; ÄM 1926 • ^UNI 1926( ’SWÄ 34 5rh. .,f Pilz- **S5 Er. 155 Erstes Blatt 176. Jahrgang Dienstag, 6. Juli 1926 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesien krscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag«. Beilagen: Siebener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle. MonatL-vejngrpreir: i Reichsmark und 20 iitichspfennig für Träger» lchn, auch bei Richter- shemen einzelnerNummern nfclge höherer Gewalt, fernsprechanschlüsse: rchnfileitung 112, Der- kg und Geschäftsstelle 51. In schrift für Drahtnach- ltn Friedensschluß bekanntgeworden. Rathe - 11 üu war es, der ihn als Vertreter des Deut- sjlchm Reiches nach Washington schickte und sich in ihm nicht getäuscht sah. Die Aufgabe, die ^Dedseldt zu lösen hatte, war riesengroß, denn Oona 18 stand die Union noch ganz unter dem -Benn der französisch-englischen Kriegspropa- Mflrba. Aber Wiedfeldt war nicht der Mann, Ö>tt sich durch diese Widerwärtigkeiten ab* ftchecken ließ. Allmählich «gelang es ihm, das Wit zum Schmelzen zu bringen und wieder herz- lüH Veziehungen zwischen den Vereinigten ©taa* t:en und Deutschland anzuknüpfen. Es bleibe lhv unvergessen, daß er mit zu den Ersten ge- 9 orte, die den Ring, den der Feindbund um Wrulschland gelegt und mit dem Versailler Der- tttc; ttoch einmal zusammengefchweißt hatte, sWngten unö uns die Welt wieder öffneten. Dr. Otto Wiedfeldt wurde am 16. August ILSil in der Altmark geboren. Er studierte an» ff-ar.gS Theologie, sattelte aber bald zur Rational- tofcnomic um. Roch vor Beendigung seiner Stu- vin bekleidete er einen Redatteurposten an der ^Ztitschrifl „Soziale Praxis". Zugleich war er orti Stenograph im Preußischen Herrenhaus Rach Abschluß seiner Studien übernahm e?t den Posten eines Geschäftsführers bei den llwdcrirtschaftlichen Genossenschaften in Sachsen um) trat 1900 in das. Statistische Amt der Stadt »Aresden ein. 1904 wählte ihn die Stadt 68|| en zum Beigeordneten. Bei den Vorberei- !s inmen. j.pfrigen Aufenthalt schloß sich eine halbjährige Nkdäenreise durch China an. Beileidstelegramm des Reichspräsidenten. 'Berlin,5. Juli. (WB.) Der HerrR e i chs- pnisident hat an die Gemahlin des verstoßenen Botschafters Wiedfeldt folgendes Tele- Lx'cr.n gerichtet: „Sie Rachricht von dem so unerwarteten 3eie Ihres Herrn Gemahls hat mich tief betrübt irini ich beeile mich, Ihnen und den Ihren die Ansicherung meiner herzlichen Teilnahme an die- srmi schweren Verlust auszusprechen. In dem Viristorbenen verliert das deutsche Wirtschafts- lsikn einen seiner Führer uad unser Vaterland eümm Mann, der dem Reich an verantwortlicher ttmrgen zum Invalidenversicherungsgesetz ent- Gkdte ihn der Staatssekretär des Innern, Dr. LDcl'brück, der ihn 1908 nach Berlin berief uui) zum Vortragenden Rat in seinem Mini- ftbriiim ernannte. Rach Abschluß dieses Gesetz* N! tucigswerkes wurde Wiedfeldt als Volkswirtlich:'! 1er und Sachverständiger für Derkehrsfragen . , fol. M Japan berufen und vom Reichsamt des Tourniers pfriem 1911 beurlaubt. Dem dortigen zwei- m HEburg 33 285 Seine fruchtbringende Tätigkeit in Dresden UM) Essen hatte das Kruppsche Direk- "erium aus ihn aufmerksam gemacht, das ihn W) als Rachfolger von Dr. Hugenberg als Ntticklor verpflichtete. Die mehrmaligen Versuche Reichsregierungen, ihn für einen Regie- ... (fi/rmstts rrurgsposten zu gewinnen, lehnte er stets ab. Im »Utjtykll v IBctj 1922 erfolgte die Ernennung Dr. OBieb» -s «’tttS als gründlicher Kenner der deutschen Wirt- dimmen Hai l'h.st zum deutschen Botschafter in !iftillÄhcn) bei btn 'IBafl) i n g ton. Mehrmals wandte sich die ;ole^n'5)reltoCIHlarti)f«n Krupp an die Reichsregierung mit dem ier Zchlv'E t Li buchen, Dr. Wiedfeldt von seinem Amte zu 0. 2.aU(rhmintmcni' mlieben, um ihn der deutschen Wirtschaft zurückleier ^.Kimmen i'Wk zumal nach der Verurteilung Krupp ter Sttiltill^® A^inofir. t«i Sohlens und der Kruppschen Direktoren, .jet seinem \fjng i1- tanrf) die Franzosen seine Anwesenheit und Mit» Mner Drek? cekit in Essen dringend notwendig geworden sei. -—- 2§brr erst Ende 1924 gab die Reichsregierung Drängen der Firma Krupp nach und berief Wiedfeldt aus Washington ab, das dieser tä-tf nach Reujahr 1925 verließ. Rach seiner (Smllalfung aus dem Staatsdienst trat Dr. Wied- lefflt als Vorsitzender des Direkto- riirms wieder in die Firma Kruvv Zurück. Neue schwere Unwetterschäden. Neues Unwetter über Berlin. D e r l i tt, 5. Juli. (£11.) Das Unwetter, das am Sonntag die furchtbare Einsturz-Katastrophe in Woltersdorf zur Folge hatte, fand heute Rachmittag eine Fortsetzung. In der fünften Nachmittagsstunde gingen über Groß-Berlin in der Richtung von Westen nach Rorden wiederum zahlreiche Gewitter mit wolkenbruchartigen Rieperschlägen nieder. Der Blitz schlug an mehreren Stellen ein. Ganz besonders schwere Schäden wurden aber durch den sintflutartigen Regen hervorgerufen, der vor allem die westlichen Bezirke Groß-Berlins heimsuchte, die Straßenzüge in Seen verwandelte und fast sämtliche Kellerräume unter Wasser setzte. 5>ie Ueberschwemmungen waren so stark, daß die Feuerwehr ununterbrochen zur Hilfeleistung alarmiert wurde und daß sich die Brand* direktton in Schöneberg gezwungen sah, den Ausnahmezustand für die Feuerwehr zu verkünden. In den meisten Fällen mußte die Wehr sich darauf beschränken, die gefährdeten Räume auszupumpen. An der Ecke her Ranke- und Siedenburger Straße wurde durch das Unwetter ein Autounglück hervorgerufen. Der Führer eines Kraftwagens verlor infolge der Glätte der Straße die Gewalt über das Auto, prallte gegen einen Baum und wurde erheblich verletzt, so daß er in ein Krankenhaus transportiert werden mußte. Auch am <5 p anbau e r Berg, von dem ungeheuere Wassermassen herunterströmten, wurden zahlreiche Wasserschäden angerichtet. Das Gewitter verzog sich schließlich nach dem Norden, wo allerdings glücklicherweise weniger Schaden angerichtet wurde. Geyen 7 Uhr wurde Waltersdorf, die Unglücksstätte des Sonntags, abermals von einem Gewitter mit starken Regen» fällen ereilt, so daß ein großer Teil der inzwischen notdürftig ausgebesserten Chausseen und Wege wiederum unter Wasser gesetzt wurde. Im Osten von Berlin ist infolge des Unwetters d i e Wühle über d i e Ufer getreten und draht die Kaulsdorfer Strafte in' Köpenick zu über» schwemmen. Auch die Löcknitz ist aus den Ufern getreten und hat grofte Wiesenflächen überschwemmt. Weiter sind schwere Störungen der Fernsprechleitungen, der Elektrizitätsversorgnung und des Betriebes der Wasserwerke zu verzeichnen. Vie woltersdorser Katastrophe. Berlin, 5. Juli. (TU.) Die Unglücksstelle in Waltersdorf an der Kegelbahn des Hotels Kranichberg ist im Laufe des Montags durch eine Behörde einer Untersuchung unterzogen worden. Der Befund an Ort und Stelle, sowie die Gutachten der mit der Leichenschau betrauten Aerzte, ferner die Vernehmungen einer Reihe von Augenzeugen führten zu der Feststellung, daß die Ursache der Katastrophe nicht in einem Blitzschlag in die Kegelbahn, wie das vielfach zuerst angenommen wurde, zu suchen ist, sondern daß die den Kranichberg herabstürzenden Wassermassen die Mauer der Kegelbahn überspült und eingedrückt haben. Spuren eines Blitzschlages konnten weder an den Mauersteinen oder an den Toten entdeckt werden, die durch Schädelbrüche oder schwere innere Verletzungen, teils durch Erstickung ums Leben gekommen sind. Die Leichen sind inzwischen sämtlich zur Bestattung freigegeben worden. Die freiwilligen Feuerwehren von Woltersdorf und Erkner konnten trotz angestrengter Arbeit noch nicht alle Kellerwohnungen und Lagerräume in Woltersdorf, in die die Wassermengen eingedrungen waren, leerpumpen. Zur Wiederherstellung der verwüsteten Schleusen sind Notstgndsarbeiter eingesetzt worden. Auch die privaten Schäden sind nach den bisherigen Berichten ganz enorm. Oberbranddirektor Oempp'gibt noch folgende Einzelheiten zu der Unwetterkatastrophe in Woltersdorf. Am gestrigen Unglückstage waren im ganzen zehn Löschzüae der Großberliner Feuerwehr nach der Unfallstelle in Woltersdorf unterwegs. Infolge der unpassierbar gewordenen Straße konnten die Fahrzeuge erst auf großen Umwegen herankommen. Der Fahrdamm war stellenweise in einer Länge von drei Meter aufgerissen. Bäume lagen quer über die Straße. Die Kegelbahn, durch deren Einsturz so viele Menschen getötet und verletzt wurden, liegt an einem etwa 60 Meter hohen Abhang, und die von steiler Hohe herunterstürzenden Wassermengen bildeten zwischen der Kegelbahnmauer und dem Abhang einen Teich. Diese Wasser, in der sich immer neue Fluten von oben ergossen, dürften einen derartigen Druck auf d i e Mauer aus- geübt haben, daß diese schließlich eingedrückt wurde und in sich zusammen st ürzte. Sonderbar ist, daß die Einsturzgefahr von den Aus- flüglern nicht bemerkt wurde, da doch wahrscheinlich erst einzelne Teile der Mauer zusammenbrachen. Jedenfalls waren sämtliche anderen. Unterschlupfräume, die den Ausslüglern vor dem Unwetter Schutz bieten können, bereits vollbesetzt, und die Aufmerksamkeit der Ausflügler wurde durch das Unwetter abgelenkt. Die Ernte im Kreise Lebus vernichtet. Frankfurt a. d. 0., 6. Juli. Im Lebuser Kreise sind bei einem schweren Unwetter am Sonntag in der Zeit von zwei Stunden etwa 62 Millimeter Niederschlag gefallen. Der größte Teil des Stemberger Bruches steht unter Wasser, da das Wasser in den durch das Hoch» und Grundwasser gefüllten Gräben nicht abziehen kann. Schätzungsweise sind 3 0 0 0 Morgen Ernte vernichtet. Im Kreise B e e s k 0 w wurden eine etwa 70jährige Frau und ihr Sohn vom Blitz getroffen. Der Sohn wurde getötet, während die Frau betäubt wurde und sich später erholen konnte. Von einem zweiten Blitzschlag wurde ein Krankenkassenangestellter sofort getötet. Die Strecke Magdeburg - Halle gesperrt. Berlin, 6.Juli. Wie der „Lokalanzeiger" aus Magdeburg meldet, ist an den Haltestellen für die Eisenbahnwerkstättenarbeiter in Salbke der Bahnhof vollkommen überschwemmt. Durch die Wucht der Wassermassen ereignete sich ein Si. mmbrud), so daß die Strecke Magdeburg—Halle bzw. Güsten unbefahrbar wurde und für unbestimmte Zeit gesperrt werden mußte. Sämtliche Züge werden von Magdeburg-Südost bzw. Buckau über den Rangierbahnhof geleitet. Wolkenbruch über Koburg. Ko bürg, 5. Iüli. (Wolff.) Seit gestern nachmittag ge'ht ein ununterbrochener, Wolkenbruch artiger Regen nieder, der in Straßen und Häusern großen Schaden anrichtete. Das Ihtal steht vollständig unter Wasser. Infolge des noch steigenden Hochwassers wurde in Koburg eine Schule geschlossen, da der ganze nördliche Stadtteil überschwemmt ist. Besonders stark ist der Wasserzustuß des Sulztals, wo ebenfalls ein Wolkenbruch niedergegangen ist. Die Bahnstrecke Koburg—Rodach ist unterbrochen, da der Damm an einer Stelle weggespült ist. Auf der Strecke Koburg—Rossach hat sich infolge des Hochwassers eine Bahndammbeschädigung ereignet, so daß ein Hilfszug abgesandt werden mußte. Schwere Unwetterschäden in der (Eifel. Köln, 6. Juli. (TU.) Heftige Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen haben auch in den verschiedensten Gegenden der Eifel großen Schaden angerichtet. Zahlreiche Felder sind durch die von den Berghängen herabstürzenden Fluten völlig vernichtet worden. Besonders hart betroffen wurde der Ort Schalkmaaren. Die in den Talkessel niederströmenden Wassermassen eines Wolkenbruchs und die von den Dergabhän- gen sich herabwälzenden Fluten schwemmten die Kartoffeln fort und verschlammten die Wiesen. Sie ergossen sich dann in die Dorf straften. Die Marbach war in wenigen Minuten so angeschwollen, daß das Vieh aus den Ställen gezogen und schleunigst in Sicherheit gebracht werden mußte. In den Dorfstraßen riß das Wasser die Pflastersteine heraus und führte sie mit sich fort. Gleichzeitig fegte eine Windhose durch das Dorf, deckte die Dächer ab und richtete schweren Schaden an. Seit mehr als 25 Jahren kann man sich an ein derartiges Unwetter nicht mehr erinnern. In Heiligenwald int Saargebiet wurden zwei Brüder im Alter von 24 und 25 Jahren, vom Blitz getroffen. Einer war sofort tot, während der andere eine schwere Lähmung erlitt. Schwere Gewitter im Nheingau. WER. Wiesbaden, 5. Juli. Im Rheingau und Taunus sind gestern zahlreiche schwere Gewitter mit wolkenbruchartigen Regen niedergegangen, die zum Teil schweren Schaden anrichteten. Bei Büdesheim wurden drei Touristen, die beim Jagdschloß Riederwald vor dem Gewitter Schuh gesucht hatten, schwer vom Blitzschlag verletzt. Ein Tourist wurde sofort getötet. In Bleidenstadt bei Wiesbaden ergossen sich die Wassermassen so stark, daß die Fluten in die Häuser und Keller ein» drangen. Auch in den Waldungen an der Hohen Wurzel, der Platte und am KeUerkopf hauste das Unwetter schwer. Hunderte von Sonntags- toanöerem suchten durchnäßt bis auf die Haut Schutz in den Ausflugslokalen. Auch in Mainz hauste das Unwetter schwer. Die dort angesagten Radrennen mußten abgesagt werden, weil sich die Bahn in einen wahren See verwandelt hatte. Der Blitz schlug in den Stephanturm ein, doch konnte der Brand gleich gelöscht werden. Auch aus der Gegend von Langen» fchwalbach werden große Unwetterschäden, besonders aus Hahn-Wehen gemeldet. Der auf den Fluren angerichtete Schaden ist beträchtlich. Auch aus dem Ried, besonders aus der Gegend von Geinsheim und Dornheim, werden gewaltige Unwetterschäden gemeldet. Trotz der gewaltigen Entladungen war die Abkühlung' durch die Gewitter überall nur gering. Gewitterflug eines Flugzeuges. Berlin, 5. Juli. (WTB.) Einen ganz hervorragenden Flug absolvierte Montag nachmittag ein dreimotoriges Iunkers - Gr0ß- flugz eug der Deutschen Lufthansa, das flug- planmäßig um 12 Uhr mittags in Amsterdam zur Reise nach Berlin mit sieben Fluggästen und 200 Kilogramm Fracht an Bord trotz schlechten Flugwetters gestartet war. An der Elbe stieß die Maschine auf ein ungeheures Gewitter, dessen Wand ungefähr 60 Kilometer tief und 40 Kilometer breit war. Trotzdem behielt der Pilot seinen geraden Kurs auf Berlin, über dem sich der Kern des Unwetters befand, und landete glatt, während Blitz und Donner über der Stadt tobten und ungeheure Wassermassen sich über die Straßen etgoffen. va§ Unwetter im Ausland. Linz, 6. Juli. (WB.) Die Samstag und Sonntag in Obero ft erreich niedergegangenen Unwetter habe neuerlich schwere Schäden verursacht. Flüsse und Bäche traten aus ihren Ufern und rissen Brücken und Stege fc^ Sehr schwer wurden allenthalben auch die Wege und Straßen in Mitleidenschaft gezogen. Bei Ebelsberg trat die Traun fo rasch aus den Ufern, daß fünf Landarbeiter von den Fluten erreicht und ihnen der Rückweg abgeschnitten wurde. Nur mit knapper Not konnten sie, nachdem sie stundenlang um Hilfe gerufen hatten, gerettet werden. Ueber den Kanton Waadt (nördlich des Genfer Sees) ist ebenfalls ein schweres Unwetter niedergegangen, das namentlich in der Weingegend von Rioaz großen Schaden angerichtet hat. Die Straße nach Lausanne ist durch Geröll versperrt. Die Bahnlinie bei Rioaz ist ebenfalls durch herniedergegangene Erbmassen zugedeckt. Schwere Unwetter werden auch aus Frankreich gemeldet. Im Departement P 0 n 10 i s e ist ein schwerer Zyklon niedergegangen, der großen Schaden verursachte. Bäume wurden entwurzelt und verschiedentlich gerieten Häuser und Fabriken in Brand. Infolge der Heber- schwemmung sind viele Häuser vom Einsturz bedroht. Zahlreiche Personen wurden verletzt. In der Umgebung von Paris und in der Provinz gingen schwere Gewitter nieder. In R et h e l wurde ein Landwirt mit seinem Knecht vom Blitz erschlagen. Stelle wertvolle Dienste geleistet hat. Ich werde ihm ein ehrendes Gedenken bewahren. gez. v. Hindenburg, Reichspräsident." Der Reichskanzler an Frau Wiedfeldt. Berlin, 6. Juli. (TU.) Reichskanzler Dr. Marx hat an Frau Geheimrat Wiedfeldt ein Schreiben gerichtet, in dem es \k a. heißt: „Mit tiefstem Bedauern habe ich die Trauerbotschaft von dem Hinscheiden Ihres hochverdienten Herrn Gemahls, des früheren deutschen Botschafters in Washington, erhalten. Er hat sich durch seine Tätigkeit als Botschafter Deutschlands bei den Vereinigten Staaten die Höch st e Anerkennung der deutschen und nordamerikanischen Oeffentlichteit zu erwerben gewußt. Das Vaterland erwartete von seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten noch große Dienste. Leider hat der Tod zu früh seinem Wirken ein Ziel gesetzt. Ihnen, sehr verehrte gnädige Frau, und Ihren Kindern der Reichsregierung und mein innigstes Beileid zu dem schweren Verlust auszusprechen, ist mir ein Herzensbedürfnis. Die Reichsregierung wird dem Heimgegangenen stets eine treue und dankbare Erinnerung bewahren. Reichsbahn und Reichsregierung. Um den neuen Generaldirektor. Berlin, 5. Juli. (Wolff.) Wie von zuständiger Seite verlautet, empfing der Reichskanzler heute vormittag 11 Uhr den Vorsitzenden des Verwaltungsrats der Deutschen Reichsbahngesellschaft, Herrn v. Siemens. Die Unterredung, an der der Reichsverkehrsminister Kröhne, der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates, Stierer, und Staatssekretär Bergmann teilnahmen, wurde erst am späten Rachmittag beendet. Die Entscheidung über die Bestätigung Dorpmüllers als Generaldirektor der Reichsbahn ist noch nicht gefallen. Sie wird voraussichtlich in der nächsten Kabinettssitzung getroffen werden. In der heutigen Unterredung zwischen dem Reichskanzler und Dr. v. Siemens wurden ferner Fragen prinzipieller Ratur über das Verhältnis der Deutschen Reichsbahngesellschaft zur Reichsregierung erörtert. Insbesondere wurde die Frage einer eingehenden Prüfung unterzogen, in welcher Weise die Mitwirkurrg des Reichspräsidenten und der Reichsregierung bei der Entscheidung über wichtige Fragen der Reichsbahn gesichert werden könne. Die Bestätigung der Wahl Dorpmüllers durch die Reichs- reg-ierimg dürfte wohl, von einer grundsätzlichen Klärung dieser Frage abhängig sein Für die Reichsregierung ist die Besetzung der Generalbirektion eine Prestigefrage, denn schließlich ist bas Reich noch immer Hauptaktionär, ohne dessen vorherige Befragung bedeutende Posten nicht so ohne weiteres vergeben werden dürfen. Die Reichsbahn beging damals einen schweren Formfehler, als sie kurzerhand an Oesers Stelle Herrn Dr. Dorpmüller setzte. Das konnte sich die Reichsregierung natürlich nicht bieten lassen, wenn sie auch grundsätzlich gewiß nichts gegen die Wahl Dorpmüllers einzuwenden gehabt hätte. Einer Erklärung bedarf vor allem wohl noch die Einstellung des neuen Generaldirekwrs zum Dawesabkommen, da sich Dorpmüller seinerzeit gegen bas Abkommen ausgesprochen hat. Obwohl er die jetzt geltende Re-' parationsregelung ablehnte, hat er es doch für erforderlich gehalten, seine ganze Kraft in den Dienst der Hauptträgerin der Reparationslasten zu stellen, womit wohl genügende Sicherheit dafür gegeben ist, daß aus feiner privaten Einstellung nicht mögliche politische Schwierigkeiten erwachsen. Die Fürstenabfindung. Initiative des (Ycneralbcvollmächtiq- ten der Hohcnzollern. Berlin,-5. Juli. ($11.) Der Generalbevollmächtigte des ehemaligen preußischen Königshauses. von Berg, hat heute ein Schreiben an die preußische Staatsregierung gerichtet, in dem er sich bereit erklärt, die Verhandlungen aus der Basis des Vertrages vom 2 3. Oktober 1 92 5 wieder aufzunehmen. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: Die preußische Staatsregierung wird mir bestätigen können, daß ich mich seit Hebernahme der Vertretung des königlichen Hauses unablässig zuletzt durch den am 12. Oktober 1925 beiderseits unterzeichneten Vergleich bestrebt gezeigt habe, die Vor- mögensauscinandersetzung auch unter weitgehenden Verzichten, die bis zur Preisgabe von 83 Proz. der Vermögenssuinme durch bas königliche Haus gegangen sind, im Wege einer Verständigung durchzuführen. Die preußische Staatsregierung wird mir weiter darin zustimmen, daß es sich, angesichts der beklagenswerten aus anderen Gründen in unser schwer- leidendes Volk hineingetragenen Erregungen in den letzten Monaten für die Vertretung des königlichen Hauses verbot, durch Heraustreten mit neuen Vorschlägen absichtlichen Mißdeutungen ausgesetzt zu werden. Rachdem aber die zur Abänderung des Vertrages vom 12. Oktober 1925 eingeschlagenen Wege — der Volksentscheid, wie auch die reichsgesetzliche Regelung zu einem Ergebnis nicht geführt haben, ist es mir Pflicht, nunmehr erneut die Initiative zu ergreifen, um den Gegenstand der De- unrubigung unseres öffentlichen Lebens jetzt aus der Welt zu schaffen und ich erkläre mich daher hiermit bereit, die D er g l e i chs v e r handln n g e n auf der Grundlage des Vertrages vom 12. Ölt ober 1925 möglichst bald wieder a u f z u n e h m e n. In der Erwartung, daß die preußische Staatsregierung auch ihrerseits von dem Wunsche geleitet ist, zur Entspannung dep politischen Lage und zum Wohle der Allgemeinheit diese Angelegenheit tunlichst rasch z u einem für beide Teile zufrieden- ft eilenden Abschluß zu bringen, darf ich wohl einer baldgefälligen Rückäußerung er= gebcnft entgegensetzen. Ich habe dieses Schreiben, um die Beruhigung anzubahnen, gleichzeitig der Presse mitgeteilt. Der Generalbevollmächtigte: gez. von Berg. Ausruf Zum Zusammenschluß der Rechten. Berlin, 5. Juli. (WB.) Die seit Frühjahr 1921 bestehende Arbeitsgemeinschaft im Preußischen Staatsrat, der vorwie- ?nd Mitglieder der deutschnationalen und deutschen Volkspartei angehören, richtete ein von dein Vorsitzenden Freiherrn v. Gayl und dem stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Jarres unterzeichnetes Schreiben an die Fraktionsvor- sihenden der genannten Parteien, worin sie unter Bekanntgabe einer einstimmig gefaßten Entschließung ihrer Arbeitsgemeinschaft, an die „im tiefsten Sinne des Wortes staatserhaltenden Parteien", die Aufforderung zur Bildung einer erweiterten Arbeitsgemeinschaft richtet. „Wir verkennen nicht," fo heißt es in dem Schreiben u. a., „daß sehr erhebliche Schwierigkeiten der Verwirklichung dieses Gedankens heute entgegenstehen, und daß sehr viel uneigennützige und sachliche Arbeit geleistet werden muß, ehe dieses Fiel erreicht wird. . Wir wissen auch, daß der Weg zur einheitlichen Vertretung des großen rechtsgerichteten Teiles : des deutschen Volkes nur schrittweise, beginnend mit 'einer allmähligen immer fester werdenden e Arbeitsgemeinschaft in den Parlamenten, zurückgelegt werden kann. In dem Schreiben, das ferner der Meinung Ausdruck gibt, daß die Bildung dieser Arbeitsgemeinschaft auch ein befriedigendes Verhältnis zu den übrigen bürgerlichen Parteien erleichtern werde, wird schließlich die unverzügliche Aufnahme der einleitenden Schritte und eine möglichst. Huldige Bekanntgabe der Stellung der beiden genannten Frak- . tionen verlangt. C-Maux und die Kammer. Vor dem Kampf. Paris, 6. Juli. (TA.) Caillaup gab dem Kabinettsrat eine umfassende Darstellung der Finanzlage. Er entwickelte im Anschluß daran fein Finanz Programm. Ein Ministerrat wird heute früh über die Finanzprojekte Caillaux" eine letzte Beratung abhcüten, worauf diese am Rachmittag dem Parlament unterbreitet werden. Zu der Aussprache im Parlament, die als eine der bedeutsamsten Debatten' feit Kriegsende angesehen wird, haben sich zahlreiche Interpellanten in die Rednerliste eintragen lassen. Man rechnet damit, daß die Debatte mehrere Tage dauern und erst in der Rächt vom Donnerstag auf Freitag zu Ende gehen wird. Der Sachverständigenbericht, dessen wichtigste Beschlüsse sich Caillaux zu eigen machen wird, ruft in der Presse und Öffentlichkeit starke Bedenken hervor. Man rechnet mit der Einbringung eines sozialistischen Gegenprojekts, das durch Kapitalabgaben und erzwungene Konsolidierung die Stabilisierung herbei- zuführen verspricht. In den Kreisen der Rechtsopposition beobachtet man eine wachsende Zurückhaltung. Paul Peret, der frühere Finanzminister, bat eine Erklärung abgegeben, in der er das Werk der Sachverständigen lobt und betont, daß bei der Sanierung der Finanzen von deren Bericht ausgegangen werden mühte. Es verlautet, daß T a r - d i e u es bei einer oberflächlichen Intervention bewenden lassen werde. Das Wirtschaftsblatt „Information" sagt: „Der Bericht fei im ganzen genommen eine großzügige Arbeit, bei der man sich nicht gescheut habe, die heikelsten Angelegenheiten an« zuschneiden, und der in dieser Hinsicht vollständig erscheine. Das Werk werde in dem Maße Wert haben, als seine Vorschläge in den vom Parlament angenommenen und duvchgeführten Projekten ihre Bestätigung finden werden. In der Praxis scheine es, als ob die Regierung angesichts der bevorstehenden Parlamentsferien es sich angelegen fein lassen werde, die Zustimmung des Parlamentes zu den großen Linien eines Problems zu erhalten, das sie in großem Maße zu dem ihrigen machen werde und das sie in gewissen Teilen auf dem Verwaltungswege durchführen werde, wenn dieses Verfahren verfassungsmäßig eingeschlagen werden könnte. Wenn allerdings infolge einer schwächlichen Haltung der Regierung oder infolge der Obstruktion des Parlaments oder infolge irgendeines Grundes den in dem Bericht enthaltenen ausführlichen Empfehlungen nicht nachgerommen würde, würden sich auch die erwarteten Wirkungen nicht zeigen. Die Währungssanierung wäre wieder einmal vertagt und die vorauszusehende Krise, die sich entweder als direkte Folge in Form einer Inflation oder als Ergebnis einer verzögerten Währungsreform zeigen werde, werde dadurch nur verschärft werden. Der britische Bergarbeilerstreik. London, 6. Juli. (WTB.-Funkspruch.) Das llnlerhaus nahm in einer Nachtsitzung den Antrag des Innenministers auf Fortdauer der Notstand s v o l l in a ch t e n mit 181 gegen 64 Stimmen an. Der Minister erklärte in der Debatte, wenn arbeitswillige " Bergleute daran verhindert würden, in die Gruben zurückzukehren, dann werde die Negierung die Vollmachten benutzen, um diese Arbeitswilligen zu schützen. P u r ch e l (Arbeiterpartei) sagte, die Vollmachten würden nicht verhindern, daß russisches Geld weiter nach England gelange. Er werde Geld von jener Seite nehmen, wenn es dazu helfe, den Zechenbesitzern eine Niederlage zu bereiten. Man erwartet, daß die Achtstun- be'nbill dm Mittwoch Gesetzeskraft erhalten wird. Schon heute sind in einer Reihe wichtiger Grubenbezirke die neuen Lohnsätze angeschlagen worden. Die Sätze variieren in den einzelnen Bezirken je nach Maßgabe der Rentabilität. Ob die großen Erwartungen der Grubenbesitzer, die die Rückkehr eines überwältigenden Teils der Bergarbeiter zur Arbeit erhoffen, in Erfüllung gehen werden, muß zunächst noch dahingestellt bleiben. Italiens Valkanptäne. Ein griechisch-rumänisches Sonderbündnis. — Sprengung der Kleinen Entente. Belgrad, 6. Juli. (TA.) In hiesigen diplomatischen Kreisen zirkulieren Gerüchte über De- sttebungen zum Abschluß eines Separatbünd- nisses zwischen Griechenland und Rumänien. Der griechische Diktator General P a n g a l v s soll den griechischen Gesandten in Bukarest beauftragt haben, bei dem rumänischen Kabinett den Abschluß eines politischen und wirtschaftlichen Separatbündnisses zwischen Griechenland und Rumänien in Anregung zu bringen. General Ave- rescu habe diese Anregung Griechenlands sehr freundlich ausgenommen und den Außenminister Mittlineu mit der Führung der Verhandlungen betraut. Die Verhandlungen würden streng geheim geführt. Man glaubt, daß die Anregung dazu von Rom ausgegangen sei und daß der Abschluß eines griechisch-rumänischen Separatbündnisses eine wichtige Etappe in den italienischen Balkanplänen darstelle. Die Verwirklichung dieses Bündnisses würde eine Spren- gung der Kleinen Entente nach sich ziehen können und auch eine gefährliche Isolierung Jugoslawiens bedeuten. Aufstand in Persien. Paris, 5. Juli. (WTB.) Die „Chicago Tribüne" berichtet aus Teheran über eine gegen Schah Pahlavi gerichtete Aufstandsbewegung türkischer Nomaden und Kurden in der Provinz Korassan. Angeblich soll die Bewegung von Rußland begünstigt werden, da die Regierung der jetzigen Schahs englandfreundlich gestimmt sei. 800 Mann reguläre Truppen der persischen Armee seien zu bet) Aufstänbigen übergegangen. Starke Truppenabteilungen Hütten Teheran in der letzten Nacht verlassen, um mit größter Beschleunigung in das Aufstandsgebiet befördert zu werden. Der Einftuß des Schahs Pahlavi bei der monarchistischen Partei sei im Abnehmen begriffen, da die Einschränkung des Heeresbud- g e t s in. monarchistischen Kreisen große Unzufrie- denheit erregt habe. Riza Khan Pahlavi. der sich vom einfachen Reiter in der von den Russen gegründeten Kosakenbrigade zum Divisionskommandeur, Kriegsminister, Ministerpräsidenten und seit 1921 zum allmächtigen Diktator Persiens aufgeschwungen hatte, regierte als solcher anfangs mit der rußlandfeindlichen Monarchistenpartei im Parlament, versuchte dann mit Hilfe der anglophilen De- mokrcttie die Republik auszurufen, was aber am Widerstand der Geistlichkeit scheiterte. Darauf lieh er im Rovember 1925 die landflüchtige Dynastie vom Parlament absetzen und bestieg selbst als Schah Pahlavi den Thron. Englands und Rußlands Anerkennung erhielt er sofort. In letzter Zeit scheint sich der Schah mehr auf England gestützt zu haben, um den bolschewistischen Einfluß in feinem Lande zu vernichten. Aus aller Welt. Die Eröffnung der Zugspitzbah«. Ehrwald, 5. Juli (TA.) Heute vormittag fand die Eröffnung der Zugspihbahn statt. Von Wien, München, Innsbruck waren Sonderzüge nach Ehrwald geleitet worden. Anter den zahlreichen Ehrengästen sah man den deutschen Reichsgesandten in München von Hantel, den Präsidenten des Bayerischen Landtages Königsbauer, den Bürgermeister von München Scharnagl, Vertreter der bayerischen Staatsregierung, sowie zahlreiche Landtagsab- georönete. In Ehrwald wurden die Gäste von dem österreichischen Vizekanzler Waber und dem Handelsminister Schürf begrüßt. Rach einer kurzen kirchlichen Weihe begrüßte der Vizepräsident der Zugspihbahn Abgeordneter Dr. Stern die Gäste. Er bezeichnete den Bau der Zugspihbahn als ein Zeichen der deutsch-österreichischen Gemeinschaft, als ein erhabenes Denkmal treuer Kriegskameradschaft. Rach den Klängen des Andreas-Hoferliedes sprach der Reichsgesandte von Haniel im Ramen der Reichsregierung den Dank für die Einladung aus und wünschte, daß die Zugspihbahn dazu beitragen möge, die beiden Völker mehr und mehr zusammenzuschließen. Im Ramen der österreichischen Bundesregierung gedachte Handelsminister Schürf der Mitarbeiter an dem großen Werke und ' nannte den Tag einen Festtag, nicht nur der Wissenschaft und Technik, sondern auch des Zusammenschlusses Oesterreichs und Deutschlands. Der Minister verlieh hierauf den Mitarbeitern an dem Bau der Zugspihbahn, dem Vizepräsidenten Dr. Stern und Geheimrat Opitz das goldene Ehrenzeichen der Republik. Am 1 Ahr r nachmittags begann mit Abständen von 15 Minuten die Beförderung der etwa 300 geladenen Persönlichkeiten, die sich ohne Schwierigkeiten glatt abwickelte. Die Teilnehmer drückten ihre große Befriedigung über den Eindruck, den sie in herrlicher Fahrt gewonnen hatten, aus. Die Fahrt dauerte nur sechzehn Minuten, um aus dem Tal in die Höhen des ewigen Schnees zu gelangen. Das Reichsehrenma!. Sine Desichtigungsreife der Kommission des Reichsrats zur Bestimmung des Reichsehrenmals, an der außer den Kommissionsmitgliedern der Reichskunstwart, Vertreter des Reichskanzlers, des Reichsinnenministers, des Ministerpräsidenten zu Koblenz, der Oberpräsident von Hessey-Rassau, die Landeshauptleute von Düsseldorf und Wiesbaden, sowie die Regierungspräsidenten von Koblenz und Wiesbaden teilgenommen haben, führte zu Schiff von Rüdesheim über Lorch—Kapellen— Stolzenfels—Koblenz nach Hammerstei.rer Werth bei Andernach. Don den verschiedenen Plänen, die unter sachkundiger Führung in Augenschein genommen wurden, trat der Plan der Lorcher Insel besonders hervor uiid nahm für sich ein. Aeberhaupt scheint am Rhein nur ein Jnselplan in Frage zu kommen, während die Dergplane offenbar ausgeschieden sind. Die Kommission hat ihre Reise zur Weser und in den Harz fortgesetzt. Das Urteil im Paßfälfcherprozeß. Leipzig, 6. Juki. (TA.) In dem Pah- fälscherprozeß gegen Herpoldt und Genossen vor dem 4. Strafsenat des Reichsgerichts wurde am Montag nach dreitägiger Verhandlung folgendes Arteil gefällt: Die Angeklagten werden wegen Vergehens gegen § 7 des Republikschutzgesetzes sowie wegen unbefugten Waffenbesitzes und Arkundensälschung verurteilt und zwar Her- poldt zu 4 Jahren Zuchthaus und 500 Mk. Geldstrafe, Hußmann zu 2 Jahren 3 Monaten Gefängnis und 300 Mk. Geldstrafe, Mehlbaum zu 2 Jahren 9 Monaten Gefängnis und 300 Mk. Geldstrafe. Schwere Autounfalle im Rheinland. Auf einer Automobilfahrt von Siegen nach Gummersbach verunglückten der Fabrikbirektor Erich Bockhacker unb bet Chauffeur Albert Mühlhoff töblich. Das Auto ftihr gegen einen Baum unb überschlug sich. — Auf einer Autofahrt ins A h r - t a l verunglückte ber Kaufmann Paas aus Elber- selb. Der Wagen schlug auf einer schlammigen Straße um, stürzte eine Böschung hinab unb begrub bic Insassen unter sich. Paas unb eine ebenfalls mitfahrende Dame waren sofort tot, während die übrigen vier Insassen-mit mehr ober weniger schweren Verletzungen bavon kamen. Lxplosionsunglück in einer Bronzefabrik. Schwabach, 6. Juli. (WTB. Funkspruch.) Heute früh 6.25 Ahr ereignete sich m der Dronzefabrik Weigand in Schwabach (Mittel- franken) ein schweres Explosionsunglück. Das Dach der Fabrik flog in die Luft und eine Stichflamme schoß empor. Die Explofton wurde in der ganzen Stadt gehört. In den umliegenden Straßen sprangen die Fensterscheiben. Dis 8 Ahr morgens wurden 4 Sch werverletzte geborgen. Tleues Eisenbahnunglück in Frankreich. Paris, 6. Juli. (WTB. Funkspruch.) Auf dem Bahnhof Annemasse (Strecke Genf— Chamonix) sind vorgestern abend die letzten Wagen eines nach Genf fahrenden Zuges von einem in den Bahnhof einsahr enden Zug gerammt worden. Es hat 15 zum Teil Schwerverletzte gegeben. Streik auf der Reuyorker Untergrundbahn. Wahrscheinlich werden das fahrende Personal und die Weichensteller der hauptsächlichsten Antergrundbahnen der Stadt um Mitternacht in den Ausstand treten, da die Gesellschaft „Interne Rapid Transit" den Schiedsspruch ausdrücklich ablehnte. Die Direktoren dieser Gesellschaft erklären, daß sie trotz des Streiks den Verkehr aufrechterhalten werden. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 6. Juli 1926. Ein Fahrplanwunsch an die Reichsbahn. Gießen hat bisher mit seinen Bemühungen um Verbesserung des Eisenbahnfahrplans wenig Erfolg gehabt. Heute möchten wir erneut einen Wunsch an die Reichsbahndir e ktivn Frankfurt a. M. richten, dessen Erfüllung uit8 notwendig erscheint. In F r a n k f u r t a. M. geht um 6,2 3 A h r morgens ein beschleunigter Personen- zug über Darmstadt-Bensheim usw. nach S ü d - deutschland ab. Diesen Zug, der für das Derkehrsbedürsnis der an der Strecke Gießen— Friedberg—Frankfurt liegenden Orte wichtig ist, kann man zur Zeit von hier aus nicht erreichen, da die Frühverbindung von Gießen nach Frankfurt (Personenzug 704 ab Gießen 4 Ahr früh) erst um 6,25 Ayr, also 2 Minuten nach Abg ang jenes beschleunigten Personen- zuges, in Frankfurt a. M. ankommt. Eine Schnellzugverbindung von Gießen nach Frankfurt die das frühere Ankommen in der Mainstadt ermöglichte, besteht nicht. Anser Wunsch, der von breiten Bevölkerungskreisen ebenfalls gehegt wird, geht dahin, den obengenannten Personenzug 704 ab Gießen, der hier eingestellt wird, statt (wie jetzt) um 4 Ahr früh etwa 10 Minuten früher abfahren zu lassen, so daß man bereits um 6,15 Ahr in Frankfurt ankäme. Dadurch würde bei einer Spanne von 8 Minuten der Anschluß an den obengenannten beschleunigten Personenzug Frankfurt — Süddeutschland hergestellt werden können. Hoffentlich erfüllt die Reichsbahndirektion wenigstens diesen Wunsch. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 180, Matte 30 bis 35, Käse 60 bis 80, Wirsing 30, Weißkraut 30, Römischkohl 15, Erbsen 35, Mischgemüse 15, Tomaten 50 bis 100, Zwiebeln 25, Meerrettich 80, Rhabarber 15 bis 25, Kartoffeln, neue 13, do. alte 05, Birnen 40, Kirschen 30 bis 50, Heidelbeeren 40 bis 45, Stachelbeeren 25 bis 45, Johannisbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 70, Honig 40; das Stück: Gier 12 bi) 13, Blumenkohl 20 bis 120, Salat 5 bis 10, Salatgurken 50 bis 60, Ober- Kohlrabi 15, Rettich 10; das Päckchen: gelbe Rüben 20, rote Rüben 20, Radieschen 15 Pfennig. Bornotizen. — Tageskalenber f ii r Dienstag. Stabltheater: 8 Uhr, Gastspiel des Bab-Nauheimer Kurtheaters: „Bettinas Verlobung". — Aris dem Stadttheaterbureau wirb uns geschrieben: Nochmals sei in letzter Stunde auf die heutige Aufführung des hübschen Lustspiels „Bettinas Verlobung" von Leo Lenz, dem erfolgreichen Verfasser der „Heimlichen Brautfahrt", hingewiesen. In Hauptrollen sind beschäftigt die Damen Kräh m er, Scherer unb Heym sowie bie Herren Geffers, Volck unb Wehrt. — Das vierte Abonnementskonzert unserer Militärkapelle finbet am kommenden Donnerstagabend auf der Liebigshöhe statt. (Siche Anzeige.) Wettervoraussage. Anbeständig und weitere Regenfälle, bei nut vorübergehend etwas schwächerer Bewölkung kühl. Die konttnentale Luftströmung ist vorläufig unterbunden, da im Kanalgebiet eine neue Zyklone erschienen ist, unter deren Einfluß die Winde unserer Gegend auf südliche bis westliche Richtung drehen. Das Zusammentreffen der bisher über dem Festland liegenden stark evtoärm- ten Luft mit kühler westlicher Luft führt zu weiteren Regenfällen. Gestrcae Tagestemperaturen: MaLMUm: 23.4 Grad Celsius. Minimum: 13.6 Grad Celsius. Niederschläge: 11.6 Millimeter. Heutige Morgen- temperatur: 16.4 Grad Celsius. Verkehrsneuregelung in der Rodheimer Straße. Das Polizeiamt teilt mit: Wegen Reubefestigung der Rodheimer Straße zwischen Cisenbahnüberführung und Kruft Dörfer Straße wird mit sofortiger Wirkung die Rodheimer Straße zwischen Cisenbahnüberfüh- rung und Lahnstraße für jeglichen Fährverkehr bis auf weiteres gesperrt. Die Umleitung erfolgt für den Verkehr von der Rodheimer Sttahe durch die Lahnstraße und für den Verkehr nach der Rodheimer Straße durch die Hammstraße. (Haus Schlosser Euler vorbei.) Während der Bauarbeiten auf der Rodheimer Straße zwischen Lahnstraße und Krofdorfer Straße dürfen sich auf dieser Strecke Fahrzeuge aller Art nur in einer dem Schrittempo entsprechenden Geschwindigkeit bewegen. Radfahrer haben abzusteigen. _O Bep aratur einer Eisenbah n* brücke. Die Eisenbahnbrücke im Zuge der Klinikstraße, die den Süden der Stadt mit dem Güterbahnhof verbindet und einen sehr lebhaften Verkehr zeigt, ist jetzt bereits ein Jahr dem vollen Verkehr entzogen. Anfänglich war die Brücke für den Fuhrverkehr ganz gesperrt, später gab man die südliche Hälfte der Fahrbahn für leichte Fuhrwerke und Personenautos frei; für Lastautos ist sie heute noch gesperrt. Gegenwärtig ist man mit der Ausbesserung Der Drücke beschäftigt. Die für den heutigen Verkehr au schwache Brücke soll, wie wir hören, durch eiserne Träger und Säulen verstärkt werden, auch wird eine für die Fußgänger sehr erfreuliche Reparatur an Dem Brückengeländer vorgenommen, wo der Maschendraht, der an dem Geländer beseffigt war, durch Flacheisenstäbe ersetzt wird. Man hofft, daß die Drücke in nicht allzulanger Zeit dem vollen Verkehr wieder übergeben werden kann. ** Zulassung von F a chs ch u l a b s o l- benten zur Technischen Hochschule Darmstadt. Rach einer Bekanntmachung des Hessischen Landesamtes für das Bildungswesen können Reichsdeutsche, Die nach Erlangung Der Reise für Obersekunda einer neunklassigen höheren Schule eine vom Landesamt für das Bi ft dungswesen anerkannte hessische Fachschule durchlaufen und in der Abschlußprüfung mindestens in allen Hauptfächern des erwählten Studiums Die beste, im ganzen Die zweitbeste Rote erhalten haben, auf GrunD einer Ergänzungs-Reifeprüfung, in der sie eine ausreichende Allgemeinbildung nachzuweisen haben, als ordentliche Studierende an Der Technischen Hochschule Darmstadt zugelassen werden. Die Ergänzungs-Reifeprüfung ist am Realgymnasium in Darmstadt abzulegen; fie umfaßt Die Fächer Deutsch, Geschichte unter Berücksichtigung Der Kulturgeschichte und Staats« bürgerfunDe, ErDkunde, eine Fremdsprache (Französisch, Englisch oder Lateinisch), Mathematik unö Physik. Den Prüfungsanforderungen wird Der Lehrplan Der hessischen Realgymnasien zu Grunde gelegt. Die Bestimmuimen finden bis auf weiteres Anwendung auf ehemalige Schüler der 2ai> desbaugewerkschule zu Darmstadt, der Dange- werkschule zu Dingen und Der DaugewerSschule zu Offenbach. ---Der Gleibergverein hielt am Samstag nachmittag auf Der Burg Gleiberg seine diesjährige Hauptversammlung ab, die bet Dem guten Wetter stark besucht war. Der Vorsitzende, Provinzialdirektor Graes, begrüßte besonders den Landrat Geheimen Regierungsrat Dr. Sartorius (Wetzlar) als Vertreter Der preußischen Aufsichtsbehörde. Kreiskassendirektor K a u s erstattete zunächst Den Rechnungsbericht für 1925/26. Die Mitgliederbeiträge betrugen 1434 Mark, Geschenk von der Kreiskasse Gießen 200 Mark, von Der Provinzialkasse Oberhessen! 200 Mark, Kr eiskommunalkasse Wetzlar 200 Mk., von der Stadtkasse Gießen 100 Mark, zusammen 705 Mark an Geschenken. Der Aeberschuß vom Sommersest 1925 ergab 157,33 Mark, Der Burgwart zahlte 400 Mark, aus Kapitalzinsen wurden 115 Mark eingenommen. Der Gesamteinnahme von 2962,32 Mark stehen 2917,41 Mark Gesamt- ausgaben gegenüber, so daß ein Aeberschuß von 44,91 Mark in bar verbleibt. DaS Vermögen beträgt 1710,50 Mark, bei der Sparkasse Wetzlar steht eine Schuld von 2282,15 Mark. Der Vorsitzende, Provinzialdirektor Gräf, verlas hierauf den Geschäftsbericht für. 1925/26. Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug 1925 — 478. Anter den Einnahmen des Vereins erwähnte der Vorsitzende dankbar Die Geldgeschenke in Höhe von 705 Mk. Für Bauten, Erhaltungsarbeiten, Erneuerung des Mobiliars wurden 2546,71 Mk. ausgegeben. Die vorgesehenen Ausbesserungsarbeiten kamen in vollem Amfang zur Ausführung; so am Turm des Albertusbaues, an dem Palais Ludwig des Saliers und an Der Außenwand des Zwingers. Die Wandteile des Flurs im Rassauerbau, Die sehr beschädigt waren, wurden erneuert und getäfelt. Sämtliche Dächer mußten Durchrepariert und ein Durchgebrochener Aeberzug über Dem Vorstandszimmer erneuert werden. Wirtschaftsmobiliar und Gartenmöbel erfuhren einen Reuanstrich. Für DaS kommende Jahr find wiederum größere Herstellungen in Aussicht genommen. Es ist zu hoffen, daß auch in diesem Jahr Freunde und Gönner eine offene Hand zeigen werden. Das im Jahre 1925 auf dem Gleiberg abgehaltene Sommerfest verlief, dank weitgehender Anterstühung einzelner Mtt- en. , für H, ls iJ'jJ ’5 i,öbld)nQ ?Un6e KWieb dein V "nd h^'St di« „ Unb W?! l°wie [nrCmentsu ' e findetÄr-kt '"MM ömung?ÄM ** Ä rS£ Än ftcrf Ln. brr ,a*Ä*Ä 'S ®‘rfc23.4 L^rLL Bäs JÄÄ nff 6 t9e durch die vffer Mr vorbrU -aus der Lodheuner öe und Krosdorser let Strecke Fchrmae 'm SchritteL^ oetvegen. Aadsahr« U" Eisenbahn. Mckr im Zuge der ® ta Stadt mit dem J men sehr lebhaften » m Jahr dm vollen W Var die Drücke - Q^rrt, später gab !t Fahrbahn für leichte ntos frei; sür Lastautos Gegenwärtig ist man >er Drücke beschäftigt, ehr au schwache Drücke h eiserne Träger und iuch wird eine für die >e Aeparatur an dm men. wo der Moschender besMzt war, durch nd. Dan M, dav langer Zeit dm vollen m werden kann. n ssachschulabsvl- scheu Hochschule ■ fylanntmafiung -es r das Dildungswesen nach -rlangung bet er nennüassigrn Me- rdeLamt für bo5 2il- ssische Fachschule durch- »luhprüfung mindestens is erwählten Studnuns zweitbeste Lote erhalten ner ErgänMgs-Aeise- ausreichende Allgemein- M als ordentliche Stu- en Hochschule Tamstadt rgänzungs-Aeiseprüsung n Darmstadt abzulegen; deutsch, Geschichte unter Urgeschichte und Staats- ne Fremdsprache (Fran- misch). Mathematik md nforderungen Wird der lalgYMasienzu Grmche malige^Mr Sä“» -gtaef. brz°>i>-b-' -W ■ot)Ln3,Sr 200 M. glaste TÄ ;usammm ien Xichul) vom m. t)^ wy %sssg n. m?Qrt Gesamt n 291?,41 .^^sthuh von »rbleibch Das b-i L i°v lülö von 2TraL ver- lS2bM KtMncht Äitgl^r $ertm£er* dankbar " gchgltE «ür wurden ” ^rsrühuu glleder, in allen Teilen gut und ergab den oben berichteten Dleberfchuh. Der Voranschlag für 1926/27 sieht eine Einnahme von 3034,91 Mk. vor, darunter Miigliederbeiträge 1400 Ml.. Geschenke 700 Mk., Abgabe des Durgwtris 400 Mk. Als wichtigster Punkt der Ausgaben sind 2000 Mk für Unterhaltung der Gebäude und Rumen vorgesehen. Ober-Dau-inspektor Mohr- Giehen erläuterte die vorgesehenen Instandhaltungsarbeiten. besonders an den Mauern, am Burgkeller, Zwinger, an der Kapelle, an Dächern usw., sowie die Wiederherstellungsarbeiten in der Bauernstube. Der Vorsitzende teilte mit, daß seitens der Gemeinde Krofdorf ein Beitrag zu ermatten ist. Dem Punkt 4. Sayungsänderüng, wurde zugestimmt und die Zahl der Vorstandsmitglieder von 5 auf 7 erhöht. Der Vorstand wurde durch Zuruf wiedergewähll, als neue Vorstandsmitglieder treten in den Vorstand ein: Bauunternehmer Deibel (Collar), Stadtverordneter Georg Haubach (Giehen). Als Rachsolger für Regierungsbaurat Schuffenhauer (Wetzlar) wurde Regierungsbaurat Huntemüller (Wetzlar) bestimmt. Anstelle des in den Ruhestand getretenen Bürgermeister Braun von Krofdorf wurde sein Rachfolger Bürgermeister Brockmeier in den Vorstand gewählt. Für die'es Iahr soll mit Rücksicht auf die Fülle der Feste und die wirtschaftliche Rotlage von einem Sommerfest abgesehen werden, dagegen wurde der Vorstand ermächtigt, wieder ein Winterfest in Giehen und im nächsten Sommer ein Sommerfest auf der Burg abzuhalten. W e i d i g (Giehen) teilte mit, dah am 4. September der Vogelsberger Höhenklub auf dem Schiffenberg feine Herbsttagung abhält; der Zweigverein Darmstadt will im Verein mit Giehen den Sonntagnachmittag auf dem Gleiberg zubringen. Der Vorsitzende dankte für die Mitteilung und erklärte, dah der Gleibergverein ebenfalls dazu eingeladen werde. ®r teilte ferner mit, dah Rektor Echternach dem Gleibergverein seine Altertumssammlung, die Sammelgegenstänbe von Ruine Gleiberg, Vetzberg und Umgebung enthalte angeboten habe, die in einem passenden Raum der Burg untergebracht werden möge. Die Angelegenheit wurde sympathisch begrübt, ber Vorstand will die nötigen Schritte unternehmen. Rektor Echternach sprach sich sehr für die Errichtung eines Gleibergmuseums auS. Geheimrat Sartorius bemerkte, dah alle Altertumsfunde aus den Dörfern des Kreises Wetzlar ins Kreismuseum nach Wetzlar gehen mühten, nur Funde aus Burg Gleiberg und von Ruine Vetzberg könnten nach dem ©teiberg gebracht werden, ©rünlg, (Ziehen regte an, den Weg vom Hardthof bis zur Burg mit schattigen Bäumen zu bepflanzen, der sonnige Weg hal e viele ©".ebener vom Besuch der Burg ab. Geheimrat Sartorius sagte die Bepflanzung der Aeststreae mit Oö.waurnen zu. Der alte Burgwirt Rieberga11, der jetzt schon 44 Jahre seines Amtes waltet, teilte mit. dah schon 1883 84 der damalige Candrat von T i ch e w i tz zu Wetzlar die Strecke mit Obstbäumen bepflanzt habe, der Oekonom Bich le r und nach ihm viele Landwirte hätten aber die Bäume fast alle wieder entfernt. Damit hatte die Tagung ihr Ende erreicht. Dr. Frey, Gick- hen, sprach unter lebhaftem Beifall der Versammlung, dem Gefarntvorstand. besonders dem Vorsitzenden, Provinzialdirektor Graes, und dem Rechner, Kre.skassendirektor Kauft, Giehen, den Dank des Vereins aus. Bei herrlichem Wetter weilten die Gäste noch einige Stunden in dem schönen Burggarten. — — Evangelischer Bund. Am Sonntagabend sand in der Turnhalle am Oswalds- garten die Dundesseier Les Evangelischen Bundes statt. Ein Prvlog, gesprochen von dem Schauspieler Bandis vom Etadttheater. bildete die die Einleitung des Abends. Ramens der Ortsgruppe Giehen des Evangelischen Bundes begrüßte Pfarrer Müller die Versammelten. Er wies in kurzen Worten auf den Zweck und die Grundlage dieser Feier hin und mahnte zum festen Einstehen für den evangelischen Gedanken. Alsdann ergriff Divisionspfarrer Haupt -Giehen, der Generalsekretär des Evangcli;ch:n Bundes für Süddeutschland, das Wort und sprach auf Grund van Lukas 17, Vers 20 und 21. In längeren Ausführungen führte er u. a. auch die Bedeutung und die Rotwendigkeit des Evangelischen Bundes für unser deutsches Volk und die Evangelische Kirche an, und forderte jur Treue gegen beide aus. Den Glanzpunkt des Abends bildete die Aufführung des Volksschauspieles „Andreas Hofer", von Felir Ranker. Die Hauptrollen lagen in den Händen der Schauspieler B e ch st e i n und B a n d i s , die übrigen Rollen wurde» von Mitgliedern des Evangelischen Bundes gespielt. Die Aufführung hinterlieh einen starken Eindruck bei den Zuhörern. Der Posaunenchor Klein-Linden gab mit feinen Musikvorträgen der Feier einen würdigen Rahmen. Leider war die Feier nicht so besucht, wie sie nach den Vorbereitungen und den Darbietungen es verdient hätte. •* Aufnahme des Po st Überweisungsverkehrs mit'den Riederlanden. Am heutigen 6. Iuli wird der Postüber- weisungsverkehr mit dem niederländischen Zen- tral-Postgirokontor im Haag ausgenommen. Dem- gemäh können Postscheckkunden Beträge von ihrem Postscheckkonto in Deutschland auf ein Postscheckkonto bei dem Postgirokontor im Haag und umgekehrt die niederländischen Postscheckkunden Beträge auf Postscheckkonten in Deutschland überweisen. Die itebertoeifungen nach den Riederlanden, zu denen die innerdeutschen Post- —»muBiiuuumin in ....................... überweriun^svor^ruäe zu verwenden sind, können in Reichsmark oder in holländischer Währung (Gulden und Cents) ausgestellt werden. Der Betrag der äleberweisungen ist nicht begrenzt. 34. Bundesfest des Lahntal- Sängerbundes. ch Londorf, 5. Juli. Während fast alle früheren Dundesfeste des Lahntal-Sänger du n- d e s in größeren Orten oder Städten abgehalten wurden, fand das diesjährige in unserem Dorfe statt. Der festgebende Verein „ Frohsin n“, der mit dem Bundesfeste die Feier seines 6 5- jährigen Bestehens verband, hat die Festvorbereitungen glänzend getroffen und damit bewiesen, dah auch ein abgelegener Land verein in der- Lage sein kann, ein Fest so großen Umfanget würdig zu gestalten. Den Festplah auf dem „Lahnkippel" hatte Gutspächter S ch u d t vom hiesigen Hofgut zur Verfügung gestellt. Schon der Samstag brachte viele Gäste. Eine Gedächtnisfeier für die Gefallenen vereinigte die Gäste und die Gemeinde am neuen Kriegerdenkmal. Die Musik spielte das Rieder- ländische Dankgebet, und Ortspfarrer Hofmann gedachte in zu Herzen gehenden Worten derer, dte für das Vaterland gestorben waren. Der festgebende Verein fang unter Leitung seines Dirigenten, Musiklehrer K a st e n von Giehen, an den Stufen des Denkmals den Ehor „Stumm schläft der Sänger". Das alte Soldatenlied „Ich hatt' einen Kameraden" beendete die würdig verlaufene Feier. Kurz nach 9 llhr begann in der etwa 1000 Personen fassenden Festhalle der F e st k o m m e r s. Die meisten Dundesvereine waren bereits durch Abordnungen vertreten. Rach dem „Sängergruft" des festgebenden Vereins begrüßte der 1. Vorsitzende des Londorfer Vereins „Frohsinn" Philipp Höchst, die Gäste. Dundes- präsideni Stroh von Butzbach dankte allen, die zum guten Gelingen des Festes beigetragen- haben und rief allen Gästen herzliche Grüfte zu. Frl. Göbel von Londorf sprach einen Festprolog. Durch die Dundesvereine, die Jungfrauen des Dorfes, den Kriegerverein, den Radfahrerverein „Rabenau" und den Arb.itergesangvereia.,Union" wurden bem Iubelverein Geschenke überreicht. Bei Liedern des Festvereins und einiger Gast- vereine und bei den Klängen der Kapelle Topp von Giehen verflogen die Stunden nur zu schnell. Rach dem Festgottesdienst am Sonntagmorgen begann um 9 Ufjr in der Festhalle das Wertungssingen der Dundesvereine. Dundesvorfihender Stroh von Duhbach begrüßte Sänger und.Sangessreunde, den Wertungsrichter, Kammermusiker Fr. Drückmann von Darmstadt und den Vertreter der hessischen Regierung, Schulrat Hassinger von Darmstadt. Ferner gedachte er in ehrenden Worten des im Vorjahr verstorbenen Dundesvorsitzenden. Rektor Storch von Duhbach. Er sprach ferner von der Bedeutung des deutschen Liedes für unsere Volksgenossen und forderte auf, da- deutsche Lied auch weiterhin zu pflegen. Seine Ausführungen gipfelten in einem Hoch auf das deutsche Vaterland. Am WertungSsingen beteiligten sich 16 Dundesvereine. „Liedertafel''^ Gießen, Weilburg und Marburg nahmen nicht daran teil. Die Leistungen muß man bei einzelnen Vereinen als hervorragend bezeichnen. Viele der vorgetragenen Lieder sind als Kunstchöre anzusehen und stellten sehr hohe Anforderungen an Sänger und Dirigenten. Der Gönn' tagnachmittag war ein rechtes Volksfest, ilm 2 ilßt bewegte sich der F e ft ft u g durch den Ort. Mehr als 40 Vereine beteiligten sich daran. Ein besonders schönes Bild des Festzuges verdient besonders angeführt zu werden. Es war ein Festwägen mit einer Spinnstube mit Trachten der Mädchen und Durschen etwa aus dem Iahre 1880. Spinnräder aus der guten alten Zeit vervollständigten das D^ld. Auf dem Festplah sprach zunächst der Vorsitzende des festgebenden Vereins, Philipp Höchst, Worte der Begrüßung. Der 2. Bundesvorsitzende, Architekt Rüdiger von Wetzlar, gedachte des verstorbenen ehemaligen 1. Dundesvorsitzenden, Rektor Storch von Duhbach. Schulrat Hassinger von Darmstadt, der Leiter der Zentralstelle für die Volksbildung in Hessen, dankte im Auftrag der hessischen Regierung und des hessischen Sängerbundes für die Einladung zu dem Feste. Er forderte auf, jeder Deutsche möge mithelfen am Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes. Dem deutschen Vaterland galt fein Hoch, . dem das gemeinschaftlich gesungene Deutschlandlied folgte. Erwähnt seien noch die beiden Massenchöre der Dundesvereine, die von etwa 1000 Sängern unter Leitung des Fest- dirigenten K a st e n von Gießen zum Vortrag gelangten. Lieder der Gast- und Dundesvereine, Konzert und Tanz füllten den Rachmittag aus. Am Abend wurde das übliche Feuerwerk abgebrannt. Heute Montagmorgen fand der Sängertag des Lahntal-Sängerbundes statt, über den noch berichtet wird. Richt unerwähnt bleiben soll das F e st b u ch mit einem wertvollen Beitrag aus der Geschichte Londorfs in alter und neuer Zeit, zusammengestellt von Pfarrer Hofmann aus Londorf. Auch bundes- und verernsgeschicht- liche Beiträge enthält das Buch. Dem verdienstvollen früheren 1. Dundesvorsitzenden, Rektor Storch von Duhbach, ist eine kleine Abhandlung gewidmet. Die Bildaufnahmen stammen von Professor Dr. Otto Weidenbach in Gießen. Reise- und Sport-Anzugstoffe la Ware, reine Wolle, per Mtr. Mk. 6.00 solange der Vorrat reicht. BAUERNS" Seltersweg 91 Tücht Schneider werden naebgewiesen. Meiner werten Kundschaft zur gefälligen Kenntnis, daß ich unter Nr. 929 an das Telephon-Reh angeschlossen bin. Daniel Baum Zentralheizungen, Gesundheitstechnische Anlagen, Hammstraße 10._____04711 MMgtt Pferde - Wtauno§= Benin jn Mnberg Hessen). Die Besichtigung und Neuaufnahme der Pferde findet statt: (Brünberg und Umgegend: Samstag, den 10. Juli, und Samstag, den 17. Juli 1926, je vormittags von 7i Uhr, in Grünberg, Gießener Straße. Orte der Rabenau: Londorf, Freitag, den 9. Juli 1926, nachmittags um 2 Uhr. Orte de» Vusecker Tals: Reiskirchen, Montag, den 12. Juli 1926, vormittags um 8 Uhr, Gießen (am Rheinischen Hof) mittags 12 Uhr. Scylffenberg und Umgegend: Montag, den 12. Juli 1926, nachmittags 2 Uhr, in Garbenteich. Die nicht vorgeführten Pferde werden auf Kosten der Besitzer besichtigt. Außerdem sind die Pferde ausgespannt und ohne Geschirr vorzuführen. 5681V (Brünberg, den 5. Juli 1926. FrischeFische Mittwoch früh 9 Ubr erste Sendung etntreffenb: . Prima Schellfische, Cabliait und Declachs tm Ausschnitt ff. frische Fischkotcletts. Neue Heringe: Feinste cngl. Matjeö. das Stück 20 4, 3 Stück 50 A die 1-Vltcr» Dole (6—7 Siückl 95 4. Neue holländische Volllicringe 3 Stück 35 4. Neue norwegische Voüberinge 3 Stück (ca.6/« Pfd.l 35 4 Marinaden: Brat- und Gelee-Heringe, die 1-Ltter-Dose 95 und lose. Neue Kartoffeln: Malta.........3 Pfund 50 4 Gelbe Italien. 3 Pfund 35 -) 9 Pfund 1 Einmach-Iucher: ff. Kristall.......das Pfund 35 4 10 Pfund 3.45 Ji ff. gern. Raffinade das Pfund 36 a 10 Pfund 3 55 Viktoria-Kristall das Psd. 40 -- 10 Pfund 3.95 Feinste Raffinade in Plauen .. .daS Pfund 40 -) AlleEinmachgewürze i in erstklassiger Qualität Eckten Weinessig, ff.Estraaon- Effia. ff. Burgunder-Essig und Essig-Svrit, Mar ElbS Effig-Esscnz. 56S3c Rich. Grünewald Bahnbofttr. 27. Fernspr. 