Nr. 182 Erstes Blatt 116. Jahrgang Zrettag, 6. August 1926 «r|ch eint täglich, außer Sonntags und FÄertag^ Beilagen: Gießener Famüier.blätter Heimat im B'ld Die Scholle. Monatr-Vezngrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspiennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitunq 112, Verlag und Geschäftsstelle 61. Anschrift für Drahtnachrichten- Anzeiger chiehen. postscheiNonto: granffurtam Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvck und Verlag, vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und Zleindruckerei «.Lange in Sieben. Schnstleltung und Seschäftsstelle: Zchvlftraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer dis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 .nm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorfchrift 20' , mehr Theftedokteur: Dr. Friedr Wilh. Lange Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; tor den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An- zeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen. zu unterstützen, die sich für d i e „edle Sache der Unabhängigkeit und für die französische Freundschaft" eingesetzt haben (mit anderen Worten die rheinischen Separatisten). Diele von diesen Rheinländern hätten sich, da sie im Rheinland schikaniert und ruiniert worden seien, nach Paris flüchten müssen. ,La Halle" will im Rahmen ihrer Mittel die Versprechen einlösen, die jenen Leuten von Frankreich gemacht, aber nicht gehalten worden sind. Die Liga will ihnen Mittel zur Verfügung stellen, ein Flüchtlingsheim schassen und ihnen bei der Naturalisierung behilflich sein. Dertrauens^undgebung für Professor Rosss. Paris, 5. August. (Abendblätter.) Die elsässische Lehrergemeinschaft hat als Protest gegen das Urteil gegen Professor Rosss, der, wie schon gemeldet, von der Diszivlinarkammer wegen Unterzeichnung des Manifestes des Heimatbundes seines Amtes enthoben worden ist, Professor Rossö zu ihrem Generalsekretär ernannt. Vie Tagung der deutschen Einzelhandels Paris, 5. Aug. (WB.) Don dem deutschen Botschafter v. Hoesch und Ministerialdirektor Posse einerseits und dem französischen Außenminister B r i a n d und Handelsminister Boka - n o w s k y andererseits sind heute nachmittag im französischen Außenministerium zwei Verträge unterzeichnet worden. Der eine dieser Verträge ist ein auf die Dauer von sechs Monaten abgeschlossenes vorläufiges Handelsabkommen, der andere eine Teilvereinbarung über den Warenaustausch zwischen Deutschland und dem Saargebiet. Durch den ersteren Vertrag wird der Warenverkehr zwischen Deutschland und Frankreich für eine bestimmte Anzahl, die Ausfuhr beider Länder interessierender Waren geregelt. Außerdem enthält dieser Vertrag Klauseln über das Statut der Personen und Gesellschaften. In den Teilvertrag über die Saar sind eine Anzahl der in dem vor einem Jahr abgeschlossenen, aber nicht in Kraft getretenen Saarabkommen geregelten Fragen des Warenverkehrs zwischen Deutschland und dem Saargebiet, die teilweise in einem besonderen Zusammenhang mit der für die entsprechenden Warengruppen im Handelsabkommen getroffenen Regelung stehen, übernommen worden. Von unterrichteter Seite werden über den Vertragsabschluß folgende Einzelheiten mitgeteilt: Das Handelsprovisorium stellt nur ein Teilab- fommen dar, das nur einen Teil des deutschfranzösischen Handelsverkehrs regelt. Don fran- ?ösischer Seite war bereits von Beginn der zu- etzt eingeleiteten Handelsvertragsverhandlungen an ein großer Wert auf die Unterbringung verschiedener Konzessionen für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse, insbesondere für Gemüse, Obst und Weintrauben gelegt worden. Diesen Wünschen ist von deutscher Seite Rechnung getragen worden. Weiterhin sind gewisse Konzessionen für die Einfuhr von Seidenwaren, Automobilen und Vorzugs- sähe für Seifen, Parfümerien und Konsektionswaren den Franzosen gemacht worden. Abgewiesen wurden die französischen Wünsche soweit sie Wolle. Baumwolle und Eisen betreffen. Diesen Konzessionen, die von deutscher Seite den französischen Wünschen gemacht wurden, steht eine umfangreiche Liste der deutschen vielgestaltigen Ausfuhr gegenüber. Die Kvnzessionen, die Deutschland erhält, erstrecken sich auf alle Gebiete der deutschen Industrie, vorzugsweise aus elektrische und chemische Produkte und Maschinen. Weiter seien unter den Deutschland gewährten Konzessionen folgende Warengruppen erwähnt: Leder, Papier, die gesamte Holzproduktion, Möbel, Spielwaren, Glas, Dieselmotoren und Fayencen sowie Produkte der Kleinindustrie. Das heute abgeschlossene Handelsprovisorium enthält auch Klauseln allgemeiner Statur, und zwar sind die Bestimmungen über das Rieder- lassungsrecht im Provisorium erschöpfend geregelt. Deutschland ist in dem Abkommen in bezug auf das Riederlassungsrecht Deutscher das volle Meistbegünstigungsrecht eingeräumt worden. Demnach werden in Zukunft deutsche Einzelpersonen und deutsche Gesellschaften in steuerrechtlicher und auch zivilrechtlicher Beziehung dasselbe Recht genießen wie andere Staatsangehörige. Diese Bestimmungen beziehen sich in gleicher Weise auf die Kolonien und Mandatsgebiete, demnach auch auf Kamerun, Togo und Syrien. Im Handelsprovisor'.um ist ferner der deutsche Schiffsverkehr mit Frankreich uab den französischen Kolonien und Mandatsgebieten geregelt. Das zweite heute unterschriebene Saarabkommen stellt keine umfassende Regelung des äußerst schwierigen Saarproblems dar, sondern bedeutet vielmehr nur eine Teilregelung, die in keiner Weise den enbgültigen Regelungen der deutsch-saarländischen Handelsbeziehungen vorgreist. Die deutsch-französischen Handelsvertragsverhandlungen werden durch Abschluß eines endgültigen Abkommens fortgesetzt werden, sobald der neue französische Zolltarif von der französischen Regierung veröffentlicht worden ist. Die Genfer Abrüstungs- Verhandlungen. Genf, 6. Aug. (TA.) Die militärische Unter- lornmiffion der vorbereitenden Aorüstungskom- mission hat m ihrer zweiten Tagung bereits fünf Sitzungen abgehalten. In der Diskussion über Punkt 4 des bekannten Fragenprogramms: Definition des Begriffes offensiver und defensiver Rüstungen kam es zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen Amerika und Frankreich. Amerika verlangte, daß grundsätzlich bei der Beurteilung des Charakters der Rüstungen der technische Standpunkt allein maßgebend sein soll, und hatte bisher mit dieser Anlich: die Mehrheit für sich gegen Frankreich. F r a n 1 - reich verlangte b an n die Einfügung eines Zusatzes. wonach bei Beurteilung des Rüstungsgrades auch die internationalen, Verpflichtungen eines Staates berücksichtigt werden sollen. Bei der ''"'-'"♦immuag hierüber erzielte dann der französische er. ..i.punkt 7 gegen 0 Stimmen bei 11 Stimment'.'n;tungen. Amerika zeigte sich über die Durchkreuzung feiner Anschauung recht ungehalten und England fetunbierte. Am Donnerstag nachmiii insofern eine bemerlens- wertk Entscheidung gefallen, als erklärt wurde, Düsseldorf, 5. Aug. (WB.) Den Mittelpunkt der diesjährigen Tagung des deutschen Einzelhandels bildete eine große Kundgebung in der Rheinhalle auf der Ausstellung, zu der sich über 5000 Personen eingefunden hatten. Als Vertreter der Reichs- und Staatsregierung war der preußische Handelsminister Schreiber erschienen. Ferner waren anwesend: Oberbürgermeister Dr. Leh r, Vertreter des Reichslandbundes, der Industrie und der übrigen gewerblichen Verbünde. Der Vorsitzende vanRorden- K ö l n begrüßte die Versammlung, die veranstaltet fei, um Sin Bild von dem Wesen und Streben des deutschen Einzelhandels zu geben. Handelsminister Schreiber überbrachte die Grüße der Reichsregierung und der Staatsregierung. Cs habe sich immer mehr eingebürgert, daß die wirtschaftlichen Verbände auf ihren Haupttagungen über die internen Angelegenheiten hinaus sich in großen Kundgebungen an die breite Oeffentlichkeit wen- beten. Wenn das auch der deutsche Einzelhandel tue, so zeige die gewaltige Veranstaltung deutlich, wie lebhaft in allen Kreisen des Einzelhandels das Bedürfnis empfunden werde, sich mit feinen Führern zu vereinen und dadurch geschlossen und stark den Lebenswillen dieses wichtigen Gewerbezweiges zum Ausdruck zu bringen. Der Minister erinnerte daran, daß die Düsseldorfer Ausstellung eine Ermahnung fei, d i e soziale Rot unserer Tage zu lindem, gleichzeitig aber auch eine Ermutigung, weil sie zeige, welche großen Kräfte am Werke seien, um die Schaden des Krieges und der Rachkriegszeit auszumerzen. In diesem Sinne möge auch die Tagung des Einzelhandelsverbandes eine Ermahnung zur pfleglichen Behandlung dieses Gewerbezweiges fein und eine Ermutigung, weil sie den festen Willen aller Verbandsmitglieder zeige, Hilfe in erster Linie nicht von anderen, sondern von sich s e l b st zu erwarten. Der Einzelhandel habe die Auswirkungen de6 Währungsveksalles mit am stärksten zu spüren bekommen. Er habe den Zorn und die Verbitterung des letzten Verbrauchers aushalten müssen. Daö sei jetzt besser geworden, und mit der Aushebung der Preiskreibereioerordnung sei die letzte Erinnerung an diese dunkle Zeit gefallen. Zu der Frage der Selbstversor- gungsorganisationen führte der Minister aus, daß der Einzelhandel mit Recht verlangen könne, daß die Konsumvereine in keiner Weise bevorzugt würden. Das gleiche gelte für den Behördenhandel, der sich allerdings nur ganz vereinzelt durch die schwierige Zeit in unsere heutigen Tage habe hinüberretten können. Der Einzelhandel werde auch durch den behördlichen Einkauf beunruhigt. Er könne erwarten, daß dieser behördliche Einkauf nicht übertrieben werde. Den berechtigten Wünschen des Einzelhandels in bezug auf den ® ii e n - bahnhandel werde in nächster Zeit Rechnung getragen werden. Zwar sollen für jeden nicht über den unmittelbaren Bedarf des Reifenden hinaus- gehenden Handel die gleichen Vorschriften zur Durchführung kommen, wie sie für den Einzelhandel bestehen, ausschlaggebend für die Lage des Einzelhandels werde aber stets die Kaufkraft der Bevölkerung bleiben. Sie sei in der heutigen Zeit stark geschwächt. Der Einzelhandel müsse daher darauf finnen, alle Mittel, die zur Hebung der Kaufkraft führen könnten, anzuwenden. Es müsse auch auf einen allgemeinen Preisabbau hingearbeitet werden. Dieser werde zur Hebung des Reallohnes und damit zu größerem Tims ah und zu besseren Geschäften führen. Der Minister gab zum Schluß der Hoffnung Ausdruck, daß die im Preußischen Handelsministerium stehende Stelle für Fragen des Cinzelhandelswesens auch weiter zur gedeihlichen Entwicklung des Einzelhandels beitragen und damit dem Allgemeinwohl dienen möchte. Der Vorsitzende der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels, ßeinrti) Grünseld gab dann ein Bild von dem Aufbau und den Aufgaben der Hauptgemeinschaft. Sie umfasse jetzt etwa 80 000 kaufmännische und über 300 000 Kleinbetriebe. Ihre Tätigkeit fei der Wahrnehmung derjenigen Interessen gewidmet, die über das Gebiet der angeschlossenen Verbände hinausgingen oder deren Vertretung für angemessen erachtet werde. Die Hauplgemeinschaft stehe auch in enger Verbindung mit den Einzel- handeIsverbänden im Saargebiet, in Danzig. Oberschlesien und in Deutsch-Oesterreich. Der Einzelhandel verlange nach keiner Richtung hin eine Dezorzugung, wolle aber auch nicht schlechter behandelt werden, als andere Organe. In der Warenverteilung wünsche man auch nicht ausgeschaltet zu sein. Ebenso verlange er das Recht, sich an Ausschreibungen zu beteiligen, wie jeder andere. Was den Werkhandel angeht, so müßte dafür gesorgt werden, daß der Einzelhandel immer in der Lage sei, mit ihm in Wettbewerb zu treten. Wichtig sei die Wiedergewinnung des alten Vertrauensverhältnisses zur Kundschaft, das in der letzten Zeit der Inflation leider verloren gegangen sei. In seinen Beziehungen zu den L i e f e r'a n t e n wünsche der Einzelhandel volle Freiheit unb Gleichberechtigung. Einseitige Bindungen durch Lieferantenverbände müßten abgefeimt werden. Mit der Landwirtschaft und dem Handwerk bilde der Einzelhandel die tragende Schicht des Mittelstandes. Daraus ergebe sich eine gemeinsame Vertretung der Interessen. Die Hauptgemeinfchaft strebe die absolut paritätische Vertretung aller Gruppen des Einzelhandels an, der kleinsten wie der größten. Zum Schluß wies der Redner darauf hin, daß es in erster Linie gelte, den guten Ramen des deutschen Kaufmanns aufrecht zu erhalten. Die Hauptgemeinfchaft wolle nach dieser Richtung hin ein Ehrengericht sein und auch bleiben. Im Auftrag des Reichslandbundes begrüßte Landtagsabgeordneter H i l g e r die Tagung. Oberbürgermeister Dr. Lehr hieß die Gäste in Düsseldorf willkommen. Den Schluß der Tagung bildete ein Vortrag des Geschäftsführers der Industrie- und Handelskammer Dr. WUden der über den deutschen Einzelhandel in Staat und Wirtschaft sprach. Die Einzelhändler, so führte Dr. Wilden u. a. aus, befriedige innerhalb der Wirtschaft den persönlichen Bedarf. Für die Gemeinde fei der Kleinhandel die Quelle, die die Gemeinde belebe und Fremde anziehe. Aus diesem Verhältnis erwachse dem Staat und der Gemeinde die Ausgabe, einen gesunden und leistungsfähigen Einzelhandel zu erhalten. Beider Pflicht sei es, für einen gerechten Ausgleichder Steuerlasten zu sorgen und dem Einzelhandel nicht mehr aufzubürden, als er zu tragen vermöchte. Der natürliche Lauf der Wirtschaft lasse sich nicht durch Gesetze regeln. Die Verwaltung müsse es sich angelegen fein lassen, das Verkausswefen zu ordnen und den unlauteren Wettbewerb fernzuhalten. Hierbei müsse aber die Selbsthilfe des Einzelhandels vor allem wirksam werden, und zwar durch die Sorberung der Standesehre, durch die Bekämpfung von Mißständen im Handel, sowie durch die gute Erziehung des kaufmännischen Rachwuchses durch Organisation der Beteiligten. Zum Schluß kam der Redner auf die wertvolle Tätigkeit des Einzelhandels nicht nur im Dienste der Wirtschaft, sondern auch im Dienste der Kultur zu sprechen. Rach dem verlorenen Kriege, so schloß er, mühten alle Kreise vereint dahin wirken, die Volkswirtschaft wieder gesund und stark zu machen. Dazu sei bte Achtung vor b em Vermögen, auch dem kleinsten, erforderlich. Diese Achtung fei leider vielfach geschwunden. Weite Dollskrelse sähen es sogar als ihr höchstes Ziel an. das Vermögen zu zerstören und die Der- mögensblldung zu verhindern. Diese _ Einflüsse seien für die Wirtschaft überaus schädlich, beim bie Wirtschaft könne nur gedeihen, wenn nicht nur ein ausreichendes Volksvermögen vorhanden sei, sondern wenn auch möglichst viel Angehörige des Dolles in der Form von Privateigentum Anteil am Volksvermögen hätten. Um dieses Ziel zu erreichen, sei es unbedingt erforderlich, die vermögenbildenden Kräfte zu fördern, nämlich Fleiß und Sparsamkeit. daß bei Rüstungen jeder Art die unbeweglichen Teile als defensive anzusehen seien, während die beweglichen als offensive angesehen werden können. Befestigungen an Landes- grenzen, von denen auf große Entfernung geschossen werden kann, wurden für offensiv erklärt. ausgenommen solche Befestigungen, die wichtige Teile' des eigenen Landes schützen. Es scheint aus den bisherigen Beratungen hervor- zugehen, daß bie französische Delegation weiter danach