176. Zahrgang Rr. 7 Erster Blatt Samstag. 9. Januar 1926 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vruck undver cg: Brühl'sche Univerfitats Buch- und Stemdruckerei «.Lanze in Gießen. SKriftleitung und Geschäftsstelle: Zchuirtraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnnmmer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig- für Ne» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° , mehr. Chefredakteur Dr Friedr Wilh. Lange. Verantwortliche für Politik und Feuilleton Dt. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Vlumschein; für den Anzeigenteil Hans Iüstcl, sämtlich in Bietzen Erscheint täglich.außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn. auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Der Reichstag im neuen Jahre. Von Professor D. Dr. Bredt M.d.R. Der am 12. Januar wieder zusammentretende Reichstag wird vor außerordentlich schweren Aufgaben stehen. Allerdings liegen keine bestimmten Gesetzentwürfe vor, die zu großen-Kämpfen führen könnten? es ist keine Lage wie etwa 1924, als dem neugewäylten Reichstag der Dawesplan zuging. Die ganze wirtschaftliche Lage ist aber so, daß der Reichstag ununterbrochene Arbeit auch «m kleinen leisten muß, wenn er der Schwierigkeiten Herr werden will. Im Mittelpunkt der ganzen Fragen steht das Problem der Arbeitslosigkeit. Diese erfordert zunächst große Mittel für Unterstützung: es es ist aber zur Zeit noch gar nicht zu übersehen, ist aber zur Zeit noch gar nicht zu übersehen, wie diese Mittel aufgebracht werden sollen, denn die Steuerkraft ist bereits bis zum äußersten angespannt. Nur größte Sparsamkeit auf allen anderen Gebieten wird, hier eine Abhilfe schaffen können. Auch die Art der Unterstützung wird den Reichstag beschäftigen müssen. Die sozialdemokratische Forderung einer Unterstützung der Kurzarbeiter hat ihre großen Bedenken und kann leicht zu einer gewissen Bevorzugung bestimmter Industriezweige führen. Die Unterstützungen im Ruhrkampfe sind hier ein warnendes Beispiel. In allen diesen Fragen nutzt nur große Besonnenheit, insbesondere gegenüber den agitatorischen Forderungen der Kommunisten, die hier zweifellos einsetzen werden. Die Arbeitslosigkeit ist aber nicht die letzte Ursache der jetzigen wirtschaftlichen Lage, denn diese hat ihren Schlüssel viel weniger in der inneren als in der äußeren Politik. Dir deutsche Arbeitslosigkeit stammt aus der deutschen Absatzkrise, und diese wiederum stammt aus verschiedenen Ursachen. Eine von diesen liegt zweifellos darin, daß Deutschland heute zu teuer produziert infolge der übergroßen sozialen und steuerlichen Belastung der Produktion. Außerdem aber haben sich fast alle Staaten derartig durch Zollmauern abgeschlossen, daß ein Export von deutschen Waren auf immer größere Schwierigkeiten stößt. Die Welt hat es noch nicht eingesehen, daß kein Staat auf die Dauer damit bestehen kann, daß er lediglich sein eigenes augenblickliches Interesse im Auge hat, daß vielmehr ein Staat regelmäßig aus die anderen angewiesen ist. Der Kampf um die Handelsverträge ist daher jetzt brennend und hier wird der Reichstag ebenfalls eine große Aufgabe finden. Der neue Zolltarif ist noch gar nicht die eigentliche Lösung der Zollfrage, sondern er ist nur die Waffe Deutschlands im Kampfe um die Handelsverträge. Diese allerdings werden abgeschlossen von der Regierung und dem Reichstag fertig vorgelegt zur Annahme im ganzen. Immerhin aber hat der Reichstag hier noch ein entscheidendes Wort. Es war wohl nicht gerade klug, daß er eine sofortige Kündigung des Spanischen Handelsvertrages be- schloß und für die Zukunft ist eine großzügere Arbeit zu wünschen. Im übrigen gibt es auch eine Menge Dinge, welche vom Reichstage gerade nicht in Angriff' genommen werden, obwohl hier seine Aufgabe läge. Dahin gehört vor allem das R e i ch s s ch u l g e - setz, von dem jetzt schon mehrere Entwürfe und Anträge vorliegen, ohne daß es gelingt, sie auf die Tagesordnung zu bringen. Hier kann man nur hoffen, daß das neue Jahr eine andere Auffassung 1 bringen möge. Nun kommt hinzu die Frage der Regierungsbildung. Es ist vor Weihnachten nicht möglich gewesen, auf der vom Reichspräsidenten geplanten Grundlage eine neue Regierung zu schaffen. Die großen Forderungen der Sozialdemokratie haben den Gedanken der Großen Koalition zum Scheitern gebracht. Dem Reichstag steht eine Regierung gegenüber, die einstweilen nur die Geschäfte weiterführt. Mehrere Ministerien werden nur von anderen Ministern mit verwaltet. Es muß demnach zunächst versucht werden, eine neue R e- gierungskoalition zustande zu bringen und in ihrem Rahmen sämtliche Ministerien wieder zu besetzen. Ob dies aber gelingen wird, ist einstweilen sehr die Frage. Vielleicht bleibt gar kein anderer Ausweg, als die jetzige Regierung in ihrem Amte zu belassen und die unbesetzten Ministerien mit neutralen Fachministern zu besetzen. Es ist auch vielfach die Rede gewesen von einer Diktatur auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung. Es ist aber bisher nicht recht ersichtlich, warum hier der einzige Ausweg liegen soll. Eine Diktatur hat doch wohl nur dann einen Sinn, wenn die Regierung auf ihren notwendig erscheinenden Forderungen auf den unüberwindlichen Widerstand des Parlaments stößt. Man kann über vom heutigen Reichstag nicht behaupten, daß er solche Haltung angenommen habe. Die Steuer- gesstze find angenommen worden im wesentlichen nach den Vorlagen der Regierung und die Locarno-Verträge fanden eine große Mehrheit. Es ist auch noch kein Anzeichen dafür vorhanden, daß der Reichstag in seiner Mehrheit jetzt eine andere Haliun" einnehmen wird. Es liegt- also einstweilen gar kein Grund zur Diktatur vor. Es ist sogar nicht einmal ein Grund vorhanden, der eine Auflösung rechtfertigen würde, sofern nicht eine ganz neue Frage auftaucht. Das einzige, was uns in der jetzigen schwierigen Lage helfen kann, ist eine leidenschaftslose, sachliche Arbeit des Reichstages. Es handelt sich nicht um die Notlage einer einzelnen Bevölkerungsklasse oder gar einer Partei, sondern um die Notlage des ganzen deutschen Volkes und Reiches. Daß der Reichstag von diesem Gesichtsminkte aus an die Arbeiten des neuen Jahres Herangehen möge, ist der Wunsch, den wir ihm mit auf den Weg geben wollen. Hochwasser und Erdbeben. Neue Ueberfchwemmung in Holland. Amsterdam, 9. 3an. (IU.) Während das Wasser im Süden des Landes in den schwer heimgesuchten Gebieten zwischen Waas und Waal weiter fällt, kommt aus dem Norden die Kunde von neuem Unglück. Der 3 j f s e l d e i ch ist gestern morgen bei dem Dorfe Zalk in der Provinz Ooec- 3jssel durchbrochen. Das Wasser halte nach kurzer Zeit viele Gehöfte über- chmemmt. Traurige Züge von Flüchtlingen ziehen den Deich entlang, um ihr hab und Gut in Sicherheit zu bringen. Das ganze Dorf Zalk letzt unter Wasser, das sich weiter in der Richtung aus W e z e p bewegte, das auch in kurzer Zeit unter Wasser gesetzt wurde. Der Deich ist mit ollem möglichen Hausgerät und Vieh beseht. Viele Bauern waren nach dem Markt in Zwolle; sie mußten telegraphisch zurückgerufen werden. 3n- solge des Deichbruchs ist das Wasser der 3jssel mit großer Geschwindigkeit gefallen. Der Waal ist seit vorgestern wieder um 31 Zentimeter zurückgegangen. Alle Orte zwischen Maas und Waal sind wieder telephonisch zu erreichen. Obwohl das Wasser in den Strömen selbst fällt, ist die Lage in den überschwemmten, durchweg sehr tief gelegenen Gebieten außerordentlich ernst. Dort steigt das Wasser immer weiter. 3mmer wieder müssen ganze Dörfer geräumt werden, viele Häuser sind eingestürzt, viel Vieh ist in dem Wasser ertrunken. Das Role Kreuz und die militärische Hilfe haben alle Hände voll zu tun, um die Flüchtlinge und die in den überschwemmten Gehöften noch hausenden Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen. — Der Papst hat durch Vermittlung des päpstlichen Nuntius im Haag 20 000 Gulden für die vom Hochwasser geschädigte holländische Bevölkerung angewiesen, mit deren Verteilung der Erzbischof von Utrecht beauftragt wurde. Im Hochmassergebiet von Nymweqen sind in den letzten Tagen zahlreiche Diebstähle in den verlassenen Bauernhäusern ausgtllührt worden. Um weiteren derartigen Raubzügen wirksam entgegentreten zu können, wurde beschlossen, jeden Bootsverkehr in dieser Gegend von 5 Uhr abends ab zu verbieten. Gendarmerie und Polizei sind angewiesen tooröen, auf jedes Boot zu schießen, das sich nach 5 Uhr abends in das verbotene Gebiet begibt. Die Hochwasserschäden am Niederrhein. Eine Unterredung mit Landeshauptmann Dr. Horion. Düsseldorf, 8. Ian. (TU.s Der ins Hoch- wassergebiet entsandte Sonderberichterstatter der Telunion hatte heute eine Unterredung mit dem Landeshauptmann der Rheinprovinz D r. Horion, der soeben von einer Besichtigungsreise zurückgekehrt ist. Dr. Horion schilderte seine Eindrücke namentlich von den schweren Schäden, die der Landwirtschaft durch die Dammbrüche auf dem linken Rheinuser, nördlich von Düsseldorf bis zur holländischen Grenze entstanden sind. Er sagte, das ganze Elend kann man erst ermessen, wenn man mit dem Kahn in das Überflutete Gebiet vorbringt und die Hausbewohner auf ihrem einsamen Höfen in die höchsten Dachräumlichkeiten geflüchtet, antrifft. Vielfach konnte das Vieh gar nicht oder nur teilweise gerettet werden. Die W i n- t e r f a a t ist auf alle Fälle verloren, die Möglichkeit einer Sommersaat sehr zweifelhaft. Noch weiß niemand, ob die Rheinfluten große Sand mengen ange schwemmt haben. Ist daß der Fall, bann kann bestes Acker- unb Wiesenlanb^für Jahre in trostlose Oebe verwandelt sein. Die Schäden an Haus unb Hof sinb unabstzhbar. Rach der Auffassung von Dr. Horion muß man zwischen der sofort notwendigen Schade n h i I f e und neuen Schutzmaßnahmen unterscheiden. Die Rheinprovinz wird mindestens 20 Millionen brauchen, um wenigstens einen Teil der viel höheren Schäden decken zu können. Die Schätzung des Schadens und die Verteilung der Gelder wird vom Oberpräsidiam in Koblenz vorgenommen. Den Hauptanteil der Kosten wird der preußische Staat tragen müssen, der sich in dem glücklichen Besitz eines ausgeglichenen Haushaltsplanes befindet und den auch die Möglichkeit einer größeren Anleihe zur Verfügung stehe. Der Schutz vor künftigen Hochwassern sei zur unabw isbaren Pflicht geworden. 1924 habe man sich nur ungern bereit gefunden bescheidene Wittel in Höhe von etwa V2 Million für die Desesligung und Erweiterung der Schutzbauten auszugeben. Die preußische Re- gierung werde sich heute wohl entschließen müssen die gesamten, im Plan vorliegenden Bauten, alsbald in Angriff zu nehmen und dafür 35 bis 40 Millionen zur Verfügung zu stellen. Zudem wird es notwendig sein, von den im vergangenen Jahr gegebenen Dar- leben einen Teil abzu schreiben, soweit die Darlehnsempfänger — und das sei fast überall der Fall — diesmal er neut vom Hochwasser betroffen sind. Eine Hochwasser- bekämpfung durch Stauanlagen am Neckar, Main, Mosel und Sieg komme viel weniger in Frage als wirksamer Deichschuh. Hochwasserspende der Reichsbank. Berlin, 8. Ian. (WB.) In Beantwortung des Glückwunschtelegramms des Herrn Reichsprä- f i b e n t e n zum 50jährigen Bestehen der Reichsbank hatte Reichs b.ankpräsibent Dr. Schacht bem Reichspräsidenten den wärmsten Dank ausgesprochen. Gleichzeitig hat bie Reichsbank bem Reichspräsidenten zur ßinnberung ber Not ber burch bas Hochwasser Geschäbigten einen Betrag von 200 000 Mark überwiesen. Der Reichs- präsibent hat von bieser Summe zunächst ben Betrag von 50 000 Mark für bi durch bas Hochwasser Geschäbigten im Harzgebiet bestimmt unb bem preußischen Ministerium zur Verfügung überwiesen. Den Betrag von 150 000 Mark bestimmte er für bie burch bas Hochwasser Geschäbigten bes Rheins unter Uebermeifung an bas Reichsmini- fterium für bie besetzten Gebiete zur Verteilung an bie am meisten betroffenen Gebiete. Das Hochwasser in Paris. Paris, 6. Jan. (WB.) Wie halbamtlich berichtet wird, erwartet man, trotzdem heute keine weiteren Regengüsse zu verzeichnen sind, ein weiteres Steigen der Seine. Um allen Eventualitäten vorzubeugen, ist deshalb polizeilich bestimmt worden, daß aus gewissen Brücken der Seine der Wagenverkehr nur nach einer Richtung durchgeführt werden darf. Wenn Me Seine noch um weitere 50 Zentimeter steigen sollte, mühte der Verkehr der Ringbahn in den innenstädtischen Bahnhöfen, die längs der Seine liegen, eingestellt werden. Don der Aisne, Oise und Marne wird ein Sinken des Wasserstandes gemeldet. Ueberschwemmungskatastrophe in Mexiko. 3n der letzten Woche sind infolge des anhaltenden Regens im Staate Rayarit an der Westküste Mexikos große Tteberschwemmungen aufgeircten, welche Hunderte von Familien obdachlos gemacht haben. Menschenleben sind nicht zu beklagen, dagegen wurde wertvolles Ackerland überschwemmt und die Ernte zum großen Teil vernichtet. Erdbeben in Krain. Wien, 8. Jan. (WB.) Wie der „Neuen Freien Presse" aus Adclsberg-Krain gemeldet wirb, wiederholen sich in ber bärtigen Gegenb seit bem 1.Januar täglich mehr ober minder starke Erderschütterungen, von denen man bis jetzt etwa 50 gezählt hat. Einige Häuser sind beschädigt worden. Verletzt wurde bis jetzt niemand, doch ziehen es die meisten Bewohner vor, im Freien zu übernachten. In der berühmten A d e I s b e r g c r Grotte ist ein Tropfstein von einem Meter Durchmesser zu Boden gefallen. Neues Erdbeben in Italien. Siena, 8. San. (WTD.) Heute vormittag 10,15 ilfjr wurde ein starkes Erdbeben beobachtet, das besonders die Gegend des Monte A n i_a t a und vor allem den Flecken Abbadia San Salvatore betroffen hat. Hier wurden etwa 100 Häuser beschädigt und drei Personen verletzt. Die Bevölkerung hat ihre Wohnung, n verlassen und lvird auch die Rächt im Freien zubringen. D'.e Erdstöße haben sich im Laufe des Tages wiederholt, sind aber nicht mehr gleich stark. Schwrre Erdbeben in Nordpersien. P a r i s, 8. Jan. (TU.) Rach einer Meldung aus Teheran ist die gesamte Bevölkerung von zwei Dörfern der Provinz Khorassan mit Ausnahme von elf Personen durch Erdbeben, die sich in der letzten Zeit mehrfach wiederholten, getötet worden. Hunderte von Personen in den umliegenden Bezirken sind obdachlos. Die Erdbeben halten noch weiter an. Sozialisten und Negierung in Frankreich. Paris, 9.3an. (W. T. B. Funkspruch) Gestern abend hat der sozialiftifche Bezirksverband des S eine -Departements über die Haltung seiner Delegierten auf den am 10. Fan. beginnenden außerordentlichen Partei-Kongreß Beschluß gefaßt. Der DeziiÄParteitag nahm zunächst eine Tagesordnung an, wonach die sozialistische Parlamentsfraktion die Parteidisziplin wahren, also geschlossen ab st im men soll. Dann wurde eine Tagesordnung mit 2073 Stimmen angenommen, die sich gegen eine Beteiligung an der Regierung auLsprrcht, aber feinen Einspruch dagegen erhebt, dap die sozialistische Partei — wenn auch mit partei- fremden Elementen — bie Regier u n g übernimm t, wenn diese Elemente das sozialistische Programm durchführen und eine entscheidende Aktion zugunsten der Demolratie und des fokalen Gedankens durchführen wollen. Der Dezirksver- band der Sozialisten des Seine-Departements wird auf dem außerordentlichen Kongreß am 10. Januar durch 7 Delegierte, die gegen eine Beteiligung und 5 Delegierte, die für eine Beteiligung an der Regierung sind, vertreten sein. Das Ringen um den Dislicher Deich. Don Heinrich Gesell. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) As bi Bislich brcck den Dick, bann grauen die Äinner in Harberwijk. 3n der alten niederdeutschen Sprache bedeutet das nach Berechnung und ^Wissen der Deichgrafen einen Bruch des Haupldeiches zwischen der „festen Stadt Wesel" und der Stadt Rees, was bei Bislich oder Reeren die Wiederherstellung des prähistorischen Urstromtales des Rheins zur Folge haben würde, so daß die Hochfluten des aufbrausenden Rheines statt nordwestlich zur Rordsee nördlich zum Zuidersee nach Harderwijk durchbrechen und das ganze blühende, durch den Deich geschützte Land dazwischen Niederreißen und einer Schlammwüste gleichmachen würden. Das würde bedeuten, daß das deutsche Land zwischen Bocholt und Emmerich, von Holland der östliche Teil der Provinz Utrecht und der westliche Teil von Gelderland von der Karte ber menschlichen Kultur ausgelöscht werden müßten. Um diesen Deich von Bislich ging, wie wohl seit Jahrzehnten nicht mehr, diesmal um die Jahreswende 1925.26 der Kampf der Deichgenossen und aller Männer, die ihnen in ihrer Rot zu Hilfe geeilt waren. Wohl meldete der hervorragend organisierte Hochwassermeldedienst am Silvestertage vom Mittelrhein saft Stillstand des Hochwassers und ließ so leise Hoffnungen aufkommen, größtes Unheil konnte noch vorübergehen. Aber das Schicksal wollte eS anders. Das gleichzeitige Hochwasser der Wupper mit ihren Nebenflüssen aus dem Sauerland, der Ruhr und der Lippe liehen das Wasser am Niederrhein weiter steigen, steigend über die höchste Gefahrenquote von acht Meterir am Weseler Pegel hinaus, auf die alle Sicherungsbauten und 'Ingenieurberechnungen seit Jahrzehnten eingestellt werden. Man soll _ die Wirkung der 32 an, die daS Hochwasser über acht Meter erreichte, nicht nach der kleinen Zahl gering schätzen. Jeder Zentimeter in der Höhe bedeutet im Flachland des Niederrheins Verbreiterung des Rheinbettes manchmal um Kilometer und Erhöhung des Wasserdruckes auf das Grund wasser und damit Gefährdung des Hinterlandes trotz des Deiches, weil das Wasser im lockeren Kies des Untergrundes auf die Rückseite der Deiche ins Tiefland hinter den Deichen sickert. Kommt zu dieser nicht vorhergesehenen Ueberhöhung noch schwerer Sturm hinzu, wie ihn das Rheinland in den letzten acht Tagen erlebt hat, so kann eine einseitige Ueberhöhung der Fluten hinzutreten und den Druck auf Deiche und rasch aufgeworfene Schuhmauern unb Dämme noch erhöhen. So haben zum Beispiel die Wassermassen im Außenhafen von Duisburg durch ihren hohen Wellenschlag schweren Schaden angerichtet, unb nur die Einsetzung von sieben Großpumpen an Stelle der eigentlich bereitstehenden drei Pumpen hat den tiefliegenden Duisburger Innenhafen und damit die ganze Duisburger Altstadt vor den Fluten bewahrt. Trotzdem sind fast alle Keller voll Wasser, fast alle Zentralheizungen zerstört, viels Gas- und Stromleitungen und Kanalisationsröhren außer Betrieb gesetzt. In Wesel hat das Hochwasser der Lippe den Süden der Stadt weit überschwemmt. Im Hafenviertel zwischen der Reuen Straße und Alten Eifenbahnbrücke wußten die Leute sogar aus den ersten ins zweite Stockwerk flüchten. Fast machtlos steht hier die Ohnmacht des Menschen der Gewalt unb dem Durchdringen des Wassers gegenüber. Roch jetzt, wo das Wasser schon um mehr als einen Meter gesunken ist, muß der Kraftwagen viele Male umkehren, weil städtische Straßen unmittelbar in den überfluteten» Rhein münden. Fast alle Laubengärten der Stadt besonders an den historischen Schillwiesen sind überflutet: zahlloses Vieh und Kleintiere find ertrunken oder verhungert, weil niemand zu ihnen gelangen konnte. Kampf gegen die Allgewalt der Ratur erscheint hier in den Städten fast aussichtslos, soweit nicht von langher Abwehrmaßnahmen geplant sind, und die haben eben durch die Tleberhöhung der Flut um einen drittel Mewr alle lückenlos versagt. Anders am D e i ch! Hier haben ein paar hundert Männer in ununterbroch ner Anstrengung in drei Tagen das Schicksal im Racken gepackt und es bezwungen.. In der Reujahrsnacht gell'en Sturmglocken und Nebelhörner in ganzen Riederrheingebiet von Wesel bis Emmerich, weil der Damm bei Ree renn an seiner ge- fährdetsten Stelle auf der Landseite bedenkliche Rutschungen zeigte. Schnn vorher hatte der Deichgraf mit seinen drei Heimräten auf Grund i’*e3 von Friedrich dem Großen stammenden Gesetzes vom Jahre 1767 die Deichschau, das heißt die Deichgenossen, aufgeboten und alle Beerbten, d. h. Genossenschafter, zur Hilfe herangezogen. Der gefährdete Deich von V.slich-Re.rnin hat die volle Stromwucht des Rheins in seiner höch^ sten Flut (man schätzt die Wassermassen hier auf etwa 10 000 Kubikmeter in der Sekunde) auszunehmen. weil h>r der Rhein aus seiner bis dahin nördlichen Richtung nach Westen um- schwenkt. Schon mehrfach hat hier der Rhein versucht, sich wieder wie in der Vorzeit einen Weg nach Norden zu bahnen; immer haben ihn die Deichbauern abgewiesen. Diesmal war es besonders gefährlich. Aus der Innenseite des angegriffenen I eine 120, das 180, Deutschland hinein erstreckende Ausläufer der Rordmeer-Depression hat sich zwar aufgefüllt, jedoch entwickelt diese an der Westküste Englands einen neuen Tiefdruckausläufer. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 6, Minimum 2,9 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 3,4 Grad Celsius. Vie Budapester MschmmZer. Budapest. 