Nr. 285 Erstes Blatt U6. Jahrgang Montag, 6. Dezember 1926 Erlchelnl raglich,außer Sonntags und Jwertags Beilagen. Gietzener Jamilienblättei Heimat im Bild Die Scholle Monatt.kezvgrxreis. 2 1Retd)smarh und 20 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei dichter« Keinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanl chlSlfe: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach» richten- Anzeiger Gieße«, vostfchrcklonto: franffurt am Main 11688. Gietzeim AWiger General-Anzeiger für Gberheffen Vrvck und Verlag: vrühl'jche Unioerfilälr-Vuch- und Stcinörudcret L Lange in Gietzen. Zchriftleitung und Sefchäftrftelle: Zchulftralfe 7. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen vo.i 27 mm Steile örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Ne- hlamean-eigen von 70 m Sreite 35 Reichspfennig, piatzoorfchrist 20v , mehr. Chefredakteur Dr Fnedr Wilh Lange. Serantroortlid) für‘Politik Dr. Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Slumschein; für den An« zeigenteil i.Vertr. H.Deck« sämtlich in Dietzen. Das Ergebnis des Volksentscheids in Hessen. Die Landtagsauflösung bei schwacher Wahlbeteiligung mit 219 453 gegen 202 657 Stimmen abgelehnt. Der Volksentscheid über die Auflösung des »fsischen Landtages hat n i ch i den dollen Erfolg »babt. den seine Veranstalter erhofft hatten. Wohl haben in der Provinz Oberhessen, und Ker namentlich in dcn überwiegend ländlichen Kreisen, wie z. D. Schotten, Lauterbach, Als- M> und Büdingen, die Parteien des TBirt- s Hafts- und Ordnungsblocks einen glatten Sieg davongelragrn, und auch in den anderen beiden Provinzen gelang es ihnen, eine erhebliche Htimmenzahl auf sich zu vereinigen. Doch in den industriellen Gebieten Starkenburgs und in Rheinhessen, namentlich in Mainz, dem Haupt- lltz des Zentrums, sind diese Erfolge des Wirt- fchafts- und Ordnungsblocks durch die Stimmen der KoalitonSporteien erheblich überholt worden. Immerhin ist bei Betrachtung der Der- gleichszisfern von der Landtagswahl des Jahres 1924 zu sagen, daß es der Rechten diesmal in den meisten Fällen besser gelungen ist, ihre Anhänger an die Wahlurne zu bringen als den Linksparteien, die im Allgemeinen bisher über eine erheblich bessere Parteid sziplin verfügten. Das wird, soweit man dieS heute schon beurteilen kann, vor allem daran gelegen haben, daß die rheinhessischen Dauern sich wohl in der Hebcr- zahl der Stimme enthalten haben dürsten. Das bedeutete natürlich ein erhebliches Desizst auf lxm Konto deS Zentrums. Die W a h l b e t e i I i g « n g im allgemeinen niufj mit ungefähr 45 Prozent als überaus schwach bezeichnet werden. Die Wahlmüdigkeit des hefsi- 'chen Volkes h.tt mit d'efem Volksentscheid einen Rekord erzielt. Die Gründe dafür liegen auf verschiedenen Gebieten. Einmal ist damit ein neuer Beweis erbracht, daß man mit vielen Abstiinmungen, wie sie das parlamentarische Regime mit sich gebracht hat, bei der breiten Masse deS Volkes .ineswegS ein erhöhtes Interesse für die Politik erzielt. Ach der sich seiner Verantwortung gegenüber Staat und Volk durchaus bewußte Slaalsbürger wird abgestumpft durch die Vielhest und die Vielfältigkeit der Wahlaste. Die ßtofjc Schar der Richtinteressierten, um die ja in jebem Wahlkampf die Parteien in allererster Linie zu ringen haben, wird von Wahl zu Wahl immer größer. Auch der erbittertste Wahlkampf zieht nur ganz wenige in seinen Dana, und zwar im allgemeinen nur die, dir nicht mehr überzeugt zu werden brauchen: die große Menge der volitisch Urteilslosen steht zumeist gleichgültig beiseite. Diese Gruppe erhält von Jahr zu Jahr mehr Zuzug von denen, die der heute in Deutschland üblichen Herrschaft der Parteien überdrüssig änd, weil sie meinen. baf3 diese Lleberspitzung des Parlamentarismus die schöpferische Kraft deS einzelnen tötet, daß die parlamentarische Wstimmimgsmaschinc bedeutende Kopse, neue Ideen niederwalzt. In unserem speziellen Falle hat nun die außerordentlich lange Zeitspanne, über die sich die Aition des Wirtschaftund Ordnungsblocks erstreckt hat, auf die Beteiligung am Volksentscheid gewiß nicht sördernd gewirrt. Wir müssen uns daran erinnern, daß bereits im Sommer vorigen JahreS in einer Reihe von Zeitungs- aussähen n;it der Kritik an der Finanzpolitik der hessischen Regierung begonnen wurde. Schon int vergangenen Winter setzte die große Protestbewegung unter den Dauern Oberhesfens und Starkenburgs ein. die im Frühjahr in großen Versammlungen, wie wir auch hier in Gießen eine erlebt haben, ihren Höhepunkt erreichte. Obwohl das dann auf Antrag der im Wirt- schasts. und Ordnungsblock zusammengcschlossenen 'Parteien cingeleikete Volksbegehren das -Lehrsache der erforderlichen Stimmenzahl ergab, gelang es der regierenden Koalition durch eine rücksichtslose Verschleppungstaktik in dem berüch- .tigten LandeSabstimmungsauLschuh, die Entscheidung über He Zulassung des Volksentscheids biÄ in den Spätherbst hinein hinzuhalten. So war bei weiten Kreisen der Devölkerung das Interesse an der zur Entscheidung gestellten Frage der Landtagsaullösung bereits stark erlahmt, als endlich Ende Oktober der Tag des Volksentscheides von der Regierung festgelegt wurde. Gleichzeitig setzte der .Kampf um die ISeele des Wählers ein, der, ie näher der Termin der Abstimmung rückte, um so erbitterter wurde. Wir sind der festen üeb.r^ugunq. daß die außerordentlich scharfe Form dieses Wahllompses. die in manchen Fällen das zulässige Maß weit Iüberschritt und sogar das politisch Gebotene nicht mehr im Auge behiest, der Sache selbst nicht gedient hat. Weite KrMse der Devölkerung in Stadt und Land waren nicht in der Lage, diesen Weg des politischen Kampfes mitzumacher. Uebcrblitfl man die politische Lage in Hessen, wie sie sich nach diesem Volksentscheid ergibt, so wird man davon ausgehen müssen, daß die Abstimmung im Vergleich xu den letzten Landtagswahlen im ganzen mit 202 657 Stimmen gegen 251 339 im Jahre 1924 für die Parteien der Rechten ver- hältnismäßig einen erheblichen Zuwachs bedeutet, gegenüber den 219 453 Stimmen, die die Koalition»- Parteien von 373 793 Stimmen im Jahre 1924 für sich erhalten konnten. Dabei sind natürlich die fae- 'onöeren Umstände in Rechnung zu stellen daß die Kommunisten für die Landtagsauflösung gestimmt haben, spater jebodjjür eine Regierungsbil- trtng der Rechten nicht in Frage gekommen wären, und daß auf der anderen Seite, wie schon gesagt, die Stimmenchaltung unter der rheinhessischen Bauernschaft dem Zentrum gewiß erheblich Abbruch getan hat. Das Ergebnis des Volksentscheids ist also für die Regierung der Weimarer Koalition ein Menetekel, das sie nicht aus dem Winde schlagen darf, wenn sie nicht bei den Landtags- wählen im lammenden fjerbft sich auf ihr gewiß unliebsame Ueberraschungen gefaßt machen will. Sie wird also gut daran tun, mit allem Ernst und unter Zurücksetzung aller parteipolitischen Interessen an die Durchführung ihres Sparprogramms zu denken, das ja nach den Mitteilungen des Herrn Finanzministers dem Kabinett bereits zur Beschlußfassung vorliegt. Das Plus von 17 000 Stimmen gegenüber einem früheren Uebergewicht von über 120 000 Stimmen sollte den Regierungsp irteien eine nachdrückliche Warnung fein, den Bogc. nicht zu überspannen, sondern sich mit der Opposition trotz aller Schärfen, die dieser Wahlkampf faedauerlichcr- roeife gezeitigt hat, zu fruchtbringender Arbeit im Intereste des ganzen Volkes zuiammenzufinden. Wir sind überzeugt, daß auch die Parteien der Opposition die gebotene Hand nicht ablehnen werden, hat doch die Rechte bisher schon in vorbildlicher Weise gezeigt, daß man auch in der Opposition positive Arbeit leisten kann, ohne auf seine grundsätzliche Einstellung der derzeitigen Regierung zu verzichten. Wenn eine derartige Politik auf beiden ©eiten die im Wahlkampf leider aufs äußerste zugespitzten Gegensätze abschleift und min- dert, wenn auf beiden Seiten wieder rein sachliche Momente in den Vordergrund gerückt werden, bann ist zu hosfen, daß auch dieser unentschiedene Wahlkampf unserem Hessenvolke als Gesamtheit zum Heile dienen wird. Das Abstimmungsergebnis. Kreise bzw. Provinzen Opposition Koalition Vergleichsziffer Landtagswahl 7.12.24 Ja Vergleichs» Ziffer Landtagswahl 7. 12. 24 Nein Kreis Darmstadt .................. 36 124 29 320 42 596 27 860 „ Bensheim................... 11 678 9 310 18 686 9 618 „ Dieburg.................... 12 499 9 631 17 227 9 984 „ Erbach.................... 10 075 8 013 10 594 6 530 Groß-Gcrau.................. 11 451 10 588 19 249 10 097 „ -Heppenheim.................. 6 391 3 748 14 829 6711 „ Offenbach a. M................. 31 300 24 755 57 556 35 816 Provinz Starkenburg................. 119 518 95 365 180 737 106 516 Kreis Gießen.................... 24 759 18 498 21 622 14 643 .. Alsfeld.................... 10 571 7 781 4 861 2 980 Büdingen................... 10 984 8 246 6 872 3 432 „ Friedberg................... 19 124 15 460 24 194 16 858 „ Lauterbach.................. 8 803 6 335 4 190 1 823 „ Schotten................... 8 680 6 928 3 272 1 757 Provinz Oberhessen................. 82 821 63 248 65 011 41 493 Kreis Mainz.................... 13 377 12 965 58 984 33 491 „ Alzey..................... 6 000 4 820 12 386 6 744 Bingen.................... 4 160 4 079 15 517 6 393 „ Oppenheim.................. 6 850 5 980 14 502 7 379 „ Worms.................... 18 613 16 007 26 656 17 110 Provinz Rheinhessen.................. 49 000 43 851 1£8 045 71 117 Hessen Gesamt................... 251 339 202 657 373 793 219 453 Tie Dergleichszahlen find bet vorigen Landtagswahl vom Z. Dezember 1924 entnommen. Unter der Rubrik ^Koalition" („Rein") sind die gegenwärtigen Regierungsparteien (Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum), unter der Rubrik „'Opposition" („3a“) alle übrigen Parteien deS Landtags, einschließlich der Kommunisten, die ja erklärt haben, für die Auflösung zu stimmen, zusammengefaßt. Die Zahl der Stimmberechtigten betrug bei der Landtagswahl am 7. Dezember 1924 nach der amtlichen Feststellung 846 196 Personen, die Wahlbeteiligung bezifferte sich auf 67 Prozent. Die Genfer Ratstagung. Die PariserVorkonserenz In der französischen Hauptstadt haben sich die Minister des Auswärtigen von England, Frantreich, Belgien und Polen ein Stelldichein gegeben, um die Fragen zu besprechen, die in Genf auf der Ratstagung die Hauptrolle spielen werden. Tie Meldungen der Pariser und Londoner Presse gehen über das Ergebnis dieser Aussprachen, namentlich über die zwischen Eham- berlain auf der einen, Briand und Poincars auf der anderen weite, sehr stark auseinander. Geflissentlich wird betont, daß stets die größte Herzlichkeit an den Tag gelegt worden sei. aber während die einen darüber hinaus von völliger Einmutigke.it der Auffassungen sprec^n, lassen die anderen deutlich durchblickrn, daß nach wie vor große MeinungSverfchieden- Heiken vorhanden sind. Die Krone seht allem unser polnischer Freund Zaleski auf, der mit echt polnischer Unverfrorenheit erHärte, er be- glückwünschte sich zu der glücklichen Wendung, die die deutsch-polnischen Handelsvertragsver- banMungen genommen hätten — welche Wendung darin besteht, daß der polnische Delegations- führer seit einigen Wochen in Warschau wellt und nichts von sich hat hören lassen. Es kann wohl keinem Zweifel unterlegen, daß Briand und Chamberlain nicht zu einer vorherigen Einigung über die beiden wichtigsten Fragen gelangt sind, die zur Zeit erledigt werden müssen, über die Militärkontroll- und über die Jnvestigationsfrage. Dieses negative Ergebnis läßt zwar nicht allzuviel von den Verhandlungen in Gens erbosten, hat aber für uns immerhin wenigstens den Dortell, daß wir unter diesen llmständen nicht von vornherein einer geschlossenen Front enuoecstehen. Es muh überhaupt in Deutschland höchst eigenartig berühren, wenn sich die maßgebenden Minister der anderen Ratsmächte vorher am dritten Ort treffen und zu verabreden versuchen, welche Stellung sie zu den deutschen Forderungen einnehmen wollen. Das ist ein sehr gefährliches Beginnen, denn es schließt ein wirkliches Verhandeln unter Gleichberechtigten aus und läßt Deutschland, wenn auch in höflicher Form, wieder einmal in der Rolle des Außenstehenden erscheinen, dem man bestimmte Beschlüsse a l s Diktat mitte 111, wie anno dazumal in Versailles, Spa und London. Daß sich Deutschland eine derartige Behandlung unter keinen llmständen gefallen lassen dürfte, liegt klar auf der Hand. Heber die Folgen eines solchen Beginnens müßten sich die Herrschaften, die jetzt in Paris zu palavern versucht habem vollkommen ttar sein. Cs gibt auch npch andere Leute in der Welt, mit denen man sich verständigen Tonnte. Deutschland hat wirtschaftlich unb politisch seine alte Stellung zwischen West unb Ost wiedergewonnen, und es ist vielleicht kein bloßer Zufall, daß sich Herr Tschitscherin mit Minister Dr. ötrefemann unmittelbar vor dessen Abreise nach Genf eingehend über die politische Lage ausgesprochen hat. Man versteht eigentlich nicht recht, zu welchem Zweck die große Ministerzusammenkunft in Paris stattgefunden hat und warum sie offenbar ergebnislos verlausen ist, denn die Militärkon- troll- und die Jnvestigationsfrage liegen wahrhaftig einfach genug. Es muh in der ganzen Welt einen Eindruck machen, wenn man sich darüber herumstreitet, ob die Militärkontrollkommission, deren Arbeit erledigt ist, am 1. Januar, am 1. Marz oder am 1. April abberufen werden soll. Sie hätte längst abberufen worden sein — das ist des Pudels Kern. Run wird sogar zu allem lleberfluh noch gemeldet, man hätte einige neue Beanstandungen entdeckt, die als Vorwand für die Verlängerung der Kontrolle dienen könnten. Freilich wird das schleunigst wieder dementiert, und die Blamage wird dadurch noch viel größer. Heber die sogeg. Restforderungen, die sich im wesentlichen um Kleinigkeiten drehen, könnte man sich bei allseitigem gu'en Willen binnen wenigen Tagen verständigen, und gerade zu diesem Zweck ist General v. Pärn e l s, der deutsche Sachverständig« hierfür, nach Paris gereift. Was soll also die Mlliiärkontroll- wmmission noch länger in Berlin sitzen? Aednlich steht es mit der Investigation s s ra g e. Mit einer Hartnäckigkeit, die einer besseren Sache würdig ist, und mit e;ner Aengstlichkeit, die für einen Mann mit gesundem Menschenverstand unbegreiflich ist, llammern lich die Franzosen an die Forderung, daß zwischen Aus hören der Militärkontrolle und Beginn der Investigationen durch den Völkerbund keine Pause entstehen dürfe. Wenn man diese sogenannten Investigationen so auffaßt, wie sie im Völkerbundsstatut ursprünglich von unseren damaligen Feinden gedacht gewesen sind, bann ist eine solche Pause ganz selbstverständlich, denn eine Investigation soll nur von Fall z u Fall ein treten. Mit anderen Worten, die Militärkontrolle hört in dem Augenblick aus. in dem vom Völkerbund sestgestellt wird, daß die Entwaffnung Deutschlands vollzogen ist. Koiwnt dann später irgendwie ein Fall zur Sprache, der eine angebliche Verletzung des Abrüstungs- zustandes bedeutet, dann tritt eine Investigation, allo Untersuchung durch eine ad hoc vom Völkerbunds rat entsandte Kommission ein, "Die über das Ergebnis zu berichten hat. Das ist einfach, klar und logisch. Wenn man statt dessen durch allerlei Winkelzüge bestrebt ist, die Militärkontrolle in der Form einer Jnvestigattonskom- mission zu verewigen, bann handelt man unaufrichtig, dem Sinn und Geist von Locarno und Thoiry zuwider. Augenblicklich sehen to.r den kommenden Verhandlungen in Genf nicht gevade mit großen Erwartungen entgegen. Die Vorzeichen jedenfalls sind alles andere als günstig. Aber wir wollen in Ruhe abwarten, was sich entwickeln wird und int entscheidenden Augenblick die Folgerungen ziehen. Entweder führt der Weg weiter über Locarno und Thoiry zur Verständigung oder er wendet sich nach rückwärts. Wenn letzterer Fall eintritt, ist eS sicherlich nicht unsere Schuld. Erste Fühlungnahme in Gens. Stresemann bei Chamberlain und Briand. Gens. 6. Dej. (WB.) 3m Laufe des Sonntage sand die erste Fühlungnahme zwischen einzelnen Mitgliedern der nunmehr vollzählig anwesenden Delegationen der vierzehn Ratsstaaten statt, von denen sieben, nämlich Deutschland, England, Frankreich, Belgien, Holland, Tschechoslowakei und polen, durch ihre Minister des Auswärtigen vertreten sind. Rach einer längeren Unterredung zwischen Bänder- oelde und Lhamberloin hatte nachmittags Reichsminister Dr. 5 trefem an n beim Tee mit Briand eine anderthalbstündiae Besprechung Jladj 6 Uhr abends begab sich Strefemann zu Chamberlain, mit dem er zwei Stunden einen Gedankenaustausch pflegte. Ueber die Gesichtspunkte, die bei diesen Unterredungen eine Ralle spielten, bewahren die Staatsmänner vollkommenes Sttllschweigen. Immerhin ließ Briand bei einem presseempfang erkennen, daß nach feiner Auffassung für die Frage der interalliierten Kontrolle in Deutschland die morgen in parts wieder zusammentretende Bot- schafterkonferenz zuständig sei. Eine Berfa i n bu n g der Frage der interalliierten Wilitär- fonfrolle mit dem vom Bölkerbundsrat Im September 1924 genehmigten, aber von Deutschland inzwischen unter Berufung auf Artikel 213 des BerfaiUer Betlrageg angefochtenen Znvestigationsvi-o- gramm scheine dem französifchen Minister kes Aus. wärtigen im Rahmen der Tagesordnung der morgen beginnenden Ratstagung nicht nur möglich, sondern erwünscht. Gr glaube, daß eine llebereinfunft über diese beiden Punkte bei beiderseitigem gutem Willen möglid) wäre. Bon deutscher Seite wird daraus hingewiesen werden, daß es von größter Bedeutung war, zunächst feslzustellen, wie weit die Bariser Borkonseren; tatsächlich eine FronlderalliiertenAußen- m i n i ft e r ergeben hat, und in welcher Richtung nunmehr die Absichten der Alliierten in bezug auf die Aufhebung der Rlltttärkontrolle sowie die Durchführung des 3nvesiigationsprogrammes verlaufen. Die Berhandlungen am gestrigen Sonntag bildeten nur den Auftakt zu weiteren fortlaufenden Beratungen, zu denen in den nächsten Tagen au-reichend Gelegenheit fein dürfte, da die offiziellen Sifpmocn des BolFerbunbes in den nächsten Tagen nur roei-ig Zeit in Anspruch nehmen werden. 3n untcrridjtelen Kreisen wird der am heutigen Wontag in Paris zu- fommentrelenben B o t f dj a f t e r konserenz große Bedeutung beigelegt. Ls verlautet nunmehr, daß von alliierter Seit- die Aushebung der interalliierten Kontrollkommission zu einem gewissen Zeitpunkt erwogen werde, und dann das 3nvefliqafion?fnf(em des Bel'erbundsrates in feiner gegenwärtigen Form möglichst unbeschränkt sofort in Kraft sehen zu können. Optimismus in England. London, 5. Dez. (XH.) Am Vorabend der Genfer Ratstagung beurteilt man in London die Aussichten für eine Einigung in der deutschen Abrüstungs- und Kontrollfrage verhältnismäßig opttmistisch. Der relative Ovtimismus stützt sich allerdings weniger auf positive Ereignisse als auf die Tleberzeugung, daß man in Genf in gemeinsamer Aussprache der Hauptbeteiligten schließlich au einer Lösung gelangen wird, die für Deutschland tragbar ist. Die D e r e ch t i ' g u n g des deutschen Standpunkt - wird ziemlich freimütig anerkannt und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß schließlich auch Frankreich dem englischen Beispiel folgen werde. Der „O b s e r v e r“ hält es in einer beachtenswerten Betrachtung über die bevorstehende Ratstagung für ausges«Zossen, daß von irgendeiner Seite der Versuch gemacht werden sollte. Deutschland eine ständige Kontrolle für die Ab- rüstung aufzuzwingen. Stresemann werde seine Zustimmung hierzu nicht geben können, Chamberlain könne sie nicht zugeben und Briand auch nicht, wenn er nicht Locarno und Thorrh in die Brüche gehen lassen wolle. Lind Poin- carä habe inzwischen zweifellos erkannt, daß das unmöglich sei. Lui jeden Fall aber respektiere er Verträge. Wenn es immer noch eine offene Frage sein sollte, ob die Bestimmungen des Art. 213 des Friedensvertrages in Einklang gebracht werden könnten mit • einer ständigen Kontrolle in Deutschland, dann solle das Haager Schiedsgericht entscheiden. Kein ter- nünftiger Mensch könne daran zweifeln, wie das Urteil ausfallen werde. Deutschlands Reparationsleistungen. Der Bericht Parker Gilberts über das zweite Dawesjahr. Berlin. 5. Dez. (WTB.) In feinem Bericht über die RrparatwnHahluiigen im zweiten Planjahr erklärte der Deneralagmt. daß Deutschland pünktlich gezahlt und zur seichteren Abwicklung der Zahlungen erheblich beigetragen hat. Während die Zahlungen des ersten Planjahres zu vier Fünfteln durch die auswärtige Anleihe finanziert wurde, hat Deutschland im zweiten Planjahr den Gesamtbetrag von 1220 Millionen Goldmark allein aufgebracht. Die Aufstellung ebenmäßiger Programme für die Leistung von Zahlungen im dritten Jahre ist damit gewährleistet. Die Deutsche Reichsbahn gesellschaft und die deutsche Industrie haben ihre Verpflichtungen prompt erfüllt. Unter Hinweis auf das Gle chgewicht im Haushalt, dir Produktivität des neuen Steuerprogramms und die Wohl gewahrte S a- bisität der butschen Währung betont der Gene- rcüagrnt besonders die Stärkung des inländischen Kapitalmarktes und das Anwachsen der Spartätigkeit. Auswärtige Anleihen seien jedoch in der letzten Zeit fast z u r e i ch l i ch nach Deutschland geflossen. Der Generalagent hebt dann noch die verhältnismäßig günstige Entwicklung des deutschen Außenhandels hervor, der in dem am 31. Oktober 1923 abgeschlossenen Jahr einen ülcbrrschutz von 216 Millionen ergeben hat. Die deutsch-englischen Jndustriellen-Sesprechungen. London, 4. Drz. (Reuter.) Die Besprechungen zwischen Vertretern der deutschen und der englischen Industrie sind heute zu Ende gegangen. Beide Teile haben ihre große Befriedigung über die erzielten Fortschritte und über die großen Zukunftsmöglichkriten zum Ausdruck gebracht, die sich für eine Zusammenarbeit der Industriellen beider Länder bieten. Em Com- munique, das von Sir Max Muspratt und Geheimrat Duisberg gemeinschaftlich unterzeichnet ist, stellt fest, daß im Verlaufe der Besprechungen die Frage internationaler Kartelle und Syndikate nicht erörtert worden ist und noch viel weniger irgendwelche Anregungen für ein gemeinschaftliches Vorgehen der deutschen und der englischen Industrie gegen die Industrie anderer Länder. Die Vertreter der beiden industriellen Organisationen würden einen derartigen Schritt nicht nur für einen Verstoß gegen die guten Sitten, sondern auch für die unglaublichste Torheit halten. Deutschland weift den polnischen Protest zurück. Die Wahlen in Ostoberschlesien. Berlin, 4. Dez. (Wolff.) Auf die dem Auswärtigen Amt von dem hiesigen polnischen, Gesandten überreichte Note vom 30. November, tn der gegen die Erklärungen der Regierungsparteien des Reichstages vom 23. November zu den Gemeindewahlen in Polnijch'Oberschlesien Protest eingelegt wurde, hat das Auswärtige Amt unter dem 3. Dezember dem polnischen Gesandten eine Antwortnote zugehen lassen, in der dieser Protest als nicht berechtigt bezeichnet und weiter aus- gesührt wird: „Die beanstandete Erklärung hat das Verhalten der deutschen Minderhei- i e n in jenem Gebiet bei den Gemeindewahlen zum Gegenstand. Es liegt auf der Hand, daß diese Wahlen für das Sckicksal der deutschen Mmber- heiten von großer Bedeutung sind. Es handelt sich somit um eine Angelegenheit, a n der Deutschland ein durchaus legitimes Interesse hat. Das ergibt sich schon aus der bloßen Tatsache, daß die Rechte der Minderheiten in Ob er schießen Gegenstand eines deutsch-polnischen Vertrages sind, nämlich des Genfer Abkommens über Oberschlesien vom 15. Mai 1922. Unter diesen Umständen kann nach Ansicht der deutschen Regierung nicht die Rede davon sein, daß die Erklärungen des Reichstogs- aboeordneten Emminger eine unzulässige Einmischung in innere polnische Angelegenheiten darstellen. Die Erklärungen überschreiten auch in ihren Einzelheiten keineswegs den Rahmen, in dem außenpolitische Angelegenheiten dieser Art in den Parlamenten aller Länder behandelt zu werden pflegen. Wenn Sie in Ihrem Schreiben schließlich noch hervorheben, daß derartige Erklärungen die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen zu stören geeignet seien, so mühte ich demgegenüber doch betonen, daß die Gestaltung dieser Beziehungen, soweit dabei Oberschlesien in Betracht kommt, in er ft er Linie von der genauen Innehaltung des erwähnten Genfer Abkommens abhängt. Ich darf in diesem Zusammenhang auf die vielfachen Klagen der deutschen Minderheiten in Polnisch-Oberschlesien Hinweisen und Ihre Aufmerksamkeit insbesondere auf die deutschfeindliche Kundgebung in Kattowitz vom 28. November lenken, an der sich sogar der polnische Innenminister und der schlesische Wojwode beteiligt haben. „Lager Großpolens." Eine faszistische Organisation der polnischen Rechten. Warschau. 