Nr. 184 Erstes Blatt 176. Jahrgang Montag, 9. August 1926 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertag«. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Mouats-Vezvgrpretr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 5L Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Hieben. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger sm Oberhessen vrllck und Verlag: vrühl'sche Univerfilülr-Vuch- und Stetnöruderet R. Lange in Gietzen. 5chriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Lauahme von Anzeigen für die Tagernummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Dreite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzcigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 ° 0 mehr Eheftedakteur: Dr. Friedr Wilh. Lange Verantwortlich für Politik Dr Fr. Will). Lange; für Feuilleton Dr H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen. Das Arbeitsbeschaffungsprogramm. DieArbeitenderMinifterialkommifsion Privattelegramm des „Siebener Anzeigers.) Berlin, 8. Aug. 3n den Arbeiten der Ministeriglkommission zur Durchführung des Ar- beitsbeschasfungsprogramms der Reichsregierung ist neuerdings wieder «in erfreulicher Fortschritt zu verzeichnen. Eine ganze Reihe großer Bauprojekte ist bereits in Angriff genommen. Die Ministerialkommission wird daher in den nächsten Tagen im Reichsarbeitsministerium zu einer Sitzung zusammentreten können, in der über einen inzwischen ausgearbeiteten Bericht über den Stand der Arbeitsbeschaffung Deschluh gefaht und der dann dem für die Fragen der produktiven Erwerbslosenfürsorge seinerzeit eingesetzten Llnterausschuh des volkswirtschaftlichen Reichstagsausschusses zugeleitet werden soll. Dieser Unterausschuß wird, wie wir erfahren, der Wichtigkeit des Arbeitsbeschaffungsproblems Rechnung tragend, zu Beginn der zweiten Augusthälfte im Reichstag zu einer Sitzung zu- famn.cntreien, um zu dem Bericht der Ministerialkommission Stellung zu nehmen. Daran wird voraussichtlich auch Reichsarbeitsminister Dr. Brauns teilnehmen, vielleicht auch der Reichswirtschaftsminister Dr. C u r 1 i u s und Finanzminister Dr. Reinhold. Die Arbeiten dieser Kommission, in der außer den beteiligten Reichsressorts dem den Borsitz führenden Reichsarbeitsministerium, dem Finanz-, Wirtfchafts-, Verkehrs-, Post- und Ernährungsministerium die größten deutschen Länder, P r e u- b e n und Bayern, Sih und Stimme haben, find erfreulicherweise reibungslos verlaufen. Die .Zentralinstanzen sind sich der ungeheuren Bedeutung ihrer Aufgabe bewußt. Gewisse Schwierigkeiten bereitet nur der durch die bundesstaatliche Verfassung des Deutschen Reiches bedingte umständliche Instanzenweg. Bei jedem einzelnen Bauprojekt müssen stets eine unverhältnismäßig große Anzahl von Reichs-, Länder- und Kommunalbehörden zusammenwirken und gewissermaßen unter einen Hut gebracht werden. Die Geldfragen machen dabei begreiflicherweise die größten Schwierigkeiten, um so mehr, als ja der Finanzausgleich der dritten Steuer,-.otverordnung zwischen Reich, Ländern und Gemeinden noch immer ein Schmerzenskind der amtlichen Stellen ist. Die im Reichsetat für 1926 für Zwecke der produktiven Erwerbslosen^ fürsorge vorgesehenen 100 Millionen Reichsmark sind, wie wir hören, nahezu voll in Anspruch genommen. Weitere 100 Millionen, die auf dem Anleihewege beschafft werden sollen, gedenkt man in den außerordentlichen Haushalt nachträglich einzusetzen. Darüber hinaus plant bekanntlich der Reichsfinanzminister eine große Reichs- arbeiisanleihe, deren Höhe und Emissionszeitpunkt er sich Vorbehalten hat. Man spricht von 200 Millionen Reichsmark, die im Herbst bei günstiger Lage des Geldmarktes aufgelegt werden sollen. Auch in der Wohnungsbaufrage find weitere Fortschritte erzielt worden. Die preußische Regierung hat sich nunmehr bereit erklärt, aus dem 200 Millionenkredit der Reichsregicrung für Wohnungsbauzwecke nicht nur erste, sondern auch zweite Hypotheken zu bestellen. Den Differenzbetrag — die zweiten Hypotheken sind nämlich billiger als die ersten — muß Preußen zuschießen. Damit ist im Prinzip das zusätzliche Wohnungsbauprogramm für Preußen gesichert. Dadurch wird ein Rückgang in der Bautätigkeit im Herbst diese- wahres, bis zu welchem Zeitpunkt das normale Hauszinssteuerbauprogramm durchgesührt sein wird, vermieden. Wenn die in dem Zusahpro- gramm vorgesehenen etwa 30 000 Wohnungen hergestellt lein werden, wird die öffentliche Bautätigkeit. vor allem behördliche Rutz - bauten, eine etwa dann entstehende Lücke — zu Beginn des nächsten Jahres -- schließen. Der Wohnungsbau ist damit so weit gefördert, daß er der Bautätigkeit vor dem Kriege kaum noch nachsteht. Allein in den Industrie- bauten, die früher ein Viertel der gesamten Bautätigkeit ausmachten, ist aus den bekannten wirtschaftlichen Gründen noch keine merkliche Belebung festzustellen. Hier dürfte die Dautätig- leit gegenwärtig noch nicht die Hälfte gegenüber der Vorkriegszeit betragen. Urlaubsende des Reichskabinetts. Berlin. 8. August. Reich'skanzlcr Dr. Marx und mit ihm die meisten Reichsminister werden spätestens bis zum Derfasfunostage wieder in Berlin eingetroffen sein. Am 12. August tritt das Reichs kab inett zu einer Sitzung zusammen. Dr. Strefemann wird voraussichtlich Bericht über die außenpolitische Gesamtlage erstatten, bei dem die Völkerbundfragen den größten Raum einnehmen werden. Die weiteren Beratungen des Kabinetts werden das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung zum Gegenstand haben. Schließlich werden auch die mit dem Treuhänder der Eisenbahnobligationen gepflogenen Der- handlungen. die im Hinblick auf die noch ausstehende Bestätigung des Generaldirektors Dorpmüller von Bedeutung sind, erörtert. ♦ Der deutsche Botschafter in London Dr. Stha - wer hat London zu mehrwöchigem Aufenthalt auf dem Kontinent verlaßen. Ein Appell Clemenceaus an Amerika. Paris, 8. August. (Wolff.) Llemenceau Hal soeben in der Form eines offenen Briefes a n d e n Präsidenten Loolidge einen Appell gerichtet, welcher der erste polltische Akt ist, den der für den Versailler Vertrag verantwortliche ehemalige Ministerpräsident seit sechs Jahren unternommen hat. In dem Brief heißt es u. a.: Zwischen den beiden großen Ländern, die während des Krieges mit Frankreich verbündet waren, find wegen dec Abrechnung Mißverständnlffe entstanden, die die Zukunst der zivilisierten Welt ernstlich bedrohen. England hat bisher immer die Tendenz verfolgt, die Völker des Kontinents gegeneinander auszufpie- len, und heute ist es Amerika, von dem aus Frankreich hauptsächlich beunruhigt wird, wenn die Rationen nur Geschäftshäuser wären, so würden die Banknoten das Schicksal der Welt regeln. Sie wissen, daß unsere Kassen leer sind. 3n solchen Fällen unterzeichnet der Schuldner wechsel. Das verlangen Sie auch von uns. Aber es ist auch notwendig, daß wir hüben und drüben an eine Barregelung zu bestimmtem Zeitpunkt glauben können. Aber es ist offenes Geheimnis, daß es sich hier nur um fiktive Fälligkeiten handelt, die den Zweck haben, eine Anleihe mit guten Hypotheken auf Grund und Boden wie in der Türkei herbeizuführen. Das werden wir niemals annehmen. Frankreich ist nicht verkäuflich, auch nicht an feine Freunde, wir haben es unabhängig übernommen, und unabhängig wollen wir es hinterlassen. Drei todbringende Jahre hindurch haben wir von Amerika gehört, Frankreich ist die Grenze der Freiheit. Die endlose Reihe der Toten ist eine Bankrechnung, die wohl mit der Rechnung Amerikas einen vergleich aus- halten kann. „Genau wie Rußland in Brest-Litowsk hat Amerika mit Deutschland einen Sonderfrieden geschloffen, ohne auch nur mit einer Geste das Einverständnis feiner waffengesährten einzuholen. Ein weitfriede mit dem gemeinsamen Fcind. Lin Geldfriede zwischen den verbündeten und befreundeten Mächten — das kommt jetzt. Muß denn die Lüge von den deuifchen Reparationen bei dem amerikanischen Inkasso enden? Ich fpredje freimütig zu dem verehrten Führer einer großen Ration, der ich feit fünfzig Jahren meine größte Hochachtung und Freundschaft bewahrt habe, weil ich geglaubt habe, es fei ihre Aufgabe, von der allen Welt die Fackel eines großen Menfchheitsideals zu empfangen, um sie immer höher zu tragen. Es ist an dieser Ration, über sich selbst den Spruch zu fällen, wenn ich mich geirrt haben sollte, wäre die äußerste Ehre, die ich ihm bleien könnte, mein Schweigen." Llemenceau schließt mit der Erklärung, daß er frei und offen Präsident Loolidge feine Ansicht vortrage, fo daß dieser jetzt das Wort habe. (Eoolibge bleibt Kühl. Plymouth, 9. August. (1DIB. Funkspruch.) Präsident Loolidge erhielt heute nacht durch Pressemeldungen Kenntnis von dem an ihn gerichteten offenen Brief Clemenceaus. In feiner Umgebung wird erklärt, daß Loolidge der Ansicht sei, die Washingtoner Regierung beabsichtige, die Beziehungen zum französischen Volk in allen Fragen Der Internationale FuristenKongreß. Die Frage der „Kriegsverbrecher". Wien, 8. Aug. (Wolfs.) Die zweite Sitzung des hier seit Donnerstag tagenden Internationalen Kongresses (International ßato Assoziation) brachte Ergebnisse von allgemeiner juristischer unb politischer Bedeutung. In der unter dem Vorsitz des Reichsgerichtspräsidenten Dr. S i - mons zusammengetretenen Kommislion für Reu- tralitätsrecht wurde der Votcntwurf in einem ersten, dem Rechte in Friedenszeiten gewidmeten Teile mit einigen Aenderungen angenommen. Damit hat sich der Kongreß für das allgemeine Prinzip- der sog. Dreimeilenzone, d. h. der grundsätzlichen Beschränkung der Hoheits- Lesugnisse des ^lferstaates auf eine Entfernung von drei Meilen von der Riedrigwasserlime in ihrer Mehrheit ausgesprochen. Besonderes Interesse beanspruchte hie‘Beratung des Gesetzentwurfes zur Schaffung eines internationalen Gerichtshofes zwecks Ahndung von Vergehen gegen das Völkerrecht. Der für die Konferenz ausgearbeitete Entwurf weist eine erhebliche Fortentwicklung gegenüber den ersten Vorschlägen auf und begegnet, nachdem insbesondere die rückwirkende Kraft ausgeschlossen wurde, nicht mehr so weitgehenden Widerspruch wie früher. Zur Frage der Schaffung eines internationalen Gerichtshofes zwecks Ahndung von Vergehen gegen das Volkswohl nahm der englische Delegierte Sir Graham Do wer. der durch seine freimütige An- durch die von der Verfassung bestimmten diplomatischen Vertreter ausrechl- zuerhalten. Der Präsident ist der Meinung, daß die Verhandlungen über die Frage der französischen Kriegsschuld an Amerika abgeschlossen seien. Die Einberufung der Nationalversammlung. Paris, 7. Aug. (WSD.) Die Kammer nahm den Bericht des Geschäftsordnungsausschusses entgegen, der sich für die Einberufung der Rationalversa m m lung zur verfassungsrechtlichen Sicherung der Amorti- sierungslasse aussprach. Poincarö betonte, daß es sich bei dem Gesetz über die Amortisierungskasse nicht um eine Aenderung, sondern lediglich um einen Zusatz zur Verfassung, handle. Der stellvertretende Kammerpräsident verlas hierauf die Vorlage, die folgenden Wortlaut hat: „Gemäß Arttkel VIII des verfassungsgcsetzes vom 25. Februar 1875 erklärt die Abgeordnetenkammer auf Antrag des Präsidenten der Republik, daß das Verfafiungsgefeh vom 25. Februar 1875 über die Organisation der öffeut- llchen Gewalten dahin zu ergänzen ist, daß 1. die Befugnisse der Kasse für die Verwaltung der Bonds der nationalen Verteidigung und Tilgung der öffentlichen Schuld gesichert; 2. dieser Kasse die notwendigen Mittel gewährleistet werden." Der Kommunist G a r ch e r y begründete alsdann einen Antrag auf Abschaffung der „monarchischen" Verfassung von 1875. Dieser Antrag wurde fast einstimmig abgelehnt. Der sozialistische Abgeordnete R e n a u d e l erklärte, es erscheine ihm nicht notwendig, nur wegen der Amortisierungskasse den großen Apparat, wie ihn die Rationalversammlung darstelle, in Bewegung zu sehen. Wenn der Kongreß aber zusammentrete, so solle man bei dieser Gelegenheit die Verfassung von 1875 im Sinne einer Beschleunigung der parlamentarischen Aktion aoändern. Hieraus wurde in die Abstimmung über die Regierungsvorlage eingetreten. Die Vorlage wurde mit 418 gegen 133 Stimmen angenommen. Der Abgeordnete Renaudel hat dein Präsidenten der Rationalversammlung mitgeteilt, daß er im Ramen der sozialistischen Fraktion in der Rationalversammlung dem Entwurf einer Entschließung über die Einschränkung der Rechte des Senats einzubringen gedenke. Die Begründung des Entwurfs hat folgenden Wortlaut: „Die Aufnahme einer derartigen Bestimmung über die Beziehungen zwischen Kammer und Senat in die Verfassung wird die Wirkung haben, den Gang der Reformen zu beschleunigen und dadurch dem parlamentarischen Regime den Kredit wiederzugeben, den seine Gegner ihm absprechen." Der sozialistisch-republikanische Abgeordnete Brun et beabsichtigt, der Rationalversammlung den Entwurf eines Dersassungsgesehes vorzulegen, wonach die Zahl derMinister auf zwölf festgesetzt werden soll. Der Ministerpräsident und die Minister sollen danach von der Kammer gewählt werden. Auch sollen Persönlichkeiten, die dem Parlament nicht crngehören, wählbar fein. Keine Fremdenabgabe. Paris, 7.Aug. (WB.) Der Finanzausschuß der Kammer beschloß, einen Unterausschuß aus fünf Vertretern der größten Kammerfraktionen einzusetzen, der während der Parlamentsferien die erfennung der Gesinnung und Leistung der Gegner im Kriege auf den Konferenzen im Haag und Stockholm die Aufmerksamkeit der Oesfentlichkeit der ganzen Welt auf sich gelenkt hat, erneut Veranlassung, seine unbedingte Gegnerschaft gegen diese Art der Verfolgung von sogen. .Kriegsverbrechen" zum Ausdruck zu bringen. Bower, ehemaliger Admiral der englischen Flotte, wandte sich zuerst gegen die Ausscheidung der einzclstaatlichen Gerichte und Deeinträchtigrmg der einzelnen Staatshoheit. Kein Gerichtshof, so führte er aus, wird alle Parteien befriedigen. Wenn jedoch behauptet wird, daß die Gerichte der einzelnen Staaten ihre eigenen Staatsangehörigen nicht objektiv beurteilen, so bestreite ich dies. Ich erkläre mein völliges und uneingeschränktes Vertrauen in die deutschen G e r i chtie (il y a des juges a Berlin et ä Leipzig). Der Redner brachte sodann seine Auffassung zum Ausdruck, daß. wenn Unrecht geschehe. so sicher gleichmäßig von allen Seiten. Wer ohne Fehl fet, möge den Stein werfen. Keine Ratwn sei in der Frage der sog. Kriegsverbrechen ohne Fehl. Der Redner tritt in sehr bewegten Worten für das Unter» bleiben der gegenseitigen Beschuldigungen und für die Beendigung der Kriegspropaganda ein. In den Seegefechten von Coronel und bei den Falklandinseln hätten die Angehörigen der deutschen wie der englischen Flotte in gleicher Weise Mut, Ritterlichkeit und Menschlichkeit bewiesen, und es fei der Wunsch aller Kriegsteilnehmer, in gegenseitiger Achtung die Gegensätze des Krieges zu vergessen. Der Krieg sei beer.b't, und es sei nicht erwünscht, die Gedanken an alle Schrecken und erbitterten Frage der interalliierten Schulden zu prüfen hat. Eerst nach Abschluß dieser Arbeiten will der Ausschuß einen Berichterstatter ernennen. Der Finanzausschuß hat sich ferner mit dem Antrag des Abgeordneten Falcoz über die Einführung einer Balutaabgabe für Ausländer beschäftigt und ihn in seiner gegenwärtigen Form als unzweckmäßig verworfen. Das deutfch-französifche Hcmdelsproviforium. Berlin, 9. Aug. (Sil.) Der Leiter verdeutschen Delegation in den deutsch-französischen Handelsvertragsverhandlungen gab heute vor Pressevertretern einen ileberblia über die bisherige Entwicklung der deutsch-französischen Handelsvertragsverhandlungen, die zu dem jetzt abgeschlossenen Seilablommen geführt Jjabcn. Er kennzeichnet insbesondere dir großen Schwierigkeiten, die bisher einer Verständigung hem- mend im Wege standen. Hierzu rechnet vor allem die bisherige ilnübersichtlichkeit der p r i - vatenWirtschastsverhandlungen und der Entwicklung des französischen Franken. Rachdern in ersterer Beziehung jetzt eine gewisse Klärung erfolgt ist und auch alles in Frankreich auf eine baldige Stabilisierung des Franken hin- weist, war es möglich, wenigstens in einzelnen Punkten zu einer Verständigung zu gelangen und hierdurch den Boden für einen demnächstigen endgültigen Handelsvertrag zu ebnen. Die Hauptpunkte aus dein jetzigen Seilabkommen sind bereits bekannt. Die Regierung steht auf dem Standpunkt, daß die Interessen der Landwirtschaft in diesem Seilabkommen gewahrt sind, insbesondere dadurch, daß Frankreich in der Weinfrage keinerlei Konzession gemacht worden ist, so daß also Wein nur zu den autonomen Sähen nach Deutschland exportiert werden kann. Weiter wurde für Aepfel nicht die Meistbegünstigung gewährt, sondern nur eine Ermäßigung des autonomen Satzes von 6 Mk. auf 3 Ml., während Italien ein Satz von 2 Mk. bewilligt ist. Auf industriellem Gebiete beschränken sich die Koirzessionen Deutschlands auf die Einfuhr von Seide und Automobilen. Diese sind nach Verständigung mit den betroffen» den Industriezweigen gemacht worden. Für Automobile wurde die Meistbegünstigung gewährt. Die Konzessionen, die Deutschland h.ersür ein- getauscht hat, sind sehr vielseitig, sie betreffen die Maschinen, Elektrizitäts-, Leder-, Spielwaren- Industrie u. a. m. Der sonstige Inhalt des Seilabkommens, der sich auf die Regelung der konsularischen Beziehungen des Riederlassungsrechtes und der Einbeziehung der französischen Kolonien mit Ausnahme von Indochina und Marokko bezieht, ist bereits bekannt. Indochina wurde wegen schwebender Handelsvertragsverhandlungen mit Japan aus dem Abkommen herausgelassen und Marokko, weil hier die Friedensverhältnisse noch nicht wieder hergestellt sind. Rachdem voraussichtl 3-am 12. und 13. August die privaten industriellen Ver- Handlungen auf dem Gebiete der Eisen-Industrie 3um Abschluß kommen werden und auch die privaten Verhandlungen in der chemischen Industrie wohl demnächst wieder ausgenommen werden, hängen die toeileren Verhandlungen mit dem Ziel eines endgültigen Handelsvertrages im wesentlichen davon ab, wann von der französischen Kammer der neue Zolltarif verabschiedet wird. Man darf damit rechnen, daß etwa in einem Monat nach Inkrafttreten deS neuen Zoll- tarifes die deutsch-französischen Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Erlebnisse durch die Aufrollung der Frage dcr sog. Kriegsvcrbrechen wieder ipaetjur. i:n. Die Solen des Krieges forderten Aussöhnung und Friede. A s diesem Grunde bitte er die Erörterung der Frage des Staalsg richtshofcs für Kriegsvergehen einzustetten. Rach den eindrucksvollen Ausführungen Bowers sprach Reichsgerichtsprälident Dr. Simons seinen Dank für den Ausdruck ritterlicher Gesinnung und edler Menschlichkeit aus. Den deutschen St.-mdpunit zur Vorlage formulierte er dahin, daß die deutschen Delegierten trotz sachlicher Bedenken zur weiteren Mitarbeit bereit seien, jedoch eine Verwirklichung des geplanten Girichtshoses nicht für möglich hielten, bevor nicht die Klärung der von ihm anzuwendenden materiellen Rechls- grundsätze erfolgt fei. Rach längerer A-ssprache wurde folgende, vom Präsidenten der Ko>.nmislivn empfohlene Entschließung ang warnen: Die Konferenz beschloß die S ch a f f u :i g e i n c 5 internationalen Strafgerichtshofs, und zwar als Abteilung des ständigen internationalen Gerichtshofes im Haag. Die 5tomietens dieses Gerichtes wird auf Delegierte beschränkt, welche durch Statut oder durch besondere Konventionen festgesetzt werden. — Die Seilnehmer an dem Kongreß wurden Samstag nachmittag vom Bundespräsidenten Hainisch auf dem Semmering empfangen. Der Empfang trug einen überaus herzlichen Charakter. LordKitchenersLeichegefunden? London, 7. Aug. (TU.) Nach einer bisher unbestätigten Meldung soll ein Engländer namens Power erklärt haben, daß er den Leichnam Lord Aach der Werl? dieses Meisters erheblich mehr mit nach Haufe brächte, als aus so mancher „ganz modernen" Kunstausstellung. 1 Seewarte Schiss für gestellt. Wettervoraussage. anfänglicher Erwärmung allmählich (Don unserem Pariser Paris. 8. August 1926. stärkere Bewölkung, zunehmende Aegenneigung, kühl. Der Luiturkampf in Mexiko. Auch protestantisches Kircheneigentum betroffen. Verletzungen davon. Schweres Vrandunglück in Böhmen. Französischer Truppenübungsplatz im früheren Kampfgebiet. Berlin. 