3. 1. 2. des Abstimmungsleiters, das auch von den Staatsrechtslehrern gebilligt wird, finb 2085 Listen als vorhanden anzusehen mit 152 <80 Llnterschristen. Die Differeirz in den Listen erklärt sich daraus, daß 205 von ihnen nicht wleder zurückkamen: sie enthielten 15 890 Unterschriften. Don den 152 780 Unterschriften sind 85 280 als ungültig zu betrachten, so das) 67 500 Unterschriften gültig sind. Davon geht noch ab die Zahl der falschen Unterschriften und der Doppeleintragungen, die nad) Meinung des Landesabstimmungsleiters die Höchstzahl von 3000 nicht überschreitet. (Es besteht also die Differenz m den runden Ziffern 64 000 und 52 000 Unter- Dr. Klein kurt betont, dass die für das Volksbegehren notwendige Zahl der gültigen Unterschriften vorhanden ist: er fragt an: Wenn auch der schärfste Standpunkt (der des Abg. Widmann) zum Durchbruch kommt, was Deutschlands Ausnahme in den Völkerbund. Der Antrag auf Aufnahme in der Vollversammlung einstimmig angenommen Vermehrung der nichtständigen Ratssitze von sechs auf neun. Lanahme von Anzeigen für die lagtsnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorfchrift 20°/, mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr. H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein: für den Anzeigenteil i.Dertr. H Beckr, sämtlich in Gießen. ihrer Mandate. Das Bureau empfiehlt, von einer Uebcr- weisung an die erste Kommission abzusehen. Wenn die Vollversammlung sich mit Zweidrittelmehrheit hierfür ausspricht, so können toir freute sofort über alle drei Punkte abstimmen. Alle drei sind tatsächlich so eng miteinander verbunden, das) das Bureau der Vollversammlung die Abtrennung einer der drei Fragen und einer besonderen Verhandlung durd) die Kommission für ausgeschlossen erklärt hat. Daher würden bei einer Uebertoeifung einer der drei Fragen an die Kommission automatisch auch die zwei anderen Fragen überwiesen werden müssen. Deshalb erscheint mir sowohl wie dem Bureau die unmittelbare BehandlungdurchdieBollversamm- lung als das einzig rid)tige. Deutschlands Eintritt in den Völkerbund habe ich stets als eine lllot- wendigkeit betrachtet, deren Bedeutsamkeit von Jahr z^ü Jahr gewachsen ist. Diele Beispiele haben uns dies noch in letzter Zeit gezeitigt. Das Schweizer Volk wird mit Freuden den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund begrüben. Aber auch in der öffentlichen Meinung ist diese Rotwendigkeit erkannt worden, ebenso wie die Rotwendigkeit, Deutschland bei seinem Eintritt einen ständigen Ratssih zuzuweisen. Gegen die Erhöhung der nichtstan - digen Ratssihe von sechs auf neun sprechen wichtige Gesichtspunkte, vor allem die Gefahr, das) die Einstimmigkeit des Völkerbunds- rates nur schwer zu erreichen sein werde. Immerhin erscheinen die Gesichtspunkte, die für die Erhöhung der Zahl der nichtständigen Ratösihe sprechen, im Augenblick gewichtiger als die, die dagegen sprechen. Ich erinnere nur an die Notwendigkeit, den geographischen Gesichtspunkten bei der Vertretung im Dölkerbundsrat stärker als bisher Rechnung zu tragen. Vor allem aber muh die schwere Krise, die der Völkerbund gegenwärtig durchlebt, unter allen Umständen gelöst werden. Hierzu bedarf es schwerer Opfer. Die Opfer müssen aber gebracht werden. Ich hoffe, das) der Geist der Verständigung, der in der Studienkommission und im Völkerbundsrat bei allen Beratungen herrscht, auch frier in der Vollversammlung weilen wird. Der Redner erinnerte zum Schluß an das Werk von Locarno, dessen Bedeutung er hervorhebt. Es sei an der Zeit, daß das Werk von Locarno endlich lebendig wird. Motta schließt mit einem Zitat aus der Aencidis von Virgil: Möge auch im Völkerbund Freude und Gerechtigkeit herrschen. Der holländische Gesandte in Paris, Loudon hob die Einstimmigkeit hervor, mit der sich die Kommission im März sür den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ausgesprochen habe. Für den deutschen ständigen Ratssitz dürfte es keine getrennten Anschauungen geben. Es müßten alle für ihn eintreten. Er weist darauf hin, Genf, 8. Sept. (LU.) Die heutige Vollversammlung des Völkerbundes, die die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund beschließen soll, beginnt um zehn Uhr. Die Plätze der Delegierten füllen sich nur langsam und weisen auch nach dem Beginn der Sitzung noch vielfach Lücken auf. Die Tribünen sind bis auf den letzten Platz gefüllt. Rach kurzen, geschäftsordnungs- mäßigen Bemerkungen des Vorsitzenden erhält Bundesrat Motta als Berichterstatter das Wort und führt au«: Ich habe die Aufgabe und die Ehre, Ihnen über die Beschlüsse des Bureaus der Dollversamm- hing Bericht zu erstatten. Das Bureau schlagt Ihnen den e i n f a ch st e n Weg zur Verhandlung der wichtigen Fragen vor, über die Sie freute Beschluß zu fassen haben. Es handelt sich um daß Holland seinerzeit der einzige Staat gewesen sei, der gegen 44 Mitglieder der Vollversammlung sich gegen eine Vermehrung der nichtständigen Sitze von vier aus sechs ausgesprochen hätte. Auch heute hätte die holländische Delegation die stärksten Beden- k e n, die Zahl der nichtständigen Mitglieder noch weiter von sechs auf neun zu vermehren. Die Arbeitsfähigkeit des Rates sei hierdurch beschränkt. Am liebsten würde die holländische Delegation die Zahl der nichtständigen Ratsmitglieder »on sed)s auf vier vermindert sehen, aber sie könne im Interesse einer allgemeinen Verständigung diesen grundsätzlichen Standpunkt nicht ausrecht erhalten und wäre bereit, für eine Vermehrung der nichtständigen Ratssitze zu stimmen, falls hierdurch eine Lösung der Krise die Gutachten selbst zu beraten. In der weiteren Aussprache legt Minchercal- rat Bornemann dar, daß die Differenzen in den Auffassungen innerhalb des Ausflusses hauptsächlich über die Zahl der Unterschriften bestehe, die zu gezählt werden dürfen auf Grund der nach dem Gutachten des Mmisterial- direktors Dr. Schwarz ermittelten und den auf Grund der anderen Gutachten festzustellenden. Die Differenz der Ziffern wäre nicht derart, daß das Vollsbegehren dadurd) nicht bestehen konnte. (Der Sinn dieser Worte kann nur her fein, daß genügend Unterschriften für das Volksbegehren vorhanden sind.) Generalsekretär K o l l b a ch meint, es komme nur darauf an, die Zahl der Unterkfrriften anzugeben, bei denen von vornherein kein Zweifel an der Gültigkeit besteht. Der Ausschuß hätte sich doch vertagt, damit diese Feststellung gemacht werde. — Ministerialrat Born e m ann erwidert, dc^ß er nur die Ziffern habe fest st eilen 'lassen, die sich ergeben als Wirkungen der Aus- gchußbeschlüsse. — Auch Dr. Kleinkurt be- ersolgen würde. Der Delegierte Norwegens, Fritjof Nansen wandte sich energisch gegen eine Verbindung der Zuerteilung eines ständigen Rats- sihes an Deutschland mit der Frage der Erhöhung der Zahl der nichtständigen Ratsnnt- glieber. Er wies in längeren Ausführungen daraus hin, daß seinerzeit die Erhöhung der Zahl der nichtständigen Ratsmitglieder auf sechs erst nach langwierigen Diskussionen und nach schwierigen Verhandlungen erfolgt sei. Heute werve der Vollversammlung das Projekt einer neuen Erhöhung der nichtständigen Ratssitze vorgelegt, ohne baf) der Vollversammlung Gelegenheit gegeben wird, über das so schwierige und ernste Problem nachzudenken und Verhandlungen zu führen. Gr müsse daher gegen die Verbindung dieser beiden Fra. en energisch protestieren und verlange, daß über die Frage der Zuteilung eineL ständigen Ratssihes an Deutschland, an der übrigens niemand Zweifel bege, sowie über die Frage der nichtständigen Rclls- sitze einzeln abgestimmt wird. Er wolle nicht die Einzelfreiten erörtern, die man gegen das Projekt, das freute der Vollversammlung vom Bureau vorgelegt werde, vorbringen könne, er müsse jedoch daraus Hinweisen, daß die Verbindung des ständigen RatSsihes für Deutschland mit der Frage der Vermehrung der nichtständigen Ratssitze den Bestimmungen des Ar- tilels 4 deS Völkerbu-ndpaites nicht entspreche. Er wisse, daß 15 Staaten die gleiche Auffassung mit ihm teilten. Diese Methode, die der Völkerbundsrat jetzt anwende, entspreche in keiner Weise dem Geist des 2M- kerbundes. Zum Schluß seiner Ausführungen rid). tete Fritfrjof Raufen einen Appell an die Versammlung, die souveränen R e ch t c der Vollversammlung des Völkerbundes besser zu wahren, als dies in den Vorschlägen des Bureaus zum Ausdruck lomme. Der schwedische Auhenminifter Lösgreen hebt gleichfalls hervor, daß eine Verkoppelung der Frage des ständigen Ratssitzes für Deutschland mit der Erhöhung der Zahl der nichtständigen Ratsmit- Mitglieder von sechs auf neun nicht erfolgen dürfte, bod) würde Schweden keine besonderen Schwierigkeiten einem derartigen Beschluß der Vollversamm lung in den Weg legen. Es hoffe jedoch dringend, daß hierdurch kein Präzedenzfall für die werden von der Versammlung mit rauschendem Bei fall ausgenommen. Rach der Abstimmung über die deutsche Aufnahme in den Völkerbund hält der Vor sitzende N i n t s ch i t s d) eine kurze Ansprache, in der er Deutschland als neues Bundesmitglied begrüßte und der lebhaften Hoffnung Ausdruck verlieh, daß es möglichst bald in der Vollversammlung seinen Platz einefrmen und erfolgreich an der Arbeit des Völ kerbundes mitwirken werde. Die Rede des Präsidenten wurde mit minutenlangem lebhaften Beifall ausgenommen. Kurz vor der Slbftimmimg über den deutschen ständigen Ratssitz und die Erhöhung der Zahl der nichtständigen Ratvfitze kam es zu einem kleinen Zwischenfall. Der Präsident erklärte, daß er nunmehr die namentliche Abstimmung über diese zwei Punkte des Vorschlages des Bureaus eröffne. Darauf sprang Frithjof Nansen von seinem Platz ans und ries in den bereits begonnenen Ausruf der Namen der einzelnen Delegierten hinein, er habe noch etwas zu sagen. Der Präsident nahm jedoch von dieser Erklärung keine Notiz und die Abstimmung ging weiter. Hierauf eilte Fritjof Nansen zu Chamberlain, dem er in erregter Weise etwas auseinanderzusetzen schien. Chamberlain bcfdjnüd) tigte Nansen in freundlichen Worten, worauf sich Nansen kopfschüttelnd auf seinen Platz begab und zum allgemeinen Erstaunen der Delegierten f ü r bas Projekt über die Erhöhung der Ratssitze und die Erteilung eines Ratssitzes an Deutschland mit Ja stimmte. Telegrammwechsel Drummond- Slresemann Gens, 8. Sept. (Wolfs.) Der Generalsekretär des Völkerbundes hat s^son nach Dd)luß der heutigen Sitzung der Völler bundsversammlung folgeirdes Telegramm an den Reichsaußenminister Dr. Strese mann gerichtet: „Aus Anweisung des Präsid.rnten der Bolter bundsversammlung habe ich die (Sl)ie, lll.m n mitzuteilen, daß die Dölkerbundsvcrsammlung >>. ihrer Sitzung vom 8. September Ä e u t s ch l o n ö als unter die Mitglieder des Völkerbundes ausgenommen erflätt und die Entschließung des Rates vom 4. Septenuxr gebilligt hat, durch die Deutschland eine st ä n b i g c Vertretung im Dölkerbundsrat Anerkannt wird." gez. Drummond. Daraus ist folgendes Antworttele- gram m e'mgeganaen: „An den Generalsekrellir des Völkerbundes Sir Eric Drumm o n b. llch nehme mit Dank von Ihrem heutigen Telegramm Kenntnis und habe die Ehre, Sie davon in Kenntnis zu fetzen, baß die deutsche Delegation für die Vollversammlung des Völkerbundes heuteabendnachGenf abreisen wird." gez. S t r e s e m a n n. Die Abreife der deutschen Delegation. tont, wie Generalsekretär Kollbach, daß es zunächst auf die Zahl bei unzweifelhaften Unterschriften ankommt, die beim Einreichen der Listen vorhanden waren. Warum werde diese Zahl vom Abstimmungsleiter als Geheimnis behandelt? — Generalsekretär Kollbach wiederholt seine Anfrage. — Ministerialrat Bornemann erwidert u. a. darauf, daß er darüber noch feine endgültige Aufstellung gemacht habe. Er wiederholt dann die Ziffern über die Listen und die Zahl der Unterschriften, die er zu Beginn der Ausschußberatungen im August gegeben hatte und erweitert sie durch die sich aus den Ausschuß- beschlüssen ergebenden Ziffern. 2290 Listen wären eingegangen mit 168 639 Unterschriften. Davon waren nach der bisherigen Stellungnahme des Abstimmungsausfchufses ungültig 112 700 und 55939 gültig. Rach dem Verfahren Zukunft entstehe. Darauf erklärte der Vorsitzende N i n t s ch »t s d; die Abstimmung für eröffnet. Die Vollversammlung beschließt einstimmig, über das Projekt Der Studienkommission mit Ausnahme der Frage der Regelung des Wahlmodus für die nichtständigen Ratsmitglieder und das Reglement ihrer Mandate sofort abzustimmen. Punkt 3 wird zur weiteren Behandlung an eine Kommission überwiesen. lieber die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund wird durch namentlichen Aus- r u f abgestimmt. Deutschlands Ausnahme in den Völkerbund, die Zuerteilung eines ständigen Ratssihes, und die Erhöhung der nichtständigen Ratssihe von sechs auf neun werden von der Versammlung einstimmig beschlossen. Die beiden Abstimmungen, die Deutschland betreffen, bleibt dann noch an gültigen Unterschriften übrig? — Ministerialrat Bornemann erwidert: Diese Zahl konnte noch nicht festgestellt werden: die eben genannten Ziffern können auch nicht als Feststellungen gelten. Es werden dann Spezialfragen erörtert und dazu zahlreiche Listen eingeseheii und über die Gültigkeit oder Ungültigkeit der Unterschriften abgeftimmt. Die Aussprache, die Prüfungen und die Abstimmungen dauern stundenlang. Verschiedentlich kommt es zu erregten Auseinandersetzungen zwischen dem LandesabstimmungSleiter und den Vertretern des WirtschastS- und Ordnung«- blocks. die sid) bei ihren Forderungen auf die Urteile der Gutachter stützen. Um l1/* Uhr werden die Beratungen abfle- brochen: nächste Sitzung morgen vormittag 10 Uhr (Der Ausschuß hofft morgen seine Arbeiten zu beenden.) Erscheint tSgliH, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die 5cholle. Monatr-vezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech ans chlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. paßfchcckkonto: Frankfurt am Main 11686. fein.) Abg. Widmann (Soz.) beharrt auf seinem ablehnenden Standpunkt in Bezug auf die Beseitigung von Mängeln: er begründet seine Auffassung durch den Hinweis auf den Wortlaut be« Gesetzes über das Vollsbegehren. Er sieht in dessen Bestimmungen nur Zwangsvorschriften, denn an den entscheidenden Stellen heiße es immer „muß". Gegen den Gutachter Pros. Dr GmeNn, Gießen, erhebt er den Vorwurf, daß er nicht objektiv sei: dieser habe sich in eine Liste für das Volksbegehren eingetragen und wäre deshalb als Interessent anzu- sehen. Loyalerweife hatte er das Gutachten nicht abgeben bürfen. — Generalsekretär Kollbach tritt dieser Meinung entgegen: es handle sich frier um eine reine juristische Frage. Er wendet sich nachdrücklich gegen den Vorredner, der einem Gutachter geradezu den Vorwurf der Rechts- beugung gemacht habe. Genau so gut könne man I dann auch dem Ministerialdirektor Dr. S ch w a r z Befangenheit vorwerfen. Werl dessen Räme nicht I in den Listen stehe, könne man daraus den Schluß ziehen, daß er von vornherein Gegner des Volks- I begehrens fei, aber eine derartige Auffassung und Beschuldigung würde er (Kollbach) selbst- I verständlich ablehnen und gegen keinen der Gutachter den Vorwurf der Unobjektivität erheben. Ministerialrat Dr. Kais en berg habe ausdrücklich die Zuzählung der nachträglich korrigierten Unterschriften für gültig erklärt. - Ministerialrat Bornemann hält es für untunlich eine Stelle aus einem Gutachten gegen einen anderen Gutachter auszufpielen. Das Gutachten von Ministerialrat Dr. Kaifenberg unter- scheide sich nicht von dem Gutachten des Ministerialdirektors