Mittwoch, 6. Oktober 1926 176. Zahrgang Nr. 234 Erstes Blatt Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-kezngLprelr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechans chlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Gießen, poftschcclkontö: Zranksurt am Main 11586. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Rachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20' , mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Will). Lange. Dcrantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An« zeigenteil i.Dcrtr. H. Beck, sämtlich in Gießen. GietzeimAiijeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vn:S und Verlag: vrühl'sche Univerfitatr-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sietzen. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftratze 7. Inhaberin eines Mandats _ für Tanganjika sei in mancher Hinsicht viel starker, als die durch Annexion während des Krieges erreichte. Kein anderer Mandatar könne die Vorteile bieten die Großbritannien geben könne. Es müsse darauf hingewiesen werden, daß in britischen Kreisen heute wenig Unterschied bestehe zwischen dem Mandatssystem und dem der Verwaltung britischer ^leberseebesihungen seit lange vor dem Kriege. Die Zukunft Tanganjikas liege in dem Zusammenwirken mit dem übrigen Teil Ostafrikas. Italien beansprucht das Togomandat. Paris, 6. Oh. ($11.) Aus französischen diplomatischen Kreisen verlautet, daß während der Zusammenkunft in Livorno Mussolini sich dahin geäußert hätte, daß für den Fall, daß die Frage der Neuverteilung der Mandate im Völkerbund zur Erörterung kommt. Italien seinerseits das Mandat über Togo fordern werde. Der Rücktritt Severings. Die Nachfolge im preußischen Innenministerium und die Frage einer Regierungsumbildung. ziehung der beiden Staaten in das paneuropäische Z o l l s n st e m muß unter Berücksichtigung der weltwirtschaftlichen Zusammenhänge und der gemeinsamen Interessen einvernehmlich geregelt werden. Der bereits gemeldete Antrag zur Sicherung des kulturellen Lebens der nationalen Minderheiten gelangte gleichfalls einstimmig zur Annahme. Der Ausschuß für Politik und Minderheiten stand unter der Leitung des Reichstagsabgeordneten Dr. Mittelmann, zu dessen Stellvertreter ein französischer Delegierter bestimmt war. Die Wahl je eines Vertreters Deutschlands und Frankreichs in den Vorsitz des Ausschusses war mit großen Beifall ausgenommen und ihre Bedeutung von Dr. Mittelmann besonders heroorgehoben worden. Der Führers der französischen Delegation, D e l a i s y , hatte sich aus diesem Anlaß auch persönlich im Ausschuß eingefunden, um- seine Freude darüber zu bekunden und ihr in einer Ansprache Ausdruck zu geben, worin er die Wahl als Beweis zunehmenden freundschaftlichen Zusammenarbeitens zwischen Deutschland und Frankreich bezeichnete. Am Dienstag hielt der Kongreß seine letzte Sitzung ab, in der der Schriftsteller Emil Ludwig das einleitende Referat hielt. Eine Reihe verschiedener Vorträge der Delegierten folgte. Die Tagung schloß mit einer stürmischen Kundgebung für Cou- denhove-Kalergi, den Gründer der paneuropaischen Idee. Einen Empfang veranstaltete der deutsche Gesandte in Wien, Graf Lerchenfeld. Erschisnen waren Vizekanzler Waber, Altbundeskanzler Seipel, Präsident des Nationalrats Niklas die Gesandten Riedl und Eichhoff, der Obmann der Großdcutschen Volkspartei Wottwa , der Präsident des Paneuropa-Kongresses Gras Eoudenhove, der Präsident des deutschen Reichstags Lobe, der vormalige deutsche Reichskanzler Dr. Wirth, Staatssekretär G o e h r e, die deutschen Reichstagsabgeordncten Frau Lüders. Dr. M i t t e l m a n n und K r o h n e sowie namhafte Vertreter der Wiener und auswärtigen Presse und die Herren der Gesandschaft. Der Paneuropa-llongreß. W i e n , 5. Okt. (WTB.) Der Ausschuß für Politik und Minderheiten des Paneuropa-Kongresses nahm einstimmig eine Resolution an, worin es heißt, daß jede Lösung der Paneuropa-Fraae den ganzen geographischen, historischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen zwischen England, Rußland und dem übrigen Europa Rechnung tragen müsse. Soweit die Ausnahmestellung dieser beiden Staaten ihre Einglie- rung in Paneuropa nicht gestattet, ist das Ziel der Paneuropa-Union, welche grundsätzlich jede aggrei- sive Einstellung gegen andere Staaten und Staatengruppen ablehnt, die enge Zusammenarbeit mit den beiden im R a hm e n eines Völkerbundes auf der Basis eines west-östlichen Lo- carnosystems. Insbesondere die Frage der Einbe- gerichtsdirektor Eichhoff genannt wird. Das Verbleiben der Minister H i r t s i e f e r (Volkswohlfahrt) und Steiger (Landwirtschaft) gilt einstweilen als sicher. Ebenso dürste der gegenwärtige Ministerpräsident Vraun im Amt bleiben. Den ursprünglichen Plan, dem jetzigen preußischen Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff das Innenministerium zu geben, und dadurch das Finanzresfort für die Volkspartei sveizumacheir, hat man vorläufig fallen gelassen, de» besonders von den Regierungspar.e.en die Ansicht vertreten wird, daß Minister Höpker-Asch.'fi gerade wegen der schon eingeleiteten Verhandlungen für den Finanzausgleich an seinem Posten bleiben müsse. Für morgen vormittag 10 Uhr sind die Fraktionen zu Besprechungen im Landtag versammelt. Es steht allerdings noch nicht fest, ob hierbei schon zu der Frage der Regierungsumbildung irgendwelche offizielle Stellung genommen werden wird. Die sozialdemokratische Fraktion des preußischen Landtages beschäftigte sich Dienstag abend mit der Frage der Rachfolgerschaft für Severing, dessen Rücktritt Mittwoch, an dem die Plenarverhandlungen des Landtages wieder aufgenommen werden, bekanntgegeben wird. Die Entscheidung dürste in der für Mittwoch vormittag 11 Uhr anberaumten Sitzung der Fraktion selbst erfolgen. In dieser Sitzung wird auch die Hohenzollernfrage durch-- gesprochen und voraussichtlich entschieden werden. Berliner Pressestimmen. Berlin, 6. Okt. (Wolff.) In den Artikeln, die dem scheidenden Minister Severing gewidmet sind, wird seine Amtstätigkeit in Preußen je nach der Parteistellung der Blätter beurteilt. Die „Deutsche Zeitung" schreibt: Ohne Zweifel hat Severing an der Spitze des eigentlichen politischen Ministeriums in Preußen ein ungewöhnliches Maß von Zielbewußtsein und Energie entwickelt. Im ganzen war Severing als Staatsminister bewußter und rücksichtsloser sozialdemokratischer Parteimann. — Im „Lokalan-ei ger" heißt es: Severing soll wahrheitsgemäß bescheinigt werden, daß er mit reinen Händen den Staatsdienst wieder verläßt. Jedoch betont das Blatt, daß die Amtstätigkeit Severings schärfste politische Bedrückung seitens eines Regimes gewesen sei, das angeblich auf Freiheit und Gleichheit gegründet sei. — Die „Sägt i«ch e Rundschau" hebt hervor, daß Severing, wenn er auch in seiner Ministersteliung jeder Zeit ein Partei mann gewesen sei, die Ruhe und Ordnung im Staate auch in schweren Zeiten aufrecht erhalten habe. — Das „Berliner Tageblatt" sagt: Wir hosten, daß der Dag der Rückkehr Severings zu aktiver politischer Betätigung bald kommen wird. — Rach dem „Vvrwärt s" hat Severing in langen und an unendlich harter Arbeit reichen sechs Jahren erreicht, daß das einstige Preußen der Junker heute als der festeste Hort der demokratischen Republik Deutschland dasteht. England und die deutschen MomcüLMfprüche. Nm Dentsch-Tstafrika. London, 5. Okt. (Wolff.) Die „Times" veröffentlicht eine Zuschrift, in der es nach einer - Erörterung der deutschen Ansprüche auf Kolonien u. a. heißt: Wenn die wiederholten Erklärungen A m e r h s, des Kolonialstaatssekretärs, daß das Tanganjikagebiet (das ehemalige Deutsch-Ost-A-rcka) jetzt „ein integrierender 1 Teil des britischen Reiches ist", erfüllt werden sollen, müssen unverzüglich Schritte • unternommen werden, um die Entwickln n g dieses Gebietes zu fördern in der Richtung, die sicherstellt, daß die britischen Ansiedler die Mehrheit der weißen Bevölkerung bilden. In einem Leitartikel zu dieser Zuschrist schreibt die „Times" über die Zukunft Tanganjikas u. a., das Unbehagen einer Anzahl Ostafrikaner, daß die britischen Ansiedler in Tanganjika im Intersse eines guten europäischen Einvernehmens preisgegeben oder verschachert werden könnten, fuße nicht auf irgendwelchen begründeten Annahmen. Zunächst ist Großbritannien ein Mitglied des Rates, der allein und zwar durch einstimmigen Beschluß irgendeine Hebertragung eines Kolonialmandates arrangieren kann. Deutschland hat als Mitglied des Völkerbundes theoretisch das Recht, Mandatsmacht zu sein, genau so wie jedes andere Mitglied, z. D. Holland oder Italien, aber ö r e bereits zugewies enen Mandate sind keineswegs zeitlich begrenzt worden. In der Praxis müßte, bevor ein Gedanke an eine Veränderung auch nur erwogen wird, ein überzeugender Grund gefunden werden, aus dem der augenblickliche Inhaber eines Mandats * ersucht werben soll, seine Verwaltung aufju- geben. Die „Times" bemerkt, die Bedeutung der Kolonialpartei in Deutschland dürfe nicht überschätzt werden und drückt schließlich die lleber- zeugung aus, die Stellung Großbritanniens als Der preußische Innenminister Severing hat dem Ministerpräsidenten Braun am Diene tag offiziell sein Rückte i i t s g e s u ch überreicht. Die Meldung von dem bevorstehenden Rücktritt des preußischen Innenministers Severing hat in politischen Kreisen nicht überrascht, da ja bereits seit längerer Zeit die Absicht des Herrn Severing, wegen seines erschütterten Gesundheitszustandes zu demissionieren, bekannt war. Nach verschiedenen anderen Löfungsoerfuchen hatte man angenommen, daß Minister Severing endgültige Entschlüsse erst nach der Berliner Polizeiausstellung fassen würde. Ursprünglich bestand nur die Absicht, unter voller Aufrechterhaltung des jetzigen Ministeriums nur den Austausch von Persönlichkeiten vvrzu- nehmen. In Anbetracht der analogen Bestrebungen im Reich wurde dann aber auch die Umbildung der preußischen Regierung in den Kreis der Erwägungen gezogen. Daraus erklärt es sich, daß die erste Fühlungnahme über die Regierungsverbreiterung nicht offiziell durch die Fraktionen, sondern nur in persönlichen Unterhaltungen einzelner Abgeordneter erfolgte. Nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge,ift es noch keineswegs sicher^ daß das Rücktrittsgefuch des Ministers Severing die Frage einer Umbildung der preußischen Regierung im Sinne der Großen Koalition zur Folge haben wird, da die Vorbesprechungen noch keineswegs abgeschlossen sind. Vor allem muß der Landtag erst wieder versammelt sein, dessen Plenarsitzungen bekanntlich am morgigen Mittwoch wiederbeginnen. Erst dann werden die Fraktionen zu diesem Problem Stellung nehmen können. Es ist infolgedessen verfrüht, schon von irgendwelchen Ministerliften zu sprechen, obwohl bc- reits in den Vorbesprechungen gewisse Wünsche zur Sprache gekommen sind. So wird von feiten der Sozialdemokratie für das preußische Innenministerium nach wie vor als aussichtsreichster Kandidat der Lüneburger Regierungspräsident Dr. Krüger genannt. Neben ihm nennt man auch den Berliner Polizeipräsidenten G r z c s i n f k i. Es scheint jedoch, daß einstweilen Herr Krüger die größeren Aussichten, besitzt, weil man sich auch in Kreisen der Sozialdemokratie nicht der Ansicht verschließt, daß die bevorstehenden größeren innerpolitischen Probleme an dieser Stelle einen Mann mit langer Dermal- tv.ngspraris erfordert. Krüger ist besonders bekannt als Schöpfer des Reichssiedlungsgesetzes und als Kommentator des Reichsheimstättengesetzes. Es wird auch besonders beachtet, daß er besonders für die Frage der großen Verwaltungsreform reiche Erfahrung mit sich bringt. Soweit bisher aus den Kreisen der Deut- schen Dolkspartei bekannt geworden ist, । ist sie zur Uebernahme der Regierungsverant- ! Wortung nur bereit, toenn ihr entsprechende Zusagen für die Mitarbeit auf entscheidenden Ver- wÄtungsposten gegeben werden. Man scheint damit zu rechnen, daß der Volkspartei besonders zwei Ministerien zufallen sollen, nämlich das Unterrichtsministerium, für das als aussichtsreichster Anwärter der frühere Minister Dölitz in Frage kommt, sowie das Justizministerium, für das verschiedentlich der Kasseler LandKlärung in China. Langsam beginnt sich daö chinesische Chaos I des ewigen Bürgerkriegs zu klaren. Die lang vorbereitete Offensive der Kanton- armee hat weite Gebiete Zentralchinas unter die Gewalt der südchinesischen nationalrevolutionären Regierung in Kanton gebracht, und Peking und SchaiMai gelten bereits als bedroht. Rach Wupeifus RiedeÄage scheint aber Tschangtso- I i n, der als Protege Japans die Mandschurei und Peking beherrscht, seine schlecht entlöhnten und verwahrlosten Truppen nicht mehr gegen die nach russischem Muster auS gebildete Kantonarmee ins Feld stellen zu wollen, zumal sich die japanische Chinapolitik aus die Macht der nativ- nalrevolutionaren Idee Kantons, die sich vor allem 4n der Studenten- und der Arbeiterschaft über das ganze 400-Millionen-Reich ausbreitet, eingestellt hat. Rach Meldungen auS Tokio steht Tschangtsvlin auf japanische Initiative m i t d e r Kantonregierung in Verhandlungen, die darauf hinausgehen sollen, daß sich Tschangtsvlin auf sein eigentliches Machtgebiet, die Mandschurei, an der Japan allein interessiert ist, konzentriert und das übrige China den gegen Peking vordringenden Kantontruppen überwßt. Qltit der Bildung einer nativ- nalrevvlutivnären Zentralregierung in Peking hat daun Japan das eine erreicht, daß sich die Fremdmachte, die heute noch mit ihren imgleichen Verträgen die reichsten Teile Chinas beherrschen, zurückziehen müssen. Am meisten hat England in China zu verlieren. Richt umsonst hat die englische Kaufmannschaft in Hongkong und Schanghais auf eine Flottenaktion gegen die fremden feindlichen Kan- tontruppen in Loudon gedrängt. Japan hat diese Aktion aus begreiflichen Gründen abgelehnt. Inzwischen ist der im Vorjahre von Tschang- tsolin und Wupeifu geschlagene „Christengeneral" Fengyusiang nach mehrmonatigem Aufenthalt in Moskau wieder nach der Mongolei zu seinen Truppen zurückgekehrt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, daß General Fengs Truppen in der Provinz Shansi die Verbindung mit den gegen Peking vorrückenden Truppen des Kanton- aenerals Tschangkaishek ausgenommen Haven werden, um gemeinsam in Peking einmar- > schieren zu können. Feng ist schon vor Wochen in l den Vorstand der in Kanton herrschenden Kuo- min-Partei eingetreten. Die Einheitsfront der national-revolutionären Chinesen gegen die schwache von den fremden Mächten abhängige Pekinger Legierung und gegen die von ausländischem (Selbe lelxnden Generale und Provinzgouverneure ist damit Tatsache geworden. Dieser Tatsache scheint auch England gerecht werden zu wollen, betin Gerüchte aus dem Fernen Osten sprechen davon, daß die reiche englische Kaufmannschaft in Hongkong für die Aufhebung des antibritifchen Boykotts der Kantonregierung eine beträchtliche Anleihe gewährt hat, und daß sich das Londoner Kabinett mit der Frage vertraut gemacht hat, ob es nicht besser sei, heute schon die machterringende Kantonregierung anzuerkennen. England muß nämlich fürchten, daß die Sowjet-Anion, di; geistig und materiell den chinesischen Freiheitskampf unter Kantons und Fengs Führung unterstützt, den Lohn für ihre chinesische Unterstützung damit einstreichen kann, daß eine russisch-chinesische Front gegen das englische Weltreich in Asien in nicht ferner Zeit gebildet werde. Italiens Forderungen an Frankreich. Die Stellung der Italiener in 9torbnfrila. Paris, 6. Oft (TU.) In französischen polt- lifchen Kreisen verlautet, daß bei den Besprechungen zwischen Italien und Frankreich, die zur Zeit aleich- zeitig in Paris und Rom durch die beiderseitigen Botschafter geführt werden, von italienischer Seite folgende vier Forderungen aufgestellt werden: 1. Verlangt Italien eine Abänderung des sran- zosischen Gesetzes, demzufolge die Linder der in Tunis lebenden Ausländer Franzosen werden müssen. Sie sollen statt dessen das Recht auf ihre italienische Staatsangehörigkeit beibehalten dürfen; 2. fordert Italien die Aufhebung der Beschränkung für die Ansiedlung von Italien e r n , die in Tunis und Marokko leben, und denen es bisher verboten war, Grund und Boden zu erwerben; 3. soll sich Frankreich verpflichten, die italienischen Forderungen auf dem Eisenbahn- bau in Abessinien zu unterstützen, und 4. soll der italienischen Regierung das Recht der konsularischen Kontrolle der in Frankreich lebenden Italiener eingeräumt werden. Falls die französische Regierung in diese Forderung einwilligen würde, so wäre Italien bereit, den Status q u o im Mittelmeer ZU respektieren und in der Frage der deutsch-französischen Annäherung keine Schwierigkeiten zu machen. Wie versichert wird, wären alle vier Forderungen für Frankreich unannehmbar. Die langerfrage. Ein neuer Schritt Spaniens. Die ablehnende Haltung Englands und Frankreichs. Madrid, 5. Oft. (LU.) Eine neue spanische Rote in der Tangerfrage präzisiert die Haltung Spaniens in dieser Frage. Spanien gibt hierin der Hoffnung Ausdruck, daß hie Tanger frage von den Kabinetten der direkt interessierten Mächte in günstigem Sinne für Spanien entschieden werden könne. Falls dies nicht der Fall sei, würde Spanien sich gezwungen sehen, das Problem in einer Form auszurollen, die eine definitive Lösung herbeiführen! müßte. Omi non es de Leon, der spanische Botschafter in Paris, hat genaue Instruktionen: erhalten, über die Einzelheiten jedoch noch nicht bekannt sind. Strenge Diskretion während der Verhandlungen wird von Regierunasseite als wünschenswert bezeichnet. Hebet die Besprechung Chamberlain-Driand werden, soweit sie das Tangerstatut betreffen, noch folaertbe Einzelheiten befarmt: In der Frage des Tangerstatuts wäre zwischen beiden 6taat6maimem eine Einigung erfolgt. Danach hätten sich Frankreich und England geeinigt, jede neue Konferenz in der Tangerfrage abzulehnen. Dieser Beschluß fei durch den Wunsch diktiert, die Beteiligung Deutschlands und Rußlands in einer gemeinsamen Besprechung zu vermeiden, da bei einer derartigen Konferenz auch diese beiden Staaten als Unterzeichner des Algecirasabkommens eigentlich eingeladen werden mühten, was man naturgemäß sowohl in Paris als auch in London vermeiden möchte. Die Frage des Tangerstalllts soll nur v on den Regierungen Englands, Frankreichs und Spaniens revidiert werden. Dagegen hätte weder die englische noch die französische Regierung etwas einzuwenden, wenn Italien einen Vertreter in die administrative Verwaltungskommission nach Tanger entsendet. Lord d'Abernon. Englands erster Berliner Botschafter der Rachkriegszeit, Viscount d'Abernon, kehrt am Sonntag endgültig in seine engllsche Heimat zurück. Schon vor Jahr und Tag wollte er seinen verantwortungsvollen Posten verlassen, gab aber immer wieder dem Drängen der Londoner Regierung nach und blieb. Richt vergebens, hatte man Lord d'Abernon nach Berlin geschickt, dem es trotz aller Hindernisse und Schwierigkeiten gelungen ist, sehr bald die durch den Krieg aus- einanbergeriffcnen beiden Rationen wieder zusammen) u führen. Immer und überall hat er versucht, mäßigend und ausgleichend zu wirken, hat mehr als einmal Aktionen der Ententemächte die Spitze abgehoben. Die Berliner Regierung sieht ihn mit aufrichtigem Bedauern scheiden. Sein Rachfolger, der ehemalige Botschafter in Angora, R. Ch. L'mdsay, ist uns im großen und ganzen noch eine unbekannte Persönlichkeit, doch darf man hoffen, daß er den voni Lord d'Abernon eingeschlagenen Kurs irmefcalten und ebenfalls alle Kräfte in den Dienst des deutsch-englischen Freundschaftsverhältmstes stellen wird. Gerade die nächste Zukunft wird an den englischen Botschafter in Berlin sehr hohe Anforderungen stellen, gilt es doch, die in Öacamo begonnene und in Genf fortgesetzte Befriedungspolitik Europas zu einem vorläufigen Abschluß zu bringen, an dem namentlich auch England stark interessiert sein dürfte. Ver Gustav-Adols-Verein in Düsseldorf. Ter Reichsminister Stresemann und Külz ans der Tagung. Düsseldorf, 6. Okt. (TU.) Vor Eintritt in die Tagesordnung der heutigen ersten öffentlichen Hauptversammlung des Gustav-Adolf-Vereins begrüßte der Vorsitzende die versammelten Delegierten und vor ollem die Reichsminister Dr. Stresemann und Dr. Külz. Dr. Stresemann sprach dann dem Verein den Dank für seine besonders dem Auslanddeutschtum gewidmete Tätigkeit aus. Es fei die Eigenart der deutschen Seele, sich in der Not immer fester zu schließen. Das habe Deutschland gerade in der schweren Zeit der Not nach dem verlorenen Kriege dankbar empfunden. Die Arbeit, wie die der von Idealismus getragenen konfessionellen Organisationen, und unter ihnen der vom Gustav-Adols- Verein geleisteten, würde vom Auswärtigen Amt mit dem größten Interesse verfolgt. Auch diese Arbeit sichere das lebendige Verbundensein mit dem Deutschtum in der Welt. In diesem Sinne spreche er seine aufrichtigen Wünsche für den Erfolg der Arbeiten des Vereins auf diesem Gebiet aus. Relchsinnenminisler Dr. Külz wies in seinem breiter angelegten Vortrag auf die Wesensverbundenheit der Arbeiten des Völkerbundes und beispielsweise der Stockholmer Weltkirchenkonferenz hm. Beide Bewegungen seien durch den furchtbaren geistigen Zusammenbruch hervvrgetrieben worden, der eine der schwersten Folgen des Weltkriegs ivar. Die Vachwehen des Weltkrieges und der Zerrissenheit des deutschen Volkskörpers durch den Versauter Vertrag lasteten auf den Gemütern von^ Mu° lionen Auslanddeutschen. Es sei Wille und Ziel der Reichsregierung, innerhalb der verringerten Grenzen keine berechtigte Klage religiöser oder volllicher Minderheiten unberücksichtigt zu lassen. Es ist mir daher auch eine besondere Genugtuung, das Auslandsamt des deutschen evangelischen Kirchenbundes nach Kräften fordern zu dürfen. Diesem Amt tritt als unentbehrliche Stühe der evangelische Verein der Gustav-Adols- Stiftung zur Seite. Ich habe einst persönlich im Kolonialdienst gestanden und daher die Bedeutung deutscher Arbeit im Auslande beurteilen gelernt. Daher habe ich mich als Minister jener Anstalten mit besonderer Sorgfalt angenommen, die im weitesten Sinn des Wortes die Kulturarbeit an den Auslanddeutschen vor- bere'cken sollen. Das Wahlrecht der Ausland- Deutschen. Berlin, 5. Okt. (VDZ.) lieber den Referenten- cntwurf zur W a h l r e f o r m werden voraussichtlich schon im Spätherbst die Besprechungen mit den Landerregierungen und den Parteien stattfinden. In bezug auf die Aenderung des Reichstagswahlrechts haben die Verbände der A u s l a n d d e u t - dien in Eingaben an die Regierung das aktive und passive Wahlrecht für die Auslanddeutschen gefordert. Die Ausübung des Wahlrechts soll an dem Sitze der Gesandtschaften und Konsulate im Auslande erfolgen. Die maßgebenden Stellen haben dazu noch nicht Stellung genommen. Das Wahlrecht der Auslgnddeutschen würde aber die Bekanntgabe des Wahlergebnisses erheblich verzögern, da rund 30 Millionen Auslanddeutsche vorhanden sind, von denen etwa die Hälfte das Stimmrecht ausüben könnten. Die Flaggensrage. Berlin, 5. Okt. (VDZ.) Auf Wunsch der Reichsregierung wird der Reichstag einen Ausschuß aus Vertretern aller Parteien, Künstlern, Heraldikern und Kunstsachoerständigen zusammensetzen, der die Flaggensrage behandeln soll. Von Den eingegangenen rund 1000 Vorschlägen sollen 40, die vom Reichskunstwart gemeinsam mit dem Heraldiker Kekuls und von Siradonitz ausgewählt sind, in die engere Wahl kommen und dem Ausschuß yor- gelegt werden. Das ReichsverwaUungsgerrchl. Berlin, 5. Okt. (VDZ.) Die Ausschüsse des Reichsrats werden am 5. Rvvember