Nr. 58 Erstes Blatt 176. Jahrgang Mittwoch, 10. MSq 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Vezugsprei»: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe». poftfchecktonto: Zrantfurtam Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: Brühl'jche Univerfiläts-Vuch- und Ztelndruckerel n. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm YShe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 95 Rcichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den Übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen. Deutsche Wirtschaftspolitik. Der Reichswirtschaftsminister im Haushaltsausschuh des Reichstages. Berlin, 9. März. (DDF.) Der Reichstags- ausschuß für den Haushalt setzte heute die allgemeine Beratung deS Haushaltes des Reichswirtschaftsministeriums fort. Abg. Dr. Hilf er ding (6.) geht auf die Kreditpolitik der Reichsbank ein. Sie müsse sich die Führung auf dem Geldmärkte sichern. Ihr Diskont sei nach Möglichkeit zu ermäßigen. Die Hauszinssteuer allein genüge nicht zur Ausbringung der ersten erforderlichen Hypotheken. Die Folge der fehlerhaften Agrarpolitik zeige sich in der Verschlechterung unserer Wirtschaftslage. Die Fertigstellung des autonomen Zolltarifes sei nicht so wichtig, wie der Abschluß von Handelsverträgen. Deshalb halte seine Partei an dem Grundsatz der Meistbegünstigung fest. Abg. Meyer (Dem.) fordert eine Verbesserung der Handelsbilanz. Die Vertragsverhandlungen z. B. mit Spanien mühten wieder ange- kuiwelt werden. Die Frage der Exportkreditversicherung werde hoffentlich auf parlamentarischem Wege gelost werden. Beim Preisabbau müsse man die Unkostendeckung für unsere Industrie usw. auch berücksichtigen. Auslandmittel für den Wohnbau erschienen dem Redner bedenklich. RcichslvirtschaftsministerDr. Curtius: Einigkeit hat dabei darüber geherrscht, daß der Abbau im Reichswirtschaftsministerium allzu radikal gewesen ist. Rachdem das Ernährungs- und Landwirtschaftsministerium abgebaut worden war, betrug die Kopfzahl des Ministeriums 829. Heute beträgt sie 342. Die Kräfte sind bis auf die äußerste Grenze der Leistungsfähigkeit angespannt. Sie reichen nicht aus, um die Ausgaben der unmittelbareren Zukunft zu lösen. Ich verweise dabei auf die Wirtschafts en quete. Dazu tritt in erster Linie die Aufgabe der Weltwirtschastskonferenz. Die Vorbereitung der Handelsvertragsverhandlungen sollte im Wirtschaftsministerium konzentriert werden. Die eigentliche Führung der Verhandlungen muh aber mit Rücksicht auf den diplomatischen Apparat beim Auswärtigen Amte bleiben. Die dann notwendigen inneicholitischen Ausnutzungen und die Auswirkungen der Handelsverträge. auch ihre parlamentarische Vertretung sollte jedoch dem Reichswirtschaftsmini- sterium obliegen. Bezüglich der Handelsvertragsverhandlungen mit Frankreich stehen noch große Positionen offen. Was die Verhandlungen mit Spanien anlangt, so erklärte der Minister, dah die jetzige deutsche Delegation vor einiger Zeit der spanischen Delegation einen Vorschlag unterbreitet habe, auf den aber bisher eine Antwort nicht eingetroffen sei. Bezüglich der Verhandlungen mit Polen müsse betont werden, dah nicht ost und nachdrücklich genug darauf hingewiesen werden kann, dah die Ursache für die ungenügenden wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen bei der polnischen Regierung zu suchen ist. Deutschland habe immer den Wunsch einer Verständigung mit Polen vertreten, und die Wiederaufnahme der Verhandlungen werde noch im Laufe dieses Monats erwartet. Es fei zu hoffen, dah es gelingen wird,' zu einem befriedigenden Ausgleich zu kommen, wenn auch nicht verhehlt werden kann, dah zwischen den polnischen Forderungen und dem deutschen Standpunkt zur Zeit noch ein großer Spielraum klafft. Der Minister äußert sich dann zu den Fragen der Innenwirtschaft. Die Frage der Rationalisierung sei zuzuspihen auf die Frage des Reichskuratoriums, wobei eine Erhöhung der Mittel von 500 000 Mark auf 1,5 Millionen für das Reichskuratorium zu begrüßen sei. Der Minister vertrat die Meinung, es würde im gegenwärtigen Augenblick an der Zeit sein, die Kartellpolitik überhaupt auf eine tragfähigere Basis zu stellen. Zu diesem Zwecke habe er inzwischen eine Sachverständigenkommis- fion für die Revision der Kartellverordnung in seinem Ministerium einberufen, deren Arbeiten hoffentlich rasch zum Abschluß kommen würden, so daß ein entsprechendes Gesetz vorgelegt werden könne. Er werde aber vor Abschluß der Arbeiten auch den Kartellbeirat des Reichstages einberufen. Den Gesetzentwurf über den Preisabbau würde die Regierung nicht zurückziehen, sondern ihn verbessert vorlegen. Die Verhandlungen darüber schwebten noch. Am 20. oder 21. März werde der Reichswirtschaftsrat sein Gutachten zu dem Entwurf abgeben können über die Reugestaltung des Art. 4 des Preis- abbaugesehes, der sich mit den Innungen ünd sonstigen Handwerksfragen besaßt. Es würde eine Beschwerde st eile eingerichtet, die dem Publikum die gewünschte Beruhigung und sein Recht verschaffen könnte. Mit dem Handwerk sei sich die Regierung auch darin einig, daß die Handwerksverordnung nicht vorgelegt werden solle, daß aber einige Bestimmungen durch Ro- vellen zur Gesetzgebung vorweggenommen werden müßten. Wir müßten versuchen, so rasch wie möglich wieder auS der Wvhnuugszwangswirtschaft herauszukommen und zu diesem Zwecke die Mieten langsam steigern. Daher kommt es darauf an, die Bautätigkeit soweit zu steigern wie nur irgend möglich. Aus her Hauszinssteuer standen in diesem Iahre für diese Zwecke etwa 700 Millionen zur Verfügung. Gs fragt sich, ob etwa über diesen Betrag und Mittel der privaten freien Bautätigkeit, hinaus noch weitere Mittel in den Baumarkt hineingesteckt werden dürfen. Ob der Daumarkt tatsächlich die Kapazität besitzt, über 200 000 Wohnungen hinauszugehen, erscheint fraglich. Große Ausland mittel kann man für den Baumarkt nicht zur Verfügung bekommen. Man darf aber wohl erfreulicherweise feststcllcn, daß der Wiederaufbau der Kreditgenossenschaften des Mittelstandes erheblich vorangeschritten ist. Die erste Rate der Reichskrcdite wäre im Sommer 1926 zurückzuzahlen. Ich hoffe binnen kurzem bekanntgeben zu können, daß eine weitere Verlängerung des Reichskredits eingetreten ist. Wenn allerdings über die bis jetzt ausgegebenen Reichskredite hinaus neue Gewerbekredite gefordert werden, bestehen demgegenüber Bedenken. Dagegen wäre es zu begrüßen, wenn es gelänge, -frie Sparkassen ihre Vorkriegsfunktionen in der Kreditgewährung an den Riittelstand wiederaufnehmen zu lassen. Zu den Fragen der Elektrizitätswirtschaft führt der Minister aus, daß die Entwicklung der letzten Iahre sich ohne Eingreifen her öffentlichen Hand in ganz erfreulichem Maße vollzogen habe. In letzter Zeit sind auf dem Gebiete der Clektrizitätswirtschaft Bestrebungen in die Erscheinung getreten, die eine Beeinträchtigung her öffentlichen Stromversorgung befürchten lassen. Wir wollen dagegen nicht auf dem Wege der Gesetzgebung vorgehen, sondern in nächster Zeit den Elektrizitätsbeirat einberufen. Abg. Dauch (D. Vpt.) wandte sich gegen die Versicherung des Risikos beim Export als sog. Katastrophenrisiko. Abg. Henning (Volk.) war der Ansicht, daß hie teueren Inlandspreise auf zu hohe Verzinsung des geliehenen Betriebskapitals, auf hie zu hohen Bahnfrachten und letzten Endes auf die enormen Steuern zurückzusüh- ren seien. Abg. Wienbeck (Dntl.) fordert von der Regierung Förderung her handwerklichen Qualitätsarbeit. Angenommen wurde eine Entschließung des Abg. Dr. Lejeune-Iung (Dntl.), die Reichsregierung zu ersuchlen, Beobachtungen anzustellen und zu sammeln, welche für den Grad her ileberfremhung her deutschen Wirtschaft, namentlich der Urproduktion und der Banken Anhaltspunkte geben. Weiter beschloß der Ausschuß auf Antrag des Abg. v. Raumer (D. Vpt.), die Reichsregierung zu ersuchen, die Vereinigung des Reichsernährungsministeriums mit dem Reichswirtschastsministerium vorzubereiten. «i ....................... Deutschlands Ratssitz. London, 9. März. (TA.) In unterrichteten Kreisen will man wissen, daß Chamberlain heute den Ministerpräsidenten gebeten habe, seine Vollmachten für Gens zu erweitern. Chamberlain scheint danach noch immer die Absicht zu haben, eine Erweiterung des Völkerbund» rates zu arrangieren. Er wird jedoch durch die energische Opposition seines Kollegen Lord Cecil stark behindert, der sich jeder Erweiterung des Rates über Deutschland hinaus entgegenstellen will. Das Kabinett wird daraufhin morgen zusarnmentrelen, um über Chamberlains Bitte zu beraten. Es scheint jedoch völlig ausgeschlossen, daß Chamberlain für seine Absicht in Genf die Anterstühung des Kabinettes finden wird. Ebenso will man erfahren haben, daß Brasilien bereit ist, seine ursprünglich bestimmten und dringenden Ansprüche zurückzuschrauben und bis zur Herbsttagung des Völkerbundes zu warten. Man glaubt diesen Amschwung in Zusammenhang bringen zu können mit der bevorstehenden Auflegung einer großen brasilianischen Anleihe. Der Sonderberichterstatter der „Evening Standard" faßt die Lage dahingehend zusammen, daß Brasilien und Spanien ihren Widerstand aufgegeben haben, und dah man infolgedessen zu einer Aleberbrüf- f u n g der Schwierigkeiten kommen würde. Hinter den Kulissen streite man sich noch herum, aber das Endergebnis erscheine klar. Es gehe dahin, dah Deutschland allein in den Völkerbund kommen werde. Chamberlain habe seinen Standpunkt gewechselt und bemühe sich jetzt gleichfalls um den ausschließlichen Eintritt von Deutschland. Chamberlain bei der deutschen Delegation. Genf, 9. März. (TA.) Amtlich. Heute nachmittag stattete Sir Austen Chamberlain dem Reichskanzler Dr. Luther und dem Minister Dr. Stresemann einen Besuch ab und hatte mit ihnen eine längere freundschaftliche Aussprache, die l1 .> Stunden dauerte. Gleich nach der Zusammenkunft mit dem englischen Außenminister fuhr Dr. Stresemann zu den französischen Delegierten Paul Boncour. Er traf von dieser Besprechung uni 8,14 Ahr im Hotel Metropole wieder ein. Die Unterredung der am Rheinpatt interessierten Locarno-Mächte wird am Mittwoch vormittag 10,30 Ahr im Hotel „Beau Rivage" fortgesetzt. Bei der französischen Delegation liegen Rachrichten vor, daß B r i a n d am Mittwoch abend Paris verlassen wird, um am Donnerstag früh in Genf einzutreffen. Er wird sich bei her Besprechung im Hotel „Beau Rivage" durch die beiden französischen Delegierten Paul Boncour und Loucheur vertreten lassen. Arn Dienstagabend gab der Reichskanzler zu Ehren der Schweizer Delegation ein Essen. Reichsauhenminister Dr. Stresemann konnte an dem Essen nicht teilnehmen, da er erkältet ist und zeitig zu Bett gegangen war. französische Befürchtungen. Die Gefahr eines Kuhhandels. Paris, 10. März. (TA.) Die Genfer Sonderberichterstatter der Pariser Presse sehen sich zu der Feststellung veranlaßt, dah die von Briand am letzten Sonntag geleiteten Arbeiten mit dem gestrigen Tage völlig verloren gingen und das französische Prestige schwere Einbuße erlitten habe. Paul Boncour und Loucheur nähmen sich zwar nach besten Kräften der Sache ihres Landes an, seien aber wegen des Mangels an Autoritä t gegenüber den anderen Vertretern, besonders den Deutschen gegenüber, •unterlegen. Wenn Briand nach Genf zurückkehre, werde er von dem veränderten Aussehen der Situation geradezu betroffen sein. Die Hoffnung auf die Zuteilung eines ständigen Sitzes an Spanien, die erst begründet erschien, sei erschüttert. Spanien, Brasilien und Schweden nähmen eine Haltung ein, die stark beunruhige. Rach offiziösen Meldungen hat Briand auf Gruno dieser Lage, über die er fortlaufend UZiterrichtet wurde, gestern vormittag telephonisch an Paul Boncour und Loucheur Weisungen im Sinne einer Wiederaufnahme der Besprechungen erteilt. Die französischen Bemühungen werden fortgesetzt, die deutsche Delegation zu einem Rach- geben zu bewegen Die französische Delegation ist anscheinend bereit, dem deutschen Standpunkt soweit Rechnung zu tragen, daß sie auf eine Vergrößerung des Rates in der Märzta- gung verzichten will, dpch will sie diesen Verzicht nur unter der Voraussetzung aussprechen, dah auch Spanien, Brasilien und Polen ihm zustimmen und andererseits Deutschland sich schriftlich verpflichtet, der Wahl Spaniens, Brasiliens und Polens zu ständigen Ratsmitgliedern während der Septembertagung des Völkerbundes keinerlei Hindernisse in den Weg zu legen. Eine derartige Verpflichtung Deutschlands würde etwa der Verpflichtung entsprechen, die die Ratsmitglieder Deutschland gegenüber vor seinem Ausnahmegesuch in den Völkerbund übernommen haben. Rach diesem Vorschlag würde die Entscheidung über die Frage der Ratserweiterung im Herbst von der Vollversammlung gefaßt werden. Oie Arbeit der Aommisfionen. Genf, 9. März. (TU.) Die öffentliche Sitzung der 21 u f n a h m e k o m m i s s i o n wurde um 4.30 Uhr durch den Vorsitzenden, Sir Austen Chamberlain, eröffnet, nachdem vorher in geschlossener Sitzung ein kurzer Gedankenaustausch zwischen den Mitgliedern der Kommission stattgefunden hatte. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde der holländische Gesandte in Paris, Loudon, gewühlt. Entsprechend dem Vorschlag Chamberlains wurde der Aufnahmeantrag Deutschlands nach dem Vorbild der Behandlung früherer Aufnahmeanträge einer U n - terkom Mission überwiesen, die aus 12 Mitgliedern besteht. Die Unterkommission trat unmittelbar darauf zu ihrer ersten Besprechung zusammen. Chamberlain eröffnete sie zugleich mit der Bitte, heute noch nicht an die Arbeit heranzugehen, da die Besprechungen, die am Sonntagnachmittag zwischen den Locarno-Mächten begonnen hätten, noch nicht beendet seien. Es erscheine ihm angezeigt, das Resultat dieser Bepsrechungcn abzuwarten und er schlage deshalb vor, daß die Kommission am Mittwochnachmittag erneut zusammentrete. Er behalte sich vor, die Kommission auch noch aus einen späteren Zeitpunkt zu vertagen. Van- deroelde gab der Hoffnung Ausdruck, daß keine allzulange Verzögerung entstehen möge. Auch die B u h g e t k om m i s s i o n unter hem Vorsitz Loucheur s hat am Dienstag ihre Arbeiten begonnen. Der Generalsekretär des Dölkerbunhes hatte beantragt, für die Ausgaben, die durch hie außerordentliche Märztagung, die Vermehrung des Dölkerbundsperso- nals durch deutsche Beamte und noch andere Extraausgaben entstehen würden, ein ergänzendes Budget von zwei Millionen Franken zu bewilligen. Die Kontrollkommission, die diesen Vorschlag des Generalsekretärs noch nicht geprüft hatte, war damit nicht einverstanden und wies darauf hin, daß im Budget für das Iahr 1925 26 ausreichend große Summen für besondere Ausgaben vorgesehen seien. Aus einen Vorschlag Lord Robert Cecils beschloß die Budgetkom- Mission, die Vollversammlung auszusorhern, die Kontrollsommission mit der Durchsicht des Er- gänzungsbuhgets zu beauftragen. Die Kontrollkommission hat sich int Prinzip dahin geeinigt, der Budgetkommission vorzuschlagen, für Deutschland den gleichen Mitgliedsbeitrag tote f Ü r Frank- re ich festzusetzen. Die Höhe des Beitrages hängt von der Festsetzung des Ergänzungsbudgets ab. Er wird etwa zwei Millionen Schweizer Franken jährlich betragen. Deutschland und China in Genf. Genf, 9. März. (TU.) Die chinesische De« legation hat 20 ausländische Pressevertreter zu einem internen Mittagessen in das Hotel „Beau Rivage" eingeladen, um ihnen nochmals den Standpunkt der chinesischen Regierung zur Frage der Erweiterung des Rates ausemander zusetzen. Im Laufe der Unterhaltung äußerte der erste chinesische Delegierte, daß die chinesische Delegation von dem Besuch des deutschen Reichskanzlers und des deutschen Außenministers am Montagnachmittag auf das a n - g e n e h m st e berührt worden sei, und dah sie die Bedeutung dieses Besuches sehr wohl einzu' schätzen wüßte. China glaube mit seiner Politik, die es in Gens vertrete, den deutschen Interessen besonders nützlich sein zu können. Der Delegierte fehle nochmals den Standpunkt Chinas auseinander, dah es bei einer Erweiterung des Rates durch andere Staaten außer Deutschland gleichfalls einen ständigen Ratssitz beanspruche. 3m Falle der Beschränkung auf Deutschland würde sich jedoch China zufrieden geben. China verlange hie gleich? Behandlung durch hie anderen Staaten, wie sie hx den internationalen Beziehungen her Völker üblich seien. China leide unter her Beschneidung seiner Rechte durch die ausländischen Regierungen. Deshalb habe es feine Klagen vor hie letzte Vollversammlung gebracht und hie Forderung aufgestellt, daß die Beziehungen Chinas zu den ausländischen Mächten einer Revision unterzogen würden. Die Vollversammlung habe sich diesem Wunsch einstimmig angeschlossen. Chinas Stellung in der Welt seiverkannt worden. Durch sreundschast- liche Beziehungen zwischen China und den interessierten Staaten würde nicht nur dem chinesischen Volke eine Wohlfahrt erwiesen, sondern der Friede im Fernen Osten werde dadurch gesichert. vor einem neuen UabinettBriand Die Lösung der Regierunftskrisis. Paris, 9. März. (TU.) Rach Abschluß der Besprechungen mit den Parteiführern hat der Prä s i - deut der Republik den Kammerpräsidenten H e r r i o t die Stabinettsbilbung angeboten. Herriot lehnte jedoch die Annahme des Auftrages ab und empfahl im Hinblick auf die Genfer Völkerbundstagung Briand zu beauftragen. Briand hat den neuen Auftrag Doumergues, die ftabinettsbilbung zu übernehmen, grundsätzlich angenommen. Briand hat um 9 Uhr seine Bemühungen um die Kabinettsbildung im großen und ganzen abgeschlossen. Briand gab zu verstehen, dah er von dem Ergebnis feiner Besprechungen befriedigt sei. Lieber die Wahl der Mitarbeiter Briands verlautet, dah P e r c t und Vincent in dem neuen Kabinett das Justizministerium und das Portefeuille des Innern erhalten sollen. Man erfährt weiter, daß C a i l - laur der Posten des Finanzministers am Abend angeboten wurde, daß Caillaux aber abgelehnt hat. Soeben wird bekannt, daß neue Schritte bei Caillaux getan werden. Falls Caillaux an seiner Weigerung festhält, dürfte d e Monzie Finanzminister werden. Lamoureux, der für diesen Poften genannt wurde, würde ihm als Unterstaatssekretär des Budgets zur Seite gestellt. Um 10 Uhr abends wird bekannt, daß Briand mit feinen sämtlichen ehemaligen Mitarbeitern, die er zum größten Teil in sein neues Kabinett zu übernehmen gedenkt, im Augenblick eine Konferenz abhält. Er werde wohl erst später in der Rächt in der Lage sein, dem Präsidenten der Republik seinen endgültigen Bescheid zu überbringen. Auf die Frage, ob Briand morgen abend wieder nach Genf gehen werde, gab er zur Antwort, er hoffe bestimmt, am Donnerstag zurückkehren zu können. Die sozialistische Kammergruppe hat eine Tagesordnung angenommen, die feststelll, dah die Sozialisten loyal eine Politik unterstützen werden, die auf folgende Programmpunkte eingestellt ist: 1. Ernsthafte Durchführung der finanziellen Wie- deraufrichtung und Stärkung des Franken. 2 Unverzügliche militärische Reorganisation und Verkürzung der Militärdienstzeit. 3. Rasche Durchführung der Einheitsschule. 4. Reform des Versicherungswesens. In der Entschließung heißt es weiter, daß die Sozialisten, die radikal-sozialistische Partei und die sozialistischen Republikaner den Eckstein der neuen Mehrheit bilden könnten, um den sich apch andere republikanische Parteien gruppieren könnten unter der Voraussetzung, daß sie auf das genannte Programm eingehen. Die republikanisch-sozialistische Gruppe nahm eine Vertrauensadresse für Briand an. Rach Bekanntwerden des Entschlusses Briands, die Kabinettsbildung zu übernehmen, ist der Franken von 134 auf 132,64 gegen das Pfund Sterling g e ft i e g e n. Vor einer Offensive gegen die Drusen. Pa ris. 10. März. (TA.) Die Blätter melden aus Beirut, daß General Gamelin an her Spitze von 25 000 Mann eine großzügige Offen- sive gegen Die Drusen eröffnen werde. Der Plan deS französischen Oberkommandos ziele darauf ab, die Umgegcnb von Damaskus von den dort versteckten Drusenabteilungen zu säubern und ihnen den Rückzug abzuschneiden. Die Kämpfe in China. DA. Paris, 10. März. Der Pekinger Vertreter der British Unitti) Prey meldet, daß die militärische Lage in China sich außerordentlich verschärft hat. Peking ist seit gestern früh von der gesamten Außenwelt abgeschnitten. Der Eisenbahnverkehr liegt still. Der Kommandant der Taku- Forts hat betanntgegeben, daß den ausländischen Schiffen die Einfahrt in den Fluß Pei-Ho vewehrt wird, und daß Schiffe, die gegen dieses Verbot handeln, unter Feuer genommen werden. Die Kuo-Min-tschun- Truppen haben die Signalstation bei Taku beseht und die wichtigsten Seezeichen ausgelöscht. Die Vertreter der Mächte in Peking beraten über diese Angelegenheit. Beneschs Romreise. Mailand. 9. März. (TU.) Minister Bene s ch beabsichtigt, nach der Dölkerbundstagung nach Rom zu kommen, um sich mit Mussv- l in i über die politische Lage zu besprechen. Diese Reise dürfe Wohl mit den Bestrebungen zur Schaffung eines mitteleuropäischen Blockes Zusammenhängen. Rach Belgrader Meldungen, die vom Corriere dela Serra bestätigt werden, sollen die Vorbesprechungen über einen derartigen Block eventuell sogar schon in Genf beginnen und zwar zwischen Frankreich, Italien, Äugoslavien, Tschechoslowakei, Rumänien und auch Oesterreich .(?), eventuell soll auch Deutschland hinzugezogen werden (??). Corriere dela Serra erfährt, daß mit diesem Plan auch die Verhandlrrngen der Unterstaatssekretäre G r a n di und Rlntschitsch in Genf zusam- menhängen. SübttroL Innsbruck, 9. März. (WTB.) Der Land- t a g nahm einstimmig einen Dringlichkeitsantrag oller bürgerlicher Parteien an. in dem den Bun- dcsratsmitgliedern für Südtirol für ihre mannhafte Vertretung des tirolischen Standpunktes in der Angelegenheit Südtirols gedankt wird. Der Landtag — fo heißt es weiter — bedauert, daß der Bundeskanzler seiner Rede statt des Namens Südtirol den Ausdruck Ob er et sch gebrauchte. Der Landtag steht auch weiterhin auf dem Standpunkt, daß die Angelegenheit Südtirols vor den Völkerbund gehört. Ein sozialdemokratischer Zusatzantrag, der die Tiroler Nationalräte auffordert, die f ch ä r f st e Opposition zur Regierung zu treten, wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Deutscher Reichstag. Berlin 9. März. Die 2. Beratung des Haushaltes des Reichsfinanzministeriums wird fortgesetzt. Abg. Kling (W. Bgg.) erklärt, die Herab- fetzungder Umsatz st euer werde nicht die erhoffte Wirkung einer Preissenkung haben. Das Reich werde wohl einen Ausfall von 500 Millionen haben. Aber diese Summe werde nicht der Wirtschaft im allgemeinen zugute kommen, sondern in den Händen der großen Kartelle, Syndikate und Handelsgesellschaften bleiben. Die Aufhebung der Luxussteuer sei zu begrüßen. Die Betriebe, die mit eigenen Familienangehörigen arbeiten, müßten steuerliche Erleichterungen erfahren Bei der Durchführung der Aufwertungsgesetze sollte für die bedürftigen Kleinbauern eine liberalere Handhabung angewandt werden. Wenn die Länder und Gemeinden das Zuschlagsrecht erhalten, müsse durch entsprechende Vorschriften eine zu große Buntscheckigkeit verhindert werden. Abg. Merck (Bayer. Dp.) beantragt die Außerkraftsetzung der Bestimmung, wonach die Biersteuer ab 1. April erhöht werden soll. In weiteren Anträgen verlangt die Bayerische Volkspartei für die Einkommenbesteuerung der Landwirtschaft die Durchführung von Erleichterungen. Bei den Steuersenkungen müßten in erster Linie die kleineren und mittleren Betriebe berücksichtigt werden. Von diesem Standpunkt aus sei es zweifelhaft, ob die Senkung der Umsatzsteuer dos richtige Mittel zur Wiederbelebung der Wirtschaft ist. Den Vorteil davon hätten in der Hauptsache nur die großen Betriebe. Die Umsatzsteuer bilde aber das Rückgrat des Finanzausgleichs. Darum wäre es besser gewesen, sie zu reformieren, als sie obzubauen. Eine Senkung der Vermögenssteuer bei den kleinen und mittleren Vermögen wäre sehr wünschenswert. Abg. S ch r ö de r-Mecklenburg (Völk.) meint, mit der Senkung der Umsatzsteuer könne man die Wirtschaft nicht ankurbeln. Der Konsument werde dadurch keinen Vorteil haben. Die Einführung von Zuschlägen der Länder und Gemeinden zur' Einkommensteuer würde höchst bedenkliche Folgen haben. Bei aller Anerkennung der dringenden Rotwendigkeit von Steuersenkungen könnten die Völkischen kein Vertrauen zum Programm des Ministers haben. Damit schließt die Aussprache. Der kommunistische Mißtrauensantrag wird gegen die Stimmen der Antragsteller a b » gelehnt und das Gehalt des Ministers bewilligt. Abg. Meier-Baden (Soz.) betont die Wichtigkeit des Buchführungsdienstes. Allem im Jahre 1924 sei dadurch eine Mehr- emnahme von Steuern und Geldstrafen im Betrage von 94 Millionen erzielt worden. Staatssekretär P o p i tz erklärt, bei der Land- wirtschast werde der Buch prüfungsd lenst schon nach Möglichkeit durchgeführt. Um fachmännisches Personal für den Duchvrüsungsdienst sei die Finanzverwaltung dauernd bemüht. Es sei aber nicht möglich, alle Buchprüfer in das Beamt m- verhältnis zu überführen. „ Dr. Philipp (Dntl.) weift auf die Unbilligkeiten und Harten hin, die sich bei der Durchführung des Anleiheablösungsge- s e tz e s herausgeftellt haben. Die Regierung sollte durch Bereitstellung von Wohlfahrtsfonds die Härten mildern. Reichsfinanzminister Dr. R e i n h o l d erklärt sich zu einer wohlwollenden Prüfung der Anregungen des Vorredners bereit. Abg. Dr. Scheiter (Z.) führt Beschwerde über das schleppende 'Verfahren bei der Regelung der Vvrzugsrenten in-Aufwertungs- Verfahren. Staatssekretär P o p i tz erklärt, daß in der Regelung der Vorzugsrenten mit Wohlwollcnr und Beschleunigung voraegangen wird. Die Vorzugsrenten werden ab 1. Januar 1926 gr. zahlt, ohne Rücksicht auf den Tag der Antragsstellung. (Beifall.) Abg. G e r a u e r (Bayer. Dpt.) führt Beschwerde über das rücksichtslose Vorgehen mancher Finanzämter gegen die kleinen Landwirte bei Steuerrückständen. Der Rest des Finanzctats wird bewilligt. Der Gesetzentwurf über die Steuermilderungen geht an den Steuerausschuß. - Mittwoch 1 Uhr: Haushalt des Reichsmini- steriums des Innern. Das Kompromiß zur Fürstenabfindung. Berlin, 9. März. (LDZ.) Der vom Reichs- juftizministerium überprüfte Entwurf eines Kompromisses zur Frage der Fürstenabfindung wurde am Dienstagnachmlttag den Führern der Regierungsparteien übermittelt. Es machte sich dabei noch die Notwendigkeit von Rückfragen geltend. Die endgültige Fassung wird dem Rechtsausschusse des Reichstages am Freitag vorgelegt werden. Nach Schluß der heutigen Plenarsitzung trat die Deutsche Volkspartci zu einer Fraktionssitzung im Reichstag zusammen. Nach etwa einstün- diger Sitzung wurde beschlossen, grundsätzlich dem Entwurf z u z u st i m m e n. Es ergab sich jedoch die Notwendigkeit einiger Rückfragen, fo daß am Mittwoch noch eine Besprechung der Vertreter der Regierungsparteien und der Wirtschaftlichen Vereinigung über diese Frage stattfindet. Die Wirtschaftliche V e r e i n i g u ng wird die endgültige Fassung des Kompromisses abwarten, desgleichen die Bayerische Volkspart'cT> Der Russenkredit. Moskau. 