis, während die Ehefrau wegen fortgesetzten einfachen Diebstahls an Stelle von einer Woche Gefängnis mit 35 Mk. Geldstrafe davon» kam. Beiden Angeklagten wurden die Kosten des Verfahrens auferlegt. Wegen Verleitung zum Memeid stand ein Schleifer M. aus Steinbrücken bei Dillenburg unter Anklage. Der Angeklagte, der im Jahre 1923 in einen ^Zivilprozeß wegen einer Alimentenforderung verwickelt mar, soll versucht haben, den Zeugen M. zur Abgabe einer falschen eidlichen Zeugenaussage zu verleiten, damit der Prozeß zu seinen Gunsten entschieden werde. Der Angeklagte bestritt die ihm zur Last gelegte Handlung, er will nur versucht haben, auf den Zeugen einzuwirken, daß er auch dis Wahrheit vor Gericht sage. Obwohl die Staatsanwaltschaft 1 Jahr Zuchthaus beantragt hatte, gelangte das Gericht zur kostenlosen Frei- sprechung des Angeklagten, da der Hauptzeuge, ein Italiener, die deutsche Sprache nicht vollständig beherrschte und seine alleinigen Bekundungen zur Verurteilung des Angeklagten nicht ausreichten. Dieses Monats abgeschlossen sein. •• Die Gießener Frühjahrsmesse hat gestern mit einem Massenbetrieb auf Dem OSwaldSgarten ihren Anfang genommen. Das schöne Wetter hat Den Schaustellern Diesmal Die Rechnung erfüllt. Die vielfachen Darbietungen fanDen lebhaftes 3nteresse unD rege 3n- I anspruchnahme. Hoffentlich bleiben Der Wetter- | gott und Der Geldbeutel Des Publikums Den Messeleuten auch weiterhin gewogen. " Gin gemeiner Kerl treibt feit einigen Wochen in Der engeren Umgebung Der Stadt sein Unwesen. Der Mensch belästigt Frauen und Mädchen, die ohne mäimlichen Schutz I sind, zum Teil tätlich, zum Teil in anderer. Das Schamgefühl verletzender Weise. Auf besonderen ~ - - — bisher geschwiegen, um der Polizei' Die Ergreifung dieses Burschen zu erleichtern. Rachdem diese Bemühungen bis jetzt erfolglos geblieben sind und gestern mittag Der Kerl sich erneut in unerhörter Weise betätigt hat, halten wir es für ratsam, Die Allgemeinheit zum Schutze unserer Frauen und Mädchen vor Diesem Subjekt aufzurufen. Wan muß selbstverständlich verlangen, daß Die Polizei alle Maßnahmen trifft, Die zur Verhaftung des Kerls führen können, es wird aber auch gut sein, wenn das Publikum entschlossen handelt, sobald dieser Wüstling sich wieder zeigt. Frauen oder Mädchen, Die belästigt werden, mögen Die nächst, erreichbare männliche Hilfe herbeirufen, und Die Männer mögen dem Kerl mit aller Tatkraft zu Leibe gehen und ihn Der Polizei übergeben. Bisher hat sich Der Täter mit Vorliebe im Philosophenwald. auf dem Wiesenweg nach Dort, auf dem Trieb und in dessen Umgebung Herumgetrieben, es ist aber nicht ausgeschlossen, Daß er seine Tätigkeit auch nach anderen Teilen Der Stadt verlegt. Deshalb überall Die Augen auf und die Hände bereit zum Zupacken! * Ermäßigung Der Steuerver- zugszins en. Aach einer Verordnung des Reichsfinanzministers werden Die Zinssätze Der Steuerzinsverordnung wie folgt geändert: Für Verzugszinsen wird Der Zinsfuß von 10 l auf 9 Proz., bei Zahlungsaufschub von 8 auf Z Proz. und bei Bewilligung der Stundung von 8 auf höchstens Z Proz- ermäßigt. Diese Zinsermäßigung tritt mit Wirkung vom L April ab in Kraft. Für die Zeit vorn 1. April ab finden Die ermäßigten Verzugszinsen auch von solchen Beträgen Anwendung, Die vor diesem Zeitpunkt fällig geworden sind. 3st vor Dem 1 April durch Gesetz oder durch Verfügung einer Finanzbehörde Zahlungsaufschub oder Stundung zu einem Zinsfuß von mehr als Z Proz. lahrftch bewilligt worden, so beträgt vorn 1. April ab auch dieser Zinsfuß Z Prvz. jährlich. * Gin Sonntagssonderzug Gießen— Frankfurt — Baden-Badem Am Sonntag 18. April, verkehrt ein Sonderzug 3. und 4. Klasse mit einer Fahrpreisermäßigung von einem Drittel des gewöhnlichen Fahrpreis^ von Gießen über Frankfurt a. M. nach Daden°B^n. Der Zug fährt vormittags um 5.50 älhrur Gießen ab. kommt 7.21 Ubr in ^°Eu^a M an und trifft um 10.40 Ubr vorm. in Baden-Baden ein. <-* rp t n törichter Streich und ferne Folgen. Im Juni 1924 war im „Groß-Gerauer Tageblatt- eine Anzeige erschrenen, in er eine öffentliche Dersammlung der Ortsgruppe Büttelborn des Bauernbundes einberufen wurde In einer zweiten Anzeige zeigte der Vorsitzende des dortigen Bauernbundes an, daß er einen größeren Heuvor- rat zu verkaufen habe. Es stellte sich bald heraus, daß die beiden Anzeigen fingiert und die Namensunterschriften in den Bestellungen gefasicht waren. Lange wurde vergeblich nach dem Urheber des üblen Scherzes geforscht, bis man schließlich auf den k. Steigerung der Durch ein Gesetz vom 14. Juli 1925 (Zweites Gesetz über Aenderungen in der Unfallversicherung) ist be- kannttich eine Erhöhung der Unfallrenten und sonstigen Aufwendungen der Berufsgenossenschasten mit Wirkung ab 1. Juli 1925 erfolgt 9n welchem Maße das geschehen ist, läßt sich aus einem Vergleich der Bettäge entnehmen, die die Berufsgenossenschaften für die Zahlungen zu erstatten Haden, die die Post für ihre Rechnung auszahlt. Bei den gewerblichen Berufsgenossenschaften waren diese Zahlungen im Juni 1925 festgesetzt auf 6,66 Millionen RM. mo- nallich, ab 1. April d. I. sind sie festgesetzt auf 12 Millionen Reichsmark monattich. Diese Steigerung von 82,5 Prozent rührt tm wesentlichen aus der Erhöhung Der Renten her, da die Erhöhung der übrigen Lasten, die das Gesetz bringt, sich zur Zett — Märchen unb Geschichten der alten Aegypter hat M. Steinborff. Der Sohn Des bekannten Leipziger Aegyptologen zu einem schmalen Bändchen zusammengetragen. Das in Der Sammlung „Das kleine Dropyläenbuch' im Berliner Prophläen-Verlag erscheint. SS sind Erzeugnisse einer vieltausendjährigen Dichtung, aus den überfieferten llrkundenresten gu^nmen- gestellt mit der Liebe und Dem seinen Verständnis dessen, der im Wunderreich der Pharaonen groß wurde, ohne philologischen Ballast, eine dudle reinen, dichterischen Genusses. 861 23lähriyen Kaufmann Peter Scheuermann aus Büttelborn stieß, der auch der Täter war. Das Bezirksschöffengericht in Darmstadt hat sich jetzt mit dem Fall beschästiat, es konnte aber der Beweggrund für den sonderbaren Streich nicht. klargelegt werden. Eigenartig ist, daß Scheuermann Mitglied des Bauernbundes ist. Aus verschiedenen Begleitumständen sowie auf Grund der Urteile der Schriftsachverständigen Dr. Popp» Frankfurt unb Oberreallehrer i. R. Krauß- Babenhausen kam das Gericht zu der Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten und verurteilte ihn zu drei Wochen Gefängnis, wandelte aber die Strafe in 100 Mark Geldstrafe um. (Zur Warnung für derartige „Spaßvögel"?) — Der Heger. Das 14. Heft bringt an Der Spitze WalDftühlingsbilDer des rühmlich bekannten, feinfinnigen 3agdschriftstellers Egon v. Kapherr; Forstmeister 3hle plauDert über Die Birkhahnbalz; eine interessante llebersicht bietet ein Aussatz ..Unsere Waldschnepfe im Spiegel Der Gewichtstabelle"; wohlgelungene Photos verewigen ein paar Preisttäger von Der 3agD- hundschau auf Der Ausstellung „Hund unb Hege" 1926. — „Der AlpenfreunD", ill. Halbmonatsschrift für Reise unD Touristik. Alpen- freunD-Verlag, München. — Ein mit schonen Bildern geschmückter Aufsatz ..Rordliroler Burgen und Schlösser" aus der sachverstänDigen Feder von H. Steffen leftete daö 7. Heft der bekannten Zeitschrift ein. Emil SolleDer, Der bekannte Kletterer und Skiläufer, erzählt von einer herrlichen Kletterfahrt in Der Rordwand der Civetta, Die er als Erster bezwang. Besonders hervorzuheben sind noch Beiträge von Lorner Marilaun unD Lilli v. Weecb. Rühmenswert ist Die BilDausstattung Des Heftes. — Robert Walter: Der Stein Der harten. Ein heiterer Roman mit Hörnern und Zähnen. (289 ©., Verlag Philipp Reclam I jun., Leipzig, geheftet 4,50 Mk., gebunden 7 Mk.) — Zwei deutsche Dörfer in Der HeiDe, nicht ferne Der Rordsee, führen einen Kampf köstlichen und gigantischen Rarrenturns um einen Stein, einen Findling. Aus einer Fülle unD Buntheit sondergleichen ziehen und stürzen Menschen und Ereignisse am erstaunten Leser vorüber. ErlösenD unD köstlich tollt Durch das ganze Werk ein Humor, Der in Der CBielfältigteit seiner Töne heute ohnegleichen zu fein scheint. Waller hält mit seinem Buch Den Zellgenossen, feinen „guten I Deutschen", einen Spiegel vor, in welchem sie I sich betrachten und erkennen tonnen. UnD Darin steckt Die große volkserzieherische Bedeutung des I Werkes. (177) — John Galsworthy: Die Forjyte Saga. Roman (2 Bände, Verlag Paul Zsolnan in Wien). — Trotzdem der Büchermarkt feit Jahren mit ausländischer Literatur, besonders auch jchön- geistiger Art, geradezu überflutet wird, kann man nicht sagen, daß er die Kenntnis mit dem modernen Schrifttum des Auslandes genügend vermittelt hätte. Immer wieder ist es ältere Literatur, die in den verschiedensten Parallelausgaben erscheint, ohne daß man offenbar den Muk hat, auch die lebende Generation in guten Übersetzungen bet uns zu Wort kommen zu lassen und ihr sich auch in Deutschland ein Publikum erobern zu lassen. Besonders aus England bringen vorerst nur wenige Stimmen zu uns herüber, die unsere Beachtung verdienen. Eine von ihnen gehört John Galsworthy, dessen dramattsche Werke feit Jahren als scharfe Gesellschallsfatiren auf unteren Bühnen für zugkräftig gelten. „Zugkräftiger^ scheinen uns aber feine Romane zu sein, voran „Die Forsyte Soga", Die grandiose Familiengeschichte, der wahre Helden-- gesang einer britischen Familie des guten Bürgertums der viktorianischen Aera, ja, die Geschichte des englischen Volkes dieser Epoche schlechthin, fetzt man Den Teil für das Ganze. Mit der gleichen spöttelnden Ironie, dem seinen Humor des großen, über den Dingen stehenden Weltbeschauers, aber auch mit der gleichen leicht sentimentalen Romantik, die alles zusammengenommen die große Erzählungskunst Dickens' ausmachen, schildert Galswotthy feine Leute, diese feften, soliden Bürger des wohlhabenden Mittelstandes mit ihrem gesunden Sinn für Besitz, auf dem ihre ganze Lebensphstosophie basiert. Eng ist ihr Horizont, keine großen Ideen, keine geistigen Ziele peitschen sie auf, aber diese De- schränktheit gerade ist ihr Vorteil, dieses Jn-den- Zügel-Hallen hat sie das empire schaffen helfen, das recht eigentlich ihr Reich ist. Diese Forshtes sind eine vielköpfige Familie, und bunt genug sind auch ihre Schicksale, die man die letzten Jahrzehnte hin» I durch mit wachsender Anteilnahme verfolgt durch die beiden starken Bände des Romans; man möchte mehr von ihnen hören, mehr von ihnen unb mehr von dem Volke, dessen Repräsentanten sie sind. Die Forsyte Saga ist zweifellos eine der bedeutendsten Erzeugnisse des modernen Schrifttums, dem roir Deutschen kaum Aehnliches zur Seite zu stellen haben dürften. 18 — Feinsinnige Essays voll Humor, Menschenliebe unD Herzensgüte hat Alfred P o l - g a r zu einem netten Büchlein „An Den Rand geschrieben" zusammengestellt und bei Ernst Rowohlt in Berlin erscheinen lassen. 838 H Btäfe&ä g 8U& g W läßt man aus hygienisch, und @ El S ASM A K M Sparsamkeitsgründen Herren., Uli i | H OlSyai ® 8 Damen- u. Kinfer-Garderobe, Gardinen, Vorhänge, Decken, Teppiche usw. am besten chemisch reinigen oder färben. Die Gegenstände lassen sich fast immer wieder wie neu herstehen. - id — TageskalenDer für Montag. glchtsPielhauS. Bahnhofstraße: „Zirkus Pat unD «atschon". — Astvria-Lichtfpiele: „Der Pakt mit fern Tode". — Goethebund. Man schreibt uns: Der Goethebund hat den Dichter und Generalsekretär der Schillerstiftung in Weimar, Dr. Heinr. Lilienfein, für einen Dorttag am 15. April gewonnen. Lilienfein wird über „Schiller und die Gegenwart' sprechen. Wer mit der künstlerischen Individualität — Geographische Lehrwanderung. Lilienfeins vertraut ist, der weiß, daß ein genuh- In Verbindung mit der Tagung des Hessischen reicher Abend bevorstcht. Lilienfein wird uns I Philologenvereins hält in G i e cß e n am 15. April Schillers poetisches Nattirell in seinem unendlichen auch der Verband hessischer Schulgeo- Reichtum, seinen gemaüigen zur Reflexion neigen- g r a p h e n , dem Lehrer aller Schulgattungen an- den Geist in mannigfacher Verknüpfung mit der gehören, feine Iahresoerfammlung ab. Eine geo> Gegenwart vor Augen jähren als ein Element der I graphische Lehrwanderung, die sich am 16. und Straft, an dem unser Glaube an den nahenden Aus- | 17. April anschließi, wird von Pros. Dr. Stute schwang des Vaterlandes emporranken kann. (Siehe unb Dr. Panzer geführt. Der erste Tag gilt dem häufige Anzeige.) Studium der Landschaft um Treysa; der zweite Tag macht auf einer größeren Fußwanderung von Friede lenborf über das Knüllköpfchen nach Ober-Aula mit Meist Heller, östliche Winde, müder, ttocken. dem Knüll und seinen besonderen Eigenarten be- Das über Europa hegende Hoch wcrd sich infolge rannt Das Landesamt für das Bildungswefen hat Tageseinstrahlung noch verstärken, während tue ^rer und Lehrerinnen aller Schularten auf die Wirbel im Westen ohne Einfluß auf unsere Wetter- I ^ßanberung aufmerksam gemacht, an der auch Nichtlage bleiben dürften. Die Temperaturen werden nun mitq[iclier des Verbandes teilnehmen können, schneller ansteigen, wenn sie auch nachts zunächst »« P o st e i nlies eru n gs b eschein i g u n g noch etwas fallen dürsten. auf Teleg en. Die Bescheinigung über entge- Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 11,2 »afjlte Postanweisungen und Zahlkarten wird Grad Celsius, Minimum minus 1,4 Grad Celsius. I pystsellig auch auf vom Absender vorgelegten Heutige Morgentemperatur 2,5 Grad Celsius. Postkarten unD anDeren Schriftstücken erteilt, • wenn Der Absender sie Durch übersichtliche Ein- ■y* Konfirmation. Am gestrigen Sonn- I tragung Der vorgeschriebenen Angaben vorbe- tag wurden die Konfirmanden der Markusgemeinde I reitet hat. Ein etwa vom Absender außerdem und der Lukasgemeinde in feierlicher Weife eingc-- verlangtes Doppel Der Einlieferungsbeschcmcgung segnet. In der Stadtkirche (Markusgemeinde) Han- wirD postseittg in gewöhnlicher Weste ausge- belte es sich um 83 Kinder, und zwar 33 Knaben fertigt. und 50 Mädchen, in der Johanneskirche (Lukasgemeinde) waren es 166 Kinder, und zwar 72 Knaben und 94 Mädchen. Reue städtische Anlagen werden jetzt auf dem Terrain neben Der Hauptpost vor Dem Hotel Kühne erstehen. Zur Zeit sind Die Ortoetoegunqd- unD Planierungsarbellen im Dange, im Anschluß daran wird sofort Der gärtnerische Teil Der Ausgabe erledigt. Man hofft, Ducd) diese Reugestaltung Der oberen Bahnhofstraße einen gefälligen Anblick zu verschaffen. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis Ende Statt besonderer Anzei Dichterabend 3268c Gießen (Buchnerstraße 1), den 11. April 1926. WC ttöfk Auf Wunsch der Verstorbenen findet die Beerdigung in aller Stille statt. 3285 D Unser herzlieber Herbert himmlischen Vater in die ewige Heimat L' 3265D Frankfurter Str. 63, aus statt. 3284D Darmstadt (Steinackerstraße 9), den 9. April 1926. Fatum. 3287 D Gießen, den 10. April 19^6. 02525 Roeder-Herde eine Klasse für sich. eine Klasse für sich. Gießen, den 12. April 1926. Alle Größen vorrätig. Besichtigung erbeten. 3272 D J. B. Häuser ■ Gießen Neustadt 56 Fernsprecher 660 Wegen Aufgabe unseres Fuhr- werkbetriebs verkaufen wir: 32530 ausgegeben 3227c Vereine "| Die Direktion: Liebigstrahe 46 3267 £) Laug-GönS. Bürgermeisterei Rutter: Hausen l' Schrtsrl. An geb. unt. 3281D12526Da. d. Giesi Anz. Pauli. 32130 Schwarz. unser einziges Kind, wurde nach kurzem schweren Kranksein kurz vor Vollendung seines 11. Lebensjahres von seinem abgerufen. Los 1 41,55 Fstm. „ 2 20,02 „ » 3 2,91 , - 4 14,71 _ . 5 10,15 „ aftoeift ist sie h Mchrmckmtgen i «ht zu erreichen Ke englische Koh Wische, und we noch nicht dc 1 Pferd 2 Wagen 1 Mähmaschine GießerT(Bleichstr. 27), Münster i. W., den 11. April 1926. Fernruf 275 3223h Stammholz-Derkauf Auf dem Wege schriftlichen Angebots verkauft die Gemeinde Billingen nach- stehendes Holz: i nachmittags 4 Uhr, bei der unterzeichn neten Stelle einzureichen, wo alsdann die Oeffnung in Gegenwart der erschienenen Bieter erfolgt. Das Holz ist mit Binde gemessen und vorher einzusehen, spätere Reklamationen werden nicht mehr angenommen. Bedingungen merden im Termin bekanntgegeben, können aber auch vorher eingesehen werden. Freie Wahl unter den Angeboten bleibt Vorbehalten Zuschlags, frist 10 Tage. Nähere Auskunft erteilt Forstwart Leschhorn-Billingen. Billingen, den 8. April 1926. Bürgermeisterei Billingen. Für alteingef. Haus wird zum sofortigen Eintritt jüngerer, tüchtiger, energischer Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Ruttershausen für Äj. 1926 liegt vom 13. bis 19. 1. M. aus unserem Bureau zur Einsicht der Interessenten offen. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Ruttershausen, den 11. April 1926. Goethe-Bund DoiaerBtaa, 18. April 1928, abends 8*/« Uhr, lat Kaufmännisch. Vereinsbaus, Mordanlage Aber ba erheb “Ire stimme. Geo Rf. seiner Weise toimatifrfjen Bli-kr «nten unb an eine m aus her ü 2ta klarsten » Bergbau. M Ä MS? x wk Ke ^til' und Das j Sonder-Ausstellung am Oswaldsgarten 2296a In tiefem Schmerz: Oberlandmesser W. Atzbach und Frau geb. Mulch. In tiefem Schmerz: Luise Spies, geb. Hartmann Ludwig Spies Anna Spies nebst allen Angehörigen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unseres lieben Entschlafenen sagen wir allen auf diesem Wege herzlichen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Marie Krüger geb. Kimmel. Kiefernstammholz 3. Kl. - 4. „ 5. „ Kieferngrubenholz Hainbuchenstämme 5. u; 6. Kl.' Eichengrubenholz. fügen Aussichten sind in erster 2ir Mtteckchsten 6 gatten. Aus Men zelne Mrkc n aber Kriegs- u gerade hier seh jung überflüssig Erleichterung g sende Besserung gen, dah unerg gicbigcren stillg einzelnen Unter her zusammensch! mon trid gd&l bitteren Satfafa auf dem ÄeÜrm angebotrn b Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unserer geliebten Mutter sagen innigen Dank .Mein« Frau war Ihr Leben lang, über M Jahre, mit einer Milchen Anmeldungen von Schülern und Schülerinnen für das Gießener Pädagogium können noch bis zum 19. er. getätigt werden. w last öen AM 9üüiger unb 2*e Tragöl "°ch!>en stanb. a dckc der * Id* Mte8 bildens l auf tato Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 14 d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. Von Beileidsbesuchen bittet man abzusehen. 32860 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Ableben unseres teueren Entschlafenen sowie für die Ehrung der Freiw. Gailschen Feuerwehr, des Krieger-Vereins, der Alters-Vereinigung und des Gesangvereins Heiterkeit sagen innigen Dank Fina Noll Karl Noll nebst allen Hinterbliebenen. Stadttheater Tienötag,13. Avril 27.Mimag-M.-rml. üon7‘/ab. und) 10 Uhr Mer unfete Mft (II. Teils. sas.c Schauspiel in 4Ausz. von Ljörnson. Donnerstag, den 15. April Beginn meines Unterrichts in sämtlichen Fächern der Damengarderobe wie Akahnehmen, Schnitt- zeichnen, Zuschneiden, verbunden mit praktischen Versuchen unb An» proben. Erklärung über die Bearbeitung sowie Anfertigung der neuesten Modelle. Auf Wunsch auch Abendkurse. Zrau Mnna wehrum Seltersweg 73 I. 02530 aillllillllllllllllllllllllllllllD Haus neu. 3x4 Zim. mit 3000 qm Garren, direkt am Bahnhofs. Main-Wefer-Bahn Nähe Glesien, unter günstig. Bedingung. zn verkaufen. Schr. Anir. u. 02507 an den Giesi Anz.1 Weih- und Rotweine in Flaschen und kleinen Gebinden von 30 Liter an liefert gut und preiswert Georg Knobloch, Biebrich a. Nh. Fernruf 780 32020 Pfälzerstrabe 1 I. Vertreter erster Weingüter Man verlange Preislisten. PritsüeiMgkn sehr gut erhalten, bis 40 Ztr. Tragkraft, sowie gebt. Knvserkeffel mit Feuerung »u verk Lehrschmied WelB, Vel.-Klinik. Nach einem arbeitsreichen Leben verschied sanft im 90. Lebensjahre unsere liebe, treusorgende Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Wilhelmine Köhler geb. Jung. Die trauernden Hinterbliebenen: Karl Ockel und Frau Marie geb. Friedrich Köhler u. Frau (Köhler Johannes Köhler und Frau Hans und Helmut Köhler. Heute morgen verstarb nach langer, schwerer Krankheit mein lieber Mann, unser guter Vater, Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel Heinrich Spies Eisenbahn-Assistent a. W. im 52. Lebensjahr. zirka 50 Zentner Heu die Ernte von 3 Morgen Wiesen 1 Wanderer Motorrad 4Vr PS. 2 Zyl. in gutem Zustande. Slflaie & 60„ ®Crn6fSrSi=6=n 1312 tour selbständigen Führung unserer Geschäftsstelle in Giesien tüchtigen energischen Leiter mit guten Beziehungen gesucht. Globus-Auskunftei (9.m.b.^.aT7A Berlin W 15, Kurfürstendamm 210. MB Sie^h, dinn «7 die bg-..* sAr» isff> : li:fc | heulst tii her un M J * 1 V?.r. 6)10 X Arbeitsvergelmng. Zum inneren Ausbau des Pfarrhauses zu Trais-Horloff werden die Glaser-, Schreiner-, Schlosser-, Weißbinder-, Tapezier-, Jnstallationsarbeiten sowie die elektrische Lichtanlage zum öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben. Angebotsvordrucke, Zeichnungen und Bedingungen liegen vom Donnerstag, den 15. d. M. auf der Kreisbauverwaltung, Zimmer Nr. 18, offen. Angebotsoordrucke werden, solange der Vorrat reicht, zum Selbstkostenpreis Dr. Heinrich Lilienfein aus Weimar „Schiller iioi die Gegenwart“ Platzkarten für Nichtmitglieder zu Mk.1.50 in der Musikalienhandlung Chai Her. Mitglieder des Bandes erhalten im Vorverkauf geg Vorsolgen der neuen Mitgliedskarte bis zu 2 Platzkarten frelea Eintritt. Ä'6 ?L6i™«4 *feon4< ÄS SÄ*. & die trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Uhl Gießen, Darmstadt, Aachen, Familie Heinrich Uhl den 10. April 1926. 02498 Familie Wilhelm Uhl. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter und Schwester Frau Margarete Runge Wwe. geb. Lenz. Freitag nachmittag 5'/, Uhr, nach kurzem Krankenlager im 79. Lebensjahre in die Ewigkeit abzurufen. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Wilhelm Runge. Familie Wilhelm Schukardt Klein-Linden, Frankfurt a. M, den 11. 4. 1926. Die Beerdigung findet Dienstag, den 13. Apr., nachmittags, 3 Uhr, vom Sterbehause in Klein-Linden, behage!. Rtin gesunde» Fleckchen hatte sie aus dem Leibe. Nachdem sie „Zucker'S Polcni-Mebi- zinol-Stise" angewendel hak, fühlt sie sich wie neu« geboren. Schon nach 8 Tagen spürte sie Linderung und in 3 Wachen waren die Flechten beseitigt Wir sagen Ihnen innigsten Dank. .Zucker'S Patcnl.Mcdi»inol-Tei!e" ist Tausende wert. (5. W." ä Sick. GO Psg. (15%i0), Mk. 1.- (25%ig) und Mk. L50 (35%ig, stärkste Rom). Dazu .Zuckooh. Creme" ä 45, 65 und 00 P|g. In allen Apotheken, Drogerien und Parfümerien erhältlich. 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Iteo. 8.1. Vkrsmmlüiiz l heute beiMtlgl. Henkel. Eirtzene BcrnardZhav Immer und imi Iiß Gestatt die (8t flügelt, immer wie bemächtigt, nachdca unb nüchtern, dar 5 bot Bei Shakespeo 8u kurz gekommen, Ifyn Nachfahren $ "sachte sie lächerlich glauben können, n enbgültig und Ich worden. taßraoillÄ Zimmer frei. Tel. 1085. IWWD BefminBnatjmefreie Bilm! 2 geraum. Zimmer nut stüdje und Bor- vlatz gegen Abstand zu vermieten [02542 Bahnboistrane 35 bei Photogr. Becker. In Gartenhaus 3 gut möblierte Zimmer mit Stürbe an kinderloses Ehepaar zu vermieten v. 1. Mai ab. Ort ist nach Gienen mit Kleinbahn uerb Mietpreis 30 Mk. monntl. Nur schristl. Llugeb. u.32WVa. d.GsiAn;. 1-2 möliL Rimmer evtl. ttiichenben.. au bess. kinderloses Ehepaar zit verni. Ebelstraire 39 V. PiSieigesi-cha ] möOMBÖhn- uns Söjlcuimraec Aum 1. 5, 26 gesucht. Stadtmitte. Sclniitl. Angeb. nut Preis unter 02544 an den Gtesi. Ain. erbeten. Möfiiliertes Zimmer von alt. 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Die englische und die deutsch« Kohlenindustcie stehen heute im schärfsten Wettkampf, ähnlich wie die deutsche und französische Eisenindustrie. Die Engländer haben dabei zu energischsten Kampf Maßnahmen gegriffen und ihrem Bergbau, obgleich sie die Zweischncidigkcit dieses Mittels kannten, hohe Staatssubventionen gezahlt, in der Hoffnung, dem durch die Inflation, den Ruhreinfall und die Lasten des Dawes-Abkommens schon zermürbten deutschen Kohlenbergbau den Todes- stoß zu versetzen. Es ist erstaunlich, das) die 'Ruhrindustrie auch diesen wirtschastich schwersten Angriff aus eigenen Mitteln überstanden hat. ohne mehr als einige unbedeutende Randgebiete an Ost- und Rordsee einzubüßen. Die beiden Gegner kennen ihre Starte und Schwäche, und damit scheint der Augenblick gekommen, den Kampf durch eine Verständigung zu ersehen, ähnlich der. die zwischen der deutschen und französischen Eisenindustrie angebahnt wird. Ob man dabei zu einer Kontingentierung der Produktion, zu einer Kartellierung des Absatzes oder zu einer Verteilung der Absatzgebiete gelangt, ist von untergeordneter Bedeutung; die Hauptsache ist. das) sich möglichst bald in den beteiligten Ländern die Erkenntnis durchsetzt, das) es heute Industrien gibt, die innerhalb des beschränkten nationalen Rahmens nicht mehr bestehen können. Europa must mit seinen karg gewordenen Mitteln haushalten. W.nn cs schon die politische Zersplitterung, die durch den Versailler Vertrag in sinnlosester und geschichtswidriger Weise noch vermehrt ist, in den Kauf nehmen must, so kann und mutz es wenigstens die wirtschaftliche Zersplitterung überwinden, soweit das praktisch möglich und geboten ist. Wir wollen leinen Hirngespinsten nachjagen. Ein wirtschaftliches Paneuropa ist ebenso utopisch wie ein politisches, es handelt sich nur darum, innerhalb derjenigen Industrien in den verschiedenen Ländern eine Art Gemeinschaft zu schaffen, bei denen sich gezeigt hat, dast die eine die andere nicht niederringen kann, und dast sie doch im gegenseitigen Kampfe nicht existieren können. Für Deutschland ist das die Kohle und das Eisen. Diese Produkte können nur noch international bewirtschaftet werden. Dadurch treten beide Industrien in einen Gegensatz zu den anderen, die sich ihren nationalen Wirtschaftscharcckter bewahrt haben, und wenn sie, auch im Gegensatz zu diesen, an der gebesserten Lage und den günstigen Aussichten feinen Anteil haben, so liegt es daran, dast die Besserung nur intern ist, während die Zerrüttung des europäischen Marktes zum Schaden aller weiter besteht. Deutschland als Kolonialmacht. Das Thema der deutschen Kolonialpolitik ist seit einigen Wochen wieder aktuell geworden, und zwar merkwürdigerweise vorläufig noch mehr für die internationale Öffentlichkeit als für uns selbst. Das Verdienst daran ist dem Reichsbank- präsidenten Dr. Schacht zuzuschreiben, der kürzlich in der Deutschen Kolonialgesellschaft Berlins einen Vortrag über die neue deutsche Kolonialpolitik hielt. Er sahte das Problem seiner ganzen Einstellung entsprechend vornehmlich von der wirtschaftlichen Seite an, indem er davon ausging, dast Deutschland zur Bezahlung der Dawes-Leistungen immer gezwungen sein wird, eine starke Produktion auf den Weitmarit zu werfen, und zwar eine Produk.ion an industriellen Fertigfabritaten, in Konkurrenz mit den Ländern, die aus dem Dawesplan jährlich zweieinhalb Milliarden von unS haben wollen. Gerade diese Staaten werden uns aber unsere Ware nicht ab- nehmen wollen: im Gegenteil, zum Schuhe chrer eigenen Industrie sich mit hohen Zollmauern umgeben. Deutschland ist allo genötigt, sich neue Absatzgebiete zu schassen. Hnb nicht nur das, es must, um seine Zahlungsbilanz aktiv zu gestalten, irgendwie den Versuch machen, die Rohstoffe, die es verarbeitet, in eigener Erzeugung zu gewinnen. Das ist nur möglich durch den Gewinn neuen kolonialen Siedlungslandes. Dr. Schacht kam auf diesem Wege zu dem Ergebnis, dast wir Kolonien brauchen, dast aber das Geld dazu flüssig zu machen ist durch tue Privatinitiative in Form der Gründung von Gesellschaften, wie sie früher bieOft- Indien-Compagnie Englands war. Das Reich wird in absehbarer Zeit zu arm fein, um die ungezählten Millionen flüssig machen zu können, die in ein solches Reuland hineingesteckt werden müs'en. Das Privatkapital aber wird sich daran interessieren, wenn es b'.e nötigen Gewinnchancen sieht. Und die Und zweifellos vorhanden. weil Deutschland die Meirichen, die zur Ansiedlung erforderlich find, im äleberfluh hat. Alle die Rückwanderer, die nach dem Kriege zu uns gekommen sind, im eigenen Lande unterzubringen. ist uns auf die Dauer unmöglich. Sie werden einen gesunden Stamm von 5armem abgeben, mit dem wir fruchtbare Kulturarbeit leisten können unter Erhaltung des eigenen Volkstums, während die Abstoßung nach Amerika oder Asien nur bedeuten würde, dast alle diele Millionen dem Deutschtum verloren gehen. In der erfrischend offenherzigen Ansprache an die Kritiker („damit sie sich nicht übergangen fühlen") heißt es: „... Unb doch sind neun Zehntel von dem, was in der Presse der Hauptstädte Europas und Amerikas an Dramenkritiken geboten wird, nichts anderes als eine verworrene Paraphrase darüber..." Und dabei gehören wir wohl noch nicht einmal zu den Hauptstädten, die der große Shaw gemeint hat. Dr. Th. man sich um die Definition von Schillers (so überraschender) „Romantik" bemüht. Die Gütung ist einfach und besteht in der Gleichsetzung von „romantisch" und „unhistorisch . Shaws Johanna ist unromantisch und historisch. Cum grano salis, natürlich. Die Stationen, in Kürze. In der Champagne. im Schlosse Vaucouleurs beginnt ber kriegerische Weg des pfiffigen Bauernmädchens. Mit einem Streit um ungelegte Eier (im ©mne f-es Wortes), so unromantisch wie möglich. Der Auftakt endet mit der Erkenntnis kleiner Geister: etwas ist kos mit ihr. . . öic ist doch von Gott gesandt." Dann aber in der starken Szene im Schloß Chinon reißt sie über den Dauphin und die großen weltlichen und geistlichen Herren hinweg mit dem gleichsam unterirdisch ausbrechenden Feuer ihrer Persönlichkeit die Herzen an sich und zwingt sie unter ihr magisches Schwert und ihre Gottesfahne. Vor dem lieber irdischen, dem Wunder an der Lowe (3. Szene) bricht sie ebenso in bie Äme tote Dunois vor ihr niedersinkt. Aber in ihrem Ausrichten erhebt sich der französische Sieg. Shaw haßt den Krieg: fein Schlachtfeld, fein Trompetenstoß, fein Srommcltoirbej. lein Zusammenprall und feine Flucht: die Gegenseite. im englischen Zelt beim Generalissimus Warwick, in diplomatisck^politischer Konversation. Dann die große, ergreifende Szene in der Kathedrale von Reims. Johanna hat Karl zum König gefrönt und erntet den Lohn ihrer Stege: Man hat von ihr genug, fie hat ihre Arbeit getan, sie kann gehen, man ;ft ihrer überbruf’ig, wendet sich ab, greift ste an. läßt sie fallen in tragische Einsamkeit überragenden Menschentums. Aber wie eine Gnodenglocke schwingt ihr ekstatischer Rus über die versammelte Kleinheit: »Beller nut Gott allein ... 