1631 __Schäfer, Direkter._________ Bullenverkauf. Die Gemeinde Annerod verkauft einen fetten Dullen. Angebote für den Zentner Lebendgewicht sind bis zum 8. Juli VS. IS, nachmittags 3 Ähr, bei uns ein- zureichen. Verkaufsbedingungen können vor der Vergebung bei uns eingesehen werden. Annerod, am 3. Ivli 1926. 5664D Dürgermeisterei Annerod. Horn. Bekanntmachung Das im hiesigen Stadtwalde noch {r gerade Holz muß im Intreffe notwendiger Wegherstellungsarbeitenbiszuml. August ds Is. abgefahrensein. Es wird auf dieVer« stcigerungs - bezw- Derkaufsbedingungen, wie auch auf die Strafbarkeit einer weiteren Verzögerung der Abfuhr hingewiesen. Lich. den 3. Iuli 1926. Hessische Bürgermeisterei Lich. Völker.________5647 D Lohhoiz-versteigerung. Freitag, den 9. Juli 1926, werden im Gemeindewald Eleeberg Distrikt Gauls- kopf und Riederlag 435 Rm. Lohholz-- reiserknüppel öffentlich versteigert. Zusammenkunft 8 Uhr vormittags an den Weiperfeldener Wiesen. 56530 Eleeberg, den 2. Iuli 1926. Der Bürgermeister Höhn ZMW'VMiWW Donnerstag, den 8. ds. Monats, nachmittags 2 Uhr, im Gasthaus zum Löwen, werden gegen bar versteigert: 1. 1 Schreibtisch, 1 Flurgarderobe,! Diwan, 1 Kastenwagen. 2. Anschließend bestimutt: Aus der Konkursmasse der Lampenfabrik,Schiffenberger Weg 50: 1 Blechschere, 1 Fräsmaschine, 1 Bohrmaschine, 1 Mechanikerdrehbank, 2 breit. Drückbänke, geeignet für Holzbearbeiter, 1 Schnellbohrmaschine, 1 Schrägpresse. Gießen, den 6. Juli 1926. Finanzamt Giehen _________Dollstreckungsstelle. 56860 ! Vermietungen Geräumige festgebaute Garage für Perfonenwogen per sofort zu vermieten. Näh. eoetßefir. 101. Zwet unmöblierte Zimmer mit Kochgelegenheit, alSbald au vermiet. Schr. Ang u. 04713 an den Gieß ÄNA- L. Zimmer evtl.Wohn-u.Schlof- Aimmer, anDame ob. Herr m. Pens. a. vermiet. Schr. Ang. u. 04729 an b. G. Anz. \ Mietqesuclie Beschlagnahinefrete 5 83immer wohnung gegen Berglitung bftw. gute lUheiAab- lung per foiort ober später gesuchi. Schr. Ang. it. 56720 an den Gieh. Anz. ä-4=5immer= Wohnung mit Küche (evtl teilweise möbliert» in guter Lage, auch tm Neubau, für alsbalb gesucht. Schriftliche Angeb. unter 5438D a. b. Gien, Anz. erb. Beamter sucht gut möbliertet ZU« Mit eleftr. Licht, guter, ruhiger Lage. Schr. Angebote mit PretSang. unt. 04710 an den Gieß. Anz. Sudlt zu mieten: 1—2 leere Zimmer, evtl, auch Lagerraum. 04718 Koch. Lnbwigstraye 4. Stellenangebote) Betitelet gesucht für ben Vertrieb v. Lufthämm. a. Schmiede u. Werkstätten der Bezirke Gießen und Wetzlar. Schriftliche Angebote unter 56800 an ben Gießener An- zeiger erbeten. aillliillllllllllllllllllllllllllD Kaufmann für unsere Werde- abtetluna geg. Provision sofort gesucht. Off u. Nr.o>i75h an Herso, Plockftrade 5. QllllllllllllllllllllllllllllllllB Wärterin gesucht. 56700 pioo.-pfleQeanflaH, Vidier Straße 74. Jnngcck MWH für Hausarbeit vormittags gesucht. omi Sciieel, MänSburg 17. Gesucht: Ehrliches, solides ÄMM Gießen,«öilbelm; straffe 63 I. 04723 WMt gelernter Schlosser, sucht Stellung. Schr. Ang. u. 04716 an ben Gtest. Ani. Sichere und jüngere Mädchen fudien Stellung. Gewerbsmäßige Stelienvermttilung Sophie Tülfcr, Neustadt 50 j Verkäufe j »w (0 O) "to c O (D Verlangen Sie fRwhr- Brechkoks heilkräftigster, sparsamster Brennstoff für Zentralheizungen. Erhältlich In allen größeren Kehlenhandlnngen. 90 A O 3 3 o Bekanntmachung. Der Unterzeichnete versteigert zwangsweise gegen bar Mittwoch, 7. Juli 1926, nachmittags 2 Ahr, in Laubach: 1 schweres Arbeitspferd (Rappen). Die Versteigerung findet voraussichtlich bestimm! statt. Zusammenkunft der Steigerer vor der Bürgermeisterei in Laubach. 5656D Laubach (Oberhessen), den 3. Juli 1926. Banfe. CeMMlMer in cnndnih. Wettkämpfe der Universität Gietzen Mittwoch, 7.Iull,4 Uhr nachmittags auf dem akad. Turn- und Spielplatz am Schützenhaus BottöinpfB oon 8 UOt oottnitfoys on Eintritt frei! 5587D Die Angehörigen der Universität und die Freunde der Sportsache ladet ein Ser Alad, AussM s. WeMuvW. Vergasung W«~. d-h A.UV1. AM ; ZÜ*4'iM.nd««Tofcn6cM' Uegetlel*« nimm*.** E/,d. i brtnrt ; DEN WANZEN UHD AUCH ANOEQEN UNGEZIEFER D U Q C H < ATLAS raSKERZE ■ ohne Apparat für Laien. [6iO7C In den Drogerien erhältl., bestimmt bei: Hans Noll, Ludwigsplatz-Dro- gerie u. Neustadt-Drogerie; August Noll, Kreuz-Drogerie, Bahnhofstr. 51. Vertreter: Eduard Evers, Frankfurt a. M., Mainzer Landstraße 235. NMiiMlie rhein. Schwemmsteine bester Qualität zu billigem Preis E.Rübsamen, Metzen Fernsprecher 1659. 2. Dresdner Geld-Lotterie zur Erhaltung der Dresdner Zwingeranlage Böchslgewino i. g. F. 50 000 Mark Ziehung bestimmt 10. und 12. Juli Lose nur Mk. L- versendet: A. Dinkelmann, Worms Postscheck-Konto 15194, Frankfurt am Main. Hier bei: Staat!. Lott. Einn. Buchacker und Flimm, außerdem bei: Konrad Emmerich, Friseur Lotz, Frau Ella Reuter Ww., Wilhelm Semmler, Frau Alma Vogt. 5650ss «■UEBBS Mittwoch, den 7. Juli 1926, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Neuenweg 28 (im Löwen), zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Fahrrad, 1 kleinen Gisschrank, 1 Flurgarderobe, 1 Sofa, 2 Schreibmaschinen, 1 Revolverdrehbank, 1 grohe Theke, 50 Verbandkasten, 1 Schreibtisch, zwei kompl. Speisezimmer, 1 Wohnzimmer, 1 Doppelpult, 1 Spulrad, 2 kleine Tische, einen größeren Posten Zigarren, sechs Fleischhackmaschinen, eine gröh. Partie trockene Kalbs-und Aindsblufen, Kranz- därme und Butten. 5682D Junker» Gerichtsvollzieher Plockstrahe 4. ©as dankbare Seiffenpulver Größte Ergiebigkeit und hervorragende IMasehwirt kung!ch die Mischlinge treten, fq dürfte es durchaus begreiflich sein, wenn sich die südafrikanische S-Iaatsleitung nicht auch noch mit einer immer drohender anwachsenden, indischen Bevölkerung belasten will, soll nicht der Traum des „Weihen Südafrika" des „White mans country“, wie man öS in englischen Kreisen so gerne nennt, schnell ausgeträumt sein. Wenn also die jetzige Regierung des Südafrikanischen Bundes in vollem Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeit den schwerwiegenden Ent- schluh fahte, Maßregeln gegen die kommende Dedröhung der europäischen Lebensmöglichkeiten in dem ihren Händen anvertrauten Lande ergreifen, so sollten gerade die Engländer * sich ängstlich jeder abfälligen Kritik enthalten, dennn sie allein trifft die Schuld an der bedrohlichen Entwicklung der jetzigen Lage. Sie heben umso weniger Grund hierzu, weil, schon Jahre vor dem Kriege aus den rein englischen Kreisen Ratals der Ruf um ", Hilfe gegen die „Ueberindung" an das Anions- Parlament erging. Meister Anton. Bon Johannes Heinrich Draach. In einer jener mondhellen Frühlingsnächte, bre zauberhaften Kräften Mutter sind, die aus Erdschollen schwellen und phantastische Kreise schwingen lassen, gelang Meister Anton eine Erfindung. Es glückte ihm, ein Glas zu schleifen, mit dem er durch Dohlen, Balken und Steine, ' b rrch Mauern und Türen sehen konnte. Hielt er b m würfelförmigen Körper vor die Augen, ent» schwand den Wänden der Werkstatt Fülle und I Dichtigkeit, er vermochte die Stadt, den glihern- b m Strom und jenseits von ihm die Felsen der Serge zu erkennen. Richtete er den Kristall nach oben, so sanken die Sparren der Decke und die Ziegel des Daches in Richts, Sterne des Him* rr.els stellten sich über seine Stirne, die Milch» ftärahe, und in der Ferne, fast schon untergehend, d-is winkende Zeichen des strahlenden Merkur. I Rach jahrelangen Kämpfen überfiel den ,0 Schöpfer nicht das Gefühl der Befreiung, nicht > b'.e Seligkeit des Bewußtseins, eine Tat voll- b rächt zu haben. Wurde ihm trotz steter Müh- I swl, trotz fieberhafter Hingabe die Entknotung b-s Geheimnisses im Vergleich zu ihrer Trag- nieitc zu leicht? Das Ziel war erreicht, aber es b'?uchte ihm ein Rätsel, daß von ihm die Entwick- -R.ng der Welt weilergesührt wer!>en, von ihm dce Weisung ausgehen sollte, daß nichts Der» l>-)vgenes besteht. Roch galt es, Prüfungen vorzunehmen, und, üDtnn notwendig. Verbesserungen einzufügen. TJ eist er Anton lenkte den Würfel auf des Goldschmieds Haus, das neben dem seinen lag. Hin ob wieder war das Geräusch klappernder Bleche ob stürzender Kannen herüber gedrungen, der Handwerker muhte also noch bei der Arbeit sein. --er sah, wie bet Meister sich mit dem Siegel beschäftigte, Flammen schürte, Metalbrei in Sonnen goß und im Wasserbad erhärtete. Was wollten die Leute, die diesen Mann verlästerten? War es absonderlich, daß sein Fleiß Reichtümer erwarb? Wie würde sich nach dem Dekannt- wrrden seiner Ersindung das Urteil der Menge ordern, dachte der Meister und wartete, bis die Glücke aus den Kapseln geschält wurden. Es waren Taler, blinkende neue Silbertaler aus Wei, Kupfer und Zinn. Dieser Schuft, fiel die Meinung Meister Antons um, und der Giebel des Seifenhändlers Turack wurde gesucht. Bei Weinschlemmerei und Spiel entdeckte er beit Kaufmann, der gewinnen muhte, weil ihm rin kleiner, unter der Decke angebrachter Spiegel dir Karten seiner Gegner verriet. Zu den Gerupften gehörte der Kaffeeröster Schelldau, ein Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Dienstag, 6. Juli 1926 ■ ■I IHM II I II lllllll III ■■IIMIIIII Als nach Gründung des Südafrikanischen Bundes die bis dahin englische Kolonie Ratal dem Bunde als Provinz beigetreten war, brachten die Ratal-Engländer mehrmals hintereinander bei der Bundes-Regierung ein Abwehr- Gesetz gegen die Inder ein, doch fehlte dem damaligen Erstminister Smuts der Mut, an diese heikle Frage heranzugehen. Erst, nachdem Herzog und die Rationalisten die Zügel ergriffen hatten, fand Ratal Gehör. In seiner Fassung aber wurde das Gesetz erheblich gemildert. Kein zur Zeit in Ratal lebender Inder verliert irgend ein ihm xugestandenes Recht oder Besitz, nur eine Dereroung auf die Rachkommen findet nicht statt, vielmehr kauft der südafrikanische Staat die Werte dann auf und zahlt die Erben aus. Will etwa England angesichts der ruchlosen, entschädigungslosen Vertreibung der deutschen Kolonisten von ihrem Besitz es wagen, den Sittenrichter zu spielen? Seine eigenen Söhne in Ratal sind ja überdies die Väter dieses Inder-Gesetzes gewesen. Ferner aber möge man sich in England daran erinnern, zu welchem Zwecke die Vorfahren der jetzigen Inder nach Südafrika verschleppt wurden, und wer sie dorthin verschleppte? Im Jahre 1859 begann es in der damaligen Kronkolonie Ratal auf den immer mehr ver» aröherten Zuckerpflonzui^gen empfindlich an Arbeitern zu mangeln, weil die Bantus, besonders aber die Zulus, noch zu kriegerisch waren, um bei Europäern Arbeit zu nehmen. Die englischen Pflanzer baten deshalb ihr Colonial-Of- fice in London, das englische Gouvernement in Indien anzuweisen, indische Kontraktarbeiter nach Ratal zu verschiffen. Dies geschah, und anfangs der 1860er Jahre kamen die ersten Schiffsladungen mit Menschenfracht von Indien in Durban an. Die von der indischen Regierung festgesetzte Kontraktzeit dauerte 5 Jahre und der von der Ratal-Regierung vorgeschriebene Monatslohnbetrug 10 Schilling für den Mann und 6 für die Frau. 'Für diesen geringen Lohn hatten die ein* geführten indischen Kulis 10 Stunden täglich zu arbeiten. Rach Ablauf des fünfjährigen Kontraktes wurden sie aber nicht in die Heimat äu- rückbefördert, wie dies selbstverständlich gewesen wäre, sondern nur derjenige hatte Hoffnung, die Heimat jemals wiederzusehen, dem es gelungen war, von dem Hungerlohn sich das Rückfahrgeld aufzusparen. Erst nach langer Zeit ließ sich die englische Regierung herbei, den Arbeitern freie Rückfahrt zu gewähren, aber nur, falls sie nach Ableistung ihres Arbeitskontraktes noch weitere 5 Jahre in Ratal geblieben waren. Jetzt wird England die einst gerufenen Geister nicht mehr los. Bezeichnend ist und bleibt der Sachverhalt: die wieder einmal enthüllte, schamlose Ausbeutung Farbiger durch die englischen Moralprediger. Prager Brief. Von unserem p.-Korrespondenten. Prag, 2. Juli 1926. Im Mittelpunkt des gesamten öffentlichen Interesses steht gegenwärtig das konsequente Zusammengehen der deutschen Agrarier und Chriftlich-So- xialen mit den tschechischen bürgerlichen Parteien. Allgemein wird diese Tatsache als ein bedeutsamer Wendepunkt in der tschechoslowakischen Innenpolitik betrachtet. Führende Persönlichkeiten verschiedener Parteien halten es für nicht ausgeschlossen, daß die neue Mehrheit auch nach den jetzt angebrochenen politischen Ferien im Herbste bestehen bleiben und möglicherweise den Staatsooranschlag für 1927 be= schließen wird. Nach Abschluß der Parlamentstagung haben deshalb die Parteiführer in ihrer Presse die Bilanz der letzten parlamentarischen Kampfe gezogen. Von tschechisch-sozialistischer Seite wird die Geizhals, der Geld zu Wucherzinsen auslieh und sich freute, wenn er Bedrängten das Bett unter dem Leibe pfänden durfte. Der um Pfennige jammerte wie Witwen, die seine Gier um Hab und Gut betrog. Hier warf er Rollen Goldes auf den Tisch und verschleuderte den gestohlenen und argwöhnisch behüteten Schah. O du seltsame Ratur der Menschen. Die Erde wird durch mich ein anderes Antlitz erhalten, jubelte der Meister und faßte den Mut, den Würfel auf die eigene Wohnung zu richten. Er gewahrte fein Weib beim Wäsche- nähen. Jetzt hörte sie auf, lehnte sich zurück, Tränen rannen aus ihren Augen, die Züge verrieten Leid und Schmerz. Betroffen legte Anton das Glas nieder und ging hinüber zu ihr. „Du weinst, Dore? And warum arbeitest du so spät?" „Wovon sollen wir und die Kinder leben, wenn ich nicht verdiene?" „Du?" „Ich trug mein Los ohne Murren, trug es in der Hoffnung, daß du wieder zu dir fändest. Du vergräbst dich in Ideen, die einem Wahne gleichen. Ihnen allein dienst du. Alles andere wird liegen gelassen, weder alte Aufträge aus- geführt, noch neue Bestellungen angenommen. Die Ersparnisse sind verbraucht, das ererbte Vermögen verwirtschaftet. Rur — damit du Muhe hast, Hirngespinsten nachzulaufen. Wie wird das enden? Mir fehlt der Mann und die Kinder vermissen den Vater. Du wirst erschrecken, sobald du nur zur Besinnung kommst." „And wenn es mir doch gelingt, das Glas der Erkenntnis zu schaffen?" „Dann würden wir noch ärmer, als wir schon finb. Clenb träte in bie Welt unb du wärst sein Erzeuger. Laster, die heute im Heimlichen lodern, schlügen offen zutage, Verdorbenheiten brandeten ungezügelt aus ihren Höhlen und Leidenschaften, durch Anschauung gestärkt, flössen sie ins Uferlose. Wahrheit ist unsere Sehnsucht, aber, was du willst, heißt nicht Wahrheit. Es ist nüchterne Wirklichkeit, die wir nicht imstande wären, zu begreifen. And was wir nicht zwingen können, das bezwingt uns." Meister Anton erinnerte sich des Erblickten und schritt zu seinem Kristall zurück. Er wollte Gutes suchen, um mit Gutem sein Weib von der Rützlichkett der Erfindung überzeugen zu können. Hier sah er den Arzt bei einem Kranken, dienstfertig, Qualen lindernd und Wunden stillend. Da hockte ein Dichter über Büchern und Heften, neben ihm trockenes Brot und ein Decher mit Milch. Opferte der nicht auch dem Leben, um Ansicht vertreten, daß die Beibehaltung der jetzigen Mehrheitskonstellation nur um den Preis heftiger Klaffenkämpfe möglich wäre. Die deutschen aktivistischen Parteien sehen den Hauptvorteil ihres Zusammengehens mit den tschechischen Bürgerlichen in der Durchbrechung des bisher herrschenden Prinzips rein nationaler Mehrheiten. Die an die deutschen Aktivisten seitens der Deutschnationalen und Deutsch- demokroten immer wieder gestellte Frage, welche national-politischen Kompensationen die deutschen Aktivisten für die den Tschechen geleistete Hilfe er- halten hätten, ist bisher offiziell unbeantwortet geblieben. Gerüchtweise verlautet jedoch, daß von tschechisch-agrarischer Seite Versprechungen betref- send Bodenreform, Schule und Vertretung der Deutschen in den Staatsämtern gemacht worden seien. Allerdings leugnen sowohl die tschechischen Natio- naldemokraten als auch die tschechischen Klerikalen, von derartigen Versprechungen etwas zu wissen. Die Leitung der deutschen Natioralpartei hat in einer Entschließung die Politik der deutschen Aktivisten verworfen und sich insbesondere gegen deren Zustimmung zur Auslieferung oppositioneller Abgeordneter an den Staatsanwalt auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik gewendet. Wie zu erwarten war, bleibt der Minister des Aeußern, Benesch, im Amte. Er hat seiner Partei, den tschechischen Nationalsozialisten, sein Abgeordnetenmandat zur Verfügung gestellt. Der Vollzugsausschuß hat ihm daraufhin in dieser Frage freie Hand gelassen. Der Umstand, daß Präsident Ma- saryk auf dem Verbleiben Beneschs im Amte verharrte, obgleich dieser von seiner Partei zur Demission aufgefordert worden war, hat zu heftigen tschechisch-agrarischen, klerikalen und nationaldemokratischen Angriffen aus Benesch geführt. Die Blätter dieser Parteien stellen fest, daß für die Person des Ministers des 'Aeußern, Benesch, im Parlament heute keine Mehrheit zu finden sei. So geht Benesch zwar unter Beibehaltung seines Portefeuilles, aber doch in feiner Stellung stark erschüttert aus der Krise hervor. Aufsehenerregend wirkte ein Interview des Präsidenten Masaryk im Legionärsblatt „Narodni osvobozeni". Masaryk wendet sich in seinen ausführlichen Darlegungen gegen den Gedanken der Diktatur und gegen eine Abänderung der Wahlordnung und der Verfassung. Es gebe keine Krise der Demokratie und des Parlamentarismus, jedoch eine Krise gewisser Parteien. Bemerkenswert ist, daß das Staatsoberhaupt das Problem der deutschen Minderheit ausdrücklich als das ernsteste politische Problem des Staa- t e s bezeichnet. Sobald die Deutschen Regierungspartei werden würden, würden sich automatisch alle Folgen wie bei den übrigen Regierungsparteien einstellen. Dieses Interview blieb nicht unkritisiert, insbesondere seitens der tschechischen national- demokratischen Partei, welche sich durch einzelne Stellen besonders getroffen fühlte. Von klerikaler Seite wurde dem Interview vorgeworfen, daß es die sozialistischen Parteien gegenüber den bürgerlichen Parteien begünstige, was der gegenwärtigen Mehrheitskonstellation im Abgeordnetenhause nicht entspreche. Gegenwärtig finden in Prag mehrere Kongresse statt. Der bedeutendste ist der Sokolkongreß, zu dem Hunderttaufende von Sokoln und Zuschauern nach Prag kommen werden. Auch tschechische und wendische Sokolvereine aus Deutschland beteiligen sich an dem Kongreß. Im Rahmen der Veranstaltung wird die tschechoslowakische Armee große Schauübungen veranstalten. Der Umstand, daß sich an dem Kongreß auch 400 Angehörige der südslawischen Armee in Uniform und mit Waffen sowie eine Delegation der polnischen Armee beteiligen, kennzeichnet die militaristische Note des Sokolttims. Mit Rücksicht auf die dem Sokolfest eingegliederte Husfeierlichkeit haben die polnischen Sokoln, die katholisch finb, ihre Teilnahme abgesagt. Gleichzeitig tagt in Prag der internationale Kongreß' der Bibliothekare und Bücherfreunde sowie der internationale Fremdenverkehrskongreß. Holländischer Brief. Von unserem a-Korrespondenten. Amsterdam, 3. Juli 1926. In der