9. März. (Wolfs.) Das Mitglied des Kollegiums des Handelsiommissariats, Hanetzkt. drückte einem Vertreter der Sele- graphcnagentur der Sowfetunion gegenüber die Uebcrzeugung aus, daß die wirtschaftliche Annäherung zwischen Deutschland und der Sowjetunion durch 300 Millionen Kredite bedeutend gefördert wird. Während die englische Regierung sich der Anwendung der Exportkredite gegenüber der Sowjetunion widersetze, führte Deutschland das Export- kredilgeseh durch, das ausschließlich der Sowjetunion gilt. Hanehti teilt mit, daß zur Zeit ein Plan zur Verwertung der Kredite namentlich für die Metall--, Raphta-, Papier-, Berg- und elektrotechnische Industrie mit möglichster Beschleunigung ausgearbeitet wird. Hanetzki druckte ferner die Hoffnung auf einen baldigen günstigen Abschluß der schwebenden Verhandlungen mit den deutschen Industriellen aus. Hessischer Landtag. Darmstadt, 9. März. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 10.15 Uhr. Es wird in die Beratung des Staatsvoranschlags eingetreten. Abg. Hauck (Rationalsozialist) spricht zunächst über Angelegercheiten der Reichspolitik, über Sachverständigen-Gutachten und Dawes- Abkommen. Dann geht er ba$u über, die Rassenfrage zu erörtern. Der Präsident macht verschiedentlich den Redner darauf aufmerksam, daß er über den Staatsvoranschlag sprechen wolle. Abg. Lux gibt im Auftrage der soz. Partei eine Erklärung gegen die Polizei in Darmstadt ab, weil sie mit einem Massenaufgebot und einem Panzerwagen gegen Arbeitslose vorgegangen sei. Cs wird eine Untersuchung der ganzen Angelegenheit verlangt. Abg. Lux behauptet dann, daß die ganze Kritik der Oppositionsparteien nur darauf berechnet sei, den Regierungsparteien Schwierigkeiten zu bereiten. Das Ansteigen der Voranschlagssumme wird von dem Redner aus die Entwickelung zurückgeführt, zuzugeben sei, daß die Zahl der Beamten übermäßig zugenommen hat. In feinen weiteren Darlegungen setzt sich der Redner mit den Vorrednern der Rechtsparteien auseinander. Den Vorschlag, Hessen durch einen Beamtenminister verwalten zu lassen, lehnt er ab. Die Regierungsparteien würden sich durch die Steuer- protestversammlungen nicht abhalten lassen, die bisherige Politik fortzusehen. Eine Reihe von Fragen des Staatshaushaltes werden von dem Abgeordneten in derselben Weise erörtert, wie von dem erstell Redner der Sozialdemokatischrn Partei. Abgeordneter Blank (Zentrum) wendet sich gegen die Behauptung des Abg. Dr. Leuchtaens, daß der Abg. Ruß eine sozialdemokratische Rede gehalten habe. Kürzlich habe Dr. Leuchtgens eine Rede gehalten, die den Kommunisten gefallen hätte. Abg. Dr. Werner suche die Hessischen Bauernvereine gegen das Zentrum aufzuputschen; er werde damit keinen Erfolg haben. Der Redner setzt sich dann mit den Kommunisten auseinander: das Zentrum wisse sehr wohl, wann es sich nach rechts oder nach links wende. Zu den Steuerprotestversammlungen bemerkt der Redner, man müsse den Gründen der Unzufriedenheit nach- gehen. Eine gewisse Schuld liege an den Finanzämtern, die den Steuerzahlern entgegenkommen könnten. Das Defizit im Staatshaushalt sollte den Finanzminifter veranlassen, bald Wege vorzuschlagen, es zu beseitigen. Das Zentrum behalte sich die Zustimmung zum Staatshaushalt vor, bis der Finanzminister eine Erklärung abgegeben habe, wie er den Fehlbetrag zu beseitigen gedenke. Schluß der Beratungen um 1,15 Uhr: nächste Sitzung Mittwoch vormittag 9 Uhr. Es ist auch eine Rachmittagssitzung angekündigt. Kleine politische Nachrichten. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags besichtigte unter Führung von Vertretern der Regierung das Arbeitshaus in Dieburg. Die Besichtigung galt in erster Linie der Gefängnisabteilung, da im Ausschuß ein Antrag eingebracht ist, diese auszuheben. Das Justizministerium hofft durch die Verlegung der Gefängnisabteilung nach Butzbach wesentlich an Kosten zu sparen. Der Finanzausschuß wird in seiner nächsten Sitzung die Entscheidung fällen, ob die Gefängnisabteilung weiter in Dieburg verbleiben oder nach Butzbach verlegt wird. Wie uns mitgeteilt wird, haben sich die hessischen Parteien nochmals mit den Beschlüssen des Finanzausschusses zu Kapitel 1 des Staats- Voranschlags: Forst- und Kameralgüter unter Forstderwaltung befaßt. Es besteht begründete Aussicht, daß der Voranschlag bei der Plenarberatung, soweit des Kapitel 1 m Frage kommt, ungekürzt angenommen wird. In einer gemeinschaftlichen Sitzung tagten am Dienstagnachmittag tn Darmstadt der Landes- beamten- und der L a n d e s s ch u l a u s s ch u ß der D e n t ch e n V o l k s p a r t c i im Wahlkreise Hessen. Der Landesvorsitzende und Führer der Landtagsfraktion, Rechtsanwalt Dinge l d e y leitete die Beratungen durch ein umfassendes Referat ein. Zn der Aussprache, in der vor allem zahlreiche Bolksschullehrer das Wort ergriffen, ergab sich namentlich völlige Uebcreinftimmung mit den von der Landtagsfraktion gegenüber den Fragen der Schule und des Beamtentums geführten Politik. Der Landtagsfraktion wurde restloses Vertrauen zum Ausdruck gebracht. Abg. Dr. Keller faßte in einem ausführlichen Schlußwort das Ergebnis der Tagung zusammen. Der Reichstagsabgeordnete H a m p e , Senatspräsident in Braunschweig, ist von einem schweren Sch 1 aganfa 11 betroffen worden. Der Abg. Hampe gehörte der Wirtschaftlichen Vereinigung an. Als Vertreter Deutschlands auf der Internationalen Parlamentarischen Hande l s k o n f e r e n z, die am 26. Mai in London beginnt, sind vom Reichstag die Abg. Dr. Lejeune- Jung (Dn.), v. Raumer (D. 93p.), Lammers (Zentr.), Meyer-Berlin (Dem.) und Dr. Hilferding (Soz.) bestimmt worden. Der ehemalige österreichische Bundeskanzler Dr. Seipel wird demnächst eine große Vortragsreife nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika unternehmen. Kunst und Wissenschaft. Die Adlerplakette des Reichspräsidenten für Darburg. Der Herr Reichspräsident hat dem ehemaligen Präsidenten der physikalisch-technischen Reichsanstalt Wirkt. Geheimen Oberregierungsrat Prof. Dr. Warburg zu seinem 80. Geburtstag den Adlerschild des Reichspräsidenten verliehen. Der Silberschild trägt die Inschrift: „Emil Warburg, dem Begründer der deutschen Experimentalphyfik zum 9. März 1926.“ Der Reichspräsident sandte gleichzeitig ein sehr herzlich gehaltenes G l ü cf- wun sch schreiben an Warburg. Der Adler- schild ist eine bronzene Plakette, die auf einem Bronzesockel steht und auf der Rückseite die Widmungsschrift trägt. Sie ist bisher an Gerhart Hauptmann, Prof. Wagner, Darmstadt, und den Obermeister des deutschen Handwerks, Plate, verliehen worden. Ein Hindenburg-Kommers in Bonn. Die Vertretcrversammlung der Bonner Korporationen veranstaltet zur Feier der Anwesenheit des Reichspräsidenten im Rheinland am Abend des 22. März in der Beet- hovenhalle einen großen Hindenburg-Kommers. Die Festrede wird Ministerpräsident a.D. ©lege r to a I b (M. d. R.) halten. Zmn Kommers ist die Altherrenschaft aller ehemaligen Bonner Studenten eingeladen. Hochschulnachrichten. 3n Göttingen ist in der vergangenen, Rächt um 2 Tlhr der bekannte Gynäkolog'e und Direktor der Göttinger -Üniöerfität, Dr. Karl Reifferscheid, infolge Herzschlages verschieden. Reifferscheid war eifriger Mitarbeiter an einer Reihe von Lehrbüchern und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für- Gynäkologie. — In Heidelberg ist im Alter von 49 Jahren der außerordentliche Professor für Chemie Dr. Ernst Mohr gestorben. Mohr wurde im Herbst 1908 durch ein mißglücktes Experiment gelähmt, übte aber trotzdem seine Lehrtätigkeit weiter aus. Sein Spezialgebiet war die Stereochemie. Aus aller Welt. Von einem Leoparden verletzt. Im Zoologischen Garten in Münster in Westfalen spielte dieser Sage ein fünfjähriger Junge vor dem Käfig der jungen Leoparden und juchte ein Sier zu streicheln. Einer der Leoparden ergriff den Arm des Jungen. Ein Mann, der die Hilferufe des Knaben hörte, eilte herbei, und es gelang ihm, obwohl er selbst Verletzungen davontrug, oas Kind zu befreien. Der Knabe mußte mit schweren Verwundungen ins Krankenhaus gebracht werden. 3m Kohlensilo verschüttet. 3n Wiesloch wurde der 28 Jahre alte unverheiratete Arbeiter Mühlhaupt aus Oppau auf bisher noch nicht geklärte Weise im Kohlensilo von mehreren hundert Zentner Kohlen verschüttet. Rach langem Suchen fand inan den Leichnam in sechs Meter Materialtiefe im Silo vor. Don Wilderern erschossen. Der Brauereibesitzer Koch wurde auf feiner 3agi> bei Kaltenbrunn (Bayern) erschossen aufgefunden. Zweifellos liegt Mord durch Wilderer vor. Lawinensturz bei Daoos. Eine infolge starken Schneefalls niedergehende Lawine riß eine von Ausflüglern und Skifahrern viel besuchte älnterkunftshütte mit. Wahrscheinlich sind drei Personen, darunter der Besitzer der Hütte, von der Lawine begraben worden. Eine Rettungskolonne ist unterwegs. vermißte Skifahrer. Vier Skifahrer aus Kippet (Lötschental), welche sich nach der Konkordiahütte begaben, gerieten vermutlich in einen Schneesturh und werden vermißt. Eine Rettungskolonne konnte jedoch die Vermißten nicht auffinden. Explosionsunglück. In Wertheim a. M. erplobierte in der Werkstatt des Schmiedemeisters Hiller ein autogener Schweißapparat. Durch den Luftdruck wurden die Fensterscheiben der Werkstatt und die große Schaufensterscheibe des gegenüber befindlichen Ladens des Kaufmanns Schönleber demoliert. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Wettervoraussage. Meist bedeckt, westliche bis nördliche Winde, kälter, noch vereinzelt Riederschläge. Während das Fallgebiet nach Osten abgezogen ist und mit seinem Kem zur Zeit über Finnland liegt, hat das Hochdruckgebiet int Westen an Raum und Stärke gewonnen. Einströ- mende nordwestliche Winde brachten ziemlich starke Abkühlung, die zunächst fortdauern wird. Eine längere Kälteperiode ist jedoch unwahrscheinlich, da erneut Tiefs von Westen heran- iommen. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 10,7, Minimum 1,4 Grab Celsius. Niederschläge: 2.1 Millimeter Heutige Morgentemperatur: 2.6 Grad CelliuS. Aus -er Provinzialhauptstadt. Gießen, den 10. März 1926. Gustav Heyer. Zur 100. Wiederkehr seines Geburtstages. Gustav Heyer, Dr. phil., wurde am 11. Mörz 1826 als ältester Sohn des berühmten Professors der Forstwissenschaft Earl Heyer in Gießen geboren. Er widmete sich gleichfalls dem forftroiffenfdjaft- lichen Berufe und hat als hervorraaender Gelehrter auf forstlichem Gebiete nahezu dieselbe Bedeutung erlangt, wie Justus Liebig für die Chemie. Nachdem er das Gymnasium feiner Vaterstadt im Alter von 17? Jahren mit der Note I absolviert hatte, studierte er acht Semester Forstwissenschaft und die einschlagenden Grund- und Hilfswissenschaften an der Universität Gießen, die als forst- wissenschaftliche Bildungsstätte schon damals einen guten Klang hatte. Im März 1847 promovierte eF Äum. Dn phil. Nachdem er die vorgeschriebenen einjährigen Kurse bei der damaligen Oberforftdirek- tion Darmstadt und der DberfÖrfterei Schiffenberg erledigt hatte, habilitierte er sich-im Herbst 1849 als Privatdozent an der Universitas Gießen. Am 1. Juli 1853 wurde er zum außerordentlichen Professor der Forstwissenschaft ernannt. Neben seinem Lehrgang verwaltete er von Frühjahr 1854 bis 1857 die Oberförsterei Gießen. April 1857 erfolgte seine Beförderung zum ordentlichen Professor mit Entbindung von seiner praktischen Tätigkeit. Bereits 1860 wollte ihn das Eidgenössische Polytechnikum zu Zürich für eine forstliche Professur gewinnen. Die Liebe zur Heimat und seine ausgesprochene Vorliebe für das Wirken an der Universität, die er als allein richtige Bildungstätte für den Forstmann erkannt hatte, veranlaßten ihn, den ehrenvollen Ruf abzulehnen. Hingegen sagte er am 7. März 1868 einer Berufung als Direktor an die neugegründete Kgl. Preuß. Forstakademie zu Münden zu. Hier stand ihm ein größerer Wirkungskreis in Aussicht. 1875 suchte ihn die österreichische Regierung unter glänzenden Bedingungen als ordentlichen Professor der Hochschule für Bodenkultur in Wien zu gewinnen. Allein er nahm auch diese Berufung nach langem Kampf nicht an. Als aber die Universität München im Sommer 1878 ihm die ordentliche Professur für Betriebslehre usw. anbot, konnte er als Anhänger der Unioersitätsrichtung nicht widerstehen und siedelte im Oktober dorthin über. Don neuem den Pulsschlag der universitas fühlend und durch größere Muße zu wissenschaftlicyer Geistesarbeit in der freien Stellung des Gelehrten neu belebt, fühlte er sich jetzt hochbeglückt. Allein ein tückisches Geschick bereitete ihm schon nach 5jähriger Tätigkeit ein überaus jähes Ende. Am 10. Jule 1883 erlag er in freier Gottesnatur bei Fürttenfeldbrück an der Amper gelegentlich feines Lieolingsvergnügens, der Angelfischerei, einem Herzschlage. Freunde und Verehrer errichteten ihm in München auf seinem Grabe ein Denkmal in Form einer mohlgetroffenen Marmorbüste. Dieses wurde nach Aufgabe des Friedhofes später nach Gießen überführt und in den Anlagen an der Licher Straße, sich anlehnend an die Friedhofsmauer, ausgestellt. Leider gestattet der Raum es nicht, auf die Schriften, wissenschaftlichen Werke usw. Gustav Heyers, die von fundamentaler Bedeutung für die Forstwissenschaft sind und vielfach in fremde Sprachen übersetzt wurden, einzugehen. Den Männern der grünen Farbe sind sie bekannt. Heyer gehörte zu den hervorragendsten Fachgelehrten. Mit ausgezeichneten Kenntnissen — namentlich auf forft- mathematischem Gebiete — ausgerüstet, besaß er eine geradezu einzige Klarheit im Denken, Sprechen und in seinen Schriften. Als Lehrer eroberte er sich wegen seines streng wissenschaftlichen, logisch geordneten, klaren, formvollendeten und fesselnden Vortrages, sowie wegen seiner Liebenswürdigkeit —zumal der Jugend gegenüber — die Herzen aller seiner Zuhörer im Fluge. Als Meister des Stoffs überwand er die schwierigsten Fragen gleichsam spielend. Selbst der trockensten Materie verstand er Geist einzuhauchen. Sein Lehr- und Forschungsgebiet war hauptsächlich Waldertragsregelung und Waldwertrechnung. Auf diesem Gebiet schuf er ganz neue Bahnen. Noch einige Bemerkungen nach anderer Richtung hin. Heyer war eine fein angelegte, taktvolle Natur von diplomatischer Befähigung und weitem Ausblick. Seine Vorsorglichkeit nach allen Richtungen hin bewährte sich besonders während seiner Direktorenzeit in Münden. Als warmer Freund der Natur, zumal des Waldes, benutzte er sogar in den Ferien die ihm spärlich zugemessene freie Zeit zu Studienreisen, die ihn bis nach Norwegen und Schweden führten. Sein Familienleben war ein äußerst glückliches. Mit feiner Gattin) einer geborenen Silbereisen aus Gießen, lebte er feit 1855 in glücklicher Ehe. In derselben konnte er seine schöne Eigenschaft treuer und zärtlicher Vorsorglichkeit ungestört entfalten. Reiche Vergeltung hierfür wurde ihm in der innigen Liebe der Seinen, in dem redlichen Bestreben der Söhne, sich in dankbarer Verehrung des Vaters in jeder Beziehung würdig zu erweisen. Bei Frau und Schwägerin, welch letztere seit Jahren der Familie zugehörte, sand Heyer eine treue Hilfe und ein bewundernswertes Verständnis für seine Arbeiten. Als Freund der Geselligkeit versammelte er gerne einen Kreis von ihm nahestehender Persönlichkeiten um sich. Durch zündenden Witz und musikalische Vorträge wirkte er gerne als belebendes Element. Als Grundzüge seines Charakters sind Einfachheit, Bescheidenheit und eine nahezu faszinierend wirkende Aufopferungsfähigkeit, selbst seinen Schülern gegenüber, zu erwähnen. Allen war er ein treuer Ratgeber, vielen ein treuer Helfer. Mit allem Recht konnte sein früherer Schüler, Professor Lehr, als er die erschütternde Trauerkunde von Heyers jähem Hinscheiden vernahm, ausrufen: er war mir Lehrer und wohlwollender Freund, ja, er war mir mehr als Freund, er war mir ein zweiter Vater. Industrie- und Handelskammer Gießen« Hebet die Tätigkeit der Industrie- und Handelskammer Gießen auf st e u erlich e m G e b c et wird uns geschrieben: Die immer stärker werdende und in öffentlichen Kundgebungen sich Lust machende (Erergung der Kaufmannschaft über die unerträglichen 6 t e u c r l a ft e n hat die Kammer Anlaß gegeben, bei dem Vorort die alsbaldige Einberufung des H es s i s ch e n Industrie- und Handels- t a m m e r t a g c 5 zu beantragen. Diesem Anträge ist ftaitgegeben worden, und am 16. d. M. werden die hessischen Industrie- und Handelskammern zu einer S o n'd e r t a g u n g in Frankfurt a. M. zusammentreten. Im Mittelpunkt der Verhandlungen wird die Steuernot der Wirtschaft stehen. Durch Bekanntmachung vom 10. Februar d. I. hak der 5)crr Finanzminister angeordnet, daß dir innigen Steuerpflichtigen, die monatlich $ie 6Wgl: .»erbli-H 1 ntbau^r ihre rl? j)ie W tzkh'dhung slihrz^se tigen ®,eU.tr’ (f’mcr mässige nut B'mm fiauptbebmgir gesamten Bl für Wegeb torische Emn hen Ländern, gaben, t Brückengeld kungsrechts Landstraj 2a nachgc Gerichiso Dechsclpr als in den m hoben die hes in Nnbetrachi geregt, eine alsbald in die *8on dem die Legitin buhten nich daistellen düch burd) die Aus Mcher für A eine uchiM cinirelen zu d Aerli $er G tzener Le tag abenb in der neuen, Di bestimmten ( langen leitet sitzende, jetzig Aus der 0ti Unter de Winn wurde Avrsitzend wbe mfti gewählt. Dr den neuen $ allgemeine L neuen Dann einstimmig b der Ehrenvo der, bei öie1 tierenden er Acnnen des wals heimlich er in verdien Wf ach im Reiftet hat i Wider vol, Dorstand g forschender Verwaist mann Loeb 3Iumfc&eii Der Herc r"S buch A", einen Xtra *«=» Seit S- SS tz AngM' r><-sS" meister^ den Steu' groBC.61' und bei n • "Meist SÄ*'* mittagsunterricht ausfällt/ RDV. 3 n 7l e Berlin- 100 Meter Brust: 100 Meter Seite: 100 Meter Rücken. 100 Meter bei.: 1:25L 1:17,4 1:23,8 1:10 1:25 1:14,6 1:18 1:07,6 ** Zur Warnung. Aus unserem Leserkreise wird uns mitgeteilt, das; in den letzten Tagen ein junger Mensch in verschiedenen Gießener Fapülieu Vorgesprächen hat, um Scherenschnitte zu verkaufen. Er gab sich dabei als stud. jur. an unserer Universität und früherer Offizier aus, ferner erwähnte er, sein Later sei gleichfalls Offizier gewesen. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Scherenschnitte wolle er seinen Unterhalt und die Kosten des Studiums bestreiten. Durch diese Erklärungen und das sichere, gewandte Auftreten gelang es dem Menschen, einen guten Eindruck zu machen und von seinen „Scherenschnitten" allerlei zu verkaufen. Kostenpunkt 6 bzw. 3 Mark je Stück. In zwei Fällen wurden die Gegenstände jedoch sachverständig beurteilt, und dabei stellte sich heraus, das; bei den Arbeiten von Scherenschnitten gar keine Rede sein konnte, daß es sich vielmehr um gestanzte Sachen handelte, die reell etwa 40 bis 50 Pf. je Stück wert waren. Der geschäftstüchtige Verkäufer, der sich in einem Falle stud. jur. Trimborn nannte, hatte die Käufer also weit über Gebühr Zohlen lassen. An einer Stelle sollte der junge Mensch noch Geld abholen; er hat sich aber bis heute nicht wieder sehen lassen; anscheinend ist ihm die Sache zu brenzlich. Das Verhalten des Mannes zwingt zur Vorsicht. Die Polizei hat bis jetzt noch feine Anzeige erhalten. Sollte der junge Mensch irgendwo auftreten, so möge man sich zunächst umgehend an die Kriminalpolizei wenden. Ein orkanartiger Sturm, begleitet von Regen, brauste gestern übend von kurz nach 9 bis gegen 1 ,11 Uhr über unsere Stadt hinweg. Die Dachziegel klapperten, und in den Straßen packte der Sturm die Passanten vielfach mit solcher Gewalt, daß das Vorwärts kommen recht mühsam war. 3m Laufe der Rächt erneuerte sich das Sturmwetter noch einmal, allerdings wurde es nicht mehr so heftig wie in der obengenannten -Zeit. Von Schäden ist uns bis zur Stunde nichts bekannt geworden. ** Die Kurzarbeiterfürsorge betrifft eine Bekanntmachung deS Arbeitsnachweises in unserem heutigen Anzeigenteil. Den Inhabern der in Betracht kommenden Betriebe ist die Einreichung einer Aufstellung auferlegt. Man wende der Veröffentlichung seine Aufmerksamkeit zu. ,w Personalien. Der ordentliche Professor an der Technischen Hochschule in Darmstadt, Geh. Baurat Dr.