3m Ramcn seiner Kraft will ich wag n und wagen und wagen bis in den Tod..." Rouen 1431: Gericht. Von den Burgundern wurde sie gefangen, an Warwick für sTweres Geld verkauft. Angeklagt als Here der Lästerung, der Ankeuschheit, des Ungehorsams, bricht, mit Folte- Die Neuinszenierung (Intendant Stein- goetter) war fein und stimmungs reich: sparsam in den Farben, bewegt in der Verteilung der Massen, gut gegliedert im Szenisch-Räumlichen, pfleglich im Wort und von sicherem Gefühl für den Gesamtton, der durchaus nicht so einheitlich wie in anderen Historicnspielen die innere Melodie der Chronik ausmacht. Als Kontrapunkte, die sich gewichtig wiederholen und steigern, haften vor allem die Kathedralenszene und der Epilog im Gedächtnis. Das groß angelegte Ketzergericht, obwohl sehr gut gespielt, litt unter den breiten Vorbereitungsreden, die freilich bei Shaw im Buche stehen. Ieanne: Susanne He hm. Die schwere und große Rolle vortrefflich betoältigt. Die vielfachen Componenten der Figur zugleich auseinander- gelegt und in Einheit und Gleichklang zusammen- geschlossen, ckleberlegenheit und innerliche Führerschaft im jugendlich-herben Körper: eine warme, musikalische Stimme, die ganz natürlich *mb einfach plaudert, die aber unversehens ekstatisch ansteigt, in Begeisterung jubelt, in Angst und Todesfurcht zittert, in Trauer sich verschleiert, wenn die Heiliggesprochene traumhaft wiederkehrt. Auch die übrige Besetzung trug individuellen Charakter und qualitätvolles Format. Die witzige Königslarve Bastes (ganj auf Ehawschem Geist gewachsen): Hankes leidenschaftlicher DunoiS: Geffers Warwick (ein großer Weltmann und gewiegter Politiker, mehr als ein rauhbeiniger Haudegen): Goll, „ungeheuer anmaßender Wein- schlauch" Trämouille: Juhnke, der fanatisch chauvinistische Stogumber: die machtprunkenden Kirchenfürsten: Volck, Schubert, TelekY. Im gleichen Maß, tote Shaw künstlerisch von Schiller abrückt, nähert er sich Georg Kaiser. Ihre Formulierungen haben die gleiche geistige Perspektive: Demaskierung. Rückführung aus falscher 2lpothcose auf menschliche ülmrisse. Entkleidung von posthum gefälschter Heldengloriole („Helden" erscheinen bei Shaw stets oder meist in Gänsebeinchen), Filtrierung des Tatbestandes durch die aufgeklärte Rüchternheit des Jahrhunderts. Zugleich aber mit der Annäherung an unromantisch-irdifche, „natürliche" Proportionen, an geschichtlich gegründete Fakten ward gefunden — denn Shaw, wie Kaiser, ist eben nicht Rurhistoriker, sondern Künstler -- Vereinfachung und Vermenschlichung der Heiligengestalt. Man sieht die Ieanne nicht mehr tote durch einen Schleier, durch ein verklärendes, jenseitig machendes Transparent, sondern als das Menschenwcsen mit Fleisch und Blut, ganz einfach. Für Kaiser war ein Einzelfall der Chronik von psychologischem Interesse. Für Shaw die ganze Chronik, Und er erweitert sie zugleich, reiht sie ein, gibt ihr nicht zwar ihr weltgeschichtliches Maß. aber ihren bleibenden Sinn. Er sieht nicht, wie Schiller es sah. Den Strengen, notwendig Sühne heischenden Konftitt (zwischen himmlischer Berufung und irdischer Liebe), Sondern das Mädchen ganz in ihrem menschlichen Daseinsablauf vom Anfang bi» zum Ende. Der Scheiterhaufen aber ist nicht das Ende, sondern der eigentliche Anfang Johanna». Shaw «iebt seine ..Heldin' gleichermaßen ruck- schauend, wie vorwärtsblickend. >pte wird iym Symbol, ihr Leben Gleichnis für viele UiiDere Leben. Deshalb kann er auf den Epilog nicht verzichten, der mit den Worten abfchließt: ,,O Sott, der du diese wundervolle Erde geschaffen hast, wie lange wird es dauern, bis sie wert sein wird deine Heiligen. zu empfangen, wie lange, o Gott, tote lange?" Das ist der tiefere Sinn der Chronik. Und man muß sich erinnern, daß es auch weltliche Heilige gibt, die daraus toacten müllen empfangen zu werden. Das ist der Z^oße Appels das Menschenmemento anno domini HDo._ -Jas ist für uns so wichtig wie für die Englancer. die auch hier — denn Shaw kann in der 3o- hanna-Chronik so wenig aus seiner Haut heraus, wie im Methusalem-Evangelium — mit aller auch hier: denn früher oder Spater wird Afrika erwachen, der Aethiopismus macht langsam, aber Sicher Fortschritte, und wir wollen uns nicht noch einmal der Gefahr aussetzen, daß wir gejat haben, nur damit ein anderer goldene Ernte einbringt. Aber gerade Oftafttfa hat Raum genug, um all den Bedingungen zu entsprechen. an die für Deutschland aus unterer Verarmung der Wiederbeginn der folomalcn Betätigung gebunden ist. Das Scheint man auch in London einzuSehen, so wäre es immerhin verständlich. wenn die Engländer, bevor wir in den Völkerbund hineingehen. schnell noch Ostafrika mit Italienern nach Kräften zu bevölkern lutbcn würden. Sie dementieren das zwar, etwas Wahres wird indesfen schon daran fein. Sie werde« jedoch wohl nicht naiv genug fein, zu glauben, daß es gelingen könnte. Deutschland mit seinen Ansprück^n durch einige unfruchtbare oder sumpfige Länderstrecken abzuSpeifen, tu denen wir uns ohne Ausficht auf finanziellen Ertrag die Zähne ausbeihen. Einen solchen Lurus können wir uiis nicht gestatten. Wir willen nicht, wieweit die vertraulichen Besprechungen der deutschen Regierung vor QCbfenbung unteres Auf- nahmegeSuches an den Völkerbund gediehen sind, wir teilten aber, daß die Forderung nach trag- ähigem Kolonialneubefitz eine der wenigen fragen ist, wo sich eine deutsche Einheitsfront ganz von selbst herausgebildet hat. ülnd das wird der deutschen Politik bei der Anmeldung un- Ansprüche eine starke Rückendeckung geben. Gießener Stadttheater. BcrnardShaw:„DicheiligeJohanna". Immer und immer wieder hat diese welthittori- schc Gestalt die Gemüter erregt und die Poesie beflügelt, immer wieder haben die Dichter sich ihrer bemächtigt, nachdem die Geschichte, parteilos, kühl und nüchtern, das Ihre längst getan und gesprochen hat. Bei Shakespeare („Heinrich VI") ist ste gewiß zu kurz gekommen, beim Landsmann und französischen Nachfahren Voltaire („Pucelle") erst recht Er machte sie lächerlich, jener verächtlich. Und man hatte glauben können, nach Schillers „Jungfrau sei ste endgültig und letztmalig im Dichterischen verklart worden. Aber da erhebt unsere eigene Zeit aufs neue ihre Stimme. Georg Kaiser („Gilles und Ieanne ) griff, seiner Weise, seiner geistigen Einstellung und dramatischen Blickrichtung gemäß, einen erotisch betonten und an eine gewisse Grenze getriebenen Sonderfall aus der überlieferten Histone um Scanne heraus. Und Shaw? Er schrieb eine dramatische Chronik in sechs Szenen und einem Epilog, und es hat fast den Anschein, als ob die Gestaltung, die er gab, gültiger und populärer werden wollte, als die romantische Tragödie Schillers, die uns seither am nächsten stand. Außer den sechs Szenen und dem Epilog, auf den der Dichter (mit Recht) durchaus nicht zu verzichten gewillt ist, und gegen dessen ^re.chung auf der Bühne er sich entschieden gewehrt hat, schrieb aber Shaw auch einen Prolog zu ^nem Stuck nn Vorwort von immerhin achtzig Druckseten.Denner ‘ nahm seine Sache sehr genau. Und betastete drehte und wendete das Ucberkommene hm und her her und hin scharfgeiftig, logisch und wahrheitsliebend. Er prüfte die historistlje Echtheit, wie die modernen Entstellungen, die Schönheit Johannas und ihre Visionen er erwog ihre Vergötterung. w,e ihre Mißdeutung, er verglich sie mit Sokrates, und maß sie an Napoleon. e 2lls QuinteSfcnz feiner, (Sonte.ption der Scanne d'Arc aber steht getrieben...... ein Hu- aeF pfiffiges Landmädchcn von autzerordcnt- IZ-r S-Wl-ost und physischer Tapser^.t... Sie ist niemals auch nur einen Augenblick das aetoefen, was So viele Roman- unb ^eater- Febreiber aus ihr zu machen versuchten: eine wmantiSche. junge Dame..." 2n der Tat: die Quinieifenz. ästhetisch ge:ehen. Der Standpunkt, der Shaw tünstleriSch ifoliert. Der ihn - vor allem — deutlich und absichtlich von Schiller abrücken läßt, mindestens ebensofehr, wie er ftch von Shakespeare und Voltaire entfernte, eben- fofehr auch wie von den Lobhudlern. Wie hat Internationale Sanierung. r7 Don Profeffor Dr. Max I. Wolff. Die deutschen Dorfen behnben sich feit Beginn des Jahres in einer dauernden festen Stimmung, die an einzelnen Tagen zu einer sprunghaften Heraufsetzung der Kurse führte. Eine solche Korrektur nach oben war ja nach der Qreivierteljährigen OkrHauung zu erwarten und fpt, So überraschend sie eingetreten ist, nichts plnr.atürliches. Auch kann man kaum behaupten, daß — von einzelnen Ausnahmen abgesehen — die Detvertung der Effekten übertrieben hoch srj- immerhin haben sie eine erstaunliche Hohe erreicht, wenn man die Schwierigkeiten erwägt, zie die deutsche Wirtschaft durchgemacht hat ».nd sich der ungünstigen Prognosen erinnert, Üc ihr noch kürzlich von führenden Männern Les Handels und der Industrie gestellt wurden. ' Das Jahr 1925 war ein ausgesprochenes -«krisenjahr. Die Zahl der ArbeiterentlafSungen, Ler Ko-.ckurse, der GefchästsaufSichten und der 5-illaelegten Werke erreichte eine erschreckende ^öbe Man tröSbete Sich über die Zeichen des Niederganges mit dem Worte: GenesungskriSis. und Sicher gab es in vielen Zweigen der Industrie und des Handels zahlreiche Reugrünrungen die Sich während des Krieges und der Inflation eingeniftet hatten und mit ihrem fchwä- L>cn papiernen Fundament nach der Stablli» lierung keine Cxistenzmoglichkeit und keine En- sienzberechtigung befaßen. Ihre Beseitigung hat Lie Bahn für die gefunden Unternehmungen sreigemacht? Dazu kam eine fortschreitende Rationierung innerhalb der einzelnen Industrie- -weige und ZufammenschlüSse, die einen vernuns- tigen Ausgleich in der Produktion gewährleisten. Man darf annehmen, daß auf vielen Gebieten Las Schlimmste überwunden ist. und datz z. B. lie chemische und elektrische Industrie Sowie das Textil- und das Baugewerbe einer belferen Zukunft entgegengehen. Es find durchweg Drttiebe, bei denen ent» toeber der Absatz im Inland die Hauptrolle spielt oder die Löhne nicht den ausschlag- «ebenben Faktor in der Preisgestaltung des Produktes bilden: diejenigen Industrien aber, lie auf den Export angewiesen und in ihren Gestehungskosten beinahe ganz von den Arbeiterlöhnen abhängig find, befihen keine gleich günstigen Aussichten für die nächste Zukunft. Das sind in erster Linie die Kohlen» und die Eifen- inbuftrie, die einst als die festesten und unerschütterlichsten Stützen der deutschen Wirtschaft galten. , Auf diesen Gebieten mögen Sich auch einzelne Werke über Gebühr ausgedehnt haben, aber Kriegs- und Inflationsgründungen waren gerade hier Sehr Spärlich. Don einer Ausmerzung überflüfHg gewordener Elemente kann kaum Erleichterung gehofft werden. Eine durchgreifende Befserung kann auch dadurch nicht erfolgen. datz unergiebige Zechen zugunsten von ergiebigeren ftillgelegt werden, oder datz sich die einzelnen Unternehmungen noch enger als bisher zuSammenfchließen. In beiden Richtungen ist schon viel geschehen, aber dadurch kann an der bitteren Tatsache nichts geändert werden, daß ous dem Weltmärkte heute mehr Kohle und Ellen angeboten wird als untergebracht werden lann. „ . „ Am klarsten zeigt sich die Ungunfl der Lage im Bergbau. Wahrend die Arbeitslosigkeit fönst in den letzten Wochen eine abnehmende Tendenz ausweist, ift sie hier noch gestiegen. Trotz aller Einschränkungen ist eine Hebung des Absatzes nicht zu erreichen. Diese Schwierigkeiten treffen die englische Kohlenindustrie genau So wie die deutsche, und wenn die belgische und französische r.och nicht darunter leiden, so liegt es nur Wiener Bries. Von unferem ^.-Korrespondenten. Wien, 10. April 1926. Der üebergang aus der Ruhe der Ostertage in das politische Alltagsleben gestaltet sich nur allmählich. Das Parlament hat noch einige Wochen Ferien und die nach verschiedenen Seiten (inec c..e e.i Handels- und Schied.ge .chts- verhandlungen befinden sich meist noch im Stadium der Vorbereitung: nur Soll, wie verlautet, der o st e r r e i ch i S ch-u ngariScheHande 16» vertrag nach endlicher UebcrtDinSung zahlreicher Schwierigkeiten unmittelbar vor der Unterfertigung stehen. Wirklich ernste Fragen innen- oder außenpolitischer Ratur liegen im Augenblick nicht vor, es sei denn die bei Rückkehr des Bundeskanzlers Ramek von seiner Besuchsreise nach Berlin und Prag etwas bedrohlich erschienene Lohnbewegung in einzelnen Bundesbetrieben: doch dürste ftc nach den von neuem aufgenommenen Verhandlungen zwischen Regierung und Beamtenvertretern einer friedlichen Lösung entgegengehen. Rachdem diefe Besuche in Berlin und Prag vorüber find, läßt sich ein gewisfer ileberblid über die Wirkungen geben, die diefe beiden Reifen hier hervorgerufen haben. 