Platzoorschnst 20°, mehr. Thefredokteur. Dr. Friedr. Wilh. Longe. Derantworllich für Politik Dr. Fr Wilh. Lange; für Feuilleton vc H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An- zeigenteil üDerir. H.Beck, sämtlich in Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für V mm höhe für Anzeigen t>*a 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 'Reichspfennig, Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beflogen: Wehen« FamllienblLtter fietmol im Bild Die Scholle Monatr-kezugsprefr: 1 Reichsmark und 20 Relchspfenntg für Träge» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummenr infolge höherer Gewalt. Fernfprechanschlüss«: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahrnach» richten: Anzeiger Oietze«. pohfch-lNonto: groii ff« rt am Main 11686. General-Anzeiger für Oberhessen vr»S «nd Verlag: BrüblW Univerfitäts-Vuch. nnö Steinörnderei R. Lange in «letzen. Schristl-itung und Seschästsftelle: Schulftratze 7. to 261 Irlt« Bla# 176. M'M, Samstaj, 6. Nm-md-11926 Gietzener Anzeiger Der katalanische Putsch. Don Carcassonne im Audetal, der trutzigen, viel- getürmten Marchenseste des heiligen Ludwig an der großen Heerstraße zwischen Atlantik und Mittel- meer fahren wir im bequemen Relseauto des chem'in de fer du midi durch die üppigen Wein- felber des Roussillon den grau in der Ferne schimmernden Bergketten der Pyrenäen zu. Es ist nur eine kleine Reisegesellschaft, ein paar Amerikaner und Holländer, die zu so früher Jahreszeit mit dem ersten „trip“ die Fahrt in das Hochgebirge wagt. Bald liegt das Audetal hinter uns, und schon geht es auf schmalen Talwegen, zwischen grünen Hängen, an rieselnden Bächen vorbei in die Dorberge. Die Junisonne brennt auf die staubige, weiß blendende Straße, Bauern begegnen uns in breitrandigem schwarzem Filz, zum offenen Hemd die kleine schwarze Samtiacke mit gepufften, Aermeln und weite Hosen, ihre langgehörnten Ochsengespanne schleppen die schweren Eichbäume zu Tal an die Sagemühlen drunten am Fluß, in einer uns unverständlichen Sprache, nicht französisch, nicht spanisch, rufen sie uns laut ihren Gruß zu. Dann tauchen wir ein in die herrlichsten Laubwälder, wie man sie in ganz Südfrankreich vergebens sucht, in kühnen Serpentinen geht die stundenlange Fahrt weiter hinan. Immer gewaltiger türmen sich die Berge auseinander, immer dürftiger wird die Vege- tatton, längst haben Eichen und Buchen strengem Nadelwald und karger Heide Platz gemacht, immer armseliger werden die Dörfer. Am Wegrande grasen stattliche Rinderherden, berittene Hirten, jeder einzelne ein Don Quixote, halten ihre Tiere mit langen Stangen und lautem Geschrei zusammen. Weite Rarzissenselder kündigen das Hochplateau an, das sich dem Pyrenäenkamm diesseits vorlagert. Mont Louis, ein kleines, ärmliches Lergstädtchen, bann etwas weiter ein fast schon verfallenes Fori, über ihm die französische Trikolore, bas letzte Hoheitszeichen Frankreichs vor der spanischen Grenze. Hier, unter dem gewaltigen Massiv der schneebedeckten Pyre- näengipfel, in diesen vielfach zerklüfteten Berg- schluchten, diesen armseligen Grenzstädtchen und Hiriendörsern. hier ist der Schauplatz der aUer- Ken politischen Ereignisse, an denen die drei chnermächte des westlichen Mittelmeerbeckens, Spanien, Frankreich und Italien, beteiligt und alle drei auf das engste interessiert sind. Spanien und Frankreich, die sich in den Besitz dieses Grenzberglandes seit Jahrhunderten teilen, kennen beide eine separatistische Bewegung. In Frankreich ist es die Provence, die sich auch heute noch, allen zentralistischen Bestrebungen der Pariser Regierungen zum Trotz, dank ihrer uralten Kultur, dank ihrer durch Jahrhunderte lang treu erhaltenen und sorgsam gepflegten Sprache und einer Geschichte, di- sich an den entscheidenden Punkten vielfach im Gegensatz zum französischen Königtum entwickelte, durch ein starkes landschaftliches Eigen- gesühl auszeichnet. Hier in Avignon, fast hundert Jahre Sitz der Päpste, in Arles und Rimes, den Hauptstädten des allen Königreichs Arelat der römischen Kaiser deutscher Ration, fühlen sich die Bewohner auch heute noch, trotz allem Gemeinsamen mit Frankreich, zuerst als Provenzalen, bann erst als Franzosen. Gerade hier pflegt man nicht sonderlich gut zu sprechen von der Pariser Regierung und dem Zentralismus des modernen Frankreich. Aber man ist weit davon entfernt, diesen Separatismus der Kultur, der Idee, der schließlich doch nicht viel mehr als ein besonders stark ausgeprägter Lokal- patriotismus ist, auf das politische Gebiet zu übertragen. Ganz anders drüben in Spanien. Hier ist Katalonien, die Küstenprovinz in der Nordostecke her Halbinsel, der Sitz einer separatistischen Bewe- aung, die schon fast so alt ist, wie die Geschichte des spanischen Reiches selbst. Aus den Tagen, da Katalonien der wichtiEste Pfeiler der sog. „spFnischen Mark" Karls des Großen war, bewahrt es bis in die Neuzeit eine eigene Sprache, die dem Prosen- gälischen ähnlicher ist als dem Spanischen. Nur gezwungen läßt es sich dem geeinten spanischen Reiche Ferdinands und Isabellas eingliedern und bildet, seitdem Philipp V., der erste Bourbone auf Spaniens Thron, ihm seine liberale Verfassung nahm, einen Herd politischer Unruhen und empörerischer Umtriebe gegen die kastilische Herrschaft. Kein Mißerfolg in der äußeren Politik Spaniens, keine Niederlage in Marokko, keine inneren Schwierigkeiten, ja kein Regierungswechsel, ohne daß es nicht in Katalonien gärte, ohne daß nicht die Katalanen geheime Verschwörungen oder gar offenen Aufstand versucht hätten, um das verhaßte kastilische Joch abzuschüb teln ober wenigstens im Rahmen des spanischen Reiches eine Autonomie für ihr Land zu erringen. So ist die katalanische Frage zum wichtigsten Problem der inneren Politik Spaniens geworden, das für die heute Regierenden um so schwieriger wird, als gerade Katalonien mit seiner Hauptstadt Barcelona der Sitz der wichtigsten Industrien des Reiches und infolgedessen auch der größten Zu- fammenbalhmgen des modernen Jndustrieproleta- riats ist. Dadurch bekommt heute die katalanische Bewegung eine stark soziale Färbung. Der Kampf zwischen Kapital und Arbeit läuft den Kämpfen um die politische Befreiung parallel; neben die politischen Kampsformen der Verschwörung und des Militärputsches treten die gewerkschaftlichen des Generalstreiks. Die Ursachen dieser eigenartigen Entwicklung liegen einmal tief in den geographischen Besonderheiten Kata- Ioniens begründet und zum andern in derDolks - vsyche des Katalanen, die ihn von den Bewohnern Des übrigen Spaniens mehr trennt, als Sprache, geschichtlicher Werdegang und wirtschaftliche Entwicklung cs je vermocht hätten. Die katalanische Landschaft, die zwischen dem Riesenwall bet Pyrenäen unb ber Küste einge- zwängt ist, wendet ihren Blick dem Meere zu. Die Italien und die Affäre Garibaldi. Garibatdis Verhaftung. Paris, 5. Aov. (WT2.) Der „Marin" teilt über die Ursachen der Verhaftung des Obersten Ricciotti Garibaldi mit: Die Pariser Polizei erhielt Ende Oktober von offizieller italienischer Seite Kenntnis, daß ein Italiener namens Scievoli. der angeblich im Dienste des Vruders Ricciotti Garibaldis in Paris stand, sich nach Italien begeben habe und beabsichtige, Mussolini zu ermorden. Er traf am 17. Oktober in Nizza ein und setzte sich dort mit Garibaldi in Verbindung. Dieser stellte ihn in antifaszistischen Kreisen mit der Bemerkung vor, daß er einen vertraulichen und wichtigen Auftrag habe. Am 24. Oktober stieg in Nizza unter dein Namen Pisacane ein angeblicher Kaufmann aus Florenz ab, der in Wirklichkeit de r Generalinspekteur der Mailander Polizei Lapolla War. La- polla gab sich auf dem französischen Polizei- lommissariat zu erkennen und erklärte, die französische Grenze ohne Genehmigung überschritten zu haben, um Scievoli zu beobachten. Bei Durchsicht des Gepäcks Lapollas taufte jedoch ein a u f den Hamen Scievoli lautender Pah und eine Anzahl neuer Tausend- lirescheine gefunden. Lapolla wurde daraufhin ausgefordert, Frankreich zu verlassen. Er empfing jedoch in seinem Hotel kurz vor seiner Abreise zur Tleberraschung der franzöfischen Geheimpolizei den Besuch des Ober st en Garibaldi. Garibaldi gab dieser gegenüber zu, daß er von Lapolla 100000 Franken erhalten habe. Garibaldi stand nod) mit Beamten des italienischen Ministeriums des Innern in Verbindung und hatte wahrscheinlich auch D e - Ziehungen z u dem katalonischea Separatistenkomplott. Auf Grund dieser Verdachtsmomente wurde Garibaldi verhaftet. Die Vernehmung. Paris, 6. Nov. (WTV. Funkfpruch.) Bei der gestrigen Vernehmung des Obersten Garibaldi durch die französische Sicherheitsbehörde soll dieser laut „Journal“ gestanden haben, daß er durch Vermittlung des italienischen Polizeibeamten Lapolla, der in Nizza von der französischen Sicherheiisvölizei ersucht wurde, schleunigst nach Italien zurückzurehren. der italienischen Regierung ver- pflichtet gewesen sei. von der er im ganzen ungefähr 500 000 Franken erhalten habe. Garibaldi habe auch zugegeben, in freundschaftlichen Beziehungen zu den, Chef der katalanischen Separatisten, Ober st Francesco Maria gestanden zu haben. Hebet die Angelegenheit des in Nizza festgenommenen Scievoli befragt, dessen Pah in dem Gepäck des italienischen Polizeibeamten Lapolla gesunden worden ist, hat Garibaldi ausweichend geantwortet. Nach dem „Petit Parisien“ scheint Scievoli der Verbindungsmann zwischen Garibaldi und den italienischen Behörden gewesen zu sein. Ein Waffengefährte erklärte übrigens dem „Petit Parisien", daß nach seiner Ansicht Garibaldi sich aus Geldnot der italienischen Polizei zur Verfügung g e jt eilt habe. Er habe aber keine Geheimnisse ausplaudern können. Offenbar habe er gleichzeitig der italienischen und der französischen Regierung gegenüber, wie auch anderen Ländern Versprechungen gemacht. Garibaldi ist übrigens gestern nachmittag in Paris angekommen unb sofort vor den Direktor der Sicherheitspolizei geführt worden. Bei seiner Ankunft in Paris waren die Mitglieder der Vereinigung der G a r i b a t d i a n e r, die in den begonnen ?ieEämpft haben, am Bahnhof anwesend und erklären: „Riciotti Garibaldi ist niemals unser 0 b e r ft gewesen. Sein Bruder P e p p i n o war cs, der die Mission führte. Garibaldi ist schon seit zwei Jahren aus unseren Listen gestrichen worden, da er unsere Mitglieder zu politischen Zwecken habe benutzen wollen. Mir haben im Jahre 1924 von Schriftstücken Kenntnis bekommen, nach denen Riciotti eine bedeutende Geldsumme von einer ausländischen Partei erhalten haben soll, um gegen die Führer des Faszismus ein Komplott zu schmieden, wir legen wert daraus, zu betonen, daß wir nichts mit ihm zu tun haben.“ Garibaldis Ziele. Erklärungen Minister Sarrauts. Aach Schluß deS heurigen Ministerrates erklärte Ömrennnmfter ©arraut, daß. sobald die polizeiliche Llntersuchung gegen den Obersten Garibaldi abgeschlossen sein werde, das Gericht darüber zu befinden haben werde, ob Anlaß vorliege, gegen ihn ein Verfahren einzuleiten. Bereits jetzt scheine ein Zusammenhang mit den Vorgängen in Aizza und dem Komplott an der spanischen Grenze festzustehen. Der „Qyorid'.en" will wissen, daß Minister Sarraut weiter erklärt haben soll, der katalonische Putsch sei durch Garibaldi angezettelt worden, dadurch, daß er eine Organisation in Spanien habe schaffen wollen, die ähnliche Ziele wie der italienische Faszismus haben sollte, habe er versucht, die Verantwortung für diese Ereignisse auf Frankreich abzuwälzen, um dann die italienisch-spanische Entente wieder zu f e st i- aen, die sich seit einiger Zeit etwas gelockert habe. Die katalanischen Verschwörer. Aussagen Marias. Paris, 5. Aov. (WTB.) Wie aus Perpignan berichtet wird, ist der separatistische Staatsstreich brs ins einzelne sorgfältig vorbereitet gewesen. 600 Separatisten hätten am Mittwoch früh unter ^leberschreitung der Grenze die Feindseligkeiten gegen d i e regulären spanischen Truppen eröffnen sollen, um auf diese Weise die spanischen Streitkräfte längs der ©ren^e abzulenken und Barcelona von regulären Truppen zu ent bloßen, während dort Anhänger bereit gewesen wären, einzugreisen. In Roussillon ieiert drei oter vier Waffen- un d Muni- tionsverstecke angelegt, worden. Die festgenommenen Separatisten seien weder gefangen, noch befinden sie sich in Tlntersuchungshaft. Sie werden lediglich seitens der Verwaltungsbehörden in Gewahrsam gehalten, damit ihre Identität nachgeprüft und sie über ihre Pläne befragt werden formen. Die Sicherheitspolizei teilt übrigens mit, daß Oberst Macia bei seiner Vernehmung erklärt habe, er sei die Seele der Bewegung gewesen, und er übernehme die volle Verantwortung. Alle anderen Persönlichkeiten hätten nur seine Befehl: ausgeführt. Im übrigen erHärte Macia dem Präfekten, seine Anhänger seien eine Gruppe katalanischer Separatisten und Idealisten und hätten nichts gemein mit Revolutionären. Er machte weiter Angaben darüber, wo sich auf französischem Boden Waffen- und Munitionsverstecke befänden. Oberst Maria hat sich ehrenwörtlich verpflichtet, leinen Fluchtversuch zu unternehmen und wird daher seinem Wunsche entsprecheird zusammen mit seinem Generalstab nur in der Präfektur von Perpignan in Gewahrsam gehalten. Aus den Aussagen bei den noch immer andauernden Verhören hat sich ergeben, daß die Beziehungen zwischen Garibaldi st en und Kataloniern durch den ehemaligen General der faszistischen Miliz, Deltramie, angeknüpst worden sind, der sich unter den in Perpignan verhafteten Personen befindet und der sid) von Mussolini getrennt hat, als dieser begann, die Freimaurerlogen zu bekämpfen. Aach den Aussagen der Verhafteten soll sich ergeben haben, daß die Gelder für die Verschwörung hauptsächlich aus dem Auslande stammten. Ruhe in Spanien. Paris, 6. Aov. (Wolff.) Aach einer Ha- vasmeldung aus Barcelona soll in Spanien alles ruhig fein. Die Regierung habe strenge Maßnahmen getroffen. Zwei Regimenter feien an die Grenze abgegangen, zum Terl nut her Aufgabe, nach verborgenen Wasfendepots zu forschen. Die Grenze werde streng überwacht. Keine französische Zeitung ginge nach Barcelona, und die spanischen Zeitungen, dre streng zensiert würden, sprächen nicht von dem Separatistenkomplott. Die katalonischen Kreise blieben der Bewegung des Obersten Macia gegenüber gleichgültig. Verschärftes Regime in 3ta ien. Die Todesstrafe für Attentäter. Rom, 5. Aov. (LU.) Der heute vormittag zusammengetretene Ministerrat beschloß einstimmig auf Vorschlag des Innenministers Federzoni weitgehende, sofort in Kraft tretende Polizei- mahnahmen gegen die Antifaszisten. Die Polizeimaßnahmen umfassen u. a. folgende Punkte: 1. Die Suspendierung aller oppositionellen Tageszeitungen und Zeitschriften; 2. die Auflösung aller oppositionellen Parteien, Vereine und Organisationen; 3. eine Aufenthaltsbeschränkung für alle diejenigen Personen, die gegen den Staat und dessen Organisationen konspirieren; 4. alle Ausiandpässe für Italiener sollen ein- gezogen werden; 5. es wird eine strenge Ueberwachung der' Grenzen angeordnet und bei den Kommandos der Miliz ein politischer Polizeidienst eingeführi. Der Ministerrat nahm ferner die vom Justiz- minifter Rocco auSgearbcitete Gesetzesvorlage über die Verteidigung des Staates an. Die wichtigsten Bestimmungen dieser Ge^tzeSvoriage sind die Einführung der Todesstrafe für Delikte gegen das Geben und die Freiheit deS Königs, der Königin, des Kronprinzen und des Ministerpräsidenten. In ber Gesetz eVorlage sind ferner Zuchthausstrafen für Anstif - tung und Begünstigung und Beihilfe zu den vorerwähnten Delikten vorgesehen. Zuchthausstrafen sind weiter vorgesehen gegen diejenigen, die versuchen sollten, die aufgelösten Parteien und Vereine, sei es auch in anderen Ländern und in anderer Form, toicjer ins Leben zu rufen. Auch für diejenigen, die vom Auslande aus falsche, übertriebene Aach- richten, die die Sicherheit und die Interessen des Staates gefährden, verbreit?n, sind Zuchthausstrafen vorgesehen. Der wichtigste Punkt der Gesetzesvorlage Roccos ist derjenige, daß über die im Gesetz vorgesehenen Delikte Kriegsgerichte entscheiden, deren Vorsitzende aus der Generalität und deren Deisitzende aus der Miliz gewählt werden. In der AachmittagLsitzung des Ministerrats wurde ein vollständiges R.Virement aller Präfekten beschlossen. Die Präfekten sollen in Zukunft nuraus der faszistischen Partei, die von allen unsicheren Elementen gereinigt wird, entnommen werden. Der „Tribuna" zufolge hat ber Unterrichts- minifter auch eine Untersuchung gegen die als Gegner des Faszismus bekannten Universitäts- professorcn angeordnet. Pro. Cosmo, Mitarbeiter der „Stampa" von Turin, ist im Zusammenhang mit dieser Untersuchung in den Ruhestand verseht worden. Im „Corr'ere d'Italia" verlangt ein Abgeordneter, daß alle Professoren, die der Freimaurerei angehört haben oder noch angehören, ihres Amtes enthoben werden. Mussolini übernimmt das Innenministerium. Rom, 5. Noo. (WB.) Im Ministerrat teilte Mussolini mit, daß Federzoni und D i s c a l e a ihn gebeten haben, ihre Demission als Innenminister bzw. Kolonialminister anzunehmen. Mussolini hat die Demission angenommen und dem König oorgeschlagen, Federzoni zum Kolonial- minifter zu ernennen. Das Jnnenministe- Weite des Meeres, die Verbindungen mit den auf weit höherer wirtschaftlicher Stufe stehenden Nachbarvölkern, die großartigen Häfen, ein für Landwirtschaft und Weinbau günstiges Hinterland, reiche Erzvorkommnisse aller Art im niedrigen Küstengebirge, das alles waren Vorbedingungen für eine wirtschaftliche Entwicklung, die Katalonien weit über die übrigen spanischen Provinzen heraushob. Dazu kommt, daß das katalanische Volk fleißig und strebsam, gut vorgebildet und wirtschaftlich tüchtig eine moderne Industrie aufgebaut hat, die in dem übrigen Spanien, nicht ihresgleichen findet. Das hat dem Katalanen gegenüber dem Kastilianer oder dem Aragonefen die außerordentliche wirtschaftliche Ueberlegenheit gegeben, der sein mit großer Leidenschaft und großem persönlichen Mut geführter Kamps die gefährliche Stoßkraft verdankt. Wenn wir nun hören, daß in der wildzerklüfteten Berglandschaft, die wir oben kurz zu skizzieren versuchten, einige hundert katalanische Führer s e st - genommen wurden, weil sie eine Verschwörung gegen Spanien und das Regiment Primo de Riveras planten, so ist bas an sich kein besonderes Ereignis in der an derartigen Umfturzver- sucken reidien Geschichte Spaniens. Interessant ist dabei jedoch, wie schnell die französische Polizei — die Verschwörer hatten im französischen Grenzgebiet ihre Vorbereitungen getroffen und woll- | ten bann einen bewaffneten Vorstoß über bie Pyrenäen unternehmen — mit großer Energie z u - gegriffen hat unb sich bes Obersten Macia und seiner Komplizen bemädjtigte. Man hat es in Paris nicht immer so eilig gehabt und oft recht gern spanischen Verschwörern willkommenes Asyl gewährt, um der Madrider Regierung keine Ungelegenheiten zu ersparen. Diesmal scheint jedoch den französischen Behörden die bisher geübte Politik des laissez faire bedenklich zu sein, l^ißt es doch, daß auch Bewohner Perpignans, der südlichsten französischen Hafenstadt an der Ostküste, und französische Katalanen des Gebirges mit den Verschwörern Hand in Hand gingen. Das Ziel war also offenbar weniger ein Sturz der Diktatur Primo de Riveras als der alte katalanische Separatismus, der auch vor der französischen Grenze nicht Haltmacht, sondern über die Pyrenäen hinweg auf die zumeist von Katalanen bewohnten französischen Grenzdepartements übergreift. Interessant ist weiter noch an dieser begreiflicherweise schon im Keim erstickten Bewegung die Beteiligung zahlreicher Italiener, und die damit in Verbindung gebrachte Verhaftung Ricciotti G a - ribaldis in Nizza. Der Name Garibalds hallt feit den italienischen Unabhängigkeitskämpfen überall da wieder, wo ein Volk um Recht und Freiheit ringt Hier jedoch bekommt die Beteiligung Ricci- ottis einen anderen Anstrich. Garibaldi spielte in italienischen Emigrantenkreisen eine Hauptrolle. Er galt als ausgesprochener Feind des Faszismus und glühender Republikaner. Er fall auch wegen seiner republikanischen Einstellung den katalanischen Verschwörern Hilstruppen aus den Reihen seiner Freunde zur Verfügung gestellt haben. Nun ist die französische Polizei durch Zufall auf enge B e - Ziehungen Garibaldis zu einem hohen italienischen Polizeibeamten gestoßen, von dem er in den letzten Tagen 100 000 Franken erhalten hat. Weniger diese Tatsache, als die Gründe für die Geldüberweisung aus dem faszistischen Lager haben zu seiner Vernehmung und späteren Verhaftung geführt. Es wird zwar vorläufig behauptet, daß Garibaldi der römischen Negierung alles verraten habe, was in den Kreisen der Emigranten vorgehe. Viel naheliegender ist aber der Gedanke, Garibaldi sei von faszistischer Seite benutzt worden, um durch Unterstützung der Katalanen der französischen Regierung Schwierigkeiten zu bereiten. Bis jetzt liegt noch ein undurchsichtiger Schleier über der Garibaldi-Affäre, den man erst lüften wird, roenn1 man in Paris genau weiß, in welcher Richtung der Verhaftete für die Faszisten gearbeitet hat. Sollte es sich allerdings bestätigen, daß Garibaldi beauftragt war, Frankreich Unannehmlichkeiten zu bereiten, dann ist wohl damit zu rechnen, daß die Pariser Regierung, die sich bisher Italien gegenüber auffallend zurückhielt, eine andere Tonart anschlagen wird. ■4 3 M Milt । 1826 1926 Er- um 9ok Nkweis weist sich ni sonstig und st Wc als öit im B Ieinem dem bk ner wa & n Briest nachla dafür, f)umor Zeilen seine 1 tum si aus b; rungsgesetzes. (Beifall im Zentrum.) Äeichsarbeilsm'n'ster Dr. Brauns stellt fest, daß die Zahl der unterstützten werbslosen gegenüber dem 1. Mär-, d. 3. 1000CK rium übernimmt Mussolini. Der Ministerrat beschloß außerdem, einen umfangreichen Wechsel in der Besetzung der Posten der Unterstaatssekretäre vorzunehmen. 2lbg. S ch u l z - Bromberg (Sn.) gibt für die deutschnationale Fraktion eine Erklärung ab, in der er ausführt, Besserung könne nur geschaffen werden durch eine völlige Reueinstellung der deutschen Wirtschaftspolitik und eine planmäßige Entw icklung der nationalen, besonders der landwirtschaftlichen Produktion. Bis zur Durchführung eines solchen Produktionsprogramms müßten die Erwerbslosen in der Weise unterstützt werden, daß diejenigen bevorzugt werden, die für Famillen zu sorgen haben und die höhere unabwendbare Lasten sowie höhere Mieten zu tragen hoben. Die Mehrheit der Deutschnationalen wird daher die Vorlage ablehnen. Abg. Andre (Zentr.): Wir brauchen Lohn st eigerungen, weil sie die ganze Wirtschaft beleben. Wir halten grundsätzlich am Achtstundentag fest. Von der Rationalisierung der Wirtschaft müssen auch die breiten Arbeitermassen Ruhen haben. Wir begrüßen das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Regierung. Der Redner wendet sich dann gegen die Wirtschaftliche Bereinigung, die im Ausschuß durch ihre Zustimmung zu dem sozialdemokratischen Antrag die Krifenfürsorge für die Ausgesteuerten zu Fall gebracht hätte. Dringend notwendig sei d'.e schleunige Verabschiedung des Arbeitslosenversiche- vorder W dem - Y b ii Son Sfgenfö nnnir S meter. fj Sh l^nn geltet ®5b|, b»ilic mit h: w gauun9! on schlag 3150J schieb bei de ÄW Mla Tube rt Frauen Sltmun1 an 2^ 6000) Wichts tersk \W Aleiirk" heilen' TybeiO Ürrungl fiO Jab' Kreisle fuiofe“ mißerde' ben schließt Die Erwerbslosenfürsorge fm Reichstag. Berlin, 5. Rov. (V. D. Z.) Auf der Tagesordnung steht der Bericht des Sozialpolitischen Ausschusses über die Erwerbslosen, ür- sorge. Der Ausschuß, für den Abg. Brey (Soz.) berichtet, ersucht in seinem Antrag die Reichsregierung, in der unterstützenden Erwerbslosenfürsorge a) bis zum 31. März 1927 die Bezüge der Hauptunterstützungsempfänger mit Wirkung vom 8. Rodember 1926 ab zu erhöhen, für ledige Erwerbslose um 15 Prozent, für alle übrigen um zehn Prozent; b) die obere Grenze so zu gestalten, daß auch das vierte Kind den vollen Zuschlag erhält; c) durch Ausführungsbestimmungen sicher zu stellen, daß die Prüfung der Betz ü r f t i g 1 e i t gleichmäßig und entgegenkommend gehandhabt wird. Kleinerer Besitz (Spargroschen, Hausrat, lleines Eigenheim) darf nicht zur Verneinung der Bedürftigkeit führen. d) Es ist zu verhüten, daß Arbeitsstellen mit fortlaufender voller Arbeitstätigkeit im Wege de r Pflichtarbeit besetzt werden. e) Den Erwerbslosen sind die Anwartschaften in der 3nvaliden-, Angestellten- u. knapp- schaftlichen Pensionsvrrsicherung sicherzustellen. Weiter wird die Regierung um eine Gesetzes- Vorlage ersucht, wonach gegen die erwerbslosen Mieter nicht ein Verfahren wegen rückständiger Miete mit dem Ziel der Zwangsräumung durchgesührt werden darf, und wonach das Wochengeld der Ehefrau und die Leistungen der Familienwochenhilfe nicht auf die Erwerbs- losenunterstühung des Ehemannes angerechnet werden. Tie von den Regierungsparteien geforderte Krisenfürsorge für die Ausge- t e u e r t e n ist heute morgen im Ausschuß daran gescheitert, daß bei Stimmenthaltung der Deutsch- nationalen und der Wirtschaftlichen Vereinigung ein sozialdemokratischer Antrag angenommen worden ist, der die Grenze für die Unter- stützungsdauer überhaupt beseitigt. "8 r e i) (Soz.) tritt in seiner Eigenschaft als Abgeordneter für die weiter gehenden sozialdemokratischen Forderungen auf Erhöhung der ^aterstühungssähe um 30 Prozent, der Familien- zuschläge um 20 Prozent und die vollständige Aushebung der Dedürftigkeitsprüfung ein. 4300 Millionen, zu deren Erfüllung in einem geeigneten Zeitpunkt noch die nötigen Maßnahmen ergriffen werden mühten. Das Gesetz über die Kapitalflucht dürfe erst nach tatsächlich erfolgter Stabilisierung aufgrhoben werden, die Stabilisierung des Franken müsse zu gegebener Zeit durchgeführt werden. Die gesetzliche Stabilisierung könne mit Aussicht auf Erfolg nur nach enter Periode der tatsächlichen Stabilisierung erfolgen. Die gegenwärtigen Um- stände gestatten es jedoch nicht, einen Zeitpunkt zu bestimmen, zu dem der gewünschte Status erreicht sei. 3n die Entwicklung auf dem Devisenmarkt habe die Regierung lediglich in dem Sinne eingegriffen, daß fte gewissermaßen bremste, um ein zu rasches Anziehen der französischen Valuta, das den Interessen der Republik zuwiderlaufen konnte, zu verhindern. Die Regierung habe sich auf diese Weise beträchtliche Reserven an ausländischen Devisen verschafft, de alle Erwartungen überträfen. 