Nr. 263 Erstes Blatt 176. Jahrgang Dienstag, 9. November 1926 Erscheint täglich,außer Sonntag» und feiertags. Beilagen; Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle monatsiDejngsprels: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig stir Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanichlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger riehen, poftsch.ckkomo: Frankfurt am Ulain 11686. MetzeimAiizeiger General-Anzeiger für Oberhessen VrvS und Verlag- vrühl'sche Universl1ä1§-Vuch- und Ziemdruckerei R. Lange in Gietzen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulsttahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen vv.i 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Neichspfennig, Piayvorschrift 206 , mehr. Chefredakteur; Dr. Friedr Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Gange; für Feuilleton Dr H Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein: für den Anzeigenteil i. Dertr. H. Deck, sämtlich in Gießen. Verhandlungen im Bergbaukonflikt. Die Komprom ^Vorschläge der Regierung. London, 9. OloD. (Täl.) Die Bergarbeiter- exekutiv« befaßte sich am Montag mit den von der Regierung für eine Lösung des Kohlenkonflikts unterbreiteten Kompromißvorschlagen. Die Regierungsvorschläge werden in ihrer ®e- samtheit noch geheim gehalten, doch verlautet zuverlässig, daß sie ungeiähr folgendes enthalten: 1. Minimum? ufchläge zu einem Grundlohn, ähnlich den Zuschlägen des Abkommens aus dem Jahre 1921; nämlich 20 Prozent über den Standardsatz ohne Rücksicht auf die getriftete Arbeitszeit. 2. Die bisherig« Methode für die Feststellung der R e t t o e r t r ä g n i s s e soll beibehalten werden. , , ,, . 3. Die Gewinnbeterltgung soll den Verhältnissen der einzelnen Bezirke angepaht werden. , ,, _ , . 4. Den am niedrigsten bezahlten Dergarbet- tern soll der Grundlohn garantiert werden, während dl.> Sätze allgemein wie bisher von den Bezirken sestgeseht werden sollen. Rach etwa dreistündiger Beratung begaben sich die Mitglieder der Bergarbciterexekutive in Begleitung des Berhandlungskomitees des Gewerkschaftskongresses nach der Downing- st r e e t. Di« Bergarbeitere^e'utive findet einen Zuschlag au den Grundlöhnen von 20 Prozent, wie ihn die Regierung ohne Berücksichtigung der geleisteten Arbeitszeit vorschlägt, nicht für annehmbar. Der Gedanke des nationalen Schiedsgerichts tritt wieder stark in den Bordergrund. Die Regierung hat bei den Grubenbesitzern Borstellungen erhoben, damit sie das Schiedsgericht annehmen. Am späten Rachmittag haben sich auch die Dertreter der Bergwerksbesitzer nach der Downingstreet begeben. Man rechnet mit der Möglichkeit einer gemeinsamen Konferenz aller Beteiligten. Mussolini lenkt ein. Avezzana be Briand. Jtulienisch- sranzösischer Notenwechsel. P a r i S, 9. Rov. (WB. Funkspruch.) Außen- Minister Driand hat gestern nachmittag den italienischen Botschafter Baron Avezzana empfangen, mit dem er eine 25 Minuten währende Unterredung hatte, in der die französisch- italienischen Beziehungen besprochen wurden. Lieber di« Unterredung glaubt „Petit Parisien" „ berichten zu können, daß der Botschafter eine italienische Rote ankündigte, die in Kürze der französischen Regierung überreicht werden solle, und in der die verschiedenen Maßnahmen angeführt werden sollen, die Mussolini zu ergreifen beabsichtige, um die Angreifer auf die Konsulate in Tripolis und Ventimiglia zu b e- st r a f e n, sowie den Kundgebungen der Extremisten und sogar gewisser Behörden Italiens gegen Frankreich ein Ende zu bereiten. Rach der „Volonte" soll außerdem der italienische Botschafter Briand eine Mitteilung seiner Regierung in der Angelegenheit Ricci- otti Garibaldi überbracht haben. 3m übrigen hat gestern auch der französische Botschafter in Rom einen neuen Schritt bei Mussolini unternommen, dem er nach einer Dlätter- meldung eine Verbalnote über die Zwischenfälle in Ventimiglia überreichte. Ern bulgarisch- italienischer Bündnisverrrag? Belgrad, 8.Nov. (TU.) Die Zeitung „No- voti", das Organ der serbischen Bauernpartei, meldet, daß der bulgarische Finanzminister sich auf seiner geplanten Reise nach Paris und London auch in Italien aufhaltcn und dort eine Zusammenkunft mit Mussolini haben werde. Bei dieser Gelegenheit soll der Tejt des italienisch-bulgarischen Bündnisvertrags endgültig festgesetzt werden. Der Plan eines italienisch-bulgarischen Bündnisses sei gelegentlich der Zusammenkunft in Livorno im Einvernehmen mit England gefaßt worden. Das Wahlergebnis in Griechen and. Paris, 9. Rov. (WTD. Funkspruch.) Wie .Chicago Tribüne" aus Athen meldet, haben bis gestern abend die Republikaner 160 von insgesamt 282 Sitzen erhalten. Auf die Kommunisten entfallen acht Mandate. Man nimmt an, daß Kafandaris mit der Regierungsbildung beauftragt wird. Mnisterprüsident Condylis empfing die Vertreter der Presse und teilte ihnen mit, daß das Wahlergebnis die endgültige Stabilisierung der griechischen Republik bedeute. Er gab der Hoffnung Aus- Druck, daß nunmehr unter Teilnahme aller republllam scheu Parteien ein Koalitions- k a b i n e t t gebildet werde, das bestrebt sein müsse, das Vertrauen des Auslandes zu stärken und die zwischen Griechenland und Jugoslawien schwebenden Fragen baldigst zu klären. Condylis empfahl in dem neuen Kabinett das Ministerium des Aeuhern D c n i z e l o s anzuvertrauen. Oppositionssieg im Reichstag. Der sozialdemokratische Antrag zur Erwerbslosenfürsorge mit den Stimmen der Deutschnationalen angenommen. - Die Regierungsparteien in der Minderheit. 3n demselben Augenblick, in dem der Reichstag seine parlamentarische Tätigkeit für den, Winter wieder ausgenommen hat, macht sich naturgemäß innerhalb der Parteien das Bestreben geltend, die schwache und schwankende Grundlage der Minderheitsregierung a u s festere Füße zu st eilen, und dabei zeigt sich wieder das alte Bild, daß es schwer ist, eine Wahi zwischen rechts und links zu treffen. Gerade deshalb wird die Frage, ob die Verbreiterung durch die Sozialdenwkraten oder durch die Deutschnationalen erfolgen solle, in den Regierungsparteien eifrig besprochen. 3m linken Flügel des Zentrums ist besonders stark der Wunsch vorhanden, di« Sozialdemokraten wieder zur Verantwortung an den Regrerungsgeschäften heranzuziehen. Das ist verständlich, denn in der katholrschen Arbeiter- schrst macht sich ein starker Zug n a ch l t n k s bemerkbar, der es den Führern schwer macht, die Massen bei der Stange zu halten. Die maßgebenden Geister der chrisllichen Gewerkschaften glauben, daß der Abbröckelung nach links in ihren Rechen Einhalt getan werden kann, wenn den Sozialdemokraten der Vorwand genommen wird, der Arbeiterschaft vorzuerzählen, daß ihre Wünsche nur mit Hilfe der Sozialdemokraten' und der freien Gewerkschaften erfüllt werden können. Auch darf man hierbei nicht überrcSen, daß in Zeiten großer Arbeitslosigkeit die Rei- gung zu radikalen Ansichten stets größer ist als in ruhigen Zeiten, und diese Tatsache tut gleichfalls den konservativen Elementen in der Arbeiterschaft Abbruch. Ferner stößt man namentlich im linken Zentrum auf die Auffassung, wenn man erst einmal die Sozialdemokraten in der Regierung habe, werde man sie auch darin halten und sie allmählich zu ersprießlicher Arbeit erziehen können. Hier scheint ein Trugschluß vorzuliegen. Als vor drei 3ahren die Sozialdemokraten >..it den jetzigen Regierungsparteien ^ufammen die Große Koalition bildeten, trugen sie ein foRyeS Element der Unsicherheit und der Ungewißheit in die Führung der Regierungsgeschäfte hinein, daß das Auskommen mit ihnen von Tag zu Tag schwerer wurde. Aus Furcht vor ihr.r.. linken Flügel und den Kommunisten stellten sie immer größere Forderungen und nach wenigen Monaten schieden sie aus der Regierung und aus der Koalition wieder aus. Wir sind überzeugt, daß wir in der jetzigen Zeit genau dasselbe Schauspiel erleben würden, wenn der Versuch, die Große Koalition im Reich von neuem zu beleben, abermals ernsthaft gemacht werden sollte. Wahrscheinlich wird es zu formellen Verhandlungen über die Bildung der Großen Koalition nicht einmal kommen. Denn auch in der demokratischen Reichstagsfraktion stößt man auf die Ansicht, daß die Sozialdemokraten mit wirtschaftlichen Forderungen heroortrelen würden, die unerfüllbar feien. Um so mehr drängt sich von neuem der Gedanke auf, daß unter solchen Umständen der Beitritt der Deutschnationalen die gegebene Lösung sei. Das ist unzweifelhaft richtig. Und der Gedanke ließe sich wohl verwirklichen, wenn man auf allen Seiten mit der erforderlichen Klugheit und richtigem Takt zu Werke ginge. Daran fehlt es aber leider vielfach. Ein schweres Hindernis bei Zentrum und Demokraten bildet der Umstand, daß die Deutschnationalen vor einem Jahr wegen der auswärtigen Politik aus der Regierung ausschie - den, weil sich die Masse der Partei trotz der Abstimmung für das Dawesgutachten mit der Politik von Locarno noch nicht versöhnen konnte. Wenn die gemäßigten Elemente der Deutschnationalen Volkspartei jetzt bereit sind, di« Richtlinien der Außenpolitik als gegeben anzuerkennen, bann wäre di« Möglichkeit für ihren Wiedereintritt gegeben. Sie brauchten eigentlich weiter nichts zu tun, als in Fragen der inneren Politik, namentlich in solchen auf wirtschaftlichem und sozialpolitischem Gebiet, kluge Zurückhaltung zu üben und die Dinge auf sich zukommen zu lassen. Es klingt sehr schön unb ist im Grunde auch vollkommen zutreffend, wenn eine große Partei, wie die Deutschnationalr Volksvartei, dir bereit zu verantwortlicher Mitarbeit in der Regierung ist, auch zugleich den festen Willen bekundet, dieses Ziel zu erreichrn. Das ist aber keine grundsätzliche Frage, sondern nur eine taktische. Es will uns scheinen, als ob es wenig zweckmäßig wäre, diktatorisch zu erklären, man müsse in die Regierunaskoalition aufgenommen werden oder man werde durch die rücksichtslose Anwendung aller parlamentarischer Mittel den Beweis liefern, daß es ohne die Partei nicht gehe. Eine solche Gewaltpolitik mag in gewissen Fällen richtig fein. 3m jetzigen Zeitpunkt dürfte sie falsch sein, well die naturnotwendige Folge die ist, den Wunsch nach Verständigung mit den Sozialdemokraten mindestens im Zentrum und bei den Demokraten zu verstärken und offen stehende Türen zuzuschlagen. Die letzte Folge einer solchen Politik wäre schließlich die Auflösung des Reichstages, und ter Ausgang der sächsischen Wahlen hat doch wohl gezeigt, daß für die bürgerlichen Parteien mit Einschluß der Deutschnationalen dabei nicht viel Seide zu spinnen ist. Richtiger wäre es wohl, wenn die Deutsch- nationalen nicht den Gegnern Agitationsstosf lieferten, sondern den Rachweis führten, daß es mit ihnen in der Regierung ausgezeichnet gehen werde. Die von ihnen in der Frage der Crwerbs- losenfürsvrge befolgte Politik hat noch nicht erkennen lassen, daß sie von der Richtigkeit dieser Taktik überzeugt waren. Sitzungsbericht. Berlin, 8. Rov. (VDZ.) Die Beratung der Anträge zur Erwerbslosenfürsorge wird fortgesetzt. Abg. Brey (Soz.) erstattet zunächst den Bericht des Hauptausschusses. Der Hauptausschuh hat die gegen den Willen der Regierungsparteien im S zialpolitischen Ausschuß gefaßten Beschlüsse über den unbegrenzten Fortbezug der Llnterstühung über die Einbeziehung der 3ugendlichen usw. a b g e l e h n t. Der Antrag des Hauptausschusses beschränkt sich auf die von den Regierungsparteien vorgeschlagene Erhöhung der Llnterstützungssähe um 10 und 15 Prozent und auf den -vollen Zuschlag für das vierte Kind. Die Regierungsparte ien haben in einem Antrag den vom Sozialpoliti- schen Ausschuß abgelehnten Vorschlag angenommen, wonach im Wege einer Krisenfür- sorg« den Ausgesteuerten bis zum 31. März 1927 die Unterstützung weiter gezahlt werden soll. Di« Lasten der Krisenfürforge sollen zu drei Viertel vom Reich, zu einem Viertel von der Gemeinde getragen werden. Rach einem weiteren Antrag der Regierungsparteien sollen die Gemeinden aus Mitteln der Erwerbslosenfürsorge die Beiträge zur 3nvaliden°, Angestellten- und Knappschaftsversicherung entrichten, öie zur Erhaltung der Anwartschaften erforderlich sind. Abg. Diebel (Soz.) wendet sich gegen die jetzige Praxis der Pflichtarbeit, die besonders für Angestellte zu schlimmen Harten führe. Es sei nicht angenehm, schwächliche Düro- angestellt« zu schweren Erdarbeiten zu zwingen, bei denen sie ihren letzten Anzug ruinieren. Abg. Frau Schröder (Soz.) verlangt die Einbeziehung der3ugendlichen tn di« Erwerbslosenfürsorge. Die kommunistischen Anträge werden gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. In namentlicher Abstimmung wird dann der sozialdemokratische Antrag, der die Unterstützungssätze um 30 Prozent, die FanlUienzuschsäge um 20 Prozent erhöhen will, mit 205 gegen 141 Stimmen bei drei Enthaltungen angenommen. Dafür haben neben den Sozialdemokraten auch die Deutsch- nationalen, die Kommunisten und die Völkischen gestimmt. Reichsarbeitsminister Brauns erhebt sich und gibt folgende Erklärung ab: Di« Reichsregierung hat natürlich zu diesem Beschluß des Reichstags noch keine Stellung nehmen können. Sie wird das so bald wie möglich tun. Ich bin aber von den anwesenden Regierungsvertretern zu der Erklärung ermächtigt, daß auf Grund der bisher über diesen Gegenstand gepflogenen Verhandlungen wahrscheinlich nicht die Möglichkeit für die Reichsregierung besteht, diesen Beschluß durchzuführen. (Bewegung und Zurufe bei den Kommunisten.) Abg. Graf v. Westarp (Du.): 3ch will erklären, warum wir für den sozialdemokratischen Antrag gestimmt haben. Es ist nicht anzunehmen, daß die Sozia'demokratie ernstlich mit einer Annahme ihrer Anträge gerechnet hat, zumal noch nicht ein klares Bild über die zur Verfügung stehenden Geldmittel geschaffen worden ist. Der sozialdemokratische Abgeordnete Hoch hat im Ausschuß auch gar keine Genugtuung darüber geäußert, daß mit unserer Hilfe seine Anträge angenommen wurden. 3a, er hat uns deswegen der Obstruktion bezichtigt. Die Regierung und die Regierungsparteien sind den Sozialdemokraten immer weiter entgegengekommen. Sie wollten offenbar mit wechselnden Mehr heiten die Vorlage machen. .Unter diesen Umständen haben wir durch unsere Abstimmung den Sozialdemokraten die Gelegenheit gegeben, zu zeigen, ob sie die praktischen und parlamentarischen Folgerungen aus der Annahme ihrer Anträge zcehen wollen. (Beifall bei den Deutschnationalen.) Wir konnten der Regierung und den Regierungsparteien nicht die Verantwortung dafür ersparen, wie sie sich zu den sozialdemokratischen Forderungen stellen wollen. Wir werden uns bei den übrigen Abstimmungen der Stimme enthalten und in der Schlußabstimmung gegen die g)tzze Vorlage stimmen. (Beifall bei den Deutschnationalen.) Abg. Stöcker (Komm.): Wir halten es für selbstverständlich, daß die Deutschnationalen, die jetzt die Unterstützungserhöhung um 30 Prozent beschlossen haben, nun auch d i e nötigen Mittel dafür bewilligen werden. Und wenn die Erwerbslosen die Opfer dieses parlamentarischen Schachspiels werden sollten, so würde sich ihr« ganze Enttüstung gegen die Deutschnationalen richten. Präsident Lobe: Der Abgeordnete Graf von Westarp ist im Irrtum, wenn er von einer Schluß- abstimmung spricht, in der seine Freunde anders als jetzt stimmen würden. Es gibt keine Schluhabstim- mung. Es handelt sich um kein Gesetz, sondern um ein Ersuchen an die Reichsregierung, dem diese ganz oder teilweise enffpredjen kann. 216g. Esser (Zentr.): Die Regierungsparteien befanden sich in einer schwierigen Lage, weil diese überaus ernste Frage, an der die Aermsten der Armen aufs stärkst« interessiert sind, von rechts und links parteipolitisch ausgenutzt worden ist. (Lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien.) Die Deutschnot.analen haben im Ausschuß tatsächlich eine gelind« Obstruktion getrieben und diese Haltung hat durch ihre heutige Abstimmung eine Krönung gesunden, die tief bedauerlich ist. (Beifall.) 3hre Erwartung, bei der Schlußabstimmung sich korrigieren zu können, erfüllt sich nicht: sonst wären sie gewiß diesen Weg nicht gegangen. Abg. Gras v. Westarp (Dn.): Wir haben mit unserer Abstimmung den Erfolg gehabt, die verlogen« Agitation der Sozialdemokraten zu entlarven. Präsident L ö b e: Es entspricht nicht den parlamentarischen Gepslogenheiten, einer Partei verlogene Agitation vorzu'verfen. (Lärm und Widerspruch bei den Deutschnationalen.) Abg. Thiel (D. Vp.) wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. Gras Westarp. Die Deutschnationalen hätten im Ausschuß eine Passivität gezeigt, die man in einer so wichtigen Frage nicht hätte erwarten sollen. 3hre jetzige Haltung sei tief bedauerlich. Abg. v. Guerard (Zentr): Wir bedauern die Art und Form, in der die Deulsctznat'onalen hier vorgegangen sind. Damit sind die Grundlagen unserer Anträge verschoben und ich beantrage die Beratungen abzubrecken. Für den Antrag von Guerard stimmen unter allgemeiner großer Unruhe und Bewegung nur die Regierungsparteien. Dagegen stimmen Sozialdemo- traten und Kommunisten, während Deutschnationale und Völkische sowie Wirtschaftlich« Vereinigung sich enthalten. Die Auszählung ergibt die Ablehnung des Antrags von Guerard mit 140 gegen 140 Stimmen bei 52 Enthaltungen. Die Abstimmungen werden also fortgesetzt. Ein Antrag Leicht (Bayr. V.) auf Zurückweisung der Vorlage an den Ausschuß wird ebenfalls mit 149 gegen 138 Stimmen bei 28 Enthaltungen abgelehnt. Als He Abstimmungen dann fortgesetzt werden, verlassen die RegierungsP ar - telen unter großem Halloh der Qtn'en den Saal. Rur einige wenige ihrer M'talietzer bleiben im S'.tzungssaale. Au-ß die Wirtschaftliche Vereinigung hat s.ch tan Regierungsparteien angeschlosten. Die sozialdemokratischen 2lnträge gelangen dann zur Annahme, da die Sozialdemokraten und Kommunisten dafür stimmen und di? Deutsch- nationalen und Völlifchen sich der Llbstimmung enthalten und die andern Parteien nicht vertreten sind. Schließlich bezweifelt 216g. Schet - t e r (Ztr.) die Beschlußfähigkeit des Hauses. Da sich das Präsidium ni^t cininen kann, muh die Feststellung durch schriftliche 21b- Kimmung erfolgen. Die Auszählung ergibt die Anwesenheit von 230 2Ibg^» rieten. Das Haus ist also nicht beschlußfähig. 5>'r Präsident beraumt eine neue Sitzung für eine Viertelstunde später an. Auf der Tagesordnung stehen die Handelsabkommen mit Finnland, Lettland usw. 3n der zweiten Sitzung werden die Verträge mit Finnland, Lettland. Frankreich und der Sckwei.z ohne Debatte dem Auswärtigen Ausschuß und dem Handelspo'itischen Aus'chutz überwiesen, ein deulschnationaler Antrag über S'euerftun'ung für die Landwirtschaft dem Steuerausschuß. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Präsident Löbe schlägt für die Dienstagssihuna als Tagesordnung den Rach- tragSetat für 1926 mit den Anträgen zum Hohenzollernvergleich usw. vor. 2Ibg. Stöcker (Komm.) beantragt, morgen zunächst die Erwerbslosenfrage weiter zu beraten. Angesichts der Flucht der Regierungsparteien aus dem Hause muffe man eine Regierungserklärung trr'angm, ob die Regerung dte Re ichstagsb Schlüsse durchführen oder ob sie zurücktreten will. 2lbg. Müller-Franken (So;.): Das hätte nur einen Zweck, wenn die Regierung morgen schon eine Erklärung abgeben farm; wir haben aber nichts dagegen. Es handelt sich aber nicht um eine Gesetzesvorlage, sondern um rat Ersuchen des Reichstags an die Regierung. Abg. Erkelenz (Dem.): Wir werden im 3nteresse der Erwerbslosen gegen den Antrag Stöcker stimmen, da seine Annahme nur zur Wiederholung der heut gen Vorgänge führen würde. Die Regierung kann im Verordnungswege alles tun, was im 3nteresse der Erwerbslosen notwendig ist. Was dabei noch der gesetzlichen Regelung bedarf, kann sie dem Reichstag zu gegebener Zeit vorlegen. Gegen die Stimmen der Regierungsparteien wird dem Antrag Stöcker entsprechend beschlossen, die noch nicht erledigten Anträge zur Erwerbslosensürsorge morgen zu beraten. Der Beschluß des Reichskabineils. Berlin, 8. Rov. (Wolff.) Das Reichs- ka bl nett traf heute nach der ersten Sitzung des Reichstags zusammen und beschloß, die schon vorbereitete Anordnung über die Erhöhung der Unter- stuhungssähe der Erwerbslosenfürsorge entspre- chend den AnlrSgen der Regierungsparteien und den Beschlüssen des Sozialpolitischen Ausschusses des Reikystags dem morgen ;u- sammentrelenden Ausschüssen des Reichsrales zu unterbreiten. Infolgedessen darf damit gerechnet werden, daß die neuen Sähe mit Wirkung vom 8.November abinkrafttreten. Line Erklärung des Reichsarbeitsministers. Berlin, 8. Rov. (WB.) Reichsarbeitsminister Dr. Brauns empfing heute abend Bertreter der Presse, um chnen angesichts der Berwickeltheit der Crwerbslosenfrage einen kurzen Ueberblick nach der heutigen Reichstags- sihung zu geben. Der Reichsminister wies darauf hin, daß das Reichsarbeitsministerium in der Lage ist, die Satze durch Verordnung zu ändern. Cs ist nur gehalten, mit dem Reichs- r a t Fühlung zu nehmen. Darüber hinaus hat die Regierung aus praktischen Gründen bisher auch immer mit dem Reichstag die Verbindung ausgenommen. Das Ergebnis war in diesem Falle schließlich die Annahme des Antrages auf 1 0 bzw. Ibprozen» tige Erhöhung der Sätze. Da der Reichstag gewünscht halte, daß die Reuregelung schnell in Kraft treten solle, sind die Parteien davon verständigt worden, daß die dem Reichsrat heute ^ugeleitete Verordnung beim morgigen Zusammentritt d lediglich aus politischer Antipathie f e r n h ä l t. Ihre Reichstagsfraktion entschloß sich, in diesem Falle einmal ein E^emvel au t statuieren. — Die Tägl. Rundschau (D.V.P.) - betont, daß von einer Regierungskrise nicht die ' Rede sein könne und sagt: Vorläufig haben nur f die Deutsch-Rationalen den Beweis geliefert, daß sie zur Durchsetzung ihrer Regierungsfähigkeit einen ganz falschen Weg einschlagen. — In der Germania (Ztr.) wird erklärt: Die egoistische Parteipolitik hat auch gestern wieder über den verantwortungsbewußten Staatsbürger gesiegt bei den Sozialdemokraten und mehr noch bei den Deutsch-Rationalen, die die überaus ernste Frage ganz offen für parteipolitische Schachzüge mißbraucht haben. — Das Derl. Tageblatt (Dem.) glaubt gute Gründe für die Annahme zu haben, daß die Sozialdemokraten dem vorliegenden kommunistischen Mihtrauensan- trag gegen den Reichsarbeitsminister Dr. Brauns nicht zustimmen werden. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird heute vor der Plenarsitzung über ihre weitere Haltung beraten. — Der Vorwärts (Soz.) sagt: Der Kampf um die Erwerbslosenfürsorge geht weiter. Leicht ist er nicht, denn daß die Sozialdemokratie auf diesem Gebiete nicht mit Hilfe der Deutsch-Rationalen vorwärts kommen kann, versteht sich von selbst. Generaloberst von Seeckt. M. R. Berlin. 9. Rov. (Eigene Information.) Gegenüber Meldungen aus englischer Quelle, daß die deutsche Regierung den früheren Chef der Heevesleitung. Generaloberst von S e e ck t, als deutschen D e r t r e te r in die Abrüstungskommission des Völkerbundes entsenden wolle, erfahren wir, daß dies nicht richtig ist. Graf Bernstorfs, der im Kriege deutscher Botschafter in Washington war und das Deutsche Reich bei den Beratungen der Abrüstungskommission im Frühjahr ds. Is. bereits vertreten hatte,, wird dies, wie wir hören, auch weiterhin tun. Generaloberst von Seeckt wird aber gleichfalls wieder heran- gezogcn werden, da die deutsche Regierung seine außerordentlichen Fähigkeiten auch fernerhin dem Lande -u erhalten wünscht. An welcher Stelle man Herrn von Seeckt verwenden wird, steht noch nicht fest. Herr von Seeckt wird übrigens auch als Gutachter für zahlreiche politische Fragen verwendet werden, die mit seinem Fachgebiet, den militärischen Dingen, im Zusammenhang stehen. Die Meldungen, daß er Deut ch- land in der Abrüstungstommission des Döller- bundes vertreten werde, scheinen darauf zurück- zusühren sein, daß der General sich gegenwärtig in der Schweiz zur Erholung aufhält, und man dies als Vorbereitung für den, ihm von der englischen Presse freundlichst zugedachten Posten hielt. Was Deutschland zahlt. Die Leistungen im dritten Dawesjahr. Berlin, 8. Rov. (WTB.) In dem Bericht des Generalagenten für die Reparationszahlungen werden für die Leistungen Deutschlands in den ersten zwei Monaten des dritten Dawes-Jahres rund 1 7 9,6 Millio- nen Goldmark ausgewiesen; darunter für Oktober 94,6 Millionen. Einschließlich des Kasfen- bestandes am Ende des zweiten Dawes-Jahres in Höhe von 93,6 Millionen verfügte der Generalagent am 31. Oktober über einen Barbestand von 101,4 Millionen. Unter den Einnahmen im Oftober werden aufgeführt Beiträge aus dem Haushalt von zusammen rund 27 Millionen, der Ertrag der Beförderungssteuer mit 22,5 Millionen, die Verzinsung der Reparationsschuldverschreibungen der Reichsbahn mit 45 Millionen. Von den Leistungen entfallen auf Frankreich 35,6, England 19,9, Italien 8,4, Belgien 4,2 Millionen. Für Besatzungskosten sind im abgelausenen Monat 7,9 Millionen, für Sachlieserungen 43,3 Millionen und sür den Ertrag aus dem Recovery Act 22 8 Millionen gebucht worden. Barüberweisungen wurden in Höhe von 6,6 Millionen vorgenommen. Ieitungsschau. Jetzt In den ersten Tagen nach dem Wiederzusammentritt des Reichstages nimmt in der Presse die Frage der Regierungsumbildung einen breiten Raum ein, wobei auf der Rechten betont wird, daß die Möglichkeiten einer Verbreiterung der Regierungsbasis nach rechts sich stark verringert haben. So knüpft die „Kölnische Zeitung an die im Auswärtigen Ausschuß zutage getretenen Meinungsverschiedenheiten zwischen Prof. Hoetzsch und Dr. Stresemann an und schreibt: „Der Vorgang läßt aber im besonderen die unerfreuliche Tatsache erkennen, daß die Gegnerschaft der Deutschnationalen gegen die Regierung sich feit ihrem Kölner Parteitag wieder verschärft hat. Das war leider auch ohne die enttäuschte Ungeduld in bezug auf Thoiry voraus- zusehen von dem Augenblick an, als man die von dcn deutschnationalen Führern auf dem Kölner Parteitag erklärte Bereitschaft zu verantwortlicher Mitarbeit nicht nutzbar zu machen versuchte, sondern das Schicksal der heutigen Minderheitsregierung mit einer unentschlossenen Geste, die aber immerhin nach links einladender mar als nach rechts, getrost der Entwicklung zu überlassen erklärte, entgegen dem Dichterwort: „Die Zeit zum Handeln jedesmal verpassen, nennt ihr: die Dinge sich entwickeln lassen. Was hat sich denn entwickelt, sagt mir an, das man zur rechten Stunde nicht getan?' Daß das Zentrum sich der durch das parlamentarische System notwendig gewordenen Entwickluna unseres Parteiwesens entziehen möchte, liegt In feiner Wesensart begründet. Man erinnert sich noch des Aufsatzes im Hochland, in der diese Wesensart auf eine geradezu kirchenstaatlich anmutende Formel gebracht wurde: das Zentrum im Gegensatz zu allen anderen Parteien und zum parlamentarischen System, als Partei des politischen Katholizismus, der eine monopolartig übergeordnete Stellung zukomme, wie sie früher die Krone einnahm. Richt minder deutlich wird das in der „Allgemeinen Rundschau" Dr. Armin Kausens ausgedrückt: die Berufung und Berechtigung des Zentrums liege im Widerfpruch gegen die Staats- oergottung. „Es ist das andere, anders als links oder rechts, anders als reaktionär und revolutionär, anders als bürgerlich oder proletarisch. Das Zentrum steht auch jenseit von republikanisch oder monarchistisch. In der parteipolitischen Taktik wirkt sich die Wesensart des Zentrums aus durch den Versuch, führend zu bleiben mit einer sogenannten Politik der Mitte und je nach Bedarf Unterstützung von links oder rechts anzunehmen. Wenn dagegen in einem Teil der Anhängerschaft Bedenken bestehen, so gibt ihnen die Zentrumspresse zu erwägen, daß gerade diese Bewegungsfreiheit, die dem Zentrum gestatte, seine Ziele mit Hilfe verschiedenartiger Mehrheiten zu verfolgen, auch im stärksten katholischen Interesse liege. Der Reichskanzler Marx hat denn auch noch auf der jüngsten Erfurter Tagung verkündet, daß die Beibehaltung der gegenwärtigen Koalition im Reich, die Fortführung der Minderheitsregierung, das Gegebene sei. So erweist sich das Zentrum nach wie vor als das stärkste Hemmnis auf dem Wege des demokratisch-parlamentarischen Systems, während es gleichzeitig dessen Vorteile für sich nutzbar machen will. Da alle anderen Parteien, gern oder ungern, sich auf den Boden dieses Systems gestellt haben, das zwar mancherlei Verbesserungen erfordert, aber nicht grundsätzlich verworfen oder rückwärts entwickelt werden kann, so wird dem Zentrum die Zwangslage nicht erspart bleiben, ebenso wie die andern auf eine Bewegungsfreiheit zu verzichten, die ihm gestattet, seine Ziele mit Hilfe wechselnder Mehrheiten zu verfolgen. Wie» das Zentrum selbst sich die künftige Entwicklung denkt, geht aus einer Besprechung des Erfurter Parteitages durch den Abgeordneten Joos hervor, der in der „Germania" schreibt: „Uneingeweihte glaubten, das Zentrum würde sich in Erfurt insbesondere mit der Frage einer anzustrebenden oder zu erwartenden Regierungsumbildung befassen. Also Linkskoalition oder Rechtskoalit'.on? Das haben wir nicht getan. Darüber geht nun das Rätselraten. Was will eigentlich das Zentrum? Müßige Frage. Das Zentrum will die Politik, die der gegenwärtigen Lage gemäß ist. Der Lösung dieses Problems ist aber nicht beizukommen, indem man reichlich Begriffsklischees und Schlagwortschablonen verwendet. Warum sollten wir solches in Erfurt tun? Es lag gar keine Veranlassung dazu vor. Die Zentrumspartei geht von der politischen Aufgabe aus und nicht von einer ^beliebigen oder wünschenswerten politischen Kombination. Die letztere kann nur die Folge, nicht aber der Ausgangspunkt sein. Damit ist gesagt, was hierzu zu sagen ist. Hier eröffnet sich das ureigenste Wesen einer Partei, wie sie die Zentrumspartei ist: zwar weltanschaulich fest verwurKelt und doch ohne politische Orthodoxie, gebunden und doch völlig frei, immer offen der Zeit Angewandt. Dieses besondere Wesen der Zentrumspartei ist immer wieder zu formulieren versucht worden. CS ist viel wichtiger, daß es im Bewußtsein aller seiner Angehörigen lebendig bleibt. DaS scheint uns nicht überall der Fall gewesen und auch heute noch nicht überall zu sein. Daraus ergaben sich Mißverständnisse, die uns in den letzten Jahren Sorge machten. Wir stritten uns über „Rechts" oder „Links", bis wir endlich dahinter gekommen sind, wie sinnlos ein solcher formaler Streit ist. Was heißt „Rechts?" Was heißt „Links"? Es kommt darauf an, die Zeit zu sehen, so wie sie ist und sich klar ztu fein» über die Entwicklungen, die sie in ihrem Schoße birgt. Ist das erkannt, barm ist die Aufgabe gegeben.“ Im preußischen Landtag sind in diesen Tagen die im Sommer von der Berliner Polizei ungeordneten und durchgeführten Haussuchungen bei westdeutschen Großindustriellen in Zusammenhang mit angeblich aufgefundenen rechtsradikalen Putschplänen zur Sprache gekommen. Dabei debütierte der neue Innenminister Grzsinski mit wenig erfreulichen Auslassungen. H. Rippler schreibt in der „Tägl. Rund- schau": Jene Haussuchungen gegen angebliche nationale Hochverratspläne waren, wie sich doch nicht leugnen läßt, ein grober, aus Parteisucht begangener Fehler der Regierung. Sie sind ergebnislos verlaufen und haben eine Anzahl industrieller Führer, von denen man schon vorher wußte, daß sie mit den nationalen Verbänden und ihren Bestrebungen in keinem Zusammenhänge standen, in ihrer bürgerlichen Ehre schwer verletzt. Wäre es nun für die Regierung nicht geradezu eine Pflicht des Anstandes gewesen, jenen Fehler einzugestehen und den zu unrecht gemaßregelten Persönlichkeiten eine Ehrenerklä- rung vor dem Lande abzuaeben? Die preußische Regierung hat diesen sittlichen Mut nicht bewiesen: sondern wie das schlimmste Metternichs che Polizeiregiment der Vergangenheit sich einfach auf ihre Gewalt und ihre Unfehlbar- keit berufen. Die Ausrede von vorbeugenden Maßnahmen trifft nicht zu, wenn die ganze Aktion so ins Leere gestoßen ist, wie der damalige Polizeifeldzug, und man keine Tatsachen anzugeben vermag, die vorbeugende Maßregeln recht- fertigen. Solche vorbeugenden Maßregeln, die den Bürger, der mit der Regierung nicht einverstanden ist, in minderes Recht versehen und ihn zum Staatsbürger zweiter Klasse stempeln, haben auch schon immer die Sowjetregierung in Rußland und Mussolini in Italien angewandt, und das neue Umsturzgesetz Mussolinis erhebt sie in ungeheuer verschärfter, offen den Vernichtungskrieg der herrschenden Partei gegen ihre Gegner, proklamierenden Form zum Staatsgesetz: aber weder Mussolini noch Lenin haben jemals den Anspruch erhoben, parlamentarische Minister eines geordneten Staates zu fein, sondern sich offen zur Diktatur, zur ausschließlichen Herrschaft ihrer Partei und zum Terror bekannt. Die preußische Regierung aber will eine Staats-, nicht eine Parteiregierung der „freiesten Republik der Welt" sein und hat die Verpflichtung, die Grundsätze der Rechtsgleichheit, der bürgerlichen Freiheit und der Achtung jedes Burgers der Volksgemeinschaft nicht nur zu proklamieren, sondern auch durchzuführen. Sonst drängt sie die bürgerlichen Parteien, wie der sozialdemokratische Führer Bauer auf dem österreichischen Parteitage richtig sagte, in eine Verteidigungsstellung hinein, die das Volk in zwei Lager scheidet und. wie Dauer weiter ausführte, zum Bürgerkrieg führen muh. Sie Partei- mäßige Begünstigung nicht nur des Reichsbanners, sondern auch der Roten Frontkämpfer, die ganz offen auf den Umsturz des bestehenden Staatswesens hinarbeiten und die feindselige Stellung gegen die nationalen sogenannten Wehr» verbände kann nicht zur Beruhigung unserer inneren Verhältnisse sichren, sondern zu weiterer Zerklüftung, zur Auspeitschung der Leidenschaften und zur Unterbindung des naturgemäßen Hineinw achtens in die neuen Verhältnisse." Preußischer Landtag. B e r . i n, 8. Rov. (VDZ.) Im preußischen Landtag stand die Rovelle zur Goldabgabever- ordnung, nach der die Verzugszuschläge aufgehoben werden und nur noch Verz ugs - zinsen für Steuern in Höhe von 9 Proz. bleiben, wahrend das Reich einen Sah von 12 Proz. hat, zur Beratung. Finanzminister Dr. Hvepker-Aschoff erklärt, daß nach Meinung des Reichsfmanzministers 9 Proz. Verzugszinsen zu wenig seien, das Reich sei aber bereit, auf 10 Prvz. herunterzugehen. Der Minister bittet, auch für Preußen 10 Proz. feftau» setzen. Der Antrag wird mit den Stimmen der Kommunisten und der Regierungspartei angenommen. Eine Aussührungsnovelle zum Finanz- ausgleichsgefetz, die eine neue Verteilungsart bei der erhöhten Automobil st euer für Pro- viiizen und Kreise vorsieht, nach der der denStadt- undLandkreisen zu^chmdeArte l je zurHälfte nach Straßenstrecken und Gebietsumfang auf die Regierungsbezirke urteilt wird, wird angenommen. Eine vom Staatsrat beschlossene Novelle zur Gewerbesteuer, wonach die Begrenzung der Gewerbe- (teuer auf 100 Prozent der Vorauszahlungen befestigt werden soll, wird im Interesse der Gewerbetreibenden abgelehnt. Es steht dann zur Beratung ein Gesetzentwurf, der das Staatsministerium er- mächtigt, 53 815 Millionen Mark für die Ausgestaltung d e s staatlichen Besitzes an Elektrizitätsunternehmungen im Weg des Kredits zu beschaffen und zu verwenden. Abgeordneter Dr. von Waldhausen (Dn.) fordert baldige Durchführung der Rationalisierung auf dem Elektrogebiet. Unter keinen Umstänoen würden die Deutschnationalen dulden, daß die Elektrowirtschaft zum Staatsmonopol würde. Die staatlichen Unternehmungen dürften fick) nicht in das Installationsgeschäft drängen. Abgeordneter Hermes (Ztr.) fordert planmäßige Einflußnahme auf die Tarif- Politik der Unterverteilungsftellen, auch müsse mehr als bisher die Landwirtschaft als Stromabnehmerin berücksichtigt werden. Prinzessin Astrid in Belgien. Antwerpen, 8. Rov. (Wolft.) Die künftige Kronprinzessin von Belgien, Prinzessin Astrid von Schweden und ihre Eltern sind heute vormittag an Bord eines schwedischen Kreuzers hier eingetroffen. Sie wurden im Hafen von der königlichen Familie, dem belgischen Ministerpräsidenten und dem Minister des Auswärtigen, dem Bürgermeister von Antwerpen und dem Gouverneur der Provinz Antwerpen begrüßt und ins Rathaus geleitet. Beim Einzug in Antwerpen durchbrach nach dem Empfang im Rathaus auf dem Grande-Place das Publikum die Polizeikette und drängte an die königlichen Wagen vor, so daß diese nicht writerfahren konnten. Verschiedene Personen aus dem Gefolge des Königs waren gezwungen, einen Ring um di« Gäste zu bilden. Sie wurden jedoch von der an- drängendon Menschenmenge, die ihnen begeisterte Huldigungen darbrachte, zurückgestoßen. Verschiedene Personen wurden zu Boden geworfen und mit Füßen getreten. Auch die zur Feier des Einzuges errichteten Pylone wurden teilweise umgerissen. Endlich gelang eS dem Militär, dem Zuge einen Weg zu bahnen. Aus aller Welt. Der Buchbinder als Ehrendoktor. Die philosophische Fakultät der Hamburger Universität hat die Auszeichnung des Shrerr- doktors an Hugo I b s ch e r , Konservator an den staatlichen Museen zu Berlin, verliehen. Der Geehrte ist aus dem Handwerkerstand« emporge stiegen. Er wurde als Buchbinder in die Berliner Museen geholt, um die Papyrvs- urkunden aufzukleben und zusammen-usetzen. Dabei hat er sich durch seine Intelligenz und unermüdlichen FleiH um die Paphrusforschungen die größten Deroienste erworben. Mißglückter Ausbruchsversuch aus einem amerikanischen Gefängnis. Dreizehn Sträflinge des Gefängnisses In Columbus (Ohio) unternahmen, als Besucher aus dem Gefängnis hinausgelassen wurden, einen Ausbruch. Ein Sträfling wurde dabei getötet, ein zweiter wiederergriffen, elf entkamen zunächst, neun von diesen wurden nach einer regelrechten Schlacht von der Polizei wieder eingefangen. Bei einem Brande umgekommen. In Duisburg brach in einem Gastzimmer, das mit alten Kleidungsstücken angefüllt war, ein Feuer aus. Als die Feuerwehr den Brand gelöscht hatte, wurde auf den Lumpen liegend ein 60 Jahre alter Berginoalide verbrannt aufgefunden. Aus -er Provinzialhauptstadt. Gießen, den 9. Rovember 1926. Der Schnupfen. Die meisten Menschen haben jetzt einen Schnupfen. Der Herb st ist die Jahreszeit der Er- kältungen, der Wegbereiter einer Reihe von Erkrankungen, unter denen an oberster Stelle der Schnupfen steht. Das feuchtkühle Wetter, Durch- näffungen, Stehen im Zug, kalte Füße u. dgl. begünstigen das Wachstum der stets auf den Schleimhäuten der Rase vorhandenen Bakterien, die bann anfangen zu wachsen und eine Entzündung Hervorrufen. Mit Jucken und Kribbeln in der Rase, mit heftigem Riesen setzt der Schnupfen ein; da meist der Rachen mitbefallen ist, auch mit Kratzen im Hals. Bald wird der Kopf benommen, die Schleimhäute der Rase schwellen an und hindern die Luftpassage, die Rase verstopft sich, der Kranke muß durch den Mund atmen, so daß die Mundschleimhäute trocken werden. Der Tränenabfluß durch die Rase ist verlegt: die Augen verquellen und röten sich. Gleichzeitig sondert sich aus der Rase eine Helle Flüssigkeit — zuerst spärlich, dann stärker — ab; allmählich wird sie trüb und eitrig. Rach einigen Tagen lassen die Beschwerden nach, der Kopfdruck weicht, die Luft- passage wird freier, die Flüssigkeitsabsonderung vermindert sich und wird klarer, der Schnupfen klingt ab. Vielfach ist zu Beginn der Erkrankung auch das Allgemeinbefinden gestört. Es besteht Abgeschlagen- beit und Mattigkeit, das Denken fällt schwerer, Unlust und Verdrießlichkeit greifen Platz. Richt selten treten auch leichte Temperaturerhöhungen auf. Alles Erscheinungen, die meist schon nach 24 bis 48 Stunden zurückgehen. Nichtsdestoweniger können diese Allgemeinstörungen den Schnupfenkranken zwingen, das Bett für ein bis zwei Tage zu hüten. Da nicht allzu selten, besonders bei Kindern, das Ohr in Mitleidenschaft gezogen wird — Gefahr der Mittelohr- eiterungl —, so ist sorgfältig auf Schmerzen in dieser Gegend zu achten und rechtzeitig der Arzt zu Rate zu ziehen. Anhaltende heftige Schmerzen über den Augen und in der Oberkiefergeaend deuten, zumal wenn höheres Fieber besteht, auf eine Komplikation infolge Miterkrankung der Stirn- dzw. der Kieferhöhlen hin und bedürfen gleichfalls sofortigen ärztlichen (Eingreifens. Ebenso wie auf Ohr- und Nasennebenhöhlen vermag sich der Schnupfen auch abwärts auf die mittleren und unteren Luftwege — Luftröhre, Bronchien und Lunge — fortzusetzen: er verliert bei all diesen Komplikationen seinen Harm- losen Charakter. Ein absolut sicheres Mittel, um einen Schnupfen schon im Keime zu ersticken, besitzen wir nicht. Am besten scheinen hier — wie bei vielen anderen Er- kältungskrankheiten — noch Schwitzprozeduren zu wirken, die man unter Zuhilfenahme von Pyra- midon, Aspirin, Arcanol und dergleichen, sowie von heißem Fliedertee, heißer Zitronenlimonade — am bestem nach vorausgehendem heißem Bad — im Bett vornimmt. Auch wenn der Schnupfen schon in vollem Ganae ist, bewähren sich die gleichen Mittel gut und lindern besonders die Allgemeinftörungen. Dr. M. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 160 bis 180 Pf, Qllatte 30 bis 35, Wirsing 5 bis 12, Weißkraut 3 bis 5. Rotkraut 8 bis 12, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 25 bis 30, ilnter- Kohlrabi 5 bis 6, Grünkohl 20, Rosenkohl 50 bis 60, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 40 bis 50, Zwiebeln 10, Meerrettich 30 bis 100, Schwarzwurzeln 45 bis 60, Kartoffeln 5y2 bis 6, Aepfel 15 bis 30, Dirnen 10 bis 15, Junge Hahnen 100, Suppenhühner 100 bis 110, Ganse 80 bis 110, Rüsse 80 bis 90: das Stück: Eier 16 bis 18, Blumenkohl 50 bis 150, Salat 20, Endivien 10 bis 20, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 50, Käse (10 Stück) 60 bis 150 Ps. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag: Stadttheater: 7'/, Uhr, „Week-end" (Liebern Sonntag), Ende gegen 10 Uhr. — Vortrags- Vereinigung: 8 Uhr, Reue Aula der Universität, Lichtbilder-Vortrag. — Raturheilverein: 8 Uhr, Katholisches Vereinshaus, Vortrag. — Lichtspielhaus, Dahnhosstraße, „Der schwarze Engel". — Astoria-Lichtspi-ele: „Me Spürhunde von Winkelstadt". 'i-' ttervoranssage. Unbeständig, noch zeitweise regnerisch, südliche bis westliche Winde, später etwas kühler, im ganzen milde. Jung und krisch »Z L'erdauungsorgane richtig arbeiten. Ein bewöhites Mittel zu milbcr und zuverlässiger Regelung der Verdauung sind die echten aus rein pflanzlichen Stoffen hergestellten Avotdeker Rich. Brandt's Schweizerpillen, die seit 50 fahren in fast keiner deutschen Familie fehlen In allen Apotheken zum neuen Preis von Rm. 1.50 erh iltlich. 1471 ss Extr. Sei. pal. 1.5. Extr. Achill mosch. — Aloea. — Absynth. ia 1.0 Extr. Trif —Oent. ia 50. Pulv. rad. Oent. Trif ia q. s.f. pH. 50 — Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Geppert 7 0 Jahre alt. Am vorigen Sonn- tag. 7. November, beging der Geheime Medlzinal- «rt Professor Dr. Geppert seinen 70. Geburtstag. Da sich Geheimrat Geppert eine besondere Feier verbeten hatte, brachten der Rektor der Landesuniversität und der Dekan der Medizinl- fchen Fakultät ihre Glückwünsche schriftlich -um Ausdruck und gedachten dabei der M^ßen Der- dienste, die sich Geheimrat G^pert in der Wissen- schäft und während seiner 2cjährigen Tat grell rn Gießen auch um die Landcsuniversitat und die Medizinische Fakultät erworben, hat. Don unserer Deterrnär-Meoizincschen Fakultät wurde Geherm- tqi Geppert durch Ernennung zum Ehrendoktor noch besonders geehrt *• Die Winierbethtlfe für bi e No t - leibenden unserer Stadt. Für die gestern bereits berichtete Hilfsaktion der Stadtverwaltung zugunsten notleibcüöcr Mitbürger kommen in Betracht: 508 Kriegsbeschädigte und Kr egerbmterb .e- bene (haushaltungsvorstände) emschlietzlich 150 Halbwaisen, ferner als Haushaltungsoorstande 263 Kapitalrentner, 469 Sozialrentner 502 Erwerbslose 10 .Kurzarbeiter und 50 verschämte Arme. Es ist beabsichtigt, wie im Vorjahre den Fürsorgeemp- langem Zuschüsse zur Beschaffung für den Winter- bedarf dergestalt zu gewahren, dah zur Beschaffung von 15 Zentner Kohlen und zwei Zentner Holz für jede Familie die Hälfte der Kosten und für den Kopf der Familienmitglieder em Drittel der Kosten für drei Zentner Kartoffeln gewährt werden. Die Aus- Zahlung der Beihilfe soll in drei Raten erfolgen, und zwar die erste Rate alsbald, die zweite am 15. Dezember d. I. und die dritte am 15. Februar n. I. Unwirtschaftliche Fürsorgeempfänger sollen die Beihilfe nur in Form von Gutscheinen erhalten. Ebenso soll das Gutscheinverfahren für Erwerbslose und Kurzarbeiter gelten und Barauszahlung hier nur In Ausnahmefällen ftattfinden. Bei erwerbslosen Kurzarbeitern wird ferner die Beihilfe nur nach Prüfung der persönlichen Verhältnisse gewährt. Für" unverheiratete Fürsorgeempfänger, die im elterlichen Haushalt wohnen, wird die Beihilfe nur zur Hälfte gegeben, an haushaltungsvorstände, die den haushalt mit einem andern teilen, nur zu zwei Dritteln. ..... •* Die Wohnungsbautätigkeit in unserer Stadt ist bei dem anhaltend aünftigen Wetter noch rege im Gange. Besonders eifrig wird beiderseits der Straße „Am Kugelberg" gebaut. Dort hat bekanntlich die Stadtverwaltung in 22 städtischen Häusern 44 Wohnungen errichten lassen, bi,» ' '>t nahezu fertig und bereits vergeben sind, so daß sie voraussichtlich am 1. Dezember bezogen werde,. .uitnen. Es stehen hier 22 Wohnungen zu je zwei Zimmern mit Zubehör und 22 Wohnungen zu je drei Zimmern mit Zubehör zur Verfügung. Die Tatsache, dah man die Küchen, die Speisekammern und die Klosetträume nach der Straße zu angeordnet hat, gibt dem Strahenbild durch die vielen kleinen Fensterchen ein eigenartiges Aussehen. Dem steht jedoch der Vorteil gegenüber, daß die eigentlichen Wohnräume nach Süden, also nach der Licht- und Sonnenseite zu gelegen sind. An derselben Straße hat die Baugenossenschaft 1894 an der nördlichen Straßenseite mehrere Wohnhäuser mit insgesamt 16 Dreizimmerwohnungen erstellt, die ebenfalls in Kürze bezogen werden können. Auf der Südseite der Straße läßt die genannte Baugenossenschaft zur Zeit weitere Häuser bauen, die 30 Wohnungen zu je drei Zimmern mit Bad enthalten werden: diese Wohnungen dürften voraussichtlich erst im Frühsommer 1927 bezugsfertig sein. Das hinter der Kaserne der Maschinengewehrkompagnie erstandene Mililärwoh- nunachaus mit zwölf Dreizimmerwohnungen ist mittlerweile auch etwas weiter im Bau oorange- kommen, jedoch dürfte hier der Zeitpunkt der Be- zugsfertigkeit wohl noch etwas weiter entfernt liegen. Drei Prioatwohnhausbauten sind gegen- madig auf der „Schonen Aussicht" im Gange, ferner erbaut der Schreinermeister E. A. Müller im Gurts eld, Ecke Schiller st raße, em Wohnhaus mit acht Dreizimmerwohnungen, das auch in Kürze fertig sein wird. Diese rege Betätigung auf dem Gebiete des Wohnungsbaues ist sehr 3U b'^Derkehrsb und Ober Hessen. Aach- dem der Organisationsausschuß einstimmig einen Sahungseniwurs festgestellt hat. ist nunmehr die Gründungsversammlung aut Montag, 22. Nov.. In den Stadtverordneten-Sitzungssaal zu Gießen einberufen worden. Man darf wohl damit rechnen. dah dem Verkehrsbund eine sehr stattliche Mitgliederzahl beitreten wird. •• Der Landesverband hessischer Bürgermeister hält am 22. November in Darmstadt seine Hauptversammlung ab. Aus der Tagesordnung steht u. a. ein Dortrag von Ne- gierungsrat Dr. Krebs über .Probleme der modernen Derkehrswirtschast." • ** Ein Fall von spinaler Kinderlähmung wurde vor einigen Tagen in Treis a. d. ßba. feftgeftettt. Dort wurde das 2 Jahre alte Söhnchen August des OrtseinwohnerS 72 ilHelm Muhl von dieser gefährlichen Kränkelt befallen. Das Kind befindet sich gegen- toätiig im Stadium der Lähmung. Lebensgefahr besteht aber niM mehr: wie die Aussichten für seine Wiederherstellung sind, läht sich heute noch nicht sagen. Der Kleine verblieb in der häuslichen Pflege, es sind jedoch alle erforderlichen Dorsichtsmahnahmen getroffen, so daß eine Ausbreitung der Krankheit in keiner Wrise zu befürchten ist. Der Fall ist bisher in der Familie Muhl, im ganzen Orte und auch im Kreise Gießen vereinzelt geblieben. • • Aufgehobene Straßensperren. Die vom Polizeiamt Anfang September ungeordneten Sperrungen des Schisfenbergerwegs (zwischen Licher Straße und Dergstrahe) und des Pfarrgartens sind jetzt wieder auf gehoben worden, da die Walzarbeiten beendet sind. * * G r i st da! Gestern nachmittag wurde uns der schon lange erwartete Redaktionsmav- käser überbracht. Nachdem Erdbeeren und Himbeeren ihm schon erheblich vorauSgegungen waren, muh man fest stellen, daß er sich eigentlich recht verspätet Hai. Er kam von der Fürstlichen Daum- schule in Lich zu uns. • • Oberhessischer Kun st Verein. Die derzeitige Ausstellung, welche Werke von K. Lenz (Erdhausen), Ehr. Dey er (Kassel), H. Will (Wien). E. R ä d l e r (München) sowie die Dieistiftvorzeichnung W. Traut- s ch o l d' s zu seinem bekannten Rhenanen-- bild enthält, ist noch während dieser Woche, zuletzt Sonntag. 14. November, geöffnet Der Ausstellungsraum bleibt dann wegen der erforderlichen Dorbereitungen biS Sonntag, den 2 8. November, geschloffen, an welchem Tage dir von dem Landesamt für das Dildungswesen wiederum veranlaßte Weihnachts - Aus- Heilung .Künstlerhilfe 1 926" eröffnet wird. ' Der Einbrecher Röhrig, der bekanntlich in der Nacht zum Sonntag, wie gestern berichtet, nach seinem Cmbruchsversuch mit schwerer Schußverletzung im linken Arm als Pol^ei- gefangener in die Chirurgische Klinik eingeliefert wurde, hat durch den Schuß eine Knochensplitterung am linken Oberarm baoongetragen. Die Aerzte hoffen, den Ann erhalten zu können. Das Befinden Rohrigs ist den Umständen entsprechend befriedigend. •• Oberhesfischer CB e r e in für Innere Mission. Die in diesem Jahre etwas häufiger stattgefundenen kirchlichen Tagungen sollen. wie man uns schreibt, ihren verheißungsvollen Abschluß finden durch daS für den 14. und 15. d. Mts. in Aussicht genommene Jahres- est des Oberhessischen Dereins für Innere Mis- ion, dckS — einst durch reichen Inhalt und er- reuliche Beteiligung der Bevölkerung ein Glanz» pun'.t kirchlich-miss onari'cher Veranstaltungen —. seine ihm gebührende Bedeutung wiedergewinnen wird. Die mühsamen Vorbereitungen In Heran- ziehung hervorragender Vertreter deS kirchlichen Liebeswerls sind getroffen. Kommenden Sonntagabend 6 ülhr setzt die Feier mit einem Fest- gottesdienst in der Stadtkirche ein. in dem der bekannte Marburger älniversitätsprosessor D. Dornhäuser predigen wird. 3m weiteren Verlauf des Abends ist ein Farn l .enabend in ter Johanneslicche. wo der vielgerrrfene Kirchenrat Tromm ershausen aus Franlsurt Wertvolles aus reicher Erfahrung bieten wir). Der Kirchengesungverein wird auch diesmal mit erhebenden Weisen dienen. In der am Montag vormittag stattjindenden Hauptversammlung wird, nach Begrüßung durch den Vorsitzenden und Erledigung des Geschäftlichen, der hier noch unbekannte Direktor des Lande-Vereins, D r e v e s. sich über „Die volksmissionarischen und sozialen Ausgaben der Inneren Mission in der Not der Zeit" sachkundig verbreiten. *• Der Bund für Haus und Schule beging am Donnerstagabend im Johannessaal seine Reformationsgedenkfeier. Durch ein Musikstück. von Mitgliedern der Militärkapelle meisterhaft vorgetragen, wurde der Abend eingeleitet. Die beiden Damen. Frau Mendelssohn- Bartholdy und Frl. Stammler hatten ihre Kunst wieder in den Dienst des Bundes gestellt. Erstere wußte durch ihre wirkungsvolle Deklamation zweier Luthergedichte die Zuhörer in die rechte Reformationsstimmung zu versehen, wahrend letztere die Anwesenden durch einen .Lobgesang ' erfreute. Der Redner des Abends. Pfarrer Schrimpf (Dieburg), sprach sodann in äußerst fesselnder Weise über: ..Das große und stille Heldentum in Luthers ßebenStoert". Nach seinen' tiefgründigen Ausführungen offenbarte Luther große- Heldentum zunächst auf dem Reichstag zu WormS. wo er als schlichter, zaghafter Mönch dem Kaiser und Papste trotzte, obana im Kampse gegen die Wiedertäufer und Bilderstürmer nicht minder wie auch im Bauernkrieg, in dem er al« echter Thüringer Dauern- ohn gegen seinesgleichen auftrat, weil ihn sein Gewissen dazu trieb. Sein stilles Heldentum zeigte Luther auf der Wartburg, wo er .durch Stillesein und Hossen stark wurde", in seinem »äuslichen Leben zwischen Sorgen und Särgen und zuletzt in feinem Ofterglauben auf seinem Sterbebett. Der Dortrag klang aus In dem Wunsche, daß unserem Volke auch in 3ufunft noch deutsch-evangelische Helden vom Geiste Luthers beschieden sein möchten. Nach einem nochmaligen Musikstück beschloß der gemcinfame Gesang von »Ein feste Burg" die eindrucksvolle Feier. k. Der Freiwirtschaftsbund, Ortsgruppe Gießen, hielt am Freitagabend im Saalbau Sauer eine öffentliche Versammlung ab, in der Dr. 6 t o 111 n g, Frankfurt a. M., über das Thema „Alles um Geld" sprach Der Redner schilderte zunächst die Gleichgültigkeit und Ratlosigkeit, von der viele Menschen heute gegenüber den wirtschaft- lichen und sozialen Verhältnisien erfüllt seien. Schließlich sei es auch begreiflich, wenn der Einfache Mensch all den vielen Widersprüchen, die sich heute zeigen, sprachlos gegenüberstehe. Man denke nur daran, daß es trotz dieser furchtbaren Wohnungsnot fo viele Erwerbslose gebe. Es müsse doch Klarheit In diesen Wirrwarr hineinzubringen sein. Der Redner beschäftigte sich dann eingehend mit dem Internationalen Manifest der Wirtschaftler vom 20. Oktober. Dieses Manifest fordere Rückkehr zur Handelsfreiheit: dies stehe aber im Gegensatz zu der von biegen Kreisen betriebenen Trustbewegung, welche die Ausschaltung der Konkurrenz, die Preisbestimmung (evtl, unter Einschränkung der Produktion) sowie die Beeinflussung der Lohnbewegung zum Ziele habe. Der von der Regierung versuchte Preisabbau habe eine weitere Verminderung der Arbeitsstellen gebracht. Eine gesunde Wirtschaft sei nur zu erwarten, wenn die Kaufkraft beständig bleibe, Jetzt müsse die Produktion angeregt werden, die Ware suche bas Geld, statt umgekehrt. Das Geld müsse unter Umlaufzwang gestellt werden. Rur durch För- derung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes könne eine Minderung der Arbeitslosenziffer erreicht werden. Redner wünschte weiter die Beseitigung des arbeitslosen Einkommens, soweit es sich um Kapital- und Bodenrente handelt. Rur auf diesem Wege könne eine Gesundung unserer wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse eintreten. An die Ausführungen des Referenten schloß sich eine Aussprache. • • Doller Erfolg des zweiten Weltspartages. Der am Sonntag. 31. Oktober. zum zweitenmal begangene Weltsvartag hatte einen sehr guten Erfolg. Wenn auch noch nicht alle Berichte der Spava'sen hierüber vorliegen, so kann doch schon gesagt werden, dah die Werbetätigkeit e'ne ganz erhebliche Zunahme an neuen Sparern gebracht hat. Es hat sich gezeigt. daß die Idee des Weltspartages eine durchaus glückliche war und daß sie sehr viel dazu beiträgt, den Sparsinn zu heben. Für die kalten Tage habe ich zirka 3000 Paar Winter-Hausschuhe am Lager, p;i: 10.05 2.50H 3.001 Franz Neumeier, Gießen beginnt Freit»", 12 November. nachmittags 5.30 Uhr, in Saal 18 Bewerbe- und Maschhienhaosc'iile. SKhWÄ«! Herba-Seife m 132 • Id Parfümerie Blank A -bAä. 10 30 P. S. 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Beide Male mahnte das innere Gefüge wie die sprachliche Prägung des Stoffes an gewisse Erscheinungs- formen in der Kunst Rilkes, der wiederum der Schweizerin zu ihrem Buche „Bon der Erde des Lebens" ein sehr ehrendes Borwort geschrieben hat. In solchen Anklängen, die das ein wenig geübte Ohr kaum wird überhören können, liegt vielleicht schon das Beste und Würdiaste beschlossen, was man vom Wesen und Wert des Abends sagen kann. (Denn die verfeinerte, unendlich zarte, in sich verschlossene und aus dem Allerinnersten laut werdende Weise Rilkes wird immer den großen Kreis und vielfältige Rachfolge ausschließen und am Ende einsam bleiben.) Zugleich aber wurde schon in diesen ersten Dichtungen schmerzlich offenbar, daß Regina Llllmann ihrem Werk nicht die Mittlerin sein kann, die es verlangt und verdient. Die gleichförmige und ganz ungestufte, rhapsodisch gesteigerte Wortwiedergabe macht es schwer, zum in» nern Klang und Gewicht ihrer Arbeiten vorzudringen, die sich gewiß beim Lesen ohne 51m- wege schlicht erschlichen. Auch an manchen, fremd klingenden Dialekthärten stieß man sich im Laufe des Dortrages nicht selten. Der gleiche, äußerlich abschwächende Eindruck — man findet ja dergleichen häufig bei selbst lesenden Dichtern — ging vorn'Hauptstück dieses Abends aus, der Prosaerzählung „Don Das Gesetz über den 8chutz der Zugend bei Lustbarkeiten. Don Geheimrat Dr. Runkel, Mitglied des Reichstags. „Durch den Krieg und die nachfolgenden Jahre sind yroße Teile unserer Jugend in Zustände der Verwilderung und Verwahrlosung geraten, von denen ernste Gefahren für das Heranwachsende Geschlecht und damit für die Wiederaufrichtung unseres Vaterlandes zu befürchten sind." — Mit dieser allgemeinen Feststellung beginnt die sachliche Degrun- vung des Regierungsentwurfs eines „Gesetzes über den Schutz der Jugend bei Lustbarkeiten'. Aus derselben Erkenntnis heraus ist vor zwei Jahren das Jugend wohlfahrtsgesetz entstanden und bat die Reichsregierung dem Reichstag vor mehr als Jahresfrist dasGesetzzurBekämpfungder Schund - und Schmutzliteratur vorgelegt. Auch das R e i ch s l i ch t s p i e l g e s e tz stand seinerzeit unter denselben allgemeinen Erwägungen. Der formelle Grund für die Vorlage des Gesetzes findet sich in Artikel 118 Absatz 2 der Reichsverfassung: „Auch sind . . . zum Schutz der Jugend bei öffentlichen Schaustellungen und Darbietungen gesetzliche Maßnahmen zulässig". Veranlaßt aber wurde das Gesetz durch die leidige Tatsache, daß die polizeiliche Regelung dieser Materie von feiten der Länder zu einer Zersplitterung zu führen drohte. So war die Vorlage des Gesetzes notwendig. Auch von der großen Mehrheit der Länder wurde sie gefordert. Bereits im Juni v. I. wurde das Gesetz über den Schutz der Jugend bei Lustbarkeiten vom Reichsminister des Innern in Ausführung des genannten Artikels der Reichsverfassung unter Zustimmung des Reichsrates dem Reichstag vorgelegt. Doch wurde seine Durchberatting im 25. Ausschuß nach langwierigen Debatten und allerlei Hemmungen erst jetzt be- endet. Es wird nun nach Fertigstellung des Berichtes demnächst ins Plenum des Reichstages kommen und mit einer schon jetzt gesicherten Mehrheit verabschiedet werben. Sicherlich werden Eltern, Erzieher und Lehrer, überhaupt alle, die ssch für die Erziehung der Jugendlichen verantwortlich fühlen, und die die Bedeutung eines körperlich und seelisch gesunden 'Nachwuchses ür unseren Volksbestand richtig einschätzen, das (9e- etz als wirksamen Miterzieher begrüßen. Es grund- ätzlich ablehnen, hieße die Augen verschließen vor »en Gefahren, wie sie Jahrmärkte, Rummelplätze, Kirmesse, Zirkus, Variets, Intime Theater, Kabaretts, Lichtspiele usw. bringen, hieße die Folgen nicht einsehen wollen, wie sie in der Verwahrlosung und Verwilderung, der Roheit und Grausamkeit der Jugendlichen uns täglich entgegentreten. Es sind Zeipro- dukte. Der Krieg hat vielen Jugendlichen den Vater und damit den Erzieher und Leiter genommen; der tägliche Kampf um den Lebensunterhalt