3n einem ist man sich einig, nämlich, daß Oesterreich von den berühmten Anempfehlungen des Völkerbundes an seine Rachfolgeftaaten nicht leben kann, und daß es seine Polittk nur auf Wirt- Schaft e i n ft e 11 e n muß, um auS der schweren Krise herauszukommen. In diesem Sinne werden denn auch die Reisen des Bundeskanzlers in erster Linie gewertet, und man begrüßt eß, daß Dr. Ramek die Initiative dazu ergriffen hat. Wenn in den Besprechungen des Berliner Besuchs vom politischen Anschluß verhältnismäßig wenig die Rede war und sich, mit wenigen Ausnahmen, auch im Auslande keine über- flüffige Aufregung bemerkbar machte, so liegt darin wohl der beste Beweis für die Richtigkeit des von Oesterreich eingeschlagenen Weges. Das Vertrauen darauf ist hier um So fester, als man bei allen Verhandlungen von vorn- ruitg bedroht, ihr „Hcldcmtum" ganz menschlich zusammen. Mit lebenslänglicher Hast bestraft, rafft fie sich noch einmal auf und zerreißt die untermalte Widerrufungssormel. Jetzt kann fie niemand mehr vor dem Scheiterhaufen retten. Jetzt erst beginnt Johannas Sendung in der Welt: der Epilog mit her Heiligsprechung bringt zugleich die Wiederholung jener erschütternden. Schrittweis-unaufhaltsamen Vereinsamung, verhallt mit dem Ruf, der die Chrochk ins Zeitlose hebt: .....wie lange, v Gott, wie lange?“ Voraussetzung für die Durchführung dieser Gedanken ift nur — und damit kommen wir auf das politische —, daß wir die nötige Ellenbogenfreiheit bekommen. Sie ift uns in Versailles genommen worden, wo die Siegerstaaten uns bescheinigten, daß wir uns Sür die Koloniai- tätigtcit als unfähig erwiesen hätten. Auch biofe Lüge ift inzwischen zufammungebrochen, ehrliche Engländer haben in ihrer eigenen PreSfe über» raScht eingestehen müffen, welche vorbildliche Arbeit Deutschland in feinen Kolonien geleistet hat, fie haben Sogar anerkannt, daß seither ein starker Rückschritt in den ehemals deutschen Kolonien unter englischer und französischer Verwaltung zu verzeichnen ist. Schon aus moralischen und ettnSchen Gründen ift es Selbstverständlich Pflicht Deutschlands, daß es dieSer Lüge ebenso wie dem KriegsSchuldmärchen mit aller Entschiedenheit entgegentritt. Daß ist von der deutschen Regierung auch feit Jahren angekündigt und durchgefühlt worden. Als wir die erste Anfrage wegen unseres Eintritts in den Völkerbund verfandten, haben wir gleich daraus bin» gewiesen, daß ein: unserer Voraussetzungen auch die Rückgabe unserer Kolonien fei. Wir wissen natürlich, daß wir nicht daran denken können, alle Kolonien zurückzubekommen. Die Kcft>- Kvlonie wird sich hüten, Südwest-Afrika wieder herauszurücken, auch Kiautschou ist verloren und, soweit der Einfluß Australiens reicht, wird auch da kaum etwas zu wollen fein; ganz abgesehen davon, daß es zweifelhaft ist, ob wir gut daran tun, von neuem Stützpunkte zu errichten, die Soweit von der Heimat entfernt und fo klein oder zerfplittert finb, datz wir Sie im entscheidenden Augenblick nicht zu halten vermögen. Es käme also darauf an, eine Kolonie zu bekommen, die auf der einen Seite die Begehrlichkeit anderer nicht erweckt, auf der anderen Seite ober auch groß genug ist, um ein geschlossenes Siedlungsgebiet deutscher Auswanderer zu geben, Die hier erträgliche Lebens- und Entwicklungsmöglichkeiten finden können. Dafür kann nur Afrika in Frage kommen. Bedenken bestehen natürlich Boshaftigkeit und giftigen Ironie die Meinung gesagt bekommen. Ein schwacher -^rost, datz es den Franzosen nicht viel belfer geht. Wie mit der hergebrachten Stilisierung des Stoffes, hat der Ire mit der klassischen Aesthettk gebrochcw Hier ift eine neue Form des Geschichtsdramas eingeführt mit neuen Gesehen, von romanhafter Subjektivität des Schöpfers Eme stark episch gefärbte Haltung bestimmt die Szenen, die zeitlich und rättmlich weit auseinander liegen. 1429 1431, 1456! Aristoteles bleibt dahinten, Lessing ist abgetan. Die Geradlinigkeit des dramatischen Ablaufes bestimmt die innere Dynamck des Werkes mehr noch als die heute zu fordernde Einheit der Stimmung, die eben durch das epifch vvrdrängende, persönlich beteiligte Temperament des Dichters oft genug durchbrochen wird. herein jede politische Bindung ablehnt und rein nüchterne, praktische Erwägungen vorwiegen läßt. Um die Konsolidierung der Wirtschaft noch weiter zu sichern, wird es daher in nächster -Zeit wohl auch zu handelspolitischen Abmachungen mit Jugoslawien und mit Rumänien kommen. Die Oefsentlichkeit sieht in dem Berliner Besuche natürlich auch ein Gefühls» Moment und eine Etappe zu dem stufenweiseu Ausbau der Beziehungen zum Reiche und erwartet von der Vertiefung und Angleichung der kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen den schließlichen politischen Zusammenschluß. Doch wird die seit Aufhebung der Genfer Kontrolle wieder erlangte Bewegungsfreiheit mit weiser Zurückhaltung und Klugheit benützt: bieten die Friedensverträge doch die Möglichkeit, die An- schlußfrage auf tegalem Wege durch den VölkerbunD zur Entscheidung zu bringen: ihn bis dahin vorbereiten, widerspricht durchaus nicht den Bestimmungen der Verträge. Zur Zeit steht Wien ganz im Zeichen des 150jährigen Jubiläums des Burgtheaters, das wieder einmal erwünschte Gelegenheit gibt, die jahrhundertealte kulturelle Bedeutung Wiens und Deutsch-Oesterreichs für das gesamte deutsche Geistesleben ins rechte Licht zu setzen. Auch das Ableben des bekannten Juristen und früheren Justizministers Dr. Franz Klein, der als durch und durch deutschfühlender Mann sich nach dem Umsturz als einer der ersten für eine sachliche Vorbereitung des Anschlusses Deutsch-Oesterreichs an das Deutsche Reich einsetzte, gab Anlaß, die zwischen den Bruderstämmen bestehenden engen Beziehungen wieder ausführlich zu behandeln. Um so mehr Aufsehen erregten in politischen Kreisen die kürzlichen Ausführungen der „Kölnischen Zeitung", die unter Hinweis auf angebliche Aeußerungen Dr. Seipels zur An- schlußfrage die Aufrichtigkeit der österreichischen Politik gegenüber Deutschland in mancher Hinsicht in Zweifel zogen. Allerdings bemühen sich die Blätter einer Polemik hierüber auszuweichen, um in der Sache nicht noch unliebsame Weiterungen herbeizuführen. Das Attentat auf Mussolini, das Donnerstag schon am frühen Mittag hier bekannt wurde, wird als die Tat einer unzurechnungsfähigen Person beurteilt, die also mit politischen Motiven nichts zu tun habe. Indem man dies mit Befriedigung feststellt, kommt zugleich. wenn auch unausgesprochen, ein Gefühl der Beruhigung zum Ausdruck, daß die Sät er in nicht zufällig deutscher Rationaiität ist. Von einigen Seiten wird dabei der leisen Hoffnung Ausdruck gegeben, daß der Anschlag für Mussolini ein Memento sein werde, von den bisher gewalttätigen faszistischen Methoden abzugehen und den Rückweg zu vernünftigem, normalem Handeln zu finden. Das polnisch-rumänische Garantieabkommen. Von unserem W.-Korrespondenten. Warschau, 10. April. Der abgelaufene Monat brachte für Osteuropa als wichtigstes außenpolitisches Ereignis den mit fünfjähriger Gültigkeitsdauer am 26. März in Bukarest erfolgten Abschluß eines polnisch-rumänischen Garantieabkommens. Ergänzend läßt sich über Inhalt und Tragweite des neuen Vertrages feststellen, daß er eine gegenseitige Gebietsgaran- t i e umfaßt und in feinem wichtigen Artikel 2 jene Modalitäten oorsieht, unter denen sich die beiden Staaten für den Fall eines unprovozierten Angriffes von dritter Seite Hilfe und Beistand (aide et assistance) gewähren. Hier werden nun drei Derteidigungskriegsmöglichkeiten unterschieden, die erste und zweite gegen Staaten, die Mitglieder des Völkerbundes sind — gewöhnlicher Angriff nach Er- t fchöpfung des Beilegungsverfayrens — und endlich die dritte Kriegsmöglichkeit gegen Staaten, die außerhalb der Genfer Vereinigung stehen. Bei den geopolitischen Verhältnissen, die einem allfälligen polnisch-rumänischen kriegerischen Zusammenwirken zu Grunde liegen, ist es klar, daß die beiden ersten Fälle kaum in Betracht kommen, da ein etwaiger polnisch-deutscher oder rumänischungarischer Konflikt militärisch nur Polen oder nur Rumänien angehen dürfte. Das abgelaufene polnisch-rumänische Bündnis mar ausschließlich gegen Rußland, also gegen einen Staat, der außerhalb des Völkerbundes steht und voraussichtlich auch innerhalb der nächsten fünf Jahre stehen wird, gedacht; deshalb sind bei dem neuen Garantieabkommen eigentlich nur die Bestimmungen von Wichtigkeit, die das Verhalten der beiden Staaten für den Fall eines bewaffneten Konfliktes eines der beiden Vertragspartner mit einem Staat, der nicht Bundesmitglied ist, also mit Rußland, regeln. Der frühere Devensivvertrag, der das automatifdje Eingreifen des Verbündeten für den Fall eines unprovozierten Angriffes seitens Rußlands vorsah, wird jetzt durch Bestimmungen ersetzt, die es dem betreffenden Staat, für den laut der früheren Bestimmungen der Bündnisfall in Betracht gekommen wäre, ermöglichen, den Bälkerbundsrat anzurufen und von dessen Spruch das weitere Verhalten abhängig zu machen. Inzwischen hat man Zeit, mit verschränkten Armen abzuwarten, nach welcher Seite sich das Kriegsglück neigt. Ihn die hierdurch geschaffene Lage vollkommen zu verstehen, muß man aber wissen, daß es Polen im Laufe des letzten Jahres mit Erfolg gelungen ist, feine Beziehungen zu Rußland korrekt zu gestalten, während zwischen Rußland und Rumänien drohend die bessarabische Frage steht. Polen war demgemäß bei der jetzigen Auseinandersetzung mit Rumänien der stärkere Teil und hat auch diese seine politische lleberlegenheit mit außerordentlicher Geschicklichkeit ausgenutzt. Rumänien wird nun dem russischen Druck allein begegnen müssen, da Polen jetzt stets die Möglichkeit haben wird, sich auf dem Wege über Genf von einem rumänisch-russischen Konflikt fernzuhalten. Doch nicht nur Polen, vor allem Rußland hat einen großen Erfolg errungen, da es die Klammer, die die beiden größten seiner westlichen Randstaaten zusammenhielt, nahezu gesprengt und sich diplomatische Handlungsfreiheit'gegen Rumänien erkämpft hat. Stille Woche in England. (Von unserem l.-KorresponLenten.) London. 11. April. Letzte Woche war auch in politischer Hinsicht eine „Stille Woche". Da mit* noch drei Wochen für die Regelung der Schwierigteiten in der Kohlenindustri e übrig bleiben und da noch keine Aussicht auf eine befriedigende Losung besteht, nimmt die Besorgnis der öffentlichen Meinung zu. Auch die jüngste Konferenz der Delegierten des Dergarbeiterverbandes, der Vorschläge der Zechenbesitzer auf der Grundlage des Kohlenberichts Vorlagen, ist kaum dazu angetan, die dauernd wachsende Unruhe zu beschwichtigen. Die gesetzgebende Maßnahmen erfordernden Anempfehlungen des Kohlenberichts waren allerdings sowohl von der Regierung als auch von den Zechenbefihern angenommen worden. Indes bestehen starke Anzeichen dafür, daß die Delegierten den Rat des Vollzugsausschusses befolgen und die Vorschläge der Zechenbesitzer zurückweisen werden. Dies bedeutet allerdings noch nicht den Abbruch, sondern vielmehr die Fortsetzung der Verhandlungen, deren Hauptschwierigkeit, nämlich die Lohnverminderungen, nur unter größten Anstrengungen geregelt werden könnte, da zu erwarten ist, daß radikale Führer, wie Cook alles einsetzen werden, um die gesamte Arbeiterbewegung für den Kampf um die Bergarbeiterlöhne zu gewinnen. Daß radikale Strömungen auch in der unabhängigen Arbeiterpartei vorherrschen, zeigte sich auf der Konferenz dieser Partei, die ein Programm annahm, das eine klare Auflehnung gegen die gemäßigtere Führerschaft Mac Donalds bedeutet. Außenpolitisch interessiert in London seit einiger Zeit die Haltung, die die französische Regierung auf der kommenden Vorbereitenden Abrüstungskonferenz annimmt. In einer Llnterhausdebatte erklärte unlängst der Wortführer der Regierung, daß es der englischen Regierung ernst sei mit der Abrüstungsfrage ; wenn er jedoch mit .Irgendeiner großen Militärmacht, die in Gens die Initiative bezüglich der Abrüstung zu Lande ergreifen müsse", Frankreich gemeint haben sollte, so kann man gespannt sein, wie diese Initiative aussehen wird. Wahrend auf der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz in Genf der Vertreter Großbritanniens Lvro Cecil sein wird, scheint der britische Vertreter im Ausschuß zur Prüfung einer Verfassungsänderung des Völkerbundsrats noch nicht festzustehen. Es ist nicht anzunehmen, daß Chamberlain dafür abkömmlich sein wird, und es wird einem anderen Vertreter, wenn es nicht auch Lord Cecil sein sollte, Vorbehalten fein, in Genf ein neues Blatt zu beginnen unZ> die gesamte Frage „frei von alten Verpflichtungen", vonseiten Großbritanniens zu behandeln. Dies bedeutet Aufrechterhaltung der Grundsätze, daß Ratsentscheidungen weiterhin einstimmig sein und daß ftänöige Ratssitze auf Großmächte beschränkt werden müssen. Genf ist demnach nicht ganz vergeblich gewesen. Der Anschlag auf Mussolini hat hier naturgemäß, besonders angesichts der Staatsangehörigkeit der Attentäterin, beträchtliches Aufsehen erregt; er hat, wie aus der Stellungnahme der Presse hervorging, Sympathie für Mussolini ausgelöst, und zwar auch in Kreisen, die ihm bisher ganz ablehnend gegenüberstanden und fein System weiterhin bekämpfen; nach einer von italienischer Seite geförderten 'Vermutung hängt die Fahrt Mussolinis nach Tripolis zusammen mit der Reuverteilung von Völkerbundsmandaten. Hier scheint man dieser Interpretation skeptisch gegenüberzustehen. Der britische Bericht der ständigen Mandatskommission über die Mitteilungen der französischen Regierung bezüglich der Verwaltung in Syrien erregte hier großes Interesse, da er der französischen Regierung den Vorwurf macht, den Völkerbund ungenügend mit Informationen versehen zu haben. Eröffnung der Frankfurter Frühjahrsmesse. WSA. Frankfurt a. M. 11. April. Die Frankfurter Frühjahrsmesse, die in diesem Jahre in der Zeit vom 11. bis 14. April stattfindet, wurde heute ohne jede Feierlichkeit eröffnet, nachdem schon am gestrigen Tage die Technische Messe zusammen mit der Derkehrsregelungsschau ihre Pforten geöffnet hatte. Wie zu erwarten war, hat auch in diesem Frühjahr die Messe stark unter der allgemeinen trostlosen Wirtschaftslage zu leiden. Die Beschickung hat längst nicht den erwarteten Umfang angenommen, und es waren infolgedessen neue Zusammenlegungen verschiedener Ausstellungskategorien erforderlich. Immerhin sind die Texttlmesse. die Schuh- und Ledermesse. das Haus der Moden, die Ausstellung der Hanauer Edelsteinindustrie, die Kunstgewerbeausstellung recht stark beschickt und haben sich wiederum als Grundlage der Frankfurter Messe erwiesen. Auch die Technische Messe ist verhältnismäßig stark beschickt, namentlich sind Schleif-, Holzbearbeitungs- und Kühlmafchinen. In der Automobilmesse ist fast nur das Ausland, allerdings fast durchweg mit führenden Fabrikaten wie Ford, Bugatti usw., vertreten. Der Beiuch war am ersten Tage wie immer: reichlich viel Zuschauer, wenig Käufer. Immerhin toerben aus einigen Ausstellungen, so von der Schuh- und Ledermesse, wo leider die Pirmasenser und Erfurter Schuhindustrie fast völlig fehlte, ganz schöne Abschlüsse gemeldet. Besonders stark besucht war heute, allerdings auch hier fast nur von Reugierigen, die Ausstellung der russischen Handelsvertretung. Wenn man alle Umftänbe zusammenrechnet, ist die Gesamtbeschickung (etwa 1200 Aussteller) noch überraschend gut und damit auch der Beweis für die Lebensfähigkeit der Messe gegeben. Aus dem Auslande waren heute bereits zahlreiche Käufer erschienen; ihre Zahl übertraf diejenige der Herbstbesucher cm ersten Tage um etwa 25 Prozent. Der zweite Tag dürfte wohl, wie bisher üblich, das Gros der ernsthaften Käufer bringen. Oderhessen. Kreis Friedberg. 