4. Dez. (WB.) Die Arbeiten des Führers der polnischen Rechten. Qlonunt Dnowski, an der Schaffung einer neuen, alle nationalen Elemente des Landes umfassenden volltischen Gruppierung schreiten vorwärts. Heule vormittag begann in Posen ein von Dnowsti einberufener, mit 300 Personen beschickter Kongreß. auf dem die Gründung der 1 neuen politischen Organisation die den I Rainen „Cager G r oh polens" führt, vollzogen wurde. Wie von den Einberufenen des Kongresses ausdrücklich versichert wird, ist das „Lager Gcohpolens" keine Organisation im parlamentarischen Sinne des Wortes, sondern es beruht auf der Vereinigung streng disziplinierter Kräfte. Das Hauptziel der Gruppierung sei. die Vereinigung aller nationaler Kräfte in einem großen Lager um die polnische Ration zu organisieren Als Mitglieder des Obersten Rates fungieren u. a. neben Dnowski der bekannte nationalbenwfra- tische und frühere Finanzminister Abg. Plu- c z i n s k i. der frühere Generalstabsches General Stanislaus Haller, der ehemalige Wojwode von Wolhymen Dembfki u. a. Dnowsll eröffnet den Kongreß mit einer Rede, in der er u. a. aus führte: der heutige Stand der politischen Organisation des politischen Lebens entspreche nicht mehr den Btdürfutssen des Tages. Die neue Organisation werde sich zu Beginn ihres Bestehens mit den laufenden Fragen der Politik nicht beschäftigen. Sie würde ihre ganzen Kräfte der organisatorischen Arbeit widmen und ihre Reihen derartig schulen, dah sie fähig seien, dem großen Ziele, das allen vor Augen stehe, zu dienen. Der Unterschied gegenüber anderer politischen Organisationen bestünde vor allem in dem unbedingten Grundsatz der Hierarchie, dec Manneszucht und der persönlichen Verantwortung. Hierauf wurde eine lange programmatische Erklärung verlesen, in der das Ziel der Organisation festgesetzt wird, die polnische Ration und den großpolnischen Staat mächtig zu machen. Dies könne nur geschehen durch enge Verknüpfung mit der römisch-katholischen Religion, mit dem Staate und durch Bekämpfung von allem, was die Ration zersetzen, schwächen oder erniedrigen kann. Der Reichskanzler für öen mnerpoiichchen Ausgleich Eine Rede vor dem Verein Berliner Presse. Berlin, 5. Dez. (WB.) Vor dem Verein Berliner Presse hielt heute Reichskanzler Dr. Marx eine Rede, in der er an die Worte erinnerte, die er an der gleichen Stelle vor etwa drei Jahren gesprochen hatte, überaus schwere und ernste Worte mit einem Ausblick auf eine ernste Zukunft des deutschen Volkes mit großen Anforderungen an seinen Opfersinn, Pflichterfüllung und Vaterlandsliebe. Der Reichskanzler gedachte des damals amtierenden e r ft e n Reichspräsidenten Friedrich Ebert, dessen edle und starke Persönlichkeit immer mehr erkannt werde, je mehr wir ooranschritten. Das deutsche Volk sei inzwischen vorangekommen, nicht allein infolge der Weisheit und Energie der Reichsregierung-, das ganze Volk habe hier mit- gewirkt. Das Hauptmoment am Vorwärtskommen ei bie konsequent fortgesetzte Linie der Außenpolitik. Der Kanzler sprach den Wunsch aus, daß es Dr. Stresemann vergönnt ein möge, weiter glückliche Schritte auf dem Wege der Verständiguna mit den anderen Staaten zu erreichen. Der Reichskanzler fuhr fort: „Wir sind in den nächsten Tagen mit ganzem Herzen und ganzer Aufmerksamkeit bei den Verhandlungen in Genf. Wir sind zur Verständigung feit langen Jahren bereit gewesen. Mr erwarten aber auch nunmehr von der Gegenseite, daß man sich endlich auch dort der Einsicht nicht verschließt, daß eine dauernde Besetzung weiter Gegenden unseres Vaterlandes nicht dazu beitragen kann, das Verhältnis zwischen Deutschland und seinen ehemaligen Gegnern weiter zu kräftigen und zu festigen. Fremde Botschafter und Gesandte, so erklärte der Kanzler, hätten das Verhalten des deutschen Volkes während der schweren letzten Jahre und gegenüber harten Regierungsmaßnahmen wiederholl mit den Worten höchster Anerkennung gerühmt. Er dankte dem ganzen deutschen Volke in allen seinen Schichten für die großen Opfer. Besonderen Dank richtete er an den Reichspräsidenten von Hinden- bürg, der nach tatenreichem Leben in hohem Alter keinen Augenblick gezaudert habe, dem Ruf zu folgen, der ihm neue schwere Pflichten auferlegte. Der Redner erinnerte daran, daß er einmal sehr ernsthaft den Gedanken einer Notgemeinschaft d e s deutschen Volkes erwogen habe. In dieser Beziehung sei. die Arbeitsgemeinschaft im Reichsverband der Deutschen Presse geradezu vorbildlich. Sollte, sagte der Kanzler, das deutsche Volk nicht diesem Beispiel folgen, sollten wir im deutschen Volke uns nicht einmal zusammenschließen können, und noch dazu jetzt in einer so schweren Zeit, in der der Zusammenschluß aller Kräfte erforderlich ist; sollten wir nicht alles, was uns trennt, zurückstellen und den Austrag von Meinungsver- schiedekcheiten auf spätere Zeiten verschieben können? Die KoaMionspolttik der DeutschenDolksparLei Eine Rede des Fraktionsvorsitzenden Dr. Lcholz. Insterburg, 6. Dez. ($11.) Auf einer Konferenz der Kreisvereins- und Ortsgruppenvorsitzenden der Deutschen Dollspartei sprach der Vor fitzende der Reichstagsfraktion. Dr. Scholz, über die Außen- und Innenpolitik der Deutschen Vollspartei und ihre Stellung zu den anderen Parteien. Dr. Scholz führte u. a. aus: Die heutige Regierung ist ebenso wie das Kabinett Luther verfassungsmäßig als neutrales Kabinett der Mitte festgelegt und muß daher jeweils die Mehrheit suchen, wo sie sie findet. Bei einer Regierungserweiterung tarnt nur die Frage entscheiden, welche Koalition eine längere Dauer verbürgt. Die innere Heber» einstimmung zwischen den Deuts chna tio- nalen und den bürgerlichen Parteien der Mitte ist entschieden größer als mit den Sozialdemokraten. Sollte die große Koalitton wirklich zustande kommen, so wäre es ein Gebilde von Wochen, keine dauernde Regierung. Wan muß daber nach der anderen. Seite gehen und hoffen, daß die Deutschnationalen sich zu praktischer Mitarbeit zurückfinden werden. Die Sozialdemokratie muß den Kampf gegen die kapitalistische Weltanschauung ausgeben, bevor man nut ihr paktieren kann. Sie muß einsehen lernen, daß die beste Sozialpolttik die Blüte der Wirtschaft ist. Das Ziel der Deutschen Dolls- partei bleibt nach wie vor die Zusammenfassung sämtlicher bürgerlicher Parteien. Der Dortmunder Zchulstreil. Kultusminister Beckers Erklärung im Landtag. Berlin. 4. Dez. (DDZ.) Im preußischen Landtag fanb die Besprechung größerer Anragen der Deuischnationalen und der Deutschen Dolkspartei statt, die sich gegen die Hebertrag ung der Schulaufsichr über alle nicht katholischen Schulen des Schulaufs.chtsbe- zirkes Dortmund - Land I an einen difsi- dentistischen Schulrat wenden. Abg. Meyer-Herford (D.Vp.): Im Mittelpunkt der Beschwerden steht die Tatsache, daß ein Dissident zum Kre.sschulrat für Dortmund ernannt worden ist. Die endgültige Ernennung durch Minister Becker ist erfolgt, trotzdem der evangelische Oberkirchenrat als der berechtigte Hüter der evangelischen Interessen mehrfach den Minister ersuchte, Risch alle nicht mehr als Schulrat in Dartenstern zu verwenden. Der Ober- kirchenrat hat Rischalle auch für andere evangelische Schulen als völlig unbrauchbar bezeichnet. Der Minister hat R.schalle zunächst nach Hamborn gesandt, wv ihm evangellsche und katholische Schulen unterstellt waren. Hier genügte aber ein einfacher Einspruch, daß _ der Minister ihn sofort abberief. (Hört! Hört!) Don dort ist er nach Dortmund versetzt worden, um als Dissident re i n evangelischen Schulen vorzustehen. Das muhte als ungleiche Dehandllrng, als Imparität _ und intolerant empfunden werden. (Hört! Hört!) vier Fünftel der Dortmunder in den Aufsichtsbezirk fallenden Schulen stad evangelische Be- kenntnisschulen. nur ein Fünftel sind weltlich. Der Beschluß des Landtages alxr verlangte, „bei der Auswahl der KrriZschulräte und Schul- aussichtsbeamten mehr als bisher auf die Anschauungen und den Willen der Bevölkerung Rücksicht zu nehmen und Mißgriffe in dieser Hinsicht zu beseitigen." Eingaben, Deputationen, Bitten, Die Ernennung rückgängig zu machen, halfen nichts. Der Minister empfing sogar n.e- manden. In Westfalen ist die Religion heillg. Jetzt streiken zwei Drittel aller Schulen, und es wären noch mehr, wenn nicht auf Lehrer, Beamte usw. ein Druck ausgeübt würde. Auch dir katholische Elternschaft hat ihre Sympathie zum Ausdruck gebracht. Richt Kraftproben, sondern Verständigung ist das Gebot wahrhaft staatsmännischer Weisheit." Der Redner schließt mit der Aufforderung an den Minister: „Im Ramcn der schwer bedrängten evangelischen Bevölkerung reiche ich Ihnen die Hand zum Friedensschluh. Geben Sie nach; rufen Sie den Schulrat Rischalke sofort ab, richten Sie für ihn auf andere Weise einen vorübergehenden Bezirk ein und geben Sie den evangelischen Schülern einen evangelischen Schulrat wie den lathvlischen Schulen einen katholischen." Abg. Oelze (Dn.) begründet dir deutsch- Nationale Interpellation. Kultusminister Dr. Becker: Schulrat Rischalke ist int Jahre 1924 von meinem Herrn Amtsvorgänger mit der Verwaltung des rein evangelischen Kreises Barten- st e i n (Ostpreußen) beauftragt worden, ohne daß Ne Deutsche Dollspartei damals irgendwelchen Einspruch erhoben hätte. (Hört, hört! links.) Alsbald nach seinem Eintritt setzte ein überaus heftiger Kampf der Kirche gegen ihn ein, und der evangelische Oberkirchenrat hat mehrfach um die Abberufung Rischalkes ersucht, obwohl von keiner Stelle irgendwelche Tatsachen aus der Amtsführung Rischalkes zu meiner Kenntnis gebracht worden sind, die ihn für den Schul- aufsichtsdienst ungeeignet erscheinen lassen. Trotz dieser Sachlage habe ich geglaubt, in besonderem Entgegenkommen gegen evangelische Belange dem Wünsch des evangelischen Oberkirchenrats entsprechen zu sollen und Rischalke aus einem rem evangelischen in einen gemischt evangelischen Kreis zu versetzen. In Dortmund Land sind von rund 8000 Schulkindern etwa 1740 in weltlichen Sammelklasfen. Ferner sind von den vier Schulräten des Landkreises Dortmund jetzt zwei Katholiken, ein Evangelischer, der als Vertreter der Vekermttnsschule anzusehen fein wird, und Rifchalke. Es ist somit jede Dichtmtg vertreten, und Mit Rücksicht auf die gemischte konfessionelle Lage unserer Bevölkerung mutz alles geschehen, um die Schulaufsichtsbeamten aus der religiösen Sphäre herauszuhallen. Durch die Kreise des Westens geht der Gedanke, als ob die jetzige Regierung, vor allem der derzeitige Kultusminister, eine im wesentlichen katho- lisierende Tendenz verfolge. (Sehr wahr, rechts.) Ich nenne mich mit Stolz Dr. der evangelischen Theologie. Ob der preußische Kultusminister aber evangelisch oder katholisch ist, das fonnrit verfassungsrechtlich gar nicht In Frage. Wie keiner mehret Vorgänger, so bin auch ich nicht in der Lage, zu verhandeln, solange der Streik andauert. Eine Versetzung Rischalkes, wie es gewünscht wird, kann nicht in Frage kommen. Der Friedensschluh kann nicht darin bestehen, daß ich die Gesetze verletze. Von der Eltern wird das Recht auf konfessionelle Schulaufsicht verlangt. Das ist jetzt unmöglich. Wirken Sie auf Ihre Parteifreunde im Reichstage ein, daß wir recht bald zur Vorlage und zur Verabschiedung des Reichsschul- ge'etzes kommen, damit dieser unerquickliche Zustand aufhört, und wir wieder zu einem religiösen Leben in der Schule kommen. Grzejinchi entschuldigt sich Der Preußische Innenminister zu den Haussuchungen bei westdeutschen Industriellen. Berlin, 4. Dez. (BDZ.) Der Snneit- minister Gtzesinski gab im Landtag folgende Erklä rung ab: Im .^rühzahr dteles Jahres haben bei einer Reihe von Wirtschasts- führern Durchs uchungen stattgcfunden.Man hat wiederholt der lleberzeugung Ausdruck gegeben, ixlß die Durchsuchungen eine genügende Unterlage nicht hatten. Ich habz am 6. Ro° vember bereits beklagt, dah durch gewisse Maß- nahmen auch prominente Personen in Mitleidenschaft gezogen worden find. Ich habe mich inzwifchen beim Herrn Ober- reichz anwalt nach dem Stande der An- gelegenbeit erkundigt. Der Herr Oberreichs. anttKÜt hat mir mitgeteilt, daß er auf Grund her bei den Durchsuchungen am 11. und 12. Mai 1926 gefundenen Beweisstücke ein Ermittlungsverfahren lediglich gegen den Iustiz- tai Clah eingeleitet habe. (Hört, hört! bei den Kommunisten.) Rach der zur damaligen Zeit j gegebenen Sachlage ist den Behörden unb Personen, welche Durchsuchungen für notwendig hielten. und den beteiligten Polizeibeamlen. die Durchsuchungen in weitem Umfange not genommen haben, wegen dieses Vergehens ein Vorwurf auch heute nicht zu machen. Cs ist besonders mfofern einwandfrei gehandelt worden, als die nach fristgemäßem Ermessen Dorcnwmmenen Durchsuchungen ohne Ansehen der Person durch- gelührt wurden. Auf der anderen Seite sehe ich nicht ein, den Männern, die keinerlei staatsgefährliche Pläne verfolgt haben, mein Bedauern ausdrücklich auszu sprechen, (Gelächter bei den Kommunisten) dah sie durch politische Maßnahmen, die durch die öffentliche Ruhe, Sicherheit unb Ordnung als notwendig veranlaßt worden waren, in Mitleidenschaft gezogen worden find. Austritt Theodor Wölfls aus der Demokratischen Partei? Berlin, 6. Dez. (WTB. Funkspruch.) Die die Blätter melden, ist Theodor Wolff, der Chef- rebatteur des Berliner Tageblatts, aus der Demokratischen Partei wegen ihres Derhaltens in Sachen des Gesetzes gegenSchmutzundSchund ausgetreten. Laut „Montagspost" betonte Theodor Wolff, daß dieser Schritt weder an seiner demokratischen Grundauf- assung noch an der Richtung des Berliner Tageblatts etwas ändere. Kunst und Wissenschaft. Der Maler Monet gestortz^u. Paris, 6. Dez. (WTB. Funkspruch.) Der bekannte französische Maler Monel ist gestern im Alter von 86 Jahren gestorben. Claude Monet wurde am 14. November 1840 in Paris geboren, wuchs aber in Le Havre auf, wo er seinen Lehrer Doudin kennenlernte. Bereit» als Sechzehnjähriger stellte er seine ersten Bilder aus. Bei einer späteren Ausstellung (zusammen mit Renoir und Sisley) wurde Eouroet auf ihn auf. merksam; andere Bilder wurden abgelehnt, es hat ihm aber weniger geschadet, als genützt, da sich alsbald auch Zola für ihn, wie zuvor für Manet, einsetzte. Auf einer England reise empfing er nachhaltige Eindrücke von Turner; nach der Rückkehr schloß er sich mit Pissaro, Renoir, Manet, Degas u. a. zu einer blonderen „Gruppe" zusammen, bie alsbald (nach Monets Bild „Impression") als Impresfionisten bezeichnet wurden, die sich anfänglichen Widerständen zum Trotz auch durchsetzten; Monet darf — nicht nur um dieses Bildes willen, dos den Namen her- gab —- als einer der Väter des Impressionismus bezeichnet werden. In feiner Malerei bevorzugte Monet die Landschaft, von der er, vor allem durch eine in feiner Sehweife gewandelte Auffassung unb j differenzierte Wiedergabe des Atmosphärischen, ein völlig neues künstlerisches Bild vermittelte. Es würde hier zu weit führen, den umfassenden Ein- 1 jlüfsen Monets unb feines Streifes auch nur andeu- tungsweife nachzugehen. Das labafforfdjungsinftihif in Karlsruhe. Unter bem Vorsitz bes Staatssekretärs Hoff- I mgnn vom Reichsemährungsministerium hat bie | erste Sitzung des Kuratoriums des Tabaks or- s ch u n g s i n st i t u t s für dos Deutsche Reich statt- gefunden. Zugegen waren auch Vertreter der Re- i gierungen von Preußen. Bayern und Sa- Öen. Die vom Reichsemährungsministerium vorge I legten Satzungen wurden angenommen und zwei I Bauentwürfe zur engeren Wahl bestimmt. Die f Badische Landwirtschastskammer stellt den Bauplatz ] und das notwendige Versuchsgelände zur Verfügung, , während die Baukosten und die Einrichtung aus Reichsmitteln und durch namhafte Zuschüsse der badi- schen Regierung ausgebracht werden. Mit dem Bau soll im Frühjahr 1927 begonnen werden. Aus aller Welt. Schneefälle in Süddeutfchland. Sie Schneefälle im Schwarzwald haben bis Sonntag früh angehalten. Die Schneehöhe beträgt jetzt über einen halben Meter. Auch in der Rheinebene hat es In der Rächt | zum Sonntag geschneit. Desgleichen werden von | Den Vogesen starke Schneefälle gemeldet. In > Garmisch-Partenkirchen hat der Schneefall, der ] in der Rächt zum Sonntag einsetzte, den ganzen | Tag über in verstärktem Maße angehalten. Im Tal liegt der Schnee einen halben Meter hoch. Raubüberfall. Samstag nachmittag wurde die in ihrem Land» Haus in der Kolonie Seefeld bei Berlin allein wohnende Frau M a u r i f d) a t mit schweren Derlei, zungen ausgefunden. Verdächtig ist ein Mann, der am Ireitagvormittag bei der Frau erschien und angab, Abonnenten für einen Familienkalender zu ] werben. Der Täter ist wahrscheinlich ein Russe. Er 11 hat Frau Marischat mit einer Flasche mehrmals | über den Kopf geschlagen und ihr schwere Verletzungen beigebrach!. Dann durchwühlte er bie ganze Wohnung und stahl aus einer Kommobe einen Zehnmarkschein. Ein Branbffifler verhaftet. In Iungferndorf In der Tschechoslowakei würbe ein 37 Jahre alter Arbeitsloser auS Domsdorf verhaftet, als er einen von ihm selbst gelegten Brand wieder löschen wollte. Er hat eingestanden, seit 1923 überall in Deutsch- V land und der Tschechoslowakei, wo er , betteüid umherzog, Scheuern und Schober L in Brand «jeftedt zu haben. Im ganzen | werden ihm nicht weniger als zwölf bis fünf- I zehn Brandstiftungen zur Last gelegt. Lharley Chaplin als Ehemann. Wie aus Los Angeles gemeldet wird, will | sich bie junge Gattin Eharley Chaplins mit der | Begründung scheiden lassen, daß chr Gatte ] sich ihr gegenüber brutal benehme. Einzelheiten I sind noch nicht bekannt mit Ausnahme eines I ; Falles, wo Chaplin gute Freunde feiner Frau, die bei ihr zu Gaste waren, schwer beleidigt haben folL Chaplin seihst erklärt dazu, er habe sich dagegen gewehrt, sein HauS zum Schauplatz eines Zechgelages zu machen. Die junge Frau des berühmten Filmfchauspielers will in der Scheidungsllage eine Abfindungssumme! : von zwei Millionen Dollar und außer- I ■ bem verlangen, daß sie die beiden Kinder^ aus ihrer Ehe mit Chaplin zugesprochen erhält. I $£-ttcrvoraussage. Vorübergehend etwas milder und vereinzelt I leichte Riederichlage, im ganzen wenig Aende- $ rung des meist wolkigen durchweg trockenen Wet- , ters bei leichtem Rachtfrost. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 22, Minimum minus 2,8 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: minuS 0,6 Grad CelsiuS. del i vvAAten KJ 8nd-rv für unE Kn litmt PW Imi hl>r Tiama, «ÖUfl G 3 lur 5 Dcnn du ar der eine nur Ä-ase •« an- J (Mch 1 Der soll Ve feien." Liner 3cdU- IS* auf.“ - ter MS W bas nur Wv w.tet; ’toera 6infälle ffc N 3u'annnenfuni machte, dann. schlimmer rudt Übti Mt Der behaupte «reude daran terum. festzusr wrragenöc eif ■nm Iah schon ! wbetrisst, so m $il ihrer tiefen, itn könnte." - ruht lir nur ge Holle auch gut tzMch ift t Wn W u M an unb h ,Heule tviMt uwner btto b öah er absoll er erhoffte tot ften wirkende laus, wenn et chen hört. M sich l breitet, hört i Flur Rapfen. „ W, Mansche beruhigend nach chen hat leine A ng anüo^t, \t ..Herein", recht qehl dem eintu !«n, staunenden Hänschen," bt km Är.äblein ohne Zögern | immer brav g> chen steht erst aber hebt er der AMM i es tragen, unb Heu is ein lie DLIaus, „abei 4rem nun doch N ju Hilfe, Mwbevegung aikolmis dein ( « QUUimge ^-c|l#IUtnn-.QLaete*vbräM JRutxcl^m. ffleiieral*'i>eHieiuiifl: OJcotq vebnrett, Gletzen. SMmilftraRc 2i.--‘Jertiieb für (Stehen: Sllbert Werlau, Gie -n Vi'bmhfttn6e. dich hier zu lassen." — ..Mutti," jubelt Häns- Hen, „hast du gehört? Lind jetzt kriegt Hänschen Aepsel und Rüsfe von — — der Minna!" Der kleine Racker hatte zu genau hin- Vermischtes. Hebet eine halbe Million Telegramme im Jahre. An Telegrammen werden jährlich auf der Erde 572 768 aicfgegeben. Die Länge Der Telegraphenlinien der Erde beträgt 236 825 C00 Kilometer. Das ist eine Entfernung. Die eineinhalbmal so groß ist als die mittlere Entfernung Der Erde von Der Sonne (149 Millionen Kilometer). Die größten Telegraphenlinien haben Deutschland: 271 000 .Kilometer, Frankreich: 208 000 Kilometer, Britisch- 3ndien: 149 000 Kilometer. England: 147 000 Kilometer. Rußland: 144 000 Kilometer. Auf 1000 E nwohner kommen in Argentinien 11,3 Kilometer, in Frankreich 5,3, in Deutschland 4,5, in England 3,4, in Spanien 2,5, in Schweden 2,1, in Der Schweiz 1,9, in 3talien 1,6, in Dänemark 1.3, in Belgien 1,15, in Ungarn 1.1, in Polen und 3apan je 1, in Britisch- 3ndien 0.5 und in China 0,2 Kilometer. er Welt. -üddeolschlmü. Lchwarzwalö Haber falten. Die Schneehöhe , falben Meter. Auch hat es in der Aach' Desgleichen werden von Schneefälle aemrldel. Qn hat der Schneefall, der lag einsrtzle, den ganzen i Mähe ungehalten. 3o inen falben Meter fach S°öie in ihrem Land- seid bei Berlin aöfin nW at mit schweren W rbäd)fi9 ist ein ME btr x,r jfrau er dnefl unb an« «»te £ Ä/«”1R fÄ burdpüN er t> M J einer Rommobt*“» N iS W Ä in*“" en Itfrop;■ . & net 7''-derCh^ '"ei Q)e®(ebi.af/5, en de^.fhrr, .UnbaU£J.''eVs Gießen, drn 6. Dezember 1926. Hänschen und der Nikolaus. (Lach einer wahren Begebenheit., Hänschen, Der Stammhaller, war im Ro- vember zwei 3ahre all geworden, und feine Ellern freuten sich Darauf, das kleine, verständige Kerlchen mit Dem Rikolaus und Dem Christkind bekannt zu machen. Die Mama erzähll Dem immer aufmerksam zuhörenden Hänschen täglich, daß jetzt bald Der Rikolaus kommt, daß er braven Kindern Aepsel und Rüs e mitbringt und für ungezoge. e Kinder Die Lute bereit hat. Sines Abends will Die Mama ihrem Hänschen dies alles handgreiflich näher bringen. Sie bat Den kleinen Wann zu Bett gebracht. Aber statt daß er sich ruhig zum Schlafen hinlegt, seht er sich wieder in seinem Bettchon auf und verlangt mit ebensolcher Dringlichkcu wie Lautstärke seine Schach:el mit Den blauen Zinnsoldaten. »Run hör' mal gut zu, Hänschen", sagt Die Mama, „Du mußt jetzt ruhig liegen bleiben, teil es für kleine Kinder Zell zum Schlafen ist. Wenn du artig bist und einschlässt, freut sich bet Rikolaus und schenkt dir etwas Schönes. Bist du aber nicht folgsam dann bringt er eine große Lute mit und Dann bekommst du nur Ahläge". Hänschen sieht seine Mama treuherzig an: „Bitte, bitte. Die Soldaten, Dann ts Hänschen brav", sagt Der kleine Diplomat. — „Wer soll Denn nun eigentlich den Riklas Dar- teilen,“ erfunDigt sich Der Papa eines Tages bei feiner Frau. „3ch sürch.e, wenn ich mich verkleide, fällt meine Abwesenheit unferm Hänschen auf.