-3ng. Hans Wege le zu Darmstadt, wurde auf fein Rachsuchen mit Wirkung vom 1. April ab in den Ruhestand versetzt. ’ * D i e Zahl der Dollsschullehrer l n Hessen. Rach einer statistischen Veröffentlichung beträgt die Zahl der zur Zeit im hessi- schen Schuldienst tätigen Lehrer und Lehrerinnen 4041. Davon stud tätig in Starkenvurg 2015, in Rheinhessen 1054 und in Oberhessen 975 Personen. " Freiligrath-Feiern in den Schulen. Das Landesamt für das Bildangs- wesen hat an die Direktionen der höheren Schulen und die Stadt- und Kreisschulämter folgendes Ausschreiben gerichtet: „Aus Anregung deS Reichsministers des Innern hat das Gesamt- miniftcrium beschlossen, des 50. Todestages des Dichters Ferdinand Freiligrath durch eine würdige Feier am 18. d. M. in sämtlichen Schulen des Landes zu gebeut en. Zur Ausführung dieses Beschlusses ordne ich an. das; für die Feier die zwei letzten älnterrichisstunden des Vormittags verwendet werden und der Rach- Frank fürt a. Mäin. Mit der Einführimg des Sommersahrplans ist folgende KD-tBerbin- dung zwischen Frankfurt a. Main und Berlin vorgesehen: FD 5: Frankfurt a. Main Haupt- bahnhof ab 1.15 nachm., Erfurt ab 4.54 nachm., Leipzig ab 6.46 nachm., Berlin (Anh. Bhf.) an 8.44 nachm.; FD 6: Berlin (Anh. Bhf.) ab 9.34 Dorrn., Leipzig ab 11,45 Dorrn.. Erfurt ab 1.32 nachm., Frcuckfurt a. Main Hauptbahnhof an 5.10 nachm. Diese FD-Züge führen nur 1. und 2. Klasse; außerdem Speisewagen. — (Mit diesen FD-Zügen — die amtliche Bezeichnung für besonders beschleunigte Fern-D-Züge — hat Frankfurt eine ausgezeichnete Verbindung mit der Reichshauptstadt bekommen. Auf der Strecke Berlin — Cassel — Gießen mit Anschluß nach Frankftuck oder Coblenz wäre die gleiche Einrichtung auch erwünscht. D. Red.) RDV. Touristenkarten auf den Bahnhöfen Badens. Auf Anregung des Badischen Verkehrsverbandes sind auf allen Bahnhöfen in Baden mehrfarbige Touristen-- karten zum Aushang gelangt. Den Reisenden und Touristen wird auf diese Weise eine zweckmäßige Orientierungsmöglichkeit geboten. — (Im Hinblick auf den Vogelsberg, das Lahn- f a l, den Hütten berg und das Hinterland dürste die gleiche Einrichtung auch für die Bahnhöfe unseres Bezirks empfehlenswert sein. Von den Reisenden und Touristen würde diese Fürsorge sicherlich mit Dank begrüßt werden. D. Red.) * D i e M a u l - u n d K l a u e n s c u ch e ist neuerdings in Ettingshausen, Dors-Gill (Kreis Gießen) und Ilbenstadt (Kreis Friedberg) amtlich festgestellt worden. Erloschen ist die Seuche in Bettenhausen, Friedelhausen, Leihgestern, Grü- ningen, Watzenborn-Steinberg (Kreis Gießen) und Rieder-Breidcnbach (Kreis Alsfeld). Ausschuß, für Presse, Führerund Werbedrucksachen: Stadtv. Kirchner, Redakteur Blumschein, Hotelier Schpab, Kaufmann Loeb, Cafehausbesitzer Körner. Ausschuß für eine hessische Heimattagung: Ehrenvorsitzender Stadtv. W i n n, Beigeordneter Dr. Ham in, Amtsgerichtsrat GröS, Eisenbahn-Amtmann Dörr, Redakteur Blum sch ein, Direktor Dr. Roßberg, Stadtv. Kirchner, Stadtv. Löb er, Cafehaus- befitzer Körner. Kaufmann Frensdorf Ausschuß für Schaufenster- und Blumenschmuck-Wettbewerb: Stadtverordneter Kirchner, Stadtv. L ö b c r, Kaufmann und Drogist W i n t e r h o f f, Kaufmann Drei)5 fuß, Kaufmann Frensdorf, Metzgerobermeister Sack, Universitäts-Garteninspektor Rehne11 und der Vorsitzende der hiesigen Gärtner-Vereinigung. Ausschuß für M a r k l w e s e n : Stadtverordneter Schwieder, Beig. Dr. 5) amm, Kaufmann Loeb, .Kaufmann 5) e r r. Ausschuß f ü r d i e Lesehalle und die Geschäftsstelle: Stadtv. Kirchner, Beig. Dr. Hamm, Amtsgerichtsrat Gros, Redakteur B l u m s ch e i n. Ausschuß für die Ausarbeitung einer neuen Satzung: Amtsgerichtsrat Gros, Stadtv. Kirchner, Redakteur 58 l u m » schein. Der erste Vorsitzende des Greins, Stadtv. Schmieder, und der Schriftführer, Verwaltungs- fetretär Maus, gehören sämtlichen Ausschüssen an, da sie die Vertreter des Vereins nach außen sind. Die Ausschüsse werden ihre Obliegenheiten ungesäumt in Angriff nehmen. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurden noch verschiedene bedeutsame Fragen behandelt, die sich auf die weitere Tätigkeit des Vereins und auf kommunale Angelegenheiten bezogen. Mit besonderer Genugtuung würde die Tatsache zur Kenntnis genommen, daß in Zukunft ein enges Zusam- m e n a r b e i t en zwischen dem Verkehrsverein und öej Stadtverwaltung herrschend sein wird. Für die Hebung des Verkehrs in unserer Stadt darf man nun noch günstigere Resultate als bisher erwarten. Bornotizerr. — Tageskalender für Mittwoch. Stadtthcater: Z'/3 Uhr „Die letzte Rächt" (Ende 10 Tlhr). — R. d. Z.: 8’ 3 Tlhr, Stadt Lich, Hauptversammlung. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Der heutigen .Uraufführung „Die letzte Rächt" werden außer dem Autor verschiedene auswärtige Bühnenleiter und Pressevertreter beiwohnen. — Obst- und Gartenbauverein. Kommenden Samstag abend int Kaufm. Vereins- Haus Hauptversammlung mit Vortrag von Inspektor Rehnelt. über „Arbeiten im Kleingarten". Die Versammlung sei den Gartcninter- efsenten zur besonderen Beachtung empfohlen. RähereS in der heutigen Anzeige. rungen die hessische Regierung ihren Verpflichtungen gegenüber der Kirche nicht in dem nötigen Maße nachkomme. Der kommende Landeskirchentag werde die besondere Aufgabe haben, hier ein entscheidendes Wort zu sprechen. Rach diesen Darlegungen wurde auf eine weitere Behandlung dieses Gegenstandes verzichtet. Einige Staffeln im Vergleich zum vorigen Jahr: 4 mal 50 Meter Lagen 2:23 (1925), 2,14,6 (1926); 4 mal 50 Meter Brust 2:37,3. 2:33, 10 mal 30 Meter . bei. 6:05,3. 5:25,4, Schwellstaffel 50, 100, 150, 100, 50 Meter 5:55, 5:26. Neuer Weltrekord Rademachers. RewHaven, 10. März. (WTD. Funl- spruch.) Dem deutschen Schwimmer Rademacher ist es gestern hier gelungen, einen neuen Weltrekord über 400 Meter mit 5:50,2 Minuten aufzustellen. Neuer Schwimmrekord. Einen neuen deutschen Damen r e k o r d im 2 0 0 - M e t e r - R ü ck e n s ch w i m - men bat am Montag Frau Wunram (Damen- Schwimmverein Hildesheim) im Magdeburger Wil- helmsbad aufgestellt, indem sie die glänzende Zeit 3:18 erreichte und damit den bisherigen deutschen Rekord um 12 Sekunden verbesserte. Frau Wunram beabsichtigt, in nächster Zeit den Rekord auch über 400 Meter anzugreifen. Da das Magdeburger Bad den Bestimmungen für Rekordleistungen entsprich«, dürfte der Rekord anerkannt werden. Neue LeichtathZetik-Wettrekorde vo. Gewohnheitsgemäh hat der Rorweger Charles Hoff den Hallenweltrekord tm Stabhochsprung in Chicago wieder etwas verbessert, indem er ihn auf 4,135 Meter stellte Ein zweiter Weltrekord in der Halle wurde von Kuch im Kugelstoßen aufgestellt, der bei älniversitäts-Leichtathletik-Wettkämpfen unter Beteiligung fast aller amerikanischen Uni- versitäten 15,42 Meter warf. Amtsgericht Wetzlar. 2 Wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung hatte sich ein Maurer aus Atzbach zu verantworten. In einem früheren Strafverfahren gegen einen Schreiner aus Atzbach, der einen anderen mit einem Messer gestochen hatte und dafür bereits ab- geurteilt ist, ergab die Hauptoerhandlung, daß der Maurer dem Schreiner seinerzeit auf dessen Verlangen das Alesser gegeben hat. Der Angeklagte erhielt 5 0 M a r k G e l b ft r a f e, Hilfsweise zehn Tage Gefängnis. Das Gericht billigte ihm monatliche Ratenzahlungen von je 10 Mk. zu. Bei drei Arbeitern aus Waldgirmes war gefährliche Körperverletzung und Widerstand Gegenstand der Anklage. Ihnen wurde zur Last gelegt, im Mai zu Atzbach dem Nachtwächter während der Ausübung seines Dienstes Widerstand geleistet und ihn tätlich angegriffen zu haben. In der gleichen Sache wurden bereits früher drei andere junge Leute verurteilt, die jedoch gegen dieses Urteil Berufung eingelegt haben. Bei der Verhandlung in der Berufungsinstanz gerieten die jetzigen Angeklagten in den Verdacht der Täterschaft, und es wurde auch gegen sie Anklage erhoben. Die Verhandlung endigte damit, daß zwei Angeklagte G e l d st r a f e n von j e 3 0 0 Mark, Hilfsweise für je 5 Mk. einen Tag Gefängnis, erhielten, während der dritte Angeklagte freigesprochen wurde. Ein Arbeiter aus Aßlar, dem die Anklage Betrug, Untreue und Unterschlagung vorwarf, war bet einer Aßlarer Firma Vorsitzender des Arbeiterrats. Als solcher hatte er die Verwaltung verschiedener Gelder. Ihm wurde vorgeworfen, von diesen Gei dem einen Teil für sich behalten und auch für an bere als die vorgesehenen Zwecke eigenmäd)tig aus- gegeben zu haben. Der Angeklagte bestritt jegliche strafbare Handlung, und auch die Beweisaufnahme ergab nichts, was eine Verurteilung des Angeklag len gerechtfertigt hätte. Demgemäß lautete auch dös Urteil, dem Anträge der Staatsanwaltschaft entsprechend, auf kostenlose Freisprechung des Angeklagten. Kirche und Schule. Pfarrertagmrg in Hungen. ri. 5) ungen, 9. März. Im „Solmscr Hof" tagten gestern zwei gutbesuchte Pfarrerver- s a m m l u n g e n. Am Vormittag trat unter Leitung von Dekan Engel- Obbornhofen die Konferenz der Geistlichen des Dekanats Hungen zusammen. Nach der Eröffnung durch Pfarrer Becker- Södel behandelte Pfarrer W e - der, Holzheim, eingehend das Thema „Kirche und Evangelisation", das reichlichen Stoff zu einer gründlichen Aussprache über Predigt und Seelsorge in unseren oberhessischen Landgemeinden bot. Darnach berichtete Pfarrer Weber, Trais-Horloff, über den zweiten Band des ausführlichen Werkes von Professor D. Schian „Die evangelische Kirche und der Weltkrieg", der unter Verarbeitung eines riesigen, dem Verfasser von amtlichen Stellen ganz Deutschlands zur Verfügung gestellten Materials die Arbeit darstellt, die die Kirche während des Weltkriegs in der Heimat geleistet hat. Schian, der damals bekanntlich Professor in Gießen war, nimmt darin öfters Bezug gerade auch auf die Verhältnisse in Oberhessen. Am Wndjmittag fand unter Leitung von Pfarrer D. Fritsch, Ruppertsburg, eine Tagung des Pfarrvereins statt, die von Pfarrer S c r i b a , Wetterfeld, eingeleitet wurde. Ein sehr ernster Vortrag von Pfarrer Ködding, Eberstadt, über brennende Gegenwartsfragen der Kirche in Hessen fand aufmerksame Zuhörer, die auf den Vortrag eine eingehende Aussprache folgen ließen. Dorfkirchenvorftehertastung. i. Rieder-Gemünden, 8. März. Heute fand die von der Vereinigung der Freunde der Dorfkirche einberufene Kirchenvor- stehertagung in unserem Gotteshause statt. Mehrere Hundert Kirchenvorsteher aus der näheren und weiteren Umgebung waren der Einladung gefolgt. In dem Eröffnungsgottesdienst predigte der Superintendent von Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner, und suchte die Herzen für die Aufgaben des Amtes warm zu machen und die Gewissen für die Erfüllung der Amtspflichten zu schärfen. Während der Mittagspause waren die Erschienenen Gäste der Rieder-Gemündener Bürgerschaft, die einen glänzenden Beweis für ihre Gastfreundschaft ablegte. Die Nachmittagssitzung wurde ausgefüllt durch den Vortrag des Prälaten der hessischen Landeskirche D. Dr. Diehl, der über das Thema „Der Kirchenvorsteher und Gemeindevertreter und das kirchliche Leben in den Gemeinden" sprach. An den außerordenllich lehrreichen Vortrag, der die Aufgaben der kirchlichen Körperschaften als Erhaltung, Pfleae und Förderung des kirchlichen Lebens nachwies, schloß sich eine rege Aussprache, an der sich besonders die Laien beteiligten. Auf Veranlassung brachte auch ein Mitglied des Kirchenoor- standes Rieder-Gemünden die finanzielle Lage der Landeskirche zur Sprache, und Prälat D.Dr. Diehl sprach ein offenes Wort über die gegenwärtige Krise, die besonders dadurch gekommen sei, daß einzig und allein unter den deutschen StaatsregieGewerbesteuer entrichtet haben, zum Ausgleich gegenüber den vierteljährlich zahlenden eine Sondervorauszahlung auf die Gewerbesteuer vom Ertrag in Höhe des am 10. Juni v. I. zu zahlenden Betrags zu leisten hoben. Di« am 17. Marz (mit Schonfrist) zu leistende Sonderzah- lung hat starke Erergung bei den Oemerbetreiben» den hervorgerufen, weshalb die hessischen Jndustrie- unb Handelskammern sich veranlaßt gesehen haben, dem Finanzminister die Frage vorzulegen, ob ev nicht möglich sei, auf diese Svnderzahlung zu verzichten und die zu vierteljährlichen Zahlungen Verpflichteten durch Nachlaß eines cnt- jprechenden Prozentsatzes zu entschädigen. 'Angesichts der starken Anhäufung von Steuerterminen ist an die Provinzialdirektion, das Kreis- amt, das Finanzamt und an den Herrn Oberbürgermeister von Gießen das Ersuchen gerichtet worden, den Steuerpflichtigen gegenüber das große Entgegenkommen walten zu lassen und bei nachgewiesener vorübergehender Zahlungsunfähigkeit nicht gleich das Beitreibungsverfahren einzuleiten. Die Staatsregicrung ist gebeten worden, die g e- werblich benutzten Gebäude von der ft a a 11 i d) e n und gemeindlichen Sonder- ge bau desteuer gan; f r ei j uft e 11en . weil ihre seitherige Erhebung im Widerspruch mit den Vorschriften der Dritten Steuernotverordnung steht und daher ungesetzlich ist. Die Industrie- und Handelskammer hot eine E r h öch u n g der Steuersätze für Kraftfahrzeuge unter Beibehaltung des bisher gültigen Steuersystems grundsätzlich abgelehnt. Emer mäßigen Erhöhung dieser Steuer könnte sie nur zustimmen, wenn neben anderen folgende Hauptbedingungen erfüllt werden: Verwendung des gesamten Aufkommens aus der Kraftfahrzeugsteuer für Wegebau und Unterhaltung, obligatorische Einführung einer Fahrzeug st euer in den Ländern, Fortfall aller Sonderab-- gaben, wie insbesondere Vorausleistungen, Brückengeld usw. und Einräumung eines Mttwir- kungsrechts der Wirtschaft durch Schaffung von Landstraßenbeiräten. Da nachgewiesenermaßen die Gebühren der G o r i ch t s o o 11 z i e h c r für die Aufnahme von Wechselprotesten in Hessen bedeutend höher als in den meisten anderen deutschen Ländern sind, haben die hessisd)en Industrie- und Handelskammern in Anbetracht der schwierigen Wirtschaftslage angeregt, eine Herabsetzung dieser Gebühren alsbald in die Wege zu leiten. Von dem Gesichtspunkt ausgehend, daß die für die Legi t i m a ti o n s k a r t e n erhobenen Gebühren nicht eine Sonderbelastung der Betriebe darstellen dürfen, sondern lebiglid) einen Ersatz der durch die Ausstellung verursachten Kosten, ist der Minister für Arbeit und Wirtschaft gebeten worden, eine wesentliche Herabsetzung dieser Gebühren cintrcten zu lassen. Derkehrsversin Gießen. Der Gesamt'-Aus schuß des Gießener Berke hrsvereinS hielt am Montag abend im Caf6 Astoria die erste Sitzung in der neuen, von der jüngsten Generalversammlung bestimmten Zusammensetzung ab. Die Verhandlungen leitete zunächst der bisherige 1. Vorsitzende, jetzige Ehrenvorsitzende Stadtv. H. Winn. Aus der Sitzung ist folgendes hervorzuhrben: Unter der Leitung des Ehrenvorsitzenden Winn wurde die Wahl deS neuen ersten Vorsitzenden vorgenommen. In dieses Amt mürbe einstimmig der Stadtv. Sch wieder gewählt. Der Ehrenvorsitzende beglückwünschte den neuen Führer des Vereins, wobei er das allgemeine Vertrauen besonders betonte, das dem neuen Mann in der Aussprache und in der Wahl einstimmig bekundet worden war. Hierauf legte der Ehrenvorsitzende Winn die Führung nieder, bei dieser Gelegenheit von dem nun amtierenden ersten Vorsitzenden Schwieder im Ramen des Ausschusses und des Vereins nochmals herzlichst bedankt für die viele Arbett, die er in verdienstvollster Weise für die Allgemeinheit auch im Rahmen des Vereins jahrelang geleistet hat. Die Wahl der weiteren Vorstands- mttglieder vollzog sich glatt. Dem neuen ges chä ftsführenden Vorstand gehören an: Stadtv. Schwieder, 1. Vorsitzender, Stadtv. Kirchner, 2. Vorsitzen- der, Derwaltungsserr. Maus, Schriftf., Kaufmann Loeb, Kassierer, Beigeordneter Dr. Hamm, Hotelier Schwab und Redakteur Dlumschein als Beisitzer. Der Herausgabe eines kleinen Führers durch Gießen und Llmgeaend wurde zu-- aestimmt. Dieser kurze Leitfaden soll insbesondere für die Zwecke der Fremdeninteressierung Verwendung finden. Don Geschäftsleuten, die dem Gesamt-Ausschuß angehören, wurde der Wunsch ausgesprochen, die gesamte Geschäftswelt unserer Stadt möge sich an der Versendung dieses kleinen Führers, z. D. als Einlage in Geschäftsbriefe, beteiligen. Zahlreiche Veranstaltungen, die im laufenden Jahre stattfinden sollen und von denen man einen regen Fremdenverkehr für unsere Stadt erwartet, wurden besprochen. Die weitere Bearbeitung wurde den zuständigen ÄnterauS- schüssen übertragen. Roheres hierüber wird zur gebenenen Zeit noch veröffentlicht werden. Es werden hierauf zur Bearbeitung von Dpezialfragen Ausschüsse gebildet, auf Dxldje die Vorstands- und Gesamtausschußmit- glieder verteilt sind. Die Ausschüsse sind: Ausschuß für Verkehrs politische nSelegenheiten: EhrenvorsihendrrStadto. i n n, Beigeordneter Dr. Hamm, Cisenbahn'- Antmann Dörr. Redakteur Dlumschein, Hotctter Schwab. Turnen, Sport und Spiel. Kunstturnen im Gau Hessen D. T. ch Den Städtewettkampf im Geräteturnen zwischen den Turnvereinen Griesheim a. M., Fechenheim-Frankfurt und Marburg konnte der Turn- u. Sportvcr - ein Marburg am Sonntag mit 12 Punkten Vorsprung vor Fechenheim für sich entscheide». Griesheim kam für den Sieg nie in Frage. Geturnt wurde an Reck, Pferd und Barren, sowie eine Kürfreiübung. Jede Mannschaft bestand aus Alters tumern, aktiven Turnern, Iugendturnern, Schülern, Turnerinnen und Sdjülcrinnen .Das Kampfgericht entledigte fid) feiner nicht leichten Aufgabe zur vollen Zufriedenheit. Der Besuch hätte besonders am Vormittag besser sein können, am Nachmittag waren die Stadtsäle mit Zuschauern gefüllt. Den erften Kampf in Fechenheim konnte Marburg ebenfalls gewinnen. Der 3. und letzte Wettkampf soll voraussichtlich im November d. I in Griesheim unter denselben Bedingungen stattfinden. Leistungsverbesserungen der Turnerschwimmer. do. Das letzte Iahnschwimmen der D. T. in Halle laßt im 'Vergleiche mit den Leistungen der Meisterschaften 1925 in Frankfurt a. M. eine wesentliche Verbesserung der erzielten Leistungen erkennen. Eine Zusammenstellung ergibt: Frankfurt a. M. Holle TOcts sie $em essen f soll man Kindern möglichst oft geben. O ® i» e Nichts essen sie lieber als die bekannten Sie schmecken gut, sind äußerst nahrhaft und sehr preiswert. Es gibt vielerlei Sorten; Gala-Schokoladen-Puddingpulver » Puddingpulver nach holl. Art » Makronen- Puddingpulver » Schokol.-Speise m Makronen » Rote Grütze . Götterspeise usw. In allen einsdilägigen Geschäften nur in Originalpackung (niemals lose) mit der Schutt- marke „©etker S HeBlkOpf“ zu haben. Verlangen Sie ebendaselbst die beliebten Uetker-Kezeptbucher, wenn vergriffen, umsonst und portofrei von schlafen ist. Darmstadt (Pallaswiesenstraße 14), Grünberg, den 8. März 1926 01643 Gießen, den 8. März 1926. wieder aufgenommen Dr. Szubinski 01661 Gießen, den 8. März 1926. ni6H~> 2232D Vermietungen 311926 1901 rä Heute frische Fische .perPfd.30^ n «24 A Dern 2253c Gerichtsvollzieher in Gießen, Steinstr. 13. ÄOöfgOolHorftt.35 her bekanntgegeben. 2249D vN'S TM n n » » n n » Junge Junge Junge Junge Schleien Cabliau o. K..... Schellfisch o. K. Rotbarsch o. K., Cabliau, klein .. Merlan ......... Bücklinge...... 38^ 30^ 25^ 35 H 28 Blaufelchen Zander Der Festausschuh. I. QI.: Weber, 1. Vorsitzender. Itamön Poch dt de., Frank fort a. M., SttlnwflQ 9. In tiefer Trauer: Jakob Benner nebst allen Verwandten. Ich habe meine Praxis Familie Balthaser Keil Familie Heinrich Kreiling Familie Ferdinand Römer Karl Ludwig Römer. Heuchelheim, den 9. März 1926. MMWMSlMNlZWWen «Württemberger» und Bockprämiierung, am Donnerstag, dem 25. März d. 7»., tu Marburg a. I'. auf der Burgerwtese. Schäseroerein Ureis Marburg Zu dem am 26., 27. und 28. Juni 1926 zu Bellersheim stattfindenden Bundessängerfest soll der Jux Platz am Mittwoch, dem 17. Marz, nachmittags 3 Uhr. in dec Wirtschaft „Zur Post" daselbst öffentlich meistbietend vergeben werden. Die Bedingungen werden daselbst vor- Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Heimgänge unseres lieben, unvergeßlichen Entschlafenen, für die vielen Kranzspenden und für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers, sowie für die außerordentliche liebevolle Anteilnahme der FirmaH.SchaffstaedtundfürdieKranzniederlegung seitens der Altersvereinigungund desMetallarbeiter- verbandes sagen wir allen unseren innigsten Dank. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Helene Fröhlich geh. Röder und Kinder. Im Namen der tieftrauemden Hinterbliebenen: Paula Bätz geb. Dahmer. Danksagung. Für die liebevolle, wohltuende Teilnahme bei dem Heimgange unserer lieben, unvergeßlichen Entschlafenen sagen wir hiermit herzlichen Dank. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: holzverstergerung. Montag, den 15. März d. IS-, vormittags 10 Llhr anfangend, werden aus den Waldungen der Gemeinde Ruppertsburg Distrikten Hohenberg, Buchwald (Schlinke), Rothe, Langen und Ziegenberg, unvorgezeigt, im Saale des Gastwirts Otto Wagner „Zum Bahnhof", versteigert: Stämme: Esche 6. Kl. 5 Stück 1,02 Fstm-, Birke 5. Kl. 1 Stück 0,29 Fstm., Kirsch- bäum 4. Kl. 2 Stück 0,64 Fstm. Derbstangen: Esche 7 Stück 0,26 Fstm., Fichte 168 Stück 4,50 Fstm. Reisstangen: Fichte 3006 Stück 14,09Fstm. (teils Bohnenstangen). Rutzknüppel, Rm.: Eiche 9,9, Lärche 27,2, Fichte 14,8. Scheiter, Rm.: Buche 115, Eiche 6, Birke 2, Fichte 6,2. Knüppel, Rm.: Buche 370, Hainbuche 22, Eiche 135, Birke 50, Aspe 7, Erle 10, Lärche 43, Fichte 34. Knüppelreisig, Rm.: Buche 4, Eiche 21, Stamm- und Ästreisig, Rm.: Buche 600, Eiche 4. Stöcke, Rm.: Buche60, Eiche 14, Fichte 10. In Distrikt Buchwald (Schlinke) kommen sämtliche Scheiter und Knüppel zur Bersteigerung und das Reifig, auher denjenigen, wo die Nummern nicht unterstrichen sind, dagegen in Rothe, Langen und Ziegenberg bloß die unterstrichenen Nummern. Auf Verlangen erteilt Förster Steinbach Auskunft. Ruppertsburg, den 9. März 1926. Hessische Bürgermeisterei Ruppertsburg. Hög h. 22550 Altes. siihrendeS Werk der Branche, dessen Marken sich überall gröfiter Bc- licbiljcit erfreuen, sucht für Gießen und Umgebung einen tüchtigen, bei den Kolonialwaren- geschäften Bäckereien und Konditoreien aufs beste einoefübvicn Vertreter zum provisionsw. Vertrieb seiner Erzeugnisse. ES können nur solche Herren Berück- iichlignng finden, die über wirklich erst- Heuchelheim, den 9. März 1926. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 11. März, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause Gartenstr. 15 aus statt. 01694 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme während der Krankheit und bei dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen sowie für die vielen Kranzspenden sagen wir unseren herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Reitz. üenüon Btunöl Neuen Baue 22 Tel. 1085 fürf Passanten und Danermteter Wohnung mir garer Berufiegung Mk. 3.50, 4.-u. höher uro Tag. ,MP Motor© Gleich- und Drehstrom 150?a äußerst günstig abzugeben Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß heute mittag 1 Uhr meine liebe Frau, unsere gute Tante und Schwägerin Frau Elisabethe Benner geb. Weller nach kurzem Leiden im 81. Lebensjahr sanft ent- Lahnsand In allen Körnungen 326’c Rheinsand u. Mainsand zu bill. Preis C. Rübsamen, Gießen, Fernsp. 1659. 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März, abends Stthr: BootShauS Staat ' bisher II" , ÄK E*$irlfN 1 I äS’tf 5 führt, die hch K“ ' Grundsatz kui cabe eine De iiejer oedjangm I jg23 gebrochen j I |idj, wenn oic i I sShiggenug war, I die Währungsbe ■■ werden können. > DOn Steuern M-M aufbiel f den Jahren 1924 Volkseinkommen ' Enteignung ahnt gewöhnlichen 'cif I die Ausgleich Allein diese Sem \ Dauer fortgesetzt '' kann ein Volk nui und verdient. Die Deflation schastlich und fina auch zu sozial un ständen yesuhrt. 1 AenemMsung Haden sich 'm der I träge angesannne' der berühmten schäft, die dar! die in der öffent! für Wirtschoftsztl )ahre wurde der trediie gedeckt lidje Berschuldunl der Kredit für di rung zu Ankurb daß der Ausweg hinten i[t. 2a$ Be/af/ung ter Wh zusamsnen. Es ist tastuntz noch nicht die schen !>e vielfach nicht laufenden 'Betritt wendigen Betritt andere Ankurbet vorübergehend $ Dauer nicht gee ^stände herbeii V auf die Notll ! der Wirtschaft do nus dem Umw fneinden fort No belfer. ®en niit den Selbem d Wgruppen -"Wirkung dazu - । M Staat iiinerlid doch wohl ।