Nr. 181 Erstes Statt 116. Jahrgang Donnerstag, 5. August 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag«. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monals-Bezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: ächriftleitunq 112, Ver- lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvck und Verlag: vrühl'sche UniverfilStr-vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Stehen. Schristlettung und Geschäftsstelle: Zchnlftrahe 7. Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich^8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mra Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20 mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr Wilh. Lange. DerantwoNlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.Tyyriol: für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen. Amerika an öre Kaufleute der Welt. Die Gründung der Internationalen Handelskammer, an der jetzt so ziemlich alle zivilisierten Staaten beteiligt sind, ist von Amerika ausgegangen, und dieses spielt dort auch die erste Geige. Das ist begreiflich, denn Amerika beherrscht nun heute einmal den Geldmarkt vollständig, und zweitens sind seine Handelsverbindungen mit andern Ländern am größten. Dor einiger Zeit hat das amerikanische Glied der Internationalen Handelskammer einen Ausschuß eingesetzt, der die Frage prüfen sollte, was für hauptsächliche Hindernisse im internationalen Handelsverkehr vorhanden sind und wie diese am besten beseitigt werden könnten. Der Bericht ist jetzt beim Sekretariat des amerikanischen Verbandes von Handelskammern eingereicht worden. Es werden darin sechs besondere Hindernisse aufgesührt. die dem allgemeinen Handelsverkehr im Wege stehen. DaS sind die sinkende Kaufkraft der Bevölkerung in allen Ländern. der sinkende Wart aller Währungen, das Schwanken der Wechselkurse, die politische Unsicherheit, die starke Vermehrung der Zollgrenzen durch das Entstehen neuer Staaten, die Einmischung fast aller Regierungen in Angelegen- beiten des Handels und der Industrie in einem, Maße, das man früher nicht kannte. Daß diese angeführten Punkte tatsächlich im wesentlichen die Mitschuld an der ungünstigen Gesamtlage des Handels tragen, ist unbestreitbar. Wir vermissen jedoch die Angabe des eigentlichen Grundes für die heutigen Zustände, nämlich den Weltkrieg und seinen Ausgang. Ein gewisses Fortschreiten aus dem Wege der Erkenntnis ist allerdings in der Bezugnahme auf die Vermehrung der Zollgrenzen zu erblicken, und damit wird auch auf den Kern des ILebels hingewiesen, nämlich auf den sogenannten Friedensvertrag von Versailles. Eines der schwersten Liebel, die wir diesem erbärmlichsten aller Machwerke zu verdanken haben, ist die Balkanisierung Europas. die Zerreißung in eine große Anzahl kleiner Staaten, die als Glieder des internationalen Handelsverkehrs weiter nichts zu erzielen vermögen, als unabsehbare Hemmungen und Schwierigkeiten hervorzurufen. Wo es früher nur drei große Reiche, also auch nur drei Zolllinien gab. sind heute im ganzen sieben bis acht Staaten von ganz verschiedener Größe vorhanden, die sich teilweise untereinander durch hohe Zollmauern abgeschlossen haben und zum andern Teil schon seit längerer Zeit untereinander im Zollkrieg liegen. Es kommt hinzu, daß der auf die Dauer ganz unmögliche polnische Korridor sich mitten durch deutsches Gebiet schiebt, und hier sogar zwe» neue Zollgrenzen geschaffen hat. Die Klage amerikanischer Reisender über die Häufigkeit der Zollgrenzen in Europa ist nicht ganz neu. Wir haben schon mehrfach Aeußerungen des Erstaunens darüber gehört, daß man auf einem so kleinen Gebiet nach wenigen Stunden Bahnfahrt immer wieder neue Zollrevisionen und Zollplackereien durchmachen muh. Aber bei dem kurzen Gedächtnis und der bekannten Oberflächlichkeit des Turchschnittsamerikaners brauchen wir uns nicht darüber zu wundern, dah die Herrschaften vollständig vergessen, welches Maß von Schuld ihr damals vergötterter Präsident W i l- son an diesen Zuständen trägt. Er hatte die Macht, das Zustandekommen des Vertrages von Versailles und die unhaltbare Zerreißung Deutschlands durch den polnischen Korridor, sowie die Errichtung zahlreicher Zollschranken zu verhindern. Jetzt lernt auch die amerikanische Handelswelt an praktischen Beispielen erkennen, was für ein gewaltiger Schaden vor sieben Jahren angerichtet worden ist. Auch die dauernde politische il n - sicherheit, die in dem Bericht beklagt wird, ist die natürliche Folge des Entstehens so vieler neuer Staaten, von denen verschiedene sich schwerlich auf die Dauer halten können. Gerade nach amerikanischem Zeugnis haben die Polen bereits ihre Llnfähigkeit reichlich bewiesen, sich aus die Dauer selbst zu regieren. Es ist daher kein Wunder, wenn unter solchen Verhältnissen mit der politischen Ungewißheit und mit den zahllosen Erschwerungen jedes geregelten Handelsverkehrs auch die Währungen in heftiges Schwanken geraten. Die äußeren Symptome der Kraniheit haben die amerikanischen Doktoren richtig erkannt, und es ist erfreulich, daß sie immerhin soweit gekommen sind, auch der Welt ihre Weisheit nicht vorzuenthalten. Aber wir möchten wünschen und hoffen, daß sie auf dem jetzt betretenen Wegeder Erkenntnis schnell weiter fortschreiten, und schliehlich dahinkommen, den Dingen a^us den Grund zu schauen. Wenn erst die ganze amerikanische Handelswelt erkannt haben wird, daß der Friede von Versailles als Ganzes der friedlichen Entwicklung und der Rückkehr zu ge- - fanden Zuständen hinderlich ist. dann werden sie vielleicht auch die einzig mögliche Schlußfolgerung fcarauS ziehen. Der amerikanische Vorschlag. Reuhork. 4. Aug. (WB.) Das „Journal of Commerce" meldet aus Washington, daß das Amerikanische Komitee der 3n- ' ternationalenHandelskammerin einer Erklärung den Vorschlag unterbreitet, die Kaufleute der ganzen Welt sollten sich durch Vermittlung der Internationalen Handelskammer Weitere Inflation in Frankreich? Die Bank von Frankreich kaust Gold und Devisen! Paris, 4. August. (WTB.) Der angekündigte Gesetzentwurf, durch den die Bank von Frankreich ermächtigt werden soll, Gold und Devisen an der Börse zu kaufen, was ihr durch ein Gesetz vom 12. Februar 1916 untersagt war, ist heute nachmittag in der Kammer eingebracht worden. Er enthält vier Artikel. Die Bank von Frankreich darf nach dem Gesetzentwurf für die entsprechende Menge Gold oder Devisen, die sie erwirbt, Banknoten ausgeben, die nicht zum Notenumlauf, dessen Höhe festgelegt ist, hinzugerechnet werden sollen. Außerdem erhält der Finanzminister die Ermächtigung, innerhalb dreier Monate mit der Bank von Frankreich Abmachungen zu treffen, die zur Vorbereitung der Währungs- stabilificrung durch Hebung des Frankenkurses geeignet sind. Zn der Begründung wird der Standpunkt vertreten, daß es klar sei, daß die gegen Metall- oder Devisenbestände ausgegebenen Banknoten nicht als eine neue Inflation angesehen werden könnten, da sie ja zu 100 Prozent gedeckt sind. Jedenfalls werde dieses Gold und diese Devisen den zur Deckung des Notenumlaufes vorhandenen Bestand verstärken. DerFinanzausschutz der Kammer für Poincar^s Plan. Paris. 4. Aug. (WB.) Der Finanzausschuß der Kammer hat heute vormittag mit der offiziösen Prüfung des Regierungsentwurfs betreffend die Amortisierungs- kaffe begonnen. Der Generalberichterstatter de Chappe- d e I a i n e gab zunächst Kemrtnis von einer 11 n- terredung mit Poincars, nach der dieser nicht beabsichfige. dem eigentlichen Text des Gesetzes einen verfassungsmäßigen Charakter zu geben, sondern von der Rattonalversammlung einen einzigen Artikel unter folgenden Bedingungen annehmen zu lassen: Dieser Artikel würde die Unantastbarkeit der Amorlifierungskasse ihres Bestehens und ihres Funktionierens und ebenso die dauernde unverminderte Speisung mit den notwendigen Mitteln garantieren. Außerdem würde feine Präzisierung über die Einzelheiten der der Kasse zufließenden Mittel in dem Text enthalten sein, so daß die Rechte des Parlamentes in finanzieller Hinsicht gewahrt bleiben würden. Don radikaler Seite wurden Bedenken dagegen erhoben, daß bereits jetzt die für die Amortisierungskasse bestimmten Mittel in einem verfassungsmäßig zu haltenden Texte festgelegt würden, während von sozialistischer Seite angekündigt wurde, daß man den alten sozialistischen Plan für die Ausbeutung des Tabakmonopols in Form eines Gegen- entwurfes wiederaufnehmen würde. In der Rachmittagssihung des Finanzausschusses erstattete Ministerpräsident Poincars zunächst Bericht über den Regierungsentwurf betreffend die Amortisierungskasse. Er betonte dabei seine bereits am Dormittag vom Generalberichterstatter de Chappedelaine übermittelten Aeußerungen betreffend den Charakter des Gesetzentwurfes. Aus eine Anfrage des Abgeordneten Blum über die der Amortt- sierungskasse za gewährende Ermächttgung, sich D o r s ch ü s s e leisten zu lassen, erklärte Poin- care, daß diese Dorschüsse überhaupt nichts'mit denen der Dank von Frankreich an den Staat gemein hätten und daß er auf keinen Fall die Erhöhung des für diese Vorschüsse festgesetzten Betrages ins Auge fassen würde. Poincars ging alsdann über zur Erläuterung des Regierungs- eittwurses betreffend die Ermächtigung der Bank von Frankreich, Gold und Devisen im Hinblick auf die Stabilisierung des Franken anzukaufen. Auch hier gab Blum seinen Bedenken Ausdruck, daß dadurch, daß die Dank von Frankreich ermächtigt werden solle, auf Grund dieser Devisen und Goldstücke Roten auszugeben, eine neue Inflation im Anzuge sei. Poincars suchte dies zu entkräften und erklärte, daß diese neue Ausgabe von Danknoteri auf keinen Fall als eine neue Inflation angesehen werden könne, da sie restlos durch den Wert des von der Dank von Frankreich zu erwerbenden Devisen- und Goldbestandes gedeckt würde. Poincars betonte, daß er bei der Deratung der beiden Gesetzentwürfe für jeden einzelnen Artikel und für die Gesamtannahme die Vertrauensfrage stellen und auf keinen Fall irgendeine Aenderung am vorgelegten Text annehmen werde. Dagegen wäre er bereit, gewisse unwesentliche Aenderungen am Entwurf der Amortisierungskasse anzunehmen. Auf die Frage, ob es nicht angebracht sei, auswärtige Kredite für die Währungs- ftabili|ierung heranzuziehcn, erwiderte Poincars, daß er prinzipiell nicht dar gen fei, daß man aber für den Augenblick nicht daranzu denken brauche. Er frage sich auch, ob es nicht angebracht sei. eine innere Kon - > olidierungsanleihe aufzulegen, sobald die Marktlage es gestatten würde, die jedoch keineswegs vor Ende September in Frage kommen könne. Zum Schluß forderte Poincars den Ausschuß auf, möglichst schnell die Beratung zu fördern, damit die beiden Gesetzentwürfe morgen in der Kammer und am nächsten Dienstag in der Rationalverfammlung. für die bereits alle Vorbereitungen getroffen feien verabschiedet werden könnten. Rachdem P o i n c a r e den Ausschuß verlassen hatte, wurde in die Einzelberatung eingetreten. Ein sozialistischer Gegenentwurf und ebenso ein anderer, der von einem Mitglied der Gruppe Marin gestellt war, wurden abgelehnt. Schließlich wurden die beiden Gesetzentwürfe mit 12 gegen 7 Stimmen angenommen. Rur unwesentliche Aenderungen wurden am Statut für die Amortisierungskasse hinsichtlich der Zusammensetzung des beratenen Ausschusses dorgenommen und bei dem Gesetzentwurf, betreffend den Ankauf ton Gold und Devisen auf Antrag des radikalen Abgeordneten Margaines. mit dem Ministerpräsident Poincars sich einverstanden erklärt hatte, be schlossen, den Höchstbetrag der Banknotenausgabe oder den Betrag der Vorschüsse der Dank von Frankreich an den Staat über die durch frühere Gesetze festgelegte Summe hinaus zu erhöhen. Die beiden Berichte des Finanzausschusses der Kammer sind bereits heute abend in der Kammer eingebracht worden und werben morgen im „Journal Officielle" erscheinen, so daß die Beratung in der Kammer darüber morgen nachmittag beginnen kann. Die Einleitung einer neuen Inflation. Die Sachverständigen sollen dem PlanP o i n- rares über die Gold- und Devisenkäufe der Dan? von Frankreich, der eine neue Inflation einleitet, ihre Zustimmung gegeben haben. Diese Maßnahme steht allerdings in einem gewissen Widerspruch zu dem eigentlichen Plan Poincares einer allmählichen Revalorisierung des Franken. Die ursprüngliche Idee Poincares, den Franken allmählich zu heben, dürfte sich nach dem Urteil der Sachverständigen überhaupt als unmöglich Herausstellen. In Wirklichkeit dürfte es sich bei der vor- geschlagenen Maßnahme einer Erhöhung der Ausgabegrenze der Dank ton Frankreich darum handeln, daß die Dedürfnisse desStaats- s ch a tz e s an fremden Devisen zur Deckung der Fälligkeitstermine des Monats August in vollem Umfange fortbestehen. AufUrnwegen soll so die Inflation, die von allen Seiten als unvermeidlich bezeichnet wurde, eingeleitet werden. Getreidebewirlschaftung. Paris, 4. Aug. (WTD.) Die Kammer Hal heute nachmittag die Diskussion des Gesetzentwurfes über die Sicher st ellung der Versorgung Frankreichs mit Getreide, Mehl und Drol begonnen. Der Generalberichterstatter analysierte die verschiedenen Artikel des Gesetzentwurfes, der Vorsicht daß die Landwirte eine Erklärung abgeben, wieviel Getreide sie ausgesät haben, ferner die Schaffung einer Getreide st eile, die die Kontrolle durchführen soll. Festsetzung der A u s- mahlung, Kontingentierung der Einfuhr ausländischen Getreides und anderes mehr. Der Generalberichterstatter fordert zu strengen Maßnahmen gegen die Getreidespekulation auf. Der Gesetzentwurf wurde nach Ablehnung eines sozialistischen und eines lommunistischen Ocgenent- wurses schließlich mit s ast allen gegen sechs Stimmen angenommen. Abgeordnetenabb2u erroür/ ’ \ Paris. 4. Aug. (WTD.) Die der Demo- lratisch-Republitanischen Vereinigung angcljoren- den Abgeordneten Serot. de Monicauelt und Donnefons brachten eine der Kammer vorzulegende Entschließung über die Einschränkung der Zahl der Abgeordneten und Senatoren ein, die besonders durch die beschlossene Erhöhung der p a rla- m e n t a r i f d) c n Aufwandsentschädigung nötig geworden fei. Sie wollen Vorschlägen, die Regierung zur Vorlegung eines Gesetzentwurfes auszufordern, durch den die Zahl der Senatoren um 175 und die der Abgeordneten auf 350 herabgesetzt werden soll. Amerikanisches Mißvergnügen über die prügelnden Franzofen. Washington, 4. Aug. (WB.) Das Mitglied des Finanzkomitees des amerikanischen Senats, Need (Pennfyloanien), der am Donnerstag nach Europa fährt, um die wirtschaftlichen Bedingungen im Auslande zu studieren, erklärte, daß alle Anstrengungen, die gemacht wurden, um Amerika zur Streichung der ihm geschuldeten Beträge zu veranlassen, vergeblich seien. Die Ausschreitungen gegen Amerikaner in Paris hätten unter den amerikanischen Freunden Frankreichs großes Mißvergnügen erregt. Die Ausschreitungen seien der Tatsache zuzuschreiben, daß die französischen Blätter und die französischen Politiker dem Volke nicht mitteilten, wie großmütig die Vereinigten Staaten in Wirklichkeit gewesen seien. Eine amerikanische Absage. N e u y o r k, 4. Aug. (TU.) Die Informationen aus Paris, daß Poincars beabsichtige, vor der Ratifizierung des Schuldenabkommens mit Washington neue Verhandlungen aufzunehmen, werden hier stark beachtet. Maßgebende Äjeife in Washington erklären auf das bestimmteste, daß an einer Wiederaufnahme der Schulden- ver Handlungen schon deswegen nicht zu denken sei, weil der Kongreß das Abkommen bereits in der vorliegenden Form ratifiziert habe. Dr. Schacht und Strong in Scheveningen. Paris, 4. Aug. ($11.) Reichsbankpräsident Dr. Schacht ist im Rordseebad Scheveningen eingetroffen und wird bereits heute mit dem Leiter der Federal Reserve Dank, Benjamin Strong, zusammentreffen. Wie die Telegraphen-Union in Berlin erfahrt, sollen bei der Begegnung der beiden Finanzmänner bank- und währungstechnische Fragen besprochen werden. 3m Augenblick besteht jedoch kein Anzeichen dafür, dah man von deutscher Seite Aktivität in der Frage der Stabilisierung des französischen Franken entwickeln wird. vereinigen. Die Erklärung enthält Hauptrichtlinien fiir die Behandlung des auswärtigen Handels und des ausländischen Kapitals. Diese Erklärung soll ein Teil des Planes fein, der die Hindernisse, die den internationalen Handel erschweren, beseitigen will. Das Komitee bezeichnet folgende sechs Punkte als Haupthindernis für den internationalen Güteraustausch: 1. Das Rachlassen der Kaufkraft, 2. die Entwertung der Währungen und die schwcmkenden Wech- sellurse, 3. die politische Unsicherheit und die schlechten Sicherheiten, 4. die unterschiedliche Behandlung und die Abneigung gegen fremdes Kapital, 5. das Anwachsen der Schranken für den Verbrauch durch Schaffung neuer politischer Gebilde und 6. die Einmischung der Regierungen in die Gebiere der Industrie und des Handels, die eigentlich der privaten Unternehmungslust zu überlassen sind. Das Komitee ist der Ansicht, daß die unberufene Einmischung der Regierungen durch Festsetzung von Preisen und durch Einschränkungen bei der Rohstofferzeugung gegenüber den davon abhängenden Verbrauchern nicht zu billigen ist. Das Komitee schlägt vor, die Internattonale Handelskammer möge bei der Preisfestsetzung der wichttgsten Rohmaterialien und den Erzeugungseinschränkungen durch die Regierung ihre ablehnende Haltung zum Ausdruck bringen. CinneuerFeindEnglands in China. Während des Kampfes zwischen W u p e i f u und Tschangtsolin hat Marschall Sun Chuan-Fang die Herrschaft in den fünf östlichen Provinzen an sich gerissen und bereits verschiedene englandfeindliche Maßnahmen getroffen. 