2$. Dad°Rauheim, 11. April. Die sehr rührige Ortsgruppe der Vereinigung ehemaliger 116er ist eifrig mit den Vorarbeiten für die am 15. und 16. Mai hier staUfindende Frühjahrsvertreterversammlung der 116er beschäftigt. Den Gästen, die man in großer Zahl hier erwartet, wird vor und nach den geschäftlichen Verhandlungen Gelegenheit geboten fein, das hessische Bad kennen zu lernen. Für den Samstag ist ein Begrüßungsabend am Großen Teich vorgesehen, während am Sonntagnachmittag die Besichtigung des Äades und der technischen Anlagen erfolgen wird. X Steinfurth, 11. April. Nachdem kürzlich das „Dad-Rauheimer Doppelquartett" hier einen wohlgelungenen älnterhaltungsabend veranstaltet hat, ist am nächsten Sonntag der Turn- verein 18 6 0 Dad-Rauheim Bier zu Gast, um mit seinen sämtlichen Abteilungen, auch mit seiner Gesangsabteilung unter dem Motto „Deutsches Turnen — Deutsches Lied" einen Werbeabend abzuhalten. Die Reichsgesundheitswoche dürfte damit würdig begonnen werden. Rektor St au buch, Dad-Rauheim wird die Ansprache halten. h. Wölfersheim, 11. April. In diesem Jahr soll endlich die seit 1914 im Rohbau stehende Lehrerwohnung des Schulneubaues fertiggestellt werden, nachdem der Schulsaal schon feit Jahren seiner Bestimmung übergeben worden ist. — In unserer festlich geschmückten Kirche wurden 13 Knaben und 12 Mädchen, nämlich 21 Volksschüler und 4 Schüler höherer Schulen, konfirmiert. Verschönt wurde die Feier durch 3 Chöre der Konfirmanden. Zur Schulaufnahme gelangen 34 Kinder, eine in früheren Jahren nie erreichte Zahl. — Die hiesige Erwerbslosenzahl ist von 30 auf 18 zurückgegangen. WSN. Vilbel, 11. April. Zwischen der Erlen- bachmündung und Vilbel ist jetzt mit der Regulierung der Nidda begonnen worden. Die Arbeiten werden aus Mitteln der produktiven Er- werbslosenfürsorge vorgenommen. Das neue Flußbett soll 28 bis 30 Meter breit werden. Verschiedene Aecker und Wiesen sollen evtl, enteignet werden. Man hofft, daß auf dieser Strecke die Arbeiten bis zum 1. Juni d. I. beendet sein werden. Kreis Schotten. WSN. Schotten, 11. April. Die Molkereigenossenschaft „Hoherodskop f", die sich aus kleinen Anfängen zu einer beträchtlichen Genossenschaft mit etwa • 700 Mitgliedern empor gearbeitet hat, feierte dieser Tage ihr 2 5 jjähri - ges Bestehen. Die Genossenschaft verfügt über eine bedeutende Milch-, Butter- und Käsewirtschaft. -8- H e r ch e n h a i n, 10. April. Die hiesigen Holzhauer sind zur Zeit noch eifrig mit dem Oluf arbeiten der durch Schnee- und Windbruch verursachten Verheerungen in den Fich- tenbeständen aus der HerchenHainer Höhe beschäftigt. Jetzt erst ist es möglich, den ungeheuren Schaden, der selbst die stärksten Befürchtungen übertrifft, zu übersehen. Falls die freivaißaueh, Geruch Ohne Geh hacke, ohne Grus — Luxus und der Spielerei, sondern eine ernste, solide Waffe, ein gediegenes Werkzeug von uraüer, bewährter Form. Des Tages, an dem ich den Besitz meines schönen sichelförmigen Gartenmessers antrat, kann ich mich noch entsinnen. Ich war damals sehr auf der Höhe, in jeder Hinsicht, und fühlte mich dementsprechend. Ich war feit kurzem verheiratet; ich war der Stadt und dem Gefängnis eines Brotberufes entronnen und saß unabhängig und nur mir selber verantwortlich in einem schönen Dorfe am Bodensee; ich hatte Erfolg mit Büchern, die ich schrieb und die mir sehr gut schienen, ich hatte auf dem See ein Ruderboot schwimmen, meine Frau erwartete ihr erstes Kind, und nun ging ich eben an eine große Unternehmung, deren Wichtigkeit mich ganz erfüllte: an den Bau eines eigenen Hauses und die Anlage eines eigenen Gartens. Der Boden war schon gekauft, die Maße waren abgesteckt, und wenn ich über das Grundstück ging, empfand ich manchmal feierlich die Schönheit und Würde dieses Tuns; es schien mir, daß ich da einen Grundstein für alle Zeiten lege und für mich, meine Frau und meine Kinder hier eine Heimat und Zuflucht gründe. Die Hauptpläne waren fertig, und der Gatten nahm in meiner Vorstellung allmählich Gestalt an, mit dem breiten langen Mittelweg, dem Brunnen, der Wiese mit den Kastanienbäumen. Damals, ich mochte so gegen dreißig Jahre alt sein, kam eines Tages ein schweres Frachtstück für mich mit dem Dampfer an, und ich half, es vom Landungssteg mit heraufschleppen. Es kam von einer Gartenbaufirma und enthielt lauter Gartenwerkzeuge: Spaten, Schaufeln, Pickel, Rechen, Hacken (unter denen namentlich die mit dem Schwanenhals mich sehr entzückte) und manche andere solche Dinge. Dazwischen lagen, sorgfältig in Lappen eingeschlagen, einige kleinere und zartere Gegenstände, die ich mit Freude enthüllte und besichtigte, und unter ihnen war auch das krumme Messer, das ich sogleich öffnete und prüfte. Blank funkelte mir sein neuer Stahl entgegen, hart und straff sprang die Ruckenfeder, und die vernickelten Heftbeschläge blitzten. Damals war es ein kleines Anhängsel, ein winziges Nebenstück meiner Einrichtung. Ich dachte nicht, daß einmal dies Messer von all meinem schönen jungen Besitz, von Haus und Garten, Familie und Heimat das einzige kleine Stück fein würde, das noch mir gehörte und bei mir blieb. Es dauerte nicht lange, so schnitt ich mir mit dem neuen Messer beinahe einen Finger ab, die Narbe trage ich noch heute. Und inzwischen war der Garten angelegt und bepflanzt, das Haus gebaut, und viele Jahre lang war das Messer mein Begleiter, so oft ich in den Garten ging. Ich habe mit ihm meine Dbftbäume beschnitten und Sonnenblumen und Dahlien zu Sträußen abgeschnitten, habe Peitschenstiele und Pfeilbogen für meine kleinen Söhne damit geschnitzt. Täglich, mit Ausnahme kurzer Reisezeiten, brachte ich einige Stunden im Garten zu, den ich alle die Jahre hindurch selbst besorgt habe, mit Graben und Pflanzen, Säen und Begießen, Düngen und Ernten, und in den kühleren Jahreszeiten hatte ich stets ein Feuerlein in einer Gartenecke brennen, wo Unkraut und alte Wyrzelstöcke und Abfall jeder Art zu Asche gebrannt wurden. Meine Söhne waren gern dabei, steckten ihre Gerten und Schilfrohre ins Feuer, brieten Kartoffeln und Kastanien darin. Dabei fiel mir einmal das Messer ins Feuer, und am Heft entstand ein kleiner Brandfleck, den es von da an trug, und an dem ich es aus allen Messern der Welt herausgekannt hätte. Es kam eine Zeit, da reifte ich viel, denn es war mir nicht mehr so sehr wohl in dem hübschen Hause am Bodensee. Ich ließ oft meinen ©arten stehen und fuhr in der Welt herum, als hätte ich irgendwo die Hauptsache liegen lassen und vergessen, ich fuhr bis nach dem hintersten Südosten von Sumatra und sah die großen grünen Schmetterlinge im Dschungel schimmern. Und als ich zurückkam, da wurde meine Frau mit mir einig, daß wir unser Haus und Dorf verlassen wollten. Es zeigte sich, daß für die Heranwachsenden Söhne Schulen nötig waren und manches andere, und wir sprachen viel darüber. Aber darüber sprach ich mit niemand, daß das Hierbleiben eben seinen Sinn verloren hatte, und daß mein Traum von Glück und Behagen in diesem Hause ein falscher Traum gewesen war und begraben werden mußte. In einem herrlichen alten Gatten mit gewaltigen uralten Bäumen, nahe bei einer schönen Schweizer Stadt, mit dem Blick auf die nahen feierlichen Schneeberge, zündete ich meine gewohnten Herbst- und Frühlingsfeuer wieder an, und wenn das Leben mir weh tat und auch an diesem neuen Orte vieles so schwierig ging und so verstimmt klang, dann suchte ich die Schuld bald hier, bald dort, oft auch in meinem eigenen Herzen, und wenn ich mein starkes Gartenmesser betrachtete, dachte ich an Goethes vorzügliche Anweisung für sentimentale Selbstmörder, sich den Tod nicht allzu bequem zu machen, sondern ihn sich durch Heroismus zu verdienen und sich zumindest mit eigener Hand das Messer ins Herz zu stoßen. Und das konnte ich so wenig wie Goethe. Es kam der Krieg, und nun dauerte es nicht mehr lange, bis ich die Gründe meiner Unzufriedenheit und Melancholie nicht mehr weit zu suchen brauchte, sondern sie klar erkannte und wußte, daß. da nichts zu heilen war, und daß die Hölle dieser Zeit zu durchleben trotz allem eine gute Kur gegen eigensüchtige Schwermut und Enttäuschung sei. Es kamen Zeiten, wo ich mein Messer wenig mehr brauchte, es war allzu viel andere Arbeit zu tun. Und es kam so allmählich alles ins Rutschen, zuerst das Deutsche Reich und sein Krieg, dem vom Aus- lande her zuzuschauen damals eine Qual ohnegleichen war. Und als der Krieg zu Ende war, da war auch in meinem Leben allerlei gewendet und verändert, ich besaß keinen Garten und kein Haus mehr und mußte mich von meiner Familie trennen und mußte Jahre der Einsamkeit und Besinnung antreten und durchkosten. Da saß ich oft, in den angen, langen Wintern der Verbannung, im falten Zimmer vor dem kleinen Kamin, verbrannte Briefe und Zeitungen und schnitzelte mit meinem alten Messer am Holz herum, ehe ich es ins Feuer steckte, und sah in die Flammen, und sah mein Leben und meinen Ehrgeiz und mein Wissen und mein ganzes Ich allmählich verbrennen und zu reinlicher Asche werden. Und wenn auch das Ich, der Ehrgeiz, die Eitelkeit und der ganze trübe Lebenszauber mich nachher wieder und wieder einspannen, so war doch eine Zuflucht gefunden, eine Wahrheit erkannt, und die Heimat, die zu gründen und zu besitzen mir im Leben nie hatte glücken wollen, begann mir im eigenen Herzen zu wachsen. Wenn ich nun das Gartenmesser, das mich diesen langen Weg begleitet hat, so sehr vermisse, so ist das weder heroisch noch weise. Ich will aber heute nun einmal weder h-roisch noch weise sein, dazu ist morgen wieder Zeit. 7 Das verlorene Taschenmesser. Von Hermann Hesse. Gestern habe ich ein Taschenmesser verloren und habe habet die Erfahrung gemacht, daß meine Philosophie und Schicksalsbereitschaft auf schwachen Füßen stehen, denn der kleine Verlust hat mich unverhältnismäßig betrübt, und ich bin auch heute noch .mit meinen Gedanken bei jenem verlorenen Messer, nicht ohne mich selbst wegen solcher Sentimentali- täten auszulachen. Es ist ein schlechtes Zeuhen, daß der Verlust dieses Messers mich so betrüben konnte. Es gehört zu meinen Schrulligkeiten, die ich wohl kritisieren und bekämpfen, nicht aber völlig abtun kann, daß ich an Dingen, die ich eine Weile besessen, mit großer Anhänglichkeit feschalte, und es ist mir jedesmal ein Unbehagen, zuweilen sogar ein kleiner Schmerz, wenn ich mich von einem lange getragenen Kleide oder Hut oder Stock trennen muß, oder gar von einer Wohnung, in der ich lange gewohnt habe, um von schlimmeren Trennungen und Abschieden ganz zu schweigen. Und jenes Messer gehörte nun zu den ganz wenigen Gegenständen, die bisher die Veränderungen meines Lebens überdauert und mich durch alle Wechsel jahrzehntelang begleitet haben. Zwar besitze ich noch einigen geheiligten Trödel aus fernerer Vergangenheit, einen Ring meinet Mutter, eine Uhr meines Vaters, ein paar Photographien und Andenken aus meiner frühen Kinder- zeit, aber alle diese Dinge sind ja eigentlich tot, sind Museum, liegen im Schrank und werden kaum alle Jahre einmal betrachtet. Das Messer aber ist viele Jahre lang ein beinahe täglich gebrauchtes Ding gewesen, ich habe es viele tausend Mal in meine Tasche gesteckt, aus der Tasche gezogen, es zu Arbeit und Spielerei benützt, habe es hundertmal mit dem Abziehstein nachgeschliffen, habe es in früheren Zeiten mehrmals verloren und wiedergefunden. Es war mir lieb, dies Mester, und es ist wohl eines Klageliedes wert. Es war kein gewöhnliches Taschenmesser, deren habe ich in meinem Leben sehr viele besessen und verbraucht. Es war ein Gartenmesser, eine einzige, sehr starke, halbmondförmig gebogene Klinge in festem, glattem Holzgrisi, fein Gegenstand des b't mit Landwirt in meMl tjdje auf d Sors sind' lanöwirtc.- tut W Wien jut N 1 LMge % nicht MW Irrb-M an seine ö derterdie unb MM SS &: m6” finw, K ® gl §7 schütz-" die M so ii Migcs bi (•) ® gut belicht werbeve der Hündw bet mit be totigfcü h toifa jut ff fameirMrffl Sä >!Wn% I W i E übrr^Gir^ •ie ?n Tag. ? haften t^SnT ^iedberq e^. u ;■. er rerei^ Dir Ur, I «frig rmVil^ng e? *5*53**^ ^L-iKÄ Aen Lom^g^d vw 4™a®«StL®* te*gg *“ * syjj ci5 U 2b>tiL 'N « « w<Ä *I*Ä • Jn unserer seUick «- «schuler und 4 Schüler ffcmiert 3e$ni “naHe gelangen & "J ^ren mt erreichte Eriverbslvsenjrhl agegangen. Zwischen der Erkin m ist letzt mit du Regu- öa begonnen worden. DK Mitteln der produktiven (fr- genommen. Das neue Flurn ter breit werden. Verschiedeoe )llen evtl, enteignet werden, iqet Strecke die Arbeiten bis idet fein werden. f schotten. , 11. April. Sie Molke- t.choherodskovf, die igen zu einer beträchtliche >a 700 Mitgliedern empor- liefet Tage ihr 25//ä f) t i • Genossenschaft oerfugt über Lutter- und Äfewmschaii. In, 10. April. Die hiesigen ir Zeit noch eifrig mit dein ch Schnee- und Windbruch erungen in den Iich- if der Herchenhainer etzt erst ist es möglich, den der selbst die stärksten De- I, - suchen Ä- ™»“Äg ... uni baß die Solle ö|Ci“ ;h 'allem eine gute Kur gegen i und Enttäuschung E i«.i« |einSri-g,h®*E der Krieg zu und Leben b tein Saus unen ilie trennen ■el,el?i„h Sein «en “J en, und sah w . .anp ietn reinlicher. M inen unHu. §hrgeiz. JSflSTSS fcsSi“: Ochsten Jahre die gleichen oder auch nur an- aähernb solche Schäden bringen, dann wäre der Kahlhieb des ganzen Bestandes die unauSbleib- Tlche Folge. Dann stände die wuchtige Kuppe )er Äerchenhalner Höhe wieder völlig kahl da. qchr zum Schaden unseres Dorkes, wie auch der ganzen Gegend. Wie verheerend Schnee und Sturm gewütet haben, ersieht man schon daraus, dah die Holzhauer, die schon seit 4 Wochen nut ben Äusräumungsarbeiten beschäftigt lind, noch toxi bis Ende Juni damit zu tun haben Arbeit- lose gibts darum in unserer Gemeinde vorerst nicht. — Der Gemeinderat beschloß, das OTmt deS Feldschuhen wegen der schlechten itnamicHen T=t6Mtmfle ab 1. Avril abzu- hauen Da in der Gemeinde feinerlei Obst imb auch die Feldfrevel, der eigenartigen w rttchaftlichen Verhältnisse halber, äußerst selten Hnb Saubt der Gemeinderat die ziemlich Oluf Mb en für den Feld schützen sparen zu Mn Stelle d-« Zoldlchütz-n ffnd 2 G-m"indira^m«gli°»er als S h - ° u, ° l->- schützen getreten. * 5- Dvm oberen Vogelsberg, U-2lpr:l. ««- l-x g*5Ä Ä Ä bat dn Weizen gelitten, der zu allem Glück nur wenig angebaut war. Hier muß Umbruch und Neueinsaat erfolgen. Don Vog aen haben die Bestände sehr gelitten, di^ mt schlechtem Saatgut bestellt waren. Dagegen stehen b^e Schläge, die mit frisch bezogenem Saatgut auägeftctlt waren, sehr gut. Man sAthrer «ä ÄbM« 'S.11“““" in^ hiesiger Gegend beschränkt sich m ber S.aut>t- fache aus die Herstellung von Äechen. 