3m übrigen erklärte Polncare noch, er werde jeden n-uen Antrag auf Erhöhung der Deamtengehälter, der das Budget- Gleichgewicht gefährden würde, a b l e h n e n. Außerdem verlautet heute abend, daß Poincars bei Diederzusammentritt des Parlaments fordern werde, daß ledigl'ch über das Budget beraten werde und daß jede andere Debatte ausgeschaltet bleibe. Poincars werde, um tz-ese Forderung durchzusehen, nötigenfalls die Vertrauensfrage stellen. Die Abrüstungsdebatte. Beendigung der Vorarbeiten der Genfer Abrüstnngskounriissio». Genf, 6. Rov. (TU.) Die älnterkommissionA der vorbereitenden Abrüstnugskommission hat gestern abend in einer Schlußsitzung ihre Arbeiten endgültig beendet. Die Kommission, die seit Mai in drei Etappen 15 Wochen getagt hat, hatte drei Fachkommissionen für die Fragen der Land-, See- und Luftabrüstung eingesetzt, die mit der Ausarbeitung bestimmter Richtlinien und Er- Härungen beauftragt waren. Ihr Bericht geht nunmehr den einzelnen Regierungen zur Stellungnahme zu, woraus dann zu Beginn des nächsten Jahres die vorbereitende Abrüstungskommission wieder zusammen treten wird, um die Vorarbeiten für die große Entwaffnungskonferenz fortzuführen. Der Vorsitzende der älnterkommission, der belgische Senator d e Broucquöre, gab gestern der Presse einige Erklärungen ab. Er wies zunächst auf die Tatsache hin, daß sich in den Verhandlungen der Kommission zwei große, völlig verschiedene Auffassungen vertretende Gruppen von Staaten herausgebildet hatten. Ein Kompromiß zwischen diesen beiden Gruppen sei nicht getroffen worden. Dieses läge außerhalb der Kompetenz der Kommission. Er fei der äleberzeugung, daß man in den kommenden Abrüstungsperhandlungen zu gewissen großen Richtlinien für die Durchführung der Abrüstungskonferenz gelangen werde. Gewisse Ereignisse der letzten Zeit auf wirtschaftlichem Gebiet zeigten, daß die großen europäischen Industrien zu einer Verständigung und weiteren Annäherung gelangen würden. Es gäbe nur zwei Methoden der Begrenzung der Rüstungen, enttoefrer die direkte Begrenzung durch scharfe Kontrolle der militärischen Reserven und des Kriegsmaterials der Staaten oder die indirekte Methode der Reduzierung der Militärbudgets der Staaten. Dank für den feierlichen Empfang aus. Er wies darauf hin, daß er an den Geschicken der Reichs- Hauptstadt, mit der er sich persönlich eng verbunden ' fühle, immer lebhaften Anteil genommen habe. Unweit dieser Stätte, so führte der Reichspräsident aus, drüben in der Reuen Friedrichstraße, habe ich vor mehr als sechzig Jahren einen Teil meiner Jugend verbracht, und auch in der späteren Zeit meines Lebens habe ich viele Jahre hier gewohnt. Ich sehe noch das alte Berlin in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts vor mir, das an der Potsdamer Brücke endete, wo, ungestört durch Berkehrsprobleme, „Unter den Linden" die Früh- jahrsparaden stattfanden, und wo wir 1866 an der Stätte des heutigen Reichstages auf sandigem Exerzierplatz zum Siegeseinzug Aufstellung nahmen. Ich kann heute mit Befriedigung frststellen, daß Berlin unter der tatkräftigen Führung seines Stadtoberhauptes die Röte der Rachkriegszeit im großen und ganzen überwunden hat. Roch sind aber fdjmierige Probleme zu lösen. Eine der bringend ft en Aufgaben der Gegenwart nicht nur für Berlin, sondern auch für die anderen großen Städte und Arbeitszentren ist die, dem großen Heer der Erwerbslosen Arbeit zu schaffen und überhaupt die sozialen Röte zu llndern, welche die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten der Rachkriegszeit der Arbeiterschaft und dem Mittelstände gebracht haben. Möge es hier der Zusammenarbeit von Reich, Ländern und Gemeinden bald gelingen, nachhallige Besserung zu schaffen. Dann werden auch alle anderen Aufgaben auf gesundeter Grundlage ihre Erfüllung finden. Hieraus begaben sich der Reichspräsident und die Versammelten nach dem Stadtverordn-tensaal. Hier hielt der Direktor der Berliner städtischen Elektrizitätswerke, Dr. Adolph, einen Lichtbilder Vortrag über die Fernstromversorgung großer Städte und das Großkraftwerk Der- lin-Rummelsburg. Daran schloß ftch im großen Festsaal des Rathauses ein Empfang in Gestalt eines Bierabends. 700 000 abgenommen habe. Tet den männlichen Erwerbslosen betrug die nähme 30, bei den weiblichen 23 Prozent. Eine wesentliche Besserung des Arbeitsmarktes ist nicht zu verkennen. Die Bemühungen der Regierung zur Arbeitsbeschaffung haben auch einen gewißen Anteil an der Senkung der Arbeitslosenzahl. Bei Reichsbahn und Reichspost sind Arbeiten im Gange, und auch an den Siedlungen und den Landarbeiterwohnungen wird gearbeitet. Darin liegt schon ein gut Stück des Produktionsprogramms, das Abg. Schulz-Bromberg verlangte. Die dauernde Besserung des Arbeits- marltes kann nur aus der Wirtschaft heraus erwachsen. Es wirkt beunruhigend, wenn bei der schlechten Lage des Arbeitsmarktes in einzelnen Betrieben noch viel ileberarbeit geleistet wird, um die Einstellung neuer Arbeitskräfte zu ersparen. Die Ministerien machen schon bei der Vergebung von Arbeiten zur Bedingung, daß äleberstunden nicht gemacht werden dürfen. Sollte das keinen Erfolg haben, so wird das Mittel der Gesetzgebung angewandt werden müssen. Das gilt auch von den bedauerlichen Er- scheinungsn, daß bei der Rationalisierung meist ältere Angestellte und Arbeiter entlassen werden, daß man nur den Rechenstift, nicht aber das menschliche Gefühl anwendet. Die Arbeitslosenunterstützung in ihrer gegenwärtigen Höhe hat im allgemeinen den Willen zur Arbeitsannahme nicht vermindert. Anders würde es aber sein, wenn man den Kreis der Unterstützten erweitert und die Bezüge so erhöht, daß sie höher sind als der Äormallohn des Unterstützten. Bei weiteren Erhöhungen muh man also mit einer gewissen Vorsicht vorgehen. Die alleinstehenden Ledigen wären besonders schlecht gestellt. Die Regierung hatte sich bereit erklärt, für die Ausgesteuerten eine besondere Krifenfürsorge einzurichten, die ihnen dasselbe gibt wie die Erwerbslosenfürsorge. Grundsätzlich muß die Regierung den größten Wert darauf legen, daß die Dezugsdauer nicht über ein Jahr ausgedehnt wird. Von den Kommunisten ist folgender Miß- trauensantrag eingegangen: Der Reichsarbeitsminister besitzt nicht das Vertrauen des Reichstags. (Gelächter im Zentrum.) Abg. Thiel (D. Vp.): Während die Zahl der erwerbslosen Arbeiter zurückgeht, ist die Erwerbslosenzahl bei den Angestellten immer noch im Wachsen begriffen. Hier zeigt sich die Rotwendigkeit, möglichst schnell die Arbeitslosenversicherung durchzuführen. Bedenklich ist, daß trotz der großen Arbeitslosigkeit 130 000 ausländische Wanderarbeiter in Deutschland sind. Die großen Städte werden bei weiterer Dauer der Arbeitslosigkeit in große finanzielle Schwierigkeiten kommen. Es wird notwendig sein, den Gemeinden und Ländern einen Teil ihrer Lasten für die Erwerbslosen abzunehmen und auf das Reich zu übernehmen. Es ist ein schreiendes Unrecht, wenn man die Erwerbslosen zum großen Teil als Arbeitsscheue hinstellt. Die Rot der deutschen Arbeitnehmer schreit zum Himmel; nur Beseitigung des außenpolitischen Drucks wird sie endgültig beseitigen. Samstag Fortsetzung der Erwerbslosendebatte. Der Reichspräsident im Berliner Rathaus. Ein (5mpfangsabc>nd der Stadt Berlin Berlin, 5. Rov. (TU.) Die Stadt Berlin empfing heute den Besuch des Reichspräsidenten von Hindenburg. Der Reichspräsident fuhr, 6.50 Uhr vor dem Rathauspor- al in der Königstraße in Begleitung des Staatsekretärs Dr. Meißner und des Majors v. Hinden- mrg vor und begab sich nach dem Empfang durch das mit Blumen festlich geschmückte Treppenhaus zur Wandelhalle vor den Stadtoerordnetensaal, wo er von Stadtrat Wege begrüßt wurde. Der Reichs- iräsident wurde hierauf in den Magistratssitzungsaal geführt, wo sich die Mitglieder des Magistrats, der Stadtverordnetenvorsteher und die Ehrenbürger zu einer Sondersitzung des Magistrats versammelt hatten. Außerdem waren anwesend Reichskanzler Dr. Marx, der preußische Ministerpräsident Braun, der preußische Minister des Innern Grzescinski, sowie der Oberpräsident Maier. Oberbürgermeister Boes stellte die Versammelten dem Reichspräsidenten vor, der sich i n das Goldene Buch der Stadt Berlin eimeichnete. Hierauf hielt der Oberbürgermeister eine Ansprache, in der er den Reichspräsidenten im Rathaus der Reichshauptstadt willkommen hieß. Anschließend gab der Obrbürgermeister einen kurzen Ueberblick über die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Gegenwartsarbeit der Stadt Berlin. In seiner Antwort sprach der Reichspräsident seinen u\ -lei mV Thoiry. Widerstände in Frankreich. F (Eigene Information des „Gieß. Anz.") Berlin, 6. Rov. Bei der Besprechung der mit dem Thoiryprojett zusammenhängenden außenpolitischen Fragen im „Gießener Anzeiger" haben wir berells wiederholt auf die großen Schwierigkeiten hingewiesen, die sich der Durchführung dieser Pläne immer noch und immer wieder entgegenftelien. Von bestens unterrichteter Seite hören wir dazu noch einige interessante Ausführungen, die unsere Auffassung bestätigen, daß es mit der Verwirklichung der an- geftrebten deutsch»französischen Annäherung noch lange nicht so weit ist, wie man in den Tagen nach der Konferenz von Thoirh in einem Teil der deutschen Oefsentlichleit anzunehmen ge- geneigt war. Cs ist selbstverständlich, daß ein Fragenkomplex von so weitreichender Auswirkung, wie er in Thoiry angeschnitten wurde, auf zahlreiche Widerstände stoßen muß, besonders bei einem Lande, das wie Frankreich, noch vor zwei Jahren grundsätzlich der Auffassung war, daß die Desatzungsfristen überhaupt noch nicht zu laufen begonnen haben. Die verschiedensten irrtümlichen Auffassungen über die politische Lage in Deutschland bestehen noch heute in der französischen Oefsent- lichkeit. Aus unrichtigen Grundlagen basierend, kämpft man dort vielfach heftig gegen die Strese- mann-Briandschen Absichten an. Man kann dabei drei Hauptströmungen in der französischen öffentlichen Meinung unterfdjeiuen: Die eine folgt zwar den Ge- dankengänaen Briands, fragt aber, ob man nach Der Zurückziehung der Desatzungstruppen Frank- «reich auch genügend gegen einen plötzlichen Vorstoß von deutscher Seite gesichert wäre. Die zweite Gruppe umfaßt diejenigen, denen noch weitergehende Zugeständnisse Deutschlands Voraussetzung für die zu treffenden Vereinbarungen sind. Man glaubt in diesen Kreisen, daß die Mobilisierung deutscher Eisenbahnobligationen auch ohne Zustimmung Deutschlands möglich wäre, eine Auffassung, der von deutscher Seite stets entgegengetreten wurde. Die dritte Gruppe lehnt „ grundsätzlich jede Verständigung mit Deutschland ab, und verlangt, daß Frankreich seine Pfänder nicht aus der Hand gibt. Bei der Betrachtung des ganzen Problems muß sestgehalten werden, daß Deutschland kaum ein größeres Interesse an dem Thoiryprojekt hat als Frankreich. Die Aufhebung des T r a n s f e r s ch u h e s, den die deutsche Währung auf Grund des Dawes ab kommens genießt, würde zweifellos gewisse Gefahren für Deutschland mit sich bringen. Das deutsche Opfer, auf den Transferschutz zu verzichten, um überhaupt die Obligationen auf dem Weltmarkt unterbringen zu können, wird deutscherseits als recht erheblich betrachtet. Das ganze Problem ist überdies so umfangreich und birgt so viele völkerrechtliche Schwierigkeiten in sich, daß die Verhandlungen darüber nicht überstürzt werden dürfen, sondern mit aller Sorgfalt geführt werden müssen. Man muh es deshalb als günstig anfehen, wenn es gelingt, etwa in Jahresfrist ein Abkommen zustande zu bringen, das die Räumung des noch besetzten Gebietes (die nach Locarno und Dölkerbundseintritt Deutschlands eigentlich langst hätte erfolgen müssen, zur Folge haben könnte. Schwierigkeiten macht nicht zuletzt die mehr ober weniger doch vorhandene Verquickung des Mobilisationsprojektes mit der französisch- amerikanischen Schuldenregelung. Wir haben daraus bereits früher ausführlich hin- gewiesen. Schließlich spielt auch die Frage der .Revision des Dawesabkommens hinein. Richt nur von deutscher Seite, sondern auch l von namhaften Politikern und Finanzleuten verschiedener Rationen des Auslandes ist die An- F‘ regung gegeben worden, im Zusammenhang mit Thoiry auch gleich die Revision des Dawesplanes "r in Angriff zu nehmen. Das wird zwar deutscherseits durchaus begrüßt, man verhehlt sich aber nicht, daß dadurch die Schwierigkeiten der Herbeiführung einer deutsch-französischen Annäherung nochko m p linierter werden. Man wird hier nur schrittweise vorgehen und nur nach und nach die Desttmmungen des Dawesvlanes abbauen und durch privatwirtschaftliche Abkommen ergehen können, eine Entwicklung, die mehrere Jahre dauern dürfte. Man verkennt in den Kreisen des Berliner Auswärtigen Amts all diese Schwierigkeiten durchaus nicht, hofft aber dennoch auf dem ciiu> geschlagenen Wege zum Erfolg zu kommen. Andere noch aktuellere Fragen, roie die der Militärkontrolle, deren Liquidation demnächst erhofft wird, sind zudem in den Vordergrund getreten. Die üeberfübrung der Militärkontrolle in die vom Völkerbund in dem bekannten Invest':- gationspr^tokoll vorgesehenen Formen scheint tatsächlich alsbald bevorzustehen. Wenigstens glaubt man dies an maßgebender Berliner Stelle, und wir können nur hoffen, daß dieses „demnächst" noch in diesem Jahre Wirklichkeit wird. Frankreichs Finanzlage. Poincarss Bericht vor dem Finanz» ausschust. .dar iS, 5. Rov. (WTB.) Finanzminister Po ncars rst heute nachmittag vor dem Finanzausschuß der Kammer erschienen, um sich über den Aus gleich des Budgets für das Jahr 1927 auszufprechen. Rach Havas soll er eine 1 optimistische Auffassung der Lage kundgegeben und erklärt haben, für das Jahr 1927 seien acht Milliarden für die Amortisierung der schweben- den Schuld vorgesehen. 3m Verlaufe des Etats- zahres habe das Schatzamt z w eiRückzahlun- Aus aller Wett. Wettfahrt mit dem Tode. Der von Sil fit nach Stallupönen fahrende Abendzug überfuhr an einem ungeschützten Bahnübergang ein Königsberger Auto. Zwei Insassen waren sofort tot. Der Chauffeur, der jedoch den Wagen nicht führte, sprang rechtzeitig ab, wobei er ftch jedoch schwere RippM- brüche zuzog. Rach Angaben des Chauffeurs soll der Führer des Wagens auf Aufforderung des zweiten Insassen die Fahrt beschleu- n ig t haben, um noch vor dem Zuge über die Bahnstrecke zu kommen. Die älteste Frau Deutschlands. Die älteste Frau Deutschlands, Frau Johanna P r i g g e in Embsen bei Lüneburg beging gestern am 5. Rovernber ihren 105. Geburtstag in voller Frische. Tödlicher Sturz von der Treppe. In Werlau bei St. Goar ist eine Frau auf einer Treppe ausgerutscht und so unglücklich auf den Hinterkopf gefallen, daß sie nach kurzer Zeit, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, gestorben ist. Sie hinterläßt vier unversorgte Kinder. Das Hochwasser in Oberitalien. Der Schaden, den das letzte Hochwasser an- richtete, wird für das Bozener Gebiet auf eine halbe Million Lire geschäht. Gestern abend ist die linke Talfer-Promenade in eine Länge von 150 Meter abgefadt. In Meran ertranken bei Rettungsarbeiten zwei Soldaten und zwei italienische Arbeiter. Auch Verona ist von der äleberschwemmung heimgesucht worden. Der Erdrutsch in Columbien. Bei dem Erdrutsch in der Räh> von Perevia sollen über 100 Personen getötet und etwa 60 verletzt worden sein. Die Opfer sind zum Teil unter den Trümmern der Häuser begraben. Erdbeben in Nikaragua. 3n den Morgenstunden des Frcitag ereignete sich ein 50 Sekunden währendes Erdbeben, das großen Schaden anrichtete. Mehrere Personen wurden getötet. Das RegierungZgebäude und die Kathedrale wurden stark beschädigt. Auch in anderen Teilen des Landes wurden Erdstöße wahrgenommen. 'Besonders heftig in der Umgegenö des Vulkans Masaya. In Santiago wurden eine große Anzahl Häuser zerstört. Das Erdbeben ist das folgenschwerste seit 1898. Wiederaufbau der Haslocher Duloersabrik. , Der Wiederaufbau der Pulverfabrik in Hasloch bei Wertheim, die bekanntlich vor einigen Monaten durch eine große Explosionskatastrophe fast voll- ständig zerstört wurde, geht seiner Vollendung ent- gegen. Die ganz oder teilweise zerstörten Gebäude sind aus den Trümmern so weit wieder erstanden, daß ft» einigen Wochen auch das letzte Gebäude fertiggestellt sein wird. Gegenwärtig sind etwa 80 Arbeiter und 50 Arbeiterinnen beschäftigt, dazu noch 20 Bauarbeiter. Der anaebliche Raubmord in Dortmund. Die am Mittwoch berichtete Bluttat im Gasthof von „Riewe" in Dortmund scheint jetzt der Aufklärung nahe zu sein. Der vermißte Franz Friese aus Herne hat sich be ider Krankenkasie gemeldet. Er gab an, daß er aus Furcht vor der angekündigten Entlassung die einkassierten Gelder verjubelt und dann beschlossen habe, aus dem Leben z uscheiden. Er hat sich die Pulsadern mit einem Rasiermesser durchschnitten. Er verlor die Besinnung und wachte am Dienstagmorgen durch Klopfen an der Zim- mertur auf. Er will dann unbemerkt den Gasthof verlassen haben. Nach stundenlangem Umherirren ist er nachts bei seinem Vater in Herne einge- troffen, ehe ihm durch einen Arzt die Wunden verbunden wurden. Friese machte bei seiner Vernehmung einen glaubwürdigen Eindruck. Nach dem Gutachten des medizinischen Sachverständigen scheidet jedoch die Annahme einer verbrecherischen Handlung keineswegs aus. öo^an sterben die meisten Menschen in Deutschland? __ ^ahre 1^24 betrug nach den Ergebnissen des statistischen Reichsamtes die Gesamtzahl der Sterbe falle im Deutschen Reich 760 000 gegen rund 860 000 im Jahre 1923 ober auf tausend Lebende berechnet 12,2 gegen 13,9. Die schon seit Jahren beobachtete Abnahme der St erbe fälle ist mit bei fallen g MV w Dei Wch gen dorzunehmen, und zwar im kommenden Früh- s jahr eine fakultcttive in Hohe von 800 Millionen und im September eine obligatorische in Höhe von bet Kletnkmdern (1—5 Jahren) am bedeutendsten (34 Proz.). Fragt man nun nach den Todesursachen bzw. an welcher Krankheit die meisten starben, so ergibt sich folgendes Bild: Als Todesursache an erster Stelle stehen die Krankheiten des Blutkreislaufes: es starben daran im Jahre 1924 in Deutschland 109 500 Menschen (oder 173 auf 10 000 Lebende). Weiter starben nach Größenklassen gegliedert, an Lungenentzündung und anderen Krank- Helten der Atmungsorgane 88 400 (14,3). a" Altersschwäche 87 500 (14,1), an Tuberkulose 60 500 (0,5), an Krebs 60 500 (93), an Krankheiten der Verdauungsorgane, Darmkatarrh und dgl. sotMU UM), an Lebensschwäche (Kinder) 47 000 (7,6), Gehirn- schlag 40 000 (63) und an Nervenkrankheiten 31 500 (5,1). Bezüglich der Verteilung auf die ve- schlechter zeigt sich, daß der Anteil der Todesursache bei der Frau den des Mannes bei der Mters- schwäche (15 000 mehr gestorben), Krebs(7000) Kreislaufstörungen (6000), Gehirnschlag (3000) und Tuberkulose (2000) übertrifft. Mehr M a n n e r als Frauen dagegen starben an den Krankheiten der Atmungsorqane und an Lungenentzündung (6000), an Lebensschwäche und Bildungsfehlern (Knaben 6000) und an Nervenkrankheiten (3000). — Die wichtigsten Todesursachen in den e i n z einen A l» tersk lassen sind im Säuglingsalter die Lebens- schwäche,Derdauungs- und Atmungskrankheiten, im Kleinkinderalter Atmung», und Jnfektionskrank- heilen und besonders bei den 15- bis 30jährigen die Tuberkulose und außerdem bei den Männern die Verunglückungen. Von den im Alter von 30 bis 60 Jahren Gestorbenen starben die meisten an Kreislaufstörungen einschl. Gehirnschlag, Tuber- klitose und Krebs. Bei den 60 bis 70jährigcn treten außerdem die Krankheiten der Atmungsorgane in den Vordergrund. Die über 70 Jahre alten sterben schließlich an Kreislaufstörungen und Altersschwäche. Grohfeuer in Pommern. Bei einem großen Brand in Re u - Stett i n sind 15 Ställe und eine Scheune ein geäschert worden. Der angerichtete Schaden an verschiedenen Vorräten ist außerordentlich groß. Auf dem Rittergut Voigtshagen (Kreis Rau-- gard) wurden vier Wirtschaftsgebaukn durch Feuer vernichtet. Der Schaden w:rd hier aus 100 000 Mk. angegeben. Der Besitzer war fast gar nicht versichert. Wettervc Vorwiegend bedeckt, im ganzen milde, mit kurzen Regenfällen muß gerechnet werden. Gestrige Tages- temperaturen: Maximum 8,2 Grad Celsius. Minimum: 5,4 Grad Celsius. Niederschläge: 1,6 Milli- meter. heutige Motgechemperatur: 6,9 Grad Celsius. Aus der Provinziülhauptftadt. Gießen, den 6. Rovernber 1926. Vom Briesschreiben. Don Reinhold Braun. Echte Briefe sind strömende Seele, schenkendes Herz, offenbarte Innerlichkeit. Der Stil einer Kultur zeigt sich auch im Stil der Briefe, die in einem Volke geschrieben werden. Vernachlässigung des Briefschreibens ist ein Zeichen dafür, daß die lediglich auf Zweck eingestellte Gesinnung in diesem Volke das Maßgebende wurde, und nicht mehr die Kultur es ist. Was nicht irgendwie mit dem Zweck verbunden werden kann, wird fallen gelassen Nur Geschäftsbriefe haben noch Wert. Aber Briese, die aus das Innerliche gestimmt sind, wozu? Der Sinn des Bnesjchreibens ist eine schöne Phrafe, mit der man sich nichts kaufen kann! Zeit ist Geld! So reden die Zwecklichen. Daß unsere Zeit dem Zwecke mehr huldigt als dem Sinn, beweist eben, die Armut im Briefschreiben. Man hat sich nichts zu sagen, außer am Geburtstag und zu sonstigen Festen ein paar schöne Redensarten, kurz und flüchtig hingeworfen! Was für eine köstliche Stunde hatten wir jüngst, als die Schwester einige Briefe vorbrachte, die sie im Nachlasse unseres Vaters gefunden, und die aus feinem sehr regen Briefwechsel mit Emil Fromme!, dem bekannten Theologen, stammen. Beide Männer waren infolge ihres Amtes überaus beschäftigt äiewesen, ihre Zeit war streng eingeteilt, sonst wären ie mit ihrem Tagwerk nicht durchgekommen. Und ivch: wie fanden sie Zeit, einander das Tiefste und Heiligste in Briefen zu sagen, wie strahlt jeder der Briefe die ganz edle Persönlichkeit, welcher feine Humor, welche Lebensweisheit lächeln aus den Zeilen; was für Seelenbeichten enthalten sie, für feine Seelsorge am Freunde; welch stilles Heldentum schaut hier und da zwischen den Zeilen hervor aus dem, was ungesagt mitschwang, was gar nicht gesagt zu werden brauchte und auch nicht gesagt wurde — aus Bescheidenheit. Ja, was für eine tiefe, gesegnete Stunde haben wir über diesen Briefen erlebt! Solche Briefe sind, nebenher bemerkt, auch ein Beweis für die Lebenskunst eines Menschen, für feine Oekonomie, mit der er fein Leben lebt. Solche Briefe beweisen, daß, wenn man seine Zeit recht einteilt und wirklich recht zu leben weiß mit dem ganzen Menschen, immer noch Zeit übrig hat für solche Herzensdokumente. Man denke an den Kulturwert der Briefe Humboldts an feine Freundin, an den wundervollen Briefwechsel Dora Schlatters mit Hermann Defer! Die vergangene Literatur ist ja reich an solchen Briefwechsel. Man denke an Goethes, Schillers, Beethovens Briefe! Aus den Briefen eines Menschen spricht sein Geist unmittelbar, nichts anderes drängt sich^ dazwischen. Es sind wirkliche Herzensbeichten! Spiegel der Kultur eines Menschen und einer Zeit. Echte Briefe sind Quellen, die das letzte und schönste schenken. Lernen wir doch wieder erkennen, was für stille Helfer Briefe in unserem Leben sind, was für reine, große Mächte ihnen innewohnen können, wie sie Liebe- und Freudespender sind, wie sie dazu dienen, uns mit der vertrauten Seele auf stille Höhen zu führen, wie sie Festbereiter, Sonntagsverklärer, Wesensvertieser, Tröster und Mahner sind! Zur Lebenskunst gehört die Kunst des Briefschrci'iens, die nichts Oberflächliches schreibt, keinen Klatsch, kein Arges, die da weiß, das hinter jedem Wort die Seele des Schreibenden stehen soll. Die Kunst versteht auch, den eigenen Rhythmus zu schenken, das eigene Wesen zwischen den Zeilen schwingen zu lassen. Daß wir wieder lernten, echte Mutter- und Daterbriefe, echte, aufrichtige Kindecbriefe, reine und phrasenlose Briefe der Liebe und Freundschaft zu schreiben! Sie beglücken so sehr und machen viel Schweres leichter, helfen Schatten vertreiben, schenken Licht in manches Dunkel. Äornotizcn. — Lageskalender für Samstag: Turnverein 1846 : 8 älhr, Turnhalle (Steinstr.) Winterfest. — Ruderclub Hasfia: 8 Uhr, Bootshaus, Mitglieder-Vers ammlung. — Artillerie- Verein: 8 Uhr, .Hessischer