mit der Beratung des Gesetzentwurfes über das Reichsverwaltungsgericht beginnen, das nach Artikel 170 der Aeichsverfassung vor geschrieben ist. Trotz des Widerspruches von Bayern und Württemberg legt man in RegierungSkretsen auf die baldige Verabschiedung des Gesetzes größten Wert, da im Jahre 1927 das Gesetz über den Staatsgerichts- - Hof außer Kraft tritt und seine verwaltungsgerichtliche Tätigkeit zu Ende fein wird. Voraussichtlich wird man vorher die Mittel zur Errichtung zweier Verwaltungssenate beim Reichsgericht anfordern. Reform des Strafrechts und des Untersuchungsverfahrens. Berlin, 5. Okt. (VDZ.) Die Ausschüsse des Reichsrates haben am 6. Oktober den neuen Strafrechtsentwurf in Beratung genommen. Der Reichsrat wird voraussichtlich bis zum Frühjahr des nächsten Jahres seine Beratungen darüber beendet haben. Der Entwurf geht dann sofort an den Reichstag. Die Arbeiten der neuen Strafprozeßordnung sollen so gefördert werden, daß die gesetzgebenden Körperschaften sich im Laufe des Jahres 1927 damit beschäftigen können. Das neue Strafrecht und die neue Strafprozeßordnung sollen zu m gleichen Termin in Kraft treten. Die letztere wird das gesamte Untersuchungsverfahren gründlich umgestalten. Wegen bestimmter aktueller Fälle, die die Reform des Untersuchungsoerfahrens als dringend erscheinen lassen, soll gemäß einem Wunsche des Rechtsausschusses biira) eine besondere Novelle alsbald schon Im Untersuchungsverfahren die mündliche Verhandlung vor dem Richter unter Z u - hilsenahme eines Rechtsbeistandes zugelassen werden. Eine amerikanisch-europäische Wirtschaftskonferenz. Paris, 6. Okt. (TU.) Die von Präsident Coolidge für diese Woche beabsichtigte Einberufung einer Konferenz der maßgebendsten amerikanischen Wirtschaftler, auf der das Problem der Schuldensrage diskutiert werden soll, um möglicherweise in einiger Zeit nach der Ratifizierung des französischen Schuldenabkommens eine ähnliche Konferenz unter Beteiligung der Vertreter der europäischen Schuldner st aalen einzuberusen, erregt hier begreiflicherweise großes Interesse. Die erste Folgerung, die man aus dieser Nachricht zieht, ist die Erwartung einer allgemeinen Revision der alliierten Schulden. In linksstehenden Kreisen verweist der „Paris Soir" darauf, daß nicht nur Frankreich zögere, das Schuldenabkommen zu ratifizieren, andern daß selbst die englische Presse das bereits m Wirkung befindliche Abkommen Baldwin-Mellon in Frage stellt. DieAbstimmungindenengUschen Bergwerksbezirken. London, 6. Okt. (WTD. Funkspruch.) Rach dem „Daily Herald" ergab die Abstimmung in den Dergwerksbezirken bisher, daß sich sechs Bezirke mit ungefähr 480 000 Bergleuten gegen den Regelungsvorschlag der Regierung ausgesprochen haben und nur 40 000 Bergleute in Leichestershire dafür. Die Gesamtzahl der Bergleute beträgt ungefähr 1 Million. Rach bem parlamentarischen Berichterstatter der „Limes werde der Vorschlag der Regierung, wenn er von der morgigen nationalen Delegierlen-Konferenz der Bergleute abgelehnt wird, automatisch z u» rückgezogen werden. Rach Ansicht des Blatts nimmt doch allmählich die äleherzeugung zu daß der Kohlenstreik durch die Rückkehr der Bergleute zur Arbeit erlöschen wird. Die Anzahl der arbeitswilligen Bergleute vergrößert sich denn auch von Tag zu Tag. Aus Cardiff wird berichtet, daß die Rotstands- arbeiter in verschiedenen Gruben von der Dergarbeitergewerkschaft zurückgezogen wurden, weil diese Rotstandsarbeiter für die Kohlenproduktion herangezogen worden seien. Noch kein Zusammentritt des Hessischen Landtags. D a r m st a d t, 5. Okt. (Wolff.) Die für den 12. Oktober vorgesehene Einberufung des Plenums des Hessischen Landtags mußte auf unbestimmte Zeit verschoben werden, da die Akten über das Volksbegehren auf Auflösung des Landtages dem Hause bisher noch nicht zugegangen sind. Aus aller Wett. Die Berliner Spritschmugqelaffäre. Vor Ueberführung der drei Brüder Lindemann, die in der Spritschmuggelaffäre verwickelt sind, in das Untersuchungsgefängnis hat Gustav Lindemann im. Polizeipräsidium zugegeben, daß er mit dem noch immer flüchtigen Ingenieur Bauer gemein» fam den Spritschinuggel mit Hilfe der Pachten „Pelikan" und „Inge", Nixe" in Szene gesetzt habe, und zwar will er von Bauer, der ihm durch eine noch unbekannte dritte Person zugeführt sein soll, zu dieser Straftat verleitet worden fein. Bauer habe das ganze Unternehmen selbsttätig vvr- bereitet und habe vor allen Dingen den Ankauf der Motorsegeljacht „Pelikan" von den Deutschen Werken in Kiel vermittelt. In diesem Zusammenhang betonte Gustav Lindemann, daß seine Brüder, Kommerzienrat Karl und Otto Lindemann, vom wahren Sachverhalt und vor allen Dingen von der Bestimung des „Pelikan" nicht unterrichtet gewesen seien, wie sie überhaupt von seiner, Gustav Lindemanns, Mittlertätigkeit nichts gewußt hätten. Die Beamten des Grenzkommisfariats Berlin haben, wie weiter gemeldet wird, einen Schiffer Otto aus Swinemünde, der mit einer Warenladung von 2000 Liter Sprit, die wahrscheinlich von der „Pelikan" stammten, in Berlin eingetroffen war, verhaftet. Allem Anschein nach sind die an Bord der Pacht „Pelikan" befindlichen Spritmengen durch kleinere Boote nach Swinemünde gebracht und dort von Otto zum Weitertransport nach Berlin übernommen worden. Das Unglück im R ckentnnuel. - Das älnglück im Rickentunnel bei St. Gallen hat bereits zu einer Interpellation im schweizerischen Rationalrat geführt. Die Bundesbahn hat das gerichtsmedizinische Institut der Universität Zürich beauftragt, ein Sachverständigengutachten Über die Gasverhältnisse im Rickeirttmnel abzugeben. Rachdem mit einem Versuchszuge der Tunnel durchfahren worden war, wurde der Verkehr wieder freigegeben. Das Fahr- Personal wird mit Gasmasken ausgerüstet. Damit die Züge den Tunnel rascher passieren können, soll die Höchsten nnage erheblich herabgesetzt werden. Dasselbe gilt für Personenzüge. Zum Abfangen der von den Schiefer- und Draunkohlen- lagern herrührenden Erdgase brennt im Tunnel ein sogenanntes ew iges Licht, das aber an dem Anglückstage plötzlich versagte, wodurch die Erdgase in den Tunnel drangen und sich mit den Rauchgasen vermischten. Der Tunnel besitzt keine Entlüftungsvorrichtung. In der Oefsentlichkeit wird erneut dringend gefordert, die Elektrifizierung der Strecke, obwohl sie noch nicht auf dem Programm der schweizerischen Bundesbahn steht, baldigst zu beginnen. Das Wefer-Main-Kanal-Projekl. Durch die Sprengung der beiden Schutzdämme in der Rähe des Werra-Kraftwerkes Spichra bei Eisenach ist in diesen Tagen eine Teilstrecke des Weser—Main-Kanals fertiggestellt. Mit den Arbeiten, bei denen lediglich Rotstandsarbeiter beschäftigt wurden, wurde am 29. März dieses Jahres begonnen. 2n dieser Zeit wurden mit einem Kostenaufwand von rund 220 000 Mark 75 000 Kubikmeter Erdmassen bewegt. Das neue Werrabett umfaßt 22 000 Quadratmeter, während durch Zuschüttung des alten Flußbettes 18 000 Quadratmeter neue Anbaufläche geschaffen wurden. Die Fertigstellung bedeutet einen wesentlichen Fortschritt des Werra—Weser—Main- Kanalprojektes. Eine Autostraße Bingerbrück—Köln. In Bingerbrück fand eine Besprechung über Autostraßen unter Beisein des Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Dr. Fuchs, und der Bürgermeister der Städte Koblenz, Bonn, Köln, der Regierungspräsidenten und Landräte statt. Anschließend daran fand eine Besichtigungsfahrt der Straße Bingerbrück—Köln statt. Die Hauptaussprache galt dem sogenannten Rheinhöhenstraßenproblem. Reichskanzler Dr. Luther in Bolivien. Der Empfang des früheren Reichskanzlers Dr. Luther während seines achttägigen Aufent- halrs in Bolivien gestaltete sich zu einer ungewöhnlichen herzlichen Kundgebung für Deutschland. Die Rede des Staatspräsidenten Dr. B. Saavedra während des Banketts, das zu Ehren Dr. Luthers gegeben wurde, gipfelte in warmen Worten der Anerkennung für das deutsche Volk, das der Präsident als Ruhm und Stolz der europäischen Zivilisation bezeichnete. Ebenso zollte der Präsident der deutschen Art und der deutschen Arbeit hohes Lob. Dr. Luther ist nach Antofagasta (Chile) weitergereist. Amerikanischcr Besuch in Hamburg. Die Gattin des Dürgerme.sters von Reuyork, Walker, ist auf dem Dampfer „Reliance" nach Hamburg abgereist, wo sie die Taufe des neuen Hapagdampfers „Reuyork' vornehmen wird. In ihrer Degle'tung befinden sich der Sekretär des Bürgermeisters und der Sekretär des Polizeidepartements von Reuyork. Zum Abschied hatte sich auch der deutsche Konsul in Reuyork. Heuser, eingefunden. Der Typhus in Hannover. Die Zahl der Typhuserkrankungen beträgt am Dienstagvormittag 1676, die der Toten 185. Im Laufe des gestrigen Tages sind 20 Neueinlieferungen, 28 Entlassungen, 9 Todesfälle zu verzeichnen. Ein Riesenbrand im Spessart. Auf dem Hofgut „Weiberhöfe" bei Aschaffenburg brach Großfeuer aus, das die gesamten Ernte- und Heuvorräte, darunter viel ungedroschenes Getreide, ferner eine neue Dreschmaschine, den Elevator, sowie zahlreiche Wagen und landwirtschaftliche Geräte vernichtete. Mit Hilfe von 12 Feuerwehren aus Aschaffenburg und den nahe gelegenen Dörfern gelang es schließlich, das Feuer auf feinen Herd zu beschränken. Der Schaden wird auf etwa 100 000 Mark geschätzt und ist nur zum Teil durch Versicherung gedeckt. Das Feuer soll durch Selbstentzündung entstanden fein. Wettervorcr-rs^gc. Rachts sehr kühl, tagsüber nur vorübergehend Aufklaren bei ansteigenden Temperatu- ren, außer stellenweisem Rebelregen trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 17,3 Grad Celsius, Minimum: 4,2 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 6,5 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 6. Oktober 1926. Professor Dr. Gustav Roloff. Der ordentliche Professor für neuere Geschichte an der Landesuniversität Gießen, Dr. Gustav Roloff, kann morgen seinen 6 0. Geburtstag begehen. Prost Dr. Roloff wurde am 7. Oktober 1866 zu Ober-Röblingen (Provinz Sachsen) geborem Er besuchte die Gymnasien in Eisleben und Berlin und bestand Ostern 1886 am Joachimthalschen Gymnasium in Berlin die Reifeprüfung. Seinen Studien oblag er in Tübingen und Berlin, 1891 wurde er 5 um Doktor der Philosophie promoviert, 1898 habilitierte er sich in Berlin, wo er vom Wintersemester 1898 bis zum Wintersemester 1908/09 als Privatdozent an der dortigen Universität wirkte. Zum 1. April 1909 wurde er als ordentlicher Professor an die Landesuniversität Gießen berufen. Vom 1. Oktober 1921 bis dahin 1922 stand er als Rektor an der Spitze unserer Alma mater Ludoviciana. Prof. Dr. Roloff kann seinen morgigen Geburtstag in bester Frische und Schaffenskraft begehen. Der Gelehrte erfreut sich als älniversi- tätslehrer und in weiten Dürgerkreisen großer Beliebtheit. Er hat bereits einen großen Kreis von Schülern herangebildet, aus dem sehr tüch- ttge, von ihm angeregte Dissertationen über die Geschichte unserer engeren Heimat hervorgegangen sind. Als Mttglied der historischen Kommission des Volksstaates Hessen und der historischen Kommission für Hessen und Waldeck in Marburg, sowie als Vorstandsmttglied des Ober- hessischen Geschichtsverems hat er der Erforschung der hessischen Geschichte re'ch-e Förderung angedeihen lassen. Seine Vorlesungen, die sich über das weite Gebiet der modernen Geschichte vom Zeitalter der Reformation bis in unsere Tage erstrecken, werden ihres heutzutage besonders im Vordergrund des Interesses stehenden Inhalts wegen nicht nur von den Studenten, sondern auch von den politisch interessierten Gebildeten der Bürgerschaft gern besucht. Mit ganz besonderer Liebe behandelt der Gelehrte stets die Zeit des ersten Rapoleons, die Kriegsgeschichte und die Geschichte der europäischen Kolonisation. Lieber seine Tätigkeit als Dozent und Lehrer hinaus hat Prost Dr. Roloff aber auch als sehr geschätzter Mitarbeiter des „Gießener Anzeigers" der breitesten Oeffentlichkeit in Stadt und Land viele wertvolle Erkenntnisse und Anregungen zur politischen Llrteilsbildung und nationalen Willensstärkung vermittelt. In diesem Zusammenhänge sei besonders auf seine Arbeiten über die Vorkriegsgeschichte und die Klarstellung der Kriegsschuldfrage verwiesen, durch die er vaterländische Aufbauarbeit im besten Sinne des Wortes geleistet hat. Gustav Roloff ist ein Schüler Hans Delbrücks, des Verfassers der „Geschichte der Kriegskunst". Seinem Lehrer verdankt er das lebhafte Interesse für die Kriegsgeschichte, der er zahlreiche größere und kleinere Arbeiten gewidmet hat. Gleich seine Erst- lingsschrift „Politik und Kriegführung während des Feldzugs von 1814. Ein Beitrag zur Geschichte der Freiheitskriege" (1891), wendet sich diesem Gebiet zu. In ihr fetzt er sich vornehmlich mit Wilhelm Dudens Anschauung über einige der Ursachen, die zum Sturze Napoleons geführt haben, auseinander. Hat ihn diese Arbeit zu intensiver Beschäftigung mit dem gewaltigen Korsen geführt, wovon nachher, die Rede fein soll, so ist er doch feinen kriegsgeschicht- lichen Studien treu geblieben, hat sie auf eine breite Grundlage gestellt und auf einen großen Kreis ausgedehnt. Kromayers „Antike Schlachtfelder in Griechenland" reizte ihn zu einer Nachprüfung der in diesem Buche gegebenen Schlachtenbeschreibungen, die er in einer Schrift „Probleme aus der griechischen Kriegsgeschichte" (1913) mit scharfer Kritik als verfehlt bezeichnete. Dann untersuchte er die Organisation des fränkischen Heeres von Chlodwig bis zu Karl d. Gr., beschäftigte sich mit der Schlacht bei Tagliacozzo, mit Moritz von Dranien und der Begründung des modernen Heeres und mit der Kriegsgeschichte des 18. Jahrhunderts. In diesen zahlreichen Arbeiten und Aufsätzen behandelt er das Kriegswesen nicht als gesonderte Erscheinung, sondern sieht es im großen Zusammenhang und in der Entwicklung des staatlichen und sozialen Lebens. Indessen, mehr und mehr wendet sich sein Blick der neuen Geschichte zu, und zwar zunächst wieder zu Bonaparte. Veranlaßt durch das Buch des Franzosen Vandal über Napoleon und Alexander I. untersucht er „Die Kolonialpolitik Napoleons I." (1899), in dem er — weit mehr als der Titel anbeutet — die gesamte überseeische Politik Napoleons der Betrachtung unterzieht. Im nächsten Jahre läßt er in der Sammlung „Vorkämpfer des Jahrhunderts" eine Biographie Napoleons folgen, die auf 215 Seiten in gedrängter Fassung ein lebendiges Bild des Imperators und feiner Zeit entwirft. Damit ist er zum Spezialisten der Napoleonforfchung geworden, an dessen Arbeiten keiner vorübergehen kann, der sich mit demselben Gegenstand befaßt. Erst im vergangenen Jahre hat er eine Neubearbeitung jenes Werkes in Gotha erscheinen lassen. In gewissem Sinne an sein Buch über die Kolonialpolitik Napoleons anknüpfend, erschien 1915 eine Schrift über „Napoleons ägyptische Expedition als Kampfmittel gegen England" und 1916 eine solche, „Die Orientpolitik Napoleons I." betitelt. In einem Bändchen der Sammlung „Aus Natur und Geisteswelt" schildert er schließlich Preußens Wiedergeburt unter dem Titel „Von Jena bis zum Wiener Kongreß" (1914) in einer knappen, die großen Linien klar yerausarbeitenden Darstellung. Schon die hier kurz angeführten Bücher könnten ein Lebenswerk bedeuten, aber die rastlose Feder des Gelehrten hat sich nicht damit begnügt. Ein Buch „Geschichte der europäischen Kolonisation seit der Entdeckung Amerikas" (1913) rückt ihn in die Reihe der Autoritäten der Kolonialg^schichte, die er im Gegensatz zu seinen Vorgängern von der Geschichte des Mutterlandes aus verstehen lehrt, wobei ihm dessen Kolonialpolitik als leitender Faden dient. — Es ist selbstverständlich, daß einen Historiker mit so starker politischer Veranlagung die Probleme, die der Weltkrieg und der Zusammenbruch Deutschlands aufgewühlt haben, stark beschäftigen müssen. So verdanken wir seinen eindringenden kritischen Untersuchungen mehrere Studien verschiedenen Umfangs über Kriegführung und Politik Deutschlands und der ihm, feindlichen Mächte, sei es, daß er „Deutschland uno Rußland im Widerstreit feit 200 Jahren" (1914) zeigt ober „Die Bilanz des Krieges. Ursprung. Kampf. Ergebnis" (1921) zieht. Neben dieser reichen Wirksamkeit als historischer Schriftsteller hat er sich lange Jahre als Herausgeber des „Staatsarchivs" (feit 1893) und des Schultheßschen „Europäischen Ge- schichtskalenders" (1894—1909) in ebenso wertvoller wie entsagungsreicher Arbeit betätigt. Nur mit raschem Blick konnten hier die Werke Roloffs überschaut werden, die vielen in Zeitschriften verstreuten Abhandlungen und Aufsätze, in denen er sich häufig zu den die Gegenwart bewegenden Fragen äußert, mußten sich mit einem Hinweis begnügen. Ihnen allen eignet eine einbringenbe, ruhige unb besonnene Kritik, eine einfache und klare Darstellungsweise, die sich ebenso fernhätt von Farblosigkeit wie von Phrasen, denen bas ganze Wesen des Mannes, auch in feinen Reben, von Grunb aus abholb ist. Um so stärker ist bie Wirkung, bie von ihnen ausgeht. Sie finb nicht allein für den Gelehrten unb Forscher von Wert, viele von ihnen wie „Napoleon" unb bie „Geschichte ber europäischen Kolonisation" fesseln auch ben gebilbeten Laien in hohem Maße. So dienen sie ber Wissenschaft unb sind zugleich im besten Sinne populär. Wenn wir bem auf ber Höhe feines Schaffens stehenben Gelehrten zu seinem 60. Geburtstage unsere Glückwünsche aussprechen, geschieht es zugleich mit bem Ausbruck des Wunsches unb ber Hoffnung, baß er noch viele Jahre im Dienste ber Wissenschaft zum Wohle unseres Volkes wirken möge. Die Ernte des Jahres 1926 im Vogelsberg. Zwei ausgesprochen schlechte Ernten wurden in den Jahren 1924 und 1925 in Oberhessen gemacht. Das Wachstum des Getreides war gut, aber das Erntewetter vernichtete durch Regen, was während des Frühjahrs und Sommers üpvig gewachsen war. Da zu der schlechten Ernte 1924 noch Kapitalnot hinzugetreten war. mußte seitens der Regierung mit Rotstandskredit Hilfe geleistet werden. So schlimm wie im Erntejahr 1924 war es mit der 1925er Ernte nicht. Die Preise aller Getreidearten und auch der Kartoffeln waren aber zu gering, so daß die Erhöhung der Steuern, die Rückzahlung des Rotstandskredites. die Preissteigerung mancher Bedarfsartikel wieder den Landwirt seines Lebens nicht froh werden ließ, und entweder noch mehr fremdes Kapital in die Betriebe eingeführt werden muhte, oder nicht die unbedingt nötigen Ausgaben für Instandhaltung und Reuanschaffung von Maschinen, für bauliche Anlagen, Düngemittel, Saatgut und Kraftfuttermittel gemacht werden konnten. Die Ernte 19 2 6 hat nun endlich dem Druck, der auf der Landwirtschaft lastet, ab» geholfen, so daß nun wieder normalere Verhältnisse eintreten können. Wenn auch der starke Rostbesall den Weizenertrag, je nach dem Zeitpunkt, an welchem er auftrat, schmälerte — einwandfreie Zahlen sind uns nicht bekannt — so ist doch das Sommergetreide trotz Lagerfrucht gut. Der Roggenertrag ist durch den Blasen- fuh verhältnismäßig stark beschädigt worden, wie dieses Infekt auch auf Hafer und Gerste stellenweise 10 Prozent und mehr Aehrenschaden hervorrief. Im großen Durchschnitt kann man je Morgen an Zentnern rechnen: Roggen 10, Weizen 11,5, Hafer und Gerste 15. Die Kartoffelernte ist mittelmäßig: es werden 80 Zentner je Morgen geerntet. Wer eine für seine Verhältnisse geeignete Sorte hat und nicht an Kunstdünger glaubte sparen zu müssen, hat erheblich mehr geerntet. Häufig werden entartete, sogenannte abgebaute Sorten ausgepflanzt, wodurch die Erträge ganz wesentlich sinken. Die Runkel- und Kohlrübenernte ist z. Zt. in vollem Gang. Die Erträge sind auf 200 Zentner je Morgen zu schätzen, was nicht das Mittel übersteigt, wenigstens nicht bei den Runkeln. Die Hülsenfrüchte ergaben ausnahmsweise hohe Erträge. Es wurden von Pferdebohnen 15 Zentner und von Erbsen 12 Zentner je Morgen ausgedroschen. Die Anbauflächen sind bei der Unsicherheit dieser Früchte gering, so daß eine wesentliche wirtschaftliche Stärkung durch die Hülsenfrüchte nicht erfolgt. Die Erträge der Heuernte waren sehr verschieden. Spätfröste hatten in den Tallagen den Ertrag stark beeinflußt. Viele gute Wiesen- gräfer kamen nicht zur Entwicklung. So fehlten von den Untergräfent das W.e'enrispengras und Straußgras, ferner von den Ober* gräfern der Wie>enschwingel und der Glatthafer. Dagegen war der Goldhafer, eines unserer besten Obergräser, außergewöhnlich stark vertreten und ferner die schlechten Gräser Honiggras und Ruchgras. Das Heu konnte gut hereingebracht werden, was für die Gebirgsgegend von größter Bedeutung ist. Grummet gab es sehr viel, denn nun hatten die vom Maifrost beschädigten Gräser sich erholt. Die Ernte kam gut herein. Da es auch sehr viel Stroh gab. so stehen große Rauhfuttermengen zur Verfügung. Diese eine gute Ernte kann bei den niedrigen Preisen der landwirtschaftlichen Erzeugnisse die Schäden der zwei Dorernten nicht ausgleichen und noch eine angemessene Verzinsung geben. _ Aber für die allerwichtigsten Ausgaben, wie für die Löhne, Steuern, Düngemittel und die Erhaltung der Bauwerke, sowie Ersah verbrauchter Maschinen und Geräte, Einführung von frischem Blut in die Herden und von neuem Saatgut sind wenigstens teilweise die Mittel vorhanden. Auch die Rückzahlung des Rotkredttes, soweit sie nicht schon aus den Einnahmen des Jahres 1925 erfolgt ist. muh nun vor sich gehen. Für größere notwendige Reuanlchafsungen, für Meliorationen oder gar Reubauten, die bekanntlich am wenigsten rentieren, sind noch keme Mittel vorhanden, geschweige denn für Rucklagen für zukünftige ungünstige Zeiten. Provinzialaus;chuh-Sitzung. Der Prooinzialausschuß der Provinz Oberhesfen verhandelte in feiner jüngsten öffentlichen Sitzung über folgende Verwaltungsstreitsachen: De rli ch erun gs- und In k a s s o b u rea u von Fritz Nassauer zu Gießen. Das Kreisamt Gießen hatte auf Anregung des Poli^eiamts Gießen den Antrag gestellt, dem Gesuchsteller den Betrieb eines Dersicherungs- und Jnkassobureaus zu versagen, weil er nicht die nötige Zuverlässigkeit in bezug auf Paragraph 35 der Reichsgewerbeordnung biete. Der Prooinzialausschuß wies den Antrag des Kreisamts Gießen als unbegründet zurück und setzte die Kosten des Verfahrens der Staatskasse zur Last. Beschwerde der Firma G. M. Reuß zu Friedberg gegen den Beschluß des Kreisamts Friedberg vom 3. Februar 1926. Durch den vorerwähnten Beschluß hat das Äreisamt Friedberg auf Grund des § 100f, Abs. 1. und des § 100h der Reichsgewerbeordnung und der 8 4 und 7 des Statuts der Zwangsinnung für die selbständigen Sattler und Tapezierer des Kreises Friedberg angeordnet, daß der Tapezierermeister Georg Reuß der genannten Zwangsinnung als Mitglied anzugehören habe. Reuß hielt sich nicht für zwangsinnungspflichtig, da sein Tapezlererge- werbe keinen handwerksmäßigen Betrieb darftclle, nur nebenberuflich ausgeübt werde, und er auch schon Mitglied der freien Schreinerinnung zu Friedberg sei. Der Prooinzialausschuß wies die Beschwerde als unbegründet kostenpflichtig zurück. Gesuch des Karl Fett zu Boben- Hausen II um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft. Karl Fett hat am 21. April 1926 bei der Bürgermeisterei Bobenhausen II um die Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft in seinem Anwesen, Hauptstraße Nr. 30, nachgesucht. In diesem Anwesen bestand vor Jahren schon einmal längere Zeit ein Wirtschaftsbetrieb, der aber später aufgcgeben wurde. Der Gemeinderat und der Bürgermeister haben die Bedürfnisfrage bejaht. Der Kreisausschuß des Kreises Scholten verneinte jedoch die Bedürfnisfrage und versagte die nachgesuchte Erlaubnis. In Bobenhausen II, das 535 Einwohner zählt, sind vier Gastwirtschaften vorhanden. Der Gesuchsteller erhob gegen das Urteil des Kreisausschusses vom 29. Mai 1926 Berufung beim Prooinzialausschuß. Der Prooinzialausschuß gab der Berufung statt und erteilte dem Gesuchsteller die nachgesuchte Erlaubnis. Mit den Kosten des Verfahrens wurde der Gesuchsteller belastet. Gesuch des Otto Bender in Gießen um Zulassung zum F ähren von Kraflfahr- zeugen. Otto Bender zu Gießen hat längere Zeit auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen Kraftfahrzeuge gefahren, ohne im Besitze eines Führerscheins auf Grund des Gesetzes über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen zu jein. Er benutzte einen, ihm von der II. Kraflfahrererfatzabteilung 18 ausgestellten Führerschein, der aber nur während der Kriegszeit auf Grund seines Militärverhältnisses Gültigkeit hatte. Das Kreisamt Gießen trug Bedenken, den Führerschein zu erteilen. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen wies auf Grund der mündlichen Verhandlung vom 15. Mai 1926 das Gesuch des Bender um Erteilung der Erlaubnis zum Führen von Kraftfahrzeugen kostenpflichtig ab. Hiergegen verfolgte der Gesuchsteller Berufung an den Provinzialausschuß. Der Provinzialausfchuß gab der Berufung statt und erteilte unter Aufhebung des Urteils des Kreisausfchusses dem Berufungskläger die nachgesuchte Erlaubnis, vorbehaltlich der Ablegung der erforderlichen Prüfung. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 7.30 Uhr, „Die Medaille" und „Lott- chens Geburtstag". (Ende 9.30 Uhr.) — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Dieb von Bagdad". * ' Eine Personenstands- und Betriebsaufnahme soll nach einer Anordnung des Reichsfinanzministers auch in diesem Jahre, und zwar am 1 0. Oktober, stattfinden. Die Verteilung der Listen erfolgt durch die Gemeinden. —Gin biologischer Fortbildungskursus für Studienräte findet gegenwärtig unter Leitung von Professor Dr. K ü st c r am Biologischen Institut unserer Landesuniversität statt. An dem 14tägigen Kursus nehmen 25 Lehrer höherer Lehranstalten Hessens teil. Lehrausflüge in die Umgebung von Gießen und Wetzlar werden zur Bereicherung des Kurses beitragen. ** D i e Postwertzeichen - Autv- mate. Das Postamt schreibt uns: Bei Benutzung der am Stadtpostamt ausgestellten Wertzeichen- geber wolle folgendes beachtet werden: 1. Es sind stets nicht abgegriffene 10-Pf.-Stücke, die bequem durch die Einwurföffnung gehen, zu benutzen, da nur solche die Apparate in Tätigkeit setzen. 2. Zu groß geprägte 10-Pf.-Stücke mit Gewalt in den Gcldeinwurf einzuführen, ist falsch, denn der Betrieb wird durch das steckenbleibrn.de Geldstück gesperrt. 3. Fehlerhafte Geldstücke werden sonst selbsttätig durch die Auswurföffnung ausgeschieden. 4. Kommen weder Wertzeichen noch; Geldstücke zum Vorschein, so ist nach eurer kurzen Weile der vorhandene Knopf zu drücken. 5. Versagt auch dann der Apparat, wird Mitteilung an Schalter 3 erbeten. 6. Ist ein Wertzeichrn- geber außer Betrieb gesetzt, zeigt es eine den Geldeinwurr deckende Dlechschieibe an. Die Anlage wird im übrigen dem Schutze der Oefsentl^-leit empfohlen. ** Wichtig für Lunge ir kranke! Die Sprechstunden der Fürsorgestelle für Lungenkranke für den Kreis Gießen in der medizinischen Universitäts-Poliklinik zu Gießen finden jeden Mittwochnachmittag von 4 bis 5 Uhr statt. Auswärtigen Kranken, die nur mit Schwierigkeiten in die Rachmittaassprechstunden kommerr können, ist es gestattet, schon in den Dormittags- sprechstunden von 10 bis 12 Tlhr zu erscheinen. Lungenkranke und Krankheitsgesäyrdete, die in ärztlicher Behandlung sind, bedürfen einer Ueber- weisung ihres Arztes an die Lungenfürsorgestelle. Unbemittelte, die eine entsprechende Bescheinigung ihrer Ortsbehorde vorzeigen, werden unentgeltlich beraten. ** Fremdenoorstellungen der städtischen Bühnen in Frankfurt a.M. werden in unserem heutigen Anzeigenteil angekündigt. Es handelt sich dabei um Opern und Schauspiele, die an Sonnlagnachmittagen gegeben werden sollen. Insgesamt sind zehn Vorstellungen in Aussicht genommen. Näheres ist aus der Anzeige zu ersehen. Eine rohe Tat wurde in der Rächt zum Dienstag in der Südanlage vollbracht. Dort vergriffen sich Rohlinge zwischen 12 und 2 Ahr nachts an dem Wetterhäuschen gegenüber der Iohanniskirche. Sie rissen an den Glaskästen des Häuschens die Vorhängeschlösser ab und entwendeten aus dem Inneren die Glasröhre mit Quecksilber und ein Standglas des Wetter- anzeigers. Der Umstand, daß die übrigen Instrumente gestern früh gelockert vorgesunden wurden, läßt darauf schließen, daß die Kerle auch diese Gegenstände mitnehmen wollten: anscheinend sind sie aber bei ihrem üblen Handwerk gestört worden. Der Sachschaden ist erheblich. Die polizeilichen Ermittelungen sind im Gange. Hofsent- lich gelingt es, die Patrone ausfindig zu machen, damit ihnen ein gehöriger Denkzettel verabfolgt werden kann. ** Eine polizeiliche Streife wurde in der letzten Nacht auf die Feldscheunen in der Umgegend der Stadt vorgenommen. Die Beamten trafen in den Scheunen fünf männliche und zwei weibliche Personen an, die festgenommen und der polizeilichen Vernehmung zugeführt wurden. ** D i e Einreise nach Clsah-Loth- ringen. Wie w'.r den „Elsaß-Lothringischen Mitteilungen" entnehmen, hat die Präfektur des Tinter-Elsah . der Presse folgendes zur Frage der Einreise-Erlaubnis nach Elsaß^Lothringen mitgeteilt: „Die Gesuche der deutschen Staatsangehörigen zwecks Erlangimg des Paßvisums Aitr Einreise nach Frankreich sind künsttghin direkt an die französischen Konsularbehörden zu richten. Diese haben den in Geltung gebrachten Ministerialbestimnrungen zufolge allein die Befugnis, die Gesuche zu instruierLn und zu erledigen." Da Allerhei ligen heranrückt, bemerkt dazu die Straßburger „Freie Presse", zu welchem Tage eine große Anzahl einstiger Bewohner von Elsaß und Lothringen die Gräber ihrer Angehörigen besuchen, dürfte es nicht unangebracht sein, darauf hinzuweisen, mit den GesuchRl bald zu beginnen, um einen Andrang kurz vor dem Feiertage und dadurch verursachte Richtberücksichtgung zu vermeiden. Ferner sei daran erinnert, daß auch solchen Familienangehörigen, die keine Toten in Elsaß-Lothringen bestattet haben, die Erlaubnis zum Besuch ihrer Familien gewährt wird. Die Einreisegebühr beträgt 10 Mark. Wir raten aber den Ausgewiesenen, die sich um die Einreiseerlaubnis bemühen, dem frairzösischen Konsulat die Tatsache der erfolgten Ausweisung mitzuteilen. Bei Verschweigen dieses ülmstandes können sie wegen Bannbruchs bestraft werden. Für die preußische Provinz Hessen-Rafsau, die Länder Hessen und Waldeck ist das französische Konsulat in Frankfurt a. M. zuständig. ** D i e Maul- und Klauenseuche ist neuerdings in Steinheim (Kreis Gießen) und ■Bübingen amtlich festgestellt worden. Auf dem älniversitätsgut Unterer Hardthof und in dem Gehöft des Ioh. Stern, Rodheimerstrahe 42 in Gießen ist die Seuche erloschen. Drei Wochen im Walde umhergeirrt. WSR. Weinheim, 5. Okt. Ausflügler aus Mannheim fanden am Sonntag im Walde bei Weinheim, etwa eine halbe Stunde von ter Stadt entfernt, eine ältere etwa 60- jährige Frau in halbverhungert cm Zustande. Sie lag auf einem aus Moos und Gras hergerichteten Lager. Von dem Brot, das man der Frau reichte, nahm sie nur einige Dissen. Allmählich bekam man von ihr heraus, daß sie schon seit drei Wochen im Walde kampiert und sich von Brombeeren und Gras ernährt hat. Die Ausflügler benach- richtigten die Polizei in Weinheim, welche die seit drei Wochen als vermißt gemeldete srau im Sanitätsauto abholen lieh. Sie konnte nicht mehr aus den Deinen stehen. Es soll sich um eine 60 Jahre alte ehemalige Köchin handeln. Der Grund, der die Frau in die Einsamkeit trieb, ist noch nicht bekannt geworden. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) 1. Es war eine starke Rücksichtslosigkeit, daß am Ende der vergangenen Woche den Abonnenten des Stadttheaters im ganzen zweimal zwe.i Stunden zur Verfügung gestellt wurden für Abholung und Bezahlung ihrer Karten, so daß man unter Umständen genötigt war, eine halbe Stunde den unmutigen Gesprächen der Mitleidenden zu lauschen. Wir hoffen dringend, daß für die nächsten sechs Male Abhilfe geschaffen wird. 2. Wer, vom Bahnhof kommend, über den Elfen- bahnsteg gehen will, der steht, starrt und staunt über die Fülle mehr oder weniger beschmutzter, oerfrum- pelter Papiere und Papierchen, die da Herumliegen. In einer sauberen Stadt wie München oder Zurich wäre so etwas undenkbar. Uebrigen» ist es an der Haltestelle der Elektrischen bei den Siechenhäusern nicht viel besser. B. Unsere Gießener Erinnerungstafeln. Im Laufe der letzten Jahrzehnte ist unserer Stadt eine Reihe von Erinnerungstafeln gestiftet worden, dis das Gedächtnis an berühmte und verdiente Gießener Männer lebendig erhallen sollen. Das kann freilich nur geschehen, wenn die Schrift der Tafeln lesbar ift. Leider ist diele aber auf den Tafeln für Professor E r e b n e r (Frankfurter Straße), Hopfner (Sonnenstrahe), von Senckenberg (Brandplatz), Karl Hillebrand (Westanlage) zum Teil völlig verblaßt. Er ist wohl eine Ehrenpflicht der Stadt, für die Erneuerung der Schrift dieser Erinnerungstafeln zu sorgen. ______________________ Sprechstunde» der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen Für unverlangt eingefanble IHanufftlpte ohne beigefngtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen Anzeigenaufträge sind lediglich an die 1 Geschäftsstelle zu richten. .................. mim» ■ i — ineUERBUBG über 12/fillionen OverM^-Zigaretten verbraucht. cAich die neuen frweiterungs- olnlagen haben noch nicht alleT^appheit beseitigen können. * 6?-85 LrnidwiMestsWt n. lanhmrWst- liche Wivterslltüle in Slihön. Mit Genehmiguna des Hess. Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft wird mit Wirkung vom 1. Oktober 1926 in Nidda ein Landwirtschaftsamt errichtet. Die Gemeinden, welche zu dem Dienstbezirk des Landwirtschaftsamtes Nidda geboren, werden demnächst besonders bekanntgegeben. 8155V Auch eine landwirtschaftliche Winterschule ist für Nidda genehmigt. Der Unterricht beginnt am 8. November l. I. Den Herren Landwirten von Nidda und Umgebung wird empfohlen, diele Gelegenheit zu benutzen und ihre Söhne zur hiesigen Sckule zu schicken. Anmeldungen nimmt die Bürger- meisterei bis zum 25. Oktober l. I. entgegen. Nidda, den 27. September 1926. Bürgermeisterei Nidda. Rtngshausen. Saat Roggen „Pctkuscr" I. Absaat von Original 8W6c Saat-Weizen „Criewener Nr. 104" I. anerkannte Absaat vom Original SMWWWN.M Verlangen Sie Ruhr-Brechkoks heizkrättigster, sparsamster Brennstoff für Zentralheizungen. Erhältlich in allen größeren Kohlenhandlungen. flnA Schöne hosmte ul sämtl. leb. n. tot. 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Gießen, den 6 Oktober 1926. 81811) Der Vorstand. 1866 Altersvereinigung 1916 Nachruf. Am 2. Oktober verstarb unser Vorstandsmitglied Herr Max Imheuser im 60. Lebensjahre. Wir verlieren In dem Verstorbenen einen lieben, treuen Altersgenossen und werden ihm stets ein i Scheue giohe, p. Psd. 4V Pf. Hau ö. K. t). 40 Pf. Seelachs o. K. per Pfd. 40 Pf. Laudhrol Laib 65 Pf. Winterzwißueln la hallbare Ware, Ztr. Mk. 4.50 Comleli Pfd.-Tafel 65 Pf. WMMU Pfd. 68 Pf. Lailuller Pfd. Mk. 1.80 ttahmttr 7a Pfd. Mk 1.05 VMM Liebigstrahe 71 Teleph. 1685. hl70c Viehhändler Oberhessens! Habe die vorschriftsmässigen Kontrollbücher zu berabgesetziem Preis abzugeben. Srurlnel Selvett. Giessen, Ederslr. 3. Televbon 679. Achtung! Maschinenm'effer Rasiermesser Scheeren usw. schleift fachmännisch bei billigster Berechnung 8163D Otto Heyder, Messerschmied, Wetzsteinaassc 8. Verschiedenes] Gesang- Unterricht anstimmbegabteDa- men u. Herren wird nach in jahrelangen Praxis erprobter Methode erteilt. Beginn d. Kurie Code Oktober. Melduuger jederzeit 81251) Wei'tanlaae 6. Frau Dr. Meyer Erteile ab 1. Novbr. Unterricht tm weihnähe. u. Banda beiten Anmeldungen nimmt entgegen 087e Frl. Alma Peusch, Kinzenbach. Giessener Str. 115. Student ert. gründl. Nachhilfeunterricht in allen Fächern. Schr. Ang u. 06S83 an den Giess. Anz. oiiiiiiiniiiiiiiniiiiiiiiiiifiiii Buchhalter übernimmt das Beitragen v. Geschäftsbüchern, auch stundenweise. sowie alle kaufmänn. Arbeiten. Schr. Ang. «. 06879 an den Giess. Anz. gminiimimmiinnuiiiiini Damen und Herren, die einem Thealer- verctn iDtleianten) beitreten wollen, Zusammenkunft Donnerstag, 7. Off., 81/- Saalbaa Satter. Neustadt 58. 06876 WblMteu Ederstrasse, mit vielen Obstbäumen, zu verpachten. BSerz, Neuen Baue 23. Am Sonntag Brosche lAndenkenlinKreuz- form nut Silber- sassung, von Lahnbrücke bis Gatl'sche Tonwerke [06895 verloren. Abzug, geg. Belohnt. Rodveim. Str. iS. Vereins ] UL GißOen. Sonntag, lO.Cft: Löhnberg — Merenberg — Weilburg. 5Sld. Abs. 10.21 Ubr. SonntagSkarteWeil- bürg. k8175o Ur. 234 Zweites Natt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Mittwoch, 6. Oktober (926 > ........... ..................... vor einer tschechisch-deutschen Mehrheit zu Prag. Don unserem A. K.-Berichterstatter. Prag, im Oktober 1923. . Die Periode heft ger innerer Kämpfe um dx künftige Mehrye'.tsgeftaltung neigt ihrem C-noe zu. Dx Kette von Skandalaffären uno sensat o- nellen Enthüllungen, dir der Z u sa mm enb r uch der früheren a l l t s ch e ch i s ch e n Ko a 11 = tion zur Folge hatte, hat sich müde ge.aasen, d.e Dorwürfe i nö Drohungen, die die Bundesgenossen von einst in ihrer Parte.presse gegeneinander erhoben, ist sogar verstummt, fest S v e h l c wieder daheim ist und wieder ms unoe- st rill en er Matador des Kompromißhandwe.ks die Zusammenstellung einer brauchbaren Mehrheit für die kommende Hrrbstsession in die Hand genommen hat. Knappe vier Wochen haben seine Verhandlungen gewährt. Cs hat sich herausgestellt. daß die auf tschechischer Seite vielfach noch heimlich genährte Hoffnung auf Wiederkehr dec alten tschechisch-nationalen Koalition eitel ist. Die sozialistischen Parteien haben sich nicht entschließen können, auf die harten Bedingungen der bürgerlichen Tschechen einzugehen und e n r ausgesprochen bürgerlich Orient Allen Politik zuzustimmen. So hat Soehla die andere Dar mrte wählen müssen, eine rein bürgerliche Mehrheit zusammenzustellen, die nun freilich nicht mehr einheitlich national ist, sondern in der die bürgerlichen Tschechen und Slowaken auf die älnterstühung deutscher und un - garischer Stimmen angewiesen sind. Reun Parteien teilen sich in die Ehre der Mehrheitsbildung: Svrhlas tschech sche Agrarer, Schrameks tschechische Klerikale, Kramarschs tschechische Rationaldemokraten, dir tschechische Ge- wcrbepartci, Hlinkas slowakische Klerikale, die deutschen Agrarier und Gewerbetreibenden, die deutschen Christlichsozialen und die ungarische Ra- tionalpartei. Ön die Opposition gehen die beiden tschechischen sozialistischen Gruppen, die Kommunisten, die deutschen Sozialdemokraten und Rat'.o- nalsozialisten, sowie die deutsche Rationalpartei. Die Mehrheit wird über 167 Stimmen verfügen, gegen 133 Oppositionelle. Eben in diesen Sagen weilt Svehla beim Präsidenten Masa.ryk auf dessen Sommersch in der Slowakei, um dem Staatsoberhaupt das Ergebnis der Mehrheitsbildung zu unterbreiten und hauptsächlich die Frage der kommenden Regierung zu lösen. In der Hauptsache geht es um den Kopf des Außenministers Bene sch, er ist jetzt in eminenter Gefahr, ausgeschifft zu werden. Man weiß, daß Benesch am Präsidenten Masaryk eine mächtige Stütze hat. Der Präsident hat seit Jahresfrist, seit die feindliche Strömung gegen Benesch offenkundig geworden ist, keine Gelegenheit vorübcrgehen lassen, ohne zu bekunden, daß er die Weiterführung der äußeren Politik durch Dr. Benesch für eine Lebensnotwendigkeit des Staates halte. Masarhk ist ganz kürzlich noch öffentlich in einem Zeitungsinterview den Gegnern Beneschs energisch über den Mund gefahren. Dennoch scheint es, daß weder diese mächtige Pro- tekton noch der unerwartete Erfolg, den Benesch in Genf purch die Wiederwahl der Tschechoslowakei und durch seine Wiederbetrauung mit dem Dorsih im Völkerbundsrat imstande wären, die schwankende Position noch zu retten. Benesch hat sich offenbar überlebt. Er ist nun sieben Jahre Außenminister, das ist mehr, als ehrgeizige Politiker eines demokratischen Parlaments vertragen können. Kramarsch haßt ihn aus doktrinären Gründen, wegen seiner Rußlanbpvlitik, aber «auch gekränkte Eitelkeit spielt dabei mit, die tschechischen Klerikalen sind ihm seit dem Konflikt mit dem Vatikan spinnefeind, und nun wollen ihn offenbar auch die tschechischen Agrarier den Bundesgenossen von der neuen Mehrheit zuliebe opfern, wobei wohl auch der eine oder andere Agrarier, der außenpolitische Fähigkeiten in der Brust herumzutragen vermeint, sich Hoffnungen auf das erledigte Fauteuil macht. Diese Wendung läßt sich aus der neu aufgetauchten Forderung nach einem parlamentarischen Kabinett erschließen. Dis vor kurzem noch galt es als sicher, daß die neue, national gemischte Mehrheit die derzeitige De- Gießener Ztaditheater. Shakespeare: „Der Kaufmann von Venedig". Der erste Abend der Winterspielzeit, als gutes Borzeichen, als ein festlicher und würdiger Auftakt des Kommenden gedacht, erfüllte die Hoffnungen, dis man auf ihn gesetzt hatte, und über die (von anderer Seite) bereits gesprochen wurde. Dies zuvor. * Die Dichtung nimmt im Gesamtwert Shakespeares eine Sonderstellung ein. Sie wird gemeiniglich — wie bereits erwähnt, nach Schlegel; Gundolf verzichtet in seiner Ausgabe überhaupt auf eine nähere Artangabe — als Lustspiel bezeichnet. Da aus den ursprünglichen drei Kategorien Shake- spearefcher Dramatik, tragedy — history — comedy, für eine tiefergreifende Würdigung des Spieles nicht mehr viel zu gewinnen ist, scheint es geboten, die Schlegelsche Terminologie etwas zu erweitern oder zu präzisieren. Der „Kaufmann" nimmt in der bunten Reihe der Shakespearedramen, die heute und seit je als Lustspiele gelten, ohne Frage eine Sonderstellung ein: er steht, als äußerster Gegenpol etwa zur possenhaften „Komödie der Irrungen", die wiederum, nach heutigen Begriffen, ihren Namen zu Unrecht führt, abseits von den übrigen Stücken der Gattung und, als echte K o - m ö d i e, den Trauerspielen des Briten sehr benach- bart. Bis ganz zuletzt noch wüßte man kaum (wenn man nicht eben von vornherein den guten „Luftspiel"-Ausgang bewußt und beruhigt vor Augen hätte), wie sich die Dinge — zum Guten oder Bösen — wenden werden. Und das tiefsinnige, eikenntnisklare, aus jahrelanger Grübelei gefundene Wahrzeichen Hebbclscher Prägung gilt hier, wie für nicht viele andere Dramen: der Unterschied zwischen dem Tragischen und dem Komischen beruht, innerlich, allein in der Lösung. (Mit „Lösung" ist natürlich nicht, oder nicht ausschließlich, die Schlußszene des fünften Aktes gemeint.) Hiermit scheint die Abgrenzung vom Lustspiel klar gegeben. Gewisse possenhafte Züge sprechen nicht gegen solche Auffassung; sie liegen im Stil Shakespearescher Dramatik und des elisabethanischen Theaters begrün» der wurden die ersten Szenen (bis zum 4. Akt) evheblich zu schnell gesprochen; die Regie hätte hier, schon um der Deutlichkeit willen, emgr eifert sollen. In der großen Gerichtsszene dagegen führte sie ihren entzückenden Part so heiter, anmutig und überlegen, daß man seine Freude daran haben konnte. Franz L. Eisig ist uns nicht mehr unbekannt. Sein Lanzelot Gobbo war die stärkste Talentprobe,, die wir bisher von ihm sahen; ein echt shakespearescher, beweglicher und zungenfertiger Eulenspiegel tanzte ausgelassen über die Szene. Auch Paul Lenau, als Graziano, bot eine abgerundete, gute Leistung und scheint ein tüchtiger Sprecher zu sein. Shylock war Telekh; eine interessante, sorgsam durchgearbeitete Charakterfigur von persönlichem Zuschnitt; echt und ohne Mätzchen in Maske und Sprache, bewÄtigte er die umfängliche und nicht leichte Partie sehr sicher. Bei der großen Rialtoszene konnte man zuerst eine zu frühe Steigerung fürchten, doch wurde der Ausbruch bald überraschend eingefangen und moderiert. Die Gerichlsszenc brachte den bestechenden Höhepunkt, auf den man gewartet hatte. Schubert ols Antonio bot eine ruhige, abgewogene und würdige Gestaltung, die in Ton und Geste der vermittelnden Stellung innerhalb der Figuren und Ereignisse des Spiels gerecht wurde. Als feuriger Liebhaber und treuer Freund bewährte sich der sympathisch-männliche Bassanio G e f f e r s'. In kleineren Partien sah man Gehres leidenschaftlichen Marokkanerprinzen und Kurz- Hoffs ziemlich übertriebenen Arragon (als Da- lerio, später, wirkte er wohltuend beruhigt). Hanke als verliebter junger Kavalier Lorenzo traf geschmeidig den Stil des Ganzen; dieweil Susanne H e y m als zärtlich-scheue Iessika und Alix K r a h m e r, ein schalkhaftes Zöschen Re- rissa, das Terzett der Frauen schlossen. Golls alter Gobbo war eine rührende Mirnatur im malerisch bizarren Formen- und Farbenspiel des venetianischen Stadtbildes. • Besuch und Widerhall dieser ersten Aufführung konnten als ein verheißungsvolles Zeichen für die neue Spielzeit gelten. Dr. Th. amtenregierung in Amt und Würden belassen und unterstützen würde. Rur von einer „Rekonstruktion" war die Rede, freilich mit dem Hintergedanken, daß eine solche Rekonstruktion hauptsächlich die Beseitigung Beneschs zum Ziele haben sollte. Man mag sich aber überzeugt haben, daß cs auf diesem Weg nicht geht; hier wäre d:v Widerstund Masaryls schwer zu überwinden gew sen. Da kam, z erst aus dem klerikalen Lager, die Forderung nach direkter älebmnahme der Regierung durch die neue Mehrheit, nach einem parlamentarischen Kabinett. Dieser Forderung haben sich nun die tichech schen Agrarier an- I geschlossen. Svehlas Organ, der „Venkov" hat eben bei Antritt der entscheid e nden Reise des agrarischen Führers zu Masaryk entschieden erklärt, daß die Agrarier die Deamtenregwrung nur als ein zeitweiliges Auskunftsmittel betrachten und daß für sie nunmehr die Bildung einer parlamentarischen Regierung die aktuellste Frage bilde. Damit erscheint die Lage in einem wesentlichen Punkt geklärt. We:m das Haupt der führenden Partei der neuer Mehrheit beim Präsidenten das Verlangen stellt, dieser Mehrheit die Regierung zu übertragen, dann kann das konstitutionelle Staatsoberhaupt kaum E'nwea- dungen erheben. In einem Parlamentär.scheu Kabinett ist aber für ® r. Benesch kein P l a h. Er hat das Mandat niedergelegt, er ist kein Parlamentarier mehr, und so kann man ihn mit scheinheiligem Bedauern hinauskomplimentieren. Wie groß muß die Abneigung gegen diesen Mann sein, wenn seine tschechischen Widersacher die Schwierigkeiten eines parlamentarischen Kabinetts auf sich nehmen, weil sie dadurch Benesch loszuwerden hoffen. Die Schwierigkeiten aus der Parlamentarisierung der Regierung ergeben sich durch die national gemischte Zusammensetzung der Mehrheit. Bei Fortbestand der Deamtenregierung würden diese Schwierigkeiten nicht so augenfällig werden, ein Beamtenkabinett hätte den älebergang von der tschechischen Koalition zur tschechisch-deutschen Mehrheit erleichtert. Das Problem der parlamentarischen Regierung rollt aber sofort die Frage deutscher Mini st er auf, die Frage der deutschen Mitregierung. Schon während der bisherigen verworrenen Debatte über die künftige Mehrheit haben die extremnationalen tsched)ischen Parteien, die Rationaldemokraten und der chauvinistische Flügel der Klerikalen, einen wahren Eiertanz um die Teilnahme der Deutschen an der Mehrheit aufgeführt. Sie haben sich die Formel zurechtgelegt, daß man es den Deutschen nicht verwehren könne, sich zur Mehrheit und damit zum Staat zu melden. Aber die deutsche Mitarbeit würde nicht „er'auft' werden, keinerlei nationale Konzession würde dafür gewährt. Dem tschechischen Patrioten, dem sieben Jahre lang die Sudetendeutschen als die ärgsten Schädlinge dargestellt wurden, sollte plausibel gemacht werden, daß die Deutschen sich völlig bekehrt hätten und selbstlos ihre Stimmen dem tschechischen Rationalstaat zur Verfügung stellten. Dieses idyllische Gemälde muh durch ein parlamentarisches Kabinett befleckt werden. Denn es ift" eine pure Selbstverständlichkeit, daß in einer parlamentarischen Regierung auch Vertreter des deutschen Teiles der Mehrheit sitzen. Wenn schon deutsche Parteien daraus verzichten, ihren Eintritt in die Mehrheit, die S)ergäbe ihrer Stimmen für Staatsnotwendigkeiten von vorangegangenen Sicherungen und Bindungen darüber abhängig zu machen, daß von nun an der deutsche Teil der Staatsbevölkerung gebührende Berücksichtigung in nationaler, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht finde, daß mit der Beteiligung der Deutschen an der Mehrheit die Aschenbrödelrolle des Sudetendeutsd)tums zu Ende fei, wenn sie sich schon dem schönen Optimismus hingeben, daß auch ohne festen Pakt allein das Gewicht der Tatsachen zu einer Besserstellung der deutschen Bevölkerung im Staate führen müsse, so können sie doch ihren neuen politischen Weg nicht mit dem Empfang einer Ohrfeige beginnen. Eine solche Ohrfeige wäre es aber, wenn jetzt eine parlamentarische Regierung gebildet würde, in der die tschechisch-deutsche Mehrheit nur durch Tschechen vertreten wäre. Von den 167 Mehrheitsstimmen stellen die Deutschen 37, daher hätten sie in einem lögliedrigen Kabinett A n - spruch auf drei Stellen. Sie müßten diesen Anspruch geltend machen, wenn sie sich nicht von vornherein in eine untergeordnete Dienerrolle drängen lassen wollen. Heute ist der Derwaltungsapp.