Nr. 255 Erstes Blatt |76. Jahrgang Donnerstag, 7. Oktober 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Vezogsprekr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechan> chlüffe: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger riehen. Postscheckkonto: Zrankfnttam Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberheffen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Zteindruckerei B. Lanze in Stehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 nm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorschrist 20° , mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für den An« zeigenteil i. Dertr. H. Beck, sämtlich in Bietzen. polen und -er rufsisch-litauif chevertrag Erklärungen der Pariser Gesandtschaften. Paris, 6. Oft. (WD) Die HavaSagentur veröffentlicht heute abend eine längere Erklärung, die offenbar von der polnischen Botschaft in Paris ausgeht und den polnischen Standpunkt zu dem litauisch-sowjetrussischen Aeutralitätsvertrag darstellt. Sn diesen Ausführungen werden die Sowjetregierung und die litauische Regierung der Mißachtung des p o l n i s ch - r u s s i s ch e n Vertrages von Riga beschuldigt unter dem Vorwand, daß die zwischen Litauen und Polen festgesetzte Grenze eine definitive sei. Außerdem wird in der polnischen Auslassung der sowjetrusäsche Standpunkt getadelt, daß die Sowjetregierung lediglich geneigt sei, isolierte Pakte mit den Rachbarländern zu schließen. Gleichzeitig läßt heute abend die l i t a u i s ch e Gesandtschaft in Paris durch die Havas- agentur eine Veröffentlichung verbreiten, in der sie ihren Standpunkt in dieser Frage darlegt. Schließlich nimmt auch der Sowjetbotschaf-- t e r in Paris Rakowski in einer der Havas- agentur übermittelten Erklärung dazu Stellung und weist die Beschuldigung zurück, daß der neue litauisch-sowjetrussische Vertrag den Rigaer Vertrag zwischen Polen und Rußland beeinträchtige. Er begründet diesen Standpunkt wie folgt: Durch den am 12. Suli 1920 mit Litauen geschlossenen und in Moskau unterzeichneten Vertrag sei das Gebiet von Wilna, das ehemals russisch gewesen sei, als litauisch anerkannt worden. Litauen besitze also dieses Gebiet d e facto. Die genaue Grenzfestsetzung zwischen Polen und Litauen würde also gemäß diesem Vertrag zwischen den beiden interessierten Ländern geregelt werden. Der Friedensvertrag zwischen Polen und Rußland, der am 18. März 1921 in Riga unterzeichnet worden sei, beschränke sich darauf, in seinem Artikel 3 festzulegen, daß die Frage des Gebiets, um das Polen und Litauen sich streiten, diese beiden Länder angehe, und zwar ausdrücklich diese beiden Länder und nicht etwa Polen ausschließlich. Deshalb sei Sowiet- rußland absolut im Recht gewesen, als es 1923 nach der Besetzung des Gebiets von Wilna durch General Zeliaowfki protestiert und erklärte, daß dieser Äkt nicht rechtlich begründend wirken könne. Es sei klar, daß, solange zwischen Polen und Litauen nicht eine rechtliche Lösung gefunden sein werde, die russischen Beziehungen zu Litauen durch den Friedensvertrag von 1920 geregelt würden. Zu dem russisch-litauischen Vertrag selbst erklärte Rakowski, daß er ähnlichen mit andern Ländern, insbesondere mit Deutschland, geschlossenen Verträgen entspreche. Der Vertrag enthalte zwei Anhänge, und zwar im ersten erklärt Litauen, daß es seinen Verpflichtungen gegenüber dem Völkerbund treu bleibe, von welcher Erklärung Rußland Kenntnis nehme, und im zweiten Anhang werde festgesetzt, daß, solange zwischen Polen und Litauen nicht ein rechtlicher Zu st and eintreten werde, der sowjetrussische Standpunkt über das territoriale Statut von Wilna durch Artikel 2 des russisch-litauischen Vertrags vom 12. Juli 1920 bestimmt bleiben werde. Die einzige Schlußfolgerung, die man daraus ziehen könne, sei also: Dasjenige Abkommen, das zwischen Polen und Litauen bezüglich ihrer Grenze eines Tages geschlossen werde, werde von Sowjetrußland automatisch bestätigt werden. Das sei der Sinn des Artikels 2 des Vertrages von Riga. Weiter betont Rakowski noch den Willen Sowjetrußlands, mit allen seinen Rachbarn einschließlich Polen auf gutnachbarlichem und freundschaftlichen Fuße zusammenzuleben. Polen wünsche mit Sowjetrußland nicht einen getrennten Vertrag zu schließen, sondern einen Kollektivvertrag, der ^einerseits Polen und die baltischen Staaten und andererseits Sowjet» rußland umfassen soll. Hierzu erklärte Rakowski, man habe die ablehnende Haltung zu diesem Projekt in der Weise auslegen wollen, als ob Rußland Pokert isolieren wolle, um es dann an- zugreisen, ohne daß seine Rachbarn ihm zu Hilfe kommen formen und umgekehrt. Das sei absurd, erklärt Rakowski. Wenn Rußland gegen einen derartigen Vertrag sei, bei dem auf der einen Seite alle baltischen Staaten und Polen umfaßt, auf der anderen Seite sich aber nur Rußland befände, so deshalb, weil Rußland nicht eine Koalition bestätigen wolle, in der öer Stärkste notwendigerweise die Rolle desBeschühers gegenüber den andern haben werde. Das wolle Rußland nicht und das liege wohl auch nicht im Snteresse der baltischen Staaten selbst, die rhre Anabhängigkeit und ihre Souveranttat nicht nur gegenüber Sowjetrußland sondern auch gegenüber ihren andern R a ch b a r n bewahren müssen. Vie Regierungsfrifis in Danzig. Danzig, 6. Oft. (TU.) Die seit einer Woche andauernden Bemühungen zur Neubildung einer Regierung über den Freistaat Danzig sind noch zu keinem abschließenden Ergebnis gelangt, da es bis- der nicht gelungen ist, die Parteigegenlätze zu überbrücken. Don bürgerlicher Seite wird die B i l d u n g einer N o t a e m e i n s ch a f t unter Ein- schluß der Deutschnationalen und der Sozialdemokraten angestrebt, da nur ein Senat auf breitester Basis Herr der gegen- Des GMSIMW MI Steffl. Berlin, 6. Off. (VDZ.) Der Chef der Heeresleitung, Generaloberst v. Seedf, Hal dem Reichspräsidenten sein Rüdfriffsge- s u ch überreicht. Eine Entscheidung über das Gesuch ist noch nicht gefallen, ist aber bald zu erwarten, da der Reichspräsident bereits wieder in Berlin ein- gefroffen ist. lieber die Begründung, die General v. Seedt für seinen Rücktritt geltend macht, ist bisher noch nichts zu erfahren. 2Nan geht aber wohl nicht fehl in der Annahme, daß seine Demistion in Zusammenhang steht mit der Teilnahme des ältesten Sohnes des ehemaligen Kronprinzen an den INanövern der Reichswehr in Württemberg, wie verlaufet, hat nämlich General v. Seeckf von dieser Beteiligung des Prinzen an den Hebungen der Reichswehr vorher gewußt ohne dem Reichswehrminisier davon Mitteilung zu machen. Der Reichswehrminister soll es abgelehnt haben, den Generaloberst vor Kabinett und Parlament zu decken. Der Reichswehrminifter beim Reichspräsidenten. Berlin. 6. Olt. (Wolff.) Der Herr Reichspräsident, der gestern abend von seinem kurzen Erholungsurlaub auf dem Lande nach Berlin wieder zurückgekehrt ist, nahm heute vormittag den Vortrag des Herrn Reichswrhr- mrnister Dr. Gehler entgegen. — Eine Kabi - nettssitzung fand am Mittwoch unter> dem Vorsitz des Reichswehrministers Dr. Gehler als drenstältester Minister statt. Da der Rei^° kanzler an der Sitzung iroch nicht tellnehmen konnte und der an dem Falle Seeckt zunächst beteiligte Minister den Vorsitz führte, so konnte das Rücktrittsgesuch des Generals von Seeckt heute noch nicht im Kabinett erörtert werden. Reichskanzler Dr. Marx wird am Donnerstag nachmittag in Berlin zurückerwart st. Eine neue Kabinettssitzung ist allerdings für morgen noch nicht angefetzt. Es ist aber bannt zu rechnen, dah die Entscheidung über den Rücktritt Seeckts doch noch im Laufe des Son« markigen finanziellen und politischen Schwierigkelten werden könne. Die Liberalen verlangen sür ihren Eintritt in eine solche Regierung: 1. Durchführung der vom Völkerbund geforderten Sparmaßnahmen: 2. Ratifizierung des mit Polen in Gens geschlossenen Abkommens über die Neuregelung des Zoll- verteillingsschlüsfels und 3. Fortsetzung der bisherigen Verständigungspolitik gegenüber Polen. Wahrend anscheinend über die ersten beiden Punkte eine Einigung der Parteien zustandekommen dürfte, klaffen in bezug auf die Außenpolitik noch scharfe Gegensäge. Die Deutschnationalen fordern vor allem einen Kurswechsel in der Außenpolitik in der Richtung, daß Danzig seine Rechte gegenüber Polen aus den Verträgen mit allen Mitteln wahren müßte. Angesichts dieser großen Gegensätze in der weiteren Behandlung der Außenpolitik ist noch nicht abzusehen, wann die Verhandlungen zu einem Ergebnis führen werden. Für Donnerstag nachmittag ist eine erneute Besprechung der Parteiführer beim Senatspräsidenten Sahn angesetzt. Der Finanzausgleich. Der Entwurf des Reichssinanzminifteriums. Berlin, 6. Oft. (TU.) Wie die Telunion erfährt, ist der Entwurf des Reichsfinanzministeriums über die Regelung des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Kommunen nunmehr fertiggestellt. Er wird unmittelbar nach Rückkehr des Reichsfinanz- ministers Dr. Reinhold dem Reichsrat zur weiteren Beratung übergeben werden. Dieser Entwurf bringt zum Ausdruck, daß der endgültige Finanzausgleich nicht vor dem 1. April 1928 gesetzlich in Kraft treten kann, dah es daher notwendig ist, bis zu diesem Zeitpunkt die gegenwärtige vorläufige Regelung zu verlängern. Eine Erhöhung des Landesund Gemeindeanteils an der Einkommen- und Körperschaftssteuer ist in dem Entwurf nicht vorgesehen. Das Reichsfinanzministerium ist aber bereit, die von den Ländern und Kommunen geforderten Sicherheiten während der Verlängerung des vorläufigen Finanzausgleichs insoweit zu erfüllen, als es die Mindestgarantie für die Reichssteuerüberweisungen (zur Zeit 2 Milliarden 100 Millionen Mark) ebenfalls verlängern will. Dagegen, ist in dem Entwurf die andere Forderung der Länder und Kommunen nicht erfüllt, die aus eine Verlängerung der gegenwärtigen Garantie des Reiches für die Umsahsteueraufbrinaung für 1927 in Höhe von 450 Millionen Olfarf hinausgeht. Der Entwurf des Reichsfinanz Ministeriums begründet diese Haltung damit, daß bei Herabsetzung der Umsatzsteuer eine Deckung des Garantiefonds aus Mitteln des allgemeinen Haushalts notwendig wäre. Die Frage, ob eine Ergänzung des Landesanteils möglich ist, ist nvch nicht entschieden. Falls überhaupt, soll sie nur für solche Länder in Frage kommen, die über geringere als Durchschnittseinnahmen verfügen. nerstag abend fällt, da Reichskanzler Dr. Marx die Absicht hat. schon am Freitag die Reichs Hauptstadt wieder zu verlassen und sich nach Köln zu begeben. Der Staatssekretär der Reichskanzlei, Pünder. ist dem Kanzler entgegengefahren und erstattet ihm in seinem Erholungsort Vortrag über die laufenden politischen Angelegenheiten. Am Freitag wir- der Reichskanzler anläßlich der Tagung des Deutschen Deamtenbundes im Hinblick auf die Bedeutung der Tagung e ne Ansprache halten. Am Sonntag wird der Reichskanzler in Essen auf der Tagung der Reichszentrale für Heimatdienst eine große politische Rede halten und erst am Dienstag wird er nach einem kurzen Besuch der G e s o l e i die Amtsgeschäfte in Berlin wieder aufnehmen Berliner pressestimmen. Berlin, 7. Oft. (Wolfs.) Fast alle Blätter sehen den Generaloberst v. Seeckt mit größtem Bedauern von seinem Amte scheiden und heben das große Verdienst hervor. das er sich um den Aufbau der neuen deutschen Wehrmacht erworben hat. 3n der „DA. Z." heißt es: Man begreift die Haltung des Reichswehrministers und bedauert es allgemein, dah er sich von dem langjährigen Mitarbeiter trennen muß, dessen Verdiensten erst eine spätere Wertung voll gerecht werden kann. — Die „Germania" schreibt: Seeckt hat der Republik treu gedient. Er hat einen Fehler begangen, und trägt als aufrechter, gerader Soldat entschlossen die Folgen. — Das „D. T." sagt: Es ist kaum daran zu zweifeln, dah der Reichspräsident das Entlassungsgesuch annehmen wird. Mit äußerster Entschiedenheit muh man die volle Wahrung, die unantastbare Sicherstellung der ministeriellen Autorität in der Reichswehr verlangen. — Der „Vorwärts" erklärt: Mit der Annahme des Rücklrittsgefuches des Generals v. Seeckt wird der Beweis dafür geliefert fein, dah man auch in der Reichswehr Ordnung schaffen lärm, wenn man nur will. Jeder ll^ichswehrminrster, der diesen Willen betätigt, wird dabei die überwiegende Mehrheit des Reichstages und des ganzen Volkes auf seiner Seite haben. vr. Haas über Genf rm-Thoirq Die notwendige Mitarbeit Amerikas. > Trier, 6. Oft. (Wolff.) Reichtagsabgevrd- neter Professor Dr. Kaas, Mitglied der deutschen Völkerbundsdelegation, gewährte einem Vertreter der „Trierischen Landeszeitung" eine Unterredung, in der er erklärte, er habe in Genf mit Briand und Loucheur Unterredungen gehabt. Keiner habe dabei den Versuch gemacht, die Besehungsthese noch weiter aufrecht ju. halten, für den Fall, dah eine wirklich befriedigende Gesamtregelung zwischen Deutschland und Frankreich zustande komme. Jeder vernünftige Franzose würde sür diesen Fall leicht davon zu überzeugen sein, dah es dann kein besetztes Gebiet und auch keine Saarfrage mehr geben könne und dürfe. Das letzte Glied in der Kette, die von Genf nach Thoirtz und von Thoiry bis zur Endlösung führe, habe A m e r i f a in der Hand, da jede großzügige Finanztransaltton ohne Amerika unmög- lich sei. Deutschland hiitte in Genf und in Thoirtz den Weg zur europäischen Befriedung unß viel, leicht auch in der Richtung der Zusammenfassung der europäischen Staaten beschritten. Möge aus Thoirtz, das vorläufig eine vielversprechende Geste ist, recht bald ein greifbares gesichertes Resultat werden! Italien und der Vatikan. Eine Rede des Kardinallegaten. Assisi, 6. Oft. (WTB.) 3n Anwesenheit einer großen Menge von Vertretern der Behörden und anderer hervorragender Persönlichkeiten fand die feierliche Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Assisi anden Kardinallegaten Merry del Val statt. Der Kardinal brachte seine aufrichtige Dankbarkeit für den Bürgermeister sowie die Zivil- und Militärbehörden zum Ausdruck. Mein Dank gilt auch demjenigen, erklärte der Kardinal, der an der Spitze der italienischen Regierung steht und mit klarem Blick für die Tatsachen wünschte und weiterhin wünscht, dah die Religion geachtet, geehrt und ausgeübt werde. Unter dem sichtbaren Schuhe Gottes hat er weise Öaä Los der Ration gebessert und ihr Ansehen in der ganzen Welt vermehrt. Zugleich mit diesem Ausdruck meiner Dankbarkeit rufe ich auf Assisi, auf frag teure Umbrien, auf ganz Italien, auf die Anwesenden und auf alle diejenigen, die mit ihnen in Gedanken und Liebe vereint sind, den Segen des heiligen Franz, des ruhmreichen Armen von Assisi, herab. Unterrichtsminister Fedele als Vertreter der Regierung schloh seine Rede mit dem Wunsche, dah der durch die Vermittt"n-> de Kardinal-Legaten auf Italien herabgestiegene göttliche Segen des päpstlichen Stuhles ein Heil- bringet und die Wiedergeburt nicht nur des sozicuen und wirtschaftlichen sondern auch des morallschen und geistlichen Lebens des italieni- schen Volkes sein möge. Preußens vergleich mit denhohenzollern unterzeichnet Berlin, 7.0kl. (Wolfs.) wie die „Germania“ meldet, ist der Vergleichsvorschlag sür das Kbitn- bungsabfommen zwischen Preußen und dem Hause hohenzollern gestern abend unterzeichnet worden, und zwar auf selten des ehemaligen regierenden Hauses hohenzollern verbindlich für die Haupt- und Rebenlinien und sür Preußen von Finanzminister Höpker-Aschoss, vorbehaltlich der Zustimmung des Parlaments. Es gilt als sicher, dah die Vorlage im Staats- r a t Annahme findet. Auch im Landtage sind die Aussichten für Annahme der Vorlage günstig, von den Deutschnationalen ist eine Stellungnahme gegen einen vertrag, der von dem hohenzollernhaus abgeschlossen worden ist, nicht zu erwarten. Die Demokraten haben in ihrer heutigen Fraktionssihung dem kompromißoorschlag zu- gestimmt und Fraktionszwang beschlossen. Das Zentrum wird dem Vorschlag zuslimmen, wenn die Demokraten einstimmig dafür sind. Die Deutsche Volkspartei hat offiziell noch nicht Stellung genommen; es ist aber nicht anzunehmen, dah von ihr Schwierigkeiten gemacht werden, voraus- «wird die Vorlage in der nächsten Woche an , lenum gelangen, nachdem sie zuvor den Staatsrat beschäftigt hat. Das Plenum wird die Vorlage dem Ausschuh überweisen. Hebet die Stellung der Sozialdemokraten ersahren wir, dah eine grundsätzliche Zustimmung nicht vorliegt. Ls dürfte aber auch hier damit zu rechnen sein, daß keine Schwierigkeiten gemacht werden. Vielleicht wird sich die sozialdemokratische Fraktion bei der Abstimmung der Stimme enthalten. 