Hof", Stiftungsfest. — Elsaß-Lothringer: 8.15 Uhr, .Hotel Köhler", Monatsversammlung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .Wehe, wenn sie losgelassen". — Astoria-Lichtspiele: .3m Sande der Arena". — T ag e s k a l e n d e r für Sonntag: Stadttheater: 7 Tlhr. „Der alte Textor (Ende 9*/$ Uhr). — 1. Musikalische Morgen-Aufführung: 117s Uhr vormittags, Großer Hörsaal der Universität (Irmgard und Victor Heermann). — Markus-Gemeinde: 2 Uhr nachmittags, Turnhalle (Oswaldsgarten), Gemeindeseier. — Deutsche Turnerschaft: 27? Ahr, Waldsportplah des V. f. CB.: Handball-Verbandswettspiel Turn- und Sporwerein 1860 Marburg—Turnverein 1846 Gießen (Meisterklasse). — Stadtmission: 3 Uhr, Saal der Stadtmission (Löberstraße 14) Jahres- fest. — Mandolinen- und Gitarre-Verein „Reapolita": 5 Uhr, Reue Aula der älni- versität, Mandolinen-Orchester-Konzert. — Konsum-Verein Gießen und Umgegend: 2 Uhr, Oe- werkschaftshaus, ordentliche Vertreter-Versammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, und Palast-Lichtspiele (Kirchenplatz): „Wehe, wenn sie losgelassen." — Astoria-Lichtspiele: „Im Sande der Arena." — Regina Ullman n. Am kommenden Montag, 8. Rovember, abends 8 Uhr, wird Regina Ullmann, die schweizerische Prosa- künstlerin, die namentlich durch ihre „Feldpredigt" in weiten Kreisen sich bekannt gemacht hat, in der Buchhandlung Keißner aus eigenen Werken lesen. Alle Freunde zeitgenössischer deutscher Dichtung sind zu dem Abend eingeladen. (Siehe Anzeige.) — „Ernährung für Gesunde und Kranke" heißt das Thema, über das Frau Anna Martens. Raturärztin aus der Schweiz, am Dienstag im Kath. Vereinshause sprechen wird. Der Vortrag geht vom Raturheilverein aus und ist öffentlich; er wird besonders praktische Winke für eine rechte Ernährung in gesunden, als auch in kranken Tagen geben, und ist von außerordentlicher Bedeutung. (Siehe gesttige Anzeige.) — Oberstes s. Geschichtsverein. Kommenden Donnerstag abend im Vorlesungsgebäude der Universität (Hörsaal 44) Vortrag des Prälaten D. Dr. Diehl. Räheres in der heutigen Anzeige. — Gießener Konzertverein. .Räch- sten Donnerstag abend im Stadttheater Sym» vhomekonzert. Räheres im Anzeigenteil. Die Vortrags-Vereinigung hat für ihren zweiten dieswinterlichen Vortragsabend, der bereits — wie hier nochmals ausdrücklich vermerkt sei — am Dienstag, 9. Rovember, stattfindet, Rudolf Bredschneider aus Aussig (Elbe) zu einem Lichtbildervortrag über „Wanderungen in den bayerischen und salz- burgifchen Alpen und Hohen Tauern mit Besteigung des Großen Venedigers" gewonnen. Man schreibt uns hierzu: Der Redner, der in alpinen Kreis-en eine bekannte Persönlichkeit ist, wird in fesselnder Weise die gewaltige Bergwelt der Alpen in ihrer erhabenen Schönheit schildern. Die Wanderung, die man hier im Geiste durch die Alpenwelt erleben darf, wird vor allem durch erstklassiges Bildermaterial zu einem hohen Genuß. Bredschneider ist ein sicherer und gewandter Führer, der viel Interessa-ntes sowohl über die Siedlungen, als auch über die Berg- riesen der Alpen zu sagen weih. Es ist ein pffrsfehzarFen Jn Apotheken öS80Bf 1246dl Javr 10t- vcwabrt. Bei itrevamtle gerwegs ist nunmehr beendet. Bekanntlich wurde dort der bisherige Bahnübergang durch einen neuen, unmittelbar an der Ecke der Gnauth- strahe liegenden liebergang erseht und gleichzeitig ein Stück neue Berbindunasstraße nach Dem Schissenbergerwcg jenseits dos Bahndammes hergestellt Dadurch ist jetzt eine gerade Straße von der Bismarck- unb Doethestraße her in der Richtung nach dem Schiffenberg entstanden. Den Verkehr über den neuen Eisenbahnübergang hat das Polizeiamt jetzt freigegeben. •* Die Straß» „Am Kugelberg", über deren jammervollen Zustand wir vor einigen Tagen berichteten, wird jetzt hergestellt. Seit gestern sind zahlreiche Arbeiter mit der Beseitigung der ungeheuren Schlammassen beschäftigt; anscheinend will man erst einmal feststellen, wo der Strahengrund eigentlich geblieben ist. Sobald dieser Arbeitsabschnitt beendet ist, soll die Straße, wie wir von zuständiger Stelle hören, chauffiert werden. " Die Strahenbauarbeiten in der Eder st raße gehen heute» zu Ende. Der Straßenteil zwischen der Steinstraße und dem Ende der jetzigen Häuserreihe in der Richtung nach dem Bahnübergang ist hochgelegt und gleichzeitig chaussiert worden. Die Herrichtung dieser Straße wird von den Anwohnern dankbar emp- funben. Der Verkehr kann von Anfang nächster Woche an bis an den Bahndamm wieder ungehindert vor sich gehen, jedoch muh der Durchgangsverkehr nach Wihmar einstweilen noch gesperrt bleiben, da die Abbruchsarbeiten an der alten Eisenbahnbrücke immerhin noch etwa zehn Tage Zeit in Anspruch nehmen werden. ** E i n deutsch -amerikanischer Senator oberhessischer Abstammung. In unserer Ausgabe vom Donnerstag teilten wir mit, daß bei den amerikanischen Wahlen der demokratische Senatskandidat Wagner, ein sehr angesehener Deutsch-Amerikaner, dem auch die Unterstützung des Steubenbundes zuteil wurde, aus dem Wahlkampf als Sieger hervorging. Wie uns heute berichtet wird, ist Senator Wagner oberhessischer Abstammung. Sein Vater stammt aus Grohen-Duseck, wo er das Licht der Welt erblickte. Ein Bruder seines Vaters lebt noch in Wiesbaden. In Großen-Buseck sind zwei Geschwisterkinder des Deutsch-Amerikaners Wagner, nämlich Heinrich Wagner 23. und Karl Heinrich Wagner, ansässig. Aus der Tatsache, daß Senator Wagner den Steubenbund hinter sich hat, darf man schließen, daß er ein tatkräftiger Verfechter des Deutschtums in Amerika ist. ** D i e Konfirmanden in Gießen. In diesem Winter besuchen in Gießen 488 Kinder den evangelischen Konsirmanderrunterricht. Ste verteilen sich in folgender Wetse: Matthä us- gemeinde 49 Knaben, 56 Mädchen, zusammen 105; Markusgemeinde 49 Knaben, 53 Mädchen, zusammen 102; Lukusgemeinde 71 Knaben, 93 Mädchen, zusammen 164; Iohannesgemeinde 53 Knaben, 64 Mädchen, zusammen 117. * ©in Kolonial-Preisausschrei- ben. Um der von der deutschfeindlichen Presse des Auslandes und ihrem Anhang verbreiteten Mär von von der „Unfähigkeit der Deutschen zu kolonialer Arbeit" auch von unserer engen Heimat aus entgegenzutreten, veranstaltet der Bezirk Hessen des Bundes der Kolvnialfreunbe em Preisausschreiben, durch welches bargetan werden soll, wie man über die Frage der Kolonien; in unserem Heimatgebtet denkt. Iedermann soll dabei frei und offen seine Meinung äußern, mag sie nun zustimmend oder ablehnend fern. Die Fragen, die zur Beantwortung stehen, gibt das Preisausschreiben in unserem heutigen Anzeigenteil an. Letzter Termin für die Einsendung der Antworten ist der 1. Dezember ds. Is. Man darf wohl annehmen, baß diese vortreffliche Veranstaltung eine große Zahl von Teilnehmern findet. '* Semesterbeginn der landwirtschaftlichen Abteilung der Universität Gießen. Man berichtet uns: Am Donnerstag abend versammelten sich die Angehörigen des landwirtschaftlichen Institutes zur Feier der Eröffnung des Semesters im „Hindenburg". Professor Kraemer gedachte zunächst des früheren Direktors G i s e v i u s, der in den wohlverdienten Ruhestand versetzt worden ist, und nie des Verlaufes der Feier ist ein gute- Omen für Frieden, Eintracht und damit auch gediegene Arbeit. " Hubertusseier in Gießen. Am Mittwoch beging der »Hubertus, Verein weidgerechter Jager. Sih Dießen" den Tag seines Schutzpatrons in hcrEmmlicher Weise, lieber 70 Weidmänner versammelten sich mit einigen Gästen in dem mit frischem Waldesgrün geschmückten Saale des Schützenhauses, um bei frohem Schüsseltreiben, ernstem unb heiterem Wort unb dem Klan^ alter Weibmannslieber den Hubertustag zu feiern. Der Bebeutung bes Tages wurde der erste Vorsitzende. Aug. Pascoe (Dutenhofen) gerecht, der die ganz andere Einstellung des Deutschen zur Iagd bar- legte im Gegensatz zu der hemmungslosen Iagd- ausübung des Südländers oder der Rekord- schießerei des Engländers. „Das ist des Jägers Ehrenschilb. daß er beschützt und hegt sein Wild. Weidmännisch jagt, wie sich's gehört, den Schöpfer im Geschöpfe ehrt." Diese herrlichen Worte Eberhard v. Riesenthals müssen den Woidmann auf allen Wegen begleiten und Leitstern seines Handelns sein, wenn er aus diesen Ehrennamen Anspruch erheben will. Diesem hohen Ziele nachzueisern, ihre Mitglieder anzuspornen unb zu förbem, ist die Ausgabe aller Iägervereini- gungen. Unb so erging auch hier wieder au alle Weidmänner die dringende Ditte, sich ihrer Verantwortung und ihrer Iägerehre stets zu erinnern, ausklingenb In einem begeistert aufae- nomjnenen Horido auf die weidgerechte deutsche Jagd. Mancherlei Worte des Dankes an Opferung arbeitsfreudige Mitglieder und Gäste schlossen sich an. Eine besondere Genugtuung war es für die Versammelten, daß sie durch den Schriftführer bes Vereins, Studienrat H ö l z e l, dem allverehrten Mitglied Geh. Rat Pros. Dr. Olt die Glückwünsche aussprechen lassen konnten für die hohen Auszeichnungen (Goldene Medaille und Medaille des Preuß. Lai^wirtschaftsmini- steriums) auf der „Gesolei", die ihm für seine bedeutenden Leistungen auf dem Gebiete der Wild- sorschung zuerkannt wurden. Wenn Geh. Rat Olt im Anschluß daran mitteilen konnte, daß diese Forschung gerade durch die Ausstellung einen erheblichen Anstoß erfuhr unb baß aus ihrem Arbeitsgebiet heraus auch mancherlei für die Menschen- unb Tierheilkunde zu erwarten fein dürste, so konnte bas bie Herzlichkeit der Glückwünsche nur verstärken. So gestaltete sich bie Feier zu einigen Stunden ernsten Besinnens auf bie Pflichten gegenüber der Statur und ihren Kindern, unb auch gegenüber bem Volke, das einer Anspruch auf die Erhaltung der ideellen und materiellen Werte, bie in der Statur stecken, hat. „Hie guet deutsch Weidwerk allewege" möge die Losung sein. ” Das Lichtspielhaus Bahnhofstraße zeigt gegenwärtig den neuen Henny Porten ° Film: „Wehe, wenn sie loSgelassen. 5n lustigen Bildern erscheint Henny Porten^ als moderne praktische Frau, bie ihren Arbeitskreis haben will. Was bei diesem Eifer herauskommt, erfährt man u. a. aus einer heiteren Szene, in der bie Trägerin der Hauptrolle: mit einem riesigen Motorpslug In ihrem Garten „Ackerbau" treibt: Bäumchen, Gartenzäune und Gartenhäuschen bilden durchaus kein Hindernis für ihren Tätigkeitsdrang. Im ganzen: ein an Situationskomik reicher Film, der sich auch durch geschmackvolle Ausstattung auszeichnet. begrüßte die studierende Jugend, die Kollegen und Assistenten, sowie auch bie Assistentinnen, bic ben Abend mit ihrer Gegenwart verschönten. Mit Jubel genoß die tatkräftige Mannschaft die liebenswürdigen Spenden von Freibier der Brauerei I h r i n g in Lich. von Zigarren und Zigaretten der Herren Rinn und Kommerzienrat Mueller, als Zeugnis für die wach- sende Einsicht der Industrie in bie Rotlag« der Landwirt'ch.'st. In freundlichen und humorvollen Reden der Herren SesjvuS, Klebe r g e r und Pfaff wurde den Studierenden Auskunft in allen Fragen erteilt, die sich ander Umbildung der Dinge ergeben, und immer wieder kam bie frohe Hoffnung aus eine segensreiche ideelle und materielle Entwicklung des landwirtschaftlichen Institutes gum_ Ausdruck, daS nun bald aus seiner drangvoll fürchterlichen Enge befreit werden soll Die oolliommene Harnw- schöner und lehrreicher Dorttag zu erwarten. (Siehe heutige Anzeige.) — E i n B o l k s f o n 3 e r t des russischen Teigenkünstlers Loermus findet am Sonntag, 14. November, nachmittags, in der Turnhalle am Oswaldsgarten statt. Dem Künstler geht von auswättigen Konzerten ein guter Ruf voraus. Man beachte die heutige Anzeige. ** Auszeichnung der Gießener Licht- und Lupusheilstätte. Auf der „Gesolei" in Düsseldorf war die Gießener Licht- und Lupu-heil- stätle mit der Einrichtung und Leitung der Ab- teilung „Lichtbehandlung und Lichtuntersuchung" beauftragt. Diese Abteilung wurde von sachverständiger Seile als vorbildlich bezeichnet. Für ihre ausgezeichneten Leistungen erhielt die Licht-und Lupus- Heilstätte als Zeugnis der Anerkennung die Goldene Medaille der großen Ausstellung Düsseldorf 1926. •* Der Ausbau des Schtffenber» •Kopfschmerz '7 Migräne xHeuratgie Zahnschmerz geben, nur in kochendem Wasser aufgelöst, vorzügliche Fleischbrühe, die als Frühstücksgetränk, für Fleischbrühsuppen und Soßen Verwendung Findet. | Vermietungen 3-3iinmtr=$ol|it. (aalbe Etage! in gut. Hanfe au oitiu. Näb. auifcbrtftL Vlnfr. unt. 91531) a. d. Gies;. Anz. Mühl Zimmer 1 Mietgesuche j 99>9999^99999 Wegen Wegzugs nach auswärts heb meldende 4—6 - Zimmer- Woynung L Zimmer f. los. au uenn. s.7i«i Selterswea 52 1. sofort Aii verm. 07775 Asterweg 48 11, l V? ' '"'S'3 <2 Ingenieur sucht gut möbliertes Z i in m e x cinl mit Klavier- benutzung. Schrift! Angeb. unter 07733 an d. Gieß. Anz erb Möbl.Simmet zu vermieten 07765 Schillerstr. 29 v. Mbl. 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LlkiiSlllg-W.-VlsL öotu' b.geg.lOUHr- Weet-e»-) (lleveni konntog) Durleske tn 3 Akten von Noel L-otuorb. Mittwoch, I O Nov. 6. mitirooü) Itö.-BrfL u. 71/, b lieg 10',Uhr: Zur Erinnerung an Schillers GeDurtstag Sie Jungfrau von Orleans Nomaniifche Tragö» bie in 5 Atien (11 Bildernwon Schiller Freitag, irr. Nov., 6. Freitag-yo.-Borft. v ,'/,bisnachlüUhr: Der ölte Secror Charakterkomöbie tn fünf Akten von Hans Geifow eiMc Sonntag,14.Nov., 6.5onntag-’jJö.-üorfL uon7 bis geg. lOUHr: Die Jungfrau von Orleans Nomantische Tragö- bie in '5 Akicn (elf BtlbernivonTchiller Sonderangebot in I i liehen Nur beste Qualität - Aparte Modelle Solide Preise, von RM.145.— bis 570.— Teilzahlung gestattet BeachtenSie bitte meine Schaufenster rnst Rau Walltorstr. 37 • Tel. 958 Herren-, Speise- und Schlafzimmer • Einzelmöbel gei Nr. 261 Zweites Blatt Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Samstag, 6. November (926 Der neue sächsische Landtag. | Bon Professor Dr. Ernst Boehm, Dresden. Die sächsischen Landtagswahlen hatten darüber au entscheiden, ob Sachsen der Herrschaft der oer- bünbeten Kommunisten und radikalen Sozialdemokraten ebenso wie vor vier Jahren wieder preisge- neben werden sollte oder nicht. Mindestens 49 der 96 Landtagsmandate Hütte die extreme Linke erringen müssen, um den Versuch wiederholen zu können, in Sachsen mehr oder minder verkappte Diktatur des Proletariats wieder aufzurichten. Beide in Betracht kommenden Parteien haben aber zusammen nur 45 Mandate erkämpft. Insofern hat die radikale Sozialdemokratie eine Niederlage erlitten. Man war auf der Seite der nichtsozialdemokratischen Parteien in den Wahlkampf gezogen mit der Absicht, die sächsische Politik auf eine Grundlage zu stellen, die Rücksichten auf marxistische Parteien Überhaupt unnötig gemacht hätte. Man warb für die sog. bürgerliche Mehrheit, wie sie Thüringen erreicht hatte, und wie sie ohne jeden Zweifel auch in Sachsen zustande gekommen wäre, wenn vor drei Jahren, unter dem frischen Eindruck des Zusammenbruchs der damaligen sozialistisch-kommunisti- schen Parteiherrschaft, ein neuer Landtag gewählt worden wäre. Aber die nichtmarxistischen Parteien haben nur 47 Mandate zu erftreiten vermocht. Auch sie also haben zum mindesten nicht gesiegt. So wird die Entscheidung über die künftige sächsische Politik in der Hauptsache bei den vier Altsozialisten des neuen Landtages liegen. Nach nur vier Monaten Parteiwerbung, ohne Parteiapparat, ohne eine schon überall im Londe verbreitete Zeitung, trotz einer mit allen erprobten und bewährten Mitteln gegen sie gerichteten Haßpropaganda der Linksradikolen, trotz wirksamen Eingreifens des Bersiner Parteivorftandes haben sie sogleich beim ersten Auftreten rund hunderttausend Wähler an« mustern können. Das ist immerhin eine beachtliche LeIstung, und sie wird überall in Deutschland zu denken geben. Es handelt sich dabei um mehr als ein Neuntel der Wählerschaft, die der Sozialdemokratie überhaupt noch geblieben ist. Wenn nun die Kommunisten und Linkssozialisten im künftigen Landtage etwas durchsetzen wollen, und die vier Altsozialdemokraten stimmen zu, dann wird es Gesetz. Und wenn die bürgerlichen Parteien etwas für nötig halten, und die Altsozialisten widersetzen sich dem, dann können sie es zusammen mit Den stets oppositionellen Linksradikalen und Kommunisten verhindern. Das bedeutet für die vier Altsozialdemokraten eine überaus st a r k e Stellung im kommenden Landtage, aus der bei leidlich geschicktem Verhalten recht viel zu machen ist. Hinzu kommt, daß sie erfahrene Parlamentarier sind, keiner ein Neuling: der gegenwärtige Innenminister Max Müller, der bedachtsame Wirth, der temperamentvolle Bethke. Und in den übrigen Parteien sitzen mehr als zur Hälfte völlig neue Männer. Auch das muß den Einfluß der vier Altsozialisten stärken. Die übrigen Parteien haben ein sehr verändertes Gesicht erhalten. Die Deutschnationalen und die Deutsche Dolksoartei haben zusammen 12 Mandate von 38 eingebüßt, die Demokraten 4 von bisher 9. Dafür werden neue Parteien erstmalig in den Landtag einziehen. Die Nationalsozialisten zählen unter ihren beiden 2Ibg. Helmut von Mücke, der im Gießener Stadttheater. Noel Coward: „Weekend". Neuengland ist seit einiger Zeit auf dem deutschen Theater große Mode. Als es damit anfing, war ihm Italien (durch Pirandello mit überwältigender Einseitigkeit vertreten) fast noch voraus. Während aber Pirandello — man weiß nicht, ob man es bedauern oder begrüßen soll — an der Dramenborse schon lange nicht mehr „gefragt" ist, haben sich die Briten, ebenso wie die ^Franzosen, besser gesagt die Pariser, durchaus behauptet. Ihr Kurs hat sogar „angezogen", und wenn man etwa an Wilde, Shaw, Gals- worthy, Jerome und Milne denkt, muh man sagen, mit Recht: es steht unbestreitbar ein solides Kapital hinter der steigenden "Notierung. An E o w a r d denkt man nicht, hinter ihm steht nichts, oder sehr wenig. Der ist bei der großen Einfuhr über den Kanal nur so mit durchgerutscht. Bloß so, und man wundert sich darüber, daß sein Stück wochenlang, allabendlich, über viele Bühnen ging. Wan wundert sich noch mehr, woraus es gemacht ist, wovon es eigentlich lebt, wieso es drei Akte bestreitet und einen Abend füllt. Es lebt von einem kleinen Einfall, der nicht einmal in England geboren zu werden brauchte und von zwei oder drei Situationen. Das übrige ist nichts, ist Lust, ist — man kann auch so sagen — blanker Blödsinn. Aber es lebt wahrhaftig. Sin kleines Wunder. Lind es hat lauter gute Rollen. Lauter gute Rollen I Eine gewisse Zeitgemähheit kommt x^m außerdem zu Hilfe. Der Gedanke des Weekend kam mit der britischen Einfuhr auch zu uns herüber und begann sich schüchtern einzu- bürgern. (Was wiederum merkwürdig ist, weil der ganze englische Lebensstil, mit dem der Weekend-Gedanke sehr eng verbunden ist, uns noch fiemlich fern liegt. Obschon er manches für ich hat.) Aber das Ganze ist ja gar nicht so englisch, wie es angestrichen ist, kann, ohne Weekend, ebensogut bei uns oder anderswo vorkommen, und jedenfalls wird man sich hüten müssen, tiefergehende Schlüsse zu ziehen, oder auch nur die Persiflage und den gutmütigen Spott ernst zu nehmen. Es ist eine Burleske, ein kleiner Spaß, vergnüglich, harmlos und unbedeutend. Richts weiter. Kriege bekannt geworden ist durch seine glückliche Rückkehr von den Keelings-Injeln mit dem kleinen Schoner Ayesha nach dem Untergang der Emden, und durch die reizvolle Schilderung, die er wer seine abenteuerliche Kriegsreise veröffentlicht hat. Einen wesentlichen Einfluß werden die National- sozialisten eben wegen ihrer geringen Zahl kaum haben. Nach rechts, wie nach links lasten sich auch ohne sie Mehrheiten bilden. Anders die Aufwertungsportei mit ihren vier Mandatsinhabern. Unter ihnen ist keine bisher bekannt gewordene politische Persönlichkeit. Dermullich wird die Aufwertungspartei im wesentlichen mit den zehn Wirtschafts- parteilern Zusammengehen und dadurch diesen zur Stärke der deutschnationalen Fraktion verhelfen. Die politische Ueberrafchung, der Außenseiter, der bei dieser Wahl den Preis gewann, ist die Wirtschaftsportei, die sogleich zehn Mandate erzielte. Unter den Mitgliedern der künftigen Fraktion der Wirtschafts- partei ist nur der Rechtsanwalt Dr. Wilhelm bisher bekannter geworden. Ob er politische Führereigenschaften besitzt, muß sich erst erweisen. In dieser Zufammensetzung der neuen Parteien aus Persönlichkeiten, deren allermeisten die Atmosphäre des Landtages und der Ministerien fremb ist. liegen Gefahren für die künftige innerfäch- ifche Politik. Denn die mangelnde politische Er- ahrung verführt leicht zu allerlei gewagten Der- uchen, deren Folgen nicht vorausgesehen werden, infolgedessen zu einer Unsicherheit und Unberechenbarkeit der politischen Arbeit, die auch den erfahrenen Sönnern nur ein langsames Vorwärtstasten gestattet und die, namentlich in den Anfangszeiten des neuen Landtages, jederzeit zu mehr ober weniger unangenehmen Ueberrafchungen führen kann. Schon bie Frage der künftigen Präsidentschaft des Landtages ist sehr dornig, zumal der verdiente bisherige Landtagspräsident, der Altfozialist Winkler nicht wieder gewählt worden ist. Die stärkste Partei werden die Linkssozialdemokraten sein. Aber soll ihnen um irgendeiner demokratischen Doktrin ober angeblichen parlamentarischen Gewohnheit willen der im modernen Staate recht einflußreich gewordene Posten des ßanbtagspräfibenten in die Hände gespielt werden? Konnte überhaupt ein Linkssozialist auch nur einigermaßen Gewähr dafür bieten, den neuen Landtag gegenüber den immer zügelloser werdenden Störungsversuchen der erheblich stärker gewordenen Kommunisten arbeitsfähig zu erhalten? Diese Dinge bieten Gelegenheiten, gleich von vornherein zu einem heillosen Verzanken der Parteien zu führen. Noch schwieriger liegt die Frage der Regie- rungsbllbung. Einige viel erörterte Möglichkeiten lassen sich von vornherein ausschliehen. Eine kommunistisch-sozialdemokratische Regierung unter Teilnahme ober auch nur stillschweigender Unterstützung der Altsozialisten ist nicht möglich. Weber können bie Kommunisten mit ben Altsozialisten, noch diese mit den Kommunisten zusammengehen, ohne sich selber aufzugeben. Man barf annehmen, daß auch der Berliner sozialdemokratische Parteioorstand gegen solche Versuche sehr energische Verwahrung einlegen würde. Dor allem aber würde einer solchen Regierung gerade das fehlen, was ihr in der Zeigner- zeit ihre Herkunft gab: ihre parlamentarisch gesicherte Festigkeit. Sie hing ja gänzlich von der guten Laune der Altsozialisten ab. Auch die Große Koalition von der Deutschen Volkspartei bis zu den Lmkssozialisten gehört zu den Unmöglichkeiten. Es sind zwar mächtige Einflüsse von Berlin her am Samsta^nachmittag, Samstagabend, Sonntagmorgen im Juni. Landhaus der Famllie Dliß in CooHam. Kornische Leute, die Dlisses: er Schriftsteller, sie gewesene Schauspielerin, Sohn und Tochter zwei moderne junge Leute. Alle vier ein bißchen verrückt, ein bißchen neureich, ein bißchen unhöflich und überhaupt ohne guten Manieren. Alle vier haben sich jemand eingeladen. Hebern Sonntag. Aufs Landhaus. Aber jeder für sich; ohne den andern drei imb dem Dienstmädchen was zu sagen. Das kommt so nach und nach heraus. Lind es ist schlimm: keinem paßt der Besuch des andern, keiner kann Freund oder Freundin des andern ausstehen. Niemand weih, wo die Gäste schlafen sollen. Sie geraten sich in die Haare, alle vier Dlisses; das Dienstmädchen brummt; und außerdem Landregen. Damit ist auch die Flucht nach außen abgeschnitten. Der Kampfplatz ist bereitet. Es ist kein Vergnügen. älnd dann kommen die Gäste. Ganz schrecklich anzusehen und gar nicht zu erzählen, was unter so bewandten Umständen sich am Abend und folgenden Morgen ereignet. Doch ist einiger Szenen zu gedenken, die mit grotesker Situation das Zwerchfell unwiderstehlich kitzelten. Wenn etwa zwei brüsk allein gelassene Ankömmlinge sich ganz verdutzt minutenlang gegenüberfitzen und ein träg tropfendes „Gespräch" von schauderhafter Langweiligkeit sich wechselseitig aus dem Gehege der Zähne locken ... Oder wenn aus dem harmlosesten Gesellschaftsspiel sich in kürzester Zeit ein wllder Zwist Aller gegen Alle erhebt. Wenn zwei falsche Verlobungen aus dicken Regenwolken fallen. Wenn die Theatermama, von (Srinnerun* gen übermannt, auf8 Stichwort eine Riesenszene zu spielen beginnt. Oder wenn zuletzt (nach manchen schleppenden Längen, Wiederholungen und toten Stellen übrigens) am Sonntagmorgen die vier Gäste, einer nach dem andern, sich heimlich drücken wollen und am Ende yi viert entschlossen die Flucht in den Landregen ergreifen. Bei diesen Szenen kann man Coward mit dem besten Willen nicht böse sein. Telekhs Aufführung war lustig und lebhaft, ganz an den grotesken Situationsstil hin- gegeben, der überdies in Löfflers keckem Bühnenbild sozusagen dick an die Wand gemalt Werk, um auf diesem Wege bie Regierungsfrage zu lösen. Denn der Berliner Parteioorstand der Sozialdemokratie würde es nur allzu gerne sehen, auf diese Weise die sächsischen Ueberrabifalen in bie politische Schule zu schicken und die sächsische Partei- fpaltung, die sich auf das ganze Reich auszudehnen droht, wieder zusammenheilen (affen zu können. Aber selbst wenn diese Lösung für die Deutsche Volkspartei tragbar wäre, was schon roeaen der Persönlichkeiten vieler der radikalsozialistischen Führer nicht der Fall ist, würden alle Bestrebungen zum Schaffen einer derartigen Koalition an Der fanatischen Derranntheit der Linkssozialdemokraten scheitern. So