Nr. 107 Erstes Blatt 176. Jahrgang Samstag, 8. Mal 1926 «rfch eint täglich, außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Gießener Familien blätter Heimat im Bild Die Scholle Monatz-Vezuerpretr; 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bet Richter« scheinen einzelnerRummem infolge höherer Gewalt. Fernfprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen, postfchetilonto: Frankfurt am Main 11686. Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Vrvck rmd Verlag: vrühl'jche Universitälr-Vuch- und Sieinöruderct R. Lange in Sietzen. Zchriftleitung und Sefchästrstelle: §chn!?tratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Rachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 20“ , mehr. Chefredakteur. Dr. Frtedr Wilh. Lange. Derantwortlich für DoLtii Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.IHyriot; für den übrigen leit Ernst Blumschein; für den An« zetgenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen. Der Flaggeneria». Die innerpolitifchen Dinge sind in der letzten Woche von dem außerordentlichen Ereignis des englischen Generalstreiks überschattet, zur stillen Genugtuung aller derer, die den querelles allemandes um so weniger Geschmack abfinden können, je mehr sie sich um Kleinlichkeiten und Spitzfindigkeiten, um Porteigezänk und Prinzipienreiterei drehen. Parisäpfel genug sind in den letzten Monaten unter'» Dolk geworfen, die zum Spielball der Leidenschaften wurden und das politische Leben zu vergiften drohten. Das Duellgesetz in seiner ursprünglichen, einseitig gegen einen Berufsstand gerichteten Form war so einer; die Frage der Auseinandersetzung mit den ehemals regierenden Fürstenhäusern ist auch dazu gemacht worden, um den lausenden Bedarf an Agitationsstoff zu decken. Kein Wunder, daß man ein ähnliches Schicksal nun auch dem Flaagen- erlah des Reichspräsidenten von unermüdlichen Krijcnmachern zugcdacht hat. Es handelt sich bei diesem Erlaß um eine E r ° gänzung der von dem verstorbenen Reichspräsidenten Ebert und dem damaligen Reichskanzler Fehrenbach vollzogenen Verordnung vom 11. April 1921 über die Reichskriegsflagge (Schwarzweißrot mit Eisernem Kreuz) und die Dienftflogge der Reichsbehörden zur See (Schwarzweißrot mit dem Reichsadler) in der Richtung, daß die Reichsbehörden an außereuropäischen Plätzen und europäischen Seehäfen (Gesandtschaften und Konsulate) neben derReichsflagge Schwarzrotgold auch die verfassungsmäßige Handelsflagge Schwarzweißrot mit der schwarzrotgoldenen Gösch zeigen sollen. Ferner erhält durch die gleiche Verordnung die Dien st flagge der Reichsbehörden zur See (bisher Schwarzweißrot mit dem Adler) die schwarzrotgoldene Gösch. Aus dem Nachruf, den der Reichsaußenminister Stresemann seinerzeit dem Reichspräsidenten Ebert in der „Täglichen Rundschau" wid- mete, weiß man, wie sehr es dem verstorbenen Präsidenten am Herzen lag, nachdem seiner Initiative die Einigung der Nation auf eine Nationalhymne in so glücklicher Form gelungen war, nun auch den unseligen Floggenftreit zu begraben, der seit dem kurzsichtigen Beschluß der Weimarer Nationalversammlung unser Volk zerreißt. Die von ihm er- (offene und von dem wohl ebenso unverdächtigen Republikaner Fehrenbach gegengezeichnete Verordnung vom April 1921 war ein Schritt auf diesem Wege einer ausgleichenden Lösung. Im folgenden Jahre, also auch noch unter der Präsidentschaft Eberts, war eine Verordnung geplant, die eine einheitliche Verwendung der fchwgrzweißroten Handelsflagge mit der schwarzrotgoldenen Gösch bei unseren Auslandbehörden bezweckte, also eine Regelung, die weit über die im Augenblick ,yir Debatte stehende hinausging. Die Grunde für die damaligen Pläne des Reichskabinetts, die auch für das Kabinett Luther verstärkt maßgebend waren, lagen in der ablehnenden Einstellung des überwiegenden Teils unseres Auslanddeutschtums zum Flaggenwechsel von 1919. Die Auslanddeutschen, die auf ihren vorgeschobenen Poften draußen in der weiten Welt als Vorkämpfer deutscher Geltung für Prestigefragen ein besonders feines Gefühl haben, haben immer und immer wieder erklärt, daß in diesem Flaggenwechsel ein morn- lisches Eingeständnis unserer Schuld am Kriege läge, daß das Ausland das Niederholen der schwarzweißroten Reichsflagge als einen Bruch mit der 23er» gatmenheit, als ein Verleugnen des hiftorilch Gewordenen ansähe und danach urteile. Dadurch, daß nun bei mancherlei festlichen Anlässen die amtlichen deutschen Auslandvertretungen die Reichsflagge hißten, die deutsche Kolonie jedoch die alten schwarzweißroten Farben zeigte, wurde der unselige Flaggenstreit auch dem A u s l a n d e immer wieder vor Augen geführt. Es kam schließlich auch zu Mißhelligkeiten zwischen Behörden und Auslanddeutschen, die unsere deutschen Ausland- Vertretungen zu der schon seit Jahren in Berlin immer wiederholten Anregung veranlaßten, neben der Reichsflagge auf den Dienstgebäuden auch die Handelsflagge zu hissen. Angehörige der Linksparteien befinden sich belannt- lich recht zahlreich unter unseren Gesandten im Ausland: wir brauchen nur an die Sozialdemokraten Dr. Müllerin Vern, Dr. K ö st e r in Riga und Ulrich Rauscher in Warschau zu erinnern; gerade letzterem wird ein besonders warmes Eintreten für die neue Verordnung nachgefagt. Es ist also der Wuisich aller Kreise unserer AuslanddeuIschen ohne Rücksicht auf ihre Partei st ellung, dem die Reichsregierung mit ihrem jetzigen, schon vor mehreren Jahren beabsichtigten Erlaß Rechnung trägt, um einen Zustand abzustellen, den man je länger je mehr allerseits als unerträglich empfand. Ob der Zeitpunkt der Verordnung glücklich gewählt war, darüber läßt sich streiten, auch darüber, ob e5 nicht zweckmäßiger gewesen wäre, die Führer der Regierungsparteien über den beabsichtigten Erlaß rechtzeitig zu informieren. Unzweifelhaft dagegen ist das verfassungsmäßige Recht des Kabinetts, eine derartige Frage durch Erlaß des Reichspräsidenten auf dem Verordnungswege zu regeln. Abgesehen von dem vom Reichspräsidenten Ebert und dem Kabinett Fehrenbach 1921 geschossenen Präzedenzfall, betrifft der Inhalt des Erlasses reine Verwaltunasmaßnahmen, die die Verfassung in keiner Weise berühren oder gar verletzen. Es ist deshalb nicht ganz verständlich, wie im Blätterwald der Linken bis hin.ber zum Zentrum über den Flaggenerlaß ein Sturm der Entrüstung lo-brechen konnte, wie man innerhalb der Regierungsparteien der Demokraten und des Zentrums von Provokation und Derfasiitngsbruch sprechen kann, wie schließlich der „Vorwärts" wie- ber einmal ,chie Republik in Gefahr" sieht und zu Protestkundgzbungen aufruft. Es ist leider schon fn: es gibt in Deutschland immer noch übergenug Leute, Der Reichskanzler in Darmstadt. Reichskanzler und Reichsbankpräfident für Intensivierung der Landwirtschaft D a r m st a d t, 7. Mai. Der Deutsche Land- wirtfchaftSrat setzte heute feine Darmstädter Sa« aung in Anwesenheit des Reichskanzlers Dr. Luther und des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, die bei ihrem Erscheinen von der Darsammlung lebhaft begrüßt wurden, mit einem Referat des Landrats a. D, Dr. von Helldorf - Baumersroda über Zuckerrüben- und Weizenbau fort, nach ihm sprach Kammervorfitzenter Weber- Hennsdorf über Roggen- und Kartoffelbau. Rach dem Abschluß der Spezi al referate faßte dann der Präsident des Deutschen Land- wirtschaftsrats Dr. Brandes die Ergebnisse der bisherigen Beratungen zu „Wirtschaftspolitischen Schlußfolgerungen aus der Lage der Landwirtschaft" zusammen, in denen er, ost von dem spontanen Beifall der Versammlung unterbrochen, u. a. folgendes ausführ.e. Das Gesamtbild, das sich aus den einzelnen vorangegangenen Referaten ergibt, ist wahrlich trübe genug. Leider ist dieses Bild noch zu ergänzen durch einige Zahlen aus den Duchfüh- rungsergebnissen des letzten abgeschlossenen Wirtschaftsjahres. Von 2773 landwirtschaftlichen Betrieben aus ganz Deutschland sind 5 1 Prozent Verlustbetriebe. Am schlechtesten steht Ostpreußen mit 86 Prozent von rund 300 verarbeiteten Betrieben da. Auch in West- und Süddeutschland sind über die Halste der Betriebe Verlustbetriebe und in Mittel- und Rordwest- deutschland ist der Antell der Verlustbetriebe immer rwch 40 Prozent. Die vorhergegangenen Ausführungen über die Steigerung der Produktionskosten In der Landwirtschaft weisen darauf hin, daß das Problem nicht nur von der Ein- nahmeseite aufgefaßt inerten kann, sondern auch durch Verringerung der Ausgaben Abhilfe geschaffen werden muß. Dabei ist hervorzuheben die Belastung durch Steuern und die soziale Gesetzgebung. Die steuerliche Belastung beträgt z. B. in ostdeutschen Betrieben das 3.7fache. In mitteldeutschen Betrieben das 4,7fache und in west- und süddeutschen Betrieben das 2,5fache ter Dorkriegssteuern. Es handelt sich dabei neben den Reichssteuern auch gar^z besonders um die Steuern der Länder, Kommunalverbände und Gemeinden, die im wesenllichen auf R e a l st e u e r n beruhen. Die Aufblähung ter Ausgaben in den Korn» munalverbänden ist letzten Endes dadurch zustande gekommen, daß diejenigen, die die Steuern bewilligen, keineswegs mehr identisch sind mit denjenigen, die die Steuern bezahlen, und daß ferner den Kommunalverbänden durch die Gesetzgebung neue große Ausgaben zugewiesen sind. Die Fehler der Steuerpolitik müffen korrigiert werden. Für die Landwirtschaft ist dies um fo notwendiger, als ihrs Steuerlast in Gestalt von Realsteuern oder Zuschlägen ;n denselben besteht, und diese Steuern auch bezahlt werden müssen, wenn überhaupt kein Einkommen vorhanden ist, also durch Eingriffe in die Substanz oder durch Schuldenmachen. Die sozialen Lasten sind um mehr als das Doppelte gestiegen und werden im lausenden Wirtschaftsjahr durch die Rovelle vom Zull vorigen Jahres noch stärler in Erscheinung treten. Um die Rentabilität in der Landwirtschaft wieder herzustellen, müssen neben der Re- duk ion der Ausgaben für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse ausreichende Preise gesichert sein. Dazu sind neben anderen Maßnahmen eine vernünftige Zollpolitik und entsvre- chente Handelsverträee notwendig. Augenblicklich haben wir nur einen Pseudo-Zollschutz. Das trifft sowohl für Mollereiprodukte. Vieh und fleisch, Pferde, wie ganz besonders auch für Kartoffel und Wein zu. Bei den Industrie',öllen dagegen, von denen die Preise der landwirtschaftlichen Betriebsmittel abhängig sind, finden sich derartige Breschen nicht. Wir werten in Zukunft mit aller Energie darauf halten müllen, daß hier Parität waltet. Die geistige Einstellung der maßgebenden Faktoren in ter Wirtschaftspolitik läßt sich auf die Formel bringen: Förderung de s Exports auf Kosten der Landwirtschaft. Ange* sichts des Zustandes ter deutschen Wirtschaft fami man wohl heute schon sagen, daß dieses System bankerott gemacht hat. Die "Vertreter dieses Systems bezeugen der Landwirtschast zwar theorc- tisch ihr Wohlwollen. Auf solch: theoretische Wohlwollenserklärungen legt die Landwirtschast keinen Wert. Die Landwirtschaft verlangt eine Einstellung, die die Landwirtschaft, weil sie ein absolut unentbehrlicher Faktor im deutschen Dirischafts- leben und für das deutsche Volk ist, neben der Industrie erhalten will. Der Mangel an Rentabilität und die un- gewöhnllch gesteigerten Steuern und Lasten haben zu einer ft arten unproduktiven Verschuldung geführt. Diese Lasten stehen ter Investierung von eigentlichen Produktion 5 kredtten zu rationeller Gestaltung des Betriebes und zur Abnutzung von Konjunlturmöglichkeiten e t regen. Um über die Schwierigkeiten hinwegzutomrnen, bedarf die Landwirtschaft dringend langsristi- ger Kredite zu erträglichen Bedingungen. Es ist gewiß zu begrüßen, daß der Herr Reichsbank- präsident die Mittel der Golddiskoatbank für die Landwirtschaft nutzbar gemacht hat. Dabei hat aber die Landwirtschaft noch einige dringende Wünsche zu stellen: Vereinfachung der umfangreichen Formulare für den Golddiskontbankkredit. Bereitstellung von Pächterkrediten und Kredite für den klein st en Grundbesitz, für den die Form des Immobiliarkredits nun einmal nicht teaftt Eng mit den Kreditverhältnissen hängt die Aufwertung zusammen, die anscheinend nicht zur Ruhe kommen kann. Mag die geschaffene Regelung so unbefriedigend fein, wie sie will, die ganze Frage noch einmal aufzurollen, oder sie gar zum Gegen st andeine sD olksentscheids zu machen, erscheint für die deutsche Landwirtschaft und überhaupt für die ganze deutsche Wirtschaft als untragbar. Der ganze Kredit in der Landwirtschaft und das Vertrauen ter Kreditgeber im 3n- und Auslaute zur deutschen Wirtschaft würde unheilbar erschüttert werden; unsere Währung, die sich doch auf die deutsche Wirtschaft stützen muß. würde in Gefahr geraten, wenn derartige Experimente erneut gemacht würden. 3m Zusammenhang mit ter Kreditfrage wird dir Finanzierung dec neuen Ernte von größter Bedeutung sein. Reben unteren Maßnahmen sind namentlich bequeme und praktische Lombardierungsmöglichkeiten für Getreide zu schaffen, um den starken Andrang des Ge- treited im Herbst aufzunehmen und m hr auf das ganze Jahr zu verteieln. Hinsichtlich ter Siedelungsfrage ist festzustellen. daß der deutsche Landwirtschaftsrat von jeher ein warmer Anhänger einer vernünftigen Siedelung gewesen ist. Heute, und zumal in den gefährdeten Gebieten des Ostens, ist diese Siedelung nötiger als je. Ater die Voraussetzung für jede erfolgreiche Siedelung ist die Wiederher st et- lung der Rentabilität ter Landwirtschaft. Die deutsche Landwirtschaft hat bewiesen, daß sie in der Lage ist, chre Produktion in verhältnismäßig kurzer Zeit außerortentlich stark zu steigern. Diese Pflichterfüllung am Dateilland und Doll hat sie ater damit bezahlt, daß sie in außerordentlich drückende Schulden und in eine schwierige Lage geraten ist. Sie hat diese Produktionssteigerung vorgenommen in der Erwartung. daß nun auch der Siaat die Voraussetzungen für die Rentabilität einer solchen Intensivierung schaffen würde. Diese Hoffnung hat getrogen. Mit einer drückenden Schuldenlast von weit über 1 Milliarde hat die Landwirtschaft diese Kraftanstrengung und ihr Weiterarbeiten bezahlen müssen. Das ist das Fazit. 11 nö doch darf ter Landwirt nicht verzweifeln und verzagen. Bei aller Mißstimmung darf ter Kampf um die Lebensinteressen der deutschen Landwirtschaft doch nur auf legalem, allerdings sehr entschiedenen Wegen geführt werten. Das Eintreten des Herrn Reichsernährungsministers und auch des Herrn Reichskanzlers in jüngster Zeit für die Landwirtschaft soll gern anerkannt teerten. Diesen Worten muffen ater auch entsprechende Taten folgen, sonst w dem eines jeden Staats der Ordnung und Sauber- kett sind. Einigung über bas Pariser Lustverkehrsabkommen. Berlin, 7. 2HaL (WB.) Die Verhandlungen, die feil mehreren Monaten sich zwischen den Delegierten der deutschen Regierung und den Delegierten der D o tscha flerkon serenz über die deutsche Luftfahrt stattfanden, haben heute zu einte (Einigung geführt. Die Vereinbarung ist in Form von Roten getroffen worden, die zwischen dem deutschen Botschafter und der Bolschafkerkonferenz in Paris gewechselt wurden. Die Delegierten haben heute abend den Text der einzelnen Urkunden paraphiert. Diese werden gezeichnet werden, sobald sie die Billigung der beteiligten Regierungen erhalten haben. Gleichzeitig sind von den Vertretern der deutschen mit den Vertretern der französischen sowie der belgischen Regierung Verhandlungen über den Abschluß von Luftoerkehrsabrommen zwischen den betreffenden Ländern geführt worden. Diese Abkommen sind gleichfalls heule abend paraphiert worden. den Güterbahnhof. Nach mehrstündiger Arbeit konnte die Strecke von Marineteuten wieder freigelegt werden. Auch in Edinbourgh kam es gestern abend zu Zusammenstößen mit der Polizei. Verschiedene Schaufenster wurden zertrümmert. Berittene Polizei mußte die Straßen säubern, 22 Personen wurden verhaftet. 3m Unterhaus. London, 7. Mai. (WTB.) Im Unterhouse teilte der Sprecher mit, daß die Angestellten der Hausdienste im Unterhause zurückgezogen worden seien. Er versicherte jedoch dem Hause, er werde nicht zulassen, daß das Haus durch eine Aktion irgendeiner Gruppe von Leuten daran gebindert werde, seine Arbeit fortzusetzen. Wenn es sich als notwendig erweisen sollte, so werde das Haus ohne Druckerei und ohne elektrische Beleuchtung weiter tagen. Ein konservatives Mitglied warnte die Arbeiterführer davor, aufreizende Reden zu halten, da sie sonst die Kontrolle über ihre Anhänger verlieren würden. Für alles Blutvergießen, das durch diesen Streik verursacht werde, wurden die Arbeiterorganisationen verantwortlich sein. Kenworthy warf der „British Gazette" einseitige B e r i ch t e r st a t t u n g vor. Er sagte: Er höre, daß Churchill der Herausgeber dieses Blattes fei, und es sei leicht, seinen besonderen Stil zu erkennen. Das Haus vertagte sich um 4 Uhr. Aus dem Sauptquarlier der Streikenden. - - ScDlt^on- Z- Mai. (WTB.) Eine vom .The Drntrfh Wörter" veröffentlichte Erklärung stellt nachdrücklich in Abrede, bah einzelne Qlrt^iter- vertreter oder der Generalrat zwecks Verhandlung an die Regierung herangrtreten sei, betont jedoch, daß dec Generalrat bereit sei, jeden Augenblick in präliminare Erörterungen bezüglich der Zurückziehung der A u s s p e r r u n g S - ankündigung und bezüglich ter Beendigung des Generalstreiks einzutreten, wenn die Wiederaufnahme der Verhandlungen eine ehrenhafte Regelung des Dcrg- arbeiterftreiks sichert. T h e B r i t i s h W o r ke r. das offizielle Streikblatt des Gewerkschaftskongresses, daS heute nurden halben Umfang der gestrigen Ausgabe hat, gibt als Grund dafür an. das Kabinett habe seine Versorgung mit Vapier aufgeholten. Morgen werde es viel- reicht überhaut nicht in seiner jetzigen Gestalt erscheinen können, Has Blatt bezeichnet die Aktion Baldwins als herausfordernd und schreibt, eS sei zu hoffen, daß die dadurch hervorgerufen« Empörung im Zaune gehalten werden toirb. Eine Sammlung der Freien Gewerkschaften. Berlin, 7. Mai. (WB.) 3n der Frage der Unterstützung der englischen Arbeiter faßte der Bundesausschuß des A. D. G. B. heute einstimmig eine Entschließung, in der er seine volle Bereitwilligkeit, die englischen Gewerkschaften in der erfolgreichen Durchführung ihres großen Kampfes nach Möglichkeit zu unterstützen, erklärt. Der Bundesausschuß ruft die Arbeiter Deutschlands auf, trotz der eigenen schwierigen Lage ihr Bestes zu tun, um den englischen Är- beitsbrudern Hilfe zu leisten. Der Bundesvorstand wird ermächtigt, die von ihm vorbereitete allgemeine Sammlung schnellstens zur Durchführung zu bringen. Der Borftandsvertre- ter des Allgemeinen Deutschen Angestelltenbun- des erklärte, daß seine Organisation dem Beschlüsse des Dundesausschusses beitrete. Laut »Vorwärts« haben Vertreter der im Deutschen Derkehrsbund organisierten Seeleute. Binnenschiffer und Hafenarbeiter gestern in Berlin beschlossen, die Verschiffung von Kohlen nach England zu unterbinden, das Bunkern englischer Schiffe zu verhindern und die Besetzung englischer Schiffe mit Streikbrechern unmöglich zu machen. Solidaritätsstreik in den russischen Häfen. Moskau, 7. Mai. (WTB. Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Der Solidaritätsteilsireik der russischen Seeleute und Hafenarbeiter in den russischen Häfen ergriff alle Häfen am Schwarzen und Asowschen Meer. Auch die in Leningrad liegenden englischen Dampfer, welche gerade gegenwärtig fast den ganzen ausländischen Schiffsbestand in den Sowjethäfen darstellen, wurden betroffen. Augenblick- lich streiken 8000 Mann. Wiederbeginn der militärischen Operationen in Marokko. . P a r i s , 8. Mai. (WTB. Funkspruch.) Nach einer Havas-Meldung aus Rabat hat bas-franzt Flugzeuggeschwader die Beschießung gegnerischer Ansammlungen gestern wieder ausgenommen. Die Abteilungen der Gegend Wed Kert haben ihre Vorwärtsbewegung begonnen. General Boichut ist in Rabat eingetroffen, um von dort aus die Operationen zu leiten. Kunst und Wissenschaft. Der Adlcrschild für harnack. ü>iU|u,iU)i, L.DH u g u u> e » -t/eiiui uuex wui Stand der Vorarbeiten für die Durchführung des Reichs bewert ung s gesehes von O:kono- mierat Kayser- Berlin über die Förderung des Absatzes der inländischen Milch und Milchprodukte, ferner des Generaldirektors Dr. Hamann- Darmstadt über dieWeinbau- bezirke des besetzten hessischen Gebietes. Einstimmig wurde ferner eine Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt. Die Rot der deutschen Landwirtschaft in allen ihren Haupterwerbszweigen bedeutet eine schwere Gefährdung der gesamten deutschen Wirtschaft. Eine Fortdauer dieses Zustandes mühte alle Bemühungen zunichte machen, den Ausgleich der deutschen Handelsbilanz durch Hebung der heimischen Erzeugung zu fördern. Im vollen Bewußtsein seiner Vera^rtwortung lenkt der Deutsche Landwii-ischallscat die Auimerksamkeit der Reichs- regierckng und des gesamten deutschenVolkes auf die Folgen, die hieraus für Volt und Vaterland entstehen müssen. Auf dem Gebiete der Handelspolitik müsse bei gerechter Ausgestaltung des Zollproblems auch für die landwirtschaftlichen Produkte der Schutz her heimischen Erzeugung wieder in den Vordergrund treten. ^Bei Deutschlands wirtschaslitcher Lage ist für die Förderung überflüssiger Einfuhr kein Platz mehr.' Die Last, der Wechselverschaldung muß von dem deutschen Bauer genommen werden. 3ehe Er- schtüterung der Kreditversorgung durch erneute, Behandlung der Aufwertungsgesetze müsse unbedingt vermieden werden. Beschränkung bee staatlichen Betätigungsgebiete und S p a r a m - keit in allen öffentlichen Haushalten ist die Vorbedingung für die Milderung der in ihrer Höhe noch immer die Wirtschaft drückenden Steuerlast. Die soziale Gesetzgebung darf nur unter Anpassung an die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft fortgeführl werdeu Die deutsche Landwirtschaft erwartet von den Reichsund Lcmtertehörten Fürsorge für die wirtschaftliche Förderung aller landwirtschaftlicher Betriebszweige und für die Ausbildung und Fortbildung der deutschen Lcuidwirte, weil mir auf diesem Wege das Ziel der Nahrungsbefreiung erreicht werden kann. Bei dem Empfang, den die städtische Verwaltung dem Deutschen Landwirtschaftsrat sowie seinen Gästen im Saalbau heute abend gab. ergriff Reichstanzler Dr. Luther nochmals das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der et besonders von der am Rhein zu wahrenden alten deutschen Kultur und von der Notwendigkeit ihrer Erhaltung sprach Das könne am besten geschehen durch den staatsbetonten Willen zum Daterlande. Diesen Willen zu bekunden, sei der Landwirt am ersten berufen und in der Lage. Er hänge fest und treu an der eigenen Scholle und damit auch am Vaterlande. Der Bauer solle nie vergessen, daß „B a u c r" ein Ehrentitel sei. «Bravo.) Am Samstag wird eine Besichtigungsfahrt unternommen, die nach den rheinhessischen Weinbaugebieten von Oppenheim. Nierstein und Du.- gen führt. dte TaL. Nun ist freiluy klar, daß alle großen schaffenden Kräfte sich wieder ganz entfalten können, wenn die privatwirtschaftlichen Grundlagen gegeben sind, und diese wirtschaftlichen Grundlagen heißen nach Wirtschafisgesetzen. die die Kraft von Naturgesetzen haben. 1. Das Bestehen solcher Preise, wenigstens im Durchschnitt des landwirtschaftlichen Betriebs, daß der Betrieb sich lohne, und 2. das Zurverfügung- halten von Krediten, nicht um leichter Schulden machen zu können, sondern um die zur intensiven Bewirtschaftung notwendigen Betriebsmittel zu besitzen. Nach den beiden Richtungen hat die Regierung alles getan, was möglich war. Die sog. Preisschere der Landwirtschaft ist ja eine der am lebhafte st erörterten Preisfragen. Auch auf diesem Gebiete will die Negierung mit ihrer allgemeinen Prelsfenkungsaktion jtaa Bersasfungskampf. Umwandlung der labilen Grundlagen der Weimarer Verfassung in eine stabile. Klare Ordnung in der Verteilung der Zuständigkeit zwischen Reich und Ländern und zu diesem Zwecke eine stärkere versa sungs- rechtliche Sicherung der Länderrechte. Versa sungs- änderungen, die eine Verkürzung der verfassungsmäßigen Landesrechte bedeuten, sollen nur mit Zustimmung d e s Reichsrats beschlossen werden können und als abgelehnt gelten, wenn sich mehr als ein Viertel der Stimmenzahl des Reichsrats dagegen ausspricht. Aus den Parlamenten. Der Reichstag setzte die Beratung des von den Sozialdemokaten eingebrachten Gesetzentwurfs zur Milderung der Strafbestimmungen für die Abtreibung fort. Der Redner der Bayrischen Vvlkspartei, des Zentrums, der Deutsch- nationalen und der National-Sozialistischen Freiheitspartei sprachen sich gegen den Antrag aus. Der Antrag wird schließlich abaelehnt. 3n namentlicher Abstimmung wird sodann mit 214 gegen 173 Stimmen der Antrag des Nechtsaus- fchusses angenommen. Der Preußische Landtag setzte die zweite Beratung des Kultusetats fort. Kulbrs- Minister _ Dr. Becker erllärte. daß es unter reinen Ülmstärwen dazu kommen dürfe, daß etwa in Zukunft nur noch Lehrer mit der neuen Lehrerbildung angestellt und bamit den jetzt darbenden Junglehrern die Aussicht auf Anstellung genommen würde. Schon in kurzer Zeit würden 3500 bis 4000 3unglebrer angestellt werden. Die Streiflage in England. London, & Mai. (WTD.-Fvnkspruch.) Das heute von dem Regierungsblatt, der „British Gazette", veröffenllichte amtliche (Sommuniquö besagt u. a.: Keine ernsten Ursachen sind in irgend einem Teil des Landes vorgekommen, aber der Höhevuntt ist noch nicht erreicht. Dis Führer der Eisenbahner unb Transportgewerkschaften wollen das Aeußerste tun. um dis Versorgung mit Lebensmitteln und Lebens Notwendigkeiten stillzulegen. Einschüchterungsversuche feitarä Ausfchrei- hmgen begehender Mengen, als auch seitens Streikposten haben an vielen Orten stattgefunden und werden vielleicht bald an vielen anderen Vorkommen. Die Regierung hat alle Behörden angewiesen, dieses verbrecherische Treiben zu unterdrücken und zu verhindern. Es ist beadsich' tigt, die Zahl der besonderen Schutzleute in London. sobald wie möglich, auf 50 000 zu erhöhen. Andere wichtige Maßnahmen, um die zur Verfügung dec Regierung sehenden Kräfte zu vermehren und umfassenden Schatz zu ermöglichen, werden ebenfalls getroffen. Die Regierung hat ferner allen Dienstgraden der bewaffneten M a ch l mit geteilt, daß sie von heute ab auf die treue Hilfe der Regierung in jeder Altion rechnen können, die sie zur Unterstützung der Zivilbetzorden unternehmen werden. 3n Prescot und St. Helens arbeiten dreiviertel der Arbeiter. 3n Südwales unterbinden die Streitenden die Verteilung der Lebensmittel. Wie verlautet, wären in den größeren Städten durch die Tätigkeit der Schieber die 5!ebensmittelpreise in die Höhe gegangen. Der Rat des Gewcrkschaftskongres- ses hielt fortwährend Sitzungen ab, ohne daß sich jedoch Anzeichen eines Strebens nach Frieden gezeigt hätten, obgleich erklärt wurde, keinen Augenblick ließe man vorübergehen, ohne ihn zu irgendeinem Versuch zu benutzen, Mittel und Wege zum Frieden und zur Verständigung ausfindig zu machen. Es wird versucht, die Be- förderung der Lebenßmittel zu verhindern und die Erneuerung der Benzinvorräte zu unterbinden. 3n London und in den benachbarten Grafschaften haben sich 75 000 freiwillige Arbeiter gemeldet. 200 ehemalige Kavalleristen haben die berittene Polizei verstärkt. Unruhen im La de. Die innerpolitische Lage. Verhandlungen zur Flaqqenfrage. Berlin. 8. Mai. (Wolff.) Im Reichstage haben gestern interfraktionelle Besprechungen zwischen den Regierungsparteien stattgefunten, an benen auch der Reichsminister des Innern Dr. Külz teilnahm. Wenn auch die Besprechungen, die die verschiedenen Möglichkeiten eines Ausgleichs der Gegensätze unter den Regierungsparteien zum Gegenstand hatten, zu keinem greifbarenErgebnisführten, so wurde ♦ür doch' wie die „Sägt Rundschau" mit» teilt, betont, daß an der gegenwärtigen Regierungskoalition fest geh alten wer^n müsse. Keine Regierungsfraktion könne dte Verantwortung dafür übernehmen, wegen des Flaggenerlasses eine Krisis von unübersehbaren Folgen ^eraufzubeschwören. — Auch die „®er- m a=n i a ‘ sieht die Lage nicht mehr so kritisch an. Das D.att schreibt: Eine Erklärung der Regierung, die der Stimmung in sämtlichen Regie- rungsparteten entgegenkommt, könnte nach der Auffassung pariwnentarifcher Kreise vielleicht die Grundlage zu Verhandlungen bieten, die einen QluStoeg aus der Krise zeigen. In der demokratischen Fraktion, die im Anschluß an dce interfraftionelten Besprechungen gleichfalls unter Teilnahme des Reichsministers des Innern zusammentrat, soll man jedoch. laut „Voss. Ztg " den Dersöhnungsaktionen sehr skeptisch gegenüberstehen. Reich und Länder. Eiuc bayerische Derfassnnqsdcnkschrift München, 7. Mai. (WTB.) Die bayerische Staatsregierung veröffentlicht eine Denkschrift die es als ihre Aufgabe bezeichnet, auf Grund der Ent- wicklung der letzten Jahre zu zeigen, wie das Reich in Gesetzgebung und Verwaltung die, nach der Weimarer Verfassung, den Bundesstaaten verbleibenden Rechte, zum Teil unter Durchbrechung der Verfassung, mehr und mehr verkürzt md damit die Eigenstaatlichkeit der Länder in fort- chreitendem Miße aushöhlt. Die Reichseinheit mache kein Einheitsreich erforderlich. Der stärkste Kitt fei vielmehr die bundesstaatliche Verfassung. Der Schlußteil der Denkschrift enthält einen konkreten Vorschlag für eine Aenderung der Reichsoer- fassung. Bayern fordert Berfassungsfrieden London, 7. Mai. (WTB.) In Hüll mußte heute nachmittag die Polizei auf dem City Square mit erhobenen Knüppeln gegen streikende Arbeiter oorgehen. Streikposten zeigten sich gegenüber Freiwilligen feindselig, die sich in der City Hall eintragen ließen. Berittene Polizei mußte einschreiten, um die Menge von 3—1000 Mann zu zerstreuen. Sieben Personen wurden verletzt. Polizeiverstär° kungen säuberten den City Square und nahmen einige DerhaftunAen vor. Marineleute wurden für den Schutz von Freiwilligen, die Lebensrnittel löschten, ausgestellt. Andere Matrosenabteilungen wurden nach einem Dock zur Beschützung der für das Löschen anderer Schiffe bestimmten Leute entsandt. Wie weiter gemeldet wird, sind die Industrien in Hüll jo gut wie stillgelegt. Die Bevölkerung ist ruhig. 2n Lincoln arbeiten die Fabriken, In Derby dagegen ist die Lage wenig befriedigend. Hier sind die bekannten Roll Royce Automobilwerke ge- schlvssen. Man erwartet, daß auch noch andere Werke schließen müssen. In Sheffield ist die Lage kompliziert, alle stahlerzeugenden Arbeiter streiken, obgleich die Gesamtzahl der streikenden Arbeiter weniaer als 50 00 beträgt, handelt es sich hierbei um sogenannte Schlüsselindustrien, so daß weitere Industriezweige in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Im Osten von Glasgow kam es gestern zu ernsten Unruhen, bei denen insgesamt 69 Personen verhaftet und mehrere Personen, darunter ein Polizeisergeanr, verletzt wurden. In einigen Wirtshäusern und Läden wurde geplündert. Hierbei wurde ein junger Mann durch eine Fensterscheibe gestoßen und sehr schwer verletzt. Am unruhigsten ging es in der Nähe des Straßen- bahndepots zu. Es hatte sich das Gerächt verbreitet, daß Studenten dort als freiwillige Nothelfer die Nacht verbrächten. Donnerstag frühmorgens zogen daraufhin etwa 500 Berg- leut? aus der Umgebung zu dem Depot und versuchten es zu stürmen. Poltzeiverstärkungen zerstreuten mit Gummiknüppeln die Angreifer Kleinere Gruppen begaben sich in die Seitenstraßen und begannen zu plündern. Hierbei tourten elf Männer verhaftet. Dann trat für mehrere Stunden Ruhe ein. Aber bei Anbruch der Nacht gestaltete sich die Lage sehr schwierig Große Menschenmassen zogen vor das Depot und unternahmen mehrere Angriffe. Die Polizei wurde ständig mit Steinen beworfen. Sie machte wiederholt Knüppelangrifse. Dabei wurde Anzahl meist junger Burschen verhaftet. Nach 11 Uhr aoends trat Ruhe ein. In M ibbles 6 ° rough fanben gestern abenb Unruhen statt. Schwere Güterwagen würben aufeineStrecke geschoben, um einen Der- sonenzug aufzuhalten. Die Menge zerstörte ferner Der R e i ch s p r ä s i b e n t hat Professor Dr. v o n Harnack zu feinem 75. Geburtstag den Adler- sch »Id des Reichspräsibenten verliehen und ,hm ein Schreiben zugehen lassen, in dem er feine Glückwünsche und ben besonderen Dank des Reiches für die Arbeit Professor Dr. o. Hanmcks m der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und ihren For- schungsinstituten ausspricht. Der Adlerschild ist eine bronzene Adlerplakette, die auf einem bronzenen Sockel stehl und auf der Rückseite folgende Md- mungslnschrift trägt: „Adolf von Harnack, dem Trager teu^jchcr Bildung, der Reichspräsident zum Geheimrat Soxhlet f. Geheimrat Prof. Dr. Franz von Soxhlet, ter ehemalige ordentliche Professor für Agrikultur-Chemie an der Technischen Hochschule in München, ist nach längerem Leiden im Aller von 78 Jahren in München gestorben. Wettervoraussage. Nach anfänglicher geringer Erwärmung und verstärkten Niederschlägen erneuter Temperatur» fall und wollig mit Schauern. Ein umfangreiches nördliches Tiefdruckshstem beherrscht weiter die Wetterlage. Infolge von Achsendrehung hat sich ein Teilwirbel nach Frankreich verlagert, in teffen Regengebiet unser Bezirk bald eintritt. Nach anfänglicher Erwärmung ist dann bei rechtsdrehenden Winden wieder mit stärkerer Abkühlung bis zum Nullpunkt zu rechnen. Helsen. Ich weiß selbstoerstäichlich ganz genau, daß d'e Preise sich auf die Dauer nur nach ben großen inneren Gesetzen des Wirtschaftslebens richten. Aber auch bei Naturvorgängen ist es zuweilen er priest- lich, nachzuhelfen. In K r e d i t f r a g e n ist das Ziel klar. Wir muffen erreichen, daß trotz des verlorenen Betriebskapitals die Wirtschaft so intensiv bleibt, m i e n u r i r g e n d m ö g 1 i ch , und daß sie schnellstens auch wieder die Wendung zu weiterer Intensivierung nimmt. Eine Erhaltung ist aber nicht möglich wenn die mühsam erzeilte Regelung der Aufwertung neuerdings in Frage gestellt würde. Die Reichsregierung ist daher entschlossen, allen Be flrebimgen, die Aufwertungsfrage wieder aufzurol- len, nachdrücklich entgegenzutreten, und hat das durch ihr Dorgehen bereif« bekundet Hch erwarte die ernsthafte Unterstützung derer, denen der Wiederaufbau der deu tschen Wirtschaft wirklich am »Herzen liegt Ich begrüße es. daß der deittscye Landwirt- fchastsrat hier in Darmstadt an der Grenze der dritten Zone seine diesmalige Tagung abgehalten und bamit auch von sich aus bekundet hat, wie sehr das ganze deutsche Vaterland das Schicksal der noch immer besetzten Lantesteite empfindet Ganz besonderer Art werden bei dem Besuch im besetzten Gebiet die Gefühle der Männer sein, die an der Weichfekwunde im Osten leben und abgetrennt vom übrigen Reiche ben schweren Wirtschaftskampf Ostpreußens kämpfen. Ob in Ost oder West, an Rhein ober Weichsel, ob in der Nordmark ober im Süden des Vaterlandes, ob — lasten Sie mich dieses Wort als Ausklang nehmen — in Stadt oder Land, verbindet alles das eine, das größer ist als unsere besonderen Sorgen, die Liebe zum Vater- land! Nach dem Kanzler sprach bann Reichsbokikprasidsnt Dr. Schacht über die Beziehungen der Reichsbank zur Land- wirtschaft. Die Reichsbank kann leider nur in der Form desWechfels Kredit geben, der an sich der Landwirtschaft nicht adäquat ist. Diese Wechselkredite hat die Reichsbank insehrgroßemUmsange gegeben. 1924 gingen fast 50 Prozent des Gesamt- Uedits an die Landwirtschaft Die Reichsbank hat ober daneben auch von jeher darauf hingearbeitet, den R e a l k r e d 11 wieder aufzubauen. Sie ist weiterhin bestrebt gewesen, den Zinsfuß herabzu- setzen. Wir haben ferner die Golddiskontbankaktivn unternommen. Wenn das Tempo der Aktion nicht schneller gewesen ist, so trägt die Reichsbank daran keine Schuld. Die Reichsbank hat vor einer Der- stopfung der Grundbücher durch die Aufwertungsfrage bereits zu einer Zeit ge- mamt, als sie dabei noch nicht von allen Kreisen der Landwirtschaft unterstützt wurde. Außerdem ist das Tempo wesentlich gehemmt worden durch das Kontlngentterungssystem. Diese ganze Kontingentierung Ist ein Zeichen unserer Zeit: Rest, bestände aus der Knegszeit. vielleicht auch Erinnerungen an absolutistische Zeiten, in denen das Volk lediglich Ansprüche an den Staat stellte, swtt zu sagen: ÄchbinderStaat! Die Devise „Treudeutsch und pensionsberechtlgt" darf für unser Volk nicht maßgebend werdeu. ~ Der Reichsbaakpräsident äußerte sich sodann über die nächsten Absichten der Reichsbank zur älnterstutzung der Landwirtschaft für die neue Ernte. Richtschnur werte sein, daß die Land- toictschaft nicht tote im Vorjahr gezwungen werben darf, unter dem Druck der Kreditfälligkeiten chr Getreide vorzeitig zu Preisen zu v e r s ch l e u- dern, die verlustbringend sind und die vermieden werten können. Wit grober Schärfe wendet sich der Reichs- bankpräsident sodann gegen die Bemerkung des Präsidenten des Landwirtschaftsrates, daß man ,n Zukunft dem Landwirt nicht mehr den Rat geben könne, unter allen Umständen ferne Produktion zu steigern, daß man rhm vielmehr raten müsse, so zu handeln, wie «s zur Erhaltung seines Besitzes notwendig sei. Ich halte das, so erklärte ter Reichs- bankpräsident unter lebhaftem Widerspruch und unter großer Unruhe ter Versammlung für e i n außerordentlich gefährliches Wort. Ich tourte es auf das Aeußerste bedauern, wenn dies Wort etwa so aufgesaht toerden sollte, als vb die Landwirtschaft nicht in alteret ft er 2ini« auf bie Steigerung ihrer Pro- duktidität hinarbeiten sollte, sondern auf die Sicherung ihres Besitzes allein. Ich gebe Ihnen die Versicherung, daß die Reichsbank »emem Landwirt, ter so denkt, Kredit geben wird. (Wachsende Unruhe und Widerspruchszurufe aus der Versammlung.) Die Reichsbank wird sich ihre Kreditnehmer genau daraufhin anfehen, ob sie ihren Kredit zur Erhaltung Ihres Besitzes oder zur Produk- (ionsffeigerung zu verwenden wünschen. Derrn nur, wenn sie die Kredite zur Steigerung ter Produktivität benützen, werten die Kredite zurückbezahlt werden können. Wenn sie glauben, ohne dr flditg in i1 einem Öa leine! mid) hie« nötigen c( ü? her vigsplc^ Franst urt' TDD vor Säener m kn soll, garten, tot ßärtter fyr., Äan den Sahn wird so rea oui den N Fälle noch i fahrieri' Drr 0 Zeppeli Süru: tc ein hoc der grob hier »pret starker 2e esse der g> zu verzeiä 2-2 Jian dar dem o-.f K® SS nen.,®1" im 2orv Werden Aus Inhaber i weg in se Aufnahme am 4. Au ausgestellt D ni 3m nbtblid) uni bet j? Sautetbaii Arbeilsi gegenüber d ist eine < in der 2ani 'm sanken die das Ai fordert, im 3m ei von Ende Stad unierstühur (am 1, Ap Kreii rmterstühun Ser (am 1.' Kreis MEhung law 1. April Die Oesl D'ie Bi 11. M Kapell Gießen Hei schwei gervab und C Her im 73. (j he *«5 s. i' Sihie '"'S.....; ....... "V<« Vk£W YORK / LONDON /HAMAUR'C schule « Wer von ittlärilchen arokko. irud).) NachfinH bos'franv1, mg fleflittdl»er iaenommtn. d« NeniDttf; Loichut Ist aus die Optra- Tempel «Ste ;-Hs Schaft- tiatf. 10 den Adle ' iten ie* lalen, in dein " ür. »• «, >- * * ■ f^eieVi0^ :Se 5. h’aÄ^lt rS'ien Ut4Äer daran LZ Ktz Es..ett.u;- ar/ier n. ,$k j&Ä ' Nm t« Multetat. AerhaMangen S des Stra. Dörfer eiwrf^affgfon.' '/nllmsLn, 18 ®timb bafii; JlWUH derdr « -gen Testalt «. 