3m „vorwärts" wird gesagt, dah sie unter Wahrung ihres grundsätzlichen Standpunktes die Verabschiedung der Vorlage nicht zu verhindern suchen werde. Der Abfindungsvertrag. Berlin, 6. Oft. (TU.) Die Bedeutung des nunmehr zustandeaekommenen Abfindungsvertrages zwischen der preußischen Staatsregierung und dem hohenzollernhause ergibt sich am besten aus einer Parallele mit dem alten Vergleich und mit dem Kompromiß, der seinerzeit im Reichstag entworfen worden ist. Nach dem ersten Vergleich sollte die Hauslinie hohenzollern erhalten 290 000 Morgen hofkammergut, 40 000 Morgen des Besitzes Oels, insgesamt alfo 330000 Morgen, dazu kam eine Barentschädigung von 30 Millionen Reichsmark. Nach dem Kompromiß hätte die hauslinie der hohenzollern erhalten rund 200 000 Morgen und eine Barentfchädigung von 6 bis 7 Millionen Reichsmark. Nach dem jetzigen Vergleich erhält die Hauslinie rund 250 000 Morgen. Dafür, daß hier über den Kompromißentwurf hinausgegangen ijt, haben die hohenzollern eine Reihe von Zugeständnissen machen müssen, die den Wert dieser 50 000 Morgen übersteigen. Diese 50 000 Morgen werden ausgeglichen durch Schloß und Park Bellevue, das nach dem Wehrbeitragswert auf 30 Millionen Mark beziffert ist und das der Staat nach dem Kompromißentwurf nicht ohne weiteres erhalten hätte. Wenn man den Wert der 50 000 Morgen mit 10 Millionen Mark beziffert, so erkennt man, daß hier ein Ausgleich geschaf- f e n worden ist. Der perußische Staat zahlt jetzt gegenüber dem voraussichtlichen Ergebnis des Kompromißentwurfes 8 bis 9 Millionen Mark mehr. Diese Summe stellt die Aufwendung dar, die der Staat nach dem Kompromißentwurf für den Erwerb von Schloß und Park Babelsberg zu machen gehabt hätte. Schloß und Park Babelsberg ist mit 17,3 Millionen Mark beziffert. Die Mehrleistung ist außerdem eine Gegenleistung für Grundstücke in Berlin und Votsdain, die der Staat nach dem Kompromißentwurf nicht erhalten hätte. Es handelt sich dabei in Potsdam um Alexandrowska und N i k o l s k o e sowie um den W e i n b e r g am Obelisk in Berlin, außerdem um die Grundstücke Breitestraße 29 und Karlshorst, Kaiser-Wilhelm-Straße 1—3, gegenüber dem ersten Vertragsentwurf erhält der Staat außerdem noch Königswusterhausen. Die Verbefferungen des jetzigen Entwurfs gegenüber dem ersten Vergleich zugunsten des Staates l etragen an Gütern und Forsten 88 000 Morgen und an Barzahlungen 15 Plillionen Mark. Dem Staate ist das Vorkaufsrecht für das Palais des Alten Kaisers gesichert, außerdem haben die hohenzollern die Verpflichtung übernommen, dieses Palais als Museum der öffentlichen Besichtigung zugänglich zu halten. Was die Auseinandersetzung mit den Rebenlinien anlangt, so hätte die Albrecht- Linie rund 80 000 Morgen erhalten und diese 80 000 Morgen hätte sie voraussichtlich auch nach Kompromiß bekommen. Es ist nunmehr gelungen, die Albrecht-Linie zu einem Verzicht auf 20 000 Morgen an Land und Forst zu bewegen. Die sogenannte Karl-Linie (Prinz Friedrich Leopold) sollte nach dem ersten Vergleich in den Besitz von Flatow-Krohjanke in einer Größe von rund 100 000 Morgen kommen. Auch nach dem Kompromißentwurf stand das Schicksal der Herrschaft Flatow-Krohjanke nicht unzweifelhaft fest. Selbst aber, wenn Flatow- Krohjanke dem Staat zugesprochen worden wäre, hätte der Staat dafür eine gewisse Entschädigung leisten müffen, da auf diesem Besitztum verschiedene Legate waren, die zugunsten des Staates geleistet worden sind. Jetzt ist es gelungen, diese Linie zu einem Verzicht auf 27 000 Morgen zu bringen, außerdem bat der preußische Staat das Recht, zwei Förstereien von 5000 Morgen und Klinicke zum Taxwert zu erwerben. Der Verzicht der Albrecht-Linie auf 20 000 Morgen und der Karls- Sinie auf 2Z 000 Morgen entspricht bei der vorhandenen Llngewißhett der Entscheidung des Reichssondergerichts der voraussichtlichen Wartung des Komprvmißentwurfes auf das Verhältnis zu den Nebenlinien. Haupt- und Reben- [inten erhalten also insgesamt runj) 383OOOTtoi:-’ gen und eine Darentschädigung von 15 -Hiillio- nen Mark. Dankschreiben an Minister Severing. Berlin, 6. Oft. (TU.) Aus das Rücktrills- aesuch, in dem Minister Severing die Gründe dar- leate aus denen er um Enthebung aus seinem Amte bat, hat M i n i st e r p r ä s i d e n t B r a u n namens des Staatsministeriums mit folgendem Schreiben geantwortet: Sehr geehrter Herr Minister! Mit tiefem Bedauern habe ich von Ihrer Mitteilung Kenntnis genommen, daß Ihre schwer erschütterte Gesund- heit Sie zwingt, Ihr Amt niedcrzulegen, das Sie sechs Jahre hindurch mit vorbildlicher Gewlifen- Hastigkeit unter Einsetzung Ihres ganzen reichen Wissens und Könnens erfolgreich geführt haben. Was Sie in dieser bewegten Zeit für die innere Befriedung Preußens und damit auch des Reiches für den Auf- und Ausbau der neuzeitlichen Ver- waltung und für die Festigung der Staatsautor.tat mit unbeirrbarer Zielklarheit m zähem ausdauernden Ringen unter Einsetzung Ihrer ganzen Perfon geleistet haben, gehört der Geschichte an. Namens der Staatsregierung spreche ich Ihnen für diese dem Baterland in schwerster Zeit geleisteten unschatz- baren Dienste herzlichen Dank aus. Ich wünsche und hoffe, daß einige Zeit der wohlverdienten Ruhe Ihnen Ihre Gesundheit wiedergeben wird und daß Sie dann sich wieder in alter Frisiche dem Dienst am Volke werden widmen können. In alter Hochachtung Ihr gez. Braun. Auch der R^chsinnenminister Dr. K u l z richtete an Minister Severing ein in herzlichen Worten gehaltenes Schreiben, in dem er sein außerordentliches Bedauern darüber zum Ausdruck bringt, daß die erschütterte Gesundheit Seoerings jetzt schon Preußen und dem Reiche den schweren Verlust seines Ausscheidens zufüge. Dr. Külz dankte Seve- ring für die in schwerster Not geleistete selbstlose Arbeit, die man nicht vergessen werde und wünscht ihm baldige Wiederherstellung seiner Gesundheit. Seoerings Nachfolger. Berlin. 7. Ott (TL1.) Wie gestern schon mitgeteilt. hat Ministerpräsident Braun den bisherigen Berliner Polizeipräsidenten Grze- finffi zum preußischen Innenminister ernannt Grzesinski wurde am 28. Juli 1879 in T rep tvw an der Lollense in Pommern geboren. Vach dem Besuch der Volksschule in Spandau lernte er in Berlin von 1893 bis 1897 den Beruf eines Metalldrückers und ging dann auf die Wander- schaft Im Jahre 1906 wurde er Geschäftsführer des Deutschen Metallarbeiterverbandes zu Offenbach und 1907 in Kassel. Er wurde dort schließlich zum Stadtoerordnetenvorsteher gewählt, außerdem war er Vorsitzender des Ge- werkschastskartells Kassel. Vach dem Zusammenbruch wählte man ihn zum Vorsitzenden des Arbeiter- und Soldatenrates für den Regierungsbezirk Kassel. Seit Juni 1918 war er Unter- staatssekretär im Preußischen Kriegsministerium. Bald darauf machte ihn Vosle zum Reichskvmmissar und Leiter des Abwicklungsamtes. 1921 wurde er zum Landtags abgeordneten gewählt und im Äovember 1922 wurde er Oberregierungsrat im preußischen Innenministerium bis Severing ihn im Mai 1925 zum Berliner Polizeipräsidenten ernannte. Der neue Innenminister ist ein alter Freund Severings und Brauns und von beiden schon seit langem für die Detleidung irgendeines maßgebenden Derwaltungspostrn vorbereitet worden. Als Berliner Polizeipräsident hat er sich möglichst im Hintergründe gehalten und in der Hauptsache seinem ehrgeizigen Stellvertreter Dr. Friedensburg das Feld überlassen. Ob er als Innenminister die gleiche Taktik e'cn- schlagen wird, bleibt abzuwarten. Sollte allerdings über kurz oder lang die Große Koalition in Preußen Wirklichkeit werden, dann dürfte er nur vorübergehend als Innenminister tätig gewesen sein, da dann sehr wahrscheinlich die Sozialdemokratie dieses Portefeuille entweder abgeben ober gegen ein anderes wird umtauschen müssen. Preußischer Landtag. Berlin. 6. Ott. Präsident Bartels eröffnete die erste Plenarsitzung nach den Sommer- ferien mit der Bekanntgabe der Mitteilung des Ministerpräsidenten, daß der Minister des Innern, Severing, auf seinen Wunsch vom Amte entlassen und der bisherige Polizeipräsident von Berlin und sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Grzesinski zu seinem Vachfolger ernannt worden sei. (Lärm und Zurufe bei den Kommunisten: llloske.) Das Haus erledigt zunächst durch Kenntnisnahme die Vachwe.se der für Klei nbah nbau bewilligten Staatsbeihilfen und den Geschäftsbericht der Großkraftwerke Hannover A G. Mit der Beratung einer Mitteilung des Volkswohl- fahrtsministeriums über die Verwendung der staatlichen Beihilfen zur Bekämpfung der Tuberkulose wird die Besprechung eines kommunistischen Antrags verbunden, der dem Staatsministerium das Dertrauenent- ziehen soll. Die Abg. Sellheim (Komm.) und Schwenk-Berlin (Komm.) begründen diesen Antrag damit, daß das Ministerium zwar für die gefürchteten Hohenzollern, nicht aber für die De- kätnpfung der Tuberkulose Geld übrig habe. Die Vachweisung wird durch Kenntnisnahme für erledigt erklärt Der kommunistische Antrag kann, wie Vizepräsident v. Kries ausführt, frühestens innerhalb von drei Tagen zur Ab stimm tmg gelangen. Die Abstimmung wird ausgesetzt Bei Beratung der zweiten Verordnung zur Durchführung der Hauszins st euer wendet sich Abg. Kilian (Komm.) gegen die Tendenz des Wohlfahrtsministers, die Wohnungszwangswirt- ichaft aufzuheben. Die Hauszinssteuer sei abzu- 'ehnen. Die Vorlage geht an den Hauptaus- schuß. — Ohne Aussprache wird der zur ersten Beratung vorliegende Gesetzentwurf über die Z u - lassung der Frauen zum Schieds- mannamtc dem Rechtsausschuß überwiesen. — Der dann zur ersten Beratung stehende Gesetzentwurf über die Nachprüfung der Berichtigung der seit 1861 bestehenden Eins chätzung der Liegenschaften wird einem besonderen Ausschuß von 15 Mitgliedern überwiesen. Der zur ersten Beratung vorliegende mit dem Finanzausgleichsgesetz in Zusammenhang stehende Entwurf zur Aenderung der Erhebung von Dor - ausleist ungen für b i c Wohnungs - Unterhaltung geht debattelos an den Haupt- ' ausschuß. Ebenso die vom Staatsrat vorgeschlagene Novelle über die Regelung der Gewerbesteuer für die Rechnungsjahre 1925 und 1926. Auch der zur zweiten und dritten Beratung auf Annahme einer Novelle zum Gesetz über die Notlage der rheinischen Notare wird nochmals der Ausschußberatung zugeleitet. — Gegen 4 Uhr vertagt sich das Haus auf Donnerstag 12 Uhr: Elwerbs- lojenfürsorge und kleine Vorlagen. Die Germersheimer Bluttat. Germersheim, 6. Oll. (Wolff.) Das Be- finben des durch einen Kopfschuß des Leutnants Vouzier schwer verwundeten Fuhrmanns Mathes gibt noch immer zu Besorgnis Anlaß. Mathes befindet sich zwar zeitweise bei Bewußtsein, doch besteht noch immer Lebensge- g e f a h r, da mit Komplikationen gerechnet werden muß. Mathes gehört nicht der nationalsozia- llstischen Partei an, ebensowenig wie der durch einen Schuß in die Wange von Leutnant Rouzier verwundete und von dem französischen Militärgericht verhaftete Willy Holzmann und dessen von dem französischen Gericht fälschlicherweise des Angriffs aufRouzier beschuldigten Freunde D e i firn a n n, Schardt und Fritz Klein. Sämtliche Deutsche sind entgegen französischen Pressemeldungen nicht vorbestraft und genießen, wie es auch bei dem getöteten Arbeiter Emil Müller der Fall war. in Germersheim den besten Ruf. — Die Kopfstärke des zweiten Bataillons des französischen Infanterieregiments Vr. 171, das als Ersatz für das nach Verdun verlegte Artillerieregiment Vr. 311 in Garmson kam und dessen zwei andere Bataillone bereits seit längerer Zeit in Germersheim garnisoniert sind, ist ebenso groß, wie die des Artillerieregiment Vr. 311. Eine Verminderung der Garnison Germersheim ist also durch den Abtransport des Artillerieregiments Vr. 311 nicht eingetreten, ebensowenig wie eine Erleichterung der Quartierlasten. poincare für Ratifizierung der Zchuldenabkommen. Paris, 7. Oll. (£11.) Es besteht fein Zweifel mehr, daß Poincare unter allen Umständen und nötigenfalls unter Stellung der Vertrauensfrage zurRatifizierung desLon- doner und des Washingtoner Abkommens drängt. Er soll, um aus der chwierigen innerpolitischen Lage einen Ausweg zu finden, die in dem Washingtoner Abkommen fehlende Sicherheits- und Transferklausel zum Gegenstand einer separaten Einigung mit Amerika machen wollen, etwa in der Form eines Brieses, wie dies nach der Unterzeichnung des Londoner Abkommens zwischen Caillaux und Churchill der Fall war. Poincare hofft mit der amerikanischen Regierung ein derartiges Abkommen treffen zu können. Der Präsident der Finanzkommission der Kammer äußerte, das Abkommen lege wohl Frankreich schwere Verpflichtungen auf, aber die Summe sei im Vergleich zu den erhaltenen Geldern sehr gering. Man dürfe nicht übersehen, daß die Wiederaufrichtung des französischen Franken und die Wiederbelebung der französischen Finanzen nicht ohne die Hilfe Amerikas möglich sei. Im übrigen wird immer deutlicher die Hoffnung ausgesprochen, daß die Zeit für die Revision sämtlicher Schuldenabkommen arbeite. Der englische Bergarberterstreik. London, 6. Oll. (TU.) Das Exekutivkomitee der Bergarbeller trat heute in London zusammen, um sich mit dem Ergebnis der Entscheidungen der Distrikte über die Vorschläge der Regierung zu befassen. Cook erllärte, daß das Gesamtergebnis nicht vor morgen zu erwarten sei, daß aber mit einer Mehrheit gegen die Vorschläge' der Regierung zu rechnen sei. Wie verlautet. wird sogar mit einer Mehrheit von 4:1 gegen die Vorschläge gerechnet. Die Situation wird durch diese Entscheidung der einzelnen Stift ritte für die Dergarbeiterexelutive und die Delegierten äußerst schwierig. Der Erzbischof vrn Cunterbury hat heute auf der Eröffnungssitzung der Diözese in der Kathedrale von Cunterbury eine Rede gehalten, in der er sehr eingehend zum Kohlenkonflill Stellung nahm und erneut diealtenVorschlägeder Bischöfe zur Diskussion stellte. Er wandte sich gegen die Behauptung, daß industrielle Probleme ruhig Sachverständigen und wirtschaftlichen Kräften überlassen werden können und stellte die Frage: Dürfen wir einfach hilflos beiseite st e h e n in der Hoffnung, daß die ftreiten&en Parteien zu einer Einigung kommen werden, oder haben wir nicht vielmehr alle eine Verantwortlichkeit, von der uns niemand befreien kann? Die Wirren in China, London, 7. Ott. (WTD.-Funkspruch.) Nach einem Bericht der „Daily Mail" aus Tokio ist es am Ialu-Jluß (Korea) zwischen chinesischen Soldaten und Koreanern zu Zusammenstößen gekommen. Japanische Truppen feien an Ort und Stelle gesandt worden. Es hätten bereits Verwicklungen zwischen Chines en und Japanern mit beiderseitigen Verlusten stattgefunden. — Räuberische Horden, deren Stärke auf 5000 Mann geschätzt werden, haben am 4. Oktober in den Städten Tungtschou und Chenliu Plünderungen verübt und in Chenliu den britischen Missionar Riding mit seiner Dienerschaft gefangen genommen. Japanische Meldungen aus Hankau besagen, daß sich der dortige Kommissar für auswärtige Angelegenheiten wegen der Beschießung japanischer Dampfer auf den yangtfe bei der japanischen Regierung ent- schuldigte. — Es ist anzunehmen, daß der bisherige Sowjetgesandte in China Karachan nach Kanton entsandt werden wird. Es scheint, daß Moskau unzufrieden mit den Kontonesen ist, die die nach ihren mit Hilfe von russischen Offizieren und russischer Munition errungenen militärischen Erfolgen sich von der daraus ergebenden Verpflichtung zu befreien suchen. Karachans neue Aufgabe wird es fein, Moskaus Einfluß in Südchina wiederherzustellen. Kleine politische Rachrichten. Zu Ehren des Reichspräsidenten gab der britische Botschafter Lord d'Abernon ein Diner, zu welchem auch der Minister des Aeuße- reix, Dr. ©tretemann und Gattin und andere Staatsbeamte geladen warm. Unter den übrigen Gästen befanden sich Fürst Otto von Bismarck und Fürst und Fürsten. Münster von Derneburg. Dr. Eckener ist in Wien eingetroffen. Er wurde bei der Ankunft vom Vertreter des deutschen Gesandten, von dem Vertreter des Der- kehrsministers und von Mitgliedern des 21ero« klubs sowie des Bundes der Reichsdeutschen in Wien herzlich begrüßt. Der Aeroklub gibt zu Ehren Dr. Eckeners einen festlich.^ Empfang hn Hotel „Imperial". Der Kreuzer „Hamburg" ist am 5. Oktober in Sörabaya (Niederländisch-Indien) eingetroffen und wird am 12. Oktober nach Batavia weiterfahren. Aus aller Wett. SOjähriges Doktorjubiläum. Die philosophische Fakultät der ilniberfilät Bonn hat dem in Marburg im Ruhestände lebenden Oberlehrer Professor Dr. Eduard W i n h e r anläßlich seines 50jährigen Dollvr- jubiläurns das Diplom erneuert und dazu ihre herzlichsten Glückwünsche ausgesprochen. Die wiedergefundenen Gelder des Auswärtigen Amts. Dor wenigen Tagen hatten, wie gemeldet, zwei Beamte des Auswärtigen Amtes in einer Autodrofchke eine Mappe, in der sich 54 000 Mark befanden, liegen l a s s e n. Die Ermillllm- gen der Kriminalpolizei führten zu der Verhaftung des Chauffeurs Karl Horneber. Horneber, der in den letzten Tagen durch große Geld- ausgaben aufgefallen war und den Beamten gegenübergestellt wurde, von denen er mit großer Bestimmtheit wiedererkannt worden war, er- zählle, unmittelbar nach der Fahrt zum Auswärtigen Amt habe eine unbekannte Dame fein Auto gemietet und diese müsse die 54 000 Mk. gefunden haben. Seine jüngsten Anschaffungen will'er aus feinen Ersparnissen bestritten haben. Bei einer in der Nacht abgehaltenen Haussuchung bei Horneber wurden indessen auf dem Boden des Hauses in einem fremden Verschlag unter Lumpen noch 51 440 Mark gefunden. Ein Hochzeitspaar im Hotel überfallen. Mit beispielloser Frechheit ist spät abends in einem der größten Luxushotels am Potsdamer Platz in Berlin ein Raubüberfall auf ein junges Ehepaar, einen Berliner Kaufmann und grau, verübt worden. Der Täter, ein 20jähriger Student, Johann W i 11 m a n n aus Kirchdorf in Ober-Oesterreich, versuchte unter Drohun g mit der Waffe, das Ehepaar zur Herausgabe von Geld und Wertsachen zu zwingen. Wahrend die Dame um Hilfe rief, stürzte sich der Ehemann auf den Attentäter, der flüchtete unb vom Hotelpersonal auf der Treppe fest genommen wurde. Selbst gerichtet. Ein Mann, der Mittwoch vormittag in Wohlsdorf bei Halle die Frau eines Gastwirts getötet hat, erschoß sich selbst, als er durch die Polizei gestellt wurde. Es handelt sich um einen 22jährigen Arbeiter, der, wie sich jetzt herausstellt. am Sonntag aus unbekannter Tlrsache in seinem Heimatsdorf ein junges Liebespaar z u sa mmen ge scho s se n hatte, das jetzt im Bernburger Krankenhaus im Sterben liegt Der Tod im heu. In Ludwigshafen wurde auf einem Heuspeicher die bereits stark in Verwesung übergegangene Leiche eines fahrenden Gesellen gefunden. Man nimmt an, daß der Tote sich in betrunkenem Zustande ins Heu legte und dabei erstickte. Der Tod auf der Straße. 