“ — ,3a, das fürchte ich nämlrch auch, der 3ung* ist ja fo durchtrieben, von wem er das nur bat!?2* — „Wahrscheinlich von seiner Mutter-, totnn ich Daran denke, durch was für Einfälle sie sich in ihrer Dorverlobungszeit zu Zusammenkünften mit ihrem späteren Manne frei- •• Der Kupf erne Sonntag brachte gestern unserer Stadt einen recht beträchtlichen Verkehr. Der Betrieb auf der Eisenbahn war lebhaft, Die Zuge wiesen gute Besetzung auf und muhten mit einiger Verstärkung gefahren werden. Auch der Autobetrieb Wieseck war stark in Anspruch genommen; hier waren beide Wagen in den Betrieb eingestellt, die sehr starke Besetzungen auföiefen, da zum erstenmal von bzw. nach Älten-Duseck gefahren wurde. 3n Den Geschäftsstraßen der Stadt wogte fhhtDenlang eine starke Menschenmenge hin und her. Die mit lebhaftem Interesse Die Auslagen Der Geschäfte in Augenschein nahm. Soweit man bemerken konnte, wurde gestern auch bereits ziemlich rege getauft. Das günstige Wetter war den Besuchern, wie auch Der hiesigen Geschäftswelt sehr willcommen. " Die Gießener „Zuflucht", eine in den Dienst Der Allgemeinheit gestellte Einrichtung des ‘allgemeinen Verein« für Armen- und Krankenpflege, wurde gestern in Gegenwart der Vertteter lirchiicher unb weltlicher Behörden, zahlreicher Angehöriger der Geistlichkeit und geladener Gäste aus Der evangelischen Kirchengemeinde. eingeweiht. Das Heim hat feinen Platz im Garten des evangelischen Schwesternhauses gesunden und ist von der Maigasse aus zugänglich. Die Einweihungsfeier, an Die sich eine Besichtigung des Baues anschloh, nahm einen eindrucksvollen Verlauf. Wir werden hierüber morgen näher berichten. •• E i n F l u g 3 e u g m o D e 11 ist gegenwärtig in einem Schaufenster des Zigarrengefchästs M o e s e r im Seitersweg ausgestellt. Das Modell wurde von Der 3ugenDgruppe des Gießener Dereiirs für Luftfahrt geschaffen; 8 Schüler hiesiger Schulen haben sich Dabei betätigt. Das Werk ist eine zehnfache Verkleinerung des neuesten Typs des Schulflugzeuges „Zögling", mit Dem in Der Rhön Segelflüge aus geführt werden. Die Konst rutt'umspläne stammen von Der Rhön- Rossitten-Gesellschaft. Da das Modell nur das Gerippe Darftcllt, also ohne Bespannung ist. hat man einen guten Einblick in Die Einzelheiten Der Konstruktion. Die interessante und sehr lobenswerte Schöpfung Der jungen Leute fei der allgemeinen Beachtung warm empfohlen. ' Das Bühne nfesi des darstellenden Personals unseres Stadtthea- ters (Genofsenschastsfest) findet am Samstag, 19. Februar 1927? in den Räumen des Gefell- fdMft3nereiii= statt. Der Reinertrag soll den Wohl ätigk itä a fen d r Si.ausp'el r rgmiaion der Marken erlischt am auggegeben: Verkaufspreise 0,10 RM. Verkaufspreise 0L0RM. Verkaufspreise 0,50 31TI. Verkaufspreise 1.— RM. •• Oefsen11 iche Dücherhalle. 3m 2lr- vember wurden 1216 Bände ausgeliehen. Davor, kamen auf: Erzählende Literatur 655. Zeitschriften 144 3ugendschriiten 99. Literaturgelchichrc 8, Gedichte und Dramen 11, Länder- und Böl- keriunde 92. Kulturgeschichte 18. Geschichte und Biographie 77. Kunstgeschichte 7. Raturwissenschaft und Technologie 44 Heer- und Seewe'enb. Haus- und Landwtt.scha t t. Gesundheitslehre 5. Religion und Philosophie 23, SlaatSwllsenschall 9, Sprachwissenschaft 3. Fremdsprachliches 7 Bände. Roch auswärts tarnen acht Bände. *’ Auslandanleihen werdenin Z u- kunst nicht mej) r steuerlich begünstigt. Der Reichsminister der Finanzen ist ermächtigt, mit Zustimmung des Leichsrats und eines Ausschusses des Reichstages Anleihen, die dn Aus- larrd zahlbar und zum Handel an deutschen Börsen nicht z gelassen srnd. darchErlaß D »Steuerabzug« vom Kapitalertrag und durch Ermäßigung Der Wertpapiersteuer zu begünstigen. Die Gründe für diese Ermächttgung treffen jetzt nicht mehr zu. Der Reichsmllr.ster der Finanzen sieht sich daher, wie das RnchSfinanzministerium mitteilt, bis auf weiteres nicht in Der Lage, steuerliche Begünstigungen von Auslandanleihen beim Reichsrai und Reichstag zu befürworten. Die bereite früher eingelaufenen und noch nicht erledigten Anträge werden daraufhin geprüft werden, ob Die steuerliche Begünstigung unter Berücksichtigung Der allgemeinen Interessen, insbesondere unter Berücksichtigung der Anleihebedingungrn, gerechtf'rtlgt erscheint. WSR. Aushebung des Rachlösezuschlags auf Der Eisenbahn. Der Rach- lrsezuschlag auf Der Cifenbabn ist feit 1. De- jember aufgehoben. Einen Zuschlag ffat nicht zu zahlen, wer dem Schaffner sofort unaufgefordert meldet, daß er auf einer AnschlußsUttion wegen Verspätung deS benutzten Zuges, oder wegen kurzer Hebei gongst :it eine Fahrkarte zur Weiterfahrt nicht hat lösen können, oder eine Zuggattung mit höheren Fahrpreisen benutzt. Spätestens auf der ursprünglichen Bestimmungsstation ist zv melden, wenn mau in demselben Zug über die Station, bis zu der die Fahrkarte gilt, hinausfahren will. Dort aber keine Zeit zur Lösung einer neuen Fahrkarte hat, spätestens auf Der letzten Hallestation vor Der ursprünglichen Bestimmungsstation ist zu melden, wenn an Der Bestimmungsstation der Zug nicht hält und man Darüber hinausfahren will. Vorher muh man es melDen, wenn man in eine höhere Klasse gehen toill. ** Die Ortsgruppe Gießen des eilige meinen Deutschen Frauenvereins hielt dieser Tage ihre diesjährige Generalversamm- hing ab. Rach einer kurzen Begrüßung durch die Dorfißende, Frau Minna Naumann, wurde von Frl. Zimmermann der Kassenbericht verlesen; Frl. Kühne gab als Schriftführerin eine gedrängte lieberficht über die Vorgänge im letzten Vereinsjahr. Sodann wurde bei der Vorstandswahl der Gefamt- Dorftatib wiedergewählt: Frau Naumann als erste Vorsitzende; neu hinzugewählt wurden Frau Prof. Eigener nab Fran Prof. Mombert. Erstere wurde zur fteUvertretenden Vorsitzenden ernannt an Stelle der zurückgetretenen Frau Geheimrat B i e r m a n n. Frau Naumann wies in warmen Worten darauf hin, wie wichtig in unseren Tagen ein außerparteilicher Zusammenschluß der Frauen sei, und bat die zahlreichen Mitglieder, die Frauensache und ihren Verein weiter zu förbem unb nach Möglichkeit neue Mitglieder zu werben. Denn Frauenrechte sind Frauenpflichten; es bedarf unermüdlicher Selbstbesinnung und Selbsterziehung, um ihnen gerecht au werden. In welchem Sinne Die Führerinnen der heutigen Frauenbewegung denken und arbeiten, wurde den Zuhörerinnen durch Frau Eigener in ihrem nun folgenden Bericht über die Tagung in Köln, Die 34. Generalversammlung des Ällgem. Deutschen Frauenvereins, oermillelt. Neben theoretischen Vorträgen über „Weltwirifchaft", über den „Eintritt der Frau in die Politik", über „Weltbürgertum unb Nationalstaat", über „Außenpolitik", „Völkerbund", Internationalen Arbeiterschutz", „Europa als geistige Einheit" u. a. in., hatten besonders die Diskussionen bei dieser Kölner Zusammenkunft den sehr zu begrüßenden Erfolg, daß die Frauen der oerschledenen Generationen einander nähergebracht wurden. Die Führerinnen der Kampfjahre beklagen es oft. daß die neue Generation berufstätiger Frauen sich ihnen gegenüber abschließe. In Köln waren alle Generationen vertreten. Die ehrwürdige Vorkämpferin Helene Lange, die in leitender Mitarbeit mit den Männern stehenden Führerinnen, die sich einst ihre Ausbildung in hartem Ringen hatten erkämpfen müssen, unb bie große Schar der jüngeren Frauen unb Mädchen, denen die fachliche Ausbildung schon als Selbstverständlichkeit geboten wurde. Für sie ist der Berus nicht immer „^Berufung*, sondern oft nur unabweisbare 9kot- wendiLkeit. Wie viele leiden darunter, daß der Krieg ihre >)eiratsmöglichkeiten so sehr erschwert hat, bah ihnen bie aufreibende Erwerbstätigkeit kaum Zett unb Kraft läßt, das allgemein Menschliche in sich Au pflegen. In der Richtung dieser Verständigung ist m Köln so manche Brücke geschlagen worden. Sehr anregend war auch bie Schilderung der Vortragenden über einige von der Stadt Köln unternommene Besichtigungen, so z.B. die der Siedlungsbaracken für Wohnungslose. Zum Schluß berichtete die Rednerin noch über die segensreiche Tätigkeit bet Kölner Stadtdirektorin Dr. Hertha ftra u ß. Noch dem Abzug der engllschen Besatzung hat sich Frau Krauß von der Stadt Köln die SBerfügunfl über bie frei- aemorbenen Kasernen unb ihren Inhalt ausgebeten, b. h. über die zurückgelassenen alten Kisten, Säcke, Büchsen und zerbrochenen Möbel. Mit Hilie von erwerbslosen Männern unb Frauen, bie sie in Sechs- wochenschichten arbeiten ließ, würben unter Leitung von Dr. Krauß aus den Trümmern brauchbare Einrichtungsstücke hergeftelll; Krippen, Kindergärten, Gemeinschaftsküchen und ähnliches eingerichtet. Die Frauen mußten nähen, kochen, Kinder versorgen unb wurden so zugleich angeleitet, dos Gelernte im eigenen Heim nutzbar zu machen. So brachte die Markenheftchen, enthallend acht 3- und sechs 10-Marken. zum Preise von 2 RM. Die ÜRAten, ohne Einschränkung im 3n- unb Auslandverkehr an Stelle Der gewöhnlichen Briefmarken verwendbar, sind an allen Postschattern und auch am städtischen Wohlfahrtsamt, Garten st raße 2, Zimmer Nr. 8, erhältlich. 3n erster Linie fließt von dem Abgabepreis der Freimachungswert der Reichspost ;u; Den lieber- schuß erhält die Deutsche Nothttfe pir ergänzenden Fürsorge für Kinder, alte Leute unb Erwerbsunfähige, sowie für Speiseeinrichtungen aller Art. Don den beim Wohlfahrtsamt entnommenen Marken oerbleibenboPro- zent des Ueberschusfep der Gießener Winternothilfe, 10 Prozent erhält der Landesausschuß und 30 Prozent fließen Dem Reichsausgleichsstock für besonders notleidende Gebiete zu. Jeder verwende zur Frankierung imb insbe- onbere für bie Weihnächte-, Neujahrs- unb Ofter- wst nur Wohlfahrtsbricimarken. Branders wichtigist es, sich nur der Vermittelung de s Wohlfahrtsamts zu bedienen, da nur dann der entsprechende Anteil der Gießener Winternothilfe zugute kommt * • Es fy noch angefügt, daß das Schwergewicht des verttiebes der Marken nach wie vor außerhalb der Postanstalten liegt. Hier können unb müssen aber Steigerungen erreicht werden; denn die bisherigen Ergebnisse in Deutschland bleiben noch weit hinter denen des Auslandes zurück. Während in der Schweiz im Jahre 1925 auf 1000 Einwohner ein Reinerlös von 100,70 Mk. entfiel unb Amerika sogar einen solchen von 198,20 Mk. aufbrachte, hat selbst bie Stadt Hamburg, die im letzten Jahr an erster Stelle stand, auf 1000 Einwohner einschl. des Postverkaufs nur 38,82 Mk. erzielt. Andere Bezirke sind hinter dieser Summe noch weit zurückgeblieben. Gictzencr Wockenmarktpreiic. Cs kosteten auf dem Wochenmarkt am Samstag: Butter das Pfund 180 bis 1,90, Matte 0,85 bis 0,40, Käse. 10 Stück 0,60 bis 1,50, Wirsing das Pfund 0,08 bis 0,10, Weißkraut 0,08 bis 0,10. Rotkraut 0,08 bis 0.12, gelbe Rüben 0,10, rote Rüben 0,10, Spinat 0 25 bis 0,30, Unterlohlrabi 0.05 bis 0,08, Grünkohl 0,20, Rosenkohl 0,45 bis 0,50, Feldsalat 1,00, Tomaten 0,50 bi5 1,00, Zwiebeln 0,10, Meerrettich 0,40 bis 0 80, Schwarzwurzeln 0,40 bis 0,60, Kartoffeln 0,06, Aepfel 0,15 bis 0,30, Birnen 0,10 bis 0,20, Dörrobst 0,30, Honig 0,50, junge Hahnen 1,00, Suppenhühner 1,00 bis 1,10, Gänse 0,80 bis 1,20, Nüsse 0,70 bis 0.90, Eier das Stück 0,16 bis 0,18, Blumenkohl das Stück 0,80 bis 1,50, Salat 0,30, Einmachgurken 0,08 bis 0.15, Lauch 0,05 bis 0,15, Rettich 0,10 bis 0.20, Sellerie 0,20 bis 0,40, Tauben 0,60 bis 0,70 Mk. Bornotizen. Tagestalender für Montag: Deutscher OftbunD: 8 Uhr „Hotel Hindenburg". Vortrag. — Gießener Freiwillige Feuerwehr: 8 älhr „Stadt Kassel" außerordentliche Hauptversammlung. — Lichtspielhaus. Dahnhofstrahe: „Variete". — Astoria-Lichtspiele: „Frauenfeindc". Arbeitslos wj 'n««-« t»e> e$° ob ei°bcl euetX 3m gE jft« N> * ,ur Last gelegt- SM»'®*' feD1 ? Die junge S» ’Ä* Seilschaft. rben ft ^tern hn S3S| ffehnrOtt0t W lchloh er sich mH Mr: ’ ™ dich - nicht - den Namen far- >r m r Malerei beoorjugte allem durch anfalte NWx^ M !S mmofpfauftyn, tü\ «nv DermitteUt. E- i. fan umfaffenfan Ein. Stiles auch nur anfaii Noch immer kämpfen Millionen deutscher Volks- i« ichwer um ihren Unterhalt. Die Erwerbs- n dec ^W0l . lefigfeit steigert die Not ins Unerträgliche. Viele jftet ArbeltslvI . Ilngchörige des Mittelstandes — dieser einstmals eine ber stärksten Stützen des Staates — müssen iius öffentlichen Mitteln unterstützt werden. Die Zahl der Nvtleidenden^ist ungeheuer groß, und es werden ti erster Linie Frauen und Kinder hart betroffen. > f®ctteni nicht aus, die Nor einigermaßen zu be- | Die verfügbaren öffentlichen Mittel reichen bei I Auch die Darntebcrlicgenbe Wirlschaft kann wirksame »Hilfe nicht leisten. i)ier muß die Hilfe der Allgemeinheit einsetzen. Jeder, der noch Arbeit und Berdienst hat, muß beisteuern und mithelfen, die Not Praktisches Weihnachtsgeschenk:! MAGGI* Würze» MAGGI® Suppen in Würfeln, MAGGI® FlelechbrühwürfeL M Auch gegen alte Gallensteine Leberleiden, Gelbsucht. Gallenblasen- entziindun", Magen- und Darnikrlmpfe, Herzkrankheiten. Nierenleiden. Blasensteine, Blasenkatarrb. Nervenerkrankung; Lungenleiden, Adernverkalkung ist Stern-Enge8-Tee von erprobter Wirkung b726A Giftfrei! D. R. P. ges gescb. Bewahrtes Harnsäurezersetzungs- und Ausscheide- sowie Körperentschleimungsinittel. Aerztiich erprobt d. empfohlen! 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Rach ihren eignen Worten verfolgten die Führer des Proletariats vor allem den Zweck, .die große Masse W russischen Volkes von einer seit Jahrhunderten ge- duldig ertragenen geistlichen Kn.-chtschast zu befreien", während sie jedoch gleichzeitig jedem Bürger der neuen Republik die Möglichkeit unbehinderter Religionsübung zusicherten. Allein wie so viele andere Verheißungen haben die Sowjets auch dieses Dekret nur ^r Hälfte wirk- sich erfüllt. Sie gaben sich Atoar alle Mühe, durch Förderung der antireligiösen Propaganda der Resigion und ihren Dekennern empfindlich zu schaden, aber sie fetzten auch zugleich die religiöse Toleranz auf ein Mindestmaß herab, so daß von einer Glaubensfreiheit. wie sie so pathetisch verkündigt worden war, überhaupt keine Rede sein lointe. Auf Veranlassung des Zentralkomitees d^ kommunistischen Partei Rußlands erschien allmählich eine Flut von Auf- klärungsliteratur. durch welche in wissenschaftlicher und populärer Form die Resigion als „eine Erfindung der bürgerlichen Klassen", als Printer» betrug und törichter Aberglauben hingestellt wurde. Hand in Hand mit diesen Tendenzschriftcn ging die^Tätigkeit jener von der Partei gestellten Redner, die im Volke und ganz besonders in Ar- beiterlreifcn gegen die Kirche Sturm zu laufen hatten, wobei sie öfters di« leicht erregbare Menge zu Gewalttätigkeiten gegen Geistliche und zu Störungen des Gottesdienstes aufreizten. Aber es sollte noch besser kommen! Wollte man tatsächlich der Kirche Abbruch tun und ihr materielles Fundament zerstören, so konnte das am besten auf dem Weg einer allumfassenden Säkularisation geschehen. Diese begann mit der Beschlagnahme der Kirchen einzusetzen, welche von der Partei in Klublokale für die Arbeiter umgewandelt wurden. Jetzt prangten an den Wänden statt der Heiligenbilder die Düsten von Marx und Lenin, auf der Kanzel ersetzte dir blaue Bluse den Ornat, statt Predigten erklangen die rauschenden Perioden kommunistischer Propagandaredner, die Internationale verdrängte das Kirchenlied. Die Kommunisten scheuten sich auch nicht, wüste Gelage und Tanzvergnügen in diesen Räumen abznhalten, um den erschrockenen .,Bourgeois" so deutlich wie möglich die älmkehrung aller Verhältnisse und die neue ,Glaubensfreiheit" zu zeigen. Man mag sich vorstellen, wie den Geistlichen zumute war. als sie diese allem anständigen Empfinden Hohn sprechenden Reuerungen sahen. Sie mußten dabei noch ganz stille sein und durften es nicht wagen, ihre Entrüstung über die Kirchenschädigungen laut werden zu lassen, weil sie sonst ohne alle Llmstände von den überall auftretenden Agenten oder Provokateuren der Tscheka verhaftet und als Konterrevolutionäre kurzerhand erschossen werden konnten. Gar manchen hat dieses Schicksal in der Tat auch betroffen. Richt weniger skrupellos verfuhren die Machthaber mit den zahlreichen Klöstern des Landes, von denen eine Anzahl als gefürchtete, verrufene Gefängnisse und Zuchthäuser der Tscheka eingerichtet wurden. Mit den Mönchen selbst machte man kurzen Prozeß: Man vertrieb oder tötete sie. Um auch die künftige Fortdauer der Resigion möglichst zu verhindern, verfügten die Kommunisten außerdem die Schließung der geistlichen Lehranstalten und die Abschaffung des Religionsunterrichts. Man meinte auf diese Weise die Resigion und das religiöse Empfinden des russischen Volkes vollkommen vernichten zu können. Die Zwangsenteignung der Kirch e n g Ü t e r brachte dem valutaschwachen Staatswesen einen gewaltigen Zuschuß, an Gold und Silber, Diamanten, wertvollen Gemälden und vielen anderen Kostbarkeiten. Tag unb_ Rächt wurden mit A itomobilen und Wagen beträchtliche Mengen aus den Kirchen fortgeschleppt, aber das russische Voll weiß brs heute noch nicht, tote groß der Wert der Kirchenschähe auch nur annähernd gewesen sein mag. Ebensowenig tst es bekannt, wohin eigentlich das gesammelte Material kam. Angeblich haben die Bolschewisten das meiste in Museen unter gebracht, und Ausländer, die das heutige Moskau besuchen, können in der Tat Kostbarkeiten und Gemälde bestaunen, aber damit laßt sich das Verschwinden so gewaltiger Schätze nicht im geringsten erklären. Der größte Teil wanderte in Wirklichke't in die zahlreichen Geheimfonds der Partei, soweit er nicht als Zahlungsmittel, z. B. für das Ausland verwendet wurde DS dürfte niemanden wundern, daß die Einziehung der Kirchengüter nicht ohne Grausamkeiten vor sich ging. Oesters leisteten auch die Geistlichen bei der Herausgabe der ihrer Obhut anvertrauten Gegenständ« ftnrlen Widerstand. Richt selten kam es dann zu blutigen Zusammenstößen. bei denen selbstverständlich die Anhänger des ancien rcgime den Kürzeren zogen. Mit Freuden ergriff die allmächtige Tscheka solche Gelegenheiten, um ihre Kugeln wirken zu lassen und sich der bittergchaßten (Segnet zu entledigen. Soweit die Leute aber nicht cm die Wand gestellt wurden, verbannte man sie auf fünf bis zehn Jahre nach den an der Grenze der Arktis gelegenen Solowsiinseln oder nach den einsamen Tundren des hohen sibirischen Rordens. Viel« Popen traten aus Erbitterung über die Willkür- afte der Bolschewiken und aus nationalen Gründen in die Weißgardistischen Heere ein, um so für ihren Gott und ihren Zaren zu streiten. Sie wußten freilich, daß GefangenfHast für sie den sicheren Tod 6'beute und haben daher auch mit dem Mute der Verzweiflung gekämpft. 3m ganzen mögen durch Bürgerkrieg und als Opfer der planmäßigen Religionsverfolgungen mindestens 25 000 Popen. Mönche. Diakone und and«re Angehörige des Klerus ums Leben gekommen sein. 3n dies« Zahl muß man auch die in der V'rbannung durch Hunger. Kälte und anfte'fenbe Krankheiten Verstorbenen ein- beziehen. Genauere Angaben werden freisich erst barm einmal möglich, wenn das offizielle Material der Tscheka vorliegt. Gießener Anzeiger sGeneral-Anzeiger für Gberhessen) Montag, b. Dezember 1926 Der Volks« Gießen 6. Dezember 1926. Ein außerordentlich stiller Wahltag liegt hinter uns Wer geglaubt hatte, der gestrige Volksentscheid über öie Auflösung des Hessischen Landtages werd« ein reges Wahltreiben in den Straßen unserer Stadt entfesseln, konnte sich bald von dem geraden Gegenteil überzeugen. Der starke Verkehr in den Hauptstraßen und in den Zugängen zum Stadtzentrum trug deutlich den Stempel weihnachtlichen Interesses: Der Kupferne Sonntag beherrschte die Leute weit mehr als der Gedanke des Wählens, des Volksentscheids. Tas Wahlgeschäft setzte in Gießen sehr flau ein. Don 9 bis 10 Uhr vormittags war in den Abstimmungslokalen so gut wie gar nichts zu tun Dis gegen 1 Uhr mittags — also nach vierstündiger Wahlzeit — hatten sich durchschnittlich erst etwa 10 Prozent der Stimmberechtigten an den Abstimmungsui ncn eingesunden. Allmählich lebte die Wahlbeteiligung ein wenig auf, so daß gegen 3>.. Uhr etwa 33 Prozent der Wählerschaft von ihrem höchsten staatsbürgerlichen Recht Gebrauch gemacht hatten. Erst in den beiden letzten Stunden, von 4 bis 6 llhr. war so etwas wie ein Andrang der Wähler zu bemerken: jedenfalls trat um diese Zeit der Schlepperdienst stärker in Tätigkeit: in diesen beiden Stunden war die Stimmabgabe so stark wie bei bet Hindenburg-Wahl schon in den ersten Morgenstunden. Mit einer Wahlbeteiligung von nur 43,6 Prozent (gegenüber 74,12 Prozent bei der vorigen Landtagswahl vom 7. Dezember 1924) hat die Gießener Wählerschaft eine ganz außerordentliche Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrnehmung ihres höchsten Staatsbürgerrechts an den Sag gelegt. So bedauerlich das ist, so wenig verwunderlich erscheint es, wenn man weiß, daß die Bevölkerung des vielen Wählens reichlich überdrüssig ist. lind wie in Gießen, so war auch draußen in dec Provinz die Wahlbeteiligung gestern sehr schlecht: in allen Kreisen ist die Zahl der abgegebenen Stimmen gegenüber der Landtagswahl vom 7. Dezember 1924 um rund ein Drittel zurückgegangen. Unser umfangreicher, in allen Teilen gut arbeitender Wahlberichterstattungsdienst erwog» lichte es uns, die Abstimmungsresultate sehr schnell betanntzugeben. Schon kurz nach 6 llhr konnten wir das Resultat aus 21 Orten des Kreises Gießen durch Aushang an den Fenstern unserer Geschäftsstelle veröffentlichen. Etwa eine halbe Stunde später konnten wir bereits die Ergebnisse aus rund 60 Kreisorten berichten, und wenig später — etwa eine Stunde nach Ab- ssimmungsschluh — folgte bereits die Zusammenstellung aus der Hälfte aller Gießener Stimmbezirke. Gegen P/8 Uhr war es uns möglich, das städtische Gesamtergebnis mitzutellen, bald daraus folgte das Resultat aus dem Kreise Gießen. Dazwischen gaben wir die Entscheidungen der einzelnen oberhessischen Kreise, sowie wichtiger Orte in den beiden anderen hessischen Provinzen heraus, gegen Ä*/s Uhr wurde die Gesamtzäh- lung der ProviW Ober Hessen Dcroff entließt. ®ttoa eine Stunde später lief das Gesamtresultat des ganzen Hessenlandes telephonisch aus Darmstadt ein und wurde schnell zum Aushang gebracht. Dis dahin — gegen VglO llhr — hatte eine große Menschenmenge vor unserem Geschäftshaus standhaft ausgeharrt, nun verlies sich bi« Mass« rasch, dem Interesse war Genüge getan. Das Abstimmungsergebnis in der Stadt Metzen stellt sich wie folgt bar: Stimmberechtigt 22 822 Personen. Abgegeben würben 9900 gültige Stimmen, wovon 5097 auf Ja, 4803 Stimmen auf Rein lauteten. 84 Stimmen waren ungültig. Zum Vergleich sei bemertt, daß die Parteien der Regierungskoalition, die gestern mll „Rein" stimmten, bei der Land- tagswahl am 7. Dez. 1924 in bet Stadt Gießen insgesamt 7579 Stimmen erhielten, und zwar Sozialdemokraten 4758, Demokraten 1954, Zentrum 867. Die Opposition — umfassend alle übrigen Parteien, einschl. der Kommunisten — die gestern mit „Ja" für die Land- tagsauflösung eintrat, brachte am 7. Dez. 1924 in der Stadt Gießen insgesamt 8550 Stimmen auf, und zwar die Deutsch« Dolkspartei 4251, Deutschnationale Volkspartei 3013, Hesi. Bauernbund 77, Verein, schaff, hesi. Landwirte 6. Ralionalsoz. Freiheitspartei 354, Wirtsch. Partei des Mittelstandes 117, Kommunisten 732. mtscheid im Kreise Gießen. Untere ZBahltabelle Spalte „Koalition" sind bic Zifiern der Regie- 1 ' rungsparleien (Sozialdemokraten, Demokcaten. stellt dem Ergebnis des gestrigen D ol ksen t- Zewrum) zusaminen.'e"aßt, : ährend in der Spalte Icheids das Resultat der letzten L a n b t a g & » „Opposition" die Stimmziffern aller übrigen wähl vom 7. Dez. 1 92 4 gegenüber. In der Par .en enthalten sind. Kreis Gietzen. Gemeinden Stimmberechtigte Volksentscheid am 5. «j Z a Z S5 £ ; ~ c 5 ■£ | ?