strebt, selbst möglichst stark angriffsfähig zu bleiben, um Deutschland möglichst wehrlos gegen Angriffe von Ost und West zu machen. Das plötzliche Eintreffen des französischen Dölferbundsreserenten. des Grafen C l a u z e l, machte beträchtliches Aufsehen. Er erschien in der Sitzung der Tlnterkommission, beteiligte sich aber nicht an der Verhandlung Frankreichs Schützlinge. Paris, 5. August. (Wolff.) Wie die Zeitung „La Lanterne" mitteilt, ist in Paris eine neue Liga, genannt „La 5)alle", gegründet worden, die cs sich zur Aufgabe gemacht hat, diejenigen Rheinländer Vie „mitteleuropäische Gefaht". Frankreich gegen Oesterreichs Anschluss Paris, 5. Aug. (WTB.) Die Wiedergabe eines Interviews mit Driand in der Wiener „Reuen Freien Presse" veranlaßt die Abendpresse zur Präzisierung des französischen Standpunktes in der Anschluhsrage. Der „Temps" wendet sich Dagegen, daß gewisse österreichische Kreise eine Aenderung in der Haltung Frankreichs in der Anschluhsrage aus den Aeußerun- gen Driands entnehmen zu können glauben. Er schreibt, bie 2 ebenken Frankreichs bestäuben in ihrem ganzen bisherigen Umfang fort unb bas „Reue Wiener Tageblatt", bas dieses Interview kommentierte, täusche sich ganz und gar, wenn es annehmen wolle, daß Frankreich infolge des Abkommens von Locarno seine Haltung in einer Frage von derart überragender Wichtigkeit geändert habe. Qlb- gesehen von den Frankreich unmittelbar betreffenden Argumenten beständen noch viele andere ausschlaggebende Bedenken gegen einen Anschluß Oesterreichs an Deutschland, so bie Be- brohung, bie sich für Italien aus einer neuen Entwicklung der deutschen Macht in Mitteleuropa ergeben würde und die Gefahr, die diese Entwicklung für die Tschechoslowakei, für Jugoslawien unb für Rumänien, Frankreichs Verbündete, bedeuten würde, denn Deutschland könne von Wien aus auf jede Gefälligkeit der Ungarn bei der Einleitung eines neuen Vorstoßes nach dem Balten rechnen. Der Anschluß würde gewiß der Ausgangspunkt eines Dranges nach Osten fein, der sofort den Begrif Mitteleuropa, eines der großen Kriegsziele des kaiserlichen Deutschlands, verwirklichen würde. Was Frankreich betreffe, so könne es sich zu keiner Politik bergeben, die dazu angetan sei, die durch den Sieg der Alliierten geschaffene neue Ordnung zu verhindern. Frankreich habe Oesterreich stets seine Fürsorge bewiesen; man müsse aber in Wien nicht übersehen, daß die günstige Stimmung Frankreichs nur einem unabhängigen Oesterreich gelte und daß die französische Opposition gegen den Anschluß in vollem Umfange bestehen bleibe. — Das „Journal des Debats" bezeichnet die Worte Briands, der Augenblick fei nicht dazu angetan, die Frage Oesterreichs aufzurollen, als zweideutig und etwas beunruhigend, denn sehr viele Leute in Deutschland und Oesterreich würden nicht verfehlen, sie in dem Sinne auszulegen, daß Frankreich eines Tages den Anschluß Oesterreichs an Deutschland zu lassen tonnte. Derartige Gedanken selbst aus Unvorsichtigkeit zu vertreten, sei außerordentlich gefährlich. Reform Des völkerbundrrates. Ein spanischer Vorschlag ans Abschaffung der ständigen Ratssitzc. Genf, 6. Aug. (TU.) Das Völkerbunds- fefretariat veröffentlicht ein Schreiben des spanischen Mitgliedes der Studienkommissivn für die Ratsreform, des Botschafters Palacios, der die Einberufung dieser Kommission zu einer zweiten Tagung verlangt. In dem am 2. August ausgegebenen Arbeitsprogramm des Völkerbundes figuriert diese Kommission bereits, allerdings für das Sihungsende. Die Einberufung dürfte nunmehr für die letzte Augustwoche angeseht werden. Wie hier verlautet, beabsichtigt angeblich Spanien die Abschaffung der ständigen Ratssihe und die Gleichstellung aller Ratsmitglieder zu beantragen. Dies wäre natürlich nur durch eine Satzungsänderung möglich. Es läßt sich leicht ermessen, von welchen Schwierigkeiten eine neue und so folgenschwere Abänderung begleitet wäre. Es muß angenommen werden, daß die Aufnahme Deutschlands voi dem Eintreten in eine solche Diskussion durchgeführt wird. Frankreichs Zinanzsorgen. Paris, 5. August. (TU.) Die Kammer trat heute nachmittag um drei Uhr zusammen. Ministerpräsident P o i n c a r 6 und die Minister Briand, Tardieu, Herriot und Albert Sarraut waren anwesend. Der Kammerpräsident eröffnete sofort die Diskussion über die beiden Gesetzesprojekte. Als erster Redner erstattete der Berichterstatter der Ainanzkommission Ehappedelaine den Bericht über die Arbeiten der Finanzkommission. Er wies darauf hin, daß die zu schassende Amortisationskasse die fälligen 2700 Millionen Franken Zinsen der Bons der nationalen Verteidigung mit den Einnahmen des Tabakmonopols bezahlen würde, die sich auf der gleichen Höhe hielten, und die nach dem Gesetzesprojekt der Amortisationskasse zur Verfügung ständen. Ferner sei in dem Entwurf eine vorläufige Konsolidierung der Bons des Schatzamtes vorgesehen. Die Finanzkommission der Kammer habe den Wunsch geäußert, daß die Amortisation^- käste nicht nur mit der Tilgung der schwebenden. Schulden, sondern der gesamten öffentlichen Schulden beauftragt werde. Die Tilgung durch die Amortisationskasse werde zunächst mit einem Betrag von 3,5 Milliarden begonnen, und zwar jährlich. Der Berichterstatter betonte die Notwendig- ieit einer beschleunigten Durchberatung des Finanz- projektes. Eine sofortige Jnangriffnah ie der Tilgung der schwebenden Schuld würde dem gesamten Lande das verlorengegangene Vertrauen wieder- acben. Nachdem sodann einige Redner verschiedener Gruppen im Prinzip sich mit dem heutigen Regie- rungsentwurf einverstanden erklärt hatten, an verschiedenen Einzelheiten des Regierungsentwurfes jedoch Kritik übten, wandte sich das Interesse des Hauses den Ausführungen zu, die der frühere Präsident der Reparakionskommif- sion, Dubois, im Namen der demokratisch-republikanischen Vereinigung zu dem Regierungsentwurf machte. Auch er erklärte sich im Prinzip mit der Gesetzesvorlage einverstanden, bedauerte jedoch lebhaft, daß an der Spitze sowohl des Finanz- als auch des technischen Komitees der Amortisationskasse Politiker stünden. Er befürchte, daß hieraus wesentliche Schwierigkeiten entstehen würden, die eine ungünstige Rückwirkung auf die Arbeiten der Kasse haben könnten. Ferner bemängelte er, daß in dem Entwurf eine Deutliche Trennung der Kompetenzen fehle, er zweifele aber nicht, daß der Ministerpräsident die Bedenken seiner Freunde zerstreuen würde. Rach ihm ergriff Ministerpräsident poincare das Wort und wies darauf hin, dah es zweifellos wünschenswerter gewesen wäre, eine Amor- tisationskasse für die Tilgung der gesamten öffentlichen Schulden zu schaffen, jedoch dränge die gegenwärtige Finanzlage des Staates zu einer sofortigen Tilgung derjenigen Schulden, die in erster Linie Gefahren in sich trügen. Die Amortisationskasse werde nur wirksam arbeiten können, wenn sie weitgehende finanzielle Autonomie erhalte. Aus diesem Grunde werde auch die Regierung in der Kammer den Antrag stellen, der Amortisationskasse einen konstitutionellen Charakter zu verleihen. Der Sozialist Beduce geht auf sein Gegenprojekt zur Verbreiterung des Tabakmonopols ein. Poincare erklärte dazu, dah er verschiedene Anregungen aus dem Plane Beduce entnommen habe, aber weiter könne er darin nicht gehen. Lieber die Ablehnung des sozialistischen Gegenentwurfes stellte Poincare die Vertrauensfrage. Das Projekt Beduce wurde bei der Abstimmung mit 350 gegen 172 Stimmen abgelehnt Der Abg. Conde brachte darauf erneut das Gegenprojekt zur Schaffung der Amortisationskasse ein, wonach die Amortisationskasse von der Verwaltung des Lababnonopols zu trennen sei. .Eine neue Labakgesellschast soll ermächtigt werden, 34 Milliarden neue Obligationen auszugeben. Die Donnerstag n a ch t sihung, die um 1/4.lö Llhr begann, war nur von kurzer Dauer. Auf der Tagesordnung stand das zweite Finanzproiert der Regierung, das die neue Devisen- konzessivn an die Dank von Frankreich vorsieht. Gleich bei der Eröffnung der Sihung erklärte Ministerpräsident poincars, dah das Finanz- Projekt in keiner Meise einen inflatorischen Lharakter habe. Die Regierung werde bei der Abstimmung über die Gesetzesvorlage in gleicher Weise wie bei den Abstimmungen über die übrigen Finanz- prvjelte die Vertrauensfrage stellen. Rachdem ein sozialislischer Gegenantrag des Deputierten Mar- gaine, der eine sofortige Stabilisierung des Franken forderte, mit 360 gegen 15 Stimmen abgelehnt worden war, nahm die Kammer das Projekt der Regierung, das der Dank von Frankreich die Genehmigung zum Ankauf von Goldgeld und Devisen und zur Emission von Banknoten für den Gegenwert hierfür erteilt, mit 365 gegen 181 Stimmen an. Der Senat wird am Freitag nachmittag ^usammentreten, um sich mit den Heiden von der Kammer am Donnerstag ange- • nommenen Finanzprojekten der Regierung zu befassen. Äas Programm der Rationalverfamm- I u n g in Versailles, die aller Voraussicht nach am 10. August um 10 Llhr vormittags zusammentreten wird, dürfte bereits im großen festgelegt sein, obwohl noch über verschiedene Fragen der Kompetenz der Rationalverfammlung sowie eine Reihe von Geschäftsordnungssragen wenig Klarheit besteht. Man erwartet allgemein, dah die Kommunisten die Gelegenheit benützen werden, um in der Rationalversammlung zu demonstrieren. Er scheint möglich, dah die Ratio- nalvcrsammlung erst am Mittwoch in die ent= scheidende Debatte über das inzwischen bereits vom Senat und der Kammer angenommene Finanzprojekt eintreten wird. Montabaur besatzungssrei? Frankfurt a. M., 5. August. Wie aus Koblenz mitgeteilt wird, wird die Kreisstadt Montabaur Qi(fT)6m Westerwald, aus der am 1. April bereits , die Besatzung von einer Kompagnie zurückgezogen worden war, nunmehr auch von dem damals verbliebenen G e n d a r m e r i e k o m m a n - do verlassen, so daß die Stadt von jeder Besatzung frei sein wird. Der Neligionsstreit in Mexiko. Rom, 5. Aug. (Wolff.) Die Agenzia Radio Razionale beschäftigt sich mit den Vorgängen in Mexiko und weist darauf hin, dah der Vatikan infolge der Ausweisung der apostolischen Legaten keine direkte Verbindung mehr mit Mexiko habe. Der Vatikan habe die Bischöfe angewiesen, nach Gutdünken zu handeln. Allerdings mühten sie sich an die Richtlinien halten, die in dem apostolischen Schreiben an das Episkopat festgelegt seien. In einer Unterredung mit dem Vertreter der Associated Preß erklärte der mexikanische Bischof D i a z, die Kirche werde niemals einen bewaffneten Aufstand gegen die Regierung billigen. Die Behörden sind damit beschäftigt, das Verschwinden der Goldkrone der berühmten Statue der Madonna von Guadalupe zu untersuchen. Die Krone soll 800 000 Pesos wert sein. 3n Guadalajara sind bei einem zwischen Soldaten und wie es heißt Katholiken stattge- fundeneni nächtlichen Kanrpf bei der Kirche Guadalupe sechs Personen getötet und 14 verwundet worden. In Torreon sollen bei Demonstrationen Sonntagnacht eine Person getötet und acht verwundet worden sein. Begnadigung Ztratii-Sauers. Berlin, 5. Aug. (TLl.) Amtlich. Der Emir von Afganistan, A m a n - Ll l l a h - Chan, hat den deutschen Gelehrten Dr. Stratrl- Sauer, der in diesen Tagen von dem zustäw» Ligen afganistanifchen Gericht wegen der Tötung eines Afganen zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden war, durch einen spontanen Gnadena't die Strafe erlas,en. Dr. Stratil-Sauer, der bereits der deutschen Gesandtschaft in Kabul übergeben wurde, wird in den nächsten Tagen die Rückreise nach Deutschland antreten. Dieser Akt des Herrschers von Afganistan wird als ein neuer Beweis für ferne freundschaftlichen Gefühle für Deutschland mit Befriedigung und Dankbarkeit begrüßt werden. Der Internationale Iuristenkongreh. Wien, 5. Aug. (Sil.) Im Zeremoniensaal der Hofburg fand heute vormittag die feierliche Eröffnungssitzung des Internationalen Juristen- kongresses statt. Präsident Lord Phillimore eröffnete die Sihung und stellte den Antrag, den Vorsitzenden des österreichischen Zweig- vereins, ilniversitätsprofessor Dr. Gustav Walter zum Präsidenten des Kongresses zu wählen. Der Antrag wurde unter großem Beifall angenommen. Rach der Begrüßungsrede beä neu gewählten Präsidenten ergriff Bundeskanzler Dr. R a m e k das Wort. Er wies darauf hin, dah das alte Oesterreich und noch mehr das neue Oesterreich sich um die Entwicklung des sozialen Rechts bemüht hätten. Ein deutlicher Beweis dafür, in welcher Richtung sich die Politik Oesterreichs bewege, seien die in letzter Zeit abgeschlossenen Schiedsgerichtsverträge. Die Arbeitsgesetzgebung werde weiter ausgebaut. Die gesamten sozialen Versicherungen seien in ein Reformstadium eingetreten. Im Ramen der Stadt Wien begrüßte Oberbürgermeister Seih, im Ramen Riederösterreichs Landeshauptmann Dr. Burg die Kongreßteilnehmer. Der Sprecher der rechts.vissen- schaftlichen Fakultät der ilniversität Wien wies darauf hin, dah es im Zeitalter der Demokratie nicht genüge, das Recht zu finden und zu kodifizieren, sondern man müsse auch in der Allgemeinheit das Interesse für diese Bestrebungen wachrufen. In diesem Belange sei die angloamerikanische Welt ein Vorbild. Besonderen Eindruck erweckte die Rede des Präsidenten des deutschen Reichsgerichts, Dr. Walter Simons, der in außerordentlich herzlichen Worten den Zusammenhang der alten Kultur Oesterreichs mit der Kultur Deutschlands hervorhob. Dr. Simons hat auch Wiener Zeitungen eine Erklärung über die Rechtsangleichung zwischen Oe st erreich und Deutschland und über die Anschlußfrage zur Verfügung gestellt. Er schließt seine Ausführungen mit den Worten: Die Arbeit an der österreichisch-deutschen Rechtsangleichung macht rasche Fortschritte. Wenn wir sie auch als wichtige Voraussetzung für den staatlichen Zusammenschluß betrachten, so erwarten toit diesen in erster Linie von einer anderen Bewegung, nämlich von der Entwicklung, die zum Abbau der Grenzen führen muf). Wenn Europa sich selbst behaupten will, so muh es auf die heute unerträglich überschätzte Bedeutung der inner europäischen Grenzen verzichten, mag das neue Gebiet nun Paneuropa heißen oder europäischer Zollverein oder wie immer. Die Grenzen müssen jedenfalls abgebaut werden, und die erste Grenze, die unbedingt fallen muh, ist die, die die beiden deutsche n Staaten von einander scheidet. Am Rachmittag trat unter dem Vorsitz Dr. Simons das Reutralitätstomitee zu feinen Beratungen zusammen, in welchen der südamem- kanische Delegierte, Professor Dr. P v l o m b o s, über die Entwicklung des Völkerrechts Bericht erstattete. An diesen Bericht knüpfte sich eine lebhafte Aussprache an, die morgen ihre Fortsetzung findet. Professor D a g e berichtete dann über die Schaffung eines internationalen Obligationsgerichts. ilm 8ilhr abends fand für die Kongrehteilnehmer ein Empfang durch die Stadt statt. Abschluß des Bonner Sludsntenlages. In der Sitzung am Mittwochabend wurde die Besprechung des Haushaltsplanes der Deutschen Studentenschaft in Angriff genommen und der Etat mit unwesentlichen Aenderungen angenommen. Nach einem Referat des Rechtsausschusses wurde ein Antrag angenommen, mit allen Mitteln auf die S t u d i c n a n g l e i ch u n g zwischen Deutschland und Oe st erreich zu bringen. Es kam dann zunächst die Arbeit des