bleibt als Lösung nur eine Regierung der Mitte mit stillschweigender Duldung der Deutsch- nationalen übrig: Aber da die Deutschnationalen hierzu ohne weiteres kaum ihre Zustimmung geben werden, ist in Sachsen zunächst mit einer längeren offenen ober latenten Regierungskrise zu rechnen, einem Zustand also, der für den neudeutschen Parlamentarismus nachgerade typisch ist. Manche glauben deshalb an baldige Neuwahl des Landtags. Aber der Parlamentarismus hat auch anderes Neue gebracht: Abgeordnetendiäten. Sie sind ein starkes Bindemittel, einen einmal gewählten Landtag zu- sammen^uhalten, denn wenn er wieder aufgelöst ist, weiß kein Abgeordneter, wer sich an seiner Stelle etwa hineindrängeln konnte. Und so wird die Regierung der Mitte schließlich doch kommen, weil sie die einzig mögliche Losung ist und — weil sie wegen ihrer Schwäche und ihrer Bindungen nach allen Seiten für das parteizerklüftete Sachsen wohl auch die erziehlich nützlichste wäre. Die Minderheiten in Deutschland Don Dr. phil. Friedrich Septen, Bremen. Genaueres über bie Zahl der in Deutschland wohnenden frembvölkischen Minderheiten anzugeben, ist zur Zeit ziemlich unmöglich. Die Ergebnisse der letzten Volkszählung vom 16. Juni 1925 liegen noch nicht vor, sondern sind erst zum 1. April 1927 fällig. Doch sind in dem dieses Jahr erschienenen zweiten Maiheft der vom Statistischen Reichsamt in Berlin herausgegebenen Zeitschrift „Wirtschaft und Sta- tistik" vorläufige Zahlen über die jetzigen Minderheiten veröffentlicht worden, allerdings nur für Preußen und mit Ausschluß der Wenden und Litauer. Diese Statistik läßt erkennen, daß wir gegenüber der Volkszählung von 1910 einen außer- ordentlich starken Rückgang der fremden Minderheiten zu verzeichnen haben, was auf Abwanderung, Ausgleich durch eingeroanberte Deutsche sowie Aufgehen der fremden Bevölkerung im Deutschtum zurückzuführen ist. (Auf Grund des Versailler Vertrages sind übrigens rund 6j Millionen Einwohner, darunter 3i Mill. Deutsche und 3 Mill. Fremdstämmige, vom Deutschen Reich abgetrennt worden.) Des weiteren hat die Zahl derjenigen Einwohner ungeheuer zugenommen, die neben der deutschen Sprache eine andere Sprache sprechen. In Ober« schießen z. B. haben sich diese Doppelsprachigen um 636,9 v. H. vermehrt. Aeußerst gering ist die Zahl der Personen, welche die deutsche Sprache überhaupt nicht verstehen. Sie beträgt in Schlesien 2,5 v. H. und in Ostpreußen 1 v. H. der ortsanwesenden Bevölkerung. Im ganzen verstehen von ben einzelnen Minberheiten nur knapp ein Viertel der Polen, ein Siebentel der Masuren unb ein Sechstel der Dänen die deutsche Sprache nicht. war. Er wurde sehr hübsch gespielt. Maryöla Baumann hatte in der so dankbaren, tote anstrengenden Rolle der Judith Dliß Gelegenheit, ihre Begabung auch im modernen Konversationsstück zu erweisen und überdies schauspielerisch aus sich herauszugehen; diese Komödiantenfigur bietet überraschende Möglichkeiten, Llebergange und Gegensätze, die Wandlungsfähigkeit und Vielseitigkeit erfordern; die Darstellerin hatte sich nichts entgehen lassen: sie konnte lachen, weinen, fingen, flirten, schmeicheln, außer sich geraten und ein großes Theater «auf dem Theater entfalten. Eine sehr achtbare Leistung. Reben ihr war aus der Familie vor allem Hankes Simon von einer erfrischenden Losgebundenheit, Formlosigkeit und Ungeniertheit. Auch Vater und Tochter (V v l ck und K r a h m e r) ließen ihrer unbekümmerten Laune fröhlich die Zügel schießen. Bei den Gästen gefielen G e f f e r s, der in Ton und Maske die Korrektheit selber war und erstaunlich englisch aussah, Genau (Tyrell), hilflos wie ein Kind den Zufälligkeiten be8 famosen Landsitzes preisgegeben, uni) die Damen Scherer und Schröder. Das pomadige Faktotum der Luise Jüngling sei ebenfalls nicht vergessen. Das Publikum schien sich angeregt zu unterhalten und nahm die Reuigkeit, besonders nach dem zweiten Akt, sehr freundlich entgegen. Dr. Th. DasTestament auf der Eierschale. Ern auf hoher Dee verstorbener englischer Matrose hat sein Testament auf der Schale eines ausgeblasenen Eies aufgesetzt, und hinterläßt seiner Frau, die er mit „Map" bezeichnet, seinen kleinen Besitz. Allerdings haben sich noch einige andere Erben gemeldet, die nun die Rechtsgültig- fett dieses seltsamen Testamentes bestreiten, und so zerbricht man sich jetzt hn Londoner Justizpalast den Kopf darüber, ob das Testament auf einer Eierschale rechtszuläsfig fei. Der Vertreter der Krone erklärt es für ungültig, da einige Worte überhaupt nicht entzifferbar wären. Andere Ansichten aber gehen dahin, daß man auch für dieses Testament Anspruch auf das Vorrecht machen könne, da allgemein den Schiffahrenden und den Soldaten im Felde zu gestanden würde, Testamente aufzufetzen, auch wenn sie nicht mit den bestehenden Vorschriften übereinstimmen. Gar nicht so einfach ist übrigens bie Beantwortung der Frage, welche Telle der Bevölkerung des Deutschen Reiches an ben sremboölkijchen Minder- beiten zu zählen sind unb welche nicht. Die M a • furen in Ostpreußen z. B. (1910 gut 170 OüO, jetzt 43 000 im Reg.-Bez. Allenstein) sprechen wohl eine fremde Sprache, eine polnische Mundart, neigen aber sonst gar nicht nach Polen, was die Abstimmung in Ostpreußen am 11. Juli 1920 erwiesen Hot, wobei sich 98 o. H. der abgegebenen Stimmen für Deutschland unb nur 2 v.H. für Polen erklärten. Die Bevölkerung ist aus einem Mißslamm hervorgegangen, ber sich aus ostpreußischer Urbevölkerung, alten Preußen, deutschen Siedlern unb späteren polnischen Siedlern gebildet hat Da die Polen bei der Vermischung die letzten waren, hat sich als Sprache ein polnischer Dialekt erhalten; das Land selbst hat nie zum Staate Polen gehört. Kann man die Masuren auf Grund dieser Tatsachen zu den frembvölkischen Minderheiten rechnen, wie es die Polen tun? Das ist wohl kaum möglich; höchstens konnte man sie den fremdsprachlichen zuzählen. Höchst beachtenswert ist, daß bie Masuren, welche in bem früher zu Ostpreußen gehörenden Solbauer Gebiet wohnen und die ohne Befragen durch ben Versailler Vertrag ben neuen Polenreich einoerlcibt würben, für ihre Kinder deutschen Sprachunterricht verlangt haben. Als ihnen dies von der polnischen Regierung auf Grund ihresMasurentums verwehrt wurde, haben die Eltern am 21. Januar d. I. eine Eingabe gemacht, in ber es beißt „Wir erklären, baß wir Unterzeichneten uns sämtlich zur deutschen Nationalität bekennen unb wünschen, daß unsere Kinber, wenn auch nur ben Religionsunterricht, in beuifcher Sprache erholten" Bei Den Reichstagswahlen im Jahre 1924 hatte bie Masurische Vereinigung in Ostpreußen eine eigene Liste ausgestellt, bet aber am 4. Mai ganze 1029 unb am 7. Dezember gar noch weniger, nämlich 542 Stimmen erhalten. Da bie Zahlen ber von ben Minderheiten abgegebenen Stimmen ein Bild von deren Gesinnung geben, mögen auch die übrigen hier angeführt wer- ben. Am 4. Mai stimmten im ganzen 119 736 Einwohner für Minderheitenlisten (Polnische Dolks- partei 100 260, Wendische Volkspartei 10 287, Schleswigscher Verein 7620). Die entsprechenden Zahlen für die Wahl vorn 7. Dezember 1924 lauten: 92 961 Stimmen im ganzen, Darunter 81 700 polnische, 5585 wendische unb 5134 bänische Stimmen. Aehnlich wie mit bem Masuren steht es mit ben Friesen an ber Norbküste Deutschlanbs, deren Zahl von 1155 (1910) auf 5653 (1925) angewachsen ist. Dor und auf dem Minderheitenkongreß in Genf im Oktober v. I. bemängelten bie Dänen, baß die friesische Minderheit Deutschlands nicht bei den Verhandlungen vertreten war. Der norbsriesische Verein für Heimatkunde unb Heimatliche.hat Darauf am, 25. November eine Entschließung gefaßt, in ber er mit aller Schärfe erklärt, baß es eine nationale friesische Minderheit im Gegensatz zum Deutschtum nicht gibt unb baß bie Friesen sich als einen unlösbaren Bestandteil des deutschen Volkes betrachten. Die Wenden in Der sächsisch-friesischen Lausitz zeigen Die Eigentümlichkeit, Daß ihnen eine Haupt- nation. Der sie sich anschließen könnten, vollständig fehlt. Auch sie betrachten sich in Der großen Mehrzahl als zum Deutschen Volke gehörig, wenn es auch Tatsache ist, daß sofort nach dem Kriege Die wendische Bewegung einen ziemlichen Aufschwung nahm. Die Polen machen ben weitaus größten Bestandteil ber Frembstämmigen in Deutschland aus, Der Hochzeitskranz. Don Regina U11 m a n n. 2ch ging die alte Vogelbeerbaumallee hinauf zu dem Renaifsancefchloß. Ja, es gibt im Herbst nichts Herrlicheres als dieses Gebäude, von dem zu jener Zeit aller Tand entfernt ist. Heber der Pforte hing ein wunderschöner Kranz. Als ich, ein fremder Gast, zur Türe eintrat, fiel er mir ins Auge wie vielleicht einem anderen, wenn es eine goldene Krone mit kostbaren Steinen gewesen wäre! Die Astern rochen noch nach dem Beete und die langstieligen Chrysanthemen hatten Heimweh nach ihrem herbstlichen Garten und ich dachte, daß den Kranz ein Dichter ober ein Kind gewunden habe. Unb ich sah im Geiste den Hochzeitszug geordnet vor der Türe stehen int höchsten Schmuck, als wandelten die Wiesen mit und die rauhe Luft; unb die Berge grau unb zackig schienen in ihnen und ihren Festgewändern zu fein. Die Mauern des Hauses glanzten im Morgenfrost und der hölzerne alte Brunnen goß weit das silberne Wasser aus und rief Lebewohl 1 Das alte geschmückte Gittertor bekam Arme unb alles gab feine Hände zum Abschi ed- nehmen. Dann tarn der Rebel in weihen Schleiern. Unb ich ging enttäuscht, daß nun alle schon fort waren, ins Haus, in dem niemand mehr zu hören war. Ja, die weite Küche war wirllich leer und in den Gängen war das Licht des Tages »erteilt tote hartes Brot an Arme, und auch die Schwalben schienen mit dem Hochzeitszuge ausgeslogen zu fein. Ich sprach ein Gebet für die Verlassenheit, die sich hier den glatten Scheitel zurecht streichen mochte. So würde also in diesem Hause nie mehr ein Licht geopfert, ein inbrünstiges Gebet gesprochen und mit weihen Händen schweigend ein herbstlicher Kranz gewunden? Ich trat an die Herrenstube. Unb siehe, die Tür öffnete sich von selbst. Da sah in ihrem Stuhle ein stein- altes Mütterchen. Auf ihrem Antlitz lag ein süßer ungestörter Schlaf. Sie hielt einen Straub Astern und Chrysanthemen wie eingewurzelt in ihren Händen und ich erkannte, so unberührt wie sie zu sehen war, bah sie schon eine weite Strecke auf ber Strahe des Todes wandelte. RADITION «3 die kleinsten Minderheiten bilden die Litauer und die Mähren. Die Zahl der letzteren, die in den vreu- ßischen Landkreisen Ratibor und Loebichütz wohnen, beträgt 4461 (außerdem 5469 Doppelsprachige). lieber die Stellung der fremden Minderheiten im deutschen Staatswesen heißt es im Artikel 113 unserer Weimarer Verfassung grundsätzlich: „Die fremdsprachigen Dolksteile des Reiches dürfen durch die Gesetzgebung und Verwaltung nicht in ihrer freien, volkstümlichen Entwicklung, besonders nicht im Gebrauch ihrer Muttersprache beim Unterrichte, sowie bei der inneren Verwaltung und der Rechtspflege beeinträchtigt werden." Das Eigenleben der Minderheiten in Deutschland in kultureller und politischer Beziehung unterliegt also keinen Beschränkungen. Schutz der Person und des Eigentums, Vereins-, Versammlungs-, Presse-, Wahl- und Wirtschaftsfrei- heit sind genau so wie bei den völkisch deutschen Staatsbürgern gewährleistet. Die Dresse der Minderheiten ist ebensowenig der Ueberwachung und Bevormundung ausgesetzt wie die deutsche; die verantwortlichen Schriftleiter brauchen nicht einmal deutsche Staatsangehörige zu sein. Allenstein, Oppeln und Deuthen besitzen nationalpolnische regierungsfeindliche Tageszeitungen. Das Hauptblatt Der Wenden ist die in Bautzen erscheinende „Sorbite Nowlnn", die während des Krieges wegen staatsfeindlicher Aeußerungen mehrere Male amtlich vermahnt werden mußte. Die dänische Presse ist durch den „Flensborg Avis" und den in deutscher Sprache erscheinenden „Der Schleswiger", die litauische Presse durch eine Tilsiter Zeitung und ein weiteres Blatt vertreten. Das Dereinsleben, vor allem bei den Polen, ist reich gegliedert, doch sind die Mitgliederzahlen im allgemeinen sehr gering. Die völkische Vereinigung der Polen ist „Der Bund der Polen", die der Wenden der schon 1846 gegründete Kulturverein „Ma- cica Serbska" und der „Bund der wendischen Vereine", die der Dänen bei Schleswigsche Verein und der Dänische Schulverein, und die der Litauer der Verband der Litauer in Deutschland. a'.ir Regelung des Schulwesens — Erlernen der Muttersprache und Religionsunterricht in dieser Sprache werden zugestanden — sind seit dem Kriege verschiedene preußische und sächsische Erlasse heraus- aegeben worden. Die Schulverhältnisse in Oberschlesien sind durch das Genfer Abkommen (Calonder- Abkoinmen) vom 15. Mai 1922 besonders geregelt worden. Außerdem hat Preußen am 13. Februar dieses Jahres neue, nicht allgemein von den Deutschen gebilligte Bestimmungen für die Minderheitenschulen im dänischen Grenzgebiet erlassen. Diese wenigen Angaben lassen erkennen, daß De schland nach dem Kriege daran gegangen ist, die Minderheitenfrage in versöhnlichem Sinne zu r.- i.etn, wohingegen die deutschen Minderheiten im Aaslande fast durchweg den schwersten Kampf um die Erhaltung ihres Volkstums zu führen haben. Rach dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund Nwß eine kraftvolle Minderheitenpolitik auf deutscher Seite einsetzen, damit der van unseren Gegnern so lehr gerühmte und verfochtene Grundsatz vom Selostbestimmungsrecht der Völker nicht nur für andere, sondern auch für uns gilt. NsAaatengrenzenvonVersMes lieber die deutsch-französische Grenze finden sich im Oktoberhest der „Zeitwende" (Verlag der C. $). Dcckschen Verlagsbuchhandlung in München) in einem Aufsatze über „Die neuen Staatengrenzen Europas" folgende sehr treffende Ausführungen des bekannten Münchner Geographen Erich von D r y g a 1 s k i : „Was die Entente an Grenzen geschaffen hat, entspricht nirgends, aber auch wirklich nirgends den staatlichen Notwendigkeiten, selbst im eigenen Lager nicht, geschweige denn in dem der Mittelmächte. Die neuen Staatengrenzen Europas bieten weder Schutz noch sonstigen Abschluß gegen die Nachbarländer, wie er zur inneren Festigung und damit zur kulturellen Entwicklung auch nach außen hin befähigt, sondern stoßen in die Lebens- inieressen der Nachbarn hinein und sind damit eine unversiegbare Quelle neuer Konflikte. Die neue Staatengrenze zwischen Frankreich und Deutschland ist in ihrer Unnatur bekannt und hier wie dort eine Quelle der Unruhe. Der Rhein zwischen Basel und Bingen ist eben ein Verkehrsstrom, Rier die Interessen beider Ufer zusammenschließt und glicht trennt. Daher hat sich auch hüben und drüben ^(15 gleiche Volkstum entwickelt und trotz manchen --Eingriffen im Laufe der Zeiten erhalten, wie auch die Landesnatur im Elsaß und in Baden, in Hessen und in der Pfalz weitgehend gleich ist. Die Vogesen sind eine bessere Grenze gewesen, wenigstens klimatisch und daher auch wirtschaftlich und völkisch. Militärisch war die Vogesengrenze für Deutschland ungünstiger als für Frankreich, wie der Weltkrieg gezeigt hat, da Frankreich die beiten Kammland- schdsten besaß, welche auch die kurzen Täler aus der deutschen Seite beherrschten. Somit hat sich Frankreich durch seinen Raub in militärischer Einsicht keineswegs verbessert, und daß es die sonstige Unnatur der Rheingrenze fühlt, geht aus den Bestimmungen des Vertrages von Versailles über den Rheinverkehr hervor, z. B daraus, daß in § 65 Straßburg und Kehl zu einem Hafengebiet zusammengeschlossen wurden. Der Organismus des Rheinverkehrs wurde also zuerst zerrissen und bann künstlich wieder zusammengeleimt. Die Rheingrenze hat für Frankreich eine rein imperialistische Bedeutung und kann nur meinen, daß Frankreich nicht am Flusse bleiben, sondern auch bie rechte Rheinlandschaft beherrschen will, und zwar nicht nur zwischen Basel und Bingen, sondern überall. Denn im Querschnitt von Ost nach West sind die rechten und linken Nheinlandschaften überall gleich, und wer die einen hat, muß auch die anderen erstreben. Die im Längs- laus des Stroms sich von Süden nach Norden folgenden Landschaften sind dagegen verschieden, da auf die breite Rheinebene zwischen Basel und Mainz die Hochflächen und Steilufer des Schiefer- gebirges, dann die reiche Kölner Bucht und dann die Niederungen der Mündungen folgen. Jeder dieser Abschnitte hat seine Eigenart und begünstigt ein Sondcrdasein, wie es in der Natur Deutschlands so vielfach der Fall ist. Deshalb ist schon gesagt worden, daß diese Abschnitte des Rheintals ein Vorbild für die Vereinigten Staaten von Europa im kleinen, doch an einer besonders wichtigen Stelle abgrben können, wobei aber die Einheit der beiden Ufer immer Voraussetzung ist. Wenn man solchen Zielen nachgehen will, darf man die User also nicht aus» einanderreißen, sondern muß auch die Abschnitte des Längslaufs durch den Rheinverkehr geeignet verbinden, wie es Deutschland von der Schweiz bis Holland getan hatte. Es ist nun ein weiter Weg den Rhein auch im Längslauf französieren zu wollen, dock er ist in Versailles durch die Politik der Brückenköpfe, durch die entmilitarisierte Zone und nicht zuletzt durch das Vordringen an der Saar vom Donon abwärts beschritten worden, also durch Verstöße im Quer- wie im Längsschnitt, und es an uns, denselben zielbewußt und vor allem auch im Elsaß und an der Saar entgegen;’utreten." Zum Schluß resümiert Professor v. Drngalski sein Urteil über die Staatengrenzen nochmals mit folgenden Worten: „Nach allem kann man bei den neuen Staatengrenzen n den einen gemeinsamen Zug feststellen, daß sie die Naturgebiete verwirren, und zwar bis zu den (Eigentumsräumen hinab. Das vollendetste Beispiel dafür ist vielleicht Ungarn, das vor dem Kriege mit seinen weilen Ebenen innerhalb einer starken Gebirgsumrah.nung nahezu als ein Naturgebist erschien, wahrend heute die Tschechoslowakei von Norden, Rumänien von Osten und Eüdslawien von Süden in die Ebenen hinabsteigen und sich ungarisch oder deutsch bewohnte und kultivierte Lande einveric'bt hoben. Das ist ein auf den ersten Bi.ck erkennbares Beispiel, wie die neuen Staatengrenzen beschaffen sind. Und so ist es überall, selbst bei Der 'talienisch-süd- slawischen Grenze, also im Kreise der (Entente selbst. Ueberall sind Jnteressentenkonflikte hecgestellt, und wo die Grenzen so beschaffen waren, daß sie die Bewohner schützten und ihrem Streben ein gewisses Ziel setzten, da wurden Zacken und Enklaven gebildet, welche die Ruhe stören. Daß solche Grenzen nicht Bestand haben können, wird niemand bezweifeln." Oüerhessen. Gietzcn. Z. Rödgen, 5. Rov. Es erscheint angebracht, an dieser Stelle einmal auf die schwierige Durchfahrt für Autos, Motorräder und selbst für Räder durch Rödgen mahnend hinzuweisen. 3n scharfen Biegungen geht die Straße durch das Dorf. Sie ist bei der Wirtschaft Wagner nicht zu übersehen, denn hier bildet die Straße einen rechten Winkel und ist durch Häuser eingeengt. Biele Autoführer und Motorradfahrer tragen dieser ungünstigen Strahenführung Rechnung und verlangsamen ihr Tempo, so weit wie mögllch, andere aber fahren in derart scharfer Gangart weiter, daß sich Kinder und selbst Erwachsene ängstlich zur Seite drücken. Besonders gefährlich sieht es aus, wenn Lastautos von Grohen- Duseck her ins Dorf donnern und, ihrer Last scheinbar ledig, mit unverminderter Schnelligkeit durch Rodgen nach Gießen streben. Alle, die diese Rachricht angeht, mögen künftig im eigenen Interesse und zum Wohle der Einwohner beim Durchfahren des Ortes auf die örtlichen Verhältnisse Rücksicht nehmen. bn. Mainzlar, 5. Rov. Dieser Tage begann hier wieder der Fortbildungsschulunterricht, nachdem er für die männliche Jugend während der Erntezeit unterbrochen worden war. Die Mädchen haben schon seit l.Lluli Kochunterricht durch Fräulein Großer. Er findet an zwei Vormittagen wöchentlich statt, auch die fortbildungsschulpflichtigen Mädchen aus dem benachbarten Staufenberg nehmen daran teil. z. A l l e n d or f a. d. Lda., 5. Rov. Bei einem Tanzvergnügen, das anläßlich des Ri ko laus- Marktes hier statt'and, kam es zu einer Schlägerei zwischen einem hiesigen und einem auswärtigen Burschen. Ein hiesiger junger Mann, der zufällig hinzukam, versuchte als Unbeteiligter, gutmeinend, den Streit beizulegen. Hierbei erhielt er aber einen Stich in denRücken. Der Verletzte mußte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Die Angelegenheit dürfte noch ein gerichtliches Rachspiel haben. iS. Steinbach, 5. Rov. Bei einer in hiesiger Gemarkung abgehaltenen Treibjagd wurden 10 Rehe, 13 Hasen und 1 Fuchs zur Strecke gebracht. * Hungen, 5. Nov. Unter zahlreicher Beteiligung fanden sich im „Solmser Hof" Hierselbst Mitglieder des Gaues Solms des Hessischen Philologenoereins zu einer Tagung zusammen. Diesem Gau gehören die höheren Lehranstalten von G r ü n b e r g , Hungen, Lau- bad), Nidda und Schotten an. Der Gauvorsitzende, Studienrat Link »Laubach, begrüßte die Teilnehmer und machte zunächst einige Mitteilungen allgemeiner Art. Hierauf erstattete Studienrat B r a u n e w e 11 - Nidda, Mitglied des Hauptoor» standes des Hessischen Philologenvereins, einen ausführlichen Bericht über organisatorische und Stan» desfragen, und berührte dabei Probleme, die nicht nur die Philologen, sondern auch die gesamte Beamten chaft Hessens angehen. Mit Erditteruna wurde sestgestellt, daß von den Beamten des Reiches und aller deutschen Länder die Lage der hessischen Beamtenschaft am ungünstigsten ist. Die Aussprache, die sich an die erwähnten Ausführungen anschloß, ergab mancherlei Anregung und hielt die Versammlung bis zum Abgang der Züge in lebhafter Unter» Haltung zusammen. Kreis Friedberg. Bad-Rauheim, 4. Rov. Dgß das geistige Leben, das im Sommer durch Kurtheater und Kurorchester mancherlei Anregung erfahrt, auch den Winter über in Fluh bleibt, dafür sorgen der VortragS- und Musikverein und der Bildungsverein. Beide bieten in den nächsten Monaten wieder beste Unterhaltung, die auch den Kurgästen zugute kommt, welche in den Wintermonaten in immer größerer Zahl unser Bad aufsuchen. Der Bildungsverein will sich für die dieswinterliche Vortragssaison mit der Gießener Hochschulgesellschaft in Verbiirdung setzen, um seinen Mitgliedern und Freunden in einer Reihe von Vortragsveranstaltungen durch bestbekannte Redner wertvollstes Wissen übermitteln zu können. Als erster Vortragender wird bereits der Geograph unserer Landesuniversität, Prof. Dr. K l u t e, genannt. Reben größeren Veranstaltungen dieser Vereine auf dem Gebiete des wissenschaftlichen und musikalischen Lebens sind für diesen Winter erstmalig auch wieder Theatervorstellungen geplant. DaS FranksurterKünltlertheaterals Rach- folgerin des Rhein-Mainischen Verbandstheaters, das vor dem Kriege hier gern gesehen war und stets eine treue Theatergemeinde um sich vereinigte, will während der „theaterlosen" Zeit hier sein Glück versuchen: als erste Vorstellung ist „Rathan der Weise" vorgesehen. Den Reigen der dies- winterlichen Vortragsabende eröffnete gestern der VortragS« undMusikverein. Pros. Dr. Hülsen, einer der besten Frankfurter Kunstkenner. war alS Redner, gewonnen. Er sprach äußerst fesselnd über „Eigenart und Schönheit des Allfrankfurter Bürgerhauses". Gern folgte man im Lichtbild« dem anregend plaudernden Kunsthistoriker auf seinem Gange durch das alte Frankfurt. Kreis Büdingen. -/- Orten berg, 5. Rov. Gestern sand der Kalte Markt mit der Verlosung seinen Abschluß, linier Vorantritt der Feuerwehrkapelle wurden die zu ersten Gewinnen ausgesuchten Tiere durch die Hauptstraßen des Städtchens geführt. 3m Anschluß daran sand dann die Verlosung statt. Die ersten Gewinne fielen auf folgende (Hummern: (ohne Gewähr) 2853 (nach Düdelsheim), 5885 (nach Rinderbügen) 4947, 46 (nach Bobenhausen), 6414. 5085, 3931, 1717, 1671, 5248. Der 4., 6., 8., 9. und 10. Preis werden, da wegen Ausfalls des Dindviehmarkles keine Rinder angekauft werden konnten, in bar ausbezahlt. Kreis Schotten. □ Laubach, 5. Rov. 3n der jüngsten Sitzung des Gemeinderats berichtete zunächst Kammerdirektor B i r n b a u m über die Errichtung eines Ortsbaustatuts und die Entwürfe deö E h r e n d e n k m a l s für die im Weltkrieg gebliebenen Söhne unserer Stadt. Behufs. Errichtung des Ortsbaustatuts wurde eine Besprechung mit dem Dermessungsrat Müller in Hungen beschlossen, lieber baS Ehrendenkmal wird demnächst eine Beratung mit dem Vorstand des Kriegesvereins stattfinden. Dem Weißbinder V o n - E i f f, der am sog. Rotenberg (Straße nach Gonterskirchen) ein Wohnhaus errichtet, wurde das hierzu nötige Baugelände, das städtisches Eigentum ist, zu 1 Mark den Quadratmeter überlassen. Weiter wurde beschlossen, den neuen Weg aus der Kaiser st raße nach dem sog. „Allen Host', der jetzt als Baugelände bestimmt und teilweise schon bebaut ist, zweckentsprechend anzulegen. 3m „Alten Hof" hat man beim Dau der Straße „im Hain" 1891 die Spuren der früheren Beliedelung entdeckt. Diese Ansiedelung muß schon spätestens im 16. 3ahr- hundert auSgegangen fein, denn daS älteste Bild von Laubach, daS aus dem 3ahre 1610 stammt, (in hiesiger Stadtkirche befindlich) zeigt an jener Stelle bereits hochstämmigen Daumwucks, — Mit Beginn des Winterhalbjahres hat Detan D o l p wegen Arbeitsüberhäufung (er ist jetzt der einzige Geistliche in unserer Stadt) fein Amt a 16 Religionslehrer an der hiesigen Realschule niedergelegt. 