•= ^(9 ! 2<9 12. 1926 3. Rein stimm- o berechtigte er Opposition ° __r, Koalition Albach........ Allendors a. d. Lahn . . Allendors a. d Lda. . . Allertshausen...... Alten-Buscck...... Annerod ....... Beltershain...... Beltersha'n...... BerSrod........ Bettenhausen..... Beuern........ Birklar........ Burkhardsfelden .... Climbach....... Taubringen...... Torf-Gill....... Eberstadt m. Arnsburg . Ettingshausen..... Garbentcich...... Geilshausen...... Gießen........ Göbelnrod....... Großen-Buseck..... Großen-Linden..... Grünbcrg....... Grüningen...... Harbach........ Hattenrod....... Hausen ........ Heuchelheim...... Holzheim....... Hungen........ Inheiden....... Wesselbach....... Klein-Linden...... Langd......... Lang-Göns...... Langsdorf....... Lauter........ Leihgestern...... Lich mit Hos Albach, Eoln- hausen u. Mühlsachsen. Lindenstruth...... Lollar......... Londorf........ Lumda........ Mainzlar....... Münster........ Muschenheim m. Hof-Güll Nieder-Besiingen .... Nonnenroth...... Obbornhofen...... Ober-Bessingen .... Ober-Hörgern..... Odenhausen rn.Appenborn Oppenrod....... Queckbotn....... Rabertshausen mit Ringelshausen .... Reinhardshain..... Reiskirchen...... Rodheim m. Hof Graß . . Rödgen........ Röthges........ Rüddingshausen .... Ruttershausen mit Kirchberg...... Saasen mit Boll.tbach, Veitsberg u. Wirberg. Stangenrod ...... Staufenberg m. Friedelh. Steinbach....... Steinheim....... Stockhausen...... Trais-Horloff...... Treis a. d. Lda..... Trohe ......... Mphe......... Villingen....... Watzenborn m. Steinberg Weickartshain..... WeiterShain...... Wieseck........ ,p> - Zöo 534 777 209 803 431 43U 120 304 7U 325 429 155 565 288 388 386 627 309 22 781 174 1 341 1 495 1 490 486 274 289 354 1 773 810 1 129 300 286 1 261 367 1 234 658 307 1 045 1 744 240 1 405 625 275 412 217 434 205 215 429 239 227 203 207 -108 126 188 658 231 520 163 463 301 334 • 203 547 685 335 92 270 770 146 325 682 1437 240 340 2 281 146 290 421 91 509 217 225 78 174 152 374 215 244 69 266 243 218 230 348 135 9 900 102 722 834 709 286 152 168 180 1 072 559 613 171 166 545 232 687 373 148 492 978 132 ' 854 255 121 281 85 267 115 121 274 119 181 101 91 204 59 84 321 129 228 95 208 177 124 106 303 452 163 69 163 510 115 208 416 741 100 195 1 240 1 1 3 5 1 5 1 2 2 3 1 1 84 29 12 2 1 2 15 ■ 1 8 3 2 10 1 7 3 9 > 2 2 1 2 3 1 1 1 1 - 4 1 7 6 4 2 4 1 6 5 1 7 86 141 312 113 192 69 101 125 205 90 126 53 n — IO 237 196 210 126 115 5 097 98 366 340 559 180 125 131 82 380 436 343 90 52 316 203 385 303 138 262 503 53 356 143 88 199 72 239 80 100 105 110 172 76 78 177 56 83 157 121 79 62 102 101 84 72 113 300 111 62 57 244 53 126 229 335 97 185 401 60 149 109 54 287 104 33 9 73 169 125 118 16 191 6 20 222 20 4 803 4 356 494 150 106 37 98 692 123 270 81 114 229 29 302 70 10 230 475 79 498 112 33 82 13 28 W 35 21 169 9 9 25 13 27 3 1 164 8 149 106 7» 40 34 190 152 52 7 106 266 62 82 187 406 3 10 839 225 519 40J 437 215 303 243 684 326 130 s 274 376 377 609 320 22 132 175 1 314 l 454 1 461 475 246 280 360 1 706 801 1 115 292 275 1 234 376 L186 645 304 1 002 1711 233 1 308 609 275 400 213 428 213 209 422 233 235 205 202 410 126 196 630 227 457 168 473 300 342 215 539 659 334 86 286 752 142 339 . 653 1 383 245 349 2 126 109 216 412 48 289 löU 192 81 141 155 ".07 130 162 246 140 143 s 550 109 608 399 194 150 141 77 544 534 450 103 56 401 223 557 337 123 356 576 78 355 174 91 190 80 213 107 106 147 116 200 95 92 203 68 126 224 130 121 62 143 114 106 100 142 299 119 53 68 254 41 126 249 377 125 206 507 89 193 213 67 343 132 bl 31 85 20 213 126 J28 30 256 12 51 27 345 41 7 379 24 440 718 27» 134 15 61 145 807 183 11» 143 112 530 61 348 l.M 45 384 544 79 697 204 54 135 26 91 46 27 163 33 9 29 22 77 10 10 193 23 221 1L 77 95 59 264 183 78 8 158 297 72 98 221 683 45 22 1 193 Insgesamt 64 946 33 141 302 18 498 14 643 — - - Die Sowjetregierung hat bekanntlich viele Enttäuschungen erleben müssen. Das so oft angestimmte Liedchen von der Weltrevolution verhallte in Europa ungehört, die Versuche, den Kommunismus im eigenen Land einzuführen, scheiterten nicht minder kläglich und bewiesen nur klar die älndurchsührbarkeit der Ideen Lenins. Richt anders war es auf dem Gebiet der antireligiösen Propaganda bestellt. Die hochgespannten Erwartungen erfüllten sich nur zum Teil und schon längst haben di« Kommunisten einsehen müssen, daß keine Religion mit roher Gewalt ausgerottet werden kann. Sie griffen daher zu neuen Formen des Kampfes, der gegentoärtig noch in seiner Heftigkeit andauert, aber heute schon seltener mit der Hinrichtung des Geistlichen endigt. Abgesehen von rein innerpolitischen Gründen mußte sich die terroristische Macht zu großen Kompromissen verstehen, wenn sie mit dem mißtrauischen Ausland überhaupt die so notwendigen Beziehungen aufnehmen wollte. Das Erscheinen gehässiger Pamphletschriften hatte nicht den gewünschten Erfolg Hervorrufen Eonnen, well die Arbeiter sie meist gar nicht lasen. Die eintönigen Vorträge bet mit sophistischer Dialektik arbeitenden Redner wurden auf die Dauer ebenfalls als langwellig empfunden und das Interesse an der Sache schwand immer mehr. In dieser Qlot griffen die Herren der Krenll-Lubjailla-Regierung zu einer dem Bolschewismus und seinen Anhängern wohlbekannten Form, die man schon bei anderer Gelegenhell mit großem Erfolg angewandt hatte. Jetzt wurde das Programm ausgegeben, welches die Autorität der russischen Geistlichkeit schwer erschüttern sollt«. Da man nun einmal die Kirche nicht beseisigen konnte, und sich schließlich genötigt sah, sie in freilich modifizierter Form bestehen zu lassen, nachdem die Popen sich anscheinend freiwillig, in Wirklichkeit aber gezwungen bereit erklärt hatten, die kommunistisch« Regierung an» juerfennen, beschloß man, in ganz diabolischer Art und Weise an der Zersetzung innerhalb der Kirch« zu arbeiten. Insbesondere sind zwei Methoden der heutigen Bekämpfung recht bemerkenswert und von hohem Interesse für das Ausland, weil der Westen Europas dank der Verschleierung der wahren Verhältnisse in Sowjetrußland wenig weih, und diejenigen, welche als Besucher sich für einige Wochen yinbegeben, alles andere als die wahren Zustände zu sehen bekommen. Die eine Methode beabsichtigt öle moralische Diskreditierung der russischen Geistlichkeit. Es ist ja klar, daß die Durchführung dieses ganzen Kampfes ausschließlich in den Händen der alles beherrschenden Tscheka ruht. In dieser durch Popoffs Buch für immer gezeichneten Institution befinden sich einige spezialisierte Leute, die sich lediglich mit dem Kampf gegen di« Kirche und mit der antireligiösen Propaganda befallen. Sie beschäftigen zu diesem Zweck ein« größere Anzahl Agenten, denen die Aufgabe obliegt, di« Popen und Diakvne scharf zu überwachen, und gegebenenfalls zu provozieren. Ratürsich nicht so sehr in politischem Sinn, well bamii der Tscheka nur halb gedient wäre. Man inszeniert vielmehr mit Vorliebe Prozesse, in denen Llnsittlichkell. Sexualverbrechen und Trunksucht immer wieder als Hauptmomente hervortteten. Ein falscher Zeuge erklärt, der Priester R. R. habe sich in der Dorfwirtschaft schwer betrunfen. In biefem Zustand ging er auf die Straße hinaus und erlaubte sich gegen die Bauernmädchen unschöne Worte. Schließlich wollte er sogar tätlich werden, so daß sich die armen Dauern genötigt sahen, den Betrunkenen mit Gewalt von ihren Frauen zurückzuhalten. Man hatte chn durch eine tüchtige Tracht Prügel wieder nüchtern machen müssen. Das ganze Dorf sei außer sich geraten, als es dieses „fromme und gottge'ällige Benehmen" des Geistlichen sah. Diese „wahre Geschichte" wird natürlich mit ausführlichen Kommentar in allen bolschewistischen Zellungen berichtet und als Mittel zur antireligiösen Propaganda reichlich ausgcbeutet. Ober man inszeniert z. D. folgenden oft wiederkehrenden Fall. Einige Mädchen im schulpflichtigen Alter erzählen im Dorfe der Pfarrer Ä. R hätte mit ihnen unzüchtige Handlungen vorgenommen. Durch Schokolade und Bonbons wollte er sie veranlassen, darüber still zu fein. Die erzürnten Eltern melden natürlich die Sache der lokalen Tschekaverwaltung. Diese verhaftet den Pfarrer, gibt vielleicht die Angelegenhell an die höhere Stelle weiter und so wird der in den Anklage- zustand versetzte Geistlich« in öffentlicher Verhandlung zu drei Jahren Gefängnis verurteile Was hilft es dem Bedauernswerten feine 11a- schuld zu beteuern, und zu erklären, dieses angeblich von ihm begangene Sittlichkellsverbcechen fei eine Ausgeburt der Phantasie. Man stellt ihn als unverschämten Lügner noch an den Pranger und gibt ihm eine Straferhöhung. Dieses Schicksal betrifft aber nicht nur Angehörige bet christlichen Kirche, sondern ebensogut kirgisische Mullcchö oder buddhistische Pr'.ester der einzelnen asiatischen Republiken un dieser Beziehung tennt der Bolschewismus keine Unterschiede. Aber die Ergebnisse solcher Prozesse sind nicht zu unterschätzen. Einmat verliert natürlich ein Priester, der so unschön verleumdet wurde, jede Autorität in der Öffentlichkeit und ist für die Kirche verloren, Dann aber gelangen diese Geschichten durch die „Prawda" und »Jswestija" ins Ausland, wo man über einen derartigen anscheinenden Sittenver'all der russischen Priesterschaft den Kopf schüttelt und ihn sich nicht zu erklären weih, weit man eben nicht viel mehr als die äußere Form dieser Slondalprozesse kennt. Die andere Methode bezweckt die Herbeiführung von Uneinigketten unter den Geistlichen selbst und unter den Anhängern der Kirche. Eine Folge solcher Differenzen ist dann die Sektenbildung. Auch in dieser Hinsicht hat die Tscheka bereits größere Erfolge gehabt. Am besten verdeutlicht die peinliche Situation der Kirche ein typischer und häufig sich ereignender Fall: Die Tscheka verhaftet unter einer beliebigen Anklage einen Geistlichen. Durch allerlei tteinliche Mittelchen mit deren Beschreibung wir uns hier nicht aufhalten können, so interessant und bezeichnend sie auch für den Bolschewismus sind, wird der Betreffende genötigt, Vie .Borschläge" der politischen Behörde anzu- nehmen. Er bestätigt nun schriftlich den Empfang einer gewissen Summe und gründet noch Den Weisungen der Tscheka eine besondere Religionsgemeinschaft, die sich von der landeslirch- lichen Anschauung in einigen Punkten wesentlich unterscheidet. Dieses merkwürdige Berfahren findet nun keineswegs die volle Billigung der bisherigen Mitglieder seiner Kirche. Sie lehnen ihn entweder ab und teilen sich in eine für ihn und gegen ihn stimmende Gruppe, von denen die letztere sich wieder ihren eignen Geistlichen wählt. Aber damit noch nicht genug; Die Kollegen des Reformators geraten selbst mit ihm in Streit. Auch sie sind Über diese unbegründete Spaltusg uni) Absonderung, die für die Kirche doch sehr schädlich wirkt, recht erbittert. Die Bolschewiken, die hinter den Kulissen dieser Komödie arbeiten, freuen sich am bloßen Zusehen des von ihnen in Szene gesetzten Schauspiels. Oesters geschieht es dabei, daß die Anhänger der verschiedenen Richtungen sich auf der Straße in die Haare geraten und einander blutig schlagen. Bei diesen' Vorgängen pflegt die bolschewistische Mlliz nie einzugceifen und eine ganz „neutrale" Haltung zur Schau zu tragen. Aber die Sowjetpr.sfe bringt einen spaltenlangen Artikel über diese „skandalösen Zu- stände in der christlichen Kirche". Lind das wirkt natürlich wieder auf das Ausland. Während die alteren Arbeiter neben der bürgerlichen Grsellichastsschicht erfreulicherweise ihr religiöses Empfinden wahrten und der gesamten antireligiösen Tendenz der Partei unzufrieden, aber machtlos gegenüberstehen, hat die neue Losung in den Kreisen der unreifen, kommunistischen Jugend Rußlands Anllang gefunden. Sie glaubt weder an Gott noch an den Teufel, kümmert sich um keine andere Moral als die „Parteiethik" und genießt die von den Sowjets verkündete Freiheit des Aus- lebens in schrankenlosester Weise. Man kann beunruhigt sein Über die weitere Entwicklung dieser Menschen, welche zu 75 Prozent Taugenichtse geworden sind und über die man selbst in Arbeiterkreisen beständig KlaK zu führen hat. Wer einmal etwas von den „Chuligani" im heutigen Rußland gelesen hat, wird die obige Ziffer nicht a!8 übertrieben ansehen. Die westeuropäischen kommunistischen Jugendverbände stehen turmhoch über denen der Bolschewiken und können mit den letzteren überhaupt nicht verglichen werden. Seit einigen Jahren erscheint als offizielles Organ der antireligiösen Propaganda der von 'Jaroslawsii herausgegebene „Desboschnik". Es ist wohl selbstverständlich, daß der Inhalt und die ganze Aufmachung der Zeitschrift mit den übrigen Methoden der Tscheka schön harmoniert, t Wollte man über die Religionsbekämpfung im heutigen Rußland ausführlich berichten, so FfoürDe mit Leichtigkeit ein umfangreiches Buch entstehen. Eine solche Arbeit seht das Studmm • einer gewaltigen Masfe von Literatur voraus. Sie würde aber wichtig fein, als ein Beitrag zur Erkenntnis der kulturfeindlichen Tätigkeit des Bolschewismus und wäre aus diesem Grunde wünschenswert. Man kennt in Westeuropa die Politik der Moskowiter zur Genüge, aber die von ihnen beabsichtigten „kulturellen Reformen" sind nur verschwommen unb unklar bisher ange- "ceutet worden. Sich mit ihnen bekannt zu machen, ist die Ausgabe eines jeden Menschen, der über Sowjetrußlund urteUen will. Die Deutschen in Polen. Bei Beginn der Aussprache über die auswärtige Politik im Reichstag haben die Regierungsparteien durch den Abgeordneten Emminger von Der Bayerischen Vollspartet eine Erklärung abgeben lassen, in der eine besondere Stelle dem Ausgang der unmittelbar vorher stattgehabten Wahlen inOstoberschlesien gewidmet war. In dieser Erllärung wurde ausdrücklich Bezug genommen aus die Rechts- verwahrung der R e i ch s r eg i e ru n g gegen die Entscheidung des Völkerbundsrates, durch welche Oberschlesnn, entgegen allen früheren Annahmen und Erwartungen, zerrissen wurde, nachdem das Ergebnis der Grsamtab- stimmung sich klar und unzweideutig für das Verbleiben ganz Oberschlesiens bei Preußen und beim Reich ausgesprochen hatte. Der QI ud gang der Gemeindewahlen in Ostoberschlesien hat gezeigt, daß die Erkenntnis von dem ungeheuren kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Fehler, der durch Die Zerreißung des unteilbaren ganzen Oberschlesiens begangen worden ist, auch in den polnischen Bewohnern Oftoberschlesiens gewaltige Fortschritte gemacht hat. Der große deutsche Wahlsieg ist der beste Beweis dafür, daß es den Polen trotz aller Unter- drückungsmahnahmen, trotz aller Einschüchterung, froh aller Rechtsbrüche bisher nicht gelungen sst, den deutschen Widerstand zu brechen. Er hat aber auch aller Welt außerhalb Polens die Augen Darüber geöffnet, wie es in Wirklichkeit dort aussieht. Es ist begreiflich, daß der polnischen Regierung der Wahlausgang im höchsten Grade unbequem ist, und daß sie nach Mitteln sucht, den ungünstigen Eindruck zu verwischen und zugleich eine Aenderung anzubahnen, die es in Zukunft ermöglichen würde, die Wiederkehr eines solchen Wahlergebnisses zu verhüten. Ersteren Zweck glaubt sie durch eine Rote erreichen zu können, die sie in Berlin hat überreichen lassen und deren Inhalt sie veröfsentlicht hat. In dieser Rote wird Protest eingelegt Dagegen, daß sich „In Anwesenheit von Vertretern Der Reichsregierung" ein Abgeordneter in Der Erllärung Der Regierungsparteien über Den Ausgang Der Wahl in Ostoberschlesien in eine rein innerpolilische Angelegenheit Polens eingemischt habe', als besonders erschwerend wird der Umstand hervorgehoben, daß in Der Erklärung den dentschen Wählern Polens Der besondere Dank Deutschlands für ihre Haltung ausgesprochen wurde. Diese Protestnote ist auf gut deutsch eine echt polnische Frechheit, Die damit beantwortet werden sollte, daß die Reichsregierung sie ihrem großen Papierkorb einverleibt und im übrigen unbeachtet läßt. Die Polen aber mögen es sich gesagt sein lassen, daß für uns die Ab- reißung Ostoberschlesiens immer noch ein rechtswidriger und somit ein rechtsungültiger Akt war unb ist, obwohl wir gezwungenermaßen die Tatsache der Abtrennung selbst als vollzogen anerkannt haben. Wir haben daher nach wie vor ein volles Recht, uns sehr airgelegentlich um die Dinge in Ostoberschlesien zu kümmern, ganz abgesehen davon, daß es dort auch um das Schicksal sehr zahlreicher deutscher Reichsangehöriger geht. Die Behandlung Der deutschen Reichsangehörigen in ganz Polen überhaupt ist ja ein Kapitel, das nach jeder Richtung hin höchst uw- erfreulich und für die Polen höchst beschämend ist. Sehr zur richtigen 3eü veröffentlicht Die „Germania" einige Ziffern über die Liquidation deutscher Besitzungen in unteren alten Provinzen Posen und Westpreußen. In völliger, zum Teil bewußter Unkenntnis Der wirklichen Verhältnisse ist Polen zur angebllchen Rückgängigmachung von Enteignungen polnischen Besitzes in jenen Landesteilen im Friedens der» trag das Recht erteilt worden, selbst zu enteignen. Der Zweck dieser Bestimmung war und ist augenscheinlich Der, zwangsweise vorgenommene Enteignungen aufzuheben oder wenigstens Dem Wert und Umfang nach Polen in den Besitz deutschen Bodens zu setzen. Auf Grund des preußischen Enteignullgsgesehes sind insgesamt 1665 Hektar Grundbesitz in polnische Hand enteignet worden. Durch freihändigen Ankauf hat die preußische Ansiedlungskommission rund 33 400 Hektar Grund und Boden aus polnischem Besitz erworben und somit insgesamt rund 40000 Hektar Nikolaus. Der einstige Bischof von Myra in Lykien hat gewiß nicht daran gedacht, daß er später einmffl im fernen Europa zu einer so volkstümlichen Figur werden sollte, wie es bei uns Der heilige Rikolaus geworden ist. Denn Knecht Ruprecht ist weiter nichts als der nachzestaltete heilige Rikolaus. Er trägt bei uns auch noch viele andere Ramen, wie Pelzmärtel, Pelznickel, Pelz-Rikolaus, Duttertlas, Knecht Klaus usw. In welcher Zeil Rikolaus Bischof von Myra, der Hauptstadt Lykiens, war, ist heute nicht mehr zu ermitteln. Gewiß erscheint, daß er auf der ersten ökumenischen Synode von Ricäa im Jahre 325 nicht anwesend war, und daß auf dieser Synode sein Rame auch nicht erwähnt worden ist. Wahrscheinlich hat er erst nachher gelebt, am Ausgang des vierten oder im fünften Jahrhunderts. Unter dem oströmischen Kaiser Justinian I. muß jedoch Der heilige Rikolaus schon hoch verehrt gewesen sein, denn in dieser Zeit, von 527 bis 565, waren in Konstantinopel schon mehrere Kirchen auf den Ramen des Bischofs von Myra geweiht. Seine Verehrung im Abendland begann erst, nachdem seine Gebeine im Jahre 1087 nach Bari in Italien überführt worden sind. Im späteren Mittelalter bis in das 18. Jahrhundert hinein hieß Rikolaus in vielen Gegenden nur der Kinderbischof. Ihm zu Ehren mürben jedes Jahr am Rikolaustag große Umzüge abgehalten, wobei sich Die Kinder einen Kinderbischof wählten. Die mit dieser Wahl verbundenen Feierlichkeiten biteben nicht aus Schule und §>aus beschränkt, sie hatten auch einen kirchlichen^ Charakter. Kinderbischof zu werden, galt in vielen Städten als eine große Ehre. Rur die fleißigsten und tüchtigsten Knaben hatten Aussicht. inmitten eines großen Gefolges von Erwachsenen unb Kindern als Klndtzrbischos in Die Kirche einziehen zu können. Der für den RikolauS- tag gewählte Kinderbischof hatte im nächsten Jahre auch mancherlei Privilegien. Die Ursache dieses Brauches und des anderen, den 'JitiolauS als Knecht auftreten zu laffm, bürfte auf alte Legenden über Den heiligen Rikolaus zurück» zuführen sein. Er galt schon frühzeitig als Wun- Dertäter, und vor allem soll er Unglücklichen und Bedrängten stets gern geholfen haben, und zwar immer heimlich Dieses heimliche Schenken und Geschenkebringen ist dann guf Knecht Ruprecht und Knecht Rikolaus übertragen worden. • Kein Tag im Jahre, abgesehen vom Weihnachtsfest, erfreut Die Kinder mehr, als der 6. Dezember, Der dem Heiligen Rikolaus geweiht ist. Ein rechter Freund Der Buben und Mädchen, die im Laufe Der vergangenen Monate fleißig und artig gewesen sind, ist St. Rikolaus, der in alle Häuser und Stuben konrmt, Dem Artigen Aepsel, Rüsse und Pfefferkuchen, Den Ungezogenen aber die Rute bringt. Er ist Der Vorbote des Christkindes, wie Denn auch der ihm gewidmete Tag meist als Vorfeier Dec Weihnacht angesehen wird. In Ostfriesland z. B. pfleat man sich die andernorts Weihnachten ausgetauschten Geschenke schon am 6. Dezember zu geben. Ueberall aber ist der Kinderbrauch anzutreffen, am Vorabend des Rikolaustages Schuhe oder Strümpfe vor Die Türen oder Fenster zu legen, in die Dann Der Heilige allerlei gute Gaben spendet; um St. RikolauS zu besonders erfreulichen Geschenken anzueifem, fügt man da und dort wohl auch besonders gut ausgefallene Schularbeiten oder Handarbeiten bei. Die Stelle Der Schuhe ober Strümpfe ersehen wohl auch, so im bayerischen Walde, Heine Papierschiffe, in Die der Heilige seine Spenden legt Das Klausen- ober Betholz — ein gelauteter Stab, in Den für jedes an St Rikolaus gerichtetes Gebet ein Einschnitt gemacht wird — spielt gleichfalls in Der Zeit vor dem 6. Dezember eine große Rolle, muß es doch am Helligen Abend, z. D. in manchen Eiselgegendrn, dem Christkind zum Zeichen Der Frömmigkeit und Artigkeit vorgewiesen werden. Rikolausritte um Kapellen oder Kirchen, die Dem Helligen geweiht sind» waren in früheren Zeiten weit verbreitet; man glaubte durch diese Umritte das Vieh, vor allem die Pferde, vor Krankheit und Gefahren zu schützen. 3m Sieger* mit Deutschen besiedelt Don Rechts wegen wäre die polnische Regierung also höchstens zur Enteignung von insgesamt 40 000 Hektar berechtigt Bis jetzt sind jedoch rund 100 000 Hektar enteignet worden; es schweben Ertteiznunasverf ähren über eine Gesamtfläche von 95 000 Hektar. 