11. a. will er Shanghai und llmgcgenö unter rein chinesische Verwaltung stellen. Eine Ausdehnung der Fremdenniederlassungen soll nicht mehr zugelassen werden. Die englische Presse betrachtet den Marschall bereits als einen sehr ernst zu nehmenden Englandseind. Auch sonst hat sich 6un_ Chuan- Fang nicht um den Einfluß der Ausländer in China gekümmert. Die Salzzölle hat er zum größten Teil für sich einbehalten und ist nur bereit, „aus persönlichem Entgegenkommen" einen kleinen Teil der Zollkasse zukommen zu lassen. Damtt ist England ein neuer, nicht zu unterschähender Gegner in Ehina entstanden, was um somehr ins Gewicht fällt, als Tschangtsolin in letzter Zeit noch mehr als bisher unter japanischen Einfluß geraten ist. Die von den Japanern in China ausgegebene Parole: „Asien den Asiaten" hat immer weiteren Anklang gefunden. In den chinesischen Hafenstädten machen sich neuerdings überall englandfeindliche Maßnahmen der Verwaltungsbehörden bemerkbar. Mit dem Erscheinen Sun Chuan- Fangs auf dem politischen Schauplatz Chinas werden bereits neue Kriegsgerüchte verbreitet: man glaubt, dah er bereits Vorkehrungen zu einem Feldzug gegen Schantung treffe. Damit ist t>a£ Reuaufleben eines großen Bürgerkrieges in China zu befürchten, denn der Kampf um die Macht wird ton neuem zwischen Tschangtsolin, dem wieder in China erschienenen Feng, dem neu auf der Bildfläche erscheinenden Sun Chuan-Fang und dem anscheinend noch nicht so völlig besiegten Wupeifu in Kürze ausgetragen werden. gur Neugestaltung des Völkerbundsrats. London, 4. August. (WTB.) Wie verlautet, ist es wahrscheinlich, daß der Ausschuß für die Zusom m en setzung des Völkerbundsrates, der sich nach Unterbreitung eines Jnte- rimsberichtes im Juni vertagt hatte, vor dem Zusammentritt des Bölkerbundsrats am 2. September wieder zusammenkommen wird. Lord Cecil ist der britische Vertreter in diesem Ausschuß. Es wird erwartet, daß die Zusammenkunft Ende dieses Monats stattfinden wird. Reuter zufolge ist man der Ansicht, daß infolge der Tatsache, daß die Haltung Spaniens in der Frage der Zuweisung eines ständigen R a t s s i tz e s sich als weniger unnachgiebig als die Brasiliens erwiesen hat, bei einer neuen Zusammenkunft dieser Ausschuß zur Vorbereitung der Sitzung des Rates viel nützliche Arbeit verrichten kann. Spanien will feinen ständigen Sitz. Madrid, 5. August. (WTB. Funkspruch.) Einem Zeitungsvertreter erklärte Marquis Mar- gas, der ehemalige zeitweilige Präsident des Direktoriums und ehemalige spanische Botschafter beim Vatikan, in Genf: Spanien brauche einen ständigen Sitz im Dölkerblindsrat, andernfalls die Regierung auf Grund der Genfer Verfassung es für ihre Pflicht ansehen würde, sich aus dem Völkerbund zurückzuziehen. Spanien würde dies keinesfalls als Isolierung an* sehen, da sich ja auch andere bedeutende Staaten dem Bunde sernhielten. Außerdem seien ja auch wichtige Verträge, wie der von Locarno, ohne Mitwirkung des Völkerbundes zustandegekommen. Empfänge bei Driand. Paris, 4.Aug. (WTB.) Außenminister B r i a n d hat heute nachmittag den spanischen Botschafter Quinones de Leon, den japanischen Botschafter Jshii und den polnischen Botschafter Chlapotoski empfangen. Aegypten und der Völkerbund. London, 4. Aug. (TU.) 3n der AegOptischen Deputiertenkammer wurde gestern an den Außenminister die Anfrage gerichtet, ob die ägyptische Regierung in diesem Jahre einen Antrag auf Zulassung zum Völkerbund stellen wird. Der Außenminister erwiderte, daß sich die ägyptische Regierung mit der Angelegenheit beschäftige und hoffe, den Wunsch der ägyptischen Ration auf Zulassung zum Völkerbund Rechnung tragen zu können. In englischen Kreisen ist man der Meinung, daß ein Antrag in diesem Jahre noch nicht gestellt wird, da noch einige sehr delikate Fragen zu regeln seien. Englands Schuldenregelung mit Amerika. London, 4. August. (WTB.) In einer Unterhauserklärung über die amerikanischeSchul- denregelung bemerkte Chamberlain u. a., daß die Regierung gern bereit gewesen wöre, alle Verpflichtungen unter den alliierten und assoziierten Mächten zu streichen. Keine britische Regierung würde es mit der Ehre und Würde Großbritanniens vereinbar ansehen, wimmernd und mit Dorgeftrecftem Hut bei denen, denen gegenüber man Verpflichtungen übernommen habe, um Entbindung von diesen Verpflichtungen zu bitte». England wehre sich nicht. Es werde seine Verpflichtungen erfüllen, verlange jedoch -mindestens, daß man genau wisse, in welcher Weise dieses Geld geborgt und zu welchem Zweck es ver- Kwandt wurde. Es sei eine Tradition Englands, daß es die freundschaft- lichen Beziehungen mit den Vereinigten Staaten wahre. In freundschaftlichem Verein und Zusammenwirken kannten beide Länder viel erreichen, nicht nur für sich selbst, sondern für den Frieden und den Vorteil der Welt. Macdonald gab der Hoffnung Ausdruck, daß, wenn die Regierung beginnen würde, mit Rußland über die Frage seiner Schulden zu verhandeln, und wenn sie dabei ebenso große Zugeständnisse mache, wie beispielsweise bei den Verhandlungen mit Italien, sie in der Lage sein würde, den Vorurteilen der englandfeindlichsten unter den russischen Staatsmännern zu begegnen. Die Schulden Frankreichs und Italiens an England. L o n & o n, 5. Aug. (TTl.) 3n Beantwortung schriftlicher Anfragen gab Churchill am Mittwoch im Unterhaus einige interessante Ziffern über die Schulden Frankreichs und ItalienS ab. Er erklärte, dcrß die R e 11 o - iriegs schulden Italiens an England am Tage der Fundierung rund 5 7 0 Millionen Pfund betrugen. Der Wert nach dem Fun- dierungSabkommen betrage unter Berücksichtigung einer fünfprozentigen Verzinsung der Jahresannuität ungefähr 76 Millionen Pfund. Richt so günstig sei das Verhältnis für Frankreich. Die Rettokriegsschulden Frankreichs an England am Tage der ülnterzeichnung des Fundierungs- abkvrmnens habe ungefähr 6 0 0 Millionen Pfund betragen. Bei Anrechnung einer fünf- prozcntigen Verzinsung der Jahresannuität ergäbe sich für die Rückzahlung ein Gesamtbetrag von 227 Millionen Pfund. Das „friedliebende" Frankreich Paris, 5. Aug. (TU.) Das neue Flottenbaliprogramm der französischen Regierung, das in der Dienstagssitzung des Senats einstimmig zur Annahme gelangt ist, weist folgende bauten auf: einen Kreuzer, vier Torpedoboote, drei Torpedobootszerstörer, fünf Unterseeboote erster Klasse, ein. U-Boot mit großem Radius, einen U- Bootzerstörer, ein U-Boot-Zubringerdampfer, zwei Schnelldampfer und ein Schul-U-Boot. Die neuen Einheiten sollen bis zum 30. Juni 1927 fertiggestellt sein. ' Der Oberste Kriegsrat in Paris. Paris, 4. Aug. (WTB.) Der O b e r st e K r i e g s r a t ist heute vormittag unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik Dou- m e r g u e im Clysee zusammengetreten. Der Vorsitz in der Repko. Paris, 4. Aug. (TU.) Rachdem der Vorsitzende der Finanzkommissivn ter Kammer, Henry Simon, den Posten als französischer Delegierter und Vorsitzender der Reparations- komMission abgelehnt hat, verlautet, daß Senator Chapsal von P o i n c a r e zum Rach- folger Barthous berufen wird. Frankreichs Kampf gegen den Heimalbund. Paris, 4. Aug. (WB.) Havas berichtet aus Colmar: Die Disziplinärkammer des hiesigen Gerichts hat den wegen Unterzeichnung des Heimatbund-Manifestes in Anklagezustand versetzten Professor Rosse zum Verlust des Amtes verurteilt. Rosse soll aber fünf Jahre lang neun Zehntel seiner gesetzlichen Pension erhalten. Er hat die Kosten des Prozesses zu tragen. In der Begründung des Urteils wird ausgeführt, ein Beamter dürfe jede beliebige Meinung haben, er müsse sich aber als Diener des Staates bei deren Bekundung eine gewisse Zurückhaltung auferlegen. Das Manifest des Heimatbundes sei ein heftiger Ausfall gegen das französische Regime, und wenn seine Unterzeichner auch behaupteten, daß es keinen antinationalen Charakter trage, so könne doch nicht bestritten werden, daß seine Veröffentlichung den Zweck verfolge, die Bevölkerung zur Unzufriedenheit aufzureizen und damit eine Bewegung her- vorzurusen, die zu einer Lockerung des Bandes zwischen Frankreich und dem Elsaß führen könnte. Die Krise im englischen Bergbau. London, 4. Aug. Der Arbeitsmini st er erklärte im Unterhaus, die Regierung werde während der Parlamentsferien alles tun, was in ihrer Macht stehe, um die Bergherren und die Bergarbeiter zu einer Besprechung über eine Verständigung zu veranlassen. Er wandte sich nachdrücklich gegen die Gerüchte, wonach die Bergarbeiter Hunger litten, und bezeichnete diese Gerüchte als tendenziös. Die Bergherren und die Bergarbeiter hätten die Pflicht, über eine Regelung zu verhandeln. Der Minister forderte die Abgeordneten der Arbeiterpartei auf, während der Parlamentsferien für eine Regelung des Konfliktes zu wirken. Er erklärte, trotz der Vertagung des Parlaments bis zum 9. Rovember würden die Kammern früher einberufen werden, wenn die Fortdauer des Konfliktes im Bergbau dies notwendig mache. Die Kohleneinfuhr aus dem Auslande belaufe sich wöchentlich auf 600 000 Tonnen. Der neue Kurs in Rußland. Moskau, 4. August. (TU.) Im Zusammenhang mit der Verfügung des Polit.-Bureaus der rufsifchen kommunistischen Partei über die Entfernung von Oppositionsmitgliedern des Bureaus hat die Sowjetregierung etwa 4 0 0 Kommandeure, die der Sinowjew- gruppe nahestehen, aus der Armee ausgeschlossen. Auch Kamenew soll demnächst entlassen werden und das Rektorat des Sari» Marx-Institutes erhalten. Ferner erwartet man große Veränderungen in den ausländischen politischen Vertretungen, insbesondere in Paris, Peking und Teheran. Moskau und der valtenblock. Moskau, 4. Aug. (TTl.) Von gut unterrichteter Seite erfahren wir, daß die Sowjet- regierung sich dieser Tage mit den Memoranden der baltischen Staaten ausführlich beschäftigen wird, um Finnland, Estland und Lettland eine Antwort zu geben. Wie wir weiter erfahren, wird die Sowjetregierung den baltischen Staaten erneut mitteilen, daß sie keine weiteren Verhandlungen mit ihnen aufnehmen wird, wenn Polen an dem sogenannten Baltischen Staatsbund beteiligt sein wird. Sowjetrußland sei der Ansicht, daß ein Block der baltischen Staaten unter Führung Polens auch den Eintritt Rumäniens mit sich bringen wird, was einen Sieg der englischen Außenpolitik bedeuten würde, dem Rußland sich nicht aussehen werde. Der Kulturkampf in Mexiko. Reuhork, 4. Aug. (WTB.) Wie Associated Preß aus Mexiko meldet, wurde der Friedensrichter Deloyo gestern getötet, nachdem er in die katholische Menge, die dem Regierungsbeamten die Schließung der Kirche in Chilapa verwehren wollte, aus seinem Revolver geschossen hatte. Das Verhalten der Volksmenge soll für die Handlungsweise Delohos keine genügende Erklärung geben, da das Volk sich friedlich verhielt, als Deloyo plötzlich seine Waffe zog und zu schießen begann, übrigens ohne jemanden zu töten. Durch dieses Vorgehen geriet die Menge so in Erregung, daß sie sich auf Deloyo stürzte und ihn tötete. Verdächtiger Tod eines Bischofs. Die Berliner „Germania" meldet aus Ro- gales (Arizona): Rach Dlättermeldungen aus Mexiko ist der kürzlich verhaftete Bischof von Huejutla im Gefängnis von Veracruz t o t aufgefunden worden. Der Reichsfinanzminister in Bayern. München. 4. Aug. (TA.) Reichsfinan^- minister Dr. Reinhold besichtigte gestern in Begleitung des bayerischen Finanzministers K r a u ß n e ck die aus Reichsmitteln gebaute Bahnstrecke Zwiesel — Bodenmais im Bayrischen Walde. In einer Ansprache sagte der Reichsfinanzminister, es sei vollrommen falsch, das Heer der Arbeitslosen durch Almosen in Form einer Arbeitslosenunterstützung zu unterhalten. Das Problem müsse durch Schaffung produktiver Arbeiten gelöst werden. Aus diesem Grunde habe er auch die Mittel zum Ausbau der Dahn Zwiesel—Bodenmais genehmigt und sich jetzt durch die Besichtigung überzeugt, daß er gut daran getan habe. Heute vormittag setzten die Minister die Fahrt von Zwiesel nach Passau zur Besichtigung des Kach- letwerkes fort. Wissenschaft und Fortschritt der Zivilisation. London, 4. Aug. (WB.) Der P r i n z v o n Wales erklärte in einer Ansprache als Präsident der British Associatrvn auf der in Oxford eröffneten Jahressihung der Bereinigung, an der Gelehrte aus der ganzen Welt, darunter auch aus Deutschland teil- nehmen, u. a., wenn die Zivilisation fort- schreiten solle, so könne sie nur auf der Straße fortschreiten, deren Grundlage durch wissenschaftliches Denken und die Forschung gelegt worden sei. Die künftige Lösung aller inneren und äußeren Schwierigkeiten, denen man heute gegenüberstehe, sei nur durch wissenschaftliche Methoden zu finden. Der Weltkrieg habe eine Erweiterung des wissenschaftlichen Horizonts gebracht. Ein kommunistisches Ersatzblatt verboten. Dresden, 4. Aug. (Wolff.) Das Polizeipräsidium hat die B e s ch l a g n a h m e einer unter der Bezeichnung „Mitteilungsblatt der Kommunistischen Partei Deutschlands, Bezirksleitung Ost-Sachsen", zur Verbreitung gelangenden Druckschrift verfügt, die sich ihrem Inhalte nach als G r s a tz b l a 11 der für die Zeit vom 24. Juli bis 6. August 1926 verbotenen kommunistischen Zeitung „Arbeiterstimme" darstellt. Aus aller Welt. Schweres Autounglück. D Personen getötet. Rothenburg o. d. T.» 5. August. (WSR. Drahtmeldung.) heute nacht gegen 12 Uhr ereignete sich zwischen Schloß Burgbernheim und der Ortschaft Burgbernheim ein schweres Automob i l u n g l ü ck. (Ein mit 12 Personen besetztes Auto aus Uffenheim kam auf der Heimfahrt von einem Tanzkränzchen auf der ziemlich steil abfallenden Straße ins Schleudern und ft ü r 31 e den Abhang hinunter, wobei es sich mehrmals überschlug. Der Kraftwagen blieb dann am Bahnkörper liegen. Neun Personen fanden bei dem Absturz den Tod. drei wurden schwer verletzt. herbsttagung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. Wie Wolffs Provinzialdienst erfährt, wird die Herbsttagung der Deutschen Landwirtschafts- gesellschast in der Zeit vom 24. bis 29. Septbr. d. I. in Kassel abgehalten werden. Das Städt. Verkehrsamt hat es übernommen, den Teilnehmern an der Herbsttagung Wohnung zu vermitteln. Ab 27. September beginnen die Versammlungen der einzelnen Abteilungen, wie Dünger-, Pferdezucht-, Schweinezucht-, Betriebs-, Schafszucht-Abteilungen. Wettbewerb für neue Reichsbanknoten. Um eine künstlerische Ausgestaltung der künftig auszugebendrn Banknoten zu erzielen, hat sich die Reichsbank zum Ausschreiben eines Wettbewerbs entschlossen. Der erste Preis beträgt 10 000 Mark, der zweite 5000 Mark. Ferner sind zehn weitere Preise In Gesamthöhe von 10 000 Mark ausgesetzt. Die Beteiligung ist jedem reichsdeutschen Künstler freigestellt. Das im Oktober zusammentretende Preisrichterkollegium setzt sich aus zwei Mitgliedern des Reichsbankdirektoriums, dem Direktor der Reichsdruckerei, dem Reichs- kunstwart und einem freien Künstler zusammen. Reue Braunkohkenfunde. Dem „Berliner Tageblatt" zufolge sind südlich von Frankfurt a. d. Oder reiche Bräunkohlen- lager entdeckt worden. Mit ihrem Abbau soll in der nächsten Zeit begonnen werden. Der Komet Finlay wieteroufgLsunden. Die Hamburger Sternwarte teilt mit: Der periodische Komet, der eine äümlausszeit von 7 Jahren hat, ist bei seiner diesjährigen Wiederkehr in der Rächt zum 3. August von Dr. Stobbe mit einem Lippertschen Astro- graphen der Hamburger Sternwarte wieder auf- gesunden worden. Der Komet steht im Sternbild des Stiers, seine Helligkeit entspricht der eines Sternes 12. Gröhe. Er ist also für das bloße Auge unsichtbar. Sein letzter Durchgang fand im Oktober 1919 statt, der diesjährige ist auf den 17. August berechnet. Das Flugzeug Im Dienst der Forslverwallung. In jüngster Zeit ist in den Staatsforsten Erlenbrunn und Eppenbrunn bei Reustadt a. d. H. der Kiefernspanner derart stark aufgetreten, daß umfangreiche Gegenmaßnahmen nötig wurden. Durch Bestäubung der betroffenen Abteilungen mit Giftstoffen vom Flugzeug aus hofft man die vollständige Vernichtung des Schädlings herbeizuführen. Die Arbeiten beginnen am 2. August und werden ununterbrochen fortgesetzt. Die Flugzeuge sollen auf dem Horberg bei Rodalben für die Dauer der Bestäubung stationiert werden. (Eröffnung des Deutschen Bienenmuseums. Die seit Jahren im Raturwissenschaftlichen Museum zu Weimar bestehende Abteilung für Imkerei ist in engster Zusammenarbeit mit den deutschen Jinkerorganisationen zum Deutschen Bienenmuseum ausgebaut worden und wurde dieser Tage nach einer schlichten Einweihungsfeier der Oefsentlichkeit übergeben. Das Museum gibt ein vollständiges Bild von der Geschichte der deutschen Bienenzucht und den mit ihr zusammenhängenden Fragen. Eine Rcckarbrücke bei Wimpfen. Bei Wimpfen soll eine Brücke über den Reckar gebaut werden. Die Kosten sind auf 525 000 Mark veranschlagt und sollen nach Abzug der Leistungen der Reckarkanalgesellschaft und der Arbeitsämter für Erwerbslose zu 65 Prozent von Hessen und 35 Proz. von Württemberg getragen werden. Man nimmt an, daß auf Hessen rund 275 000 Mark, auf Württemberg etwa 150 000 Mark entfallen. Von diesen 150 000 Mark soll der württembergische Staat 60 000 Marl übernehmen, wahrend der Rest von 90 000 Mark von den anliegenden Gemeinden und Bezirken aufgebracht werden müßte. Die letzte Probefahrt des Rotor-Motorschiffes „Barbara". Das Rotor-Motorschiff „Barbara" beendigte seine vorläufigen Probefahrten mit einer Gästefahrt, an der Anton Flettner und andere führende Persönlichkeiten teilnahmen. Wind- und Wetterverhältnisse auf der Fahrt begünstigten die Vorführung der Rotoren. Das Reichstransportschiff „Barbara" wurde vom Chef der Marineleitung, Admiral Zenker, von der Dau- tverft formgerecht übernommen und der Reederei Robert Sloman jun, mit besten Wünschen für erfolgreiche Auswertung der Flettnererfindung übergeben. Die Gaste fliegen hochbefriedigt mit dem Bewußtsein von Bord, daß der schiffahrt- lichen Entwicklung möglicherweise durch die Erfindung Flettners ganz neue Wege gewiesen werde. Die Anklage gegen Jürgens und feine Frau. Wie die Berliner Blätter melden, hat die Stargarder Staatsanwaltschaft gegen den Landgerichtsdirektor Jürgens wegen Meineids, Kreditbetrugs in 12 Fällen und gewerbsmäßiger Hehlerei, gegen Frau Jürgens wegen Meineids und Kreditbetrugs in 36 Fällen Anklage erhoben. Den Meineid sollen die Ehegatten bei ihrer Vernehmung in Kassel in dem Rechtsstreit der Frau Jürgens gegen ihre Schwiegermutter aus erster Ehe geleistet haben. Der Vorwurf der Hehlerei gegen Jürgens stützt sich darauf, daß er von dem Besitz der Gegenstände, die seine Frau durch Kreditbetrug erlangt haben soll, gewußt habe. Gleichzeitig mit der Erhebung 'te*-2Int(age ist gegen das Ehepaar, das noch immer im Untersuchungsgefängnis in Stettin untergebracht ist, die Fortdauer der Haft angeordnet worden. Anschlag auf einen Gükerzug. Wolffs Westdeutscher Provinzdienst meldet: Am 3. August gegen 7 Tlhr abends wurde auf der Strecke He rdesweil und Simmern zwischen den Bahnhöfen Hoxel und Deuselbach ein Güterzug in verbrecherischer Weise durch Auflegen von Steinen auf die Schienen zum Ent- leisen gebracht. Die Reichsbahndirektion Trier hat für die Ergreifung der Täter eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Zusamenstoß zwischen Kommunisten und Polizei. Gestern abend kam es an der Ecke Blumen»' und Alexanderstrahe in Berlin zu einem Zusammenstoß zwischen kommunistischen Demonstranten und der Schutzpolizei. Die Polizei muhte beim Zerstreuen der Demonstranten von dem Gummiknüppel Gebrauch machen. Es tourten mehrere Verhaftungen vorgenommen. Raubüberfall in einem Berliner Leihhaus. In Berlin erschien gestern mittag in einem Leih- inftitut in der Nürnberger Straße ein junger Mann, zog einen Revolver und gab mehrere Schüsse auf eine Angestellte ab, die glücklicherweise ihr Ziel verfehlten. Vor dem Erscheinen der herbei- gerufenen Polizei sprang der Täter aus dem Fenster auf die Straße, wo er schwer verletzt liegen blieb. Großfeuer bei Potsdam. In der vergangenen Rächt brach in einer Bootswerft in Sakrow bei Potsdam Feuer aus. Bevor noch die Feuerwehr an der Brandstelle erschien, standen sämtliche Schuppen der Werft, in denen sich viele wertvolle Boote befanden, in Hellen Flammen, so daß sich die Feuerwehr daraus beschränken mußte, ein Ueberf bringen des Feuers auf die angrenzenden Gebäude zu verhindern. Die Werft ist vollständig nietergebrannt. Der Schaden wird von den Blättern auf 300 000 Mark geschätzt. Vermutlich ist das Feuer durch Brandstiftung hervorgerufen worden. Gasvergiftungen. Mehrere Arbeiter zogen sich bei ten Löscharbeiten auf ter schon seit zwei Wochen brennenden Kokshalte auf dem Wrangelschacht in Waldenburg im niederschlesischen Kohlenrevier schwere Gasvergiftungen zu. Die Löscharbeiten und das Abtragen der Halde sind so gefährlich, daß schon eine große Anzahl der Beschäftigten wegen Gasvergiftung ins Lazarett gebracht wurde. Von den bis jetzt Vergifteten — annähernd 20 Personen — ist ein Teil so schwerer Ratur. daß am Aufkommen ter Verunglückten gezweifelt wird. Schwerer Autounfall. In Hagenau stießen zwei Automobile mit solcher Wucht zusammen, daß zwölf Personen verletzt wurden. Während das eine Auto umgeworfen wurde, tourte das andere etwa sechs Meter weit über den Bürgersteig in die Parkanlagen geschleudert. Von den Verletzten sind bereits drei gestorben, mehrere liegen mit schweren Verletzungen darnieder. Ein französisches Bombenflugzeug in Marokko verunglückt. Wie „Matin" aus Rabat berichtet, ist ein französisches Bombenflugzeug über den französischen Linien in Brand geraten und explodiert. Die beiten Insassen waren sofort tot. Dampferunglück auf dem Amazonenslrom. 