Fachgruppenausschusses zur Besprechung. Die Vollversammlung mißbilligte ein Schreiben einiger Fachgruppenvorsitzender an das preußische Kultusministerium, in dem das Ministerium ersucht worden war, von sich aus auf eine Neuregelung der Fachgruppenarbeit hinzuwirken. Danach trat die Vollversammlung ' in die Beratung des Berichtes des Ausschusses für Leibesübungen ein. In der Schlußsitzung wurde der Bericht des Ausschusses für Leibesübungen behandelt. Es folgte hierauf der Bericht des Ausschusses für Auslandarbeit, den Dr. Vogel erstattete. In einer Entschließung wurde die Bildung von deutschen Stubcntenoereinigungen im Auslanbe begrüßt und für engste Zusammenarbeit mit ihnen eingetreten. In gleicher Weise wurde die Bildung von nationalen Vereinigungen ausländischer Studierender in Deutschland und ihre Zusammenarbeit mit der deutschen Studentenschaft für wünschenswert gehalten. Für das kommende Amtsjahr wurde zum Vorsitzenden der Deutschen Studentenschaft cand. ing. Guntherthen gewählt. Mit dieser Wahl wurde zum erstenmal ein sudetendeutscher Student mit der Leitung der gesamten deutschen Studentenschaft betraut. Mit dem Liede „Es braust ein Ruf wie Donnerhall" fand der 9. Deutsche Studententag seinen Abschluß.' Bayrische Hochverräter vor dem Reichsgericht. Leipzig, 5. August. (Wolff.) Wegen Beihilfe zum Hochverrat, Sprengstoffverbrechens und Verbrechens gegen das Republikschutzgesetz haben sich vor dem Ferienstrafsenat des Reichsgerichts a ch t Kommunisten zu verantworten. Angeklagt sind der 23jährige Eisendreher Rothormel aus Füssen, der Malergehilfe Frank aus München und sechs weitere Personen aus Füssen und anderen Orten. Den Angeklagten wird zur Last gelegt, im November 1923 sich Spreng st offe verschafft zu haben, um gewaltsam durch Anschläge die Republik zu gefährden und eine Diktatur zu errichten. Äm 22. November 1923 wurde em Bombenatten- tat auf das Bezirksgebäude in Füssen verübt. Die Bombe war im Keller zur Explosion gebracht worden und hatte erheblichen Schaden an dem Gebäude angerichtet. Auch wurden zwei Ver- sonen erheblich verletzt. Erst nach mehreren Monaten lenkte sich der Verdacht auf die Angeklagten, die alle Mitglieder der Ortsgruppe derKPD. in Füssen waren. Als geistiger Urheoer des Sprengstosfattentats wird Wendelin Thoma bezeichnet, der nach diesem Anschläge flüchtete. Die Angeklagten bestreiten, sich an dem Attentat beteiligt zu haben. Der Prozeß wird mehrere Tage dauern. Die Beamtenbesoldung. Berlin, 6. August. Wie mehrere Blatter mitteilen, ist eine Vereinbarung zwischen der Reichsregierung und Den Länder- regierungen in der Frage der Einheitlichkeit der Beamtenbesoldung nicht zustandegekommen. Vor allem konnte eine Uebereinftimmung zwischen dem Reich und Preußen nicht erzielt werden. Laut „Lokalanzeiger" wünschte Preußen vor einet Aenderung in der Beamtenbesoldung eine jedesmalige Fühlungnahme zwischen den Ländern und dem Reich und die Einsetzung einer Stelle, die etwa auftretende Streitigkeiten schlichten soll. Diese Vorschläge seien vom'Reich ab gelehnt worden. Aus aller Welt. Das Autounglück von Burgbernheim Heber das Autounglück wird noch gemeldet: Der Kraftwagen, ein Sechssitzer, in dem sich 12 Personen befanden, stürzte offenbar infolge Heberlastung und Versage ns der Bremse an einer scharfen Kurve die 30 Meter hohe Böschung hinunter, auf dem Bahndamm alles unter sich begrabend. In demselben Augenblick passierte eine Lokomotive die Hnglücksstelle und schleifte den Wagen und die Verunglückten noch etwa 150 Meter weit. Die Verunglückten blieben in furchtbarem Zustande auf dem Geleise liegen. Die Insassen des Autos, darunter eine Anzahl Mädchen aus Uffenheim, hatten an einem Kränzchen teilgenommen. Auf der Rückfahrt mit einem Lohn- auto bemerkte der Chauffeur auf dem steilen Abhang in der Rähe des Bahnhofs Burgbernheim, daß die Bremse des Autos nicht in Ordnung war, und forderte die Insassen auf, auszusteigen. Der Wagen geriet jedoch ins Rol- l e n und stürzte die Böschung hinab. Bei dem Unglück fanden 7 Mädchen, der Chauffeur und ein Reichswehrsoldat den Tod. Arbeilslosenkrawalle in Berlin. Dor dem Zentralarbeitsnachweis der Stadt Berlin in der Germannstraße kam es zu Krawallen, in deren Verlauf zwei Polizeibeamte von Arbeitslosen mißhandelt wurden. Die Polizei sperrte sofort die umliegenden Straßen ab und trieb mit Karabinern und Gummiknüppeln die Menschenmenge auseinander. In den ersten Rachmittagsstunden war die Ruhe wieder hergestellt. Hauseinsturz. In dem slowakischen Orte Mosocz stürzte in einem alten Gasthaus, wo mehrere Personen versammelt waren, plötzlich die Decke ein. In der Finsternis entstand eine schreckliche Panik, da diese glaubten, daß das ganze Gasthaus eingestürzt sei. Als sich die Staubwolke etwas gelegt hatte, bot sich ein schreckliches Bild. Aus den Trümmern wurden fünf Tote und fünf Schwerverletzte geborgen. Riesenbrand in afrikanischen Zuckerplantagen. Durban, 6. Aug. (WTB. Funkfpruch.) Einer der verhängnisvollsten Zuckerrohrbrände in der Geschichte Ratals ist am Illowofluß ausgebrochen und breitet sich auf einer Strecke von 5 Meilen in Richtung Durban aus. Hebet 500 Acres Zuckerrohr sind schon zerstört. Man glaubt, dah mindestens 12 Eingeborene in den Flammen umgekommen sind. Schneefall und Gewitter in Italien. Rom, 6. Aug. (WTB. Funkspruch ) Das schlechte Wetter in Italien hält weiter an. In den Dörfern Verona ist wiederum ReusHnce niedergegangen. In Mantua und P i a c e n 5 n. gingen schwere Gewitter mit Hagelschlag niet 2 die großen Schaden anrichteten. In Livorno wurde' ein Mann durch Blitzschlag getötet und ein anderer gelähmt. Schmuggel mit Narkotika. Reuhork, 6. Aug. (WTB. Funkspruch.) Ein mit dem Montreal-Expreß angelangter großer Koffer wurde hier beschlagnahmt. Er enthielt eine große Menge narkotischer Mittel, die, wie man annimmt, aus Rußland hierher geschmuggelt worden sind. Zwei weitere derartige Koffer sollen auf dem Wege nach Reuhork fein. Der Gesamtwert des Inhalts der drei Koffer wird auf drei Millionen Dollar zum Verkaufspreis geschäht. Am der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 6. August 1926. " Unvollständig entwertete Briefmarken. Von zuständiger Stelle wird auf folgendes hingewiesen: Es kommt ab und zu vor, daß einzelne Freimarken auf den mit der Post beförderten Briefsendungen nur geringfügige oder schwache Entwertungszeichen, oftmals nur Striche ober schwärzliche Flecken tragen, weil sie beim Abstempeln in der Eile nicht getroffen worden sind. Selbstverständlich ist es verboten und straffällig, solche unvollständig entwertete Freimarken, nachdem sie von den plmschlägen abgelöst worden sind, nochmals zur Freimachung von anderen Postsendungen zu benutzen. Trotzdem geschieht dies sehr oft in der falschen Voraussetzung, der Betrug wurde nicht bemerkt. In den meisten Fällen werden diese Gebührenhinterziehungen! aber bet den Postanstalten entdeckt; gegen die Absender wird bann von der oberen Postbehörde die dafür in dem Postgesetz vorgesehene Geldstrafe verhängt. Allem Anschein nach werden derartige schwach entwertete Freimarken auch vielfach in betrügerischer Absicht als Ersah für Kleingeld, in Verkehr gesetzt. DanOn tut jebeimann, der sich plnannehmlichkeiten ersparen will, gut, Freimarken. die er nicht selbst am Postschalter gekauft hat, vor ihrer Verwendung genau zu besichtigen. Bei verdächtigen Wahrnehmungen, insbesondere auch beim Fehlen des Klebsto-fes auf der Rückseite. empfiehlt sich eine Anfrage über ihre Gültigkeit am Postschalter. *'■ V 0 m Staufenberg und Gleiberg. An der in unserer Rähe liegenden beliebten Ausflugsstätte Burg Staufenberg sind Repa r a t u r a r b c i t c n dringend erforderlich geworden. AI. a. haben die Einfahrten ein Sandsteinpflaster erhalten, das den Verkehr nach der Burg mit Auto und Fuhrwerk wesentlich erleichtert. — Pim fangreiche Erhaltungsarbeiten sind ferner seitens des (Sleiberg- Vereins an der Ruine Gleiberg vorgesehen. Folgende Arbeiten sollen zur Ausführung kommen: 1. Instandsetzung des Mauerrückens und Bestechen der Innenfläche der an der Rordseite des Rassauerbaues anschließenden Mauer, 2. Auszwickeln und Bestechen eines Teils der Mauer zwischen Philippsturm, dem südlichen Wickbau und der Anschlußmauer bis zum viereckigen Turm, 3. Bestechen der Außenmauer des äußeren Burg» kellers, 4. Aufmauern einer Ecke der Mauer zwischen der Zwingmauer und der Anschlußmauer am Burgkeller, 5. Ausbesserung von Mauerstellen am Eingang des Palas Ludwig des Saliers und in der Kapelle, 6. Unterhaltung der Dächer, 7. Erneuerung der sog. Bauernstube, der Farbenanstrich der Wände und der Decke, der Wandtäfelung und Säulen muh erneuert, die Trinksprüche auf den Wänden aufgefrischt werden, 8. Reuanstrich des Wirtschaftsmobiliars und der Gartenmöbel. Insgesamt sind zur Renovierung der Burg Gleiberg 2000 Mk. vorgesehen. Im verflossenen Rechnungsjahr wurden für den gleichen Zweck 2202 Mk. ausgegeben. Anlagen-Konzerf. Heute nachmittag 5 Uhr findet am Liebigdenkmal ein Anlagen - konzert statt, ausgeführt durch diL-HM>elle des 1. Datl. Inf.-Regt. 15. ** Abermals eine Sprengwagenvorführung. Gestern vormittag sand in unserer Stadt die Probevorführung eines neuen, motorischen Spreng- und Strahenreinigungs- wagens statt, der sich von dem zuletzt gezeigten Modell dadurch unterscheidet, daß er 1000 Liter mehr, insgesamt 6000 Liter Fassungsvermögen aufweist, und daß der Dedienungsstand (Handhebel) hinter dem Kessel aufmontiert ist. Es sollen demnächst noch mehrere Probevorführun- gen anderer Konstruktionen folgen. ** Straßensperrung. Vom Polizeiamt wird mitgeteilt: Wegen Vornahme von Pflasterarbeiten wird die D a m m st r a h e zwischen Walltorstraße und Rordanlage von Mittwoch, 4. August 1926, ab bis auf weiteres für leglichen Fährverkehr gesperrt. ** Eine Feuerlöschprobe, die zahlreiche Zuschauer angelockt hatte, fand gestern nachmittag auf Oswalds garten statt. Eine mit Karbolineum bestrichene, leichte Bretterbude wurde, nachdem sie mit Stroh ausgelegt, und dieses mit Benzol übergossen worden war, in Brand gesteckt. Das Innere der Bude bildete sofort eine riesige Flamme, der man mit dem zur Vorführung gelangenden Trockenfeuerlösch- apparat „Aghela" zu Leibe ging. Durch das eingestreute Löschpulver, das der Flamme den Sauerstoff entziehen soll, wurde das Feuer innerhalb weniger Augenblicke erstickt. Ein Vertreter der Herstellerfirma gab vor Beginn und am Schluß der Probe den Interessenten erläuternde Erklärungen. WSR. Darf man beim Gewitter radfahr en? Wenn auch gemeinhin behauptet wird, daß der Gummireifen das Fahrrad genügend isoliere, so ist doch die Möglichkeit der Anziehung des Blitzes durch das Rad nicht von der Hand zu weisen. Man vermeide daher eine Fahrt über freies Feld, wenn ein„ Gewitter nahe ist. Wird man von einem solchen überrascht, so steige man ab und lege das Rad flach auf die Erde, und warte, bis das Gewitter vorüber ist. *'■ O e f f ent (i b e Bücherhalle. Im Juli wurden 1215 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 762, Zeitschriften 77, Iugendschriften 88, Literaturgeschichte 6, Gedichte und Dramen 16, Länder- und Völkerkunde 59, Kulturgeschichte 18, Geschichte und Biographien 43, Naturwissenschaft und Technologie 40, Kunstgeschichte 10, Heer- und Seewesen 15, Haus- und Landwirtschaft 19, Gesundheitslehre 2, Religion und Philosophie 34, Sprachwissenschaft 7, Fremdsprach iches 19 Bände. Rach auswärts kamen 11 Bände. Vom 18. August bis 15. September ist die Bücherhalle geschlossen. Wettervoraussage. Anfangs wärmer und meist heiter, später erneute Abkühlung, stärkere Bewölkung, doch durchweg trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 17,4 Grad Celsius, Minimum 9,2 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur 12,7 Grad Celsius. Bornotizen. — Tageskalender für Freitag. Gießener Radfahrer-Gesellschaft „DieWanderer": Vereinslokal, Monatsversammlung. — Saalbau Sauer: 8>/i Uhr. Experimentsl-Dortrag „Cous". — Volkshochschule: 8 Tlhr, Ludwigsplatz, Zusammenkunft zum Abendspaziei?gang. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Frau van Corlands Vergangenheit". — Astvria- Lichtspiele: „McrrceoS tollste Wette". Der neue Flessa - Prozeh. Frankfurt a. M., 5. Aug. Aus dem Zeugentisch liegen, verpackt in einer offenen Pappschachtel, di e Kleider des erschossenen Dr. Seih. Gleich nach der Eröffnung der Verhandlung erhebt sich die Angeklagte, bittet zunächst, bei der Vernehmung der Zeugen Pfarrer Borning und Dr. Seih (Bruder des Toten) nicht zugegen sein zu müssen. Dann: „Sie waren gestern so taktvoll, Herr Staatsanwalt Floreh, bei der Vernehmung der Braut des Dr. S?ih diese Sachen nicht vor sie hinlegen zu lassen. Glauben Sie, mir tut der Anblick dieser Kleider nicht weh?" — Der Vorsitzende gibt einen Wink, die Sachen werden unter den Tisch gestellt. — Dann still die Angeklagte nochmals den Hergang der ^at erzählen. „Ich verlieh mein Zimmer..$>w: schon verstummte sie, sagte, es sei ihr sehr schlecht. Wieder winkt der Vorsitzende, die Angeklagte Serläßt den Saal, der Gerichtsarzt, Geheimrat Dr. Roth, folgt ihr. Während ihrer Abwesenheit wird die Auskunft des Schwestembundes Oer- lesen. Reues ergibt sich nicht. Dann erscheint die Angeklagte wieder, spricht einige Sähe und seht sich wieder. Dann werden weitere Zeugen vernommen. Der Zeuge Dr. A. hat die Angeklagte zuerst nach dem Selbstmordversuch behandelt. „Man hätte ihn retten können, wenn man ihm sofort Kampfer gegeben hätte. Helsen Sie mir doch um Gotteswillen. Ich habe etwas Furchtbares gemacht. Sie sind doch Menschenfreund!". sagte die Flessa damals. Der Zeuge fragte sie nach ihren Beziehungen zu Dr. S. und ob sie ein Kind von ihm erwarte? „Rein, nein!“ Die folgende Zeugin, eine Krankenschwester, hat die Angeklagte damals gefragt, ob sie auch c.n sich selbst gedacht habe. Die Flessa verneinte das, ebenso daß sie Geschlechtsverkehr mit Dr. S. hatte. Die Zeugin berichtet ferner, daß die 5vwy 'PaKef Perflor niemals heiß auf lösen einige milde selbsttätige Waschmittel^^ W. * Wart pe jto’M Dn Ditlivvch, 1 für glichen h die M. gestern ltt-Slnr mit Bretterbude uSgelegt, und rden lvar, in Duör bildete nan mit dem ckmfeuerlösch. urch da- ein« Stamme den Feuer Inner- Sin Vertreter M und am in erläuternde Gewitter inhin behaup- das Fahrrad ie Möglichkeit das M nicht lermdbe daher i ein Gewitter hen überrascht, Rad slach aus ter vorüber ist. Halle. 3m ehen. Davon r 762, Zeit- laturtzrschM und Mter« lichte und ad Technologie । Seewesen 15, Aesundhrits- ie 31. Sprach« S Dänd«. Dach >m 18. August alle geschlossen. r, später erneute doch durchweg Mrimum 1L< Celsius, cheuttge is. ir Freitag- Aie Wanderer. m - ö-albau lortrag • igsplatz, 3* - Lichtsp'el- Eorlands ick: .Mab KZ Wr & f 3ut Aeno. *Ä '^lte dez ^ivagen. !°nd tn un. ttneS neuen, ^einigungz, ht zeigten ■ 1000 Liter gsdermögen Qn$ lHand. ist. U x^rführun« Prozeß. L Aus w f ner ossenen Ate W )erM - $i«t KV- ÄS ;LS irgen S» ntetn, cro»rte äÄ* K hie t f«1"“' Angeklagte sagte, mit Dr. 0. sei sie seit einem Jahr auseinander. Sie habe damals viele Aui- reaungen gehabt. 