verhindert die Mutter, auch die mit besserer Einsicht, sich ihren Kindern genügend zu widmen; oft auch entziehen sich diese des erziehlichen Einflusses von feiten der Eltern; häufige Arbeitslosigkeit ebnet jeglicher Art von Verführung die Wege: Schund- und Schmutzliteratur erhitzen die ohnehin krankhaft gesteigerte Phantasie in dem jugendlichen Alter und wecken und übersteigern die Instinkte: Kurz, der Nährboden für Versuchung und Verführung durch und bei frivolen Lustbarkeiten ist überreichlich vorhanden. Hier kann nur ein Gesetz verhindern, daß durch eine gewisse Sorte von Lustbarkeiten erziehlich Schaden geschieht oder noch Schlimmeres eintritt. Sicher sind auch wir der Ansicht, daß Polizeiverordnungen recht leidige Erziehungsmaßnahmen sind, daß eine wirksame Erziehung von feiten der Eltern, Erzieher und Lehrer ausgeiibt werden kann, wenn diese aus dem Posten sind. 2(ber hier handelt es sich um solche Jugendliche, die sich jeglicher erziehlichen Einwirkung zu entziehen suchen, handelt es sich weiter um Grenzfälle, die von den Erziehungsberechtigten nicht erfaßt werden. Hier kann nur ein Gesetz helfen. Es umfaßt acht Paragraphen. § 1 enthält die Voraussetzungen, unter denen ein Verbot der Lustbarkeiten erlassen werden kann: Für bestimmte öffentliche ober nicht öffentliche Lustbarkeiten, Schaustellungen und Darbietungen aller Art „ist durch besondere Anordnung der Besuch oder die Beschäfttgung von Minderjährigen unter 18 Jahren zu verbieten ober einzuschränken, wenn eine Schädigung ihrer sittlichen, geistigen ober ae- sunbheitlichen Entwicklung zu befürchten ist". „In gleicher Weise kann die Beschäftigung von Minder- zährigen unter 18 Jahren die das Ende des schulpflichtigen Alters überschritten haben, bei bestimmten öffentlichen ober nichtöffentlichen Lichtspielaufnahmen eines bestimmten Unternehmens verboten ober eingeschränkt werben." Das Gesetz richtet sich also nicht gegen b i e berechtigten Intereffen bes Dergnügungsgewerbes, was ausdrücklich betont werden muß, auch sollen nicht generell solche Lustbarkeiten verboten werden. Rur bann soll ein Verbot eintreten, wenn eine Schäbigung ber sittlichen, geistigen oder gesundheillichen Entwicklung ber Minberjährigen zu befürchten ist Damit werben olle biefe Veranstaltungen einer polizeilichen oder bureaukrattschen Willkür in ber Beurteilung entrückt und unter ein wertvolles und allgemeingültiges Kulturkriterium gestellt, das immer ausschlaggebend ein muß, auch da, wo sich widerstreitende Interessen schneiden. Vor einer schikanösen und tendenziösen Anwendung des Gesetzes schützt die Bestimmung in Absatz 3 des tz 1: „Eine Darstellung darf wegen einer politischen, sozialen, religiösen, ethischen oder Wclt- anschauungslendenz als solcher nicht verboten werden." In tz 2 wird die Mitarbeit des Jugendamtes bei polizeilichen Maßnahmen geregelt. Es ist vor Erlaß der Anordnung zu hören. Wenn in dringenden Fällen die Behörde von dieser Anhörung absieht, ist ihm sogleich Mitteilung von den Maß- nahmeeq zu machen. Das Jugendamt kann auch den Erlaß einer Anordnung beantragen. Die für den Erlaß zuständige Behörde sowie das Verfahren wird durch die oberste Landesbehörde bestimmt (§ 3). Die § 4—7 behandeln die Strafbestimmungen Unter- schieden wird, wer vorsätzlich oder fahrlässig die Tot begeht, oder wer Minderjährige zu einer Veranstaltung zuläßt, auch wenn die von dem Unternehmer der Veranstaltung bestellten Angestellten sich strafbar machen, kann den Unternehmer die Strafe treffen, wenn er Mitwisser oder es an der nötigen Sorgfalt hat fehlen lassen. Auch ber Erziehungsverpflichtete macht sich straffällig, wenn er für ben Besuch bc3 Mlnberjährigen verantwortlich gemacht werden kann, ebenso alle Personen, die Minderjährige zu einer Veranstaltung mitnehmen, endlich der Jugendliche selbst, der entgegen einer erlassenen Anordnung eine Veranstaltung besucht. Im letzten Falle kann die Strafe nicht durch polizeiliche Straf- Verfügung festgesetzt werden. Das Strafmaß liegt je nach dem Vergehen zwischen 150 Mark Geldstrafe, Haft und Gefängnis bis zu einem Jahre. In § 7 wird das Strafmaß verschärft für den Fall, daß eine Person wiederholt rechtskräftig verurteilt worden ist. Wird ein Vergehen fortgesetzt, kann ber Betrieb von Lustbarkeiten überhaupt untersagt werben. Die Untersagung kann bann auch für bas Reichsgebiet wirken. In tz 8 wirb bie oberste Lanbesbehörde ermächtigt, bie zur Durchführung bes Gesetzes erfor- berlichen Ausführungsbefttrnmungen zu erlassen. Der Regierungsentwurf erfuhr im Ausschuß ganz wesentliche Abänberungen unb Ergänzungen. Dor allem ist mit Erfolg vermieben worben, baß bas Gesetz ein Straf- unb Polizeigesetz würbe, vor allem bie Bestimmung in § 2, wonach bas Jugendamt vor Erlaß einer Anordnung gehört werden kann, in eine I st - Vorschrift umgeroanbelt. Damit kam bas Jugendamt aus ber Aschenbröbelftellung heraus unb erhielt ben ihm gebührenben Einfluß bei ben Spruch- stellen. Aber auch der Charakter des Gesetzes wurde damit ein anderer. Aus dem Strafinstrument wurde ein Erziehungsinstrument. Tfit Recht! Gerade das Jugendamt mit feiner durch Reichsgefetz geregelten Erziehungsarbeit an den Jugendlichen, in feiner engen Verbindung mit Elternhaus unb Schule, mit feiner Arbeitstenbenz: Dienst an ben Jugenblichen, ist in erster Linie berufen, bei der Durchführung des Gesetzes mitzuwirken. Auch noch aus einem anderen Grunde. Die einzelnen Straffälle können nicht nach der Schablone abgeurteilt werden. Eingehende Kenntnis der Familienverhältnisse der Jugendlichen, ihrer gesamten Umwelt und vor allem ihrer phasischen Einstellung ist dabei erforderlich. Hier verfügt bas Jugendamt weit eher über bie geeigneten Kräfte als bie Polizeibehörbe. Es kann baher auch bie Einwirkung einer Lustbarkeit-Schaustellung auf bie Jugenblichen zureichenber beurteilen als eine Behörbe, die vorwiegend Strafbehörde ist. Die fo gesicherte Mitarbeit des Jugendamtes wird dem Gesetz in seiner Auswirkung manche Härten nehmen. Auch beseitigt es den Vorwurf, daß durch das Gesetz das Erziehungsrecht der Eltern und Erziehungsverpflich- teteu beeinträchtigt würde, da es als berechtigte Miterzieher Anerkennung besitzt. Weitergehende Befugnisse der Wohlfahrtsämter, wie sie die Linke nod) in Anträgen forderte, haben wir abgelehnt, um die Hauptaufgabe ber Jugenbämter baburch nicht zu gefährden und ihr Verhältnis zu den Polizeiämtern nicht in Frage zu stellen. Sicherlich wird das vorliegende Gesetz nicht alle Wünsche erfüllen und alle Lustbarkeiten erfassen, die den Jugendlichen schädlich und zugänyig sind; gewissenlose Unternehmer werden nach wie vor Mittel und Wege finden, das Gesetz zu umgehen. Auch wird seine Anwendung in ber Praxis nicht immer der Erziehungstendenz des Gesetzes entsprechen und zu mancherlei Berschwerben Anlaß geben. Es ist aber mit dem Gesetz ein Anfang gemacht, ber zu wertvollen Erfahrungen führen wird. Vor allem werben bie Erziehungsverpflichteten auf bie großen Gefahren aufmerksam gemacht, bie unseren Jugenblichen durch frivole Lustbarkeiten drohen. Das Gesetz bedeutet für sie alle ein ernster Mahnruf zur aufbauenden Mitarbeit. einem alten Wirtshausschild". Die ganze erste Hälfte der Novelle wurde wiederum mit der gleichen, gesteigerten und innerlich entzündeten Hingabe ans Wort gesprochen. Aber das Ganze verliert in dieser eintönig ungebrochenen, ekstatischen Höhenlage der Deklamation, die fast auf jede Stufung verzichtet, keine Hilfen gibt und Wesentliches und Nebendinge beinahe ohne Unterschied herausbringt. Die Erzählung würde durch einen geschulten, dynamisch ausgewogenen Dortrag von starker Wirkung gewesen sein; zumal wenn man bedenkt, wie wenig die pathetische Geste der Art dessen, was da geschrieben steht, entspricht und gerecht wird. Gerade da, wo die Stimme der Dortcagenden (wie in späteren Partien der Erzählung) am leisesten und am wenigsten hochgetrieben klingt, bringt die innere Melodie der Dichtung am klarsten und ungetrübtesten durch. Das Wirtshausschild, von dem hier erzählt wird, ist ein Stück jenes alten und schönen Hausrates, der heute auch schon selten geworden ist: Wald, Hirsch und Jäger sind auf dem Aushang künstlich nachgebildet, und diese Darstellung deutet gleichnishaft auf die Dinge und Menschen der Geschichte bin. Hier wird berichtet von einem armen Roßyirtenmädchen, das. blöden Sinnes, in der Obhut eines alten Knechtes aufwächst, und von einem jungen Bauern, den dennoch die Liebe zu dem kranken Menschenkind angerührt hat: den unbegreifliche Leidenschaft bei der nächtlichen Heimkehr von einer andern (die er später fand) vom Wege abtreibt. Hin zu der Roßhalde, wo er die arme Blödsinnige weiß. Noch bevor er das Ziel seiner rätselhaften Sehnsucht erreicht, die er beim Auszug zu jener andern, Gesunden, schon in sich überwunden geglaubt hat, wird er von Hirschen gejagt, niedergeworfen und schreck- Der belgisch-niederländische vertrag. Don unserem G. R.-Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) 21 m ft e r b a m, Anfang November 1926. Gerade in diesen Tagen findet vor ber holländischen zweiten Kammer der Endkampf statt um die Ratifizierung des bereits am 3. April 1925 unterzeichneten belgisch-niederländischen Vertrages. Die Opposition gegen diese Revision des Traktas von 1839 wächst dauernd angesichts der für Holland sehr nachteiligen Bestimmungen wirtschaftlicher Art: es handelt sich hier um den Konkurrenzkampf der beiden Welthäfen Antwerpen unb Rotterbam und um die Sicherung des deutschen Hinterlandes. Die in Deutschland entbrannte Kontroverse zwischen den Anhängern des Aachener Kanaleittwurfs und den Vorkämpfern des Hansakanals rückte die Verkehrsbeftimmungen des belgifch-holländifchen Vertrages noch mehr in den Vordergrund. Mit unaufhörlicher Planmäßigkeit hat Belgien für seinen Hofen den ersten Führerplatz auf dem Festlande erstrebt und Vorbereitungen getroffen, um Antwerven diese Stellung für alle Zukunft zu sichern: in Versailles hat es versucht, das holländische Gebiet, das zwischen dem Hafen und dem deutschen Industriezentrum an Rhein, und Ruhr liegt, gegen Kompensationen auf Kosten Deutschlands in Ostfriesland und Geldern einfach zu annektieren. Dieser schöne Plan ist an der kategorischen Ablehnung Englands ebenso gescheitert, wie die belgische Absicht, sich durch Eroberung Seeländisch-Flanderns die Souveränität über die Unterscheide und die Strommündung zu sichern. Für England spielten hierbei eher politische und militärische als wirtschaftliche Beweggründe die Hauptrolle. Es war von vornherein klar, daß Belgien versuchen würde, fein Ziel durch andere Mittel als Gebietseroberung zu erreichen. Dazu sollte die Revision des Neutralitätsvertrages von 1839 die gewünschte Gelegenheit bieten. In diesem Zusammenhang darf nicht vergessen werden, daß der Versailler Vertrag Deutschland dazu verpflichtet, dem Bau eines Großschiffahrts- roeaes Antwerpen—Ruhrort zuzustimmen, falls Belgien bis 1935 einen solchen Wunsch äußern sollte; die Entscheidung über die Linienführung, die Ausmaße und die Baupläne steht ausschließlich Belgien zu: Die Frage des Rhein-Scheldekanals ist somit, insofern Deutschland In Betracht kommt, schon vertraglich geregelt. Schon feit 1839 wird zwischen Holland und Belgien über bie Frage gestritten, ob Hollanb verpflichtet fei, bie Durchleitung eines solches Kanals durch Holländisch-Limburg grundsätzlich zuzulassen. Belgien berief sich auf Artikel 12 des Traktas von 1839, ber bie Schaffung eines solchen Verbinbungs- weaes vorsieht. Hollanb behauptet stets, baß biefe Zusage mit ber Vollenbung ber Eisenbahnlinie 'Antwerpen—München-Gladbach eingelöft fei und kein weiterer Anspruch auf Durchquerung seines Ochtels bestehe. Im Artikel 6 des revidierten und von den beiden Außenministern unterzeichneten Vertrages stimmt nun Holland dem Bau eines solchen Groß-Schiff- fahrtskanals bedingungslos zu, und zwar von Antwerpen über Venlo bis Ruhrort, mit möglichst wenigen Schleusen, in einer solchen Breite, daß über ben ganzen Weg brei größte Rheinschiffe zu jeber Zeit, bei jedem Wafserstanb nebeneinanber fahren können. Hollanb stimmt außerbem bem Bau einer Großschiffahrtsstraße zwilchen Antwerpen unb Moerdyk unter benfelben Baubebingungen zu unb verpflichtet sich, bem auf btefen Wasserwegen von unb nach belgischen Häsen geleiteten Verkehr bie» selben Zollvergünstigungen wie bem von und nach hollänbifchen Häfen geleiteten Verkehr zuzugestehen. Unter biefen Umftänben ist es begreiflich, bah bie Hollänber und vor allen Dingen die stark gefährdeten Häfen Rotterdam und 'Amsterdam eine Ratifizierung dieses Vertrages mit allen erdenklichen Mitteln zu hintertreiben versuchen und nach Beurteilung ber Stimmung in Parlament und Presse steht ber Vertrag in ber jetzigen Form wohl recht unsicher, wenn es auch nicht ausgeschlossen ist, baß bie Parteien, bie ben Vertrag bekämpfen, in letzter Stunbe noch umfallen. Deutscherseits hat man sich schon vor bem Kriege mit ben belgischen Verbinbungsplänen viel beschäftigt unb bie Anstrengungen ber Hansastäbte unb des Dollarthafens haben viel dazu beigetragen, die jetzt zwischen Holland und Belgien geschaffene Lage zu verwickeln. Die Vollendung des Main-Donaukanals wird sich voraussichtlich zuungunsten der deutschen Seehäfen auswirken und es Ist fraglich, ob man durch den Bau des Hansakanals einen Verkehrsweg zwischen dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet und den deutschen Häsen wird schaffen können, ber imstanbe ist, gegen bie günstigere geographische Lage Rotierbams unb Antwerpens (nach Fertigstellung bes im Versailler Vertrag vorgesehenen lich getötet. Im wuchtig gefügten Ausklang, der mit der Rückkehr zum Eingangsmotiv die Novelle innerlich rundet, vergißt man fast die immer wieder ausbiegende und unterbrechende, gedankliche Belastung in den ersten Teilen, die Aufbau und Gliederung des Ganzen undurchsichtiger erscheinen lassen, als man sich wünschen möchte und als sie vielleicht auch anfangs gedacht waren. -y- Debussy über Webers „Oberon". Die Nouvelle Revue framjaise veröffentlicht aus dem Nachlaß des berühmten französischen Komponisten Claude Debussy ein Werk „M. Croche an- tibilettante“. Darin findet sich auch eine schöne Würdigung der letzten Oper von Carl Maria von Weber, die gerade jetzt in Frankreich besondere Aufmerlsamkeit erregt, da die Nationalakademie der Musik eine Ausführung des „Freischütz" zur Feier seines l(X). Todestages vorbereitet. Debuffy erinnert sich an die Londoner Herbstnebel und an Shakespeares „Sommernachtstraum", der ihm wie aus diesen Nebeln geboren erscheint. Die Gestalten Oberons und Pucks erwecken bann in seiner Seele ein anderes Bild: „Ich denke an einen Mann, der heute beinahe vergeßen ist, wenigstens auf dem Theater. Ich sehe ihn durch die Straßen Londons wandern, den Körper verbraucht, die Stirn leuchtend von dem besonderen Strahl der Stirnen, hinter denen schöne Visionen vorüberziehen. Er geht, aufrecht gehalten von dem fieberhaften Verlangen, nicht zu sterben, bevor er fein letztes Werk gehört hat, das entstanden ist auä der schmerzhaften Warme seiner letzten Bluts; ropsen. Mit welchen Anstrengungen hatte er dies Werk vollbracht, das noch den leidenschaftlichen Aufschwung, die gejagten romantischen Rhythmen enthielt, die fein jugendliches Kanals) auf bie Dauer aufzuwiegen. Man barf nicht vergessen, daß ber geplante Verbinbungsmeg Rhein- Schelde ein Gebiet durchqueren wird, das auf eine ungeheure industrielle Entwicklung hoffen barf: das holländische und bas flämische Kempener Kohlenge- biet, das zusammen mit dem rheinisch-westfälischen Revier in den nächsten Jahrzehnten einen ungeahnten Aufschwung erleben durfte. Die wirtschaftliche Verknüpfung dieses riesenhaften Jndustriebeckens wird zweifelsohne auch zu einer engeren politischen Verständigung zwischen den stammvcrwandteit Ländern führen unb cs Ist jetzt schon sehr wahrscheinlich, daß man wenigstens beide Mündungshäfen, 2(nt- werpen unb Rotterbam, für ben zu erwartenden Ricfenumfchlag wirb brauchen müffen. Auch bas Lothringer unb Lütticher wie bas Scnncgauer Gebiet werden mehr und mehr in dieser zukünftigen Wirtschaftseinheit aufgehen müssen. Es ist sehr gut möglich, daß die richtige Einschätzung solcher Entwicklungsmöglichkeiten die holländische Regierung dazu gebracht hat, einen Vertrag zu unterzeichnen, der für Hollands Wirtschaft in ber nächsten Zeit eher Nachteile unb Gefahren bringen muß. Bei genauer Untersuchung der Lage muß man zu dem Schluß kommen, batz bie Kontroverse: entroeber Aachener ober Hansakaual, nicht entschieden werden kann, solange nicht das holländische Parlament über bas Schicksal ber wirtschaftlichen Klauseln des angcyigi- gen holländisch-belgischen Vertrages gesprochen hat. Dies allein schon beweist die Wichtigkeit dieser Vertragsfrage sowohl für Deutschland wie für die nächst beteiligten Parteien. Vielleicht ließe sich die Angelegenheit Eupen- Malmedy mit der Kanalfrage insoweit verbinden, als Deutschland im eigenen Interesse die Entschädigungssumme für ben Rückerwerb ber geraubten Gebiete für bie Inangriffnahme bes Rhein—Schcldc- kanals reserviert unb sich in biefem Sinne mit Belgien einigt. Solange aber eine Beteiligung bis zu 50 Proz. an ber Ausbeutung bes flämischen Kohlenlagers in ben Kempen ben Deutschen nicht osfcnstcht, barf Deutschlanb nicht auf das Druckmittel verzichten, bas ihm burch ben Konkurrenzkampf zwischen Antwerpen unb Rotterbam geboten wirb. Aufstehen ober Sitzenbleiben? Bon unserem xv-Korrcspondenten. Warschau, November 1926. Auf stehen oder Sitzenbleiben? das ist hier bi< Frage. Polen ist ein glückliches Land. WährenL sich in den übrigen europäischen Staaten Regierungen und Dolksvertretungen mit Sachlichkeit bemühen, den ungeheuren Aufgaben, die der Krieg zurückgelassen hat, gerecht zu werden, belustigt man sich in Polen an einem frisch fröhlich vorn Zaun gebrochenen Streit über die unendlich wichtige Frage, ob die Abgeordneten die Verlesung des vom Staatspräsidenten erlassenen Dekrets über die Eröffnung der Session st e h e n d oder sitzend anhören sollen. 3m polnischen Wasserglas ist ein mächtiger Sturm losgebrochen. Man schießt mit großkalibrigem Geschütz; Ausdrücke wie „Konsequenzen ziehen, . . . nimmer können wir es dulden ... die Regierung will einen Geßlerhut aufpflanzen" schwirren durch die Lust. Geschäftig eilen die die heutigen Zustände in Polen so wirksam symbolisierenden, uniformierten Adjutanten zwischen Sejminarschall und Marschall Pilsudski mit Briefen hin und her, in denen in tiefgründigen Llntersuchungen zur Frage des Sitzeirs oder Stehens Stellung genommen wird. Nach tagelangen Bemühungen und Aufwendung von unendlich vielem Takt ist es endlich ge» hmgen, so etwas wie ein vorläufiges Kompromiß herzustellen. Der Staatspräsident wird also selbst das Dekret verlesen, und somit hofft man, daß die Abgeordneten nun aus Achtung vor dem Staatsoberhaupt die Botschaft stehend anhören werden. Es wäre aber ein Irrtum, zu glauben, daß diese wichtige Frage damit aus der Welt geschafft ist. Weit gefehlt! 