-rai völlig in .schulischen Händen. Trotz dem seit Monaten bekundeten guten Willen der Deutschen ächt man keine Aende - r u n g der Tschechisierungspraris. Rach wie vor wird der Boden im deutschen Sprachgebiet tschechischen Kolonisten zugeieilt und e ansässige arme deutsche Bevölkerung, der Häusler und Kleinpächter geht leer au3; nach wie vor werden deutsche Staatsangestellte auf die Straße geworfen, die deutsche Wirtschaft wird durd) Steuxroeration und Schikane geschädigt, die deutsche Volksbildung durch Schuldrosselunge-n verelendet. Wenn nrn schon daraus verzichtet wird, durch ei.'.en vorangehenden n.t onalen Aus- gkeich die ärgsten Mi,..ände und Demütigungen zu beseitigen, so kann doch nicht überdies noch auf die Kontrollmöglichkeit durch Sih und Stimme in der Regierung verzichet werden. Deutsche Minister haben die Möglichkeit, in Derwaltungs- akte der Regierung Einblick zu gewinnen und Einfluß auszuüben, sie können auf dem beliebten Weg der via facti, den die Tschechen im alten Oesterreich so lange und mit vielem Crsolg gegangen sind, zumindest nationalen Schaden abwehren, wenn schon nicht nationale Vorteile erringen. Wenn die Dem chen in die Mehrheit gehen, aber auf ihren Anteil an der Ausübung der Macht durch die Stellung von Ministern verzichten, weil dies den Tschechen jetzt offensichtlich unbequem ist, dann begeben sie sich in eine Position, die nur zu bald unhaltbar werden muh. Die Parlamentarisierung der Regierung, die die jetzt hingearveitet wird, bietet den Deutschen eine wertvolle Chance; lassen sie sich von dem Hexenmeister Soehla um diese Chance bringen, dann gestaltet sich ihre Beteiligung an der Mehrheit zu einem gefährlichen Experiment für das Sudetendeutschtum. Ferisnsahrt durch das Baltikum. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Von unserem v. äle.-Berichterstatter. L i b a u, im September 1926. Endlich ist es so weit. Die Redaktion ist dem Vertreter übergeben und es kann auf die Serienreife gehen. Ziel — Reval, einst die nördlichste der deutschen Hansa-Städte. älntcrwcgs aber gibt es ein Wiedersehen mit Verwandten und Freunden, mit Schauplätzen von fröhlichen Gelagen, von Dolschewikenkänrpfen, von trüben und heiteren Erinnerungen aller Art. Im Dalti- kum ist es ja auch heute noch so trotz der politischen Grenzen; was zu der deutschen „Gesellschaft" gehört, das kennt sich oder weih doch wenigstens voneinander. Mit dem einen ist man verwandt, mit dem anderen hat man die Schulbank gedrückt, mit dem dritten hat man gezecht oder gejagt und mit dem vierten im Dolschewikengefängins gehungert oder in derselben Schwadron gegen die Roten gekämpft. Das ist unsere Schwäche, aber auch unsere Stärke, das macht aber auch jede Reise durch das Baltikum für den Deutsch-Balten zu einer Erinnerungsfahrt. Wer östlich des Rjemen geboren ist, der reift nach Möglichkeit in der Rächt, einerlei ob er Deutscher, Russe, Pole oder weiß Gott was sonst fein mag. Er tut es, ob auch die wundervollen russischen Waggons 2. Klasse mit ihren breiten Liegeplätzen für jedermann schon längst durch uralte deutsche oder belgische Vorortwagen dritter Güte ersetzt worden sind, ersetzt wenigstens für den, der sich keinen internationalem Schlafwagen leisten kann, und das sind in unseren Gegenden nur noch die Schieber oder Ausländer. So geht denn auch der Zug aus Libau nach Riga erst gegen Mitternacht ab. Dicht besetzt sind die Abteile, und wer nicht zu schläfrig ist, hat die reichlichste Gelegenheit, praktische Sprach und Rassenkunde zu treiben. Deutsch. Russisch, Jiddisch und vor allem Lettisch hört er zum mindesten. Hier, im engen Abteil, vertragen sich die Rassen und Sprachen im allgemeinen so ziemlich. Die Insekten wissen zwar gewisse Eig'n- tümlichkeilen dcs Blutes zu schätzen, leider s.nd aber auch sie von der Forscherneug.er geplagt und verschmähen es nicht, gelegentlich Abwechslung in ihr gewohntes Menü zu bringen. Wenn man das erst gemerkt hat. kommt einem das Tempo des Zuges noch langsamer vor. In der Tat entwickelt er ja auch die erstaunliche Geschwindigkeit von sage und schreibe 27 Stundenkilometern im D rchschnitl. W^r lang'mn fährt, fährt gut. sag: die lettländl'che Eisenbalnner- toaltung, und sie mag nicht so unrecht haben, denn das Schieuenmaterial ist (ex^t und öte Schwellen nicht immer von erster Iugendfr.sche. Endlich ist man aber doch in Riga, gerädert und steif vorn langen Sitzen auf harter Bank, oaer froh, endlich dem Zuge entsteigen _ zu können. Riga ist nach dem stillen, auf den M's- fterbeetat gesetzten Libau mit seinen 350 000 Einwohnern eine vcritable Großstadt. Autos. Autobusse und Fußgänger füllen die engen und winkligen alten Gassen der inneren Stadt bis zmn äußersten, so daß man sich hier nach Westeuropa.- schem Muster dazu hat entschließen müssen, auf den belebtesten Straßen den Berkchr nur in einer Richtung zu gestatten. Richt minder belebt sind die schönen, breiten Boulevards des Anlagenringes. Aber nicht die Autos und nicht das Douleoardviertel sind es. die R'ga sein eigenes und schönes Gepräge geben, sondern immer noch die alten gotischen Kirchen mit ihren schlanken, durchbrochenen Helmkuppeltürmen aus dem 17. Jahrhundert. Jemand hat einmal treffend gesagt, daß diese Türme Riga nicht mehr beherrschen. aber auch noch nicht unterdrückt worden sind: sie kämpfen noch. Wenn man mitten darin ist in dem Gewühl der Stadt, dann merkt man vom hochgemuten Mittelalter höchstens die Schattenseite — die Ende unb die unbequeme Winkligkeit der Stratzenzüge, in denen der Fremde sich um so schwieriger zurechtfinhet. als^ die deutschen und russischen Straßenschilder längst entfernt und nur noch die lettischen übrig geblieben sind. Zum Glück bat man wenigstens in der Altstadt das hier so beliebte Umlaufen der Straßen bleiben lassen. Gewinnt man aber einigen Abstand und siebt sich die Stadt zum Beispiel von einer der staatlichen Dünabrückmr an, so sagt man sich doch, daß die alten Türnae das Eigentliche und das Wirkliche, Ewige in dem malerischen Städtebilde sind, alles andere nur zufälliges Beiwerk. Tiefer und größer noch ist der Eindruck, wenn man eine dieser herrlichen deutschen Dack- steinbauten betritt. Diel schlichter und bescheidener ist ihr Inneres als bei den herrlichen Domen West- und Süddeutschlands, aber darum noch deutscher, noch andächtiger und vielleicht noch gewaltiger. Das mächtige Emporstreben der Pfellerbündel, die hinreißende Höhe des Kreuzgewölbes der Decke zwingt in dem norddeutschen Backsteindom mit unwiderstehlicher Gewalt zu Andacht und Einkehr. In all ihrer schlichten Großartigkeit wirken sie doch niemals nüchtern oder puritanisch. Der Hauch der Jahrhunderte weht hier jeden an, der nicht hoffnungs- und rettungslos im Gegenwartsdünkel des So-Herrlich- weit-gebracht-Habens verflacht ist. Faustisch sind diese Dome und wer hier nicht für Augenblicke wenigstens dem Alltag entrückt wird, der bleibt ein Wagner und dem ist nicht mehr zu helfen. Einzigartig ist der Kreuzgang am Dom. Verläßt man die Kirche durch das nördliche Seitenportal, so kommt man in einen quadratischen Hof. Wuchtig und schwer schließt ihn auf der Südseite die Wand des Domes ab. Die anderen drei Seiten werden von einem Wandelgang gebildet, den einst die würdigen Patres vom Domkapitel zu beschaulichen Spaziergängen beiruht haben. Fast noch romantisch muten die flachen, auf runden Säulen ruhenden Kreuzgewölbe dieses Ganges an. In dem blumenbepflanzten Hof steht ein kurioser Zeuge der ä lieft en Zeit des Landes. Das gewaltige, aus Granit gehauene Taufbecken der Kirche zu älexküll. Die ersten livländischen Bpcyöfe konnten wahrhaftig auch kein zierliches Werk eines Goldschmiedes brauchen, teils weil es die Beutegier der Täuflinge zu arg gereizt hätte, teils weil sie das Taufen an ganzen Dörfern und Gemeinden auf einmal zu vollziehen pflegten. bet und finden sich selbst in Staatsaktionen und Trauerspielen. Es ist bemerkenswert, daß der Dichter schon mit dem Namen seines Werkes dem Kaufmann, einer ziemlich unaktiven Figur, die zentrale Stellung in den Ereignissen und Gestalten zuaewiesen hat. Nicht „Porzia und die Freier", nicht „Shylock" — Antonio, der Kaufmann, der handelnd am wenigsten das Drama führt, ist als Mittelpunkt gewählt, weil in ihm, auf den erst spät sich Blick und Anteilnahme sammelt, die beiden Handlungen, die tragische und die komische (beide finden sich schon, locker gefügt, in der italienischen Quelle) verbinden und vereinigen. Sein Freund ist Bassanio, der zum heiteren Spiel mit Kästchen und Ringen nach Belmont, zur reichen Erbin, chinüberleitet; sein Feind, fein bitterster und unerbittlichster, ist Shylock, dem er, um Bassanio den Weg zu ebnen, verfallen muß. In Shylock drängt die Tragödie des unterdrückten, verachteten, geduldeten Fremdrassigen zur Entladung. Und Shakespeare, der nicht nur ein Dichter, sondern auch ein Schauspieler war, der Kunst und Wirkung des Theaters kannte, wie wenige, treibt in der Tat das Shylock-Drama bis an eine äußerste Grenze — gerade hierin und gerade deswegen ift das Stück Komödie — wo alles, im Sinne des Wortes, auf des Messers Schneide steht. Daß eben Porzia, als Richter verkleidet, den erlösenden Spruch tut, der den Juden in Ungefährlichkert und Machtlosigkeit zurücklpirst, chn aufs neue dem Spott und der Verachtung verfallen läßt — ist zwar unvermittelt und nur flüchtige Lösung dessen, was um Shylock sich entwickelte, ist aber Symbol zugleich und von tieferer Bedeutung für den Sieg der Hellen, leichten, heiteren Hälfte des Dramas, das das Tragische, Schwere und Dunkle eben nur streift. Der beschwingte, fröhliche Ausklang, der die letzten Fäden entwirrt, gehört Bassanio und Porzia, Lorenzo und Jessica, Graziano und Nerissa, den drei glücklich vereinten Paaren des Spiels, und gehört Antonio, dem vor dem Messer des Juden geretteten Kaufmann von Venedig. • Es tut der oben entwickelten Einstellung zum Werke keinen Abbruch, wenn man sich zugleich der Möglichkeit oder sogar Wahrscheinlichkell erinnert. daß man die comedy (wie im Vorbericht angebeutet wurde) zu Shakespeares Zeiten wohl gröber, possenhafter, vielleicht auch absichtlicher auf den Ausgang der Gerichlsszene hin gespielt und eingestellt Hal. Man Hal den „Kaufmann" in unseren Tagen auf die verschiedenste Art auf» geführt; das ist Temperamenlssache. Wesentlich bleibt, im Ganzen die prachtvoll poetische, farbige, zarte und bewegliche Dichtung, eine der genialsten Gestaltungen Shakespeares überhaupt, zu spüren und wiederzugeben. Das heißt: das sichere Gemhl für die dynamische Gewichtsverteilung in den fünf Akten zu bewahren und zum Ausdruck zu bringen. In diesem Sinne ist die Inszenierung des Intendanten Steingoetter als eine klug? und gelungene Regieschöpfung anzusprechen. Aeuher- lich gab sich dies in der Dramaturgie und Szenenführung kund: der Spielwarl hatte, durch Streichungen und Zusammenlegungen, die immerhin 20 Szenen im Text auf acht Bilder vereinigt. In Anbetracht dessen, daß die gerade hier so nützliche Drehbühne fehlte, eine respektable Leistung. Die ersten beiden Bilder hätten übrigens ineinander übergehen können. Auch mit der Zusammenlegung der drei ersten Szenen in Belmont wird man sich einverstanden erklären, obwohl der an sich schon für Shakespeare charakteristische, schnelle und häufige Szenenwechsel gerade irn „Kaufmann" nicht ohne ileberlegung gewählt und innerlich bedeutsam ist. Die einzelnen Bilder und Szenengr^chpen zeigten Phantasie, Farbigkeit, Bewegung und durch leichte Musik untermalte Stimmung. Als besonders gut gegliedert und einprägsam seien nur der serenadenhaft heitere, mit bunten Lichtern blitzende, nächtliche Mummenschanz vor Shylocks Hause, und die starke, gesteigert gespielte, große Gerichtsszene (IV, 1) festgrhalten. Des Bühnenbildners, Löffler, sei hierbei gleichfalls lobend gedacht. • DoS Ensemble war gut. An erster Stelle ist von einigen neuen, ersten Kräften zu sprechen. Maryela Baumann stellte sich dem Gießener Publikum als Porzia vor. Man lernte eine sympathische Bühnenerscheinung und offenbar sehr routinierte Schauspielerin kennen, die über eine Weiche und wohllautende Stimme verfügt. Lei» Don Riga geht es wiederum um Mitternacht weiter nach Pernau. Unterwegs passiert man die Stadt Walt. Früher interessierte dieses recht abstoßende Rest keinen Menschen. Heute ist sie zu einer Art Berühmtheit gelangt nachdem Mister Simpson, der Obmann der est-lett- ländischen Grenzkommission, sein salomonisches Urteil über sie gefällt hat, sein Ucterl, ras im Gegensatz zu dem biblischen Präzedenzfall auch wirklich ausgeführt wurde. Bitten durch Walk geht nämlich die Grenze zwischen Estland und Lettland. Wer an der Straße wohnt, welche die Grenze bildet und zudem die ilnge= schicklichkeit hatte, sein Herz an eine schone Rach- barin von Disavis zu verlieren, der tonnte sich bis vor kurzem einen Passierschern besorgen^ wenn er seine Auserkorene besuchen wollte, und das war wegen der Lästerzungen doch nicht immer angenehm. Jetzt freilich ist das nicht mehr so schlimm denn Auslandspaß und Disum finB im Verkehr zwischen den beiden Nachbarn und Bundesgenossen abgeschafft. Die Walkowiten waren über die Trennung freilich bald genug getröstet, denn der S ch m u g g e l erwies sich als em ganz anständiges Geschält, das seinen Mann schon ernährt. In Walk steigt man in die Kleinbahn — Spurweite 75 Zentimeter. Wer das fahren in ihr nicht gewohnt ist, den überläuft eine gerrnde Gänsehaut. Bergauf kommt man in Versuchung, zu Fuß voraus zu eilen, bergab aber vergeht einem Hören und Sehen, wenn das Züglein ein wahrhaftiges Aurmi-Tempo (jetzt muh man ja eigentlich besser Pelher-Spurt sagen) anschlagt. Aach achtstündiger Fahrt ist Pernau erreicht. In diesen 8 Stunden find ganze 150 Kilometer zurückgelegt. Pernau, ein Städtchen von zirka 20 000 Einwohnern, ist eine der ganz wenigen Ortschaften hier, die ihren Lebenszuschnitt im Vergleich zur Vorkriegszeit nur verhältnismäßig wenig hat zurückschrauben müssen. Diesen Vorzug verdankt sie dem Umstand, daß sie auch vor dem Kriege mit Rußland ihrer schlechten Eisei^ahn- verbindung wegen so gut wie keine Geschäfts- beziehungen unterhalten hat und zudem über em flachs- und hvlzreiches Hinterland verfügt, von dem ihr bescheidener, aber solider Seehandel noch heute recht behaglich leben kann. Insbesondere ist die verhältnismäßig zahlreiche deutsche Bevölkerung Pernaus noch immer weit besser situiert, als die verarmten Volksgenossen in den allermeisten anderen baltischen Städten. Wie jede baltische Stadt hat auch Pernau seine „Muhe", den deutschen Honoratiorenklub, in welchem man sich zum Dämmerschoppen oder auch zu einer ausgiebigeren Sitzung trifft, um Bacchus ein Lspser zu bringen. Und da die Pernoviter sich das noch öfter leisten können, geht es in der Pernauer „Muhe" auch noch recht lebhaft zu. Freilich sind auch hier ein rnähiges Bier und der gute estländische Schnaps zu einem kräftigen Imbiß die einzigen gangbaren Getränke. Eine Flasche Wein kann eigentlich niemand vor seinem Portemonnaie verantworten und wer es ausnahmsweise doch könnte, der unterläßt es aus Rücksicht auf andere weniger Glückliche. In Pernau läßt es sich aber nicht nur wegen der Muhe recht angenehm leben. Prächtig sind hier die sehr ausgedehnten, sehr gut gepflegten Anlagen am Strande. Die Esten haben den Ehrgeiz, es in allen Dingen den Finnländern gleichzutun und so geben sie sich auch die erdenklichste Mühe, das Volk an Sauberkeit und Ordnung zu gewöhnen. Mit Hilfe von recht strengen Polizeistrafen ist ihnen das denn auch ziemlich gut gelungen. Butterbrotpapier, leere Zigarettenschachteln und zerbrochene Flaschen gehören wenigstens zu den Dingen, die auf Wegen und Rasenplätzen nickt zu sehen sind. Reizvoll ist in Pernau auch die innere Stadt. Kontore und Läden sind hier vielfach von Generation zu Generation in der gleichen Familie vererbt worden und ihre Besitzer haben es nicht an Pietät Professor Voronoffs Affeuzüchtere?. Lin Jnllroiew mit dem Meister der Verjüngung. Bon unserem Pariser W. S.-Korrespondenten. Ist es ein Zufall, daß es unter den Aerzten und Botanikern, die sich vornehmlich mit dem Problem des Lebens und des Todes, der Unsterblichkeit und der Verjüngung beschäftigen, so viele Russen gibt? Oder ist diese Tatsache auf die russische Psychologie zurückzuführen und die Vorliebe der Russen für die Philosophie? Metschnikofs, der in seinem Laboratorium in Odessa sich fast ausschließlich mit der Unsterblichkeit befaßte und jahrelang Nachforschungen darüber anstellte, wie das Leben eines Individuums, allen Naturgesetzen zum Trotz, verlängert werden könnte, hat heute zwei Nachfolger in Paris: der eine ist Metalnikoff, der hauptsächlich das Leben der Pro- tozoeme studiert, der andere Dr. Serge V o r o n o f f, der mit seinen sensationellen Verjüngungsoperationen Weltruf errang. Ersterer arbeitet gegenwärtig im Institut Pasteur und hat kürzlich ein neues Büch „Immortalite et rejeunissement dans la Biologie moderne“ herausgegeben; letzterer ist seit 1918 Professor am berühmten College de France. Metalnikoff ist vor den Bolschewisten aus Rußland geflüchtet! Voronoff lebt schon seit seinem 17. Jahre in Paris, zusammen mit seinem Bruder Georg, der selbst Arzt ist und ihn in seinen wissenschaftlichen Forschungen unterstützt. Voronoff hat auch die Pariser Universität absolviert. In der letzten Zeit ist der Name Voronoff in Paris wieder in aller Munde, besonders seitdem bekannt geworden ist, daß er an der Riviera eine eigene Affenzüchterei errichten wollte. Auf zwei Pariser Bühnen zugleich spielt man gegenwärtia Voronoff, im Tbeätre de la Madeleine macht der „Docteur Miracle“ Abend für Abend volle Hauser. Es gibt kaum einen Komiker in Paris, der die Der- jüngungsoperationen nicht in allen Tonarten besänge: es ist ein zu dankbares Thema. Professor Voronoff wohnt in der Nähe des Etoile, in der Avenue Bugeaud. In einer besonders vornehm ausgestatteten Wohnung mit mehreren Laboratorien und Operationsräumen arbeitet er an der Verjüngung der Menschen. Es ist ein Mann den alten Stammhäusern gegenüber mangeln lassen. Daher kommt es. daß man in Pernau so manche unverschandelte Fassade in sch lick) ter Bürgerrenaissance oder behäbig kleinstädtischen Barock sieht, so manches alte reichgeschnitzte Portal. Wer von Pernau weiter nach Reval will, hat die Wahl zwischen Dampfer, Kleinbahn oder Auto. Wir wählen das letztere, schon weil die Reise so rund viermal schneller vonstatten geht. Unterwegs machen wir einen kurzen Besuch bei einem enteigneten Gutsbesitzer, der, wie so viele, viele andere nur das karg bemessene Ansiedlerstück übrig behalten hat. Der Hof ist unter den neuen Besitzern verwahrlost, die Wirtschaftsgebäude verfallen. Am trübseligsten schaut das einst so stattliche Herrenhaus drein. Erst nach einigem Umherirren in den früher so stattlichen Sälen und Zimmern, die teils zu Küchen, teils zu Speichern und teils zu Schrllzimmern umge- wandelt sind, finden wir durch einen dunklen Keller die Treppe zu den zwei Räumen, die der frühere Besitzer mit seiner zahlreichen Familie nod) bewohnen darf. Auch diese muh er demnächst verlassen und er baut sich bereits neben seinem einstigen Herrensitz ein sehr, sehr bescheidenes Häuschen. „Aber das ist dann wenigstens mein eigen“, meint er tapfer. Wir haben uns viele Jahre nicht gesehen und der Fragen gibt es kein Ende. Arbeiten müssen sie alle wie die einfachen Knechte. Die jüngsten Kinder als Dieh- hirten, die größeren auf dem Felde und im Hause. Die älteste Tochter, ein bildhübsches Mädchen, hat eben die Schule beendet. Ihr sehnlichster Wunsch, sich zur Kunstgewerblerin ausbilden zu lassen und so den Grund zu einer eigenen Existenz zu legen, kann nicht erfüllt werden. Sie muß der Mutter in der Wirtschaft helfen und den jüngeren Geschwistern die Lehrerin ersehen. Wie die Leute es bei ihrer bitteren Armut überhaupt noch ermöglichen, den Jungens und Mädchen eine gediegene Schulbildung zu verschaffen, das begreife ein anderer. Aber e s geht. Sich nicht unterfriegen lassen, den Kindern den Wiederaufstieg in die höheren sozialen Schichten zu ermöglichen, ist das mit eiserner Konsequenz und völligem Verzicht auf jeden Schimmer von Einst verfolgte Ziel. Sie werden es erreichen. Je mehr wir uns Reval nähern, um so karger wird die Landschaft. Wenn sie nicht so flach wäre, wie der Handteller, könnte man glauben, auf einer Hochgebirgsebene zu fein. Aur statt des Knieholzes Wacholdergestrüpp, statt Basalt oder Granit Kalksteingeröll und Findlingsblöcke. Das ist Harrten, der Revaler Kreis, wie er von den Russen umbenannt wurde. „In Harrten, da leben die Kargen" sagt ein alter estländischer Spruch. Erst ganz dicht vor Reval wird die Landschaft wieder freundlicher, die Gegend fruchtbarer. Reval hat sich äußerlich wenig verändert, seit es die Hauptstadt eines selbständigen Freistaates geworden ist. Unverändert ragt St. Olei in wundervoller Schlankheit fast bis in die Wolken empor, unverändert majestätisch und drohend wuchtet der Domberg üper der Stadt. Hier ist geschichtlicher Boden und jeder Stein erzählt von einer stolzen Vergangenheit. Wie oft haben sie dich berannt, die Esten, die Moskowiter und die Schweden, wie oft aber auch warst du die Stätte, wo Fehden zwischen Adel und Bürgern, zwischen Orden und Bischöfen ausgetragen wurden. Roch heute gilt auf dir ja das „Landrecht" und unten das „Stadtrecht". Hier auf dem Dom hatte noch bis vor kurzem der Landadel seine Stadthäuser. Heute trifft man die alten geschichtlichen Aamen nur noch vereinzelt an den Hausschildern. Sie haben neuen weichen müssen, auch eine der indirekten Folgen der Agrarreform. Auch in der unteren Stadt hat sich dev mittelalterlich-deutsche Charakter äußerlich wunderbar schön erhalten. Roch stehen die spitzgiebeligen von etwa 50 Jahren, glatt rasiert, ein echt russischer Typ, mit klugen Augen, schon etwas kahl. — „Ich bin es gewohnt, daß man sich über mich lustig