3m weiteren Verlauf der Aus- füprungen der Zeugin behauptet die Angeklagte, daß die Zeugin die Jahre verwechsele, cs habe sich da um die Vorgänge 1923 gehandelt. Die Zeugin sagt noch, daß die Angettagte erklärte Wenn ich eine Aussprache gehabt hätte, dann wäre eS nicht so schlimm g e w o r d e n." Die Angeklagte steht auf: „Eines möchte ich dem Gericht doch sagen. 3ch weih am allerbesten, was ich Dr. Seitz geschrieben habe, und eS ist bisher noch niemand in den Verhandlungen ausgetreten, der sagen konnte, Das ich ihm schrieb. Zur Rechtfertigung deS toten Dr. Seih muh ich sagen, daß er so taktvoll war, niemand von meinen Driesen etwas zu sagen. 2Iud den Zeugenaussagen merkte ich. dah kein Mensch eine Ahnung hat. waS ich ihm schrieb. 3ch muh in Abrede stellen, dah er jemand auszugsweise meine Briefe lesen lieh!" Dem Antrag der Angeklagten, während der Vernehmung des PreungeSheimer Gefängnisgeistlichen nicht zugegen sein zu müssen, wird slattgcgeben. Die Angeklagte wird abgeführt. Es beginnt die Vernehmung deS Pfarrer- Dorn ing Dorning sagt aus: „Am Tage nach ihrer Verurteilung ging ich morgens vor dem Gottesdienst in ihre Zelle, in der sich noch zwei Kranke aufhielten. Da ich mit ihr allein reden wollte, schickte ich die beiden hinaus. Die Flessa gab mir kaum Antwort. Auch nach einigen Tagen sprach sie nichts zu mir. Sie sagte, dah sie Miß- trauen gegen mich hätte. 3eben Versuch, in ihr Seelenleben einzudringen, müsse sie ablehnen. Aach einiger Zeit erst wurde sie mitteilsam. Sie sagte fast wörtlich: „Mein ganze- ilnglütf ist das, dah Dr. Seitz tot ist: wenn er noch leben würde, dann würde er meine Angaben bestätigen." Einige Zeit später ging ich zu ihr und sagte, dah Schwestern vorn Krankenhaus eine Eingabe an das Gericht zu ihren Gunsten gemacht hätten. 3ch wollte ihr dadurch das Vertrauen zu den Menschen, das sie verloren hatte, Wiedergebein. Erst zwei bis drei Monate nach dem ersten Urteil erzählte die Flessa mir von ihrem Verhältnis zu Dr. Seih. Sie habe gehofft, dah Dr. Seitz sie heiraten werde. Auf meine Frage, ob Dr. Seih ihr die Che versprochen habe, sagte sie: „Olein I" Zur Tat befragt, äuherte sie, dah sie Dr. S. nicht erfchiehen wollte. Die hätte ihn verwunden wollen, und wenn die Verwundung ernster Statur wäre, hätte sie ja als Schwester helfen können. Sie hätte vorgehabt, ihn zu blamieren, und ihn so zu verletzen, dah er vierzehn Tage hätte zu Dett liegen müssen und so Zeit g esunden hätte, über das Verhältnis zu ihr nachzudenken." Staatsanwalt: „Wann hat das die Flessa gesagt, als das Urteil aufgehoben war?" Zeuge: „3ch glaube, da- war im 3unl. Das Urteil wurde, so glaube ich, am 1. 3uni aufgehoben! 3ch ging auch nach der Aufhebung der ersten Urteils au ihr. Sie war an diesem Tage über eine Kleinigkeit sehr erregt. Sie sagte: „Wenn ich an mein vollkommen zerrüteteS Leben benfe, dann kann man den Mann beneiden, der da drüben liegt, dem man bald das Leben nehmen wird!". Der nächste Zeuge ist der D r u b e r des Toten, Medizinalrat Dr. Otto Seih. Dors.: „Was hat 3hnen 3hr Druder von dem Verhältnis zu der Flessa mitgeteilt?" Zeuge: „Aichtsl" Aach der Rückkehr von seiner Reise nach Schweden teilte Dr. S. dem Druder mit, tah er heiraten wolle. Seine Draut fei Fräulein Sch. Die Angeklagte wird wieder herein geführt. Der Steueramtmann H. war mit Dr. Deitz leit 1922 b.freundet. Seine Angaben stimmen mit denen der schon gehörten Dundesbrüder des Dr. S. überein. Der Zeuge hat Dr. Seih einmal gefragt, ob er der Person den gewissen Wunsch nicht erfüllen wolle. Da habe Dr D erwidert. „Olein, Ile ist ein übles, hähl iches Zrauenzimmer.“ Auch zu diesem Zeugen sagte Dr. S.: „Diese Frau ist noch mein Schicksal." Aus eine Frage deS Staatsanwalts bestätigt der Zeuge, dah Dr. S. ein lehr hilfsbereiter, guter Mensch und Arzt war. Dem Untersuchungsrichter Landgerichtscat Tomforde, dem nächsten Zeugen, fiel die Ruhe der Flessa auf. Sie habe niemals Szenen gemacht. Hier wird die Fiesta wieder sehr unruhig. Für die Dauer der Aussage des Untersuchungsrichters wird die Angeklagte wieder hinausgeführt. Für das Tatmotiv habe sie keine Erklärung. 3ede intime Deziehung zu Dr. S. stelle sie in Abrede: Sie sei noch 3ung- frau. Cs beginnen nun die Gutachten der Sachverständigen. Die Verteidigung hatte gestern schon gebeten, die OlngcHagte während der Sachverständigengutachten von der Verhandlung zu dispensieren. 3eht stimmt das Gericht diesem Antrag zu. Als erster tritt der Gerichtschemiker Geheimrat Prof. Dr. V o p p vor den Zeugentisch. 3n dem Fläschchen, das die Angeklagte, um sich auf der Polizeiwache umzubringen, zu Zweidritteln geleert hatte, befand sich Morphium und Cucodal. Die tödliche Dosis schwankt zwischen 6D und 400 Milligramm. Die Angeklagte könnte höchstens 30 bis 40 Milligramm ausgenommen haben. Die Angaben der Angeklagten, dah das Fläschchen 8 Ampullen Morphium und 1 Röhrchen Cucodal enthalten batte, kann stimmen. Zur Tat selbst: Geheimrat Popp Hal die Kleider deS Dr. Seih und die Waffe untersucht. Ein Gerichtsbeamter betritt den Saal in den Kleidern und dem Mantel des Erschossenen Dr. Seitz. Prof. Popp demonstriert an diesem Deamten, der zwar dieselbe Gröhe wie der Tote hat, aber wesentlich schlanker ist, die verschiedenen Einschußstellen. Die Flessa hat drei Schüsse abgegeben. Der tödliche (erste) Schuh kam aus einer Entfernung von etwa drei Zentimeter und traf das Herz. An der Weste des Toten war an der linken Drustseite eine Sch uh- Öffnung, deren Ränder Pulverreste zeigten. Aus diesen Pulverresten läht sich auf die kurze Entfernung schließen. Der zweite Schuh traf die 3nhenfeite des Mantels über der Drufttasche. Die mikroskopische älntersuchung der Stoffäserchrn an dieser Stelle ergab das Vorhandensein von Dlutkörperchen. Da sich eine Wunde in unmittelbarer Aähe nicht befindet, können diese Dlutkörperchen nur durch das Geschah dorthin gelangt sein. Prof. Popp nimmt daher an, dah die biet eingeschlagene Kugel dieselbe ist, die zuerst Den Finger getroffen hat. Der dritte Einschuh schliehlich befindet sich an der rechten Seite des Mantelkragens. Die Kugel traf zuerst das Kinn des Dr. Seih. Dr. Seih war 1,75 Meter groß. Wenn der Kinnschuh den stehenden Dr. Seih traf, fo hätte dieser Schuh in die Wand gehen müssen. Die Kinnschußkugel aber muß — dies ergibt sich aus ihrer Olbplattung — an einer Türklinke abgeprallt sein. Daraus ist mit ziemlicher Sicherheit zu folgern, dah der zweite und dritte «Schuh den jäh yinsinkenden Dr. Seih getroffen hat. Geheimrat Popp äußert sich dann über die Pistole. Eine sogenannte Dopplung von Schüssen, d. L die Auslösung des zweiten Schusses ohne Willen des Schützen, kommt bei dieser Waffe nicht in Frage. Ob der erste Schuh mit Absicht ober unwillkürlich abgegeben worden ist, läßt sich objektiv nicht f e st st e l l e n. Es muß mit beiden Möglichkeiten gerechnet werden. älnzweifelhaft erscheint es Geheimrat Popp, daß der dritte Schuß auf eine Willensäußerung der Täterin zurückzuführen ist. Wenn aber der dritte Schuß mit Willen abgegeben wurde, so ist daraus zu schließen, daß auch der erste Schuß absichllich loSging. Geheimrat Popp fährt dann fort, daß auch die Möglichkeit besteht, daß die Angeklagte an der Kellertur dem Dr. Seih auf gelauert und auf ibn geschossen hat, als Dr. Seitz von der letzten Stufe der Treppe in den Hausflur trat. Hier schreit die Flessa auf. „Sie erschieße Ich, wenn ich herauskomme." Geheimrat Popp neigt zu der Annahme dieser Möglichkeit. die durch die Lage der Schüsse sich recht- fertigen lasse. Er gibt aber zu. daß auch die Darstellung der Angellagten zutreffen kann. Der folgende Gutachter. Herr Trapper, ist Schieß- Sachverständigcr. Er stellt zunächst die Frage, ob die Angeklagte schon vorher mit der Pistole geschossen habe. Die Flessa verneint. Herr Trapper hält die von Geheimrat Popp gegebene Darstellung des sehr leichten Losgehens des zweiten Schusses bei krampfhafter Umklammerung der Waffe für möglich. Der sachverständige Düchsenmachermeister Dock schließt sich Im wesentlichen den Ausführungen der Dorgutachter an. 3etzt wird die Angeklagte abgeführt. Dann erhebt sich der Gerichtsarzt Geheimrat Dr. Roth und erstattet fein Gutachten. Die Leichenbesichtigung des Sr. Seih ergab, daß Dr. Seih ein ungewöhnlich kräftiger Mensch war. Es sanden sich vier Schußverlehungen. An der Drust, an der linken Hand, am Kinn und am rechten Oberarm. Die Herzschußverlehuna war tödlich. Welche Verletzung war die erste? Die Wunden der zwei anderen Schüsse waren nur wenig umblutet. Daraus läßt sich folgern, daß der Herzschuß der erste war. Die Der- lehungen an der linken Hand und am rechten Oberarm rühren von einem und demselben Schuß her. ES kann sich also nur um drei Schüsse gehandelt haben. Wie hat sich die Tat abgespielt? Die Angaben der Angellagten darüber find immer verschieden gewesen. 3m ersten Prozeß sagte sie, sie habe dem Dr. Seitz gegenübergestanden. Er habe sie mit seiner linken Hand an der rechten Hand festgehalten und ihr mit der rechten Hand auf die Schulter gefaßt. Dann habe sie eine Bewegung gemacht, und die Schüsse seien losgegangen. Jetzt behauptet die Angeklagte, daß sie Seih mehrere Stufen entgegengegangen fei. Dr. Seitz habe sie mit der linken Hand an ter Schulter gefaßt. Als fie mit Dr. Seitz dis Stufen hinuntergestiegen war, hätte fie ihm schräg gegenüber gestanden und^Dr. Seih habe fie an Der Hand gehalten. Dann kam das Ringen und die Schüsse, 2'/, Meter von der Haustüre entfernt. Die Leiche wurde unmittelbar an der Tür gefunden. Dies muß der Platz gewesen fein, wo die drei Schüsse fielen. Dr. Roch erklärt sich die Situation so, daß Dr. S. ahnungslos die Treppe herabkam und sich auf die Haustür zu bewegte. Als er dort angelangt war, trat die Angeklagte aus ihrem Versteck hervor und schoß auf ihn. Die Angeklagte hat angegeben, sie wollte Dr. Seitz nur in die Deine treffen. 3hre Schüsse aber haben ihn in Brusthöhe ereilt. Der Verteidiger weist dann darauf hin, daß die Flessa den Dr. Seih beim Hinfallen gestützt habe. Das aber verneint Geheimrat Roth, da die Ange- Hagte körperlich nicht in der Lage gewesen sei, den zwei Zentner schweren Mann zu stützen. Außerdem hat die OlngeHagte drei Schüsse abgegeben und schon nach dem ersten Schuß muß Dr. Seih zusammengebrochen fein. Geheimrat Roth kommt auf den Geisteszustand der Angeklagten zu sprechen. Körperlich sei eine Besonderheit der Angeklagten nicht festzustellen, auch das Nervensystem sei normal. Zeit ihres Lebens war die Angeklagte — bis auf die Englische Krankheit in früher 3ugend — gesund. Sie war eine arbeitswillige und fleißige Schwester. Auch in schwierigen Krankenpflegen hielt fie aus. Dis zu der Tat ist die Angellagte durch nichts ausgefallen. 3 n t e l l e k t: 3hr vorzügliches Gedächtnis ist auffallend. Er liegt kein Grund vor, an ihrer Zurechnunasfähigkeit zu zweifeln. Die Singe- Hagte ist vollkommen verantwortlich. Die Voraussetzungen des § 51 des Strafgesetzbuches treffen nicht zu. Der folgende Gutachter ist Geheimrat Professor Dr. Friedländer (Freiburg i. Br.). Er schließt sich hinsichtlich des körperlichen Untersuchungsbefundes Herrn Dr. Roth an, fügt aber hinzu, daß ihm bei der Angeklagten sogenannte Glotzaugen ausgefallen seien. Zeichen der Basedowschen Krankheit waren aber nicht vorhanden. Die Angeklagte fügte ihm, 1925 fei es nur Trotz gewesen, daß sie von Dr. Seitz nicht habe lasten wollen. Für Dr. Seitz habe fie keine Liebe, sondern nur Verachtung empfunden, da er sich ihr gegenüber so feige gezeigt habe. Die Flessa ist eine halb gebildete Perlon, trotz, ihrer außerordentlich gewandten Ausdrucksweise. Dies ergibt sich auch aus den mit ihr vorgenommenen Afsoziationsprüsungen. Der Gutachter führte weiter aus, daß Dr. Seitz für die Flessa eben der Mann war, zu dem ihre Sehnsucht sie trieb. Die ganze Kraft einer alternden Frau konzentrierte sich auf Dr. Deitz. Der Angeklagten war diese Liebe das Leben. Dr. Seitz wurde zum Verhängnis, daß er die Wesensart der Angeklagten nicht rechtzeitig erkannte, und daß, al- er sie begriff, glaubte, er könne mit der Art, die als „zynisch" bezeichnet wird, die im Grunde aber gut gemeint war, die Flessa von sich lösen. Sie sah in Seitz den Vernichter ihrer Hoffnungen, von ihrem Standpunkt mit Recht. Prof. Friedlaender faßt zusammen: Das Leben der Angeklagten ist in drei Olbschnitte einteilbar. Der erste umfaßt die Zeit, als sie sich angeblich Dr. Seih hlngab. Es fragt sich hier, ob der Angeklagten zu glauben ist. Der zweite Abschnitt beginnt, als sie unter allen ilmftänben eine Aussprache mit Dr. Seih herbeiführen wollte, also am 25. Oktober, — und endete mit dem Moment, als sie mit der Waffe ihr Haus verließ. Der dritte Abschnitt beginnt mit dem Drama im Hause des Dr. Seih. Die Tatsache, daß die Angeklagte ihre Kranken mit Aufopferung und Pflichtbewußtsein pflegte, widerlegt nicht das Vorhandensein des Affekts. Sie wurde )a auch von verschiedenen Personen als sehr reizbar geschildert. Die Voraussetzungen des § 51 StrGB. kämen für den Augenblick der Tat nicht in Frage. Dagegen sei die Angeklagte eine erblich belastete Psychopathin mit starker Phantasie, bei der der Wirklichkeitssinn fehle. Sei die Dar- ftellung der Angeklagten, daß sie sich am Tatort aus seiner Umklammerung befreien wollte, sichtig, dann müsse er sagen, daß fie sich in einem Zustande befand, der ihre Zurechnungsfähigkeit stark beeinträchtigt hat. Staatsanwalt: „Halten Sie es für möglich, daß jemand monatelang im Zustand hochgradiger (Erregung war und diese Erregung nicht den Zustand eines Jrrseins schuft Der Sachverständige hält dies für möglich. Der Verteidiger fragt, ob der Sachverständige es für möglich hält, daß die Flessa, obwohl sie nach der Tat durchdachte Anweisungen gab („Kampferspritzen! Kragen öffnenI"), dennoch sich im Affekt, also im Zustande erhöhter oder höchster Er- regtheit, befand. Professor Friedlaender hält das für möglich. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Jür unverlangt eingesandte Manuskripte ohne belgeffigtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts st elle zu richten. Verantwortlich für den lokalen Teil l. 05.: Dr. Hans Thyrlot. Bjg^ajsasaBsaBB^jjtSM Allcinverk. der berühmten „HERZ“-Schuhe mit dem Herzstempel a.d.Sohle 6440a la Wettcrauer Speisekartoffeln versendet ver Ztr. 4—, intL Sack gegen Nachnahme. A. Simon ll., Echzelt.iclepbon: Reichelsheim Wet- terau 10. tMsD Achtung! Wo gehen wir Sonntag hin? Auf die Kirmes nach Alten-Vuseck. Gute Musik. 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August, nachmittags 4 Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofes statt. Die Einäscherung erfolgt in aller Stille. 05420 GeilOg. iS und fogel- zucht- l.GieBenu. l!mg.1897e.V. Samstag, 7. Ang., abend- 9 Uhr, im Pfälzer Hof: 6,2HD Monatsversammlung. Paul Müller verschieden ist. Die Trauerseier nudel Montag, denO.August, nachmittags 4 Uhr in der 9teuenFried- hosSkavelle statt. Um rege Beteiligung bittet der Vorstand. Samstag Tanz-Abend Altersvereinigung 1872—1922, Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Alterskameraden Herrn Paul Müller in Kenntnis zu setzen. Die Trauerfeier findet Montag nachmittag 4 Uhr in der Kapelle des Neuen Friedhofes statt Die Einäscherung erfolgt in aller Stille. Wir bitten um recht zahlreiche Beteiligung. Illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Auktionssaal Walltorstratze 36. 