3n einer ellenlangen amtlichen Auslassung über den Gegenstand werden weitere Unterhandlungen über Art und Form der Eröffnung der Sejmtagung zwischen Regierung und Sejmmarschall angekündigt. Offenbar will man die Eröffnung der Tagung im Schloß vornehmen, oder es sollen sonstige Spitzfindigkeiten aus dem spanischen Zere- moniÄl in Polen eingebürgert werden. Für das Schloß spricht ja viel, unter anderem auch der Umftanö, daß die Stühle aus dem dortigen Empfangssaal entfernt werden können, wodurch das Niedersetzen einigermaßen erschwert würde, während im Sejmsihungssaal die Bänke angeschraubt sind. Wie man sieht, es gibt noch Probleme in Polen; neue ungeahnte Der- wicklungsmöglichkeiten bietet allerdings wiederum der Umstand, daß die Sozialdemokraten gor nicht in das Schloß gehen wollen. Wie wird man nur aller dieser Schwierigkeiten Herr werden? Genie so plötzlich emporgehoben hatten? Niemand wird es jemals wissen. Dies Werk enthielt jene Art melancholischer Träumerei, die dieser Zeit so persönlich war und nicht beschwert wurde durch das trübe Licht des deutschen Mondes, in dem sich damals fast alle Zeitgenossen badeten. Dieser Mann war, vielleicht als erster, beunruhigt von der Beziehung, die zwischen der unendlichen Seele der Natur und der Seele einer Persönlichkeit bestehen muß. Gr hatte den Gedanken gehabt, die Legende zu benutzen, indem er voraussühlte, was die Mufik hier finden würbe. Tatsächlich hat die Musik allein die Macht, nach ihrem Belieben die unwahrscheinlichen Gegenden, die zauberhafte Welt zu erwecken, bie heimlich in der rätselvollen Poesie der Nächte waltet, in den tausend anonymen Geräuschen, die dieBlätter im Strahl des Mondes liebkosen. Alle die bekannten Mittel, das Phantastische musikalisch zu beschreiben, finden sich mächtig in dem Gehirn dieses Mannes. Selbst unsere Zeit, die in der Orchester-Chemie so reich ist, hat nicht viel mehr geleistet. Dieser Mann — ihr habt ihn schon alle wiedererkannt? — war Carl Maria Weber. Die Oper, die letzte Anstrengung seines Genies, nannte sich „Oberon“, deren erste Ausführung in London stattfand. Wenige Jahre vorher hatte er in Berlin den „ Freischütz" aufgeführt, dann „Euryanthe“. Dadurch ist er der Dater jener „romantischen Schule“ geworden, der wir unseren Berlioz verdanken, der so verliebt war in die romantische Farbe, daß er manchmal darüber die Musik vergaß, Wagner, den großen Enthüller der Symbole, unb, uns näher jenen Richard Strauß, dessen Phantasie so merkwürdig durch die Romantik bestimmt ist Weber kann den Stolz einer solchen Nachkommenschaft haben unb sich in Den Ruhm der Söhne seines Genies trösten darüber, daß man heute kaum noch die Ouvertüren der genannten Werke spielt". Die Robert - Vlum - Linde in Gießen. Zur Erinnerung eckt, die auf dem Boden scharrten, dazwischen wieder malerische Gestalten, die über den kleinen Scherz herzlich lachten. Ich lachte freilich nicht mit), denn, um die Wahrheit zu sagen, ich war halb betäubt, alle Knochen taten mir weh, und ich war von oben bis unten tote zerschlagen. — aber mein Apparat war heil und ich hatte eine gute Aufnahme gemacht. Beinahe wäre es meine letzte geworden: nur dem günstigen älmstand, daß ich mich trotz allem immer noch auf den Beinen hatte halten können, verdanke ich mein Leben. Plötzlich schoß mir der Gedanke durch den Kopf, daß sich jetzt eine günstige Gelegenheit bot, einige charakteristische Phvtostudien zu machen. Schnell richtete ich den Apparat auf die nächststehende Gruppe und machte einige Ausnahmen. Auf einmal bemerkte ich ein paar Männer in Khaki, die sich durch die Schar der Pferde einen Weg bahnten und dabei zu schimpfen schienen. In diesem Augenblick bekamen sie mich zu Gesicht, zwar staubbedeckt und ganz aufgelöst, aber doch schon wieder an der Arbeit mit der Kurbel. Mit einem Blick sichtlicher Erleichterung stürzten sie auf mich zu und wollten wissen, ob ich noch lebte oder verletzt sei. Die erste Frage konnte ich bejahen, die zweite mit „3a, stellenweise" beantworten. Abgesehen von einigen Quetschungen und Erschütterungen war ich bei dem Vorfall nicht einmal allzu schlecht toeggefommen; nur war ich lochgar, und ich erstickte vor Staub. Meiner Ditte um irgendein Bundesoorsitzende, Prälat D. Dr. Diehl und der Direktor des Ev. Bundes, Studiendirektor Fahren- horst, Berlin. Die Reformation war eine Glaubens- beweäung, so führte der erste Redner aus, nach ihrer Ursache, keine anderen Beweggründe gaben ihr Kraft als die religiösen, aber auch ihrer Wirkung nach ist sie eine Tat des Glaubens. „Die Reformation ist kein vergangenes Ereignis, sondern ein gegenwär- tiges; sie ist noch nicht zu Ende, sondern sie steht erst am Anfang ihrer Auswirkung." Aber auch die Liebe als Triebkraft großartigen sozialen Wirkens zeigte aus tiefer Sachkenntnis Prälat D.Dr. Dieh l. Die Versuchung, die reichen Pfründe und Güter, die durch die Reformation frei wurden, im Interesse seines Hauses zu verwenden, wies Philipp der Großmütige standhaft ab, weil die tiefe Kraft aus dem eo. Glauben entspringender-Liebe ihn beseelte. So hat er die reichen Mittel verwandt für ein großzügiges kirchliches Armen- und Erziehungswesen, wie es selbst unsere soziale Zeit nicht mehr besitzt. Warmherzige Töne freudigen ev. Hostens schlug der Bundesdirektor an. Das Christentum ist auf Hoffnung gesät. Vergangene Nöte habe es stets glaubensvoll zu überwinden gewußt. Trotz aller schweren Schatten über Deutschland, trotz aller Mängel unserer Jugend, sind dennoch unendlich viel hoftnungs- volle Ansätze evangelischer Kraft in unserer Gegenwart zu spüren. „Ich will lieber mich zu Tode hoffen, als im Unglauben zugrunde gehen!" Die Volksversammlung nahm einmütig folgende Kundgebung an: „Der Hessische Hauptoerein des Evangelischen Bundes gibt von seiner 39. Landesoersamlung in Darmstadt an die Evangelischen des Landes kund: Wir gedenken dankbar all der reichen Segnungen, die die vor 400 Jahren im Hessenland aus einer starken evangelischen Bewegung erwachsene Reformation auf allen Gebieten des Lebens dem Lande^ebeacht hat. Wir bekennen uns in den geistigen Kämpfen der Gegenwart freudigst zu dem Evangelium, der Kraftquelle für die Gesundung unseres Volkstums. Wir geloben auch unsererseits, in der enffchiedenen Abwehr jeder Art von Gegenreformation uns dafür einzusetzen, daß die Reformation ihre Sendung an unterem Volke weiter erfülle und der evangelische Wille auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens zur Geltung komme. Wir rufen alle Evangelischen des Landes auf, uns in diesem Dienst an unserem Volk einmütig und tatkräftig zu unterstützen." Am Denkmal Philipps des Großmütigen legte der Vorsitzende des Hessischen Hauptvereins als Zeichen ehrfurchtsvollen Dankes den Kranz in den hessischen Farben nieder. Oberhessen. Der Arbeitsniarkt im nördlichen Oberhessen. Die Arbeitsmarktlage im Bereiche des Arbeitsamtes für das nördliche Oberhessen (Stadt und Kreis Gießen sowie die Kreise Sllsfelb, Lauterbach und Schotten) hat sich im Laufe des Monats Oktober etwas verschlechtert. Das ungünftigere Bild ist zurückzuführen auf verschiedene Arbeiterentlassungen und auf die Zusammenlegung von Arbeitsschichten bei der Lahnregulierung bei Fronhaufen zu einer Schicht: die Landwirtschaft hat einen Teil der mit Saisonarbeiten beschäftigten Leute wieder abgegeben, da diese Arbeiten nunmehr beendet sind. Im Baugewerbe dagegen wird bei dem verhältnismäßig günstigen Wetter noch gut gearbeitet. Eine Reihe weiterer Notstandsarbeiten ist in Gang gebracht worden, wodurch eine Anzahl Arbeitskräfte neuen Verdienst finden konnte. Im ein« Seinen ist ziffernmäßig zu berichten: G i e ß e n - S t a d t: 1. November: 533 Hauptunterstützungsempfänger, 796 Zuschlagsempfänger (1. Oktober 488 bzw. 697). Kreis Gießen: 1. November: 1038 Haupt- unterstützungsempfänger, 1258 Zuschlagsempfänger (1. Oktober 986 bzw. 1252). Kreis Alsfeld: 1. November: 384 Hauptunterstützungsempfänger, 719 Zuschlagsempfänger (1. Oktober 403 bzw. 746). Kreis Lauterbach: 1. Nov.: 138 Haupt- unterstützungsempfänger, 236 Zuschlagsempfänger (1. Oktober 111 bzw. 192). Kreis Schotten: 1. November: 206 Hauptunterstützungsempfänger, 401 Zuschlagsempfänger (1. Oktober 226 bzw. 432). Insgesamt: 1. November 2299 Hauptunterstützungsempfänger, 3410 Zuschlagsempfänger (1. Oktober 2214 bzw. 3319). 216er-Tagung in Alsfeld. 9b& Alsfeld, 8. Nov. Der Verband der Vereine ehemaliger 116er hielt am Samstag und Sonntag im „Deutschen Hause" dahier seine D e r t r c t e r d c r f a m m l u n g ao. Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch einen Begrüßungs- abenb am Samstagabend im Saale des „Deutschen ©etränf wurde sogleich entsprochen, und wie durch Zauberei waren auf einmal mehrere große Gläser mit Limonade da. Während ich auf die große Tribüne zuging, wurde mir klar, daß jedermann mich für verloren gehalten hatte, als man mich in der Masse der rettenden Araber verschwinden sah. Es tat mir ja leid, daß ich den guten Leuten einen solchen Schreck eingejagt patte, aber ich konnte ihnen die Versicherung geben, dah meiner noch viel größer getoefeir war. Schade war es nur, daß zwei von den Zuschauern, die versprochen hatten, die Szene aufzunehmen, in der Aufregung über das anscheinend drohende älnglück ganz vergessen hatten, von ihren Apparaten Gebrauch zu I machen. 3ch hatte große Lust, eine zweite verlangsamte Filmaufnahme von einer Attacke zu machen, dagegen gar keine, die eben gemachte Erfahrung noch einmal zu wiederholen: die große Tribüne sah mir auf einmal niet bequemer, schattiger und vor allem auch um vieles sicherer aus. Sobald der Apparat ausnahmeberett war, wurde das Zeichen für eine neue Attacke gegeben. Die Reiter waren jedoch wegen der vorherigen Außerachtlassung der Anordnungen gehörig abgelanzelt worden und hielten ihre Pferde deshalb schon an, lange bevor sie die angegebene Linie erreicht hatten, waren aber dadurch von der Kamera viel zu weit weg, als daß man ein vernünftiges Bild hätte auf- nehmen können. 3nfolgedessen mußte Vorstellung zum drittenmal wiederholt werden: diesmal hatte die Sache vollen Erfolg. Der betreffende Fttm zeigte die Pferde in einem langsamen Galopp, was deshalb sehr interessant ist, weil man jetzt er ft die außerordentlich tuijvje Haltung und Anmut der Reiter bewundern tonn. Die Attacke wurde nachher öfter wiederholt, da die Araber diese Art Belustigung besonders schätzen. Suvstev ■ '1 -- <■■'*■•■***’•**■ ct, und Vie : M 5)(iupt« .agsempiinger r: 384 fjoupb llagsempfänger : 138 Haupt- (agsempfänger r: 206 Haupt- [agsempfänger ää haupdmtel- lpfänger(l.vk- t -Isen. Lneiche bis Ne Ntib, m SJaufe bts chtert. las us verjchitbtnc lammeniegiing igulienmo bei. dwirtsW ha, . beschäftigten fiten nunMhr wirb bei dem och gut ge- 'sarbeittn ifl Anzahl 2fr- ite. M einen Mc. als iden 'Araber Lid, dah ch chreä einge° Mrsrcheruog 16« s°°L vri von orn a, die vM LerdaSW. vergeben Gebrauch ?u SS ÄH weite verlang' SS* xLS m vieles ic nt“'’ k.r wegen der QltwWg d K*L,,'a»« ‘ *s «*?■ fLA- A-r tfSKj SS ti8 folgende a*: lnbe5 kund.- ?ungen, bie ^"starken Mtion auf Mtk Wffl ber :.ber M« ft* Mi ^ntn Ad. Vuns bajüt «nbung an /°«sche n Ledens zur pichen Des unserem Soll -'Mleateber 3 als Zeichen «n hessisch,, lsseld. erbanbbtt hielt am Samt* je" bahier seine J. Einaelellet n BegrHungs- des „Deutschen QuakerOats 9205a sind das Fundament ihrer Gesundheit Quaker Qat8 ist eine anerkannt vorzügliche, in Protein, Kohlenhydraten, Mineralien und Vitaminen ausgeglichene Nahrung, die Ihnen für Ihnen schwere lagesarbeit die nötige Energie und Arbeitsfreude gibt. Verlangen Sie nur die echten Quaker Qiate Hauses", den der Verein ehemaliger 116er in Als- feü> seinen Gästen gab. Die Veranstaltung nahm einen recht harmonischen und würdigen Verlauf. Ein ftimmun^SDOtler und schön vorgetragener Prolog unseres heimischen Dichters, Lehrer ftim- m e l in Elbenrod bei Alsfeld, gab eine würdevolle Eröffnung des Abends. Verschiedene recht gut zusammengestellte lebende Bilder aus der Friedensund Kriegszeit schufen ein stimmungsvolles Bild, ebenso ein flott gespieltes Theaterstück. Den musikalischen Teil des Abends bestritten die verstärkte Kapelle Meinhardt und der Gesangverein ,Li e de r k r a n 3". Frau Elli K 0 warzik trug einige Lieder vor, die lebhaften Beifall fanden. Der- banosoorsitzender Mohr (Gießen) sprach den Dank des Verbandes für die schön verlaufene Veranstaltung aus, welche die Teilnehmer in echter, alter soldatischer Kameradschaftlichkeit noch lange zu- sammenhielt. Am Sonntagvormittag fand die Der- t r e t« r 0 e r s a m m l u n g des Verbandes unter Leitung des Vorsitzenden Mohr (Gießen) statt, die fast'von allen Vereinen des 116er-Derban- oes beschickt war und einen guten Besuch aufwies. Bürgermeister Dr. Döl sing begrüßte die Ber- sammlung namens der Stadt Alsfeld. Man trat alsdann in die Tagesordnung ein, welche sich nach Verlesung des Geschäftsberichtes durch den Der- bandsooNitzenden mit Organisationsfragen, dem Denkmal in Gießen und den vorliegenden Anträgen befaßte. (Eint besonders lange Debatte rief die Her- ausgabe der Berbandszeitung hervor. Mit Dcmkes- roorten an die Versammlung schloß der verbands- vorsitzende gegen 4 Uhr nachmittags die Tagung. Als Ort für die nächste Verbandsversammlung wurde Neheim a. d. Ruhr bestimmt auf Vorschlag der dortigen Ortsgruppe. Anschließend an die Tagung fand unter sachkundiger Führung ein Rundgang durch die Stadt und die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten derselben statt, wobei insbesondere das Rathaus und das Museum des Gefchichts- und Altertumsoereins das Interesse und die Bewunderung der Gäste erregte. Landkreis Giehen. 'cP Lollar, 8. Roo. Am Sonntagnachmittag gab die hiesige Sängervereinig ung ihr diesjähriges Winter ko nzert vor einem gutbesetzten Saale. Der Chor verfugt über ausgezeichnetes Stimmaterial und zeigte bei dem Dortrag der mit Geschmack ausgewählten Werke mite Schulung uird feinsinnige Auffassung. Der Dirigent, Rohde von Marburg, hatte seine Sängerschar gut in der Hand. Herr Knoke- Marbnrg erfreute als Lenorsolist mit erlesenen Darbietungen, ebenso Herr Wels- Marburg mit seinem wunderbaren Bariton. Den beiden Solisten paßte sich Herr Musiklehrer Gies »Marburg in sehr schöner Weise als Begleiter an. Der Tag wurde mit einem Ball am Abend beschlossen, der dem veranstaltenden Verein wieder ein volles Haus brachte. (D Großen-Buseck, 8. Nov. Am Freitag fand hier eine Lehrerk 0 n f e renz des Bezirk s - L e h r e r v e r e i n s Großen-Bufeck statt. Nach kurzer Begrüßungsansprache des Obmanns des Bezirksoerems, Lehrer Rausch (Reis- kirchen) hielt Lehrer Jung (Großen-Bufeck) einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über die Vorgeschichte unserer engeren Heimat. Beuern, 8. Aov. 3m Rahmen des hiesigen Volksbildungsvereins gab am Samstag im Saale der Gastwirtschaft „Germania" das Doppelquartett Friedberg - Fauerbach bei dichtbesetztem Saale ein Konzert. Das Quartett steht unter Leitung von Lehrer Funk, Lehrer an der Blindenanstalt in Friedberg. Es wurden etwa 20 Lieder vorgetragen, im ersten Teil schwierige Chöre, Im zweiten Teil Volkslieder. Die Darbietungen waren als hervorragend anzusprechen. Lehrer Funk ist ein Kind unserer Gemeinde. Gr kann mit Stolz auf den Verlauf dieses genußreichen Abends zurückblicken. Der hiesige Gesangverein Polyhymnia lullte die Zwischenpausen mit einigen sehr gut gesungenen Chören aus. Der erste Vorsitzende, Lehrer Rau, sprach am Schluß der Veranstaltung den Friedberger Sangern den Dank des hiesigen Dollsbildungs- vereins aus. Mit diesem Konzert hat der Volksbildungsverein Beuern seine diesjährige Winterarbeit begonnen. — Auch in diesem 3ahre sind in hiesiger Gemeinde für die Schwestern des evangelischen Schwesternhauses in Gießen durch die hiesigen Konfirmandenmädchen Feldfrüchte usw. gesammelt worden. Es wurden ungefähr 15 Ztr. Kartoffeln, 5 Zentner Kraut, 1 v2 Zentner Gelbe Rüben und etwas Obst zusammen- aebracht. Pfarrer Wagner brachte die Sammlung nach Giehen zur Ablieferung. t Grün berg, 8. Rov. Bei schönem Wetter führte der hiesige Schühenverein gestern sein A b s ch i e ß e n durch. Geschossen wurde auf 175 Meter auf die 20-Ringscheibe. Den ersten Preis (94 Ringe) erhielt Heinrich S ch m i b t II, zweiten Preis (78 Ringe) K. Schott, dritten Preis (72 Ringe) K. Möller, vierten Preis (67 Ringe) Heinrich Reitz, fünften Preis (67 Ringe) Otto Allmendinger. Ferner wurden noch 15 Preise und ein Ehrenpreis geschossen. Eine vortrefflich verlaufene Familienfeier beschloß die Veranstaltung. # Obbornhofen, 8. Nov. Von einem üblen D um menjungen st reich wurde die Familie des Ferdinand Kammer dahier betroffen. Während sie sich in der Küche befand, schlichen abends gegen 9 Uhr einige junge Burschen des Ortes vor das Haus und versetzten durch Kloofen und Steinwerfen gegen die Hauswand die Bewohner in solchen Schrecken, daß die F r a u vor Aufregung ohnmächtig nieberfiel und regungslos liegen blieb. Der von Hungen herbeigerufene Arzt stellte einen Nervenschock fest. Das Befinden der bedauernswerten Frau soll nicht unbedenklich fein. Die Sache wird, wie man hört, ein gerichtliches Nachspiel haben. Kreis Friedberg. WSA. Dad-Aauheim, 8. Aov. Der langjährige frühere Direktor der hiesigen Ernst- Ludwig-Schule, Dr. Zimmer, der sich um die Entwicklung des hiesigen höheren Schulwesens außerordentliche Verdienste erworben hat, ist ge° stern plötzlich nach kurzer Krankheit gestorben. Kreis Büdingen. X Nidda, 8. Nov. Der Bezirks-Lehrerverein versammelte sich fast vollzählig zu einer Konferenz im Schulhause zu Nidda. Lehrer Kuhl (Ranstadt) hielt eine Probelektion über den Sprach- lehrunterricht im Sinne der Arbeitsschule mit den Schülern des 8. Schuljahres. Die Vorführung zeigte neue methodische Unterrichtswege und regte zu wett- voller Aussprache an. Allgemein wurde sie als eine Verbesserung des Sprachunterrichts in der Volksschule anerkannt. △ Nidda, 8. Nov. Dieser Tage wellte hier eine Kommission von Vertretern der AEG. und ber Ueberlandzemrale Oberhessen, um Besichtigungen über die Errichtung einer neuen Hoch, (pannungsleitung des Ueberlanb-- Werks Overheffen vorzunehmen. Diese soll für eine Stromstärke von 60 000 Volt Spannung von hier dem Laus der Nidda entlang bis Ulrichstein führen, um die Gemeinden im östlichen Teile der Provinz Oberhessen mit Strom zu versorgen und dabei Vorteile für den Betrieb zu erzielen. Die An- läge wird von ber AEG. ausgeführt. Kreis Alsfeld. cd Lehrbach, 8. Aov. Bei der gestrigen Bürgermei st erwähl wurde der Landwirt Heinrich Stroh, dessen Vater und Großvater schon langjährig dies Amt verwaltet hatten, mit 90 Stimmen gewählt. Sein Gegenkandidat, Landwirt Heinrich Pimper, wird weiterhin Beigeordneter der Gemeinde bleiben. Starkenburg. • Darmstadt, 8. Nov. Am Samstag feierten das hiesige Realgymnasium, die Ludwigs- Oberrealschule und die Lieb i gs-Ob ec- realschule ihr lOOjähriges Bestehen. Der Feier wohnten als Vertreter der Regierung der Minister des Innern von Brentano bei, außerdem waren zahlreiche Ehrengäste anwesend. Die Festrede hielt Oberschulrat Ritsert. — Am Freitag wurde in der^iheinsttaße während der Mittags- stunden von der Straße aus mit einem Nachschlüssel bas Lotteriegeschäft von Hi 1 sd 0 rf geöffnet. Dem Einbrecher fielen mehrere hundert Mark Bargeld in die Hände. * Darmstadt, 8. 