Ur. 152 Erstes Blatt 176. Jahrgang Mittwoch. 9. Juni 1926 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Souatr-vezvgspreiL: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriflleilung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Eiehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vruck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und 51eindruckerei R. Lange in Sieben. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breit« örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re- klameanzeigrn von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/o mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Gange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An- zeigenteil Hans Füstel, sämtlich m Gießen. Zranzöfische Kabinettskrise. Die Schwierigkeiten Psrets. Paris, 9. Juni. (WTB. Funkspruch.) Havas berichtet, daß vor dem M i n i st e r r a t, der heute vormittag 11 Uhr unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik stattfindet, die Minister zu einer Sitzung zusammentreten, in der Finanzminister P e r e t die Bildung eines Ministeriums der nationalen Einheit vorschlagen werde. Ein derartiges Ministerium, das sich auf eine große Mehrheit stütze, könne leicht den Finanzsanierungsplan verabschieden. Wenn man dem Plane zustimme, dürfte notwendigerweise die Sollet- tivdemission des Kabinetts erfolgen, damit Briand das neue erweiterte Ministerium bilden könne, andernfalls müßte man die Frage stellen, ob der Finanzminister bei seiner Ansicht, daß Finanz- vortefeuille unter diesen Umständen abzugeben, beharren werde. — Der „Mali n" berichtet übrigens, daß gestern nachmittag an der Börse, in der Kammer und in politischen Kreisen dos Gerücht von der Demission Pärets verbreitet wurde. Im Finanzministerium habe man am späten Abend noch erklärt, daß das Gerücht unbegründet sei. Sn den Wandelgängen der Kammer ging gestern nachmittag das Gerücht um, daß Finanz- minister P 6 r e t von seinem Posten zurück- xutret en beschlossen habe und daß dieser Beschluß bei Ausgang des heutigen Ministerrats offiziell bekanntgegeben w«de. Die Erregung in politischen Kreisen ist außerordentlich groß. Die Nachricht, so unwahrscheinlich sie klingt, scheint den Tatsachen zu entsprechen. Man erinnert daran, daß Peret bei Ausgang des letzten Ministerrats seine Ohnmacht gegenüber der Devisenhausse mit den Worten «ingestand, es seien versteckte Kräfte am Werk, von denen die Regierung nichts wußte. Diese Aeuherung, die für einen Finanzmini- ster ebenso aufrichtig wie -unge- schickt war, wurde Peret in den letzten Tagen wiederholt vorgeworfen und es wurde behauptet, daß die F r a n k e n b a i s s e auf den ungünstigen Eindruck zurückzuführen sei, den diese Erklärung hervorgerufen habe. Kurz vor Aufhebung der Kammersihung wurde bekannt, daß sich P6ret zum Finanzministerium begeben hat und es ablehnte, die Nachricht von seiner bevorstehenden Demission offiziell zu dementieren. Die Pariser Nachrichtenagenturen geben die Meldungen als Gerücht wieder. 3n den Wandelgängen der Kammer werden bereits die Folgen einer solchen Demission lebhaft erörtert. Das französische Einschränkungskomitee. Paris, 8. Juni. (TU.) Das Komitee für die Einschränkung hat heute nachmittag beschlossen, ein Programm für Einschränkungsmaß- nahmen auszuarbeiten, das darin besteht, daß 1. weitere Ersparnisse im Staatshaushalt erzielt werden und daß 2. die Einfuhr durch Zwangsbewirtschaftung der Rohstoffe eingeschränkt wird. Die Schlußfolgerungen des Komitees werden der Regierung unterbreitet werden. Das Komitee wird heule abend um 10.30 Uhr zu einer dritten Sitzung tzusammentreten. Neunte 3nternationale Arbeitskonferenz. Genf, 8. Juni. (WTB.) In ‘ der heutigen ersten Sitzung der Neunten Internationa- len Arbeitskonferenz kam es bei der von den Reedern verlangten Aussprache über die Frage, ob die vom Arbeitsamt vorgelegten Berichte und Koftventionsentwürse zur internationalen Regelung der Heuerverträge der Seeleute als Grundlage für die Verhandlungen der Konferenz dienen könnten, zu. lebhaften Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Die Vertreter der Unternehmer, insbesondere die Reeder, verneinten die Frage entschieden und kritisierten die Vorarbeiten des Arbeitsamts als Ueberfchreitung der ihm von der Genueser Konferenz vom Jahre 1921 übertragenen Aufgaben. Die Arbeiteroertreter wandten sich gegen diese Auffassung und wiesen des weiteren die Forderungen der Redner, die vom Arbeitsamt vor- geschlagenen Konventionen über die Heuerverträge, die Arbeitsaufsicht an Bord, die Disziplinär- und Strafmaßnahmen in eine einzige Konvention umzuarbeiten, mit der Erwiderung zurück, daß sie eine allgemeine Konvention niemals an« nehmen würden, wenn nicht gleichzeitig die Frage des Achtstundentages und die L o h n f r a g c für die Seeleute international geregelt werde, was bekanntlich ihrer Forderung nach spätestens durch die Arbeitskonferenz des nächsten Jahres geschehen soll. Albert Thomas wies die gegen das Arbeitsamt erhobenen Vorwürfe zurück und betonte, daß keine einzige Regierung bei der Beantwortung des Fragebogens die Vorarbeiten der Arbeitskonferenz krttifiert habe. Die Regierungsvertreter stellten sich auf den Standpunkt, daß die Entwürfe des Arbeitsamts als Verhandlungsgrundlage dienen könnten, wenn sie sich — was besonders die Vertreter von England und Deutsch- Ian d betonten — mit ihnen auch nicht identi- fixieren können, da sie in manchen Punkten über die Beschlüsse der Arbeitskonferenz von Genua hinausgingen. Mit 70 gegen 24 Stimmen wurde beschlossen, die drei Konventions- cntroürfe als Grundlage für b i e Verhandlungen anzunehmen. Zur Einzelberatung wurden drei Ausschüsse eingesetzt. Der Genfer Völkerbundsrat netenbezüge sollten nach dem eingebrachten Gesetzentwurf von 27 000 auf 42 000 Franken erhöht werden. Der Sozialist Salanant brachte dazu ein Amendement ein, wonach die Abgeordnetenbezüge bis auf weiteres auf der bisherigen Höhe belassen werden sollen. Nur den verheirateten Abgeordneten soll eine Zulage von 5000 Franken und außerdem für jedes Kind unter 21 Jahren noch je 3000 Franken gewährt werden. Die Kammer beschloß, die Debatte um 9.30 Uhr abends fortzusetzen. Diätendebatte in der französischen Kammer. P a r i s , 9. Juni. (TU.) Die französische Kammer hat gestern nachmittag die allgemeine Aussprache über d i e Erhöhung der Ab- georbnetenbegüge ausgenommen. Don kommunistischer Seite wurde ein Vertagungsantrag an« gekündigt, der nach längerer Debatte mit 285 gegen 70 Stimmen abgelehnt wurde. Die Abgeord- Braflliens und Spaniens. vertreten soll, um auch jede geringste formale Schwierigkeit zu vermeiden. Die Haltung der spanischen Regierung entspreche einer tief eingewurzelten ilebcrgeugung und reiferen lieber- legung, und diese Haltung werde bestehen bleiben. Spaniens Regierung habe gewünscht, daß die Haltung Spaniens korrekt und ruhig bleibe und daher beschlossen, nicht ihr letztes Wort bezüglich der künftigen Haltung Spaniens zu sprechen, solange nicht diejenigen, in deren Hände eine gerechte und ausgleichende Lösung der Probleme liege, ihrerseits das letzte Won gesprochen haben. Der Vertreter Spaniens im Völkerbundsrat, der Berner Gesandtschaftssekretär Duerboule, erklärte heute, an den Verhandlungen des» Nates nicht aktiv teilnehmen zu können, weil er von feiner Regierung keine Instruktionen erhalten habe. Auch der Vertreter Spaniens in der vorbereitenden Abrüstungskonferenz, der gleichzeitig Vorsitzender der militärischen Unterkommission A ist, reifte heute ab. Man ist hier der Ansicht, daß sich die Frage der R a t s u m b i l» dung im Augenblick noch genau in demselben Zustande befinde wie im März. Verschiedene Ratsmitglieder sehen in der Haltung Spaniens und Brasiliens eine schwere Gefährdung des Ansehens des Völkerbundes und bringen barauf, baß, falls bie beiben Mächte bis zum September ihre Stellungnahme nicht änbern sollten, ber Weg zum Eintritt Deutschlands in den Völkerbund durch die Wahl zweier neuer, nichtständiger Ratsmitglieder frei gemacht werden müsse. Briand reist ab. Genf, 9. Sunt (TU.) Der französische Ministerpräsident Briand ist gestern abend 10 Uhr nach Paris abgereift. Frankreich wird nunmehr in den Sitzungen des Bölkerbundsrats durch Paul B o n c o u r, der heute früh hier eintrifft, vertreten sein. Sn der Frage der Oluf* Hebung der ungarischen Finanzkontrolle sowie in Finanzfragen wird Lou- che u r, der noch einige Tage hier bleibt, Frankreich vertreten. Nach Schluß der verschiedenen Kommissionssihungen fanden gestern im Laufe des Abends noch verschiedene Verhandlungen zwischen den Ratsmitgliedem statt. Ein auf gestern abend 10 Uhr festgesetzter Empfang der Presse bei Briand wurde abgesagt. Briand lehnte persönlich jede Erklärung über die Verhandlungen der gestrigen Sitzungen ab. Es verlautet, daß die gestern vom Ungarn-Komitee des Völkerbundsrats beschlossene Aushebung der ungarischen Finanzkontrolle, die allerdings wie in Oesterreich nur sehr langsam vor sich gehen wird, als Zugeständnis Ungarns erkauft worden ist. Die ungarische Regierung soll sich Bereit erklärt haben, das während der vorbereitenden Abrüstungskonferenz eingereichte Memorandum, in dem kategorisch die a l l g e - m e ine europäische Abrüstung verlangt wird, zurückzuziehen und eine neue Fassung dcn Kommissionen der Abrüstungskonferenz einzureichen. Eine Saardelegation in Gens. Genf, 8. Suni. (TU.) Beim Völkerbundsrat sind drei Denkschriften der Regierungskommis- sion über die endgültige Abberufung des französischen Militärs in dem ß a arge b i e t eingetroffen. Sn der ersten Denkschrift wird darauf hingewiesen, daß zum Schuhe der Eisenbahnlinien im Saargebiet unbedingt die Anwesenheit zweier französischer Bataillone erforderlich sei. Die zweite Denkschrift, die von dem Vorsitzenden der Saarregierung, dem Kanadier Stephens, stammt, erklärt, es liege keine rechtliche Begründung für ein weiteres Verbleiben der französischen Truppen im Saargebiet vor. Sollte jedoch der Bölkerbundsrat die Anwesenheit von französischen Truppen zum Schuhe der Bahnlinien für erforderlich erachten, so würde die Unterbringung französischer Bataillone in den französischen Grenzgebieten vollständig genügen. Die dritte Denkschrift rührt von dem saarländischen Regierungsmitgliede C o h m a n n her. Sn ihr wird betont, daß die Anwesenheit der französischen Truppen ausschließlich zum Schuhe der Bahnen im Falle eines Generalstreikes gedacht sei. Man habe jedoch aus den Erfahrungen in Großbritannien und Deutschland während der Generalstreike gelernt, daß ein militärischer Schuh der Eisenbahnlinien während eines solchen Streikes überhaupt nicht in Frage komme. Man nimmt an, daß die Saarfrage am Donnerstag verhandelt wird. Sn Kreisen der Saardelegation, die unter Führung des Geheimrats Röchling hier ringet roffen ist, sieht man der Entscheidung mit großer Zuversicht entgegen. Die zweifelhafte Haltung Noch keine Entscheidung Brasiliens. Genf, 8. Suni. (WB.) Die durch das als Demonstration gewertete Fernbleiben Mello Francos von der Eröffnung der Tagung des Döllerbunbsrctts entstandene Lage hat noch keine Klärung erfahren. Von zuständiger Seite wird im Völkerbundshaus jedoch bestimmt erklärt, daß die aus brasilianischen Blättern vorliegenden Nachrichten über den bevorstehenden Austritt Brasiliens aus dem Völkerbunde durch keine amtlich En Nachrichten, die aus Rio de Saneiro beim Generalsekretariat des Völkerbundes ringetroffen wären, irgendeine Bestättgung erfahren hätten. Mit einer gewissen Beharrlichkeit gehen am heutigen Nachmittag im Völkerbundshaus unkontrollierbare und unbeftäHgte Gerüchte um, nach denen Mello Franco morgen im Dölkerbundsrat erscheinen und eine Erklärung abgeben würde. Sn diesem Zusammenhang wird auch darauf verwiesen, daß Brasilien im Ratskomitee für die Vorbereitung der Weltwirtschaftskonferenz und ferner im Ratskomitee für die Minderhritsfragen gestern und heute vertreten war. Nach einer Meldung aus Rio de Saneiro hat die brasilianische Regierung beschlossen, auf keinen Fall auf einen ständigen Ratsitz, den sie für Brasilien als die südamerikanische Vormacht beanspruche, zu verzichten, selbst wenn die Weltmeinung Brasilien als Störenfried im Völkerbund bezeichne. Falls Mello Franco an der morgigen Ratssitzung trilnehmen und hierbei eine öffentliche Erklärung über die Stellungnahme Brasiliens in der Ratsfrage ab- geben wird, wäre mit einer gewissen Klärung der Situation in der Ratsfrage für morgen zu rechnen. Der Austritt Brasil liens aus dem Völkerbund konnte nach den Satzungen des Völkerbundspaktes erst zwei Sabre nach der Austrittserklärung erfolgen. Die Eventualität eines Austritts von Drasllien wird, wie der Berichterstatter der „Sn- forma t io n“ meldet, in Dolkerbundskreifen mit Gelassenheit ausgenommen. Man ist der Ansicht, daß der Völkerbund und die daraus resultierende Krise ohne weiteres aushalten wird. Auch Argentinien war aus dem Völkerbund ausgetreten und ist wieder zurückgekehrt. Die Völkerbundsversammlung wird zudem erst in drei Monaten ihre Entscheidung über die Reorganisierung treffen. Vielleicht können die diplomatischen Verhandlungen einen Hal- tungswechfel Brasiliens, wie auch Spaniens, das bekanntlich eine ähnliche Haltung cimrimmt, zur Folge haben. Die Interesselosigkeit Spaniens. Paris, 8. Sunt (WTB.) Der spanische Außenminister Vanguas hat bem Vertreter der Agentur Fabra über die Stellung Spaniens zum Völkerbundsrat erklärt, die Reise des spanischen Botschafters in Paris nach Madrid sei auf Wunsch der Regierung erfolgt, die ihre Eindrücke über die internationalen Spanien berührenden Fragen mit ihm habe austauschen wollen. Diese Fragen seien unabhängig von denen, bie bem Völkerbunde unterbreitet worden seien. Was Spaniens Haltung bei den Beratungen deS Völlerbundsrates anbetreffe, so sei festgestellt worden, daß die allgemeine Meinung, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, die sich im März für die Aufnahme Spaniens als ständiges Mitglied ausgesprochen hatte, eine Aenderung erfahren habe. Trotz der Bemühungen des spanischen Delegierten Palacios bei den Beratungen des Ausschusses, der mit ber ümbilbung des Völlerbundsrates beauftragt sei, sei eine Meinungsverschiedenheit zwischen bem spanischen Vertreter und Sir Robert Cecil zutage getreten. Folglich hätte bie Anwesenheit Spaniens auf der jetzigen Tagung bes Völlerbundsrates für Spanien kein Sntereffe mehr geboten. Die spanische Regierung habe bie Ansicht vertreten, bah ihre Vertretung auf der jetzigen Tagung nicht notwendig sei. Aber es habe genügt, daß einige Mitglieder des Rates die Befürchtungen zum Ausdruck gebracht hätten, daß die Abwesenheit Spaniens ein Hindernis für die legale Tagung des Rates bilden würde, um die spanische Regierung zu veranlassen, wieder einmal ihren Gei st ber Loyalität gegenüber bem Völkerbünde zu bekunden. Die spanische Regierung habe daher beschlossen, daß der spanische Geschäftsträger in Dem, den spanischen Delegierten Quinones de L6vn auf der jetzigen Tagung 9er englische Bergbauftreif. London, 9. Suni. (WB.) Gestern nachmittag hat eine Zusammenkunft zwischen vier Vertretern des Bergarbriterverbandes und vier Vertretern der Bergwerksbesiher ftattge- sunden, die zu einer zwanglosen Aussprache über bie Lage bestimmt war. Die Dergarbeiterver- treter waren lebiglich bevollmächtigt, Vorschläge in Empfang zu nehmen. Diese Vorschläge sollen bem Vollzugsausschuß bes Bergar- beiterverbanbes unterbreitet werden, der sich dann, wenn möglich, für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen entscheiden wird. Die Besprechungen sind ergebnislos verlaufen. Der v o 1I- tommene Mißerfolg der Zusammenkunft zwischen den Grubenbesitzern und den Vertretern ber Arbeiter finbet in ber Presse große Beachtung. Laut „Westminster Gazette" kam es bei ber Zusammenkunft zu peinlichen Auf- Zt r i 11 c n. Die Grubenbesitzer seien beleibigt worben, und man habe sie beschulbigt, falsche Zahlen brigebracht zu haben. Sm Unterhaus erklärte der Sekretär ber Oberinspektion für bas Bergwesen in Beantwortung einer Anfrage, baß seit bem 15. Mai 110 auslänbische Schiffe Kohlensenbungen im Gesamtbeträge'von 87 000 Tonnen in britischen Häfen entlaben haben. Die Kohle stammte aus Frankreich, Belgien, Hollanb, Deutschland und Polen. Die Neubildung des polnischen Kabinetts. Warschau, 9. Suni. (TU.) Nach der Rückkehr des Premierministers Bartel nach War-- schau war um 6 Uhr abends bie Liste bes Kabine t-ts ziemlich fertiggestellt. Das neue polnische Kabinett wird ungefähr wie folgt zusammengesetzt sein: Premierminister und Minister der Eisenbahn: Bartel, Snnenminifter bleibt W l odz iano w s ki, Außenminister: Salewski, Minister für öffentliche Arbeiten: Sur- kiewicz, Minister für Staatsarbeiten: Prodziewski. Folgende Portefeuilles sind vorläufig noch nicht besetzt: Das Portefeuille für Bildung, welches von einem Freund Pilsudskis, und zwar von Professor Arthur S? Iiwinski, ober von einem Kandidaten .der Gruppe der linken Bauern, Hakin o w s ki, bclctjt werden soll. Das Finanzministerium soll entweder der bisherige Minister für Gewerbe Gliwic ober Älarner, ber in der Regierung Grabsii Unterstaatssekretär war, übernehmen. P i 1 s u d s k i bleibt Kriegsminister. Um die Flaggenfrage. Berlin, 8. Suni. (TU.) Zur Frage ber Flaggenverorbnung wird von zustänbiger Stelle noch einmal auf bie R egi e r u n gserklä - rung bes Kabinetts Marx hingewiesen, in ber es hieß, die Regierung werde mit ganzer Kraft an bie Losung der Flaggenfrage Herangehen. Hierburch werde jedoch der Bestand und die Gültigkeit der Verordnung des Reichspräsidenten in keiner Weise berührt. Die für die Verordnung notwendigen Ausführungsbestimmungen werden gemeinsam vom 3nnen- und Außenministerium herausgegeben. Unter sie fallen auch die Angaben über die Große der Gosch usw. Die Ausführungsbestimmungen werden in absehbarer Zeit an die Auslandmissionen zugleich mit bem Flaggentuch verschickt werden. Die Verordnung soll spätestens am Derfassungstag in Kraft treten. Anläßlich der Auslandreise der deutschen Kriegsschiffe nach Schweden und Spanien und des Kreuzers „Hamburg" nach Amerika ist jedoch bereits ein telegraphischer Erlaß an die in den betreffenden Hafenstädten befindlichen Missionen zur Durchführung der FlaggenverOrdnung gesandt worden. Eines Kabinettsbeschlusses bedürfen Ausführungsbestimmungen im allgemeinen nicht. Hindenburg zur Veröffentlichung seines Briefes. Berlin, 8. Suni. (TU.) Zu der Angelegenheit des Reichspräsidentcnbriefes wird bekannt, daß der Vertreter des Staatssekretärs Meißner, Ministerialrat D o e h l e vom Bureau des Reichspräsidenten heute früh dem Reichspräsidenten, der gestern abend von Schorfheide zurückgekehrt ist, Vortrag gehalten hat. Der Reichspräsident äußerte im Verlauf des Vortrages, daß er selbstverständlich zu seinem Briefe stehe und auch dessen Veröffentlichung durch Herrn von Loebell nicht zu beanstanden habe. An zuständiger Stelle wird erklärt, daß das Reichskabinett keinen Anlaß habe, zu dem Briefe des Reichspräsidenten zur Frage der Fürstenenteignung Stellung zu nehmen, da es sich nicht um einen amtlichen Erlaß handele. Die Mitteilungen eines gestrigen Berliner Abendblattes, daß das Kabinett über den Brief des Reichspräsidenten bestürzt gewesen sei, werden in Abrede gestellt. Amerikanische Pressestimmen. Neuhork, 8. Suni. (TU.) Die amerikanischen Blätter beschäftigen sich eingehend mit bem Hindenburg-Brief, wobei sie den ehrlichen Charakter des Reichspräsidenten besonders hervorheben. Sie betonen, daß Hindenburg die Frage der Fürstenabfindung von der ^moralischen Seite betrachte und weisen darauf hin, daß auch Hindenburg der Ansicht sei. eine Enteignung der Fürstenhäuser bedrohe den Wellkredit Deutschlands. Deutscher Reichstag. Berlin. 8. 