Nr. 4 Erstes Blatt 176. Jahrgang Mittwoch, 6. Januar 1926 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheflen vniü und Verlag: vrühl'sche lluiverfitöls-Buch- und Stcinöruderet R. Lange in Sietzen. 5chriftlettung und Geschäftsstelle: Schulttratze 7. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfe mig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist. 201 , mehr. Chefredakteur Dr Friedr Will). Lange. Verantwortlich. für Politik und Feuilleton Dr. Friede. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Biumschcin: für den Anzeigenteil Hans Züfiel, jämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monorr-Vezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn. auch bei Nichterscheinen ejnzelnerNummern infolge höherer Gewalt. 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Seeckt als den Mrttel- punlt aller derfenigen Kräfte zu kennzeichnen, die gegen die Außenpolitik Sturm laufen, ihn also gewissermaßen zumKoPf einer Oppo» sition zu stempeln, die sich nicht allein gegen den Außenminister, sondern auch gegen den Reichspräsidenten selbst richtet. Dieses Schel- incnstück ist mißlungen. Jetzt sotten die Spuren verwischt werden mit der Behauptung, daß die ganze Intrigue von Graf Brock- dorff ausgegangen sei. Soweit braucht man gar nicht zu suchen: wenn das Auswärtige Amt sich wirtlich die Mühe machen wottte, den Fäden nachzuspüren, die hier gesponnen wurden, dann wird es die geistigen Leiter sehr wahrscheinlich irgendwo in der Rähe der Sozial» denwkraten und des linken Zentrumsflügels finden. Gerade diesen Kreisen nämlich ist von jeher Herr v. Seeckt eine unheimliche Größe gewesen, weil sie nicht recht wissen, was sie mit ihm anfangen sollen. Er paßt in ihre Schablone nicht und am liebsten wäre es ihnen schon, wenn sie gleichzeitig mit der Beseitigung des Reichs-- wehrministers Gehler auch Herrn v. Seeckt kalt stellen könnten. Sie sollten ihm dankbar sein, dafür, daß er aus den Trümmern deS alten Heeres eine kleine, aber zuverlässige Reichswehr geschaffen hat, die heute die stärkste Stütze der Republik ist, sie sollten ihm dankbar dafür sein, daß er der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht ist, der jeden Putsch, ob er von rechts oder links kommt, mit der gleichen Zuverlässigkeit Niederschlagen wird. Statt dessen wühlen sie gegen ihn und empfingen es schmerzlich, daß der Reichspräsident in betont herzlicher Art dem ersten Offizier der Reichswehr den Rang des Generalobersten verliehen hat. Rachdem nun der erste Versuch aus dem Umwege über England mißlungen ist, fetzen die Sozialdemokraten zu einem zweiten Stob an, indem sie aus dem Etat der Reichswehr für das nächste Jahr Anklage gegen das ganze System zu schmieden trachten. Sie rechnen heraus, daß die Steigerung der Ausgaben von 1925 zu 1926 beim Heeresetat 66 M.llionen betragt und beim Marineetat 471,'. Millionen. Das sind 25 Prozent der Gesamtausgaben mehr als im Vorjahre. Rechnet man sich allerdings die Zahlen einmal zusammen, dann verschiebt sich das Bild ganz wesentlich. Beim Heer werden allein 34 Millionen für Ergänzung und Auffrischung der Bestände und 11 Millionen zur Vervollständigung der Verteidigungsmittel angefordert. Das sind allein schon 45 Millionen, während bei der Marine zwei kleine Kreuzer, sechs große und ein kleines Torpedoboot neu gebaut werden sollen. Man denke! Diese bescheidenen Mittel, die kaum für die Verteidigung geeignet sind, die bestenfalls dazu dienen können, die deutsche Flagge wieder einmal in fremden Häsen zu zeigen, sotten eine Gefährdung des europäischen Friedens darstellen. Während rings um uns immer noch die Welt in Waffen starrt und die Siegerstaaten sich alle erdenkliche Mühe geben, die Abrüstungs- konserenz zu sabotieren, bevor sie angefangen hat, macht der „Vorwärts" auf der ersten Seite im Fettdruck die Spione der Kontrollkommission darauf aufmerk'am, welche „gewaltigen" Summen in Deutschland für Zwecke der Reichswehr zur Verfügung gestellt werden! Gewiß, hätte die Revolutionsregierung nicht die ganze deutsche Flotte mit roten Fahnen nach Scapa Flow hin- überfobren lassen, dann brauchten wir jetzt vielleicht keine neuen Kreuzer zu bauen. Aber dafür ist doch schließlich niemand anders verantwortlich, als dieselben Herren, die sich jetzt darüber aufregen, daß wir ein Minimum an Küsten- oerteibigung im Rahmen dessen, was uns ge» stattet ist. neu schaffen wollen. Im Reichstag wird sich die überwiegende Mehrheit auf den Standpunkt stellen, daß das kleine Heer, über das wir heute noch verfügen, wenigstens zur Verteidigung hinreichend gerüstet sein muh. Ium Haushaltsplan der Reichswehr. Berlin, 6. 3an. (Täl.) Amtlich Heber den Haushaltsentwurf der Reichswehr sind Mitteilungen verbreitet, die irrige Anschauungen zu erwecken geeignet lind. Für den Heereshaushalt sind für 1926 64 Millionen Mark mehr angefordert worden als für 1925. Hiervon entfallen über zwei Drittel, nämlich 45,5 Millionen Mark, auf die allgemeinen Ge- haltserhohungen, die im vergangenenIahr eingetreten find. Die im Vertrag von Versailles festgesetzte Zahl der Offiziere, Beamten, Unter» Offiziere und Mannschaften hat sich nicht geändert. Die weiteren 18h Millionen Mark dienen nicht umfangreichen Anschaffungen an Waffen und Munition, sondern finden ihre Erklärung in der Erhöhung aller Gestehungskosten seit dem 1. April 1925. Diese wird auch Der Budapester Fälfcherskandal. Geständnis des Prinzen Windischgraetz. - Neue Verhaftungen. Budapest, 5. Ian. (Tül.) Die Ermittlungen in der Frankcniälscherasf.ire tt> ri)en eifrig fortgesetzt. Ministerpräside it Graf Bethlen erklärte, daß der moralische Sumpf um jeden Preis ausgetrocknet werden müßte. Die Regierung will mit größter Schärfe g?gen die Fälscher Vorgehen. Die Oppostt >onsparte.en, die der Regierung zunächst scharfe Vorw irfe wegen ihres angeblich viel zu milden Vorgehens machten und daher die sofortige Einb.rufung des Parlaments forderten, haben j.ht die Haltung der Regierung gebilligt und von der E n- berufung des Parlaments Ab'iand genommen. Die Presse stellt fest, daß dir Frankenfälschungen auf den Kurs des ungarischen Geldes an den ausländischen Börsen f inen E nfl ß g habt hab n und daß die heute in London aufgelegt? Agraranleihe überzeichnet worden sei. Das w cht'gste Ereignis der Banlfälsch?raifäre ist ein teilweises Geständnis des Prinzen Windisch- graeh, der zugibt, es tatsächlich übernommen zu haben, „im Dienste einer patriotischen Sache die Altion des Herrn Obersten Iancowitz zu fördern". Die polizeiliche Feststellung hat mit ziemlicher Sicherheit festgestellt, bafl die Gerätschaften für die Fälschung nach dem Schloß des Prinzen Windischgraetz gebracht worden sind, in dessen Kasematten sie verborgen sein dürften. Die polizeiliche Unterfu^unq soll neuen Komplizen auf der Spur fein. In der letzten Rächt wurde ein Zintograph vrhaftet. Es wurde weitcr festgestellt, d'ß Prinz Win- dischgraeh pekuniär vollständig ruiniert ist und mit großen finanzicllen Schwierigkeiten zu tänrpfrn hatte, sodaß die Behauptung, er hab? aus patriotischen Gründen die Frank- fälschungen unterstützt, nicht stichhaltig ist. Heute wurde ein Mann von der Polizei verhaftet, der sich einen mit doppeltem Boden versehenen Koffer bestellt hat, in dem Effekten so untergebracht werden können, daß sie bei der Zollrevision nicht zum Vorschein gelangen. Der Verhaftete, namens Stephan Winkler, hat zugegeben, diesen Koffer den Franksälschern übermittelt zu haben. Ferner tourbe der pensionierte Beamte Eugen Olchvary in Hast, ge* nommen, der ein Bruder des in Hamburg verhafteten Edmund Olchvary ist und mit ihm in ständiger Verbindung stand. Als Olchvary den Eindruck gewann, daß es der Polizei alsbald gelingen wird, in der Angelegenheit der Frankenfälschung den Tatbestand aufzudecken, schickte er aus Wien an Edmund Olchvary eine Depesche und machte ihn darauf aufmerksam, seine Aktion einzust eklen und ohne Verzug nach Budapest zurückz k-hren. Dieses Telegramm wurde von der Hamburger Polizei beschlagnahmt, die die Budapester Oberstadthauptma mschaft verständigte, indem sie g.'e.chzeitig mitteilte. daß b.i Edmund Olchvary mehrere hundert Stück falsche Franknoten gefunden wurden. Auf Grund einer Verständigung wurde von der Polizei auch eine Kopie des Wiener Telegramms beschafft und Eugen Olchvary verhaftet. Die Budapester Polizei hat auf Grund der in Hamburg erfolgten Verhaftung Recherchen vorgenominen, die oon Erfolg gewesen sind. Es besteht kein Zweifel, daß es sich bei dem Verhafteten um das Mitglied einer und derselben Bande handelt, der auch die im Haag und in Budapest Verhafteten angeboren. Di? Mitteilungen der Hamburger Polizei verhalfen der Budapester zu wertvollen Informationen, auf Grrmd deren festgestellt wurde, daß von den bisher Verhafteten, namentlich Stephan W'.nller und der Privatsekretär Raba, mit dem in Hamburg verhafteten Olchvary in engen Drehungen standen. Alle Mitglieder der Bande scheinen Kreaturen von Windischgraetz gcto.fe.i zu sein. Prinz Windischgraetz gab diesen Leuten an, einen legi- timist, schon Putsch ausfuhren z". wollen, scheint aber zugunsten von Crzh rwg Abrecht gearbeitet zu haben. Windischgraetz sieht übr gens seit V/s wahren unter Kuratel, da er fein Vermögen durchgebracht hat. Seine Frau, eine viel bewunderte Schönheit, sandte er mit seinen Kindern nach dem Schloß Sarospatak. Es wird behauptet, daß diese völlig mittellos sind. Der Chauffeur des Prinzen Windischgraetz, der durch di? Polizei vernommen wurde, hat ausgesagt, daß der Prinz und sein Sekretär häufig in entlegene Stadtteile gefahren wären, dort den Wagen verlassen hätten und dann in Rebenstraßen verschwunden wären. Rach ein bis zwei Stunden wären sie dann zurückgelehrt. Eine andere Aussage stammt von einem Journalisten, den Prinz Windischgraetz beauftragt hatte, in Wien wegen einer Anleihe zu verhandeln. Gegen Weihnachten habe der Prinz dann seinen Auftrag zurückgezogen, offenbar weil er bereits die Mitteilung erhalten hatte, daß die Plazierung der falschen Frankennoten geglückt sei. Wie bekannt wird, hatte der Prinz bereits fällige Schulden in Höhe von 5 Milliarden ungarischen Kronen. Landespolizeichef Emmerich R a d o s s h wurde heute abend verhaftet. Seine Festnahme erregte noch mehr Aufsehen als diejenige des Prinzen Wjndisch-graeh ,da er sich allem Anschein nach nicht nur der Dorschubleistung, sondern der direkten Beteiligung an der Falschmünzerei schuldig gemacht hat. Auch der Abg. Dr. 111 a i n ist heute abend verhaftet worden. —--- Zum Thronverzicht des Prinzen Karol. Berlin, 6. Ian. (TU.) Wie der „Lokal- anzeiger" aus Rom meldet, trifft die Königin Maria von Rumänien am Mittwoch zur Teilnahme an der Trauerfeier für die verstorben« Königin-Mutter Marghuerita ein. Wie verlautet, beabsichtigt die Königin, sich in den nächsten Tagen nach Mailand zu begeben, um in der Scheidungsangelegenheit ihres Sohnes, des Prinzen Karol, vermittelnd eiirzugreifen. Die Kronprinzessin Helena ist am Dienstag in Mailand eingetroffen, um den Versuch einer Aussöhnung mit dem Kronprinzen zu unternehmen. Rach anbern Berichten begibt sich Helena direkt zu ihrer Mutker nach Florenz, ohne in Mailand mit ihrem Gemahl, dem Prinzen Karol, zusammenzutreffen. Von dort werde sie weiter nach Palermo reifen, um an den Feierlichkeiten am Todestage des Königs Konstantin von Griechenland teilzunehmen. Der rumänische S ch a tz m i n i st e r ist in Mailand eingetroffen. Hinsichtlich der politischen Beziehungen des Prinzen eriTärte er in einem Interview, daß dieser mit General Vvarescu, dem Führer der Opposition, sehr freundschaftliche Beziehungen unterhalte. In Mailand wird die Ankunft eines rumänischen Würdenträgers erwartet, der dem Prinzen den Beschluß des rumänischen Kronrates überbringen sott. durch die genannten 18,5 Millionen Mart noch nicht ausgeglichen. Die in der Finanzlage des Reichs begründete Rotwendigkeit zu sparen, hat nicht einmal zugelassen, bei der Auffrischung der Waffen und Munition die Möglichkeiten zu erschöpfen, die den Festsetzungen der Interalliierten Militärkontrollkommission entsprochen hätten. Doumers Sanierungsplan. Paris, 5. Jan. (WTB.) Finanzminifter D o u- m e r hat heute den endgültigen Text seines Finanzgesetzes der Kammer unterbreitet.' In der Begründung des Antrags heißt es: Der Kredit des Staates ist schwer erschüttert. Man kann ihn wieder Herstellen dadurch, daß man ein für allemal erklärt, daß nicht von gefährlichen Notbehelfen, die man mit dem Namen Konsolidierung belegt, aber in Wirklichkeit den Namen B a n t r o ft verdienen, die Rede fein kann. Die schwebende Schuld Frankreichs ist nicht nur durch ihr Gewicht erdrückend, sondern doppelt beunruhigend durch ihre Zusammensetzung. Die Bonds der nationalen Verteidigung haben dem Schatzamt nur geringe Einnahmen gebracht, es jedoch dazu verurteilt, in einem Zustand unerträglicher Unsicherheit zu leben. Es wäre ein großer Irrtum, zu glauben, daß das Budgetproblem des Schatzamtes und das Problem der Währung unabhängig voneinander seien, und daß jedes einzelne dieser Probleme durch eine besondere Lösung geregelt werden könne. Ein Anleiheprojekt könne die Währung in solider Weise festigen und in Bälde die für ein regelmäßiges Wirtschaftsleben unerläßliche Stabilität geben. Da der Budgetausgleich die Vorbedingung für die Sanierung der Währung sei, müsse dieser gegen d i e Bedrohung durch eine unftabile Währung geschützt werden. Das Ziel, das man erstrebe, könne erreicht werden durch Sparsamkeit, durch Entwicklung des Ertrages der bestehenden Steuern und durch neue Steuerquellen. Was die neuen Steuerquellen anlange, so müßten sie gestatten, die Bedürfnisse des Schatzamtes zu decken. Sie müßten aber sofort realisierbar fein. Aus diesem Grunde sehe sich die Regierung veranlaßt, im Rahmen der jetzt bestehenden Steucrorga- nijation die für die augennblirflid) nötigen Bedürfnisse erforderlichen Einnahmequellen zu schaffen. Pressefreiheit in Südtirol. Innsbruck, 5. Ian. (WTB.) Die „Innsbrucker Nachrichten" melden, daß gestern die „Meraner Zeitung" mit der Begründung beschlagnahmt worden sei, das Blatt verletze durch seine Schreibweise das Wesen des italienischen Vollstums. Der Erzberger-Mörder Schulz verhaftet? Linz 6., Ian. (Täl.) Nach der „Linzer Tagespost" sott am Montag von der Gendarmerie des Bades A u s s e e auf der Suche nach einem Wechselfälscher der Mörder^ Erzbergers, Schulz aus Saalfeld an der Saale, ver - haftet worden sein. Schulz gab an, ein Kamerad Tilles sens zu sein. Er wohnte unter dem falschen Namen „Edgar von Pachmann, Kaufmann aus München" bei dem Kaufmann Verger in Bad Außer. Die deutschen Behörden sotten von der Verhaftung des Schulz verständigt worden sein. Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt weder in Berlin noch in Wien vor. Die Hochwasserschäden in der Nyeinprovtnz. Koblenz, 5. Ian. Der Ober Präsident der Rheinprovinz h?.tt? heue vormittag Vertreter der Presse zu einer eingehmdon Aussprache über die Hochwasserl'tastro^he, hie dadurch entstandenen Schäden und die LI t.rstrtzu:g der Geschädigten aus Staatsmitteln eingeladen. Der Obnpräsidmt schilderte die ungeheure i Auswirkungen der Katastroph? im gesamten Rheinland, die einen G e s a m t s cha d e n v o -> schätzungsweise 25 Mill. Mark X) roorge- rufen h. bm gegenüber 18 Millionen im Iayre 1924. Ein weiter r großer Sch den sei durch die treffliche Organisation d r Hochwassermeldestelle der Rheinstromb.uv?rwaltung verhindert worden. Run heiße es für den Staat wie 1921 und 1924 die durch des Hochwasser geschädigte Bevölkerung der Rheinprovinz zur Beseitigung der Schäden zu unterstützen. Durch b'S Hochwasser seien im Bezirk Koblenz etwa 6?00 neue Erwerbslose hinzugekommen. Man hoffe, daß aus ben Mitteln der Crwerbslosenfnrsorge des Staates diesen Erwerbslosen g'halfen wer e. Weiter hoffe d'.e rheinisch: Devö.l'erung, daß man bei der Regulierung der Schäden das weitgehendste Verständnis für ihre nicht nur durch das Hochwasser, sondern auch durch den K neg und die Nachkriegszeit mit ihrer schweren Besatzung hervorgeruf ne Verarmung zeige. Die ersten Mittel der Regierung wurden durch d s Entgegenkommen deö Ministers deS Iimern. Severing, einmal mit 503ODO und mit 300CCO Mark zur Abwendung der dringendsten Schäden verwendet. Minister Seveä g Habs in einer Besprechung in Düsseldorf zu^e° sagt, eine weitere älnterstützung in Höhe von einer Million Mark vom preußischenSfaat den Geschädigten zukommen zu lassen. Weiterhin erhvf,t die rheinische Devötterung von staals- toegen ein Darlehen von 2 Millionen Mark auf 10 Iahre zu erhalten. Der Berichterstatter für die Hochwasserangelegen- beiten, Regierungsrat Heller, schilderte dann die Hochwasserschäden in den Jahren von 1784 bis heute und legte dar, daß dieses Hochwasser nicht aus irgendwelchen technischen Gründen entstanden, sondern lediglich durch die ungünstige Wetterlage beeinflußt worden sei. Die Schnee- massen im Schwarzwald, in der Eifel, in den Vogesen ufro. hätten in erster Linie dieses große Hochwasser bewirkt. Dazu kamen dann noch die großen Regenmengen der letzten Wochen, die das Hochwasser noch verstärkt hätten. Im Regierungsbezirk Koblenz betrage die Zahl der be schädigten Häuser 19 392, die Zahl der betroffenen Familien 17768, die Zahl der durch das Hochwasser erwerbslos Gewordenen 63 182. Koblenz-Stadt habe allein einen Schaden von zwei Millionen: Koblenz-Land habe 5100 beschädigte Häuser. Der Gesamtschaden im Regierungsbezirk Koblenz belaufe sich schätzungsweise auf 14 Mill. Mark, der der Stadt Köln auf 2,5 Millionen Mark, der in Köln-Land auf 700 000 Mark, der von Bonn- Land auf eine Million Mark. Im S i c g- kreis berechne man den Schaden auf ungefähr 1,9 Millionen Mark. Diese Zahlen seien jedoch nur vor läufig und könnten nicht als endgültig angesehen werden. An manchen Stellen schätze man den Schaden auf bedeutend höhere Summen. Besondere Sorge habe dieses Hochwasser bei dem Deich schutz am Niederrhein hervorgerufen. An manchen Stellen habe man den Einbruch der Dämme befürchtet, der einen kaum zu übersehenden Gehaben hervorgerufen haben würde. Die Provinz denke daran, diese Deiche mit allen Mitteln wieder instandzusetzen und sie für ein etwaiges künftiges Hochwasser widerstandsfähig zu machen. — An diese Besprechung schloß sich eine Fahrt nach Neuwied unb Andernach an. In Neuwied sind 80 Prozent der bebauten Stadt unter Wasser, davon insgesamt 1000 Wohnungen unb 200 Labengeschäfte. In A n - bemach ist ber Schaben nicht so groß, weil bort tue Wasserhöhe nur einen Stand von 2 Meter erreicht hat. Staatliche Hilfe für die Hochwassergeschädigten. Düsseldorf, 5. Ian. i Wolfs.) Heute sand in 'Düsseldorf eine Sitzung des Rheinischen Pro- vinzialausschusses statt, an der auch die preußischen Minister Severing und Hirthsiefer teilnahmen. Es wurde u. a. beschlossen, für die vom Hochwasser Geschädigten 200 000 Mark zur Verfügung zu (teilen. Eine weitere Beteiligung des ProvinzialverbandLs könne nur so erfolgen, daß zu ben von Reich und Staat zur Verfügung gestellten Mitteln ein Zuschuß bis zur Höhe von zwei Millionen Mark von der Provinz in der Weise gegeben würde, daß der zuschießende Betrag vom Provinzialverband aus Reichs- oder Staatsmitteln als Darlehen zu einem ermäßigten Zinsfuß gegeben und vom Pro- vinzialverband in zehn Iahren verzinst und getilgt wird. Die Landerbank sei fernerhin bereit, den Stadt- und Landkreisen Vorschüsse bis zrcm Vetrage von zwei Millionen auf ein Iahr fest zu einem gegenüber den sonstigen Kommunaldarlehen ermäßigten Zürssatze zu gewähren. Minister Severing erkannte die außerordentlich schwere Notlage der Rheiirprovinz an unb tagte zu, daß bereits in den nächsten Tagen weitere Mittel seitens der Reichs- und Staatsregierung zur Linderung ber ersten Rot zur Verfügung gestellt würden. Zur Linderung ber Rot bet Fochwasserge- schädigten hat Reichspräsident v. Hindenburg den Betrag von 200 000 Mark auS seinem Dispositionsfonds zur Verfügung gestellt. Die Wassernot am Niederrhein. Kleve. 