tlle die aus dec ’ J^lt anjufui Zn befeiti -Betriebskapitalien, ^"diggekrauchka °'"gre,st, den Län w°"ung5au^ Don 'ndustrj H °!ien haben । iSVl!ld) "ützlid \e spekulativen 1 M dieser au K ^/Steuern Ms L ■Problen ., eur°Pai i * «Äf» der eine rctzr. ÄS’ fangendes ?? ALL? jungen C Str. ?5Ä’ ?Q6en bC[n’ d nicht druck- n,t Jr’ifj J.Mtens Näu ern nhe ""ve etn,C'zöle aus h,‘*% Nr. 58 Zweites Blatt Staat und Wirtschaft. Reichskanzler 2r. Luther hat am Tage vor seiner Abreise nach Genf in einer Rede über die Wirtschaftsziele der Reichsregierung mit aller wünschenswerten Deutlichkeit zugegeben, daß die Wirtschaft den Staat trage, und nicht umgekehrt. Das ist bisher im Reich und in den Ländern vielfach vergessen worden. Wenn schon der Politik der Primat zuerkannt wcredn soll, dann ist das nicht so zu verstehen, daß der Staat im Gefühl seiner Allmacht die Wirtschaft als notwendiges liebel betrachtet. Der Reichskanzler hat in großen Züaen den Ablauf - der Krise dargestellk, die unter wechselnden Erscheinungen und Verhältnissen im wesentlichen unverändert geblieben ist. Nicht die Wirtschaft trägt die Schuld, daß eine Inflationskrise von ungeheurem Ausmaß notwendig wurde, sondern die Politik, die Parteiherrschaft, die jedes Verständnis für die harte Wirklichkeit der Dinge verloren hatte. Die Entwertung der Mark hätte nicht den beispiellosen Umfang annehmen tönen, wenn nicht die früheren Reichsregierungen ihre Finanzpolitik von der Notenpresse abhängig gemacht hätten. Es ist eine Legende, daß es die Reichsbankkredite für die Wirtschaft gewesen seien, die die Mark ins Gleiten brachten. Der^ Stoß wurde vielmehr durch die Schatzwechselpolitik der früheren Neichsregierungen geführt, die sich seit November 1918 nicht mehr um den Grundsatz kümmerten, daß für jede Ausgabe eine Deckung da sein müsse. Als mit dieser verhängnisvollen Finanzpolitik im 'Herbst 1923 gebrochen wurde, war der Erfolg nur möglich, wenn die Wirtschaft stark und widerstandsfähig genug war, um die Opfer zu tragen, ohne die die Währungsbefestigung nicht hätte durchgeführt werden können. Diese Opfer wurden in der Form von Steuern aus der Wirtschaft geholt, ohne Rücksicht auf die Ertrags- und Leistungsfähigkeit. In den Jahren 1924 und 1925 steht die Steuerlast zum Volkseinkommen in einem Verhältnis, das einer 1 Enteignung ähnlicher sicht als selbst einer außergewöhnlichen Steuerbelastung. Das Ergebnis war die Ausgleichung des R e i ch s h a u s h a l t s. Allein diese Gewaltkur hätte nicht mit unbegrenzter Dauer fortgesetzt werden können, denn schließlich kann ein Volk nur von dem leben, was es erarbeitet und verdient. Die Deflationskrise hat nicht nur zu wirtschaftlich und finanziell gleich ungesunden, sondern auch zu sozial und politisch sehr gefährlichen Zuständen geführt. Während die Wirtschaft durch die Steuererschöpfung unter Kapitalmangel leidet, haben sich in der öffentlichen Hand gewaltige Beträge angesammelt. Von hier aus kommen mir zu der berühmten Ankurbelung der Wirtschaft, die darin besteht, daß die Reichsregierung die in der öffentlichen Hand angesammelten Gelder für Wirtschaftszwecke wieder freimacht. Im vorigen Jahre wurde der Kapitalmangel durch Ausland- kredite gedeckt, deren Höhe eine nicht unbedenkliche Verschuldung an das Ausland bedeutet. Schon der Kredit für die Reichsbahn, den die Reichsregierung zu Ankurbelungszwecken bewilligt hat, zeigt, daß der Ausweg aus der Krise noch lange nicht gefunden ist. Das hängt mit der außerordentlichen Belastung der Wirtschaft durch den Dawesplan zusammen. Es ist nicht wahr, daß wir diese Belastung noch nicht spüren. Bei der Reichsbahn sind die Folgen sogar mit den Händen zu greifen, da sie vielfach nicht mehr in der Lage ist, aus den laufenden Betriebseinnahmen die unbedingt notwendigen Betriebsausgaben zu decken. Diese und andere Ankurbelungsversuche werden uns wohl vorübergehend Luft machen, sind aber auf die Dauer nicht geeignet, gesvnde und ausgeglichene Zustände herbeizuführen. Der Reichskanzler selbst hat auf die Notwendigkeit verwiesen, die Entlastung der Wirtschaft von untragbar gewordenen Steuern auf dem Umwege über Länder und Gemeinden f o r t z u s e tz e n. Je eher das geschieht, desto besser. Wenn z. B. Preußen heule versucht, mit den Geldern der öffentlichen Hand große Wirtschaftsgruppen zu sozialisieren, so muß das in der Auswirkung dazu führen, die Wirtschaft und damit den Staat innerlich zu schwächen und auszuhöhlen. Es ist doch wohl der Gipfel, wenn auf der einen Seite die aus der Wirtschaft herausgeholten Steuersummen dazu verwandt werden, nicht etwa die Wirtschaft anzukurbeln, sondern sich an Unternehmungen zu beteiligen. Das entzieht der Wirtschaft Betriebskapitalien, die sie auf der andern Seite notwendig gebrauchen könnte. Wenn das Reich hier eingreift, den Ländern klarmacht, daß sie V e r - waltungsaufgaben zu lösen, aber die Finger- von industriellen Unternehmungen zu lassen haben, so wird das für Staat und Wirtschaft gleich nützlich sein. Erleiden die Länder durch ihre spekulativen Beteiligungen später Schaden, so wird dieser auf Kosten der Wirtschaft, also durch neue Steuern gutgemacht werden müssen. Und das steht zu dem Vorhaben der Steuersenkung im Widerspruch, soweit diese Steuersenkung bestimmt ist, der Wirtschaft eine gewisse Bewegungsfreiheit wiederzugeben. Probleme der neuesten europäischen Malerei. Etwa mit dem Jahre 1890 kam man den entscheidenden Wendepunkt festlegen: Mit van Gogh und Gauguin beginnt der neue europäische Stil, der eine Revolution zu bedeuten schien, wie sie zuvor noch nicht erlebt wurde, und der das künstlerische Antlitz der Gegenwart bis heute bestimmt hat. Zweierlei hat die zeitgenössische Kunst des Expressionismus a priori beschwert, ihr breiteste Gegnerschaft und heftigste Mißverständnisse entgegenwachsen lassen, und ein bis zur Wertung gelangendes Eindringen in das Wesensbild, in das geistige Zentrum vielfältiger und wandelbarer Einzelphänomene, Strahlungen, Brechungen und Wucherungen immer wieder verschüttet. Zunächst der unglückliche Name — in Analogie zum „Impressionismus" geprägt, wobei man wenigstens noch einen auf die Sehweise bezogenen Sinn im Wort finden konnte — ein Name, der, wie wenige, ein völlig uncharakteristisches Schlagwort geblieben ist, und der über das Wesen seines Trägers nicht das geringste aussagte. (Mit einer simplen Verdeutschung wird natürlich nichts gewonnen, als eine gleichermaßen belanglose Tautologie. Kunst ist immer Ausdruck: mindestens der Versuch dazu.) Das andere aber ist eine unverhältnismäßig hohe Zahl von Mitläufern, die aus der Not ihres künstlerischen Unvermögens (etwa einen korrekten Akt zu zeichnen) eine Tugend machen wollten und die der wirklichen und ernsthaften neuen Kunst schon gleich zu Anfang unendlich viel Abbruch getan haben. Ein weiterer, oft ins Feld geführter Einwand gegen die Möglichkeiten der Erkenntnis, Würdigung Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Indessen handelt es sich hier wie bei allen steuer- und wirtschaftspolitischen Gesetzen nur um Beihilfen, da die Hauptsache immer die ist, daß ein Volk das wirklich selbst erarbeitet, was es für seinen Lebensunterhalt braucht. Und das deutsche Volk muß unter der Herrschaft des Dawesplanes noch einiges mehr erarbeiten, um nur leben zu können. Es ist heute üblich geworden, den doch unvermeidlichen aegen vom Abbau der europäischen Zollmauern zu erwarten. Gewiß, sehr gute Gründe lassen sich dafür anführen. Aber ob diese Gründe auf dem anderen Ufer Taten auslösen, das müssen wir erst noch abwarten. So wichtig die Ausfuhr für Deutschland ist, ihre unbegrenzte Steigerung ist nicht von unserer wirtschaftlichen Energie allein abhängig. Der Kampf der Wirtschaftsländer wird sich in Zukunft hauptsächlich um die aufnahmefähigen Märkte im fernen und nahen Osten abspielen. Und hier hat uns der Dawesplan zweifellos starke Fesseln auferlegt, die sich nur tragen lassen, wenn wir di§ Aufnahmefähigkeit des inneren Marktes zu steigern suchen. Mit höheren Löhnen ist das allein nicht zu machen, da die Kaufkraft der Löhne nun einmal von der Gesam.- erzeugung abhängig ist. Die Wirtschaftsförderung, die der Reichskanzler als positives Vorhaben der Reichsregierung angekündigt hot, muß sich vor allem auf die Steigerung der Erzeugung richten. Wir können beispielsweise die Zwangswirtschaft auf dem Baumarkt nicht mehr länger ertragen. Wird sie beibehalten, so ist jede Ankurbelung mit der Arbeit der Danaiden 311 vergleichen. Vas Attentat von Serajewo: Pcrattlnfsuttg oder Ursache des Weltkrieges? Von Dr. Rudolf Henle. ord. Professor der Rechte an der Universität Rostock. Schwer leidet das deutsche Volk unter der Kriegsschuldlüge. Der Versailler Friedensvertrag ruht aus der Behauptung, daß Deutschland die Alleinschuld am Kriege trage. Das Festhalten an dieser Behauptung wird durch den Widerruf des erpreßten deutschen Zugeständnisses nicht beeinflußt. Der weitaus größte Teil des Auslandes ist noch immer in der Vorstellung befangen, Deutschland habe bewußt den Krieg entfesselt, um die Weltherrschaft zu gewinnen. Ein Verbrechervolk ist das deutsche Volk in den Augen der Umwelt. Grauen und Ekel muß jeden Deutschen fassen gegenüber solcher Lüge. Denn es i st Lüge, was Deutschland nachgesagt wird. Deutschland ist nicht nur nicht allein schuldig, sondern es ist unschuldig am Kriege: Deutschland h a t den Krieg nicht »verursacht, sondern die Feinde haben ben Krieg verursacht. Mit Armen und Beinen möchte man um sich schlagen, wenn man bedenkt, daß jene Lüge die Welt beherrscht; hinausschreien möchte man die Wahrheit, bis der Atem versagt. Aber der .Kampf gegen die Kriegsschuldlüge wird mit schiefer Front und unzulänglichen Mitteln geführt. Man rückt den Revanchegedanken der Franzosen und den Handelsneid der Engländer in den Vordergrund. Glaubt man damit einen einzigen Gegner überzeugen zu können? Die Gegner erwidern, der Revanchegedanke sei berechtigt gewesen. Metz war den Franzosen im Jahre 1552 durch den Verrat eines bereits im Verrate geübten deutschen Fürsten, Moritz von Sachsen, in die Hände gefallen, Straßburg hatte Ludwig XIV. besetzt. Jahrhunderte waren seitdem vergangen. Nicht, als ob die Zeit aus Unrecht Recht machen könne. Aber der Augenblick, wo das Unrecht hätte beseitigt werden können, als Napoleon besiegt war und Frankreich am Boden lag, ist vom Wiener Kongreß unbenutzt gelassen worden. Als nunmehr im Jahre 1871 Elsaß-Lothringen zu- rürfgenommen wurde, da konnte man sich nur noch auf das Recht des Siegers berufen. Dieses Recht kann aber nur aus einem gerechten Kriege erwachsen. Und wenn dis Rechtsfrage für den Kriegsausbruch von 1870 aufgeworfen wirb, so sagen die Franzosen, daß Bismarck durch geflissentliche Verletzung der französischen Nationalehre den Krieg herausgefordert habe. Keinen Ausländer wird man dahin bringen können, den französischen Revanchegedanken zu verurteilen. Den Handelsneid der Eng- länder^aber streiten die Gegner ab; sie setzen an seine Stelle die Besorgnis der Engländer angesichts des Erbauens der deutschen Schlachtslotte. Ein anderes Mittel ist die Aufdeckung des Zeitpunktes der verschiedenen Mobilmachungen vor Beginn des Weltkrieges. Nach Delbrück') ist der Weltkrieg entfesselt worden, weil Rußland mit der Absicht dieses Erfolges die Mobilmachung anordnete, angetrieoen durch die von Poincarö geleitete französische Politik. Aber mit den gegenseitigen Beschuldigungen der Priorität in den Rüstungen und Mobilmachungsbefehlen ist noch nie eine Kriegsschuld- frage ins reine gebracht worden. Mit Aktenstudium und Feststellung von Zeitpunkten mag man Richter und Forscher überzeugen können, niemals aber die öffentliche Meinung. Zudem wird jeder Ausländer *) Der Stand der Kriegsschuldfrage, S. 29. und Popularität des Exprejfionismus (man muß den Namen, um nicht noch mehr Verwirrung zu stiften, beibehalten) beruft sich auf den mangelnden, zeitlichen Abstand des Gegenwartbetrachters. Auch dieses Argument ist ohne Zweifel gewichtig und gegründet: es wäre sonst schon viel mehr über den Stoff geschrieben worden, als geschehen ist. Aber dieser Einwand wird mit erstaunlichem Temperament zurückgewiesen in den» vor kurzem erschienenen Werk des Münchener Kunsthistorikers Franz Roh. (N a ch - E x p r e s f i o n i s m u s. Magischer Realismus. Probleme der neuesten europäischen Malerei. 135 Seiten und 87 Tafeln. Klinkhardt & Biermann, Verlag, Leipzig. 1925.) Ein kluges und mutiges Buch, eine kunsthistorische Monographie von schlagender Aktualität. Dem zuletzt angebeuteten Bedenken (das sich ja gegen die gesamte Darstellung richten würde) sucht der Verfasser einleitend zu begegnen mit der geschickten und mindestens nachdenklichen Gegenfrage, ob man wohl ernstlich glauben könne, den Zeitraum von 1200 bis 1225 innerlich besser „zu besitzen", als den von 1900 bis 1925. Roh sieht nun um 1920 (was zuvor noch niemand sah) einen Einschnitt und Wendepunkt von gleicher grundsätzlicher und trennender Bedeutung, wie um 1890. Eine Umschichtung gleichen stilistischen Schwergewichts. So tief Impressionismus und Expressionismus sich voneinander scheiden, so tief liegt — in dieser Darstellung — der innere Abstand zwischen dem Expressionismus und dem neuen, malerischen Typus Europas von 1920 bis 1925, der sich in einer zur Zeit durch Deutschland gehenden, geschlossenen Ausstellung „Die neue Sachlichkeit" dokumentiert. Reue Sachlichkeit — Magischer Realismus — Nach-Expressionismus: drei Namen entgegenhalten: Rußland habe vorgehen müssen, um das kleine Serbien nicht von dem großen Oesterreich vernichten zu lassen. Das kümmerlichste Mittel ist aber die weinerliche Behauptung, Deutschland habe doch im besten Glauben alles versucht, um Oesterreich vom Kriege zurückzuhalten und sei nur durch die schlauen österreichischen Staatsmänner hintergangen worben. Eine enlmiirbigenbere Behandlung der Kriegsschuldfrage läßt sich kaum ausdenken. Damit gibt man ja die Sache der Mittelmächte zum wesentlichen Teile preis! Und daraufhin bildet man sich ein, die Gegner werden auf Grund einer Prüfung der deutschen diplomatischen Anstrengungen gegenüber Wien sich die Meinung von der deutschen Schuld entwinden lassen! Statt dessen würden die Gegner bestenfalls zu der Behauptung kommen, diese Anstrengungen seien erheuchelt, um der Welt Sand in die Augen zu streuen. Mit allen diesen Mitteln und Mittelchen ist nichts, aber auch gar nichts zu erreichen. Von einem aber wird viel zu wenig gesprochen: begreiflicherweise von feiten der Feinde, unbegreiflicherweife von feiten der berufenen Verteidiger des deutschen Volkes gegen die Kriegs- fchuldlüge. Dieses eine ist das Attentat in Sera- jcwo vom 28. Juni 1914. Der österreichische Thronfolger würbe von bosnischen Jünglingen ermordet, die durch serbische Offiziere bewaffnet und ausgebildet und nach Serajewo entsandt waren. Das Attentat trug den amtlichen Stempel der Belgrader Negierung. Das wird von den Serben und ihren Freunden selbst nur noch Scheines halber und kaum ernstlich bestritten. Sie sind vielmehr stolz darauf. Der Belgrader tschechische Gesandte Jan Seba hat am 28. Juni 1925 in Serajewo auf dem Grabe des Mörders Prineip einen mächtigen Kranz niedergelegt. Der Hauptausschuß der nationalistischen Organisation Orjimg hat beschlossen, in Serajewo dem Mörder, Gavrilo Prineip, ein Denkmal zu errichten: die Kosten sollen durch feiwillige Beiträge ansgebracht werben unb bie Enthüllung des Denkmals am Vidovdan dieses Jahres (28. Juni 1920) erfolgen-’). Diese Tatsachen reden eine, zu laute Sprache, als daß man sie überhören könnte! Auf den serbischen Griff nach der Kehle der Habsburgermonarchie tat diese das einzige, was ihr zu tun übrig geblieben war. Sie stellte ultimative Forderungen an den Angreifer und schritt nach deren Ablehnung zum Kriege. Rußland trat an die Seite Serbiens, da eine Preisgabe Serbiens den Verzicht auf Konstantinopel bedeutet hätte. Deutschland trat an die Seite Oesterreichs, da es durch eine Preisgabe Oesterreichs sich rettungslos in die französisch-russische Zange geliefert hätte. Frankreich trat an die Seite Rußlands, da cs andernfalls jede Aussicht auf Rückgewinnung Elfaß- Lothringens verloren haben würde. Damit war der Weltkrieg entfesselt. 'Alles war gekommen, wie es kommen mußte, nachdem der serbische Meuchelmord gelungen war. Was weiterhin geschehen ist, der Einmarsch in Belgien und das Eingreifen Englands hat den Weltkrieg nicht verursacht, sonderit ausgedehnt. Mag die Belastung der deutschen Sache durch den Einmarsch in Belgien noch so schwerwiegend empfunden werden: mit der Frage der Ver- tirjachung des Weltkrieges hängt sie nicht mehr zusammen. Statt aber das Attentat von Serajewo in den Mittelpunkt der ganzen Frage zu stellen, gefällt man sich darin, es zur Seite zu schieben mit der Wendung, es sei eine bloße Veranlassung zum Kriege gewesen, aber nicht dessen Ursache. Wie ist diese seltsame Stellungnahme, die den stärksten Punkt der deutschen Front in der Kriegsschuldfrage kampflos räumt, zu verstehen? Ein Grund dazu liegt in dem deutschen Erbfehler der Schulmeisterei unb des Besferwissen- wollens. Zu ben Aufgaben des Geschichtsunterrichts an hohen und niederen Schulen gehört es, den Unterschied zwischen Veranlassung und Ursache kriegerischer Ereignisse darzulegen. So erscheinen für den Peloponnesischen Krieg bie Parteizwistigkeiten in der Kolonie Edamnos, für den Dreißigjährigen Krieg die Händel wegen der Kirchenbauten in Braunau und Klostergrab mit dem nachfolgenden Prager Fenstersturz als die bloße Veranlassung zum Kriege, während die Eifersucht zwischen Athen und vparta dort, die religiösen Gegensätze hier die eigentlichen Ursachen bilden. Wer sich nun dem Problem gewachsen zeigen will, der muß auch beim Weltkriege die Unterscheidung zwischen Ursache und Veranlassung machen können. Flugs wird das Attentat von toerajewo zu einer bloßen äußeren Veranlassung, während die Ursachen in der Rachsucht, nationalistischen Leidenschaft ober Eifersucht der verschiedenen Mächte liegen. Und wie köstlich kft es dann, wenn man dem anderen, der auf das Attentat als das entscheidende Ereignis hinweitt, gefurchten Antlitzes vorhalten kann, die Sache fei nicht so einfach, sondern viel verwickelter, und wer auf das Nächstliegende sehe, sei ein beschränkter Kopf. 2) Die Kriegsschuldfrage (Herausgeber: Alfred von Wegerer) Septemberheft 1925, S. 634. für ben gleichen Gegenwartsstil, der sich allerdings auf den ersten Blick so überraschend vom Expressionismus abhebt, daß man in der Tat, mit' diesem Buch, an eine gänzliche Umstellung glauben möchte. Besonders wenn man das beigegebene Bildermaterial studiert, und die sehr glücklich zusammengebrachten Vergleichspaare mustert, die das antithetisch vorausgestellte Schema sinnfällig verdeutlichen und Expressionismus und Nach-Expressionismus scharf voneinander abrücken sollen, dennoch sträubt man sich, auch wenn man bie Bilder sah, gegen bas, ge- gewissermaßen einen energischen Schlußstrich ziehende Kapitel „System des Expressionismus". Es ist eben doch noch zu vieles hier in der Schwebe, jener Einwand war doch wohl nicht ganz eitel, und die Kunstbetrachtuna der Gegenwart ist immer Kunstgeschichte der Zukunft. Erst eine (über kurz ober lang) fommenbe Generation wirb bieses Buch maßgebend beurteilen können. Vielleicht wird sich bann zeigen, daß bie neue Sachlichkeit (bie in ihren „Richtungen" vorzüglich analysiert unb erhellt wirb) doch nicht — ober noch nicht — eine Wenbe, fonbern nur eine Abspaltung bedeutete, unb nicht so tief vom Expressionismus zu scheiben ist, wie dieser vom Impressionismus. Wie man sich der neuen Kunst, ihren geschichtlichen Zusammenhängen und ihren genetischen Bedingtheit gegenüber innerlich einftellt, wirb — mindestens bis auf weiteres — ebenso Gefühlsfache bleiben, wie schließlich alles in Dingen der Kunst. Solche Erwägungen werden den Wert des Buches kaum schmälern, und übrigens findet sich, im vorletzten Kapitel der Darstellung, auch der Punkt, an dem sich alle Fäden sammeln lassen. Der Abschnitt ist überschrieben „Das Zurückgreifen" und behandelt Mittwoch, 10. März 1926 Ist denn nun das Attentat solche bloße Veranlassung? Der Sinn der Unterscheidung zwischen Veranlassung und Ursache kann nur folgender jein. Die Veranlassung besteht in vertretbaren Ereignissen: zu vergleichen mit den fungiblen Sachen, die im Rechtsleben eine wichtige Rolle spielen. Wären die Zwistigkeiten in Epidamnos, bie Händel in Braunau und Klostergrab nicht entstanden, so würden wenige Tage darauf an anderer Stelle ähnliche Greighiffe sich zugetragen und zu den gleichen Folgen wie jene geführt haben. Solche Ereignisse lassen sich in ihrer Individualität wegden- ken, ohne daß sich der Gesamtverlauf ändert. Ist das aber bei dem Attentat von Serajewo der Fall? Steinesmegs! Don fampfbegicrigen Gruppen auf beiden Seiten, bie nur auf ben Anlaß zum Los- schlagen warteten, kann ba keine Rebe fein. Wie die Weltgeschichte sich gestaltet haben würbe, wenn bas Attentat abgesagt worben ober auch nur mißlungen wäre, ist überhaupt nicht auszudenken. Die Tage des alten Kaisers Franz Joseph waren gc> zählt. Sein Tod würde bas Zeichen für Franz öetbinanb für entscheidenbe Taten zur föberatioen Umgestaltung ber von der ungarischen Minderheit drangsalierten Habsburgermonarchie gewesen fein. Wenn es gelungen wäre, das allgemeine, gleiche unb geheime Wahlrecht in Ungarn zu errichten unb Vff Monarchie statt zu einer magyarischen Zwangs- anstatt zu einem freien Vaterhaus auch für Siid- flawen unb Rumänen zu machen, so würde das Donaureich für England bündnisfähig geworben sein unb ganz Europa ein neues Gesicht bekommen haben. Deshalb war das Gelingen des Attentats kein vertretbares Ereignis. Die Schüsse des Mörders trafen ben Frieden ber Welt ins Herz. Sie waren nicht eine Veranlassung, sondern bie Ursache des Weltbrandes. Delbrück flogt, daß es noch nicht gelungen sei, eine kurze und schlagende Jarmulic- rung ,zu finden, um die Unrichtigkeit der Dehaup- t:iug 'i.ii Art. 231 des Versailler Friedens unzweideutig auszudrücken-'). Diese Formulierung liegt zutage, sobald man sich entschließt, das Wesentliche in den Dingen aufzusuchen, mag auch das Ergebnis seiner Einfachheit halber den Widerspruch der Neunmalklugen herausfordern. Freilioh sind auch noch andere Gründe im Spiel. Das Selbstbewußtsein vieler sträubt sich dagegen, im Attentat von Serajewo die Ursache der Welt- ko.tastrophe des preußischen unb deutschen Zusammenbruchs anzuerkennen. Es dünkt ihnen unerträglich, daß das Deutsche Reich beim Ausbruch des Krieges nur eine Nebenfigur gewesen sei. Letzthin hat Schüßler') in überzeugender Weise, dar- gelegt, mit dem Deutsck)en Reiche feit ber Entlassung Bismarcks gegenüber dem Gange ber Dinge in Defterreid)=Ungarn jede Handlungsfreiheit verloren gegangen war. Die gewaltige deutsche Heeres- macht war genötigt, wie ein Trupp Landsknechte auf ben Wink Habsburgs in die Schlachtreihe einzu- schwenken. Dem ins Auge zu sehen, ist für manchen gewiß eine schwere Aufgabe. Dazu kommt endlich bie Versuchung, die Schuld am belitschen Zusammenbruche auf Oesterreich abzuwälzen und damit die feit Jahrzehnten traditionell gewordenen Mißgefühle gegen das alte deutsche Kaisergefchlecht der Habsburger weiter zu befriedigen .So ist man an dem Attentat von Serajewo vorbei unb verrennt sich lieber in die bereits erwähnte Sackgasse: Oesterreich habe durch sein zu scharfes Ultimatum gegen das arme kleine Serbien gefehlt und das harmlos vertrauende Deutsche Reich mit ins Unglück gezogen. Das Unsinnige dieses Vorwurfs wird klar, sobald man nur einmal den Fall setzt, ber deutsche unb preußische Kronprinz sei mit feiner Gemahlin bei einem Manöver in Nordschleswig von dänischen Fanatikern ermordet worden, sei es mit, sei es ohne Vorwissen ber dänischen Regierung. Das Ultimatum Deutschlands an Dänemark hätten wir sehen mögen! 