3uni. 2 Mr mittags. Die zweite Beratung der Novelle des R e i ch s - knappschaftsgesetzes wird fortgesetzt. Abg. Imbusch (3cntr.) wendet sich gegen die Ausführungen des deutschnationalen Abg. Leopold. Wenn das Aeichslnappschaftsgefeh den sozialen Frieden nicht gefördert hat, so sei das nicht die Schuld des Gesetzes, sondern die der Unternehmer im Bergbau, die das Gesetz nicht durchführten und durch diesen Widerspruch erst die jetzige Novelle notwendig gemacht haben. Die Berechnungen der Arbeitgeber über die übermäßig hohe Belastung durch die Knappschaft und durch die jetzige Novelle seien auf falschen Grundlagen aufgebaut. Die sozialen Abgaben und der Lohn zusammen seien im deutschen Bergbau nicht so hoch, wie allein der Lohn im englischen Bergbau. Neichsarbeitsministcr Dr. Brauns bezeichnet die von Arbeitgeberseite verbreitete Schätzung der Neubelastung durch die Novelle zum Neichsknappschaftsgeseh als eine Privatarbeit. Die höhere Schätzung der Lasten, zu der die Arbeitge.e^ im Gc>-ersatz zum Arbeitsministerium kommen, stütze sich^auf nicht stichhaltige Gründe. Die Arbeitgeber berechnen z. B. schon Beitragserhöhungen, die später beschlossen werden könnten. Hm solche ungelegten Eier sollte man sich doch nicht kümmern. (Sehr richtig! links.) Weiter werden Lasten für Rücklagen berechnet, obwohl diese Rücklagen nach den bisherigen garnicht nötig sind. Dem Abgeordneten Ianschek gegenüber betont der Minister, daß die Novelle den Arbeitnehmern eine durchaus angemessene Vertretung in den Selbstverwaltungskörpern der Knappschaftsversicherung verschaffe. Das Arbeitsministerium sei immer für die Durchführung der Familienhilfe eingetreten. Abg. Schwan (Komm.) erklärt, die Novelle sei nicht geeignet, die berechtigten Ansprüche der Bergarbeiter zu befriedigen. Er erinnert an den Generalstreik der englischen Bergarbeiter und meint, die deutschen Bergarbeiter wurden bald dem Beispiel ihrer englischen Kameraden'folgen. Abg. Schneider-Berlin (Dem.) weist die Kostenberechnungen der Unternehmerverbände als unzutreffend zurück. Tatsächlich bringe die Novelle nur eine Mehrbelastung von vier Millionen. Das Unrecht, das von den Arbeitgebern durch die Aufhebung oder Nichteinführung der Familienhilfe begangen wurde, müsse jetzt gutgemacht werden durch die gesetzliche Festsetzung der Familienhilfe in der Novelle. Die Demokraten würden der Novelle zustimmen. um so den Bergarbeitern die Beruhigung zu geben, auf die sie Anspruch haben. Abg. Schirmer (Bayr. 23p.) bezeichnet die Novelle in der Ausschuhfassung als einen gesunden Ausgleich zwischen den extremen Forderungen der Unternehmer und der Kommunisten. Bon einer übermäßigen Belastung der Unternehmer könne man nicht reden, andererseits bringe die Novelle aber wesentliche soziale Fortschritte für die Arbeitnehmer im Bergbau. Abg. Stöhr (Völk.) tritt für die Novelle ein. Sie bedeute für die Arbeitnehmerschaft im Bergbau einen sozialpolitischen Fortschritt und sei für den Bergbau in seiner jetzigen kritischen Lage tragbar. Damit schließt die allgemeine Aussprache. Die Emzelberatung wird um 6 Uhr auf Mittwoch ver- . tagt. Auf der Tagesordnung der Mittwochsitzung, die um 3 Uhr nachmittags beginnt, stehen außerdem l der deutsch-schwedische Handelsvertrag und die erste Beratung des Gesetzentwurfs über die Auseinander- F fetzung mit den Fürstenhäusern. Hessischer Landtag. D a r m st a d t, 8. Juni. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 10’ 5 Ahr und teilt mit, daß der Landtag in dieser Woche tagen und voraussichtlich auch noch einige Sitzungen in der nächsten Woche abhalten wird. Abg. Blank (Ztr.) richtet an die Regierung nachstehende Anfrage: Laut Bericht des Lehrerinnenseminars und der Frauenschule Mainz über das Schuljahr 1925/26 ist die Lehrerin Frl. % Maria Lehne auf lanoesamtliches Gehriß zu Wandervorträgen im Dienste der Allohol- abwehrbewegung beurlaubt. Mit der Vertretung von Frl. Maria Lehne im Schuldienst ist eine besondere Kraft betraut. 1. Seit wann ist Frl. Lehne auf landesamtliches Geheiß in der Alkoholabwehrbewegung tätig? 2. Will das Landesamt für das Drldungswesen dadurch, daß es ihm unterstellte Kräfte an bte Alkoholabwehrbewegung abkommandrert, dokumentieren, daß es offiziell auf dem Boden dieser Bewegung steht? 3. Ist das Landesamt für das Dildungswesen bereit, Frl. Lehne aus der Alloholabwrhrbewe- gung sofort zurückzuziehen und ihrem eigenen Beruf zuzuführen? Ministerialdirektor Urstadt erklärt, das Landesbildungsamt betrachte es als seine Aufgabe, die Jugend über die Gefahren des Alkoholmißbrauchs aufzuklären. Eine Abberufung der Lehrerin lehne . er ab. Hierauf wird in die Tagesordnung eingetreten. Eine Regierungsvorlage über die Umänderung und den Ausbau der Dampfkessel-Warmwasserversorgungs- und Heizanlage in der Landes-Heil- und Pflegeanstalt „Philippshospital" bei Goddelau wird ohne Debatte genehmigt. Ein Antrag der Abg. Dr. Werner und Genossen wegen Neuherausgabe eines hessischen Bürgerbuches wird in llebereinftimmung mit dem Ausschuß für erledigt erklärt und an die Regierung das Ersuchen gerichtet, die Herausgabe des Buches zu beschleunigen. 2(uf der Tagesordnung steht weiter die erste Beratung der Regierungsvorlage: Hessisches Gesetz zur Ausführung des N e i ch s v i e h s e n ch e n g e s e t- zes vom 26.Juni 1909 und das Gesetz über die Entschädigung für »Verluste infolge Tierseuchen. Es cntspinnt sich über verschiedene rechtliche Fragen und über den Auszahiungsmodus eine längere Debatte. Die beiden Gesetze werden schließlich nach den Mehrheitsanträgen des Gesetzgebungsaiisschusses angenommen. Die Beratung wendei fid) sodann dem Entwurf eianes Gesetzes zur Ausführung der Reichsverordnung über die Fürsorgepflicht vom 13. Febr. 1924 zu: in Verbindung damit stehen zwei kommunistische Anträge. Der Entwurf enthält zahlreiche Bestimmungen. Abg. Recht bien berichtet über die Ausschußberatungen und Beschlüsse. Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) erklärt im Namen seiner Partei, daß diese die Regierungsvorlage ablehne, weil die Fassung nicht glücklich sei, und weil bei den gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Durchführung zu kostspielig sei. Abg. Frau Roth (Komm.) befürwortet die Anträge ihrer Partei. Abg. Kindt (Dnl.) spricht für die Fürsorge- pslicht und weist darauf hin, daß die Stadt Darmstadt völlig unzureichende Unterstützungen an Kleinrentner zahlt. Auch andere Fälle führt der Redner an, in denen das Verfahren des Wohlfahrtsamtes der Stadt Darmstadt kritisiert wird. Wenn nicht das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft eingreife, so würden viele Unterstützungsbedürftige die hohe Sondersteuer für den unbebauten Grundbesitz bezahlen müssen. Minister Raab meint, man müsse die ganze Materie vom Standpunkt des Staates und des Staatsbürgers aus betrachten. Wenn das Für- sorgegeseh allein von ihm gemacht worden wäre, hätte es grundsätzlich ein anderes Aussehen erhalten. Die Grundlage bilde ein Reichsgesetz, das unnötigerweise verschiedene Kategorien von Unterstützungsbedürftigen aufgestellt habe. Der Minister geht dann auf Einzelheiten der vorliegenden Ausführung^bestimmungen ein und erläutert sie: er erörtere namentlich auch die finanzielle Seite der hier sich bietenden Probleme. Abg. Recht hi en (Soz.) weist aus verschiedene Bestimmungen hin, die günstiger auszulegen seien als dies Abg. Kindt tat. Abg. Galm (Komm.) erklärt, es sei ein Widerspruch im Verhalten des Ministers Raab, daß er einen Gesetzentwurf nicht für gut halte, ihn aber doch dem Landtag vorlege. Der Minister habe hier Wünschen der Koalitionsparteien nachgegeben. Weiter wendet sich der Redner gegen die Abgeordneten der bürgerlichen Parteien, der Sozialdemokratie, die zur Vorlage gesprochen haben. Abg. Frau Balser (Dem.) entgegnet auf die Angriffe des Abg. Kindt gegen das Wohlfahrtsamt der Stadt Darmstadt und geht näher auf die einzelnen Fälle ein, die vorgebracht wurden. Abg. Zinn kann (Soz.) fordert u. a. Mindestsätze für die allgemeine Fürsorge. Er bringt ebenfalls mehrere Fälle zur Sprache, in denen, nach seiner Meinung, die Wohlfahrtsämter zu älnrecht entschieden hätten. Abg. Felder (Ztr.) gibt die Erklärung ab, daß die Zentrumsfraktion der Vorlage zustimmt. In der gegenwärtigen Notzeit sei die Fürsorge besonders notwendig. Es komme nicht so sehr auf den Wortlaut des Gesetzes wie auf dessen Geist an. auf die Auslegung und auf die wirksame Hilfe. In der weiteren Debatte ergreift Abg. Frl. Birnbaum (D. Dp.) das Wort, stimmt einigen Ausführungen des Ministers zu, vertritt aber ihm gegenüber den Standpunkt, daß die Kleinrentner eine Sonderstellung entnehmen. Sie hatten in erster Linie em Recht auf Entschädigung, mehr noch als Anspruch auf Fürsorge. Zur Sondersteuer bemerkt die Rednerin u> a.. daß es unrecht fei, wenn die Kleutrentner immer wieder ihre wirtfchaftlichen Verhältnisse barlegen mühten. Die Forderung, daß bei einer Besserung der Verhältnisse eines Kleinrentners die Steuern nachzuzahlen seien, wäre eine ungerechte Bestimmung. Es mühte dafür gesorgt werden, daß die Altanleihebesitzer bald in den Genuß der Rente kämen. ilm 1,45 ilfjr wird die Aussprache geschlossen. Preußischer Landtag. Berlin, 8. Juni. Vor Eintritt in die Tagesordnung begründet Abg. S t e i n h o f f (Dn.) einen Antrag seiner Fraktion, der Auskunft darüber verlangt, warum der verantwortliche Redakteur der deutschnationalen Wochenschrift „Preußische Landeszeitung", Major a. D. Lyons, heute früh verhaftet worden sei. Lyons hatte zwar ein Strafverfahren bezüglich des Außenministers Dr. Stresemann. Er hat sich aber in dieser Sache, in der übrigens gestern im Auswärtigen Amt ein Vergleich zustande kam. immer zur Verfügung gehalten. Der deutsch- nationale Antrag wird mit der Iustizberatung verbunden. Abg. Abel (Komm.) verlangt, daß heute als erster Punkt ein Antrag seiner Partei beraten wird, der sich dagegen wendet, daß die Polizeibehörden in Niedersachsen mit Unterstützung des Oberpräsidenten Noske Sammlungen zur Durchführung des Volksentscheides auf Grund einer Polizeiverordnung von 1844 verboten habe. Da von keiner Seite des Hauses Widerspruch erhoben wird, ist der kommunistische Antrag angenommen. In der Besprechung des kommunistischen Antrages polemisiert Abg. Abel (Komm.) gegen den sozialdemokratischen Oberpräsidenten Äoske, der durch das Verbot der kommunistischen Geldsammlungen für den Volksentscheid sich offen In die Reihe der Fürstenfreunde gestellt habe. Abg. Leinert (S.) (von den Kommunisten empfangen mit den Rufen „Noskeretter" usw.) erklärt, Oberpräsident Noske habe sich bei seinem Vorgehen gegen die kommunistischen Geldsammlungen als Staatsbeamter selbstverständlich an die bestehenden Gesetze halten müssen. Daß man Noske wegen der Ausführung der bestehenden Gesetze noch angreift, ist ein Skandal, den sich nur die kommunistische Fraktion im preußischen Landtage erlauben kann. Der kommunistische Antrag wird dann dem Rechtsausschuh überwiesen und das Haus seht die zweite Beratung des Iustizhaushalts fort. Aog. Eichhoff (D. Vp.) lehnt die Art und Weise ab. wie von der Sozialdemokratie auch in diesem Jahre wieder die Etatsberatung zum Tummelplatz von Anschuldigungen und Behauptungen von Mißgriffen der Justiz gemacht worden sei. Es wäre wichtig, das Material dem Justizministerium zur Prüfung einzusenden. «Sehr richtig rechts.) Die Behauptung, daß der preußische Richterverein aus Feindschaft gegen die Demokratie zu seinem Beschluß gekommen fei. eine Doppel-Mitgliedschaft nicht zuzulassen, inüsse nachdrücklichst zurückgewiesen werden. Wir wiederholen unsere Bitte aus dem Hauptausschuß, daß der Ministerpräsident in der Öffentlichkeit nun endlich eine restlose Klarstellung vornimmt. (Zustimmung rechts.) Der Redner verteidigt noch gegenüber dem Bedenken des Ministeriums den Antrag auf Wiederheraufsetzung der Altersgrenzen der Richter von 45 auf 48 Jahre und verlangt zu der Frage der mittleren Beamten, daß die Gerichtsorganisationen nachdrücklich den Ausbau der Iustizreform und die Vermehrung der Rechtspflegestellen fördern. Abg. O b u ch (Komm.) meint, die 6000 vorhandenen Richter seien insgesamt Klafsenrichter, dazu komme vielfach gewollte und bewußte Rechtsbeugung bei Verfolgung politischer Gegner. Das Haus unterbricht die Aussprache zum Justizhaushalt zur Vornahme von Abstimmungen. Zunächst werden die reftierenben Abstimmungen zur zweiten Beratung des Entwurfs über die Bestimmung von Mitgliedern des Reichsrats in die Provinzialverwaltung vorgenommen. Zuerst wird namentlich abgestimmt über den Antrag der Deutschen Volkspartei, der Sozialdemokraten und des Zentrums, wonach in der Vollsitzung die Stimmen gemäß des Vorschlags des Staatsministeriums einheitlich durch ein oörrt Staatsministerium bestimmtes Mitglied abgegeben werden sollten. Abgegeben werden nur 208 Karten. Das Haus ist also beschluß- unfähig. Der Präsident beruft auch sofort eine neue Sitzung ein, da die Vorlage über die Reichsratsstimmen nicht mehr zur Erledigung steht. Das Haus nimmt die Abstimmungen zur zweiten Beratung der Hauszinssteuer vor. Namentlich abgestimmt wird über den deutschnationalen Antrag Winckler, wonach die Steuer nicht 1000 Prozent, sondern 900 Prozent der Grundvermögenssteuer betragen soll. Der Antrag wird mit 215 gegen 185 Stimmen abgelehnt. Das Gesetz wird in zweiter Sitzung nach den Ausschußbeschlüssen a n g e n o m - m e n. Es folgen die Abstimmungen zum Haushalt des Finanzministeriums. Die einzelnen Kapitel und Positionen werden nach dem Beschluß des Hauptausschusses angenommen, dazu eine Reihe von Entschließungs- anträgen. Danach soll u. a. eine Angleichung der Aufsteigverhältnisse der preußischen Beamten an die der Reichsbeamten erfolgen. Damit war die zweite Beratung des Haushalts des Justizministeriums erledigt. Es schließen sich an die Abstimmungen zum Haushalt der Seehandlung. Abgelehnt wird der Antrag der Deutsch- völkischen, der von den Deutschnationalen unterstützt wird, und der eine Anweisung an die Seehandlung fordert, den nach dem 1. April 1914 zugewanderten Ostjuden jeglichen Kredit zu verweigern. Das Haus setzte dann die zweite Beratung zum Iustizhaushalt fort. Staatssekretär Fritze äußert sich zu dem deutschnationalen Antrag wegen der Verhaftung des verantwortlichen Redakteurs Lyons. Wenn die Kommunisten verlangten, daß Ehrhardt verhaftet werde, so vertrage sich das nicht mit ihrem neuerlichen Antrag auf Straffreiheit für sämtliche politische Gefangene. Abg. Grhimek (Dem.) betont, die Justiz müsse sich den Eingriffen der politischen Instanzen entziehen. Der Preußische Richterverein habe die Klagen deutlich ausgesprochen. Die Weimarer Verfassung piufj als oberstes Gesetz des deutschen Volkes in Sinn und Wort durch die Gerichtsbarkeit noch gestärkt werden. Der Redner empfiehlt modernen Geist beim Strafvollzug und Säuberung der Staatsanwaltschaft von solchen Elementen, die ihre Pflicht als politische Beamte nicht erfüllen und nicht im Sinne der Weimarer Verfassung wirken. Abg. Haase- Äegnitz (Wirtsch. Vgg.) verlangt eine letzte Instanz für Aufwertungsfragen, die eine einheitliche Rechtssprechung gewährleisten, und die Wiederherstellung der alten Schwurgerichte mit stärkerer Heranziehung des Laienelementes. Dann wird die Weiterberatung unterbrochen. Bei Festsetzung der Tagesordnung für die morgige Sitzung wird mit den Stimmen der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei die dorn Abg. Bartels-Krefeld (Korn.) beantragte morgige Besprechung eines kommunistischen Antrages abgelehnt, der sich mit dem Hindenburgbrief zum Volksentscheid über die Fürstenabfindung beschäftigt. -Um V26 Tlhr vertagt das Haus die Weiterberatung des Iustizhaushalts auf Mittwoch. Kunst und Wissenschaft. Hochschulnachrichten. sch. Marburg, 8. Juni. Der ordentliche Professor und Direktor des Physiologischen Instituts der Universität Berlin, Geh. Med.-Rat Pros. Dr. med. Franz Hofmann ist hier am Sonntag geftorben. Der Verstorbene, geboren im Jahre 1869 in Skalka in Böhmen, gehörte der preußischen Akademie der Wissenschaften und vom 1. Mai 1916 bis zum 1. August 1922 dem Marburger akademischen Lehrkörper an, außerdem war er Direktor des Physiologischen Instituts. Von Marburg ging Professor Hofmann nach Bonn und Berlin. Der Verstorbene wird in Marburg beigesetzt. Aus aller Wett. Feuer im unterirdischen Reuyock. Oeldurchtrünkte Holzteile, welche am Man- hattan-älfer den Hudson abwärts trieben, gerieten bei der 125. Straße, anscheinend durch Selbstentzündung in Brand. Das Feuer drang in die Kanalisationsröhren ein und verursachte in den Gullys eine Reihe von Explosionen, wodurch eine Anzahl Personen verletzt und der Straßenverkehr unterbrochen wurde. Die Gully-Explosionen pflanzten sich bis zum Broadway fort. Automobile wurden durch den Luftdruck umgeworfen und unter den flüchtenden Strahenpassanten entstand eine Panik, wobei viele Personen verletzt wurden. Politische Schlägerei. In Poßnitz (Mähren) fand eine von der Legionär-Gemeinde und den Fortschrittlichen Parteien einberufene Versammlung statt. Die Faszisten hatten eine Gegenkundgebung in das Gewerbe- hnus einberufen. Rach Beendigung der antif aszisti- scheu Versammlung marschierte ein Zug von etwa 3000 Teilnehmern nach dem Gewerbehaus und drang in die Faszistenversammlung ein. Es entstand eine wüste Schlägerei, die durch das Eingreifen der am Tage vorher verstärkten Gendarmerie beendet wurde. Bei dem Zusammenstoß wurden acht Personen leicht und eine schwer verletzt. Das Hochwasser der Donau. Die katastrophale Auswirkung des Donau- Hochwassers reicht nunmehr bis nach Ingolstadt. Der Scheitel der Donau-Hauptwelle hat gestern nachmittag mit einem bisher noch nie beobachteten Höchststand von 388 Ztm., nämlich 22 Ztm. über dem Hochwasser von Juni- August 1924 Donauwörth durchlaufen. Die Isar hatte gestern nachmittag den Höchststand von 265 Ztm. Trotz eines leichten Rückganges kann die Gefahr noch nicht als beseitigt betrachtet werden, da heute neue Regenfälle eingesetzt haben. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 9. Juni 1926. gur Sondergebäudesteuer. Vom Presseamt beim hessischen Staatsministerium wird mitgeteilt: In Ergänzung der bereits früher getroffenen Bestimmungen über Erleichterungen bei der Sonde rgebäude st euer hat der Finanzminister die nachstehenden weiteren Erleichterungen angeordnet: 1. Verzugszuschläge werden erst erhoben, wenn Zahlung nach dem 1. September If. 38. erfolgt. 2. Die Zwangsbeitreibung beginnt für die ersten zwei Steuerziele erst am 1. August 1926. 3. Die Einspruchsfrist wird allgemein bis zum 15. Juli If. Is. erstreckt. 4. Steuerermäßigung tritt auf Antrag des Steuerpflichtigen auch ein, a) wenn die Bruttorente mehr als 4 Prozent, aber weniger als 5 Prozent des (Steuer- Werts beträgt, b) für gewerblich genutzte Gebäude oder Gebäudeteile, deren Räume durch Betriebseinschränkungen oder ungünstigen Geschäftsgang gegenüber der Vorkriegszeit erheblich geringer ausgenuht werden. Voraussetzung dabei ist stets, daß eine geringere Ausnutzung der vor dem 1. Juli 1918 hergestellten gewerblichen Räume stattfindet. Falls ein Betrieb in der Inflationszeit Neubauten vorgenommen hat, die jetzt wieder stillgelegt worden sind, so genügt dies für einen Erlaß der Steuer nicht. 5. Auf Antrag des Steuerpflichtigen ist die Steuerschuld in Höhe der auf die vermietetem Räume entfallenden Steuern zu erlassen, wenn die Einziehung der Forderung an Miete gegen den Besitzer der Räume dem Eigentümer nach Lage der Sache nicht möglich ist und die Tlnmög- lichkeit glaubhaft gemacht wird. Diese Erleichterungen wurden mit einer von dem Verband der Hausbesitzer entsandten Kommission besprochen und von dieser gutgeheißen. Die Mitglieder der Kommission erklärten sich bereit, in den Hausbesihervereinen daraus hinzu- wirken, daß die Hausbesitzer die stark überlasteten Finanzämter nicht mit unerfüllbaren Forderungen in Anspruch nehmen, sondern ihre etwaigen Gesuche im Rahmen der oben erwähnten und der bereits früher zugestandenen Erleichterungen halten. Bei dieser Gelegenheit wird erwähnt, daß Erleichterungen, wie sie unter Ziffer 4a vorgesehen sind, auch für die nach 1918 erbauten Siedlungshäuser gelten. Sofern deren Bewertung entgegen den gesetzlichen Bestimmungen nach den tatsächlichen Gestehungskosten vorgenommen worden sein sollte, kann im Rechtsmittelverfahren Richttgstellung beantragt werden. Auch hier läuft die Rechtsmittelfrist bis 15. Juli lfd. Jahres. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Gießener Flugtag: ab 6 Ufjr im Flughafen. — Hausbesitzer-Verein: SV« älhr, Katholisches Der- einshaus, Mitgliederversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Rosen aus dem Süden". — Iugendgruppe des V. D. A. Korn- inenden Frettagabend Vortragsabend in der Dergschenke (Bericht über Hirschberg). Man beachte die heutige Anzeige. — Der Goethe-Bund veranstaltet vom 11. bis 13. Juni fein Iahresfest. Am Freitag, dem ersten Abend, wird Herr Professor Dr. G l o tz l aus Wetzlar einen Vortrag halten über „Goethe in Wetzlar". Der Redner wird Goethes Aufenthalt in Wetzlar schildern und namentlich auf fein Verhältnis zum Reichskammergericht und zu Lotte eingehen und ausführen, welche Bedeutung der Wetzlarer Zeit des Dichters beizulegen ist. Zu dem Festabend am Samstag ist u. a. der Konzertsänger Franz Har res aus Darmstadt gewonnen worden, der in Gesang, Mundart und Hochdeutsch aus Goethes Darmstädter Tagen berichten wird. Die Veranstaltungen finden im Kaufmännischen Vereinshaus statt. Zum Abschluß des Festes findet am Sonntag ein Ausflug nach Wetzlar statt, wo die Goethestätten unter Führung von Prof. Gloel besichtigt werden sollen. (Siehe heutige Anzeige.) * ** Veränderungen im Gießener Kreistag. Die am 15. November v. I. gewählten Kreistagsmitglieder Georg Beckmann, Angestellter. Gießen, Paul Hornberger, Rechtsanwalt, Gießen, Friedrich Bommers- h eim, Landwirt, Langsdorf, Wilhelm Fenchel, Landwirt, Ober-Hörgern, Dr. Otto Lenz, Studienrat, Gießen, haben, nachdem sie in den Kreisausschuh gewählt worden sind, ihr Amt als Kreistagsmitglieder niedergelegt. An ihre Stelle wurden in den Kreistag berufen: Friedrich Herber, Lagerhalter, Großen-Buseck, Albert Benner, Sekretär der Kriegsbeschädigten, Heuchelheim, Hermann S ch i e f e r ft e i n, Fabrikant, Cid), Richard Schäfer, Landwirt, Hungen, Jakob Gerhard 5„ Sparkassenrechner, Steinbach. ** Straßenerneuerung. Die Schottstraße, der hintere Asterweg und die Ederstraße, die schon lange in sehr verbesserungsbedürftigem Zustande waren, werden gegenwärtig einer Reparatur unterzogen. Die Fährbahn dieser Straßen wird mit Kleinschlag versehen und mit der Danipfwalze eingewalzt. Eine recht baldige Reu- herrichtung wäre auch dem vorderen Asterweg und der Schillerstrabe zu wünschen. Ebenso würde man es begrüßen, wenn in all den genannten Straßen auch der Bürgersteig in einen besseren Zustand verseht würde. ** Zum Flugtag in Gießen. Nachdem am Monaynachmittag zwei weitere Maschinen hier gelandet sind, zeigten sich wiederholt Flugzeuge über der Stadt. Besonders fiel die schwarze Maschine D 858 auf. Die Maschine, die den Namen „Teufel" führt, wird von dem Chefpiloten E r i ch H a a l gesteuert, der neuerdings in Berlin und einer Anzahl anderer deutschen Städte durch seine hervorragenden Leistungen im Kunstflug Aufsehen erregte. Herr Haal wird uns heute die „hohe Schule des Fliegens" in höchster Vollendung zeigen. Man besuche den Flugplatz, und man wird hochbefriedigt nach Hause gehen. 0 -ö u m Schu tz e des hessischen Gewerbes. Wie wir hören, hat das hessische Staatsministerium durch Rundschreiben an die unterstellten Behörden ungeordnet, daß fortab kleinere Preisunterschiede bei gleicher Qualität für die Wahl zwischen hessischen und außerhessiscyen Firmen nicht maßgebend sein sollen. Sm W»<5 !(Ie, dar 2 t 8«d> *. ir^Jf Anlaß Ä’Ä erfvrderli' B ¥ ,inh Ohm °'' L A« ien aus dem L » »’S Porten aus, m ihre Darßellungs pMgeAussta den übrigen M Ferrari ms Sch°lr als Aru Hätz sich nicht imi Schlußbild,de raschung bringt, c bemidt gerade oc ginbrud des im gr wertes. 80 W Sporw H Auhbac! mustergültig getros Sers zu erwarten veranstaltete Feie stehens des Sportverein' infolge glänzende mehr dadurch, dc mit edelster turn rischem Geiste zu inneren Erlebnis stalten. Der Auftakt gleich ein Höhepu der Westfale: TurnergLste aus nachmittag. Ton Heilrufen und B fangen, wurden würdigen Markt Jansen herzlirj Der FestaL großen Saal des teilen Maa fillh Schneider, seit und Sportvereins, leitet, Schneider et den zahlreichen Ti iretetn der städtis die durch ihre T dcten, welcher As geschichtliche OJet, beiverein erfreuet galt Frl. Kunc lehrer Arno Kun LT. bn f, Winen verhink Stamme und Glück a. von Prof. Di TT, Sreii, vbertumwart Ku dr TÄ^ermeiste ln ^e i A« 1846 ge sichte, dah die ÄS' Beauftragter der hervor, fer in k Sä Medbe^ CT- LKr sSS beutunn ?Utelrh Geschlechtern. |X?S; WL dessen Die ff" dessen Antrag M » ®e6ä16e o6,, . Lavine durch S?. ®e' Ä**: W bah voraus. : dvr ban ^^"ingere WÄ ifill3uri 1918 ? Mb^tt. “taten nJL*ta 3n- -'rS-tz iSte iS'L-r ÄüSfti« ?B=« ■fiÄSSS tessä Forderung lonbetn chre etwaigen 9c r oben erwähnten und bet e”m Erleichterungen ^?öeit wird erwähnt, bah M unter Ziffer 4a borge- ^e nach 1918 erbauten Sied- sofern deren Bewertung Yen Bestimmungen nach den agslvften vorgenvmmen wvr- -n im Rechtsmittelverfahren cagt werden. Auch hier läuft bis 15, Juli lsd. Jahres. rnotizen. lender für Mittwoch, ab 6 Uhr im Flughafen. - 8V, Uhr, Katholisches 2er- rversammlung. - LWpül- . „'Ttcfen aug dem Süden". uppe bei D §. A. Kom- b Wortragfafaib in ber Iber HirsWrgs. Man bc- W- r-Dund dnanMel vom m Jahresfest. Äm Freitag, wird Herr Professor l einen Vortrag halten über Der Redner wird Goethes lat schildern und namentlich zum Reichskammergerichl und lnd aussühren, welche Dedeu- Zeit des Dichters beizulegen end am Samstag ist u. a. der Xi Haires aus Darmstadt her in Gesang, Mundart und ethes Darmstädter 2-agen de- Ieranftaltungen finden m ereinshaus statt. Zum M- M am Sonntag ein Ausflug wo die Goethestaltoi unter Gloel besichtigt werden sollen icigc.) » ^15.^00*^^ r; Gebrich Rommers Wilbelm Fenchel, rÄZVL ^i*ss**® „ Die Schott' rniUCtmb9bic Ederstrahe. Vfa verbessere u , . r Ae« “»sSähS 2 6»nl»^ fr» iu wünschen^, genannten tbe zu an den 9^ wenn m in cmen w* „ zkchd» urde- Giev^Xnen h'^ 0t ten R. । bie schwul- j |C( rrunps "» hohe SW besuche Wb- llcn- * Christoph Rübsamen. Am heutigen y. Juni jährt sich zum hundertsten Male der Tag, an dem Christoph Rübsamen, der bekannte Gießener Turner und Veranstalter der Gießener Iugendfeste, das Licht der Welt erblickte. In dankbarer Würdigung seiner Verdienste um die Turnsache hat der Gießener Turnverein von 1846, dessen erster Turnwart und erster Sprecher er war, am Grabe des Verewigten einen Kranz niedergelegt. Auch die Gießener Rudergesellschaft hat mit Rücksicht auf die Verdienste seines Sohnes, der die Deutsche Meisterschaft als Skuller besaß, einen Kranz an der letzten Ruhestätte Christoph Rüb- samens niedergeleat. •• Mittel für die Lahn - und Ohm- Regulierung beantragt. Die Abgeordneten Kaiser (Kurhessen), Schwarzhaupt und Den. (D. 2p.) haben im Preußischen Landtag auS Anlaß der Beratung des Haushalts der landwirtschaftlichen Verwaltung einen Ent- schliehungsantrag eingebracht, in dem das Staats- r.iinifterium ersucht wird, in den Haushalt für 1922 die erforderlichen Mittel zur Regulierung der Lahn und Ohm, welche in den letzten Jahren erhebliche Ileberschwemißungslchäden verursacht haben, einzustellen. " Heugrasoer st eigerungen der Stadt finden am Montag und Dienstag nächster Woche statt. Man beachte die heutige Bekanntmachung. •• Lichtspielhaus Bahnhof st raße. Das gegenwärtig vorgeführte Filmschauspiel „R o ° sen aus dem Süden" zeichnet• sich vor allem durchs die Mitwirkung der Prominenten Henny Porten aus, die als Trägerin der Hauptrolle ihre Darstellungskunst zeiat. Außerdem verdient die prächtige Ausstattung besondere Erwähnung. Von den übrigen Rollen sind hervorzuhebcn: Angelo Ferrari als Dr. Hans Adam und Robert Scholz als Armand Laurence. Das Manuskript hält sich nicht immer auf gleicher Höhe- z. B. das Schlußbild des letzten Aktes, das eine Heber- raschung bringt, die den Ausklang steigern sollte, bewirkt gerade das Gegenteil und schwächt den Eindruck des im großen und ganzen guten Gesamtwertes. 80 Jahre Turn- und Sportverein Butzbach. *2$. Butzbach, 6. Juni. Wie nach den mustergültig getroffenen Vorbereitungen nicht ander- zu erwarten war, ist die gestern und heute veranstaltete Feier des 80jährigen Be - stehens des hiesigen Turn- und Sportvereins glanzvoll verlaufen, aber nicht infolge glänzender äußerer Aufmachung, sondern mehr dadurch, daß man es verstanden hatte, sie mit edelster turnerischer Arbeit und echt turnerischem Geiste au erfüllen und damit zu einem inneren Erlebnis für alle Teilnehmer zu gestalten. Der Auftakt zu den Veranstaltungen war gleich ein Höhepunkt des Erlebens: der Empfang der Westsalenturner und der übrigen Turnergäste aus nah und fern am Samstag- nachmittag. Von einer begeisterten Menge mit Heilrufen und Blumengrüßen am Bahnhof empfangen, wurden sie mit Musik nach dem ehrwürdigen Markt geleitet, wo Bürgermeister Dr. Jansen herzliche Worte der Begrüßung fand. Der Fe st abend, der am Samstag den großen Saal des „Hessischen Hofes" bis zum letzten Platz füllte, wurde von Redakteur K. Schneider, seit langem Vorsitzender deS Turn- und Sportvereins, und Dr. R a u abwechselnd geleitet. Schneider entbot kurzen Willkommensgruh den zahlreichen Turnergästen, wie auch den Vertretern der städtischen und staatlichen Behörden, die durch ihre Teilnahme an der Feier bekundeten. welcher Achtung sich der durch eine reiche geschichtliche Vergangenheit ausgezeichnete 3u= bclverein erfreuen darf. Ein besonderer Gruß galt Frl. Kunath, der Tochter von Oberlehrer Arno Kunath, des Oberturnwarts d e r D. T„ der leider in letzter Minute noch am Erscheinen verhindert worden war. Diele Telegramme und Glückwunschbriefe waren eingelaufen, u. a. von Prof. Dr. Berger, dem Vorsitzenden der D. T., Kreisvertreter Schulrat Schmuck, Oberturnwart Kunath. Den Reigen der Glückwunschansprachen eröffnete Bürgermeister Dr. Jansen, der einen Rückblick in die interessante Geschichte des am 28^ März 1846 gegründeten Vereins warf und wünschte, daß die großen Führer des Vereins, die auch um das Gemeinwohl der Stadt in vorbildlicher Weise verdient gewesen seien, dem Tünfügen Geschlecht allezeit Leitstern sein möchten. Schulrat Hassinger (Darmstadt) sprach als Beauftragter der hessischen Regierung^ die dem Jubelverein Dank sage, weil er das Panier der Deutschen Turnerschaft stets hochgehalten habe. Daß die Regierung die Pflege der Leibesübungen zu schätzen wisse, das gehe aus der Schaffung des Landesausschusses für Leibesübungen hervor, der in den nächsten Wochen zum erstenmal zusammentreten würde. Die Turnvereine seien ein wichtiger Baustein am Aufbau unserer Volksgenossen schäft. Kreisdirektor Gebhardt (Friedberg), der die Grüße des Kreises Friedberg überbrachte, erinnerte an Dr. F. L. Weidig, Moritz Kuhl, Kalbfleisch, Prof. Wämser, die für die Entwicklung des Turnens in Butzbach und im gesamten Mittelrheingebiet von so großer Bedeutung gewesen, und ermahnte daS heutige Geschlecht, an den Grundsätzen und dem Geist dieser Männer festzuhalten. Von Turnervertre- tcrn sprachen daim: für den Mittelrheinkreis der Kreiskassenwart PH. Röbig (Rödelheim), der mit Worten herzlicher Anerkennung an die Turner K. Schneider (2. Gauvertreter des Gaues Hessen) und Jakob Häuser die seltene Auszeichnung deS Ehrenbriefes des Mit- telrheinkrcises überreichte; für den Gau Hessen dessen Gauvertreter, Fabrikant A. Pfeiffer (Wetzlar), der gleichzeitig an K. Schneider und Gg. Häuser den Gauehrenbrief aushändigte: für den 5. Bezirk im Gau Hessen Studienrat Schuchmann (Friedberg). Eine lange Reihe weiterer Gratulanten schloß sich an. ES seien nur genannt: Ober- studiendircktor Binzel, der für die Butzbacher Schulen sprach: Direktor Stumpf, der die Grüße der Butzbacher Vereine zu einem herzlichen Glückwunsch zusammensaßte. Von den Turnvereinen, die noc^nals besonders gratulieren ließen, sollen die beiden Gießener Vereine besondere Erwähnung finden. Der Turnverein 1846 ließ durch seinen Sprecher Erle eine Stabhochstange dem Jubelverein überreichen, der Männertumve ein durch seinen Sprecher Kling eine Ausstattung Keulen für die Frauenabteilung des Butzbacher Vereins. Auch der Tv. Langgöns fehlte nicht unter den Gratulanten; er ließ durch Turner Kehler einen Fahnen nagel an den Butzbacher Bruder- Verein aushändigen. Reben dem vielen Guten, das an dem Abend geredet wurde, kam aber auch dir Tat nicht zu kurz. Die Westfalen-Riege, die durch ihre Finnlandreise bekannt geworden ist, und der Tv. Dieber-Offenbach bestritten den turnerischen Teil der Festfolge. Was sie boten, ist hier noch nicht gesehen worden, obwohl schon öfters anerkannte Turner hier zu Gast waren. Die Leistungen waren über alles Lob erhaben und können wohl kaum übertroffen werden. Das Publikum stand ganz im Banne des Geschauten und der GeisteSdisziplin, die diese einfachen Männer vom Lande der Roten Erde beherrscht. Daß auch das deutsche Lied an dem Abend nicht fehlte, dafür sorgte der Gesangverein .Eintracht". der unter Leitung von Lehrer Römer (Grohen-Linden) mit einigen schönen Chören aufwart eie. Zur Belebung der Stimmung trug ganz wesentlich auch die Gießener Reichswehrkapelle bei. Gerührt dankte K. Schneider für alle dem Derein erwiesenen Ehrungen und gab dann Schulrat Hassinger das S ch lu ß w ort. Der Redner sprach, noch ganz unter den Eindrücken der erhebenden Feier stehend, Stadt und Turnverein Butzbach den Dank für den schönen Abend aus und entbot den Söhnen der Roten Erde, deren Leistungen Staunen und Bewunderung ausgelöst Hütten, noch einen besonderen Gruß der hessischen Regierung und deS Hessenlandes. Die Ansprache, die mit Begeisterung ausgenommen wurde, bildete einen würdigen Ausklang des erhebenden Festaktes. Einen ähnlichen Derlauf nahm der heutige Abend in der großen F e st h a l l e , wobei außer der Westfalen-Finnland-Riege der hiesige Turn- und Sportverein und der Gesangverein „Orpheus" rnitwirkten. Preußen. Kreis Wetzlar. ch Lützellinden, 8. Juni. Die Dor- arbeiten zu den verschiedenen Wegebauten, die die hiesige Gemeinde in diesem Jahre in unserer Gemarkung vornehmen läßt, sind in vollem Gange. Der erforderliche Kleinschlag wird von hiesigen Erwerbslosen hergestellt, ebenso wird auch das Brechen der Steine von Erwerbslosen ausgeführt. Um eine Ersparnis zu erzielen, hat die Gemeinde von einer Vergebung der Fuhrleistungen abgesehen, so daß unsere Viehhalter durch das übliche „Frohnfahren" die Steine an Ort und Stelle bringen müssen, und zwar muß für je 3 Morgen Grundbesitz ein Kubikmeter Steine gefahren werden. Die Schafzucht, in den Kriegsjahren ein bedeutender Rebenzweig der Landwirtschaft, hat in den letzten Jahren in unserem Orte eine starke Verringerung erfahren, was zum Teil auf den niedrigen Preis der Schafwolle zurückzuführen ist, so daß bei dem üblichen Umtausch des Schafwolle gegen Strickgarn die Schafhalter sehr schlecht abschneiden. Außerdem haben die Schafe in den letzten strengen Wintern große Löcher in die Wintervorräte gefressen, so daß der Landwirt für mehrere Schafe bequem ein Stüa Rindvieh halten konnte. 3m Sommer jedoch ist der Dung, den die Schafe liefern, ein begehrtes Düngemittel unserer Landwirte, das sie sogar dem künstlichen Dünger vorzuziehen. ch Hörnsheim, 8. Juni. In diesen Tagen trat ein weiterer hiesiger Einwohner mit seiner Familie die Reise über d i e „Große Pfütze" an, um in der Reuen Welt sein Glück zu versuchen. Es war der Schneider Rosenbaum. Der hiesige Turnverein, dessen Turnwart er war, geleitete den Scheidenden zur Dahn. Die Gemeinde beabsichtigt, verschiedene Wegebauten vornehmen zu lassen. Man hofft, daß die Arbeiten als Rotstandsarbeiten anerkannt werden, und daß zu ihnen ein Betrag aus den Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge von der Regierung bewilligt wird. Es sollen bei den Arbeiten die hiesigen Erwerbslosen Beschäftigung finden. Kreis Biedenkopf. T W a ldgirmes, 8. Juni. Die Bonitierung unserer Gemarkung ist beendet. In genau fünfzig Tagen sind über 9000 Parzellen untersucht und geschäht worden. Run geht es an das Anlegen des Wegenetzes. Zuerst soll eine zwölf Meter breite Straße unterhalb des Ortes angelegt werden, im Straßenzug Raunheim— Dorlar, da der starke Auto- und Wagenverlehr im Zuge Dillenburg—Gießen durch die engste Straße unseres Ortes, die Kreuzer- straße führt. Es ist geradezu ein Wunder, daß bis jetzt nicht größere Unglücke in dieser Straße, zumal an der rechtwinkeligen Biegung gegen Dorlar, passiert lind. Erst vorige Woche hingen hier zwei Wagen mit Langhölzern und ein Auto zusammen, die nur mit vieler Mühe wieder auseinander gebracht werden konnten. Durch die neue Straße wird außerdem viel Baugelände aufgeschlossen. Die Gemeinde hat schon ein Haus mit Scheune und Stallungen zum Abbruch angekauft, um eine Verbindung deS Ortes nach dteser Straße herzustellen. Bei der Zusammenlegung sollen noch zwei Bleich- plätze und ein Spielplatz angelegt, der neue Friedhof bedeutend erweitert und von dem alten Friedhof Gelände zum Reubau einer sechs- klassigen Schule genommen werden. Dis jetzt haben wir drei Schulhäuser an verschiedenen Plätzen, was ein kostspieliges Unternehmen und für den Schulbetrieb sehr nachteilig ist. Dillkrcis. bl. Dillenburg. 8. Juni. Die Gesamtzahl der Vollerwerbslosen des Kreises beträgt nach dem jüngsten Stand 1680 männl und weibl. Personen. Dazu kommen noch 2769 Zuschlagsempfänger. Bei Rotstandsarbeiten werden gegenwärtig 545 Mann beschäftigt. Gegenüber der Vorwoche ist die Gesamtzahl um etwa 100 Personen gefallen. • Herborn, 8. Juni. Die Arbeiten zum 7. Rassaurschen Bauerntag. der vom 17. bt6 20. Juli d. 3.. verbunden mit Tierschau und Maschinenausstellung, in Herborn stattsindet. schreiten rüstig vorwärts. Die Tierschau wird von mehreren Züchtervereinen beschickt werden. Der Festzug wird aus Trachten gruppen und ca. 40 historischen und landwirtschaftlichen Wagen bestehen. * Breitscheid, 8. Juni. Durch h e r a b ft ü r» 3 e n d e Oefteinsmaffen verunglückten in einem hiesigen Steinbruck; Betrieb 5 lei ter B i ch- ler und Arbeiter Winkel, beide aus Crdboch. Die Verlegungen sind schwer, geben aber zu Be- I fürchtungen keinen Anlaß. bl Offdilln. 8. Juni. Unter zahlreicher Anteilnahme der Deoöllerung wurde am vergangenen Sonntag das Ehrenmal für unsere gefallenen Brüder eingeweiht. DaS Denkmal ist keilförmig erbaut und wird durch einen Adler auf rollender Kugel gekrönt. Eine Platte trägt die Ramen von 14 Gefallenen. Lberlahnkrcis. A Arfurt a. d. Lahn, 8. Juni. Boraestern beging in schlichter Feier die Freiwillige Feuerwehr ihr 25jühriges Bestehen. Gegen 2 Uhr ging der Feier eine Hebung voran, welche exakt ausgeführt wurde. Hierauf versammelten sich die anwesenden Vereine- vor dem Schulhaus. Lehrer Reidel würdigte in kurzen Worten die Bedeutung der Feier, worauf der Ortspfarrer in einer längeren Ansprache den Werdegang der Feuerwehr schilderte. Hierauf nahm Lehrer Reidel noch einmal das Wort und gedachte der Toten. Dann wurde den 18 noch lebenden Mitgliedern die vorn Zentral-Feuerwehroerband verliehene Medaille überreicht. Ein silberner Ehrenkranz, gestiftet von der Bürgerschaft Arfurts, wurde von dem Ehren-Kommandanten Bähr entgegenge- nommen. * Weilmünster. 