Dr. Sd)warz. Dr. Kleinkurt betont, daß die Politische Stellung der Gutachter gayz gleichgültig sei, er kenne sie auch nicht, für ihn sei nut Der | Text des Gutachtens maßgebend. Vorwürfe gegen die Objektivität der Gutachter seien zurückzuweisen. Der Redner macht dann darauf aufmerksam, daß auch Ministerialdirektor Dr. Schwarz eine Reihe von Mängelbeseitigungen zugesteht. Die Auffassung der staatsrechtlichen Gutachter war doch die, daß in erster Linie der votks- rottle zum Ausdruck gebracht werden soll, und ihm nicht bureaukratifche Fesseln auf er (egt werden dürsten. Pros. Dr. Giese sagt in seinem Gutachten: Form ist niemals Zweck, sondern nur Mittel jum Zweck. Abg. Heinstadt meint, es sei heute nicht die rechte Gelegenhell, sich über die Gutachten zu äußern: eS sei notwendig, den Beratungen den genauen Wortlaut der Gutachten zugrunde zu legen. — Generalsekretär Kollbach verliest eine Erklärung aus dem Gutachten Dr. Kaisenbergs, nad) der die Zuzählung der nachträglich verbesserten Unterschriften statthaft fei. — Ministerialrat Borne mann wendet sich nochmals gegen die Zitierung einzelner aus dem Zusammenhang genommener Stellen der Gutachten. — Abg. Reiber (Sem.) glaubt, die Gutachten berührten zunächst das Gesamtergebnis der Beratungen über das Volksbegehren mcht unmütelbar; es wäre deshalb nicht tunlich, über Die Prüfung des Volksbegehrens in Hessen. Litzunq des Landesabftimmungs- auSschnsses. Don unserer Darmstadter Redaktion. Darmstadt, 9. Sept. Der Landesabstimmungsausschuh begann feine heutigen Deratun- «n mit der Verlesung beS Protokolls der letzten Tchung? bann fand eine Aussprache statt über die Art der weiteren Verhandlungen. Abg. Hein stabt (Z.) will bie Frage geklärt totffen. ob bie Gutachten ber juristischen Sachverständigen eine Aenberung der Beschlüsse veS Ausschusses frerbeifüfrren könnten. Generalsekretär Kollbach (D.V.P.) meint, bre ®ut- achtxn sprächen sio sehr für sich f e l b ft bah eS nicht nötig sei, in bie Beratung von Emzel- heiten baraus einzutreten. — Dr. Ä I e i n r u r t (Ü6b.) stellt im Einvernehmen mit Generalsekretär Kollbach einen Antrag, wonach, auf Grund der Gutachten, das Verfahren des ßanMabfttm- mungslleiters gebilligt wirb, bie Listen und Unterschriften zu verbessern und zu ergänzen. (Danach würbe eine grobe Zahl von Unterschrift ien. bie von ben llnksstehenben Ausschuhmit- alledern al« mit Mängeln behaftet und für ungültig betrachtet werden, al« gültig anzusehen Berlin, 8. Sept. (WTB.) Heute abend hat die deutsche Delegation für Gens unter Führung des Reichsaußemninisters Dr. S t r e j e m a n n Berlin verlassen. Die Abfahrt erfolgte in drei fahrplanmäßigen Zügen. Zur Verabschiedung der Hauptdelegierten, die vom Potsdamer Bahnhof abfuhren, waren erschienen: Der Reichskanzler, die Rcichsminister Dr. Külz, R e i n h o l d , H a s - linde, Ministerialdirektor Ritter und Minlste- rialrat Koepke, Geheimrat Zechlin fowie eine größere Anzahl anderer Herren des Auswärtigen Amtes, der französische Geschäftsträger L e s c v r e de La B o u l a y e , der Vertreter oes englischen Geschäftsträgers, der erste Botschaft-)- sekretär Ingram, der belgische Gesandte Everts, der schweizerische Geschäftsträger Legationsrat Dr. Vogel, der tschechoslowakische (9c- ^Öie^eU g^i e°r t en Deutschlands sind be- kanntlich Reichsminister Dr. Stresemann, Staats ekretär des Auswärtigen Amtes v. Schubert und Ministerialdirektor Dr. Gaus. Außerdem gehören der Delegation zur Vertretung Deutsch, lands in sachlichen Arbeiten der Kommission als Sachverständige für die bei der Völkerbunds tagung zu erörternden Fragen an: bteneralkonsul General-Anzeiger für Oberheffen vnick Md Verlage vrühi'iche Umversilätt-Vuch. und Steinöruderci H. lange in Sieben, zchristl-itung und SeschSItkftelle: Schnlftra»e r. w rv Urft« Blatt n«. zch'-ms »«"""* ’• September 1926 ©cftener Anzeiger brei Punkte: Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund: Zuteilung eines ständigen Ratssihes an Deutschland und die Erhöhung der nichtständigen Ratssihe von sechs aus neun: Beschluß über den Wahlmodus für die nichtständigen Ratsmitgtieder und das Reglement Aschmann, Frau Ministerialrat Dr. B a e u - m c r, Botschafter z. D. Graf B e r n st o r f f, M. d. R., Oberstleutnant v .B o e t t i ch e r, Dr. B r e lisch e i d , M. d. 9t., Vortragender Legationsrat von Buelow, Vortragender Legationsrat Dr. F u e h r, Professor Dr. Kaas, M. d. R., Ministerialrat Karlowa, Ministerialrat Dr. K i e p , Ministerialrat Dr. Mayer, Konsul Poensgen, Staatssekretär Dr. P u e n d e r, Staatssekretär a. D. Freiherr o. R h e i n b a b e n . M. d. R., Ministerialdirektor Dr. Schaeffer, Vortragender Legationsrat Dr. Soehring, Staatssekretär Dr. Weißmann und als Sekretär der Delegation Gesandtschaftsrat Dr. B o l tz e. Da die Arbeiten des Völkerbundes in sechs Kommissionen erledigt werden, macht sich ebenso wie bei anderen Nationen auch für Deutschland die Ernennung st e l l v e r - tretender Delegierter für diese Kommissionsarbeiten notwendig. Es sind außer den Delegierten für die Vertretung Deutschlands in den Kommissionen Graf Bernstorff, Dr. Breitscheid, Dr. Kaas und Freiherr v. Rheinbaben in Aussicht genommen. Die parlamentarischen Delegierten über Genf. Berlin, 8. S»pt. (TU.) Ein Vertreter der Telunion hatte Gelegenheit, vor ihrer Abreise nach Genf die Abgeordneten Freiherr v. Rheinbaben (D. 23p.), Dr. Kaas (Zentr.) und Dr. Breitscheid (Soz.) nach ihrer Ansicht über die der deutschen Delegation harrende Aufgabe zu befragen. Freiherr v. Rheinbaben äußerte sich hierüber u. a. wie folgt: „Im großen und ganzen entsprechen die Umstände, unter denen der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund erfolgt ist, der Würde des deutschen Volkes. Jedenfalls ist die jetzt gefundene Lösung wesentlich besser als diejenige, die seinerzeit tm März geplant war und die glücklicherweise durch das Veto Brasilien^ verhindert wurde. Auch die Erweiterung des nichtständigen Teils des Völkerbundsrates von sechs auf neun Sitze kann fogar für btc deutschen Interessen unter Umständen günstig sein. Es steht fest, daß sich nunmehr Deutschland ander Besetzung der nicht st ändigen Rats- fitze im Rahmen seiner Befugnisse als Völkerbundsmitblied beteilig en kann. Erst in Genf wird die deutsche Delegation über ihre Stellungnahme hierzu schlüssig werden. Ich persönlich bin der Auffasiung, daß sich Deutsch- land gegenüber einer Kandidatur Polens der Stimme enthalten sollte. Von besonderer Bedeutung wird die Mitwirkung Deutschlands i m Völkerbundsrot fein. Zunächst in moralischer Hinsicht. Die Beschlüsse des Dölkerbundsrates werden im allgemeinen e i n st i m m i g gefaßt. Deutschland hat die Möglichkeit im Dölkerbundsrat, wertvolle Arbeit zu leisten und die Zusammensetzung des Rates, die jetzt in Genf entschieden werden wird, braucht nicht so auszufallen, daß Deutschland im Rate nur Gegner vorfindet." Der Abgeordnete Kaas faßte seine Wünsche wie folgt zusammen: „3d) hoffe, daß dieEtappe in Berlin uns, die wir an derFront sind, unterstützt." Der Abgeordnete Dr. B r e i t s ch e i d äußerte sich dahin, daß man in Genf Gelegenheit hoben werde, auch außerhalb des eigentlichen Tagungsprogramms eine Reihe von wichtigen Fragen in persönlicher Fühlungnahme mit den ausländischen Delegierten zu besprechen. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, u. a. auch in der Frage der Befatzungs stärke in Genf zu einer Einigung zu kommen. Er glaube jedoch nicht, daß schon letzt in Genf, wie dies verschiedentlich erwartet werde, auch über große internationale W t r t - schaftsprobleme werde verhandelt werden können. 3m übrigen, so meinte er, werde unsere Anwesenheit in Genf zunächst einmal der gegenseitigen persönlichen Fühlungnahme , dienen, um die Grundlage für eine Zusammenarbeit im Völkerbünde zu schaffen. Berliner Presseecho. Berlin, 9. Sept. (TTl.) Di.-» Berliner Morgenblätter widmen der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund einige Betrachtungen. Der .Lokalanz." führt aus: 3m Grunde ist vollständig das erreicht worden, worum im März noch soviel Worte gewechselt wurden. Briand hat sein Versprechen, das er in Locarno hinter der Scheune dem Polen gab, nachdem er Luther treu ins Auge geblickt hatte, gehalten. Es ist geschafft, geschasst ohne irgendwie beträchtliche Konzessionen an Deutschland, geschafft einfach mit der Pfiffigkeit einer alten Diplomatie und mit dem brutalen Druck der Siegerstaaten von Versailles. — Die „D AZ" fuhrt aus: Wir konstatieren immerhin, daß das Bewußtsein von der Wichtigkeit der deutschen Mitarbeit für den Bund selbst überall gewachsen ist und können nur wiederholen, daß nach unserer Ansicht allerdings für die Genfer Institutionen von dieser Mitarbeit Entscheidendes abhängig ist, daß wir darüber hinaus die bestimmte Erwartung hegen müssen, daß die Schranken und Fesseln der vergangenen Rachkriegsjahre endlich fallen. — Die „Germania" schreibt: Deutschland kommt nicht mit überschwenglichen Hoffnungen nach Genf. Das deutsche Volk weiß, daß seinen diplomatischen Vertretern auch hier heftige politische Kämpfe und schwierige Arbeit bevorstehen, wenn sie für das Recht des deutschen Volkes und für die Ideale der Völkergemeinschaft eintreten wollen. Die „Vossische Zeitung" stellt fest, daß Deutschland nicht nur feinen ständigen Ratssitz erhalten habe, sondern daß mit ihm zusammen auch niemand neu in den Rat eintrete. Erst nachdem Deutschland im Rate seinen Sih eingenommen habe, würden die anderen von der Völkerbundsversammlung gewählt wrden. Man habe nur die neue Ausführung der Verfassung des Rates vorher festgesetzt. — Das „Berliner Tageblatt" geht aus die Gegensätze zwischen der Vollversammlung und dem Rat ein und führt crus: Der Streit, der heute vocmittaa nur die Oberfläche des Wassers gekräuselt hat, aber vermutlich noch stärkere Wellen schlagen wird, betrifft nicht das neue Bundesmitglied, sondern das schon seit Jahren kritische Verhältnis zwischen dem Rat und der Versammlung. Als Dundesmitg.ird wird Deutschland zu dem Fragenkomplex Rat — Bundesversammlung Stellung nehmen müssen. Wenn Deutschland auch Inhaber eines ständigen Ratssitzes ist, so hat es doch nicht das mindeste Interesse, an einer Einschränkung der Befugnisse der Versammlung ..ugunsten des Rates mitzuwirten. Die „D e u t s ch e Zeitung" ist der Ansicht, daß der Eintritt Deutschlands in be>. Völkerbund nicht nur ein Verzicht auf eigene aktive Außenpolitik bedeutet, sondern auch einen Verzicht an machtpolitischem Ansehen. Die „Tägliche Rundschau" kommentiert die heutigen Genfer Beschlüsse mit folgenden bemerkenswerten Ausführungen: Die einstimmige Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund beendet einen Kampf, dessen Zwiespältigkeiten und Parteiverzerrungen schwer auf der europäischen Öffentlichkeit und insbesondere auf der deutschen Politik lasteten. Entgegen allen Befürchtungen der Opposition, die sich zuweilen wie inbrünstig genährte Hoffnungen lasen, ist kein Zwischenfall eingetreten und ist auch Deutschland von seinem Rechte nichts abgehandelt worden. Deutschland zieht mit allen Ehren, willkommen geheißen von allen Rationen, in den Völkerbund ein und nimmt als Großmacht allein ohne Polen oder Spanien den ständigen Ratssih ein, der ihm zugesprochen worden ist. Die Vermehrung der nichtständigen Ratssihe auf neun geschieht mit Zustimmung Deuts chlands und bedeutet weder eine Minderung, noch eine Veränderung der ihm angebotenen und jetzt von allen Rationen gutgeheißenen Stellung im Rat. Deswegen hat die deutsche Regierung schon durch ihre Delegierten im Mai in der Studienkommission der Erhöhung der nichtständigen Sitze zugestimmt und die großen Parteien haben im Auswärtigen Ausschuß einmütig ihre Bindung zu dieser Zustimmung festgelegt, lieber die Besetzung der drei neuen nichtständigen Sitze wird Deutschland mitzureden haben, wenn erst die von der Studienkommission vorgesehenen Vorbereitungen erledigt sind und die Wahl ftatt- findet. Die Zusammenfassung bei der Abstimmung war wohl die einzige Möglichkeit, um die längst spruchreife Sache endlich zum Abschluß zu bringen. Die Aufnahme Deutschlands ist vollzogen. Für uns wird sie allerdings erst dann wirklich vollzogen sein, wenn übermorgen die deutsche Delegation in di e Versammlung eingezogen ist. Dann auch wird erst die Bedeutung dieses Ereignisses, das bei gutem Willen der Völler ein M a r k st e i n einer besseren Zukunft fein könnte, von allen Seiten betrachtet und gefeiert werden und nicht nur der Völkerbund, sondern- auch die Parlamente und die Presse der ganzen Welt werden ihr Schlußwort sagen. Heute schon aber können wir mit Genugtuung feststellen, daß Deutschland sein Ziel, das ihm lange versperrt wurde, erreicht hat und zwar in allen Ehren erreicht hat. Rutzland zum deutschen Dölkerbundsbeitritt. Berlin, 8. Sept. (TU.) Aus Berliner diplomatischen Kreisen erfährt der „Asien-Ost- europa-Dienst" über die Stellung Rußlands zum Völkerbundsbeitritt Deutschlands folgendes: Eine der nächsten Folgen des Völkerbundbeitritts Deutschlands dürfte jetzt ein prononcier- teres Verhalten Rußlands zu Warschau und Paris fein. Die Sowjetdiplomatie betrachtet Deutschlands Anschluß an Genf als Schwächung der rusfischen Position im Weft en, die durch den Berliner Vertrag mit Deutschland eine Stärkung erfahren hatte. Jedoch erhofft man in Dowjetkreisen für die Zukunft eine präzisere Klärung der deutschen Ostpolitik. In Verbindung mit der Lösung der Frage Genf für Deutschland ventiliert die Sowjetdiplmnatie auch die Frage der Entsendung eines russischen Botschafters nach Genf, als welcher neuerdings der Sowjetbotschafter in Berlin. Krestinski, genannt wird. Der Entsendung hätte jedoch, betont man, eine Beilegung des russisch- schweizerischen Konfllltes voranzugehen. Unternehmer und Arbeiterschaft. Stegerwald über die Programmrede Silverbergs. Berlin, 8. Sept. Der Führer der christlichen Gewerkschaften, Stegerwald, antwortete einem Mitarbeiter der „Kölnischen Zeitung" auf die Frage, ob er dem Gedanken Silverbergs, die Sozialdemokratie zur verantwortlichen Mitarbeit an der Reichsregierung heranzuziehen, zustimme, mit den Worten: „Aber ganz bestimmt!" Gr messe dem Schritt des Reichsverbandes der deutschen Industrie eine ähnliche Bedeutung bei wie der sozialen Botschaft, mit der der junge Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1890 die Arbeiterschaft für den Staat gewinnen wollte. Jetzt spreche fein Monarch, sondern die Industrie biete in großen, in manchen Punkten allerdings noch der Klärung bedürftigen Grundrissen die Hand, um auf dem Boden des Staats und der Reichsverfassung zusammen mit der bedeutungsvollen Schicht der Arbeitnehmer das zerstörte Werk aufzubauen und das deutsche Volk wieder zur Geltung zu bringen. Wenn zwei Parteien in gegenseitigem Vertrauen zur Erreichung eines Zieles zusammenarbeiten wollen, dann müßten aber auch beide völlig gleichberechtigt sein. Der deulschnationale Parteitag. Berlin, 8. Sept. (TU.) Die diesjährige Parteitagung der Deutschnationalen Volkspartei nahm heute in Köln mit einer Sitzung der Parteileitung ihren Anfang. Die Führer der Partei waren vollzählig erschienen. Die Tagung ist aus allen Teilen des Reiches sehr beschickt. Man rechnet mit einer Teilnehmerzahl von 3000. Graf Westarp berichtete über die politische Lage, über die Frage einer Arbeitsgemeinschaft mit anderen Parteien und über die Frage der Regierungsbildung im Reich. Die Aussprache stellte fest, daß die Vorgänge dieser Tage in Genf alle jene Besorgnisse