5. 3an. (WLB.) DaS Hochwasser deö Niederrheins ist während der Nacht weiter <1 cf allen. NuS einzelnen überschwemmten Ortschaften werden erschütternde Einzelheiten gemeldet. Sv sind einem Gutsbesitzer 34 Stück Großvieh ertrunken. In einem anderen Orte sind viele Schweine umgekommen. In den Fluten wurden auch zwei Menschenleichen gesehen, die noch nicht geborgen worden sind. An die gefährdeten Dammstellcn im Kreise Kleve sind heute morgen weitere Verstärkungen abgegangen. Die Arbeiten schreiten rüstig fort, so daß man hofft, im Laufe des Tages jede Gefahr beseitigt zu haben. Nach einem Funkfpruch aus Amsterdam ist der Zustand int holländischen älcberschwemmungs- gebiet zwischen Maas und Waal dagegen noch sehr ernst. Die Maas steht an einigen Stellen 4 bis 5 Meter hoch und steigt noch. Heute morgen ist der sog maimte P ol der - dämm in Pannerden bet Lob.th zwischen Emmerich und Arnhem gebrochen. Die Flut ergoß sich in die Orte Pannerden, Herwen uixb Aerdt. Die Bewohner wurden von der Katastrophe so schnell überrascht, daß sie nur mit knapper Not das nackte Leben retten konnten. Sie flüchteten auf den Nheindamm. Diel Vieh ist in den Fluten umgekommen. In der Kirche in Herwen steht das Wasser über 1V3 Meter hoch. Die Blätter veröffentlichen Aufrufe für eine allgemeine N a t i o n a l s a >n m l u n g zugunsten der vom Hochwasser geschädigten Bevölkerung. Einen ähnlichen Aufruf erläßt die Ständige Kommission zur Milderung von Hochwassevkata- strophen, die ihren Reservefonds in Höhe von 250 000 Gulden sofort zur Verfügung gestellt bat. Die Königin hat dieser Kommission nach ihrer Rückkehr aus dem Hochwassergebiet als ersten Beitrag 10 000 Gulden überwiesen. In Frankreich läßt das Wasser langsam nach. Die Loire hat beinahe ihren normalen Stand wieder erreicht. Mehr als 1200 Arbeiter feiern infolge Stillstandes der Fabriken. Der Eisenbahnverkehr nach Belgien hat jedoch gestern vormittag wieder ausgenommen werden können. Die Rhone ist trotz des Steigmrs ihrer Nebenflüsse im Fallen begriffen. Nach Meldungen aus S e r a i n g bei Lüttich sind bei dem Dammbruch der Maas 15 Häuser eingestürzt. Mehrere Personen werden vermißt. Amerika und dieAbrüstungskonserenz. Reuyort. 5. Ian. (TU.) Eine amtliche Erklärung unterstreicht stark, daß die der Vorkonferenz folgende Abrüstungskonferenz schon durch die Wahi des Tagungsortes zum Ausdruck bringen mühte, daß das gesamte Abrüstungs- Problem europäischen Händeln ferngehalten werden müsse. Die Vollmachten der mexckanischen Vertreter in Genf würden äußer st beschränkt sein. Um zu irgendeiner Frage Stellung zu nehmen, müßten sie die jeweilige Entscheidung der Washingtoner Regierung einholen. Amerika wünsche keinesfalls in die Fragen des Völkerbundes verwickelt zu werden. Fragen, wie Bevölkerungsziffer und S cherhe'ts- pakt, die indirekt mit der Abrüstung in Verbindung fteben, dürften von den amerikanischen Vertretern nicht angeschnitten werden. Ihre Anweisung ginge dahin, nur rein technische Abrüstungsfragen zu erörtern. Die Mossul-Frage. ’ Paris. 6. Jon. (TU.) Der türkische Bot - _Jd) q f t e r in London hat während seines gestrigen ' Besuches bei Baldwin eine Rote überreicht, in der die türkische Regierung sich bereit erklärt, die Mossulfrage zum Gegen st and direkter Verhandlungen mit England zu machen. Die tür* kische Regierung knüpft allerdings gewisse Bedingungen daran, so u.a., daß die Prüfung der 'Angelegenheit durch das englische Kabinett erst nach der Rückkehr Chamberlains vorgenommen werde. Erkrankung der Königin von Schweden. Hamburg, 5. 3 an. (TU.) Wie das »Hamburger Fremdenblatt" aus Kopenhagen meldet, hat sich der Zustand der schwedischen Königin, die seit längerer Zeit an einem chronischen Luftröhrenkatarrh leidet, sehr verschlechtert. Königin Viktoria ist 1862 als Tochter des Großherzogs Friedrichs I. von Baden und der Großherzogi r Luise geb. Prinzessin von Preußen geboren. Eie ist also eine Enkelin des alten Kaisers. Seit 1381 ist sie mit König Gustaf V. von Schweden verheiratet. Hauprausschutztagung des Vereins für das Deutschtum im Auslande. Im Anschluß an einen Dortrog über die vom tschechischen Staate und Volke betriebene Unterdrückung der Sudelendeutscken fand in der vergangenen Woche die Hauptausschußsitzung des D. D. A. statt, die sehr gut von Vertretern aus dem Reiche, Oesterreich und dem Auslande besucht war. Professor E s a k i, Hermannstadt, berichtete nach den Begrüßungsworten des Vorsitzenden von Hintze über die Grundlagen der Zusammenarbeit zwischen Binne-ndeutschtum und A u ß e n d e u t s ch t u m. Schon vor dem Kriege bestanden die Beziehungen zu dem V. D. A. und das Bewußtsein des Auslanddeutschtums, daß von der V. D. A.-Bewegung das Heil zu erwarten sei. Heute verkörpere der V. D. A. am stärksten die Idee der deutschen Gemeinschaft. Seine Jugendbewegung verbürge durch chr gewaltiges Anwachsen dem Gemeinschaftsgedanken die Zukunft. Profestor Csaki entwarf ein Programm für den Ausbau der Zusammenarbeit, besten Gedankengänge allgemeinen Beifall fanden. Frau v. V o p e l i u s schilderte recht packend die Röte des Saargebietes, das zwar kein 'Auslanddeutschtum sei, aber doch Grenzlandschicksal erleide. Der Geschäftsbericht ergab, daß die Aufbringung der im Voranschlag ausgestellten Summen bis Ende des Jahres zu erwarten sei. Die Organisation hat auf allen Gebieten Fortschritte gemacht. Die Entwicklung der Schulgruppenbewegung wird durch die Auflage des Jungroland von 150 000 gekennzeichnet. Zahlreiche Ausblldungskurse haben stattgefunden. In den geräumten Gebieten ist die Organisation wieder aufgebaut würden. Zum Ort der nächsten.Hauptversammlung wurde.Hirschberg in Schlesien gewählt. Aushebung des Artikels 18 in Frankreich. Paris, 6. Jan. (TU.) Wie die Teluuion von gut unterrichteter französifcber Seite erfährt, trifft es zu, daß die deutsche Regierung die A u f° Hebung des Artikels 18 des Versailler Vertrages beantragt Hai. Der Artikel gibt Frank- reich das Recht, für den Fall, daß die Deutschen ihre Reparationszahlungen einstellen würden, deutsches Eigentum i n Frankreich z u beschlagnahmen. Die Alliierten Frankreichs haben bekanntlich auf diesen Artikel schon vor längerer Zeit ausdrücklich verzichtet. Die deutsche Regierung steht auf dem Standpunkt, daß die Unterzeichnung eines Wirtschaftsvertrages mit Frankreich sich schlecht mit der Aufrechterhaltung dieser Bestimmung des Versailler Vertrages vereinbaren läßt. Es ist ihr gelungen, es dahin zu bringen, daß die französische Regierung diese Ansicht teilk und formell die Aushebung des Artikels t n Aussicht gestellt hat. Dr. Luppe vom Amt suspendiert. Nürnberg, 5. Ian. (Wolff.) In einer heute vormittag auf dem Rathaus cingegangenen Entschließung der Regierung von Mittelfranken wird die Suspendierung Dr. Luppes von feinem Amt als Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg ausgesprochen. In der Verfügung her Regierung von Mittel- franken heißt es, für die Entscheidung sei lediglich die Tatsache maßgebend, daß sich in der Führung der Stadtverwaltung und in der Leitung nach außen Schwierigkeiten ergehen könnten, wenn die einstweilige Suspendierung nicht erfolge. Zu der Frage, ob die Voruntersuchung zu einer eigentlichen Untersuchung führen oder ob das Verfahren eingestellt werde, sei mit der Suspendierung in keiner Weise Stellung genommen worden. Vom Hessischen Landtag. WSN. Darmstadt, 5. Jan. Der Hessische Landtag wird am 12. Januar zu seiner neuen Tagung zusammcntreten, in der es voraussichtlich sehr lebhaft zugehen wird, da außer den unerledigten 40 Punkten inzwischen weitere zahlreiche Anträge und Anfragen eingebracht worden sind. Der wtaatsvoranschlag soll in der nächsten Woche durch den Finanzminister vorgelegt werden, so daß sich nach Schluß der Tagung der Finanzausschuß mit den Beratungen beschäftigen kann. Kunst und Wissenschaft. Frankfurter Uraufführung. In den Kammerspielen, einer Zweigstelle der städtischen Bühnen, kam mit seinem Drama „Kaspar Hauser, ein homo novus, Karl Hanne m a n n , erstmals zu Wort. Es lag wirklich nicht an der von Fritz Peter Buch mit aller Liebe und Eindringlichkeit vorbereiteten Uraufführung, wenn das Publikum dem Werk und seinem Auwr höchstens einen kühlen Respektserfolg entgegenbrachte. Man ist des ewig gleichen Tons, der uns aus ungezählten expressionistischen Dramen längst erklungen ist, satt geworden, und auch die wildesten Schreie, die grellsten Nebeneinanderstellungen der Leidenschaften und ungezügelten Triebe im Menschen und im „Tiermenschen" bleiben ohne nach- halttge Wirkung, wenn sie, wie hier, blaffe Schemen- gestalten und keine festumrissenen, lebensvollen Cha- raktere umstrahlen. Strindberg, Wildgans, Werfel, Kaiser haben in Karl Hannemann einen schwächeren Nachzügler bekommen, dessen Gestaltungskraft für das kühne Thema, das er sich setzte, nicht ausreicht. Er wollte, den Sinn eines Goethewortes variierend, zeigen, wie der alle Hauser einen neuen Heiland der Welt zu schenken bestrebt war, als er den angenommenen Sohn für 20 Jahre in der Kammer einschloß und von allem Verkehr mit den Menschen fernhielt — und wie es fein Los wurde das „entfesselte Tier im Menschen' heranzuziehen, das er zuletzt selbst vernichtet. Mit der historischen, rührenden Gestalt des Kaspar Hauser hat diese Dramenfigur, in ihrem Schicksal vorbestimmt und ohne Willensfreiheit, wenig gemein. Nur eine Idee entnahm ihm der Autor — sie ist groß, aber in der Ausführung gescheitert. — Dem „Spuk im Alltag" stellten die Frankfurter Künstler, voran Norbert Schiller, Martha Schanzcr, Theodor Danegger ihre besten Kräfte und eine oieltönig gestufte Empftn- dungsskala zur Verfügung. Auch die Bühnenbilder Max Bosseckers waren zumeist von starker Kraft. Trotzdem — es blieb ein Versuch ohne Erfüllung. Dr. G. S. Der Arbeitsplan des Frankfurter Schauspiel« Hauses. Der Arbeitsplan des Schauspielhauses sieht die Aufführung folgender Werke vor: Nach her Uraufführung von Bernhard« „3 ag b Gottes" folgt noch im Januar ein Tanzspielabend, bei dem „Der Wald" zur Erstaufführung, „Die Hochzeit der Schäferin" zur Uraufführung gelangen werden. Beide Spiele sind von Lahusen. 3m weiteren Verlaufe der Spielzeit sind Ausführungen von Kleists „Kätchen von Heil- bronn", Raimunds „Bauer als Millionär" und Shakespeares .Othello" und „Sturm" geplant. An modernen Stücken wurden erworben „Mensch und Uebermensch" von Bernhard Shaw, die Groteski „B l u f f“ von Rudolf Schneider und die Komödie „Kade- brechts Meineid" von P. G. Hahn, letztere zur alleinigen Uraufführung. Düabschiedung Dr. Rottenbergö. Der erste Kapellmeister des Frankfurter Opernhauses, Dr. L. Rottenberg, wird im August 1926 aus dem Verband der Städtischen Bühnen ausscheiden. Nachdem er in Wien bei Fuchs und Mandhczerski studiert hatte und eine zeitlang Konzertbegleiter sowie Dirigent des Orchestervereins der Gesellschaft her Musikfreunde in Wien gewesen war. ging er auf drei Jahre nach Brünn und tarn dann auf Empfehlung von Johannes Brahms und Hans v. Bülow im Jahve 1893 nach Frankfurt a. M Der Ruf, den er sich hier als Opernhirigcnt erwarb, hatte auch ehrenvolle Berufungen nach auswärts, u. a. nach London, zur Folge. Die Retchsregierung aa Rudolf Gucken. Berlin. 5. 3an. (WTB.) Namens der Reichsregierung sandte Reichsw.hrminister Dr. Gehler an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Rudolf Eucken folgendes Telegramm: Zur Vollendung Ihres 80. Geburtstages sende ich Ihnen, hochverehrter Herr Geheimrat, im Namen der Reichs- regieritnq herzlichste Glückwünsche. Mögen Sie dem deutschen Volke als einer seiner großen geistigen Führer, dessen Lebenswtrk bei de. gesamten Kult urwett Anerkennung gefunden hat, noch lange erhalten bleiben. Don der Aniversität Würzburg. Zur Wiederbesetzung her durch den Weggang des ordentlichen LlniverftaUsprojessors Dr. Paul M o r a w i h nach Leipzig erledigtcn ordentlichen Professur für innere Medizin ist ein Rus an den ordentlichen Professor an der llniberfität R o sto ck Dr. Erich Grase ergangen. Ferner ist zur Wiederbesehung der durch den Rücktritt deö ordentlichen Llniver'i.'äts- professors Geh. Rates Dr. Eilhard Wiedemann an der Tlniversität Erlangen erledigten ordentlichen Professur für Experimentalphysik ein Ruf an den älniversitätsprofessor Dr. Bernhard G u d d e n in Göttingen ergangen. 400-Iahrfcier eines Nürnberger Gymnasiums. Das vielleicht älteste Gymnasium Deutschlands. das Alte Gymnasium (Melanch- thon-Gymnasium) in Nürnberg begeht in den Tagen vom 28. bis 30. Mai d. I. die 400°Iaht> feier seiner Gründung. Aus diesem Anlaß wird vor dem Ekandbilde Melanchthons ein Gedächtnisakt ftattfinöen, dem sich ein Festakt im Rathaus anschließen wird. AuS der Schschwelt. Donnerstag, den 7. Januar 1926, wird der Rheinschachmeister W. Orbach in der Freien Schachvereinigung zu Frankfurt am Main eine Simultan Vorstellung gegen 25 Gegner geben. Im diesjährigen Winterturnier der Freien Schachvereinigung zu Frankfurt am Main gingen als Sieger hervor: ilnger 1. Preisträger, Dr. Naumann, Concor 2. und 3. Preis geteilt. 3m Winterturnier des Schachvereins Anderssen zu Frankfurt am Main siegten: I. Preisträger F. Präger. 2. Preis Prof. Dr. Mannheimer, 3. Preis Sauer. 2lus aller Wett. Erdstoß im Rheinland. 21m 6. 3amtar, ungefähr 20 Minuten vor 1 Tlhr früh, wurde in Krefeld ein heftiger kurzer Erdstoß gespürt. Es scheint sich um ein Beben zu handeln, das im ganzen Rheingebiet beobachtet werden konnte. Beamte des Telegraphenamts teilten mit, daß d'.e Mehrzahl der nachts mit Beamten besetzten rheinischen Telegraphen- ämter dieselbe Wahrnehmung gemacht hätten. Nach bisherigen privaten Mitteilungen sollen Stühle und andere Gegenstände umgefallen sein. Einführung der Zugtelephonie. Wir erfahren von zuständiger «Stelle, daß die bisher zwischen Berlin und Hamburg.in einigen Zügen versuchsweise erprobte Telephonie vom fahrenden Zuge nunmehr endgültig am 7. Januar der Oeffentlichkeit zugänglich gernacht wird. Für den Fernsprechverkehr ist zunächst nur ein Nachrichtenaustausch mit Teilnehmern in Groh-Deriin, Wittenberge und Groß-Hamburg möglich Rundfunkgerät für Dttnd«. Unter den Blinden die Teilnahme am ün- terhaltungsrundfunk zu ermöglichen, veranstaltet die Ober post direktion Berlin in diesem Monat eine Sammlung. Außer Geldzuwendungen werden auch Empfangsapparate und Einzelteile entgegen^ enommen. Amerikareifende. Der Oberbürgermeister von München, Dr. S ch a r n a g e l, ist gestern in Begleitung mehrerer Mitglieder der Münchner Stadtverwaltung mit dem Hapagdampfer „Deutschland" von Hamburg nach Reuyork abgefahren. Mit dem gleichen Schift begibt sich der Wiesbadener Generalmusikdirektor Plemperet nach Amerika. Selbstmordversuch Paul Lafsirers. Der Berliner Kunsthändler und Kunstsammler Paul Cassirer hat gestern nachmittag versucht, durch Erschießen Selbstmord zu verüben. Er ist schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert worden. Seine Gattin, die Schauspielerin Tilla Durieux, weilt an seinem Krankenlager. Heber die Gründe des Selbstmordoersuchs weiß die „Voss. Ztg." mitzutei- lcn, daß Cassirer seit Jahren schwer herz- leidend ist und wahrscheinlich durch den kürzlich erfolgten Tod feines Bruders niedergebrochen war. Sein Befinden wird von den Aerzten als sehr bedenklich angesehen. Er ist sofort operiert worden. 3n der Trunkenheit zum Mörder. Der Mordkomission der Berliner Kriminalpolizei ist es gelungen, den Mord an dem Schuhmacher Grau, der in der Silvesternacht mit durchschnittener Kehle auf der Treppe des Hauses, in dem seine Wohnung lag, aufgefunden worden war, vollständig aufzuklären. Bei näherer IIn-- tersuchung des Rasiermessers, das neben der Leiche Graus gefunden wurde, ergab sich, daß dort der Name Schreiber eingekritzelt war. Als Eigentümer des Messers wurde der 23 Jahre alte Anstreicher Schreiber festgestellt und verhaftet. Seine Kleidung, besonders die Manschetten des Oberhemdes, waren stark mit Blut besudelt. In dem Verhör erklärte er, er sei so stark betrunken gewesen, daß er sich auf nichts mehr b e f i n n e n könne. Er könne die Tat weder zugeben noch bestreiten. Das Rasiermesser erkannte er als fein Eigentum an. Den Schuhmacher Grau hat her Verhaftete gar nicht gekannt. Brandstifter. Der MühlenbZitzer Georg Hausler in Aufhausen bei Nördlingen hatte im Frühjahr vorigen Jahres seine Mühle durch seinen Mullerb:,. scheu Rieder anzünden lassen mit bem Erfolg, daß das 'Besitztum völlig niederbrannte. Die Sache kam aber ans Tageslicht, und nun erhielt Rieder 3 Jahre und sein Herr als Anstifter 3 Jahre 7 Monate Zuchthaus. Beim Fensterln verunglückt. Beim Fensterln verunglückt ist ein led'ger Fabrikarbeiter in Goldkronach (Oberfr.). Hm fein Ziel zu erreichen, mußte er über das Dach eines Anbaues klettern. Dabei hielt er sich an einem Kamin fest, der zusammenbrach und den Arbeiter mit in die Tiefe riß. Durch die nachstürzenden Steimnassen wurde der Kops des Llnglücklichen furchtbar zugerichtet. Schafe von einem wildernden Hunde zerriften. Vor einem wildernden Hunde wurde in der Schäferei Verstand bei Wittdorf 24 Schafe zerrissen. Das Tier wurde vom Landjäger erschossen. Sein Besitzer wird den entstandenen Schaden von etwa 600 Mk. ersetzen müssen. Wettervoraussage. Vorübergehend aufklärend, harnt meist bedeckt, frische westliche Winde, etwas milher^ später wieder Niederschläge. Wir kommen nunmehr in den Bereich des starken Fallgebietes, dessen Kern heute noch immer südlich von Island lagert. Regnerisches stürmisches Wetter wird in den nächsten Tagen vorherrschen, während die Temperaturen zunächst noch etwas ansteigen, dann aber aufs neue finken werden. Gestrige Tagestemperaturen Maximum 7,6. Minimum 3 Grad Celsius. Heutige Morgen- temperatur: 3,5 Grad Celsius. Aus der Nrovinzialhauptstadt. Gießen, den 6. Januar 1926. Kulturelle Tagung in Götzen, vierter lag. Den ersten Vortrag hielt .Profeffor Dr. Huntemüller über die Erhaltung und Mehrung der deutschen Volkskraft. 