fr Tfi ^l|a L k «!kpl ff -E) s 3 » >SIW Mittwoch, Z. April 1926 176. Jahrgang llr. 80 Erstes Blatt GieMer Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Vrvtk und Verlag: vrühl'fche Universtläts-Vuch- und LLeindruckerei R. Lange in Sieden. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulfttaß^r. Die Trauer um August Thyssen Erden nach der Mutter . Der Reichspräsident trifft heute am in wurde, Devon 100 pro er jetzt 140 beschlossenen dem erwar- 60 rg Deglückenderes für uns Mensch und damit ein auch fiu kämpfen habe! Gottes Soldat auf Herzen! denen auszeichneten: gei. Energie und Fleih. — stattet heute einen seiner besten Söhne, aber diese Eigenschaften bleiben im rheinischen Volke lebendig und werden das Lebenswerk des Ver- storbenen und das ganze Land neuer Blüte ent* Annahme von Anzeigen für die logesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrift 20°', mehr. Chefredakteur. Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein; für den An- zeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in (Liehen. Kammer und Senat angenommen rechnungen bei einem Frankenstand Pfund zugrunde lagen, während steht, bleibt es fraglich, ob die Steuern und Einkünfte wirklich in Reichspräsident er ist, die Millionen alter Soldaten aller Grade vereinigen, die ihm im Weltkriege gehorchten. — Sn der „Deutfchen Al kg. Zeitung" wird gesagt: Eines ganzen Menschenleben Arbeit gab Hindenburg die Fähigkeiten, aber auch das Anrecht zum Feldherrn. Was er als solcher dem deutschen Heere, dem deutschen Bolle gewesen ist seit jenem 22. August 1914, an dem er gen Osten fuhr, um sich der Russenflut entgegenzustellen, und wie er dann in höchster Selbstverleugnung und Pflichterfüllung am Schluß des Weltdramas nicht nur die deutsche Volks - und Soldatenehre rettete, sondern auch die Grundlage zur Stützung des wankenden Staatsgebäudes schuf, das steht noch lebendig vor unser aller Augen. Das innere Gleichgewicht, das chn „zu schwankender Zeit nicht schwankend gesinnt fein läßt", macht den Generalfeldmarschall auch in seiner Stellung als Reichspräsident nicht minder bewundernswert, vertrauens- und verehrungswürdig. — Sn der „Vossifchen Zeitung" wird ausgeführt: Sm llnglüd des deutschen Volkes wuchs Hindenburg vermöge der sittlichen Kräfte, die in seinem Charakter wirkten, wett hinaus über den Heerführer zu der geschichtlichen Gröhe eines Dolkshel- de n, der seine ganze Vergangenheit, fein Empfinden zurückstellt, um in der tiefsten Rot öe$ Vaterlandes nichts anderes als feine Pflicht gegenüber dem deutfchen Volke zu tun. So wurde Generalfeldmarschall v. Hindenburg zum Wegweifer durch die Leidenschaften und Wirrungen der Revolution in eine neue Epoche. Vie vertagte französische Arise. Kammer und Senat haben in den frühen Morgenstunden des ersten Ostertages die F i - nanzvorlage angenommen und damit das Kabinett Briand gerettet. Möglich wurde der Regierungssieg in der Kammer nur dadurch, dah die Sozialisten und auch ein Teil der Radikalsozialisten entgegen ihren früheren Absichten bei der Abstimmung nicht gegen die Finanzvorlage stimmten, sondern sich der Stimme enthielten. Sie scheuten vor einem neuen Regierungswechsel zurück, der für die augenblickliche Lage Frankreichs nur eine neue Belastungsprobe bedeutet hätte. Da durch das dauernde Sinken des Fran- k e n sowieso alle früheren Berechnungen über den Haufen geworfen werden, liehen sie die Einführung der Umsatzsteuer zu, durch die unter der Bezeichnung Zahlungsabgabe das Kabinett Briand-Doumer vor der Abreise nach Genf gestützt war. Das Kompromiß über das Petroleummonopol und das Zuckermonopol verschaffen ihnen nach außen hin einen scheinbaren Ausgleich für das Rachgeben in der Llmsahsteuer- srage. Die Annahme der Finanzvorlage bedeutet aber keineswegs die Rettung aus der Finanzkatastrophe. Einem solchen Optimismus geben sich wohl weder die Parteien noch die Regierung hin. Denn abgesehen davon, dah der Finanzvorlage, wie sie jetzt von Eine neue Rede Herriots. Paris, 6. 