'Alle diese Gründe dürfen fein Gewicht beanspruchen, daher sollten die leitenden deutschen Staatsmänner mit aller Entschiedenheit unb ohne Rücksicht auf persönliche Gefühlsstimmungen das Attentat von Serajewo als bie Ursache des Weltkriegs ins Licht bringen unb bie Propaganda in ber Kriegsschulbsrage barauf einstellen. Man lasse ein Plakat anfertigen, das im oberen Teile die Ermordung des Thronfolgerpaares unb im unteren Teile bie Kranzniederlegung des Prager Gesandten in Serajewo barfteUt. Dieses Plakat lasse man nicht in den verzerrten Strichen unb kreischenden Farben einer entarteten Kunstrichtung, bie uns im Auslanbe nur lächerlich macht, Herstellen, sondern in schlichter und würdiger Gestalt. Unter dem Ganzen steht bie Frage: Wer hat den Krieg verursacht? Das Plakat verbreite man überall, wo es möglich itt. Unb sollte demnächst ber teuflische Gedanke des Denkmals in Serajewo wirklich ausgeführt werden, so lasse man bann ein Plakat folgen, bas unter bem Bilde der Mordtat statt ber Kranznieberlegung des Prager Gesandten bie Enthüllung des Denkmals für ben Mürber enthält. Denn, so barf man hoffen, wird man im Auslande aufmerksam und sich besinnen. Man wird ’) a. a. O., S. 4. *) Oesterreich und das deutsche Schicksal. die historischen Voraussetzungen und Rezeptionen ber neuen Kunst. Auch ba wirb bie Zukunft lehren, ob nicht überhaupt erst von hier aus bie Möglichkeit erschlossen wirb, bie Vielheit der Probleme (bie auf so beschränktem Raum kaum angebeutet werben können) zusammenzufassen und zu vereinfachen, ober sie in ein ganz anderes Licht zu stellen. Expressionismus und Neue Sachlichkeit würden ein verändertes Gericht bekommen, ihre Gemeinsamkeiten würden schärfer zu bestimmen fein, und ihre Abstände. Nichts war verfehlter, als der zeitgenössischen Kunst Traditionslosigkeit vorzuwerfen. Sie ist viel tiefer verankert (in bald naher, bald sehr ferner Vergangenheit), gls man bisher zugestanden hat. Und wenn man sich entschließen kann, diese un sere Kunst nicht mehr als etwas so unerhört Erstmaliges, Niedagewesenes und Revolutionäres zu bestaunen, wird man ihr bedeutsam näher kommen. Vieles wird einfach fein unb leicht „begriffen" werden im zeitgenössischen Bild, wenn man etwa den farbigen Bogen gewahr wird, ber sich von Grünewald her zu ihm spannt, oder die Brücke aus der deutschen Romantik, die es mit Easpar David Friedrich verbindet, oder die ekstatische Gebärde, die ihm von einer gotischen PielL überkommen ist. Als Evolution und Wiederkehr gesehen, wird der zeitgenössische Stil europäischer Kunst umfassender zu empfinden und klarer zu deuten sein in all der verwirrenden Vielheit feiner Farben und Formen, in seiner Herzensart und feiner Gesinnung, in seinen Hoffnungen unb seiner großen Sehnsucht. So wirb auch das jetzt noch kühl und fremd unb unheimlich scheinende Antlitz der neuen Wirklichkeit unb Gegenständlichkeit magisch zu leuchten beginnen. (94) -y- lernen, die Wahrheit zu lesen, wie sie mit glanv menschrift im Buche der Weltgeschichte verzeichnet steht. Eines der abstoßendsten, fluchwürdigsten Verbrechen aller Zeiten lind Völker hat den Weltkrieg verursacht. Mitten im Frieden, beim Einzuge in eine Stadt seines !steiches, wurde der österreichische Thronfolger und seine Gemahlin aus dem Hinterhalt niedergeschossen, lieber dieses abscheuliche Verbrechen, den Meuchelmord an einem edelgesinnten Fürsten und seiner Gemahlin, Mutter von drei Kindern, haben damals Rußland und Frankreich schützend die Hände gebreitet. Um serbische Blutinen- schen zu decken, sind Russen und Franzosen ins Feld gezogen. Blut klebt an den Händen des Zaren, als er den Mobilmachungsbefehl, damit sein eigenes Todesurteil, unterschrieb. Richt das deutsche Volk ist ein „Verbrechervolk", sondern die Entente hat sich an die Mörder verdungen und zu Teilhabern des scheußlichsten Verbrechens gemacht. Die Sache des ehemaligen Feindbundes ist rot von jenem ver- drecherisch vergossenen Blut Die erzwungene Unterschrift eines niedergetretenen und verzweifelten Volkes hat dieses Blut nicht abzuwischen vermocht. Das ist die nackte Wahrheit. Jedem Ausländer soll sie ins Gesicht geschleudert werden, wenn er die Kriegsschuldlüge wiederholt. Die Schuld am Weltkriege ist die Blutschuld von Serajewo. Dav Attentat von Serajewo ist die Ursache des Weltkrieges. ,< Oberheffen. - * Landkreis Gießen =.= Watzenborn-Steinberg, 8. März. Einen recht unterhaltsamen Abend bof der G c - sangverein „Germania" seinen zahlreichen Gästen gestern anläßlich der Feier seines diesjährigen Stiftungsfestes. Die unter Leitung seines bewährten Dirigenten Georg Harnisch vorgetragenen Chöre ließen in schönster Weise erkennen, wie der Verein eifrig und mit Erfolg gearbeitet hat. Eine flott gespielte Volksoperette fand ungeteilten Beifall. Orchestervorträge umrahmten die Feier in stimmungsvollster Weise. Dg. G roßen - Bus eck. 9. März. Der- messungsrat Hanauer aus Gießen hielt hier im Saale des Gastwirts Wagner einen Vortrag über die Feldbereinigung und die Vorteile, die sie dem Landwirt bietet. Der guta Besuch der Versammlung legte Zeugnis ab von dem allgemeinen Interesse, das man dieser Frage entgegenbringt. In der Aussprache wurden lediglich Dufklärungsfragen gestellt. Die Stimmung nach diesem Vortrage kann man wohl dahin kennzeichnen, daß die Landwirte von den Vorzügen einer Bereinigung überzeugt sind, daß aber doch noch eine Reihe Bedenken bestehen, wie sie wohl bei jeder derartigen Aeuerung auftreten, besonders aber solche finanzieller Art. Dabei fragt man sich besonders, wer ist, da doch die Hauptkosten auS dem „Masscngelände" bestritten werden sollen, bei der heutigen Finanzlage imstande, solches Massengelände zu stei- gern, und wie sollen die Gelder, wenn infolgedessen die Gebote zu niedrig bleiben, aufgebracht werden. : Beuern, S. März. Die Zahl der Erwerbslosen hat hier ihren Höchststand erreicht und sinkt langsam. Währmd noch vor acht Tagen an 64 Leute die gesetzliche Unterstützung ausbezahlt wurde, ist deren Zahl bereits auf 58 gefallen und wird im Laufe dieser Woche noch auf _5O heruntergehen. Göbelnrod. 10. März. Der Zug, der um 8 Llhr in Gießen an kommt, hielt heute früh auf offener Strecke zwischen Grünberg und dem Bahnwärterhaus vor unserem Dorfe, weil der Lokomotivführer einen Menschen auf dem Geleise liegen sah. Es handelte sich !um einen bereits erkalteten, anscheinend dem Arbeiterstand angehörigen Mann, der dort in der letzten Rächt von einem Zuge überfahren worden toaf. Der Körper lag zwischen den Geleisen, der Kops daneben. Aach Feststellung der Tatsache fuhr der Zug weiter. Die Personalien des Mannes waren bei der Aieder- schrift dieser Zeilen noch unbekannt. — Kurz vor Aedaktionsschluß hören wir noch, daß es sich bei dem Toten um einen jungen Mann im Alter von etwa 18 Jahren handelt. Ausweispapiere wurden bei dem Verschiedener nicht gefunden. f- Grünberg, 8. März. Heute fand die erste H o l z o e r st e i g e r u n g des in den st a a t l i ch e n Waldungen der Obcrförsterei Grünberg geschla- Die tolle Herzogin. Roman von E r n st Klein. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. 12. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Spotten Sie nicht, Mylady! Meine Vorfahren waren entweder Mönche oder Seeräuber. Auf jeden Fall haben sie die Frauen geliebt — als echte Portugiesen geliebt. Wild, leidenschaftlich, nicht lange auf das Ja oder Nein lauernd. Bei uns sagt ein altes Sprichwort: Wer auf den Kuß wartet, bekommt ihn nicht!" „Meine Vorfahren — nein, Mönche waren bestimmt nicht unter ihnen, nicht einmal ein Erzbischof — haben die Seefahrt mehr nach gesetzlichen Grundsätzen betrieben. Ich habe von ihnen die Achtung vor dem Gesetz geerbt — und das Gesetz verbietet mir als einer verheirateten Frau, solche Worte anzuhören, wie Sie jetzt zu mir sprechen." Las Valdas packte sie am Handgelenk. „Grace, spielen Sie nicht mit mir! Ich bin ferner Ayrer angelsächsischen Salonlöwen, die sich das Fell krauen lassen, und zärtlich dazu miau sagen. Als ich Sie zum ersten Male in London sah, schrie es wild in mir auf. Dieses Weib muh dein werden, sä)wor ich mir. Und Sie werden mein werden, Grace!" Sie war erschreckt durch seine zügellose Wildheit. Das ging ihrem kühlen Blute denn doch zu rasch. Ein Flirt in solchem Tempo war auch nicht nach dem Geschmack ihres Stolzes. Sie wollte nicht im Sturm genommen fein. Werben mußte man um fie. Sie anbeten. Feurig, sehr feurig — oh ja! Aber nicht so! Sie wollte sich gnäbigst geben. Sich gewahren. Nicht sich nehmen lassen. Ihre Gunst war Gnade, nicht Unterwürfigkeit. Das war die Britin in ihr, die sich bei den letzten Worten des Portugiesen zur Wehr setzte. Las Valdas mochte einsehen, daß er den Bogen überspannte. Gerade bei so oberflächlichen und eitlen Frauen ist es gefährlich, ihrem Stolze zu nahe zu kommen. Einen unverschämten Kuß verzeihen sie, aber nicht ein unüberlegtes Wort. Er ließ sich vor ihr auf ein Knie nieder und küßte demütig den Saum ihres Rockes. So theaira- lisch diese Gebärde war, so gefiel sie ihr doch ungemein. Nicht einmal Harry Rutherwall, dem sie doch wahrlich den Kopf ausgiebig genug nerbreht hatte, war je auf solch entzückenden Einfall gekommen. Automobilverkehr und Städtebau. Von Stadtrat Dr. D ä h n e , Berlin. Der immer mehr anwachsende Automobilverkehr mit seinen Gefahren und Hemmnissen für den übrigen Verkehr zwingt dazu, nach Mitteln und Wegen zu suchen, wie man einerseits, besonders in den Städten, all die mit ihm verbundenen Vorzüge ausnutzen, anderseits die ihn begleitenden Unannehmlichkeiten möglichst vermindern und ihn in solche Bahnen leiten kann, daß er den Städten in städtebaulicher Beziehung nicht Abbruch tut. In den Großstädten ist man in letzter Zeit vielfach dazu übergegangen, sog. Einbahnstraßen einzurichten, d. h. bestimmte Straßen nur für den Verkehr in einer Richtung und eine nahegelegene Parallelstraße für den Verkehr in entgegengesetzter Richtung freizugeben. Auch wird häufig der Gedanke erwogen, durch einen großzügigen Straßendurchbruch einer besonders stark überlasteten Straße in einer neuen parallellaufenden Straße Entlastung zu bringen. Die Schwierigkeiten liegen im letzten §alk darin, daß man natürlich vermeiden will, das Straßen- und Stadtbild durch diese Aenderungen zu beeinträchtigen. Einem solchen Plane stehen aber auch mancherlei Hemmungen im Wege. Es ist oft Rücksicht zu nehmen auf historische Stätten und Denkmäler, Gesichtspunkte künstlerischer Art sind zu berücksichtigen. So entsteht mancher Gegensatz zwischen praktischer Umgestaltung und Bewahrung städtebaulicher Eigentümlichkeiten. Dies Beginnen ist also in den Großstädten oft schwer durchzuführen. Um so mehr sollte bei mittleren und kleineren Städten von vornherein bei der städtebaulichen Planung auf einen sich evtl, stark entwickelnden Verkehr Rücksicht genommen werden. Von den Aufgaben, die sich hier für die Städte in verkehrstechnischer und städtebaulicher Beziehung ergeben, stellt Geheimrat Brix von der Technischen Hochschule Berlin, ein bekannter Fachmann auf diesem Gebiete, die im folgenden behandelten in den Vordergrund. Das mögliche Wachstum eines Ortes muß von vornherein in die Rechnung eingestellt werden. Man muß in städtebaulicher Beziehung wenigstens in großen Linien eine gewisse Aufteilung bestimmter Bezirke vornehmen und die verkehrstechnische Verbundenheit der einzelnen Orte dieses Bezirkes genau bedenken. Es wird bann zu entscheiden sein, ob die durch eine Ortschaft gehenden Straßen den gfteigerten Automobiloerkehr sowohl in bezug auf Straßenbefeftigung, wie auf Breite, Sicht u. dgl. befriedigen können, ob durch Einrichtung der bereits erwähnten Einbahnstraßen Abhilfe geschaffen werden kann, oder ob nicht besser an ihrer Stelle eine neue Verkehrsstraße als Ilmführungs- st r a ß e einzurichten ist, die in bestimmter Entfernung die Stadt umlaufend, zugleich Gelegenheit gibt, das dazwischenliegende Gelände zur Erweiterung der Stadt auszunutzen. Alle diese Fragen sind schon jetzt außerordentlich brennend. Bei den Frachtsätzen der Reichsbahn entspinnt sich im Ueber- landtransport mehr und mehr ein scharfer Konkurrenzkampf zwischen Auto und Eisenbahn. Es ist klar, daß die schweren Lastkraftwagen die Straßen und Chausseen stark mit- nehmen. Hier spielt auch die Frage einer evtl. Herabsetzung der Kraftverkehrssteuer eine Rolle. Von diesem Gesichtspunkte aus ist auch die Anregung des Deutschen Städtetages zu betrachten, in diesem Zähre an 21 auf das Jahr verteilten Doppeltagen und an sieben Rächten eine Lerkehrszählung in den deutschen Städten stattfinden zu lassen, deren Ergebnisse in erster Linie als Material für eine Neuregelung des Aufkommens aus der Kraftfahrzeugsteuer dienen sollen. Eine Umführungsstraße, wie sie oben vorgeschlagen wurde, böte auch die beste Gelegenheit zu einer zusammenhängenden Einrichtung der für einen starken Automobilverkehr nötigen Anlagen, als da sind: Benzintankstellen, Reparaturwerkstätten, Garagen u. a. in. Natürlich mutz für den Kraftwagenverkehr gute Verbindung mit dem Mittelpunkt des Ortes, sowie bei vorhandenem oder einzurichtendem Gütertransport eine solche mit dem Güterbahnhos vorhanden sein. Was also bei derartigen Veränderungen und Anlagen erreicht werden soll, ist die Schaffung einer städtebaulichen (Einheit. Hier Fehler vermeiden zu helfen, sollen die angeführten Ueberlegungen und Vorschläge dienen. genen Brennholzes statt. Die Oberförsterei Grünberg umfaßt die großen Waldungen zwischen dem Lumdatal und dem Buseckcrtal, aus denen alle umliegenden Ortschaften ihren Brennstoffbedarf decken. Hauptsächlich sind es die bäuerlichen Bevölkerungstreise mit eigenem Fuhrwerk, die hier als Steigerer auftreten, während die Einwohner ohne Fuhrwerk in den näher gelegenen Gemeindewaldungen ihr Brennholz steigern, dafür aber erhöhte Preise bezahlen. Trotzdem waren die Preise bei dieser ersten Versteigerung sehr hoch. Es kosteten je 4 Raummeter Buchenscheiter 65 bis 70 Mk., Buchenknüppel 45—50 Mk., Buchenstöcke 26—32 Mk., Buchenreisig 20 Mk. Man wundert sich allgemein, daß trotz der Geldknappheit und trotz Preisabbau die Summen bezahlt werden, zumal auch Brennholz genug geschlagen worden ist. t Grünberg. 9. März. Die Deutsche Volkspartei veranstaltete in Beltershainund Geilshausen gut besuchte Versammlungen, in denen der Provinzialgeschäftsführer Weiser- Gießen über die aktuellen politischen Fragen in Hessen und im Reiche sprach. Seine Darlegungen fanden überall den lebhaften Beifall der aufmerksam lauschenden Zuhörer. — Der Gemeinde- r a t beschloß in seiner gestrigen Sitzung, angesichts der hohen Kosten vorläufig aus die Reu- aufstellung des Braudlatasters zu verzichten. Zur Durchführung der Zeppelin-Cctener-Spende wird sich die Bürgermeisterei mit den Vereinen nuferer Stadt ins Benehmen setzen. — Die Gießener Militärkapelle unter der „Vergeben Sie mir, Grace!" flehte er. Sie ließ ihn ruhig einige Augenblicke in dieser Stellung. Kostete ihren eingebildeten Triumph voll aus. Aber sie gestattete, daß er ihre Hand ergriff und einen seiner feurigsten Küsse darauf preßte. Dann zog sie ihn gnädig empor. „Und nun wollen wir als brave, vernünftige Leute nach Hause reiten." „Brav? Vernünftig? An Ihrer Seite? Allein mit Ihnen auf diesem herrlichen Fleck Erde--! Grace, was verlangen Sie nicht alles von einem Las Valdas?" „Ich verlange vor allein von ihm, daß er mir jetzt in den Sattel hilft!" gebot sie. Im Schlosse angekommen, Hörle sie vom Butler, daß ihr Vater mit dem Auto nach Dover gefahren war, um den Ostender Bootstrain nach London zu nehmen. Seine Lordschaft werde am Abend telephonieren, j)enn es sei möglich, daß er auch noch am folgenden Tage in der Stadt zurückgehalten werde. Las Valdas stand neben ihr, als ihr die Meldung erstattet wurde. „Das erinnert mich," sagte er, „an meine eigenen Pflichten. Ich bin gestern eigentlich ohne Erlaubnis meines Chefs aus London durchgebrannt. Ich muß ihn wenigstens jetzt fragen, ob er mir die Erlaubnis nachträglich erteilt. Darf ich einen Augenblick das Telephon benützen?" „Unter der Bedingung, daß Sie sich nicht ab= kommandieren lassen", geruhte Grace zu scherzen. Er bohrte einen tiefen Blick in ihre Augen. Stumm, aber doch so unendlich beredt. Sie errötete unter diesem Blick. Nach wenigen Minuten kam er zurück. Aerger- lich, mit gerunzelter Stirn. „Ich habe e sja geahnt", rief er. „Ah — daß man nicht frei, nicht Herr seines Willens sein kann! Ich muß sofort zurück. Es sind wichtige Depeschen angekommen, die noch heute erledigt werden müssen. Grace, darf ich wiederkommen?" „Sie müssen!" lachte sie und lief die Treppe empor. Eine Vierielstunde später jagte ein Wagen burd) das alte Gittertor ouf die Chaussee hinaus. Am Abend telephonierte Lord Burnham, er werde mindestens noch zwei Tage in London bleiben. Leitung des Obermusitmeisters Löber gab am Sonntag in der hiesigen Turnhalle ein Konzert, das vor ausverkauftem Hause ftattfanh. Die ausgezeichneten Darbietungen der Kapelle fanden stärksten Beifall. Das Konzert war für unsere Stadt ein Erlebnis. ■ Hungen, 8. März. Ain Eamstag fanb hier im „Solmser Hof" eine Versammlung des Bezirkslehrervereins Hungen statt. Lehrer Silh - Znheiden hielt einen Vortrag über „Familienforschung und Schule. Er wies besonders darauf hin, daß eine richtig betriebene Familienforschung, abgesehen von ihrer historischen Bedeutung, von großem Wert für die Heranwachsende. Generation, aber auch für den Erzieher sei. 3n der Frage der Schulzeugnisse einigte man sich auf ein bestimmtes Muster. Weiterhin nahm man Stellung zu den geplanten Schulabbaumaßnahmen. Da auf der diesjährigen Hauptversammlung in Worms auch die Neuwahl' eines Schriftleiters des „Schul boten" stattfinden soll, wurde zum Schluß auch die Bewerberfrage erörtert. Kreis Friedberg. ' Bad-Rauheim, 9. März. 3m Anschluß an einen sehr lehrreichen Vortrag, den Oberrechnungsrat K r a tz - Darmstadt, der Geschäftsführer des hessischen Tierschuhvereins, hielt, wurde hier eine Ortsgruppe des T i e r s ch u tz v e re i n s für Hessen gegründet, die unter Leitung des seitherigen Orts- Unb am Morgen kam ein Brief des Grafen: .Mylady! Ich kann noch nicht zurückkommeu. Immer habe ich die Politik gehaßt, aber nie so wie jetzt, da sie mich von Ihnen sernhält. Denn jetzt, da ich nicht bei Ihnen fein kann, fühle ich erst mit voller und schmerzhafter Deutlichkeit, wie sehr Sie Besitz von mir, meinem ganzen Wesen genommen haben. Bei Ihnen zu fern, ist gefährlich: nicht bei Ihnen zu sein, unerträglich. Ich fühle nichts, ich denke nichts als Sie! Diese Stunde im chinesischen Kabinett, als ich Sie im Arm halten durfte, in einem wahnsinnigen Kusse die Süße Ihrer Lippen trank, brennt in mir. Grace, ich bin ein Wahnsinniger! Ich liebe Sie, ich liebe Sie! Ich weiß, es ist ein unerhörtes Verlangen, kühner noch als meine Worte dort auf der Klipps — aber ich flehe Sie an,_fd)reiben Sir mir ein paar Zeilen! Schreiben Sie mir, daß Sie mir nicht zürnen! Daß Sie an mich denken! Gehen Sie heute abend in jenes Kabinett — bleiben Sie eine Minute dort allein! Ich werde bei Ihnen sein! Ihr Fernando Graf Las Valdas." Sie las diesen Brief, las ihn und las ihn. Mein Gott, war es möglich? War das wirkliche Leiden- chaft? Am Ende Liebe? Sie meinte ihn die Worte prechen zu hören, die er schrieb! So kühn, so wild, o rücksichtslos heifck-end —! Nein — nein — sie durfte ihm nicht schreiben. Sie durfte nicht-- In der Nacht setzte sie sich in ihrem Zimmer hin und schrieb: „Mein lieber Graf! Ich tveiß nicht, welche Schwäche mich dazu treibt, Ihnen zu antworten. Aber Ihr Brief läßt mich nicht los! Er hat mich, so wie Sie es verlangt haben, in jenes Kavinett getrieben. Dort habe ich gesessen, allein — während nebenan die anderen tanzten und lachten. Waren Sie wirklich bei mir in dieser Minute? Aber bitte — bitte, schreiben Sie mir nicht mehr! Kommen Sie lieber selbst so bald wie möglich — schon mit Rücksicht auf das allabendliche Tanzvergnügen. Grace Neville." Doch die Politik hielt ihn fest. Er konnte nicht kommen, aber er mußte doch diese Frage beantworten, mit der sie ihren Brief geschlossen hatte. Also schrieb er ihr, noch wilder, noch leidenschaft- ftcher, als das erste Mal. Wieder fache fie sich- Ich Vertreters, Lehrer D o m m e r s h e i m, steht. Die Ortsgruppe will die etwa 100 hiesigen Tier- schutzfreunde, die seither schon dem hessischen Landesverein angehörten, enger zusammenschließen, vor allem durch Versammlungen und Verträge den Tierschutzgedanken in immer weitere Kreise der Bevölkerung tragen. Man will sich darüber hinaus aber auch den Vogelschutz sowie den gesamten Ratur- und Heimat- schütz angelegen sein lassen. -- Der frühere Flottenverein hat sich vor Jahresfrist als Seeverein wieder neu belebt. Er zählt bereits wieder 100 Mitglieder. Durch Vorträge, deren erster in den nächsten Tagen stattfindet, will der Seeverein aufklärend für die deutsche Seegeltung tätig sein. y. Aus der mittleren Wette ra u, 9. März. Hier kann man allenthalben feststellen, daß beide Kälteperioden dieses Winters der Wintersaat keinen Schaden zugefügt haben, daß vielmehr nach Angabe gut unterrichteter Landwirte Weizen und Korn einen guten bis vorzüglichen Stand haben. Auch der deutsche und ewige .Klee sind gut überwintert. 9lur da, wo im Herbst der Mäusefraß stark auftraf, gewahrt man noch stellenweise Fehlplätze. Kreis Schotten. lg. Gedern, 9. März. Am Sonntagabend hielt die Evangelische Volksgemeinschaft hier eine öffentliche Versammlung ab, in der Pfarer Weidner (Ober-Lais) über „Wesen und Ziele der Evangelischen Volksgemeinschaft" sprach. Im Anschluß an den Vortrag wurde eine Ortsgruppe gegründet, der 20 Mitglieder beitraten. Am Donnerstagabend sprach Pfarrer Weidner in Jlsteshausen über das gleiche Thema, und auch dort kam es zur Gründung einer Ortsgruppe. — Forstwart Ziegler von hier gelang es, einen Edelmarder zu fangen. I Ober-Lais, 9. HAärz. Im November 1923 wurden im Walddistrikt „Eichholz", der damals zu Siedlungszwecken abgeholzt wurde, unter Leitung von Dr. Kunkel zwei Hügelgräber ausgegraben. 3n einem dieser Gräber fanden sich bei der Amrodung dieser Tage Scherben von vorgeschichtlichen Urnen. Dieser Fund wurde Anlaß zu einer Rach- arabung am tk März unter Leitung von Prof. Helmke-Gießen, die jedoch kein Ergebnis mehr lieferte. Dagegen wurde ein Hügel in der benachbarten Gruppe „Am Buchtopf" geöffnet, der bronzezeitliche Gegenstände enthielt. Auch diesmal hatten sich, wie bereits 1923, freiwillige Helfer gefunden, die sich ohne Aussicht auf Entlohnung um der Sache willen zur Verfügung stellten. Diese Tat der Ober-Laiser und Fauerbacher Helfer ist um so höher zu werten, als die ganze Arbeit bei übelster Witterung ausgeführt werden muhte. — 3m Vogelsberger Höhenklub Ober-Lais sprach am Sonntag Professor Helmke über „Die Römer in Deutschland" und lieh diese längst vergangene Desahungszeit unseres Landes vor den Zuhörern wieder lebendig werden. x!x Burkhards. 9. März. Gegen das Llrteil des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen in Sachen Bürger- m e i st e r w a h l Burkhards hat die unterlegene Partei das Rechtsmittel der Revision an den Verwaltungsgerichtshof eingelegt. Kreis Alsfeld. ck. Rieder-Ohmen, 9. März. Zum großen Bedauern der Einwohner von Rieder- Ohmen und Burg-Gemünden besteht zwischen diesen beiden Gemeinden bis jetzt noch immer keine direkte Strahenverbindung, Wer jetzt von dem einen Orte zum andern will, muh den IVJtünöigeir. ümtoeg über Bernsfeld machen, eine äMannehmlichkeit und große Zeitverschwendung zugleich. Cs ist dringend wünschenswert, dem jetzigen älebelstand durch alsbaldige Inangriffnahme eines Straßenbaues zwischen Rieder-Ohmen und Burg-Gemünden ein Ende zu machen. Man könnte dabei auch den zahlreichen Erwerbslosen beider Gemeinden Arbeitsgelegenheit bieten. Jedenfalls dürften wohl auch die Gemeinden zu einer finanziellen Beihilfe bereit fein. * Brauerschwend, 9. März. Am Sonntag hielt die Sänger Vereinigung „Schwalm- A n t r i f t - F e l d a" hier ihren töertretertag ab. Außer den Vertretern waren noch eine große Andarf nicht antworten. Und wieder antwortete sie. Am vierten Tage kam ein Brief, der ein einziger heißer Aufschrei war. „Grace! Geliebte! Ich bin mit meiner Arbeit fertig. Ich könnte zu Ihnen kommen, nach der mein Herz, meine Sinne lechzen. Aber ich komme nicht, wenn Sie mir nicht versprechen, daß ich Sie lieben darf. So lieben, wie man in meiner Heimat liebt." Ihre Antwort bestand aus zwei Worten: „Kommen Sie! Grace," Nach Erhalt dieser Botschaft begab sich Graf Las Valdas ins Hotel Ritz, wo Herr St. Aubain aus Paris wohnte. „Ich glaube, unsere Sache ist auf dem besten Wege", berichtete er diesem Herrn. „Die Briefe der Lady sind unschätzbar. Zum Glück ist sie außerdem sehr hübsch, so daß man bei der Arbeit auch noch auf die Kosten kommt. Ich hoffe. Ihnen bald Definitives berichten zu können." Dann reichte er Herrn St. Aubain die Hand und ging. Herr St. Aubain aber stürzte in fein Badezimmer und wusch fick die Hand, die der Graf für eine Minute in der (einigen gehabt hatte. Eines Tages erschien im „Matin" unter dem Titel „Die Reisen des Herrn Karaschin" der folgende Artikel: Herr Karaschin, der Leiter des Volkskommissariats für wirtschaftliche Angelegenheiten in Moskau, befindet sich wieder einmal auf Reisen. Zunächst beehrte er England mit seinem Besuche, wo er mit Uorb Burnham auf dessen Landsitz Burnham Tower eme Besprechung hatte. Lord Burnham gilt als der Besitzer der vollständigsten Gainsborough- und Rey- nc-lds-Sammlung In den Vereinigten Königreichen, aber es ist wohl kaum anzunehmen, daß Herr Sergej Karaschin sich besonders für diese berühmten englischen Aialer interessierte. Lord Burnham ist neben feiner Eigenschaft als Kunstsammler Präsident der Imperial Anglo-dutch Oil Company! Man hat daher Grund zur Annahme, daß der Gast aus So- wjelrußland sich mit ihm weniger über Kunst als über Petroleum unterhalten hat. Rußland will feine Delfelbcr in Sachalin, Kaukasien und am Kaspischen Meere verkaufen, und der angelsächsische Trust meldet sich natürlich sofort als Käufer. (Fortsetzung folgt.) Sänger erschienen. Aus dein Jahresbericht ging hervor, daß die Sängeroereinigung aus 17 Vereinen mit zusammen 650 Sängern besteht. Als 1. Vorsitzender wurde Lehrer Walter (Hopfgarten) gewählt, als Bundesdirigent Lehrer Müller (Ermenrod). Das diesjährige Bundesfest ist Sonntag nach Pfingsten in Ermenrod. Q Lehrbach. 