05423 Morgen Samstag, den 7. August von 10—6 Uhr, großer Verkauf. H. Benner II. 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Professor der Rechte an der Universität Marburg, Mitglied des Reichstags, Sachverständiger des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses'. MU dem Sturz des Reichskanzlers von Deth- niinn Hollweg war das eigentliche kaiserliche Regiment nach Dismarckscher Tradition zu Ende. Was jetzt kam. war ^nächst eine große Verwirrung, aus der sich ixnn aber die Ansätze zum parlamentarischen Argiment immer deutlicher heraushoben. Daß aller jetzt nur ein einziger Weg noch offen stand, h*n Deutschland nach ewigen Gesetzen der Welt- .Schichte zu beschreiten hatte, das sehen wir i,ute genau, wie es damals schon alle hätten jetiien können. Man konnte das Rad der Welt- > Schichte nicht rückwärts drehen, man konnte imr versuchen. dasKonnmende rechtzeitig x i erkennen und in die Bahnen einer langsamen Entwicklung zu lenken. -Deutschland war gegründet worden nicht mit dein parlamentarischen Regiment, sondern im Kampfe nut ihm, und kein anderer als der grobe Reichs- Minder hatte einmal gesagt: .Wir können die i>eschichte der Vergangenheit wrder^ ignorieren, nach können wir die Zukunft machen: und das ist ei i Mißverständnis, vor dem ich hier toarnen m-schte, das) wir uns nicht einbilden, wir können t-en Lauf der Zeit dadurch beschleunigen, dah trtr unsere Uhren vorstellen." Dah in Preußen die Zeit des Dreiklassen- Dahlrechts vorüber war. das muh jedem Ein- lichtigen klar sein: dah aber auch im Reiche das renn bureaukratische Regiment nicht mehr haltbar war. muhte ebenso deutlich sein. Der Stein txr längst im Rollen und jede politische Krise lo nnte nur dahin sich auSwirken, dah sie die örtwicklung noch beschleunigte. Glaubte tatsächlich seinand im Ernste, man werde einen neuen ft eichskanzler finden, der diesen Gang werde auf- 6alten können? Wo sollte er sein, wenn man ro$> nie etwas von ihm gemerkt hatte? Es erscheint heute tatsächlich unbegreiflich, dah gerade diejenigen Parteien, Den Sturz Dethmann Holl- 2>egs betrieben, die am meisten Ursache gehabt hätten, tunlichst das alte Regiment nicht anzu- tdlten. Was das deutsche Volk damals wollte, war jcBem Einsichtigen klar. Die Begeisterung der Etilen Kriegsmonate war zermürbt und zerrieben in den Sorgen des Alltags, der Rot der Ernährung, der Trauer um zahllose Gefallene. Was mar der Krieg von 1866. der zwei Wochen gedauert hatte, und der Krieg von 1870, der sieben Atonale gedauert hatte, gegen den Weltkrieg, bei dem man schon nach Zähren rechnete? Das EL ent) wuchs von Tag zu Tag, und alle Sieges- nahrichten boten keinen Ersah mehr für das, i>a8 man erlebte. Man wollte Frieden unö nochmals Frieden, darin erschöpfte sich das ganze politische Wollen. Man empfand aber auch ganz richtig den Mangel der politischen Führung. Was nutzten Denn alle Siege, wenn sie nicht verwertet wurden? Wie sollte denn jemals ein Ende kommen, wenn alle militärischen Erfolge nur zu neuen Unternehmungen und neuen Opfern führten? War Denn nicht alles gut, wenn nan Frieden machte ohne Annexionen und Entschädigungen? Das alles waren Fragen, Die Das ganze Doll beschäftigten, von Denen man aber in Den Zeitungen so gut wie nichts las. Die Z < n s u r waltete ihres Amtes. Don Der Reichsregierung vernahm man nur Die Ermahnung zum kirchhalten, aber man sah keine Taten. Itei Der Obersten Heeresleitung aber sah man nur dem festen Willen, Den endlichen Sieg zu erachten. auch wenn die Opfer noch so grob rnren. " Die Ursachen des Deutschen Zusammen- dcnichs im 3ahre 1918 (IV. Reihe im „Werk des Umtersuchungsausschusses der Derfassunggebenden Deutschen Rationalversammlung und des Deut- 'ch. 2. Ao Mn. 3C Bis Krummhölzer Roman aus den bayerischen Bergen. Don Michael Wagner. Altersturnen, 38 bis 45 Jahre (87 Bewerber, 54 Sieger): 1. 3. RGnspecher, Tv. Dieburg, 76 P.: 13. Hrch. Hamel, Tv. 1 846 Dieben, 60 P. ' I Ober sollte er auf Tonis Bosheiten die gebüh- i rende Antwort geben? Ihn rücksichtslos nieder- trumpfen, selbst auf die Gefahr hin, das; er in einen seiner gewohnten Wutausbrüche verfiel?" Toni war wie vom Satan besessen. Vielleicht reizte ihn Zenos Zurückhaltung nur noch mehr, oder er hielt sie für Schwäche und Feigheit. Er stichelte weiter: „Verstehst, Taverl, Hund is Hund! Ader die feigsten und schäbigsten sind allweil diejenigen, die wo in der weiten recht bissig bellen und nachher den Schwanz einzieh'n, wennst in ihre Näh' kommst! Verstehst!" Zenos Fäuste krampften sich um den Bergstock bei dieser neuen Gemeinheit Tonis. Ein Brodeln und Kochen war in ihm, sein Blut begann zu sieden . . . Wie knatternde Gewehrsalven schleuderte der Sturm Regen und Hagel gegen die armselige Hütte, die Feuergarben der Blitze zuckten auf und erloschen, brüllend rollte der Donner das Gewände entlang ... „Herrgott — was haft denn allweil bloß zum granteln?" hörte Zeno den mit vollen Backen kauenden Bullinger fragen. Er wartete des Bruders Antwort, die doch wieder nur Unflat und Schmähung sein würde, nicht erst ab. Irgend etwas in ihm drängte ihn, mit dem Bergstock auf Toni loszuschlagen, ihn für seine Gemeinheit zu züchtigen. Da sah er den grauköpfigen Vater vor Augen, seine Marianne — und mit einemmal fühlte er wieder die ganze Schmach dieses Bruderzwistes auf seiner Seele brennen. Das gab ihm seine Beherrschung und Ruhe wieder. Er richtete sich auf. Drohend stand seine dunkle Gestalt im Düstern der Ecke. „Toni!" sagte er voll tiefen Ernstes, halt ein! Merkst du denn die Schänd net —" Das erste Feldbergfest, das feit 1918 auf der Dergeshöhe veranstaltet werden selten für E spM stark. lijen 8 Kana Dv Schuhputs Bohnerwachs Metallputs überall erhältlich I Morler, Tv. 1860 Bad-Aauheim, 64 P.; 25. Willi Bock, Tv. 1 846 Gießen, 61 P.; 26. 21. Langsdorf, Tv. 1860 Dad-Aauheim, 60 P.; 29. W. Dauer, T. u. Spv. Dutzbach, 21. Weigel, Tv. Klein-Linden, 57 P.; 30. C. Ludewig Tv. Wetzlar, 56 P.; 32. W. 2Idelman, Tv.' Ober-Mörlen, 54 P. Das Feldbergsest. Ein geschichtlicher Rückblick. Die Tatsache, daß nach siebenjähriger „Turnsperre" das Feldbergsest in diesem Jahre erstmalig wieder auf dem sagenumwobenen Taunusgipfel veranstaltet werden konnte, sei uns Veranlassung, einen kurzen Rückblick auf den Werdegang der F e l d b e r g f e st e zu werfen, deren Geschichte nicht nur ein fesselndes Stück mittel- rheinischer Turngeschichte ist, sondern nicht zuletzt auch ein bedeutsames Kapitel deutscher Geistesgeschichte darstellt. Das Feldbergsest, das älteste und volkstümlichste der deutschen Bergfeste, dem das Turnen „He! —" machte er überrascht, was hast denn! Fluachst auf amal wie a Scherenschleifirr! — Oder —" Hier schien ihm ein Gedanke zu kommen, - is ebba wegen dem da, han?" Dabei deutete mit dem Daumen auf Zeno. Nachträgliches zum Feldbergsest. Die Erfolge des Gaues Hessen. bpw. Linser Heimatgau war außerordentlich stark an dem diesjährigen Feldbergfest, über das wir bereits berichtet haben, beteiligt, nut Wettturnern und Kampfrichtern sowohl als auch mit Festbesuchern. Obwohl die meisten der Turner die „Tücken" eines Bergfestes zum ersten Male kennen lernten, brachte es der Gau doch auf insgesamt 50 Einzelsiege (12 Oberstufe, 36 Linierst ufe, 1 Altersturnen, 1 Turnerinnen). Auf die beteiligt gewesenen Vereine verteilen 7! Düst AM 1861 f- gtfll *- Mu K ben.J a a dui-HS -Bcteu aus 1 war, zeit,' w. derse mitte dem geger tung betve Doch turne sein. Feltk ist in seinem eindrucksvollen Verlaus em _______ stein in der fesselnden und bewegten Geschichte der Feldbergfeste geworden. 3m Mannschaftskamps um das Döl° sung enhorn (Freihochsprung, Steinstoßen, Schleuderballwerfen, Mannschafts-Freiübung) wurde Tv. 1860 Bad-Aauheim dritter mit 355 Punkten. 2 LI.; Tv. Ober-Mörlen 10.; Tv. A ie- der-Wöllstadt 1 O.; Tv. Griedel 1 XL; Tv. Hirzenhain 1 XL; Tv. Wetzlar- Ai ederg irmes 1 LI.; Mtv. Dad-Aau- heim 1 LI. Wir geben nachfolgend die Aamen der Sieger aus dem Gau und bringen zum Vergleich der Leistungen in jeder Stufe nochmals den ersten Sieger. Oberstufe (749 Bewerber, 374 Sieger): 1. B. Siegmund, Tgm. Dockenheim, 90 P.; 16. K. Hofmann, Tgm. Friedberg, W. Lehmann, Tv. 1860 Dad-Aauheim, 70 P.; 18. A. Wiener, Tv. 1860 Dad-Aauheim, 63 P.; 19. Willi Gartenschläger, Tv. 1 8 46 Gießen, 67 P.; 21. K. Bernhard, Tv. Aieder-Wöllstadt, 65 P.; 22. H. sich die Siege wie folgt (O. — Oberstufe, LI. — Llnterstufe, 21. = Altersturnen, F. = Frauen): Tv. 1860 Bad-Aauherm 9 (4 0., 5 LI.); Tgm. Friedberg 9 (1 O„ 8 LI.); Tv. 184 6 Gießen 7 (2 0., 4 LI., 1 21.); T. und Spv. D u h b a ch 6 (10., 4 LI. ' ~ ~ Tonis raubte ihm das vom losbrechen- Höhe. Das Gesicht Augen, schäumend er den Bruder an: „Arm- du mir in meiner Hütten Und nun geiferte er eschimpfungen hervor, den appetitlichen eben in aller Ge- Tonis Augen voll Haß und Feindseligkeit auf sich gerichtet — dann schlug das Düster wieder über ihnen zusammen. Den loskrachenden Donner aber übertönte ein böser Fluch Tonis. Beinahe erschrocken schaute Bullinger in Tonis wutverzerrtes Antlitz. LI n t e r st u f e (752 Bewerber, 3 3 4 Sieger): 1. Ph. Heß, Tv. Schornsheim, 75 P.; 2. E. Müller, T.- u. Spv. Butzbach, 74 P.; 4. Fritz Morneweg, Tv. Klein-Linden, 72 P.; 8. Hrch. Schröder, Tv. 1860 Dad-Aauheim, 68 P.; 9. Willi Aeih, Tv. 1 846 Gießen, 67 P.; 10. W. Goubeaud, Tv. Heuchelheim, fi6 P.; 12. Karl Müller, Tv. Lang-Göns, Werner Aohl, Tv. 1 846 Gießen, Wilh. Schäfer, Tgm. Friedberg, 64 P.; 14. A. Wagner, Tgm. Friedberg, Otto Heinstadt, Tv. 1846 Gieß en, W. Müller, T.- u. Spv. Butzbach, 62 P.; 15. K. Faah, Tv. 1860 Dad-Aauheim, W. Oehring, Tgm. Friedberg, F. Aosenkranz, Tv. Wetzlar-Aiederairmes, Wilhelm Sern, Lang-Göns, H. Dechent, Tgm. Friedberg, 61 P.; 16. K. Dender, Tv. Wetzlar, St. Smazynski, Mtv. Dad-Aauheim, 60 P.; 17. Karl Raab, Tv. 1860 Dad-Aauheim, K. Seelnig, Tgm. Friedberg, Willi Lauder, Tv. Lang- Göns, W. Scharmann, Tgm. Friedberg, 59 P.; 18. H. Merz, Tv. Hirzenhain. L. Müller, Tv. Griedel, W. Kaiser, Tv. 1860 Dad-Aauheim, 3. Lehr, Tgm. Friedberg, Eugen Weitzel, Tgm. Friedberg, K. Fischer, Tgm. Friedberg, 58 P.; 19. L. ilrff, T.° u. Spv. Dutzbach, 57 P.; 20. Karl Marx, Tv. 1 846 Gießen, 56 P.; 21. H. Reuter, Tv. Aieder-Mörlen, W. Roth, Tv. 1860 Dad-Aauheim, H. Gerhardt, T.° u. Spv. Dutzbach, 55 P.; 22. Otto Hehr, Tv. Heuchelheim, F. Kissel, Tv. Aieder-Mörlen, Hch. Morneweg, Tv. Klein-Linden, 54 P. Frauen (175 Bewerber, 40 Sieger): 1. Tilly Fleischer, Eintracht Frankfurt, 71 P.; ' Hanna Gras, T.- u. Spv. Butzbach, 52 P. Altersturnen über 45 3 ah re (34 Bewerber, 24 Sieger): 1. W. Kratz, Tv. 1817 Mainz, 79 P. 2 bahn Play Detät natur- für d Folge der L allein unO tf)i beschleus mv am IMich fügunj der 1 dem Ende nützen. Nativ: auch ( F.C.c Start Dcreii Jungk für bi kaum fünf ieiligi Wetli sahru für d ganisc nehm: folgen im Sy Mür ebens, ettväf spcunl die de 1,50 2) Pech, ^nfärij Wenu 't>ning d« im Dann, nehme Entsch Vvrhei lvohi deren int erf jung n frieden Drei dentz » ^ri Geduld haben und dürfen nicht aus der mancherorts vorhandenen Lieberhebung etwa in Kleinmut zurücksinken, wenn das Jahr 1926 ziffernmäßig nicht wieder eine bemerkenswerte Steigerung bringt. Die breite Front gilt es zu schaffen, die ßüden gilt es zu füllen. Man denke doch nur einmal daran, daß wir im Kampf gegen die anderen Rationen z. D. in den Wurfwettbewerben, im Springen, in den langen Strecken so gut wie aussichtslos liegen. Man bedenke, auf wie schwachen Füßen die Siegesaussichten eines Landes stehen, dem nur einzelne Könner zur Verfügung stehen. Eine Verletzung, ja eine gefund- hertliche Llnstimmigkeit oder andere Mißhelligkeiten können alle Hoffnungen über Aacht zu schänden machen, wenn kein vollgültiger Ersatz vorhanden ist. Es bleibt dann immer nur bei der Siegmöglichkeit. Bis zur Siegwahrscheinlichkeit ist von da ein großer Weg, und gar vor Siegesgewißheit möge sich hüten, wer sich Enttäuschungen ersparen will. Wie es sein muß, das zeigen unsere Sprinter, die bei den englischen Meisterschaften in breiter Front anrücken konnten; der Erfolg blieb denn auch nicht aus. 3n Amsterdam 1928, wo die Konkurrenz der Aationen aufs höchste gesteigert ist, wird das Land den Sieg an sich fesseln, das nicht allein über einzelne Könner, sondern neben diesen über fast gleichwertiges weiteres Material verfügt. Möge uns das 3ohr 1926 auf diesem Weg ein Stück vorwärts bringen, dann ist die unermüdliche aufopferungsvolle Tätigkeit vieler Tausender von Vereinslehrern belohnt und der Erfolg wird sich zur rechten Zeit einstellen. im Marn- und Rheingebiet und in Hessen seinen gewaltigen Aufschwung zu danken hat und das für viele andere Bergfeste vorbildlich geworden ist, ist ein. Kind der Geistesricktung in | den Weniger Jahren des vorigen Jahrhunderts „Für Vaterland und Freiheit!" waren damals die Losungsworte der denkenden Deutschen, von denen führende Köpfe, wie E M Arndt, Fr. L. Weidig u. a. auch, an der Wiege der Feldbergseste gestanden haben. Schon am 18. Oktober 1814 versammelte sich, dem Rufe Ernst Moritz Arndts folgend (der damals in Königstein sich aufhielt), auf der Taunus- Höhe eine gewaltige Volksmasse, um bei hell- loderndem Freudenfeuer das Andenken an die ' Völkerschlacht bei Leipzig festlich zu be- gehen. Das Jahr 1817 führte dann zuerst die Hanauer Turner auf den ‘Berg; 1826 zogen die Hanauer gemeinsam mit den Offenbachern hinauf. 3n ihrer Begleitung befand sich der damals schon wanderfrohL 2ldolf Spieß, der als Schöpfer des SchulturnKlT später so berühmt gewordene Hessensohn (geboren in Lauterbach). Solche Wanderungen wurden in den folgenden 3ahren immer häufiger unter- nommen; sie führten 1844 zur Abhaltung des ersten Feldbergfestes. Gegen 6000 Menschen patten sich am 23. 