2kov. Die Frau des Arbeiters Bersch in Cberstadt, die schon seit einiger Zeit Spuren von Geisteslrankhell gezeigt hatte, entfernte sich am Samstag aus ihrer Wohnung und nahm ihr sechsjähriges Töchterchen mit. Sie warf sich mit ihrem Kinde vor einen Eisenbahnzug: beide wurden sofort getötet. Preußen. Kreis Wetzlar. —ö— Lützellinden, 8. Nov. Unsere Gemeinde hat das Rathaus durch den Kunstmaler Möglich von hier vollständig neu Herrichten lassen. Das Straßenbild wird durch den sarben- schönen Bau recht angenehm gestaltet. Auch die beiden Gemeindewohnhäuser, in denen insgesamt vier Familien untergebracht sind, wurden einer gründlichen Instandsetzung unterzogen. — Dieser Tage beging ber Maurer H. Jung sein 25jäh. riges Jubiläum als Mitglieb des hiesigen Männergesangoereins. Der Verein brachte dem Jubilar ein Ständchen und ehrte ihn durch Überreichung einer wertvollen yubiläumsgabe, außerdem wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. O Aiederkleen, 8. Aov. Am Samstag sand hier durch zwei höhere Beamte der Regierung und den Kreisarzt zu Wetzlar im Beisein von Kreisbaumeister Flender (Wetzlar) und Bürgermeister Schneider (Gcoß-Rechten- bach) die landespolizeiliche Abnahme der in diesem 3ahre erbauten Wasserleitung mit teilweiser Ortsentwäsferung statt. Die Abnahme gab zu Beanstandungen keinen Anlaß, vielmehr fiel das Airteil dec Kommission über die Ausführung her Anlage, die zum Teil einer eingehenden Besichtigung unterzogen wurde, in jeder Beziehung befriedigend aus. —5— (Ebersgöns, 8. Nov. Wie im „Gieß. Anzeiger" berichtet, bestand in hiesigen Viehzächte r k r e i s e n die Absicht, zu den vorhandenen Vogelsberger und Simmentaler Bullen einen weiteren Bullen für schwarzes Fleckvieh anzukaufen. Diesem Plan haben die zuständigen Stellen aus rassezüchterischen Gründen die Genehmigung versagt. —c— Vollnkirchen, 8. Aov. Der Ausbau der Verbindungsstrahe von hier nach Volpertshausen ist beendet. Die Ausführung der Arbeiten lag in den Händen des Bauunternehmers Ludwig von hier. XX Bla 8 bach, 8. Nov. Der letzte Düp- p c l ft ü r m e r bes Kreises Wetzlar, Heinrich Ferber III. von hier, vollendet heute in seltener Rüstigkeit sein 8 6. Lebensjahr. Der hochgeschätzte Alt- veteran war lange Jahre Ortsvorsteher unserer Gemeinde. Den Weg von Blasbach nach der Kreisstadt Wetzlar legt er noch heute ohne jegliche Beschwerden zurück. Maingan. WSN. Frankfurt a. M., 8. Nov. Infolge Nebels und Motorschadens mußte am Samstagnach- mjttag in der Nähe ber Weißen Wand am Alt- föntg ein Ueberführungsflugzeug, das auf der Fahrt nach Köln begriffen war, eine Not- l a n b u n g vornehmen, wobei es erheblich befchä- biat wurde. Personen befanden sich nicht in dem Flugzeug. Der Pilot S t e t b e l blieb unverletzt. Das Flugzeug wurde abmontiert und mit der Bahn nach Frankfurt zurückgeschafft. Amtsgericht Gießen. * Giehen, 6. Aov. Eine interessante Pn- vatklage wegen Beleidigung wurde heute dahier verhandelt. Ein gewisser M. aus der Nähe von Würzburg hatte einen gewissen W. von hier am hiesigen Landgericht auf Zahlung verklagt. 3n diesem Rechtsstreite handelte es sich schließlich um die Frage, ob dem M. oder Alle für die Redaktion bestimmten Mittel- die hier: zum Endspiel Nr. 22 Lehrer E. Simon. Schachbrieflasten. Lehrer matt. ja lungen, Lösungen usw. sind zu richten an Schachredaktion des »Gießener Anzeigers". Richter: Zeugin: Richter: Zeugin: d e Weiß. Weiß zieht und seht in zwei Zügen Weih: 5 Steine Kl6; Df3; Lh2; Sa5, e5. Schwarz: 2 Steine Kd6; Tb6. Die neckische Zeugin. „Wie alt sind Sie?" (schweigt). „Nun? Wann ist Ihr Geburtstag?" „Ach, gehen Sie, Sie schenken mir „2s d« Herrschaft au Hause?" — „Nee, is keiner da. — „Harnse de Hundesteuer schon bezahlt^ „Mir ham ja jarkeen' Hund." — „Dcheen, — ick komm von die Post, bet Tele- fong nachsehen!" Der Sonntagsjäger. „3a, da hilft nischt mehr. Sie haben Ihren Hund totgeschosfen, Herr Krause!" „Das verstehe ich nicht, ich habe doch aus den Fasan gezielt!" „Schade, Sie hätten auf den Hund zielen sollen!" Schach-Ecke. ^Bearbeitet von W. Orbach. Richttge Lösungen zum Problem Ar. 84 sandten noch ein die Herrcn: Dx. in G, Lehrer E. Simon, C. 2., hier. Selbstmattausgaben find beim Schachpublllum im allgemeinen wenig beliebt; wenn Ihre Aufgabe jedoch korrekt ist, werden wir sie als Typenausgabe bringen. Dr. H. W., hier. Aach 1. Lxc4 ist schwarz Patt. Ihre andere Angabe l.TgZ 4-, Kf5 2. Daß? matt ist mir unverständlich, da doch der schwarze König gar nicht im Schach steht. L. K. 3., Hartenrod. Ihre Lesung zum Problem Ar. 84 scheitert an 1..... Sc3l Weih. Weiß zieht und gewinnt. Weih: 3 Steine Kc6; Tfl; Lb5. Schwarz: 2 Steine Kh2; Bg3. Lösung des Problems Rr. 84. Don W. A. Shinkman. 1. Da3-a8!, Kg4xf3 oder Kg4-f5 2. Lc2-dl oder Da8 - c8 matt 1. .... Se4-g5 2. Sf3 - e5 matt 1 ..., S. 6eL 2. Tb7-g7 matt. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedaktionStisch. Lösung deS Endspiels Rr. 22. Don Dr. A. W. Galitzky. 1. Sg5-e64-, Kf4-e3 tfalls 1. . . ., Ke4 oder Kf3 2. Sc5+ oder Sd4+ uito.; falls 1. ... Ke5 2. H7 usw ) 2. Se6-d4!, Ke3-f-d4 3. h7 usw. Problem Nr. 86. Don D. Marimow. Schwarz, c d e f g (Endspiel Nr. 23. Don Richard Rett. Schwarz. b c d e f c Aus dcr Lchachwclt. Dienstag, den 2. November, gab der Schach- *< meister Rett im Frankfurter Schachverein C. V. eine Blindvorstellung gegen zehn zum Teil starke Spieler. Im Verlaufe von acht (!) Stunden hatte der Meister fünf Partien gewonnen, drei verloren unb zwei remis gemacht. In anbetracht der Stärke der Teilnehmer ist dieses Resultat als äußerst günstig zu bezeichnen. Der am 10. Oktober ausgetragene Wettkampf Bremen gegen Amsterdam ist nach erbittertem Kampfe unentschieden geblieben. Am ersten Brett gewann Cuwe (Holland) gegen Carls, an Brett 2 ’ dagegen siegte Hilfe (Bremen) gegen Davidsohn. Im Akeisterschaftsturnier des Schlesischen Schachverbandes in Bad Altheide siegte Sämisch gegenüber Machate und Bergmann gegen Caro- lath, welche den 2. und 3. Preis teilten. Richtige Lösungen zum Problem Ar. 83 erhielten wir noch von den Herren: Lehrer Dreidecker und A Schröder, hier: desgl. zum Problem Ar. 84: Lehrer Dreidecker, Oberfehmbanci V. Loos, hier: Echulamttanw. Stumps, Garben-- teich. Endspiel Ar. 22 (Galitzky) wurde richtig gelöst von Herrn Lehrer Dreidecker. doch nichts." I Ausbaldowert. dem W. der richterliche Eid auserlegt werden sollte. Für W. tarn es natürlich daraus an, das erstere zu verhindern, und er holte deshalb über die Persönlichkeit des M. Erkundigungen ein, deren Ergebnis er dem Gericht durch seinen Anwalt unterbreiten lieb. Cs war ihm nämlich von durchaus glaubwürdiger Sette mttgeteilt worden, M. habe eine wissentlich falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben, er sei wegen Betrugs mit Gefängnis vorbestraft, und außerdem schwebten noch einige Verfahren wegen Diebstahls, Betrugs und Aötigung gegen ihn, er sei ein ganz raffinierter Mensch und als der größte Prozeßkrämer bekannt. Aufgrund dieses Materials reichte der Anwalt des W. dem Gericht einen Schriftsatz ein, in dem er den M. unter Hinweis auf seine Vorstrafen und die gegen ihn schwebenden Strafverfahren für eine -unzuverlässige Persönlichkeit erklärte. Verschiedene Behauptungen dieses Schriftsatzes waren unrichtig, in Wirklichkeit war M. nur wegen Detrugsversuchs und verschiedener anderer Delikte vorbestraft, nicht aber »gen Diebstahls und Unterschlagung: und er hatte auch noch keine Freiheitsstrafe erlitten; ferner war noch kein Verfahren wegen Verleitung zum Meineid gegen ihn anhängig gewesen. Er erhob des- halo PrivaMage gegen den W. wegen der in dem Schriftsatz enthaltenen Unrichtigkeiten. Dieser wies darauf hin, daß nicht er, sondern sein Anwalt den Schriftsatz aufgrund der ihm übergebenen Briefe versaßt habe, und daß sie beide in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt hätten. Die Absicht, zu beleibtgen, habe ihnen vollständig fern gelegen. Das Gericht schloß sich seinen Ausführungen an und stellte fest, daß zwar verschiedene Behauptungen des Schriftsatzes odjetttv unwahr und geeignet sind, den Sßrüxitnäger verächtlich zu machen und in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen, daß aber W. sie in gutem Glauben an ihre Wahrheit in Wahrung berechtigter Interessen vorgebracht habe und daß sich weder aus der Form der Aeußerungen noch aus den Umständen, unter den Privatkläger M. zu beleidigen. Dem- denen sie geschahen, die Absicht des W. ergebe, gemäß wurde W. freigesprochen und M. mit den Kosten des Verfahrens belastet. Rundfunk-Programm. Mittwoch. 10. November. 3,30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. — 4,30 bis 5,45 Uhr: Konzert des Haus-, orchestecs: Moderne Tänze. — 5,45 bis 6,05 Uhr: Die Bücherstunde. — 6,30 bis 7 Uhr: Funkhochschule Franlfurt „Charattergestalten aus der Geschichte des neueren deutschen Unternehmertums: Georg von Siemens an der Spitze ber Deutschen Dank." Vortrag von Prof. Dr. Künhel. — 7 bis 7,30 älhr: Deamtenfortbildungs- kursus: „Probleme des Staatsschuldenwefens". Vortrag von Dr. Fritz Aeumark. — 7,30 dis 8 Tlhr. Die Schachstunde. 8,15 bis 9,15 Uhr: Konzert des Musttkorps der Freiwilligen Feuerwehr Aeu-Isenburg. — 9,15 dis 10,15 Uhr: Übertragung von Kassel: Cello-Konzert Judith Dokor. Amsterdam. Stemway & Sons die bedeutendste Klaviermarke der Welt. 240000 Instrumente im Besitz von Kennen-. Alleinvertretung: 9118a Bahnhofstr. 65B Gießen Fernruf 1367 Filiale Lieh, Butzbacher Straße 12 Das grotze Würfelspiel. (IHartina öilemar.) Roman von Franz la Der Kappu ». 37 Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Die Kluft wird sich schließen", sagte Morell. „Welche Kluft, Doktor Morell?" Die Stimme Morells wurde weich und warm. Es ist die Kluft, die Eltern und Kinder seit alters trennt Immer gähnt die Kluft: aber die meisten merken es nicht. Erst wenn eins von den zweien gestorben ist, fühlt der Ueberlebenbe, wie weit der andere war. Und immer glaubt der Ueberlebenbe, daß er dem Toten alles schuldig geblieben ijt." Morell berührte flüchtig Martinas Hand. „Aber das scheint nur so, Fräulein Wilemar. Wie gesagt: erst jetzt wird die Kluft sich richtig schließen." Verträumt schaute er ins Weite. „Es ist unser aller Los. Wir müssen sterben, um denjenigen ganz nahe zu kommen, die uns im Leben unerreichbar waren." Ein anderes Gesicht hatte er auf einmal. Martina war bleich geworden. Konnte der Mensch in ihrer Seele lesen? Ihr Innerstes fühlte sie plötzlich preisgegeben. Trotzdem sagte sie und wußte kaum, was sie sprach: „Als der Vater noch lebte, svürte ich die Kluft schon: eine schwarze, tiefe Kluft, soweit ich mich zurückerinnern kann." „Ja, Sie", lächelte Morell. „Sie sind ein besonderes Geschöpf, Fräulein Wilemar: fein- und hellhörig, wie kaum eine." Fast zärtlich ruhten seine Blicke auf ihr. „Aber kommen Sie jetzt! Draußen lacht die Sonne." Kurz erhob er sich. Der Frühlingshimmel spannte sich hoch und wolkenlos. Geschäftig dröhnten die Züge über den Viadukt. Wie frohes Leuchten lag es aus den Mauern des Krankenhauses. Weit dehnte sich das wellige Baugelände nebenan. Klar standen die fernen Häuser von Weißensee in der reinen Luft. Ein Trupp Kinder spielte in der Nähe. Ganz waren ihre Gesichter dem Licht und der Wärme geöffnet. Kreischend klang ihr Lachen, wenn sie dem Ball nachliefen. Schon nach den ersten Sätzen über» kugelten sich die kleinsten. ..Möchten Sie da nicht mitun, Fräulein Wilemar?" Im selben Augenblick flog der Ball Marell an den Leib. Er bückte sich rasch, sprang zurück und warf ihn Martina au. Mit der Rechten erhaschte Martina den Ball, schleuderte ihn über die Köpfe der Jungen und traf Morell beinahe in das Gesicht. Erst im letzten Moment kriegte er ihn zwischen zwei Finger zu fasien. Schärfer gab er den Ball zurück, noch schärfer antwortete Martina. Hin und her ging das Spiel, bis eines der Kinder zu heulen begann. „Ganz großartig, wie Sie das gemacht haben", sagte Morell, als man durch die Gitterpforte schritt. „Nie hätte ich Ihnen das zugetraut, Fräulein Wilemar." „Diel ärgere Schlachten habe ich schon geschlagen." Martina lachte mit blitzenden Zähnen. „In Wiesbaden hätten Sie vor zwei Jahren dabei sein sollen. Da gab’s gar nichts anderes als Tennis: von früh bis abends nur Tennis." Morell verzog die Lippen. „Wäre auch heute das Richtigere für Sie. Jedenfalls besser als tiefgründige Gespräche über Tod und Unsterblichkeit." XXVIII. Heddenhausen hatte Worte gehalten. Verdächtig-oft klingelte er Martina im Krankenhaus an. Jedesmal erkundigte er sich nach den Fortschritten Kreuths in der Fahrschule Immer einsilbiger gab Martina Auskunft. Bis Heddenhausen eines Tages dringlicher wurde. ,Lch hätte in einer Familienangelegenheit mit Ihnen zu sprechen", klang es durch den Apparat. Martina hatte keine Ahnung, wie sie das deuten sollte. Trotzdem stimmte sie einer baldigen Zusammenkunft zu. Zwei Tage später saß Martina Heddenhausen bei Kranzler gegenüber. Wieder fragte er zuerst nach Kreuth. Seine Augen blickten zum Fenster hinaus, während Martina noch einmal dankte und Einzelheiten berichtete. Alles ginge nach Wunsch, lieber'bic Maßen glücklich sei Benno, daß diese Möglichkeit sich geboten habe. „Und Sie, Fräulein Wilemar?" „Auch in bin glücklich darüber, Herr Heddenhausen." „Und wann wird Hochzeit gemacht?" Nur einen Herzschlag lang zauderte Martina. „Sobald wir so weit sind", sagte sie dann rasch. „Erst muß Benno ja einen Posten haben." „Den bekommt er durch mich." Endlich schaute Heddenhausen Martina in das Gesicht. „In wenigen Wochen wird das der Fall sein." „Also dann in wenigen Wochen schon?" „Ja", lächelte Martina durch das sonderbare Spiel gepeinigt. „Gut." Heddenhausen warf seine kräftige Hand flach auf den Tisch. «Und jetzt die Familienangelegenheit." „Bitte." Hedenhausen überlegte nur kurz. „Es dreht sich um Ihren Vater, Fräulein Wilemar. Er war da in eine Sache verwickelt —" Heddenhausen schüttelte den Kopf. „Nein. Beginnen wir lieber so. Ist cs Ihnen nicht aufgefallen, Fräulein Wilemar. daß von dieser verwickelten Sache nach dem Tode Ihres Vaters kaum noch die Rede war? Das muß Ihnen doch aufgefallen fein! Oder lesen Sie keine Zeitungen?" Unter dem Tisch preßte Martina die Fäuste aneinander. „Es ist mir ausgefallen und auch nicht, Herr Heddenhausen. Einen Toten läßt man ja in Ruhe." „Nicht immer." Martina wich bestürzt zurück. Was hatte Heddenhausen mit der Angelegenheit ihres Vaters zu tun? Heddenhausen sprach sachlich: „Ein materieller Schaden war gutzumachen. Dazu langten die Aktien der Haguwa nicht. Aber dieser Oriewicz war doch ein pfiffiger Junge. In einem halben Jahr würden die Haguwa-Aktien schon langen. Da werden sie doppelt so viel wert sein als heute. Schon sind sie ja in die Höhe gegangen. Und alles, weil wir den amerikanischen Kredit bekommen haben." „Wir?" staunte Martina. „Natürlich: die Hartgummiwaren-A.-G. sind wir. Oder besser gesagt, ich bin es. Die anderen Herrschaften liegen zum größten Teil schon draußen. Dafür hat die Baisse gesorgt." Noch immer begriff Martina nichts. „Den Schaden habe ich gutgemacht", sagte Heddenhausen einfach. Seine Stimme wurde wärmer, als er Martinas glasiges Lächeln sah. „Sie müssen deshalb nicht in den Boden sinken, Fräulein Wile- war. Es war kein Opfer. Wie Sie eben gehört haben, riskiere ich nidjt einen Pfennig dabei. Nur ekelhaft roaren die Verhandlungen mit dem Gericht. Aber mein Rechtsanwalt hat die Geschichte schließlich durchgedrückt. Jetzt habe ich auch diese Papiere." Wie ein Hammer ging Martinas Herz. „Herr Heddenhausen —" „Schon gut" „Nie werde ich Ihnen dafür danken können!" Wieder schaute Heddenhausen zum Fenster hinaus. Unwillkürlich folgte Martina feinem Blick. Unter den Linden schwoll das abendliche Leben. Schon sommerlich gebärdeten sich die Menschen. In hellen Ueberziehern flanierten die vielen Fremden, leichte Covercoat-Kostüme trugen die Damen. Flüchtige Blicke schwirrten durch die (scheiben. Wie Puppen schritten andere vorbei: selbstgefällig federnd, die Profile hochgeworfen, die Wangen arrogant gespannt Nicht zu ertragen war das Bild auf einmal. Aufs neue sprach Martina etwas. Heddenhausen antwortete kaum. Da flammte Zorn in ihr hoch. „Was gibt es denn da gar so Interessantes zu sehen?" fragte sie plötzlich. Fühlen sollte der Mensch, daß man nicht länger Schindluder mit sich treiben ließ. Auch wenn man zu noch so großem Danke verpflichtet war, durfte man sich nicht alles bieten lassen. Heddenhausen spreizte den Zeigefinger von der Tischplatte. „Nicht das sehe ich." „Was sonst, Herr Heddenhausen?" Langsam irrehte er das Antlitz Martina zu. „Was sonst?" Er lachte häßlich auf. „Ein graues Hinterhaus sehe ich, eine kleine muffige Wohnung im obersten Stockwerk, darin eine blasstabgezehrte Frau: das sehe ich, Fräulein Wilemar." Auf einmal zuckte und ruckte sein ganzer Körper. Hart schlug die flache Hand auf den Tisch. Mit einer Stimme, die wie Glas splitterte, sagte Heddenhausen: „Begreifen Sie noch immer nicht, daß es Irrsinn ist, wenn Sie diesen Burschen heiraten?" „Oh," machte Martina, „oh! Warum helfen Sie dann mit, Herr Heddenhaufen? Warum leisten Sie diesem Irrsinn Vorschub?" lFortietzung folgt.) kompl. 5-Zm.-Wohnimg 921 Nn Windjacken VIM auf recht nassem Lappen. VIM kratzt und schmiert nicht. aus Loden., Gummi und Gabardine in, größter Auswahl bei billigsten Preisen VIM putzt auch Türen, Herd, Geschirr und Bestecke. Heinrich Kreveri I Feine Herren- u. 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Der Vorsitzende der Deutschen Turnerschast, Direktor Dr. Berger, teilt in einer amtlichen Bekanntmachung zu der Stellung der Deutschen Turnerschast gegenüber dem Reichsjugendabzeichen mit, das), wie er schon auf der Ortsgruppentagung zum Ausdruck brachte, die Deutsche Turnerschaft, um d.e ©in« heitlichleit der Arbeit zu erhöhen und die chr angehörigen Lehrer aus einem ost aufgetretenen «Zwiespalt der Pflichten zu erlösen, bereit sei, ihren Widerstand gegen das Reichsjugend- abzeichen aufzugeben, wenn einigen besonders von I ärztlicher Seite ihr abgegebenen Gutachten Rech' nung getragen würde. Es sei noch gar keine Rede davon, daß nun bereits die Sugendturner das Reichsjugendabze'chen erwerben und tragen und die Turnwarte und Turnlehrer der D. T. die Prüfung abnehmen dürften. .Erst muh der Aus- schuh für die Turn- unb Sportabzeichen unsere Wünsche hören und erfüllen, bann wirb bie D. T. mitteilen, daß sie bie Erwerbung des Reichs- jugenbabzeichens freigibt. Dis bahin bleibt es bei den bisherigen Anordnungen." Turngau Hessen (D. T.) —o— (Sieben, 7. Rov. Ein Lehrgang zur weiteren sachlichen und methodischen Aus- bilbung von Dereinsturnwarten und Vorturnern begann gestern nachmittag in der Turnhalle des Realgymnasiums mit einer turnerischen Prüfung der Riege. Die Oberleitung (legt m den Händen des Gauoberturnwarts Wilhelm Will (Giehen), der in seiner Eröfs- | nungSansprache den stellvertretenden Kreisober- turnwart Franz Friede (Frankfurt a M.) als Vertreter deÄ IX. Kreises (Mittclrhein) begrüßen konnte. Das Zulassungsgebiet erstreckt sich mit Unterftüöung des hessischen Staates über unsere Heimcrtprvvinz Oberhessen, die aus drei Gauen 32 TeUnehmer entsandte: 2 aus dem Kinzig-Gau, 2 aus dem Main-Ta unus-Gcru und 28 aus dem Gau Hessen. Don den Dereinen sind vertreten: Wiendorf a. d. Lahn, Alsfeld, Dad- Rauheim. Dettenhausen, Dirklar, Büdingen, Duh- bach. Dortclweil, Friedberg, Giehen, Grvhen- Linden, Grünberg, Hermannstein, Heuchelheim, Klein-Linden. Lang-Göns, Langsdorf, Lauterbach, Lich, Lützellinden, Marburg. R eder-Erlenbach, Rieder-Mörlen, Rieder-Wöllstadt, Ober- Mörlen und Treis a. d. Lda. Die Hebungen werden an vier SoTrntagen einschließlich der voraufgehenden SamStagnachmittage abgehalten und erstrecken sich aus Ordnungs- und Freiübungen, Keulenschwingen, Geräteturnen, volkstümliche Ueblmgen. Turnspiele und Turngesang. Zur Durchführung dieses reichhaltigen Turnplans stehen dem Leiter noch die Dauwarte Sektor und Luckhardt (Marburg), Paul (Gießen 1 und die Deztrksturnwarte Schüler (Wetzlar) und Hartmann (Dad-Rauheim) zur Sette. Auherdem werden Prof. Dr. Huntemüller (Giehen) und Dr. med. Fritz Koch (Ridda) ärztliche Vorträge über den Betrieb der Leibesübungen halten, und der Leiter wird die Unsall- und Haftpflichteinrichtungen der D. T. eingehend erläutern Des Kreisturntags wegen sind die letzten älebungstage auf Samstag, 4. und Sonntag, 5. Dezember, verschoben worden und werden mit einer dreistündigen Prüfung der Lehrgangsteilnehmer am Sonntagnachmittag abschliehen. Gleichzeitig mir d es em Lehrgang läuft ein gleicher Lehrgang für die Provinz Starkenburg in Darmstadt, während der Lehrgang für Rheinhessen schon im Frühjahr zu Mainz stattfand. Diese stille, zielbewuhte Arbeit wird dazu beitragen. den Ma.igcl an geeigneten Turn warten I Mnb Vorturnern 'in den Vereinen zu beheben 1 Und die Leistungen bei den turnerischen Wettkämpfen in unserem Hessenlande zu steigern. Handball im (Bau Hessen der D.T. Mw. Giehen I — Td. Dad-Rauheim 1860 I 2:1. Q DaS am Sonntag auf dem Turn- und Spielplatz des Männer-Turnvereins im Schiffen- berger Tal ausgetragene Handballwettspiel war ein In allen Teilen hübsch durchgeführtes Treffen, das dem Sinne und der Art nach ein Freundschaftsspiel war. Leider ist der Turnverein 1860 Dad-Rauheim aus der Derbandsrunde ausge- schieden; es müssen schwerwiegende Gründe vorliegen, die eine Mannschaft, die mit als erste im Gau das Handballspiel aufnahm, zu einem solchen Schritt veranlaßt haben. 