3n Wiesbaden wurde in der Taunusstraße ein 54 Jahre alter Kaufmann plötzlich vom Schlag gerührt. Die Sanitätswache brachte den Mann nach seiner Wohnung, wo er starb. Der Stand der Typhusepidemie in Hannover. Hannover, 7.Oft. (WTB. Funkspruch.) Seit Mittwoch wurden aus den hiesigen Krankenhäusern 18 Personen als gesund entlassen, 5 Personen sind gestorben. Die Zahl der neu aufgenommenen Personen beträgt 12. Die Gesamtzahl der Typhus- kranken und -verdächtigen beträgt damit am Donnerstagvormittag 1644 (1655 am Vorlage), die der Gestorbenen 193 (188 am Vortage). Ein Auto ins wasser gefallen. In Amsterdam ist ein Automobil bei der Ue&erquerung des Waal, des größten Mündungsarms des Rheins, von der Fähre ins Wasser gefallen. Die Insassen, zwei Damen und ein Herr, kamen dabei ums Leben. Ein Haupttreffer, den niemand will. Der Haupttreffer der bayerischen Rot- Kreuz-Lotterie, der auf Nr. 255 447 gefallen ist, wurde durch ein Zigarrengeschäft in Landau verkauft. Der glückliche Gewinner hat sich bis jetzt, trotzdem schon einige Wochen verflossen sind, noch nicht gemeldet. Der Gewinn besteht in einer Sechssitzer-Limousine. Tragischer Tod von Vater und Sohn. Der 19jährige Maurer Lorenz Schmelzer aus Gräsenhäusling (Franken) wollte mit seinem Rade nach der nahen Stadt fahren, um für seinen im Sterben liegenden Vater einen Arzt zu holen. An einer steilen Stelle stürzte er vom Rade und brach das Genick, so daß er nach wenigen Minuten verstarb. Als man die Todeskunde nach Hause brachte, war der Vater gerade auch gestorben. Abbruch des Hamburger hafenacbeiterstreiks. Die Tlrabstimmung über den Antrag der Betriebsräte, die Arbeit im Hafen wiederaufzunehmen, hat die nach den Statuten erforderliche Dreiviertelmehrheit für den Streik nicht ergeben. Die Arbeit wird also Mittwoch früh im vollen Umfang wieder auf genommen werden. Wettervoraussage. Vachts milder, tagsüber kühler als an den Vortagen, stärkere Bewölkung, allmählich einsetzende Regensälle. Gestrige Tagestemperaturen: Ma Lnum 16,2 Grad Celsius, Minimum 5,4 Grad Celsius. Heutige Mvrgentemperatur: 7,2 Grad Celsius. Iltis der ProvinzialhauptstM. Gießen, den 7. Oktober 1926. L Jur Ablösung der Länder- und GemeLndeanleihen. Es hat sich gezeigt, daß die Kenntnis der allgemein interessierenden Bestimmungen über die Ao- I ö f u n g der Markanleihen der Städte, Gemeinden usw. noch nicht diejenige Verbreitung gesunden hat, die für die Wahrung der Rechte bet Anleihegläubiger zu wünschen ist. Insbesondere scheint Unkenntnis darüber zu herrschen, daß unter „M arkanleihen" im Sinne der Aufwertungsbestimmungen auch Namensschuldurkunden und Schuldscheindarlehen zu verstehen sind und damit, soweit Allbesitz vorliegt, bis zum 1. November d. I. bei dem Schuldner anzumelden sind, und zwar auch dann, wenn diesem das Bestehen der Schuld bekannt ist. Das Kreisamt Gießen veröffentlicht jetzt im neuesten Amtsverkündigungsblatt einige der wichtigsten für Hessen gültigen Bestimmungen, denen wir folgendes entnehmen: Zum Gesetz, über die Ablösung öffentlicher Anleihen vom 16. Juli 1925 hat die Reichsregierung unterm 2. Juli 1926 eine Durchführungsverordnung erlassen, auf Grund deren die Länder durch besondere Verordnungen das Verfahren über den Umtausch der Markanleihen der Gemeinden usw. geregelt haben. Die Hess. Verordnung über die Ablösung der Markanleihen der Gemeinden und Ge- meindeverbände und anderer öffentlich-rechtlicher Körperschaften ist am 6. Juli 1926 erlassen und im Regierungsblatt Nr. 12 veröffentlichllworden. Ziemlich gleichlautende Bestimmungen haben auch die Regierungen der anderen deutschen Länder erlassen. Es sei ausdrücklich bemerkt, daß allein die Kenntnis der hier zitierten Vorschriften zur Wahrung von Aufwertungsrechten in vielen Fällen nicht genügt, und daher jedem einzelnen Gläubiger unbedingt empfohlen wird, sich durch unmittelbaren Einblick in die maßgeblichen Gesetze und Verordnungen oder durch Erkundigung bei den Anmeldestellen Kenntnis von den im Einzelfall zu beachtenden weiteren Bestimmungen zu verschaffen. 1. Es handelt sich hier um die Ablösung der Markanleihen der Städte, Landgemeinden, Kreise, Provinzen, der sonstigen Gemeindeoerbände, verschiedener anderer öffenllich-rechtlicher Körperschaften, insbesondere der Kirchen und unter gewissen Voraussetzungen auch der Wassergenossenschaften. 2. Unter den Begriff „M arkanleihen^ fallen außer Jnhaberschuldverfchreibungen, insbesondere auch Namensschuldurkunden und Schuldscheindarlehen. 3. Die unter 1 und 2 genannten Markanleihen kommen für eine Aufwertung zunächst nur insoweit in Frage, als es sich um Altbesitz handelt, d. h.' um Markanleihen, die der Gläubiger nachweislich vor dem 1. Juli 1920 erworben hat und die ihm von dem Erwerbe bis zur Anmeldung ununterbrochen gehört haben. 4. Der Altbesitz nach 1—3 ist in jedem Falle anzumelden, und zwar innerhalb einer Frist von drei Monaten, die v o m 2. A u g u st bis zum 1. November läuft. 5. Dor dem 2. August 1926 erfolgte Anmeldungen sind rechtsunwirksam und müssen wiederholl werden. 6. Nicht bis zum 1. November 1926 angemeldete Forderungen aus Allbesitz gehen verloren. 7. Die Anmeldung des oben gekennzeichneten Altbesitzes hat zu erfolgen: a) bei Jnhaberschuldverfchreibungen an den Schuldner entweder unmittelbar ober durch eine Vermittlungsstelle (Banken, Sparkassen, Genossenschaften usw.), b) bei Namensschuldurkunden und Schuldschein- darlehen lediglich unmittelbar bei dem Schuldner. 8. Der Anmeldung nach 7a und b sind die Schuldurkunden — bei 7a auch die Erneuerungs- und Zinsscheine — beizufügen. 9. Anmeldung ist auch für getilgte Markanleihen erforderlich, bei deren Annahme sich der Gläubiger seine Rechte vorbehalten hat. In der Anmeldung ist anzugeben, in welcher Form, zu welchem Zeitpunkt, unter welchen näheren Umständen der Vorbehalt gemacht worden ist: für die Richtigkeit der Angaben sind Beweismittel zu bezeichnen. 10. An die Treuhänderstelle können in keinem Falle Anmeldungen rechtswirksam gemacht werden. Aufwertung von Pfandbriefen der Hypothekenbanken. Von zuständiger Seite wird dem WTB. geschrieben: Die Fristen für die Anmeldung von Ansprüchen auf Aufwertung vonPfandbrie- fenderHypothekenbanken sind abgelaufen, die letzte Frist am 30. September 1926. Mit der Einhaltung der Anmeldefristen sind die Rechte der Pfandbriesgläubiger gegen den Ausschluß durch Fristversäumnis aber noch nicht endgültig gesichert. Auch für die gerichtliche Geltendmachung von Aufwertungsansprüchen der Psandbriesgtäubiger find Fristen gesetzt. So haben die Gläubiger auf Grund des Vorbehalts der Rechte die Aufwertung von Pfandbriefen zu verlangen und den Anspruch, falls er von der Hypothekenbank nicht anerkannt wird, bis zum 31. Oktober 1 9 2 6 gerichtlich geltend zu macyen. In derselben Frist ist im Falle des Um« tauschs der Anspruch auf Berücksichtigung des Goldmarkbetrages der alten Pfandbriefe, falls er von der Hypothekenbank nicht anerkannt wird, gerichtlich geltend zu machen. Auch diese Fristen sind Ausschluß s r i st e n, d. h. ein Gläubiger, der es verabsäumt, seinen Anspruch fristgemäß gerichtlich geltend zu machen, geht seines Rechtes verlustig. Pfandbriefgläubiger, die ihre Ansprüche zu verfolgen beabsichtigen, werden daher, falls die Hypothekenbank den Anspruch nicht aneriennt, rechtzeitig die erforderlichen Schritte zur fristgemäßen gerichtlichen Geltendmachung zu ergreifen haben. Was die Pfandbriefgläubiger anlangt, die ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt außerhalb Europas haben, so besteht zu ihren Gunsten die Ausnahme nur in dem Fall, daß die Aufwertung des Pfandbriefs auf Grund des Vorbehalts der Rechte verlangt wird. Hier laufen besondere Fristen für die Anmeldung und gerichtliche Geltendmachung der Anspruchs, und zwar endet die Frist für die Anmeldung mit dem 15. N o v e m b e r 1 9 2 6 und die Frist für die gerichtliche Geltendmachung mit dem 31. Dezember 1926. Die Inhaber von Kommunal- und Kleinbahnobligationen haben die gleichen Fristen wie die Pfandbriefgläubiger einzuhalten. Giesrencr Wochcumarktprcise. Es kosteten auf dem heutigen Woche-rrnarkt: Butter 140 bis 170, Matte 35. Wirsing 6 bis 10, Weißkraut 5 bis 8, Rotkraut 7 bis 10, gelbe Rüben 5 bis 10, rote Rüben 10, Spinat 20, «28. • L"der. et*)en, Oer Ri -5°« 'V’nsb'Mle Ren, holdere 3et WJrhÜnter in öerft,kUnbtn iU'H^n lind ■ <5 L ^Nef>en en* w /'N,ge ff y V&tli4>«u in über? 6c^on‘ to6i^et den um, Wen »Im m 5. über ö*«* S» BnilS §te Wen weiteren Le« d'e Slblöluna der gemeindm M KverbSn'de L *yer Sorper|*af. ? unter gewissen genossenschasten. nlelhen^ fallen chre.bungen, uldurkunden >ten Markanleihen W nur insoweit -Ntz handelt, b. h- Elfter naäM^ n hat und die ihm imneldung ununter. ~3 >st in jedem Dar innerhalb einer >mr.August bis ' erfolgte Anmeldun- müfien wiederholt r 1926 angemeßiüe verloren. i gekennzeichnettn Übungen an. den 'Mbar oder durch Banken, Sparkassen, en und Schuldschein- ntttelbar bei dem jnb b sind die Schuld- e Erneuerung.«- unb getilgte Mrkan- nnahme sich der ®löu< hat. 3n der Anmel- r Fom, zu welchem eren Umständen der für die Richtigkeit der bezeichnen. - können in keinem am gemacht werden, pianibtiefen nbanben. Md dm saj* Anmeldung von Ln- von Pfandbrie- nkensindabMchn, lember 1926. MU der si die ReG der den M-Wh Mch cht endgültig gesichert- endmachung von W Ä3®-‘ ch-Z im 8* b'5Ä war«* WÄS* bis *®*jjS*£ , ä*Ä L die S* Römischkohl 5 bis 8, Tlnter-Kohlrabi 6, Feldsalat ICO, Tomaten 20, Zwiebeln Z bis 8, Meerrettich 40 bis 100, Knrbts 8, Kartoffeln 4 bis 6, Falläpfel 8, Aepfel 12 bis 35, Dirnen 10 bis 30, Zwetschen 20 bis 25, Preiselbeeren 70, Düsse 80, junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 100 bis 120 Pf. das Pfund: Käse 10 Stück 60 bis 150 Pf.; Tauben 60, Eier 15 bis 16, Blumenkohl 10 bis 150, Salat 10, Endivien 10 bis 20, Ober-Kohlrabi 5 bis 12, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück; Radieschen 10 bis 12 Pf. das Dürrd. Bornolizen. - Tageskalender für Donners- tag. Oberhessische Gesellschaft für Ratur- und Heilkunde (Naturwissenschaftliche Abteilung) Physikalisches Institut (Stcphanstraße): Kurze wissenschaftliche Mitteilungen. - Deutscher Bund für christlich-evangelische Erziehung in Haus und Schule: 3 ^Ihr Iohannessaal, Lichtbildervortrag. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .Der Dieb von Bagdad." — As,oria-LichtsPiele: .Aus dem fernen Osten." — Aus deni Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Als erst» Operetten- und zugleich als erste Freitag-Abonnementsvorstellung geht morgen, 8 Olt., Oscar Strauß' bekannte Operette „Ein Wa 1 zertraum" in Szene. Wir besihen in „W a l z e r t r a u m" sicher eine der musikalisch wertvollsten Operetten der nach- tlassischen Zeit, deren prickelnde Melodien direkt populär geworden sind. Die Besetzung ist eine allererste, es wirken in Hauptrollen mit: Alois R e s n i, früher am Frankfurter Opernhaus, Betty Mergler ebendaher, Inge van Heer vom GärtnerplahtHeater München und Franz Sauer von Heidelberg, der schon im „Fidelen- Dauer" hier aufgetreten ist und ausnehmend gefallen hat. Als Oberregisseur und 'Buffo ist Kurt H a m p e, bisher am Reuen Operettentheater Frankfurt a. Main, ständig verpflichtet worden. Als alte Bekannte werden Herr Steinbrecher und Fräulein Simon sicherlich wieder gerne begrübt werden. — Die PalastlichtfPiele kündigen in unserem heutigen Anzeigenteil eine mehrtägige Gastspielvorstellung des Barie16künstlers Karl S ch e r b e r mit Gesellschaft an. Das Gastspiel wird, wie man uns mitteilt, Darbietungen bringen, die für unsere Stadt in vielerlei Hinsicht neu sein werden. Sch erber wird sich, wie auch in der Anzeige angekündigt ist, in einer künstlerischen Dielseitigk.eit zeigen, die erstaunlich ist. Aus vorliegenden Pvesseurteilen tonnten wir feststellen, dab Scherber in anderen Städten mit seinem Können vollsten Erfolg gehabt hat, im übrigen sprechen dafür auch die Auszeichnungen und Ehrungen, auf die in der heutigen Anzeige aufmerksam gemacht wird. Man darf hiernach Darbietungen erwarten, die den Besuchern recht interessante Unterhaltung versprechen. Man beachte die heutige Anzeige. ** Eine Alarmübung der Feuerwehren wird in den nächsten Tagen stattfinden. Zur Alarmierung der Wehren werden die Sirenen in Tätigkeit gesetzt. Die Bürgerschaft mag sich also nicht beunruhigen, wenn das Heulen der Sirenen ertönt. ** E i n tragischer Todesfall. Am Dienstagnachmittag wurde ein Oberpostschaffner von hier auf seinem Bestellgange von einem Schlaganfall betroffen. Der Mann wurde schleunigst der Klinik zugeführt, er starb jedoch bereits bei der Einlieferung. " Tlnfallin derMarburger Straße. Am Dienstagnachmittag geriet ein von Vetzberg stammender, hier beschäftigter Lehrling, der aus seinem Fahrrad die Marburger Straße entlang fuhr, mit dem Rad in die Schienen der elektrischen Straßenbahn. Der junge Mann kam dabei so unglücklich zu Fall, daß er den linken Arm brach. Der Verunglückte wurde mit einem Auto der Firma Auto-Schneider in die Chirurgische KlinÜ gebracht. WSR. Falsche Zehnmarkscheine. Von den im Umlauf befindlichen Reichsbanknoten über 10 Reichsmark mit dem Datum des 11. Oktober 1924 ist eine neue Fälschung festgestellt, die in Frankfurt a. M. stark verbreitet wird und an nachstehenden Merkmalen unschwer zu erkennen ist: Das männliche Bildnis mit feinen großen runden Augen und der in der Zeichnung verunglückten Rase kennzeichnen die Rote sofort als Fälschung. Das Wasserzeichen ist durch Farbe nachgemacht. Auf der rechten Vorderseite sind statt fünf nach unten gehenden Wellenlinien nur zwei sichtbar. Die Sterne, die zwischen den Wellenlinien sichtbar sind, sind bei den falschen Scheinen nur als Punk:e ausgeprägt. Auch der Kontrollstempel ist schlecht. Die Äummern der gefälschten Roten sind „85 621 384" und „G 3 621584“. Besonders ist die linke Rückseite an den Wellenlinien sofort als falsch zu erkennen. ** Deutsche Volkspartei. Der Verein der Deutschen Volkspartei in Gießen hielt am Dienstagabend im Gasthof Hindenburg eine Mitgliederversammlung ab. Auf der Tagesordnung standen Berichte über den Reichsparteitag in Köln. Der Vorsitzende, Prof. Dr. Kraus muller, der die Versammlung leitete, führte in seinen einleitenden Worten aus, wenn man die Parteitage, die die Nationalliberale Partei und die Deutsche Dolkspartei innerhalb der letzten 20 Jahre abgehalten haben, sich vergegenwärtige, so drücke sich in der stetig wachsenden Zahl der Teilnehmer und in der immer wehr sich steigenden Beachtung, die diese Tagungen im In- und Ausland fanden, die wachsende Größe und Bedeutung der Partei aus. Von wenigen Hundert Teilnehmern, die der Parteitag in Goslar vor ungefähr 20 Jahren hatte, ist die Zahl der Besucher >etzt in Köln auf über 3000 gestiegen. Dann zeichnete der Redner in kurzen Strichen den Verlauf der Tagung. Er ging zunächst auf die Sitzungen der einzelnen Ausschüsse ein, um sich alsdann den Höhepunkten des Parteitages, der Strelemann-Rede und dem Festabend in der großen Messehalle, zuzumen- den. Der Vorsitzende führte seine Zuhörer im Geiste in den altehrwürdigen, festlich geschmückten Gürzenichsaal und berichtete von der ungeheuren Begeisterung, die die große Rede Stresemanns bei den Teilnehmern auslöste. Dann kam er auf den erhebenden Festakt in der großen Messehalle zu sprechen und schilderte den gewaltigen Eindruck, den die musikalischen Darbietungen des Gürzenichchors und der städtischen Kapelle und die Reden von Dr. B o e l i tz und Dr. S t r e s e m a n n auf die nahezu 6000 Teilnehmer machten. Geschäftsführer Weißer ging alsdann in etwa Hftünbigcn Ausführungen auf die einzelnen Reden, die auf dem Parteitag gehalten wurden, näher ein. Er wies nach, daß sowohl Stresemann als auch die übrigen Redner auf alle im Vordergründe des Interesses stehenden Fragen der Außen- und Innenpolitik eingegangen sind. Weiter konnte er feststellen, daß bei der Tagung alle Berufsstände, sowohl Arbeitgeber als Arbeitnehmer, sowohl Hand- als auch Kopfarbeiter, zu Worte kamen und die Anschauungen, die in ihren Kreisen herrschen, barlegen konnten. In der Aussprache wurden noch verschiedene Fragen geklärt. ** Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: ein Bulle, eine Kuh, 575 Kälber, 1102 Schafe, 319 Schweine. Aenographen-Tagung in wieset Der Bezirk Gießen imHessisch-Naf- sauischen (Main-Rheingau) Verband Ga- belsbergerscher Stenographen hielt am SonNiag seinen diesjährigen Herbstbezirks- t a g in W i e s e ck ab. Die Tagung wurde am Samstagabend mit einer gut besuchten Vertreterversammlung im Gasthaus „Germania" eröffnet. Anschließend an kurze Worte der Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden des Bezirks, Prokurist Karl Hch. Kuhl (Gießen), wickelte sich das ziemlich reichhaltige Programm ab. Aus den Berichten der Vereinsvertreter ist besonders zu bemerken, daß es in fast allen Vereinen des Bezirks aufwärts geht. Die Reichs- k u r z f ch r i f t hat sich, wie zu erwarten, im Bezirk reibungslos durchgefetzt. Anfängerlehrgänge sind überall mit guten Erfolgen durchgeführt worden, wobei noch die erfreuliche Tatsache festzustellen ist, daß sich inzwischen auch bereits Mitglieder der Vereine mit großer Fertigkeit nach dem System Gabelsberger auf die Reichskurzschrift umgestellt haben. Mehrere Vereine haben in letzter Zeit Kurse für Beamte eingerichtet, die sich regen Zuspruchs zu erfreuen hatten. — Als Ort der Frühjahrs - bezirkstagung 1 9 2 7 wurde Gießen bestimmt. Die Tagung wird von der 1. Reichskurz- schrift-Gefellschaft „(Babelsberger" und Damenabteilung (Gießen) durchgeführt werden, die im Mai nächsten Jahres auf ein 30jähriges Bestehen zurückblicken kann. — Der Bezirk wird sich gemäß Beschlusses der Vertreteroersammlung künftig „B e - zirk Gießen des Hessisch-Nassauischen Kurzschriftverbandes „Gabelsberger" nennen. Am Sonntagmorgen nahm eine große Zahl Wellschreiber an den st e n o g r a p h i s ch e n Wettkämpfen teil. Dank der rührigen Tätigkeit des Vorstandes des Wiefecker Vereins war es möglich, eine größere Zahl der besten Arbeiten mit wertvollen Ehrenpreisen auszuzeichnen. Die Gemeinde Wiefeck hatte in liebenswürdiger Weife ihr Interesse an der Heistigen Heranbildung der Jugend bekundet, indem sie einen Geldbetrag zur Verfügung stellte, ebenso wurden von verschiedenen Wiefecker Geschäftsleuten eine Reihe schöner Ehrenpreise gestiftet. Don 220 Wettschreibern und 45 Schön- und Richtig- schreibern konnten 40 1. und Ehrenpreise, 97 1. Preise, 71 2. Preise und 26. 3. Preise errungen werden. Die Namen der Preisträger aus Gießen finden sich am Schlüsse des Berichts; bei aller Achtung vor den Leistungen der auswärtigen Teilnehmer können diese hier nicht namentlich aufgeführt werden, da die große Fülle von Namen die gegebenen Raumverhältnisse weit überschreitet. Zu er» wähnen ist noch die Austragung eines SDlonn» schaftskampfes in der Abteilung 100 Silben, an der 10 Mannschaften zu je 5 Well- schreiber teilnahmen. Hiermit soll für die Folge eine sportliche Note in die Tagung hineingetragen werden. Diese Neuerung hat allseitig Anklang gesunden. Die 1. Reichskurzschrift-Gesellschaft Gießen bewies, daß sie in den Damen Kuhl, Tre- fer und Nickel, sowie den Herren v. L e m - mers und Preußer eine ausgeglichene Mannschaft besitzt. Der Verein Wiefeck hatte es sich angelegen fein lassen, den Gästen den Aufenthalt in Wiefeck so angenehm wie möglich zu gestalten. Nachmittags versammelte sich die Jugend nach einem Rundgange durch den Ort mit anschließender Besichtigung der Kunsttöpferei Keßler im Saale der „Germania" bei Konzert und Tanz. Die Preisoerteilung konnte dank guter Organisation noch am gleichen Tage erfolgen. Die Abendunterhaltung in dem dicht gefüllten Schneiderschen Saale verlief in der schönsten Weife. Der Bezirksvorsitzende dankte dabei den Wieseckern für die gute Aufnahme, welche die Stenographen gesunden hatten und hob besonders anerkennend die guten Darbietungen bei der Abendunterhaltung hervor. Die Gießener Preisträger. Die Abkürzungen be.de. uen: R.