25 Tote. Wie aus Rio de Janeiro gemeldet wird, ist auf dem Amazonen ström ein Dampfer untergegangen, wobei 25 Personen ertranken. 200 Millionen Mark Schaden der Explosion in Lake Denmarf. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Washington: Der durch die Explosion des Marine-Arsenals Lake Denmarf (Rew-Jerseh) verursachte Schaden wird nach ten nunmehr vorliegenden Schätzungen auf 47 Millionen Dollar, gleich rund 200 Millionen Mark berechnet. Die Aeberschwemmungen in Japan. Der durch die bereits gemeldeten ileber- schwemmungen angerichtete Schaden wird auf über 10 Millionen Pen geschätzt. Die Katastrophe ist auf schwere Wolkenbrüche zurückzu- sühren, die am Montag den Shinago-Fluß aus den Alfern treten lieh, wodurch zahlreiche Häuser hinweggespült und verschiedene Erdrutsche herbeigeführt wurden. Reue Lrdbebengesahr in Japan. Die Einwohner Tokios wurden erneut durch starkes Erdbeben in Schrecken verseht. Verschiedene Brücken und Gebäude wurden stark beschädigt. Die Bevölkerung floh in Angst aus den Häusern. Der Herd des Bebens scheint sich auf Tokio und seine nächste Umgebung zu beschränken. Rähere Einzelheiten fehlen noch. WeLtervorttrrsscrge. Stärker aufheiternd, wärmer, trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 22,8 Grad Celsius, Minimum: 11,6 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 13,7 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. r Gießen, den 5. August 1926. Ausspannung. Don Reinhold Braun. Ausspannung! Seltsam: Bei dem Worte steigt mir ~einc Erinnerung aus der Jugend aus: Dor dem Lore der Stabt gab es ein „Pferteheim". Stundenlang konnte ich dort als Junge am Zaun der Koppel sieben und den sich tummelnden Pferden zuschauen. Es waren zum Teil recht erholungsbedürftige Tiere, auf dem Pflaster der Großstadt abgetrieben. Manche trugen tiefe Wunden von den harten Sielen: andere gingen lahm. Diele aber waren schon recht alt. — Es war für mich eine Freude, mich den, Inhaber des seltsamen Helmes jugendlich-natürlich anzusreunden. und ost war ich auch innerhalb der Koppel. Ach. die Tiere waren ja so zahm. und. sie waren dankbar für jede Liebkosung. Es war für mich eine Freude, zu beobachten, wie nach und nach die Tiere aus der grünen Weide und in der köstlichen Freiheit sich erholten. Ich konnte auch sehen wie manch ein abgetriebenes Tier sich am ersten Tage so gar nicht zurechtfand, als wenn eS nicht verstehen konnte, daß es nun auf einmal so ohne Sielen sein sollte, auf weichem, grasigen Boden. Oft stand es stundenlang aus einem Fleck und starrte ror sich^hin. Aber schon am nächsten Tage konnte ich wahrnehmen, wie es immer munterer wurde. Manch einen alten Gaul sah ich nachher umher- Ivllen wie ein Fohlen. Schön sah cs nicht aus Das fühlte ich damals schon, dah es etwas Rührendes war um so ein fröhliches, freies, vorher so mitgenommenes Tier. Ausspannung! Ia. das Wort klingt wirklich imch abgetriebenem Pterd, nach harten vielen und verstaubtem Geschirr, nach Zwang und Peitsche, nach Trott und Unf reute. Es ift so wenig menschlich Das Wort ist wie ein Schrei nach Erlösung, nach Freiheit und grüner Weide. Einmal heraus aus der llebermübung, der Ar- beitSüberschraubung! Fort einmal den alten Karren I Richts sehen und nicht« Hörern Das Wort und der Begriff gehören einfach ins Wörterbuch des Lebens und seiner Oeko- nomie! Es ist ein beredtsarnes Wort der Lebenskunst. Wir befreunden uns mit ihm Immer mehr, obwohl eS so gar nicht nach Kultur und „reiner Menschenwürde" Hingt. Aber wir können uns beides aus ihm wiedergewinnen! — Das Wort gehört nun einmal beinahe organisch zum Menschen der Gegenwart, und eS ist gut, wenn es zu ihm so gehört. Wir müssen lernen, es dein Rhythmus unseres Daseins einzuleben! Leben ist Spannung und Entspannung. Kraft1 abgabe im Sinne des echten Dienens und Kraft- Wiederkehr. Spannung und Entspannung, jede recht bemessen, jedes zu seiner Zeit! Es darf sowohl mit der Arbeit wie mit der Ausspannung nicht immer „die höchste Zeit" sein! Erheben wir das Wort zum Erlebnis, zum notwendigen, beglückenden! Spannen wir wirklich einmal aus! Tummeln wir, ja tollen wir, wenns noch mit den Gliedern geht! Ausspannung: sie sei Wohligkeit, Behaglrchkelt, wahre Ruhe, Erquickung, coirkliche Gelöstheit Leibes und der Seele! Spannung gewinnen! Das ist der Sinn der Ausspannung. Darum wird man auch mit Ernst an sie Herangehen! Das schafft dann doppelte Freude! Beweise deine Lebenskunsl und deinen persönlichen Wert durch die Art deiner Ausspannung! Am Schlüsse der segnenden Tage muht du fröhlich sprechen können: ..So. nun kann's weiter gehen!" Die Arme gereckt Im Bewußtsein neuer Kraft, die Seele mutvoll gefühlt, gestählt für den neuen Kampf! gur 80. Jubelfeier des Turnvereins 1846 Gießen. Der Turnverein Gießen, welcher am 7. und 8. August sein 80jahriges Bestehen feien, ift nicht nur einer der ältesten Vereine Deutschlands, sondern könnte sein angenommenes Oründiingsjahr 1846 auf eine frühere Zeit verlegen. 'Alsbald nach dem im Jahre 1811 von Jahn in der Hasenheide bei Berlin zur „Wiedererstarkung des niedergetretenen deutschen Volkes und Vaterlandes" errichteten ersten Turnplatz Deutschlands setzte ^die turnerische Bewegung auch in Gießen ein. Schon im Jahre 1815 nahmen die sogenannten Schwarzen die Förderung der Leibesbildung in ihre Satzungen auf. In 1816 wurde von ihnen eine Turngemeinde gebildet, an welcher zunächst nur Studenten teilnahmen. Später scheinen sich aber' auch nichtstudierende junge Leute am Turnen beteiligt zu haben, denn sonst wäre es nicht möglich gewesen, im Jahre 1$1'3 nach einer vorher stattgehabten Versammlung auf dem Feldberg, bei welcher zwei läge lang „geklettert, geredet, gesungen und beraten" wurde, in Gießen ein größeres Turn- fest abzuhalten. Im Jahre 1830 unternahm Advokat Dr. Banfa den Versuch, einen Turnverein für Erwachsene zu gründen. Obwohl die Polizei die Vereinsgründung zu unterdrücken suchte, sammelte Dr. Bansa doch eine Anzahl Bürgersöhne um sich und turnte mit ihnen. Jedes Mitglied zahlte monatlich einen kleinen Beitrag zur Beschaffung der Geräte. Geturnt wurde am Beck, Barren und Kletterbaum, außer- dem wurde Weitsprung und Wettlauf geübt. Dies kann man als Anfang für das bürgerliche Vereins- turnen tn Gießen bezeichnen. Lange scheint die Vereinigung nicht bestanden zu haben. Die Polizei machte dem Bestehen ein Ende. Ob weiter geturnt wurde, läßt sich nicht feststellen. Anfangs der 40er Jahre hat die Turnbewegung in Gießen wieder eingesetzt. Waren es früher hauptsächlich Studenten, welche das Turnen pflegten, so finden wir vorwiegend die bürgerlichen Steife, die den Turnbetrieb in die Wege leiteten. Vor dem von dem Turnverein Gießen als Gründungstag angenommenen 9. November 1846 bestanden in Gießen bereits zwei lurngefeUjdjaften. die sich zu einem Verein zufammenfchlosten. Hierüber ift in einer Bekanntmachung des Turnvereins. Gießen in Nr. 1 der im Jahre 1847 in Karlsruhe erschienenen Turnzeitung folgendes verzeichnet: „Der Turnverein Gießen ruft allen Turn- gemeinten im deutschen Dctterlante: Gut Heil! zu und zeigt denselben hiermit an, daß er sich durch ^Bereinigung ter beiden hier bestandenen Turngesellschaften neu gestaltet und gefestigt habe. Gießen, am 9. Rovrmber 1846. Für den Turnverein ter Gesamtvorstand desselben: Dr. Bansa, Advokat, erster Sprecher, — H. Manernheun, Steuerkommissariatsgrhilfe. zweiter Sprecher, — Retter, Privatskribent, erster Dchriftwart, — PH. Amendt. Turn wart und Turnlehrer, — Th. Ro- loft Barbier, Zeugwart, — A. Ricker, Buchhändler. Säckelwart, — Sy Schneider, Sohn, Kleiöer- macher. — I. G. Appel, Kaufmann, — I. H. Haustein, Grohh. Hess. Reallehrer. — W. E. Heinrich. Goldarbeiter. — F. M. Petri !., Weißbinder." Die Dorstandsmitglieder werten den alten Gießenern noch erinnerlich sein als Männer der Tat und des Gemeinsinns. — Auch die Feststellung, daß dem Turnverein Butzbach bei seiner am 28. März 1846 erfolgten Gründung die Satzungen eines Gießener Dereins als Musterstatut vorgelegen haben, läßt mit Bestimmtheit das Bestehen des Turnvereins Gießen schon vor der Zeit seiner Reugestaltung am 9. Rovernber 1846 annehmen. Diese Annahme wird noch verstärkt durch den gleichlautenden Ramen des Gründers von 1830 und des Dor- sitzenden von 1846; Advokaten Dr. Bansa. des späteren hessen-homburgischen Ministers. — Auch an dem Iubelseste gedenken wir gerne der verdienten Männer, die dem Turnverein seit seinem Bestehen im Dorstand oder als Turnwart vorstanden, auch allen Turnern, die Lorbeeren an die Fahnen des Dereins hefteten. Wacker haben sie auf ihren Posten gestanden und der guten Sache gebient. Der De rein hat sich stets zum besten entwickelt, er besitzt heute einschließlich Zöglingen, Frauen und Schüler über 900 Angehörige. Möge der Turnverein von 1846 auch weiterhin eine Stätte zur körperlichen und sittlichen Ausbildung unserer Iugend fein; wir hoffen, daß er auch in ten kommenden Iahren mit noch größerem Stolze auf seine Geschichte zur Ehre tes Dereins, ter Stadt Gießen und zum Ruhme der deutschen Turnerschaft zurückblicken kann. Der Fahrplan der Kraslpost Gießen - Niederkleen. Dom 8. August ab wird, wie bereits gemeldet, auf der Strecke Gießen — Hochelheim—Riederkleen eine Kraftpost eingerichtet. Vorgesehen sind täglichzwei Fahrten auf der ganzen Strecke, ab Riederkleen 5,40 früh und 2 nachm.. ab Gießen. Bhf. 7.30 morgens und 7 abends: täglich eine Verbindung Riederkleen — Großen-Linden Bhf., ab Riederkleen 11,30, ab ©roßen -Linden Bhf. 12,50, ferner sieben Pendelfahr- t en auf der Teilstrecke G i eß e n — K le i n- Linden, ab Gießen Bhf. 7,15. 8.40, 12,15, 1,15, 5,10. 6,15. 8,15, ab Klein-Linden 7,35, 9, 12,35, 1,35, 5,25, 6,35 und 8,35. Gietzcner Wochenrnarktprcise. Cs kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 180 bis 190 Pfennig, Matte 30 bis 40, Käte (10 Stück) 60 bis 80, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 15 bis 20, Rotkraut 20 bis 30, gelbe Rüben 15. rote Rüben 10, Spinat 30, Römischkohl 10. Bohnen (grüne) 20 bis 25, Bohnen (gelbe) 30, Cristen 20, Mischgemillc 10. Tomaten 20 bis 80. Zwiebeln 20, Pilze 25. Kartoffeln 5, Falläpfel 7 bis 10. Frühäpfel 20 bis 50. Birnen 20 bis 40, Heidelbeeren 30, Stachelbeeren 30, Johannisbeeren 35, Preihelbeeren 60, Pflaumen 20 bis 35, Zwetschen 40. Mirabellen 45 bis 60. Reineclauden 60, Pfirsiche 33 bis 80. junge Hahnen 90 bis 100, Suppenhühner 100 bis 120; das Stück Gier 12 bis 13, Blumenkohl 30 bis 120, Salat 5 bis 15, Salatgurken 30 bis 60, Einmachgurken 3 bis 5, Oberkohlrabi 5 bis 15, Rettich 10 bis 20 Pfennig. Vornotizcn. — Ingesfalcnber für Donnerstag. Liebigshöhc: 8.15 Uhr, Abonnementskonzert. — Ber ein Rudersport: 9 Uhr, Bootshaus, Monatsversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Pot und Patachon als Millionäre". — Astoria-Licht- spiele: „Marccos tollste Wette". — Abonnementskonzerle. Man schreibt uns, daß Obermusikmeister Gober für das heutige 8. (letzte) Abonnements- konzert eine sorgfältige Dortragsfolge zusammengestellt hat; u. a. die Ouvertüre „Der fliegende Holländer", Suite a. d. Ballett „Sylvia" in vier Sähen, Ouvertüre „Der Freischütz". Slavische Rhapsodie. Fantasie „Butterfly", sowie 2 Soli für Violoncello und Flügelhorn. Ein Besuch wird daher jedem Musikfreund sehr empfohlen. Zugleich fei nochmals darauf hingewiesen, daß die Musikstücke durch Streichmusik wusgeführt werten. Anschließend an die Abonnementslonzerte veranstaltet die Kapelle zwei weitere Konzerte, bei denen die Abonnenten gegen Vorzeigung ihrer Karten Ermäßigung haben. — Eous-Experimentalvortrag. lieber die praktische Anwendung des Systems Cou6 hält der Berliner Psychologie-Praktiker Leon Hardt, ein Schüler Eou6s, Freitag im Saalbau Sauer einen einmaligen Gxperimental- Vortrag lvgl. die heutige Anzeige). • • D i e Barabfindung der Inhaber von Schuldverschreibung en der Stadt Gießen erstreckt sich auf folgende Anleihen: 5proz. Anleihe von 1922, Reihe XI. 31 L4>r°d- von 1922. Reihe XII, 15proz. von 1923, Reihe XIII. Die Einlösung hat zu erfolgen in ber Zeit vom 5. August bis 15. Rovember d. I. Einlösungsstelle ist die Stadtkasse Gießen, Gartenstraße. Anfragen und Anträge sind unmitteibar an den Oberbürgermeister zu richten. Wegen der Einzelheiten verweisen wir auf die gestrige Bekanntmachung. * * Zur Ablösung der Länder - und Gemeindeanleihen wird von zuständiger Stelle darauf verwiesen, daß Cinzelauslünfte über Anmeldefristen und Anmeldeverfahren bei den Dermittlllngsstellen, wie Danken, Sparkassen, öffentlich-rechtlichen Kreditanstalten, Genossenschaften usw. eingeholt werden können. * * 8 0. Stiftungsfest des T. D. von 1 8 4 6. Man schreibt uns: Die aus Anlaß des Iubiläums stattfindenden Veranstaltungen, Schau- schwimmen am Samstagnachmittag, Spielen und Dolksturnen am Sonntagvormittag auf dem Waldsportplah, Sonntaanachmittag Schauturnen aller Abteilungen und abends Tanz in der Volkshalle sind allgemein zugänglich. Zu dem Festabend in der Turnhalle können der beschränkten Raumverhältnisse wegen nur Mitglieder und geladene Gäste zugelassen werden. Der Zug, an dem nur Angehörige des Vereins teilnehmen, nimmt seinen Weg durch Reustadt, Bahnhos- strahe, Westanlage, Seltersweg, Reuenweg, Gar- tenstrahe, Kaiserallee nach der Volkshatte. * • D i e Eisenbahnbrücke im Zuge der Eder st raße wird gegenwärtig einem Umbau unterzogen. Die Drücke soll bekanntlich erheblich verbreitert werden, so daß der künftigen Reugestaltung des dortigen Straßenbildes in gebührender Weise Rechnung getragen wird. Die Arbeiten ziehen sich längere Zeit hin: inzwischen ist eine Rotbrücke errichtet worden, was seit zwei Tagen eingleisigen Betrieb erforderlich machte. Für die Folge muß an dieser Stelle mit verminderter Geschwindigkeit gefahren werden. Die neue Konstruktion soll in etwa einem Vierteljahr aufgesetzt werden. Q Verbesserung des Strahenbil- d e s. Rachdem das Gelände der ehern. Kracheburg eingefriedigt worden ist, hat auch eine Verbesserung in der K i r ch st r a ß e stattgefunden. Hier sind ebenfalls alte, morsche, häßliche Einfriedigungen neuen, viel schöneren gewichen. Wir haben noch mehrere Stetten in der Stadt, wo das auch noch nötig wäre. Aber hoffentlich kommt das auch noch. ** Einbrüche und Cinbruchsver» such. Der Polizeibericht meldet: In der Rächt zum 1 August wurden, wie bereits berichtet, in Gießen drei Kellereinbrüche ausgeführt, wobei der Dieb speziell Rahrungsmittel und sonstige Kleinigkeiten entwendete. Als Täter wurde ein durchreisender Handwerksbursche aus Essen feftgenommen. Dessen Festnahme gelang durch die Aufmerksamkeit eines Wachmannes der Rheinischen Wachgesellschaft. Der Dieb ging flüchtig und wurde von ihm gemeinschaftlich mit einer Polizeipatrouitte verfolgt und ergriffen. In Dad- Rauheim wurden in der Rächt zum 30. Juli gleichartige Kellereinbrüche auSgeführt. Ob diese Person ebenfalls für dort als Täter in Frage kommt, bedarf noch ter Aufklärung. Die diesbezüglichen Ermittelungen find im Dange. — In der Rächt zum 2. August wurde versucht, tn einem Hause in der Moltkestraße einzubrechen. Der Dieb hatte bereits ein Stück aus einer Glasscheibe herausgekittet und ging dann über daS Hoftor flüchtig. Rach Zeugenaussagen kommt eine Mannsperson in Frage, welche zipka 29 bis 30 Jahre alt. von großer schlanker Figur ist, bunflen ilcber- zieher und Hut trug und einen Stock bei sich führte. Personen, welche über die Täterschaft nähere Wahrnehmungen gemacht haben, werden ersucht, ter hiesigen Kriminalabteilung Mitteilung zu machen. — Festgenommen wurden tn ten letzten Tagen zehn Personen wegen verschiedener (Straftaten. “ Aus dem Gießener Standesamt s r e g i st e r. Es verstarben in ter Zeit vorn 16. bis 31. Juli: 17. Juli: Fritz Gglh, Fabrikant, 59 Jahre alt, Landgraf-Philipp- Platz 7; 19.: Anna Kath. Balser, geb. Moos, 47 I., Bahnhofstr. 31; 21.: Hugo Schäfer, 8Mon., Reustadt 41; Heinrich Diergardt, Taglöhner. 71 I.. Frankfurter Straße 140; Marie Horst, geb. Glitsch. Ww., 72 I., Stephanstraße 15; Elisabeth Müssing, geb. Walther, 42 I., Schiffen- bergerweg 71; 22. Juli: Elisatetha Schmidt, geb. Sommer, 58 I., Friedrichstraße 16 b; 23.: Kätchen Schmidt, 6 I.. Drandgasse 6; 24.: Marie Clisabethe Wieder, geb. Laub, 24 I., Krof- borfer Straße 10; Wilhelmine Leitenguth, geb. Roos, Ww., 76 I., Gnauthstraße 36; 26.: Ehrt- stoph Bieker, Kaufmann. 