8. Aug. (Privattelegramm des G. Ql i Die französische Armee wird, nach einer Meldung aus Paris, bereits in nächster Zeit die den deutschen Kriegsteilnehmern aus schwersten Kämpfen bekannte Shampagnegegend bei Sommepy, Tahure, PeÄhes usw. als Truppenübungsplatz benutzen. Ein bisher bei Chalons—sur-Marne. dem Ort, bei dem am 5. September 1914 die 3. deutsche Armee Len Marneabschnitt überschritt, und der das Ziel des französischen Gegenangriffes unter Marschall Foch am 6. September war. gelegenes französisches Truppenübungslager soll nach der Champagne verlegt werden. Kunst und Wissenschaft. Die Heidelberger Festspiele. Das deutsche Fischerei-Schutzbvot „Ziethen" wird am 10. August eine Forschungsfahrt nach der Murman-Küste und ins Weihe Meer an- treten Die Marineleitung hat dem Leiter der Hamburg, Professor Schulz, das eine Forschungsfährt zur Verfügung Brasilien käme es nicht darauf an, dah es selbst einen Aatssih erhalte, sondern dah ein Staat Amerikas dauernd im Rate vertreten sei. Auch Bolivien und Peru schwankten, sich auf der Septembertagung des Rates vertreten zu lassen. Mello-Franco bemerkte zum Schluß, er habe bisher mit Briand nicht beraten, aber er werde Paris nicht verlassen, bevor er Briand einen Besuch gemacht habe. Auf die Frage, ob die Reorganisierung des ' Dölkerbundsrates nicht bis nach dem Eintritt . Deutschlands verschoben werden könnte, erklärte c Mello-Franco, die Losung des juristischen Komi- p tees, wonach drei weitere zeitweige Sitze geschaffen werden sollten, für die Wiederwahl zulässig sei, scheine niemand zu befriedigen Für Brasilien bleibe die Frage dieselbe, wie sie im Herbst gewesen sei. Schwere guchlhoiusstrafen im bayerischen Kommunistenprozetz Leipzig, 6. August. (Wolff.) 2m Prozeh gegen die bayerischen Kommunisten wurden vom Feriens.cafstnat des Reichsgerichts die Angeklagten unter Annahme eines besonderen schweren Falles naci) § 5 und 6 des Sprengstoffgesetzes und § 5 und 7 des Republikfchutzgesetzes zu Zuchthausstrafen von 2—10 Jahren und zu den zulässigen Geldstrafen verurteilt. Gegen die Angeklagten Cuprian und Klebsch wurde außerdem auf Ausweisung aus dem Reichsgebiet erkannt. Sämtlichen Angeklagten wurde ein Teil der Geldstrafen und 5 bis 7 Monate Atteniatsversuch auf Pangalos. Athen. 8. Aug. (Agence d'Athenes.) - Gestern ist auf den Präsidenten der griechischen Republik Pangalos, der zu feiner Erholung in Spetzas weilt, ein Attentatoersuch unternommen worden. Gegen 2 Uhr nachmittags versuchte ein Mann namenS Andonoculos den Präsidenten, der sich zum Frühstück ins Hotel Poseidoneion begeben hatte, zu ermorden. Die Olussührung seines Vorhabens wurde aber vereitelt. Erwürbe fest genommen uni> gab feine Absicht zu. Rach amtlichen Rachrichten ist der Täter ein gewesener Kaufmann aus dem Rvsinenhandel. geistesgestört und ein dem Gefängnis entwichener Sträfling, der wegen Mordes an einem Gendarmerieoffizier verurteilt ist. 2llle Anzeichen weisen daraus hin, dah es sich nicht um ein organisiertes Attentat, sondern um die selbständige Handlung eines Geistesgestörten handelt. In Athen und in ganz Griechenland herrscht Ruhe. Der Präsident hat zahlreiche Glückwunschtelegramme erhalten. ein Bildnis von Peter Döllinger, zwei vortreffliche Brustbildnisse des Prinzregenten Luitpold, wer nennt all die Ramen! Olber einer ist doch noch zu nennen: Der Altreichskanzler. Da ist ein Bildnis von Bismarck, vor dem man das zwingende Gefühl hat: das ist der abgedankte Recke. 11 nb tatsächlich stammt das Bild aus dem Jahr 1895. Eine Kohlezeichnung des Kanzlers ist da und fünf Porträts, darunter eins, der Hüne im Schlapphut, beide Hände kraftvoll auf den Stock gestützt, der dos Heberrageüdc dieser Persönlichkeit geradezu erschütternd zum Ausdruck bringt. Daneben Stücke von Lenbachs ägyptischer Studienreise, die Köpfe von schönen Frauen, Künstlern und Gelehrten, Bildnisse seiner Töchter — ich weiß, Lenbach ist nicht mehr modern, aber mir will scheinen, als ob man aus der Ausstellung Am DienStag tagt wieder einmal der s r a n - zö fische Rationalkongreß im Schlosse von Versailles, ein besonders denkwürdiges Ereignis in der französischen Geschichte. Rach der französischen Verfassung vom Jahre 1875 tritt der Rationalkongreh nur zusammen zur Wahl des Präsidenten der Republik oder zwecks Vornahme einer Aenderung der Verfassung. Zuletzt tagte der Kongreß im Juni 1924 zur Wahl des damaligen Senatspräsidenten Doumergue zum Präsidenten der Republik. Dieses Mal wird der Kongreß von der Regierung einberufen, um durch formelle Aenderung der französischen Verfassung seierlichst eine Amortisationskasse für die Herabsetzung der französischen Staatsschulden zu bilden. Manche unserer Leser, die das Schloß von Die 25jährige Tochter Weinheimers war sofort t o 1, während der Chauffeur lebensgefährlich verletzt wurde. Weinheimer selbst, feine Frau und seine beiden Söhne trugen ebenfalls erhebliche berger Schlosses gewählt, wo er und sein künstlerischer Beirat Prof. Hans Poelzig mit den sparsamsten Mitteln in der bühnenmäßigen Ausgestaltung des alten Saales die größten Wirkungen erzielten. Auch der Urfaust hinterlieh bei dem Publikum mit einer Rollenbesetzung der besten Schauspieler Deutschlands, so Gerda Müller als Gretchen und Albert Steinrück als Mephisto, den ttefsten Eindruck. Als dritte und letzte Aufführung der Heidelberger Festspiele wird Intendant Hartung das Drama „Munken Vendt" des Rorwegers Knut Hamsun, diesmal im Heidelberger Stadttheater, zur llraufführung bringen. Eine Singwochc in Freusburg. Auf der sagenumwobenen, herrlich gelegenen Jugendburg Freusburg an der Sieg findet vom 25. bis 31. August eine muiikerseherische Woche statt, die den Zweck haben soll, dem alten Volkslied in Familie, Schule und Verein wieder Geltung zu verschaffen und für die Erneuerung der Musikpfleae einzutreten. Durch Vorträge werden die Teilnehmer in die wichtigsten Gebiete eingeführt, und praktische Hebungen dienen zur Erläuterung. Die Leitung der Woche haben die als Musikpäda« gogen bekannten Herren Musikdirektor Jos. E. Müller (Köln) und Rektor Johannes Hatzfeld (Paderborn) übernommen. Eine neue Sehenswürdigkeit Münchens. Wohl kaum einer, der nach Bayern oder Tirol in die Sommerfrische reist und nicht ein paar Tage in München verweilt. Glyptothek, Pinakothek, Deutsches Mitteum. Echackgalerie — sie locken gar zu sehr (das Münchener Bier nebst Radi nicht zu vergessen!). Zu diesen Sehenswürdigkeiten kommt seit dem Frühjahr noch die ständige Lenbachausstellung im Lenbachhaus, das die Witwe der Stadt geschenkt hat. Diese hat zwischen Atelier und Wohnhaus einen Saal erbaut, der einen Teil der Bilder aufnimmt. Das Atelier hat man möglichst wieder in den alten Zustand versetzt, ebenso den Festsaal, auch bei den kleineren Räumen hat man den Versuch gemacht, dem Besucher den ursprünglichen Eindruck । dieses prunkvoll fürstlichen Künstlerheims zu vermitteln: prachtvolle Möbelstücke und Kunstwerke bewundern wir, der Künstler hat offenbar mit Vorliebe Antikes gesammelt, erstaunlich viel Originale sind zu sehen, auch manches Kunstwerk im Qlbguß. — And überall die Werke Lenbachs, vieles wieder zurückaelauft. Im großen Saal, kurz vor seinem Tod gemalt, das Bild seiner Familie, von unheimlichem Leben schier erfüllt neuen Wahrzeichens der Drogisten, wird u. a. eine großzügige M u st e r d r o g e r i e gezeigt, während die große Zahl von Ausstellern Zeugnis von der gemeinsamen Arbeit des Herstellers, des Großhandels und der Drogisten doTegt. r* Tödlicher Autounfall. Aus aller ’useit. Auf dem Wege von Heilbronn nach Ilsfeld ü fuhr das Auto eines Weinhändlers der Firma Die Af,en-Expedition der Lufthansa. Seitz eine Böschung hinab. Seitz war auf der Die vor einigen Tagen mit zwei Grohflug- Stelle tot. Die mitfahrende Verkäuferin, die zeugen in Irkutsk eingetroffene Expedition mit dem Schrecken davonkam, stürzte sich bald der Deutschen Lufthansa führt zur Zeit dort die darauf in Heilbronn aus Verzweiflung in den vorgesehenen Erkundungen durch. Bei dieser Er- Reck ar, wurde jedoch gerettet und in Gewahr- kundungszentrale hatte die deutsche Lufthansa fam genommen. den bekannten itzr von d-r deutsche S-ewarte znr schweres Autounglück am Rhein. Verfügung gestellten Luftmeteorologen Dr. Hein- . r • Q • , rich Seilkopf seit längerer Zeit in Irkutsk 3n der Aahe von Dattenberg bei Linz stationiert. Von dort aus besorgt er mit Unter- a. Rh. eignete sich em schwnes AutoungluL stühung des russischen meteorologischen Instituts Der Verleger der ,Brühler Altung Julius die wetterkundliche Bearbeitung für den gesamten Weinheimer, machte . nut semn Weg. Für die Fortsetzung des Fluges kommen seinem Gefchaftsauto eine Rheinreise. Dabei stteß drei Lustwege in Betracht: 1. die südliche Küsten- das Auto an einer abschüssigen Stelle g e gen route durch die Mongolei unter lieber- > d a s S t r a h en g e l a^n de r und überschlug sich, querung der Wüste Gobi nach Peking, 2. der Weg im Rorden unter Umfliegung der Mandschurei längs des Amur, aus dem man bei Chabarowsk nach Süden in Richtung Wladiwostok abbiegt und 3. der Mittelweg von Irkutsk über Tschita durch die Mandschurei Bei dem Brand einer alten Scheune in Rost! bei Prag, die vielfach von Landstreichern als Rachtquartier benutzt wurde, wurden bei den Aufräumungsarbeiten verkohlte Körperteile aufgefunden, die darauf schließen lassen, dah vier Personen umgekommen sind. Rach späteren Meldungen soll die Zahl der Opfer sogar 12 betragen haben. Totschlag. In der Rächt zum Sonntag wurde z w i sche n Heringsdors und Ahlbeck der Villenbesitzer Dr. Gerlach erschlagen. Gerlach. seine Frau und sein Bruder fuhren itn Auto nach Swinemünde. Unterwegs gerieten sie mit mehreren Burschen in eine Schlägerei. Dabei wurde Dr. Gerlach so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. Die Haupttäter, zwei Brüder, wurden verhaftet. Frau und Lohn erschossen. In Stettin erschoß der Landessekretäc Otto Pahl feine 38jährige Ehefrau und seinen 18jährigen Sohn durch sieben Schüsse aus einer Selbstladepistole Der Täter, der die Absicht hatte, sich selbst der Polizei zu stellen, wurde von inzwischen herbeigeeilten Polizisten festgenommen. Das Motiv der Tat ist in Ehezwistigkeiten zu suchen. Ein Kind von Ratten angefressen. Nach einer Meldung des „Montagmorgen" wurde das sechsjährige Söhnchen eines Arbeiters in Lichte r f e l d e °O st bei Berlin am Sonntognach- mittag beim Spielen an einem Wassergraben von mehreren Bisamratten angefallen. Die Tiere brachten dem Kinde stark blutende Wunden an Armen und Beinen bei. Passanten mußten die wütenden Ratten mit dem Knüppel ver- scheuchen. Der verletzte Knabe mußte in ärzliche Behandlung gegeben werden, da sofort Fieber auftrat. Einbruch im siamesischen kömgspalast. Während der Abwesenheit des siamesischen । Königspaares aus Bangkok wurde im Thronsaal des Chakri-Palastes eingebrochen. Es wurden Juwelen und sonstige Kostbarkeiten im Werte von ungefähr 600 000 Mark entwendet. Sechs Derhaf- timgen sind vorgenommen worden. Französische Kriegsschiffe in der Ostsee. Wie der „Temps" mitteilt, werden vorn 8. August bis 20. September zwei französische Torpedoboote neuesten Typs den balttschen Gewässern einen Besuch abstatten und u. a. Oslo, Stockholm, Riga und Kopenhagen antaufen. Deutsche Forschungsfahrt ins Weiße Meer. Kitcheners, des englischen Generalstabschefs während des Weltkrieges, der auf der Ueberfahrt nach dem Kontinent mit feinem Schiff unterging, in einem entlegenen norwegischen Fischer- b o r f e begraben aufgefunden haben. Die Leiche Kitcheners sei, nachdem der Kreuzer „Hampshire", auf dem Kitchener fuhr, im Juni 1916 in der Nähe bei Orkneyinsel in die Luft geflogen sei, dort angeschwemmt worden. Power wird den Leichnam nach London bringen, wo er unter feierlichem Zeremoniell aufgebahrt werden soll. nach C h a r b i n und von dort über Mutden nach Peking. Laut soeben eingetroffener Depesche aus Irkutsk soll mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse und auf Wunsch der chinesischen Regierung der Weg ü b e r T s ch i t a— Mulden gewählt werden. An Stelle der beiden russischen Piloten Koslvff und Kudrjawzeff, die bei dem Üeberflug über russisches Gebiet eingeladen waren, werden nach dem Passieren der chinesischen Grenze zwei chinesische Piloten an Bord der Flugzeuge gehen, um als Gäste nach Peking mitzusliegen. Die chinesische Regierung hat gebeten, daß die beiden Großflugzeuge in der chinesischen Hauptstadt etwa am 20. August eint reffen. Die Weltkonferenz der christlichen Junqmäunervercine. In der Iohannistirche zu Helsingsors sand die Schlußversammlung der Weltkonserenz der christlichen Jungmännervereine statt. Mott und Prinz Bernadotte hielten Reden, die mit freudigem Beifall ausgenommen wurden. Rach Beendigung der Versammlung veranstaltete die Iugendgruppe eine Feier, die eine große Menschenmenge um sich versammelte. In der letzten Arbeitssihung verabschiedete sich der scheidende Präsident des Gouttes, dem John | Mott den Dank der christlichen Iungmännerbewe- gung für seine Amtsführung aussprach. Zu Vizepräsidenten wurden gewählt: Professor K ö ch - 1 i n, Basel, und der bisherige Generalsekretär Dr. Fries, Schweden. Zum Generalsekretär wurde einstimmig G e t h m a n n gewählt, ein Amerikaner deutscher Abstammung. In die Exekutive wurde als dauerndes Mitglied der deutsche Reichsjugendwart Lic. E. Stange, Kassel, gewählt. Auf der letzten Abendsihung des Kongresses hielt Lic. Stange ein Referat über die Aufgaben des Bundes. Bemerkenswert war dabei, daß der Redner im Gegensatz zu den englischen und amerikanischen Delegierten, die die Arbeit des Weltbundes mit sozialen und politischen Problemen zu verbinden suchten, diese Arbeit durchaus in der V e r t i e f un g d e r W e 11° anschauung und der religiösen Sendung sehen wollte. Gertrud Eberle deutscher Abstammung Gertrud Eberle, bic Ende der Woche als erste Frau in 141 Stunden den Kanal durch« j ch w o m m e n hat, wurde von den Vereinigten Deutschen Verbänden zu ihrem Erfolge in einer Depesche beglückwünscht und eingeladen, als Ehrengast bei einer von den Deutschamerikanern nach ihrer Rückkehr zu veranstaltenden Kundgebung mitzuwirken und Ehrengast bei dem am 31. Oktober stattfindenden Deutschen Tag zu fein. Die „Neu- york Times" bespricht den Erfolg von Gelrud Ederle und sagt, daß der Vater ein deutscher Schlächter sei und die Mutter die tüchtige deutsche Hausfrau barfteüe. Gewisse Eigenschaften, die Gerttud Ederle auszeichnen, hätte sie von ihren Eltern ererbt und durch ihre Lebensweise und durch ihr Training verbessert. Es wird gemeldet, daß Gertrud Ederle vor ihrer Rückkehr nach Amerika die in Deutschland lebenden Verwandten ihres Vaters besuchen werde. Wie der „D. A. Z." aus Stuttgart gemeldet wird, i[t Gertrud Ederle, worauf schon der Name schließen Im t, Württembergerin und stammt aus V e i l h e i m a. d. Teck. Sie ist in jungen Jahren | Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 17,0 n ich Amerika ausgewandert, wo sie als Rekord- \ Grad Celsius, Minimum 3,1 Grad Celsius. Heu- Schwimmerin bald zu großen Ehren kam. tige Morgentemperatur: 12.1 Grad Celsius. & t. p 1 Delegiertentag der deutschen Drogisten. Ver Kongregsaal m Versailles* Drogistenverband e. V. in Köln seine 42. Dele- W S -Korrespondenten.) giertenversammlung ab. Donnerstag und Frei- m r s lag waren Vorstandsberatungen gewidmet. Am das notwendige Personal ist rmmer verfügbar. Samstag abend wurde in der Kölner Messe die Denn die Bureaus des Senats und der Kammer Drogisten-Fachausstellung eröffnet,die $Cm 9ef°mtcn Hrllspersona nach I am Sonntag nachmittag auch dem Publikum zu- Versailles. gänglich war. Samstag, Sonntag und Montag Der Kongrehsaal selbst st e s 19 nnd internen Beratungen und der Hauptversamm- tums. Er wurde in den Analen Mai bis D t des Verbandes Vorbehalten. An den Nach- zember 1875 von dem Architekten d- Joch für ^lqenden Tagen sind gesellschaftliche Deranstal- 2,5 Millionen Francs erbaut. Seine Wände j^eno mid der I. G. schmucken ein„grobesvon ^uder der F^A,enindustrie vorgesehen. Die Ausstellung ist Zusammen rttt der GeEalstaattn im Jahre 1789 o Drogistenfachausstellung seit Jahren, sowie., zwei große Gobelins „Les Maisons Ro- D^r Verband, der vor fünfzehn Jahren allen , yales nachttour f enbonß^ , anderen Bernsen in der Berufsschulung voran- ' von 1,5 Millionen Goldfranlen. Die Decke, ist ift, weist auch im Ausstellungswesen wif im »mch-tag-, d-r 2lbg£ori,neteniamn«t uhnE Dr°s^n«iad-E insgesamt 35 000 Kerzenstärken vorhanden. Der Kongreßsaal wurde zum ersten Male im Jahre 1875 benutzt, als die französische Verfassung revidiert wurde, die noch heute maßgebend ist. Rach dem Sturze Rapoleons III. , tagte die Nationalversammlung zunächst in Bor- Schweres Unglück auf der Radrennbahn, deaux, weil Paris in Händen der aufständischen Bei dem 300 Kilometer Motormannschafts- Kommune blieb. Später übersiedelte die Ratio- fahren auf der Richler Radrennbahn bei Köln nalversammlung nach Versailles. Man benutzte f^r der Fahrer Frenssl (Köln) in die Maschine zunächst den Opernsaal des Schlosses, der für die I fce£ Fahrers Wronker (Köln) hinein. Wronker Festlichkeiten anläßlich der Hochzeit der Königin wurde ü b er d i e Br ü st u ng i ns P u bll t u m Marie-Antoinette erbaut worden war. Dieser geschleudert und blieb tot liegen. Eine Saal blieb nach der Bildung des Senats der §rau wurde sehr schwer verletzt. Frensel und Deputiertenkammer bis zum Jahre 1879 vorbe- sechs weitere Zuschauer trugen leichtere Verhalten. Doch tagte diese in Wirklichkeit in dem lehungen davon. Die Rennen wurden sofort abneuen Kongreßsaal. 