macht," meint er verbindlich lächelnd, „ausnahmsweise aber haben die Zeitungen dieses Mal recht: ich werde tatsächllch eine Affenfarm an der Riviera einrichten, und zwar in der allernächsten Zeit. Falsch ist indessen alles, was man im Zusammenhang damit über meine Affenexperimente in den Zeitungen weiter geschrieben hat. Ich brauche viel mehr Affen, als ich mir heute verschaffen kann, vor allen Dingen muh ich mich freimachen von einer englischen Firma, die mit die Affen verschafft und es versteht, mich glänzeitd geschäftlich auszunützen". „Wie unterscheidet sich, Herr Professor, Ihre Derjüngungsmethode von der des Professors Steinach in Wien?" — „Diese Frage ist für den Laien nicht leicht verständlich zu beantworten. Beide arbeiten wir an den Versuchen, die Funktionen der abgezehrten Drüsen wieder zu beleben. Professor Steinach erfrischt die Drüsen durch einen operativen Eingriff, ich operiere aus dem warmen Körper lebender Affen die Drüsen heraus und wiederbelebe mit diesem lebensfähigen Drüsenstoff die Funktionen der abgezehrten menschlichen Drüsen. Durch diesen Eingriff verjüngt sich der Mensch in vielen Fällen, während der Affe kurz nach der Operation eingeht. Ich kann also lediglich nur operieren, wenn mir genügend Affen zur Verfügung stehen." — „Und welche Affenarten benötigen Sie für Ihre Operationen, sind dies bestimmte Rassen?" — „Selbstverständlich kommen nur die sogenannten Menschenaffen in Frage, aber auch die nur mit Einschränkungen. Merkwürdigerweise scheidet der Gorilla fast vollständig aus, ebenso der Orang- Utan in den allermeisten Fällen. Ich bin lediglich angewiesen auf den Schimpansen und seine Verwandten. Die mir die Schimpansen liefernde englische Firma ist nicht imstande, mir genügend lebendig gefangene Schimpansen zu verschaffen. Diele davon sind unbrauchbar, besonders trenn sie zu jung oder schon zu alt sind. Ein besonderer Mangel besteht an lebendig gefangenen Schimpansenweibchen: dies ist der äußere Grund, weswegen ich die Zahl meiner weiblichen Klienten auf ein Minimum reduzieren muh." — „Und weshalb wollen Sie, Herr Professor, diese Afsen- Patrizierhäufer, noch zieht die alte Stadtmauer mit ihren unzähligen Türmen und Türmchen fast um die ganze Innenstadt einen steinernen Ring. Aur die „Dicke Margarethe", der klobige Turm an der „Strandpsorte" ist hohläugig geworden. Die Bolschewiken haben sie ausgebrannt und nod) ist sie nicht restauriert worden. Trotz allem und allem pulsiert aber auch in Reval noch ein kräftiges deutsches ßeben. Sie wollen sich nicht unterfriegen lassen und sie werden es nicht, denn sie sind zäh, die Deutschbalten, und ihre Geschichte war seit je ein schier verzweifeltes Ringen auf äußerstem Vorposten. Mit diesem Bewußtsein schließen wir unsere Feriensahrt ab und kehren heim zur Arbeit des Alltags. Oberhessen. Lanvkreis Gießen. :—: Aus dem Busecker Tal, 5. Oft. Die <5pätf utter ernte hat in diesem Jahre alle Erwartungen übertroffen. Der Stoppelklee ist soweit herangewachsen, daß er eine vorzügliche Ernte ergibt und sogar schon Blütenköpfe trägt. Die ältesten Leute können sich nicht entsinnen, daß im Oktober noch Stoppelklee auf der Beite gelegen hat zum Dürrmachen. Die im Vorsommer auf Winter- samenäcker gesäte Futtergerstc haben einzelne Landwirte infolge der reichen Kleeernte nicht benötigt und ausreifen lassen, so daß jetzt diese Gerste zum Ausdrusd) der Körner geschnitten werden kann. Ebenfalls sehr gut ist die Maisernte. Der Mais, der im Frühsommer sehr unter der Nässe und der kalten Witterung gelitten hatte, hat sich prachtvoll entwickelt und eine Höhe erreicht, wie in wenigen Jahren. Stengel von drei Meter Höhe sind keine Seltenheit; in Oppenrod wurde auf gut gedüngtem Boden Mais von 3,75 Meter geerntet, und in Großen-Buseck hat man sogar solchen von 4,20 Meter gemessen. : Oppenrod, 5. Oft. Der Bau unseres Kirchturms geht seinem Ende entgegen. Das Einholen der neuen Glocken wurde in feierlicher Weise vollzogen. Nachdem die Glocken vor unserem Dorfe angenommen waren, wurden sie burd) die Schulkinder mit Mumen geschmückt und unter Begleitung von Schulfindern und Erwachsenen in feierlichem Zuge in das Dors eingeholt. Vor der Kirche wurde Halt gemacht. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Kalb he nn aus Großen-Buseck, sprach zu Herzen gehende Worte, Gemeinde und Schulkinder fangen Lieder. Die beiden Glocken hänge schon an ihrem Bestimmungsort. Das Probeläuten ist xur größten Zufriedenheit der Einwohner ausgefallen. Bis in wenigen Tagen wird auch die neue Turmuhr fertig 'einmontiert fein. Die Einweihungsfeierlichfeiten finden am nächsten Sonntag statt, bei günstigem Wetter auf dem Platz vor unserem Kirchlein. Der Superintendent für Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner, wird voraussichtlich der Feier beiwohnen. f ©riinberg, 5. Olt. Auf Einladung des hiesigen Landwirtschaftsamtes batten sich am Samstag zahlreiche Landwirte von hier und aus der Umgegend im „Rappen" versammelt, um einige bedeutsame Vorträge über wichtige landwirtschaftliche Fragen zu hören. Aach den Degrüßungsworten des Leiters des Landwirtschaftsamtes, Direktor T r aut- rn a n n , sprach zunächst Amtsveterinärarzt Dr. Stein- Gießen über die Diehtuberkulose. Eingehend schilderte er zuerst die verschiedenen Tubeickulosearten und deren Crkennungsmerkmale. Er wies weiter auf die Bekämpfungsmöglichkeiten hin und empfahl, keinen Viehwechsel vorzunehmen. sondern Auszucht zu treiben. Ferner betonte er die Zweckmäßigkeit dec rechtzeitigen' Impfung und die Rotwendigkeit guter und reichlicher Ernährung des Viehes, guter Stalluft und reichlicher Bewegung des Viehes im Freien. Direkt) r Traut mann sprach über M a h - farm ausgerechnet an der Riviera anlegen?" — „Weil dort das denkbar beste Klima in ganz Europa hierfür herrscht. Ich habe lange nach einem dazu geeigneten Besitztum geiucht, jetzt habe ich es gesunden, es liegt direkt an der italienischen Grenze bei Vintimiglia im Borisso-Tal. Hier herrscht wohl das mildeste Klima der gesamten Riviera." — „Haben Sie schon Mißerfolge mit Ihren Operationen zu verzeichnen gehabt?" — „Ach, Sie meinen wohl die jüngsten Angriffe der italienischen Blätter gegen mich, anläßlich meiner Dortragsreise und einiger wohl- gelungener Operationen in Florenz? Ich darf Ihnen versichern, daß sich von meinen gesamten bisherigen Drüienverpflanzungs-Opera- tionen bisher nod) keine als schädlich erwiesen hat. Manche Operationen sind freilich erfolglos geblieben, zum größten Teil deshalb, weil mir das geeignete Tiermaterial nicht zur Verfügung stand. In den meisten dieser Fälle war das Alter der Affen nicht immer genau festzustellen und entsprach daher nicht dem Alter des Patienten." — „Und was sind Ihre Patienten?" — „Leute aus allen Teilen der Welt. 1925 habe ich allein in Paris 200 Menschen operiert. Gegenwärtig operiere ich wöchentlich 5 bis 6 Patienten, so daß ich in diesem Jahre in Paris wohl 300 bis 350 Operationen zu machen haben werde." — „Handelt es sich hierbei um eine ausgesprochen schwierige Operation?" — „Keineswegs. Die gesamte Operation ist durchaus keine große Sache. Sie nimmt kaum eine Stunde Zeit in Anspruch. Unzählige Patienten melden sich, ich könnte vielen von ihnen helfen, wenn mir genügend Affen zur Verfügung ständen. Am schlimmsten ist es mit den Schimpansenweibchen. Auf jedes einzelne, das jetzt noch in den Urwäldern Afrikas herumklettert und für mich gefangen werden soll, sind schon mindestens 50 Frauen vorgemerkt, die sich verjüngen lassen wollen." — „Und was kostet eine solche Operation, Herr Professor?" — „Selbstverständlich sehr viel Geld. Allein, jeder Affe, den ich für die Operation benötige, kostet mich 3—15 000 Frank. Sie können sich also selbst den Kostenpunkt einer solchen Operation leicht ausrechnen." Die Verjüngung ist also nicht nur eine Assen-, sondern auch eine Geldfrage. — Die Adresse des nahmen zur Förderung der Gesundheit des Viehes. Besonders beschäftigte sich der Redner mit dem Hallen des Diehes in kleinen und großen Ställen und mit der Zucht in der hiesigen Gegend. Entschieden verurteilte der Vortragende die planlose Kreuzungsmethode, wie sie hier und da herrscht. Für unsere Höhenlage käme nur das Rotvieh und der mittlere Schlag der Simmenthaler in Betracht. Weiter beschäftigte sich der Redner mit den Fragen der Dullenhaltung und empfahl dringend, reinrassiges Vieh zu züchten und der Milchleistung in Qualität und Quantität größte Aufmerksamkeit zu schenken. Diplom-Landwirt Wien-Köln sprach über Rentabilitätsfragen der Landwirtschaft und zeigte an Hand von Filmvorführungen die Vorteile, die der Landwirtschaft bei der richtigen Verwendung künstlicher Düngemittel zuteil werden. Sämtliche Vorträge wurden von der aufmerksam lauschenden Zuhörerschaft mit starkem Beifall belohnt. — Der Gemeinderat beschäftigte sich gestern eingehend mit verschiedenen Fragen des Diehmarktes auf dem in Kürze bevorstehenden Gallusmarkt. Heber die erforderlichen Maßnahmen wurde Beschluß gefaßt. An dem ursprünglich gefaßten Beschluß betr. die Führung der Autostraße durch den Baumgarten, Dismarckstraße usw. will der Gemeinderat festhalten, jedoch kleinere Aenderungen ncch gestatten. Ende dieses Monats soll an dem Gedenkstein für den im Weltkrieg gefallenem General Steinmetz, eines geborenen Grünbergers, eine Feier stattfinden. Der Gedenkstein ist bereits mit einer Widmung für den gefallenen General versehen. ch Lich, 5. Oft. Seit einigen Wachen liegt der an der Gießener Straße befindliche Albacher See trocken. Die großen Schilfmassen, die der See in sich birgt, werden eben durch Landwirte aus den benachbarten Ortschaften Steinbach, Albach und Burkhardsfelden eingeerntet und abgefahren. Das Schilf, das in früheren Jahren namentlich von Küfern gekauft wurde, dient heute als Streumittel für das Vieh. Es wurde durch die Fürstliche Verwaltung in Losen an die interessierten Landwirte abgegeben. Mit dem Abschnsiden der Schilfmassen ist den Staren, die sich hier zu vielen Tausenden aus der nahen und weiten Umgegend einfanden, der allabendliche Zusammenkunftsort genommen. Sie haben indes einen kleinen Ersatz gefunden in dem Schilf des vor einigen Jahren neu angelegten Teiches, wenige Minuten westlich des großen Teiches. Auch der größere Teil des auf dem großen Teich lebenden Wassergeflügels ist auf den neuen Teich Übergesiedelt. In den frühen Morgenstunden und während der Abenddämmerung kann man ungezählte dieser Teichbewohner beobachten. Am meisten vorhanden ist das grünfübige Rohrhuhn (Gallinula chloropus) und das Bläßhuhn (Fulica atra) mit dem rabenschwarzen Gefieder und der glänzend weißen Hornplatte an der Stirn. Nakursreunden ist ein Herbstgang an diese Teiche sehr zu empfehlen. # L i ch, 4. Oll. Wie in früheren Iahrem, so fanden auch diesmal wieder unter Leitung der Lehrer die Reichsjugendwettkämpfe der Schulen statt. Cs beteiligten sich daran die Schüler der beiden letzten Jahrgänge und der zu Ostern konfirmierten erweiterten Klasse, im ganzen 48 Knaben und 62 Mädchen. Von diesen gingen 21 Knaben und 17 Mädchen als Sieger aus den Kämpfen hervor. Für die Knaben war ein Fünfkampf: Lauf (100 Meter), Weitsprung (4 Meter), Ballwurf (50 Meter mit Schlagball) und zwei Geräteübungen (Reck und Darren); für die Mädchen ein Dreikampf (volkstümliche Uebun- gen) vorgeschrieben. Am schwächsten waren die Leistungen im Balliverfen, das besonders den Mädchen gar nicht liegt. Unter den Knaben errang Wilhelm Starck mit 86, unter dry Mädchen Karoline K ü b l e r mit 59 Punkten den ersten Sieg, Pariser Verjüngungsprofessors steht in keinem Pariser Adreßbuch, auch nicht im Televhonver- zeichnis. Kein Türschild in der Avenue Dugea 'd bezeichnet seine Wohnung, trotzdem geht man dort immerwährend ein und aus. Unendlich groß ist die Zahl der Menschen, die sich von ihm verjüngen lassen wollen. Frankfurter Theater. „Der R u b i T o n", eine dreiaktige Komödie von Eduard Dourdet, gelangte im Aeuen Theater zur Erstaufführung. Diese Komödie strotzt von Eindeutigkeit; es werden die peinlichsten Dinge besprochen und immer wieder aufs genaueste zum Gegenstand des Dialoges ge= macht, daß man die Lacher im Zuschanerraum ob ihrer Heiterkeit bewundern muh. Der Inhalt ist so dünn in Idee und Aufbau, daß er kaum für drei Alle ausreicht und infolgedessen starker Streckung bedarf. Ein junges Paar kommt von der Hochzeitsreise zurück, sie ist jedoch nur der äußeren Form nach die Gattin ihres Mannes geworden. Ein Jugendfreund ersd)eint auf der Bildfläche und glaubt mit Erfolg der Dritte im Bunde zu werden, als er aber um das Geheimnis dieser Ehe von der jungen Frau erfährt, bekommt er Angst, weist sie auf den Weg der Pflicht und — stellt sich selbst als lockenden Preis jenseits des Ufers in Aussicht. Natürlich kommt eä anders, der Rubikon wird überschritten, das Ehepaar geht das zweitemal auf die Hochzeitsreise, und der allzu schlaue Liebhaber geht leer aus. Drei Akte werden mit diesen, recht wenig geschmackvollen Problemen angeiüdt, und die Durchsichtigkeit nimmt dieser Komödie Ben; eventuellen witzigen Beigeschmack. Die Auffüh-' rung unter der Regie Max O p h ü l s gab sich redlich Mühe, etwas aus dem Stück herauszu- holen, das gleiche gilt von der Darstellung. Die markanteste Erscheinung des Abends war der Jugendfreund Francois Karl Günthers; er war eigentlich der einzige, der in diese Komödie Humor brachte. Hertha Hambach, in eleganter Aufmachung, entledigte sich ihrer Ausgabe ein wenig kühl. Auch Paul Oe Ilers schien sich in der undankbaren Rolle des Gatten nicht so recht wohl zu fühlen. Das Publikum war aber anderer Ansicht und amüsierte sich. L. W. EOS 23 Nachdruck verboten. 8. Fortsetzung. Ttroeifchöiißjöear-Qebäche V einfach und leicht zu backen nach Dr. Oetkefs beliebten Rezepten: Vanille- Gebäck Heidesand Ladenverkauf «preise > Vanille 8 Pfg-, Eh*ad>e-Hülfe 7 Pfg., Vacfflia-Ze** S Pfg-r Vwüe*S*ep*« 3 Backpulver „Backin“ 10 Pfg., 3 Stck. 25 Pf?.. Puddingpulver Mandel - Vanille-Gebccdh. Heidesanci steht In feinem im Telephonyer- Lmue Dugeaüö m geht man dort idüch groh ist die i ihm verMgrn 1 Pfd Mehl, 1/a Päckch. von Dr. Oetker'« Bade, pulver „Baddu“, etwa 1/e Liter Milch. Teig« l/o Pfd. Butter, 300 g Zucker, »14 Pfd. M. hl. Das große Würfelspiel (TNarlina Wilemar.) Roman von Franz Xaver Kappus. 1/1 Pfd. Butter, 150 g Zucker, 1 Pick eben von Dr. Oetker*« Vanillin-Zucker, 100 g Mandeln, Zutaten 1 2 Eier, »ater. ■iaffige Komödie fe im Neuen ®icfe Komödie eben die Pein- der wieder aufs Dialvtzes ge« MEMvv Drr JiMit iu, dal) er kaum olgrdessen starker Paar kommt wm t jedoch nur dec n iird #»t « e r ■ ft arb unerwartet der langjährige Bürger- m e i st e r unserer Stadt, Friedrich Fendt, der erst Anfang dieses Jahres in den wohlverdienten Ruhestand getreten war. Der Entschlafene, der ein Alter von 72 Jahren erreichte, hat viele Jahre an der Spitze unseres Gemeinwesens gestanden und sich um dessen Entwicklung große Verd'.enste erworben. Sein Andenken wird hier in hohen Ehren fortleben. Kreis Schotten. n Laubach. 5. Oft. Am Freitag sand im „Sotmser Hof die Hauptversammlung der Bezirkssparkasse Laubach statt. Sie bezog sich auf das 93. Geschäftsjahr. Die Kasse wurde gegründet im Jahr 1832 durch den Grasen Otto (verst. 1872), den Sohn des letzten souveränen Grasen zu Solms-Laubach (verst. 1822). Der Vorstand der Kasse besteht zur Zett aus Oberamtsrichter Zimmermann (Direktor), Zutaten t 11 Teelöffel Dr. Oetker’« Backpulver „Badcin", 1 Päckch. Dr. Oetker1. Vanillin-Zucker. Mark sind der Bareinschuß: fünfundzwanzig Prozent. So haben Sie es doch gemeint?" „Richt im Ernst," versicherte Oriewicz, „niemals im Ernst. Termin ist der 31. Januar, eine lange Zeit. Fünfundzwanzig Prozent sind keine Sicherheit." Düster blickte er vor sich hin. Wilemar blähte die Rüstern. Er streckte die Hand aus, um das Geld wieder an sich zu nehmen. Ader dann überlegte er. Der Mann hatte nicht so unrecht. Wenn man im Konkurs war, mußte man größere Sicherheiten bieten. Run war man einmal hier, nun gab es kein Zurück mehr. Und er sagte, im Kopf rechnend: „Also — achtzig Baugesellschaft, hundertfünfzig Terag. Sie prolongieren doch gegebenen Falles?" „Solange Sie wollen", lachte Oriewicz, schon wieder bester Laune. Rasch notierte er den Auftrag. „Und jetzt kann ich Ihnen auch verraten, warum die Papiere steigen müssen. Verstehen Sie: müssen!" „Run?" Oriewicz flüsterte hinter der vorgehaltenen Hand: „Daß Carsten massenhaft verkauft, hat persönliche Gründe. Irgendein dummer Spleen ist in den Menschen gefahren. Mit der Baugesellschaft und der Terag hat das gar nichts zu tun. Spätestens Anfang März kommt die Hausse. Sage ich Ihnen." Wilemar war's zufrieden. Wieder hatte sein Leben Lichtpunkte. Wenigstens eine Hoffnung glomm in her Zukunft. Es gab Möglichkeiten, und die Möglichkeiten konnten ausgebeutet werden. Vielleicht wendete sich das Blatt im neuen Jahre. Es war hoch an der Zeit. Kaum zu ertragen war die Stimmung daheim. .... Zwar machte Frau Julie gute Miene zum bösen Spiel; aber Ernst Wilemar ließ sich nicht tauschen; ihre Ruhe war erkünstelt, ihre Fassung unnatürlich. Vom Grunde auf verwnadelt erschien Martina; ihre stille, einzig um ihre Arbeit versammelte Entschlossenheit tat beinahe körperlich weh. Und Lily wurde von einem Tag zum anderen fahriger und unberechenbarer. Die Idee mit dem Film ober Theater ging ihr nicht aus dem Kopf. J.e bösere Erfahrungen sie machte, um so hartnäckiger hielt sie daran fest. Einmal sagte sie zu Martina: „lieber Nacht könnte ich ein Star werden, wenn ich wollte. Die Männer sind ja ein Pack. Nach dem ersten Wort t. Harbach, 5. Okt. Unsere Feldbereini - a u n g schreitet langsam vorwärts. Nachdem im Frühjahr die nassen Felder drainiert wurden, sind setzt die B o n i t i e r u n g s a r b e i t e n beendet worden. Wann die Zuteilung der neuen Grundstücke erfolgt, ist noch nichi abzusehen. Wie überall, fehlt es auch bei uns an dem nötigen Kapital. II Hungen, 5. Ott. Nachdem der G e - meinderat im Frühjahr den Beschluß Egmnt hatte, mit der Kanalisation unterer Stadt zu beginnen, wurde diese Arbeit der F.rma Paulizu BiUingen übertragen. Im wurde die Arbeit ausgenommen, wodurch viele Arbeitslose Beschäftigung fanden, und nun n die Kanalisation in brr Straße und Bismarckstraße durchge^uhrt. Auch in dem neubebauten Teil der Ha^S^raße ein toter Strang gclegl> dam11 Jkr.^u dieser Straße beginnen kann. Da irdvch d * Alllers- beimer Straße infolge der geringen ftncmaiellen Mittel noch nicht kanalisiert wer^n konnte, mußte der Anschluß der H artigst raße unteMetben. (Seamtoäriiq werden die letzt nHausanschlussein den fandifierten Straßen durchgeführt. Welchen Seaen eine Kanalisation bringt, empfinden bereits Anwohner der neufanalifierten Straßen. Während früher die Keller unter dem Zuströmen des Grundwassers sehr z.u (eiben hatten und fast täglich die Strahlpumpen in Betrieb gesetzt werden muhten, um das verderbenbringende Baß aus den Kellerräumen zu entfernen, ist jetzt sämtliches Wasser daraus verschwunden und zitht durch die eingebauten Dränagen ab. Der fortschrittlich gesinnte Gemeinderat gedenkt in den nächsten Jahren die Kanalisation in der ganzen Stadt durchzuführen. Die bei der Kanalifation übriggebtiebene Erde wurde dem neuen Schulhaus gegenüber angefahren und damit ein schönes Rondell geschaffen, daS ^u einer Anlage Verwendung finden dürfte. Dieses wäre auch wohl der geeignetste Platz für das Gefallenendenkmal, das in nächster Zeit errichtet werden soll. Die Plcktzfrage beschäftigte bereits den früheren Gemeinderat, der von diesem in Aussicht genommene Platz vor der Kirche findet ledvch nicht den Beifall der Gemeindeglieder. Sie wurden es vielmehr begrüßen, wenn man den neugefchafsenen Platz vor der Schale für das Denkmal verwenden würde, zumal sich dieser Platz auf das prachtvollste anlegen ließe, was bei dem vorgesehenen Platze nicht möglich ist. — Am Sonntag hielt der hiesige Turnverein sein diesjähriges Ab- turnen, bei dem ganz vorzügliche Leistungen zu verzeichnen waren. Galt es doch, im edlen Wettkampfe die von einem Gönner des deutschen Tumsportes gegifteten beiden Wanderpreise für die Turner und Turnerinnen zu erringen. Dabei errangen im Zehnkampf den Wanderpreis für Turner Paul Reuter mit 182 Punkten, während Frl. Marie Liese den W a n -- derpreis s ü r die Turnerinnen mit 1541/2 Punkten erringen konnte. Außerdem erhielt der Sieger eine silberne Rabrl, die Siegerin eine silberne Brosche. In der Oberstuse zagten im Geräteturnen die besten Leistungen K. Katz und Gg Emmerich, in den volkstümlichen älebun- d?z fekk ÄlS d-H'r Ä Hm?11'- tzdi-A ^tinen A' Ä Ste 19en ncch7e. ■an den, ® g, yWeneni "-t-rx är»'« ' unh Wien. Da5 von U, Stimmittel für 1 wnMrie ab, «ch' smassen ist üaufenben aus fanden, der all, Mmmen. Sie sunden in dem 'Wiegten Tei- ir°&en Teiches. gechen Teich 1 neuen Teich enftunben und n man unoe- :n; Äm meisten ulica atra) M ‘ °er glünzcnd löfurfreunben ist zu empjrhlm. 'uhrien Jahren, tter Leitung der Wettkämpfe i sich daran die inge und der zu en Klasse, im chen. Don diesen chen als Lieger le Knaben war '). Mfptunq üt Qijlatfxill) Barreich für Mche Mu.n- ten waren Uc desvnLrrs den )rn Knaben ec- mter den Mab- 9 Limiten den Zubereitung: Butter und Mehl (dieses mt dem B««kln rvnUdit) knetet man xu einem Teig. Das Eigelb. 