219 Domänenpächter, die rund 100 000 Hektar staatliche Domänen bewirtschafteten, und 4000 Ansiedler, Die zusammen 60 000 Hektar besaßen, sind entschädigungslos ausgewiesen worden. Das macht zusammen 355 000 Hektar, die von Den Prien entweder enteignet worden sind oder enteignet werden sollen. Das ist Die Art und Weise, wie die polnische Regierung eine Bestimmung mißbraucht, Deren Zweck und Sinn Hat zutage liegt. Wenn also jemand ein Recht hatte, sich mit einer geharnischten Protestnote gegen dm anderen Teil zu wenden, so wäre es die Reichsregierung Die polnische Protestnote soll jedoch mir Dem Zweck Dienen, Die Aufmerksamkeit des Auslandes von Der schweren Blamage abzutercken, die in Dem Ausgang Der ostobersÄesischen Wahl für Die polnische Regierung liegt Wenn sie gleichzeitig versucht, durch Die Angliederung rein polnischen Gebietes an Ostoberschlesien dieses so zu vergrößern, daß in Zukunft das Gesamtergebnis einer Wahl in der politischen Provinz Oberschlesien anders aussieht als diesmal, so wird das ein Versuch am untauglichen Objekt fein. Einen Wahlausgang zu fälschen, wird der polnischen Regierung auch auf diese Weise nicht gelingen — Dafür werden die Deutschen in Ostoberschlesien fargen! Reichskanzler Luther in Brasilien Emo Rede vor den Ausländsdeutschen. Reuyork,4.Dez. (TU.) In Diode Janeiro veranstaltete der Botschafter der Vereinigten Staaten, Morgan, zu Ehren des früheren Reichskanzlers Dr. Luther ein Frühstück, an Dem das gesamte diplomatische Korps, Der brasilianische Außenminister, sowie prominente Mttglieder der deutschen Kolonie teilnahmen. Bei einem großen Empfang, Den Die deutsche Kolonie in Sao Paulo Dem Reichskanzler a. D. Dr. Luther gab, hielt dieser eine bedeutsame Rede, in der er Die Ausland- deutschen ausforderte, Das Deutschland Der Rach« kriegszeit nicht zu unterschätzen. Unter stürmischem Beifall hob er hervor, daß Die wirt s cha f t - liche Wiederaufbauleistung Deutsch» l a n d s nicht hinter seinen Leistungen während des Weltkrieges -urückstehe. Das Ausland- deutschtum möge kich in Einigkeit unter dem Symbol der deutschen Handels lügge sammeln. Dr. Luther begründete dann den bekannten Flaggenerlaß, Der eine Brücke unkt den Auslanddeutschen habe herstell:n sollen. Er erwähnte weiter den Austritt Brasiliens aus dem Völkerbund, wobei er betonte, daß Deut'chlands Interessen einen universellen Völkerbund verlangten und daß Die Richsreqie- rung deshalb all^l getan habe, um Dem Völkerbund die Mitarbeit Brasiliens zu erhalten. Richt Deutschland habe Den Grund für Den Aus. tritt Brasiliens gegeben. Dieser habe vielmehr lange Zeit vorher bestanden und fei nur durch Den Eintritt Deutschlands und ganz ohne dessen Schuld akut geworden. Der Austritt Brasiliens sei vom deutschen Standpunkt außerordentlich zu bedauern. Tie Rede Dr. Luthers sand in allen Deutschen Kreisen heg lieferten Widerhall. Auch Die brasilianische Preise stimmt Den Ausführungen Dr. Luthers lebhaft zu. VoÄf Rio De Janeiro trat Reichskanzler a D. Dr Luther Die Heimreise nach DeutschlanD an. Am Pier hatten sich zu ferner Verabschiedung Vertreter Der Regierung und Mitglieder Des diplomatischen Korps eingefunDen. Turnen, Sport und Spiel. Vornehmes Spiel. Spider, Schiedsrichter, Zuschauer. Von allen Sportarten hat sich das Spiel am meisten die Gunst der Ausübenden wie der Zuschauer erworben. Fußball und (seit dem Krieg) Handball sind in Deutschland Volkssport, Fuß. ball ist König in der ganzen Welt. Soll es so bleiben, bann müssen alle, die daran beteiligt sind, und das sind die Spieler, die Schiedsrichter und die Zuschauer, das ihre dazu beitragen. Rur ein Spiel, welches neben der Möglichkeit feiner Technik die Befriedigung des Kampfeifers verbürgt, kann sich auf Die Dauer in Gunst halten. Die zuständigen Verbände müssen deshalb, soweit die unbedingt notwendige Disziplin und Vornehmheit nicht von den Be- tetligten selbst mitgebracht wird, dafür sorgen, daß die Erziehung überall dort einsetzt, wo sie zu wünschen übrig läßt. Der Spieler soll immer daran denken, daß er spielt nurum des Spieles halber, d. h. daß feine ganze Freude, feine ganze Lust am Austoben, am Messen seiner Kräfte mit denen des Gegners keinen anderen Zweck als oben diesen hat. In eine solche Auffassung ist von vornherein die Nück- sichtnnhme auf den G e g n e r eingeschlossen, verbietet sich von selbst jede Roheit, jede Disziplinwidrigkeit, lebe Unehrlichkeit. Das beste wäre überhaupt, wenn man auch den Kampf um die Punkte beseitigen würde, Der die Ursache vieler übler Begleiterscheinungen im Sport ist. Leider ist das in absehbarer Zeit noch nicht in vollem Umfang möglich, unb so müssen benn anbere Maßnahmen bafür sorgen, baß bas Spiel nicht seinen Charakter als Spiel verliert. Dem Schiebsrichter fällt bie Aufgabe zu, nicht nur herüber zu wachen, baß bie Spielregeln genau beachtet werben, fonbern in feiner Hand liegt es auch, ben Gang bes Spieles, bas Verhalten ber Spieler unb ber Zuschauer zu beeinflussen. Er ist in erster Linie verantwortlich, wenn .Ausschreitungen Vorkommen. Dom Schiebsrichter muß verlangt werben, baß er seine Tätigkeit vollkommen unparteiisch ausübt. Vorbebingung für seinen Beruf ist außerbem. baß er ben betreffenben Sport selbst ausübt bzw. ausgeübt hat, benn nur bann kann er bas richtige Verstänbnis für bas Spiel, sowie für bie Hanblungen ber Spieler aufbringen. Dazu gehört eine lückenlose Kenntnis ber Spielregeln unb bie Fähigkeit, sie nicht nur ausroenbig zu wissen, fonbern sie auch sinngemäß anwenben zu können. Der Schiebsrichter muß ferner eine Persönlichkeit fein, weil er nur bann sich ben nötigen Respekt vor seiner Person verschafft. Damit ist nicht gesagt, baß er sich ben Soielern gegenüber als Der „liebe Herrgott" auffpielcn soll. Ist er fid) seines Könnens bewußt, ist er überzeugt baoon, richtig ge- hanbelt zu haben, bann wirb er mit feinen Maß- nahmen auch nicht halt machen vor Spielern, bie sich durch ihre Leistungen einen Namen gemacht unb bie Gunst bes Publikums erworben haben. Die Verbände haben ihren Schiedsrichtern, auf Deren gute Ausbildung sie durch Kurse die größte Aufmerksam- teil verwenden, genügend Machtmittel an die Hand gegeben, es gilt nur, sie vollkommen unparteiisch, aber auch rücksichtslos anzuwenden, wenn verhütet werden soll, daß der Sport Schaden leidet. Unb zu britt bie Zuschauer! Es ist eine leiber gar nicht so seltene Erscheinung, daß bas Publikum für seine Lieblinge, noch mehr für „feinen" Verein, Partei ergreift. Die Spieler werben nicht nur angeeifert, ihr Bestes zu teijten, fonbern vielfach werben darüber hinaus auch Rücksichtslosigkeiten be- rtatscht, wenn die eigene Partei einen Vorteil dadurch gewonnen hat. Der Fanatismus eines unerzogenen Publikums ist der schlimmste Feind des Sports, denn er wird ihm diejenigen abwenden, die von ihm mehr verlangen, als lediglich einen Kampf ber Kräfte. Auch ben Zuschauern gegenüber wird in erster Linie ber Schiedsrichter durch sein einwandfreies Verhalten von maßgebendem Einfluß fein, ein Grund mehr, nur bie Tüchtigsten für dieses schwierige Amt auszuwählen. Letzten Endes ist der Verein diejenige Stelle, welche durch die Erziehung ihrer Spieler, durch die Ausbildunq von Schiedsrichtern dafür sorgt, daß auch bie Zuschauer ben Sinn bes Spieles, des Sports verstehen, nämlich, daß er dazu berufen ist, einen Teil unserer Bil- bung barzustellen. B.-N. Ein neuer deutscher Schwimmrekord. (TU.) Beim interncttioncil.Schwimmsest imStrah- bueg, bei dem sowohl deutsche als auch französische Schwimmer an den Start gingen, gelang es Dem Godpinger Faust, einen neuenWelt- rekvrD im 1 0 0 - M e t e r - B r u st s chw i m- men aufzustellen. Gr verbesserte Die bisherige lande begnügte man sich Damit, eine Strohpuppe Durch Die Gassen zu tragen. St. Rikolaus kommt zuweilen zu Zftri), oft auch reitet ec al- würdiger alter Mann im beschöflichen Kleide auf einem Schimmel oder Esel, woher sich Die Gepflogenheit Der Kinder z. B. im Rheinland erklärt, neben Die ausgestellten Schuhe oder Die auZgehängten Strümpfe Gefäße mit Wasser, Heu und Hafer zu setzen. Reben dem gütigen Greise erscheirrt oft auch eine Schreckgestalt, so Die „Mehlbe^e" in manchen Schweizer Gegenden, oder die Lucia in Böhmen. Daß besonderes Gebäck für Den 6. Dezember angefertigt wird, versteht sich wie bet saft allen volkskundlich wichtigen Tagen, von selbst. Auch als Markttag hat Der 6. Dezember seine Bedeutung; und endlich gilt Der Heilige als Schutzpatron der Seeleute und Der Müller. Die verwaisten Eltern. In neuerer Zeit greift ein Gebrauch Des Mittelwortes verwaist um sich, Der Der Bedeutung des Grundwortes Waise nicht ftunnü. Eine Waise oder ein Waisenkind, wie man volks- mäßig sagt, ist ein elternloses Kind, auch ein des Vaters oder der Mutter beraubtes Kind hecht so; in Schillers Teil spricht Armgart von ihren Kindern als armen Waisen. Unerortert soll hier Die Ableitung des Wortes bleiben, sowie Der GeschlechtLwechsel, der sich an ihm vollzogen hat: bis ins 18. Jahrhundert u>rad) und schrieb man nur von einem männlichen Waisen, Lessing wies zuerst Darauf hm, daß man in neuerer Zeit Waste weiblich gebrauche: W.r sagen, dieser Knabe ist eine Waise, et ward sehr jung zur Waise. Dieser Geschlechtswechsel rief das Bedürfnis einer Unterscheidung hervor, feit Dem Anfang des 18. Jahrhunderts ist ber Waisenknabe bezeugt, Der heute meist in herabsetzender Bedeutung gebraucht wird, namentlich von VolkSrerttetern; bie Redensart: daS ist Der reine Waisenknabe (im Vergleich zu anderen Personen) stellt seinen Fähigkeiten kern gutes Zeugnis aus. Daß v. Unruh 1919 („Vor Der Entscheidung" 56) daS Wort Waise auch auf Tiere übertrug, ist nicht zu beanstanden: Waise Füllen lecken (— springen) toll; schon vorher sprach bei L. Francois („Erdmuthe" 57) ein Sohn, dem Der Vater starb, von dem verwaisten Vaterhaus, und im Nibelungenlied wirb mehrmals das Land als verwaist beklagt, Dem Die Burgund en so viele Recken erschlugen. Bedenklicher erscheint der Satz (von A. Soergel, „D:e schöne Literatur 24, 357): Der Tod D;r Mutter verwaist ihn frühe wie den Vater auch den Vater macht er zur Waise? Run, schon Goethe bietet in den Wanderjahren einen verwaisten Gelehrten Dar statt eines verwitweten, und ebenda liest man: Die Eltern hatten kurz vorher (vor dem Tode ihres Sohnes) eine Tochter verloren unb sahen sich nun im eigentlichsten Sinne verwaist. Er meint wohl einen verstärkten Begriff. etwa völlig kinderlos; das stimmt zu dem (freilich zweifelhaften) Gegensatz in der „Ratür- lichen Tochter": Verwaiste Väter sind beklagenswert, allein verwaiste Kinder sind es mehr. Man könnte allenfalls beraubt einsetzen für verwaist, aber Dann wäre die „eigentliche" Bedeutung noch einer Ergänzung bedürftig. Am wenigsten gerechtfertigt Unb so zugefpiyte Aeuße- rungen wie die von F. v. Laars „Thassilo": So mach' ich Deine Mutter zur Waise jetzt (durch Tötung ihres ungeratenen Sohnes Rother), oder Die in Spittelers „Olympischer Frühling" (4. 19): Dreier Kinder ward bie Mutter wais (Waise als Beiwort gebraucht wie bet v. Unruh). Die unklare ©innesübertragung läßt sich nur auf den Mangel eine- Wortes für Den Begriff: des Kindes, der Kinder beraubt zurück- füfjren — vielleicht schlösse vereinsamt, wenn nicht entflöhet die Lücke, wenn man dieser Wandlung in der Bedeutung des Wortes verwaist nicht freien Lauf lassen will. Im Vorwort zu A. Stifters Werken, Dd. 4. VII sagt Leopold Müller: Der Versuch Stift.rs im humoristischen Genre ist ohne Rachfolger geblieben unb steht etwas verwaist unter ben andern Werken des Dichters. Roch kühner ist es. wenn in Romain Rollands großem Roman Ehristvs nach Der Hochzeit und Abreise seines Freundes zum Vater cer jungen Frau sagt: Run wären wir all» Witwers Ceifhmg bc8 Deutschen Rademacher von 1 Min. 15,8 Cd. auf 1 Mm. 15,6 Sei. Stüdtejchwimmkampf der Deutschen Turnerschaft. 3m StLdtrschwunmkam-f der brutschen Turnerschaft Leipzig -Berlin, der am gestrigen Sonntag im Earolabad in Leipzig abgeyalt« wurde, siegte Leipzig mit 54 Punkten wahccn^ Berlin 33 Punkte erzielt:. Bon den drei Kämpfen gewann Leipzig 6, Berlin 2. Die Futzballergebnisse vom Sonntag. Btaiabejirt: Liktorm Hanau 94—8-ff. Hanau 93 1:1. Rot-Deiß Frankfurt a. M.—Viktoria Aschaffenburg 6:1 v. f. L. Neu-Isenburg—F. S. D. Frankfurt a. M. 2:6. Eintracht Frankfurt a. M.—Germania Frankfurt a.M. 2:1. Offenbacher Kickers—Union Niederrad 5:1. Bayern: Wacker München—1. F. ff. Nürnberg 0:1. F.ff. Fürth—1. F C. Bayreuth 2:1. 2L S. '15. Nürnberg—Bayern München 1:2. Schwaben Augsburg—1860 München 2:5. Rheinbezirk: 03 Ludwigshafen—3.93. Darmstadt 4:1. Phönix Mannheim—Sp. 93g. Sandhofen 5:2. 5.13. Daldhof—D. C. Pirmasens 8:2. L. f. L. Neckarau—B. f. R. Mannheim 4:2. Phönix Ludwigshafen—F. 93. Speyer 3:1. IDürttembetg-Baben: 93. f. 9t. Heilbronn—Stuttgarter 5. ff. 0:0. Union Bückingen—Freiburger F. ff. 1:4. Stuttgarter Kickers—D. f. D. Stuttgart 1:4. S.ff. Freiburg—Phönix Karlsruhe 3:1. Sportfreunde Stuttgart—Karlsruher F. B. 2:5. Rheinhessen-Saar. 1. 8. 6. 3tat - F «. D Mainz 05 4:1. Alemannia Worms — F. V. Saarbrücken 0: 0. Doruffia Neunkirchen -- Dormatia Worms 0:0. Gintracht Trier - 0. C. Wiesbaden 1: 5. Hessen-Hannover. Gruppe Süd Hessen 09 — Hermairia Kassel 0:2. Kurheffen Kassel — Borussia Fulda 2:2. S. Dg. Marburg — B. f. B. Gießen 1: 2 Gruppe West: Göttingen 05 — Sport Kassel 5: 1. Staffel 03 — Sp. Bg. Münden 9: 4. Einbeck 05 — Sv. Bz. Döttingen 3:4. Der Berliner Fußballmeister geschlagen. 3n feinem Spiel am geilt gen 6mt . gegen Wacker 04 erlitt der Berliner Fußballmeister Hertha — Berliner Sportklub - feine erste Niederlage in der diesjährigen Meisterschaft. Er verlor 2: 5. Oberhessen. Landkreis Gießen. Lich, 5. Dez. Auf eine in jeder Beziehung wohtgelungene Werbeoeranftaltung, die dem deutschen Turnen manchen neuen Freund gewonnen haben dürst:-, kann unser Sur n oe r- e i n von 1 860 zurückblicken. Bei vorzüglichem Besuch sand gestern abend in der Turnhalle ein Werbeturnen statt, an dem nutzer den verschiedenen Abteilungen deS Vereins auch befreundete Turner aus Nidda, (Sieben und (Scoben-ßinben, die als Mitglieder der Gauwerberiege bekannt find, teilnahmen. Nach herzlichen Begrühungsworten des Vorstandsmitglte- des A H i s g e n wickelte sich eine reichhaltige Darbietungsfolge ab. Was die Gäste an Reck, Barren und Pferd boten, war über alles Lob erhaben, und fand den immer wieder stürmischen Beifall der Zuschauer. Aber auch der Verein selbst konnte sich mit seinen fin(langen sehen lassen Die Freiübungen der aktiven Turner, die Volkstänze der Turnerinnen und die Stabübungen der Altersturner toaren Jn ihrer wirkungsvollen, exakten Ausführung ein beredtes Zeugnis für die fleißige Arbeit, die die Turnwarte und Vorturner geleistet. Don der Gröhe der Deutschen Turnerfchaft gab der Film vom Hermanns- Gießener Stadttheater. Gastspiel des Mainzer Ltadtttzcatcrs: „Der Freischütz." Daß Webers „Freischütz" immer noch in alter Jugendsrische seine Hörer zu bannen vermag, zeigte die Aufführung im Gießener Stadtlheater. Damit erweist sich aber auch die überragende Bedeutung des in seiner Art inmitten der gesamten Opern- Produktion einzig dastehenden Werkes, und seine Vorrangstellung hat es sich nun schon weit über ein Jahrhundert erhalten. Denn als erste unter den Opern stellt sie den deutschen Menschen in seiner vollen Wesenseigen tümlichkeit dar, zum erstenmal wird in der Oper eine nationale Sprache in der Musik gesprochen. Alle die vorhergehenden Operwerke der Klassiker äußern mehr ein universelles Menschentum, hier erwuchs das Derk aus dem deutschen Wesen: „Das deutsche Märchen, die schauerliche Sage waren es, die hier den Dichter und Komponisten unmittelbar dem deutschen Volksleben nahebrachlen-, das seelen- volle, einfache Lied des Deutschen lag zugrunde, so daß das ganze einer großen, rührenden Ballade glich, die mit dem edelsten Schmucke der frischen Romantik ausgestattet, das phantasievolle Gemüts leben der deutschen Nation auf das charakteristischste besingt.E (R. Wagner.) Und doch, nur allein der deutsche Stoff hätte ein solches Werk nicht bedingen können. Weber mußte mir einer neuen Form des Schaffens und des Musiklebens den Weg zeigen. „Es sind Dinge darin, die in dieser Weise noch nie auf der Bühne waren, die ich daher ohne den mindesten Anhalt an schon Vorhandenes gänzlich frei aus meiner Phantasie schaffen mußte. (Weber.) Und dieses Neue war das Herauswachsen seiner Personen aus der unmittelbaren Umgebung, kurzum das. was wir heute gern als Milieu bezeichnen. Holte die Musik bisher wohl auch das menschliche Innenleben .^schlossen, so waren aber bisher musikalische Aeußerung und szenisches Erlebnis Parallel- vorgänge gewesen: bei Weber verschmelzen beide zu einer Einheit; denn in ihm bricht ein neuer Typ des Schaffenden sich durch, des Synästhetikers, bei dem alle seelischen Funktionen sich zu einer Einheit durchdringen, wo das vom Auge Erschaute sich in lauf der Deutschen Turnerfchafi. an dem sich im vergangenen Jahr ja auch trelcr Snrnt eretn sehr zahlreich beteiligte, ein anschauliches, eindrucksvolles Bild. Der Abend, der ganz auf ernste Werbearbeit und auf dir geistigr Durchdringung her Darbietungen ein gestellt war, fand feinen Höhepunkt mit einer fchllichtni Shrenke i e r. Die Turner Hermann Dietz. Wilhelm Fey, Ludwig Scher ff und Wil- belm Wacker, von denen die drei ersten schon 50 Jahre dem Turnverein angehörrn, sind vom Gau Hessen für würdig befand m worden, durch Verleihung deS Gauehrenbriefes ausgezeichnet zu wcröen. Da sie als Wett- tinner und Kampfrlchier einst im Gau und durch stille, unrerfcroffene Vorst and-arbeit auch im Verein verdienstvolle Arbeit für b:e deutsche Turn- fache geleistet haben. Der 2. Gaurertreter, Redakteur St. Schneider lButzbach), würdigte die Verdienste der Genannten in e.ner echt turnerischen Ansprache, gratulierte tot Auftrage des GauvorftandeS und überreichte deck Ausgezeichneten die kunstvollen Urkunden. ES find die ersten Gauehrenbriefe, die der Verein ausgr- bändigt bekam. Vor einigen Jahren schon sind drei Turner deS Vereins, die \\ä>_ einst als Turnwarte und durch ihre rege Tätigkeit im Gau besondere Verdienste erwarben, mit dem Shrenbricf des Mittelrheinkreises der D. T. ausgezeichnet worden. Diese Inhaber des KreisehrenbrieseS find die Ehren- Mitglieder Philipp Ohwald, Christian Vater und der inzwischen verstorbene Turnlehrer Wilhelm Langsdorf. a. Großen-Linden. 4. Dez. Zur Feld bereinigung der Gemarkung Är.'ßen-Linden waren wegen der Bonitierung der Grundstücke 95 Reklamationen eingereichl worden. Eine Anzahl fanden inzwischen ohne Schiedsgericht ihre Erledigung. Jn der abgelaufenen Woche tagte das Schiedsgericht mH der Povzugskommission hier, um die Begründung der Retlamationen zu hören. Am 6 und 7. Dezember erscheinen die Mitglieder des Schiedsgerichts noch einmal, um die in Betracht kommenden Grundstücke zu besichtigen. Hiernach er geht das Urteil. Behält der Reklamant recht, so ist er frei von Kosten, unterliegt er. so hat er anteilmäßig an den Kosten mitzubezahlen. T r e i s a. d. Lda., 4. Dez. Während an anderen Orlen eine rege Bautätigkeit herrscht, ist diese in unserer Gemeinde verhältnismäßig ge» ring, obwohl eS auch hier an Wohnungen mangelt ttnb an Daulustigen nicht fehlt. Dies mag hauptsächlich darin feinen Grund haben, daß kein gutes Baugelände vorhanden ist. Das bei der Feldbereinigung vor einigen Jahren für diesen Zweck vorgesehene Gelände hat sich liegen der Grundfeuchtigkeit als wenig geeignet erwiesen. Es ist nun beabsichtigt, durch Abholz,«n des sogenannten ..Buchvaldes" unterhalb des Dorfes nach Mainzlar zu weitere Bauplätze zu getoinnen. Die Gemeinde steht wegen dieses Platzes, der Staatseigentum ist. mit dem Fiskus in Unterhandlungen. Die Neubauten in her ..Simme". die bereit« vor mehr als zwei bzw. drei Jahren begonnen sind, schreiten nur langsam voran: drei davon gehen nunmehr ihrer Vollendung entgegen, während ein weiterer in nächster Zeit in Angriff genommen werden soll. — Am nächsten Montag soll hier mit dem Schlagen des Holzes in Staats- und Gemeindewald begonnen werden. Es sind zu diesem Zweck vier Rotten ausgestellt. — Auch in der hiesigen Gemarkung scheint der Wildbestand in diesem Jahre ziemlich gering und nur Füchse in größerer Zahl vorhanden zu sein. Bei einer kürzlich hier sta'.taehabten Jagd wurden ein Reh, ein Hase und eine Schnepfe erlegt. Krcis Fricdbcrst. sf. F r i e d b e r g. 5. Dez. In der Nacht auf Sonntag wurde in der hiesigen Augustiner- schule ein Einbruch verübt. Den Spuren nach handelt es sich um zwei Personen. Es sind offenbar dieselben Täter, die in der letzten Zeit in einer ganzen Anzahl von Schulen der Umgegend derartige Einbrüche begangen haben. Obgleich die Einbrecher zahlreiche Schubladen und Schränke öffneten, war die Deute nur ganz gering, da sie es offenbar nur auf bares Geld abgesehen hatten und der Versuch, einen Kassenschrank zu offnen, vergeblich war. z£ Bad-Nauheim, 5. Dez. Nachdem vor drei Wochen Einbrecher den beiden hiesigen Schulen einen Besuch abgestattet und dabei Geldbeträge (etwa 80 Mk.) mitgenommen hatten. imreflettierrer, unmittelbarer Weise musikalisch äußert. Und daraus erklärt es sich, daß feine Gestalten unmittelbar näher an uns herantreten, uns greifbarer werden, die Distanz zwischen unserem Innern und der Szene fortfällt, wir hören und erblicken ein Stück unseres eigenen deutschen Wesens. Mögen auch von anderen bis dahin die Gestalten noch so naturgetreu, menschlich gezeichnet worden sein, sie stehen bem^örer doch noch in einer gewissen objek- tivierenden*Fsrne gegenüber. Wir können sehr wohl eine Mozart-Arie im Konzertsaal losgelöst von der Szene vollwertig musikalisch genießen, eine Arie der Agathe oder des Aennchen wohl kaum, wenn wir nicht noch ein sehr starkes Erinnerungsbild von der Bühnenfituation haben. And dieser innige Kontakt mit dem Szenischen mußte auch auf Webers Schaffe rsform einen weitgehenden Einfluß aus üben. Beim Erleben der Situation drängt es in ihm zur Aeuherung, und mit einer eminenten Sicherheit weih er manchmal mit wenigen Tönen sich bildhaft zu verständigen, rind so werden wir bei ihm weniger eine motivische Ausnützung des angeschlagenen Themas antrerfen, als stets andere der Szene folgende motivische Neubildungen. Lind das mag erst recht ein Grund fein, dah feine Opernmusik trotz feiner volkstümlichen Wurzel ohne die Szene schlechthin nicht denkbar ist. Wege, die nach ihm Richard Wagner weiter ausbaut. Da, wo bei Weber die Erfindung frei flieht, wo kein bewuhter Wille zum Grohen die Intuition behindert, da wird seine Melodik stets volkstümlich erscheinen, denn sie ist ein Ausfluß der Naturhaftigkeiü Lind selbst da, wo er scheinbar Tonmalerei bringt, wie zum Beispiel in der Wolfs'chlucht. da sind es die Spannungen beim Erleben der Naturkräfte, die sich in ihm unmittelbar ohne Reflektion auslösen, und so biete Dä- monik ausstrahlen. Es ist eben Musik, die mit der Szene gehört sein will, aber sich nicht formalistisch zerlegen läßt 11 nb von diesem Gesichtspunkt aus können wir Beethovens Aeuherung verstehen: „Ich sehe freilich, waL Weber will, aber er hat auch verteufeltes Zeug hineingemacht ! Wenn ichs lese, wie da bei der wilden Jagd. — so muh ich lachen, — und eS wird doch das Rechte sein. So was muh man hören, nur hören, aber da — ich —.* erfolgte in der Rächt zum heutigen Sonntag wieder ein Einbruch in Die Ober- realfchule. In dem Amtszimmer des Direktors trutben. genau wie vor drei Wochen, die Schubladen erbrochen. Soweit bis jetzt festgestellt werden konnte, üi em Sprechapparat mit Platten für den fremdsprachlichen Unterricht mitgenommen worden. Anscheinend handelt es sich um dieselbe Einbrecherbande, die u. a. vor etlichen Tagen im LandgerichrSgebaude :nGießen und dann in einer Hanauer Schule .Gastspiele" gegeben hat. DEN. Vilbel, 4. Dez. Bürgermeister N e ch - thien teilte in einer Bürgerverlammlung mit. daß die Schaffung einer Autolini« Vilbel — Fe a) e n b e i m — Offenbach gesichert fei. Der Verkehr durfte Anfang Januar ausgenommen werden. Mrcie AlHfeld. M Alsfeld, 5. Dez. Geste tu fand hier im großen Saale des „ Deutschen Hauses" die vierte staatsbürgerliche Bildungs- tagung der Reichszentrale für Hei- matdienst, Landesabteilung Hessen, statt. Die Beteiligung war gut, insbesondere von selten der Lehrerschaft. Die Leitung lag in der Hand deS Herrn Karl Olime tt von Franlfurt. Vormittags sprach Dr. Ziegler. Assistent am Seminar für Soziologie an der Universität Frankfurt a. M.. über das Thema: .Die Genfer Tagung und die deutsche Außenpolitik. Erlebnisse und politische Betrachtungen eines Augenzeugen." Interessant waren m Dem Vortrage besonders die Ausführungen, wie in dem Völkerbund gearbeitet wird. Am Nachmittag sprach Regierungsrat a. D. Dr. Keck, Syndikus der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.. über »Wirtschaftspolitische Gegenwartsfragen", wobei er insbesondere die Bedeutung bed Begriffes der Weltwirtschaft und die Zusammenhänge der einzelnen Wirtschaftszweige, insbesondere von Landwirtschaft und Industrie, mit diesem Problem erläuterte. Als dritter Vortragender solgU Studienral Dr. König aus Gießen mit dem Thema .Dom Reich, vom Doll uird von den Grenzen", der die Zuhörer durch die deutschen Sprachgebiete im Westen. Süden und Osten Europas führte, die trotz Abtrennung vom Deutschen Reiche ihre volkliche Eigenart bis auf den heutigen Tag sich erhalten haben. Er erblicktin den durch den Krieg gefchasienen staatlichen De hält- nissen eine günstige Aussicht, dah endlich der Gedanke eines Grohdeutschland doch zur Ausführung kommen werde. Interessant waren insbesondere seine Ausführungen über den Anschluß von Deutsch-Oesterreich. Reicher Beifall lohnte alle Redner. Den Dank der Versammlung für die sehr lehrreichen, fachlichen Vorträge ter Redner gab am Schluffe der Tagung Kreis- direktor Dr. Stammler Ausdruck, dabei die Hoffnung ausfprecheird. die staatsbürgerliche Tagung im nächsten Jahre wieder in Alsfeld begrüßen zu dürfen. Den Dank an alle Mitwirk enden sprach der Leiter Karl O l l m e r t auS Frankfurt auS. (!) Groß-Felda. 