3m 3ahre 1895 war er mit diesem Unterricht betraut worden. An seine Stelle ist Pfarrer Weimer von Gonterskirchen getreten. — 3n diesen Tagen sind wieder ungeheure Scharen von Schneegänsen beobachtet worden, die in südwestlicher Richtung daS Wettertal überzogen und sich gegen daS Horlos stal wandten. Auf einer Wiese fand man als Zeichen ihres nächtlichen Lagerns zahlreiche Federn. 3n einer benachbarten Gemarkung haben sie einen mit Roggen ausgestellten Acker durch Verzehren der Saatfrucht schwer geschädigt. 3n einzelnen Gemeinden stellt man abends besondere Wachtposten aus. welche die unliebsamen Gäste zur Rachtzeit verscheuchen. Eichelsachsen, 5.Rov. Dieser Tag« fanden, (wie gestern schon kurz aus Schotten ge» meldet. D. Red.) 3äger an der Bauhütte eineS verlassenen Steinbruchs im Walde die Leiche einer männlichen Person. Sie muh schon längere Zeit hier gelegen haben, da fast nur bad Gerippe noch vorhanden war. 3n den Taschen fand man gebündelt eine Menge kleiner Münzen, so daß wohl die Annahme berechttgt ist, daß eS sich um einen Bettler handelt, der zur Rachtzeit in der Hütte Schuh suchen wollte. Dabei scheint ihn der Tod ereilt zu haben. Da keinerlei Papiere bei dem Toten gefunden wurden, dürfte eS sehr schwer fein, feine Personalien festzustellen, zumal anzunehmen ist, daß der Unbekannte in der Gegend nicht heimisch war. Das Gericht gab die Leiche frei. X Stumpertenrod, 5. Rov. Ein Ereignis für unser Dors war die Vorführung des Oberlinfilmes „Sprechende Hände", die in der letzten Woche in unserer Kirche stattfand. Die klaren und guten Bilder zeigten uns das Leben der Taubstummblinden in dem Taubstmmn- blinden-Heim zu Rowawes bei Potsdam. — Auch unsere Gemeinde lieferte in diesen Tagen einen Wagen voll Kartoffeln an das Dta- k o n i s s en h a u s zu D a r m st a dt, der als freiwillige Gabe am Erntedankfest gefaauij^Jt worden war. x Köddingen, 5. Rov. Die hiesige Schulstelle, die seit dem Weggänge deS Lehrers Decht- hold nur verwaltet worden war, wurde dem seitherigen Lehrer zu Helpershain, Lehrer S ch m a n d t, übertragen. Wir erhalten in ihm für unsere Schule einen bewährten Lehrer und für unseren Männergesangverein einen tüchtigen Dirigenten. Schulverwalter Doll, der bisher bei uns ben Schuldienst versehen Hatto, kam nach Helpershahr. — Unsere Gemeinde hat sich jetzt dazu entschlossen, unsere Kirche mit elektrischem Lichte auszustatten. Bisher wurde unsere Kirche seit alten Zeiten nur durch Kerzen beleuchtet, die auf besonderen Ständern angebracht waren. Kreis Alsfeld. Homberg a. b. D., 5. Nov. Im Basalt- ft e i n b r u cf) „Rote Kuh ' bei'; Mitteldeut - scheu Hartfteininduftr.e-Werk wurde der Arbeiter Weiß aus Drauxschwend von herabfallenden Steinen getroffen und schwer verletzt. Der Bedauernswerte wurde im Auto zur Station Burg- und Rieder-Gemünden gebracht und von hier aus mit der Dahn nach Hause tranSbortiert. •er. Homberg a. d. Ohm, 5. Nov. Im Laufe des vorigen Sommers prüften die Vorstandsmitglieder des Verschönerungs» und Touristen» Vereins den Blumenschmuck an den Häusern unserer Stadt. Die eifriasten Blumenfreunde konnten jetzt mit einigen Preisen (Tulpenzwiebeln) als Ausdruck der öffentlichen Anerkennung belohnt werden. — Ober-Ohmen, 4. Nov. In unserem Gemeindewalde treten seit einiger Zeit Waldfrevler in ständig steigendem Maße auf. Mit Aexten und Sägen schlagen sie Bäume nieder und schaffen sie bei Nacht und Nebel fort. Der Gemeinde sind durch diese Diebstähle bereits empfindliche Verluste entstanden. Alle Ueberwachungs- uni Kontrollmaßnahmen blieben bisher ohne Erfolg Die Forstdiebe stammen von auswärts, eine Vermutung weist nach einem Nachbardorfe. Hoffentlich gelingt es recht bald, die lichtscheuen Elemente unschädlich zu machen. Steinway & Sons die bedeutendste Klaviermarke der Welt 240000 Instrumente im Besitz von Kennern Alleinvertretung: 9118a. Bahnhofstr. 65B Gießen Fernruf 1367 Filiale Lieh, Butzbacher Straße 12 ■ Eine große Überraschung für unzählige Damen und Herren, welche Wert legen auf tadelloses und strapazierfähiges Schuhwerk ist die Neuaufnahme unserer aus Vorkriegszeiten allgemein beliebten und bekannten Marke „HERZ-SPEZIAL". Wie in Vorkriegszeiten werden unsere „Herz-Spezial-Artikel“ wieder mit einheitlichen festen Serienpreisen in altbekannter echter Herz-Qualität mit dem Herzstempel auf der Sohle geliefert. 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Samstag, 13., 7ys bis 10',t Uhr: Amelia oder Ein Maskenball. Sonntag, 14., 7 bis 10 Uhr: Der Golem. Schauspielhaus. Sonntag, 7. Novbr.. 71,2 bis 10 Uhr: Prinz FriÄ>rich von Homburg. Montag, 8., 7> 2 bis 10', Uhr: Liathan der Weise. Dienstag, 9., 7»/, bis 93/1 Uhr: Alles um Geld. Mittwoch, 10., 7 bis gegen 10 Uhr. Kabale und Liebe. Donnerstag, 11., 8 bis nach 10 Uhr: Der blaue Vogel. Freitag, 12.. 8 bis nach 10 Uhr: Der blaue Vogel. Samstag, 13., 71,2 biS gegen 10 Uhr: Kilian oder die gelbe Rose. Sonntag, 14., 4 bis nach 6 Uhr: Der blaue Vogel: 8 bis nach 10 Uhr: Der blaue Vogel. die Älarmsirene in Tätigkeit treten muhte. Vinnen weniger Minuten war die Feuerwehr mit Spritzen zur Stelle und begann den Feuer- unter Wasser zu sehen. Gebäudeschaden ist zu verzeichnen. Preußen. Kreis Wetzlar. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 7. November. 23. n. Trinitatis. Gießen. Stadttirche. 9'/,: Pfr. Mahr. 11: Kinderkirche f. d. Matthäusgemeinde. Pfr. Mahr. 5: Pfarrassist. Hertel.. - JohanneSkirchc. 91/.: Pfarrassist Schultheis 11: Kinderkirche für die Lukasg. Psr- Vechtolsheimer. 5: Pfr. Ausfelb. Konfirmandensaal. lLiebigstr. 56). 2: Taubstummengottesdienst. Pfr: Vechtolsheimer. — Lich. 9*/4 Beichte - 9l , Stiftspsarrer Schorlemmer heiliges Abendmahl. — °/.l Kindergottesdienst — 2 3ugcnb- gottesdienst unter Mitwirkung des PofaunenchorS Stiftsdechant Lenz. - Kollekte f. Jugendarbeit. — Mittwoch 8 Bibelslunde im Gemeindesaal. - Kirchberg. 10 ; 11: HeiligesAbendmohl für die Jugend von Staulenberg und Lollar. Nachmitt. 1'/,: Mainzlar. - Wleseck. 9 Beichte, 9'/, Predigtgottesdienst, im Anschluß Feier des heilig. Abendmahls. Opfer für die Eplleptlschen-Anstalt in Nieder-Ramstadt. — Watzenborn-Garbenteich. Watzenborn-Steinberg: 9 Beichte, anschlieh. Gottesdienst und heilig. Abendmahl der Jugend. (Kollekte.) Garbenteich: 1. Rundfunk-Programm deS Frankfurter Tenders. (Aus der .Radio-Umschau".) Sonntag, 7. November. 8.30 bis 9.30: Uebertragung von Kassel: Vlorgenfeier, veranstaltet von der evangelischen Landeskirche (Freiheiter Gemeinde). 11 bis 11.30: Elternstunde: „Können Kinderaussagen als Beweis der Wahrheit gelten?", Vortrag von Rektor Wehrhan. 11.30 bis 12.30: Uebertragung von Kassel: Klavierkon'ert Arthur Shattuck. 3 bis 4: Stunde der Jugend. 4 bis 5: Konzert des Hausorchesters: Die Oper der Woche. 6.30: Uebertragung aus dem Frankfurter Opernhaus: „Der Rosenkavalier". Komödie für Musik in drei Akten von H. v. Hosmannsthal, Musik von Rich. Strauß, Anschließend bis 12.30: Uebertragung von Berlin: Tanzmusik. Montag, 8. November. 3.30 bis 4: Die Stunde der Fugend. 4.30 bis 5.45: Konzert des Hausorchesters. 5.45 bis 6.05; Die Lesestunde, 6.30 bis 7: Funkhochschule Frankfurt: „Fleisch- und Wurstvergiftung", Dortrag von Kreismedizinalrat Dr. Werner. 7.30: Uebertragung aus dem großen Saal des Saalbaues: 3. Montagskonzert des Frankfurter Orchestervereins. arbeiten aussühren lassen. XX Dorlar, 5. Nov. Die Dautätig - lei t hat hier im Laufe der beiden letzten Fahre recht beachtenswerte Resultate gezeitigt. Namentlich in der Richtung nach der Haltestelle zu sind viele stattliche Neubauten entstanden, die sich würdig an die neue Schule und das Pfarrhaus an- reihen. Regen Anteil an dem flotten Baubetrieb hat vor allem das vor zwei Fahren begründete Sägewerk, das fortgesetzt größere Ausdehnung annimmt und vielen Arbeitern lohnenden Verdienst bietet. OberwestcrwaldkreiS. & Höhn, 5. Nov. Infolge des Arbeitsbeschas- fungsprogrammes der Regierung sind auch größere Aufträge auf den Westerwald gefallen, so daß damit zu rechnen ist. daß bei einigermaßen günstiger Witterung die Arbeiten in den Basaltbrüchen nicht jetzt schon eingestellt zu werden brauchen, wie dies in früheren Jahren der Fall war. Da auch aus Holland größere Bestellungen vorliegen, werden die Steinbrucharbeiter noch auf längere Zeit hinaus an ihren Arbeitsstellen bleiben können. Der bei Groheifen neu a n g e • legte Stsinbruch „Gewerkschaft Alber t", der zur Zeit etwa 60 bis 70 Arbeiter beschäftigt, wird in der nächsten Zeit großzügig er- weitert. Bei dem in Betrieb befindlichen Steinbrecher wird noch ein zweiter erbaut, und in der Nähe wird ein Gebäude errichtet, das als Aufenthalts-, Wasch- und Baderaum für die Arbeiter bienen soll, so daß auch den gesundheitlichen Bedürfnissen Rechnung getragen ist. In dem erweiterten Betriebe werden noch ungefähr weitere 30 Arbeiter beschäftigt werden. Maingau. WSN. Frankfurt a.QU., 5.Nov. Fm hiesigen Hauptbahnhof wurde gestern einem Ha- nauerGeschäftsmann eine Brieftasche mit über 4 000 Mark Fnhalt g e stoh » l e n. Anscheinend handelt es sich um Mitglieder einer internationalen Taschendiebstahlsbande, denen es bei einem künstlich hervorgerufenen Gedränge gelungen zu sein scheint, sich unbemerkt an ihr ahnungsloses Opfer heranzudrängen und die geplante Tat auSzuführen. Das Frankfurter Fernsprech- Selbstanschluhamt. WSN Frankfurt a. M., 5. Nov. Das im letzten Fahre in der Habsburgerallee erstandene, vor einigen Tagen dem Betrieb übergebens erste Frankfurter Selbstanschlußamt Carolus wurde heute nachmittag unter sachkundiger Führung von Vertretern der Presse und zahlreichen höheren Postbeanrlen aus der Provinz Hessen-Nassau unb dem Freistaate Hessen einer eingehenden Besichtigung unterzogen. Das neue Amt, das hauptsächlich zur Entlastung der drei Handämter an der Zeil dienen soll, hat ein, Fassungsvermögen von 8000 Teilnehmern, kann aber bis zu 20 000 Teilnehmern gesteigert werden. Gegenwärtig hat es rund 4600 Anschlüsse. Mit großem Fnteresse wurden die einzelnen Abteilungen des Amtes, so der Hauptverteiler im Erdgeschoß, die neun Zahlengebertische, die Fernvernrittlungsschränke, der Kabelaufteilungsraum und -die Stromversor- Dirtschaftslage waren bisher keine Mittel für diese gemeinnützige Sache vorhanden, es konnten daher auch keine Neuanschaffungen gemacht werden. Die Kreis-Wanderbücherei besteht über drei Jahrzehnte und zählte schon vor dem Kriege weit über zehntausend Bücher. Durch die stete Wanderung waren aber viele Bände so verbraucht, bah man sie nicht mehr roeitergeben konnte. Alle beschmutzten unb schad- haften Bücher sind auf Anordnung der Krewoer- roaltung zu verbrennen unb die einzelnen Stöcke durch Neuanschaffung nach und nach wieder auf den früheren Bestand zu ergänzen. Erfreulicherweise stehen für diese gemeinnützige, segensreiche Einrichtung nunmehr wieder Mittel zur Verfügung. —c— Lützellinden, 5. November. Fn diesem Fahre wurde wieder, wie alljährlich eine Kartoffel- und Geldsammlung in unserem Orte veranstaltet, die der R h e i - recht seltene Ausnahme. Sie tönen aber nicht entbehrt werden, um einem bewußten Herabsetzen der Organe der Rechtspflege, Beschnnpsungen des Gegners ober der Zeugen ober gar noch gröberen Aus- schreitungen an der Gerichtsstelle selbst vorzubeugen. Der vor Gericht wegen Ungebühr Bestrafte kann eine höhere Instanz anrufen. Der Beschwerdeweg ist ihm nicht oerlperrt. Wer vor Gericht erscheint, fei es als Zeuge, sei es als Partei, bleibe in jedem Augenblick ruhig unb sachlich unb denke an die oft bewahrte Wahrheit Der Sprichwort«: „Lügen haben kurze Beine", und: „Wer schimpft, hat Unrecht.- Jedenfalls wird er dann finden, daß seine Furcht vor dem Gericht ganz unbegründet ist, zumal er in jedem Falle einen Anspruch auf den cchutz des Gerichts hat, soweit es ihn überhaupt zu schützen In der Lage ist. -er. Grebenau, 5. Nov. (Einem kürzlich beendeten Koch- und Handarbeitskursus für fortbildungsschulpflichtige Mädchen wurde jetzt ein gleicher Kursus für ältere Mädchen und Frauen angeschlossen. Die Beteiligung daran ist groß. Nachdem auch dieser Kursus abgeschlossen ist, soll eine A u s st e l l u n g der in beiden Kursen angefertigten Handarbeiten hergerichtet werden. Starkenburg. • D a r m st a d t, 5. November. Die Stadt Darmstadt ist jetzt zum Fernsprechverkehr mit London zugelalsen worden. — Fn den Opelwerken in Aüsselsherm platzte ein Schleifstein: ein Stuck davon traf den 52 Fahre alten Schleifer H. Hinkel aus Ast- heim, der so schwer verletzt wurde, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. 'WSN Tarmstadt, 5. Nov. Dre Land- grafendenkmäler auf dem hiesigen Tyea- terplah sind derart verwittert, daß chr wer- teres Verbleiben unter freiem Himmel bald zu ihrem völligen Verfall führen würde. Sre sollen deshalb vor Winter von ihren Sockeln weg. genommen und an einen geschützten, der Witterung nicht ausgesetzten Platz gebracht werden. Da die wertvollen Standbilder, Werke des Darm- städter Bildhauers F. B. S ch o l l aus dem Fahre 1845 ganz besondere Pflege und sorgsamsten Schutz verdienen, wird nach erfolgter Abnahme geprüft werden, waS zur weiteren Erhaltung geschehen muß. Erwägungen darüber sind im Gange. Die Offenbacher Getränkesteuer rechtsungültig. WSN. Offenbach, 5. Nov. Fn dem Strafverfahren, das ^Oberbürgermeister Granzin gegen den Lokalredakteur der Offenbacher Ztg.". Schröter, wegen Aufreizung zur Steuerverweigerung durch einen Artikel in der „Offenbacher Zeituyg", in dem zur Nichtbezahlung der Getränke st euer geraten wurde, angestrengt hatte, wurde heute mittag vom Großen Schöffengericht als Berufungsinstanz daS Urteil verbändet. Schröter wurde freigesprochen und die Kosten des Verfahrens der Staats- taffe aufcrlegt Aus der etwa 40 Seiten umfassenden Begründung brachte der Vorsitzende einen Auszug zur Verlesung. Danach ist die Getränkesteuer der Stadt Offenbach rechts- ungültig, weil versch.edene rechtliche Verstöße dorllcgen und der Oberbürgermeister sich Befug- nifse beim Zustandekommen der Verordnung bei- ürote, die ihm rechtlich nicht zuständen. Aus objektiven Gründen muffe deshalb Freisprechung erfolgen. Ebensowenig tresse den B klagten subjektiv eine Schuld, da er nach den verschiedenen in der Frage ergangenen ilr- teilen des Provinzialausschusfes und Verwaltungsgerichtshofes glauben mußte, daß b e ©teuer nicht rechtskräftig fei Außerdem habe Schröter in ganz fachlicher Weife zu der Streitfrage Stellung genommen. Beleid'gungen hätten nicht vorgelegen. Aus all diesen Gründen müffle er freigesprochen werden. Rheinhessen. WSN. Worms, 5. Nov. Fn der Werkstatt der Wormser Gifenbaugesell- schäft Stumpf brach gestern Feuer aus, dem ein Personenwagen zum Opfer fiel. Die Ent- stehungsursache des Brandes ist noch ungetlärt, man vermutet aber Brandstiftung aus Rache. WSN. Viernheim, 5. Nov. 3 00 Ztr. Briketts gerieten gestern in dem Keller des hiesigen Reichsbahnhofsgebäudes, vermutlich infolge Selbstentzündung in Brand. Starke Rauchschwaden von penetrantem Geruch zogen andauernd aus den Kellerlöchern heraus, so bah n i s ch e n 'M i s s i o n in Barmen zug führt wurde. Die Sammlung ergab 90 Zentner Kartcsfeln und 34,50 Mark. Die Kartoffeln wurden mit den in den Nachbargemeinden Hörnsheim und Hochelheim gesammelten gemeinsam verschickt. —Bonbaden, 5. Nov. Hier hat sich infolge der schlechten TrinttoafferverhäLtniffe die Erbauung einer Wasserleitung! erwiesen. Die Gemeinde hat im gunaSanlagen besichtigt. Am eindrucksvollsten toirne naturgemäß der Wählerraum, der in genau einem Fahre in angestrengter Arbeit von Der Firma Siemens & Halske erftellt wurde. Um einige Zahlen zu nennen, sei hervorgehoben, daß der Raum etwa 8000 erste Vorwahl« und etwa 30 Prozent 1., 2. und 3. Gruppenwähler an etwa 180 Gestellen umfaßt. Fn der Amts- einrichtung sind 48 Kilometer Kabel mit Kupfer- leitern von etwa 1600 Kilometer eingebaut. Ferner enthält das Ami rund 2 140 000 Lösstellen, 50 000 Relais und 350 000 Kontakte. Der einzelne Teilnehmer lärm mit einem anderen Teilnehmer Über mehr als 240 000 verschiedenen Wegen verbunden werden. Um alle Teilnehmer zu erreichen, stehen 2 400 000 000 verschiedene Ern- stellwege zur Verfügung. Vorher hielt Postrat Zeißig einen kurzen erläuternden Vortrag über das Wesen der Selbstschluhämter. 3m Anschluh daran wurde ein Film zur Vorführung gebracht, der in wirkungsvoller Weise die gewaltigen Vorzüge des neuen Systems mit seiner ruhigen Exaktheit über den ruhelosen und aufreibenden Betrieb in den Handämtern bewies. Dor Gericht. Bon Amtsgerichtsrat Franz Gros. (Nachdruck verboten.) Das Gericht ist die Stätte bes Kampfes ums Recht, des Kampfes um Mein unb Dein, um Freiheit unb Ehre. Um jedes Gerichtsgebäube weben bis Schleier des burch bie Amtsverschwiegenheit gc- schützten Geheimnisses, soweit nicht bas Verfahren in voller Oesfcntlichkeit ftattfinbet, unb gar mancher, der seinen Fuß auf bie Schwelle des Gerichtes setzt, fürchtet, baß dort ein mehr ober minder grausames Erlebnis seiner harre. Er hat damit nicht ganz unrecht. Denn bie Verhandlung vor dem erkennenben Gerichte einschließlich der Verkündung ber Urteile unb Beschlüsse ist öffentlich. So schreibt es das Ge- richtsverfafsungsgesetz vor, unb nur in Ehesachen ist bie Oeffentlichkeit unter allen Umständen aus- zuschließen, wenn eine ber Parteien es beantragt. Gar manche empfindliche Seele scheut deshglb jeben Gang an bas Gericht, verzichtet lieber auf Ansprüche aller möglichen Art aus Furcht, vor Gericht verhanbeln zu müssen, vom Richter ober ber Gegenpartei unb ihren Anwälten ausgefragt zu werben. Solche Scheu vor dem Orte, an bem bas Recht gehütet werben soll, kann man jeben Tag erfahren. Inwieweit sie in diesem ober jenem Falle berechtigt erscheinen mag, muß bahingestellt bleiben. Sie finbet {ebenfalls ihr Gegenstück in benen, bie es in allen Dingen bes Hanbels unb Wanbels auf einen Prozeß ankommen lassen, benen es nicht wohl ist, wenn sie nicht täglich mindestens einmal bei ihrem oft wechselnben Sachwalter waren ober am Gericht selbst, die der Schrecken so manches sind, unb bie ber Dolksmunb mit Recht als „Gerichtsgespcnster" bezeichnet. Das richtige Verhalten ber Angehörigen cme= Rechtsstaates liegt, wie so ost im Leben, in ber Mitte. Wer vor Gericht geht ober gehen muß, soll sich nicht fürchten, fonbern Bettrauen zu den Organen ber Rechtspflege mitbringen. Der vornehme unb gewiß doch das beste, das Recht suchende Richter wirb ben kleinen Mann g e n a u Jo behandeln wie den großen. Aber auch er ist ein Mensch unb kann, wenn er vielleicht sieht, mit welchen Mitteln eine Partei zu kämpfen beliebt, unb wie gar oft aus schwarz weiß gemacht werden soll, nicht wie ein Steinbild solchem Tun unb Treiben zusehen. Jedermann kann ben öffentlichen Verhandlungen beiwohnen. Unerwachsenen ober solchen Personen, bie sich nicht im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden, kann der Zutritt versagt werben, ebenso solchen, die nicht in einer ber Würbe bes Gerichts ensprechenben Weise erscheinen. Anbererseits kann einzelnen Personen die Anwesenheit bei nicht öffentlichen Verhandlungen gestattet werben. Während ber Anwesenheit im Gerichtssaale untersteht jebermann ben geltenden Ordnungsvorschriften: sie aufrechtzuerhalten, liegt bem Vorsitzenden ob. Wer den Befehlen nicht gehorcht, kann als Pattei, Beschuldigter, Zeuge. Sachverständiger ober bei der Verhandlung nicht beteiligter Dritter auf Beschluß bes Gerichts aus dem Sitzungszimmer entfernt, auch zur Haft abgeführt unb — höchstens — vier- unbzwanzig Stunben festgehalten werben, unbescha- bet einer Orbnungsstrafe in Gelb ober einer Hast» strafe bis zu brei lagen, vorbehaltlich einer etwaigen strafgerichtlichen Verfolgung im Halle un- gebührnchen Verhaltens. Solche Strafen, bie in ber Regel sofort vollstreckt zu werden pflegen, bilden unter Berücksichtigung ber täglich staltfinbenden außerorbentlich zahlreichen Verhandlungen doch eine - zömoi- Xarm&Ütergeist / & 6,0 wirkungsvolles Maus- und i Elnreibetnittel bei Nerven- und I Erkäteungssdimenen — Rheuma, \ Ischias, Hexenschuß, Kopf. und Zahnschmerzen — belebend und anregend — auch bei Massage Sport— Mond- u. Rasierwasser. «altbewährt kn Apotheken und Drogerien erhkHtkh. Amol-Versand vonVotiralhWasmuth . Hamburg, Amotposthof. 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Nichtmitglieder: zu RM. 1.50 an der Abendkasse. Studentenkarten: zu RM. 1.- bei H. Ritter. 9139c GieBener Konzertverein Erstes Orchesterkonzert Don nerstag, 11. November 1926, abends7V4 Uhr im Stadttheater 9033c Symphoniekonzert Leitung: Dr. Stefan Temesvary aus Frankfurt Solistin: Eva Liebenberg (Alt) aus Berlin Orchester Fran kfurter Symphonie-Orchester Beethoven: Ouvr Iure»Die Geschöpfe des Prometheus« G. Händel: Arien mit Orchesterbegleitung A. Bruckner: Vierte Symphonie Eintrittekarten: 4, 3 und 2 Mk. bei Ernst Challier und abends an der Kasse. Studenten karten Mk. 1.— nur im Vorverkauf bei Herrn Sekretär Ritter gegen Ausweiskarte. Oberhessischer Geschichtsverein Donnerstag, den 11. November, abends 8 Uhr (pünktlich) im Vorlesungsgebäude der Universität (Hörsaal 44) Vortrag des Herrn Prälaten der hessisch. Landeskirche D. Dr. Diehl Evangelische Bewegung und Reformation im Gebiet der hessen - darmstädtischen Lande Gäste willkommen! 9127D Achtung! Achtung! Sonntag, 14. u. Montag, 15. Nov. 1926 findet die EinweibuogvouLHotansSaalbaii verbunden mit Kirchweihe in Geilshausen statt. — Für tadellose Musik und la. Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. Zu recht zahlreichem Besuche ladet ein " " Gastwirt L. Hofmann. Bin unter Nr. W Lich an das Fernsprechnetz angeschlossen. Heinrich Hermann Hoch- und Tiesbaugeschäst Steinbach b. (Siesten. [07782 Wlflnte grauen hab. auch blitzblanke Möbel, denn sie gebr. nur Möbelputz „wunderschön" 6rnftHoll,Wtötog. LindeupL 5.8lJ1D Regina Ullmann liest aus eignen Werken WM! MR! Beamte in Reichs-, Staats-, Kommunal-, Prioatdienst Kaufleute in Bureau u. Geschäft Techniker aller Gattungen Saalbau Sauer morgen Sonntag Tanz-Abend Montag, den 8. Nov., 8V, Uhr Buchhandlung Keißner. Eintritt 1,50 Mk. WW-Melli Sonntag, den 7. und Montag, den 8. Nov. von nachm. 2 Uhr bis zur Dunkelheit Geflügel- und Hamelfchietzen. 9177c Der Vorstand. I dutt, tAuAtAr 'Jta HaXie, ? Str btkoru rdraMlt wxA, wa! TfJKet? 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Basilica-'Chor, Regens chori: Pius Kalt Transeamus (Gloria in Excelie Deo) Ave verum.......................Mozart Platte Nr. 66436 » Platten-Preis 7.50 M. Nie lanlsiarhc Tanzplahc Enm Schachmeister / Marek Weber Paul Godwin 2 TS tue anf der 25 - cm - Platts — 8 JO M. Or£el: Domorganist Prof .Wal ter Fischer Orgel-Konzert Nr. IV, op. 4, Nr. 4 v. Händel 2 Platten Nr. 95006'07 Platten-Preto 6— M, Klavier: Prof. Georg Bertram a) Schwarze Tasten Etüde Gcs-dur, op. 28,5 b) Etüde As-dur, op. 25,1.........Chopin La Campanella.................... Liszt Platte Nr. 66437 » Platten-Preis 7.50 M. „Gramola"- und „Polyphon" - Sprcdiapparaie Plastische. nafnr$etrene Tonwiedergabe Fragen Sie nach diesen Apparaten tu Platt^h in den offiziellen Verkaufsstellen der Dcutstiien Grammophon-Ältf.-6es. Ernst Challier, Gießen Neuenweg 9 01 ”D Sonntagsverkauf in Konditoreien! Die unterzeichneten Konditoreien geben ihren werten Kunden davon Kenntnis, daß laut kreisamtlicher Verfügung die Verkaufszeiten an Sonntagen sissd von 9-12 Uhr vormittags und 2-4 Uhr nachmittags festgesetzt worden sind. Wir bitten deswegen sich mit den Einkäufen nach obigen Verkaufszeiten zu richten. Amend Döll Geißner Hettler Huber Keil Schwarz Samstag, 6. November 1926 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffen) Nr. 261 Drittes Blatt Nachdruck verboten. 