9. Mär;. Bei dem Familien- abcnd des hiesigen Fußballklubs „A l e m a n - n i a" kamen drei von Lehrer A d a m i eingeübte Theaterstücke zur Aufführung, ein ernstes Heimat- und Volksstück von Schuldirektor Hermann Uhlig und zwei Lustspiele, die alle tiefen Eindruck machten. Es wurde hier ein wertvolles Stück Volksbildungsarbeit und guter Unterhaltung geleistet. Der Reinertrag soll für den künftigen Bau eines G e - m c i 'n d e h a u s e s verzinslich angelegt werden. t. Renzendorf, 9. März. Auch in unserer Gegend gewinnt die B a s a l t st e i n i n d u st r i e an Bedeutung. Eine auswärtige Gesellschaft hat in dem benachbarten B rauerschwend Gelände angekauft und einen Steinbruch angelegt, in dem sehr guter Basalt gefördert wird. Ein Doppelgespann und cin Lastauto befördern täglich etwa 20 Ladungen nach unserer Station, wo Tag für Tag mehrere Waggons verladen und verfrachtet werden. Viele Arbeiter haben in diesem Winter im Steinbruch und beim Verladen Verdienst gefunden. cf. Wettsaasen, 9. März. Die H o l z - bauerarbeiten unserer Gemeinde sind nun beendet und dadurch ist die Zahl der Erwerbs" losen "erneut gestiegen. Als neue Rotstands- arbeit läßt die Gemeinde jetzt einen Feldweg ausbessern. Jedem Erwerbslosen wird während der Dauer der Pflichtarbeit ein Zuschuß von 80 Pfennig täglich, einschließlich Abnutzungsgebühr für eigenes Werkzeug, gezahlt. Kreis Lauterbach. WSR. Lauterbach, 9. März. 3m Gegensatz zu anderen Städten Hessens und Hessen- Äassaus gibt es hier gegenwärtig nur noch wenige Erwerbslose. Insgesamt waren am 6. März nur noch 10 Personen als erwerbslos gemeldet. hml. Lauterbach, 9. März. Am Sonntag abend wurde in der Stadttirche von dem evan- gelischen Kirchengesangverein und dem Männergefangverein Blitzen- r o d zum Besten des Kirchbaufonds Blihcnrod eine lirchen musikalische Feier veranstaltet. Der erste Teil der erhebenden Feier war dem Andenken 3. S. Dachs gewidmet. In Orgel, Chören und der Arie für Baß-Solo aus der Kantate „Tritt auf die Glaubensbahn", sowie der Arie für Baß-Solo aus der Matthäus-Passion „Gerne will ich mich bequemen" redete der große Meister zu der andächtigen, das weite Gotteshaus füllenden Gemeinde. Der Chor unter Lehrer Kalbfleischs vortrefflicher Leitung, der Organist Lehrer Bogel sowie der Solist Lehrer Gimbel- Aixfeld boten Vorzügliches. Das Ganze war eine wohlgelungene Ehrung des großen Meisters, ein feierlicher Gottesdienst für die Gemeinde. Der zweite Teil der Feier reihte sich würdig dem ersten an. Hier wirkten außer dem Organisten Lehrer Bogel und dem Solisten Lehrer G i m - bel der Männergefangverein Dlitzenrod mit. Die vorzüglichen Leistungen des Vereins unter der Leitung von Lehrer Mink sind weithin bekannt. Eine neue Bestätigung dafür bot auch diese Feier. Von großer Wirkung waren auch die Meditation (Ave Maria) für Violine und Orgel von Bach, sowie dos Largo von Händel. Georg Vollmöller erwies sich auch hier wieder als ein Künstler. Den Schluß der Feier bildete das Altniederländische Donkgebet, das von den beiden Vereinen, verstärkt durch den Schülerchor der Stadtschule gesungen, in überwältigender Weise zu Gehör gebracht wurde. Starkenburg. D a r m st a d t, 9. März. Der Reifeprüfung für Aichtschüle c vor der st a a t - lichen Prüfungskommission unterzogen sich 13 Bewerber, von denen 12 das Reifezeugnis erhielten. Darunter waren auch die beiden Söhne des Großherzogs. — Am 6. Avril wird das erste Flugzeug der Hauptfluglinie D a r m st a d t — Mannheim — Karls- ruhe —Stuttgart — München seine Fahrt antreten. Damit wird der tägliche Flugverkehr auf dieser Strecke eröffnet. — Wie cin hiesiges Blatt zu melden weiß, sind im Kassenraum des Hauptbahnhofs 15 Quadratmeter Wandpuh hcrabgefallcn. Die Bahnverwaltung habe den Zahlungsverkehr in diesem Raume eingestellt. Bekanntlich ist am Heiligen Abend im Bahnhof eine Decke herabgestürzt. WSR. Offenbach, !'. März. Im Gegensatz zu anderen Städten der näheren und ferneren Um- gegnnd, wo fast überall ein Stillstand oder Rückgang in der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen ist, hat hier die Arbeitslosigkeit ihren Höhepunkt immer noch nicht erreicht. Insgesamt sind fast 20 000 Personen arbeitslos bei einer Bevölkerungszahl von 80 000, eine Zahl, die für Deutschland einen Rekord, wenn auch einen sehr traurigen, bilden dürfte. WSR. Roßdorf, 9. März. Gestern abend gegen 6.45 Uhr wurde der Oberpostsekretär Betz do in Postointe II zu Darmstadt in der Sarmftäbrer Straße von einem Auto der hessischen Londes- polizei schule Darmstadt überfahren. Er war auf der Stelle t o t. Betz hatte mit einem Motorrad eine Dienstreise unternommen nut) wollte nach Hause zurückkehren. Das Motorrad rutschte und er das Auto überholen. Das Motorrad rutschte und er kam unter das Auto zu liegen. Sein Begleiter, nomens Hechler, kam mit dem Schrecken und einigen Hautabschürfungen davon. Preußen. Kreis Wetzlar. 3 Wetzlar, 9. März. Die entscheidenden Sitzungen zur Verabschiedung des städtischen Etats dürften Ende dieses Monats stattfinden, -ßur Zeit wird bereits in verschiedenen Kommissionen eifrig an der Vorberatung einzelner Houshallsgruppen gearbeitet. Bei der schwierigen finanziellen Loge der Gemeinden und besonders der Industrieorte mit ihren großen Arbeitslosenziffern dürften die Stadtväter nicht zu beneiden fein, die heute eine so undankbare Arbeit wie die Fertigstellung«, des Etats zu leisten haben. Man hört daher auch in den Kreisen der hiesigen Stadtverordneten, die den Ernst der Lage zu würdigen wissen, schon manchen Stoßseufzer, ob es tatsächlich gelingen wird, besonders auch im Hinblick auf manche große Forderungen von linker Seite, den Etat auf gesunder Grundlage ouszubalan- 8 ter en. Dabei muh berücksichtigt werden, daß die Stabt aus den ^leberweisungen von der Einkommensteuer noch nicht einmal die Summe erhält, die sie 1913 aus dieser Steuerquelle gezogen hat. Außer den bekannten Rotstands- arbeiten werden daher neue Bauausführungen im Jahre 1 926 nicht zu erwarten sein, da hierzu Gelder aus lausenden Mitteln nicht vorhanden sein dürften. Ob der Anleihemarkt weiter in Anspruch genommen werden kann, hängt von dem Entgegenkommen der Regierung in Koblenz ab, die jedoch einer weiteren Vermehrung der Schuld der Stadt so leicht nicht zustimmen dürste. Man darf weiter gespannt sein, in welcher Höhe diesmal die G c - tocrbeftcucr festgesetzt werden wird, worüber bekanntlich schon int letzten Jahre scharfe Kämpfe ausgesuchten wurden. Damals glaubte der Bürgermeister für das neue Rechnungsjahr eine erhebliche Senkung in Aussicht stellen zu können. Ob er diese Zusage heute noch aufrecht erhalten kann, muß noch dem Gesagten sehr bezweifelt werden. Selbstverständlich ist die Aufstellung eines Etats in einer Zeit wie der heutigen eine sehr Problematische Sache, weil der Eingang der Steuern und besonders auch der gemeindlichen ganz von bcr künftigen Entwicklung des Wirtschaftslebens abhängt. Bedauerlich bleibt bet der angespannten Finanzlage der Stadt, daß Projekte, wie die Fertigstellung der Fried- hofsan lagen, wieder auf unbestimmte Zeit yinausgezogen werden dürften. Zur Zeit ist man mit der Aufstellung des neuen Portals an der Frankfurter Straße beschäftigt, um wenigstens einen Abschluß in der Umfriedigung zu erzielen. Ob die Stadt bei der künstlerischen Ausführung des Portals gut beraten war, muß füglich bezweifelt werden. Da die neuen Friedhofsanlagen bereits zu Beerdigungen benutzt werden müssen, wäre es erwünscht, wenn hier Mittel und Wege gefunden toetben könnten, die ganze Anlage, toemi auch nicht in einem, so doch innerhalb der nächsten beiden Jahre fertigzustellen. Zu dem Etat wird noch Stellung zu nehmen . sein, sobald er der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht ist. — Das schlechte Wetter der letzten Wochen hat auch in unserer Stadt viele Krankheiten hervorgerufen. Besonders ist es die Grippe, die in äußerst starkem Maße aufgetreten ist. Wenn auch bis auf einige Falle der Krankheitsverlaus ein normaler und günstiger ist, so bedeutet doch bei der heutigen wirtschaftlichen Rot, in der sich viele hundert Familien befinden, das Hinzutreten von Krankheiten, tote die Grippe, und das Darniederliegen oft ganzer Familien eine weitere große Erschwerung bei all der großen Bedrängnis, mit der wir heute zu kämpfen haben. Hoffentlich wird durch eine baldige Besserung in der Wetterlage auch ein Abflauen dieser tückischen Krankheit eintreten. x. p. Salzböden, 9. März. Auf dem hiesigen Friedhof wurde in Pietätloser Weise die 1883 zum Gedenken des 400iährigen Geburtstages Luthers gepflanzte Lutherlinde gefällt. <> Hochelheim, 9. März. Die hiesige Gemeinde hat mit aufsichtsbehördlicher Genehmigung ein O r t s st a t u t erlassen, das die Bebauung votl Straßen und Platzen im Orte regelt. — Hier hat sich ein S ch ft tzenverein gegründet, der sich die Hebung und Pflege des Schießsportes zur Aufgabe macht. ch. Lützellinden, 8. März. Am Sonntagabend fanden sich die Mitglieder des hiesigen Jungfrauen Vereins im Evang. Vereinshaus zusammen, wo die Äugendsekretärin Frl. Schmäk - kel zu ihnen sprach. In recht fesselnder Weise gab die Vortragende anschauliche Bilder von den. Werden und Wachsen der Jugendbewegungen. Der Vortrag wurde von den aufmerksamen Zuhörerinnen mit großem Interesse ausgenommen. !—! Ebersgöns, 9. März. Die hiesige M a x-- morkalkbrennerei, Eigentum der Oberhess. Kalk- und Steinindustrie, die mehrere Monate still- ftanb, hat ihren Betrieb wieder aufgc n o in in e n. <> Dv rn Holzhausen, 9. März. Hier hat sich ein Kleinkaliber-Schützenvereiu gegründet, dem bereits eine ganze Anzahl Mitglieder beigetreten ist. Man ist augenblicklich damit beschäftigt, im Distrikt „Wäldchen" des hiesigen Gc- meiudewaldes einen Schießstand cinzurichten. Nach dessen Fertigstellung wird mit den Schießübungeis begonnen werden. <> Niederkleen, 9. März. Der „Wetzlarer Anzeiaer" brachte vor kurzem eine Meldung über die hiesige Jagdverpachtung, in der u. a. erwähnt war, daß bei der Verpachtung d e m Mei st bietenden der Zuschlag erteilt würde. Wie wir hören, sehen dagegen die öffentlich ausgelegt gewesenen und durch die Auslegung feftg.' stellken Verpachtungsbedingungen vor, daß der Jagdvorsteher ben Zuschlag einem der drei Letztbietenden erteilen Fann, ein Verfahren, wie es bei allen Jagdoerpachtungen im Kreise Wetzlar gehandhabt wirb. Tillkreis. bl. H e r b o r n , 9. März. Die K r a f t p o |t = linie zwischen der Gemeinde Bischoffen und der Stadt Wetzlar wurde wieder in Betrieb genommen. Damit hat man eine wertvolle Verbindung zwischen dem Aartal und dem Lahntal geschaffen. bl. Dillenburg, 0. März. Ab 4. April wird die hiesige höhere Mädchenschule in eine Mittelschule für Knaben und Mädchen umgewandelt. — Nach dem neuesten Stand befinden ftd) hn Kreis 2230 Vollerwerbslose mit 3131 Zuschlagsempfänger. Gegenüber der Vorwoche stieg die Gesamtzahl um etwa 80 bzw. 150 Personen. Meringan. WSN. F r a n k f n r t a M., 9 März. Der frühere Stadtsekretär Paul Drcsde, der vor einigen Monaten nach Unterschlagung von etwa 6 0 0 00 Mark M ü n b e ( q e t b c r n geflüchtet, aber noch kurz vor seiner Einschiffung nach Amerika in Rotterdam verhaftet werden konnte, ist jetzt von der holländischen Regierung ausgeliefert C worden. Dresde ist bereits im hiesigen Unter fuchungsgefängnis eingeliefert. — In der Nacht zum 4. März wurde in Birstcin im Vogelsberg ein f chmerer E i n b r u chs d i e b st a h l ausgeführt und dabei folgende Gegenstände gestohlen: Ein goldener Trauring, zwei goldene Herrenuyren, eine Brillantbrosche, ein Brillantkollicr, eine silberne Damentasche, eine silberne Geldtasche, ein paar goldene Manschettenknöpfe, in goldener Armreif, eine Damenarmbanduhr aus Tulasilber, ein schwerer Herron-Fahrpelz und ein großer Herron-Fußsack. Der Wert der gestohlenen Gegenstände beträgt ungefähr 5000 Mk. Vor Ankauf wird gewarnt. Kreis N singen. !—! Brandoberndorf, 9. März. Dis Zellstoff A.-G. W a l d h o f bei Mannheim kauft seit cinger Zeit das Nadelnutzholz in hiesiger Gegend auf. So erwarb sie auch jetzt wieder sämtliches Fichtennutzholz der hiesigen Gemeinde aus der Hand. Das Festmetcr wurde mit 20 Mk. abgegeben. Cleeberg, 9. März. Int hiesigen Schntz- bezirk Weiperfelden fand dieGemeindebrcnn- holzversteigerung statt. Selbst aus der Wetterau waren Kauflustige erschienen. Die Preise waren infolge sehr starker Nachfrage etwas angezogen. 100 Lohschlag-Durchforstungswellen kamen durchschnittlich auf 1-5 Mk., für Eichonknüppel wurden für das Raununeter 9 Mk. bezahlt. ’-.v. M RE E MTS MA SASCHA .GM A MM MG Kl f HM < 1 3 f K WMM MWM M, MM G/ *aA*k \*X k mc/jc) W'z 7- ■ CIGARETTEN • > .. 7 < ’ ' v.:v ,v'. ' v?>- ■ V SISSsSs i S ■ SISF* auf Kredit Tisch, Schrank, Truhe prechapparate Sc aliplatten niedrige Preise, wöchentlich Mk. 3.- an Katalog gratis! Vertreter gesucht! 4 Bopp Frankfurt a. M. 392 Hasengasse 4. 1 !s EiWkise 9 Vfd. 6 Mk. franko Damvfkäicfabrik, Rndelsbnrg. Welk» 1 9 2 5 oi73i und Reste dlsz.Hälsied.Preis. Wtederverkäufer erhalten Rabatt! Ringfreies Tapetenhaus Hch« Kreiling Sisksa, Mählstr. 3, neb.Lederh. Plank. z Qf THOMPSON'5 ~ welch ein Wohlg&fuhl nach einem arbeite - reichen feig! Wer die Wasche mit wascht und dann mit Sei fix bleicht, wird sich in seinem Bett stets wohl und behaglich fühlen. Besichtigen und er» proben Sie das neue 4 P. S. 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Zusammenkunft: Distrikt Finkenholz, Kreisstratze Gießen. Leihgestern, den 8. März 1926. Bürgermeisterei. WWW große, o. K., Psd. 50 Kabeljau 0. St., Psd. 30 Seelachs v. K., Psd. SO Grüne Heringe Psd. SO Marmelade Vierfrucht, Gelegen' hetiSkans! 25-Psd.-Eimer 10.— Kernseife Doppelünck, 3 St. 50 Seifenpulver Marke SunUabt) 10 Pakete 1.70 Hamburg.Tropfen Pfeffermünz Getreide-Kümmel Dauborner Korn Bergamot-Likör Vanille-Likör alles zu Ausnahme- Preisen per '/. KL 2.80 Kaffee täglich frisch geröstet, probieren Sie meine Sve-ialmischung per Psd. 4.40 sie wird von keiner Konkurrenz über- irosfen. 22tic M.HM Liebigstr.7L TeL1685 Frische 8NW Mittwoch, Donnerstag und Freitag zu billigst. Preisen eintreffend empfiehlt 924-7c Kleinhenn Bahnhofstr 59. Telephon 66. VllttelwWeH reWjljlleUmosllstn. werden gereinigt u. repariert. li3,D A. Welz, 6 Seltersweg 6. Bekanntmachung. B e t r.: Kurzarbeiterfürsorge. Nach § 1 der Anordnung des Reichs- arbeitsministers über Kurzarbeiterfür- sorge vom 20. Februar 1926 und der Bekanntmachung des hessischen Ministers für Arbeit und Wirtschaft vom 27. Februar 1926 erhalten Arbeitnehmer eines gewerblichen Betriebes (§ 105b Abf. I der Reichsgewerbeordnung), in dem regelmäßig mindestens 10 Arbeitnehmer beschäftigt werden, aus Mitteln der Erwerbslosenfürsorge Kurzarbeiterunterstützung, wenn in einer Kalenderwoche drei, vier ober fünf volle Arbeitstage ausfallen und baburd) der Arbeitsverdienst entsprechend verringert wird. Wird in regelmäßigem Wechsel eine Kalenderwoche gearbeitet und eine Kalenderwoche gefeiert (Wochenschichtwechsel), so steht die Feierwoche dem Ausfall von je drei vollen Arbeitstagen in den beiden Kalenderwochen gleich. 22316 Die Inhaber der hiernach in Frage kommenden gewerblichen Betriebe werden aufgefordert, umgehend folgende Aufstellung einzureichen: 1. Namen, Alter und Familienstand einschließlich der Kinderzahl ihrer Kurzarbeiter; 2. Angabe derjenigen Kurzarbeiter, die in den letzten 12 Monaten vor Eintritt der Kurzarbeit weniger als drei Monate hindurch eine Beschäftigung ausgeübt haben, in der sie gegen Krankheit ober nach bem Angestelltenversicherungsgesetz pflichtversichert waren; 3. Umfang und Verteilung der Kurzarbeit; 4. Angabe, seit wann kurz gearbeitet wird, und ob und wie lange etwa vor Beginn der Kurzarbeit der Betrieb ganz geruht hat. Die Kurzarbeiterunterstützung wird durch den Arbeitsnachweis errechnet. Die Auszahlung wird gemäß § 8 Satz 3 der obenerwähnten Anordnung dem Arbeitgeber übertragen. Zugleich wird darauf hingewiesen, daß an Werksbeurlaubte Erwerbslosenunterstützung künftig nicht mehr gewährt werden darf. Gießen, den 6. März 1926. Oeffentlicher Arbeitsnachweis für das nördliche Oberhessen. Der Vorsitzende: Dr. Fre y. MgMMRMsselllMW' 00Ö MMWiWMWM. Zur Erbauung einer Wasserleitung und Kanalisation für die Gemeinde Langsdorf (Oberhessen) sollen nachstehende Arbeiten und Lieferungen öffentlich vergeben werden: 2080C Los 1: Zuleitung, 6500 m gußeiserne Normalmuffenrohre von 100 mm Durchmesser zu verlegen. Die Rohre sind vorhanden. Los 2: Hochbehälter aus Stampfbeton für 300 cbm Nutzinhalt. Los 3: Ortsnetz, gußeiserne Normalmuffenrohre zu verlegen: 1300 m von 150 mm Durchmesser 600 m von 125 mm Durchmesser 800 m von 100 mm Durchmesser 1200 m von 80 mm Durchmesser 2000 m von 50 mm Durchmesser Die Rohre sind vorhanden, von von von von von Durchme Durchme Durchme Durchme Durchme 350 mm 300 mm 200 mm 150 mm 100 mm 300 m 600 m 700 m 1000 m 500 m er er er er er, sowie Liefern und Verlegen von Steinzeugröhren 1. Qualität: desgleichen Zementröhren 1. Qualität: 350 m von 600 mm Durchmesser 50 m von 500 mm Durchmesser 60 m von 400 mm Durchmesser 20 m von 350 mm Durchmesser. Zeichnungen, Arbeitsbeschreibungen, Bedingungen und Angebotsunterlagen liegen während der Dienststunden bei der Kreisbauverwaltung, Zimmer 22, zur Einsicht offen. Angebote, wozu die Unterlagen von uns käuflich sind, müssen bis Dienstag, 23. 2Närz l. 3., vormittags 11 Uhr, bei uns (Zimmer 22) eingereicht werden, woselbst die Eröffnung in Anwesenheit der Bieter erfolgt. Gießen, 2. März 1926. Kreisbauverwaltung. Cellarius. Freiherrlich Riedelsches Revier Oberwald. Nutzholz-Versteigerung. Donnerstag, den 18. März 1926, werden von früh 10 Uhr ab im Schäferschen Saale zu Engeirod aus den Distrikten Weiden, Dörner, Münchenhain, Unt. Wagnerswiesenwald, Hirzehain, Spihesteins- fopf, ÄL Sohlstock, Kohenzähl, Haferacker, Kaup, Auerhahnspfäd, Anoblochsplatte, Ob. und Unt. herrnhaag, Eichelh. Auh- halt, Rotherdekopf und Eschenholz versteigert: Buche: 18 Abschnitte mit 14,33 fm 2. und 3. Klasse; Eiche: 28 Abschnitte mit 9,14 fm 3. bis 6. Klasse; Esche: 67 Abschnitte mit 20,86 fm 3. bis 6. Klasse; Ahorn: 24 Abschnitte mit 14,89 fm 2. bis 6. Klasse; Birke: 8 Abschnitte mit 2,89 fm 3. bis 5. Klasse; Erle: 36 Abschnitte mit 12,54 fm 3. bis 5. Klasse; Lärche: 29 Abschnitte mit 32,92 fm 2. bis 5. Klasse; Fichte: 5 Stück Derbstangen 1. Klasse. Das Holz wolle man sich vor der Versteigerung ansehen. Nachträgliche Einwendungen wegen der. Qualität und Menge können nicht angenommen werden. Nähere Auskunft durch die Freiherrl. Förster und unterfertigte Stelle. Engelrod (Dberl).), 8. März 1926. Freiherrl. Riedeselsche Nevierverwaltung. Eggers. 2230V Holzsubmisfion. Montag, den 15. März 1926, vormittags 10 Llhr, werden aus der Forst- warte I die in nachstehend aufgeführten Distrikten lagernden Holzsortimente im Submisstonswege vergeben: Los 1. 2m Distrikt Nundeheg von Holz-Nr. 422 bis inkl. 868 1 Fichtenstamm 3. Kl. 1,56 Fstm. 7 Fichtenstämme 4. „ 7,84 „ 61 „ 5a- .. 43,36 ,, 374 „ 5b- „ 129,25 „ LoS 2. Distrikt Kohlkaute von Holz-Nr. 869 bis inkl. 1137: 3 Fichtenstämme 2. Kl. 4,07 Fstm, 22 „ 3. „ 19,71 .. 48 „ 4. 38,46 „ 104 „ 5a- „ 67,57 _ 91 „ 5b- „ 31,77 „ Los 3. Distrikt Nundeheg u. Obig den Rödern von Nr. 64 bis inkl« 421: 1 Fichtenstamm 4. Kl. mit 0,69 Fstm. 11 „ 5a- „ „ 6,29 „ 184 „ 5b- „ „ 37,13 „ Los 4. Distrikt Zimmerplatz und Verschiedene von Nr. 1 bis inkl. 63 und 1211 bis inkl. 1433: 12 Fichtenstämme 3. Kl. mit 12,30 Fstm. 30 „ 4. „ „ 31,87 „ 68 „ 5a- „ „ 47,36 123 „ 5b- „ „ 37,70 „ Angebote sind nach Losen und Klaffen getrennt, 6iS zum Termin einzureichen. Angebote mit zusammengezogenen Losen oder Klaffen oder mit Bemerkungen oder Vorbehalte versehen, werden nicht berück- sichtigt. Die Bedingungen können auf hiesiger Bürgermeisterei eingesehen werden, und werden im Termin nochmals bekannt gemacht. Forstaspirant Förster zu Treis a. d.Lda. zeigt auf Wunsch das Holz vor. Das Holz ist mit Rinde gemessen, und ist entrindet. Allendorf a. d. Lda., den 6. März 1926. Hess. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lda. Rein. 2186V Holzsubmisston. Freitag, 12. d. M., nachmittags 4 Uhr, kommen aus den Waldungen der Gemeinde Treis a. *). Lda. nachverzeichnete Holzsortimente in 2 Losen zum Verkauf: Los 1: Fichlen-Stämme: 1 Stück 2. Kl., 2,51 fm 12 Stück 3. Kl., 13,55 fm 59 Stück 4. Kl., 53,86 fm 116 Stück 5a-Kl„ 69,52 fm 136 Stück 5b-Kl., 43,23 fm Los 2: a) Eichen-Stämme: 4 Stück 3. Kl., 3,31 fm 62 Stück 4. Kl., 47,12 fm b) Fichlen-Stämme: 3 Stück 3. Kl., 4,09 fm 3 Stück 4. Kl., 3,00 fm 46 Stück 5a-Kl., 24,78 fm 197 Stück 5b-Kl., 52,23 fm Die Angbote find verschlossen, nach Klassen getrennt, bis zu obigem Termin an die unterzeichnete Stelle einztzreichen, woselbst die Eröffnung derselben in Anwesenheit etwa erschienener Bieter erfolgt. Bemerkt wird hierzu, daß Los 1 zwar nach Klassen getrennt, jedoch das Quantum im Ganzen zum Verkauf kommt. Dieses Holz lagert im Distrikt Niederseilbach, etwa 20 Minuten vom Bahnhof Mainzlar. Das Holz aus Los 2 liegt im Distrikt Aspenstrauch, 2155D Sämtliches Holz ist mit der Rinde gemessen. Die Verkaufsbedingungen werden vor dem Termin bekanntgegeoen. Besondere Bemerkungen werden nicht berücksichtigt. Treis a. d. Lda., 6. März 1926. Hess. Bürgermeisterei Treis a. b. Lda. ______________Will.______________ Bau- und Nutzholzversteigerung Nächsten Montag, den 15. März 1926, sollen im Dillinger Gemeinbewald, Anfang 10 Uhr, aus den Distrikten Buchwald und Schlaghaus: 84,56 fm Fichtenbauholz, darunter Stämme bis 3,45 fm; 26,96 fm Fichten-Derbstangen; 5,85 fm Lärchen-Bauholz; 8,01 fm la Kiefern-Schnittholz; 0,17 fm Esche; 0,71 fm Birke; 3,29 fm Akazien-Stammholz und 6,00 rm Akazien-Knüppel (Wagner- Holz) 2227D öffentlich meistbietend versteigert werden. Zusammenkunft an der Straße Villin- gen—Hungen am Waldeingang. Bedingungen werden vor der Versteigerung be- kanntgegeben. Gillingen, den 8. März 1926. Bürgermeisterei Villingen. Pauli. Holzverkauf. Die Gemeinde Gedern verkauft im Wege des schriftlichen Angebots zirka 300 fm Fichkenstammholz 2. bis 5b-ülasfe, eingeteilt in 5 Lose, 2 ä 50 fm und 2 ä 100 fm. Es kann auf jedes Los allein ober insgesamt geboten werden. Das Holz ist mit Rinde gemessen und geschält. Angebote sind verschloffen mit der Aufschrift „Holzverkauf" bis spätestens Dienstag, den 16. März 1926, mittags 12 Uhr, der unterzeichneten Bürgermeisterei einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Tage. Die Verkaufsbedingungen der Gemeinde werden durch Einreichen von Geboten anerkannt. Auskunft erteilt nach vorheriger Benachrichtigung der Gerneinbeförster Kipper, Ober-Seemen. 2226D Gebern, den 8. März 1926. Hessische Bürgermeisterei. Hellmut 9. MSrz 1926 Prof. Dr. Karl Hummel und Frau Leonie geb. Ludowici I 0X669 GEWERBE. IERV0RR*6tHDE^ EISTUNGEN Köln am Rh. 1925 Theo Borne, Gießen Walltorstraße 25 :: Telephon 874 Atelier feiner Zivil- und Sportbekleidung 6 für Damen und Herren nach Maß Großes Lager nur erstklassiger Stoffe Feinste Verarbeitung Billigste Preise Garantie für tadellosen Sitz 2236D f > Schwaab’s Weinstuben Warme Küche — Kalte Platten Gute Ausschankweine Bodega :: Drei getrennte Räume r: Für Vorbestellung Fernruf 27 ,98a Betten Matratzen 50.00 46.75 Bettstelle 27-mm-Rohr Bettstelle 33-mm-Rohr 3235a Röhr & Co Bahnhofstraße 44 Federbetten Bettwäsche Frische SAllWe 0. K. Pfund 60 ,Pf. fiaöellflu o. 8. Pfund 35 40 Pf. WkWllsWe Pfund 40 Pf. (grüne Heringe Pfund 20/25 Pf. Mud). Seeaal Pfund 80 Pf. empfiehlt 01700 Georg NMIs gegenüber der Engelapotheke. Gießener pserdemartt. Lose a 1 Mk., 11 Stück 10 Mk. (für Porto u. Liste 25 Pf mehr) sind in allen durch Plakate kenntlichen Geschäften zu haben. Generalvertrieb Buchacker, Staat!. Lotterie- Einnehmer. WD Schellfische Kabeljau Seelachs Sol-barsch Schollen Grüne Heringe hechte Schleien Zander Salm empsiehlt zu billigsten Tagespreisen Hamburger Fischhandlg. A. Koch Nachstar. Schulstratze 10 Tclevb. 