4net die Mion E> Ichreibt. ej deworgeruserx lverörn tolrb r Freien rn. n der Frage da »eiter fahle der ■ heute einstim- er seine volle «iverkjchasten in ihre- großen uiUerstühen. er- st dir Aibeüer inen schwierigen i englischen 2r- der DundeSvvr- hm vorbereitete fchneWeiiS zur 'oiflunlUDertTf ngefttGtenbun- ion dem De- Kittete. Saut im Deutschem .eute, Din- leitet gestern hisfung von i unterbin- Schisse zu der- scher Schisse mit en. in den en. lcgraphenageM itälstei^trcit der iter in den russi- i Schwarzen und üngrab liegenden gegenwärtig fast stand in den So* iffen. Augenblick- Aus der Provinzialhauptstadt. ®icßeii. den 8 Wai 1926. Dr. Eckener-Tag in Giehen. 2Im Montagnachmittag wird Dr. 6 d e n e r in «nferer Stadt eintreffen, um abends In der Bolksßalle einen öffentlichen Dortrag zu halten. Man darf dabei auf außerordentlich interessante Mitteilungen über den großer Amerikaflug mit dem 3.2t. III und über Zeppelinbau-Fragen rechnen. Die 23eranftalt.mg beginnt pünktlich um 8Uhr. Besondere Gründe gestatten nicht, das sogenannte akademische Viertel einzuhallen. Jeder Besucher tut also gut, beizeiten zu erscheinen. (Sintrittäiarten sind noch bis Montagmittag im Vorverkauf Hieße heutige Anzeige) zu haben, außerdem natürlich am Montagabend an den Eingängen der Dolksßalle. 3ur schnelleren Abwick- L;ng des Verkehrs wäre es rat'am, sich die Äarten möglichst schon im Vorverkauf zu besorgen. Die Studentenschaft wird sich inge- Ichlossenem 3 u g e mit Fahnen unter Musik- I •' . t ng zur Volkshalle begeben. Sie wird sich ''.'oaldsgarten aufstellen und von dort Punkt b Ußr abmarschieren. Der 3ug geht über die ‘. ’milügc. Bahnhofstraße. Alices!raße, Frank- 1 vr Straße, Leltcrsweg, Sonnenstraße. Venen Baue, Kaiserallee zur Volksßalle. Vach dem Vortrag und dem musilalischen Aus- klong in der Dolksßalle wird Dr. Edener mit einem Fadelzug der Studentenschaft n.ich seiner QBoßnung im Hotel Schütz geleitet; auch hierbei wird flotte Marschmusik für den nötigen Schwung sorgen. Der Fackelzug stellt sich in der Äatferanee aus und geht über den Lud- wigsplatz. Ludwtgstraße ©Ovtheftraßc, Südanstige, Frankfurter Straße, Alicestraße. Bahnhofstraße, wo vor dem Hotel Schütz gehalten und Dr. Edener noch eine Schlußehrung dargebracht werden soll. Don hier geht der Zug zum Oswalds- garten, wo die Fadeln z.sammengeworfen werden. Für die Heimkehr der Besucher ist verstärkter Straßenbahnbetrieb vorgesehen. Man hat dadurch Gelegenheit, auch noch den Bahnhof zu ertcL.cn. De Veranstaltung wird so rechtzeitig beendet fein, daß die Besucher auS den Vachbarstädten und -Dörsern auf alle Fälle noch die S p ä t a b e n d z ü g e zur Heimfahrt erreichen können. Der Reinertrag des Abends wird der Zeppelin-Edener-Spende zugesührt. tfür unsere Stadt und die Vachbacschaft ist t6 ein hochbedeutsames Ereignis, einen dec größten Deutschen unserer Zeit hier sprechen zu hören. Möge dazu ein recht starker Besuch aus Stadt und Land im Interesse der guten Sache, dec sich dieser Mann widmet, zu verzeichnen sein. Aus Anlaß des Eckener-Besuchs hat der Qnhaber des Vlumenhauses Dietz im Seite rs- weg in feinem Schaufenster eine photographische Ausnahme von dem ersten 3eppelinslug am 4. August 1908 über Straßburg t. E l s. ausgestellt. Der Ardeitsmarkt im nördlichen Oberhessen. 3m Bereiche deS Arbeitsamtes für das nördliche Oberhessen, zu dem die Stadt und der KreiS Gießen und die Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten gehören, hat sich die A r b e i t s m a r kt la g e im Lause des April gegenüber dem Dormonat etwas gebessert. 6 s ist eine gewisse Belebung im Baugewerbe und in der Landwirtschaft cingetrelen. außerdem sind im ganzen Arbeitsamtsl>e.,irk Votstandsarbeiten, > das Arbeitsamt durch einen gewissen Zuschuß fördert, im Gange. 3m einzelnen ist aus Grund der Zählungen von Ende April zu berichten: Stadt Gießen: 30. April: 421 Haupt- unterstühungsempsänger, 473 Zuschlagsempfänger (am 1. April. 524 bzw. 610). Kreis Gießen: 30. April: 1308 Haupt- unterstühungsempsänger, 1162 Zuschlagsempfänger (am 1. April: 1826 bzw. 1848). Kreis Alsfeld: 30. April: 495 Haupt- unterstützungsempsäncer. 840 ZuschlagSempsänaer (am 1. April: 567 bzw. 782). KreiS Lauterbach 30. April: 160Haupt- unterstützungSempfLnger. 283 Zufchlagsempsäoger (am 1. April: 214 bzw. 357). Kreis Schotten: 30 April: 402 Haupt- unterstützungee.np'än^er. 970 Zuschlagsempfänger (am 1. April: 398 bzw. 925). Insgesamt 30. April: 2786 Haupt- unterstützungsempsänger. 3731 Zuschlagsempsän- gcr (am 1. April: 3529 bzw. 4522). Bornotizen. — TageSkalender für DamStag: Gießener Turn- und Sportvereine: 8 llhr, Dolls- halle: Tum- und Sport-Werbevorführungen. — Reichsverband deutscher Dentisten 12 bis 6 Ußr nachmittags, Ka h VereinshauS, Bf entließe Ausstellung „liniere Zähne". — GZ.n et- und Dogei- -uchtverein: 8'/, llhr „Pfälzer Hof" Monats- versammlung. — Verein „Volkühochschulc". 8l/< Ußr. Oberrealschule. Hauptversammlung. — Wasserspvrt-Derein Hellas. 8 Ußr bei Kobel. Monatsverscmmlung. — Erste Reichskurzsckr sl- gesellschast „Gabelsverger: SV, Uhr „Stadt Lich" Miigliederversammbing. — 50er-Dereini- gung 1868 1918 : 8 Uhr bei Dippel. Generalversammlung. — Saalbau Sauer: 8 Uhr, 06er- bayrisches Bauerntheater — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße. ..Die Aßmanns". — Astoria- Lichtspiele: „Die Königin d » Uhr Dollsßalle: Turn- und Sport-Wervevorführungen. — Reichsverband deutscher Dentisten, von norm. 10 Ußr bis nachm. 6 Ußr. Katholisches Vereinshaus: öffentliche Ausstellung ..Unsere Zähne": norm. 11 Ußr Vortrag über Zahn- und Mundpflege. — Vaalbc.u Lauer. 8 Ußr. OberbaycrischeS 'Bauerntheater Lichtspieltheater wie Samstag.' — Palast-Lichtspiele (Kirchenplah): .Zur Chronik von Grieshuus". — Jeder Familie ein eigenes Heim. Einen Vortrag über dieses Thema veranstaltet die Gemeinschaft der Freunde in Wüstenrot (Württemberg) am Dienstag. 11. Mai, abends 8 Uhr. im Saatbau Sauer Eintritt frei. Näheres in der heutigen Anzeige. ** Eine öffentliche Stadtverord- netenfitzung findet nm nächsten Dienstag, nach, mittags 5 Uhr beginnend, im Stadtverordneten» Sißungsfoale stau Aus der Tagesordnung stebt vor allem die Beratung des Voranschlags für 1926 27. Ferner wird sich, das Haus u. a. noch mit dem Ausbau der begonnenen Siedlung am Kugelberg zu beschästigen haben. ** D i e Gießener Turn - und Sport- e r b e ü e r a n ft a 11 u n g e n , die heute und morgen in der Volk, halle bzw. auf dem Unibersi- tätßiportplaß stattfinden, seien noch einmal zu regem Besuche empfohlen. Näheres in der gestrigen Anzeige. "* Sine neue Woßnyausgegend zeigt sich jetzt in ihren Anfängen an der Grünberger Chaussee, beim sog. Professoren-Cck. Dort hat dec UniversllatL-Gartetnnspe.tor Rehnelt bereit- seit einiger Zeit einen gefälligen Wohn- hausbau in Arbeit, der in acht bis zehn Wochen bezogen werden soll. In Verbitrdnng mit diesem Wohnßausgrundstüd ist eine Baumschule angelegt worden. Zwei andere Wohnhausbauten sind in dec Vachbacschaft des Rehneltschen Baues im Entstehen begriffen. Bauherren sind hier die Herren Gebr. Rust und Pfeil. Eine weitere Belebung der Bautätigkeit an die'er landschaftlich schönen Stelle dürfte wohl nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. ** Mmerifanerbefucß in Gießen. Ge» legentlid) der Ueberweisung einer Spende an die Gießener Studentenhilfe teilte der Hessen- Darmstädter Volk sse st verein in Neuyork mit, daß bei der für 1927 geplanten Deutschland- reife des Vereins auch Gießen in den Reiseplan aufgenommen wird. Es werden dabei insbesondere auch die Einrichtungen der Gießener Studentenhilfe, für deren Entwicklung der Verein regstes Interesse zeigt, besichtigt werden. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn bis dahin auch der geplante Neubau des Studentenhauses vollendet fein würde. •• Volkshochschule De Kurs „Einführung in die Literatur", den Dr. Werner angelünßigt hatte, wird von Dr. Kraushaa r, Trohe, durchgesührt werden. Beginn Dienstag, 11. Mai. Anmeldungen werden noch entgegengenommen. (Siehe Anzeige.) “ Auszeichnungeine» Arbeitssubi- lar». Heute wurde dem Lackierer Heinrich Schäfer aus Wieseck von der Handwerkskammer Darmstadt für 25jährige Tätigkeit im Betriebe der Auto- und Wagenlackiererei von Justus Vogel, jetzt Karl Vogel, hier, Dammstraße 8, bic Ehrenurkunde überreicht. Der Arbeitsjubilar ist seit 1901 ununterbrochen in diesem Betriebe beschäftigt. •• Die Umsatzsteuerfreiheit (port- sicher Vereinigungen ist laut einem Schrei den des Reichssinanz Ministers in der Weise geregelt worden, daß bei Vereinen, die der körperlichen Ertüchtigung des Volkes durch Leibesübungen dienen. Einnahmen aus den Eintrittsgeldern, dem Verkauf von Vrogrammen und der Vermietung von Plätzen unb Geräten von der Umsatzsteuer befreit sind, wenn die Einnahmen nachweislich überwiegend für Zwecke der körperlichen Ertüchtigung verwendet werden. " Gegen die Auswüchse des Hausierhandels. Zu der Mitteilung unter dieser lieber- schrist in unserer Ausgabe vorn Mittwoch wird uns von der Sektion Gießen des Hesfen-hessen- nassauifchen Landesoerbaiides reilenber Schausteller, Handelsleute und verwandter Berufe geschrieben: . Der Hausierer betreibt sein Geschäft mit dem vom Staate zugeteilten Wandergewerbefchein. Der Hau- [lerer weiß genau, daß er durch Ueberoorteilung der Kundschaft seines Gewerbe, mithin seines Brotes, verlustig geht. In diesem Beruf gibt es ebenfalls gewissenhafte Kaufleute, wie in jeder anderen Branche. Auswüchse werden von »ns selbst bekämpft. Es ist nicht angebracht, daß man den Unschuldigen mit den Schuldigen leiden läßt." (Es ist selbstverständlich zutreffend, daß es auch im Hausier- gemerbe zuverlässige Geschäftsleute gibt, ebenso richtig ist ober, daß sich gerade in dieses Gewerbe in den letzten Jahren viele unreelle Elements ein- gedrängt haben. Daß der Verband gegen diese vorgeht. ist erfreulich. Die Käufer werden sich die in ihren Wohnungen vvrsprechenden Hausierer eben sehr genau an seh en müssen, um gut unb schlecht voneinander zu scheiden. D. Red.) •• Eine Vorführung der Frankfurter Labanschlile für Tanz und Gymnastik findet am Dienstag abend 7 Ußr im Sladttheater statt. Das System Laban, als dessen bedeutendste Vertreterin Mary Wigman gilt, hat in den letzten Zähren besonderen Einfluß auf die Ausbildung der Bewegttngsregifsenre genommen, die an den meisten großen Bühnen nach Labans Methodeir arbeiten. 3n dieser Form sind besonders bekannt geworden die Hamburger Bewc- gungschöre und die Tanzgruppe (X n o ß am 8taderwaltung ohne Schwierigkeit am Mar'tlage selbst erfolgen. Für daS Einstellen von getauften Tieren stehen Stellungen für über 800 Pferde zur Verfügung. Kircklicke Nackrlchten. Evanaellsche Gemeinden Sonntag, den 9. Mai. Rogate. Gießen. Sladtktrche. 8: Psr. Mahr. Zugleich Christenlehre für die Veukonfirnllerten aus der Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen (Bahnhofstraße 22), den 8. Mai 1926. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 11. Mai, nachmittags 2l/8 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt 03325 Heute morgen entschlief sanft nach schwerem Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Schwager und Onkel Herr Wilhelm Huthmann im 73. Lebensjahre. Gestern abend wurde meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Clara Marth geb. Niemann im 76. Lebensjahre nach längerem Leiden durch einen sanften Tod erlöst Die trauernden Hinterbliebenen L d. N.: Robert Marth. Gießen (Steinstraße 33), den 7. Mai 1926. 03303 Die Beerdigung findet am Montag, dem 10. Mai, nachmittags 2'/, Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt | Vermietungen I feöslmdlBN.”C Zimmer frei. Tel. 108ö ,cmD B1Ö5I. älrnmer Alt vermieten l Steinüraste 74 v. BeschifflÄ- freie r« für Wohnung sofort zu vermieten Zu erfr. bei <>rrie, 'Illockuraste 14128h Tu vermieten: Gr. 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Opfer für die Zugendarbeit. - Datzen- born-Stctnberg. ’ ,9: Beichte, anschl. Gottesdienst und heiliges Abendmahl der Fugend. Gardenleich: 1. K..lhoNsche Gemeinden Dießen SamStag. 8. Mai. 41.', und 7 Deicht«. Sonntag. 9. Mai. 5 Sonntag nach Ostern, ö' , Beichte. 7 Meße, SXam. d. Jünglinge. 8 Rom., 9 Hochamt mit Predigt, 11 Messe mit Predigt, 2 Ehristen- lehre und Andacht. — Grünberg. 9‘, Messt mit Predigt. — Hungen. 9‘ ’ Hochamt mit Predigt. Lich. 7‘ , Mesie mit Predigt. Rundfunk-Programm dcS frankfurter SendrrS. (Aus der ^Radio-Llmschau*.) Sonntag, 9. MaL 8 bis 9 Ußr: Morgenfefec, veranstaltet von der Melhodiue.i-Geii-emde Frankfurt a. M. 11 bis 12 Ußr: Miiragsständchen, veranstaltet von dem Musiklorps der Freiwilligen Feuerwehr in Reu - Isenburg. 12 biS 1 Uhr: Vortragsstunde Gerda Müller. Berlin. 1.30 bis 2.30 Uhr: Die Stunde der Jugend: AuS dein deutschen Märchenborn (für Kinder vom 4. Jahr« ab). 5.30 biS 6.30 Uhr: Konzert des HauS- orchesters: Die Oper der Woche. 6.30 bis 7.30 Ußr: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: „Elsaß und der deutsche Huma- nivmuL", Vorlrag von Redakteur Adr. Meyer. 8 Uhr: Ucberlragung auS dem Ochumann'heater: Gastspiel deS Deutschen Theater- München: „Consetti", Revue in 18 Bildern von Rudolf Relson. Montag, 10. MaL 4.30—5.45 Ußr: Konzert des HanSorchesterS. Erinnerungen an Großmamas ersten Ball. 5.45 bis 6 05 Ußr: Die Lesestunde (Die -.'tovellel: „Der Schuß von der Kanzel" von Konrad Ferdinand Meyer. 6,15—6.45 Ußr: Die Bucher» stunde. 6.45—7.15 Uhr: Vortragszyklus der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.« Hanau: „Was bringt der neue Cisenbahnfahr- plan?" Vortrag von Syndikus Flach 7.15 bis 7.45 Ußr: .Die nordischen Sprachen und ihre Literaturen", Vortrag von Dr Ludwig Harald Schütz. 7.45—8.15 Ußr: Italienischer Sprachunterricht. 8.15—10.30 Ußr: Uebertragung von Gießen: Eckener-Feier. Programm: Reden des Rektors der Landesuniversität Pros. Dr. D ü r k e r und von Herrn Dr. Eckener, umrahmt von musikalischen Vorträgen. Anschließend bis 12 Uhr. Uebertragung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Futckkapelle. SouniaaSdtenst d.'Aerzte iL'llvotbcfen am 9.5.26 Dr. S. Sicht Dr. Ltiibl Pelikanavothcke. Zahnarzt: Dr ltzonter. *D llMMMe bienitc: Sonntag vormittags 911 Ubr, Sonntat nachmittaaS 4 Uhr. ,,D Ein überwältigendes Zeugnis: 230 000 Steinway-Flügel und -Pianos im Besitze von Kennern! August Förster, Gießen Bahnhofstraße 65 b. >n er 4051b an den ("tetzener Anzetaer. Suche 4 Zimmer- Wobna. uno biete aeräum. 3-Zimm.r Wobna. mit Lian- iardenziinmer nnv retdiL öttbeb <2dir Angeb. unter 03302 an den Gietz An» Gr. sch. Zimmer »um EiniteUen von Möbeln »ii verm. Viäbere?- b i Jlirma Sttskralh k Benier, G m.b.H-Marb.Str 7 Stellenangebote Ein jüngerer BMet kann sof. ein reien b. H. Koestrich. EckarfSbauien bet bübinaen. Tel. 91 r. 9. <,*D Ein älierco, lüchttg. 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Ap das jranzi benabtom nach jeder Se Frankrei, Schulden an bieren. Man Blut der rrc habe zur <= onsprüche an hin, daß Ame ßranfreid) da Aubes Aon P Die Auh irrt Aus^v zu eigenen u»” Loge Sund hingen 2 Bindungen dadurch b auchnNjd gelöst ist- 1 das cSestag« öegteifl ivirll'ch n'ch liebend Deut Ünbefong nnihl an. w Böllerbund' dieses deustch ball seine Po .gchlond,die| Hchritt mmbt Annahme de kann Deutsch und Drucke ' zu «erden. Mr «'II und stiiijche Lage entiprj essen Seulfa fein, das no bere Seife ■ Werbuno r lands Lebens erkennt. Und «ewichts, das Wtz Slim 400. Aon c Zu Gipfel °Ut oft schwer lonoem weil t liegt, aus dem ■ r So lindm versunkene dei S ^inan' griffen un schein L^öNein. Edruckswel, ^r, "wdernen P’kti mit uni f®ntjiit unten Ä19e”" m» V;«« oc6'n dieser uni, ; ?uä i>e Mkn. " ^er ^DKnjuh3, dei .^rltfeng. "oiivKn näk ««il.1 ■ Ita Quf kin2 koste, ?6'« i«^°d< Lcn 'neSn9t. Keine S9er K ^mQ| j^°nung tote a.61 6|tqr ^4 Er. 107 Zweiter Blatt Eiehener Anzeiger iGeneral-Anzeiger für Gderheffen) Samstag, 8. Mai 1926 Außenpotttische Umschau. Hon Prof. Dr. Otto Hoetzsch, M. b. R. Die Aufregung, besser gesagt, die Verwunderung im Ausland darüber, daß Deutschland sich das Recht zu eigenen Verträgen wahrt, Hal sich allmählich ge legt. Man erkennt in London wie in Paris, wie die Lage in Wahrheit ist. Rußland und Deutschland schloßen einen Vertrag ab, der unabhängig von Lo- carno und dem Völkerbund gedacht werden kann, den ober Deutschland so formuliert und Rußland auch so angenommen hat, daß Deutschlands Verpflichtungen aus dem Locarnopakt und Deutschlands etwaige Bindungen beim Anschluß an den Völkerbund nicht dadurch berührt werden. Die andere Seite erkennt auch an, daß juristisch diese Aufgabe ausgezeichnet gelöst ist. Was will sie eigentlich mehr? Was soll da? Gefrage nach dem „Geist", der dahinter steckt? Begreift man drüben, in London, Genf und Paris wirklich nicht, wie loyal und wie im Ernst friedliebend Deutschland hier vorging ' Unbefangene Beobachter drüben erkennen gar wohl an, welche Möglichkeit vielmehr sich für den Völkerbund eröffnet gerade auf Grund und infolge dieses deutsch-russischen Vertrags. Denn Deutschland hält seine Politik nach Genf hin aufrecht, schließt mit Rußland diesen Vertrag, in dem Rußland einen Schritt mindestens auf den Völkerbund tut (durch Annahme des Schiedsgerichtsgedankens), und so kann Deutschland in die Lage kommen, Vermittler und Brücke zwischen Rußland und dem Volkerbunb zu werden. Wir wissen sehr wohl, daß das eine gefährliche und kritische Sache sein kann. In der gegenwärtigen Lage entspricht es den Notwendigkeiten und Inter esien Deutschlands. Aber eigentlich sollte nicht nötig fein, das nochmals zu sagen — bann muß die an derc Seite Deutschland auch den Anschluß an den Völkerbund möglich machen dadurch, daß sie Deutschlands Lebensinteressen in all und jeder Weise anerkennt. Und der Vorteil im Sinne eines Gleichgewichts, das durch die Westverhandlungen für Deutschland verloren ging, der Vorteil des Berliner Vertrags für Deutschland liegt gerade darin, daß die Gleichgewichtslage so wieder hergestellt ist, die besondere und eigenartige Situation Delitschlands da durch ganz besonders unterstrichen worden ist. Das liegt genau in der Linie der deutschnationalen Aus sossungcn. Und diese allgemeinen Sätze erhalten sofort die richtige Beleuchtung, wenn man sie auf alles über den Artikel 16 Gesagte und Geforderte anwendet. Daraus ergibt sich die Linie für die deutsche Politik In den nächsten Monaten von selbst. Am 10. Mai beginnt die Studienkommission in Genf. Deutschland arbeitet daran mit, aber es wird in vieler Arbeit unbedingt darauf sehen müsien, daß Ueoerraschungen zu seinen Ungunsten, wie im März, nicht Vorkommen, daß vor allem in der Behandlung der Ratsfrage das deutsche Interesse und das deutsche Prestige nicht verletzt wird. Es kann das jetzt noch nachdrücklicher durchsetzen, als vor dem Fehlschlag in Genf und vor dem Abschluß des Berliner Vertrages. Die Aufgaben für den deutschen Vertreter in Genf in dieser Kommission sind verwickelt und nicht leicht, aber die Linie, die er einzuhalten hat, ist haarscharf gegeben und nicht zu vergessen: die eigentlichen und letzten Entschlüsse, die für Deutschland zu fassen sind: sie sind für uns in jeder Beziehung in diesen Verhandlungen noch durchaus frei. Am 29. April ist, zum Schluß unerwartet schnell, das französisch-amerikanische Schulden abkommen unterzeichnet worden. Es ist nach jeder Seite hin höchst bedeutsam. Zunächst für Frankreich. Dieses sah sich nun gezwungen, die Schulden an Amerika anzuerkennen und zu konsolidieren. Man zetert