2er Krieg brachte uns eine große Schwächung der Volkskraft an Quantität und Qualität. Besonders der qualitative Verlust fällt ins Gewicht, da der gute Stamm junger Männer im Felde stand und für die Fortpflanzung nicht in Betracht kam. Sehr starken Einfluß übte die Hungerblockade aus, die unsere Jugend körperlich schwächte. Der Rückgang der Geburten bedeutet eine Minderung unserer Volkskraft. Betrübend ist die Tatsache, daß nicht nur Zeiten der Rot und Verarmung, sondern gerade Zeiten des Wohlstandes einen Geburtenausfall zeigen. Mit dem Wachsen der Ansprüche macht sich ein materialistischer Egoismus breit, bem es lästig ist, für eine gute Nachkommenschaft zu sorgen; das beweist uns treffend der Geburtenrückgang in Deutschland vor dem Kriege. Geburicnausfall in Zeiten der Nöt geht meist auf Kosten der Qualität, denn die guten Elemente im Volk scheuen sich, ihre Nachkommen einem ungewissen Los auszusetzen und mindern deshalb deren Zahl herab, während die Minderwertigen derartige Hemmungen nicht kennen. Nach dem Vorbild der Chinesen müssen wir Be- oölkerungspolitik und Bodenreform treiben, wenn wir zu gesunden Zuständen zurückkehren wollen, und nicht dürfen wir im Materialismus versinken. Nachmittags sprach Professor Dr. Huntemüller über die Bedeutung der Leibesübung für die Jugenderziehung. Harmonisch gleichmäßige Ausbildung der törper- lichen und geistigen Kräfte, die im Menschen schlummern, muß uns heute Erziehungsideal fein, wie es schon dos der Griechen war. Der Mensch ist abhängig von dem Gute, was er bei der Geburt als Erbschaft auf de« Weg mitbekommt, und von seiner Umwelt, so vor allem von Ernährung, Wohnung und Erziehung. Soweit nun das Erbgut schlechte Veranlagungen enthält, kann man diese durch Erziehung zugunsten guter, bis dahin weniger entwickelter Eigenarten zurückdämmen. Daß auf körperliche Ertüchtigung viel zu wenig Wert gelegt wird, ersieht man schon daraus, daß bei weitem die Mehrzahl der zum Militärdienst Untauglichen nicht aus Kranken, sondern aus Engbrüstigen bestand, und baß ber Prozentsatz ber zum Militärdienst Tauglichen zwischen 20 und 30 o. H. schwankte. Das Geräteturnen der Turnvereine bildet kräftige Muskeln, vernachlässigt aber die Ausbildung von Herz und Lunge. Großer Wert ist auf bas Nacktturnen im Freien zu legen; denn es ist von höchstem gesundheitlichem Wert, die Haut den Sonnenstrahlen auszusetzen. Durch Sonnenbehandlung kann ber Dolkskrankheit ber Tuberkulose, ber englischen Krankheit u. a. m. erfolgreich entgegengetreten werben. Heilkunst und Gymnastik stehen so in engster Beziehung zuein- anber. Und nur ein gefunber Körper ist auch leistungsfähig. So gliebert sich denn die Gymnastik ein in dem Streben nach Stärkung des Volksganzen. * Der Tag wurde beschlossen durch einen Vortrag von Oberst 3manuel über den erzieherischen wert des allen Heeres. Den geschichllichen Ursprung unseres alten Heeres bildete die Armee Friedrichs des Großen, die, wenn auch von Haufe aus aus schlechtem Material, durch strafte Disziplin zu der Truppe erzogen worden war, die sich im Siebenjährigen Kriege bewähren sollte. Nach Friedrichs II. Tod schlief man auf den Lorbeeren dieser großen Vergangenheit ein. Die Folge war der Zusammenbruch im Jahre 1806. Doch Scharnhorst schuf aus den Trümmern eine von neuem Geist beseelte Wehrmacht. Zugleich wurden die sittlichen Strafte der Jugend erweckt und sie im Sinne der Wehrfähigkeit erzogen. 1814/15 wurde die allgemeine Wchrpflicht eingeführt und das Heer geschaffen, dem Preußen seine Vormachtstellung verdankte. Denn durch dieses Heer war Preußen in der Lage, sich selbst in feinen Stämmen zu einigen und auch den nationalen Fort- schritt zu fördern. Die Standesunterschiede wurden Überbrückt; Gehorsam, Verantwortlichkeitsaefühl und Gemeinschaftsgeist waren die Folge ber Wehr- pflicht. 1870 erlebte bieses preußisch-deutsche Heer feinen Höhepunkt, von dem es bis 1918 nicht mehr herabsank. Und selbst ein Marschall Fach mutzte anerkennen, daß es eine ftahlhärtere Armee als die deutsche nicht gegeben habe. Doch trotz dieser glänzenden Erziehung unterlag das Heer ber lieber- macht. Der alte Geist aber lebt fort in bem kleinen Reichsheer. Die Jugend müßen wir körperlich unb sittlich schulen im Gedanken an das Vaterland. Ein Volk, das das Selbstbewußtsein nicht verliert, kann nicht untergehen. Hn. SLandesamIsnachrrchten aus Hessen. Nach den Mitteilungen der Zentrale für die Landesstatistit waren tm dritten Quartal 1 9 2 5 bzw. 1 924 zu verzeichnen: Gestorbene 1925: 3213. 1924: 3159; Eheschließungen: 1925' 2461, 1924: 2174; Lebend geborene: 1925 6625. 1924: 6336. An Todesursachen wurden festgesteUt (Die in Klammern gesetzten Zahlen bedeuten 1924 gleich? Zeit): Ang?bliche Lebensschwache und Bildungsfehler 153 (167); Altersschwäche 405 (395); Kindbettfieber 12 (bf.- andere Folgen her Geburt oder des KiudbetteS 16 (15); Scharlach 2 (3); Masern und Röteln 26 (1); Diphtherie 6 (9); Keuchhusten 27 (15); Typhus 5 (7); Rose 9 (6); andere Wundinsek- tiorrskrankhriten 45 (41); Tuberkulose der Lungen 234 (244); andere Organe 76 (70), akute allgemeine Miliar-Tnberkülose 11 (11); Lungen- entzündung 196 (157); Influenza 12 (21); andere übertragbare Krankheiten: Venerische Krank- HauMt. a ö' ig26 ].in r,. 8 wtb«, 'N den rn ' Setn >ich lagert. no* den nö4ft9net'Ä S*"S8?»4J b,v*^ 8. 9C ^Otg?n. temiiUet l,U"8 ^Mdn XtÄ?' » W 'ft ■fe: -Ärvck "(iy w '°wa»s 0Zrä>9 in : ^^urtcnousion in der Qualität, öo(f scheuen sich, jhrc i Ö05 ausaufegen i lurob, während die iniungen nicht kennen. Hen muffen wir De- ■efonn treiben, wenn Zuruckkehren wollen tenalismus versinken. ntemüller eibeeübung für die rang. sbilbung der körper- - im Menschen schimn- ungsideal sein, wie es Der Mensch ist obhän- ■\ der Geburt nls Erb- sit, und von seiner Um- ihnmp, Wohnung und Erbgut schlechte Der- n dwse durch Erziehung i weniger entwidelter M aus körperliche Errett gelegt wird, ersieht >eitem die Mehrzahl der len nicht aus kranken, bejianb, unb Sah der iienft Zaugli&n jmi- !te. Das Geräteturnen ge Muskeln, vernach von hetz und Lunge, dttumm im Freien zu chsiern gesundheitlichem lenstrahlen auszusetzen. :ann der Mskrankheil scheu Krankheit u.a.m. werden. Heilkunst und gster Leziehung zuein- er Körper ist auch lei- denn die Gymnastik ein mg des Dolksgonzen ■n durch einen Lomag rzjeherischen Werl der res. unseres alten Heeres ii bei Großen, die, 15 schlechtem Material, der Truppe erzogen L?rS* ? VÄii iuSiÄ Ts iä£s NrantworM M TO** S der Weber« das Heer 6 {(einen lebt fort ® ergA und ®n ckrichten aus ,% .**$£** 2e&en?{ütfa^en (n Tode Slamniern » < !chc .n »®5tv ML "m d-r ■l Sem <,»>: «r andere ® ßung^ MlV 8. »SÄ heilen in Starkenburg 4, in Rheinhessen 12; Genickstarre In Starkenburg 1, in Rheinhessen 2; Ruhr in Starkenburg 2, in Rheinhessen 1; Schlafkrankheiten in Rhein Hess en 23 (18); Krankheiten der Atmungsorgane 82 (18); Krankheiten der Kreislaufsorgane 510 (512); Gehirnsch ag 242 (232); andere Krankheiten des Rervenshstems 116 (117); Magen- und Darmkatarrh. Brechdurchfall 89 (98); andere Krankheiten der Bcr- dauungsorgane 131 (126); Blinddarmentzündung 24 (13); Krankheiten der Harn- und Geschlechtsorgane 93 (83); Krebs 337 (332); andere Reubildungen 34 (38); Selbstmorde 68 (67); Mord und Totschlag 4 (11); Verunglückungen 105 (117); andere benannte Todesursachen 85 (111); Todesursachen nicht angegeben 40 (49); Gesamtzahl 3218 (3159) Allgemeine Ortskrankenkasse Gietzen-Sadt. Lieber die Verhandlungen in der außerordentlichen Ausschuß-Sitzung der Allgem. Ortskrankenkasse Gießen- Stad t wird uns von der Leitung der Kasse geschrieben: In dieser außerordentlich ernsten Zeit, der Zeit der Geldknappheit, der Betriebsstillegungen und großen Arbeitslosigkeit war die Kasse seit 35 Jahren zum erstenmal genötigt, eine Herabsetzung ihrer zur Zeit hohen Lei st un gen vorzunehmen. Rur schweren Herzens hatten sich Vorstand und Verwaltung dazu entschließen können, dem Ausschuß eine derartige Porlage zu unterbreiten, jedoch die überaus gefahrvollen Verhältnisse ließen keinen anderen Ausweg zu. Ein kurzer Rückblick auf die letzten zwei Monate möge darlegen, wie sich die D e r h alt - nisse der Kasse entwickelt haben. Roch Anfang November hatte es den Anschein, als ob das Jahr 1925 mit einer einigermaßen schönen Rucklage abschlicßen würde, die den gesetzlichen Bestimmungen über den Reservefonds genügte. Dies immer noch, obwohl die Kasse seit 1. 4. 25 zum erstenmal auf Kassenkosten erholungsbedürftige Mitglieder in ein Erholungsheim sandte und hierdurch eine Mehrausgabe von über 10 000 Mk. entstand. Während der ersten Hälfte des Monats November stieg infolge Arbeiterentlassungen die Kran- kenziffer gegen den Vormonat jedoch gab dies zu Bedenken zunächst keinen Anlaß, da die gesetzliche Rücklage noch gesichert war. Als aber Ende November und insbesondere im Dezember 1925 weitere Betriebsstillegungen erfolgten und obendrein noch die grimmige Kälte einsetzte, die wiederum eine Anzahl Betriebe zur Einstellung ihrer Arbeit zwang, wurde die Kasse derart mit Krankmeldungen überhäuft, wie dies seit Bestehen der. Kasse noch nicht zu verzeichnen gewesen ist. In der Zeit vom 8. 11. bis 20. 12 19 2 4 liefen 724 Krankmeldungen bei der Kasse ein, im gleichen Zeitraum des Jahres 192 5 dagegen 1412, also rund 100 Prozent mehr. Hierzu muß be- merkt werden, daß in dem Jahre 1925 im Gegensatz zu 1924 die Krankmeldungen gerade von der höchst enllohnten Arbeiterschicht geschah, die entsprechend auch die höheren Leistungen (4,90 und 5,60 Mk. Krankengeld pro Tag) erhalten haben. Das Krankengeld, welches die Kasse im Monat Dezember 1924 auszahlte, betrug 16 408,84 Mk., während in derselben Zeit in 1925 48 779 Mk. zur Auszahlung kamen, also rund 200Prozentmehr. Hierzu sind als Mehrausgaben noch die entsprechenden höheren Arzchonorare, Medikamente usw. in Betracht zu ziehen. Hieraus folgernd, dürfte ohne weiteres einleuchten, daß auf die eine oder andere Weife eingegriffen werden mußte, um den Bestand der K a s s e z u sichern. Dies um so mehr, als die Krankenkassen erfahrungsgemäß im Frühjahr stets mit höheren Krankenziffern zu rechnen haben. Auch die allem Anschein nach sich noch verschlechternde wirtschaftliche Lage mahnt sehr zur Vorsicht. Gerade mit Rücksicht hierauf glaubte man eine Beitragserhöhung nicht beschließen zu können, da sie Arbeitnehmer und Arbeitgeber weiter belasten würde. Es wurde dann nach eingehenden Erwägungen der Beschluß gefaßt, den § 19 der Satzung dahin abzuändern, daß ab 4. 1. 26 das Krankengeld für Ledige 50 Prozent und für Verheiratete 60 Pro - zentdesGrundlohnes betragen soll und dieses vom 4. Kranlheitstage an gewährt wird. (Seither betrug das Krankengeld 60 bzw. 70 Proz. und wurde vom zweiten Tage an gezahlt.) Ob diese Maßnahme ausreichen wird, dürfte von den wirtschaftlichen Verhältnissen und den damit verbundenen Arbeitsgelegenheiten abhängig fein, denn das Steigen der Erwerbslosenziffern bedeutet entsprechende Steigerung der Krankenziffer und demzufolge erhöhte Ausgaben für die Krankenkassen. Die Krankenkassen sind hierin vollständig schutzlos. Sie haben, wenn vom Arzt die Arbeitsunfähigkeit bescheinigt wird, das zustehende Krankengeld zu zahlen, einerlei, ob die Gründe, die mit der angeblichen Erwerbsunfähigkeit nichts zu tun haben, das Hauptmoment der Krankmeldung find. Denn es ist doch sehr merkwürdig, daß bei Stillegung v o n Betrieben sich in manchen Betrieben f a ft sämtliche seither Beschäftigten krank meldeten und auch krank geschrieben wurden. Dse Kasse mußte natürlich sofort hiergegen Gegenmaßregeln ergreifen, diese besteht lediglich nur in den oertrauensärztlichen Nachuntersuchungen. Bis diese stattfinden können, gehen in der Regel 10 bis 12 Tage vom Tage der Krankmeldung an verloren. Unb gerade bei diesen Nachuntersuchungen zeigten sich die merkwürdigsten Bilder. Es konnte nicht allein bei unserer Kasse, sondern auch bei fast allen anderen Kassen festgestellt werden, daß von den Geladenen bis zu 60 Proz. sich vor der vertrauensärztlichen Nachuntersuchung gesund schreiben ließen ober zu berselben gar nicht erschienen. 20—30 Proz. wurden vom Vertrauensarzt für arbeitsfähig erklärt, unb nur ber kleinste Rest blieb arbeitsunfähig. Wo liegt ber Fehler unb wer ist fchulb an bem Mißbrauch, ber mit ben Krankengeldern getrieben wird?? Diese Frage soll unb kann hier nicht erörtert werden, aber die maßgebenden Faktoren sollten doch ernstlich mit sich zu Rate gehen, bevor alle Mehrleistungen cingeftcllt werden müssen, ob dieser Mißbrauch nicht ernster wie seither bekämpft werden muß. Daß eine baldige Besserung ber Lage bei ben Krankenkassen und damit ein recht baldiges Wieder- intrafttreten ber alten Leistungen an bie Mitglieber eintreten möge, war der Wunsch aller Versammlungsteilnehmer. Znm wirtschastswissenschostlichen Stndinm. Don der Leitung der Oessentlichen Handelslehranstalt wird uns mitgeteUt, daß auf ihren Antrag hin die Wirtschaflswissen- schaftliche Fakultät der Llniversität Frankfurt die Frage der Anrechnung von in Gießen verbrachten Studiensemestern wie folgt geklärt hat: Für das Studium zum Diplomkaufmann und Diplomhandelslehrer werden in Frankfurt nicht nur die Semester immatrikulierter Studierender der Gießener Universität voll angerechnet, sondern auch Hörer semester, falls ein ordnungsmäßiges Studium in Wirtschaftswissenschaften nachgewie- sen wird. Dazu ist erforderlich, daß die laut der in Betracht kommenden Prüfungsordnung gewählten Fächer in den Hörersemestern Doli berücksichtigt sind. Rachdem seit Beginn dieses Semesters auch in Gießen die Dozentur für Betriebswirtschaftslehre hauptamtlich beseht ist (Prof. Dr. A u l e r), kann der Anforderung auch in bezug auf dieses Fach voll entsprochen werden. Rur die zwei letzten Semester des mindestens sechssemestrigen Studiums müssen in Frankfurt abgelegt werden. Zu berücksichtigen ist aber, daß Richtabiturienten spätestens zwei Semester vor der Diplomprüfung die vorgeschriebene Ersahreifeprüfung an der Uni- versität Frankfurt bestanden Haden müssen. Alles Räßere wolle man aus den Organisationsplänen der Oe ff entliehen Hanvelslehranstalt entnehmen, die den Interessen zur Verfügung stehen. Obige Anrechnung ist für die Gießener Jugend deshalb sehr bedeutungsvoll, weil sie beim Studium zum Diplomlaufmann und Diplom- handelslehrcr einen Teil der Semester in Gießen abfDiDicten kann. Der Weg für Schüler und Schülerinnen mit Oberfcfunbareife geht am besten über die Oeffentliche Höhere Handelsschule und eine 2—3jährige kaufmännische Praxis zum akademischen Studium, das in Gießen begonnen werden kann und nach etwa 3 Semestern in Frankfurt fortzusetzen wäre. Rach weiteren drei Semestern, also insgesamt sechs Semestern, kann die Diplomprüfung abgelegt werden. Im vierten Semester muß spätestens die oben genannte Ersatzreifeprüfung bestanden werden, zu deren Vorbereitung an der Universität Frankfurt Kurse eingerichtet sind, deren Besuch aber freiwillig ist. Aus dem eben skizzierten Studienplan ist ersichtlich, daß die Gießener Schüler und diejenigen der Umgegend durch ihr Verbleiben im Elternhaus während der ersten Semester große finanzielle Vorteile haben und manchem das wirtschaftswissenschaftliche Studium dadurch erst ermöglicht wird. Zur weiteren Orientierung der Interessenten sei noch betont, daß der Besuch der höheren Handelsschule für das wirtschaftswissenschaftliche Studium drei Vorteile bringt: einmal die Anrechnung des Schuljahres auf Die von der Universität verlangte kaufmännische Praxis, zum andern eine gewisse Vorbereitung auf die Ersatzreifeprüfung, zum dritten Befreiung von der sonst verlangten kaufmännischen Fach- Prüfung als Vorprüfung. Wer den Besuch einer zweijährigen höheren Handelsschule nachweist, dem werden zwei Fächer in der Grsatzreifc- prüfung erlassen, nämlich eine Fremdsprache und Mathematik oder Buchführung und kaufmännische Arithmetik; es bleiben noch Deutsch, Geschichte, Geographie, eine Fremdsprache und Finanzmathematik. Dabei wird die wirtschaftliche Einstellung in den Fächern nach Möglichkeit berücksichtigt. Dieser Erleichterung wegen wird auch in Gießen das zweite Jahr der höheren Handelsschule angestrebt. Das Kuratorium der Oef- fentlichen Handelslehranstalt hat in seiner letzten Sitzung den Ausbau der höheren Handelsschule zu einer zweijährigen Schule grundsätzlich genehmigt. Unter Voraussetzung einer genügenden Schülerzahl wird ein dementsprechender Antrag beim Landesamt für das Dildungswesen eingereicht werden. Bornotizen. Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 7*/s ^lhr „Der Glückspilz" (Ende gegen 10 Uhr). — Kulturelle Tagung des Hess. Vaterländischen Blocks: 8 Uhr Kathol. Vereins- Haus Vortrag von Dr. Stadler. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Motorbraut". — Astoritr- Lichtspiele, Seltersweg: „Heber alles das Vaterland". — Ueber „Wunder der Gedankenheilung und Cou6-Methode" spricht am Freitag abend im Kath. Vereinshaus Dr. med. Keller. Zu diesem Vortrag schreibt man uns u. 65»______Bürgermeisterei Schotten Sie Gemeinde Rödgen hat einen Simmentaler MM-Men zu vergeben. Angebote per Ztr. Lebend, gewicht können bis Donnerstag, den 7. 