1879 beschlossen Senat und I gebrochen. LS,? wZ-5^ bat . WW durch ein« A-Hb.ck Palais und die Kammer wiederum in das Palais Ein mit einem Herren und einer Same besetztes Bourbon von wo am 3. September 1870 die ge° Motorrad wurde in der Nahe der Försterei Schlan- setzaebende Körperschaft vor Gambetta ge- gengrube bei Halle durch einen Rehbock, der in Das flüchtet war Motorrad hineinsprang, zu Fall gebracht. Die Fahrer trugen schwere Verletzungen davon. M e x i L o, 8. Aug. (Associated Preß.) Die Regierung hat bekanntgegeben, daß die Kultus- bcfreie auf protestantisches Kirchen- eiqentum ebenso angewenbet werden, > --- - "v-;:,. wie auf katholisches. Es sei keine Beschlagnahme Deriailles und die^n Kongreßsaal besichtigt beabsichtigt, Wohl aber sei beabsichtigt, sich das haben, durfte es sicherlich interessieren, etwas Recht der Verstaatlichung vorzubehalten. Näheres darüber zu erfahren Die protestantischen Kirchen Me-ikos werden auf Der Kongreßsaal be indet sich im erögc* 100 bis 150 geschätzt. Ungefähr 15 Kirchen scyoß des linken (südlichen) Flügels des Schusses werden von ausländischen Psarreni geleitet. Pra- von Versailles, unter der b^^mtenSchlachten- siden! Calles Hal in einer Unterredung mit galerie. Der Saal entgalt 875 Sitze für die ©ena amerikanischen Pressevertretern betont, dah die loren und Deputierten und 800 Dribunenplahe. Kultusde'rete Simultan angewendet werden. Er Die Sitze der Parlamentarier sind mit totem erklärte, der wirtschaftliche Boykott sei nicht ernst Leder überzogen. Durch kleine Karten stnd Die fiu nehmen. Die Neuyorler „Catholic News" Plätze berühmter Parlamentarier besonders ge- verö'.cntlicht eine Erklärung von William Men- kennzeichnet, und Die Besucher werden stets Dar- taoan. dem Direktor der Rechtsabteilung der auf aufmerksam gemacht: „Hier saßen Dhiers Catholic Welsars Conierence, in der die Re- Gambetta, Carnot, Felix Saure, Deschanel: dies gierungsmaßnahmen als Usurpierung der Kirchen- ist Poincares Platz..." , r ., autoriiät und als eine Verletzung der religiösen Der Kongreßsaal mit seinen zahlreichen Freiheit verurteilt werden. Nebenräumen wird stets verwendungsbereit ge- halten. Denn nach der französischen Verfa,sung muß der Nationalkongreh z. B. beim plötzlichen Brasilien bleibt Genf fern. 48 Stunden zusammentreten. Druckerei, Telephon, Mcllo-Frauco übe- die Ratsf-age SSSfiSS Daris, 9. Aug. 6raf 11101x11^6 unverzüglich in Betrieb genommen werden. Auch Delegierte beim Völkerbund Mello- Franco 0 _ — hat einem Vertreter des „Excelsior" gegenüber . Erklärungen über seine Teilnahme an der näch- Untersuchungshaft angerechnet. Das Gericht ging sten Völkerbundssihung und über die brasilianische bei der Urteilsfindung davon aus, daß das Völlerbundspolitik gemacht. Mello-Franco er- Sprengstoffattentat gegen das B e - klärte, er werde nur nach Genf gehen, um Motto zirksarntsgebäude in Füssen lange vor- und seinen Kollegen im Völkerbund seinen ossi- fjer besprochen worden war. Bei dem Attentat ziellen Besuch zu machen. Er werde sich sodann wurden zwei Personen erheblich ver- nach Brasilien zurückbegeben, um an (e f und an dem Gebäude beträchtlicher Sach- Len Dundeswahlen teilnehmen zu können. Bra- schaden angerichtet, so daß die Strafen auf Grund silien werde auf der Septembertagung des Völ- § 5 Unb 6 des Sprengstoffgesetzes festgesetzt werden kerbundes nicht vertreten sein. Die bra- muhten. silianischc Regierung habe nur mit tiefer Trauer 1 darauf verzichtet, an einem Werke, das ihr am Herzen liege, mitzuarbeiten. Es herrsche in der Frage der ständigen Ratssihe ein tiefes ^ib- verständnis. So berechtigt vom nationalen Standpunkt die brasilianische Forderung sei, fo träte I WSR. Heidelberg, 3. Aug. Eröffnet tie Forderung Zurück hinter dem moralischen wurden die Heidelberger Festspiele durch ©efcanfen und dem P r e st i g e des am er t- Freilichtaufführung von Shakespeares H<5om- kanis ch e n 0 ntinent s der 19 Mitglied- mernachtstroum" im Heidelberger Schlohhof. Als staaten zahle, d. h. ein Drittel des Völkerbundes, zweite Aufführung brachte dann Intendant Gustav und der im Rate nrcht vertreten sei. | Goethes Faust in ursprünglicher Gestalt, den sog. Urfaust, heraus mit vielleicht noch größerem Erfolg. Als Schauplatz des Drmnas hatte der Intendant den Dandhaussaal des Heidel- Hotel Kühne. wo man sich zum guten Ende versammelt hatte, und wo Beigeordneter Dr. Hamm die Gemeindevertreter nunmehr al# Gäste der Stadt Gießen willkommen heißen konnte, fand die Einweihungsfahrt ihren Abschluß. Es ist sehr zu hoffen, daß alle die guten Wünsche recht bald sich in Wirklichkeit bewähren möchten, die man der Postlinie Gießen—Kleebach bei ihrer Eröffnung in so reichem Maße dargebracht hat. Regeln für Radler. Seh' ein jeder, wie er's treibe, Seh' ein jeder, wo er bleibe, Und wer steht, daß er nicht falle. Das Fahrrad ist heute zu einem Sportgerät geworden, dessen Beliebtheit 'ich nicht allein in den Mitgliederzahlen der radkportlichcn Bereinigungen auSdrücki. Die zahlreichen radsportlichen Ereignisse, die großzügigen Veranstaltungen beweisen, welche Bedeutung der Radsport erlangt hat. Heimisch ist das Fahrrad jedoch auf der Straße, als Verkehrsmittel, das — gewissermaßen nebenbei — den Fahrenden auch zu körperlicher Betätigung veranlaßt. Als Verkehrsmittel ist das Fahrrad entstanden, und seine häufigste Benutzung findet es sicherlich auch heute als solches. Die Straße ist sein eigenstes Gebiet. Den Gefahren der Straße ist der Radler auf seinem schwanken Gefährt in erhöhtem Maße ausgesetzt, aber seine Beweglichkeit schützt ihn ebenso wie die Sicherheit, mit der ein guter Radfahrer sein Stahlroß zu meistern versteht. Alle 5tunft im Beherrschen des Rades zerrinnt indessen, wenn der Radfahrer die Regeln der Straße unbeachtet läßt. Kunstfertigkeit allein gewährt keine Sicherheit, und, an strenge Gesetze gebunden, muh der Radler nicht nur sein Dor- wärtskommen suchen, sondern auch ollen anderen ein Vorwärtskommen ermöglichen. Daß er sich selbst schützt, wenn er sich an die Regeln hält, erhöht seine Pflicht, sie zu beachten, Regeln, die sich jeder Radler, ob er sich nun in Ausübung dieser Tätigkeit als sich sportlich Betätigender suhlt oder nicht, einprägen sollte. Einige dieser Regeln für Radfahrer seien hier angeführt: Benutze die Straße nie als Rennbahn. Eile auch im Radfahrverkehr mit Weile. Benutze die Kraftfahrzeuge nicht als Schrittmacher-Maschinen. Richte die Fahrgeschwindigkeit so ein, daß du in jedem Augenblick in der Lage bist, dein Fahrrad anzuhallen. Vermeide das Korso- und Gruppenführeri, auch wenn die Straße menschenleer ist. Kraftfahrzeuge sind schnell, und ihr Erscheinen wirkt oft verwirrend. Dor allen Dingen fahre rechts und überhole links. Fahre langsam auf unübersichtlichen Straßen, fahre langsam, wo Kinder sich befinden. Kinder sind unberechenbar in ihren Entschlüssen. Steige nie auf dem Fahrdamm ab. Wende nie in verkehrsreichen Straßen. Beachte die Zeichen der Verkehrslollen und die Zeichen der Wagenführer. Bedenke, daß du etwa 4 Meter Weg brauchst, um dein Fahrrad vom 15-Kilometer-Tempo zum Stehen zu bringen. Bremse nie zu stark auf schlüpfrigen Wegen. Ein von der Bremse blockiertes Rad gleitet seitlich. Fahre langsam an den Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel. Warne die Fußgänger schonend mit deiner Glocke. Benutze deinen Warnungsapparat nicht zum Erschrecken von Menschen und Tieren. Kreuze nie eine Straße kurz vor oder kurz hinter einem Fahrzeug. Hänge dich nie an andere Gefährte. 'Stimm nie die Füße von den Pedalen und die Hände vom Lenker. Poche nicht auf ein vermeintliches Recht. Bedenke, daß bei einem Zusammenstoß der Radfahrer meist der Leidtragende ist. Halte dich für den Klügeren und gib nach, wenn böswillige Erwachsene, übermütige Kinder, Hunde, Hühner, Gänse, Enten und andere Unmündige deine Fahrbahn kreuzen. Bedenke, daß bei einem Zusammentreffen von zwei Fahrzeugen an einer Kreuzung das von rechts kommende die Vorfahrt hat. Hüte dich vor den Schienen der Straßenbahn. Sie bilden bei Rässe eine Gleiigesahr und bringen dich zu Fall, wenn deine Reifen in die Schienen rillen geraten. Halte dir eine zuverlässige und helleuchtende Laterne. Fahre nicht zu dicht an der Bordschwelle entlang, um nicht unerwartet auf den Fahr- damrn tretenden Fußgängern ins Gehege zu kommen. Wirke erzieherisch durch Wort und Tat auf die Wildlinge unter den Radfahrern und stelle dich gut mit der Polizei. Die Staatsgewalt ist stärker als du, und dein Widerspruch macht einen kleinen Fall zur „Affäre". Setze eine Ehre barm, ein nützliches Mitglied der „Verkehrsgelellfchaft" zu werden. Aus der ProvWalhauptftadt. Gießen, den 9. August 1926. (Eröffnung der Postautottnie Gießen - Kleebachtal. Am Samstagnachmittag versammelten sich Vertreter deS KreisamteS, der Stadt, der Post- direktion. des Derkehrsoereins Giehen und der Gießener und Wetzlarer Presse im Hof deS Postamtes Bahnhofstraße, um mit den beiden stattlichen, neuen, blau-gelben Postauto-Omnibussen die lange geplante Linie von Gießen ins Kleebachtal einzuwechen, die gestern dem Verkehr übergeben wurde. Die Fahrt (übrigen# leider vom Wetter nicht eben begünstigt) führte von hier über Klein-Linden, Lützellinden, Groß- Rechtenbach, Hörnsheim, Hochelheim. Dornholzhausen nach Riederkleen. Unterwegs hielt man in den von der vorgesehenen Linie berührten Ortschaften iwo überall das Erscheinen der langersehnten Autos freudig begrüßt wurde), um die Gemeindevorsteher im zweiten Wagen auf- zunehmcn. Rach der programmäßigen Ankunft in Riederkleen wurden die Gießener Herren vom Ortsvorstand und im Ramen der Kleebachtal- gemeinden von Dürgermeisttr Schneider- Groß-Rechtenbach aufs herzlichste in Empfang genommen und alSbald zum Begrüßungseslen geleitet. Man wurde vortrefflich, mit altbekannter Gastsreun.'lichkeit, bewirtet: während des Essens wurde eine ganze Reihe von Ansprachen gehalten. Zunächst erhob sich Bürgermeister Schneide r - Groß-Rechtenbach, um im Auftrage der Kleebachtal-Gemeinden die Erschienenen, insbesondere die Vertreter von Kreisamt und Presse, willkommen zu heißen. Bürgermeister Schneider gab seiner lebhaften Freude Ausdruck über das endliche Zustandetommen der Linie, die einen ausgezeichneten Fortschritt für die Gemeinden des Tales bedeute, umsomehr, als ja noch immer eine (ebenfalls feit langem geplante) Bahnlinie fehle. Mit dem Zustandekommen aber sollten die berechtigten Eisenbahnwünsche nicht etwa erledigt und begruben, vielmehr nur der Anfang in der unabweislichen Verlehrsarbeit gemacht sein. Des Redner# Dank richtete sich an alle Stellen, die an der Erschließung des Kleebachtals durch diese Derbindung mitgearbeitet haben, insbesondere die Postverwaltung und Beigeordneten Dr. Hamm sein Trinkspruch galt der neuen Linie. Postdirektor Selig- Gießen dankte zunächst für die der Postverwaltung zum Ausdruck gebrachte Anerkennung und stellte auch deS ferneren alles in Aussicht, was daS Postamt Gießen für die neue Strecke tun könne. Auf ein gutes Einvernehmen ?wischen den Gemeinden und der Post leerte er ein Glas. Der nächste Redner, Beigeordneter Dr. Hamm, dankte im Ramen des Oberbürgermeisters für die erwiesene Anerkennung, zugleich auch für die herzliche Aufnahme und Bewirtung, die man im Kleebachtal gefunden habe. Seine weiteren Ausführungen richteten sich gegen die Möglichkeiten einer etwaigen Derkehrskonkurrenz von Gießen und Wetzlar (die auch städtepolitisch zu verwerfen fei). Es habe sich hier darum gehandelt, die berechtigten DerkehrSwünsche der Gemeinden in die Tat umzusetzen. Sein Trinkspruch galt den ferneren guten Beziehungen der Landgemeinden zur Stadt Gießen. Der nächste Redner, Gemeindevorsteher Jung von Hörnsheim, gedachte in seiner Ansprache im besonderen der großen Verdienste, die sich Bürgermeister Schneider um die neue Linie erworben habe: dieser seinerseits dankte hierauf herzlich und gab das gespendete Lob an die Gemeinden zurück. Sodann erhob sich Regierungsrat Dr. Braun vom Kreisamt Gießen, um in zugleich sachlichen und humorvollen Ausführungen von der langen Entstehungsgeschichte des neuen Verkehrsmittels zu sprechen: er gab mit feinem Trinkspruch der Hoffnung Ausdruck, die Post möge ihre Helle Freude daran haben. Für den Derkehrsverein Gießen sprach Herr Schwieder: fein Lob galt einerseits der schönen Hüttenberger Tracht, anderseits dem Ehrenpräsidenten Winn, auf dessen Wohl er trank. Stadtv. Winn gab einen kurzen geschichtlichen Rückblick und feierte dabei drei verdiente Mitarbeiter, die Herren Mack. Burk und Engel, während Kreisschulrat Fischer eine im Hinblick auf Derkehrsfragen sehr hübsch pointierte Anekdote zum besten gab. Gemeindevorsteher Jung- Hochelheim übte eine recht humorvolle Kritik an den zahlreich zu Wort Gekommenen und trank auf bte Industrie des Hüttenbergerlandes. Gegen Abend fand die angeregte Tafelrunde mit dem Absingen des Deutschlandliedes ihr Ende, und sehr befriedigt und in bester Stimmung bestieg man die beiden AutoS, um die Rückfahrt anzutreten: die Heimreise wurde aber zuvor in Hörnsheim noch einmal unterbrochen, wo die Teilnehmer ebenfalls in der gastfreundlichsten Weise empfangen wurden. Rach einem Umtrunk, zahlreichen Reden und Liedern fuhr man dann — während das Wetter inzwischen ein wenig freundlicher geworden war — endgültig nach Gießen zurück. 3m Das goldene Sollt? rjubiläunr begeht am Mittwoch, 11. August, der pensionierte, T Gymnasial-Oberlehrer Dr. Christian Roese f1 co Stückchen ab, bi»s die ist, imb bedient sich über sich und bringt ihn in eine Gage, sein schmäleres und jüngere# Ende Körperende zu liegen kommt: dann mit Hilfe der letzten Deinpaare dea über den Rücken, macht einen Kopf- so daß die Kapelle einige Mit diesem Konzert ist die zu Ende gegangen. Es sollen weitere Konzerte ftatt- den bisherigen Abonnenten Einlagen brachte. Abonnementsserie jedoch noch zwei finden, zu denen Schwamm durch die über ihr schiebt sie Schwamm der als sich die bc- ermäßigte Eintrittspreise eingeräumt werden, lieber die zum Abschluß gekommenen Konzerte läßt sich zusommensalsend sagen, daß die Leistungen der Kapelle in den Kreisen unserer Bürgerschaft viel Anerkennung gefunden haben, wofür das ihr durch zahlreichen Besuch bekundete Interesse den besten Beweis bietet. Möge dies der Kapelle für ihr weiteres Wirken ein Ansporn sein. ** Austrieb auf dem heutigen Frankfurter S ch l a ch k v i e h m a r k t: 425 Ochsen, 67 Bullen, 948 Kühe, 483 Kälber, 70 Schafe, 3483 Schweine. stand, wobei die Rückenfüße den Schwamm gegen den Kopf zu schieben und fällt dann nach rückwärts in den Schwamm hinein, worauf das „Ankleiden" beendet ist. Bisweilen nähert sich die Krabbe auch dem Schwamm mit dem Hinterende ihres Körpers und stülpt ihn sich über oder legt sich einfach rücklings in ihn hinein. Wenn der Schwamm unter Steinen verborgen wird, dann weiß sie ihn zu finden und auszugraben, und verbirgt man ihn öfters an derselben Stelle, so merkt sie sich den Platz und zeigt also ein gewisses Erinnerungsvermögen. Auch die Gabe des Wählens und Unterscheidens ist der Wollkrabbe maß anpassen will, so zupft sie Stückchen für gewünschte Form erreicht dabei ganz individueller Arbeitsmethoden. Sie probiert an dem Schwamm oder dem Papier herum und sucht sich die leichteste Art aus, um es zurechtzuformen. Ebenso schlau verfährt sie auch dabei, wenn es gilt, einen fest gewachsenen Schwamm abzureißen. Richt minder überlegt verfährt sie beim Aussehen des Schwamms auf den Rücken. Rimmt man ihr den Schwamm weg und legt ihn mit der konkaven. Seite nach oben ins Aquarium, so ergreift sie ihn sofort, dreht sich auf den Rücken, hält den von hier. Rach Ivjähriger Tätigkeit am hiesigen j humanistischen Gymnasium muhte er sich wegen J Krankheit pensionieren lassen und widmete sich I kann jahrzentelang mit großem Erfolg dem Pri- ' vatunterricht. In weitesten Kreisen wurde er bekannt durch feine gediegenen altsprachlichen „Unterrichtsbriefe". Die philosophische Fakultät«! • der Ludoviciana hat mit freundlichen Glückwünschen, dem um die Methodik des altsprachlichen Unterrichts in Theorie und Praxis hochverdienten Pädagogen, nach altem Brauch das Diplom erneuert und es ihm durch ihren Herrn Dekan persönlich überreichen lassen. ** Bau eines Krüppelheimes. Der Hessische Fürsorgeverein beabsichtigt, wie bereits gemeldet, in Gießen ein Krüppelheim zu errichten. Die Anstalt soll in der Nähe der Kliniken zwischen Seltersberg, Schöne Aussicht und Lupusheilstätte zu stehen kommen. ** Das 8. Abonnementskonzert unterer Reichswehrkapelle unter Leitung von Obermusikmeister Löber sand dieser Tage auf der ..Liebigshöhe" statt und wurde wieder als Streichmusik ausgeführt. Aus dem sorgfältig und abwechslungsreich zusammengestellten Programm, das von der Kapelle in trefflicher Weise zum Vortrag gebracht wurde, verdienen besondere Erwähnung die Ouvertüren zum „Freischütz" und „Fliegenden Holländer", die Große Fantasie aus der Oper „Butterfly" und die Buntes «Derlei. Line schlaue Krabbe. ine Krabbe von ungewöhnlicher Intelligenz i Wollkrabbe, Dromia vulgaris, die in merk- gor Gemeinschaft mit dem Schwamm Eube- lebt. Die Krabbe trägt diesen Schwamm als F und Schild auf ihrem Rücken und trennt n von ihr bevorzugten Schwamm auch '».'«mllände, Papier, Plastelin-Stücke. mit .veba*teic. daß sie diese Dinge iL sich al Bornotizen. — Tageskalender für Monts' 8. ®. F.: 8.13 Uhr Hauptübung — Llchllpielha! Bahnhofstraße: .Liebe und Trompetenblafen". t in gefährlichen Lagen oder während tzg von ihm. sie benutzt den Schwamm Irt Bekleidung und .schneidert" ihn »urecht. Heber neue Untersuchungen. ___ *i dieser Krabbe vorgenommen bat. richtet Dr. W. Mrsic. Man gab der Krabbe Melodien aus „Oberon". Das überaus zahlreich erschienene Publikum zollte den Darbietungen lebhaften Beifall, ' " “ ~ U. |i*ain . nur s SchMtza.; dernchicl ihr ein rechteckiges PapierUW das ganze Papier über ftTBann überstehenden Ränder Stück für Skäa al legt sie sich auf den Rücken und bearPCTtÄ , Papier so geschickt mit den Scheren, daß eS die zur Bedeckung nötige elliptische Gestalt erhält. Dabei beweist sie ein sehr gutes „Augenmaß", da das Papierstück nach der Bearbeitung ganz genau auf den Rücken paßt. Auch wenn die Krabbe einen größeren Schwamm ihrem Körper- 60 Jahre Freiwillige Feuerwehr Butzbach pb. Butzbach, 8. Aug. Die Feier des 60jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr nahm ihren Auftakt bereits am Samstagabend mit einem wohlgelungenen Kommers in der Festhalle am Wetzlarer Tor. Rach Begrüßung durch den ersten Kommandanten Ludwig G e y d, der auch die Verleihung der Ehrenmitguedschaft an verdiente alte Mitglieder, die Herren Medizinalrat Vogt, Droh und Robert Schmidt bekanntgab, ergriff Bürgermeister Dr. Jansen das Wort zur Festrede. In kurzer gedrängter Form entwickelte er ein Bild des Werdeganges der Wehr und schloß mit einem „Gut Wehr'' für die fernere Zukunft. Hieran schlossen sich Ansprachen und Glückwünsche der verschiedenen Vereine. Musik- und Gesangs- Dorträge, sowie turnerische und radsportüche Auf- führunaen trugen zur Belebung und Verschönerung des Abends bei. Am Sonntagvormittag tagte zunächst im Deutschen Haus der 30. Kreis- verbandstag, zu welchem als Vertreter des Kreisamts Reg.-Rat Dr. R i n d f u h erschienen war. Außerdem waren noch anwesend der Lan- desverbandsvorsihende Damm und der Kreisfeuerwehrinspektor Füller. Seitens des Regierungsvertreters wurden an eine größere Anzahl Wehrmänner Dienstauszeichnungen überreicht. Rach Schluß der Tagung begaben sich dann die Vertreter nebst Gästen auf den Marktplatz, woselbst die Jubel-Wehr Aufstellung genommen hatte. Die Hebungen klappten durchweg, ebenso der Drandangriff auf das Steinhäusersche Haus in der Weissler Straße, der der Wehr aufgegeben worden war. — An dem Festzug, der nachmittags sich vom Kleeberger Weg aus durch die Straßen der Stadt nach dem Festplatz bewegte, nahmen außer den Wehren die Vereine der Stadt teil Auf dem Festplah entwickelte sich bann ein bewegtes Leben und Treiben, an welches sich abends noch Vorführungen der Butzbacher Vereine und ein Tanz anschlvssen. Alles in allem genommen, die Freiwillige Feuerwehr kann mit Stolz und Befriedigung auf ihr 60- jährigeS Jubelfest zurückblicken. nicht abzusprechen. Hat sie sich z. B. bereits eine Bedeckung aus Plastelin zurechtgemacht, so vertauscht sie diese nur selten gegen einen Schwamm. Der Zweck des SchwammtragenS dürfte eine Art Maskierung fein, durch die sie ihre Angreifer über ihr wahres Wesen als Krabbe Hinwegtäuschen will. Bisweilen bient ihr bet Schwamm auch als Schild, den sie dem Verfolger vorhält, oder sie benutzt ihn zur Ablenkung deS Feindes, indem sie den Schwamm dem Gegner hinwirft und, während dieser ihn ergreift, sich eilig aus dem Staube macht. Man sieht also, daß die Bezeichnung „Schlaue Krabbe", die man gern auf Menschen anwendet, im Tierreich ihre recht gute Begründung findet. Rundfunk-Programm des Frankfurter Tenders. (Aus der «Radio-Umschau".) Dienstag, 10. August: 3,30 bis 4 Uhr: Stunde der Jugend. 4,30 bis 5,45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Alexander Glasunoff und Cäsar Cui. 5,45 bis 6,05 Uhr: Die Lesestunde. 6,15 bis 6,45 Uhr: Übertragung von Kassel: „Humor bei Will). Busch und Christian Morgenstern". 6,45 bis 7,15 Uhr: „Der Luftfrachtverkehr und seine Entwicklungsmöglichkeiten". 7,15 bis 7,45 Uhr: Fried Stern: „Der Maler erzählt". 7,45 bis 8,15 Uhr: Schachstunde. 8,15 bis 9,15 Uhr: Reuere italienische Kammermusik. 9,15 bis 10,15 Uhr: älcbertragung von Kassel: Vortragsabend von Frau Ilse Fischer-Ramin. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloffen. Für unverlangt eingefanbfe Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts st eile zu richten. Verantwortlich für den lokalen Teil i.D.: Dr. Hans T h h r i o t. ML „ §ChWcBl*I" Die neue schwarze Qualität des ContinentabReifens trägt der schlechten Beschaffenheit deutscher Straßen Rechnung. Dieser hochel/stische, überaus zähe Reifen hält alle Stöße und Erschütterungen fern, ist gegen Schnitt- und Durchschlagsverletzungen nahezu gefeit, und seine hervorragende, schwarze Gummiqualität verbürgt eine ungemein sparsame Abnutzung. Über Conti-Ballon bzw. Type- Ballon „schwarz“ nennen die Verbraucher heute schon Kilometerleistungen, die in ihrer Höhe überzeugend wirken. Suppen in Wurstform [Vermietungen «tlne schnitt« Wirkung bei «rzi«lt mit 0b«rmcy«r- V^lvu 6499D Müde und schmerzende Füße Dentist 05484 Telephon 1414. Neuenweg 28. i ist nach Offenbach a.M. verlegt. lÄcieil 6513c ;s- ■ Sechs Teller feiner Suppe in den Sorten : Erbs fein, Erbs mit Speck, Erbs mit Reis, Blumenkohl, Spargel, Grünkern,Tomaten, Pilz, Ochsenschwanz, Krebs, Teigwaren ergebe ich, nur20Min. in Wasser gekocht, ohne alle Zutaten, denn diese vereinige ich alle in mir. Jeder Kaufmann hat mich. Am Minna Firma Am Bruno Abs. 2 der Satzungen geändert. Gießen, den 3. August 1926. Hessisches Amtsgericht. Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. A wurde eingetragen: Am 23. Juli 1926 bei der Firma L. Katz in Gießen: Die Firma ist erloschen. Am 2. August 1926 die Firma Carl Hoos A.K.V. Allgemeiner Kraftfahrzeug- Vertrieb, Gießen. Inhaber ist der Kauf- Bekanntmachung In unser Handelsregister Abt. B wurde . heute bei der Firma Aktiengesellschaft Stadtgut Hardthöfe in Gießen, folgendes eingetragen: Durch Beschluß der General- Versammlung vom 31. Mai 1926 ist § 10, Ab Mittwoch bis Samstag jeden Lag ab 10 1U)E vormittags erfolgt ein freihändiger Berkaus von sämtlichen Der- steigerungs-Gegenständen. Heute bis einschließlich Donnerstag: Unstreitbar das beste Militär-Lustspiel, das je im Lichtspielhaus zur Aufführung gelangte. 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Nach dem gleichnamigen Lustspiel von Hans Sturm und Hans Bachwitz Das große Oarste^er-Enieaible: Erzherzog Leopold..............Fritz Spira Komtesse Maria Charlotte.....Lilian Harvey Josefa von Pokorny.............Mary Kid Rittmeister Ottokar...........Harry Jjiedtke Leutnant Karl, sein Vetter.....Harry Halm Baron Brechtl, Adjutant........Hugo Hink Major Frosch von Fröschen.....Hans Junkermann Fliegenbein, sein Bursche...... Paul Morgan Rekrut Dirmoser...............Peter Voß Amalie Spießlein, Kammerfrau Ellen Plessow. Vorher: Jimmy im Gespensterhaus Lustspiel in 2 Akten. Sowie: Harold Lloyd in einer ganz neuen urkomischen Groteske. 6498c Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34 turta.B., Neue Mainzerstr. 6. Wiederverkäaier an allen Plätten gesucht 81oderlageiu61e3en:J.Schell9nbergNaohf.,Seltersweg83a. Was sagt der Fußleidende? &,Uss Eine 62jährige Masseuse in Freiburg i. Br.: . . . . ohne überschwenglich zu sein, kann ich sagen- Ls verdient den Namen „Miracle“. Ich trage denselben seit ungefähr drei Wochen und fülde mich so. erleichtert und fast schmerzfrei, daß ich seit vier Tagen den Krankenstock mit Gummispitze abgelegt habe. Uten am liebsten vom Lande, aesucht. 6V1l) Gustav Müller, Bahnhofstraße 34 3WW1ÄTO• K 19/1926 Freitag, den 24. September 1926, Vormittags 9 Lihr, werden auf dem hiesigen Amtsgericht. Saal 204, II. Obergeschoß zum Zwecke der Aufhebung der Gemeinschaft, die im Grundbuche von Gießen, den Johannes Hartmann Eheleuten in Gießen zugeschriebenen Grundstücke: Fl. 1 Rr. 1319 — 164 qm Hofreite, Damm- straße 6 Fl. 16 Ar. 123 = 545 qm Grabgarten, am Aahrungsberg versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht angeschlagen. 6497B Gießen, den 4. August 1926. 3. A. des Hess. Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Palast-Lichtspiele Ab morgen Dienstag: Carlos der Abenteurer Gewaltiger Sensation®- und Abenteurertum. 7 Akte. Ferner: Fliegende Liebhaber Original amerikanische Groteske in 2 Akten. im Gesicht. DitB bezeug« Herr n ufo. 05478 8 erreicht v. Dav derartige Höhenflüge an Flieger und Ma- i lchine g?vnz ungewöhnliche Anforderungen stellen, braucht leigentlich nicht besonders betont zu werden. Di» dünne Luft in jener Höhe bietet für die ^afchin'd eine erheblich verminderte Tragfähigkeit und! es ist äußerst schwierig, das Flugzeug schwebenV zu erhalten. Ferner ist es notwendig, dem Rü^tor von einer gewissen Höhe ab komprimiertes Lust zuzuführen, um seine Arbeitsfähigkeit !du ermöglichen. Die ungeheure Kälte (30 bis -'|ö Grad!) birgt dabei die Gefahr, bau das Metc»ll. ba es sich zusammenzieht und spröde loird. zerßsplittert. Der ^Flieger selbst kann sich gegen die entsetzliche Zfälte durch dicke Pelze zwar einiger- mähen, mynrt auch nur notdürftig schützen, ba sie Iselbst diel dichteste Vermummuiig durchdringt, aber als rßoch gefährlicherer Feind erscheint auch m ffen die*111, 'Ä'S’w? MW!" Hindu und Islamiten wieder in verschärfter Form ausgebrochen. Wieder und wieder melden die Zeitungen von schweren, aus religiösem Fanatismus entsprungenen Kämpfen zwifchen den beiden gegnerischen Konfessionen Tatsächlich begannen die Zwistigteiten sich schon seit dem Jahre 1922 bemerkbar zu machen. Heber diese für ganz Indien außerordentlich bedeutsame Frage der religiösen Gegensätze sowie über die Lage Indiens überhaupt gab kürzlich Can Winkerton. Untcrftaatdfetretär für Indien. einen längeren Bericht im britischen Unterhaus, der im allgemeinen starken Beifall von den Labourites dis zu den Konservativen land. Rur der beim letzten Generalstreik berüchtigt gewordene Kommunist Mr. Saklatvala wandte sich gegen die Ausführungen des Regierungsvertreters und behauptete, bah nur die Einführung des Bolschewismus Indien das Heit bringen könne Die HnsInnigkeit dieser Behauptung bedarf sicherlich für Kenner indischer Verhältnisse teiner Erörterung, und deshalb gingen auch nicht einmal die linksgerichteten Arve iterabge ordn eien auf die Ansprache des Herrn Daklatvala ein. Zweifellos sind bolschewistische Agenten in Indien und den angrenzenden Ländern tätig, doch sind ihre Erfolge in Indien selbst nicht von grober Bedeutung, und die britisch-indischen Behörden sehen ihnen scharf aus die Finger. Als unter der Führerschaft Mahatma Gandhis ein zeitweiliger Friede zwischen den Hindu und Islamiten unter dem Banner des passiven Widerstandes gegen Britannien und die britisch- indische Regierung geschlossen wurde, ba glaubten sogar In Europa schon manche Kreise an das baldige Ende der britischen Herrschaft in Indien. Aber diese Herrschaft ist seit dreihundert Jahren fest im Lande verwurzelt, sie läßt sich so leicht nicht erschüttern. Auch der durch den nationalistischen Führer C. R. Das später herbeigeführte Hundi-Moslem-Pakt hat die praktische Prüfung nicht bestanden und ist zusammengebrochen. Seit dem Jahre 1922 haben die religiösen Zwistigkeiten immer schärfere Formen angenommen. Sie begannen im Punjab und breiteten sich bald von dort durch Stadt und Land in den Vereinigten Provinzen, den Zentral-Provinzen. den nordwestlichen Grenzgebieten und schließlich auch n Bengalen aus. wo es in letzter Zeit ja wiederholt. besonders in Kalkutta, zu schwersten Kämpfen zwischen Hindu und Moslem kam. Rur dem scharfen Zugreifen der britisch- ndischen Polizei und Militärbehörden gelang es, den Ausbruch allgemeiner Feindseligkeiten immer wieder zu verhindern. Heute liegen die Dinge so, daß tatsächlich keine religiösen Feiern der Hindu ober der Islamiten stattfinden können, ohne daß die Polizei vor und während solcher Feierlichkeiten umfassende Sicherheitsmaßnahmen trifft, um schwere Ausschreitungen zu verhüten. Der in diesem Jahre hinausgesandte neue Vizekönig von Indiev. Lord Irwin, ist ein tluger und dabei energischer Kopf, der das Vertrauen aller Parteien im britischen Parlament und darüber hinaus der maßgebenden Kreise in Indien selbst genießt. Dor wenigen Tagen noch hat er eine bemerkenswerte Rede gehalten, in btr cn den beiden Parteien die Mahnung zurief, ieab Isndien nur bann gebeihen kann, wenn bie gegenwärtig überall ausbrechenden Kämpfe auf- hören. iinb bie Gegner ihren Frieden schließen. 12 (WO Meter über der Erde. Die (.höchste Höhe, bis zu bet^ bisher ein Mensch im Flugzeug emporgestiegen ist, beträgt 12 060 (Meter. Am 10. Oktober 1924 hat ber französjswe Flieger Callizo diese Höhe erreicht und damit einen Höhenslugrekord aufgestellt. Der amerikanische Fliegeroffizier Macready hat vor einigen onaten einen Angriff auf diesen Höhen- reforb gemacht, aber er hat, wie die Rachprüfung der Meßinstrumente ergab, den Rekord nicht zu brechen! vermocht. Seitdem bie sogenannten De- ", ftimmungen gefallen finb, bie bem beut- chen lugzeugbau Fesseln anlegten, besteht bie Möglichkeit, bah auch beutsche Flieger an diesem 'portlilhem Wettkampf mit Erfolgsaussichten sich oeteiliflcn können. Kurz nach Kriegsende (im Jahre, 1919) erreichte, wie hier erwähnt sei, der bayerische Fliegervffizier Diemer eine Höhe von 9600 Metern und stellte damit damals einen Weltrekord auf. der allerdings vom Ausland nicht (aetrertet wurde, ba Deutschlanb nicht ber lieberjation acronautique internationale angehört. Im qtftober 1919 errang ber burch feine Rhön- Segelsllüge bekannte Dipl.-Ing. Arthur Martens (Vamalls noch Student der Technischen Hochschule in Hannover) auf einem von ber Hannoverschen Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) ' Montag, 9. August 1926 Hauptbedingung sei bann aber auch vor allem eine wirkliche, fruchtbringende Zusammenarbeit mit ber britisch-indischen Regierung. Schon feit einigen Jahren hqt das Mutterland wohl erkannt, dah die immer stärker werdenden indischen Wünsche nach einem aktiven Anteil an der Verwaltung völlig berechtigt sind. Alic Kenner der indischen Derhilltnisic aber wissen, daß die Gesamtentwicklung des Landes, das Bildungsniveau der breiten Massen heute die Erhebung Indiens zur fast selbständigen Stellung eines Do- miniums wie Kanada oder Australien noch nicht zulasten. In der Tat zählt ja die eigentliche Intelligenz nur etwa 2 Prozent bei einer Bevölkerung von 320 Millionen Menschen. Dabei setzt sich die Riesxnbevölkerung des mächtigen Landes aus den verschiedensten Rassen zusammen, die eine ganze Reihe verschiedener Sprachen und Dialekte sprechen, und die überdies den verschiedensten Kasten und Konfessionen angehören. Unter solchen Umständen würde das Zurückziehen der alle diese Kreise kräftig zusammenhasten« den britischen Hand unbedingt das Chaos in In« dien bedeuten. So hat das Mutterland den Bewohnern Indiens zunächst eine Verfassung gegeben, bei der die gewählte Dolksverttetung nur beratende Macht hat. Ein Fehler der britischen Verwaltung war es seit jeher, dah man die Volksmassen s i ch s e 1 b st überließ und für ihre Bildung, für die Einrichtung von Schulen wenig tat. Es war und ist ein Grundprinzip britischer Kolonialposttik, sich in die Sitten und Gebräuche, ganz besonders auch in die Religion der ihr unterstellten Völker nicht einzumischen. Das hat seine guten Seiten, jedoch kann es sich schwer rächen, wenn diese zumeist unwissenden Massen durch die Stimmen einer kleinen Führerschicht plötzlich immer stärker das Recht auf Selbst - Verwaltung (Home-Rule) beanspruchen. Und das ist heute mehr als je zuvor der Fall. Das Mutterland Großbritannien kann aber, wie oben ausgeführt, unter den heutigen Umständen keine größeren Zugeständnisse machen, als sie in der Indien gegebenen neuen Verfassung enthalten sind. Rot tut, und darauf wurde auch jetzt wieder im britischen Parlament hingewiesen, eine weitgehende Entwicklung des Schulwesens, eine systematische Erziehung der Volksmassen, um diese für die Stellung und Verfassung eines Dominium^ wie Kanada oder Australien mit der Zeit reif zu machen. Es darf und kann nicht geleugnet werden, dah die britische Verwaltung in Indien, ebenso wie das auf Aegypten zutrifft, wirtschaftlich großes geleistet hat. Riesige Bewässerungsanlagen haben weite, wertvolle Gebiete der landwirtschaftlichen Entwicklung eröffnet. Durch ein großzügig.ausgebautes Eisenbahn- und Straßennetz wurde der Verkehr wesentlich beschleunigt und die einzelnen Landesteile inniger miteinander verbunden. Die Hafenanlagen in Bombay, Karachi, Colombo (Ceylon), Madras, Kalkutta und Rangoon (Birma) sind vorbildlich. So ist die brittsche Verwaltung in vieler Beziehung bemüht, auf alle nur erdenkliche Weise die Produktion des Landes zu steigern, um dadurch auch den dauernd zunehmenden Wünschen, dem Lebensunterhalt der rasch wachsenden Be- völkeruirg gerecht zu werden. Indien hat in den letzten Jahren eine belangreiche Industrie und ganz besonders eine große Textilindustrie sowie in verstärktem Maße auch eine Montanindustrie entwickelt. Die durch den Weltkrieg hervorgerufenen, finanziellen Schwierigkeiten des Landes, das zeitweilige Sinken des Rupiekurses sind durch eine geschickte Finanzwirtschaft längst überwunden. Seit drei Jahren schon ist das Budget wieder ausbalanciert. Der Rupie hat schon seit etwa einem Jahre einen Wert von rund 1 Schilling 6 Pence, womit also der Vorkriegsstand sogar überschritten ist. Indische Staatsanleihen konnten mit Leichtigkeit zu günstigen Einsätzen untergebracht werden, ein Beweis für das große Vertrauen und das Ansehen der britisch-indischen Regierung. Im letzten Jahre haben die indischen Eisenbahnen einen Reinverdienst von insgesamt 6 750 000 Pfund Sterling abgeworfen. Am 1. April belief sich die Geldreserve der Ekaatsbahnverwaltung auf 7 500 000 Pfund Sterling. So konnten im Laufe der letzten Monate die Personen- und Frachtraten ganz wesentlich herabgesetzt werden. Für 3. Klasse, allerdings die niedrigste in Indien, kostet die Fahrt per Kilometer bei langen Strecken nur noch 1,3 Pfennig. Das ist in der Tat eine tüchtige Leistung. 3m Detriebsjahre 1926/27 sind 16500 000 Pfund Sterling für Bahnbauten vorgesehen und zwar 11500 000 Pfund Sterling für Instandsetzung der alten Linien und 5 000 000 Pfund Sterling für Reubauten. In diesem Jahre werden etwa 370 Kilometer an neuen Bahnlinien eröffnet. Die Gesamtlänge der Eisenbahnen Indiens beträgt etwa 61 000 Kilometer, davon sind ungefähr 51 000 Kilometer staatliche Linien. Im Detriebsjahre 1923/24 wurden rund 600 Millionen Personen und über 100 Millionen Tonnen Fracht befördert. Auch für die Eröffnung von Luftfahrtlinien ist viel geschehen, und man hofft m Bälde einen regelmäßigen Passagier- und Flug- postdienst mit England herzustellen. Dem gleichen Zwecke sollen ja auch die zwei im letzten britischen Budget vorgesehenen Großluftschiffe dienen. In diesem Jahre noch wird der drahtlose Funkdienst zwischen Indien und England eröffnet. Der Bau der indischen Groß- station liegt in Händen einer dort gegründeten Gesellschaft. So wird das Kaiserreich Indien dem Mutterlande Großbritannien immer enger verbunden. Die Etappenstrahe zur See mit den starken Festungshäfen Gibraltar, Malta. Suezkanal, Aden, Bombay haben sich die Briten längst gesichert. Seit dem Weltkriege zeigt sich ja auch die Tendenz, eine zusammenhängende, unter britischer Oberhoheit oder doch britischem Einfluß stehende Landverbindung durch Palästina, Irak, Persien und Belutschistan bis nach Indien herzustellen. Schon steht das ungeheuere Gebiet von Kairo bis zum Kapland unter britischem Einfluß, und der nächste /Plan Kairo—Karachi- Indien bedeutet nichts Geringeres als die Beherrschung Südasiens einschließlich Arabiens und Südpersiens. Grundgedanke dabei ist offenbar auch. Sicherheiten gegen Bedrohungen durch Sowj e truß land zu schaffen. Denn nicht ohne Gefahr sind die nordwestlichen Grenzgebiete Iichiens. die in letzter Zeit dauernd lebhaftes werdenden Amtriebe der Sowjetrussen in Afghanistan, das ja nun seit dem britisch-afghanischen Kriege vom Jahre 1919 seine völlige Selbständigkeit besitzt. Bei einem Essen in Kalkutta wies kürzlich noch der britische Oberst Saunders. Leiter des militärischen Rachrichtendienstes in Indien auf den zunehmenden militärischen Einfluß der Bolschewisten in Afghanistan hin. Unter bolschewistischer Leitung. so führte er aus. werden dort Flugzeugwerkstätten und Flugplätze angelegt. Rußland lieferte Kriegsmaterial. Arttllerie und Munition, an Afghanistan. Auch stell? es militärische Instrukteure. Dah diese Gefahr nicht von der Hand zu weisen ist. zeigte ja der Krieg vom Jahre 1919, als die Afghanen tatsächlich den Kyber-Paß mit seinen Forts nahmen und bis zur Stadt Peschawur im nordwestlichen Indien vor drangen. Die britisch-indische Armee ist ohne Zweifel ein tüchtiges und verläßliches Kriegsinstrument. Die rein indischen Regimenter werden bis zu den Kompagnieführern zumeist von englischen Offizieren kommandiert und die Soldaten sind ihren Führern durchweg freu ergeben. Das muß auch heute trotz mancher gegenteiligen Behauptungen klar festgestellt werden. Produktion und Handel Indiens haben sich in den letzten Jahren ganz wesentlich gehoben. Stark dazu beigetragen hat in den vergangenen zwei Jahren das regelmäßige Einsehen des Monsuns, wodurch gute Ernten erzielt wurden. Im Budgetjahre 1923 24 betrug der Wert der Einfuhr 2276 Millionen Rupies und Der Ausfuhr 3619 Millionen Rupies. In den ersten zehn Monaten des jetzigen Finanzjahres 1925/26 betrug die Aktivität der indischen Außenhandelsbilanz nicht weniger als 857 600 000 Rupies. Für das Land selbst ist es von großem Rachteil, daß diese außerordentlich günstige Entwicklung durch innere Unruhen und religiöse Kämpfe zwischen Hindu und Moslem gerade jetzt wieder empfindlich gestört wird, und es ist jeLf ii .oünschen. daß die Bemühungen des .Lord Irwin, die Beseitigung diese» Schnuecigke» cn und die Beruhigung deS Landes. Kftb gelingen D?u t*E'ä* k» lattc vor dem Kriege und hat auch jchT toLeäejLtincn belangreichen Anteil am Harchel sHolfentlich wird uns auch dort bald -ier #äucvnDc Aufenthalt, wie solches in verschieden-u PÜvren britischen Kolonien schon de ii j.itcttct. Eine ruhige, gesunde Entwicklunf Indiei^k unter zielbewußter, britischer Leitung iftlfür tun.»Deutschen Außenhandel von größtem Vorteil. Vie argentinische Linrvänderung im Jahre 1925. Don unserem P. ^.