8. Juni. Die hier geplante Tierschau muß wegen ber ausgebrochenen Maul- und Klauenseuche ausfallen. Kreis Limburg. WER. Limburg, 8. Juni. (Der Mädchenmord auf dem Westerwald.) Die polizeilichen Rachforschungen nach den vermißten Kleidungsstücken und der Reisetasche der von ihrem Geliebten ermordeten Anna Benner haben jetzt zur Auffindung der Sachen geführt. Wie man gleich vermutet hatte, hatte der Mörder sie in einen etwa 70 Meter tiefen Schacht der Eisengrube „Alexandra" geworfen. Die Wäschestücke und Kleider sind bereits geborgen. Die Tasche wurde durch die Wucht des Falles auseinandergerissen, und der Inhalt liegt noch zerstreut im Schacht. Man glaubt, daß der Briefwechsel des Mörders mit seiner Braut sehr belastende Momente für ihn ergeben dürfte, und ist der Anschauung, daß es sich um wohlüberlegte Tötung, also Mord, und nicht um eine Affekthandlung handelt. Wie auS Marburg gemeldet wird, soll die Ermordete, die gerade in der Marburger Klinik war, diese in sehr gedrücktem Zustande verlassen haben. Maingau. WSR. Homburg v. d. H., 8. Juni. In einer Gastwirtschaft im benachbarten Dornholzhausen wurde am Samstag ein schwerer Einbruch verübt. Den Tätern fielen zwei Fahrräder, Lebens- und Genuhmittel im Gesamtwerte von 600 Rm. in die Hände. Auch für die vier Räder eines Kinderwagens hatten die Täter Verwendung. während sie Den Wagen selbst stehen ließen. Turnen, Sport und Spiel Neichsoffene Wettkämpfe der D. T. Gießener Turner und Turnerinnen in Offenbach. 4 An den reichsoffenen volkstümlichen Wettkämpfen, die der Turnverein Offenbach a.M- zur Durchführung brachte, beteiligten sich am 5. und 6. 3uni auch Turner und Turnerinnen der Gießener Turnerschaft. Die Beschickung der Wettkämpfe von feiten bekannter Vereine — wie Turngesellschaft Sachsenhausen, Turnverein »Vorwärts" Dockenheim, Mainzer Turnverein 1817, Turnverein Kreuznach, Dockenheimer Turnge- meinde, Turnverein Prag-Stuttgart, Turnverein Offenbach u. a. m. — war sehr stark, weist doch die Teilnehmerliste eine Beteiligung von 214 Wettkämpfern aus 33 Vereinen auf. Wie die große zahlenmäßige Beteiligung waren auch die Leistungen erstklassig: um so höher sind die Erfolge unserer Gießener Turner und Turnerinnen zu bewerten. Die schönste Leistung vollbrachte die 14jährige Turnschülerin Else Bickelhaupt vom Männerturnverein, die im Hochsprung für Anfänger und im offenen Kampfe beidemal mit 1,35 Meter bzw. 1,40 Meter den 1. Sieg erringen konnte. Bei ihrer Veranlagung gerade für Hochsprung ist von ber jugendlichen Turnerin noch mancher Erfolg zu erwarten. Die Turnerin Tilly Espach, ebenfalls vom Männerturn- berein, wurde im offenen Kampfe im Hochsprung 2. Siegerin. Paula Hofmann, MW., holte sich im Diskuswerfen den 3. Sieg und im 75- Meter-Lauf den 4. Sieg. Vereinsmäßig als abgerundetste Leistung ist Der 2. Sieg der Turnerinnen des Mtv. in der 4 mal 100 Meter Turnerinnenstaffel zu bemessen. 3n ber Besetzung Paula Hofmann, Charlotte A m e n d. Else Dickelhaupt und Tilly Espach erkämpfte sie sich vor „Vorwärts" Bockenheim und Turn- Gesellschaft Sachsenhausen im Endkampf den zweiten Platz. Vom Männerwrnverein konnte Turner Ludwig Malkomesius im Dreikampf 8. Sieger werden. Turner Dilges vom Tv. 1846 gelang es, das Kugelstoßen für Anfänger mit 10,39 Meter an sich zu bringen; im offenen Kampfe wurde er mit 10,49 Meter 3. Sieger. Sein Dereinskamerad W. Gartenschläger wurde im Hochsprung 3. und im Diskuswerfen ebenfalls 3. Sieger: im Dreikampf brachte er es zur 5. Stelle. Die Gießener Turnerschaft kann mit Recht sich dieser in so umstrittenem Kampfe errungenen Siege erfreuen. Turner-Handball. T. u. Spo. Buhbach I — To. Sesselstadt I 1:2 (1:1). T. u. Spo. Buhbach II —Tv. Kesselstadt 11 1:0 (1:0). — Butzbach, 6. Juni. Die zur Feier des 30jährigen Jubiläums des hiesigen Turn- und Sportvereins hier anwesenden Turner auS Kes- selstadt trafen sich mit Den Butzbacher Mannschaften heute nachmittag zu sehr schönen Werbespielen im Handball. Beim Spiel ber ersten Mannschaften gewann Kesselstadt knapp, aber verdient. Es zeigte in bezug auf das Zusammenspiel einen bedeutend schöneren Handball als der ®egner. während die Platzmannschaft ihre Spielweise zu sehr auf einzelne Spieler zugeschnit- ten hatte. Butzbach ging 1:0 in Führung, muhte sich aber bald durch einen Strafwurf den Ausgleich gefallen lassen. Die zweite Halbzeit zeigte bald die eine, bald die andere Mannschaft im Angriff. Der siegbringende Treffer Kesselstadts fiel wiederum durch einen Strafwurf, der wegen körperlichen Spiels der Butzbacher Verteidigung verhängt werden mußte. Bei Kesselstadt gefiel besonders ber Torhüter, der die schwierigsten Bälle meisterhaft zu halten verstand. Vutzäichs 2. Mannschaft gewann verdient. Sie war während des ganzen Spiels überlegen. Ein 3.0-Sieg wäre ihr zugekommen. Seibert (Wetzlar) als SchiedSritAer war einwandfrei. Wandern in der D. T. Q Mit stets wachsender Beteiligung führt feit Anfang diese- JahreS der Männerturn- verein Gießen regelmäßige Wanderungen auS. Der Wanderwart verstand eS, in Verbindung mit dem Turn rat, dem Vorstand einen hübsch zusammengestellten Danderplan vorzu- icgen. Rach der immer sich steigernden Teilnahme, auch an größeren Wanderungen (z. D. Gießen- Herborn) darf die Durchführung als gesichert angesehen werden. Am letzten SonntZg führte der Weg von Wetzlar nach und um Braunfels. Eine stattliche Zahl Turnerinnen und Turner (über 40) erlebten unter Führung von Wanderwart G u t j a h r eine in allen Teilen gut verlaufene Wanderung. Die nächste Wanderung hat den Dünsberg als Ziel. Aus dem Arbeiter-Turn- und Sportbund. L Die vorgesehenen Gesellschaftsspiele mußten am Sonntagnachmittag ohne Ausnahme infolge des starken Regens auSsallen. Zum Aus- trag gelangten lediglich zwei VerbandS- spiele der mit der Durchführung derselben noch rückständigen 2. Klasse So standen sich am Sonntagabend die 2. Mannschaft Gießens und die neu ins Leben gerufene 2. Mannschaft Wetzlars auf dem Trieb \ in Gießen gegenüber. Wetzlar überraschte durch eine vollendete Mannschaft, die den kampferprobten Gießenern sogar einen Punkt abnehmen konnte, indem sie ein unentschiedenes 3:3 Resultat herausholte. Trotz des wenig einladenden Wetters am Sonntagnachmittag stellten sich auf dem Wie- secker Sportplatz die 2a-Mannschaft Gießens und die 2. Mannschaf t deS Platz- Vereins dem Llnparteiischen. Die Gießener Mannschaft kam im Verlaufe deS Spiels eigentlich nicht recht zur Geltung und muhte sich ein hohes 5:0-Resultat gefallen lassen. DaS Ergebnis war ein getreues Spiegelbild des Spielverlaufs. Dreitausend Meldungen zu den Deutschen Kampsspielen. Eine erste Gesamtübersicht über die Meldungen zu den 2. Deutschen Kampfspielen vom 4. bis 11.3uli in Köln ergibt die erfreuliche Tatsache, daß Die Zahl der Meldungen / 3 0 0 0 erreicht, wenn nicht Übersteigt. Da es sich bei den deutschen Kanrpfspielen bekanntlich nicht um eine Massenveranstaltung im eigentlichen Sinne des Wortes handelt, sondern um ein Treffen der Bestien aus allen Lagern, muß diese überaus hohe Meldungszahl auf den ersten Blick überraschen, sie erflärt sich aber daraus, daß es sich einmal um alle HebungSacten der Leibesübungen handelt und daß alle sonst getrennt marschierenden Verbände von Turnen und Sport, hier bereinigt sind. Die Klasse der Teilnehmer steht außer allem Zweifel, denn es sind wohl alle deutschen Meister ohne Ausnahme in Köln am Start zu erwarten, besonders zahlreich werden sich die Leichtathleten und volkstümlichen Turner beteiligen, die zusammen etwa 1000 Meldungen abgegeben haben. Am nächsten kommt daS Kunstturnen mit etwa 500 Meldungen vor dem Schießen mit ungefähr über 400, den Krastsport mit 350 und dem Fechten mit 250 Teilnehmern. Sehr gut ist auch das Schwimmen vertreten. Bet dem kaum einer fehlen dürfte, der berechtigte Siegesaussichten hegen kann. Das gleiche gilt von den anderen Sportzweigen, deren genaue älebersicht zur Zeit noch nicht mögllch ist. Schöffengericht Gießen. Ein vielfach vorbestrafter Heizer hat im April b. I. in Gießen einen Einbruch in ein Gartenhaus verübt und Kleidungsstücke gestohlen, die er seiner Geliebten, einer wegen gewerbsmäßiger Hehlerei mit Zuchthaus vorbestraften Person, schenkte. Bei ber Tat hatte er einen Revolver bei sich geführt. Der Mann erhielt eine Gefängnis st rafe von l1/- Jahren, die Frau eine solche von einem Jahr der Revolver wurde eingezogen. Den Angeklagten wurden ferner die bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre aberkannt. Ein gleichfalls vielfach vorbestrafter Arbeiter erhielt wegen eines ähnlichen Diebstahls, bei dem Sachen von erheblichem Wert gestohlen wurden, zwei Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust. Hinter verschlossenen Türen verhandelte das Gericht gegen einen Hilfsarbeiter aus Kaichen wegen eines an einem Kind begangenen Sittlichkeitsverbrechens. Strafmildernd kam seine geistige Minderwertigkeit in Betracht. Die Strafe lautete auf achtzehn Monate Gefängnis. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. * Das Amtsverkünbigungsblatt Rr. 45 vom 4. Juni enthält: Flugveranstaltung auf dem Flugplatz Gießen. — Wahlen zum Kreistag. — Maul- und Klauenseuche in Lauter, Ober-Bessingen, Ettingshausen, Saasen, Göbelnrod, Geilshausen, Mühlsachsen, Hausen und Alten-Duseck. — Konferenzen der Handarbeitslehrerinnen. — Turnunterricht. — Reichsjugend- wettkämpse 1926. — Gefunden, verloren. — Straßensperre. — Dienstnachrichten. ' Das Amtsverkündigungsblatt Ar. 4 6 vom 8. Juni enthalt: Ausschlag der Provinzialumlagen für die Provinz Oberhessen für das Rj. 1926. — Meldepflicht der Ausländer. — Kanalisation Rödgen. — Maul- und Klauenseuche in Muschenheim. Ruttershausen und Hausen. — Straheickperre. — Ausführung des Ärkundenstempelgesetzes. — Dienstnachrichten. Rundfunk-Programm des Frankfurter Tenders. (Aus der »Radio-Umschau".) Donnerstag, 10. Juni. 4.30 bis 4.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Das Ballett der „Großen Oper". 5.45 bis 6.05 Hhr: Die Lesestunde. 8 llhr: Hebertragung aus dem Kurhaus in Wiesbaden: Konzert des Wiener Männergesangoereins. Anschließend bis 12 Uhr: Heberlra- gung von Berlin: Tanzmusik der Verl!ne^Ts->i kapelle. Goethe-Bund Einladung zum Jahresfest 1 Freitag, 11. Jani, abends 8 Uhr: Vortrag des Herrn Prof. Dr. Gloöl aus Wetzlar Goethe in Wetzlar. Mitglieder freien Eintritt, Nichtmitglieder Platzkarten zu Mk. 1,50 bei Challier. 2. Samstag, 12. Juni, abends 7V, Uhr: Festabend unter freundlicher Mitwirkung des Konzertsängers Franz Harros aus Darmstadt. 3. Sonntag, 13. Juni, naohin. 2 Uhr: Besichtigung der Wetzlarer Goethestätten unter freundl. Führung des Herrn Prof. Dr. GloBl.__________________ MSSW rhein. 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Juni 1926: a) vormittags 9 Uhr, Zusammenkunft am Schlachthof, von den Wiesen im Neustädter Feld, Hohleiche und auf der Insel; b) vormittags 10t Uhr in der Restauration von Georg Schrimpf, Kaiserallee 4, von den Wiesen am Weiher, am Ohleberg, im Heeastrauch, am '• Alten Steinbacher Weg (Rußland) und vom Obstbaumstück an der Licher Straße in vier Abteilungen; e) nachmittags 2 Uhr in der Restauration „Philosophenwald" von den Wiesen im Wiesecktal, am Fürstenbrunnen, an ■ der Eselswiese (fr. Staat) und von den Wiesen in der Gemarkung Wieseck. Dienstag, dm 15. Juni 1926: a) vormittags 9 Uhr an Ort und Stelle an der Anneröder Straße von den Wiesen am Altentisch und Utersbrun- nen, anschließend an der Rödger Straße von den Ochsenwiesen und den Wiesen im Stolzenmorgen; b) nachmittags 1 Uhr an Ort und Stelle von den Wiesen in der Gemarkung Großen-Buseck und Rödgen. Steigliebhaber, welche die Wiesen zu besichtigen beabsichtigen, wollen sich an den städtischen Wiesenmeister Klos, Am Rodtberg 5, wenden. Die Bürgermeistereien der umliegenden Gemeinden werden ersucht, vorstehendes in ihrer Gemeinde bekanntmachen zu lassen. 49716 Gießen, den 7. Juni 1926. Der Oberbürgermeister. ______I. B.: Dr. Rosenberg.______ MiMMW wovon 3-4 Räume als Bureau benutzt werden können, gegen zeitgemäße Miete gesucht. Tauschwohnung mit 4 gimmern im Stadtzentrum kann evtl, gestellt werden. Schriftl. Angebote unt. 4969P a. d. Gießener Anzeiger erbeten. Don einer gröh. Wäschefabrik wird für den Besuch der besseren Privat- kundschaft ein tüchtiger Dertreter(in) gegen hohe Provision gesucht. Als Bewerber kommen nur solche Kräfte in Frage, welche nachweislich seit vielen Jahren die bessere Privatkundschaft mit guten Erfolgen besucht haben. Schriftllche Angebote unter Aufgabe von Referenzen unter 4963D an den Gießener Anzeiger erbeten. 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Juni, 3 Uüt nachmittags, auf dem Neuen Friedhof statt. Rege Beteiligung erwünscht. 4877D Der Vorstand. Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute vormittag 10V2 Uhr plötzlich und unerwartet aus einem arbeitsreichen Leben unsere liebe, unvergeßliche Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Susanne Kramer Ww. geb. Deibel nach kurzer Krankheit infolge eines Herzschlages im Alter von 73 Jahren zu sich in die Ewigkeit abzurufen. komplette WWMMW 2, evtl. 3 Zimmer und Küche, möbliert ob. teilro. möbliert, sofort au vermieten. Ludwigstr. 16 III. AnAusehen nachm. von 3—6 Uhr. [nwB? Zimmer (Mitte der Stadt), seither Bureau, mit Einrichtung wieder als Bureau zu vermieten. Schriftliche Angeb. unter 04056 an den Gieß. Anz. Alters-Vereinigung 1861 Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Alterskollegen von dem Heimgang unseres lieben Alterskollegen Herrn Heinrich Sommeriad geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 10. Juni, nachmittags 21 /., Uhr statt, und wird um recht zahlreiche Beteiligung gebeten. niiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiiiiiiiiiiii) Fleißiger, braver, kräftiger Junge kann sofort als Bächer- lehrling eintreten. [04070 Brot- und Zellibällerel Gustav Weller, WieseL Schulstr. 8. Tel. 1448. (1IIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIID Sauberes Mädchen wöchentlich zweimal Aum Bußen gesucht. OIO53 Roonstr. 2911. Dr. Hermann Orth Lotte Orth geb. Schaefer geben ihre Vermahlung bekannt Butzbach, 10. Juni 1926 Lichtspielhaus irmimnimiirmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiim, Bis einschließlich Sonntag: Rosen aus dem Süden I. d. H: Henny Porten Großes Gesellschaftsdrama in einem Vorspiel und 5 Akten. 4970c Dazu ein lustiges Beiprogramm. ......... I ■■■■! ■■■■■■■ .1 WM&rdßn am faßen auf!dar dbü. 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Am Freitag, dem 11. 3 unt: Boiftflflüaöenö (Bericht üb. Hirsch- berg usw.) tn der Bergschenke, abends 8*/i Uhr. Redner: Dr. König. Alle schulentlassenen Freunde des V. D. A. und herzltchst ein- geladen. 4967D Ni knie। Die S« dreißig Ach, wirf DCrieö nur kein toiincrin f J,n gndel gbi«Ui" ®ünS ’ SjLjn habe. ■'SäftS Ä bisher noch nscht Wellen ^stände, unr areft Ei|enb°hnunM K auf einen ande K! io daß die g°n ” r iühter Wohl Obrer auch auf j 6 8 ebenfalls nur M foHor ober bei ander 6er ani ■ Lr Sifmboiner m«, mfifllM der Fahrplan ff ulß mb- Denn Hut Et ganze Zugfolge^ kneueGesahrPlmktesu vielem Smnde'st p tarnet geneigt, im 3®6 rusthen, nie es fahrpla' LahnvenvaUung halt J gesamte Personal zur ? L Fahrplanes an. De fentlidjer Sicherheltsfakt möglichst wenig gehört daß die Verbesserungen tahiumM nicht beim sondem an anderer tot Wir kommen damit a wirklich der Zug mch Holten gebracht werdet Wr olle kennen di möglicht. den Zug in Zugführer, einen Schc senden zum halten zu Mit Hilfe der Sn Erachtens auch eine Strecke aus zum halt der Strecke in gewisser nal entweder unter den oder über ben Wagen werben, welche bei ges bremse des Zuges in automatisch den Zug soso uns auch bekannt, dasi si schon seit tanger Zeit ' und dahingehende Dersi dem noch nicht die not ningen gezogen sind, 1 sind, daran, dah die n über gewisse Bedenken sind. Diese Bedenken b sich der Lokomotiosühr, Zughalteoorrichtung di Strecke die notwendig würde. Dadurch entftäni Unglücksfälle, da emerj ningen einmal oerfagei Anrisse eintreten könne vuhrers wahrzunehmen Mr Hollen diese Au oem uns, daß sie im Z önttes noch vertreten vorauslegungen aus. Q ™ Erlaß eines mit de öflnales durch eine n "ra um seine Ergitnzr Dadurch, daß die [0 angeordnet wird, d. ^Ä^ales in' Rontoüe es Lokomot Wissenhasten Beobo firn« sSne Schw LS M jedes L U l dem aus »iri 5i-sS ?n Ziehen'L^etriei > A (Einf «rZ-Lr 2S Sy mb Si« Vierde, iS-«' Krs, “fei? h*” *r Qn?'rl|ni 1 Itr. 152 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)Mittwoch, 9. Juni 1926 Aus Natur und Technik. Die Sicherheit im Eisenbahnverkehr. Don Dipl.-Äng. Mangold, Duisburg. Das Eisenbahnunglück in München, das beinahe dreißig Menschenleben vernichtet und doppelt so viele schwer verletzt hat, wirft mit Recht die Frage auf: Gibt es denn gar keine Mittel, um das sich fast immer in gleicher Weise abspielende Auffahren eines Zuges auf einen anderen zu verhindern? Es hat sich hier in München genau derselbe Vorgang wie Anfang 1925 in Herne i. W. wiederholt. Auch hier behauptet der Lokomotivführer, daß er die Strecke genau beobachtet, und das Signal auf „Freie Fahrt" gestanden habe. Die Reichsbahn beschäftigt sich wohl seil Jahren oder gar seit Jahrzehnten mit der Frage einer mechanischen Zugsicherung, aber herausgekommen ist dabei bisher noch nichts. Es herrschen immer noch die alten Zustände, immer noch treten die so furcht- baren ^Eisenbahnunglücke durch Auffahren eines Zuges auf einen anderen ein. Zur Zeit liegen die Dinge so, daß die ganze Sicherheit eines fahrenden Zuges auf einem Menschen ruht, nämlich dem Loko- motiosührer. Wohl sollen Heizer und besonders Zugführer auch auf die Signale achten, aber diese sind ebenfalls nur Menschen und bei schlechtem Wetter, over bei anderen ungünstigen Verhältnissen genau so in ihrer Wahrnehmung beschränkt. Dazu kommt noch der andere, sehr wichtige Umstand, daß jeder Eisenbahner weiß, daß, wenn nur irgend möglich, der Fahrplan genau eingehalten werden soll und muß. Denn durch jede Zugverspätung wird die ganze Zugfolge mehr oder minder gestört und Id neue Gefahrpunkte für weitere Unfälle geschaffen. Aus diesem Grunde ist psychologisch der Eisenbahner immer geneigt, im Zweifelsfalle ein Signal so anzusehen, wie es fahrplanmäßig sein sollte. Auch die vahnoerwaUung hält mit voller Berechtigung das gesamte Personal zur Pünktlichkeit und Einhaltung des Fahrplanes an. Denn Pünktlichkeit ist ein wesentlicher Sicherheitssaktor im Eisenbahnbetrieb, der möglichst wenig gestört werden darf. Wir.sehen also, daß die Verbesserungen zur Verhütung der Eisen- bohnunfälle nicht beim Bahnhofs- oder Zugpersonal, sondern an anderer Stelle versucht werden müssen. Wir kommen damit auf die Frage zurück: Kann wirklich der Zug nicht vom Stellwerk aus zum Halten gebracht werden? Wir alle kennen die Druckluftbremse, welche er- möglicht, den Zug in jedem Augenblick durch den Zugführer, einen Schaffner, oder irgendeinen Rei- senden zum Halten zu bringen. Mit Hilfe der Druckluftbremse gibt es unseres Erachtens auch einen Weg, einen Zug von der Strecke aus zum Halten zu bringen. Es kann auf der Strecke in gewisser Entfernung hinter dem Signal entweder unter dem Zug zwischen den Schienen oder über den Wagen eine Vorrichtung angebracht werden, welche bei geschlossenem Signal die Notbremse des Zuoes in Tätigkeit setzt und dadurch automatisch den Zug sofort zum Stehen bringt. Es ist uns auch bekannt, daß sich die Eisenbahnverwaltung schon seit langer Zeit mit dieser Frage beschäftigt und dahingehende Versuche angestellt hat. Daß trotzdem noch nicht die notwendigen praktischen Folgerungen gezogen sind, liegt, soweit wir unterrichtet sind, daran, daß die in Frage kommenden Stellen über gewisse Bedenken noch nicht hinaus gekommen sind Diese Bedenken bestehen in dem Glauben, daß sich der Lokomotivführer auf die selbsttätig wirkende Zuqhaltevorrichtung verlassen und nicht mehr der Strecke die notwendige Aufmerksamkeit schenken würde. Dadurch entftänbcn dann höchstens noch mehr Unglücksfälle, da einerseits die mechanischen Siche- ningen einmal versagen, anderseits aber Fahrthindernisse eintreten können, die nur durch Sinne des Führers wahrzunehmen sind. Wir hallen diese Auffassung für falsch und muntern uns, daß sie im Zeitalter des technischen Fortschrittes noch vertreten wird. Sie geht von falschen Voraussetzungen aus. Es handelt sich hier nicht um den Ersatz eines mit den Sinnen wahrzunehmenden Signales durch eine mechanische Vorrichtung, sondern um seine Ergänzung. Dadurch, daß die mechanische Haltevorrichtung so angeordnet wird, daß sie erst nach Ueberfahren des Haltesignales in Tätigkeit tritt, stellt sie eine Kontrolle des Lokomotivführers dar, welche ihn zur gewissenhaften Beobachtung der Signale zwingt. Man kann ohne Schwierigkeit die Haltevorrichtung fc bauen, daß jedes Ueberfahren des Haltesignals feftgelegt und dem aufsichtführenden Beamten zur Kenntnis gebracht wird. Dadurch kann das Zugpersonal auch für alle die Fälle zur Verantwortung gezogen werden, in denen das Haltesignal zwar überfahren war, aber keine weiteren Folgerungen entstanden. Bisher kommt dies in vielen Fällen dem aufsichtführenden Beamten gar nicht zur Kenntnis, obwohl eine Meldung durch das Stellwerk ufro. vorgeschrieben ist. Ein anderer Einwand dürfte der fein, daß manchmal im Eisenbahnbetrieb Störungen auftreten, die ein Ziehen des Signals unmöglich machen, obwohl die dahinter liegende Strecke frei ist. Der Zug wird in einem solchen Falle durch schriftlichen Befehl zur Vorbeifahrt an dem geschloßenen Signal beauftragt. Auch kommt der Fall vor, daß unter Beachtung besonderer Sicherheitsmaßnahmen über das auf Halt stehende Einfohrtfignal hinaus rangiert werden muß. In diesem Falle würde nun die mechanische Zugsicherung den Zug ebenfalls zum Halten bringen. 