3m Interesse der Sache ist dies nur zu bedauern. Das Spiel der ersten Mannschasten war das (Begegnen zweier völlig gleichen Gegner. Zwar kann Gießen immerwährend drücken und ton- angebend sein, jedoch in Punkto Verteidigung heim einen Mann. Zweimal konnte die am und im Zerstören der Angriffe stellt Dad-Rau- heim seinen Mann. Zweimal konnte die am Sonntag in guter Form spielende Elf des Män- ner-Turnvereins erfolgreich fein, die unzähligen anderen Schüsse wurden alle sicher und gut von dem eifrigen Tormann Dad-Rauheims ab- gewehrt, der so eine hohe Riederlage seiner Mannschaft vereitelte. Dad-Rauheim konnte nur durch vereinzelte Vorstöße dem Gießener Tor (Besuche abstatten, nur einmal mußte der mit großer Ruhe unb Sicherheit spielende Tormann den Ball aus dem Rehe holen. Der Platz war in nicht gerade glänzender Verfassung; Glätte und Schlüpfrigkeit hinderten die Mannschaften an der vollen Entfaltung ihres Könnens. Der 2:1-Sieg der Männer-Turner kennzeichnet bie Spielstärke der Gegner im großen und ganzen. Schiedsrichter S 1 a w i h k y vom Männer-Turn- verein gab sich Mühe, das Spiel einwandfrei zu leiten. Männerturnverein Gießen U—Bad-Rauheim 1860II 6:1. Einen weit überzeugenderen Sieg konnte die II. des Männerturnvereins gegen die gleiche Mannschaft der Dad-Rauheimer herausholen. Das Können der II. M. T. Der wird von Spiel zu Spiel besser und reifer. 3m letzten Spiele waren sie ihrem Gegner von vornherein überlegen und siegten nach (Belieben. Eifer und Zähigkeit der Dad-Rauheimer sprechen für recht ansprechendes Können; das Ehrentor war verdient. Mit dem 6:1-Sieg hat die Gießener Mannschaft das Zusallergebnis des Vorspieles 1:0 für Dad-Rauheim einer gründlichen Nachprüfung unterzogen, die mit gutem Recht zu ihrem Vorteil ausgegangen ist. Dieses Spiel leitete Turner Langsdorf, Dad-Rauheim, gut und zufriedenstellend. Tv. von 1846 Gießen — To. von 1860 Marburg (Meisterklasse) 5:4 (2:3). Das für Sonntag angesetzte Derbandsspiel der Meisterklasse konnte infolge Erkrankung des Schiedsrichters nicht ausgetragen werden. Hierfür trugen beide Mannschaften ein Gesellschaftsspiel aus. das T. V. 1846 mit dem Resultate 5:4 für sich entscheiden konnte. Die Mannschasten waren sich gleichwertig. Spielvereinigung 1900 Giehen. ö. Eine ansehnliche Zuschauermenge war am Sonntag nach dem Sportplatz an der Liebigs ho he gewandert in Erwartung eines spannenden Spieles der beiden, zur Zeit wohl spielstärksten Mannschaften im Lahnkreis. Man erlebte, wie so oft, leider abermals eine Enttäuschung. Wohl spielten die Gäste, die Ligaelf des Fußballvereins 192 0 Marburg-Ockershau- sen, außerordentlich eifrig und zeigten auch im Deckungs- und Stellungsspiel ganz Ersprießliches, jedoch das technische Können des einzelnen Spielers, sowie der alles krönende Torschuß, fehlten vollkommen. Demerkenswert in dieser Mannschaft ist nur die sichere Verteidigung und bie beiden wieselflinken Außenstürmer, die immer wieder Angriff auf Angriff nach vorne trugen. Die Ockershäuser hatten das Glück, bie elf Aus- erwählten des Plahbesihers zwar komplett, aber in einer fürchterlichen Verfassung anzutresfen. Der 3nnensturm sowohl wie der Mittelläufer ver- , sagten bei der S Pie lv e re ini gun g 19 0 0 vollkommen, die anderen Spieler, dadurch überlastet, muhten eine gewaltige Arbeit verrichten. Tie beiden Hüter meisterten einige brenzliche Sachen ganz famos. Die bessere Dalibehandlung zeigten die Einheimischen. Man vermißte bei diesen nur den Drang nach dem gegnerischen | Tor, sonst hätte 1900 einen knappen Sieg mit 1 bis 2 Toren erringen müssen. Gefallen konnten linier Verteidiger und rechter Läufer. Der Schiedsrichter amtierte im großen und ganzen zufriedenstellend. Die Leitung wurde ihm von beiden Seiten sehr erleichtert, da das Spiel bis jetzt wohl das fairste Derbandsligaspiel in Gießen war. Resultat 0: 0. Eine Propaganda für den Fuhballfport war daS Treffen der Gießener Universitäts- fußballmannschaft gegen die S onder- e l f der Spielvereinigung 1 900 vor dem Ligaspiel. Die Universität hatte diesmal mehrere Gießener In ihren Reihen, zeigte auch in der zweiten Hälfte, nachdem sich die Mannschaft besser zusammensand, ein ausgeglichenes, schönes Spiel. Der Plahverein hatte vier neue Kräfte zur Probe in die Elf gestellt, bie sich durchweg ganz gut bewährten. Wenn das Verständnis unter den einzelnen Leuten erst noch besser wird, werden Erfolge, selbst gegen stärkste Gegner, nicht ausbleiben. 1900 erzielte durch genaues Zusammenspiel bis zur Pause drei Tore. Rack dem Wechsel schoß zunächst die Universität das Ehrentor, dann der Plahverein den vierten und letzten Treffer, damit den 4:l»Sieg sicherstellend. Die 3 b - M a n n s ch a f t der (Bereinigten! errang vormittags aus eigenem Platz einen weiteren 5:0-Sieg über Lollars zweite E l f. Das Spiel der 1. 3 ugend gegen Germania 08 Marburg kam nicht zum Austrag. Die 2. Jugend hatte Daubringens 1. Jugend zu Gast unb siegte 10:0. Die 3. Jugend unterlag erwartungsgemäß ihrem Lokalgegner, V. f. D. 2. Jugend, 1:3. Beachtung verdient der schöne Erfolg der Jüngsten: Sp. Dgg. 1900 1. Schüler gegen V. f. D. 1. Schüler 5:1. D. s. B. (-) Liga und zweite Mannschaft waren spielfrei. Der Dritten gelang es, im Derbandsspiel die zweite vom hiesigen Ballspielklub au dessen Platz 8:0 zu schlagen, und damit zwei weitere Punkte zu gewinnen. 3n Anbetracht der Unvollständigkeit der D. f. D.-Mannschaft, die nur mit 9 Mann antrat, ist ihr Sieg recht anerkennenswert. Die Vierte verschenkte kampflos die Punkte, indem sie gegen die Zweite vom Sportverein „Hessen" nicht antrat. Um den Kleinen und Kleinsten des Vereins den Waldsportplatz zu überlassen, waren die „Alten Herren" zum Universitätssportplah gezogen, den sie zur Verfügung gestellt bekommen hatten. Sie hatten sich die akttve Mannschaft von Ettingshausen eingeladen, der sie im Rückspiel die vor kurzem erlittene 1:5-Riederlage quittieren wollten, was ihnen mit diesem Resultat auch glänzend gelang. Während die 1. 3ugendinannschaft ebenfalls spielfrei war. hatte die zweite auf eigenem Platz die 3. 3ugendmannschaft der Spielvereinigung im fälligen Diplorn- spiel zum Gegner. 3m Gegensatz zu sonstigen 3ugendspiel'en wurde dieses von beiden Seiten mit fast vorbildlicher Ruhe auSgetragen.. V. f. B. geigte, wohl infolge größerer Spielerfahrung, das bessere Zusammenspiel und gewann verdient mit 3:1. Während beim Gegner die Verteidigung der beste Mannschaftsteil war, zeigte der 3nnen- sturm der Platzmannschaft sehr gutes Feldspiel, ließ aber den Torschuß vermissen; auch alle übrigen, besonders der rechte Verteidiger, waren recht gut. Anschließend lieferten sich bie ersten Schülermannschaften beider Vereine das erste Tressen seit dem Bestehen der Schülerabteilungen. Hier mußte sich die Platzmannschaft den körperlich wesentlich stärkeren Spielvereini- gungsjüngem mit 5:1 beugen. Aus dem Arbeiler-Turn- und Sportbund. Wetzlar I. — Raunheim L 1:5. £ Die mit Ersatz spielende Wetzlarer Mannschaft trat auf eigenem, aber fremden Platz gegen Naun- heim zum Gesellschaftsspiel an. Die flinken Naunheimer erzielten bis Halbzeit drei Tore. Auch die zweite Spielhälste entschieden sie durch größere Schnelligkeit und besseres Stellungsspiel zu ihren Gunsten. Als das Nejultat schon auf 5:0 für Naunheim stand, konnte Wetzlar sein Ehrentor erzielen. Wetzlar II. — Raunheim II. 1:3. Der kompletten Elf Naunheims stellte sich Wetzlar mit nur 10 Mann. Wetzlar erzielte das erste Tor, dem Naunheim nach 15 Minuten den Ausgleich olgen ließ. Ein Elfmeter für Wetzlar wurde ver- chenkt. Naunheim spielte nun recht flott und stellte >as Spiel bis zur Pause auf 3:1, das dritte Tor iel eine Minute vor dem Wechsel. Nach demselben war Wetzlar durch Ausscheiden von drei Spielern noch unvollständiger, deshalb mußte das Spiel vor- zeitig ein Ende nehmen. Daubringcn I. — Gießen Ila. 3:3 (1:2). Eine für die Daubringer Verhältnisse ungewöhn- lich große Zuschauermenge wohnte dem letzten Ler- bandsspiel dieser beiden Mannschaften bei, war es doch gewissermaßen das Entscheidungsspiel in der 2. Klasse. Gießen ist nun auch in dieser Klasse endgültiger Meister. Daubringen hat sich ebenfalls sehr gut gehalten, denn die Mannschaft verlor von den 9 Spielen der Herbstrunde nicht ein einziges Spiel. Gießen trat in stärkster Ausstellung an. Der Platz- Verein war ebenfalls komplett, griff das Tor der Gäste sofort scharf an, und erzielte durch den Mittelstürmer, der aus 20 Meter Entfernung schoß, das Führungstor. Gießen ließ sich nicht entmutigen und zeigte ein technisch hochstehendes Spiel, durch das es auch vor der Pause den Ausgleich erzielte. Nach dem Wechsel war es wieder Saubringen, das mit aller Energie auf Sieg spielte und abermals die Führung übernahm, dem ein 3. Tor bald folgte. Der Sieg Saubringens stand schon sicher, als ein Handelfmeter und ein Selbsttor der Einheimischen den Gießenern einen billigen Ausgleich brachte. Der Schiedsrichter Zimmeck-Lollar war dem sehr schönen Spiel ein gerechter Leiter. Wieseck II. — Fronhausen I. 0:4 (0:1). Fronhausen trat zu seinem letzten Serienspiel in Wieseck an. Nach den Resultaten der letzten Spiele von Fronhausen war mit einem kleinen Plus für diese Mannschaft zu rechnen. Wieseck hielt seinem guten Gegner in der 1. Halbzeit Stand, muhte aber doch Fronhausen mit 1:0 die Vorhand lassen. Nach heu Wechsel machte sich eine merkliche Ueberlegen- beit Fronhausens bemerkbar, die in weiteren drei ?■ cren ihren Niederschlag fand. Eine gewisse lln- v'he ließ Wieseck nicht zu Erfolgen kommen. Mit diesem Sieg setzt sich Fronhausen an die dritte Stelle In Der Tabelle der 2. Klasie. Die ersten Spiele um die Krersmeisterschast. £ Der erste Spielsonntag um die Kreismeisterschaft der Arbeiteriußbatter brachte in zwei Fällen i inen erwarlungsacmäßen Ausgang. 3n Frankfurt standen sich auf den Riederwaldwiesen V. f. 2.1913 Bornheim und V. s. R. Wiesbaden gegenüber. Der 4:0-Sieg der Bornheimer überrascht trotz seiner Höhe wines- wegs. Wiesbaden enttäuschte und zeigte wenig Geschlossenheit. — Der unentschiedene Ausgang des Spiels Gießen — Hanau (siehe gestrigen Bericht) entsprach der Spielstärke beider Mannschaften. Bei besseren Leistungen des ersatzgeschwächten Gießener Sturmes kann die Mannschaft günstigere Resultate herausholen. — Die Sensation des Sonntags bildet das unerwartet günstige Abschneiden Friedbergs im Spiel gegen Mörselden. Letztere zählte mit zu den stabilsten Mannschaften innerhalb des 9. Kreises, und konnte nur mit viel Glück (Elfmeter) das Spiel für sich entscheiden. Bei Halbzeit stand das Spiel 1:1, bald darauf führte Friedberg 3:1, um sich doch am Schlüsse 3:4 geschlagen zu bekennen. Don allen Plätzen werden große Zuschauermengen gemeldet; die Spiele verliefen sämtlich reibungslos und waren richtige Propagandaspiele. Wetzlarer Fußball und Handball. tz. Außer Fußball setzte am Sonntag auch der Handballbetrieb mit unteren und Iugend- mannschasten wieder ein. Sämtliche Spiele fanden auf dem F. C.-Platz statt. Zunächst begannen die 3. Mannschaften von F. C. und D. C. mit einem wenig System zeigenden Treffen, in dem die F. C. e r eine Kleinigkeit besser waren und verdient mit 2:0 gewannen. D. C. war durch das Fehlen seines 11. Mannes im Rachteil. Die 2. Mannschaften setzten den Spiel- betrieb fort. F. C. blieb auch hier über den D. C. siegreich, diesmal mit 3:2. Die viel eifrigeren und schnelleren B. C.er hätten den Sieg eher ve^ient. Werdings verdarben sie den Eindruck ihres besseren Spieles durch ihr schlechtes Benehmen auf dem Spielfelde. Der F. C. hatte alle Mühe, den Ausgleich zu verhindern. D. C. als ungeschlagener Spitzenführer erlitt damit feine erste Riederlage, so daß nunmehr Gießen 1900 II. die Tabelle an führt. Mit dem anschließend beginnenden Treffen der Ligamannschaften von F. C. und R i e - dergirmes wurde ein torreiches Spiel eröffnet. F. C. schlug Riedergirmes mit 6:4 und gewann damit verdient, läßt aber mit »seinen 4 Minustoren erkennen, daß seine Verteidigung nicht die stärkste ist, zumal gegenüber dem R. G.-Sturm, der wenig Zusammenspiel und Verständnis aufwies. Aus der anderen Seite ist der F. C.-Sturm zu loben, der gegen die wirklich gute Verteidigung der R G.er, in dieser vor allem wieder der Torhüter mit Glanzleistungen, sich sechsmal durchsetzen tonnte. F. E.s Sieg ist im ganzen genommen verdient, seine Leistung muh aber noch eittschieden steigen, wenn er sich gegen die führenden Mannschaften des Lahnkce.ses wieder erfolgreich zeigen will. Angenehm stach das Spiel von den vorhergehenden der unteren Mannschaften durch seine faire Dpielweife ab. die dem guten Schiedsrichter H. Cngelter von Germania Marburg sein Amt erleichterte. Mit biefem Sieg errang der Fußballklub seine ersten Punkte in der Kreisliga. 3m Handballspielbetrieb waren nur Mannschaften des F. C. tätig. Die 2. Senior- manns chaft errang in Dillenburg einen hohen 9:3-Sieg gegen die dort iroch nicht richtig eingespielten Handballer. Den schönsten Sieg des Tages erfochten die F. C. Iungmannen im Anschluß an das Ligaspiel gegen die 2. Scniorhandballelf des D. s. D. Sriebberg mit 9:0. Die Jungen waren in allen Phasen des Kampfes überlegen unb führten ein von hinten nach vorne systemvoll aufgebautes Kombinationsspiel vor, das bie schwache Abwehr des Gegners nicht unterbinden tonnte. Dabei muß • noch gesagt werden, daß der Torwart der Friedberger De- wegungsspieler eine größere Riederlage durch gute Leistungen verhinderte. Wettere Futzballergebnisse vom Sonntag. 3n Westdeutschland gab es am Sonntag zahlreiche Spiele, von denen der überraschend hohe 9:2-Sieg von Turu Düsseldorf über Schwarz- Weiß Essen, der 3:1-Sieg des westdeutschen Meisters D. f. R. Köln über Godesberg, das 1:1- Spiel Donner F. D. gegen Kölner D. C., die 0:2-Riederlage von Rheydter 6. D. gegen Eintracht München - Gladbach, der 7:3»Sieg von Rheinland Mayen besonders erwähnt seien. 3m Riederrheinbezirk blieben Union Krefeld unb Duisburger S. D. in Abteilung A an der Spitze, D. D. Altenessen und Schwarz-Weiß Essen erkämpften im Ruhrbezirk (Gruppe 1) Favoritensiege, während in Gruppe 2 Union Gelsen Archen gegen Dortmund 95 1:2 unterlag. 3n Westfalen waren Arminia Dielefeld und D. f. L. Osnabrück erwartungsgemäß in Gruppe Ost siegreich, während im Kamps um die Führung in Gruppe West Preußen Münster gegen 03 3:3, (Borussia Rheine gegen Westfalin Scher le beck 6:1 spielten. Der (Berliner Fußball brachte am Sonntag erwartete Ergebnisse In dem 4:0-Sieg von Hertha D. S. C. über Minerva, dem 4:1- Sieg von Tennis-Dorussia über Wacker, recht be- mettenswerte Resultate weiter in dem 2:1-Sieg von Rorden-Rw. über Viktoria 89. der 0^-"Niederlage von Union-Ob. gegen Union Potsdam und der 2:3-Riederlage von Preußen gegen Wedding. 3nRordbeutschlanb brachte der Sonntag als wichtigste Spiele die Derbandspokalrunbe, aus der Dikt-ria Hamburg. F. D. Harburg. Holstein Kiel und Hamburger S. V. erwartungsgemäß als Sieger gegen S. D. Wilhelmshaven, Komet (Bremen, Rasensport Harburg und Union- Teutonia Kiel hervorgingen. Die besten deutschen Leichtathleten. Die besten leichtathletischen Leistungen 1926 erzielten in Deutschland nach der Liste der zehn Besten der Deutschen Sportbehörde: 100 Meter: Körnig (Schlesien Breslau) 10,4 (mit Rückenwind 10,3). — 200 Meter: Körnig (Schlesien Breslau) 21,5. — 400 Meter: Dr. Pe 1 her (Preußen Stettin) 43,9. — 800 Meter: Dr. Pelher (Preußen Stettin) 1:51,6. — 1500 Meter: Dr. Pelher (Preußen Stettin) 3:51. — 5000 Meter: Dieckmann (Hannover 78) 15:10,3. — 10 000 Meter Rätze (V. f. D. Luckenwalde) 32:20,8. — Marathonlauf: Reichmann (Sportsr. Siegen) 2:41,9. — 110 Meter Hürden: Troßbach (Berliner S. C.) 14,9. — 400 Meter Hürden: Dr. Pelher (Preußen Stettin) 54,9. — Weitsprung: Dobermann S C. (Marienb.) 7,36 Meter. — Hochsprung: Huhn (D. f. B. 3ena) 1,87 Meter. — Stabhochsprung: Werkmeister (Berliner S. C. 3,70 Meter. — Speerwerfen beft: Zeller F. C. Eislingen) 59,10 Meter. — Speerwerfen beid: Dr. L ü b e ck e (D.S. C. Berlin) 98,66 Meter. — Diskus beft: Hoffmeister (Hannover 98) 44,86 Meter. — Diskus beid: Hänchen (P. S. D. Berlin) 72,91 Meter. — Kugelstoßen beft: Schröder (Dortmund 95) 14,62 Meter. — Kugelstoßen beid: Drechenmacher (Eintracht Frankfurt a.M.) 25,545 Meter. — (Zehnkampf: Holz (Brandenburg Berlin) 652 P. — Dreisprung: Baaske (Preuß. Saml. Königsbg.) 13,47 Meter. — Hammerwerfen: Mang (S.V. Regensburg) 43,12 Meter. Mißglückter Weltrekordversuch Pürstens. . vo. Am Sonntagvormittag unternahm der Leipziger Pürsten auf der Laufbahn des Leipziger Sportclubs einen Angriff auf den Welt- rdorb des Finnen Sipilae im 20-Kilo- meter-Laufen von 1:6:29. Das Wetter war zwar günstig, doch schien sich bie Laufbahn mit ihrem weichen Boden wenig für ein solches Unternehmen zu eignen. So tonnte der sich in guter Form befindliche Pürsten auf dieser Dahn nicht einmal seinen eigenen deutschen Rekord von 1:7:51 erreichen, sondern blieb mit der Zeit 1:8?46,4 ganze zwei Minuten 17,4 Set. hinter dem bestehenden Weltrekord zurück. Pürsten will im Frühjahr 1927 einen neuen Versuch machen. 7 nracUrcmäs.ttLttMkumt VMEFlEi MWWWW ataft w?xl aesetaneidia Wirtschaft. Die Kohlenproduktion in Hessen Die monatliche Statistik der Kohlenproduktion des Dolksstaates Helsen weist für den Monat Oktober folgende Zahlen nach: An Rohbraunkohlen wurden gefördert 35 292 Tonnen. Verkauft wurden davon 11058 Tonnen. Der größte Teil der Rohkohle wurde weiter verarbeitet oder war zur weiteren Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwelerei- Produkten erzeugt 410 Tonnen Braunkohlenbriketts. Außerdem wurden in Hessen erzeugt eine Anzahl Tonnen Steinpreßkohlen. Unter Berücksichtigung der aus Vormonaten übernommenen Bestände sowie des Absatzes und Selbltoerbrauchs verblieben am Monatsschluß absatzfähig: 11 974 Tonnen Rohkohlen, 1166 Tonnen Briketts und 2851 Tonnen Rahpreßsteine, zusammen 15 991 Tonnen Braunkohlen und Braunkohlenprodukte im Gesamtwert von 126 500 Reichsmark. Datum: Börsen k»Ne. (Ohne Gewähr.) 5°/i Deutsche Reichsanleihe 4% Deutsche NctchSanleihe ■ B'/,% Teuriche Reichsanlethe 3*7.3 Deutsche Reichsanleihe Dcuiiche Evarvrümicnanletbe 4*7O Preußische KontotL • . ■ <° o Hegen • . . . ... 8*V/o Hessen.......... 8% Hetzen Deutsche Dertb. Dollar-AnU dto- Doll -Schatz-Anweisog.') 4»/0 »jolllurken 6°/0 Goldmerikuner ... . Berliner HandetSaelellschast ■ Commerz und Prtvar-Bank Tannsl. und Narionaldaak . Deutsche Bank .... Deutsche BereinSbank .... DiSconto Lomrnandtt Metallbau! ..... Mitteldeutsche Lreditbank. . Leslei-reichische Creditaustall. Westbank - ....... Bochumer »Sah ..... BnderuS..... Coro .... »-Luxemburg ..... trchcnrr Bergwerke .. Harv> er Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln .... Laurahüite ....... Oberbedarf ......... Phönix Bergbau ...... Rheinilahl . ....... Piebcck Montan ....... TelluS Bergbau...... Bereinigte Stahlwerke A.-G. Hamburg.Ämenka Paket. . . Norddeutscher Llovo . . . Cheramische Werte AlbtN . . Zementwerk Heidelberg . . . Philivv Holzmann...... Anglo-Cont.-Kuano .... Chemische Mayer Alapin . . y. Cd. starbenlndustrie, A.