holländischen Zweiten Kammer ist nunmehr das deutsch-niederländische Handelsabkommen zur Ergänzung bee- Handels- und Schiffahrtsver- träges vom 31. Dezember 1851 und des neuen deutsch-niederländischen Zoll- und Kreditvertrages, welche beiden Verträge am 26. November 1925 in Berlin abgeschlossen wurden, ratifiziert worden. Die Lefsentlichkeit beschäftigt fich infolgedessen besonders lebhaft mit den deutsch-niederländischen Beziehungen. Bereits feit einigen Wochen konnte in dieser Beziehung — wie übrigens bemerkenswerterweife bei allen in der letzten Zeit vom niederländischen Ministerium des Aeußern abgeschlossenen internationalen Abkommen — eine gewisse kritische Stimmung festgestellt werden, die sich in den letzten vierzehn Tagen angesichts der Verhandlungen in der Kammer noch gesteigert hat. Bei der Beurteilung des obigen Vertrages konnte man deutlich zwei große Strömungen unterscheiden: Die eine Gruppe, die sich mit ziemlicher Schärfe gegen eine Annahme des vorliegenden Vertragsentwurfes aussprach unb für bie Wiederaufnahme von Verhandlungen mit der deutschen Regierung eintrat, bestand aus den Kreisen der Schiffahrt und Industrie sowie des Handels im allgemeinen und konzentrierte sich um die Amsterdamer und Rotterdamer Handelskammer: ihre hauptsächlichsten Sprachrohre in der Oeffentlich- feit waren die beiden großen liberalen Blätter „Algemeen Handelsblad" und „Nieuwe Rotter- damsche Courant". Die zweite Gruppe setzte sich aus den einflußreichen Kreisen der Landwirtschaft und der speziell mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen Handeltreibenden und den der Regierung naye- stehenden Kreisen zusammen. Die Kreise der Landwirtschaft sind zwar von dem erzielten Dertrags- ergeonis auch nicht gerade begeistert: sie sind jedoch der Meinung, daß eine Ablehnung der Vertragsratifizierung für die ausgebreitete holländische Land- und Gartenbauwirtschaft katastrophale Folgen haben konnte, um so mehr, als das holländische Absatzgebiet in anderen Ländern, vor allem in Nordamerika in der letzten Zeit verloren gegangen ist. Die Gegnerschaft gegen den Vertrag richtet sich weniger gegen die Verlängerung des holländischer- seits Deutschland gemährten Kredits und auch nicht gegen die Herabsetzung der Zinsforderungen, sondern vielmehr dagegen, daß angeblich von Deutschland für diese holländischen Zugeständnisse nicht genügend Gegenkonzessionen erreicht worden sind. Darüber hinaus wandte sich die Kritik vor allem gegen bas Fortbestehen ber beutschen Eisenbahnvorzugstarife zugunsten ber deutschen Seehäfen. Ferner wurde hervorgehoben, daß der Begriff der Holland gewährten Meistbegünstigung oadurch zum großen Teil wieder illusorisch gemacht werde, daß diese für gewisse Produkte nur für bestimmte Jahreszeiten gelte, und daß ferner die Meistbegünstigung durch zu weitgehende Spezialbestimmungen ber beutschen Tarifgesetzgebung roieber stark burchlöchert werbe. Don ben Gegnern bes Vertrages wurde in diesem Zusammenhang das Ministerium des Aeußern unb bie seit ben letzten internationalen Handels- abschlüssen getätigte nieberlänbische Hanbelspoliiik stark angegriffen. Dem Minister bes Aeußern würbe ber Vorwurf gemacht, baß er vor unb währenb ber Dertragsveryanblungen zu wenig mit ben beteiligten Wirtschaftskreisen Fühlung genommen unb daher deren Wünsche und Interessen zum größten Teil unberücksichtigt gelassen habe. Im übrigen ist die Oeffentlichkeit in dieser Woche durch die öffentliche Verhandlung des Internationalen Gerichtshofes, in der der bekannte bei der Beratung des Internationalen Arbeitsamtes in Genf entstandene Streitfall zur Sprache kam, ferner durch die folgenschwere Erdbebenkatastrophe in der fruchtbaren Padangschen Gegend auf West-Sumatra, wo durch unterirdische Verschiebungen der Erdschichten Städte und Dörfer zerstört und Hunderte von Menschen getötet wurden, sowie schließlich das Leben zu erringen? In dem Walzwerk nahe der Stadtmauer schleppten Arbeiter Cisenblöcke, stießen sie unter die Rollen und sprangen zurück, damit Funkengarben sie nicht überschütteten, Und an anderen Stellen Bilder des Friedens, Menschen, die ruhesam einem neuen Tagewerk entgegenschllefen. Drüben auch seine Kinder, die jüngsten. Wie tief sie atmeten, lächelten, als ob Träume sie ergötzten. Aber das Bett des Aeltesten stand leer — wo trieb sich der Junge herum? Jetzt -r- nach Mitternacht? Jetzt — in der Dunkelheit? Vergebens forschte der Meister nach ihm, im Hause, im Garten, in der Rähe — doch — dort, in der Kneipe — stritt sich der Sohn mit betrunkenen Kameraden, wurde bedroht und floh — bog in die Straße und drängte zum Tore. Hinter ihm wütende Worte, über ihm zuckende Messer. Meister Anton sprang auf, stieß Fenster und Läden zurück, schrie hinaus und schleuderte den Kristall zwischen die Rasenden. Er flirrte am Boden wie hundert zerbrechende Scheiben. Da entsetzten sich die Angreifer und jagten fort. Meister Anton versuchte nicht, den Würfel zu ersehen. Er widmete sich seiner alten Arbeit, brannte, kochte und schliss buntes Glas. Seine Schuld erkennend, sühnte er und rettete, was noch nicht verloren war. Die mißhandelte Sprache. liniere Muttersprache ist das einzige ideale Gut, das niemand auf der Welt uns rauben kann. Wenn wir sie hoch und rein halten, ehren wir das Vaterland, unsere Väter und uns selbst. Mit der Jagd gegen das Fremdwort ist es allein nicht getan. Es liegt im geschichtlichen Ausbau unserer Sprache, daß sie von fremden Elementen nicht frei ist: sie ist aber so stark unb reich, daß sie, ohne an Eigenart einzubühen, eine Portton Fremdworte verdauen kann. Was sie aber nicht verträgt, was sie entehrt und schändet, ist die Sünde gegen ihren Geist und gegen ihre Regeln. Es ist ja besser geworden in dieser Beziehung seit ungefähr zwanzig Jahren, aber wieviel wird immer noch, mündlich und schriftlich, täglich und stündlich gesündigt! Einige Beispiele nur aus einer leider üppigen Dlütenlese: Jemand begibt sich .ungefrühstückt"*) aus seiner Wohnung, um einem Freund über eine *) Diese Wendung stammt allerdings von Bismarck, der bekanntlich ein ungemein seines Sttlempfinden und Sprachgefühl hatte. In der Kriegsschilderung, in der sich das Wort stndet, war es wohl bewußt-scherzhaft geprägt und gemeint worden. D. Red. „stattgefundene" Versammlung zu berichten, die die „ftaunenb" billigen Preise des Warenhauses zum Thema hatte. Allemal sind hier Partizipien in der falschen Form angewandt, leidend, wo sie tätig sein sollten, und umgekehrt. Besonders die staunend billigen Preise belästigen uns an jeder Straßenecke. Könnte man die Laden bescher nicht dahingehend belehren? Das wäre doch das Rahe- liegendste? Wie? Rein, das wäre es nicht: sondern das Rächstliegende. Richt das Verbum, sondern das Eigenschaftswort ist zu steigern I Das ist doch soviel als selbstverständlich und klarer wie frisches Wasser. Auch falsch: nach der Steigerung steht „als" — nach dem Vergleiche „wie". Also klarer als und soviel wie. Einer der häufigsten Fehler, die man mündlich und schriftlich, nein, sondern die man geschrieben und gesprochen findet. Der einzigste, der wohl in absehbarer Zeit nicht auszurotten sein wird: wollte sagen, der einzige, beim man kann doch einen Begriff, der an sich schon baß Höchstdentbare darstellt, nicht noch steigern. Die liebe, alte Inversion an falscher Stelle ist gottlob nicht mehr so häufig wie früher: „und haben wir" spricht und schreibt wohl nur noch, wer unbelehrbar ist! Aber wieviel Rachlässigkeiten, wieviel logische Schnitzer hört und lieft man überall „Meines Erachtens nach" — und die Herrschaften kommen sich damit noch Gott weiß wie gebildet vor. Dieses Ungetüm ist die Verschmelzung zweier Möglichkeiten. Entweder man tagt: meines Erachtens oder meinem Erachten nach. Beides durcheinander zu werfen, ist eine Roheit gegen die Sprache. Dies alles sind rein grammattkalische Sünden. Häufig sind auch die, die begangen werden durch rein logische Fehler, entstanden aus mangelndem Sprachgefühl. Jemand schreibt preisend von der Wirksamkeit des von ihm hergestellten Bitterwassers: ein anderer lobt die Wirkung des Pfarrers in seiner Gemeinde. Umgekehrt ist's richtig. Große und kleine Preise kann ein Festkomitee verteilen: bei einem Kaufmann darf es nur hohe oder niedrige geben. Man könnte diese Dlütenlese nach Belieben vergrößern, — lassen wir's! Ein bißchen Selbstzucht, ein wenig Rachdenken: und wie leicht ist es, richtig und anständig zu sprechen und zu schreiben. Sein und bleiben wir eingedenk des Uhland* scheu Spruches: „Erhalt auch deiner Jugend Die deusiche Treu und Tugend Zugleich mit deutschem Wos!" I Dr. D. G. durch das wissenschaftliche Ereignis im naturwissenschaftlichen Laboratorium der Universität Leyden, ido es dem bekannten Physiker Professor KeesoM - langen sein soll, Heliumgas in erstarrten Zustand bringen, reichlich und in fortwährender Span- n'.ing gehalten worden. Oberhessen. Kreis Friedberg. * Krrch - Göns. 5. Suli. In Der Generalversammlung des Gesangvereins „Ger° i ' cnia" wurde einstimmig beschlossen, den 6 5. Geburtstag des Vereins im Jahre 1927 festlich zu begehen und hwtmit einen Gesangs- Wettstreit zu verbinden. Als Festtag wurde der 12. Juni 1927 (Sonntag nach Pfingsten) bestimmt. X Aus dem W e t t e r t a l, 5. Juli. Gestern nachmittag entluden sich in unserer Gegend zwei Gewitter mit großer Heftigkeit. Der fast wolkenbruchartige Regen hat in den Feldern großen Schaden angerichtet. Die Frucht hat sich vollständig umgelegt, so daß man glauben könnte, die Aecker seien gewalzt worden. Gin Wiekeraufrichten der geknickten Halme ist wohl nicht mehr zu erwarten. Den Hackfrüchten hat der Regeir weniger geschadet. Die heute Morgen niedergegangenen Regenmassen haben den Schaden noch vergrößert. Die Aussichten auf eine gute Fruchternte sind beträchtlich gesunken. y. Wölfersheim, 5. Juli. Alls der Ge- nleinderatssitzung: Auch hier stimmte, wie in anderen Orten unserer Gegend, die Mehrzahl der Gemeinderäte einer Herabsetzung der Gemeindebeamtengehälter zu, und zwar dergestalt, daß der Bürgermeister (bisher 2150 Mk.) 1500 Mk., der Feldhüter (bisher 2400 Mk.) 1200 Mark, Polizeidieirer und Rechner (1200 Mk.) je 800 Mk. und der Nacktwächter (800 Mk.) 750 Mk. erhalten sollen. Sie ergründen ihren Antrag mit dem Hinweis auf die Dorkriegsgehälter und dem derzeitigen allgemeinen Abbali. — Da die Gemeindegefälle sehr spärlich eingehen, ist die Ge- ineinde genötigt, zur Bestreitung der lalifenden Ausgaben sowie zur Fertigstellung des Schulhauses bei der Bezirkssparkasse auf Jahr ein Darlehen von 13000 Mk. aufzunehmen. — Der von der Forstbehörde aufgeftellte. Waldwirisch a f t s p l a n , wonach im nächsten Winter 569 Kubikmeter Holz (gegen 530 Km. in diesem Jahre) gefällt werden sollen, wurde genehmigt. Kreis Büdingen. Büdingen, 3. Juli. In die umfangreichen Waldungen um Gelnhausen er« gießt sich eben aus den großen Mainstädten ein Strom Erwerbsloser, die durch Cin - sammeln von Heidelbeeren sich etwas Geld zu verdienen suchen. Schon in den frühesten Morgenstunden kommen sie auf ihren Rädern an und zerstreuen sich in die beerenreichen Waldteile. Die lokalen Deerensammler sehen in ihnen eine unwillkommene Konkurrenz. Obwohl die diesjährige Heidelbeerernte recht gut ist und vielen sleißigen Händen lohnenden Verdienst verspricht, vergilt sich doch mehr der Beerensegen, so daß die sonst üblichen Einnahmen nicht erreicht werden. Gegen das • Vorjahr ist der Preis gesunken. Das Pfund wird mit 40 bis 50 Ps. in den Städten und Dörfern außerhalb des Heidelbeergebiets verkauft. Die in Trag- lörben, 70 bis 80 Pfund schwer, herangeführten Beeren finden rasch Abnahme. —Büdingen, 3. Juli. Aus Anlaß des 325jährige n Jubiläums des hiesigen Wolfgang-Ern st-Gymnasiums svendete ein ehemaliger Schüler der Anstalt zum Ausbau der Schülerbibliothek 1000 Mk. Kreis Schotten. n Laubach , 5. Juli. Die Besta11ung des am 30. Juni verstorbenen Geheimen Sani- Naturkatastrophen. Wenn es eine Geschichte der Raturkatastco- phen gäbe: ganz gewiß, dieses vielbändige Werk wäre eine Geschichte des Grauens. Wir brauchen nur an die zahllosen Katastrophen der letzten Jahre zurückzudenken: an die Erdbeben, Vulkanausbrüche, Sturmfluten, Xleberfchwemmungen, Zyklone, Bergwerkskatastrophen usw., um zu fühlen, von wie vielfältigem Xlnheil die Menschheit innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne heim- gesucht worden ist. Allein in den letzten Jahrzehnten sind Hunderttausende von Menschen den Raturgewalten zum Opfer gefallen und Milliardenwerte vernichtet worden. Das Erdbeben in Japan vom 1. September 1923 kostete 100 000 Menschen das Leben, während die Zahl der Verwundeten über 103 000 betrug. An Häusern wurden durch das Beben 128 000 vollständig zerstört und 126 000 stark beschädigt, während dem unmittelbar darauf ausbrechenden Brand 450 000 Häuser zum Opfer fielen. Außerdem wurden etwa 1000 Häuser von Meeresfluten fortgespült. Der Gefamtschaden, den diese Katastrophe anrichtete, wird auf rund 15 Milliarden geschätzt. Oder man denke an die Zerstörung von San Francisko am 18. April 1906, wo innerhalb einer einzigen Minute ganze Stadtviertel in Schutt gelegt wurden, und wobei Werte im Betrag von 4 Milliarden Mark zugrunde gingen. Ferner sei erinnert an die Heimsuchung Messinas am 28. Rovember 1908, an die Aetnaausbrüche in den Jahren 1911 und 1923, an das Erdbeben in Chile vom 11. Rovember 1922. Der Ausbruch des Mont Pelee auf Martinique am 5. Mai 1902 (es war der Himmelfahrttag) schüttete die Stadt St. Pierre zu und erstickte in wenigen Sekunden tätsrats Dr. Vogel fand gestern nachmittag von der hiesigen Friedhofskapelle aus statt. Der überaus stattliche Trauebzug, der von näh und fern aus allen Kreisen der Bevölkerung zusam- mengeströmt war, zeigte die allgemeine Wertschätzung und Liebe, die der Abgeschieden? sich erworben hatte. Das gefaulte Korps Hassia mit den Chargierten in Wichs, 2 sch wär?,umflorten Fahnen und Vertreter der übrigen Gießener Korps an der Spitze eröffnete den Zug, der sich unter den ernsten Klängen der Laubacker Feuerwehrkapelle (Kapellmeister Diehl) zum Friedhof bewegte. Der Sarg unseres Ehrenbürgers würde von Mitgliedern des Gemeinderats getragen. Am Grabe hielt der Erste Stadtpfarrer Rebel in warmen Worten die Trauerrede, worin er die eigenartige bedeutende Persönlichkeit seines Freundes nach ihren verschiedenen Seiten kennzeichnete. Die Rede war von stimmungsvollen Musikstücken umrahmt. Sodann legte Bürgermeister Böhm im Rainen der Stadt einen Kranz am Grabe des Ehrenbürgers nieder mit einer herzlichen Danksagung an den hochverdienten Mann. Ebenso legten unter Ansprachen Kränze nieder der Erste Chargierte der „Hassia" und der Vertreter des Gießener S. C. Hieraus entwarf Landgerichtsdirektor Bücking im Rainen der „Alten Herrn der Hassia" ein lebenswahres Bild seines Korpsbruders, der in stets vorbildlicher Weise die Grundsätze des Korpsstudententums angewandt habe. Dem alten Wahlspruch seines Korps: „Furchtlos und treu" habe er allzeit unentwegt nachgelebt, und auch in allen Verhältnissen des Lebens fest und unerschütterlich seinen Mann gestanden. Von ihm habe das Wort gegolten: „Si fractus illabatur orbis, impavidum terierit ruinae“ (Wenn der Crdenball einbricht, werden seine Trümmer einen XlNerschrockenen erschlagen). Im Ramen der Laubacher Aerzte legte Sanitätsrat Dr. Dietz, im Rainen des Wetterauer Aerztevereins Dr. S c r i b a , im Ramen des Johann-Friedrich-Stistes Dr. Philippi, der Rachfolger des.Abgeschiedenen in der Lei- tung dieser Anstalt, Kränze nieder. Dr. Philip p i schilderte in beredten Worten die hohe Bedeutung seines Vorgängers als Arzt und hob die großen Verdienste des Entschlafenen um das Laubacher Krankenhaus hervor. Sein Grab fand Wilhelm Vogel an der Seite seines langjährigen Rachbars' und treuen Freundes Eduard Andre, der im Rovember v. Js. ihm im Tode vorausgegangen war. Die beiden treuen, aufrechten Männer werden immerdar unvergessen sein. Starkenburg. WSR. Darmstadt, 5. Juli. In Gadernheim im Odenwald kam es gestern zwischen Stahlhelmleuten und den Teilneh- mern eines Arbeitersänger fest es zu Zusammenstößen. Die Stahlhelmleute, die in zwei Lasttrastwagen, die mit schwarzweihroten Fahnen geschmückt teeren, auf einer Propagandafahrt von Frankfurt a. M. nach Lindenfels L O. sich befanden, durchfuhren den Ort, was von den Arbeitersängern als Provokation angesehen wurde. Angeblich sollen dabei Bierflaschen gegen die Autos geworfen worden sein, was der Anfang eines gegenseitigen Bewerfens mit Steinen und Bierkrügen war. Dabei fielen auch mehrere Schüsse, die aber niemand verletzten, doch erlitten durch die Würfe mehrere Personen leichte Verletzungen. Die Stahlhelmleute fuhren daraufhin weiter nach Lindenfels. Auf ihrer Rückfahrt wurden sie von einer Bereitschaft des Polizeiamtes Darinstadt festgehalten. Rach der Ramensfeststellung konnten sie ihre Heimfahrt fvrtsetzen. WSR. Darmstadt, 4. Juli. Aus dem Waltcrsteich am Ludwigsweg wurde am Freitag die Leiche eines Ministerialamts- 40 000 Menschen, das sind genau soviel Todesopfer wie der Krieg von 1870 auf deutscher Seite forderte. Die gleiche Zahl an Menschen tötete am 26. August 1883 die Explosion des Krakatau- Vulkans durch den die halbe Insel Krakatau (zwischen Java und Sumatra) in die Luft geschleudert wurde und im Meer versank. Das ist nur ein kleiner Auszug aus der Liste der letzten Jahrzehnte. Aber noch ist das Erdbeben nicht vergessen, das am 23. Mai 1925 in Japan (in der Provinz Toyama) mehrere Hundert Menschenleben kostete, und schon hat erst vor einigen Wochen, am 24. Mai d. I., der Ausbruch des Vulkans Tokatschi wiederum 2000 Opfer gefordert. Roch erinnern wir uns an die Wirbelsturmkatastrophen, die im März und Juni v. I. weite Gebiete von Indianapolis (XI. S. QI.) berührten und mehrere große Ortschaften dem Erdboden gleichmachten, an den Zyklon, der in Argentinien am 20. April v. I. die Provinz Corrientes heimsuchte und in der Stadt Mercedes Hunderte von Häusern zusammenschlug und riesige Viehherden vernichtete. Am 17. August 1925 verheerte in Japan ein Taifun die Gebiete von Osaka, Kioto und Kobe, nachdem einige Sage vorher (am 10. August) ein Wirbelsturm über Holland, Riederdeutschland und Holstein hinweggefegt war und (z. B. in Xletersen i. H.) schweren Sachschaden angecichec haste. Wir denken weiterhin an die große Xleberschwemmung in Korea, die Mitte Juli v. I. das Land völlig vom Verkehr abschnitt, 20 000 Häuser zerstörte und 2000 Menschen das Leben kostete und an die Hoch- Wasserfluten, die in diesem Frühjahr, wie feit Jahrzehnten nicht, große Gebiete Rußlandsheimgesucht haben. kanzlisten ge landet. eingstestrtc Xlntersuchung ergab, daß et anscheinend aus Furcht vor Strafe in den Tod gegangen ist, da er sich demnächst wegen Xlnter- s ch l a g u n g : m Amte gerichtlich verantworten sollte. Ahemhesien. WSN. Gernsheim, 5. Juli. Gestern