und klagt nun darüber, daß das Blut der französischen Soldaten nicht ausgereicht habe zur Streichung der amerikanischen Geld- anspniche an Frankreich. Aber man nimmt gern hin, daß Amerika 53 Prozent seiner Forderung an Frankreich dabei gestrichen hat. Nach diesem Ab- Zum 400. Geburtstag paleftrinas Don Sophie Lederer-Eben Zu Gipfelpunkten den Weg hinaufzufinden, fällt oft schwer. Dicht, weil die Höhe so steil ist, sondern weil der Weg hinauf abseits von dem liegt, auf dem wir heute von Hatur aus schreiten. — So finden schon viele schwer zu Sebastian Dach hinan, dessen Well uns modernen Menschen doch näher liegt, als die m Mystik versunkene der katholischen Kirche: finden nicht zu ihm hinan, weil sie ihm mit zeitbeschränkten ^Begriffen und Empfindungen nahen. Doch schwerer scheint der Pfad zu P a l c st r i n a zu finden zu fein, dem musikalischen Gipselpunkt der Ausdruckswelt kirchkatholischen Mittelalters, weil wir modernen Individualisten, nicht mehr gewöhnt, mit unseren Empfindungen in einer Gesamtheit unterzutauchen, der seelischen Aussprache einer ganzen Gemeinde unseren Anteil zu versagen geneigt sind, um so mehr, wenn der unterlegte Text erstarrt, lateinisch, ist. Aber mit „zeitlichen" Begriffen belastet, ersteigt man keine „Gipfel". Denn die liegen im klaren Glanz des Ewigen. Freilich, wir können die Musik Vale» strinas nicht in unser stilles Zimmer mitnehmen, zum Geführten unseres jederzeit „kampsgegen- toärtigen" Alltags, sie wird immer nur in Feierstunden tiefster Selbstversenkung lebendig werden können. Dann aber spricht sie als Unendliches und als ein liebevolles Unendliches zu uns. Dicht das Charakteristische des Lebens ist in dieser Musik gefangen, sondern die Lebenswerte, die eine überragende Persön» lichkeit aus Dem Leben zog. die ein gläubiges und liebevolles Gemüt in Der ihm gemäßen Sprache niederlegte, werden miterlebt werden müssen. Der Deutsche Bach, in Der Keulchheu feiner Empfindung, der urgeraltigcn Architektonik feiner Linienführung, in der Schlichtheit und Selbstverständlichkeit feinet Gröhe, ist unserem deutschen Herren näher, als der Italiener, mit seiner nationalen, speziell „römischen" Empfindungs- weise. Es kostet ein wenig Selbstverleugnung, auf seinem Boden Fuß zu fassen: ist man aber oben angelangt, so leuchten die Sterne, und kreisen in ewiger Harmonie. Sphärenmusik erklingt. Keine Ilmriffe mehr, nur noch Farben, Farben zartester Tönung, nur ganz fluchtig hie und Da- einmal im Strahl Der Sterne. Die so groß sind wie Sonnen, Durch Wolken'chatten verdunkelt. UnD beDeutct Bach: den Schrei und das Jubilieren Der einzelnen, der protestantischen Seele empor zu Gott, so ist Palestrina: i)cr in die Sphären verklärte Lobgesang jchluß kann Frankreich, was allerhöchste Zeit ist. an die Ordnung seiner Finanzen gehen. Die Zeichen der kommenden Katastrophe mehren sich. Frankreich ist heute in diesem Punkt etwa da. wo wir 1921 waren. Der Frank ist etwa ein Siebentel seines Friegenswertes. Die Gesetze zur Bekämpfung tyr Finanznot sind jo, wie wir sie damals machten, und bleiben, wie bei uns, ohne wirklichen Nutzen. Der Abschluß mit Amerika eröffnet die Bahn zu einer Anleihe drüben, ohne die die Stabilisierung des Fran- ken nicht möglich ist. Weiler für Europa. Dieses Abtommen mit Frankreich war das schwierigste. Rund ein Dutzend ähnliche Abkommen sind getätigt, was aussteht, ist eigentlich nur noch Beiwerk. Was Amerika mit diesem Abschluß will, liegt zutage. Es weiß, daß es die Riesenjummen an Gold, die hier festgesetzt wurden, in den zwei Menschenaltern nicht bekommen wird, und es weiß noch mehr, daß seine Voltswirtchart diese Riesensummen auch gar nicht braucht. Es weiß ganz gut. daß im Gegenteil den bisherigen Krediten an Europa neue folgen muffen im Interesse auch Der amerikanischen Wirtschaft selbst. Oer Zweck dieser ganzen Abkommen ist vielmehr, die europäischen Schuldner zur Anerkennung ihrer Verpflichtungen vyd zur Ordnung ihrer Finanzen zu zwingen als Grundlage und Voraussetzung für eine »efte Wah- rung und einen fremden Kredit. Der Zweck ist weiter, auf diesem Weae Einfluß in der europäischen Politik zli erhalten und auszudehnen auf dem Wege bekanntlich des Abrüflungsgedankeni. Zuletzt bedeutsam für Deutschland. Denn man erinnere sich jetzt, daß der Dames-Plan eine Gesanttschluhsumme Der deutschen Verpflichtungen und einen Schlußtermin nicht hat. Die Schulden abkommen mit den europäischen Siegerstaaten hoben diese Schlitßfumme und diesen Schlußtermin. Der Gedanke des Dawes-Planes war, daß die Gesamt summe der deutschen Verpflichtungen abhängig sein solle von der Gesamtsumme der 'Verpflichtungen der Europasieger an Amerika. So rückt also die Frage nach der Festsetzung der Gesamlsumnie der deutschen Verpflichtungen aus dem Dawes Plan heran. Nun aber hat Amerika mit klarer Absicht bei jedem Abkommen, ganz besonders beim französischen. eine Verbindung dieser Abkommen mit dem Dawes-Plan abgelehnt. Jeder Schiildner, besonders aber Frankreich stichle, was sehr plausibel klang, diirchziisetzen. daß es nur verpflichtet sei, soviel zu zahlen, als man prozentual aus den Dawes-Zah- lungen Deutschlands bekäme. Das mar im Interesse dieser Schuldner gedacht. Amerika aber will es nicht, sondern es will selbständig auf beiden Linien weiter gehen. Es will allein die Entscheidung darüber haben, wann und wie Abstriche, Nachlässe, Revisionen der beiderseitigen Zahlungen gewährt werden sollen. Denn, das ist das letzte: daß diese Riesen- summen aus Deutschland an die Sieger und von den europäischen Siegern an Amerika je voll bezahlt werden, ist ausgeschlossen. Schon deshalb, weil die Lage der Handelspolitik gar nicht ein Herauswirtschaften solcher lieberschüsse ermöglicht, weil eine Absatzfähigkeit für Exportwaren dafür da fein müßte, die auf der Welt eben nicht da ist. Damit rückt in greifbare Nähe die große Frage nicht nur der Ordnung der handelspolitischen Beziehungen Europas, sondern eben auch der Revision des Dawes-Planes selbst. In diesen wichtigen (Srpägungen wird England durch Die gewaltigste soziale Krise seiner Geschichte erschüttert. Am 4. Mai ist Der Streit Der Bergarbeiter ausgebrochen. Der durch Die Verbindung mit Den Eisenbahnern. Den Mechanikern, Den Transport arbeitern ein Riesenausmaß angenommen hat. Vier, fünf Millionen Menschen in EnglanD streiken. Man muß schon auf den großen Dortarbeiterftreif von 1689 zurürtgeheu, um an etwas Aehnliches zu denken. Die Wirkungen des Kampfes nicht nur, sondern auch des Ausganges gehen weil über England hinaus. Selbstverständlich Die rein wirtschaftlichen Wir kungen zuerst: Die geringere Kohlenförderung in England und sein großer Kohlenbedarf. Noch mehr einer gläubigen Gesamtheit einer idealen Gemeinde. Durch Die stufenweise Behandlung der Melodiebildung, durch Die melodisch und akkordilch streng hervortretende Diatonik (Ganztonsortschreitung). durch die im Verhältnis zu truhen Perioden vorsichtige und strenge Dissonanzbehandlung. wird der Eindruck einer Abgeklärtheit erreicht, wie sie anderen kirchlichen Werken des Mittelalters kaum eigen ist. Bach erlöst Die härteste Dissonanz durch herrlichste Harmonie, und spannt dadurch jeden seelischen Konflikt ab. Palestrina kennt fast nur reine Dreiklangsfolgen, die feinen Werten den eigenartigen klaren, losgelösten. dem Schmerz enthobenen Eharatter geben. Zn ihm ist das zu Anfang des 15. Jahrhunderts erwachende „akkordiiche" Empfinden völlig zum Durchbruch gelangt, ja, der „a ttordische" Stil wird mit Der größten Genialität, wo es der Tert erfordert, als Steigerungsinittel des kontra- punktischen Stils benutzt. And so wird Der „Pale- strina-Stil' zum Vorläufer Des „harmonischen" Stils, der die folgenden Jahrhunderte beherrschen sollte. Zum erstenmal stand die Musik vor Der Ausgabe seelisches Leben zu schildern denn Paleftrinas Vorgänger, in der Hauptsache Die Diederländer, mit ihrem größten Meister Orlandus Lassus. hatten nur die Technik vorbereitet. so wie Havdn die Technik Mozarts und Beethovens vorbereitete, oder ^Narlchner die Form Richard Wagners. Obwohl Palestrina die Renaissance-Strömungen bezüglich sorgfältiger Textbehandlung in sich aus na hm, und in seinen Werten verarbeitete, bedeutet er dennoch m seinem künstlerischen Wesen die Zusammen- faffu'ng Der Musik von Drei Jahrhunderten: er ist ihr Höhepunkt And dennoch unbegrenzt in seiner musikalischen Wesenheit. denn das „Metazentrum" der mittelalterlichen. katholischen Weltanschauung, die die seine war. lag nicht auf Der Erde, sondern im Jenseits Auch Dante führt Den Menschen nun durch Fegefeuer. Höste und Himmel, nicht auf die Erde. Dame. Daffael und Palestrina lind reinste Verkörperungen römisch-kirchlicher Kunst, in der Die Persönlichkeit völlig hinter Der Schöpfung verschwinDet. Dafür aber auch von aller Willkür und allem Debensächlichen befreit ist. Die Phantasie ist sehr beschäftigt gewesen. Pclle- strinas Lebensgang mit legendenhaften Zügen zu schmücken, weil wenig aus feinem Leben bekannt ist. 1526 kam Giovanni Pierluigi Sänke, genannt Palestrina. nach seinem Geburtsort, dem alten Praeneste, zur Welt. Um 1540 ist er in Dom. Bis 1551 Organist und Kapellmeister an Der Hauptkirche seiner Vaterstadt, wird er darnach nach 6t Peter in Rom als Kapellmeister aber Das Grundsätzliche: Die Entscheidung über die Staatssuboention, die England im letzten Jahr Dem Bergbau zahlte, und mit dem es ihm gegenüber dem unserigen eine Prämie gewährte, die Entichei- dung in Der ganzen Umgestaltung Des englischen Kohlenbergbaus überhaupt und zuletzt, aber am wichtigsten Der Stampf zwischen Staat unD G e - io e r t i d) ü f t Der ist Darum entbrannt. Sa sehr es möglich ist, Daß in bezug auf Das Verhältnis von ■Staat zu freier Wirtschaft Dieser Streik im Bergbau Zu bedeutsamen Folgerungen führt, ausgesdilojjen ist. Daß Der Staat in Englatid nnD Die heute Diesen Staat beherrschen Den Schichten vor Den Gewerk schäften kapitulieren. Das fühlen offenbar auch Die Führer Der Arbeiterpartei selbst, Die wie McDonalD unD an De re im Parlament Den Streik ocrurteilt hoben. Mit gespannter Aufmerksamkeit sieht Europa, sieht auch DeutschlanD auf Dieses gewaltige Ringen' Schweizer Bries. Van unserem E. D.-Berichterstattei '.Ua(t)Dnirf, auch mit Quellenangabe, verboten Zürich, 4. Mai 192b. Der offizielle Frühlingseinzug würbe Ende April in Zürich wieDer Durch Das bekannte Sechs läuten gefeiert. Das Züricher ^echsläuten. Durch Das Der Winter gewaltsam verabschieDet wirD. hat seine uralte TraDition. Dieses Jahr aber wurde das Frühlingsseft mit einem Pomp und Auswand gefeiert, wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Alle Zünfte, olle Vereine beteiligten sich am großangeleg ten Festzug, Der in seiner mannigfaltigen Folge über Kostümierte unD 400 Berittene zählte. Ganz Zürich unD eine granDiofc Zahl auswärtiger Be sucher feierten einen originellen Frühlingseinzug. Der imposante Festzug, Der eine Marschroute von 12 Kilometer hatte. Dauerte eine StunDe. Er wies Die Gestalten Der großen Schwei,zerDichter, GotlirieD Keller und EanraD Ferdinand M e i) c r aus. Ihre Werke zogen in prächtigen BilDern am Auge vor über. So wurDe Das Diesjährige Züricher Sechs- lauten zu einer Ehrung Dieser beiDen Dichter. Den Höhepunkt Der Feier bilDcte Der ,,V ö ö g", Das Sinn bi ID Des sterbenden Winters. Punkt sechs Uhr abends wurde Der weiße Mann aus Dem LanDe hinausgejagt, hell loDerten um ihn Die neun FuDer Reisig, unD gar bnlD war unter tauseiiDfachem Händeklatschen und unbeschreiblichem Jubel Der Böög in schütt unD Trümmer begraben. 200 000 Menschen waren auf Den Straßen. Aus Dem alten Tonhalleplatz stanDen Tribünen, ebenso beim Hauptbahnhof. In Anbetracht Des Massenverkehrs mußten umfassenDe Sanitäts, Verkehr unD OrDnungsnmßnahmen getroffen werden. Taufende von Slutomobileti brachten Zuschauer uns Dein ganzen Lande. Aiich Die Bundesbahn hatte Hochbetrieb. Sie führte 40 Ertrazüge mit über 60 000 Personen nach Zürich. Sv wurde die diesjährige Zürickier Frtihlingsseier ziiin eigentlichen Frühlingsfest Der ganzen Schweiz. Für zehn Jahre roirD nun Das Sechsläuten keine fo große und wuchtige Feier mehr sehen. Denn Der nächste großangelegte Festzug roirD erst im Jahre 1936 zur 600.Jahrseier brr Brunschen Zunstver fassung organisiert roerDen. Der Frühling hat and) wirklich im ganzen LanDe mit aller seiner Pracht unD all seinem Zauber seinen Einzug gehalten. Früher als janst, hat er bei uns seinen Sieg über Den Winter Davongetragen. In unseren malerischen Tälern unD romiuitifd)cn Höhen grünt's unD blüht's, sproßt's unD keimt's, es ist eine FreuDe. Früher als gewohnt, öffneten unsere Hotels ihre Tore: unD untere Kurorte konnten schon eine schöne Zahl van Feriengästen begrüßen. Ueberall herrscht ein Leben, Das ohne Zweifel eine gute Haiiptsaison verspricht. Zu allem kommt noch, Daß cnDlid, einmal Der Vtsumszwang gefallen ist. Mit Dem Frühlingseinzug hat also auch unser wirt sch östliches Leben neue Blüte unD Wärme erfahren. Dies kam so recht bei Der soeben geschlossenen zehnten Schweizerischen M u st e r - berufen. 1554 erscheint sein erstes Werk, dem Papst Julius III. gewidmet, int Druck: cinVuch vierstimmiger Messen. Alle diese kirchliche Musik ist nur vokal, ohne jede Instrumentalbegleitung, zu verstehen. Der kunstsinnige Papst, seine überragende Bedeutung erkennend, befiehlt seine Aufnahme als Sänger in die sixtinischc Kapelle, um ihn aus dein Kampf deS Lebens herauszuretten und ihm zugleich Muhe zum Komponieren zu geben. Obwohl er weiß, daß er als verheirateter Mann und Vater einen schweren Stand in einer durchaus geistlichen Vereinigung haben wird, gehorcht Palestrina dem Duf. Er hat noch die Freude, daß der neue Papst, Marcellus II.. ihn in seiner Stellung bestätigt, wird aber von dem strengen und fanatisierten Paul IV. in der verletzendsten Form aus dem Amt gestoßen. In diesem Papst war die schroffe Gegenrichtung gegen die Renaissancepäpste, wie Leo X., zur Herrschaft gelangt. Eine Reform zu kühlstem, schroffsten Ernste schien diesem Papst, der die Folter auffrischte, und erklärt halte, die sixkinische Kapelle sei durch die Gemälde Michelangelos yu einer Dadestube erniedrigt worden, als eine Dotwendigkeit für das durch die Reformation erschütterte kirchliche Leben. Lind den vereinzelten Stimmen barbarischer Kirchenfürsten, die auf Entfernung aller „Äunfhnufif“ aus der Kirche drängten. Gehör zu geben, wäre er der rechte Mann gewesen. Aber zum Heile der kirchlichen Kunst währte sein Pontifikat nicht lange. Daß eine Reform, auch im Kirchengesang, nötig sei. war zwar allgemeine Erkenntnis geworden. Denn nicht alle Kompositionen achteten die Würde des Gottesdienstes. Es wurde gerade von den kleineren Meistern, gegen die Würde des Gottesdienstes verstoßen, durch die häufige Benutzung lasziver Volksliedmelodien zum „Tenor" der kontropunktischen Arbeit. In den Sitzungen des Tridentiner Konzils 1562 kamen diese Mißbräuche zur Sprache, und wenn auch einige Stimmen die gänzliche Ausschließung der mehrstimmigen Musil zugunsten des gregorianischen Chorals (von Gregor I. eingeführt und aus lauter gleichlangen Roten bestehend. Chorus planus), verlangten, so war der Wunsch der meisten doch, daß die Forderung des Gottesdienstes mit der Kunstmusik in Liebereinstimmung gebracht würde. Palestrina. den die Amtsenthebung auf ein schweres Krankenlager geworfen hatte, war berufen, diese wichtige Aufgabe für die Kirche zu erfüllen. Dach Schluß des Konzils, in dem beschlossen worden war. die allzu siniiliche, allzu weichliche Musik aus der Kirche zu verbannen. zugleich aber, der neuzeitlichen Strömung nachgebend. Verständlichkeit der Worte zu verlangen, wandte man sich an ihn. mit dem Wunsche, eine den Forderungen des Konzils ent- me||e in Bafel zum Ausdruck. Sie war tatiad) lich ein erfreulicher Erfolg für unfer gesamtes Win fchastsleben. In fdjroeren Zeiten ine Leben gerufen. Hal sie trotz aller Schwierigkeiten sich behauptet unD stehl heute gefestigt unD gesichert da Die Muster meffebauten umschließen ein Areal von 25 000 Quadratmeter. Die Stadt Basel roanbtr für diese Bauten eine Summe von 8,2 Vtill. Franken auf ebenso bestritt sie auch die mustergültige Ausftattzm.' LuherorDenlltch erfreulich war der SReffebefud). Für das Inland allein wurden 66 600 Sorten ausgegeben gegenüber 58 600 im vorigen Jahr. Als erfrculidi Darf auch Der relativ gute Auslandsbeluch gewertet roerDen. Auch er überbot mit 1866 Besuchern die letzi jährige Frequenz, Die 1770 betrug. Aus 31 Staaten kamen Vertreter zur Diesjährigen Schweizerijchen Mustermesse. Die ausländischen Gäste joUten unserer Mustermesse rückhaltloses Lob. So überbrachte u. a der Direktor der Frankfurter Messe Den Gruß aus Frankfurt. In kurzer Zeit hat die Schweizerische Mustermesse an Bedeutung und Ansehen gewonnen Seit Jahren kommen wir nicht mehr aus den Volksabstimmung en heraus. Vor zwei Jab ren hat das Volk mit einer ZufaUsmehrheit ein Gesetz über Die sogenannten Spielbanken in un seren Kursälen angenommen, das Die Spiele ver bietet. Etwas eigenartig ist es bei Diesem Splelverbm zugegangen. Die Spielbanken wurden also gr|diloffcn unD Der Segen blieb folgerichtig aus. Die Spielsäle • blieben leer, unD Das Leben in den Kasinos war wie gelähmt. Nun stellte sich heraus, daß dieses Spiel verbot für einige Kurorte von katastrophaler Wir tung war. Das mei[tc Geld floß aus Dem Spiel und bilDelc Dach eine mächtige finanzielle Unterlage D.i also Der Geldstrom aus diesen Spielen ausblieb, unD kein anDerer Ersatz vorhanDen unD erlaubt war trieben einige Slurfäle dem Konkurs zu. Bei Dieser Tatsache horchte man auf, unD feit einigen Tagen kursieren nun Die Unterschristsbogcn für eine Jnitia live zur Wiedereinführung Der Spielbanken Ohne Zweifel roirD Diese Initiative Zustandekommen und Dann roirD das Volk zu entscheiden haben. Fast gleichzeitig wurde Das Referendum gegen Das Auto Mobilgesetz, weld)es in der Wintersession des Natianalrates angenommen wurde, obge|d)lossen. Do 40 (NX) Unterschritten gesammelt roerDen konnten, c waren nur 30 000 noiroenDifl, kam Das ReferenDum zustanDe. Das Autvmobilgesetz scheint Den Automolu listen untragbar zu sein, Das Volk muß sich also f n r ober gegen das Auto entjcheiDen. Ohne Zweifel wird es sich gegen Die Auswüchse Der Automobilisten aussprechen. Unsere Vertreter in Der Bundesoerfamm lang sind Ende April nach 14tägiger reicher Früh jahrsarbeit in Die Neimat zurürtgekehrt, um sich y härten für die harte Arbeit in Der Sopimersessioi' Die am 7. Juni beginnen roirD. Es waren zum Teil hochpolitische Geschäfte zu behanDeln, außerdem mußte auch eine Wahl in Das Ober ft c Gericht getroffen roerDen. Die Vereinigte Bunbesversanuv lung, StänDerat unD Nationalrat wählten mit gro ßem Mehr Professor Dr. P i 11 e r an Der katholischen Universität Freiburg in Das BunDesgertcht. Mit ihm hat Der Oberste Gerichtshof wieDer eine vollwertige Kraft erhalten. Viel zu reDen gab im Rate Das Be amtengefetz. Ein harter Kampf entspann sid; besonders um Den Paragraphen, Der Das V e r einsrechtder Beamten regelt. Daß die Sozialisten Dagegen Sturm liefen, mußte nicht besonDers ver rounDern. Artikel 13 Dieses Gesetzes besagt. ..Dem Be amten ist in Den Schranken Der BunDesaerfassung das Vereinsrechl gewährleistet. Immerhin ist dem Beamten untersacst, einer Vereinigung anzugehören. Die Den Streik von Beamten varsieht oDer anroenDel. oder Die sonstwie in ihren Zwecken ober in den Dafür bestimmten Mitteln rechtswidrig ober staatsgefährlich ist." Die roten Genossen wollten natürlich bas Streikrecht ben Beamten gewährleisten, unD für dessen BegrünDung wurDen Die schärfsten Geschütze aufgefahren, Denn sie iahen sid) Durch bas Verbal bes Streiks erheblich bebrohl. Die Opposition ber Sozialisten konnte aber nicht Hinbern, Daß Artikel 13 Des Gesetzes mit 103 gegen 64 Stimmen a n sprechende Messe zu schreiben, durch die zu beweisen war, daß diese Forderungen mit echter -Kunst zu vereinen seien. An Stelle der einen Messe aber legte Palestrina drei sechsstim- mige Messen vor, die untereinander eine Steigerung bedeuten. Die erste, in einfachsten Formen gehalten, die zweite, sich freier bewegende, scheinen nur auf die dritte hinzuweisen, die Palestrina in dankbarer Erinnerung an seinen Gönner „Missa Papae Marcelli" genannt hat. Die Messen bewiesen, daß auch bei Entfaltung aller künstlerischen Mittel die Würde der Kirche gewahrt werden könne, wenn nur aus dem echten Geiste, der Kirche heraus geschaffen wurde. — Die dritte Messe übte in ihrer wunderbaren Schönheit einen so hinreißenden Eindruck aus, daß Pius IV. einmal begeistert in der Kirche ausrief: „Das sind die Harmonien des neuen Gesanges, welche ber Apostel Paulus im neuen Jerusalem hörte, und die ein irdischer Johannes uns nun im irdischen Jerusalem hören läßt!" 3a, Palestrina lebte ganz in jenem „himmlischen" Jerusalem, seit er das Liebst? auf der Well, seine Frau und drei Söhne in jungen Jahren verloren hatte. Deimoch arbeitete er unermüdet weiter. Die Ehrenstellung eines „Komponisten der päpstlichen Kapelle" wurde für ihn geschaffen, und er übernahm wieder das Kapell- meisteramt an der Peterskirch^. Aber in tiefster S«ele war er längst gelöst von „Erfolg" oder .Mißerfolg". Seine einzige Freude war nur noch ber Verkehr mit dem „humoristischen Heiligen" Goethes, mit Filippo Deri, von dem er wohl auch lernte, über allen Prüfungen des Lebens zu stehen, und in dessen Armen er am 2. Februar 1594 gestorben ist. — Die Gesamtausgabe seiner Werke, in 36 Bänden, enthält alle Gattungen kirchlicher Musik. Messen, Mo- teten, Lamentationen, Hymnen, Oratorien, Mag- nififate, Litaneien. Man hat Palestrina häufig mit Raffael verglichen, und es gilt für ihn das Wort Goethes, der es von Raffael aussprach „daß er der langsam und allmählich auffteigen- den Pyramide ten Gipfel auffetzte, über dem, ober neben dem kein anderer stehen mag." Wie Raffael bringt er nirgends etwas ganz Deues. aber die Vollendung alles bisherigen. Leicht gelingt es in der Kirche, sich zu Palestrina hinzufinden, wo zwischen hohen Pfeilern und gotischen Vögen die Seele dieser Musik Offenbarung, wo das Zeitlose in die Form des frühchristlichen Chorals gebannt, Ereignis wird Gebete der Tausende steigen empor, einen sich, fliehen ineinander. Der Einzelne schwindet. Die ganze Welt redet zu ihrem Schöpfer in einem Gesang, dessen verklärte Klänge den Jubel der „triumphierenden Kirche" schon hier auf Erden ertönen lassen. 