69 I., Reustadt 55; 31.; Georg Wilhelm Döpfer, Stadtrechner t. R., 67 I., Landmannstraße 1. ** Auftrieb auf dem heutigen Frank furter Schlachtoiehmarkt: 3 Kühe, 1010 Kälber, 395 Schafe und 298 Schweine. Der neue Flessa-Prozeß. WSN. Frankfurt a. TL, 4. Aug. Zum heutigen Termin sind 23 Zeugen geladen, darunter die Kriminalbeamten, die im Fall Flessa tätig waren. Nach der Frage über das Herkommen des Morphiums, das sie zu einem Selbstrnordver- s u ch nach der Tat benutzte, wird der Kommissar vernommen, der das Absteigequartier des Dr. Seitz in der Kaiserstraße ermittelt hat. Dr. Seitz hat dort öfter übernachtet, jedoch kein eigenes Zimmer, son- dem nur eine Absteigegelegenheit gehabt. Wohnungsinhaberin war eine Frau von 21., die mit ihrer Tochter dort wohnte, jetzt aber anscheinend im Anschluß an ein gegen sie schwebendes Kuppelei- verfahren nach Amerika ausgewandert ist. Dem Hausmeister gegenüber hot sich Dr. Seitz geäußert, daß ihm der Weg in später Nachtstuirde nach seinen Reisen in die Wittelsbacher Allee zu weit fei. Ohne seine Wohnung in der Wittelsbacher Allee aufzugeben, hat er sich 24 Monate nach der Kaiserstraße abgemeldet, jedoch im Januar wieder in der Wittelsbacher Allee angemeldet, so daß es sich also um eine fingierte Abmeldung gehandelt hat. Nach einer eingegangenen Anzeige sind dort in der Wohnung Settgelage abgehalten worden. Es wird bann Fräulein Sch. als Zeugin aufgerufen, deren kranke Mutter sich in Behandlung des Dr. Seitz befand, und von der Flessa gepflegt wurde. Sie selbst soll kurz vor der Verlobung mit Dr. Seitz gestanden haben, von welcher jedoch Vater und Mutter nicht unterrichtet waren. Da es beim Erscheinen ter Zeugin zu erregten Szenen mit ter Angellagten kommt, wobei diese mehrfach droht, bei fal- „Kaiser-Borax" das hygierüfehe Hautpflegemittel macht das Wasser weich und antiseMsdt Die täglichen Waschungen verleihen der Haut Zartheit und SugendfHsche Heinrich Mack Nachf. Ulm a. D. GO RN 42 IST NEU y 5P£ x Herr Gutkind Edelmuth Die tieftrauernden Hinterbliebenen. 05391 nach langem, schweren Leiden, im fast vollendeten 79. Lebensjahre sanft entschlafen ist Beuern, Großen - Linden, Frankfurt a. M., Ullrichstein, Neuyork, Reiskirchen, den 5. August 1926. Die Beerdigung findet Freitag, den 6. August, vormittags 11 Uhr, vom Sterbehause aus statt Schmerzerfüllt die traurige Nachricht, daß Mittwoch früh unser guter Vater,- Schwiegervater, Großvater, Bruder und Onkel und Verleumdungen lasse sie sich nicht gefallen. Vichts sei schlimmer, als einen wehrlosen Menschen, der zehn Monate im Gefängnis sitze, zu verleumden, Hierauf werden frühere Zimmervermieterinnen der Angeklagten vernommen, von denen die eine den Eindruck hatte, dah die Flessa Eifersucht entwickele, während die andere sie als außerordentlich hilfsbereit und gutmütig bezeichnete; nur ginge ihr manchmal die Phantasie durch. Der nächste Zeuge macht die wichtige Bekundung, daß die Angeklagte einige Zeit vor der Tat Dispositionen hinsichtlich einer auswärts zu erlangenden Tätigkeit getroffen habe. Die Angeklagte erklärt es damit, dah sie im guten mit Dr. Seitz auseinandergehen wolle, um ihn zu vergessen. Die Zimmervermieterin, bei der Dr. Seih zuletzt wohnte, las einen Brief der Flessa an Seih, in dem ihr die Worte „Sie Mörder" aufgefallen seien. In dem Schreiben hätte sie Seih gebeten, daß er doch etwas freundlicher zu ihr sein solle und ihn eingeladen, mit ihr einen Ausflug zu machen. Ferner habe sie gelesen, daß Seitz von der Flessa gebeten wurde, zum Tee zu ihr zu kommen; er müsse aber entschuldigen, daß sie ihn nur im Schlafzimmer empfangen könne. Eine Person mit sehr unangenehmem Organ habe Seih oft telephonisch angerufen; sie will in der Stimme der Angeklagten die Stimme der Sprecherin wredererkennen. An dem Mordnachmittag habe sie ihrem Mieter noch den Kaffee hergerichtet. Kaum habe Seitz die Wohnung verlassen, da hörte man auch schon drei «Schüsse fallen. Die erneut nervöse Angeklagte ruft der Zeugin bei weiteren Ausführungen zu, daß sie ihr damals zugerufen habe: „Geschieht Ihnen gerade recht. Hätten Sie ihn nicht erschossen, so hätten Sie ihn noch." Es wird dann der Bruder der Zeugin vernommen, der im großen und ganzen die Aussagen seiner «Schwester bestätigt. schen Aussagen Rache zu nehmen, beschließt das Gericht nach einem vergeblichen De- ruhigungsversuch die Abführung der Angeklagten. Die Zeugin sagt aus, daß ihre Mutter ihr von einer Schwester erzählt habe, von der sie liebevoll gepflegt worden sei, die aber komische Ansichten hätte. Bald verkehrte die Flessa zur weiteren Pflege der Mutter ständig im Hause Sch. Die Flessa hätte unbedingt schließen müssen, daß sie, die Zeugin, Dr. S. gern habe. Später ist ihr von der Angeklagten erzählt worden, daß sie von einem Arzt im städtischen Krankenhause eine schwere Enttäuschung erlebt hätte, wobei auch die Aeuherung gefallen ist, daß sie ihn a m liebsten nieder geschossen hätte. Später hat ihr Dr. S. die Verfolgungen geschildert. Auf die Frage des Verteidigers, wo sie sich mit Dr. S. verlobt habe, erwidert sie: „Rach einem Durschenschafterfest waren wir noch in einem Hotel, da verlobten wir uns!" Dah sie die Braut des Erschossenen gewesen sei, daran sei. trotzdem Vater und Mutter nichts wußten, nicht zu zweifeln. Auf die Frage des Verteidigers über die Beziehungen zu einem Deutsch-Amerikaner erklärt sie, von einer Verlobung sei nicht die Rede gewesen. Sie bekundet noch, daß sie in der Zeitung gelesen hätte, daß die Flessa sich den Revolver zum Selbstschutz gekauft habe, sie aber wisse, daß bei der damaligen Wohnung der Angeklagten' keine Waffe zum Selbstschutz nötig gewesen sei. Als der Verteidiger fragt: „Warum sagen Sie. was gegen die Flessa spricht?", erwidert sie, dah sie sich dafür für verpflichtet halte. Als die Angeklagte wieder in den Saal geführt wurde und ihr der Inhalt der Aussagen der Zeugin Sch. vorgelesen wird, wird sie erneut sehr aufgeregt und erklärt, Lügen Auf seine Frage, wer geschossen habe, habe die Flessa gerufen: „Ich habe ihn erschossen." «Seitz lag direkt vor der Tür und konnte nicht hin geschleift worden sein. Rach der Mittagspause tritt Rechtsanwalt Dr. H. nochmals als Zeuge vor und erklärt unter seinem Eid, dah in seinem Hause nie Gelage in dem angedeuteten Sinne stattgefunden hätten. Es seien dort nie Orgien gefeiert worden, noch minderjährige Mädchen bei Gelagen zugegen gewesen. Der Staatsanwalt erklärt, daß keine Anhaltspunkte dafür vorhanden seien, daß sich der Zeuge irgendwie verdächtig gemacht habe. Eine Reihe von Zeugen wird sodann über ihre Wahrnehmungen unmittelbar vor und nach der Tat vernommen. Zwei Zeugen bekunden, dah Dr. Seih noch röchelte, was von der Angeklagten energisch bestritten wird. Einem Bankbeamten, der die Flessa nach ihren Beweggründen gefragt hatte, erklärte dieselbe, dah sie das hier nicht sagen könne. Der Arzt Dr. B. gibt heute zu, dah er durch die Monotonie der Ausdrucksweise der Flessa den Eindruck hatte, es sei ihr Benehmen leicht gekünstelt. Sodann werden mehrere Polizeibeamte vernommen. Dem Beamten B. rief die Flessa zu: Helfen Sie doch, ich wollte es ja nicht, ich wollte ihn ja nur schrecken! Einem anderen Beamten sagte sie: „Er war doch ein sehr guter Mensch. Ich bereue meine Tat." Der folgende Zeuge berichtet vor dem Selbstmordversuch der Angeklagten auf der Polizeiwache. Die Angeklagte gab an, dah es Morphium sei. Auf eine Frage, wieviel sie genommen habe, erklärte sie: „Es langt". Der Zeuge K. hatte von der Flessa den Eindruck, als wenn eine kolvssale seelische Entspannung sie ergriffen hätte. Halb und halb im «Selbstgespräch hätte sie gesagt: „Ich wollte es nicht tun. so etwas durfte nicht kommen." Hierauf gab Kriminalkommissar Ball unter fortgesetzten nervösen Zwischenrufen der Angeklagten eine ausführliche Schilderung der kriminalpolizeilichen Ermittelungen. Die Angeklagte habe nach anfänglicher Abstreitung zugegeben, dah sie einem Verkehr mit Seih nicht abgeneigt gewesen sei unter Tragung der natürlichen Folgen. In nichtöffentlicher Sitzung berichtet der Kommissar über die intimen Beziehungen der Angeklagten mit Dr. S. Sie habe auch angegeben. dah es in ihrer Absicht lag, Seih mit der Waffe eine etwas höhere Meinung von den Frauen beizubringen. Die Angeklagte unterbricht die Aussagen des Zeugen häufig und bezeichnet seine Angaben als lügenhaft. Er solle das Protokoll nachlesen, das könne sie nicht gesagt haben, wirft dem Zeugen Meineid vor und verlangt seine Verhaftung. Der Verteidigerin gelingt es schließlich, die Angeklagte zu beruhigen. Kriminalsekretär Milke gibt dann eine detaillierte Tatortsschilderung. Der eine Schuh ging ins Herz und wirkte tödlich. Es war ein Steckschuh. Der andere Schuh habe die linke Hand durchschlagen und dann das Kinn getroffen. Zwei weitere Kriminalbeamten machen ähnliche Bekundungen. Das Zeugenverhör wird morgen beendet. — Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Jür unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts st elle zu richten. Verantwortlich für den lokalen Teil i. D.: Dr. Hans Thhriot. [Hausrat 1 LindenpBatz 1 IKÄKÄWM auf Teilzahlung | 6419a I Challier. 05383 Freitag, den 6. August 8k Uhr, Saalbau Sauer: Experimental-Vortrag Psychologe Leon Hardt (Berlin) der erfolgreichste deutsche Schüler von — COUE—- demonstriert dessen weltberühmtes System der Selbstheilung u. Seelenerziehung. Das Chevreul- sche Pendel! Wie u was suggeriere ich meinem Kinde? Geschäftserfolg durch Autosuggestion!? --Plakate beachten!-- Eintritt: Mk. 1.—. 2 —, 3 — und Steuer Vorverkauf: Musikhaus Busch und Lichtspielhaus Bahnhorstraße 34 Heute letzter Tas:: Pat und Patachon als Millionäre Lustspiel in 6 Akten. Außerdem ein gutes Beiprogramm in 6 Akten. Ab morgen bis einschließ!. Sonntag: Fm van CoMs Vergangenheit Gesellschaftsdrama in 6 Akten, in der Hauptrolle die amerikanische Bühnen-Schönheit MAE MURRAY. Vorher: Das lustige Beiprogramm. Sowie; Die neueste Pariser Modenschau. Demnüchst: Liebe undTrompetenblasen Das beste Militärlustspiel mit Harry Liedtke und LUlaa Harvey in den Hauptrollen. Astoria-Lichtspieäe Ab heute ble einschließlich Sonntag: Marcco, der stärkste Mann der Welt, in seinem neuesten und gewaltigen Sensations- Abenteuer in 7 Akten. Marccos tollste Wette Ferner: Jimmy als Mechaniker. Lustspiel in 2 Akten. M02c | Verschiedenes! Kindergarten Gutes Schwarze 043S1 Freibank. Freitag. 6. August 1936, von vormttt. 8 Uhr ab 6407D MisMklM. Ludwiastrabe 44 Der Kindergarten beginnt wieder: Montag, 9. Aug.26. Neuanmeldungen können noch entgegengenommen werden vormittags 10 bis 12 Uhr. 05392 Samttasche mit Stlberverschluß, Dienstag abend aus demOSwaldsgarten verloren.Abzugeben auf d. Fundbureau des PolizeiamtS. Jagdhund braun - wein, zugelaufen. Abzubolen gegen Futterkosten. Emilie Altbaus, ess« Brandplatz 5 L pianino leihweise abzugeben. Schr. Sin fr. u. 6410V an den Gieß. Anz. 6413V finden. Der Vorstand. GesauMM komcka gegr. 1864. Wir bitten unsere Mitglieder Samstag. 7. d. M., nachm. 2.15 Ahr, pünktlich sich zur Rheinfahrt am Bahnhof einzu- Samstag, 7. Aua., von abdö. 9 Uhr ab: gemlttWes WUNMNW mit Angehörigen nnföerBergfthenre. Abmarsch 81/, Uhr Ecke Frankfurter- u. Wilhelmstraße. Wir bitten um rege Beteiligung. “»D Die Ortsgruppe. Deutscher totori entlaufen. Wiederbrlnger erb. Belohn. Vor Ankauf wird gewarnt. 6417D Schilfer, Appen- born bet Londorf. M.T.V. (Spielabteilung). DieUebungöstunden finden von jetzt ab regelmäßig auf dem Turn- und Sportplatz Schiffenberg. Weg statt. 6418c Der Spiclwart. Vereine „Sie Bnnöeter" Gießener Haöfahr- Gesellslvast 1896. Freitag, 6. Aug.: Monatsoersammlung. Von der Reise zurück 05386 erwiesen, meinen verbindlichsten Dank. Theo Bieker, Kaufmann. Gießen, den 4. August 1926. 05388 64166 Bonnerstratze 249. 5052ag 6408V Böhm. 6412V Vermietungen]| Laden mir beim Vaters so Teilnahme schinen, 1 Regulator. Voraussichtlich bestimmt: Freitag, den 6. August 1926, nachm. 2 Uhr, versteigere ich im Löwen, Neuenweg dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1.1 Flurgarderobe, 1 Eisschrank, 2 Kleiderschränke, 1 Tulkanisierpresse, 1 Bücherschränkchen, 1 Chaiselongue, 2 Divane, 1 Kommode, 1 Waschtisch, 2 Rähma- Bekanntmachung. Für die Reubesestigung der Bahnhof- strahe zwischen Schanzenstrahe und Westanlage, sowie des Asterwegs zwischen Schillerstrahe und Rordanlage sollen die Asphalt, und Mauerarbeiten vergeben werden. Angebote find spätestens bis Mittwoch, den 11. August 1926 dormittags 10 Ahr. a. das StadtbauamtAsterweg Dr. 9 abzugeben.Angebotsvordrucke sind daselbst erhältlich. Zuschlagsfrist 3 Wochen. MI. Simmet zu vermieten (05385 Grabenttr. 12 I. Gießen, den 4. August 1926. Stadtbauamt Gießen. Braubach. mit anschließenden zwei Räumen und Lagerraum per 1. 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Str. 24, Noch ist es Zeit die letzten Herd gebraucht, abzugeb. Schwarzenberg, 8109D Ltudenplatz l 11 Nr. M Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)Donnerstag, 5. August (926 vtutschlands (Eintritt in den Völkerbund und die Kolonialmanöate. Don Gouverneur D. Dr. Heinrich Schnec. M. d. R. 3m September wird voraussichtlich der Eintritt Deutschlands in den Dölkerbund stattfinden. Welche Forderungen ergeben sich daraus auf kolonialev Gebiet? Zunächst erscheint es als selbstverständlich. Last die Ausnahmebestimmungen und Ausnahme- inaftnahmen gegen Deutsche, soweit solche in den Mandatgebieten noch vorhanden sind, in Wegfall kommen müssen. Mr einen Teil der afrikanischen Kolonien, soweit sie in das Gebiet des Geltungsbereiches der früheren Kongoakte fallen, ergibt sich das ohne weiteres aus dem im 3ahre 1919 geschlossenen Vertrag von St. Germain- en-Laye. der zwar die alte Kongoatte wesentlich verschlechtert, aber doch den Dölkerbundmitglie- dern das Recht des Beitrittes und ihren Angehörigen die gleiche Behandlung wie den Angehörigen der betreffenden Kolonialmächte selbst zugestanden hat. Aber auch in den Mandatgebietcn oder Teilen von solchen, die nicht unter den revidierten Kongovertrag fallen, müssen noch für Deutsche bestehende Beschränkungen mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund Wegfällen, da sie sich mit dem Sinn und Geist der Völkerbund- sahung keineswegs vertragen. Solche rechtlichen oder tatsächlichen Beschränkungen sind noch in den französischen Mandatgebieten Kamerun und Togo vorhanden, in dem belgischem Mandat unterstellten Teil von Deutsch-Ostafrika (Ruanda- Arundi) sowie in Reu-Guinea (unter australischem Mandat, und Samoa (unter neuseeländischem Mandat,. Ebenso erscheint es als eine selbstverständliche Folge des Eintrittes Deutichlands in den Völkerbund. das; die Liquidationen beschlagnahmten deutschen Eigentums ihr Ende erreichen, wie sie auch heute noch in manchen Kolonialmandaten, z. B. Reu-Guinea. fortgesetzt werden. Es geht doch nicht an, gegen Angehörige von Mitgliedern des Völkerbundes derartige Kriegsmaßnahmen fortzusehen, die angesichts der Unfähigkeit des Deutschen Reiches, die Liquidierten voll zu entschädigen, auf nichts anderes als entschädigungslose Wegnahme, also Bolschewisierung oder wie Immer man es nennen mag, hinausläuft. Das noch nicht liquidierte Eigenrum muh den recht- mastigen deutschen Eigentümern wieder zugestellt kerben. Cs erfordert dies die Wahrung der Anverlehlichkeit des privaten Eigentums innerhalb des Völkerbundes. Eine weitere Folge must sein, dah Deutschland. ebenso wie es einen ständigen Sih im Völkerbundsrat erhält, auch ein Mitglied in die Permanente Mandatskommission entsendet. Diese besteht gegenwärtig aus neun Mitgliedern, nämlich aus je einem Vertreter der vier Rattonen. welche einen ständigen Sitz im Rat haben, und fünf Mitgliedern. t>tf anderen Rationen angehören. Es liegt auf der Hand, dah man Deutschland als Inhaber eines ständigen Ratssihes ebensowenig die Entsendung eines Vertreters in die Permanente Mandatskommission vorenthalten kann wie den übrigen entsprechend gestellten Mächten, und zwar um so traniger, als Deutschland naturgemäß das stärkste Interesse daran hat, die Wahrnehmung der Vormundschaft über diejenigen Eingebvrenen- völker mit zu überwachen, die bis zur Einrichtung des Mandatshstems seiner eigenen Verwaltung unterstanden. Das Werk des Meisters Hans von Köln. Don Wilhelm Conrad Gomoll. Aus Spanien ist eine Nachricht zu uns gekommen, die die Kunstfreunde in Deutschland mit Besorgnis aufhorchen lieh: Die Königliche Akademie der Schönen Künste zu Madrid hat bekanntgegeben, dah eines der wertvollsten Bauwerke auf spanischer Erde von unvermeidlicher Einsturzgefahr bedroht wird, falls nicht ausgiebige und schnelle Hilfe das Anheil beseitigt. Es handelt sich hierbei um die wunderbaren göttlichen Haupttürme der Kathedrale von Burgos, um jenes herrliche und erhabene Kunstwerk eines deutschen Meisters, das sich durch seine große kunstgeschichtliche Bedeutung nicht nur in Spanien selbst, sondern in der ganzen Welt einen Ruf erworben hat. Hochberühmt find die Dogen- gewölbe, die die Haupttürme tragen, die nun, da es wohl der richtigen Aeberwachung und Pflege ermangelte, so bedenklich vom Zahn der Zeit angefressen zu sein scheinen, dah nur noch ein Rot schrei in aller Oeffentlichkeit die Rettung des Werkes verspricht. Erschüttert durch die Rachricht, hoffend, dah noch das Schlimmste abgewendet werden möge, richten wir nun wieder imfere Blicke auf das historisch und kunstgeschichtlich bedeutsame Gotteshaus. das dort unten im lateinischen Süden wie ein vorgeschobener Posten für den Geist der Gotik, für den himmelanstrebenden Flug deutscher Geistesarbeit schon durch Jahrhunderte Zeugnis ablegt. Inmitten einer fremden Welt, die noch afrikanisch-maurisch eingestimmt ist, erhebt sich die Kathedrale über den eintönig grauen Häusern von Burgos als weithin sichtbares Wahrzeichen. Wer aus dem nordwestlichen Grenzlande der Pyrenäen, aus den Küstenstrichen des Golfes von Biskaya und den baskischen Provinzen zum tafelförmigen Hochlande Altkastiliens hinaufsteigt, kommt in die von nördlichen Winden beherrschte, kälteste Zone Spaniens. Acht Monate währt dort oben der Winter. Oede ist die Landschaft, durch die hier der Reiseweg über Valladolid nach Endlich wird mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund die Uebertragung von Kolonialmandaten auf das neue Mitglied aktuell. Der Reichsauhenminister Dr. Strefemann hatte bereits in seinem Memorandum vom September 1924, in dem er die Voraussetzungen für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund darlegte, hervorgehoben, dah Deutschland erwarte zu gegebener Zeit aktiv an dem Mandatsvftem beteiligt zu werden. In Locarno ist dann die Uebertragung von Kolonialmandaten zwar nicht Gegenstand schristlicher Abmachungen gewesen, wohl aber ist. wie erst kürzlich der englische erste Minister Baldwin auf Anfrage im Unterhause feststellte, der deutschen Delegation mündlich mitgeteilt worden, dah Deutschland, sobald es Mitglied des Völkerbundes sei, ein möglicher Kandidat für Kolonialmairdate, wie jedes andere Mitglied sein würde. Er