vormittag wollte hier ein 18jähriger junacr Mann aus Stockheim sein Pferd in die Schwemme reiten. Dabei scheute das Pferd vor der sich bewegenden Fähre und warf den auf ihm sitzenden jungen Mann in den Strom, wo der Jüngling vor den 2(ugen zahlreicher Zuschauer versank und ertrunken ist. Preußen- Kreis Wetzlar. □ Wetzlar, 5. Juli. (Wetzlarer Wochenschau.) Im k o m m u n a l p o l i t i s ch e n Leben der Stadt herrschte vergangene Woche Ruhe. Weder das Stadtverordnetenparlament, noch der Kreistag hielten Sitzungen ab. Die zur Beschäftigung der Erwerbslosen begonnenen Straßenbauten und sonstigen Arbeiten schritten rüstig vorwärts. Die Nauborner Straße dürfte in zwei Wochen fertig sein und in ihrem neuen Kleide all das vergessen lassen, was an Staub und Enge früher mit Recht an ihr zu tadeln war. Dasselbe gilt von der L a u e r st r a ß e , die im Ausbau ebenfalls rüstig vorwärtsschreitet und nach ihrer Fertigstellung eine angenehme Enttäuschung für die Anwohner werden wird. An der Garbenheimer Straße sind die Kleinpflasterarbeiten ein gut Stück vorwärts gebracht, der Philosophen- w e g ist für die Walzarbeiten bereit. Es ist erfreulich, zu sehen, wie das Städtebild sich gerade durch den Straßenbau von Tag zu Tag verbessert. Wie wir hören, beabsichtigt nunmehr auch die Provinz, die Lahnstraße, eine der meist begangenen Geschäftsstraßen, umzupflastern, was gerade im Interesse der Altstadt dankbar zu begrüßen ist. Der neue Stadtbaurat Golder aus Stuttgart dürste zum 1. Oktober seine Diensttätigkeit hier übernehmen. Bekanntlich war Herr Golder bei dem Wettbewerb um einen neuen Stadtbebauungs« plan führend tätig und bringt deshalb schon gute Kenntnisse mit in sein neues Amt. Am gestrigen Sonntag war auch der neue, von Der Stadt angeschaffte Autosprengwagen erstmalig tätig und bildete ein Sehenswürdigkeit für die Bewohner. Es steht zu hoffen, daß nunmehr auch die schwere Staubplage aus ein erträgliches Maß herabgemindert wird. Die von dem Spar- und Bauverein begonnene Bautätigkeit macht bei dem guten Wetter erhebliche Fortschritte. Die Häuser auf der Stoppelberger Hohl sind teilweise schon bis zum ersten Stock herausgebracht. Die Kehrseite der Medaille dieser mit Recht so sehr gerühmten großzügigen Wohnungsbaupolitik ist leider der immer mehr fortschreitende Verfall von Altwohnungen, deren Besitzer durch die schwere steuerliche Belastung keine Geldmittel zu Jnstand- setzungsarbeiten übrig haben. Die Klagen der Hausbesitzer sind allgemein und nur zu sehr berechtigt. Wie sehr man auch durch äußerliche Renovierungen der Häuser der Altstadt mit ihren schönen Giebelbauten zur Verschönerung des Straßenbildes beitragen kann, wenn die Mittel aufgebracht werden können, zeigt das Haus Faupel auf dem Buttermarkt, das in seinem neuen Außenkleid geradezu zu einem Schmuckkästchen geworden ist, bei dem eine feine Künstlerhand ihr Bestes hergegeben hat. — Aus dem kirchlichen Leben wäre zu berichten, daß der evangelischen Gemeinde ein Hilfsprediger in der Person des Herrn Dr. Kusenberg zugewiesen worden ist, der seinen Dienst am vergangenen Sonntag angetreten hat. Nach den Mitteilungen im letzten Gottesdienst hat Dr. Kusenberg den Stadtteil rechts der Lahn vom Presbyterium zugewiesen erhalten, während Obwohl in Deutschland durch Flußregulierungen und durch den Bau von Staubecken die Hochwassergefahr erheblich eingeschränkt ist, so erleben wir doch alljährlich in verschiedenen Teilen des Reiches Wassernöte. Wir haben im Januar im Rheintal eine Hochteasserkatastrophe gehabt, und die wochenlangen Riederfchläge der letzten Wochen haben in fast allen deutschen Stromgebieten neue Rotstände geschaffen. So sicher es ist, daß der Mensch gegenüber den Raturgewalten wehrlos bleibt, so begreiflich ist der Wille, den Gefahren nach Möglichkeit auszuweichen. Der Mensch belächelt überlegen die „Torheit" deS Vogels, der immer wieder im Weidengestrüpp eines Flusses sein Rest baut, auch wenn die steigende Flut alljährlich den Brutplah zerstört: aber baut nicht der Mensch immer wieder am Rande der Vulkangebiete, trotz aller früheren Katastrophen, sein Heim? Lissabon, San Francisko, Tokio und Yokohama erstanden verjüngt aus dem Schutt, um — wer weiß: wann? — erneut heimgesucht zu werden. Die warnende Stimme der Rcttur, die deutlich genug zu allen redet, bleibt unbeachtet. Eben weil der menschlichen Gegenwehr gegenüber den Raturgewalten Grenzen gezogen sind, deswegen gebietet die Klugheit, in der Wahl des Sjed- lungsFrundes Vorsicht walten zu lassen. Selbst wenn man in der Bauart der Häuser in erdbebenreichen Gegenden neue Konstruktionen anwendet, so erwachsen doch durch den Bruch der Gasrohre und durch Kurzschlüsse der elektrischen Leitungen Gefahren, die, wie die Ereignisse gelehrt haben, folgenschwere Katastrophen nach sich ziehen können. Die Holländer haben in ihrem ostindischen Kolonialbesitz einen Vulkanüberwachungsdienst dis Leiben anderen Pfarrer sich in die Altstadt links der Lahn teilen. Pfarrer Lic. Heep an der Chri- stuskirche in Wctzlar-Niederg'irmes, der längere Zeit erkrankt war, wird feinen Dienst zur Freude seiner Pfarrgemeinde nächster Tage wieder aufnehmen. Pfarrer Witsch von der katholischen Gemeinde hat durch den Bischof zu Trier einen neuen Wir- kungsbereich in Uerzig zugewiesen erhalten. Pfarrer Witsch, der seit einer Reihe von Jahren hier tätig war, hat durch den Ernst, mit dem er stets seinen seelsorgerischen Pflichten nachkam, seiner Gemeinde manchen Dienst erwiesen. Bekanntlich sind die kirchlichen Verhältnisse in uyiferer Gemeinde dadurch etwas prekär, daß der Dom von beiden Konfessionen zu gottesdienstlichen Zwecken benutzt wird, und zwar haben die Protestanten das Schiff und die Katholiken den Chor an bestimmten Stunden zu ihrer Verfügung. Dieses Nebeneinanderleben in einem Hause erfordert selbstverständlich viel Takt von beiden Seiten im Interesse des kirchlichen Friedens. — Am vergangenen Donnerstag sahen wir auch wieder, wie alljährlich, unsere Volksschul- fugend zu schönen sportlichen Kämpfen und Freiübungen auf dem herrlich gelegenen Städion auf der Spilburg vereinigt. Es war eine Freude, die jugendliche Schar, rund 1000 an der Zahl, sich auf dem Buttermarkt zu einem Zug grup- Pieren zu sehen, um unter Führung ihrer Lehrer zum friedlichen^Wettkampfe auszurückes-Nur schade, daß diesmal die Stadtkapelle nicht dabei war. Diesen Spaß sollte man der Jugend doch im nächsten Jahre wieder gönnen. XX Wetzlar, 5. Juli. Mehr als 100 er. holungsbedürftige Kinder aus dem hiesigen Kreise sind am Samstag zu einer mehrwöchigen Erholung nach „Wegscheid e", unweit Bad Orb, verbracht worden. Viele der Kinder machen diese Erholungskur schon zum zweitenmal, einzelne sogar zum drittenmal mit. * Dutenhofen, 5. Juli. Der Gesangverein „Liederkranz" feiert am 12. Juni 1927 das Fest seines 50jährigen Bestehens, verbunden mit einem nationalen Gesangs- toettftreit -Z- Lützellinden, 5. Juli. Unter reger Beteiligung der Ortsbewohner und vieler auswärtiger Festgäste wurde am gestrigen Sonntag das Iähre sf e st der ch r i st-l i ch e n Gemeinschaft in unserem Orte gefeiert. Nachdem im Festgottesdienst Pfarrer K ö d d i n g aus Eberstadt bei Lich gepredigt hatte, wußten in der am Nachmittag im Evang. Dereinshaus abgehaltenen Festversammlung der vorgenannte Festredner sowie Prediger Tripp- l e r - Groß-Rechtenbach und der Ortsgelstliche Pfarrer Koch über verschiedene Bibelstellen treffende Worte zu sagen. Für die Begleitung der gemeinsamen Lieder hatte sich der hiesige Posaune n ch o r bereit gefunden, ebenso hatte sich der Gemischte Chor unter Leitung des Dirigenten Altenheimer in den Dienst der guten Sache gestellt. — Um ein wertvolles Unterhaltungs- und Bildungsmittel zu gewinnen, hat der hiesige E v. Jünglingsverein vor kurzem einen Lichtbild-Epidiaskop angekauft. Die hohen Anschaffungskosten wurden durch Spenden und durch freiwillige Beiträge der Mitglieder aufgebracht. Der Lichtbildapparat hat sich sehr gut bewährt: er kann auch als Filmapparat benutzt werden. Um einen Teil der Kosten zurückzuerhalten, veranstaltete der Verein bereits in mehreren umliegenden Dörfern Lichltnldervorträge. Die dabei vorgeführte Bild- Serie: „Das Leben Jesu" erfreute sich stets der ungeteilten Aufmerksamkeit der zahlreichen Besucher. Kreis L'mbnr". WSN. Limburg a. d. L., 5. Juli. Seit einigen Tagen wird eine 16jährige Schülerin aus dem nahe gelegenen Ke11enbach vermißt. Sie wurde zuletzt in Begleitung eines einige Jahre älteren jungen Mannes gesehen, der gleichfalls feit dieser Zeit verschwunden ist. Maingau. WSR. Frankfurt a. M., 4. 3uti. Bei der Friedhofsverwaltung laufen andauernd De- eingerichtet. In Deutschland besteht in Jena eine Reichszentrale für Erdbebenforschung, und ebenso arbeiten seit Jahren neben der Geologischen Landesanstalt in Sachsen Erdbebenkom- missionen in München, Stuttgart und Karlsruhe, sowie Beobachtungsstationen in Heidelberg, Göttingen, Potsdam, Hamburg und Wilhelmshaven, jedoch ist ein wirksamer Warnungsdienst bei Erdbeben unmöglich, weil die Spannungszustände im Innern der Erde, die bei ihrer Auslösung diese Erdbeben verursachen, der Forschung unzugänglich bleiben. Die Frage der Raturkatastrophen geht die gesamte Menschheit an. Man hat erkannt, daß es nicht genügt, die wunden Stellen des Erdkörpers in einem Erdkatastrophen-Atlas, wie er neuerdings geplant ist, aufzuzeichnen, man fühlt, daß dies nur ein erster Schritt auf einem sehr langen Wege ist. Die zweite internationale Konferenz des Roten Kreuzes hat dem Plan zu- gesttmmt, eine Weltkarte der Raturkatastrophen! herzustellen. Jedoch wird es notwendig sein, über diesen Plan hinaus Mittel bereitzustellen, um den bedrohten Ländern in wirksamster Weise Hilfe und Beistand .zu bieten. Beileidsbezeugungen von Land zu Land find ein spärlicher Trost, wenn hunderttausend Menschen unter Trümmern liegen und der Schaden in die Milliarden geht. Das Solidaritätsgefühl der Menschheit muß stärkere Impulse entfalten, wenn eine große Raturkatastrophe ein Land heimsucht. Erdbeben, Hungersnot, Epidemien, Xleberschtvemmun- gen — welche Heimsuchung einem Land auch immer droht: die Rot, die durch die Ratur- katastrophen hereinbricht, sollte jederzeit die Menschheit, trotz aller sonstigen Gegensätze in spontaner Hilfsbereitschaft vereinigen. W. Hllllllllllll■ ' :‘i md besteht in 3ena M MbeMchung, w ren neben der Geo ogi- Sachsen ErdbebwkM- Stuttgart und w gssmtionen m SM n, Hamb-arg und Dil ein wirksamer W n unmöglich, vnl mtern bet Md»* •bbeben verursachen, Dtt uckawftwphen geO Mn bat erkmmt. nhen Stellen des «J Ahen-ÄtlaS, M « ufMeichnen, man M Notwendigst ub« Ml b---iA°LZ i bieten. sicher 1 Ä? iu cnb, h;e aKd- der Ar Mensch u!se ^VZmsucht- Erd' ein. l^chivemimm' Men. 'Qdnb auch chM emt ^otur- die durch. fit ast vereimg^__ Ä?^ltstch^ berQi5nbnCt 5 1|1 iurSreH wieder n.be jeinti JfailfcnSneW er einen Nou °'llt>r friefcn i".®«' "■ wS”»Ä len. m..' >emer T-, ÄS 8 > °°n!5*> Zwecken Ä fto* en das LN vird. 'Mmten L^die .e?öWÄeV2 bes k'rchlich-„ onnerstan Xn 8ne. nfert B 5\ Ätn, ®ir lidjen ß - ichas, cm IjeniiA^P^n rciniqt C zu einem W b,r *n9iÄS bzuriitK^.Urck ^d°bci war. L ,d) "U Nachsic L J!^r als löo er. ?ber aus dem K, ?L"?ä ?<* »“'Ä'S ^-l°» «WA n Sonntag bas Iah, 1 ® fm e i n j o f ( m Sa!!? ÄtHi es Unterhaltungs-. und u. hat der hiesige lk v. kurzem einen Licht- ilauft. Die hohen Am cch Spenden und durch glieder aufgebracht. Der ir gut bewährt: er kann mgt werden. Um einen hatten, veranstaltete' der ’n umliegenden Dönern abei oorgesührte w rjreute sich stets der um r zahlreichen Besnchn. ibur-i. !., 5. Juli. Seit elnMN ige Schülerin aus tenbach vermißt. Lung eines einige Zäh« es gesehen, der gleich hwunden ist. aau. t a. 2t, 4. Ali. Sei lausen andauernd > p Mill WWDH I k .. 'x^ci'n itjee © t a b j m u d b t e 5 ft ä f) l e ir,. Die Aufsichtspersonen sind deshalb mit Jje- :• 'Derer Energie hinter den Grabschändcrn her. Dor efnigen Tagen gelang es einem Flurschühen, emen 5 7 j ä § r i e n Bierbrauer fe ft ■= juneljmen, in dessen Taschen einige Geranienstöcke gesunden wurden, die er von den Grabstätten geraubt hatte. — Dm Samstag vormittag wurde in der Eschenheimer Anlage eine Frau, welche die Straße überqueren wollte, von einem Personenauto ersaht und auf den Boden geschleudert. Kurz nach ihrer Ein- lieserung :m Krankenhaus ist sie den erlittenen Verletzungen erlegen — 3n einem Schwimmbad am Main erlitt gestern ein 13- jähriges Schulmädchen, das längere Zeit gebadet ha.le, plötzlich einen Herzschlag. Das Mädchen konnte nur noch als Leiche geborgen werden. WSR. Höchst a. M.. 4. Juli. Am Samstag nachmittag ereignete sich h-er am sog. Main- seld ein schwerer Zusammen st oh zwischen einem Motorradler und einer Radfahrerin. Der Zusammenstoß war so heftig, dah der Motorradler samt seiner Begleiterin zu Boden geschleudert wurden, wobei der Herr eine schwere Kopfverletzung erlitt und im Krankenhause eingeliefert wurde. Die Dame kam mit dem Schrecken davon. Auch die Radfahrerin wurde erheblich verletzt in die elterliche Wohnung gebracht. Turnen, Sport und Spiel. Deutsche Kampfziele in Köln. Der zweite Tag der Deutschen Kampfspiele in Köln gehörte den Turnern und Schwer- a t b . e t e n. Die Turner brachten unter einer Beteiligung von rund 300 Wettbewerbern den Zwölfkampf zum Austrag. Auch die Turnschwestern wickelten ihre Kämpfe ab. Auf den Aebenplähen des Stadions wurden die Kämpfe im F a u st - und Schlagblall ausgetragen. lieben den Turnern beherrschten dieSchwer- athletem den Tag. 3n diesem Wettbewerb wurden nicht weniger als fünf neuebeutsche Rekorde aufgestellt. 3n der Federgewichts- klasse gelangen dem erst 23jähngen Muhl- b e r g e r - Mannheim vier deutsche Rekorde, und zwar: 1. Einarmiges Rechen links 139- 2 Pfund (alter Rekord 130 Pfund), 2. Einarmiges Stotzen rechts 179,4 Pfund (alter Rekord 179 1 Pfund). 3. Beidarmiges Stotzen 229,4 Pfd. (2mer Rekord 220 Psd.). 4. Beidarmiges Rechen 179 2 Psd (Alter Rekord 170 Psd.). 3m Bantamgewicht stellte QBobito-Oberstem e.nen deutschen Rekord im beidarmigen Peißen auf, indem er 157,8 Pfund zur Hochstrecke brachte Außerdem versuchten Mühlberger und Stadler-Wien autzer Konkurrenz 240 beidarmig zu stotzen, jedoch ohne Erfolg. Die Schlagball-Vorrundenspiele hatten folgende Ergebnisse: Bonifazius-Köln- Mitte - Turnklub Witten 41:24 (29:13), Spiel- und Eislaufverein Deuthen — Germania Glei« wiy 38:76 (17:9), Turnverein München 1850 — Evang. Männer- und 3ünglingsverei.i Gütersloh 64:57 (15:39), Turnklub Witten — ®er- maniä Gleiwih 40:101 (21: 36). 3m Kampfspiel-Hockey gab es gestern drei Spiele, davon zwei in der Zwischenrunde. Oesber reich, der 2:1-Sieger in der Dorrunde regen Westdeutschland, traf auf Süddeutsch- land, mutzte aber der sehr schnellen süddeutschen Elf einen 5:2-(4:2)©icg überlassen. Das zweite Zwischenrundenspiel brachte Mitteldeutschland, den 5:0°Sieger in der Vorrunde gegen Rorddeutschland, mit der südo st deutschen repräsentativen Hockey-Elf zusammen. Der Leipziger Sportklub, der Vertreter des mitteldeutschen Verbandes, schlug seinen Oegner mit 5:0 (2:0) und bestreitet nunmehr am Mittwoch das Schluh- spiel gegen Süddeutschland. Das dritte Hockey- s-iel bildete die Trostrunde der beiden Verlierer der Vorrunde, 21 o r d d e u t sch l a n d und Westdeutschland. Hier ging der Westen mit 5:4 als Sieger hervor. Karl Neuler vom Gietzener T. D. 1846 Sieger. Lei den Kampsspielen in Köln wurde Reuter vom Gietzener Turnverein 1846 13. Sieger mit 194 Punkten. Da sich in Köln die besten Zwölf- tämpser Deutschlands eingefunden hatten, ist diese Leistung besonders hoch einzusc!)ätzen. Als hervorragende Leistung ist sein Stabhochsprung mit 3,20 Meter zu erwähnen. Hoffen wir, daß mich die andern beiden Bewerber unsere Stadt in Ehren in Köln vertreten. Die Kampfspielsieger in der Schwerathletik. Die schwerathletischen Wettbewerbe, der Fünfkampf, wurden gestern in allen Klassen entschieden. Sieger wurden: Fliegengewicht: Buri (Pirmasens) mit 710 Pfund, im Bantamgewicht Loch (Oberstein bei Kreuznach) 770 Pfund, im Federgewicht Mühlberg- Mannheirn mit 870 Pi und, im Leichtgewicht Reinfranl mit 910 Pfund, im Mittelgewicht Zinner (Würzburg) mit 960 Pfund, im Halbschwergewicht Glück- Wien mit 980 Pfund und im Schwergewicht Schielberg mit 1070 Pfund. Turnen. Frauenturnen im Gau Hessen der D. T. -s- Zu einer außerordentlichen Uebungsstunde trauen die Turnerinnen und Leiter der Turnerin- iwiabteijungen des Gaues am Sonntag in G i e tz en zusammengetommen. Es waren aus allen sechs Bezirken 66 Vertreter der Abteilungen anwesend; es waren vertreten: Alsfeld, Bad- Rauheim M.T.V., Bad-Rauheim T. D. 1860. Butzbach, Cölbe, Friedberg, Frankenberg, Gießen M. T. V., Gießen T. V. 1846, ©rünberg, Hungen, Heuchelheim, Klein-Linden, Krofdorf, Lauterbach, Lich, Laubach, Marburg T. u. Sp. V. 1860, Marburg Tgm., Rieder-Girme-s, Rieder-Weisel, Ridda, Treis, Wetzlar. Der Gauturnwart für bo£ Frauenturnen im Gaue Hessen, Paul (Gießen), übte zunächst die für das Gaufrauenwetturnen in Grünberg bestimmten Freiübungen mit Zwischenübungen. Die Hebungen wurden durch die Turnerinnen gut dargestellt: die von Heuser (Marburg) ge- schriebene Musik erwies sich als sehr zweckmäßig. Die Pslichtgeräteübnngen wurden nochmals durch- geturnt und hiermit eine Kampfrichterbe.'ehrung verbunden. Die an die Hebungen und ihre Wertung sich anschließende Betrachtung dürste gar vielen Turnerinnen wertvolle Hinweise gegeben haben. Bei der Besprechung, der auch der erste Gauvertreter Pfeiffer (Wetzlar) beiwohnte, wurde zunächst das Gaufrauenwetturnen eingehend besprochen. Einer Verlegung auf einen früheren Tag als den 29. August kann nicht statt- gegeben werden. Alle Fragen bezüglich Einteilung der Wetturnerinnen nach Stufen, Kleidung der Turnerinnen, Meldegeld und Meldetermin (Schluß 8. August), zeitliche Einteilung der Wettkämpfe u. a. m. wurden gründlich erörtert. Für das ©aufrauentumen im nächsten 3ahve liegt eine Bewerbung des T. V. W e h l a r vor. Einem Aufrufe der „Kreiszeitung" zufolge, soll durch die Turnerinnen des Mittelrheinkreises ein Kreisbanner beschafft werden, das im kommenden 3ahre gelegentlich des Kreis- festes in Darmstadt seine Weihe erhalten soll. Die Hessentttrnerinnen treten gemeinsam an die Losung der Aufgabe heran: Turner Schneider (Wetzlar) ist mit der Durchführung betraut. Die Derbandsvorturnerstunden im ersten Verband (Main-Lahn) wurden einer kurzen, aber einheitlichen Besprechung unterzogen. Es wurde begrüßt, daß in Zukunft der Gau Hessen besondere Hebungsgelegenheiten bekommt, da nur dadurch den sehr weit zerstreut liegenden Abteilungen ein Ruhen erwachsen kann. Bezüglich der Entwicklung des Frauenturnens in unserem Gaue kann man einen wesentlichen Fortschritt feststellen, dies in Hinsicht auf die Zahl der Ausübenden sowohl wie auch hinsichtlich der Abteilungen. Reugründungen von Tur- nerinnenabteilungen find erfolgt in Dattenberg, Gemünden und Rieder-Weisel, Das Bezirksfest der Arbeiter- sporller in Wis?eck. L Eine Olympia im kleinen! ä^nter den günstigsten Vorbedingungen nahm die Veranstaltung am Samstag ihren Anfang. 