-Korrespondenten. Buenos Aires, Juli 1926. Der offizielle Bericht des Cinwandereramtes gibt das Ergebnis der Ein- und Auswanderung für 1925 betannt, wonach ein Saldo von 75 000 Einwanderern zugunsten Argentiniens verbleibt, eine Zahl, die um mehr als 50 Prozent hinter den äeberfchüssen der voraufgegangenen Jahre zurückbleibt. Rimmt man zu obigem Resultat das mit ungefähr 170 000 Kopsen errechnete Anwachsen der Bevölkerung hinzu, so ergibt sich, daß das abgelaufene Jahr nur eine Vermehrung des argentinischen Menschenmaterials um kaum 2,5 Prozent gebracht hat. Dieses Resultat muß auf den ersten Blick unverständlich erscheinen bei einem Lande, das mit fast unbegrenzten Möglichkeiten für seine Weiterentwickelung ausgestattet ist. Jedenfalls ist diese Verminderung Der argentinischen Anziehungskraft ein Phänomen, dessen Ursache im Interesse des Landes unbedingt festgestellt werden muß, da es ja lediglich Die Knappheit Der Bevölkerung ist, Die Den Fortschritt Des Landes verzögert. Das durch den Krieg verarmte Europa, der größte und beste Lieferant von (SintoanDerem, hat noch lange nicht seine wirtschaftliche und soziale Stabilität wieder erlangt, ist doch in verschiedenen Ländern Die Zahl Der Arbeitslosen noch im Steigen begriffen. Es liegt also in Europa absolut fein GrunD vor, dah sein ausgezeichnetes Auswanderer-Material Dort boDen- ständig bliebe. Da außerdem Nordamerika seine Grenzen mehr Denn je Der europäischen EinwanDerung verschlossen hält, sollte man Doch annehmen, Daß nunmehr Argentinien, das ja auch tatsächlich infolge feiner Ausdehnung und günstigen wirtschaftlichen Lage geeignet ist, große Massen aufzunehmen, nach dem Ausscheiden Rordamerikas das beliebteste Ziel Der europäischen AuswanDerung bilDen mühte. Wenn nun trotzdem die Einwanderung, statt zuzunehmen, einen scharfen Rückgang erfahren hat, so zwingt die Logik, die Ursache hierfür im eigenen Lande zu suchen. Vor allem scheint es das Fehlen einer großzügigen Propaganda zu sein, Die Den europäischen Auswanderern Die Aussichten unD Entwicklungsmöglichkeiten in den einzelnen Erwerbs- zweigen sachgemäß vor Augen führt. Die großen Reichtümer, die Argentinien zweifellos auf allen Gebieten der menschlichen Produktion besitzt, können daher vielfach in Europa nicht richtig ein- geschäht werden. Schuld der argentinisches Regierung ist es hier, nicht innerhalb der für die Auswanderung in Frage kommenden CänDcr aufklärend und anziehend gewirkt zu haben, wie denn hier leider bislang weder kaufmännische noch industrielle Politik getrieben wurde, was ja auch zur Folge hatte, daß man in Europa noch immer von einer frappierenden älnkenntnis über Argentinien geblieben ist. Ein weiterer Die Einwanderung behindernder Faktor dürfte der fein, dah Die Erlangung Der für Die Einreise nach hier erforderlichen Dokumente noch immer unnötig erschwert wird. Die Furcht vor Dem Einschleppen bolschewistischer Ideen, die kurz nach dem Kriege den Anlaß zu Den nötigen Vorsichtsmaßnahmen gab, ist heute absolut nicht mehr stichhaltig, um im Gegensatz zu Den übrigen südamerikanischen Ländern noch weiter veraltete Formalitäten beizubehalten, ihm Die Dünne Luft. Ein zu rascher Ausssieg birgt Die Gefahr, daß Die Blutgefäße zerreißen. Wenn auch Die Atmung durch Sauerstoffapparate erleichtert wird, so stellen sich doch Gehörstörungen und Sinnestäuschungen ein und mit aller Energie muß Der Flieger gegen Die Müdigkeit ankämpfen, die sich zu plötzlicher verderbenbringender Ohnmacht steigern kann. Martens berichtet. daß er nach seinem Höhenflug im Oktober 1919 nach der Landung völlig taub war. keinen klaren Gedanken fassen konnte und erst nach zwei Tagen wieder das Gehör zurückerlangte. UebereinftimmenD berichten alle Flieger, daß in großen Höhen die absolute Einsamkeit geradezu beflemmcnö und niederdrückend wirkt. Rur Der Lärm des Propellers, Der nirgends ein Echo findet, weil der Schall zerflattert. ist die einzige Melodie, die das Ohr trifft. Die Erdbewegung bewirkt, daß ein Ostwind von infernalischer Gewalt (über 200 Kilometer Stundengeschwindigkeit) an dieser Luftgrenze dahinbraust, daß Schneestürme daherfegen und den Aufenthalt in dieser Einöde das Luftmeer zu einer wahren Hölle machen. Qlur äußerste Anspannung aller Kräfte und Entfaltung letzter Energien ermöglichen es, sich kurze Zeit in diesem Wirbel rasender und menschenfeindlicher Elemente zu halten. Der Abstieg darf (ebenso wie Der Aufstieg) nur allmählich erfolgen, Da Der Körper sich Den Verände- rungen Der Luftdruck- und Temperaturverhältnisse erst langsam anpassen muß. Diese Höhenflüge haben selbstverständlich, falls sie nicht mit anderen Mitteln durchgeseht werden, nur eine rein sportliche Bedeutung und haben nur insofern Wert, als sie ein ilrteil zulassen über die Leistungsfähigkeit der Flug- technik der einzelnen Länder. Anders verhält es sich um Höhenflüge, die aus wissenschaftlichen Gründen, z. D. zur Erforschung Der höheren Luftschichten, unternommen werden. Dies weckt Die Erinnerung an einen Aufstieg in einem Freiballon. Den vor genau 25 Jahren am 31. Juli 1901, Geh. Rat Prof. Dr. Süring (vom Observatorium in Potsdam) und Prof. Derson ausführten, eine Der denkwürDigsten Freiballonfahrten, Die jemals unternommen wurden, wobei zum erstenmal im Freiballon die 10 000 Meter-Grenze überschritten und die Höhe von 10 800 Metern erreicht wurde. Hebet diese seltsame Fahrt (der Ballon führte den Rainen „Preußen" und faßte 8400 Kubikmeter Gas) hat Prof. Süring (den Schriften Der Raturforschenden Gesellschaft in Danzig zufolge) folgende Eindrücke und Erlebnisse mitge- teilt: „Um 2.45 Uhr — vier Stunden nach dem Ausstieg — bei 9000 Meter und 30 Grad Kälte hatten wir das stolze Bewußtsein, höher als alle Erhebunegn Der ErDe zu sein, aber es machte wenig Eindruck. Schematisch wurde das vorgeschriebene Arbeitspensum erledigt: zur Unterhaltung spürte keiner von uns Lust: es war auch schwer, sich bei Den über die Ohren gezogenen Pelzkappen verständlich zu machen. Eine Verschlechterung des Befindens war noch immer nicht festzustellen, aber es wurde immer schwerer, Die Müdigkeit zu bekämpfen. Mir fielen sogar einmal Die Augen zu, aber, wieder aufgewacht, fühlte ich mich vollkommen frisch und wir führten zwischen 9000 und 10 000 Meter in Abständen von zirka sechs Minuten noch vier Beobachtungsreihen aus. Die Temperatur betrug hier zwischen 30 und 40 Grad Kälte. Ein anscheinend nebensächlicher Umstand beförderte nun vielleicht die Abnahme unserer Kräfte: das registrierende Barometer war eingefroren, sowohl Das Uhrwerk wie Die Tinte. Derson bemühte sich — wie vorauszusehen war, vergebens — die Apparate wieder in Ordnung zu bringen: ich hatte in der Zwischenzeit nichts zu tun: meine Müdigkeit wurde daher wieder größer. Rachdem diese Dersuche aufgegeben toaren, machten wir noch eine gemeinschaftliche Ablesung in 10 230 Meter Hohe. Bemerkenswert — weil abweichend von früheren Erfahrungen — ist die Sicherheit, man kann fast sagen Mühelosigkeit, mit welcher diese Beobachtung ausgeführt werden konnte... Die Einstellung und Beobachtung des Queck- filberbarometers, welche eine ganz ruhige und etwas unbequeme Stellung verlangte, war exakt durchführbar: der Stand Der Thermometer, welcher durch ein astronomisches Fernrohr, also mit umgekehrtem Bild, abgelesen wurde, war bi—— !■ iimrni 111 arai>»a klar erkennbar, und das Beobachtungsvio^Ioll konnte von mir mit größerer Sauberkeit geführt werden als bei mancher anderen Fahrt. Der Grund für das Wohlbefinden waren offenbar die konsequent durchgeführte Sauerftoffatmung und der gute Schuh gegen Die Kälte. Kein Wunder, daß man glaubte, noch viel mehr ertragen zu können! Und doch befand sich der Körper nicht mehr im normalen Gleichgewicht. Ueber 10250 Meter Höhe werden plötzlich Die bis dahin so deutlich in der Erinnerung haftenden Vorgänge unklar: Die Erinnerungen sind infolgedessen bei uns beiden scheinbar etwas abweichend. Zweifellos steht fest, daß Berson das Ventil zog und dadurch den Ballon zum Fallen brachte. Kurz vorher hatte er mit schnellem Blick am Barometer einen Luftdruck von 202 Millimetern — das entspricht einer Höhe von 10 500 Metern — abgelesen. Diese Höhe ist somit sicher festgestellt. Raturgemäß hat das Ventilziehen nicht sofort gewirkt, um so weniger, weil unmittelbar vorher Ballast geworfen war. Der Ballon ist also noch geftiegen — wir nehmen aus verschiedenen Gründen an bis zu etwa 10 800 Metern — aber das ist eben nut eine Schätzung, keine Tatsache. Berson zog das Ventil, weil er auf Anruf und Schütteln leine Antwort von mir erhielt und daher eine Katastrophe befürchtete: das Ventilziehen verbrauchte aber den Rest seiner Kräfte, er brach erschöpft zusammen und fiel in eine lange, schwere Ohnmacht. Meine Erinnerungen besagen, daß ich meinen Kollegen anscheinend schlafend in sitzender Stellung vorfand, als ich — anscheinend noch ganz frisch — mich nach chm umsah, um zu einer neuen Beobachtungsreihe aufzufordern. Schütteln war vergeblich: auch als ich ihm meinen Atmungsschlauch in den Mund steckte, um ihm mehr Sauerstoff zuzuführen, blieb er regungslos. Ich wollte daher Das Ventil ziehen, dessen Leine für mich ziemlich schwer zu erreichen war, mußte aber wieder umkehren, um zunächst meinen bei Berson zurückgelassenen Atmungsschlauch zu holen. Mit der noch ganz deutlichen Erinnerung, daß die Kräfte rapid abnahmen, ergriff ich auch noch den Schlauch, aber dann schwand das Bewußtsein. Ob das vor oder nach Bersons Ventilziehen war, ist ziemlich nebensächlich: jedenfalls waren wir schließlich beide ohnmächtig. die manchen Auswanderer zur Verzweiflung bringen können. Eine gute Seite dürfte das alarmierende Resultat der letztjährigen Einwanderung jedoch haben, nämlich Lie. daß die ce'etzgeöenren Körperschaften sich nun endlich einmal qufraffen messen, die Einwanderungspolitik Argentiniens von Grund auf neu zu gestalten, und in Verbindung hiermit wird man denn auch wohl oder übel dem Problem der Landaufteilung zu Leibe gehen müssen, damit in Zukunft den einwandernden Landleuten billiges Siedlungsland zur Verfügung gestellt werden kann. Achtzig-Iahr-Feier des Lurnvsrems Wietzen von 1846. Am Samstag ttjib Sonntan konnte der Turnverein Gießen von 1 846 mit einer ganzen Reihe von gesellschaWMen und turnerischen Veranstaltungen ti«fr Dcirbieiungen unter lebhafter Anteilnahme der gesamten Einwohnerschaft, unter Beteiligung von Wftfttcrn der Behörden und der Presse, sowie der'zahlreichen befreundeten und der nachvarten Vereine die Feier seines 8 0jährigen Bestehens festlich und würdig begehen. Die Festveranstaltungen wurden am Samstag, nachmittags 5 Uhr, mit einem Schauschwim - men eingeleitet, das die Schwimmabteilung des Vereins in der Müllerschen Badeanstalt vor- führte. Die Vorführungen bestanden aus Staffeln, Gruppen- und Einzelspringen. Troß schlechten Wetters erledigte die Abteilung ihre Darbietungen unter der zielbewußten Leitung der beiden Schwimmwarte in mustergültiger Weise. Auf die einzelnen Teile des reichhaltigen Programms näher einzugehen, würde zu weit führen; hervorzuheben wäre besonders das Gruppenspringen der Turnerinnen und der Turner. Die Schwimmabteilung hat durch dieses Schauschwimmen ihrem alten Ruf alle Ehre gemacht. Der offizielle Festakt bereinigte am Abend Mitglieder und geladene Gäste tu der mit Fahnen reich geschmückten Turnhalle nm Os» waldsgarten, die bis auf den letzten Platz besetzt war, und wo sich unter der Oberleitung von Oberturnwart Erb und der Turnwarte Müller und Daum ein ebenso reichhaltiges, wie abwechslungsbolles Festprogramm abwickelte. indem vor allem mit den turnerischen Vorführungen ganz ausgezeichnete, mit wohlverdientem, stürmischen Beifall auf genommene Leistungen geboten wurden. Aach der musikalischen Einleitung des Abends erhob sich der 1. Sprecher des 3ubcl= Vereins, Universitäts-Oberinspektor Erle, zur Eröffnungsansprache. Er begrüßte zunächst die so zahlreich erschienenen Gäste und Mitglieder (unter denen sich auch das 86jährige Ehrenmitglied Louis K a 11 r e i n befand, der 70 Jahre ununterbrochen dem Verein angefjört hat) und gedachte im besonderen der kleinen Schar begeisterter Jünger Jahns, die sich im Oktober 1 84 6, fortgerissen von dem Freiheitsdrange jener Epoche, zur Gründung eines Turnvereins zusammenschlossen. Es ahnte damals wohl niemand unter ihnen, daß das schwache Reis, welches sie pflanzten, so mächtige Wurzeln schlagen und dereinst sich zu einem kräftigen Lebensbaume entwickeln würde. Trotz mancher Widerwärtigkeiten haben sich immer wieder Männer gefunden, die die deutsche Turnsache weiter förderten. So steht der Turnverein heute als der größte Verein des Gaues Hessen da. Er darf mit Stolz sagen, daß er seine Schuldigkeit getan hat und stets eine Stätte der körperlichen und sittlichen Ertüchtigung der Jugend war, zum Heile ihrer selbst und des deutschen Vaterlandes. Mögen auch fernerhin den Verein Männer leiten, die von den Idealen unseres Turnvaters Jahn beseelt sind. Das ausklingende „Gut Heil!" galt dem deutschen Vaterland. Das turnerische Programm war von dem unermüdlichen Vereinsoberturnwart Karl Erb mit Sachkenntnis zusammengestellt worden. Der Jubelverein selbst ließ seine Turner unter Führung von Turnwart Müller antreten. Die stattliche Riege bot neue Gewandheitsstabübunaen, die durch ihre zügigen Formen bei sauberer Ausführung sehr gut gefielen. Ebenso wirkungsvoll waren die Freiübungen der Volksturner, die unter Leitung des Sport- warts Daum mit den neueren Bestrebungen, wie sie unter der Bezeichnung „Körperschule" in der D. T. Eingang gefunden haben, anschaulich bekannt machten. Daß auch die „Alten" des Jubelvereins noch ihren Mann stellen, dos bewiesen die Freiübungen der Altersturner. Die einfachen Hebungen Indessen fiel der Ballon, und ziemlich gleichzeitig, aber erst nach einer halben bis drei- vierter Stunde, erwachten wir in zirka 6000 Metern Höhe aus der Ohnmacht, beziehungsweise dem daran sich anschließenden Schlaf. Jetzt war das Befinden ein ganz anderes als vorher: nichts von anscheinender Frische, sondern zunächst Atemnot und Angstgefühl, die allerdings nach starker Sauerstoffatmung bald wieder verschwanden, dann aber eine bleiernde Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schlaffheit, eine Art Seekrankheit oder richtiger Luftkrankheit, die auch ihren Tribut verlangte. Es kostete eine sehr bedeutende ilebertoin« düng, jetzt die notwendigsten Arbeiten zu tun, also vor allem den übermäßig schnellen Absturz des Ballons durch Sandwerfen zu verlangsamen. sich selbst aus den Pelzen herauszuwickeln, die Instrumente zu verpacken und dergleichen. Aber alles gelang; wir bekamen den Ballon vollkommen in unsere Gewalt und fuhren noch etwa zwei Stunden, bis der Ballon ganz sanft auf ein abgeerntetes Feld auffetjte. Wo wir waren, wußten wir vor der Landung nicht. Bis fast zu den größten Höhen hatten wir unseren Weg ziemlich genau verfolgt: wir waren durchschnittlich nach Süden bis Südwest gefahren und mußten, wenn wir diese Richtung beibehielten, etwa bei Wittenberg über die Elbe kommen. Als wir aus der Ohnmacht erwachten, sahen wir eine ganz veränderte Landschaft; viel Wasser, besonders Seen waren zu erblicken, aber wir suchten vergebens die Elbe. Wie sich nachher herausstellte, waren wir. im Gegensatz zu der schwachen Luftströmung bis 8000 Meter, darüber plötzlich in einen stürmischen Westwind geraten, der uns in einer Stunde etwa 100 Kilometer nach Ost versetzte. Wir gelangten also infolge dieser Richtungsänderung der oberen Luftströmungen nicht an die Elbe, sondern nach dem Spreewald und landeten bei Brieten unweit von Kottbus." Diese Fahrt, die in der Geschichte der Frei- lballonsahrlen zu wissenschaftlichen Zwecken Berühmtheit erlangt hat, läßt aus Sünngs Bericht die Gefahren dieser Hochfahrten mit überzeugender und eindringlicher Deutlichkeit erkennen. Prof. Süring darf am 31. Juli das 25jährige Jubiläum wirkten durch die vorbildliche Haltung und Exaktheit der Ausführung und zeigten, daß die in der Jugend erworbene Fähigkeit und Gelenkigkeit auch im vorgeschrittenen Atler der „alten Herren" noch ihre Früchte trägt. Ein allerliebstes Bild der Anmut brachten die Turnerinnen des Vereins mit dem schönen Volkstanz auf die Bühne, der mit Gesang und frischer Bewegung ein Stück Turnerjugendbewegung darboten. Im Vordergrund des Interesses standen naturgemäß die Glanzpunkte des Abends, das eigentliche Kunstturnen an den verschiedensten Geräten. Turnermeister mit Namen von bestem Klang, die in ihrer Mehrheit in diesem Jahre aus den Kampfspielen in Köln als Sieger hervoraegangen sind, hatten sich in echter Turnbruderschaft in den Dienst des Jubelvereins gestellt. Die „weiße Riege" war beste Auslese. Das sagen schon ihre Namen: Otto Menz (Mainz), Heinrich M e n z (TlainA), Peter Kretz (Kastel), Hermann Bund (Wiesbaden), Fritz Hahn (Elch), Gg. Steimle (Nürnberg), Albert H o f m a n n (Nürnberg), Anton Nies (Nidda), Carl Reuter (Tv. 1846 Gießen). Was an Barren, Pferd und Reck von den genannten Meistern geboten wurde, hat man in dieser Ausführung hier noch kaum gesehen. Es waren Kunstleistungen im wahrsten Sinne des Wortes, über alles Lob erhaben. Stürmischer Beifall lohnte alle Darbietungen. So sah man am Barren wiederholt die Luftrolle rückwärts und ähnliche schwierige Hebungen; am Reck beherrschten fast alle die Riesenfelge vorwärts und seitwärts mit schwierigen Abgängen. Noch selten hat man auch mit so schöner und ausgeglichener Gleichwertigkeit am Pferd, dem undankbarsten Gerät, turnen sehen. Drei-, fünf- und siebenfache Kehren zeugten von der ungewöhnlichen Fertigkeit der Meister. Ohne uns vom Lokalpatriotismus leiten zu lassen, dürfen mir uns dem allgemeinen Urteil umschließen, daß es gerade der heimische Turner Carl Reuter gewesen ist, der am Pferd ein ganz besonders reifes und fertiges Können geboten hat. Außerordentlich groß war die Zahl der Ansprachen und Ehrungen, die dem Jubelverein im Verlause des Festabends zuteil wurden. Als erster Redner ergriff Beigeordneter Dr. Seid das Wort, um dem Turnverein im Namen der Stadt Gießen begeisterte Glückwünsche zu entbieten. Der Redner erinnerte an die Entstehung des Vereins und rühmte die ungemeine Lebenskraft, die er in diesen acht Jahrzehnten bewiesen habe. Der Verein habe gezeigt, daß Werk und' Geist des Turnvaters Jahn noch nicht erstorben sei; daß die Entwicklung in diesem Geiste vorwärts und aufwärts führe, daß der Turnverein' 1846 noch viele Jahre wachse, blühe und gedeihe, sei sein aufrichtiger Wunsch. Direktor H a s s i n g e r vom Landesbildungamt verband seine Glückwünsche mit der Anerkennung dessen, was der feiernde Verein geleistet hat. Gerade die Turnvereine hätten eine außerordentliche Aufgabe zu erfüllen, der Jubelverein habe die Zeichen der Zeit wohl verstanden. Der Achtzigjährige in seiner Mite müsse der Jugend Ansporn und Beispiel sein, unerschütterlich festzuhalten an den Idealen der Deutschen Turnerschaft. Die warmen Worte des Sprechers — namens der Provinzialdirektion und des Kreisamts Gießen — klangen aus in einen Appell zur Einigkeit und zur gemeinsamen Mitarbeit am Wiederaufstieg. Im Rainen der Landesuniversität überbrachte Prof. K l u t e dem Verein die besten Glückwünsche; er betonte die Rotwendigkeit körperlicher Erstarkung und die gesunden Wechselbeziehungen zwischen geistiger und körperlicher Arbeit und faßte die Wünsche der Universität dahin zusammen: Möge diese Feier ein Markstein, aber kein Grenzstein sein! Für den Mittelrheinkreis und den Gau Hessen entbot Gauvertreter Pfeiffer dem §. V. Glückwunsch und Gruß. Er gedachte der Gründung vor SO Jahren, in schwerer, bewegter Zeit, und dieser wunderbaren Luftreise feiern, die im Freiballon bis heute noch nicht übertroffen wurde. Grgütelle und volkstümliche Briefmarken. Von Max Tor. Der Briefmarlenfport, mit dem sich heute Tausende von Menschen, jung und alt, beschäftigen, bat im Laufe der Jahre eine ganze Reihe von Marken aus alter und neuer Zeit derartig volkstümlich gemacht, daß auch viele Richtsammler an dem Sport selbst Freude und Gefallen finden. Meistens ist es dann etwas Originelles, was einzelne Marken an sich haben, und das ist oft ausschlaggebend für die Gewinnung eines neuen Sammelfreundes. Ich lasse nachstehend eine kleine Schau dieser bunten Papierchen Darüber- ziehen, die wirklich etwas Originelles und Volkstümliches an sich haben. Viele werden schon von der seltenen Mauritius 2 Pence dunkelblau vom Jahre 1847 gehört haben, die heute als „blaues Wunder" in aller Welt Munde, selbst in Romanen und Kinofilmen eine Rolle spielt. Philatelistisch berühmt als Fehldruck, weil man an der linken Seite „Post Office", zu deutsch „Postamt", statt Post(age) Paid", was „Porto bezahlt" heißt, lieft. Im Jahre 1865 wurden die ersten Stücke bekannt und seitdem sind bis heute nur 24 Exemplare gefunden worden, von denen eins vor Jahren vom Reichs- postmuseum in Berlin für 36 000 Goldmark käuflich erworben wurde. Heute wird diese Marke auf über 50 000 Goldmark geschäht. Eine originelle Seltenheit, und da sie soviel von sich reden machte, auch eine volkstümliche Erscheinung in der Phantasie der Briefmarkensammler, noch mehr aber der Laien. Von allen deutschen Marken stehen ihr an Eigenart und Volkstümlichkeit nicht nach der grüne Aeuntreuzer-Fehldruck von Baden und der blaue 1/5-Reuaroschen-Fehldruck von Sachsen, beide aus dem Jahre 1851. Diese beiden Marken- seltenheiten entstanden lediglich durch Verwechselung einer Papiersorte beim Einlegen in die Druckerpresse. wies auf die historische, politische und nationale Mission der deutschen Turnerei hin. Im Sinne einer harmonischen Entwicklung von Körper und Geist sei der alte Wahrspruch. „Frisch, fromm, fröhlich, frei" zu verstehen. Der Redner gedachte ferner der hohen, vom Altertum überkommenen! Ideale, die eine Pflegestätte im feiernden Verein gefunden hätten,, und schloß mit Worten des Dankes für die lange Jahre hindurch geleistete, treffliche turnerische Arbeit der 1846er und mit einem von der Versammlung stürmisch aufgenommenen „Gut Heil!" Eine schier endlose Reihe von Gratulanten schloß sich an; es ist hier kaum möglich, sie alle einzeln zu nennen und ihre Glückwünsche zu wiederholen. Der Männerturnverein beglückwünschte durch Gg. Kling als jüngerer Bruder den älteren zu seinem Ehrentage und überbrachte als Angebinde zwölf Stäbe; für den Schützenverein sprach Dr. van Bentheim, der zwei Stab- 'hochsprungstäbe überreichte; für den Tv. Wetzlar sprach Allmenröder, für den Verein Rudersport Schm all, vom Verein für Bewegungsspiele Overbeck, als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der Militär- und Regimentsvereine Prof. Wenzel, für den Turnverein Rauheim (der einen Speer überreichen lieh) S a l z m a n n, für den Bauerschen Gesangverein Heller; namens der ^Iserkritik überreichte G I a g 0 w einen Ball, ebenso lieh der Giehener Schwimmverein, für den Pascoe