-G. — 1. Reichs- kurzschrift-Gejellschast und Samenabteilung e. D., Gießen; V. — Gabelsberger Stenographenverein von 1861, Gießen; D. — Damenverein Gabelsberger, Gießen; W. — Stenographenvereinigung Gabelsberger und Damenabteilung, Wiefeck. 2 4 0 Silben: 1. und Ehrenpreis Fidel Balken, D.-G. 2 20 Silben: 3. und Ehrenpreis ßiuä Wahl, D. 180 Silben: 1. und Ehrenpreis Georg Wahl, R.-G.; 2. Preis Willi Goffel- meyer, V. 160 Silben: 1. und Ehrenpreis Julius Fischer, V.; 1. Preis Babette Fischer. D., Minna Frulig, R.-G.; 2. Heinrich Konrad, V. 14 0 Silben: 1. und Ehrenpreis Emilie Bellof, R.°G., Adolf Kling, W., Ottilie Treser, R.-G.: 1. Preis Kurt Moosdorl. R.-G.. Hildegard, Kuhl, R.-G. Karl Kühn. V., Elisabeth Gla- digow, D.: 2. Friedrich von Lemmers, R.-G. 12 0 Silben: 1. und Ehrenpreis Liefe! Eckert, D.. Heinrich Preußer. R.-G.; 1. Preis Al- I bert Hahn, V, Otto Wahl, R.-G., August Frank, W.: 2. Heinrich Geißler, R.-G.; 3. Theodor Schwarz, R.-G. 10 0 Silben: 1. und Ehrenpreis Elly Vol- land, R.-G, Hans Wahl, R.-G., Wilhelm Mom° berget, V., Fritz Mö'ler. R.»G„ Anna Loh. W.; 1. Preis Wilhelm Rieß, 05., Heinrich Ioedt, R.-G., Marie Schmidt. W.. Ludwig Blum, R.-G.. Hans Pfeiff, R.-G., Dora Ricketz R.-G., Olga Pfeiffer, D., Hans Vepperiing, V., Gretcl Becker, R.-G., Paul Metz, V.. Hugo Baumann. R.-G.. Ilse von Wachter, R.-G., Kurt Leipold, V.: 2. Iobanna F.amme, R.°G., Braun, R.-G., Lina Rau, W., Meline Schmidt. D., Willi Drommershausen, V., Richard Goß. R.-G., Albert Obefi, R.-G.: 3. Ludwig Fett, V. 8 0 Silben: 1. und Ehrenpreis Mia Schmitt, D., Heinrich Gerhard, D., Karl Berndt, D., Hugo Becker, V., Ottilie Lamm, D.; 1. Preis Paul Grobe, V., Ludwig Ilaner, R.-G., Georg Hanitsch, V., Friedrich Carl Pitz, V., Ernst Han- fult, W., Wilhelm Jung, V., Otto Kompf, 03., Otto Wagner, R.-G., Elly Herbst. D., Otto Mattern, D., Arthur Wagner, W., Aenne Thein, R.-G.; 2. Wilhelm Becker, R.-G., Friedr. Hof, R.-G., Heinrich Stein, V., Willi Zubrod, D., Emilie OSktlec, W, Erich Tender, D.; 3. Minna Deibel, W, Elfriede Schäfer, D., Karl Liehr, 03. 6 0 Silben: 1. und Ehrenpreis Karl Kirchner, W., Heinz Müller, 03.; 1. Preis Irmgard Schütz, D., Hanni von der Heidt, D., Wilhelm Schäfer, D., Arthur Zerbe, R.-G., Hans Herdt, 03., Emmi Loh, W.; 2. Walter Schmitz, V., Wolfgang Hanstein, D.. Karl Fett, V., Ernst Größer, W., August 03eder, 03., Agnes Sack, D.; 3. Ernst Reeb, 03., Willy Reichel, D.-G. Schön- und Richtigschreiben. 1. Redeschrift: 1. u. Ehrenpreis Friedrich von Lemmers, R.°G.; 1. Preis Georg Wahl, R.-G. 2. Verkehrsschrift: 1. und Ehrenpreis Theodor Schwarz, R.-G.; 1. Preis Karl Kirchner, W.; 2. Hans Wahl, R.-G., Heinrich Geißler, R.-G., Wilhelm Momberger, V, Paul Grobe. 03., Hugo Baumann, R.-G., Kurt Leipold, V.. Minna Fru- tig, R.-G.; 3. Otto Wahl, R.-G., Marie Schmidt, W., Adolf Kling, W. Dos Mannschastsschrriben. 1. und Ehrenpreis 1. Reichskurzschrift-Gesell- schckft Gießen: Frl. Kühl, Treser, Dickel; Herren v. Lemmers, Preußer, 1561/» Punkte. 2. und Eh e preis S enographen-DereinTad- Dauheim: Frl. graule, Genzel, Meißner, Tanges; Herr Keil, 154Vr Punkte. 3. Preis Reichskurzschrist-OZerein Marburg: Frl. Peter; Herren Gans, Gahmann, Heinizer, Wolf, 153V« Punkte. 4. Preis 1. Reichskurzschrift-Gesellsch. Gießen. Frl. Bellof, Flamme, Schüler; Herren Schwartz, Wahl, löP/s Pmckte. 5. Preis Stenographen-Vereinigung Friedberg (E): Herren Damme, Ewald, Heuh, Klemm, Wittmann, 146 Punkte. 6. Preis 1. Reichskurzschrift-Gesellsch. Gießen: Frl. Becker; Herren Baumann, Goß, Ioedt, Schneider, 138V4 Punkte. 7. Preis Steiwgraphen-Derein Wiefeck: Frl. Loh, Rau, Schmidt: Herren Frank, Kling, 137V.J Punkte. 8. Preis Stenographen-Dereinigung Friedberg (G): Frl. Kinzebach, Krämer, Walter; Herren Gans, Richter, 136Vi Punkte. 9. Preis Damenverein Gießen: Frl. Eckert, Gladigow, Lamm, Pfeiffer, Schmidt, 1357s P. 10. Preis Verein 61 Gießen: Herren Depperling, Jung, Kühn, Leipold, Rieh, 135 Punkte. Kirche und Schule. Südwestdeulsche Konferenz für Innere Mission. * Fulda, 6. Oft Zahlreiche Freunde der Inneren Mission fanden sick in den letzten Tagen, von unserer evangelischen Bevölkerung herzlich begrüßt, hier ein, hallen doch die S ü d w e st - deutsche Konferenz für Innere Misst o n und der Landesverein für Innere Mission in Hessen-Kassel ihre Tagungen hierher verlegt. Die Festpredigt am Sonntagfrüh hatte Landesbischof Kortheuer (Wiesbaden) übernommen. Im Kindergottesdienst berichtete Geheimerat D. Kayser (Frankfurt) über die Arbeit der Inneren Mission. Die evangelische Jugend unserer Stadt und aus der Umgegend versammelte sich um 2 Uhr zu einer ernsten Feier in der Kirche unter Leitung von Landesjugendpfarrer Sic. Dr. Neubauer (Kassel) unb zog bann auf bie Grillenburg zu Spiel und Sport unb zum Anhören der Schlußansprache von Landesjugendpfarrer Horning (Karlsruhe). Die Abendversammlung im großen Stadtsaal eröffnete der Vorsitzende der Südwestdeutschen Konferenz, Prälat D. Schmitthenner (Karlsruhe), mit einer herzlichen Ansprache. Er forderte zur entschlossenen, mutigen, vertrauensvollen Fortsetzung und Durchführung des begonnenen Werkes auf. Den Festvortrag Halle Pastor Werbeck (Elberfeld) übernommen, der in großen Linien die wichtigsten sozialen Ausgaben unserer Kirche schilderte. Kürzere Berichte über die Siechenpflege gaben Pastor M o h l (Hofgeismar) unb über die weibliche Fürsorgeerziehung Pastor Koch (Marburg). Der besonderen tjrcube unserer evangelischen Gemeinde über den Besuch der Freunde aus Südwestdeutschland gab Stadtpsarrer Weber (Fulda) Ausdruck. Am Montagfruh versammelte sich unsere coanae- lische Schul,ugend schon um 7.30 Uhr in der Kirche unb lauschte den wertvollen Vorträgen über bie Diakonen und Diakonissenarbeit durch Pastor Scheffer (Treysa) und Pastor Fuchslocher vom Diakonissenhaus Kassel. Auf eine geschlossene Mitgliederversammlung des Landesverbandes für Innere Mission in Hessen-Kassel folgte die öffentliche Hauptversammlung mit einem Einleitungswort des Vorsitzenden. Kirchenrat D. Merzyn (Kassel). Herzlichen Begrüßungen durch die Vertreter der kirchlichen Behörden, sodann burch ben Regierungspräsidenten, den Landeshauptmann, ben Landrat, einen Vertreter des Magistrats unb bcr Schulbehörden, worauf ein tiefgründender Vortrag von Pastor Heyne (Bremen') über „Das evangelische Docksbiidunaswesen" folgte. Nachmittags tagte die ebenfalls sehr gut besuchte Hauptversammlung der Südwestdeutscken Konferenz für Innere Mission. Prälat D. Schmitthenner eröffnete sie; Landes- wohliahrtspfarrcr Werner (Karlsruhe) erstattete den Jahresbericht unb gab eine Uebersicht über bie wichtigeren Verhandlungen der letzten Sitzungen des Berliner Zentralausschusses für Iranere Mission. Sodann referierte Pastor Burckhardt (Barmen) über „Das evangelische Dolkshochschulwesen". An diesen Vortrag schloß sich eine längere Aussvrache an, bie das rege Interesse für diese Aufgabe oekun- bete. Beim öffentlichen, wiederum überaus gut besuchten Gemeindeabend im großen Gtabtfaal wurden Filme unb Lichtbilder aus verschiedenen Gebieten der Inneren Mission vorgesührt Am Dienstagfrüh tarnen vor allem bie Vertreter der Kreis-Jugend- unb Wohlfahrtsdienste zur Besprechung praktischer Fragen zusammen. Kirchenrat D. Merzyn eröffnete die Versammlung, die bann Vereinsgeistlicher Pfarrer Fritsch aus Kassel leitete. Pfarrer Werner (Karlsruhe) hielt ein Referat über „Die Zusammenarbeit von Innerer Mission und öffentlicher Wohlfahrtspflege". Pastor G u- b a l k e (Sangerhausen) schilderte bie Ausgaben einer gut geordneten ftäbtifrijen evangelischen Wohlfahrtspflege. Pastor Röhricht (Weisel) behandelte die ländliche Wohlfahrtspflege. Die Tagung, an der auch Landesoberpfarrer Möller aus Kassel teilnahrn, bot sehr viel An- regendes, auch für unsere Gemeinde, die sich sehr eifrig beteiligte, und bewies uns, wie scharf und klar die Innere Mission ihre durch die heutigen Zeitoer- hältnisse gegebenen Aufgaben erkennt unb wie ziel- bewußt und mutig sie ihren Pflichten nacl'kommt Grotzes Schöffengericht Gießen. WS0T Gießen, 6. Ott. Vor dem Großen Schöffengericht Gießen stcrnd heute drr S chr i f t- lei ter der in Frankfurt erscheinenden, befaimt- lich auf sechs Monate verbotenen völkischeni „Freiheitsfahne". Franz Anton Hasel- mayer, unter der Anklage des Vergehens gegen das Gesetz zum Schuhe der Republik in Tateinheit mit Aufreizung zum Klassenhah. Hafelmayer hatte in einer 03er- fammhmg in Hungen am 13. Februar 1926 gesprochen und dabei die bestehende Staatsform als ^internationalen Saustall" bezeichnet. Ferner hatte er dabei auf gefordert, die Juden mit Gewalt aus Deutschland zu vertreiben. Die Hauptverhandlung ergab im wesentlichen die Bestätigung dieses Sachverhalts. Der Staatsanwalt hielt ein Vergehen gegen das Gesetz zum Schutze der Republik für nicht sicher erwiesen, beantragte dagegen wegen schwerer Aufreizung zum Klaffen- haß gegen Hafelmayer eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten Das Gericht verurteilte den Angellag- ten wegen Vergehens gzgen §8 Ziffer 1 dcs Gesetzes zum Schutze der Republik in Tateinheit mit Vergehen gegen § 130 StGB, zu einer Gefängnisstrafe Don zwei Monaten und den Kosten des Verfahrens. In der Begründung wird gesagt, daß nach Meinung des Gerichts in den Aussagen Haselmahers eine Deschinrpsung der verfassungsmäßigen Regiermrgs- und Staatsform enthalten fei. Bezüglich des Vergehens der Aufreizung zum Klafsenhaß (§ 130 StGB.) schloß sich das Gericht den Ausführungen des Staatsanwalts an. Hafelmayer habe in sehr gewöhnlicher Form die Aufreizung betrieben und aufgefordert, die Juden aus Deutschland zu vertreiben. Die 03erurteiIung erfolge, da eine einmalige Handlung vorliege, nur aus der gesetzlichen Desllmmung, die die höchste Strafe vor« sehe, also aus § 8 Ziffer 1 des Gesetzes zum Schuhe der Republik. Eine Geldstrafe komme deshalb nicht in Betracht, weil die außerordentliche Gewöhnlichkeit der Angriffe jede Milderung ausschließe. 1 Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Jüt unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewahr übernommen Anzeigenaustrage sind lediglich an die Geschastsstelle zu richten. WW soforF i Teinb 120 Pfg, Frische Weltern Ende dieser Woche eintreffend! Lorbestellunaen werben erbeten. Frische Weintrauben Piunb 55 Pfennig. Einmach Pfirsiche f 3 Pfund Mk. I.-. MkiSMMO Babnbofstr. 27 Fernsvr. 1631 Beschluß. Das Konkursverfahren über bas Vermögen der Firma F. Hirsch Witwe & Co. in Gießen, sowie über dasjenige deren Inhabers Theodor Köhler in Gießen wird, nachdem der in dem Der- gleichstermin vom 27. August 1926 angenommene Zwangsoergleich durch rechtskräftigen Beschluß vom 27. August 1926 bestätigt worden ist, aufgehoben. 8187C Gießen, den 1. Oktober 1926. Hessisches Amtsgericht. Die Gemeinde (ßrüningen hat eine wenig gebrauchte gußeiserne Wasserpumpe mit etwa 20 Meter langem Saugrohr zu verkaufen. 82010 Euler, Bürgermeister. Giessen:Bahnhofstr.30 Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. A wurde heute bei der Firma Tribus & Sund- yeim, Gießen, folgendes eingetragen: Frau Louis Sundyeim Witwe, Clara geb. Wallmuth, in Gießen ist aus der Firma ausgeschisden. Kaufmann Arwed Sundheim in Gießen ist als volloertre- tungsberechtigter Teilhaber in die offene Handelsgesellschaft eingetreten. Die Prokura des Arwed Sundheim in Gießen ist erloschen. 8186C Gießen, den 4. Oktober 1926. Hessisches Amtsgericht. Drucksachen aiierArt liefert In jeder gewünschten Ausstattung stilrein and erdswtrt die BrühKicbe Uohr.-Dntekcref, R. lange. Gemahlener WM (bester Düngekalk) stets vorrätig. - Anfuhr jederzeit sofort. L.Rübsamen Fernsprecher 1669. Hessisch-Lichtenau, den 5. Oktober 1926 8I93D Empfeh!ungen| dem 9. Oktober, Schüler haben Zutritt 8185c 8197V verlegt. Schauspiel in 6 Akten. 8212c 06902 Atzdach. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Erna Köhne und Kind. Gießen, den 6. Oktober 1926. 06901 Verkauf Groher 8188o SL-K.-V. Die Beisetzung fand in der Stille statt 06858 zurück. vom 7. bis 11. Oktober MOTEL 0.60, 0.48, 0.39 Nessel: 8177V 160 cm breit 1.95 bis 0.58 Hausluch breit 80 cm Bettbiber: schwere Köpsrware, 150 cm breit X. 82O9D ■0 0.95 2.70 1.35 2.20 Bei dieser Gelegenheit machen wir auf unser reichhaltiges Lager in Aussleuersachen aufmerksam. Wir haben die Preise überall, den Rohpreisen folgend, herabgesetzt. 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Gießen (Asterweg 53), Ansbach, Nürnberg, Baltimore, Hannover (Nordamerika), 6. Oktober 1926. Die Beerdigung findet Samstag, den 9. Oktober, nachmittags 21 /3 Uhr, auf dem Neuen Friedhöfe statt. 06919 geb. Kraushaar im blühenden Alter von 34 Jahren. Im Namen der tieftrauemden Hinterbliebenen: Konrad Reinhard Hedi Reinhard Gertrud Reinhard Familie Wilhelm Kraushaar Familie Dr. Heinrich Kraushaar Gießen, Rödgen, Trohe, am 5. Oktober 1926. Die Beerdigung findet Samstag, den 9. Oktober, nachmittags 3 Uhr von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. M910 D. H. V. DieMitglicdcrver» iammlnng wurde wegen d. StlstunaS» weites des Kausm. Bersins nuf den 16. Oktober Am 4. Oktober entschlief nach kurzem schweren Leiden mein lieber Mann Andreas Köhne Woftelüranö SeulWr Gö?l-Welnöranö Saubere, ehrliche Putzfrau für morgens 1 bis 2 Stunden gesucht Zu erfragen in der Geschäftsstelle des Gien. Aru. 06918 Palast-Lichtspiele Gießen Freitag. 8., Samstag, 9.. u. Sonntag, 10. 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Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Schmidt Familie Wilhelm Lenz Familie Wilhelm Karl Schmidt. 80 cm breit.......... Halbleinen: schwere Qualität... 160 cm breit nachmittags 2 Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofes, die Einäscherung im Anschluß statt. ____8214D Junger Bäcker sofort gesucht. 06909 (So. Schilling, Bismarck'trane 6 Bess. Schuhmaren» Haus sucht f 1 sJioo. tüchtige Verkäuferin nur aus Oer Branthe. Ausfuhr!, schristl. Angeb. mit Angabe d. AlierS il Beufln.» Abschr. unter 06911 an den (Sieh. An». k>llr Untertertianer der Oberreaischule wird Wohnung und Nachhilfe bet akademisch ge- bilbetem Mehrer ge« sucht. Schrttrl. Angebote unter 06913 an den Giest. An». Wtr suchen »wischen Selterstor u.Vtnden> vlatr geeigneten „.«D Laden mit Nebenräumen für ^ebenSmttiel- Gelchäst sofort »u packten. Angaben über Gröde. Klebt u. GaS Prets erb. an Hamburger Nachrichten, Cuxbaven. Unsere Vertretung C.RöhrkTo 8102» Fisch-Zentrale Marbtlaube. 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Hoheit Großlürst Kyrill von Rußland, Ihrer Kaiserl. Hoheit Großfürstin Viktoria Melita von Rußland, Sr. Kgl. Hoheit Kronprinz Rupprecht von Bayern, Sr. Kgl. Hoheit Prinz Harald von Dänemark, Ihrer Kgl. Hoheit Prinzessin Helena von Dänemark, Ihrer Hochfürstl. Lurchl. Fürstin Elise v. Gera-Reuß. Scherber ist Inhaber der großen Carl-Eduard-Medaille erster Klasse! Diesen hohen Orden überreichte dem Künstler am 10. Mai d. J. Seine Kgl. Hoheit der Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha höchst persönlich. Karl Scherber gab in Wiesbaden „Stfidt. Kurhaus“ 32 — Frankfurt a.M „Schumanntheater“ 30 — Nürnberg „Apollotheater“ 60 — Stuttgart „Friedrichsbautbea- ter“ 150 — Mannheim „Apollotheater“ 60 Vorführungen Tanz-Lehr-Institut Bäulke Wolfstraße 21, Ecke Lieber Straße :: Telephon 1055 Nach Beendigung unserer Ausbildung nehmen wir ab 15. 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Ludwig-Thoma-Abend. „ 3m Januar nächsten Jahres hatte Ludwig Thoma, auch als Peter Schlemihl bei Lebzeiten nicht unbekannt, seinen 60. Geburtstag feiern können. Willkommener Anlaß, im voraus schon auf dem Theater seiner zu gedenken, die guten Bekannten fröhliche Llrständ feiern zu lassen, bie er in feinen Dramen unterlassen hat. Es steht übrigens mit Thoma — ohne sonst unangebrachte Vergleiche ziehen zu wollen — wie neulich mit Sudermann. Wenn dieser überaus heilere Abend dazu beigetragen hat, auch an den Erzähler Ludwig Thoma so ganz nebenbei ein wenig zu erinnern, dann hat er doppelt seinen Zweck erfüllt. Wobei wir nicht einmal an die Laus- bübengeschichten denken und an die vom großen Gulbransfon entzückend verewigte Tante Frida mit dem Papagei, oder an das „Kälbchen" und die Briefe eines bayerischen Landtagsabgevrd- neten, sondern an den guten, bodenständigen! 