100 g Zucker, VamlUnrackw. Milch verklappert man und arbeitet alle« mit obigem Teig ru einer Masse, die och »ut ausrollen läßt Den «uagerollten Teig schneidet man in reehtedcige Stücke, bestreicht diese mit Eiweiß, streut die in Splnchen geschnittene» Mandeln, die man mit 50 g Zucker gemischt bei, darüber und bäckt bei Mittel hi tze. — In Blechdose aufxubewahree. „Warum sollen Baugesellschaft und -lerag steigen?" fragte Julie. Sie dachte an die fünftausend Mark, die Carsten ihr gegeben hatte. Was konnte man mit fünftausend Mark beginnen? Die waren ein Notpfennig, weiter nichts. Schwerer wog die Aussicht, mit Carsten in Fühlung zu bleiben. Der Mann beschäftigte sie immerfort. Wie ein Rückhalt war es, ihn in derselben Stadt zu wissen. „Warum?" Ernst Wilemar stach mit dem Zeigefinger in die Luft. .So dumm ist Oriewicz nicht, daß er mir das sagt. Aber ich habe Vertrauen zu ihm. Er hat mir ein günstiges Termingeschäft vor- gefchlaaen. So ein Termingeschäft darf man nicht versäumen." t Zögernd sagte Julie: „Ich habe fünftausend Mark/ Wilemar griff nach ihrer Hand. „Wa- hast du verkauft?" „Nichts, Ernst. Das Geld rührt von früher her. Ich habe es beiseite gelegt, als wir in der Wolle faßen. Wenn du glaubst —" Hastig stürzte Wilemar zum Telephon. „Oriewicz war noch im Bureau. „Schön. Ich warte." Lächelnd zählte Julie ihrem Manne das Geld in die Hund. Warum nicht, sagte sie sich dabei. Man hatte auch früher Glück gehabt. Hatte sogar dick verdient, mit Oriewicz' und Gottes Hilfe. Man mußte etwas riskieren. Man durfte nicht kleinlich (ein. Der greisenhaft verhutzelte Bankier an der Ecke der Landgrafenstraße rieb die Hände, als er Wilemar erblickte. „Doch ein Einsehen, was?" „Da." Wilemar legte das Notenbündel auf den Tisch. „Fünftausend." „Auftrag?" fragte Oriewicz, den Bleistift gezuckt. „Hundert Baugesellschast, zweihundert Terag." Der Bankier bog sich vor Heiterkeit. „Alles mit fünftausend Mark?" Gereizt erklärte Wilemar: „Das Termingeschäft, das Sie mir vorgeschlagen habenl Die fünftausend weih man immer schon, wie viel die Uhr geschlagen hat. Aber der Preis —" „Du sollst nicht verallgemeinern —" Lily trällerte vor sich hin. „Ich habe einen letzten Versuch gemacht. Vielleicht findet sich doch ein weißer Rabe." „Was für einen Versuch, Lily?" fragte Martina ängstlich. Die Augen der Schwester wurden schmal. „Einen allerletzten. Ich habe annonciert. Warum erschrickst du? Morgen erscheint die Annonce. .Welcher edle Gönner verhilft junger, hübscher Dame aus sehr gutem Hause zum Film/ Huiidertmal habe ich so etwas schon gelesen. Warum sollte ich es nicht auch versuchen?" „Oh," sagte Martina gepreßt, „das hättest du nicht tun sollen." Groß blickte sie die Schwester an. „Was kann es schaden? Ich werde ja sehen." Lily machte eine Pause. Sie spitzte die Lippen, als ob sie pfeifen wollte. „Du spricht Unsinn, Lily!" Aber die Schwester lachte. VII. Bernhard Carsten hatte alle Hände voll zu tun. Immer neue Menschen drängten an ihn heran. Seit die Zeitungen die ersten Nachrichten über seine Pläne gebracht hatten, glichen die Bureauräume in der Mauerstraße einem Bienenschwarm. Neugierde, Sensationslust, Profitgier und Elend trieben jeden Tag andere Gestalten die teppichbelegten zwei Treppen hinauf. Längst streikte der Portier mit dem Fahrstuhl. Kaum konnte Nettelbeck die vielen ab- wehren, die alle Herrn Carsten persönlich sprechen wollten, um ihm einen Vorschlag zu unterbreiten, eine Idee mitzuteilen, eine Bitte vorzutragen. Indessen saß Bernhard Carsten in seinem Arbeitszimmer dem alten Baurat Gmmbach gegenüber. Aus dem Wust von Notizen, Berechnungen, Grundstücksplänen und behördlichen Akten, die die Tische bedeckten, hatte sich ein kleines Bild geformt. Das Programm für das nächste Jahr stand fest. Zunächst sollten in Südende auf dem Grunde, den Carsten schon vor Jahren erworben hatte, zwei große Miethäuser erbaut werden. Gleichzeitig sollte im Nordosten, jenseits der Landsberger Allee, das Krankenhaus erstehen, das Carsten besonders auf dem Herzen lag. gen W. Brandenburger und W. Stüh- ler, wofür ihnen ebenfalls gestiftete Nadeln aus Silber, bzw. aus Bronze überreicht wurden. Beim Wettlauf in dieser Stufe (200 Meter) siegte K. Katz, dec die Strecke in 25: 5 Sek. durchlief und dafür einen gestifteten Krug in Empfang nehmen durfte. In der Unterstufe hatten die höchsten Punktzahlen in der Gesamtleistung H. Schlö- ßinger und H. Moll, dagegen im Geräteturnen W. Herold und E. E m m e r i ch. Auch sie wurden mit entsprechenden. Aadeln ausgezeichnet. Im Schülerturnen konnten F. Emmerich, H. Kirchhöfer und K. S ch ä s e r am besten abschneiden, die in der gleichen Weise geehrt wurden. Sehr schöne Leistungen zeigten auch die Turnermnen, unter denen im Geräteturnen E. Eiser und M. Kirschenstein und im volkstümlichen Turnen L. Schmidt und L. Jockel die höchsten Punktzahlen erreichten und deshalb mit silbernen Broschen geschmückt wurden. Im Damenwettlaus (125 Meter) errang den Preis (eine schöne Kristallschale) die Turnerin M. Kirschenstein, die 183/5 Sek. für die Strecke b enötigte. Auch die jüngsten Zöglinge des Vereins zeigten ihr Können im Wettlauf und Hindernisrennen. 00 Rodheim a. d. Horloff, 5.Okt. Unsere Hoffnung, durch eine Kraftwagenverdin- b u n g an den Verkehr angeschlossen zu werden, scheint ins Wasser zu fallen. Jüngst waren die beteiligten Gemeinden der geplanten Linie wieder auf Forsthaus Glaubzahl versammelt, um mit dem Unternehmer über die Fragen der Finanzgebarung und des Fahrplanes .zu verhandeln. Die geldliche Angelegenheit ließ sich leicht regeln. Ader bei der Festlegung des Fahrplans erwies sich die Unmöglichkeit, die Interessen der beiden Städte Schotten und Nidda miteinander in Einklang zu bringen. Ohne zu einem greifbaren Ergebnis zu gelangen, ging man auseinander. So scheint vorläufig wieder nichts aus der Sache zu werden. Kreis Friedberg. sf. Friedberg, 5. Okt. Unsere Stadt besitzt zwar eine Jugendherberge, die in der alten Wache in der Burg untergebracht und mit sechzehn Betten ausgerüstet^ist. Diese entspricht aber in der Größe, besonders aber in der noch sehr dürftigen Ausstattung keineswegs der Bedeutung Friedbergs. Denn es ist begreiflich, daß die zentrale Lage unserer Stadt, in der Nähe von Vogelsberg und Taunus, öfters den Besuch von Wanderern und ganzen Schulklassen mit sich bringt. Leider müssen derartige Besuche oft abgewiesen werden, weil es an Unterkunftsmöglichkeiten fehlt. Es ist deshalb zu begrüßen, daß der hier unter dem Vorsitz von Buchhändler Fritz Scriba bestehende Jugendring (eine Vereinigung sämtlicher Jugendverbände) sich der Sache energisch annimmt und durch Veranstaltungen mancher Art die benötigten Mittel zum Ausbau der Einrichtung zusammenzubringen sucht. Diesem Zwecke war auch ein Vortragsabend gewidmet, dec am Montagabend im großen Hörsaale des Polytechnikums ftattfanb, in dem der in wetten Kreisen bekannte Vorsitzende der deutschen Ge- birgs- und Wandervereine, Hermann Ritter- Frankfurt a. M. einen Lichtbilderoortrag Bürgermeister Böhm, Rentamtmann Bohn, Friedrich Diehl. Lehrer Weil. Den Aufsichtsrat bilden Heinrich Maser (Ruppertsburg», Altmeister Bornmann (Trais-Honosf), "Bürgerin ei fier Imme11 (Freiensen), Bürgermeister Kratz (Wohnbach), Bürgermeister Krauß (Wetterfeld. Bürgermeister Lein (Lardenbach). Altbürgermeister Lind (Gonterskirchen). Beigeordneter Raab (Utphe). Den Bezirk bilden bte Dörfer der vormaligen Reichsgrafschaft SolmS- Caubad). Rechner ist zur Zeit Joh. L o h Kontrolleur Wilh. Pitz. Der Rechnungsbencht zeigte eine günsttge Finanzlage. Die Einnahme beläuft sich auf l 818 768,20 Mark, bic Ausgabe auf 1 806 032,64 Mark, durch deren Bcrgleichung sich ein Rechnungsrcst von 12 675.56 Marl ergibt. Die Vertreter der Garantie- gemeinden und des Kreisamts waren ohne Ausnahme erschienen. Rach Schluß der Hauptversammlung sand ein gemeinschaftliches Essen im ..Solmfer Hof" statt. — Am Sonntag hielt der erste Stadtpfarrer Theodor Rebel vor der zahlreich versammelten Kirchengemeinde feine A b s ch i e ds p r e d i g t. Er legte seinen in warmem Tone und in sehr ansprechender Weise gehaltenen Ausführungen das D'.belwort zugrunde: „Danket drm Herrn, denn er ist freundlich und feine Güte währet ewiAich". Insbesondere dankte er dem Kirchenvorstand und der Gemeindevertvaltung. sowie auch dem Gräflichen Hause und seinem Amtsbruder für die Unter* stühung, die er hier in seinem amtlichen Wirken jederzeit gesunden. Rach Schluß des Gottesdienstes rief Dekan Dolp dem aus dem Dienste scheidenden Amtsbruder herzlichste Abschiedsworte zu. Hieraus sagte im Ramen des Kirchen- vorstandes OberreaUehrer Gerhard innige Dankesworte für seine eifrige Amtstätigkeit und wünschte ihm einen gesegneten Lebensabend. Die Feier war umrahntt von trefflich vorgetragenen Liedern des Kirchenchors unter Leftung deS Oberreallehrers Gerhard. Pfarrer Rebel wird weiter in unserer Mitte wohnen und die Leitung des Johann-Friedrich-Stijts weiterführen. Ueber seinen Lebensgang haben wir bereits ausführlich berichtet. Hier fei noch nachgetragen. daß er wesentlichen Anteil hat an der Restaurierung der Stadtttrche im Jahre 1905/06, an der Errichtung der Friedhofskapelle und des Altersheims desJohann-Friedrich-Stifts. Während feiner 32jährigen Wirkungszeit hat er 461 Kinder getauft, 571 konfirmiert, 429 Bestattungen und 202 Trauungen vollzogen. Außerdem ist noch nachzutragen, daß er belangreiche Beiträge zur Laub acher Ortsgeschichte und Volkskunde veröffentlicht hat. daneben verdanken wir ihm noch eine sorgfältige Sammlung der Laubacher Flurnamen. ld. Ulrichstein, 5. Okt. Auf dem Selgenhof, in Wohnfeld und Unter- Seibertenrod ist man eifrig bemüht, die Vogelsberger Rindviehrasse zu größerer Körperfülle heranzuzüch- te n. Die Erfahrung zeigt, daß dies nur durch Weidegang auf fachgemäß gedüngten Hutweiden erreicht werden kann. So besitzt der Selgenhof „Reicht das Geld, Grumbach?" Der alte Praktiker mit den jugendlich rosigen Wangen vertiefte sich aufs neue in feine Aufzeichnungen. „Knapp, Herr Carsten, sehr knapp." Carsten wurde unsicher. „Im Lause des Jahres kommt ja noch manches herein", sagte er in Gedanken. „Was im Augenblick zu Geld gemacht werden konnte, ist losgeschlagen worden. Die Hauptsache: Werden die Leute billig wohnen?" „So billig, wie nirgends, Herr Carsten. Aber andererseits: wir müssen für die späteren Jahre einen Rückhalt haben. Und was das Krankenhaus betrifft: die innere Einrichtung kostet nahezu drei Millionen. Gar nicht zu reden von dem Betriebskapital, das wir bann ständig brauchen." Grumbach neigte den schönen Greifenkopf zur Seite. „Halten Sie daran fest, daß die Behandlung unentgeltlich sein soll? Behandlung, Operation, Verpflegung bei längerem Aufenthalt: alles unentgeltlich?^ „Alles, Grumbach." „Wäre ein kleiner Regicbeitrag nicht vielleicht doch am Platze?" „Wir werden sehen", sprach Carsten, die Fäuste in den Rocktaschen. „Es ist zu viel gutzumachen." Mit dem Kinn deutete er auf die Papiere auf dem Schreibtisch. „Und das da ist nur ein Tropfen." Auf- und niedergehend, überlegte er. „Ganze Arbeit muß getan werden", sprach er nach einer Weile. „Und der Rückhalt — den Rückhalt haben wir. Di Wälder in Franken und Thüringen, die Onarzlager bei Freiburg, die Bauplätze in Frankfurt, Breslau und Königsberg: all das ist gutes, schönes Geld. Wenn heute nicht, so doch morgen." Bis in den Schlaf rechnete, kalkulierte, grübelte Carsten. Brennende Ungeduld erfüllte ihn. Rur langsam wich die Last von seinen Schultern, ^mmer noch schien ihm, als stünden Wolkenberge rings um fein Blickfeld. Ein Unsichtbarer war auch da, mit dem er ständig umging: Doktor Morell. Drohend und tröstlich 'zugleich schob sich die Gestalt des Mannes zwischen Carsten und fein Tagwerk, was immer auch geschah. Wie Feuer glühten die Worte des Reisegefährten in feinem Hirn. Für immer unvergeßlich blieben die furchtbaren Stunden im Flugzeug. (Fortletzung folgt) Zubereitung: Die Butter wird »chwach gebräunt, dann fugt man den Zucker. Vanillin-Zucker und da« mit dem Badcin gemuckte Mehl hmiu und formt au« dem gut durchgearbeiteten Teig ungefähr talerdicke RoBen, die man über Nacht liegen läßt Am anderen Tage ^neidet mandleRoIlea in l/g cm didee Scheiben und bäckt diese auf einem dünn mit Wach, em- geriebenen und mit Mehl betäubten Blech bei mäßiger Hitxe ungefähr l/8 Stunde. — Zu empfehlen al« feine« Gebäck xu Wein. M___ - ,, , , ,, , D __u„ v- i „„ Torten n. KJeinvebicke aller Art Ut in dem neu erschienenen Oetker-Rexeptbttcfc, AuagaOe r Ä-S.Ä ZTS ALL „ su Xto. d. B.d.,M --1— Dr. A. Oetker, Bielefeld. W// EL dreijährige Vogelsberger Rinder von 12 Zentner Lebendgewicht, und auf dem zur Weide umgewandelten Wart Hof bei Grünberg konnte bei einem 2Velährigen Rinde nach fünfmonatigem Weidegang eine Gewichtszunahme von 323 Pfd. festgestellt werden. Da solche Ergebnisse unmöglich durch den im Vogelsbergs üblichen Weidebetrieb, der keine Hutweidendüngung kennt, erzielt werden können, ist es für dörfliche Rotviehzüchter dringend geboten, zu modernerem Weide- betrieb überzugchen. Die derzeitige wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft weist auf den Weg der genossenschaftlichen Weide, der unbedingt beschritten werden muß, wenn der kleinbäuerliche Viehzüchter nicht ins Hintertreffen geraten will. 3t a i n r o b , 5. Okt. Der Kirchenvor- stanb hat beschlossen, unsere Kirche noch vor Eintritt des Winters mit einer Heizanlage versehen zu lassen. Von der Beschaffung einer Dampfheizung wurde, der erheblichen Kosten wegen, abgesehen und die Aufstellung von Oefen in die Wege geleitet. Kreis Alsfeld. -er. Homberg a. d. Ohm, 5.Okt. Zur Zeit ist man hier mit der Anlage einer Wasserleitung vom „Dberbömdje" nach der Untergasse beschäftigt. Diese Nebenleitung ist als Entlastung der Hauptleitung gedacht. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurde die Kreisstraße oberhalb Hombergs zwecks Rohrlegung durchstochen, aber schon am folgenden Tage war sie für jeglichen Verkehr wieder frei. Durch diese Neuanlagc soll weiterem Wassermangel, wie er bisher öfters eingetreten ist, für alle Zeiten oorgebeugt werden. Ob er--Ohmen, 5. Oft. Einen schweren Tlnglücksfall erlitt hier gestern der Landwirt Karl Otterbein. Beim Heimfahren glitt eine der beiden Fahrkühe aus. Dabei stieß die Kuh mit dem Kopf unvermutet in die Höhe und rannte dem Fuhrmann das Horn in das rechte Auge, das verloren ist. Der sofort herbeigerufene Arzt brachte den Verletzten mit seinem Auto noch am Abend nach Gießen in die Augenklinik, damit nidjt auch noch das andere Auge gefährdet würde. — Ober-Ohmen, 5. Okt. Das im vorigen Jahre eröffnete Vasaltwerk des Bauunternehmers Keil, das während der Erntezeit stillgelegt wurde, um den Arbeitern Gelegenheit zur Verrichtung ihrer Feldarbeit zu geben, ist seit 1. Oktober wieder in Betrieb genommen worden. In dem Llnternehmen findet eine ganze Anzahl Arbeitsloser unserer Gegend lohnende Beschäftigung. — Die Oberklasse der hiesigen Schule hat sich in diesem Sommer eifrig mit A eh r e n l e s e n beschäftigt und die gesammelten Diengen verkauft. Aus dem namhaften Erlös soll jetzt ein Harmonium beschafft werden, das d.e bessere gesangliche Durchbildung der Schüler fördern soll. Das lobenswerte Beispiel dieser Klasse findet mit Recht allgemeine Anerkennung der Cinwohnerschast. »er. Grebenau. 5. Oft. Am Donnerstag beginnt hier ein Kochkursus für fortbildungsschulpflichtige Mädchen. Die Schülerinnen werden auch in allen Handarbeiten, wie Maßzeichnen, Zuschneiden, Anfertigen von Schürzen, Kleidern, Wäsche, im Strumpfstricken, Waschen und Bügeln unterrichtet: auch mit der ersten Hilfeleistung bei ^Inglücksfällen werden sie vertraut gemacht und praktisch ausgebildet. Da das Gebotene fürs spätere Leben sehr wichtig ist, sollte niemand die Teilnahme an diesem Kursus versäumen. Lehrbach, 5. Okt. Da unser langjähriger Dürgermeister Heinrich Kuhl vor e.nigen Wochen gestorben ist, steht uns in Bälde eine Dürgermei st erwähl bevor. Man nennt vier Dewer'ber, ein Beweis, wie begehrt das doch so oft undankbare Bürgermeisteramt ist. Starkenburg. WSR. Weinheim, 5. Oktober. An einer scharfen S-Kurve in der Aähe von Dossenheim überfuhr gestern abend ein Leerzug der Industricabzweigung der Hauptbahn zwei mit einem Bulldogg bespannte Lastkraftwagen- anhänger der Rußlocher Ziegelwerke und schleifte fie etwa zehn Meter mit, wodurch ein großer Teil der Ladung (Dachziegel) zerbrach und die Maschine des Zuges einen halben Meter in die Höhe gestemmt wurde. Die Mitfahrer konnten sich rroch rech'zeitig d rch Abspringen retten. Der Sachschaden ist erheblich. WSR. Dieburg, 5. Oft. Der 12jährige Sohn eines hiesigen Cisenbahnb:amten wurde vor einigen Tagen von einem Kartoffel- f.uhrwerk überfahren und erlitt so schwere Verletzungen, daß er jetzt im Krankenhaus verstarb. WSR. Erbach i. O., 5. Okt. Hier hat sich eine Vereinigung der Elfenbeinschnitzer und Dreher des südlichen Odenwalds gebildet. Die Vereinigung will in ein'gen größeren Städten, u. a. in Pforzheim, ständige M u st e r a u s st e l l u n g en einrichten. Preußen. Kreis Wetzlar. XX Wetzlar, 5. Okt. Der im Jahre 1901 gegründete „Solmser Sängerbund", zu dem sich damals unter dem Protektorat des Prinzen Friedrich zu Solms-Braunfels die Gesangvereine Aßlar, Albshausen, Kleinaltenstädten, Burgsolms, Kraftsolms, Leun, Oberndorf, Oberbiel, Riederbiel und Wetzlar-Riedergirmes zusammenschlossen, begeht am 17. Oktober sein 2 5- jähriges Jubiläum. Rach Kriegsende fanden sich die Dundesvereine wieder zusammen, so daß der Bund in seinem Iubiläumsjahr jetzt 21 Vereine mit rund 800 Aktiven in seinen Reihen zählt. ch. Gleiberg, 5. Okt. An unserer altehrwürdigen Burgruine sind auch in diesem Jahre auf Veranlassung des Gleibergoereins zahlreiche begrüßenswerteReparaturen vorgenommen worden. U. a. wurde das Mauerwerk ausge- beffert, die sog. Bauernstube erhielt einen neuen Anstrich mit den entsprechenden Wandsprüchen, die Schieferdächer wurden einer gründlichen Ausbesserung unterzogen und die Gartenmöbel im Anstrich neu hergerichtet. Der Burghof soll in seinem östlichen Teil nach Krofdorf zu durch Wegfall des Gartens eine Erweiterung erfahren, damit dort mehr Platz für die Besucher geschaffen wird. Diese Arbeit soll im Laufe des Winters fertiggestellt werden. ch>K r o f b o r f, 5. Oft. Am Sonntag führte der hiesige Schützen verein fein diesjähriges Schießen mit dem Königspreisfchießen zu Ende. Schützenkönig wurde mit 32 Ringen bei drei Schuß Adolf Krombach von hier. [H Nauborn, 5. Okt. Hier ist mit der Instandsetzung verschiedener Dorfstra - Ben begonnen worden. Die Kosten, die sich auf ungefähr 15 000 Mk. belaufen, werden durch ein von der Landesbank der Rheinprooinz gewährtes langfristiges Darlehn und mit Hilfe der produktiven Erwerbslosenfürsorge gedeckt. An dem schon vor längerer Zeit fertiggestellten 15-Familien-Ge. m e i n d e h a u s an der Straße nach Wetzlar sollen demnächst die äußeren V e r p u tz a r b e i t e n ausgeführt werden. Die Kosten, die auf etwa 7000 Mark veranschaulicht sind, werden ebenfalls von der Landesbank als Darlehen gegeben. W Vonbaden, 5. Okt. Die Schürfarbe i- ten nach Wasser für die im Bau begriffene Wasserleitung sind beendet. Nach einem Gutachten des Sachverständigen — Kreistiefbauamt Wetzlar — reichen die vorgefundenen Wassermengen für die Gemeinde vollständig aus. Nunmehr soll die Quellenfassung vorgenommen werden. Der eigentliche Bau der Wasserleitung ist von der Bewilligung eme beantragten Provinzialbeihilfe abhängig. Kreis Bieverttopf. XX Biedenkopf, 5. Okt. Zur Zeit sind im Konfiftonalbezirf Wiesbaden 13 Pfarreien vakant und meist durch Gemeindewahl zu besetzen. Im hiesigen Kreise sind es die Pfarrstellen der vereinigten Kirchengemeinben Crumbach- Frankenbach, Holzhausen-Damshau- f en und Wilsbach, alle zum Dekanat Gladenbach gehörig. Wilsbach zählt mit feinen 260 Einwohnern zu den kleinsten Pfarreien des Bezirks. Lberlahrrkreis. * W e i 1 b u r g , 5. Okt. Der neuaewählte Bürgermeister Beckmann aus Schötmar hat dem Vernehmen nach die Annahme der Wahl zum Bürgermeister unserer Stadt von der Bewilligung der Gehaltsklasse 11 abhängig gemacht. — Gegen die Wahl des Pfarrers T r o ch aus Frankfurt a. M. zum zweiten Pfarrer unserer Stadt sind über hundert Einsprüche erhoben worden. Kreis Marburg. WSR. Marburg, 5. Okt. Ein schwerer Motorradunfall ereignete sich in der Rächt zum Montag. Ein Motorrad aus Lollar, das mit zwei Herren beseht war, fuhr an einer Kurve gegen eine Telearaphenstange und wurde schwer beschädigt. Der'Fahrer, Erich Carle aus Lollar, trug dabei eine Verletzung an der linken Gesichtshälfte davon, der Mitfahrer, ein Herr Becker aus Lollar, zog sich eine Gehirnerschütterung zu. Die beiden Verletzten blieben auf der Straße liegen, bis fie von einem vorüberkommenden Mann gefunden und durch Dr. Schneider aus Riederwalgern per Auto nach Lollar gebracht wurden. — Die Arbeiten der Lahnregulierung in Fronhausen gehen ihrem Ende entgegen. Zur Zeit wird der zweite Durchstich ausgepflastert. Die Auffüllung des ersten Bogens ist zum größten Teil beendet. Reuerdings ist der Holzhäuser-Bach, der sich in großem Bogen durch die Gemarkung schlängelt, in die Regulierung einbezogen worden. Kreis Westerburg. 00 Westexburg, 5. Okt. Im unteren und mittleren Teile bes Kreises Westerburg ist bie Kartoffelernte beendet. Im allgemeinen kann man mit ber Ernte zufrieben fein; es ist eine Durchschnittsernte. — Mit frischem Mut geht nun ber Lanbwirt an bas Ausfäen seines Winterkorns. — In nächster Zeit wirb in unserem Nachbarkreis ber ca. 500 Morgen große Seeweiher bei Dreifelben (ca. brei Stunden von Westerburg entfernt) ausgefifcht. Im ganzen befinden sich in der dortigen Gegend sechs Fischweiher, bie abwechselnd alle zwei Jahre ausgefischt werben. Die Weiher gehören dem Fürsten von Wied. Da in diesem Jahre der große Seeweiher an der Beihe ist, wird dieses Schauspiel eine große Menge Zuschauer anziehen. Man rechnet mit einer Ausbeute von ungefähr 300 —400 Zentner in der Hauptsache Karpfen. Alle Fische werden ge- zahlt und nach Wiederausfüllung des Weihers durch die gleiche Anzahl Jungfische wieder ersetzt, um eine genaue Kontrolle über evtl. Abgang zu haben. Um sich ein Bild von der Anzahl der Fische machen zu können, sei bemerkt, daß man im allgemeinen auf einen Zentner 55 Fische rechnet. — — Maingau. WSR. Homburg v. d. H., 5. Oft. 3m nahen Gonzenheim hat sich in der ©onntag^ nacht auf der Frankfurter Landstraße ein s ch w e » rer Mo to r ra d unf a ll zugetragen. Kirch- weihbesuchrr fanden um Mitternacht auf dem Straßenbahngeleise ein junges Mädchen ohnmächtig liegen, das aus zahlreichen Verletzungen blutete. Dicht dabei lag ein völlig zertrümmertes Motorrad und einige Schritte davon der Besitzen des Rades, ebenfalls erheblich verletzt. Etwa 20 Meter weiter in Richtung nach Homburg wurde schließlich ein stöhnender Mann festgestellt, dem das Aad über die Brust gegangen war, und der nicht mehr gehen konnte. Zwei Homburger Aerzte leisteten die erste Hilfe. Das Mädchen und der überfahrene Passant wurden ins Krankenhaus €ingeliefert. WSR. Frankfurt a. M., 5. Okt. 3n der Rähe von Reu-3senburg muhte heute mittag das Flugzeug D 676 der Süddeutschen Sportflugzeug G. m. b. H. in Böblingen. (Württemberg) wegen Motor- brandes niedergehen, nachdem der eine Insasse mittels Fallschirms vorher abgesprun» gen war. Beide Insassen blieben unver- le tz t. | Die glückliche Geburt eines gesunden Mädchens zeigen hocherfreut an l ' Dr. Karl Engisch und Frau Thekla geb. Schudt Gießen (Henselstraße 4), 5. Oktober 1926 z. I. Evangelisches Schwesternhaus l Besuchet die Fremden-Vorstellungon 3n weiterer Ausbehnung ihrer UnterrichtstStigkeit eröffnet bie am 8. November d. I. eine Iweiganstalt in ber Stabt Alsfelb. Die Errichtung ber Schule geschieht im Einverständnis mit dem Magistrat der Stabt Alsfelb unb erfolgt in bem Interesse, einem in bieser Stabt bestehenden Bildungsbedürfnis Rechnung zu tragen. Der Unterricht wird in Räumen der Landwirtschaftlichen Winterschule in Uebereinstimmung mit den Grundsätzen der Gießener Handelsschule erteilt und erstreckt sich auf alle vorkommenden Handelsfächer. Die Leitung übernimmt Herr Diplomhandelslehrer Dr. Reukauf. Folgende Bildungsgelegenheiten stehen zur Verfügung: 1. Halbjahreskurse (Handelsfachklassen und Höhere Handelsklaffen) bei den städtischen Bühnen in Frankfurt a. M. — 5 Opern und 5 Schauspiele an 10 verschiedenen Sonntagen. Beginn der Vorstellungen: NachmittagsI Sehr niedrige Preise, ständige Plätze und Zahlungserleichterung bei festem Abonnement. Auskünfte erteilt: Ferbersche Universitäts-Buchhandlung. Zentrale für gemeinnützige Kunstpflege (Verein für Theater und Musikkultur) e. V. Frankfurt a.M., Rathenauplatz 3._______E174D Woftltaniö WolkeldMner SeuMWl-WMM SMMr Göe!-£iför 2. Iahreskurse (Handelsfachklaffen und Höhere Handelsklaffen) 3. Abendkurse in allen Handelsfachern. Weitere Einzelheiten sind aus dem Prospekt ersichtlich, der kostenlos zur Verfügung steht. Anmeldungen: Bei der Schulleitung Gießen, Goethestraße 32. WM $rtofltöaaöel5f(ßule Wen / Herborn / Alsfelb Vogt. Dr. Reukauf. 8183a Unsere 8177D MM» flegenübet der § Enaeiavocheke. s nilllillllllllllllllllllllMII la Düngekalk liefert prompt C. Rübsamen. Teleph. 1659. 7935D iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiniiHiiiitt McllHet Weljnu o. 8. Seelchs o. 8. unb fm Ausschnitt GMVM o. 8. WlsWW frisch und billig bei MslkllMkl Ml Mus & SM G.W.V.tz. Weinbrennerei. LiKörsabriK - Rüdesheinr am Rhein. Vertretung ifi frei für Gießen und nähere Umgebung. Herren mit guten Beziehungen zu Delikctteh- und Kolonialwarenhändlern, Dro- grsten, Apotheken und sonstigen einschlägigen Fachgeschäften wollen sich unter Aufgabe von Referenzen melden. für Kronkork-, Pavpscheiben- unb Bllael- Verschluh. sowie Kronkorkverschlüsse, Vavpfcherben unb Kronkorkverschluh- mafrtznen, Flaschenkasten und Fiaschen- rörbe liefert zu Lriginalpretsen Eduard Gondner Flaschen-, Korbstaschen- und Korkengroß- Handlung — KellereibedarsSartikel. Fernruf Nr 326, Gießen, Steinstr. 