2lpril. (WB.) Sn Chatel- feraut (Departement Vienne) fand heute zu Ehren des Kammerpräsidenten H e r r i o t eine von den Radikalen veranstaltete Kundgebung statt, in deren Verlauf Herriot eine Rede hielt und sich gegen die Vorwürfe wandte, die gestern in Ranch gegen seine Laienpoli til erhoben wurden. Er sprach alsdann von seiner Friedenspolitik. Man habe, so führte er aus, den Frontkämpfern erklärt, dieser Krieg werde der ketzte fein; es fei der Krieg des Rechts. Er habe geglaubt, dies dahin deuten zu sollen, dah, wenn Frankreich siegreich wäre, seine Aufgabe darin bestehen würde, eine neue Weltorganisation zu suchen, um sie an die Stelle des früheren Allianzsystems, des Erzeugers von Kriegen, zu sehen. Er, Herriot, habe aber eine Regelung vorgesehen, die bereits jetzt Frankreich mehr Garantien biete als das frühere System. Er habe im Ramen Frankreichs den endgültigen 'Frieden nach Genf getragen. Das Wert sei nicht beendet. Er verkenne nicht die Tätigkeit derjenigen, die es fortgesetzt hätten, und besonders nicht öie Tätigkeit derer, die die Abkommen von Locarno unterzeichnet haben. Sm weiteren Verlaus seiner Rede kam Herriot auf die Sozialisten zu sprechen. Er erklärte, man fordere von ihm, seine sozialistischen Freunde zu verleugnen. Er lehne das aber ab; die Sozialisten hätten ihn immer mutig unterstützt und Vas werde er nicht vergessen. Heute gebe es in Frankreich eigentlich nur zwei Parteien. und diese würden auch morgen bestehen: diejenigen, die offen und ehrlich von ihrer Arbeit lebten, und die anderen, die von der Arbeit der anderen leben wollten. Man werde ihnen die Ausübung ihrer politischen Rechte nicht verweigern, aber ihren Einschüchterungen und Drohungen nicht nachgeben. Man habe erklärt, dah die Politik des Kartells verloren fet „Rein!" so schloß Herriot, „sie ist ebenso dauerhaft wie die Republik jelbstl späten Rachmittag von feinem Osteraufeitthalt Groh-Schwulper wieder in Berlin ein. Die Berliner Presse zum Hindenburgjubiläum. Zur Wiederkehr des Tages, an dem vor Jahren Generalfeldmarschall v. Hindenbu „ als Secondeleutnant in die preußische Armee eintrat, schreibt die „Kr eu z ze i t u ng": Hindenburg hat Krieg und Frieden, Aufstieg und Riedergang des deutschen Volkes in drei Generali onen miterlebt. Sm Weltkriege ist er uns zu der Gestalt emporgewachsen, an die sich alles Ver- itauen und alleHofsnung klammerte, die Hindenburgs Beileid. Berlin, 6. April. (TTl.) Der Reichspräsident hat an Herrn Fritz Thyssen, Schloß Landsberg bei Mülheim, folgendes Telegramm gerichtet: „Zu dem schweren Verlust, den Sre und die Familie Thyssen durch das Ableben Shres Herrn Vaters erlitten haben, spreche ich Shnen meine aufrichtige Teilnahme aus. Ein schöpferischer Führer der deutschen Wirtschaft und aufrichtiger Mann von vorbildlicher Pflichttreue ist mit August Thyssen dahingegangen. Sein Andenken wird stets in hohen Ehren gehalten werden." gez. v. Hindenburg Reichspräsident." Das Beileid des Reichskanzlers. Berlin, 6. April. Anläßlich des Ablebens von August Thyssen hat Reichskanzler Dr. Luther an Dr. Fritz Thyssen in Mülheim a. d. Ruhr das folgende Beileidstelegramm gerichtet: „Die Rachricht vom Heimgang ihres Vaters hat mich aufrichtig bewegt. Mit ihm ist von der Erde ein Mann abberufen worden. der wie wenige die großen technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten dieses Zeitalters wirklich erkannt und mit fester Führ er kraft und unvergleichlicher Zähigkeit der Entwicklung eines gewaltigen Lebenswerkes nutzbar gemacht hat. Wer wie ich durch eigenes Erleben dem Ruhrgebiet innerlich verbunden ist, kann die ganze Bedeutung dieses schöpferischen Menschen würdigen. Auch meine persönliche Erinnerung an August Thyssen, mit dem ich so oft in gemeinsamer Arbeit, aber auch in persönlichem Gespräch zusammengessen habe, wird mir stets in aller Eigenart seine scharf um- rissene. Willensstärke Persönlichkeit lebendig erhalten. Sch nehme aufrichtigen Anteil an dem Heimgang dieses außerordentlichen Mannes, dem hohe Verehrung gebührt und spreche Shnen, Herr Dr. Thyssen, und allen Hinterbliebenen mein herzlichstes Beileid aus. An die Thhssenwerke in Hamborn hat der Reichskanzler telegraphiert: Mit bei.