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FilialeGiehen, folgendes eingetragen Dr. jur. Hugo Fleischmann in Berlin ist aus dem Vorstände der Gesellschaft ausgeschieden. Gießen, den 4. Januar 1928. 1788 Hessisches Amtsgericht. Nr. 4 Zweiter Blatt GiehenerAnzeiger (General-Anzeiger für Vderhesfen) —■!« ■ ii i j - izraraiXLir r.- .*< ^wiHiHKBniuMKvvHKiD Mittwoch, 6. Zanuar 1926 Aus Namr und Technik. Lastkraftwagen und Mowromnibuffe (Nachdruck verbaten.) Auf der Berliner Automobil-Ausstellung hatte man Gelegenheit, über den heutigen Stand in der Entwickelung der Nuhkraftwagen ein anschauliches und interessantes Bild zu gewinnen. Bor allen Dingen sah man deutlich die Trennung in vier Gruppen (Lieferungswagen bis P/i To., leichte und schwere Lastkraftwagen und Motoromnibusse). Die Geschäfts- oder Lieferungsmagen, welcher zur Zeit besonders in den Großstädten eine starke Zunahme erfährt, hat sich unmittelbar aus dem Personenwagen heraus entwickelt und benützt fast stets dasselbe Chassis und denselben Motor, nur die Karosserie ist eine andere. Seine Tragfähigkeit bewegt sich in den Grenzen von | bis H. Sein Aufbau kann jede Form erhalten, wie z. B. als offener Pritschen- oder als geschlossener Kastenwagen. Auch als leichter Kran- kentradsportwagen findet er Anwendung. Diele Firmen verwenden einen auf ihre Fabrikation Bezug nehmenden Spezialaufbau und erzielen damit eine außerordentlich gute werbetechnische Wirkung. Aehnllches kann auch durch eine entsprechende und künstlerisch schön durchgearbeitete Firmenbezeichnung, besonders bei geschlossenem Kostenaufbau erreicht werden. Unseres Erachtens wird von dieser Gelegenheit noch viel zu wenig Gebrauch gemacht. Kommt doch der überall herumfahrende Kastenwagen in engste Beziehung mit dem Kundenkreis. Die Opelwerke in Rüsselsheim stellen anschließend an den Bau ihres 10/45-P. L.-Personen- wagens einen I-Tonnen-Lieferwagen in Großserien- fabrikation her, dessen Chassis mit Aufbau als Pritschenwagen mit Segeltuchverdeck, als Kastenwagen oder als Hotelomnibus versehen werden kann. Der Wagen ist bis in die kleinsten Details aufs beste ausgeführt, besonderer Wert ist auf niedrigen Brennstoff- und Reifenverbrauch sowie eine hohe Nutzgeschwindigkeit gelegt. Der 9/30-?. 8.-Lieferwagen der P r e st o w e r k e in Chemnitz mit 750 Kilogramm Tragfähigkeit ist ebenfalls ein vorzüglicher Geschäftswagen für Handel und Industrie. Die Hansa Lloyd Werke in Bremen kann er außerdem noch zwölf Personen befördern. Die Interessengemeinschaft Mercedes-Benz haben einen neuen Nutzwagentyp herausgebracht, welcher in zwei Größen, die 2- bis 3-Tonnen-Wagen im Werk Berlin-Marie nfelde, gebaut werden. Diese Trennung in der Fabrikation hat sich schon voll bewährt und setzt wesentlich die Herstellungsunkosten herab. In beiden Werken wird natürlich nach den neuesten Grundsätzen der fließenden Fertigung gearbeitet. Neben Lastwagen von 2 und 5 Tonnen Nutzlast baut Mercedes-Benz Mo- toromnibusse auf Niederrahmenfahrgestell für 26 und 40 Personen sowie einen Sechsrad-Omnibus für 60 Personen. Don den schweren Lastwagen ist besonders ein Universal-Kipper mit Dierrad-Luft- Sechsrad-Omnibus der Büssing-Werke. dreiachsigen Großflächenwagen „Octonom", der in vieler Beziehung außerordentliche Vorteile bietet. Die Konstruktion dieses dreiachsigen Fahrzeuges zeigt einen aus zwei Hauptbestandteilen zusammengestellten Kraftwagenzug, von dem der erste Teil ein zweiachsiger Motorzugwagen, der zweite em Anhänger ist. Durch eine patentierte Schnellkupp- lang erfolgt das An-und Abkuppeln des Anhängers völlig automatisch und wird lediglich durch das Heranfahren der Zugmaschine an den Anhänger bewirkt. Die schmalspurige Vorderachse des Anhängers kommt zwischen die Hinterräder der Zugmaschine zu stehen und klappt automatisch beim Kuppeln hoch, beim Entkuppeln herunter. Diese Einrichtung ermöglicht eine restlose Kraftausnutzung der Zugmaschine. Durch Einrichtung eines Pendelverkehrs ist die Zugmaschine für verschiedene Arten von Anhängern zu verwenden. Der Pendelverkehr und das Wechselwagensystem mit dem „Ockonom" ermöglichen nicht nur eine wirtschaftliche und restlose Motorkraft, sondern sparen enorm an Bedienung (ein Wagenführer gegen drei Wagenführer und drei Beifahrer). Wie vielseitig der Kraftwagen in Spezial füllen Verwendung finden kann, zeigt ein Verkaufswagen her C. D. Magirus A.-G. in Ulm und ein Ear- dinenvorführungswageu her Dogtländischen Maschinenfabrik (V o m a g) in Plauen. Die Verkaufswagen bieten für bestimmte Verkaufs- zwecke, z. B. auf Jahrmärkten, infolge ihrer großen Beweglichkeit große Vorteile. Während der Fahrt ist der Wagen ein geschloffener Kastenwagen. Der Gardinenvorführungswagen kann sowohl den Großabnehmer als auch die Kundschaft auf dem Lande aufsuchen und ihm die neuesten Modelle vorführen. Auch für andere Branchen, besonders der Zweiachsiger Niederrahmen-Omnibus der Mannesmann Mulag, Aachen. Octonom, Grohflächenwagen (Wumag, Görlitz). LMM p,n r:nai£i muuitumiilil,'',i-'l7 Der neue Daag-Rahmen. Akt die Lieferunaswagen schließen sich unmittelbar die leichten Lastkraftwagen an, welche vielfach als Schnellastwagen bis zu 50 Kilometer Stundengeschwindigkeit fahren. Ihre Tragfähigkeit liegt zwischen 2 bis 3 Tonnen. Don 3 Tonnen Tragfähigkeit ab beginnt das Reich der schweren Lastkraftwagen. Der gebräuchlichste Typ ist der 4- bis 5-Tonnen-Wagen, welcher entweder als Pritfchenwagen für Stückgut aller Art oder als Kippwagen für Scküttgul ausgebildet wird. Zur Beförderung besonders schwerer Güter kommen auch Dreiaa>swagen in Betracht. Sowohl die leichten als auch die schweren Lastkraftwagen können noch einen oder gar zwei Anhänger ziehen. Man spricht dann von einem Kraftwagenlastzug. Mit Recht wird die Handbremsung durch die maschinelle Bremsung mehr und mehr zurückgedrängt. Mit in erster Linie ist hierbei die Druckluftbremse der Knorr-Bremse A.-G. in Berlin-Lichtenberg zu nennen, welche heute schon bei zahlreichen Personen- und Lastkraftwagen eingebaut ist. Sie ist einfach zu bedienen und von absolut sicherer Wirkung. Die M o t o r o m n i b u s s e stehen in engster Beziehung zu den Lastkraftwagen und haben sich vielfach aus ihnen heraus entwickelt. Ihre Verbreitung hat in der letzten Zeit außerordentlich zu- genommen, und zwar gilt das sowohl für den «tadt- als auch für den Ueberlandverkehr. Sie können je nach Große 15 bis 60 Personen befördern und gliedern sich in erster Linie in solche mit tiefliegenden und gewöhnlichen Rahmen. Bei den Nie- derrahmen-Omnibussen ist nicht nur der Einstieg bedeutend leichter, sondern auch das Fahren infolge ihrer tieferen Schwerpunktlage angenehmer. Der zuerst bei den Omnibussen aufgekommene Typ des Niederrahmens hat wieder auf den Lastkraftwagenbau Rückwirkungen gehabt und Veranlassung gegeben, daß man heute auch Lastkraftwagen mit tiefliegenden Chassis herstellt. Ehe wir dazu übergehen, den Leser an Hand einiger Beispiele noch etwas näher in den Aufbau und die Verwendung der Nutzkraftwaaen einzufüh. ren, müssen wir die erfreuliche Tatsache hervorheben, daß bei den Lastwagen und Motoromni- buffen die deutsche Industrie wieder mit an sühren- render Stelle steht, und dies nicht nur in technischer Beziehung, sondern auch in den Herstellungskosten. Dies hat einen steigenden Export auf dem Weltmarkt zur Folge. DieNüchemitelettrifchemAntried Don Ingenieur Karl Trott. Nachdruck verboten. mi. Meine Frau, das Muster einer deutschen Hausfrau an Fleiß und Sparsamkeit, schimpfte schon längst über viele geitraubenbe Küchenarbeiten. Hauptsächlich das Kaffeemahlen war ihr ein Greuel. Als nun Die Kaffeemühle altersschwach wurde, wagte ich die Ausgabe für eine mit elektrischem Antrieb. Die ob solcher Verschwendung aufziehenden Wetterwolken wurden schon beim Mahlen der ersten halben Pfundes Kaffee zerstreut, denn statt des langweiligen Drehens der Kafteemühle konnte meine Frau in dieser Zeit eine andere Arbeit vornehmen. Ganz Unrecht hätte sie allerdings nicht gehabt, wenn der Elektromotor nur hin und wieder die Kaffeemühle angutreiben gehabt hätte. Das wäre un- wirtfchaftlich gewesen. Es gibt aber in der Küche noch eine Reihe anderer Arbeiten, die man ebensogut dem Motor überlassen kann, der hierdurch zu einem fleißigen und helfenden Gesellen wird und feine Anschaffungskosten mit Zinsen zurückgibt. Man braucht ja den Motor nur mit einer Befestigungs- Vorrichtung für die Küchenmaschinen ober mit Schnell-Omnibus der Hansa-Lloyd-Werke. Chassis mit Blechträger-Rahmen her 5-Tonnen-Daag-Lastwagen bauen einen 2-Tonnen-Schnell-Lastwagen mit 40 P. S„ welcher mit Anhänger bic hoppelte Last auch in schwierigem Gelände zu beförbern vermag und in der Ebene auf Riesenluftreifen 40 Kilometer Geschwindigkeit entwickelt. Er wird ebenfalls mit entsprechender Karosserie auch als Omnibus verwendet. Durch Umstellung des Werkes auf Großfabrikation wurde erreicht, daß der Preis dieses bekannten Wagens stark gesenkt werden konnte und er heute billiger als ein amerikanischer Wagen ist. Interessant ist ein neuer Tiefomnibus vom Hansa Lloyd (mit 19 Personen in der Fahrtrichtung), welcher nach den amerikanischen safety coaches nachgebildet ist. Mit nur 52,5 Zentimeter Abstand von Chassisooerkante bis zum Erdboden dürfte er wohl der mit der tiefsten Schwerpunktlage sein. Die Folge davon ist nicht nur ein sehr bequemer Einstieg, sondern Z)ie tiefe Schwerpunktlage bringt ein angenehmes Federn und eine große Sicherheit in den Kurven mit sich. In einem Anhängewagen druckbremse und einer vorn Fahrmotor aus hydraulisch betriebener Kippvorrichtung zu erwähnen. Die Faunwerke in Nürnberg haben das verflossene Jahr dazu benutzt, um unter Verwendung eines 22/70-?. 8.-Maybach-Motors einen sehr interessanten Nutzwagentyp zu entwickeln, welcher als 4- bis 5-Tonnen-Eiltransvprtwagen und als Omnibus mit 35 Personen m Frage kommt. Er ist mit der Knorrschen Druckluftbremse ausgerüstet und hat tiefliegendes Fahrgestell. Die Deutsche Lastautomobilfabrik (Dong) in Düsseldorf-Ratingen bringen einen Lastwagen heraus, bei dem an Stelle des sonst übttchen U=förmig gepreßten Rahmens ein ans dünnem Blech hergestellter Kastenträger verwendet ist, der den Vorteil großer Festigkeit mit geringem Gewicht verbindet. Die „Wumag" Waggon- und Maschinenfabrik A.-G. Görlitz baut einen Textil- und Modenindustrie, dürften solche Wagen sehr vorteilhaft sein. Der gugfernsprecher. Von Wilhelm Buchmann. 1 (Nachdruck verboten.) In diesen Tagen wird bei der Deutschen Reichsbahn nach langen Versuchen eine neue Einrich- tung endgültig dem Betrieb übergeben werden, die dazu berufen erscheint, ein wichtiges Glied der Nachrichtentechnik zu werden: Der Zugfernsprecher. In aller Stille sind in den letzten Jahren umfangreiche Versuche und Vorarbeiten gemacht worden, um die aus dem Jahre 1915 stammende grundlegende Erfindung so auszubauen, baß sie zu einem wirklich brauchbaren Verkehrsmittel wurde. Deutschland ist das erste Land, das den Zugfern- sprecher einführt. Dieser Fortschritt ist in erster Linie der Tatkraft deutscher Erfinder und deutscher Industrieunternehmungen sowie nicht zuletzt dem Weitblick der Deutschen Reichsbahn und der Deutschen Reichspost zu verdanken. Die Entwicklungsgeschichte des Zuafernsprechers. seine Geräte und die Betriebsweise sind so interessant, daß sie im Nachstehenden einmal näher beleuchtet werden sollen. Der Wunsch, vom fahrenden Zuge aus ständig mit einer ortsfesten Fernsprechstelle m Verbindung zu bleiben, ist fast so alt wie der Fernsprecher selbst. Es hat daher auch nicht an frühzeitigen Versuchen und Vorschlägen in dieser Richtung gefehlt. Hand in Hand damit ging auch oft der Wunsch, nur Zeichen, insbesondere für Zugsicherungszwecke, zu übertragen. Alle Bemühungen mußten aber von vornherein aussichtslos fein, da die Technik noch nicht so weit fortgeschritten war, um den Erfindern bereits die für die Lösung der Aufgabe notwendigen Hilfsmittel bieten zu können. Besonders waren es amerikanische Erfinder, die die neue Aufgabe reizte, und selbst Edison hat sich eingehend damit befaßt, ohne jedoch zu -einem brauchbaren Ergebnis zu kommen. Die Sache schien zwar an sich sehr einfach zu sein: Neben dem Gleis werden blanke Fernsprechbrähte verlegt, an denen am Zug befestigte Schleifkontakte — etwa wie die Stromabnehmer bei der Straßenbahn — entlang gleiten, und die Verbindung ist fertig. Leider ziehen die an den Kontaktstellen stark gMg.rwi iniiiwin?gBBamni ihm ■ einer beweglichen Welle für deren Antrieb zu versehen und die gewünschte Maschine hervorzuholen, und die Küche mit elektrischem Antrieo ist fertig. Wie berits erwähnt, gehört zur elekttischen Küche ein kleiner brauchbarer Elektromotor von etwa i Pferdestärke. Sein Stromverbrauch entspricht dem eines ganz kleinen elektrischen Bügeleisens. Der Motor darf aber nicht an irgendeiner Stelle der Küche festgeschraubt ober sonstwie befestigt werden, Denn bas würbe stören, weil er ja nur dann und wann gebraucht wird. Auch an einen bestimmten Raum darf er nicht gebunden fein, damit er überall verwendet und an jede Steckdose der Lichtleitung angeschlossen werden kann. Aeußerlich ist an dem Motor nichts Auffallendes. In feinem Innern befindet sich aber ein besonders wichtiger Teil, das Getriebe, das dazu dient, der Antriebswelle der Küchenmaschinen die günstigste Drehzahl zu geben. Es ist ja bekannt, daß die Elektromotoren sehr schnell laufen, wahrend die Maschinen für den Haushalt nur etwa 100 Umdrehungen in der Minute zulassen. Ist z.B. eine der gebräuchlichsten Maschinen, eine Fleischhackmaschine, anzutreiben, so rotrb der Zapfen ihrer Schnecke mit her Motor- welle gekuppelt, der Stecker in die Dose an her Wand eingefuhrt, »mb schon befindet sich bic Hackmaschine in voller Tätigkeit. Der Bedienende hat weiter nichts zu tun, als für ununterbrochenes Nachfüllen zu sorgen. Die Arbeit geht spielend vor sich, der Motor ermüdet nicht, und kostbare Menschenarbeit wird für wichtigere Aufgaben gespart. Wenn man berücksichtigt, wie mancherlei Dienste allein eine Hackmaschine bei Verwendung von Loch- scheiben mit verschiedenen Lochweiten gestattet, wird man den Wert solcher Maschinen zu schätzen wissen. Ist die Arbeit beendet, jo wird die Kupplung gelöst, und an die Stelle Der Hackmaschine tritt eine Reibemaschine zum Reiben von trockenem Brot, Kartoffeln ober anberen Sachen. Während der Ein- machzeit, in her die Hausfrau besonders mit Arbeit überlastet ist, kommt die Fruchtpresse zu ihrem Recht. Das Auspressen selbst großer Mengen von Beerenfrüchten ist eine ganz einfache Arbeit. Sauber und mühelos geht sie vor sich, nur das Einfüllen der Früchte, das Fortschaffen des ausgepreßten Saftes und her getrennt austretenden Treber bleibt zu tun übrig. Eine Bohnenschneidemaschine gibt es auch, deren Leistung bei vorzüglichem Schnitt außerordentlich groß ist. Jedes Kind kann diese Maschine bedienen und wird es gern tun, denn die Bohnen einführen und im gleichen Augenblicke in feine Streifchen zerlegt zu sehen, ist wirklich ein Vergnügen. Jedes besondere Kapitel ist in das Putzen der Messer und Gabeln. Es find zwei verschiedene Arten Messerputzmaschinen. Beide erfüllen ihren Zweck in hervorragender Weise und sind in ihrer Behandlung und Bedienung gleich einfach. Ist einmal der Elekromotor vorhanden, so kann man mit ihm auch Eis- und Buttermaschinen, Kafferöstmaschine, Teigrührmaschinen, Brotschneidemaschinen und wie sie alle heißen mögen, antreiben. Wie weit man darin gehen will, wird sich ganz nach den Ansprüchen richten, die man an die Ausrüstung einer Küche stellt. Auch ist es nicht gleichgültig, ob man eine Gasthausküche ober bi« eines kleineren Haushaltes elektrisch einrichten will. Hiernach richtet sich auch die Größe her Maschinen. Alle haben aber den Grundgebanken, baß jede Oe* fahr für die bedienende Person ausgeschlossen ist, und völlig ungeschulte Kräfte mit jeder Maschine arbeiten können. Eine der leidigsten Fragen ist heutzutage die nach Dienstboten. Die Küchenarbeiten müssen aber erledigt werden, denn der Magen verlangt nach feinem Recht. Wenn daher findige Köpfe versucht haben, In der elektrischen Kraft Hilfe aus allen Schwierigkeiten zu finden, so ist bae eigentlich gar nicht verwunderlich. schwankenden UederoangewideiMnd- erneu dicken 3trid) durch die Rechnung: die Sprache wird Kelser und geht schon bei geringen Fahrgeschwindigkeiten in ein Brodeln über. Dann kam man auf den Gedanke», die Induktion der elektrischen Sprachschwankungen nyf öen Fernsprechdrähten zur Uebertragung zu benutzen. Bekanntlich erzeugt jeder Strom um seinen Leiter ein magnetisches Feld, das darin liegende fremde Leiter beeinflußt, aber schon in geringer Entfernung vom Leiter sehr schwach ist, so daß man sehr starke Ströme verwenden muß, um eine Wirkung zu erzielen. Tatsächlich sind denn auch :m Jahre 1918 in Schweden una Deutschland eingehende Versuche mit einer solchen Induktions- iernsprecherei gemacht worden. Um einen Eisenbahnwagen war dabei eine Leitung schleifenförmig herumgelegt worden, durch die die Ströme eines Starkstrommikrophons geschickt wurden. In den )u beiden Seiten des Bahndamms laufenden Fern- iprech- und Telegraphendrähten wurden dadurch Ströme induziert, die an einer festen Sprechstelle aufgenommen werden konnten. Umgekehrt konnte man über die festen Leitungen nach dem Zug sprechen. Die Schwierigkeiten dieses Verfahrens find aber so groß und so zahlreich, daß an eine praktische Verwertung nicht gedacht werden konnte. Mit der Erfindung der drahtlosen Telegraphie und Fernsprecherei glaubte man ein ohne weiteres verwendbares Mittel auch zum Verkehr mit und zwischen fahrenden Eisenbahnzügen zu haben. Io. in einer Richtung, nämlich nach dem Zug hin, ging cs verhältnismäßig einfach. Aber umgekehrt? Wo iollte man die Hochantennen, die zur Ueberbrüchmg der Hunderte von Kilometern nötig waren, auf dem Zuge anbringen? Und wo die großen Apparate und Krafterzeuger lassen? In der Tat wäre auch heute noch kein ein- ivandfreies Zugfernsprechen auf größere Entfernungen möglich, wenn den Erfindern nicht eine merkwürdige Eigenschaft der elektrischen Wellen zu Hilfe gekommen wäre. Die Hertzschen Wellen