84/86. Niederlage der A.-G. der Gerresbeimer Glaöbütrenwerke norm. Ferd. 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Tei. 1257 Seltersweg 39 rei. 1257 - -11-1,1 __________8164D tfdiönfieit ist £rfofg Jugendlich-rosiger Teint ist bie natürliche Folge der richtigen Ernährung und stetigen Erneuerung ber Hautzellen noch einer täglichen leichten F'-ottoge mit zweckmäßig im Rahmen der Erterikuitur-Schönheltspflege ausgeführt. Welke Ham wird lugendlich-'est, schön und reizvoll, Pickel und Mtteffei verichwmdeiu Aot-Seewnd- Mandelklete, ein altbewährtes giftfreies Schönheitsmittel von Weltruf, ist zu KSik 0.20. 1,— und A50 in Fachge'chäften vorrätig. NachcMmimaen weise man zurück, nur der Name Aok verbürgt un^re erfolabe* währte Qualität l Crteuhiltm, OHetbad Solberq. Schellfische Kabeljau Seelachs Seehecht Schollen Karpfen Hechte Salm Blaufelchen alle Sorten Rauchwaren täglich frisch emp- stehlt 8179c Hamburger Fisch Handlung 91. Koch Nachflgr. Schulstr. 10, Tel. 1612 WIMe«: Saöellaa 0. 8. Seewe Irische JWloieiekls springlebende Sgrofro u. 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Pferd, 1 Kaffenschrank, 1 großen Opel- wagen, 1 Kredenz, 26 Zeitschriften — Hindenburg — 1 Stereoskop, 1 Mappe mit 20 photographischen Aufnahmen, 1 Klavier, 1 Eisschrank, 1 Diwan, zwei Seffel, 1 Tisch. 8178c Dern Gerichtsvollzieher in Gießen, Steinstr. 13 p. BeWflM In dem Konkursverfahren über das Vermögen der Firma Max Baer Rachf. und deren Inhaber S.Bensinger in Gießen soll eine Avschlagsverteilung erfolgen. Dazu sind Mk. 12 604,36 verfügbar. Zu berücksichtigen sind Mk. 63 021.71 nicht bevorrechtigte Forderungen oder 20%. Das Verzeichnis der zu berücksichtigenden Forderungen kann auf der Gerichtsschrei- berei des Hessischen Amtsgerichtes Gießen eingesehen werden. Gießen, den 6. Oktober 1926. H. Friedrich Konkursverwalter. 81820 Nr. 234 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 6. Oktober 1926 Aus Natur und Technik. Die Weiterentwicklung des Flettnerruders. Don Wilhelm Hoffmann. (Nachdruck verboten.) Ehe Flettner fein Windkraftschiff mit den sich um ihre Achse drehenden Türmen ersonnen hatte, hatte er bekanntlich ein Steuerruder erfunden, das im Kriege an den Großflugzeugen erfolgreich verwendet worden war, und dessen Anwendungsbereich nach dem Kriege auch auf Schiffe ausgedehnt wurde. Von diesenr Ruder ging er aus, als er die Segel eines Schiffes nicht mehr durch Leinen in ihre Lage zwingen, sondern starre Metallsegel unter der Einwirkung von Segelsteuerflächen sich selbst richtig ein» (teilen lassen wollte (Bild 1). Erst als sich dieser Weg als nicht gangbar erwies, kam er auf die Drehtürme, die ja zur Zeit auf dem dreitürmigen Windkraftschiff „Barbara" nach sehr viel versprechenden Probefahrten einer eingehenden Prüfung auf Herz und Nieren unterzogen werden. Durch Jahrtausende hatte sich am Steuerruder nichts geändert, als Flettner mit seinem neuen Gedanken hervortrat: Es war immer so gewesen, daß eine senkrecht in der Verlängerung der Schiffsachse am Hinterschiff hängende Fläche, Segel Segelsteuer- fläche Bild 1. das Steuerruder, durch Drehung einer daran befestigten Welle verschwenkt wurde und so das Schiff steuerte, beim kleinen Kahn sowohl wie beim Riesendampfer. Nun läßt sich das Steuerruder verhältnismäßig leicht ein wenig ver- schwenken; mit dem Gröherwerden des Ausschlags wachsen aber die Kräfte ganz außerordentlich, die dazu erforderlich sind, das Ruder noch werter auszulegen, weil es dabei dem Wasserftrom, der es in die Richtung der Schiffsachse zurückzudrücken versucht, eine immer größer werdende Fläche darbietet. Das hat dazu geführt, daß man auf unseren großen Seedampfern Rudermaschinen von Hunderten von Pferdestärken zur Bewegung des Steuerruders brauchte. Es erregte daher großes Aufsehen, als Flettner behauptete, diese Maschinen seien unnötig, man könne auch den größten Dampfer von Hand steuern, wenn man das Steuer nicht mit Gewalt umlege, sondern es nur selbst mit einem Hilfs» steuer steuere, so daß es sich unter der Einwirkung des an ihm entlang fliehenden Wasserstromes in die gewünschte Richtung stelle. Alm dies zu verstehen, wollen wir uns einmal unser Bild 2 betrachten: Am Schiff ist ein kleiner Kahn angehängt. Legt der Steuermann im Kahn das Steuer dieses Kahnes nach rechts, so fährt der Kahn nicht mehr hinter dem Schiff her, sondern er giert rechts heraus und stellt sich dabei schräg, mit. der Spitze vom Schiff wegzeigend. Dadurch aber erfährt er einen Wasserdruck auf seine linke Seite, das Tau wird stark gespannt, und er zieht das hintere Ende des Schiffes nach rechts, so daß dieses einen Linksbogen fährt. BiD 2. 3um Steuern des Schiffes ist also in diesem Falle nicht ein großes Steuer erforderlich, sondern man kann es auch mit dem kleinen Steuer des Kahns steuern, und dazu reicht die Kraft eines Mannes vollkommen aus. Die Kraft £ur Steuerung des Schiffes liefert eben dabei nicht dieser Mensch, sondern der beim Fahren am Schiff entlangstreichende Wasserstrom. Nun hat Flettner natürlich keinen Kahn an das Schiff gehängt, sondern er hat gewissermaßen das große Schiffssteuerruder an die Stelle des Kahns gesetzt. Dieses Steuerruder dreht er nämlich nicht mit einer Welle unter Anwendung von roher Gewalt vom Schiff aus, sondern er läßt es sich vollkommen frei drehen wie eine Wetterfahne: Ein an diesem großen Steuer angebrachtes Hilfssteuer (Bild 3 und 4) steuert nun das große Steuer, wobei das Hilfssteuer die Rolle des Steuers im Kahn, und das eigentliche Steuer die Rolle des Kahns spielt. Das hat außer dem Wegfall der großen, teueren, viel Kraft erforderten Rudermaschinen viele andere Vorzüge, von denen nur einige genannt seien, Die großen Kräfte der Rudermaschine beanspruchten die Steuerwelle sehr stark, so daß Brüche dieser Welle vorkamen. Damit aber ist das Schiff steuerlos und dem Spiel von Wind Bild 3. und Wellen preisgegeben. Beim Flettnerruder fällen diese Kräfte weg, da keinerlei Gewalt auf das Ruder ausaeübt wird. Das Flettnerruder faitn nicht überdreht werden, wobei es unter Almständen weniger wirkt, als wenn es nicht so stark ausgelegt worden wäre: Es stellt sich von selbst in tue günstigste Stellung. Beim Rückwärts- sahren schwenkt es um 180 Grad herum — ein entsprechender Ausschnitt am Schiff muß vorhanden sein (Bild 4) — und arbeitet dann ganz genau so wie bei der Vorwärtsfahrt, da ja dann das Hilfssteuer auch in der Fahrtrichtung hinten ist. Beim bisherigen Steuer wurde die Steuer» welle beim Rückwärtsfahren ganz besonders stark beansprucht, weil natürlich der Strom dabei das Steuer nach der Schiffsspitze zu umzuklappen sucht. Auf den von Hand gesteuerten Dampfern kann man ja beobachten, daß beim Rückwärtsfahren zwei ober mehr Mann das Steuerrad festhalten müssen, um dieses Umklappen zu verhindern. Zahlreiche See- und Fluhschisse sind mit dem Flettnerruder ausgestattet; neuerdings hat z. B. der größte Elbdampfer, ein Salonschiff, dieses Ruder erhalten, ebenso selbstverständlich das Windkraftschiff „Barbara". Und doch muß man feststellen, daß es sich nicht in dem Umsang ein» geführt Hat, wie seine ungeheuren Vorzüge es erwarten ließen. Dabei mag ein gewisses Mißtrauen mitgesprochen haben, dem ein Reeder mit den Worten Ausdruck verlieh: „Glauben Sie, daß ich meine Schiffe mit einer Wetterfahne als Steuerruder fahren lasse?" — mit einem Ruder also, dessen Bewegungen man nicht unmittelbar, sondern nur durch das Hilfssteuer beherrscht, dessen Auslage nicht eindeutig von der Stellung des Steuerrades abhängig und dieser Stellung nicht verhältnisgleich ist, ein Ruder, dessen Arbeiten man nicht sehen, sondern nur am Ruder- logezeiger und an seiner Einwirkung auf das Schiff erkennen kann. Jedenfalls haben diese Bedenken trotz vielfacher Bewährung des Flettnerruders dazu geführt, daß man unter voller Wahrung der grundlegenden Gedanken einen etwas abweichenden Weg vorgeschlagen hat: Man will nach diesem Vorschläge nach wie vor am eigentlichen Steuerruder ein Hilfssteuerruder anbringen, wie es Flettner getan hat; aber man will das große Steuer nicht mehr nur mit dem Hilfssteuerruder steuern, sondern man will es wie früher zwangsläufig bewegen und gleichzeitig auch das Hilfssteuer in entgegengesetzter Richtung so verschwen- ken, daß es immer gleichlaufend zur Schiffsachse bleibt, was mit außerordentlich einfachen Mitteln möglich ist. Man erreicht dadurch, daß zur Bewegung des Hauptsteuers nicht mehr so große Kräfte erforderlich find wie beim bisherigen Steuer. Da nämlich das Hilfssteuer beim Verschweigen immer unterstützend wirkt, nimmt es der Welle die Grundbelastung ab, die dazu erforderlich ist, das Steuer beim Fahren in seiner Lage zu halten, einerlei wie es steht. Die Rudermaschine wird also von dieser Grundbelastung frei und hat nur das kleine Mehr zu leisten, das zum weiteren Auslegen erforderlich ist. Bild 4. Selbstverständlich gibt man durch diese Bauart einige gute Eigenschaften des Flettnerruders auf. Man tauscht aber dafür ganz zweifellos den Vorteil ein, daß man das Ruder — wie das bisherige — fest in der Hand hat, und das ist — schon aus Gefühlsgründen — zweifellos das Aufgeben einiger vielleicht doch nicht allzu wesentlicher Vorzüge wert. Wenn somit das Flettnerruder nicht ganz genau so in größerem Maße in die Wirklichkeit umgefetzt werden sollte, wie es sich fein Erfinder zuerst gedacht hatte, so bleibt diesem doch das unsterbliche Verdienst, in der Frage der Schiffssteuerung, in der, wie erwähnt, Jahrtausende keinen grundsätzlich neuen Gedanken gebracht hatten, vollkommen abweichende Wege gegangen zu sein und so einen außerordentlich wertvollen Fingerzeig gegeben zu haben, der — wenn auch vielleicht in etwas abgeänderter Form — der Schiffahrt unter allen Umständen wesentliche Dienste leisten wird. * Neuerdings hört man auch von einer anderen Ruderbauart, die auch in Tageszeitungen besprochen worden ist, vom Eckesruder. Der Erfinder hat sich die Ausgabe gestellt, ein Ruder zu bauen, das beim Rückwärtsfahren zu feiner Bewegung und insbesondere auch zum Festhalten nicht mehr Kraft erfordert als beim Vorwärtsfahren. Er hat diese Aufgabe in der Weise gelöst, daß er ein nach unten zeigendes slosfenartiges Ruder an seinem obersten Punkt an der Steuerwelle so drehbar befestigt hat, daß es in seiner Ebene etwas nach vorn und hinten ausschlagen kann; es klappt daher beim Vorwärtsfahren, vom Wasserstrom mitgenommen, etwas nach hinten, beim Rückwärtsfahren aber nach der Schiffsspihe zu, also auch in der Fahrtrichtung rückwärts. Ganz abgesehen davon, daß mit dieser Bauart alle die zahllosen anderen Vorteile des Flettnerruders nicht erreicht werden, ist der Grundgedanke für die Erleichterung der Rückwärtssteuerung bei diesem Ruder derselbe wie bei Flettner, nur daß das Ruder nicht um seine senkrechte Achse herumklappt, sondern sich um eine wagrechte Achse in seiner Ebene verschiebt. Die Lösung beim Flettnerruder ist zweifellos wesentlich vollkommener, schon weil sie gewissermaßen viele Fliegen mit einer Klappe schlägt, während sich das Eckesruder nur mit der Beseitigung eines Fehlers des bisherigen Steuers auseinanderseht und zu einer Lösung gelangt — Befestigung des stark beanspruchten Steuerruders in nur einem Punkt —, die doch wohl nicht ganz unbedenklich ist. Die Behauptung, die in Veröffentlichungen über das Eckesruder ausgestellt wird, soweit sie mir zu Gesicht gekommen sind, es beseitige wesentliche Mängel des Flettnerruders, so die schwere Beweglichkeit ausgerechnet dieses Ruders beim Rückwärtsfahren, ist — wie der Leser dieser Zeilen ohne Schwierigkeit selbst feststellen wird — durchaus unzutreffend, da gerade das Flettnerruder das erste Ruder ist, bei dem zwischen Vorwärts- und Rückwärtsfahrt kein Unterschied besteht: Es fährt eben immer vorwärts, auch wenn das Schiff rückwärts fährt. i Prüfung der Antennenaniage im Herbst. Von Dipl.-Jng. Mangold. (Nachdruck verboten.) Jetzt ist es an der Zeit, die Außenantenne einer genauen Prüfung zu unterziehen, ob sie noch genügende Festigkeit hat, um den Beanspruchungen durch die Herbst- und Winterstürme gut zu wider- tehen, damit man nicht an einem Winterabend plötzlich die Feststellung machen muß, daß die Antenne beschädigt ist und keinen Empfang mehr gibt. Denn im schlechten Winterwetter dürfte eine Reparatur der Antennenanlage mit recht erheblichen Schwierigkeiten verbunden sein. Natürlich ist auch sonst eine jenaue Besichtigung der Antenne in regelmäßigen Abständen von vielleicht I oder 4 Zahr erwünscht, damit kleine schadhafte stellen sofort ausgebessert werden können, bevor Schaden an Personen oder Sachen entstehen, für die her Besitzer haftbar ist. Die Prüfung hat sich zunächst auf die mechanische Befestigung der Antenne zu erstrecken, ob z. B. alle Haken oder Befestigungen noch fest sitzen, die Drahtseile zur Abspannung noch nicht gelockert sind, und, wenn man einen freistehenden Holzmast verwendet hat, ob dieser nicht unten verfault ist, so daß fein Abbrechen zu erwarten ist. Dann kommt die elektrische Prüfung der Anlage, die sich auf die Isolation der Antenne selber und auch auf ihre Niederführung zu erstrecken hat. Man untersuche die Abspannisolatoren, meistens werden es Porzellanisolatoren sein, ob sie Bruchstellen oder Nisse zeigen. Im bejahenden Falle sind sie am besten durch neue zu ersetzen. Sehr genau ist die Führung der Antennendrähte und ihre örtliche Lage zu benachbarten Mauerwerk oder sonstiger Erdleitung zu beobachten, ob sie nicht bei der Bewegung durch den Wind oder aus sonstiger Ursache irgendwo anstoßen und dadurch den Empfang beeinträchtigen bzw. zunichte machen. Es ist hier noch viel zu wenig beim Funkfreund bekannt, daß neuer Antennendraht nach kurzer Zeit sich dehnt, wodurch der Durchhang sich vergrößert. Er ist dann erforderlichenfalls nachzuspannen. Auch auf die Zuführung ist die Kontrolle in gleicher Weise auszudehnen. Sie gerät erfahrungsgemäß noch leichter mit der Dachrinne, Baumzweigen oder dgl. in Konflikt, besonders bei Bewegung durch den Wind. Auf die Prüfung der Isolierungen ist besondere Sorgfalt zu verwenden und zu bedenken, daß bei feuchter Witterung, wie sie im Herbst und Winter meistens vorherrrscht, jede mangelhaft isolierte Stelle leicht zum vollkommenen Nebenschluß werden kann, der den größten Teil der aus der Lust genommenen Energie ungenutzt zur Erde ableitet. Auch die Einführung durch die Mauer oder das Fenster kann in dieser Beziehung schädlich wirken. Der Draht muß so gelagert werden, daß er den Einführungskanal außen und an solcher Stelle nicht berührt, die bei Regen oder feuchter Witterung (Nebel) leicht zu einer1 leitenden Feuchtigkeitsbrücke von Draht zum Mauerwerk über die Isolation werden kann. Gerade die Hochfrequenz nimmt ja bekanntlich ihren Weg sehr gerne an der Oberfläche der Leiter entlang. Natürlich ist auch die Erdleitung einer Besichtigung und Prüfung zu unterziehen. Hier ist zu untersuchen, ob die Drähte noch unbeschädigt und nirgends eine die Leitung unterbrechende Lucke ist. Verwendet man eine Erdplatte oder als Ersatz dafür einen Zinkeimer oder dgl., so ist zu untersuchen, ob alle Erddrähte noch gute Verbindung mit der Erd- platle haben. Günstig ist es, wenn man die Koksschüttung in der Umgebung der Erdplatte erweitert und gut mit Wasser tränkt. Dann arbeitet die Erdleitung, die für guten Empfang nicht minder wichtig ist, wieder einwandfrei. Zuletzt kommt eine Besichtigung des Erdschalters daran, der zweckmäßig an der Außenwand des Hauses feinen Platz findet. Auch hier sind die Kontaktflächen zu reinigen, lose Schrauben nachzuziehen und vor allen Dingen die Isolation auf ihr tadelloses Funktionieren hin zu untersuchen, damit bei feuchtem Wetter auch hier keine unerwünschte Ableitung entsteht. Der ganze Schalter wird am besten durch einen Deckel vor den Witterungseinflüssen geschützt. Technisches Allerlei. Vom Geheimen Regierungsrat Max ©eitet (Nachdruck verboten.) Man kann dem gespannten Wasserdampf die Anerkennung nicht versagen, daß er sich mit bewundernswerter Anpassungsfähigkeit gegenüber seinen Mitbewerbern — Wind, Wasser, Gas, elettrischem Strom, Treiböl — erfolgreich behauptet -hat Der zwischen dem Dampf und seinen Gegnern feit Jahrzehnten entbrannte Kamps weist bis heute weder Sieger noch Besiegte auf und bildet ein würdiges Gegenstück zu dem Ringen zwischen dem Gaslicht und dem elekttischen Licht. Einen neuen Beweis für die ungebrochene Lebenskraft des Dampfes liefert die aus England kommende Nachricht, daß der Höchstdruckdampf, also Dampf von mehr als 20 Atmosphären Druck, nunmehr auch in dem ihm bisher verschlossenen Schiffsmaschinenbetrieb angewendet wird. Cs befindet sich nämlich eine Anlage von 40,5 Atmosphären Druck für einen Turbinendampfer im Bau. Bereits vor hundert Jahren, zur Zeit der nur mit etwa 1 Atmosphäre arbeitenden Niederdruckdampfmaschine, versuchte Dr. Alban, ein geborener Mecklenburger, der Schöpfer des Wasserrohrkessels, außergewöhnlich hohe Damps- fpaimungen im Dampfmaschinenbau anzuwenden, scheiterte jedoch an der Unvollkommenheit der damaligen wissenschaftlichen Erkenntnisse und tech» nischen Hilfsmittel. Dis zum Jahre 1920 nahmen die Dampfspannungen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, im Höchstfälle bis zu 20 Atmospären Ueberdrück zu. Erst dem leider aUzu früh verstorbenen Dr.-Jng. WilhAm Schmidt in Kassel- Wilhelmshohe war es beschießen, dem Höchst - druckdampf die gebührende Beachtung zu verschaffen. Seitdem vollzog sich in allen Industrieländern eine sprunghafte Steigerung der Betriebsspannungen auf 60, 80, 100 und mehr Atmosphären, wobei jedoch die Anwendung dieser Spannungen auf ortsfeste Kraftanlagen, Lokomobilen und Lokomotiven beschränkt blieb. Der wärmetechnische Erfolg der Anwendung des Höchst druckdampses wirtte sich schließlich in der Weise aus, daß die Höchstdruckdampfmaschine hin- sichllich des Brennstoffverbrauchs dem Diesel- 1 motor sehr nahe kam, der bekamttlich als Schiffsmaschine in einem überaus scharfen Wettbewerb gegen die Dampfmaschine — Kolbenmaschine und Dampfturbine — steht. Nachdem der Höchstdruckdampf im Landdampskcsselbau seine Verwendbarkeit erwiesen hat, dürften feiner Anwendung im Schiffsbetrieb keine wesentlichen Schwierigkeiten entgegenstehen, und wir befinden uns am Anfang eines neuen Abschnittes des Kampfes zwischen Dampf und Treiböl, zwischen Dampfturbine und Dieselmotor, dessen Verlauf für die Wirtschaftlichkeit des Wasscrverkehrs von höchster Bedeutung ist. Die Zahl der im Deutschen Reiche während des Jahres 1925 erfolgten Dampfkesselzer- knalle — ausgenommen sind die Zerknalle der Lokonwtivkessel der Eisenbahnen und der Danipserzeuger der Heeres- und der Marineverwaltung — belief sich auf 10. wobtz» 17 Personen getötet, 7 schwer uird 15 leicht verletzt wurden. Bei sechs Zerknallen ergab sich Wassermangel als Ursache. Der Zerkuall eines Wasserrohrkessels im Betriebe des Blei- imb Zinkerzbergwerks Grube Glanzenberg in Silberberg im Kreise Olpe zerstörte das Kesselhaus bis auf die Grundmauern und forderte drei Menschenleben. Am verhängnisvollsten gestaltete sich der Zerknall eines liegenden Walzenkessels, der zum Betriebe einer feuerlosen Lokomotive gehörte und zerknallte, als er in regelrechter Weise mit Dampf aus anderen Detriebsdampfkesseln ausgefüllt wurde. Der eine Kesselboden wurde abgerissen und flog 70 Meter weit, der zusammengedrückte Mantel wurde 58 Meter weit fortgeschleu» dert. 7 Personen wurden getötet, 3 schwer, 8 leicht verletzt. Leider spielt auch bei diesen schweren Unfällen die menschliche Fehlbarkeit, um nicht zu tagen Unachtsamkeit, eine sehr bedauerliche Rolle. So hatte sich in einem Falle der Kesselwärter eines seit 41 Jahren im Dienst stehenden Zweiflammenrohrkessels, obwohl die den Wassermangel rechtzeitig anzeigende Warnungspfeife ertönte, nicht davon überzeugt, daß der Wafserstand tief gesunken war und in den Wasserstandsgläsern überhaupt nicht mehr gesehen werden konnte. In einem anderen Falle konnte man fast von einer „Trockenlegung" des Kessels sprechen. Die chemische Industrie ist häufig gezwungen, beim Ba u großer Apparate auf das billige und leicht zu bearbeitende Eisen zu verzichten und statt dessen teuere und schwer zu bearbeitende säurebeständige Legierungen zu benutzen. Hier schuf die neuerdings sehr vervollkommnete Oberflächenveredelung der Metalle durch Diffusion allmählich einen erfreulichen Wandel; diese gab in steigendem Maße die Möglichkeit, Eisen für chemische Apparate zu verwenden. Bei der Oberflächenveredelung eines Metalls durch Diffusion wird in die Oberfläche eines weniger edlen Metälles ein edleres Metall in einer solchen Menge eingelagert, daß jene Oberfläche Eigenschaften annimmt, die den Eigenschaften des edleren Metälles nahe kommen. Die Veredelung kann in einer Erhöhung der Widerstandsfähigkeit gegen chemische Einwirkungen und gegen Rost bestehen sowie in einer Verbesserung der mechanischen Eigenschaften, z. B. Erhöhung der Härte. Sie wird in der Weise ausgefü'hrt, daß der zu veredelnde Gegenstand in das in die Oberfläche zu überführende gepulverte Metall oder auch in gepulverte Kohle gelagert und erhitzt wird. Diese Verfahren finden Anwendung bei der sogenannten Zementation des Eisens, bei der Kohlenstoff in dessen Oberfläche hineindiffundiert, sowie bei dem fogernannten Kruppschen Alitierverfahren, das dazu dient, durch Bildung einer Aluminiumschicht Eisen gegen Verbrennen zu schützen. Die Oberslächen- veredelrmg der Metalle ist neuerdings dahin erweitert, daß auch Chrom, Wolfram und Molybdän in die Oberfläche von Eisen hineindiffundiert werden können. Auch die Veredelung von Nickel läßt sich durch Diffusion von Chrom erreichen. ♦ Seit dem Anfang des Jahrhunderts haben sich die Abmessungen der Riesen- dampsschiffe so erhöht, daß deren Wasserverdrängung von 22 700 Tonnen („Kronprinz Wilhelm", erbaut vom Stettiner „Vulkan") auf 65 000 Tonnen (Bismarck", erbaut von Blohm und Voß in Hamburg) stieg. Die aus denr Zusammenbau dieser Ozeanriesen sich ergebenden Forderungen konnten nur dadurch erfüllt werden, daß der deutsche Kranbau Hebevorrichtungen schuf, die imstande sind, Schiffstelle, Schiffs- mafchinen und Kessel von früher unbekannten Abmessungen und Gewichten in den Schiffskörper einzufügen, ohne daß es erforderlich ist, diese zu zerlegen. Ein für Blohm und Poh in Hamburg erbauter 55 Meter hoher Turmdrehkran hat eine Tragfähigkeit von 250 Tonnen. Sein Ausleger kann bis zu einer Höhe von 96 Meter ausgezogen und in dieser Stellung zum Einsetzen von Masten benutzt werden. Eine besondere Art der im Schiffbau verwendeten Krane derselben hohen Tragfähigkeit bilden die mit einer eigenen elektrischen Kraftanlage ausgestatteten Sc^vimmkrane. Bei diesen besteht die von ihrem Erbauer zu lösende schwierige Aufgabe darin, daß sie bei jeder wechselnden Lage der Last gegen Kentern gesichert sein müssen. Die Handhabung aller Bewegungen wird von einem einzigen Mairn ausgeführt, in dessen Führerstand alle Steuereinrichtungen vereinigt sind. Die Zahl der Seilbrüche an Berg- werlssördermaschinen ist dank der scharfen Ueberwachung außerordentlich zurückgegan- gen. Jedes bei der Förderung von Personen benutzte weil muh mindestens achtfache, jedes Seil für die Güterbeförderung sechsfache Sicherheit haben. Mit der Bergschule in Bochum ist eine Seilprüfungsstelle verbunden, die mit Zerreißmaschinen ausgestattet ist, auf denen die stärksten Drahtseile zerrissen und auf ihre Tragfähigkeit geprüft werden können. Die Sicherheit der Drahtseile wird durch Rost und äußere 2Eb- nutjung, die beide den tragenden Seilquerschnitt vermindern, gefährdet. Der Rost kann durch Vorbeugungsmittel erfolgreich bekämpft werden. Dagegen ist die durch Reibung auf der Seiltrommel oder Seilscheibe bewirkte Abnutzung ein unabwendbares Alebel, das nur durch sorgfältige Beobachtung unschädlich gemacht werden kann. Die Provinz Mark. Tendenz: ruhig, maggi5 Buchstaben-Suppe 2 Teller reguagen sei WMM -er Pa Pari/. 