gratulierte, einen Wasserball überbringen. Es waren mit Glückwünschen und Grüßen ferner zur Stelle die Gießener Feuerwehr (Wenzel), der Gesangverein Heiterkeit, der Turnverein Heuchelheim und der Turnverein Lich, dessen Vertreter Zimmer zwei Gere als Geschenk überreichte. Im Rainen des feiernden Vereins richtete der 2. Sprecher. Baurat Mangold, Worte des herzlichen Dankes für die dargebrachten Glückwünsche und Festangebinde an die Versammlung. Im Anschluß hieran fand die Verleihung von Auszeichnungen an besonders bewährte Mitglieder statt. Unter lebhaftem Beifall wurde der Kreis-Ehrenbrief überreicht dem 1. Sprecher W. Erle, dem Oberturnwart K. Erb und Heinr. Pieper. Den Gau-Ehrenbrief erhielten: E. Jung, P. Treuke. H. Wahl, Wilh. Brühl, I. Köhler. Ehr. Weeg. Eine ganze Reihe von Angehörigen des Vereins erhielten die Ehren Mitgliedschaft, und zwar wegen besonderer Verdienste: W. Erle, K. Erb, Th. a u b e I, W. Will, R. Buchacker; auf Grund mindestens 40jähriger Zugehörigkeit: L. Klotz, B. Schorn ber, L. Best, H. Best, I. Klingelhösfer, K. Kreiling, K. Geismar, K. Linden st ruth, A. Fischer, I. Grünewald, Ehr. Jnderthal, A. Roli und W. Roll. Im Rainen der Ausgezeichneten sprachen noch W. Erle und Th. V a u b e l; mit besonderer Genugtuung wurde die Mitteilung von einer bedeutenden Geldspende der Ehrenmitglieder entgegengenommen. Dann ergriff Herr Hassinger noch einmal das Wort zu einer kernigen Schluhansvrache, die zum gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes überleitete. Damit hatte der erste Tag und der offizielle Festakt, der glänzend verlaufen war, seinen Abschluß erreicht. Arn Sonntag vormittag traten programmmäßig die Volksturner, Tunerinnen und Spieler auf den Plan, um auf dem Gebiete des alten Jährlichen Volksturnens ihr Können unter Beweis zu stellen. In entgegenkvm- inender Weise hat der V. f. B. hierfür den herrlich gelegenen und neu hergerichteten Waldsportplatz dem Jubilar zur Verfügung gestellt. — Eingeleitet wurden die Kämpfe durch einen geschlossenen Rundlauf, der von sämtlichen Teilnehmern exakt und stilgerecht durchgefichrt wurden. Sodann folgten in unmittelbarer Reihenfolge Läufe über die verschiedensten Strecken, Wurfübungen und Sprünge. In allen Kämpfen wurden recht ansehnliche Leistungen erzielt, wobei die Läufe unter dem Gesichtspunkt der eben erst hergerichteten und daher noch weichen Laufbahn zu werten sind. Zwischendurch erledigten die F a u st b a l l spieler (Alteherren-Abteilung und Aktive) ihre angesetzten Spiele. Eingeladen hierzu waren die Spielabteilungen der Turnvereins Wetzlar und Sinn. Beide Vereine zeigten ein flüssiges und korrektes Spiel. Gegen 12 Tlhr waren sämtliche Kämpfe zu Ende geführt, und Teilnehmer wie Zuschauer konnten mit großer Befriedigung über das Gebotene des Platz verlassen. Der Leitung beider Vereine des T. V. von 1846 gebührt hierfür Dank und Anerkennung. Am Sonntagnachmittag trat der Jubelverein mit allen Abteilungen zu einem "prächtigen Fest zuge an, der sich mit Musik und Fahnen (worunter sich auch die alter 49er Fahne befand) unter lebhafter Anteilnahme der Einwohnerschaft zur Volkshalle bewegte, wo bald nach 3 Llhr Der feierliche, vom Publikum begeistert begrüßte Aufmarsch der Abteilungen erfolgte, und wo ein äußerst reichhaltiges, turnerisches Programm die Aufmerksamkeit der Turnfreunde in Anspruch vahm. Hier trat der Jubelverein mit seinen Darbietungen werbend vor die große Oeffentlich- keit. Auch hier gab es einen Erfolg auf der ganzen Linie. Das Publikum begeisterte sich an der immer wieder bewiesenen Kraft, Gewandt- heit und Disziplin. Reben den Gästen, die tote am Samstag wieder ihr Bestes boten, war es am Sonntag vor allem der Jubelverein selbst, der das Feld durch ein Massenauftreten von etwa 300 Ausübenden beherrschte und damit zeigte, dah er in allen Zweigen des deutschen Turnens fleißig und erfolgreich an der Arbeit ist. Imposante Bilder boten die Turner, die vom kleinsten Schüler bis zum ältesten Altersturner zur Stelle waren. Ebenso wirkungsvoll waren die allgemeinen Freiübungen der Turnerinnen und Schülerinnen. Ungeteilten Beifall fanden wiederum die Riegen- Vorführungen am Barren, Reck und Pferd, wo sich die glänzenden Leistungen des Vorabends wiederholten, sowie die Vorführungen der Fechtriege. Die kurzen Begrüßungsworte des ersten Sprechers, Erle, die den Nachmittag eingeleitet hatten, klangen aus in ein „Gut Heil" auf die Zukunft des Turnvereins und das gemeinsam gesungene „O Deutschland hoch in Ehren ..." Am Abend fand dann auch der zweite Festtag mit turnerischen Aufführungen, wobei einige gutgelungene Pyramiden besonders bemerkenswert waren, mit Konzert und Tanz und Volksunterhaltung seinen harmonischen Abschluß. Allen,, die die Jubelfeier miterlebt haben, werden die beiden, so außerordnllich zufriedenstellend verlaufenen Festtage in bester Erinnerung bleiben. Turnen, Sport und Spiel. Kugelstoßen. Eine 7l 'i Kg. schwere Kugel 15,544 Mtr. weit zu stoßen — das ist Weltrekordleistung. Der Amerikaner Rose ist ihr Inhaber, der auch die Welthöchstleistung i,m Kugelstoßen beidarmig mit 28,002 Mtr. hält. Der deutsche Rekord ist erst vor wenigen Wochen von Brechenmacher auf 14,52 Mtr. bestarmig und 25,125 Mtr. beidarmig verbessert worden. Doch kann man schon mit Leistungen zwischen 12 und 13 Mir. — wie die letzten Ergebnisse zeigten — Verbandsmeister werden. An deutschen Leichtathleten, die im Kugelstoßen heute zu den Besten Deutschlands zählen, sind neben Vrechenmacher 6 Öllingen, Külzer, Schröder, Wenninger, Schauffele, Hänchen, der Turner L i n g n a u zu nennen. Reue Leute kommen auf. Weit volkstümlicher und ebenso originell aber sind die rote 3°Pfennigmarke von Sachsen aus dem Jahre 1850 und der schwarze Bayernkreuzer von 1849. Beide Marken sind in echten Stücken immer noch erschwinglich. Allerdings kostet die Dreiersachfen heute schon ein schönes Stück Geld. Man hat sie in der Philatelie zur Königin der altdeutschen Briefmarken gemacht, obgleich dieser Ruhm der weitaus billigeren schwarzen Einkreuzermarke von Bayern gebührt. Warum? Run weil die Dreiersachsen erst nach dem Vorbilde der schwarzen Bayern entstanden ist. Aber der Grad der Seltenheit ist ein weitaus größerer. Während von der roten Dreiersachsen ein Rest hon 36 922 Stück im Oberpostdirektionsgebäude in Leipzig verbrannt wurde, sind die schwarzen Dayernmarken fast durchweg zur Frankatur auf- gebraucht worden. Erst in den letzten 10 Jahren wurde der schwarze Dahernkreuzer eine Mode- marke, weil die Eigenart der schwarz-weißen Farbe eine Sonderstellung unter den altdeutschen Marken einnimmt Richt minder zu einer Originalität und Volkstümlichkeit haben sich in neuerer Zeit die sämischen Einkreuzermarken non Baden und Württemberg aus dem Jahre 1851 entwickelt, weil ihre Zeichnung und Farbe sehr charakteristisch ist. Ich komme nunmehr zu den Hannover-, Preußen- und Sachsen-Köpfen, an deren Entstehung sich zum Teil geschichtliche Anekdoten knüpfen. So soll der damalige Generalpostmeister Schmückert die Preuhenköpfe durch Anwendung allzustarker Poststempel nicht nur entwertet, sondern nach der Ansicht des Königs Friedrich Wilhelm IV., dessen Bildnis sie toiedergeben, sogar entehrt haben. Die Folge davon war die Einführung der preußischen Wappenmarken an Stelle der bisherigen Kopfmarken. Die ersten Sachsenköpfe mit dem Bildnis Friedrich Augusts des Zweiten nach rechts heißen im Volksmunde „Trauersachfen". Dieses Märchen rührt daher, daß man noch in den 80er Jahren fest daran glaubte, die Marken seien infolge der tödlichen Verunglückung des Königs Friedrich August von Sachsen (am 9. August 1854 in Tirol) mit einem Trauerrande erschienen. Dabei sind diese Marlen bereits 1851 amtlich an den Schaltern ber alten sächsischen Post ausgegeben worden. So wurden diese Marken volkstümlich. Das Kugelstoßen erfordert vor allem Schnelligkeit und Kraft. Große Leute sind natürlich im Vorteil. Das Gewicht der Kugel beträgt 71/4 Kg. für Männer, für männliche Jugendliche (Klasse A und B) 5. für Frauen, weibliche Jugendliche und männliche Jugend (Klasse C) 3,628 Kg. Die Kugel besteht aus Eisen mit glatter Oberfläche. Sie wird frei mit einer Hand — aus einem Kreis von 2,135 Mtr. Durchmesser — gestoßen und darf zum Schwungholen nicht weiter als bis zur Schulter zurückgeführt werden. Rachdem die Technik ohne Kugel erlernt ist, beginnt man mit dem Wurf aus dem Stand. Der Werfer stellt sich in loser Haltung mit gespreizten Deinen am Abwurfmal auf, so daß die linke £Ötper- feite der Wurfrichtung zugewendet ist. H-ute betont man besonders die Beinarbeit beim Kugelstoßen, nachdem sie lange vernachläss'gt, die Aehnlich wie den Preußenköpfen lke vertrieben. Die Marken aber blieben noch bis Mitte Juli 1860 in Kurs und erhielten währeid dieser Zeit noch mandren originellen ZierstenPel als Entwertung aufgedrückt. Aber auch Fürtenköpfe auf neuzeitlicheren Briefmarken wurden oft der Gegenstand einer humorvollen Volks tümlio en Betrachtung. Das Bildnis des Königs Pete' L von Serbien auf den Briefmarken vom Jahre1911/12 war wie ein Lauffeuer in Deutschland «ls bai des Hauptmanns von Köpenick erkannt, ur-) heute nennt sie kein Sammler anders als „Haujttnann- Von-Köpenick-Marken". Ein jeder kennt wr)l auch die prächtige 1911 erschienene Markenrei'e von Bayern mit dem Kopfe des Prinzregeitte Luitpold. Auf den höheren Werten von 1 Mar' an in großem Format trägt der Prinzregent denZagd- hut. Dabei ist dem Schöpfer und Zeichne: dieser schönen Marken, dem Maler Friedrich vo' Kaulbach, das kleine Versehen passiert, den Fderstutz auf dem Jagdhute des Prinzregenten an der falschen Seite anzubringen. Dies malte die Marken originell und volkstümlich. Der König Albert der Belgier, dessen Brustbild erstmalig 1912 auf den belgischen Marken erschent, redet man im Volksmunde nach, daß er auf lern einen. Auge schiele. Eine Tatsache, die jeder feststellen kann. Ebenso originell sind die Tlnterchiede in der kleinen und großen Kopfzeichnung utb in der Uniform mit ein oder zwei Knöpfen >er Ausgaben 1912/14. Die originellste und oolkstüm- iichste Briefmarke in Deutschland afrr ist die braune 3-Pfennigmarke mit der Germania vom Jahre 1902 mit dem bekannten Plittenfehler „Dfutsches" statt „Deutsches Reich". S' eröffnen sich beim Briefmartensammeln die vershiedensten Gesichtspunkte, die kleinen bunten Papittchen nicht nur der allgemeinen Belehrung, fordern auch der Unterhaltung und dem Vergnügen nutzbar zu machen. & Nachdruck verboten. Fortsetzung. 26 Wetzlarer Ballspiel- Elubzwe'- der Weile Jchag wobei einige gut» rs bemerlenswen mb Msunterhol' uh. Allen, iit die Jen bie beiben, |o rrlausenen Festtage *«um bie Wegen. 16 $ferb, wo sich orobenbs mebtx- 10:3. Auch hier trat das körperliche Spiel zu sehr | in den Vordergrund und machte es weniger < gefölllig. als man es sonst in Wetzlar zu sehen , gewohnt ist. Schon im Anfang des Spiels zeigte r’d> der Siegener Sturm Wetzlars Hintermann- > schäft im Stellungsspiel glatt überlegen. Wetzlars f Mannschaft Mächte im ersten Spiel der Saison I nicht den guten Eindruck, den man von der alten : mit hinübergenommen hatte. Obwohl F. C. kom- j Piel! stand, fand sich fein Sturm nicht in der gewohnten Weise zusammen. Zudem muh man 'agcn. dah der Sieger eine Glf von grober Klasse 'feilte, die allerbesten Handball zeigte. Des t Gä st Mittelstürmers Schuh und ihres Torhüters Abwehr standen auf einsamer Höhe. Siegen ührte bereits in der ersten Hälfte 4:1 und erhöhte bis zum Schluh auf obiges Ergebnis und damit zu einer Wetzlarer Niederlage, wie sie bisher noch nicht erfolgt war. Der Verlaus des Spieles im allgemeinen war abwechslungsreich unb interessant. Schade, dah auch hier Unfair- hcit den Gesamteindruck störte. Schiedsrichter Schneider (Sieben) amtierte nicht besonders iusriedenstcllend. übersah vieles und pfiff zu ipat. Zudem wurde ihm sein Amt seitens der Spieler nicht erleichtert. Beide Spiele waren schwach besucht. Sonst bleibt noch zu sagen, dah die Wetzlarer Elf bei dem beabsichtigten Spiel gegen die Eichener Stäbtcelf sich schwer ins Zeug legen muh, wenn s.ie erfolgreich lein will. Aach der gezeigten Leistung und der Spiclstärkc der Eichener, bc- s-onders der Eichener Universität, dürfte diele Ansicht zu Accht bestehen. :r Ntriege. Die echrn Sprechet-, eilet hatten, Ilan, i* die Zukunft bea m gelungene ,5 Aasensportvereine Fuhball-Club und Club, die mit dem leichtathletischen üamps begonnen hatte, wurde am Samstag mit einem Handballtrefsen fortgesetzt. Die beiden ersten Mannschaften trafen sich auf dem B.E.- Stoh zu geben. Wetzlarer Sport J. L. — v.L 4:0. b Tie Annäherung der beiden ^eten in ^k» Ltz! allen Sjk Öligen Jef* WndnotunL )nÄUn!n leb! '^erschalt in, 3 Uhr ß begrüßte Au', “nö too c;n Programm bie ! « Anspruch ein mit sein» KO-llent§ ^°lz auf der Äte sich ^Manbi- Joten, tvar eS an 'elbft, per ™ von etwa ^e unb bamit «n bei deutschen i> an der 2tbe:t we Turner, bie al'elten Altert, ^lv loirlungrvoll Zungen der Tur« *3lah am Klosterwald zu einem Privattrefsen. Äin Lause des Tages niedergegangene anhaltende Regengüsse hatten erfreulicherweise dem Boden wenig geschadet. Unter bei Leitung von <5 t c i n c v ,xS- C. Polizei, entwickelte sich zunächst -in flotter Kampf, der im Feld gleichmäßig verteilt war. Bor dem Tore spielte F. E. entschlossener und schuhfreudiger trotz des Fehlens ton Voh und Paulus, unb legte in zehn Minuten 2 Tore vor. Blum unb Roth waren tic guten Schützen. Auf der Gegenseite arbeitete der Sturm kaum eine Schuhgclegenheit heraus: die wenigen Bälle, bie auf s F. E. Tor kamen, waren zu schwach geschossen und wurden von 2 a p c 11 o glatt gehalten. Aoch in der ersten Hälfte gelingen F. C.'s Sturm zwei weitere Erfolge. geschossen von denselben Spielern wie oben. Die immer härter werdende Spielweise veran- Iahte den Schiedsrichter mit Recht, zwei Spieler auf jeder Seite hcrauszustellen. 3m weiteren Verlaufe des Kampfes nahmen die Unsairheiten xu und nach Halbzeit muhte noch ein B. C.'er Den Platz verlassen Die Gemüter erhitzten sich mehr und mehr, vah der Schiedsrichter fast mit dem Ablauf der Spielzeit wegen Schiedsrichterbeleidigung seitens eines B. E.-Spielers daS Spiel abbrach. An dem Ergebnis der ersten Hälfte änderte sich nichts. 3n bgm Hauptspiel des Sonntags schlugen die ö „Sportfreunde" Siegen den F. C. Polizei Ivehlar Schulter- und Armarbeit dagegen überschätzt wurde. Die Kugel ruht auf den Fingerwurzeln in der Mitte der Hand, die an der Schulter liegt. Das rechte Bein, auf dem das Körpergewicht ruht, wird gebeugt, während das linke, fast gestreckt, auf den Fußspitzen mit der Fußsohle quer zur Wurfrichtung steht. Der linke 2rm ist in Schulterhöhe erhoben. Durch Drehung in den Hüften wird der gebeugte Oberkörper nach rechts geschraubt, bas rechte Dein plötzlich gestreckt, der Oberkörper nach links zu- ruckaebreyt, bet linke Arm mit Schulter zurück- cerissen und der rechte Stoharm nach vorn gebracht. Ein kurzer Stoh -• die Kugel fliegt im Bogen aus der Hand, die noch eine Drehung macht, fo dah die Handfläche nach außen zexgt. - Der Wurf mit Anlauf ist eine Art flacher Sprung in dem vorgezeichneten Kreis. Er bient tauptsächlich dazu, dem Körper Schwung zum vor allem Schnei' i sind natürlich im ei beträgt 7‘/< Äg. lugenbliche (wallt (bliche 3ugenbli(be C) 3,628 Äg. Sie glatter Oberfläche, nb - aus einem nefler - gestoßen nicht Leiter als toerben. Nachdem t ist, beginnt man and. Der *r ,t gespreizten Lei- i bie link jWt' Mist- irbeit beim icrnachläl^^^ Mn Mle-chs Mts Ras tenÄLl alt ^ wurden'ost ;:Änä •ft« I als ,«r bet kcnniDS ' ®arIc^W ^52ani°. Die Krummhölzer Roman aus den bayerischen Bergen. Bon Michael Wagner. 'v°n Hb- & «Äle ' 5 * - mlii-.Mioll- ■ ken ein-- #M* * iE « >*’ l die v ffchen D‘r ..dtiJF I Lei der folgenden wichtigen Beratung über den Barnen, welchen der jüngste Uracher bei der laufe erhalten sollte, verfocht der Annodomini eifrig Zenos Lorschlag, ihn nach dem Grohvatcr Quirin zu heißen. Marianne wollte ihm eigentlich den Namen ^eno geben, schließlich einigte man sich aber doch auf Quirin. Also wurde der nun Großvater gewordene Uracher zum Taufpaten «gewählt. Da schrieb Zeno an den Later einen zwar kurzen, aber herzlich gc- Fnltenen Brief, machte ihm von dem freudigen Er- eignis Mitteilung und lud ihn ein, sich seinen Enkel . nzufchauen. Ein Bote brachte den Bries zum Srummholzerhof hinaus. Am nächsten Morgen schon kam Uracher vom ‘Icrg herab, jmmer noch groß und stark, vom Älter ungebeugt, ddch die Haare silbergrau. Mit dem ihm egenen würdevollen Ernst begrüßte er vor allem Äarianncn, deren Befinden vorzüglich war. Als er Linn den jüngsten Urachersprossen in den Armen Helt, war es gar seltsam anzusehen, wie die reine Herzensfreude sich in feinem sonnverbrannten Ge- sichtc zwischen die liefen Sorgenfurchen schob. .Was wollt's ihm nachher für'n Namen geben?” ' i agte er. „Quirin, Baler!" lächelte Zeno, — „und wir fiten dich halt recht schön bitten, daß du ihm . . ." Da leuchtete ein kleines Freudenfeuerchen in Krachers grauen Augen auf, und in ungewohnter Lebhaftigkeit rief er: „Quirin?! — Nachher hat er schon fein' Göden!" unb schlug sich an die breite Brust. Lei der Taufe amtierte also Vater Uracher als 'Täte und übergab bei der anschließenden kleinen Familienfeier hernach als Angebinde für fein Tarenkind ein Säckchen, das je ein Stück der alten Friedens-Gold- und Silbermünzen enthielt. „Gel, da schaust'" sagte der Förster, der natürlich auch wacker mithielt, zu seinem alten Freunde. Großvater! — Taufgöd' — Was du durch uns ir deine alten Tag noch alles wirft!" Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften. Die Deutschen Leichtathletikmei» sterschasten im Wackerstadion zu Leipzig hatten am ersten Tage sehr unter der ungünstigen Witterung zu leiden So war die Aschenbahn vollständig ausgeweicht. Der schlechte Boden führte sogar dazu, daß die Entscheidung im Hochsvrung auf den Sonntag verschoben werden mußte. Besondere Beachtung verdient hierbei die Leistung des Breslauer Körnig, der den Sieg im 2ö0-Meter-Lauf nur durch fabelhasten Endspurt gegen Wege» Leipzig an sich brachte. Mit 21.5 Sek. wurde die deutsche Bestleistung Houbens erreicht. Hoffmeister- Hannover holte sich mit 44,235 Meter den Meistertitel im DiSkuswerscn bestarrnig gegen Ha euch e n . Berlin, welcher sich 'Den Sieg im Diskuswerfen. beidarmig, mit 72.91 Meter sicherte (41,65 und 31.26 Meter) vor Knoop- Eimsbüttel 71,47 Meter. Durch Dr. Pekhcr, dem durch Hebei- rcichung eines Kranzes, der mit einer in den Stadtfarben gehaltenen Schleife versehen war. eine besonder.' Ehrung zuteil wurde, gewann Preußen-Stettin die 3 lVOO-Meter-Staffel in 7:45.4 vor München 1860 7:45. Auch den 400- Meter-Lauf konnte Dr. P e l y e r in 49 Sek. für sich entscheiden vor F a i st - Karlsruhe. 49.3. Dieckmann- Hannover ließ sich den 5000- Meter-Laus nicht nehmen und siegte in 15:13,2 sicher vor Frandsen- Oldesloe 15:35,3- Das 1 Iv-Meter-Hürdenlaufen konnte Troß bach knapp in 15,3 gegen Steinhardt- Karlsruhe gewinnen, welcher jedoch — er riß mehr als 2 Hürden um — distanziert werden mußte. Am Sonntag kam die Meisterschaft im Hoch- sprung zur Gnttchcidung. Deutscher Meister für 1926 wurde Huhn kB S. B. 3ena) mit eineu Sprunghöhe von 1,80 Meter. Zweiter wurde Beetz (Deutscher Sportklub Berlin) mit 1,80 Meter (durch Stechen entschieden). Richt weniger als vier neue deutsche Bestleistungen wurden ausgestellt und Körnig brachte es sogar fertig, den Weltrekord des fliegenden Amerikaners Paddeck um Vio Sekunde herunterzudrücken. Auch die beiden Zweiten des Laufs, D r e i b h o l z - Essen, unt Wege- Leipzig, brachten die 100 Meter in der bisherigen Weltrekordzeit von 10,4 hinter sich. Auch die deutsche Bestleistung des Deutschen Sportklubs Berlin in der 4xl00-Meter- Staffel wurde durch Phönix- Karlsruhe um V10 Sekunde auf 42,1 verbessert. Dr. Pc 1 her konnte im 400-Meter-Hürdenlauf einen neuen deutschen Rekord für sich buchen. Er unterbot die alte deutsche Bestzeit von M u s s o w um i/3 Sekunden. Die neue Bestleistung von 54,4 steht nur um 0.9 Sekunden hinter dem Weltrekord zurück. Meisterschastsregatta des Süddeutschen Nuderverbandes. Der Süddeutsche Rudcrverband veranstaltete in Mainz seine dritte Meister- schastsregatla und zugleich feine 60. Ruderregatta. Die Rennen gingen bei guter Witterung von statten und wiesen einen sehr guten Besuch auf. Die Ergebnisse waren: Bc- grüßungSvierer der Stadt Mainz: 1. Germania Kastel 6:41,4; 2. Undine Frankfurt 6:50,2. — Ansängervicrer: 1. Germania Kastel 7:29,4; 2. Mainzer Ruderklub 03 7:30,4; 3. Frankfurter Undine 7:37,6. 