pflan- zen sich nämlich auf Drahtleitungen ohne große Verluste fort und stören auch die darauf lausenden gewöhnlichen Ferngespräche und Telegramme nicht im geringften. Vom Rundfunk wissen wir alle, daß die schnell schwingenden elektrischen Wellen durch die verhältnismäßig langsam schwankenden Sprechströme so beeinflußt werden können, daß sie zum Träger der Sprache werben. Mit der Erkenntnis, daß man nur solche sprachträgerwellen auf die fast überall neben der Eisenbahn entlang führenden Fernsprech- oder Telegraphenleitungen zu senden braucht, war der wichtigste Schritt vorwärts getan. Der wirklich drahtlos zu über» brückende Raum ist damit auf die kurze Entfernung zwischen Zug und Leitungsgestängc beschränkt. Die Apparate, die dies leisten, sind aber so klein, daß sie bequem in einem Abteil des Zuges untergebracht werden können. Die ersten Versuche mit diesem neuen Zugfernsprecher wurden von der Firma Dr. Erich F. Huth in den Jahren 1919 und 1920 auf der der E. P. Goerz Aktiengesellschaft gehörenden Eisenbahnstrecke von Berlin—Lichterfelde—West noch Teltow—Schönow gemacht. Roch vielen Bemühungen war man zu Beginn des Jahres 1921 endlich so weit, daß man von jedem beliebigen Postanschluß in Kroß. Berlin ungestört mit dem fahrenden Zuge sprechen konnte. Auf Grund der günstigen Ergebnisse wurden die Deutsche Reichsbahn und das Reichspostministerium für das neue Nachrichtenmittel gewonnen, die die Eisenbahnstrecke und die Telegraphen- und Fernsprechleitungen von Berlln nach Hamburg für weitere Versuche zur Verfügung stellten. In der Mitte des Jahres 1925 glaubte man bereits die neue Einrichtung dem Verkehr übergeben zu können, doch traten bei der betriebsmäßigen Benutzung erneute Schwierigkeiten auf, die erst jetzt vollkommen beseitigt werden konnten. Kurz vor den beiden Endpunkten der Bahnlinie -^Berlin—Hamburg sind in Spandau und Bergedorf 'Zugvermittlungsstellen eingerichtet worden, von ebenen aus die die Gespräche tragenden hochfreauen- ten Schwingungen auf die Leitungen an der Bahn - gesendet werden. Von diesen gehen sie aus die Zugantennen über, die auf zwei Wagen des Zuges wagerecht über den Dächern ausgespannt und mit Kabeln verbunden sind. Die Sender werden mit der vom Rundfunk her bekannten Huth-Kühn-Spaltung betrieben, und zwar ist für die etwa ZOO Kilometer lange Strecke nur eine Leistung von etwa 20 Watt notwendig, also soviel, wie eine mittlere Glühlampe verbraucht. Auf dem Zuge werden die Schwingungen einem Zwischenkreisempsänger mit einer Verstärkerstufe oder mehreren solcher Stufen Franziska/ Roman von Liesbet Dill. 36. Fortsetzung Nachdruck verboten. Hasse stand auf und trat in da- Dunkel der Loge zurück, das Blut wogte ihm vor Augen, daß er nichts mehr sah wie Feuerballen, die sich freifenb vor ihm schoben. Bei dem Geräusch und dem Hellen Schein des Tageslichts, das rasch und grell in den dunklen Sfjeaterraum fiel, wandte der Kapelfe meister den Kopf, aber die Erscheinung in der Loge war untergetaucht wie ein Spuk, den das Licht verschlungen. Die Feuerräder schwangen sich noch in seinem Kopf, aber die Helligkeit und die frische Luft benahmen ihm die Betäubung. Gr ging eine Treppe hinab und stand auf einem sonnenbeschie- nenen leeren Platz, die Feuerräder funfelten auf dem weihen Pflaster. Eine Uhr schlug zweimal, die Probe muhte jeden Augenblick zu Ende sein. Ich werde sie hier erwarten, beschloß er. Das Residenzcafe hatte schon die Lorbeerbäume und die Marmortische vor die Türen gestellt. Gr nahm Platz an einem der Tische, wo er die beiden Theaterausgänge im Auge behalten tonnte, den Hauvteingang und den Treppeneingang für die Künstler. Die Maisvnne ergoß über den Himmel eine verschleierte, lindwarme Luft, weich, golden, fast srühlingsmätzig. Alle Straßen waren belebt wie an Sonntagen im Mai, über den Königsplatz fuhren zahllose Wagen in schnellem Trab, und das wirre, unausgesetzte Geräusch der großen Stadt tönte gedämpft heraus. Die Straßenbahnen rollten auf seinem Kopf und dröhnten in teurem angegriffenen Hirn. Er hatte den schweren Kopf in die Hand gestützt und sah hinaus. Wer ihn dort sitzen sah, diesen Marrn mit dem öfter arbeiteten Gehirn, der kahlen, hohen Stirn, den umränderten Augen, dachte: Dort sitzt ein Kranker, ein Mann, der einen schweren Kummer bat. Hätte er gewußt, wie viel Blicke sich auf ihn richteten, wie die Studenten die Köpfe mit den bunten Mützen nach ihm drehten, so hätte er sich versteckt, aber er wußte nichts er behielt zugeführt. Nun ist es aber auch notwendig, daß vom Zuge aus gesprochen werden kann, d. h. es muß genau wie beim gewöhnlichen Fernsprecher ein Wechselgespräch möglich sein mit Rede itnb Gegenrede. Hierzu hat die Zugsprechstelle ebenfalls einen Sender, der über die gleiche Antenne und die gleichen Leitungen nn der Bahn auf einem Empfänger bei der Zugvermittlungsstelle arbeitet. Es ist nun aber gänzlich ausgeschlossen, daß sich der Wechsel- oerkehr nur auf einer einzigen Welle abspielt, denn dann wurde der Empfänger vom danebenstehenden Sender ganz empfindlich gestört. Daher wird für jede Sprechrichtung eine besondere Welle benutzt, wobei zwischen dem Sender und dem Empfänger einer Sprechstelle noch ein Sperrkreis eingefügt ist. der die Schwingungen des eigenen Senders nicht zum eigenen Empfänger gelangen läßt. Solche Sperrkreise verwendet man ja auch beim Rundsunk- enipfang zur Ausschaltung des Ortssenders. Die verwendeten Wellenlängen liegen zwischen 2000 und ■5000 Meter; als am günstigsten hat sich der Bereich zwischen 3000 und 4Ö0U Meter herausgestellt. Bei der Einrichtung des Betriebes traten vielerlei Schwierigkesten zutage. Zunächst sind die Fern Leitungen zwischen Spandau und Bergedorf auf etwa sieben längere Strecken verkabelt, so daß an diesen Stellen kaum eine Uebertragung möglich ist: außerdem werden die in die Kabel eintretenden Schwingungen verschlungen. Diese Stellen Hot man deshalb mit einem besonderen Draht längs der Bahn überbrückt und das Eintreten von Schwingungen in die Kabel durch Einsetzen von Drosseln in die Leitungen an den Uebergangsstellen verhindert. Die Drosseln hat man so klein gewählt, daß sie zwar die hochfrequenten Schwingungen nicht durchlassen, dagegen für die gewöhnlichen Sprech- und Telegraphieiftröme kein in Betracht kommendes Hindernis bilden. Den einzelnen Draht bat man mit jo kleinen Kondensatoren an die ober irdischen Leitungen angeschlossen, daß zwar die schnellen Trägerschwingungen übergehen können, während sie Die gewöhnlichen Sprech und Telegraphierströme sperren. Abzweigende Leitungen hat man der Hochfrequenz ebenfalls mit Drosseln an den Abzweigstellen verschlossen, weil sonst hie Hochfrequenz über unabsehbare Gebiete abgeflossen wäre, statt „bei der Stange zu bleiben . Umgehungsdrähte hat man ferner überall da anordnen muffen, wo sich das Gestänge, z. B. zur Umgebung von Bahnhöfen, Bahnwärterhäusern, Unterführungen, Bäumen usw. von der Bahn entfernt. Auf diese Weise Hal man eine durchgehende, für Hochfrequenzführung geeignete Leitung an der Bahn von Spandau bis Bergedorf geschaffen, von der aus die Entfernung vom Zug "durchweg nur vier bis fünf Meter beträgt. Diese Leitung hat man nicht ganz gelassen, sondern man hat sie in Wittenberge unterteilt, damit von zwei gleichzeitig auf der Strecke fahrenden Zügen mit denselben Sende- und EntpfangsweUen gesprochen werden kann. Züge, die auf demselben Abschnitt fahren, muffen mit verschiedenen Wetten arbeiten. Das Zugfernsprechamt ist am Ende eines Wagens zweiter Klasse an Stelle des Waschraums und des Aborts eingebaut. Der größere der beiden Räume beherbergt die Sender- und die Empfän- gerdnrld)tung; in ihm hält sich der die Geräte bedienende Beamte auf. Die Sprechstelle für den Reisenden ist im kleineren Raum untergebracht; der Tischfernsprecher steht am Fenster: ein Tisch und ein Klappsessel vervollständigen die Einrichtung. Sprechstelle und Dtenstraum sind zum Schuh gegen die störenden Geräusche des Zuges schalldicht gepolstert. Wird ein Reisender angerufen, so holt ihn ein Bote an den Apparat. Will er ein Gespräch anmelden, so geht er zum vienstraum und wird nach Herstellung der Verbindung vom Boten, dem er seinen Platz im Zuge angegeben hat, herangerufen. Außer Ferngesprächen können auch Telegramme in beiden Richtungen von und nach beliebigen Postanstalten gewechselt werden; endlich kann man auch Bestellungen aufgeben, die der Beamte weitergibt, oder solche Bestellungen empfangen. Es han- beit sich dabei z B. um Zimmerbestellungen. Auf Wunsch wird auch Antwort vom Erfolg erteilt. Die Gebühr für eine solche Bestellung beträgt 1,50 Mk., für ein Telegramm innerhalb Deutschlands 3 Mk und für ein Gespräch nach Berlin oder Hamburg 3,50 Mk., umgekehrt tritt eine Voranmeldegebühr von 60 Pf. für das Herbeirufen des Fahrgastes hinzu. Mit den beschriebenen Einrichtungen sind nicht nur Gespräche mit den Teilnehmern in Berlin und Hamburg sowie in TBittenbetye möglich, sondern mit den Teilnehmern aller Orte, die auch im ge= nur den Theatereingang im Auge, wo zwei Hunde in der Sonne spielten. ünb er sah vor sich die Blicke hin und her gehen zwischen beiden. „Ich will deinen Mund küssen", summte es in seinem Kopf. Was ge° fchehen ist? Es wird mir niemand Antwort darauf geben. Die einen werden mir den Klatsch berichten, sie wird mich belügen, und er wird mir faqgn, man schlägt sich nicht um solche Angelegenheiten bei uns. Gewißheit haben wollte er? Hatte sie jetzt immer noch nicht, nachdem er sie zusammen gesehen? Er hatte einmal als Sekundaner einer Vorstellung der „BohHme" in einer norddeutschen Stadt beigewvhnt. Als die Oper zu Gnbe war und der Kapellmeister sich verneigte, erhob sich ein Herr ans dem Ovchesierfessel und schlug dem Kapellmeister mit der Reitpeitsche ins Gesicht. „Verzeihen Die, meine Herrschaften." wandte er sich an das Publikum, „wenn ich das tat, dieser Herr hat meine Frau verführt und er hat sich mit mir zu schlagen abgelehnt." Da- hatte einen unauslöschlichen Eindruck auf ihn gemacht. Die Berechtigung dieser Tat war ihm erst heute klar geworden. Aber er schüttelte den Gedanken wieder ab. Gr mußte lächere. Die Kellner schauten sich an, der Oberkellner ging einmal in seine Nähe und machte sich am Aebentisch zu schaffen, .Ich dachte, der Herr wünscht etwas." »Wenn ich etwas wünsche, werd' ich Ihnen das mitteilen", sagte Hasse. Der Ober ging unb Haffs versank wieder in feine Gedanken. Merkwürdig lang dauerte die Probe. Endlich fab er eine Frau in einer blauen Jacke auf bte Trevpe treten, nun zwei Männer, dann kamen die ©frorifilmten, sie hatten es eilig, sie eUten ihren Häusern zu, einige gähnten und reckten die Arme. Gin paar Männer trugen Kulissen gegenüber ins Kulisfenhaus, Wälder, Bäume, einen fteinenbefäten Nachthimmel, Mee» reSwellen. Die Menge wurde kleiner, verteilte sich in die Straßen — noch ein Nachzügler, tot feinen Hut im Laufen aufsehte, dann wurde die Tür geschlossen und die Treppe lag wieder leer. — Gs fiel ihm ein. daß es einen zweiten Ausgang, gab, den ans dem Birreau Gr stand möhnlichen Fernverkehr erreichbar sind. Auch sind Gespräche zwischen in verschiedenen Zügen — auch auf verschiedenen Straßen — reisenden Personen möglich, wenn erst andere Strecken nusgestattet sind. Zunächst kommen dafür Berlin—Köln, Berlin-Frankfurt und Berlin—München in Betracht. Man erwägt bereits, mich Rundfunk auf den Zug zu übertragen, wozu sich dann die Reisenden mit Kopffernhörern nn Steckdosen in den Abteilen anschließen können. Der Lautsprecher soll wegen der damit verbundenen Störung der Mitreisenden nicht benutzt werden. Diese Art des Zngjunks Hot man bereits in Amerika erprobt. Zu einem Wechselverkehr ist man dort aber noch nicht gekomme». Sv wird man bei uns in Deutschland künftig bei Reisen nicht mehr — wie bisher — ftunben-- unb tagelang vom Nachrichtenverkehr nbqeschnit- ten fein: Man wird an ihm genau so gut leil- nehinen können wie in seiner Wohnung. Wahrlich eine große Errungenschaft des menschlichen, Zeit und Raum überbrückenden Geiste >! Vie einzige Hilfe für Südtirol. Aus dem bedrängten Südtirol geht uns folgender Hilferuf zu: Was ist das Endziel der italienischen Entnailo- nalisienmaspolitik gegenüber Südtirol? Die seelische Widerstandskraft der Deutsch-Südtiroler soll gebrochen werden. Als Mittel hierzu dienen: kulturelle, geistige und wirtschaftliche Knechtung. Deutsche Schulen werden geschlossen, deutsche Gebe! und Lehrbücher konfisziert, deutsche Beamte in staatlichen Stellen, Gemeinden und Schulen entlassen. Die einheimische deutsche Presse wird unterdrückt, reichsdeutsche und deutsch-österreichische Zeitungen werden verboten. Brutole Mißhandlungen Deutschsprechender hänfen sich. Die verhaßte deutsche Sprache erregt „gerechte Empörung". Der italienische Staat hat trotz vieler Eingaben der Eltern sogar den Nebenunterricht in der deutschen Sprache untersagt. Die junge südtiroler Generation sott geistig und kulturell zurückblei, b e n, daß sie gefügig und willenlos werde. Was kulturelle und giftige Knechtung noch nicht erreicht Hot, soll die wirtschaftliche vollenden. Materielle Verelendung soll die letzten Kräfte im heißen Kampfe ums Deutschtum töten. Ausgesogen durch drückende Steuern und Abgaben, die viel höher sind als in Italien und im Trentino, verarmt, aus Amt und Stellung vertrieben, schutzlos brutalen Feinden preisgegeben, woher soll Hilfe kommen? Es gibt eine Hilfe, eine einzige Reist nicht nach Italien! Verzichtet auf Italiens blauen Himmel, auf seine Sonne, auf alle seine Schönheiten, entsagt um der Südtiroler willen. Das italienische Volk, das Volk der Tierquäler, hat mit Menschen kein Erbarmen, nur wirtschaftliche Nöte bezwingen es. Italien kann auf die Dauer nicht verzichten auf die Goldmillionen des deutschen Reiseverkehrs. Versiegt diese Kraftquelle, so leidet die italienische Volkswirtschaft auf dos schwerste. Was meint ihr, was durch unsere Seelen, die gemarterten Seelen der Südtiroler zittert, wenn wir Eisenbahnzüge mit endlosen Wagenreihen sehen, die Tag und Nacht Tausende und Abertausende von sorglosen deutschen Reisenden in doeLond unserer Bedrücker führen? Müßen wir uns nicht vergeßen, schlimmer noch — v erraten fühlen? Muß namenlose Bitterkeit nicht unsere letzten Kräfte zermürben? Wie ein Sturmwind sollte ee durch ganz Deutschland brausen: helft den deutfchen Stammesbrüdern! Fahrt nicht nach Italien! Ihr könnt nicht helfen mit Protestversammlungen, ihr könnt nicht helfen durch Veranstaltungen mit Tee und Tanz. Nur Eines kann helfen : Der- zi ch te t auf einen Genuß, verzichtet auf eine Freude um Südtirols willen. Die deutsche Presse sollte ihre ganze Macht in den Dienst dieser Idee stellen. Wir Südtiroler opfern alles um unseres Deutschtums willen, und wir sind fest entschlossen weiter zu dulden, aber ihr sollt uns helfen, nur durch einen Verzicht! Besitzt Ihr weniger Seelengröße als andere Völker, die, auch wehr- und waffenlos, nur durch wirtschaftlichen Boykott den Gegner bezwangen? Gebt als Losungswort hinaus: Kein Deutscher setzt den Fuß auf italienischen Boden, solange Südtirol gequält und gemartert wird! Wer jetzt nach Italien reift, ist nicht deutsch, ist nicht national! auf, warf Geld auf Den Tisch und ging hinaus. Der Haupteingang deS Theaters war ver- fchloffen, auch die gläsernen Türen an der Kaffe. An der Kasse vor dem Eingang zu dem Bureau saß, angebunden an die Tür. ein schwarzer Pudel, in dem leeren, staubigen Bureau kauerte eine Putzfrau am Boden, die Papier aufsammelte. „Gott, was hab' ich mich erschrocken", sagte sie, als Hasse mit feinem Stock auf den Tisch klopft«. Sie starrte den mageren bleichen Herrn an, als fürchtete sie einen ^leberfall. ©ein« schwarzen Augen flackerten. Ob der Herr Kapellmeister vielleicht noch da sei? Die Frau ging nach der nächsten Tür und stieß sie auf. Leer und falt gähnte der verlassene Theatersaal herauf. GS war niemand mehr darin, alles war dunkel und still. „Gibt es denn mehr als zwei Ausgänge?" fragte Hasse „O ja, noch einen durch das Restaurant, Da geht Der Kapellmeister immer durch, vielleicht Ist er auch noch Dort.. fügte die Frau hinzu. Sie wäre diesen Herrn mit ton flackernden Augen gern los geworden, jeden Augenblick glaubte sie, daß er ihr an die Gurgel greifen könne und sich auf Die Kasse stürzen. — Mas wollte der unheimliche Menschs warum blieb er stehen und starrte wie verloren in Den dund- len Theaterraum?--Hasse ging. Sie waren entschlüpft, auch Der Pudel war verschwunden, als er ins Freie trat. Rach ihrer Wohnung also. Gr rief einen Wagen und warf sich hinein, der Wagen ratterte langsam durch die Sonn«, und Die Straßenbahn begann wieder auf seinem Kops hin und her zu rollen. Gr nahm den Hut ab und faß m der Sonne, und Die Feuerräder begannen wieder auf den Pflastersteinen zu tanzen. „Das ischt unser neues Theater", belehrte ihn der Kutscher, auf seinem Sih halb nach rückwärts sitzend, und wies mit Dem Peitschenstiel nach dem weihen Haus in dem Park. „Das alte ist vor drei Jahren abgebrannt." Auch das schien den Herrn nicht au interessieren. Warum die Leute sich eigentlich durch die Stadt fahren ließen, wenn fte vor sich hinglotzten, als hätten sie noch nie Pflastersteine gesehen? ®r hieb auf daS magere Pferd, Dem die Knochen hernusstanden Straßen mit blendenden Häuser« Jede Reise nach Italien ist Verrat cmr Deutschtum, ist Verrat an Südtirol! ----------------- t Internationale Schiedsgerichtsbarkeit. Von Reichsfinonzrat Dr. Franz Scholz, in Berlin-Paris. Die Gegenwart steht im Zeichen der Schiedsge- richtsbarkeit. Wir erleben dies in handelsrechtlicher Beziehung fortgesetzt und in steigendem Maße, von nationalen zu internationalen Schiedsgerichten übergehend, wie solche z. B. an der Internationalen Handelskammer in Paris eingesetzt sind. Mag man über nationale Schiedsgerichte denken wie man will, im internationalen Verkehr sind sie unentbehrlich und als ungeheurer Fortschritt zu begrüßen. Mit dein zu erwartenden. Durch die Locarno-Ver- trnge cingeleiteten Aufschwung der internationalen Beziehungen wird auch der Handelsverkehr von der in Einzelfällen vereinbarten Schiedsklausel zu „insti- imionellen" internationalen Handelsschiedsgerichten übergehen müssen. Mil hem im abgelaiisenen Jahre deutscherseits erfolgten Anschluß an die Internationale Handelsabkommen in Paris ist dieser Ueber- gang eingeleitet. ~ — Obligatorische internationale Gerichte ?