'Bauernroman vom „Wittiber", der vor 15 Jahren erschienen ist — das Beste, was Thoma gegeben hat. Aber wir wollten vom Theater sprechen, von der „Medaille" zuvörderst, jenem schlicht- silbernen Ehrenzeichen auf schwarzem Bratenrock, das dem Dezirksamtsdiener Aeusigl für „langjährige treue Dienste" an die Brust geheftet wird, und das den wahren Anlaß gibt zu der schrecklichen Biecherei (mit Thoma zu reden) in der altbahrischen Kleinstadt, im Salon des Amtmanns Kranzeder. Hier wird das „Fest" dieser prächtigen Auszeichnung gefeiert, nicht ohne Absichten, höchst geheime, in steter Erwartung des hohen Vorgesetzten; als welcher für Aufwand, Blamage und Peinlichkeiten entschädigen soll, die das Festessen für Gastgeber und -geberin, sowie einen jungen, gleichfalls zugezogenen Assessor bedeuten. Thoma hat nie ein Blatt vor den Mund genommen, sein Witz und Spott haut grimmig dazwischen und verpatzt das Symposion mit vernichtender Gründlichkeit. Schon wenn sie aufmarschieren, das Jubelpaar, der Metzgern, eist er und Landtagsabgeordnete, die „Oekonomen" und der Lehrer — da wirds einem himmelangst, und man ahnt nichts Gutes. Jetzt geht eine Szene los, der der weiland Aeithard von Reuenthal Pate gestanden haben könnte. Mit Grüas God und Iuhui fängt es an, mit einer wüsten Fresserei, mit „Festreden", Witzen und Frozzeleien, mit einem gewaltigen Gläserschwingen, dieweil die andern drei schier umkommen vor soviel Urwüchsigkeit und Krawall. Als die „Stimmung" beiderseits einen schimmernden Gipfel erstiegen hat, erscheint, durchaus im rechten Augenblick, der hohe Herr, um der gediegenen Rauferei beizuwohnen, die man längst kommen sah. Tableau... Das Ganze wurde von Telekh mit Witz und Laune und großem Hallo serviert: die Festgesellschaft war in ausgelassenster Losgebundenheil bei der Sache. Ein grotesk-komisches Dauernquartett stellten die „Oekonomen": Gehre, Volck, Kurz ho ff, W e h r l. Feiste Gemütlichkeit und Leutseligkeit umgab, eine halbe Rüance feiner, Golls Metzgermeister Lampl. Sehr drollig auch das 3ubel° pärlein (Stichel und Jüngling) und das beschwipste Lehrerchen Häberlein von Eisig. Auf der andern S.eite brauchten für den Spott nicht zu sorgen der steifkorrekte Dezirksamtmann (Telekh), dessen ferne Frau, Auguste Marcks — sie kann unwiderstehlich schockierte Gesichter machen — und Hankes schnarrender Monokel- assessor. Es war, mit einem Wort, eine richtige „Biecherei", wie sie der selige Thoma sich feixend ausgemalt hat. Muß man noch von „Lottchens G e - burtstag" erzählen? Oder ist diese heikle Geschichte etwa schon bekannt? Um kurz zu sein: m. 235 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Donnerstag, 7. Oktober (926 Das Wohnungsproblem im Räterußland. Don unserem Dr. ^-Sonderkorrespondenten. Leningrad, Oktober 1926. lieber nichts in der Welt gehen bekanntlich die Ansichten und Meinungen so auseinander, wie über das heutige Rußland. Während die einen, durch d'.e rosenrote Brille des Optimismus ichauend, hier ein Paradies auf Erden zu sehen glauben, ballen andere es für ihre unabweisbare Bflicht, lediglich oder doch vorwiegend (um mit Wilhelm «usch zu reden), nach den Raupen im Sauerkraut fleißig Umschau zu halten. Wer aber mit dem ehrlichen Willen, die Dinge so zu sehen, wie sie sind, nach Rußland kommt, wird hier zwar kern Parad.es verwirklicht sehen, wohl aber wird er ein Volk vor- finden das in festem Glauben an gewisse Ideale mit unermüdlichem Eifer dabei ist, seine durch Krieg, Umsturz und Bürgerkrieg verwüstete Heimat nach eigener Neigung und eigenem Geschmack wieder aufzubauen. Ob das kommunistische Ideal an sich richtig oder verkehrt ist, ob es überhaupt letzten Endes verwirklicht werden kann, soll hier nicht untersucht werden. Jedenfalls steht fest, daß dieses Ideal imstande gewesen ist, 140 Millionen Menschen aus lethargischer Untätigkeit aufzurütteln und in Bewegung zu setzen. Dieser Zustand emsigster Bewegung, der jeden Nerv des Riesenkörpers durchschüttelt, ist — gemessen an dem früheren Zustand behäbiger Ruhe und Schwerfälligkeit — ohne Zweifel der hervorstechendste Zug des neuen Rußland. Wer nach Leningrad mit der Borftellung kommt, hier an Stelle des alten Petersburg eine tote und halbverwüstete Provinzstadt vorzufinden, wird von der Wirklichkeit angenehm überrascht sein. Zwar sind Revolution und die Not'der ersten Nachkriegsjahre an der Stadt nicht spurlos vorübergegangen, aber man spurt die Besserung auf Schritt und Tritt, und man sieht Tausende von Händen an der Arbeit, die letzten Spuren der bösen Jahre zu tilgen. Bekanntlich hatte das äußere Ansehen der Stadt am schwersten dadurch gelitten, daß besonders während des schlimmen Winters 1920/21 infolge der Brennstoffnot zahllose unbewohnte Häuser aller Holzteile — Türen, Fenster, Dielen, Balken — beraubt wurden, so daß nur die kahlen Wände stehen blieben. Man sieht noch heute solche Häuser, aber nicht mehr allzu häufig. Wo eine Wiederherstellung noch möglich erscheint, wird sie Dorgenommen; im andern Falle werden die Trümmer völlig niedergelegt, um für neue Bauten Platz zu gewinnen. Für die rasch anwachsende Bevölkerung werden neue Wohnungen in nächster Zeit ein dringendes Bedürfnis fein. Außerordentlich eindrucksvoll ist die stumme Sprache der Ziffern, ih welcher Leningrads Bevölkerungsstatistik während der letzten zwölf Jahre zu dem redet, der in Zahlen zu lesen vereflht. Das alte Petersburg zählte vor dem Kriege reichlich anderthalb Millionen Einwohner. Während des Krieges setzte ein starker Zustrom ein; der Höhepunkt wurde 1916 erreicht; damals zählte „Petrograd" nicht weniger als 2,5 Millionen Einwohner. Im nächsten Jahre schon begann der Abstieg; 1920 haben wir bereits die Minimumziffer: es find nur noch 740 000 Menschen da!! Seit 1921 ist die Stadt wieder erst in langsamen, bann in immer schnellerem Wachstum begriffen: am 1. Juni d. I. zählte Leningrad bereits wieder 1 440 000 Einwohner. Sehr interessant sind die Eigentumsverhältnisse des städtischen Grundbesitzes in Rußland. Bekanntlich wurde der gesamte städtische Grundbesitz nach der Oktoberrevolution enteignet; die Häuser gingen damit in den Besitz der Stadt über. Dabei ergaben sich aber naturgemäß bald große Schwierigkeiten: es erwies sich als unmöglich, tausende von Häusern, in deren jedem die Verhältnisse anders lagen, von einer Stelle aus in befriedigender Weise zu verwalten. Daher übertrug die Stadt ihre Rechte an die Bewohner der Häuser selbst. Und so entstand, aus den Bedürfnissen der Praxis geboren, das heutige System der sog. „Shiltowärischtschestwa". Wohl nirgends auf der Welt gibt es so riesige Wohnhäuser, wie in den russischen Großstädten. Es ist gar keine Seltenheit, daß ein einziges .Haus 30 und mehr Wohnungen (7—8 Zimmer) enthält. Bei kleinen Wohnungen kann die Zahl entsprechend bis K100 steigen. Alle Inhaber dieser Wohnungen . zusammen ein „Shiltowärischtschestwa", d. h. etwa ein H a u s g e n o s s e n s ch a f t. Die Gesamiheit wiederum wählt einen Ausschuß, der mit der Geschäftsführung beauftragt ist. Dieser Ausschuß zieht die Mieten ein, welche nach Abführung der städtischen Steuer restlos für Instandhaltung des Hauses verwandt werden. Interessant ist dabei, daß der Mietzins einer Wohnung aus zwei Faktoren errechnet wird: der Größe der Wohnung und dem (wirklichen oder vermuteten) Einkommen des betreffenden Mieters. Der Mieterausschuh vermietet auch etwa freiwerdende Wohnungen, wobei er häufig zahlungskräftigen Mietern den Vorzug gibt, aus dem natürlichen Bestreben heraus, die Mietquoten der anderen Hausgenossen dadurch herabzudrücken. Mit einem Wort: der Ausschuß übt im Auftrage der gesamten Genossenschaft alle Rechte des Hausbesitzers aus mit alleiner Ausnahme des Verkaufsrechts. Es liegt auf der Hand, daß man auf diese Weise bereits vorhandene Häuser zwar recht gut verwalten kann, daß er sich aber als unmöglich erweist, N e u- bauten auf solcher Grundlage zu finanzieren. So hat man denn zunächst den Bau von Privathäusern (bis zu einer gewissen Größe, die nicht überschritten werden darf) unter Zugrundelegung des Erbpacht- rechtes gestattet. Für größere Häuser kommt ober eigentlich nur Finanzierung durch Gemeinde oder Staat in Frage. Da aber die öffentliche Hand einstweilen für solche nicht direkt produktiven Zwecke keine Gelder verfügbar hat, so ist an vielen Orten, zumal in Moskau, die W o h n u n g s n o t auf ein in Deutschland kaum glaubliches Maß gestiegen. Mit einiger Hoffnung sieht man gegenwärtig auf eine neugegründete deutsch-russische Aktiengesellschaft „Rus- gerftroj". Sie will noch in diesem Jahre in Moskau zwei große Wohnhäuser im Werte von zwei Millionen Rudel fertigstellen und im nächsten Jahre eine große Arbeitersiedlung von 2000 Wohnungen in Angriff nehmen. Da es sich um eine neue Baumethode handelt, so will man gleichfalls in Moskau zum Bau eines Versuchsgebäudes schreiten, in dem Materialprüfungen und Arbeitsmethoden demonstriert werden sollen. Auch in den Industriegebieten des Donbeckens und Transkaukasiens will die Gesellschaft sich betätigen. Es versteht sich von selbst, daß auch die kapitalkräftigste Gesellschaft die russische Wohnungsnot nicht fühlbar lindern kann; die Bedeutung der Gründung muß man vielmehr im guten Beispiel und im Ansporn sehen, die sie unzweifelhaft aus- üben wird. Heifeeinörüde aus Spanien. (Von unserem nach Spanien entsandten W. S.- Sonderberichterstatter.) Barcelona, Oktober 1926. Ueber die augenblickliche sehr gespannte Lage in Spanien kann man sich nur an Ort und Stelle ein rechtes Bild machen. Denn was die außerordentlich strenge Zensur an nichtssagenden'Telegrammen ins Ausland durchläßt, ist gar dürftig. Die Lektüre der spanischen Zeitungen hilft auch nicht viel weiter. Wenn auch der Belagerungszustand augenblicklich wieder aufgehoben ist, weil „im ganzen Lande vollständig Ruhe herrscht", so dürfen die Blätter doch selbstverständlich nur das berichten, was den strengen Zensoren genehm ist. Ja, sie laufen sogar noch Gefahr, auch wegen ordnungsmäßig zensierter Artikel hinterher zur Rechenschaft gezogen zu werden. Deswegen befassen sich auch die beiden in Spanien erscheinenden deutschen Wochenschriften gar nicht mit Politik, sondern veröffentlichen nur rein wirtschaftliche oder allgemein kulturelle Artikel. Wer in Spanien selbst mit maßgebenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, mit Politikern, Gelehrten, Vertretern von Handel und Gewerbe, kurzum mit den Intellektuellen in Fühlung tritt,' muß höchlichst erstaunt darüber werden, daß Primo de Rivera eigentlich gar nicht, oder gar nicht mehr ernst genommen wird, wenigstens nicht von diesem maßgeblichen Teile der spanischen Bevölkerung. Noch kann sich Primo de Rivera durch das Heer behaupten. Der Nachdruck liegt hierbei auf dem Wörtchen noch. Er ist bekanntlich selbst aus der Artillerie heroorgegangen. Die Artillerie gilt in Spanien als Elitetruppe, in der der weitaus überwiegende Teil des Offizierskorps aus Aristokraten und Adligen sich zusammensetzt. Doch geradedieAr- tillerie ist heute ganz entschieden gegen Primo de Rivera. Fortwährend kommt es zu teilweise sehr heftigen und unangenehmen Konflikten zwischen beiden, die durchaus nicht immer zugunsten des Diktators gelöst werden. Wenn König Alfons XIII. nicht melfach mit einer geradezu erstaunlichen Geschicklichkeit eingriff, so wäre es mit der Herrschaft des Generals schon längst vorbei. Wir erlebten gerade das von dem General angeordnete „P l e b i s z i t", das sich dahin entscheiden sollte, ob das Regime, wie er es eingeführt hatte, weiter bestehen sollte oder nicht. Wer würde es wohl gewagt haben, in offener Abstimmung gegen de Rivera zu entscheiden? Wir haben viele Listen gesehen, in denen des Lesens und Schreibens Unkundige ein oder zwei Kreuze gmacht hatten; Kranke und Krüppel Hal man zu den Wahllokalen geschleppt, damit sie „für" den Diktator stimmten. Ganz Spanien hat innerlich mit Recht über diese Posse gelacht, die dem General auch bei dem Könige selbst sehr viel geschadet hat. Primo de Rivera Hal sicherlich besonders zu Beginn seiner Diktatur durch manche Reformen im Inneren Gutes gewirkt, mancherlei Mißstände abgc- stellt, Korruption und Verschwendung Einhalt geboten. Doch diese Reformen genügten nicht, um dem Lande die notwendige Ruhe wiederzugeben und um die unerläßlichen Voraussetzungen zur Ucberwindung der drohenden, so gefährlichen Wirtschafts- k r i s i s zu schaffen. Vor allen Dingen darf maif nicht außer Acht lassen, daß die Mißerfolge des Generals in der Außenpolitik, besonders in der Ton- ger- und Völkerbundsfrage, im Lande sehr verschnupft haben. Die sofort einsetzende französische Propaganda wollte natürlich in erster Linie Deutschland dafür verantwortlich machen, und fand auch hier und da damit Gehör. Was gerade die Stimmung für Deutschland in Spanien anbelangt, so hat man zwischen drei Gruppen zu unterscheiden. Die frankophile Gruppe (etwa 30 000 Mitglieder) sitzt hauptsächlich in Barcelona; die internationale Gruppe, die hauptsächlich auch mit Deutschland gute Beziehungen unterhalten möchte, ist unverhältnismäßig stärker und weit einflußreicher, und die dritte Gruppe, die rein nationalistische, möchte Spanien am liebsten vom ganzen Auslande abschließen. Dabei findet man selten in einem fremden Lande so viele deutsche Erzeugnisse aller Art wie gerade in Spanien. Viele Leute verstehen Deutsch, das in den Schulen gelehrt wird. Vor einigen Monaten liefen, wie seinerzeit berichtet, ein paar deutsche Kriegsschiffe spanische Häsen an. Davon spricht die Bevölkerung heute noch, rühmt die tadellose Haltung der deutschen Matrosen und möchte, daß recht bald wieder deutsche Schiffe zu Besuch kämen. Man hat Deutschland ehren und schätzen gelernt, man bewundert uns und bedauert es daher doppelt, daß die deutsch-spanischen Handelsvertragsverhandlungen durchaus nicht allen Wünschen der Spanier gerecht werden. Man blickt auf uns in Erwartung der schweren kommenden Dinge, die sich für Spanien vorbereiten. Man muß sich darauf gefaßt machen, daß ernste Ereignisie in Spanien schon in ganz kurzer Zeit eintreten können, Ereignisse, deren Tragweite auch für Deutschland vorläufig noch gar nicht abzuschätzen sind. Hoffnungen der Saar. Aus Saarbrücken wird uns geschrieben: Die Frage der endgültigen Zurückziehung des französischen Militärs aus^dem Saargebiet ist abermals auf der Tagung des Völkerbundes zurückgestellt worden. Gerade jetzt hätte man eine Entscheidung erwarten dürfen, nachdem der Rat auf der 3uni-Tagung sich für Verhandlungen im September ausgesprochen hatte. Die Saarbevölkerung hatte sich auf Grund der Märzbeschlüsse des Rates der Hoffnung hingegeben, daß die widerrechtliche Besetzung noch vor Ende des Jahres beendet werde. Aber leider sieht sie sich wieder getäuscht und es entsteht ein leichtes Mißtrauen. Die Saardelegation konnte keinen greifbaren Erfolg verbuchen, sie hat aber sonst wertvolle Arbeit geleistet. Besonders hat sie sich in der Frage der besseren Bezahlung der Bergarbeiter der Saargruben eingesetzt und es wäre zu wünschen, daß die Anregung des Kommerzienrats Röchling, der beim Arbeitsamt den Vorschlag machte, in Zukunft infolge der dauernden Frankenbaisse die Arbeiter in Mark auszuzahlen, Rachahmung fände. Gerade das internationale Arbeitsamt sollte diesen Anregungen folgen und sich einmal näher mit den sozialen Zuständen im Saargebiet befassen. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist die Beseitigung der französischen Mehrheit in der Re g i e r u n g s k o m Mission, die sich sehr zum Schaden der Saarbevölkerung auswirkt und die neutrale Präsidentenschaft des Kanadiers Stephens praktisch illusorisch macht. Die französische Mehrheit sabotiert die Beschlüsse des Völkerbundes, tritt die Grundrechte der Bevölkerung mit Füßen, wie das deutlich in der Mißachtung des Landesrates zum Ausdruck kommt. Durch die Entfernung irgendeines französischen Mitgliedes der Regierungskommission muh diesen Zuständen nachgerade ein Ende gemacht werden. Durch die Verhandlungen von T h o i r y ist auch der Rückkauf der Saargruben aktuell geworden. Wie die Dinge liegen, wird Frankreich jedenfalls lieber heute als morgen auf einer annehmbaren Basis die Gruben an Deutschland verkaufen, da es ja davon Überzeugt ist, daß. wenn es bis zur Abstimmung im Jahre 1935 warten will, die Gruben niemals an Frankreich kommen. Deswegen wird Frank- ceich heute um jeden Preis Die Saargruben an das Deutsche Reich zurückgeben. Der französische Abgeordnete Ubry hatte sich seinerzeit um den Verkauf der Saargruben bemüht und nannte damals einen Preis von zwei Milliarden Goldmark. Man wollte auch damals die Saar- gruben einem internationalen Konsortium überantworten, an dem außer deutschem auch französisches. schweizerisches, italienisches und amerikanisches Kapital beteiligt sein sollte. Von dieser Lösung ist allerdings mittlerweile nicht mehr die Rede, und gewisse Völkerbundskreise, die sich seinerzeit sehr dafür einsehten, wollen heute auch nichts mehr davon wissen. Soviel ist aber sicher, daß, wie es dieser Tage hieß, von Deutschland der Rückkauf der Gruben erst für den Zeitpunkt ins Auge gefaßt werden kann, in dem die völlige Rückkehr des Saargebietes in die deutsche Verwaltung erfolgt ist. wobei entgegen verschiedenen Aeußerungen, die man in der Presse hört, ein Verzicht auf die Volksabstimmung durchaus nicht als im deutschen Interesse gelegen erscheint. Oberheffen. Lanvkrcis Gießen. Klein-Linden, 6. Oft. Der A l t * Veteran und Schaffner i.R. August Steuer und seine Ehefrau, Karoline, geb. Jung, feiern am nächsten Sonntag das Fest der Goldenen Hochzeit. Der Jubilar steht im 81. Lebensjahr, seine Ehefrau ist 70 Jahre alt, beide erfreuen sich noch bester Gesundheit, ©leger hat den Feldzug 1870 71 im Füsilier-Regiment in Wesel mitgemacht. — Der Oberweichenwärter Jakob Frey blickt auf ein dreifaches Jubiläum zurück. Morgen werden es 25 Jahre, daß er bei der Eisenbahn tätig ist. Vor einiger Zeit konnte er Silberne Hochzeit feiern und ist außerdem seit 25 Jahren im Vorstand des hiesigen Turnvereins. ck. Heuchelheim, 6. Ott. Der W o h / n u n g s n o t Rechnung tragend, hat auch die hiesige Gemeindeverwaltung den Bau eines Doppelwohnhauses ausgesührt. Das in der Ernststraße stehende Gebäude enthält 6 mal Dreizimmerwohnungen. Die Arbeiten sind vor ungefähr 14 Tagen vollendet worden, so daß in der vorigen Woche die Mieter einziehen konnten. X A l l e n b o r f (La h n), 6. Okt. Gestern wurden die neuen Bauplätze zwischen dem Gießener Weg und dem Triebviertel den neuen Be- jitzern zugeteilt. Hier wurde ein sehr weites Gebiet zu einem großzügig angelegten Souterrain aufgeteilt, so daß ein Mangel an Bauplätzen hier so leicht nicht eintreten wird. • Lang-Göns, 6. Oft. Bei der hiesigen Spar- und L e i h k a s s e ist die Einrichtung getroffen worden, monatlich Spareinlagen zu sammeln. Wie nützlich und zweckdienlich solche Sammlung ist, beweist die Tatsache, daß mancher Sparer auf diese Weise mit Leichtigkeit seine Zinsen und auch einen Teil am Kapital abtragen konnte. Diese Einrichtung zur Förderung des Sparsinns wird aber leider von vielen noch nicht geschäht, denn unbegreiflicherweise wird diesem System noch viel entgegengearbeitet; u. a. wird behauptet, die Kasse werte nicht auf, obgleich doch eine Aufwertung bei der hiesigen Kasse schon längst beschlossene Sache ist. Deren Höhe kann aber erst nach den endgültigen Feststellungen der aufzuwertenden Hypotheken und Schuldscheine festgesetzt werden. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn von der Einsammlung der Spareinlagen auch hier recht ausgiebiger Gebrauch gemacht würde. * Reiskirchen, 6. Oft. Am Sonntag hatte der hiesige Gesangverein „Harmonie" den ihm befreundeten Gesangverein „Liederkranz" Roth a. Lahn zu Gast. Um 1 Tlhr mittags wurden die Sänger mit Musik am Bahnhof abgeholt. Rach einer furzen Begrüßungsansprache im Vereins lokal durch den ersten Vorsitzenden L. Balser entwickelte sich bald eine frohe Stimmung. Insbesondere wechselten Gesangsvorträge der beiden Vereine । unter Leitung ihrer Dirigenten Sommerlad (Beuern) und Lehrer Sauer (Roth) ab. Der 1 starke Beifall zeugte dafür, daß die gesanglichen Thoma fand, das Motiv vom Frühlingserwachen hätte auch eine heitere Seite, man müsse Spaß verstehen. (Wedekind hatte sichs freilich schwerer gemacht.) Lottchen, ein munteres Professorentöchterlein, feiert das 20. Wiegenfest. Der pflichtbewußte Papa, aus juristischen Problemen schreckhaft aufgestört, bekommt schwerwiegende Anwandlungen, brütet an einem Geburtstagsgeschenk besonderer Art: wie sagt er's seinem Kinde? Run, kurz und gut, das aufgeweckte Mägdlein reißt ihn mitsamt einem jungen Privatdozenten aus schrecklichen Schwankes- nöten mit einer höchst handgreiflichen Pointe: sie weiß „es" schon, sie hat, ganz heimlich, einem Kursus beigewohnt, allwo man Künste lehrte, deren, in übertragenem Sinn, schon der alte Sokrates dereinst sich lächelnd rühmte... Volck zeichnete für die Groteske verantwortlich, mimte auch zugleich (in einer Maske, die Henrik Ibsen nicht unähnlich sah) jenen heute zum Glück aus- gestorbenen Gelehrtentyp aus Weltfremdheit und falschem ilebereifer. Sehr drollig der käfer- beflissene junge Zoologe, der das Privatissimum beim Antrittsbesuch gelesen bekommt: Fr. L. Eisig. Die beiden vernünftigen Frauen waren Aug. Ma r cks und L. 3ün gling, das muntere ßottdjen 3ngeborg Scherer, die ihre kurze Szene mit erfrischender Herzlichkeit zum besten gab. Die Ausgelassenheit der Bühne teilte sich dem angeregten Auditorium mit. Es wurde viel gelacht und gab verdienten Beifall. Dr. Th. Das Grab des Philosophen. Von Max Iungnickel. Messinggelb steht über dem Dorfe Röcken die Sonne. Weißrot die Blumen in den Bauerngärten. Lebendiges Gold darunter. Im Feuer und im Blute des vergehenden Sommers alle Bäume. Auf den grauweißen Wölkchen am Himmel wiegt sich noch ein Lerchenlied. — Einer Magd begegne ich: Knallrotes Tuch um den Hals, schwere Holzpantoffeln an den Füßen. Im Munde, zwischen den Zähnen, eine wippende, blaue Aster. — Mitten im Dorf ist der Friedhof mit dem Kirchlein. — Alles rennt über den Friedhof: Menschen, Hühner, Enten. Schulkinder gehen singend und pfeifend darüber hin, pcitschenknallende Knechte, zwei Bettelmusikanten, Radfahrer und ein Kinderwagen. Hier und dort ind Grabhügel zertreten. Grabsteine liegen zer- plittert im hageren Grase. Ein richtiger Holpcr- tolperroeg ist dieser Friedhof. Das Dorfkirchlein hat etwas Ruhrendes. Wie von Märchengoldstaub umwoben, wie in einen Dornenschlaf gehext. Manchmal, wenn ein Winkelwindchen aufwacht und unter die alten Mauern schleicht, dann isfs, als ob eine plötzliche Zärtlichkeit in ihr aufsteigt. Sie sehnt sich nach singenden Kerzenkindern, nach alten Frauen, die noch den Flammenschein des Kunkelofens in den Augen haben. — Ein rührendes Kirchlein. — Und an dieser Kirche liegt, von weißen Astern umnickt, vom Efeu umsponnen: Friedrich Nietzsche. — Wie seltsam: Das Herz, das von eine ewigen Fackel durchflammt war, von unendlichen Melodien durchblüht war und von genialen Irrlichtern durchleuchtet war: Nun liegt es stumm und kalt an einer armen, windigen Dorfkirche. — Und der Efeu, der aus diesem Herzen wuchs, zieht sich an der harten Mauer der Kirche hinauf. Wie eine grüne Braue überschattet er die müden, halbblinden Fensteraugen der Kirche. Wie flüsternde Ewigkeit geifterfs aus Efeu und Kirchenmauern. — Dieses Herz, das einst gegen die Kirche anboiv nerte: Nun klammert es sich an die Kirche, nun hängt es daran, unuittert von der letzten Melodie einer Lerche, umwoben von den letzten Strahlen der Dorffonne. — Es wird Abend. Die Kirche betet mit heller Stimme. Im Dorfe werden Fenster hell. Der Mond kommt. Eine Krähe fliegt und zieht den Mond wie an einer Silberleine über die Kirche weit ins Land hinein. Leistungen der Vereine auf der Höhe sind. Die schone Musik der Kapelle Sommerlad- Möbus und die guten Erfrischungen des Wirtes Gundrum trugen viel zu der frohen Stimmung bei. Abends, nach einem kurzen LImzug durch den Ort, wurde noch kurze Einkehr bei dem Vereinsmllglied Gastwirt Schäfer gehalten, und um 7.30 Ulir fuhren die Gäste wieder nach Hause. Pinter den Klängen der Musik fuhr der Zug den Bahnhof hinaus. j) Lich. 6. Oft Die Kreisbauver- w a I t«u n g hat hier mit der Bekämpfung der Obstbaumschädlinge begonnen, rmd auch der Obst» und Gartenbauverein Lich ist durch Beauftragte bereits eifrig mit der Anlegung von Klebegürteln auf Privatgrundstücken beschäftigt. Diese Brkäinpfungsmahnähme wird einheitlich für alle Obstbaumbesitzer in der Gemarkung, die sich dazu bereit erklärt haben, seitens des Obst- und Gartenbauvereins durchgeführt. Die Kosten sind sehr gering und werden im laufenden Jahr 15 Pfennig pro Daum nicht überschreiten Trotzdem ist mancher Daumliebhaber, verursacht durch zwei Mißernten, lau geworden und will nicht mehr mitmachen. Er beachtet hierbei aber nicht, daß er durch das plnterlassen der gemeinsamen Dekämpfungsarbeit nicht nur sich, sondern auch seine Rachbarn schädigt, indem er sich und diese um den erhofften Erfrag bringt. Doch ist es Zeit, sich Zeines Besseren zu besinnen, damit die Bekämpfung bis auf den letzten Baum in der Gemarkung durch- gesührt werden kann. Bei einem Gemarkungsgang kann jedermann beobachten, daß infolge des Frostjahres 1923 auf 1924 ganze Astserien abgestorben sind. Auch hier ist es Pflicht jedes Obstbaumbesihers, die dürren Aeste jetzt zu entfernen, geben doch diese gerade den besten lln= terschlupf für die meisten Schädlinge des Obstund Gartenbaues während der kalten Jahreszeit. T Dorf-Gill, 6. Oft. 3n einer gut besuchten Versammlung in der Gastwirtschaft Seipp hielt am Samstagabend der Vorsitzende des Ob st- und Gartenbauvereins Lich. Konrad Schöne, einen Dortrag über Matz - nahnren zur Vermehrung der Ernteerträgnisse im Obstbau. DesonderS eingehend sprach er über die Behandlung der Obstbäume und über eine organisierte Schädlingsbekämpfung im Obstbau. Seine Ausführungen ernteten reichen Beifall. Im Anschlutz an den Vortrag schritt man zur Gründung eines Obst- und Gartenbauvereins. Mit Genugtuung konnte man feststellen, Latz der Vortrag Verständnis für die idealen Bestrebungen der Obst- und Garten- bauvereine geweckt hatte. Alle anwesenden Obst- baumbesitzer, voran Las Ortsoberhaupt und sein Stellvertreter, zeichneten sich in die. aufgelegte Mitgliederliste ein. Auch die Gemeinde wird korporatives Mitglied werden. Der fürstliche Obergärtner Heinrich Schmidt und Daumwart Karl H e r ch e n von Lich, die der Versammlung beiwohnten, gaben über einschlägige Fragen im Obstbau noch manchen nützlichen und beachtlichen Fingerzeig. Kreis Friedberg. WER. Friedberg, 6. Olt In Ockstadt ist infolge eines Schlaganfalls der katholische Pfarrer Dr. von Brentano gestorben. Dad-Aauheim, 6. Oft Aach dem Kriege wurden vom Staate hier Institute für ärztliche und Quellenforschung eingerichtet, die sich als notwendig erweisen, will man dem heutigen Stand der Wissenschaft Genüge tun. Wie bekannt, bewilligte der Landtag im Frühjahr auch die grobe Vorlage, die die Erbauung eines neuzeitlich eingerichteten medizinisch - belneologischen Instituts vorsieht. Mit dem Dau, für den Gelände in der Aähe der Sprudel vorgesehen ist und für den die Pläne fertig vorliegen, sollte schon im zeitigen Herbst begonnen werden. Wie verlautet, ist der Dauanfang zunächst aber noch hinausgeschoben worden, aus Gründen, die der Oesfentlichkeit nicht bekannt sind. Kreis Bübingen. Aid da, 6. Okt. Das Destreben der hiesigen Bürgerschaft, chren Häusern ein neues Gewand anzulegert, war unmittelbar Kach dem Gauturnfest etwas ins Stocken geraten. In letzter Zeit aber haben mehrere Besitzer wieder ihre Häuser neu Herrichten lassen. Man bevorzugt jetzt mehr die meergrüne Farbe, die im Kontrast mit dem Rot der Läden ruhig und vornehm wirkt und die Eigenschaft hat, im Bunt des Häuserbildes eine vermittelnde und ausgleichende Rolle zu spielen. Der städtische Wohnungsneubau, im Rohbau vollendet, gewährt infolge seiner überragenden Lage einen günstigen Anblick. Unter Vermeidung alles dessen, was an eine Mietskaserne erinnern könnte, hat man hier ein Gebäude geschaffen, das seinem Baumeister zur Ehre und der Stadt zur Zierde gereicht. )( Ortenberg, 6. Okt. Bei schönstem Herbstwetter fanb am Sonntag das diesjährige Abschietzen des hiesigen Schützender- e i n s statt Außer den Ortenberger Schützen nahmen auch solche von Aidda, Büdingen und Lich teil. Postschaffner Stock 'wurde Schützenkönig. Die nächstbesten Resultate auf die Vereinsoder Bürgerscheibe hatten Dachdeckermeister Hr. M e u e r 3, Bauunternehmer K Hofmann und Dahnbeamter A. Walther erzielt. Die ersten Preise auf die Festscheibe erhielten: Bäckermeister Carl, Karl Peter (Lich), Schützenmeister A. Schmidt, auf die Freihandscheibe: Schützenmeister Schmidt, Mehgermeister O. Becker, Weißbindermeister Lipp, auf die Iungfchühenscheibe: Otto Schember, Franz (Usenborn) und Karl D i l l e m u t h. — Für die Anlieger in der sogenannten „Wingert" hat die Feldbereinigung schon einen großen Vorteil gebracht. Während die Besitzer früher ihr Heu und Grummet oder sonstigen Erzeugnisse mühsam zum nächsten Weg tragen muhten, fuhren jetzt zwei schöne Wege durch die Wingert hindurch, auf denen man bequem an die Grundstücke hevanfahren kann. Von einzelnen Stellen dieses Weges hat man eine wundervolle Ansicht unseres Städtchens, es ist deshalb beabsichtigt, einige Ruhebänke an diesen Stellen aufzustellen. — Dis zum 1. April soll das neue P o st a m t bezogen werden, bis dahin soll auch die Umwandlung des Ortssprechnetzes in das neue Selbst- s ch a l t e s h st e m beendet sein. „V Bad-Salzhausen. 6. Okt Die Draunkohlengrube am Bahnhof Geiß- Aidda ist, nachdem Maschinen, Schienengeleise, Daracken, Grubenholz entfernt und abtransportiert, gänzlich stillgelegt worden, um nie mehr in Betrieb genommen zu werden. Die quali- tiv unzulängliche Braunkohle, die auch noch im Untertagbau gewonnen werden muhte, konnte nur in den Jahren der Kohlenknappheit nach dem Kriege als Aotbehelf für die beteiligten Industrien in Frage kommen. Am Braunlohlen- markt war sie iainn unterzubringen. Aus diesem Grunde war die Grube auch schon in der Vorkriegszeit stillgclegt worden, und nur die durch den Krieg bedingten abnormen Verhältnisse drängten auf Erwerb der Kohle. — Drotz des schönen Herbstwetters sind die Dadegästeab- g er ei st. Aur eine ganz geringe Zahl ist noch vorhanden, im Gegensatz zu Dad-Aauheim, das noch eine verhältnismäßig hohe Besuchsziffer aufweist. th. Leidhecken, 6.Okt Am Sonntag fand hier der 2. Bezirkstag des Bezirkes Altenstadt der Kriegerkamerad- l ch a f t „H a s s i a" statt. Der Bezirksvorstand war vollzählig erschienen, ferner die Vorsitzenden und Delegierten fast aller Kriegervereine des Bezirks. Bezirksvorsteher Kamerad Dr. Ohlh, Altenstadt, gedachte in seiner Eröfsnungs- onsprache des Reichspräsidenten von Hindenburg anläßlich seines 79. Geburtstages und brachte ein dreifaches Hurra auf ihn aus. Man hörte in den Verhandlungen u. a. den Bericht über die Verbondstagung in Bingen, den Bericht über den Stand der Sterbekasse, Versicherungsverträge und einen Bericht des Obmanns Kamerad R u d l o f f, Heegheim, über Aende- rungen und Verbesserungen im Fürsorge- und Versorgungsweseu. Als Ort für ben nächstjährigen 1. Bezirkstag wurde Lindheim gewählt. „?" Ober-Widdersheim, 6. Okt. Der Pächter der hiesigen Jagd, Beig. und Gastwirt Eifer, stellte bei einem Jagdgang das geladene Gewehr auf den Boden und stützte sich mit den Händen auf den Lauf. Dabei ging auf ungeklärte Weise der Schuß los und verletzte den Unvorsichtigen so stark an den Händen und außerdem leicht am Kopfe, daß er in die Klinik nach Gießen überführt werden mußte. Das Befinden des Mannes ist den Umständen entsprechend gut. Kreis Schotten. ld. Schotten, 6. Okt. Die Läger sind, nachdem die Ergebnisse der Hühnerjagd mager genug waren, nunmehr nach dem Beginn der Hasenjagd um eine Enttäuschung reicher. Der Hasenbestand vieler Jagden ist so schwach, daß der Abschuß völlig unterbleiben muhte. Reben Witterungseinslüssen und Raubzeug dürften die vielen Weidhunde, die täglich zweimal ins Feld kommen, ihr redlich Teil zur Vernichtung der Junghasen beigetragen haben. — Die Dörfer des oberen Aiddatales, die in den meisten Iahren Kartoffeln nach Schotten abgaben, sind nach einer schwachen Mittelernte gezwungen, Wetterauer Kartoffeln zum Preise von etwa 3,50 Mk. für den Zentner einzuführen. = •= Gedern, 6. Okt. Zurzeit werden an unserer Kirche umfangreiche Dachreparaturarbeiten durch die Firma M e u e r (Ortenberg) vorgenommen. Die Orgel der Kirche hat eine Aeuerung aufzuweisen, die als recht zeitgemäß anzusprechen ist. <5ic hat elektrischen Antrieb bekommen, wodurch die Tonbildung eine gleichmäßigere geworden ist. i Stumpertenrod, 6. Okt. Hier wurde am Sonntag und Montag nach langer Unterbrechung wieder einmal die „Kirmes" gefeiert, und zwar im Saale des Gastwirts Fuchs, der bisher geschlossen war. Das Wetter war an beiden Tagen schon und der Besuch sehr rege. Entsprechend der Ortssitte begann die Kirmes damit, daß die „Kirmesburschen", die die „Kirmes bestellt" hatten, unter Vorantritt der Musikkapelle mit ihren Mädchen einen Umzug durch das Dorf machten. Am Dienstag wurde dann die Kirmes „begraben" und damit beendet. — Groh-Eichen, 6. Oft. Unsere im Frühjahr errichtete Badeanstalt im Freien hat sich als sehrzweckmahig erwiesen. Die Inanspruchnahme des Bades war sehr rege. Man möchte die Anstalt nicht mehr missen, denn man könnte sich unser Dorf ohne eine solche nicht mehr denken. Auch in den Nachbarorten hat unsere Einrichtung Interesse gefunden, das sich in starker Inanspruchnahme äußerte. L Meiches, 6. Okt. In den an der Haupt- ftrahe unseres Ortes gelegenen Dorfbr unnen — ein mit Sandsteinplatten eingefriedigter Schöpfbrunnen — sprang vor einigen Tagen ein hochtrachtiges Rind. Da der Brunnen glücklicherweise nicht allzu tief ist, konnte das Tier, anscheinend ohne Schaden bei dem kühnen Unternehmen gelitten zu haben, mit vieler Mühe aus demnassen Element wieder herausgehoben werden. Run wird der Brunnen gesäubert und zugedeckt, zumal er, weil Wasserleitung vorhanden ist, für Trinkwasserentnahme heute nicht mehr in Frage kommt. Er ist aber insofern noch von Ruhen, dah er Wasser für zwei (Steintröge liefert, die als Diehträr ke dienen. ld. Aus dem Vogelsberge, 6. Oft. Die im September herrschende Hochsommerhihe hatte die Aussaat des Roggens etwas hinausgezögert. Die beginnende Abkühlung und Dodendurchfeuchtung haben die Bestellungsarbeit so gefördert, dah sie im hohen Vogelsberge beendet ist. Viele Kornäcker sind bereits von frischem Saatengrün überzogen. Die dicken Schollen, die auf den meisten Aeckern liegen, sind an schneefreien Sturm- und Frosttagen des Winters ein wirksamer Kälteschuh, denn kaum irgendwo ist das Wort: „Ie dicker der Schorn, desto besser das Korn" zutreffender als im oberen Vogelsberge. Kreis Alsfeld. Alsfeld, 6. Okt. Aus der StaDtvor - standsfitzung. Der erste Punkt der Tagesordnung betraf die Ausführung öffentlicher Notstandsarbeiten. Hierzu wurde nach dem Vorschlag der Baukommission beschlossen, an Stelle der zuerst vorgesehenen Wegebauten und der Kanalisation her Jahnstraße und der Strecke durch den Festplatz Straßen zu kanalisieren, die mehr im inneren Verkehr der Stadt liegen und bei denen ein dringenderes Bedürfnis nach Kanalisierung und Neupflasterung vorliegt. Demgemäß sollen nunmehr der Marktplatz, die Mainzergasse und die Obergasse kanalisiert werden. Der Gesamtbetrag der im Wege öffenllicher Notstandsarbeiten vorgesehenen Arbeiten einschließlich der Kosten der Badeanstalt beläuft sich auf etwa 80 000 Mk., wovon man etwa 20 000 Mk. als Zuschuß zu erhalten gedenkt. — Die Arbeiten und Lieferungen für das in der Siedlung Nambach zu erstellende Doppelhaus für 6 Wohnungen wurden gemäß den Vorschlägen der Baukommission fast durchweg an den Wemgstnehmenden zugeschlagen. Bezüglich der weiteren Erbauung eines Hauses auf dem städtischen Gelände unter dem Niederdruckbehälter teilte der Vorsitzende mit, daß die Firma Gebr. Wallach gegen diesen Beschluß Einspruch erhoben habe. Hierzu wurde beschlossen, daß der Einspruch zur Entscheidung gebracht werden soll. Mit dem Bau des Hauses muß bis dahin gewartet werden. — E r - weiterungd er Gleichrichteranlage im Elektrizitätswerk. Die Belastung der feit dem Jahre 1924 im Betrieb befindlichen Gwsgleich- richteranlage ist infolge der gestiegenen Stromabnahme derart gestiegen, daß die Anschaffung eines weiteren Gleichrichterfchrankes mit 2 Glaskörpern notwendig erscheint, deren Bewilligung die Elektrizitätswerkskommission beantragte. Von mehreren Rednern wurde die Frage aufgeworfen, ob es nicht ratsamer sei, jetzt mit dem Umbau des Stckom- netzes der Leitung auf Drehstrom zu beginnen, anstatt neue Gleichrichter anzuschaffen. Nach längerer Aussprache wurde beschlosicn, die Sache zwecks weiterer Erörterung mit dem Sachverständigen der Stadt, Ober-Ingenieur G u - dermuths, an die Elektrizitätswerkskommission nochmals zurückzuverweisen. — Der § 6 der Satzung über die Abgabe von elektrischem Strom aus Dem Elektrizitätswerk der Stadt Alsfeld soll folgenden Wortlaut erhalten: „Jeder Kraftanschluß, der mit einem Klein- Stia-Zähler versehen ist, muß jährlich minöeftens 30 Kilowattstunden verbrauchen. Wird dieser Verbrauch nicht erreicht, so wird am Schlüsse des Rechnungsjahres eine Zahlergebühr von 2,50 Mk. erhoben." — Die Abrechnung d o in Prämienmarkt 19 2 6, der unter der ungünstigsten Witterung bei strömendem Regen abgehakten werden mußte, weist trotzdem noch einen kleinen Ueberschuß auf. Die Rechnung wurde nach Vonrag durch die Marktkommission genehmigt. Der Ueberschuß wurde dem Reservefonds überwiesen. — Anträge der Erwerbslosen: Die Erwerbslosen hatten beantragt, ihnen wegen der Mehraufwendungen für Die Pflichtarbeit Kleider und Schuhwerk zu stellen und ihnen einen Zuschlag zu der Pflichtarbeit zu gewähren. Der Vorsitzende