'Auch diese Bedenken können wir nicht teilen, weil einmal in erster Linie der normale Verkehr zu sichern ist, mb für Ausnahmefälle die Vor- richtung getroffen werden kann, daß die Sperre von Hand selbstverständlich unter entsprechender Sicherung gegen Unbefugte medergehallen und der Zug oorbeigelaffen wird. / Auch besteht die Möglichkeit, die Druckluftbremse auf elektromagnetischem Wege von der Strecke aus In Tätigkeit zu setzen, was den Vorteil hat, daß bei großer Geschwindigkeit der Zuge kein Hebel oder dgl. umzulegen ist, und daß die Bremse auch ohne weiteres vorn Stellwerk ober Fahrtbienstleiter außer Tätigkeit gesetzt werden kann. Aus einer anderen Basis bewegen fid)_ die Verbuche, bas Einfahrtsignal direkt auf den Führerstand drahtlos zu übertragen, sowie die Frage der Lichtsignale durch starke, scheinwerferartige Lampen. Dies Problem, bas einen Ersan, ferne Ergänzung der heute gebrauchten Signale erstrebt, wirb besonders durch die Einführung des elektrischen Betriebes aktuell, weil hier durch die Tragmasten für die Oberleitung die Signalmaften für den Lokomotivführer bedeutend schwerer erkennbar sind. Mathematik gegen Einbrecher. Don Karl Ammon. Wir sind alle eigentlich unglaublich leichtsinnig: Untere Schlösser, die wir an unseren Haus- und Wohnungsturen haben und hinter denen wir uns geborgen fühlen, sind alles andere als sicher. Wenn die Mehrzahl der Menschen wüßte, wie leicht es ist, ein Schloß mit einem Dietrich aufzumachen, so würde sie dieser Frage entschieden mehr Aufmerksamkeit zuwenden — besonders jetzt vor der Reisezeit. Es ist aber nicht nur der Dietrich, der unsere Schlösser unsicher macht: viel anderes kommt dazu: Wer wohnt z. D. in einer Wohnung, von der noch nie ein Schlüssel verloren gegangen ist? Wenn der Finder auch in den meisten Fällen nicht weiß, welches Haus ci" :r welche Wohnung zu dem gefundenen Schlüs el paßt, so kommt es eben doch vor, daß er es weih. Dann aber machen sich die Herren Langfinger bei Klingelfahrten Abdrücke von den Schlössern mit Wachs, oder sie offnen sie mit Dleistreifen. Manche schleichen sich auch in das liebebedürftige Herz unserer weiblichen Hausbediensteten ein. Ohne daß es die betörte Jungfrau merkt, hat er sich einen Wachsabdruck von ihrem Haus- und Wohnungsschlüssel gemacht, sei es, daß er während kurzer AbwesenSchlüssel nach unveränderter Einstellung des Schlosses zu öffnen: Um es gleich zu sagen: Er wird kein Glück haben. Die unteren Kanten aller Zuhaltungsplatten liegen nämlich in genau gleicher Höhe. Wenn er also nicht so von unten gegen sie drückt, daß sie sich so weit hochheben, wie das bei Benutzung des richtigen Schlüssels geschieht, so bekommt er kein Abbild des Schlüssels. Aber selbst wenn ex sie hochhebt, bekommt er auch keins, denn sie heben sich nie gerade so hoch, wie sie mit dem richtigen Schlüssel gehoben werden: das ist durch die Gestalt der Schlitze zwischen den Rasen e bedingt. Rur wenn mit dem richtigen Schlüssel geschlossen wird, heben sich die Zuhaltungen genau so weit, daß nun die Rasen e aller Zuhaltungen mit ihren wagrechten Kanten gleich hoch liegen und den Stift g zwischen sich hindurchlassen, so daß die Platte f und damit der Riegel bewegt werden können Auch das ist noch nicht alles: Sobald jemand die Zuhaltungen mit irgend etwas anderem als dem richtig zusammengestellten Schlüssel hochhebt, so hebt er damll das linke Ende eines Hebels c, der mit seinem rechten Ende auf einen zweiarmigen Kontakthebel im eigentlichen Riegel drückt und dessen rechtes Ende b dadurch hoch- hebt. Run befindet sich im Schließblech ein elektrischer Kontakt, der an die Haus-, Wohnungsoder eine besondere Klingel- oder Alarmanlage angeschlossen ist, die dann ertönt: „Krach" ist aber das, was die Einbrecher am meisten fürchten, denn wenn es klingelt, dann kommt jemand: zum mindesten wird er aber gestört und sein Vorhaben wird bereitete, oft aber wird es dadurch men gossen". Mochte auch manche wertvolle Entdeckung die unbeabsichtigte Frucht dieses Bestrebens sein, im Ganzen war es doch ein ungeheurer Fortschritt, als man diese Dahnen verließ und die entgegengesetzte Ansicht von der völligen ilntoanbclbarteit der chemischen Grundstoffe die Grundlage der Wissenschaft wurde. Aus diesem Standpunkt hat die neuzeitliche, im wesentlichen von Lavoisier, Dalton und Berzelius gegründete Chemie bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gestanden. Es ist bekannt, daß die Entdeckung des Radiums durch Frau Curie und die Deutung der bei ihm auftretenden, zunächst ganz unerklärlichen Erscheinungen durch Rutherford die Lehre dpi. der unbedingten Beständigkeit der Grundstoffe über den Haufen geworfen hat. Trotz des zähe: Widerstandes, den die Ruthcrfordsche Theorie zunächst fand, setzte sie sich doch bald allenthalbe. durch. Aber freilich bot sie nichts weniger als die Erfüllung des Traumes der alten Alchimisten Die wichtigste Eigenschaft dieser sogenannten radioakttven Erscheinungen war es nämlich, dal sie sich durch keinerlei willkürliche Maßnahme,, beeinflussen liehen. Selbst Temperaturunterschiede von einigen tausend Grad, die die eigentlichen chemischen Umsätze völlig anders verlaufen lassen, hatten keinen Einfluß auf diesen stets mit unabänderlicher Geschwindigkeit vor sich gehende, Zerfall. Cs erregte daher das höchste Aufsehen, als es im Jahre 1919 Rutherford gelang, eine Atom- Verwandlung willkürlich herbeizuführen. Freilich benutzte er dazu den natürlichen, unbeeinflußbar Bild 2. ? 2 3 5 6 7 Bild 1. Bild 3. heit der Beglückten die Handtasche öffnet, sei es, daß er das Gespräch auf verzwickte Schlüssel und Schlösser bringt unb natürlich den Schlüssel der angehenden Braut gebührend bewundert, wobei er dann natürlich zur Herstellung eines Abdrucks leicht Gelegenheit findet braucht den Schlüssel ja nur einen einzigen Augenblick unter den Tisch zu halten. Drei Forderungen sind es daher, die an ein sicheres Schloß gestellt werden müssen: Das Rehmen von Wachsabdrücken am Schloß selbst muß unmöglich, und der Versuch zum Oeffnen des Schlosses mit Bleistreifen und Dietrichen darf nicht unbemerkt möglich sein, ferner muß Vorsorge getroffen werden, daß der Erfolg des Rehmens von Wachsabdrücken am Schlüssel vereitelt werden kann. Run gibt es schon allerhand Schlösser, die eine oder die andere dieser Forderungen erfüllen. aber es gab bis jetzt eigentlich keines, das allen entsprach. Run ist aber neuerdings ein von einer Berliner Firma hergestelltes Schloß (Hokraschloß) auf den Marte gebracht, das wirklich alle guten Eigenschaften in sich vereinigt. Die Hauptsache ist, daß dieses Schloß und die dazu gehörenden Schlüssel vom Besitzer selbst gewissermaßen erst fertig gemacht werden: Selbst der Verkäufer kann nicht etwa einen Schlüssel zurückbehalten und nachher das Schloß damit offnen; außerdem steht nichts im Wege, das Schloß und die Schlüsiel täglich oder doch wenigstens des Oefteren zu ändern — die Mühe ist nur gering. Wenn man auch nicht so vorsichtig fein wird, täglich zu ändern, so wird man beispielsweise immer ändern, wenn man einen gewissen Verdacht hat. wenn man einen Schlüssel verloren hat usw. Gerade der letzte Punkt ist sehr wichttg: Während man bisher nach diesem Vorkommnis das Schloß und die Schlüsiel ändern lassen mußte, was der Kosten wegen meistens unterblieb, kann man die Qlenberung beim Hokraschloß sofort mit ein paar Handgriffen selbst ausführen. Diese Möglichkeit ist dadurch gegeben, daß der Bart des Schlüssels nicht aus einem Stück, sondern aus 7 losen Teilen besteht (Bild 1), von denen Rr. 7, der längste, zum Bewegen des Riegels a (Bild 2) dient, während die 6 anderen die Zuhaltungen d bewegen. Run kann man das Schloß aus der an der Tür angebrachten Hülse (Bild 3) ohne Lösen einer Schraube einfach herausziehen, wenn die Tür offen ist, und dann die Zuhaltungen und die den Riegel rückwärts verlängernde Platte f — sie ist in den Riegel mit einem Sch walbenschwanz lose eingehängt — beliebig ordnen, indem man sie auf die Stifte g und h auf reiht. 3n entsprechender Reihenfolge ordnet man dann die Bärte am Schlüssel für außen und umgekehrt am Schlüsiel für innen: sowohl die Platten df wie die Schlüsselbärte sind numeriert, so bafl das eine Kleinigkeit ist. Untere Bilder zeigen den Innenschlüssel und das Schloß in der Zusammenstellung 5 7 3 1 6 2 4. Run wird der verehrte Leser sagen: Das wird nicht viel nützen, denn die Ordnung von 7 Gegenständen fann nicht so oft verändert werden. daß man sie nicht im Augenblick ausprobieren könnte. Gemach. lieber Leser! Die Mathematik, die wir hier gegen die Einbrecher ins Feld führen, behauptet das Gegentell: sie Jagt nämlich, daß man sieben verschiedene Gegenstände auf 1 mal 2 mal 3 mal 4 mal 5 mal 6 mal 7 Arten ordnen fann, und das sind wenn Sie sich das ausrechnen wollen, nicht weniger als 5040 Möglichkeiten für Schlüssel und Schloß! Aber damit erschöpfen sich noch lange nicht alle guten Eigenschaften des Schlosses. Wrr wollen einmal annehmen, em Herr Langfinger versuche, sich einen Wachsabdruck am Schloß zu machen oder es mit einem Dleistreifen. einem Dietrich oder einem besagter Jungfrau entwendeten oder einem ihrem Schlüssel nachgemachten gelingen, ihn zu fassen und unschädlich zu machen. Daß der Kontakt im Schließblech liegt, ist übrigens besonders wertvoll, beim Kontakte an der Tür selbst sind immer unbequem und auch wenig betriebssicher, weil sich die Tür bewegt und demnach bewegliche Leitungsteile oder Kontakte vorhanden sein müssen, die leicht versagen. Da wir nun vorhin von der Mathemattk gesprochen haben, will ich Ihnen noch etwas verraten, was Sie anwenden können, falls Ihnen die 5040 Möglichkeiten der Einstellung Ihres Schlosses noch nicht genügen sollten: Sie kaufen sich die Schlüsselbärte und die Zuhaltungen von 1 bis 6 je fünfmal besonders, ober auch nur einzelne bavon nochmals, was bie Welt nicht kosten kann, unb haben bann bie Möglichkeit, Zusammenstellungen wie 2 1 3 7 2 5 6 zu machen. also auch Darttelle zu wiederholen unb dafür andere wegzulassen — nur bie Rr. 7 müssen Sie jedesmal einsehen, da sie ja zum Dewegen des Riegels bient. Sie vermehren bie Cinstel- lungsmöglichkeiten Ihres Schlosses baburch ins Ungeheuerliche: Wenn Sie alle Därte unb Zu- haltungen noch fünfmal kaufen, bann können Sie nämlich Ihr Schloß aus 7 mal 66 Arten cin- stellen. Um Ihnen bie Ausrechnung zu ersparen, will ich Ihnen verraten, baß bies 326 592 Möglichkeiten ergibt. Selbst wenn zum Ausprobieren auf jede biefer Möglichkeiten nur eine einzige Sekunde verwendet würde, so müßte der Herr Einbrecher 903/< Stunden ohne Pause arbeiten, um sie zu erschöpfen — in Wirklichkeit natürlich ein ViÄsaches dieser Zahl. Dabei dürste er denn doch hungrig werden, abgesehen davon, daß er schon beim ersten Versuch infolge des dadurch verursachten Alarms an dem mit Recht so beliebten Schlafittchen gefaßt würde und Gelegenheit bekäme, über die großen Gemeinheiten der Mathemattk unb neuzeitlicher Schlösser längere Zeit ungestört nachzudenken. „Atomumwandlung". Von Professor Dr. Paul Kirchberger. Die neue Gruppeneinteilung der Patentflossen. nach der das deutsche Patentamt seit De- ginn dieses Jahres alle einlaufenden Patentanmeldungen einteilt, bringt eine kleine Heber- ralchung. In dem Ramen einer Gruppe der Patentklasse 40 c taucht nämlich das Wort „2ltom- umwandlung" auf. Offenbar hält also das Patentamt nicht nur eine Verwandlung der Atome eines Clementes in die eines anderen für möglich. sondern es erwartet auch anscheinend noch viele Erfindungen oder doch wenigstens Patent- anmeldungen auf diesem Gebiet. Den Anlaß hierzu boten offenbar die Arbeiten von Professor Miethe. der bekanntlich aus Quecksilber Gold gewonnen hat und auf dem Standpunkt steht, daß das Gold durch wirkliche Umwandlung aus dem Quecksillier entstanden fei. Wenn dies auch wissenschaftlich noch nicht als unbestreitbare Tatsache anzusehen ist, so ist die Möglichkeit der Verwandlung der Atome eines Elementes in die eines andern doch jedenfalls nicht ohne weiteres abzuweifen. Cs verlohnt schon, einen kleinen Blick auf den Wechsel der Anschauungen über die Möglichkeit der Verwandlung eines Elementes in ein anderes zu werfen. Bekanntlich hat dieser Glaube ganze Jahrhunderte beherrscht. 3a, das Bestreben, die an sich nicht bezweifelte Möglichkeit in die Wirklichkeit umzusehen, war eigentlich der gesamte Inhalt der Chemie jener Sage. Rudolf Vaumbach fjat in seiner reizenden, im Ganzen freilich mehr für die reifere Jugend gedachten Erzählung .Truggold" ein ungemein anschauliches Bild von dem Streben der alten Alchimisten gegeben, die in ihrer schwarzen Küche „nach unendlichen Rezepten das Widrige zusamvor sich gehenden Atomzerfall. Cr Dertoen? > die Bruchteile freiwillig zerfallender Atome c Geschosse und zertrümmerte mit ihnen leichte Atome, zunächst das Stickstoffatom, später au noch Bor-, Fluor-, Ratrium-, Aluminium- un Phosphoratome. Er muhte es dabei völlig öc Zufall überlassen, ob eines seiner Geschosse sein Ziel, nämlich das leichtere Atom, traf, und zwai so wirckungsvoll traf, daß die Zertrümprerun' ein trat. Der Menge nach sind denn auch die au diese Weise durch künstliche Zertrümmerung entstandenen Stoffe außerordentlich geringfügig. So merkwürdig Rutherfords Versuche waren, sie erschienen ohne weiteres glaubhaft, weil wir keinen anderen Vorgang kennen, bei dem eine so ungeheure Energiemenge auf so engem Raum vereinigt wäre, wie bei den dahinfliegenden Atom- trümmem; denn diese haben einerseits eine Geschwindigkeit, die mehrere tausendmal so groß ist wie die unserer schnellsten Ge 'chosse im Augenblick des Höchstwertes ihrer Geschwindigkeit, andererseits stellen diese Atomtrümmer einen Stoff dar, der sehr viel dichter ist als die schwersten uns sonst bekannten Stoffe; denn sie bestehen aus einem Atomkern, in dem die Hauptmasse des Atoms vereinigt ist, der aber einen Raum einnimmt. der ganz unvergleichlich kleiner ist als der des ganzen Atoms. Daß mit so gewaltigen Mitteln auch eine ungewöhnliche Wirkung zu erzielen ist. erscheint wohl nicht besonders verwunderlich. Auf einem ganz andern Blatt stehen die neuerlich bekannt gewordenen Versuche Miethes und einiger anderer Forscher. Von diesen erwähnen wir den Japaner Ragaoka. der etwa gleichzeitig mit Miethe arbeitete und ebenfalls Gold aus Quecksilber erhielt. Ferner Smits vnö Karsen in Amsterdam, die Quecksilber aus Blei erzeugten. Gemeinsam ist diesen Versuchen, daß keineswegs eine unerhörte Energiemenge aufgewendet wurde, vielmehr bestand der ganze Versuch in der Wirkung einer elektrischen Entladung im luftleeren Raum. Wie bereits bemerkt, ist das letzte Wort über diese Versuche noch nicht gesprochen: ihre Klarstellung bedeutet vielleicht die wichtigste physikalische Aufgabe der nächsten Gegenwart. Aber auch die Alchimie ist heute noch nicht ganz ausgestorben, wenn sie auch glücklichrr- weise keine so große Blüte aufzuweiten hat wie ihre Schwester, die Astrologie. Als Miethe seine Versuche veröffentlichte, meldeten sich gleich Dutzende von Erfindern, die auch Elemeitte verwandelt haben, womöglich gar Apparate zur ClementcnverWandlung gebaut haben wollten. Wer Schleichs „Besonnte Vergangenheit" gelesen hat, wird daraus erfahren haben, daß kein Geringerer als August Skrindberg Kupfer in Gold verwandelt zu haben behauptete, und daß sogar Schleich, statt ihm seinen Blödsinn aus- zureden, sich getraute, damit zu emem führenden Chemiker zu gehen, ja sogar in den später bekannt gewordenen radioaktiven Erscheinungen eine Bestätigung der Phantasien des Dichters erblickte. Was zeigt uns nun die Geschichte der Atomumwandlung? Richts weniger als die alte Wahrheit. daß mitunter die scheinbar unpraktischen Wege die einzig praktischen, die anscheinend prattischen aber die gänzlich unpraktischen sind. Das will sagen, daß unmittelbar praktische gragr- stellungen. z. D. die. wie man aus minderwertigen Metallen Gold machen könne, niemals zum Ziel führen. Aber unpraktische, d. h. zunächst nur auf das Studium der Ratur und nicht auf Ruhen gerichtete Forschung läßt den Daum der Er kemrtnis treiben, der uns in späteren Jahrd ir berten die goldenen Früchte in den Schoß wir'' Das beste Hnbncrauacn-Mittel iü „Eoinna". Erhältlich in Parfümerie Lotz- 'Babnbofitrnne:''■ ss Entwaffnung oder Humbug? Don unserem L. N.-Sonderberichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Genf, 1. Juni 1926. Durch die Annahme des Redaktionskomitee-Berichtes ist der erste Abschnitt der Arbeiten der vorbereitenden Kommission zur Entwaffnungskonfe- renz zu Ende gebracht worden. Die Kommission beschränkte sich vorläufig auf einige allgemeine Er- wägungen und auf den Auftrag der Beratuna dieser Erwägungen seitens zweier technischer Unterkommissionen. Wie lange die Arbeit dieser Unterkommissionen andauern wird, läßt sich schwer vor- aussagen, auf jeden Fall ließ jedoch der Vorsitzende etwas von Wochen, vielleicht von Monaten verlauten. — Die vorbereitende Kommission hat auf Grund der an die vertretenen Regierungen erstatteten Berichte den Plan der Arbeiten der zukünftigen Konferenz aufzustellen, dieser Arbeitsplan wird dem Dölkerbundsrat eingercicht und erst dann beruft der Rot die Abrüstungskonferenz ein und bestimmt zugleich den Zeitpunkt und den Ort der Tagung. Wie daraus zu ersehen ist, ist man nicht nur von der Abrüstung, sondern auch von der Konferenz noch sehr weit entfernt. Telbstoerständlich ist die Frage der allgemeinen, wie auch der relativen Entwaffnung der noch bewaffneten Staaten nicht so klar und unkompliziert, daß sie einfach durch ein Uebers-Knie-Brechen schnell zu lösen wäre. Europa, das acht Jahre lang auf die Entwaffnung der Siegerstaaten wartet, würde gern noch ein Jahr warten, wenn die bewaffneten Nationen den ehrlichen Willen zu einer einschneidenden Einschränkung ihrer Rüstungen aufbringen würden. Dies bat auch der deutsche Delegierte, Graf Bernstorff, in seiner Rede ausgesprochen, und er erklärt ferner daß die Mehrheit der Delegierten hauptsächlich daraufhin arbeiten, Gründe zur Nichtentwaffnung aufzusinden. Als höflicher und gut er- zooener Mann und als Diplomat fügte Graf Bernstorff nicht hinzu, daß die Mehrzahl der Delegierten von dem ehrlichen Wunsche erfüllt sei. He anderen, aber nicht sich selbst zu entwaffnen, wobei selbstverständlich ist, daß alle Delegierten die Friedensliebe ihres eigenen Landes zu unterstreichen nicht vergaßen. So hat zum Beispiel Ungarn eine Denkschrift vorgelegt, in welcher mit Zahlen die absolute Unmöglichkeit dieses Landes, sich im Ernstfall zu verteidigen, bewiesen wird. Wenn deshalb Ungarn die Forderung stellt, sein Heer vergrößern zu dürfen, jo ist diese Forderung zwar naiv, aber doch logisch. Naiv ist sie. wenn man die gegenwärtige politische Lage in Europa in Betracht zieht, sie gewinnt an Bedeutung, wenn man sie vom Stand- vunkt des Entwaffnungsproblems betrachtet und es rst als psychologischer Faktor interessant, daß sich unmittelbar darauf die Vertreter Jugoslawiens, der Tschechosowakei und Rumäniens erhoben und von der Heiligkeit der Verträge überhaupt und des Trianonvertrages im besonderen redeten, ein Vertrag, der bekanntlich Ungarn buchstäblich beraubt und ausgeplündert hat. In diesen Reden wurde Ungarn zugemutet, freiwillig den berüchtigten Tria- nonvertrag noch einmal dadurch zu unterschreiben, daß es mit diesen Staaten Sicherheitsverträge ab- schlietzt. Auf diese hitzigen Lippenbekenntnisie zum Frieden durch die Vertreter der Kleinen Entente be- merkte Gras Bernstorfs mit Recht, daß es unangebracht wäre, als Entwaffnungsbasis den Kriegsbestand eines Landes anzunshmen, und daß es um die Frage der Beschränkung der augenblicklichen Friedenskontingente gehe. Das angeführte Beispiel Ungarns zeigt mit genügender Klarheit, wo die Ur- fachen der unbedeutenden Ergebnisie der Vorbereitungskonferenz zu suchen sind. Eine andere Ursache ist der Gegensatz der Jn- t teresien und Ansichten in bezug auf die Entwaffnung, wobei England und die vereinigten Staaten f auf der einen Seite, die Siegerstaaten des kontinentalen Europas auf der anderen zu finden sind.. In ' Wirklichkeit waren in der vorbereitenden Kommission drei Gruppen von Staaten vertreten: die entwaffneten Mittelmächte, wie Deutschland und Bulgaren, die bis zu den Zähnen bewaffneten Staaten, wie Frankreich, Italien, Polen und die in der Kleinen Entente zusammengeschlossenen und die Mächte, die durch die See vor Angriffen geschützt sind. Der Standpunkt der ersten Staatengruppe ist klar und einfach. Die entwaffneten Staaten verlan- langen im Interesse ihrer Sicherheit die Entwaff- ri"ng oder bedeutende Verminderung der Rüstung ihrer Nachbarstaaten. Und da diese Nachbarn besonders den Gaskrieg fürchteten, so war es Graf Bernstorft, der den Vorschlag machte, die Gaswaffe durch internationale Verträge gänzlich zu verbieten. Weniger einfach ist der Standpunkt der zur zweiten Gruppe gehörigen bewaffneten Staaten. Für diese hängt die Entwaffnungsfrage und die Beschränkung ihrer Rüstungen von einem anderen Moment ab, und zwar von der Sicherheitsgarantie, die ihnen durch den Völkerbund an Stelle der Rüstung geboten werden könnte. Mit diesem Argument arbeitete in allen seinen Reden Herr Boncour, der Vertreter Frankreichs, und seine Worte liefen auf die bekannte französische Triade: „Sicherheit — obligatorisches Schiedsgericht — Entwaffnung" hinaus. Der Standpunkt Boncours zeigt klar, daß der Begriff Sicherheit noch nicht genug geklärt worden ist. Soll dies bloß eine Garantie gegen einen unprovozierten Angriff fein, oder ist es etwa ein Verlangen, wie es die Kleine Entente oder auch andere Länder stellen, in der Richtung, die ganze Welt solle die „Heiligkeit" und „Unantastbarkeit" der Frie- densoerträge der Pariser Vororte garantieren? Zu dieser Garantieforderung gesellt sich noch die von Frankreich ausgestellte Theorie der „Kriegspotenz", d. h. das Verhältnis der Abrüstungsgrenzen nicht in bezug auf den Rüstungsstand in der Gegenwart, sondern zu dem schwer abschätzbaren Moment der Rüstungsmöglichkeiten, die im Kriegsfälle von dem betreffenden Lande benutzt werden könnten. — Zuguterletzt wünschen England und die Vereinigten Staaten die Entwaffnung des kontinentalen Europa oder wenigstens eine radikale Einschränkung der Landarmeen und Luftkräfte: diese scheinen England besonders gefährlich zu sein, sonst ist es nicht erklärlich, mit welchem Temperament der Vertreter Großbritanniens die Abrüstung zur Luft gefordert hat. In bezug auf die Rüstung zur See sind sowohl England wie auch die Vereinigten Staaten der Meinung, daß in dieser Hinsicht bereits genug abgerüstet worden ist auf Grund der Washingtoner Konferenz. Eine Ausnahme will man nur für Unterseeboote machen, deren Verminderung seitens der europäischen Staaten von diesen beiden Ländern aus begreiflichen Gründen für dringend erklärt wird. Es ist natürlich, daß bei einer solchen Verschiedenheit der Ansichten über die Grundfragen der Abrüstung keine anderen als unbefriedigende Resultate zu erwarten waren, und dies um so mehr, als die Abwesenheit Rußlands sich sehr bemerkbar machte und die Kommission zwang, der besonderen Lage der Nachbarstaaten der Sowjetunion Rechnung zu tragen. Es ist schließlich noch hervorzuheben, daß gegen die Theorie der Kriegspotenz von englischer Seite durch Lord Cecil energische Einwend^ngcn erhoben wurden. Sein Vorschlag, das Problem dadurch zu lösen, daß man einfach die allgemeine Wehrpflicht abschaffe und Söldnerheere einführe, rief naturgemäß einen Entrüstungssturm hervor, der den englischen Vertreter bewog, seinen Vorschlag mit der Bemerkung zurückzuziehen, daß Großbritannien seinen Antrag nicht fallen lasse, sondern auf der nächsten Sitzung der vorbereitenden Kommission oder auf der Konferenz selbst einbringen wird. Die Kommission hat damit anerkannt, daß eine Beschränkung der Bewaffnungsmöglichkeiten während eines Krieges unmöglich ist. Dies sind in großen Strichen die Resultate von Genf. Sie sind wirklich nicht allzu bedeutend und stellen nicht einmal einen kleinen Schritt vorwärts auf dem Wege der Abrüstung — weder der allgemeinen .noch der teilweisen — dar. Heroischer Frühling. Don Josef Friedrich P e r k o n i g. Sieben Frühlinge in Kärnten haben es mit allen Finessen und tausendfachem Bemühen nicht vermocht, die Erinnerung an jenen einen zu tilgen, in dem gewalttätige Ereignisse die maienhafte Seele der gottesdienstlichen Jahreszeit höhnten und die friedfertigsten Menschen verstörten. Alljährlich um diese Zeit werden zweihundert Tote lebendig, und sie schauen zu den niederen Fenstern der ländlichen Wohnungen hinein, nicht anders wie manchmal jene wirklich Lebenden, die, von irgendwoher kommend, vor bekannten Häusern einige Minuten redend verweilen. Es sind die Toten, die sich für die Freiheit der Heimat Kärnten opferten, die zerstreut auf den stillen Friedhöfen der Dörfer des Unterlandes liegen, über das nun der südliche Wind, der Jauk, weht. Sie sehen ein glückliches, befreites Land, sie reden im Traum und Wachen, wie ein heimliches Gewissen, zu den Grenzern, die wohl ahnen, was sie ihren Toten schuldig sind. Das Evangelium in der Kirche predigt den Frieden, und sie wollen ihn, wenn es von ihnen allein abhängt, mit gutem Glauben halten. Aber sie schauen deshalb doch dahin, wo die Büchse steht, sie schmirgeln den Rost aus bem Rohr und wissen, daß die Herren in den Kanzleien und Schulstuben, die Arbeiter in den Fabriken und vor den Schraubstöcken, wenn es noch einmal fein mühte, was Gott verhüten wolle, wieder heraus kämen auf das Land au dem Bruder Bauer, der den Gaul aus dem Pflug bindet und vor die Kanone spannt, wie damals in dem verdammten und doch gesegneten Frühjahr 1919. So einen Frühling hat Kärnten niemals gesehen, trotz Türken- und Franzosennot! Wenn man heute von einem der Berge oder von einer Schlohterrasse niedersieht in das Tal der Drau, dann will man nicht glauben, daß wieder die Idylle einer solchen Landschaft sich ein Frevel vermessen konnte. Müßte nicht auch ein sonst verblendeter Mensch durch diesen Garten leiser als anderswo gehen, dränge nicht auch durch die Rinde seiner Verhärtung ein letzter Schauer der Ehrfurcht? Nein! Damals gab es keinen Frühling für die Menschen in Kärnten, und die Begebenheiten, die sonst, von dem ersten Aufruhr der Natur an, das junge Jahr verkündeten, wurden nur in Beziehung gebracht zu den Sorgen, den Möglichkeiten, den Prophezeiungen. Der warme März, der unablässig ziehende Föhn, die immer begrüßten Bereiter des Frühlings, fraßen den Schnee in den Karawanken und gaben den lauernden Slawen eine Unmenge neuer Wege in den Rücken der Kärntner frei, denn jede schneereine Stelle konnte eine Straße werden: das Gebirge ist unendlich weit, wie viele Leute wären notwendig gewseen, um eine Front so dicht zu besetzen, daß nicht einmal ein Bilch durchwechseln konnte, wie in den Bergfronten des großen Krieges. Aber dieses Kriegchen in Kärnten hotte feine Armeen, kleine Kompagnien waren seine höchsten Einheiten, und auch die bunt zusammengewürfelten aus Militär und Nichtsoldaten, Herr und Knecht, Greis, Mann und Bub, Besitzer und Habe- nichts.-Und wenn sie auf Patrouille gingen, fluchten sie dem Brausen des Schmelzwassers, weil es sie vielleicht leisere Tritte überhören ließ. Das Leben im Bergstein hängt zu solchen kriegerischen Zeiten am guten und aufmerksamen Ohr: aus dem verräterischen Sand- und Steinchenrieseln muß man die Gefahr ahnen können. Schon der März und gar erst der April war voller Unraft an der hundert Kilometer langen ober noch längeren Linie, bie als ein Demarkationsstrich mitten durch Kärnten gezogen war und an der Freund und Feind den letzten Spruch des Obersten Rates zu Paris erwarten sollten. Das Vieh in den Ställen feote unruhig, nicht nur wegen des Jauks, dem das Blut der Tiere stets antwortet, sondern wohl auch wegen der ungemijhnlichen, deutlich spürbaren Hast der Hausleute. Die Bauernarbeit mußte DoUbradit werden, aber es war eben das mechanische Werk dieser Zeit, her Frühling kam niemandem so recht wirksam in das Bewußtsein. Dann brachen bie Slawen im Frühbärnmern des 29. April ben beschworenen Waffenstillstanb und überfielen die dünne Linie, in der auf Treu und Glauben Dutzende von Toren in das tiefere Land offen standen, von denen jedes eine Stunde bis fünf Stunden breit war. Zum Aprilende hatten manchmal in diesen Gegenden an den Karawanken, wo sich die Wolken gerne fnäueln und entladen, gewaltige Frühlingsgewitter getobt und die Menschen mit Schrecken überzogen. Aber sie waren gnädig gewesen und hatten bald geendet. Doch bas Gewitter, bas jetzt bie Menschen verursachten, besten Hall von Osten und Westen dröhnte und so an jedem Orte grausig zusammenprallte, überwölbte viele Tage hindurch das Land mit einer dumpfen Angst. In dem Rasen eines alttestamentarischen Zornes, der Auge um Auge. Zahn und Zahn forderte, stießen die Kärntner wider die slawischen Haufen. Am Vormittag hief?r denkwürdigen 29. April wäre vielleicht das Schicksal des Landes traurig entschieden gewesen, wenn nicht jeder Kärntner, auf den es in ben allerersten Stunden ankam, unbedenklich den Kamps mit mindestens fünf Gegnern, ausgenommen hätte, denn so bedeutend war anfänglich die lieber« macht. Aber sie wurde buchstäblich von Stunde zu Stunde geringer; der Zustrom der Helfer hielt beständig an, und es befanden sich bie seltsamsten Menschen ba- bei, unter denen das Rührendste und Unglaublichste wohl Studenten waren, die nie noch einen Schuß aus dem Stutzen gefeuert hatten, ober brave, arme Leute her Heimwehren, bie ohne Ueberzieher, weil sie nie einen besessen, in dem Wolkenbruch des Morgens und in dem Schneefall der darauffolgenden Nacht froren und, obwohl sie in keinem beeideten Zwange ausharren mußten, doch so lange blieben, . bis sie die Kommandanten heimschickten, um zu schlafen, sich zu wärmen. Am nächsten Morgen aber waren sie wieder da, genau so kriegsunerfahren, so armselig dünn gekleidet. Doch beiden wurde geholfen: die Jungen lernten im Handumdrehen, mitten in den Plänkeleien und Gefechten, schießen, wie der und jener zu schwimmen anfängt, wenn er unvermutet ins Wasser fällt; und die Fröstelnden fühlten sich plötzlich in einer Treibhausluft, denn jo ist es hier, daß her Frühling, der lange seinen Atem anhält, auf einmal außer Rand und Band gerat und sich sommerlicher gebärdet als fein Nachfolger. Aus der Verteidigung wurde ein großes Jagen, aus dem slawischen Jäger wurde ein Wild. Und die Leute aus Stadt und Markt waren auf ihrem Zuge hinter der kopflosen Flucht her, weil es ja genug Stunden des Verschnaufens, Sammelns und Rastens gab, Zeugen des ihnen vielfach unbekannten bäurischen Frühlings. Sie sahen in den Obstgärten bie Blüte, schauten in bie spärliche Belaubung ber Dorf- linden und ließen sich die Kräuter intern Garten nennen, die der Bauer für ben bitte'ren^Magen- schnaps pflanzte. Aber es geschahen auch unheimliche Dinge: ein Solbat verblutete, auf dem Pa- trouillengang angeschossen, unter einer Birke, und sein erstarrter Blick hing in dem Hellen Laub, ober man fand einen blutjungen toten Stubenten, ber sich im letzten Schmerz bes wunden Leibes und der verzweifelten Seele in die blühenden Erikabüjchel verbissen hatte, ober eine Kugel holte, m t einem ausgezirkelten Herzschuß, ja, so romanhaft wirkt ber Zufall, mitten aus einer kleinen Gemeinde einen ahnungslosen Burschen. Tücke war in diesem Frühling Trumpf, in dem die Drauwüsser da und dort einen Leichnam an ein Brückenioch, an Uferböschung ober Regulierungsmauer schwemmten, nicht zu reden von denen, die in dem Strom eine weite, nirgends unterbrochene Reise machten. Sie kamen auf traurigem Wege in ihr Vaterland zurück, denn es traten lauter slawische Soldaten, auf Brücken, in Kähnen ober hart am Flußufer vom Tobe überrascht. Es war die Zeit, da in den Wäldern die Kuckucks wie besessen riefen, aber wer kümmerte sich um sie? Die Herrschaft ihrer zeitweiligen Rufe war überboten von den noch häufigeren der Gewehrschüsie die überall in dem lärmvollen Kärntner Unterlande eiferten. Als es rein gefegt war, in den ersten Tagen des Mai, da blieben die wieder in den Frühlings- frieden Heimkehrenden nur geringe Zeit hindurch ihres glorreichen Werkes froh. Denn überall war zu hören, daß sich jenseits der Grenzen im Slawen reich ein neues grauenhaftes Gewitter zusammen zöge. Jeder wußte: nun kam eine Ueberrnacht, gegen die selbst Tod und Teufel hilflos fein würden, aber keiner verließ seinen- von vornherein verlorenen Posten. Als sich die Lärchen in den Höhen bsnade! ten und im Tale das Mrstteriurn der ßinbenblüft geoffenbart war, sprang die Bestie neuerdings air den Menschen. Es wurde ein Kampf um jede Handbreite Boden, und unzähligen slawischen Augen wat dieser Kärntner Frühling der letzte, ben sie schauten Aber bald nach bem Himmelfahrttage legte sich bas arme Land hin, wie sich ein todmüder, aus gren» zemlosem Leid gleichgültig gewordener Mensch, ergibt .... Oberhesten. Landkreis Gießen. L, Wieseck, 9. Sunt. Arn Sonntag unternahmen 45 Einwohner von hier mit einem der Wiesecker Auto-Omnibusse eine wohlgelungene Fahrt nach der Edertalsperre. Die Fahrt ging über Marburg, Franken berg nach Herzhausen, von da nach einem Imbiß nach Waldeck. Hier wurde zunächst das Schloß besichtigt, mit dem Dampfboot eine Fahrt nach der Sperrmauer unternommen, worauf die Rückfahrt per Dampfboot nach Herzhausen erfolgte. Don da wurde mit dem inzwischen wieder eingetroffenen Auto dieHeimreise angetreten. DieFahrt verlief zur vollen Zufriedenheit aller Teilnehmer, wenn auch nicht gerade das günstigste Wetter zu verzeichnen war. Das teilweise recht schwierige Gelände stellte an den Führer und Wagen große Anforderungen, jedenfalls bewies die Fahrt die außerordentliche Leistungsfähigkeit der von der Gemeinde beschafften Büssingwagen. Schon jetzt besteht eine lebhafte Nachfrage nach einer Wie- Konzert der E Lßener Studentenhilfe Lange Zeit war die ^.-cappella-Vokalmusik die herrschende Ausführungsform für die Musik gewesen. Erst die rapide Entwicklung der Instrumentalmusik in den letzten Jahrhunderten hat sie in den j Hintergrund treten lassen. Genau wie sie einst mit ; ber Ausbildung der musikalischen Grundelemente bie j Normen für bie Instrumentalmusik gab, so erweist ! sie sich noch heutigen Tages als Quelle gesunden musikalischen Schaffens: kein Werdender, der nicht gerade am unerschöpflichen Born der alten Vokalmusik tieferen Einblick in das Wesen ber Musik gewonnen hat: gesundes musikalisches Erleben erhält an ihr die beste Nahrung. Die Instrumentalmusik unserer Zeit bringt (abgesehen von den Streichinstrumenten für sich) mehr ober weniger eine Verfälschung ber akustischen Werte (namentlich durch die Temperierung) mit sich, bie j erst durch unser aktives Mitschaften beim Erfassen ber Musik überwunden, korrigiert werden muß. Die Vokalmusik (in ihrer Vollendung) gibt diese so, wie sie unserem psychischen Erleben entsprechen, das Spiegelbild dessen, wie wir bie harmonischen unb melodischen Beziehungen ber Töne untereinander in uns verarbeiten. Denn erst durch das Beziehen nach bestimmten innewohnenden Gesetzen wird der Ton für uns ein Teil unseres Inneren, der akustische Eindruck wirb zur Musik! Nicht ber Ton an sich ist Musik: unsere psychische Mitarbeit läßt ihn erst dazu werden. Es ist ein Gesundungszeichen für unsere Zeit, baß das Wiedererwecken des Vokalen in den letzten Jahrzehnten wieder breiten Raum gewinnt. Auf die Hinwendung unseres Gegenwartsschaffens zum j reinen Vokalstil wurde schon des öfteren verwiesen, j Gemischtchörige Vereinigungen, die sich die Hebung j ber unergründlichen Literatur zur Aufgabe stellten, , sind in ben letzten Jahren erstanden. Richt alle 1 von diesen Vereinigungen sind ihren Zielen völlig ! treu geblieben; bmn bi- alte Vokalmusik erfordert I undebingtes nac: haltendes Interesse um Sach- . lichen. Nicht die Vorcidcchückchen (deren hoher musikalischer Wert unbeftriite» sei), bie aber immer wieder auf bem Proaromm ber meisten Vereinigungen erscheinen, umfassen das Wesentliche dieser Literatur; die vielen Schätze wollen durch Idealismus gehoben sein. Unb nicht nur bie Erweckung ber alten Werke wird bie Aufgabe bilden, alles; was auf diesem Grunde an Schöpfungen organisch erwachsen ist, wirb ben Arbeitskreis erweitern. Wie kaum bei einem Klangkörper wird der Dirigent entscheidend sein, nicht nur Historiker, aber Musiker mit historischem Einfühlungsvermögen. Er gibt bem Ganzen bas Gepräge. Die Kasseler A-cappella-23ereini = g u n g hat in Robert Langs ben rechten Führer gefunben. In längerer Arbeit hat er einen Vokcll- törper erstehen lassen, ber von Jahr zu Jahr an Rundung des Klanges gewonnen hat und schlechthin ideal genannt werden kann. Alle Stimmen sind organisch zu einem Ganzen verschmolzen: das Piano, einem Orgelfernwerk gleich, birgt ein weit- ausladendes, stets ausgeglichenes Krejcendo von fast unbegrenzter Kraft. Ein Instrument, bas bem Führer willig folgt bis zum Aeußersten; denn Längs ist kein reflektierender Musiker: er lebt in ber Musik, sie ist ihm Lebensäußerung. An nichts geht er vorüber, bie kleinste Wenbung im Melodischen, im Harmonischen, die leicht übersehen werden könnte, wird bei ihm charakteristisch, ber breit fließende Klangstrom wird zum Erlebnis. Denn Vokalmusik ist nicht bloß Text mit Tönen, sondern Klang, psychisch getragen. Ein Moment, das man bisher meist nur an ausländischen Chören bewundern konnte. Da mußte ein Werk wie die große Motette für achtstimmigen Doppelchor von Äoh. Seb Vach: „Singet bem Herrn ein neues Lied , bas schon bie Brücke schlägt zum Instrumentalen hin unb auf bem höchsten Gipfel bes vokalischen Zeitalters steht, ein übermältigenbes Erlebnis werden. Dieser Koloß, mit den großen Fugen ber Ecksätze, mit ber doppel- chörigen Choralmterpretation im Mittelsatz; dieses Klanggewoge, übersichtlich in der Linienführung, bei aller Polyphonie klar bis zum Einzelsten. Eine Prachtleistung! Unb bazu ein Werk aus bem Gegenwartsschaffen, das ganz auf vokalem Boben erwachsen ist, bas alle modernen Ausdrucksmittel in seinen Kreis zieht: die vier geistlichen Hymnen von Richard Wetz (op. 44). — Dos „Kyrie" mit feinem im ersten Telle streng imitierenden Thema, dem mehr homophon gestalteten Mittelfatz: die Wiebera"j- nahme des Themas, mit bem Eintritt ber Männerstimmen enggeführt gesteigert, und bann bie zarte Kantilene im Sopran. Im „Incarnatus“ bas Visionäre, Verklärte (de spiritu sancto); bas herbe „et homo factus est", bie dissonante Seitenbewegung von Sopran unb Tenor zur kleinen Sekunbe aus bem Unisono heraus. Dieser aszetifche Ausklang in leeren Quinten sich verlierend. Das bem Menschen unersaßliche Gott-Mensch-Sein! — Das „Crucifixus“ mit seinen Steigerungen; bas Stakkato des „et sepultus est“! Erschütternd für jeden, dem Musik Angelegenheit des Innern ist. Ein Satz, ber seinesgleichen wohl nur bei Ant. Lotti findet. — Im ..