^vc Entscheidung von Privalstreiligkeiten sind freilich schon durch den Versailler Vertrag (moralisch ein Diktal, rechtlich ein Vertrag) geschaffen. Sie betreffen jedoch hauptsächlich Streitigkeiten aus Verträgen, die vor Inkrafttreten des Diktats (d. h. vor dem 10. 1. 1920) geschlossen sind (Art. 296, 299, 304b, 305 -des Versailler Vertrages) und haben allmählich erlöschende Bedeutung. Die Einrichtung internationaler Gerichte auch für Privatrechtsstreitigkeiten sind neben Teilen der Völkerbundssatzung der einzige Fortschritt. den jenes Vertragswert brachte. Aber die Rechtsprechung dieser Gemischten Schiedsgerichts Hofe krankt daran, daß sie an Normen des Versailler Vertrages gebunden ist, die meist zum Nachteil der deutschen Seite aufgestellt sind. Dadurch erklären sich zahlreiche, mit Recht als unbillig empfundene, rechtlich aber zutreffende Urteile dieser Gerichte. Freilich ist hier oft der Fundamentalsatz verkannt worden, daß Verträge und damit auch der Versailler Vertrag, im Zweifel zum Nachteil der Partei nuszulegen sind, die sie einseitig redigiert hat. Diese Gerichte sind mit drei Richtern besetzt, je einem nationalen Richter und einem neutralen Obmann. Auch hier hat sich wieder gezeigt, welche entscheidende Bedeutung der Persönlichkeit des neutralen Richters zukommt. Ueberhaupt kommt es, wie Ich schon anderweit hervorhob. weniger auf gute Gesetze als auf gute Richter an, und die Erfahrung hat gelehrt, daß vom Berufsrichter, auch wenn er als Schiedrichter tätig ist, am ehesten Objektivität zu erwarten ist. Gegenwärtig noch bedeutungsvoller find die den Staatenverkehr und Fragen des öffentlichen Rechts betreffenden Schiedsgerichte. Diese völkerrechtlichen Schiedsgerichte, seit Beginn des 19. Jahrhunderts mehr und mehr in Uebung gekommen und als das beste Mittel zur Verhütung Internationaler Verwicklungen gepriesen, müssen von Einzelschiedsgerichten und fakultativ anrufbaren ständigen Tribunalen (letztes war der Standpnukt des großen Vertragswerks der Haager Friedenskonferenz von 1899 und 1907 bei Einrichtung des Ständigen Schiedshofes) zu obligatorischen ständigen Schiedsgerichten nut Gerichtsnotur fortentwickelt werden. Wir stehen in dieser Entwicklung. Die Völkerbunds- fatzung hat sie In großem Stile angebahnt, freilich nicht mit der Schlichtungstätigkeit des Völkerbunds-- rotes, die aller Garantien unparteiischer Rechtspflege entbehrt, sondern mit der Schaffung des Ständigen Internationalen Gerichtshofes im Haag, der sich jetzt bereits des größten Ansehens erfreut und in Sachen der deutschen Minderheiten in Polen und in anderen deutsch-polnischen Streitfällen vorzüglich begründete Sprüche gefällt hot. Seine Anrufung ist obligatorisch für Gruppen von Streitfragen aus der Teilung Oberschlesiens (Genfer Abkommen 1922). Weitere Schiedsgerichte hat der Dawesplan gebracht. Auch hier ist die schiedsgerichtliche Streiterledigung obligatorisch, sei es durch besondere Richterkollegien iso über die Auslegung der Dawesabkommen)^ sei es durch Einzelrichter, fei es durch den Haager Ge- richtshof. Von größter Bedeutung in dieser Beziehung sind aber die Locarnoverträge. Sie sehen im Verhältnis zwischen Deutschland einerseits und jedem der Staaten Frankreich, Belgien, Polen. Tscheche; anderseits obligatorische Schiedsgerichte für alle Streitfragen rechtlicher Natur vor, auch wenn „vitale Interessen" eines der beteiligten Staaten fronten, Gärten mit Bänken, wo Kinder spielten glittim vorbei. Das sehe ich vielleicht heute alle« zum letztenmal, dachte Hasse. Er stieg vor ihrem Hause aus, mit «in paar Sprüngen war er oben auf ber Treppe. Er läutete. Ein Auge erschien in dem runden Guckloch der Türe, das gleich wieder verschwand. Alles blieb still. Da legte er den Finger so lange auf den Knopf, bis endlich ein älteres Mädchen in schwarzem Kleid und weißer Haube und Schürze öffnen kam. Bei seinem Anblick wich es zurück. „Das gnädige Fräulein erwartet Besuch", sagte sie kurz. Sie machte die Tür nur halb auf, so daß er nicht eintreten tonnte. Hasse schob sie zur Seite. „Der bin ich", sagte er und trat «in. Er öffnete die Tür zum Salon. Das erste, was er sah. war im Eßzimmer ein festlich geschmückter Tisch mit zwei Gedecken und einem Korb blühender Rosen in der Mitte. „Sie sehen ja, ich werde erwartet', fügte er mit einer Handbewegung hinzu und lächelte. Den: Mädchen war dieses Grinlen unheimlich, es zog sich rasch nach der Küche zurück. Hasse sah sich um. Im Nebenzimmer tickte eine Pendüle. Die Zimmer hatten sich mit dem Duft gefüllt, der Dem Flieder in den großen Vasen auf dein Kaminsims entströmte. Das Licht drang gedämpft durch die rotseidenen Vorhänge des Eßzimmers, welche die Zofe bereits vorsorglich vorgezogen hatte, und ein blutiges Licht hüllte den Weißen festlichen Tisch wie in eine Flamme. Auf der Pendüle schlug es halb drei. Sie muhte bald kommen. Er durchschritt den mit Möbeln, Teppichen und Brie ä Brac überfüllten Salon, in dem die Wände fast tapeziert waren mit großen und kleinen Bildern, seidenen japanischen Stickereien und die Fußböden unter dicken Teppichen verschwanden. Um sich zu beschäftigen, nahm er einzelne Bilder von den Wänden und betrachtete sie. Alles, was da hing, war ihm bekannt, nur ein großes Oelgemälde, ein Gewitter über einer Fischerinsel darstellend, war ihm neu. Sammelte Franziska Gemälde? Im Ofen flackerte ein mattes Feuer, das offenbar eben angezündet war, durch Den Rost sah man die Scheite glühen. (Fortsetzung folgt.) r°llQi ** vkchh. 4* lirt)en ber "hnbti'Hge, und in , -"»' *it tnf!,M * bie £.M«n. der inS°=«er. ,be dier Hai sich wieder !dmtung der Perjön- jufonmrt. Ueberfjaupt ®eft hervorhob. we- ante Richter an, und B vom Berufsrichter, tätig ist, am ehesten 'Roller sind die den e- öffentlichen Rechts -ieje Völkerrecht- . 'eit Beginn des 19. in Hebung gekommen Berhütung tntematio- n, muffen von Einzel- > anrufbaren ständigen otanbpnutt des großen Friedenskonferenz von rtung des Ständigen en ständigen Schiede. fortentoitfelt werden, ng. Die Dölferbunbs- fe angedahrch ftttof) eit des BAkervunds. rteiifcher Rechtspflege osimg des Ständigen im Haag, der sich fetzt erfreut und In Sachen Bolen und ht anderen vorzüglich begründete mifiittg ist obligatorisch igen aus der Teilung itmen 1922). Weitere esplan gebracht. Auch Streiterledigung obli- re Richterkollegien lfo vesabkommenj, sei es irch den Haager Ge> utung in dieser Be- 'nooertrSge. Sie Deutschland einerseits reich. Belgien, Polen, he Schiedsgerichte r»r atur vor, auch wenn ■ beteiligten Staaten 'too Kinder fMen. vielleicht heute allÄ , Er siirg vvr chrm t Sprüngen v« er r Meie. Sm W y auf, fr rste. lvas x A fflit 1äSÄ*fk ' MN hinzu und ^fförinU un' > ld'® 6« 9«* ober m den si entströmte. ^nge Ktserdcnem DOr e bew M nd f/Tin eine n Asch ®lU drei schlug ».Litt den Er duE' d Br-c ' faft td* berührt werden. Die Parteien haben, vorbehaltlich der Zuständigkeit bereits bestehender Schiedsgerichte, die Wahl zwischen dem vorgenannten'Haager Gerichtshof und einem besonderen Schiedsgericht zwischen dem vorgenannten Haager Gerichtshof und einem besonderen Schiedsgericht zwischen je zwei der beteiligten Staaten. Das letztere ist zu empfehlen, da der Haager Gerichtshof überlastet würde, auch zu schwerfällig arbeitet. Diese Schiedsgerichte sind nach dem Verfahren zu bilden, das für das Schiedsgerichtswesen im Hager Abkommen 1907 vorgesehen war. Es sind ferner Ständig^ Verglcichs- tommissionen zwischen den beteiligten Staaten einzurichten, die vor Anrufung eines Schiedsgerichtes angegangen werden l ö n n e n . um die strittigen Fälle zu klären and einen Vergleich herbeizuführen. Alle anderen Streitfragen, d. h. solche, die keine Rechtsfrage enthalten, m ü s s e n . wenn sie nicht diplomatisch geregelt werden können, der Ständigen Vergleichskommission unterbreitet werden. Kommt hier keine Einigung zustande, so kann jeder Teil den Völkerbundsrat anrufen, der nach Art. 15 der Völ- kerbundssatzung entscheidet. Eine eigentliche Gerichtsbarkeit kömmt also nur für streitige Rechtsfragen zur Anwendung. Aber wo ist ein Streit, der nicht zugleich einen Streit um vermeintliches „Recht" in sich schließt'' Die Ständigen Vergleichskommi' sionen bestehen ja aus fünf Kommissaren (je einem nationalen oeider Staaten und drei neutralen), und dieselbe Beseszungsart wird auch für die erwähnten Locarno-Schiedsgerichte mangels anderweitigen Abkommens gelten, da sie auch für die Schiedsgerichtsbarkeit nach dem Haager Abkommen 1907 im Zweifel maßgebend war. Diese Art der Besetzung der Schlichtungs- und Gerichtsinstanzen erscheint als die geeignetste. Große Aufgaben stehen ihnen bevor. Möge die Praris dem theoretischen Zdeal entsprechen. __ ___ Oberhessen. Landkreis Gießen. Wieseck, 4. San. Die seltene Feier der diamantenen Hochzeit der Eheleute St a r I Kling I. und Klara, geb. Dechert. brachte dem Jubelpaar eine Fülle von Beweisen der Liebe und Verehrung. Der Ortsgeistliche nahm in der Wohnung die kirchliche Weihehandlung vor nach einer Ansprache über Psalm 126,3: „Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich!" Sm Rainen des Kirchenvorstandes übergab er mit dem gleichen Wandspruch ein sichtbares Zeichen der Wünsche der Kirchen- gemeinde. Sm Sabre 1 92 5 wurden hier getauft: 74 Kinder (1924: 53), konfirmiert: 61 (81). Getraut wurden 29 Paare (22) und kirchlich beerdigt 31 Gemeindeglieder (34). — Von dem Bethelfilm, dessen erster Teil am 2. Ao- vember letzten Sahres in unserer Kirche gezeigt wurde, wird der zweite Teil nächsten Samstag gegen Abend für Kinder und abends für Gr-- ivachsene ebenda vorgeführt werden. Die Filme des zweiten Teils zeigen u. a. das Liebeswerk der Schwestern t>ün Sarepta, Bethels Mitarbeit am Wiederaufbau unseres Volkes und Hoffnungs-- tal, eine Zuflucht für Hoffnungslose. > Oberhörgern, 5. San. Auch unsere Gegend wurde von der Üeberschwemmung nicht verschont. Die sonst so friedliche Wetter hat sich auf der Talstrecke von Münzen berg bis Garn buch in einen großen See verwandelt. Das Wiesengelände zu beiden Seiten des Flüßchens ist vollständig überschwemmt. Sn den Jetten Tagen macht sich nun ein allmählicher Rückgang des Wassers bemerkbar. Besonders gefährdet sind bei der Tleberschwemmung immer die hier an den flachen Ufern gelegenen Mühlen. Auch diesmal war das Wasser bis weit in die Höfe eingedrungen; bei einer der hiesigen Mühlen hatte es sich sogar bis in das Mühlwerk (Eingang verschafft, so daß das Mahlen vorübergehend eingestellt werden mußte. Auch die übrigen Mühlen können, da die Mühlräder unter Wasser stehen, nur mit Hilfe der Elektrizität ihren Betrieb weiterführen. Die Gam- bacher Mühle war völlig vom Verkehr abgeschnit- ten. Der Besitzer muß heute noch, wenn er das Dors erreichen will, eine weite Strecke durch Wasser fahren. Glücklicherweise hat die Bahnstrecke Butzbach—Lich durch das Wasser keinen Schaden erlitten. X Langd, 5. San. -Untere im Fahre 1910 erbaute Wasserleitung ist anscheinend von vornherein nicht fachmännisch ausgeführt worden, denn schon seit Sahren hat man sich mit der Tatsache abgefunden, daß die Leitung nach einem Regenfall eine eher einer Lehmemulsion als einem Trinlwasser ähnelnde Flüssigkeit liefert. Die Ursache dieses älebelstandes ist bis jetzt leider noch nicht ergründet und ihn: trotz mehrmals vorgenommener Reparaturen nicht abgcholfen worden. So ift es wohl verständlich, daß das Leitungswasser nach dem andauernden Regen in letzter Zeit nahezu ungenießbar war und die Bevölkerung (ich schon vom hygienischen Standpunkte aus nach baldigster Abhilfe sehnt. Arcis ..£ Bad-Nauhei m, 4. Jan. An der Ijentigcn c r st e n Sitzung des neuen Stadtver- o r d n e k e n t o l l e g i u in s nahmen außer dem Bürgermeister und den drei Beigeordneten sämtliche' 21 Stadtverordneten teil. Bürgermeister Dr. Kayser eröffnete die Versaminlung, an der auch Zuhörer in größerer Zahl teilnahmen, mit Worten herzlicher Begrüßung. Er führte unter anderem aus, daß wir in einer Zeit der Widersprüche lebten. Im Hinblick auf die große Bedeutung der Stadtoerordnetenwahl für Stadt und Geineinde sei schon die geringe Wahlbeteiligung, die nur 63 Prozent betragen habe, ein Widerspruch gewesen. Ein Widerspruch sei es auch, wenn man den A bbau der Verwaltung fordere, im selben Atemzuge aber höhere Letstungeen von der Stadtverwaltung verlange. Redner hält es für notwendig, gerade auf den letztgenannten Widerspruch besonders hinzuweisen, weil er aller Voraussicht nach des öfteren das neue Parlament beschäftigen werde. Als wichtige Leitsätze empfiehlt der Redner den Stadtverordneten, einmal die finanzielle Lage und L e i st u n g s f ä h i g k e i t der Stadt stets zu berücksichtigen, da-.n wie in jedem Privatbetriebe auch für den städtischen Haushalt die größtmögliche Sparsamkeit anzustreben. Oberster Leitstern -oder Tätigkeit eines Stadtverordneten müsse das Wohl der Stadt sein und bleiben, das durch etwaiges Gebundenfein an die Wähler niemals beeinträchtigt werden dürfe. Durch Handschlag wurden darauf die 10 neu in das Stadt- parlament eingetretenen Stadtverordneten durch den Bürgermeister verpflichtet. Sodann konnte in die eigentliche Tagesordnung eingetreten werden, die sich mit der Wahl der Ausschüsse und Deputationen beschäftigte. Berichterstatter war im Auftrage des seitherigen Finanzausschusses Stadto. Krauß. Die Besetzung des Finanzaus- a u s s ch u s s e s , des Bauausschusses und des Güterausschusses ging einigermaßen reibungslos uonftatten, da man sich bei der Verteilung der Sitze unter Berücksichtigung des ÄtärkeoerhältnissLS der Parteien nach dem Grundsatz der Loyalität zu einigen verstand. Die Besetzung der Verwaltungsräte und die Wahlen zu den verschiedensten Koni- missionen führten aber zum Teil zu stürmischen Auseinandersetzungen, vor allem die Wahl zum Wohlfahrtsamt und zum Schulvorstand. Nachdem bei der Besetzung des letzteren dis Wünsche der Linken durch die Mitte und Rechte überstimmt worden waren, lehnte sie die ihr weiter zugedachten Vertretungen in den noch zu verteilenden Aemtern restlos ab. * Rendel, 5. San Der Turnverein Rendel hielt am Samstag eine Abend» Unterhaltung ab unter Mitwirkung der Turnerin nenabteilung des Turnvereins Wieseck (Lahn-DünSberg-Gau). Schon lange vor Beginn war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein flott gespielter Marsch eröffnete das Programm. Hierauf sprach der Vorsitzende Fr. Bingmer herzliche De- grüßungsworle. Alsdann begann die Turne- rinnenabteilung Wieseck, nachdem eine der Samen einen kernigen Prolog gesprochen, mit ihren Vorführungen. Unter der bewahrten Leitung des Herrn Euler (Wieseck) wurden Reigen. Tanze, Stabübungen, Freiübungen, Haltungsübungen und vieles andere gezeigt: auch um Darren und Pferd zeigte die Riege ihr Können unter der Leitung ihres Vorturners Bernhardt (Wieseck). Sämtliche Hebungen offenbarten große Hingabe und Liebe zur Tur-> necei und wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Der Gelangverein „Männerchor" brachte unter der Leitung seines Dirigenten Gg. S t e i n m e tz - Klein-Karben einige wohlgelungene Chöre zu Gehör, die reichen Beifall fanden. Turner Gg. Bayer trug ein schön gesprochenes Melodram vor. Turner Wilh. Clarius und Turner Soh. Adam fangen Lieder für Bariton. Alle Vortrage ernteten reichen Beifall. Auch die Turn er des Vereins wurden für ihre guten Leistungen am Darren sowie für die sehr gut ausgesührten i Pyramiden durch reichen (Beifall belohnt. Richt zuletzt sei der vorzüglich zusammengesetzten Musiikapelle gedacht, die durch ihre schönen Vorträge alle Zuhörer erfreute. Am Schluß des Programms dankte Turnfreund Daher allen Mir- wirkenden für ihre Mühe, ganz besonders aber den W ie | c d e r (3 ä ft en. die durch ihre Mitwirkung dem Abend ein echt turnerisches Gepräge gaben. Zur Erinnerung an den schönen Abend erhielt jede der Turnerinnen sowie auch deren Leiter ein kleines Andenken. Herr Euler dankte im Ramen der Gaste. Ein Tanzvergnügen bildete den Abschluß der Veranstaltung. Vilbel, 5. San. iWSR.) Das Reichspost- Ministerium hat die geplante Einrichtung von Kraftpostwagen von Offenbach nach Vilbel bzw. von Vilbel nach Homburg vor der Höhe wegen fehlender Mittel ab- gelehnt. Kreis Büdingen. y. Bad-Salzhausen, 5. San. Gestern sand hier die Z w a n g s v e r st e i g e r u n g des G a st- haus es ,Lur Jägers ruh" statt, dessen Besitzer in Konkurs geraten war. Obgleich das Haus erst vor zwei Jahren erbaut worden ist, wurden nur 15 000 Mark als Höchstgebot erzielt, etwa nur zwei Drittel der Taxation.' Ein weiteres Zeichen des großen Geldmangels war die Erklärung der meisten Interessenten, daß Barzahlung nicht erfolgen könne. Die Genehmigung der Versteigerung wurde nicht erteilt, vielmehr soll Mitte Februar das Haus noch einmal versteigert werden, wenn sich nicht inzwischen ein freihändiger Verkauf ermöglichen läßt. th. Leidhecken, 5. San. Dieser Tage waren es fünfundzwanzig Jahre, daß der hiesige Polizeidiener Adam Bischoff seinen Dienst versieht. Aus diesem Anlässe wurde ihm von der Gemeinde ein Ehrengeschent in Gestalt einer silbernen Standuhr überreicht und vom Musikverein, zu dessen Vorstand er gehört, ein Ständchen gebracht. Der Vater und seres jetzigen Polizeidieners versah dieses Amt ebenfalls etwa 30 Safjre. Kreis Schotten. lg. Gedern, 4. Jan. Mit dem heutigen Tage trat der seitherige Gemeindesorstwart Karl Diehl, der mit der Uebertragung einer Försterstelle in Jügesheim (Kreis Offenbach a. M.) in den hessischen Staatsdienst übernomemn wurde, seine dortige Stelle an. In Herrn Diehl verlier! die Gemeinde einen gewissenhaften und pflichtgetreuen Beamten, der sich allseits großer Beliebtheit erfreute. Die Feuerwehrkapelle, welcher er angehörte, und die ihn nur ungern scheiden sieht, brachte ihm Sonntagabend ein Ständchen. Der Leiter der Kapelle, Karl ©trupp, widmete dem Scheidenden nun Abschiede herzliche Worte. Eichelsdors. 