der nationalen Opposition zum Schaden Deutschlands verwirklichen, die bereits Hauptpunkt der Locarnodebatte gewesen waren. Dos falsche Spiel, das die Vertragspartner schon in Locarno getrieben haben, hat sich jetzt in Genf fortgesetzt. Auf dem Parteitage soll deshalb die richtige Auffassung von der Gleichberechtigung Deutschlands als Großmacht kräftig zum Ausdruck gebracht werden. Für die Arbeitsgemeinschaft aller staatser- haltenden Kräfte im Sinne des Vorschlags Gayl- 3arres wurde die schon öfter betätigte Bereitschaft bestätigt. Die Parteioertretung behandelte in ausgedehnter, überaus zahlreich besuchter Versammlung die gleichen Themata. Die deutschnationale Beamtenschaft versammelte sich ebenfalls zu einer sehr gut besuchten Sitzung, in der Reichstagsabgeordneter Frhr. v. Freyta gh-Loring Hoven über das Thema: „Staat und Berufsbeamtentum" sprach. Bei aller Mißbilligung der heutigen Zustände sei die deutschnationale Partei durch und durch staatserhaltend und Anhängerin der Staatsautorität. Damit vertrage sich andauernde grundsätzliche Opposition nicht. In verstärktem Maße gelte das für die deutschnationale Beamtenschaft. Die Lösung könne nur in erneuter Veteiligung an der Regierun g gefunden werden. Solange aber die Voraussetzungen dafür bei den anderen Parteien fehlen, müsse eine Lage geschaffen werden, die den Belangen des Staates wie der Beamtenschaft gerecht werde. Diese sei gegeben in der Entpolitisierung des Beamtentums. Das Derufsbeamtentum könne weder durch Parteifunktionäre ersetzt werden noch durch kaufmännische Angestellte. Wer die Beamtenschaft antaste, lege Hand an den Bestand des Staates. Landtagsabgeordneter Ebersbach erörterte das Thema: „Deamtenfragen in den Volksvertretungen". Er warnte davor, die Beamtenrechte zu überspannen und bezeichnete insbesondere das Streikrecht als unvereinbar mit dem Berufsbeamtentum. Andererseits müsse der Staat die Belange des Berufsbeamtentums achten und die Einstellung unvorgebildeter Außenseiter vermeiden. Abends veranstaltete der Reichsfrauenausschuß der Deutschnationalen Volkspartei eine außerordentlich stark besuchte Frauenversammlung. vom Alldeutschen verband. Bayreuth, 8. Sept. (TLl.) Am 4. Sept, trafen in Bayreuth der Gesamtvorstand der Alldeutschen Verbände zusammen. Der Derbandstag fand am Sonntag unter starker Beteiligung statt. Der Verbandsvorsitzende, Iustizrat Claah, sprach in seinem Bericht zur politischen Lage gegen die Parole der Schaffung einer großen Rechten, die ihm im höchsten Maße bedenklich erscheine. Der Verbandstag nahm bann einstimmig eine Entschließung an, in der es heißt: „Angesichts der politischen Entwicklung des letzten Jahres fühlt der Alldeutsche Verband sich in seinem Gewissen verpflichtet, noch einmal in letzter Stunde eindringlich seine warnende Stimme gegen den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zu erheben. Der Eintritt in den Völkerbund wäre die Krönung der international eingestellten marxistischen Erfüllungs- politll, wäre die nochmalige Unterzeichnung und freiwillige Anerkennung des Versailler Diktats und die Bekräftigung der Verträge von Locarno. Er wäre damit der freiwillige Verzicht auf deutsches Doll und Land in Rord, Süd, Ost und West. Er wäre die freiwillige Anerkennung der Dawesgesetze mit dem Verlust der politischen und wirtschaftlichen Souveränität Deutschlands. Er wäre die freiwillige Uebemahme der brutalen Bedrückung und Aussaugung durch diese Gesetze. Dabei soll der Eintritt in den Völkerbund vollzogen werden, während die zweite und dritte Rheinlandzone durch stärkere Besetzung geknechtet sind als vor der Räumung Kölns, soll vollzogen werden angesichts neuer rücksichtsloser Gntwafsnungsnoten, angesichts der schamlosen Abrüstungskomödie, die soeben in Genf gespielt wird, also angesichts des klaren Willens der Feind bundstaat en unter Verleugnung des sogenannten Geistes von Locarno die Politik der Knebelung und Ausraubung Deutschlands fort« zusehen. Gegen eine Reichspolitik, die uns hierhin geführt hat, erhebt der Alldeutsche Verband den schärfsten Widerspruch: niemals darf das nationale und völkische Deutschland das Ergebnis dieser Politik für sich als verbindlich anerkennen. Dieses Ergebnis durch sogenannte posllive Mitarbeit zu befestigen, wäre Verrat am deutschen Voll und seiner Zukunft. Aufhebung des Belagerungszustandes in Spanien. Madrid, 8. Sept. (WD.) Beim Verlassen des Königlichen Palais erfiärte Primo d e Rivera Journalisten, daß überall vollkommene Ruhe herrsche. Der König habe soeben einen Erlaß unterzeichnet, der den Belagerungszustand aufhebe. Er fügte hinzu, es sei beschlossen worden, 12 000 Mann der marokkanischen Armee in die Heimat zu befördern. Der König wird heute abend nach San Sebastian abreifen. Die Zahl der wegen Teilnahme an dem Aufstand angeklagten Offiziere beträgt 2400, darunter 6 Generäle, es werden aber nur 150 vor das Kriegsgericht gestellt werden. Die strengsten Strafen sollen für die Lehrer der Militär- Akademie in Segovia vorgesehen fein, von denen die Bewegung ausgegangen ist. Polnische Minderheitenpolittk. Warschau, 8. Sept. (WTB.) Der polnische Ministerpräsident Bartel empfing eine Abordnung der litauischen weißrussischen und jüdischen Bevölkerung des Wilnaer Landes. Die Delegierten führten lebhaft Klage über dieSchikanen, denen sie seitens der polnischen Behörden ausgesetzt sind, und stellten die Forderung, entsprechend den Bestimmungen der polnischen Verfassung als gleichberechtigte Staatsbürger behandelt zu werden. Der Vertreter der Weißrussen fürte zur Illustrierung der minderheitenfeindlichen Politik oer polnischen Regierung an, daß 400 im Wilnaer Gebiet vorhanden gewesene weißrussische Schulen nun auf drei reduziert wurden. Der jüdische Vertreter verwies darauf, daß die Regierung trotz der vielfach gegebenen Versprechungen an d i e jüdischen Gymnasien keine Prüfungskommissionen entsende. Der Ministerpräsident empfing die Delegation recht unwirsch und begrüßte sie gleich mit dem wenig verheißenden Ruf: „Warum wendet ihr euch überhaupt an mich? Mit Schulfragen beschäftigt sich doch der Ministerpräsident nicht! 3ch kann mich doch nicht um alles kümmern!" Zum Schluß versprach der Ministerpräsident aber, sich über diese Frage mit dem Unterrichtsminister ins Benehmen zu setzen Die Kämpfe in China. Peking, 8. Sept. (Wolff.) Die Kanton- truppen haben gestern Wutschang undHan- kau beseht. Wupeifu zog sich mit der Eisenbahn nach der Provinz Honan zurück. Den Angriff auf Hanjang begann die Kantonarmee Montag gegen Abend. Die ihr entgegengestellten Truppen standen unter dem Befehl der Generale Tschintjunao und Liutsolung, wovon letzterer die Verteidigung der Stadt selbst leitete, während erster, r die Hügel neben der Stadt besetzt hielt. Rachts ging Liutsolung, den Wrrpeifu erst am 4. September zum Zivilgouverneur der Provinz Hupeh ernannt hatte, zum Feind über und beteiligte sich an dem Angriff auf den Hügel bei Hanjang, wobei die Truppen Tschinjunaos fast völlig aufgerieben wurden. Dieser Hügel beherrscht zugleich Hankau und Wutschang und bildet eine äußerst wichtige Artilleriestellung, nach deren Eroberung die Kantontruppen auch Wutschang unb Hankau besetzen konnten. Aus aller Welt. Die Lciferder Attentäter in Hannover Hannover, 8. Sept. (TN.) Die Tlrheber der Cisenbahnkatastrophe bei Leiferde, Otto Schlesinger und Will: Weber, sind hier eingetroffen. Beim Passieren der Stells, wo sie den O-Zug zur Entgleisung gebracht hatten, zeigten sie, von Kriminalkommissar Raeh, der mit zwei anderen Kommissaren den Transport leitete, aufmerksam gemacht, keinerlei Gemütsbewegung. Die Verhafteten wurden borläufig ins hiesige Polizeigefängnis gebracht, wo auch Walter Weber untergebracht ist. Demnächst erfolgt die •ileberfübrung der Täter nach Hildesheim, wo die Untersuchung weitergeführt wird. Der in Hannover bereits in Hast befindliche Walter W e b e r hat ein umfassendes Geständnis abgelegt, in dem er ausführt, von den Attentats- Plänen gewußt zu haben, eine Anzeige jedoch unterlassen habe, um seinen Bruder nicht unglücklich zu machen. Schweres Untergrnndbahnnglück in Brocklyn. ®in aus sechs Wagen bestehend«: Unter- 9 r u n d b a hnzug, der zwischen Manhattan und Condy Island verkehrt, geriet, während er einen 30 Fuß tiefen Tunnel durchfuhr, in einen Gewi11ersturm. Der Führer des Zuges versuchte 600 Meter vor der Einschlagstelle eines Blitzes in den Tunnel den Zug zum Halten zu bringen, was ihm jedoch mißlang. Von der Einschlagstelle des Blitzes stürzten ab- bröckelnde Steine und Erdmassen auf den Zug. Die Fenster und Dächer der Wagen wurden zertrümmert und eine große Anzahl von Personen unter den Trümmern begraben. Die verzweifelten Menschen versuchten in der Dunkel- Helt die Türen zu öffnen, was ihnen jedoch nicht möglich war, da die Reuyorker Antergrundbahn- türen automatisch schließen. Man benutzte deshalb die Fenster als Ausgänge. Zwei Personen sprangen hierbei gegen die Hochspannungsleitung und wurden sofort getötet. In der Durckelheit entstand eine Riesenpanik. Die erste Hllfe traf erst zwei Stunden nach dem llnglück ein, da die Hilfsmannschaften sich erst den Weg nach der Unglückstelle bahnen mußten. Zwei Tote und 30 Schwerverletzte, die auf den schmalen Settenwegen nach der nächsten Station gebracht wurden, fielen der Katastrophe zum Opfer. Erfolg des Offenbacher Schrlflgießereigewerbes. Bei einem Preisausschreiben des fast alle deutschen Duchdruckereien umfassenden Deutschen Buchdrucker Vereins um eine Ehrenurkunde für Geschäftsjubiläen feiner Mitglieder wurden die Satzentwürfe der Firma Gebr. Kling- s p o r mit den ersten beiden Preisen ausgezeichnet. Wettervoraussage. Bei schwach'wechselnden Winden wolkig mit zeitweiser Aufheiterung, keine wesentllche Linderung der Lagestemperaturen, vorwiegend trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 18,6, Minimum 10,1 Grad Celsius. Riederschläge: 0,1 Millimeter. Heuttge Morgentemperatur 12,6 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 9. September 1926. Sonnlagnachmiltag. Sonntagnachmittag an einem Hochsommertag — du Hause! Cs liegt eine ganz besondere Stimmung über ihm, ein Gemisch von Ruhe, Langeweile, Besinnlichkeit, etwas Traurigkeit und Philistertum. Ich sitze am Schreibtisch, Sonne und Sommerlust fommen durch das weitgeöffnete Fenster herein und ein leises Rauschen der Bäume aus dem Garten des Rachbarhauses: von Zeit zu Zeit klingt ein Schrttt auf, aus der Ferne Hundegebell, sonst Stille, Sonntagsstille. Im gegenüberliegenden Hause sind ebenfalls alle Fenster geöffnet. Man sieht in lauter aufgeräumte, leere Zimmer, die Bewohner sind ausgeflogen. Auf einem Fensterbrett steht ein Paar weißer Spangenschuhe zum Trocknen, die sollen gewiß am Abend noch im Tanze springen. Rebenan lehnt ein altes Ehepaar breit und behaglich, auf Sofakissen gestützt, aus dem Fenster und beobachtet das „Leben und Treiben". Vorläufig treibt aber nichts. Auf dem Balkon des ersten Stockwerks sitzt nur ein kleiner Junge, der aus irgend einem Grunde daheim bleiben mußte. Er bläst auf einer Mundhamwnika; er ist noch kein Meister, ein Lied ist nicht herauszumerken, aber die Dreiklänge Horen sich doch ganz hübsch an. Unten auf der Bordschwelle des Bürgersteigs hockt ein anderer kleiner Junge und lauscht andächtig hinauf. „Kommste nich runter?“ fragt er endlich. „Ree," sagt der Künstler und bläst weiter. Eine junge Mutter im karrierten Seidenkleid mit zwei kleinen karrierten Ablegern neben sich und einem Kuchenpaket in der Hand eilt vorbei. Jetzt zwei Jünglinge mit „wunderbar" geölten, langhintenübergekämmten Haaren. Run ein Schuhmann — laut hallen feine .Schritte in die Stille. Jetzt klingt Musik auf, Klavier und eine etwas gepreßte Männerstimme. Merkwürdigerweise singt sie nicht „Ich hab' mein ^rz In Heidelberg verlogen", aber das Thema ist schließlich dasselbe, wenn mans so nehmen will: „Dir, Göttin der Liebe, soll mein Lied erklingen". Die Begleitung ist schwierig, man merkt es, aber der Sänger zwingt das Lied doch, wenn auch nicht In dem von Wagner gedachten Tempo. Die Göttin der Liebe würde ihn auf die Stimme hin sicher nicht erhört haben. Aber vielleicht ist er sonst bildschön und dämonisch, denn zartes Händeklatschen lohnt ihn am Schluß, und er läßt nun das Weserlied folgen. Die Alten am Fenster schauen und lauschen. Ein eingeschlossener Hund heult irgendwo melancholisch, die Mundharmonika tritt wieder in Tätigkeit, und der Kleine auf der Straße hort aus, mit seinem Stöckchen zwischen den Pflastersteinen zu stochern: „Kommstc nich runter?“ fragt er noch einmal. „Ree", antwortet's wieder von oben. Sonntagnachmittag im Hochsommer — zu Hause. x C. v. M. Zur Wietzener Werbewoche gelegentlich der Gartenbau undElektri- zitäts- Ausstellung in der Zeit vom 11. bis 19. September iann man mit einem starken Besuch aus der näheren und weiteren Umgebung unserer Stadt rechnen. Besonderes Interesse dürste sich dem vom Gießener Derkehrsverein für nächsten Sonntagnachmittag vorgesehenen Zur Bedienung von Schreibmaschinen und Registratur wird gewissenhafte und gewandte Hilfskraft von hiesiger Fabrik gesucht. Schriftliche Angebote unter 06169 an den Gießener Anzeiger erbeten. Dlurnenkorso zuwenden. An dieser Veranstaltung werden sich die vier Gießener Radfahvev- vereine, der Oberhessische Automobib-Elub. der Reit- und Fcchrklub Dieben, der Retterverem Grohen-Duseck und der hiesige Geflügelzüchter- Verein mit blumengeschmückten Fahrzeugen, selt- wagen, geschmückten Pferden, malerischen Gruf> ven, Herolden usw. beteiligen. Der llnwufl wrrd am Nachmittag gegen 2 Uhr vom OswawSgarten aus abmarschieren und durch dre Hauptstraßen der Stadt zur Vvlkshalle geleitet Der ebenfalls vom Verkehrsverem veranstaltete 6chauf en st erwettbe werb wahrend der ganzen IDerbewoche durfte Ee^alls vtel Anziehungskraft ausüben. Dre Gießener Geschäftsinhaber sind bereits erfrlg mtt den Vorbereitungen zur Ausschmückung der Schaufenster beschäftigt, die teilweise schon am Sarnstag ihr festliches Kleid zeigen werden. Das Pichftkum oll hierbei entscheiden, welche sleben Firmen in Gießen am schönsten ausgestellt haben WSH- rend für die Prämiieruna der Schaufenster Dr- plome vorgesehen sind, stehen für bog an kt Abstimmung sich beteiligende Publrkum über 40 Preise zur Verfügung, die bei der Firma Kaeß Nachfolger (3nh. Wilh. Horn), Kreuzplatz, ausgestellt sind. Heber die Art der Abstimmung wird im Anzeigenteil der morgigen Freitagnummer Näheres mitgeteilt werden. An zwei Stellen der Stadt werden in der nächsten Woche außerdem öffentliche Konzerte stattfinden, und zwar am nächsten Dienstag nachmittags von 5 bis 6 Hhr auf dem Lindenplah, sowie am Freitag den 17., nachmittags von 5 bis 6 Uhr in der Plock st raße, Ecke Iohannesstraße. Die Konzerte werden von der Kapelle Topp ausgeführt. In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal auf die Ausstellungsverlosung hin- gewiesen, die von der Leitung der Gartenbau- und Elektrizitäts-Ausstellung mit wertvollen Gewinnen (u. a. elektrische Staubsauger, Freifluge nach Kassel oder Frankfurt a.M., Rundfunkapparate, elektrische Lampen, Bügeleisen, Fonapparate, Topfblumen usw.) ausgestattet ist. Es werden sog. Lvsbriefe verkauft, bei deren Oeffnung man sofort erkennen kann, ob man unter den Gewinnern sich befindet und welchen Gewinn man erhalten hat. Feiern im Abendschein. Nicht nur junge Menschen haben Feste und brauchen dazu Glanz, Duft und Freude — auch die allen Leute haben ihre Feiertage, mag auch ihre Freude stiller sein und der Erinnerungen mehr als der Hoffnungen, und mag auch das Leuchten, das über dem Feste liegt, schon über vielen Jahren gestanden haben. Wenn unsere Eltern viele lange Lebensjahre miteinander gewandert sind, so viele, daß wir noch gar nicht wissen können, wie lange sie waren, weil wir sie ja nicht alle kennen, dann tun wir zu ihrem festlichen Erinnern unsere Liebe, um den Tag schön und weihevoll zu gestalten. Und unsere Liebe sinnt und sinnt, Freude zu erwecken und zu schaffen. Zu gering erscheint uns vielfach, was wir zu tun vermögen. Zudem haben wir oft nicht viele Möglichkeiten des Schenkens! Denn was soll man alten Leuten an Geschenken bringen, wenn sie von dem, was sie schon besitzen, am liebsten mehr und mehr herschenken, teils, um die etwas dürftig ausgebauten Nester der Jungen in diesen Zeiten zu oeroollständigen, teils, weil sie selbst jetzt so manches beinahe als Last empfinden, was man in jüngeren Jahren als sehr wünschenswert betrachtet. Sie wollen oft ihren Haushalt gern „abbauen", verkleinern — je mehr Raum, desto mehr Stille und Einsamkeit in deyi alten Hause, aus dem die Kinder fortgezogen sind. Und kommt auch ab und zu das eine oder andere wieder, um sich's im alten Nest so unendlich wohl fein zu lassen, nun, so rückt man noch ein bißchen mehr zusammen, und es ist immer nocy Platz. Denn nicht Gröhe und Kraft braucht's, sondern Innigkeit. Warum also dann zu ihrem Feste Dinge herbeischleppen, die, wenn auch noch so schön und gut, doch nicht wahre, warme Freude bereiten, weil sie vielleicht gar nicht gewünscht werden und darum nicht glücklich gewählt sind? Eines nur können wir bringen und schenken, das sowohl für unsere Liebe und unseren guten Willen, das beste zu tun, wie auch zu der alten Eltern Feiern im Abendschein des Lebens taugt; wir können ihr Heim mit Blumen ausschmücken und füllen, und brauchen kein Wort dazu zu sagen. Denn Blumen sprechen allein, wenn sie von Liebe erzählen sollen, und sie machen ihre Sache gut! Gießener Wochenmarktprcise. ES kostete auf dem heutigen Wochenmarlt das Pfund- Butter 190 bis 200 Pfennig. Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 100. Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 6 bis 10, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 15. rote Rüben 10 bis 15. Spinat 25 bis 30, Römischkohl 10, Bohnen (grüne) 15 bis 20, Bohnen (gelbe) 20. Hnterkohlrabi 6, Tomaten 20 bis 30, Zwiebeln 12 bis 20. Meerrettich 80, Kartoffeln 4 bis 5, Falläpfel 7 bis 12, Frühäpfel 15 bis 35, Birnen 10 bis 30, Zwetschen 20 bis 25. Mirabellen 30, Preiselbeeren 50 bis 60, Hollunderbeeren 20, junge Hahnen 90 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120; pro Stück: Eier 14 bis 15, Blumenkohl 10 bis 100, Salat 5 bis 10, Salatgurken 10 bis 30, Cinmachgurken 2 bis 5, Endivien 15 bis 25. Oberkohlrabi 5 bis 10. Rettich 10 bis 20, Sellerie 20 bis 40; daS Bund: Radieschen 10 bis 12 Pfennig. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Liebigshöhe: 8.15 Uhr, 5. Sonderkonzert der Reichswehrkapelle. — Gießener Radfahrerverein 1885 : 9 Uhr, Bereinslokal, Besprechung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Seine Söhne". — Asto- ria-Lichtspiele: „Der schüchterne Don Juan". ** Offenhaltung der Ladengeschäft e an den beiden nächsten Sonntagen. Vom Polizeiamt wird mitgeteilt: AuS Anlaß der in den Tagen vom 11 .bis 19. September hier stattfindenden Gartenbau- und Elektrizitätsausstellung sind am Sonntag, den 12. und 19. September, alle Geschäfte in der Zeit von 11 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags, die Lebens-. Genuhmittel- und Zigarrengeschäfte von 11 Uhr vormittags bis 6 Ahr nachmittags geöffnet. •• Die Dienststunden des Polizeiamts für den Publikumsverkehr sind ab 15. September auf die Zeit von 8 Uhr vorm. bis 12Vs Uhr mittags und von 1/a3 bis 6 älhr nachmittags, Samstags von 8 bis 121/? Hhr mittag« festgesetzt worden. Für Samstagnachmittags ist in der Zeit von 4x/» bis 5l/2 Hhr ein Eildienst eingeführt, bei dem aber nur Anträge, die unaufschiebbar sind, erledigt werden können. ** InS Manöver, linier Bataillon wird in der Nacht von Freitag auf Samstag unsere! Stabt verlassen, um sich in das Manövergelände der 5. Division in der Gegend von Mergentheim zu begeben. Die Infanteriekompagnien werden Freitag abend 9 Uhr aus den Kasernen abmarschieren, während die Maschinengewehrkompagnie schon früher verladen wird. Sämtliche Infanteriekompagnien sollen um 10 Uhr am Bahnhof zum Verladen bereitstehen. Der Zug wird um 12,30 Uhr nachts von hier über Alsfeld nach Fulda—Würzburg abfahren. ** Eine Umpflasterung der West- an läge zwischen Bahnhofstraße und Frankfurter Straße ist seit heute früh im Gange. Die Straße ist vom Polizeiamt bis auf weiteres für jeglichen Fährverkehr gesperrt worden. Die Fahrbahn, deren Zustand bekanntlich sehr viel zu wünschen übrig ließ, soll mit Kleinpflaster neu hergerichtet werden und einen Unterbau aus Betonplatten erhalten. Den Bewnunterbau liefert und verlegt die Betonbaugesellschast, die Kleinpflasterarbeiten wer- den von dem Pflastermeister Mohr in Annerod ausaeführt. Der Bürgersteig wird keine Neudeckung erfahren, sondern nur eine Ausbesserung der Schaden, die durch die jüngsten Kabellegungsarbetten entstanden sind. Die Arbeiten dürften bis Anfang Oktober beendet sein. Zum Stadttheaterabonnement für die Spielzeit 1926/27 wird in unserem heutigen Anzeigenteil eingeladen. Anmeldungen sind bis spätestens zum 20. d. W. schriftlich an die Stadtverwaltung zu richten. In den Anmeldungen ist der gewünschte oder gehabte Abonnementstag anzugeben. Näheres in der Anzeige. ** Eine Sicherheitskommisslvn der Reichsbahn, bereu Wirken wir in unserer gestrigen Melbung aus Berlin ankünbigten, weilte bereits gestern nachmittag im hiesigen Bahnhof, um hier die an gekündigt en Feststellungen über die Sicherheit bes Bahnbetriebs zu machen. Heute bereist bie Kommission ben Bezirk in der Richtung Debra. Dom 10 in ter ft ein. Aus Friedberg wird uns geschrieben: Wie vor kurzem auch der „Gießener Anz." durch eine kurze Mitteilung berichten konnte, geht der Römerturm auf dem Gaulskopf nahe dem Forsthaus Winterstein seiner Vollendung entgegen, so daß in nächster Zeit bie Einweihung erfolgen kann (wie wir hören, am 18. September). Voreilige C&e- richterstattung hat in verschiebenen Blättern (nicht im „Gießener Anzeiger". D.Red.) durch größere Aufsätze dieser Feierlichkeit schon borge g r i f f e n. Die am Bau beteiligten Kreise bedauern dies deshalb besonders, weil die über den Turm und seine Baugeschichte mitgeteilten Notizen nicht in allem auf sachlicher Orientierung beruhen. Zur Warnung! Das Frankfurter Amtsgericht hat gestern einen jungen Handwerker, der böswilligerweise einen öffentlichen Feuermelder in Tätigkeit gesetzt hatte, wegen Sachbeschädigung und groben Unfugs zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat und zu den Kosten des Verfahrens verurteilt. Das ist recht. Gießener Unfugluftige dieser Art mögen sich das hmter die Ohren schreiben! Vom Srieftaubenjport. Die diesjährige „Reisesaison" der Brieftauben ist abgeschlossen. Zu Anfang war bas Wetter für die Tauben äußerst ungünstig gewesen. Viele, nicht gerade die schlechtesten, ja mitunter Tiere, die bei den großen Flügen 5—600 Kilometer mit an der Spitze reiften, sind bie Opfer ber unwirtlichen Witterung geworden. Vom Sturm verschlagen, sind sie irgendwo gelandet oder dem Raubvogel verfallen. Gerade die Teilnehmer der Flüge Ansbach-RegenSburg-Passau hatten mit Sturm und Regenschauern zu kämpfen. Trotz aller Verluste — es sind nach eingezogenen Erkundigungen bis zu 50 Proz. zu verzeichnen — wurde das gesteckte Endziel St. Pölten, eine kleine Vorstadt Wiens, 566 Kilometer Luftlinie mit 41 Tauben, die Wind und Wetter getrotzt hatten, beschickt. Bei den vorangegangenen Flügen wurden folgende Flugzeiten erzielt. Regensburg. 330 Kilometer Luftlinie. Auflaß 11,30 vorm., Eintreffen der ersten Tauben 5,49 nachm.; Passau, 410 Kilometer. knapp 7 Stunden, St. Pölten, 566 Kilometer. bei diesem Flug erreichten die Tauben ihre Heimat in 8 Stunden, das bedeutet eine Durchschnittsfluggeschwindigkeit von 1078 Meter in ber Minute. Das Resultat dieses Fluges war vorzüglich, von 41 Tauben waren 38 am ersten Tag zurück. Nun können die Tiere, die „durchgehalten" haben, auf ihren „erflogenen Lorbeeren" ausruhen, um im nächsten Frühjahr von neuem in die Reihen ber Mugkonkurventen eingesetzt zu werden. H-Sch. Gerichtssjaai. Für dreißig Mark neun Monat« Gefänguis. WSN. Frankfurt a.M., 8. Sept. Dor dem Ginzelrichier verteidigte sich der Arbeiter Wilhelm Claus gegen eine Anllage des schweren Diebstahls. Der Angeklagte verkaufte am Samstag vor Pfingsten an einen Alt- Händler eine in Stücke geschnittene Zinkbade- wanne. Diese war in ber Nacht zuvor aus einem Garten in der Ginnheimer Landstraße, wo ich eine Kriegsbeschädigtenkolonie befindet, ge- tohlen worden. DaS Gericht verurteilte den An- jeflagten, der frech leugnete, nach dem Ergebnis i>er Beweisaufnahme wegen schweren Diebstahls zu neun Monaten Gefängnis und ging damit drei Monate über den Antrag des Staatsanwalts hinaus. Die Wanne hatte einen Wert von dreißig Mark. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) $. C. in T. In gewissen Fällen kann unter bestimmten Voraussetzungen Steuerermäßigung gewährt werden. Auskunft erhalten Sie bei dem Finanzamt in Gießen. £. Invalidenrente. Die Rente dürfte sich wahrscheinlich auf 18 bis 20 Mark monatlich belaufen. Eine bestimmte Angabe kann von hier aus nicht gemacht werden, da aus Ihrer Mitteiluna nicht ersichtlich ist, wieviel Marken Sie in der Inflationszeit bzw. vor und nach der Inflation geklebt haben. Wir raten Ihnen, sich an das Kreisamt Gießen (Der- sicherungsamt) zu wenden. Dort erhalten Sie die erbetene genaue Auskunft. 3. 5 t., Gießen. Wir raten Ihnen, den Fall beim Mieteinigungsamt zur Sprache zu bringen. Dort werden Sie die erbetenen Ratschläge erhalten können. Rundfunk-Programm des Frankfurter Genders. (Aus der „Radio-Umschau".) Freitag, 10. September. 10,30 bis 12 ü5r: Uebertragung von Kassel. Mittagskonzert der Kapelle Willy Apitz. 3,30 bis 4: Die Stunde der Jugend. 4,30 bis 5,45: Hausfrauen-Nachmittag. Programm u. a.: „Die Stuttgarter Mütterschule". Vorttag von Lenka v. Koerber. 5.45 bis 6,05: Die Lesestunde. 7 bis 7,30: „Johann Gottlieb Fichte". 2.: „Fichtes populäre Grundschrift: Die Bestimmung des Menschen". Vortrag von Pfarrer Clemens Daesler. 8 Uhr: Uebertragung von Berlin: „Iphigenie auf Tauris". Oper in vier Akten. Musik von Ehr. W. Gluck.________________________________ Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags. 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloffen. Für unverlangt elngefaabk Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewahr übernommen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. VeiKorpulenzoderDeranlagung raten wir allen Lesern, die korpulent oder zum Starkwerden veranlagt sind, 30 Gramm Totuba- Kerne zu raufen, die bet völliger Unschädlichkeit fettzerfehend und anfatzverbtndernd wirken. Die echten Toluba-Kerne erhalten Sie mit (i'u achten, genauen Angaben über Gebrauch und Zusammen- setzung, in den Apotheken. 82»! Mttheater Gietzen Abonnements-Linla-ung. In der Spielzeit 1926/27, die vom 5. Oktober 1926 bis Ende April 1927 dauert, werden an den Tagen Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonntag je 28 Abonnementsvorstellungen statt- finden; die Vorstellungen beginnen an den Werktagen um 7i Uhr, am Sonntag um 7 Uhr. Die Abonnementskarten find gegenüber den Tageskarten wesentlich billiger; bei Nichtbenutzung der Abonnementskarten können, wie bisher, für Schauspiel und Operette Gutscheine gegen Entrichtung einer Gebühr gelöst werden, die für die gesamte Spielzeit, auch für die Sonntagsvorftellungen, Gültigkeit haben. Der Preis für die 28 Vorstellungen einschließlich der Operettengastspiele sowie einer Opemvorslellung beträgt mit Steuer: 7278B Proszeniumsloge, Rangloge und 1. Rang-Vorderplatz 110 Rm. 1. Sperr itz, 1. Rang-Mitte und Logen-Rückplatz 86 „ 2. Sperr itz und 1. Rang-Rückplatz 71 „ 3. Sperr itz und 2. Rang-Dorderplatz 47 „ 2. Rang-Mitte 31 „ 2. Rang-Rückplatz 23 „ Die Ausgabe und Bezahlung der Abonnementskarten erfolgt in sieben Raten. Anmeldungen zum Abonnement sind bis spätestens 20. September 1926 nur schriftlich an die Stadtverwaltung Gießen, Bergstraße, Zimmer Rr. 12, unter Angabe des Abonnements- tages und der Aufschrift „Theater-Abonnement" zu richten. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unserer lieben Entschlafenen, sowie für die zahlreichen Kranzspenden sagen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Im Namen der Angehörigen: Ludwig Becker. Gießen (Steinstr. 25), 9. September 1926. 06145 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unseres lieben Vaters sagen wir unsem innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Hermann Dort Gießen, den 9. September 1926. r Allen, die aus Anlaß unserer Vermählung unserer liebevoll gedacht haben, herzlichen Dank r Fabrikdirektor Otto Bergen l und Frau Else geb. Berdux X Gießen, den 9. September 1926 I Vermietungen | QllllIllllinililin’IIIIHIIIB fflöDi DM- und SchlWininek evtl, auch leer, zu vermieten. Scbristl. Angeb. unter 06144 an den Gieß. Anz. fliiiiiiiwnnniM Die letztjährigen Abonnenten haben Anspruch auf Beibehaltung ihrer Plätze an ihrem Abonnementstage, wenn sie diesen bis zum 17. September 1926 geltend machen. Gießen, den 9. September 1926. Der Oberbürgermeister. I. V-: Dr. Rosenberg. | Mietgesuche j Ein oder zwei Zimmer mit Küche ob.Stüdjen- benutzung, unmöbliert oder möbliert fofott ob 1. Oktober geiuckt. 06150 Aliceltr. 22» 111. 2 Zimmer für Bureauzwecke in guter Lage tu mieten gefuM Schriftliche Angeb. unter 06159 an den Gieß. Anz. erbeten. Bekanntmachung. In den Wagen der städt. Straßenbahn wurden in der Zeit vorn 1. April bis 31. August 1926 nachstehende Gegenstände gesunden: 7261c 10 Schirme, 12 Paar Handschuhe, 2 einzelne Handschuhe, 2 Schlüssel, 8 Stöcke, 1 Buch, 2 Drillen, 3 Zeitschriften, 1 Luftpumpe, 2 Taschentücher, 5 Geldbörsen. 2 Handtaschen, f Badetuch, 1 Aktentasche, 2 Hüte, 1 E. K. II. Klasse. 2 Strickjacken, 1 Kinderarmband, 1 Markttasche, 1 Kamm, 1 Kinderschürze, Spielzeug und Geldscheine. Vorbezeichnete Gegenstände können bei der unterzeichneten Verwaltung Zimmer Nr. 3 in Empfang genommen werden. Gießen, den 7. September 1926. Elektrizitätswerk, Lieberlandanlage und Straßenbahn der Stadt Gießen. Stolle. UM» 30 Pf. Werbewoche Dom 12, bis 19. L M.: Schaufenster ji ettbewerb mit Prämiierung durch das Publikum. Sonntag, 12. l. M., nachm. 21/, Uhr: Blumenkorso anschliehend Reklamewagenkorso. Dienstag, 14. l.M., nachmittags 5 bis 7 Uhr: Stratzenkonzerte, außerdem neuzeitliche Strahenreklame. Derkehrsverein e. D. - Giehen. MMkSttWWMl Glänzende Gießen, den 4. September 1926. Herr sucht z. 1. 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Jeder Abnehmer Kann die Apparate auf Ratenzahlung von dem Elektrizitätswerk oder den untenstehend aufgeführten konzessionierten Installateuren beziehen. Auch den Wohnungs- inhabern, die noch nicht zu unseren Abnehmern zählen, kann für die Installationskosten Zahlungserleichterung eingeräumt werden. Auskünfte erteilen die Elektrizitätswerke und die untenstehend aufgeführten Firmen. 3) 350 ccm, Zweitakk, 4) Antlnag, schein- u. frei, mit Gold Pfd. 55 blaue Pfd. 40 3 Pfd. Jt 1.10 SLz.WtelMWO.r5 M-MWSMhl 0.28 SLz.MWkMIS Pfund 1.00. pLd 3.10 MnenRogerle Kmi Msrr Wm (öefies). Marburg (Renthof 28'/2), 8. Sept. 1926. Pr. Neubauamt f. d. Iubil.