3uniorvicrer 1. Germania Offenbach 7:34,6; 2. llnbine Rüsselsheim 7:39; 3. Fortuna Mainz 7:43,2. — Senioreiner (Rheinmeisterschaft): 1. Mainzer Ruderklub 03 (3akob Schmitt) 8: 14,6; 2. Frankfurter Alemannia (Otto Ebbrecht) 8:25,2. — 3ungmannvierer (1. Abteilung): 1. Rudcrgesellschaft 21 Ried 7:42; 2. Undine Rüsselsheim 7:42,8. (2. Abteilung): 1. Hassia Gießen 7:47,8; 2. Ruderklub Raunheim 7:49,8. - Erster Achter: 1. Rudcr- oerein Freiheit Mühlheim 7: 14,6 (im Alleingang). Vcrbandsmcistcrschaftsvierer ohne Steuermann: 1. Rudergelellschast Fechenheim 7:27,2; 2. Germania Offenbach. Schülcrvirrer: 1. Freiheit Mühlheim 4:55; 2. Fortuna Mainz 5:09. — Erster Vierer. Germania Kastel 7:42,2; 2. Rudcrvcrcin Vorwärts Offenbach 7:51,6. 3ungmannachter 1. llnbinc Rüsselsheim 7:04,6; 2. Hassia Gießen 7:14,8. - 3unioreiner: 1. E. Pietz, Vorwärts Offenbach. 8:46,6; 2. Gutfrucht, Walfcrlportvercin Ludwigshafen. 8:56. — Zweiter Seniorvierer: 1. Germania Offenbach 7:41; 2. llnbinc Frankfurt 7:41,4. junior- achter: 1. Vorwärts Offenbach 7:15,4; 2. Fortuna Das drollige „uns" rief einen wahren Lachsturm hervor, Kurzum, man saß fo gemütlich und harmonisch beisammen wie ehedem und als wäre nichts vorgefalleu oder Trennendes vorhanden. Uracher bezeigte aber auch eine helle Freude an dem neuen Sprößling und der ihm durch die Warnens: gebung erwiesenen Aufmerksamkeit. Man verabschiedete sich an diesem Abend in wohltuender Herzlichkeit erst spät voneinander. „So schön tönnt’s fein — so friebfam — und net is’ uns vergönnt!" sagte Zeno zu Marianne, als die andern gegangen und er an ihrem Belte sah, ihre Hand in der feinen. Die Stimme bebte ihm dabei, er preßte die Lippen aufeinander, als gälte es auf- steigende Tränen zu verbeißen. „Net traurig fein, Zeno!" tröstete ihn Marianne mild. „Es wird schon wieder alles recht werden!" „Was gäb i net dafür!" seufzte Zeno mit nassen Augen . . . Den Abschluß des freudigen Ereignisses im Schnitzerhaus bildete die allgemeine Besichtigung des neugeborenen Quirin Uracher am kommenden Sonntag nach dem .stirchgang. Die Frau Mutter hatte den Tisch im Wohn zimmer weiß gedeckt und eine große Flasche süßen Mels für die Weibsleut, desgleichen eine mit ganz scharfem Enzeler für die Mannsleul sowie einen Niesenteller voll Gepäck bereitgestellt. Dann kamen sic angesliefelt — alle. Sämtliche Ehhalten vom Krummhvlzerhvf fanden sich ein, wollten den kleinen Prinzen fehcn. bewunderten ihn pflichlschuldigst, tränten ihr Stamperl Mel oder Schnaps und verzehrten einiges Gepäck. Dann rückten sie wieder ab, nicht jedoch, ohne vorher noch ihrer ehrlichen Bewunderung über die schöne, „kommode" Einrichtung des Hauses lebhaften Ausdruck gegeben zu haben. Sogar die Schwerreiter-Nandl kam von der Alm herunter. Die Hauptrolle bei dem ganzen Huldigungsaktc spielte natürlich Wally. Sie fühlte sich selbst so halb und J)alb zur Großmutter avanciert und weinte vor Freude darüber, daß sic dies noch hatte erleben dürfen. Zeno mußte der Guten unterschiedliche Gläschen Met aufnötigen, bis sie ihre Fassung wieder zurückerhielt. Mainz 7:21. — DerbandsmcisterschafrSvicrer ohne Steuermann: 1. Germania Kastel 7:40,8; 2. Freiheit Mühlheim 7:41,2. Alte-Herren- vierer 1. Germania Kastel 5:31; 2. Germania Kastel 5:35. — Verbandsmeisterschastseiner 1. 3alob Schmitt, Mainzer Ruderverein 03. 8 51: 2. Otto Ebbrccht, Alemannia Frankfurt, 8:55,2. — Zweiter Achter: 1 Rudcrgesellschaft 21 Fechenheim 7:20,4; 2. Undine Rüsselsheim 7:21,8. — Ermunterungsvierer 1. Ruderklub Raunheim 8:20; 2. Mainzer Ruderklub 03 8:22. — Dritter Senivrvierer: 1 Germanw Offenbach 7:59,8; 2. Vorwärts Offenbach 8: 17,8. Verbands- meistcrfchastsachter: 1. Ruderverein Freiheit Fechenheim 7:12,6, 2. Vorwärts Offenbach 7 19,8. Spielvereinigung Fürth siegt in Berlin. Dem Wettspiel des Deutschen Fußballmeislers, Spielvereinigung Furth, wohnten auf dem Platze des S. C. E. etwa 5000 Zuschauer bei. Die Fürther waren mit Ausnahme der Außenflügel in bester Besetzung erschienen. Union S. C. C. trat ebenfalls komplett zu dem Wettspiel an. Fürth gewann hoch mit 8:1 Toren. Bis zur Halbzeit war das Treffen noch ausgeglichen und Fürth nur knapp mit 2:1 in Führung. Nach der Pause gingen die Fürther mehr aus sich heraus und erzielten in regelmäßigen Abständen bis zum Schluß noch weitere sechs Tore, denen Union S. E. E. itichts mehr entgegenzusetzen vermochte. Die Mannschaft von Union S. C. C., die noch vollkommen ohne Training ist, siel in der zweiten Hälfte gegen ihren großen Geg ner völlig ab. Allzu deutlich zeigten sich die Mängel, mit der die Mannschaft noch behaftet ist. Zum Spielverlauf: Bereits in der siebenten Minute erzielte Leinberger das erste Tor, dem in der fünf zehnten Minute Kiesling das zweite für Fürth folgen läßt. Drei Minuten vor Schluß der ersten .yälfte kommt Union S. C. C. zum Ehrentreffer durch einen Elfmeter wegen Hand, den der Verteidiger Schulz verwandelt. Das Urteil im Zleffa-prozeß. 7 Jahre Zuchthaus. Frankfurt a. M., 7. August. (TU.) Rach fast fünfstündiger Beratung wurde heute im Jleffa- Prozeß folgendes Urteil verkündet: Die Angeklagte wird wegen versuchten Totschlages in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung zu 7 Jahren Zuchthaus und den kosten des versahrens verurteilt. 9 Riona ie der Untersuchungshast werden aus die Strafe angerechnet. Die bei der Tat beschlagnahmte Waffe wurde eingezogen. Der 6. Verhandlungstag begann mit einer Replik des Staatsanwalts F l o r e t. Er erklärte, auch nach der erneuten Verhandlung habe er persönlich den Eindruck, daß es sich u m c i n c n wohlvorbereiteten unb kaltblütig ausgeführten Mord handle. Nur im Hinblick auf die Gutachten der drei von der Verteidigung geladenen Sachverständigen habe er sich schweren Herzens entschlossen, die Anklage wegen Mordes fallen zu lassen. Der Staatsanwalt glaubt nicht, daß die Geschworenen dem Verteidiger soweit folgen werden, daß sie ebenfalls zu dem Schluß kommen, daß die „harmlose" F l c s s a nichts weiter getan habe, als einen Revolver bei sich zu führen. Soweit seien wir doch noch nicht! Der Staatsanwalt geht dann ausführlich auf das Gutachten von Prof. Popp ein und kommt zu dem Schluß, daß, wenn der dritte Schuß willentlich abging, auch der erste, der tödliche, willentlich abgegeben wurde. Hieraus nahm der erste Verteidiger Prof. Dr. S i n z h e i m c r das Wort zu einer längeren Erwiderung. Die Beurteilung des Falles Flcssa sei unabhängig von der Beurteilung des Dr. Seih. Seih hatte ein dringendes 3nterefse daran, dah, wenn einmal ein Skandal entstehe, niemand etwas bekunden könne. Die Rede des Staatsanwaltes fei eine Prestigerede. Der Staatsanwalt habe das Bedürfnis, das Prestige der 3ustiz aufrechtzuerhalten und deshalb stelle er 'ich schühcnd vor das erste Urteil. Der Verteidiger beschäftigt sich dann des längeren mit dem Gutachten des Geheimrats Roth und betont. dah nach seiner ^leberzeugung dessen Gut- achten keine besondere Rolle spiele. Dr. Roth fei kein Psychiater; es stehe fest, dah er auf dem Gebiete der Psychologie. Psychiatrie usw. keine Seit der kleine Quirin in der Wiege lag, arbeitete Zeno womöglich noch unverdrossener — freudiger bestimmt. Es sah sich an, als wollte er durch sein Schaffen das Glück in sein emporblühen- dcs Hauswesen zwingen und bannen. Und es schien, als ob ihm das wirklich gelingen sollte. Eines Tages nämlich — es war zur Reifezeit — befand sich unter den mancherlei Kunden in Zenos Laden auch ein älterer Herr von vornehmem Aussehen. Es fiel Zeno sofort durch die Art und Weise auf, wie er, ohne viel zu reden, die ihm vorgelegten Figuren betrachtete und ins Licht hob — voll offenbarer Sachkenntnis. Nun, Zeno holte aus feinen Kästen und Vitrinen die mannigfachsten Gegenstände herbei und legte sie dem alten Herrn vor, der nur dann und wann nach dem Preis eines Stückes fragte unb einige beiseite legte. Schließlich war Zeno mit ihm allein im Laden. Der Herr ließ sich ruhig seine Sachen zusammenpacken und zahlte. Statt dann aber zu gehen, begann er ein Gespräch. „Könnte ich Sie in wichtiger Angelegenheit sprechen, Herr Uracher?" „Bitte, ich stehe zur Verfügung!" erwiderte Zeno höflich, öffnete ohne weiteres die in ein Nebenzimmer führende Tür und bat den Fremden, einzutreten. „Herr Uracher, mein Name ist Professor Armin — ich bin hier in meiner Eigenschaft als künstlerischer Berater und Beauftragter einer großen Kunsthandlungs- und Erportsirma." Er nannte eine bedeutende Firma auf diesem Gebiete, von der Zeno schon gehört hatte, wie ihm auch der Name des Professors als der eines namhaften Künstlers nicht unbekannt war. Der entwickelte nun vor dem staunend lauschenden Zeno sein Anliegen: Er sei beauftragt, auf einer Reise durch das deutsche Alpengebiet nach Erzeugern künstlerisch wertvoller Ausfuhrartikel zu suchen, die bann seitens der Firma für feste Liefc- rungsoerträge interessiert werben sollten. Zenos Erzeugnisse nun gefielen bem Professor außerorbent- lief), unb er wollte jetzt mit ihm besprechen, wie sich Zeno zu einem solchen Vorschläge, ber geschäftlich nur Vorteile brächte, stelle. „Die Sache ist nun bie —" erläuterte ber Pro iessor weiter, inbem er auf bas Paket wies, bas bic gekauften Oegenftänbc enthielt, „ich werbe meiner Firma diese Proben übersenden. Sie auf bas beste FaHkenntnMc besitze. Gr habe bafiee nicht nut großen Wen darauf g-legt, dah nicht nur Theoretiker. sondern auch anerkannle Praktiker zu Worte tarnen. Hofrat Friedländer, der ein solcher Pratttker sei. habe den chronischen und den höchsten Affekt nachgcwiesen. Es habe sich unzwejfeLhckft ergeben, daß sie im Martmum deS Affektes handelte und zwar im höchsten Affekt einer Perlon, die abnorm affijier- bar ift Der Verteidiger kommt in weiteren Ausführungen zu BeifpiÄen, die darlegen, daß Tötung nur vorliegt, wenn der Lötungswille gegeben war. Die Angabe de« Sachverständigen, Professor Kopp, daß die Pistole im Ringen loSgegangen sei. erschüttere das Gutachten des Geb. Rat Roth erheblich. Zudem habe der andere Sachverständige in drastischer Weise erklärt, dah die Schüsse jedem anderen, der nervös sei. loSgehen lönnten. Unb die Flesso war nervös. Der Verteidiger verweist dann daraus, dah. wenn ber Fall Flessa ursprünglich richtig von der Staate anwaltschast behandelt worden wäre, der Fall vor einem Großen Schöffengericht in zwei Stunden erledigt gewesen wäre. Die Verteidigerin, FrÜ Dr. Anna Schulz, beleuchtet hierauf nochmals eingehend die menschliche Seite des Falles Flessa. Rach ihr erklärt der Staatsanwalt, auf die längeren Erklärungen des Verteidigers könne er nicht mehr eingehen, aber er sei es dem Andenken des Verstorbenen schuldig, zu erklären, daß er von einer zweiten Frau nicht bedroht wurde. Jetzt wird die Flessa in den Saal geführt. Die abgehärmte Person ist kreidebleich, ihr Blick ist stier, denn sie hat offenbar die letzten Ausführungen gehört, denn beim Eintreten in die Anklagebank schreit sic auf: »Sie Schuft da drüben." Danach wehrt sie sich gegen die .Unterftellung. daß sie mit pinem Revolver hinter dem Baum gestanden habe: „Das ist Lüge, das habe ich nicht gesagt. Herr Störet, das ist Lüge. Dissen Sie, dah Sie sich selbst damit bestrafen? Wenn ich zehn 3ahre Zuchthaus bekomme. werden Sie hoffentlich noch nicht tot sein, dah ich 3hnen das beibringen kann." Der Vorsitzende teilt der Angeklagten kurz die Anträge mit. woraus sich das Gericht zur Beratung zurückzieht. Rach fast fünfstündiger Beratung erscheint das Gericht um */25 Uhr und Landgerichts- direktor U n g c to i t't e r verkündet das Urteil, dem er die Begründung voranstellte, bei der die Angeklagte nicht zugegen war. Die Angeklagte Krankenschwester Wilhelmine Flessa wurde wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung z u s i c b e n 3a h r e n Zu ch tha u s und in bi c Kosten des Verfahrens verurteilt. Reun Monate der erlittenen Untersuchungshaft werden auf bie Strafe angerechnet. 3n der Urteilsbegründung wird u. a. gesagt. Die Auslagen der Angeklagten sind teils wahr, teile unwahr gewesen. Was den Geschlechtsverkehr angeht, so kann irach den Aussagen des Sachverständigen Prof. Ra ecke an sich ja hin- gcstellt sein, ob ihre Angaben zutreffen. Diese haben jedoch> darin ständig gewechselt Auf der einen Seite hat sie es unter bestimmter zahlenmäßiger Angabe zugegeben, letztere nachher geändert, bann wieder ganz abgestritten usw. Ebenso haben die Angaben der Angeklagten über bic Tat auch fortgesetzt gewechselt, wobei sie einmal von einer Verwundungsabsicht, bann von einem Schreckschuß sprach. Ob der Eitdzweck ihres Gc dankcnslebcns das Kind war, läßt das Gericht dahingestellt sein. Dah sie das Kind haben wollte, ergibt sich aus den Angaben über die notarielle Urkunde. 3hre Bestrebungen gingen dahin, ihre Beziehungen fester zu gestalten. Sie sagte, daß sic sich auSgemalt habe, wie man sich ein Haus kaufe, wie sie ihm in der Klinik behilflich fein könne usw Cs sei verständlich, wenn sich ihr solche Bilder vorgaukelten. Als erstes Motiv für die Tat kommt in Betracht, daß sie sich sehnt und danach strebte, mit ihm in enge Beziehungen zu kommen. Zu diesem tritt im Sommer 1925 das zweite: Durch ihren Dienst bei der Familie Sch. sicht sic in den Gesprächen mit Fräulein Sch. der zukünftigen Brant, die Möglichkeit näherer Beziehungen mit Dr. S. versinken. 3n jene Zeit fällt ber Kauf des Revolvers. Zn bem Sehnen nach Dr. S. kommt bic Eifersucht. Der chronische Affekt, wie bic Psychiater sagen, hat sich verstärkt. Die Situation mit Dr. S. verschärft sich, der ansängt, die Drohungen ernst zu nehmen. empfehlen — woraus Sie wahrscheinlich schon in kürzester Zeit den Entwurf eines Lieserungsvcr träges erhalten werden. Und wenn Sie klug sind, dann greifen Sie zu!" „Das ist ja alles recht schmeichelhaft für mich, Herr Professor," meinte Zeno zögernd, „aber —" „Aber, aber! — Mein lieber Herr Uracher! Sie werden doch hier nicht lange überlegen wollen? Die Sache ist sauber — mein Wort darauf — sonst würde ich sie doch nicht in die Hand nehmen! — Bedenken Sie doch bitte — Sie können auf einen Schlag Ihr Glück machen!" Der Professor lachte. „Unglaublich! — Ist der Mann einer der wenigen Auserwahtten, und glaubt auch noch Bedenken haben zu müssen!" Zeno schaute ihm ernst ins Gesicht. „Offen gestanden, Herr Professor — es ist mein künstlerisches Gewissen, das da nicht recht mittun will!" „Aber wieso denn bloß, lieber Herr Uracher?" Eine leichte Röte überflog Zenos Gesicht. Beinahe trotzig stieß er bann hervor „Ich will keine Fabrikware Herstellen!" „Oh!" meinte der Professor überlegen, vom Standpunkt des bewußten Künstlers aus mögen Sie ja recht haben — allerdings auch nur bedingt! Denn Sie müssen immerhin auch Geschäftsmann sein!" Nun legte er Zeno dar, daß er nur bestimmte Gegenstände in der jeweils gewünschten Menge zu liefern hoben würde — er selber könne natürlich schaffen, was und wie er nur immer wolle. „Ich bin auch gar nicht auf so was eingerichtet!" warf Zeno nun ein. Der Professor lachte. „Gitt! Dann richten Sie sich eben darauf ein! Vergrößern Sie Ihr Geschäft, stellen tüchtige Leute an' Kapital schießt Ihnen die Firma vor! Und —" sprach er mit eindringlichem Ernst nun auf Zeno ein, vergessen Sie doch nicht, Herr Uracher, daß Sie auf solche Art erst so recht die Hände frei bekommen für Ihr eigenes künstlerisches Schaffen!" Allmählich gelang es ihm so, Zenos Bedenken zu zerstreuen, ja, ihn zuletzt für die Angelegenheit zu erwärmen. Besonders das letztere Argument entwaffnete Zenos Einwände vollends. (Fortsetzung folgt.) Ha-u kommt die Tatsacye daß die Angeklagte damals keine Tätigkeit hatte und in ihr am Mittwoch, dem Tage der Lat, noch der Zorn über die Abweisung am vorangegangenen Tag gährte. Der Gedanke an eine gewaltsame Lösung ringt sich in ihr durch, der sich im Selbstmord- entschluh äußert. Do kommt ihr der Gedanke: Nicht ich, sondern er ist der Hauptschuldige. Er muh es bühen, sagt sie, und nun ergreift sie in Hast den Revolver, nimmt das Gift mit sich und eilt zu Dr. S. Auf Grund des chronischen Affektes, verbunden mit dem -Zorn über die Ablehnung, ihrer Mntätigkeit, das Grübeln wird der Tötungsgedanke 5 u m — Vorsatz. Ihre erregte Ratur veranlaßt sie zu den beiden letzten Schüssen. Wenn auch von berufener Seite vollendete Tötung angenommen wurde, und zwar derart, dah sich der Vorsatz auf den Erfolg beziehen müsse und auf die Art des Erfolges, also auf die Degehungsforin, und wenn die Art des Erfolges sich nur unwesentlich unterscheide von dem Erfolg, so muh man sie dem Täter zurechnen. Das Gericht hat die Tat so bewertet, dah die Lötungsabsicht vorlag, aber die V e - gehungsform eine andere ist und diese ihr nicht zugerechnet werden kann. Die Frage der Meberlegung braucht nicht länger erörtert zu werden, man habe es mit Totschlagsversuch in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung zu tun. Richt nur Dr. Seitz habe sein Leben eingebüht, auch die Flessa hat ihr Leben ruiniert, und es soll ihr das menschliche Mitleid nicht versagt werden. Es ist weiter berücksichtigt, dah die Angeklagte wenigstens zeitweise nach der Tat Reue gezeigt hat, später vor den, Untersuchungsrichter habe man ja andere Aeuherungen gehört. Das Verhalten nach der Tat steht durchaus im Einklang mit der Annahme des Affekt-Totschlags. Sn dem Augenblick, wo sie mit dem Tötungsvorsah an Dr. Seih herantrat, bedachte sie die Folgen nicht und jetzt sagt sie, sie hat es nicht gewollt. Für die Strafsrage ist weiter zu berücksichtigen, dah ein wertvolles Menschenleben zum Opfer siel, und es steht fest, dah Dr. Seitz ein geschätzter und gesuchter Arzt war. Zu berücksichtigen sind auch die Folgen, die eine solche Tat auf andere hh st erische Personen ausüben könnte, wenn eine solche Tat straflos oder nahezu straflos bliebe. Der Vorsitzende gab einen Wink, die Angeklagte wurde hereingesührt. Die bleiche Frau schien fassungslos. Der Vorsitzende gab ihr das Urteil bekannt. Aber seine letzten Ausführungen gehen unter den Worten der Angeklagten verloren: „Ach, ich will gar nichts mehr hören. Mir langt's ja. Ach bitte verschonen Sie mich. ES ist ja ganz egal, ob ich fünfzig oder siebzig Sahre bekomme, führen Sie mich doch ab." Die Verurteilte wird abgeführt. Obertzeffen. Landkreis Gießen. ck. Heuchelheim, 8. Aug. Sonntagmorgen hatte die hiesige Freiwillige Feuerwehr gemeinsam mit der Pflichtfeuerwehr eine größere Äebung, bei Ger auch die neue Kreis-Motorspritze von G i e h e n mitwirkte. Mm 1 Mhr rückte die Wehr nach dem als Vrandplah ausersehenen Windhof ab. Der Angriff, welcher sich auf das ganze Gebäude erstreckte, ging flott vonstatten und zeugte davon, dah die Wehr gut eingeschult ist. Die Kreis-Motorspritze traf bereits 10 Minuten nach dem Alarm auf dem Mebungsplatz ein und konnte 6 Minuten später schon mit dem aus der ca. 300 Meter entfernten Krobach gepumpten Wasser das Vrandobjekt bekämpfen. Die neue Motorspritze, welche 800 Liter in der Minute leistet, funktionierte tadellos und brachte mit einer 75-Millimeter-Leitung einen Strahl zustande, welcher von der Erde aus bis über den Turm reichte. Anschließend wurden noch einige Mebungen und Versuche vo^genommen, um die neue Motorspritze auszuprobieren. Nachdem Kreis-Dranddirektor Dick 0 re -- Gießen, welcher die ganze Mebung leitete, seine Anerkennung für die gute Leistung ausgesprochen hatte, rückte die Wehr um 9 Mhr wieder ein. !