Ägnus Dei“ steigert sich das „miserere“ zum Aufschrei: bas „dona nobis pacem“ mit seiner schlichten melodischen Linie, sich klanglich erhebend, ab- klingend über einem Drgelpunft, überirdisch im ppp entschwindend. Das beste Zeugnis, das unser Zeit- schajfen den Weg zu den tiefsten Wahrheiten bes Lebens zu weisen vermag. i Regers Gesänge für vierstimmigen Frauenchor I warfen ein neues Licht auf diese Seite seines ! Lebenswertes. Wie der Tert zum Klang auswächst, das zeigte die Wiederholung der Strophe: „Im Himmelreich ein Haus steht' nur im Resonanzklang ber menschlichen Stimmen. Der letzte Teil des Programms gab unter an= | berem ein Werk, das unter ber Überproduktion im ! Instrumentalen vergangener Jahrzehnte wenig be= j rannt geworben ist: Wilhelm Bergers jechsstirn- j iniges „Mübe, bas Lebensbool weiter zu steuern", bas mit feiner symphonischen Durcharbeitung bem Textsinn bas letzte Geheimnis abgewinnt unb in bem „cantus firmus“ bas Alt („Glaube an ein Wiedersehn") dafür die Bestätigung findet. — Max Bruchs „Waldpfalm" mit feiner Frühlingsfrische beendete die Folge der erlesenen Gaben. Das Instrumentale fand am Flügel seine Vertretung durch Frau Paula Hegner, einer Pianistin mit überaus durchgebildeter, fast virtuoser Technik. Für die ältere Musik (Händel, Scar- lat t i), die sie bot, bedeutet jede Anführung auf dem modernen Flügel im Vergleich zu den Instrumenten jener Zeit eine erhebliche klangliche Verstärkung, bie um so mehr durch ein feineres Ausarbeiten im einzelnen ausgeglichen werden muß. Mit ber Rhapsodie von Johannes Brahms erspielte sie sich einen starken Erfolg, der sie noch zu einer Zugabe verpflichtete. Die Veranstaltung f!anb tu ter dem Zeichen des fünfjährigen Stiftungsfestes der Studentenhilfe, eine würdige Feier! Se. Magnifizenz ber Rektor dankte zu Beginn allen Förderern des Stubentenhilfswerkes unb im Schlußwort rief Professor Eger ben ausübenben Künstlern ein herzliches „Aus Wiebersehen" zu; ein Wunsch, bem jeder Kunstfreund aufrichtig beipflich- ten wird. -in- Frankfurter Theater. Walther Brügmann ist wieder ^einmal von Leipzig herüber gekommen, um seinen Frankfurtern einen recht heiteren Kunstgenuß zu bereiten. Offenbachs „Orpheus in ber Unterwelt" gab ihm bas Spiel ber taufenb leichtbeschwingten Einfälle, er inszenierte es, richtete bie Operette für neuzeitliche Anforderungen bühnenwirksam ein und fungierte auch als Figurenzetchner und Bühnenbildner: mehr kann man von einem Regisseur wirklich nicht verlangen! Die Aufführung ist denn auch mit einer bunten Reihe Spielmöglichkeiten ausstaffiert. Der Olymp des Jupiter-Impekoven kann sich neben ber größten Revue sehen lassen. Aber auch in ber Unterwelt ist es bebeutenb gemütlicher, als Dante uns glauben macht, ber Pluto- Steinbrecher ist ein ganz famoser Junge unb Obcmars Hans ist ein Erfolg für sich. Impekoven weiß ber Gestalt bes Jupiters immer neue humorvolle Seiten abzugewinnen. Die „göttlichen Damen" werden von Mathilde Einzig, Lola M e b t U s, Aida Sink- Ferring, Luza Rotkovsky charakteristisch bar- gestellt. Leontine Gegen ist eine sehr elegante „Oeffenttiche Meinung", bas „liebende" Ehepaar Orpheus unb Eurydice sind bei Theodor Daneg - g e r unb Agnes Wernighaus ausgezeichnet aufgehoben. Das Publikum amüsiert sich glänzend; Höhepunkt ist, wenn im letzten Akt bas Schiffchen durch den Zuschauerrraum auf bie Bühne rollt. Der einzige Fehler der Aufführung ist vielleicht ber, baß all bas luftige Drum und Dran unb bie fast durchschnittlich nur aus Schauspielern bestehenbe Besetzung den prachtvollen Melobienreichtum und die klangvolle Schönheit ber Offenbachschen Musik in ben Hintergrunb drängt. Ader sonst ist diese Ausfi hrnng wirklich gelungen, und das Publikum ist froh, zwischen den vielen modernen, handlungsarmen wieder eine jener guten, alten und inhaltsvollen Operetten zu jehen. Man klatschte mit Ausdauer unb rief Brügmann wiederholt auf bie Bühne. L. W. trainiert, und war nach drei Tagen absichtlich den Gendarmen des Dörfchens in der Lüneburger Heide in die Arme gelaufen. Der Baran selbst befand sich indessen auf freiem Fuß und lachte seiner Verfolger. Man hatte es unnötig gesunden, den aufs neue Eingelieierten mit der Statistik des Signalements zu vergleichen. Jeder glaubte ihn zu erkennen, die Sträflingskleidung, die als diejenige Racofzys fest- gestellt wurde, bewies es zum Ueberfluß. Kleine Entstellungen schrieb man den Entbehrungen der dreitägigen Flucht zu, die ihn abgezehrt und krank gemacht hatten. Nach schnellem Telegrammwechsel mit der 'Berliner Staatsanwaltschaft drängte es Brentheim, wieder nach Hause zu kommen. Als sie den Zug bestiegen, schrien die Zeitungsverkäufer auf den Bahnsteigen aus: „Racoszy seit einem halben Jahr in Freiheit!" VI. Brentheim schloß während der Fahrt kein Auge und sprach kein Wort. Er atmete auf, als sie in Bonn die Tram nach Godesberg bestiegen. An der Abfahrtstelle begrüßte sie ein eleganter Herr mit dunklen Haaren und Augen und vernarbten Wangen. Wer ist bas?" „Sandberg, ein Architekt aus Bonn. Bewohnt augenblicklich ein Sommerhäuschen oberhalb Friesdorf, welches dem Weinhändler Esser gehört." Als sie im Wagen saßen, gesellte sich Sandberg zu ihnen und machte sich in korrekter Form mit Kramer bekannt. ,So früh in Bonn gewesen?" fragte er. „Haben Sie denn heut nacht nicht daheim geschlafen?" „Nein, wir waren zwei Tage verreist!" gab der Kommisiar zur Antwort. „Ich beneide Sie nicht um die Fahrt bei solcher Hitze." „Ich mußte geschäftlich fort." „Was kümmern Sie heute noch Geschäfte? Ich möchte, ich hätte es so gut wie Sie!" Er lächelte, Zustimmung heischend, zu Kramer hinüber. Brentheim sagte grimmig lächelnd: „Ich habe jemandem einen Besuch machen wollen, den ich leider nicht zu Hause antraf." berholung biefer Fahrt, die aber schwerlich vor Ende August oder Anfang September burchge- führt werden kann, da bis dahin alle Sonntage mit Gesellschaftsfahrten belegt sind. — Die Vor- arbeiten für das am 3., 4. und 5. Juli hier stattfindende Bezirks fest der Arbeitersportler sind im lebhaftesten Gange. In der ganzen Gemeinde findet die in großem Rahmen vorgesehene sportliche Veranstaltung ungeteiltes Interesse. Aber auch in den Bezirksvereinen begegnet man an dem Turnfest einer starken Anteilnahme. sodaß mit sehr großer Beteiligung zu rechnen ist. Die Hauptschwierigkeit schien anfänglich die Unterbringung der großen Zahl von Wetturnern zu sein. Aber Dank der opferfreudigen Bereitwilligkeit der gesamten Sinwoh- nerschast, die damit ihrer schon oft bewährten Gastfreundschaft alle Ehre macht, scheint diese Schwierigkeit gelöst werden zu können, sodaß die Möglichkeit vorhanden ist, die Wetturner und Wetturnerinnen in Bürgerquartieren unterbringen. Die bisherigen Anmeldungen zur Bereitstellung von Quartieren sind sehr zufriedenstellend, in lobenswerter Weise beteiligt sich hieran die gesamte Einwohnerschaft ohne Unterschied. Dis Freitag lagen bereits die Meldungen von etwa 400 Wett- turnem vor, täglich treffen neue Meldungen ein, ein Teil der Vereine steht noch aus. Die vorgesehenen Darbietungen bringen außer den Wettkämpfen ganz hervorragende Leistungen aus dem gesamten Gebiet der Leibesübungen in einer Fülle, 'daß alle Zweige und Arten reichlich zu Wort kommen. I —! Daubringen. 8 Juni. An dem hier am Sonntag stattgehabten Wertungssingen des LumdatalsängerbundeS nahmen alle 11 Dereine des Bundes teil. Der Pslichtchor, „Am Bächlein", von Wachler. stellte an unsere meist kleinen Landvereine starke Anforderungen. Dennoch sprachen sich die beiden Preisrichter, Oberreallehrer G e l l e r - Gießen und Lehrer Platz- Klcin-Llnden. In ihrer Kritik im einzelnen und im allgemeinen sehr anerkennend über die Leistungen aus. Außer dem Pflichtchor fang jeder Verein noch ein selbstgewähltes Lied. Auch hierbei standen Auswahl, Auffassung und Vortrag bei den meisten auf einer anerkennenswerten Höhe. Verbunden mit diesem Wertungssingen feierte der „Gesangverein Daubringen" (Dirigent Lehrer C b e r l e - Treis) sein 53. Stiftungsfest. RachmittagS bewegte sich trotz ftrömenöeh Regens ein stattlicher Festzug, an dem 23 Vereine sich beteiligten, durch unser abwechslungsvoll geschmücktes Dors. In einer mit Begeisterung ausgenommen en, spontan in das Deutschlandlied aus- klingenden Festrede eröffnete Dr Balser den Festakt. Die Festdame Überreichte dem Derein eine von den Frauen und Jungfrauen des Der- eins gestiftete Zahnenschleife. Mit dem zweiten Festtag am Montag wurde das Jugendfeft unserer Schule verbunden. Rachdem wieder ein Festzug durch das Dorf marschiert war, begrüßte aus dem Festplah Bürgermeister Preis Jugend und Festteilnehmer. Dr. Balser toanbte sich bann in seiner Ansprache mit ernsten und humorvollen Worten an Eltern, Jugendliche und Kinder. Bei Gesängen und munteren Spielen vergingen auch die ötunben des zweiten Festtages allzu schnell. z. A 11 e n b o r f a. b. Lda., 8. Juni. Der L u m = batalfängerbunb hielt am Sonntag in Daubringen "sein diesjähriges Wertungssingen ab. Der hiesige Männergesangoerein Eintracht bot unter d> r Leitung seines Dirigenten, Musiklehrer Kasten- Gießen, eine vorzügliche Leistung. Mit 154 Punkten stand der Verein an erster Stelle. v. Londorf, 8. Juni. Je näher der Tag des Lahntalsängerbundesfestes rückt, desto eifriger sind alle Ausschüsse an der Arbeit, um den Sängern und Gästen schöne Stunden und Tage zu bereiten. Die feststehende Halle, in welcher die B mdesvereine singen, wird so hergerichtet, daß eine genaue Beurteilung des Gesanges möglich ist. Auch das Festbuch wird reichlich ausgestattet sein. • Rödgen, 8. Juni. Die wegen Kanalisationsarbeiten angeorbnete Sperrung ber Kreis st rahenortsburchfahrt Röd gen ist von heute ab toieber aufgehoben worden. + (Brünberg, 8. Juni. In ber gestrigen Gemeinderatssitzung wurde ein Schreiben des Kreisamts betreffend Aenderung der Steuersätze in dem Voranschlag für 1926 verlesen und dementsprechend u. a. beschlossen, daß pro 100 Mk. Steuerwert für Sondergebäudesteuer 537/io Pf. erhoben werden gleich einem Gesamtbeträge von 20 400 Mk., für Grundsteuer ber Gebäude und Bauplätze 20 Pf. gleich 8000 Mk., für land- und forstwirtschaftlich genügten Grundbesitz 48 Pf. gleich 16 275 Mk., für Gewerbesteuer für land- und forstwirtschaftliche gewerbliche Anlagen 12s) Pf. (9890 Mk), auf Gewerbeertragssteuersoll des Rj. 1925 200 Pf. (10 400 Mk. — Weiterhin ist auf Anregung des Kreisamts die Gebühr für die Feldgeschworenen bei einer Beschäs- ligungszeit von über 4 Stunden auf 4,50 Mk., von 2 bis 4 Stunden auf die Hälfte, unter 2 Stunden auf ein Viertel festgesetzt. — Nach Mitteilung sind der Schriftverkehr, Sie Pläne sowie die Wünsche der Stadt Grünberg betr. Neubau des hiesigen Finanz- amts dem Reichssinanzamt vorgelegt, welches jedoch in baulicher Hinsicht einige Vorbehalte macht. Zu- geftimmt roirS dem Wunsch des Kreisamts, daß demnächst die Bausluchtlinie zwischen neuer Straße und altem Steinweg festgelegt wirb. Dem Obst- und Gartenbauverein wird auf Antrag ein Betrag, den früheren Jahren entsprechend, überwiesen. —Lich, 8. Juni. Zur Ueberroinbung der ersten Not, die infolge ber Lungenseuche unter den Beständen der Landwirte und Viehzüchter unserer Stadt entstanden ist, sand auf Anregung des Landwirtschaftskammerausschusses für Oberhessen eine Versammlung der hiesigen Landwirte statt. Da an der furchtbaren Lungenseuche bis heute nahezu 2s)0 Stück Milchkühe abgeschlachtet werden mußten, so ist die Beschaffung von Ersatz nach Ansicht samt- licher Versammlungsteilnehmer eine dringende Notwendigkeit. Es wurde beschlossen, die Landwirtschaftskammer aufzufordern, durch ihre Viehvermittlungsstelle den hiesigen Diehbesihem bei Beschaffung von Milchvieh behilflich zu sein. Don einer Einführung aus Oberbaden wurde vorläufig Abstand genommen, weil bis fetzt nur Nutzvieh benötigt wird. Die Diehbesitzer im Kreise Alsfeld und Lauterbach sollen zur Beschickung ber Prämienmärkte zu Alsfeld und Ulrichstein aufgefordert werden, damit die Licher Landwirte ihren Bedarf decken können. Kreis Friedberg. sf. Friedberg, 8. Juni. In dem Berichte über die letzte Stadtverordnetenversammlung ist ein Druckfehler unterlaufen. Der städtische Voranschlag schließt in Einnahme und Ausgabe nicht mit 393 733 Mark, sondern mit eine Million 396 733 Mark ab. — Das von dem Friedberger Schühenverein veranstaltete Schützenfest nahm einen durchaus zufriedenstellenden Verlauf. Schon der Vorabend brachte einen starken Besuch des Festplatzes, am Sonntag bewegte sich ein stattlicher, durch vielerlei Gruppen belebter Festzug durch die Straßen nach der Seewiese, woselbst nach Eintreffen des Zuges Bürgermeister Dr. Seyd die Festrede hielt. Bereits um 8 ilhr vormittags hatte in der Schiehhalle des Vereins das Preisschießen begonnen. Die Preisverteilung fand abends statt. Der Festplah war von einer großen Volksmenge belebt. 0 Gambach. 8. Juni. Allenthalben sucht man nach Mitteln, um die in unserem Vaterlande herrschende Wohnungsnot zu beseitigen. Auch die deutsche Dau- und Siedlungsgemeinschaft sucht an dieser Aufgabe mitzuhelfen. Heber deren Bestrebungen und den Wohnungsbau mit zinslosem Gel de sprach am Freitagabend Herr Essinger-Butzbach. Redner verbreitete sich zunächst über die verschiedensten Gründe der Wohnungsnot. zeigte bann auch die so überaus schädlichen Auswirkungen des Wohnungselends und sprach dann in längeren Ausführungen über die Ziele der Dau- und Siedlungsgemeinschaft. An die Ausführungen des Redners schloß sich eine äußerst lebhafte Aussprache an, wo noch manche Frage aufgeworfen und geklärt wurde. Das Ergebnis des Abends war die Gründung einer Ortsgruppe, der sofort 11 Mitglieder beitraten. Kreis Büdingen. —/— Ortenberg, 8. Juni. Das diesjährige Hauptschießen des hiesigen Schützenvereins nahm unter freudigster Anteilnahme der Bevölkerung einen schönen Verlaus. Es wurde am Samstagabend durch einen Fackelzug ein- geleltet. der sich durch die festlich geschmückten Straßen bis zum Schloß bewegte, wo sich S. D. Prinz Ernst in den Zug einre hte. Anschließend sand im Mauergarten ein Kommers statt, in dessen Verlauf Schühenmeister Schmidt die Gäste begrüßte. Konzertvorträge und Gesangsvorträge umrahmten den Abend. Am andern Morgen fand gemeinsamer Kirchgang statt. Ein stattlicher Fest- zug unter CDorantritt der Dereinssahnen zog am Mittag nach dem Festplah. Inzwischen waren Der dritte Schuh. Kriminalroman von Ole Stefani. 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Brentheim mußte um bas Bett herum zum Fenster gehen, um ihm in bas Gesicht zu sehen. Um zu sehen, daß richtig war, was er gefürchtet halte. Bleich stand er da und glaubte sein Herz mit hörbaren Rucken schlagen zu fühlen. Auch Kramer war fassungslos an die Wand gewichen. Der Mann im Bett war nicht Racoszy! V. Er tjate eine große Ähnlichkeit mit ihm, gewiß. Aber die Züge waren gröber, unintelligenter, keine Spur der kleinen Kopfnarbe, die Racoszy aus dem Kampf im Berliner List baoongetragen hatte — bas Einmalige unb Unvergleichliche, bas jebes Menschenantlitz von dem anderen unterscheibet, bezeugte, baß ber Gefangene nicht ber war, für den man ihn hielt. Sie brachten ihn zum Sprechen. „Sind Sie Racoszy?" fragte ihn Kramer geradezu. Der Mann blies gelangweilt den Rauch feiner Zigarette in die Luft. „Aber nein doch!" sagte er. Brentheim erkannte mit erschreckender Gewißheit: die Stimme war ihm ganz fremd. „Das sagt er oft!" flüsterte der Direktor, der die Situation immer noch nicht begriff. „Er hat heute nacht wieder einen schrecklichen Nervenansall gehabt. Danach redet er stundenlang irre. Der Doktor hat ihm darum auch eine < Zigarette gestattet, weil ihn das am meisten beruhigt." „Ich glaube," sagte Brentheim schmerzlich lächelnd, „ich glaube, diese Sache wird Ihnen sehr schaden, Direktor Röder." — Es war Tatsache — ber Vergleich mit ber Meß karte im Ausnahmearchiv bezeugte es: Racoszy hatte es verstauben, einen anberen Mann an seiner Statt unterzuschieben. Unb allmählich erkannte Kramer ben Zusammenhang. Zur Zeit ber rätselhaften Flucht Racoszys aus dem Zuchthaus hatte ber Fremde schon bereitgestanden, unterstützt von Ähnlichkeiten des Ge- iichts und Körperbaus, bis ins letzte auf Identität auch bte Vertreter einer Auzcchl auswärtiger Schützenvereine etngetroffen. Rach Eintritt ber Dunkelheit würbe ein gut gelungenes Feuerwerk abgebrannt. Der Festmontag war neben den Schützen vor allen Dingen der Jugend gewidmet. Unter Dorantritt der Musik zogen die Schulkinder um 2 Uhr zum Festplatz. Rach Eröff- Tiung der Feier hielt Lehrer Earl eine sehr beifällig aus genommene Ansprache. Dann wechselten Lieder. Gedichtvorträge und Reigen in bunter Reihenfolge miteinander ab. Den Höhepunkt der Darbietungen bildeten zwei Theateraufführungen auf einer Raturbühne. Jn-w!schen ging das Schießen weiter, aus dem Wilhelm Dillemuth als Ritter und Schützenkönig hervorging. Eine große Anzahl schöner Prelle konnten die besten Schützen mit nach Hause nehmen. le. Bleichenbach. 8. Juni. Wie schon berichtet, waren hier bei den Verpachtungen der Gemeinde- und Kirchengüter im Jahre 1925 ungeheure und untragbare Pachtsummen erzielt worden. Den Bemühungen der Beteiligten ist es gelungen, für die Pachtsummen der Kirchengüter eine Herabsetzung von 40 Prozent für 1925 und von 50 Prozent für 1926 zu erzielen; für die Gemeindegüter soll das gleiche in Aussicht stehen. Kreis Schotten. Schotten. 8. Juni. Unter der Führung des Landwirtschaftsrats Wenzel unternahmen 18 ehemalige Schüler der hiesigen landwirtschaftlichen Schule einen dreitägigen Lehrausflug an den Rhein. Das Weingebiet von Rüdes» heim, Atzmannshausen und- Bingen bot reichlich Gelegenheit, die Anlage der Weinberge, ihre Düngung, sowie die verschiedensten Arbeiten im Laufe des Jahres kennen zu lernen. Der Besuch einer Kellerei in Bingen zeigte die Maschinen und Geräte, die bei der Weinbereitung und weiteren Behandlung bis zur Flaschenreise Verwendung finden, außerdem die sachgemäße Lagerung der Weine. — s Hartmannshain, 8. 