2n ledean Dorf sind eS noch eine ganze Anzahl von Klein landwirten, die durch die Anfertigung von Dechen zur Winterszeit sich einen Nebenverdienst zu verschaffen suchen. Den Derd.enst ist allerdings zur Zeit recht targ, Da auch hier der Absatz stockt. Der Dertrieb geschah seither durch euuge wenige Händler, denen aber ein größerer Absatz nicht möglich war. Nun hat der Raiffeisen Verband eingegriffen. In einem Rundschreiben an seine angeschlossenen Genoßenschasten schildert er die Not der Heimindustrie mt Vogelsberg und empfiehlt im Bedarfsfälle den Bezug von Vogelsberger Rechen. Hoffentlich befkrt sich durch die Uebernahmo des Vertriebs durch eine große wirtschaftliche Organisation die Notlage der Vogelsberger Rechenmacher, wie auch der flanken Heimindustrie in kürzester Zeit. Ist dies nicht der Fall, so ist mit dem Aussterben dieses Geschäftszweiges bald zu rechnen. Kreis Alsfeld. (.) Groß-Felda, 10. April. In einer aut besuchten Versammlung des hiesigen Ge- werbevereins sprach Äfndikus Dohr von der Handwertskamincr-Rebenstelle in Gießen m einem etwa zweistündigen Vortrag üb« a k - tucllc Handwerkerfragen. Der.Dedner, der mit besonderem Nachdruck auf die Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller Handwerker zur wirksamen Vertretung ihrer gemeinsamen Interessen hinwies, erntete mit seinen fef- selnden Ausführungen lebhaften Beifall. Im Anschluß an den Vortrag fand eine Aussprache statt. Wit besonderem Interesse nahm die Versammlung zur Kenntnis, dah die Handwerkskammer-Nebenstelle hier Sprechstunden zur kostenlosen Beratung der Handwerker einrichten will. Starkenburg. WSN. Auerbach a. d. B., 10. April. Ein Juwelier aus Frankfurt, der am Donnerstagnachmittag mit feiner Frau in einem Aulomobii von Alsbach nach dem Gipfel des W e l i b o k u s fahren wollte, erlitt dabei an der obersten Kurve, ungefähr eine Viertelstunde vorn Turme entfernt, einen schweren Unfall. Das Auto fuhr, um die Steigung etwas besser nehmen zu können, etwas zurück, kam dabei ins Rutschen und stürzte einen Abhang hinunter. Während die Frau noch rechtzeitig herausspringen konnte und unverletzt blieb, flog der Wann beim Ueberschlagen des Wagens in großem Bogen auf den steinigen Abhang und zerschmetterte sich dabei ein Dein. Tin herbeigeeilter Arzt legte dem Verunglückten einen Notverband an und veranlaßte seine Ueberfühtung nach dem Frankfurter Krankenhaus. Das Automobil wurde schwer besch ädigt. Rheinhessen. WSN. Wainz, 11. April. Die am 4. April hier eröffnete Rundfunlausstel- lung ist bis jetzt von rund 20 000 Personen besucht worden. Besonderen Interesses erfreuen sich die Führungen und Experimentalvorträge, sowie die durch Lautsprecher verbreiteten Frankfurter Sonderaufführungen und die Darbietungen des Mainzer Senderaums. Die einheimisches uiid auswärtigen Firmen berichten über gute Abschlüsse. WSN. Worms, 11. April. Gestern nachmittag ereignete sich im Viadukt auf der Straße von Worms nach Neuhausen ein schwerer Unglücks- fall. Der radfahrende 19 Jahre alte Dachdecker Willi Braun stieß auf der abschüssigen Straße, durch den Lichtwechsel geblendet, mit einem Rollwagen zusammen. Durch den Anprall wurde er vom Rade geschleudert und blieb tot am Platze liegen. Den Lenker des Lastwagens soll keine Schuld treffen. Preußen. Kreis Wetzlar. XX Wetzlar, 11. April. Gleich den meisten deutschen Städten hat auch Wetzlar während des Krieges einen Grundstücksfonds angelegt,der vor allem in der Nachkriegszeit zur vollen Entwicklung gelangte. Während die Stadt im Jahre 1914 an rein landwirtschaftlichem Grund und Boden nur 70,76 Hektar befaß, betrug der Lefitz im Jahre 1929 schon 135,03 Hettar. Für Siedlungen und landwirtschaftliche Nutzungen wurden ferner das jjofgut Magdalenenhausen erworben, sa daß jetzt der Gesamtbesitz 381,10 Hektar beträgt. Infolgedessen mar es möglich, den Wünschen der vielen Kleingärtner zu entsprchen und Kleinpachttand zu schassen. Die Stadt verfügt z. Z. über 800 Pachtparzellen, hiervon sind 600 Kleingärten. Die Nachfrage war auch in diesem Frühjahr so groß, daß die Stadtverwaltung vorläufig viele Wünsche nicht erfüüen kann. XX Bellersdorf, 11. April. Unser kleines Dörfchen ist der j ü n g st e Ort im Kreise Wetzlar. Es ist im Jahre 1699 auf Anordnung des Grafen Ludwig von Hohensolms gegründet worden. I Der erste Ansiedler war ein Schuhmacher aus Thüringen. der hier seßhaft wurde. Heute zählt das Dörfchen mit seinen 30 Wohnhäusern 150 Einwoh- ncr und ist der Pfarrei Altenkirchen zugeteilt. WSN. Wetzlar. 10. April. Eine srohe lieber- raschung wurde der hiesigen Familie H e d c i ch zuteil. Ihr Sohn Otto, der als Kriegsfreiwilliger in das Heer eingetreien und 1915 schwer verwundet in russische Gefangenschaft geraten war. hatte seit 1920 nichts mehr von sich hören lassen und war voriges Jahr für tot erklärt worden. Nunmehr ist vom Moskauer deutschen Konsulat über Berlin ine Funkspruchmeldung eingegangen, nach der Otto Hedrich ausfindig gemacht wurde und demnächst zurucktransportiert werden soll. Die Eltern werden also voraussichtlich bald ihren Sohn nach | zwölfjähriger Trennung wiedersehen. Maingau. WSN. Frankfurt a. M., 11. April. Der vor einiger Zeit fpurlos verschwundene Juwelen- Händler Karl Marx, von dem angenommen wurde, daß er einem Verbrechen zum Opfer gefallen fei, ist, der „Franks. Ztg." zufolge, in Frei- bürg i. Br. verhaftet worden. Marx hatte sich in einem Freiburger Vorort aus gewissen Gründen verborgen gehalten. Hamburg v. d. H.. 10. April. Der junge Mann, der dieser Tage in zahlreichen hiesigen Geschäften Waren gekauft und nut wertlosen Schecks bezahlt hatte, konnte von der Polizei festgenom- m e n werden. Er soll auch anderwärts ähnliche Taten verübt haben. Kreis Aulda. WSN. Fulda, 10. April. Gestern Vormittag ist ein hiesiger Handwerksmeister, als er in der hiesigen Schlachthofwirtschaft fein Frühstück verzehrte, an einem Stückchen Fleisch e r st ickt. Ein schnell herbeige- rufencr Geistlicher konnte dem Wanne nur noch die letzte Oclung reichen. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 8. April. Ein junges Mädchen aus der Umgegend von Gießen stand wegen übler Schwatzereien gegen ein junges Mädchen aus demselben Ort vor Gericht Wegen Beleidigung wurde die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 30 Mark verurteilt Eine Frau von hier hatte ein mit ihr in dem gleichen Hanse wohnendes Ehepaar wegen Beleidigung, Körperverletzung und Bedrohung verklagt, worauf dieses mit einer Widerklage wegen Beleidigung antwortete. In der Hauptverhandlung konnte der Sachverhalt in Ermangelung von Tatzeugen nicht einwandfrei aufgeklärt werden. Der ange legte Ehemann wurde deshalb wegen Körperverletzung und Bedrohung und die Widerbeklagte wegen Beleidigung f r e i g e s p r o ch e n. Dagegen wurde das Ehepaar wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von je 5 M k. verurteilt. Beide Teile haben je die .Hälfte der Kosten des Verfahrens zu zahlen. Amtsgericht Wetzlar. Q Eine Wetzlarer Frau hatte sich unter ber Beschuldigung, eine Geldtasche mit etwa 2—3 Mk. entwendet zu haben, zu verantworten. Obschon sie die Tat bestritt, erachtete das Gericht sie durch die eidliche Aussage des als Zeuge geladenen Bestohlenen als überführt und erkannte auf 2 Wochen Gefängnis. __ Degen Vergebens gegen das Dtehfeuchcngeien, weil er die Anzeige über den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche unterlaßen hatte, war einem Landwirt aus Hochelheim ein gerichtlicher Strafbefehl über 100 Mk., hilfsweise 20 laqe Gefängnis zugegangen. Hiergegen erhob er Einspruch. Sein Einwand, er habe nicht gewußt, daß es sich bei feinem Viehbestand um die erwähnte Seuche ge» bandelt habe, fand bei dem Gericht feinen An» tlang, denn der Angeklagte gab gleichzeitig zu, schon früher die Seuche fcnnengelernt zu haben. Das Gericht beließ cs daher bei der durch Strafbefehl erkannten Strafe und legte dem Angeklagten auch die Kosten des Verfahrens auf. Ein anderer Landwirt aus Lützellinden hotte wegen eines ähnlichen Vergehens durch gerichtlichen Strafbefehl 20 Mk. Geldstrafe erhalten und । Einspruch erhoben. Die Ucbcrtrctung bestand dar- 1 in, daß er ein Kalb zwecks Ausführung auf feinem Gehöft heimlich schlachten lieh, obwohl wegen der Maul- und Klauenseuche über die Gemarkung Lützellinden Sperre verhängt war und Ausführung von Vieh nur mit Genehmigung des Land- rats nach vorheriger Untersuchung durch den Kreistierarzt erfolgen durfte. Der Angeklagte gab die strafbare Handlung zu und behauptete, aus Unkenntnis gehandelt au haben. Dem vermochte das Gericht jedoch nicht deizutreten, zumal entsprechende Bekanntmachungen erlassen worden waren. Der Angeklagte behielt daher die ursprünglich erkannte Strafe, hilfsweise 4 Tage Hast, zuzüglich der ent- | standenen Kosten. Unter der Anklage der Hehlerei hatten sich zwei Arbeiter aus Wetzlar bzw. Aßlar zu verant- wotten. Den Angeklagten war zur Last gelegt, einen goldenen Ring, den eine bereits früher dieserhalb Verurteilte gestohlen kalt", an sich gebracht und weiterveräußert zu Haven, obwohl sie wissen bzw. den Umständen nach annehmen muhten, dah dieser Ring gestohlen. Das Gericht vermochte in der Verhandlung keinerlei Schuld der Angeklagten festzustellen und sprach beide kostenlos frei. Zwei Arbeiter aus Wetzlar, die wegen groben Unfugs je 9 Mk. Geldstrafe erhalten und hiergegen Antrag auf gerichtliche Entscheidung gestellt hatten, wurden zu den gleichen Geldstrafen, hilfsweise je 3 Tage Haft verurteilt. Auch wurden ihnen die Kosten des Verfahrens auferlegt. Rundfunk-Programm deS frankfurter Senders. (Aus der »Radio-Umschau".) Dienstag, 13. April. 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde bet Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Walzer von Josef Lanner. 5.45 bis 6.10 Uhr: Die Lesestunde: Aus dem Roman „Pitt und Fox" von Friedrich Huch. 6.15 bis 6.45 Uhr: Übertragung von Kassel: Stunde der Landwirt- schaftskammer Kassel. Vortrag von 5hr. Elbert von der Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Harleshausen: „Krankheit der Acker- und Wiesen- pslanzen und ihre Bekämpfung". 6,45 bis 7.15 Uhr: „Frühlingsmärchen", verfaßt und vorgelesen von Eugen Lewin-Dorsch. 7.15 bis 7.45 Uhr: „Unter den Menschenfressern Neu-GuineaS", Vortrag von Un-versitätsprofessor Dr. Dehrmann. 7.45 bis 8.15 Uhr: Schachstunde. 8.15 Uhr: »Alt- Frankfurt". Lokalstück in sieben Bildern von Adolf Stolhe. ZU BAN wuti X I r^nii 1 2 w M K ? T-;/' E HM bDD. |IB" ■ Zumumiuw« 51 ■ ■■ ■fruiniumuizg Die tolle Herzogin. Roman von Ernst Klein. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. 38. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Sobald Frau Herzogin wünschen. Lord Neville ist zwar Untersuchungsgefangener, doch ich glaube in Anbetracht der bedeutsamen Umstände befürworten zu können, daß eine Ausnahme von der Regel gemacht werde. Würde es Ihnen passen, im Laufe des morgigen Vormittags, Frau Herzogin? Ja? Ausgezeichnet, dann werde ich mir die Freiheit nehmen. Sie morgen um elf Uhr von Burnham House abzuholen." Sie Walter ließ es sich auch nicht nehmen, die Damen nach Hause zu begleiten. Dann raste er zu seinem Onkel. „Ich habe den verfluchten Faden--ich habe ihn! Aber der Knäuel ist viel großer, als ich angenommen habe." Er war mit seinem Tagewerk überaus zufrieden. Telephonierte der reizenden Minnie Knox und führte sie in Prince's Restaurant, wo sie das vor zehn Tagen unterbrochene Souper fortsetzten und in fröhlichster Stimmung beendigten. 2 4. Kapitel. Als die Schwestern nach Hause kamen, meldete Mutter Anne, es habe bereits zweimal eine fremde Dame angerufen und nach der Frau Herzogin gefragt. Hat sie keinen Namen genannt?" „Nein. Die Stimme war auch ganz und gar unbekannt. Sie sagte, sie werde wieder anrufen, denn ihre Angelegenheit sei äußerst dringend. „Wer kann das sein?" fragte Grace, die immer geneigt war, in Unruhe zu geraten. Gloria zuckte die Achseln. „Wozu sich unnütz den Kopf zerbrechen! Ich halte cs für besser, jetzt erst einmal etwas zu essen. Wer weiß," fügte sie mit bitterem Lächeln hinzu, „ob das nicht die letzte Mahlzeit ist, die ich in meines Vaters Haus einnehme!" „Gloria--!" ..Nun ja — einmal muß es doch geschehen, nicht wahr? Wie lange soll Harald noch für mich leiden?" Grace wußte nichts darauf zu erwidern. Mit gesenktem Kopf saß sie da. Kämpfte mit sich. Mit ihrer Feigheit, ihrer Angst. Gloria läutete und bat Mutter Sinne, für ein ausgiebiges Essen zu sorgen. „Ich werde morgen mit ihm sprechen--*Y „Du willst ihm alles sagen--?" Gloria maß die Schwester mit sonderbarem Blick. „Ich — ich habe es mir überlegt. Ich muß mich doch nun einmal als Mörderin dem Gericht stellen, warum soll ich nicht auch die Sache mit den Briefen auf mich nehmen? Was macht das noch aus? Wozu dem Vater doppelten Schmerz bereiten?" Furchtsam, niedergedrückt von ihrer Scham glitt Grace auf sie zu. Kniete vor ihr nieder und legte weinend den Kopf in ihren Schoß. „Nicht weich werden", sagte Gloria. „Trachte vor allem, mit deinem Manne ins Reine zu kommen. Werde ihm die Frau, die er verdient!" „O — es ist so feige von mir, so schmählich! Gloria — höre, nimm mich mit zu Harald! Ihm will ich die Wahrheit sagen! Ich muß es! Ich will nicht mein neues Leben mit einer Lüge beginnen! Er wird verzeihen und begreifen. Und dann — Gloria — — wenn man dich vor Gericht stellt, wird man dich ganz anders beurteilen, wenn man weiß, daß du den Mann getöteft hast, um die Ehre deiner Schwester zu verteidigen! Du wirst sehen, man wird dich sogar freisprechen!" „Ich weiß nicht, Grace!" Doch diese umUammerte sie fester und fester! „Du darfst dich nicht für mich opfern! Ich fühle es, ich weiß es, ich könnte die Schmach nie und nimmer tragen. Wenn du bereit bist, für das