8. Jan. Die Polizei hat auch den römisch-katholischen Feldb.schof Stephan Za- d r a v e c z einem Verhör unterzogen, in dem er zugab, daß er tatsächlich von dem Ziel Kenntnis erhalten habe, mit welchem die Beschuldigten sich verteidigen, daß er aber seine weitere Mitwirkung abgelehnt habe, als er erfahren hatte, mu welchen Mitteln man dieses Ziel erreichen wolle. Ferner wurde heute der Abg. Julius Gömbös als Zeuge vernommen, weil einer der Beschuldigten sich auf ihn berief. Gömbös erklärte, dah er von der Frankensäl-- schungsasfäre feinerlei Kenntnis habe. Außerdem hat die Polizei im Lause des Tages einen aktiven und einen pensionierten Angestellten des Kartographischen Instituts in Gewahrsam genommen. Gegen die anderen sechs bereits verhafteten Angestellten deL Kartographischen Instituts ist unter vorläufiger Entbehrung vom Amt das Disziplinarverfahren eingeteitet worden. Von der Gendarmerie wurde in dem Schloß des Prinzen Windischgraetz in Sarospatak eine Haussuchung vorgenommen und das,Personal eingehend vernommen. DaS Abendblatt „Efti Kurier" bringt eine Llnterredung mit dem hier weilenden Direktor der Banque de France, Emerh, der äußerte, daß die genannte Summe von! 20 Millionen falschen Tausendfrankenscheinen der Wahrheit nicht entspreche. Diese Summe sei zu hoch, wenn auch keine Zweifel darüber vorhanden seien, daß bedeutende Summen m Umlauf seien. Ganz Europa sei von alschen Banknoten voll, und ständig träfen aus verschiedenen Ländern, namentlich aus Italien, Deutschland und Frankreich, Nachrichten ein, daß neue falsche Tausendsrankenscheine zum Vorschein gekommen sind. Die Haupteinlöseftelle der Fran- ienfälscher scheine sich in Poris oder in der unmittelbaren Umgebung zu befinden. Weitere Ver- Suppenhühner 120, Gänse 100 bis 110: Stück: Eier 19 bis 20, Blumenkohl 80 bis Lauch 5 bis 15, Sellerie 20 bis 70 Pfennig. Bornotizen. Tageskalender für Samstag. Haftungen seien selbstverständlich noch zu erwarten. Es seien aber bereits außerordentlich viel überraschende Dinge zutage getreten. Zu viele hervorragende Persönlichkeiten seien kompromittiert worden, so dah selbst weitere Verhaftungen nicht mehr überraschen würden. Ieden- alls dürfe man trotz alledem mit weiteren Sensationen für die nächste Zukunft rechnen. Bis zur vollen Aufklärung dieser Kriminalaffäre bzw. bis zu dem Zeitpunkt, da sämtliche Teilnehmer an dieser Angelegenheit dem Gericht überliefert worden seien, werde wohl noch links.) • Aba. Koch-Weser (Dem.): Mit den Gepflogenheiten des Reichstages ist es nicht verträglich, dah an der Entscheidung des Rechts» ausfchusses ein Abgeordneter mitwirkt, der gleichzeitig als Rechtsanwalt für eine Partei wirkt. >ie an dem Beschluß des Ausschusses materiell tark interessiert ist. Mög. Schulte (Z.): Die Zentrumsfraktion würde ein Mitglied der Fraktion, das Parteivertreter eines der Fürslenväuser wäre, nicht in den Rechtsausschuß delegieren. Abg. Landsberg (S.): Ich kann mich für meine Fraktion der Erklärung des Zentrums Vertreters nur anfchliehen. Vorsitzender Abg. Dr. Kahl (Dt. Vp.): Ich war niemals Vertreter einer Prvzeßpartei in einer Vermögensauseinandersetzungsfrage. Wohl aber habe ich zweimal auf Ersuchen einer Partei die Rolle eines Schiedsrichters bekleidet und betleide sie in einem weiteren Falle heute noch. Der Ausschuß muh entscheiden, ob er auch das mit der Stellung eines Ausschußvvrfihenden für unvereinbar hält. In diesem Fälle würde ich sofort ausscheiden. Abg. Dr. Rosenfeld (6.) Selbstverständlich bestehen gar keine Bedenken gegen die weitere Mitwirkung des Ausschuhvorsihenden. Es ist doch ein grober Unterschied, ob man sich als unabhängiger Schiedsrichter mit einer Sache befaßt, oder als Anwalt eine bestimmte Partei vertritt. Abg. Koch-Weser (Dem.) Ich bin durchaus der Meinung, daß die schiedsrichterliche Tätigkeit des Ausschußvorsihenden seine Objektivität in keiner Weise beeinträgtigt. Der Fall Everling liegt natürlich anders. Es muß der unabhängigen Stellung etneß Abgeordneten Abbruch tun, wenn er als Prozeß Vertreter an einer solchen Entscheidung persönlich interessiert ist. Abg. Reubauer (Korn.) Wir würden beantragen: Der Ausschuß mißbilligt die Teilnahme derjenigen Mitglieder, die als Rechtsbeistand die Interessen irgendwelcher Fürstenhäuser vertreten. Vorsitzende Abg. Dr. Kahl (Dt. Vpt.) rät davon ab, jetzt Beschlüsse in dieser Frage zu fassen. Er betrachte die Geschäftsordnungsdebatte jetzt als geschlossen. Der Ausschuh könne die weitere Entwicklung in dieser Sache abwarten. Besprechungen beim Reichspräsidenten. Berlin, 8. Dan. Nachdem der Herr Reichspräsident heute nachmittag die polittsche Lage und die Frage der Regierungsbildung mit dem Reichskanzler Dr. Luther besprochen hatte, empfing er im Laufe des Nachmittags zu Besprechungen über den gleichen Gegenstand die Reichsminister Dr. Brauns, Dr. Gehler, Dr. Strefe- mann und Dr. St in gl. wie mehrere Blätter melden, ist nach den Besprechungen eine weitere Unterredung mit Dr. Luther für morgen vormittag in Aussicht genommen. Die Blätter hatten es für zweifelhaft, ob im Anschluß daran eine Entscheidung getroffen werde. Laut „Täglicher Rundschau" spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, dah die Fraktionsslhungen abgewartet werden, ehe seitens des Reichspräsidenten weitere Schritte erfolgen. ____ Die Räumung Kölns. Köln, 8. Ian. (TU.) Der englische Oberkommandierende wird schon in den nächsten Tagen Köln verlassen und nach Wiesbaden übersiedeln. Das britische Hauptquartier folgt ihm am 18. und 19. Januar und wird am 20. Januar in Wiesbaden seinen Dienst aufnehmen. Der Abzug der Engländer aus Köln und der nördlichen Rheinlandzone geht weiter in kleinen Trupps vor sich. Gestern ist auch das Bureau des General-Zahlmeisters zum Teil nach Wiesbaden verlegt worden. In Köln ist von diesem Dienstzweig nur eine Abteilung zurückgeblieben, urn die noch hier verbleibenden Truppen bis zu ihrem Abzug zu versorgen. Der Abzug ist bisher im großen und ganzen p-rogrammähig verlaufen. Die Engländer haben sich bemüht, die festgesetzten Räumungsdaten inne zu halten. Ob jedoch der Abzug bis zum Monatsschluß beendet sein wird, ist keineswegs sicher. Auch von englischer Seite wird zugegeben, dah man sich in dieser Beziehung nicht mit Sicherheit festlegen könne. Die Räumungsdaten waren von den Engländern von vornherein davon abhängig gemacht worden, dah die neuen Quartiere rechtzeitig zur Verfügung stehen würden. Run haben sich in Bingen und auch in Wiesbaden in dieser Beziehung Schwierigkeiten ergeben, die vielleicht eine kurze Verzögerung im Gefolge haben werden. Jedenfalls rechnet man in Köln damit, daß die B e f re i u ng sf e i e r, die in Gegenwart des Reichspräsidenten in der ersten Februarhälfte vor sich gehen sollte, erst gegen Ende des Monats stattfinden kann. Aushebung des deulsch- schweizerischen Pahviums. Basel, 8. Jan. (TU.) Nach einer Meldung der Basler Bläter sind die Verhandlungen zwischen Deutschland und der Schweiz über die Aushebung des beiderseitigen Paßvisums zu einem Abschluß gelangt. Bei den Verhandlungen ist der schweizerische Standpunkt durchgedrungen, wonach für Stellensuchende nach wie vor der Visum- zwang bestehen bleibt. Die Aufhebung soll am 20. Januar in Kraft treten. Radfahrer-Gesellschaft „Die Wanderer": 8 Uhr „Liebigshöhe" Feier des 30. Stiftungsfestes und Iugendbannerweihe. — Männer-Gesangverein „Liedertafel": 8 Uhr Kathol. Dereinshaus Weihnachtsfeier. — Ruderklub Hassia: 81/* Uhr Bootshaus Mitglieder-Versammlung. — Spiel-Dercini-- gung 1904 : 8 Uhr „Darmstädter HauS" Monatsversammlung. — A-V. 1870/1920: 8*A Uhr „Aquarium" Hauptversammlung. — ErsteReichs- kurzschriftgesellschaft „®abeteberger“: 8 Uhr „Stadt Lich" Generalversammlung. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Die Stimme des Herzens". — Astoria-Lichtspiele: „Ziganv". Deiches befindet sich wie an anderen Stellen ein grober. wuS früheren Unterwaschung en entstandener See, von den Dauern „W o y e n“ genannt Er ist zwischen dem Dorfe Mehr aui der Innenseite deS Deiches und dem Gehöft vom Lohrwart im Wiesenvorland bis zu elf Meter tief, und fein normaler QDaffer- spiegel liegt 61/3 Meter unter der fünf biS sechs Meter breiten Deichkrone. Denkt man sich den Deichabhang in ben „Woyen" fortgesetzt, so hat man eine schiefe Ebene in Höhe von 1Z1/S biS 18 Meter, und diese enorme Deichhöhe soll den Druck des bis zur Krone empor sich wälzenden Rheinstromes mit seiner ungeheuren lebendigen Kraft aushalten! Zuerst zeigte sich auf einer Deichlange von etwa 70 Metern eine Abrutschung ziemlich am Fuße der Höhe des Woyenwasserspiegels. Roch ehe die alarmierten Hilfskräfte auf Wagen und .Karren mit schon bereitgestellten Erbmassen an- kamen, hatten sich viele weitere Risse im Deich gebildet, und mit Händen und Schaufeln wurde nun alles versucht, die entstandenen Risse zu- zustopfen und zuzuschütten. Wie eine Sisyphusarbeit wirkte diele Anstrengung in der Reu- jahrsnacht. Als der Morgen graute, hatte sich die Zahl der Risse fast verdoppelt. Man konnte i>;c Verbreiterung der Risse beinahe mit bloßem Auge von Minute zu Minute verfolgen. Schon in der Rächt hatte der anwesende Landrat des Kreises Rees, Dr. Schneemann, in Erkenntnis der ungeheuren Gefahr den Oberinspektor in Düsseldorf benachrichtigt, und dieser hatte geschulte Kräfte zur Leitung der Deichhut entsandt. Aber es zeigte sich, daß sozusagen der ganze Deich in Bewegung geraten war. so bafr mit kleinen Mitteln nicht mehr geholfen werden könnte. Zudem hatten die ungezählten Wagen und Karren die Deichkrone beschädigt. Das steigende Wasser spritzte schon in Gischt und Sturzwellen über den Deich. Mit letzter Kraft wurden nun Tausende von Sandsäcken aus Wesel geholt und von alt und jung mit Sand und Erde gefüllt Wie in ein Nichts versanken auch sie in dem ebenfalls steigenden „Woyen" auf der Rückseite. Run konnten nur noch Faschinen, zwischen feste Pfähle geflochten, Hilfe bringen. Was an festem Holz zu beschaffen war, wurde geholt Umsonst! Zwei biS drei Meter lange Pfähle ließen sich nach mühsamer Rammarbeit bequem mit einer Hand aus dem Schlamm wieder herausziehen. So entschloß man sich, mehrere Hundert auf einer nahen Bahnstation zufällig bereittiegende Telegraphen st ang en kurzerhand zu requirieren, und sie wurden in viele Stunden währender mühsamster Arbeit zwei bis drei Meier vom inneren Seerand entfernt in den Boden gerammt und zwar von eigens zu diesem Zweck erst mühsam gezimmerten, ständig vom Wasser überfluteten Flößen aus. Ein Maschinenrammbär war nicht mehr herbeizuschaffen, und so mußte der zwei Zentner schwere Rammbär jeweils von fünf kräftigen Männern gehoben und auf das Pfählende fallen gelassen werden. Die Deichgenossen konnten all diese Arbeiten nicht mehr allein ausführen. Dr. Schneemann beorderte deshalb Weseler Schupo und als auch diese nicht reichte, die gesamte Technische Rvthilfe der Gegend für diese Deichrettung. Zwischen die Pfähle wurden Faschinen geflochten und auf diese nunmehr die schweren Sandsäcke gelegt. Und siehe da: der Deich war gerettet, als das Wasser endlich am vierten Sage langsam zu sinken begann. Hoch tönt das Lied vom braven Mann. lieft innerft aber zittert bei allen Deichgenossen und den vielen Mithelfern die Angst noch nach, alles hätte vergebens sein können oder könnte bei nochmals kommendem Hochwasser vergeblich gewesen sein, weil Me Allgewalt der Natur an dem von der Wassew ühaft berechneten Rheinhöchststand nicht halt macht, sondern darüber hinaus gegangen war. Vielleicht, so hoffen die Deichgenossen, sinden sich Menschenfreunde in Holland, die für die Rettung einer aanzen niederländischen Provinz die ungeheure Mühe dieses Deichschutzes wenigstens materiell zum Teil belohnen! Dis Fürstenabfindung. Aus dem RechtSausschntz des Reichstages. Berlin. 8. Ian. Der Rechtsausschuß des Reichstages setzte heute die Beratung über ver- möge.rsrechtliche Auseinandersetzung mit den früher regierenden Fürstenhäusern fort Der preußische FinanzministerHoepker-Aschosf führt aus, daß damals, als Preußen den Vergleich schloß, von der preußischen Staatsregierung angenommen werden mußte, dah mit einer reichs- gesehlichen Regelung nicht mehr zu rechnen sei, insbesondere nach der Ablehnung des entsprechenden sozialdemokratischen Antrages im Plenum Andererseits konnte Preußen die Auseinandersetzung den Gerichten nicht mehr überlassen, ohne daß der preußische Staat großen Schaden erlitten hätte. Runmehr sei Preußen verpflichtet, den Vergleich auch durchzuführen. Das fei beschlossen worden vorbehaltlich der Zustimmung des Staatsrates und des Landtages. Preußen Rabe ihn nicht freudigen Herzens angenommen und wenn jeht das Reich eine ver- mögensrechtliche Auseinandersetzung auf reichs- gesetzlichem Wege anftrebe, so würde selbstverständlich Preußen davon Gebrauch machen. Die preußische Staatsregierung würde in diesem Falle den Vergleich dem Landtage und dem Staatsrat vorlegen, aber nicht seine Genehmigung empfehlen. sondern Vorschlägen, von der Ermächtigung des Reiches Gebrauch z u Heine Zeit vergehen. Aus aller Welt. Gefährdung der Wartburg. Im Erdgeschoß des Palas der Wartburg ist der Schwamm im Holzwerk festgestellt worden. Der Fußboden des Speisesaals ist vollkommen von der Fäulnis angegangen. Damit die hölzerne BaUenlage nicht in den Keller stürzt, hat man jetzt den ganzen Fußboden herausge- nommen. Alle Kun st schätze, namentlich die geschnitzten Schränke und Truhen, sind in Sicherheit gebracht worden. Besonders chlimm hat die Feuchtigkeit den weltberühmten Wandgemälden von Moritz von Schwind mitgespielt. Ein Teil der Wandgemälde wurde vom Schimmel gereinigt. Die am meisten beschädigten Bilder, so die Szenen aus dem Leben der Heiligen Elisabeth, tourben noch nicht wieder hergestellt. Brandstiftung in einer Kirche. Während des Hochwassers war im Turme der katholischen Kirche in Rinteln Feuer aus- gebrochen, das jedoch noch rechtzeitig gelöscht werden konnte. Wie sich jetzt herausgestellt hat, ist der Brand auf die Tat eines mit genauer lleberlegung vorgegangenen Brand- ft i f t e r 8 zurüc^uführen. Außer im Glockenstuhl fand man auch noch eine zweite Brandstelle in einem anderen Stockwerk, wo der Verbrecher 14 große Altarkerzen zusammengetragen und an- gezündet hatte. Außerdem fand man eine zerschlagene Flasche, die Petroleum enthalten hatte. Das Motiv zur Tat ist noch völlig dunkel. Man glaubt, daß der Verbrecher aus der grauenhaften Absicht heraus gehandelt hat, neben den Aufregungen der gewaltigen Hochwasserkatastrophe auch noch das Schauspiel einer brennenden Kirche genießen zu können. Aushebung eines Splrlllsten-filubs. Breslau, *>. Jan. (WTB.-Funkspruch.) Die Breslauer Kriminalpolizei hat einen Spiritisten-Klub ausgehoben, der unter dem Namen „Klub der Kommenden" in der Wohnung der Witwe eines Breslauer Majors seine Sitzungen abhielt. Die spiritistischen Sitzungen sind zu Betrügereien großen Stiles benutzt worden. Aus Anrufen der Geister, die durch den Mund eines Mediums sprachen, opferten die Mitglieder erhebliche Geldbeträge. Die Striminalpolijei ist durch einen Breslauer Kaufmann verständigt worden, der bereits über 500 Mk. geopfert hatte. Eine Anzahl von Mitgliedern ist bereits vernommen worden. Der Führer, ein Student, ist geständig. Raubmord. Plauen i. V., 9. Jan. (WTB.-Funkspruch.) Gestern abend 7 Uhr wurde der Bankoorsteher H al- l e r in Gefall im Kassenraum der Filiale der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank mit durchschnittener Kehle ermordet aufgefunden. Wie der „Vogtländische Anzeiger" meldet, wurden etwa 2060 Mk. in verschiedenen Geldscheinen geraubt. Der Tat dringend verdächtig ist der berufslose H. Friedrich, geb. 1895 in Tanna, der flüchtig ist. Wett^vorausiagc. RachtS etwas kälter, sonst milde, nach Aufklärung wieder trübe und Regenneigung. Obwohl Aufklärung und geringer Temperaturfall eingetreten find, steht eine grundlegende Aenderung des Witterungscharakters noch nicht in Aussicht. Der gestern über Jütland sich nach m a ch e n. Abg. Dr. Everling (Dtschn.) macht darau aufmerksam, daß das allgemeine Landrecht auch durch eine Kabinettsorder in Kraft gesetzt und bindendes Recht geworden fei, und dah gerade dieser Erlaß zum ersten Wale die Einschränkung des Privateigentums des Fürstenhauses gebracht habe. Der Verzicht auf das Privateigentum sei also durch einen ebensolchen Akt durch die regierenden Hohenzollern ausgesprochen worden. Hier müsse gleiches Recht für alle gelten. Auf Fragen verschiedener Abgeordneter erklärte Finanzminister Höpker-Aschoff, nach dem Vergleich fei der Wert der dem Staate zufallenden Vermögensstücke auf 686 Millionen, der Wert der dem Hohenzollernhause zufallenden auf 184 Millionen zu schätzen. Die preußische Regierung würde den jetzigen Vergleich nicht abgeschlossen haben, wenn sie freie Hand gehabt hätte. Sie war aber nach Lage der Verhältnisse dazu gezwungen. Abg. Koch-Weser (Dem.) weist darauf hin, dah unter denen im Vergleich als dem Staate zugefallen aufgeführten Schlössern sich Schlösser im Werte von 350 Millionen befinden, die un- treitig immer Staatseigentum waren. Der thüringische Finanzminister Dr. von Klüchyner setzte seinen gestrigen Bericht über die Auseinandersetzung mit den thüringischen Fürstenhäusern fort. Mit dem ehemaligen Herzog von Sachsen-Altenburg hatte 1919 die Auseinander) ehung das Ergebnis, dah der Herzog eine einmalige Abfindung von 5,2 Millionen erhielt, wofür dem Staate der gesamt» Domänenbesitz im Werte von 4,8 Millionen zugestellt wird. Mit Ausnahme einiger Grundstücke und des Schlosses „'Fröhliche Wiederkunft" (Heiterkeit). Der Herzog habe seinerzeit den Ausein- andersehungsvertrag a ng en dmmen, socht aber diesen am 15. 3amurr 1925 mit Klagen an.. Der Prozeß sei noch im Gange. Aus eine Frage des Abg. R o s en f e l d (S.), womit der Herzog von Altenubrg die Anfechtung begründe, crHärte Finanzminister v. Klüchhner: Darauf wird am besten der Abg. Everling Auskunft geben können, derjaVertreterdes herzvgli chen Hauses ist. Abg. Dr. Rosenfeld (S.) erklärte, daß unmöglich ein Mitglied des Reichstages hier im Rechtsausschuß sitzen könne, nicht als Vertreter des Volkes, das ihn hierher geschickt habe, sondern als Vertreter einer P r o z e ß p a r t e i, mit der sich der Reichstag auseinandersehen wolle. Der Redner bezeichnet dies als ein unerhörtes Verfahren. Der Vorsitzende wies diesen Ausdruck zurück. Abg. Ever ling (Sn.): Auch ich bin der Meinung, man ist Rechtsanwalt oder Rechts» ausschußmitglied. SS ist richttg, dah ich für das preußische Königshaus als Rechtsanwalt gewirft habe. Meine Broschüren in dieser Frage habe ich auf meine eigenen Kosten verbreitet. Ich fühle mich hier lediglich als Vertreter meiner Recksts- ausfassung, die allerdings solchen Anträgen, die aus eine Beraubung der Fürstenhäuser hinauslaufen, diametral entgegengesetzt ist. (Unruhe Aus -er Provinzialhauptsta-t. Gießen, den 9. Januar 1926. IttvenLur-Ausverkäufe. Die Feiertage, die diesmal besonders* zahlreich toaren, sind verrauscht, das frohe „Prosit Reujahr!" hört man selbst als nachträglichen Glückwunsch zum Jahreswechsel nicht mehr. Der nüchterne Werktag, die Sorge um das Vorwärts- kommen in dieser harten Zeit hat die Menschen wieder im (Bann; die Zeugen der Weihnachtszeit sind von der Bildfläche verschwunden, der Christbaumschmuck wurde wieder eingepackt, den Baum selbst versetzte die Hausfrau vielleicht in die Waschlüche, wo er dann unter dem grohen Kessel als guter Brennstoff sein trauriges Endesindet. Jedoch für den Geschäftsmann find die Zeugen der Weihnachtszeit noch nicht dahin — er sieht sie vielfach täglich mit immer sorgenvollerem Blick an: die übriggebliebenen Waren. Allzu üppig hatten sich unsere Geschäftsleute in dieser Zeit mit dem kurzen-knappen Geld ohnehin schon nicht eingedeckt, und dennoch behielten sie infolge des außerordentlich schlechten Weihnachtsgeschäftes beträchtliche Mengen ihres Lagers zurück. Wirllich, auch für manchen Kaufmann war dieses Weihnachtsfest kein frohes Fest! Run sind die Inventur-Ausverkäufe im Gange. Der Kaufmann braucht Geld, denn der Lieferant drückt, das Finanzamt liebt straffe Zügel, und auch sonst gibts noch allerlei, das immer wieder mahnt: Geld. Geld und nochmals Geld herbei! Da werden dann alle Warenbestände herangeholt, die Schaufenster bekommen ein anderes Bild und die Preise schlagen ab, denn es ist ja schon besser, die Vorräte zu verringerten Preisen an den Mann, nein, meistens an die Damen zu bringen, als auf all den Sachen schließlich — sitzen zu bleiben. Die Reklame in vielgestaltiger Art seht ein — und dann wartet der Geschäftsmann wiederum voll zager Hoffnung auf den Erfolg. Aber auch ein großer Teil des Publikums wartet auf den jetzigen Zeitpunkt, denn auch bei ihm sind die Moneten vielfach so knapp wie eine Brot- oder Fleischratron in den letzten Kriegsjahren. Wer „ jetzt am Rachmittag und gegen Abend über den Seltersweg geht, oder am Marktplatz, in der vorderen Schul- und in der Marktstraßs beobachtet und die Bahnhofstraße gleichfalls ein wenig aufmetffam durchwandert, der sieht da die Käufer von Schaufenster zu Schaufenster schlendern, älnd wer sich dann daneben stellt und dabei seine Ohrwascheln ein bissel spitzt, der kann oft hören, wie die Preise besprochen und verglichen werden mit der Kriegskasse im Handtäschchen oder im Geldabteil der Brieftasche des Hausherrn. Auch die Aufmachung der Schaufenster findet ihre Kritiker, am meisten _ aber hört man doch unerfüllte Weihnachtswünsche wieder laut werden, von denen nun das „liebe Männchen", der „goldige Papa", der „netto Onkel", oder aber dte „beste, süße Mutti", natürlich noch weit mehr der „liebste Schatzi" (in diesem Falle ist er meist noch glücklicher (Bräutigam) so viel wie nur irgend erschwinglich erfüllen sollet. Manchmal finden diese Wünsche ein geneigtes Ohr und auch eine noch etwas leistungskräftige Geldbörse. Darrn gehts hurtig in den Laden, der Kaufmann gibt sich Mühe, seine Besucher zufrieden zu stellen, und nach einiger Zeit, wenn man die bei den „Preußen" zur Genüge gelernte „Kunst des Wartens" wieder mal angewandt hat, kann man Menschenkinder mit frohem Gesicht aus dem Geschäft herauskommen sehen. Gestern hatte ich diese Mitfreude des Beobachters mehrmals, bann holte ich meine Frau am verabredeter, Platze ab. und aus ihrem Munde hörte ich nun mitten im Seltersweg in der Rachbarschaft all der billigen Invenlur-Ausverkäufe vom neuesten Besuch des Gasmannes. der wieder eine höhere Rechnung präsentierte, von notwendiger Steuerzahlung ufto., und schließlich rückte auch mein Bub mit einem Bericht über „schöne" Zensuren bei unvorbereiteten und vorbereiteten Arbeiten in der Schule heraus. Da unterdrückte ich meine Geneigtheit, jetzt auch etwas zu kaufen, für diesen Rach mittag ; ich hatte genug ..... Aber noch sind ja die Tage der Inventur- Ausverkäufe! Hoffentlich bringen sie den Geschäftsleuten möglichst vollkommene Erfüllung ihrer Hoffnungen, in der großen Konsumentenschar noch viele frohe Gesichter und mir selbst auch wieder die Möglichkeit, erneut die „Spendierhosen" anzuziehen. D. Ausdehnung der Errverbslosen- sürsorge in Hessen. Die Höchstdauer der Erwerbslosenunterstühung . für das gesamte Gebiet des Volksstaats Hessen, ist mit sofortiger Wirksamkeit auf 39 Wochen ausgedehnt worden, da die Zahl der unterstützten Erwerbslosen seit über zwei Wochen 1 Prozent der Einwohnerschaft übersteigt. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmartt das Pfund: Butter 120 bis 160 Pfennig, Matte 35 bis 40, Käse 60 bis 70, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 20, Rotkraut 25, gelbe Rüben 15, rote Rüben 15, Spinat 45 bis 50, Alntcr- foblrabi 10 bis 12, Grünkohl 25. Rosenkohl 50, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 80, Zwiebeln 15, Meerrettich 30 bis 80, Schwarzwurzeln 45 bis 70, Endivien 100, Kartoffeln 4 bis 5, Aepfel 15 bis 20, Birnen 30, Rüsse 60 bis 90, junge Hahnen — Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: 7 Llhr „Lanzelot und Sanderein" (Ende 9V» -Uhr). — Krieger-Verern: 6 Uhr Aurn- halle, Weihnachtsfeier und 52. Stiftungsfest. — Rutscher-Verein: V/2 Uhr Saalbau Sauer. Weih- nachtsfeier. — Lichtspielhäuser wie Samstag. Palastlichtspiele: „Zigano". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Nochmals sei auf den am Montag stattfindenden Vortragsabend von „St l o = bunb“ hingewiesen. — Am 12. Januar kommt in der 14. Dienstag-Abonnementsvorstellung ein junger Autor, Hugo Wolfgang P h i l i p p, mit seinem Lustspiel „Das glühende 6 in malet ns' zu Wort. Die Vorstellung steht unter der Spielleitung des Herrn Karl 93 o l cf. — Im Goethe-Bund spricht am Sonntagabend der Bundeswart über „Goethe am Nh ein". Gäste sind willkommen. (Siehe Anzeige.) — Ein Vibelkursus findet vom Sonntag bis Dienstag im Dereinshaus der Stadt- mifsion. Löberstrahe, statt. (Siehe Anzeige.) — Der Konzert-Verein teilt uns mit, das; Herr Willy Naue verhindert ist, das Orchester- konzert des staatlichen Kurorchesters aus Dad-Nau- hcim am Montag, 11. Januar, zu leiten, und an seiner Stelle Kapellmeister Ernst Schmeiher aus München die Direktion übernehmen wird. — Vortrag von D. Dr. Damaschke in Gießen am nächsten Dienstag abend in der Neuen Aula. Näheres im heutigen Anzeigenteil. — ^V.s.B Gießen. Komwenden Mittwochabend außerordentliche General-Versammlung. (Siche heutige Airzeige.) — Reichsgründungsfeier. Die Der- eknigung der Vaterländischen Verbände Oberhessens lädt in unserem heutigen Anzeigenteil zur Reichs- qründungsfeier am Sonntag, 17. Januar, in die Turnhalle am Oswaldsgarten ein. Redner ist der Reichstagsabgeordnete Dr. o. Dryander -Berlin. Näheres in der Anzeige. •• Staatsanleihen-Aufwertung. Da keine Aussicht besteht, daß die Einreichungsfrist für die Aufwertungs-Anträge für Staatsanleihen verlängert wird, ist allen Desihern derarttger Anleihen, die den Altbesitz geltend machen wollen, dringend zu raten, die Anträge bei ihrer Dank baldigst zu stellen. Für die rasche Abwickelung ist es dabei empfehlenswert, wenn sämtliche Beweisstücke für den Altbesitz, d. h. Nachweise über den Besitz des betreffenden Pa- pieres vor dem 1. Juli 1920, mitgebracht wer- werden. Wie wir von Bankenseite hören, kann eine Verantwortung für die rechtzeitige Bearbeitung der Anträge, die erst in den letzten Tagen der im Februar ablaufenden Frist gestellt werden, dort nicht übernommen werden. ** Inventur-Ausverkäufe. Bezüglich der Inventur-Ausverkäufe gibt das Polizeiamt Gießen folgendes bekannt: Nach der Bekanntmachung des Kreisamts Gießen vom 2. Februar 1910 dürfen Saison- und Inventur-Ausverkäufe nur in der Zeit vom 2. Ianuar bis 15. Februar und vom 1. Juli bis 15. August jeden Iahres, jedoch nur auf die Dauer von je 14 Tagen, abgehalten werden. Ausverkäufe, die außerhalb dieser Zeit stattfinden sollen, sind unter genauer Angabe des Grundes und unter Einreichung eines Verzeichnisses der auszuverkaufenden Waren sieben Tage vor der Ankündigung bei der Handelskammer Gießen anzuzeigen. Im Zuwiderhandlungsfalle müssen Strafanzeigen erhoben werden. 