86 Fortsetzung. em. fein ihm flc- das zum auf Außenpolitische Umschau. Don Professor Dr. Otto H o e h s ch, M. d. R. Kürzlich hat der demokratische Reichsinnen- Minister Dr. Külz gesagt, es gelte jetzt, zwischen Deutschland und Frankreich reinen Tisch zu machen, dabei verbleibe in Deutschland kein Raum mehr für eine interalliierte Militärkon- trolte, sowie für die weitere Besetzung von Rhein und Saar. Das ist vollkommen richtig. J2l6er während die Frage der weiteren Besetzung von Rhein und Saar an sich mit der Locarno- und Thoirypolitik zusammenhin^ und zusammen- hängt, hätte mit der Mrlitärkontrolle längst reiner Tisch gemacht werden müssen und auch können. Der Zustand ist unerträglich, wenn wir über Fragenkomplexe, wie den von Thoiry sprechen sollen, und wir uns immer noch mit einer Kontrolle herumschlagen müssen. Es ist Aufgabe und Pflicht der deutschen Außenpolitik, dafür Sorge zu tragen, daß spätestens bis zum Zusammentritt der nächsten Sitzung des Dölker- bundsrates diese Sache besettigt wird und die interalliierte Militärkontrolle vom deutschen Boden verschwindet. InEnaland geht der Dergarbeiterstreik zu Ende. Die Liquidation jenes Streikes ist für die Auhenpolitik ohne Bedeutung, um so wichtiger für die Wirtschaftslage Europas. Hat drKh der unnatürliche Kohlenbedarf Englands feit einem halben Jahr günstig auf Frankreich, Belgien, Deutschland, ganz besonders Polen gewirkt und alle diese Länder haben sich nun gerade in kritischen Wintermonaten auf den Umschlag dieser Konjunktur einzurichtenl Dagegen sind die Parteikämpfe in Frankreich wenigstens auf den ersten Blick von Bedeutung für die Auhenpolitik. Doch scheint das mehr so, als es der Fall ist. Die Auseinandersetzungen zwischen und in der Linken sind eine Angelegenheit Frankreichs, dessen Auhenpolitik in der zwangsgegebenen Verbindung mit der Finanzpolitik festliegt. Auch P o i n c a r e sieht, wie wir annehmen, das *:~ Ratürlich sucht er so viel wie möglich für Land herauszuschlagen und glaubt mit der eigenen hinzögernden Taktik Vorteile zu Winnen. Aber das Beispiel Belgiens, Das große Würfelspiel Markina Dilemar.) Roman von Franz Laoer Kappus. soeben seine Wahrung stabilisiert hat, zeigt Üe6erfluö noch einmal, dah es eben nur einem Wege geht: der Durchführung des Gleichgewichts im Budget, der Anerkennung der Schulden, der Ausländsanleihen. Gewiß könnte Frankreich mit fernem riesigen Geldvorrat und einem heroischen Entschluß seine Währung schließlich auch aus eigener Kraft stabilisieren, Deutschland hat cs ja 1923 auch fertig gebracht. Aber zu dem heroischen Entschluh reiht Poincare sein Volk nicht mit sich, vermutlich weil er das auch gar nicht will. Urtf) dabei bleiben wird nach den Erfahrungen aller dieser 3aljrc und einzelnen Währungsstabilisierungen: dab eine Währung dann auch nur durch die Auslandanleihe zu halten ist und in der Verbindung mit ihr allein eine zuverlässige Stabilisierung möglich ist. Dies hängt für Frankreich vom Schulden- abkommen ab. Darüber wird geredet, vor Januar wird die Entscheidung nicht fallen. Aber man sieht nicht, dah es für Poincare eine andere Linie gebe. Aus dem Retz, das Dawes-Plan und Locarnovertrag auch über Frankreich gelegt haben, kommt er nicht heraus, und stärker als der stärkste Cinzelwille, der in die Vergangenheit schaut, sind die Verhältnisse der Gegenwart, die die Stabilisierung des Franken erzwingen, die aber eben aus dem Wege einer friedlichen Außenpolitik nröglich ist, worin nach unserer Lieberzeugung heute begründet ist, dah Driand, seiner öffentlichen Meinuirg und seinem Volke in der Erkenntnis dieser Zusammenhänge weit voraus, doch ein natürliches Llebergewicht in jein em Volke hat gegenüber Poincarä. Das Llnruhernornent bleibt dann, wenn wir nur den Westen im Auge halten, nach wie vor außenpolitischen Neuorientierung führt daher Ungarn stets aufs neue zu der Erkenntnis, daß nur die Revision der Friedensvettrage zur politischen Unabhängigkeit, zur Zerreißung des würgenden Bandes führen kann. Dieses Problem auszurollen, ist Ungarn zu schwach. Für Ungarn scheint demnach eine äußere Politik rötlich zu fein, die sich zur Solidarität der Opfer des Krieges bekennt. Unerträglich wurde die Kälte. Drüben fuhr eine Autodroschke vor. Zwei Krauen und em Mann verstauten einen gelben Rohrplattenkoffer. Drei Lederhandtafchen folgten, vier Hutschachteln, ein Reisenecessaire. Eine schlanke, dunkel gekleidete Dame trat aus dem Tor. Rasch stieg sie in den Wagen. Eine kleine Hand winkte noch zum Fenster heraus, als das Auto schon lange fuhr. Wem winkte die Hand? Die Blicke Kreuths kletterten das Haus hinauf. In der ersten Etage standen zwei verpackte Gestalten auf einem Balkon. Ein weißes Tuch wehte. Kurz wirbelte ein sonderbar leuchtender, halbnackter Arm durch die Lust. Kreuth wußte genug. Lily zog wieder in die Welt hinaus. Die Mutter und Martina sandten ihr Abschiedsgrüße nach. Immer noch hingen die Augen Kreuths an der weißen Glastür, die sich längst wieder geschloßen hatte. Mattina lebte also. Martina hatte auf dem Balkon gestanden, kaum Big Meter von ihm entfernt; höchstens eine Stunde mußte vergehen, bis sie auf der 36 war. Merkwürdig beklemmend legte sich das Bewußtsein aus die Brust. Etwas wollte jubeln — und konnte nicht. Etwas versuchte sich aufzulehnen — und erstickte. Nacy zehn Minuten erschien Martina im Haustor. Mit gewaltigen Sprüngen überquerte Kreuth den rechten Fahrdamm. Eine Sekunde später stand tr hochatmend vor ihr. Zwei, drei Herzschläge lang starrte Mattina ihn an. Dann formte sich ein ungewisses Lächeln, bann flog ein kleiner, heißer Schrei von ihren Lippen, dann lispelte sie etwas und sagte am Ende wie seufzend: „Da bist du also, Benno." Unbekümmert um die Passanten, ttß er sie an pch. „Mein Mädel, du!" Seine Küsse brannten. „Komm doch", sprach Martina. Rasch schritt sie .toys. Stockend wiederholte sie: „Da bist du endlich." Wieder und wieder warf sie das Anllitz herüber. { llGonge wach du sott, Benno. Länger als ein Jahr." reich. Eher wäre eine Verständigung mit Rum ä- n i e n denkbar. Rumänien hat sich zuletzt — erst nach dem erften Restaurationsversuch — dem in Prag und Rom ausgeheckten Bündnis gegen Ungarn angeschlosien. Beide Staaten sind innerhalb des großen germanisch-slawischen Ringes einigermaßen isoliert. Rumäniens Beziehungen .zu Rußland belastet die beharabische Erwerbung, Ungarn leidet noch hnmer unter den Wühlereien der Kommunistischen Internationale und Rußland hat den Zusammenbruch des roten Ungarn nicht verwunden. Die russische Gefahr ist aber doch für Rumänien größer als für Ungarn. Der Risikounterschied sollte daher, nach ungarischer Ansicht, durch die H e r a u s- gäbe einiger ehemals ungarischer Korn it a t e ausgeglichen werden. Dagegen würde sich Ungarn mit Rumänien in einer Personalunion unter KönigFerdinand zusam- menschlichen, so daß die Machtsphäre des rumänischen Herrschers keine territoriale Einbuße erführe. Private Interessen in Siebenbürgen begüterter ungarischer Adeliger mögen bei dem Projekte auch eine Rolle spielen. Es scheint, daß dem König die Aussicht auf die St.-Stephans-Krone geblendet hat. Aber in dem Augenblick, da er seine Trä> me in die Tat umsetzen wollte, meldeten sich die Schwierigkeiten zu Worte. Die rumänischen Liberalen furchten den Einfluß der „reaktionären" ungarischen Politik. Die siebenbürgischen (ehemals ungarischen!) Bauern besorgen eine Regelung der Agrarfrage zugunsten der Großgrundbesitzer. Und alle Alt-Rumänen glauben, daß in einer solchen Union das Schwergewicht auf den kulturellen, politisch und wirtschaftlich höherstehenden ungarischen Staat überginge. Der „Adeverul" hat recht, wenn er feststellt, daß der Antrag von ungarischer Seite gestellt worden ist und daß sich aug'-nblirflid) unüberwindliche Schwierigkeiten ergeben haben. Wie diese zu beseitigen wären, wird nicht gesagt und ist auch nicht zu erkennen. In Ungarn waren es hauptsächlich A r i ft o - traten, die den Plan der ungarisch-rumänischen Personalunion betrieben haben. Die kleinen Landwirte und die Rechtsradikalen um Gömbös haben dagegen stets ganz andere außenpolitische Ziele verfolgt. Ursprünglich von dem Wunsche beseelt, einen Nachbarstaat gegen die Legitimisten zu mobili- fieren (Rumänien schien hierfür aus naheliegenden Gründen nicht geeignet) und für die eigenen Absichten zu gewinnen (wofür wieder die Tschechoslowakei nicht zu haben wäre), wandten sie ihr Interesse Jugoslawien zu. Nach dem Scheitern der rumänischen Kombination sind auch amtliche ungarische Kreise auf den Gedanken einer Entente mit Jugoslawien verfallen. Außer dem allgemeinen Grunde, quer durch die Kleine Entente politisch den Weg ins Freie zu finden, lassen sich für eine ungarisch-jugoslawische Annäherung auch besondere Momente geltend machen. Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen hat sich, von allen Nachfolgestaaten, die wenigsten Magyaren einverleibt. Die Kroaten waren schon vor 1918 nur durch einen besonderen Ausgleich (1868) an Ungarn gebunden. Weltwirtschaftlich kann Ungarn bloß zum Mittelländischen Meere streben. Beide Wege dahin — über die Adria und das Aegäische Meer — führen durch Jugoslawien. Aber sobald der Gedanke einer ungarisch-jugoslawischen Entente genauer präzisiert, sobald Dor- und Nachteile ausgeglichen wer- den sollen, zeigt sich, daß sich auch diese Politik vor- läufig in frommen Wünschen und allgemeinen Redensarten erschöpft. Was Jugoslawien brauchte, ist eine Stütze gegen Italien. Die kann und will Ungarn nicht gewähren. Dann: so brüchig die Kleine Entente auch schon ist, so uneinig ihre Mit- glieber in den meisten neuaufgetauchten Fragen sind — in einer Frage sind sie noch eins: in dem Gedanken der gegenseitigen Sicherung ihres auf Kosten Ungarns erworbenen Besitzstandes. Ungarn müßte also durch das kaudinische Joch der Kleinen Entente gehen, wollte es von Jugoslawien irgend etwas erreichen. Gewinn und Verlust stehen auch hier in keinem annehmbaren Verhältnis. Alle diese Pläne scheitern an dem Lebensprinzip der Staaten, mit denen sich Ungarn verbünden oder sonstwie verständigen wollte. Sie sind zum Teile aus Ungarn e n t ft a n b e n. Daß sich an dieser Daseinsgrundlage nichts ändere, ist ein gemeinsames Interesse aller drei gegen Ungarn! Mehr noch, es ist auch ein Interesse der großen Kriegsgewinner, die wissen, daß entweder alle Friedensverträge unversehrt bleiben werden oder keiner. Jeder Versuch einer Italien. Mtt Stolz, mit berechtigtem Stolz hat es soeben den vietten Jahrestag des Marsches auf Rom festlich begangen, aber das Attentat von Bologna hat wieder gezeigt, daß der Staat trotz der Ordnung und Disziplin, trotz seiner Organisation und sehr interessanten staatlichen Regelung des Verhältnisses von Kapital und Arbeit im Innern nicht völlig gesund ist. Gewiß ist es spattanisch, dah heute Italien als einziges Land Europas wieder Kttegsbrot iht: das Brot in Moskau ist weit besser und wohlschmeckender als das in Mailand. Dewih leuchtet es zunächst ein, dah diese hatte erzieherische Maßnahme durch- gesühtt wird, um einen Passivposten der Einfuhr, die Weizeneinfuhr, möglichst zu beschränken, und die Att und Weise, in der sich das Volk dem fügt, nötigt Bewunderung ab. Aber einen Sinn in heutigen friedlichen Zetten für ein Land dieser natürlichen Reichtümer, dieser wittschast- lichen Kraft und dieser Bedeutung hat diese Mahnahme nicht. Lind an dieser Aeuherlich- feit, an dieser Einzelheit ist schon gezeigt, dah eben der Staat Italien das richtige Gleichgewicht noch nicht gefunden bA und noch nicht die richtige internationale, weltwirtschaftliche und weltpolitische Stellung. Daraus aber kommt es uns an! Cs ist Sache Italiens, wie es sich im 3nnotm mit dem Faszismus einttchtet, und Mussolini selbst, in dem das ganze System ganz persönlich sich ver- lörpert und gipfelt, hat hervorgehoben, dah dieses System etwas Italien eigenes, etwas Originales fei und dah es nicht anderswo ohne wettereS nachgeahmt und nachgemacht werden könne. Wir wünschen währhaftig, dah dieses jugendkräfttge Volt, dessen Arbeitsenergie jeder Besucher heute namentlich im Rorden Italiens spütt, die ihm zufommende Stellung in der Welt erränge. Gerade deshalb aber ist die Bilanz der Auhenpolitik, die Mussolinis Botschaft zog, fo lückenhaft! Entscheidende Erfolge auf dem Wege zu den bekannten Zielen vermag fie nicht aufzuzählen Andererseits führt diese Stimmung, namentlich wenn fortwährend Attentate das Leben des tatsächlichen Beherrschers von Italien bedrohen, zu Ausbrüchen, die man natürlich voll versteht, die aber gefährlich für den Frieden von Europa werden können Daran spitzt sich nun das Verhältnis zu, auf das es anfommt. Seitdem das geeinte Italien besteht, ist wegen seiner Küste und Lage am Mittelmeer sein Verhältnis zu England gegeben, als ein ganz feststehender Faktor. Die Faktoren aber, zwischen denen es stand und steht, sind Frankreich und Deutschland. Und wie Italien nur gegen Frankreich seine Einigung abschloh, so wird der Wiederaufstieg dieser dtttten Großmacht Europas heute und kün'tig auch nur im Gegensatz gegen Frankreich möglich und denkbar sein Dieser Gegensatz ist in jeder Weise begründet: geographisch und wirtschaftlich, in Volkskraft hier und Stagnation dott, wirtschaftlicher Expansion und wirtschaftlicher Beharrung oder wie man das sonst formulieren will. Will ihn Italien mit Gewalt zum Ausdruck bringen? Offensichtlich ist das in der heutigen Weltlage nicht möglich. Bleibt also nur eine kühle, überlegte und auf weite Sicht arbeitende Politik, di« die Interessen Gleichgettchteter zu gewinnen weih und überall den eigenen Vorteil zu fördern versteht An der Att, wie die Tanger- und Marokkofrags läuft, hat sich «aber gezeigt, wie wenig di« italienische Auhenpolitik das versteht. Man fühlt ihr an, dah sie mit Frankreich zu etwas kommen möchte, dah sie versucht, gleichzeitig in Paris und Berlin zu spielen, und so etwaige Rachteile aus der deutsch-franzöfifchen Verständigung heraus wett zu machen Aber die Att. in der die italienische Anregung einer Begegnung Dttand- Mussolini von Patts aus behandelt worden ist. zeigt, wie unendlich überlegen in der politischen Führung das virtuell schwächere Frankreich gegenüber Italien ist. Ünd jetzt platzt in diese Lage das Attentat von Bologna und das Auf- lodern einer leDenschaftlichen Stimmung aus Italien wiederum gegen Frankreich, schon mit Zwischenfällen! Wie lange wird Mussolini diese Stimmung wirklich fest in der Hand behalten Binnen? Ihre Gefahren sieht er ohne Zweifel, darin ist er viel zu kühl und realpolittsch. Aber dergleichen Ungarn-Rumänien-Jugoflawien Don unserem ^.-Korrespondenten. B u d a p e ft, Ende Oktober 1926. Der Plan einer ungarisch-rumänischen Personalunion ist so alt wie der Trianoner Vertrag. Als ihn dieser Tage der Mailander „Secolo" in einer Art erörterte, die an kürzlich geführte Verhandlungen glauben lassen konnte, meldete sich auch einmal eine einigermaßen kompetente rumänische Stimme zum Worte. Der Bukarester „Adeverul" stellte fest, daß ein solcher Antrag tatsächlich von ungarischer Seite gestellt worden sei, die ungarischen Bedingungen aber augenblicklich für Rumänien unannehmbar gewesen waren. Fast zur gleichen Zeit hat der ungarische Honvedmimster Graf Csaky in ein ganz anderes Horn gestotzen Gelegentlich der Fünfhundertjahrfeler der Schlacht von Mohacs hatte der Reichsverweser Admiral von Hort Hy die Welt mit einer Festrede überrascht, die Jugoslawien wenig verschleiert zu einem freundlichen Einvernehmen mit Ungarn einlud. Der Belgrader Außenminister hatte diese Aufforderung vor Vettretern der Presse, mit sehr höflichen Wor- ten quittiert. Graf Csaky hat nun in einer Wahler- versammlung beide Reden dahin resümiert, daß eine u n g a r i s ch - j u g o s l a w l s ch e Verstän- digung auf dem Wege sei: in der Morgenröte einer neuen Zeit zeige fleh ein ungarischer Hafen in der Adria! Wie reimt sich all das zusammen?-- Die Beziehungen Ungarns zu den großen Mächten sind seit seiner ©eburtsftunbe klar, durchsichtig und ziemlich gradlinig, die zu den benachbarten Mit- telstaaten in einzelenen Nuancen wandelbar, schwie- rig, oft sogar sehr ernst. Zwischen Ungarn und Rußland steht die Erinnerung an 2361a Kun. Mit Deutschland war Ungarn seinerzeit im Wege Oesterreichs verbunden. Eine sentimentale, sich prak- ttsch kaum auswirkende Sympathie für bas Deutsche Reich besteht noch immer — eine innigere Vcr- binbung ist geographisch unmöglich geworden. Frankreich, wahrend des Weltkrieges em Gegner, wurde mit Beginn der Waffenftillftandsoer- Handlung der Feind unter den Hauptmächten. General Franchet b'Esperay und Oberstleutnant Vir unvergeßlichen Andenkens bedrängten seinerzeit zwar Staatsmänner des verfemten Karolyi-Kurses, ihre Politik traf aber ganz Ungarn und trifft es in den Auswirkungen noch heute. Der Gegensatz zu Frankreich warf Ungarn Großbritannienin die Arme, was diesem Staate die wirtschaftliche Festsetzung an der ungarischen Donau ermöglichte. Wo Albion auftritt, darf Italien nicht fehlen. Im gegebenen Falle sogar mit einem gewissen Rechte, denn bei den Pariser Friebensverhandlun- gen (bie noch immer nicht völlig aufgeklärt sind) scheint Italien ein vorherrschenber Einfluß auf bas Becken ber mittleren Donau eingräumt worben zu sein. — In den zahlreichen schweren Stunben, die Ungarn seit ber nominellen Wiederaufrichtung des Königreiches erlebte, hat es bei keiner ber Großmächte Hilfe gefunben. Die erwartete englische Unterstützung wurde zur Zeit des zweiten Restaura- tlonsversuches vermißt und hat sich während ber „Frankenfälscherkrise" in wohlwollenben Zeitungsaufsätzen erschöpft. r . £ Ungarn frug sich nun, ob es feine Aufmerksamkeit nicht eher den Nachbarn zuwenben sollte, beren feindseliges Mißtrauen es jahrelang mit haßerfüllter Nichtachtung erwidert hatte. Von den Nachbarn wäre O e ft e r r ei ch, schon als Leidensgenosse, ber naturgemäße Freunb, aber Oesterreich ist schwach unb es gab einmal — horribile dictu — ein Oesterreich-Ungarn! Die übrigen Nachfolgestaaten sind in der Kleinen Entente gegen Ungarn vereinigt. Die Schöpfungsgeschichte des selbständigen ungarischen Staates hat seiner Staatskunst die Auf- gäbe in die Wiege gelegt, bie Entente ber kleinen Kriegsgewinnler zu verhinbern ober, wenn sie boch zustanbekäme, zu sprengen. An diese Ausgabe er- tnnerten sich bie Bubapester Politiker, fobalb die Kleine Entente die ersten Sprünge zeigte. Man ließ ihre Mitglieder Revue passieren. Eine Verständigung mit ber Tschechoslowakei ist so gut wie ausgeschlossen. Es gibt viel, was Benesch forbern. nichts, was er gewähren wollte. Die Gunst ber Tschechoslowakei wäre nur mit bem Verzichte auf jebe Zukunftshoffnung zu erkaufen. Dazu kommt, baß das Staatsethos des slawischen unb bes magyari- schen Staates ein ganz verschiedenes ist. Die Tschechoslowakei affektiert extreme Demokratie, Ungarn ist und bleibt das konservative tausendjährige Königbelte. Darüber vergingen immerhin etliche Minuten Man gewann Zeit und konnte bann weiter sehen. Martina lauschte nur. Als man ausgestiegen war, hob sie die Hand. „Ich will nichts mehr wissen." Kreuth erschrak. Plötzlich war Martinas Antlitz ganz ohne Ausdruck. Wie verwischt sahen ihre Züge aus. Am Sarge ihres Vaters mochte sie so gestanden haben: so aus allen Angeln gehoben, so wehrlos, so hilflos. „Martina, Liebes!" Auf einmal fühlte Kreuth eine Hölle im Herzen. Alles Blut wallte zum Kopf. Was hatte er bem Mäbel angetan? War er ein Barbar? Waren alle guten Worte versiegt? Ungestüm griff er nach ihrer Hanb unb stammelte Zärtlichkeiten. „Nicht", sagte Martina. Sie blieb stehen und trat vor ihn hin. Mit zwei Fingern faßte sie einen Knopf feines Paletots. Lange schaute sie ihm in bie Augen Dann sprach sie langsam unb mit Bebacht: „Es soll ja Klarheit zwischen uns sein. Das willst bu boch auch, Benno?" „Das will auch ich, Martina." Sie nickte bestätigend. „Die Frage ist jetzt die: „Hast bu mich heute, nach mehr als einem Jahr, ebenso lieb wie bamals als bu von mir gingst?" „Ebenso und anders", versicherte Kreuth. Er senkte den Kopf. Fast rauh klang seine Stimme, als er erklärte: „Nur etwas Geduld mußt du mit mir haben." Mit den ausgespreizten Fingern fuhr er über seine Brust. „Wie wund ist alles da drinnen. Das Beste liegt verschüttet tief unten. Es gehört dir." „Ist es bestimmt noch da, Benno?" Stumm bejahte Kreuch. Etwas in ihm rief: Hier gabelt si chdein Weg! Hier mußt du einhaken, wenn bu bich wieberfinben willst! Hier ist bie Hanb, bie allein bich retten kann! Langsam schritt Martina weiter. Die letzten Häuser blieben zurück. Auf brei Gleisen gleichzeitig donnerten Züge des Nordrings über den Viadukt. Aus flachem Schneegelände wuchs das Krankenhaus mit feinen vielen Gebäuden. In sich geschloffen und beinahe trotzig lag ber Komplex ba. „Du mußt aufs neue arbeiten lernen." Martina hob ben Blick. Mit Betonung fragte sie: „Glaubst bu, baß bu roieber arbeiten kannst — anftänbig arbeiten, Benno?" (Fortsetzung folgt) Benno nicht? Sann er vielleicht über Märchen nach, die er ihr erzählen wollte? Peinigende Angst überfiel Martina, daß Benno sie belügen könnte. „Lily hat dich in Arosa getroffen, nicht wahr?" fragte sie, bas Herz zum Bersten voll. „Ich glaube, in Arosa war es", erroiberte Kreuch. „Du hast bort getanzt?" Das Wort mußte heraus: „Ich meine: für Geld getanzt, Benno?" Erst nach einer Weile nickte Kreuch. „So schlecht ist es dir gegangen?" „Schlecht unb gut, Martina, wie bas Leben schon ist." Uebrrascht suchte Kreuth bie Augen Martinas. So ruhig nahm sie bas hin? Diese Ruhe überhaupt: sie verwirrte ihn. „Unb das Ende, Benno?" Aus und nieder schoß der Zug. Bald stak man in schwarzen Tunnels, bald sauste man über Straßen unb Plätze. Frernbe Menschen kamen unb gingen. Hart drängten sich die Leiber bei der Schiebetür bes Eingangs. Es war die erste Stunde bes großen Wettrennens um bas Brot. Sieber hob ein neuer Arbeitstag an. Keiner bekümmerte sich um ben andern. Zusammengepreßt waren alle Lippen. Man mußte sich behaupten. Man durfte nicht untergehen. Berlin! dachte Kreuth und fpürte zehrende Sehnsucht nach dem Süden. „Und das Ende?" fragte Mattina noch einmal. Aengstlich starrten ihre Augen. Kreuth spannte Den Brustkasten. Tollkühn sagte er dann: „Ein Ende mit Schrecken! Den einzigen Anzug am Leibe, kaum ein paar hundert Mark in der Tasche!" Unb er versuchte zu lächeln, wie er es an der Riviera unb in ber Schweiz gelernt hatte: die Munbwinkel ein wenig herabgezogen, das linke Augenlid leise gesenkt. Aber das Lächeln erfror, ehe es sich vollendet hatte. Martina war ganz schmal geworden. Stumm schaute sie vor sich hin. Der Zug rasselte unb ruckte in einer Kurve, floppte braufenb und stand. „Warschauer Brücke", sprach Martina und erhob sich. „Noch ein Stück mit der Straßenbahn." Kreuth schritt an ihrer Seite unb rebele, setzte sich neben sie unb rebete. Das fadenscheinige Gewebe war zerrissen. Es hatte keinen Sinn, bie Maschen aufzulesen. Man konnte sich an bie Wahrheit halten, solange es sich um Dalmatien, Italien und Arosa han- Ihre Stimme tippte. „Es war eine furchtbare Zeit." Verzweifelt preßte Kreuth ihren Arm an sich. „Später, Liebling. Später." Plötzlich blieb er stehen. Zweimal lief sein Blick ihre Gestalt hinab unb hinauf. „Du trägst Trauer, Martina?" Wie eine Skala fliegen seine Worte: „Was ist benn geschehen?" Mattina bewegte die Schultern unter bembunteln Mantel. „Papa ist tot", sagte sie leise. „Vor vierzehn Tagen Hal er sich erschossen." Kreuth sperrte bie Augen auf. „Wie sagst du: erschossen?" „Ja, Benno: erschossen." Martina hob die Hand mit der Armbanduhr. „Es war eine furchtbare Zeit, dieses Jahr. Vom ersten Tag bis zum letzten." Ein Lächeln huschte über ihr schmales Gesicht. „Aber jetzt bist ja du Da. Jetzt wird alles vielleicht belfer." Sie beschleunigte bie Schritte. „Es ist schon spät heule. Ich habe es weil bis zur Landsberger Allee." Am Uhland-Eck stieg Kreuth mit Martina in bie Untergrundbahn. Immerfort fragte er. Etwas in ihm empfanb Befriebigung, weil er fragen konnte. Etwas freute sich heimlich über ben Zeitgewinn. Tiefer sank, was er selbst zu berichten hatte. Das brängte jetzt nicht. Noch einmal bürste alles überlegt werben, ehe es ans Licht mußte. Immer noch fehlte manches in bem fabenscheinigen Gewebe. „Wir steigen hier um", sprach Martina, als ber Zug am Gleisbreieck hielt. Gleich barauf erzählte sie weiter. Kein Schatten fiel auf ben toten Vater. Nur was alle Welt wußte, erfuhr Kreuth. Auf einmal schwieg Mattina. Ihre Augen fragten. „Unb bu Benno? Ich lasse bich ja gar nicht zu Wort kommen." Plötzlich malte sich Ungeduld in ihren Mienen. Eine kleine, ängstliche Sleilfalle stand zwischen ihren Brauen. Erwartungsvoll spannten sich ihre Lippen. Kreuth lächelte gequält. „Wir brauchen Zeit, wenn ich alles erzählen soll. Denke doch: ein Jahr! Was habe ich ba alles durch- einanber erlebt!" Der Zug rasselte, ftanb kurz, rasselte roieber. Kreuth schüttelte den Kopf. „Wohin fahren wir eigentlich?" „In das Krankenhaus Landsberger Allee. Seit erstem Februar arbeite ich dort. Neben dem Verwaltungsdirektor." Martina rückte näher an Kreuth heran. Auf einmal keuchte ihr Atem. Warum sprach Stimmung kann stärker werden als der stärkste Wille. So bleibt Rom im Westen ein Herd der Unruhe und Besorgnis für den europäischen Frieden, weil die dort geführte Außen- politil ebensowenig sicher zu berechnen und zu beurteilen ist, wie die Außenpolitik, die heute in Warschau gemacht wird. Vs sei wiederholt, Deutschland lann nur dringend wünschen, daß dieses kraftvolle und seiner Zukunft sichere Italien zu der Stelle aufsteigt, die ihm im Staatensystem zukommt. Und davon ist gar keine Rede, daß eine deutsch-französische Verständigung, die uns jetzt beschäftigt, eine Spitze gegen Italien in sich trüge. Cs wäre wirklich nicht möglich, zu sagen, worin die liegen und in welcher Beziehung das der Fall sein sollte — man braucht sich das ja nur etwa in Anwendung auf die Tangerfrage oder den Südosten, auf Südtirol oder die An- schlußfrage in bezug auf Genf schließlich und die Abrüstung ruhig durchzudenkenI Städte und ©aragebauten Im Flusse des Geschehens erwachsen auch den Gemeinden immer neue Aufgaben. Hierzu gehört die zweckmäßige und dem öffentliche^ Wohle entsprechende Unterbringung von Kraftfahrzeugen. Vielfach mangelt es an solchen Unterbringungsmöglichkeiten, obgleich das Kraftfahrzeug sich bei uns noch lange nicht so eingebürgert hat wie in anderen Ländern. Entfallen doch auf je einen Kraftwagen in Amerika nur 6 Einwohner, in England 70, in Frankreich 90, dagegen in Deutschland 320 Einwohner. Kommt in diesen Zahlen auch unsere wirtschaftliche Bedrängnis mit zum Ausdruck, so ist nichtsdestoweniger mit einer starken Zunahme der Kraftwagen auch in Deutschland zu rechnen, wofür Berlin ein Beispiel bietet, wo 1922 nur 17 012, 1923 21 153, aber 1924 schon 30 462 Kraftfahrzeuge einschließlich 6327 Krafträder (ohne Kleinkrafträder) gezählt