3n den Vormitlagsstuirden begann der Fest ort sein Feiertagskleid anzulegen, gegen Abend wiesen die Häuser einen hier noch nie gesehenen Fahnenschmuck auf. 3n immer kürzeren Zwischenräumen trafen die Vereine, teils mit Marschmusik, ein. Die Unterbringung der großen Anzahl Turner und Turnerinnen wickelte sich reibungslos ab, die Gastfreundschaft der Wiesecker Cinwohnrr- schaft hat sich glänzend bewährt. Mit der Sitzung der Kampfrichter nahm die Veranstaltung ihren programmätzigen Anfang. 3m Anschluß hieran bewegte sich ein schier endloser und farbenfroher Lampionzug nach dem Feslplatz, der sich schnell mit einer frohgestimm- ten Menge füllte. Der Begrützungsabend, der nun seinen Anfang nahm, war in seinem Verlauf eine Glanzleistung, sowohl in seinem organisatorischen Aufbau, als auch in den gebotenen Leistungen. Rach den schneidigen Klängen der Festkapelle fang der „Sängerkranz"-Wieseck unter der bewährten Leitung seinos Dirigenten Meyer als Begrützungslied ..Sturm". Der Bezirksvorsitzende begrüßte im (Kamen der Veranstalter die Anwesenden. Seine Ausführungen sanden begeisterte Zustimmung. 3m Rainen des Bezirksvorstandes übermittelte der Redner dem festgebenden Verein, der gleichzeitig fein 20jähriges Bestehen feiert, die herzlichsten Glückwünsche. Die nun folgende Weihe des Banners des Turn- und Sportvereins Wieseck vollzog der Kreisjugendleiter Lehre. G a b l e n z- Frankfurt. Seinen hochstehenden Ausführungen legte er den Weihespruch, der sich auch als Zuschrift auf dem Banner befindet: „Frisch, frei, stark, treu“ zugrunde. Der herrliche Männerchor ..Tord Foleson“ schloß diesen Akt weihevoll ab. Der Teil, der nun folgte, war eine Glanzleistung auf dem Gebiete der Leibesübungen. Das schwierigste Gipfelturnen wechselte ab mit den anmutigsten rhythmischen Hebungen und den neuzeitlichen körperbildenden Sportlerübungon. Eine Vorführung aus der großen Reihe des Gebotenen herauszuheben, hieße die andere zurücksetzen. Mustergültiges wurde geboten und mustergültig klappte die R-gie. Genau zur festgesetzten Stunde konnte der Abend beschlossen werden, der bei den Anwesenden einen bleibenden Eindruck hinterließ. Der Festsonntag wurde in den frühen Morgenstunden durch einen sehr starken Gewitterregen eingeleitet, der die Bodenverhältnisse des FestplaheS ungünstig beeinflußte. Bald nach dem Weckruf kam Leben auf die Straßen, die Turner und Turnerinnen eilten nach dem Festplah. wo kurz nach 7 Hhr unter der Leitung des Bezirks- turnwarts A m e n d - Krofdorf dcks C i n z e l - w et turnen seinen Anfang nahm. Die Beteiligung hieran wird von 3ahr zu 3ahr stärker, die gezeigten Leistungen immer zufriedenstellender. Die Läuse und Sprünge litten stark unter dem schlüpfrig gewordenen Boden, die Resultate wurden hierin stark herabgedrückt. Ernstliche Unfälle ereigneten sich erfreulicherweise nicht, nur in einer Anzahl leichter Verletzungen und Verstauchungen mußte die Kolonne der Arbeiter- Samariter helfend eingreifen. Am Rachmittag wurde ein Festzug durch die Straßen geführt, der in diesem Ausmaß und dieser Ausgestaltung in Wieseck noch nicht zu sehen war.' Auf dem Festplatz gab der Festredner, Lehrer Gable n z - Frankfurt, den Anwesenden beherzigenswerte Worte mit auf den Weg. Vorher fang ein Mass e nchvr ein Degrüßungslied. Die turnerischen Darbietungen fanden nunmehr sofort ihre Fortsetzung. 3n langem Zuge betraten die Turner und Sportler das weite Rechteck zu den Massenfreiübungen, die recht gut vorgeführt wurden und mit ihrer eigenartigen Wirkung als Massenveranstaltung großen Eindruck machten. Die Vorführungen der Turnerinnen ernteten besonders lebhaften Beifall, das Gebotene war eine Glanzleistung und zeigte alle Schönheiten des neuzeitlichen Turnens. Das nun folgende Fußballspiel zwischen den De- ziicksmannschaften des 2. und 3. Bezirks war ein Ereignis, über das wir untenstehend berichten. Die Frankfurter, die 10:2 gewannen, Der dritte Schutz. Kriminalroman von Ole S t e f a n L 30. Fortsetzung. Nachdruck verboten. VIII. Ein langes, langes Schweigen folgte Kramers Worten. Beide sahen auf die Waffe, die Brentheim getötet hatte. „Ja!" sagte Schulz schließlich mit einem schweren Seufzer. „Ich muß mich wohl mit der Tatsache abfinden, so unbegrciflid) sie mir auch sckeint. Ich habe viel erlebt — das noch nicht und have es auch nie für möglich gehalten." „Es ist mir so unfaßlich!" sagte Kramer ernst. ..Es war wohl ein unheimlicher, verhängnisvoller Zufall." „Erzählen Sie!" bat Schulz. ,Lch bin im Moment zu verwirrt, um mir klare Darstellungen machen zu können. — Fräulein Grete also . . . war in Erwartung Molinskis im Garten und da —" „Nein!" rief Kramer. „Das ist derselbe Irrtum, in dem auch Molinski befangen sein muß, und der ihn vielleicht zuerst auf den Gedanken gebracht hat. — Sie erwartete ihn ja gar nicht, denn der Zettl, auf dem er ihr die Verabredung angab, ist ja nie in ihre Hände gelangt. Ich habe ihn ja aus ihrer Schrei'vtischlade gestohlen und an mich genommen. Grete war gar nicht im Garten. Nein — der Sachverhalt war anders. Um ihn zu begreifen, müssen Sie sich die Atmosphäre vor- stellen, die an jenem Abend in der Villa herrschte. Der Schuß, der einige Abende vorher m das Wohnzimmer gefallen war, hatte alle in einen unerträglichen Grad von Beunruhigung und Furcht gebracht. Sogar die Dienstboten waren seither ganz verstört, vor allem Maria, die vollständig den Kopf verloren hatte. Die Schwüle des Abends und das heraufziehende Gewitter verstärkten die Spannung. Nachdem ihr Vater auf ihr Zimmer gegangen war und sie allein gelassen hatte, mag Grete in diesem Zustand höchster Nervosität die Waffe an sich genommen haben. Vielleicht hatte sie schon um neun Uhr Oclschers Schritte im Garten gehört, und das wird auch sicher nicht zu ihrer Beruhigung beigetragen haben. Inzwischen schrieb Brentheim auf seinem Zimmer an seinem Testament. Kurz vor zehn Uhr scheint er Auffälliges im Garten bemerkt zu haben. Wahrscheinlich war es Racoszy selbst, den er gehört hat. Denn der Baron muß um diese Zeit, dem grauen Auto entstiegen, schon in der Nähe gewesen sein. Kurz entschlossen macht der Kommissar das Licht aus, steckt den zweiten Armeerevoloer, den wir später mit voller Ladung in seiner Rocktasche fanden, zu sich und steigt leise aus dem Fenster. Unerschrocken geht er in den Garten und verbirgt sich hinter dem Fliederbusch, um den Urheber des Geräusches zu beobachten. In diesem Moment erscheint Grete am Fenster. Auch sie hat etwas im Garten gehört. Ihren Vater glaubt sie natürlich auf feinem Zimmer. Sie blickt schaudernd hinaus und plötzlich fällt ein Mondstrahl auf eine männliche Gestalt hinter dem Strauch. Dor panischem Schrecken ihrer selbst nicht mächtig, drückt sie los." „Eine scheußliche Geschichte!" sagte Schulz nach einer Weile. „Lassen Sie uns, bitte, wieder nach vorn gehen." Sie waren wieder im Wohnzimmer und besprachen mit bleichen und ernsten Gesichtern, was geschehen mußte. Schulz ging unruhig auf und ab, und Kramer sah in den Garten hinaus, der in seiner Sommerpractzt vor ihnen lag und den Abend des 14. Juni mit seinen unseligen Zusammenhängen ganz unglaubhaft erscheinen ließ. Auf einmal sagte der Anwalt: „Hat es nicht geklopft?" „Ich glaube, nein!" sagte Schulz und blieb verwundert stehen. Da klopfte es wieder, sehr leise. „Herein!" sagten beide wie aus einem Munde. Langsam ging die Tür auf, und in schwarzer Kleidung, mit hohem steifen Kragen und blankgewichsten Stiefeln stand der Gärtner Franz in der Tür. Sein dünnes blondes Haar war ungewohnt straff auf den braungebrannten Schädel gebürstet. „Was wollen Sie?" Stockend fragte der Gärtner: „Kann ... ich Sie sprechen . . Herr Rechtsanwalt?" „Ja. Bitte, Schulz, einen Augenblick." Schulz ging ins Nebenzimmer. Kramer wandte sich um. Nervös trommelten seine Finger an der offenstehenden Scheibe. „Sie wünschen?" Es kam keine Antwort. Draußen summten die Bienen und vom Strom her hörte man die Pfeife eines. Dgmpfers. „Sie wollen mir vermutlich mitteilen, daß Sie nun endgültig kündigen. Schön. Ich nehme es zur Kenntnis. Schreiben Sie auf, was man Ihnen und Maria schuldig ist! . . . Sonst noch was?" Immer noch keine Antwort. — Ungeduldig wendet sich Kramer um. Und sieht: der Gärtner zupft mit den Fingern am Saum seines Sonntagsrockes, sein breites Gesicht ist rot angelaufen und dicke Schweißtropfen stehen auf seiner Stirn. Die Augen laufen bald hier-, bald dorthin. „Was haben Sie denn, Franz?" fragt Kramer erstaunt. Auf einmal läuft durch die Gestalt des Gärtners ein Zittern. Er schwankt ein wenig. Der Anwalt sieht ihn lange an. Dann schließt er mit beherrschter Hand das Fenster. Im Zimmer wird es ganz still. Und Kramer sagt mit gütiger, klarer Stimme, bet man die namenlose Spannung nicht anmerkt, die ihn erfüllt: „3d) glaube, Sie haben mir etwas Ernsthaftes zu sagen. Wir wollen uns dazu setzen." Franz nimmt schwerfällig Platz. Seine Hände liegen unruhig auf seinen Knien. Er sitzt oorgeneigt da und hat den Kopf gesenkt, so daß Kramer seine Augen nicht sehen kann. „Nun?" Endlich flüstert der Gärtner: „Et is nit leicht, Herr Rechtsanwalt, et is nit leicht!" „Ich glaube es", sagt der Anwalt leise. „Dielleicht kann ich Ihnen helfen. — Sie wissen etwas von den Dorgängen des Abends, an dem Ihr Herr ermordet wurde — nicht wahr?" „Ja!" sagt Franz tief aufstöhnend. Er erhebt die Augen, die voller Tränen sind. „Ich weiß wat, Herr Rechtsanwalt, bei Gott, ich weiß wat davon. Und bat will ich Ihnen grab sagen. Deswegen bin ich hier. Aber glauben Sie mir, Herr Rechtsanwalt, et is nit leicht! — Wenn et so plötzlich nachts hier schießen tut, mitten ins Wohnzimmer rein, und niemand weiß wieso und woher — man is ja gar fein Mensch mehr. Man wird ja ganz tiefsinnig darüber. Sehn Sie, Herr Rechtsanwalt, — man is ja schließlich bloß ein reizten ganz hervorragendes Können. Während Der Pause wartete der festgebende Verein mit zwei recht gut durchzeführten Sonderdvr- sührungen auf: Eine Turnerriege zeigte Federbrettsprünge über i>en Sprungtisch, die ausgezeichneten 2l.i[lang fanden, die Schülerinnen ’cigten Freiübungen. Sie erledigten sich der gelten ton Aufgabe mit großer Hingabe. Rach dem Fußballwettspiel wurde von der Kinzenbacher und der Gießener Handballmannschaft ein Spiel ducchgeführt. Es zeigte sich dabei, daß beide Mannschaften immer weitere Fortschritte machen, und daß sie dem Handball zu seinem Rechte verhelfen. Das Spiel war ausgeglichen, wobei Gießen ein etwas besseres Stellungsspiel zeigt. Dieses knappe Plus drückt sich auch im 2: l°Äesultat für Gießen aus. Damit hatte der sportliche Teil des Rach- mittags sein Ende gefunden. Hebet den Abschluß des Festes und die Siegerliste werden wir noch berichten. Das Fußballspiel. Der 2. und 3. Bezirk traten mit ihren besten Fußballspielern um 4 Ahr zum Propagandawettspiel an. Dichte Menschenmassen umsäumten den Platz, um Zeuge des interessanten Treffens zu werden. Rach beiderseits gezeigten schönen Leistungen spielt der linke Läuser des 3. Bezirks durch, gibt zu Linksaußen. Der Bombenschuß geht von denr Querbalken knapp hinter die Linie. 1:0. Scharfe Angriffe des 2. Bezirks kommen zum Stehen, bis es in der 13. Minute dem Halblinken des 2. Bezirks gelingt, den Ausgleich herzustellen. An beiden Toren werden in der Folge haarscharfe Schüsse knapp neben den Pfosten gesetzt. Hier ist es besonders der 3. Dezipk, dessen linke Seite vom Pech verfolgt wird. Ein präziser Schuß des Halblinken schafft die Führung für den 2. Bezirk. Ein leichtes Rachlassen der rechten Verleidigungsseite beim 3. Bezirk wird vom linken, sehr guten Sturmflügel Frankfurts geschickt auSgenuht. indem er bis zur Pause das Resultat auf 4:1 für den 2. Bezirk stellt. Einige sicher scheinende Sachen hält Frankfurts Tormann glänzend. Rach Wiederanpfiff des Spiels wird der durchweg mit einem guten Schlag ausgerüstete Sturm des 2. Bezirks noch schuß freudiger: kurz hintereinander folgt Rümmer 5, 6 und 7. Bet diesem Stand endlich gelingt es auch dem Halbrechten des 3. Bezirks, den zweiten Treffer anzubringen. Das wieder gibt der Frankfurter Elf den Ansporn, das Resultat noch höher zu treiben. mit 10:2 für Frankfurt schließt das wundervolle Spiel, dem Sportler Borg (Frankfurt) ein aufmerksamer und guter Leiter war. Trotz des hohen Resultats kann man doch fest stellen, daß der 3. Bezirk das Spiel stets offen hielt, auch im Feldspiel ohne weiteres dem Gegner gleichwertig war. Der Erfolg des 2. Bezirks beruht in seinem linken Sttrtmflügel, der glänzend war und jede sich bietende Torgelegenheit ausnuhte, hingegen war das Zuspiel des Sturms in der Elf des 3. Bezirks jedenfalls zu wenig durchschlagskräftig, sonst hätten auch auf der andern Seite mehr Tore fallen müssen. Das hohe Resultat dürfte die rechte Verte>idigungsseite in dieser Mannschaft in Zukunft aufmerksamer werden lassen. Leichtathlettk. Spielücreinigung 1900 bei den Hessen-Kampfspielen in Kassel. ö Am Sonntag kamen die vom Sportverein 1893 Kurhessen Kassel veranstalteten Hessen- 5'üampispie e auf ie: He.se.'.kampfbahn, dem SM e* ler Stadion, zum Austrag. Den weitaus größten Teil der Wettkämpfer stellten die Vereine aus dem Verbandsgebiet des Westdeutschen Spielverbandes. Besonderes 3nterelfe wurde den Vertretern von Schwarz-Weiß, Essen, Treibholz und M o st, sowie Preußen, Duisburg, Zugewandt. Aus Rorddeutschland waren der Deutsche Hockey- klub, Hannover, aus dem Balienverband Schneidemühl gekommen. Die Spielvereinigung 1 900 ®ie- ßen hatte ihre Leichtathleten nach der kurhesji- schen Metropo.e entsandt. Schade, daß dies nicht in bestmöglichster Besetzung geschehen konnte, was sich besonders in der 4xl00-Meier-StafseI offen bemerkbar machte. Dorweggesagt dürfte der Hauptgewinn für die 1900er darin bestanden haben, ihre Ebenbürtigkeit mit den Großstadt- Dienstbote, und unsere Eltern, die haben noch an Gespenster geglaubt und Geister gesehen, und wenn man nu den Tag über geschuftet hat — da nimmt denn einer, wenn er noch mal im Dunkeln raus muß in den Garten — um Wasser zu holen, sagen wir mal, — wenn er nu in die Nacht raus ist und ein paar Tage vorher hat's geschossen und den ganzen Tag über waren Schritte im Garten von Leuten, die man nit hat sehen können, und dazu heult der Hund schon immerzu, seitdem bat et dunkel geworden is; da holt sich denn eben unsereiner, ehe er Wasser holen geht, eine Waffe mit raus — sagen wir mal: aus der Schreibtischlade vom gnädigen Fräulein — Herr Rechtsanwalt, ohne irgend was Böses oorzuhaben, wahrhaftig, nur so, verstehen Sie, in der Höllenangst!" „Ich verstehe", sagte Kramer leise. „Sehen Sie, Herr Rechtsanwalt, Sie verstehen et, bat han ich ja immer gewußt und deswegen sage ich et ja auch Ihnen. — Da geht man also mit der Wasserkanne und mit dem Revolver in den Garten und wie man auf halbem Wege is, da sieht man auf einmal einen Mann im Fliederbusch stehen. Von der Herrschaft konnte das doch niemand fein, denkt man, denn die war doch im Hause. Und da fürchtet man sich auf einmal so, daß man die Kanne fallen läßt und ohne hinzusehen, losschießt und wie toll ins Haus rennt und den verfluchten Revolver am nächsten Tag wieder in den Kasten legt. So, Herr Rechtsanwalt, bat hab ich Ihnen nur sagen wollen. Und so hat man dann auf einmal seinen eigenen Herrn erschossen!" Der Gärtner starrt mit blinden Augen auf den Boden, das Gesicht ist von Tränen überströmt. Kramer atmet tief auf. Er geht leise auf den Mann zu und legt ihm die Hand auf die Schütter. „Es ist gut, Franz. Ich banke Ihnen, daß Sie Vertrauen zu mir hatten. Sie brauchten keine Angst zu haben, ich werde Ihnen vor Gericht helfen." „Ich danke Ihnen, Herr Rechtsanwalt!" sagt der Gärtner aufstehend und packt Kramers Hand mit seinen beiden Fausten. „Ich danke Ihnen auch vielmals. Sie wissen, et is eben ein Unglück, und wenn et einmal so fein soll, dann kommt et auch so. — Und nun sagen Sie mir noch eins, xnas für eine Strafe steht darauf? Sie können et mfr nit verdenken, wenn ich danach frage." y - (Fortsetzung folgt) Vereinen unter Beweis zu stellen, indem es ihnen gelang, Jbei allen bestrittenen Wettbewerben ein gewichtiges Wort mit^ureden. Einen schönen Sieg über die beiden tonangebenden Kasseler Vereine Kurhessen und Hessen-Preußen errang die Anfänger- 4x1 6 0 - M e t e r - S t a f f e l der S p.°V g g. 1 9 0 0 in der Besetzung Richtberg, Gelber t, Bepperling, Seipp. 3m Vorlauf wurden 17 Sek., im Cndlauf 47,3 Sek. gezeitet, als der hervorragende Schlußmann der Gießener das Zielband zerriß. Damit sind die 1900er auch im Besitz des im Vorjahre von Sp.-Cl. 1880 Frankfurt gewonnenen Wanderpreises. — Die 4xlOO-Meter-Staffel, offen, ging auf Grund ihrer im Vorlauf erzielten Zeit von 45,1 Sek. und des Siegs über die Kasseler und Marburger Kurhessen nicht ohne Siegeshoffnung in den Endkampf. Leider konnten sich die Leute auf Rr. 1 und 2 hier nicht mehr au der am Vormittag gezeigten Leistung aufschwingen. Die Staffel wurde von Hessen-Preußen Kassel in blendendem Stil in 44,8 Sek. gewonnen, Zweiter wurden die Duisburger Preußen in 44,9 Set., denen dann in 5 Meter Abstand als sicherer Dritter die 1900er folgten. Wie schon als Schlußmann in der Staffel, so bewies R. Fischer in der Einzelkonkurrenz, daß er noch laufen kann. Heber 100 Meter, offen, wurde er hinter dem westdeutschen Repräsentativen Drei b holz, Essen, Zweiter in 11,6 Sek. 3n den Wurfkonkurrenzen kommt der junge Frey der hessisch-hannoverschen Elite immer näher. Er wurde im Diskuswerfen für Junioren mit 32,18 Meter Zweiter und belegte im Kugelstoßen, beidarmig, offen, einen dritten Platz (rechts 11 Meter, links 9,52 Meter). Tennis. Städtewettspiel Metzen - Kassel mit 12:6 Punkten von Gießen gewonnen. Am Sonntag trafen sich zum Städte- Wettspiel auf den Plätzen hinter dem Schühen- haus der Gießener Tennisclub und Kurhessen-Kassel. Auf beiden Seiten wurden schöne Leistungen gezeigt. Technisch besser waren die Damen des Kasseler Klubs, während die Gießener Herren sämtliche Einzelspiele gewinnen konnten. Frau Dr. Dütt- mann- Gießen hat viel zugelernt, ihre Vorhand ist härter, ihre Rückhand bedeutend sicherer geworden. — Die Resultate sind: Herren-Einzel: Gießen—Kassel Dr. Fischer—Avenarg 6:3, 6:3. Kirchner—Sittig 6:0, 6:1. Roll—Strack 3:6, 7:5, 6:4. Minz—Dohne 6:3, 6:3. Hamann—Kuhlmann 6:3, 3:6, 8:6. Dr. Dönges—Wallach 6:1, 3—6, 6:3. Damen-Einzel: Gießen—Kassel Frl. Kempf—Frl. Kuhlmann 8:10. 