'erwenden furch D-'THCMPSON’S StlfENPUMQ I W B- Men *$* Msvcch^ den er au dir Zeit g Llelle fon mit denen Sophies ring, Ö11 Zo^iOon frauf. die Lage zusani gegangen uj durch bereg Dam. und dem Shaielp Hach", und l ,Iur eins, fannnen aui< traut gemad Herren aus vor. Dir fh es war abei Lieder. Siit alter Tenwe Dandsbeäei den Acmnst Jahren Ki6 weg. der fid hinsch!ängelt lLöendlied: standen ist. Dichter art und Tu gestempelt, len zur 0 besitzen. Fr aller", best merkwürdig der Strrmft terver/uche a die über zv ausweist. D: allerlei tret Kamel, Dir tausrMhr Mer die grasen-Eich dra-Duche, heworrager klingen vm Manche an Serimei Dandm Liebklngspla leit die Hirsc titäi und ( Aeinbrückerti Hilden beliebt Manche Ws. Durchblick wi W, die 1 Harn' Dach,»e' mag. im W wenige <■ bevorzug Daldes ihre fruchtet- gcr und ßmpflnds Freund. Hellen M stand. ®' der Ich"" von -stst.- Her Sohn die Trenn aenTtt'0' Hofes Ar berg. ? knüpft, fri weit lwn EL R.1 L E Rätsel-Eck«. d o Von links nach rechts: H G Der Mensch Frau Wo ist dos Kinderköpfchen? 4. ver- 8. ent» der Donau: Vorname: Ross Rat e n a t e r s stan i n i e n n d „3m alten C auf'm Gewissen!" S f> a H i n nehmen." „Keene hättste jetzt en Mord (..Lust. DL") Narrenkappe. Sparren vom DeVattionStifch. Schwierigkeiten. Bilderrätsel. reinen Herzens hat heitere Stirn. kannst du doch deines Vaters Kamm Haare, Frollein." Unterschied. entwicklung nur eine minimale werden. Besonders befallen sind solche Weizenäcker, die im Vorjahre Futterrüben und Kartoffeln getragen haben. Weizenäcker, deren Vorfrucht stark mit Thomasmehl gedüngter Klee war, weisen in den meisten Fällen nur geringe i Befall oder ganz gesunden Stand auf. Man ersieht hieraus, daß die starke Phosphorsäuredüngung zu Klee die Weizenpslanzen widerstandsfähig oder sogar immun gegen Rostbefall gern hat. Es ist also dringend zu empfehlen, allen befallenen Aeckern, sowie solchen noch gesunden Weizenäckern, die im Vorjahre zur Vorfrucht nicht mit einer starken Phosphorsäuredüngung versorgt werden, eine Kopfdüngung von mindestens 1 Zentner Superphosphat pro Morgen sofort zu geben. Aar n Kreuzworträtsel. 'nicht mehr die Hölle, sondern ein Fest, wenn Sie D- Thompson's Seifenpulve ff Die Splitter und 1. zustimmen: 2. zahlen: 3. herrschen: bieten: 5. rügen: 6. wärmen: 7. tadeln: haften: 9. geraten. Kreuzworträtsel. Was fällt dir ein, so ungekämmt in die Schule zu kommen? Kannst du dich nicht zu Hause ordentlich frisieren?" „Bei Telefong' rannfte doch auch mal was sagen!!!" (ßuft. DL") „3n Keilschrift auf sechs Ziegelstein..." Frihl. dem der Papa die schlechte Zensur um die Ohren geschlagen hat: Schwertchen ist Gegnerin des Radio: „Telefong is besser!" ..Wieso cenn?" 22. 24. Frechheit. Der Sesemann klingelt das Telephon. Er eilt hinan und sagt: ..Zst dort jemand?" älnd bekommt die Antwort: „Erraten!" („ßuft. BL") Peinliche Sache. Zu einem bekannten Chirurgen tarnen Dlanka und Fanny, die zusammengewachsenen Schwestern. Dlanka sah leidend aus. Fanny war frisch und munter. Der Arzt wendete sich an Dlanka: ..Worüber klagen Sie?" ..Ach Gott. Herr Doktor, es ist so furchtbar, ich leide doch an einer Wanderniere, und jetzt ist sie, glaube ich. bei Fanny drüben!" 'guft. Dl.") 1. Gedörrtes Gras: 4. Schriftreihe: 6. europäisches Land: 8. französische Provinz: 10. Inneres einer Frucht: 11. altes Längenmaß: 13. andere Bezeichnung für Ansturm: 14. Abschiedswort: 16. Strauhenart: 17. Fluß in Thüringen: 19. Stadt und Fluß m Bulgarien: 21. Nebenfluß ' biblische Person: 23. männlicher Salzart. Gegensätze. Für jedes der nachstehenden Zeitwörter soll em im Gegensatz zu ihm stehendes Zeitwort gesucht werden. Die Anfangsbuchstaben ergeben alsdann einen exotischen Herrscher, von dem in der letzten Zeit vielfach die Rede war. „Seen Kamm, Frollein." „Dann Hine Reibenu ein vierte [stün- Kochen die schneeweiß u. erspar! viel Zeit und Arbeit’. Gerichtssaal. Mor prozcft Mcon. * Darmstadt. 7. Mai. 3n seiner weiteren Vernehmung am gestrigen Donnerstag gab Meon an. trotz des Schlafmittels, das er eingenommen hatte, schlecht geschlafen zu haben. Gegen morgen habe die 2Inna Gillmann ihn abstoßend behandelt: das habe ihn schließlich so erregt, daß er der Gillmann mehrfach mit «einem Totschläger, den er im Zimmer hatte, gegen den Kops schlug. Das Mädchen habe geschrieen: „Habe Erbarmen, Der- zeihung!" Als die Gillmann am Boden gelegen habe, hätte er, um mit btr Aachbarsc^ft wegen der Schreie keine Auseinandersetzung zu haben, dem Mädchen den Mund zugehalten. Die Aosicht, die Gillmann zu toten, habe er nicht gehabt. Es wurde Meon entgegrngehalten, daß er nach dem Geständnis, das er in Gotha bet seiner Festnahme ablegt?, die Tötungsabsicht zugegeben hatte, um sich der Habseligkeiten, insbesondere des Geldes der Ermordeten, zu bemächtigen. 3n dem weiteren Verhör schilderte Meon wie er die Leiche verpackt habe, um sie wegzu- bringen. Er hatte die Leiche in eine Decke ein« Ablagen, verschnürt und dann in seinem Kletderlchrank verborgen. Aus der Tasche der Ermordeten eignete er sich 31 Mark an. Am nächsten Tage sah er sich nach einem Platz um. wo er die Leiche hinbringen wollte Er schaffte sie dann in der folgenden Mach, nach der „■Sanne", einem Wald, der an die otabt grenzt. 21m nächsten Tag, einem Sonntag, besuchte er seine Mutter in Bensheim und abends in Darmstadt das Theater. Am Montag war er in öranffurt, wo er ein gestohlenes Rad versetzte Als er nach der Rückkehr abends Licht in sEer Wohnung erblickte, sah er sofort ein, oaß die Leiche gefunden war und man nach ihm lahndete Er fuhr wieder nach Frankfurt zurück und versetzte im Pfandhaus in Ostenbach seinen Mantel, hierauf fuhr er nach Ei euach, wo er einen Kofferdiebstahl beging und von einem Automobil eine Wagendecke stahl. 3n Gotha wurde er erkannt und mit Hilfe eines ehemaligen Darmstädter Studenten festgenommen. Aus der Zeugenvernehmung ist bemerkenswert. daß eine Frau, die mit Mcon in demselben Hause wohnte, nachts Schreie einer Frauenstimme vernahm, sie hätten geklungen, als ob jemand die Kehle zugehalten würde. Rach den Erklärungen des Obermedizinalrates Dr. Langermann wurde bei der Leiche der Anna Gillmann am Kopf eine Quetschwunde festgestellt. Der Hals wies keine Verletzungen auf; Anzeichen für eine Schwangerschaft, einen Lust- morö, oder eine Vergiftung fehlten. Die Annahmen der Aerzte gehen dahin, daß die Gillmann durch den Totschläger betäubt und dann erstickt worden ist. Dem Beamten, der Meon in Gotha festnahm. hatte er. wie dieser als Zeuge aussagte, crflärt, daß er das Mädchen ermordet habe, um sich in den Besitz seines Geldes zu setzen. Auch mehrere andere Zeugen (Polizeibeamte) bestätigten, daß sich Meon in ähnlichem Sinn geäußert hat. Dem Staatsanwalt Leoni, der als Zeuge vernommen wurde, hat Meon die Schilderung der Tal gegeben, als wenn sie eine A fekthandlung gewesen sei. doch der Zeuge Hal sic sogleich für unglaubwürdig gehalten. Zn längeren Ausführungen hatten sich, auch während der Verhandlungen, die chemischen Sachverständigen über das Gift das Meon der Gillmann als Schlafmittel bei- Auflösungen. Silbenrätsel. Roland. Engadin, Intarsia, Roah, Edmund, Haben, Hennegau. Ambulanz. Lasker, Teppiche, Eschstruth, Resthäkchen, Delikatesse, Achat, Säbel, Germania, Elisabeth, Weser, Auge, Reuhaldens- leöen, Donizetti, Rügenwalde. Rein erhalten das Gewand. rein erhalten Herz und Hand. Diamanträffel. H E i s Evangelischer Landeskirchentag. (Don unserer Darmstädter Redaktion.) ' Darmstadt. 6. Mai. Rach einer Pause wurde die Sitzung wieder eröffnet. Der Präsident gab den Wortlaut des Antrages der Abgeordneten Guhmann. Georgi, Kalbhenn, Ausfeld. Lenz und Vogel befannt. Der Antrag lautet: „Wir beantragen. anstatt des Ausschlags von 300 000 Mark für die Kirchengemeinden des Landes zunächst für ein Jahr eine lOproz. Kürzung des Gehaltes der geistlichen kirchlichen Beamten vorzunehmen. Der Gehaltsabzug soll bis zum Eintreten besserer finanzieller Verhältnisse den Betreffenden gutgeschrieben und später zurück- bezahlt werden." Abg. Guß mann begründete den Antrag; er führte dazu aus. daß die Antragsteller durch einen inneren Grund getrieben würden, nämlich durch die Annahme, daß durch den Antrag mit ber Verkündigung des Evangeliums größerer Eindruck gemacht werde. Auch wollen wir dadurch den Staat auf die Rot der Landeskirche aufmerksam machen. Abg. Prof. D. H. Schmidt machte auf die Opferwilligkeit der hessischen Pfarrer aufmerksam, die in diesem Anträge liege: sie sei ein Zeichen für denGeist. der in diesem Stande herrscht. Aber trotzdem könne man nicht zustimmen. denn die Pfarrer hätten die niedrigsten Gehälter unter den Akademikern. Für viele Pfarrer verursache auch die Erziehung der Kinder große Unkosten. Auf den theologischen Rachwuchs werde der De- , schluh nicht günstig einwirken, und der Staat j werde den Sinn des Antrages wahrscheinlich I falsch verstehen 2lbg. Lenz erklärte seine Zustimmung zu dem Anttag. Tlbg. Keller sprach dagegen, weil der Staat dann nicht den Zuschuß für die Kirche erhöhe. Dei der Abstimmung wurde der Antrag abgeleljnt und der Antrag des Fi- nanzausschusses angenommen. Ferner wurde ein Antrag der Abgeordneten Diehl und Würz angenommen mit nachstehendem Wortlaute ..Wir bitten, die Kirchenregierung ermächtigen zu wollen. Gemeinden, die nicht in der Lage sind, ihren Anteil an der Umlage aufzubringen. Geld zu leihen oder zu vermitteln, um diese Gemeinden nur mit dem I Zinsendienst und der Amortisation zu belasten." I Dieser Antrag ist ein Zusatz zu dem Anträge der Kirchenregierung und des Finanzaus- schusses. 300 000 Mark des Fehlbetrags durch eine -Umlage auf die Gemeinden aufzubringen. Hierauf wurde der bere 's miteefeilte Antrag "'des Finanzausschusses in nachstehender Forn angenommen: „Wir beantragen, der Landeski rck en- tag wolle 1. den nachstehenden Voranschlag in Ausgabe und Einnahme genehmiaen: 2. beschließen. den Fehlbetrag von 1 249 400 Mark I zu decken, durch a) Ausschlag von 300 000 Mark auf die Kirchengemeinden des Landes: b) Aufnahme eines Darlehens be'm Staat in Höhe des Restes von 749 400 Mark' 3. die Kirchenregierung ermächtigen, jeweils vor Beginn der Re-knungsjahre 1927 und 1928 nach Anhörung des Finanzausschusses b e Einnahmen unö Ausgaben nachzuprüfen und ü^er die not- I wendigen Deckungsmittel zu beschließen. Der Landeskirchentag stimmte dann einer Rotverordnuna zu. den Voranschlag auf bie Monate April. Mai und 3uni zu erstrecken, ferner wurden noch Heinere Vv^aaen erledigt auch wurde eine Entschließung Dr. D e r n b e ck imb Dr Avemarie für e'ne strengere I Sonn tags Heiligung, sowie ein Zusatz da- I SU einstimmig angenommen Zmn Schluß der Tagunn stimmte der Landeskirchentag einmütig nachstebe-der Kundgebung zu: ..Die evangelische Landes- I k i r ch e in Hessen befindet sich in ei~">r äußerst schwierigen Finanzlage. Die Kirben- fteuern haben eine kaum noch tragbare Höbe erreicht. Aus eigener Kratt kann sich dl> Kirche nichr mehr hellen. Wir erheben vor der Oeffcnt- l'chkeit erneut Beschwerde darüber, daß der hessische Staat feinen geschichtlich und kLchllich unbestreitbaren Verpflichtungen gegen I öie evangelische Kirch? nicht genügend nächg?- konnnen ist. Dies ist in den übrigen deutschen Ländern, wie z. D. in dem uns benachwerten j Duden, trotz ihrer gewiß a-ch nicht günstigen Fumnzlaae geschehen. Kein Staat, der Ansvruch erhebt, ein Kulturstatt tu fein, darf die Verdienste vergessen, die die ch r i st l i ch e K i r ch e und nicht zuletzt die evangelische aut bem sittlich-religiösen, geistig-kulturellen und sozial- chanwttven Gebiete dem Volkstänzen und damit dem Staate von jeher geleistet haben, heute noch leiften und in Zukunft leisten muffen." Landwirtschaft. Die Rostkrankh^il. Dam Landwirtschaftsamt Grünberg wird uns geschrieben: In einzelnen Gemarkungen ist der Befall des Weizens mit Rost beobachtet worden. Die Rostkrankheit ist in verschieden starkem Maye vorhanden; manwe Werfer zeigen nur ver- Ewzelt gelbe Blätter, andere Aecker wieder zeigen durchweg gelbe ober gelbrote Färbung: in letzterem tfaUe ist eine starke G-föhrduna b^ W-ü.-nernw äu erwarten. Wenn ber Rost auf bie Herzblätter und Aehrenanlagen ubergegriffen hat. kann bie Körner | gebracht hat. geäußert; es ist Morphium oder Opium gewesen, das Meon aus einer Apotheke gestohlen hatte. Auch die Mutter Meons befand sich unter den Zeugen. Während ihrer Vernehmung verbarg der Angeklagte weinend sein Gesicht in fein Taschentuch Rach ihren Aussagen war ihr Sohn als Knabe oft jähzornig; an dem Sonntag nach dem Morde sei er ihr aufgefallen, daß ihr Sohn schlecht ausgeseheu habe. Die übrigen Aussagen der Mutter waren für die Verhandlung belanglos. Am heutigen Freitag wurde Laudgerichtsrat Weih als Zeuge vernommen; er war als Unter- fuchungsrichter tätig gewesen. Ihm gegenüber hat Meon erklärt, er sei durch das Verhalten der Anna Gillmann so gereizt worden, daß er ihr entgegengetreten sei. Dei dem Ringen mit ihr, habe er sie an die Kehle gegriffen, um sie am Schreien zu verhindern, damit kein Skandal im Hause entstehe. Ein sexueller Deweggrund habe, nach Meons Erllärung, für seine Tat nicht vorgelegen. Rach einigen Mitteilungen des Sach- verständigen Dr. Popp (Frankfurts tonnten die Erklärungen Meons mit den Ergebnissen der ILi- tersuchung in Meons Wohnung Über einstimmen. Rachdem noch weitere Zeugen vernommen wäre -, wurde in den folgenden Verhandlungen d> Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Herr „von DiehelLberfteiv^."' Darmstadt, 7. Mai. Das Bezirksschöjsen gericht machte einen Hochstapler, dem zahlreici e Betrügereien und Unterschlagungen zur Last gelegt wurden, für einige Zett unschädlich. Es ist der aus Württemberg stammende K. O. Knecht, ber sich in Darmstabt den Namen „von Dietzel-Eber st e i n" beigelegt hatte. Er erhielt ein Jahr und drei Monate Gefängnis. Der Einbrecherkönig Teubner vor GerichL WSR. Frankfurt a. M., 7. Mal Dor dem Schöffengericht hatte sich ein Meister der Et n breche rzun ft, der 28jährige Mechanller Friedrich Teubner wegen Sinbruchs- dtebstahls in 56 Fällen zu verantworten. Seine Braut, eine gewisse Schultheiß, und die Wirtin des Teubnar, die Ehefrau Zöllner, waren der Hehlerei angeklagt. Teubner, der ein bewegtes Oeben hinter sich hat unb in zahlreichen deutschen Großstädten sich jahrelang durch Diebstähle ernährte, kehrte nach Verbüßung einer 2> «jährigen Gefängnisstrafe, die er in Essen absaß, nach Frankfurt zurück, um sich hier zu etablieren. Während seine Braut für Lebensmittel sorgte, die sie ihrer Dienstherrschaft entwendete, stattete er in den Morgenstunden, wenn alle Hausangestellten voll zu tun haben, den Mansarden der Mädchen Besuche ab. öffnete sic mittels Sperrhakens, nahm alles mit, was nur einigermaßen des Mitnehmens wert schien und stapelte die Sachen in seinem Zimmer auf. So war er über ein Jahr hindurch der Schrecken der Dienstboten. 3n allen Teilen der Stadt „arbeitete“ er, ohne daß es der Polizei gelang, ihn festzunehmen. Erst im Februar ds. Zs. wurde er durch einen Zufall entlarvt und verhaftet. Von den 56 Diebstählen, derentwegen er angc- klagt war, gab er 52 zu. Das Gericht verurteilte Teubner wegen schweren Diebstahls im Rückfalle in 52 Fällen zu insgesamt fünf Jahren Zuchthaus, fünf Zähren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Die Schultheiß wurde zu vier, die Zöllner zu neun Mo naten Gefängnis verurteilt. 5 Jahre Zuchthaus für einen Ladend eb. Sranf f ur t a. OK., 7. Mai. (WSR.) D.. Schöffengericht verurteilte heute einen ge.mOc <5 e r f e t, der in Frankfurt, Homburg und G i e ß en zahlreiche Ladendieb st ähle verüb' wobei er es hauptsächlich auf Seidenstoffe ob gesehen hatte, unter Einrechnung einer Zuchthausstrafe von 2Vz Zähren, die er wegen des selben De.ik.es vom Würzburger Schöffengericht erhalten hatte, zu insgesamt 5 Zähren Zucht Haus, 5 Zähren Ehrverlust und ©.et.ung unter Polizeiaufsicht. Die Sttafhöhe wurde u. a. damit begründet, daß der Angeklagte als Ausländer die doppelte Pflicht hatte, sich h er gut zu führen, und daß er als lästiger Ausländer anzusehen fei. Hessische Lufthansa. Än D a r m st a d t wurde am Mittwoch die H e s ° fische Lufthansa mit dem Sitz in Darm- stabt gegründet zur Wahrung und Vertretung der hessischen Luftverkehrs! nter e sfen bei den tn Frage kommenden Instanzen. An der Gesellschaft sind bie Hessische Flugbetrteb-A.-G., Darmstadt, und die L u f t o e r k e h r s - A.-G. Oberhessen-Lahngau, Gießen, zu gleichen Teilen beteiligt. In den Vorstand der Gesellschaft wurden berufen: Diplom-Kaufmann Erich Deku, Darmstabt, als Vertreter der Hessischen Flugbetriebs-A.-G., Darmstadt, unb Regierungsrat Lubwig Schmidt, Gießen, als Vertreter der Luftoerkehrs-A.-G. Oberhessen-Lahngau. Dem Aufsichtsrat gehören an: von der Darmstädter Gesellschaft Bürgermeister Rudolf Muller und Fabrikant Lutz, von der Gießener Gesellschaft Oberbürgermeister K e 11 e r und Provinzialbirektor Graes. Ferner gehört Reaierungsrat Dr. Krebs dem Aufsichtsrat als Beauftragter des hessischen Ministeriums des Innern an. genommen wurde. Das war in der Tat eine wichtige Abstimmung, die größtem Interesse begegnete. Die Abgeordneten haben in ihrer Frühjahrs- session gute und reiche Arbeit geleistet, das Volk ist mit ihnen zufrieden. Von allgemeiner Bedeutung sind bie verschiedenen Verträge, bie unser Land mit ausroärtigen Staaten abschloß. Am 20. April wurde mit Spanien ein Schiedsvertrag zur Erledigung von Strei- tigfeiten im Vergleichs- unb Schiedsverfahren abgeschlossen. Rach den Bestimmungen des Vertrages werden Zwistigkeiten der beiden Staaten einer aus fünf Mitgliedern bestehenden Kommission unterbreitet. Sollte ein Vergleich nicht zustandekommen, werden die Stteittgkeiten obligatorisch dem Internationalen Gerichtshof im Haag zugeführt. Gegen- wärtig steht unsere Bundesregierung mit Aegypten in Unterhandlungen über einen Freundschafts- vertrag. Selbstverständlich müssen in diesem Vertrag für beide Staaten gleiche Vorteile geschaffen werden. Mit diesem Freundschaftsoertrag will man gleich- zeitig eine Handelsübereinkunft herbeiführen. Und schließlich hat die Schweiz in letzter Zeit mit den l^rschiedensten Staaten Schiedsverträge abge- Von oben nach unten: 1. Militärische Kopfbedeckung: 2. andere Bezeichnung für Insel: 3. militärische Truppe; 4. Gemütserregung; 5. zeitlicher und räumlicher Schluß; 6. Musiker; 7. Wahl zwischen zwei Dingen; K. Gegenteil von alt; 9. Ort in ber Schweiz; 10. Insel im Aegäischen Meer; 12. männlicher Vorname; 18. nicht heiß und nicht falt; 20. fettige Flüssigkeit. Ergäiizuttgsanfgnbc. Fuß — Gau — Laub — Stand — Schaft — Rum — Teil — Art — As — Bein. Jedes der vorstehenden einsilbigen Wörter soll durch Vorsetzen eines der nachfolgenden zu einem neuen, zweisilbigen Wort umgewondett werden. Ist die Ergänzung richtig erfolgt," ergeben die Anfangs- buchstaben, aneinandergereiht, einen Vorgang in der Natur im Frühling. Ar — Bar — Bei — Eck — Eis — Lust — Miß — Top — Ur — Ur. Bexier-Bild. B00 fe-Ä sZr Sbm QL^t. '?n, dl,cn d«k Jing J®« if,t bt?V®r' g%v; N°-n2d^' ‘«»Ölungen ?ln1'** Sy*«. Ä*«. Kr "^°i>runtz °°r Dericht. Bor Weister btr T ?echonllei ^'nbruchz. J trzTOftttoorten ulheisj, im» -°uZöllntr. Teubner, btr 'und In M. lahrelang dvch krbü^ung einer a tn Essen ab- n sich hier zu für Lebens, rstherrschüsl ent« enstunden, toenn tun haben, den e d>; öffnete fc ’ mit, waS nur ww schien und -immer auf. 60 der Schrecken Seilen der Stabt Polizei gelang, r ds. 36. tourte und verhaftet wegen er ange- encht verurteilte )ls im Rückfälle ünf Jahren rrlust und St?l- Schulkbeisi ’i neun 711c Ladend eb. iDVR.t 2. einen fiesitk urg und T t e äfjle verüb' deidenslosse ob g einer Züchter wegen dee t Schöfiengericht ahren Zucht । S.et.unfl unter urbe u. a. batr.it als Ausländer tr gut zu führen, er anzusehen lei. msa. ittwoch bie f) e i1 gift In Darm« b Vertretung her reffen bet den :n der (BeWft etrleb«®-’®-’ rkehr-'L-'V- eßen, zu Sle>. stand der W Kaufmann lfn® r der »en b fRcgitrungsrot [i Jettreter der igau. Dem Su'- mstädler W1 [er und Fobw llschost Ob-rbuk' lirettor 6»al • rebsdem Aus« en Ministerium^ Wandern und Reisen - Bäder und Sommerfrischen Der Dichterwald um Darmstadt. Bon Karl Witzel. Darmstadt liegt rings umgeben von Wald. Dach welcher Dichtung man sich auch wenden mag. in wenigen Augenblicken steckt man mitten im schattigen Zauberreich deS Forstes. Dur wenige Städte können sich rühmen, eine derartig bevorzugte Lage zu besitzen. Der Deiz dieses Waldes hat viele Dichter, die kurz oder lang ihre Heimstatt hier ausgeschlagen hatten, befruchtet Als Goethe zwilchen seiner Straßbur- ger und Wetzlarer Zett hier in den Kreis der Empfindsamen eintrat, gewann er in Merck einen Freund, der mit der Landgräfin Karoline von Hessen im Mittelpunkt des Darmstädter Kreises stand Goethe und Merck wurden in den Strudel der schonen Seelen hineingezogen, obwohl ihnen von Datur aus ein solches Gebahren fern lag. Der Sohn Frankfurts mtt todwundem Herzen über die Trennung von Friederike suchte in dem anmutig gen Treiben der hübschen Schonen des Darmstädter Hofes Zerstreuung. Draußen auf dem Herrgotts- berg, an den sich die Sage von der Teufelsklaue knüpft, trieben sie auf einein Waldhang, nicht weit von romantisch quellenden Felsungetümen, ihre anmutigen Schäferspiele, daran sich der Altmeister so oft in seinem Leben mit einer ge- wissen Wehmut erinnerte. Hier schuf er seinen »Felsweihegesang an Psyche". Seinen Damen, den er auf einem Felsen einst eingegraben, hat die Zeit gefressen. Wer heute in die Däh« dieser Stelle kommt, auf den wirken die Geister jener, mtt denen Goethe seinerzeit die Zeit vertändelte: Sophie von La Roche, Franz Michael Leuchsen- ring, Fräulein von Ziegler, Fräulein von Roussillon und Karoline Flachsland, Herders Braut, die wie folgt berichtet: Wir waren alle Tage zusammen und sind in den Wald zusammen gegangen und wurden auch zusammen durch und durch beregnet. Wir liefen alle unter einen Daum, und Goethe fang uns ein Liedchen auS dem Shakespeare, „Wohl unter grünen Baumes Dach", und wir alle fangen den letzten Vers mit: .Dur eins, das heißt rauh Wetter". Das zusammen ausgestandene Leiden hat uns recht vertraut gemacht. Er las uns einige der besten Szenen aus seinem Gottfried von Berlichingen vor. Wir sind daraus auf dem Wasser gefahren,- es war aber rauh Wetter, Goethe steckt voller Lieder. Eins von einer Hütte, die in Ruinen alter Temvel gebaut, ist vortrefflich " Auch der Wandsbecker Bote, Mathias Claudius, wusste den Darmstädter Wald zu schätzen. 3n den 3ahren 1776 77 hat er besonders den Schnampel- wcg, der sich neben dem geschwätzigen Darmbach hinschlängett. besucht, wo auch sein gefühlvolles Aoendlied: „Der Mond ist aufgegangen" entstanden ist. Dichter haben, berauscht von seiner Eigenart und Tiefe und Andacht, ihn zum Dichterwald gestempelt, doch auch gewöhnliche Sterbliche wissen zur Genüge, was sie an diesem Kleinod besitzen. 3m Westen im Dadelwald die „Schepp- allee", bestehend aus vielen grotesk geformten, merkwürdig verkrüppelten Kiefern, auf denen der Darmstädter „Heinerbub" seine ersten Klet- lerversuche anstellt, die hineinführt in die.Sann", die über zweihundert 3ahre alte Baumriesen aufweist. Das Boll hat einzelnen Mißbildungen allerlei treffende Bezeichnungen beigelegt, wie Kamel, Giraffe usw. 3m Wildpark steht eine tausendjährige Eiche, auherdem zeigen hohes Alter Die Diama-Eiche, Dragoner-Eichen, Land- grafen-EichTn, Ludwigs-Buche, Kaiserin-Aleran- dra-Duche, Sänger-Buchen. Was den Wildparl hervorragend auszeichnet, ist das Zusammenklingen von Wald, Wiese, Wild und Wasser. Manche an die 3agdvergnügen der Landgrafenzeit erinnernde Bilder und Derslein ergötzen den Wanderer. 3m 3agdschloh Kranichstein, dem LieblingSplatz des Landgrafen Ludwigs III., fesselt die Hirschzeweihsammlung von seltener Quantität und Qualität. Oberwaldhaus mit dem Steinbrückerteich, Einsiedel und Ludwigshöhe bilden beliebte Ausflugsziele der Wanderlustigen. Manche hübsche Schneise winkt, mancher reizende Durchblick wird gewährt, manch Stück Wild geschaut, die Wildschweine sind fürsorglich einge- zäunl, manches Bornlern erquidt, viele Tempelchen laben zu beschaulicher Ruhe ein, Aussichtstürme lassen Fernblicke kosten. Ob der Spaziergänger Ebene oder mählich ansteigende Hügel liegt, immer kommt er auf seine Rechnung. Bänke an riesengroßen Bäumen, nach Forstleuten, Bürgermeistern, Staatsmännern, Gelehrten, Dichtern gehet Yen. widmen Rast und stille- Sichversenken. Der Darmstädter Wald könnte mit den zahlreichen Parks inmitten der Stadl die Lunge Darmstadts genannt werden. Kein Wunder, wenn der Bürger darauf stolz ist und sich gerne darin zu seinem eigenen Dutz und Frommen ergeht. Besonders Sonntags wimmelt eS an den Hauptstellen von Fügend, während das Alter sich mehr an den Werkelragen in ihm aufhält. 3n verständnisinniger, zarter Form wird schon die 3ugend zum Schuhe des herrlichen Waldes erzogen, wenn ihr Tafeln folgenden Inhalts vor die Augen gestellt werden Wandrer, der du Freude suchst im Wald, tritt ein mit Ehrfurcht, schone ihn. Das Reis, die Blumen welken in der Hand gar bald — (ah auch für andere grünen sie und blühst. Jur Reise nach Dalmat en. 3m Anschluß an unsere Vorschläge in der letzten Beilage machen wir noch auf folgende Punkte aufmerksam: Sie Gebühr für ein ermäßigtes Visum zu einer Erholungsreise nach Kurorten Dalmatiens, Sloweniens usw. beträgt I Mk. statt der sonst fälligen von 5 Mk. Es wird daraus aufmerksam gemacht, daß sich die Reisenden mindestens drei Tage in beliebigen Kurorten aufhalten und sie sich dies bei der zuständigen Behörde im Passe bescheinigen lassen müssen. Da sie andernfalls gewärtig fein könnten, an der Grenze die Differenz zum gewöhnlichen Visum nachzahlen zu müssen. Für jedes Visum ist ein Formular, das 30 Pf. kostet, auszufüllen. Die Ausfüllung übernimmt bei schriftlichen Anträgen das Tschechoslowakische Konsulat in Frankfurt, Mainzer Landstraße 134—140. Jedem Anträge, der an diese Stelle gestellt wird, sind 1,50 Mk. für Porto und Schreibgebühren beizufügen. Es muß bei schriftlichen Anträgen genau angegeben werden, wohin und für welchen Zweck das Visum benötigt wird, damit Rückfragen unterbleiben. Es wird empfohlen, Dubrovnik (Ragusa) als Aufenthaltsort zu wählen, von wo aus man Ausflüge nach Mostar, Sarajevo, Boche di Cattaro (Kotor), Cetinje-Montenegro mad)en kann. Bei dieser Reise hat man Gelegenheit, die ganze dalmatinische Küste zu sehen, ebenso kann man sich in Spalato aufhalten und die Inseln besuchen. Mit der deutschen Sprache ist es überall möglich, durchzukommen, und es bestehen keinerlei Minder- Nisse, wenn man die Sprache des Landes nicht be- herrscht. Die Verbindungsmöglichkeiten wären noch durch folgende Vorschläge zu ergänzen: Einreise über Zagreb (Agram) nach Susak, in nächster Nähe von Fiume, wo sehr gute Dampfer zur Verfügung stehen, mit welchen man die Reise machen kann, ohne italienisches Gebiet zu berühren. Man kann auch von Dubrovnik (Ragusa) über die Herzegowina reifen und damit ein Land mit sehr großen Naturschönheiten kennenlernen. 3n diesem Falle wäre die beste Route über München nach Zagreb (Agram) und dann nach Brod a. d. Save, von wo aus der Weg über Dos- nien-Herzogewina nach Ragufa führt.'Man kann auch noch von Zagreb über die neueröffnete Lika- Bahn nach Spalato reisen. Don Spalato erreicht man Dubrovnik (Ragusa) in einigen Stunden mit den Dampfern der ,Ldrinska Plovidba" oder Du- brovanka Plovidba". Für diejenigen Reisenden, die in gebirgigen Gegenden ganz oder teilweise ihren Erholungsurlaub verbringen möchten, wird Slowenien empfohlen mit folgenden bekannten Kur- und Badeorten: Bied (Veldes), Wogaska Slatina (Rohitsch-Sauerbrunn), Bad Radein und Bad Dodrna (Bad Neuhaus) bei Cilli. Die Gegend von Bled übertrifft an Natur- fchönheit Berchtesgaden: Rohitsch-Sauerbrunn und Dobrna kommen an Güte und Komfort den deutschen Mineralbädern gleich, im Kurerfolg übertreffen sie dieselben sogar. Billige Unterkunft und Berpflegung (4,50 bis 8 Mk. pro Tag). Alpiner und Winkerfport. Da Slowenien das Durchgangsland nach Dalmatien ist, so empfiehlt sich ein kürzerer Aufenthalt dortselbs! auch bei der Hin- und Rückreise (zur Zwischen- ober Nachkur). e Ein italienisches Einreisevisum kostet 15,40 Mark und wird auf persönlichen ober schriftlichen Antrag (Kgl. ital. Generalkonsulat in Frankfurt, Neue Mainzer Straße 21) für unbeschränkte Frist ausgestellt. Reisewinke. Vie „Perle des Lahntal»". Mit Recht nennt schon Goethe Weilburg die Perle des Lahntals. Dort findet der Wanderer Na- turschönheiten, alte romantische Straßenbilder, das schöne Schloß auf steilem Feldern, ein Bild, wie wir es feiten finden. Weilburgs Gaststätten sind alt- berühmt unb anerkannt billig. Wer einen lag in Weilburgs verbracht hat, wird immer wieder kommen. Halber Fahrpreis für 3»gendsahrte». Tine starke Bewegung ist darauf gerichtet, unserer Jugend, besonders der minderbemittelten, den Ausenthatt in der Ratur zu ermöglichen und ihre Liebe zur deutsckxm Heimat zu wecken unb zu pertiefen. Um diese Bestrebungen zu unterstützen, hat die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft mancherlei betriebliche und wirtschaftliche Bedenken zurückgestellt unb gewährt vom 1. M a i d. 3. Vereinen für die Jugendpflege bei gemeinschaftlichen Ausflügen jugendlicher Personen unter 20 3ahren in der 3. und 4. Klasse rne Ermäßigung von 50 Prozent des gewöhnlichen Fahrpreises. MiltelstandSkurea in Bad Salzschlirf. Die Kurdirektion erhält häufig Anfragen, ob bei Gewährung einer Mittelstandskur zum Preise von insgesamt 189 Mk. besondere Rach- weise über Vermögen oder Einkommen vorgelegt werden müssen. Dies ist in Salzschlirf ausdrücklich nicht der Fall. Es ist ja ohnehin bekannt, daß mancher, der sein Vermögen eingebüßt hat, sich scheut, auf Grund dessen eine Ermäßigung bei Gewährung einer Badekur zu erbitten. Gerade für diese Kreise ist in Salzschlirf die Mittelstandskur in erster Linie gedacht, und die Mittel- slandskurgäste finden gegenüber den vollzahlen- den Kurgästen nicht etwa eine Zurücksetzung irgendwelcher Art. sondern es wird ihnen im Gegenteil eine Reihe von Vorzügen und Erleichterungen gebo.'e:i, die anderen Kurgästen nicht gewährt wird: auch erfolgt die Unterbringung durchaus in zuvorkommender Weise und in gutem Hause, so daß nicht etwa der Mittelstondskurgast bas Empfinden haben farni, als werde er als solcher nach außen hin besonders gekennzeichnet. Kein Preisaufschlag in den ReisebureauS. Vielfach wird vom reisenden Publikum angenommen. daß die amtlichen Reisebureaus beim Verkauf von Eisenbahnsahrkarten besondere Aufschläge auf die amtlichen Fahrpreise erheben. Dies ist keineswegs der Fall. Alle Fahrkarten werden nur zu den amtlichen Preisen abgegeben. Das gilt auch für die Fahrscheinhefte, die von den Reisebureaus für Reisen von einer Mindestentfernung von 600 Kilometer verabfolgt werden. Sie fragen eine Gültigkeit von 60 Tagen und berechtigen zu beliebiger Fahrtunterbrechung. Bei gefchlossenen Rundreisen, deren Endziel wieder die Ausgangsstation ist, beträgt die Mindestent- fernung, bei deren Erreichung Fahrscheinhefte abgegeben werben, nur 300 Kilometer. Historische- Festspiel in Rothenburg. Das althistorische Festspiel „Der Meistertrunk". cir.es der ältesten und besten unterer deutschen Heimaispiele, wird mit nachfolgendem großen historischen Festzug und Feldiager im Wallgraben an der vollständig erhaltenen Ringmauer, wie seit 45 3ahren, so auch in diesem 3ahre wieder am Pfingstmontag, 24. Mai, zur Aufführung kommen. Die Nachfrage nach Karten für die Pfingstaufführungen hat bereits sehr flott — und zwar aus dem ganzen Reiche — eingesetzt. Am Pfingstsonnlagnachmittag kommt auf dem Marktplatz vor dem mächtigen Rathaus und am Herterichbrunnen der historische Schäfertana zur Aufführung. Am gleichen Tage, abends, finbti nach einbrechender Dunkelheit die wirkungsvolle Beschießung und ‘Beleuchtung der Südwestseite öer Stadt vom Taubertal auS statt. Reiseliteratur. — Äartenmaterlal auf Reife unb Wanderung. Durch Verbesserungen Der Ver- kehrsmittel schrumpfen die Entfernungen immer wehr zusammen. Die Personen- und Warenbeförderung ist nicht mehr an Schienenwege gebunden, unb felbft die entlegensten Landstraßen sind belebt von Kraftfahrzeugen, Radfahrern unb Touristen. Die Orientierung in unbekannten Gegenden ist sehr einfach, man hat ja den zuverlässigen „Continental- Reiseführer-. Zunächst das „C 0 n 11 n e n t a I • Handbuch" mit weit über 2000 Orttbeschreibun- gen, Stadtplänen. Angaben über Hotels, Garagen, Tankstellen, ausgearbeiteten Touren usw. für 4 Mk., dann der „C 0 ntinentaI - A11as für Mitteleuropa-, der ein übersichtliches Straßennetz von Paris bis Warschau und von Kopenhagen bis Mailand auf vielen mehrfarbigen Karten enthält, Mußstab 1:1000 000, Preis 6 Mk. Der „Continental-Atlas für Deutschland" bringt im Maßstab 1 500 000 ein ganz vorzügliches Karten- material und viele Stadtpläne im handlichen Leinenband zum Preise von 8 Mk. Bei Radfahrern und Touristen erfreut sich die „Continental Straßenkarte-, Maßstab 1 ..300 000. großer Beliebtheit. Sie zerfällt in 54 Blätter Ä 75 Ps. in Fünsfarbendruck, besonders übersichtlich, praktische, patentierte Falzung. — Der Rheinische Verkehrsverband in Godes berg bringt zwei neue Werbeschriften heraus: „Zwischen Ruhr und Lippe" und das Ver kebrsbuch „D 1 e Mosel-, dem bald solche für andere Gebietsteile folgen sollen. Das Werbefaltblatt .Zwischen Ruhr und Sippe" zeigt in vielfachem Bild wechsel, daß im sog. Industriegebiet eine Menge landwirtschaftlicher Reize vorhanden sind, die auf- zusuchen sich wohl lohnt. Das Derkehrsbuch „Die Mosel" bespricht in kurz gedrängter Form das Moselgebiet von Trier bis Koblenz. Der textliche Inhalt ist auf das, was der Reisende notwendig wissen muß, beschränkt. Vorzügliche Bilder zeigen alte Fachwerkhäuser, mittelalterliche Burgen, römische Baudenkmäler usw. Ein kleiner Uebersichtsplan, ent haltend die Verkehrsmittel: Reichsbahnen, Moseltal bahn, Kroftwagenoerkehr, ist beigefügt. Spielplan der frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 9. Mai: „Madame Butterfly" (Ans. 7.30, Ende 10.15 Uhr). Montag, 10.: „Aida" (Ans. 7, Ende 10 ITpr). Dienstag, 11.: „HossmannS Erzählungen" (Ans. 7.30, Ende nach 10 Uhr). Mittwoch, 12.: -Ligvletto" (Ans. 7.30, Ende 10 Uhr). Donnerstag, 13. „Parsisal" (Ans. 6. Ende nach 10.30 Uhr). Freitag, 14.: „Margarethe" (Ans. 7, Ende nach 10 Uhr). Samstag, 15.: „3enufa“ (Ans. 7.30, Sude 10 Uhr). Sonntag, 16.: „Tannhäuser" (Ans. 6.30, Ende 10 Uhr). Schauspielhaus. Sonntag, g. Mai: „Der fröhliche Weinberg" (Auf. 8, Ende 9.45 Uhr). Montag, 10.. „Krieg der Frauen" (Qlnf. 8, Ende iO Uhr). DienStag, 11.: „Krieg der Frauen" (Auf. 8, Ende 10 Uhr). Mittwoch, 12.: „Der Misanthrop" (Ans. 8, Ende gegen 9.30 Uhr). Donnerstag, 13.: „Das Käthchen von Heilbronn" lAif. 8. Ende 10.30 Uhr). Frei'ao, 14.: „Brennende Erde" (Ans. 8, Ende 10 Uhr). Samstag, 15.: „Gläubiger", hierauf „Boubourockc" (2Lif 8, Ende 10 Uhr). Sonntag, 16.: „Krieg der Frauen" (Ans. 8. Ende 10 Uhr). Lei i itrsvamiie Jn Apotheken Iffw 3ahr- 10fr bctoäbrt. I426id K U R VE RWALTü N G Strandbad zöge nach Auskünfte, durch die / Direkte Schnell allen Richtungen. Kurschriften as berühmte rheinische Bad an der Nahe (15 Minuten von Bingen) hat die sichersten Heilerfolge bei Gicht Rheuma. Ischias. Frauen- u.Klnderkrankhelten.nervösen Herzbeschwerden. 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Oas lustige Beiprogramm ,,te tahöasMm:|bhlBrir Hochaktueller Kultur- und Auiklärungij- nim in 6 Akten rern^r: VtSw? den SfeÄI 8iT" ?°pf-z 3« unfj ‘0 Her »teil"? ®ege Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34 War noch hente und morgen: „Die Aßmanns“ 6 Akte nach dem vieltrelesenen Roman von Hedwig Courths-Mabler. Ferner „Klein Dorrit“ 6 Akte nach dem bekannten Bühnenwerk von Charles Diekens In der Hauptrolle Omar Tolnaes _ , Schuhreparaturfabrik 0331s Gevr. Scherer, ldeder-vieten. Heinrich Bium, Kirchenplatz 8 Palast - Lichtspiele Lindenplatz War morgen Sonntag: „Zur Chronik von Griesiiuus“ (Junker Hinrichs verbotene Liebe) 6 Akte von Thea von Harbou Personen des Spiels: Der alte Greshuus........ A. Krausneck Jimker Hinrich...........Paul Hartmann Junker Detlef.............Rudolf Forster 5ar!)O ........... Lil Dacover Ges,ne...................Gertrud Weicker Ferner: Das lustige Beiprogramm Wir weisen speziell darauf in, daß der Hlm sehr geeignet ist für die Gießener Jugend. Jugendliche zahlen nachmittags halbe Eintrittspreise- Zündapp, 250 oem.......8’0.— bis 950. Ardie. 350 und 503 ccm ... 1050.— bis 1330. Horex, 250 und 500 ccm . . . 1350.— .is 1750. Rödge-Whitworth, m. elektr. Li ht 500cc n 1595. Montag, den 10. Mat bringen wir am Bahnhofe Wetzlar einen größeren £77" 4'57D Smea Sohle« und -MUk yy« £ÄUtofl0lDElfl2 Se5SEnUlö?*e mi. 1.00 LOeMl MWjeliWkl Oberhessen-Lahngau Gießen. Frankfurt am Main—Giehen—Cassel. Täglich außer Sonntags Stacltttisatsr Eishsn Dienstag, den 11. Mai, abends 7 Uhr: Laban - Schule _______________________________________ID kg ,Treiqfpätfc.______________ Personen Tarife: Mk. Frankfurt am Main - Gieße«.......20.- Giehen - Eassel..............20.- Oeffentlicher Vortraff Sber ?.e Einrichtungen der Gemeinschaft d r Freunde, zur Beschaffung von Eigenheimen, am Dienstag, 11 dem 11. Mal 19*46, abends 8 Uhr. tu» Saalben Saner zu Gießen. Redner: Balmud Laolar, Hotfealeii. Alle s^cl^nA?i?Sp?n?nBF^UtPla.re’ Ehepaare sowie Dienstwohnu -gsinhaber, alle, die aus unerquicklichen Zwangsmieterverhältnissen heraus nm Eigenheim sehnen, sind xn diesem Vortrag bestens emgeladen, bei dem es sich nicht um theoretische Erwägungen oder d^Jh a^ a ^sst2«6beri8ch. r lUalttirihmen hn delt. sondern um die praktische, erfolgreiche Selbsthilfe der Ge neinschalt der Freunde, durch d.e jeder, der sich dieser gemeinnützigen Gesellschaft anschließt, in absehbarer Zeit zum Baugold für ein Eigenheim kommt Auswärtige die nicht zu diesem Vortrag kommen können, verlangen Auskunft von der: 4130ss Eintritt frei! Gemeinschaft der Freunde e.V., Wüstenrot bei Heilbronn. Eintritt frei! MlCOIrM TABAKE besser denn je ! Ueberall zu haben. Generalvertreters HERMANN HOSSE, Gießen, Wilheimstraße 44, Fernsprecher 300 Universitäts-Restaurant Plockstraße Nr. 5 :: Inhaber: F. C. Günther Sonntag, den 9. Mai, abends 8 Uhr: Familien-Konzert Ausgeführt von erstklassigen Kräften 1/S31. Ausschank: Fürstenberg-Bräu Prima Rheinwein, per Glas 0.35 Mk. Vereinslokal des Bauerschen Gesangvereins und des Artillerie-Vereins, Gießen SWlMsMMlW des öeWeu fflüöes-feöEethwen-Bereins Sfientlicher Dortrag Samstag, den 15. Mai, abds. 8 Uhr, im grasten Hörsaal der Universität Frau Margarete Treuge-Hamburg, Leiterin der von Gertrud Bäumer gegründeten sozialen Frauenschule: „Die MWiWckii Aufgaben unserer Zeit“ ElagengeschallSoDDehom 4159c Alrceetr. 11 (neben Hees. Hef) Vertreter rvüt unsere Sveziatttä e : Ealzbreaeln (Freiburger) und Talzftanaen (Vier ttengel) au allen Platzen gefärbt. Gebadfabrit Odenwald G.m.d.0. KrVert?i^b)Ug Gießen Telephon 1646 :: Inh. Carl Hoos :: Asterweg 60 Spezial-Motorrad-Mand.ung Alleinvertreter nur allererster in- und ausländischer Marken ßr. Eckener _ Nr. 107 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 8. Mai id2b Oberhessen. Landkreis (dienen. • Heuchelheim, 7. Mai. Zur Zeit wird die Kirche unter der sachkundige, Leitung der K r e i s- bauoerwaltung einer gründlichen Restaurierung unterzogen. Das alte ehrwürdige Gotteshaus war durch störende An- und Ginbauten sehr entstellt. Derbgezimmcrte Emporeneinbauten im Chor, rohe Tür- und Fensterdurchbrüche und vor allem die rücksichtslos alle früheren Schönheiten überziehende, höglichgelbe Tünche waren seither ein ständiges Hindernis für das Aufkommen einer weihevollen Stimmung. Daß freilich die je Ri gen Re- nooierungsarbeiten solch reiche Entdeckungen bringen würden, wie sie heute oorliegen, ahme man nicht. 3m Chor, im Turmbau und im Schiff, stieß man fast täglich auf guterhaltene Reste wertvoller mittelalterlicher und Renaissancemalerei. 3nsbesonderc ein'wundervolles Freskogemälde aus der Zeit um 1400, die Kreuzigung Christi darstellend, zeugt von der führenden Stellung unserer Kirche in früheren Jahrhunderten. Gemeinderat und Kirchenvorstand verdienen volle Anerkennung, daß sie, sachverständiger Anregung folgend, durch Bewilligung der erforderlichen Mittel Werte von so hohem kunst- und kulturgeschichtlichem Inhalt vor dem Untergang bewahrten »nd wieder in einen würdigen Rahmen bringen halsen. Auch die übrige Bevölkerung zeigt reges Interesse und beteiligt sich durch wertvolle Stiftungen an einer besonders tSeihevollen Ausgestaltung des nun bald wieder in alter Schönheit erstrahlenden Gotteshauses. £ Wieseck, 8. Mai. Schon immer sind in unserem öffentlichen Fürsorgewesen und annemei- nen Hilfsbereitschaft einige recht fühlbare Lücken gewesen, die sich oft unangenehm bemerkbar machten. Durch die vor einigen Jahren erfolgte Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr ist dem einen Erfordernis Rechnung getragen worden. Unsere junge Wehr hat in der kurzem Zeit ihres Bestehens schon mehrmals den Beweis ihrer Daseinsberechtigung gebracht. Unter tätiger Mitwirkung des Cemeindevorstan- des ist unser Feuerlöschwesen zu feiner heutigen Leistungsfähigkeit gebracht, weitere Zuwendungen werden diese noch erhöhen und veroollkomm- nen müssen. Tatfrohe Männer und Frauen machten sich an die Lösung einer weiteren Aufgabe, die nun soweit gediehen ist, daß sie als spruchreif anzufprechen ist: Bor einigen Tagen wurde die offizielle Gründung einer Kolonne des Arbeiter-Samariter-Dundes vollzogen: eine namhafte Anzahl Mitbürger aus allen Devölkerungslreisen sagte ihre Teilnahme an dem demnächst beginnenden Kursus zu. 3n selbstloser Weise haben die drei hier praktizierenden Aerzte ihre Mithilfe zugesagt: bereits am Montag nimmt der erste Kursus feinen Anfang, der unter der Leitung des Herrn Dr. Schmidt steht. Erfreulicherweise nehmen daran eine Anzahl Frauen teil, so daß nach vollendeter Ausbildung Gewähr geleistet ist, in allen Fällen den Aerzten helfend zur Seite stehen zu (önnen. 3n ihrer segensreichen Tätigkeit kann die Kolonne erst dann zur vollen Auswirkung kommen, wenn ihr das 3ntereffe der breitesten Öffentlichkeit zugewendet und wenn ihr von berufener Seite, die nur die Gemeinde selbst sein kann, über die erste schwere Zeit der Reugrün- dung hinweggeholsen wird. Die in Aussicht fte- !ienoe Beratung des Gemeindevoran- ch l a g s gibt vielleicht Gelegenheit, einen entbrechenden Betrag für diesen gemeinnützigen Zweck zur Verfügung zu stellen. Große Mittel sind ja vorerst nicht erforderlich, auch hier muh der Ausbau nach und nach erfolgen. Dringend notwendig ist zunächst eine Tragbahre, deren Fehlen sich in unserer großen Gemeinde schon mehrmals unangenehm bemerkbar machte, muhte doch vor einiger Zeit ein schwer Verunglückter auf einer Leiter transportiert werden. Man Denke auch an leicht vorkommende Unfälle im Wald beim Holzhauen und dergleichen, hier kann mitunter von einem fachgemäßen Transport ei Vertre.er des Kreisbauamts Gießen, Regierungsbaume.ster Schneider und Dauinspellor Kimpel, ferner unser Beuerner Bildhauer Wilhelm Arnold, der Schöpfer des Gießener 116er-Denkmals, und der Gemeinderat teilnabmen. Heber folgenden Plan wurde beraten: Die südöstliche Hälfte des Kirchenplayes soll als Standort für das zu errichtende Ehrenmal benufot werden. An der un.ercn Seite der Kirchenplatzmauer, dort, wo Fünshausenerstraße, Borngasse und Untergafie zulammentreffen, werden die Gemeindeviehwage und das Spritzenhaus abgerissen. D.e Mauer wird beiderseits in gerader Linie weilergebaut, bis beide Teile in einem rechten Winlel auseinanderstoßen. Das Kriegerdenkmal, vielleicht in Gestatt eines Obersten, wäre in dem Scheitelpunkt des rechten Winkels zu errichien, so daß, vom Dorfteil Füns- hausen kommend, der Blick direkt das Denkmal trifft. Eine breite Treppe soll von der Straßen- tiefe auf den etwa 3 Meter höher gelegenen Kirchenplatz führen, Der als Ehrenfried- h o f herzurichten wäre. 3edem Gefallenen soll, an der Mauer herziehend, ein Gedenkstein errichtet werden. Die Mauer selbst wird mit einer Stakete versehen und mit Grün angepflanzt, so daß die Rückwand des alten Schulhauses verdeckt würde. Der Ehrenfriedhof wird nach Westen zu ebenfalls durch Staletenwand, allerdings mit einer Durchlaßtüre, abgeschlossen. Das Kreis- bauair.t wird Plan und Kostenvoranschlag über die getarnte Anlage aufstellen. -fGrünberg.7. Mai. Der Gemeinderat bewilligte in seiner jüngsten Sitzung dem Kreis- rinderzuchtverein zur Abhaltung einer Tierschau einen Zuschuß zu den Prämiierungskosten. Der bewilligte Betrag beläuft sich auf 200 Mk. Man hofft, daß au) die hiesige Geschäftswelt das Vorhaben durch Spenden fördern wird. Die Veranstaltung dürfte voraussichtlich in der zweiten Woche des Monats Juni stattfinden. — Ein Gesuch des Herrn Seim und Genossen betr. die Errichtung eines Gedenk st eines (Findlingsfelsblock) zum Andenken an den in Bra- f-licn verstorbenen Landsmann Theo Koch in der Nähe der Schießhalle findet Annahme. — Nach einer Mitteilung des Kreisamtes steht der untere Stock des Iunkerschen Hauses für die landwirtschaftliche Winterschule zur Verfügung. Die für Bauzwecke zur landwirtschaftlichen Winter- schuke geliehenen 20 000 Mk. sollen mit 7 Prozent verzinst und mit 2000 Mark jährlich abgetragen werden. — Verschiedene Gesuche von Einwohnern wurden zwecks näherer Prüfung zurück- gestellt, außerdem noch einige kleinere Angelegenheiten erledigt. — In geheimer Sitzung beschäftigte sich der Gemeinderat mit den Leistungen der Stadt für das hier zu errichtende Finanzamt. In der Theo-Koch-Straße ist Gelände angekauft worden, das für diesen Zweck mit verfügbar gemacht werden soll. !—! Kesfe 1 bach, 7. Mai. Eine erhebliche Verbesserung hat seit einigen Tagen die Steinindustrie tm Lumdatale dadurch erfahren, daß der Steinbruch an der Chaussee zwischen unserem Dorf und Odenhausen wieder in Betrieb genommen worden ist. Große Aufträge an Pttastersteinen und Schotter ermöglichen es, daß bereits 70 Arbeiter beschäftigt werden können. Gewiß eine begrüßenswerte Erscheinung, besonders in der heutigen Zeit, wo auch das kleinste Dorf das Ar- beitskofenproblem zu lösen hat. z. Allendorf a. d. Lumda, 7. Mai. Bei der jüngsten hiesigen Holzversteigerung, zu der aus nah und fern sehr viele Kaufliebhaber ersch' nen waren, wurden wiederum sehr hohe Preise erzielt. Je nach Lage und Qualität gestalteten sich diese für ein Raummeter wie folg: Buchenscheiter 7,50 bis 15,20 Mk., Buchenknüpp-l 11 bis 13 20 M Buchenreiser 1,75 bis 2,80 Mk., Buchenstöcke 5,75 bis 6,50 Mk., Fichtenrundholz 3,50 bis 4,50 Mk., Fichtenknüppel 3 bis 3,50 Mk., Fichtenscheiter 2 bis 4,70 Mk., Fichtenprügel 0,50 bis 4.50 Mk., Fichtenstöcke 0,50 bis 2,40 Mk., Eichennutzholz 10,20 bis 19,25, Elchenscheiter 7,70 bis 14 Mk., Eichenknüvpel 6 bis 8,50 Mk., Eichenreiser 1,40 bis 1,60# Mk., Eichenstöcke 3,50 bis 4 Mk., Mischholz 8,70 bis 9,50 Mark. Es kamen noch erhebliche Holzmengen zur Versteigerung. ) L i ch, 7. Mai. Der Stadtvorftand beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung auf Veranlassung des Finanzamtes Hungen mit der Bildung der Grundwertausschüfse und der G e - w e r b e a u s s ch ü s s e bei den Finanzämtern. Den Ausschüßen soll auf Grund der entsprechenden Der- ordnung ein von dem Vorstand der Gemeinden, die mehr als 1000 Einwohner haben, benannter Beamter angehören. Der Stadtvorstand benannte als Beamten den Sürgermeifter und als Stell- Vertreter den Beigeordneten. — Sodann gab der Bürgermeister eine Verfügung des Kreisamtes Gießen bekannt, wonach auf Grund des § 22 der neuen Dienstanweisung für die Feldgeschworenen vom 12. 1 26 fettens des Kreisamtes die Gebühren der Feldgeschworenen festzusetzen sind und Dor- schlage wegen der Höhe der Gebühren nach Anhörung der Gemeindevertretung gemacht werden sollen. Der Stadtvorstand beschloß, dem Kreisamt folgenden Gebührentarif vorzuschlagen: Die Feld- geschworenen sollen erhalten: 1. Innerhalb der Gemarkung bei einem Zeitaufwand von mehr als vier Stunden 5 Mk., bei 2 bis 4 Stunden die Hälfte und bis zu 2 Stunden ein Viertel der Tagesgebühr. 2. Außerhalb der Gemarkung die Fahrt 3. Klaffe bzw. 15 Pf Kilometergeld oder evll. die wirklich erwachsenen Auslagen. Neben diesen Auslagen soll die festgesetzte Tagesgebühr vergütet werden. — Weiterhin wurde beschlossen, daß sich die Stadt zur BelebungderBautätigkeitmitlOBau- s p a r t o n t e n mit einer wöchentlichen Einlage von 3 Mk. bei der Bezirkssparkasse Gießen beteiligt Die Beteiligung erfolgt jedoch nur unter der Voraussetzung, daß in hiesiger Stadt minde- stens 40 Bausparkonten zusammenkommen. — Der Stadtvorftand trat fobaifn einem Vorschlag der Finanzkommission bei. die Zinssätze für die von der Stadt ausgeliehenen Kapitalien, die seither mit 8 und 9 Prozent verzinst werden muß- ten, auf 1} Prozent am 1. April d. I. zu ermäßigen. Weiterhin fanden verschiedene kleinere Vorlagen antragsgemäße Erledigung. Kreis Büdingen. j- Aus dem Ribdata 1, 6 Mat Die warmen Apriltage in Verbindung mit Riederschlägen, haben das Wachstum von Klee und D r a s stark begünsttgt, sodaß die Landwirte bereits mit der Grünfütterung beginnen konnten. Während in sonstigen 3ahren Knc.vp- heit und Mangel an Heu zu frühzeitigem Ein- holen von Gras zwang, geht man in diesem 3afjr vielfach mit mehr oder minder starken Restbestanden in das neue Futterjahr über. Lieferten doch die beiden Vorjahre überaus reiche Heuernten — Der Anbau von Raps, der in der ölhungrigen Zeit nach dem Kriege allgemein betrieben wurde, ist stark zurückge- gangen Die gelben Dlütenbänder in den Gemarkungen sind nur noch vereinzelt und in bescheidenen Ausmaßen vorhanden, was von den 3mkern sehr bedauert toirb. Kreis Friedberg 4 Dad-Rauheim, 7. Mat 3m Kur - tebeii zeigt sich bereits ein erfreuliches Ansteigen der Besuchsziffer. Bis heute beträgt der Gesamtbesuch seit 1. 3anuar 5494 Personen, darunter 568 Ausländer. Anwesend linb zur Zeit 2660 Kurgäste. — Das Sur- tbealcr öffnete gestern abend seine Pforten für die Eommersaison. Das ausverkauste Haus nahm d^s Märchenspiel „Sakuntala" mit dankbarem Beifall auf. Kreis Alsfeld. *€9 Neuhaus b. Hombecg a. d. Ohm, 7. Mai. Die hiesige Sägewerksbetrieb der Firma G e b r. Himmelsboch, der seit dein Sommer vorigen Jahres stillag, hat in diesen Tagen den B e- trieb wieder voll aufgenommen. Mangels Ausreichender Holzmossen dürste die Arbeit aber leider nicht allzulange anhalten. Hoffentlich läßt es sich ermöglichen, bis zu diesem Zeitpunkte anderwei- ttge Arbeitsgelegenheit bereitzustellen. ’C? Aus dem Ohmtal, 7. Mai. Der Saaten ft a n b ist in der hiesigen Gegend im allgemeinen als g ü n ft i g zu bezeichnen. Sehrt gut ist der Stand des Klees, der an verschiedenen Stellen bereits zum ersten Male geschnitten wird. Auch der Stand der Wiesen ist recht befriedigend, so daß vor- aussichtlich eine gute Heuernte eingebracht werden kann. Manche Ortschaften klagen allerdings über recht unangenehmes Auftreten der Feldmäuse. Kreis Lauterbach. 5 Schlitz, 5. Mai. In unserem verkehrsabge- legenen S ch l i tz e r l o n d hat die T u r n e r e i noch wenig Verbreitung gefunden. Seither war der hiesige Turnverein der einzige Verein, der das Turnen in feinen verschiedensten Zweigen betrieb. Er ist sich unter trefflicher Leitung aber dessen be- mußt, daß er eine Vorpostenstellung einnimmt und berufen ist, den turnerischen Gedanken auch auf dem Lande zu verbreiten. So ist es ihm gelungen, vor einigen Jahren in Pfordt einen Turnoer- ein zu begründen, der bereits zu den rührigsten Landvereinen des 4. Bezirks im Turngau Hessen zählt. Nun ist, nachdem die hiesigen Turner durch Werbeoeranstaltungen der Turnerei den Weg gebahnt, auch in Hartsrs hausen im hessischen Fuldagrund ein Turnverein im Entstehen begriffen, der jedenfalls auch der Deutschen Turner- schäft, und zwar dem Gau Hessen, beitreten wird. Eine eifrige Pflege findet im 4. Bezirk das Wan- d e r n, das jeweils mit dem Besuche benachbarter Turnvereine verbunden ist und so zur Hebung der turnbrüderlichen Gesinnung beiträgt. So machte kürzlich der Turnverein Grebenau in Ver- binbung mit einem längeren Turngang den hiesigen Turnern einen Gegenbesuch, wobei herzliche Be- grüßungsworie ausgewechselt wurden. Starkenburg. WER. Darmstadt. Z. Mat Wie der »Hess. Vollssreund" meldet, ist hier gestern ein Liebespaar gemeinsam in den Tod gegangen. Die 19jährige Marie Pfiher und ihr Bräutigam, der 23jährige Stellmacher Heinrich Mahr, vergifteten sich In der Wohnung des Mädchens in den Vormittagsstunden mittels Leuchtgas. Längere Arbeitslosigkeit des jungen Ma:mes fuH der Grunb gewesen sein, weshalb d . Paar beschloß, freiwillig auS dem Leb"n zu scheiden. WSN. Sieburg, 7. Mai. Die Handarbeits- lchrerin Kaiser, die, wie gemeldet, den Tod e ine r Schülerin während des Unterrichts her- beiführte, ist gestern von der Kriminalpolizei in ihrer Wohnung, wo sie sich verborgen gehalten hatte, fest genommen worden. Rheinhessen. WSR. Worms, 7. Mai, Von seinem Schw iegerf eh n überfallen und in bestialischer Weise mißhandelt wurde ein hier wohnender Arbeiter. Die Frau und die Tochter des Schwiegersohnes schlugen ebenfalls auf den Dater und Großvater ein und drängten ihn dabei ins dunkle Schlafzimmer, wo der älebersallene auf das Bett zu liegen kam. Dori versetzte der liebenswürdige Schwiegersshn seinem Schwiegervater einen Schlag auf den Kops, so daß der Getroffene bewußtlos zu Boden stürzte. Lieber dem linken Aage trug er eine schwere klaffende Wunde davon, so daß ärztllche Hilfe herbei gerufen werden mutzte. Preußen. Kreis Wetzlar. 23 2ß e ft 1 a r , 7. Mai. Der hiesige Verkehrs- verein, der bedauerlicherweise keine Mit - aliederzusammenkünfte abhält, sondern seine Arbeit anscheinend mehr auf Vorstands- fitzungen verlegt, beabsichtigt in nächster Zeit eme illustrierte Werbeschrift über Wetzlar herauszugeben. Einer Anregung, die an dieser Stelle gebracht worden ist, nämlich einmal die Umgebung der schönen Bergruine Kais- munt würdig herzurichten, um den besuchenden Fremden nicht ein Bild der Verwahrlosung zu bieten, ist man in anerkennenswerter Weise nochge- kommen. Die Wege um die Burg sind schön instand- gesetzt und mit Ruhebänken in ausreichender Zahl versehen worden. Zu wünschen wäre noch, daß seitens der Stadt der wildgewachsene, mit vielem Ge- strüpp versehene Wald etwas durchforstet würde. Besonders verschiedene Schwarzdornhecken am Rand des Plateaus könnten beseitigt werden und grünen Grasflächen Platz machen, damit die Aussicht von dieser Stelle nach dem Lahntal, die durch die Hecken teilweise versperrt ist, dem besuchenden Einheimischen, als auch Fremden in ihrer panzen Schönheit zu Gesicht käme. Nachdem auch die Starkenweide ihre Ruhebänke erhalten hat, wäre es erwünscht, daß nunmehr das Tal im engen Weg und Kaisersgrund mit Bänken ausgerüstet würde, das doch in erster Linie die Erholungsstätte der alten und kranken Leute bildet. .0 Wetzlar,?. Mai. Landjägermeister Weinreich von hier formte dieser Tage auf sein 2 5 j ä h- riges Bienftjubiläum bei der Gendarmerie des Kreises Wetzlar zurückblicken. Es wurden ihm aus diesem Anlaß zahlreiche Ehrungen, sowohl von feiten seiner vorgesetzten Behörde als auch aus Kollegenkreisen zuteil. An einer im Hotel Luy stattgefundenen Feier de» Jubiläums nahmen ein Vertreter des Regierungspräsidenten, der Landrar so wie die gesamten Landjägereibeamten des Kreises Wetzlar teil. L Groß-Rechtenbach, 7 Mai. Bei Ge legenbeit der hier in Gange befindlichen w ir: schaftlichen Umlegung der G r u n d st ü ck e werden verschiedene Wegebauten ausgesühn. die von der Regierung als Notstandsarbcit anerkannt sind. Der beteiligten Gesamtheit in der Umlegungssache ist aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge ein Zuschuß zur Ausführung der Arbeit bewilligt worden. Bei den Wegebautcn werden die Erwerbslosen der hiesigen Gemeinde beschäftigt. Die Bauaufsicht wird durch einen Sach landmesser des Kulturamtes in Wetzlar ousgeübt. DillkrciS WSN. Frankfurt a. TI., 7. Mai. In der vergangenen Woche ist auf dem Arbeitsmarkt eine kleine Besserung eingetreten. Zu Beginn der Woche standen 24 254 Arbeitsuchende zur Verfügung: baju haben sich im Laufe der Woche 1459 Leute neu erwerbslos gemeldet so daß insgesamt 25 713 '21 r bettsuchende beim Arbeitsamt vorgemerkt waren. Nach Abschluß der Dermittlungstätiglett verblieben hiervon 23 603 Personen. Das Nauheimer Kuror^ester. Man schreibt uns: Wie man Höri, soll mit der zu Ende gegangenen Winterkur der seit Fahren bestehende Stamm deS D t a a t L Rur- orchesters zu Bad-Rauheim aufgelöst werden, weil der .Abbau" auch an dieser Stelle einzusehen habe. Als Ersah der etwa 25 Mann starken Winterkapelle denkt man sich ein Ensemble von 4 Musikern, also «ine .KafseehauS-Musik". Die Mitglieder des Stammorchesters, von denen einzelne schon viele Jahre im Orchester tätig sind, sollen entlassen werden. So die in Dad- Rauheim umlaufenden Gerüchte. Wären fie wahr, so müßte man diese Maßnahmen aus den verschiedensten Gründen bedauern. Vor allem hätten die größeren Vereine der Provinz, voran der Gießener Konzertverein und das Theater, ein 3nteresse daran, dieses kleine Orchester für Oberhessen erhalten zu sehen. Roch stehen ja die schönen Konzerte, die in vergangenen Jahren in Gießen und den kleineren Städten Oberhessens veranstaltet wurden, in bester Erinnerung. Cs war damit ein Anfang gemacht, eine staatliche Einrichtung, zu der in letzter Linie alle Einwohner mehr oder weniger beisteuern, der Allgemeinheit zugänglich zu machen, ohne dabei die Verpflichtungen in Dad-Rauheim einzuschränken Leider war ja in letzter Zeit die musikalische! Tätigkeit in Dad-Rauheim während der Wintermonate nicht • gerade hervorragend. Aber zur Auffrischung dieser etwas handwerklich gewordenen Tättgkeit bedürfte es doch nur eines neuen Ansporns, um bald wieder die künstlerisch notwendige Frische und Freudigkeit herzustellen. Konzerte im Kammerstil, solistische Darbietungen einzelner Mitglieder u. a. würden daS Riveau der winterlichen Konzerttätigkeit von der Stufe der reinen Unterhaltungsmusik zu höherer künstlerischer Tätigkeit erheben An KaffeehauS-Musik ist in Dad-Rauheim auch im Winter kein Mangel. Ernste, hochstrebende Orchestermusik aber ist für viele Einwohner und die zahlreichen Winter- gälte ein Dedürsnis, das sich nicht abffreiten läßt. Auch scheint uns, daß der Ruf der musikalischen Sommerunternehmungen, der dem Weltbad Dad-Rauheim so gut steht, In Winter, wenn auch naturgemäß in verkleinerter gorin, erhalten bleiben muß. 3a, man darf wohl in diesen künstlerischen Darbietungen einen Hauptfaktor für die günstige Weiterentwickelung der Rauheimer Winterkur ruhig ansprcchen Dabei verkennen wir nicht die Schwierigkeiten die in der jetzigen Zett allen künstlerischen Unternehmungen, insbesondere den rein musikalischen, lähmend gegen- überstehen Wir hoffen aber, daß nicht nur die Rauheimer, die den Verlust des Winterorchesters besonders schmerzlich empfinden, sondern auch die weitere Umgebung durch reges 3nteresse für alles Gebotene den Wunsch betonen, diese Einrichtung erhalten zu sehen 3nsbesandere geht dies auch die Provinzialhauptstadt an. Kommen doch etwaige Darbietungen des Darmstädter Orchesters, für dessen Erhaltung Oberhessen genau so beisteueri, wie Starkenburg, kaum in De tracht. Gießen ist, wie die Dinge nun einmal liegen, auf das Rauheimer Orchester angewiesen Wird dieses aber in seinem Stamme auf eine neue Grundlage gestellt, werden die Dienstverpflichtungen etwa in der Weise ausgebaut, wie es schon vor 3ahren im .Gießener Anzeiger" angebeutet wurde, so hebt sich der Wirkungskreis von selbst, ohne dabei dem Bade Rauheim zu schaden Wir sind über den Etat des Winter- orchesters nicht orientiert Stimmen die Angaben, die hier und da verlauten, so spielen die Kosten säst keine Rolle. Ein wesentlicher Zuschuß soll nicht vonnöten fein, vielmehr sott sich die Einrichtung selbst tragen können Wäre dies der Fall, worüber amlliche Stellen Auskunft geben M, feichten makedonischen Tabaken mit geringem TVifeotingehaffT IRAN-TORWA Das l JW 13 F** * W Ä*’*" sO ^"7 »'S «-»!> EP3 durch bie ü *Ä“«' L-m» M « *'C! « hatte da in die Stube Echvestee-»» Der hot m _ Äonscrvensabrik Braun Metallgesell chaft Frankfurt . Pet, Union A.°(S 40.5 107 76,5 | — 76 , — Sckub'abrik Herz 86.6 ! — _ sichel - . ... ... - 4,12 — _ 1 — Zett»o i Walddot 130 — 129 adrik Frankenthal . 52.5 — 51.5 __ i • abrik Wagbäuic« 61,0 — - Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. tOhne Gewähr.) 7 Mai 8 Mai Amtliche Noti rung [ so daß bei ich die fe^ I rau verwendet zur Färberei im Haushalt nur die seit über 50 Jahren bewährten I fiere Tendenz von dem Vortag im Berliner Pro- duktengeschäst heute fortsetzte. Speziell der Wei- zen erzielte für prompte Lieferungen Kursgewinne bis zu 2 Mk.. auch Roggen befestigt, doch ist das Interesse für diesen Artikel gering, so daß die Gewinne am Lokomarkt kaum nennenswert waren. Das Mehlgeschäst ist etwas freundlicher in der Entwicklung, ohne daß aber von einer größeren Amsahtätigkeit gesprochen werden kann. Gerste hat kleines Angebot, aber auch die Kauflust hält sehr zurück. Aehnlich war die Lage für Hafer. Im Zeithandel veranlaßte das Fehlen weiterer Maiandienungen für Weizen stärkere Deckungen, der erste Kurs besserte sich um 3 Mk. Die übrigen Monate je 2 Mk. höher. Mai- und Iuliroggen 50 Ps. über Vortag, September 2 Mk. Cs notierten pro 1000 Kilogramm: Weizen (märk.) 294 bis 297, Roggen lmärk.) 174 bis 179, Sommergerste 193 bis 207. inländische Gerste 172 bis 188. Hafer (märk.) 192 bis 202; für je 100 Kg.: Weizenmehl 36.75 bis 29.50, Roggen mehl 25 bis 26.50, Weizenlloie 11 bis 11.25, Roggenkleie 11.80 bis 12, Viktoria- erbfcn 29 bis 39, kleine Speiseerbsen 26 bis 28, Futtererbsen 22 bis 26, Peluschken 22 bis 25, Ackerbohnen 22 bis 24, Wicken 23 bis 30. Lupinen (blau) 11.75 bis 12.75, Lupinen (gelb) 14 bis 15, Serradelle (alt) 24 bis 28. Gießener Wochenmarkk§reise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: das Pfund Butter 2 bis 2,10, Matte 35 bis 40, Käse 050 bis 1,40, Wirsing 35 bis 40, Weißkraut 35. mottraut 35 bis 40, gelbe Rüben 40 bis 50, rote Ruben 15 bis 20, Spinat 35 bis 40, Römifchkohl 20 bis 25, Spargel 0,80 bis 1,20, Mischgemüse 25, To malen 1,00 bis 1,20, Zwiebeln 25, Meerrettich 30 bis 80, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Rhabarber 25 Kartoffeln 4—5, Aepfel 20—45, Dörrobst 50, Kirschen 1,20, Erdbeeren 3,50—4, Honig 50, junge Haynen 1,10—1,20, Suppenhühner 1,10—1,30, Gänse 70 bis SO, Eier das Stück 10 bis 11, Blumenkohl 1,20 bis 1,30, Salat 15 bis 25, Salatgurken 1,20, Lauch 5 bis 20, Rettich 20 bis 30, Sellerie 20 bis 50, Radieschen" das Bund 15 bis 30, Tauben 0,80 bis 1,00 Mk. ' Zu haben in Vüchertisch. — Rudolf Huch: Der Herr Reveu und seine M o n d g ö t t i n. Eine kuriose Affäre aus der Peruckenzeit. Reelams Univerfal-Bibliothek Nr. 6622 23. — Die reich bewegte, anmutig verschlungene Handlung ereignet sich in der Zeit des ausgehenden Barock am Hofe eines deutschen Duodezfürsten. Der Held ist ein junger Künstler, dem nach mancherlei komischen und tragischen Irrungen und Wirrungen das ersehnte Glück wird. Das Ganze ist durchwebt von einer lieblichen, leise melancholischen Heiterkeit, die das Buch vielen teuer machen dürfte. 145 — Grimmelshausen, Ewig währen der Kalender nebst Stücken aus dem jährlichen Wunder-Gcfchichts Kalender. Mit vielen Bildern geziert. Zum erstenmal' wieder in Druck gegeben durch Engelbert Hegaur. Preis Leinen 11 Mk.'Verlag: Alb. Langen in München. — Als dritter Band non (Brinv melshaufens Simplicianifchen Büchern erscheinen hier zum erstenmal in reicher Fülle seine Kalenderarbeiten, die eine Fundgrube von erzählendem, belehrende, volkskundlichem Gut erschließen. Grimmelshausen ist hier der vorbildliche Volksschriftsteller, der echte Vorläufer Hebels. In dialogischer Form plaudert er vom Kalenderwesen, von Feldbau, Welter- und Gesundheitsregeln und Volksweisheit, und verbreitet sich ausführlich über Astrologie und Horo fkopie, er berichtet eine Menge wunderwürdiger Begebenheiten, kleine Erzählungen, deren Stoffe der Weltliteratur angehören, lustige Anekdoten von Simplicifsimus und feinen Kumpanen: kurz, er zeigt sich überall als echten Dolksmann und Humoristen, dem zuzeiten der Schalk lose im Racken sitzt. Ganz neu sind auch die herzhaften Gespräche und die vielen köstlichen kleinen Geschichten aus den Jahren kalendern, die erst jetzt aufgefunden morden sind. 39 — Otto Hauser: Rassebilder. Verlag Georg Westermann, Braunschweig und Hamburg. 1925. — Rassenknnde als Wissenschaft ist erst das Ergebnis der Forschungen der letzten Jahre, wo die schon früher intuitiv erfaßten Wahrheiten unter der Sonde eraft wissenschaftlicher Forschung Erhär- tung und Bestätigung gefunden haben. Zu den Männern, die wertvolle Arbeit auf diesem so verworrenen Gebiet geleistet haben, gehört unstreitig der Wiener Gelehrte Otto Hauser. Er gibt in seinen letzthin erschienenen „Rassebildern" eine begrüßenswerte Ergänzung zu seinem Hauptwerk über die „Rassenlehre". Um die Fülle des Stoffes zu meistern, beschränkt sich Hauser auf acht Gruppen, und an der Hand von 160 Bildtafeln, die eine Fülle überzeugender Bildnisse und Kunstwerke, meist berühmter Männer und Frauen, bringen, erläutert er die Hauptmerkmale der menschlichen Grundtypen und sucht hier zum erstenmal die Stufenfolge der einzelnen Mischungen aufzuzeigen. Das Buch gibt eine anschauliche Anleitung zur näheren Betrachtung des eioenen Wesens, da ja durch die Rasse, durch die Mischung des Blutes, fast alle Lebensäußerungen d»s einzelnen bedingt sind und ist weiterhin ein Wegbereiter zur Menschenkenntnis überhaupt. 38 DIE ZUVERLÄSSIGSTE BREMSE!M GEBIRGE »! O in ^eT,< ?’<* ^nbt[ E'ch toct SÄ A«.^rr. 50 O! ®t 'itt^ieoo krisle igz Küren M N 38.75 ectbfen 'n «M»* -S Z M. -> rr ii, b? A ^*n *u «»reife. Z8 KK 50 *■> h™ Wbatbtr »t W'Mirta -ib'&M"'” R,,)U- *9an|e 70 bi, 7"'°« iä L V»Ä Lau» 5 He 6f$ 1,00 $i?f. jn 9ltotu unb hiHoie Ajjöre an? eisal'Mlioihk, njr 6er|d)lunqfn, e>t ö« auifle^enben $uohejiürftfn. Jer l6m "lich man^trfri pcn unb Wmingen ®anU ist dmchweb! 'Glischen j)tllirreh. rn dürfte. iy Stoig währen 1 o«5 dem jährlichen il vielen Silbern ge- Jnift gegeben durch UM. Aerlag^M. ler Band von Trim- Büchern erfcheiiren fülle seine Kalender- on erzählendem, be- 1 tr|d)lkken. Trim- t,e Bolksschrjftsteller, i dialogischer ssorm von ßilbbau, L'ci Äo/Kwe/sM unb uologie unb Sjoro inderwürdiger Lederen Ächr der r Aneidvtrn von lantn; turj, er zeig! m und hvinoristen, n Carlen sitzt. San, Gespräche und die len aus den 3ahrer- den worden sind. 39 sebilder. Brrlog Dtiq und Hamburg cnschast ist erst da» ■ kiiien ssahre, wo n Wabrheilen unter >r joridjnng Erhör- >n haben. Zu den aus diesem so Dir- n, gehvrl unstreilm -r Er aibl in seinen m° eine begrüfeene- hauptwerk über die Stosser zu meistern, I Gruppen, unb an die eine M über- oerte, meist beruhm- ot. erläutert er d' ,n Tnindtypen und Stufenfolge der e>m Das Buch pibi »d« ren Betrachtung A iHaffe. durch die ' Lebensöuherunpen ) ist weiterhin überhaupt- J* Das lachende Haus. Ütoman von Sophie Ä l o e r 6. U. Fortsetzung. Nachdruck verboten. ttlfo wirklich, dachte Ille. Unsere Kleine. Unser Kind. — Irgend etwas war dabei, das verursachte ihr Unbehagen, aber sie untersuchte e» lieber nicht genauer. Na, Muttis wenigstens würde sich freuen. Mit energischem Ruck roarf sie sich so, daß sie dem Hellen Fenster abgekehrt lag. Rose aber, tief getroffen von der schwesterlichen Frage, starrte immer noch mit offenen Augen in die Helle Nacht. Es rifpelte leise in den Blättern, ein Bogel piepte im Schlaf, allerlei Nachtgetier huschte durch die Zweige — — Roses Augen wurden kleiner. Plötzlich ritz sie sie wieder weit auf. Was war bad’ Em Gespenst! Gerade vor dem Fenster! Ganz l.uitloa tauchte es auf, weiß, luftig, flatternd, winkte, sich hin und her schwingend, mit den Armen-- Ille' Ille! Ein Gespenst!" Die Stimme blieb ihr saft im Halse stecken. Pa—was — Geso--* Heraus war Ille aus t ..i Bett: vergebens yaschte Rose nach ihrem 9lad)t- li. ih - — drüben am Fenster stand sie, griff hin- - hatte das weihe Ding gefaßt, zog es herein in die Stube und war mit zwei Sätzen neben ber Schwester. „Also der Mensch! Also der Filou! — Der bot mein Kleid verschleppt." Dein Kleid?" Auf einer Bohnenstange ließ er es tanzen. — No du kannst so bleiben, Rose. Angst vor einem weißen Kleid, du Hafe!" ..Was ist da los?" fragte Thora halb aus dem Schlaf heraus. ..Ach nichts. Schlaf man weiter!" Und Ille legte bas Kleid auf einen Stuhl unb spürte dabei etwas Weiches, Kühles in der Hand--eine Rose, taufeucht. und mit der Rose zusammen am Kleid befestigt ein Zeltelchen. Ganz leije löste sie es, nahm es mit ins Bett und wartete, bis auch Rose schlief. Dann zündete sie Licht an und las: „Rosen im Garten, Rosen im Haus — Alles flammender Blust. Rosen und Lieder, ein wilder Strauß. Blüht auch mir in der Brust. läge so brennend und Nächte so weich. Alle, voll Schönheit unb Sana. Seliger Sommer, so stark und so reich. Wie mir noch keiner erklang." J^m!" Sie faltete das Blatt zusammen, schob es unter das Kissen und beschloß, Rose nichts da- von zu lagen. Als sie aber am andern Morgen Iven auf der Treppe begegnete, sagte sie kurz und kühl: „Die Serie sind an die falsche Adresse gekommen, Herr Lomsen. Uebrlgens haben Sie auch schon bessere gemacht." Er sah ihr nach und dachte, daß feine harmlosen Zeiten doch eigentlich keine Veranlagung zu solcher Abwehr gegeben. Aber die Mädchen! — Kenne sich einer mit denen aus. Frau Kallies hatte sich schwer geärgert. Frau Tierarzt Qualmann hatte wieder geklatscht. Daß sie die Rose Bunsen, das kleine harmlose Sing, mit dem Herrn von Brockdorf hätte gehen sehen. Und lein Rus sei doch wirtlich nicht |o — — „Wissen Sie, Frau Kallies, damals mit der Mamsell--" Aber Frau Kallies wußte gar nichts. Und außer- dem. wenn Mucki Bunsen mit einem Herrn gesehen wurde, war das jedenfalls eine Ehre für den Herrn, denn das wußte dis ganze Gegend, die Bunsen- mädchen--Unb es wäre wohl gut, wenn Frau Qualmann sich mit dem, was sie erzählte, etwas in acht nähme. „Wo ich nichts gesagt habe, als was ich selbst sah." Es kommt eben darauf an, wie so etwas erzählt wird. Sie jedenfalls ließe nichts auf Bunsens kommen. „0 Gott nee ich doch auch nicht. Ich sag' doch bloß so--Unb sie sind ja auch gut erzogen. Wundern muß man sich ja eigentlich, wo die Mutter so viel reist unb sie so allein im Hause sind! Da kann viel kommen und gehen. Aber bas glaubt ja keiner, baß bie--Es ist woll man Zufall gewesen, baß sie da den jungen Brockdors getroffen hat. — Gott, kann man ihm ja gar nicht verdenken, wenn er auch gern mal mit fo’n niedlichen Mädchen geht." Unb fing von etwas anderem an. Aber Frau Kallies, die sonst immer gleichmäßig still und freundlich war, reagierte heute sauer, und Frau Qualmann empfahl sich. Eins Stund« später ging Frau Kallies »um lachenden Haus. Nicht, um das Gift weiterzugeben, nur weil sie nun erst recht in reine Mädchenaugen sehen mußte. Himmel, war da ein Jubel! Und sie fielen über sie her und küßten sie und schrien alle auf einmal, sogar itrau Margrit versuchte ihre Tochter zu übertonen, bis sie sah. daß ihr das doch nicht aelang. Es wurde aber doch soviel klar, daß das große Los ins Haus gefallen war. Nicht gerade das aanz große Los. und behaupt mehr bildlich gefproajen, aber doch sechstausend Mark. Man stelle sich das vor! Aus einem Brett sechstausend Mark. Onkel Edwin. Vaters Onkel, der ein alter Hagestolz war, aber immer noch gut und gern zehn bis zwanzig Jahre leben konnte, der hatte aus Aerger über die Steuerbehörden, und um der Frau Nichte ein bißchen unter die Arme zu greifen, sich des Mammons entäußert. Später würbe bie Erbschaftssteuer ja doch alles auffressen, unb bann wollte er auch noch vergnügte Gesichter sehen, solange er lebte. Heute war ein Brief von ihm gekommen unb dazu ber Scheck auf bie Deutsche Bank In Hamburg. Ach, bie Plane, bie alle schon gemacht waren! Zuerst gab Mutter mal bie Reisekurse auf. Sie hatte immer drei Tage Migräne, wenn sie baoon »urückkam. Und dann wurde ein Gewächshaus gebaut für Frührofen. Unb Thora bekam ben Brutapparat für ihre Küken. Unb Rose kam für ben Winter nach Hamburg auf bie Kunstgewerbefchule, denn sie entwarf ja jetzt schon die schönsten Muster für Mutters Webereien, aber es war doch ganz anders. wenn die richtige Grundlage geschaffen wurde. Unb man konnte sich enblich bie notwendigsten Gebrauchsgegenstände anfchassen, mit denen es seit Jahren im argen lag. Unb ein Abonnement auf gute Bücher für den Winter. Unb bie Spargelbeete wurden umgelegt. Und Thora bekam eine Grude, die hielt die falte Küche den ganzen Winter warm. Unb-- „Es sind wohl 60 000?" fragte Frau Kallies. „Ja, nach euren Plänen zu urteilen!" „Aber bebenf doch, Tante Kallies, es fall ja nicht alles auf einmal fein. Und bann--wir werden fo viel mehr verdienen. Thora mit dem Garten und dem Federvieh und Ille mit den Blumen. Unb Mucki, wenn bie da ausgebildet ist — — Kunstgewerb lerinntn bekommen schrecklich viel bezahlt." ..Wollen', hoffen", sagte Frau Kallies trocken. Frau Margot sah sie unsicher an. „Mir wachsen sie heute ganz und gar über den Kopf. Ich kann mahnen, foulet ich will, sie hören gar nicht. Und will ich rechnen, sagen sie: .Bloß heute nicht. Laß doch die alten Zahlen, die sind ganz nutzlos.' — Dann ein heller Glanz in ihren Zügen: „Tante Kallies, ütj kann cs auch brauchen, daß mal ein bißchen Sorgtofigkeit kommt. Es war in ben letzten Iohren manchmal gar nicht schön." Da sage mal einer etwas. Lange würbe es ja nicht währen, aber mochten sie sich boch mit ihren 6000 als Krösusse fühlen! Frau Lehrer Kallies, ber bies Jungvolk tief in das Herz gewachsen war, ging nach Hause, immer mit dem gleichen guten Lächeln im Gesicht, und sagte zu ihrem Mann: „Es tut so gut, einmal recht glückliche Menschen zu sehen, Paul. Wenn ich das Schicksal wäre, ich leistete mir die» Vergnügen öfters." „Das Schicksal ist eine alte, mißgünstige Dame", antwortete der Lehrer. „Das meint, es hat was getan, wenn er auf zwei Eimer Essig einen Löste! Ziickerwasier tut Du sollst sehen, es läßt ben Bunsens dies große Glück auch nicht allzu lange. Am besten, man freut sich nur ganz in der Stille, bah es solche Freube gar nicht merkt." Damit ging er in ben Garten, horchte auf bas Summen feiner Bienen, trank ben starken Duft ber blühenden Linden ganz in sich ein und sammelte Raupen vom Frühkohl. Das waren feine kleinen Lebensfreuden. Er war ein alter kluger Mann, ber Lehrer Kallies. Er kannte das Schicksal. Es kam so, wie er gesagt. Seltsam. Sie waren immer guter Laune gewesen, trotz ihrer vielen kleinen Bedrückungen, — letzt mit einemal war bald bie eine, halb bie andre unwirsch. Frau Margrit nicht ausgenommen. Sie mußte doch rechnen, wenn sie es auch gar nicht mochte. Die ersten acht Tag« hatte sie den Töchtern nach- gegeben. Es war so herrlich, einmal geben, einmal gewähren zu können. Pläne zu machen, die nicht in der Lust schwebten, aufatmen zu können. (Fortsetzung folgt.) <122 D »bbbbbb bbbbbbbbbbbbtbb bbbbbb. 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