5 Evangelische Buchgemeinschaft. Das Landeskirchenamt empfiehlt im kirchlichen Verordnungsblatt die durch den Evangelischen Preß- verband in Berlin ins Leben gerufene und auch aus schlichten kirchlichen Mitteln unterstützte Evangelische Buchgemeinschaft, die den Zweck hat, evangelifches Schrifttum zu verbreiten und auf jede Weise zu fördern. Dabei wird dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß jede Gemeinde eine evangelische Bücherei beschaffen möge, durch die der Lesehunger befriedigt und der Verbreitung von Schund und Schmutz entgegengearbeitet wird. ** Oberhessischer Kunst verein. Von Sonntag, 10. Januar, an bringt der Thüringer Ausstellungsverein bildender Künst- l e r zu Weimar im Turmhaus am Brandplatz Werke seiner Mitglieder zur Schau. Vertreten sind etwa 40 Künstler mit Oelgemälden, Aquarellen, Zeichnungen, Graphik und Plastik, so daß die Ausstellung einen umfassenden Ueberblick über das derzeitige künstlerische Schaffen Weimars bildet. Die zur Ausstellung kommenden Werke wurden bereits in anderen größeren Städten gezeigt und beifällig ausgenommen. Die Ausstellung ist wieder geöffnet: Sonntags, Montags, Mittwochs und Freitags von 11—1 Ühr, Mittwochs auch von 3—5 Uhr. (Siehe Anzeige in der gestrigen Nummer.) ** Die Maul- und Klauenseuche. Nachdem di« Seuche in Lich weiter um sich gegriffen hat, wurden Ort und Gemarkung Lich zum Sperrbezirk erklärt. Dieselbe Maßnahme gilt aus dem gleichen Grunde auch für Allendorf a. Lda. Ferner wurde die Seuche amtlich sestgestellt in Friedrlhausen. Schotten, Betzenrod, Allfa und Oberweimar. Erloschen ist sie in Gedern und in Obwndorj bei Wetzlar. o. Verein für das Deutschtum im Ausland. Der V.D A.-Iugendtag wird an Pfingsten ds. Is. in Hirschberg in Schlesien mit der Hauptversammlung des Vereins ftatt- finden. Wie im vorigen Jahre Kufstein, so wird auch Hirfchberg im Niesengebirge voraussichtlich eine starke Anziehungskraft ausüben. Die Teilnehmer werden nicht nur das reizende Dobertal sehen, fonbern auch auf dcm Wege nach Schmiedeberg zu von der Bahn aus den großartigen Blick auf das Gebirge genießen. Warmbrunn mit dem Kynast erwartet die Teilnehmer, und tüchtige Wanderer werden unter erprobter Führung das Hochgebirge kennen lernen. Auch das Dölker- schlachtdenkmal soll auf der Durchreise besucht werden. Da der Andrang noch stärker als in Kufstein sein wird, hat sich die Hauptleitung veranlaßt gesehen, folgende Richtlinien herauszu- geben: Die Zahl der Teilnehmer wird auf 15 000 jugendliche Besucher beschrankt. Die Tagung ist nur V. D. A.-Sache. Andere Organisationen werden nicht zugelassen. Soweit sie dem V. D. QL korporativ angeschlossen sind, dürfen sie nur mit dem V. D. A -Abzeichen erscheinen. Allein entscheidend ist die Meldung über den Landesverband bis zum 15. Januar und die Höhe des abgeführten Kopfgeldes für 1925. (50 Pf.) Die Kopfgelder für 1925 können bis zum 20. Januar 1926 nachgeholt werden. Das heißt also, wer an der Tagung teilnehmen will, muh Mitglied einer Orts» ober Schulgruppe sein. Die Landesverbände melden an die Mittelstelle in Berlin die Zahl der voraussichtlichen Teilnehmer bis zum 20. Januar. Diese Frist muß strengstens innegehalten werden. Die Fahrt nach Hirschberg hin und zurück kostet von Frankfurt aus für jeden Schüler knapp 23 Mark. Der Ei:rzelne kann mit 50 Mark herumkommen. Die Leitung empfiehlt denjenigen Schii- lern, die an der Tagung teilnchmen wollen, sich umgehend die Einwilligung ihrer Eltern einzuholen. Nichteinhaltung der angegebenen Termine muß der betreffenden Schulgruppe unbedingt zum Nachteil gereicheir. Schluß der Meldungen ist der 15. Januar ds. Is. ** Zeppelin über Afrika Man schreibt uns: Es ist eine merkwürdige Erscheinung, daß die große Fahrt des „Z.R.3" von Friedrichshafen nach Amerika eine ganze Welt in Staunen und Bewunderung versetzte, während die Kriegsfahrt des „2.59" im Spätherbst 1917 vom Flughafen Jamboli in Bulgarien nach Zentralafrika und zurück nur von wenigen gekannt und gewürdigt wird. Dabei stellte diese Fahrt, durch die man dem schwer ringenden Ko- lonialkorps unter Lettow-Vorbeck Kriegsmaterial aller Art zufiihren wollte, in jeder Beziehung eine viel größere Leistung dar, als die Ozeanfahrt des „Z.R.3". Nicht nur, daß die durchflogene Strecke großer war — Luftlinie Berlin—-Ehikago, gegen Friedrichshafen—Lakehurft — auch die Schwierigkeiten — mangelnder Wetterdienst, Mangel an hilfsbereiten Kriegsschiffen, Bedrohung durch feind- liche Flieger und Abwehrbatterien waren gar nicht mit denen zu vergleichen, die die berühmte Ozeanfahrt zu überwinden hatte. Wir sind es dem Andenken Zeppelins und den Männern des „2.59", die auf einer späteren Fahrt von Otranto aus unbekannter Ursache den Heldentod starben, schuldig, daß diese Fahrt der Vergessenheit entrißen wird. Von diesem Gedanken ausgehend, haben die drei den kolonialen, den geographischen und den Luftfahrtgedanken pflegenden Vereine in Gießen, der Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See, die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde und der Verein, für Luftfahrt in Gießen, einen Vortragsabend in der großen Aula veranstaltet (siehe heutige Anzeige), an dem Ingenieur Göbel über „Zeppelin über Afrika" sprechen wird. Der Vortragende hat eine Reihe von Orient« kriegsfahrten des „L. 59" mitgemacht und wird an Hand hervorragender und einzigartiger Lichtbilder den Zuhörern die gewaltigen Leistungen vor Augen führen, die Offiziere und Mannschaften auf diesen Fahrten und namentlich auf der Fahrt über das Mittelländische Meer, die Lybische Wüste nach der Gegend zoon Chartum und zurück geleistet haben. ** Deutsche Volkspartei. Man berichtet uns: Die Anwesenheit ihres Reichstagsabgeordneten Oberschulrat Geh. Negierungsrat Dr. Runkel gelegentlich der hiesigen kulturellen Woche benutzte die hiesige Ortsgruppe der Deutschen Volkspartei zur Abhaltung einer Mitgliederversammlung, die sich eines starken Besuches zu erfreuen hatte. Reichs- tagsabg. N u n k e l sprach über die allgemeinen politischen Tagesfragen und führte zusammengesaßt etwa folgendes aus: Der Gedanke des Selbstbestim- mungsrechts der Volker, der während des Krieges und besonders im Versailler Vertrag von der Entente aufs eifrigste propagiert wurde, hat im Laufe der Nachkriegsjahre Auswirkungen gezeigt, die besonders für das englischen Weltreich gefährlich werden. Uebcrall, besonders im Osten, gärt es. Mehr denn je gilt heute das Wort: Volker Europas, wahret eure heiligsten Güter; denn der Stampf der asiatischen gegen die europäische Kultur wird kommen. Die Grenze Europa-Asien liegt heute nicht mehr am Ural, sondern am polnischen Korridor. Die europäischen Kulturträger in Rußland sind der Revolution zum Opfer gefallen. Rußland ist heute das Glacis, von dem aus Asien Europa zu erobern versucht. Eine einseitige Orientierung Deutschlands nach dem Osten hin, wie sie verschiedentlich propagiert wird, würde diese Eroberung nur beschleunigen. Uebergehend zur Weltpolitik betonte der Redner die Notwendigkeit der Gieichberechtigung Deutschlands. Formal sei sic ja in Locarno erreicht worden. Es gelte aber, sie auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet auch in der Praxis durchzuführen. Durch den Austritt der Deutschnationalen aus der Regierung und die dadurch verursachte innere Krisiis sei aber die Erreichung dieses Zieles unendlich erschwert. Eine Beteiligung der Deutschnationalen an der kommenden Negierung sei wohl ousgeschlosien, nachdem sie auch für die Zukunft der durch Locarno bestimmten Politik hre Unterstützung versagt haben. Der letzte Entscheid über die Regierungsbildung liege in den Händen des Zentrums. Nachdem Geh. Rat R u n - fei die verschiedenen Möglichkeiten der Regierungsbildung besprochen und die ganze Verfahren- heit der inneren Lage gekennzeichnet hatte, wandte er sich den zukünftig zu losenden kulturellen und wirtschaftlichen Fragen zu und zeigte, wie auch hier die Deutschnationalen eine Erschwerung durch ihre Isolierung herbeigeführt Haden. Zum Schluffe seiner Ausführungen nahm der Redner scharf Stellung gegen die Hetze, die heute von verschiedenen Seiten gegen den Reichspräsidenten und gegen den Reichsaußenminister getrieben wird und die unser ganzes politisches Leben vergiftet. Mit reichem Beifall dankten die Zuhörer dem Redner für seine tiefgründigen, klaren Ausführungen. In der anschließenden Aussprache konnte Geh. Rat Runkel noch auf manche kulturelle und wirtschaftliche Frage Auskunft geben. Buntes Allerlei. Wie man ALome sehen kann. Von Dr. H. G e s f ck e n - Leipzig. Die Atome einzeln sehen — ja, das geht nun leider nicht so ohne weiteres. Aber warum? Man sollte doch meinen, daß sich genau so, wie man immer gewaltigere Fernrohre baut, auch die mikroskopische Vergrößerung immer weiter treiben ließe. Doch dem ist eine Grenze gesetzt, die nicht technische, sondern physikalische Gründe hat. Svbald nämlich die zu beobachtenden Teilchen so klein werden, daß ihr Durchmesser an die Wellenlänge des Lichtes — das ja bekanntlich eine elektrische Welle ist — herankommt, wird das Licht von ihnen nicht m^r zurückgeworfen, sondern nur abgebogen. Darm kann man aber kein Bild mehr sehen. Die äußerste Grenze mikroskopischer Beobachtung liegt daher bei Details von etwa ein zehntausendstel Millimeter Größe. Noch kleinere Einzelteilchsn kann man mit dem sogenannten „Altramikroskop" (von Siede n t o p f und Szigmondy) seststellen, wenn auch nicht ihrer Form nach beobachten. Dieser Apparat verweiset gerade die obengenannte Abbeugung der Lichtstrahlen an kleinen Teilchen und besteht in einem Mikroskop, mit welchem man die Flüssigkeit, in der die Partikelchrn schweben, beobachtet, während quer durch die Flüssigkeit ein kräftiger Lichtstrahl hindurchgeschickt wird. Man sieht dann an den Stellen, wo sich die kleinen Fremdkörper befinden, leuchtende Punkte, die von den Lichtstrahlen herrühren, welche an dem Teilchen ab gelenkt werden und so in das Mikroskop gelangen. Das Ultramikroskop gestattet es, Par- tikelchen von weniger als ein hunderttausendstel Millimeter Durchmesser noch festz ustellen. Solche Teilchen enthalten aber immer noch mehrere zehntausend Atome. Bis zum Atom selbst vorzudringen, erlaubten erst die Nöntgenstrahlen, die sich vom gewöhnlichen Licht grundsätzlich nur dadurch unterscheiden, daß die Länge einer Welle nur etwa ein Tausendstel pon der des Lichtes ist, Könnte man ein Röntgen-Mikroskop bauen, so wäre es prinzipiell möglich, die Vergrößerung soweit zu treiben, daß es gelänge, die Atome selbst zu photographieren. Aber da sich für Nöntgenstrahlen leine Linsen Herstellen lassen, mutz man auf diese ideale Methode verzichten. Max von Laue hat jedoch gezeigt, daß ein Röntgenstrahl abge- lenkt wird, wenn man ihn durch einen Kristall hinLurchschickt. Stellt man hinter dem Kristall eine photographische Platte auf, so erscheinen auf dieser eigenartig regelmäßige Figuren, die durch Punkte gebildet werden, von denen jeder einzelne einem abgelenkten Röntgenstrahl entspricht. Diese Figuren zu deuten und aus ihnen herauszulesen, wie im Kristall die Atome angeordnet und mit anziehenden und abstoßenden Kräften aneinander gefügt sind, stellt heute eins der wichtigsten Arbeitsgebiete der Physik und Mineralogie dar. Der Weg. den man zur Lösung derartiger Fragen gehen muh, ist mühselig und erfordert viel Scharfsinn: denn man muh immer neue Annahmen erdenken und das, was aus ihnen folgt, mit Öen Messungen vergleichen, bis die immer besser werdende alcbcreinftimmung zur Sicherheit führt. Doch dafür haben auch die Jahre feit Laues Entdeckung zu einer starken Deriieftnrg unseres Naturerkennens geführt. Büchertisch. — West er manns Monatshefte. 70. Jahrgang. Ianuar 1926. Mart 2.—. Verlag Georg Wcstermann, Braunschweig/Hamburg. AuS dem reichen Inhalt der als zweites Weihnachts- heft erscheinenden Ianuarnummer dieser vorzüglich geleiteten vielseitigen Familienschrift sei nur einiges hervorgehoben: eine sehr interessante Plauderei von Ismar Lachmann (Berlin) über „Photographische Impressionen" (mit Bildnis- und Innenraum-Ausnahmen von Elsa Gysae): ein Aufsatz „Aus der Wunderwelt der Fische" mit farbigen Abbildungen seltsamer Tiefseebewohner. Heber einen „Neuentdeckten Raffael" berichtet Ernst Warburg, während Prof. Dr. Fehse über Wilhem Roabe und sein Tagebuch plaudert. Die .Malerfahrt in den Böhmerwald" von Alexander Bcrtelsson fallt durch die beigegebenen Illustrationen auf, deren Farbigkeit und Stimmungsgehalt auch beim flüchtigen Durchblättern entzücken müssen. Bemerkenswert ist eine kleine Sllzze von IuliusBerstl „Wodjanka". die so typisch russisch ist. daß man ob der Cinsühlungsfähigkeit des Dichters stamtt. — Unter den lit rarischen Beiträgen sind ferner vertreten: Börries Freiherr von Münchhausen. Richard Sexau, Alfred Biese u. a. Der dramatischen Rundschau sind wieder verschiedene interessante Skizzen beigegeben. — Im neuen Daheim nimmt Felix Baumann mit einem A:fsatz „Die Kalabresierung! Südtirols" scharfe Stellung gegen die italienischen Versuche,, das Deutschtum der Südtiroler gewaltsam zu vernichten. Reben der Fortsetzung des großen Gesellschaftsromans „Hallington" von Ada Baronin F rcks steht die Geschichte „Paul Gerhardt" von Ludwig Bäte und die Novelle „Der junge Mann ohne Herz" von Carl Mari- lauu. Das „ Frauendaheim" enthält wieder zahlreiche wertvolle Ratschläge für die Hauswirtschaft. (Verlag Delhngen & K'asing, Leipzig.) — In wie vielfältiger Weise sich der einfache Wunsch „Viel Glück zum neuen Jahr" gestalten läßt, zeigt der Aussatz über „Künstlerische Neujahrslarten" von Dr. Richard Vraun- gart im Januarheft von Delhagen & Klasings Monatsheften. Das Heft bringt ferner eine aus'ührliche Würdigung des Münchener Malers und Radierers Sepp Frank von Prof. Dr. E. W. Bredt sowie aus der Feder Paul Oskar Höckers einen scharftichtigen ileberblid über die Berliner Bühnen; selbstverständlich sind beide Beiträge mit vielen Bildern geschmückt. Die mannigfachen Ströntungen in der Deutschen Studentenschaft nach dem Kriege verfolgt der ©Ottinger Professor Dri Paul Ssymank. Seinen musi'aiischen Erinnerungen aus dem „Reich der fünf Linien" hängt Dr. Gustav Manz nach. Außer einer Menge von Kunstblättern, wahrhaften Meisterdrucken nach Werken alter und moderner Kunst, und dem reichbelegten Büchertisch, bringt das Heft eine Anzahl Novellen, unter denen die von Heinrich Federer unter dem Titel „Unter südlichen Sonnen und Menschen" vereinigten hervorragen. — „Bobby erwacht ..." ist das Schlagwort der neuen Nummer 52 der „Lustigen Blä11e r". Unter diesem Titel erscheint nämlich im neuen Jahr ein großer, heiterer Sensationsroman in den „Lustigen". Gleichzeitig kostet die Zeitschrift ab 1. Januar unrv : sert in Ausstattung und Umfang nur noch 5J Pf. Kirchliche Nachrichten. EvangellfHe Gemeinden. Sonntag, den 10. Ianuar. 1. n. Epiphanias. Gießen. Landesmissionsfest Stadtkirche. 9l/t: Pfarrass. Hertel. 11: Kinderk. für die MatthäuS- gemeinöe. Pfarrass. Hertel. 5: Pfarrer Becker. — Johcmnesktrche. 9' .: Superintendent Wagner. 11: Kinderk. f. d. Lukaögem. Pfarrer Bechtolsheimer. 5: Pfarrer Ausseld. -Oemeinvesaal.(Ltebigftr.56) Nachm. 2 älhr: Taubstummengottesdienst. Pft. Bechtolsheimer.-Kirchberg. 10; nachm. IV,: Lollar. Donnerstag, 14. Januar, abds. 81/, Saubringen, Bibelstunde. - Wieseck. 9' .; Opfer für die Heidenmission. 11: Kinderk- — W atzenbor n-Garbenteich. Watzenborn-Steinberg: 1. Garbenteich: 71/, Abendgottesdienst, Pfr. Haupt-Gießen. Katholische Gemeinden. Gießen. Samstag, 9. Januar 4'/, u. 7 Beichte. Sonntag, 10. Januar. 1. Sonntag nach Epiphanie. 67, Beichte, 7 Messe, Korn. d. Jünglinge, 8 Korn-, 9 Hochamt mit Predigt, 11 Messe mit Predigt, 57, Christenlehre u. Andacht mitSegen. - Grünberg. 9 Messe mit Pred. — Hungen. 97, Hochamt m. Predigt. IVer ist Kenner ? ( J DEUTSCHLANDwrdbt uoeftnidfc 10%teio _________z.- v- -r. ___C:, . in der neuen S)etdfcf)lands. _________ _ ___ teure j^garetfen gsraudjt)üucrfl0% deslfatfums entfalten auf die ‘Preislagen Gis einfcfyfiessfidj fPfg düsStiidfa) Qas ijt aber angfiefjts der imrfcfyafifidöen Loge Oeutsc&laMds nüfftfo bemerfans '"wert wie die tabrik Snhl (Thür.). JUt 57100.- Handschrtstl. Anfragen an das Kuntt- gcwerbehauS Jul. Bach. schein anlöemeinden, Kirchen- und Kom- munalverbände ... Darlehen g. Schuldschein an Private gegen Bürgschaft.. Darlehen geg. Hinterlegung von Wert- papieren......... Kurs papiere...... Wechsel.......... Guthaben bei Giro- zentralen u. Banken 1c it., nt. von Mel Montag, 11 Anher Aboni 7V, Hin 2000.- 20468.25 35038.07 ein. Derselbe muh die Lbersekunda- Neise und eine nute Handschrift hoben. 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Ohne von der hohen Spannkraft ihres Geistes, von seiner Sicherheit in der Bändigung der Erleb- nisstoffe etwas verloren zu Hecken. arbeitet in jugendlicher Elastizität die 72jährige weiter an ihrem künstlerischen Werk, das ihr bereits einen ehrenvollen Platz unter den dichtenden Frauen des deutschen Schrifttums erobert hat. Bach ihrem großartigsten Wurf, dem unvergleichlich schönen Roman „Rächte von Fondi", bei dem man nicht weih, ob man die mustergültige Kom° arbeitcrn wieder Arbeit geben, wenn Frachten und Steuern auf ein erträgliches Mast zurückgeführt und die BorkriegsarbeitS- zeit zur Normalarbeit erhoben wird. Diese Richtlinien sind für den deutschen Bergbau viel wichtiger, weil es für ihn keine staatlichen Geldzuwendungen gibt, die den englischen 'Bergbau bisher vor dein Zusammenbruch bewahrt haben. Wollen wir wieder hoch kommen, dann müssen wir uns aus eigener Kraft Helsen. Dazu gehört allerdigs verständnisvolles Zusammenarbeiten zwischen Reich, Eisenbahn und Gewerkschaften. DLL N«ts«bev -ite Landwtetsrhafi, Gaster-barr und Vteh- zmht W seine SvettassdeAase *3>te Schotte" Die eimise Wwevi»ettase seine eisens fite das ^ermaigebtei bearbeitete Nonneestasssabe Heimat nn Mld" Das 6* LMmrtzsttsmsshia« ist seine Dienstags und GamstagS erscheinende Beiiage »GieSemer SamkrieabiSttev- nommen werden tonnen, daß eine ständige Vertretung der nun entstehenden Völkerbundsinteressen Deutschlands einfach notwendig und gar nicht zu vermeiden ist. Und der ist schier verzweifelt dar- über, wie in unserem Deutschland auch dabei das Parteigezerr, der innere Zank und Streit die großen Gesichtspunkte und Forderungen der Außenpolitik überschattens Die englische Kohlenkrise Am 30. April stellt die englische Regierung die für den neunmonatigen Waffenstillstand zwischen Bergarbeitern und Grubenbesitzern im Sommer vorigen Jahres gewährten staatlichen Unterstützungen, die vermutlich eine Gesamtsumme von 400 Millionen Goldmark erreichen werden, ein. Inzwischen ist eine Untersuchung darüber eingeleitet worden, wie neuerliche Stillegungen und Arbeiterentlassungen nach dem Versiegen der behördlichen Geldauelle vermieden werden können. Die Gewerkschaften haben sich die Sache sehr bequezn gemacht, sie verlangen Sozialisierung des Bergbaus. Bon den Zechenbesitze™ dagegen ist festgestellt worden, daß Steuerermäßigungen, FrachtenherabsetzungundMehr- arbeit die Tonne Kohle finanziell so zu entlasten vermögen, daß sie konkurrenz- und damit absatzfähig wird. Das sind genau dieselben Forderungen, die auch vom deutschen Bergbau, der immer mehr zusammenbricht, unzählige Male erhoben, aber niemals erfüllt wurden. Die Gefahr besteht nun, daß man in England sich zu durchgreifenden Maßnahmen entschließt, so daß der Bergbau im Frühling bequem auf die staatlichen Zuwendungen verzichten und die mit ihrer Hilfe eingeleitete sehr umfangreiche Kohlenausfuhr gewinbrin- gend fortsetzen kann. Das würde für uns eine weitere Zusammenschrumpfung des deutschen Bergbaus bedeuten, der schon jetzt nicht nur seine ausländischen, sondern viele heimische Absatzgebiete an die künstlich verbilligte englische Kohle sehr zum Schaden der vielen tausend deutschen Bergarbeiter abtreten mußte. Wir können aber die deutsche Kohle absatzfähig machen und den jetzt etwa 70 000 brotlosen Berg-- Die se»Se Lasesrettmss Sbevhessons und des Lahusebietes ist in seinem 126. Lahvsnns des GieSenev Anzeiger Die Glocken von Danzig. Zum sechsten Jahrestage der Abstimmung Danzigs am 10. Januar. Von Werner Schulz, Oliva. Ich weiß eine Stadt, da fingen die Glocken von Morgen zu Abend, von Abend zu Morgen immer das gleiche, traurige Lied. Viele Türme sind über Giebel und Toren, Linden raunen in uralten Gasten und steinerne Löwen schlafen in Nischen. Jahrhunderte kamen, Jahrhunderte gingen. Die Türme blieben, die Giebel und Tore. Immer und immer sangen die Glocken. Fackeln lohten auf Wall und Brücke. Brände sielen in dunkle Straßen, polnische Kugeln zerrissen die Maue™, polnische Feuer sengten am Himmel. Alle Gedanken waren Gebote, waren ein Flehen. Aber die Glocken heben die Stimmung, und ihr Wort war Donner und Drohen. Die slawischen Wellen verebbten allmählich. Blumen blühten bunt in den Gräben. Blonde Mädchen wanden daraus Kränze. Leise und zärtlich wehten die Glocken über die Wälle. Mte Choräle und alte Lieder. Dann dröhnten Kanonen. Franzosen und Russen, Preußen und Briten, Napoleons Heere im Sie- gen und Sterben. Durch graue Häuser irrte die Not. Tief in allen bangenden Herzen läutete Glaube in segnenden Glocken. Und wieder lächelte Sonne über den Türmen und Giebeln und Toren. polnischen Leben Personenfragen sind, ist die Hauptsache, in wessen Händen bei diesen ven schieden™ Gelegenheiten die Interessen des Deutschen Reiches liegen. Das ist das eigentlich Wichtige! Im höchsten Grade unerfreulich ist, daß über die amtlichen Stellen hinweg Parteieinflüsse sich um die Beteiligung an der Völkerbundsbureaukratie bemüht haben. Das ist auf das schärfste zu tadeln, zurückzuweisen und klarzustellen. Aber das Wesentliche ist nicht die Frage, ob Deutschland diesen oder jenen Posten in der Völkerbundsbureaukratie von Genf habe. Das Wesentliche und Entscheidende ist, welche Männer die jetzt in außerordentlichem Ausmaß zunehmenden Geschäfte und Verpflichtungen wahrnehmen, die Deutschland aus seiner Beteiligung an diesen großen internationalen Konferenzen und dann am Völkerbund erwachsen. Wer sich mit diesen Dingen beschäftigt, weiß, welche Aufgaben da entstanden sind, weiß, daß sie im üblichen Lauf der Verwaltungsarbeit einmal durch dieses, einmal durch jenes Ressort nicht wahrgeDer Gummikrieg. 