1612. ”»*c Marinin. Hassia gelb und blaue Odenwülder beide 1. Nachbau gibt ab 01671 C. Vogt L, Lich. Vergebung Für das Rechnungsjahr 1926 soll die Lieferung des Bedarfs an Fleisch- und Wurstwaren, Backwaren, sowie Milch, Butter und Eis 1. für die Medizinische Klinik,Frauenklinik und Hautklinik, 2. „ „ Chirurgische Klinik und Ohrenklinik, 3. „ „ Augenklinik u. Kinderklinik, 4. „ „ Klinik für pshch. und nerv. Krankheiten vergeben werden. Für die unter 1. und 3. genannten Kliniken ist außerdem die Abgabe veS Gespüls und für die Kliniken unter 1. bis 3. die Entleerung der Müllgruben zu vergeben. Die Lieferungsbedingungen können bei der Verwaltung jeder Klinik nachm. von 3-5 Tlhr eingesehen werden. Angebote, verschloffen und mit entsprechender Aufschrift versehen, sind an die zuständigen Verwaltungen bis zum Eröffnungstermin Donnerstag, den 18. März 1926, vormittags 11 Llhr» einzureichen. Zuschlagsfrist 8 Tage.__22380 Der Voranschlag der Gemeinde Kessel- bach liegt vom 11. bis 18. März 1926 auf hiesiger Bürgermeisterei offen. Einwendungen können während dieser Zeit vorgebracht werden. Es ist eine Erhebung einer Umlage vorgesehen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Keffelbach, den 9. Marz 1926. Hessische Bürgermeisterei. Weber. 2247 D Zum ....für liefern wir das vollständige ießen, Schulstraße Das DeuW HD. lellf»« übt' tu Zeit vo^ 1925 um -WM 93 M in gatbebars Um reiche ® lart e 9,e Ww Pros- ' lcniseM. innige" ™ ME IdjuNfö ^ergeb' 6!W * feilen zur l intbesriedtS vendung V T71193 aus «DieÄoi Diem bei Dolki Februa Draunfoy verkauft v Teil der' Dar zur her vero Schwelere kvhleubrik Darben h Stein-rehi Vormonat Äbsatzes Monatssch Wen, 25( treWeine, len und - ton 10100C • ÄU bißest - Misst bit deutsche 3 chat, hat schlossen, zu lassen u Eonderver der Zeit t Pc a, 'Mair teilt toirb, gutem Äuj rmö im 6 au btobatyi neue Laisor Jnlcmdtzesch M1 ist von wenig Mschluhsit ' De Farben liner Dors früheren zum 9. Ii lauf der 1 zuieickendt urkunden I auch öle l inerten fa Wrse ® lind n Mischen 2 •whenurfun' vor . ' LG. 'abrikaj Nrma ist d als recht gu ««schäft du, Papier U.abgelc Wufo noch bestimmt r rechnen. »He-Jto EUslm'e.L Wf 10 Prr !^f?i°n" [Ha rn von Der Nr. 58 drittes Matt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Mittwoch, (0. März Mb Wirtschaft. Das erste Geschäftsjahr der Deutschen Reichsbahngesellschaft WB. Die Deutsche Reichsbahngesellschaft veröffentlicht eine Aeber sicht über das erste Geschäftsjahr, das die Zeit vom L Oktober 1924 bis 31. Dezember 1925 umfaßt. 3m Güterverkehr hat die Wagengeftellung im Geschäftsjahr annähernd 93 Prozent der des Jahres 1913 erreicht, in den Monaten des stärksten Herbstverkehrs etwa 97 Proz. der Borkriegsleistung. Der Wagenbedarf konnte fast immer rechtzeitig gedeckt werden. Frachterleichterungen sind durch zahlreiche Ginzeltarifmastnahmen und Ausnahmetarife gewährt worden, sodaß am Ende des Berichtsjahres die Gütertarife etwa 35 Proz. über den Vorkriegsfrachten lagen. Heber die fina nzielle Lage besagt der Bericht: Die Reichsbahn hat neben den laufenden Betriebsausgaben und den Aufwendungen für werbende Anlagen fristgemäß die Zahlungen für den Dienst der ReparationS- schuldverfchreibungen zu leisten. Genauere Betriebsergebnisse stehen indessen noch nicht fest. Etwaige Rückstellungen aus dem Fahre 1925 sollen zur Entlastung des Jahres 1926, das einen unbefriedigenden Anfang genommen hat, Verwendung ftnden. Der Personalstand ist von 771 193 auf 711 381 Köpfe gesenkt worden. Die Kohlenproduktion in Hessen. monatliche Statistik dec Kohlenproduktion des Volksstaats Hessen weist für den Monat ^Februar 1926 folgende Zahlen na<ß: An Braunkohlen wurden gefördert 35 094 Tonnen, verkauft wurden davon 8122 Tonnen: der größte Teil der Rohkohle wurde weiter verarbeitet oder war zur weiteren Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwelereiprodukten erzeugt: 960 Tonnen Braunkohlenbriketts und Raßpreßsteine. Außerdem wurden in Hessen erzeugt eine Anzahl Tonnen Steinpreßkohlen. Hnter Berücksichtigung der aus Dormonaten übernommenen Bestände sowie des Absatzes und Selbstverbrauchs verblieben am Monatsschluß absatzfähig: 16 974 Tonnen Rohkohlen, 258 Tonnen Briketts, 490 Tonnen Raßpreßsteine, zusammen 17 722 Tonnen Braunkohlen und Draunkohlenprodukte im Gesamtwerte von 101 000 Am. * Au i eine Kölner Messe in diesem Fahr. Da die Leipziger Frühjahrsmesse die schwere Absatzkrise, in der sich die deutsche Industrie immer noch befindet, bestätigt hat, hat die Leitung der Kölner Messe beschlossen, die Kölner Frühjahrsmesse ausfatlen zu lassen und in diesem Jahre neben verschiedenen Sonderveranstaltungen nur eine große Messe in der Zeit vom 12. bis 19. September abzuhalten. Peters .Union 21.®., Frankfurt a. Main. Wie von Verwaltungsseite mitge- teilt wird, gestaltet sich die Geschäftslage bei gutem Auftragseingang zufriedenstellend. Während im Exportgeschäft eine ständige Besserung zu beobachten ist, läßt bei dem Umstand, daß die neue Saison erst beginnt, sich die Zukunft des Inlandgeschäftes noch schwer überblicken. Laut „B. T." ist mit der Verteilung einer Dividende von wenigstens 6 Proz. (0 Proz.) zu rechnen. Mschlußsihung am 31. März. * Der Aktienumtausch d er 3. G. Farbenindustrie 21. G. Seitens des Berliner Börsenvorstandes wird in Ergänzung einer früheren Mitteilung bekannt gegeben, daß bis zum 9. 3uni 1926, dem 5. Börsentage vor Ablauf der Umtauschfrist, sowohl die gegen die ein- zureichenden Aktien auszugebenden neuen Aktienurkunden der 3. G. Farbenindustrie 21. G. als auch die bisherigen Aktienurkunden der fusionierten fünf Gesellschaften an der Berliner Börse lieferbar sind. Vom 10. 3uni 1926 ian sind nur noch die Attienurkunden der Badischen Anilin- und Sodafabrik und die neuen Aktienurkunden der 3. G. Farbenindustrie lieferbar. * A. G. für Zellstoff- und Papier- fabrikation in Aschaffenburg. Bei der Firma ist die Entwicklung des Zellulosegeschäftes als recht gut zu bezeichnen, während das Papiergeschäft durch die sehr ungünstigen Verhältnisse vm Papiermarkt zurzeit nicht günstig ist. Für bas abgelaufene Geschäftsjahr liegt der Ab- fchluß noch nicht vop, doch ist laut „Franks. Ztg." bestimmt mit der Verteilung einer Dividende Au rechnen, (i. V. 6 Proz.) * Miag, Mühlenbau- und Industrie-Konzern. 3m Miag, Mühlenbau- und Industrie-Konzern ist die Dividende für 1924/25 mit 10 Proz. zu erwarten. ' Vom Sichel ko nzern. Die Sichelge- sellschaft in Mainz verhandelt mit der Westbank in Frankfurt a. 9K.. damit diese die Garantie für den von der ersteren angebotenen Vergleich auf der Basis von 55 Proz. übernimmt Berliner Börse. lEigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers'.) Berlin, 10. März. Die Lösung der Kabinetts- frogc in Frankreich hat die Zurückhaltung der Börse aufheben können. Das Geschäft war nicht mehr so still wie an den Bortagen, blieb dagegen immer noch auf einige Spezia (werte konzentriert. Unter deren Führung lag die Börse einheitlich befestigt. Insbesondere traten Kaliaktien, die einen größeren Markt hatten, und Montan werte in den Vordergrund. Die Führung hallen Rheinstahl, in denen beträchtliche Käufe von guter Seite erfolgt sein sollen. Außerdem behaupteten S ch i s f a h r t s - a k t i e n ihre st a bile Grundtendenz. Die Die Not der hessischen Landwirtschaft. In der vierten Hauptversammlung der Hessischen Landwirtschaftskammer in Darmstadt erstattete, wie wir gestern bereits meldeten, Generaldirektor Dr. Hamann einen Bericht über die Lage der hessischen Landwirtschaft. Der Berichterstatter sagte hierüber: Es ist ein trübes Bild, das über die Lage der Landwirtschaft gegeben werden muß. Nachdem die Inflation die Landwirte nicht nur um ihr laufendes bares Betriebskapital, sondern auch zum größten Teil um ihre Vorräte gebracht hatte, mußte die Landwirlschaft in das Jahr 1924 fast ohne Betriebsmittel übergehen. Dann kam die ungünstige E r n t e i m I a h r 19 2 4, die in Hessen zum größten Teil verloren ging. Eine Wiederauffrischung des Betriebskapitals war nicht möglich. Im Jahre 1925 wurde mit Unterstützung des Staates ein Notstandskredit zur Verfügung gestellt, um den Landwirten zu ermöglichen, Saatgut und Düngemittel zu beschaffen. In umfangreichem Maße haben die Landwirte trotz der hohen Zinsbelastung, die die Aufnahme der Schuld ihnen brachte, davon Gebrauch gemacht, in der sicheren Erwartung, daß das kommende Erntejahr ihnen die Möglichkeit biete, nicht nur den aufgenommenen Notstandskredit abzutragen, sondern auch weitere bare Betriebsmittel zur Förderung ihrer Betriebe zu erhalten. Aber hierin sahen sich die Landwirte getäuscht. Der Rückgang der Preise im Jahre 1925, die in einzelnen Teilen des Landes wiederum eingetretene Beschädigung der Ernte, brachten die Landwirte wiederum um den Lohn ihrer Arbeit. War schon das Getreide im Laufe des Jahres vielfach nicht abzusetzen, so war dies mit den Kartoffeln im Herbst überhaupt fast unmöglich. Die erzielten Preise hatten einen Tiefstand erreicht, wie er ftüher nicht zu beobachten gewesen war. Ein wesentlicher Absatz der Kartoffeln im Laufe des Winters und auch des Frühjahrs war bis jetzt nicht zu denken. So erhielt der Landwirt keine ausreichenden Einnahmen, uni die immer größer werdenden Lasten an Steuern, sozialen Abgaben nsw. und an Zinsen für die aufgenommenen Kredite decken zu. können, ganz abgesehen davon, daß er daran denken konnte, die aufgenommenen Schulden abzutragen. So ist die Landwirtschaft in eine Lage gekommen, die für sie und die gesamte Wirtschaft und das gesamte Volk auf die Dauer n i ch t h a l t b a r sein Fann. Der ungünstige Abschluß der Handelsverträge, die erheblichen Vorteile, die der Einfuhr ausländischer landwirtschaftlicher Erzeugnisse zugestanden wurden, schädigten die inländische Erzeugung außerordentlich. Wenn man be' dem Entgegenkommen gegenüber dem Auslande der Hoffnung war, daß damit unsere Ausfuhr gefördert werden könne, so hat man sich in erheblichem Maße getäuscht. Es ist ein Fehler, wenn man bei der Gesamtlage unserer Weltwirtschaft immer nur an die Förderung der Ausstihr denkt, da doch auch in außerdeutschen Staaten der Absatz stockt, die Aufnahmefähigkeit der Verbraucher gering geworden ist, außerdem aber dort besonders die industrielle und gewerbliche Erzeugung gegenüber dem Frieden gestiegen ist, während man den Jnlandmarkt viel zu wenig beachtet. Eine Stärkung dec Kaufkraft unserer Bevölkerung, in erster Linie der Landwirtschaft, würde zu einer außerordentlichen Belebung des Jn- landmarktes und damit auch zu einer Besserung unserer Wirtschaft führen. Für die Landwirtschaft ist die Lage außerordentlich ungünstig, weil sie einmal in der Inflation ihr Betriebskapital verlor, 1924 den Verlust ihrer Ernte zu beklagen hatte, 1925 sinkende Preise mit erleben mußte, während andererseits die Betriebsausgaben nicht gesenkt werden können, da der Preisabbau sich nicht auf diejenigen Betriebsmittel und Bedarfsstoffe des täglichen Lebens auswirkt, die für die Landwirtschaft in erster Linie von Bedeutung sind. Dazu kommt, daß der Landwirt nur einmal im Jahre ernten kann, während andere Berufe wiederholt ihr Betriebskapital umsetzen können. Die Zinsbelastung der aufgenommenen schulden ist deshalb in der Landwirtschaft eine ungleich größere, wie in allen anderen Berufen, die in der Lage sind, mit demselben Kapital öfter zu arbeiten. Wenn auch in anderen Berufsständen ungünstige wirtschaftliche Verhältnisse zu beobachten sind, wenn auch dort die Lage äußerst schwierig ist, so ist sic doch insofern erleichtert, als es den meisten noch möglich ist, ihre Betriebsmittel in bestimmten Grenzen wenigstens ohne weitere Verschuldung zu erhalten durch besondere Maßnahmen, die sie durch besondere Betriebs- Organisation treffen. Die Landwirtschaft kann diese Art Maßnahmen nicht treffen, sie muß ihren Baden bebauen, sie muß ihn bestellen, sie muß die Ernte einbringen ohne Rücksicht darauf, ob sich die Arbeit bezahlt macht ober nicht. Hierin liegt, kurz gesagt, ein wesentlicher Unterschied zwischen der landwirtschaftlichen Erzeugung und der Erzeugung industrieller und gewerblicher Natur. Konnte schon durch die Buchführungen festgestellt werden, daß das Jahr 1924 in vielen Fällen einen Verlust in der Landwirtschaft erbrachte, so zeigen die Abschlüsse des Jahres 1925 in allen Betrieben einen Verlust, weiter aber auch eine wesentliche Zunahme der Verschuldung. Es sind in großem Umfange Eingriffe in bie Substanz notroenbig gewesen. Die Viehbestänbe mußten vermindert werden, um Gelb zu erhalten zur Bezahlung der laufenben Ausgaben. Dazu kommt, baß bie Geldbeschaffung für bie Landwirtschaft außerordentlich schwierig ist. Wohl werden von den verschiedensten Stellen der Landwirtschaft Kapitalien zur Verfügung gestellt, aber sie sind zusammengenommen ein kleiner Betrag für den großen dringenden Bedarf und zum anderen ist die durch Aufnahme dieser Kredite eintretende Belastung an Zinsen, Provisionen »sw. eine außerordentlich hohe, die die Landwirtschaft auf bie Dauer nicht zu tragen in ber Lage ist. Der Landwirtschaft muß geholfen werden mit der Bereitstellung langfristiger Kredite. Der Wechsel muß aus der Landwirtschaft wieder verschwinden. Die Kredite müssen außerdem billig sein. Wenn man auch der Ueberzeugusg sein muß, daß angesichts der gegebenen Verhältnisse und des verlorenen Krieges eine höhere Steuerlast getragen werden muß wie früher, so muß doch ber Derminberung der steuerlichen und aller anderen Lasten durch öffentliche Einrichtungen eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, denn es wird der deutschen Wirt- schaff und nicht zuletzt ber Landwirtschaft nicht möglich sein, die jetzige Steuerlast und diejenige, welche mit ber weiteren Ausführung des Dawesplanes entstehen, zu tragen. Die Belastung burch ben D o - to e 5 p l a n ist eine solche, bie die deutsche Wirtschaft nicht ertragen kann. Die Maßnahmen unserer Reichs- und tianbesregierungen müssen sich dahin erstrecken, die Kaufkraft ber Landwirtschaft zu stärken und damit dem Jnland- markt zu helfen unter Berücksichtigung des Sprichwortes .„Hat d e r B a u e r G e l d, h a t' s d i e ganze Welt." günstige Kursgestaltung ber erwähnten Werte übertrug sich auch auf bie Nebenmärkte. Im Devisen- verkehr war ber französische Franken infolge Neubildung des Kabinetts gegen London gut befestigt auf 132,60. Auch Oslo lag fester. Am Geldmarkt ist die Lage unverändert flüssig. Tagesgeld 5 bis 6^ Prozent. Monatsgeld 6* bis 71 Prozent. frankfurter Börfc. lEigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"^ Frankfurt a. M., 10. März. Tendenz: Fest. — 2la chdem gestrigen unsicheren Verlaufe war heute die Stimmung der Börse infolge der raschen Beilegung der französischen Kabinetts- krise und der dadurch beschleunigten Abreise Briands'nach Genf vertrauensvoller, so daß her Verkehr in fester Haltung mit vorwiegend bis zu 2 Prozent gebesserten Kursen eröffnete. Die neue Aufwärtsbewegung wurde durch das Vorliegen einiger Kaufaufträge, die insbesondere Schiffahrtsaktien umfaßten, sowie die wesentliche Besserung des französischen Frankenkurses und die günstige Haltung der Aeuhorker Borbörse vorteilhaft beeinflußt. Die Spekulation nahm Deckungen vor. so daß die Börse anfänglich ein recht lebhaftes Aussehen hatte. Die Geschäftstätigkeit ebbte jedoch bald wieder ab. 3m Vordergründe standen Schiff- s a h r t s w e r t e, die bis zu 3 Prozent anzogen. Am Montanmarkt beanspruchten Rombacher Hüfte größeres 3nferesse bei einem Kursgewinn von 3 Proz. 3n Dorfenkreisen wird darauf hingewiesen. daß die Verhandlungen wegen des Verkaufes der Eoncordia-Hüfte einem baldigen Abschluß entgegengehen. Auch die anderen Mon- fantoerte erzielten Besserungen bis zu 1 Proz. Kurssteigerungen in gleicher Höhe hatten auch Elektro- und Chemieaktien aufzuweisen. Dau- und Zellstoffaktien setzten die Aufwärtsbewegung fort, während das 3ntereffe für Motorenwerte nachgelassen hat. Kicher plus । 1 Proz., Daimler plus 0,75 Proz., aber Reckar- sulmer minus 1.25 Proz. Der Kassa markt der 3nbustriepapiere zeigte keine wesentlichen Veränderungen, doch war auch hier die Tendenz I leicht nach oben gerichtet. Zuckeraktien lagen nicht einheitlich, indem leichte Rückgänge neben geringen Besserungen auftraten. Bankaktien tendierten ziemlich fest. Höher wurden Bayerische Hypotheken, Commerz, Darmstädter und Disconto. Reichsbank waren um 1 Proz. höher. Oesterreichische Credit plus 0,25 Proz. Deutsche Anleihen lagen leicht befestigt. Kriegsanleihe 0,414 Proz. Schutzgebiet dagegen schwächer 7,2 Proz. Am Auslandrenten- markt mußten Türken leicht nachgeben, da die Rachrichten üebr die Pariser Verhandlungen les- simistischer lauteten. Der Freiverkehr hatte gehaltene Kurse. Becker Stahl 47, Decker Kohle 53, Denz 47,5, Brown Boveri 70. Entreprise 10, Growag 55, Ufa 56, ilnterfranfen 60,5 Proz. Der weitere 2ktlauf litt unter der eingetretenen Geschäftsstille. Die Stimmung wurde unsicher und die Kurse neigten zmn Rachgeben. Am Geldmarkt ist das 21ngebot unverändert stark. Tagesgeld 5,5 Proz., Monatsgeld 6 bis 8 Proz. je 2Ibreffe. 3ndustrie-Akzepfe 6,5 bis 6,75 Proz. Bankdiskonten 5 Proz, 3m Devi senverkeh r lag Paris auf die Lösung der Kabinettskrise gegen London befestigt mit 132,30. Das englische Pfund liegt gegen Kabel sehr fest mit 4,861/3, Berliner Produktenbörse. Derlin, 9. März. ($11.) 1000 Kilogramm ab Station. Weizen (märt.) 248 bis 252, Weizen (März) 262, Weizen (Mai) 262 bis 261,50, Weizen (3uli) 262. Roggen (märt.) 148 bis 152, Roggen spomm.) 146 bis 150, Roggen (März) 163, Roggen (Mai) 174,50, Roggen (3uli) 178,50, Braugerste (märf.) 162 bis 186, Futtergerste (neue) 136 bis 150, Hafer (märf.) 159 bis 169; 100 Kilogramm: Weizenmehl 32,25 bis 35,75, Roggenmehl 21,50 bis 23,25, Weizenkleie 10, Roggenkleie 8,80 bis 9, Diktoriaerbsen 26 bis 32, kleine Erbsen 23 bis 25, Fuftererbsen 19 bis 21, Peluschken 20 bis 21, Ackerbohnen 20 bis 21, Wicken 22 bis 25, Lupinen (blau) 11,50 bis 12.50, Lupinen (gelb) 13,75 bis 14,50, Serradelle (alt) 14 bis 21, Serradelle (neu) 26 bis 29, Rapskuchen 14 bis 14,50, Leinkuchen 18,40 bis 18,50, Tpockenschnihel 8,20 bis 8,60, Soyaschrot 18,40 bis 18,50, Karfoffelflocken 13,70 bis 14. Berkin, 9 März Anirrikanische Note» . . . . . Belgische VZoicr . ... Dänische Noten . . . . ,, Englische Noten ....... französische Note» , Holländische Noten ..... italienische Noten , Norwegische Noten Deutsch-Ocsterr., 5 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten ..... Schweizer Noten....... Bche Noten -slowakische Noten .. sche Noten . . ... Geld 4,183 19,00 108,58 20,358 ß,2'J 167,8« 16,88 89,63 59,01 1,775 112,14 80,60 59,01 12,38 5,845 59,91 1,815 112,70 81,00 59,31 12.44 5,885 Vries 4,208 Ä 20,458 iK Büchertisch. Ein Aufsatz über Chile, Land, Leute, Gebräuche. Politik und Auswanderungsmöglich- keifen eröffnet das Märzheff der „Zeitwende" (C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung in München). Der Verfasser hat als Offizier im chilenischen Heer ein Stück der Geschichte des Landes miterlebt. Gerhard Kittel gibt eine lebendige, auch für Richt-Theologen mitreißende Darstellung von dem Sieg des Christentums über die Religion der ausgehenden Antike. Heinrich Barth versucht in einem Aufsatz „Platonische Wahrheit" den eigentlichen, noch heute gültigen Sinn des Platonismus hecanszuarbei- ten und bietet so einen wertvollen Beitrag zur aktuellsten Kulturphilosophie und Kultur- fritif. Otto Sfoessl zeichnet in seinem Beitrag „Heber Lebenserinnerungen und Selbstbekenntnisse" eine bunte Galerie echten Menschentums von Holberg bis Peter Altenberg. Sodann bringt das Heft vier Bilder von Max Anold, dessen Schaffen in einer Randbemerkung gewürdigt wird. Rundfunk-Programm des Frankfurter SenderS. (Aus der »Radio-Amschau".) Donnerstag, 11. März: 3,30 bis 4 Ahr: Die Stunde der Jugend (für Kinder vom 7.3ahre ab). 4,20 bis 5,45 Ahr: Konzert des Haus Orchesters: Operetten von Eysler. 5,15 bis 6,10 Ahr: „Die Musik der Bibel", Vortrag mit Originalbeispielen von Dr. Wilhelm Heinitz-Hamburg. 6,20 bis 6,45 Ahr: Stunde des Südwestdeutschen Radioklubs: Dr. K. Dauer: Die Zwei-Gitier-Röhre. 6,45 bis 7 Ahr: Stunde der Frankfurter Vereinigung für Heimatkunde. 7 Ahr: Aebertragung aus dem Frankfurter Opernhaus: „LaTvaviata (Violetta)". Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi. Anschließend bis 12 Ahr: Aebertragung aus Berlin: Tanzmusik der Berliner Funktanzkapelle. Wegen Fernsprechstörungen konnten uns die Berliner Devisenkurse und die Kotierungen des Frankfurter Produktenmarkfes bis Redaktionsschluß nicht übermittelt werden. Börsenkurse. 121.2' 121 120,2' 45 105' 121,25 74,75 93* 48 74 109 Banknoten 142' IM 82,65* 102* ‘ 50 47,5 127,2* 67,62 10.3 49,5 143* 140* 93,25' 83,75' 129,2* 69,6 66,12 86 24 29 103* 7,25 0,039 138 135,62 11,95 39,4 29,75 40 128,9* 69 108,75 46 76,5 81,75' ' 84,5* I 45 ! 43,9* 103,2* 7 45 74,5 80’ 83,5 54 138,5* 136,5’ 46 86 66,75 39,75 148,25 110.5" 1148,7' 110,7' 138,7' [83,25* 1102,9» | 49,6 47,6 87,5 66,4 148,75 HO* 127,5" 127* 103* 6,9 0,25 82,25* 43,5 42,12’ 86,25* 86,9* 103,5* 115,25 120,5 34,5 44* 74,12* 79,25* 82,25 88,5* 104,7* 117,5* 121 35 43,62* 75,75* 81,9* 84,5* 4 108,1 46 . 48 127,7* 68,9 61,75 75,5 । 91,25 i 92* 84 88 1 73,26* 92,62" 84,5' 126,5 73,5 120,5 85 102,5* 6,9 0,039 44 42 87" 86 104 75 27,5 5 109 45,0 48 ■ oreii werfe Mann beim firnntfurtet Armaturen . . Lkonservenfabrik Brann . . Metallgeselli^aft Frankfurt Schuhfabrik Her, . . .... Sichel............. ilellstoü Waldhof...... .-Zuckerfabrik Frankenthal . Zuckerfabrik Waghäusel . . 4% Zolltnrlen 5% Voldmerikaner ... . Berliner Handelsgesellschaft Commerz- und Privat-Bank Darmst. und Nationaldank ■ Deutsche Bank......... Deutsche Dereinsbank . . . . Disconto Courmandit Metallbank........... Mitteldeutsche Treditbank. . Oesterreichische Creditanstalt Weltbank ...... , Bochumer Guß ....... Buderus. . ..... Caro ... Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke . . Haroencr Bergbau Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurahütte ......... Oberbedarf...... Phönix Bergbau ..... Rbeinstahl........... Nie deck Montan ..... . Tellus Bergbau. ..... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . . Eherainische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Anglo-Cont.-Guano Chemische Mayer Alapin . . I. ®. Zarbenindustrie, A.-G. Äoldswmidt.......... Holzverkohlung Rütgerswerke Scheideanstalt Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann . . . Mamkraftwerke ....... Schuckert ..... Siemens & Halske . .. . . i 'Mcrtoerfe Stiener dinier Motoren. ..... iificciiffffebr . ....... 110,5* 129' Frankfurt a.M. Berlin Sdiiuj» fiurs l.Utr. ÄUT» s^luh.IÄnfang Datum: | 9. 3 | 10. 3. 93 10. 3. 5"/, Deutsche RcichSanleth« 4% Deutsche Rcichsanleihe ■ 37Deutsche Rcichsanleihe 0,410 0,414 0,4025 0,4175 0,400 0,400 0,405 0,375 0,3925 0.395 3% Deutsche Reichsanleihe • 0,490 — 0,5075 0,500 Deutsche Sparvramienanleihe 4% Preußische Äcniols • . . 0,245 0,245 — 0,395 — 0,390 4% Hcsien......... 0,380 — — 3'/,"/, Hellen.......... — — __ 3"/« Hellen.......... 0.360 .— 0,345 _ Deutsche Wertb. Dollar-Anl. 100 — 95,0 dto- Doll -Schatz-Anweiing.*) 99,4 — 99,6 — Lastkraft- wagenfuhren Televd. 1546. Hansa Handelsschule /. Kunzeimann Qteßen, Hahnhotstr. 