4. Dez. Unser Marktflecken ist feit Anfang dieses Monats Gendarmeriestation geworden. Gendarmeriewachtmeister Heß. der bisher in Ortenberg stationiert war, hat die Leitung der Station. Sein Dienstbezirk besteht aus den Orten Groß-Felda, Ermenrod, Schellnhausen, Zeil» bach, Klein-Felda, Kestrich, Windhausen bis zu den Gemarkungsgrenzen. Dieser Dienstbezirk war vorher teils den Stationen Nonnenrod und Nieder-Ohmen zugeteilt. (!) Storndors, 4. Dez. Vor einigen Tagen ist unser langjähriger Lehrer-E d e l m a n n von hier nach Beuern im Kreise Gießen verzogen, wo er eine neue Lehrerstelle angetreten hat. Länger als ein Jahrzehnt versah er den Unterricht an der hiesigen ersten Klasse. Seine Schüler verlieren in ihm einen gewissenhaften, gerechten Lehrer, der allezeit weiterstrebend aus dem Gebiete der neuen und neuesten Er ziehungs- und Unterrichtslehre gründlich zu Hause war und vorbildlich wirkte, lieber ein Jahrzehnt war er der rührige Dirigent des hiesigen Männergesaug- vereins. Lehrer Edelmann war auch lange Jahre der verdienstvolle Obmann des Bezirks-Lehreroereins Windhaufen. ld. Aus dem Vogelsberg, 4. Dez. Dieser Tage beginnen in fast allen Förstereien die Holz h a u e r n r b c i t c n. Die Zahl der Holzhauer ist überall gestiegen, da sich arbeitsuchenden Kleinbauern andere Berdienstmöglichkeiten, wie Wegebauten u. dgl„ nicht bieten. Die Holzhauerei wird deshalb bald beendet feilt Es ist mit frühen Holz- oersteiqenlngen zu rechnen. z. Eifa, 4. Dez. Dieser Tag? vollzog sich hier ein Wechsel in der Besetzung der L-hr erstelle, her von unliebsamen Vorgängen begleitet war. Schulverwalter Z e b ' u ß. der hier «mßerorhrntlich beliebt ist. Icurde von der Schulaufsichtsbehörde nach Reibertenrod versetzt, während her dortige Lehrer Hofmann bic diesige Schulst eile erhielt. Als Lehrer Zeh fuß jetzt den Ort verlieh, wurden ihr- • a Ebre:». sogar die Kirchenglocken geläutet. drüberc Schritte an zuständiger Stelle in Darmstabl und in D s'cld. das Verbleiben de» Herrn Zchsirsi in unterem Orte zu erwirken, toaren ohm- Erfolg g'blieb;n. Darüber waren zahlreich - Einwohner fo erbittert, dah sie bei der Anl nft des neuen Lehrers Hofmann M i 6 - sallenskundgebungen veranstalteten, die sich gegen den Lehrer richteten und an denen auch di- Schuljugend sich beteiligte. Nun- urchr iit feget ein Schulftreik ausgebrochen. Das völlig vrr'ehlte Verhalten der Gemeinde ist sehr bcMucrlid) und to rd übrigens wohl auch noch ein gerichtliches A tchsp el haben. Wie von sachverständiger Seite betont wird, muhte her Austausch der Lehrer vorgenommen werden, ha Lehrer Hosmann schon nah zu 14 Jahre im Dicnft ist. Schulverwalter Zehfuß aber erst etwas über 3 Jahre und daS vorfchriflsmähige Alter noch nicht erreicht bat Starkenburg. • Darmstadt, 5. Dez. Hier wurde der HilfSförster Heinrich Kalbfleisch au» Romrod wegen Schwindeleien in Gießen und Darmstadt se st genommen. — Sine ältere Frau, die au3 der Anstalt Philipps- hospital bei Hofheim entwichen war. wurde hier angehalten, gerade als sie sich im Woog ertränken wollte. Sie wurde in das Stadt- krankenhaus eingeliefert. Rheinhessen. Lpd. 21 i c D c r o [ m. 5. Dez. Der in der Wiesenmühle defchä'tigte 27jahrige Müller Fr. Horn wurde vom Schwungrad deS Motor» erfaßt und auf der Stelle getötet. Preuhen. Kreis Wetzlar. CO Lützellinden, 4. Dez. Bei einer heute in einem Teile der hiesigen Feldmark abgehaltenen Treibjagd wurden 28 Hasen erlegt. Im Vorjahr betrug die Strecke ungefähr das Doppelte, ein Beweis dafür, daß der Bestand an Hasen in diesem Jahr sehr stark zurückgegangen ist. KrciS Kirchhain. 98691. Kirchhain,!. Dez. Nach einer Statistik der Kreisbehörde hat die Lebereaelseuche im Kreise Kirchhain große Verluste an Vieh verursacht. Insgesamt sind der Seuche zum Opfer gefallen: 715 Rinder, 420 Ziegen und mehrere taufend Sckase. Die größten Verluste haben die Gemeinden Scyweinsberg und Mardorf aufzuweisen, nämlich Schweinsberg 189 Rinder, 220 Ziegen und Mardorf 249 Rinder und 83 Ziegen. Dberlahnkreis. WSN. Weilburg, 5. Dez. Hier ist eine Fernsprech -Vermittlungsstelle mit «elbstanschlußbetrieb eingerichtet worden, die am 10. Dezember in Betrieb genommen wird. Kreis SSimbttM. WSN. Diez, 4. Dez. Der Zuchthäusler Kleins, der noch sechs Jahre abzusitzen hat, wurde beurlaubt. Diesen Urlaub benutzte er zu neuen Einbrüchen und Untaten. Es gelang, ihn in Bingen wieder festzunehmen. Kreis Usingeir. WSN. Usingen, 5. Dez. Bekanntlich wurde dieser Tage im Waldesdickicht bei Ufingen der Hausverwalter Zeitler aus Frankfurt a. SOL erschossen aufgefunden, der sich von seinen Jagd- freunden getrennt hakt--. Obwohl es den Anschein hatte, dah ZeiUer durch eigene Hand ober einem Unfall zum Opfer siel, mußte doch die Frage nach- geprüft werden, ob nicht ein Verbrechen vorlag. Die behördliche Untersuchung des Falles hat ergeben, daß unzweifelhaft Selbstmord vorliegt. Und über die romantische Well äußert sich Tveber einmal selber: „3n dem Freischütz liegen zwei Hauptelemente, die auf den ersten Dlick zu erkennen sind: Jägerl:ben und daS Walten dämonischer Mächte, die Samiel personifiziert... Die wichtigste Stelle für mich waren die Worte des Max: „mich umgarnen finstere Mächte", denn sie deuteten mir an, welcher Hauptcharakter der Oper zu geben sei." Und daß ihm die Zeichnung des Dämonischen gelungen ist, mag Beethoven bestätigen: „Ter Kaspar, das Untier, steht da tote ein Haus. Heber all too der Teufel dis Tatzen reinsteckt, da fühlt man sie auch." Und ein Romantiker unserer Tage (Hans Pfitzner), sieht die Natur in ihrem Weben und Wirken auf Menschenfeele und Menfchenfchicksal: „Das Herz des Fresichütz ist das unbefchreiblich innige und feinhörige Naturgefühl. Die Hauptperson des Freischütz ist sozusagen der Wald, der deutsche Wald im Sonnenglanz, von Hornklängen und Jagdlust belebt, her Wald im mitternächtigen Gewitter imb finsterer verrufener Schlucht, im ersten Aus blitzen der Morgenfrühe, im traulichen Hereinrau'chen in das abendliche stille Försterzimmer." Und die Menschen in dieser Umgebung stehen im innigsten Kontakt mit ihr, es find nicht nur Menschen, die sich nur durch ihr Gewand unterscheiden, sondern Persönlichkeiten m individueller Ausprägung mit der ihnen eigenen Sprache, man denke z. B. nur an den Bauer Kilian. Und diese Welt wurde lebendig vor uns von der ersten Note der Ouvertüre an (Weber: „Wer sie zu hören versteht, wird die ganze Oper in nuce darin finden") bis zum Jubel des Lchluhfinales — eine W^>ergedenlfe.ec, wie sie nicht würdiger sein konnte. Ern jeder mit seinem persönlichen Wesen an seinem Platze, eine Abrundung hn Spiel, insbesondere auch in dem in der Oper gefürchteten Dialog, wie man es sich schlechthin nicht besser denken konnte. Olga Stephan war eine Agathe, frei von The ater all!, um so stärker in der Gestaltung, von einer Jimigkeit. wie sie eben mir der deutschen Jungfrau eigen ist, und ihr Gesang wuchs aus der Szene, besonders die große Arie war ein Höhepunkt voller Stimmung: und Aennchen «Rose Book) als aufheilernde Freundin mit sprühender Lebenssreude und neckischem Wesen, gesanglich und darstellerisch gleich groß. Heinz P r y b i t war als Kaspar in der Maske schreckhaft teuflisch, um so stärker noch in Spiel. Dialog und gesanglicher Dramatik. Han» Hoefflin gab dem Max gesangliche dramatische Höhepunkte, unh auch im Ensemble erwie» er sich als ein feinsinniger Sänger mit wunderbar schmiegsamem, wohllautendem Organ. Emil Sieger! (Crbförster) mit väterlich warmen Tönen, Walter H a g n e r (Eremik) mit wundervoll rundem Stiinmklang. Paul Bergers charakteristischer Kilian, August Stier, ein Fürst voll Würde; und alle die vielen, besonders auch der Chor, die, jeder an recht« Stelle, sich in den großen Rahmen fügten, jeder zu seinem Teile die Bedeutung des Arends steigernd. — Karl Löffler hatte für die einzelnen Szenen recht charakteristische Bilder geschaffen, an denen das Auge seine Freude haben tonnte, und Ludwig Keim hatte die an ihn herantretenden Beleuchiungsschwierigkeiten, besonders in der Wolssschluchtszene (wilde Jagd) mit sehr erfreulichem Erfolg gemeistert; es mutz dies um so mehr betont werden, da gerade der „Freischütz" mit seiner eigenartigen Musik vom Szenenbild stark abhängt. Das Orchester war einzig abgerundet in seiner Leistung, das Auf tauchen von charakteristischen Wendungen in einzelnen Instrumenten ließ auf eine besonders feinsinnige und liebevolle Durcharbeitung schließen, wie man ihr bei ständigen Repertoireopern feiten begegnet, r» war eben eine Feftauffühcung und ein ganz besonderes Verdienst von Generalmusikdirektor Paul Vreisach; er hatte augenscheinlich das Derk von allen Einschleppungen des tradittonel- len Bühnenbetriebes befreit, um so unmittelbarer konnte Weber zu uns sprechen. — Der Theaterdireltion gebührt der Dank all« für die so außerordentlich aWrunfcete Vorstellung, und man wird mit allerhöchsten Erwartungen kommenden Gastspielen der Mainzer Op« entgegen seh en. Nur daS Publikum mühte während der Ouvertüre mehr Disziplin zeigen, Heiligte iten, gar Geldzählen, dafür bietet die Paus^ wenn es durchaus fein muh, doch genügen! Zeit. -Hi’ Maingau. WSR. Frankfurt a. M.. 5. Dez. Welche Vorsicht beim Hantieren mit Benzin geboten ist, zeigt toiebcr einmal ein Fall, der sich in der Kaiserhofsttaße abspielte. Die Inhaberin einer Plissieranstalt reinigte ein Klei- dunasstück mit Benzin in der Bähe des gereizten Ofens. Plötzlich entzündete sich das Benzin und es entstand ein Zimmer- brand, der, ehe die Feuerwehr kam, gelöscht war, und dem eine Menge Damentlrider zum Opfer sielen. Die unvorsichtige Geschäftsfrau erlitt schwer eB randwunden. — Inder vergangenen Rächt gegen 2 Llhr wurde der Arbeiter Karl Müller beim Verlassen einer Wirtschaft in der Großen Fischergasse von einem Arbeiter Albert B. durch zwei Messerstiche in den Hinterleib so schwer verletzt, daß er ins Heiliggeist-Hospital verbracht werden muhte. Der Täter wurde fest genommen und ins Polizeigefängnis erngeliefert: er erklärte, keinen Grund für die Tat gehabt zu haben, und wisse nicht, wie er dazu gekommen sei. gur 400-Iahrfeier der Universität Marburg. WSR. M a r b u r g, 4. Dez. Im Iahre 1927 wird bekanntlich die Universität Marburg die 400jährige Wiederkehr des Tages feierlich begehen fönncn, an welchem sie von Philipp dem Großmütigen als Pflege- stätte des akademischen älnterrichts und wissenschaftlicher Forschung begründet wurde. Wie wir erfahren, ist für die Feierlichkeiten anläßlich des Iubiläums folgendes vorläufiges Programm (Aenderungen Vorbehalten) aufgestellt worden: Freitag, 2 9. Iuli, nachmittags Enthüllung des Gefallenendenkmals, abends daran anschließend Arckelzug der Studentenschaft und Begrühungsabend. Samstag, 30. Iuli, 10 Uhr Festgottesdienst, 12 Uhr interne Feier in der Aula, Begrüßung der Behörden usw. Sonntag, 31. Iuli, 11 Uhr Festakt und Ehrenpromotionen, nachmittags Festzug und Dolkssesl, abends Stadt- und Schlohbeleuchtung. Montag, 1. August, 11 Uhr Führung durch die Iublläums Institute (Kunstinstttut, Kinderklinik, Hals-, Aasen- und Oyrenllinik), abends Festkommers. Der Festakt und das Festessen finden im groben Festzelt statt, das auf dem Kämpfrasen errichtet wird. Marburger Studentenheim. ][ Marburg, 4. Dez. Im Zusammenhang mit der 400-Iahrfeier der hiesigen Universität steht auch der Ankauf des althistorischen F o r st h o f s in unmittelbarer Nähe des Landgrafenschlosses und des darüberlieaenden K u r h a u - ses Schloßberg (früher Schellenberg) für das Marburger Studentenheim. Es sollen dort etwa 70 bis 80 würdige und bedürftige Studierende aus Mitteln der Studienstiftung des deutschen Volkes ein Wohnheim finden. Der Erwerb des Kurhauses Schloßberg ist besonders einer hochherzigen Stiftung des Präsidenten des Reichsverbandes der Deutschen Jedustrie, Geheimrat Prof. Dr. Karl Duisberg, zu danken, zu dessen Ehren das Gebäude nach der Uebergabe anläßlich des nächstjährigen Universitätsjubiläums den Namen „K a r l - Duisburg.Haus" führen soll. Ferner hat der Minister für Wissenschaft, Kun st und Volksbildung seine Unterstützung in Aussicht gestellt. Für die Einrichtung der Einzelzimmer des Forsthofes ist geplant, die Kirchenkreise der hessischen Kirche zu Kassel um Beiträge in der Form anzugeben, daß einzelne Zimmer von ihnen ausgestattet werden und dementsprechend den Namen der betreffenden Kirchenkreise bzw. der Landschaft tragen. Einzelne Kirchenkreise haben ihre Bereiiwillig- keit dazu schon zum Ausdruck gebracht. Die gemeinschaftlichen Räume werden voraussichtlich von den drei Psarrvereinen von Hessen-Kassel, Wiesbaden und Frankfurt ausgestattet worden. Tagung des mittelrheinischen zabrikanten-vereins. Der Mittelrheinische Fabrikanten- Verein hielt dieser Tage eine Mitgliederversammlung ab, die er diesmal nach Kreuznach verlegte. Die Versammlung wurde von dem stellv. Vorsitzenden, Kommerzienrat Karl Dhckerhoff, geleitet. Zunächst berichtete der Geschiftsführec, Dr. h. c. Meesmann, über verschiedene wichtigere Vorgänge seit der letzten Versammlung, wobei er insbesondere auf die Verhandlungen im Reichstag über die besetzten Gebiete ein- gipg und mit Befriedigung feststellte, daß die Erklärungen des Ministers Bell über die stärkere Berücksichtigung des besetzten Gebietes durch Aufträge des Reichs, der Länder und Gemeinden, ferner über die Rotwendigkeit, daß die Wirtschaft des unbesetzten Gebietes die alten geschäftlichen Beziehungen mit dem besetzten Gebiet wieder voll anknüpfen müsse, und endlich, daß erhebliche Mittel zur Beseitigung von Rot- ständen zur Verfügung gestellt seien, sich in vollem Einklang mit den Wünschen des Wirtschaftsausschusses des besetzten Gebietes befänden. Auch die Ausführungen des Ministers, daß die von Deutschland gebrachten schweren und großen Opfer noch keine entsprechenden Gegenleistungen auf der anderen Seite, insbesondere hinsichtlich der Zurückziehung der Besatzung, der Aufhebung der Gerichtsbarkeit usw. gefunden hätten — sei doch z. B. die Besatzung nach den Angaben des Ministers im letzten Iahr nur von 88 000 Mann auf 80 000 Mann vermindert worden —, wurden unter dem Beifall der Versammlung vom Standpunkte der Wirtschaft aus stark unterstrichen. Es sei schwer verständlich, wie der französische Ministerpräsident am gleichen Tag in der französischen Kammer habe davon sprechen tonnen, daß bereits 90 Prozent der deutschen Forderungen erfüllt seien. Herr Russell, Koblenz unterstrich'die Ausführungen des Geschäftsführers und ersuchte, dem Wirtschaftsausschuß Material zur Verfügung zu Italien. Hierauf hielt Dr. Walther Dy ck e r h o f f einen sehr interessanten Vortrag über seine wirtschaftlichen Beobachtungen während eines etwa 1 ^jährigen Aufenthalts in Südamerika und den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Er kennzeichnete zunächst die Verhältnisse in den südamerikanischen Staaten, die noch ein Gebiet von ganz junger Kultur und starken Gegensätzen seien und deren wirtschaftlicher Schwerpunkt vor dem Krieg fast ausschließlich in dem Austausch eigner Rohprodukte und landwirtschaftlicher Erzeugnisse gegen ausländische Industrieerzeugnisse bestanden habe, während der Krieg den Anstoß zu einer eignen industriellen Entwicklung gegeben habe. Deutschland werde deshalb auf den südcunerikanischen Märkten nur Erfolg haben, wenn es in der Lage sei, Waren in bester Qualität bei mäßigen Preisen anzubitten und durch reelle geschäftliche Grundsätze sich das Vertrauen der Abnehmer zu erwerben. Erfreulicherweise finde der deutsche Exporteur in dieser Hinsicht steigende Anerkennung. Die Ausfuhr habe sich merklich gehoben, und es bestehe gute Aussicht, daß Deutschland seine alte Stellung auf den südamerikanischcm Märkten wieder gewinne. Zu den Vereinigten Staaten von Aordamerika übergehend, führte Rediwr aus, daß im Gegensatz zu Südamerika die Dortige Wirtschaft fast völlig auf den Inlandkonsum eingestellt fei, und zwar auf eine gleichmäßige Massenerzeugung, die durch die Gleichartigkeit der sozialen Verhältnisse mitbedingt werde. Der oberste Grundsatz der amerikanischen Wirtschaft bestehe darin, die Kaufkraft der Massen möglichst zu heben. Das geschehe durch eine sorgfältig durchdachte Organisation desDetriebs und weitestgehende Ausnutzung der Maschinenkraft, andererseits durch hohe Bezahlung der dadurch relativ verminderten Zahl von Arbeitskräften, entsprechend ihrer gesteigerten Acbettsleistung. Einem Rachlassen des Absatzes begegne man durch eine Herabsetzung der Preise und hebe dadurch wieder den Verbrauch Die Wirkung des amerikanischen Wirtschaftens sei, daß in Amerika der Marxismus und erst recht der Bolschewismus keinen Boden finde, und daß zwischen Unternehmer und Arbeiter das Verhältnis wirklicher Arbeitsgemeinschaft bestehe. Wenn auch die amerikanischen Verhältnisse nicht auf Deutschland übertragen werden könnten, so ergebe sich doch manche wichtige Autzanwendung. Redner schloß mit der Zuversicht, daß die allgemein in der Welt anerkannte deutsche Tatkraft und Erfindungsgabe uns auch künftig wieder auf dem Weltmarkt Geltung verschaffen werde. Sodann folgte eine Aussprache über das Ausstellungs- und Messewesen, die von dem Geschäftsführer durch Hervorhebung der verschiedenen Mißstände eingeleitet wurde. Alsdann sprach Dr. Döring vom Reichsverband der Deutschen Industrie über die Aufgaben und die bisherige Tätigkeit des dem Reichsverband ang:schlossenen Ausstellungs- und Messe-Amtes der Deutschen In - d u st r i e, das die Wirtschaft über alle Veranstaltungen unterrichte, ferner auf die Vermeidung überflüssiger Ausstellungen hinwirke und das Messewesen zu ordnen bemüht sei. Auch seien wieder Verbindungen mit dem Ausland ange- knüpst. um eine gegenseitige Verständigung über das Ausstellungswesen herbeizuführe:.. In der Diskussion wurde namentlich über d e Veranstaltung vieler kleiner Ausstellungen Beschwerde geführt und außerdem auch auf die Mißstände in der Herausgabe viel zu vieler Adreßbücher und Propagandawerke, die nur von den Inseraten leben, hingewiesen, wodurch die. Wirtschaft unnötig belastet werde. Am Schlüsse wurde eine Erklärung angenommen, in der zum Ausdruck gebracht wurde, daß das Lleberhand- nehmen der Ausstellungen und Messen, wie es namentlich durch den Wettstreit der Städte hervorgerufen worden sei, aus volkswirtschaftlichen und nationalen Gesichtspunkten beklagt und der Reichsverband der Deutschen Industrie aufgefordert wird, in Verbindung mit den übrigen Spihenverbänden und den Fachausschüssen dahin zu wirken, daß 1. die Messen mehr konzentriert und nach Art und Umfang möglichst begrenzt werden, 2. die Ausstellungen nach ihrem fachlichen Wert geprüft und je nach Ausfall der Prüfung den beteiligten Industrien die Beteiligung oder Richtbetelligung nahegelegt wird, 3. di« Entstehung der nach fachlichem Urteil überflüssigen Messen und Ausstellungen verhindert wird. Ferner sprach sich die Versammlung gegen eine in Berlin 1930 geplante internationale Ausstellung aus, wofür ein Bedürfnis nicht vorliege. Don den Schlachtviehmarkten. An den deutschen Schlachtviehmärkten bet vorigen Woche hat sich die Marktlage für alle Gattungen wenigstens einen Schein günstiger gestaltet: namentlich bei Schweinen und Schafen trat die Besserung deutlicher in die Erscheinung. In den Auftriebsziffern sind Abweichungen gegen die Vorwoche nicht zu verzeichnen. In der Preisbildung sind große Llnlerschiede nicht einge'treten. 3m einzelnen waren die Preise für Rinder unter geringfügigen Schwankungen vorwiegend etwas gebessert, für Kälber vielfach leicht nachgebend. für Schafe teilweise etwas besser und für Schweine unter kleinen Schwankungen behauptet. Auf den nachstehenden Märkten wurden für ein Pfund Lebendgewicht in Pfennig notiert: Rinder Berlin 20-60 Bremen 20-54 Breslau 17-59 Chemnitz 20-60 Dortmund 25-58 Dresden 25-61 Düsseldorf 25-64 Elberfeld 25-60 Essen 30-63 Frankfurt M. 20—62 Hamburg 16-59 Hannover 15-58 Husum — Karlsruhe 30—58 Kastel 24-60 Kiel 17-50 Köln 20-64 Leipzig 25-61 Magdeburg 20-60 Mannheim 13-60 München 20-59 Stettin 18-56 Stuttgart 13-59 Zwickau 15-56 Kälber Schake < Schweine 43-90 30-55 66-78 50-87- 25-50 60-73 45-73 26-58 62-80 50-75 38-50 65-79 45-90 30-46 64-79 55-75 27-60 66-83 45-82 — 62-80 55-85 — 65-79 48-105 30-50 64-78 52-77 25-43 65-78 35-93 23-52 60-75 40-85 30-50 60-76 — 36-46 — 60—70 25-40 73-81 44-64 — 65-80 31-110 24-52 45-72 50—105 30 — 45 -$2-81 35-70 35-55 62-82 42-72 25-46 60-81 44-78 32-45 62-79 50-76 — 56-74 30-83 15-54 65-79 50-71 — 60-80 55—75 25-52 72-82 Rundfunk-Programm. Dienstag, 7. Dezember: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Sugenb. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Operetten- mufft. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45 Uhr: Manfred Marlo spricht über „Das Meer", Schauspiel von Kurt Heynicke als sinfonisches Hör- spiel. 6.45 bis 7.15 Uhr: „Altdeutsche Tafelmalerei", Vortrag von Dr. Oswald Götz, Assistent am Städelschen Kunstinstttut. 7.15 bis 7.45 Uhr: Die Schachstunde. 7.45 bis 8.15 Uhr: „Warum gibt cs eine Arbeitersängerbewegung?". Vortrag von Max Bartsch. 8.15 bis 9.15 Uhr: Flötenkonzert. 9.15 bis 10.45 Uhr: Uebertragung von Kassel- „Das Meer", Schauspiel von Kurt Heynicke, als sinfonisches Hörspiel in vier Abteilungen, bearbeitet von Kurt Heynicke und Manfred Marlo: Musik von Eugen Bodart. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Mchmet^,. feit 80 Jahren bekannt - feinste Mischt::-zu I billigsten Preisen. 7837A Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34 , Iniorleren bringt Gewinn talsctaSprachtreiii, ftfa Sprache und Ku lur 08486 tnuii Weferstr. »7 LL t. Baugelände oberhalb der Frankfurter Straße, am liebsten Nähe der Nervenkltntk, zu kaufen gesucht. L-ff. u.'Jir. 1506 anHcrio, Plackstr. 5 10056b Donnerstag, 8. Deieober, 8l. Dir, aprloht im Htiraaal des Geograph. Inalltats, Brandplats 4 11. Univ -Prozessor Dr. Allreil Götze über Gäste willkommen. 10043D j kaufaesuche^ Acker hinter der schönen Aussicht für landw. Zwecke zu kaufen ae- sucht. Schr.Angebote mit Preisangabe u. 1004li) an den Gieß. Anz. erbeten Ohne Pret sang, belanglos Ilde! Im Erficht nnb am »Biber, Mitesser, Slfiten, "Bulteln, Wimmerln, tote und fleckige Haut, verschwinden lehr schnell, wenn man abend» den Schaum von .gucker'S V-Mrdizinal-Teisi", a Eilck. VO Psa. (15%tg). T?t. 1.