3uni genannten Jahres auf der Dergeshöhe versammelt, darunter viele Sänger und etwa 200 Turner. Auch Ferdinand Freiligrath befand sich unter den De- 'mpmL Die Frankfurter Gesangvereine trugen, geführt vom Dirigenten Heinrich A e e b, dem Gründer des Frankfurter Aeebschen Männerchors (geboren in Lich), wuchtige Massenchöre vor- Frankfurts Turnvater August R-aven stein - hielt die zündende Festrede, und der Hanauer Turnwart August Schärttner, 1848 als Anführer der Hanauer Turnerschar bekannt geworden, ließ die Turner zu den Hebungen an> treten. Volks- und Vaterlandsfreunde stellten sich in den folgenden Fahren in den Dienst der großen vaterländischen Sache und förderten das Fest, so M. Kuhl, Dutzbach, Fritz Emminghaus, Llsingen, der gefeierte Dichter der Taunusschönheiten. Aber schon bald trat ein Llmschwung ein. Die reaktionären Regierungen waren den Turnern feindlich gesinnt, und das 6. Feldbergsest konnte 1849 nur nach Lieberwindung schwerer Hindernisse ab- gehalten werden. Was damals vorging, erinnert uns lebhaft an die während der letzten 3ahre über den Feldberg verhängte „Turnsperre"; nur mit dem Llnterschied, daß 1849 die Feinde des deutschen Turnens die deutschen Regierungen selbst waren. Das Fest wurde von der landgräflich hamburgischen Regierung, der der Gipfel des Derges zum größten Teil gehörte, unter Aufbietung der gesamten Militärmacht untersagt und daher auf den Fuchstanz verlegt, ins Aassauische, wo man den Turnern und ihren Destrebimgen gegenüber zunächst duldsamer war. 3n den folgenden 3ahren war an eine Abhaltung in der seitherigen Form überhaupt nicht mehr zu denken. Auch für den Aeroberg bei Wiesbaden und den Schrenzer bei Dutzbach wurden die behördlichen Genehmigungen versagt. An Stelle des Lui-nens ließ man zunächst kleinere Wanderungen auf den Feldberg treten. Erst Mitte der fünfziger Jahre zeigte sich wieder die Morgenröte einer besseren Zeit. Der behördliche Druck ließ nach, und die Turner konnten ihre Tättg- feit langsam wieder aufnehmen. Von 1859 ab konnte das Feldbergsest mit wenig mütsruhe einverleiben wollte. Mit einem: „Jessas! — Wie Ham ma's denn!" sprang er auf und packte Toni beim Arm. „Was regst dich denn bloß a so auf, Toni!" Totenbleich stand Zeno da und rührte kein Glied, kein Laut kam über seine Lippen. So ließ er Tonis Unflätigkeiten und Beschimpfungen auf sich Hernie- derprafseln. „Mein' Büchs, .Xaver!!" keuchte Toni, „— daß i den Hund niederschieß, bal er mir net aus die Augen geht!" Bullinger schien nun erst den Ernst der Situation ganz zu erfassen. Glücklicherweise lehnten die beiden Gewehre abseits in einer Ecke, so daß Toni ihrer sogleich nicht habhaft werden konnte. Bullinger packte den Rasenden und stellte sich ihm in den Weg, mußte aber all seine Schlächterkraft aufbieten, um ihn zu halten. „Schaun 'S, daß 'nauskommen!" schrie er Zeno Zu, während er mit Toni rang, „sonst passiert a Unglück!" Ohne ein Wort der Erwiderung, ganz mechanisch, machte Zeno die paar Schritte zur Tür und trat hinaus. Der Sturm warf ihm heulend und johlend den Regen ins Gesicht, riß ihm den Hut vom Kopfe und wirbelte ihn mit sich fort. Sein Mantel flatterte ungestüm hoch auf und schlug dann wieder klatschend an sein hölzernes Bein. Zeno achtete es nicht. Höllischer Wetterlärm umtoste ihn. Er hätte nichts. Er erreichte den Hochwald, den der Sturm in wahnwitziger Wildheit durchwühlte — er sah nicht die stete Lebensgefahr — hörte nichts — Bleich, regendurchnäßt, daß ihm die Kleider am Leibe klebten, so stapfte Zeno talab, den Blick Immer starr voraus. Unberührt von allem, was da um ihn vorging, als wären feine Sinne erstorben. Das Blut aber jagte heiß in rasendem Tempo durch seine Adern, fein Herz klopfte stürmisch, bei jedem dumpfen Schritt seines hölzernen Beines brauste es in seinen Ohren: „— Todfeindschaft!" Sturm und Wetter tobten, als wäre die Hölle los, um Mensch, Berg und Wald zu vernichten . . . (Fortsetzung folgt.) Die deutsche Leichtathletik. Die deutsche Leichtathletik hat nach dem Krieg sowohl zahlenmäßig wie an Leistungen einen erstaunlichen Aufschwung genommen. Dieser Ruck nach vorwärts ist um so bemerkenswerter, als er zu einer Zeit erfolgte, wo wir unter den drückendsten gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen litten; ein Zustand, der, wenn auch weniger sichtbar, noch heute anhält. Die Leichtathletik mit ihren Lauf-, Sprung- und Wurf- Wettbewerben hat vor anderen Sportarten den Vorzug des Meßbaren, des Kontrollierbaren: man kann „ Fortschritte" aus der Leistung unzweifelhaft ableiten. Lind doch verführt die erzielte und papiermäßig festgelegte Leistung leicht zu Trugschlüssen. Hiervor gilt es zu warnen. Das 3ahr 1925 ist eins der eindrucksvollsten in der ganzen Geschichte der deutschen Leichtathletik gewesen. Man hat Iahreslisten der zehn besten Einzelleistungen aufgestellt und ist dabei zu einem recht schönen Ergebnis gekommen. Es ereignete sich, daß die zehntbeste Leistung von 1925 noch über der besten von 1924 stand. Kein Wunder, daß man jubelte. Lind in gleicher Weise stellte man Vergleiche mit den Listen anderer Volker an, errechnete daraus die deutschen Siegmöglichkeiten im internationalen Wettstreit. Man kam am grünen Tisch so weit, zu beweisen, daß Deutschland im 3ahre 1925 nicht nur über England, die Schweiz, sondern auch über weit über» Icgcnerc Athletikländer, z. D. Schweden, im Gesamtklassement überlegen gewesen wäre. Daraus leitete man wieder allerhand Hoffnungen für Amsterdam 1928 ab. Ein Kenner der Materie wird sich zu Trugschlüssen nicht verleiten lassen, und sowohl junge, beg?ifterungäfreubige Menschen, wie die breite Masse der Bevölkerung gilt es vor solchen Hoffnungen zu bewahren; sie sind eitel. Sieht man sich nämlich das Jahr 1925 etwas genauer an, so wird zuerst auffallen, daß in Deutschland ein besonders gleichmäßiges, günstiges Wetter herrschte, wodurch ein oft wochenlang ununterbrochener Trainings- und Wettkampfbetrieb möglich war. Die Leistungen verbesserten sich von Sonntag zu Sonntag. Außerdem machte sich 1925 die starke Ausbreitung der Leichtathletik in den ticrangegangenen 3ohren bemerkbar: au« der b. eiten Basis wurde der Stotz in die Hohe vollführt. Auf der anderen Seite vergaß man jedoch das Hochkommen bisher in der Leichtathletik weniger bedeutender Länder zu beachten, z. B. von Frankreich, Lingam, Dänemark, und man übersah zu viel, daß unser Fortschritt bei weitem nicht auf der ganzen Linie der leichtathletischen Disziplinen erfolgte, sondern erhebliche Lücken blieben. Aus Erfahrungen soll man lernen. Zeder Einsichtige wird sich sagen müssen, dah der Ruck in L'i Höhe sich in gleichem Matz nicht so leirht wiederholen wird. Lim ihn zu ermöglichen, bedarf es neuen Kräftesammelns, braucht es ruhige Vorbereitungsarbeit, mit anderen Worten: die deutsche Leichtathletik mutz wieder, mutz noch einmal in die Breite gehen und einen hohen Leistungs-Durchschnitt noch größerer Massen sci.assen. Glücklicherweise scheinen wir bereits erfolgreich auf diesem Weg zu fein. Aeußerlich verwertbare Zeichen dafür werden sich allerdings erst nach geraumer Zeit, in ein oder auch zwei 3ahren einstellen: denn so lange braucht es, bis aus der DurchschnittsleistiMg eine Höchstleistung geboren wird. Darum müssen wir ein wenig Er erhielt keine Antwort. „Han?" erwiderte er deshalb eindringlich. „Laß mir.doch mei Ruah!" herrschte ihn Toni an. »Ra — aber hast g'hört!" begehrte Bullinger beleidigt auf, in der einen Hand eine dicke Salami, in der andern ein Messer. Toni achtete nicht auf ihn. Doll Hohn warf er Zeno die Frage zu: „So, so! — Haben dich ebba gar die Sorgen um mich oder um den Hof auf den Berg trieben, han?" Zeno biß die Zähne zusammen. „Am Belvenköpfl bin i oben g'legen!" „Haft g'hört, Toni! Ob ma an Jagdgast a so behandelt, möcht i wissen!" rührte sich der gekränkte Bullinger wieder in eigener Angelegenheii. „Red doch net, Schafskopf!" wies ihn der Jagdherr zurecht; dann fügte er voll Hohn hinzu: „— Wenn i mich doch mit mein' Herrn Bruader unterhalt!" „Was — Bruader?!" fragte Bullinger verständnislos, während feine Kuhaugen von Zeno zu Toni und von Toni zu Zeno wanderten. „Bruader? — Ja, bist du — fan Sie?" Zeno rührte sich nicht. Toni aber setzte das begonnene Gespräch in bissigem Tone fort. „Wenn i dir sag, Xavers! Und net bloß Bruader — sondern a no — Vormund!" Da wandte sich Bullinger entrüstet ab. „Schmarrn!" grollte er. „Für was hältst mich denn du eigentlich?^ Toni aber schlua ein so hohnvolles Lachen an, daß es Zeno durchschauerte. Welcher Haß lag doch darin! Und warum? Mußte er denn Tonis Spott und Hohn widerspruchslos hinnehmen? Aber — rührte sich nicht auch in ihm das alte Uracherblut Bullinger schob sich in die Bank gegenüber. Sein breiter Rücken verdeckte gerade noch das Fensterchen. Dann ließ sich auch Toni neben seinem Gejährten nieder. Die Holzbank ächzte bedenklich " unter der schweren Last. „Gescheit war's, daß wir nimmer weiter ’nauf sind:" bemerkte Bullinger, sein rotes, erhitztes Gesicht mit dem Taschentuch trocknend. „Da hätt's uns erst richtig eintaucht, Freunder!!" „Mir langt's schon a so al" erwiderte Toni unwirsch. „Alles für d' Katz — die ganze Birsch — und dazua naß bis auf d' Haut! — Zeit, G'schäft und Geld versäumt!" Ein Fluch beschloß das Lamento. „Mein" —, meinte Bullinger in gemütlichem Philosophieren, da kannst jetzt weiter gar nixen machen — ober —" unterbrach er sich und lachte plötzlich schallend auf, — „höchstens Brotzeit!" Dazu klopfte er Toni aufmunternd auf die Schultern. „Also — raus mit'm Backhendl! Und Durst hab i a!" . Von mir aus!" knurrte Toni und reichte Bullinger seinen Rucksack hin. „Pack aus!" Dann wandte er sich Zeno zu. „Wo kommst denn her?" fragte er in herrischem Ton. „Vom Belvenköpfl!" erwiderte Zeno gedämpft. „Im Revier — spazieren g'wesen, han?" fuhr Toni mißtrauisch fort. „Ja!" Toni stutzte und beugte sich über den Tisch, auf dem Bullinger eben allerlei Päckchen auszubreiten begann. „Zum Teufel — wer bist denn du nachher —" Ganz sprach Toni die Frage nicht aus. „Der Zeno!" war dessen Erwiderung. Ruhig und fest. Toni starrte einen Augenblick wie gebannt auf bie Männergestalt in der dämmerigen Ecke. Ein greller Blitz — sekundenlange Helle — Zeno fab 3 LI.; Tv. Wehlar 2 (1 O, 1 LI.); Tv. Heuchelheim: 2 LI.; Tv. ‘ " t tXuAta^men alljährlich abgehalten werden Rur 1881 suchte die Reaktion der Veranstaltung noch- malS ein Hindernis tn den Weg zu legen. Landgraf Ferdinand von Hessen-Homburg wollte das Fest unmöglich machen, indem er auf dem ihm gehörenden Teil des VergeS eine Ficht enanpflan- zung anlegen lieh, die aber als turnfeindliche Schöpfung niemals gedieh. Von 1919 an war die VergeShöhe für die Turner durch die Desatzungs- beerben gesperrt! die Feste wurden aber in all den Jahren auf dem früheren Homburger Trup- penübungsplatz zu Füßen des Feldbergs, ter au« der Ferne seine Turner grüßte, glanzend durchgeführt, zum Teil bei außerordentlich starrer Beteiligung. , . 4^o . _ DaS erste Fcldbergfest, das fett 1918 toieber auf der DcrgeShöhe veranstaltet ttxrben tonnte, war, wie seine Vorgänger aus der Vorkriegs- zeit wieder ein echtes Volksfest und für viele alte Feldbergfreunde zugleich eine Feier frohen Wiedersehens. Es darf gesagt werken: Das grobe mittelrheinische Volks- und Turnertrefsen, ist bei dem freundlichen und anerkennenswerten Entgegenkommen, daS die Behörden der Veranstaltung gezeigt habrii, ein Markstein in der bewegten Geschichte der Feldbergfeste gewesen. Möchte doch dem altbeliebten Bergfeste der edtf turnerische und volkstümliche Verlauf besch'.eken sein, wie er der geschichtlichen Bedeutung der Feld bergfeste toürbtg ist. —d. Erfolgreiche Leichtathleten. t. Aus der idealen Sportplahanlaye in Mörfelden fadden am Sonntag die Kreismeisterschafts- wettkämpfe in den leichtathletischen Hebungen für Hessen und Hessen-Rassau der Arbeitersportler statt. Die Beteiligung war ungemein stark. Von den Teilnehmern aus unserem heimatlichen Bezirk wurden folgende Resultate erztelt: Fünflampf für Sportler (Mittelstufe): 4. Rang Arthur 5t t 5 d, Heuchelheim, 389 P. Dierkampf für Jugendliche: 4. Rang Walter Wolf. Sieben 440 P. Dierkampf für Sportlerinnen: 2. Rang Renate Döbler. Gleiberg, 254 P. Vierkamps für jugendliche Sportlerinnen: 2. Rang Emilie Linden st ruth, Heuchelheim, 216 P.: 3. Rang Lina Wilhelm. Alsfeld, 185 P. 4X100-Meter-Staffel für jugendliche Sportler: 2. Rang Freie Turnerschaft Dieben. 200-Meter-Lauf für Sportlerinnen: 2. Rang Renate Döbler, Gleiberg. 31,4 Sek. 3xl00O.Meter-Stafsel für Sportler (B-Jtl.): 2. Rang Freie Turner^chaft Dieben, 9:21,3 Min 3OOO-Meter-Lani für Sportler: 1. Otto Dal - f e r, Dieben. 9:*4 Min. 7500-QHeter-Cauf für Sportler: 2. Rang Otto Rüspeler, Dieben, 28 Min. V. f. B. TaS bisherige Fehlen einer richtigen Laufbahn auf dem alten, wie auch auf dem neuen Platz schaltete zwangsmäßig jede leichtathletische Detätigungsmöglichleit der Mitglieder aus, waS naturgemab ein starkes Rachlassen des Interesses für diesen idealen Sportzweig im Verein zur Folge hatte. Die Aussicht auf Fertigstellung der Laufbahn auf bem Waldsportplah genügte allein schon, die Leichtathleten zusammenzurusen und Ihre Tätigleit ausnehmen zu lassen. Vis zur beschleunigten Vollendung der Bahn, a.t der zur Zeit mit Hochdruck gearbeitet wird, da sie bereits nm Sonntag, 8. August, dem Turnverein 1846 an- löblich seiner Iubiläumsveranstaltungen zur Verfügung steht, findet durch das Entgegenkommen der Umversitätssportlettung das Training aus dem Universitätssportplatz statt. Um die ihrem Ende zugehende Saison noch möglichst auszu- nützen, wurde nach der Beteiligung an den Rationalen Kämpfen der Spielvereinigung 1900 auch am letzten Sonntag zu den Rationalen des F. E. 08 Melsungen gemeldet. 5)ab dort beim Start von insgesamt 215 Athleten der stärksten Vereine Westdeutschlands mit Kanonen wie Sunghenn, Paul, Wollmer, Walpert, Rathke u. a., für die V f. Ver mit ihrem 14tägigen Trauung kaum Lorbeeraussichten bestanden, war jedem der fünf Teilnehmer klar. Der Hauptlvert der Beteiligung bestand vielmehr für sie darin, aus dem Wettkampt der Routinierten zu lernen und Erfahrungen zu sammeln, letzteres besonders auch für den Leiter der Abteilung bezüglich der Organisation usw. — Von den entsandten Teilnehmern konnten nur zwei mit sichtlichen Erfolgen zurückkehren, und zwar Paulus, der im Hochsprung mit 1,50 Meter den 3. Platz, und Münch, der im Speerwerfen mit 36,55 Meter ebenfalls den 3. Platz belegen konnte. Dabei sei erwähnt, dab Paulus vorher 1,55 Meter frei gesprungen und damit die gleiche Höhe erreicht hat wie der Sieger, während der zweite ebenfalls nur 1,50 Meter erreichte. Die übrigen hatten zum Teil Pech. Kreiling konnte im Weitsprung für Anfänger mit 5,76 Meter nur den 4. Platz belegen und Paulus hatte mit 6,10 Meter im Weitsprung offen das gleiche Schicksal. P a n n e d e , der im 400-Meter-Lauf in den Vorkämpfen in auter Form bis kurz vorm Ziel führte und sich bann, um sich nicht auszugeben, mit dem 2. Platz begnügen wollte, muhte die bedauerliche Wahrnehmung machen, dab man nur den Ersten zur Entscheidung zugelassen hatte, was allerdings vorher nicht bekannt war. 3m Endlauf wäre er wohl ernstlich in Frage gekommen. Die besonderen Umstände in Betracht gezogen, kann die " im ersten Aufbau befindliche Leichtathletikabtev- lung mit den Erfolgen des Tages sehr wohl zufrieden sein. Dreier-Mannschaftsfahren um den Goldenen Pokal des B.D.R. Veranstaltet von dem Gau Lahn des Bundes Deutscher Radfahrer, findet am Sonntag, 15. August, ein Mannschaftsfahren statt. Die Strecke ist 100 Kilometer lang, mit Start und Ziel in Diesten. Von jeher ist im Radsport das Mannschaftsfahren und besonders auch in dem Gau Lahn ein heihumstriltener Wettbewerb. Das diesjährige Rennen wird besonders interessant, da die Mannschaften viermal eine Rundstrecke fahren, und so der Stand des Rennens leicht verfolgt werden kann. Die Mannschaften starten um 7 Uhr morgen«, mit Abständen von 3 Minuten, in der Moltkestrahe. Von hier führt die Rundstrecke über Daubringen. Alten-Duleck. Grosten-Bufeck, Rödgen. Diesten usw. mit dem Ziel nach der vierten Runde am SchühenhauS. Für den Sieger in diesem Rennen ist von dem Dau der „Goldene Bundespokal" ausgeschrieben-, es ist dies ein wertvoller Preis, der von dem B.D.R. nur in ganz beschränkter Anzahl zur Verfügung gestellt wird. Die Mannschaften aller Vereine deS Gaues unterziehen sich deshalb schon seit Monaten einem eifrigen Training, um wohlvorbereitet in daS Rennen zu gehen. Von den (Siebener Vereinen werden die alten Rivalen, der (Siebener Radf.