5:7. Frau Dr. Elaus—Frau Strack 0:6, 0:6. Frau Werner—Frü Eckardt 6:8, 5:7. Frau Dr. Düttmann—Frl. Ewald 8:6, 6:2. Frl. Stark—Frau Baumann 2:6, 2:6. Herren-Doppel: Gießen—Kassel Kirchner, Minz—Sittig, Avenarg 8:6, 6:4. Dr. Fischer, Roll—Dohne, Strack 6:4, 6:0. Dr. Dönges, Hamann—Kuhlmann, Wallach 6:3, 5:7, 7:5. Gemischtes Doppel: Gießen—Kassel Frl. Kempf, Dr. Fischer—Frl. Strack, Dohne 5:7, 7:5, 6:3. Frau Dr. Claus, Roll—Frl. Kuhlmann, Avenarg 3:6, 2:6. Frau Werner, Kirchner— Fvl. Eckard, Sittig 5:7, 6:2, 7:5. Frl. Stark, Hamann—Frau Baumann, Strack 6:4, 6:4. Frau Dr. Düttmann, Minz—Frl. Ewald, Kühlmann (unentschieden abgebrochen). ck. Radsport. Gießener Radfahreroerein 1885. Am Sonntag wurden in Hanau-Kessel- stadt die Meisterschaften des Landes- .verbandes „Hessen" (Bund Deutscher Radfahrer) im S a a l s p o r t ausgetragen. Die Iu- gendradballmannschaft des Gießener Radfahrer - Vereins 1885, Spielmann- Noll, konnte in dem Endspiel erft nach Der- längerung der Spielzeit von der Mannschaft des Radfahrer-Vereins „Wanderlust", Frankfurt a. M.- West, mit 6:5 Toren auf den 2. Platz verwiesen werden. Schwimmen. Erfolge des Gießener Schwimmvereins in Frankfurt. Am Sonntag fand im Frankfurter Stadion das Gausest der Schwimmer statt, zu dem sich nachmittags infolge des anhaltenden Regens aber nur sehr wenige Zuschauer eingefunden hatten. Die meisten Erfolge konnte „3ungdeutschland", Darmstadt, in den wichtigeren Rennen für sich buchen, und zwar hauptsächlich dank des guten Schwimmens des Meisters Berges der kürz- lich bekanntlich den amcrikamschen Rekordschwimmer L a u f f e r schlagen konnte. Der Gießener Schwimmvereinhatte, da ibm in nächster Zeit noch eine ganze Reihe von Kämpfen bevorsteht, nur Fritz P a s c o e und Ernst Müller gemeldet. Letzterer gewann erwartungsgemäß das 3uniorspringen vor Haiz- mann (1 Frankfurter Schwimmklub) mit dem sicheren Vorsprung von 3 Punkten. Da zum Deniorbrustschwimmen nur Pascoe gemeldet war schwamm dieser im Alleingang über die Dab'n und verbesserte seine am Sonntag vorher erzielte Zeit für 200 Meter von 3:9,9 Min. auf 3-6 Min. Dies ist eine hervorragende Lei- stuna wenn man bedenkt, daß in diesem 3ahre außer Rademacher Magdeburg und H a f e r k o r n, Eimsbüttel, noch kein Deutscher diese Zeit erreicht hat. Immerhin dürfte auch Sommer, Mühlhausen, der m diesem Jahre noch nicht am Start war. in k^r Lage sein, die e Zeit um weniges zu unterbieten. Jedenfalls kann man auf das Abschneiden Pascoes bei den deutschen Kampfspielen sehr gespannt sein. Kr. Schwimmabteilung des T. D. von 1846 Gießen. Bei dem am Sonntag in Offenbach abgehaltenen 1. Gauverbandswettfchwimmen des 9. Mittelrheinkreises der D. T. war die Schwimm- abteilung des Turnvereins von 1846 Gießen beteiligt. Trotz starker Beteiligung — wie Turnverein Offenbach, Turngesellsch. Offenbach, Tv. Hanau, Tv. 1860 Frankfurt, Tv. Wetzlar u. a. — konnte die Gießener Abteilung wieder verschiedene schöne Erfolge für sich buchen. Besonders hervorzuheben sind die Erfolge der Turnerinnen in der Viermal°50°Meter-Druststaffel, des Iugend- turners Kurt H o r e y s e ck und der Iugend- turnerin Hanneli Weeg. Rachstehend d e Erfolge der Abteilung: Hauptspringen für Iugendturne- rinnen: Hanneli Weeg 1. Sieg, 35 Punkte. Elfriede Münnich 5. Sieg, 30 P. Ami Pfund 5. Sieg, 30 P. 50MeterHüh. für Iugendturner: Kurt Horeyseck 1. Sieg, 339/io Sek. 50 Meter Brust für Iugendturner: Ernst Keßler 2. Sieg, 42 Sek. 5 0 Meter Drust für 3 ug e n bt Urnerinnen: Hanneli Weeg 3. Sieg, 492/io Sek. Elfriede Münnich 3. Sieg, 492/,» Sek. 50 Meter Seite für Iugendturner: L. Gehrhardt 3. Sieg, 456/io Sek. 100 Meter Brust, Turnerinnen Unterstufe: Gretel Hamel 3. Sieg, 1,595/10 Min. Hauptspr. fürTurner Unter st ufe: Chr. Siegler 2. Sieg, 28i/2 Punkte, R. Bender 3. Sieg. 28 Punkte. 100 Meter Rücken für Turnerinnen Unterstufe: Ida Hauck 2. Sieg, 1.545/jo Min. 100 Meter Brust für Turner Mittelstufe: L. Haubach 1. Sieg l,482/10 Minuten. Viermal 50 Meter Druststaffel für Turnerinnen Mittelstufe: 1. Sieg, 3,283/io Min. Wirtschaft. Die Reichsbank Ende Juni. Wie der Ausweis der Reichsbank vom 3 0. Juni zeigt, hat sich die gesamte Kapitalanlage in Wechseln, Schecks. Lombards und Effekten um 202,2 Mill, auf 1521 Mill. Rm. erhöht. Die Zunahme hält sich etwa im Rahmen der Beanspruchung während der letzten Woche des vorangegangenen Quartals, in welcher sie sich auf 197,4 Mill. Rm. stellte. In der Hauptsache entfällt die Vermehrung auf die Zunahme der Lombardbestände, die um 138 Mill, auf 143,3 Mill. Rm. anschwollen. Die Bestände an Wechseln und Schecks erhöhten sich um 64,3 Mill. Rm. auf 1288,2 Mill. Rm. Der geringe Restgetrag, der am Ende der Vorwoche noch weiter begebenen Wechsel wurde im Laufe der Berichtswoche von der Reichsbank zurückge- nommen. Infolge der verstärkten Zah- lungsmitlelanforderungen sind an Reichsbanknoten 473 Mill. Rm. neu in den Verkehr geflossen, sodaß sich der Umlauf an Reichsbanknvten auf 2971,2 Mill. Rm. stellt. Der Umlauf an Reichsbankscheinen erfuhr eine Zunahme um 150,8 Mill, auf 1 387,8 Mill. Rm. Die Bestände der Reichsbank an solchen Scheinen haben sich um 159,9 Mill. Rm. auf 132,2 Mill. Am. verringert, da außerdem 9,1 Mill. Rm. getilgt wurden. Am 30. Juni waren somit an Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen insgesamt 4 358,9 Mill. Rm. in Verkehr. Der gesamte Zahlungsmittelumlauf erreichte Ende Juni eine Höhe von etwa 5180 Mill. Rm. 2m Zusammenhang mit den Zahlungsmittelanforderungen gingen die fremden Gelder um 237,1 auf 526,9 Mill. Rm. zurück. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen erhöhten sich um 175 Mill. Rm. auf 1817,1 Mill. Rm. Die Zunahme entfällt fast restlos auf den Bestand an deckungsfähigen Devisen, da dem Goldbestände nur 24 000 Rm. neu zugeführt wurden. Die Deckung der Roten durch Gold allein ging von 59,7 Prozent in der Vorwoche auf 50,2 Prozent zurück, die Deckung der Roten durch Gold und deckungsfähige Devisen ermäßigte sich von 65,7 Prozent am Ende der Vorwoche auf 61,2 Prozent am Ende der Berichtswoche. * * Weiterer Rückgang der Konkurse und Geschäftsaufsichten. Rach Mitteilung des Statistischen Reichsamts wurden im Juni durch den „Reichsanzeiger" 913 neue Konkurse — ohne die wegen Massemangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung — und 477 angeordnete Geschäftsaufsichten bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Vormonat stellen sich auf 1046 bzw. 691. * Rekordausfuhr von Kohlen aus Polnisch-O b e r s ch l e s i e n. In der letzten Zeit hat die Kohlenausfuhr von Polnisch-Oberschlesien als Folge des englischen Bergarbeiterstreiks Rekordziffern erreicht. Seit einigen Tagen werden durch- schnittlich 13 000 Waggons pro Tag exportiert. Die Kohlenindustrie Polnisch-Oberschlesiens arbeitet seit einigen Wochen ohne jede Einschränkung, und es gibt keinen einzigen arbeitslosen Bergarbeiter. Berliner Börse. Berlin, 6. Juli. Obwohl nach dem Dorbörsenverkehr, der in Erwartung der Reichsbankdiskontermäßigung lebhaft und fest gewesen war, man einen ebenso lebhaften Börsenbeginn erwartet hatte, setzte die Börse wenn auch zuversichtlich, so doch gegenüber den gestrigen Schluhkursen nur wenig verändert ein. In Nachwirkung der gestrigen Verflauung tagen heute erhebliche Kaufaufträge aus der Provinz vor, durch die die Verkäufe der Spekulation ausgeglichen wurden. Ausgesprochen fest lagen zunächst nur der Banken- markt, bei Kursbesserungen von 0,5 bis 2 Prozent. Arn Montanmarkt war die Kursgestaltung uneinheitlich, doch überwiegend leicht gebessert. Lebhaft wurden Rvmbacher Hütte gehandelt auf unkontrollierbare Gerüchte, daß ein neuer Reflektant für die Werte aufgetreten sei. Verhältnismäßig viel Material kam am Elek- tromarlt heraus, so daß diese Werte zumeist leicht abgeschwächt waren. Am Schiffahrtsmarkte überwogen ebenfalls die Verkäufe. Die Diskontermäßigung übte einen belebenden Einfluß auf den Handel in Anleihen aus. Kriegsanleihe wurden vorbörslich mit 0,46 gehandelt, gaben aber gegen Mittag auf 0,457,5 nach. Das Geschäft in ausländischen Renten war außerordentlich lebhaft; Türken, besonders Bagdad, erzielten kräftige Steigerungen. Die Entwertung der lateinischen Valuten schreitet in schnellem Tempo fort. Der belgische Franken hatte bei der Abwärtsbewegung die Führung und senkte sich auf 193 gegen London. Paris gab auf 184 nach, Mailand auf 142,25. Dörsenkune. Frankfurt a.M. Berlin Schiuv- Kurs >.UHr- Aure Schlich. f.ure Anfang flur-. Datnm: 5.7. 6 7. 5.7 6. 7. 5% Deutsche RcichSanleihe . 4% Deutsche RcichSanleiye . 3Vs0/» Deutsche RcichSanleihe 3% Deutsche ReichSanleihe . Dculschc Svarprämicnanleihe 4°/o Preußische Konsols ■ . . 4“ o Hessen 3‘/,% Hessen 3% Heisen Deutsche Wertb. Dollar-Ant. dto- Doll -Schav-Anwetlna ') 4% Hodtürftn 5% Goldmexilaner .... Berliner Handelsgesellschaft. Lommerz- und Privat-Bank Darmst. und Nationalbank . Deutsche Dank......... Deutsche DereinSbank .... Disconto Commandit . . . Metallbank........... Mitteldeutsche Treditbank. . Oestrrreichiiche Creditanstalt. Westbank ......... Bochumer Guß . ...... BuderuS Caro ... Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . Horoencr Bergbau Kaliwerke AscherSleben.... Kaliwerk Westeregeln L'aurabütte.......* * • • Oberbcdars ...... Phönix Bergbau ....... Ryeinltahl Ricbeck Montan ... TelluS Bergbau .... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . ... Cberamlsche Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Hotzmann...... Anglo-Cont.-Guano..... Chemische Mayer Alapin . . 9. G. ffarbcnindustric, A.-G. Goldschmidt Holzverkohlung Rütgerswcrke Scheideanstalt Allg. Elektrizitäts-Desellschaft Bergmann Mainkraftwerke ....... Schlickert . . ..... Siemens 4 Halske ...... Adlerwerke Kleyer ..... Daimler Motoren. ...... Hcyligenstaedt Megutn........ Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . Metallgesell'chast Frankfurt Pet. Union A.-G. .... Schuhfabrik Her; . . ... Sichel.....*....... Zellstoff Waldhof ..... Zuckerfabrik Frankenthal . Zuckerfabrik Wagbäulel • . 0,4487 0.4525 0.415 — — 0.42 — — 0,41 0,55 — 0.52 — 0.25 — — 0.4125 0,39 — — — —— — -— _ 96,25 — 97 — — — 14.4 15.25 14.62 52,25 52,875 1 52 176 — 175.2' 125.5' 126' 126,7' 174' 176,5' 174.5' 158' 156,5' 158,5* 84.5 — 148.7' 148' 147,7' 118.5 117,75 — 117 — 118,5 7.1 7,5 7.3 — —• — 138 142' 138* 91,75 92 94.4 — 78' 134' — 140' 161' 143.5' 160’ 142.5* 142' 142' 142.2* 144' 144,7' 152,5 — 154 59,5 — 60.75 75 — 74.5' 114 5* 115' 116' 140' 141’ 139,7' 146 147 148 73,5 —- 155,7' 153,5' 153* 149* 149.5' 149,7' 54.75 _ _ 107 107,5 * 81.75 — 82,5 78 — 89 — — — 250,7* 250' 256,4* 99.75 99,5 100 59 59,5 106 108 108 142 140 — 141* 140' 142,2' 125' 125' 126,5' 98,5 — — 124 7' —• 125' 169* 167* 166,5' 86 86,5 87.5 91.75 92 90 26,5 — — 46,5 — — —— — — 16 — — 44 — — 129,75 — — 88,75 89 74,75 — 3.1 — — 16£j — 161,75 65 — 79 80 — 0.46 0.4325 0,41 0.51 0,4025 151,5' 148' 140,5' 124,9' 123' 165' 88,5 93,5 141,5* 93,5' 77,5 140,5' 142,5' 142,9* 143,5' 152 59 72 114.5' 139.5* 146 147,5' 119' 7,3 88 250' 98.5 173,9' 125.5- 176' 157' 169 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 5 Juli- 6. Juli. Amtliche Notierung Geld । Brief Amtliche Notierung Geld 1 Brief Buen-AireS Brss.-Antw. Christiania - Kopenhagen Stockholm - SelslNgsorS. ytalieri . . London. . Neuyork . . Part«. . . Schweiz . . Spanien. Japan . . . «io de Jan. Wien in D-- Lest. abgest. Prag .... Belgrad . . Budapest. . Bulgarien . Lissabon Danckg. . . Konstantin- Atben - Uanada. . Cruguav 168,41 1,695 11,06 92,08 111,23 112,41 10,54 14,74 20,403 4,195 11,39 81,21 66.17 1,967 0,666 69,29 12,421 7,435 5,85 3,035 21,425 81.02 2,295 5,19 4,199 4.185 B< 168.83 1,699 11,10 92,32 111,51 112,69 10,58 14,78 20,455 4,205 11,43 «1,41 66,33 1,971 0,668 69,43 12,461 7,455 5.87 3,045 21,475 81,22 2,305 5,21 4,209 4,195 inlnote 168,41 1,696 10,55 92,08 111,21 112,41 10,54 14,37 20,399 4,195 11,15 81,22 65,92 1,867 0.666 59,31 12,42 7,435 5,85 3,035 21,425 81,02 2,295 5,29 4,199 4,195 n. 168,83 1,700 10,59 92,32 111,49 112,69 10,58 14,41 20,451 4,205 11,19 81,42 66,08 1,971 0.668 69,45 12,46 7.455 5.88 3,045 21,475 81,22 2,305 5,31 4,209 4.205 Berlin, 5. Juli Geld Brief Amerikanische Rote» ..... Belgische Roten ........ Dänische Roten........ Englische Noten........ Französische Noten ...... Holländische Noten Italienische Noten ...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oesserr.,äl00 Kronen Rumänische Noten ...... Schwedische Noten ...... Schweizer Noten....... Spanische Noten ....... Tschechoslowakische Noten .. llvgarische Noten....... 4,18 11,09 110,07 20,38 11,54 168,15 15,50 92,02 59,65 112,12 81,20 66,08 12,398 5,825 4,20 11,15 111,63 20,48 11,60 168,99 15,58 92,48 69,85 112,68 81,60 66,42 12,458 5.865 frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 6. Juli. Tendenz: Rach fester Eröffnung abgeschwächt. — Die bereits gestern abend eingetretene Erholung konnte heute bei Dörsenbegimi trotz Schwankungen und noch vorherrschender Tlnsicherheit geringe Fvrtschrite machen. Die freundliche Veranlagung der Börse war in der Hauptsache in dem Rachlassen der Glattstellungen begründet. Die Umsätze nahmen jedoch ein größeres Ausmaß nicht an, und die Kursbesserungen, die sich in der Höhe von 1 Prozent bewegten, waren durch einiges Deckungsbedürfnis der Spekulation entstanden. Montanaktien blieben weiter bevorzugt, ebenso I. G. Farben. Von Montan- werten wurden Gelsenkirchen lebhaft gehandelt, ohne indessen einen größeren Gewinn erzielen; zu können. Farbenweite wurden zum ersten Kurse mit 254 Prozent gehandelt, erlitten aber später einen Rückschlag bis auf 250 Prozent. Auch Scheideanstalt büßten 2 Prozent ein, während Holzverkohlung leicht gebessert waren. Elektroaktien lagen uneinheitlich. AEG. und Siemens neigten zum Rachgeben. Der Danken- markt hatte überwiegend leichte Kurserholungen aufzuweisen. Am S chi s f a h r t s m a r k t e waren Hapag gegenüber der gestrigen Rotiz um zirka vier Prozent gedrückt. Motorenwerte gebessert. Sehr feste Haltung zeigten Z u ck e r a f t i e n bei Kurssteigerungen bis zu 2 Proz. Von Baustoffaktien gingen Wehß & Freytag 2 Prozent höher. Zement Heidelberg plus 0,5 Proz. Fest lagen ferner Holzmann mit plus 3 Proz. Auch Maschinen- wert e leicht befestigt. Am Renten markt war das Geschäft lustlos. Kriegsanleihe 0,4521/2. Von QJuälanbrenten hatten Türken wieder größeres Geschäft. Der Freiverkehr lag lustlos bei kaum veränderten Kursen. Deckerstahl 21, Benz 89, Brown-Boveri 12,5, Entreprise 6, Growag 60, Rastatter Waggon 15,5, Ufa 37,5, ilfra 82 Proz. Der weitere Verlauf wurde durch eine hervortretende Unsicherheit beeinträchtigt, auch neu herauskommendes Material drückte das„ Kursniveau allgemein um etwa 1 Proz. zurück. I. G.-Farben ermäßigten sich auf 249 Prozent. Das Geschäft nahm einend u^t l 0 s en Charakter an, und selbst die Meldung von der Herabsetzung des Reichsbankdiskontsatzes von 6V2 auf 6 Proz. und des Lombardzinsfußes von 71/» auf 7 Proz. vermochte die ungünstige Stimmung nicht zu beeinflussen, und auch das Geschäft konnte kaum davon profitieren. Am Geldmarkt macht die Erleichterung Fortschritte. Tagesgeld 5 bis 6 Proz., Monatsgeld blieb gesucht mit 51/* bis 7 Proz. Jndustneakzepte 51/? Proz. Privatdiskonten 4Vs bis 4V2 Proz. Im Devisenverkehr schwächten sich die lateinischen Valuten weiter ab. Paris gab gegen London auf 183,50 nach, Mailand auf 142. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 6. Juli. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 31,75 bis 32 Mark; Roggen, inländischer, 22,50 bis 22,75; Sommergerste für Brauzwecke 22 bis 24; Hafer, inländischer, 21 bis 23; Mais, gelb, 17,50; Weizenmehl, inländisches (Spezial 0) 42,50 bj,s 42,75; Roggenmehl 31,50 bis 32; Weizenkleie 8,75; Roggenkleie 10,75 bis 11 Mk. Tendenz: stetig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 5. Juli. Die veränderte ungünstige Wetterlage bezweckte im Berliner Produktenhandel allgemeine große Zurückhaltung. Für Weizen fehlte seitens des Auslandes Anregung, so daß bei wenig veränderten Kursen keine großen Umsätze stattfanden. Roggen fester. Gerste in Futtersorten gefragt. Hafer bei kleinem Angebot fest; Mehl ruhiger aber im Preise! unnachgiebig. Im Zeithandel ist man sich bezüglich der Auswirkung der neuen Fälle noch nicht im klaren und beobachtet deshalb für nach dem 1. August-Lieferungen größte Zurückhaltung, andererseits besteht für laufenden Monat dringende Deckungsfrage, so daß der Weizen 1 Mk., der Roggen sogar 2 Mk. höher eröffnete. September- und Oktober-Weizen unverändert. September-Roggen leicht erhöht. Es notierten für 1000 Kilo: Roggen, märf., 209 bis 212; Sommergerste 205 bis 212; inländ. Gerste 190 bis 240; Hafer, märt, 204 bis 213; Mais (loko Berlin) 171 bis 175; per 100 Kilo: Weizenmehl 37,75 bis 39,75; Roggenmehi 29,50 bis 30,75; Weizen- lleie 10; Roggenkleie 11,20; Viktoriaerbsen 35 bis 46; kleine Speiseerbsen 30 bis 34; Futtererbsen 22 bis 27; Peluschken 23,50 bis 27. Rundfunk-Programm. Mittwoch, 7. Juli: 3.30 bis 4 Hör: Die Stunde der Jugend, 4.30 bis 5.45 Llhr: Konzert des Hausorchesters. 5.45 bis 6.05: Die Bücherstunde. 6.15 bis 6.30 115r: Stunde der Frankfurter Vereinigung für Heimatkunde. 7.15 bis 7.45: „Java, die Sonnen- insel", Vortrag von Dr. Philipp Krämer. 7.45 bis 8.15 Uhr: „Mannheims Stadtpersönlichkeit", Vortrag von Dr. Küher, Oberbürgermeister. 8.15 Uhr: „Der Kaufmann von Venedig", Schauspiel von Shakespeare. Begleitende Musik von Humperdinck. Letzte Nachrichten. Diskonlermätzigung der Reichsbank. Berlin, 6. Juli. (DTB. Drahtbericht des „Gieß. 2lnz.") Oie Reichsbank hat den Wechseldiskont von 6,5 auf 6 Prozent und den Lombardzinsfuh von 7,5 auf 7 Prozent ermäßigt. Dreisitzer Lieferung durch dleSOOdeutschenOpel- Vertreter, sowie durch die Kredit-Abt. AdamOpel RUsselsheimM Q s 2 3 0 Mark monatliche Abzahlung innerhalb Jahresfrist / Anzahlung 1000 Mark inkl. Versicherung gegen Feuer,Diebstahl, Haftpflicht und Zusammenstöße Giessener Brauhaus-Biere] Man verlange ausdrücklich JfSsf *&r. Är Ätne? l Gew- iJS-Z W*Ä »Ulfe SW micher Grundlage <" Regierung mufie ’S«*?? BSSJ ;Sladlum langi-l j finde. __ Die Lage Ttabrib, 6. l Primo öe Äivera Englands ü| London, 6.3ult. I w Baldwin auf eine ein. Bei den Ab h sührie Baldwin au (sine Rolle gejpielt. deutschen Delegierten n Deutschland Mitglied i ft?i, möglicherweise aud Übertragung kandidiere r ichtig, anziinehmen. f-estcs Verspreche Die letzte Vslajrika-Erk! babe die Mandatspolit Das Tanganjika? iiige Mandatsgel fei** König Hifoit von 1 London, 6. Juli MMn muri» gS & öS-*« S f S den stzanisch pW menen soll. öetwoiim , öer Ri chens hjsr ocs d'at Birö iu, > dem M'M den, ! ,,fr“ng Jl! rwi I 'a^ge ef ?l ber l Men u‘f<§.Qhl I'oom rnpb'e 3u fett? Me?s"',u'^ Mchtljch Gen KrKr ” Berlj.^ra9e de p°?geng7n 'Stad Und der k 3)16 2)iil g. .Union ^atriofica' eir 1 ec trfiärtt, die Parte / M Lsrechtechaltung • lah'.g, wenn die ümsli Eie werde verhinderw einem Abgrund eni< schreibt, einer fei die baldige palenden Dersa Üen Charakter eines ' Regierung bei bet Du «Qen und sozialpoli foerö^ ^r Dorsch! NinisteWsibenti ■Men ba Aalkes »mmng eiMräume