3m Haudelsausjchuß des Repräsentantenhauses bat Hoover dieser Tage sehr offen die schwachen Seiten der Wirtscha't der Union bargelegt. So mächtig sich auch der Außenhandel entwickelt hat, so überlegen auch Reuhork als Geldmarkt ist. ganz ohne wirtschaftliche Sorgei, ist die Union nicht. Sie muß wichtige Rohstoffe einführen, so zum Beispiel Eisenerze, da die Grenzen der Grschöpsung der Eisenerzlager der Bereinigten Staaten schon sichtbar sind. Der Panamerikanismus trägt dieser Tatsache insofern auch schon Rechnung, als die älnton hofft, sich dadurch die reichen Eisenvorkommen Brasiliens zu sichern. Eine völlige Abhängigkeit vom Ausland besteht heute schon hinsichtlich der Gummiversorgung. Die Eigenerzeugung ist unbedeutend, so daß der gesamte Bedarf durch die Einfuhr herangeschaift werden muß. Und dieser Bedarf wächst in dem Maße, als sich die Automobilindustrie der Union entwickelt. Während 1913 noch 51 Millionen Donnen Kautschuk eingeführt wurden, stieg diese Menge bis 1925 auf über 400 Millionen Tonnen. Die Kautschukerzeugung ist wesentlich ein Monopol des Indischen Archipels. Aus den Straits Settlements und aus Cehlon bezieht die Union mehr als die Hälfte des Gesamtbedarfs. Erhebliche Mengen kommen auch aus Riederländisch Indien, jedoch ist die Ucberlegenheit der englischen Kolonien unbestritten. Es macht indessen Schwierigkeiten. die Mengen hereinzubekommen, die in der Union gebraucht werden. Die Engländer sind selbst starke Verbraucher.' rm übrigen aber daran interessiert, die Kautschukpreise so hoch zu schrauben, daß sie förmlich einen Tribut der Union an England gleichen. Herr Hoover hat sich über diese engherzige Handelspolitik der Engländer mit außerordentlicher Erbitterung geäußert. Obschon die Union selbst nicht daran denkt, die Schutzzölle, mit denen es sich zur Abwehr des europäischen! Wettbewerbs umgeben hat. abzubauen, behauptet Hoover, daß die ausländische Beeinflussung der Gummipreise geeignet sei, die internationalem Beziehungen nachteilig zu beeinflussen. Offenbar gilt das nicht für den Kupfer-, nicht für den Petroleummarkt. deren Preispolitik schließlich von Einflüssen abhängig ist, die nicht nur in der Union jedermann kennt. Der Sinn der englischen Gummipolitik ist der, durch Ueberwachung der Ausfuhr einen Preissturz zu verhindern. Gerade das mißfällt Hvvder, weshalb er nichts weniger und nichts mehr so etwaS wie die Ausarbeitung eines Dawesplanes für die Bewirtschaftung aller Rohstoffe verlangt, auf deren Einfuhr die Unton angewiesen ist. Oberhessen. Landkreis Gießen. L Wieseck, 9. Jan. Am Donnerstag hielt der neugewählte Gemeinderat seine erste Sitzung ab. die eine ungewöhnlich große Anzahl von Zuhörern angelockt hatte. In seiner Zusammensetzung Weist der neue Gemeinderat ein völlig verändertes Gesicht auf. Einmal haben sich die Mehrheitsverhältnisse verschoben, die nach keiner Seite hin eine ausgesprochene, in sich geschlossene Mehrheitsbildung ermöglichen. Die rechte Seite verfügt einschließlich des Beigeordneten über 8 Stimmen, über die gleiche Stimmenzahl Oerfügen die Linksparteien, wenn man die beiden Kommunisten zu den 6 Sozialdemokraten zählt. Es wird also sehr oft die Stimme des Bürgermeisters den Ausschlag geben. Bon den 15 Gemeinderatsmitgliedern gehörten 8 dem Gemeinderat bereits früher an, davon 3 Rechtsstehende imb 5 Sozialdemokraten, während 7 neu ins Gemeindeparlament einzvgen. Davon stellt die Rechte 4 Mitglieder, die Sozialdemokraten 1 und die Kommunisten 2. Der erste Punkt der Tagesordnung betraf die Verabschiedung d e r alten und die Einführung der neuen Gemeinderatsmitglieder. Zunächst nahm der Bürgermeister Bezug auf einen im „Gießener Anzeiger" erschienenen Artikel, in welchem u. a. die nicht norgenommene Verabschiedung des gewesenen Gemeinderats in dessen letzter Sitzung festgestellt wurde. Der betreffende Berichterstatter habe fornmen in der allgemeinen Handelspolitik, in dem Kampf um die Gleichberechtigung, den die Besiegten jetzt beim Eintritt Deutschlands in den Völkerbund noch ganz besonders zusammen zu sühren haben gegen die Sieger. Dabei sind noch zwei Fragen: Wie lange wird das Regime in Frankreich, das seit dem 11. Mai vorigen Jahres besteht, sich halten? Der Block der Linken oder das Kartell der Linken ist alles andere als eine feste Größe. Die Sozialdemokratie will sowohl das eine wie das andere, nämlich in der Regierung sein und draußen Opposition üben. So ist die Grundlage eines solchen Linksregimes in Frankreich reichlich unsicher. Daß ein geschickter und außenpolitisch erfolgreicher Minister wie Bri und vor dem Riß steht, verschleiert diesen Riß nicht und beseitigt diese Krise nicht. Das geht doch so weit, daß man auch in Frankreich über die augenblickliche Regierungskrise hinaus die Europa auch sonst bewegende Frage diskutiert, ob nicht die Demokra- stellen wie die Bäckerswitwe Beppa oder Schwurgerichtsverhandlungen abschildern samt ihren Begeisterung und Entzücken weckenden und doch für die Urteilsfällung wirkungslosen rhetorischen Ergüssen der Anwälte. Zum Schluß folgte eine Studie „Der Aktiengarten", in der die Dichterin zeigen konnte, wie sie das Herz des Kindes mit all feiner unermeßlichen Phantasie, seiner Glückssehnsucht und seinem Paradiesesglauben begriffen hat; der Hörer ward in die eigene Kindheit wie mit einem Zauberstaub versetzt, so manches entschwundene Erlebnis muhte in ihm lebendig werden durch die duftige und doch so wirklichkeitstreue Wiedererweckung der blumenreichen Auen der Kinderzeit. Die Dichterin verabschiedete sich mit einem sinnigen Gedicht, das be» scheiden ihren aus ihrem Wirken erwachsenen Wünschen zarten Ausdruck verlieh, und in dem sie nochmals all die sympathische Warme ihres Vortrags entfalten konnte, die sich gerade bei ihr noch zu dem Reiz persönlicher Interpretation der Werke besonders wohltuend hinzugesellt. An diesem Abend sahen sich die, die gekommen waren, einen Dichter zu hören,, zugleich von dem Zauber eines harmonischen Menschtums gebannt, und zuletzt konnten auch sie. genau wie dies dem ländlichen italienischen Brautwerber von der göttlichen florenttnischen Sprechweise der Braut widerfuhr, schon von der. liebenswürdigen und heimeligen schwäbischen Färbung der Aussprache der Dichterin gefangen genom- position, die machtvolle Stoffgestaltung, die Höhe der Betrachtung, den Adel der Diktion oder die zu Herzen gehende und ergreifende Poesie mehr bewundern soll, hat sie sich nun offenbar wieder kleineren Studien zugewandt. Die Dichterin las zuerst eine Rovelle .Das bist du"; sie spielt in der Welt des mittelalterlichen Italien, in der Isolde ja so heimisch ist. Aber Zeit uni) Ort geben nur das äußere Kolorit, aus dem sich vielmehr in der Bekehrung des Helden, in seiner Umwandlung zu einem Erkennenden durch einen Drahmanen alte indische Weisheit herausschält, die freilich nach Gjellerup und den vielen ande™ mehr oder minder werwollen literarischen Erscheinungen, die nach dem Kriege mit östlichen Erkenntnissen dem schwärmenden deutschen Publikum auswcrrteten, stofflich nichts Reues bringt. Indessen die Behandlung ist fein, bei aller sachlichen Genauigkeit von poetischer Zartheit und Diskretion und weicht allem Unkünstlerischen oder Wirkungsmatten und allem bloß stofflich Kitzelnden mit sicherem Takt aus. Ein Abschnitt aus den „Floren- tinischen Erinnerungen" zeigte den Wirklichkeitssinn. die Beobachtungskraft und nicht minder den Humor der Dichterin, die uns den Zauber florentinischer Sprache, ohne daß auch nur ein italienisches Sätz- lein gehört wurde, durch die bloße 6rf)ilbenmg ihrer Wirkung in lebendiger Frische erstehen ließ, mochte sie nun an sich unbegreifliche Paarungen hinzeich- nen, die nur durch die Anziehungskraft des florem tinischen Idioms der vierzigjährigen Braut erklärt werden, oder Typen aus dem städtischen Volk hin- I Außenpolitische Umschau. Von Professor Dr. Otto H o e tz s ch, M. d. R. Es ist so selbstverständlich wie etwas, daß der Deutsche im Ausblick auf 1926 zu allernächst an die Wirtschastsnot der Gegenwart denkt. Auch der Anhänger des Locarno-Vertrages muß doch heute noch fragen, ob dieser „Geist von Locarno" sich wirklich bewähren wird. In der Hand hat Deutschland dafür bisher nichts, wenn man n u r auf die Rückwirkungen blickt, noch ziemlich wenig. Dafür ist leider die Wirtschaftsnot und die Kredit- krife eine erschütternde Tatsache. Der Ausblick auf die deutsche Wirtschaft im neuen Jahr, wohin man auch sieht, ist in jeder Weise trostlos. Auch das ist kein Trost, wenn der Reichsbankpräsident an sich mit Recht darauf hinweist, daß etwa die Hälfte der Konkurse und Geschäftsauffichten Firmen beträfe, die erft nach 1919 gegründet worden seien. Es bleiben immerhin Hunderte von soliden Firmen, die mit in den Strudel hineingerissen werden und die unter der Last der Kreditnot zusam- mendrechen. Damit ist die erste Linie der deutschen Auhen- polittk im neuen Jahre ja bezeichnet. Die Krise ist nicht nur in Deutschland, sie ist in ganz Europa vorhanden, wenn auch in verschiedener Form, und es ist fraglich, ob im Augenblick die auf Frankreich lastende Finanzkrise nicht gefährlicher und schwerer zu überwinden ist als die deutsche Wirtschaftskrise. In zwei Worten ist diese europäische Krise die auch England einschneßt, umfaßt: Die unproduktive Belastung der Besiegten mit der sogenannten Reparation, der Sieger mit der interalliierten Verschuldung auf her einen Seite, und die Absperrung gegen den Wirtschaftsaustausch in Ein- unb Ausfuhr durch die Handelspolitik auf der anderen Seite. Zur Ordnung der interalliierten Schulden kann Deutschland nichts tun. Immerhin muß es mit Aufmerksamkeit auf die Gespräche Hinsehen, die heute die Bankgewaltigen in Amerika miteinander führen, der Reparationsagent Gilbert, der Gouverneur der englischen Bank Norman mit dem Direktor der belgischen Staatsbank und einem so maßgebenden Bankier wie Strong von der Federal Reserve Bank. Diese Männer beraten unter einander, ob es nicht möglich fei, zur Stützung der franzö- fischen Finanzen eine Hilfe durch eine indirekte Anleihe zu schaffen, indem man die bekannten elf Milliarden Reichsbahnobligationen mobilisiert. Bisher hat sich das aus verschiedenen Gründen als unmöglich herausstellt. Hindern kann es Deutfckland nicht, aber es ist ein Vorgang, der zur schärfsten Aufmerksamkeit auffordert, weil die Mobilisierung zwar keinen Einfluß auf die deutsche Reichsbahn bringt, wohl aber eine internationale Verschuldung der Reichsbahn heraufführt, die besonders zu dem Zeitpunkt unerfreulich ist, an dem, wie vorgesehen, die Bahn wieder in den uneingeschränkten Besitz des Reiches zurücktritt. Zudem wird daran gedacht, die Sachleistungen Deutschlands zu ändern, höhere S a ch l e i st u n • gen in Aussicht zu nehmen. Das ist mit ja ober nein nicht zu entscheiden und kann sich ohne die Mitarbeit Deutschlands nicht vollziehen, da darin eine Aenderung des Reparationsplanes liegt. Die andere Linie ist die H a n d e l s o o l i t i k. Daran ist, wenn vielleicht nicht das Wichtigste, aber das Drängendste und Nötigste die Abschluß mit Frankreich, der nun vom 12. Januar an wieder versucht werden soll. Die Grundlage der Einigung ist gewonnen, läßt aber, da das Protokoll nicht veröffentlicht ist, eine wirkliche Kritik nicht zu, und der eigentliche Kampf um die Ausfüllung des so gezogenen Rahmens beginnt erst. Die Hauptsache aber ist, daß mit allem Nachdruck gefordert werden muß, daß dieses handelspolitische Geschäft, in dem die Chancen für Deutschland günstig liegen, nicht ver- guickt werden darf mit politischen Fragen und Zu- geftänbnlffen, deutlicher gesprochen, daß kein Schacher sich vollziehen darf, etwa in her Form, daß Deutschland gegen Zugeständnisie, die Frankreich braucht, etwas gibt in dem Punkt der Besatzung und Räumung, was ihm zusteht. Und auch das Rheinland, das unter der Last der Besatzung seufzt, wird verstehen, daß Deutschland sich gegen eine derartige Verkoppelung wehrt. Ob sich nun die europäischen Staaten auf diesen Linien zusammenfinden, das ist eine Frage von größter Bedeutung. Die Gelegenheit wird in den verschiedenen Konferenzen der ersten Hälfte des neuen Jahres ja geboten: Abrüstungskonferenz, Wirtfchaftskonferenz des Völkerbundes, Konferenz über_ben Dawes-Plan, die unzweifelhaft im Laufe des sommers zusammentreten muß und möglicherweise mit der Wirtschaftskonserenz des Völkerbundes zufammenläuft. Theoretisch ist die Uebergeugung heute weit verbreitet, daß die europäischen Staaten s i ch zusammenfinden müssen, wenn sie sich überhaupt gegen die erdrückende Ueberlegenheit Nordamerikas einigermaßen behaupten sollen, wenn sie nicht zusammenbrechen wollen. Aber zur praktischen Lösung ist noch ein weiter Weg. Agitation und das Schlagwort der „Vereinigten Staaten von Europa" ober „Paneuropa" tun es nicht. Schritt für Schritt heißt es vorwätts- Krise seien, und ob nicht die Entwicklung nach anderen und neuen Formen der Machtoetteilung in einem Staate sucht. Die andere Frage ist, inwieweit Rußland an diese europäischen Auseinandersetzungen den Anschluß findet. Liest man die Verhandlungen des Kongresses der Kommunistischen Pattei in Moskau, der ja maßgebend für die Bestimmung der Politik überhaupt ist, so ist man drüben einstimmig gegen solche Zusammenarbeit. Denn das bedeutet dis Ablehnung von Locarno, des Völkerbundes usw. Verfolgt man aber die Tätigkeit und Reden des russischen Außenministers und seiner Botschafter und Abgesandten draußen, io spürt man, was die eigentliche Tendenz der russischen Außenpolittk ist: in dieses Europa trotz alledem hereinzukommen, weil man seinen Kapitalismus, die Wirtschaftsoerbindung mit ihm und alles andere braucht. Rußland wird in den nächsten Monaten zusehen, wie sich die Arbeit und Stellung Deutschlands im Völkerbund entwickelt. Es wird weiter bestimmte reale Fragen, die es verfolgt, durchzufetzen suchen,so die Auseinandersetzung mit Frankreich, so der Abschluß mit England, so die Anerkennung durch Amerika, die ja in beiden Häusern des Kongresses in Amerika beantragt ist. Und es wird, wenn diese Etappen einigermaßen günstig laufen, dann ohne Rücksicht auf die Deklamationen des Kongresses die weiteren Schritte tun, selbst in den Völkerbund hinein, weil es bann das tun muß, wei Ivon dem Zusammenhang mit Europa und der Einordnung in dieses System Europas auf friedlichem Wege abhängt, ob die Sowjetmacht sich halten kann ober nicht. Das ist ein Zirkel, den der russische Kommunist als verhängnisvoll bezeichnen wird, der aber d a ist, und aus dem heraus ein anderer Ausweg nicht möglich ist. So läuft alles auf eine Zusammenarbeit in verschiedener Form unter den europäischen Staaten, zum Teil unter Mitarbeit Nordamerikas, für die nächsten Monate zusammen. Man sollte in Deutschland, seiner öffentlichen Meinung und feinen Parteien, den Blick vor allem darauf richten, sich darauf vorbereiten, sich umsehen, welches Programm die deutschen Lebensnotwendigkeiten da vorschreiben, wo Gleichgerichtete und Gleichinter- essierte da vorhanden sind, und wo der Boden vorzubereiten ist, vor und auf den Konferenzen und dergleichen mehr. Und da alle solche Fragen im Aber bann kamen Tage, da brannten nicht Brände und schlugen nicht Böller. Einsam und still kam das Leid in die Mauern. Grenzen fielen und Grenzen wurden, fremde Menschen zogen die Pfähle durch Wälder und Wie- fen und Dörfer und Ströme. Wieder wie einst steht der Feind vor den Wällen. Ewig indesien gehen die Glocken von Sankt Brigitten, Marien und Kathrinen, von Petti und Paul und Sankt Johann. Traurig und weh ist der Klang ihres Erzes, Mahnen und Flehen, Schwur und Gelübde. Still und schweigend beten die Menschen. So geht das die. Jahre von Morgen zu Abend, von Abend zu Morgen, das gleiche Klagen, das gleiche Sehnen. Ich weiß eine Stadt, da fingen die Glocken. — i'ordfig gehcmdelt. da e» ftMUft fei, bte Verabschiedung der alten und die Einführung der neuen Mitglieder gleichzeitig vorzimebmen. (Un- fcr Berichterstatter bemerkt hierzu, daß er demgegenüber mit seiner Feststellung im Recht sei, denn es war früher in Wieset — und auch überall in anderen Orten. D. Red — so üblich, wie eS heute nod> überall ist. 3*n seiner letzten Sitzung wird der a l t e Gemeinderat verabschiedet, während der n e u e Demeinderat in seiner ersten Sitzung eingeführt wirb. Wenn von dieser allgemein gültigen Regel abgeaangen werben sollte, so Hütte genügt, dem alten Gemeinderat in seiner letzten Sitzung die Mitteilung zu machen, daß die Verabschiedung in der erstem Sitzung des neuen DemeinderatS erfolgt. Auch dies geschah ificht, die Wahlperiode wurde ohne jedwedes überleitende Wort geschlossen. Dies war eine im parlamentarischen Sieben sehr auffällige Grschei- mmg, die erwähnt wurde.) Zu der am Donnerstag stattgefundenMi Sitzung tvaren die sieben ^nr-geschiedenen Gcoreindevatsmitglieder geladen, von denen sechs der Ginladung keine Folge leisteten. 5Pn seinen Ausführungen zollte der Bürgermeister der Arbeit deS alten Gemeinderats volle Anerkennung, und hofft von den Ausgeschiedenen. daß sie auch In Zukunft ihre gesammelten Erfahrmrgen dem Allgemeinwohl zugute kommen lassen. Die Verpflichtung der neuen Mitglieder geschah in der üblichen Weise durch Handschlag, wobei der Bürgermeister auf die gegenwärtig besonders schwierigen Verhältnisse hinwies. Auch der neue (Gemeinberat wird in Zukunft nicht um die Rotwendigkeit herumkommen, dem Gemeindehaushalt die erforderlichen Steuern zu bewilligen. Rach den nunmehr vor- «nommenen Wahlen setzen sich die einzelnen Kommissionen wie folgt zusammen: Kontrolleur: Karl Lang: Finanzkommissivn: Benner. Kümmel, Lang, Schmidt, Weller: Bau- t o m m i s s i o n: Laudon, Grb, Stein, Scherer, Kümmel: Wasserkommission: Schäfer, Werner. Hildebrand, Schmidt, Scherer: Armen- k o m m i s s i o n. Kreiling, Hildebrand, Röster, Rodenhauscn, Weller: Landwirtschaftliche Kommission: Rodenhausen. Weller. Werner. Kreiling. Schäfer: Wohnungskommission: Stein. Hildebrand, Weller, Kreiling, Kümmel: Fürsorgeausschuh: von den Arbeitgebern Kreiling. Schmidt IV., Fr. Deibel III., von den Arbeitnehmern: Grb. Minna Schäfer, Benner, Schulvorstand: vom Gemeinderat. Bremer, Stein, Hildebrand, von den Eltern Karl 'Weller VI.. Karl Rodenhausen, PH. H. Mank: für den Autobetrieb wurde als Betriebskommission gewählt: Benner, Bremer, Seibert, Aug. Schmidt. Grb, Kreiling, Werner, Otto Kling. 3n Bedarfsfällen kann sowohl in der Fi- ncmzlommisfion wie auch im Betriebs auS Ich uh der Gemeinderechner MöbuS zugezogen werden. e Heuchelheim, 8. San. Am Mittwoch wurde den Mitgliedern der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr Wilhelm Kreiling III. und Ludwig Freitag III. die ihnen von der Regierung verliehenen Ghrenzeichen für 40jährige Dienstzeit durch KreiS- 'euerwehrinspektor D i ck o r 6 überreicht. : Beuern, 8. San. Am gestrigen Don- neretag hielt der Gemeinderat in seiner neuen Zusammensetzung seine erste Sitzung im alten Schulsaale ab. Bürgermeister Linden- st r u t h - führte den Vorsitz und verrslicktete die neugewählten Gemeinderatsmitglieder für ihr Amt. Es wurden eingeführt Ludwig Stein II., Johann Funk, Heinrich Krämer und Landwirt Karl Damm. Die beiden anderen neugewählten Ge- meinderäte Wilhelm Konrad W i ß n • r und Job. Karl Bellos waren in der vorletzten Amtszeit schon einmal Mitglieder des Gememderats. Von den drei wiedergewählten Mitgliedern gehören Daniel Ludwig Sommerlab bereits seit 1907, also bald 20 Jahre, Philipp Arnold seit 1910 und Philipp Wilhelm Sommerlab seit 1923 dem Gemeinderat als Mitglieder an. Anschließend wurde beraten über Wegebauten und Zuwei- lang eines Bauplatzes an den Taglöhner Konrad K eh r. Dieser benötigt etwa 200 Quadratmeter, die oom hiesigen Schulgut am Bersröder Weg ab geschnitten werden sollen. — Infolge der Wasser- mengen der letzten Wochen und der damit zusammenhängenden Erdfeuchtigkeit drückte vom Kir- chenplatz her das Wasser in unsere Gemeinde- v t e h w a g e und setze die Anlage, die ziemlich tief in der Erde montiert liegt, unter Wasser. Durch cingelegte Kanalrohre ist nun das liebel behoben worden, so daß das Wasser jetzt abziehen, und die Wage wieder in Benutzung genommen werden kann. J) L i ch, 8. Jan. In dem nahen Nieder- Bessingen verursachte ein noch jugendlicher Einwohner in der Silvesternacht durch Abgabe von ca. 15 scharfen Schüssen aus einem Revolver einen Defekt in der elektrischen Lichtleitung, der sich dahin au8- wirkte, daß ein Teil der Einwohner 2 Tage ohne Licht sein muhte. Gin gehöriger Denkzettel in Gestalt eines Strafbefehls wäre sehr am Platze. * Lich, 8. San. Man schreibt uns: Die Bestrebungen und die Tätigkeit des von Bürgermeister' Völker ins Leben gerufene Verkehrs- und Verschönerungsvereins, worüber der .Gieß. Anz." schon wiederholt berichtet hat, finden hier allseits die verdiente Anerkennung. Der- Blumen Wettbewerb und der vor Weihnachten erfolgte Schaufensterwettbewerb waren etwas Reues für unsere Stadt und haben viel Anregung geboten. Doch sei hier bei aller verdienten Anerkennung deS Geleisteten auch einer Anregung für die Zukunft Ausdruck gegeben, hast beim Schaufensterwettbewerb, an dem doch die verschiedensten Geschäftsbranchen beteiligt waren, die Preise von einer einzigen Kommission festgesetzt worden sind, wurde nicht überall mit Zustimmung vermerkt, weil es eben nicht jedem Mann möglich ist, alle- unanfechtbar zu beurteilen. Der gute Wille und der Gerechtigkeitssinn der Preisrichter soll damit durchaus nicht angezweiselt werden. SS dürste sich bei einer Wiederholung deS Wettbewerbs aber doch wohl empfehlen, nach dem Beispiel anderer Städte eine auswärtige Kommission non Fachleuten als Preisrichter hercmzuzichen. unserer Provinzialhauptstadt dürften sich gewiß Herren der verschiedensten Branchen für eine solche ehrenamtlichee Tätigkeit au8 den Kreisen der dortigen Geschäftsleute finden, die an einem Rachmittag im Interesse ihres Berufes gern sich der Mühe der Preisbewertung unterziehen würden. Es wird sich bei solchen Wettbewerben ja wohl kaum gänzlich nermeiben lassen, daß sich bei eine ober andere der beteiligten Konkurrenten benachteiligt oder zurückgesetzt fühlt. Dem Urteil auswärtiger Fachleute wird man sich im allgemeinen aber doch wohl leichter fügen als dem einer einheimischen Kommission, selbst wenn diese, wie jetzt hier, auch nur das Beste im Auge hatte. Kreis Friedberg. (' ", . sf. Friedberg, 8. Jan. Gestern fand die erste Sitzung der n e u g e tn ä I) 11 c n Stabt; verordneten Versammlung unter Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Send statt. Sämtliche Stadtverordneten und Beigeordneten waren anwe. send. Der Bürgermeister eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache, in welcher er betonte, daß das Amt eines Stadtverordneten heute viel mehr als früher große Anforderungen an Zeit und Arbeit bean° ipruche. Die wirtschaftliche Depression, die großen Ausgaben und die kleinen Einkünfte schafften oft eine mißliche Lage, und es sei unmöglich, allen gestellten Ansorüchen gerecht zu werden, oft scheitere der gute Wille