-Verein 1885 und der Radclub Germania, an dem Rennen teilnehmen. Was der Sonntag bringt. Das Schülerwetturnen in Heuchelheim. L Am Sonntag treffen sich in Heuchelheim etwa 300 Schüler und Schülerinnen der Arbeiter- sportvereine. um pi den leichtathletischen Ucbungs- arten Zeugnis ihres Könnens abzulegen. Am vormittag beginnt das Wettumen, bei dem die jugendlichen Teilnehmer in eine Ober- und Unter- ftufc (12—14 3. bzw. bis 12 3.) eingeteilt sind. Für die Schüler ist Weitsprung. Weithochsprung, Dallweitwurs, 50- bzw. 75-Meter-Lam, ÄugePtcbcn und eine Freiübung vorgesehen. Die Wcttkampfarten der Schülerinnen umfassen Weiriprung. Hochsprung. 50- bzw. 75-Meter- Laus, Ballweitwurs und eine Freiübung. Rach der Mittagspause wird unter Vorantritt des Bezirlstrommlerchors gemein am nach dem Fest- platz marschiert, wo die Wettkämpfe zu Ende geführt werden. Freiübungen sämtlicher Schüler und Schülerinnen sowie Turn- und Singspiele werden dem Tag einen harmonischen Abschluß gefcn. Die Verbandsspiele im Deutschen Arbeiter - Sportbund. £ Rachdem bereits am Sonntag die Ver- bandsspiele für die Rachrunde in der 3ugcnb- klaffe begonnen hatten, seht nunmehr auch der offizielle Spielbetrieb in der ersten und zweiten Klasse am kommenden Sonntag ein. Einzelne Mannschaften bieten in der Aufstellung ein völlig verändertes Aussehen, so daß die Annahme berechtigt erscheint, dast die durch die Vorrunde ermittelte Reihenfolge starken Veränderungen ausgesetzt ist. Die Spitze der ersten Klasse hat Wetzlar mit einem geringen Vorsprung vor Diesten. 3n der Vorrunde verlor Wetzlar sein einziges Spiel gegen Dietzen. 'Beide Vereine treten nunmehr gleich am ersten Spieltag in Wetzlar zum Kamps um die Punkte an und nehmen damit das Hauptinteresse für sich in Anspruch. Der AuSgang des Spiels mutz offen bleiben, da über die jetzige Spielstärke Wetzlars nichts verlautete. 3n Wicseck treffen sich zwei alte Bekannte: Wies eck und Marburg. Rimmt man den Spielverlauf (nicht das Ergebnis) des letzten Gesellschaftsspiels als Matzstab, so mühte Wieseck, zumal auf eigenem Platz, gewinnen. 3n der Vorrunde spielten beide Mannschaften unentschieden. • Raunheim und Lollar wollen in Raunheim einen friedlichen Wettkampf austragen. Hier scheinen die Verhältnisse am klarsten zu liegen, denn Raunheim, das über ganz hervorragende Kräfte verfügt, werden die Punkte wohl kaum zu nehmen sein. Die zweite Klasse bringt die meisten Spiele, 10 Mannschaften beginnen den Kampf um die Tabellenspitze. So empfängt die ID le f e de r Zweite den seitherigen Tabellenführer Mare bürg II auf eigenem Platz. Diestens IJb- Mannschaft must gegen die Erste Frantz a u s e n s antreten. 3n Blasbach treffen sich zwei Reulinge: Daubringen und Blasbach. Wetzlars Zweite hat die kampferprobte Iln-Mannschast Gießens als Gast und Gegner. Den Beschluß des ersten Tages machen Leun und Rod- h e i m. die sich in Leun ein Stelldichein geben. 3n der Sugendklasse beanspruchen die Spiele In Wetzlar und Wieseck das stärkste 3nter- esse. 3n W ehlar tritt der Plahverein dem Tabellenführer (Sieben gegenüber, während in Wieseck die jungen Marburger gegen die Einheimischen antreten. 3n Begleitung der ersten Mannschaft fährt die Jugend Lollars nad? Raunheim, voraussichtlich um sich eine Riederlage zu holen. Vorschau für Sonntag. Leichtathletik und Turnen. v. Deutsche Leichtathtetikmeisterschaften (Herren) in Leipzig. Westdeutsche Frauenmeisterschaften in Lennep. Leichtathletik-Länderkämpfe Holland — Belgien in Haarlem, Ungarn — Stalien In Rom. 3nternationakr Leichtathletikkongreh im Haag. Badisches Landes turnfest in Offenburg. Säfjntoetturnen in Freyburg (Unstrut). 20. Rhön- Turnsest. 8. Frankenwarte-Turnfest in Würzburg. Volksturnwettkampf Rheinland — Westfalen in Düsseldorf. Schwimmen. Der Schwimmländerkamps Deutschland — Holland steht an erster Stelle. Gleichzeitig mit Wasserball-Landerkämpsen der Damen und Herren findet er in R^ünchen-Gladbach statt. Verbandsoffene Feste veranstalten Delphin Frankfurt a. Main „Gerbermühlschwimmen", Stern Magdeburg und Mainz 01. Kreisoffene Veranstaltungen sind vorgesehen: durch den S. D. Wiking Chemnitz und Wasserfreunde Speyer. S. D. Delmenhorst 05 und Ruhrort 09 warten ebenfalls mit Verbandsossenen auf. 3n Prag werden die Meisterschaften der Deutschen Schwimmvereine In der Tschechoslowakei ausgetragcn. Wassersport. Deutsche R u d e r Meisterschaften in Schweinfurt. Regatten in Boppard a. Rh. und Tangermünde. Riederrheinkreis - Langstreckenwettsahrt Essen- Baldeny—Mülheim-Ruhr. Main-Lang- stredenfahrt. Motoryacht-Rheinsahrt 1926. Rasensport. 3m Fustball gebt es bereits recht interessante Gesellschaftsspiele, u. a. S. Vg. Fürth — Union S. C. Charlottenburg (Samstag). 1. F. C. Rürnberg — Tennis-Borussia (Berlin), S. Vg. Fürth - Altona 93 (Sonntag). Tennis- Länderkampf Deutschland — Tschechoslowakei in Prag. Golf- Wettspiele in München, Salzbrunn, Frankfurt. TUotorfport. Bei zahlreicher deutscher und bester Inter- nationaler Beteiligung kommt das internationale Klausen:a.ßrennen in her Schweiz zum Aus trag. Sn England wird der Drohe Preis auf der bekannten Rennstrecke bei Brooklands ausgefochten. Bei Kelheim wird die 2. Ratisbona Bergfahrt von den M. C. Regensburg und M. V. Kelheim durgeführt. Radsport. Rad-Fernfahrten sind der Gröhe Preis der Stadt Braunschweig, der Drohe OpelpreiS von Hessen-Rassau, die Meisterschaft des Landesverbandes Brandenburg, die Deutsche Meisterschaft im Vierer-Vereinsmannschaften anläßlich des 43. Dundesfestes des D. D. R. in Dresden, der Groste Wittlerpreis von Köln, der Grohe Opelpre von Württemberg, der Drohe Mlfa- preis von Bayern bei Augsburg und der Drohe Mifa-Strahenpreis von Braunschweig. Bahnrennen werden in Barmen, Forst, Hamborn, Worms und Wassenberg ausgetragen. Als Vorkäufe zur Deutschen Stehermeisterschaft sind Danerrennen tn Rürnberg und Frankfurt a. M. vorgesehen. • Oberhessen. Landkreis Gießen. : — : feuern, 5. Aug. 3m Alter von fast 79 Sahren starb hier einer der letzten Kriegsveteranen aus dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870 71. Es ist dies der Viehhändler Gutkind E d e i rn u t h , der den Krieg In der 2. Komp, des 2. hessischen 3nf.°Regts. (später 116. 3nf - Regt.) mitmachte. Unser Dorf zählt gegenwärtig noch zwei Veteranen aus diesem Krieg. Es sind dies Strahenwarter i. R. Heinrich Sommer^ lad lii. und Philipp Schorn ber. Letzterer hat auch den Krieg von 1866 rnitgemacht. ™ Bersrod, 5. Aug. Die trockenen und warmen Tage in der letzten Zeit, an denen sich auch hier und da die Sonne bilden lieh, waren für das Reifen des Getreides günstig. Man ist deshalb fest mit der Ernte beschäftigt. Leider ist die Arbeit in diesem Sabre durch das Lagern sehr erschwert und erfordert gegen früher die doppelte Zeit. T Aus dem Secntal, 4. Aug. Für die Einreise ins besetzte Gebiet ist bekanntlich immer noch ein Ausweis notwendig. Da den Bürgermeistereien die Ausstellung von Ausweisen verboten ist, mutz der Antragsteller, mit dem Patzbericht der Ortsbehörde versehen, die Reise zum Kreisamt antreten, was für Bewohner entlegener Gemeinden zeit- und geld- raubenö ist. Cs wäre daher zu wünschen, datz unsere Bürgermeistereien zur Ausstellung von Einreise-Ausweisen ermächtigt würden. Kreis Friedberg. B Steinfurth, 4. Aug. Nachdem her Wünschelrutenforscher Heinemann aus Bad Homburg am sog. Södelerbergwald Wasserläufe in einer Tiefe von 13 bis 15 Meter feflgeftellr hatte, wurde an einem der bezeichneten Bohrpunkte ein Dohrversuch unternommen. Bis zu einer Tiefe von 15 Meter waren feine Anzeichen vorhanden, datz man auf Wasser stvtzen könnte: als man noch 70 Zentimeter tiefer ging, stietz man auf Wasser. Hiernach wurde festgestellt, datz unter dem erschlossenen Wasserlauf noch ein zweiter (stärkerer) liegt, und zwar in einer Tiefe von etwa 21 bis 24 Meter. Ob dieser zweite Lauf erbohrt wird, steht noch dahin, jedenfalls wird die Gemeinde erst die Genehmigung der in Frage kommenden Behörde einholen. I?l Vilbel, 5. Aug. Dieser Tage fand die Fahnenweihe des Gesangvereins „Germania" statt. Am ersten Festtag wurde ein Kommers veranstaltet, der durch turnerische Vorführungen und Gesangsvorträge verschönt wurde. Den Hauptsestatt bildete die Enthüllung und Einweihung der Fahne. Die Weiherede hielt Lehrer Maus. Zahlreiche Schleifen und Rägel wurden von auswärtigen Vereinen überreicht. Kreis Büdingen. Echzell, 5. Aug. Da unser Postamt demnächst wegen Verringerung des Postverkehrs eingehen soll, wird auch das von der Postverwaltung seither gemietete Gebäude frei. Cs verlautet, datz der hessische Staat mit dem Besitzer des Gebäudes in Verhandlungen stehe, um dasselbe anzukaufen und 1 darin Dienstwohnungen für die hier stationierten Gendarmeriebeamten einzurichten. Kreis Lauterbach. & Lauterbach, 5. August. Die ® t a b t o o r» standssitzung beschäftigte sich u. a. mit der Rechnung deS diesjährigen Prämienmarktes. Rach den Aur-sührungen des Bürgermeisters Walz schlietzt diese mit einem Ueberschutz von rund 121 Rm. ab. — Der Kirchbauverein Dlitzenrod ist an die Stadt berangetreten mit der Ditte um Abgabe von alten Pflastersteinen zu ermäßigtem Preise, um der im laufenden Sabre errichteten neuen Kirche einen würdigen Aufgang zu geben. CS wurde beschlossen, den Verkaufspreis um die Hälfte zu ermäßigen. — Die Pflegegelder für die in Privatpflege seitens der Stadt gegebenen Kinder wurden entsprechend den Sätzen andrer Städte beschlossen. — Frl. Dräf in Gießen beabsichtigt mit zwei weiteren Künstlern im September d. 3. in hiesiger Stadt ein Konzert zu Gunsten der Kriegergedenkstätte zu veranstalten. Die geforderte Garantiesumme von 250 Rm. wird bewilligt. — Für die Trinker- Heilstätte „HauS Burgwald" wird ein jährlicher Beitrag von 10 Rm. bewilligt. — Um einer verschärften Erwerbslosigkeit in den nächsten Monaten zu begegnen, beschließt der Gemeinderat als Rotstandsarbeiten den weiteren Ausbau der Goethe-, Alexander-, Stövler-, Schiller- und Ouerstratze vorzusehen. Auherdem sollen verschiedene Feldwege instand gesetzt, sowie die Reinigung bzw. Korrektur der Lauter in der Rähe der Angersbacher Brücke vorgenommen werden. $ Heblos. 5. Aug. Kürzlich feierten die Eheleute Wilhelm Möller und Frau das Fest der goldnen Hochzeit. Kreisdirektor Dr. Michel besuchte dieser Tage das Ehepaar und übergab ihm ein Schreiben vom Minister des Snnern, in dem die Glückwünsche der Staatsregierung ausgesprochen werden. Preußen. Kreis Wetzlar. U Wetzlar, 4. Aug. Sm hiesigen Baugewerbe herrscht seit acht Tagen Kampfstimmung. Die Arbeitgeber beantragten eine Lohn- Herabsetzung für die Maurer und Hilfskräfte um 15 bis 20 Prozent. Die Verhandlungen verliefen ergebnislos und wurden von Arbeitneh- merfeite bei einem Bauunternehmer mit Ar- beitsniederlegung beantwortet. Hierauf kam es zu einer Aussperrung sämtlicher Bauarbeiter bei den im Bauarbeitgeberverband zusammengeschlossenen Unternehmer. Beide Parteien nehmen in öffentlichen Erklärungen zu der Angelegenheit Stellung und werfen sich gegenseitig Vertragsbruch vor. Bedauerlich an der ganzen Sache ist für die Allgemeinheit das plötzliche Dar niederliegen jeglicher Bautätigkeit. Die von dem Spar- und Dauverein in Auftrag gegebenen mehr als einhundert Reu- wohnungen werden bis zum Herbst nicht unter Dach gebracht werden können, wenn der Streik sich noch lange hinziehen sollte. —c— Groß-Rechtenbach, 5. Aug. Wegen Tragens einer offenenSenfe wurde eine hiesige Frau vor kurzem mit einer (Selb- ft r a f e von 30 Mk. belegt. Wie bereits an dieser Stelle berichtet, ist das Tragen von offenen Sensen auf öffentlichen Verkehrswegen wegen der damit verbundenen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit innerhalb unseres Kreises verboten. Starkenburg. WSR. Darmstadt, 4. Aug. Die Spa r- e i n [ a g e n erreichten bei den hessischen Sparkassen Ende Suli 1926 den Betrag von 55,1 Millionen, die Giroguthaben den Betrag von 18,3 Millionen. Sm ersten Halbjahr 1926 ist somit bei den Sparkassen eine Steigerung um 15,9 Mi llionen Reichsmark, bzw. 4,7 Millionen eingetreten. WSR. Darmstadt, 4. Aug. Ein schwerer Unfall ereignete sich heute beim Dau der Ueberlandzentrale in der Rähe des Darmstädter Hauptbahnhoss. Einer der Riesenmasten der Fernsprechleitung stürzte aus bisher nicht fest- gestellter Ursache um und begrub unter sich fünf an diesem Mast arbeitende Monteure. Alle fünf wurden schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Wie wir weiter erfahren, ist das Unglück dadurch entstanden, datz der Mast daS Gewicht der Leitungsdrähte durch die vorübergehende einselttge Delastung nicht tragen konnte. Sechs weitere Masten wurden durch den Unfall mit umgerissen. Zwei Arbeiter sind ihren Verletzungen erlegen. Wirtschaft. • Die deutschen Ausland - unbSn- landanlelhen im Suli 192 6. Sm Suli 1926' sind, dem „D. T." zufolge, Auslandanleihen im Rominalbetrage von 119,8 Mill. Rm. ausgenommen worden gegen 260,5 Mill. Rm. im Vormonat und 134,9 Mill. Rm. im Suli 1925. Sn den ersten sieben Monaten dieses Sahres sind an Auslandtapitalien insgesamt 1011,7 Mill. Rm. nach Deutschland geflossen, gegenüber 458,4 Mill. Rm. in der Dergleichszeit des Vorjahres. Die gesamte Auslandverschuldung Deutschlands kann auf 3,95 Milliarden Rm. veranschlagt werden. Während die Auslandanleihen im Suli gegenüber dem Vormonat bedeutend niedriger waren, hat die ‘Begebung von Snlandanleihen wieder in stärkerem Maße stattgefunden, als im Vormonat. Gegenüber nur 10,5 Mill. Rm. im 3uni sind im Suli 173,98 Mill. Rm. auf dem inländischen Kapitalmarkt placiert worden, und zwar entfällt der größte Teil auf Sntmftrie-Obliga- tionen, die mit 93,48 Mill. Rm. nur wenig hinter der Höchstsumme von 117,85 im April zurückbleiben. * Die Welternte-Aussichten. Rach den letzten Veröffentlichungen des Sntematio- Fabrikanten von verzinnten Wascht! cken und kupfernen Waschkesscln schreiben; «überall da, wo mit Waschpulver gewaschen wird, leidet die Verzinnung Schaden». In letzter Zeit werden viele Waschmittel angeppesen, welche chlor», soda- oder.......haltig sind und somit die Oberfläche des Zinnbelages ;u beeinträchtigen vermögen. Was ist die Folge? Schwarze Flecken auf der Wäsche bei kupfernen Kesseln, Rostflecken auf derWäschc bei verzinnten, eisernen Waschtrögen, Brüchigwerden der Stoff-Fasern. rasdningen sidurund schonen die Wasche! nalen Landwirtschaftsinstituts in Rom kann die diesjährige Weizenernte als etwas schlechter im Vergleich zur vorjährigen guten (?mte angespro-- chen werden, jedoch liegt sie bedeutend über dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre. Sn Nordamerika überschreitet die Produktion von Winterweizen in den Vereinigten Staaten die geringe Vorjahrsernte schätzungsweise um 170 Mill. Bushells, dagegen ist die Ernte von Frühjahrsweizen in Kanada und den Vereinigten Staaten geringer als im Vorjahr. Die gesamte Weizenernte wird um 3,3 Prozent höher als im Vorjahr, jedoch um 5 Prozent niedriger als der Durchschnitt der letzten 5 Jahre geschäht. Die Maisernte der Vereinigten Staaten liegt schätzungsweise 8 Prozent unter dem letzten Jahr. Die neuesten Nachrichten melden von emer bedeutenden Verbesserung. In Nordafrika liegen die Druschergebnisse unter den Schätzungen. 