-Kunstinstitut der Universität Marburg. jWrschiede^ 3000 Atteste bezeug., daß Hautjucken. Flechten. Pickel, Beinschäd.. Krätze. Schuppen, läst. Schweiß, Hae- morrhoiden. Aus- schlagmit„KrUtz- nrgan“ beseitigt werden können. 75-, 100- u. 150-Gr- Pack. Mk. 1.50. 2 -, 3.—-. 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Selbstbewuhtsein des studentischen Lebens, Sportbewegung und Wirtschaftshilfe. -Zum Schluß erhielt Geheimrat Prof. Dr. D u i s b e r g, der Vater der Studentenhilfe, das Wort. Seine Ausführungen schlossen mit folgenden herzhaften Worten: Solange mein Herz schlägt, soll es für meine verehrten jungen! Freunde schlagen. Halten Sie sich, was Sie auch immer erstreben mögen, von der Politik fern, und wenn Sie arbeiten, dann vertiefen Sie den wissenschaftlichen Geist. Werden Sie Forscher, tragen Sie den wissenschaftlichen Geist in alle Wirtschaftsbetriebe hinein. Seid einig, bleibt einig. Lang anhaltender Beifall folgte den Worten des Redners. Damit fand die Tagung ihren Abschluß. Das österreichische Heerwesen. ' Don unserem mllitärpolitischen Mitarbeiter. Anlängst machte die Behauptung durch die Presse aller Länter ihren Weg, daß die intec* alliierte Blilitärkontrollkommissivn der Republik Oesterreich verschiedene Versäumnisse der Ausführung der im Staatsvertrag von St. Germarn niedergelegten Abrüstungsbestimmungen nachgewiesen habe. . . Wenn auch die Gründe, die immer wieder »ur Aufstellung solcher Behausungen fuhren, offenkundig sind, so ist doch nicht allgemein be- kannt, wie wenig Bedeutung für die Wehrhaftigkeit Oesterreichs, selbst ioenn die aufgestellten Behauptungen zuträfen, derartige ^rstoßehaben können! daher verfehlen die falschen Genichte fast nie die beabsichtigte Wirkung. Die Republik Oesterreich darf bei einem Flächeninhalt von 90 000 Quadratkilometer und einer Einwohnerzahl von 6 000 000 ein Heer von 1500 Offizieren und 28 500 Mann unter Waffen halten. 3m Friedensdiktat von St. Germain wurden Oesterreich darüber hinaus folgende weitere Bestimmungen für den „Ausbau" seiner Wehrmacht auferlegt: Für Offiziere 20iahrige, für Anteroffiziere und Mannschaften 12jährige Mindestdienstzeit. Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht: es kommen daher heute nur 5 Prozent der früher zum Heeresdienst Einberufenen zur Waffenausbildung. Verbot aller Flugzeuge, aller Gaskampf- und Gasschuhmittel, der Kampfwagen und der schweren Artillerie. An der Spitze des Heeres steht der Bundes- minister für Heerwesen; die höchste Kommando- aewall über die Armee führt der ^vundesprä- ftbent Das Heer ist gegliedert in 6 gemischte Brigaden und 1 selbständiges Artillerieregiment. Die Brigade besteht aus dem Brigadekommando, 5 bis 8 Infanterie- oder Alpenjägerbatmlloi^n, einem Radfahrerbataillon, einer Eskadron Kavallerie, einer Artillerieabteilung, einem Piomer- bataillvn, einem Kraftfahrzug unb_ Fahrtruppen. Insgesamt verfügt die Republik über 6 Infan- terieregimenter zu 3 Datgillvnen, 6 Alpenjägerregimenter, 2 selbständige Infanteriebataillone, 6 Radfahrerbataillone, 6 Artillerieabteilungen, 1 selbständiges Artillerieregiment, 6 Eskadronen Kavallerie, 6 technische Bataillone, die in der Hauptsache unseren Pionierbataillonen entsprechen, 6 Rachric^enkonrpagnien. Die Bewaffnung der Infanterie ist die der alten österreichisch-ungarischen Armee; die Artlllerie verfügt über 7,5--Zentimeter-Gebirgskanonen, 8-Zentimeter-KanLnen, 10,4-Zentimeter- Kraftfahrkanonen und 14-Zentimeter-Minenwerfer. die zur Artillerie gerechnet werden. Die Ausbildung ist im Friedensdiktat nicht weniger beschränkt als die Ausrüstung und die Truppenstärke: alle Waffenschulen sind verboten; die Offizierausbildung liegt einzig in der Hand der Truppenkommandeure. Eine einheitliche neuzeitliche Truppenausbildung ist daher ungemein erschwert. Das Offizierkorps ergänzt sich aus dem Anteroffizierstand. Zur Zeit genügt als Vorbildung für die Offizierlaufbahn die einfache VolksfcAlbild-ung; vom Jahre 1928 ab werden nur noch Anteroffiziere mit Mittelschulbildung zum Offizierberuf zugelassen. Verschiedene von der Heeresleitung eingerichtete Sonter- kurse versuchen, die Waffenkenntnisse der Offiziere zu heben. Aber diese vermögen so wenig wie Kriegsspiele und Geländebesprechungen in den Standorten und ihrer Umgebung den Mangel an Wafsenschulen und an einer Kriegsakademie auSzugleichen. Auch scheint die körperliche Ausbildung und der Sport gegenüber der Waffen- ausbildung sehr im Vordergrund zu stehen. Jede Mobilmachungsvorbereitung ist untersagt; genau in derselben Stärke, Zusammensetzung. Bewaffnung und Ausrüstung tritt das Heer in einen Krieg ein, in der es sich jetzt befindet. Die Schlagfertigkeit des österreichischen Bundes Heeres leidet vor allem unter dem Ginfluh, den die Politik auf die Heeresange- hörigen ausübt. Jeder Soldat ist wahlberechtigt. Damit ist dem Kampf der Parteien um die Seele des Soldaten die Tür geöffnet; Disziplin und Kameradschaft müssen Schaden leiden. Auch im Offizierkorps spielen die politischen Gegensätze eine gewisse Rolle; die Mehrzahl der Offiziere entstammt dem alten Heer und ist demgemäß aller politischen Betätigung abgeneigt; zu chnen stehen die aus dem Unteroffizierstand hervorgegangenen Offiziere und eine geringe Anzahl von Persönlichkeiten, die auf dem Umweg über politische Brauchbarkeit zu Führerstellen gelangen wollen, in schroffem Gegensatz. — Auch bestehen noch heute int Bundesheer politische Vereinigungen, wie der sozialdemokratische „Militärver- band der Republik Oesterreich" und der unter christlich-sozialem Einfluß stehende „Wehrbund". Da diese Vereinigungen die Kandidaten für die Vertrauens männerwah l präsentieren, so sind politische Kämpfe innerhalb der einzelnen Truppenverbände an der Tagesordnung. Der Soldat ist in seiner Eigenschaft als Soldatenrat oder Vertrauensmann bei gesetzwidrigen Handlungen und Unterlassungen ebenso gegen Strafen geschützt wie ein Abgeordneter. — Die Einstellung von Freiwilligen ist Sache des in der Regel einer Partei angehörenden Dundesministers für Heeres- wesen und liegt nicht in den Händen der Truppe; daher besteht auch hier ein unheilvoller Einfluß der Parteien, die eben mit allen Mitteln ihre Anhänger ins Heer zu bringen suchen. Fast noch größer sind die Schwierigkeiten, die für Geist und Ausbildung des Dundesheeres aus dem ungewöhnlichen Mangel an Geldmitteln entstehen: die Republik vermag tatsächlich von den zugebilligten 30 000 Mann nur 21 000 unter den Waffen zu hallen; dementfprechend stehen auch zur Munitionsergänzung, Waffenerneuerung, für Uebungen und Manöver nur ganz ungenügende Mittel zur Verfügung. Wenn auch das Offizierkorps im allgemeinen und ein großer Teil der Unteroffiziere pflichteifrig ist, so besitzt doch das österreichische Heer in seinem jetzigen Zustand einen für einen modernen Krieg keineswegs ausreichenden Kampfwert. Ehe die Politik völlig im Heer ausgeschaltet wird und die Beschränkungen des Diktats von St. Germain aufhören, ist eine erhebliche Besserung dieser Verhältnisse nicht zu erwarten. Da Oesterreich auch nicht mehr über eine Flotte verfügt, so richten sich die von interessierter Selle immer wieder ausgestreuten Behauptungen über mangelhafte Abrüstung für jeden Denkenden von selbst. Tagung der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft. In Dresden tagte der Verwaltung s- r a t ter Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft. 3m Rahmen dieser Tagung fand im Festsaal des neuen Studentenhauses in der Mommsen- strahe eine öffentliche Derwaltungsratssitzung statt, in deren Verlauf eine Reihe führender Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens über Fragen ter Studentenselbsthilfe sprachen. Zunächst sprach Professor Dr. Sch link (Darmstadt) über die segensreiche Arbeit in den letzten fünf Jahren, in denen mit eigener Kraft an der Erreichung des Zieles gearbeitet wurde. Er wies besonders darauf hin. daß heute bereits über 50 Wirtschaftsbetriebe beständen und daß die Wirtschaftshilfe ständig angewachsen sei. Die Form einer freien Arbeitsgemeinschaft, die sich in jeder Hinsicht als richtig erwiesen habe, sei a Auftreten. Hunderttausend en habe die Wirtschaftshilfe das Studium überhaupt erst ermöglicht. Auch hierin lägen natürliche Gefahren, so UeberfüHung u n t> Proletarisierung des akademischen Nachwuchses. Diese Gefahren habe man erkannt und suche ihnen nach Möglichkeit vvrzubeugen. Eine andere Sorge sei die, daß in unserer Zeit des Materialismus, des Rationalismus und der Technisierung des Lebens und Denkens durch die Wirtschaftshilfe des Corpus sanum im Gegensatz zur Mens sana zu sehr in den Vordergrund gerückt werde. Die amerikanische Wirtschastsbilfe sei nach deutschem Muster eingerichtet worden, und Frankreich habe um die Entsendung einer 100 Jahre Gasbeleuchtung. Von Direktor Steding, Gießen. William M u r d o ch, ein genialer Ingenieur bei den Minen in Cornwall, beschäftigte sich 1792 in seinen Mußestunden mit der Erhitzung der Steiniohle im geschlossenen Raume; er fing das flüchtige Produkt auf und beleuchtete damit sein Wohnhaus. Er verband sich später in richtiger Erkenntnis der Bedeutung seiner Arbeiten über Kohlengas mit dem Besitzer ter Maschinenfabrik Watt (Erfinder der Dampfmaschine), und beleuchtete nach Lieberwindung großer Schwierigkeiten die Wattsche Fabrik 1803 mit dem von ihm hergestellten Gas. Die Gasbeleuchtung war damit ins praktische Leben eingeführt. 1826 wurden in Berlin und Hannover Gasanstalten von englischen Gesellschaften errichtet, und 1828 eröffneten Deutsche, Knoblauch und Schiele, in Frankfurt a. M ein Gaswerk. Dec Siegeszug ter Gaswerke begann, eine Stadt nach der anderen in Deutschland errichtete Gaswerte, um ihre Straßenbeleuchtung zu verbessern und Gas in die Häuser einzuführen. 1856 erhielt auch Gießen endlich Gasbeleuchtung; das Werk wurde von Rieding er (Augsburg) erbaut und am 24. Dezember 1856 in Betrieb genommen. Vorerst betrieb Riediuger das Gaswerk für eigene Rechnung, 1862 übernahm es Herr Aug. Heß, am 1. Oktober 1886 erfolgte die Lieber- führung in städtischen Besitz. Der Zweck ter Vergasung ist lediglich eine Veredelung der Brennstoffe, d. h. Zerlegung der rohen Brennstoffe durch Erhitzen unter Luftab- schluß, ter sogenannten trockenen Destillation. Die natürlichen festen Brennstoffe stammen ausschließlich aus Pflanzenresten, die unter Ab- spaltung gewisser Stoffe vermodert und unter völligem Luftabschluß und durch Druck bituminiert sind. Obwohl alle organischen Substanzen entgast werden können, wird zur Gaserzeugung vorwiegend die backende Steinkohle benutzt. Die Steinkohlen lassen sich nach Professor Bunte folgendermaßen ordnen: 3ung, gasreich Alt, gasarm Flammkohle — nicht backend — Anthrazit i I Gasflammkohle — schwach backend — Magerkohle z t Gaskohle — backend — Kokskohle ' * L---------»Backkohle —----—' Die Gasherstellung geht wie folgt vor sich: Die zur Vergasung kommenden Kohlen werten in luftdicht verschlossenen Retorten oder Kammern erhitzt und damit zersetzt. Zunächst entweicht bei niedriger Temperatur das in den Kohlen enthaltene Wasser; erst bei höherer Temperatur von mehr als 100 Grad Celsius beginnt die Zersetzung. Die vorteilhafteste Vergasungstemperatur liegt bei 1000 Grad Celsius. Die Vergasungsdauer und die Menge der in die Retorte oder Kammer einzubringenden Kohlen richtet sich nach den örtlichen Verhältnissen, je nachdem Retorten oder Kammeröfen zur Verfügung stehen. In Gießen beträgt die Dergasungsdauer sechs Stunden bei einer Einbringung von rund 150 Kilogramm je Retorte. Die neuzelllichen Gaswerke mit Kammeröfen lassen die Kohle 12 oder 24 Stunden in der Kammer, die ost mehrere Tonnen Kohlen faßt, tehen. Da von der Beschafsenheit der Derga- ungsösen größtenteils die Betriebsergebnisse ab* hängen, ist der Ofen ter wichtigste Apparat im Gaswerk. Seit den ersten Anfängen bis auf den heutigen Tag sind Verbesserungen der Ösen* konstruktionen angestrebt worden, sowohl in Bezug auf die rationellste Verwertung ter Der* gasungsprodukte und der ilnterfeuerung als auch auf die Form und Lage der Retorten und der zu erzielenden Gasmenge und Gasbeschaffenheit. Zuerst stellte man die Retorten vertikal im Ofen auf, später wählte man eine geneigte Lage, und schließlich wurden sie horizontal in den Ofen gelegt. In den ersten 20 Jahren wurden Haupt* sächllch Guhretorten eingebaut, alsdann und noch heute bedient man sich ausschließlich des feuerbeständigen Chamottematerials. Ente des vorigen JahrhuiÄerts begann man wieder mit der Schräglegung der Retorten, und heute werden in neuzeitlichen Werken fast nur noch Kammerösen nach dem Vertikal-, Schräg- und Horizontalshstem erbaut. Das Tag und Rächt in den Oefen erzeugte Gas wird aus den Retorten bzw. Kammern durch Rohre in die Vorlage (Hydraulik) geleitet, die den Zweck hat. die nachfolgenden Apparate und den Gasbehälter von den Oefen zu trennen, damit beim Laten des Vergasungsraumes das Gas nicht aus diesem ausströmt und nutzlos verbrennt. Die Vorlage ist zum Dell mit einer Sperrflüssigkeit gefüllt, die das Gas zwingt, durch diese zu streichen. Hierdurch findet auch eine Kühlung des Gases bis aus 60 bis 70 Grad Celsius statt, wobei hauptsächlich Teer und Arnmoniakwasser ausgeschieten werden; diese beiten Produkte sucht man auch schon allein aus finanziellen Gründen im Gaswerk zurückzuhalten. Das Gas hat nun der Reihe nach folgende Apparate zu durchströmen, um abgekühll und gereinigt zu werden. Zunächst wird es durch Kühler, die teils mit Luft und teils mit Wasser arbeiten, geführt, um es allmählich auf 15 Grad Celsius abzukühlen, da bei dieser Temperatur eine gute Abscheidung des Teeres erfolgt. Je größer ter in den Retorten oder Kammern herrschende Druck, ter vom Gasbehälter und von den Reinigungsapparaten abhängt, desto geringer ist infolge ter mit kleinsten Rissen durchsetzten Retorten die Gasausbeute. Lim den Druck auf das notwendigste zu verringern, saugt man das ®a^ mittels Gassauger (Exhaustor) ab und drückt es durch die Apparate nach dem Gasbehälter. Von dem Gassauger aus geht das Gas durch den Ammoniakwascher (Skrubber), worin es von ter. Ammoniakteilchen befreit wird; dann passiert das Gas den Teerscheider, der die letzten Spuren des Teeres, der sich in Form von feinem Rebel im Gase befindet, ausscheitet. Größere Gaswerke reinigen alsdann das Gas von Raphthalin, ein Produkt, das oft lästig fällt und im Orts- rohmeh Verstopfungen verursachen kann. Run- mehr ist noch eine chemische Reinigung zur Beseitigung des Schwefelwasserstoffes und des Chans vorzunehmen. Dieses geschieht in größeren Kästen, die mit mulmigem Raseneisen* erz oder künstlicher Masse (alkalisches Eisenoxyd* Hydrat) gefüllt sind, durch die tels Gas langsam streicht. Das Reinigungsmaterial wird nach und nach gesättigt und muß dann erneuert werden. Eine Automobilexpedition quer durch Afrika. Obwohl Afrika seit den ältesten Zeiten — man denke an die Aegypter — für die menschliche Kulturentwicklung von großer Bedeutung war, so ist es doch bis in die Reuzeit hinein der „bunffe Erdteil" geblieben. Die Entdeckungs- und Forschungsreisen im Verlaus des 19. Jahrhunderts nahmen im allgemeinen noch mehrere Jahre in Anspruch; mit dem modernen Beförderungsmittel, dem Automobll, können jetzt Durchquerungen des Kontinents in einigen Monaten bewältigt werden. Dies lehrt eine Expedition, die auf Veranlassung des bekannten Automobilindu- ftriellen Citroen im Herbst des Jahres 1924 von Algier aus durch die Wüste zum Tschad-See, dann durch den