wurden. Die private Spekulation und Bautätigkeit hat sich in zahlreichen Städten schon des Baues von Sam- melgaragen bemächtigt, in denen 10—50 Kraftwagen und darüber untergebracht werden können, die aber doch mehr oder minder behelfsmäßigen Charakter tragen und keineswegs immer den Anforderungen entsprechen, die im Interesse der öffentlichen Sicherheit und Gesundheitspflege gestellt werden müssen. Es ist daher wissenswert, darüber die Ansichten eines Fachmannes kennen zu lernen, wie sie der Stuttgarter Baupolizeidirektor Lohr in den „Baupolizeilichen Mitteilungen" dargelegt hat, die wir nachstehend gekürzt wiedergeben. Dem unabwendbaren Bedürfnis auf Erstellung von Sammelgaragen muß schon bei A e n d e - rungen und Erweiterungen des Stadtbauplanes gebührend Rechnung getragen werden. Städtebauer und Polizei müßten Hand in Hand arbeiten. Zugelassen werden dürfen Sammelgaragen nur in gemischten und in ausgesprochenen Industrievierteln der Stadt. Wohn- und Landhausoiertel müssen davon verschont werden, ebenso die Nähe von Schulen und Krankenhäusern. Selbst in bereits ausgebauten Wohnhausblöcken, die nicht in den ausgesprochenen Wohn- und Landhausgebieten liegen, dürfen nur ausnahmsweise größere Sammelgaragen zugelasten werden, und in solchen Fällen sind alle Vorkehrungen zu treffen, um die Nachbarschaft vor Belästigungen und Gefahren zu schützen. Als solche Vorkehrungen kämen in Frage: größere Gebäudeabstände, massive, schalldämpfende, tür- und fensterlose Außenwände, völlige und feuersichere Hofuberdeckung, sowie die Beschaffung besonderer Rauch- und Schallkammern zum Ausprobieren von Wagen, Trennung der Ein- und Ausfahrten. Alle Abwässer, mit Ausnahme von Regenwasser, müßten durch Benzin- und Oelabscheider fließen, ehe sie in die Straßendohlen eingeleitet werden. Für die Heizung ist möglichst Zentralheizung zu wählen, mit Unterbringung der Heizräume in besonderen, feuerfest abgetrennten Räumen. Gaskörper und Gasflammen find unzulässig, die Beleuchtung darf nur auf elektrischem Wege erfolgen Wohnungen über Großgaragen sind nicht zu gestatten. Auch Aufent- haltsräuine für die Kraftfahrer und das Personal müssen durch feuersichere Wände abgetrennt und mit gesonderten Zu- und Abgängen von außen her versehen werden. Ob für Großgaragen Flach- oder Hochbau vorzuziehen ist, hängt von der Lage der Baustelle ab. Im Stadtinnern kommt wohl hauptsächlich wegen der Bodenpreise der Hochbau in Frage, während in den Außenbezirken der Flachbau zweckmäßiger ist. Beim Hochbau entsteht die Frage, ob Aufzüge oder Rampen angelegt werden sollen. Praktischer sind Rampenanlagen, da bei Aufzügen zuviel Wartezeit verloren geht. Die einzige mustergültige Großgarage, welche in Deutschland besteht, die der Kraft- fahrzeug-A. G. in Stuttgart, hat daher auch das -Rampensystem eingeführt, das vorzüglich funktioniert. Auch für Kleingaragen muß man in jedem Falle eine durchaus feuersichere Bauart fordern, höchstens bei größeren Gebäudeabständen kann man davon Abstand nehmen. Im allgemeinen gelten für sie dieselben Forderungen, die betreffs der Großgaragen gestellt werden. Sowohl für einstöckige Sammel- als auch Kleingaragen ist zur Erhaltung und Gewinnung guter Straßenbilder zu fordern, daß sie nicht an der Straßenfront hergestellt werden. Ausnahmen kommen nur für abgelegene Ortsteile oder für provisorische Bauten in Betracht. Kleine Straffammer Gießen. * Gießen, 5. Nov. Wegen Unterschlagung (Weiterverkaufs) einer ihm geliehenen Schreibmaschine war ein Kaufmann aus Frankfurt (Main) zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Seine auf Freisprechung zielende Berufung wurde verworfen, die Strafe wurde aber auf 14 Tage Gefängnis herabgesetzt. Ein in Deutschland herumziehender Gelegenheitsarbeiter aus H o f h e i rn i. T. war der Hehlerei angeklagt. Er hatte in Nieder-Wöllstadt ein saft noch neues Fahrrad von zwei Unbekannten für einen ganz geringen Preis gekauft, das, wie sich später herausstellte, gestohlen war. Das Amtsgericht gelangte zur Freisprechung, weil es den Beweis, daß der Angeklagte den strafbaren Erwerb des Rades gekannt habe oder aus den Umständen hätte entnehmen müssen, nicht für erbracht hielt. Die gegen das freisprechende Erkenntnis eingelegte Berufung der Staatsanwaltschaft wurde verworfen. Der Landwirt und Zimmermann R. aus Storndorf hatte einen Gendarmen, der chn wegen Nichtoornabme von Absprießarbeiten an feinem Hause dienstlich verwarnen wollte, mit der Axt bedroht. Das Amtsgericht Alsfeld hatte ihn wegen Widerstands, Bedrohung und Beleidigung mit fünf Monaten einer Woche Gefäng- n i s bestraft. Auf gemeinschaftlichen Antrag der Staatsanwaltschaft und der Verteidiaung wurde die Strafe auf 100 Mark Geldstrafe herabgesetzt; Widerstand hielt die Strafkammer nicht für erwiesen. Der Rechtsspiegel. Kaufvertrag und gesetzliches Verbot. (Nachdruck verboten.) Von einer Vertragspartei, die von einem unbequemen Vertrage loskommen will und feinen triftigen Grund weiß, wird gern der Einwand der Nichtigkeit des Vertrages wegen Verstoßes gegen gesetzliche Bestimmungen erhoben. Hierzu gibt § 134 BGB. ein Recht. Um einem Mißbrauch in dieser Richtung zu begegnen, hat das Reichsgericht ausgesprochen, daß der Einwand der Nichtigkeit nur dann erhoben werden kann, wenn das gesetzliche Verbot gegen bas Rechtsgeschäft selbst gerichtet ift Dagegen kann ein Kaufvertrag nicht wegen Verstoßes gegen ein gesetzliches Verbot für nichtig erklärt merben, wenn nur gegen ein Steuer- ober Stempelgesetz verstoßen worben ist, das sich auf das Rechtsgeschäft des Kaufvertrages überhaupt nicht bezieht. In den reichsgerichtlichen Entscheidungsgründen einer neuen Entscheidung zu dieser Materie wird ausgeführt: Erforderlich ist, daß sich das Verbot gegen das Rechtsgeschäft selbst richtet. Selbst wenn ein bestimmtes Handeln mit Strafe bedroht ist, ist daraus nach § 134 BGB. nicht mit Notwendigkeit die Nichtigkeit des Rechtsgeschäfts zu entnehmen. Eine solche Nichtigkeit kann namentlich dann nicht eintreten, wenn das Verbot nicht die Privatrechtsoerhältnisse des Kaufvertrages betrifft, sondern etwas ganz anderes bezweckt. Das hier als gesetzliches Verbot angeführte Tabaksteuergesetz enthält durchaus kein Verbot des Verkaufs von unversteuertem Tabak. Verboten ist nur die Abgabe steuerpflichtiger Waren. Unter „abgeben" im Sinne des § 38 TabStG. ist indessen lediglich die Ueber- tragung der tatsächlichen Verfügungsmacht zu verstehen, nicht der Abschluß des Kaufvertrages. Somit bleibt der Kaufvertrag als solcher gültig. Der Begriff der „Zahlungseinstellung". (Nachdruck verboten.) Die Frage der Zahlungseinstellung vor dein Konkursverfahren fpielt im Rechtsleben eine erhebliche Rolle. Aufklärend hierzu wirkt eine neue Reichsgerichtsentscheidung, der wir folgendes entnehmen: Daß die Gemeinschuldnerin sich nicht bereits am 15. Januar 1925 im Zustande der Zahlungseinstellung befunden habe, folgert das Berufungsgericht daraus, daß sie in der Zeit vom 15. Dezember 1924 bis 15. Januar 1925 rund 15 000 Mark Schulden bezahlt habe. Der Betrag der geleisteten Zahlungen kann aber für sich allein über diele Frage nicht entscheiden, vielmehr kommt es auf das Verhältnis dieses Betrages zu den fälligen Forderungen und auf di, Art der befriedigten Forderungen an. Daß der Schuldner fortfährt, Löhne und ähnliche Betriebsausgaben zu zahlen, steht der Annahme der Zahlungseinstellung nicht entgegen, wenn er im übrigen feine Gläubiger trotz ihres Drängens nicht bezahlt. Im vorliegenden Falle stehen den Zahlungen von 15 000 Mark, die Betriebsausgaben betreffen, rund 225 000 Mark fällige Forderungen gegenüber. Daß die Gemeinschuldnerin ihren Geschäftsbetrieb noch im Gange hielt, 150 Arbeiter darin beschäftigte und Rohstoffe für 1} Monate auf Lager hatte, ist für die Frage, ob Zahlungseinstellung oder Zahlungsstockung vorliegt, nicht ausschlaggebend. Eisenbahnunsall und Schadenersatz. (Nachdruck verboten.) Gemäß des Reichshaftpflichtgesetzes hat die Bahn den Schaden zu ersetzen, den jemand im Betriebe der Bahn an Gesundheit und Leben (Unterhaltspflicht des Getöteten) erlitten hat. Wesentlich ist bei kleineren Unglücksfällen jedoch, daß der Verunglückte sofort den Vorgang des Unfalls f e ft ft eilt und, wenn möglich, einen Zeugen des Vorfalls sich sichert. Dagegen ist nicht Bedingung für die Ersatzpflicht der Babn, daß ein allgemein bekanntgewordenes Eisenbahnunglück geschehen sein muß. Auch eine Quetschung oder ein Fall durch Schleuderbewegungen der Wagen können die Haftpflicht der Bahn begründen. Hierzu ift der gegenwärtige Rechtsfall lehrreich. Am 10. Februar 1922 kam der Kaufmann B. aus Cochem in einem Schne11zug von Koblenz nach Cochem im Seitengang des Wagens zu Fall und schlug mit dem Kops gegen die Seitenwand. Er fordert wegen der erlittenen Verletzungen einen Schadenersatz von 102 Goldmark für Hei- lungsfoften und 150 Mark monatliche Rente wegen dauernder Verminderung seiner Erwerbsfähigkeit. Im Gegensatz zum Landgericht Trier hat das Öber- landesgericht Köln den Anspruch des Kläaers dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt. Das Oberlandesgericht verneint jedes eigene mitwirkende Verschulden des Klägers. In dieser Beziehung hat der Kläger beweisen können, daß der Unfall sich zugetragen hat, während er sich auf dem Wege nach dem Klosett des Wagens befand, und als er gerade eine Hand nach der Klofettür ausftreckte. Das Oberlandesgericht stellt fest, der Kläger habe sich an der betreffenden Stelle infolge des Wagendurchgangs nicht durch Festhalten schützen können. Die gegen dieses Urteil beim Reichsgericht eingelegte Revision der Reichsbahn machte geltend, daß von dem vom Kläger behaupteten starken Stoß, den der Eisenbahnwagen erlitten haben soll, außer dem Kläger und seinem Zeugen B. niemand etwas bemerkt habe. Das R e i ch s g e r i ch t hat die Revision der Reichsbahn zurückgewiesen und ausgeführt: Es ist richtig, daß unvorsichtiges Verhalten im allgemeinen die Haftung der Bahn wegen eigenen Verschuldens ausschließt. Aber unter den besonderen Umständen, wie sie das Oberlandos- gericht feftftellt, greifen diese Erwägungen nicht durch Das Oberlandesgericht sieht eben für erwiesen an, daß der Kläger von einem ungewöhnlich starken Stoß betroffen wurde, als er sich gerade in einer Lage befand, die ein Festhalten unmöglich machte. Das ist in einem Schnellzuge bei einer kurvenreichen Strecke wohl möglich. Einen Verstoß gegen rechtliche Grundsätze kann dem Oberlandesgericht wegen dieser Beurteilung nicht oorgeworfen werden. Unfall beim Schulturnen und Haftung des Staates. (Nachdruck verboten.) Die Haftung des Staates für Unfälle beim Schulturnen hängt davon ab, ob die mit der Leitung des Turnens beauftragte Person ein Verschulden trifft. Das ist im gegenwärtigen Falle bejaht worden. Arn 7. Juli 1923 erlitt die damals 11 Jahre alte Klägerin in der Turnstunde der Gemeindefchule in Hannover-Linden dadurch einen Unfall, daß ihr durch die herabfallende Reckstange das erste Glied des Daumens der rechten Hand abgequetscht wurde. Die Klägerin sollte mit anderen Schülern die 25 Pfund schwere eiserne Reckstange von der Höhe von 1,80 Meter um 50 Zentimeter herabsetzen. Die der Klägerin hel- sende Schülerin konnte nach Lösen des Bolzens die Stange auf ihrer Seite nicht halten und ließ sie fallen, während sie an der Seite, wo die Klägerin hielt, noch befestigt war und herunterkippte. Für den Unfall macht die Klägerin den preußischen Staat verantwortlich, da die Turnlehrerin ihre Sorgfalts- und Aufsichtspflicht verletzt habe. Nachdem das Landgericht Hannover die Klage abge° wiesen hatte, erklärte das Oberlandesgericht Celle den preußischen Staat für verpflichtet, der Klägerin allen aus dem Unfall entstandenen und noch entstehenden Schaden zu ersetzen. Das Reichs- g e r i d) t hat diese Entscheidung des Oberlandesgerichts Celle bestätigt und in den Entscheidungsgründen zu diesem Urteil ausgeführt, daß dem Leiter des Turnunterrichts die Amtspflicht obliege, dafür zu sorgen, daß die Schüler keinen Unfall durch Unvorsichtigkeit oder Ungeschicklichkeit erleiden, soweit sich durch Aufsicht, Anleitung und Unterstützung solchen Unfällen entgegenwirken lasse. Unter den festgestellten Umständen wäre es eine Selbstverständlichkeit gewesen, daß ein Erwachsener die Reckstange während des Verstellens in der Mitte zu halten hatte, und daß dies die Lehrerin selbst hätte tun müssen. Das Verschulden der Turnlehrerin liegt darin, daß sie in der Nähe der Turngeräte stand, aber ihr Augenmerk nicht derart auf die Hantierungen der Schülerinnen richtete, daß sie hätte sofort zugreifen können. Vertraglicher Ausschluß der Haftung bei Hausfchwamm. (Nachdruck verboten.) Durch Vertrag vom 6. Juli 1923 verkauften die Beklagten ein in Hamburg belegenes größeres Grundstück, das sie kurz zuvor erst erworben hatten, an den Kläger. Nach § 1 des Kaufvertrages wurde das Grundstück in dem Zustande, wie es vom Kläger besichtigt worden ist, oerfauft, und durch § 7 wurde die Gewähr für Mängel (§ 459 BGB.) ausgeschlossen. Kläger verlangt von den Beklagten Schadenersatz in Höhe von 4248 Mark, die er zur Schwammbeseitigung aufgewendet habe, indem er behauptet, daß die Beklagten das Vorhandensein des Hausschwamms arglistig verschwiegen hätten. Das Landgericht Hamburg hat seiner Klage stattgegeben, dagegen ist der Kläger vom Hanseatischen Ober- landesgericht mit seinen Ansprüchen abgewiesen worden. Seine gegen das Urteil des Oberlandesgerichts beim Reichsgericht eingelegte R e - vision ist erfolglos geblieben. In den reichsgerichtlichen Entscheidungsgründen wird der Einwand der Revision, daß der Ausschluß der Mängelhaftung sich nicht auf Schwammängel mit beziehe, als unbegründet zurückgewiesen. Denn da der Grundstücksveräußerer gegen die Inanspruchnahme wegen offensichtlicher Mängel schon durch die Vorschrift des § 460 BGB. geschützt sei, so liege es nahe, daß der Verkäufer, wenn er sich von der gesetzlichen Mängelhaftung befreien will, hierbei gerade auf versteckte oder in ihrer Tragweite unübersehbare Fehler Wert lege. Daß die Beklagten das Vorhandensein von Hausschwamm vor dem Kaufabschluß gekannt hätten, sei nicht erwiesen. Infolgedessen entfällt der Einwand der Arglist. Erweitertes Schöffengericht Gießen. * Gießen, 3. Rod. Ein Obeogrenadrer des hiesigen Bataillons entfernte sich im Oktober vor. Is. von seiner Truppe in der Abfichd, sich der von ihm übernommenen Verpflichtung zum Dienst dauernd zu entziehen. In der Folge hielt er sich dann dauernd im besetzten Gebiet auf, wo er vor kurzem verhaftet wurde. Wegen Fahnenflucht erhielt er eine Strafe von zehn Monaten Gefängnis, gleichzeitig wurde auf Dienstentlassung erkannt. Ilm eine durch Zeitablauf bereits ungültige Arbeiterrückfahrkarte nochmals für die Rückfahrt zur Arbeitsstelle zu benutzen, änderten zwei Arbeiter aus der Lauterbacher Gegend das Ausstellungsdatum ihrer Fahrkarten um und lösten sich, um die Sperre ungehindert passieren zu können, eine Fahrkarte bis zur nächsten Station, aber gleich bet der ersten Kontrolle durch den Zugschaf ner wurde die Fälschung entdeckt. Die beiden Angeklagten gaben heute die Tat zu und führten zu ihrer Entschuldigung an, daß sie seiner Zeit nicht mehr über so viel Geld verfügt hätten, um sich eine Fahrkarte lösen zu können. Das Gericht billigte ihnen mildernde Umstände zu und verurteilte jeden wegen schwerer Fälschung einer öffentlichen Urkunde zu der gesetzlichen Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis. Unter Ausschluß der Oessentlichkeit wurde gegen einen 57jährigen Auszügler aus einem Dorf im Vogelsberg wegen Sittlichkeitsverbve- chens verhandelt. Aus Grund der Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß er fortgesetzt strafbare Handlungen an einem Mädchen unter 14 Jahre vorgenommen hat. Das Urteil lautete aus ein Jahr Gefängnis. Wegen Unterschlagungeines Wert- papiers, das ihm zur Aufbewahrung übergeben worden war, das er ohne Wissen und ohne WUlen des Eigentümers verkauft hat, und dessen daraus erzielten Erlös er für sich verbrauchte, erhielt ein junger Marrn aus Friedberg mit Rücksicht auf seine bisherige Unbe- straftheit eine Geldstrafe von 15 0Mark. die im Uneinbringlichkeitsfall mit 30 Tagen Gefängnis zu verbüßen sind. Amtsgericht Gießen. • Gießen. 4. Äov. Eine empfindlich« Strafe erhielt heute ein junger Zigarrenmacher aus Heuchelheim wegen frivoler Beleidigung eines Dienstmädchens von hier. In der heutigen Haupt- verhandlung bestritt er, die beleidigende Aeuße- rung getan zu haben, allein zwei in jeder Hinsicht glaubwürdige Zeugen beschworen es mit aller Bestimmtheit. Das Gericht schenkte ihnen vollen Glauben und war der Meinung, daß dieser Ehrabschneidung mü der ganzen Schärfe des Gesetzes entgegengetreten werden müsse. D2n4«tsprechend wurde der Angeklagte zu einer Gefängnisstrafe von einer Woche verurteilt. Die Frau eines Schmiedemeisters hat eine Mitbewohnerin ihres Hauses wegen Beleidigung verklagt. Letztere hat gegen sie Widerklage erhoben. weil sie von der ersteren gleichfalls beleidigt worden sei. Die Beweisaufnahme ergab, daß auf beiden Seiten Beleidigungen gefallen sind, allerdings auf selten der Angeklagten viel schwerere als auf feiten der Privatklägerin. Die Parteien verständigten sich deshalb dahin, daß die beiderseitigen Beleidigungen zurückgenommen wurden, und daß die Angeklagte sich zur Zahlung der Kosten des Verfahrens verpflichtete. Amtsgericht Wetzlar. Q Ein Arbeiter aus Raunheim wurde im Juli von dem zuständigen Iagdpächter im Dor- larer Wald in verdächtiger Weise betroffen. Als er den Iagdpächter, der sich in Begleitung eines Anderen befand, gewahrte, warf er einen Gegenstand weg und wollte sich bann schleunigst entfernen. Auf den Anruf des Iagdpächters blieb er jedoch stehen. Letzterer suchte baren nad) dem Gegenstand und fand auch an der Stelle eine mit 1 Patronen geladene Militärpistose. Knapp eine Woche vorher hatte der Iagdpächter tn nächster Räihe dieser Steife einen gewilderten Rehbvck gefunden. Gegen den Arbeiter wurde Anllage wegen unberechtigten Jagens erhoben. Der deswegen schon vorbestrafte Angeklagte bestritt, die Absicht des Wilderns gehabt zu haben, er will nur in deck Wald gegangen sein, um seine daselbst versteckt gehaltene Pistole zu holen. Das Gericht gelangte zur Verurteilung des Angeklagten zu 2 Monaten Gefängnis. Wegen Widerstands und Verübung groben Unfugs war ein Wetzlarer Arbeiter an geklagt. Der Mann zog nachts in angetrunkenem Zustande durch die Wetzlarer Straße, wobei er laut sang und johlte. Nachdem ein Polizeibeamter ihn mehrfach zur Ruhe aufgefordert und, als dies nichts nützte, mit Abführung nach der Wache gedroht hatte, schritt der Beamte schließlich, da der Angeklagte gutwillig nicht folgte, zur Festnahme, worauf sich der Angeklagte heftig zur Wehr setzte und den Beamten mehrfach schlug, bis er endlich überwältigt wurde. Der Angeklagte gab die Möglichkeit der ihm vorgeworfenen strafbaren Handlung zu, da er an dem fraglichen Tage sehr betrunken gewesen sei. Den angerichteten Schaden will er erstatten. Das Gericht erkannte auf 60 Mk. Ge ld st rafe, evtl. 12Tage Gefängnis. Meßmer--.. sachgemäße Mischlingen v. beruorraaenber Qualität, größteEraieb'akeit— daberSvarlamkeiti Verbrauch. Gerichtssaal. Eine Fabrik gefälschter Zeugnisse. ' Darmstadt, 5. Nov. Vor dem Be - zirksschöffengericht hat sich der Inhaber eines Privatlehrinstituts, das den Namen „Leibni- schule" führte, der 33jährige Privatlehrer Paul Singer aus Hackenheim, zu verantworten. Der Angellagte betrieb eine förmliche Fabrik mit gefälschten Reifezeugnissen. Bei diesen Fälschungen half ihm der 36jährige, verheiratete Polizeiwachtmeister Franz Schulze, der bereits aus dem Dienst entfernt und jetzt Wirt ist. Gleich ihnen waren etwa ein Dutzend junge Leute, darunter auch eine Studentin, angeklagt, die sich Reifezeugnisse durch den Angellagten Singer besorgen ließen. Einige wol i nicht gewußt haben, daß die Zeugnisse gefälscht waren: die meisten der falschen Studenten stammen von auswärts, denn Singer inserierte in auswärtigen Blättern, hauptsächlich in Norddeutschland. Der Zweck der Fälschung war, die Immatrikulation bei einer Universität zu erlangen, und in einigen Fällen, um die Eltern zu täuschen. Die Fälschungen wurden bewirkt durch Nachahmung der Unterschrift des Oberst udiendirektors Pietz, der jetzt verstorben ist, und durch gefälschte eonniaadbienit d. 21 erste mAvotirrkei« nm 7.11.26 Dr. Neumann Frau Lr. Marx. Engelavotbeke. Zahnarzt: Dr Baum 6361D MW M W tzlar. ' m tvur-e Im rter im Dvr- «troffen. Ls Mutig etntf «neu Trgm. Ävm W ml» tyeti NH « luch bem ötcile eine mit '-«■ Knapp eine litt hi nächster Werten Rehbvä vurde Anvage oben. Der des- rte bestritt, die haben, er will i lerne daselbst . Das Gericht ngellagten zu Mntz groben '.ta ongtHagl lenem Zustande il er laut sang unter ihn mehr- als bie8 nichts Dache gedroht ch, da der 2n- zur Festnahme, tig zur Wehr । schlug, bis er Angeklagte gab rorfenen straf« dem fraglichen Den angerich« 'aS Gericht er« >, evtl. 12 Sagt ln«t t^& en T>. Ä Sh &■ ht rPm i?eitvachtmeister is 6cm Dienst \ ihnen waren darunter auch Aeisezeugnme esorgen liehen. dah bieW n der falschen i, denn Singer ; hauptsächlich der ZalMS ineI LlnwersM surM ant«’!»“I "S-S um ___— hen, vollen sprechen- iibeiUQ(R llrichfallz b(. nQbmt ergab nötn gelang gagt«n viel ftnn. Die {.Jak bah ^genommen | m ÄSim, Stempel, bei deren Deschafsimg der ehemalige Poli-eibeamte behilflich war. Das Treiben deS Hauptangeklagten war veranlaßt durch Habsucht, Venn er lieh sich durchschnittlich 500 Mk., aber auch mehr, sogar bis zu 1500 Mk. für ein Reifezeugnis bezahlen. Die Fälschungen wären noch weil« betrieben worden, wenn nicht Schulze versucht hätte, hinterher noch Gelder zu er- § essen. Einer der ehemaligen Schüler bekam eue, zeigte die Sache der Behörde an und so kam der Stein ins Rollen. Die Fälschungen waren derart, dah die Immatrikulationen erfolgten. Die Verhandlungen, die gestern begannen, zogen sich sehr in die Länge, weil 14 Angeklagte und mehrere Zeugen zu vernehmen waren. Der heutige Tag wurde im wesentlichen durch Plai- dvyers ausgefüllt. Strenge Bestrafung eines Schwarzbrenners. WSR. Koblenz, 5. Rov. Ein Drenne- reibesitzer aus Leutesdorf (Kreis Reuwied) hatte sich vor dem hiesigen Gericht wegen Der- gehens gegen das Branntweimnonopolgeseh zu verantworten. Er hatte jahrelang eine Geheim- brennerei betrieben, um die Spirituosen der Versteuerung zu entziehen. Die Menge des hinterzogenen Sprits konnte nicht festgestellt Weichen, so das) das Gericht bei der Straf bemess ung auf das Schätzungsverfahren angewiesen war. Der Schwarzbrenner wurde zu der erheblichen Geldstrafe von 200 000 Mark und 6 0 0 0 0 Mark Wertersatz für hinterzogene Steuer verurteilt. Buntes Allerlei. [ Aus den Spuren Alexanders des Große«. Der Zug Alexanders nach Indien, durch den dem Abendland die Wunder des Orients erschlossen wurden, ist der Nachwelt stets im Glanze eines geschichtlichen Wunders erschienen. Man hat sich daher aufs eingehendste mit den Berichten der Geschichtsschreiber beschäftigt, die davon erzählen. Aber es war deshalb so schwierig, den einzelnen Etappen dieses Dormarsches in eine damals unbekannte Welt zu folgen, weil einzelne der Gegenden, durch die Alexander gezogen ist, den Europäern unzugänglich waren. Es ist dies die gegenwärtige Rordwestgrenze Indiens, die von wilden und unabhängigen Gebirgsstämmen bewohnt ist und der Erforschung schwerüberwindliche Hindernisse entgegensetzte. Dem englischen Forschungsreisenden Sir Aurel Stein ist es nun in den letzten Iahren möglich gewesen, durch eine kühne Expedition den Hauptschauplah des Feldzuges zu durchwandern, durch den der große Mazedonier in den Iahren 327 und 326 v. Ehr. von dem oberen ßauf des Kabul-Flusses zum Indus vvrstieh, bevor er in den weiten Ebenen des Fünfstrom- landeS das Ziel seines Zuges erreichte. In den .Times" gibt Stein einen vorläufigen lleberblick über die Ergebnisse, durch die es ihm gelang, die Oertlichkeiten festzustellen, die die antiken Geschichtsschreiber, besonders Arrian, schildern. Es handelt sich hauptsächlich um das Gebiet des Swat-Flusses, dessen Fluten von den Gletschern und Schneefeldern eines über 6000 Meter emporsteigenden Gebirges zwischen dem Indus und dem Hindukusch gespeist werden. Don Kalam, wo sich seine Quellflüsfe vereinigen, strömt er durch ein etwa 250 Kilometer langes Tal, bevor er die Ebenen von Peschawar erreicht und, mit dem Kabulfluß vereinigt, in den Indus mündet. Dieses Swnttal, das durch günstiges Klima und reiche Bewässerung ausgezeichnet ist, enthält eine Fülle von alten äleberreften. Ienseits deS Tales liegt daS alte Gandhava. der Hauptsitz der griechisch- buddhistischen Kunst. Im Südvsten liegt Dunor, ein Höhenzug, der eine Anzahl fruchtbarer Täler am rechten Ilfer des Indus bewässert, darunter Puran, Schakesar, Ghorband. Ienseits von Ghor- band steigt das Gebirge höher und höher empor und ist sehr schwer zugänglich. Arrians Bericht zeigt deutlich, daß Alexander, nachdem er Baktrien im Frühling 327 v. Ehr. verlassen und den Hindukusch überschritten hatte, einen Teil seines Heeres in das Peschawar-Tal entsandte, während er selbst das übrige Heer den Kunar-Fluh hinauf nach Daiaur führte. Die Kämpfe, in die er hier verwickelt wurde, richteten sich gegen die Bewohner des Swattalos. unter benen die Assakenei Arrians zu verstehen sind. Massaga. die erste und augenscheinlich größte der Städte, die er belagerte, liegt im unteren Swattal. Rach der Eroberung dieser Beste teilte er seine Truppen, die nunmehr die Städte Dazira und Ora belagerten. Bazira muh in den Ruinen der Feste von D'r-kot gesucht werden. Auf einem vollständig isolierten Felshügel. dessen steile Felsen 500 Fuß zum linken Ufer des Swat herabfallen, finden sich noch mächtige alte Mauern, und zahlreiche Münzen der indo-griech'schen Herrscher aus den letzten vor- christl chen Jahrhunderten sowie aus der folgenden indo-skythischon Periode zeigen, dah hier eine uralte Kulturstätte lag. Don diesem Punkt aus läßt sich auch die Oertlichkeit der anderen von Alexander eroberten Festung bestimmen. Ora lag an dem linken Ufer des oberen Swattales, und zwar bei dem heute Ude-gram.genannten Dorf, das etwa 15 Kilometer oberhalb von Dir-kot sich befindet. Unmittelbar dahinter erhebt sich ein unzugänglicher Gebirgsvorsprung von etwa 2000 Fuß Höhe, und an diesen Felsen lassen sich noch Mauern und andere Ueberreste einer sehr alten Feste erkennen. Auch hier stieß man auf zahlreiche Münzenfunde aus derselben Zeit wie in Drr-kot. Der letzte und sicherste Zufluchtsort der Gebirgsvölker, den Alexander einnehmen muhte, um sich für seinen Weiterzug zu sichern, war das rätselhafte Aernos. Sowohl archäologische wie philologische Gründe berechtigen Stein zu der Annahme, dah diese Feste sich über dem oberen Teil des Ghvrbantales auf der Höhe des heutigen Una am Indus erhob. Hier liegt ein etwa 7200 Fuh hohes Gebirgsvlateau, das eine mächtige, ganz unzugängliche Zitadelle trug, und es ist ein wahres Wunder, wie Alexander diesen Platz eroberte. Seine Operationen, die von Arrian geschildert werden, lassen sich aber in allen Einzelheiten in diesem Gelände nachweisen. haar und Charakter. Der Volksglaube schließt seit ur-alter Zeit von der Haarfarbe auf das Wesen des Menschen, und besonders hat man die roten Haare für ein schlimmes Zeichen angesehen. Aus alten Bildern werden Judas und Kain mit roten Bärten abgebildet, um schon dadurch die Boshaftigkeit ihrer Natur anzu- zeigen. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Haar und seinem Zusammenhang mit dem Charakter ist aber erst in letzter Zeit durchgeführt worden. Wir besitzen heute so feine Methoden der Haaruntersuchung, daß man jede individuelle Besonderheit des Haars feststellen kann und das Haar ebenso zum Identitätsnachweis benutzt wie die Fingerabdrücken. Auch sind die Haare als ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal für die einzelnen Menschenrassen und Volker erkannt. Die Grobheit des Haares verät bei tieferstehenden Rassen ihre | nähere Verwandtschaft mit den tierischen Vorfahren. Hervorgehobea wird auch, daß sich die blonde Haar« ssrbe nirgends bei Tieren findet. Im Volksglauben erscheint aber das blonde Haar nicht als ein Anzeichen besonderer Tugenden, sondern diese werden dem braunen und vor allem dem kastanienbraunen Haar zugeschrieben. Den zarteren Schattierungen des roten Haares, dem Goldblond und Rotbraun, wird bei Frauen große Schönheit zugesprochen; die Trägerinnen dieses Schmuckes sollen auch treu in der Liebe und fest in ihren Entschlüssen sein. Am frühesten hat sich die Wissenschaft mit den Zusam« menhängen zwischen Haar und Verbrechen ausein- andergesetzt. So stellte Havelock Ellis fest, daß die Zahl der schwarzhaarigen Personen unter den Verbrechern beträchtlich größer ist als unter der übrigen | Bevölkerung Englands, Italiens und Amerikas. Das Kopfhaar des Verbrechers ist zumeist üppig, der Bart daggen dürftig. Ein großer Prozentsatz der Verbrecher ist wollhaarig, und ebenso der Idioten. Verbrecherische Frauen sollen einen großen Reichtum an Haar aufweisen. Der amerikanische Anthropologe Charles Casscl will beobachtet haben, daß das blonde Haar bei den Verbrechern stärker hervortritt als das schwarze. Er hat auch über die Haarfarbe und Haarart des Genies eingehende Untersuchungen angestellt. Dabei kommt er zu dem überraschenden Ergebnis, daß bedeutende Menschen zwar meistens blaue und graue Augen, aber nicht blonde, sondern dunkle Haare heben. Wenn er nicht ein einziges Genie gefunden haben will, desien Haar „gelb" genannt werden kann, so ist demgegenüber darauf hinzuweisen, daß Schillers Haar bisweilen als gelb, häufiger allerdings noch als rötlich bezeichnet roirb. Wenn man dem Künstler gerne Locken zuschreibt, so scheint das auf Wahrheit zu beruhen. Don 60 Genies, deren Haarart Cassel erwähnt fand, wird bei 26 das Haar als lockig ober wellig geschildert. Don diesen waren 22 Dichter, Musiker und Künstler. Man darf aber das grobe und harte Haare deshalb nicht dem Genie absprechen, denn z. B. Napoleon wies eine solche Haarart auf. DücherLisch. — Max Reinhardt und fein 25jähriges Iubi- läum als Bühnenleiter stehen im Mittelpunkt des ersten Rovember-Hestes der Zeitschrift „D a s T h e a t e r" (Verlag Berlin W9). Berthold Held, der von Anbeginn an mit Reinhardt gearbeitet hat. schildert in einem fesselnden Aufsatz diese 25jährige gemeinsame Tätigkeit. Arthur Kahane sucht in einem tief empfundenen Gedicht die Eigenart der Persönlichkeit des Iubilars zu um« reihen. Rahezu 60 B'lder der Mitarbeiter Reinhardts in den verflossenen 25 Iahren und seiner bedeutendsten Inszenierungen geben einen äleber- blick über die gewaltige Leistung dieses Künstlerlebens und rufen eine Reihe der stärksten Dühnen- eindrücke feit Anfang des Jahrhunderts wieder in die ©rinnet'mg zurück. Auch der übrige Inhalt des Heftes ist interessant und vielseitig. Die letzten Opern-Premieren in Berlin werden eingehend behandelt, ebenso die Fülle der künstlerischen Ereignisse an den Berliner Schauspielbühnen. Der Leipziger Korrespondent berichtet über dortige Uraufführungen, Heinrich Glücksmann schildert den Beginn der Spielzeit in Wien. — Der Hund (GerSbach & Sohn, Verlag. Berlm W. 35). — Das vorliegende 20. Heft bietet dem «Leser wieder reiche Ausbeute. Dr. Schäme beschließt seine anregenden Betrachtungen und eingehenden älntersuchungen über „Die Trab- formen des Hundes" und zieht das Ergebnis, indem er vier Formen des Trabes beim Hunde feststellt, die er bildlich durch prägnante Momentaufnahmen begründet. Der Säger und Iagd- schriststeller W. Hochgreve, GoLlar, ist durch seine lebendige Schilderung „Aus den Feisthirsch im Südharz" vertreten; mannigfaltig, wie immer, fällt der Dilderteil des Heitrs aus. In eingehender Würdigung und mit zahlreichen Darstellungen hervorragender Hunde ist der Bullterrier behandelt, die deutsche Dogge kommt in guten Darstellungen zur Geltung, die Gebrauchs- Hunde sind durch die rassigen Schotten deS Zwingers „Hochlönig" und einen Irischen Setter berücksichtigt. — Das neueste Hcst der »Lustigen Blätter", (Dr. Eysier u. Co., Berlin SW 68) ist zu Ehren der Berliner Ausstellung als eine lustige Auto-Rummer ausgemacht; der ganze Inhalt, Text und Bilder, ist auf das Thema eingestellt, dem man. wie hier zu sehen, auch manche heitere Seite abgewinnen kann. — Der Schelmen spiegel. Lustspiel in drei Akten. Von Erwin Hahn. 120 Seilen 8°. Lotos-Verlag. Saalseid-Saaie, 1926. — Die Tatsache. daß dieses Sluck gleichzeitig von acht Bühnen im Deich zur stlraufsühru.ig akziptiert wurde, erklärt sich tvohl daraus, daß der Verfasser als Theatersachmann (Intendant in Rudolstadt) be- kannt ist, bei dem man keine anfängerhasten Er- perimente zu fürchten braucht, llnö z'veisellos ist das Talent und b'e Routine an'uerkennen. mit der eine an sich nicht besonders tragfähige Fabel glücklich und mit gutteerte iter Spannung über drei Akte gebracht wird. Das Mot ' der zwiefach um Geld und Liebe a pro' en. alten Geizhälse, im Stil v'.eckeicht an ©olbor.i und te; ite.l cNischen commedia dell’ arte crirnl ert, ist ins lierens» würdig-lockere Gewand deS b edermeirrlichen Venedig gekleidet. Das Da ize ist ein harmloses, übrigens stimmung'mäßig- y is.hartig verbrämtes Intermezzo. das als u -terbalimdee. sauber serviertes Lustspiel mit Anstand passieren kann. 553 — Der Winter. (Zeitschrift für Wintersport. 20. Jahrgang 132. 27. 1. Heft; Dergverlag Rud. Rother, München.) — Die von C. I. Luther herausgegebene Zeitschrift bringt im 1. Heft ihres neuen IahrgangS zunächst ci ren IubiläumS- und Cinführungsartik'l von Dr. Hord Skischilderungen „Hüttenglück" und „Rächtlich e QI ■'fahrt' mit stimmungsvollen Pho'.os, eine historische Wintersportplauderei mit Bildern av.3 dem 16. urö 18. Jahrhundert. eine thevret'sch-schematische Schneeschuhunterweisung, einen Clibricf aus der Schweiz und einiges andere. D'e A Sftattung ist gut. — Deutsche Alpenzeitung. Tcrg- Verlag Rud. Rother. München. — Heft IC 1926 ist vor allem ausgezeichnet durch eine Reihe prächtig« Reprodukt'onen d?s Bergmalers Alfons Walde, der mit sehr guten Bildern vertreten ist. und dem eine ausführl'che Würdigung durch Hans Fischer zuteil wird. Im übrigen verweisen wir auf die Schilderung „Südwände im Wilden Kaiser", die „Erinnerungen an den kurzen Grund" und die zahlreichen Photographin. A0 billiges Baugeld zu nur B°/o Zins wurden von dcrDausparkasse der Gemeinschaft derFrcund» Luftkurort Wüstenrot in knapp 114 Jahren an 6M U)au- sparer zum Bau von Eigenheimen und gemeinnützigen Bauten vergeben. Wer nach einem Eigenheim strebt, verlange alle Unterlagen. Sofortige Darlehen werden nicht gegeben. Diesbezügliche Anfragen zwecklos. Die Gemein, lchasi der Freunde ist die erite.altejte.grohle.crfolareichste, leiitungKsahigste und sicherste Bausparkatic Deutschlands. Schütten Sie ein wenig SUMA in Ihre Hand. Das weiche feine Anfühlen fagf Ihnen fofort, daß SUMA etwas Befonderes iß, daß es keine fchäd- liehen Chemikalien, keine Soda, kein Wafferglas oder gar Chlor enthält. SUMA ift eine neue Art Seife in pulverifierter form, das prächtige Ergebnis langer eingehender Forfchung. SUMA ift vorteilhafter als fefte Seife, denn es ift leicht und vollkommen löslich, ungemein bequem und fparfam im Gebrauch. 5a 3 SUMA ift für alle Zwecke vollkommen geeignet. 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Diese Fragen sollen in kurzer, leicht verständlicher Weise niedergeschrieben und bis zum l. Dezember d.I. an unsere Geschäftsstelle in Gießen,Lahnstraße 15 eingeschickt werden. Die Preisverteilung findet am 19. Dezember statt, sodaß die Preisträger auf Weihnachten im Besitze ihrer Prämie sind. Irgendwelche Ansprüche können durch die Teilnahme an dem Ausschreiben nicht erhoben werden. Es sind außer dem 1. Preis, welcher 20 JUlin bar beträgt, 10 wertvolle kolonialeBücher für die besten Lösungen gestiftet. Die preisgekrönten Arbeiten werden in verschiedenen Zeitungen veröffentlicht und dienen unserer Werbearbeit. Wir hoffen bestimmt,daß Männer und Frauen aus allenBerufsständen, sowie die deutsche Jugend, das Wort ergreift und mithilft an der Lö ung einer Lebensfrage des deutschen Volkes. Bund der Koloniatfreunde G. B. Bezirk Hessen. 9141D Schutzmarke fügen einschlägigen Geschäften. Wo nicht, durch M. Drockmann Chem. Fabr. ur.b.H., Leipzig-Eutr. 90c. 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Gießen, Lindenplatz 1 9155a Nr. 261 vierter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 6. November 1926 | sich wieder stärkere Nachfrage ein. so daß aus ein 805 95 19 134.5 164 162,4 185 Varlegen: 1.10. 15.10.27.10. 4.11. 218,75 irrer Börse Ber Die die der 376,75 153 148 171.75 167,5 160.9 212.5 120 105.75 59 44,5 Devisenmarkt Berlin—Srankfurt a. M. TelegraphN che Auszahlung. 181.75 124 182.5 184,75 202.7* 162.9* 171.75 81.13 109 144* 207.62 186 156,5 181.13 174.9 0.8102 0,7907 0.76 0.9005 0.48 0 *605 0.75 0,75 0.75 0 8225 0.755 0,88 0.475 0,75 0.73 179,5 122,5 178.5 181.5 198.5 157 169,75 80 142 204 182,75 153.25 188 174 Berlin, 6. Rov. Die heutige Samstagbörse stand unter dem Zeichen einer allgemein stillen Geschäftstätigkeit. D.t äußerst lustlosen Llmsätzen und abwartender Ha.tung der Spekulation und der Danken war die Tendenz zunächst unsicher, bei überwiegend abbröckelnden Kursen. Rur wenige Sprz'alwerte zeigten etwas festere Haltung, die auf Deckungskäufe nach be- 371 150,5 141,5 189,5 169.25 169 156 208.75 117,13 103 260 190 270 25 >88* 177.5 181 154 8.3 122 64 212 92.62 111 270 193 *70 (90 172 182 157 371 152 74.5 146.5j 189 172 5 169.5 114 159.5 213.25 117.5 104.75 .13.5 59.5 Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. Das Börsenthermometer steigt weiter. 15 52.25 188.25 118 25 63 2.5 220,25 91 112 1 368 1149,12 147 | 263 192 267.5 187.5 ! 177.5 | 181 155.5 8,25 178.12 122,5 179 182 198 158.75 166,25 82 108.75 142 102,75 182,75 153,5 181 5 172 0.805 0.78 0,7575 u.88 0,755 18 75 I 46,5 | 189.5 I 269.5* | 188.5* I 111 176.5 182 156 ! 8.4 | 183,75 1 123 _ I 182 183.5 202.25 160.5 171 83 108 143.25 206 186.25 100.75 155.25 181.5 174 25 85 136 165,5 war aber stark unregelmäßig, da auch neue Abschwächungen infolge weiterer Glattstellungen eintraten. Das Geschäft ermüdete auch bald wieder, die Stimmung wurde unsicher, und im weiteren Verlaufe blieben die anfänglichen Besserungen nur knapp gehalten. Am Anleihemarkt erzielten Kriegsanleihe eine Steigerung auf 0,811, während Schutzgebiet niedriger wurden (17.—). Ausländische Renten anziehend, Mexikaner fest. Das Hauptgeschäft wiesen Bankaktien auf, die unter Führung von Deutsche Bank von 187 auf 192,50 sprangen. Berliner Handel die heute den Stand von 270 Prozent erreichten, stellten sich damit mit Darmstädter gleich, schließlich gaben aber Berliner Handel wieder etwas nach. Commerzbank plus 5 Prozent, Metallbank plus 5,5 Prozent. Schiffahrts- aktien stark erhöht. Montanaktien uneinheitlich, aber überwiegend fester Von Chemie- werten zogen I. G. Farben auf 371,5 (gestern 370) an. Scheideanstalt plus 4 Prozent, aber Holzverkohlung minus 4 Prozent. Elektroaktien uneinheitlich und überwiegend etwas niedriger. Motorenwerte gehalten, desgleichen Baust o f f - A k t i e n. Zellstoffaktien schwächer. Zuckeraktien vernachlässigt und niedriger. Der Freioerkehr lag luftlos. Der Geldmarkt ist weiter leicht. Tagesgeld hat sich auf 4 Prozent ermäßigt. Monatsgeld 5,75 bis 7 Prozent je Adresse. Im Devisenverkehr lag der französische Fran- ken mit 146,50 etwas schwächer. London gegen Kabel leicht befestigt auf 4,8475. Die Reichsmark lag da- gegen schwächer mit 4,21 gegen Kabel. DörlenkuNe. 5% Teukfchc 9tdd)8anletbe 4% Deutsche Retchtzanleige 3'/,% Deurlchc R.'ichsanletd« 3% Deutsche Reichsanlethe Deursche Evarpruinieuanlethe 4°/o Preußische KontotL • . ■ 4° o Hellen Vlj'lo Hessen..... • 3°/, Heuen Dcmsche Wertd Dollar-Lnt. bto Doll - Schatz-Anrretlna.*! 4*/o -joUturken ... 5% Äoldmerikaner - • Verltncr HandelSoclelllchast Lommcrj- and Privat-Bant Darmsl. und Rakiooaldaot Deutlche Bank Deutsche vercinZdank .... DiLconio Commandit . . . Memll dank. ....... Mitteldeutsche Kreditbank . . Lcsterrrichischr Kreditanstalt. Westbant B och inner >»ah ....... ..... Karo .... Deutsch-Luxemburg...... l^elicnkirchener Bergwerke. . Horpener Bergbau...... Kaliwerke «scherSleben. . . . •Ralltuerf Westeregeln. .... Laurahütte..... Ober bedarf ......... Pyömr Stroben . Rbein'lahl Ricbeck Montan ..... TelluS Bergbau..... Bereinigte Stahlwerke A.-G- Hamdnrg-Amertka Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . Lheramlsche Werte Albtn . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp HoUmann .... Anglo-Cont-Guano Chemische Mayer Alapin . . I. (S. ftarbcninbuftiic, A.-G. Goldschmidt......... Holzverkohlung ....... Rütgeröwcrke Scheideanstalt «llg. ClektrUttätS-Gesellschast Bergmann . Mainkrartwerke . ....... Schurken ........ Siemen« .065 2,069 2,004 2,568 9.576 0.578 ".574 0.576 Wien In D-- Ceft- abgest 69.27 69,41 59,26 69,40 12,487 Prag . . . 12,447 12,487 12,447 7,405 Belgrad • . 7.413 7,433 7,425 Budapest. . Bulgarien >.89 3,91 a,895 5,915 >.027 8,031 3,032 3,042 ii'ssabon .1,575 4,625 21 525 21,575 Danzig. - 51.48 81,68 81,48 81,68 Konstantin. 2.095 2,105 2,095 2,105 fltbrn 6.24 5,26 5,19 5,21 Canada. . - 4.165 4.175 4,207 4,217 Nruguav 4.165 1.175 1.165 4.175 Rätsel-Ecke. Silbenrätsel. Aus den 36 Silben: al — az — bem — bürg — cill — bi — dow — e — eg — el — ge — glau — hau — ho — hol — hum — i — i — las — (ec — li — mu — na — ohr — rach — raz — rem — scheid — schwär — trau — u — ung — ver — win — wurm — za sind 18 zweisilbige Wörter zu bilden mit folgender Seöeutung: 1. Maler: 2. «ladt in Württemberg: 3. landwirtschaftliches Gerät: 4. kirchliche Handlung: 5. Laufvogel: 6. portugiesischer Seefahrer: 7. Stadt in Hannover: 8. Stadt in Sieiermart; 9. römischer Dichter; 10. Bauinwollgewebe; 11. Baumgang: 12. Versperrung durch gefälltes Hol;; 13. Insekt; 14. Stadt im Rheinland: 15. männlicher Personenname: 16. Stadt in Mähren. 17. Prophet, 18. Nebenfluß der Saale. — Sind die Wörter richtig gebildet, ergeben die Anfangsbuchstaben von vorn nach hinten und die Endbuchstaben von hinten nach vorn ein Zitat von Samuel Smiles. Kreuzworträtsel. II 6 i/3 10 18 22 23 [3/ 19 21 50 57 5 1? 15 10 17 1. Don links nach rechts: 5. Drehpunkt; 7. schwedisches Herrschergeschlecht: 10. körperliche Erfrischung; 12. biblische Frauen- geftalt; 13. andere Bezeichnung für Schwung; 14. Hohepriester: 5. Alpenwiese; 16. Fluß in Italien: 17. weiblicher Personenname; 18. kleinasiatisches Hochland; 21. weiblicher Personenname; 22. asiatischer Binnensee; 25. biblische Person; 29. ungarischer Königsname; 30. körperliche Ruhepause; 31. europäische Hauptstadt; 32. Milchdrüse der Huftiere. 2. Von oben nach unten : 1. Prophet; 2. nordischer Personenname; 3. griechischer Gott; 4. Baumbestand; 5. kartographische Darstellung; 6. iddhiftischer Priester; 8. europäisches Gebirge; 9. Fluß in Frankreich; 10. Körperteil: 11. portugiesischer Seefahrer; 19. serbischer Königsname: 20. Fluß in Frankreich: 22. kirchlicher Würdenträger; 23. Edelwild; 24. alkoholisches Getränk; 26. Haustier; 27. Teil des Baumes; 28. Frav-ngeftalt der germanischen Heldensage. Rätsel. Daß schon das Wort mit s.chs Ze'chen mußt' kommen, Das will vielen iK.itei; nicht recht frommen; Die ersten vier Zeichen, glaub' ich, verkünden Beim Darandenken ein inu'res Empfinden. Bri'chfti'Üausgabc. .. ana — h.. de — p.. is — be. t. na — ha .. — tor.. u — a .. dm. Vorstehende Bruchstücke sind durch je jjroei Buchstaben zu Hauptwörtern umzugestalten. Diese je zwei Buchstaben ergeben, werden sie aneinandergereiht, einen im Herbst beliebten Vogel. Umftellungsrätsel. Eimer — Labe — Ader — Rille — Klee — Tiene — Eifel — Wilna — Garde — Tadel — Leer — Schein. Man stelle die Buchstaben obiger zwölf Wörter derart um, daß neue Wörter entstehen. Die Anfangs- buchstaben ergeben alsdann eine herbstliche Naturerscheinung. Auslösungen. Silbenrätsel. 1. Marabu; 2. Erlaucht; 3. Hagestolz; 4. Rauh- frost; 5. Azalie: 6. Litanei; 7. Schumann; 8. Georg; 9. Ebene; 10. Hambach; 11. Uhu; 12. Eitrige; 13. Tarent: 14. Eide. 15. Tibet; 16. Elegie; 17. Setters; 18. Glasgow; 19. Ultimo; 20. Taylor; 21. Netzhaut. Mehr als ein gehuetetes Gut nutzt ein gehuetetes Wort. lAl.AlSI |E|L raQalrai uh) fM eTr wTa ■JLpiDlE GIF Rn» OlL |L|E RE ÖIR gemach — Gemach. Worträtsel. Einfall — ein Fall. Lntzifferungsausgabe. Ehre ist ein Rechenspiel, Bald gilt man nichts, bald gilt man viel. (Abraham a Santa Clara.) Verbindungsausgabe. Weh—Leid; In(n)—Sekt; Rind—Dich; Bahn—Hof; Ei—©er; Lohn—Buch; Strick—Strumpf; Tanz—Bein; Ur—Teil; Ramm—Klotz; Miß—Stand. Wirbelsturm. Vexierbild. Bild auf den Kopf stellen, dann ist Wilhelm Teil rechts zwischen Sträuchern, Haus und Felsen zu sehen. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom Redakttonsttsch. Zwei Roethe-Anekdoten. In der „Tägliche Rundschau" liest man die beiden folgenden, hübschen Erinnerungen an den berühmten, verstorbenen Germanisten der Berliner ilnioerfität. Jemand erzählt: Ich wollte im Staats- Examen nicht zu Roethe — und kam natürlich gerade zu ihm. Dazu war ich noch ehemaliger Oberrealschüler, der die Humanist en erst auf der Universität erlernt hatte. Das Prü» sungszimmer,. dem ich zuschritt, war mir wie Etzels Saal, und drinnen stand mir ber Kimps mit dem grimmen Hagen bevor. Mein Vorgänger stürzte heraus, bleich, abgestochen. E r in der richtigen Ribelungenlaune. Wie ich beim Getöse standgehalten, weih ich nicht: ich weih nur, daß Kanalschwimmen bei bewegter See auch nicht schwerer sein tarnt Erschöpft, aber glücklicher Sieger, stohe ich auf einen freudestrahlenden Kommilitonen, der im Rebenraum gleichzeitig in Mathematik geprüft worden war. „Kinderleicht war's," rief er. „Ihr Roethe soll leben! Ec hat so geschrien, daß mein Professor überhaupt nicht zumDen- ken kam." — So hatte ich sozusagen für zweie bestanden. Roethe und die Sam e. Er erzählte selbst folgendes: Eine meiner schauderhaftesten Erinnerungen ist es, dah ich einmal eine Frau prüfen mußte. Es war damals, im Anfang, kein anderer Examinator da, und ich mußte eben. Ich lasse sie also eintreten, und frage sie scharf: „Haben Sie Goethes Heideröslein gelesen?" — Worauf die Maid stammelnd und errötend haucht: „Ja .... t e i l to e i sei" Seit dieser Zeit prüfte der „wilde Gustav", wie wir ihn nannten, keine Samen mehr. Elllenlium. 2m Wirtshaus produziert sich ein Dauch- redner. Sa wird er vom Stammtisch unterbrochen: „Wir haben etwas zu besprechen — bitte einen Augenblick den Bauch zu halten." (Lustige Blätter.) sonders stark vvrangrgangenen Verlusten zurück- zuführen sein dürften. Aus diesem Grunde notierten z. D. Berliner Handel 4 Prozent fester, im übrigen überwogen aber Kursein - buhen von 1 bis 3 Proz. gegenüber den Schlußkursen des Vortages. Als sich gegen Ende der ersten Stunde herausstellte, dah die Realisationen der Dankenkundschaft heute keinen größeren Umfang annahmen, schritt die Spekulation zu Deckungskäufen, mit denen sich wohl auch einige Meinungskäufe in besonderen Terminaktten verbanden. Rach Tleberwindung der anfänglichen Unsicherheit wurde die Gesamtsttmmung daher später freundlich. Einen nennenswerten Umfang nahm das Geschäft aber nicht an. Ser bevorstehende Abbruch des englischen 'Bergarbeiter- streiks verstimmte etwas. Am Geldmarkt macht die Erleichterung weitere Fortschritte. Der Sah für Tagesgeld konnte auf 41/8 und darunter ermäßigt werden. Sagegen erfordert Monatsgeld nach wie vor 6 bis 7 Prry. Ser Seöifen» v er kehr hatte das am Wochenschluß übliche stille Geschäft. Paris gegen London kaum verändert bei 146,50. Malland 113,50 gegen das Pfund. Sie Reichsmark lag gegen Kabel weiter schwach mit 4,2085. Sa8 englische Pfund notierte 4,8480 etwas erholt. Berliner Produktenbörse. Berlin, 5. Rov. Sie freundlichere Tendenz des Vortages nahm heute im Berliner Getreidehandel ihre Fortsetzung, und zwar in der Hauptsache wohl angesichts der sehr fleinen inländischen Angebote bei anhaltendem Bedarf der Müllereien wie auch für Er Port. Weizen war bei Beginn des amtlichen Mittagsverkehrs etwa i/g Mark höher. Im Zeithandel dehnten sich die Preisbesserungen von V2 bis V/t Mark aus. Roch stärker gestalteten sich die Steigerungen für Roggen. Im handelsrechtlichen Geschäft wurden alle Sichten 2 Mark fester. Gerste ist reichlicher angeboten, geringe Sorten schwächer. Hafer infolge besserer Frage lebhafter und fest. In Mehlen hat- sich die Tendenz für Roggenmehl etwas freundlicher gestaltet. Es wurden notiert für 1000 Kilo: Weizen, märk., 273 bis 276; Roggen, märk., 222 bis 227; Sommergerste 220 bis 260; Wintergerste 195 bis 208; Hafer, märk., 180 bis 195; Mais (loko Berlin) 201 bis 206; per 100 Kilo: Weizenmehl 36 bis 39; Roggenmehl 32,75 bis 34: Weizenkleie 12; Roggeickleie 11,75; Viktoriaerbsen 58 bis 63; kleine Speiseerbsen 40 bis 42; Futteverbsen 22 bis 26; Peluschken 21 bis 22; Ackerbohnen 21 bis 23. Letzte Nachrichten. 3 Jahre Gefängnis für falsche Reifezeugnisse. Darmstadt, 6. Rov. (WTD. Funkspruch.) Das Schöffengericht verurteilte den 3öjäh- rigen Privatlehrer Ligger wegen schwerer Mr« kundenfälschung usw. zu drei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust. (Dgl. den Darmstädter Gerichtsbericht im 3. Blatt Seite 2 dieser Ausgabe. — D. Red.) IQuiefa Bals Kaffee! Frau H. R. in K. schreibt: .Ihr Quieta-Kaffee ist sehr gut im Geschmack und für die Kinder gesund.“ Gold 120 Pfg.. Gelb 90 Pfg.. Rot 55 Plg., Grün 28 Pfg. 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Ist das nicht ein schlagender Beweis, daß in dem genossenschaftlichen Zusammenschluß die höchsten Vorteile liegen? — Die Barzahlung In der Genossenschaft bringt dem Verbraucher die niedrigsten Preise und außerdem noch den Anteil, welcher jedem Einzelnen verbleibt an der Ersparnis, die innerhalb der Genossenschaft gemacht wird. Je mehr die Mitglieder genossenschaftliche Treue üben, je größer der Erfolg am Jahresschluß! DER VORSTAND. c it r Gro^erVerkaufvon echten Persianern undWiidfeläen aller Art, Autodecken. Reisedocken. Diwandecken usw. verschiedener Art, hergestellt aus Wildfellen Sämtliche Felle sind von gezüchteten und erlegten Tieren aut den Farmen m ines Bruders in Südwest- afriua, und bin ich in der La^e, dieselben zu vorteil- hafien Preisen zu verkaufen. Günstige Einkaufsgelegenheit für den Winter und als Weihnachtsgeschenke. Hubert Heinz, Kirchenplatz 11. Der Verkauf der IBatiw- und Küchongeräte erfolgt weiter zu bedeutend herabgesetzten Preisen. 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