an der verminderten Leistungsfähigkeit der Stabt. Der Stadtverordnete sei deiner Partei Rechenschaft über sein« Abstimmung schuldig, sondern habe lediglich nach seiner Ueberzeugung und unbeirrt von der öffentlichen Meinung zu hon- dein, auf Dank habe er nicht zu rechnen, er solle unbedenklich seine ganze Kraft für das Wohl der Stadt einsetzen. Nach dieser Ansorache fand die Verpflichtung der sechs neugewühlten Mitglieder statt. — Zur Beratung kam sodann ein Antrag der deuischnationalen Fraktion, nach roeb chem in Zukunft die Beigeordneten In den Ausschüssen zwar zugelassen, aber nicht mehr stimmberechtigt fein sollen. Der Antrag wurde von dem Beig. Dr. Leuchtgens begründet. Nachdem sich eine »Anzahl Stadtoerord- ncte und die übrigen drei Beigeordneten gegen den Antrag ausgesprochen hatten, wurde er mit mit großer Mehrheit abgelehnt. — Ein weiterer Antrag ging darauf hin, außer dem B a u a u s - ichuß noch eine Baudeputation zu wählen, her besonders die Vergebung der Arbeiten übertragen werden solle. Dieser Antrag rief eine längere Aussprache hervor, anerkannt wurde von allen Seiten, daß die in letzter Zeit oft vorgekommenen Mißstände dringend eine Beseitigung erheischen, icdoch wurde der Wunsch geäußert, daß man erst in anderen Städten Erkundigungen über die dort geFranziska. Roman von LieSdet Dill. 39. Fortsetzung. Nachdruck verboten. ®r stand ihr gegenüber, kalt, mit seinen flammenden Augen, seiner eckigen Stirn, die mageren Hände auf den Tisch gestützt. „Ich frage dich nicht mehr. warum du den dort," er wies nach dem Tisch, »erwartest, und wer cs ist, denn du würdest mich ja doch belügen, wie du mich immer belogen hast —" »Das ist nicht wahr," rief sie. »belogen hab' ich dick nur einmal, damals hott ich Furcht vor dir — „Einmal ober hundertmal belogen, gilt mir gleich", fuhr er mit mühsam gedämpfter Stimme fort in der der Hatz flackerte. .Es interessiert mich nicht, wie er heißt, eS ist ein Rame mehr ober weniger. Schwein!" Die hatte sich erhoben, taumelnd stand sie da, mit verwirrtem Haar, mit einem zerknitterten Rocksaum und heftig atmender Brust. Sie nestelte an der Rose und schleuderte sie endlich inS Zimmer, ba sie sich an der RadÄ geritzt. Sie nahm das Taschentuch und wickelte es um die Hand. »Du hast mich wenigstens gelehrt," fuhr er lwhnvoll fort, mit einem harten Blick und einem Lächeln, ba» sie rasend machte, »daß man einem Weib nichts glauben ban. Wem dein Gesang vorhin galt, ba» hab' tch ja endlich auch verstanden, Rarr, der ich war." Gr schlug sich gegen die Stirn, daß e» klang, als schlüge er gegen ein Stück Hotz. Ss sah schrechlich auS, wie er im Zimmer auf und ab rannte, gegen die Möbel st test ohne sie zu sehen, wie ein Tier, ba» sich Den Kovs einrennen will, und plötzlich sah sie die Waffe tn seiner Hand. Es durchgitterte sie schwach Sie beugte sich vor,, die beiden Hände nach ihm ausgestreckt, nach dem Lauf der Waffe, die funkelnd nach ihr sah... Ihr Atem stand still, wie ihr Herz inne- z uh alten schien. Sie war wie gelähmt, unfähig, Sv noch etwas anderes zu denken als: Cs ist das NepEnde. Aber alle Furcht von vorhin war von -- gewichen. Sie frngfHgte sich nicht mehr. Gegen diesen Menschen famt ich mich nicht wehren. (Sv würde mich zu finden wissen und wenn ich mich in einen tiefen Turm sperren wollte. »Ich schwöre dir," sprach sie zitternd, „daß »wischen mir und Mariot noch Irin Wort ge- wechsÄt worden ist, da» unrecht war, und toenn du daraufhin zu ihm gehen würdest, wie ihr Stephansberger damals die Wohnung gestürmt habt, bann könnt' er dir in» Gesicht lachen ober dir vom Gericht die Beleidigungsklage zu- geheri lassen." »Ist das wahr?" stieß Hasse heraus. Gr glaubte nicht daran, aber irgend etwa» sagte ihm, daß sie diesmal die Wahrheit sprach. »Ja", nickte sie mit blitzenden Augen. „Roch ist nichts zwischen unS vorgefallen, das Essen beut' bedeutet nichts, als baß sein Geburtstag ist und ich mit ihm die Salomeaufführung besprechen wollte —" »Das tarnt man im Theater", warf er ein. „Rein, daS kann man eben nicht dort, wo jeder Vorhang ein Loch hat, hinter dem sie einem zugucken. Eine jede ist ja eifersüchtig auf mich seit er mich die großen Partien fingen läßt und seit ich das Publikum für mich hab'. Und seine Frau rast vor Wut, weil sie mir nicht» anhaben kann bi» dahin." »DiS dahin?" warf er rasch ein, sein Blick spannte sich feine Augen schillerten. Sie wartete einen Moment, bann, als ob sie alles fallen ließe, wo» sie wie ein Schleier noch eben verhüllt, schloß sie brüsk: „Was kommen wird, weiß ich nicht und kann eS nicht wissen .. Dich kann man nicht betrügen, ich inill ehrlich mit dir auseinandergehen .. gib mich frei!" Sie zog den Ring ab und legte ihn auf den Tisch Hasse» Gesicht war bei den letzten Worten fahl geworden. Gs ging wie ein Ruck durch seinen Körper. Alles, was er hörte, war an ihm ^wrübergerauscht, cä hatte ihn geschmerzt, aber laum berührt: doch diese» letzte Wort schürte in ihm eine tierische Wut. Sie hätte ihm gestehen können, ich habe dich betrogen, er würde sie zu sich genommen haben, befleckt von der Umarmung eines anderen, er hätte ihr verziehen, I aber daß sie ihm i,rS Gesicht schleuderte: „Gib I mich frei I“ machte ihn rasend machten Erfahrungen einziehen und auch nähere Mitteilungen über die Zusammensetzung unb Ve fugnisse derselben mache. Bei der folgcnbea Abstimmung wurde mit 1H gegen !' Stimmen die An gelegenheit bis zur näheren Erkundigung z u r ü ch geste 11 -. — Es lag sodann noch ein dringliche-- Antrag des kommunistischen Mitglieds Beutel vor, den von dem Landtage vor kurzem angenommene Beschluß, jedem Erwerbslosen 4e würden in uuferen geldknappen Tagen selbst zu geringen Preisen nur sehr schwer Käufer finden. ES soll daher zunächst nur eine Verpachtung der Masse- gründ stücke stotttinden unb ihr Verkauf auf eine besser« Zeit verschoben werden. * Sichelodorf, 8. 8an. Wer im Sommer unsere Vogelsberger Bäch« und Flüßchen sieht, wenn im weiten Bett nur ein schmales Rinnpil Wasser führt, der kann nicht ahnen, wie schnell der Zwerg zum Riesen werden kann, der alles, was tym erreichbar ist, tn den Strudel der Wasser hinein- zieht. Als tm Oktober 1923 Esche! und Nidda Hochwasser sühtten, daß die Dorfsttaßen beiderseits der Eichel stellenweise 90 Zentimeter unter Wasser ftan- den, mußten zwar im Unterdorf die Ställe geräumt werben, aber größerer Schaden wurde nicht an» gerichtet. Zwei Stellen hatte man damals als be- sonders gefährdet erkannt, und die Gemeinde sckrktt im Sommer 1924 zur Regulierung der Eichel und Nidda. Wo die Eichel mit starkem Gefalle ins Dorf fließt, hatte der Bach fein Bett immer weiter tn die hohe Uferwand hineingegra- ben, so daß zuletzt eine dort stehende Scheuer in Es packte ibn «ine solche wütende Verachtung, daß er sie zu Boden riß. „Hast du denn keine Ehre mehr in dir? Glaubst du, daß du mit mir machen kannst, was du willst? Denkst du, wenn ein Mann seine Karriere aufgibt, ändert, umsattelt, um einem Weib eine Zukunft zu schuffcn, läßt er sich fortschicken, weil ihr ein anderer in den Weg läuft? Hast du nicht damals gehört, was ich dir sagte? Trugst du feinen Ring von mir, hast du mir nicht von Treue gesprochen?" Er packte sie beim Hcuck>gelenk unb schüttelt« sie. „Du willst dein Wort nicht halten?" Auf den Knien vor ihm, sah er, daß ihre weiße Brust sich heftig hob. kaum verchüllt von diesem weißen Streifen Tüll. „Ich kann nur dem treu sein, den ich liebe", Tagte sie. Är zischte ihr schäumend ein Wort inS Gesicht, daS sie erniedrigte. „Und auf euch baut man sein Leben auf, für euch will man sich relnbalten, euch vertraut man sein Haus, seine Kinder, ach, von dir hab' ich mir ein Kind gewünscht, von so einer .. Sie sprang auf. DaS Haar glitt ihr herunter, ihre Füße verwickelten sich in die Schleppe, und sie fiel auf ben Teppich zurück, in ihrem Racken fühlte sie feine Hand, etwas Kaltes setzte sich ihr auf die Brust. Sie bog sich zurück, als fläche sie ein Reptil, unb sie ergriff ben Lauf bet kleinen Pistole. Die schloß schan- beruh die Augen. Es ging ein wildes Ringen zwischen ihnen los. Franziska fiel mit einem Auf stöhnen in die Knie. Gr keuchte, daß ihm bet Schweiß in Tropfen von der Stirn rann. „Ich danke dir," sagte er, „daß du die Wahrheit getagt, zum erstenmal In deinem Leben hast du nicht gelogen." Er hielt sie auf den Knien fest. Und mit einmal durchzuckte sie die Erinnerung an die Wahrsagung bet alten Zigeunerin. DaS also war ihr Schicksal, so zu sterben auf einem rosenbestreuten Teppich unter einem gemalten Himmel von Amoretten, zu bem sie aufschaute, wäh° renb sie vergebens ihre Hände zu befreien suchte. Sie wand sich unter diesem eisernen Druck. Das Schicksal! Dagegen konnte sich niemand auf- lehnen. Gin verzweifelter Mut kam über sie. „Gut", sagte sie entschlossen, während fk ihr Haar über die nackte Schulter zurückwars- „Mach's kurz." Ihr Blick wurde starr, er veränderte ihr Gesicht, sie schloß die Augen. Ein Gebet fiel ihr ein, sie sprach es rasch und leise im Gedächtnis nach. Doch sie iDartetc vergebens. Als kehre ihm das Bewußtsein dessen zurück, was er tun wollte, oder als habe ihm ber Teufel einen anderen Gedanken etngegeben, schleuderte er plötzlich ihre Hände fort intb sagte mit fremder Stimme .Geb ...wohin du willst. Du bist frei!" Er schob die Waffe in seine Rocktasche unb verließ, ohne sich umzusehen, ba» Zimmer. Franziska richtete sich auf unb schaute vev- stört um sich Das Zimmer war feer. Sie strich sich baS verwirrte Haar zurück, auf her Treppe klangen feine festen Schritte, bann fiel eine Tür inS Schloß. Aus, dachte sie. Aber sie Ver- mochte nichts dabei zu fühlen, sie wußte nicht- mehr als „ich lebe noch", und sie fühlte nichts wie das wahnsinnige Klopfen ihre- Herzens. * Das Leben ging weiter. DaS Theater gab Vorstellungen, die Wagen fuhren, die Wasser sprangen auf dem KönigSPlatz zur Mittagsstunde, in den Kliniken wurden die Kranken herein- und berauSgetragen, unb des Mittags gingen die Assistenten in ihren weißen Anzügen in dem alten Park tn der Sonne spazieren. Die „Salome" hatte einen ungeheuren Erfolg, sie wurde wocheirlang bei ausverkauftem Hause gegeben. Franziska wurde von der Kritik und dem Publikum einheitlich al» die beste deutsch« Salome anerkannt, man überschüttete sie mit Blumen unb Kränzen. Studenten und DM- lerinnen liefen ihr die Wohnung ein, um ihtt Beweise ihrer Verehrung zu bringen, die Zeitungen brachten spaltenlange Artikel über i&ren Lebensweg, ihre Kunstmethode, ihre Fähigkeiten. CS hatte die Menschen wie ein Rausch gepackt. „Salome! die Rott!" man sprach fast von nichts anbevem, und wie das brutsche ®ret* chen immer gern eine „Earmen" sieht unb bec Zigeunerin zujubelt, so hatten nun bie Sonne-, berget ihre Salome, bie sich alle Abende itnb ht allen Schaufenstern zeigte, (Fortsetzung folgt) SS meister muß aflo mit einem ftäi vom Staate Lohengrin dem ®*®8se b. T, In Bebmenar'.eit siw Verkaufsstelle in Gießen: Seltersweg 91 Der größere Bezirt umfaßt teil westlich des Kleebaches iljft wurden »en Gemartungs- darunter den Dorfes herunterfuhr. Infolge Versag verlor sie die Herrschaft über den Ä die steile Straße in ein rasendes Vtrektt« «rtspra mcm so selbstverf Spiel entschieden. Zur Beschickur Kamp s spie le, l Lahnkreis- ren Gegner er an und flir sich zur Fettbtldung ebrkur mit den echten Toluba- hrr I925 ^^n )ne.rn. echlle, u S? <*r. Kindern im Alter von 2 bis 10 Jahren kerlüht. Gr war erst seit drei Tagen in Dasaltwerk Drmierschwsnd beschäftigt. Kreis Lauterbach. erwartenden Baukosten schädlich fürs Her», dabet aber äußerst wirksam. Die echten Toluba-Kerne sind tu Artotheken et» bältlich. 60 Gramm Toluba-Kerne reichen für zirka 8 Wochen. Bestandteile aus der Packung. 82si der großen Deutschen abend ist zu diesem Zweck für Mitte März geplant. Am 30. Mai wird außerdem im Frankfurter Stadion vom Reichsausschuß ein großes Sportfest veranstaltet teerten, dessen Ergebnis ebenfalls der Beschickung ter Deutschen Kampfspiele in Köln zugute kommen soll. «en, *53 i wurde starr, K W MÄSf« Hauses die schon vor dem Kriege mehrfach den Gegenstand von Erörterungen zwischen der Gemeinde und Schulaufsichtsbehörde bildete, ist jetzt erneut aufgerollt Worten. Die Gemeinde durfte jetzt einsehen, daß sie besser getan hätte, den Bauplan vor dem Kriege zu verwirklichen. Bevor die Gemeinde sich jetzt über eine etwaige Durchführung tev Bauprojettes schlüssig wird, soll eine Erklärung ter Schulaufsichtsbehörde über neigt, eine ------- .... Kernen durchzuführen. Toluba-Kerne sind un )it Jeldbereini- U beendet: im den neuen De» DvM bet Erregung Ä. Tinr schr vichii^ ) »u tbttiW.gmu. die in M m 220 000 betzahlen. Vie jur >sWen WgcMten bc tobten in unseren ju geringen $re‘M inten. W soll kxch« itungbet^taffe- ' Md ihr Deck »ui drrichvdrn Verven, hm. Der im Sommer je und Wchen W ir ein schmales Rmchl Spielplatt der Ararrkfttrter Theater. Opernhaus. Sonntag, 10. Januar, nachm. 3 Uhr: Die Weihnachstglocke: abends 7 Uhr: Aldo. Montag, 11. Januar, abends 7 Uhr: Mignon. Dienstag, 12. Januar, abends 7 Uhr: Pique Dame. Mittwoch, 13. Januar, nachm. 24 Uhr: Die Weihnachtsglocke: abends 7 Uhr: Eine Nacht in Venedig. Donnerstag, 14. Januar, abends 7 Uhr: Der Waffenschmied. Freitag, 15. Januar, abends 7 Uhr: Der fliegende Holländer. Samstag, 16. Januar, nachm. 24 Uhr: Die Weihnachstglocke: abends 7 Uhr: Othello. Sonntag, 17. Januar, nachmittags 2' Uhr: Die Weihnachtsglocke, abends 61 Uhr: mit ihrem Wohnwagen, den sie in Ermangelung von Zugtieren selb st ziehen mußte, den sehr steilen „Steinköppet" in der Nähe des hiesigen jens der Bremse lagen, der durch Tempo geriet. ein® ”5» jctad ^edtem 'i7la£eria£ faeraec Aciterv iecfen. -e Qja/kaen/iect au, wen. Eichel unb Stibbii hoch' .Maßen belberseits btr nefer unter Wasser fton* rbori die Sülle Y-raumt -laden wurde nicht «fr te man hamatool»«' Bases - B. * Söema - tetocMe -teeerhaß ond «lehret ....... 7^6, MO und dSfO lü aef lei eeSoypett...... Zürnen, Sport und Spiel Hessen-Preutzen Kassel —PMZei Kassel 3:0 Die Lage auf dem Arbeits markt hat sich in ter Zeit vom 21. bis 31. Dezember weiter verschärft. Die Gesamtzahl der im Berichtszeitraum zur Verfügung stehenden Arbeitsuchenden belief sich am 31. Dezember auf 18530 gegenüber 61 973 in der Vorwoche. Rach 2lb- zug aller in Arbeit vermittelten Personen verblieben hiervon am Schluß des Jahres noch 17 342 Arbeitsuchende. Das Angebot an offenen Stellen ist nach wie vor äußerst gering. Es konnten mir 296 (304) Leute in Dauerstellen vermittelt werden. Die Zahl der aus Mitteln der Erwerbslosenfürsorge unterstützten Arbeitsuchenden betrug am 31. Dezember 12 512 (Vorwoche 10 956). Außerdem werden für 9420 Frauen und Kinder Familienzuschläge gezahlt. MSN. Bad Soden. 8. San. Das hiesige Kurhaus wird demnächst nach einem preisgekrönten Entwürfe des Kölner Architekten Vierling zu einem modernen Kurhotel umgebaut werden. Ferner werden einige Quellen neu gefaßt. Das große Bäder- Haus soll jetzt das ganze Sahr über offen bleiben. Die Bade- und Kurverwaltung wurde von den Stadtämtern abgettennt und wird jetzt nach kaufmännischen Gesichtspunkten geleitet. Man hofft, daß das altbekannte guellenreiche Bad Soten jetzt bald wieder seine alte Höhe erreichen wird. Gemeindewald - Den kleineren Bezirk stellt ter GemarkungSteil östlich des Kleebaches dar. n. Niederkleen, K. Jan. Die Frage der Fertig st ellung des W a s s e r l e i t u n g s - bau es wird hier in letzter Zeit ernsthaft erwogen, stößt jedoch mit Rücksicht auf die Geldbeschaffung auf Schwierigkeiten. Die Ouettsassung wurde schon vor dem Kriege hergestellt. Im Herbst und im Winter wurde Die Zuleitung bis zum Hochbehälter gelegt. Außerdem wurde die Anschluhleitung im „Schneiderberg" hergestellt, weil dieser im Frühjahr ein neues Pflaster erhalten soll, Der Hochbehälter soll zwischen dem Forsthaus und den letzten Käufern des „Schneiderbergs" auf dem 'ogenannten „Zimmerplatz" angelegt werden. Die tiefer gelegenen Ortsstraßen sollen eine Kanalisationsanlage erhalten. Ob der Wafferleitungsbau noch in diesem Jahre zu Ende geführt werden kann, hängt davon ab. ob die von der Gemeinde wegen der Geldbeschassting unternommenen Schritte von Erfolg sein werden. —Von einem sckweren Unalücksfall wurde eine fahrenoe Familie aus dem Wege von Pohl-Göns nach hier betroffen, als sie Boen-Süetel Ne T8T*ch1e4OT. AnifQhningen iftw, f.n »Lelnsösfiete! für Damen and Baektieobe, ••br goto Ansfflhnrog . . . . osp-n 3« ';t Sä?1*» SM, * mm et»««!. Hieran ivn. die ihren Airüer» mmi9 angenvm« ■c größte Spars anM Provinz, ÄreU unb mg der Stenern unb rträglichÄ MH. $a echterdings unmöglich m finmziellen Deo tt)ert>»n, verlangt fit steuerlichen AiMnde anbemfiito die Ct» rantwottung aölchnen 10. Januar, nachm. 34 Uhr: Der Kreidekreis; abends 8 Uhr: Der fröhliche Weinberg. Montag, 11. Januar, abends 74 Uhr: Wer niemals einen Rausch gehabt. Dienstag, 12. Januar, abends 8 Uhr: Das große Welttheater. Mittwoch, 13. Januar, abends 8 Uhr: Der fröhliche Weinberg. Donnerstag, 14. Januar, abends 8 Uhr: Der Unwiderstehliche. Freitag, 15. Januar, abends 74 Uhr: Der fröhliche Weinberg: abends 10 Uhr Gastspiel der Tanzgruppe ftratina, Schule Hellerau-Laxenburg. Samstag, 16. Januar, abends 7 Uhr: Der Kreidekreis. Sonntag, 17. Januar, nachm. 4 Uhr: Gastspiel der Tanzgruppe Kratina, Schule Hellerau- Laxenburg: abends 74 Uhr: Wer niemals einen Rausch gehabt. Gestchr kam, etnzustürzen. Hier mutte der wett aus- holende Bogen verkürzt und ter Bach in ein neues Zett gezwungen. Das Niddawasser gefährdete das llnterborf so oft, weil eine wenig benutzte Furt mit ihrer flachen Einfahrt den Fluten ungehindert Zu- rritt in die Dorfgasse gestattete. Eine unterhalb dieser Furt im Laufe der Jahre entstandene Kiesbank staute das Wasser und druckte es ins Dorf. Nachdem sie entfernt wurde, ist das Flußbett hier etwas tiefer geworden und nun imstande, die Wassermassen rasch weiterzuführeu. Allerdings ist die Gefahr nicht ganz veleitigt. Die Lücke, die die Furt in der Mauer offen läyt, müßte geschlossen und das Flußbett noch mciter vertieft werden, bann wäre dem Wasser endgültig der Zutritt ins Dorf verwehrt. Die Regulie- rungen im kleinen, die hier vortzenommen wurden, sind yn lehrreiches Beispiel dafür, wie man besonders im Oberlauf unsere Gewässer durch kleine -chutzbauten, Verbesserungen im Flußbett ober ttenderungen ter Laufrichtung die Bäche und Flüß- cijen zwingen kann, ihre oft großen Wassermassen -ti Tal zu fördern, ohne Dorf und Flu r zu schädigen. ireaie üeaee-SsanSeimEB&e mit verschiedenen Garnierungen, Absatz Lotüe XV. 9.75 und Bamen-SpaiiSBnstänhe In Ueli mit farbigem Koataebe verziert, hochelegant •etoer Louie XV^Abnetg wl r«bra. Schon einmal siegt« die Jugend über das Alter. alS F. 6. Wetzlar hn Vorjahre die Kassier Polizei nteterrang. Wie wird es diesmal hn Kamps um die Bezircksmeisterwürte werden? Da§ Frankfurter Hallertsportfest abgesagt. WSN. Frankfurt a. M. 8. San. Sn ter heutigen Sitzung des Reichsausschusses für Leibesübungen Ortsgruppe Frankfurt u M.. wurde das für Ende Februar geplante und schon weit vorbereitete große H a l lensportfest wieder abgesagt, weil der für diese Veranstaltung in Aussicht genommene Dermin auf den Landestrauertag für die im Kriege Gefallenen fällt und ein anderer paffender Dermin nicht gefunden werden tonnte. Streik Alsfeld -er.' Homberg a. t>. Ohm, 8. San. Sn ter am Donnerstagabend stattgehabten Sitzung tes GeweinderatS fand die Verpflichtung ter neu gewählten Mitglieder statt. Von den zwölf GemeinderatSmitglietern sind sechs durch Neuwahl in daS städt. Parlament eingezogen. Nachdem die Gewühlten in Pflicht genommen waren, wurde zur Bildtmg ter verschiedenen Kommissionen geschritten, wie Finanzkommission, Bau- fomnttssion, Steuerkcnnmission usw Unsere beiden Gesangvereine sind jetzt fleißig an ter Arbeit. Der Männer'Gesangverein bereitet für diesen Winter einen Theaterabend i?or, während der Gesangverein Frauenfo6an Pfingsten ein Preissingen zu veranstaltet teabfichttgt. _ st unter i>er Somr Summe wie oben K 48 371.96 Gießen, den 15. Juni 1925. gez. Braun. Revidiert, ohne daß sich fttr vorstehende Abschlüsse Acnderung ergeben hat. Darmstadt, den 4. November 1925. größte Teil d blatt „ßiehra Schulen un Kowno wirt gelesen. Für zu erlernen mit Deutsch kann, trogi Wertet)! mit Der beu sonders auf zu Derfpü berg nur cir der in Sitar 30000 geschi Kolonie von Gegensatz zu Estland, das des Landes t meist Nachko leuten und Kowno-Kaun .Litauische 3 Stufen des bedeutende Deutschtums Die hm U2ls/es. nach der ne Mer WV\. monate-nöhhirfe Mädchen können d. sJttiben erlernen b. Anfertigung in eigner Garderobe n. Aufstcht v. perf. Schneiderin. 