Ostteil Afrikas bis nach Madagaskar unternommen wurde. Für die wegelosen Strecken durch Wüstensand und Llrwald wurden acht Spezialautomobile erbaut. „Roch niemals", so heißt es in einer Mitteilung über das -Unternehmen, „hatte eine so sorgfältig zusammengestellte Expedition Afrika bereist. Was sie denn auch nach achtmonatiger, abenteuerlicher Fahrt nach Hause brachte, war eine Ausbeute, die an Reichhaltigkeit und Wert alle Erwartungen übertraf. Bedeutende Sammlungen naturgeschichtlicher Art und Kunstobjekte, Arbeiten und Auszeichnungen über sanitäre Fragen, Klima und Meteorologie, unzählige Probestücke geologischer und minerall>gischer Art, 300 Stücke von großem ethnographischen und zoologischen Interesse, eine Sammlung von Kleidungsstücken, die die Bewohner des durchfahrenen Landes charakterisier ren, 15 Skizzenbücher, 8000 Photographien und nicht zuletzt 27 000 Meter Fllmstreifen." Dieser Doge wurde im Kleinen Hause des Hessischen Lantestheaters in Darmstadt vor einem von der Leitung des Theaters geladenen Publikum, das sich zum größten Teil aus der Lehrerschaft zusammensetzte, eine stattliche Reihe jener Filmaufnahmen unter dem Titel „Das schwarze Geschlecht" gezeigt. Der Film wird unter _ dem selben Titel auch in anderen hessischen Städten laufen. Die Aufnahmen sprechen für sich selbst, sie bedürfen des Lobes nicht, denn sie ftefjen auf der Höhe moderner Filmtechnik, obwohl sie unter sehr erschwerenden Llmständen zustande gekommen fbtb, Ilm einigermaßen ein Bild dessen zu geben, was die Filmvorführungen bieten, folgt hier eine Schilderung des Verlaufs der Expedition; diese beruht auf Angaben einer umfangreicheren Beschreibung des kühnen Llnternehmens. Der Weg der Karawane geht durch bisher völlig unbekannte Gegenden. Von Colomb- Dechar zieht sie zuerst durch Beni-Abbes. Adrar und Llallen bis Durem. Das ist der große traditionelle Weg von Rordafrika zum Riger. Dann am linken Llfer des Riger entlang nach Gao — einst Zentrum eines mächtigen Kaiserreiches —, jetzt ein verlorenes Fleckchen Erde. In Riameh, Hauptstadt des französischen Riger- Territoriums, wird die Karawane von 3000 Eingeborenen zu Fuß und zu Pferd feftlich empfangen. Dann geht es weiter dem Osten zu nach Zindar und dem Tschadsee. Den beim Sonnenaufgang am See Ankommenden bietet sich ein herrliches Raturschauspiel. Wie flüssiges Gold glitzert das in kleinen Wellen ans Llfer schlagende Wasser. Immer schwieriger wird dann der Weg, ter nach Fort Lamy, der Hauptstadt des Tschadsees, führt. Fast drohen die Räder im weichen Sande zu ertrinken. Jetzt dringt die Karawane tiefer und tiefer in den tropischen Wald bis zur englisch-ägyptischen Grenze, der Oase Darfur ein, die sie bei Am-Dofok erreicht. Hier ist das Paradies der Jäger; Löwen, Düffel, Rilpferte, Giraffen und Antilopen pflegen sich in diesen Gegenden ein Stelldichein zu geben. Grausam ist die Iagdmethode, die große Geistesgegenwart erfordert. Das Dickicht wird angezündet, und die aufgescheuchten Tiere stürzen halb wahnsinnig vor Angst den Jägern entgegen. Dann muh in einiger Entfernung ein neues Feuer (Kahlschlag) angelegt werden, um das Gelände von jeder Vegetation zu säubern und so ein Ausbreiten ter Flamme zu verhindern Sich nach Süden wendend, kehrt die Karawane nach Ialinga zurück und überquert den Llbangi. Diese Fluh- übergänge gehörten zu den schwierigsten Aufgaben, die die Expedition zu lösen hatte. Jenseits des Charis nach Fori Archambault zu verändern sich Gegend und Bewohner bei jedem Schrill. Das Dickicht wird noch dichter, die Bäume höher, die Kleidung der Menschen immer spärlicher. Jetzt ist das Dorf Mogrum erreicht. Tief im Innern Afrikas — dort, wo Fetischanbeter leben. Die Frauen tragen in den Lippen Metall- oder Holzplatten, die sie völlig entstellen. Es wurde viel über den Ursprung dieses Brauches gemutmaßt; doch wird man schwerlich über Vermutungen herauskommen, da bei den Schwarzen jede Lieberlieferung fehlt. Von Stanleyville bis nach Ostafrika erschwert andauernder Regen das Weiterkommen ter Karawane. Auf der Reise abwärts zum belgischen Kongogebiet, während des Aufenthaltes in Stanleyville und der Weiterfahrt zum Albertsee lernt die Expedition verschiedene andere interessante Regerrassen kennen. Rassen von so häßlich llerischem Aussehen, wie sie Hervdot beschreibt, findet die Expedition auf ihrer Fahrt nach dem Indischen Ozean zu, an den Quellen des Rils. Im ganzen Seengebiet Ostafrikas bis zur Küste, d. h. im ganzen britischen Ostafrika, sind die Rassen sehr gemischt. Von Majunga ging es nach Tananarivo auf Madagaskar, dem Endpunkt der Expedition. 60 000 Madagassen bereiteten ihr einen großartigen Empfang. E. B. Die Geheimnisse der Vetller- schule. Betteln ist ein „Beruf", ter sich bezahlt macht, aber wie jeder Beruf, muh auch dieser gelernt werten, und wer ohne Studium und Erfahrung versucht, das Mitleid seiner Mitmenschen auszunutzen, bringt es zu nichts. Die „gelernten“ Bettler aber halten häufig sehr reiche Ernte, besitzen beträchtliche Bankguthaben und stehen sich viel besser, als die vielen, die ihnen aus der Fülle ihres guten Herzens eine Kleinigkeit in die Hand drücken. Die Reuhorker und die Londoner Polizei haben kürzlich wieder einmal dieser toeilverbreiteten Industrie größere Aufmerksamkeit geschenkt und sind batet merkwürdigen Dingen auf die Spur gekommen. In Reuyork ergründete man das Bestehen einer „Fabrik", in der künstliche Krüppel hergestellt werden. Hier kann ein kerngesunder und kerzengerade gewachsener Mensch binnen wenigen Minuten in einen Krüppel verwandelt werten, der keine Hände oder keine Füße besitzt. Große Buckel werden mit Hilfe von allen Kästen und Baumwolle verfertigt, und die furchtbarsten Wunden oder Schwären werden durch Säuren und Mostrich erzielt. Aber mit ter Erlangung einer solchen einträglichen Mißgestalt allein ist es noch nicht getan. Man muh diese Zeichen des Llnglücks auch zu tragen verstehen, und der Bettler, ter eine verstümmelte Hand aufweist, hat ein ganz anderes Benehmen zur Schau zu tragen als derjenige, der durch eine Lähmung die Blicke ter Vorübergeheiiten auf sich zieheii will. Kleidung, Haltung, Sprache ersordem ein eingehendes Studium, und der Ausdruck des Gesichts muh tei einem Krüppel mit einem gebrochenen Bein ein ganz anderer fein als tei einem, ter einen schmerzhaften Ausschlag Vortäuschen will. Das Straßensingen erfordert wieder eine andere Technik, und alle die Künste werde» in der Bettler- schule gelehrt, die sich eines großen Zuspruchs erfreut. In dem Londoner Mittelpunkt dieser „Studien" gibt es auch eine besondere Ausleih- stelle für Babys. Wan kann eimen auf dem Arm zu tragenden Säugling bereits für 60 Pfennig pro Tag geborgt bekommen, und eine solche Kapitalsanlage trägt gute Früchte, denn ter Archlick eines zerlumpten kleinem Kindes auf dem Arm einer Jammergestalt verfehlt selten feinen Zweck. Roch trauriger als das Schicksal dieser Babys ist das der älteren Kinder, die in der Dettlerschule zur selbständigen Arbeit ausgebildet werten. Sie werden in halbverhungertem Zustande auf bestimmte Straheuzüge geschickt und müssen eine traurige Geschichte erzählen, die ihnen mit dem nötigen Jammern und Weinen cingelernt wird. Bisweilen werden solche bettelnden Kinder auch von Haus zu Haus geschickt; sie erzählen bann, baß sie einen Schilling verloren haben, den chnen bie Mutter zur Besorgung mit* gegeben hat. und schwere Strafen fürchten. Man hat Bettler festgestellt, die an die hundert Taschen in ihrer Kleidung hatten, um alte Münzen und sonstigen Gaben unbemerkt zu verstecken, die sie von Leuten bekommen, die meist viel weniger haben als die Bettler selbst. Zwei Krüppel, tei denen eine ärztliche Llntersuchung völlige Gesundheit ter Glieder feststellte, waren reich genug, um sich eigene Kraftwagen zu halten. Ein anderer Bettler, der als gelähmt erschien, fuhr jeden Tag mit einer Droschke an seinen Standort, und der Wagen brachte zugleich den Lehnstuhl hin, in dem er den Tag über bettelte. Sehr einträglich ist das Benutzen von Bettelbriefen, deren Abfassung man ebenfalls in ter Dettlerschule lernt. Es gibt eine große Zahl solcher Dettelbriefschreiber, von denen manche wöchentlich bis 1000 Mark auf die Dank bringen. Sie bedienen sich besonderer „Deltel-Adrehbücher", in denen 1000 und mehr Ramen von gutherzigen Menschen verzeichnet sind. Das so gereinigte Tas wird nun gemessen und Vern Dpetcherramn, dem Gasbehälter, gu- geMrt, der es durch die Schwere der schwebenden Glocke in das Stadtrohrnetz drückt. Da der De- halterdruck schwankt und auch zu stark ist, um ein wirtschaftliches Brennen der Gasgeräte hervor- zurufen, ist zwischen Gasbehälter und Rohrnetz ein Regler eingeschaltet, der die Aufgabe hat, den Druck im Stadtrohrnetz möglichst konstant zu halten. Zur günstigen finanziellen Gestaltung der Betriebswirtschaft wurde nach dem Kriege in den meisten Werten noch eine Ammoniakanlago, die das Ammoniakwasser zum bekannten Düngemittel. schwefelsaures Ammoniak, verarbeitet, und eine Benzolanlage, durch die ein hochprozentiger Betriebsstoff hergestellt wird, eingebaut. Um die ungeheuren Wärmemengen, die in den Rauchgasen der Generatoren (Deheizungs- Öfen der Retorten) enthalten sind, dem Betrieb nutzbar zu machen, werden die Rauchgase, bevor sie den Kamin verlassen, durch einen Abhihkessel geleitet, der den gesamten Dampfbedarf des Werkes iJecft Die Zusammensetzung des Gases schwankt in den Städten, je nachdem Wassergas zugesetzt oder in der letzten Vergasungsperiode Dampf in die Retorte bzw. Kammer geblasen wird. Das Gießener Gas setzt sich zusammen arrs: 50 Proz. Wasserstoff, 30 Proz. Methan, 3,5 Proz. schwere Kohlenwasserstoffe, 7 Proz. Kohlenoxyd und 9,5 Proz. inerte Gase. Cs besitzt bei 0 Grad Celsius und 760 Millimeter Barometerstand 5000 bis 5200 obere Wärmeeinheiten, während ein sog. Rormalgas nur rund 4200 obere Wärmeeinheiten hat. Das Gießener Gas ist somit wesentlich heizkräftiger als in den Städten, die Rormalgas eingeführt haben bzw. in dec Lage sind, Rormalgas herzustellen. Run einige Zahlen der technischen Ergebnisse aus einer Tonne Kohle: s Gas 320—340 Kubikmeter von rund 5100 WC. ' Koks 700— 720 Kilogramm (einschl. 180 Kilogramm Koks zur Anterfenerung zum Beheizen der Retorten), Leer 42 Kilogramm, schwefelsaures Ammoniak 8 Kilogramm, Benzol 3,5 Kilogramm. Daneben fallen noch kleinere Mengen an Graphit, Schwefel und Cyan an. Die Gasabgabe in Gießen beträgt heute rund 100 Kubikmeter pro Kopf und Äahr. Die Entwicklung des Steinkoblengases in unserer Stadt mögen folgende Zahlen beleuchten. Die Gesamtgasabgabe betrugt 1860 128908 Kubikmeter 1880 402 935 1900 1 396 877 1910 2 095 364 1920 3 085 600 1925 3 382 720 Während hn vorigen Jahrhundert das Gas tit erster Linie für Leuchtzwecke und zum Betriebe von Gaskrastmaschinea Verwendung fand, wird es heute hauptsächlich für Koch-, Back-, Brat-, Heiz- und Ändustriezwecke benutzt. Cs erfreut sich dank seiner hohen Heizkraft und seiner Billigkeit im Betriebe einer steigenden Beliebtheit. Wenn auch schon von mancher Seite dem Steinkohlengase bereits das Todesurteil ausgesprochen worden ist, so kann gesagt werden, daß sämtliche Gaswerke sich in ansteigender Linie bewegen und daß Großgaswerke erbaut werden, die bestimmt sind, nicht nur Städte, sondern auch Gemeinden, die bisher Gas nicht besaßen, mit billigem Heizstoff zu versorgen. Reuzeitlrche GrohgaSwerke können und werden das Gas billiger Herstellen, als die heutigen Werke, und der Transport des Gases unter hohem Druck durch enge Röhren auf lange Strecken bietet keine technische Schwierigkeit mehr. In richtiger Gr- t fassung der produktiven Betriebswirtschaft fini) in letzter Zeit Pläne ausgearbeftet und borgelegt K worden, eine Ferngasleitung vom Ruhr- bezirk nach Bayern zu verlegen, um Bayern mit ' Gas, das im Ruhrbezirk — also im Kohlengebiet — erzeugt wird, zu versorgen, so daß die hohen Kohlenfrachten erspart werden. Neue Ausbiße eröffnen sich aber in der Verbindung zwischen dec Ent- und Veraasung und der Hydrierung der Kohle. Größere Versuche sind schon längere Zeit Sturm in Schmalebeck Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b. H., Berlin. 18. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Dos war doch eine Gemeinheit. Ein anonymer Brief! Eine Beleidigung ohne Unterschrift. Und kein Mensch ahnte, wer das geschrieben haben konnte. Man sah, die Buchstaben waren verstellt. Ganz steil lagen sie. Fehler waren nur zwei oder drei, und die hatte der Bäcker selber nicht fest- gestellt, die erkannte erst Eitel Bostrup, der Zeichenlehrer, der in aller Frühe sich die ersten Brötchen holte. Milo hielt sich nicht lange auf. Der alte Herr mochte nicht warten. Sie brachte die Geschichte mit heim, fand aber wenig Interesse dafür. ..Solche dumme Briefe kommen 'immer einmal , sagte Rott- mann. Hätte Böttcher sauberer gewirtschaftet, wäre ihm das Ding wohl nicht ins Hans geflogen." Um so interessierter war Madam Eggers, die vormittags in die Küche sah. „So'n Brief? Und die Böttcher hat geheult? — Nee, was alles einmal — und muß grab’ in Schmalebeck passieren. Aber 'ne Drecksuse ist sic, das ist nu mal gewiß, Mile." Der gute Erfolg des Schreibens war, daß die Semmeln acht Tage lang auffallend groß waren, und daß drei Scheuerweiber die ganze Woche in Laden und Backstube, in Zimmern und auf der Treppe schrubbten und spülten. Dann vergaß man den Brief, und die Semmeln kehrten auf ihn Nor- malmaß zurück. Slber als der nächste Montag da war. hielt Melanie Rosen, die schöne, feine, alte Same, einen ähnlichen Wisch in der Hand, und sie sah ihn entgeistert an. Das ihr?! — Sie war am Sonntag nicht mitgefahren nad) Eichtal, denn ihre kleine, schiefe Schwester hatte ihre bösen Rückenschmerzen, und da ließ die schöne Melanie sie nicht allein. Das muhte der Schreiber erfahren haben. Za, was erfuhr hier in Schmalebeck nicht einer vom andern? In dem Schreiben stand: Wenn Mamsell Rosen mal nachdenken wollte, so tm Gange und berechtigen, gemessen an den er- zielten Erfolgen, zu den besten Hoffnungen. Rach dem sogenannten Derginversahren sollen z. D. in Verbindung mit einem Gaswerk (e/3 Tonne Kohle vergast, Va Tonne hydriert) aus einer Tonne Kohlen gewonnen werden: 560 cbm Gas mit 4200—4500 W. E., 60 kg Gas--Koks (zur llnterfeuerung). 50 kg Berginkoks von 5500 W. ($.. 35 kg Koksgrus, 50 kg Benzin, 50 kg Heizöl, 40 kg Diesel- und Zmprägnieröl. 10 kg Schmieröl. 30 kg Teer, 12 kg schwefelst Ammoniak, 3 kg Benzol. Kommen Grohgaswerke in Verbindung mit Derginanlagen zur Ausführung, dann wird der größte Teil des Oelbebarfe in Deutschland gedeckt werden, wodurch unserer Volkswirtschaft gedient und unsere Handelsbilanz gestärkt wird. Beenden mochte ich meine Ausführungen mit den Worten des Herrn Dlpl.