verlas die Auskünfte bei anderen Städten über diese Frage, woraus zu entnehmen war, daß diese Sache verschieden gehandhabt wird. Entsprechend dem Vorschlag der Finanzkommission wurde beschloßen, den Erwerbslosen für die Vornahme von Pflichtarbeiten einen Zuschlag in Höhe der Hälfte Der täglichen Hauptunterstützung zu bewilligen. Die Gewährung Der Zuschläge wirD Davon abhängig gemacht, daß Die Erwerbslosen die ihnen angewiesenen Arbeiten ordnungsmäßig ausführen. — Dem Lichtspiel-Theaterbesitzer Hugo Grün wurde auf sein Gesuch die Vergnügungssteuer für das von ihm betriebene Kino einheitlich für das ganze Jahr auf 15 Prozent festgesetzt. — Ein Gesuch zur Erbauung eines Wohnhauses außerhalb des Ortsbauplanes wurde zur Dispenserteilung befürwortet, nachdem der Bauherr laut Revers sich verpflichtet hat, die Kosten für Licht, Wasserleitung und Kanalanschluß selbst zu tragen und auf Ausbau des Weges zu verzichten. — Ein Gesuch mehrerer Dar- lehnsempfänger um Gleichstellung des Zinsbeginns für die gewährten städtischen Baukostenzuschüsse mit demjenigen der staatlichen Zuschüsse wurde abgelehnt. : Alsfeld, 5. Oft Die Landwirte unseres Kreises sind nach rasch vollendeter Kartoffelernte nun überall fleißig an den Destellungs- ar beiten. Man will mit der Aussaat der Winterfrucht nicht warten, bis ein durchweichender Regen die Felder „gefügiger" für die De- ackerung macht, so sehr man Riederschläge auch ßerbeis^nt. Soweit das Vieh nicht für die Feldarbeit benötigt wird, treibt man es auf die Wiesen, wo es hr diesem Iahre eine sehr gute Weide vorfindet. Bei dem schonen Herbstwetter beleben die einzeln oder in Herden auf den Talgründen grasenden Rinder und Ziegen das Landschaftsbild äußerst malerisch. Dem Auge des Reisenden, der mit der Bahn durch untere Gegend fährt, bietet sich flüchtig gar manches schöne Weidebild, wert, von Maler oder Photograph mit Pinsel oder Kamera festgehalten zu werden. Z Homberg a. d. Ohm, 6. Okt. Dieser Tage war die Ob ftoerWeigerung auf der Arbeiterkolonie Reu-^llrichstein. Viele Steigerer waren aus den benachbarten Orten erschienen. Das Obst wurde infolgedessen gut bezahlt. Es wurden von etwa 200 Obstbäumen nahezu 1200 Mk. erlöst. — Ober-Ohmen, 6. Okt. Oje I a g d in unserer Gemarkung zeigt ein trauriges Bild. Wo vor dem Kriege, selbst bei ungünstigster Witterung, die Rebhühnerketten scharenweise an- zutreffen waren, ist heute nichts mehr zu finden. Hasen und Rehe sind gleichfalls sehr selten geworden. Die Ursache dieses Rückganges ist in erhöhtem Abschuß unmittelbar nach dem Kriege und in mangelnder Pflege des Reviers in diesen Iahren zu erblicken. Kreis Lauterbach. ö Schlitz, 6. Oft. Eine Ortsgruppe des Hessischen Iagdklubs hat sich hier gebildet, deren erster Vorsitzender Oberforstmeister Seeger geworden ist. Dem Vorstand gehören weiter an Studienrat Dr. Roloff. Bürgermeister Dr. R i e p o t h, Sparlässenrechner Reinhardt und Kammersekretär H e i d k a m p. Vom Hessischen Iagdklub ist eine Tontaubenwurfmaschine gestiftet worden, während der hiesige Graf einen Stand Herrichten ließ. Der Tontaubensport soll besondere Pflege finden. Die Ortsgruppe zählt bereits 39 Mitglieder. § Schlitz, 6. Okt. Selten sind unsere Landwirte um diese Zeit so weit voran gewesen mit ihren Feldarbeiten. Man ist allenthalben am Einfahren der Hackfrüchte, eine Arbeit, die vielfach die Frauen besorgen, während die Männer mit dein Pflügen der Felder beschäftigt sind. Zahlreicher als in den Vorjahren sieht man um die Abendstunde die Kartoffelfeuer im weiten ümTreife auflodern. Die Fruchternte war in ihrem Strohertrag so reichlich daß man des Kartoffelstrohs zum Streuen in diesem Iahre nicht bedarf. Daß das Verbrennen des Kartoffelkrautes eigentlich nicht ökonomisch ist, wird von den meisten Leuten nicht bedacht. Denn man nutzt ein sehr wertvolles Gründüngemittel, das besonders günstig für die Wiesen ist, nicht genügend aus. Der Sandboden des Schlitzerlandes bearbeitet sich verhältnismäßig leicht. Er zerfällt trotz der langen Trockenperiode sehr schon, weshalb man hier auch überall mit der Aussaat des Korns begonnen hat. Der Landmann sehnt aber auch hier im Interesse der Saat den Regen herbei, der vor allem auch der Mäusepla ge ein Ende bereiten dürfte. O Schlitz, 6. Okt. Hier verstarb nach langem, schwerem Leiden die „Schulmarie", Frau Marie Reichel, viele Iahre Verwalterin des Vollsschulgebäudes. In ihrer freundlichen Art hat sie das Vertrauen der Kinder in hohem Maße besessen. Das kam auch bei der Beerdigung in der großen Beteiligung zum Ausdruck. Das Lehrerkollegium und die Stadtverwaltung ehrten ihr Andenken durch Riederlegen von Kränzen. 3 21 sts dem S chlitz erland, 6. Olt. Rachdem die Körnerernte gut nach Hause gebracht ist. geht nun auch die Kartoffelernte ihrem Ende entgegen. Man ist auch damit recht zufrieden. Trotz des nassen Sommers scheinen die Kartoffeln wenig faulig und trocken geraten zu sein. Starkenburg. * Darmstadt, 6. Oft. Der 31 Jahre alte Reisende Adolf Rihling aus Hannover, der in Darmstadt Llnterstützungsgelder für deutsche Ausgewiesene aus Polen einsammelte, wurde verhaftet. Rach den Feststellungen hatte Rißling keinerlei Berechtigung, Gelder zu kassieren. — Gestern wurde hier in der Herdelbergev Straße ein 6 Iahre alter Junge von einem Auto überfahren. Obwohl ein Rad über ihn hinwegging, trug er glücklicherweise keine ernstlichen Derlehumgen davon. Preußen. XX Wetzlar, 6. Oft Die Stadtverwaltung betreibt fortgesetzt an allen Ecken und Enden eine rege Bautätigkeit. Erfreulicherweise wendet sie dabei gleich dem Vorjahre chr Augenmerk auf die Instandsetzung alter baufälliger Wohnungen, für deren Ausführung bekanntlich ein weiterer Betrag von 20000 All. bewilligt wurde. Die Erneuerung der Franziskanerkirche am Schillerplatz, der bereits der Verfall—drohte, schreitet aus finanziellen Gründen nur langsam vorwärts, aber das altehrwürdige Bauwerk bleibt doch dem Stadtbild erhalten. An der Erweiterung der vom „Römischen Kaiser" nach dem Finanzamt führenden T u r m str a h e wird zur Zeit rüstig gearbeitet. Dieser wichtige Verbindungsweg nach dem neueren Stadtviertel soll 4 Meter Bürgersteig erhalten. Die abgehobene Bauerde wird zur gärtnerischen Anlage des Schillerplatzes verwandt. Zuletzt sei der an der Rauborner Straße neugeschaffene Kinderspielplatz noch erwähnt. XX Dorlar. 6. Oft. Die hiesige Gemeinde hat sich sehr zu ihrem Vorteil entwickelt. Während aus der Vorkriegszeit die Zusammentegung der Feldmark, der Schulhausneubau und die Güterverladestelle erwähnt seien, wurde in diesem Jahr unser Ort mit vorzüglichem Quell- wasser versorgt. Dazu ist die Baulust sehr rege; wohl ein Dutzend stattlicher Wohnungen sind in nächster Rähe der Haltestelle entstanden und reihen sich würdig an das in schwerer Kriegszeit an der Atzbacher Straße erbaute Pfarrhaus an. Bis jetzt aber war es leider noch nicht möglich, die an der Blockstation gelegenen Wohnungen an die elektrische Leitung anzuschließen. -5- Aus dem Kreise Wetzlar, 6. Okt. Die Bauernschaft des Kreises Wetzlar beabsichtigt, gemeinsam mit der Lokalabteilung Wetzlar des landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen zur Hebung und Forderuna der heimischen Milchviehzucht in Wetzlar, eine Zentralstelle für Milchleistungsprüfungen zu errichten. Durch 14tägige Prüfungen, die bezüglich der Menge und des Fettgehalles der Milch, sowie der Futterausnutzung der Milchtiere vorgenommen werden, sollen die Viehzüchter in den Stand gesetzt werden, sich über die Rentabilität ihrer Milchwirtschaft Aufschluß zu verschaffen. Man rechnet damit, daß die in Frage kommenden Behörden durch finanzielle Unter- stühung zur baldigen Verwirklichung des Planes beitragen, auch hofft man auf die Mitwirkung der beiden Herdbuchgesellschaften unseres Kreises. Da sich im Kpeise well über 20 000 Milchkühe befinden. dürfte eine rege Beteiligung an der Sache zu erwarten sein, zumal sämtliche im Kreis vertretenen Tierrassen zugelassen werden sollen. XX Biskirchen, 6. Oft. Die zu einem Kirchspiel vereinigten Ortschaften Vis- kirchen, Bissenberg und Stockhausen haben bei dem Presbyterium angeregt, für die im Kriege abgelieferten Glocken jetzt Ersatz zu beschaffen. Man hofft, durch freiwillige Spenden einen Grundstock für das erwünschte neue Geläute zusammenzubringen. Kreis Marburg. sch. Marburg. 6. Okt. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung wurden u.a. 77928 Mk. für die Beschaffung zweier weiteren Motorwagen für die elektris che Straßenbahn bewilligt. Die Wagen,.die je 66 Personen fassen, werden bei der Firma Crede in Riederzwehren in Auftrag gegeben. — Zu- geftimmt wurde ferner der Errichtung eines Doppelhauses in der Schwanallee, hr dem sechs Staatsbeamte bzw. Lehrer untergebracht werden sollen. Die Gesamtkosten sind auf 84 000 R^irk veranschlagt, wovon 30 000 Mk. aus der Hauszinssteuer entnommen und 30 000 Mk. durch den Staat zur Verfügung gestellt werden sollen. Der Restbetrag in Hohe von 24 000 Mk. wurde aus AnleiHemllteln bewilligt. — Ein Antrag, bei Dem kommenden Reichsbannertag in Marburg auf den städtischen Gebäuden die schwarzrotgoldene Fahne zu hissen, wurde mit Stimmenmehrheit abgelehnt. Kreis Westerburg. 00 Westerburg, 6. Oft. Sehr unterschiedlich gestaltet sich in unserem Kreis der Preis für Kartoffeln. Während man in und um Westerburg trotz der verhältnismäßig guten Ernte einen Preis von 5 Mk. für Den Zentner hört (unter diesem Preis wollen die Landwirte keine Kartoffeln abgeben), wird im südlichen Teile Der Zentner zu 3.20 bis 3,50 Mk. abgegeben. Der Händlerpreis (Kartoffeln von auswärts) ist hier in Westerburg 3,75 Mk. Maingau. WSN. F r a n k f u r t a. M., 6. Okt. Alls die Tochter Des Rechtsanwalts Dr. F ü h ^Pch heute an Das © p lä n D e r Des Balkons der elterlichen Wohnung in der Efchersheimer Landstraße anlehnte, gab dieses nach. Das Mädchen stürzte aus dem dritten Stock ab und war | o • fort tot Geschäftliches. „3n der Beschränkung zeigt sich der Meister.- Dieses Wort gilt auch in Der Küche bei der Verwendung von Maggi's Würze. Denn gerade bann, wenn sie in kleinsten Mengen — also tropfenweise — den Speisen beim Anrichten zugesetzt wird, entwickelt Maggi's Würze ihre beste Wirkung. Dagegen beeinträchtigt naturgemäß ein „Zuviel" den Geschmack. jetzt um 6 5 Rubinstein hat nun einen Bauern gewonnen, er 18,75 3 2 Gcipielt 1—a4 a2- 163 188,75 191,5 er- rankfurter Börse. Tendenz: vormittag 17.1,25 153,5 4. Sg8-f6 5. c7-c5 6. a7 - a6 27. 28. 29. 168.5 167 4. 5. e2-e3 Lflxc4 7. b7-b5 8. Lc8-b7 Le4-d3 Ld3-c4 Ke2-d2 a5-a6 38. 39. 40. 41. 42. 16. Tf8-d8 17. Td8xc8 18. TcSxcl 19. Sf6-e4 169 167.5 10. Ke8xd8 11. Sb8-d? 12. Lc5-d6 13. Kd8-c7 14. Ta8-c8 15. Sd7-b6 h2-h3 Kd2-cl Kcl-bl 16!) 114 155.5 69 30. Ld6xa3 31. b5-b4 32. Sa4-c5 33. Sc5-b7 34. Sb7-a5 35. Kc7-b7 36. e5xf4 37. Kb6xa6 169 167,5 1. d2-d4 2. c2-c4 45. Ld5xc44- 46. Lg7-f6 Ka6-b5 h6xg5 16Xß5 b4-b3 La3 - b4 -+■ 17.9 46.75 20. Lei -b2 21. Sf3-d2 22. Lb2-al 23. Sblxd2 24. Kgl-11 25. Le2-d3 26. f2 — f3 Schwarz: Eine geringem 9. . . . 10. Ddlxd8-t- 11. a2-a3 12 b2-b4 13. Lcl-b2 14. TH-dl 15. Tal -cl Schwäche b4. 7. . . . 8. Lc4 - e2 9. d4xc5 Z SEIFENPULVePI 6. Sgl-f3 7. 0-0 Remis zu erreichen. 30. b4xa5 17 44.5 163,75 99 59,5 3,05 188.5 89,9 102,5 aber infolge des geringen Materials tann das Remis nicht verhindern. Partie Nr. 61. der zweiten Runde des Breslauer Schachturniers. Damengambit. Weih: Decker. Schwarz: Rubinstein. 1. d7-d5 2. c7-e6 3. d5xc4 135,5 1'34 9 168* 105.5 76 161.75 172* 170' 145.5* 158 66.5 71 123,5* 161 153,5 145,5 35. L.c4-d5 36. f3-f4! 37. e3xf4 98,75 I 295.5 !124,75 ' 128.5 prachtvolle Kombination wird hier mit Material dargestellt. Hamburg-Amerika Paket... 1 169 i Norddeutscher Llovd . . , I 167.25 20. f7-f6 21. Sb6-a4 22. Se4xd2 23. e6-e5 24. Lb7-d5! 25. H7-H6 26. Ke7-d7 27. Kd7-c7 28. Ld5xe4 29. a6—a5 sehr vorsichtig spielen, 3. De4 1 3. De4 zwingen. 16. Sc3-bl 17. TclxcS 18. Tdl-cl 19. Lb2Xcl Schwarz beherrscht jetzt die strategischen Punkte des Brettes. i Roehen Sie Jhre Wösohe V gleichzeitig mit GZi’ffltorfipsonS Seifenputven und mit Set fix Sie wird dann zu g/ei~ eher Zeit gewaschen und gebleicht. Qiefäe- hondtung Jtirer Wasche ist so einfach und so grundtieh, wie Sie es sieh ruiLwunset^J^fff- <83ft um 1,5 und 01011. um 3 Pvoz.. dagegen waren Kleyer etwas niedriger. O e l a k t i e n gaben etwa P/„ Proz. nach. Bauakiien schlossen sich der rückläufigen Bewegung an. Bon Zell stoss-- aktien konnten sich Waldhof um 1 Proz. befestigen. Zuckeraktien neigten zum Rach- geben. Die Haussebewegung am heimischen Rentenmarlt erfuhr eine Unterbrechung. Bei füttern Geschäft notierten diese Papiere schwächer. Auch ausländische Renten gaben nach. 3m Freiverkehr blieben die Kurse mit Ausnahme von Petroleum, foe auf 94 Prozent zurückgingen, fest unverändert. Brown Boveri 125, Entreprise 9, Frankfurter Handelsbank 85, »Ufa 39 Prozent. Der weitere Verlag zeigte die Börse etwas widerstandsfähig, die Kurse hielten sich im groben und ganzen aus Ansangsstand. Am G e l d m a r k t ist eine wettere Verflüssigung eingetreten. Tagesgeld 4 bis 5 Proz., Monatsgeld 5,5 bis 7,5 Prozent. Privatdiskonten 5 Prozent, Warenwechsel 5,37 Prozent. 3m Devis enveriehr konnten sich die lateinischen Valuten weiter befestigen. Paris gegen London 168,25, Brüssel 177, Mailand 127,15. Das englische Pfund lag unverändert mit 4,852. Die Reichsmark ging gegen Kabel etwas zurück auf 4,199. Der holländische Gulden lag auffallend schwach mit 12,12,87. gegen das Pfund Berliner Börse. Kfl-e2 Sd2-e4 Ld3xe4 Weih muß 151 235 182,9 170.25 153 8,2 295.5 124 128.5 174 162.5 159.5 104 141.25 203.5 89,25 85 296* 125 54,5 139,5 173.9 163 159.6 104.5 141 204 89 83.5 47 Weih. Weih zieht und setzt in drei Zügen matt. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. 1 Telearaphifche Auszah lung. 234 150 233.5 von einigen Ausnahmen, schärfere Rückgänge nicht ein. Das an den Markt gebrachte Material fand ungehemmte Aufnahme. Schärfer gedrückt waren Montanaktien, von denen Buderus 4,2 Prozent, Riebeck 3.755 Prozent, Bochumer 3,25 Prozent. Gelsenkirchen 3 Prozent, Harpener und Mansfelder je 2 Prozent, Mannesmann 0,75 Prozent und Deutsch-Lux 0,5 Prozent einbüßten. Kaliaktien gaben etwa 2 Prozent nach. Eine Ausnahme bildeten Laurahütte, die um 3 Prozent anzogen. Don Chemiewerten erlitten 3. G.-Farben eine Einbuße von 1,5 Proz., auch die übrigen Werte dieses Gebietes lagen schwächer. Am Elektrvmarkt verloren: AEG. 1,75, Bergmann 2, Felten 1, Lahmeyer 0,75, Siemens 0,25, während Schlickert leicht anzogen. Auch Bankaktien mußten sich Rückschläge gefallen lassen. Darmstadter minus 2, Commerz minus 1, , Metallbank minus 0,75 Proz. Eine Reihe der übrigen Bankwerte konnte sich zunächst beraubten. Schiffahrtsaktien gingen um 1 bis 2Prvz. zurück. Don Motvrenaktien zvgen Daimler 98.5 58.25 3 187 89.75 104 160.25 105.25 75 5 159.25 168.5 168 144.5 154.4 69.25 74.5 123.5 158.5 I 154.9 1144,75 162.25 159 139,5* 203 88.9 84.25 46.5 38,25 135,75 95.12 293.5* 125 127.5 Schach-Ecke. Bearbeitet von W. O r b a ch. 18.75 46,25 231,25 150' -35* 1815* 97,5 168,4* 153,5 144 8,55 42. 43. 44. Lösung des Problems Rr. 80. Dvn §. Fähndrich. 1. Dc2-e4!. Kd6xc5 2. Sc6-d8I, Kc5 - d6 -d4 matt. 2. .. ., bei. 3. Sd8- b7 matt. Kd6-d7 2. Sc6-e5+, Kd7-e8 (d8, cS), 31. 32. 33. 34. 163 160 139.9 203 88 84.25 68,25 136.75 135,5 -a8 matt. 2. . .., Kd7 - c6 3. Tc5-c6 matt. Andere Varianten leicht. 43. Lb4-a34- 44. Sa5-c4 45. Kb5xc4 Remis. 145, 157.75 . 63.25 | Weiß: 6 Steine Ka6; Dhl; Td4; Sf6; Bd2, c4. 6 Steine Kc5; Th4; Sdl; Bb2. c6, g4. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen. Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers". ■* Problem Nr. 82. Don H. Petersen, Twedt. Schwarz. Richtige Lösungen zum Problem Rr. 80 sandten ein die Herren: Lehrer Breidecker, Lehrer E. Simon, Gießen. Schachvrteflasten. H.P., Gießen. Ihre Lösung zu Rr. 80 scheitert nach 1. Dc4, Kd7 2. Td5 -- an 2 Ke6. 72 - - 12t* 121.25 162.5 154.25 156,5 1 Wirtschaft. • Zwanzigfad) e Ucberzeichnung der Hamburger Anleihe in Amerika. Die Nachfrage nach dem gestern in Neuyork aus- gelegten Teil der hamburgischen Staatsanleihe ror.r so groß, daß die Bankhäuser bereits 10 Minuten nach Eröffnung die Zeichnung schließen mutzten. Die Anleihe ist, soweit bisher übersehen werden kann, etwa zwanzigmal überzeichnet worden. ‘Börkntorte.__ <®/o ................... 5% Goldmcrnaner - - - • Berliner Handelsgesellschaft - (Kommen* und Privat-Bank Darmn- und Nanonalbank • Deutsche Bank......... Ternsche VerrioSdaot .... DiScomo Lounnandit . - - Metallvonk........... Mitteldeutsche Creditbank . . Oefterreichiichc Lreditanitall Wcstbanl .......... Bochumer «tzlle BuderuS • ......... ttaro • . Deutsch-Luxemburg (Gelsenkirchener Bergwerke. . Harvener Bergbau...... Jtalirocrtc Aschersleben. . . . Kaliwerk Westercgelu .... Laurabütte Odcrbedan • » . Phönir"Bergbao ..... Rbeimiabl........... Riebeck wioutan ...... TelluS Bergbau...... Bereinigte Stahlwerke A.-G- ktzeraorischc Werke Albtn . . Zementwerk Heidelberg . . . Milipp Holzmann...... Anglo-Lont.-Guano Chemische Mayer Alapin . . I. G. srarbenindustrie, A.-G. Koldschmidt.......... Holzverkohlung . Rütgerswerkc Scheldeanstalt Bllg. ElektrtzttätL-Gelellschaft Bergmann Malnkrastwerke ....... Schuckett........... Siemens & Halske ..... Adlcrwcrkc Kleyer ..... Daimler Motoren. ...... Heyligensraedt Meguin............. Motorenwerke Mannheim frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgesellichast Frankfurt. Pct. Union A.»G. . . . . . Schubiabrik fier, Sichel..... Zellstoff Waldhof ...... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik SBaobäuftl • . • 38. g2-g4 39. g4-g5! 40. f4Xg5 41. Lalxg? lüßlbar, denn die Roggeuoffetten genügen dem Bedarf nickt. Das kam auch im Zeitgeschäft zur Geltuna, dessen Preise sich leicht befestigten. Gerste und Heftr still. Gute Sorten trotz größerem Gebot knapp. 