5. San. Die Firma S. Himmelsbach sah sich infolge der feit einiger Zeit in der Holzindustrie bestehenden Absatztrisis genötigt, den Betrieb der hiesigen Z w e i g n i e & er lassung für 14 Tage st i l lzu l e ge n. Auch das Werk in Ridda führte bereits seit Wochen verkürzte Arbeitszeit ein. — Die erste Drennholzversteige- r u n g in der hiesigen Oberförster ei wird am nächsten Samstag in der Försterei Langd abg<> halten. Man ist im allgemeinen der Ansicht, daß die Holzpreise unter denen des Vorjahres liegen toer&en, da die herrschende Geldnot den Steigerern Mäßigung auf erlegen dürfte. Da die K>rstverwaltung den größten Teil der gefällten Buchenstämme wegen günstigerer Verwertung als Rutzholz abzusetzen gedenkt, werden Duchen- scheiter nur in kleinen Mengen zur Versteigerung gelangen. Auch das Losholz soll in diesem Jahr nicht mehr die übliche Zusammensetzung haben, sondern in der Hauptsache aus Eiche und anderem Holz von minderer Heizkraft bestehen. Das wird zur Folge haben, daß sich auch die Bewohner der waldreichen Gegenden immer mehr auf Kohlenfeuerung einstellen, was geeignet ist. den Kohlenbedarf zu Reigern. •8= Herchenhain, 5. San. Die letzten Tage des alten Jahres haben auch uns, bem höchstgelegenen Dorfe in Hessen, zum Abschied noch einmal starken Sturm gebracht. Sn den Wäldern sind in starkem Maße Wind- f ä l l e zu verzeichnen. Auch in dem Dorfe richtete der Sturm durch Abdecken vieler Dächer großen Schaden an. Am empfindlichsten machte sich der fürchterliche Sturm am elektrischen Licht bemerkbar. Trotzdem unser Ortsnetz schon zweimal umgebaut worden ist. sind bei jeder stärkeren Luftbewegung unangenehme Störungen zu verzeichnen. Sn diesen Tagen warm sie so stark, daß während der F e i e r t a g e v i e l e H ä u s e r ohne Licht waren. Die Zuleitungsbrähte schlugen andauernd zusammen, so daß lange 5 e u c r g a r b c n entstanden. Ein eigenartiges Feuerwer!. bei dem man das Gruseln lernen konnte. Kurzschluß entstand trotzdem sehr feiten, da unsere ganze Leitung sie ist in den Snslätionsjahren erbaut anscheinend sehr schlecht geerdet ist. Aehnliche Feuerstrahlen zeigten sich auch an fast allen Panzersicherungen der Häuser. An einzelnen schossen Stichflammen heraus, die das Schlimmste befürchten liehen Es mußte mit dem Ausbruch von Feuer gerechnet werden, zumal auch an einzelnen Stellen der Leitungsrohre sich ähnliche Stichflammen zeigten. Sn Scheuern u. Dgl., wo brennbares Material wie Heu. Stroh usw. dicht an den Leitungen lagert, wäre es wohl auch zu einem Brande gekommen. Fun: Glück blieben wir vom Schlimmsten verschont. Llls der 'Sturm dann noch zwei Dachständer umgerissen hatte, wußte man sich nicht mehr anders zu Helsen, als dar» elektrische Licht vom Ämsorrnerhaus aus auszuschalten. Das ganze Dors war nun in Dunkel gehüllt. Krers Alsfeld. -er. Homberg a. b. Ohm, 5. San. Der Gemeinderat hat ein im Distrikt „Schweinestall" gelegenes Gelände an die Firma Oebr. Becker verpachtet, die dort einen Stein - bruch anzulegen gedenkt. — Sn den letzten Tagen haben sich die gewaltigen Wassermaiien der Ohm wieder verlaufen, nur in der Umgebung von Schweinsberg, einer ehemaligen Wasserburg, steht noch alles unter Wasser. Weil die Fisch.- in den trüben Fluten nichts sehen, halten sie sich vielfach in der Räh e d es 51 f erlauf. Deshalb benutzen Fischer diese Gelegenheit zum Fischen. Auf diese Weise gelang es einem Pächter, einen Hecht von 10 Pfund mittels eines Hamens zu fangen. Hreis Lauterbach. $ Crainfeld, 5. San. Gestern fand die Beerdigung des im 68. Lebensjahre verstorbenen R echners unserer Gemeindekaffe. Sebastian Fritz II., statt. Der Entschlafene, der nach der Aufgabe seines Zimm^rgeschäfts einen umfangreichen Baumaterialienhandel betrieb, war auch Feuervifitator und Bauschätzer in Drmrdversicherungsangelegenheiten. Die große Johl der Leidtragenden, die dem Berewigterr die letzte Ehre erwies, war ein Beweis dafür, daß sich der Henngegangene in weiten Kreisen der Bcvöllerung des Vogelsbergs großer Wertschätzung und Beliebtheit erfreute. Preußen. Kreis Wetzlar. * Wetzlar, 5. San. Sn der gestrigen Vollversammlung dch' Sndustrie- und Handelskammer für den Kreis Wetzlar wurden für bas Sahr 1926 Bergrat Dr. G r o e b- ler zum Vorsitzenden, Apothekenbesiher Georg^L ah r zum ftellvertreteicden Vorsitzenden, irnb Walzwerksdirektor Schmitt zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden gewächll. Kreis Marburg. 3C Marburg, 6. San. Der hier im Ruhestand lebende Altbürgermeister Marburgs, Geheimrat S ch ü I e r, begeht heute feinen 90. Geburtstag. Der Subilar stand als Nachfolger des Oberbürgermeisters Rudolph von 1884—1907 an der Spitze der Gemeindeverwaltung. Unter seiner Amtstätigkeit entwickelten sich das Süd- und das Biegenviertel, die Stadt wurde kanalisiert und das Elektrizitätswerk eingerichtet. — Der Verkauf des Gemeindeobstes brachte den Landgemeindendes Kreises Marburg im letzten Safyre eine Gesamteinnahme von rund 35 940 Mk. gegen 25 000 Mk im Sckyre vorher. Kreis Biedenkopf. Rodheim a. d.Dieber, 5. San. Herr Oskar Mühner von hier feiert am 10. Januar fein 25jähriges Subiläum Im Dienste der Buderusuchen Eisenwerke in Wetzlar. Gr war längere Sahre Betriebsführer auf den Gruben des genannten Unternehmens an der unteren Lahn und leitet feit etwa 5 Sahren den wragwiT.irauMgmAiiBWiw-'»» "» w—■—w— Pelzmärlel. Ein Nürnberger Spielzeugroman. Rach dem Stalienischen der Teresah erzählt von Gustav W. Eberlein. Copyright 1925 by A. Scherl G. rn.b. H., Berlin. 32. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Rauf, runter, hierhin, dorthin — mit Ermuntern und Ermahnen, mit Schelten und Kommandieren und Händereiben und Sichbewundern- lassen, mit den Vorfreuden und Beklemmungen eines Festleiters verging ihm der Vormittag im Fluge. Se höher aber die Sonne stieg, desto mehr wuchs seine Llnruhe. „Endlich — da kommen sie!" Aber es waren nur ein paar Fischreiher. „Seht aber sind sie es wirklich!" Es war ein Zug Schnepfen. Willkommen, willkommen!" " Es waren bloß Wildenten. Pelzmärtel kriegte es mit der Angst zu tun. Alles in Rechnung gestellt, hätten die Reisenden schon vor einigen Stunden eintreffen müssen, spätestens am frühen Rachmittag. Setzt aber sing es bereits an dunkel zu werden, und kein Storch weit und breit! Es wurde Rächt. Die Schwalben hatten um die Erlaubnis gebeten, sich zurückziehen zu dürfen, sie feien todmüde. Von düsteren Ahnungen erfüllt, rief Pelzmärtel einen älhu an, der zufällig auf der Stadtmauer hockte, und sandte ihn auf Kundschafttmg aus. „Die Uhu sind tapfer, gelt?“ ..Bekanntermaßen!“ Aber der Llhu kehrte ünverrichteterdinge zurück. Bis zu den ersten Hügelletten fei fein Schnabel und keine Feder zu erblicken. „Ich begreife das nicht mehr", sagte Pelz- märtel weinerlich. „Sie sind doch abgereist! Die Fee Morgana hatte doch ihr Eintreffen für den heutigen Tag zugesichert!" „Schicke morgen die Schwalben aus", riet der ilbu. „Sie finden überall Kameraden, die sie aussragen können. Was die eine nicht weih, weiß die andere. Sie können Stafetten bilden bis weit hinein nach Stallen " Sn Scharen schwirrten im ersten Morgengrauen die schnellen Boten aus. „Habt ihr drei Swrche vorbeiziehen sehen?" „Sa, drei Störche." „Drei Störche in nördlicher Richtung." „Hier vorbeigezogen." „Dorbeigezogen?" Die Antwort war immer die gleiche. Pelzmärtel raufte sich die Haare. Wie stehe ich nun da! Was soll ich bloß anfangen? Was sage ich dem Puppenpeter? Fisi hatte das lange Warten satt bekommen. „Wenigstens die Spielsachen könntest du auS ihrem dunklen Verlies herauslafsen", tagte sie und machte einen Buckel. Pelzmärtel sah sie unwillig an: „Alm mir neue Scherereien auf den Hals zu ziehen, he?" „Was Scherereien, was auf den Hals ziehen!" gab Fifi ärgerlich zurück. „Sch meine einfach, man mühte jetzt, wo Puppenpeter in Freiheit ist, sie Öen armen Rürnbergern zurück- geben, das gehört sich. Sie habeiw—" Sie konnte den Satz nicht vollenden. Pelzmärtel fuhr wie ein Sprungteufel in die Höhe: „So, so, großartig! Die Spielsachen zurück- geben! Ausgerechnet den Schuften, die daran schuld sind, daß ich mich in dieser Klemme befinde. Das schlage dir nur aus dem Kopf! Der einzige, der mir am Herzen lag, war der Puppen- peter, und wenn ich Otto und Liefe! erlaubt habe, zurückzukehren, fo nur ihm zuliebe. Shm ganz allein! älnd solange Puppenpeter nicht seinen Frieden hat, können die anderen meinetwegen verzappeln. Sch hatte gesagt: An Weihnachten. verstanden! Lind jetzt bleibt es bei Weihnachten. Richt einen Tag früher!" Außer sich vor Zorn, drehte sich Pelzmärtel auf dem Absatz herum, rannte im Galopp zum unterirdischen Gang, schläferte, die Spielsachen, ohne auf ihr Gesammer zu hören, wieder ein, berichtete Bringglück, daß er abreife, und reifte tatsächlich spornstreichs zu den Feen. Sm SauseschriLt ging es auf dem roten Riklausschlitten, der von einem großen Bernhardinerhund gezogen wurde, dahin. Zwei kleine Wanderer, die den Sch litten führer nicht erkannten, weil er das Zeichen feiner Würde, ein Tannenbäumchen. das er fonft immer bei sich trägt, zu Hause gelassen hatte, wären um ein Haar überfahren worden. „Unerhört!" sagte Lu. „Wie kann man nur so rücksichtslos fahren!" „So ein Lümmel!" sagte Li. „Ober jagte ihn vielleicht die Angst?" Kopfschüttelnd trippelten sie weiter. 'Pelzmärtel hatte die beiden winzigen Wanderer nicht einmal gesehen, waren sie doch nicht größer als Sunikäferchen. Das seltsame Verhalten des Zughundes, der bald nach rechts, bald nach links schnupperte, als ob er eine Spur gewittert habe, wo doch nichts zu sehen war, nahm ihn ganz in Anspruch. Auf einmal fing der Hund leise zu winseln an, dann bellte er, und Pelzmärtel war es, als ob ihm Gebell antwortete. Aber wie er amh angestrengt nach allen Seiten Llmschatr hielt, es war nichts und niemand zu crbliden. Unb auch Pelzmärtel setzte kopfschüttelnd seinen Weg fort. Wie kann es nur zugegangen sein, so werdet ihr such fragen, daß Lu und Li allein die Straße zwischen dem Zauberkreis und der Stadt Nürnberg dahergezogen kamen? Das ging fo zu. Berauscht von dem Zaubertrank Alcinas, hatte die Reisegesellschaft eine Rächt, einen Tag und noch eine Rächt in tiefem Schlaf verbracht. Gerade als sie sich die Augen rieben, schwirrten die ersten Schwalben vorbei, die Pelzmärtel als Kundschafter ausgesandt hatte, über den Zauberkreis hinweg, ohne ihn zu sehen. Uno über die unschuldigen Schwalben brach nun ein sonderbarer Streit aus. Zanksüchtig unb halsstarrig behauptete Luginsland, das feien keine Schwalben, sondern Käuzchen und schickte sich an, auf sie Sagb zu machen. Es fei Zeit, etwas m den Magen zu bekommen, sonst sterbe er vor Hunger, und daran fei nur Wicsenstelz schuld, maulte er, dem Storchensräulein eine lircks und eine rechts versetzend. Hatte er Fieber? Offenbar phantasierte er. Aber statt Rachsicht mit ihm zu haben, gab cs ihm Wiesenstelz bissig zurück und zeigte ihm sogar unehrerbietig den Rücken. Die Aus* einandersehung noch zu verscbärfen, mischte sich jetzt Schnabelspitz ein und hieb auf beide loS, daß ihnen die Sterne vor den Augen tanzten. ES war ein Höllenspektakel. Aber damit nicht genug, gerieten nun Karl der Große und Kunigunde, die einander nicht mehr fannten. in di« Haare und beschimpften sich gegenseitig wie keifende Marktweiber. HanS Sachs riß die Saiten von feiner Laute herunter, schwang sie wie eint Keule um sein Haupt und schrie, er müsse ft erben. Der Verfolgungswahn saß ihm im Genick. Seiner Sinne nicht mehr mächtig, hatte Krachauf eine fürchterliche Rauferei mit sich selber begonnen, schlug den Kovs gegen die Zeltpflöcke und tobte: „Sch bring dich um, ich bring dich um!“ Florindo und Harlekin verdroschen sich blindlings, daß die Fetzen flogen, und Ro- saura und Eoralllna, statt sie zu trennen, titu»- lierten sich Gans und alte Ziege, wobei es Ohrfeigen regnete. Die Bleisoldaten hatten blank gezogen, erklärten den Bürgerkrieg und spießten sich auf die Bajonette, wie man Rösthühner aufspieht. „Rieder mit dir! Ich schlitz' dir den Leib auf! Sch schneide dich in Stücke!" Kurz, es war ein einziges Gemetzel. Vor Schrecken starr, unfähig, ein Wort herauszu- bringen, sahen Otto und Liesel zu. Darauf blickten sie einander ins Gesicht, erkannten sich nicht mehr, stürzten mit geballten Fausten aufeinander los, würgten, kratzten, bissen sich wie zwei Hyänen. Diese Fußtritte! Diese Rippenstöhel Richt einmal wenn die Schule aus ist, geht es so zu, nicht einmal von den Straßenschlachten der Jungens verzeichnet die Geschichte derart wilde Szenen. Waren die Streiter erschöpft, so foppten sie sich, schnitten einander Grimassen, und wenn einer zu sprechen anfangen wollte, überschrien sie ihn oder lachten ihn aus. „Ach waS, Rürnberg! Gibt e» }a gar nicht! Alles Einbildung!" „Du willst Liesel heißen! Den Damen hast du gestohlen! Schäm dich du Scheusal!" „Rußknacker haben immer einen Schnupfen! Krrr — frrr! Kra — kra! Hazi!" ,.Hazi, hazi!" „Shr seid halt neidisch, weil itzr's nicht fa schön könnt." Sie, Herr, wer sind denn Sie? Karl btt Große? Hat sich waS Großes! Die Krone ist ihm auf die Rase gerutscht, und sei» Wantet schaut auS--" , ■- (Fortsetzung ftMgt) Betrieb der Grube „Friedberg" am Dünsberg. Dieser Tage wurden dem Jubilar aus Anlaß der Jubelfeier von der Verwaltung der Bu- derus'schen Werke die goldene Aadcl und ein ansehnliches Geldgeschenk überreicht. Strafkammer Gießen. * Gießen, 5. Jan. Unter Ausschluß der Oef° sentlichkeit wurde gegen den Schreiner Fr. R. von Gießen wegen Sittlichkeitsverbrechens verhandelt. Das Schöffengericht hatte ihn seinerzeit zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Strafkammer er« mäßigte die Strafe unter Freisprechung in einem Falle aus 1 Jahr 3 Monate Gefängnis. Der Kaufmann S. M. von Gießen war wegen Konkursvergehens zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die Strafkammer billigte ihm mildernde Umstände zu und erkannte auf eine G e l d - strafe von 100 0 Mark. Turnen, Sport und Spiel. Die neuen süddeutschen Fuhball-Bezirksmeister. Heber Erwarten früh hat der Süddeutsche Fuß- ballverband vier seiner Bezirksmeister berausge- gebracht. Lediglich der Bezirk Main, in dem sich noch der Frankfurter Fußballsportoerein und oer Hanauer Fußballklub von 1893 um die Siegespalme streiten, ist noch im Rückstand und wird vor dem dritten Januarsonntag kaum seinen Tabellenersten nominieren können. Die Namen der vier neuen Meister, Bayern München, Karlsruher F u ß b a l l o e r e i n, Verein für Rasenspiele Mannheim und Fußballverein Saarbrücken haben sämtlich einen guten Klang. Bayern schlug die Könige der Nürnberg-Fürther Fußballhochburg aus dem Felde, der K. F. V., ehemals Deutscher Meister, kam erst 1924 aus der Kreisliga und errang in einem beispiellosen Triumph sofort wieder die Spitze seines großen Bezirks, und Mannheim ist bisher der einzige Klub, dem es gelang, seine Meisterschaft aus dem letzten Jahre erfolgreich zu verteidigen, es sei denn, daß sich der Frankfurter Fußballsportverein ebenfalls wieder mit Meisterlorbeeren schmücken kann. Heber den Fuhballverein Saarbrücken gehen die Meinungen auseinander. Der Tobellenzweite, Sportverein Mainz 05, hätte wohl ohne die im entscheidenden Stadium eintretende Verletzung seiner besten Spieler bei der Vergebung des ersten Platzes ein ernstes Wörtchen mitgesprochen. Fest steht jedenfalls, daß sich die in den Bezirken führenden Vereine fast durchweg gleichwertig waren, wie denn auch die neuen Meister nahezu sämtlich nur mit einem einzigen Punkte die Oberhand behielten. Besonders schmerzlich mag das für den Altmeister, den 1. F. C. Nürnberg, sein, und auch Phönix Ludwiys- hafen sah schon wie der sichere Sieger aus, als im letzten Augenblick die zu Herbstbeginn beinahe aus- sichtslos im Rennen liegenden Mannheimer von Sieg zu Sieg eilten und, wie so oft in den Vorjahren, mit dem knappsten Vorsprung vor dem Rivalen vom andern Rheinufer die ersehnte Spitze erlangten. Nicht mehr lange — und der Kampf um die Süddeutsche Meisterschaft entbrennt. Die drei besten der fünf Bezirksmeister haben die Berechtigung zur Teilnahme an der höchsten Ehre, die der D.F. B. au vergeben hat, der Deutschen Fußballmeisterschaft. Wer sich für diese Kämpfe qualifizieren wird, ist schwer oorauszusagen. Mit Ausnahme der Saarbrücker, welche der Routine der alten Meisterklubs noch nicht gewachsen sein sollten, hat jeder der Bezirksmeister, einschließlich der mainische Vertreter, die beste Chance das hohe Ziel zu erreichen. B. Um die BezirksNgameisterschast in Hessen-Hannover. tz. Ein ausgefallener Sonntag! Sport — Kurhesfen Kassel ausgefallen. D. f. D. KurhessenMarburg — Dorufsia Fulda ausgefallen! Die in Frage kommenden Platze 'waren nicht spielfähig. Somit läßt die Entschei- , düng um die Meisterschaft, die In der erstgenann- \ len Begegnung hätte fallen können, wieder auf - sich warten. Aach Verfügung deS Verbandes soll der Dezirksmeister am 1. Februar 26 ermittelt fein und gemeldet werden Ganz geringe Verschiebungen im Stärkeverhältnis (lies Punkteverhältnis I), auf Grund der noch auszutragenden Spiele tonnen Komplikationen eintreten lassen, die die Ermittelung des Meisters bis zum vorgenannten Termin umnöglich machen. Das derzeitige schlechte Wetter kann diese mißliche Lage noch verschärfen. Es wäre nicht mehr wie recht gewesen, wenn die Behörde das Spiel kurzerhand auf einen neutralen Platz angeseht hätte. Diesbezügliche Verhandlungen waren auch in Kassel im Gange, scheiterten aber an dem Widerstande »Sports". Warum? Sollte Sport" die Situation ausnutzen wollen, um auf Grund seiner jetzigen Tabellenaufführung infolge Terminnot am grünen Tisch als Meister erklärt zu werden? Das wäre menschlich, aber nicht sportlich verständlich Wir aber müssen unserem Wunsche treu bleiben, daß der wirklich Beste uns Hessen- Südhannoveraner vertreten soll, und der sollte im Spiel ermittelt werden. Noch ist die Behörde in der Lage, der Situation durch entsprechende Maßnahmen die entscheidende Wendung zu geben, derart, wie sie im Interesse der Sache des Sports liegt. So — und nicht anders! — Der Marburger Platz ist ein Tlnterwasser- vlatz, die Spielabsage ist deshalb verständlich. Ein weiteres Verbandsspiel war nicht vorgesehen. „Kurhessen" Kassel verstand es in letzter Stunde, ein Privatspiel mit Spielv. Kassel «luszutragen, und gewann zu knapp 2:1. Die Tlebrrlegenheit des Altmeisters zeigte eine größere Differenz gegenüber den Spielveretnler, als sie das Torverhältnis wiedergibt. Die „Kurhessen" probierten neue Leute aus und wechselten diese und die Aufstellung während des Spiels aus mit dem Zweck, sich den letzten Schliff für die bevorstehenden Großkämpfe anzueignen. Ihre Mannschaft machte im übrigen einen sehr wohlgepflegten Eindruck, der für das zukünftige Abschmeiden das Beste erhoffen läßt. Man kann ruhig und mit Recht sagen: „Kurhessen würde der würdigste Meister sein, ob auch der (in den Spielen um den Verbandstitel) erfolgreichste, das steht Heuer nock nicht fest. „Sport konnte sich In seinen Meisterjahren wenigstens immer mit einem besseren Platz und einer, wenn auch nur zahlemnähig (gemessen an Punkten), besseren Leistung präsentieren. Das nur nebenbei! Durch den Ausfall der Punktefpiele hat sich die Tabelle naturgemäß nicht geändert. Wir registrieren nur kurz die Tabellenspitze: „Sport" Kassel 23 Spiele 83:31 Tore 37 Punkte Kurhessen . 