°3ng. zur Redden anläßlich einer Tagung in Danzig in seinem Vortrag „Die Gaswirtschaft als Teil der deutschen Energiewirtschaft": „S o notwendig ist die Gasindustrie für das Gedeihen unserer Innen- und unserer Welthandelswirtschaft, daß, gäbe es heute keine Gas- induftrie, so müßte man sie erfinden, ilnö darin liegt die sichere Gewähr dafür, daß das 2. Jahrhundert der deutschen Gasinbustrie ihr neuen Aufstieg bringen wird, wenn sie das bisher bewiesene Geschick in weitblickender Anpassung und organisatorischer Kunst, ihre Tatkraft und ihren unbeirrbaren, berechtigten Optimismus beibehält." Oberhessen. Landlreis Gietzen. ck. Heuchelheim, 8. Sept. Recht diele Anannehmlichkeitcn bereitet der Bie - berbach bei Hochwasser den Anwohnern der Brauhausstraßc vom Rathaus bis zu der Brücke am Kreuz. Da das Bett der Bieber hier kaum 1/2 Meter tiefer als die Straße liegt, wird diese fast in jedem Herbst und Frühjahr, wenn der Bach etwas anschwillt, überschwemmt. Das Wasser steht dann bis an die Häuser, so daß es den Anwohnern oft tagelang nicht möglich ist, ihre Behausung auf normale Weise zu verlassen: oft dringt, namentlich im Frühjahr bei der Schneeschmelze, bas Wasser auch in die Keller ein. Außer diesen Unannehmlichkeiten und Schäden der Anwohner wird aber auch die Straße selbst durch die Aeberschwemmungen stark in Mitleidenschaft gesogen. Die Deckung wird fort- geschwemmt, und die Straße besteht nur noch aus nackten Chaussesteinen, ein besonders für die Radfahrer unangenehmer Zustand. Um diesem Aebelstand endgültig abzuhelfen, hat die Gemeindeverwaltung beschlossen, das Bett der Bieber am Rathaus um etwa 70 Zentimeter tiefer zu legen und auf beiden Seiten mit Betonmauern einzufassen. Gleichzeitig soll das jetzt breit ausladende Flußbett enger gefaßt und die Straßen beiderseitig höher gelegt werden. Durch die Engerlegung wird eine Verbreiterung der jetzt besonders auf der einen Seite zu schmalen Straße ermöglicht. Die Vorarbeiten zu dem Projekt, das unter der Leitung des Kultur-Dauamtes Gießen steht, sind soweit vorgeschritten, daß in dieser Woche die Ausführung der Arbeiten auf dem Submissionswege vergeben wird. Die Anwohner der Drauhausstraße werden es begrüßen, wenn sie endlich von den Leiden des Hochwassers befreit sind. — Zu einem Zus a m menst v ß mit Ob st dieben kam es heute nacht in der lllähe unseres Dorfes. Auf den Baumstücken rechts vor dem Windhvf waren in den letzten Rächten öfters ganze Bäume ihrer Früchte beraubt worden. Heute morgen gegen 4 Ahr traf der Flurschütz auf diesen Grundstücken einige Männer, die ihre brennenden Fahrradlaternen unter den Daumen stehen hatten und Aepfel pflückten. Auf seinen Anruf nahmen die Diebe Reißaus. Der Flurschütz bemächtigte sich einer Laterne und fand auch bald in der Räbe das dazu gehörige Fahrrad. Mit diesem wollte er nach Dem Dorfe zurück. Mittlerweile waren die Langsollle sie sich doch schämen, mit solchem alten Sünder verlobt zu fein, der liebe junge Mädchen ansieht als seine alte Braut. Weiße Haare schützen nicht vor Sünde und Torheit. „Lisette, verstehst du bas?" 1 ’Üifette, mit den scharfen Augen und der scharfen Stimme, faßte den Zettel nur mit zwei Fingern, las ihn und sagte voll Verachtung: „So was gehört in den Herd. Wer Pech angreift, besudelt sich. Sag' niemand was davon." „Ich sage gewiß nichts", antwortete das alte Fräulein verstört. „Aber wer kann das getan haben? lieber Mampert so abscheulich zu reden. So gut wie er ist." „Die Leute haben sich daran gestoßen, daß ihr zusammen gereift seid. Ich sagte es dir sa vorher. Aber du hörtest nicht darauf." „Lisette, wenn ich denke, er bekommt auch solche Briefe —, was soll er denken?" Lisette zuckte die Achseln. Sie liebte die schöne Schwester von Kind auf abgöttisch. Sie hatte immer im Schatten gestanden, glücklich, wenn nur Melanie alles bekam, was das Leben Gutes gab. Sie stand nach dem Tode der Eltern dem großen Geschäft vor und verwaltete das Vermögen — sie spielte feit vierzig, Jahren den Elefanten, wenn der Kantor in das Haus kam —, aver eins vertrug sie nicht: Böse Nachrede. Die durfte an Leute wie die Rosens nicyt heran. „Jedenfalls wirst du nicht mit ihm davon sprechen. Er könnte denken, wir glaubten solche Gemeinheiten. — Mampert! — Der anftänbi^fte Mann in ganz Schmalebeck. — Denken wir nicht mehr daran." Was natürlich nicht hinderte, daß beide Schwestern unausgesetzt daran dachten. Als der Whistklub wieder feinen Sonnabend hatte, dieses Mal gerade bei den Rosens, traf Mampert am Tage vorher Madame Eggers, wie sie in ihrer wieselhaften Art durch die Straßen huschte. Er hielt sie an. „Wie gerufen, Madame Eggers. Morgen ist Whistklub bei Fräulein Rosens. Ob sie nicht ein bißchen Helsen kommen." Sein Blick flog über ihr fadenscheiniges Schultertuch. „Ich bau so was munkeln hören von Lisettes dickem grauen Umhang, finger aber wieder herangekommen und nahmen dem über 60 Jahre alten Mann das Fahrrad wieder ab. Gin in der Rähe patrouillierenden Hilfsschütze, der durch den Tumult aufmerFfam gemacht, herbeieilte, wurde von den Kerlen überfallen, niedergeschlagen und so schwer mißhandelt, daß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Hoffentlich gelingt es der Gendarmerie, die unerkannt entkommenen Diebe zu ermitteln und zur Strafanzeige zu bringen, al. Allendorf (Lahn), 8. Sept. Am Sonntag fand hier, wie schon kurz berichtet, das Fugend - und Posaunenfest der Ober- hessischen Gemeinschaften unter sehr großer Beteiligung von nah und fern statt. Schätzungsweise waren über 2000 Besucher zugegen, Posaunendläser waren etwa 160 bis 170 erschienen, ferner eine große Anzahl gemischte und Guitarrenchöre. Morgens zwischen 6 und 7 Ahr fand im ganzen Ort Choralblasen statt. Von 8 bis 10 Ahr tarnen die auswärtigen Chöre mit Musik hier an. Anschließend fand nochmals Probe für sämtliche Chöre auf dem Festplah statt. Gegen 2 Uhr nachmittags bewegte sich ein großer Festzug durch die Orts- ft raßen zum Festplatz, der in der Rähe des Dorfes in den Wiesen eingerichtet war. Eine solche Menschenmenge wie hier hatte unser Dorf seit Bestehen noch nicht beherbergt. Als Festredner war Pfarrer Schäfer von Wiesbaden erschienen. Die Gemischten Chöre und die Gitarren- Chöre leitete Prediger Meng von Oroßen- Linden, die Posaunenchöre ließen ihre schönen Weisen unter der bewährten Leitung des Herrn Karl Philipp von Watzenborn erschallen. Das schön verlaufene Fest wird allen Teilnehmern in steter Erinnerung bleiben. al. Allendorf (Lah n), 7. Sept. Der G e- sangverein Einheit beschloß in seiner Generalversammlung, am 22. und 23. Mai 1927 sein 45jähriges Bestehen zu feiern. Maßgebend für den Beschluß war die Tatsache, daß der Verein seit 1901 kein Fest mehr gegeben hat. Die Veranstaltung soll mit einem größeren Sängerfest verbunden werden. Der Verein ist schon oft preisgekrönt von Wettstreiten heimgekehrt. —X— Alten-Duseck, 8. Sept. Za welchen übten Folgen jugendliche Unbedachtsamkeit führen kann, zeigt folgender Vorfall. Am Sonntagabend war die schulentlaffeneIugend. wie gewöhnlich, in einem hiesigen Lokal zum Tanze versammelt. Grobe Späße scheinen bei den Bürschchen leine Seltenheit zu sein. Diesmal war das bedauernswerte Opfer ein junges Mädchen von 14 Jahren. Hinterrücks wurde ihm beim Tanzen ein Dein gestellt, so daß es unglücklich zu Fall kam und nach Hause getragen werden mußte. Das Mädchen hat durch den groben Unfug einen K n öchel- brud) erlitten, der die Anlegung eines Gipsverbandes notwendig machte. Ein mehrwöchiges Krankenlager wird die Folge sein. Es ist bedauerlich, daß der Urheber dieses Streiches bisher noch nicht ermittelt werden konnte. 7 Grünberg, 8. Sept. Für die durch Pensionierung des Lehrers Lauder freigewordenc Volksfchullchrerstelle haben sich fünfzehn Bewerber gemeldet. Es handelt sich meist um ältere Herren, die Wert darauf legen, in einen Ort zu kommen, wo sie ihre Kinder ohne besondere Kosten in eine höhere Schule schicken können. Gemeinderat und Schulvorstand haben sich für den dienstältesten Bewerber, einen Herrn aus dem Kreise Alsfeld, der schon lange an einer einklassigen Schule wirkt, ausgesprochen. — Pfarrer Schäfer aus Wiesbaden, ein Mitarbeiter der Sudan-Piouier- Mission, hielt gestern abend in der hiesigen Stadtkirche einen Vortrag übr den Mohammedis- m u s. Er schilderte in diesem Zusammenhang das Wirken der deutschen Missionare und Kranken- stationen in diesen Gebieten und empfahl dieses edle Menschenwerk der allgemeinen Unterstützung. Der Vortrag machte allenthalben einen starken Eindruck. i Hunge n. 8. Sept. Trotz der drängenden Crnteärbeit hält der hiesige Schützen verein an der alten Hungener Sitte fest,' sein Preis- Königsschießen am Ludwigstage, 25. Aug., auszutragen. Die Höchstzahl von 98 Punkten erreichte in diesem Zähre Richard Hübner, dem als Schützenkönig für das Jahr 1926'27 vom Vorstand die alte historische Schützenkette angelegt wurde. — Rach dem Vorbild anderer Städte hat sich auch hier im Frühjahr eine Fünf- ziger-Der eini gung gebildet, deren Müder gern die Besitzerin wechseln möchte. Der Herbst ist ja nicht mehr allzu weit." „Umhang? Wieso Umhang? Meinen <5te, ich laß mich mit alten Sachen bezahlen, wenn — und ich komm und Helf? Das tue ich rein aus Guten, Herr Kantor. Und das hab' ich nicht nötig, wenn ich nickt will. Die Fräulein Rosens, die find auch nicht mehr als unsereins, die Mutter war auch 'ne Lehrerstochter, und ich bin ’ne Lehrersfrau. Und wenn ich mal in die Häuser geh' und geb' 'ne Hand her zur Hilfe, das ist reine Pflicht, Herr Kantor. Und fo’ne Damen find eigentlich gar keine Fräuleins, find eigentlich man Mamsells. Das ist man 'ne neue Mode, jede Fräulein zu nennen, wenn sie auch en Geschäft hat. Ich sag' ja man, Herr Kantor Da flogen Mamperts Rockschöße um die Straßenecke, und Madame Eggers konnte heimgehen und ihrem Zorn vor Fiete Luft machen. Aber Fiete war ein undankbarer Zuhörer. „Was regst du dich darüber auf? Wo du doch immer helfen gehst. Und läßt dir zustecken, was du mib kriegen kannst. Wurst und Fleisch und alte Sachen. Die alte Pastorshose hast du auch wieder von Rottmanns mitgcbracht. Dio Gören ärgern mich alle Tage, wenn ich sie an hab'. Diel zu weit ist sie mir." „Fiete! — Nein, aber Fiete! So'n Jung! Und ärgert seine eigene Mutter! Wo ich es mir so blutsauer werden laß! Und das ist ein großer Unterschied, wenn ich da von allein hingehe oder wenn sie bitten, ich soll doch so gut sein. Und von bezahlen ist nicht die Rede. Und nachher liegt da mal ein Paket, oder bei Rottmanns — ja, wo du dich so abstrapzierst, da kann man schon von alleine fordern. Das ist da kein Almosen, das ist ehrlich verdient, ob das 'ne Wurst ist oder 'ne Hose. Aber bestellen wie'n Dienstmädchen laß ich mich nicht." „Kann keinen Unterschied sehen. Ob du dir nun Hauben bezahlen läßt oder wenn du abwäschst —” „Du hast nicht den Sinn für das Höhere, Fiete. Der geht dir ab. Den muß dir mal deine Frau bei» bringen, deine alte Mutter ist dir wohl zu gering dazu." „Frau?" „Brauchst gar nicht über zu lachen. Was, ist en Pastor nicht einer, der omragen kann, wo er glittet es sich zum Ziele gesetzt haben, für die ihnen noch verbleibenden 3agrc treue Freundschaft zu pflegen. ®inc neue Sitte scheint sich damit auch in unserer Gemeinde heraus bilden' zu wollen. Wenn die Altersgenossen vom Führe 1876 über Partei, Stand und Beruf hinwegsehen und, wie es vorgesehen ist, sich öfters einmal treffen wollen, so ist das in unserer zerllüfteten Zeit nur zu begrüßen. 3n einfacher, aber würdiger Weise haben am Sonntag die im Fahre 1876 Geborenen ihren 50. Geburtstag gefeiert. Rach einer kirchlichen Feier, die durch zwet mehrstimmige Chöre der Mädchenverein jährig: Jakob Lenz. Erdhausen. 1. Preis, 40 Mark und Medaille: Heinrich Krug IV, Oberhörlen, 2. Preis, 30 Marl; Georg Bamberger, Wolf gruben. Anerkennung und 10 Mark: Ioh. Georg Piher, Hülshof, Anerkennung und 10 Mark. — Klasse II, Stuten 3 —4jährig: Gebr. Schwarzentraub, Hof Bubenrod. 1. Preis, 40 Mark und Medaille, 2. Preis, 30 Mark: Ioh. Jost Schmidt VI, Moreshausen a. d. S., 3. Preis, 25 Mark, Anerkennung und 10 Mark. — K 1. 111. Stuten über 3 Jahre alt. bereits-ge- fohlt: Ludwig Heuser III. Moreshausen a. d. S., Staatspreis. 1. Preis. 40 Mark und Medaille: Ludwig Bamberger. Dautphe, 2. Preis, 30 Mark: Bürgermeister Barth, Moreshausen a. d. S.. 3. Preis, 25 Mark. Anerkennung und 10 Mark: Johannes Hermann, Friebertshausen, Anerkennung und 10 Mark: Johannes Weber. Bellnhausen. Anerkennung und 10 Mark. — Kl. IV, ©.tuten über 3 Jahre alt, mit Fohlen, mit Erfolg geb.: Johannes Werner 11, Hommertshausen. 1. Preis. 40 Mark und Medaille: Johannes Hermann. Friebertshausen, 4. Preis. 15 Mark. — Klasse V. Stuten mit Rach- zücht: Ludw. Scheid. Kehlebach, 3. Preis. 25 Mart: Jak. Lenz. Erdhaufen, 15 Mark. Rindvieh. Klasse I, Bullen über 2 Jahre alt: K. Kraus, Aachelshausen, 1. Preis, 30 Mark und Medaille der Landw.- Kammer: I. Veite, Römershausen, 2. Preis, 25 Mark; Bürgermeister Zimmermann. Hülshof, 3 a. Preis. 20 Mark: Ioh. Gg. Burk, Herzhausen. 3 b. Preis. 20 Mark. — Klasse II, Bullen von 18 — 24 Monat: Gemeinde Moreshausen, 1 a. Preis (Staatspreis). 30 Mark: H. Lotz. Wommelshausen. 1 b. Preis, 30 Mark: H. Zimmermann. Crdhausen. 2. Preis. 25 Mark. — Klasse III. Bullen von 12 — 18 Monat: W. Seibel. Wilsbach. 1. Preis (Staatspreis). 30 Mark: Weig. Hampel, Hommertshausen, 2 a. Preis. 20 Mark: Gg. L. Plaum. Hartenrod. 2 b. Preis. 20 Mark; W. Frink II. Roßbach, 3. Preis, 15 Mark: Ehr. ©ebner, Oberweidbach. 4 a. Preis. 10 Mark; I. Happel, Holzhausen, 4 b. Preis. 10 Mark. Klasse IV. Kühe über 5 Jahre. Tobias Soldan. Wolfgruben, Ehrenpreis: Phil. Geßner. Gladenbach. 1. Preis. 25 Mark: Heinr. Krug. Silberg. 1. Preis. 25 Mark: Heinr. Koch. Wolsgruben, 2. Preis. 20 Mar!: Ioh. Jost Runzheimer, Römershausen, 2. Preis. 20 Mark; Sebastian Grebe. Wolfgruben, 2. Preis, 20 Mark: Fried. Thomas, Hartenrod. 3. Preis, 15 Mark: Ludw. Herrmann. Wommelshausen, 3. Preis, 15 Mark: Wilh. Seibel. Wilsbach, 3. Preis, 15 Mark: Ioh. Pfeiffer, Dams- hausen, 3. Preis, 15 Mark. — Klasse V, Kühe unter 5 Jahren. Ludw. Herrmann, Wommelshausen, 1. Staatspreis. 30 Mark. Ioh. Jost Barth. Moreshausen a. d. S.. 2. Preis. 20 Mark; Wilh. Seibel, Wilsbach, 3. Preis. 15 Mark: Phil. Geßner, Gladenbach. 3. Preis, 15 Mark. — Klasse VI, Rinder über 2 Jahre. Reinh. Müller. Gönnern, 1. Preis, Anerkennungsschein der Landw.-Kammer und 25 Mark: Friedr. Thomas, Hartenrod, 1. Preis. 25 Mark; Heinr. Krug. Silberg. 2. Preis, 20 Mark: Karl Zimmermann, Hülshos, 2. Preis, 20 Mark; W. Friebertshäuser, Bellnhausen. 3. Preis, 15 Mark: Ioh. Gg. Burk. Herzhausen. 3. Preis. 15 Mark - Klasse VII. Rinder unter 5 Monat tragend: Ioh. Jost Runzheimer. Römershausen. 1. Preis. 25 Marl; I. Kraft II. Wommelshausen, 2 a. Preis, 20 LNark; L. Hermann, Wommelshausen. 2 b. Preis, 20 Mark; Karl Wege, Moreshausen a. d. S., 3 a. Preis. 15 Mark; K. Happel, Sinlertshausen, 3b. Preis, 15 Mark. Klass e VIII, Familien: W. Seibel, Wilsbach. I. Preis. 25 Mark und Plakette. Schafe. Klasse II. Böcke mit zwei breiten Zähnen: Ioh. Ortmüller, Dauphe, 1. Preis, 10 Mark. — Klasse III, Schafe mit vier breiten Zähnen: Heinrich Schmidt. 'Frankenberg. 1 a. Preis. 10 Mark; Heinr. Weber. Breidenbach, 1 b. Preis. 10 Mark; Karl Bernhard. Frankenberg. 1 c.. Preis, 10 Mark. — Klasse IV. Schafe mit zwei breiten Zähnen. Heinr. Milchsack. Breidenbach. 1 a. Preis, 10 Mark; Jak. Bernhard, Dautphe, 1 b. Preis, 10 Mark: Ludw. Schmidt II, Breidenbach, 1 c. Preis, 10 Mark; Heinr. Bernhardt. Frankenberg. 1 d. Preis, 10 Mark; Gg. Becker II. Breidenbach. 1 e. Preis. 