— (25%ig) und Mk. 1.60 (36%lg, stärkste Form), eintrocknen läßt. Schaum erst morgen» abwaschen und mit,finfei 50 Pf. 1 Nr. 285 Drittes Blatt Gießener Anzeiger tGeneral-Anzeiger für Gberheffen) Montag, ü. oezeinber 1926 Wochenendtagung des yeimatdienstes in Gießen. 3n der Turnhalle der Schillerfchule veranstaltete cm Samstagvormittag der Heimatdienst für Die Lehrer und Bürgermeister des Kreiles eine Wochenendtagung. Eröffnet und einqeleitet wurde die überaus stark besuchte Bersan.nilung von Prooinzialdirektor Q r n * - , bei belonders aus die Unparteilichkeit sol- N)er Beranstalltingen hinwies. Als erster Redner sprach Pros. Dr. Raab, früher Privatdozent dn der hiesigen Universität, über Gegenwartsausgaben der Volkswirtschaslspolitik. Drei Probleme: Finanzen und Steuerdruck. Wohnungsnot und Wirtschaft und Arbeitslosigkeit legte er seinen Ausführungen zugrunde. Einleitend führte er aus, daß in Deutfchlanb 40 Proz. der Gesamtbc- oölkerung zur Erzeugung von Nahrungsmitteln erforderlich sind, gegen nur 20 Proz. in den Vereinigten Staaten. Während an diesen Grundursachen der Verschiedenheit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Länder nichts geändert werden kann, lassen sich aber Nöte, durch organisatorische Fehler hervorgerufen, beseitigen. Als Tatsache steht fest, daß heute die Steuersummen geringer als das Bedürfnis danach ist. und dost der Steuerdruck zu hoch ist. Daher wirkt die Steuerlast als Konsumbeschränkung. Nach neuesten Feststellungen der Stadt Kassel zahlt ein Steuerzahler 85 verschiedene Steuerarten. 1913 betrug der Steueranteil des Einkommens 10 bis 11 Prozent, 1924 dagegen 24 bis 26 Prozent. Da manche Steuerarten auch depressiv wirken, ergibt sich, dost bei einem Einkommen bis zu 7000 Mk. die Gc- famtsteuerlast proportional sich auswirkt. Der Steuerdruck wird sich aber noch erhöhen, da zur Zeit ^'Milliarden Mark von einmaligen Einnahmen gedeckt werden und das Reich noch einen Nachtrags- etat von J MUiarden Mark hat. Somit erhöht fiel) die Steuerlast in den nächsten 3 Jahren um 14 Milliarden Mark. Durch folgende Maßnahmen kann ober nur eine Milderung herbeigeführt werden: 1. Cs hat eine durchgreifende Vereinfachung des Steuersystems durch Beseitigung der kleinen Steuern, deren Erhebungskosten zu hoch sind, zu geschehen: 2. must eine einheitliche 'Steuervcrwaltung einsesten. Sämtliche Veranlagungen haben noch einheitlichen Gesichtspunkten zu geschehen. Die Lohnsteuer kann vom Arbeit- Lieber durch einen festen Hundertfatz erhoben werden, ebenso die Sozialversicherungsbeiträge. Hunderte von Millionen können durch Vereinfachung des ganzen Steuersystems erspart werden. — Das A r b c i t s - lofenproblem, das auf Deutschland noch vier Jahre lasten wird, weil wir bann mit dem Ge- burtenausfaU des Krieges 200 000 Menschen weniger Im Erwerbsleben stehen haben, kann nur durch ein neu gestaltetes Wohnungsbauprogramm gelöst werden. Die Verwirklichung dieses Programms erfordert ein Kapital von 8 Milliarden Mark und ist auszuführen, wenn der Wohnungsbau unter stärkster Heranziehung des internationalen Kapitalmarktes vollständig privatwirisch a f t l i ch unternommen wird. Dabei dürfen die Mieten der neuen Wohnungen höchstens 15 öle 20 Prozent über der alten liegen- dies ist zu ermöglichen, wenn der Unternehmer i der Bausumme aufbringt und $ von einer staatlichen Bodenkreditbank erhält, die das Geld zu 8 Prozent sich verschaffen kann, aber es zu 1 Prozent an Den, der bauen will, abgibt; dis restlichen 7 Prozent plus Verwaltungskosten wären von dem Teil der Mietzinssteuer zu decken, der seither als Baukapital hin- ausgegeben wurde. Berechnungen haben ergeben, daß man im ersten Jahr nur 100 Millionen Mark zur Deckung der Zinsdisserenz braucht, während zur Zeil j Milliarde der Mietzinsfteuer zum Bauen verwandt wird. Den zweiten Vortrag hielt Stuhtenrat Körber, Frankfurt a.M., über Der Gedanke der Bismarckschen Skaalskunfl für die Gegenwart. Der Redner führte u. a. aus Bismarck hat für alle Zeit für das deutsche Volk eine große Bedeu- iung. Nicht dos Bild Bismarcks mit dem Panzer und Helm, sondern der Bismarck, dessen Größe in seinem Mahhalten bestand, soll uns Führer sein. In seiner ersten politischen Tätigkeit als preußischer Vertreter im Bundestag lernte er: 1. Erwerb von Sachkenntnis in politischen Dingen, 2. den Parteimann ablegen, 3. Interessen des Vater- OerFrosch mit derMaske Roman von Edgar Wallace. 8. Fortsetzung. Nachdruck verboten Es war ärmlich und schäbig möbliert. Der Lehnstuhl neben dem Kamin hatte gebrochene Federn, in der einen Ecke stand ein unordentlich gemachtes Bett und in der Mitte des Zimmers ein Tisch, den ein fleckiges Tuch bedeckte. Darauf lagen einige Bücher und ein paar Blätter Papiers, die mit ungeschickter Kinderfchrift bedeckt waren. Elk las neugierig: „Der Mann hat einen Hund. — Der Mann ruft den Hund und der Hund bellt den Man an." Es gab noch mehr Blätter dieser Art. Die Bücher waren Fibeln der Volksschulklasse. Elk sah umher unb gewahrte ein billiges Grammophon unb auf der Krebenz ein halbes Dutzend zerkratzter und beschädigter Platten. Er drehte das Gas auf und zündete es an. nachdem er den Riegel vorgeschoben hatte, um sich gegen Uederraschungen zu sichern. Die vorn Hellern Licht beschienene Armseligkeit des Zimmers erschütterte ihn. Der Teppich mar abgetreten und voller Löcher. Es gab fein Möbelstück, das nicht Schäden getragen hätte Auf der Kredenz stand die Rechen malchine eines Kindes, ein mit Drähten bespannter Raymen, auf welchem Perlen aufgereiht waren, und woran man die Kleinen zählen lehri. Ein Papier auf dem Kaminsims zog ihn an. Es war eine Kopie des Millionenkontraktes, den Maitland heute morgen unterschrieben hatte. Seine klare Unterschrift mit dem charakteristischen Schnörkel stand Darunter. Elk legte das Papier zurück und begann die Wohnung zu durchsuchen. In einem Geschirr- schrank neben dem Kamin fand er eine eiserne Geldbüchse, in der Münzen klapperten. Etwa hundert Briefe lagen dabei, an Ezra Maitland, 193, Eidorstraße, Tottenham, adressiert. Es waren entweder Zirkulare von Geschäftsleuten ober politische Pamphlete, mit welchen bie Kandidaten ihre Wäh ter überfluteten. Sie waren alle uneröffnet. Sonst gas es nichts Jnterefiantes in dem Zimmer. Es war sicher, baß Der alte Mann hier schlief, aber — wo war das Kind? Elk drehte das Licht ab und ging die Treppe hinauf. Die Türe war versperrt landes über Gefühle von Liede und Haß zu an deren überordnen, und 4. auswärtige Politik könne keine Jllusionspolittl. ionbern nur Sachpoiiiik fein. Hinter all feinem politischen Wirken stand fein persönlicher Mut, Der mit außerordentlich großem Ber- antwori'inasgefühl gepaart war, der auf einer schlichten Frömmigkeit fußte. Dos Werden des Reiches war bedingt für ihn durch seine außen- politifdie Arbeit. Hier galt es vorerst Freundschaften zu erwerben, sein Maßhalten zeigte sich so recht nach Der Schlacht bei Köniagrätz. Rach dem Zu standebringen dcs Reiches, das nicht allein durch gro'.e Siege gelang, sondern in erster Linie besiegte die Staatskunst Bismarcks den Partikularisnnis bet Fürsten, war seine auswärtige Politik die Desen- sioc, um dem jungen Reiche Ruhe zur Entwicklung zu gönnen. Direkt genial ist daher sein Bündnis mit Oesterreich unb der Dreibunt); daß aber biete Bund niiie nicht für die Ewigkeiten feien,, wußte auch Bismarck. Aus dieser Einstellung, dem Reiche Ruhe zu sichern, ist seine Stellung im Kulturkampf und in der Bekämvsung der Sozialdemokratie zu verstehen; hierin sah er Beunruhiget des Reiches. Die Imponderabilien der geistigen Bewegungen in einem Volk hat er dabei aber verkannt. In der Sozial- vcrsicherungsgesetzgebung gab er dem Volk aber ein Werk, in dem er zum erstenmal das Wirken der ganzen Nation sah. Nicht nur aus seinen Erfolgen, sondern auch aus feinen Niederlagen kann das Volk lernen. Die hessische Hartsteinindustrie und die Frredhosskunst. Die hessische H a r t st e i n i n d u st t i e, die ihren Sitz in Starkenburg und in Oberhessen hat, leidet unter mancherlei Schwierigkeiten des Ab- satzes; selbst die Konkurrenz schwedischer Steine macht sich geltend. Diese Industrie zählt mehrere lausend Erwerbstätige. Nicht selten stößt sie aus Widerstand bei der Friedhofskunst; auf manchen Friedhöfen ist die Verwendung von Hartstein überhaupt ausgeschlossen. Der Anlaß zu dieser Aech- tung sind die polierten Grabsteine. Wie Prof. Dr. Georg H a u p t, der Leiter des Gewerbemuseums in Darmstadt, in einem „V o n neuer Friedhofs- k u n ft" betitelten Aussatz in der Zeitschrift „Volk und Scholle" zeigt, kommt es nur Da rau* an, den Hartstein richtig zu bearbeiten. Er schreibt u. a. dazu: „Wird der Hartsteln scharfkantig behauen mit ebenen Flächen, so erscheint er kalt unb leblos, von erzwungener Steifheit. Das liegt aber nicht am Material, sondern an seiner Behandlung, Granit verträgt keine Formgebung, wie sie sich bei der Bearbeitung weicher Gesteinsarten ausgebildet hat. Es wird sich nur darum handeln, bie richtigen Methoden für seine Behandlung zu finden. Das lehrreiche Vorbild haben wir in der Plastik der alten Aegypter. Aegypten ist das klassische Land für die Behandlung des harten Gesteins. Die Fülle von Denkmälern, die die alten Aegypter in solchem Material ausgesührt haben, unb der Umstand, daß Ihr plastischer Sinn sich gerade an diesem Material entwickelte unb übte, verschaffte ihnen eine Meister- Ö:, die sonst nirgends erreicht ist. Nickt darum eit es sich, daß wir für unsere Friedyofskunst, soweit Hartstein in Betracht kommt, ägyptische Formen entlehnen, fonbem darum, daß wir für die Behandlung des Materials bei ihnen in bie Schule gehen. Die übte Gewohnheit, daß der Steinmetz bei feiner Arbeit in Abhängigkeit bleibt von dem Reiß- brett des Zeichners, macht sich nirgends so lästig geltend, wie gerade beim Granit. Scharfe, bestimmte Formgebung widerspricht der Eigenart dieses Materials. Der Eindruck einer unfaßbaren, von innen dringenden Kraft, der ihm In so hohem Maße eigen sein kann, wird durch scharfe Kanten unb knappe Formen zerstört. Die Aegnpter haben es wundervoll verstanden, dieser Eigenschaft des Steins Rechnung zu tragen. Ihre Profilierung ist so leise wie mag lich, und bie Behandlung der Oberfläche erstrebt überall eine Rundung und Weichheit, welche bie Schönheit bes Materials zu vollster Wirkung bringt. B e i richtigerVerwenbung ist b e r Hart- ft e i n für unsere Friebhöfe sehr geeignetes Material. Für die hessischen Fachschulen wäre es eine dankbare Aufgabe, seine richtige Verwendung in diesem Sinne zu üben." Bei dieser Gelegenheit weist Prof. Dr. Haupt auch darauf hin, baß die Steinmetzen vielfach nicht die für Hartstein geeignete Schriftform bei Grabsteinen wählen. Er meint, sie hielten sich allzusehr an die Schablone und die Muster wären veraltet. Schriftiünstler unb Steinmetzen müßten in dieser Frage zusammengchci. Pros. Haupt erklärt, daß Hellen bie Steine habe, die Fachschulen und die Schreiber; er denkt hier in erster reime an bie erfolgreichen Offenbacher Schriftkünstler. Strafkammer Gießen. * Gießen, 3. De; Am 5. April 1926 fahr ein Metzger von Allertshausen auf einem Aad die Kreisstraßc nach Londorf zu. Er fuhr sehr schnell, To daß Passanten ihn In Voraussicht eines Unglückes warnten. Trotzdem verringerte er seine Schnüllgke't nicht und fuhr dabei auch in einer steilen, u.übersichtlichen Stunx einen 60jährigen Landwirt so unalückl.ch an. daß dieser alsbald verstarb Oa-3 Amtsgericht Grünberg hatte wegen fahrläfttge Tötung aus zwü Monate Gefängnis erkannt. Die Strafkammer wandelte diese Strafe mit AücNichi auf die Jugend, lln« bestraftheit und sonstige gute Führung des Angeklagten in eine Geldstrafe von 300 Mk. um Unter Ausschluß der Oessentlichkeit wurde gegen vier junge Leute auS Vurg-Gemün- d e n verhandelt. Mitte Juni dS. IS. war dort ein junges Mädchen aus einem Aachbardors von jungen Leuten in der gröblichsten Weise wörtlich und tätlich beleidigt wor-den. Zwei Angeklagte wurden mangels ausreichende.: Beweises freigesprochen. Die anderen bc den behielten ihre Gefängnisstrafen oongtoei unb einet Woche. Buntes Allerlei. Edison über bie Stabt bet Zukunft. Der greife Erfinder Edison, der so viel für den technischen Fortschritt geleistet hat, tut einen Mick in die Zukunft und schildert im .Forum Magazine", wie er sich die Drohstabt in fünfzig Jahren vorstellt. Zeitsparende. Maßnahmen werden daim noch weiter entwickelt sein als heute, und die Derkehrssragen werden von dem Mathematiker gelöst werden, der den jetzigen lebenden Derkehrsschuhmann durch wissenschaftlich arbeitende Maschinen erseht. In manchem wird es den Leuten dann besser gehen als heute, aber in manchem auch schlechter. So erhofft der Weise von Menko-Park eine erstaunliche Herabsetzung der Steuern, weil daim „bie Städte von Sachverständigen verwaltet sein werden", aber er furchtet eine grobe Zunahme der Verbrechen. Die Regelung deS Verkehrs erwartet er von zwei Methoden, einmal von der Anlegung besonderer Straßen sür die raschen Beförderungsmittel und dann von der ünterfcrücfung der Straßenkreuzungen. Die Dächer, die jetzt im allgemeinen unbenutzt sind, werden in Landungsstellen für Flugzeuge verwandelt werden, da man durch die Vervollkommnung des Helikopters imstande sein wird, senkrecht herunterzugehen. Das wird aber eine Menge neuer Anglücksfälle mit sich bringen, ohne freilich die allgemeine Verwendung des Flugzeugs aufzuhalten. Edison glaubt, daß der Lärm in den Städten der Zukunft sehr viel größer sein wird, so groß, daß die Menschen es in diesem Höllengetöse nur aushalten können, wenn sie so ziemlich taub werden. Der Verlust des Gehörs, den er voraussieht, wird eher ein Segen als ein Hindernis für den Stadtbewohner sein. Der Erfinder spricht aus eigener Erfahrung, denn er ist fast völlig taub geworden und empfindet das durchaus nicht als störend, sondern glaubt, daß dadurch seine Aerven gestärkt worden sind. Durch die Verkümmerung des Hörsinnes werden nach seiner Ansicht die andern Sinne eine bessere Ausbildung und Verschärfung erfahren. — 3n fünfzig Jahren muß es wirklich eine Lust sein zu leben. Das Kamel als Foxtrott-Tänzer. Ein neuer Foxtrott macht augenblicklich in London Aussehen. Er führt den schönen Titel „Wenn die Sahara schläft" unb wirb auf ber Bühne bes Viktoria-Palastes getanzt — von einem Kamel! Das „Schiff ber Wüste" bewegt sich rhythmisch unb so anmutig, wie ihm irgend möglich ist, zu ben Klangen biefer verführerischen Musik in grellem Licht ber Scheinwerfer. Doch die Wirkung bes Tanzes auf bas Kamel ist fast zu stark. Wie ein Lonboner Theaterblatt erzählt, folgte es kürzlich allzu wörtlich ber Aufforderung der Musik, unb — schlief ein. Durch kein Mittel tonnte es bazu benutz hier waren feine Instrumente ohne Nutzen, denn es war ein Patentschloß unb erst kürzlich angebracht. Vielleicht ist das Kinb hier, backte er. Ein zweites Zimmer, sichtlich bas ber alten Frau, war ebenso ärmlich möbliert, wie das Wohnzimmer unten. Elk trat auf ben Treppenabsatz hinaus unb just als er bie erste Stufe hinabstieg, horte er einen scharfen Ton. Er horchte, aber alles blieb still. Elk war ein Mann von guter Beobachtung unb er war ganz sicher, daß bas Tor offen gestanden war, als er bas Haus betreten hatte. Jetzt war es von innen verriegelt unb ber Schlüssel stak im Schloß. War es bas Kinb, bas durch seine Anwesenheit erschreckt, bas Tor versperrt hatte? Elk war klug genug, seine Forschungen nicht allzuweit auszudehnen. Er ging, so leise er es vermochte, den Gartenweg entlang auf bie Straße hinaus. Hier wartete er, indem er einen Posten cinnahm, welcher ihn befähigte, bie ganze Länge ber Eidorstraße unb ben Heinen Weg, ber sich in ber Mauer öffnete, zu überschauen. Bald daraus sah er bie Maillanbs zurückkehren. Der alte Mann trug bas Einkaufsnetz, bas jetzt angefüllt war. Elk sah bas Grün eines Kohlkopfes, als sie unter ber Laterne vorbeigingen. Er beobachtete sie, bis sie in ber Finsternis verschwanden unb hörte ben Klang ber sich schließenden Haustür. Fünf Minuten später kam eine dunkle Gestalt den Weg Hintes den Häusern hervor. Elk beeilte sich, den Mann zu verfolgen. Er tauchte in ein Labryrintb kleiner Gassen unter, der Detektiv ihm immer auf den Fersen. Er ging schnell, aber nicht zu schnell für Elk, der ein ausgezeichneter Fußgänger war. Im Lichte der Haupt- strahe drehte der Fremde um und Elk hielt ein Duuend Schritte hinter ihm. Aber er konnte sein Gesicht nicht eher sehen, als bis ber Verfolgte bie Türe eines wartenden Autos auftat und hin- einfprang. Es war Joshua Broad, ber Mann, ber Schlüsselringe in Whitehall feilhielt, in der teuersten Wohnung wohnte und Zeit fand, sich für Ezra Maitland auf bas nachbrücklichste zu interessieren. „Kommen Sie nur herein, Elk, es regnet zu stark", sagte er, unb Elk sprang in ben Wogen. Das Auto setzte sich in Bewegung und der Ame-, rifaner wendete ihm sein Roubvogelgesicht zu. „Sagen Sie, Elk, haben Sie das Kind gesehen?" Elk schüttelte den Kops. „Nein", sagte er. Er hörte bas Kichern seines Gefährten. „So, ich habe das Baby gesehen", sagte Broad und rauchte gemütlich seine Zigarre. „Wo war sie denn versteckt?" „Es ist ein Er", antwortete Broad ruhig. „Unb ich hoffe, daß Sie mir die Beantwortung dieser Frage erlassen werden. Ich bin fd)on eine Stunde lang im Hause gewesen, bevor Sie ankamen. Sie haben mir Angst gemacht. Ich hörte Sie kommen und dachte, es wäre St Nikolaus mit dem Barte. Nebenbei bemerkt, hatte ich bas Tor offen gelassen. Also, mein Lieber, was benten Sie darüber?" „lieber Herrn Maitland?" „Exzentrisch, hm? Wenn Sie erst wüßten, wie exzentrisch!" Als der Wagen vor Caverley Haus hielt, fuhr Elk aus seinem langen Sinnen auf. „Was sind Sie, Herr Broad?" ,Zch gebe Ihnen zehn Fragen vor!" lachte der andere fröhlich, als sie aus dem Wagen stiegen. „Geheimagent", meinte Elk prompt. „Falsch! Ich bin Privatdetektiv und mein Steckenpferd ist das Studium der Derbrecherkaiegorien. Wollen Sie heraufkommen und dn Glos Bier trinken?" „Ich will hinaufkommen, aber nicht trinken", sagte Elk. „Das heißt: nicht wenn Sie mir Gin mit Drangen anbieten. Ich habe mir auf meiner Reise nach den Vereinigten Staaten den Magen verdorben." Broad steckte ben Schlüssel in das Schloß seiner Wohnungstüre, als Elk plötzlich die Hand auf feinen Arm legte. „Deffnen Sie die Türe nicht!" sagte er flüsternd. Broad sah ihn überrascht an. Alle Muskeln im Gesicht des Detektivs waren abgespannt. „Warum nicht?" „Es ist nur ein Gefühl. Ich bin Schotte von Geburt und wir haben ein Wort „feg", bas Heber« natürliches bedeutet." Broad ließ die Hand sinken. „Sind Sie abergläubisch? ober spaßen Sie?" fragte er. „Es ist etwas hinter dieser Türe, ich könnte einen Eid darauf leisten." Elk nahm ben Schlüssel wogen werden, im graziösen Rhythmus bie Bühne zu überschreiten unb mußte idjhrtrunlen in seinen Stall gebracht werden. Der Direktor des Varietes war darüber gerade nicht 'ehr entzückt, aber der Schöpfer de: Forlrotts sicht darin nur einen neuen Beweis für die Wunderwiriiing feiner Melodie ... Die Vögel ihre Wunden hellen .Wenn ein starkes Schic' ;:a, esuuden hat." schreib' der bekannte Ornithologe Oliver Pike in einem englischen F'.chblattz .dann bleiben immer zahlreich. verwundete Vögel in Wald und Feld liegen. Viele von ihnen werden von den Wildhütern gehimmelt, aber manche entkommen auch Tiefe zeigen eine sehr bemerkenswerte Fähigkeit, ihre Wunden zu heilen und sich wieder aus die V.-ine zu helfen. Wenn c.:i Fuß abgeschossen ist, fo yüpst der Vogel aus dem übnggebliebenen Vein munter toeiter. Schlimmer ist es schon, wenn ein Flügel gebrochen ist, denn dann besteht wenig Aussicht, den vielen Feinden zu entrinnen. Aoer ich kenne manche Beispiele, daß Vögel mit gebrochenen Flügeln sich das Leben retteten, bis sie wieder fliegen konnten. Einer war ein Turmfalke, und dieses geschickte Tier blieb einen Monat lang auf der Erde, lick von allen möglichen Abfällen nährend, bis ick ihn dann gelegentlich wieder so gut wie je fliegen sah. Denn ein Vogel ein Dein bricht, so wird er sein eigener Arzt und legt sich aus Schlamm und Haaren einen hin ft- gerechten Verband an. V:sonders Schnepfen sind in biefer Chirurgie sehr geschickt Kürzlich sah ich einen Steinadler über ein schottisches Moor fliegen mit einer großen eisernen Falle am Fuß. Selbst mit diesem furchtbaren Hindernis lebte er weiter Fangen sich Vögel in Faller», so suchen sie sich zunächst durch wahnsinnige ftraftanftren- gung zu befreien, aber wenn sie finden, datz daS nichts nützt, dann untersuchen die intelligenteren) sehr genau die Sachlage. Ich sah einmal einen) Falken, der sich in einer starken Schlinge gefangen hatte. Der Vogel beobachtete sorgfältig die Schnur von jeder Seite und mochte sich dann ruhig daran, den Knoten mit dem Schnabel aufzulösen. Er war auch so erfolgreich, daß er sich nach wenigen Minuten befreit hatte. Ich habe ein verwundetes Aebhuhn beobachtet, das oen Flinten der Jäger während der ganzen Saison entging. Dieser Vogel konnte nicht fliegen, lebte aber doch unter seinem Schwarm weiter und fand sich immer wieder bei ihm ein. toenm er weggeflogen war. Der Dchrvarm wurde während der Jagd von 15 Stück aus 4 verringert, aber unter den ileberlebenben war der verwundete Vogel, der allen Aachstellungen glücklich entging. Ivie Leonardos „Mona Lisa" entstand. Das berühmteste Frauenbildnis der Weltkunst, Leonardos ..Mona Lisa" mit dem rätselvollen Zauberlächeln, ist wieder einmal der allgemeine Gesprächsstoff, nachdem behauptet worden ist, das echte Meisterwerk fei nach jenem sensationellen Diebstahl nicht in den Louvre zurückgekehrt. Do sinnlos diese Vehauptung ist, so gern gedenkt man jener Monate vor 425 Jahren da das Wunderwerk entstand. Mona Lisa Gherardlni war eine junge schöne Florentinerin. die im Jahre 1495 ein ältlicher Herr Francesco del Giocondo als seine dritte Gemahlin heimführte. Schon diese Tatsache gab der Phantasie erwünschten Anlaß, einen 2icbc8- roman auszuspinnen, als der berühmte Meister Leonardo nach seinem langen Aufenthalt in Mailand wieder nach Florenz kam und dort von dem Signor del Gioeondo den Auftrag erhielt, das Bildnis seiner Gemahlin zu schaffen. Damals entstand in langen Sitzungen, in denen der groje Magier der Kunst seine ganze Kraft einsetzte, das Bild der „Giocenda". Vasari erzählt uns, daß der Maler Musiler herbeilommen lieh, )a- mtt sie durch ihre Töne das schöne Modell in die rechte Stimmung versetzten. Später hat man freilich gemunkelt, daß diese Stimmung von dem Maler selbst ausgegangen fei, von Leonardo, der damals ein Fünfziger war, aber .noch immer eine wundervolle Erscheinung, ein Kavalier, der über alle Versahrungskünste des Mannes von Welt und des Genies verfügte. Leonardo srll Mona Lisa öfters gemalt haben, und es gibt verschiedene Repliken, die aber wohl alle nicht eigenhändig sind. Das Gemälde des Louvre kann allein den Anspruch erheben, ein Original zu aus Broabs Hand, stich ihn ins Schloß unb öffnete. Dann riß er mit raschem Stoß bie Türe auf, indem er Broad zur Seite in ben Schutz der Wand drängte. Eine Sekunde lang geschah nichts. Aber bann sprang Elk zur 6liege. „Lausen Sie, laufen Sie!" rief er. Der Amerikaner sah die erste Wolke grünlichgelben Dunstes aus der offenen Türe rollen und folgte. Der Portier schloß eben seine Kammer für die Nacht, als Elk ohne Hut und atemlos ihn zur Seite drängte. „Können Sic in die Wohnungen telephonieren?" fragte er. „Gut! Rusen Sie sofort unterhalb des dritten Stockes an unb sagen Sie den Mietern, daß auf keinen Fall die Türen geöffnet werden dürfen. Sagen Sie, daß alle Ritzen mit Papier verschlossen, die Briefkasten nerftopft und die Fenster aufgemadj» werden müssen. Das Haus ist mit giftigen Gasen angefüllt. Fragen Sie mich nicht, sondern tun Sie, was ich Ihnen sage!" Er selbst telephonierte der Feuerwehr und wenige Sekunden später erklang draußen das Gebimmel von Glocken unb Männer in Gasmasken stampften die Stiege hinauf Glücklicherweise halten alle Mieter außer Broad unb seiner Nachbarin für bas Wochenende die Stadt verlassen. „Unb Fräulein Bassano kommt immer erst in früher Morgenstunde zurück", sagte der Portier. Die Nacht verging, bevor bas Gebäude mit Hilfe von Hochdruckluftpnmpen unb chemischen Beschleunigungsmitteln gelüftet worden war. Broad hatte keinerlei Schaben erlitten als ben, daß sein Silber schwarz verfärbt und jede Fensterscheibe, jeder Spiegel in seiner Wohnung, mit einer gelblichen Ablagerung bedeckt war. Trotz ber weit offenen Fenster durchzog ein muffiger Geruch die Räume, aber der Morgenwind kam, um die letzten Spuren bes lleberfaües fortzuwehen. Die beiden Männer begannen gemeinsam die Zimmer zu durchsuchen, um zu entdecken, auf welchem Wege das Gas eingeströmt war. „Durch den offenen Kamin", sagte Elk. „Go, ist schwerer als Lust und kannte den Rauchfang hin- untergeschüttet werden, so leicht wie Master/ (Fortsetzung folgt.) ®egi Z« ein M Serfj1 hasttstr" / l^ift “■ £ a Z*r gNtt* ME airföem Set S«3efe' gefl-ltunt ZÄr der - Dvhvung wird u.4 » io M S jchleunigi« 3 alten und gellung von enljprechente Häusern. w verlangt, ob neu Mitteln mäßiger schüssena. wahrt verd Hauszi^steu tnitb abgelel Vsi r«? Jerl schuh des nanzministe Etatsrede y feit aus.' .2 buttbgefüfci Mttln der Denn man, Htubaubi nnnfttn in damit rechn Mitteln 120 C00 Dc hhpvthe würde sich Gesamtbeda die Hauszn gibt, würde ju decken fe fchttslninistc ko zu finan h'e Hausz vtaatSminisK nommcn. Ich unmöglich, d 130 Prvzenl fam gestrig!! 