0164 «. Hikmet. Ludwigstratze 6. Nur noch heute und morgen Die Stimme des Herzens 9 Akte. Ein vorv stärkstem Leben erfülltes Filmkunstwerk mit Gräfin Agnes Esterhazy, Mary Johnson, Margarete Kupfer, Olaf Storm, W. Kaiser-Hey!, Fritz Kämpers. Versteigerung bestimmt Mittwoch, den 13. Januar 1086 von nachmittags 2 Ubr ab, versteigere ich öffentlich zwangsweise im FabrikqebSade der Oberheisteehen Maiehineniabrik „Omag“ Ä.B., in Bntzback Gießener Straße 1 Stanze 1 große und 1 kleine Drehbank 1 Btegemafchine 1 Hobelmaschine 1 Lochstanze 1 Blechschere mit Gestell 1 kleine Blechschere mit Bock 1 Bock für Kreissäge 10 Wellen für Transmissionen 2 Hobelbänke von Metall eiserne Rahmen 1 grobe und 1 kleine Riemenscheibe 1 Partie Kohlenfüüer und Ofenrohre 2 Ambosse 1 Esse 10 Stück Flacheisen 2 Rohre 1 Biegemaschine altes Zink, Abfallrohre u. alte Radreifen Versteigerung voraussichtlich bestimmt Herrnbrodt,Gericht-vollzieheri.Butzbach 7. Januar 1926 0203 He ÄMmWH Dienstag, den 12. Januar 1926 von 9 Ubr vormittags ab, versteigere ich öffentlich gegen bare Zahlung im Fabrikgebäude der Sßddentgghen Drill- maschlnenwerke A. G., in Pohl-Göne bei Bntzback 5 Schnellbohrmaschinen bis 2G mm Lochdurchmesser 1 Eisenschere mit Elektronrotor bis 40 Durchmesser 2 Exzenterstanzen 5 Schnelldrehbänke von 1.10 m Dreb- länge und 200 mm Sp)tzenhöhe ab 1 Elektromotor 10 P.S. 1 Hobelbank 2 Fräsmaschinen 1 Biegemalchine usw. Eine gröbere Partie Flacheisen, Rund» eisen. Winkeleisen. U Eisen. Gorderräder, für Drillmaschinen, 1 tzlaschenzug, Bretter, Zubehörteile für Drillmaschinen. Reinhold Potz Oberleutnant a. D. Erika Potz geb. Griesbach Dr. med. Lenhart, Domkapitular, Borsttzeud« b«t Landtag«Fraktion der gettrumitxtdd, Maio» Lrusch««', Borsitzender bet ßanbeffornmfffltm bet Gewerk- schaftto, Darmstadt Lochte. Präsident der Reichflbahndtrektion, Mainz Lüchaer, Direktor btf Dekirizttüttwerk» N-etnhessan, Worin? M argold, Architekt, Boffitzenb« bti Aünstlerkcmteü», Darmstadt May, Direktor, vorsttzentzer M fftrrteC® btt ettfMtgÄewtNmbe Darmstadt Mergel, Bürgermetst«, Gchottan Merck, Earl, Dr., YÄrsiant, Darmstadt Merck, Dr., KreiSdtrektor, GroH^l«au Mayer, Ludwig, Borsitzeuder d« Vereinigung der Srbettgeücr- verbände fflt Mainz und Umgegend, Mainz Meyer, Regierungflrat a. D., Vorsitzender der Mainzer Bankier. Vereinigung, Mainz Bttdiel, Dr., KreiSdirrktor, Lauterbach Mostet. Vorsitzender der Freien Bauernschaft, Marienbom Mueller, Vorsitzender de- ^Hessenflieger-Bereinfl für Luft. fahrt", Darmstadt Müller, Reichsbankdtrektor, Darmstadt Reff, Bürgermeister, Dingen a.RH. Reumann, Vorsitzender deS Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes, Darmstadt Naht, Präsident der Handwerkskammer, Darmstadt Ruß, Vizepräsident befl Hessischen Landtag-, Warm« Pfeiffer, Kreisdirektor, Heppenheim a. d. v. Quessel, Dr. RcichStagtzabgeordneter, Darmstadt Naab, Minister für Arbeit und Wirtschaft, Darmstadt istah«, Oberbürgermeister, WormS Reiber, Vorsitzender der Demokratischen Landtagtfrattion, Darmstadt Reinhardt, Krei-direktor, Bensheim Zoller, Bürgermeister, Wimpsen a.N. Schäfer, Student, Borsitzender der Ausschusses der Stubenleii« schäft der Technischen Hochschule, Darmstadt Schkfferk, Bürgermeister, Heppenheim a. b. B. Schirmer, Kommerzienrat, Gießen Schmidt, Bürgermeister, Oppenheim a. Rh. Schön, KretSdtrcktor, Bingen a.Rh. 3ei)b, Dr., Bürgermeister, Friedberg t. H. Sichel, Herm., Vorsitzender des Verbandes rheinhessischer «ein. Händler, Mainz Zittmauu, Kommerzienrat, Vorsitzender de» Hesi. Weinbau. Verbundes, Oppenheim a. Rh. Stammler, Dr., KreiSdircltor, Alsfeld -treese, Vorsitzender deS Vereins Hess. Zeitungsredakteure, Darmstadt Ulrich, Staatspräsident, Darmstadt Urban, Bürgermeister, Grost-Gerau Ustuger, Dr., Provinzialdirektor, Mainz Völsing, Dr, Bürgermeister, SllSfcld Wallerstekn, Eugen, Sommerzwnrat, Mitglied deS v. Reichs. wirtschaftsrateS, Offenbach a.M. Walz, Bürgermeister, Lauterbach i. H. Weinberg, Vorsitzender des GcwerkschaftSringS Deutscher Br- beiter- Angestellten- und Beamtenverbände, Darmstadt uon Werner, Kreisdirektor, Erbach t Odw. Werner, KreiSdircktor, Offenbach a.M. Werner, Prof. Dr., M. d. R., Vorsitzender der Deutschnationalen LandtagSfraktlon, Butzbach Wesp, Bors. deS Deutschen GcwerkschaftSbundeS, Darmstadt Wick, Bürgermeister, Dieburg Will, Vorsitzender deS KreiSvereinS für Hesien-Nassau und Hesien deS Verein» deutscher ZeitungSverle'tzer, Mainz Wolff, KreiSdtrekwr, Wormü für 1924. Die Einnahme beträgt.................... Die Ausgabe beträgt .................... Verglichen bleibst Rest SLbdUBfl, Präsident de» Hessischen Landtag-, Mainz. Alexander, Bürgermeister, Borsitzender de« Landgemein de tag«, Gonsenheim Augermeier, Dr., Bürgermeister, Bensheim Bamberger, Dr., Präsident befl Hess. Handelstag», Mainz Becker, Dr., Reichstagsabgeorvn-Ier, Duisburg Bender, Dr„ Iustizrat. Bors, der ÜlnwaltSkammer Darmstadt Best. Dr., RetchStagSabgeordacter, Darmstadt Vockiu», Dr., ReichStagsabgeor^vter, Mainz ASckmanu, KreiSdirrktor, Schotten von Brentano, Minister d«S Innern und der Justiz Darmstadt Brink, Direktor, Vorsitzender der Bereinigung Darmstädter Banken und Bankier«, Darmstadt ■ Bürker, Start, Prof. Dr., Rektor bet LandeSuniversttät, Gietzen 61a9, Dr., Vorsitzender befl Hesi. Beamtenbunde», Darmstadt ravid, Dr., Reichtzintnistcr a. D-, Vertreter der ReichSregierung, M. d. R-, Darmstadt Deogler, Bürgermeister, Erbach i. Odw. Diehl, D. Dr., Prälat, Darmstadt Dingeldey, Vorsitzender der LandtagSftaktion der Deutschen VoltSpartei, Darmstadt Dorsch, ReichStag?abgcordne1er, Wolfersheim T raubt, Kreisdirektor, Alzey ^öerlf, Pwf. Dr„ Rektor der Tcchu. Hochschule, Darmstadt Gugelhardt, Dr„ Fabrikant, Offenbach a.M. reiue, Geh. Kommerzienrat, Vorsitzender beS Maftqer Bbffen^ verein? e. V., Mainz Fendt, Bürgermeister, Büdingen Gail, Georg, Dr., Fabrikant, Gießen Gastell, Albert, Fabrikant, Mainz-Mombach itzaßner, Dr., KrciSdirektor, Büdingen Gebhardt, KreiSdireklor, Friedberg i. H. Glaser, stellv. Vorsitzender der LandtagSstaktion bei Hessischen BauernbunbeS Norbheim Glässing, Dr., Oberbürgernieister, Darmstadt Gliissiug, Präsident beS LanbeSftnanzamtZ. Darmstadt Granzin, Okerbürgermelstcr, Offenbach a.M. «tzraf, Provinztaldirektor, Gießen Gümbel, Gustav, Bankdirektor, Bingen a. Rh. Habicht, Dr , Geh. EanitätSrai, Voffihender der Ärztekammer Darmstadt von Helmolt, Vizepräsident beS Hesi. Landtag?, Nd.-WSNstadt Heounerde, Kreisdirektor, Dieburg Henrich, Finanzminister, Darmstadt Hensel, Olonomierat, PrSsident der LandwirtschafUkammer, Dannstadt Herberg, KreiSdirektor, Oppenheim a.Rh. Heul zu HerruShrini, Frhr., D. Dr., Fabrikbesitzer, WormS Hill, Dr., Bürgermeister, Alzey Hugo, Dr., Bischof, Mainz Italiener, Dr., Rabbiner, Darmstadt JNngst, Gtubent, Vorsitzender deS Allg. StudentenauSschusies der Universität Gießen Kaul, Vorsitzender der Sozialdemokratischen LandtagSfraktion, Offenbach a.M. Kayser, Dr., Bürgermeister, Bad-Nauheim Keller, OberbürgermMer, Gießen Knoll, ReichStagSabgeordneter Darmstadt Karell, RelchStagöabgeordneter, Nieder-Ingelheim stünig, Prof. Dr., Geh. Hofrat, Vorsitzender deS Vereins für Luftfahrt e. B., Gießen Kranzbühler, Dr., Provinztaldirektor, Darmstadt Külb, Dr., Oberbürgermeister, Mainz Lange, Boffitzendcr befl Mgcm. Freien Angestelltenbundes, Darmstadt Legal, Generalintendant befl LandeStheaterS, Darmstadt Lcnhardt, Präsident der Oberpostdirektion, Darmstadt Nur am Sonntag Zigano" mit Harry Piel Eintrittspreise von 0,80—2,00 Mk. 1-, 2- und Stflrig Waschkommoden mit und ohne Marmor Chaiselongues Diwans Nur noch heute und morgen Harry Piel in „Zigano Der Brigant von Monte Diavolo. — 8 Akte Eintrittspreise 0,80—1,60 Mk. 2855 Vaillants Gas-Badeöfen zu beziehen durch alle Firmen der Gas- und Wasser brauche Jllustr. Katalog Ausgabe 17 U kostenlos. Joh.Vaillant» Remscheid. Abschluß zur Rechnung der Bezirkssparkaffe Sieben im Rreise Gießen *Mmaistheilbat Dr. med. Alberta Aethmaknr kann selbst veraltete Leiden dauernd heilen. Aer-tl. Sprechstunde in Gießen, Bebebds- Hete! Lenz, Jeden Hontag 10—2. 253sl ÜSM Liodeoplalz I __ 256a V. 12 269 502.29 „ 12 221 130.33 JK. 48 371.96 Vom 9. bis 23. Januar Inventur-Ausverkauf »Kammer. ert. Emmerich Der vorstehende Abschluß wird gemäß Art. 3 des Gesetzes über die öffentlichen Sparkaffen zur Kenntnis der Bezirks- angehörigen gebracht. Gießen, den 6. Januar 1926. Der Direktor der Bezirkssparkafse Gietzen. I a ch e i e. ______2601) DrucksachenasitzrAtt XXÄ» die vrShl'sche AnrverlttUr.vnickerei, 8. trage, «ießrn, Zchuillr. 7. Nr. 7 Drittes Blatt Mb. ..ioobok« m r/.-j Mpri?rr A l e j a , d. h. Freiheitsallee auf der nach der neusten Mode gekleidete Eleganz, die in keiner Weise hinter Westeuropa zurücksteht, ihre Nachmittagspromenade macht, um „zu sehen und gesehen zu werden". Die heutige Freiheitsallee ist eine jener unglücklichen Straßen, die unter den wechselnden Launen der Politik mehrfach ihren Namen haben ändern müssen. Zur Zeit der deutschen Besetzung hieß sie Kaiser-Wilhelm-Allee und ist unter diesem Namen jedem deutschen Sonaten, der Kowno kannte, in angenehmer Erinnerung. Auch dieser Name war kein ursprünglicher; zur Russenzeit hieß sie Nikolajewski-Prospekt. Die Volkswirtschaft ß i t a u e n 5 Jft dadurch charakterisiert, daß der wirtschaftliche Schwerpunkt auf dem flachen Lande liegt: Litauen ist Üeber die Bedeutung der kurzen Wellen für die drahtlose Telegraphie und Telephonie. Nach einem Dortrage von Dr. Ludwig Bergmann, Marburg, gehalten im Physikalischen Institut der Universität. Die Tatsache, daß es unter Benutzung von kurzen elektrischen Wellen mit einem Energieaufwand von wenigen Watt (etwa dem Verbrauch einer gewöhnlichen elektrischen Birne) gelingt, die Entfernung Europa—Amerika, ja Europa—Australien zu überbrücken, diese Tatsache rechtfertigt allein schon den Dortrag, muß es doch jeden gebildeten Menschen, ganz besonders natürlich jeden Funkfreund, auf das höchste interessieren, Näheres darüber zu hören, wie das auf den ersten Blick unmöglich Scheinende zu erklären ist. Werden doch von unseren drahtlosen Senderstationen, z. B. Nauen, zu einem betriebssicheren kommerziellen Verkehr mit Uebersee bis zu 500 Kilowatt benötigt, eine Energiemenge, die mehr als 10 OOOmül so groß ist als die, mit der von amerikanischen Funkfreunden zum erstenmal der Ozean überbrückt werde. Die kurzen Wellen und ihre ganz unwahrscheinlichen Erfolge sind ein gerade klassisches Beispiel dafür, wie ein gewaltiger Ruck nach vorwärts in der Entwicklung irgendeiner Technik nicht durch irgendeine ausgefallene und vollständig neue Idee, sondern gerade dadurch hervorgerufen wird, daß man unter dem Druck einer zwingenden Notwendigkeit auf etwas zurückgreift, das längst als überholt galt, und dem jeder Fachmann auch nicht die ge- Gießener Anzeiger (General- •in vorwiegend agrarisch e i n g e st e 11 - les Land, dessen Bevölkerung zu fast 70 Proz. auf dem flachen Lande lebt. Hier liegen auch die Hauptstützen des Litauertums, da die Landbevölkerung meist litauisch ist und nur Adel und Grundbesitz polnisch waren. Durch das Agrarreformgesetz, das die Aufteilung aller Besitzungen über 80 Proz. anordnet, ist diese Oberschicht ihrer Stellung beraubt, so daß sich heute über die Hälfte des Landes in kleinbäuerlichem Besitz befindet. Hier auf dem Lande ruhen die Hauptstützen des neuen Staates. Gme eigene Indu st r i e ist trotz der Bemühungen der Regierung, eine solche zu schaffen nur in fel)r bescheidenem Umfange vorhanden und da Mineralschätze fast völlig fehlen, sind auch die indu- ftnellen Aussichten Litauens nur unbedeutend Desto g ü n ft i g e r sind die Handelsaussich- t e n, die schon durch die günstige geographische Lage Litauens zwischen Mittel- und Osteuropa eine starke natürliche Förderung erhalten. Bei geschicktem und klugen Ausbau dieser seiner günstigen Handelslage könnte Litauen berufen fein, das Bindeglied zwischen Deutschland und Rußland zu werden, denen unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine gemeinsame Landesgrenze fehlt. Da aber Litauen durch den bekannten Handstreich des polnischen Generals Zeligowski seine alte historische Hauptstadt Wilna verloren hat, ist es einstweilen von einem direkten Verkehr mit Rpß- land über die eigenen Landesgrenzen abqeschnit- ten; der Transithandel geht daher über Lettland nach Rußland. Die Lage des litauischen Außenhandels entspricht der vorwiegend agrarischen Einstellung des Landes, indem die hauptsächlichsten Ausfuhrartikel landwirtschaftlichen Charakters sind, so Getreide und sonstige Nahrungsmittel, die fast 50 Prozent des Exportes ansmachen. Den eigentlichen Reichtum des Landes bilden die ausgedehnten Wälder, die 20 Proz. der Gesamtfläche Litauens ausmachen und schon seit altersher im Holzhandel und der Holzindustrie eine bedeutende Erwerbsquelle des Landes geschaffen haben. Die wichtigsten Ausfuhrartikel sind demnach neben den landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Getreide, Flachs, Sprit, vor allem Holz und Felle. In der litauischen Ausfuhr steht Deutschland mit fast 50 Proz. an c rft e r Stelle der ausländischen Abnehmer Litauens. In den Ziffern des Warenimports kommt diese wirtschaftliche Verbundenheit beider Länder noch wesentlich deutlicher zum Ausdruck, indem 70—80 Proz. des litauischen Imports aus Deutschland stammt. Diese wirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands und Litauens haben auch auf politischem Gebiet ihre Wirkungen nicht verfehlt, indem Litauen, das nach Beendigung des Weltkrieges durchaus entente- freundlich war und feine Handelsbeziehungen vorwiegend nach dieser Richtung zu erweitern strebte, mittlerweile eine Schwenkung vorgenommen hat und mit Deutschland in ein vernünftiges und ruhiges Verhältnis zu kommen wünscht, um so mehr als der Streit um Wilna eine tiefe Kluft zwischen dem ententefreundlichen Polen und Litauen heroorgerufen hat, der nicht eher zur Ruhe kommen wird bis die alte litauische Residenzstadt Wilna wieder litauisch geworden sein wird. Hieraus erklärt sich die gegenwärtige politische Stellung Litauens in Osteuropa, die durch den Gegensatz zu Polen eine Annäherung an Deutschland und Rußland gebracht hat. Aus diesem Grunde hat sich Litauen auch gegenüber der Bildung eines baltischen Randstaatenbun- d e s, wie ihn Polen mit der Spitze gegen Deutschland und Rußland erstrebt, bisher ablehnend verhalten. Wie mir von führender politischer Seite mitgeteilt wird, würde diese Stellungnahme Litauens auch nach einer etwa erfolgten Rückgabe des geraubten Wilnas von Seiten Polens keine Aende- rung erfahren, da Litauen nicht geneigt ist, die unmögliche Ostgrenze Polens gegenüber Rußland zu garantieren ober gar zu verteidigen, was als Grundlage eines baltischen Staatenbundes unter Polens Leitung anzusehen wäre. Man ist hier vielmehr der Ansicht, Litauen zu dem natürlichen V e r b i n d u n g s l a n d e zwischen Deutschland und Rußland zu mach- ., anstatt sich zu polnisch-französischen Zielen einer baltischen Einheitsfront gegen Rußland und Deutschland mißbrauchen zu lassen. Der russische Außenminister Tschitscherin hat, als er am 23. Dezember auf feiner Heimreise aus Deutschland auch Kowno berührte, Rußlands Stellung zu einem derartigen Zusammenschluß der Randstaaten erläutert, indem er sagte: „Dem Verband baltischer Staaten steht Rußland nur bann freunblich gegenüber, wenn er die friedliche, ökonomische und politische Entwicklung der baltischen Staaten bezweckt". Weiterhin äußerte er gelegentlich des Presseempfanges in Kowno: „Ich bin sehr zufrieden, daß ich als erster Vertreter der Regierung, die die russische Föderation geschaffen hat, die Möglichkeit habe, den litauischen Staat zu begrüßen und ich versichere Litauen unsere' unbedingten Freundschaft." ringste praktische. Bedeutung mehr zugesprochen hätte. Die kurzen Wellen sind nämlich nicht erst eine Errungenschaft der letzten Jahre, sondern sie stan- -den bereits an der Wiege der Funktechnik; sie waren es, mit denen zuerst Versuche gemacht wurden, jene berühmten Hertzschen Versuche, auf die letzten Endes alle unsere Fortschritte in der drahtlosen Nachrichtenübermittlung zurückgehen. Damals waren jedoch die kurzen Wellen für die Zwecke der Nachrichtenübermittlung nicht zu gebrauchen. Die Entwicklung, die stets größere Reichweiten anstrebte, brachte zwangsläufig immer längere Wellen, bis sich der ganze Verkehr, besonders der Ueberseeverkehr, auf Wellen von vielen Kilometern Länge abspielte. Erst die immer größere Stationsdichte, die immer mehr wachsende Zahl von Rundfunksendern nötigte wieder zu Versuchen mit kurzen Wellen, um die Störungen der dicht beieinanderliegenden Sender zu vermindern. Dabei standen natürlich ganz andere Hilfsmittel sowohl in der Sende- als auch in der Empfangstechnik zur Verfügung als von 30 Jahren, so daß es jetzt möglich war, Erfolge zu erzielen, die zuerst nur ein ungläubiges Kopsschutteln aller Fachleute hervorriefen Diese Erfolge der Kurzwellentechnik haben mehrere Ursachen. Einmal wird die vom Sender auf die Sendeantenne geschickte Energiemende bei den kurzen Wellen ganz anders ausgenützt, d. h., es wird hierbei ein viel höherer Prozentsatz der aufge- wandten Primärenergie wirtlich ausgestrahlt, als es bei den im Ueberseeverkehr seither üblichen Wellen von 10 bis 20 Kilometer Länge möglich war. Andererseits spielt die Art der Ausbreitung der Wellen eine ausschlaggebende Rolle. Die langen Wellen Anzeiger für Oberhessen) Will man über die innen- und außenpolitische Lage Litauens ein Urteil abgeben, so kann man agen, datz die politischen und sozialen Derhältniffe de: weitem die lonfolibicrtcftcn unter allen balli- loicn Randstaaten sind. Nur hinsichtlich des S t r e "v- tes um Wilna, in dem Lilauen uner - bitterlich auf seinem R e ch t b e st e h t, stnd außenpolitische Difserenzer., an denen Deutsch- lanö aber nur inbirett interessiert sein kann, uoi- banben. Die Neuorientierung der litauischen Außenpolitik hinsichtlich eines freundschaftlichen Verhält- mflen zu Rußland und Deutschland entspricht durch- aus den Lebensnotwendigkeilen des Landes, dessen politisch-wirtschaftliche Aufgabe vornehmlich darin ^" suchen ist, nicht trennend zwischen Deutschland unö ^!^ond zu treten, sondern die Beziehungen "och Möglichkeit zu erleichtern und zu intensivieren. Ueber die Aussichten der wirtschast- chs "Lage kursieren hier sehr pessimistische Urteile, tue aber wohl nur zum geringsten Teile 311 treff en. Tatsache ist, daß die diesjährige Ernte Litauens für den Eigenbedarf nicht ausreicht und man nicht unbeträchtlich^ Mengen an Hafer unö Kartoffeln einführen muß. Die durch diese Lage drohende Passivität der Handelsbilanz dürfte kaum durch die sich sonst gut entwickelnde Ausfuhr von Butter und sonstigen landwirtschaftlichen Produkten ausgeglichen werden. Die Regierung hat angesichts dieser drohenden Passivität des Außenhandels zu Krediterschwerungen für den Import und zu besonderen Begünstigungsmaßnahmen den Export gegriffen, ohne daß diese Maßnahmen von bedeutendem Erfolge gewesen sind. Alles in allem ist die allgemeine Wirtschaftslage hier durchaus schwierig, rechtfertigt aber in keiner Weise irgendwelche Befürchtungen, so daß von einer Wirtschaftskrise bei weitem nicht gesprochen werden kann. Vollshalle und verkehrsMrbung Wer sich die Konsequenzen des Volkshallebaues in gründlicher Lleber- legung vergegenwärtigt, wird zu dem Ergebnis kommen, daß dieses Unternehmen weitgehenden bestimmenden Cinsluh auf die Verkehrswerbearbeit unserer Stadt ausüben m u ß. Der Vau ist trotz der großen privaten Anteilscheinzeichnungeii doch nur durch die tat- frohe und auch materiell sehr großzügige Mitwirkung der Stadt erstanden. Es war bekanntlich nicht einfach, die Beteiligung der Stadt an diesem -Unternehmen gegen den Widerstand eines erheblichen Teiles der Bürgerschaft zu erreichen. Daß die städtischen Körperschaften von 1925 dennoch sich entschlossen, bei der Umsetzung des großen Gedankens in die Tat weitgehend mitzuwirken, bleibt ihr Verdienst auch dann, wenn uns die Volkshcrlle noch einige kommunalpolitische Kopfschmerzen verursachen sollte. Denn diese Tat ist nicht aus dem Gedanken von heute auf morgen geboren, sondern aus Erwägungen entstanden, die der Entwicklung unserer Stadt um Jahrzehnte vorausschreiten. Von diesen Ueber-- legungen geleitet, haben wir den Dau nachdrücklich befürwortet, uiü> wir werden seine Weiter- entwicklüng auch fernerhin zu fördern suchen, weil wir der Ansicht sind, daß eine aufwärtsstrebende Stadt den Mut haben muß, selbst in trüben Zeiten kühne Ideen und energisch zupackende Entschlußkraft nicht unter enge Gesichtspunkte verschütten zu lassen. Runmehr ist die Pflicht zu erfüllen, für die Rentabilität dieses Baues zu sorgen. Wenn es sich bei der Volkshalle um ein privates Unternehmen handelte, könnte man dem Volkshalle- verein die Sorge für die Wirtschaftlichkeit der Schöpfung allein überlassen, da aber die Stadt die Seele des ganzen Vereins ist und sie unter allen Bedingungen für die Halle eintreten muh, ist ,es Aufgabe der Kommunalpolitik und der öffentlichen Kritik, über Mittel und Wege zum Gedeihen des Volkshalleunternehmens nachzudenken und alle Vorschläge nach dieser Richtung hin sorgfältig zu prüfen. Gelegentlich hört man in der Bürgerschaft die Meinung, der Dolkshalle- bau werde ein Schmerzenskind für'bie Stadt werden. Wir haben in unserem Artikel „Gießen an der Jahreswende 1925/26“ in der Silvesternummer vom 31. Dezember v. I. den Sah geschrieben: „Der Volkshallebau wird unseren Stadthaushalt belasten, wenn wenig oder gar nichts geschieht in der Werbung zu seiner häufigen Benutzung, er wird aber sicherlich keine Last werben, wenn es durch energische Werbearbeit gelingt, alljährlich öfter große Veranstaltungen aus dem Reiche h'erher zu bringen.“ 3n diesen Worten ist kurz formuliert, was unsere Stadt braucht: großzügige Verkehrswerbung. Wird diese zur Tat, dann besteht zwe 'el- los gute Aussicht, daß die Dolkshalle kein Schmerzenskind wirb und daß auch unsere Geschäftswelt in der Herbeiziehung auswärtiger pflanzen sich vorzugsweise nur längs der Erdoberfläche fort und werden dabei sehr stark geschwächt, so daß bei größeren Entfernungen zwischen Sender und Empfänger nur bei sehr großem Energieaufwand noch eine Ausnahme stattfindet. Die ganz kurzen Wellen werden vorzugsweise in den Raum hinaus ausgestrahlt. Ihre Fortpflanzungsrichtung bildet also einen mehr oder minder steilen Winkel mit der Erdoberfläche. Bei den Wellen des Rundfunkgebietes dagegen finden sich nach der jetzt meist vertretenen Anschauung beide Arten der Ausstrahlung. / Die Raumstrahlung ist ausgezeichnet durch außerordentliche geringe Verluste im Medium zwischen Sender und Empfänger. Nur erscheint es etwas merkwürdig, wie nun diese in den Raum hinaus ausgestrahlten Wellenzüge ihren Weg zu einem Empfänger finden sollen, der vielleicht auf der anderen Seite der Erdkugel, am Gegenpol, aufgestellt ist, wissen wir doch von den Lichtstrahlen, mit denen die elektrischen Wellen ja durchaus wesensgleich sind, daß sie sich nur geradlinig ausbreifen. Zur Erklärung der den allgemeinen Anschauungen von der gradlinigen Fortpflanzung widersprechenden Erscheinungen nimmt man in großer Hohe eine elektrisch leitende Luftschicht an, die die elektrischen Wellen, ähnlich wie ein Spiegel die Lichtstrahlen, reflektieren soll. So ist es natürlich denkbar, wenn nötig unter Zuhilfenahme wiederholter Reflexionen, daß die Wellen rund um die Erde gelangen tonnen. Damit stimmt auch gut die Tatsache überein, daß in der Nähe eines Kurzwellensenders die Leuchtstärke meist geringer ist als in größerer Entfernung, weil in der Nähe eine ganz geringe Oberslächenleitung vorhanden ist, und die reflektierte Raumwelle erst in einiger Entfernung die Erdoberfläche treffen ituui. 