-G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung ....... mütgcrswerke Echeidcanstalt. ....... Allg ElektrtztlätS^Sesellschast Bergmann . . . ....... Momkrastwerke ........ Schuckert Siemen» L Halske ..... Rdlerwerke Klever ...... Daimler Motoren. ...... Hkyligcnstacdr......... Mcguin............ Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . . «ouservenfabrik Braun . . . Meiallaelellchaft Frankfurt. Per. Union A.-G. .... Schuhlobrik Herz Sichel............. Zellstoss Waldbof ..... Zuckersabrik Frankenthal . . Zucken'abrik Waobäuiel . . . Frankfurt a.M. riftrltn Schlug ÄHT5 1-Uhr. Rere Schluß. 1 Anfang Rar» «tu--. 8. 11 9 11. 8. 11. 9. 11. 0.8475 ti-825 0.84 0.82 0.85 - 0.82 0.80 0.775 0.01 0.81 0,7975 0 90 — 0.95 0.92 0.498 — 0.5102 — — — — 0,79 0,73 — — — -1 ■ — — 0,775 _ 95 — —— —— — —• — — | 18,7 | 18.4 18,8 1 48,5 ' 48 — 284.75 _ 276.25 269,75 199.5 195,5 199.5 195 268 7* 264 267.5 !64.25 194.2' 188 194* 189 114 — — — 180 188 180 176 181 177 180 176.5 160 — 159,75 155 8.5. — 8.7 8.75 78 — W — 176 1711 175.5 172 121.4 116 121,75 115 — —— , -1 173 173.5 175.25 174 180.ü 175.25 178 175.76 194 192.5 194' 192.75 159 154 156' 155.5 163 5 —— 165.25 163 80,5 — 79.9 80,75 107,9 104 106,5 104.12 137.5 136.5 138* 135.75 200.5 197 200.5 195 180 175.5 180 176 10Ü «V w — 150,5 — 151 149 187 182.5 186 182 178,75 174 178,4 174,25 82 _ _ 134 75 133.5 _ 159,6 156,5 160,5 — 101,5 — 103 -- we — 366.5 360.5 368.5 361.5 148 141 149 149 69 — — —■ 143 141 146 186 183 — 169 166.75 169 166 169,5 162 165 162,62 110,5 — — — 157,5 — 155 151,5 209,9 203,5 205.5 203.5 113 109,75 115 107,75 103,75 100 104,4 101 — - — —— 68 — 57 — —- — 50 — 15 —• — 52 — — 184.5 — — 126 — 125 — 58 — — — 2.45 — — — 215 — 217.4 210,5 91 90 92,9 - 112,13 111.75 116,5 - Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphtfche Auszahlung. (Ohne Gewähr.» 8 Novbr. 9 Novbr. Amtliche Noti runa Amtliche Notierung Gelb l ® rief (Selb Briet Unut.« 'Jtou 168,17 168,59 168,17 168,59 Buen.-Atrer 1,709 1.713 1.710 1.714 ®rfi--'.'Inin) 58.58 68,72 58.58 58.72 Gforiftmnia. 104.82 105,08 105,22 1U5.48 JtopmfMifl.’n 111.90 112,18 111,91 112.19 Slortholm 112.24 112,52 112,28 112.56 Hcl'inolorS 10.572 10,612 10,676 10,617 ytalten . 17,70 17.74 17,66 17.70 London. 10,38« 20,438 20,393 20,44.3 Weunort . • 4.206 4,216 4.2063 4,2165 Poriü. . Cchmcß . 13.82 13.8« 13,69 13,73 81,05 ->1,25 81,09 61.29 Sva i:n . 63.32 63.48 63.72 63,88 Japan . . 2.067 2.071 2.067 2.071 >),047 ti'ffabon 21,525 21.675 21,525 21,575 Tanün 61.49 51,69 81,49 81.69 ölonst nun 2.115 2,125 .'.125 .135 Auen 5.24 5,26 5,49 5,31 Canaba. . . 4 209 4.219 4,209 4.2,9 Unionen 4.175 4 185 4.175 4.185 Banknoten. Berlin, 8 Novbr Geld Brie Hmerltaniltte Note» ..... Belgische Noten ...... Dänische Noten ....... Englilcke Noten. ....... Franchuiche Noten ...... Hollänbische Noten ..... Ät lienische Noten ...... Norwegische Noten - . . 2 •utftö’Ceftcn .2100 Kronen Rumänische Noten..... kcliwebische Noten ...... Crfuvrhcr Noten ..... Spanische Noten ...... Tlcv choslowntische Noten . . Nnoartlche Nmen . . 4,192 58.4-> 111,67 20,35 13.94 167,80 17 08 104 59 69.07 2.27 111,97 80,80 6?. 19 12,125 5.87 4,212 68.75 112,23 20,45 14.00 168.64 17.76 105.11 69.3? 2,31 112.53 81.10 63.58 12,485 • 91 Berliner Börse. Berlin. 9. Nov. Der Gffektender- kehr setzte heute auf allen Gebieten in ab» geschwächter Haltung ein. Die gestrigen Realisationen hinterließen eine erhebliche Ain» ficherheit, die eine starke Zurückhaltung veranlaßte und daS Geschäft daher einheitlich einschränkte. Die Abgaben waren aber Weniger umfangreich als gestern, insbesondere hielt die Dankenkundschaft an ihrem Bestände fest. Rach Festsetzung der ersten Kurse wurde die Grund- stimmung etwasfreundlicher, doch blieb das Interesse auf einige Spezialwerte beschränkt. Heimische Renten wurden teilweise lebhaft aus dem Markte genommen. Die Ablosungsanleihe setzte mit 350 Prozent bereits sehr fest ein. Im Devisenderkehr machte die Befestigung des Dollars infolge der Gold Verschiffungen weitere Fortschritte. Die Reichsmark schwächte sich auf 4,2115 ab und erreichte damit ihren tiefsten Stand seit der variablen Dollarnotiz. Paris und Mailand lagen gleichfalls schwächer. Paris gab gegen London auf 149—, Mailand auf 116,25 nach. Am Geldma rkt war heute ungewöhnlich großes Angebot in Tagesgeld festzustellen, der Satz wurde mit 4 bis 6 Prozent, in vielen Fällen aber schon darunter, genannt. Monatsgeld 5,75 bis 7 Prozent. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 9. Rov. Tendenz: erholt. — Obwohl die innerpolitischr Lage unklar erscheint und anregende Momente nicht Vorlagen, zeigte die Börse nach den gestrigen erheblichen Rückschlägen vorbörslich eine freundlichere Veranlagung. Mit dem Rachlafsen des Angebotes konnte die rückläufige Bewegung zum Stillstand kommen, wenn auch nicht auf allen Märkten. Die Spekulation, die ihre Alnternehmungslust wieder voll zur Auswirkung brachte, schritt zu einigen Deckungen, die bis zu Zprozentige Kursbesserungen bewirkten. Teilweise gingen die Erhöhungen darüber hinaus, aber nur ganz vereinzelt. So zogen I. G.- Farben bei der ersten Rotierung um 5,5 Prozent an. Das Geschäft verlief im allgemeinen ruhig. Am Montanmarkt wurden höher: Bochumer plus 3 Prozent, Deutsch-Lux, Phönrx und Riebeck je plus 1,5 Prozent, Harpener plus 4,5 Prozent, Mannesmann plus 6 Prozent. Riedriger notierten: Buderus minus 5,4 Prozent, Rheinische Braunkohlen minus 4 Prozent, Stahl- Verein minus 1 Prozent. Bon Chemiewerken waren Scheideanstalt um 3 Prozent gebessert, wahrend Holzverkohlung 1 Prozent nachgaben. Am Elektrvmarkt erlitten Bergmann eine starke Einbuße von nahezu 7 Prozent. Siemens konnten um 2,5 Prozent anziehen. AEG. kaum verändert. Der Bankenmarkt bot ebenfalls kein einheitliches Bild. Darmstädter konnten sich um 3 Prozent erholen, während ein Teil der übrigen Werte schwächer lag. Disconto unverändert. Bon A u t o a k t i e n befestigten sich Daimler um 0,5 Prozent, während Kleyer 0,5 Prozent nachgaben. Zellstoffaktien etwa 1 Prozent niedriger. Bauaktien überwiegend etwas höher. Holzmann plus 1,5 Prozent. Zement Heidelberg plus 0,5 Prozent, dagegen Wayß & Freytag minus 1 Proz. Zuckeraktien gaben weiter nach. Am heimischen Rentenmarkt zeigte sich etwas Nachfrage. Kriegsanleihe tooren aber nur mäßig gebessert. Auslä ndische Renten behauptet. Im weiteren Verlaufe wurde der Markt von einer neuen Alnsicherhrit beherrscht. Die Tendenz wurde infolge neuer Abgaben wieder schwächer, und die Kurse senkten sich zumeist auf ihren gestrigen Abendstand. I.-G.- Farben 357 bis 358 Proz. Später trat wieder eine leichte Erholung ein, von der besonders Terminwerte profitieren konnten. Der Geldmarkt ist weiter sehr flüssig. Tagesgeld ist zu 3^/', Proz. reichlich angeboten, Monatsgeld 5 bis 7 Proz. Im Devisenverkehr bewirkte die zunehmende Spannung zwischen Frankreich und Italien eine neue Abschwächung dieser Valuten. Paris gab gegen London auf 148,50, Mailand auf 115 nach. Das englische Pfund lag behauptet mit 4,8485 gegen Kabel. Frankfurter Getreidebörse. F r a n k f u r t a. M., 9. Rov. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 29,75 bis 30, Roggen, inländischer, 24,25 bis 24,75, Sommergerste für Brauzwecke 24 bis 26,50, Hafer, inländischer, 20 bis 20,25, Mais (gelb) 19,75 bis 20, Weizenmehl, inländisches Spezial 0, 42,25 bis 43, Roggenmehl 35,50 bis 36, Weizen- und Roggenkleie 11,25 Mk. Tendenz fest. Berliner Produktenbörse. Benin, 8. Rov. Der Wochrnbeginn stand im Berliner Getreidemarkt neuerlich im Zeichen festerer Tendenz. Das Ausland bot wenig Anregung, vielmehr wirkte sich für Brotgetreide stärker anhaltende Exportsrage aus. Auch bleiben die Provinzmüller bestrebt, ihre Vorräte zu ergänzen, um so mehr, da sich die Absatzmöglichkeit im Berliner Handel in den letzten Tagen besser gestaltete. Lokoware eröffnete für Weizen etwa 50 Pfennig, für Roggen bis zu 1 Mark und höher. Im Lieferungshandel befestigte große Deckungsfrage das Riveau aus der ganzen Linie. Weizen erhöhte seinen letzten Preisstand um 1 Mark, Roggen fast durchweg um 2 Mark. Gerste hat kaum veränderte Situation, die Grundtendenz ist hier schwach. Hafer dagegen fester bei kleinen Offerten und vermehrter, aber doch vorsichtigen Frage seitens des Konsums: vereinzelt zeigt sich auch etwas Export» frage. Sonstige Futterstofte und Oelsaaten In den Preisen stetig. Es notierten (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, 278 bis 281; Roggen, märkischer, 228 bis 233; Sommergerste 220 bis 260; Wintergerste 195 bis 203; Hafer, märkischer, 182 bis 197; Mais, loco Berlin, 201 bis 206; (100 Kilogramm): Weizenmehl 36,25 bis 39,25; Roggenmehl 33 bis 34,75; Weizenkleie 12; Roggenkleie 11,75; Viktoriaerbsen 58 bis 68; kleine Speiseerbsen 40 bis 42; Futter- erbsen 22 bis 26; Peluschken 21 bis 22; Ackert bohnen 21 bis 23; Wicken 25 bis 26; Lupinen, blau, 13 bis 14; Lupinen, gelb, 14 bis 15; Rapskuchen 16 bis 16,20; Leinkuchen 20,60 bis 20 80; Trockenschnitzel 9,70 bis 10; Soyaschrot 19,30 bis 19,60; Kartoffelstöcken 24,30 bis 24,50 Mark. Buntes Allerlei. „Fingerabdrücke" bei Bäumen. Ein System von „Fingerabdrücken", das von dem Forstinstitut der Llniversität Oxford aus- gearbeitet worden ist. gewährt die Möglichkeit, die Art des Holzes bei jedem Baum ganz genau sestzustellcn und eine viel eingehendere Klassifizierung der Baum» und Holzarten durchzuführen. Man hat gefunden, daß Holz, wenn es in einer überaus dünnen Schicht von 1/I00 Millimeter geschnitten und unter das Mikroskop gelegt wird, überaus feine Zeichnungen auf» weist, aus denen sich die Art des Baumes so genau erkennen läßt, wie aus dem Fingerabdruck ein bestimmter Mensch. Diese zarten Zeichnungen sind oft von schöner Färbung und auch bei Bäumen verschieden, deren Holz man bisher für ganz gleichartig ansah. Es sind auf diese Weise 2200 verschiedene Typen englischer Bäume festgestellt worden. Die Auswahl und Bestimmung des Holzes wird dadurch sehr erleichtert und vervollkommnet. So hat man z. B. herausbekommen, daß 170 verschiedene Holzarten, die als „Mahagoni" angegeben wurden, gar nicht richtiges Mahagoni sind, und daß viele dieser Hölzer überhaupt gar nicht zur Familie der Mahagoni liefernden Bäume gehören. Der Wert dieser „Fingerabdruck-Prüfung" der Bäume greift auf die verschiedensten Gebiete über. So wünschte eine Eisenbahngefellschatt eine ganz bestimmte Art Holz zu erhalten, die sie seit vielen Jahren für den Bau von Schwellen als geeignet erkannt hat. Das Institut war imstande, durch die Prüfung genau dieselbe Holzart nachzuweisen. Andererseits kann man Hölzer feststellen, die sich für bestimmte Zwecke nicht eignen. Auch für die Echtheit kostbarer Möbel ist nun eine unzweifelhafte Beweismöglichkeit gegeben. Denn man kann nachweisen, ob überall dasselbe Holz verwendet worden ist oder unechte Zutaten den Wert des Stückes verringern. Ein chinesisches Edikt gegen den Bubikopf. Trotz der Wirren des Bürgerkrieges, in die China verstrickt ist, findet eine weise Behörde doch noch die Muße, sich mit Modefragen zu beschäftigen. Der Gouverneur der Provinz Tschi-Ii hat ein Edikt erlassen, in dem er den chinesischen Frauen bei schwerer Strafe das Abschneiden ihrer Haare verbietet. Die Strafe, die er jeder Dubikopsträgerin androht, besteht in einer Züchtigung mit besonders schmerzhaften Peitschen, und zwar sollen die Riemen der Peitsche aus Haaren verferttgt werden, worin der Gesetzgeber wohl eine tiefe sinnbildliche Bedeutung erblickt. Die zahlreichen Studentinnen, die in den Hafenstädten des Himmlischen Reiches im Schmuck eines strengen Herrenschnittes paradieren, werden sich also nicht nach der Provinz Tschi-li wagen dürfen, ohne sich schweren Icknannehmlichkeiten auszusehen, äleberhaupt ist man jetzt in China sehr für „Natürlichkeit", und während man «ich aus der einen Seite als rückschrittlich erweist, ist men auf der anderen Seite für den Fortschritt. In demselben Edikt wird die bisher so beliebte Verkrüppelung der Füße bei den Chinesinnen verboten. Die Damen tragen jetzt allgemein europäische Schuhe, und wer noch von altersher die kleinen ver- schrumpellen Füße hat, legt sich Watte ein. damit die vorgeschriebenen Schuhe auch ausgefüllt sind. Freilich, ihren humpelnden Gang können diese letzten Vertreterinnen der abgeschafften Mode nicht verbergen. Die Eule als hühnermutter. Man kennt eine ganze Anzahl von Fällen, in denen junge Tiere von Müttern einer sehr verschiedenen Gattung angenommen und aufgezogen werden, so z. B. junge Ratten von einer Katze. Der Mutterinstinkt ist eben in der Tierwelt so stark, daß er sich manchmal auf die merkwürdigste Weise Bahn bricht. Ein seltsames Beispiel dafür ist in der Pariser Naturwissenschaftlichen Gesellschaft angeführt worden. Die Heldin der Geschichte ist eine Eule, die im Jahre 1907 im Alter von 15 bis 20 Tagen aufgefunden wurde; sie war aus dem Nest gefallen. Man zog sie auf, und im Jahre 1914 legte sie zwei Eier, die natürlich nichts ergeben konnten. Man nahm sie ihr weg und legte an ihre Stelle Hühnereier. Die Eule merkte trotz der sprichwörtlichen Weisheit dieses Tieres nichts; die Küchlein krochen munter aus, und die Pflegemutter bereitete ihnen einen liebevollen Empfang; sie vertrat an ihnen alle Mutterpflichten, bis sie groß waren. Der Versuch wurde im folgenden Jahr mit demselben Erfolg wiederholt, und dann gab man ihr jedes Jahr Hühnereier zum Ausbrüten, deren Zahl immer vermehrt wurde und 1923 auf 14 stieg. Auch diese Anzahl entmutigte sie nicht, sondern sie vollbrachte mit viel Eifer ihr Werk. So hat sie jetzt zwölf Jahre lang Hühnchen aufgezogen, niemals gegen die ihr un ergeschodenen Familienmitglieder protestiert und sich als eine treffliche Stiefmutter erwiesen. Büchertisch. — Bilder aus dem Ameisenleben. Von H. Diehmeyer. 2. verbesserte Auslage, besorgt von H. Stitz. 161 Seiten. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — In fesfelnden Schilderungen macht uns der Verfasser mit dem Wichtigsten aus dem Ameisenleben bekannt. Der größere Teil des Werkes ist mit Recht unseren heimischen Ameisen gewidmet, in einigen Kapiteln werden jedoch auch besonders interessante Lebensverhältnisse ausländischer Arten dargestellt. Anschaulich schildert der Verfasser die natürliche Umgebung der verschiedenen Ameisenstaaten draußen in freier Natur; man glaubt sich wirklich in den harzduftenden Kiefernwald versetzt, der den heißen Sonnenstrahlen den Zugang zum Boden nur wenig wehrt, in die dichten Bestände des Riedgrases, die das Ufer des Teiches umsäumen, oder auf den Wiesenplan, auf die Waldblöße, auf den felsigen Talhang. Nirgends eine trockene Beschreibung, überall wahres, wirkliches Leben. Aber auch die Kapitel, die nicht eigentliche „Bilder" bieten, sondern dem Leser gewiße Vorkenntnisse vermitteln wollen — zum Beispiel „Der Körper der Ameisen"; „Unsere wichtigsten Ameisenarten" —, sind so eigenartig und lebendig geschrieben, daß man die Sprödigkeit des Stoffes ganz vergißt. Von besonderem Werte ist eine übersichtliche Defttmmungstabelle der einheimischen Ameisenarten, die den Naturfteund in den Stand setzt, selbständige Beobachtungen zu machen. 604 — D i e Religionen Ost a s i e n s (China und Iapan). Ein rel.gionskundiiches Lesebuch. Don Missionsdirektor D. Dr. I. Witte. — Buddha. Von Oberstudienrat Dr. O. Häger. — Die Religion der alten Deutschen. Von Stu- dienrat E. Weber. — JmmanuelKant. Don Oberstudiendirektor Lic. Dr. K. Kesseler. (Verlag von Quelle und Meyer tn Leipzig.) — In der bekannten „Religionskundlichen Quellenbücherei" sind wieder vier interessante Bändchen erschienen. Chinas und Japans Religionen: Konfuzianismus, Taoismus, Buddhismus und Schinto werden durch eine kurze Darstellung der Hauptlehren und-doc. bedeutendsten religiösen Führer sowie durch charatteristische Proben aus den Quellen selbst klar und übersichtlich geschildert. — Wenn Duddhaein besonderes Bändchen gewidmet wird, so hat es seine volle Berechtigung, da seine Religion auch in Europa heute viel Beachtung Habet. Häger bietet aus dem umfangreichen Material das Notwendigste zum Verständnis von Buddhas Leben und Lehre. — Die Religion der alten Germanen ist in jüngster Zeit endlich Gegenstand gründlicher Forschungen geworden. Zeichnungen auf Grabplatten, Weihe- und Gelübdegaben aus vorgeschichtlicher Zeit, Berichte römischer Schriftsteller, einheimrsche vorchristliche Zeugnisse: Runenschriften und Gestirnnamen, die umfangreichen Werke christlicher Schriftsteller, endlich Denkmäler der deutschen Literatur und Volkskunde ergeben ein weitschichtiges Material, das hier zum erstenmal auf so kleinem Raum übersichtlich geordnet ist. — Kants Stellung zu Gott und Religion, zur übersinnlichen Welt, zum Glauben und zum Christentum wird in sehr geschickter Auswahl aus seinen Hauptwerken dem Leser vor Augen geführt. 599—602 — Das klassische Weimar. Von Professor Dr. F. Lienhard. 5. Auflage. 147 Seiten. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — Das vorliegende Werk ist hervorgegangen aus Vorlesungen anläßlich eines Jenenser Ferienkurses und versteht es, in bilderreicher Sprache einzuführen in den Kultur- und Lebensgehalt der Epoche des klassischen Weimar. Das eigentliche Ziel des Buches ist: Fruchtbarmachen der geistigen und seelischen Kräfte jener Zeit für das eigene Innere und für den Seelenzustand der Gegenwart. Lienhard faßt seinen Gegenstand möglichst wett, wir sollen die ganze Entwicklung der Rassischen Zett durchleben und in ihrer Weiterwirkung begreifen. Als den einen Pol der Vorbereitungs- zett zeigt er uns Friedrich den Großen, den königl'chen Einsiedler, den genialen Staatsmann und Feldherrn. Aub der anderen Seite sehen wir Klopstock, der eine Zeit starker Gefühlsbewegung einleitet, und neben ihm Lessing, der uns auf eine erste Höhe deutscher Literatur führt. Mit Herder nähern wir uns dem Geistesgebiete Weimars. Bevor wir diesen B'zirk betreten, werden wir in die Gedankenwelt Kants eingeführt, von dem der Weg direkt zu Schiller führt. Die Ab- schnttte „Weimar aus der Vogelschau", „Goethe und Schiller" sind die Höhepunkte des Buches. 603 — Leipziger Illustrierte Zeitung (I.I.Weber, Leipzig). Aus dem neuesten Heft: Chinas nationale Volksbewegung, die als die natürliche Reaktion gegen die jahrzehntelangen Unterdrückungen seitens des Auslandes anzusprechen ist beleuchtet der chinesische Lektor an der Leipziger Universität, Tsan Wan, in einem interessanten Artikel „Was geht in China vor?" in all ihren Urgründen, ihren Entwicklungsphaien und ihren Zielen Pädagogen und allen, die sich mit dem wichtigen Problem der Erziehung beschäftigen, bietet der Beitrag „Das deutsche höhere Schulwesen und die Wandlung des Bildungsideals" von Prof. Dr. Gerh. Budde, eine willkommene Anregung. In seinem kulturhistorischen Beitrag „Von der Kerze bis zur Glühlampe" leitet uns fjofrat Dr. Klima zurück in die Tage unserer Großeltern und Urgroßeltern, um uns so recht anschaulich vor Augen zu führen, welch gewaltige Er- rungenschaft das elektrische Licht bedeutet und weiche Annehmlichkeiten diese neueste Beleuchtungsart uns Heutigen bietet. Daß wir nicht nur im Beleuchtungswesen gewaltige Fortschritte gemacht haben, beweist der Beitrag „Riesenvcgel über den Ozeanen" von Dr. Hildebrandt, der, von anschaulichen Abbildungen begleitet, uns die Möglichkeit der Ozeanüberquerung mittels Flugzeugs beweist. Reben vielem anderen Lesenswerten ist schließlich noch der Aufsatz „Ausgrabung heidnischer Kunststätten in Pa- lästina" zu erwähnen. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittag». Samstag nachmittag geschloffen Für unverlangt elngefondte ITlanulf rlplc ohne beigefügtes Rückporto wird feine Gewähr übernommen Anzeigenauftraae sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten