Nr. 56 Erster Blatt 176. Jahrgang Montag. 8. Marz 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle. MoaatL-vezngrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger: lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fcrnsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Der» lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sichen. Postscheckkonto: Krauls urt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Brühl'sche Univerfitätr Buch- und Sleindruckerei R. Lange in Sieben. Schkiftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Klameanzcigen von 70 min Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Berantwortlich fürPolittk Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen. „Fürstenabfindung". In der Frage der „Fürstenabfindung" haben wir uns bislang bewußt damit begnügt, durch eine juristische Autorität wie den Lehrer des Staatsrechts unserer Nachbaruniversität Marburg, Professor Dr. Beredt, die rechtlichen un6 technischen Seiten des von den Sozialdemokraten und Kommunisten geforderten Volksbegehrens auf entschädigungslose Enteignung der Fürsten darstellen zu lassen, weil unserer Ansicht nach dieser ganze Enteignungsrummel von den Kommunisten zu dein Zwecke inszeniert ist, dein weniger radikalen Bruder einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Die Sozialdemokratie konnte sich natürlich auf Grund ihres schon fast in Vergessenheit geratenen Parteiprogramms nicht von der Teilnahme am Volksbegehren ausschliehen, sie hat aber bald ein Haar in der Suppe gefunden, denn in dem Buhlen um die Gunst der Masse ist der radikalere Bewerber mit seiner hemmungslosen Agitation schon von jeher im Vorteil gewesen. Letzten Endes kam es den .Kommunisten ja auch weniger auf das Enteignungsgesetz selbst an, als auf einen großzügigen W e r b e f e l d- z u g für ihre Partei, natürlich auf Kosten der Sozialdemokraten. Kein Wunder, daß die Ultraroten in ihrer Propaganda sehr schnell den gemeinsamen Boden verließen und Enteignung der Kirchen und schließlich auch Abschaffungdes Privateigentums verlangten, eine Forderung, von der sie wußten, daß die Sozialdemokraten sie nicht mitmachen konnten. In der sozialistischen Presse wurde daher auch die Propaganda für das Volksbegehren nur sehr lau betrieben, sind es doch allermeist sozialistische Minister gewesen, die die Vergleiche mit den ehemals regierenden Fürstenhäusern abgeschlossen haben, gegen die man jetzt notgedrungen mit Sturm laufen muß. Man mußte mehr Mühe darauf verwenden, die maßlosen Forderungen der kommunistischen Mitkämpfer in gemäßigtere Bahnen zu lenken und die scharfen Angriffe der kommunistischen Agitation gegen den sozialdemokratischen „Bourgeois" abzu- wehren. Trotzdem sich also das ganze Volksbegehren in Wahrheit als ein Wettlauf von Sozialdemokraten und Kommunisten um die Masse ihrer Parteigänger darstellt, bestand die Gefahr, daß die linksradikale Agitation mit billigen Schlagworten auch in bürgerliche Kreise Unruhe und Verwirrung hinaustrug und hier Stimmen für eine Aktion einfing, die man als den ersten Schritt zur Abkehr von der bestehenden bürgerlich ° individualistischen Gesellschaftsordnung bezeichnen muh. Durch das nunmehr zwischen der Reichsregierung und den Regierungsparteien einschließlich der Demokraten und der Wirtschaftlichen Vereinigung zustandegekommene Kompromiß, dessen Grundzüge in einer amtlichen Verlautbarung nn anderer Stelle mitgeteilt sind, ist die Gefahr einer Absplitterung bürgerlicher Stimmen zugunsten des sozialistisch-kommunistischen Volksbegehrens vermieden. Der Gesetzentwurf stellt schon in seinem Titel klar heraus, daß die radikale Agitation für das Volksbegehren unter völlig falscher Flagge segelt, wenn sie von einer „Fürstenabfindung" spricht. Von einer Abfindung kann keine Rede fein, da auch den Fürsten wie allen anderen Bürgern des Deutschen Reiches das Recht auf ihr unzweifelhaftes Privateigentum verfassungsmäßig gewährleistet ist. Es handelt sich vielmehr um eine Auseinandersetzung der Länder mit den ehemals regierenden Fürstenhäusern über den Teil ihres Vermögens, der von ihnen kraft ihrer souveränen Stellung, also in ihrer Eigen- schaft als Regenten des Landes erworben wurde oder der nicht mit Sicherheit als ihr Privateigentum zu erkennen ist. Ein Rcichssonderge- r i ch t unter dem Vorsitz des höchsten deutschen Richters, des Reichsgerichtspräsidenten Dr. Simons, und unter Mitwirkung von vier Berufsrichtern und vier Laienrichtern, sämtlich vom Reichspräsidenten ernannt, wird alle strittigen Fälle vor sein Forum ziehen. Es ist also in weitestem Maße Gewähr dafür geboten, daß nicht auf Grund einseitig juristischer Beurteilung ohne Rücksicht auf die Interessen des Staates den Füfttenhäusern Vermögensteile ausgeliefert werden, die nationales Volksgut sind, ober ihnen Zuwendungen gemacht werden, die auf die allgemeine Verarmung des deutschen Volkes keine Rücksicht nehmen. Im Gegenteil wird eine objektive Beurteilung der Entwurfs die Möglichkeit schwerer Härten gegen die Fürsten nicht ausschließen, so z. B. wenn der Entwurf bestimmt, daß auch aus dem unzweifelhaften Privateigentum der Fürsten alles das herausgenommen werden kann, was der Staat aus kulturellen, volkswirtschaftlichen und gesundheitlichen Erwägungen der öffentlichen Hand zuführen will, wobei sich die Entschädigung danach richtet, ob der enteignete Gegenstand dem Lande finanziellen Nutzen verschafft. Hier greift der Entwurf offenbar in bas verfassungsmäßig gewährleistete Privateigentum ein. Gerade dieser, uns recht bedenklich erscheinende Punkt beweist anderseits aber allen noch Zweifelnden, in wie weitgehendem Maße der Kompromißentwurf die Interessen des Volkes wahrnimmt. Für bas f o z i a l i st i s ch - k o m m n n i st i s ch e V o l k s- begehren ift also heute kein Raum m e h r. Keiner, der auf dem Boden des Staates und der bürgerlichen Gesellschaftsordnung steht, keiner, der das Recht auf Privateigentum anerkennt, und vermeiden will, daß man morgen i h m antut, was man heute den Fürsten zurnutet, nämlich ent- schädignngslose Enteignung seines rechtlich erworbenen Vermögens, darf dem Volksbegehren seine Unterstützung geben. Das ist diesmal leichter als bei jeder anderen politischen Aktion. Man bleibt einfach zu Hause und bekundet damit, daß man sich von dem kommunistischen Phrasenschwall nicht zu einer Aktion einfangen läßt, die sich morgen gegen jeden richten kann, der etwas fein Eigen nennt ober daraufhin arbeitet, selbst einmal etwas zu besitzen. ■ Ist es wirklich nur der reine Zufall, daß, derselbe Briand, der in Cannes von Poin- eure gestürzt wurde, als er den ersten 'Versuch machte, Europa aus den kriegerischen Wirren her- auszuführen, jetzt amDorabcuddesTages gestürzt wird, wo mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund das neue Europa gewissermaßen gegründet werden soll? Wer will, kann sich die Konstruktion sehr einfach machen. Er kann sich sagen, daß (Brianb, dieser alte Taktiker, dieser mit allen Wassern gewaschene Parlamentarier, seine Kammer kannte und wenn er nur wollte, einem Konflikt aus dem Wege gehen konnte, wenigstens solange, bis das Werk von Genf beendet war. Daß er das nicht tat, läßt auf bestimmte Gründe schließen, aus denen heraus er ungern nach Genf ging. Vielleicht, weil er sich außer Lage sah, das den Polen gegebene Wort einzulösen, vielleicht auch, weil er glaubte, daß er als gestürzter Ministerpräsident von den Engländern größere Zionzessionen erreichen kann, wenn er ihnen damit droht, daß nach ihm ein england-feindliches Kabinett in Paris ans Ruder kommt. Ein solcher Zusammenhang wäre denkbar, er wäre auch wahrscheinlich, toenn nicht in der Kammer die Dinge in den letzten QKonaten eine Entwicklung genommen hätten, aus denen sich ergeben muß, daß auch der französische Par^ lamentarismus Kirchturm-Politik treibt und im Interesse der Steuerzahler jegliche poli- ttsche üeberlegung vergißt. Herr Briand hat das Programm aufgestellt, daß er die französischen Finanzen saniert. Grundsätzlich ist in Frankreich jedermann damit einverstanden, denn der deutliche Wink, der vom Auslande her in regelmäßigen Abständen durch weiteres Abrutschen des Franken erfolgt, ist eigentlich kaum mihzuverstehen. Aber auch die Franzosen suchen das Geheimiris, aus den Schwierigkeiten herauszulommen, ohne sich irgendwie wehe zu tun. Daher der starke Verbrauch an Finanzmimstern, der sogar deutsche Verhältnisse noch weit übersteigt. Herr Vriand hat sich um diese inneren Vorgänge bisher nicht allzusehr gekümmert. Er war ganz arcßenpolittsch eingestellt und glaubte, daß, wenn er sich int entsch-eidenjden Augenblick dahintersehen würde, fein Ansehen groß genug sei, um eine Finanzvorlage irgendeiner Gestalt durch die Volksvertretung hindurch zu peitschen. Das ist der große Irrtum, dem er erlegen ist. Die Kammer hat Angst gehabt vor der A n Popularität. Sie hat deshalb um jeden Pfennig bei der Tabaksteuer gefeilscht und in der entscheidenden Sitzung hat die Belastung des elsässischen Kirschschnapses vorher schon eine große Volle gespielt. Dis man dann schließlich zur Zahlungssteuer kam, eine Art umgestalteter Amsahsteuer, die das Kernstück der ganzen Fi- nanzreform fein sollte. Die Sozialisten Hattens es in der Hand, die Entscheidung wenigstens zu vertagen, bis Driand aus Genf zurückkam. Sie haben Hand in Hand mit der äußersten Rechten die Regierung niedergestimmt, und dadurch Driand in die Minderheit gesetzt, obwohl er drohte, daß er mit einem solchen Parlament wie diesem im Rücken, nicht nach Genf gehen würde. Die Drohung macht er freilich nur halb und halb wahr. Er geht als geschäftsführender Außenminister zu der „kleinen Konferenz von Locarno" am Sonntag, öie ja als Auftakt der Völlerbundsversarnmlung gedacht war, kehrt bann aber sofort nach Paris zurück, um_ die Regierungsgeschäfte zu übernehmen, während er die Vertretung Frankreichs im Völkerbund dem zweiten Delegierten, Paul Doncour, überläßt. Wieweit das seine Schatten auf die Genfer Verhandlungen werfen wird, läßt sich vorläufig nicht übersehen. Der Ausfall des französischen Einflusses bedeutet unter Umständen eine Verschiebung des Schwergewichts, toenn eben nicht hinter den Kulissen Driand mit der Drohung eines england-feindlichen Kurses doch noch auf Chamberlain im entgegengesetzten Sinne ein- zuwirken sucht. Sehr viel stärker aber noch sind die Folgen für Frankreich selbst; einmal deshalb, weil die Finanzreform vorläufig gescheitert ist. Das muß sich an den Börsen erneut durch ein starkes Sinken des Franken bemerkbar machen. Zum andern auch deshalb, weil diese Regierungskrise tatsächlich auch eine Paria- mentskrise bedeutet. Auch die französische Kammer, die doch auf eine sehr viel längere Tradition zurückblickt, hat sich als arbeitsunfähig erwiesen. Sie hat gezeigt, daß sie in dem Kampf zwischen nationalen und parteipolitischen Interessen versagt. Eine andere Mehrheitsbildung ist kaum möglich. Eine Auflösung der. Kammer, die es in Frankreich bisher noch nicht gegeben hat, die also allein deswegen schon eine Art Staatsstreik sein würde, wird wenig nützen, weil der Appell an die Wähler in der Stunde, wo sie zahlen sollen, versagen muß. Bliebe also eine Art Ermächtigungsgesetz, mit dem auch wir über den toten Punkt tzinweggekommen sind. Aber auch da soll sich erst eine Mehrheit finden, die es annimmt. Das Ergebnis des Sturzes Briand ist also innen- und außenpolitisch ein Fragezeichen. ' Wie uns unser PariserW. S. - Korre- s p o n d e n t drahtet, rechnet man in maßgebenden politischen und parlamentarischen Kreisen mit einer langen und sehr schwierigen Krisis, die sehr wohl zur Auflösung der Kammer führen kann. Vor Montag mittag kann überhaupt Briands Sturz. keinerlei neue Wendung der Dinge erwartet werden. Denn erst Montag vormittag kehren Briand aus Genf und Präsident D o u » niergue aus Lyon zurück. Doumergue wird erst dann verfassungsgemäß mit seinen Beratungen mit den Präsidenten der Kammer und des Senats beginnen können. Ein Rame wird als der aussichtsreichste heute vielfach genannt: dc M vnzi e. Ein Kabinett de Monzie erscheint nicht unmöglich. Cs erscheint wenigstens von vornherein nicht ganz so hoftnungslos wie ein Kabinett C a i 11 a u r, von dem man zuerst sprach. Eaillaux hätte sich unmöglich mit den Radikalen verständigen können. De Moirzie erscheint hierfür geeigneter, denn er ist viel geschmeidiger als Caillaux. Ob aber überhaupt eine Kombination de Monzie lebensfähig werden kann, dürften die näachsten Tage lehren. Das „Journal" dagegen will in den Wandelgängen des Senats festgestellt haben, daß der Rame P o i ix c a r c mit eigenartiger Beharrlichkeit genannt worden fei. Einige Politiker setzten sich für ein Ministerium PoincarH ein, dem Briand und H e r r i o t angehvren würden. Auch die Möglichkeit eines Kabinetts H e r - riot wird von einer Reihe von Blättern ernsthaft in Erwägung gezogen. Beachtenswert ist in diesem Zusamnxenhang die Mitteilung der rechtsstehenden „Liberte" von einer angeblichen Wandlung Herriots dahin, daß dieser der Bildung eines Konzentrationskabinetts nicht abgeneigt sei. Im Falle einer Ablehnung müßte dann Leon Blum als Führer der zweitstärksten Linksgruppe mit der Kabinettsbildung, beauftragt werden. Davon hat aber Präsident Doumergue während der letzten Kabinettskrise nichts wissen wollen und sogar mit seiner Demission gedroht. Richts läßt darauf schließen, daß der Präsident der Republik seine Abneigung gegen die Sozialisten aufgegeben hat. Die Rechtsblätter beginnen in Anknüpfung an einen Antrag des Abgeordneten Taittinger eine inten1* sive Propaganda für eine Auflösung der K a m m c r. Der erste Tag in Genf. Die Ankunft der deutschen Delegation. Genf. 7. März. (TU.) Die deutsche Delegation hatte in Karlsruhe die Rachricht von dem Sturz Briands erhalten, gegen Mittag passierte der Zug die Schweizer Grenze. Am Badischen Bahnhof in Basel wurde die Delegation von Vertretern der Schweizer Kantoixal- regierung begrüßt, unter deren Führung der Reichskanzler mit einigen Herren seiner Begleitung eine kurze Fahrt durch die Stadt machte. Don Basel ab begleitete dec deutsche Gesandte in Bern, Dr. Adolf Müller, die Delegation. In Genf hatte sich zum Empfang der Delegation um 8.30 ilftr eine große Menschenmenge auf dem Hauptbahnhvf eingefunden. In der Chrenhalke drängten sich zahlreiche deutsche und ausländische Journalisten, sowie ein neugieriges Publikum. Offizielle Persönlichketten waren nicht erschienen. Der Zug lief mit einer Verspätung von 10 Minuten in die Halle ein. Reichskanzler D r. Luther und Reichsauhenmini- ster Dr. Stresemann entstiegen, gefolgt von den Staatssekretären von Schubert und K e m p n e r, Geheimrat Gaus und Ministerialdirektor Dr. Dietz als erste einem dem Zug angehängten Sonderwagen. Die Minister fuhren, nachoem sie zahlreichen Photographen standgehalten hatten, in einem Denzwagen in das Hotel „M e t r o p o 1“, das u. a. auch eine große deutsche Flagge trägt. Bald nach seiner Ankunft gab Reichskanz - (e r D r. Luther folgende Erklärung ab: „Ich freue mich, wieder einmal in Genf weilen zu tonnen, wo ich den Anfang meiner Studienzeit verbrachte, was zu meinen eindrucksvollsten Lebenserinnerungen gehört. Genf ist mir durch dieses persönliche Erlebnis stets in erster Linie als eines der geistigen Zentren Europas lebendig geblieben, politische Erklärungen werden sie heute abend von mir nicht erwarten. Den deutschen Standpunkt in den großen politischen Fragen, die hier in Genf zur Erörterung stehen, habe ich ja erst vor wenigen Tagen in meiner Hamburger Rede zum Ausdruck gebracht. Er ist gekennzeichnet durch den Leitgedanken, daß für Deutschland, von dem Augenblick seines Eintrittes in den Völkerbundsrat, in gemeinsamer Arbeit die großen Ziele des Bundes und das Interesse seiner Mitglieder maßgebend sein wird. Ich hoffe zuversichtlich, daß die kommende Tagung in diesem Sinne erfolgreich verlaufen wird. Die erste Besprechung. Eine Konferenz der Locarnomächtc bei Chamberlain. .Genf, 7. TRärz. CSU.) Der heutige Sonntag vormittag war dem Austausch von Höflichkeitsbesuchen gewidmet. Die einzelnen Delegationen übersandten sich ihre Karten. Auch eine Reihe von kleinen Besprechungen fand bereits statt. Reichskanzler Dr. Luther und Dr. Strefemann unternahmen einen längeren Dormittagsspaziergang. Um 11,30 Uhr traf Briand im Hotel Deaurivage ein, wo er Chamberlain einen Besuch abstattete, der etwa l*/4 Stunden dauerte. Beim Verlassen des Hotels erllärte Driand, daß er bereits heute abend aus Genf abreisen müsse, um am Montag früh rechtzeitig in Paris zu den Verhandlungen über die Reubildung des Kabinetts einzutreffen. Sonntag nachmittag um 3 Uhr findet im Hotel Beaurivage die mit Spannung erwartete Zusammenkunft der Locarnomächte statt, an der sich der Reichskanzler Dr. Luther und Dr. Stresemann, Chamberlain, Briand und Dandervelde beteiligten. Außer ihnen war nur Professor Ai s - narb, der frühere Pressechef der französischen Botschaft in Berlin anwesend, der gleichzeitig als Dolmetscher fungierte. Ueber die Besprechung wurde das folgende gemeinsam vereinbarte Kommunique ausgegeben: „Die Vertreter der Staaten, die sich in Locarno juni Abschluß des Rheinlandpakts vereinigten, haben sich zum Austausch ihrer Meinungen über die schwebenden Fragen in Gens verabredet. Sie haben sich in einer Unterredung zusammen- 1 gesunden, in deren Verlauf sic mühelos die gegenseitige Situation aufklärten. Auf diesen ersten Gedankenaustausch soll in einer weiteren Sitzung eine zweite Unterhaltung folgen.“ Die Besprechungen, dxe um 3 Uhr nachmittags begannen, bauerten annähernd vier Stunden. Das Hotel ^B:au Rivage", in dem die englische Delegation wohnt, war während der Dauer der Konferenz von einer großen Anzahl Journalisten, Photographen unb Reugierigen belagert, die die Delegierten beim Verlassen des Hotels mit Fragen bestürmten. Trotz der Schweigsamkeit der Staatsmänner will der Vertreter der Tel. Union soviel sagen können, daß die ganze Zeit'der vierstündigen Verhandlungen angefüllt war mit einer Diskufsivn über die Kernfrage des Problems, das sich jetzt angesichts des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund herausgebildet hat. Don feite i der alliierten Mächte wurde der Standpunkt bargelegt, der fic veranlaßt, ihre Anschauungen über die Möglichkeit einer Ra ts erw ei t er u n g in der gegen- wärtigenaußeror deutlichen Session für richtig zu erachten. von deutscher Seite wurde demgegenüber mit voller Entschiedenheit der Standpunkt oertrelen, der durch die einmütige Kundgebung des deutschen Rcichskabinetts feftqelegt und feinen Ausdruck in der Hamburger Rede des Reichskanzlers gefunden hat. An diesem Standpunkt hält die deutsche Delegation fest. Irgendwelche Perspektiven für die Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit einer Lösung zu eröffnen wäre verfehlt. Die Verhandlungen sind in außerordentlich sachlicher Weise geführt worden. Auf beiden Setten war der unbedingte Wille zu verspüren, daß gerade die Möglichkeiten, die in Locarno beim Abschluß des Rheinpaktes zusammengewirkt haben, bei der Lösung der außerordentlichen Schwierigkeiten nich! versagen dürfen. Die Lösung selbst muß natürlich der Dölkerbund finden. Es ist auch anzunehmen, daß von allen Seiten der mit Deutschland verhandelnden Mächte eine Fühlungnahme mit den ihnen nahestehenden oder mit denjenigen Gruppen erfolgt, von denen sie glauben, auf ihre Hilfe bei der Erlangung von Ratssihen vertrauen zu können. Es hat sich das eine gezeigt, daß das Verlassen des Grundsatzes, daß nur Großmächte einen ständigen Ratsfitz beanspruchen können, zahlreichen Ansprüchen Tor und Tür öffnet, sodaß die Situation sich gegenüber der Zeit, in der von den Ansprüchen dreier Mächte die Rede war, bereits verändert hat. Es wollen noch andere Mächte mit Ansprüchen hervortreten für den Fall, daß überhaupt eine Veränderung des Dölkerbunbsrctts in dieser Session stattfindet. Das Arbeitsprogramm. Genf, 8. März. (TU.) Montag vormittag tritt der Dölkerbundsrat zusammen. Es darf angenommen werden, daß in dieser geheimen Ratssitzung über die Verhandlungen des Sonntags von einem der Beteiligten Bericht erstattet werden wird. Nachmittags um 3 Uhr wird im Reformationssaal die Vollversammlung durch den Ratsvorsitzenden, den japanischen Botschafter in Paris Vicomte Ifhil, eröffnet werden. Die Versammlung wird hierauf zur Wahl des Präsidenten schreiten und die Kommission wählen, die die Frage des deutschen Eintritts in den Völkerbund prü'en soll. 2lus der juristischen und politischen 5tom- mission des Völkerbundes wird eine gemischte Kommission gebildet werden, die ihrerseits eine Unter- kommission mit der Prüfung des gesamten Fragenkomplexes unter Anhörung des deutschen Vertreters beantragen wird. Die Arbeiten der gemischten Kommission und ihrer Unterkommission werden einen rein formalen Charakter tragen. Die Frage der Wahl des Präsidenten der Vollversammlung scheint nach allem, was man hört, gelöst zu sein. Man rechnet damit, daß der dänische Gesandte in Berlin, Zahle, zum Vorsitzenden gewählt werden wird. Kammer Herr Zahle, der ein Bruder des früheren dänischen Ministerpräsidenten ist, genießt in Dölker- bundkreisen ein besonderes Ansehen. Er war bereits im Winter 1924 25 Vorsitzender der Opiumkonferenz. E ? । $■ jj: V’ V Schiffe H IO 1! CS Wir t -rutsch treten I Sat.W trimTl M.v W< sMche wird I Ossch 5f einen! regiere Einspr ren s wird. Ri dies. ! für r begeht ansPräche der früheren Hosbedien- st e t e n aufzubringeii ist. (Sn Preußen beträgt dieser Betrag gegenwärtig jährlich 2 Millionen Mark.) Der Rest. der alsdann in dieser dritten Teilungsmasse verbleibt, wird nach Öen ® r un b = sätzenderBilligteitausgeteilt. Wenn sich dabei ergibt, daß bei dieser Beteiligung in vielen Fällen die Fürsten nur ganz geringfügige Gegenstände erhalten, dann kann den Mitgliedern der fürstlichen Familien, die sich a m Leben befinden, nicht aber ihren Nachkommen, eine angemessene Bente gewährt werden. wie etwa Theater, Schlösser, Parks, Museen, Bibliotheten. Bildergalerien (in Preußen wurde bisher in diesem Falle immer zugunsten der Fürsten entschieden». Nur wenn diese Einrichtungen der Besichtigung und Benutzung e r ft nach dem Fahre 1918 freigegeben wurden, findet eine Entschädigung statt, aber nur dann, wenn der Staat aus der Freigabe dieser Einrichtungen oder Bermögensgegenstände einen finanziellen Ueberschuh erzielt. Außerdem wird aus diesem Fonds dem Lande vorweg der Betrag zugewissen, der für die Pensions° er früheren Hofbedie n - Zu U Saq Sm übrigen ist in dem neuen Kompromiß» entwurf festgetegll daß die Aufwertung der Ansprüche d--r Fürsten nach den allgemeinen für die Aufwertung geltenden gesetzlichen Bestimmungen erfolgt. Sämtliche Zivil-Listen. Kronfideitommihrcnten usw. fallen ausnahmslos weg. Unverändert aufrecht erhalten ist im übrigen die Bestimmung, daß die an die ehemaligen Fürstenfamilien gewährten Kapitalbezüge nicht für politische Zwecke verwendet werden dürfen. Was die Frage der Rückwirkung anlangt. so fallen in dieser Auseumndersetzung alle Objekte, die gegenwärtig noch zwischen einem Land und den Fürstenfamilien stritt r g sind. Wenn ein G es amtv erf ahren zwr- = scheu einem Lande und der betreffenden Fürstenfamilie noch nicht erledigt ist, dann fallen! auch die Gegenstücke hierunter. Über bie durch Urteil oder Bergleich bereits rechtskräftig entschieden ist. Diese Gegenstände können zur Befriedigung der Hauptfamilie verwendet werden, auch 'wenn sie einer Nebenlinie bereits zuge- sprochcn worden sind. Sie können auch vom Staat gemäß den vorübergehenden Bestimmwigen über privates oder strittiges Eigentum in Anspruch genommen werden. Das Gericht bat aber vorweg ans Antrag ein solches XlvteU zu faffte» r c n, wenn es im Widerspruch mit den stellenden Bestimmungen über die Abfindung steht. Sn einem solchen Falle, aber auch nur d n un, muß die Entscheidung des Reichssondergerichts mit Zweidrittelmehrheit erfolgen. Bon einer rückwirkenden K rast auf die bereits erledigten Auseinandersetzungen wird auch im neuen Entwurf abgesehen. Daher können als erledigt gelten die Ausritt.indersehungrn in Baden, Sachsen, Braunschweig, Anhalt und Bayern. Anfechtungen von bereits geschlossenen Dergleichen liegen zur Zeit vor in Hessen und in Lippe--Detmald. Auslegungsstreitigksiten beschäftigen die Gerichte in Oldenburg, Schaumburg-Lippe und Meck- lendurg-Stvelitz. Sn einem Teil dieser Staaten wie auch' in Mecrlendurg-SÄwerin, Württemberg und Waldeck liegen AufWertungsstreitigkeiten vor. Noch nicht erledigt in ihrer Gesamtheit ist die Auseinandersetzungs* frage in Preußen und Thüringen, wo es sich um acht frühere Staaten handelt. Diese Streitfälle werden in ihrer Gesamtheit unter dos Neichssondergericht fallen. Die Deutschnalionalen gegen den Kompromitzentwurs» Berlin, 7. Marz. (TU.) Bon maßgebender dsutschnationaler Seite wird deni ,Twkalanzeiger mitgeteili, daß die gestern veröffentlichten Kompromißvorschläge dxr Regierungsparteien für tue Auseinandersetzung über das Fürsteneigentum und bie fürstlichen Vermögen mit deulschnationalen Grundsätzen unvereinbar und vom rechtlichen Standpunkt aus unannehmbar seien. Paris. Sn diesen Kreis der führenden Persönlichkeiten des Bundes tritt nunmehr der d e u t f ch e A uße >i- Minister, der in dieser Tagung Gelegenheit hat, fein Studium der Körperschaft zu beginnen, in der Deutschland nunmehr praktisch Mitarbeiten soll. Sein Eintritt stellt die bisher bedeutungsvollste Etappe auf dem Wege zur Universalität des' Bundes dar und das Mittel zur endgültigen Ausarbeitung der Regeln, die für die Erweiterung des Rates zu gelten haben werden und darum für das Verdick! ms zwischen Rat und Versammlung von größter grundsätzlicher Wichtigkeit sind. Po'iw. Warschau, 6. März. Der polnische Senat hat die Locarnover- trage, sozusagen im letzten Augenblick vor der Genfer Konferenz ratifiziert, nachdem der Landtag 24 Sturmen zuvor das (Sl'.iche getan hatte. Graf Strzynsk i hat bei diesen Gelegenheiten gesprochen. Aber seine große Rede über Locarno und die Ratssitze mit dem tönenden, auf Beifall berechneten Schlußpassus, daß Polen mit seinem Worte keinen Schacher treibe, fand im Sejm eine mehr als kühle Aufnahme. Mit Ausnahme einiger Abgcord neleii der bäuerlichen Volkspartei, die schüchtern Beifall spendeten, rührte sich auf den dickt besetz ton Bänken der Regierungsparteien keine Hand für den erwählten Ministerpräsidenten und Außen- Bürgerliche Einheitsfront gegen das Volksbegehren. Zustimmung der Demokraten zum Komprsmih. «lf # -henl ÄS al MM Ms- und r boote Ditos franzv K* den nur n üM lchnt, L?r zti entfiel« beite teinen tie gu milj ^.-utsct u mge lcßisch zu Z laoös ncösett r» DirtMt -Ser vÄak wahren täuschte auf l der i«u hi eätor f m den wieder Minister. Polen ist eben kein pazifistisches, sondern ein durch und durch militari st isches Land. Deshalb hat der schon sv oft beschworene Geist von Locarno in Polen am wenigsten Gläubige gefunden. Deshalb muß man auch der Gazeta War- schawska recht geben, wenn sie in der Kritik zur Rede Skrzynskis schreibt, „daß in Polen nur Wenigs den Enthusiasmus des gegenwärtigen Leiters der polnischen Außenpolitik und seinen tiefen Glauben an die pazifistischen Experimente teilen. Graf Skrzynski — so fährt das Blatt fort — hat gestern behauptet, daß die Pakte von Locarno kein ideales Snftrumcnt find, die den Frieden mit Sicherheit gewährleisten. Auch er sieht, daß die Verträge von Locarno mit Leichtigkeit den Krieg garantieren können, wenn ihr Buchstabe und ihr Paragraph die harte Wirklichkeit überdeckt und wenn der Geist von Locarno den Geist von Versailles aus Europa vertreibt." — Bedarf es noch einer klareren Formulierung des polnischen Ungeistes? Und der Exponent solchen Denkens — denn Graf Skrzynski wird nicht ewig Außenminister bleiben — soll also einen ständigen vitz im Völkerbundsrat erhalten? Weiter muh der Satz in der Rede Skrzynskis Erstaunen erregen, daß Polen nicht in den Völker- bunds.ot eirtreten wolle, um sich der Bürger anderer Länder anzmiehmen, um Regierungen freier Städte in die 5)and zu bekommen, oder um sich um Kolonialmandate zu bemühen. Dies soll wohl, eine witzige Bosheit an die Adresse Dr. Stresemanns sein, und sehr gut ist sie nicht aufgefallen, da die einzige noch frei bestehende Stadt, nämlich Danzig, von Engländern und einem.Italiener regiert wird, und neuestens von einem Holländer regiert wird, um bei dieser gänzlich unpassenden Terminologie Skrzynski zn verharren. Ebenso steht as mit den äußerlich sind oder nicht und ob, her Gegenstand dem Lande finanziellen Nutzen verschafft. Zum dritten Teile der Dermögensmasse gehören alle Objekte, die sich nicht mit Sicherheit oder nur nach langwierigen Beweisen in den ersten oder zweiten Teil eingliedern lassen. Hier hat der Staat vorweg ernen freie« entschädigungslosen Zugriff auf alle per öftentiichen Besichtigung und Benutzung sreigegebenen Dermögensobjekke, 17. März. Der Reichshaushalt. Reichsfinanzminister Dr. Reinhold hat der wiederholten Forderung des Reichstages entsprochen und eine Uebersicht über den Staaisbedars des Reiches und feine Deckung nach der Rechnung von 1913 und dem Voranschläge von 1936 vorgelegt. Der Reichsfinanzminister hat damit eine gründliche und außerordentlich wichtige Arbeit geleistet, die in verschiedene dunkle Ecken unserer gegenwärtigen Finanzwirtschaft hineinlcuchtet und viele falsche Vorstellungen über die Höhe der tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben beseitigt. Natürlich ist cs ihm auch nur teilweise gelungen, die Ausgaben von 1926 mit denen von 1913 zu vergleichen^penn auf fast allen Gebieten des Staatswesens haben sich so große Aenherungen vollzogen, daß der Etat von 1913 auch noch nicht einmal Anhaltspunkte für einen Vergleich bietet. Die Verhältnisse zwischen Reich nnd Landern und die ganze Organisation des Staats- und Verwaltungsapparats haben sich so verändert, daß es nicht möglich ist, festzustellen, welche Ausgaben früher dem Reich bzw. den Landern und umgekehrt anzurechnen sind. Es gibt daher ein durchaus falsches Bild, wenn in den gegenwärtigen Etatsberatungen noch immer von einigen Abgeordneten mit den angeblichen Vergleichszahlen von 1913 operiert wird, um dadurch Abstriche an verschiedenen Etat-Positionen zu erreichen. Da sich ein Vergleich des Etats von 1926 mit dein von 1913 nicht vor nehmen laßt, hat der Reichstag die Pflicht, bei der Genehmigung des diesjährigen Etats erst recht vorsichtig zu sein, denn er wird für alle zukünftigen. Etatsberatungen als Grundlage dienen. Man wird auch in späteren Jahren immer wieder ; auf ihn zurückgreifen und durch einen Vergleich mit seinen Zahlen feststellen, ob der neue Etat zu hoch ober zu niedrig ist. ob diese oder jene Etatsposition gekürzt oder erhöht werden muß. Die Uebersicht des Reichsfinanzministers enthält aber immerhin sehr wertvolle Angaben über die Verteilung der Einnahmen und Ausgaben und ihr Verhältnis zum Gesamtetat. So beanspruchen z. B. die unmittelbaren Ausgaben infolge des Krieges und der Besatzung 49 Proz. des eigentlichen Staatsbedarfs. Sie gliedern sich in die Militärversorgungsgebührnisse einfchl. der Kriegsbeschädigten- und Äriegerhinterbliebencn-Fürsorge mit 30,2 Proz., in sonstige unmittelbare Ausgaben infolge des Krieges nnd der Besatzung mit 0,7 Proz., und in innere Kriegslasten mit 6 Proz. und in die I Ausgaben der Erfüllung des Londoner Abkommens mit 600 Millionen, gleich 12,1 Prvz. Dor Reichs. finanzminister rechnet aus, daß nach Abzug aller I unmittelbar durch den Krieg notwendig gewordenen Ausgaben der Etat für 1926 für die verbleibenden Ausgaben sogar 82,6 Millionen Mark weniger vorsieht als der von 1913. Dieser Minderbedarf, so stellt er jedoch fest, kommt aber mir dadurch zustande, daß die Kosten für Heer und Marine im Jahre 1926 um 1319,5 Millionen niedriger sind als 1913. Ex versichert weiter, daß das gesteigerte Preis- und Lohnniveau bei asten Positionen nur mit rund 25prozentigcr Erhöhung der Ausgabeposten gegen I 1913 berücksichtigt worden ist. Die Mehraufwendim gen gegen 1913 entfallen in der Hauptsache auf die I Beamteupensioneii mit 94 Millionen, auf die Mehrausgabe für Polizeizwecke mit 190 Millionen und auf die Ausgaben für soziale Zwecke, die im Voranschlag 1926 394,9 Millionen gegen 63,4 Millionen im Jahre 1913 betragen. Den Hauptposten nimmt dabei die Sozialversicherung mit 252 Millionen gegen 58,3 Millionen im Jahre 1913 ein. Der Marmeetat im Reichstag. Berlin, 6. Mörz. diesen Verhandlungen zuaezoacmen türkischen Außenminister Ruschdi Bei scharf zugespitzte x Rededuelle auszufechten. Solche Verhandlungen, bei denen die Vertreter des Landes, das in eine '» vor den Rat gelangte Frage verwickelt ist, zur Rcttstaftl geladen werden, such bie einzigen Anlässe, bei denen es zu längeren Debatten kommt, j Sm übrigen sind ausführlichen Charakters nur die sachlichen Darlegungen der Berichterstatter; die -Debatten in ben öffentlichen Sitzungen beschränken sich auf kurze Erklärungen. Für Italien hat leit Jahr und Tag der Senator Scialoja, der geistige, feingeschliffene, kluge Kopf, die schwierige Aufgabe, die laizistische Politik mit den Vol-- ierbundszielen in Einklang zu bringen. Als die Frage des Garantiepaktes und des Genfer Protokolls die Verhandlungen aus füllte, hat der tschechische Delegierte Benesch dos Renommee eines unermüdlichen Suchers nach Kompromißformrl n! erworben. Die schlanke, weißhaarige Diplonraten» erscheinung des nunmehr durch Band er velds ersetzten belgischen Ministers Hymans stellte das Symbol bec Tradition in den Wegen und Methoden der Völkerbundspolittk dar. Der schwedische Delegierte Unden, Europas längster Außenminister, der Benjamin des Rates, der schon bei den Mysul-Berhandlungen im Sonder- lomitee des Rates eine bedeutende Rolle spielte, wird auch diesmal im Streit um die Vermehrung der Ratssihe eine wichtige Aufgabe haben. Als erster offizieller Botschafter eines Landes beim Völkerbund repräsentiert der Brasilianer Mello Franco, ein gelehrter Staatsrechtler, sein Land mit ruhiger Würde. Auf jahrelange Ratspraxis blickt auch Spaniens behäbiger Delegierter Quirl o n e s d e Leon zurück. Er ist ebenso wie der Delegierte Uruguays, Guani, und der Japaner Vicomte Sshij. der den Vorsitz im Rate führt, gleichzeitig Botschafter seines Landes in Pie demokratische Parteileitung gibt durch den Demokratischen Zeiiungsdienst folgende Mitteilung heraus: Die Verhandlungen der Regierungsparteien über die Fürstenabfindung haben zu einem Ergebnis geführt, das der demokratischen Reichs- lagsfraktion die Zustimmung 5um Som- pr 0 miß ermöglicht. Die demokratische Partei- leitung erwartet nunmehr, daß die Parteifreunde sich am Volksbegehren nicht beteiligen, daß angesichts der Unsicherheit des Ausgangs und der Bedenken gegen seine Formulierung nur dann tu empfehlen war, wenn eine annehmbare parlamentarische Regelung nicht erreicht wurde. Die Zustimmung des demokratsichen Par- teiausschusses wird am kommenden Mittwoch erbeten werden. Die demokratische Reichstagtzfraktion Hai sich unter Würdigung des Erreichbaren einst i m m i g auf den Boden des Äompro- miffes gestellt. Der Kompromitzentwurf. Berlin, 7. März. (Wolff.) Die Besprechungen zwischen her R ei ch s r e gi e r u n g und den Vertretern bet Regierungsparteien unter Hinzuziehung der Wirtschaftlichen Vereinigung haben, wie am Samstag schon kurz gemeldet, zu einer Vereinbarung geführt, durch bie der K c> m p r 0 m i ß g e s e tz e n t w u r f über die Auseinandersetzung zwischen den Ländern und den vormals regierenden Fürstenhäusern gegenüber den Beschlüssen Der ersten Lesung des Rechtsausschusses in manchen Punkten eine Veränderung erfährt. Das Reichsministerium ist augenblicklich damit beschäftigt, her neuen Gestalt des Entwurfs bis Dienstag eine endgültige juristische Fassung zu geben. Nach der neuen Fassung, die b;v Kompromiß gesetzentwurf erhalten hat, ist die Zahl her Mitglieder des Reichsfondergerichts, die neun beträgt, unverändert geblieben, auch bleibt derPräsidentdesReichsgerichts Dr. Simons weiterhin mit dem Vorsitz des Reichssondergecichls betraut. Cs soll eine Sicherung dafür geschaffen werden, daß Dr. Simons regelmäßig d-n Vorsitz im Soudergericht führt. Sie übrige n a ch t Mitglieder des Gc- । richts, die auf Vorschlag des Reichsministeriums des Sintern und des Reichsjustizministerrums vom Reichspräsidenten ernannt werden, sollen in vierBerussrichter und vier Laienrichter geteilt fein. Vom Reichs;ustiz- minister Dr. Marx wurde ausdrücklich erklärt, daß die vier Laienrichter nach staatspolitischen, wirtschaftlichen und sozialen! Gesichtspunkten aus bürger lich en Kreisen entnommen werdcn solle.1, hie vier Bernfsrichter sind aus der Gesamtheit dec an deutschen Gerichten oder Verwallungsgerichiten tätigen Richter zu wählen. Bei der Ansemandersehung wird das Reichs- svndergericht ein» Dreiteilung der Vorbau denen Bermügensmaffe vornehmen. Der erste Teil umfaßt bic Objekte, bi: bem Staate zufallen; er setzt sich aus allen Objekten zusammen, die von früher regierenden! Häusern auf Grund des Völker-, Staats- oder öffentlichen Rechts oder gegen Leistungen er» I worben worden sind, die nur kraft der f r ü h e- ren souveränen Stellung bewirkt wer-- I den konnten. Dazu gehören u. a. alle Vermögenswerte, die durch irgendwelche Hoheitsakte, wir Kabinettsorders, Belehnungen usw. den Fürsten zugefallen sind. Sn Frage kommen habet für das Haus Hohenzollern z. B. Oels. dir schmalkal- bifeben Forsten und bie Herrschaften Jlatow° Krojanke und Glienicke. Dieser erste Teil umfaßt die Objekte, die dem Staate unentgeltlich jufallen sollen; allerdings soll her Gegenbeweis zulässig fein, daß es sich um privates Eigentum I handelt. Beim zweiten Teil handelt vs sich um bie ausschließlich auf Grund von privatrecht - l lich en Vorgängen und mit privaten Mitteln or- I war denen Objekte. Diese Vrr m ögenS stücke fallen zunächst den Fürst s n zu. wenn der hierfür erforderliche Beweis erbracht wird, daß sie mit I privaten Mitteln erworben worden such. Hier kommt u. a. das hohsnzollerasch) Gut Kabinen in Frage. Aus diesem Privateigentum der Fürsten kann aber her Staat alles Herausnahmen, was er aus kulturellen, volkswirtschaftlichen und gesundheitlichen Erwägungen der öffentlichen Hand zuführen will. Es handel!: sich hier um Forsten, Slädteerwerterungen, Si eblungsmöglich- I feiten und ähnliches. Ob und welche C n t s ch ä - I biguitg hierfür zu entrichten ist, richte sich I danach, ob die Gegenstände für das Land ver- Koloniglmandciten, bie bis jetzt von einer Reihe von Siegerstaateu und englischen Duminions, aber nicht von Deutjchland ausgeübt werden. Der Monarchismus in Polen hat, jo jcheint cs, trotz der heutigen politischen Weltlage, gewisse Aussichten; bis in dis allerletzte Zeit hatte sich freilich mit Ausnahme eines Abgeordneten der radll Ealen Bauernpartei niemand im ssjm und im Senat zuni Königsgodankeu bekannt. Eine große und ziemlich einflußreiche Partei, die chriftlich-nationals Gruppe Slronskis und Dubanowicz', die immerhin über 20 Abgeordnete im Landtag zählt, ist nun nach längerem Zögern endgültig in das monarchistische Lager hinüosrgeschwenkt. Der am 27. Februar in Warschau tagende oberste Rat der Partei hat den Beschluß gesoßt, daß die Partei von nun an für bie allmähliche und legale Schaffung eines erblichen Königstumss im Geiste der Verfassung vom 3. Mai 1791 eintreten werde. Die christlich-nationale Partei ist selbstverständlich viel zu vorsichtig, die Frage einer konkreten Kandidatur zu berühren. Immerhin kann her Einfluß einer bei den nächsten Wahlen offen hervortretenden reichen monarchistischen Partei bei der offenen Sympathie, die weite Kreise der polnischen Bauernschaft dem Königsgedanken entgegenbringcn, vorläufig noch nicht abgeschätzt werden. Während der darauffolgenden zweiten Beratung des Etats des Rsichsministeriums des Innern nahm auch Minister Severing das Wort um dic von dcutfchnationaler und völkischer Seite gegen ihn gerichteten Angriffe zurückzuweisen, indem er versicherte, daß alle Beamten loyal behandelt werden. — Weiterberatung Mittwoch, den Preußischer Landtag. Berlin, 6. März. Rach Erörterung Heiner Vorlagen beschäftigte sich gas Haus mit der zweiten Beratung der Novelle zum Gerichisvcrfaf- sungsgefetz, das bis zum 16. Juli 1927 befristet werden soll. Die Vorlage wurde in zweiter und Dritter Losung mit großer Wchrhcn angenommen. Lbg. Brüainghaus (D.Dpt.) weift kxu> aus hin. Patz von einer wirklichen Flottenab- tjk^urxa bei den aQüerten Staaten nicht zu spre chen sei. Auch Polen mache in drr letzten Zeit die allergrößten Anstrengungen, um sich eine Flotte zuzulegen. Don fran.zöslschrr Seite würden diese Bestrebungen auf das eifrigste unterstützt und selbst die neuesten französischen Torpedoboote würden jetzt an Polen abgegeben. Auch 'Rumänien und Griechenland würden mit französischen Torpedobooten beliefert. 6» fei daher notwendig, der deutschen Marine die Mittel zu ihrem Ausbau unbedingt zu gewähren. Von den Sozialdemokraten würden die Mittel nicht nur für die Neubauten, sondern auch für Volt- cndung der bereits angefangenen Bauten abge- Itßnf. Don der geforderten Summe für den Dau t sorgen. Das Reichsinnenministerium hat eine cntspsÄente RliUeilung an alle Länderregierunaen «geh- lassen. Abg. Tri spien ^Loz.) ersucht um Annahme eines sozialdemokratischen Antrages, in dem die Regierung ersucht wird, jeden behördlichen Versuch einet Verhinderung teS Volksentscheids zu unterdrücken und zu ahnden. Der Antrag wird gegen Deutschnotionale und Döllische angenommen. Ruhestandsversetzung der hessischen Beamten. Darmstadt. 7. März. In Hessen war durch Gesetz vom 2. Juli 1923 die für die Ruhestandsversetzung der Beamten vorgesehene Altersgrenze auf das 68. Lebensjahr festgesetzt. 3m Anschluß an die Perfonalabbauver- ordnung des Reiches wurde diese bann auf das 65. Lebensjahr festgesetzt. Ein jetzt dem hessischen Landtag zugegangener Antrag will den ut» sprünalichen Rechtszustand wieder Herst eilen, und zwar soll das Gesetz am 1. April mit der Maßgabe in Kraft treten, daß es auf alle Beamte Anwendung findet, die nach dem 30. Aovember 1925 das 65. Lebensjahr vollendet haben. Kleine politische Nachrichten. Das französische Kriegsbericht in Landau verurteilte den 41}äbrigen Eugen Keßler aus Karlsruhe wegen Betrugs. Paßvergehens und Spionage zu 10 3ahren Gefängnis, einen Bildhauer Wall wegen der gleichen Vergehen, aber in Anrechnung mildernder ihn frönte zu 6 Monaten Gefängnis und 100 Mark Geldstrafe. Eine Bewährungsfrist wurde beiden versagt. * Der Reichstagsabgeordnete 3wan Katz, der aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen worden ist, hat beim Magistrat in Hannover ein Gesuch um Einstellung eingereicht. Er erklärt sich darin bereit, fein Reichstagsmandat niederzulegen und sich völlig aus 6em politischen Leben zurückzuziehen, wenn er wieder beim Magistrat angestellt würde. • Die Brüder Julius und Isaak B a r ni a l stnü aus Beschluß des Untersuchungsrichters beim Landgericht I wegen Fluchtverdachts erneut vcrhaf - t e t worden. * Das mecklenburgifch-schwerinische Staatsministerium har die im November 1925 wegen Fememordes zum Tode verurteilten Leutnant Schöler, Feldwebel Liczka, sowie Boldt und Peters b e - gnadigi und die Todesstrafe in Zuchthausstrafe umgewandelt. In Washington wird van der Möglichkeit gesprochen, daß der amerikanische Botschafter in London, 5) o u g I) t o n , der nach Washington berufen worden ist, um die Frage der Abrüstungskonferenz zu erörtern, möglicherweise an Stelle ftelloggs zum Staatssekretär ernannt wird. Die Verhandlungen zwischen den Prüfen und tem französischen Oberkvmmissar te 3ou- venel haben sich zerschlagen. Die Drusen hatten folgende Forderungen gestellt: 1. Boll? ständige Unabhängigkeit Svriens. 2. Wiederherstellung der alten Grenze tes Libanon. 3. Abzug b er französischen Truppen aus tem syrischen Gebiet. Der OberkommiNar hat diese Bedingungen abgelehnt. Man nimmt an, daß eine Entscheidung jetzt nur noch durch die Waffen herbeigesührt werden kann. Kunst und Wissenschast. Vom Evangelischen Kirchenausschnß. Dem in Berlin versammelten Deutschen Evangelischen. Kirchenausschuß lag ein Antrag beider evangelischen Kirchen Oesterreichs augs- burgifcher und helvetischer Konfession auf Anschluß an den Bund der deutschen Landeskirchen vor. Der Kirchenausschuß nahm von diesem Antrag mit lebhafter Freude Kenntnis und erteilte die notwendigen Ermächtigungen zur Fortsetzung der Verhand- lungen behufs Herbeiführung eines endgültigen Zusammenschlusses. Außerdem wurden genehmigt die Anschlußanträge der deutsch-evangelischen Kirchen- gemeindeil in Kobe (Japan), Jerusalem, Oslo, Gens. Madrid, Barcelona sowie der südwestafrikanischen Gemeinden, die bisher unter dem evangelischen Oberkirchenrat der altpren- ßischen Landeskirche standen, Windhoek, Swa- f o p m u n b u. a. Anschließend an die Beratungen des Schulausschusses wurde erneut der Rus nach baldiger Verabschiedung des R e i eß s f d) uh gefetzes erhoben. Als die Ultima ratio jedoch, erst wenn alle anderen Möglichkeiten erschöpft sind, wurde der Weg des Volksentscheids bezeichnet. (Ein Hessenlandforscher gestorben. Generalmajor ö i f e n t r a u t, Ehrenvorsitzender des Landesvereins für hessische Geschichte und Landeskunde, ist in Kassel im Alter von 82 Jahren gestorben. Wegen seiner Verdienste um die Ee- sorschung der hessischen Geschichte war der Verstorbene seinerzeit von der Universität Marburg zum Ehrendoktor ernannt worden. Das Shakespeare-Theater in Stratford zerstört. Das Shakespeare-Theater in Stratford-Avon wurde durch Feuer zerstört. Das Museum und die Bildergalerie mit den unschätzbaren Reliefs konnten gerettet werden. Aus aller Wett. Hindenburg Ehrenpräsident des Roten Kreuzes. Reichspräsident von Hindenburg empfing den Präsidenten und mehrere Vorstandsmitglieder des Deutschen Raten Kreuzes, die den Reichspräsidenten baten, das Ehrenpräsidium des Deutschen Roten Kreuzes zu übernehmen. Der Reichspräsident erklärte sich hierzu unter Worten herzlicher 'Anerkennung für die segensreiche Arbeit des Roten Kreuzes im Dienste der Menschenliebe gern bereit. Begnadigung des kommunistischen Parteisekretärs Dollwsber. Der kommunistische Parteisekretär Wo11 - weber, der auf Veranlassung des Landgerichts direktors Jürgens 1923 wegen Vergehens aegen das damalige Verbot der Kommunistischen Partei feftgenonimen und nach 20monatiger von Jürgens geführter Untersuchung vom Staatsgerichtshos zum Schutze der Republik in Leipzig zu 3 I a h r e n Gefängnis verurteilt worden war, ist auf einen sofort nach Bskanntwerdsn der Dienstvergehen Jürgens' von der kommunrstischcn Reichstagsstaktion beim Justizminister unternommenen schritt am Samstag durch einen Gnadenerlaß des Reichspräsidenten amnestiert worden. Meterfall auf einen fahrenden Güterzug. Slsenbahnräuber sprangen auf ter Strecke Debra —Gerstungen aus einen fahren den Güterzug und erbrachen, ohne daß sie von tem Fahrpersonal bemerkt wurden, drei Güterwagen. Die Kottis wurden zum Teil zerschlagen und ter Inhalt durcheinander getoorfen. Unter ten g e - raubten Gegenständen, die wahrscheinlich während der Fahrt abgeworfen wurden, befinden sich u. a. große Mengen Leinen und andere Stosse. (Ein weiblicher deutscher Pfarrer. Sri. Grete Schuster, Tochter des verstorbenen Professors Schuster in Eutin, hat nach beendetem theologischen Studium die erste theologische Prüfung in Erlangen mit Auszeichnung bestanden. Frl. Schuster ist in der H a m b u r g e r St. Michael is- Gemeinde als Pfarramtsgehilfin angeftcUl. (Ein Orlfluß am Amazonenfluß von Deutschen entdeckt. In Pafto ansässige Deutsche entdeckten an den Osthängen der Eordilleren große Deloorfommen. Einem jungen Deutschen gelang es, einen Oelsluß aufzufinden und bis zu den Quellen in etwa 1000 Meter höhe uorzudringen. llmersuchungen des Oels im Berliner Laboratorium haben es als h o ch w e r- t i g e n Rohstoff erkennen lassen. Zwei deutsche geologische Forscher in columbischen Diensten verloren bei der Untersuchung der Ölvorkommen ihr Leben. Eine amerikanische Gesellschaft hat die Abbaurechte erworben und plant die Anlage einer 500 Meter langen Rohrleitung über die Anden nach Tumaco am Stillen Ozean. (Eine Hungerkünstlerin. In Duisburg beabsichtigt ein Fräulein V). Vunghorst den deutschen Damen-Hungerrekord von 33 Tagen zu brechen. Sie hat bei ihrem jüng sten Hungern in Krefeld 20 Tage ausgehalten und dabei 34 Pfund abgenommen. Glückliche Sterbliche. Die Prämie der Preußisch-Süddeutschen Klai- fenlotteric von je 500 000 Mark ist wie die Blätter melden — nach Nürnberg und Can litt a 11 gefallen. Der Cannstatter Gewinner ist Alleininhaber des Loses und erhält somit eine halbe Million. Eine Berbrecherbande. In Sizilien wurde eine Verbrech erbaute von 164 Köpfen gefangen gesetzt, 45 sind entkommen. Die Baute hat mehr als 30 Morte begangen. Wettervoraussage. Weiter unbeständig mit Regenfällen und zeitweiser Aufklärung. Temperaturen schwankend, tagsüber milde, westliche Winde. Rach stärkerem Temperaturfall infolge schwächerer Bewölkung in der Rächt hat die herrschende Südwestströmung die Morgentemperaturen wieder auf ca. 8 Grad erhöht. Der bc- stehente Witterungscharatter hält an, da von Westen her neue Riederschlagsgebiete folgen. Gestrige Tagestemperaturen; Maximum 10, 4,1 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: Minimum 2 Grad Celsius. Niederschlägen 8.2 Grad Celsius. LIEBIG Nachlah- Versteigerung zu Muschenheim. Mtwoch, den (0. März, ab Väio Uhr, versteigere ich zu Muschenheim das Mobiliar aus dem Nachlaß der Kaufmann Bamberger Eheleute fteiwillig gegen sofortige Barzahlung: 1 kleinen Kassenschrank, 1 Ladeeinrichtung, einen Sekretär, Vertiko, Kleiderschränke, Sofas, Betten, Waschkommoden, Tische, Stühle, Nähtische, Beleuchtungskörper, Wäsche, Küchen - Einrichtung, Haus- und Küchengeräte u.v.a. 2177d Ludwig Schuch, Auktionator und Taxator. Nutz- und Brennholzversteigerung. Samstag, ten 13. März l. 3.. vormittags lOi Uhr, werden in der Gastwirt schäft von ftarl Moser II. in Eichelsdorf aus den Staatswalddistrikten: Alteberg 2 und 1 Ulfaer Reippert 3, Laugoloh 2, 5 und v, St^inswissenkom 2, Lohwald 3 der Försterei Ulfa, Tiefstruth 7 und 8, Rotheberg 2, Buchwald 8, Langebäum 3 der Försterei Eichelsdorf versteigert: Nutzholz: Stämme: Eiche 5. Kl. 16 St., 5,86 fm; 6. Kl. 48 St., 11,76 iw. Esche 5. Kl. 1 St., 0,20 fm; 6. Kl. 7 St., 1,32 im. Ahorn 5.Kl. ISt., 0,22 fm; 6. Kl. lySt, 1,87 fm. Kirfchbaum 5. Kl. 2 St., 0,50 Iw; 6. Kl. 2 St., 0,48 fm. Linde 5. Kl. 2 St, 0,34 fm; 6. Kl. 10 St.. 1,09 fm. Kiefer 4. Kl. 3 St.. 2,11 fm; 5. Kl. 12 St, 1,98 fm. Lärche 3. Kl. 2 St., 3,71 fm; 4. Kl. 2 St. 1,90 fm. 5. Kl. 7 St., 3,58 fm. Fichte 3. Kl. 1 St, 1,83 fm; 3. Kl. 7 St., 9,18 fm; 1. Kl. 9 St., 8,63 fm; 5s-Kl. 46 St., 38,21 fm; 5b-Äl. 69 St, 21,65 fm. Weißtanne 5. Kl. 6 St, 3,35 fm. Wogmutskieser 3. Kl. 1 St., 1,28 fm. Derbstangen: Eiche 1. Kl. 16 St., 0,76 fm. Esche 1. Kl. 3 St., 0,08 fm. Ahorn 1.Kl. 3 St., 1,35 fm; Buche 1. Kl. 6 St. 0,21 fm. Hainbuche 1. Kl. 9 St, 0,48 fm; 2. Kl. 2 St., 0,05 im. Lärche 1. Kl. 1 St. 0,17 fm. Fichte l.ftl. 149 St., 15,04 fm; 2. Kl. 84 St., 3,95 fm Rutzscheiker rm: 8 Buche 1. Kl.; 8 2. Kl. Ruhknüppel rm: 5 Eiche 2. Kl.; 1 Esche; 3 Hainbuche; 41 Lärche; 26 Fichte 1. Kl.; 96 Fichte 2. Kl. RußEnüpptfreißg rm; 104 Fichte. Brennholz: Sdjeiter rm: 27 Buche 1.Kl.. 87 Buche 2. Kl.; 96 Eiche; 6 Fichte. Knüppel rm: 57 Buche 1.91.: 383 Buche 3. Kl.; 50 Hainbuche: 413 Eiche l.ftl., 387 2.ÄL; 4 Esche; 6 Ahorn; 1 Birke; 30 Erle; 8 Linde; 3 Aspe; 3 Kiefer; 19 Lärche; 200 ytd)le. nuppelreisig rm: 33 Buche. Reisig rm: 157 Buche; 1163 Elche; 4Erle, 8 Linde; 10 Kieker; 149 Fichte. Stöcke rm: 30 Buche l.ftl.; 17 2. Kl.; 68 Eiche: 1 Aspe; 2 Lärche; 57 Fichte l.ftl.; 124 2. Kl. 21100 Nur die blau unterstrichenen Nummern kommen zum Ausgebot. Das Holz beliebe man sich vorher anzusehsn, spätere Beanstandungen können nicht berücksichtigt werden. Nähere Auskunft durch die Herren Förster Reeg in Uffa, Schmitt in Eichelsdorf und die unterzeichnete Stelle. E i ch e t s d o r f, den 5. März 1926. Hessisches Forstarm Eichelsdori. _____________Bechrel._____________ Berichtigung^ 2ei der Brenn- und Rutzholzverstei- gerung in Annerod, am Dienstag, dem 9. März, werden noch versteigere 10 Rm. Hichenknüppel 64,7 „ Kieferntnüpvel "' D 142,9 „ Ftchtenknüpprl. Bürgermeisterei Annerod Horn. Vie holzverfteigerung vonr heutigen ist genehmigt. Ausgabe der Abfuhrscheine bei den Hebstellen vom 12. März an; Lleberweisung und Beginn der Abfuhr EamStag, den 13. Marz, vormittags 9 ilßr. Ablauf der Zahlungsfrist für nicht verbürgte Schuldigkeiten am 26. März 1926. Gießen, den 5. Marz 1926. Hessisches Forstamt Gießen. 2181D Holzversteigerrmg. in den Frecherrlich von Nordeck zur Ra- benau'jchen Forstorten Ober - Seilbach, Münchwald, Struthwald und Buchberg Donnerstag, Öen 11. 2Här$ 1926. Versteigert werden: Stammholz: Ahorn 2. Kl. 2,49 fm, 3.Kl. 0,33 fro, 1. Kl. 0,17 fm; Esche 6. Kl. 0,59 fm; Ulme 6. Kl. 0,221m, Kastanie 4 ftL 0,23 fm; Linde 2. Kl. 0,55 fro, 3. Kl. 0,42 fm, 4. fit. 0,18 fm; Pappel 3. ftl. 1,45 fro. 1. Kl. 0,55 fm; Kirschbaum 5. Kl. 0,14 fm, 6. ftl. 0,24 fm; Zwetsche 6. Kl. 1,63 fm; Eiche 5. Kl. 2,40 fro, 6. ftl. 3,37 fm. Derbstangen: Fichte 1. Kl. 310 St, 28,61 fm; 2. ftl. 157 St., 6,19 fm. Brennholz: Scheiter rm: Buche 23, Fichte 2; Knüppel rm: Buche 40, Eiche 39, Laubholz gemischt 6, Ahorn 1, ftirjchbaum 1, Fichte 18; Reisig rm. Laubholz gemischt 82, Buche 113, Eiche 95, Fichte 27; Stöcke rm: Laubholz gemischt 8, Buche 15, Eiche 1, Fichte 6. 2146V Beginn der Versteigerung im Schloßpark zu Großen-Buseck um |9 Uhr vormittags, in der Seilbach um £11 Uhr an der Schneise Alten-Buseck — Treis, im Strukhwgld um 11 Uhr Londorf, den 5. März 1926. Hessisches Forstamt Rabenau. ___L ö b e r. ________________ MWlzverstejgenmg AUtlwoch. 10. März d. 3... von 9 Uhr vormittags an. soll aus den Woldun gen der Gemeinde Bevern in verschiede rien Distrikten nachoerzeichnetes Nutzholz versteigert werden: 2v84D (Eichensfämmc. 1. ftl. 3 Std.. 5,55 fm 2. Kl. 7 Std., 10,23 fm 3. ftl. 21 Std., 18,32 fm 4. Kl. 37 Std-, 26,30 fm 5. ftl. 55 Std., 27,79 fm 6. Kl. 86 Std., 31,41 iw VuchenStämme: !. Kl. 5 std., 8,48 fm 4. Kl. 1 Std., 0,84 fm (Erlen-Stämme. 4. ftl. 3 Std., 3,29 fm 5. ftl. 7 Std-, 5,79 iw 6. Kl. 20 Std-, 7,50 fm Zusammenkunft vormittags um 9i Uhr auf der ftrcisftraße Beuern—Geilshausen, am Ausgang des Dorfes. Die Bedingungen werden vor der Üknteigerung bc= rannigegeben. Beuern, 3. März 1926. Bürgermeisterei Beuern. L i n d e n st r u t h. Ruhr- Eiform- Briketts, heüträfngtte, WKiinfie, WM MmsiüMM» u. fuinjeoüeröen, verbrennen säst geruch- und rauchfrei und hinterlassen nur wenig Rückstände. Erhältlich in allen größeren Kohlen- handlungen. 90A Bekanntmachung. Der Voranschlag unserer Gemeinde liegt vom 9.-15. 1. M. auf unserem Bureau zur Einsicht der Interessenten und evtl. Erhebung von (Sintoenöungen offen. Cs ist die Erhebung einer Umlage beschloßen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Rodheim, den 6. März 1926. Bürgermeisterei Rodheim. __,________Hofmann.______2173D Zwaegs-Versteijng Dienstag, den 9. März d. I., von vormittags 9 Uhr ab, versteigere ich öffentlich gegen bare Zahlung im Fabrikgebäude der Mitteldeutschen Schmirgelwerke A.-G. in Butzbach: Schleifmaschisten für Kraft, Hand- schleifmaschirien, Maschinenständer, Schmirgeljcheiben in verschiedenen Grützen u. Körnungen, Schmirgel- leinen u. Papier in allen Körnungen, Abziehsteine und Feilen, Wetzsteine (gebrannt), Schmirgelstaub. Sandstein mit Maschine für Kraft u. zwei Stück Heizrohre. 21&5D HelkMM. Gerichtsvollz. in Butzbach. Mmp und MMM in groß. Auswahl Neubezie^en von Verdecken in eigner Werkstatt Friedrich Groß letearen:: Itenweg 32. is3u> Uhr verschied Gestern vormittag 9V4 liebe, Neue« Schwimme 2189V sehenswert, Decken Sie 1904a Wiesbaden Gießen Gießen März 1926 01613 Karl Müller und Frau Gretel geb. Stork Ohrenklinik Gießen Westanlage 17 Dazu Wen zum Lpotheken. Drsgertca u. Parsi 01616 Aus dem gesucht. IRännerhicnwt 2168V sätzen, ohne Berufstvrung. 01630 Alten-Buseck, Großen-Buseck, den 7. März 1926. ewordene eiucbt. (2179D { Mietgesuche vvran- t. [2127 nimi Autzerordentl Wichtige Ta 6 Akte aas der Gesellschaft. 2174c ran Karl Seibel, Darmstadt, Sann Neumann Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Katharine Hofmann geb. 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März 1926, nachmittags 2 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. 01619 Für die uns anläßlich unserer Vermählung Zugegangenen zahlreichen Glückwünsche und Geschenke sprechen wir unseren herzlichsten Dank aus Die erfolgt Erwartungen d Ltlner und Sch ,B. an einer 6 Gießen, Darmstadt, den 6. März 1926. Die Beerdigung findet in aller Stille in heimatlicher Erde statt. Von Beileidsbesuchen bittet man Abstand zu nehmen. 01622 Brennabor- Kinder- und Klappwagen billigste Preise n. größte Auswahl 1865D Aug. Kilbinger Stadttheater Dienstag, 9. März, N.Dienstag-Av.-vrsk. Frankfurter Opern-Gastsplel von 63/< biS 10 Uhr Murmele (3oult). Oper In 5 Akten von Gounod. [3l26c Zigarrenfabrikliai (Bahnstation) nebst Wohnung sofort ob. später zu vermieten evtl, zu verk. Schriftliche Angebote unter 01621 an den Gießener Anzeiger.________ Danksagung. Für die uns anläßlich des Hinscheidens unserer Ereile UsmrelMW Dienstag, den 9.Märzl926, u. Mittwoch, den 10. März 1926, ob 2 Ahr, versteigere ich im „Sötocn“, Neuenweg 28: Eine große Sendung Sandalen (reines Leder), eine große Sendung Hausschuhe, eine große Sendung Kinderschuhe, eine Sendung Kinderstrumpse (Grobe 1—8), Tabak u. Zigarren, 100 Stück Gummibälle, Gummihosenträger, 10 Herren- und Damenräder (gebr. und neu), ein Posten Damenspangenschuhe u. Herrenschuhe, ein Posten seidene und wollene Damenjumper, 2 Küchenschränke, zwei neue und eine gebrauchte Nähmaschine, einige Oelgemälde, 2 Kinderbetten, einen Ofenschirm, 1 Bügelofen, 6 Stühle, einen ovalen Tisch, 1 Chaiselongue, 1 Damenschreibtisch, einige silberne Herren- und Damenuhren (neu), einen großen Posten Aluminium, 3 Rennmaschinen, einige getragene Herren- und Damenkleider, eine kleine Ladenkasse, einen kl. Sparherd, geeignet für kleinen Haushalt, 1 Gas- Herd, 1 Kinderwagen (neu), und vieles andere. 2187D FRANKEL Das Moden Seltersweg 52 Spezial - Abteilung gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester und Tante Frau Elise Langer | eb Jäckel im 61. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Familie Albert Langer Fritz Vetzberger u. Frau geb. Langer Theo Stark u. Frau geb. Langer August Langer. Gießen (Dammstr. 43 p.), den 8. März 1926. DieBeerdigung findet Mittwoch, 10. März 1926, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt. 2192D Todes-Anzeige. Donnerstagabend entschlief nach kurzem Krankenlager meine herzensgute Frau, Mutter ihres einzigen Kindes, unsere gute Tochter, Schwiegertochter, Schwester, Tante, Nichte und Kusine Frau Marie Kissel geb. Oto im Alter von 24 Jahren. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen’• Oswald Kissel Friedrich Otter, Eisenbahn-Assistent i. R. Heute nachmittag 6*/e Uhr verschied plötzlich, nadi langem mit großer Geduld ertragenem Leiden, mein lieber Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Kaspar Hofmann im -63. Lebensjahre. Durch ein halbes Stück -Ru&r*# OateakMeU» xin richten. Nach genauen Erkundigungen wird an allen Schulen Gießens geschwommen, und zwar ist das 6. Schuljahr (12. Lebensjahr) als das am geeignetsten zur Erlernung des Schwimmens erkannt worden. Noch, ehe die Kinder das Wasser zu sehen bekommen, werden die Schwimmbewegungen als Trockenübungen in den Turnstunden tüchtig mit ihnen geübt. Nach langsamer Gewöhnung an das nasse Element durch Plantschen, Spielen usw. wird erst mit dem systematischen Schwimmunterricht begonnen. Aufgabe des Schulschwimmens ist u.E. die Erlernung des Brustschwimmens und des Springens in das Wasser in irgendeinem Sprunge. Insofern unterscheidet sich das Schulschwimmen vom Sport- oder Vereinsschwimmen, das ja alle Spielarten des Schwimmens und Springens umfaßt. Die Erfolge des Schulschwimmens haben den Erwartungen voll und ganz entsprochen; sie stellen Lehrer und Schüler in jeder Weise zufrieden. Wenn z.B. an einer Schule von 130 Schülern 113 in einem Schuljahr das Schwimmen erlernt haben, so sind tos nahezu 87 Prozent, und dies bestätigt unsere oben ausgesprochene Ansicht über den Erfolg des Schulschwimmens. Im großen und ganzen werden die Bestrebungen der Schulen, jedem Kinde das Schwimmen beizubringen, seitens der Eltern unterstützt. Einigen Ueberängstlichen, die es ja immer gibt und auch fernerhin geben wird, sei versichert, daß mit aller Vorsicht, mit gewissenhafter Aufsicht und vor allem mit großer Geduld zu Werke gegangen wird, und daß sich die Lehrer ihrer Aufgabe wohl bewußt sind. Die (Eltern können mit Beruhigung ihre Kinder zum Schwimmen schicken — nur der Rat des Arztes darf sie davon abhalten —, zumal es den Schülern große Freude macht und sie durch die Schule hier eine weitere gute Förderung für das Leben erhalten, sich selbst zur Gesundheit und gar ost dem Nächsten zum Segen. Fußball. Aus bem Arbeiter- Turn- und Sportbund. ZHänncrfumtwrtln Marburg I — Turn- und Sportverein wlefeck I 0:1. -L Die Wiesecker Mannschaft hat sich wieder auf sich selbst besonnen und ihre Befähigung, die kommenden Derdandsspiele in der ersten * sse mitzuspielen, erbracht. Mußte sie sich noch ... vorhergehenden Sonntag von den Marburgern mit 5:0 alS geschlagen bekennen, so konnte sie auS dem gestrigen Rückspiel in Marburg zwar knapp, aber als einwandfreier Sieger hervorgehen. DaS Spiel war von Anfang bis Ende offen und verteilt, bald war die eine, bald die andere Partei im Vorteil, ohne daß bis zur Halbzeit etwas Zählbares zu erreichen gewesen wäre. Als Wieseck kurz nach Wiederanstoß wieder etwas drückte, gelang es dem rechten Läufer, einen erfolgreichen Schuß anzubringeir. Die sich in glänzender Form befindlichen Verteidiger und der Tormann machten alle Anstrengungen der Marburger zunichte. Ein ihnen zugesprochener n Kilometer sich durch die Stadt bewegte, eröffnet von ca. 20 000 Radfahrern und 400 Spielleuten, der Aufmarsch auf dem, was Große und Anlage an betrifft, schönsten Sportplatz Deutschlands, die Massen- und Einzelvorführungen, letztere besonderes Interesse und Heiterkeit erregend durch Anwendung der „Zeitlupe", eine □Teuerung, die es dem Zuschauer ermöglicht, die Bewegung des Sportlers bis ins kleinste zu verfolgen, indem z. B. der Wassersportler vom hohen Sprungbrett bis zum Wasserspiegel im Tempo einer Schneeflocke niederging. „Brennstoff, Kraft und Wärme" auf der Leipziger Messe. Von unserem nach Leipzig entsandten technischen Mitarbeiter. (Rachdruck verboten.) Erstmalig ist in diesem Jahre auf der Leipziger Technischen Messe der Versuch gemacht worden, in der neuerbauten Halle 21 die gesamte Energiewirtschaft der festen und fluffigen bzw. gasförmigen Brennstoffe unter der Bezeichnung „Brennstoff, Kraft und Wärme" zusammewiu- fassen. Wenn auch natürlich noch manche Wunsche vffen und einzelne Gebiete infolge der wirtschaftlichen Lage nur wenig oder gar nicht vertreten» sind, so glauben wir doch, daß sich im Laufe der Zeit hier ein weiterer Brennpunkt der Technischen Messe entwickeln wird. Ob dann allerdings die eine Halle genug Raum bietet, mochten wir stark bezweifeln. _ Die in Frage toinmenben Syndikate haben sich dieses Mal ganz zurückgehalten, um die unliebsamen Folgen der Konkurrenz Braun- gegen Steinkohle zu vermeiden. Wir sind der Ansicht, daß sie sehr gut in entsprechender Weise hätten ausstellen können. Jedenfalls liegt es im Interesse Der Verbraucher, daß die Besucher in sachgemäßer Weise darüber aufgeklärt werden, wann Braun- und wann Steinkohle wirtschaftlicher ist. Unö dies geschieht nach unserer Meinung am besten durch Die betreffenden Wirtschaftsorgamsationen, nämlich durch die Syndikate. Wie wir schon am Eingang bemerkt haben, gibt die Fachausstellung dieses Mal in keiner Weise ein auch nur einigermaßen vollständiges Bild der Brennstofftoirischaft, und toir muffen uns darauf beschränken, einzelne interessante Punkte und Fortschritte kurz zu besprechen Während man in Amerika in dem Bestrebei,, die Betriebstosten niöglichst zu verringern. das segmentbogenartige Feuergewölbe wohl ganz ver- Einrichtung des in Scharnieren schwenkbaren Mannlochverfchlusses. Bekannt sind ja dieS.H. G. Umkehrenden für Ueberhitzer, welche maschinell geschmiedet und ohne jede autogene Schweißung hergestellt sind. An dem im ersten Schmidt- schon Hochdruckkessel feit 1911 für 60 Atmosphären eingebaut gewesenen Ueberhitzer für Dampf- temperaturen bis zu 490 Grad mit einem dazu gehörigen Schamottefchieber zur Regelung der Ueberhitzer-Deheizung kann man die große Haltbarkeit des Materials erkennen. Ein einbaufähiger Turbosauger mit Antrieb durch Abdampf- Turbine zur Verbesserung des Kefselzuges und ein Rußbläser zur Reinigung des Kessels und der Ueberhiher-Heizfläche ergänzen das Gezeigte. Einige Photos geben ein Bild von dem Umbau einer 2-E°Schnellzug-HeißdamPf-Drillingslokomo- ttve für Hochdruckdampf von 60 P. S. Sehr gut und beachtenswert ist das Gebiet der Oelheizung vertreten, welche ja heute besonders im ©ießeteitoefen eine große Rolle spielt. Dr. Schmitz u. Co. G. m. b. H in Barmen zeigt einen neuen Hochleist ungs-Riederdruck-Oel- brennet von sehr vielseitiger Verwendbarkeit. Ferner ist auf das nach feinem Erfinder, Obering. Hahn in Kassel - Wilbelmshöhe benannte Verbrennungsverfahren hinzuweifen, das auf den, Grundgedanken beruht, mittlere und schwere Oele nicht in dampfförmigem Zustand zu verbrennen, sondern das Oel zunächst in ein beständigeres Gemisch übrrzuführen. dessen Verbrennung wen,-, ger Schwierigkeiten bereitet. Der Vetrieb wird dadurch nicht nur sehr einfach, da Rebenmaschinen vollkommen fehlen, sondern gibt auch einen lehr hohen Wirkungsgrad. . Einen weiten Raum nehmen warmewlrt- schaftliche Anlagen ein, die den Zweck verfolgen, die Abdampf- oder Abgastoärme »noglichst vollkommen nutzbar zu machen. Hier: ist vor allen Singen aus die Apparate für Arrschluftbeheizung hinzuweisen. welche u. a. von den Luftbehrizungs- toertt'n Sckwarzhaupt, Spieker & Co., Frankfurt a. M. zur Heizung der in der Halle befindlichen Restauration benutzt und damit in ihr« ptai» tischen Anwendung vorgeführt toetben. Diese Frischluftheizung ist auch sehr für Wohnungen angebracht. Wie verbreitet diese Frischlusthel- zungen heute schon sind, geht aus der Tatsache hervor, daß allein in den letzten 20 Jahren 6000 dieser Etna-Druckluft-Heizungen ausgefuhrt wurden. , „ In der Abteilung Gießerei fallen die zahl« reichen und sehr praktischen Formmaschinen auf, die ohne Zweifel den Betrieb einer Gießerei wesentlich wirtschaftlicher gestalten. Es ist erfreulich, daß wir auch hierin endlich beginnen, den Vorsprung, den das Ausland und besonders Amerika hat. einzuholen. Ungefaßt ein Drittel der Halle wird von den Kraftmaschinen in Anspruch genommen, welche außerordentlich zahlreich vertreten sind. In erster Linie sind Maschinen nach dem Dieselmotor- Prinzip zu finden, deren konstruktive Durchbildung vorzüglich und deren Brennstoffverbrauch sehr gering ist. Auf Grund ihrer Vorteile haben sie auch die Dampfmaschine immer mehr verdrängt und sind in vielen Fällen in der Lage, auch dem Elektromotor wirkungsvolle Konkurrenz zu machen. Es würde natürlich hier zu weit führen, näher auf die einzelnen Eigenschaften der Krupp, MAR. Deutz, Körting. Sulzer usw. Motoren einzugehen. Letzterer hat u. a. eine Schiffsdieselmaschine von 300 P. S. ausgestellt. Lebhaftes Jntc-rssse dürfte der Scheibengasbehälter der MAR finden, welcher das bisherige, teuere Wasserbassin überflüssig macht. Er ist ohne Zweifel der Gasbehälter der Zukunft. Schon heute werden immer mehr Reuanlagen nach seinem Prinzip gebaut. Einige sehr beachtenswerte Maschinen, die zur Wärmewirtschaft gehören, find auch in anderen Hallen ausgestellt. Wir weisen besonders auf den Schaumlöscher-Apparat der Mini- mar-Gesellschaft hin. der eine wichtige Neuheit Man kann aus der Vorführung die Tatsache erstellen, daß durch d-ie Origina^Deranstaltung ein Zug peinlichster Ordnung und Exaktheit in den Aufführungen ging. — Daß es auch an Humor nicht fehlte, zeigten verschiedene Bilder. So ging z. B. als Voraussetzung für jegliche festliche Veranstaltung großen Stils, die Verpflegung der Massen, ein Transport feister Borstentiere, über die Leinwand, um auf dem folgenden Bild eine in voller Tätigkeit besindliche Füllmaschine für die berühmten Frankfurter Würstchen zu zeigen. Dom zweiten Stockwerk eines Altfrankfurter Hauses schaute eine mächtige Bulldogge aus dem Fenster mit einer Miene, die streng die Art der Ausschmückung und Beflaggung des Gäßchens zu grüßen schien. — Der Film in seiner Gesamtheit darf als treffliches objektives Werbemittel für den Sport jeder Art bezeichnet werden, und deshalb ist der Besuch der weiteren Vorführungen in den benachbarten Ortschaften nachdrücklich zu empfehlen. —.— Das Konzert des Orchesterver- eins Gießen, das am Donnerstagabend in der Turnhalle nm Oswaldsgarten ftattfanb, erfreute sich eines sehr starken Besuchs. Die Darbietungen des Vereins wurden außerordentlich ~btfltfbar auf genommen. Der Orchesteroerein wurde 1908 gegründet, während des Krieges ist er wiederholt unter der Leitung des verstorbenen Musikdirektors Karl Krause durch Wohltätigkeitskonzerte für Kriegerhinterbliebene und Lazarette on die Oeffentlichkeit getreten. Nachdem der Verein in der Nachkriegszeit geruht hatte, ist er jetzt wieder zum ersten Male öffentlich aufgetreten. Die musikalische Leitung lag in den Händen des Kapellmeisters Hermann Weller. Eröffnet wurde der Konzertabend durch den Krönungsmarsch aus der Oper „Die Volkunger" von Kretschmer; dies ist ein altes Bravourstück des Vereins, das natürlich großen Beifall heroorrief. Eherubinis „Wasserträger" reihte sich würdig an: die schönen Melodien erfreuten in hohem Maße. Dasselbe läßt sich im großen und ganzen von dem Allegro aus der O-Dur-Sinfonie von Mozart sagen. In dem Konzertina von E. M. von Weber zeigte der Solist Frick eine bewundernswerte Technik, so daß sich der Verein nach lebhaftem Beifall zu einer Zugabe verstehen mußte. Der zweite Teil des Abends begann mit der Ouvertüre zur Oper „Zarnpa" von Herold. Der Solist Schwarzlose spielte das berühmte Solo von B6riot auf der Trompete; mit ausgezeichneter Technik bewältigte er mühelos die schwierigsten Passagen. „Das Glöckchen des Eremiten" erfreute die Zuhörer durch großen Melodienreichtum. Es folgten dann der bekannte Militärmarsch von Schubert. Am Schluß des Konzertes war der Beifall so groß, daß der Orchesteroerein noch zwei Konzertstücke zugeben mußte: Florentiner-Marsch und einen von Kehrmann-Gießen komponierten Marsch. ** Auftrieb auf dem heutigen Fran k- f u r t e r Schlachtoiehmarkl. 363 Ochsen, 30 Bullen, 673 Färsen und Kühe, 409 Kälber, 227 Schafe, 3910 Schweine. Oberhessen. Landkreis Gießen. t. Reiskirchen, 6.März. Im hiesiaen Gemeindewald fand jetzt unsere Brennholzoer- ft e i g e r u n g statt. Es ist in diesem Winter wenig Holz geschlagen worden, und dementsprechend waren die Preise sehr hoch. Im Durchschnitt wurden bezahlt für 2 Raummeter Buchenscheiter 42—46 Mk„ Buchenknüppel 38 bis 44 Mk., Tannenknüppel 18 bis 24 Mk.. Stockholz 18 bis 22 Mk., Buchenreiser 7 bis 15 Mk. Bei Stammholz kam das Festmeter auf 10 bis 16 Mk., je nach der Stärke des Stammes. Kreis Friedberg. sf. Friedberg, 6. März. Der früher hier schon bestehende Frauenoerein vom Roten Kreuz für die Kolonien war infolge der Zeitoerhältnisse und durch den Verlust unserer Kolonien sehr zurück- gegangen. Jetzt ist er unter der Leitung von Frau Kreisdirektor Gebhardt unter dem Namen Graue rne rein vom Roten Kreuz über See -zu neuem Leben erwacht und hat seine alte Mitgliederzahl nicht nur erreicht, sondern sogar überschritten. Auch der Dor- tragsabend in „Groß-Friedberg" war von gutem Erfolge begleitet. Kapitän Herbert (ein geborener Darmstädter) sprach über das Thema „Seefahrt ist not" und wußte mit Unterstützung einer großen Anzahl farbiger Lichtbilder das Interesse der Zu- Hörer für unsere Handelsflotte und deren Wiederaufleben in höchstem Grade zu fesseln. <£ Butzbach, 6. März. Der hiesige Turn- und Sportverein kann in diesem Jahre die Feier des 8 0 j ä h r. B e st e h e n s begehen. Größere turnerische Veranstaltungen sind aus diesem Anlaß für den 5. und 6. Juni geplant. Was der Feierlich- Aus der prsvinzialhauptstadl. Gießen, den 8. März 1926. Am Telephon. Wenn dem Telephon gegenüber immer und überall ein Spiegel wäre, würde mancher erst merken, daß er im Grunde ein sehr höflicher Mann ist. Er verbeugt sich sogar vor Leuten, die persönlich gar nicht anwesend sind, jedenfalls nicht leibhaftiger als in einem Brief, der mit der Post kommt, oder in einer Rechnung, die manchmal die persönliche Eigen- arte charakterisierter hervorhebt, als ein freundliches Telephongespräch. .... Man sehe nur, wie er lächelt! Er zieht die Augenbrauen hoch, bewegt den Kopf hin und her, wölbt die Unterlippe und will charmant aussehen. Wahrhaftig, er möchte den Eindruck erwecken, als wenn er ein charmanter Kerl wäre. Mit einem Schlage aber verändert sich auch sein Gesicht: „Holla, wer ist dort? . . . Bitte, wer ist da?" Vermutlich ist dann ein anderer dazwischen gekommen, denn nun wird er eisig kühl, seine klugen blitzen, die Augenbrauen zieht er nicht in die Höhe, sondern bedeckt mit ihnen das halbe Gesicht, als wenn er durch eine Staubwolke ginge. Nun dienert er auch nicht mehr herum, er ist wie ausgewechselt. Wenn er jetzt in den Spiegel blickte, würde er den Eindruck gewinnen müssen, daß er nichts weiter als ein kühler versierter Geschäftsmann wäre. Es ist klar, daß wir nicht des Telephons wegen diese Liebedienerei treiben. Mit Herz und Seele sind . wir in einer anderen Welt, nicht räumlich getrennt, leben in der Illusion, als würden wir beobachtet, 1 und benehmen uns wirklich so korrekt, wie in der guten Gesellschaft, wenn wir eben drüben diese gute F Gesellschaft vermuten. Der kleine schwarze Hörer und das Sprachrohr treiben ihr Zauderspiel mit uns und sind eins der gedankenlos hingenom- menen Wunder unserer „herrlichen Zeit", das wir nicht mehr missen möchten. . Allerdings sind wir dem Telephon auch lehr viel schuldig: Viel Wege, viel Zeit erspart es uns; vieles Warten in Vorzimmern, viel böse Blicke, Diele Ausreden, auch viele Phrasen. Am Telephon wickelt _ sich alles knaper ab, auch wenn man öftermal schwätzt. Man braucht nicht auf einen Stuhl gebeten zu werden, nicht mit großem Schwung anzufangen und mit gutem Erfolg sein Sprüchlein zu Ende zu bringen. Es ist alles einfacher, sachlicher, aber auch ein bißchen nüchtern. Und wenn wir wirklich dabei ein wenig Herumknicksen und mit der Strippe kokettieren, dann mag das als ein Tribut gelten für die viele Kraft, die man doch dabei spart. E. F. Bornotizen. — Tagestalender für Montag. Freitoirtschastsbund F. FF" 8 Uhr, Kathol. lassen hat und an dessen Stelle die weit bessere ebene Feuerdecke einbaut, trifft man in Deutschland immer noch häufig das alte Feuergewölbe an, welches ein Schmerzenskind jedes Betriebsleiters ist. Die ihm anhaftende Kurzlebigkeit erklärt sich aus den unregelmäßig verteilten Stein- spannungen, welche sich durch das vom Feuer verursachte Wachsen bzw. Schwinden zu regelrechten Diegungsspannungen entwickeln, so daß die feuerfesten Steine, welche nur in ganz geringem Maße Biegungsspannungen vertragen, zerbrechen und heraussaUen. Bei den ebenen Feuerraumdecken, welche an eisernen Trägern aufgehängt sind, werden diese schädlichen Spannungen vermieden, da die leichtbeweglichen Aufhängeeisen jede Wärmeausdehnung mitmachen. Ferner waren Einrichtungen zur Erhöhung des Schornsteinzuges, sowie Meßapparate zur Betriebskontrolle für alle wärmetechnischen Vorgänge, sowie Kesselarmaturen gut vertreten, während die eigentlichen Feuerungen, sowohl für Braun- als auch für Steinkohle ganz fehlten. Wenn auch manche interessante Verbesserung zu sehen war, so konnten wir doch eine außergewöhnliche Reuerung nicht feststellen. Einen interessanten Ueberblick über die Entwicklung der Hochdruckdampfanlagen in den letzten Jahren konnte man bei der Schmidtschen Heißdampfgesellschaft m. b. H. in Kassel ° Wil- helmshöhe erhalten, die eine der ersten ausgeführten. größeren Anlagen dieser Art zeigte, die seit zwei Jahren bei den Borsigwerken in Berlin- Tegel mit 60 Atmosphären normalem Betriebsdruck arbeitet und einen Wirkungsgrad des Kessels von 85 Proz., sowie einen Dampfverbrauch von nur 7,4 Kg. Pro ?. 5.°Stunde bei 10 Atmosphären Gegendruck. Bemerkenswert ist, daß mit dem Abdampf der neuen 800 P.S. Hochdruck- Anlage noch die alte Anlage versorgt wird. An einem aufgeschnittenen Hochdruckkessel sahen wir die nietlose und sichere Ausführung der Trommel und Böden, sowie auch die prattische VereinShaus, öffentliche Versammlung mit Vortrag. — Freiwillige Gießener Feuerwehr: 8V, Uhr bei Dippel. Monatsversammlung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Pak und Patachon als Polizisten". — Astoria»Lichtspiele: ., Frauen im Sumpf". ... — Volkshochschule. Die allgememe Horer- versammlung dieses Semesters findet morgen, am 9. März, in der Oberrealschule statt. Näheres stehe Anzeige. # ** Polizeiliche Warnung an die Hausfrauen. Vom Polizeiamt werden wir um Aufnahme des folgenden gebeten: Es ist verboten: 1. Blumenstöcke, Blumenbretter und andere Gegenstände auf Baikonen, vor Fenstern usw. ohne genügende Befestigung aufzustellen, so daß durch das Herabfallen oder Umstürzen Personen beschädigt werden können; 2. Teppiche, Betten, Abputztücher usw. aus den Fenstern heraus auf die Straße aus- zufchütteln, so daß Personen belästigt oder verunreinigt werden können. — Die Poli^eibeamten sind angewiesen, Zuwiderhandlungen, die nach § 366 Zifs. 8 StGB, strafbar sind, zur Anzeige zu bringen. X EineFührertagung des Kreisverbandes Oberhessen der evangelischen weiblichen Jugend wurde im Markussaal von Pfarrer Becker (Gießen) mit einer religiösen Ansprache eröffnet. Rach einem Gruß des Vorsitzenden, Pfarrer Beyrich (Münzenberg) hielt Landesjugendpfarrer Lic. v. d. A u (Darmstadt) einen eindrucksvollen Vortrag über „Recht und Grenzen der kirchlichen Jugendarbeit". Es wurden besonders die in Hessen verbreiteten Organisationen des Hessenbundes und des Verbandes der evangelischen weiblichen Jugend berücksichtigt. Eine ausgiebige Aussprache, die sich auch mit dem Bund Deutscher Jugendvereine beschäftigte, schloß sich an. ** Für d i e Steuer-Protestkundgebung der wirtschaftlichen Verbände von Gießen und Umgegend am Mittwochnachmittag in der Volkshalle zu Gießen macht sich, wie man uns mit« teilt, in den gewerblichen Kreisen der Stadt und in der Bauernschaft der Umgegend außerordentlich starkes Interesse bemerkbar. Man darf mit einem großen Zustrom von Bürgern aus Stadt und Land zu der Versammlung, die um 3 Uhr beginnt, rechnen. ** Der Ortsgewerbeverein hielt tn diesen Tagen eine Mitgliederversammlung ab, die sehr gut besucht war. Eine eingehende Aussprache über die Frage, vb in diesem Sommer eine größere Gewerbeausstellung veranstaltet werden soll, führte zu dem einstimmigen Beschluß, mit Rücksicht auf die schwere wirtschaftliche Lage davon abzusehen. Das Ergebnis einer Umfrage bei den Ausstellern 1914 bildete die Grundlage dieses Beschlusses. Im Herbst soll gelegentlich einer Ausstellung der Meister- und Gesellenstücke eine größere Handwerkertagung hier stattfinden. Anschließend berichtete Syndikus Röhr sehr eingehend über Ausgaben und Tätigkeit der seit Anfang dieses Jahres im hiesigen Gewerbehaus eingerichteten Handwerkskammer-Reben st eile für ' die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. Von allen Seiten wurde die segensreiche Tätigkeit dieses Amtes für das Handwerk anerkannt. Anregungen der verschiedensten Art bildeten den Schluß der eingehenden Beratung. ** Ein Familienabend der Markus- gemeinde vereinigte gestern in der Stadtkirche eine fo große Anzahl von evangelischen Glaubensgenossen, auch aus den anderen Kirchengemeinden, daß die Kirche außerordentlich stark besetzt war. Aus der Orgel und in Sologesängen sprach der Altmeister der Kirchenmusik Ioh. Seb. B a ch zu den Herzen der Versammelten, im Mittelpunkt des Abends stand ein heimatgeschichtlicher Vortrag des Direktors unserer Universitätsbibliothek Prof. Dr. Ebel. Mit Orgelspiel (Fantasie in O-Moll von I. S. Bach) leitete der Organist der Stadtkirche, Lehrer Simon, die Veranstaltung ein, daraus sang Privatdozent Lic. Saun Bachs Arie für Tenor „Man halte nur ein wenig stille". Sodann sprach Bibliotheksdirektor Prof. Dr. Ebel über Gießener „Hei- matbilber aus der Reformationszeit". In fesselnder Weise entrollte der Redner ein Bild der damaligen Zeit, die jetzt anläßlich der 400-Jahr-Vollendung (1526—1926) in den Mittelpunkt unseres kirchen- und heimatgeschichtlichen Interesses ruckt. Eine Anzahl guter Lichtbilder, hergestellt nach Bildern von Dürer, Cranach und Holbein im Kunstwissenschaftlichen Institut unserer Universität, ergänzte das gesprochene Wort in schöner Weise. Sologesang des Lic. L a u n (Bachs Rezitativ und Arie für Tenor „Welch Uebermaß der Güte") leitete über zu einem Gemeindegesang. Orgelspiel des Organisten Simon (Satz aus der Fuge in v-Dur von I. S. Bach) bildete den Abschluß der Vortragsfolge. Pfarrer Becker dankte zum Schluß dem Vortragenden und den beiden Mitwirkenden für die eindrucksvollen *nb Alq '«Sy ZÄL rHL rt»8 Ä'g Wr -Sn ^togabend in K-S BZ Direktors flari ytßr JTrfi }'e veffentüchkri/ Ä??«1 Mal' 'tnnatrn ^tlitr ****& 16 ^llunyr- von H'W der Bei: ®e{oH beroorrief. lte, fid) würdig an- 1 *n hohem Mch' rtb ganzen von bem °°n Mozart lagen. ■ von Weber zeigte dernimerle 'vhostem Beifall «u w jmelle Teil Des lvertnre zur Oper 'N Schwarzlo|e an SBtriot auf der Technik bewältigte 'Hagen. .Las» die Zuhörer durch 'lgten bann der beert Äm Schlich der groß, daß der Or- i-ierfffiiife zugeben । einen von Äeht» r|d). utigen Frank- tr. 363 Schien, 30 e, M Kälber, 227 ien. ietzen. irz. 3m hiefiaen @e= Brennholzver- biefem Winter wenig mentsprechend waren djfdjniit wurden 6e> fyitei 42-46 M, Tannenknüppel 18 2 M.. PnchmGr , tarn tzchmütt lch bet Türke der iberg. rz. Der früher hier n vom 'Boten Kreuz c der Zeitoerhaltmße Kolonien lehr zmiik- er Leitung von Frau unter dein W Noten Kreuz r-ben erwacht uiw erzähl nicht nur ritten. Auch der Sor- rfl" war von gutem rbert (ein geborener Thema „Seefahrt 'tt tichung einer grohen )ü5 3ntereflc ter g te und deren W “S?5*Jtar{k , in bielem Sohre v ' rMZ ib ec Prak- damit m M fac 1^. rÄW t diela gj Tatsache W/ti wahrst n l^,7nsgtsM Keksen Men die zahl' erei alJf, neb^r fl. be« ^Z°!7d **• » 9OT’,Ä h dem D-^rchbrl' konE«verbr^ 1 2ren"Lieile W ib ihrer r wehr M 1 er 111,9 . Die ul'. <$** -«- Ä“«- eine **• teil etxe besondere Note geben und sic .zu einem beachtenswerten turnerischen Ereignis machei'. wird, ist die Tatsache, daß die aus rheinischen und west- fäkschen Turnern zusammengesetzte Finnland- riege der D. T. mitwirken wird. Die endgültige Zusage ist dieser läge hier eingetrossen. Die durch ihre Werberetse durch Finnland bekannt gewordene Riege war auch an den turnerischen Veranstaltungen bei der Hermannsfeier in Detmold hervorragend beteiligt! sie geht aus Einladung des Deutschen Turnerbundes voraussichtlich im Juli dieses Jahres nach Amerika. Kreis Schotten. wg. Webern, 6. März. Ein schwerer Verlust Iras die hiesige Kirchengemeinde durch den Tod des allscits hochgeschätzten Kirchenvorstehers Heinrich Franz II. Ein großer Trauerzug gab dem im Aller von 67 Jahren Dahingeschiedenen das letzte (Beteile. Franz war seit 24 Jahren Mitglied des Kirchenvorstandes gewesen und hatte sich durch lein reges Interesse an kirchlichen Dingen und durch fein mannhaftes Eintreten für kirchliche Belange hohe Anerkennung erworben. Dem Kriegervereine hatte der Verstorbene 43 Jahre lang angehört. lg. Gedern, 6. März. Obstbauinspektor Wiesner Gießen hielt in der hiesigen Ortsgruppe des Ob st undGartcnbauvereins einen V 0 r- trag über das Thema: „Notwendige Maßnahmen zur vermehrten und verbesserten Obsterzeugung in bäuerlicher und Gemeindewirkschaft". An den sehr lehrreichen, Vortrag schloß sich eine' lebhafte Aussprache, in deren Verlauf Bürgermeister Mül l c r den Beitritt zum Obst- und Gartenbauverein warm empfahl und einem intensiveren Obstbau das Wort redete. Der nächste Vortrag soll den Gemüsebau behandeln. Kreis Lauterbach. fl. Maar, 6. Mörz, 'Nachdem unsere A r • beitsI 0 sen seither mit der Herstellung von Schottersteinen zum Decken der Gemeindewege beschäftigt worden waren, brechen sie jetzt aus der Bilskuppe Basalt st eine. Dort kommt ein sehr hartes Gestein meterweise .zutage, das sich vorzüglich als Baumaterial eignet. Man hofft, einen Steinb mit) anlegen zu können, der eine willkommene Arbeitsstätte für manchen Einwohner und av* eine Einnahmequelle für den Gemeindesäckel werden würde. Trotzdem müssen aber alle Heimatfreunde darüber wachen, daß das Bielwäldchen, das Wahrzeichen unseres Dorfes, nicht verschwindet. Preußen. V"f' Kreis Wetzlar. ch. Lützellinden. 5. März. Der Roggen an tiefgelegenen Stellen unserer Gemarkung hat durch die starke Feuchtigkeit der letzten Zeil gelitten. Dagegen ist das feuchte Wetter den Kleesaaten sehr vorteilhaft gewesen, da es diese vor Mäusefrah bewahrt hat. — Auch in unserem Orte hat das ungewöhnlich hohe Grund- wasser Schaden angerichtel. Richt nur in manchen Kellern hat es sich zum Verdruß der Besitzer eingestellt, sondern auch in den Dickwurz- kauten viele der aufbewahrten Runkelrüben mit Fäulnis behaftet. <> Hochelheim, 6. März. Die hiesige Gemeinde hat den Ausbau einer 250 Meter langen Wege st recke zwischen der K l e e b a ch - S t r a ß e und dem Moorweg beschlossen. Die Arbeit ist von der Negierung als Notstandsarbeit anerkannt. zu welcher der Gemeinde ein Zuschuß aus Mitteln der produktiven Erwerbslosensursorae bewilligt ist. Bei dem Wegebau werden die Erwerbslosen der hiesigen Gemeinde beschäftigt werden. Die Gesamtkosten der Arbeit sind auf rund 10 000 Mk. veranschlagt. O Ebersgöns, 6. März. Das von der Oberhessischen Kalk - und Stein-Industrie G. m. b. H. zu Butzbach im Distrikt «Berg" in der hiesigen Gemarkung betriebene Kalkwerk ist seit kurzer Zeit in seinem Betriebe wesentlich eingeschränkt. Der Kalk- vfen sst vollständig außer Betrieb gesetzt. -3m Steinbruch wird nur noch an drei Tagen in der Woche gearbeitet, um auf diese Weise eine Arbeitsstreckung zu erzielen und Entlassungen von Arbeitern zu vermeiden. Dillkreis. bl. Herborn, 6.März. Das hiesige Alter- tumsmufeum erfuhr in der letzten Zeit eine starke Förderung. Man hat die Gegenstände vermehrt, |o daß heute dem Besucher ein umfassendes Bild über die Vorzeit bargeboten wird. Neuerdings ist der Altertums- und Geschichtsverein daran, einen weiteren Raum zu beschaffen, in dem Jndustrieer- zeugnisse aus den Jahren 1850—1900 ausgestellt werden sollen. Maingau.' WSR. Frankfurt a. M, 6. Warz. 3n einem Vers 0 rgungsheim in der Richard- Wagnerftraße ist unter den Insassen eine epi- demif che Darmkrankheit ausgebrochen. 3m ganzen sind zehn Personen erkrankt, die nach der Infektionsabteilung des Städtischen Krankenhauses in Sachsenhausen verbracht wurden. Bei dreien wurde positiv Ruhr sestgestellt. Bisher sind zwei Fälle tödlich verlaufen. — F e st g e n 0 m m e n wurde der wegen Betrugs und schweren Diebstahls erheblich vorbestrafte Klempner Theodor Wilhelm G u e l s, der hier unangemeldet wohnte und wegen umfangreicher Betrügereien gesucht wurde. Guels nannte sich Dr.-3ng. Guels und auch 3 n - genieurWoels. Bei ferner Festnahme wurde bei ihm ein: umfangreiche Korrespondenz gefunden, aus der hervorgeht. daß er auch als Heiratsvermittler tätig war und wahrscheinlich auch als solcher Schwindeleien begangen hat. — Zu dem kürzlichen Leichenfund an der Riederräder Schleuse ist jetzt sestgestellt worden, daß es sich um den seit 1. Februar vermißten Postschaffner Schäfer aus Marburg handelt. Wie aus Marburg berichtet wird, soll kein Selbstmord vor- liegen. Es sei im Gegenteil mit Sicherheit anzunehmen. daß Schäfer einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei. Man habe an dem fraglichen Abend an der Unglückstelle Hilferufe gehört. Eine Untersuchung ist im Gange. Kreis Fulda. WSR. Fulda. 6. März. Während des gestrigen Gewitters schlug im nahen Petersberg der Blitz in die Scheune des Landwirts Herr II. ein. 3m Ru brannte die mit Vorräten und landwirtschaftlichen Maschinen gefüllte Scheune lichterloh. Bei dem herrschenden Sturm griff das Feuer mit derartiger Schnelligkeit um sich, daß das Gebäude innerhalb einer Stunde vollständig eingeäschert war. Rur dem schnellen Eingreifen der in der Rühe beschäftigten Rotstandsarbeiter und der Petersberger Feuerwehr ist es zir verdanken, daß noch ein Teil der Wagen und Maschinell gerettet werden konnte. Kreis Herssetd. WSR. H c r s f e l d . 6. März. Die Stadt Hersfcl'o hat sich mit 13 weiter nördlich gelegenen kurhessischen Orten zu einem Theaterring zusammengeschlossen. Der Zweck des Zusammenschlusses ist der gemeinsame Besuch von Vorstellungen des Kasseler Stadt- t h e a t e r s. Da aus diese Weise immer eine Vollbesctzung des Stadttheaters gewährleistet ist, können die Preise für die Vorstellungen- verhältnismäßig niedrig gehalten werden, so daß ein großer Teil der Provinzbevölkerung an den Kulturgenüssen teilnehmen kann. WSR. Riederaula, 5. März. Ein von Marburg kommendes Auto fuhr heute zwischen Riederaula und Hersfeld bei Kleba gegen einen Kilometer st ein und über» schlug s i ch. Von den beiden Insassen erlitt einer mehrere Rippenbrüche und eine Brust- guetschung. während der andere mit Hautabschürfungen davonkam. Das fast völlig in Trümmer gegangene Auto muhte abgeschleppt werden. Kaufmannsgehilfentag in Wiesbaden. WSR. Wiesbaden, 7. März. 3m hiesigen Kurhause tagte heute der 13. Kaufmannsgehilfentag des D. H. D. für beide Hessen, Rassau, Waldeck und das Rahegebiet der außerordentlich stark besucht war und zu den wesentlichsten Tagesfragen Stellung nahm. Die Grundlagen für die angenommene Entschließung legten Vorträge des Frankfurter Kreisgeschäftsführers Lauer über „Arbeitsgerichte und unser Recht auf Arbeit" und des Gauvorstehers Auerbach» Frankfurt a. M. über den „Rationalen Lebenskampf der deutschen Kaufmannsgehilfen". II. a. wurde die schleunige Verabschiedung des Ar b ei ts ger icht s ge- s e h e s und eine Arbeitsgemeinschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern als wichtigste Voraussetzung auf innerpolitischem Gebiet für die Gesundung unseres sozialen und Wirtschaftslebens gefordert. 3n diesem Zusammenhang wurde gegen die A b - baumahnahmen auf tariflichem Gebiet protestiert und indbefonbere verstärkter Schutz der älteren Angestellten verlangt. Rach einem Schlußwort des Reichstagsabg. Thiel wurde die Tagung geschlossen. für viele Fabrikations- und Lagerbetriebe ist. in denen feuergefährliche Flüssigkeiten verarbeitet über gelagert werben. In bieten Fällen ist bas Löschen mit einer Flüssigkeit nicht angebracht, unb Löschmittel wie Sand, Löschpulver, Kohlensäure bringen nur bei kleinen Mengen brennender FlüssiAeit einen Erfolg. Eine Höchstleistung deutscher Technik sind die Hochdruckkessel von Krupp von über 12 Meter Länge unb 1,5 Meter Innendurchmesser. Die Eigenart der Kruppschen Steinstrahlösen besteht darin, bah die Wärmemengen, die mit Oefen bei offener Flamme durch Leitung und Strahlung verloren gehen, von den Etrahlsteinen aufgenommen unb gleichmäßig auf das Ofengut aus- gestrahlt werden, ohne bah die zu behandelnden Gegenstände mit der Flamme in Berührung kommen. Die Oefen werben mit Gas geheizt unb für Temperaturen bis zu 15000 hergestellt. Ium Tode von Otto Ernst. Otto E r n st ist, wie wir schon kurz berichtet haben, im Alter von 64 Jahren in Ottensen verschleben — bicfe knappe Meldung ruft lebhafte und teilnahmsvolle Erinnerung an einen Dichter wach, um den es in den letzten Jahren stiller geworden war. der sich aber mit feinem Werk schon längst in die Liebe des deutschen Hauses und Volkes gebettet hatte. Gewiß, Otto Ernst hat keinen Feind, hat kaum jemals einen gehabt. Mochte seine impulsive Ratur bisweilen aufbraufen, sich mit einem falsch gewählten Gcg- ner messen, mochte er sich im Ton vergreifen: das alles wiegt heute nicht mehr schwer, das wirb ausgeglichen und überbrückt durch seine behäbige, freundliche Versöhnlichkeit, durch den versonnenen Humor seines niederdeutschen Wesens, durch seine ganze Art, die sich immer als männlich unb grabe bewiesen hat. Wenn er jetzt von der Höhe seines Alters auf seine Lebensbahn zurückschaute: es ist ihm Nicht leicht geworden, sich diesen Strom warmer Teilnahme zuzuleiten. Gr stammt aus den kleinsten Verhältnissen, und als Sohn des Zigarrenarbeiters Asmus Ludwig Schmidt in Ottensen geboren, arbeitete er sich unter Entbehruttgen und strenger Bemühung zum Seminaristen und Dolksschullehrer empor und wandte sich später ganz dem Beruf des freien Schriftstellers zu. Und mit einem Erfolg, der wohl feine ehrgeizigsten Träume übertroffen hat. Don seinen Kinderjahren hat er uns in dem autobiographischen Roman „Asmus Sempers Iugendland" erzählt, in dem er zugleich mit vielen feiner Zeitgenoffen den Versuch machte, den alten Bildungsroman - von neuem zu beleben und zu modernisieren, und er schildert, wie es seine Art ist. einfach, kunstlos, mit warmer Empfindung, die kleine Welt, die dies Iugendreich ausmachte, und die Gestalten der Menschen, die es erfüllten. Dieses Buch ist heute in vielen Auflagen verbreitet und also ein gediegenes Volksbuch geworden. Im Jahre 1901 hat Otto Ernst seinen ersten, ganz großen Erfolg buchen können: das war fein Lustspiel „Flachsmann als Erzieher", jene Komödie von dem betrügerischen Volksschulleiter, die wir alte kennen, deren Technik und scharf gesehene Typen auch heute noch, trotz Schützengraben unb Expressionismus, immer wieder ein erheitertes unb gerührtes Publikum finden wird. Aber um ein vollständiges Bild seines Wesens zu geben, ist auch noch an seine humorvollen Plaudereien „Laßt Sonne herein", „Ein frohes Farbenspiel" unb an bie Kinbererzählungen von seinem Töchterchen „Appelschnut" zu erinnern. Von den sehr zahlreichen Büchern des unermüdlich Fleißigen feien nur diese genannt; denn sie enthüllen seines Wesens Kern, er war kein Großer im Reiche der Dichtung, aber eine freundliche und sonnige Schriftstellernatur, die viel Freude verbreitet hat, und der eine dankbare Erinnerung auch über das Grab hinaus gewiß ist. G. B. Wirtschaft. Friedrich Krupp A.-G., Essen. Die ordentliche Hauptversammlung der Friedrich Krupp A.-G. genehmigte den Geschäftsabschluß 1924 25. Die F r i e d r. Krupp A.-G. schließt ihr Geschäftsjahr 1924/25 mit einem Betriebsüberschuß von 32 132 255 Mark. Dagegen belaufen sich die Steuern auf 15 593 1 24 Mark, die Ausgaben für die Angestellten- und Arbeiteroersicherung auf 6 539 189 Mark, die Zinsen auf 4 243 941 Mark unb verschiedene Ausgaben und Verluste auf 15 754 257 Mark. Zusammen betragen die Ausgaben 47 426 023 Mk. Es ergibt sich also ein V e r l u ft von 15 293 772 Mark, der vorqetragen wird. Die Zahl der Werksangehörigen, emfchließlich derjenigen der Tochier- unternehmungen. betrug am 30. September 1925 insgesamt 65 145. Die Friedrich Krupp Grusonwerke A.-G. in Ttagbcbiirg hat das Geschäftsjahr 1924/25 mit einem Gewinn von 694 906 Mark abgeschlossen. Die Zahl der Werksangehörigen betrug am 30. September 1925 insgesamt 4682. Die. Fried r. Krupp Germaniawerft A.-G. in Kiel weist für Sonderabschreibung auf Anlagen einen Verlust von 7 Millionen Mark aus. Die Zahl der Werksangehörigen betrug am 30. September 1925 insgesamt 5871. Bei der Aktiengesellkschaft für Unternehmungen der Eisen- und Stahlindustrie in Berlin hat auch im Geschäftsjahr 1924/25 ein eigener Geschäftsbetrieb nicht statt- gefunden. Zu dieser Bilanz bemerkte Krupp von Bohlen und Halbach, daß die Liquidität der Bilanz gegen das Vorjahr gebessert erscheine. Seit dem Bilanzstichtage habe sie weiter erhebliche Fortschritte gemacht. Die Bank- und Akzeptschulden sind inzwischen von 21,9 Mill. Mk. auf etwa 9 Mill. Mk. zurückgegangen, denen Guthaben in Höhe von über 5 Mill. Mk. gegenüber; stehen. Der Verlust von mehr als 15 Mill. Mk. sei nicht nur auf die allgemein ungünstige Konjunktur zurückzuführen, sondern darauf, daß Krupp seine besonderen Schmerzenskinder habe. Der Hauptverlust fei auf der Germaniawerft entstanden. Die Ausführung übernommener Schiffsbauten konnte nur mit großen Zubußen zu Ende geführt werden. Jrn übrigen bedeute der von der Gesellschaft betriebene Erzbergbau im Siegerland und Lahn gebiet eine weitere Verlustquelle. Der Ruhreinbruch und vor allem die durch die Interalliierte Kontrollkommission verfügte Ma- schinenzerftörung haben die Friedrich Krupp A. G. in voller Schwere getroffen. Allein infolge der Maschinenzerstörung bleibe der Firma ein Verlust von fast 100 Mill. Mark. Daneben bedeute das Zer- störungswerk eine starke dauernde Schädigung der industriellen Leistungsfähigkeit der Firma. Man habe aber auch auf erfreulichere Tatsachen hinzuweisen. So habe das Grusonwerk in Magdeburg wieder mit Gewinn abgeschlossen, die Friedrich -Alfred -Hütte vermochte dank ihrem modernen technischen Aufbau und ihrer günstigen Lage ein befriedigendes Gesamtergebnis zu erzielen. Die Kohlenzechen haben zum Teil lieber- schüsse abgeliefert. Auch die hochentwickelte Edelstahl- Produktion in Essen bedeute einen Lichtpunkt in dem Gesamtbild. Zu dem Riesenzusammenschluß in der rheinisch-westfälischen Kohlenindustrie äußerte sich Herr Krupp von Bohlen und Halbach wie folgt: „Durch einen Zusammenschluß soll eine Rationalisierung der Produktion in großem Aus- maße erreicht werden, wie wir sie in dem kleineren Rahmen unseres eigenen Konzerns erstreben. Wir inb der Gemeinschaft nicht beigetreten. Die Eigenart »es technischen und wirtschaftlichen Aufbaues untrer Werke ließ uns ein Aufgehen unserer Firma in eine Gemeinschaft nicht ratsam erscheinen. Mer es gibt wohl Gebiete, auf denen wir mit der neuen Gemeinschaft werden zusammenarbeiten können. Wir wünschen, daß die Bemühungen unserer Nachbarwerke bald zum Ziel führen unb Erfolg haben.- Im Anschluß an diese Ausführungen teilte der Redner über die Entwicklung des Ausfuhrgeschäftes noch folgendes mit: „Wir haben unseren Auslandabsatz nach Kräften gefördert. Beträchtliche Mengen an Eisen und Stahl, Walzfabrikaten und Schmiedestücken wurden von uns im verflossenen Jahre an das europäische Ausland und nach Uebersee geliefert, ferner Schiffe von der Germaniawerst, Kolonialmaschinen und Aufbereitungsanlagen des Gru- fonwerkes, Lokomotiven, Kraftwagen, Textilmaschinen, Dieselmotoren und andere Fabrikate der Essener Werkstätten. Krupp war auch eine der ersten deutschen Firmen, die mit Rußland Geschäftsverbindungen in großem Umfange angeknüpft haben. (Biebener Stadttheater. Zuckmaher: „Der fröhliche Weinberg". 3n Zuckmahers „ Fröhlichem Weinberg" übernahm am Sonntag Alix Krahmer nach ihrer Wieder-Herstellung von einer längeren Grippeerkrankung die Rolle des Klärchen. Dem prächtig urwüchsigen Töchterchen des alten Gun- derloch wußte Fräulein Krahmer temperamentvolle Frische und köstliche Schalkhaftigkeit, besonders auch in der Wirtshausszene, zu geben. 3m ersten Akt darf sie sich indes nicht zu sehr von dem edigen, immer noch zu wenig naivem, zu gewichtig dramatischem Spiel ihres Partners beeinflussen lassen. An rheinischem Dialekt könnte sie bei ihrer Freundin Babette noch manches profitieren. Derolinismen sind auf dem fröhlichen Weinberg fehl am Ort. Aber im übrigen eine überaus frische, abgerundete Leistung. Das recht gut besetzte HauS nahm auch die Wiederholung des löstlichen Volksstücks sehr herzlich auf. L. Geheimsprachen derNalurvölker Das Wort hat zu allen Zeiten auf die große Menge um so stärker gewirkt, je dunkler der Sinn war, der sich hinten den Worten verbarg. Daher erklärt sich die Vorliebe für Geheim- sprachen bei Zauberern und einzelnen Genossenschaften, die sich von der Allgemeinheit abfondern wollten. Solche Geheimsprachen finden sich bereits bei den primitiven Völkern: ja sie sind von ihnen reich ausgebildet worden, wie Prof. Levy - Brühl in seinem grundlegenden Wert „Das Denken der Naturvölker' hervorhebt. Für den Naturmenschen nehmen ja alte Dinge einen mystischen Charakter an, und fo hat man natürlich auch dem Wort allerlei magische Kräfte zugeschrieben. 3m Rainen des Einzelnen ist fein ganzes Wesen beschlossen, und die bloße Tatsache daß man den Ramen ausspricht, genügt schon, um auf den Träger einen Einfluß zu ge- unferer großen öotomotiDtieferuna 1920/21 sind wir mit ytuplanb in dauernder geschäftlicher Verbindung geblieben und haben In letzter Zen auch neue Ausfuhrwege mit dem Export von Land- und Textilmaschinen nach Rußland betreten. Unsere russischen Abnehmer find bei der Uebernahme un lerer Produkte sehr sorgfältig, mitunter sogar scharf verfahren, aber ich bekenne gern, daß dieses Verfahren doch immer zu einer guten Abwicklung geführt hat, unb daß insbesondere alle Vertrags- dedingungen von beiden Seiten genau erfüllt worden sind. Wir haben uns ferner bemüht, zur wirt jchastlichen Erftarkuna dieses großen, für Deutschlands Ausfuhr so wichtigen Landes noch in anderer Weife beizutragen. Auf einem gepachteten Gelände nm Manytfch haben rotr landwirtschaftliche Musterbetriebe errichtet, um Rußland bei der Wiederaufrichtung seines wichtigsten Erwerbszweiges, der Landwirtschaft, behilflich zu sein. Nach anfänglichen Schwierigkeiten läßt sich die Entwicklung dieser landwirtschaftlichen Betriebe günstiger an, wenn sie auch leider noch nach wie vor beträchtliche Ansprüche an die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stammfirma stellt.* Wie der Redner noch mitteilt, ist die erste Rote der Amerika-Anleihe dem Vertrage entsprechend zurückgezahtt. Für die Rückzahlung der zweiten Rate seien die Mittel schon jetzt bereitgestellt. Nehme man alles in allem, so sei Krupp zwar kleiner und ärmer geworden, das Unternehmen jedoch im Kern gesund geblieben. Statistik der A.-G.-Insolvenzen. Vergleicht man die bei der Zählung vom 30. September 1909 bestehenden 5222 Aktiengesellschaften mit einem Gesamtaktienkapital von 14,7 Milliarden Rm. mit dem Stand vom 31. Dez. 1924 mit 17 074 Gesellschaften und einem geschähe ten Aktienkapital von 16,5 Milliarden Rm., so ergibt sich, daß bei einer Vermehrung der Gesellschaften um mehr als das Dreifache das Aktienkapttal nur unwesentlich gestiegen ist. Während im Jahre 1912 20 Konkurse festgestellt wurden, wurden 1925 insgesamt 528 Konkurse und 400 Geschäftsaufsichten gezahlt. Der monatliche Durchschnitt des Jahres 1925, der bei Konkursen sich auf 44 stellte, wuchs im Januar d. 3s. weiter auf 57, um bann im Februar auf 47 zurückzugehen. Der Monatsdurchschnitt der Geschäftsauf- sichten des Jahres 1925 betrug 33 und zeigte im Januar eine Verdoppelung auf 66, um sich dann wieder auf 34 im Februar zu senken. Don den 104 Konkursen der beiden letzten Monate betrafen 88 Gesellschaften, die in den 3ahren Jahren 1921 bis 1923 gegründet wurden, während von 100 Geschäft Kaufsichten 76 über in diesem Zeitraum gegründete Gesellschaften verhängt wurden. Don den Insolvenzen wurden in der Hauptsache mittlere Firmen betroffen. So hatten von 90 in der letzten Zeit in Konkurs geratenen Firmen 31 ein Kapital von 20 bis 100 000 Rm.. 32 ein solches von 100 bis 500 000 Rm., und von 94 unter Geschäftsaufsicht gestellten Unternehmungen besaßen 26 ein A.-K. von 20 bis 100 000 Rm. und 48 ein A.-K. von 100 bis 500 000 Rm. * Bauxitwerke X®., Gießen. Die v. H.-D. genehmigte mit 3654 gegen 1288 Stimmen den Abschluß für das Geschäftsjahr 1925, der bei einem Aktienkapital von 137 000 Mk. einen Derlust von 38 551 Mk. (L D. 6941 Mk.), zusammen also 45 492 Mk. ausweist. Vorstand und AuftichtSrat wurden in entsprechendem Verhältnis entlastet. Der Antrag der Oppositton, eine Revisionskommission zwecks Prüfung der Geschäftsbücher und Transaktionen einz^etzen, wurde abgelehnt, dagegen wurde die Liquidation mit 3654 bei 1288 Stimmenthaltungen angenommen; zum Liquidator wurde Direftor Bäcker gewählt, mit dessen Wahl sich die Oppositton nicht einverstanden erklärte und deshalb den Antrag stellte, den Liquidator durch daS Gericht beftim- men zu lassen. Die Opposition gab ihren Protest zu Protokoll. 3n dem Geschäftsbericht toetft die Gesellschaft daraus hin, däß sie die ßiquibatton beantragt habe, weil keine Desserlmg der Wirtschaftslage zu erhoffen sei. * Zunahme der Dauanmeldungen. 3m Monat Februar wurden ihm Bautennach« weis der „Dauwelt" 3387 Wohnhäuser und 701 sonstige Bauten (Kirchen. Schulen, Krankenhäuser, Fabrikgebäude, Derwaltungsgebäude, Garagen, Drücken usw.) veröfientlicht, gegenüber 2272 Wohnhäusern und 744 sonstigen Bauten im Monat Januar. 3m Februar 1925 wurden 2401 Wohnhäuser und 524 sonstige Bauvorhaben gemeldet. * *5)0.6 R. W. G. im Saar - und Mosel- g e b i e t. Wie verlautet, beabsichtigt das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk die Mettlacher Winnen. Deshalb sind Dorsichtsmahregeln beim Aussprechen der Worte notwendig, und man muh verhindern, daß die Worte mißbraucht werden. So haben z. B. in den meisten Sprachen Rordamerikas die Frauen einen anderen Wortschatz als die Männer. Wenn die jungen Leute in die Gemeinschaft der Männer des Stammes auf genommen werden, dann lehren sie die Alten eine Geheimsprache, die für die, die die Weihe nicht empfangen haben, unverständlich ist. Bei der Jagd muh man sich hüten, die Ramen der Tiere, beim Fischfang die der Fische, die man erbeuten will, auszusprechen. Daher verwenden die Eingeborenen des malaiischen Archipels eine besondere Sprache, wenn sie fischen gehen, und auch bei der Suche nach dem Kampfer sind ihnen ganz bestimmte Ausdrücke vorgeschrieben. Aus Madagaskar hat der König die Macht, gewisse Worte für tabu zu erklären, die dann nur von ihm verwendet werden dürfen. In zahlreichen niedrigen Gesellschaften dürfen Schwiegermutter und Schwiegersohn miteinander nicht reden: damit sie fich doch aber notdürftig verständigen können, gibt es eine Art Mischsprache. deren sich die Schwiegermutter in Gegenwart des Schwiegersohnes bedienen darf. Bei den Zauberzeremonien und anderen religiösen Feierlichkeiten werden Gesänge und Formeln verwendet, deren Sinn für die Hörer, manchmal sogar für die Ausübenden, gänzlich verloren gegangen ist Solche unverständlich gewordenen Zauberformeln haben sich ja überall erhalten. Bei den Indianern RordarncrikaS tft die Sprache, die für die Fest gelänge benutzt wird, von der Anterhaltungssprache streng verschieden. Rur dte Medizinmänner verstehen den Sinn dieser altertümlichen Formeln und bringen sie ihren Schülern mit großer Mühe bei. Man hielt an diesen Geheimsprachen mit solcher Zähigkeit test, weil man in ihnen die Zauberwirkung aufgespeichert glaubte, die seit unvordenllichen Zeiten den Zere- monien anhaftet. Dörkenkvrle. 108,73 93 63,75 26,2i 5,25 108,6 45 47,5 66 25 5 4.5 108,25 43 46 43 | 93,12 66 26 I 4 75 1DG 43 5 ! 46 5 Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Giehener Anzeigers".) Berlin, 8. März. Der Beginn der Genfer Verhandlungen war vorbörslich eine Mahnung für die Spekulation zur Zurückhaltung. Das Geschäft setzte daher außerordentlich still ein. Die HvastwerK in Pacht zu nehmen. Verhandlungen mit dem Kraftwerk Mettlach sind bereits auf- Genommen, jedoch können Angab rn über den Verlauf und die Aussichten dieser Vorverhand- limgen vorerst noch nicht gemacht werden. * Reue Betriebseinschränkungen und Entlassungen im Ruhrbergbau. Bei der Adler A.G. für Bergbau ist, wie her DHD. erfährt, die Entlassung von 700 Leuten beantragt worden. Es sollen hiervon ca. 400 Arbeiter auf Zeche Johann Deimelsbera und ca. 300 Arbeiter auf Zeche Zentrum IV—V am 1, April zur Entlassung kommen. Zeche Waltrop beantragt die Kündigungsgenehmigung für ca. 500 Arbeiter und 30 Angestellte zum 15. März für den 1. April. * 2 0 Millionen 6 Vr proz. Württe m- bergische S ch a tz a n w e i s u n g en. Ein unter Führung der Preußischen Staatsbank, des Bankhauses Mendelssohn & Eo. und der Reichskreditgesellschaft A. G. Berlin stehendes Konsortium hat 20 .Millionen Reichsmark öV^proz. Württernbcrgische Staatsschahanweisungen mit dreijähriger älrnlaufzeit übernommen. Ein Teilbetrag der Schahanweisungen ist im Ausland plaziert. Der noch vorhandene Bestand soll anfangs dieser Woche freihändig zum Preise von voraussichtlich 97 Prozent zum Verkauf kommen. Frankfurter Armaturen - > Konservenfabrik Braun . . Metallgcsell'chaft Frankfurt Pet. Union A.-G...... Schuhfabrik öctj...... Sichel............. Zellstoff Waldhof------ Zuckerfabrik Frankenthal . Zuckerfabrik Dagbäuscl . . Frankfurt a.M. Berlin Stbiu’;.i i-Uhr. Schluß. Anfang Kurs 1 fiitrs flute ! Dalum: 6.3, 1 83. 6.3. | 8 3. 5% Deutsche Rcichsanleihe ■ ■ .3875 । 0,396 0,382 I 0,345 4% Deutsche Reichsanleche . — 1 — — 1 0.385 3'/a0/n Deutsche Re,chöan leihe 0,360 .— — 1.3825 3% Deutsche Rcichsanleibe . Deutsche Svarprämienanleihe <1.4 H) — 0 41 0,400 U 221 | — 0 235 — 4®/0 Preußische Konsuls • . . .355 ' — 0.37 — 4% Hessen........ • 0 35 — 0 395 — 3*/i°/o Hessen . ......... — — 0 37 — 3°/0 Hessen........x.'.' — — 0.37 Deutsche Wcrtd. Dollar-Änk. 100 —- 95 7 — dto. Doll.-Schatz-Anweisug.') 99,4 — 99,55 — 4e/0 Zolltürken......... 12,25 12.3 12.1 — 5°/0 Goldmcxikaner ... . 39,75 39 25 — — Berliner Handelsgesellschaft. 148 — 147* 148' Commerz- und Privat-Bank 110.5' n r 110* 111* Darmst. und Narionalbank . 128.25 — 128' 128.4* Deutsche Dank......... 128 —— 127,9* 128,2* Deutsche Vereinsbank .... 73,5 — — Disconto Commandtt . . . 121.5* — 120,5* Metalldank.......... 84 5 — — — Mitteldeutsche Creditbank. . 102.5* 103* 102,7 —• Oefterreichische Creditanstalt. 6,62 6,9 t>,9 7 Westbank ......... 0 039 0,039 — —- Bochumer Guß . ....... 85 8),5* 85.4* Buderus ........ 45.75 — 45 44,5 Caro ............ 45a — 46,25 — Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . 88,25 88.75 89,75* - 88.75' 84 25* 89' 89,75* fiarpencr Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... 105,5 105,7* 105.7* 117,75 106* - Kaliwerk Westeregeln..... 124,75 121 122,25 122 Laurahütte......... 34 — 34,75 36 Oberbedarf. ....... 48.25 — 50 47.5* Phönix Bergbau ...... 75.62* 76.1* 75 9* 76,75* Rheinstahl........... 82* 82* 82' 82,2V Riebeck Montan....... 81 83.5 Tellus Bergbau...... 51 — — Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Lloyd . ... 139 5* 136 5* 140* 138* 139 135,75 — Cheramische Werke Albin . . 1 40.5 — _ — Zementwerk Heidelberg .. . 85,25 85,75 — _ Philipp Holzmann ...... 67 — 66.25. Anglo-Cont.-Guano..... — — 85 Chemische Mayer Alapin . . — — — — H. G- Aarbenindnstrie, A^-G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung ........ Rütgerswerke ......... 127.5 69 12 ■1,6* 69,25 127* 08 128,7* 6.*,25 62,5 76.5 -.3 76 76,25 Scheideansialt......... 92 — — Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 94* 94,25* 94,L* ' 94 Bergmann . . ........ Mamkraftwerke ........ 85 -d 84 83 25* —• — — — ischnckert........... 84,5* —. 84.4 85* Siemens & Halske ...... 105 — 104* Adlerwerke Kleyer ...... 43 18 1 49 43,75 46.5 Daimler Motoren. ...... 39 5 43 40 44 Heyligenftaedt......... Megmn............. 23 28 2 29,5 — Motorenwerke Mannheim . — 1 — — — Aestsetzung der ersten Kurse brachte dann einen Umschwung und eine prozentweise Steigerung Jur Schiffahrtsaktien. chapag und Norddeutscher Lloyd wurden in namhaften Betragen — anscheinend von der Wasserkante — aus dem Markte genommen. Die Festigkeit dieses Marktaebietes gab sodann der gesamten Börse einige 2mregung, so daß die Kulisse aus ihrer abwartenden Haltung her- ausging und zu Käufen schritt. Bei teil m e tj e lebhaften Umsätzen konnten daher nach der ersten Kursfestsetzung unter Führung besonderer Spezialwerte leichte Kurssteigerungen erzielt werden. Im Vordergründe standen neben Schiffahrtswerten Kriegsanleihen, die bis zu zu 0,397höher gingen, ferner die Mehrzahl der Autoaktien, von denen Daimler 4 Prozent gewinnen konnten. Auch die unnotierten Autoaktien waren stärker gefragt und höher. Nur Monta tz - werte machten diese Aufwärtsbewegung nicht mit, da hier die Krupp-Beröffentlichungen und die weitere Frankensenkung verstimmten. Pans gab gegen London bis auf 136,25 nach. Das Zustandekommen der Staatsaktion für die oberschlesischen Eisenwerke war schon am Samstag spekulativ verwertet worden, für Oberbedarf und Caro traten heute sogar mehrprm zcntige Verluste ein. Am Geldmarkt stellte sich tägliches Geld auf 5 bis 6,5 Prozent bei reichlichem Angebot. Monatsgeld 6,5 bis 7,5 Prozent. Devisenmarkt Berkin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Banknoten. 6 März. 8- März. Amtliche Noti'rung Geld । Brief Amtliche Notierung 6>eld ! Brief Amst-'stioti. 168.21 168^3 168.27 168,69 Bueu-Aires 1,693 i, 197 1,6j3 19 055 1,697 19,095 Brss.-Antw. 19,05 19,09 Christiania. 89,53 89,75 89.84 90,06 Kopenhagen 106,76 112,43 109,04 108.83 109.11 Stockholm . 112,71 112,58 112,76 Hclsingfors. Italien. . . 10.555 10,695 10.555 10,495 16.84 16,88 16.83 16,87 London. . 20,378 20,430 20,382 •20,4 4 Neuyork . . 4,195 4.205 4,195 4,20*> Parts... 15,16 15,20 15, o:; 15.07 Schwei; . - 80,74 80.94 80 745 80.915 Spanten. 5'1,11 59,25 59.11 69,25 Japan . . . 1.90 1,94 1,830 1,8*4 Rio de Jan. 0.615 1 616 1.618 Wien in D-- £?eft. abgest. 59,13 59,27 59,11 59,25 Prag .... 12,416 12,456 12,417 I2,4f6 Belgrad . . 7.38 7,41 7,385 7,405 5,895 3,045 Budapest. . Bulgarien. 5,875 3,1'35 6,895 3,045 3,875 3,035 Lissabon 21.225 i 1,275 21 22a 21,275 Danzig. . . 80,85 81.05 80 84 81.04 Konstantin. ',19 2,20 2.198 2.208 Athen. . ■ 5.89 6.91 5 89 5.91 Canada. . . 4.172 4.182 4.175 4,185 Uruguay . - 4.295 4,305 4,295 4,315 Berlin, 6 März Geld Brief Amerikanische Nölen • * * *. 4.183 4.203 Belgische Nöten ...... , 19,00 19.10 Dänische Noten ....... 108,18 109,02 Englische Noten........ 20,35 20,45 Französische Noten ...... 15.35 15 43 Holländische Noten...... 167,78 168.62 Atalicnische Noten ...... 16 88 16,95 Norwegische Noten...... 89.32 8) 77 Deutsch-Oesterr.,äioo Kronen 59,015 59,315 Rumäniscbe Noten...... - Schwedische Noten...... 112,13 112,68 Schwester Noten ....... 80,57 10,97 Spanische Noten....... 59,03 59,33 Tschechoslowakische Noten .. 12,38 12.44 Ungarische Noten....... 5.84 5,88 Frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Giehener Anzeigers"^ Frankfurt a. M., 8. März. Tendenz: Fest.— Die neue Woche brachte der Börse eine wesentliche Belebung des Geschäftes und eine starke Abwärtsbewegung der Kurse. Der unsichere Verlauf der Genfer Verhandlungen blieb ohne jeden Einfluß auf die schon vorbörslich lebhaft einsetzende Umsatztätigkeit. Die Börse ist im allgemeinen geneigt, eine optimistische Auffassung über die Genfer Verhandlungen an den Tag zu legen, und man rechnet mit einem günstigen Ausgange. Die Spekulation war infolgedessen zuversichtlich gestimmt und dehnte ihre Tätigkeit auf fast alle Märkte aus. Einige kleinere Privataufträge und der leichte Stand des Geldmarktes konnten die Kaufbewegung wesentlich fördern. Bevorzugt waren besonders Motorenwerte, von denen Kleyer 1,9 Prozent, Daimler 1,5 Prozent und Neckarsulmer 2 Prozent höher gingen, ferner waren Bauaktien weiter lebhaft gesteigert, Wayß & Freytag plus 2,68 Proz., Zement Heidelberg plus 0,5 Proz. Von Zellstoffaktien lagen Waldhof 2,5 Proz. fester. Auch Zuckeraktien erzielten Die LoKe Herzogin. Roman von Ernst Klein. Copyright by Carl Dimeter, Verlag, Berlin. 10. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Lady Grace eilte zur Tür, um die Anordnungen Zu treffen. Doch Karaschin sagte: „Ich danke, Mylord, und ich bitte, Mulady, sich nicht zu bemühen; ich habe mein Auto fahrtbereit unten stehen lassen, als ich an kam. Ich will sofort noch London zurückkehren, denn ich muß morgen nach Berlin fahren, wo ich bereits gewisse Verabredungen getroffen habe." Lord Burnham geleitete also den Russen als Beweis der Auszeichnung, die er ihm zuteil werden ließ, persönlich in die Halle und trat sogar an das Auto heran, als Karaschin darin Platz genommen hatte. Noch einmal schüttelten sie sich die Hände, dann brauste der große Rolls-Royce den Parkweg hinunter. Im selben Mo mein kam von der anderen Seite ein kleiner schnittiger Rennwagen heran und hielt mit einem Ruck, der dem Chauffeur alle Ehre machte, vor der Cingangstür, in der Lord Burnham noch stand. Ein schlanker Manu mit braunem Schnurrbart sprang aus dem Wagen und begrüßte den Herrn von Burnham Tower. „Ah, Sie sind es, Herr Graf", rief dieser. „Wir Haben Sie schon heute morgen erwartet." „Ich konnte nicht früher kommen, Mylord. Mein Chauffeur ist mir plötzlich krank geworden, und ich habe einen ärgerlichen Vormittag damit verbracht, einen Ersatz zu finden. So konnte ich erst um Mittag von London fortfahren", erwiderte der späte Oeft mit seltsam weicher, melodischer Stimme. „So kommen Sie jetzt wenigstens zurecht, um sich gleich mit uns zu Tisch setzen zu können", rief der Lord, und zu einem der Lakaien gewendet, befahl er: „Melden Sie Ihrer Ladyship, daß soeben Graf Las Valdas angekommen ist." 7. Kapitel. In Burnham Tower wurde noch an der guten, alten englischen Sitte festgehalten, daß nach Beendigung der Tafel die Herren und Damen sich zunächst getrennt ansiedelten. Inzwischen stellte die Dienerschaft in der Bibliothek die Bridgetische zusammen, an denen sich dann später die älteren Herrschaften niederließen, während das jüngere Volk im kleinen Salon die Tanzbeine in Bewegung brachte. .Dieses Vergnügen war zumeist mit dem persönlichen Opfer irgendeines der musikalischen Mitglieder verbunden, das sich an den Flügel setzen mußte, nm schlecht und recht die neuesten Shimmys herunterzuhacken. Es kam dabei weniger auf die musikalische Feinheit als auf den Rhythmus an. Mehr verlangte man beim abendlichen Tanz im kleinen Salon nicht. Aber heute war es doch etwas anderes. Da nahm der neue Gast Graf Las Valdas am Flügel Platz, und die Tanzgemeinde der Lady Grace horchte auf. Das war mehr als die übliche Haus- ballkost, an die sie gewöhnt war. Das war Kunst, einschmeichelnde, verlockende, verführerische Kunst. Die schlanken Finger des Portugiesen machten aus dem Bananen-Gassenhauer nicht nur ein Stimulans für die Beine, sondern auch einen Genuß für die Ohren. Der Mann hatte magische Kraft in seinem Spiel. Die Harmonien, die er aus den schwarzen und weihen Tasten herausholte, schmeichelten sich ins Blut. Erhitzten es. Machten die Pulse schneller schlagen. Die Nerven vibrierten. Inniger schmiegten sich die Tänzerinnen an ihre Kavaliere. Las Valdas ließ dann die angelsächsischen Synkopen los und schmeichelte sich in die Musik seines heimatlichen Südens hinein. Ein Tango begann zu seufzen, weich, schmiegsam, in verhaltener Glut — — so spielte er den ganzen Abend. Unermüdlich. Nie sich wiederholend-- Lady Grace tanzte schon lange nicht mehr. Sie, sonst eine der Wildesten, zog es vor, nur den wunderschönen Klängen zu lauschen. Sie lehnte sich an den Flügel, wies jeden Bewerber ab und trank die berauschende Musik in sich hinein. Las Valdas spielte nur für sie. Seine Augen- hatten die ihren gesucht und längst gefunden-- Endlich stand er auf. Vop allen Seiten stürmte man auf ihn ein. Applaudierte, dankte und lobte begeistert. Egoistisch, wie das Tanzvolk ist, wollte es ihn nicht aus seinen Fängen lassen. Aber er verbeugte sich und bat um Gnade. Nur für eine halbe Stunde. Gewinne von 1 bis 2'Proz. Am Montanmarkt betrugen die Kursbesserungen ebenfalls 1 bis 2 Prozent Schiffahrtsaktien fetzten die Höher- bemegung um 1 Proz. fort, ebenso waren Farbwerte 1 Proz. gebessert. Der Santen in artt lag ruhig und hatte keine wesentlichen Veränderungen aufzuweifen. Der Kassamarkt der Jndustriepapiere tendierte in fester Haltung. Am deutschen !Ren^ tenmartt nahm die Umsatztätigkeit wieder einen etwas größeren Umfang an. 5proz. Reichsanleihe ereichten nahe 4 Proz. Schutzgebiet sehr fest 7 37. Am Jnlandrenten markt trat erneut Interesse für Türken, Ungarn und Rumänen hervor, die Kurssteigerungen waren allerdings nur gering. Pfandbriefe schlossen sich der Aufwärtsbewe- qung an. Der Freiverkehr bot ein etwas lebhafteres Bild bei fester Stimmung. Beckerstahl 43 Prozent, Beckerkohle 53 Prozent, Benz 44 Prozent, Brown-Boveri 59,5 Prozent, Growag 53 Prozent, Krügershall 87 Prozent, Petroleum 73 Prozent, Ufa 57 Prozent, Ufra 63 Prozent. Im späteren Verlause wurde die Stimmung nach Erledigung der Kaufaufträge wieder unsicher, und an den führenden Aktienmärkten begannen die Kurse abzubröckeln. Der Geldmarkt ist weiter außergewöhnlich lässig. Privatdiskonten senkten sich auf 5 Proz. Jndustrieakzepte mit Bankgiro 64 Proz. Tagesgeld ist unanbringlich. Monatsgeld 6 dis 8 Prozent je Adresse. Im D e v i s e n v e r k e h r setzte der französische Franken seine rückläufige Bewegung fort. Die Pfundparität stieg auf 135,75 Prozent. London lag mit 4,851 gegen Kabel schwach. Die Reichsmark ist unverändert fest. Berlin cv Produktenbörse. Berlin. 6. März. Die Abgabeneigung für Weizen bleibt auch heute seitens des Inlandes sehr vorsichtig. Trotz etlvcis festerer Ausland- meldungen und leicht erhöhter Eifforderungen. konnten sich am Lokomarkt mittags keine Preisveränderungen durchsetzen, nachdem im Frühverkehr noch etwas bessere Kurse gesprochen wurden. Das Hauptinteresse konzentriert sich vielmehr aus den sehr spärlichen Roggen, der hier neuerlich anzog. Gerste und Hafer nur in besten Qualitäten gesucht, aber wenig offeriert. Bon Mehl Roggcnmehl mehr begehrt. 3m Lieferungsgeschäft eröffnete Märzweizen mit 262, 50 Pfennig niedriger, Mai und 3uli unverändert (264). Roggen sehr stark gekauft, doch scheint es sich hier in der Hauptsache wohl um Meinungskäufe hin-c sichtlich einer erwarteten Stützungsaktion der Preise zu handeln. März mit 163 2 Mark und Mai mit 176 sowie 3uti mit 179 je 2,50 Mar? höher. Es wurden notiert her 1000 Kilo: Weizen, märk. 249 bis 253, Roggen, märk. 148 bis 152, do. pomm. 146 bis 150, Sommergerste 162 bis 186, Futtergerste 136 bis 150, Hafer, märk. 159 bis 169, per 100 Kilo: Weizenmehl 32,25 bis 35,75, Roggenmehl 21,50 bis 23.25, Weizenkleie 10, Roggenkleie 8,90 bis 9, Biktoriaerbsen 26 bis 32, kleine Speiseerbsen 23 bis 25, Futtererbsen 20 bis 22, Peluschken 20 bis 21,50, Ackerbohnen 20 bis 21. Wicken 22 bis 25, Lupinen, blau 11,50 bis 12,50, do. gelb 13,75 bis 14,50, Serradelle (alt) 14 bis 21, do. (neu) 26 bis 29, Rapskuchen 14 bis 14,50, Leinkuchen 18,80 bis 19, Trockenschnihel 8.20 bis 8.50, Kartoffelflocken 14 bis 14,25, Sohaschrot 18,60 bis 18,90. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) . Frankfurt a. M., 8. Mürz. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 26,25 bis 26,50 Mk.; Roggen, inländischer, 17 bis 17,25; Sommergerste für' Brauzwecke 20 bis 22,50; Hafer, inländischer, 18,50 bis 21,50; Mais, gelb, 17 bis 17,50; Weizenmehl, inländisches (Spezial 0) 39,50 bis 40; Roggenmehl 25 bis 25,50; Weizenkleie 9 bis 9,25; Roggenkleie 9,50 bis 9,75; Erbsen 26 bis 34; Linsen 40 bis 70; Heu, süddeutsches, gut, trocken, 8,50 bis 9; Weizen- und Rogaenstroh 4,50 bis 5; Treber, getrocknet 16 bis 16,50. Tendenz: ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 8. März. Auftrieb: 1066 Rinder (darunter 363 Ochsen. 30 Bullen. 673 Färsen und Kühe). 409 Kälber. 227 Schafe, 3910 Schweine. Rinder: Ochsen: Dollfleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 48 bis 55. junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 40 bis 47; Bullen: vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 46 bis 50 vollfleischige jüngere 38 bis 45; Färsen und Kühe: Bollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 40 bis 55. vollfleischiye ausgemästetc Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren 42 bis 48. wenig gut entwickelte Färsen 36 bis 47, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 33 bis 41. mäßig genährte Kühe und Färsen 22 bis 32, gering genährte Kühe und Färsen 18 bis 21. — Kälber: Feinste Mastkälber 65 bis 70. mittlere Mast- und beste Saugkälber 56 bis 64. geringere Mast- und gute Saugkälber 48 bis 55, geringe Saugkälber 40 bis 47. — Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 45 bis 50. geringere Masthämmel und Schafe 35 bis 44, mäßig genährte Hämmcl und Schafe < Merzschafe) 25 bis 30. — S ch w e i n e: Bollfleischige von 80 bis 100 Kilogramm 80 bis 82, unter 80 Kilogramm 72 bis 79, von 100 bis 120 Kilogramm 81 bis 83. von 120 bis 150 Kilogramm 80 bis 82, Fettschweine über 150 Kilogramm 80 bis 82, unreine Sauen und geschnittene Eber 65 bis 75. — Marktverlauf: Rinder bei lebhaftem, Kleinvieh bei mäßig regem Handel ausverkauft. Bei Schweinen gedrücktes Geschäft und Deberstand. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 4. März. Ein Kaufmann von hier hatte einen hiesigen Rechtsanwalt verklagt, weil dieser ihn durch verschiedene Aeußerungen in einem Termin vor dem Mietseinigungsamt Gießen beleidigt habe. Der Rechtsanwalt seinerseits hatte Widerklage erhoben; der Privatkläger habe ihn in öffentlichen Sitzungen des Amts- und des Landgerichts ebenfalls beleidigt. * Er hatte auch die Ehefrau des Privatklägers verklagt, weil diese ihn in einer Sitzung des Amtsgerichts ebenfalls beleidigt habe. Heute tarn nach längerer Beweisaufnahme und nach längeren Verhandlungen ein Vergleich zwischen den Parteien zustande. Darnach erklärte der Rechtsanwalt. daß er mit seinen Behauptungen in dep früheren Prozessen gegen den Privatkläger gar nicht von der Absicht ausgegangen sei. diesen zu beleidigen, daß er vielmehr alle seine Aeuße- rungen nur zur Wahrnehmung der Rechte seines damaligen Klienten vorgebracht und geglaubt habe, sie vorbringen zu müssen, und daß er eine Behauptung, durch die sich der Privcckkläger besonders gekränkt gefühlt hatte, nicht mehr aufrecht erhalte. Der Privatkläger nahm alle Aeuhe- rungen, durch die sich der Rechtsanwalt beleidigt fühtte. zurück und erklärte, daß er nicht die Absicht gehabt habe, ihn zu beleidigen. Jeder Teil übernahm die auf seiner Seite erwachsenen Kosten und die Hälfte der Gerichtskosten. Die Privatklage. die Widerklage und die Privatklage des Rechtsanwalts gegen die Ehefrau des Privatklägers wurden hierauf zurückgenommen. Büchertisch. — Architekt Professor Bodo Eb- hardt: Deutsche Burgen als Zeugen deutscher Geschichte. Unsere deutschen Burgen, Die altehrwürdigen Zeugen deutscher Vorzeit, bilden von jeher einen Hauptanziehungspunkt für alle Kreise unseres Volkes. Es wird daher allgemein interessieren, wenn der beste Kenner deutscher Burgen, Bodo Ebhardt, in einem soeben erschienenen Werk mit dem Leser durch die deutschen Gaue wandert und alle die deutschen Burgen in Wort und Bild schildert, die mit der großen Geschichte unseres deutschen Volkes in Verbindung gestanden haben. Fr. Zillessen (Heinrich Beenken) Verlagsbuchhandlung, Berlin C. 91. 29 Rundfunk-Programm deS Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Dienstag, 9. März: 3.30—4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.20 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Neue Schlager. 5.45—6.10 Uhr: Die Lefestunde. 6.15—6.45 Uhr: Ucberfetzung von Kassel: Vortrag über die volkswirtschaftliche Bedeutung der deutschen Geflügelzucht. 6.45—7.15 Uhr: Modeplauderei über moderne Stoffe und ihre Verwendung. 7.15—7.45 Uhr: Schachstunde. 7.45—8.15 Uhr: Englischer Sprachunterricht. 8.15 bis 9.15 Uhr: Gastspiel Otto Walburg. 9.15 bis 10.15 Uhr: Klassische Buffo-Arien (Richard von Schenck). Miß Lelia Elliot, die Tochter des berühmten Generals, nahm seinen Platz am Flügel ein. Sie erfüllte mit mehr Eifer als Kunst ihre gesellschaftliche Pflicht, der Tanz konnte weitergehen. Las Valdas schlenderte langsam aus dem Salon, doch an der Tür wendete er sich zurück. Lady Grace, die mit einigen Freundinnen plauderte, war ihm mit den Augen gefolgt. Er ließ die Portiere hinter sich fallen und trat in das anstoßende chinesische Zimmer, dessen rote Lackmöbel eine internationale Berühmtheit waren. Gemächlich wanderte er von einem Stück zum andern, mit Kennerblick die zierlichen Köstlichkeiten bewundernd.--- Ein leichter Schritt hinter ihm, das Knistern eines Frauengewandes. Er drehte sich um-- „Ich hielt es für meine Pflicht," lächelte Grace, „Zhnen zu folgen und Sie zu fragen, ob ich nichts für Sie tun kann. Sie haben sich zum Wohle meiner Gesellschaft so angestrengt, daß ich es Nicht einer feilen Lakaienseele überlassen kann, zu fragen, ob Sie ein Glas Limonade oder ein Glas Champagner zu Ihrer Erfrischung wünschen?" Las Valdas verbeugte sich. .Leins von beiden, Mylady, aber wenn Sie mir gnäbigft gestatten, eine Zigarette zu rauchen--" „Unter der Bedingung, daß Sie mir auch' eine geben, Herr Graf." Die Zigaretten wurden angezündet — der Mann und die Frau blickten einander in die Augen. Sie wendete sich ab — unsicher, zögernd — eine leichte Röte stieg ihr vom Halse herauf bis unter die lichten braunen Locken. Sie war hübsch. Sehr hübsch sogar. War hoch und schlank gewachsen, Championeß des Damengolfs von England. Aber sie war leichtsinnig. Sie war flatterhaft — die schöne Lady Grace. War immer bereit, einen Flirt einzugehen. Oft zwei, drei auf einmal. Aeltere Damen mit wohlfundierten Tugendgrundsätzen pflegten über sie die Achseln zu zucken und hinter den Fächern zu tuscheln. Doch Lady Grace war die zweite Tochter Lord Burnhams, sehr reich, sehr hübsch — es gab Freier genug, die auf den Moment warteten, daß ihre Scheidung von ihrem Manne, dem Grafen Neville, ausgesprochen wurde. Nun stand sie in dem kleinen chinesischen Zim mer und begann mit dem Feuer zu spielen, das ihr aus den dunklen Augen des Portugiesen in einer nicht mißzuverstehenden Sprache entgegen« leuchtete. Warum auch nicht? Sie kannte ihn acht läge, lange genug, um ihn gleich vielen andern vor ihren Triumphwagen zu spannen. „Sie haben wunderschön gespielt, Herr Graf!" hob sie an. „Ich wußte nicht, daß Sie ein solcher Künstler sind! Schade, daß Sie nicht zugleich tanzen und spielen können. Ich denke, Sie müssen wundervoll tanzen!" . Aus dem Salon kamen die Klänge eines französischen Walzers — — nicht gerade übermäßig dahinschmelzend unter den Sporthänden Miß Elliott, aber doch immer lockend genug. Las Valdas legte seine Zigarette fort. „Wir können es ja versuchen, Mylady , lächelte er und unter dem braunen Schnurrbart blinkten seine starken weißen Zähne. Welch ein hübscher Mensch! gestand sich die kokette Lady Grace. „Warum nicht?" gab sie mit gleichem Lächeln zurück und legte sich in seinen Arm Gr tanzte wirklich wundervoll. Leicht und doch fest hielt er sie. Nicht so steif, so korrekt auf Meterlänge von sich entfernt, wie es die gute Sitte des englischen Ballsaales erfordert. Er zog sie an sich. Hob sie mit jedem Schritt. Langsam, langsam drehio er sie. Ihre Sinne drehten sich mit. Halb und halb schlossen sieh ihre Augen-- „Sie schönes, begehrenswertes Weib — —!" flüsterte er ihr ins Öhr--„Ich bete Sie an!" Sie antwortete nicht. Ihre Lider öffneten sieh, ihr Blick küßte ihn--Er preßte feine Lippen auf die ihrigen-- „Ah--" Die Musik brach ab. Stimmen wurden hinter dem Vorhang laut, Lachen, Händeklatschen-- Sie schreckte auf. Riß sich los-- „Sind Sie mir böse, Grace?" flehte er. Sie fuhr sich über die Augen. Erwachte vollends. „Fragen Sie nicht!" stammelte sie. Dann trat sie vor den kleinen venetianischm Spiegel über dem Kamin, ordnete sich ihr Haar, puderte sich. Das war ihr erstes, lieber die Schulter wandte sie sich zu ihm zurück-- „Ich bin nicht böse!" sagte sie. „Aber bedenken Sie, wenn man uns überrascht hätte! Mein Ruf ist ohnedies das Lieblingsthema aller alten Jungfern beiderlei Geschlechts!" (Fortsetzung folgt.)