6 'fe polnM punlt 9*U M geneigt W barlänkern zu ©leid* ©elanbtfd) aaentur eme / |ie ihren 6U MrM mm ter in - agentur überm; und weist die 2 Muislh-soivietr trag zwischen 6t begründet 0' den am 12. 3n und rn Ulkten s>a; (W ' geroe\et worden. Liin facto. Sie len und Litau zwischen den werden. Der Poben und in Riga unte daraus, in IW Frage des M ff* d/e/e b iiusbrüdlid) bk ft ^oitn anrsl wßlond absolut der Besetzur Zenerol Zeli daß dieser 2 dend wirken ki schen Polen uh llk. $ trltf'.«»9 5d)£ • ^5 EA 9bt lohf. injelne l»«>! W Ä«1• ’ ytiHtf regelt würden. Zu dem ruf ! Wafotofti, ! dem, insbefon. i Vertragen entf Anhänge, u bah es feinet Völkerbund mng Rußland Anhang werde d o l e n u n d L , 3uftonb eint Standpunkt übei ! burch Artikel 2 j 12- M M \ 1 ^chlMvlgerum 1 also: Dasjenige A Nauen bezi gefdjloffen rt aufo sei bet 6f Riga, D । ?^len Sowjetr Jjm einschiießf S lreundschas d ien dunsche sÖen ^lektwdertraa Aschen 6ta9' J«Nanb untfaffe » öie at '«in der D°j, ani PvKn if ' ugret-en, ohne: Ä" 1 laßt, A.ballj ! land bj&jjQr gMn selbst *8* 5" ni4t», ’S” 'Her jjnt,urf lchlllb?0,9e T°zi°^rL. enQ,Qufbnt0' feier im Vordergrund stehen. 18,9 45, 8,55 153,75 - 1144,75 ! 167.5 ; 165 167,5 125,5 46,5 cm beiden Abteilungen. Letzteres blieb auch so, 'Banknoten. no- Neu 8136c Geboten allzu große Besonders bezieht sich beiden Getreidearten Ausland hatte heute 163’ 152 139,75 155 145 161) 129 163,1 163,4 <6125 0.6 0,5975 0,11 0.61 Anwar er- war An- als die die als ge- 121‘ 156,5 in der Landwehrstraße „Liebigs-Oberrealfchule" Schule „Ludwigs-Ober- Entwicklung führt also Dedrsenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphi sche Auszahlung. 17 44 162.75 97.5 58 3 184.5 89 103 98 57 3 184 87.25 101,5 204 89,75 167.5 ; 165,9 , 69; 162.9 160 140,2’ 203.75 88.4 ! 84,75 161 101 162’ 170.5 169.5 141 155 62.25 60,5 122 159 154,25 73 95,r 295' meisten Seilbrüche sind übrigens nicht die Folge schadhafter Seile, sondern werden durch plötzlich oustretende Stöße herbeweführt. Solche Stöße können beispielsweise eintreten, wenn ein Förder- torb aus seiner Bahn tritt und von dem in entgegengesetzter Richtung fahrenden Korb getroffen wird, oder beim sogenannten Llebertreiben, wenn ein Korb bis zum Anstößen im Fördergerüst hochgerissen wird. In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts rissen etwa 20 vom Hundert sämtlicher jährlich abgelegter Seile im Betriebe; diese Zahl ist heute auf etwa 0,5 vom Hundert, also auf den vierzigsten Teil vermindert. 1911 zur Eröffnung einer die den stattlichen Neubau bezog und den Namen de Forderungen sowie den Differenzen bestehest bleiben, das auf Exportware, die in keinen Nutzen brachte. Das seine Forderungen ermäßigt, In jede Hausapotheke gehört Chinosol. Verlangen-Sie kostenlose Broschüre in Apotheken und Drogerien. 0.698 0,60 Wirtschaft. Börsenkurse. 18,9 45,5 230.75 144 231 175.25 97.5 164.75 147,5- -34.5' 189’ 167’ 153.5 141 fiert: Weizen, Wetterauer, 28,75 Mark, Roggen, inländischer, 22,75 bis 23; Sommergerste für Lrau- zwecke 23,50 bis 28; Hafer, inländischer, 18,50 bis 19; Mais, gelb, 18,75 bis 19; Weizenmehl, inländisches (Spezial 0), 41,50 bis 42; Roggenmehl 33 bis 34: Weizenkleie 9,50 bis 9,75; Roaaenkleie 10.50 mf. Die Verwendung des Flugzeugs zur Vernichtung der Forstschädlinge, die it. a. in den Vereinigten Staaten mit Erfolg geschah, ist auch bei uns in einer Weise vervollkommnet worden, die die besten Aussichten für die Bekämpfung auch der Schädlinge der Landwirtschaft bietet. Don besonderer Bedeutung ist, daß neuerdings in einem Kalzium-Arfen- Präparat ein Streugift zur Verfügung steht, das einerseits auf die Schädlinge eine vernichtende Wirkung ausübt, andererseits aber für die damit Beschäftigten sowie für das Wild und die Vögel keine Gefahr mit sich bringt. Die Giftstoffe werden mit einem Zerstäubungsapparat abgeworfen, und zwar zweckmäßig entweder in den späten Abendstunden oder in den frühen Morgenstunden, weil die zu diesen Zeiten herrschende Ruhe und die Feuchtigkeit der Luft das Haften des Stoffes auf den Bäumen und Sträuchern begünstigt. 160.5 109 82 160.75 170.5 169 143.25 151,5 62,75 71 121 159 162,5’ 1'6 163’ 172.15 172 146 158 im Jahre 1885 die Reylschule erster Ordnung Bezeichnung „Realgymnasium" erhielt, während „Realschule zweiter Ordnung" wieder generell Realschule bezeichnet wurde, wie es vor 1873 ~ wesen war. Erst im Jahre 1889 fand eine Trennung beider Anstalten statt, und zwar auch räumlich. Das Realgymnasium verblieb in dem neuen Gebäude, während die nunmehr wiederum selbständig gewordene Realschule das ehemals bereits innc= gehabte Pädagog und Kyritzsck)e Stift beziehen ruußte. Die Ausdehnung der Schülerzahl machte im Jahre 1890 die Hinzunahme des ehemaligen Pfarrhauses nebst dem Stift notwendig, das in der Zeit Geschäftliches. Schuh gegen Änochenerkrankungen. anhaltende Seuchenfestigkeit und frohes Wachsen aller Jungtiere verbürgt mit Sicherheit M. Brockmanns Dieh- Lebertran-Emulsion „Osteosan". Wer einen Vieh- stand unterhalten will, der bei steter Gesundheit Höchsterträgnisse durch abgekürzte Mastdauer, reiche Würfe und verstärkte Milchproduktion liefert, wird mit M. Brockmanns Vieh-Lebertran-Emulsion „Osteosan" beste Erfahrungen machen. Ein Wink für die Frau. Es liegt in der Natur der Wäschepflege, daß die einzelnen Stücke zunächst vom Schmutz befreit und danach gebleicht werden, wie es eben bei der Rasenbleiche üblich ist. Die gleiche Reihenfolge sollte auch dann eingehalten werden, wenn die natürliche Bleiche fehlt. Die Mittel hierzu sind bekannt: Zum Reinigen der Wäsche Dr. Thomosons Seifenpulver mit dem Schwan und zum Bleichen „Seifix". Beide Mittel enthalten keine schädlichen Bestandteile. Letzte Nachrichten. Grzesinski preußischer Minister des Innern. Berlin, b. Oft (TU. Drahtmeldung.) 21 in l - I i ch wird mikgeteilk: Der preußische Minister des Innern, S e v e r i n g , hat den preußischen Ministerpräsidenten gebeten, ihn mit Rücksicht auf seine erschütterte Gesundheit von seinem 21 m f 3 u entbinden. Ministerpräsident Braun hat sich den von dem Minister des Innern vorgebrachten Gründen nicht verschließen können und hat an seiner Stelle den Polizeipräsidenten von Berlin, G r z e s i n s k i, Mitglied des Landtags, zum Skaaksminister und Minister des Innern ernannt. eine feine Eier-Teigwaren-Suppe - 1 Würfel für 2 Teller nur 13 Pf, 288,5 I 121.5 l 52 124.5 1 172 I 160.62 | 157 107 140 202,5 ; 88,5 ; erhielt, während die alte realschule" genannt wurde. Die gerade Linie der von der im Jahre 1826 gegründeten Jubelanstall über die Realschule zweiter Ordnung zu den heutigen Oberrealschulen, die nach Schulzweck und Schulplänen noch am meisten den bei der Gründung verfolgten Absichten entsprechen. Die beiden Oberrealschulen und die Vereinigung ehemaliger Real- und Oberrealschüler werden daher bei der Judel- 6,5725 0,56 0.7 0,35 0.56 0.5 0,55 0.55 98 Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der»Radio-Amschau".) Donnerstag, 7. Oktober: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Aeltere französische Opern. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45 Uhr anläßlich des 75. Geburtstages von Emil Claar Vorlesung seiner Novelle „Franziska". 8.15 bis 9.15 Uhr: Der Dichter Kurt Heynicke-Düsieldorf lieft aus eigenen Werken. 9.15 bis 10.15 Uhr: Schwäbischer Tanzbodenabend. An- schließend bis 12.30 Uhr: Üebertragung von Berlin: Tanzmusik. 134,75 95,9 286.75 übrigen unverändert. Von Roggen eröffnete nur der laufende Monat eine Kleinigkeit niedriger, während sonst geringe Gewinne erzielt wurden. Gerste und Hafer ruhig, da die gut gefragten besten Sorten schwer zu haben sind. Mehl still, nur vereinzelt kaufte der Konsum. Es wurden notiert (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, 259 bis 262 Mark; Roggen, märkischer, 212 bis 217; Sommergerste 205 bis 248; Wintergerste 178 bis 182: Hafer, märkischer, 177 bis 188; Mais, loko Berlin, 188 bis 190; (100 Kilo gram): Weizenmehl 35,50 bis 38; Roggenmehl 30 bis 32; Wetzenkleie 9,90 bis 10,25; Roggenkleie 10,50 bis 10,60; Viktoriaerbsen 44 bis 53; kleine Speiseerbsen 32 bis 36; Futtererbsen 21 bis 27; Ackerbohnen 20 bis 2; Rapskuchen 14,40 bis 14,60; Leinkuchen 19 bis 19,20; Trockenschnitzel 8,80 bis 9; Soyaschrot 19,20 bis 19,60. , 232' 147- 234,5’ 179,7’ 167* 154,5 141.5 8,45 so daß auch hier im Lieferungshandel Weizen unsichere Preisgestaltung erfuhr. Nahe Sichten wurden leicht schwächer, im 1898 zu einer den übrigen höheren Lehranstalten gleichberechtigten Oberrealschule erweitert wurde. Die fortgesetzte Schülerzunahme führte im Jahre " " " zweiten Oberrealschule, 159,25 155,25 138.12 200 88 6.2,75 46,25 38 Büchertisch. — Die „Zeitwende" betritt das Herbst- Vierteljahr mit einem von schönen,'flüssigen und fesselnden Beiträgen gefüllten Oktoberheft. (C. H. Beck, München.) Politische und soziale Fragen behandeln die Aussätze von Erich von Drygalsski („Die neuen Staatengrenzen Europas") und von Robert Gaupp („Fragen der Volksentartung"). Beide Aufsätze gehen Europa an: Drygalski kommt zu einem vernichtenden Urteil stber die Grenzen der Friedensverträge, die ubörnll vom imperialistischen Machtwillen bestimmt sind und nirgends — auch im Bereich der Entente nicht — die natürliche Gliederung der Landschaft und des Volkstums berücksichtigen. Gaupp weist eindringlich auf die ungeheuere Gefahr für die Zukunft des deutschen Volkes als Kulturträger hin, die von der gewollten verminderten Fruchtbarkeit gerade der führenden Schichten, vor allem der gebildeten, heraufbeschworen wird. - Andere Aufsätze sind Persönlichkeiten gewidmet, so der von Friedrich Wiegand über „Franz von Assisi". Helmuth Kuhn hat den Wesensunterschied von Hölderlin und der Romantik ganz vorzüglich herausgearbeitet. Die Reise 3can Pauls nach Heidelberg ist Stoff für eine Novelle von Walther Harich. Der Dichter, durch seine Zean-Paul- Biographie bekannt, weiß di; Stimmung dieses zweiten Heidelberger Aufenthalts des alternden Sean Paul wundervoll darzustellen. An der Persönlichkeit eines Musikers der Reuzeit, Oth- mar Schoeck, wird von Hans Corrodi das Problem der modernen Musik behandelt. Ein Erlebnis aus dem bolschewistischen Rußland erzählt Sonja Mischkin in dem Beitrag „Todesreif". Diese kleine Geschichte erhellt für uns die furchtbaren Zustände in dem unglücklichen Lande. Das Ganze ist ein fein abgestimmtes Heft, in dem jeder Beitrag Beziehung zu Fragen der Gegenwart hat. Kirche und Schule. Dorfkirchetttag«ttg in Giesren. Am Mittwoch, 13. Oktober, veranstaltet die D o r f t i r ch e n v e r e i n i g u n g für das nördliche Oberhessen und den Kreis Wetzlar eine Dorslirchentagung in Gießen, zu der eine große Anzahl von Pfarrern, Lehrern und Freunden ier Dorfkirchensache erwartet wird. Auch der Prälat der Landeskirche D. Dr. Diehl hat sein Kommen in Aussicht gestellt. Hochinteressante Themen stehen zur Verhandlung. Pfarrer F. W. Petri, Hohensolms, spricht aus reichen Erfahrungen der Volkshochschularbeit über. „Die ländliche Volkshochschule und die Jugendpflege auf dem Lande". Lieber. die durch die völkisch: Bewegung und die Frage der Deutschkirche auf dem Lande aktuell gewordene Frage des Alten Testaments spricht Tlniversitätsprofessor D. rheol. Äiebergall, Marburg; sein Thema lautet: „Das Alte Testament und die bäuerliche Frömmigkei t“. Die Geschichte der Realschule in Darmstadt. Zur Hundertjahrfeier der Darmstädter Nealanftalten. Die Darmstädter Realanstalten und ihre ehemaligen Schüler feiern Anfang November das hundertjährige Bestehen der Anstalt, aus der sie heroorgegangen sind. Es ist nicht einfach, den Weg rückwärts zu verfolgen, den die Jubelanstalt genommen hat. Die mehrfache Zusammenlegung mit anderen Schulgattungen, Organisations- und Namensänderungen, Gebäudewechsel usw. wirken verwirrend. Die Einordnung namentlich der ältesten unter den ehemaligen Schülern hat daher bei Gelegenheit der Jubiläumsveranstaltungen des öfteren Anlaß zu Irrtümern gegeben. Im folgenden sei der Entwicklungsgang in großen Zügen bargefteUt: Die fortschreitende kulturelle, technilche und wirt- schaftliche Entwicklung hatte zu Beginn des vorigen Jahrhunderts immer mehr das Bedürfnis nach einer Unterrichtsanstalt hervorgerufen, die an Veaensatz zur vorherrschenden Lateinschule eine höhere geistige Bildung in den Naturwissenschaften, ber Mathematik und den neueren Sprachen vermittelt. Verhältnismäßig spät trug man in Darmstadt diesem Bedürfnis Rechnung mit der Errichtung der Realschule im Jahre 1826. Sie hatte ursprünglich nur vier Klassen (später sechs) und war unter- gebracht in der Pädagogstraße in dem Hause, das setzt der Stadtbücherei dient. Bereits im Jahre 1836 wurde an der Realschule eine höhere Gewerbeschule a'.geschlossen, die nur aus zwei Klassen bestand. Aus letzterer ging die Technische Hochschule hervor. Beide Llnstalten siedelten im Jahre 1845 in das Gebäude am Kapellplatz über, in dem sich die jetzige Ludwigs- obcrrealschule befindet. Die Vereinigung der beiden Anstalten dauerte bis zum Jahre 1864, von welchem Jahr ab die Realschule wiederum selbständia für sich bestand. Die höhere Gewerbeschule wurde in diesem Jahre zu einer technischen Schule erweitert, die 1859 zur polytechnischen Schule und 1877 zur Technischen Hochschule erhoben wurde. Die Realschule mußte im Jahre 1872 das Schulgebäude am Kapellplatz verlassen und wurde vorübergehend in dem Pädagog und dem Kyritzschen Stift untergebracht, bis im Jahre 1879 der Neubau am Kapellplatz bezogen werden konnte, der später dem Realgymnasium allein diente und noch dient. Inzwischen hatte sich im Jahre 1873 eine Trennung innerhalb der Realschule vollzogen. Die Schulreformbestrebungen hatten dazu geführt, die Realschulen so auszugestalten, daß sie ebenso wie die Gymnasien eine ausreichende Vorbildung für das Akademische Studium vermittelten. Hierzu konnte .man nach der damaligen Anschauung das Latein nicht entbehren. Neben der seitherigen Realschule wurde daher im genannten Jahre eine besondere Abteilung gebildet in der Art, daß den sechs Klassen zwei Oberklassen aufgesetzt wurden, und der Lateinunterricht als Pflichtfach eingeführt ward. Diese Abteilung nannte mau von nun an „Realschule erster Ordnung", während die seitherige sechsklassige Realschule, in der das Latein nur fakultativer Unterrichtsgegenstand war, „Realschule zweiter Ordnung" hieß. Beide Abteilungen hatten aber noch die gemeinschaftliche Bezeichnung „Realschule", standen unter einem Direktor, und die Lehrer unterrichteten zwischen 1876 und 1879 schon einmal für die Schulzwecke benutzt worden war. Stift und Pfarrhaus sind im Jahre 1908 niedergelegt worden, um dem Neubau für das naturwissenschaftliche Institut des Realgymnasiums Platz zu machen. Durch den Neubau der Technischen Hochschule wurde im Jahre 1895 dos Schulgebäude am Kapellplatz frei, worauf die Realschule im Jahre 1896 wieder ihr altes Heim beziehen konnte. In dem großen Gebäude konnte sie sich frei entwickeln. Die Schülerzahl nahm beträchtlich zu, insbesondere als die Realschule im Jahre 1163,5’ 106,75 163,25 172.5' 171.2* i147,5* । 156,5 64,75 ; 7o 1124,7’ 1162,25 136,75 136.75 133,75 136 Frankfurter Börse. Frankfurt a. M.. 6. Oft. Tendenz; fangs unsicher, dann befestigt. — Die Börse auch heute freundlich veranlagt, doch öffnete das Geschäft in ruhigen Bahnen und eher etwas zurückhaltend, da es an neuen 0.59 O,577a (1.71 0.34 1,4725 0,57 0,55 0,535 5% Deutsche ReichZanlethe . 4% Deutsche Retchsanlcibe . B’/a% Deutsche NcichSanlcide 3% Deutsche NelchSanleiye . Deutsche Svarprännenanletbe 4% Preußische Konlols . . . 4% Hesse«.......- • • - 3*/s% Hessen.......... 3% Henen ........ Deutsche Wcrlb- Dollar»Anl. dto- Doll.-Schav-Amreiing.') 4°/0 Zolltürken.......- - 5% Goldmcrikana...... Berliner Handcl-gcsellschafl. Commerz- and Privat-Bank Tarmst. und Narionalbanl . Deutsche Dank......... Deutsche DcreinSbank .... Disconko Commandit .... Metallbau! Mitteldeutsche Crcditbank. . Oesterrcichische Creditanstall. Weltbank. .......... Bochumer «Suh ...... BudcruS.. ........ Coro Deutsch-Lurembnrg Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpencr Bergbau Kaliwerke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln. .... Laurahütte .......... Oberbedars Plwnir Bergbau . Ryciusiahl .......... Niebeck Montan ....... Tellus Bergbau. Vereinigte Stahlwerke A.-G- Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd ..... Chcramischc Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann Anglo-Cont.-Guano Chunische Mäher Alapin . . y. Ö>. ssarbeninduslric, A.-G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung . ...... Nütgerswcrke Schcideaustalt Mg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Moulkrastwerke ....... Schucken..........» Siemens 4 Halske ..... SlMcrrocrte Kicher ...... Daimler Motoren. ..... Hehligeustaedr......... Megum...... Motorenwerke Mannheim . frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . 9)kctallgeselllchaft Frankfurt. Del. Union A.-G Schuhfabrik Herz ...... Sichel Bctlftorr Waldhof...... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . Frankfurt?/ .. -rcivebörfc. Frankfurt a. M., 6. Ott. Es wurden Briei 4,196 11,44 111,5b 20,412 11,93 168,32 15,94 92,08 69.3J 2,205 112,22 81,15 63,21 12,442 5.88 Berlin, 5. Oktbr Amerikanische Note» . . . . . Belgische Noten ....... Dänische Noten ....... Englische Noten ....... Französische Noten ...... Holländische Noten...... Italienische Noten Norwegische Noten Deulsch-Oesierr.äiov Kronen Rumänische Noten Schwedische Noten ..... Schwerer Noten....... Spanische Noten .. Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten....... Geld 4,176 11.38 111,02 20,312 11,87 167,48 15,86 91,62 59.03 2,165 111,72 80,95 62,89 12,382 5.84 waren nur in geringem Umfange eingelaufen, weshalb die Spekulation zumeist auf sich angewiesen toar. Die Stimmung blieb i m allgemeinen fest, doch hielten sich die Kursgewinne anfangs in engsten Grenzen. 3a einigen S pe z i a l w e r t e u entwickelte sich eine etwas lebhaftere Ll m s a tz l ä t i g t e i t. Samrs gesucht waren Oelallien, von denen Deutsche Erdöl von 165 auf 167,5 Prozent und Rütgers- toerfe um 1,5 Prozent anziehen fonnten. 3m Verlaufe erstreckte sich die Kauflust in größerem Maße auch aus die übrigen Märkte, so daß auch hier wesentliche Kursavancen erzielt werden konnten. Am ‘Jlt 0 n t a n rn a r 11 wurden höher: Buderus plus 0.1. Rheinische Braunkohlen plus 1,5, Riebeck plus 0,8, Gelsen- tirchen, Klöckner je plus 0,5 Proz. Kaliaktien lagen recht fest und erzielten Steigerungen bis zu 2 Proz. Von E h e m i e w e r t e n zogen 3. G.- Farben um 0,75, Scheideanstalt um 0,87 Proz. an. Glektroaktien waren günstig veranlagt bei Kursbesserungen von 1 bis 2 Pro;. Fest tendierten Banlaktien, wo sich die Kurse um weitere 1 bis 2 Proz. erhöhten. Von Schi ff- fahrtsaktien konnten Rordd. Lloyd 1,75 an= ziehen, während Hapag unverändert , blieben. Von M 0 t 0 r en a f t i c n lagen ASTI, sehr begünstigt und erzielten eine neue Steigerung um 2,5 Proz., Kleyer plus 0,75 Proz. Zellstoffaktien fuhren in der Auf- wärtsbewcgung fort. Aschaffenburg plus 2 Proz., Waldhof plus 1,5 Proz., Bauaktien tendierten weiter fest bei allerdings nur mäßigen Kursavancen. Zuckeraktien unsicher. Heimische Anleihen tonnten bei wesentlich ruhigerem Geschäft ihre Steigerungen fortsehen. Preußische Konsols gut befestigt. Ausländische Renten lagen nicht einheitlich. Türken mußten leicht nachgeben, während Russen und Ungarn fest lagen. 3m F r e i v e r k e h r waren Petroleum gesucht und zogen von 86,5 auf 95 Prozent an. Die übrigen Werte waren nahezu unverändert. Drown Boveri 125, Entreprise 9, Frankfurter Handelsbank 85, Growag 60, Ufa 39 Prozent. 3m späteren Verlause konnte sich die Auswärtsbewegung für einzelne Aktienwerte fortsetzen. Am Geldmarkt hielt die Entspannung an. Tagesgeld war in größeren Beträgen ange- boten und stellte sich auf 4 bis 6 Prozench Monatsgeld 5,62 bis 7,5 Prozent. Privatdiskonten 5 Prozent, 3ndustrieakzepte 5,37 Prozent. 3m D e v i s e n v e r l e h r lagen die lateinischen Valuten weiter fest. Paris gegen London 170,25, Brüssel 178, Mailand 128,50. Dagegen waren das englische Pfund (4,852 gegen Kabel) und die Reichsmark (4,1985 gegen Kabel) leicht abgeschwächt. Berliner Börse. B c r I i n, 6. Okt. Die Börse setzte in fester Haltung ein, und die Spekulation schritt zu Rückkäufen, die durch den festen Verlauf der Frankfurter Abendbörse angeregt wurden. Man erinnerte sich auch der in den letzten Tagen bekannt- gewordenden günstigen Berichte über die wirtschaftliche Entwicklung und wies ferner auf den Zusammenbruch des Hamburger Hafenarbeiterstreiks hin. Die am Geldmarkt zu verzeichnende geringe Entspannung belebt das Geschäft. Die Aufmerksamkeit der Börse war auf einige Spezialwerte (Oetaftien, Farbenaktien, Freigabewerte, Bankaktien und einige Nebenpapiere) gerichtet, die um 4 bis 6 Prozent anzogen. Die Aufwärtsbewegung der übrigen Aktienwerte betrug durchschnittlich 2 bis 3 Prozent. Heimische Staatsrenten setzten die Höherbewegung fort, allen voran Kriegsanleihe, die mit 0,612 einen Rekordkurs erreichten. Von der Bewegung wurden sämtliche bundesstaatlichen Papiere, besonders süddeutsche, ergriffen. Der Auslandrentenmarkt trat demgegenüber heute in den Hintergrund, zumal die letzten Kurssteigerungen dieser Papiere vielfach deren inneren Wert überschritten haben. Am Geldmarkt hält die Nachfrage nach Tagesgeld an, doch sind auch die Rückflüsse stärker geworden, so daß im ganzen eine Erleichterung eintrat. Tagesgeld 6 bis 7 Prozent. Im Devisenoerkehr konnten sich die westlichen Franlenvaluten leicht befestigen. Paris gegen London 169, Brüssel 177,75. Dagegen gab das englische Pfund gegen Kabel auf 4,8515 und die Reichsmark auf 4,1985 nach. Berliner Produktenbörse. Berlin, 5. Okt. Die anhaltende -Hackfruchternte ist mit der Hauptgrund, weshalb das Jnland- angebot nach wie vor klein ist, andererseits aber angebot nach wie vor klein ist, ss oo-sta,UMLHW sind auch die Käufer recht vorsichtig, da zwischen Frankfurt a.M. Berlin Sd)lng.' l.Uhr. Kurs | Kur» Schlug.'Änfang Kurs i fturs Datum: 5. 10. j 6. 10- 5. 19. | 6. 10. 5 Oktbr. 6. Oktbr. Amtliche Noti.rung Amtliche Notierung Geld Briet Geld Bries Amsr-'Nou. 167.83 168,25 167,79 168.21 Buen-Aires 1,713 1,717 1,714 1,718 Brss.-Antw. 11,41 11,45 11.505 11,545 Christiania - 91,89 92,10 91,85 92,07 Kopenhagen 111,32 111,60 111,33 111,61 Stockholm . 112,66 112,34 112,03 112,32 Helsingfor». 10,545 10,585 10.542 10,582 Italien. . 15.80 15,83 16,08 16,12 London. . 20,339 20,389 20,341 20,391 Neuvork . . 4.1925 4,2025 4,193 4,203 Paris. . . 11.865 11,905 12,06 12,10 SSweiz . . cU.98 61.18 81,00 61,20 63,08 Spanien. . 63.07 63,23 62,92 Japan . . . Nio de Jan. 2,0.37 2,14(1 0,62? 2,039 2,04 i 0.625 0.623 0.62-5 Wien in D-- Ceft. abgest 59,06 69,34 59,2 t 59,35 Prag .... 12,414 12,451 12,411 12,451 Belgrad • . 7,415 7,45 7,415 7,435 Budapest - - a,87 5,89 5.87 5,89 Bulgarien ..03 5,04 3.03 3,04 Lissabon 21,475 21,525 21.525 31,575 Danzig. . . Konstantin. 81.40 81,60 81,34 81,54 2,142 2.152 2,155 2,165 Athen 4,99 5,01 4,99 5,01 Kanada. . . 4.195 4.205 4,196 4,206 UruQuat) . . 4.21 4.22 4.205 4.215