3m Mehlgeschäst für die Provmz bessere Frage. Es wurden notiert per 1000 Kilo: Weizen, märt, 259 bis 262 Roggen, matt. 213 bis 218; Sommergerste 210 bis 215; ^Dinter» oerste 180 bis 184. Hafer, mark., 179 bis 189: Mais (loko Berlins 188 bis 190; per 100 Kilo: Weizenmehl 35,50 bis 38. Roggenmehl 30.23 bis 32; Weizenkleie 9,90 bis 10,25; Roggenklvie 10,50 d's 10,60; Diktoriaerbsen 43 bis 53. grankfur. . -rtreidebörsc. Frankfurt a. M., 7. Okt. Es wurden notiert: Weizen, Westerauer, 28,50 bis 28,75 Mark; '.Roggen, inländischer, 22.75; Sommergerste für Brauzwecke 23,50 bis 28; Hafer, inländischer, 18,50 bis 19; Mais (gelb) 18,75 bis 19; Weizenmehl, inländisches epc zial 0, 41,25 bis 41,75; Roggenmehl 33 bis 34; Weizenkleie 9,75 bis 10; Raggentleie 10,50 Mark. Tendenz: Getreide und Mehl ruhig, Futtermittel lebhaft. * ,yranr?urter Schlachlviehmarkt. Frankfurt a.M, 7.OH. Auftrieb: 577 Kälber, 1102 Schafe, 319 Schweine. — Kalber: Beste Mast' und Saugkälber 86 bis 92, mittlere Masi- und Saugkälber 76 bis 85, geringe Kälber 70 bis 75. Schafe: Mastlämmer und jüngere Mcisthärnmel (Etallmast) 40 bis 45, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämrnel und gut genährt? Schafe 33 bis 39, fleischiges Schafvieh 23 bis 32 - Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 78 bis 81, voll- fleischige Schweine von ca. 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 79 bis 81, von ca 200 bis 240 Pfund Levendgewicht 80 bis 82, von ca. 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 78 bis 81, fleischige von ca. 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 74 bis 78. — Marktverkauf: Kälber und Schafe bei lebhaftem Handel ausverkauft. Schweine hinterlassen bei langsamem Handel etwas Ueberstand. Frankfurt a. M., 7. Okt. Schwächer. — Die Börse zeigte sich verstimmt infolge der innerpolitischen Dorgänge, durch die die politischen Verhältnisse beginnen unklar zu werden. Da anregende Momente nicht Vorlagen, reagierte die Börse mit einer allgemeinen Abschwächung des Kursstandes. Bei dem geringen Geschäft traten jedoch, abgesehen Der hier öfters angewandte Zug ist nicht zu empfehlen, wegen der späteren BücherUsch. — Wilhelm Jäger, Kriegeslärm und Waldes st ille, Zeitbild aus dem 17. Jahrhundert (Herausgeber Professor Dr. Dr. Esselborn), Elkshard-Verlag in Heppenheim a. d. Bergstraße. — Der historische Roman, der vor 50 Jahren in Deutschland seine Blütezeit erlebte, wird heute nicht mehr viel gepflegt; als den letzten namhaften Ver- tretcr dieser Gattung deutscher Dichtkunst können mir den vor wenigen Monaten verstorbenen August Sperl ansehen. Esselborn hat sich dadurch ein Verdienst erworben, daß er das seither ungedruckte Werk des in Schlitz geborenen, im Jahre 1892 in Darmstadt als Steuerrat verstorbenen hessischen Erzählers Wilhelm Jäger herausgegeben hat. Die Erzählung spielt in der Zeit der Pfalzoerwüstung durä) die Franzosen unter Ludwig XIV., ihr Mittelpunkt ist die Liede des Kupferstechers Felix Bruckenstein zu Susanne Hornung, der Tochter des Vorstehers der Wormser Weberzunft. Die Handlung ist spannend, überall ist die historische Treue gewahrt, schöne Schilderungen der Nheinlandschaft smd ein- geflochten. Besonders dankbar wird der Leser für die historischen Beigaben und Erläuterungen des unermüdlich tätigen Herausgebers sein. Der Verlag hat das Buch in einem sehr gediegenen und schönen Gewände in die Welt hinausgehen lassen. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Gottesdienst der isr. ReligtonSgesellschaft. Sabbatfeier, den 9. Okt. 1926. Freitag Abend 5 20, Samstag Vormittag 8.30, Rachmittag 3.30, Sabbatausgang 6.35, Wochengvttesdienst: morgens 6 45, abends 5.00. Isr. ReNgivnsgemeinde. Gottesd. i. d.Synagoge (Südanlage). Samstag, den 9. Okt. 1926. Vorabend: 5 30, morgens: 9.00, abends: 5.55 und 6.35. Letzte Nachrichten. Mord oder Unfall? F r a n k f u r t a. M., 7. Ott. (WSR. Draht- Meldung.) Die gestern erfolgte Sektion der Leiche eines jungen Mädchens aus dem Prüfling, die in Begleitung ihres Bräutigams, des Stadtsekrelärs Schmidt, während eines Spazierganges im Ostpark plötzlich verstorben ist, ergab, daß das Mädchen einen Schlag auf den Kopf, in der Schläfengegend mit einem stumpfen Instrument erhalten hat. Schmidt der bet der Sektion der Leiche zugegen war. leugnet, dem Mädchen irgendwie Gewalt zugefügt zu haben; er verbleibt in Haft. Möglicherweise ist die Verletzung aus einen Sturz zurückzuführen. Berlin, 7. Oft. Während heute bei ruhigem Geschäft die Tendenz noch fest war, trat bei Beginn des amtlichen Verkehrs Realisationsneigung hervo^die sich besonders auf die bisher bevorzugten Marktgebiete erstreckte. Die ersten amtlichen Kur'- z«. her zum Teil recht erhebliche Einbußen. Montanwerte gaben 2 bis 5 Prozent nach, Kali aktien 2 bis 3 Prozent, Chemiewerte bis 2 Prozent, Schiffahrtsaktien bis 3 Prozent Bankaktien bis zu 4 Prozent. Durch den scharfen Rückgang von Darmstadter Dank (minus 4 Prozent) konnten heute Berliner Handel, die um 1,5 Prozent anzvgen, seit längerer Zeit zum »rften Male wieder den Kurs von Darmstädter Dank überholen. Am Textil- markt erzielten Spinnerei Hammersen eine Befestigung um 3,5 Prozent. Die heutigen Abgaben werden auf innerpolitische Besorg ni,fe zurückgeführt. Heimische Staatsrenten tourten ebenfalls von der Abgabeneigung erfaßt und lagen schwächer. AusländischeRenken Die Fortsetzung 9. a4 würde wegen b4 den Punkt e4 in die Hände des Rachziehenden geben, aber diese Spielweise war der gewählten vorzuziehen, da in dem nun folgenden Endspiele Schwarz das bequemere Spiel erlangt. 9. Lf8xc5 Rundfunk-Programm. Freitag, 8. Oktober: 3.30 bis 4 Ahr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Ahr: Hausfrauennachmittag. 5.45 bis 6.05 Ahr: Die Lesestunte. 6.15 bis 6.45 Ahr: Fichtes Schriften ..Der geschlossene Handelsstaat" und „Macchiavellis Politik", Vortrag von Pfarrer Taesler. 8.05 bis 9.15 Ahr: Gastspiel Michael Zadora (Berlin): Beethoven-Abend. 9,15 bis 10.15 Ahr: Bunter Abend. bröckelten ab. Rach Festsetzung der ersten Ro- tierungen waren fast nur Briefkurse zu hören. Ant Geldmarkt war eine weitere Entspannung festzustellen, da sich die Rückflüsse verstärkten. Tagesgeld ging auf 5,5 bis 6,5 zurück. 3m Devisenverkehr waren die lateinischen Valuten gut befestigt. Die Brüsseler Pfunte Parität ging auf 174 zurück, die Pariser auf 167,75 und die Mailänder auf 126,25. Die Reichsmark notierte gegen Kabel 4,1987 etwas schwächer. Das englische Pfund lag unverändert mit 4,852 gegen Kabel. Berliner Produktenbörse. - Berlin, 6. Okt. Die matteren Depeschen von den ausländischen Terminbörsen haben auch für prompte Ware die Forderungen für Weizen zurückgehen lassen. Auch Lieferung stellte sich 1 Mark niedriger. Für Roggen, dessen Angebot sehr knapp bleibt, war die Mattigkeit weniger Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom DedakttonSttsch. vergeblicher Weg. Ein Mann, mit einem großen Sack belaßen, ruft auf dem Hof: ...Kaufe alte Metalle, Flasdien, Lumpen — zahle die höd)sten Preise." Ms er steht, daß ihm eine Frau aus dem Dachgeschoß heftig winkt, klettert er pustend und schwitzend mit seiner schweren Last die fünf steilen Treppen hinauf. Oben öffnet eine gemütliche alte Frau, einen kleinen heulenden Jungen an der Hand, zwinkert dem Lumpenmann freundlich zu und sagt: „Siehst du, Paulck)eu, da ist der Onkel — der ist jetzt ganz böse auf dich, und wenn du nicht artig bist, steckt er dich gleich in den Sack." Der böse Adjutant. Die Gemahlin des russischen Generals Fürsten Alexander Tschernischew war eine hochmütige und auf die militärischen Erfolge ihres Gatten sehr eingebildete Dame. Diese bestanden jedoch nur in der Eroberung der unverteidigten Stadt Kassel, aus der der Fürst Alexander mit seinen Kosaken damals den König Jerome vertrieb. Bei einer Gesellschaft kam die Rede wieder auf den beendeten Krieg, und die Fürstin erzählte prahlend von den Heldentaten ihres Gemahls. 3m Laufe des Gesprächs wandte sie sich an den Adjutanten: „Mein lieber Sergei, wie hieß doch die Stadt — ich erinnere mich nicht gleich — die Alexander eroberte?" Der Adjutant verzog keine Miene: „Babylon, Exzellenz, Babylon!" » 232,7* 148.5* 234* 181,2* 168' 154.2.3 141 8,2 Rubinstein spielt das Endspiel in bekannter kräftiger Weife, kann aber bei der mustergültigen Verteidigung Prof. Deckers keinen Gewinn 3. Sbl-c3 Diese Annahme des Damengambtts, nebst folgendem c7—c5 ist jetzt neuerdings wieder in Mode gekommen; Rubinstein, Zannovski und noch verschiedene Meister wenden diese Spielweise oft an. 162." I 159,25 166.5 104,25 70 I >62' | 160.5* 172.75 169.5 8 8 6 ^rnr.Tfurf a M- Berlin Schlug r-Uhc. fcnri 4 vr» Schlub- Kur» Ailsang Qurr. Datum: 6. 10- 7. 10. 6. 10. | 7. 10. 57> Deutsche 'JtctCbSanletbe • 4% Deutsche Ncich^anleiye • 8>/9% Deutsche Rcichsaiilnde 3% Deutsche Neichsanleibe - Deutsche Soarprümimanlelv« 4% Preußische KoniolS - • • S".°/n Hessen.......... 3°/0 Hesse» Deutsche «9ertb- Dollar-Anl. dto-ToN-Lchav-Anircima. J 0.62 0.60 0.38' 0.60 0.6U 0,61 95 0.6015 .6205 ).61O7 0.60 0.75 0.39 1.6107 0.63 0.63 0 6 0.605 0.60 0,597o 0.79 0.61 6 Cttbr. 7. Oktbr. Amtliche Noti rung Amtliche Stotierung Keld i Brief Geld rvrret Amst.-rXon Bu en.-Aires 167.70 1 1.714 168.21 1,718 167,81 1,714 168,^1 1,718 Bni.-Antw 11,505 | 11,545 11,62 11,66 (Sbriftiania. ‘J1.S5 | 92,07 91,84 92,06 Kopenhagen Stockholm . 111,33 112,03 111,61 112.32 111,35 112,02 111,63 112,13 fcelfingforS. Italien. . . 10.542 15,03 10.582 16.12 16,14 10,582 16,18 London - - - 20,341 20,391 20,844 ! 20,394 Neuyork . - Paris.... 4,193 4.203 4,193 4,203 12,06 12,10 11,090 12,135 Schweiz . . 61,00 Bl, 3) Bl,00 ; 61,20 Spanien . . 62.92 63,08 63,02 63,18 Japan . . - 2,039 2,043 2,033 2,043 Rio de Jan 0,623 0.625 0,614 0,616 Wien inD-- Oesi. abgest. Draa .... 59,21 12,411 59,35 13,451 59,20 12,41.7 59,34 12,457 Belgrad > . 7,415 7,435 7,413 7,4.3 Dudüveft. . 5.87 6,89 o,87 1 6,89 Bulgarien . Lissabon 8,03 21,525 3,04 21,575 u,03 21,525 1 3,04 1 21,575 Danzig. ■ - 81.34 «1,54 81,35 81735 Konstantin- 2,155 2,165 2.165 2,175 Alben - . • 4,99 5.01 5,09 5,11 4,207 (Sanaba. . . 4,196 4,206 4,197 Uruguay. . 4.205 | 4,215 4.205 i 4,215 Banknoten. Berlin, 6 Oktbr. Geld Brief Ämfn-tfzmifdir ..... 4,179 11,485 4,199 Belgische Noten . . . . 11,545 Dänische Noten . ... • 111,07 111,61 Englische Roten . . . . . 20,31 20,41 Französische Noten . . . Ä Ä - 12,07 12,13 Holländische Noten . . . - A 167.38 168,22 Italienische Noten . . . 16,13 16,21 Norwegische Noten . . - . . . 91,57 92,03 69,35 Deotsch-Ocsterr-, 5100 Kronen 59,05 Rumänische Noten . . . — — Schwedische Noten . . . 111,72 112,22 Schwerer Noten .... 80,85 81,25 Soantiche Noten . . . . 62,69 63.01 Tschechoslowakische Noten .. 12,401 12,461 Ungarische Noten .... 5,835 5,875 9. Fortsetzung. Nachdruck verboten. 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Als ob sein Gehpelz viele Zentner wöge, hob und senkte er die Schultern. „Und auch Sie, Julie: auch Sie können mich vielleicht brauchen. Sagen Sie nicht nein. Ich weiß es. Deshalb muß zwischen uns nicht von Geld die Rede sein. Das wird sich schon anderswie regeln lassen." „Ich verstehe Sie noch immer nicht", sprach Julie betroffen. Ahnte der Mensch, daß sie nun das drittemal nicht hervorbrachte, weswegen sie eigentlich gekommen war? „Anderswie regeln lassen?" Verwundert und doch sonderbar erregt schüttelte sie den Kopf. Carsten sah einer Krähe nach, die sich lärmend Still saß Carsten in der anderen Ecke. „Es ist schön, so zu fahren", sprach er endlich. „Sehr schön, Bernhard Carsten. Ich danke Ihnen." Julie hatte die Lider geschlossen. Das geräuschlose, weiche Gleiten rief Bilder um Bilder. Genau so war es, als man im eigenen Auto durch die Welt fuhr: abgeschlossen von den anderen und doch mitten unter ihnen,, fern der Zeit und dock) fort- getragen von der Zeit. Sicherheit, Reichtum, Luxus: alles war in der Möglichkeit enthalten, nach Belieben in seinen Wagen zu steigen und zu fahren, wohin man wollte. Oder nur zu fahren, wie jetzt: ohne Ziel, ohne Absicht, ohne Sinn: nur zu fahren, damit man spürte: diese 60 Pferdekräfte sind da: dieser emsige Motor pocht: dieser fremde Mann da vorn verliert sein Brot, wenn die Nerven ihn für einen Augenblick verlassen. Und alles für nichts, alles nur dem Gefühl zuliebe, das ohne Namen im Blut kreist und den Körper matt und zufrieden macht. Und das gab es auch jetzt. Andere herrliche Autos jchwirrten vorüber, andere Menschen mit der gleichen süßen Müdigkeit fuhren vielleicht ebenso WeiSem nimmt noch Kunden an in u. außer dem Hause. Zu erfragen in der Geschäftsstelle d. Gieß. Anz. 06916 Bierniederlage von Brauerei abzugeben. Schriitl. Angeb. unter 06912 an den Gieß. Anz. auf IeilzaUung Mobelversorgung für Has. Zur Nachbehandlung ist herda-Sreme besoiib. empf. Zu haben in allen Apoth. Drog. «.Parfüm. ins Blaue. Wie nahe alle die Fernen und Fremden einander standen: in diesem Moment auch ihr, Julie Wilemar, der Gattin des falliten Geschäftsmannes Ernst Wilemar. Was bekümmerte es sie, daß der Schein trog? Sie wollte belogen sein. Plötzlich strömte die Empfindung aller Zusammengehörigkeit zu Carsten hinüber. Nur ein klein wenig hätte es kommen müssen: und an seiner Seite führe sie jetzt durch das Leben. Julie seufzte schwer. Nicht langer ließ sich die Wirklichkeit fernhalten. Das Auto stoppte. Lorenz hatte seine Sache gut gemacht. In großem Bogen war er über den Reichskanzlerplatz und die Kronprinzenallee bis Dahlem gefahren. Nun stand er am Schlag und bat um weiteren Befehl. Julie starrte in die Dunkelheit hinaus. Vereinzelte Lichter blinkten in der Ferne. Ein matt orangener Himmel leuchtete über Berlin. Kalter Wind stieß in den Wagen. „Ecke Kurfürstendamm-Bleibtreustraße!" sprach Julie ernüchtert. Das Auto zog an. Villen und Gärten wuchsen aus der Finsternis und versanken. Bald flog hellster Tag beiderseits der angelaufenen Scheiben vorüber. Bebend stand der Wagen an den Kreuzungspunkten bis die Ueberfahrt frei war. Die ganze Zeit hatte Carsten kein Wort gesprochen. „Nun sind wir doch nicht weiter gekommen", jagte Julie und wandte ihm das Antlitz zu. Halb- offen waren ihre Sippen. Carsten bohrte seinen Blick in den ihren. „Wann fahren wir wieder so los?" Julie lächelte: „Bald." Tastend suchte er ihre Hand. Er nahm sie hoch wie einen kostbaren Gegenstand, hielt sie sekundenlang vor das Gesicht und drückte sie mit der Rückenseite an seine Wange. Seine Zähne knirschten. Einen Herzschlag später stand der Wagen. Der Kurfurstendamm brauste im abendlichen Leben. Mensch an Mensch drängte sich auf dem Gehsteig. 3ulie stieg aus. Zwei große, blaue Augen waren das erste, was sie im Strom der Passanten erblickte. Es waren die fragenden Augen Martinas. . VIII. Benno von Kreuth beugte sich zu Schwarzkopf hinab. Kurz flüsterte er ihm etwas ins Ohr. Doch Doktor Morell — was für eine Gattung Mensch mar das? fragte sich Carsten. Wie lebte, was trieb der Mann? Welchen Beruf hatte er? Stand er t allein in der Welt, hatte er Frau und .Kinder? i Schier unmöglich schien es, den Menschen in die Gemeinschaft der anderen einzureiben. Wie aus *■ allen Zusammenhängen herausgehoben, lebte fein * Bild in der Erinnerung: ein Starker, Eigener, 1 Unbedingter hatte in den Augenblicken zwischen Leben und Tod unerbittlich wahre und sichere Worte gesprochen. Dieser Doktor Morell bedeutete Kraft, Ruhe, Ueberlegenheit. Diesen Doktor Morell mußte man in der Nähe haben. Diesen Doktor Morell mußte man wiederfinden. Bernhard Carsten setzte einen kleinen Apparat in Bewegung, um den Mann auszuforschen. Er sollte ihm Genosse werden. Aber die Nachrichten liefen nur spärlich ein. In Berlin gab es nicht einen Menschen gleichen Namens. Die Meldungen aus ' dem Reich ließen auf sich warten. Es war eine langwierige 2lrbeit, die das Jnformationsbureau nur ungern auf sich genommen hatte. Immer wortkarger wurde Bernhard Carsten. Leer und einsam rollten die Stunden abseits des Bureaus. Auf einmal genügten die Menschen von früher nicht mehr. Soweit sie nicht abgefallen waren, bewegten sie sich, wie durch Gitter getrennt. Ähre Neugierde schnitt Fratzen, ihre Fragen schmerzten. Alle gemeinsamen Bezirke waren verschüttet. Keine Brücke führte herüber. Carsten erinnerte sich Julies. (fr klingelte sie an und fragte nach ihrem Befinden. Tags darauf traf er mit ihr zusammen. Die Zusammenkünfte wiederholten sich. Immer waren es nur wenige Minuten. Einmal kam Julie in die Mauerstraße, einmal begegneten sie einander bei Hilbrich, einmal spazierten sie durch den verschneiten Tiergarten. Jedesmal stand etwas Fremdes, Unausgesprochenes zwischen ihnen. Kein zweitesmal hatte Carsten ihrer einstigen Beziehung Erwähnung ge- tan. Aber sein Herz erschauerte in der Nähe der Feiner saftiger 5chweizerkäseP,° f.60 Emmentaler 0.90 Schweineschmalz “Sff 0.95 Tafelmakgarine .. Pfund 0.65 Wer seine Geflügelzucht rentabel ge> Italien, frühlegende Küken und auch Eier im Winter erhallen will, mutz die Stoffe füttern, die sich die Hübner im Frühjahr durch Würmer, Insekten und Grünfutter tu der freien Natur suchen. Nagut-Geflügelfutter bietet diese Stoffe und bat sich jahrzehnte» lang glänzend bewährt. Pfarrer Panhoff, Hemmerde, fchreibt am 24. Teaember: „Nagut hat sich glänzend bewährt. Für den Winter kenne ich kein besseres Eierprodukiionssuiier als Nagnt." Siadlrat Dr. Greverus, Schönebeck (Elbel, schreibt: „Habe mit Ihrem Nagut hervorragende Resultate (viele Winter» eien enielt usw." Für Ihren Hund empfehlen, wenn Sie denselben gesund erhalten wollen, Nagut-Hundekmchen den er gern frißt, auch wenn Sie ihn verwöhnt haben. 8199V Frau B. Nobrecht, Köln-Deutz, schreibt: „Wenn ich meiner deutschen Dogge kein Nagut gebe, frißt sie mit die Haare vom Kopfe. Dreine Dogge litt ohne Rizinusöl an Verstopfung und seitdem ich Nagut lüttere, hat sich dieses Uebel verloren". Zu haben bei: Ang. Wallenfels, Marktplatz 17, Heinrich Hahn, Samenhandlung. Bekanntmachung den Wochenmarkt betreffend. Der Verkauf von Kraut, Kartoffeln und Obst auf Wagenladungen findet Samstag, den 9., 16., 23. und 3Ö. Oktober, sowie am 6. November 1926 nut auf Os- waldsgarten statt. 8207V Gießen, den 6. Oktober 1926. Der Oberbürgermeister. . J.V.: Dr. Rosenberg, Schade & Füllgrabe Filialen in allen Stadtteilen. 8195c Auszugsmehl feinstes, Pfund 0.28 Kokosfett blütenweih . Pfund 0,6^ Salatöl la ... Liter 1.04 5 & F-Kaffee die Marke der Kenner Pfund 4.80, 4.60,4.20,3.80, 3.00 9 kF-Kafento Mischung aus Bohnenkaffee und feinsten GetreidekaffeeS V, «ölet 0.88, 0.62, 0.35 Schweine- Krampfmittel sämtliche Sorten in Onginalflaschen n. dM-MMg Bahnhofstr. 51 gegr. 1888