fügte hinzu, dah ein bestimmtes Versprechen nicht gegeben sei und dah nach englischer Auffassung das englische Mandat über Deutschostafrika dauernd sei. Die letztere Auffassung ist zweifellos unrichtig. Wie immer man sich auch zu der Frage der Souveränität stellt, ob man die mit gewichtigen Gründen belegte Meinung derer teilt, welche dem Völkerbund die Souveränität zuschreiben, oder ob man der Ansicht ist, dah die Souveränität noch bei den „alliierten und assoziierten Hauptmächten" verblieben ist, zu deren Gunsten nach dem Versailler Vertrag Deutschland auf seine Rechte verzichtet hat, jedenfalls entbehrt die These des englischen Kabinettes jeder Grundlage. Rirgends ist, weder im Vertrag, noch in der einen integrierenden Bestandteil des ersteren bildenden Völkerbundsahung irgend etwas von einem selbständigen dauernden Recht des Mandatars aus das Mandatgebiet gesagt. Im Gegenteil heiht es ausdrücklich in der Völkerbundsahung, dah die betreffenden Rationen die Vormundschaft lediglich als Mandatare des Bundes und in feinem Rainen führen. Der Völkerbundsrat hat übrigens selbst kürzlich die Auffassung der Permanenten Mandatskommission gebilligt, wonach die Mandatsmächte in keinem Teil des ihnen anvertrauten Mandat gebiet es andere als Verwaltungsrechte besitzen. Hieraus geht hervor, dah der Völkerbundsrat — und zwar unter Zustimmung des englischen Vertreters — eine andere Meinung von den Kolonialmandaten hat als die, welche der englische Erste Minister in dem Anterhaus in London betreffend Deutschostafrika zum Ausdruck gebracht hat. Das völlig Anhaltbare dieser letzten Auffassung wird besonders klar, wenn man die Entstehungsgeschichte des Mandatsystems betrachtet. Rach dem von Baker in seinem bekannten Wilson- buch veröffentlichten Geheimprotokoll des Rates der Zehn von Anfang 1919 schlug Lloyd George namens der englischen Vertreter die Annexion der deutschen Kolonien vor. Präsident Wilson widersprach dieser „Verteilung der Kriegsbeute" und bestand seinerseits auf dem Mandatshstem. Dem gaben schließlich die Staatsmänner der anderen Rationen nach, wenngleich sie es verstanden, Wilson zu dem Zugeständnis der Verteilung der Mandate unter die Mächte nach deren Abmachungen zu bewegen. Daß habet aber keineswegs an die dauernde Uebertragung dec Mandate zu eigenen Rechten an die Mandatare gedacht wurde — was ja auch völlig unvereinbar mit dem Wortlaut und Sinn der von allen unterschriebenen Völkerbundsahung ist —, ergibt sich daraus, daß noch am 2. Mai 1919 das amerikanische Pressebureau berichtete, dah, obgleich Deutschland vorläufig jegliche Kolonie versagt weiche, die Sache noch mcht endgülttg geregelt Madrid führt. In der Höhe von 850 Metern, am Rande eines einförmig wirkenden Höhenzuges, trifft der Reisende auf die Trümmer einer ehemals mächttgen Burganlage: es ist das einst stolze Kastell, das eltehrwürdige Caput Castellae, das aus den Romanzen des Cid bekannte Burgos. In früheren Zeiten ein Königsfitz, um den sich machtvoller Adel scharte, dessen Rähe vermögende Kaufherren suchten, ist die Stadt heute zu einem armseligen Provinznest geworden. Von den düsteren Häusern und traurigen Gassen der Stadt spräche man wohl schon längst nicht mehr, wenn nicht die Kathedrale noch immer in das Land hineingrühte, wenn ihre Türme nicht den Ruhm Gottes predigten, wie feine zweiten im ganzen Lande. Herrlich durchbrochen, durchleuchtet von der Farbe des Himmels, ragen ihre Helme auf. Ein Filigran aus Stein hebt sich mit entzückender Leichtigkeit empor, und es ist begreiflich dah König Philipp II. einmal das Wort sprach, die Laterne sei ein Gebild der Engel, kein Werk von Menscheichand. Der deutsche Altmeister der spanischen Kunstgeschichtsforschung, Carl 3 u st i, hat an diese Aeuherung des spanischen Königs angeknüpft, als er niederschrieb, wie er inmitten der trostlosen hochkastilischen Landschaft dieses 'Bauwerk fand: „3m Schweigen dieser Oede" wirkte es auf ihn „wie eine aus den Lüften tönende Musik von Menschen- und Engelzungen, ein Hymnus von Geschlechtern, Taten und Gedanken, die längst im Strom der Zeiten versunken sind". - Herrlicheres Lob kann man wohl nicht spenden. Doch es muh verdient fein, denn wie schon von altersher nennt auch heute noch das Volk dieses Gotteshaus: „Mutter und Haupt der Kirchen Casttliens". Anfänglich geht der Bau auf eine kleine Kapelle zurück, die 1096 Alfons VI. im romanischen Stil hatte errichten lassen. Als sie nicht mehr genügte, wurde Bischof Mauricio von Burgos die treibende Kraft für den Ausbau. Er mußte den jungen König Ferdinand für den Kathedralenbau zu erwärmen, und faßte so alt die Eindrücke durch, die er auf einer Reise in Frankreich und Deutschland empfangen hatte. Er war als Brautwerber des Königs an den Hof nach Speyer gezogen und führte die Tochter des ermordeten Ätmigä Philipp von Schwaben, (ci. Wilson hätte vorgeschlagen, daß Deutschland genügendes Kolonialgebiet wieder zurückerhalten solle, um es von anderen Ländern bezüglich tropischer Rohstoffe unabhängig zu machen und ihm keine Sphäre für Auswanderung zu gewähren. Deutschland sollte keinerseits Zulagen, daß es keine militärischen oder politischen Pläne in dielen Kolonien verfolgen wolle." Diese Absichten wurden zwar nicht ausgeführt, da die Vereinigten Staaten von Amerika den Vertrag nicht ratifizierten. Aber aus vieler Entstehungsgeschichte des Mandatsystems geht klar hervor, dah die betreffenden Gebiete den Mandataren nur zur Verwaltung zu treuen Händen, als trustees übergeben werden sollten. Es geht nicht an, und ist mit der Vertragstreue nicht zu vereinbaren, dah jetzt hinterher Anterzeichner des Versailler Vertrages, mit dem die Völkerbundsahung ein untrennbares Ganzes bildet, sich andere Rechte aneignen wollen, als ihnen zugestanden sind. Die Beanspruchung von Mandatgebieten zu dauerndem Besitz kommt praktisch auf Forderung der Annexion heraus. Dies ist aber bet den Verhandlungen über den Versailler Vertrag gerade vom Präsidenten Wilson verhindert worden. Mit welchen Gründen ist die Wegnahme der deutschen Kolonien und ihre Anterstellung unter die Mandatsverwaltung anderer Rationen motiviert tirorben? 3n den beiden Roten vom 16. 3uni 1919, mit denen mittelst Ultimatum die Annahme des Versailler Diktats erzwungen wurde, ist die Antwort gegeben: tragen deutscher kolonialer Anfähigkeit und Anwürdigkeil. Diese Behauptungen sind längst als unrichtig crtolefen und durch die Erklärung in Locarno, dah Deutschland im Falle seines Eintrittes in den Völkerbund ebenso wie andere Mitglieder für Kolonialmandate kandidieren könne, von den Alliierten selbst aufgegeben worden. Wie wollen die Mandatmächte trotzdem die Beibehaltung der Mandate dem neuen Völkerbundmitglied gegenüber rechtfertigen? Wollen sie nachträglich die in den Roten angegebenen Gründe als bloßen Vorwand hinstellen und die Völkerbundsahung als Deckmantel für tatsächliche Annexionen? Ein solches Verfahren mühte moralisch von der gairzen Welt verurteilt werden, würde auch angesichts des von ihnen unterzeichneten Vertrages einen Rechtsund Vertragsbruch bedeuten. Die Mächte, welche den Locarno-Vertrag geschlossen und damit den Weg der Verständigung betreten haben, können sich der Konsequenzen bezüglich der Kolonialmandate nicht entziehen. Sie sind hinsichtlich einiger Mandatgebiete in ihren Entschließungen lediglich an die Zustimmung des Völkerbundes gebunden, ohne daß die Mitwirkung einer anderen Macht oder eines englischen Dominions als Mandatar in Frage käme. Es sind dies Deutschostafrika, in dessen Hauptteil England allein, sowie Kamerun und Togo, in denen zum größeren Teil Frankreich, zum Heineren England das Mandat wahr- nehmen. Die Uebertragung des Mandates über diese afrikanischen Kolonien aus Deutschland würde eine Tat ebenso der Gerechtigkeit wie einer weisen Politik sein. Dah das übervölkerte Deutschland, das auf feinem zu kleinen Gebiet seine wachsende Bevölkerung nicht ernähren kann, eine Erweiterung seiner Bvdengrundlage über See erhält, auf der es Rahrungsmittel und Rohstoffe erzeugen kann, ist nicht bloß eine Rot- wendigkeit für uns Deutsche, sondern liegt ebenso im Interesse der ruhigen Zukunftsentwicklung Europas. Prinzessin Beatrix, nach Spanien. In Deutschland wie auch in Frankreich wuchsen damals die großen Dome empor, und so ist es verständlich, wenn das Gotteshaus in Burgos, von den anderen Bauten beeinflußt, mancherlei Anklänge auf- weist. 'Bischof Mauricio tonnte die Kirche nicht vollenden. Es bleibt ihm aber der Ruhm, mit dem Bau die erste Kirche im mittel-französischen Kathedralstil des XIII. Jahrhunderts auf spa- irischem Boden begonnen zu haben. Er half diesem Stil die Pyrenäen zu überschreiten, wo er sich dann eine neue Provinz erobern konnte. Mit vollendetem Chor, doch ohne Türme, stand der Bau Mauricios, bis ihn um die Mitte des XV. Jahrhunderts Bischof Alonso de Cartagena mit neuer Baulust förderte. Er berief fremde Baukünstler nach Spanien, und unter diesen befand sich auch Hans von Köln. Auch Bischof Alonso hatte auf einer Konzilfahrt die deutschen Dome kennen gelernt, die seinen Dau- Willen angesport haben müssen, und so wuchsen nun unter dem Meister, der in der Kölner Dombauhütte geschult worden war. die herrlichen Steinnadeln auf, die das Entzücken der Welt und ein Meisterwerk des XV. Jahrhunderts wurden. In den baugeschichtlichen Akten der Kathedrale von Burgos ist Hans von Köln viele Male als Juan de Colonia aufgeführt, und im 12. Baujahr wird er als Maestro de las obras genannt. Seine entwerfende und ausführende Arbeit ist einwandfrei festgelegt und alles weist daran nach Deutschland: verwandte Züge führen nach Köln, Freiburg, Basel. Hans von Kölns Raine ist aber auch noch weiter mit der künstlerischen Entwicklung der Kathedrale verknüpft. Der deutsche Meister heiratete in Spanien und gründete eine Familie von Baumeistern. Alle arbeiteten nach ihm an dem Dombau. Simon von Köln, der älteste Sohn von Hans, war dreißig Jahre daran tätig, und Franz von Köln, in Spanien als Francisco de Colonia wie Simon gerühmt, schufen manche herrlichen Einzelheiten und Beigaben, durch die dieses wunderbare Steingedicht noch an Wert gewann. „Pressefreiheit am Rhein" In den letzten Wochen mehren sich die Fälle von Ausschreitungen der Befatzungstruppen. Sie bringen auch dem unbesetzten Deutschland zum Bewußtsein, daß die Zusicherungen von Locarno sogar in den selbstverständlichen Belangen noch keineswegs erfüllt find, baß immer noch ein System sich geltend macht, das ein Hohn aut den verkündeten Geist des Friedens und der Verständigung ist. während schon vor gerade heben Jahren, am 29. Juli 1919, die hier an der Besetzung beteiligten alliierten Regierungen der Bevölkerung freie Ausübung ihrer persönlichen und staatsbürgerlich n Rechte. Freiheit der Presse, der Wahlen und Versammlungen zusicherten. Can besonderes Kapitel bildet die Freiheit der Met- nungsäußerung im gedruckten Wort Wie dte Presse durch die Besayungsherrschaft dauernd bedroht wurde und was die Presse in alt den Jahren gelitten hat. das vermag im unbesetzten Gebiet der Außenstehende fd>tocr zu ermessen, mit Ausnahme der Zeitungsleute selbst, da ja auch Druckerzeugnisse des unbesetzten Gebiets vielfach verboten wurden und noch verboten werden. Es ist deshalb ebenso für die künftige Geschichte dieser Zeit bedeutsam wie für dte Gegenwart und das ganze deutsche Volk von Belang, wenn jetzt 5um erstenmal hierüber eine zusammenfassende Darstellung erscheint als Sonderheft der Süddeutschen Monatshefte (München) unter dem Titel „Pressefreiheit am Rhein, an Ruhr und Saar' Zum erstenmal ist hier der Kamps der deutschen Presse gegen die fremden Bedrücker vom Einmarsch bis zur Gegenwart packend und durchaus überparteilich dar- gestellt von Forschern der Zeitungswissenschaft wie von Männern der Feder selbst, die jenen Kampf um Recht und Freiheit so oft mit Kerker. Mißhandlung und Verjagung büßen mußten. Rur angedeutet irarben kann hier der reiche Inhalt, der eingeleitet wird von Präsident Dr Kaufmann. dem Vorsitzenden des ReichSverbandrs der Rheinländer in Berlin. Das Kapitel der Pre'severordn ungen gibt ein fesselndes Bild von der wechselnden, willkürttchen Anter- drückung der Zeitungen, darunter auch von jenem damaligen besonders unsittlichen Zwang, täglich einen rein französischen Rachrichtendten«. (Havas) im Amfang von tausend deutschen Worten unverkürzt und ohne jeden Kommentar zu bringen. Das berührt sich eng mit der eigentlichen französischen Pressepropaganda an Rhein und Ruhr, die auch völkerpsl)chologisch Beachtung verdient, so besonders in der Geschichte des in deutscher Sprache herausgegebenen französischen „R a ch r i ch t e n b a 11 s" mit seinen raffinierten Methoden der Seelenvergiftung und Gegenpropaganda gegen alle wahren Meldungen über die schwarze Schmach, die Ausschreitungen undAeber- griffe der Befatzungstruppen und Behörden und die Kriegsschuldlüge. Verschiedene Spottbilder dieses „schmutzigsten Blattes der Welt" sind in dem Hefte wiedergegeben. Es folgt eine ebenso wertvolle wie interessante Statistik über die Verbote der Rettungen aller Richtungen und Parteien im gesamten verflossenen Zeitraum Erschütterrrb sind die Kämpfe, Leiden und Schicksale der Zeitungen wie der einzelnen Redakteure, Verleger und ihrer Familien während des Ruhreinbruchs. Die Anter- suchungen find bis auf die Gegenwart, bis auf Locarno durchgeführt. Das gerade ist das Bedrohliche der heutigen Lage, daß die Bedrückung immer noch an bauert. So verurteilte das französische Militärgericht in Mainz am 1. September 1925 den Schriftleiter Pfund vom Alzeyer Erlebnisse mit Gorillas. Als vor mehr als 2000 Jahren der karthagische Admiral Hanno von seiner ilmfeglung der afrikanischen Küste die ersten Gorillas mitbrachte, da hielt man sie für „haarige wilde Menschen" und mußte sie töten, da sie auch gefesselt nicht zu halten waren. Seitdem ist dem Gorilla der Rus beofnberer Wildheit geblieben, aber beim näheren Umgang mit diesen Tieren zeigt sich, daß diese Anschauung nicht richtig ist. Alice Cunningham, die in Afrika viele Monate mit den Gorillas in vertrautem Umgang gelebt hat, und die be den berühmtesten Exemplare dieser Gattung, John Daniel I. und John Daniel II.. mitgebracht hat, ist der Ansicht, daß der Gorilla nicht schwere.' zu behandeln ist als irgend ein anderes pflanzenfressendes Tier. Sein Benehmen muß nur richtig gedeutet werden. So glaubte Duchailu. der um 1860 die ersten Gorillas fing, daß es ein Zeichen von Wut sei, wenn sie sich gegen die Brust schlagen. Miß Cunningham stimmt aber darin mit anderen erfahrenen Gorillajägern überein, daß dies ein Zeichen besonderer Freude und Wohlbehagens ist. „Ich habe an den drei Gorillas, die ich aufgezogen habe," schreibt die Dame, ,bie größte Freude erlebt. Sie waren ganz jung, zwischen 3 und 6 Jahren alt, und ich ließ sie ganz ungestört aufwachsen, ohne ihnen irgenb- welche Kunststücke beibringen zu wollen. Die einzige Ausnahme bestand darin. Daß ich ihnen Reinlichkeit beibrachte, die sie sehr schnell lernten. In bezug auf die Reinlichkeit ihrer Körper hatten sie nichts zu lernen, denn ich fand, daß sie sehr sauber waren, als ich sie fing. Affen und andere wilde Tiere sind in wildem Zustande sehr sauber: nur wenn die armen Geschöpfe unter ungesunden Verhältnissen in der Gefangenschaft gehalten werden. sind sie von Würmern und anderem An- geziefer heimgesucht. Was man an den Assen in den Zoos „Lausen" neimt, das ist nur das 216- suchen von Hautstückchen und Staub, das sie an sich selbst und anderen vornehmen. Sehr auffallend ist es. daß die Gorillas instinktiv Spiele vornehmen wie menschliche Kinder: so jagen sie sich z. D. und spielen Verstecken. Sie benehmen sich dabei wie Kinder und spielen sogar „Blindekuh". Bsvbachtcr wegen Veröftentlichung eines Artikels über die Räumung der Kölner Zone zu zwei. Monaten Gefängnis und zweitausend Mart Geldstrafe. Man darf den Süddeutschen Monatsheften, die selbst als einzige deutsche Monatsschrift zu den dauernd verbotenen Druckschriften gehören, für diese sachliche, überparteiliche und packende Veröffentlichung Dank wissen und hoffen, das) sie beitragen möge zur Herbeiführung menschlicher, des deutschen Volkes würdiger Lebens- befcingungen in der schwergeprüften Westmart und schließlich zu einem wahren Völkerfrieden. Die interalliierten Schulden. Don Emile Borel, ehem. französischem Marine- minister, Mitglied der Deputiertenkammer. Die Regelung der interalliierten Schulden ist kürzlich durch die Stellungnahme der französischen öffentlichen Meinung zu den Abkommen, die die Regierung Briand in Washington und London unterzeichnete, in eine neue Phase getreten. In Frankreich hat sich eine starke Opposition gegen die Ratifizierung dieser Abkommen durch das Parlament gebildet. Die Vereinigten Staaten und England besitzen zu alte demokratische Traditionen, um es nicht natürlich zu finden, daß eine Ration nur durch ihr Parlament und nicht durch ihre Regierung Verbindlikeilen eingehen kann, doch machen diese beiden Rationen ebenfalls die Ansicht ihrer öffentlichen Meinung geltend, die glaubt, daß die Frankreich gemachten Zugeständnisse ein Maximum darstellen, das nicht überschritten werden kann. Wie auch die letzte Entscheidung des französischen Parlaments ausfallen mag, ist es notwendig. sich klarzulegen, daß die Frage der interalliierten Schulden keine bloß Frankreich betreffende Frage ist, sondern den ganzen europäischen Kontinent angeht. England hat in dem Abkommen, das in London unterzeichnet wurde, festgelegt, was es stets betont hatte: Es verlangt von den europäischen Staaten, die seine Schuldner sind, nur die zur Rückzahlung der eigenen Schuld an Amerika notwendigen Beträge. Mag es sich nun um Verträge zwischen England und Frankreich, zwischen England und Italien oder zwischen den Vereinigten Staaten und Belgien handeln, schließlich läuft alles auf eines hinaus: der europäische Kontinent muß als Folge des großen Krieges den Vereinigten Staaten von Rordamerika, dem reichsten Lande der Welt, direkt oder auf dem ilmtreg über England jährlich eine beträchtliche Abgabe leisten. In diesem Licht gesehen, lassen sich die Forderungen der Vereinigten Staaten kaum mit dem Rus von Idealismus, der dieses große Volk umgibt, vereinbaren. Biele Amerikaner betonen auch mit großer Aufrichtigkeit, daß die Vereinigten Staaten eben im Interesse Europas vorgehen, wenn sie diese beträchtlichen Abgaben fordern. Sie hoffen nämlich dadurch, wie sie sagen, die K r i e g s r ü st u n g e n gänzlich zu Hintertreiben und so ganz Europa dauernden Frieden zu geben. In diesem Zusammenhang ist es heute nicht