22 „ 98:19 36 Fußball in Mitteldeutschland. In den mitteldeutschen Fußball- meisterschaftSspielen erlitt der vorjährige mitteldeutsche Meister V. s. B.°L e i p z i g wiederum eine Niederlage mit 2:4 durch dieSport- freunde. In Dresden verlor GutsmuthS 3:4 gegen Brandenburg. In Magdeburg bedeutet das 3:4°Spiel Fortuna — Viktoria 96 eine ^leberraschung. Die Jenaer Spielvereinigung verlor im Weimar gegen den S. C. 1:5, S. Vg. Erfurt und die Sport°Dg. Oö trennten sich 3:1. Dom Schwimmsport. Das in Hannover ausgetragene Wasserballspiel zwischen dem deutschen Meister Hellas- Magdeburg und dem früheren Meister Wafferfreunde-Hannover wurde nach äußerst erbittert geführtem Spiel mit 4:3 von Hellas-Magdeburg gewonnen. Rademacher und Denecke waren in der ersten Halbzeit die Torschützen für Magdeburg, Karl Bähre für Hannover. Mit 2:1 führten die Hellenen zur Halbzeit, dann schoß in kurzer Reihenfolge Atmer für Hannover 2 Tore, und erst kurz vor Schluß konnte Amann durch einen verwandelten Strafwurf den Sieg des Hellas-Magdeburg sicherstellen. Der Rekordversuch des deutschen Meisters Frölich im 100-Meter-Rückenschwimmen mißlang, da er nur 1:15,6 schwamm. Der Hermannslauf der Deutschen Turnerschast. Rach einer vom Oberturnwart der Deutschen Turnerschaft soeben veröffentlichten Zusammenstellung sind beim vorjährigen Hermannslauf insgesamt 15 547 Kilometer in 724 Stunden 35 Minuten von 137 000 Läufern zurückgelegt worben. Für den Kilometer wurden durchschnittlich 2 Minuten 48 Sekunden gebraucht. Gegenüber den Läufen zuin Völkerschlachtdenkmal im Jahre 1913 mit einer durchschnittlichen Laufzeit von 3J2 Minuten für den Kilometer ist also eine Verkürzung um 24 Sekunden erzielt worden. Demnach hat sich also die Leistungsfähigkeit der Deutschen Turnerschast ganz erheblich gesteigert. Die erfolgreichsten L. A.-Dereine 1925. vo. Auf Grund des gleichen Maßstabes, der zur Ermittlung der „10 Besten" diente, hat die D. S. B. jetzt auch die erfolgreichsten Vereine im Jahre 1925 errechnet. Zur Ermittlung der Reihenfolge wurde eine Punktwertung nach folgender Methode ange- wandt: Berucksichttgt wurden zunächst nur die Leistungen der Männer. Dann wurde festgestellt, wie oft ein Verein in der Liste der ,Lehn Besten" erscheint. Weiterhin erfolgte die Wertung in der Weise, daß der erste Platz in einer der 23 in Betracht gezogenen Hebungsgebiete gleich 10 Punkten, der zweite gleich 9 Punkte usw. galt, so daß dem zehnten Platz ein Punkt entspricht. Aus der Summe der dem Verein zugesprochenen Punkte errechnete sich die Gesamtpunktzahl. Auf Grund dieses Maß- stades — der zweifellos nicht allen Leistungen gerecht wird — ergab sich folgende Punktw er- tung nach Vereinen: 1. S. E. Preußen- Stettin 86 P. (bei 11 Listenplätzen), 2. Polizei port- verein Berlin 54 P. (10), 3. Deutscher Sportclub Berlin 44 (6), 4. S. D. Hesfen-Preußen, Kassel 42 (7), 5. S. D. Phönix-Karlsruhe 41 (6), 6 Berliner Sportclub 40 (5), 7. S. E. Preußen- Krefeld 40 (5), 8. Ballspielclub Köln 39 (5), 9. S. V Kickers-Stuttgart 36 (5), S). S. V. Hamburg 30 (7), 11. V. f. B. Leipzig 50 (5), 12. S. V. 1860 München 20 (7), 13. S. V. Viktoria 96 Magdeburg 28 (5), 14. D. S. V. München 28 (5), 15. D. f. B. Stuttgart 26 (4), 16. S. V. Technische Hochschule Hannover 25 (4), 17. V. f. D. Breslau 22 (4), 18. S. E. 1880 Frankfurt a. M. 21 (4), 19. S. V. Jahn-München 21 (3), 20. S. V. Viktoria-Hamburg 20 (3). Die Punktwertung nach Verbänden ergibt: 1. Süddeutscher Verband für Leichtathletik 338 P. (bei 64 Listenplätzen), 2. Westdeutscher Spielverband 243 (43), 3. Verband Brandenburgischer Athletikvereine 235 (38), 4. Norddeutscher Fußballverband 181 (31), Baltischer Rasen- und Wintersportverband 118 (21), 6. Verband Mit- teldeutscher Ballspieloereine 114 (26), Südostdeutscher L. A. Verband 36 (7). Wirtschaft. Handel und Gewerbe im Dezember 1925. 3it den Berichten der preußischen Handelskammern über die Wirtschaftslage im Dezember wird u. a. ausgeführt: Die in der zweiten Hälfte des Jahres 1925 einsetzende W irisch aftskrise hat sich im Monat Dezember sehr stark ausgewirkt. Am besten charakterisieren die Arbeitslosenziffern den Tiefstand der augenblicklicheir Wirtschaftslage. Die Zahl der Hauptunterstühungsempfänger in der Crwerbslosenfürsorge betrug im Reich am 1. Juli 1925: 195 000, am 1. Dezember 669 130, während sie am 15. Dezember schon auf 1057031 gestiegen war. Am 15. Dezember 1924 betrug sie 458 125, am 1. Juli 1924 240 766. Besonders litten unter der Krise der Ruhtckohlenbergbau und die Eisenindustrie, die Automobilindustrie, die Bekleidungsindustrie, der Daumarkt und die Industrie der Steine und Erden: auch das Verkehrsgewerbe wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Rur in einzelnen Zweigen des Rahrungs- mittelgewerbes, insbesondere in der Mühlenindustrie und der Fleischwarenindustrie, sowie in dem ober- und niederschlesischen Steinkohlen- und dem mitteldeutschen Braunkohlenbergbau war die Lage etwas besser. Auch die Tabakindustrte und der Einzelhandel zogen aus dem Weihnachtsgeschäft einige Vorteile. Ob die zum Schluß des Monats eingetretene Hochwasserkatastvophe umfangreiche Schäden für das Wirtschaftsleben mit sich bringt, kann noch nicht übersehen werden. 9 * Stiebt. Krupp A.G., Essen. Die Verwaltung der Friedt. Kruhp A. G. teilt fol- genöeä mit: Mit dem 31. Dezember 1925 wurde Verwaltung des Stahlwerks Annen aufgelöst. Die Rohstoff- und Halbfabrikate tmn> I den von der hiesigen Rohstahlverwaltung übernommen. Die Werkstätten mit Maschinen und Einrichtungen sind den Lagerwerkstätten bzw. dem technischen Bureau, die Wohnungen und Grundstücke der Wohnungsverwaltung unterstellt. * 50 Millionen Dollar für den deutschen Stahltrust. Die Danksirma Dillon Read & Co. in Reuyork bestätigt, daß sie zur Finanzierung eines deutschen Stahltrustes eine Anleihe von 50 Millionen Dollar zugesichert hätte. * Verkauf der Kvholyt-A.-G. aus dem Stinneskonzern. Wegen des Verkaufs der Koholht-A-G. haben mit einer von William Harrison geführten englischen Gruppe Verhandlungen stattgefunden, die zu einem positiven Ergebnis geführt haben. Das Geschäft wird jedoch erst nach älnterzeichnung der Verträge, die noch in Aussicht steht, berfrft. * Starker Rückgang der pol Nischen K oh lenausfuhr nach Italien. Die Ausfuhr polnischer Kohle nach Italien hat infolge der hohen Zölle, die Italien als Gegenmaßnahme auf die polnischen Einfuhrwaren gelegt hat, einen jähen Abbruch erfahren. Dieser Sage begibt sich ein bekannter polnischer Kohlen-Jndustrieller nach Italien, um mit ^Interftutzung seines einflußreichen Bruders, der ein Mailänder Bankier ist. die Ausfuhr eines größeren Kohlen-Konttngents nach Italien innerhalb der nächsten Monate zu erreichen. Börsenkurse. Frankfurt a.M. Berlin Schlug- Kur» 1-Uhr. Kur« Schluh» Kur» Anfang Sur--, Datum: j 5.L “>■ 5. 1 6. 1. 5% Deutsche Reichsanleihe • 0,191 0.200 0,1925 0,2025 4% Deutsche RetchSanleihe . — 0.2225 0 22 3%% Deutsche Rcichöanlethe 3% Deutsche Reichsanletbe . Deutsche Sparprämtenan leihe 0 21 — 0 21.5 0.31 0,29 O.H'75 — 0 05 0.110 0,31 4% Preußische Konsolö . . . 4% Hessen........... U.200 _ 0.22 0,195 3'/e% Hessen.......... 3% Hessen ........... —- — — — —— —— — Deutzche Wertb. Dollar»Anl. 90 25 — 91.75 dto. Doll.-Schatz-Auireisng.') 98.25 — 98,5 4°/e Zolltürken......... 7.75 1 - — 5% Gold Mexikaner ... . 43,62 1 - - Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank 138 — 137.25 -38,4* 96* — 96’ 96 62* Darmst. und Nationalbauk . 103,5* — 103,2* 103.4* Deutsche Bank......... 105' — 101,6* 106' Deutsche Dereinsbank .... 67 _ DtScomo Commandit Metallbank........... 103* — 10?,7’ 103* 75 — — Mitteldeutsche Ereditbank. . Oestrrrrichische Eredttanstalt. 94 _ 92.25 92 5* 6* 6* Weltbank ........... 0.03 - Bochumer Gaß....... . 60 5 62 63,5* Buderus.......... 28 .29,4* 27.63 28,6 Karo ............ 37.75 — 37,25 36,5* DeutschLuremdurg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . 59,9 63,5* 67.13* 60 62* 62.75* 67.4* Haroener Bergbau..... Kaliwerke AscherSIebeu.... 88.6* 90.25* 89.21* 89 9* 90 93.5 89 91.7', Kaliwerk Westeregeln. .. . . 90 96 91,5 95.62 Laurahütte....... • * . 24 — 24,5 Oberbedarf......• » • . . Phönir Bergbau ...... Rhetnstahl........... Nie deck Montan........ 37 5* 37.9* «1 25* 48,5* 70 60 62* 48.5’ (19 25 62.75* 49,9* TelluS Bergbau........ 43 Hamburg.Amerika Paket. .. Norddeutscher Llovd..... 94,5* 95,5* 94,5* M.5* 84,25* 95* Theramtsche Werke Albin . . — Zementwerk Heidelberg . , , 61 1 — _ Philipp Holzmann...... 1 39,6 40,5 39,12 _ Snglo-Tom-Guano..... — 65 25 Badische Anilin........ Chemische Matzer Alapb, . . 106,2* 106,9* 106* 106,0* Goldschmidt......... Griesheimer Electron .... —w 48,5 105 — 105 5 107 • Höchster Farbwerke...... Holzverkohlung........ 105 9* 40.1 106,7* 105,5* 106,5’ RütgcrSwerke ......... 47,5 — 45 — Scheideanstalt . ........ 81,75 — Allg. SlektrizitätS-Gesellschaft 84* — 85,25 86* Bergmann .......... Mainkraftwerke........ 65* 64 _ 65,9 67* Echuckett ............ 54* — 54* 55.4* Siemens & Halske ...... 67,5* 71* 68.25* 70,75* Ädlerwerke Kleyer ...... 24,75 25 24.25 24,25 Daimler Motoren....... 22,5 — 22,4 Hehltgenstacdt......... 14 __ Megum............ 27 — 28,5 Motorenwerke Mannheim . —- — —- Frankfurter Armaturen - . . 16 — — Konservenfabrik Braun . . . Metallgesell'chaft Frankfurt. Pet. Union A.-G....... — —* 85,5 51 l7,S 51 — Schuhfabrik Herz...... 19 — — -- Sichel.............. Zellstoff Woldbof....... 2,12 — 1 — 79 — 78.75 —— Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel • . . 45 40 46,75 88,5 — Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Banknoten.__ 5 Ian. 6. Jan. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Amft.-Roki 168,<9 169,21 168,6'1 169,08 Buen- Aires 1,734 1,-38 19.075 1,736 19.035 1,740 Brff-.Antw 19,035 19,075 Christiania. 85,'-7 85,49 85,16 85,38 Kopenhagen 103,72 103,93 103,78 104,04 Stockholm . Sttstngfors. 112.41 112,69 112,86 112,64 10,545 10,585 10.547 10,587 Italien. . . 16,925 16,965 16.94 16,98 Loudon. . 20,351 -0,401 2O.34S 20,398 Neuyork . . 4,195 4,205 1,195 4,20 > Paris. . . Schwei, . . 15,92 15,96 16,11 11,15 81,10 81,30 59,27 81 08 81,28 Spanien . . 59,18 59,28 59,42 yapan -. - Rio de Jan 1,820 1,824 1,82' 1,832 0,627 0.629 0.627 ),629 Wien in SD.« Oest. abgest 59,09 59.23 59,11 69,25 Prag .... 12,418 12,453 12,418 12,458 Belgrad . . 7,435 7,455 7,4:35 7,455 Budapest. . Bulgarien . 5,875 2,935 5,895 3,005 6,875 2,995 6,895 3,0u5 Lissabon 21,275 1,325 21 275 21,328 Danüg. . - Konstantin- SO, .8 60.88 80 70 80.90 2,24 2,25 2,235 2,245 Athen- . . 5.41 5.46 5 56 5..-8 Canada. . . 4.489 4,199 4.189 4,11)9 Uruguay . 4,305 4,315 4,305 4,315 Berlin. 5 Ian Geld Bries Amerikanische Noten ..... 1,188 4.208 Belgische Noten ..... , Dänische Noten . ...... 18,9J 103,49 20,812 19.09 101,01 20,412 Englische Noten........ Französische Noten ..... 15,90 168,43 15 98 169.21 Holländische Noten..... Italienische Woten ..... 1 16.915 85,11 58,94 16,995 85 53 59,24 Norwegische Noten...... Deutsch-Ocstcrr.,L 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten..... Schweizer Noten...... 112,12 81,03 69,00 12.38 112,68 81,42 69 80 12.44 Spanische Noten....... Sfd>«öo{lorcaWtfc Noten .. ungarische Noten. . .... 5,827 5,867 Frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 6. Jan. Tendenz: Fest. — Die Börse eröffnete auf fast allen Märkten in fester Haltung. Besonders lebhaft war das Geschäft am Montanmarkt, wo Kursbesserungen bis zu 3 Prozent erzielt wurden. Das Hauptinteresse wandte sich Phönix und Rheinstahl zu. Auch Anilinaktien wurden etwas stärker gefragt. Hier regten die günstig fortschreitenden Verhandlungen mit der japanischen Farbenindustrie an. Schiffahrwerte und Clektrowerte waren ohne Geschäft, ebenso Bankaktien. Deutsche Anleihen lagen eine Kleinigkeit gebessert. Zucker aktien verkehrten fest, desgleichen Autoaktien (Daimler plus 1 Proz.). Maschinenwerte waren dagegen leicht abgeschwächt. Der Fr ei verkehr war bei etwas festeren Kursen umsatzlos. Benz 21 Proz., Brown-Doveri 51 Proz., Deutsche Petroleum 46 Proz., Growag 37 Proz. Im weiteren Verlaufe konnten auch die anfangs vernachlässigten Märkte etwas profitieren, insbesondere Schiffahrtsaktien vermochten sich int Kurse etwas zu heben, während Phönix später wieder 1 Proz. einbühten. Am Geldmarkt ist die Lage wieder außerordentlich flüssig geworden. Tagesgeld ist bereits mit 73Ä bis 81/«, Proz. angeboten. Monatsgeld je nach Adresse 9 bis lOVy Proz. Im internationalem Devisenverkehr war Paris gegen London mit 126,50 leicht abgeschwächt. Die übrigen Valuten sind unverändert. Berliner Dors«. iEigener Drahtberich, des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 6. Jan. Die nunmehr bestehende Sicherheit, daß es mit der F rade des deutschen Eigentums in Amerika vorläufig nichts wird und daß das dortige Parlament frühestens im Sommer d. I. sich mit der Vorlage befassen wird, hat der Spekulation die Grundlage für das letzthin lebhafte Geschäft in den davon betroffenen Werten entzogen. Schiff- f ahriswerte ebenso wie Baltimore, Canada und Berliner Handel lagen heute vernachlässigt. Dafür traten Montanwerte stärker in den Vordergrund. Es fanden anscheinend Tausch-Operationen mit Freigabewerten statt. Montanwerte besserten sich prozentweise. Dies trug auch mit dazu bei, die Stimmung für die übrigen Märkte freundlicher zu gestalten, so daß die Börse einen günstigen Charakter trug. Anleihewerte, wie Reichsanleihe, Preußische Konsols ufw. waren ebenfalls stärker gefragt und lagen beträchtlich über den gestrigen Schlußkursen. Die Nachfrage nach Erdöl a k t i e n hielt an. Der ungünstige Eindruck der Freigabeangelegenheit wurde ausgeglichen durch die überaus günftige Lage des Geldmarktes. Tagesgeld war bereits zu 7 bis 9 Prozent und noch darunter angeboten. Monatsgeld 9,5 bis 10,5 Pro« äent. Im Devisenverkehr stellte sich Paris gegen London unter kleinen Schwankungen auf 126, Warschau gegen Kabel 8,5. Die Reichsmark notierte in London 20,37, Paris 6,23, Amsterdam 59,20. 5taiüfuricr Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener AnzeigerS"§ Frankfurt a. M., 6. Jan. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 25,50 bis 25,75, Avggen, inlänb. 17,50 bis 18, Sommergerste! für Drauzwecke 22,50 bis 25. Hafer, inländ. 18,50 bis 21,50, Mais gelb 21 bis 21,50. Weizenmehl, inländ.. Spezial 0 41 bis 41,75, Roggenmehl 26,25 bis 26,75, Weizenklsie 11 bis 11,25, Roggenklere 11,25. Tendenz ruhig. berliner Produktenbörse. Berlin, 5. Jan. Nachdem vormittags im Ber^ lmer Produktenhandel auf Grund der festeren Preismeldungen eher höhere Preise genannt wurden, kamen zu Beginn des amtlichen Mittagverkehrs seitens des Inlandes etwas vermehrtes Angebot heraus, teilweise sogar zu ermäßigten Offerten. Auch meldete Liverpool eine schwächere Anfangsnotiz. Im Zeitgeschäft war die Geschäftstätigkeit im großen "ftd Lanzen ruhig. Die Preise für Weizen wie auch für Roggen liegen unverändert. Weizen gewann für Frühjahrsmonate je 0,5 Mk., Roggen eröffnete unverändert. Gerste ruhig. Die Preislage in Hafer ist unverändert hoch, der Absatz daher sehr schwach. Mehl still, Futtermittel ohne beachtenswerte Schwankungen. Es wurden notiert: Weizen, märkischer, 250 bis 256, Weizen, pommerfcher, 250 bis 256, März 276 bis 278, Mai 282 bis 285; Roggen, märkischer, 149 bis 156, Roggen, pommerfcher, 149 bis 156, März 182 bis 184, Mai 191 bis 193,5; Gerste, märkische, 187 bis 214; Futtergerste 156 bis 170; Hafer, märkischer, 162 bis 173, März 184; Weizenmehl 33,25 bis 36,75; Roggenmehl 23 bis 24,75; Weizenkleie 11,4 bis 11,6; Roggenkleie 9,75 bis 10,25; Viktoriaerbsen 26 bis 33; kleine Speiseerbsen 22 bis 24; Futtererbsen 20 bis 21: Pelusch. ken 18 bis 19; Ackerbohnen 21 bis 22. < Büchertisch. .,D a s Theate r", die bekannte tHu* strinle Halbmonatsschrift (Verlag Berlin W 9), beginnt mit dem soeben zur Ausgabe gelangten ersten Januar-Heft ihren 7. Jahrgang. Gleich mit dem ersten Heft dokumentiert diese Theater- zeitschrift wieder _ die Vielseitigkeit ihres Bestrebens, die amüfante ÄnterAltung mit dev ernsthaften Betrachtung zu verbinden. Der Llntev- Haltung dient eine Rundfrage an die Schau« spielerwelt über das Thema „Der Schauspieler als Publikum" mit dem Zweck, festzustellen, ob unsere ersten Künstler gern in# Theater gehen, was sie gern sehen und tote iHv Verhältnis als kritischer Betrachter zu den Leistungen der Kollegen ist. Eine Reihe von Antworten der bedeutendsten Künstler und Künstlerinnen der Berliner und Wiener Theater beleuchten das Problem in Vers und Prosa, in Scherz und Ernst. Aus der Fülle der mehr kritischen Betrachtungen des Heftes ist der Einleitungsaufsatz „Amerika und das europäische Theater" hervorzuheben, den eine» der bekanntesten amerikanischen Dramatiker int Anschluß an eine europäische Studienreise geschrieben hat, und der außerordentlich wertvolle Streiflichter auf die amerikanische Anschauungsweise, aber auch auf das europäische Theateu fallen läßt. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Amschau".) Donnerstag, 7. Januar: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 6 Uhr: Nachmittagskonzert des Hausorchestersr Operetten-Nachmittag. 6 bis 6.30 Uhr: „Das Abenteuer in der Silvesternacht" von E. Th. A. Hoff- mann. 6.30 bis 7 Uhr: Stenographischer Fortbtt- dungskursus für alle Systeme (Diktat von 80 Silben aufwärts). 7 dis 7.30 Uhr: Ueberttagung von Kassel: Vortrag von Intendant Walter Sieg: „Die Wil« lensschwäche als tragisches Motiv, eine dramatur« gische Studie zum Hamlet". 8 bis 10 Uhr: Drama« Uscher Abend. Anschließend bis 12 Uhr: Uebertr« gung aus Berlin: Tanzmusik der Berliner Fund, kapelle.