9. Januar 1926 nw—tmit iii ■ ■—m in n> ij Kaufkraft Vorteile findet, die sich bann für die Stadt selbst wieder in den Steuerregistern bemerkbar machen dürsten. Im Laufe des vergangenen Halbjahres haben wir in mehreren Artikeln u. -a. zum Ausdruck gebracht, daß die erfolgversprechende E.le igung einer großzügigen Derkehrswerbearbeit rächt nebenberuflich und ehrenamtlich von Vorstands- mitgliebcm d"s VerkehrsvereinZ besorgt werden kann. Heute liegen die Dinge so, daß die Fülle der Kleinarbeit vom Vorstand des Verkehrsvereins nur unter größten Anstrengungen knapp bewältigt werden kann, daß besonders mit dieser Arbeit belastete Herren stark amtsmüde sind und sich mit Rücktrittsabsichten tragen, weiteste nach der beruflichen Inanspruchnahme des Tages in den Abend- u;tj Rächt stunden nicjt auch noch diese Ausgaben so glitt und pünlstlich erledigen können, wie die eoache es erfordert, chnd daß große Werbepläne von dem Verein u b e r h a u p t nicht d u r ch g e f ü h r t werden können. Das sind Zustände, die einfach unhaltbar sind. Deshalb Haden wir auch schon früher gefordert, die S t a d t selbst solle die Erfüllung dieser Aufgabe übernehmen, und zwar durch ein städtisches Verkehrsamt, das diese Arbeit hauptamtlich zu leisten hat. Reben diesem Amt könnte, ja müßte der Verkehrs- Verein für andere Verkehrsausgabrn weiter- b-e stehen, und aus seinen Kreisen, ebenso aber auch aus der Geschäftswelt und selbstredend dem Stadtparlament wäre dem städtischen Verrehrs- amt ein Beirat zur Seite zu geben, der das Amt mit den Erfahrungen und Wünschen des wirtschaftlichen Lebens betannt zu machen hätte, der in gemeinsamer Aeberlegung mit dem Amt dahin wirken mühte, daß in unserer Stadt immer neue Anziehungspunkte für den Fremdenverkehr geschaffen werden. Zur Beruhigung ängstlicher Gemüter sei hier ausdrücklich betont, daß wir für dieses Amt nicht etwa neue Beamt enpo st en fordern, vielmehr sind wir der Ansicht, daß zu dieser Arbeit die geeigneten Kräfte aus dem jetzigen Beamtenstab herausgezogen werden können, so daß also nur eine andere Arbeitsverteilung in Betracht käme. Und ferner sei zur Vermeidung von Mißverständnissen gleich von vornherein gesagt, daß wir bei der Schaffung dieser Anziehungspunkte nicht etwa an Tanzseste, Schönheitswettbewerbe und ähnliche Oberflächlichkeiten und gehaltlose Kinkerlitzchen denken; aber wissenschaftliche Ta'' en, Parteitage, große kulturelle Wochen, Sa t- versammlungen von Wirtschaftsverbänden," ^.ns- fteüungen mit weitreichender Bedeutung, (Sängertagungen, größere sportliche Veranstaltungen und dergleichen werden hier stets zu willkommenen Veranstaltungen gehören. Die Vorbedingungen dazu sind ja gegeben: sehr gute Cisenbahnverkehrs- tage, hochstehendes geistiges Leben durch unsere, älnivecsität, die vielseitigsten interessanten Einrichtungen der Hochschule, eine vortreffliche Sportplatzanlage und die Dolkshalle, durch die auch die Raumfrage für große Veranstaltungen zufriedenstellend gelöst ist, dazu eine landschaftlich reizvolle Umgebung. Die Quartierfrage wäre durch geschicktes Zusammenarbeiten des Verkehrsamtes mit den Hotel- und Gasthausbesitzern und den. Inhabern der Pensionate sicherlich ebenfalls befriedigend zu lösen. Was jetzt noch fehlt ist nur der energische Wille zur T a t! Bei einem Blick auf andere Städte sehen wir, daß dort die Stadtverwaltungen mit den Verkehrsinteressenten kräftig in einer gemeinsamen Werbefront tätig sind. Denken wir nur an Frankfurr, Wetzlar, Alsfeld und Marburg! Das gleiche gemeinsame Arbeiten zur Hebung des Fremdenverkehrs möchten wir heute erneut auch für unsere Stadt wünschen. Die Möglichkeit, ein städtisches Verkehrsamt in den Arbeitsbereich unserer Stadtverwaltung einzugliedern, erscheint uns gegenwärtig gegeben. Die Verwaltung geht jetzt daran, den Haushaltsplan für das kommende CtatSjahr aufzustellen. Bei dieser Gelegeicheit könnte das erstrebte Amt in die Rechnung der Stadt eingefügt werden. Die Aufwendungen könnten u. E. nur einige tausend Mark für die rein sachlichen Werbeunkosten betragen, wenn man die Arbeitskräfte dieses Amtes aus anderen Derwaltungsabteilungen herausziehen würde. Diese paar tausend Mark wären aber selbst in der heutigen Zeit des Sparsamkeits- zwanges aufzubringen und auch gut angelegt. Den Vorteil von dieser Ausgabe hätte das gesamte Wirtschaftsleben unserer Stadt, nicht zuletzt aber auch die Volkshalle, die im Falle der Unterlassung einer großzügigen Verkehrswerbung sicherlich weit fühlbarer werden wird als die Mittel der Verkehrspropaganda. Hoffentlich wird das neue Stadtparlament recht bald in die Lage kommen, sich mit dieser Angelegenheit in aufbauender Arbeit zu beschäftigen. So ist hier mit einer Röhre Amerikaempfang auf Wellen von 40 bis 60 Meter ohne Antenne möglich, den Kurzwellensender von Marburg dagegen hört man hier verhältnimäßig leise, während derselbe auch von Herrn Dr. Bergmann erbaute Sender in Berlin im vorigen Jahre in Innsbruck ebenfalls ohne Antenne und Erde mit großer Lautstärke gehört wurde. Die außekordentlichen Erfolge der kurzen Wellen lassen für die Zukunft noch die denkbar größten Umwälzungen auf dem Geibete der Funktechnik erwarten. Doch sei dies nur ganz kurz angebeutet. Schnelltelegraphie und Bildübertragung werden wohl zuerst daraus Nutzen ziehen, da mit Hilfe der kurzen Wellen die Telegraphiergeschwindigkeit fast beliebig erhöht werden kann. Es sind allerdings noch manche Schwierigkeiten zu überwinden, die in der Notwendigkeit liegen, die Wellenlängen absolut konstant zu halten. Wenn es aber einmal gelingt, Wellenlängen von wenigen Zentimetern auf Bruchteile von Millimetern genau einzuhalten, wenn wir einmal gelernt haben, derartige Sender und Empfänger einwandfrei herzustetten und zu bedienen, dann dürfte auch die Zeit nicht mehr fern fein, da jeder seinen drahtlosen Sender und Empfänger in der Tasche mit sich führt, um jederzeit davon Gebrauch machen zu können, wächst doch mit abnehmender Wellenlänge die Zahl der Stationen, die ungestört nebeneinander arbeiten können, ganz ungeheuer So wenig jemand vor 15 Jahren die heurige Entwicklung des Rundfunks für möglich gehalten hätte, so wenig können mir heute sagen, was in 15 Jahren auf dem Gebiete der Funktechnik sein ober nicht sein wird. Dr. H. M. Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. Aach den ersten Dorsentagen des neuen Jahres zu urteilen, hatte es zunächst den Anschein, als wenn im neuen Jahre die Börsen- schwäche des alten ihren Fortgang nehmen würde, und es war ein besonders bedenkliches Zeichen, daß wiederum diese Schwäche durch häßliche Börsenmanöver genährt wurde. Die unsinnigsten Gerüchte, für die deutsche Wirischafts- führer herhalten mußten und die eine.3 Übelen politischen Beigeschmacks nicht entbehrten, führten zu Liefkursen. Umfo plötzlicher wirkte der Umschlag in der neuen Woche, und zwar waren es wieder haltlose Gerüchte, die ihn bewirkten. Sie kamen aber diesmal aus Amerika, und den Eingeweihten war es bald klar, daß es sich bei den amerikanischen Meldungen um Zweckmeldungen bandelte, die ober in ihrer Auswirkung auf die Dauer den deutschen Börsen kräftigen Rückhalt zu geben versprechen. Man beabsichtigt augenscheinlich, drüben das Interesse für deutsche Aktien zu wecken. Man sucht den amerikanischen Lesern die größeren deutschen Werte geläufig zu machen, darum behandelt man in der Presse die einzelnen Werke und den im Werden begriffenen Mvntantrust in ausführlicher und dem tatsächlichen Gang der Dinge vorgreifender Weise. Es ist auch nicht unbekannt geblieben, daß von feiten eines großen deutschen Bankinstitutes in den letzten Wochen unter der Hand große Posten deutscher Bank- und Montanaktien aufgekauft und nach Amerika weitergegeben worden sind. Einen besonderen Stimulans bietet aber die eben bekanntgewordene Gründung einer deutsch- amerikanischen Dank, die den Hauptzweck bat. deutsche Werte aufzunehmen und in Amerika zu vertreiben, nachdem erst vor kurzem ein ähnliches Institut mit amerikan.-schwedischem Gelde gegründet worden ist, wobei ebenfalls als eine der Ausgaben die Investierung von Kapitalien in deutschen Werten genannt worden ist. Es scheint also nunmehr das im 'en begriffen zu fein, was man schon längst als eine Hauptnotwendigkeit für eine Besserung ^er deutschen Bör- senverhältnisse erkannt hat, und man darf auch wohl sagen, daß die Reise des Reichsb rkdireltors Schacht sicherlich mittelbar dieser Bewegung den Boden geebnet hat. Die nächsten Auswirkungen an der Börse waren recht kräftige Kurserholungen auf der ganzen Linie unter Führung von Montanwerten, die seit dem ersten Börsentage des Jahres 10 Prozent und mehr gewinnen tonnten. Diese Besserung ist umso höher anzu- schlagen, als in der derzeitigen Wirtschaftslage sich noch keinerlei Besserung bemerkbar macht. 3m Gegent'il, die bekanntgewordenen Arbeitslosen- Ziffern zu Ende des Jahres, das außerordentliche Anwachsen der Geschäftszusammenbrüche lassen die ganze Größe der derzeitigen Wirtschaftskrise ermessen. Hinzu kommt, daß die Optimisten in der Beurteilung der Freigabefrage des deutschen Eigentums in Amerika wieder einmal gründlich enttäuscht worden sind, da nach den letzten Meldungen eine Erledigung dieser Angelegenheit in den nächsten Monaten noch nicht zu erwarten ist. Diese Tatsache hat aber nicht einmal vermocht, die Kurse berjenigen Werte, die in erster Linie von der Freigabe profitiert hätten, wesentlich zu drücken. Da sogar feit längerer Zeit wieder so etwas wie Pümi- tumskäufe festzuftellen waren, zeigt die Gesamtbörse zur Zeit eine Lebhaftigkeit, wie man sie seit Monaten nicht getonnt hat. Die Entwicklung am Geldmarkt läßt daraus schließen, daß die Reichskank gewillt 3ft, ihr wiederholt gegebenes Versprechen, zu De» fiinn des neuen Jahres der Frage einer Disko n t e rm ä h i g u n g näherzutreten, schon recht Bald einzulösen. Die denkbar leichte ckleberwin- dung des Ultimo ist ihr hierbei behilflich. Ob aber allerdings, wenn die Belebung der Börse anhält, sich dies nicht am Geldmarkt infolge Absorbtion für Dörsenzwecke nach der Richtung einer Versteifung hin bemerkbar machen wird, bleibt noch abzuwarten. Doch ist ja schließlich die Ent- toidlung des Marktes für tägliches Geld nicht ohne weiteres maßgebend für die Bewegung der Kapitalzinsfühe. Der verhältnismäßig niedrige Satz von 8 Prozent für bankgirierte Warenwechsel läßt viel eher darauf schließen, daß eine Diskontermäßigung sehr wohl möglich ist. Der Status der Reichsbant zu Ende des Jahres zeigt einen etwa um eine Milliarde Höheren Geldmittelumlauf, als zu Ende des Vorjahres. Es ist anzunehmen, daß die Reichsbank zunächst abwarten wird, in welchem Ausmaße die nächsten Wochen Rückflüsse bringen werden und inwieweit die Lockerung der Krediteinschrüntungen eine höhere Inanspruchnahme der Reichsbant mit sich bringt. Man darf daher wohl damit rechnen, daß die Reichsbank frühestens gegen Ende des Monats der Frage der Diskontermähigung naher tritt. • * Wiederbelebung des deutschen Automobilmarktes. Von den Opelwerlen wird uns mitgeteilt: Die immer um die Jahreswende eintretenöe Geschäftsstille, die sich dieses Jahr infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise noch stärker bemerkbar machte, haben die Opel- toerfe Rüsselsheim dazu benutzt, ihren Angestellten den ihnen zusteyenden Jahresurlaub jetzt schon zu gewähren, um die Fabrikation vorübergehend stillzulegen. Nachdem inzwischen größere Aufträge, vor allen Dingen aus dem Auslands, eingelaufen sind, werden die Opelwerke am kommenden Montag ihre Erzeugung wieder auf- nehmen. Natürlich wird der gewaltige Rüsselsheimer Fabrikapparat vorerst nicht wieder voll betätigt werden, da die inzwischen weiter durchgeführte Umstellung auf Massenfabrikation der Firma Opel jetzt schon eine Tagesleistung von über 200 Kraftwagen ermöglicht. Außerdem scheint die Depression auf dem Automobilmarkt nunmehr wieder abzuflauen und einer erfreulichen Wiederbelebung Platz zu machen. ' Sine Wein messe in Koblenz? Der Weinversteigerungsring der Untermosel steht mit der Stadt Koblenz in Verhandlungen wegen Errichtung einer Weinmesse. Auch die Frühjahrs- und Herbstversteigerungen sollen trotz der augenblicklich schlechten Verhältnisse beibehalten werden. ' Die Preußische Central-Boden« kredit-Aktiengesellschaft bietet Lproz. Gold-Pfandbriese und 8proz. Gold-Kommunal- Schuldverschreibungen an, die durch erste Fein- gold-Hyvotheken bzw. durch Feingold-Darlehne gedeckt find und bereits an der Börse amtlich notiert werden. Letzthin war der Kurs 84V» Prozent für die Pfandbriefe und 80 Prozent für die Schuldverschreibungen. Die Lieferung der Stücke, die mit Januar—Juli-Zinsscheinen versehen sind, erfolgt sofort. Eine Kündigung ist bis 1930 ausgeschlossen. Näheres in der heutigen Anzeige. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 9. Jan. An der heutigen Börse setzte sich die Aufwärtsbewegung der letzten Tage zunächst nicht fort. Bei Beginn nahm die Spekulation vielmehr Gewinnrealisationen vor. die eine leichte Abschwächung des Kursniveaus zur Folge hatten. Allerdings blieben die Rückgänge in sehr engen Grenzen und standen in keinem Verhältnis zu den voraus- gegangenen Steigerungen der letzten Tage. Der Markt nn sich blieb durchaus freundlich gestimmt. Der neue starke Rückgang des französischen Frankens verstimmte etwas (Paris senkte sich gegen London auf 127), auf der anderen Seite stimulierte aber die Meldung, daß das Aktienkapital der amerikanischen 3 n - vestierungsgesellschaft sofort nach der Auflegung überzeichnet wurde. Auch die Erwartung einer Diskontermähigung von 1 Proz. für die nächste Woche rief einen günstigen Eindruck hervor. Der Geldmarkt ist weiter ftüssig. Tagesgeld 61 ? bis 8’.2 Proz. reicUich angeboten. Monatsgeld 81 bis 10' \ Proz. 2lm Devisenmarkt waren keine wesentlichen Veränderungen zu verzeichnen. Frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger-".) Fran für t a.M., 9. 3an. Tendenz: Fest, dann leicht abgeschwächt. — Die heutige Wittagsbörse verkehrte bei Wochenschluh in nicht so fester Haltung wie an den Vortagen. Die Kurse gaben infolge von Realisationen durchschnittlich um 0,25 bis 0,50 Prozent nach. Die Umsahtätigkeit ist nach wie vor äußerst rege, der Grundton fest. Am Terminmarkt gingen Montanpapiere etwas zurück, ckuch Bankaktien brodelten leicht ab. Dagegen tonnten Chemiewerte ihren gestrigen Stand behaupten und teilweise sogar noch um 0,5 bis 1 Prozent anziehen. Für Elektrowerte ist die Lage unverändert und die Kurse bewegten sich auf dem Niveau der geftrigen Abend- börfe, teilweise lagen sie eine Kleinigkeit fester. Ziemlich freundlich war die Haltung am Anleihemarkt, wo 5pro° zentige Rcichsanleihe mit 0,203 umgingen. Das Geschäft in Freiverkehrsaktien war, abgesehen von einigen Spezialwerten, für die etwas größere Nachfrage bestand, ruhig. Man hörte: Beckerstahl mit 25 Prozent, Deckeriohle 37 Proz., Growag 37 Proz.. Krügershall 65 Proz., Ufa 44,75 Proz., Unterfranken 51,5 Proz. Für Industrie-Aktien war die Lage ähnlich wie für Mvntan-Altien. 3m weiteren Verlaufe trat die zu Wochenende übliche Realisationsneigung stärker hervor und führte zu geringen Kurseinbußen«. Die Lage im internationalen Devisenverkehr ist unverändert. Am Geldmarkt hält das stärkere Angebot weiter an. Tagesgeld 6'/._> bis 8Vs Prozent. Monatsgeld 9 bis 11 Prozent je nach Adressen. Bankdiskonten 63/8 Prozent, Industrie-Akzepte 3,75 Prozent. Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) Frankfurt a.T?. Berlin 5d)lu 1-Uhr. Schluß. । Anfang Rur» I fiiir» Ruti I l-i- 8.1. | 9.1. 8.1 | 9 1 S6/, Deutsche RcichScmlethe 0.2075 0,201 0.21 1) 2075 4% Deutsche NeichSanleihr . — — ) 2725 0.27 S'/^/n Deutsche Reichsaulethe — — 0.27 0 255 3°/, Deutsche Neichsmlcihc o.3 — 0 321 Deutsche isparpramicnanleihe 0.11 — 0,1175 — 4®/0 Preußische Konlols • ■ • 4° o velsen....... * J.27Z. 0,23 0.2625 Hellen..... • - • 3% Hellen........... — _ 0 215 0.24 _ Deutsche Wertb. Dollar-Aul. 90 25 — (.2 .— dto- Doll -Schav-Anireiing.'! 100 — 98 4 — _ 7.9 5% Goldmerikaner . . . — — Berliner Handelsgesellschaft 140.8* — <40* -- Lommerz- und Privat-Bank 98* HS* 98 25* Tarmst. und Nauonalbank 108,5 — 10 M* lu8 Deutsche Bant. ..... 108.5* •— 108 5* 108.4- Deutsche BcrcinSbaiik .... GO —- - — Dioconlo Lommandit Metalldank.......... 107* — io;,7* 106.5* 81 -— — — Mitteldeutsche Kreditbank 94 75’ — 94.7.3* — Testerreichilche Kreditanstalt 6.9* —- 6,12 6.5 Weltbank ...... O,u37 — — — Rod)inner Guß ....... 70.5* 69 9* 68.5* Buderus ......... <•■'.75 34,25 4 4 34 25* Caro ........... 38,5 38.75* 38.5 Deutsch Luxemburg...... 67* 68 75' '»8.6* 67 9* Gelsenkirchener Bergwerke. 73.25* — 73.4* 71,75* Harpencr Bergbau . . Kaliwerke Aschersleben.... 96..V 96’ 96* 9.) 75 98 99 25 9 .5 1 0 LI2* 2 .5 102 28 12 104 28.75 Laorabüttc . ....... W 6 Ödcrdevars .......... 38 5* 40’ 38. >* Phönix Bergbau . ...... Rheimtabl ....... 66 75* -4.5* 65.9* 5i* 68* 54.76* 66.<5* 56* 74 45 72.5 TelluS Bergbau. ..... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . 95.5* 95,5* 96,25* 95.5* 16.62* 96,5* 97 5* Ckeramische Werke Albin . . — Zementwerk Heidelberg . . I 68 i 67,5 — — Philipp Holzmann .... 1 17 1 - 46.75 — Anglo Lont--Guano .... — 72 25 Badische Anilin ....... Chemische Maver Alaptn . . 111.13 112.4 113,8* — Goldschmidt ...... 56.5 56 63 56 5 ÄrieS etmer Electron .... 111.2 112* Höchster Yardwerke...... Holzverkoblung........ 111 2* 44 112 2* 112 1* 112 6* Nülgersnnrke......... 55.5 — 55.75 _ __ Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 85.9* —• 90* 89,25* Bergmann ......... Mamkrartwerke ....... 70’ 71.5* — 19.5 — _ Schlickert ......... 61.5* _ 64* 64,25* 77* Siemen» l Kanada. . 4 19 4,20 4-19 4,20 Uruguay . . 4.305 4.315 4,305 4,315 Berlin, 8 Jan (Selb Brie' Amerikanische Vioiei..... .196 4.216 Belgische Noten ....... 18 9.5 19 05 Dänische Noten ....... 10.1,71 10,21 Englische Noten........ 20,312 20,412 Framösische Noten ...... 16,11 tb 19 Holländische Noten .... 168.28 164.12 Italienische Noten ...... 16 9 17 03 Norwegische Noten . ... 85.06 85 48 Demsch-Ocsterr-, ä ioo Kronen A8.9.5 59.25 Rumänische Noten...... — Schwedische Noten...... 112,11 11X.7O Schweizer Noten....... 81,00 81.40 . Spanische Noten ...... 5'1.03 59 33 ItocMorooiiäc Noten .. 13.392 12 452 Ungarische Noten....... 5,83 5,87 Aus dem Amtsverkündigungsblatt. ** Das Amtsoerkündigungsblatt 'Jl r. 3 vom 8. Januar enthält: Die karnevalistischen Veranstaltungen. — Bildung einer Wassergenossenschaft in der Gemirkung Burkhardsfelden. — Benutzung von Leichen zu wissenschaftlichen Zwecken. — Sprungregister. — Maul- und Klauenseuche in Lich, Allendorf a. d. Lda. und Friedelhausen. — Beitreibung der Gemeindegefälle. — Arbeiten der Historischen Kommission. — „Einfache Buchführung in gewerblichen Fortbildungsschulen. — Dienstnachrichten. Sonntagsdienst d.Aerzte u.Apotheken am 10.1/26 &rL Dr. Gürtler. Dr- Wolf. Engelapoiheke. Zahnarzt: Dr. Wertheim. ’D Neuavottolifckic Gemeinde, Ederstrake 13. Gottesoienste: Sonnina nachm. 3'> nbb8.81/» U6r, Mittwoch abixSUbr. - Gäste herzt, willkommen. Wtirum frankierst Du nicht mit Wohlfahrtsbriefmarken für die Deutsche Nothilfe. *7ss Er nahm sich, gar nicht erst die Mühe, den Schlitten anzuspannen, sondern schwang sich auf den Bernhardiner und galoppierte davon. „Läuten hat er gesagt, aber nicht w i e!" brummte Blaublau etwas geringschätzig hinter ihm her. Doch es war keine Zeit zu verlieren, der Weihnachtsabend stand vor der Türe, es würde sich schon eine Möglichkeit finden. Sein erster Flug war zu Fifi, die sich ihm ohne weiteres zur Verfügung stellte. Dann weckte er Lu und Li, die schon bei dem Gedanken, der böse Zauber könne durch einen stärkeren gebrochen werden, ihre Kräfte zurückkehren fühlten und ihr möglichstes zu tun versprachen, wenn ihnen auch das Aufrütteln der Silberglocke bange machte, und zuletzt unterbreitete er feinen Plan Bringglück. Wenn alle fünf sich an den Glockenschwengel hingen und ihn mit aller Kraft her- unterdrückten, dann würde die Jahrhundertglocke zu läuten anheben, dann würden alle anderen Nürnberger Glocken einfallen, dann würde es weit hinausdröhnen ins Land ... Ja, so würde es gehen. Mit einem Heroismus ohnegleichen schleppte sich Dringglück über die Dächer, und ein gütiger Himmel hatte Erbarmen, so daß sie auch die Höhe des Kirchturms erreichen konnte. Halb im Freien hängend, drückte sie auf das äußerste Ende des Glockenschwengels, und nur ihrem Gewicht war es zu verdanken, wenn sich die Glocke bewegte und der Klöppel anschlug: Bimmm — Jetzt ließen alle gleichzeitig los, die Glocke pendelte zurück: Bammm — Unb nun: Bim — bam, bim — bam, — bim — bam ... Einmal in Bewegung, läutete die Glocke von selber sort, läutete Sturm. Sie war ja keine Sturmglocke, sie war dazu ausersehen, die 2tten» schen zum Feste zu rufen, aber nun, außerhalb der Zeit angezogen, noch ehe das Jahrhundert um war, begriff sie, daß es heute Größeres galt, daß sie Lärm schlagen, das Volk in Scharen herbeiziehen und eine Mission erfüllen muhte, wie sie noch selten einer Glocke beschieden war. (Fortsetzung folgt.) NORDDEUTSCHES LLOYD BREMEN panien 30. März 1926 49D liefert preiswert id zu günstigen Zahlungsbedingungen die sehr vorteilhaft biete ich an Januar MU und Biere, 801 UWZUMUW Pros. Dr. Weimar 286V Kein Laden! Walltoretraße 24 Hess. 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Männer und Frauen, die Freude an der Pflege geistlicher Musik haben, die freundliche Bitte, dem Verein beizutreten und ihm dadurch die Einübung und Aufführung der Matthäus-Passion von Heinrich Schütz zu ermöglichen. Anmeldungen während der Proben, Dienstags 8—10 Uhr abends, im Iohannessaal bei dem Vorsitzenden Kostenlose Ratschläge zur richtigen Düngung erteilt: Candivlrisc&afllic&e AuslkunftssieUe des Deufscßen Kaiisyndikßß Darmstadt, Elisabethenstrasse S Telefon 2017 örge^-u. Harmoniumfairik Nicolaus & Papps (Förster L Hicohus), Lieh (Oberhessewj, Abends 8 Uhr: Großes FamiÜenkonzert verstärktes Orchester Altbekannte gute Küche sowie ff. Weine Nur für Frachten Norddeutscher L’oyd. Frachtko tor Düsseldorf G.m.b II, Hiudenburgwall K*. Halbstores mit Handfiletteilen jetzt Mk. 8.— u. höher Tanz- Lehr-liistltutBMe Wolfstraße 21, Ecke Lieber Straße Telephon 1055 Konzert Samstag, 16 Januar, abends 8 Uhr im Saale von Fritz Dörr Mitwirkende. 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Tanz-Jazzband Am Sonntag ohne Tanz An beiden Tagen Eintritt frei Meisterprüfung 1926 llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllll^ Die Vorbereitungskurse beginnen wegen Erkrankung erst Sonntag, den 24. Januar, um 9 Uhr vormittags Frauenverein vom Roten Kreuz f. Deutsche über See Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde Verein für Luftfahrt e. V. Donnerstag, den 14. Januar 1926, abends 8% Uhr, in der Neuen Aula der Universität Lichtbildervortrag der Herrn Ing. Goebel „Im Zuppslln über Afrika“ Mit Marineluftschiff L 59 im Weltkriege Lettow-Vorbeck entgegen 2nv Eintritt für Mitglieder frei. (Mitgliedskarte vorzeigen!) Familienkarten gelten ausnahmsweise nur für 1 Person! Nichtmitglieder 50 Pfennig. Eintrittskarten an der Abendkasse u. im Vorverkauf bei Musikalienhandlung Challier und Univ.-Sekretär Ritter. Gießener Konzertverein Montag, den 11. Januar 1926, abends 7Va Uhr, Universitätsaula Fünftes Abonnements-Konzert Symphoniekonzert des staatl. Kurorchesters Bad-Nauheim verstärkt durch Frankfurter Künstler Leitung Musikdirektor Ernst Schweisser, München Haydn Symphonie Nr. 2 D-dur, Mozart 8 deutsche t Tänze, Beethoven Symphonie Nr. 1 C-dur ^“Eintrittskarten: 5, 4, 3 u. 2 Mark bei Ernst Challier und abends an der Kasse. Studenten karten nur beim Hausverwalter ; der Universität numeriert in beschränkter Anzahl 2 Mark, WiMMM RHONE fö2D ZWIFIRNILL Tel. 240 AUTO AUCH NACHTS. Pumpen unter Mitwirkung der Kapelle Topp statt. Der Vorstand. 3. A.r Dr. Lenz. zu lösen. Gelten 1 volle R Die natildw Hansa Handelsschule \ /. Kunzeimann Gießen, Bahnhofstr. M)\ var.it. Hermes Neue Kurse v 4. Januar, \ MM: WAMMlel Wr|lllM-Mli Vortragsfolge zu 10 Pf. und Eintrittskarten zu 1 Mk. (freigehaltene Plätze) und 50 Pf. find von Dienstag, 12. Januar ab bei Challier, Neuenweg und an der Tageskasse zu haben. Wegen des zu erwartenden starken Andrangs wird gebeten, Karten möglichst im Vorverkauf 2)o lichc" K' l (eit blutiger M Idjon >"> mesiülsten bittere" " iWißX, lich fllid) de"11 schar die 3 Sina, 6" Jfönlfl aus bei" tfijpern ° folger 'jladjl lang besta fiifirer ein etW« feine Slrei lechen eju j)ebfd)a6 letzteren " engliichen, eben in < eine 3U!1’ j)errfd)(i|t Hrablen des M" auch ein Länder > (erenj " lieben lal iiber das weife her Wenige, bilen als > * Mr Sifch-mohar Äas bezir Mesen dies tischen Wei Unter t schrn Gtä Nedschd c nen und i medaichche vor dem '1 Halbinsel 1 Ställen d isechchoft biens aber Mschd un zeit meiste vtammessi Watzablten strräte \\t 5000 00*1 Nomaden Die (Befc betrögt e Ijabitenfüi von dem englischer itabt sosg W btt W|IM Der MlAWü Bttülüe 9HW Sonntag, den 17. Januar 1926, nachmittags 3 Uhr, findet in der Turnhalle am Oswaldsgarten eine mit Schläuchen u. Zubehör liefert sofort 140D KvttNeltzgenek Frankfurt a. 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Studentenkarten Mk. 0.50 nur bei Herrn Herzliche Einladung zum Bibelkursus in Gietzen von Sonntag, den 10., bis Dienstag, den 12. Januar 1926, im Dereinshaus der Stadtmiffion, Löberstratze 14 Thema: „Der Opfergedanke der heiligen Schrift" Sonntag, den 10., vormittags 10.30 Uhr: Einführung von Herrn Pfarrer D. Eichhorn in d. Thema; nachm. 