möglich, die Rüstungsfrage zu erörtern und die Kriegs- und Marincbudgets der europäischen Großmächte mit jenen der Vereinigten Staaten von Amerika zu vergleichen. Ich möchte mich heute auf den streng finanziellen Standpunkt beschränken. Es zeigt sich da sofort, daß die Summen. die der europäische Kontinent alljährlich km die Vereinigten Staaten zahlen nrüßte, in einigen Jahren, sobald alle unterzeichneten Abkommen ihre volle Wirksamkeit erlangt hätten. t äußerst beträchtliche wären, wenn man sie mit e Hinblick auf den Wert des amerikanischen Geldes f auf dem Kontinent abschähte. Diese Summen würden sich auf mehrere hundert Millionen . Dollars belaufen. Wenn man die Tatsache in Betracht zieht, daß in vielen Ländern des europäischen Kontinents, besonders in Frankreich, Italien und Belgien, der tägliche Durchschintts- verdienst eines Arbeiters oder Dauern bei weitem geringer ist als ein Dollar, würde dieser Betrag, in Arbeitstagen ausgedrückt, rund eine Milliarde Arbeitstage im Jahr ausmachen. Das aber ist eine Abgabe, die der europäische Kontinent offensichtlich unmöglich aufbringen kann. Ganz anders würde es sich verhalten, und die Last könnte leidlich werden, wenn das Erträgnis des Arbeitstages wie in Amerika auf fünf oder zehn Dollar gesteigert werden könnte. Man weiß, daß die Bezahlung gewisser qualifizierter Arbeiter in Amerika sogar zehn Dollar täglich überschreitet. Aber selbst wenn man sich aus eine Bewertung des Arbeitstages mit fünf Dollar beschränken wollte, würde man auf eine Zahl von Arbeitstagen für das Jahr kommen, die etwa hundert Millionen statt einer Milliarde betrüge, das heißt, jeder Arbeiter oder Bauer in West- und Mitteleuropa mühte zur Ausbringung dieser Abgabe statt jährlich zwei oder drei Wochen nur mehr ein bis zwei Tage arbeiten. Es ist begreiflich, daß die Amerikaner, dir gewohnt sind, den Wert des Dollars für ihr Land und nicht für Europa in Betracht zu ziehen, ihre Forderungen äußerst mäßig finden, während sie diesseits des Ozeans als beträchlich und übertrieben empfunden werden. Daraus läßt sich der Schluß ziehen, daß das Schulden-Problem. falls an diesen 'Forderungen festgehalten wird, nur dann eine Lösung finden kann, wenn sich in Europa eine völlige älmgestaltung der Geldwerte vollzieht. Wenn das Steigen der Preise im Verein mit einem bedeutenden Steigen der Löhne bewirkt, daß der Wert des Dollars in Europa nicht höher ist als in den Bereinigten Staaten, wird die Last der Schulden erträglich werden. Wenn es aber anders käme, wenn im Gegenteil die Rotwendigkeit, den Vereinigten Staaten beträchtliche Summen in amerikanischen Devisen zu zedieren, einen neuerlicher Sturz der europäischen Kurse und infolgedessen einen noch stärkeren Rückgang der in Dollar ausgedrückten Löhne mit sich brächte, würde es gänzlich unmöglich werden, die in den Abkommen stipulierten Summen zu bezahlen. Die Währungs- und Wirtschaftskrise würde sich über ganz Europa verbreiten und es wäre den Europäern in gleicher Weise unmöglich, nicht nur in Amerika, sondern auch in den anderen Ländern der Welt einen Kauf abzuschließen. Dadurch würde dep internationale Handel ernstlich geschädigt werden und auf der ganzen Welt entstünde eine Wirtschaftskrise ohne Beispiel. Wenn also die Vereinigten Staaten nicht selbst zu der äleberzeugung gelangen, daß sie in eigen st em Interesse sämtliche vom Krieg herrührende Schulden annullieren müssen, bleibt für sie nur das einzige Mittel, zu den von ihnen geforderte Summen zu gelangen, nämlich auf irgend eine Weise das Währungssystem aller europäischen Staaten derart aufzurichten. daß der tatsächliche Wert des Dollars — seine Kaufkraft in Waren oder Arbeitstagen ausgedrückt — in Europa nicht merklich höher sei als in den Vereinigten Staaten. Oberhessen. Landkreis Gießen. : Allertshausen. 4. Aug. Während drunten im Lumdatal fast das gesamte Obst in den kalten Mainächten erfroren ist. zeigen die Obstbänme auf unserer Höhe verhältnismäßig ganz guten Behang. Ramentlich die Bäume an der Kreisstraße nach Beuern bringen eine gute Mittelernte an Dirnen. Die Sorten „Gute Luise" und „Reue Poiteau" versprechen sogar eine recht gute Ernte. Auch geringere Qualitäten, namentlich Honigbirnen, hängen recht voll. Die Aepfelernte dagegen ist geringer, und gar Zwetschen hängen nur ganz vereinzelt an den Daumen. — Etwa acht Tage später als im Tal hat in unserer hochgelegenen Gemarkung die Fruchternte begonnen. Man beginnt jetzt erst den Schnitt der Sommergerste, die fast allenthalben stark gelagert ist. Der Körnerertrag ist gut. Die Roggenernte hat noch einige Tage Zeit. Selbst auf mageren Aeckern hat sich der Hafer fast überall gelegt, beginnt sich aber in den letzten paar sonstigen Tagen langsam wieder aufzurichten. Der Weizen hat unter der Feuchtigkeit am wenigsten gelitten. Einen recht erfreulichen Anblick gewähren die Dickwurzäcker. Sie sind von dem hohen äln- traut größtenteils gesäubert. Auch unsere Derg- wiesen zeigen guten Stand, und namentlich die blätterreichen LInterkräuter lassen auf eine gute Grummeternte schließen. — — Langsdorf, 4. Aug. Wit einem Kostenaufwand von rund 150 000 Mark hat unsere Gemeinde endlich die Wasserleitung erhalten, die schon vor dem Kriege beschlossen worden war. Während der Ausführung der Wasser- leitungsarbeiten wurden wichtige Funde aus der Vergangenheit gemacht, man stieß aus die Reste der alten Ortsbefestigung und fand die Spuren und die Linienführung des Pfahlgrabens. -er. Reinhardshain, 4. Äug. In unserer Gemeinde wurde dieser Tage das Jugendfest gefeiert. In einem stattlichen Festzuge bewegten sich Schüler und Eltern nach dem Festplatze. Daselbst hielt Lehrer Allendörfer eine kernige Ansprache, worauf die Schüler Gedichte und Gesänge vortrugen und dann zum frohen Spiel übergingen. T A u s dem S e e n t a l, 4. Aug. Die Ernte der Gerste ist hier in vollem Gange. Das schöne Wetter ermöglicht eine rasche Erledigung der Arbeiten. Bei weiterer Trockenheit rechnet man damit, Ende der Woche mit dem Schnitt des Roggens beginnen zu können. Der Landmann sieht somit trotz des schlechten Wetters in den vergangenen Monaten einer guten Ernte entgegen. Auch das Grummet verspricht, gut zu werden. Kreis Friedberg. D a d - R a u h e i m, 4. Aug. Der Gesangverein „Frohsinn" gab unter Leitung seines Dirigenten, Oberreallehrer W. Dechtolsheimer, auf der Kurhausterrasse ein Konzert. Die Darbietungen des leistungsfähigen Vereins, vor allem die Volkslieder und die Rheinlieder, fanden großen Anklang. — Im Konzertscrale des Kurhauses nahm dieser Tage das Wertungs- fingen der Arbeitergesangvereine sein Ende. An drei Sonntagen haben insgesamt 60 Vereine, zumeist aus dem südlichen Oberhessen, gesungen und dabei schöne Leistungen gezeigt. Kreis Büdingen. !! Dü ding en, 4. Aug. Auf der Tagesordnung der letzten Gemeinderatssitzung stand die Verbesserung der Wasserleitung in der Stadt. Die Bürgermeisterei hatte einen Vertreter des Kulturbauamtes Friedberg zu der Sitzung eingeladen, der einen eingehenden Vortrag über die Derbesserungsinöglichketten hielt und die Wege zeigte, wodurch dem älebelstande abgeholfen werden könnte. Vor allem war sich der Gemeinderat darüber im klaren, daß die sog. Pferdebachquelle erworben und gefaßt werden muß. Die nötigen Verhandlungen sind bereits mit der fürstlichen Rentkammer eingeleitet, jedoch noch nicht beendet. Die Quelle hat eine tägliche Wasserlieferung von 200 Kubikmeter. Durch einen neu zu erbauenden Hochbehälter soll der Druck derart stark werden, daß er auch für die hochgelegenen! Teile Büdingens ausreicht. Der ^leberschuß des nicht verbrauchten Wassers der neuen Quelle soll durch eine Leitung nach dem bestehenden Behälter der Tiefdruckzone geleitet werden. Innerhalb der Stadt müssen die Rohrleitungen zum Teil vergrößert und neu gelegt werden. Die neugepflasterten Straßen (Hindenburgstraße und Reuerweg) werden hiervon jedoch nicht berührt, da ein älmbau der Rohrleitungen in der Hindenburg- stratzc nicht notwendig ist, und im Reuen Weg die erforderlichen Reuanschlüsse gelegt werden können, da an den betreffenden Stellen die Straße noch nicht zugepflastert ist. Mit der Anfertigung der entsprechenden Kostenanschläge wurde das Kulturbauamt Friedberg beauftragt, zur Finanzierung des größere Geldsummen verschlingenden Objekts wurde die Finanzkommission beauftragt, die dem Gemeinderat demnächst diesbezügliche Vorlage machen soll. — Der A m t s t a g des Kreisamts Büdingen in Ridda findet am Freitag, 6. August, int Rathaus zu Ridda statt. •— Die Kreis st raße Liß berg — Hirzenhain ist für die Zeit vom 2. bis 5. August, die Ortsdurchfahrt Lißberg vom 4. bis 10. August und die Ortsdruchfahrt Hirzenhain vom 4. bis 5. August d. I. für jeden Verkehr gesperrt. !! Ridda, 4. Aug. Der diesjährige Kreisfeuerwehrtag des Kreises Büdingen findet am Sonntag, 15. August, in Ridda statt. Es ist mit einer sehr starken Beteiligung der Wehren des ganzen Kreises zu rechnen. „ ?“ Ridd a, 4. Aug. Den Besitzern größerer landwirtschaftlicher Flächen, die in dieser Ernte ihre Mähmaschinen nicht benutzen können, fehlt es an Personal, das Getreide mit Sensen und Sicheln schneiden zu lassen, ilm dennoch die Ernte rasch bergen zu können, sehen sie sich veranlaßt, das Schneiden der Frucht im Akkord zu vergeben, was beschäftigungslosen Arbeitern sehr zustatten kommt. Diese ziehen im allgemeinen die Akkordarbeit vpr. weil sie dabei nicht an bestimmte Zeiten gebunden sind und zu Hause esftn .können. Die weiteren Arbeiten, wie Aufbinden und Heimfahren werden wieder mit eignem Personal ausgeführt. — Der Preis der Frühkartoffeln hat eine weitere Senkung erfahren. Sie werden eben für 3,50 bis 3,80 Mk. pro Zentner dem Verbraucher ins Haus gebracht. Besonders gut entwickelt sind die frühen „Blauen", während die „Gelben" wohl unter der Einwirkung der großen Feuchtigkeit vielfach von innen heraus zur Fäulnis neigen. Die Zwiebeln neuer Ernte, die besonders in derGegend von Ranstadt und Dauernheim gezogen werden, sind jetzt gleichfalls auf dem Markt erschienen und haben die settherigen Preise rasch zum Sinken gebracht. „ ?“ Aus dem Riddertal, 4. Aug. Die beiden Staubecken der Talsperre der Oberhessischen äleberlandzentrale im Ridder- und Hillersbachtal werden durch die Ablagerung von Schlamm und Geröll ungünstig beeinflußt. Insbesondere sind es die schweren Gewitterregen, wie sie beispielsweise in den Vorwochen auftraten, die wesentlichen Anteil an der zunehmenden Verschlammung haben. Ridder und Hillers- bach, die vor ihrem Eintritt in die Staubecken starkes Gefälle aufweisen, haben keine Gelegenheit, Schlamin und Geröll vorher abzulagern und führen sie den Stauweihern zu. Da diese bei verhältnismäßig kleinen Ausmaßen nur geringe Tiefe haben, muß sich im Laufe der Zeit die Hebung der Deckensohle in einer Verringerung der faßbaren Wassermasse auswirken, so daß die Wegschaffung des Schlammes notwendig werden wird. — Der Bau einer katholischen Kirche in Stockheim steht bevor. Man will den in den verschiedensten Orten des Tales wohnenden Katholiken Gelegeicheit geben, an zentraler Stelle ihren Gottesdienst besuchen zu können. !! Echzell, 4. Aug. Die Arbeiten an der Ortsdurchfahrt find beendet und die Ortsdurchfahrt dem Verkehr wieder freigegeben. ]:[ Gelnhaar, 4. Aug. Begünstigt durch die letzten warmen Sage nahm auch hier die Getreideernte in dieser Woche ihren Anfang. Diesmal mußte mit dem Schnitt der Gerste zuerst begonnen werden. Obwohl unsere Gemeinde von älnwettern verschont geblieben war, liegt dennoch die Frucht auf vielen Aeckern. Es ist dies wohl die Folge einer übergroßen künstlichen Düngung. Dadurch sind die Besitzer von Mähmaschinen nicht in der Lage, ihre Maschinen zu benutzen, und müssen mit Reff und Sense die Arbeit verrichten. Kreis Schotten. ld. Schotten, 4. Aug. Das Obstjahr 1926, das neben mittleren Erträgen an Dirnen nur ganz geringe Mengen Aepfel erbringt, lehrt die Obstzüchter unserer Gegend, nicht nur auf richtige Sortenauswahl, sondern ganz besonders auf die Lage neu zu bepflanzender Flächen zu achten. Richt die rauhesten Apfelsorten bringen! einigermaßen befriedigende Erträge; ost sind es ganz feine Sorten, die auf in Mulden liegenden, gegen Osb- und Rordwinde geschütztenDaumstücken so reichen Dehang zeigen, daß die Aeste gestützt werden müssen. Eich elSdorf, 4. Aug iXnfcr im Jahre 1895 erbautes Schulhaus wird soeben einer gründlichen äußeren Reparatur unterzogen und neu gestrichen. Insbesondere ist es die verdeckte Dachkandelung, die hier, wie überall, wo sie Anwendung sand, sich als unpraktisch erwies und das darunter liegende Holzwerk beschädigt. Sie wird jetzt entfernt und durch eine freihängende Dachkandel erseht. Leider fehlt der Gemeinde noch immer der 3. Schulfaal, so daß die Möglichkeit nicht vorhanden ist, durch Errichtung einer weiteren Lehrerstelle die stark überfüllten Schulklassen zu entlasten. I. Meiches, 4. Aug. Das nach regnerischen Wochen wieder einsetzende Sommerwetter wird hier recht willkommen geheißen, damit die Heuernte endlich einmal beendet werden kqnn. Das schon anderwärts begonnene Abernten von Getreide muh aber noch um einige Tage aufgeschoben werden, weil in unserer Höhenlage die Halmfrucht für die Sense noch nicht reif ist. — Seit zwei Monaten ist in unserem- Ort ein Sägewerk im Gange. Die Maschinen arbeiteten bis jetzt unter freiem Himmel, da die .Unternehmer das zu den erforderlichen Hallen nötige Bauholz im eigenen Betrieb zuschneiden wollten. Zur Zeit sind nun die Zimmerleute mit der Herstellung der Hallen beschäfttgt. ld. Aus dem Vogelsberg, 4. Aug. Don allen Fensterbänken der Vogelsberger Bauernhäuser prangt eben in verschwenderischer Fülle ein prächtiger Blumenflor. Bevorzugt werden Geranien, die in allen Farbenschattierungen anzutreffen sind. Dörflichem Geschmacke entsprech end, legt man mehr Wort auf Sortenreich- tum, als auf einheitliche Farben. Die Dlumen- pslegearbeit der Dorfichulen sollte die Erkenntnis verbreiten, daß man mit geringeren Mitteln tiefere Schmuckwirkung erzielt, wenn Blüten einer Farbe in richtiger Abtönung zum Anstrich des Schindel- und Balkenwerks verwandt werden. Kreis Alsfeld. —er. Homberg, 4. Aug. Der Basalt- steinbruch der Mitteldeutschen Hartsteinindustrie im Distritt „Rote Kuh" wurde mangels Absatzes am 3. ds. Mts. gänzlich stillgelegt Gleichfalls hat das HimmeÄbachsche Sägewerk in Reuhaus seinen Betrieb eingestellt, weil sämtliche Holzvorräte aufgearbeitet waren. — Der vom schönsten Wetter begünsttgte Schweinemarkt war mit 337 Stück Ferkeln befahren. Es waren wenig Käufer da und das Geschäft infolgedessen schleppend: auch blieb ziemlich ileberftanb. Bezahlt wurde für das Paar sechs bis acht Wochen alte Ferkel durchschnittlich 60 Marl. I. Brauer schwend, 4. Aug. Wenn auch in diesem Jahre Reubauten in unferm Dorf nicht entstanden sind, so haben die Bau Handwerker infolge vieler, größerer, baulicher Erweiterungen. Ausbesserungen doch reichlich Beschäftigung. Es handelt sich hierbei vornehmlich um die rein landwirtschaftlichen Gebäude. Scheunen und Stallungen. Kreis Lauterbach. —.— Schlitz, 4. Aug. Ein schwerer -Unfall stieß dem zwei Jahre alten Söhnchen eines Bahnbeamten im benachbarten Rieder-Stoll zu. Ein etwa 3 bis 4 Meter langer Satten- zaun stürzte um und fiel auf das Kind, wobei ihm der rostige Ragel einer abgerissenen Latte in den Kops ging. Der Ragel hat die Schädsl- decke durchschlagen und schwere Verletzungen verursacht. Das Kind wurde ins hiesige Krankenhaus gebracht, wo es in bedenklichem Zustande darniederliegt. Preußen. Kreis Wetzlar. Wetzlar, 4. August. Wie wir Horen, Hal der erste F l u g t a g auch in finanzieller Hinsicht für den Verkehrsverein einen vollen Erfolg gebracht. Die Einnahme aus dem Kartenverkauf allein dürfte die Summe von 9000 Mark erreichen, so daß für die anderen Aufgaben des Vereins ein netter lleberschutz zur Verfügung steht. -L- Kinzenbach, 4. Aug. Die M a ul,» und Klauenseuche im hiesigen Orte ttt erloschen. Das Landratsamt hat die Ifc- stehenden Sperrmaßnahmen aufgehoben. XX Dorlar. 4. Aug. Gestern hat ein Kranenwagen, welcher auf der Strecke Lollar— Wetzlar zwei schwere Masten zu befördern hatte, an der hiesigen äle berführ ung Zerstö"- r u n g e n angerichtet, so daß die Drücke (Dorlar- Waldgirmes) von schwerem Fuhrwerk nicht befahren werden kann. -K- Lützellinden, 4. Aua. Die hiesige Gemeinde läßt augenblicklich den Weg von hier nach dem Oberwald chausfieren, ebenso ist beabsichtigt, einen wetteren, in der Rähe des Dorfes befindlichen Feldweg zu chaussieren, sowie einen dabei liegenden Graben zu kanall- fieren. Die Arbeiten sind von dem Regierungspräsidenten, wie bereits im „Gießener Anzeiger" berichtet wurde, als Rotstandsarbeit anerkannt und der Gemeinde ein Zuschuß und ein Darlehen aus Mitteln der produkttven Erwerbslosenfütz- bereiten, denn noch warm gegessen, Verlangen Sie aber nur Dr. Oetker-Puddings mit dem Hellkopf, sie enthalten knochenbildende Salze. kommt Kindern jüngsten Alters besonders gut. Er ist schnell gekocht und macht fast gar keine Arbeit. Die Kinder aber freuen sich und essen ihn gern. — Oetker- Puddings sind auch sehr nahrhaft und leicht verdaulich. Sie brauchen also um die Nachtruhe der Kinder keine Sorge zu haben und können sich ohne Bedenken an dem gesunden Appetit der Kinder erfreuen. — Ein Oetker-Pudding kostet einschließlich Milch, Butter und Zucker nur ca. 33 Pfennig und ist für 4—6 Personen ausreichend. Viele Sorten wie Mandel.Vamlle.Zitrone. Erdbeer, Himbeer, Ananas ermöglichen Ihnen reiche Abwechslung. Versuchen Sie ferner Dr. Oetker*! Feinkost-Puddings die den verwöhntesten Geschmack zufriedensteMen. Die neuen farbig illustrierten Rezeptbücher, Ausgabe F er- halten Sie fflr 15 Pfg. in allen Geschäften, wenn nicht zu haben, gegen Einsendung von Marken von Dr. A. Oetker, Bielefeld. können Sie Kindern unbesorgt noch einen Oetker-Pudding gegessen, schmeckt er ebenfalls vorzüglich und be- 2 3 <• , F U 10 9 kd forgt bewill'gr. ®it »um Wegebau ««orderlrchen 6tene werden in einem eigenen Bruche der Gemeinde von einem Teile der hiesigen Erwerbs- lösen gewonnen und durch, .. Frohnfahrten" der hiesigen Diehhalter an Ort und Stelle gebracht, ebenw wird der erforderliche Kkeinschlag von hiesigen Erwerb-losen hcrgestellt. - - Hörnsheim. 4 Aug. Da aus Anordnung de- LandratSamies in Sperrbezirken und un ilmfreifc von fünf Kilometer der durch die Maul- und Klauenseuche verseuchten Orte das Abballen von größeren Veranstaltungen verboten tft, wurde do- diesjährige Mission-fest in kleinem Umfange durch die hiesigen Gememde- glieder m der Ztirche gcferert Unter der Mtt- Wirkung des Gemilchten sowie des Posaunen- chores nahm das Fest einen würdigen Verlauf. Greifenstein. 