2m ganzen kann gesagt werden, daß auf der nördlichen Ecdhalbkugel die Weizen-, Gersten- und Haferernte über, die Noggenernte unter dem Durchschnitt liegen. Bezüglich der südlichen Erdhalblugel melden Berichte aus Argentinien von einer 'Verkleinerung der Weizenanbau- fläche. Außerdem haben sich schwere Regenfälle ungünstig ausgewirkt. In Australien fand die Aussaat unter sehr günstigen Bedingungen statt, und auch der Saisonbeginn war vielversprechend. Eine geringe Einschränkung erfuhr die Weizen- anbaufläche in Neusüdwales. Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) Frankfurt a.M. Berlin Sdiluj.l bUtjr. Schluß-1 Anfang Kurs | fiur» Kur, 1 fi-tr-. Datum: 5.8. | 68 S.8. | 6 8. 5% Deutsche Rcichsaulethe • 0,502.5 | 0.5125 0,50 1,5075 4% Deutsche ReichSanleihe • 0,465 0,45 0,465 8Va% Deutsche Rcichsanlcthe 0,45 0.465 0,45 1.462,5 S°/n Deutsche Rcichsanleihe • Deutsche -svarprämicnanleihe 0,52 — 1.5105 0.545 0,27 — ),260? — 4% 'Preußische Konlols • . • 0,44 — 1.4405 0,462 4% Hessen ... . . . ... 0,42 — — Heuen.......... 3°/o Helsen........... — — — — _ Deutsche Wertb. Dollar-Aul. 96,5 _ — — dto- Doll.-Schatz-Antreiing.') — — — 4e/o Zolltürken....... . 13,3 13.5 13,5 — b°/o Goldmerikauer ... . 45.9 46,5 — Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Prtvat-Bank 205 145,7* 144* 200* 145* 206* 144.2* Darmst. und Nationalbank . 191,5* — 191,5* 191' Deutsche Bank......... 174.7* 174,5* 173,5* 174,5* Deutsche Deremsbank .... 91,5 — — DiSconko Commandit 164.7* 135 163' 134,7* 164' 162,7' Mitteldeutsche Kreditbank. . Ocsterreichiiwe Lreditanftall. 142* 148 7,25 7,25 7,35 i.4 Bochumer Gaß ........ 147' 149,9* 146* 148* Buderus............ 95 — 95,5 97,5 Gqvo 85 86 75 86,5 153,5* 174.6* Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . 150*1 173,4* 152* 174.7* 150,5* 172.9* Harpener Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben. . . . 156,5* 146,5* 158* 147* 156* 146* 157’ 148,5* Kaliwerk Westeregeln. .... 153,25 J54 155.5 Laurahütle......* • • . » 56,25 — 55,25 Oberbedacs........... Phönix Bergbau ....... 73,5* 75 75' 74.25* 120,7* 122.9* 85* 122,7' Rheinstahl........... 153’ 151,2* 157,25 159,6* 158 15T Riebeck Montan........ 157 72 159,5* 155* Tellus Bergbau........ Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . , 165.5* 159,2* 159.5* 155* 164.5* 158* Cheramische Werke Albin . . 53 _ Zementwerk Heidelberg . . , 123 _ _ Philipp Holzmann ..... 95 — 93,5 _ Slnglo-Cont.-Guano..... _ _ 87 88 Chemische Mayer Alapin . . — — I. G. Farbcnindustrie, A.-G. Goldschmidt . . . ....... 288* 118.5 49,75 117 157,75 287.4* 120 -89,6* 118,75 .'86.5* 119,9 Holzverkohlung....... Äülgerswerke........ 115 159,75 149* 116,62 115 Schcidcanstalt......... . sag. ElektrtzttätS-Gesellichaft Bergmann .......... 149* 140,5* 98 148* 140* 149.5* 142,2* 144,5* Moinkraftwcrke ........ ' Echuckerl........... 133,5- 133* 130,6* 132,9* Siemens bis 67s Proz. Das deutsch-französische Handelsabkommen regte das Interesse für die für Öen Export in Betracht kommenden Gruppen etwas an. Auch Kriegsanleihe wurden wieder zu festeren Kursen gehandelt. Im internationalen Devisenverkehr wurde die gestrige Schwäche der lateinischen Valuten wieder überwunden, obwohl ein wichtiger Grund für das Steigen, das auch dem Devisenhandel überraschend kam, nicht zu erkennen war. Paris konnte sich gegen London auf 160 befestigen, Brüssel auf 167. Mailand besserte sich auf 144,25 gegen das Pfund. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 5 August. 6. August. Amtliche Noti runa Amtliche Notierung (Äeld 1 Driei Geld Brief A inst.-Non. 168.48 168,90 168,40 168,8:1 Buen.-Aireö 1,700 1,704 1.699 1,701 12,42 Brss.-Antw 11,68 11,72 12.38 Christiania 91,93 92,17 91.88 92,12 Kopenhagen 111,34 111,60 111,34 111,62 Stockholm 112,26 112.54 112,21 112,49 Helsingforö 10,552 10,592 10,55 10,59 Italien . . 13.88 13,92 14,2.3 14,27 London. . 20,394 20,450 20,402 20,454 Weuhort . . 4.195 4,205 4,195 4,205 Paris. . . Schweiz . . 11,83 11,87 12,99 13,03 81,15 81,35 81,08 81,28 Spanien. . 62.37 62.63 62,92 63,08 Japan . .. 1,991 1.995 1,999 2,001 0.647 NiodrJan Wien in D-- 0.645 0.647 0,645 Ctfl. abgcst 59,33 59,47 59,33 69,47 Prag ... 12,422 12,462 12,418 12,488 Belgrad . . 7,39 7,41 7.405 7,425 Budapest. . 5,865 5,885 5,87 5,88 Bulgarien .>,035 3,045 3,035 3,045 Lissabon 21.375 21,425 21,375 21,425 Danzig. . 81,60 2,37 81,80 81,53 81,73 Konstantin. 2,38 2,375 2,385 Slthen 4,69 4,71 4,49 4,51 Canada. . 4,198 4,208 4,199 4,209 Utuguati 4,155 4.165 4.155 4.165 Banknoten. Berlin, 5 August Geld Briet Amerikanische Nölen ..... Belgische Noten........ Dänische Noten ....... Englische Noten........ Fcanzömcke Noten ...... Holländische Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Dcutsch,Ocstcrr.,äioo Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten ...... Schweiler Noten ...... Svanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten ...... 4,176 11,67 111,02 20,365 12,55 168,15 14.21 91,77 59,45 111,92 81,28 62,09 12,41 5.83 4,196 11,73 111,5« 20,465 12,61 168,99 14,29 92,23 59.75 112,48 81,58 62,41 12,47 5.87 Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 6. Aug. Tendenz: Abgeschwächt. — Nach der stürmischen Aufwärtsbewegung des Vortages kam es heute zu Beginn der Börse zu einem Tendenz-cklm» schwung, da sich in spekulativen Kreisen Befürchtungen Geltung verschafften, daß die letzthin vorgenommenen Engagements doch zu umfangreich gewesen sind. Der durch Abgaben vorgenommene Abbau der Engagements traf besonders fühlbar die am stärksten gesteigerten Werte. Wenn die Stimmung im allgemeinen auch nicht unfreundlich und im Grundton immer noch fest war, so lag dies in der Hauptsache daran, daß das herauskommende Material verhältnismäßig leicht Aufnahme fand. Das Geschäft erfuhr aber eine bedeutende. Einschränkung, war zunächst unlustig und zurückhaltend und nahm erst im späteren Verlaufe einen etwas lebhafteren Charakter an. Infolgedessen waren un allgemeinen die Kursrückgänge bescheidener Art und gingen nur vereinzelt über 1 Proz. hinaus. Scharf gedrückt waren I. G. - Farben, die auf 187, also um 2 Proz. zurück- gingen. Auch S chif f a h r t s a kt i e n hatten stärkere Einbußen bis zu 2 Proz. aufzuweisen. Don Montanwerten erlitten größere Einbußen : Rheinstahl (— 2,25 Proz.), Riebeck und Deutsch-Lux (je — 1,75 Proz.), Gelsenkirchen (— 2,25 Proz.). Bochumer konnten etwas anziehen, ebenso oberschlesische Werte. Von Che» m i e a f t i e n büßten Goldschmidt 1 Proz. ein, während Scheideanstalt 1 Proz. gewannen. Holzverkohlung erzielten eine Besserung von 2 Proz. Elektroaktien waren gut gehalten. teilweise sogar leicht befestigt. Das gleiche Bild bot der Banken markt. Nur Dresdner bildeten eine Ausnahme und lagen 1,5 Prozent schwächer. Mo t o r en a k t i e n gut gehalten. Maschinenwerte leicht anziehend. Dau - und Zellstoff-Aktien konnten sich zum Teil behaupten, teils leicht befestigen. Für Zuckeraktien bestand wenig Interesse. Der deutsche Anleihemarkt hatte ein freundliches Aussehen. Kriegsanleihe zogen auf 0,512,5 an. Ausländische Renten lagen lustlos. Der Freiverkehr hatte bei geringem Geschäft gehaltene Kurse. Benz 87, Brown Boveri 114, Entreprise 7, Growag 60, Ufa 45, Unterfranken 91, Frankfurter Handelsbank 88 Prozent. Der weitere Verlauf zeigte größere Unsicherheit und die Kurse unterlagen Schwankungen. Eine Besserung der überwiegend schwächeren Stimmung kam nicht zustande. Der Geldmarkt steht weiter im Zeichen größerer Flüssigkeit. Tagesgeld etwa 4, Monatsgeld 5 bis 6,5 Prozent. Privatdiskonten 4,5 bis 4,75 Prozent, Industrieakzepte 4,75 bis 5 Prozent. Im Devisen- verkehr machte die Besserung der Franken- Valuten Fortschritt. Paris stellte sich gegen London auf 163 bis 164, Brüssel wurde mit 170 genannt. Mailand gegen das Pfund 147. Berliner Produktenbörse. Berlin, 5. Aug. (TU.) Vormittags eröffnete der Weizen im Verkehr von Bureau zu Bureau eher schwächer. Der Beginn des amtlichen Mittagsverkehrs brachte insofern eine Wendung zur durchschnittlich festeren Kursgestaltung als aus der Provinz wieder ungünstige Witterungsnachrichten vorliegen und die Verkäufer daher vorsichtiger wurden. 2m Lieserungsgeschäft regte naturgemäß die schlechte Witterungslage die Käufer an. Weizen stellte sich alsbald 1,50 Mark höher, für Roggen (September) wurde ebenfalls 1 Mark mehr verlangt. Es notierten pro Tonne: Weizen (märk.) 171 bis 174 Mk., Roggen (märk.) 185 bis 190, Sommergerste 190 bis 205, Smfer (märk.) 193 bis 203, Mais (loko Berlin) 176 bis 183, Raps 335 bis 340; pro Doppelzentner: Weizenmehl 38,50 bis 40,50, Roggenmehl 27 bis 28,50, Weizenkleie 10,10 bis 10,50, Roggenkleie 11,10 bis 11,40, Viktoriaerbsen 33 bis 37, kleine Speiseerbsen 27 bis 31, Futtererbsen 20 bis 24, Peluschken 27 bis 28,50, Ackerbohnen 23 bis 26, Wicken 32 bis 35, Lupinen (blau) 15,50 bis 17,50, ßutine i (gelb) 20 bis 21,50. Büchertisch. — „Gymnastische K ö r p e r b i l d u n g" (von Prof. Dr. Ludw. Pallat), „Die Kulturausgabe der Gymnastik" (von Oberschulrat Hilker). „Aus der Arbeit von Genevieve Stebbins" (erstes geschlossenes System gymnastischer Erziehung) (von Hedw. Kallmeher-Simon). „Die Gymnastik des Derufsmenschen" (von Elsa Gindler), das sind einige der Vorträge des Deutschen Gymnastikbundes auf der Gesolei in Düsseldorf, die im neuesten Doppelheft 5/6 (1,20) in der Monatsschrift „Gymnastik" wiedergegeben sind. Das Heft enthält neben vielen Dildbeigaben die ständigen Rubriken: . Mitteilungen .des Deutschen Ghmnastikbundes, Tagungen. Vorführungen und Vorträge, Bücher, Schriften und Auffähe für Gymnastiker. (Verlag G. Braun, Karlsruhe.) — Die schöne Literatur. (Herausgeber Will Vesper, Verlag Ed. Avenarius, Leipzig.) Friedr. Michael widerlegt im einleitenden Artikel des Augustheftes mit einem fesselnden Tatsachenmaterial die weitverbreitete Anschauung, daß die jungen Dramatiker von den deutschen Bühnen schmählich vernachlässigt würden. Die von Michael geforderte notwendige Umstellung des Dramatikers verdient ernste Beachtung. Die reichhaltige Nummer bietet ferner Hans Brandenburgs Kritik des Naturalismus, Kritiken über Friedrich Lienhard, Hans Blunck, Svend Fleuron, Timmermanns, Hans Franck und über andere zahlreiche neue Bücher und Uraufführungen. — Zu dem Artikel von Brandenburg wäre zu bemerken, daß man die von ihm vor genommene Abschlachtung Gerhart Hauptmanns denn doch ablehnen muh. Gewiß ist über Hauptmanns Ge- samterscheinung noch nicht das letzte Wort gesprochen; sein Werk bis auf ein Stück aus „Hannele" zum alten Eisen zu werfen, ist — heute bereits — unmöglich In voller Erkenntnis auch der Schwächen und anfechtbaren Teile seines Werkes möchten wir doch recht vielen deutschen Dramatikern unserer Zeit einen Teil der „schmächtigen Kraft" wünschen, die man Hauptmann hier nachsagt. — Ausgezeichnet und witzig, was W. v. Einsiedel zu einem neuen Buch von Adolf Bartels zu bemerken hat. — 2m „Kun stwar t“ (Heft 10, Verlag G. D. W. Callwey, München,) beschäftigt sich der Herausgeber (Schumann) in einem gründlichen Leitaufsatz mit einem aktuellen Kulturproblem. Der Wert der Kunst. Gute und ernLe Ergänzung hierzu gibt Kahane mit einer Betrachtung „Dom Bilderfehen". Ein anderer Mann der Bühne, Viertel, der Regisseur bemüht sich um die geistige Erneuerung und innerliche Weiterentwicklung unseres Theaterspiels. Einer Novelle von Maartens (der hier schon früher zu Worte kam) sind moderne Gedichte vorangestellt, von Bischoff und v. Grumbkow. Der Spanier Alnamuno wird jetzt viel gelesen; man findet hier eine Probe aus feinem Roman „Abel Sanchez", den Schumann weiter hinten bespricht. Zu beachten scheint noch, was Wilhelm von Scholz zur Fremdwörterfrage zu sagen hat. Unter den Bildbeigaben interessiert eine Alpenlandschaft in schweren, starken Farben von Otto Lange. — Das jahrhundertelange Ringen Deutschlands nach einem organischen Kulturmittelpunkt schildert Georg Widenbauer in seinem Aufsatz „Das Schwanken des politischen Schwerpunktes Deutschlands" in der Nummer 4246 der „3 I lüft r i r t e n Zeitung" (I. I. Weber, Leipzig). Das moderne Kunstgewerbe ünd seine Bestrebungen treten uns in dem Artikel „Moderne deutsche Gläser" von A. v. Przhchowski entgegen, während das Schaffen des am 9. Juli verstorbenen großen Illustrators Rene Reinicke in einem Kunstbeitrag, den einige charakteristische Werke des Künstlers begleiten, eingehend gewürdigt ist. In fremde, heiße Länder führt uns die doppelseitige Dildertafel „Kinder des Urwalds", die durch einen kürzen Beitrag in der Rubrik „Wissen und Leben" ergänzt wird, sowie der bebilderte Aufsatz „Eisgetränke und Fruchteisersah bei primitiven Völkern" von Franz Otto Koch. In buntfarbiger Reproduktion erscheinen die Gemälde „Hafenbild von Munkmarsch auf Sylt" von W. Hambüchen und „Toter Wald" von Harry Detert. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Isr. ReNgivnsgemeinde. Gottesd. i. d. Synagoge (Südanlage). Samstag, den 7. August 1926. Vorabd. 7.30, morgens 8.30, Predigt, abends 8.15 u. 8.50. Gottesdienst her isr. ReligionsgefeNschaft ' Sabbatfeier, den 7. August 1926. Freitag abds. 7.15, Samstag vorm. 8.00, nachm. 4.30, Sabbatausg. 8.50. Wochengottesdienst: morg. 6.30, abds.7.15. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Samstag, 7. August. 3.30 bis 4 Uhr: Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Wunschnachmittag. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lese- stunde. 6.30 bis 7.45 Uhr: „Rolf, der Geiger, ein Idyll nach Ludwig Richters Gemälden und Zeichnungen", von Hans Philipp Weih, vorge- tragen vom Verfasser. 7.15 bis 7.45 Uhr: Der Briefkasten. 7.45 bis 8.15 Uhr: Stunde des Franffurter Bundes für Volksbildung. 8.15 Uhr: Vortragsabend Robert Koppel. 8. August 1926. besonders in Weckern und Reiseuhren Uhren-und Goldwarenhaus ->5u ' Man besichtige mein Schaufenster und Warenlager ohne Kaufzwang Samstag, 7. Äug., nachm. 5 Uhr: Schauschwimmen derSchwimm- abteilung in der Müller’schen Badeanstalt. Samstag, 7. Aug., abends 8« Uhr pünktlich: Festabend (Herrenabend) in der Turnhalle, Steinstr., unter Mitwirkung der besten Turner des Mittelrheinkreises. Nur Mitglieder und geladene Gäste haben Zutritt Sonntag, 8. Aug., vorm. 9% Uhr: Spielen und Volksturnen auf dem Waldsportplatz des Vereins für Bewegungsspiele. Sonntag, 8. Aug., nachm. 2 Uhr: Abmarsch sämtlicher Abteilungen von der Turnhalle nach der Volkshalle. dort von 3 Uhr nachm. ab großes Schauturnen aller Abteilungen sowie der besten Turner des Mittelrheinkreises. Sonntag, 8. August abends 8 Uhr, in der Volkshalle z Abendunterhaltung mit turnerischen Aufführungen und TANZ. Eintrittspreise: Zum Schwimmen am Samstagnachmittag 20 Pf., zum Spielen und Volks- tumen am Sonntagvormittag 30 Pf., Sonntagnachmittag 50 Pf., Sonntagabend 50 Pf. Der Vorstand. 6299c am Samstag, dem 7., und Sonntag, dem FESTFOLGE: Großer Preisabschlag „.Uhren Henkels Scheuerpulver äfe/'/re Aausfrau mag es entbehren! Turnverein von 1840 Gießen $0^- Wir erhalten wöchentlich frische Transporte Oekonomiepferde leichten Schlages in allen Preislagen. Kulante Zahlungsbedingungen. Mayer & Kaufmann, Frankfurt am Main Tel. Hansa 1882. 642isi Bergerstraße 113/119, Bahnhof- SW&S I Bahnhofstraße 49 &STiS! viSU Straße49 6433 D MA de Ufer, ^tens