2.30 Uhr: Fortfetzg.; abds. 8.15 Uhr: Eoangelifationsvortrag Am Montag und Dienstag, norm. 9 bis 9.45 Uhr: Morgenandacht mit Gebetsvereinigung; 10 bis 12 Uhr: Der Opfergedanke der Bibel; nachm. 2.30 Uhr: Fortsetzung; abends 8.15 Uhr: Eoangellfationsvortrag Redner: Herr Pfarrer vr. Eichhorn, Pfarrer Ehristlieb und verschiedene Prediger der Pilgermisston. Misaw Central Wir sind z. Zt Abgeber von unseren auf Feingoldwert abgestellten, an der Berliner Börse amtlich notierten 8% Central-Gold-Pfandbrlefen letzter Kurs 84 72 % zuzügl. Stückzinsen ab 1. Januar d. J. a°/o SoM-Com. Sctmldverschrelbunflen letzter Kurs 80°/o zuzügl. Stückzinsen ab 1. Januar d. J. KündigungderAnleihenbisEnde1930ausgeschlossen, Rückzahlung erfolgt zu 100% Sie sind erhältlich zum jeweiligen Börsenkurse sowohl bei uns selbst, wie auch bei den bekannten Zahlstellen und den übrigen Bankfirmen. PreuBische CentralBodenkreditAktiengesellschaft Berlin NW 7, Unter den Linden 48/49 271 ld Bügel« turfus Beginn deS Unter« richt« im Sianzbiigeln am 14. Januar. Stau Ammin nufl Stein traue 27. Tel. 802 Aatofabrten Tag and Nach.t lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllüllllllllllllllllllllllllü Verein für Bewegungsspiele Stehen Mittwoch, den 13. Ian., abends 8' , Uhr bei Mit« glied Sauer (Saalb.Sauer) am Oswaldsgart. 'lIutrotötnlLStiitriMkriiiinmliing Tagesordnu ng: 1. Satzungsgenchmigung 2. Wahl der Obleute für Leichtathletik. Handball und Hockey. 3 Kassenbericht. 4. Verschiedenes. Erscheinen eines jedes Mitgliedes ist Pflicht. 016 Der Vorstand. iiimiinniiinniiiiwiinnnninniiiniiniiiDiiiiiiiiiiiiiiiiiD ermäßigt. 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H S ll* fl ItS'f 8? Alle Artikel sind im Preis bedeutend, zum Teil bis zu uw yivui wiui'iiiiy 50% Fritz Nowack Mechanische Wäschefabrik und Ausstattungshaus 290a Mieter-Verein Wir bitten unsere Mitglieder, den am Dienstag, dem 12. Januar, stattfindenden Vortrag voa D. Dr. Damascbke zahlreich zu besuchen. Gleichzeitig machen wir unsere Mitglieder, die Wohnungsuchende sind, darauf aufmerksam, datz bis zum 26. Februar alle Gesuche auf dem Wohnungsamt erneuert werden müssen. Im D Der Vorstand. einfach als „unsere Bewegung" registriert würden, etwas merkwürdig. Auch scheine es gewagt zu sein, die „Evangelische Volksgemeinschaft" erstreben zu wollen und dabei die Tätigkeit der im politischen Leben sich betätigenden Pfarrer in einer Art und Weise zu beurteilen, die fast an „Hetzerei" grenze. Denn auf diesen Ton seien doch Auslassungen gestimmt, die die „Evangelische Warte" gebracht habe. Lind wie man eine „Volksgemeinschaft" dadurch erreichen wolle, daß man apodiktisch erkläre, daß der Arbeiter nicht mit dem Grundbesitzer, dem Unternehmer oder dem Angehörigen einer gewissen Dildungsschicht in einer Partei leben könne, bleibe Geheimnis der Führer der neuen Bewegung. Das Re- scrat klang aus in die Mahnung: der „Evangelischen Volksgemeinschaft" gegenüber mindestens recht vorsichtig zu sein. Den Schluß der Konferenz bildeten dienstliche Mitteilungen und eine Aussprache über die Lage unseren Landeskirche, der die hessische Regierung immer noch die dringend nötigen Subsistenzmittel in ausreichender Höhe versagt. Rundfunk-Programm des Frankfurter Serrders. (Aus der „Radio-Umschau".) Sonntag, 10. Januar: 8.30—9.30 Uhr: Morgenfeier, veranstaltet vom Wartburgoerein Frankfurt a. M. 12—1 Uhr: Mit- tagsständchen, veranstaltet vom Arbeiter-Zitherverein. 4—4.30 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.30 Uhr. Nachmittagskonzert des Haus- orchesters: Die Oper der Woche. 5.30—6 Uhr: Große Erzieher: Aus dein „Einil" von Rousseau (2. Vortrag). 6—7 Uhr: Stunde des Rhein-Maini- schen Verbandes für Volksbildung — „Religionsschöpfer". Ein Zyklus. „Philipp Spener". Vortrag und Vorlesungen von Geh. Konsistorialrat Pfarrer Dechent. 8.30—9.30 Uhr: Opernabend. 9.45 bis 11 Uhr: Heiterer Abend. Montag, 11. Januar: 3.30—4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 6 Uhr. Nachmittagskonzert des Hausorchefters: Bal- lettmufik. 6—6.30 Uhr Die Feststunde (Die Novelle): „Winterydill" von Carl Stieler. 7—7.30 Uhr. Uebertragung non Kassel, Vortrag, anläßlich der Aufführung im Stadttheater Kassel spricht der Oberregisseur des Schauspiels, Dr. Rolf Prasch, über „Schillers Jungfrau von Orleans". 7.30 Uhr: Uebertragung aus dem großen «aal des Saalbaues: Sechstes Montagskonzert des Frankfurter Orchestervereins. Bei lästigem Husten raten rohr Ihnen, die von Aerzlen als kräftige H u st e n m e d t z t n hervorragend begutachteten „Saaitta"-Hustcnbonbons zu nehmen. Lindern die Schmerzen, lösen den Schleim. „Saaitta"- Bonbon- smd in allen Apotheken erhältlich NniverstmtSapotheke z. Gold. Engel, »poth. Krofdorf Nr. 7 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheifen) Samstag,«. Januar 1926 r-rrrwiwn I ■ L^:ir--»innfTTTWHllnil . - - - __________________________________2*________________ Die Wahabiten. Von Dr. Artasches A b e g h i a n. Der englische Schutzstaat Hodschas im nördlichen Küstenland Arabiens ain Roten Meere stellt seil mehr als einem Jahre den Schauplatz innerer blutiger Kämpfe dar. Die Wohabiten hatten nämlich schon im Herbst 1924 unter Führung ihres Stam- mesfürsten A b d el Asis Ibn es Saud einen bitteren Kamps gegen Hussein, den König von Hedschas, unternommen; dieser hatte sich bekanntlich seit der Aufhebung des Kalifats in der Türkei auch den Titel des Kalifen aller Mohammedaner ungeeignet. Es gelang in der Tat den Wohabiten bald, schon zu Beginn ihres Feldzugs gegen Hedschas die Zentren Taif und Mekka, später auch Medina, zu erobern. Der „Herrscher" von Hedschas, König Hussein, mußte dem Throize entsagen und aus dem Lande flüchten. Noch heute lebt er in Cypern als „Ehrengast" der Engländer. Husseins Nachfolger war Ali, einer seiner Söhne, dessen Macht sich jedoch nicht außerhalb Dschiddas, der Hafenstadt am Roten Meere, ausdehnte. Eine Zeit- lang bestand zwischen ihm und dem Wahabiten- führer ein Waffenstillstand. Ibn Saud aber hat in allerletzter Zeit den Waffenstillstand gebrochen, feine Streitkräfte vorgerückt und auch Dschidda, den letzten ^Stützpunkt des „unabhängigen Königreiches Hedschas" erobert. Unmittelbar vor dem Falle des letzteren mußte Ali abdanken und sich auf einem englischen Schiff nach Mesopotamien begeben, um eben in Bagdad bei seinem Bruder, König Feissal, eine Zuflucht zu finden. Heute dehnt sich also die Herrschaft des Wahabitenführers über fast ganz Arabien und vor allem über die heiligen Städte des Islam, Mekka und Medina, aus. Ibn Saud Hai auch eine Einladung an alle mohammedanischen Länder und Völker zu einer panislamitischen Konferenz in Mekka für das Frühjahr 1926 herausgehen lassen; ihr ist die Aufgabe gestellt, Beschlüsst über das Schicksal und die innere Verwaltnngs- weise der heiligen Städte zu treffen. Demgemäß stellt also die Bewegung der Waha- biten als eines Gliedes in der Kette der panarabischen Bestrebungen, einen wichtigen Faktor im ara bisch-mohammedanischen Orient dar. Wer sind sie? Was bezweckt ihre Bewegung? Welches ist das Wesen dieser höchst interessanten Sekte der islamitischen Welt? Unter dem Namen Wohabiten sind all die arabischen Stämme -bekannt, die das ganze Gebiet Nedschd aus dem Plateau Zentrolarabiens bewohnen und die sich zu einer und derselben mohammedanischen Sekte bekennen. Bekanntlich standen vor dem Weltkriege die westlichen Küstenländer der Halbinsel Arabiens (Hedschas, Jemen), diese alten Stätten der arabischen Kultur, unter türkischer Herrschaft. Die Stämme der anderen Gebiete Arabiens aber, also auch die der Wahabiten oon Nedschd und der Umgegend, waren zur Vorkriegszeit meistens unabhängig unter Führung ihrer Stammesfürsten. Die Macht des Häuptlings der Wahabltenstämme Abd el Asis Ibn es Sauds erstreckte sich noch vor einem Jahre nur auf das etwa 5000 000 Quadratkilometer große und teilweise von Nomadenstämmen bewohnte Sultanat Nedschd. Die Gesamtzahl der Bevölkerung dieses Gebietes beträgt etwa eine Million. Die Residenz des Wo- Ijabltenfürften befindet sich in Er Riad, nicht weit von dem alten Zentrum des Landes Deraijeh. Ein englischer Reisender spricht sich über diese Wüstenstadt folgendermaßen aus: „Rund um Die Haupt- stadt des Nedschd, über einen mehr als eine Meile umfassenden Raum hin, erblicken wir fruchtbare Felder, frische Gärten, dicht oepflanzte Palmen. Selten habe ich auf meinen Reisen eine so wundervolle Rundsicht gehabt wie hier." Die Anfänge der Entstehung dieser äußerst fanatischen Sekte fallen in die Mitte des 18. Jahrhunderts. Ihr Stifter war Mohammed Ibn Abd el Wahad (1703—1791) — daher auch die Benennung der Sekte „Wohabiten". Wahab war aus dem Stamme Tamin in Ajane in Nedschd. Er war ursprünglich ein Kaufmann. Seine theologische Vorbereitung erhielt er in Basra, Bagdad, Damaskus, Jspohan und anderen Zentren der islamitischen Bildung. Er kannte auch gut die heiligen Städte Mekka und Medina. Infolge seiner Studien, die auf die Schriften des im 14. Jahrhundert lebenden arabischen Gelehrten Ibn Teimajeh zurückgingen und welchen er auch als seinen Lehrer und den eigentlichen Stifter der neuen Sekte betrachtete, wie auch auf Grund persönlicher Erlebnisse war Wahab zu der Einsicht gekommen, daß die Religion des Prophestn von hrer ursprünglichen Reinheit entfernt und mit allerlei heidnischen Elementen belastet fei. „Zurück zur Religion des Propheten in ihrer reinen Gestalt!" — das war die Parole Wahabs in feiner Reformationstätig- keit, die er erst in seinem 40. Lebensjahre begann. Demgemäß verwarf Wahab alle Uebcrlieferungen und Zeremonien des späteren Islam. Er verbot seinen Anhängern den Kult der Heiligen, die Wallfahrt nach Gräbern, den Genuß von Tabak und geistigen Getränken, allerlei Luxus in der Lebenshaltung: den Gebrauch von Schmucksachen aus Gold und Silber, seidener Kleidungen, Tanz und Musik, den Wucher und das Spiel und allerlei „heidnische Sitten". Erst vor einem Jahre, als die Wohabiten Mekka eroberten, ließen sie z. B. nicht weniger als 100 000 Keilans (Wasserpfeifen) vernichten. Gemäß der Predigt Wahabs war auch der Prophet selbst ein gewöhnlicher Monn. Er bedurfte daher keiner Verehrung; auch die Wallfahrt zu seinem Grabe war verboten. Seiner Lehre legte er nur den Koran zugrunde, außer ihm verwarf er alle anderen Schriften und Traditionen. Auch eine Kritik des Korans hielt er für zulässig. Die Lehre von der Einheit Gottes war der Zentralpunkt feiner Predigt. Weiter verlangte Wahab von feinen Anhängern die Beobachtung täglicher Gebetsvorschriften, Fasten und Unterstützung der Armen. Er empfahl auch eine Gütergemeinschaft. Kurz, die Wahabiiensekte ist als eine religiös-zelo- tisch-pllritanische Erscheinung in der Geschichte des Islams aufzufassen. Die Mitglieder dieser Gemeinde werden untereinander mit Bruder bezeichnet. Sozial betrachtet, ist die Wahabitensekte eine Reak° lion der Wüstenbewohner Arabiens gegen die Ansässigen der Küstenstädte, die Reaktion der Hirten- ftämme der Beduinen mit ihrer patriarchalischen Lebenshaltung gegen die handeltreibenden Stadtbewohner von Mekka und Medina mit ihrem Luxus und Prunk, die Reaktion des Naturvolkes mit feiner Tauschwirtschaft gegen die Stadtbewohn^ mit ihrer Geldwirtschaft und ihren Pilgergeschäften. Vorn nationalen Standpunkt aus ist der Wahabitismus die Reatklon des arabischen Dolksgeistes gegen die fremde Herrschaft und Bevormundung. «chon Wahab, der Stifter der Sekte, betonte ausdrücklich, daß die Hauptschuld an der Entartung des urfprüng» Silbenrätsel. Aus nachstehenden 22 Silben: bc bc dol - e — ei — so — gelb —.go — ha — ka — It - nau — ni — o oc — rani reich - rob — rum -- sau - - ftcr — um bilde man nenn Wörter mit folgender Bedeutung: 1. Kosmetikum, 2. Zierpflanze, 3. Teil eines Frucht- törpers, 4. Meeresbewohner, 5. Stobt in Hessen, 6. europäisches Land. 7. Marktplatz im alten Born, 6. chemischer Grundstoff. 9. Ort in den bayerischen Alpen. Richtig gebildet, müssen die Wörter, sofern man ihre Anfangsbuchstaben von vorn nach hinten und Endbuchstaben von hinten nach vorn oneinandersügt, zwei Wintersportorte ergeben. Welche sind dies? Krcnzfcharade. 1 4 3 6 Der Landwirt, der sein Feld bestellt Der Städter, dem sein Heim zu klein, Auf 1—4 Sorg' und Müh' verwende.'. 3m 2—4 müssen vieler Hand' Sich regen und Maschinen auch, Soll uns der Boden Schätze spende . 2—6, 2—3 ein Wort, mit dem Es stets der frohe Wandrer hielt, Der's Tal von oben wollt' beschau'/. 1 5—2: Stadt im Erzgebirg', Mit ihres Namens Anfang ruft Viel Mädchen man und Frauen. Ein jeder Rätsellöser wird Wohl in den Wunsch mit stimmen ein: O möchte doch statt 3—4 uns Nun bald 6—4 beschieden sein! Kreuzworträisel. Von links nach rechts: 1. Spielgerät, 5. Edelwild, 8. natürliches Wasserbecken, 9. Lustart, 12. Küchengerät, 15. Wurfspieß. 17. Fluh in Steiermark, 18. Abschiedsgruh, 19. Staatshaushalt, 21. Haustier, 22. Gottheit, 23. Priester des Alten Testaments, 24. Chemisches Produkt, 27. Ackerland, 30. Nebenfluß der Donau, 31. Monatsname, 33. Gegenteil von alt, 34. Nebenfluß der Elbe, 36. Tafelftsch, 37. Verwandter, 38. Komponist, 39. Shakespearesche Dramenftgur. Von oben nach unten: 2. Spielkarte, Rätsel-Ecke. 3. seemännischer Ausdruck. 4. Klebemittel, 5. Stabt in Böhmen. 6. Gaststätte. 7. Wasserpflanze, 10. Insektenfresser, 11. alkoholisches Getränk. 13. Obstbrei. 14. Gedichtart. 16. Parkfläche, 18. Erdteil, 20. große Tür, 21. Zahl, 24. Lebewesen. 25. Nebenfluß des Neckar. 26. Oberflächenformation, 28. männlicher Personenname, 29. berühmte italienische Schauspielerin, 31. Baumwollgewebe, 32. Abgott. 34. algebraisches Zeichen, 35. gesetzliche Gemeinschaft. Vorsctzrätscl. Nathan, Mund, Mast. Friede, Torte. Watte, Stock, Ger, Strich, Phase, Messe, Sih, Chester, Fort, Niere, Stern,. Maus, Lehre, Mond, Stück, Schau, Dorf, Feder, Bär. Vor jedes Wort ist eine der untenstehenden Silben zu sehen, so daß wieder bekannte Wörter entstehen. Deren Anfangsbuchstaben ergeben dann ein Sprichwort. a — är — bel — da — ed — eis — el — cm cm — erb — irr — jo — kra — lani - mo -- neu — or — re — ri — ro — rot — schwe — tur — war. Geographisches Zahleurätsel. 123425637 Hauptstadt eines Regierungsbezirks der Provinz Sachsen, 1 22345637 Stadt am Bodensee. Eine magische Zahl. Welche sechsstellige Zahl ergibt, einerlei, ob man sie mit 2, 3, 4, 5 oder 6 multipliziert, in ihrer Summe stets die gleichen, hintereinander- stehenden Ziffern? Es ist dies folgendermaßen zu verstehen: 673842 738426 384267. Die 6 am Anfang der ersten Zahl erscheint in der zweiten am Schluß und die 6 und 7 am Anfang der ersten Zahl am Schluß der dritten usw. 3n der Reihenfolge der Ziffern ist also keine Aende- rung eingetreten. Zu verwenden sind die Ziffern 124578. Auflösungen. w a w n n s 6 Fahnenrätsel. Magisches Quadrat. n t n k p P e r p e r a e r o s r a s. t Silbenrätsel. 1. Donau, 2. Ungarn, 3. Ganhmeb, 4. Leopard, 5. Allgäu, 6. Mwarow, 7. Dugattl, 8. Samowar, 9. Trinitatis, 10. Zerrna.l, 11. Mittersberg, 12. Serenade. 13. ChabUs, 14. Indisch. 15. Eldorado, 16. Deelzubub, 17. -uphrosure, 18. Nikobaren. — Du glaubst zu schieben und du wirst geschoben. DesuchSkartenrStsel. Hofopernsängerin. Telegrammrätsel. „Jede Nation spottet über die andere und alle haben recht." ^Shakespeare.) ( - Achat - - Rebus - Juli — Pudel — Osten —) i Dersteckrätsel. Königsberg. Altena, Riesa. Lehrte, Stettin, Rcicyenau, Mim, Hannover, Eisenach. — Karlsruhe. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedaktionSlisch. Das Narrenurteil. Ein Bettler kam in eine Wirtsstube, in der ein großer Braten sich am Sp ehe drehte. Da ging der arme Mann hinzu, zog ein Stück Brot aus der Tasche und hielt es über den Braten^ so baß der Bratendarnpf in das Brot zog, welches der Bettler dann verzehrte. Als er die Stube verlassen wollte, trat der Wirt hinzu und verlangte Bezahlung. Der Fremde erwiderte, daß er nichts genossen, also auch nichts zu bezahlen habe, worauf der Wirt sagte, er habe sich von seinem Bratenduft genährt. Beide stritten hin und wider und liefen endlich zum Richter. Der war ein kluger Mann, wußte sich aber in diesem seltsamen Rechtshandel keinen Rat. Endlich fiel ihm ein, daß ein Narr in der Stadt lebe, den beschloß er, zu holen, um seine Meinung über die Sache zu hören. Der Narr hörte sich die Geschichte an, wiegte den Kopf hin und her und sagte bann: „Der Fremde soll den Wirt bezahlen mit dem Klang des Geldes, wie der arme Mann gesättigt worden ist vom Dufts des Bratens." Meber dieses Mrteil staunten alle, die im Saale waren. Der Narr aber genoß von Stund' an ein gewaltiges Ansehen in der ganzen Stadt. Der Faulpelz. Warum sollen Fittichs nicht auch mal ins Konzert gehen? Sie gehen hin. Schubert-Abend. Herr Fittich guckt ins Programm. Da steht an erster Stelle: „Schubert. Mnbollcnbele L-Dur-Symphonie." Raunend sagt er's dec Gattin. Diese: „DaS hör' ich jetzt -um biertenmal. Ich glaub', der Kerl wird nie fertig!" Logisch. Herr (zu einem Bettler): »Ich kann Ihnen nichts geben, denn ich habe selbst nichts/' — Bettler (entrüstet): „Ja. weshalb arbeiten Sie denn nichts Richter: „Angeklagter, haben Sie noch etwas -u sagen F „Ja. Ich möchte beantragen, daß mir die Zeit, die der Staatsanwalt und mein Verteidiger zu ihren Reden gebraucht haben, auf das Mrteil angerechnet wird." lichen Islam der Araber allein die nichtarabischen Mohammedaner und namentlich die Türken trügen. Anfänglich hatte die Predgt Wahabs keinen Erfolg. Die Geistlichkeit war ihm gegenüber feindlich gestimmt, die Massen waren indifferent. Wahab war sogar gezwungen, seine Vaterstadt zu verlassen, um in^ der Stadt Deraijeh bei seinem späteren Schwiegersohn, dem einflußreichen Scheich Mohammed Ibn Saud Zuflucht zu finden. Dieser letztere wurde dann zum eifrigen Anhänger Wahabs. Von nun an wurde die Lehre Wahabs durch Feuer und Schwert verbreitet. Der Fanatismus und die Grausamkeit der Wahabiten kannte und kennt auch jetzt keine Grenzen. Wer sich nicht zu ihrer Lehre bekennt, muß erbarmungslos vernichtet werden. Nichtz einmal Kinder, Frauen und Greife werden geschont. Infolge solcher militärischen Maßnahmen gelang es Wahab und Mohammed Ibn Saud, ihre Sekte weit zu verbreiten. Sie gewannen Anhänger auch außerhalb Arabiens. Wie der Islam selbst, so trägt auch der Wahabitismus zugleich auch einen weltlichen Charakter. Der Führer der Sekte ist auch zugleich militärischer Befehlshaber. Am Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Wahabiten auch in Mesopotamien bis zum Perfi- fchen Golf cingebrungen; sie hatten sogar in Indien dien und China Anhänger gewonnen. Im Namen eines heiligen Krieges hatten sie Kerbalah in Mesopotamien, den bekannten Wallfahrtsort der Schiiten, mit dem Grabe des heiligen Imams Hussein erobert und verwüstet. Auch das größte Heiligtum der Mohammedaner, der schwarze Stein von Kaaba, wurde^ von den Wahabiten wie ein Götze zerschlagen. Sie zerstörten sogar das andere große Heiligtum der Mohammedaner, das Grab des Propheten in Medina. Wer nicht mit den Wahabiten mar, galt für sie als ein Heide und wurde vernichtet. Die türkische Regierung versuchte lange Zeit vergebens, die gefährliche Sekte der Wahabiten aus- ,3Urotten und ihre Stämme wieder der türkischen Herrschaft zu unterwerfen. Erst später gelang es den Türken — und zwar durch ägyptische Truppen — unter Führung von Mohammed Ali Pascha, der Wahabiienstämme wieder Herr zu werden. Von dieser Zeit an waren sie auch durch innere Zwistigkeiten noch mehr geschwächt morden. Aber am Ende des 19. Jahrhunderts gelang es dem Nachkommen Wahabs und namentlich dem jetzigen Sultan Abdel Asis Ibn Saud, ihre Herrschaft über die alten Länder ihrer Väter wieder herzustellen und die alte Residenz Er Riad wieder zu erobern. Mehr als einmal hatte Saud auch versucht, seine Herrschaft außerhalb der Grenzen von Nedschd auszudehnen und auch die anderen arabischen Länder unter sein Zepter zu bringen. Ein solcher Versuch ist auch das gegenwärtige Unternehmen der Wahabiten unter Führung Ibn Sauds, der ihnen auch völlig gelang. In erster Linie war sein Unternehmen gegen den englischen Schützling Hussein, welcher in den Augen aller Mohamme dauer als Verräter des Islam verachtet wird und als der „uuheiNge Herrscher der heiligen Städte des Islam" bezeichnet wurde, gerichtet. Anfänglich bezweckten die Wahabiten auch die Vernichtung der ganzen Dynastie Husseins: die Abdankung Feissals, des Königs von Irak, und Abdulahs, des Emirs von Transjordanien — beides Söhne Husseins, auch Herrscher von Englands Gnaden. Es scheint aber in der letzten Zeit eine Einigung zwischen den Engländern und Ibn Saud zustande gekommen zu sein. Die Engländer, haben nämlich Ibn Saud, der anfänglich gegen ihre Politik war, mittels großer Subsidien für ihre Zwecke gewonnen. Sie haben es also wieder einmal verstanden, aus der Not eine Tugend zu machen. Kirche und Schule. Reiskirchen, 8. Ian. Aus dem kirchlichen Jahresbericht unserer Gemeinde für 1 9 25 bringen wir nachstehende Mitteilungen: Es wurden 26 Kinder getauft (18 Knaben und 8 Mädchen), 26 konfirmiert (14 Knaben und 12 Mädchen). Getraut wurden 8 Paare, kirchlich beerdigt 12 Personen <6 Männer, 5 Frauen. 1 Kind». Die Durchschnittszahl der Kirchenbesucher an den festgesetzten Zählsonntagen betrug 159 Erwachsene, 52 Kinder. Zum hl. Abendmahl gingen 503 männliche und 644 weibliche Personen, außerdem fanden 14 Krankenkömmunionen statt. An Opfern und Kollekten gingen «ein 1074 Mark. Burkhardsfelden, 9. Jan. (Kirchliche Pcrsonalstatistik 1 925.) Im Jahre 1925 fanden in unserer evangel. Kirchengemeinde statt: 11 Taufen (7 Knaben, 4 Mädchen), 7 Trauungen, 10 Beerdigungen (5 Männer. 4 Frauen, 1 Kind). Konfirmiert wurden 12 Kinder (7 Knaben, 5 Mädchen). Die Durchschnittszahl der Kirchenbesucher an den festgelegten Zähl- sonntagen betrug 132 Erwachsene, 30 Kinder. Am hl. Abendmahl nahmen insgesamt teil 969 Gemeindeglieder, und zwar 451 Männer und 518 Frauen, außerdem fanden 34 Hauskommunionen statt. An Opfern und Kollekten wurden gefpendet 846 Mark. * © r ü n 5 c r g . 7. Jan. Unter dem Vorsitz von Dekan Schmidt tagte hier die N eu - jahrskvnferens des Dekanats ©.run- bet g , an der auch Oberkirchenrat Superintendent Wagner teilnahm. Das Referat, erstattet von Pfarrer Steiner-Ehringshausen, beschäftigte sich mit der „Evangelische n Volksgemeinschaft", die feit den letzten Kommunalwahlen in die Oeffentlichkeit getreten ist. Unter Anführung der Belegstellen aus der „Evangelischen Warte" wurde von dem Redner aufgezeigt. wie die neue Bewegung nicht im Stande sei, das Parteiwesen zu verkleinern, sondern daß sie dasselbe nur noch mehr vergrößere, da fte selbst tatsächlich eine Partei sei. An solchen hätten wir gewiß keinen Mangel. Wenn man schon aus diesem Grunde nicht sagen könne, daß die Neu- gründung einem unabweisbaren Bedürfnis entspräche, fo berühre auch die Tatsache, daß Der- anstaltungen des „Evangelischen DrmdeS" nfto. Beginn heute Samstag 2.75 1.75 s&tae Jett Mk. 2.90 1.95 3.95 2.95 2.90 3.95 3.90 3.90 Serie H Mk. 1.95 Herren-Normalhosen ’S wollgemi^cht Serie 1 Ml:. ®®® Fraaen-Normaljackoa ft Efl hhzmrMi n nn mr. *•“». 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