zu büßen, was du meinetwegen getan hast, warum soll ich nicht büßen für meine eigene Schuld. Der Vater liebt dich — Gloria! Der Kummer über dich würde ihn töten! Und Gloria--du hast nie davon gesprochen, aber ich weiß, du hast immer und immer daran gedacht. Gloria, was soll mit deinem Kinde geschehen?" Da fuhr Gloria auf. Wild stieß sie die Schwester von sich. Schrie in der Not der verzweifelten Mutter: „Warum sprichst du davon? Wenn ich nicht einmal wage, daran zu denken!" Mutter Anne kam herein. ..Ich habe im blauen Zimmer anrichten lassen! Kommt, Kinder, ehe es kalt wird!" Der Hunger Glorias war verflogen. Stumm faß sie der Schwester gegenüber und stocherte auf dem Teller herum, den ihr die 2Ut« hinstellte. Ihre Gedanken waren weit draußen — dort droben in Sainsbury Castle--bei ihrem Jungen-- Sie beschloß, Mutter Anne hinaufzuschicken und ihn nach London bringen zu lassen. Man würde ihr ja gestatten, ihn zu sehen--Auch später — sicher von Zeit zu Zeit! Jetzt, da die Schwester an diese Stelle gegriffen hatte, schmerzte und quälte sie mehr als alle anderen Sorgen. Ihr Kind--! Ein Lakai erschien und flüsterte Mutter Anne einige Worte zu. Diese kam zu Gloria. „John meldet, die Dame von vorhin ist wieder am Telephon." Müde erhob sich Gloria und ging in das Empfangszimmer, wohin die Leitung umgestellt worden war. Die Glieder waren ihr schwer. Ihr Geist, ihr Mut,--hoffnungslos auf einmal--Ob sie nicht mit dem Besuch bei Harald wartete, bis sie ihr Kind gesehen hatte? „Hier spricht die Herzogin von Sainsbury", sagte sie gleichgültig, als sie den Apparat aufnahm. Die Stimme einer jungen Frau antwortete. Englisch sprach sie, aber mit einem fremden Akzent. „Ist dort ganz bestimmt die Herzogin Sainsbury? Herzogin Gloriq? Die Angelegenheit ist nur für sie bestimmt." „Ja — ja--ich bin es. Wer sind Sie?" „Das kann ich nicht sagen. Ich habe nur eine Botschaft zu übermitteln." „Eine Botschaft? Von wem?" „Auch das kann ich nicht am Telephon Mitteilen. Meine Botschaft lautet: Wenn die Herzogin von Sainsbuy die gewissen Papiere, die sie sucht, zurück- I)aben will, möge sie morgen abend um neun Uhr im Saal der Ambassadeurs im Kursaal zu Ostende soupieren." ßtoria schwankte. Mußte sich an der Tischkante festyalten. „Ich — ich — morgen —?" stammelte sie. „Morgen abend um neun Uhr im Saal der Ambassadeurs." Ein kleiner scharfer Klicks — die Fremde hatte angehängt. 2 5. Kapitel. Punkt elf Uhr fuhr am nächsten Vormittag Sir Wolter vor Burnham House vor, machte aber ein I sehr betroffenes Gesicht, als ihm statt Glorta Lady Grace entgeaentrat. „Ich dachte, Me Frau Herzogin wollte felbft kommen?" „Sie läßt um Entschuldigung bitten, Sir Walter, — sie kann den versprochenen Besuch heute nicht machen. Sie wurde gestern abend dringend von London abberufen." „Mylady gestatten, daß ich etwas verblüfft drein- schaue! Und was soll nun aus dem Besuche bei Lord Neville werden?" „Ich werde Sie bitten, Sir Walter, mich anstatt meiner Schwester hinzusühren." Sir Walter verbeugte sich und Lady Grace eilte davon, um sich zum Ausgange bereit zu machen. Ihm ging die plötzliche, überhastete Abreise Glorias durch den Kopf. Je länger er darüber nachdachte, desto mysteriöser schien sie ihm. Mußte für sie nicht das erste und wichtigste Erfordernis fein, Harald zu sprecyen? Der Grund, der sie davon abhielt, war also gewiß ein noch gewichtigerer, einer, dem sie sich unbedingt unterordnete. Hm — Lady Grace trat ein. Bleich, sichtlich bemüht, ihre Aufregung niederzukämpfen. War sie doch im Begriff, den schwersten Gang ihres Lebens anzutreten. „Einen Moment, Mylady," sagte Sir Walter, „dürfte ich, da die Damen mich nun doch wohl endlich in ihr Vertrauen ziehen, fragen, wohin die Herzogin berufen wurde?" Grace zauderte, und dieses Zaudern sagte ihm genug. „Man hat sie irgendwohin gerufern-um ihr den Vertrag zu geben. Ist es so ober nicht, Lady Grace?" Sir Walter war kein großer, kein stattlicher, kein imponierender Mann. Frauen gegenüber schon gar nicht — zu seinem größten Leidwesen. Aber in feiner Frage klirrte jetzt eine so verbissene Energie, daß sich Grace ganz erschrocken unter ihr duckte. Sie war ja keine Kämpferin. Und dann — hatte Gloria nicht beschlossen, Sir Walter die volle Wahrheit zu sagen? „Gestern abend telephonierte eine fremde Dame, Gloria möchte sich heute abend in Ostende — ich glaube, im Kursaal — die Papiere abholen--* „Die Papiere?" Wie Lanzetten stachen seine Augen in die der ängstlichen Frau. (Fortsetzung folgt.) Dr. Heinrich Roese Klavier — Theorie — Musikgeschichte Wiederbeginn von Kursen und Einzel- Unterricht im April Anmeldungen und Anfragen jederzeit nach Goethestraße 34 erbeten _____ Verlangen Sie Ruhr- Nußkohlen, 315 Eiformbriketts, höchste Heizkraft, sparsam in Hausöfen und Küchenherden. Erhältlich in allen größeren Kohlenhandlungen. WliilQPholrilfal W* für Gemeinden, wulldbilull Uly! Gehöfte,Industrien! Der durch seine glänzenden Erfolge im In- u Auslande berühmt gewordene Wünschelrntenforscher Oberstleutnant a. D. Heinemann aus Bad-Homburg. Promenade 24, macht in Kürze wiederum eine Reise durch Oberhessen. 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Redegu, Eans Herkwlti, Qeora John, Frida Richard, Maria Forescn. „Tamara Karsawina“, die berühmte russische Tänzerin, tritt in „Hanseaten“ zum erstenmal als Filmschauspielerin auf, ein künstlerisches Experiment, das weit über die Filmkreise hinaus dem größten Interesse begegnen wird. Wegen des za erwartenden großen Andrangs zu den Abendvorstellungen bitten wir nach Möglichkeit die Nachmittagsvorstellungen besuchen zu wollen. Der Film bleibt 8 Tage auf dem Spielplan. In den 3261c Astoria>Lichtspielen Ab heute bis einschließlich Mittwoch i Der große Detektivfilm in 6 Akten „Oer Pakt mit dem Tode“ Ferner. Ein herzergreifendes Schauspiel in 3 Akten Armes kleines Mädchen. Prof. Dr. Wilhelm Meigen Marie Meigen verw. Wrampelmeyer, geb. van der Laag Vermählte Giehen, den 12. April 1926 Waagen aller Art empfiehlt u. werden eichfähig hergestellt. 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April 1920 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger fürGberheßen) Nr. 84 Drittes Blatt 5X1 Turnen, Sport und Spiel. Die gestrigen Meisterschaftsspiele Min.) gest inenden crl inen hat. Zu>: 3-it kssst-hen im Iv 1672 tutncrti: Zweiter Krewee- W.'gnmnn-Schwsiz ureitere 10 Meter aurücL war der Kölner Saud), für Berufsfahrer öoini- der Frankiurler Favorit, neue Bahnrekorde über aufzustellen. Das intet- kann man im ©a machen, b-jf; die wie die Za^ l de . Mann auf dem Platze Sn den Dauerrennen niete Sean Weiß, dem es gelang, zwei 25 und 40 Kilometer hat Hol- Arminia- 3:1 (1:0) ist in in 3:b die Um die Bordd. Fußballmeisterschaft stein-Kiel Altona 93 mit 7:0 (3:0) und Hannover den Hannoverschen S. C. mit geschlagen. l.Rau 2. Deibel 3. Appel 4. Düringer 5. Heß 6. Se'ardt 7. Arnold 6 Witmann 9. Rieger 10. Gerhardt (Defekt). hat ge^ schlagen, und ist damit der einzige Konkurrent Herthas B. S. C. um die Abteilungsmeisterschaft, nachdem Hertha gegen Union Potsdam mit 10:0 erfolgreich blieb. — Sn der Abteilung B haben die Kickers durch einen 4:3-Sieg über Union» Ob. den zweiten Platz behauptet. NorddeuLsch?and. .ue die erfreuliche Festüellung Zahl der Abteilungen sowohl Die deutsche Maldlaufmeisterschast 1926 bei ihrer Austragung am gestrigen Sonntag Siegburg von Raetze (D. f. D. Lucken ralde) 35:23,4 vor Dreckmann» Hamburg und zwei Handballstädtespiele zu bestreiten, einem Siege und einer Niederlage eine Spiel ging in Berlin vor sich und Reichshauptsiadt mit Hannover im die Hannoveraner sehr ab. Wenn dennoch der Torunterschied ein so geringer ist. so ist das in erster Linie dem Sturm zu verdanken, der Nest der Mannschaft versagte gänzlich. Berlin — Leipzig 4: 3. Einen schönen Sieg aber erzielte Berlin gegen Leipzig. Mit 4:3 (3:3) zeigte sich die Berliner Mannschaft von der besten Seite. Beiden Spielen wohnien grobe Zuschauermensen bei, in Berlin mögen es 4000 gewesen fein, während man die Besucherzahl beim Leipziger Spiel auf 6000 schätzte. Leichtathletik. E n neuer Stabhochsprung - Rekord. Einen neuen Hallen-Wettrekord im Stabhochsprung hat Charles Hoff mit 4,171 Meter aufgestellt. Sonntag die mit endeten. Das sah die Erfurt sicherte sich der dortige 2. C. mit einem (l:1)-Sieg über Kricket-Viktoria Magdeburg Teilnahme am Endspiel. BerUn. Um die Berliner Fußballmeisterschaft Tcnms-Borustia Vorwärts mit 4:0 (2:0) die sich auf 3G5 essanteste Rennen des Tages um den großen Stadionpreis über 25 Kilometer mit Motorführung zeigte ein erbittertes Ringen zwischen Weih und dem Schweizer Wegmann, seinem schärfsten Äoiuurtenicn. das der Frankfurter nach hartem Enötampf für sich entscheiden konnte, während des 15°Kilometer-Rennen um den kleinen Stadionpreis eine sichere Beute des Schweizers war. Das Dauerrennen über 40 Kilometer um den großen wtadion-Eröffnungs- preis mit Motorführung fuhr Scan Weih in glänzender Form in der Rekordzeit von 34 Min. 28'/. Sek. und unterbot damit den Bahnrekord Ro eilens über diese Strecke um über 2 Minuten. Nachstehend die Ergebnisse: Hauptfahren für 1200 Meter Erster Rauch- Köln. Zweiter Zimmepmann-Aeutölln, eine halbe Bahulänge zurück, Großer Staiionprcis über 25 Kilometer hinter großen Schritt>nachermotoren. Erster Weih- Franisurt mit 21 Min. 22,3 S.-. /Neuer Bahn- rchord über 20 Kilometer mit 17 Min. 7 Sek.) Und 751 Sei 1 S d. 1 „ 1 „ 1 , 1 1 „ 1 „ 1 „ 1 ,, 1 „ 31,45 Min. 31,11 „ 31,22 „ 34,23 „ 34,35 ,, 36,03 „ 37,35 ,, 32 2 J ,, 42,50 45,07 „ Wiese- Berlin getoour.ea worden. Westdeutscher Waldlaufmeister wurde der als Vierter einkommende T o m b e r g - Geldern. Das Mann- schaftölaufen sah den V. f. L. Siegburg vor Polizei Hamburg erfolgreich. Hockey. Das deutsch-englische Hockey- wettspiel Berliner S. C. — London Universith Occasionals in Berlin endete mit einem 5:2-Sieg der Berliner, nachdem das erste Spiel der Londoner am Samstag gegen den Berliner H. & ihnen einen 3:1-Sieg gebracht hatte. Radsport. 50 Km. Straftensahren des Gieft. Radfahrer Vereins 1885. Der G. R. V. 1835 ließ gestern auf der Strecke Gießen Marburg und zurück sein erstes Vereinsrennen über 50 Kilometer fahren. Es starteten 10 Mann, die sämtlich innerhalb kurzer Zeit das Ziel erreichten. Gerhardt, einer der beten Fahrer, wurde durch einen Reifendefekt, der bei einem solch kurzem Rennen n'cht mehr gutzumachen ist, zurückgeworfen. Um das Rennen interessanter zu gestalten, wurden die Fahrer in Gruvpen mit bis zu 6Min. Vorgabe abgela^sen. E gebnis: benkampf, bestreiten. Den für volkstümlich besonders geübten 'Turnerinnen kommt man durch Einlegen eines volkstümlichen Dierkampfes (75= Meter-Lauf, Hochsprung, Weusprung, Kugelstoßen) entgegen. Festgesetzt wurde noch die pflichtmähige Selina';me am Vereinst. artien markten waren schon während der ersten Stunde ansehnliche Besserungen zu bemerken, da die Spekulation ihre am Samstag begonnenen Deckungen fortsetzte. Der Hauptanlaß hierzu war die große G e l d s l ü s s i g k e i t, die die Geldsorgen der letzten Tage als einstweilen unbegründet erwies. Am offenen Geldmarkt I 153* 115.5' 1138,7' |137,7* i133,9* j 102* I 7.9 Frühjahrskur für 534055 mentlich auf dem Laude, kein Goldgeld mehr aufgespeichert wird. Weite Schichten der Bevölkerung haben sich vielmehr daran gewöhnt, verfügbare Gelder sofort auf die Sparkonten einzuzahlen. Hinzu kommt die Notwendigkeit, sich durch Sparen wieder Rücklagen zu schaffen. Dagegen wird man aus der auffälligen Erweiterung der Spartätigkeit nicht ohne weiteres den Schluß ziehen können, daß die Fähigkeit der Bevölkerung, aus dem Einkommen Ersparnisse zu machen, zugenommen hat. Die Entwicklung des Jahres 1925 hat sich auch zu Anfang 1926 fortgesetzt. Die Gesamtsumme der Spargelder bei den deutschen Sparkassen stieg Ende Januar 1926 auf 1780,2 Millionen Rm. Wenn auch die Höhe der Einlage in der Vorkriegszeit, die 19,7 Milliarden Mk. betrug, noch nicht einmal wieder zu 10 Prozent erreicht ist. so bedeuten die bisherigen Ergebnisse der Spartätigkeit, soweit sie sich in den Spareinlagen der Sparkassen widerspiegeln, doch einen beträchtlichen Fortschritt auf dem Wege zur Besserung, der deutschen Kapitalverhältnisse. Mexikos Bedarf an deutschen Erzeugnissen. Anläßlich der Anwesenheit der mexikanischen S t u d i en ko m m i s s io n in Bremen gab der Präsident der mexikanischen Handelskammer, Signor H a v a r e z, den Pressevertretern ein Interview. „Mexiko", so führte er aus, „ist in der Lage, noch manches deutsche Erzeugnis einzuführen. Als begehrte Einfuhrartikel kommen in erster Linie in Frage: Chemische und pharmazeutische Artikel, Gifenfabri- kate, Maschinen zur Eisenbearbeitung, Hospital- einrichtungen, ärztliche Instrumente, Verbandsstoffe, Farben und deutsche Weine." Der Mexikaner gab seinem Erstaunen Ausdruck, daß Deutschland h nsichtlich seiner vorzüglichen Weine in Mexiko überhaupt keine Propaganda treibe. Ferner feien photographische und optische Artikel, Ferngläser und Messinginstrumente erwünscht. Zur Einwanderung Deutscher nach Mexiko rate er durchaus. Jedoch solle nur derjenige den Kontinent verlassen, der drüben bereits eine Stellung in Aussicht habe. Mexiko werde demnächst durch neue Kanal- und Entwässerungsanlagen weiter ersch'ossen werden. Die Anlegung ausländ fchen Kapitals sei willkommen, vor allem dürsten Beteiligungen an Minengruben unter Umständen hohen Gewinn abwerfen. berliner Handelsgesellschaft Commerz- und Privat-Bank Darmst. und Na:ionalbank Deutsche Bank Deuische BereinSbank . . Disconlo Commandit • . MetaUbank ..... Muleldeutscke Credtlbank. Ocstei reicht sche Lreditanstalt Weltbank Bochumer Gutz ..... Buder.iS ......... Caro Leutich-Lurembnrg Gelsenkirchener Bergwerke. Harocuer Bergbau . , Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln..... Laurahütte . ...... Oberbcdars Phönix Bergbau Rheimrahl ...... Webed Montan ..... TelluS Bergbau. .... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . Cderamische Werke Albin . . Zementwerk.Heidelberg . . Phtlrvv Holzmunn .... Anglo-Cont.-Guano . ... Chemische Mayer Alapin . . 9- G starben industrie, A.°G. Goldschmidt Holzverkohlung Külgerswerke Scheideansialt W Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mainkruftwerke Schucken Siemens 4 HalSK .... Adlcrwerkc Kieper ..... Daimler Motoren. ...... veyligenstaedi , Meguin Motorenwerke Mannheim frankfurter Armaturen Konservenfabrik Braun . . MetaNgcsell chast Frankfurt. Per. Union A.