10 Mark 51 Deutscher Gastwirtetag. Kassel, 7. Sept. Die ordentliche Hauptversammlung des Deutschen Gast Wirteverbandes wurde heute durch den Präsidenten Köster- Berlin eröffnet. Er wies darauf hin, daß im abgelaufenen Geschäftsjahre dem Gewerbe manche Steuererleichterung gewährt wurde, diese aber keineswegs ausreichten, um das Gewerbe wieder gesund zu machen. Wenn das Gemeindebestimmungsrecht im Reichstag abgelehnt worden sei, so sei wohl eine wichtige Schlacht geschlagen, doch dürfe man nicht glauben, daß nun das Gemeindebestimmungsrecht nicht wieder auftauche. Was den Abstinenzlern im offenen Kampfe nicht gelungen, daS versuchten sie jetzt in verschleierter Form zu erreichen. Durch Bestimmungen, die man in den Entwurf des Schank- stättengesetzes hineinzubringen versuche, glaube man zum Ziele zu kommen. Hieraus wurden der Jahresbericht und der Kassenbericht genehmigt. Bei der Festsetzung des Derbandsbei- träges, der in seiner Höhe belassen wurde, wies Präsident Köster daraus hin daß der Vorstand beabsichtige, noch in diesem Jahre einen juristischen Beirat für den Verband zu verpflichten. Die Dersainmlung genehmigte sodann die Ernennung folgender Mitglieder zu Ehrenmitgliedern des Verbundes: D i a 1 ke - Danzig. Weber- Stuttgart, Peter- München. Lob er= München. Schnauber- Darmstadt, Lifin- Berlin, R i 11 e r - Berlin, Wagner-Leipzig, Runge-Köln, K n o p f - Karlruhe und Hartleb-Kassel. Da dem Verband im Vorjahre die Ehrungen von verdienten Angestellten die Summe von über 40 000 Mk. gekostet hat, beschloß die Versammlung, dah künftighin die Kosten für die Auszeichnungen von den Arbeitgebern übernommen werden müssen. Ein vom geschäftsführenden Ausschuß eingebrachter Dringlichkeitsantrag will es v e r - mie den wissen, daß als Abgeordnete für den Deutschen Gastwirtetag statt der praktischen Wirtschaftler G e s ch ä f 1 s f ü h r e r oder Syndici von den Unter&erbänben gewählt würden. Es hieße die Bedeutung des Deutschen Gastwirtetages herabdrücken, wolle man von dem Althergebrachten abgehen. Von den politischen Parteien und Behörden werde noch immer die Tagung als Fachparlament angesehen, das müsse so bleiben. Die Geschäftsführer wolle man dadurch keineswegs ausschalten, als Vortragende erkenne man sie an, nicht aber als Berichterstatter. Der Antrag fand gegen eine Stimme Annahme. Aus dem Gefühl der Dankbarkeit gegen die verdienten Führer beschloß die Versammlung nach längerer Debatte die Pensionsberechtigung der hauptamtlich .. tätigen und besoldeten Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses. Zur Sicherung der Durchführung des Beschlusses wird ein Pensions - fonds gebildet. Rach Mitteilung des Präsidenten Köster hat der große Vorstand die Absicht. auch den Führern der Anterverbände diese Pensionsberechtigung zuteil werden zu lassen. Die Anwesenheitsliste ergab die Zahl von 526 Abgeordneten, die größte bisher erreichte Zahl. Als Tagungsort für den nächstjährigen Deutschen Gastwirtetag wurde Düsseldorf gewählt. Von den Rachmittagsverhandlungen interessiert die Annahme der Dringlichkeit zweier Anträge. Rach dem ersten Antrag soll der Vorstand beauftragt werden, mit der Regierung darüber zu verhandeln, daß ab 31. März 1927 den Kommunen endgültig die Getränke st euererhöhung entzogen wird. Die eigentümliche Stellungnahme des Städtetages und Die in der neueren Zeit bekannt- gewordenen Bestrebungen einzelner Regierungen, die Getränkesteuer zu verlängern (Bayerische Staatsregierung und Bayerischer Landtag) erfordere sofortiges Eingreifen des Deutschen Gastwirteverbandes. Rach dem zweiten Antrag wird der Vorstand beauftragt, sich mit dem Reichs- finanzministerium in Verbindung zu setzen und Richtlinien für die Einkommensteuer- Einschäh ungen auszuarbeiten, die für das ganze Reich Geltung haben und den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen sollen. Wirtschaft. vrankfurter Börse. Frankfurt a. M., 9. Sept. Tendenz: Fest. — Die Borsenlage scheint wieder ein stabileres Aussehen annehmen zu wollen. Allgemein ist man zuversichtlicher gestimmt, so daß die gestern abend eingetretenen Erholungen bei Börsenbeginn eine Fortsetzung erfuhren. Der hohe israelitische Feiertag brachte zwar einen schwächeren Besuch der Börse, doch konnte sich trotzdem anfänglich eine umfangreiche Geschäftstätigkeit entwickeln. Reue Deckungen der Spekulation und eingelaufene Auslandsorders führten zu weiteren Kursbesserungen von 2 bis 3 Prozent. Im Terminhandel konzentrierte sich das Hauptinteresse auf I. G. F a r b e n i n d u st r i e, die von 271.75 auf 275,25 anzogen, später aber auf Angebot hin auf 274 Prozent zurückgingen. Am Montan markt, dessen Werte gleichfalls etwas reger umgeseht wurden, gingen höher: Buderus plus 1,75, Phönix plus 1,25, Mannesmann plus 2, Rheinische Braunkohlen plus 4,5 Proz. Elektroaktien verkehrten in unregelmäßiger Haltung. Siemens verloren von ihrem gestern abend erzielten Gewinn 1,25 Proz. Am Dankenmarkt betrugen die Besserungen für Darnatbank 2 Proz., den gleichen Gewinn erzielten Deutsche Dank. Diseonto plus 1,5 Proz., Dresdner und Commerz je plus 0,75 Proz. Von Schiffahrtsaktien zogen Hapag 1,5 Proz. an, während Rordd. Lloyd nur wenig verändert waren. Von Autoaktien zeichneten sich Kleyer durch eine Erhöhung von 2,5 Proz. aus. Daimler plus 2 Proz. O e l a k t i e n konnten 0,5 bis 1 Proz. anziehen. Daustoffaktien strebten wieder scharf nach oben. Dyckerhoff plus 4,25 Proz., Wayh & Freytag plus 3,25 Proz. Zuckeraktien lagen fester. Frankenthal gesucht plus 3 Proz.. Waghäusel plus 2 Prozent. Am heimischen Anleihemarkt blieb das Geschäft äußerst klein. Ausländische Renten waren zunächst geschäftslos. Im Freiderkehr kamen Llmsähe nicht zustande. Der weitere Verlauf wurde durch die eingetretene Geschäftsstille ungünstig beeinflußt. Rachdem die Kaufaufträge erledigt waren, wurde die Tendenz unsicher und nachgebend, so dab die erzielten Kursbesserungen nicht auf allen Gebieten behauptet werden konnten. Der Geldmarkt steht wieder im Zeichen großer Flüssigkeit. Tagesgeld 4,5 Proz.. Monatsgeld 5,5 bis 7 Prozent je Adresse. Industrieakzepte 5,37 Prozent, Privatdiskonten 4,75 Prozent. Im Dcvis envertehr setzten sich die Abschwächungen der lateinischen Valuten fort. Paris ging gegen London auf 167 zurück, Brüssel auf 176, Mailand auf 135,50. London gegen Kabel unverändert 4,855,62. Die Mark lag behauptet mit 4,199 in Dollarparität. Störtentarte. • Frankfurt a.M. Berlin Schlutz»! Kur» I 1-Ul)r. Kur« Lchluh. Ritt» Anfang llura Datum: 8.9. | 9. 9. 8.9. 9. 9. 5% Deutsche RcichSanleibe - 0.4787 0.4875 U.475 0.4825 4% Deutsche Reichsauleihc . S'/,°1« Deutsche Reichsanlethe 3% Deutsche Reichs anlcihe - Deutsche Sv a rvrämien cm leche — — 0.4325 0.4325 0,43 — 0.4.325 0,435 0.49 0,265 _ 0.4975 0.265 0,490 4% Preußische KonsolS - . . — —- 0.44 — 4°/e Hessen........ 0,42 ee —» — 3'A% Hessen.......... — — — — 3% Heneu........... Deutsche Wertb. Dollar-Snl. — — —» 95,25 __ 99,9 — dto- Doll-Schatz.Änweisug.-l — — 54' 155,5' Bergmann .......... Mamkraftwerie ........ 150,2' 105 — 150' 154,9' — Schlickert ......... 130.7' 134.2* 132 2' 134,2' 197.5- Siemens ± HalLkr ...... 196* 196' 194,2* -ldlcrwerkc Klever ...... 80.75 83,5 80.12' 81.25 Daimler Motoren. ...... 78.5 — 77.9' 81 Hevligenstocdl . . ....... 29 — — - '.OZcqirin. ........... wiotorenwerke Mannheim . 42 — 44 — — — 39,5 Frankfurter Armaturru . . . Konservenfabrik Braun . . . 14 40.55 — — — Mctallgeselllü>aft Frankfurt. 145 90 114,5 90,25 Schuhfabrik Her; ....... 61,5 — 68 — Sichel...... ........ 2.6 3 3 — Wellston Walddof....... 176 — 175 179,25 Zuckerfabrik Fraukeuthak .. .ckuckenabrkk Waabäulel . . . 71 86 74 88 70 85.75 — Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Banknoten. 7 Sepchr. 8. Seplbr. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Amst.-Rou. 168,15 168,57 168,17 168,59 Boeu.^AircS 1,694 1,698 1,690 1,703 Brff-^Antw. 11,595 11,635 11,51 11,55 Christian ia 91,89 92,13 111,66 91,89 92,13 .skopenhagen 111,38 111,41 112,11 111,69 Stockholm • 112,11 112,39 112,39 HMngfors 10,548 10,588 10,55 10,511 Italien. . . 15,22 15,26 15,02 15,06 London. . 20,357 20,407 20,362 20,412 Neuhork . . 4,193 4,203 4,194 4,204 Paris - - . 12,39 12,41 12,06 12,10 Schweiz - - bl.065 61,265 60,99 81.19 Spanien . 63,57 63,73 63,85 64.01 Javan - - - 2,026 2,030 2,028 2,032 0.639 Rio de Jan. 0.631 9.641 0.637 Wien in ®.« Oest- abgest. 59,21 59,35 59,21 69,35 Prag .... 12,417 12,457 12,417 7,413 12,457 Belgrad . . 7,415 7,435 7,433 Budapest. . 5,875 5,895 o,877 5,897 Bulgarien . 3,055 3,065 u,05 3,06 Lissabon 21,395 -1.44j 21,405 21,455 Danzig. . • Konstantin. 81,38 81,58 2,24 81,34 81,54 2,23 2,23 2,24 Athen . 4,79 4,81 4,79 4,81 Kanada. . 4.197 4,207 4,198 4,208 Uruguav . . 4.20 4.21 4.20 4,21 Berlin, 8. Septbr. Geld Brici Amerikanische Note» ..... 4,175 4,195 Belgische Noten . ....... Dänische Noten ....... 11,57 111,09 11,63 111,65 Englische Noten........ 20,332 20,432 Frän;össsche Noten ...... Holländische Noten...... 12,62 12.68 167,73 168,57 Italienische Noten ... 15,46 15,54 Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr-, 5100 Kronen 91,62 92,08 59,10 69,40 Rumänische Noten...... 2,07 2,11 Schwedische Noten...... 111,77 112,33 Schweizer Noten ...... 80,94 81,34 Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten .. 63,19 12,375 6.845 63,51 12,435 Ungarische Noten ...... 5,885 Berliner Börse. Berlin, 9. Sept. An der heutigen - Börse lagen Anregungen verschiedener A r t vor: so stimulierten der günstige Eindruck über die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund, die in der Generalversammlung der Disconto- Gesellschaft zum Ausdruck gekommene Zuversicht, die nach den Brüsseler Meldungen allmählich weichende Opposition der belgischen Eisen-Industriellen gegenüber der internationalen Rohstahl- vereinigung und schließlich der Eingang von Orders aus der Provinz und aus dem Auslande. Die Befestigung der Tendenz machte daher auf allen Marktgebieten Fortschritte. Die ersten Kurse lagen 1 bis 2 Prozent über dem bereits wesentlich erholten gestrigen Schlußniveau und zeigten für Spezialwerte Besserungen von 3 bis 4 Prozent, vereinzelt auch 5 Prozent (Schultheiß und Rheinische Braunkohlen). Ilse Bergbau zogen sogar um 7 Prozent an. Irn Vordergründe des Interesses standen Braunkohlen- und Cisenwerte, Maschinen a 11 r en. Chemiewerte, Darmstädter-Bankaktien, sowie einige weitere Spezialpapiere. Größere Umsätze kamen jedoch nicht zustande, da die israelitischen Feiertage einen Teil der Börsenbesucher fernhielten. Am Geldmarkt war Tagesgeld etwas leichter mit 5,25 bis 6.5 Prozent. Für Monatsgeld war dagegen der Sah unverändert 5.5 bis 7 Prozent. Im internationalen Devisenverkeh-r waren die lateinischen Valuten allgemein abgeschwächt. London zog gegen Paris auf 169. gegen Mailand auf 135,75 und gegen Brüssel auf 177,50 an. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 9. Sept. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, neuer Ernte, 27,75 Mk.; Roggen, inländischer, neuer Ernte, 21/50" Sommergerste für Brauzwecke 23 bis 26; Hafer, inländischer, 17,50; Mais (gelb) 18,50; Weizenmehl, inländisches (Spezial 0), 40,75 bis 41,50; Roggenmehl 31,50 bis 32,50; Weizenkleie 9; Roggenkleie 10,50 Mk. Tendenz: ruhig. Büchertisch. — Der Couäismus. Von Charles Bau- douin. Otto Reichl Verlag in Darmstadt. 1926. — Daudouin ist der erste Gelehrte, der die Methode Coue in der Oefsentlichkeit würdigte, als sie noch völlig unbekannt war. Leider hat der Coueismus heute je nach den Ländern und den Umftänben ein recht verschiedenes und ungleich- wertiges Aussehen. Er ist teilweise in unreine Hände geraten, und kritiklose Begeisterung wie kommerzielle Ausbeutung haben eine gute Sache wieder einmal derart in Gefahr -gehracht. daß zu befürchten ist, ®ou6 durch den <§oueismus erschlagen zu sehen. Deshalb ist es an der Zeit, daß von autoritativer Seite eine sachliche Einführung geboten wird, wie sie im vorliegenden Bande von berufener Seite geschrieben wird. 390 Geschäftliches. Was sagt Sokrates? Was galt dem Pöbel in Athen die Weisheit eines Sokrates? Auf offener Straße wurde der Philosoph ausgelacht. „Dort kommt der Weife mit der Riefenglatze!" sagten sie. Auf dem Marktplatze fragte ein Athener einst Sokrates: „Weswegen läßt du dir eigentlich keine Haare wachsen?" Sokrates erwiderte: .Hätte ich das berühmte Haarwasser, das nach Tausenden von Jahren erst erfunden wird, früher schon gebrauchen können, du würdest meiner heute nicht spotten!" „Weißt du, wie das Mittel einst heißen soll, Mann mit dem Prophetenblick?" forschte der spöttelnde Athener. „Auxolin" wird man es heißen; nach Auxo unserer Charitin, werden es die Menschen nennen." Der Ausfrager seufzte mit Heuchlermiene: „Schlimm, schlimm, wenn bas Oberhaupt der Familie ohne Haare durchs Leben geht." „Tröste dich, Mitbürger!" munterte Sokrates ihn uif, „die Haare bleiben in der Familie, die Götter halten sie nur an andere Stelle gesetzt." Der Athener sah Sokrates groß und starr an: „Unser Familienoberhaupt, mein Weib, die .tantippe, hat nun alle meine Haare auf ihren Zähnen." Verbraucher! Nichtmitglieder! Mitglieder! Was bietet der Konsumverein? in der Woche v. 11.-19. September 1926 Die Waren-Ausstellung im „Saalbau SAUER“, Gießen, ist vom 11.—19. September 1926 Sonntags von 9 Uhr morgens bis 8 Uhr abends Wochentags von 12 Uhr mittags bis 8 Uhr abends geöffnet. (Eröffnung Samstag-Nachmittag 5 Uhr.) Film-Vorträge für Kinder finden am 15., 16. und 17. September, nachmittags 4 Uhr, im „Lichtspielhaus Einhorn“ statt; für Erwachsene an den gleichen Tagen, abends um 8 Uhr. Abends haben Kinder unter 14 Jahren keinen Zutritt. Eintrittskarten für Filmvorträge werden in der Ausstellung ausgegeben. Für Kinder gelten am: 15. September, .weiße Karten 16. September, .rote Karten 17. September, .grüne Karten Für Erwachsene gelten am: 15. September, .rote Karten 16. September, .grüne Karten 17. September, .weiße Karten Alle Veranstaltungen sind unentgeltl. Eintritt wird keiner erhoben. Die Zentrale in der Schanzenstraße 16 kann jederzeit besichtigt werden. Verbraucher! Nichtmitglieder! Mitglieder! Alle sind höflichst eingeladen. Der Vorstand des Konsumvereins Gießen u. Umg. 7259a Mag,1V.LeKuibtrM nachmittags 2 Uhr versteigere ich im „fiotoen“, Reuenweg 28, zwangsweise gegen Barzahlung: 14 keine Pinsel, 15 große Pinsel, 63 Schablonen, 1 Vulkanisierpresse, zwei Schreibtische, 1 Diwan, IMusikautomat, > 1 Warenschrank, 1 Llniversalstanze mit fahrbarem Gestell, einen Kastenwagen, 1 Spiegelschrank, eine Strickmaschine, 1 Kommode, 1 Pferd, 1 Plüschsessel, 1 Tisch, 1 Trumeau, 1 Bücherschrank, 1 Vertiko, 1 Damenfahrrad. 7,„TD Hebbel Hess. Gerichtsvollzieher in Gießen Dammstrahe 24 1.Telephon 239. Außersewöhnlich hoher Verdienst bietet sich seriöser Firma oder Vertreter durch den Verkaufeines neuen billigen pat. Staubsaugers. Offerten unter .7. U. 7696 an Rudolf üloese, Berlin S.W. 19. Dr. Geyer ist von Sonntag, d. 12. d. M. ab verreist Vertreter sind die Herren: Dr. Wilhelm Klein, Neuen Bäue 29 Dr.Meyerhoff.an derjohanneskirche 5 San.-Rat.Dr.Sch1iephake,Goethestr.44 (nach seiner Rückkehr) ei66 Grünberger-Pferde-Versicherung- - Verein zu Grunberg in Hessen. Die ordentliche Mitgliederversammlung findet Sonnlag, den 12. September d. I. nachm. 2Ahr i.Gasthaus vonAdolfRepp dahier statt, wozu ich d. Mitglieder einlade. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Rechnungsablage. 3. Vorstandswahl. 4. Sonstige Angelegenheiten. Grünberg, den 3. September 1926, Schäfer, Direktor' 7265D 1.20 Damen-Sfriimple, la Seidenllor m. Naht. Doppelsohle u. Hochferse, mod. Farben Damen-Schlupfhosen bes.kräftigeQualltät, m. Verstärk.,in viel.Farben Damen - Handschuhe imitWildl. 2 Druckkn., in mod. Straßenfarben Damen-Stiilpenhaodschiihe beste Wildleder-Imitat., mit eleganter Stickerei D.-Nappahandschuhe 2 Druckknöpfe, kräft. solides Leder.......... Damen - Reformhosen 4 gr marine, für den lieber- I [|1 gang............... Herr.-Fantasiesocken ft ftF la Seidenllor, moderne II l|1 Herren-Unterhosen 4 nv kräftige, makofarbige I / T Qualität............... Herren-Unterjacke 4 fj? kräftige, makofarbige I / *1 Qualität.............. 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