60 vorn. Hermes Neue Kurse 2 Teller Suppe für nur 13 Pfennig erhalten Eie mühelos auf die einfachste Weise — durch 2196c kurzes Kochen mit Wasser — in reicher Sortenauswahl aus MAGGI8 Suppen-Würseln Aus dem .Neiche der Frau. Das nervöse Kind. ' Eine älnterredung mit Geh. Rat Czerny. *** „Wo kommen die vielen klugen Kinder bin?" heißt der Klageruf Multatulis. Denn da es auch nicht annähernd soviel kluge Erwachsene gibt, scheint das Schicksal die bedauerliche Laune zu haben, aus den entzückenden klugen Kindern meist sehr viel weniger entzückende, ja sogar mir rechte durchschnittliche „Erwachsene" werden zu lassen. „Wo aber kommen die vielen ungezogenen Kinder her?" so lautet heutzutage der Klageruf des modernen Erziehers. Denn sie sind jetzt wirklich oft schrecklich ungezogen — sicherlich mehr, als in den früheren Generationen. (Obgleich die Jugend das immer nicht wahr haben will, sondern behauptet, die Alten seien damals auch rächt besser gewesen!) Freilich: von einer gewissen sozialen Stufe an nennt man das Kind ja faum mehr ungezogen, sondern statt dessen „nervös". Dann handelt es sich also um eine Krankheit, und man wendet sich nicht mehr allein an den Pädagogen, sondern gleichzeitig an den Arzt. Der gegebene Prominente auf diesem Gebiet, Geheimrat Czerny, Direktor der Llni- versitätskinderklinik in Berlin und Verfasser des berühmten Büchleins „Der Arzt als Erzieher des Kindes", äußerte sich in einer Unterredung über das Problem des nervösen Kindes folgendermaßen: „Ist denn, so lautete die erste Frage, eine Zunahme der Nervosität nach dem Kriege auch unter den Kledren zu merken? Gibt es jetzt mehr nervöse Kinder als früher? Zweifellos l Die Frage ist leider nur: Woher kommt das? Eine Zunahme der angeborenen Nervosität unter den Kindern scheint nicht vorzuliegen. — eine Meinung, für die sich z. D. der vorjährige Kongreß für Kindererziehung auch ganz allgemein entschieden hat. Was dagegen in letzter Zeit ungemein begünstigt wird, ist die erworbene Nervosität. And die Gründe hierfür' liegen ftchtbarlich in der allgemeinen Zersetzung. Unser „Zeitalter des Kindes", das die aktive Erziehung so weitgehend ablehnt. vom „Seelenmord in der Schule" spricht, läßt sehr häufig die allernotwendigste Disziplin vermissen und begünstigt eine Hemmungslosigkeit bei den Kindern, die sich später notwendig als Psychopathie auswirken muß. Sehen Sie, da war soeben ein achtjähriger Junge in meiner Sprechstunde, der fast die ganze Zeit über grundlos seine Mutter insultierte; die aber - fand das ganz in der Ordnung! In Rußland z. D. hat die bolschewistische Auffassung des Familienlebens bereits geradezu deletäre Folgen gezeitigt. Es passiert mir gelegentlich, daß von dort kommende Kinder während einer viertelstündigen Konsultation mein Sprechzimmer geradezu demolieren. „Ja. mein Kind hat einen so starken Willen", sagen die Mütter dann — unfähig, Einhalt zu gebieten —. zur Entschuldigung ihres Spröhlings. Dabei läuft ihnen nur eine kleine Verwechslung unter, diejenige nämlich von Willen und Trieb. Das Kind hat im Gegenteil gar keinen Willen, sondern nur Triebe. Denn der Wille dient stets dazu, Triebe zu beherrschen; hätte das Kind einen Willen, so gäbe es sich nicht derartig nach. Aufgabe jeder Erziehung ist es, den triebbeherrschenden Willen soweit wie irgend möglich zu entwickeln." „Sind Sie dabei auch unter Amständen für die Bestrafung durch Schläge?" „Darum nicht, im gegebenen Falle? Immerhin läßt sich über diesen Punkt disputieren. Nur wird auch hier gewöhnlich die Prügelstrafe mit der Bestrafung überhaupt verwechselt. Ohne Bestrafung geht es fast nie. And wenn ich Eltern, welche Schläge für ihre Kinder ablehnen, frage: strafen Sie denn Ihr Kind überhaupt?, so bekomme ich regelmäßig eine verneinende Antwort. Hier liegt ein riesiger Fehler der heutigen Generation, welche den Wert der Strafe größtenteils völlig verkennt. Freilich soll man sie je nach der Sensibilität und dem Charakter des Kindes sorgfältig abstufen. Bei dem einen genügt ein Verweis, wo bei dem anderen eine richtige Abstrafung nottut." „Somit würde das ärztliche Problem der Nervosität und ihrer Behebung doch wieder in das Gebiet der Pädagogik zurückfallen?" „Das läßt sich äußerst schwer trennen. Hier braucht man eben, was ich seit 15 Jahren in Wort und Schrift fordere: den Arzt als Erzieher des Kindes! Es ist mir stets unbegreiflich geblieben, warum man sich gar so spät erst zu dieser dringenden Forderung bekennt. In Amerika z. B. hat es bis zum vorigen Jahre gedauert, ehe endlich der vor wenigen Monaten verstorbene Pädiater Hold, der Senior der dortigen Kinderärzte, auf den: letzten Kongreß die Forderung aufstellte: der Arzt soll sich auch um die Erziehung seiner Schutzbefohlenen kümmern.. Nun liegt ja tatsächlich die amerikanische Kindererziehung ebenfalls völlig im argen, und die Nervosität ist demgemäß dort sehr groß. In einem Punkt freilich kann ich die Indolenz auch mancher Aerzte in dieser Beziehung ganz gut verstehen. Es ist keine dankbare Aufgabe. Eltern Lehren über Kindererziehung zuteil werden zu lassen! Wenn ein Kind zu mir kommt, so sehe ich meist binnen kurzer Zeit, was ihm körper- Einem toten Künstler. Von Dorothea H o l l a tz, Darmstadt. „Stimmt die Geigen, ihr Jünglinge, stimmt die Flöten, daß die Töne ewige Harmonien bilden, daß sie durch den Abend hallen wie reine Glocken, die nächtliches Wunder verkünden! — Laßt die Stimmen im Chor erschallen, daß der Traum der schlafenden Natur tiefer und süßer werde, daß die wehenden Wolken den Klang aufsaugen und dorthin tragen, wo durstige Herzen seiner begehren! — Musik, du große und göttliche, tuet kann sich deiner Macht enziehen? Machst du den Menschen nicht groß und klein, demütig und kühn, liebend und hassend? Weckst du nicht alle Leidenschaften, Hingabe an Gott und Wiederversinken und Unglauben? Begeht niiht der Ahnungslose Taten unter deinem Einfluß, für die niemand ihn verantwortlich machen kann? Begehst du sie nicht, durch ihn hindurch? Machst ihn zu deinem lebendigen Werkzeug? — Laßt, ihr Jünglinge, dos Lied beginnen! Seht, euer alter Freund liegt nahe am Fenster, und sein weißes Haar schimmert wie Silber. Seht, wie seine Augen groß werden vor Freude, wie das Blut schneller rauscht durch feine Adern, O spielt und lich fehlt. Die pädagogische Belehrung seiner Eltern hingegen nimmt eine halbe Stunde in Anspruch, und während manche Verständige unter ihnen es einem zu danken wissen, wenn man sie einmal ein wenig aufrüttelt und an ihre alte Familientradition erinnert, so fassen doch viele eine derartige Einmischung als Kompetenzüberschreitung des Arztes auf und sind unbelehrbar." „Halten Sie denn die Eltern für die gegebenen Erzieher des Kindes? Gewisse Reformer plädieren doch wieder mehr für das Internat mit der Begründung, die Eltern seien pädagogische Laien, das Erziehungswerk aber gehöre lediglich in die Hände des Fachmannes." — ..Wir dürfen da ruhig biologisch denken und brauchen den Boden der Natur nicht zu verlassen. Die Eltern sind zweifellos ihres Kindes natürliche Erzieher, oder sagen wir lieber: ihrer Kinder. Denn das E i n k i n d s y st e m ist höchst nachteilig für die Erziehung. Immer wieder müssen wir die traurige Beobachtung machen, daß Kinder, welche die einzigen sind, sehr viel häufiger an hochgradiger Nervosität leiden, als die anderen. Das Einkind-System, welches ja auch kein noch so fanatischer Bevölkerungspolitiker fordern wird, ist deshalb auch aus diesem Grunde verwerflich. Wo die Amstände dem Kind die Geschwister versagen, halte ich es deshalb für eine Pflicht der Eltern, um jeden Preis f ü r gleichaltrige Gespielen Sorge zu tragen. Die Anstaltserziehung aber sollte immer nur letzte Zuflucht bleiben. - Schädliche Amstände für die Kinder, die in den äußeren Verhältnissen ihrer Eltern gelegen sind, werden aber allgemein viel zu wenig beachtet. Denken Sie nur an die Kinder geschiedener Eltern! Das Gesetz behandelt sie als Objekt, läßt sie hin und her pendeln zwischen Vater und Mutter und kümmert sich nicht um die schweren, seelischen Schäden, die den Kleinen hieraus erwachsen." — „Läßt sich hier kein ärztlicher Einspruch erheben?" - - „Alle Atteste sind leider unnütz. Wieviel überflüssige habe ich selbst schon geschrieben! Dabei liegen allein in diesen Erzieh u n g se i n f lü s se n die entscheidenden Faktoren für Heilung und Vorbeugung der überhand nehmenden Nervosität. Die moderne Seelenheilkunde, die gesamte Psychotherapie scheint mir für die Kinderheilkunde nur eine neue, zum Teil mißverstandene und in ihren Folgerungen übertriebene Anwendung alter Wahrheiten. Der Seelenkenner muß selbstverständlich genauestens auf die Persönlichkeit oer Eltern und Kinder eingehen, er muß sich Zeit nehmen, zu erkunden, welche speziellen Einflüsse für das Kind schädlich sind, ohne daß er jedoch suggestiver oder gar hypnotischer Sitzungen dazu bedarf. So nur wird es möglich sein, den unheilvollen Riß zu verkleinern, der heutzutage zwischen der älteren und jüngeren Genration klafft und die gelockerten Familienbande wieder zu festigen. Man bedenke stets: Wenn die Familie zerfällt, so lockert sich, da sie nun einmal die Grundlage des Staates ist, unweigerlich auch dessen Gefüge!" Hausfrauen und Haustiere. Soviel auch über das Verhalten des Menschen zu seinen vierbeinigen und gefiederten Hausgenossen, den Hunden und Vögeln, schon gesorochen worden ist, so wird doch gerade hier aus Gedankenlosigkeit und Unwissenheit arg gesündigt. Ein Appell an die Hausfrauen scheint mir in dieser Sache vor allem am Platze zu sein. Unter ihren vielen Aufgaben sollte auch d i e nicht vergessen werden, Kinder und Dienstboten zu einer verständigen Behandlung der Tiere anzuhalten und zu erziehen. Liebe zu den Tieren ist eine durchaus schätzenswerte Eigenschaft, die sicherlich nicht unterdrückt werden darf. Doch ein Uebermaß ist, wie jede Uebertrei- bung, von Uebel. Ist doch eine Ueberzärtlichkeit den Tieren gegenüber, die sich womöglich in Küssen äußert, geradezu widerlich und äußerst gefährlich. Wer hat nicht schon vom Hundewurm gehört? Trotzdem ist die Zahl der Frauen und Kinder nicht gering, die ihren Hund herzen und küssen, wobei leicht eine Uebertragung des dem Hund zwar nicht schädlichen, beim Menschen hingegen meist zu qualvollem Tode führenden Parasiten erfolgen kann; denn dieses im Anfangsstadium schwer diagnoszier- bare, daher meist oft zu spät erkannte Uebel, ist dann in der Regel unheilbar. Es ist aber keineswegs die einzige Gefahr, die dem Menschen durch das Küssen seiner Lieblingstiere droht! Neben dem Hundewurm sind es oft recht beträchtliche, unangenehme. Hautausschläge, die noch in Betracht kommen, sowie hauptsächlich auch eine Uebertragung von Tuberkulose, an der viele Vögel, namentlich häufig Papageien, leiden, ohne daß die Umgebung es weiß, Und doch! wie häufig fordern zärtliche Damen und Kinder ihren Piepmatz zu einem zärtlichen Kusse auf! In erster Reihe gilt es also, solchen Zärtlichkeiten durch Aufklärung der Erwachsenen, durch ein strenges Verbot und im Notfall durch Strafen bei Kindern Einhalt zu tun. Das Kußverbot allein genügt jedoch nicht. Jede gute Hausfrau wird im allgemeinen in ihrem Haufe auf Sauberkeit sehen. Ganz besonders muß es aber da geschehen, wo Tiere gehalten werden. Man achte daraus, daß singt und werdet nicht müde, denn ihr wißt, daß es die letzte Nacht ist, da euer Freund und Berater bei euch ist, daß es das letzte Mal ist, daß ihr ihm eure Dankbarkeit bezeigen könnt dafür, daß er eure Seelen verstanden hat wie nie ein anderer, daß er jung war mit euch, schönheitsburstig und voll kindlicher Freude wie der Jüngste unter euch, — daß er euch einführte in die edlen Gefilde der Musik und euch den Saum ihrer Herrlichkeit berühren lehrte. — Seht, wie das Blut in seinen Schläfen zuckt, weil die ganze Welt eines vergangenen Jahrhunderts durch die Klänge des Menuetts leidenschaftlich aufersteht. — Der Vorhang hebt sich: Die runden Augen unter der weißgepuderten Perücke flehen begehrlich, und die kleinen Zähne schimmern milchweiß zwischen den schmalen Lippen. Wie die seidenen Schleifen auf den Atlasschuhen der edlen Liebhaber knistern. D du wundervolles Menuett! Wohin ist die Grazie jener Zeit entflohen, wo ist die Schüchternheit und die Lieblichkeit in der Liebe? — Weiter, ihr Jünglinge, daß nicht der Alte ‘ins Tränchen versinke und bewußtlos hinüberschlummere in die ferne Heimat der Toten. Laßt ein Rondo flin= gen, daß seine Mienen sich erhellen, daß fein Herz kocht, weil es glücklich ist in der Empfindung kind- keine Knochen oder Speisereste von überfütterten oder spielerischen Hunden versteckt oder vertragen werden; daß keine Strumen ober Körner neben den Vogelkäfigen liegen bleiben. Ferner müssen Kinder und Personal streng angehalten werden, sich die Hände zu waschen, wenn sie einen Hund berühren, und ohne eine gründliche Reinigung keine Eßwaren anzufassen. Daß den Hunden kein anderes Geschirr, als die für sie bestimmten Näpfe gegeben wird, sollte eigentlich schon aus Appetitlichkeitsgründen selbstverständlich sein. Und was fürs eigene Haus gilt, muß erst recht außerhalb desselben gefordert werden. Ueberhaupt ist es nicht angebracht, überallhin Hunde mitzunehmen. Jüngst besuchte mich eine junge, recht verwöhnte Dame mit ihrem nicht minder verwöhnten Hündchen, das, wie es zuweilen ungezogene Kinder tun, miauzte und quälte, wenn seine Herrin sich nicht genügend mit ihm beschäftigte. Da nahm seine Besitzerin plötzlich eine Untertasse vom Teetisch und meinte, ihr Liebling habe wohl Durst, sie wolle ihm ein wenig Wasser geben. Meine anderen Gäste sahen einander an, und ich ließ dem kleinen Quälgeist auf einem Blumentopf- untersatz etwas Wasser bringen. Man merkte es der verwöhnten und verzogenen Dame an, daß sie sich gekränkt fühlte, weil man für ihren kleinen Puck das für menschlichen Gebrauch bestimmte Geschirr nicht für angebracht hielt, und bald verließ sie schmollend, den kleinen Störenfried zärtlich an sich geschmiegt, unseren kleinen Kreis, der recht zufrieden darüber war. — Ein wahrer Tierfreund wird feinen vier- oder zweibeinigen Freunden aus dem Tierreich es an nichts fehlen lassen, sie mit verständnisvoller Liebe, aber ohne übertriebene Zärtlichkeit behandeln; weiß er doch, daß die Tiere mit ihrem ausgeprägten, starken Instinkt auch ohne Küsse sehr wohl fühlen, wer es gut mit ihnen meint. K. G. Vernünftige Schuhe. Von.Franziska Mann. Mein Vertrauen zu einer Aufwärtsentwicklung der Menschen (darf ich sagen: insbesondere der Frauen?) hat sich feit kurzem wesentlich gesteigert. Nicht durch Dinge, die mit neuer Kunst oder sonst irgendwelchen hoch eingeschätzten Zielen zusammen- hänaen. Nein, es bandelt sich um Alltägliches, und ich bin darauf vorbereitet, belächelt zu werden. Immer meinte ich nämlich, nur d i e Schuhläden seien überfüllt, in denen man die Wahl habe zwischen moderner und allermodernster Fußbekleidung. Mir schien, es bliebe gar keine Käuferin „übrig", die auf die Schmalheit einer Schuhspitze oder auf die Höhe eines Absatzes verzichtet, weil für sie anderes an einem Schuh wichtiger ist. Habe ich sie doch scharenweise vor dem Schaufenster stehen sehen: junge Mädchen, junge Mütter und jugendliche Großmütter, fasziniert von dem Anblick „entzückender" Schuhe. Folgte mein Blick aber den Davoneilenden, so bemerkte ich, daß ihr Gang keineswegs mit der Schönheit ihrer Schuhe zu konkurrieren vermochte. Der spitze hohe Absatz, der die Fußlage in eine Stellung zwingt, welche ihr nicht natürlich ist, muß den Körper allmählich in eine Haltung bringen, die von der Natur nicht vorgesehen war. Anstatt elastisch dahin zu schreiten, wird das Gehen zu einem Stolzieren, das oft komisch wirkt. Nicht weniger als komisch sind die so lange als möglich verheimlichten Schäden, die zu hohe Absätze allmählich Hervorrufen. Unnötigerweise wird der Körper bei jedem Auftreten erschüttert, die Sehnen des Fußes zerren sich, der Fuß schwillt an. Solche Schwellung bleibt nicht nur auf den Fuß beschränkt, sie wirkt weiter schädigend auf die Wade, den Oberschenkel und den Unterleib. Das alles geschieht nicht in rasendem Tempo, meist langsam aber sicher. Der hohe Absatz drängt das Hauptgewicht des Körpers auf das Mittelgelenk des Fußes, dessen Röhrenknochen eine solche Belastung nicht ohne Beschädigung hin- nehmen. Der größte Teil der heutzutage geradezu epidemisch auftretenden Senkfüße (früher sagte man weniger zartfühlend: Plattfüße) ist auf das Uebel zu hoher Absätze zurückzuführen. Doch: füge b i cf)! lautete ja von jeher das Machtwort der Mode, das allem, was sie forderte, mochte es noch so schädigend wirken, zum Siege verhalf. Ich war also auf gähnende Leere vorbereitet, als ich dem Laden zuschritt, von dem man mir beteuert hatte, daß er „vernünftige" Schuhe feilböte. Vor dem Geschäft angelangt, glaubte ich mich entweder in der Hausnummer geirrt zu hohen, oder ich hatte meine Geschlechtsgenossinnen bisher weit unterschätzt. Es gab also wirklich so viele, die ihrer Gesundheit halber auf letzten Schick zu verzichten vermochten? Mein Staunen war grenzenlos. Wußte ich ja, wie oft man auch sonst in den Wind spricht, wenn man eine gute oder gesunde Sache verteidigt, so ganz nur in den Wind bann, wenn es sich um die Mode handelt, doch nur selten. — Niemals habe ich so geduldig gewartet, um bedient zu werden, wie an dem Morgen. Neben mir saß ein junges, kräftiges Mädchen, es paßte Tanzschuhe an. Ich gebe zu, auf einem bet großen öffentlichen Bälle hätte ihre Trägerin nicht mit ihnen Staaat machen können. Dafür aber war bas blühenbe biegsame Menschenkinb eine Erscheinung, um bie vernünftige Männer sich reißen müßten. Diese Tanzschuhe sahen nicht etwa häßlich aus, aber anbers, ganz anders als die, in welche man sonst beim Tanzen seine Füße einzuzwängen für notwendig erachtet. Vernünftige und doch hübsche Schuhe schließen einander nicht aus, wie immer angenommen wird. — Neben jenem jungen Mädchen liehen Spiels. In seinen Gedanken gaukeln Schmetterlinge mit buntschimmernden Flügeln, und Kobolde streuen kleine Blumensträuße In sein weißes Haar. Ach, nicht sterben, nicht sterben: Ueberall ist Leben und Blühen! Aber er kommt doch, der klirrende Tod. Seine Schritte hallen schwer wie die des größten Schicksals, und seine mantelumhüllte Gestalt schiebt sich langsam vor das Bild der Sonne. Noch bittren Mandeln duften seine harten Hände. — Die Romanze beginnt. — Schüchtern blickt das Edel- fräulein auf bie blühenbe Rose an ber klopfenden Brust, und die jungen Wangen färben sich purpurn. Es dreht sich geschmeidig nach den Klängen in sicherem Taki und läßt den golddurchwirklen Schleier von der Schulter gleiten. Ach, vorwärts, — rückwärts? Wie des dürren Ritters abgrundtiefe Augen locken! Wie feine kahlen Arme winken! Wie er den leuchtenden Mantel schwingt und das (Ebelfräulein einhüllt unb fortzieht! Wohin? — Wohin? — O, Frau Mufika, was machst du aus uns Menschen! — Werdet nicht müde, ihr Jünglinge, diese eine Nacht müßt ihr aushalten, denn morgen ist alles uobei! Es ist bie letzte Nacht, bie eurem Freunbe zu leben bestimmt ist, darum müßt ihr burchhalten im Spiel, ob auch der Schlaf in euren Augen brennt unb die paßten andere „Gedrauchsschuhe" an. Alle, bie kaufen wollten, sahen fröhlich unb zielbewußt aus, hatten sie hoch keine ftörenben Überraschungen beim Ellen in bie Bureaus ober beim Wandern durch Feld und Wald zu befürchten. In diesem Kreise mußten ältere Damen nicht fürchten, „über bie Achsel" angesehen zu werben, nur weil sie unbeirrbar sinngemäße Forderungen an ihre Schuhe stellten. Den größten Eindruck im Laden der vernünftigen Schuhe verursachten mir aber bie Mütter, die rechtzeitig für ihrer jungen Kinder Füßchen bedacht waren. 'Alle Käuferinnen fühlten sich anscheinend miteinander verbunden durch ein Etwas, das weit über einen Schuheinkauf hinausging. Sollte es nicht möglich fein, Füßen beizeiten wohl statt weh zu tun, ihnen keine ihrer Fort-Schritte zu erschweren? Vernünftige Schuhe lassen auf vernünftige Menschen schließen. Mißmut unb üble Launen kommen nur zu oft von Anforderungen, bie durch die Mode hervorgerufen werden. Das glücklich verscheuchte Korsett hat, wie statistisch fest- gestellt wurde, bie Zahl ber an Wutarmut unb Bleichsucht Leibenben ganz erheblich "'Herminbert. Wer hätte je bie Abschaffung jenes Panzers für möglich gehalten?! Es ist also keineswegs ausgeschlossen, baß jede Einschnürung eines Körperteils einmal „unmobern" werben kann. Ist sie es aber erst, so hat sie gesiegt. Die Erhaltung ber schönen Linie eines nicht inihhanbelten Fußes, die Lust an ber freien Bewegung in gefunben Schuhen wirb jeben, ber bie Mobe einmal mitmachte, dauernd entzücken. Für Haus und Küche. Um die Schalen von Eiern, die für den Gebrauch bei Tische bestimmt find, so weiß und sauber wie möglich zu machen, reibt man sie mit der inneren Fläche einer Zitronenschale ab Färb- »nd Fettslecke sind, mit Terpentin leicht aus Stoffen zu entfernen. Man befeuchtet den Fleck mit Terpentin unb läßt bies eine Weile wirken, bann reibt man den Stofs vorsichtig. Die Farbe bröckelt bann von selbst ab. Ein paar Stückchen Dampfer zwischen Silberzeug gelegt, verhinbern fein Dunkel- werben, und das Putzen wird weniger oft nötig fein. Die Schnüre von Rollsaloufien und Gardinen sollte man alle halbe Jahre mit einem mit Del getränkten Tuch tüchtig abreiben. Das Aus- und Zu- ziehen wird leichter gehen unb bas Zerreißen verringert. Gegen die Wanzen werben viele Mittel empfohlen. Eines der bewährtesten ist eine dicke Lösung von Salz und Petroleum. Diese streicht man mittels eines Pinsels oder einer Vogelfeder in alle Fugen unb Ritzen ber Mauern unb Möbel. Daburch werben bie Wanzen unweigerlich baraus vertrieben und müssen getötet werden, damit sie sich nicht anderweit festsetzen. Sobald die Brut auskriecht, muß man das Verfahren wiederholen. Grünkohl mit Sahn«. Drei Pfund Kohl werden von den Stielen gestreift, in Salzwasser fast weich gekocht unb fein gehackt. Dann läßt man drei Löffel geriebene Semmel in 50 Gramm Butter angehen gibt den Kohl dazu, läßt ihn unter fortgesetztem Ämrühren langsam aufkochen, fügt nach und nach 1/4 Lichter kochende Sahne dazu, schmeckt nach C-alz ab und gibt je nach Geschmack etwas Zucker hinein. Zuletzt würzt man das Gericht mii 1/s Teelöffel Maggis Würze und umlegt den Kohl beim Anrichten mit kleinen gebratenen Kartoffeln. Punsch-Auflauf. Man mischt 60 Gramm zerlassene Butter mit 75 Gramm feinem Mehl, gibt V« Liter Sahne nach und nach dazu und rührt alles auf gelindem Feuer zu einem dicken Drei ab. Diesen Drei läßt man erkalten, verrührt ihn mit sechs Eigelb, 90 Gramm Zucker, Saft und abgeriebener Schale einer Zitrone, ein Likörglas Punsch-Extrakt und etwas Salz. Sodann zieht man den steifen Schnee der sechs Eier darunter, füllt eine gebutterte Form dreiviertel voll und bäckt alles eine halbe Stunde. Apselsinen-Gebäck. Man verrührt ein halbes Pfund Zucker, drei Eigelb, ein ganzes Ei und. die dünn ab- geschälte, fein gehackte Schale einer Apfelsine gründlich und schaumig und mischt dann ein halbes Pfund feingefiebtes Mehl dazu. Mit dem Löffel setzt man runde, glatte Häufchen auf das gebutterte, bemehlte Blech, ziert jedes mit einem zierlich geschnittenen Stück eingemachter Apfelsinenschale unb bäckt sie im Ofen bei mäßiger Hitze gelb. Apselklöße. Man schält Aepfel und schneidet sie in Würfelchen. Etwa einen Suppenteller voll genügt zu 125 Gramm Semmelmehl, 100 Gramm Zucker, eine Tasse Milch, zwei Eßlöffel Butter und zwei bis drei Eier. Alles muß gut vermischt werden und, wenn der Teig nicht genug bindet, was bei Wassersemmeln leicht der Fall ist, etwas Mehl hinzugefügt werden. Dann sticht man mit einem Löffel Klöße ab, die man in gefallenem Wasser kocht und mit Zucker und Zimt bestreut. Man reicht sie mit brauner Butter oder ohne Zucker als Beigabe zu Rippespeer. Fingerkuppen schmerzen. Laßt den Bogen springen, baß ein festes Staccato erklinge unb bie Takte bes neckischen Scherzos wie fchillernbe Wafsertropfen auf unb nieder Hüpfen! D, Frau Musika, sammle beine Kinber! Beschirme sie unter beinern roaüenben Mantel unb führe sie hinauf an bas Fenster bes Sterbenben. Bleibe bei ihm, solange seine Sinne bich noch zu empfinben vermögen.--------- Haltet ein, ihr treuen Jünglinge, benn bie Stunbe bes Todes ist gekommen. Sie ist gekommen wie ein fremder Schmetterling auf samtnen Flügeln, wie em Nebel, der herbstliches Laub zudeckt. Ihr habt euren Freund verloren. — Weinet nicht, ihr Jünglinge! Frau Mufika hat ihn in ihre Arme genommen unb an ihr queüenbes Herz gezogen. Sie hat ihn aufgenommen in den unerschöpflichen Schatz ihrer Melodien, und er wird euch in neuen Harmonien entgegenklingen. — Rüstet euch zu in Heimweg, ihr Getreuen, aber klaget nicht. — Unsterblich ift, wer Frau Musika geliebt unb in bem Strahl ifjrer wundertiefen Augen Erlösung gefunden für bie Wirrnisse bes irbischen Lebens, unsterblich ist, wer an ihrer flingenben Brust vom ewigen Born der überminbenben Göttlichkeit trank!