3uni. Der hiesige Steinbruchbetrieb liegt noch immer still. Der Unternehmer, eine Firma aus Gießen, hatte schon mit beginnendem Frühjahr die Wiederaufnahme der Arbeiten in Aussicht gestellt. Die Ursachen der Betriebsruhe sollen in Absatzschwierigkeiten zu suchen sein. Im Interesse der Arbeitslosen, deren Zahl durch die jetzt erfolgte Einstellung der Ausarbeitung des durch Wind- und Schneebruches verursachten Waldschadens, besonders im benachbarten Herchenhain, eine beträchtliche Steigerung erfahren ^>at, wäre es zu begrüßen, wenn eine baldige 'Inangriffnahme des Äeinbruchbetriebes erfolgen könnte. — s— Herchenhain, 8. Juni. Das am Himmelfahrttage eingcweihte Jugendheim kann immer noch nicht seiner Bestimmung übergeben werden. Die Fertigstellung der Jnnen- räume muß von Tag zu Tag hinausgeschoben! werden, da das feuchte Frühjahrswetter die Trocknung sehr verzögert hat. Der Verwalter des Jugendheims ist trotzdem mit seiner Familie vor einigen Tagen eingezogen, um für Lüftung und Heizung regelmäßig sorgen zu können. Man will auf diese Weise die Trocknung beschleunigest, damit die noch notwendigen Jnnenarbeiten baldigst ausgeführt werden können. Man hofft bestimmt, das Jugendheim spätesten- zu Anfang Juli, dem Beginn der Hauptferienzeit, dem Verkehr übergeben zu können. Breungeshain, 8. Juni. Der Wettergott des Vogelbergs achtet weder auf gute Meldungen der Wettervorherfager, noch auf fromme Wünsche der Festgeber. So war es auch am vergangenen Sonntag, als der hiesige Gesangverein bas Fest seiner Fahnenweihe feierte. Während in der Ebene kaum ein paar Regenspritzer niedergingen, riefelte hier unbarmherzig der Regen nieder und störte ungemein die Festfolge. Etwa 16 Vereine waren am Morgen eingetroffen. Allein schon bei ber Aufstellung bes Festzuges goß cs, so baß zunächst bie Weihe ber Fahne verschoben würbe, weil man auf ein Nachlassen bes Regens hoffte. Als bieses aber nicht eintrat, entschloß man sich zur Vornahme ber Fahnenweihe. Da bie Ungunst ber Witterung entferntere Vereine zu frühem Ausbruch zwang, konnte nur ein Teil ber erschienenen Bun- bes- unb Gastvereine sich gesanglich betätigen. j—( Ruppertsburg, 8. Juni. In diesem Frühjahre mehrt sich auch in unserer Gegend bie Zahl ber umherziehenden Zigeuner, Korbmacher unb anberer fahrender Leute. Wenn sie schon burch ihre Bettelei lästig werben, so hat der Natursreunb Kramer warf ihm einen mamenben Blick zu unb sie sprachen von anberen Dingen. — In Friesdorf stieg ber Architekt aus. Die Freunbe schauten ihm burchs Fenster nach. „Trägt er eine Perücke?" fragte Kramer plötzlich, inbem er sich vorbeugte. .Bist bu wahnsinnig?" Brentheim sah ihn mit aufgeriffenen Augen an. Der Anwalt blickte scharf auf ben Nacken bes sich Entfernenben. An ber Schranke roanbte sich Sand- berg um unb rointte lächelnd zurück. Kramer hatte ein seltsames Gefühl in seiner Kehle. In diesem Augenblick schwor er sich: von allen Nachforschungen, bie er über bie Menschen in bieser Gegenb anfteUen bürste, würben bie nach Sanbberg bie ersten sein. Zu Hause fanben sie zu ihrer Erleichterung alles ruhig. Es hatte sich nichts ereignet. Lachner war zum Unterricht nach Bonn gefahren unb Grete saß mit Oelscher in ber Laube. Der Professor blieb über Tisch bei ihnen. Nachmittags versammelte sich mieber viel junges Volk im ©arten. Molinski war nicht babeu Neu waren bem Rechtsanwalt zwei Referenbare aus Bonn, bie sich durch Veranstaltung von Gesellschafsspielen beson bers beliebt machten. Oelscher unb Esser bemühten sich um Grete, beren Fröhlichkeit erzwungen schien. Kramer zog ben dicken Weinhänbler in ein Gespräch unb verstaub es, im Verlauf desselben nach Sanbberg zu fragen. „Ein großartiger Mensch!" sagte Esser schnau- fenb. ..Er hat einen Auftrag über eine neue Bahnüberführung bekommen unb arbeitet Tag unb Nacht. — Warum ertunbigen Sie sich nach ihm?" fragte er plötzlich, Kramer mit einem schlauen Blick ins Auge faffenb. „Nur so!" sagte der Anwalt etwas überrascht. „Mich interessiert bas Gesicht." „So — ich dachte. Sie wollten mit ihm Geschäfte machen. Die Freunde aus Düsseldorf, die ihn mir empfahlen, sind absolut zuverlässig — für jede Summe, Herr Rechtsanwalt." „Sanbberg bewohnt hier ein Sommerhäuschen, bas Ihnen gehört, nicht wahr?" „Ja. Kennen Sie es? Sie müssen ihn unbebingt mal besuchen. Nur zwei Zimmer, wissen Sie! Ein transportables Holzkistchcn. Aber bezaubernb einge- oft genug Gelegenheit zu flogen über ben Schaden, ben sie in Felb und Wald anrichten. Kürzlich mürbe n Zigeuner beim Wilborn ertappt, ein andermal ah man sie unberechtigterweise fischen. Ganz beson- bers eifrig streben sie ben Igeln nach. Mit Hilfe eines auf ben Igelfang dressierten Hunde» gelang es ihnen, innerhalb einer Stunde zwei Igel zu fangen. 2denn diesem Unwesen nicht gesteuert wird, dürften diese Tiere, die jetzt schon selten geworden find, bald gänzlich ausgeroltet sein. Dies ist gerade im Interesse ber Landwirtschaft sehr zu bedauern, besteht doch die Hauptnahrung bes Igels aus allerlei schädlichen Insekten, Nacktschnecken, Feld- und Waldmäusen. ck. Dom unteren Vogelsberg, 8. Juni. Die Gewerkschaft Luise in Nieber-Ohmcn will auf Grube Hedwig bei Nieder-Ohmen, welche seither still lag, die Arbeit wieder beginnen. Es ist dies in Anbetracht der großen Anzahl der Erwerbslosen mit Freuden zu begrüßen. Vorerst soll mit einer, geringen Zahl Arbeiter die Grube, welche durch die Witterungsverhaltnisie während dem Stilliegen gelitten hat, betriebsfähig gemacht werden. In etwa 14 Tagen soll mit einer größeren Anzahl Arbeiter begonnen werden. —8— Dom oberen Vogelsberg, 8. Juni. Infolge des ungetoötynltd) nassen und kalten Frühjahrswetters klagen bie Landwirte des oberen Dogeisberges über Mangel an Grünfutter. Die Kleesaaten sind restlos ausgewintert, so daß das Zufutter für den Stall nach dem Wcidegang fehlt. Der Grasbestand der Diehweiden ist in derart schlechter Derfassung. daß das Vieh unbedingt noch des ZufutterS bedarf. Der Landwirt ist gezwungen, schon jetzt auf solchen Wiesen Gras zu holen, die ihm in normalen Jahren daS Wintersutter lieferten. — Auch der Saatenstand läßt viel au wünschen übrig. Die Sommersaaten sind sehr zurück und stehen im Wachstum fast still, zum großen Vorteil der vielen Ackerunkräuter, die sich in erschreckendem Maße zeigen. Besonders gift dies von dem mit Recht so sehr gefürchteten Hederich, der in verheerender Weise auftritt. Die Winterfrucht soweit sie nicht ausgewintert ist, zeigt auch wenig befriedigenden Stand. Sie ist noch sehr kurz. Die Kartoffeln zeigen auf den Aeckern die ersten Spitzen. Kreis Alsfeld. —.— Alsfeld, 8. Juni. Die Landwirtschaftskammer veranstaltete in Verbindung mit dem Kreis- pferbezuchtoerein eine Pferde- und Fohlen- prämiierung. Der hessische Warmblutzüchtet verband hatte drei goldene Plaketten gestiftet, die an die Züchter Raab-Alsfeld, Kalbfleifch-Billerts Hausen und Pfefser-Damrneshof verteilt wurden Dcfonomierat Korest und Landstallmeister Schocke Darmstadt sprachen ihre Anerkennung für die züchterischen Leistungen aus. Sie warnten vor einer Aufgabe bet Fohlenzucht, ba in 2 bis 3 Jahren die Nachfrage nach guten Fohlen größer würde. Es erhielten 1. Preise: Korell-Schwabenrod, Hch. Naab-Alsscld, Karl Fink-Leusel, Korell-Schwaben rod: 2. Preise: Friedrich-Erbenhausen, Junker- Grebenau, Kalbfleisch-Billertshausen. Die Ueber reichung der drei goldenen Plaketten des Warm blutzüchterverbandes nahm Baron von Riedesel vor. Kreis Lauterbach. * S ch l i h, 8. Juni. Rur noch wenige Wochen trennen uns von dem Jubiläum des 7 0 j ä h r i - gen Bestehens des hiesigen Männergesangvereins „Harmonisches Kränz- ch e tv. Die für die Vorbereitung bestimmten Ausschüsse sind eifrig an der Arbeit. Das Programm ist in großen Zügen sestgelegt. Es sind namhafte Geldbeträge und schöne Werkpreise gestiftet worden, sodaß es dem Derein möglich ist. im Klassensingen jedem Derein einen wertvollen Ehrenpreis zu überreichen. Als Preisrichter sind anerkannte Fachleute gewonnen worden. Beim Festzug wirken drei Kapellen mit. Festwagen, Trachtengruppen, Reiterabteilungen usw. werden ihm ein buntes und abwechslungsreiches Aussehen verleihen. richtet, mit Telephon und allem Komfort — und ganz einsam gelegen!" — Kramer ging langsam um den Garten herum. Er fühlte, daß sich ein Unwetter über diesem Hause zusammenzog und kam sich wie gefesselt an Händen unb Füßen vor. Da Racoszy in Freiheit war, so war das Schlimmste für ben Kommissar zu befürchten. Die ersten zwei Schüsse bewiesen es. Gibt es benn keine andere Möglichkeit, Brentheim zu retten, als die, ihn auf eine einsame Insel zu bringen? dachte er und lächelte bitter. Er trat hinter den Zaun zurück. Auf der Straße war Lachner sichtbar geworden, den unvermeidlichen Violinkasten unter dem Arme, ermüdet und staubbedeckt. Er winkte wegaufwärts jemandem abschiednehmend zu. Kramer reckte den Hals, sah aber nur den Schatten eines Mannes, der sich entfernte. Lachner ging langsam durch den Garten und betrachtete die Gruppen der Gesellschaft. Dann wandte er sich seitwärts und ging die Hauswand entlang und um die Ecke herum. Kramer folgte ihm unwillkürlich. Ging ebenfalls um die Ecke herum und blieb verblüfft stehen. Der Musiklehrer war verschwunden. Wie von der Erde gefegt. Hier lag der Gemüsegarten mit niedrig wachsenden Pflanzen: keine Möglichkeit zum Verbergen. Andererseits befand sich in dieser Wand der Villa keine Tür. Kramer schritt langsam die Seitenfront entlang und bog um die nächste Ecke. Auf den Stufen des ftintereingangs faß Maria und schälte Kartoffeln. Bei ihr kauerte Franz und nahm einen Schluck aus einer Flasche, bie er beim Nahen des Anwalts schleunigst in seine Rocktasche praktizierte. Sein gerötetes Gesicht bewies, daß die Flasche nicht mehr ganz voll sein konnte. ,,Ist hier eben jemand oorbeigegangen?" Maria schüttelte den Kopf und Franz sagte mit eiroas verwirrten Augen: „Nee, kein Mensch, Herr Rechtsanwalt!" Kramer stand eine Weile da und sah auf die beiden herab. Dann beschloß er zurückzugehen. Zwei Parterrefenster standen auf der Seitenfront der einstöckigen Villa offen: bas eine zum Zimmer Brent- Heims, das andere zu dem feiner Pflegetochter. (Fortsetzung folgt.) Starkenburg. WSR. Darmstadt. 8. Juni. Die Feier des 100jährigen Bestehens des Darmstädter Realgymnasiums in diesem Jahre wird in größeiem Rahmen begangen werden. An alle ehemaligen «Schüler werden Einladungen zu der Feier ergehen. Wirtschaft. Börsenkurse. «M,.« . rfin Frankfurt a.M. Berlin Schlug»! 1-Ubr» flnr» | flut» Schlich. Kur» InftmQ Kurs Datum: | 8.6. | 9 6 8. 6 9. 6. Deutsche RetchScmleihe . Wo Deutsche RetchLauleihe . ‘/,°/n Deutsche Reichsanleihe '/o Deoischc RetchSan leihe . Isanche Eparprmnienaoleihe ^Preußische Äonfolß • - • 7p Hessen..... • • • Wunsche Dertb. Dollar-Sol- tv- Doll. Schatz-ÄMrei sog.') serltner Hanbclsaesellschast- oimnerz- unb Prtvat-Bank Xirmft nnt) Ratisnalbmü . Rutsche ScrthtMxnrf • • • • liSconw Lommcmdtt . . ftetallbank........... iittelbrutsche Creditdcmf. österreichische LreditanstaU 0.416 0,37 0,415 0,23 0,3» 943 JÜ 156 108' 136,7' 131' 84 138' 107,5 109' 6,5 0,4175 0,385 12,75 50,75 108,2' 137' 139,5' 129,2' 105 110' 6,65 0,41 0.425 0.425 0,24 0,335 0,4 0,39 0,385 96,5 12,6 50,8 157,7* 108' 136' 132,2' - 128,5' 109,75 6,55 s MßD | °K 1 81 I -LI *28*5=1 || 1 1 1 1 1 il LN8Ä lochmuer Saß ........ oberus - ......... «lsa^t^^^gwerke. . itE? . . \ > kmrahütte.....•••••* Delias Bergbau....... 60,5 56.5 109 112,5 121' 127,5 134 38,25 51,5' 85,75' 115,75 108,5 62,5 N 52.1 100,25 68,25 186' 81 60,5 85 125,75 118.6' 117,5 96.5 109,7' 151,5' 58 63 25 35,75 17 35 119 71 27,25 3 135 56,5 64,5 73,25 58' iir 115,2' 133,25 87,5' 119' 113,75 140' 136,2' = 191' 59,9 129 121,2' 105,7* 68,62 57' 109' 112,1' 119,5* 126,7' 132,5 36.4 52,25' 85,9* 115,2' 108,5' 138,2' 134,5' 66,25 76 185,5' 79,12 85 118' 116,5 107,1' 151' 59,5 62,5 39,5 70 30 133 58.5 108' 71,25 59' 110,2' 115,2’ 123,5' 126' 132.9 36,75 54* 87' 117,9' 113 Hamo ui g- Amc nta Paket. • . Rorbdeatscher 2lobb ... Lheramische Werke Stibin . . Zementwerk Heibelbery . . Philipp Holzmann...... Lnglo Lont -Gnano..... Memische Maper Llapin . . tz. G. Farbeninbustrie, A.°G. Solbschmibt.......... Holzverkohlung........ Nsttgerswerke....... »cheibeanstalt......... Fllg. ElektrizitätS-Gesellschast 139,4' 136' - 190' 80,25 120,9- 119' 111,5' 155' 59,25 63,9 I Bergmann ........ Mainkrastwerke ........ Schuckert......... . Siemens & HalLke ...... »chlcrwerke Kleyer ...... Daimler Motoren....... Heplftienftaebt......... Meguin............. Motorenwerke Mannheim Rtanffurttr Armaturen • • jwnservenfahrik Brann . . Metallgesellichast Frankfurt. Ba Union A--G. ..... tzchuhtahrik He^...... Lellston Waldhof...... Zuckerfabrik Waalräusel 112,2’ 155,5' 59,5 - 136 66,25 58 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. W» Telegraphische Auszahlnng. (Ohne Gewähr.) Banknoten. (Ohne Gewähr.) 8 Juni. 9. Auui. Amtliche Gelb Kotierung Bries Amtliche "cheA Kotierung LJtoef HntfL-8tca 168,54 1,691 168,96 1.695 168,59 1,694 12,74 93,16 169,01 1,698 12,78 99,40 Brst.-Anttv Christi curia. 12,90 91,00 16,94 91,97 .stoprnbagen Stockholm . HelstngsorÄ 110,96 112,26 10,55 111,24 112,54 10,59 111,08 112,33 10,552 WH Statten . . Lonbou 15,83 20,411 15,87 20,469 15,52 20,412 «euyork . - 4.195 4.205 4.195 12,52 12.89 12.93 81,395 63,58 12,56 81,195 63,24 81,19 64,07 81,39 64,23 1,973 0,654 1,975 0.644 ast 1,969 0,652 OtfL ab^t 59,30 59,64 59,24 59,38 12,42 12,46 12,415 12.455 iSjrab . . 7,407 7.427 7,404 7,424 Bubapcst. . 5,865 5,885 5.868 5,888 Bulgarien 3,05 3,06 3.05 3.06 Lissabon 21.441 21,495 21.445 21,495 Danzig. . • Konstanttn- 80,93 81,13 80.94 81,14 2,285 .',295 2,235 2,245 Athen 5,39 5,41 5,19 5,21 Canaba. . . 4,197 4,207 4,197 4,207 Uruduav 4.275 1.285 4.265 4.275 Berlin. 8 Juni Gelb Bries Amerikanische Rote» . Belgische Noten . . . • e « 4,19 12,70 110,77 20,357 12,72 168,18 15,79 93,19 59,32 1,73 111,97 81,17 63,49 12.387 5.83 4,21 12,76 111,33 20,457 12,78 169.01 15,87 93,65 59,67 1,77 112,51 81,57 63,81 12,447 5.88 Dänische Noten . . . Englische Roten...» Französtsche Noten . . Hollänbische Noten . . Ztalienische Noten . . Norweaische Noten . Deuffch-Oesterr-. ä 100 Lroneu Rrunantsche Noten...... Schwebssche Noten..... Schweizer Noten...... Spanische Noten ...... Tschechoslowakisch« Noten . . Ungarische Noten . . . * Keine deutschen Reparationskohlen mehr für Belgien. Die belgische Regieruna will infolge der durch den Frankensturz herbeigeführten starken Verteuerung der deutschen Reparationskohle auf deren Bezug verzichten. Die belgische Verteilungsstelle für deutsche Kohlen wird ab 1. September aufgelöst werden. * Statistik der Bauvorhaben im Mai. 2m Mai wurden 3429 Wohnhäuser und 264 sonstige Bauten (Kirchen, Schulen, Krankenhäuser, Fabrikgebäude, Verwaltungsgebäude, Garagen, Brücken usw.) gemeldet, gegenüber 4532 Wohnhäusern und 736 sonstigen Bauten im Vormonat (Avril 1926). 2m Mai 1925 wurden 3573 Wohnhäuser und 997 sonstige Bauten veröffentlicht. * Portland-Eementwerke Heidelberg-Mannheim-Stuttgart A.-G. i n Heidelberg. Die ordentliche Hauptversammlung genehmigte «ustmunig bi« Regularien und erteilte dem Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung. Die Verteilung einer Dividende von 8 Prozent auf die Stamm- und von 5 Prozent auf Vorzugsaktien aus einem Reingewinn von 1,99 Mul. Mark wurde genehmigt. Aus dem Bericht des Aufsichtsratsvorsitzenden geht herrwr, daß der Absatz sich in den ersten fünf Monaten des laufenden Geschäftsjahres im 2n- lande um 20 Prozent verringert habe. Demgegenüber sei zwar eine Zunahme des Absatzes im Auslande festzustellen, doch könne man keinen Vergleich bringen, weil die Preise im Auslande stark gedrückt seien. Außerdem mache sich die belgische und französische Konkurrenz stark bemerkbar. Berliner Börse. Berlin, 8. 2uni. Die Beruhigung, die sich gestern bereits duvchgesetzt hatte, machte heute weitere Fortschritte und nach Festsetzung der ersten Kurse kam es zu einer ausgesprochenen Festigkeit. Diese geht wieder einmal von dem starken Geschäft in 2. G. Farben- Aktien aus, für die auch Auslandkaufaufträge vorgelegen haben sollen. Die erste Do-ttz lag bereits 3 Proz. über dem gestrigen Schlußkurs, und im Verlaufe konnte das Papier um weiters 3 Proz. anziehen. Am Montanmarkt wirkte sich diese Steigerung naturgemäß auf die führenden Werte aus, vor allem auf DHeinstahl, die 3 Proz. gewinnen konnten. Die übrigen Werte dieses Gebietes lagen bis zu 2 Prvz. höher. Am Elektromarkte wurden AEG., Siemens, Schuckert und Glektr. Lieferungen in erheblichen Beträgen aus dem Markte genommen. Von sonstigen Spezialwerten waren besonders Deutsche Erdöl bevorzugt. Am Geldmarkt ist die Lage außerordentlich leicht. Lagesgeld war zu 4 bis 5V2 Proz. angeboten, teilweise auch darunter. Monatsgeld umsatzlos 5’/4 bis 61/2 Proz. 2m Devisenverkehr hatten die westlichen Frankenvaluten eine leichte Befestigung zu verzeichnen. Es notierten gegen London: Paris 163, Brüssel 159,75. Mailand lag mit 131,25 gegen London fast unverändert. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 8. 3unL Tender» fest. Die Börse, die bereits am Vortage ihre Festigkeit zurütkgewonnen hat, eröffnete den heutigen Verkehr zu weiter gebesserten Kursen. Das Dachlaffen des Angebots stärkte die vertrauensvolle Stimmung, doch konnte das Geschäft keine große Lebhaftigkeit erreichen. Größeres 2nteresse wandte sich dem Farbenmarkte zu. Da von der morgigen Generalversammlung der 2. G. Farben-Industrie weitere günstige Berichte über die Geschäftsentwicklung erwartet werden, betätigte sich die Spekulation durch erhebliche Käufe in diesen Aktien, wodurch der Kurs bis auf 192,50 anziehen konnte. Der Sprung bedeutet gegen gestern abend mehr als 5 Prozent. Die Festigkeit an diesem Markte wirkte fhch auch auf die andevev Märkte aus, die aber weniger bedeutende Umsätze hatten. Elektrowerte blieben reger gefragt. AEG. plus 0,75 Prozent, Elektrffch Licht und Kraft plus 1,75 Prozent, Schuckert plus 2 Prozent, Siemens plus 2 Prozent. Am Montanmarkt waren Kursbesserungen bis zu 2 Prozent zu verzeichnen, für einige Spezialwerte, wie Gelsenkirchen, Mannesmann, DHeinstahl und Diebeck betrugen die Besserungen 3 bis 4 Prozent. Auch die Werte des Metallbank-Konzerns lagen wesentlich fester. Schiffahrts- und Bankaktien hatten dagegen bei ruhigem Geschäft nur geringe Kursbesserungen aufzuweisen. Dur Disconto-Gesellschaft traten mit einem Gewinn von 1 Prozent etwas stärker hervor. Arn heimischen Dentenmarkt war die feste Stimmung vorherrschend. Ausländ. Den- ten lagen still. 2m Freiverkehr hörte man allgemein festere Kurse. Becker Stahl 27, Benz 66, Drown Boveri 86, Entreprise 8, Growog 58, Hansabank 95, Krügershall 105, Ufa 45, Ufra 76,5 Prozent. 2m weiteren Verlaufe verstärkte sich die Dachfrage nach den Aktien der 2. G. Farbenindustrie, wobei darauf verwiesen wurde, daß angesichts der zu erwartenden Dividende von 10 Prozent schon börsen technisch ein Moment starker Festigkeit gegeben sei. Die anderen Märkte blieben ruhig, aber ebenfalls fest. Der Geldmarkt ist weiter leicht und steht im Zeichen reichlichen Angebotes. Tagesgeld 4, Monatsgeld 4,82 bis 6 Prozent. Privatdiskonten 4,75 Prozent, 2ndustrieakzepte 5 Prozent. 2m Devis enverkehr lagen die westlichen Frankenvaluten mäßig erholt. Paris gegen London 161,50, Brüssel 158,50. Mailand war mit 131,50 fast unverändert. Mark und Pfund liegen weiter fest. rankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 9. Juni. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 30,25 bis 30,75, Roggen, inländischer 20,50 bis 21, Sommergerste für Brau- zwecke 22 bis 24, Hafer, inländischer 21 bis 23, Mais, gelb 17,75, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 42,50 bis 43, Roggenmehl 28,75 bis 29, Weizenkleie 9,25, Roggenkleie 11. Tendenz: Etwas fester. Wettervoraussage. Veränderliche Bewölkung mit zeitweiser schwacher Aufheiterung, wärmer, südliche Winde, noch einzelne Regenfälle. Die Entwicklung der Wetterlage stellt noch keine grundlegende Aenoerung des veränderlichen und zeitweise regnerischen > Wetters in Aussicht, wenn auch vorübergehend Aufbesserung eintritt. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 20,1 Grad Celfius, Minimum 11,2 Grad Celsius. Niederschläge 2,3 Millimeter. Heutige Morgentemperatur 14,6 Grad Celsius. Verantwortlich für Politik L V. Dr. Hans Thyriot. Mk. kragen Taschentücher Leder-Sport Gürtel Schlupfhosen Mk. den Karos reine Wolle Mk. 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Budget ausgeglichen sein Notwendigkeit bestehe, ne zuschreiben. „Es darf weil 6° l sein," so fuhr der Mi Erichen Bericht fort, „das lo großen Staates wie Frc ^^ürlichen Schwa T Äe Negierung habe eit Stützung de batet Der Minister vei ^dah der Goldbe ?°?.^ankreich nicht ^d dch et auch nicht te^o6en werden soll DM ZSTA Lebhafte Kam, * Ke ^)rUvmitee^ l-tan Mndung, d l ?eutWb s"eits 5^^ader( einem ^gm - S erklärten ■ Menü qetotü Mm ' Höhung Ar>. !ie kn. Aus S jMiitta ^6 ein erörtert - " f5m"na -lei