4. Aug. Während an der unteren Dill die Kornernte schon weit vorgeschritten, ruhen auf unserer Höhe noch Sense und Sichel. Die Frucht reift in unserer Berg- landschaft viel später als im Tale. . . Aus dem Kreise Wehlar. 4 Aug. Erfreulicherweise gibt es in manchen Orten unseres Kreises viele Hausbesiher. die durch die Zucht von W e i n ft ö ck e n die Strahenseite ihrer Wohnhäuser zu verschönern suchen. Die eintönige Wirkung mancher Dorsstrahen wird durch- den belebenden Anblick von schönen, gepflegten Wcinfpalieren bedeutend gemildert, und die malerischen Farben manch alten Iachwerk- baues finden durch das satte Grün eines Weinstocks eine harmonische Ergänzung Leider wird die dlesjährige Ernte nur gering werden, da her vorige Winter auch an den Weinftöcken grosten Schaden verursacht hat und viele Reben erfroren lind. Tilltrcis. bl. Dillenburg. 4. Aug. Die Unterführungen am hiesigen Bahnhof find bis aus den Bahnsteig 1 beendet. Zur Zeit wird dem Einpsangs- gebäudc auf dem rechten Flügel noch ein Neubau angegliedert, in dem Bureaus der Verwaltung Platz finden sollen. bl. Herborn. 4. Aug. Die hiesige neuer- richtete Handelsschule hat mit 24 Schülern den Betrieb aufgenommen. Man hofft, daß noch weitere Anmeldungen erfolgen bl. Hirzenhain (Dillkreis), 4. August. Am 29. August findet hier ein großer K reis-Jugend! ag statt, an dem etwa 1000 Jugendliche aus dem Kreise teilnehmen werden. Zur Bewäl tigung des Verkehrs laßt die Reichsbahn einen Sonderzug hin und zurück ab Dillenburg fahren. Streik Westerbttrg. 00 Westcrburg . 4. Aug. Zum K 0 adju - f oi des Pfarrers Kaiser in Möllingen wurde Kaplan Reih, seither in Höchst-Zeiisheim tätig, berufen. Die Stelle in Höchst*Zeilsheim wird künftig von Reupriefter Rorbert Klein aus Bad Ems versehen werden. — Das hiesige Kirchweihfest wurde am Sonntag durch einen weihevollen Gottesdienst würdig begonnen, wobei der erst seit kurzem bestehende Kirchenchor schöne Proben seines Könnens durch den Vortrag der missa tertia von Haller ablegte. Die weltliche Feier bereitete hauptsächlich der Jugend auf dem Festplgh mit seinen Buden und Karusfels große Freude Die Erwachsenen konnten abends in den verschiedenen Gasthäusern das Tanzbein schwingen. Das schöne Wetter hat viel zur Erhöhung der Festfreude beigetragen. 00 Westernohe, 4. August. Wie bekannt geworden, beabsichtigt die Gemeinde Wersternohe die in ihrer Feldmark vermengt liegenden oder unwirtschaftlich gestalteten G r u n d st ü ck e behufs besserer Bewirtschaftung einer Umlegung «Konsolidation) zu unterziehen. Dasi es augenblicklich der Landwirtschaft schwer fällt — selbst wenn Kreis und Staat erhebliche Zuschüsse leisten - . die Kosten für eine Konsolidation aufzubringen (für einen Morgen Mk. 30 bis 40), darüber besteht fein Zweifel. Die grundlegende Reuerung ist aber gerade in der Gemeinde Westernohe mit ihren besonders vielen kleinen Parzellen und in Rücksicht auf ihre vielen Hecken und Feldmauern zu begrüßen. Maingan. WSR. Frankfurt a. M. 3. Aug. Der Magistrat hat sich mit der 4lebernah weder Freiherrlich Earl von Rothschild- schen Bibliothek in städtische Verwaltung grundsätzlich einverstanden erklärt und wird entsprechende vertragliche Abmachungen mit der Stiftung treffen. KreiS Aulda. WSR. Fulda. 3. Aug. Gin bedauerlicher älnfall mit tödlichem AuSgang ereignete sich in Reyersbach dadurch, daß der 18 Jahre alle Maurer Edmund Redec aus Leichtfertigkeit den Draht der Riederspannungsleitung zu einet Scheune berührte und. auf feuchtem Mauerwerk stehend, vom elektrischen Strom auf der Stelle getötet wurde. Schöffengericht Bietzen. 1. Ein Viehhändler aus dem Vogelsberg hatte einem Metzger vorgetäuscht, er hätte aut ein für ihn gekauftes Schwein bereits 60 Marl angezahlt und zum Beweise dafür eine (von ihm selbst geschriebene) Quittung des Verkäufers vvrgelegt. Strafe mit Rücksicht auf die besonderen Milderungsgründe: 1 Woche Gefängnis. 2. Ein Kaufmann von Giehen hatte un Sommer 1925 zwei Wechsel gefälscht und begeben. Unter Einbeziehung einer nachher ebenfalls wegen Wechselfäkschungen erkannten Strafe von 1 Jahr Gefängnis wurde er zu 1 Zahr 6 Mona t e n Gefängnis verurteilt. Rach der ersten Bestrafung hatte er weiterhin eine Zahlungs- anweifung eines hiesigen Univerfitätsinstituts gefälscht und versucht, hieraus Geld zu bekommen. Hierfür erhielt er weitere 3 Monate Gefängnis. 3. Sin Dentist aus der Umgegend Halle von einer Firma Sinrichtungsgegenstände für feine Praris bezogen und dabei eine Bürgschafts- Urkunde und einen Wechsel begeben, auf denen die Unterschrift feines Onkels von ihm gefälscht war. Strafe mit Rücksicht auf die Vorstrafen: 6 Monate 1 Woche Gefängnis unter Einbeziehung einer Strafe des Amtsgerichts Worms von 2 Wochen Gefängnis. Wirtschaft. Kapitalmarkt und Konjunktur- ausfichten. Die Flüssigkeit auf dem Geld- und Kapital- markt ist in der Hauptsache zu erklären aus der schlechten wirtschaftlichen Lage, die das sonst in der Wirischafi arbeitende Kapital wegen mangelnder Aufnahmefähigkeit der Wirtschaft auf dem Geldmarkt Anlage zu suchen zwingt: eine Verknappung wird in dem Augenblick anfangen einzutreten, in dem die Wirtschaft einen Aufschwung nimmt. Vielfach sind schon jetzt Ansätze festzustellen, die auf eine allmähliche Verknappung des Kapitalmarktes schließen lassen. In Betracht kommen zunächst Ansprüche, die sich ergeben aus der allmählichen Wiederbelebung der Wirtschaft und ags der Finanzierung der nächsten Ernte. Weiter ist hier wesentlich, das; bei den öffentlichen Kassen infolge der sich jetzt bemerkbar machenden „Steuerreform" die Gelder nicht mehr so reichlich fliehen wie früher, so dah sich die öffentlichen und halböffentlichen Institute jeht schon ziemlich starke Beschränkungen in der Hergabe von Geldern auferlegen. Schließlich kommt auch noch in Betracht, dah für die nächste Zeit mancherlei umfangreiche Anleihe-Transaktionen (vor allem die Beschaffung von Mitteln für die Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogramms) in Aussicht stehen, die ebenfalls auf dem Kapitalmarkt grössere Beanspruchungen Hervorrufen. Demgegenüber dürfte mildernd wirken die Tatsache, dah die meisten hier erwähnten Beträge auf Umwegen wieder der Wirtschaft zugute kommen. dah aus manchen öffentlichen Anleihen demnächst wieder Auslandskapital nach Deutschland gelangt, dah die Verkehrs-Kreditbank mit zunehmenden Einnahmen der Reichsbahn wieder größere Möglichkeiten der Ausleihung hat usw. Es ist also nicht damit zu rechnen, dah eine Verknappung auf dem Geld und Kapitalmarkt plötzlich und unerwartet eintritt. Auch schon deshalb wird ein plötzlicher Umschwung nicht kommen, weil die deutsche Wirtschaft es in bitterer Erfahrung gelernt hat, mit ihrem Kapitalbedarf aus den verkleinerten Umfang des Marktes sich einzustellen und weit die Zahl der an den Kapitalmarkt herantretenden Firmen sich nicht unerheblich vermindert hat. Insgesamt kann man rechnen. dah die Zahl der Reugründungen (von Anfang 1924 bis einschl. Mai 1926 im ganzen 82 160) hinter den Firmenliquidierungen um mindestens 25 000 Fälle zurückbleibt. Von der relativ günstigen Lage auf dem Kapitalmarkt wird natürlich auch die wirtschaftliche Weiterentwicklung beeinflußt. Dieser Einfluh bat aber nicht den vielfach Demiuteten Umfang, denn vorsichtige Zurückhaltung des Binnenmarktes dauert in vielen Gewerben noch immer an, zumal feine Aussicht besteht, dah die durch Versailler Vertrag. Inflation usw. verursachten und durch überscharse 'Besteuerung, soziale Belastung. Güter-Tarifüberspannungen usw. noch verschärften organischen Störungen der deutschen ten zu sein. Die Weltmarktkrise geht fort; wichtige Länder sind durch Streiks (England) gehemmt; in anderen (Ferner Osten) sind dauernde politische Beunruhigungen festzustellen; wieder andere Länder (Ruhland) sind noch immer wenig aufnahmefähig; bisher gut beschäftigte Länder (Südamerika) halten sich jetzt in ihrer gewerblichen Betätigung stark zurück usw. Alles das wirkt Schach-Ecke. Bearbeitet von W. Orbach Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen. Losungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des ..Siebener Anzeigers". Problem Nr. 73. Don A. Daherdorfer. Schwarz. » b c d e t g h a b c d c i gh Weist. 6 6 5 Weih zieht und seht in drei Zügen matt. Weih: 3 Steine Kf7; Db3; Ld5. Schwarz: 2 Steine Kd6; Bc5. Partie Nr. 56. Die nachfolgende interessante Partie wurde im Mittelrheinischen Turnier zu Bad Ems am 24. Mai 1926 gespielt. Abgelehntes Albins Damrngcgengambit. Weih: Dr. Aaumann. Schwarz: Orbach. sich fürchtet interessanten Geplänkel, das 1. d7-d5 2. e7-e5 offenbar vor den Komplikationen. 3. 4. 5. 6. 7. Ld3 8. 9. e5Xd4 Sg8-f6 Lc8-e6 Sf6xd5 Lf8-e7 10. Tf8-e8 11. Sb8-d7 12. Sd7-f8 13. Sf8-g6 0-0 c7-c6 1. d2-d4 2. c2-c4 3. e2-e3 Weih 8..... 9. 0-0 10. a2-a3 11. Ddl-c2 12. Le2-d3 13. Sc3-e4 14. Se4-g3 Aus dem 3. de5: sich ergebenden 3..... 4. e3xd4 5. Sbl -c3 6. c4xd5 7. Sgl — f3 8. Lfl - e2 Vorzuziehen aus vor- ausging, ist der Rachziehende mit etwas besserer Fiaurenpositioi hervorgegangen: Starke Springerstellung auf d5, die Schwäche des d4-Bauem Durch die folgenden starken Züge vergröhert Schwarz diesen minimalen Vorteil bedeutend. 14. .. ., 14. Ta8-c8 15. Sg3-f5 15. Le7-f6 16. Lcl-e3 16. Sd5-f4 17. Tfl-dl 17. Le6-d5 Der Läufer hat den Springer in der Beherrschung des Punktes d5 abgewst. 18. Sf3-el Schlimm, wenn Weih zu solchen Rückzügen gezwungen wird. 18.. ..'. 18. Dd8-d7! Droht 19.. . . Sd3: nebst Le4 oder Df5: mit Figur- gewinn. 19. Sf5-g3 19. Sf4xd3 20. Dc2xd3 20. Sg6-h4! Ein starker Zug, der fast sämtliche Figuren von Weih an ihre Plätze bannt. 21. Tal —cl 21. Te8-e7 22. Tcl-c2 22. Tc8-e8 23. Tc2-e2 23. Dd7-g4 24. h2-h3 25. Sg3-h5 26. Dd3-d2? 24. 0x4-67 25. Ld5-e4 Ein Fehler, aber auch sonst war die Partie Ausgegeben, da Matt in zwei Zügen folgt. Lösung des Problems Rr. 71. ein schöner Schluß. 31. Sh4-f3+ 32. Te7-e6! 33. Df5-d5! 34. Dd5xg5-+ 35. Te6-f6+ nicht mehr lange j 26..... 27. Sh5-f4 28. Kgl -h2 29. Sei -g2 30. Dd2-c3 31. Sf4xg2 ES folgt nun 31..... 32. Kh2-g3 33. Dc3-d3 34. Le3xg5 35. Kg3xf3 zu halten. 26. Le4xg2! 27. Lg2-I3 28. Dd7-ß 29. Lf3Xg2 30. Lf6-g5 Don I. Kohtz und C. Kvckelkorn. 1. Kel-e2!, Ka4-b3 2. Dg5-d2, Kb3-c4 oder a4 3. Dd2-d3 oder b4 matt. Losung de« Endspiel« Rr. 17. Don 3. Iespersen. I. Dg7-h6!, Th4xh6 2. Se3 - c4 Mattdrvhung auf d2, Db7-d5 3. Lel-d24-, Dd5xd2 4. Sc4Xa5. Dd2-d5 5. Sa5-b3 + , Dd5xb3 patt. Andere Varianten ähnlich. Richtige Lösungen zum Problem Rr. 70 sandten ein die Herren: Lehrer E. Simon, Ober- sekundaner D. Loos aus Giehen. Problem Rr. 71 wurde richtig gelöst von den Herren: V. Loos, Giehen, sowie H. Ranz, Steinbach. Von Herrn Lehrer Breidecker erhielten wir noch eine richtige Lösung zum Problem Rr. 68. Eine richtige Lösung zum Endspiel Rr. 17 sandte ein Herr H. Ranz, Steinbach. Aus der Lchachwelt. An der Rheinmeisterschaft, welche dieses Jahr vom 7-. bis 15. August in Kaiserslautern ausgetragcn wird, nehmen voraussichtlich teil. Orbach, Lenrpelius, van Ruh, Platz, Heider Jost, Weihgerber, Ruchti, Fleihner, sowie noch zwei Spieler des Oberrheins, welche nach Beendigung des jeht gerade stattfindenden Turniers gestellt werden. Der Länderwettlamps Deutschland gegen die Schweiz, welcher am 4. August d. 3. in Freiburg ausgetragen wird, ist von deutscher Seite folgen- dermaßen beseht: Wagner, Schmitt, Orbach, Moritz, Eiche, Scheck, sowie noch zwei unbekannte Spieler. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom Redaktionsttfch. Wahres Geschichtchen. An einem Berliner Bahnhof erbietet sich ein Dreikäsehoch einem Fremden gegenüber zum Äoffertragen. Das Hotel ist dicht am Bahnhof, der Koffer ist nur über den Strahendarnrn zu tragen. Trotzdem verlangt der Bengel fünfzig Pfennig dafür. „Was machst du denn mit dem vielen Geld?', fragt der Fremde. „Meiner Mutter eine Freude", erwiderte der Knirps. Kurze Zeit darauf geht der Fremde an einem Rummel vorbei. Er sieht den Kofferträger, und zwar kostet dieser die verschiedenen „Attraktionen" durch. „Ich denke, du machst deiner Mutter eine Freude, und jetzt amüsterst du dich mit dem Gelbe?", fragt der Fremde. Worauf der Lümmel dreist erwidert: „Wat meen Se woll, wie bet meene Mutter freit, wenn ick mir amefiere“. Steigerung. „Wie schrecklich, ich hörte, dah Ihre Frau auf der Strafe ausgerutscht ist und sich am Fuh verletzt hat.' „Ja, das Schlimmste ist, dah man sie dann in einen Hutladen getragen hat!' Wirtschaft bald ein Ende nehmen. Bisher hat jebenfalls die verbesserte Kapitalbeschaffungsmög- lichkeit weder zu einer Belebung der Wohnungsbautätigkeit geführt noch die rückläufige Bewegung in der Errichtung neuer Produktionsstätten aufgehalten. Auch vom Ausland her scheint ein Anstoh in der Richtung einer Wirtschaftsbelebung in absehbarer Zeit noch nicht zu ertoar- Braune Rindleder-Sandalen 95 Sch uhges. m. h. H. 7 Zur ~ Lwfcpflcgt nimm MANNA Turnschuhe grau Segeltuch, 23/26 mit kräftiger Chromsoblc 32/46 36 42 31'35 27/30 &25 2.25 1.95 1.75 Verkaufsstelle Gießen: Seltersweg 91 ^•»4'.J09q kräftige Ausführung, 1819 20 24 25,26 27,30 31/35 36,42 43 46 2.25 2.50 2.90 3.40 3.90 4.90 Aut 1)95 *• 6406a Natürlich — neben den besonderen deutschen Wirt- schaftserscheinungen und Lasten — auch auf Deutschlands Wirtschaft zurück, die immer wieder erfahren muh, dah ihr Absatzfeld wesentlich kleiner ist als in der Vorkriegszeit. Der gesunde Optimismus, ohne den keine Wirtschaft gedeiht, und ftemde Kapitalunterstühung, die einem in ruhiger Arbeit aufstrebenoen Lande ständig zuströmt, dürfen darüber nicht täuschen. Der Kampf um die Wiedereroberung des früheren deutschen Absatzmarktes wird das Hauptkennzeichen der wirtschaftlichen Betätigung Deutschlands in der nächsten Zukunft sein. Er wird ein Kampf mit der Waffe der billigeren Kosten und daher ein Kampf um diese sein. Das bedeutet natürlich Em- fchräntungen auf der ganzen Linie und ein nur ganz allmähliches Fortschreiten in der.Konjunttur- entwicklung, die immer wieder von Rückschlägen unterbrochen werden wird. Aussichten, auch in Zukunft den Wirtschaftskampf bestehen zu können, haben nur Firmen, die stets neue Fortschritte in fabrikatorischer, finanzieller und organisatorischer Hinsicht machen. * H ande l und Gewerbe im Juli. Aach der auf Grund von Berichten preuhischer Industrie- und Handelskammern erfolgten Zusammenstellung im Ministerium für Handel und Gewerbe ist eine durchgreifende Besserung in der Gesamtlage der Wirtschaft im Monat Juli nicht eingetreten, doch setzte sich die Besserung im Bergbau fort und griff auf die Groheisenindustrie über. Auch die Bekleidungsindustrie und das Berkehrsgewerbe konnten eine Belebung des Geschäfts feststellen. Auf anderen Gebieten erweckte die in Aussicht genommene Beschaffung von Arbeitsgelegenheiten gewisse Hoffnungen. - Gründungen und Auflösungen im Juli 1 9 2 6. Im Juli 1926 wurden insgesamt 1755 Gründungen vorgenommen (1775 im Juni 1926), denen 2431 (3682) Auflösungen gegenübrrstehen. Die ©rünbungen übertreffen bei offenen Handelsgesellschaften mit 298 die Auflösungen, die sich auf 265 stellen, bei Gesellschaften m. b. H. mit 596 die Auflösungen im Betrage von 487 und bei Genossenschaften mit 146. die Auflösungen im Betrage von 129. Bei den übrigen Unterließ- mungssormen überwiegen die Auflösungen, und zwar stehen bei Einz^lfirmen 1443 Auflösungen 659 Gründungen gegenüber, bei Komm.-Gesellschaften 37 Auflösungen 33 Gründungen und bei Akt.-Gesellschaften 66 Auflösungen 19 Gründungen. Die große Differenz zwischen Gründungen und Auflösungen ist also in der Hauptsache auf das starke Ueberwiegen der Auflösungen bei den Einzelfirmen zurückzuführen. * Z u der geplanten Erweiterung der Golddiskontbankanleihe. In einem Rundschreiben teilt die Rentenbank-Kreditanstalt den mit ihr in Geschäftsverbindung stehenden Realkreditinstituten mit, daß die geplante Erweiterung der Golddiskontbankanleihe unterbleiben müsse, weil der Reichsrat dem Antrag auf Zuerkennung der Mündelsicherheit für die auf Grund dieser Anleihe ouszugebenden Hypothekarschuldscheine nicht entsprochen habe. Die Rentenbank-Kreditanstalt bedauert diese Stellungnahme des Reichsrats im Interesse der Landwirtschaft. * Vor umfangreichen russischen Farbenkäufen in Deutschland. Der Rat für Arbeit und Verteidigung hat die russische Handelsvertreiung in Berlin beauftragt, in Deutschland für Sibirien und den Fernen Osten chemische Präparate und Farben im Werte von über 8 Mill. Rubel aufzukaufen. Dieser Auftrag fällt nicht unter den 3O0-Mill.-Kredit. Außer- . dem beabsichtigt die Sowjetregierung weitere Farbenkäufe für die russische Textilindustrie vor- zunehmen. Die Käufe von französischen Farben und chemischen Waren sind eingestellt worden. Berliner Börse. Berlin, 5. Aug. Das nach der gestrigen Hausse eingetrc'ene Realisationsbedürfnis war heute vormittag von den Effektenmärkten wieder völlig gewichen. Die Hausse- gruppe unternahm einen neuen Vorstoß, der vom Chemie- und Vanken markte ausging. I. G. Farben erreichten vorbörslich ihren bisher höchsten Stand von 296 Prozent. Dei Eröffnung des offiziellen Verkehrs kam jedoch größeres Angebot an den Markt, das den Kurs auf 290 Prozent drückte. Von dieser Die Krummhölzer. Roman aus den bayerischen Bergen. Bon Michael Wagner. 23 Fortsetzung. Nachdruck verboten. So kam es, daß Zeno, wenn es ihn an seinen Feierstunden hinaus und auf die Höhen und Berge trieb, jo manches Mal um den Krurnrnholzerhof einen weiten Bogen schlug, um dann von irgendwo oben in wehmütigem Sinnen auf das stattliche Vaterhaus herabzuschauen. Ab und zu stand er auch ein Weilchen bei den Mähdern des Hofes und plauderte mit ihnen, oder er saß bei der Schwerreiter- Nandl auf der Alm und gedachte seliger Bubenzeiten, da er hier heroben im Himmel war. Dann und wann begleitete ihn wohl auch Marianne auf seinen Streifzügen, meist ober ging er allein. Trotz seines hölzernen Beines streifte er oft und gern durchs Bergreoier. An einem schönen Herbsttage lockte es ihn wieder einmal hinauf. Er hatte die letzten Tage fleißig geschasst und einen bedeutsamen Auftrag vollendet. Er griff nach Rucksack und Bergstock und stieg durch die Herbstpracht des Bcrgwaldes zum Beloen- köpfel hinauf. 2lm Fuße einer Tanne streckte er sich ins Moos, verschränkte die Arme unterm Stopf und träumte ins flirrende Enzianblau des Herbsthimmels über ihm. 