-G Cchub'abrik Herz ... Sichel ... .... HeUftoif Waldbof BudcrfabriJ Frankenthal . . Zuckerfabrik Dagbäulel . . . Kleiner Stadivnpreis über 15 Kilometer mit Motorführung: Erster Wegmann-Schwciz 12 QHln. 134Sek. (Reuer Bahnrekord über 10 Kilometer in 8 Min. 20,2 Sek.) Zweiter Krewer-Köln 880 Meter zurück. Dritter Weiß-Frankfurt 760 Meter zurück. 16 Runden Punktefahren: Erster Zimmer- mann-Reukölln mit 16 Punkten. Zweiter Rauch- Köln 13 Punkte. Dritter Kneifel-Düsseldorf 8 P. Großer Stadion-Eröffnungsprets über 40 Kilometer mit Motorführung: Erster Weih-Frankfurt mit 34 Min. 23l/8 Sek. (Bahnrekord Rosellens vom 13. September 1925: 36 Min. 218/5 <5ef.) Zweiter Wegmann - Schweiz 3,4 Dahnlängen zurück. Dritter Krewer-Köln. Mannschaftsversolgungsrennen über 10 Runden: Erster: Mannschaft Zimmermann, Kneifel, Herbst, Brehmer. Zweiter: Mannschaft Rauch, W. Kneifel, Sauerzapf, Sonntag. Den Grotzen Frühlingspreis von Breskau gewann gestern im 80-Kilometer°Rennen in zwei Läufen zu 30 und 50 Km. der Belgier van Ruys- s e v e l t vor Lewanow, Feja, Sawall und Thomas, da er beide Läufe vor Feja und Sawall bzw. Le- wanow und Feja gewann. Die Dresdener Radrennen sahen im 20-Km.-Rennen gestern R o s e l l e n vor dem Franzosen Sanier und Krupkat, im 30- und 40-Icm-Rennen Brünier vor Rosellen und Krupkat bzw. Lejour, Rosellen, Schwedler und Krupkat siegreich. 156’ ] 155.1' 152,5- Bankaktien ergaben sich keine nennenswerten Veränderungen. Autoaktien lagen befestigt’ besonders Reckarsulmer, die um 2 Prozent höher gingen. Zuckeraktien unverändert. Zellstoff- und B a u a k t i e n erzielten leichte Besserungen. Die übrigen Werte des Kassamarktes der Zndustriepapiere hatten lustloses Geschäft, wiesen Aenderungen von Belang nicht auf. Deutsche Anleihen eröffneten schwächer, bes anders Schutzgebiet waren stärker gedrückt. Am A u s - landrentenmarkt waren Türken infolge stärkerer Rachfrage gut gehalten, während die übrigen Werte mit Ausnahme von Ungarn nachgebende Haltung zeigten. Drr Fr ei verkehr hatte nur unbedeutendes Geschäft. Decker Stahl 40, Becker Kohle 59,5, Benz 69,5, Brown Boveri 68, Entreprise 10, Growag 55, Krügershall 101, Rastatter Waggon 25, Ufa 56,5, Alfra 74 Prozent. Am Pfandbriefmarkt war die Entwicklung lustlos. Der weitere Verlauf zeigte keine Wendung zum Besseren. Bei lustlosem Geschäft setzten sich die Abschwächungen weiter fort. Der Geldmarkt ist außerordentlich leicht. Tagesgeld war au 4,5 Prozent angeboten. Monatsgeld stellte sich auf 5,25 bis 7 Prozent. 3m Devis enver- kehr konnte sich Brüssel gegen London auf 125,50 befestigen, dagegen zeigte Paris mit 141,35 gegen London kaum eine Besserung. Mark und Pfund sind unverändert fest. Börsenkurse. inländisches (Spezial 0) 41 bis 41,75; Roggenmehl 28,75 bis 29,25; Weizenkleie 10 bis 10,15; Roggenkleie 11 bis 11,25; Erbsen 26 bis 34; Linsen 40 bis 70; Heu, süddeutsches, gut, trocken 9; Weizen- und Roggenstroh 6 bis 6,50; Treber, getrocknet, 16,50 bis 17 Mk. Tendenz: fest. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 12. April. Auftrieb: 1172 Rinder, darunter 352 Ochsen, 38 Bullen, 782 Färsen und Kühe, 314 Kälber, 48 Schafe, 3811 Schweine. Es wurden notiert: Rinder: Ochsen: vollsleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 54 bis 59 Mark; junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 46 bis 53; mäßig genährte junge und gut genährte ältere 35 bis 45. Bullen: vollsleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwetts 48 bis 52; vollfleischige jüngere 42 bis 47. Färsen und Kühe: vollsleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 54 bis 59; vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwert:. bis zu 7 Jahren 45 bis 50; wenig gut entwickelte Färsen 45 bis 53; ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 35 bis 44; mäßig genährte Kühe und Färsen 28 bis 43; gering genährte Kühe und Färsen 15 bis 26. — Kälber: feinste Mastkälber 72 bis 76; mittlere Mast- und beste Saugkälber 60 bis 70; geringere Mast- und gute Saugkälber 50 bis 59; geringe Saugkälber 44 bis 49. — Schafe: Mast- lämmer und Masthämmel 45 bis 50; geringere Masthämmel und Schafe 32 bis 35. — Schweine: vollfleischige von 80 bis 100 Kilogramm 72 bis 74; unter 80 Kilogramm 66 bis 71; von 100 bis 120 Kilogramm 71 bis 74; von 120 bis 150 Kilogramm 75 bis 73; Fettschweine über 150 Kilogramm 70 bis 73; unreine Sauen und geschnittene Eber 52 bis 62 Mark. — Marktverkauf: Rinder bei ruhigem, Kleinvieh bei regem Handel ausverkauft. In Schweinen gedrücktes Geschäft und Ueberftanb. herrschte ein enormes Angebot, so daß Tagesgeld je Adresse mit 4 bis 5 Prozent angeboten wurde. Mo- natsgeld hörte man mit 5 bis 6 Prozent. Am D i s - kontenmarkt büuftc die Notierung jetzt ebenfalls eine Anpassung an den im Freiverkehr genannten Satz von 4,5 Prozent erfahren. Die Rück- käufe wurden durch das Vorliegen einiger neuen Dioidendenvorschläge gefördert. Das Hauptinteresse konzentrierte sich auf einige Spezialwerte, jo u a auf Montan-, Metall, und Hochbahn- aktien. Bei Börsenbeginn wurde bekannt, datz tn den heutigen Mittagsstunden eine Einigung in den Verhandlungen zwischen der Stadt Berlin und der Berliner Hochbahn-A.-G. erzielt werden soll, wodurch der Kurs dieses Papiers bei lebhaftem Ge. schäft um 3 Prozent anziehen konnte. Schiff, f a h r t s w e r t e waren ebenfalls stärker gefragt. Heimische Renten bröckelten dagegen im Kurse ab. Im Deoisenverkehr ist die Lage unverändert. Paris notierte gegen London 142 Banknoten. Buntes Allerlei. Merkwürdige Malermodelle. Der Pferdemaler AdolfSchreyer war im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts einer der gesuchtesten Maler, dessen farbenprächtige Bilder besonders nach Amerika verkauft wurden. Dieser Meister hatte eine seltsame Art zu arbeiten, wie Hans von Faber du Faur in seinen In »Kunst und Künstler" erscheinenden „Erinnerungen an Maler" erzählt: „3m Garten in Cronberg war eine Gruppe von Felsen, stellenweise mit Farren- krautern bewachsen, aufgebaut. Eine Partie gleich einem Gebirge im Kleinen. Schreyer besaß Reine Modelle von Wagen, bewegliche Holzpferde und ebensolche kleine menschliche Figuren. Die setzte er auf den kleinen Gebirgspfad oder ließ sie au- geringer Höhe sorgsam auf die Felsen fallen. So holte er sich vielfach Anregung für manche seiner Bilder, ein gestürztes Pferd, einen am Felshang kletternden Reiter und dergleichen mehr." Er hatte gewisse Mittel, um seine Bilder für den Liebhaber anziehender zu machen. Dabei spielte das Formal eine große Rolle, ebenso das Größen- verhältnis zwischen Figuren und Bildfläche und schließlich die Bewegungsrichtung der Figuren. So durften z. D. die Reiter nie ins Bild hinein- reiten; sonst war das Bild von vornherein im- derkäuflich. Wirtschaft. Die Zunahme der Sparguthaben in Deutschland. Bei den deutschen Sparkassen sammelt sich allmählich wieder aus Ersparnissen des deutschen Volkes Kapital an. Kleine und kleinste Beträge, die im Geschäft oder Haushalt der einzelnen Gewerbetteibenden oder Arbeitnehmer nicht sofort ausgegeben werden, fliehen zu einem Teil in die Sparkassen, häufen sich dort zu Kapitalbeträgen an, die dann zur Ausleihung gegen genügende Sicherheiten zur Verfügung stehen. Die nattonalwirtschaftliche Bedeutung der Spartätigkeit ist gerade in dieser Zeit besonders groß, wird doch mit in erster Linie durch Sparen dazu beigetragen, der verarmten, erschöpften und schwer ringenden Wirtschaft aus eigener! Mitteln Kapitalien zur Verfügung zu stellen, deren sie zur allmählichen Entfaltung ihrer Kräfte bedarf Das 3ahr 1925 hat eine sehr beträchtliche Steigerung der Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen gebracht. Ende 1924 verfügten die deutschen Sparkassen schätzungsweise über 600 Millionen Spareinlagen, Ende 1925 aber über mehr als 1,6 Milliarden. Es sind also infolge reger Spartätigkeit im Lause eines Jahres mehr als eine Milliarde Spargelder den Sparkassen zugeflossen, d. h. ungefähr doppelt soviel wie im 3ahre 1924. Forscht man nach den Gründen dieser auffälligen Entwicklung, so wird man u. a. zu berücksichtigen haben, daß in fast allen Volksschichten heute nicht mehr wie vor dem Kriege größere Beträge an Bargeld, na- Luftfahrt. Süddeuts landflug 1926. Der im vorigen Herbst auf dieses Jahr verschobene Südwestslug hat eine wesentliche Erweiterung erfahren und wird nunmehr unter Einbeziehung Bayerns als „Süddeutschlandflug 1926" vom 31. Mai bis 6. Juni stattfinden. Er nimmt seinen Ausgang von Mo-nn he im und wird als Zuverlässigkeitswettbewerb ausgestaltet, wozu eine namhafte Summe für Preise ausgesetzt ist. Der „Süddeutschlandflug" wird für Süddeutsch- lanö das flugsportliche Ereignis des Jahres 1926 werden, und eröffnet die Reihe der drei großen Flugveranstaltungen, die der Deutsche Lustfahrtoerband (D. L. V.), die Zentralstelle für das deutsche Flugwesen, in diesem Jahr veranstaltet. Fportjp.ege«. Einen Sprinterkursus zur Olhm- piavorbereitung führt die Deutsche Sport- behörde für Leichtathletik vom 21. bis 24. Llpril im Frankfurter Stadion unter Leitung des Reichssporllehrers W a i h e r und des D. S. B.-Sportwarts Dr. von Halt durch, an dem sich beteiligen werden: Dehnecke-Hamburg, Dirk-Danzig, Büchner-Magdeburg, Corts-Stutt- gart, Dreibholz-Essen, Frantz-Frankfurt a. M., Göhrnann-Hannover, Houben-Krefeld, Hübner- Berlin, Karlufs-Hamburg, Klähn-Frankfurt a. Main, Klugki st-Königsberg, Koepke-Stetttn, Körnig-Breslau, Krebs-Altona, Malitz-Berlin, Metzer-Dresden, Ritsch-Deuthen, Obermrier- München, Pampe-Charlottenburg. Dr. Peltzer- Stett'n. Pfci'ser-Mittweida, Rappard-Karls- ruhe, Schlößke-Berlin, Schüller-Krefeld, Wege- Leipzig. Einen Spezialleyrgang für die besten deutschen Mittelstreckler, sowie 400-Meter-Läuser hat die Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik für den 19. bis 22. Mai im Düsseldorfer Rheinstadion in Aussicht genommen. um damit einen weiteren Schritt der Ob'mviavorbereitung Deutschlands zu tun. Das Akademische Olympia 1927 soll am 23. und 24. 3uli nächsten 3ahres in Königsberg zur Durchführung kommen. Als Höchstleistungen hat der Leicht- -athletik-Ausschuß der D. S. B. anerkannt: 500-Meter-Lausen 1:5.3 Dr. Peltzer- Stettin 6. 9. 1925 in Düsseldorf; 7500-Meter- ' Laufen 23:45,6 Wachs muth- Berlin 6. 9.1925 in Düsseldorf; 1000-Meter-Laufen 3:18 Frl. Lingner - Berlin 22. 8. 1925 in Berlin. Frankfurt a. M., 12. April. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 28,75 bis 29 Mk.; Roggen, inländischer, 19,50 bis 19,75; Sommergerste für Brauzwecke 22 bis 24,50; Hafer, inländischer, 22 bis 23,50; Mais (gelb) 18,50 bis 18,75; Weizenmehl, zuschlagen, von dem erzielten Betriebsüberschuß von 9 380 918 Rm. (einschl. Gewinnvörtrag aus 1924 in Hohe von 193 982 Rm.) für Abschreibungen und Rückstellung 9 241 230 Rm. zu verwenden und verbleibenden Dettag in Höhe von 139 688 Rm. auf neue Rechnung vorzutragen. * Riebecksche Montanwerke Halle a. S. Wie die Verwaltung mitteilt, kann der Geschäftsgang während des am 31. März ds. 3s. abgelaufenen Geschäftsjahres, besonders im Hinblick auf die allgemein ungünstige Wirtschaftslage, als befriedigend bezeichnet werden. Die Gesellschaft litt, wie alle Draunkohlenwerke, infolge Darniederliegens verschiedener 3ndustrie- zweige unter mangelndem Absatz von Rohkohle, wozu außerdem noch ungenügende Preise für einige chemische Erzeugnisse traten. Mit Beginn der warmen Jahreszeit hat der Absatz besonders in Hausbrandbriketts naturgemäß nachgelassen, wie überhaupt eine gewisse Zurückhaltung auf allen Märkten festzustellen ist. Lieber die Aussichten wird angesichts der unsicheren Lage nichts gesagt. (Dividendenschähung 5 Prozent [01.) * Oberschlesische Eisenbahn-Beda r f s - A. - G., Gleiwih. Der Gesamtverlust des Geschäftsjahres in Höhe von 1 067 088 Rm. (i. V. Reingewinn: 2 660 201 Rm.), davon Abschreibungen 847 812 (L V. 3 603 292 Rm.), soll aus dem gesetzlichen Reservefonds gedeckt werden, der dann noch mit 170 532 Rm. bestehen bleibt. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 12. April. Tendenz: Schwach — Die Börse eröffnete die neue Woche in wenig zuversichtlicher Stimmung. Zunächst hatte es den Anschein, als ob mit einer Fortsetzung der im Samstagverkehr hervorgetretenen Befestigung zu rechnen sei, weil zumeist höhere Kurse genannt wurden. Mit dem offiziellen Beginn schlug jedoch die Stimmung infolge einsehender Glattstellungen und Verkäufe um, da das Publikum sich auf die Seite der Verkäufer stellte und die Spekulation nur geringe Unternehmungslust zeigte. Das Geschäft nahm daher einen recht (uftlofen Charakter an, und die Umsahtätigkeit bewegte sich in den bescheidensten Grenzen. Verstimmend wirkten namentlich die neuen Schwierigkeiten, denen die Freigabeangelegenheit im amerikanischen Kongreß begegnet, wodurch namentlich ein scharfer Druck auf S ch i f f a h r t s a k t i e n ausgeübt wurde. Für diese Werte stellten sich Rückgänge von 3 bis 4 Prozent ein, wobei nennenswerte Umsätze kaum zustandekamen. Der M o n t a n m a r k t, der anfangs 1 bis 2 Prozent höher einfetzte, mußte diese Gewinne wieder hergeben. Am Farbenmarkt war die Tendenz nicht einheitlich. Die Werte der 3. G. Farben setzten um 1,5 Prozent niedriger ein, während öte anderen Werte dieses Gebietes leicht gesteigert waren. Am Elektromarkt war das Geschäft sehr still. AEG. gingen anfangs 1 Pro- -ent höher. Bergmann plus 2 Prozent. Für Berlin, 10 April Geld Briet Amerikanische Note»..... Belgische Noten ....... Dänische Noten ....... 4,177 15.93 109,63 20,352 14,46 168.03 16.89 89,82 59,08 1,74 112.14- „ 80.88 59,10 12,388 5.84 4.197 11.01 110.17 20,452 14,M 168.87 16.97 90.28 59.38 1,78 112,70 81,28 59,40 12.448 5.88 Englische Noten........ Französische Noten ...... Holländische Noten .... Italienische Noten.....‘ Norwegische Noten. 100 Kronen Rumänische Noten ... Schwedische Noten . . . Schweizer Noten . . . ' Spanische Noren ...... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noren Frankfurt o.M. Berlin scylu • fiur» i-u.r. SchluY» fcnrt Anfang Ditn n: | 10. 4 12 4 10 4 12 4 5®/. Deutsche Rcichsanlethe 0.4625 0.450 0,4605 0.4575 4% Deutsche Rcichöanleihe — 0,4305 0,4325 8Vi% Deutsche Reich:anleide 0,450 — 0,4305 0.4-1 3% Deutsche Reichsanleiiie Deutsche Svarprämicnan leihe 0,530 0,52 0,54 0.290 ■ 0,2807 4°/o Preußische Koniolö 4° o Hessen . . . 0,440 0,430 0 4:302 0,435 0,43 3'/t% Hcffcn ..... 0,450 _ 0.435 _ 3% Hessen.......... _ 0,43 Deutsche Wcrtb. Dollar-AM. — _ dto Toll-Schav-Anweting.*> 99,75 — 99,9 — 4% Zolltürken 13.175 13,12 13,25 _ 5°/o Goldmcrikaner 41,5 - - — 10 April. 12 April. Amtliche