—! Daubringen, 3. Aug. Da die R 0 g - genernte, die wegen des vielen Mnkrautes dieses Sahr langsam voranging, doch nun soweit beendet ist, hat auch bereits die Dreschmaschine wieder vor dem Dorf auf einem freien Platz ihre Tätigkeit begonnen. Auf Wagen bringen die kleinen Landwirte, die hier nur Roggen und etwas Hafer anbauen, die Frucht direkt vom Feld an den Dreschwagen. Ost reiht sich dann Wagen an Wagen, und ununterbrochen geht dann der Dreschbetrieb Tag und Nacht. ! — ! Aus dem Lumdatale, 8. Aug. So wie wir jetzt auf dem Land durch Radio die kulturellen Genüsse und Darbietungen der Groh- stadt haben, so werden wir auch fast täglich durch tändler mit Autos oder Wagen mit leiblichen enüssen bedacht. Waren es vor Wochen die Kirschen- und Heidelbeerhändler, die ihre FiÄch-te anboten, so bekommt man jetzt seinen Gurken - und Frühkartoffelbedarf bis vor die Haustüre gebracht. Durch das große Angebot von Frühkartofteln sind auch die Preise entsprechend heruntergegangen. So sind sie innerhalb von 14 Tagen von 5,50 Mk. pro Zentner auf 4 Mk. gesunken. Kreis Büdingen. ld. Aus dem Niddatal, 8. Aug. Unter den ftinbern unseres Tales treten die zwar ansteckenden, ober bei vernünftiger Pflege harmlosen Wasser- b lotter n in immer stärkerem Maße auf; die Kleinen sind dadurch häufig während der wenigen Sonnentage dieses Jahres ans Bett gefesselt. ]:( Gelnhaar, 7. Aug. Da der von der Behörde angesetzte Termin des Jugend- fei er tag es in hiesiger Gemeinde in die Heuferien fiel, fonrrte er erst dieser Tage mit einem Ausflug und gemeinsamen Spielen gefeiert werden. Kreis Schotten. ld. Glashütten, 8. Aug. Sn einer der letzten Nächte wurde in einer hiesigen Kolvnial- warenhandlung eingebrochen und größere Mengen Lebensmittel, sowie Zigarren und Zigaretten gestohlen. Der Dieb hängte einen heruntergeklappten Fensterflügel aus, öffnete das Fenster und stieg durch dieses ins Haus, das er durch eine Kellertüre wieder verlieh. Der Diebstahl konnte bis jetzt nicht aufgeklärt werden. Preußen. Kreis Wetzlar. Hochelheim, 8. Aug. Die bereits für Mitte Juli vorgesehenen, wegen der in unserem Orte herrschenden Maul- und Klauenseuche jedoch verschobenen Reichsjugendwettkämpfe werden am 16. August hier stattfinden. — ?— Cleeberg, 8. Aug. Am Samstag kam auf dem hiesigen Rathaus Teil I der Cleeberg c r Gemeind ejagd zur Neuverpachtung. Der Bezirk ist 650 Hektar (330 Hektar- Wald und 320 Hektar Feld und Wiesen) groß. Er ist als wildreiches Gebiet bekannt. Außer Rehwild kommt auch Rot- und Schwarzwild als Wechselwild vor. Der Pachtzins kam auf 1850 Mk. Der frühere Preis betrug 3910 Mk. Auch ein Zeichen der allgemeinen Geldknappheit. Snter- essenten waren nur wenige erschienen. Meistbietender war S. Moser aus Frankfurt a. M. - - Aus dem Kleebachtal, 8. Aug. Begünstigt durch das endlich wieder einsehende Sommerwetter ist die Roggenernte in hiesiger Gegend zumeist beendet, obwohl die starke Lagerung der Felder die Erntearbeiten sehr erschwerte und in die Länge zog. Die diesjährige Roggenernte bringt gute Erträge an Stroh wie auch an Körnern. jedoch sind die Auswinterungsschäden an tiefgelegenen Stellen größer wie man glaubte. Die Gerste, mit deren Schnitt die Landwirte soeben beschäftigt sind, hat sich infolge ihres mastigen Wachstums fast überall gelagert, wodurch der Körnerertrag sehr beeinträchtigt wird. Auch beim Hafer, der oft Manneshöhe erreicht, macht sich stellenweise eine starke Lagerung bemerkbar, was wohl, wie auch bei der Gerste, eine Folge übermäßiger, künstlicher Düngung ist. Die Ernte der Sommerfrucht wird sich daher auch recht schwierig gestalten. Der Stand des Weizens ist durchweg befriedigend. Die Hackfrüchte haben sich von der starken Verunkrautung sehr gut erholt, ebenfalls versprechen die Kartoffeln eine recht gute Ernte. Abgelegene Dickwurzäcker haben zum Teil unter starkem Hasenfraß zu leiden, den die Bauern durch das Aufstellen von sog. „Strohmännern" zu verhindern suchen. Der zweite und dritte Schnitt des Klees ist durch das feuchte Wetter außerordentlich ergiebig, so daß der im Frühjahr herrschende Futtermangel jetzt vollständig behoben ist. Die Wiesen zeigen ebenfalls ein vielversprechendes Aussehen; jedenfalls wird die Grummeternte der Heuernte nicht viel nachgeben. Dillkrcis. bl. Dillenburg, 8. Aug. Durch Beschluß des Staatsministeriums vom 3. August wurde der seitherige L a n d r a t des Dillkreises, Dr. K l a m r 0 t h, zum Ministerialrat im preußischen Ministerium des Snnern ernannt. Dr. Klamroth wurde das Referat der kommunalen Angelegenheiten in den Provinzen des Westens übertragen. — Seminaroberlehrer a. D. und Kommunallandtagsabgeordneter Kupfrian wurde von der Regierung als Bürgermeister der Stadt Dillenburg bestätigt. Die Einsprüche der Sozialdemokraten und Demokraten resp. des Magistrats wurden abgewiesen. Diese Woche erfolgte die Einführung durch Herrn Oberregierungsrat Bies er von der Wiesbadener Regierung. — Der Bebauungsplan der Stadt Dillenburg wurde durch den Bau der Mittelfeld- Herborner Landstraße in Angriff genommen. Der Teil des Bebauungsplanes ist soweit vollendet. Die weiteren Arbeiten werden wohl bald nachfolgen. — Von Straßebersbach nach Breidenbach (Kr. Biedenkopf) soll eine Autobuslinie eingerichtet werden. Allseits findet der Plan volles Verständnis, da dieses Gebiet seither schlecht erreichbar war. Kreis Marburg. sch. Marburg, 8. August. Zur Förderung des Wohnungsbaues will der Kreis Marburg bei der Landespfandbriefanstalt in Berlin eine Anleihe von 300 000 Mark zu einem Zinsfuß von 7,5 Prozent aufnehmen. Die Anleihe, für die der Kreis die Bürgschaft zu üb" ■ chmen hat, ist von der Landespfandbriefanstalt ' :its in Aussicht gestellt, es fehlt nur noch die Zustimmung des Kreistages. Mit Hilfe dieser Anleihe sollen etwa 90 Häuser, die im Kreise bereits im Rohbau stehen, noch vor dem Herbst fertiggestellt werden. — Der Kur- hessische Verein für Luftfahrt plant gemeinsam mit dem hiesigen Verkehrsverein für Marburg am 29. August einen Flugtag. Es sollen sechs Flugzeuge am Start erscheinen, außerdem Zoll das kleinste Flugzeug Deutschlands, das von der akademischen Fliegergruppe Darmstadt gebaut worden ist und mit feinem 3 P. 8.-Motor die Strecke Darmstadt—Berlin in drei Stunden zurücklegte, fliegen. Auch ein Segelflugzeug wird bei günstigem Wind starten, auch Fallschirmabsprünge sollen gezeigt werden. Oberlahnkreis. O Gräveneck, 7. Aug. Die Fruchternte ist eben bei gutem Wetter in vollem Gange. Roggen und Gerste sind gut gereift und liefern einen reichen Ertrag. Auch die Kartoffeln bringen recht reichen Ertrag, so daß wohl auf erträgliche Herbstpreise zu rechnen ist. Wirtschaft. Von den SchLachtviehmärkten. An den deutschen Schlachtoiehmärkten der Woche war die Marktlage im Durchschnitt nicht ganz so günstig wie in der Vorwoche. Die Auftriebsziffern nahmen für Rinder, Kälber und Schweine etwas zu, während sie für Schafe feine Veränderung erfuhren. Das Preisniveau war für alle Gattungen nur geringfügigen Schwankungen unterworfen und im allgemeinen gut gehalten. Auf den nachstehenden Märkten' wurden für ein Pfund Lebendgewicht in Pfennig notiert: Rinder Kälber Schafe 1 Schweine Berlin 18-58 53-80 30-60 72-83 Bremen 25-57 40-120 30-60 60-77 Breslau 20-60 30-72 40-60 62-79 Chemnitz 25-59 50-68 48-58 65-81 Dortmund 20-60 40-80 30-50 75-82 Dresden 24-65 50-80 25-64 65-86 Düsseldorf 20-60 40-72 40-45 73-83 Elberfeld 20-60 55-75 — 60-78 Essen 28-60 45-95 30-52 63-80 Frankfurt M. 16-62 40-75 28-50 65-84 Hamburg 14-58 30-75 25-58 64-80 Hannover 15-60 35-80 44-65 72-80 Husum 18-60 — — — Karlsruhe 21-58 58-68 — 76-84 Kassel 23-65 45-67 — 73-80 Kiel 17-49 29-71 28-60 42-78 Köln 20-63 35-68 35-45 70-83 Leipzig 28-62 40-73 20-63 75-85 Magdeburg 20-62 35-75 25-54 72-86 Mannheim 14-62 50-77 35-45 77-82 München 20-60 55-76 — 60-80 Stettin 15-56 28-75 20-53 68-81 Stuttgart 14-57 49-69 —- 54-77 Zwickau 20-60 40-65 35-58 76-83 * * D i e deutschen Münzprägungen im Sulr 1 9 2 6. Sm Monat Suli 1926 wurden in den deutschen Münzstätten Zweimarkstücke im Werte von 12 500 680 Rm. und Einmarkstücke im Werte von 1 795 538 Rm„ ferner Zehnpfennigstücke im Betrag von 60 000 Rm. und Fünfpfennigstücke von 35 309,90 Rm. geprägt. * * 8 0 Mill. R m. S ch a tz a n w e i s u n g e n der Deutschen Reichspost. Ein aus den wichtigsten deutschen Banken bestehendes Konsortium veröffentlicht nunmehr eine Zeichnungsaufforderung auf die zweite Folge der 6,5- prozentigen Schatzanweisungen der Deutschen Reichspost. Der Zeichnungspreis beträgt 99,5 Prozent. Die Zeichnungen werden in der Zeit vom 9. bis 14. August angenommen, vorzeitiger Schluß bleibt Vorbehalten. Die Schatzanweisungen sind mündelsicher und können im Lombardver- tehr der Reichsbank beließen werden. Der Erlös soll bekanntlich dazu dienen, der Deutschen Reichspost Mittel zur Ausgestaltung ihres Betriebes zuzuführen. * * Neueinstellungen in der rheinisch - westfälischen Großindustrie. Auch in der abgelaufenen Woche hat sich die Beschäftigung der westlichen Sndustrie wieder gebessert. Richt nur die Vereinigten Stahlwerke haben in ihrer Abteilung Gelsenkirchener Bergbau A. G. und Phönix im Bergbau Neueinstellungen vorgenommen, sondern auch die Klöckner- Werke konnten die Belegschaft ihrer Zechen weiter erhöhen. Besonders zu erwähnen ist noch, dah der Phönix in der Abteilung Hörder Verein wieder mit voller Belegschaft von 4500 Mann arbeitet und binnen kurzem einen neuen Hochofen in Hörde anblasen wird, nachdem diese Abteilung seit nunmehr einem Sahre die Zahl ihrer Arbeiter von der erwähnten Zahl bis auf zirka 1200 Mann einschränken muhte. Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) Frankfurt a-M. Berlin Schluß! 1-Uhr. fiurs 1 Kur» Schluß-lAnfang Kur» ! Kur» Datum: | .7.8. | 9.8. 7.8. | S. 8. 5% Deutsche Reichsanleive . 4% Deutsche Reichsanleihe . 3‘/a% Deutsche Reichsanlcihe 3% Deutsche Neichsanleihe . Deutsche Svarprämienanleihe 4% Preußische Koniols . . . 4% Hessen......... . Hessen.......... 3% Heu et, . . . ........ Deutsche Dertb. Dollar-Anl. dto. Doll.-Schatz-Anweikug.*) 4% Holltürken 5% Goldmerikaner .... Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- and Privat-Bank Dannst. und Nalionalbank . Deutsche Bank......... Deutsche Vereinsbank .... Disconto Commandit .... Mctallbank........... Mitteldeutsche Creditbank. . Oesterreichische Creditanstalt. Westbank............ Bochumer Guß ...... Buderus..... Caro Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke . . Harpen er Bergbau Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurahütte...... Oberbedars ......... Phönir Bergbau ...... Rheinstahl Ricbcck Montan ..... Tellus Bergbau....... Hamdurg-AlxLrika Paket. . . Norddeutscher Llovd ..... Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . Philipp Holzmann...... Anylo-Cont^Guano Chemische Mader Alapin . . 9- ®- Tarbeninduskric, A.-G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung Rütgerswerke Scheideanstalt Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann . . Mainkraftwerke ....... Schuckert........ ,. Siemens 4 Halöke ..... Adlerwerke Kicher ..... Daimler Motoren. ..... Hehligensraed, ........ Meguin. Motorenwerke Mannheim ffranfturrcr Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgesellschaft Frankfurt. Pet. Union A.-G Schuhfabrik Herz Sichel Zellstoss Waldhof...... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . 0.51 0,5125 0,505 0,5075 0.405 _ 0,465 0,46 0,46 — 0,465 0,4625 0.50 — 0,5375 \ - 0.275 — 0,28 — 0,4575 — 0.465 0,4625 0,41 — 0,47 — - — 0.45 — 0,46 — 0,45 — — — — — — —- — 13,9 13.75 12,5 _ 46,5 45,5 46,25 — — — 199’ 199' 143* 141* 141.5* 141' 191' 191* 194* 188,2* 174' 174.1' 174,5* 174* 92 — — 163' 161' 162,2' 161* 134 134,5 — 143 — 144.5’ — 7.2 7,25 7.4 7,25 — W — 152* 157,2* >45* 155,7* 98 99 97,75 98,75 — - 85,75 157' 161' 157,2’ 160' 180' 182,5' 179,6* 183' 158.7* 158* 157,5* 157* 147 — 146.5* 147,7* 151,5 — 152 56.25 57 57.5 59 — —— 73.5 74.75' 125,7* 128' 124,9* 127,9* 151.5* 153,5' 151.5* 154* 156 156,4 156 156,25 — — — — 165,2* 165* 165* 164* 158.5* 157,2* 158' 156,5* 57 _ 124.5 124,5 — - 98 98,25 — — 87,5 — — _ 287.7' 295' 288.5' ;93* 119 121* 119,75 119,9 54 57 — 114,7 — 111,62 114 162 163 — 149.9' 150,5* 149.6* 151,5* 143,9 144.7* 142,7' 144,5* 103 _ 133,7* 134,5' 133* 132,6' 180* 181,5* 179,7' 180* 84,75 85.12 84,62 85,75 88 —— 88 87 25,5 — 48,25 — 47,5 — — — 33,25 — 16 — _ 41,25 — — 147,25 147,75 — 84,5 87 —- 48,5 — 47 — 3 —— — _ 166,5 —• 165,25 (66,62 76 <5.5 — 84,62 83.75 81 — Devisenmarkt Berlin—Zrankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) Banknoten. (Ohne Gewähr.) 7 August. 9. August. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Briet Geld Brief Amst.-Non. 168,41 168.83 168,38 168,80 Buen.-Aires 1,696 1,700 1,626 1,709 Brss.-Anlw 11,92 11,96 12,38 12,42 Clwistianio. 91,84 92,06 91,84 92,06 Kopenhagen 111,31 111,49 111,28 111,46 Stockholm . 112,26 112.54 112,28 112,56 Helssngfor-5 10,553 10,593 10,55 10,59 «lallen. . . 11,17 11,2! 14,11 14,13 London. ■ . 20,339 20,441 20,395 20,447 ‘.Oeupor! . . 4.195 1.205 4.195 4,205 Paris. . . 12,63 12,67 12,31 12,35 Schweiz . . 81,10 81.30 81,10 81,30 Spanien . 63,22 63.38 63,92 64,08 Japan . . . 1,998 2,002 2,002 2,004 :»to de Jan. 0,644 0.646 0.641 0.646 Wien inD- Lest. abgeft. 59,32 59,46 59,35 59,48 Prag .... 12,416 12,456 12,418 12,488 Belgrad . . 7,40 7.42 7,40 7,42 Budapest. . 5,865 5,885 5,87 5,88 Bulgarien >,04 3,05 3,04 3,05 Lissabon 21,40 21,45 21,41) 21,45 Danzig. . . Konstantin- 81,50 81.70 81.33 81,53 2,387 2,392 2,357 2,367 Athen. . . 4,69 4,71 4.74 4,76 Canada. . 4,199 4,209 4,199 4,209 Uruguap . . 4.155 4.165 4.165 4.175 Berlin, 7. August Geld Brief Amerikanische Note» ..... Belgische Noten........ Dänische Noten ....... Englstche Noten........ Französische Noteu ...... Holländische Noten..... (italienische Noten ...... Norwegische Noten..... ffieutfc6=Cefterr.,äioo Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten..... Schweiler Noten ...... Evanische Noten..... . Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noteu....... 4,175 12,07 111,12 20,37 13,07 168,08 (4,46 91,57 59,43 1,91 111,94 81,20 63,14 12,40 5,825 4,195 12,13 111,68 20,47 13,13 168,92- 14,54 92,03 59.73 1,95 112,50 81,60 63,46 12,46 5,865 frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"^ Frankfurt a. M., 9. Aug. Tendenz f e st. Die Börfenlage kann bei Beginn der neuen Woche als zuversichtlich bezeichnet werden. Die Stimmung war fest und die Mmsah- tätigfeit gewann erheblich an Umfang. Die freundliche Veranlagung kam erneut besonders am Montanmarkt zum Ausdruck, dessen Werte größeren Nutzen ziehen konnten. Durch das Anhalten des englischen Bergarbeiterstreikes wurden größere Kohlenabschlüsse getätigt, wodurch neue Anregungen geboten wurden. Für Phönix-Aktien war die Mrnsatztätigkeit besonders rege infolge der Berichte über eine gute Beschäftigung dieses Mnternehmens. Phönir zogen anfangs um 3 Proz. an, konnten aber im Verlaufe diesen Stand nicht behaupten und gaben um 1 Prozent nach. Mngewöhnlich fest lagen Bochumer mit plus 5,25 Prozent. Auch Deutsch-Lux und Gelsenkirchen waren rege im Geschäft und etwa 2,5 Prozent höher. Eine Ausnahme bildeten Harpener. die 0,7 Proz. nachgaben. Für S. G.-Farbenaktien trat stärkeres Snteresse hervor, so dah der Kurs von 287,75 auf 292 Proz. anzog. Scheideanstalt plus 1 Proz. Eleltroaktien toarcn-*»eiter lebhaft begehrt und fest, doch waren hier die Gewinne bescheidener Art. Bankaktien lagen unsich:r und uneinheitlich. Die Nachricht von den Transaktionen bei der Deutschen Bank konnte feinen Einfluß gewinnen, da man über diese Tatsache bereits unterrichtet war. Die Werte dieser Gruppe wurden allgemein schwächer mit Ausnahme von Bayerischer Hypothekenbank, die 1 Proz. anzogen. Auch Schiffahrtsaktien zeigten unsichere Haltung und neigten eher zum Nachgeben. Am Kassamarkt waren die Kurse überwiegend befestigt. Zellstoffaktien setzten die Aufwärtsbewegung fort. Waldhof plus 1,25 Proz., Aschaffenburger plus 1,5 Proz. Von Dau-. aktien waren Wayß & Frehtag um 1,5 Proz. befestigt. Holzmann gingen 1,25. Proz. höher. Zuckeraktien waren überwiegend schwächer mit Ausnahme von Heilbronn, die 0,5 Prozent anziehen konnten. Motoren- und Maschinenaktien waren mäßig befestigt. Heimische Renten schlossen sich der Aufwärtsbewegung an. Kriegsanleihe 0,512V». Das Geschäft in diesen Werten war aber ruhig. Ausländische Renten kaum verändert. Der Freiver kehr tendierte f e st. Benz 87 Prozent, Brown-Boveri 117 Prozent, Entreprise 7, Growag 60 Prozent, Mfa 43 Prozent, Mfra 93 Prozent, Frankfurter Handelsbank 90,5 Prozent. Der weitere Verlauf brachte keine Fortschritte in der Aufwärtsbewegung, zum Teil kam es zu leichtenM Kursrückgängen. Das Geschäft wurde ruhig. Am Geldmarkt übertrug sich die Flüssigkeit auch auf die neue Woche. Tagesgeld 4 Prozent, Monatsgeld 5,25 bis 6,75 Prozent je Adresse, Sn« dustrieakzepte 4,75 bis 5 Prozent, Bankdiskonten 4,5 bis 4,75 Prozent. Sm De vi s e n ve r ke h r stellten sich wesentliche Veränderungen nicht ein. Paris notierte gegen London fast unverändert 163, Brüssel stellte sich auf 171 gegen das Pfund. Mailand handelte man mit 144,50 gegen London. London gegen Kabel 4,8671 bis 4,867g. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 9. August. Die Unternehmungslust der Spekulation war durch die nunmehr bevorstehende Einführung der Vereinigten Stahlwerk s a k t i e n , die für Anfang nächster Woche zu erwarten ist, angeregt. Das Geschäft war in den zur Vereinigten Stahlwerks-A.-G. gehörenden Aktien recht lebhaft. Von den sonstigen Werten fanden I. G. Farben und Elektrowerte stärkere Beachtung. Die Befestigung auf den genannten Märkten und bei einigen anderen Spezialpapieren führte zu einer freundlichen Tendenz. Die Transaktionen bei der Deutschen Bank bedeuteten für die Börse keine Ueberraschung, man vermißt aber noch die Angaben über die Abfindung des ausländischen Konsortiums. Infolge der Bevorzugung der Industriewerte traten Bankaktien in den Hintergrund und bröckelten im Kurse ab. Am Geldmarkt ist die Lage weiter flüssig. Tagesgeld 4 bis 6 Prozent, Monatsgeld 5* bis 6| Prozent. Im Devifenverkehr waren die Veränderungen nur gering, die Tendenz war allerdings nach unten gerichtet. Paris notierte gegen London 165 nach 162' Brüssel stellte sich auf 174 und Mailand auf 144,50 gegen das Pfund. Frankfurter Schlachtviehmarkt. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 9. Aug. Auftrieb: 1440 Rinder (darunter 425 Ochsen, 67 Bullen, 948 Färsen und Kühe), 483 Kälber, 70 Schafe, 3483 Schweine. — Rinder (Ochsen): Vollfleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 60 bis 63, junge, fleischige, nicht ausgemästete und öftere ausgemästete 52 bis 59, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 44 bis 50; (Dullen): vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 55 bis 58, vollfleischige jüngere 45 bis 49; (Färsen und Kühe): vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 60 bis 63, vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Sahren 52 bis 58, wenig gut entwickelte Färsen 48 bis 49, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 42 bis 52, mäßig genährte Kühe und Färsen 30 bis 42, gering genährte Kühe und Färsen 18 bis 29. — Kälber: Feinste Mastkälber 72 bis 78, mittlere Mast- und beste Saugkälber 62 bis 71, geringere Mast- und gute Saugkälber 52 bis 61, geringe Saugkälber 40 bis 50. — S ch a f e: Mastlämmer und Masthämmel 45 bis 50, geringere Masthämmel und Schafe 36 bis 44. — Schweine: Vollfleischige von 80 bis 100 Kilogramm 84 bis 86, unter 80 Kilogramm 79 bis 82, von 100 bis 150 Kilogramm 83 bis 86, Fettschweine über 150 Kilogramm 82 bis 84, unreine Sauen und geschnittene Eber 70 bis 75. — Marktverkauf: Rinder und Schweine bei ruhigem, Kälber und Schafe bei mäßig lebhaftem Handel ausverkauft. 2-.*xü Getreidelt se. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 9. Aug. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, neuer Ernte, 28,50 bis 29; Roggen, inländischer, neuer Ernte, 19,75; Hafer, ausländischer, 20,50—22; Mais, gelb, 18,25—18,50; Weizenmehl, inländisches, Spezial0, 42—42,75; Roggenmehl 30; Weizenkleie 8,75; Roggenkleie 10,50; Erbsen 32—48; Linsen 45—75; Heu. süddeutsches, gut, trocken, neuer Ernte, 7—7,50; Weizen- und Roggenstroh, altes, 5,50 bis 6; neuer Ernte 3,50—4; Treber getrocknet, 15,25. Tendenz: abgeschwächt.