'Alle seine Sorgen, Kümmernisse, Hoffnungen, Wünsche und Freuden sann er da durch. Die Gedanken kamen in solchen Träumerstunden von allen Seiten auf ihn zugesprungen, daß er oft Mühe hatte, sich ihrer zu erwehren. Im Dahinträumen hatte Zeno nicht mehr auf Sonne, Wind und Wolken geachtet. Darum entging ihm auch die Wandlung, die mit dem Weiter inzwischen vor sich gegangen. Erst hatten sich gleich Spinnwebfäden zarte weiße Fühler durchs Blau gespannt. Immer dichter wurde das riesige Netz gewebt, in wunderbarer Schnelligkeit mar der ganze Himmel von ihm überzogen. Für die Sonne blieb bald nur mehr da und dort ein kümmerlicher Spalt, um hindurchzulugen. Dann wurden auch vor diesen letzten Gucksensterln die Vorhänge zugezogen. Und mit einemmal log die Schwankung wurden auch die übrigen Termin- Papiere ergriffen, doch waren die ersten amtlichen Kurse gegen die gestrigen Rachbörsennotierungen immer noch recht fest. Unabhängig von dieser Bewegung nahm die Dankenhau s s e ihren Fortgang. Berliner Handel eröffneten mit 205 Prozent. Die übrigen Bankenwerte setzten mit 4- bis 5prozentigen Gewinnen ein. Schiffahrtsaktien traten heute mehr in den Vordergrund. Insgesamt eröffnete die heutige Börse unter Bevorzugung von Spezialwerten in fester Haltung. Die Erleichterung am Geldmarkt machte weitere Fortschritte. Tagesgeld wurde mit 5 bis 6 Proz., teilweise auch darunter, genannt. Im Devisenverkehr war der französische Franken starken Schwankungen unterworfen. Rach einem An- sangskurs von 166 gab Paris gegen London später auf 172 bis 174 nach. Brüssel gegen London 174. Auch Mailand war wieder schwächer mit 147,75 gegen das Pfund. Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) Frankfurt a.M. Berlin Schluß. Kur; t-Uhr- Kur, Schlub-'Anfang flut. flnre Datum: 4.8 5. 8. 4 8. 5. 8. 5% Deutsche Reichsanleih« • 4% Deutsche Rcichsanleihe . 3Vs% Deutsch.' Reichkan leihe 0.4875 0,49 0.49 0,44 0,50 0.45 0,45 0.45 0,4375 L4425 3% Deutsche NeichSanleihe • 0,53 0.51 0.51 Deutsche Sparpramienan leihe 0,26 — 0.2725 4% Preußische Koniols ■ . . 0,44 — 0.435 0,4425 4% Hessen..... ■ . . ■ 0.40 — 0.42 — — 3’/a°/n Hessen.......... — — — 3% Hellen......... . Deutsche Wertb. Dollar-Anl. 96,5 — - I dto. Doll.-Schav-Auireilug.*: — 4e/0 Zolltürken........ 13.8 13,3 14 _ 5% Goldmcxikaner..... 45,5 45,9 45.4 — Berliner Handelsgesellschaft Commerz» and Privat-Bank 200 140.5- 145.7* 198' 140.7' 205* 144,7* Tarmst. und Nationalbank 191* 191* 191’ 191.5* Deutsche Bant......... 173,7* 174* 173* 174' Deutsche Beremsbant ... 90,5 Diseonto Commandit 161.5’ 164* 160,5* 164,6- Metallbant........... 138.5* 137 Mitteldeutsche Kreditbank. . 148 146,5 150* Oesterreichische Lreditanstall Weltbank......... . 7,3 7,3 -\4 7,4 — — Bochumer Guß ....... 146,5* 147,9* 148* 148' Buderus ......... 95 — 95,5 96.5 Caro ............ Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . 84,25 — 86 87* 152,7' 173' 154* 173,4* 151,5* 173,2* 152,5* 173,7* Harpeucr Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... 157,5* 157* 156* 157.7* 144* 146,5* 143,7* 147,5* Kaliwerk Westcregelo..... 151 154 150.12 155 56 Vanrabätte ........ 59.4 57 59 Überbebari........ • • . Phönix Bergbau ...... 75 72* 71.5’ 121’ 121,2* 120* 120,7* Nheinitahl . ....... 153.9* 153* 153.5’ Niebeck Montan ■ ....... Tellus Bergbau...... 157' 71,5 157 157.13 158,5 Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd ..... 155,5* 151,7* 159.5* 155* 155.5* 151* 159,5* 153,9* Cheramische Werte Albin . . — 121 Zementwerk Heidelberg . . 118.75 _ Philipp Holzmann..... 88 93 87,13 Anglo-Cont.-Guano ... _ - 90 88 Chemische Malier Alapin . — 9- G. Harbcnindustrie, A.-G. Goldschmidt......... Holzverkohlung........ Nütgerswerkc........ .'90,5* 111 290.5* 116 -91* 111 ■-'90* 48,5 116,5 117 115 116,5 Lchcideanstalt....... . 150 152.62 Mg. Elektrizitäts-Gesellschaft 145,7* 145* 145.2* 145,7* Bergmann ........ . Mamkraftwerke ........ 139,5* 95,25 140,5* 97.75 138* 139,5* Schlickert . . ......... Siemens * Halske ...... 128,7* 130’ 129,5* 129,9’ 174* 175,5* 174* 175,1' Adlerwerkc Kiener ...... 81 84 80 84,5 Daimler Motoren. ...... 88.5 91,25 89 90,9 Heyligeustaedt........ Meguin............. 24 — 45.75 45 - Motorenwerke Mannheim — 32,75 — Frankfurter Armatorev . . . Konservenfabrik Braun . . . 38?5 — — — 145 87 147 85 _ Schuhfabrik Herz...... 39 — 39 -- Sichel............. Zellstoss Waldhos...... 2.8 — 3,25 — 161 168.5* 160 165* Zuckerfabrik Krankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . 69 82 69,9 83 64.75 82 frankfurter Börse. Frankfurt a. M.. 5. Aug. Tendenz: il n- regel mäßig und unsicher. -- Rachdem schon im gestrigen Abendverkehr die zuversichtliche Stimmung wieder eingesetzt hatte, gewann der heutige Vorbörsenverkehr unter dem Einfluß der Entspannung am Geldmärkte weiter an Festigkeit. I. G. F a r b e n - I n d u st r i e waren wiederum der Anlaß zu einer Haussebewegung. wobei sich Die lebhafte Geschäftstätigkeit fast ausschließlich auf dieses Papier konzentrierte. In diesen Werten lagen auch bedeu- ganze Landschaft in düsteren Schatten, häßlich hellgraues Gewölk bedeckte das Firmament. In unheimlich-gespenstischer Lautlosigkeit schoben sich hinter den nun grausig steil und mild sich auf- bäumenben Felsmauern gewaltige schworzgraue Wetterwolkengebirge herauf. Wie ein Raubtier aus seinem Hinterhalt hervorbricht, so stürzte plötzlich aus dem Felsrevier der Wetterwind brausend talwärts. Das weckte Zeno. Er sprang auf und schaute betroffen um sich. Der unerwartet rasche Wechsel in Licht und Farbe des Landschaftsbildes bedrückte ihn förmlich. Doch mit Sinnen war's nun vorbei. Jetzt mußte er zusehen, rasch ein schützendes Dach zu erreichen, denn das Gewitter konnte jede Minute los- brechen. ' Er überlegte. Wohin nun schnell? Zur nächsten Alm hatte einer mit gesunden Seinen gut eine halbe Stunde zu laufen. Bis er dorthin kam . . . Auch Heuschober gab es nirgends am Belvenköpfel — nur Wald, dichtigen, mächtigen Bergwald. Doch — da kam ihm ein rettender Gedanke. Gleich da drüben, wo der Gangsteig um den steil ansetzenden Grat sich wand, befand sich eine alte Unterstandshütte der Jäger! Zeno raffte eilig seine Sachen zusammen und machte sich an den Abstieg zu dem unterhalb vorbeiführenden Steige. Eine kleine Viertelstunde Wegs mochte es bis zum Hüttel sein. Plötzlich blieb Zeno stehen. Jägerhütte? — Jäger? — Da fiel ihm erst ein, daß er sich ja — in Tonis Jagdrevier befand! — Jetzt, zur Schußzeit! Und war nicht der Hall von Schüssen durch Wald und Wände gerollt? Er mußte es nicht mehr bestimmt, glaubte jetzt aber, Schüsse gehört zu haben. Wenn er mit Toni zusammenträfe? Da regte sich auch in dem stillen Zeno der alte Urachertrotz. Je nun — und wenn? Hatte er etwas zu fürchten? Doch nicht! Und schließlich — was jedem Handwerksburschen gewährt wurde — Unterstand vor drohendem Unwetter — konnte er auch verlangen! --Ach was!" riß er sich selber aus dem Zaudern und Uebedegen und fließ dabei den Bergstock klir- rend auf den Boden. Die Hütte war offen, lag am Steig und biente jedem anderen auch zum Unterschlupf . . . tende Publiiulns^auiaufträge vor, so daß der Kurs sprunghaft bis auf 295 Prozent anzog. In Spekulationskreisen sah man sich jedoch durch das Ausbleiben irgendwelcher Mitteilungen seitens der Verwaltung, die man angesichts der 4Oproz. Steigerung ihres Papieres in so kurzer Frist erwartet hatte, enttäuscht und schritt deshalb zu Abgaben, wodurch eine Senkung des Kurses bis auf 287 Proz. erfolgte. Bei Beginn des amtlichen Verkehrs machte sich wieder stärkerer Begehr bemerkbar, so daß der Kurs auf 290 Proz. anziehen konnte. Die Spekulation wandte heute auch dem Schiffahrtsmarkte wieder stärkeres Interesse zu. Mik dem Heranrücken der Eröffnung der Herbstsession des amerikanischen Kongresses glaubt man die Freigabeangelegenheit wieder in den Vordergrund rücken zu können. Hapag zog um 3 Proz. und Lloyd um 3,5 Proz. an. Von Montanwerken erzielten Aheinstahl eine Besserung um 1,5 Proz., während die übrigen Werte zumeist etwas niedriger notierten. Die uneinheitliche Haltung war auch auf den anderen Märkten zu erkennen. Von Chemieattien schwächten sich Scheideanstalt weiter ab, während Goldschmidt erneut 2 Proz. gewinnen konnten. Von Elektroaktien lagen AEG. niedriger, dagegen erzielten die anderen Werte dieser Gruppe Besserungen bis zu 2,5 Prozent. Der Bankaktienmarkt wies ebenfalls unregelmäßige Haltung auf. Darmstädter gingen 1,5 Prozent zurück, während alle übrigen Werte dieses Gebietes gebessert waren. Von sonstigen Aktien zeichneten sich Aschaffenburger Zellstoff, Zellstoff Waldhof, Zement Heidelberg, Daimler-Motoren. Holzmann und einige andere Werte durch starke Kursbesserungen aus. Deutsche Anleihen lagen lustlos, aber gehalten. Ausländische Renten wurden eher etwas niedriger. Der Freiverkehr zeigte festere Haltung. Benz 87, Brown Boveri 114, Growag 60, Ufa 50. älnterfranFen 153 Prozent. Der weitere Verlauf war schwankend. Am Geldmarkt setzte sich die Entspannung fort. Tagesgeld 4,5 bis 5 Prozent, Monatsgeld 5 bis 6,75 Prozent je Adresse. Privatdiskonten 4,5 Prozent, Jndu- strieakzepte 4,87 bis 5,5 Prozent. Im Devisen- verkehr konnten sich die westlichen Frankenvaluten befestigen. Paris gegen London 166, Brüssel gegen London 163,50. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) . August. 5. August. AmtlichcNoticrung Geld Briei Amtliche Notierung Geld Brief 8lnift.«iHott 168.48 168,91 168.48 168,90 Bucn-Aires 1.700 1,704 1,700 1,704 Brll-Anlw 11.06 12,10 11.68 11,72 Christiania. 91,88 92,12 91,93 92,17 Kopenhagen 111,32 111,60 111,34 111,60 Stockholm . 112,26 112,64 112,26 112,54 Selsingfors. 10,553 10.593 10,552 10,692 Italien - . 14,10 11,14 13,88 13,92 London. •0,394 20,449 20,394 20,450 Neunork . . 4,195 4,205 4,195 4,205 Paris. . . 12,01 12,05 11,83 11,87 Schweiz . 81,15 81,35 81,15 81,35 Sp.v.Zen - 63,52 63,68 62,37 62,63 ?apan . . . 1,993 1,997 1,991 1.99.5 Rio de Jan. 0.644 0,646 0,645 J.647 Wien in D-- Oeft- abgess 59,3.3 59,47 59,33 59,17 Prag .... 12,42 12.46 12,422 12,462 Belgrad - . 7,407 7.427 7,39 7.41 Budapest. . 5,875 5,885 5,865 5.885 Bulgarien 3,035 3,045 3,035 3,04.5 Lissabon 21,375 21,425 21.37s 21,425 Danzig. . 81,58 51.78 81,60 81,80 Konstantin. 2,375 2,385 2,37 2,38 Atl>en. . 4,69 4.71 4.69 1.71 Tanada. . 4,198 4,208 4,198 4,208 Uruguau 4,155 4.165 4,155 4.165 Banknoten. (Ohne Gewähr.) Berlin, 4 August Geld Brie> Amerikanische Not»..... 4,175 4,195 Belgische Noten ........ 12,47 12,53 Dänische Noten ....... 111,02 111,58 Englische Noten........ 20,365 20,46.5 Franzöiischr Noten ..... 12,75 12,81 Holländische Noten..... 168,16 169,0 i Italienische Noten..... 14,41 14,49 Norwegische Noten...... 91,82 92,c:; Deutsch-Oesterr-, a 100 Kronen 59,4? 59,?; Rumänische Noten..... 1.92 1,9!. schwedische Noten..... 111,94 112,50 Schweizer Noten...... 81,23 81,5.1 spanische Noten....... 63,19 53,51 Tschechoslowakische Noten • . 12,40 12,46 Ungarische Noten . ... 5.82 5.86 Z - ... ;:r Getreidebörse. Frankfurt a. M., 5. Aug. Es wurden notiert: Roggen, inländ., 20 bis 20,25; Hafer, ausländ., 21 biü 22,50; Mais (gelb) 18,25 bis 18,50; Weizenmehl, inländ., Spezial 0 42 bis 43; Roggenmehl 30,50; Weizenkleie 9; Roggenklete 10,75 Mark. Tendenz: Ruhig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 4. Aug. (TTl.) Das ermäßigte Riveau des Vortages hatte heute für Weizen etwas mehr Begehr bei kleinem Aufgeld zur Folge, so daß Roggen nicht voll behauptet war. Das öffentliche Material war durchweg gering. Das schöne Wetter und das damit zusammenhängende raschere Fortschreiten der Erntearbeiten sind wohl mit der Hauptgrund, weshalb die Forderungen für Roggen etwas entgegenkommender waren. Weizen findet eine Stütze in den amerikanischen und englischen Kursbefestigungen. Im Zeithandel waren Herbstinärkte für Weizen > ',> bis 1 Mart höher. Dezember unverändert. Roggen 1 Mark schwächer. Gerste wie auch Hafer bei geringem Angebot, aber auch Vorsicht seilens der Käufer, ruhig. Mehl still. Promptes Weizenmehl gefragt und glatt. Futterartikel stehen auch weiter im Mittelpunkt des Geschäfts. Es notierten für je 1000 Kilo: Weizen, mätf, 72 bis 75, Roggen, märt 185 bis 190, Sommergerste 190 bis 205, Hafer, märt. 193 bis 203, Mais, loko Berlin 176 bis 183. Raps 345 bis 355; für-fr 100 Kilo: Weizenmehl 38,5 bis 40,5, Roggenmehl 27 bis 28,5, Weizenkleie 10,25 bis 10,50, Roggenkkeie 11,1 bis 11,4. Viktoriaerbsen 32 bis 36, kleine Speiseerbfen 27 bis 31, Futtererbsen 21 bis 25, Peluschken 27 bis 28,5, Ackerbohnen 23 bis 26, Wicken 32 bis 35, Lupinen, blau 15,5 bis 17,5, do. gelb 20 big 21,5, Rapskuchen 14,4 bis 14,5. Leinkuchen 19 bis 19,2, Trockenschnihel 10,8 bis 11,8, Soha-Schrot 20.4 bis 20,6, Kartoffelflocken 24 bis 24,5. Frankfurter Schlachtvichrnarkt. Frankfurt a. M., 5. August. Auftrieb: 3 Rinder, 1010 Kälber, 417 Schafe, 298 Schweine. Es kosteten 100 Pfund. Lebendgewicht: Kälber: feinste Mastkälber 70 bis 75 Mk., mittlere Mast- und beste Saugkälber 60 bis 69, geringere Mast- und gute Saugkälber 52 bis 58; Schafe: Mast- lämmer und Masthämmel 44 bis 49. geringere Masthämmel und Schafe 35 bis 43. mäßig genährte Hämrnel und Schafe (Merzschafe) 28 bis 34; Schweine: vollfleisch. von 80 -lOO Kilo 77—84, vollfleischige unter 30 Kilo 79 bis 81, vollfleischige von 100 bis 120 und 120 bis 150 Kilo 82 bis 84. Marktverlauf: Kälber und Schweine bei regerem, Schafe bei schleppendem Handel ausverkauft. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Amschau".) Freitag, 6. August. 3.30 bis 4 Tlhr: Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Tlhr: Hausfrauen-Rachmittag. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45 Tlhr: „Schillers Spruchweisheit". 6.45 bis 7.15 älhr: Kolonialvortrag. 7.15 bis 7.45 ilßr: Stenogr. Fortbildungskursus. 7.45 bis 3.05 Üßr: 20 Äki- nuten Tlmschau für die Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 3.05 bis 8.15 Uhr: Film- Wochenschau. 8.15 Tlhr: Operetten-Gastspiel der Direktion Sander-Graes. „Die Czardassiirstin". Anschließend: Reue Schallplatten. Letzte Nachrichten. Ein Liebesdrama in Frankfurt. WSR. Frankfurt a. M., 5. Aug. Heute vormittag gegen 11 Uhr drang der 29jährige Kontorist Willi Herrmann aus Offenbach in die Wohnung der Familie Hufnagel in der Dahlmannstraße 5 ein und gab auf die dort anwesenden Drei Personen (Mutter, Tochter und Schwiegertochter) mehrere Revolver- s ch ü s s e ab. Durch die Schüsse wurde Die Tochter sofort getötet. Die Schwieg er- t o ch l e r liegt im Sterben, während Die Mutter schwer verletzt tour De. Der Taler wurde sofort von Der Polizei f eß genommen. Als Motiv Der Tat gibt er verschmähte Liebe seitens Der Tochter an. amMOMmmniinrawMiMgiMJzn, ^naMUMr i ir I !■>! I Bald hatte er das dürftige Unlerslandshüttchen erreicht. Er drückte das Türchen auf und trat ein — leer. Um die Wände des engen Raumes lief eine Bank, und in der Nähe stand ein aus vier in die Erde gerammten Pfählen und einem Brett roh zu- fammengezimmerter Tisch. Das Hüttchen krankte schon arg an Altersschwäche. Der Bretlerboden durchgefautt, die Guck- fenfterl blind und zerbrochen, das Holz der Wände grau und morsch, verwittert von Sonne, Wind und Wettersturm, Regen und Schnee. Auch das Dach nahm es mit feiner Schutztätigkeit nicht mehr recht genau und sorgte durch mancherlei Risse und Löcher für reichliche Luftzufuhr. Der Wind stürzte in wilden Stößen tiefenroärts. Schwarzgraues Gewölk wälzte sich die Felsgrate entlang in stetem Durcheinanderwogen und -wallen. Brausend, heulend, höllisch jauchzend wühlte der Sturmwind in den »nheilschwangeren Wolken- inassen, schleuderte sie über- und durcheinander, riß in wildem Ungestüm Fetzen aus den dunklen Gebilden und entführte sie in wilder Flucht. Das Wipfelmeer des Bergwaldes glich einem dunkelgrünen, sturmgepeitschten Ozean. Die Tausende und Abertausende mächtiger Tannenwipfel hoben und senkten sich stöhnend und ächzend, mit dumpf-drohendem Rauschen und Brausen gleich vom Orkan aufgewühlten Wogen. Peitschend jagte der Sturm über das, wlld- wogende grüne Meer, bis unter der Wucht feines Ansturms die ersten Hochwaldftämme mit gräßlichem Splittern und Krachen zu Boden schmetterten. Grell flammten Blitze auf, gefolgt von einem Brüllen und Donnern, daß der Berg erbebte. Nun war die Hölle los dort oben um die Felsgipfel und Grate. Blitz um Blitz knatterte in wahnwitzigem Zickzack aus dem schwarzen Gewölk, unaufhörlich brandete das Trommelfeuer des Donners von einer Felsbastion zur anderen. Die Wet- terfchlacht tobte in grausig-schöner Dämonie. Tiefer und tiefer senkte sich das brodelnde Gewölk, klatschend fielen die 'ersten Tropfen. Dann aber stürzten wahre Sintfluten hernieder . . . Zeno verfolgte in höchster Spannung das wuchtig-erhabene Schauspiel des tobenden Hochgewitters. Er liebte es, der Bergnatur im dämonischen Wüten solcher Wetterstürme nahe zu sein, am liebsten mitten im tollen Getümmel. Da war ihm immer. als erwachte ein in seiner eigenen Natur sonst schlummerndes Nestchen von Wildheit . . . 'Plötzlich hob er den Kops. Waren das nicht Stimmen, schwach und verweht im Tosen von Sturm und Regen — ein Klirren von Stahl an hartes Gestein — knirschende Tritte? — Wahrhaftig, nun vernahm er es ganz deutlich: Menschen kamen. Zeno spähte zum Fensterchen hinaus, preßte das Gesicht an die kleine, schmutzige Scheibe. Eine unerklärliche Aufregung bemächtigte sich seiner. Doch da war nichts zu sehen als der grau gestrichelte Vorhang des niederprasselnden Regens. Jetzt aber liefen zwei große, dunkle Gestalten auf die Hütte zu — anscheinend Jäger. Der Toni vielleicht! Fest zog Zeno die Lodenkatze um die Schultern, klemmte den Bergstock zwischen die Knie und drückte sich in seine Ecke. Mit zusammengebissenen Lippen harrte er so der Ankömmlinge. Ein Poltern von schweren Schritten draußen, ein Prusten, rauhe Stimme. Eine große dunkle Gestalt schob sich gebückt herein, bann kam der zweite — sie hatten Büchsen in den Händen — „Himmelherrgott! — So a Sauwetter!" fluchte der erste — Toni Uracher! „Sakkra! — A so .geht's grab noch!" gab ber anbere zur Antwort. Auch ihn erkannte Zeno sofort, es war ein Händler aus ber Rosenheimer Gegenb namens Bullinger, einer, dem fein Geschäft zu schmutzig war, und der dabei dick und fett wurde. Seit einiger Zeit sah man Toni häufig in feiner Gesellschaft. Die beiden Männer, die vor Nässe trieften, schienen Zeno im Düster des Raumes noch gar nicht gewahrt zu haben. Da sagte er mit ruhiger Stimme: „Grüß Gott, beinanb!" Jetzt stutzten die zwei. „Oeha! Da rührt sich ja was!" rief Bullinger erstaunt aus und bog sich vor. „Aha! Da hinten hockt schon so a Kund'! — Servus!" "Nun fühlte Zeno auch Tonis Blicke scharf musternd auf sich ruhen. Er schien den Bruder jedoch noch immer nicht zu erkennen. ’s Gott!" grüßte er kurz und barsch. Er hielt Zeno wohl für einen Holzknecht. (Fortsetzung folgt.)