130 PrvMt rawns von i der Miete Mrti schon sicher vom «trag für onwenden m oensmiete £ halte ich «ne weiter R?uer zu «ichLsinanM Men $in M nicht schal kMen Zestr ^el Wttt die L Mt beim die hi &»« ^ichsincher flatanti yk hm 2 hrau! bnnt ,^len. Drüe, !8 bDn brr n !?lensür, ^e,das Lei ln der biZhe irr.28 s% Ml»'b »iui»; *5 Lk'L (deinen «J1,3 BW* JMlfl Die durc SÄ Sh. fitS ^Irä 6 *:e Imperial Chemical Industries de unerläßliche Vorstufe für internationale Abmachungen gewesen. In Italien ist das Unternehmen Bonelli (Fabrica Italiana Matern eoloranti) der führende Farbstoff produzierende Konzern, während Montccatini Co. und seine Tochtergesellschaften in erster Linie synthetische Düngemittel Herstellen. In Frankreich werden 90 Proz. des Inland- bedarfes durch die einheimische Industrie gedeckt. Zwischen der französischen Regierung und der chemischen Industrie besteht ein enger Zusammenhang. Auch in der Schweiz. Polen und . Belgien, sowie der Tfchechoslowalei hat sich in den 6 letzten Jahren eine hochentwickelte chemische In- f dustrie gebildet. Während das 19. Jahrhundert das Zeitalter des Dampfes und des Stahles war, , kann das 20. Jahrhundert als d»s der Elektrizität und der Chemie angesprochen werden. Kunstseide, synthetischer Stickstoff und flüssige Kohle sind die Kennzeichen der letzten Entwicklungsstufen. Kanada, Rordamcrik^, Südamerika und Indien sind die Märkte der Zukunft. Die politischen Schwierigkeiten, die sich einer europäischen Kombination entgegenstellen, sind er- Üblich. Rach dem Kriege haben die R^g'erungen die in der Kriegsze t entwickelte Industrie durch Tarife und Prohibitionsmaßnahmen geschützt. Doch ungehemmter Wettbewerb droht die schwächeren Wirtschaften zu vernichten, sobald der Schuh aufgehoben ist. Internationale Abkommen gagegen bieten den chemischen Konzernen aller Länger bedeutende Möglichkeiten: Produktionszusammenlegung bei den bestarbeit'nden Unternehmen, geringerer Kapitalbedarf, Möglichkeit gemeinsamer Forschungsarbeit, Marktabkommen zur Ersparung von Vertretungen. Allerdings kann eine internationale Kombination auch unwirksam bleiben. In diesem Falle muh die Individualität eines jeden Unternehmens unbedingt gewahrt werden. Die Gefahr eines Monopols kann beseitigt werden durch den Wettbewerb von Außenseitern und durch die Feststellung, daß diejenige Politik sich am erfolgreichsten auswirken muß, die dem allgemeinen Wohlstand Rechnung trägt. Ein fortschrittliwes W rtschaftsal kommen wird versuchen. Preisherabsetzungen für die e nzeinen Artikel zu erzielen bei gleichzeitiger Qualitätsverbesserung. Rie würde sich die englische Chemieindustrie jedoch dazu hergeben, in e n Abkommen einzuwill gen, durch das die wachsende Bedeutung der englischen Chemieunternehmungen unbillig zurückgeseht wird. Süddeutscher Produktenmarkt. swd. Schwächere Kursmeldungen aus den ausländischen Weizenexporiländern, die nur vorübergehend sich erholen konnten, kennzeichneten die Tendenz der vorigen Woche. Preisdrückend wirkten vor allem die Rachrichten aus Argentinien und Australien, dah aus diesen Ländern qualitativ wie quantitativ gute Ernten zu erwarten seien. Das inländische Geschäft nahm einen äußerst ruhigen Verlauf bet leicht rückgängiger Tendünz. Die Käufer verhalt ei, sich äußerst zurückhaltend. lediglich für nahe Ware zeigte sich einiges Interesse. Das Angebot in inländischem Weizen und Roggen ist immer noch ruhig, doch konnten sich auch hier die Preise der Vorwoche nicht ganz behaupten. Ausländischer Weizen wurde mit 31,75 bis 33, inländ scher Weizen, nur gute Qualität, mit 29,75 bis 33 umgesetzt. Für inländischen Roggen verlang e man 25 bis 25,25 franko Mannheim, während Pfä'zer Roggen ab Station zirka 25,25 bedingte. Gerste war bei ruhigem Geschäft eher etwas schwächer. Braugerste (besonders pfälzische Ware) 26 bis 29, geringere badische, fränkische und hessische Qualitäten 24,50 bis 26, Futtergerste tourte mit 21 bis 22 umgesetzt. Hafer ebenfalls leicht rückgängig bei kleinen Umsätzen. Inländischer Hafer 18,75 bis 19.75, ausländischer Hafer 23 b'.s 24 je nach Qualität. Für Mais notierte man 19,50, für nahe Ware 19,75. Das Mehlgeschäft bewegte sich in sehr engen Grenzen, da der Bedarf für die nächsten Wochen (Weihnachten) gedeckt ist und man für spätere Termine in Erwartung billigerer Preise vorläufig nichts krufen will. Weizenmehl, südd. 41,25 bis 41,50, Dezember-Januar 41,50 bis 41,75, Januar-Februar 41,25 bis 41.50, Roggenmehl 34,50 bis 37, je nach Ausmahlung, Weizenbrotmehl 31,25 bis 31,50. Der Futter- mittelmarkt ist im großen und ganzen behauptet bei mäßigen Umsätzen. We ze kleie fein 11 bis 11,25, grob 11,75 bis 12. Weizenfuttermehl 14,50 bis 14.75, Weizennachmehl 22,50 bis 23. Gefragt sind Oelkuchen bei speziellem 3nt'rire für Rapskuchen prompter Ware. ErdnuhkuHer 23,50 bis 21. Rapsk 'chen 17 bis 17,25. Biertreber 16,50 bis 16,75, Malzkeim 15,25 bis 15,75. * Vor einer Vereinheitlichung der Clektrizj,tätstoirt schalt? Im Interesse rationeller " Wirtschaft sind neuerdings Maßnahmen vorbereitet worden, die eine einheitliche Regelung der deutschen Elektrifttätswirtschaft bezwecken. Das Reich hat hier die Führung übernommen. Wie der DHD. im Zus emmenhang hiermit erfährt, sind die Verhandlungen mit den Vertretern der beteiligten Kreise über die Aufhebung oder Abänderung der Verordnung über die schiedsgerichtliche Erhöhung von Preisen bei der Lieferung von elektrischer Arbeit, Gas- und Leitungswasser noch nicht zum Abschluß gekommen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M, 6. Dez. Tendenz: flau. — Die Börse stand bei Beginn der Woche unter dem Drucke des Vorhabens des Reichsbantpräsidenten Dr. Schacht, der beabsichtigen soll, eine Verringerung des Börsengeldes herbeizuführen und die dadurch gewonnenen Mittel der Landwirtschaft und der Industrie zu überweisen, wodurch er eine gesündere und raschere Konjunklurbesserung herbeisühren zu können glaubt. Die Lustlosigkeit und Verstimmung wurde noch verschärft durch den Mangel an Kaufaufträgen. Die Spekulation war start zu Abgaben geneigt, und das Geschäft zeigte eine erhebliche Einengung a u f allen Märkten. Das große Angebot verursachte einen empfindlichen Kurseinbruch, besonders auf dem Farbcnmarkte. I. G. verloren zu erstem Kurs 10 Prozent und gaben im Verlaufe noch etwa 2 Prozent nach. Einem schärferen Kurs- druck waren auch Montanaktien unterworfen, wo die Rück änge bis 7 Pzt. bct.u en, vereinzelt sogar bis 7 Pzt., so bei Rheinstahl. Mannesmann u. Riebeck. Don Chemiewerten verloren Scheideanstalt 2.5 Proz., Holzverkohlung 1 Proz. Am El ektromar kt betrugen die Rückgänge 3 bis 4 Proz. Bankaktien erlitten Verluste von 3 bis 5 Proz. (Commerz minus 5 Proz., Darmstädter minus 5,25 Proz.). Schiffahrls- aftten gingen bis zu 5 Proz. zurück. Mv- torenwerte verloren etwa 3 Proz. Zell- und Daustoffaktien büßten gleichfalls etwa 3 Proz. ein, ebenso Oelaktien. Zucker - aftien knapp gehalten. Badischer minus 3,5 Prozent. Maschinenaktien nahmen eine rückläufige Bewegung ein. Deutsche Anleihen schlossen sich der Abwärtsbewegung an. Kriegsanleihe 0,765. Ausländische Renten schwächer, nur .Ungarn befestigt. Der weitere Verlauf brachte keine Besserung des lustlosen Verkehrs, die Stimmung blieb weiterhin zum Rach- geben geneigt. Das Geschäft stagnierte zeitweise. Am lokalen Geldmarkt machten sich noch (eine Anzeichen einer wesentlichen Entspannung bemerkbar. Die Rachfrage besteht fort. Lagesgeld 6 Prozent, Monatsgeld 53/* bis 7*/? Prozent. Privatdiskonten 4'/s Proz., Industrie-Akzepte 5 bis 5Vi Prozent. Am Devisenmarkt sind leine wesentlichen Veränderungen zu verzeichnen. Paris gegen London 122,75, Mailand 105, London gegen Äabel 4,8595. Bc..r Börse. Berlin. 6. Dez. Die Baissespekulation unternahm heute einen neuen Vorstoß, der einen starken Kurseinbruch zur Folge hatte. I. G-F^rben gingen um 10 Prozent auf 313 Prozent zurück. Die schweren Werte des Montan-, Elektro- und Banken Marktes verloren 3 bis 5 Prozent. Von Schiffahrtsaktien büßten Kosmos 7 Prozent ein. Die in letzter Zett bevorzugten Rebenwerte wurden gleichfalls um 4 bis 5 Prozent zurückgesetzt. Die Baissebewegung führte zu einer bedeutenden Verringerung der Aufnahmelust. so dah auch nach Festsetzung der ersten Kurse die Tendenz schwach blieb. Die aus der Wirtschaft vorliegenden günstigen Meldungen blieben unberücksichtigt. Am Gel d- markt zeigte der Sah für Tagesgeld mit 6.5 bis 8 Prozent noch keine entscheidende Tendenz zur Verbilligung. Man wies darauf hin, daß in früheren Monaten die Rückflüsse rascher ein- setzten als diesmal, wodurch die Baissespekulation eine günstige Lage für ihre Dlankoverkäufe vor- fand. Am Devisenmarkt waren nur unwesentliche Veränderungen zu verzeichnen. Paris stellte sich gegen London auf 122,25, Mailand auf 112. Brüssel (Belga) auf 34.86'/°. Berlin gegen Kabel 4,2061, London-Kabel 4,8495. Oslo gegen London 19,03. Berliner Produktenbörse. Berlin, 4. Dezember. Die Tendenz war im heutigen Mittagsverkehr für Weizen wie auch Roggen nicht behauptet. Auch im Lieferungsgeschäft stand der Wochenschluß im Zeichen größter Geschäftsruhe bei schwächerer Tendenz. Lediglich der Dezember-Weizen eröffnete unverändert auf Deckungen, während März und Mai eine, bzto. eine halbe Mark nachgaben. Roggen konnte per Dezember feinen gestrigen Stand nicht behaupten, März unverändert. Gerste in guten Sorten gefragt und fester. Sonst ruhig. Die Geschäftslage in Hafer hat sich wenig geändert. Offertenmaterial bleibt klein. Von Hilfsfutter- i stoffen Kleie ziemlich fest. Es notierten (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, 271 bis 274; I Roggen 230 bis 235; Sommergerste 215 bis 245; Banknoten. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M Telegraphische Auszahlung. Wintergerste 190 bis 203; Hafer, märkischer. 176 bis 187; Mais, loco Berlin. 195 bis 199; (100kg): Weizenmehl 35,25 bis 38,50; Roggenmehl 32,25 bis 34,50. Weizenkleie 12,75; Roggenkleie 11,80 bis 12,25; Viktoriaerbsen 54 bis 61; kleine Speiseerbsen 32 bis 35. Börten kurte. Frankfurt, 6. Dez. Auftrieb: 1591 Rinder (darunter 367 Ochsen, 52 Bullen, 772 Kühe, 357 Färsen), 355 Kälber, 340 Schafe, 4446 Schweine. — Rinde r (Ochsen): Doll- fleischige, ausgemastete, höchsten Schlachttverts (jüngere) 56 bis 60, (ältere) 53 bis 57; sonstige völlfleischige (jüngere und ältere) 47 bis 52; fleischige 40 bis 46. (Bullen): Jüngere, doll- fleischige, höchsten Schlachttverts 50 bis 55; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 44 bis 49. (Küh e): Jüngere, dollfleischige, höchsten Schlachtwerts 49 bis 53; sonstige voltfleischige oder ausgemästete 42 bis 48; fleischige 32 bis 41; gering genährte 20 bis 31. (Färsen) —Kalbinnen, Jung rinder —: Dollfleischige, ausgemastete, höchsten Schlachttverts 55 bis 60; vollfleischige 48 bis 54; fleischige 36 bis 47. — Kälber: Beste Rdast- und Saugkälber 70 bis 76; Mittlere Mast- unb Saugkälber 60 bis 69; geringe Kälber 50 bis 59. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Riast hämmel (Weidemast) 38 bis 43; mittlere Mastlämmer, ältere Masthäinmel und gut genährte Schafe 32 bis 37; fleischiges Schasdieh 25 bis 30. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 74 bis 76; völlfleischige Schweine von ca. 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 74 bis 76; von ca. 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 75 bis 77; von ca. 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 74 bis 76; fleischige Schweine von ca. 120 btt 160 Pfund LebendFrankfun a.M. Berlin Schiu • f.urs 1-Uhr- Rur* Schloh.'Änfang ftitrs >t.ir TntUTt: 4. 12. 6 12. 4. 12. | 6. 12 5% Deutsche SReltbsanteibe n 79 0.7675 0.7802 0 7725 4% Deutsche RetchSan leche - 0.72 - 0.7325 0.73 3’/,% Deutsche Retch:anleihe 3% Deutsche NeichSinleihe . Teolsche Svarpramienanlethr 0,72 — 0.73 0.72 — 0,855 0 >65 0,855 — — 0.4525 — 4% Preußische iionfoLS . - - 0.74 — 0.73 0.715 4° o Hessen........... 3V3e/n Hessen.......... 3*/o He.scn........- - - 0.71 — - — — — 0,71 — 96.75 — 0.68 — Deutsche Sertb. Dollar-Anl- - - 98.3 — dio-Doll. Schay-Anrreiing. - - - — ♦°/o Zolltürten......... 16.75 16 4 17 — 5% Gclvmenkaner ..... 43.9 — 43,25 Berliner Honvclstiesellschafr - — - 265.5 263,5 (Sommer;» und Privat»Bank ■95 190 195 75 191.5 Darmst- und Haiionalvank - 258.5 252.75 259 253.25 Deuliche Bank......... IM 75 181 184 75 182 Diskonto (Sommanbit 17275 169 173.25 179 Dresdner Bank........ 162.9 '6' 161.5 158.5 Metallbau:........... 177.35 173 179 172 Miueldeukschc terebitbanl . 146,5 — 146 146 Ocste rcichischc Kreditanstalt. 7.8 — 7 85 7.7 Ncichsbank........... 159.25 — 160 159.75 Bochumer Guß Budcr.ls............ 173 112.5 168 07.5 173 25 111 169 109.5 (5aro ............. — — — - Deutsch Lurembura...... 168.25 173.5 169.5 (Gelsenkirchener Bergwerke. . 175 170,5 174.5 171 Harpeuer Bergbau...... 189 183 187.5 183 Kaliwerke Aschersleben.... 144 5 140.75 145 5 HO Kaliwerk Westeregeln..... 155 153,75 155.25 , 154 77 75 Laurahutkc........... 80 5 — 79 4 anncsmann......... 190 184 75 190 185 ..................... 137 I34.Ö 138 134.12 Cbetbcbarf........... 111 110.75 109 5 Phöiiir Bergbau....... 129.25 126 128.13 126.5 Rheinische Braunkohlen . . . 246.5 2" 4.5 242,5 235 Nheinstahl........... 199.5 192. 198.62 193 Riebeck Montan........ 181.75 171 180.4 175 Telluö Bergbau....... 99 — — * Bereinigte Stahlwerke .... 113,5 141 144.13 141.25 Hamburg Amerika Paket. . . 175 168.75 173 170 Norddeutscher Lloyo . ... 167 163 166 163 (Lhcramische Werke Albin . . 95.5 - — — Zementwerk Heidelberg . . . 132.5 130 - - Philipp Hol Mann...... 164 — 164 158 Anglo Cont Kuano..... — — 112,5 _ Chemische Mäher Alapin. . . — — — — ' oldschmid«....... . 139 - 149 138 Holzverkohlung........ § (y Mareen-Industrie. . . Riitgcrswerkc. ........ 72 324.95 313,75 >25 75 313 134.4 130,5 134 130.5 Scheid, cinsialt. ........ 173 170,5 — — Alla- Elektrizitäts-Gesellschaft 161.75 157,25 160.5 157.25 Bergmann .......... «50 —- 157 155.5 Elektr. Lieferungen...... 155 - 154,75 149.25 llicht und Kraft........ 155 — 154.7a 153.75 Mainkraittverke........ 107.5 — — Schlickert............ 159.75 — 158.5 155 Siemens & HalSke...... 198.5 19; 197 25 191.5 Adlcrwcrke Kieper ...... 109 5 106 25 110 5 107.25 Daimler Motoren....... 103.25 100 103,5 100,75 Hchligenstaedt......... 39 - Meguin............. 53 53,9 — Mannheimer Motoren .... - 39,75 — frankfurter Armaturen 16 — — i.onservcnsabrik Braun . . 55,25 —• — Melalkgescll chaft Frankfurt . 177 — — — Pet. Union A.-G........ 118 — 118 — Schuh'abrik Herz...... — — 64.25 .— sichel.............. 2,3 5 — Zellstoff Aschaffenburg.... 149 145.5 149.25 147.5 .^clllton Wcildhos....... 229 224.5 -29 5 22! Zuckcnabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . 104 131 104,5 129.5 102,5 130 4. Dezbr. 6 Dezbr. Amtliche Noti rung Amtliche Dotierung (Selb Bttei (Äeld Brief Amst-Noii 167.91 168,36 167.97 168,39 Bucn. Aires 1.709 1,713 1.713 1,717 Brss.-Antw 58.45 58.59 58,44 68,5b Christtania 106,97 107,23 106,92 107,18 Kopenhagen 111,89 112,17 (11,91 112,19 Stockholm 112,09 112,37 112,21 112,54 Hclnngfor--. Italien. . . . l0.574 18,32 10,614 18,36 10,567 18.29 10,607 18,33 London. . . u,37 20,42 20,361 20,419 Neuhork . . j.2Ul 1,211 4,200a 4,2105 Patts.... 16,70 16,74 16,67 16,71 Schweiz . . '1,03 81,23 81,00 81,20 Spanien. 63.92 64.08 63,82 63,98 Japan . . . 2.062 2.066 2,052 2,076 'Hio de Fan 9.510 0.512 u,505 0,507 Wien in D-- Ceft- abgcsl 59,26 59,40 59,21 59,35 Prag .... 12.44 12,48 12,438 12,478 Belirad . «.402 7.422 7,405 7,425 Dudapeit. '.88 •),9O ü',872 5,892 Bul aricn 3,037 3,047 3,037 u.047 Lissabon . 21.545 21,595 21,595 •21,645 Danzig - . . 81,57 81.77 81,55 81,75 Konstantin. 2,097 •2,107 2.097 -.107 Alben. . . 5.18 5 50 5,59 5,61 Tanada . 4.202 4.222 4,203 4,213 Nrn nah . 4.175 4,185 1.175 4.185 Cairo . - 20,899 20,951 20.899 20,961 Berlin, 4 Dezbr (Selb Brie' Amerikanische Noten..... Belgische Noten........ Dani'che Noten........ lftiglischc Noten...... . Französische Noten...... -Volländischc Note«...... Ftalicnische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch Testerr .s 100 Kronen Nu manische Noten...... Schwedische Noten...... Schweiccr Note»....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten....... Frankfurter Sch 4,189 58,30 U1.6D 20,331 16.68 167.68 18.25 106.75 59.13 111,77 80,80 12,425 3.845 achtviehu 4,209 58,60 112,16 20,431 16,78 168.52 18,35 107,29 59,43 112.33 81,20 12,485 5.885 >rarkt. gewicht 70 bis 74; Sauen 65 bis 70. — Markte verlauf: Rinder bei ruhigem,_ Kälber bet schleppendem Handel aus verkauft. Schweine bin* teriiehen bei schleppendem Geschäft äleberstand. 3,oR$fuvtcr Getreidebörse. Frankfurt a. M., 6. Dez. Es wurden notiert: Weizen. Wetterauer. 29.50 bis 29.75, Roggen. inländ., 24.75 bis 25, Sommergerste für Brauzwecke 23.75 bis 26.50, Hafer, inländ. 19 bis 19.50. Mais (gelb) 19.50 bis 19.75, Weizenmehl, inländ., Spezial 0, 41.25 bis 41.75, Roggenmehl 35.50 bis 36, 'Weizenkleie 11.50 bis 11.75, Roqgenkleie 11.75 bis 12, Erbsen 40 bis 70, Linsen 50 bis 90, Heu, südd., gut, trocken, 8.75 bis 10, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepr., 4.50 bis 5, gebünb. 4 bis 4.25, Treoer, getrocknet, 17.75 bis 17. Büchertisch. — Tony Schumacher: Heimat um Heimat. Eine Erzählung für die Jugend. Mit drei Vollbildern von Emst Küher. Levy & Mül- (er. Verlag. Stuttgart. Ganzleinen mit farbigem Deckenbild 4,50 Mk. — Wer macht denn all die schönen Spielsachen? Gar manches Kind wird schon diese Frage gestellt haben. Etwas Geheimnisvolles umgab stets in den Augen der Kleinen die Gegenstände, mit denen sie sich täglich im Spiet erfreuten, und die ihnen ans Herz gewachsen waren. Tony Schumacher lüftet in ihrem neuesten Buch das Geheimnis, und wir sehen, wie hoch droben in dem Dors im Thüringer Wald in schwerer Arbeit unter Mithilfe der ganzen Familie all die Püppchen, Schäfchen, Bären-, Pferdchen usw., beweglich und un6ewdg!ich. für die Fabriken im Tal angefertigt werden. Auch die Spielzeugmacherfamilie in der neuen Erzählung von Tony Schumacher ist groß. Wie dos Schicksal in diese Familie hineingreift und sie auseinandertreibt, die einen nach Rorv- amerifa, die andern nach Südamerika, und wie alle nach schweren Kämpfen und manchen Rückschlägen und Enttäuschungen ihren richtigen Lebenspfad und eine neue Heimat finden, erzählt uns Tony Schumacher in ihrer schlichten Art. Alle Begebenheiten sind lebenswahr und packend geschildert, alle Charaktere trefflich gezeichnet, die innige Eltern-, Kindes- und Geschwisterliche, verbunden mit einem starken Gottvertrauen, herzerfrischend beschrieben. 617 — Josephine Siebe: Kasperle im Kasper-Land. Eine lustige Geschichte. Mit vier farbigen Vollbildern von Ernst Kuh er und zahlreichen drolligen Scherenschnitten von Berta Werner. Levy & Müller, Verlag, Stuttgart. In Ganzleinen mit farbigem Deckenbild 6 Mk. — Kasperle brennt seinem Herrn durch und reist wie ein vornehmer Mann auf eigene Faust im Extrawagen von Lugano ans blaue Meer. Sogar eine Seereise macht er auf einem großen Schiff. Rach langer Seefahrt, während der Kasperle nach Herzenslust auf dem ganzen Schiff herumkaspert und Schabernack treibt, trift ein großes Ereignis ein: Kasperle findet seine Heimatinsel, das Kasperland. Durch einen Sturm werden die Reisenden dorthin verschlagen. Wie im Märchenland ist es dort. Blumen überall, große, bunte, duftende Blumen und dazwischen leben nur Kasperles. Wie herrlich muh es sich da leben, zumal, wenn man noch König werden kann wie unser Kasperle. Aber sein kleines Herz hängt an seinen Menfchenfreunden. Wehmütig verläßt er sein herrlich^ Heimatland, um mit ihnen nach dem Menschenland zurückzukehren, bis ihn wieder die alte Wanderlust ergreift. Dann zieht er wieder in die weite Welt, kaspert wieder auf Messen und Märkten herum, und noch heute muß jeder über ihn lachen, der ihn sieht. Vielleicht begegnen wir ihm noch einmal auf seiner Fahrt. 616 — Josef Reinhart: HeinrichPesta- 1 ozzi. Ein Lebensbild. 333 S. 8°. Mit acht Kunstdrucktafeln. Verlag von Friedrich Reinhardt, Basel. — Mit kräftigen Strichen zeichnet ter Dichter Elternhaus und Herkunft Pestalozzis. Wir sehen, wie etwas in seinem unscheinbaren Wesen „wirkt und webt, das er als Erbe vom Himmel empfangen hat, das Herz des Edelmenschen. der sich selbst vergessen kann, _ wenn andere hilfsbedürftig sind". 11 nb Hilfsbedürftige sieht das Kind schon beim Großvater in Höngg, als er, einem Kameraden folgend, einen Blick tut in eine Fabrik, und es geht ihm die Ahnung auf, „daß viele Goldfäden von rohen Händen: zerfetzt und zerrissen werden, die von den Dingen zu den Menschenherzen führen". Immer eindringlicher sprechen die Bilder der Rot und des Elends zur Seele des Heranwachsenden, bis endlich der Entschluß fest steht, nicht als Prediger, sondern als Bauer den Armen ein Helfer zu fein. Jetzt entrollt sich Bild auf Bild: der Reuhof. hoffnungsfreudiges Schaffen und baldiger Riedergang, die Armenanstalt und deren Ende, dann die innere Berufung zum Schriftsteller und der beispiellose Erfolg von „Lienhard und Gertrud", daraus Stans. Burgdorf, Münchenbuchsee, Q3r>erton und schließlich die Rückkehr auf den Reuhof. Mit ein paar Sähen führt uns Reinhart in eine Situation ein, streift die wichtigsten Personen und Verhältnis je. entwirft ein Bild der Lage unseres zerrütteten Landes und gibt uns bei aller Knappheit etwas Ganzes. Was der Verfasser erstrebt, ist: den Geist Pestalozzis in unsere vom Materialismus beherrschte Welt zu pflanzen, daß wir nicht nur Hörer, sondern auch Täter des Wortes werden. Auch Reinharts Sprache, die bildhaft und kraftvoll ist, spürt man Pestalozzis Einfluß an. 794