*. Tode August Thyssens wurde aus dem deutschen Wirtschaftsleben ein Mann abberufen, der in die Reihe der größten Wirtschafts* ü h r e r zählt und sein ganzes Leben hindurch eine schöpferische Kraft von höchstem Ausmaß betätigte. Mit der Entwicklung der deutschen Großeisenwirtschaft und des deutschen Bergbaus ist sein Rame unlösbar verbunden. Mit nimmer rastender Arbeit, die ihm höchster Lebensgenuß war, und mit eiserner Kraft des Geistes lieh er aus kleinen Anfängen ein gewaltiges Werk emporwachsen, dem auf jeder Entwicklungsstufe stets die neuesten technischen Fortschritte nutzbar gemacht wurden. Zehntausende deutsche Volksgenossen fanden Arbeit und Brot an dieser Stätte zur Erzeugung wirtschaftlicher Werte. Allen Mitarbeitern Aug. Thyssens, die den großen Gründer und Führer des Gesamtbildes Thyssenscher Unternehmungen verloren haben, spreche ich der Reichsregierung und mein aufrichtiges Beileid aus. Das Beileid des Ministerpräsidenten Braun. Berlin, 6. April. Der preußische Minister- präsident Braun hat zum Ableben August Thyssens an dessen Sohn Fritz Thyssen in Mülheim-Ruhr folgendes Telegramm gesandt: Ramens des preußischen Staatsministeriums spreche ich Shnen und der ganzen Familie Thyssen mein herzliches Beileid aus zu dem Heimgang Shres Herrn Vaters. Das Leben des Verstorbenen war zugleich ein Sinnbild f ü r den wirtschaftlichen Au f s ch w u n g. teten Umfang eingehen werden. Dazu kommt noch, dah jetzt bereits ein ungedeckte Defizit von 2,5 Milliarden Franken vorhanden ist. das bei allen Berechnungen überhaupt noch nicht angesetzt worden ist. Alle Sanierungsmaßnahmen stehen also wie bisher nur auf dem Papier und werden auch für die Finanzkatastrophe feine Abhilfe schaffen. Dazu wäre es notig, die Steuerschraube ganz anders anzuziehen. Daran wird aber die Regierung durch die Parteien gehindert, für einen Teil derselben bietet ja gerade die S n- flativn neue Gewinnchancen. Dazu kommt, dah die imperialistische Politik gewaltige Summen verschlingt ,für die nimmer eine Mehrheit sich findet. Zwar scheint man allmählich mit dem Marokkoabenteuer ein Ende machen zu wollen, da man zur Ueberzeugung gelangt ist, dah jede Verlängerung endgültige Entscheidung bringt. Wenn man die Friedensneigung dem Führer der Riftruppen andichtet, so sucht man dahinter nur die eigenen Absichten zu verbergen, die Marokkosorgen loszuwerden, weil man weih, dah bei den nächsten Kreditforderungen nur schwerlich eine Majorität dafür zu haben fein wird. Denn die Entwertung des Franken, die natürlich eine Zunahme der Teuerung mit sich bringt, schafft Unruhe im Lande. Dah bei den Rachwahlen in Paris mit bürgerlicher Hilfe zwei Kommunisten gewählt wurden, ist ein Zeichen dafür, dah sich die Verhältnisse immer mehr zuspihen. Die Regierung hat mit der Annahme der Finanzgesehe nur eine Atempause erhalten. Ob es D r i a n d gelingen wird, sein Kabinett lange zu halten, wird sich bald Herausstellen, wenn es gilt, neue Mittel ausfindig zu machen, um die groben Lücken im Staatshaushalt zu stopfen, und den Versuch zu unternehmen, der Weiterentwicklung der Snflation Einhalt zu tun. diesen Glauben und dieses Vertrauen tausendmal rechtfertigte und uns auch dann nicht m Stich lieh, als alles um uns her wankte und plsarnmenzubrechen drohte, ilnb so sehen wir in ihm den besten Teil unseres Wesens. Air verehren in ihm den Charakter, der schwerem Schicksal die Stirn zu bieten und jeder Rot gegenüber auszuharren weih. — Sn der „Deutschen Tageszeitung" heißt es: Das Subiläum Hindenburgs wird mit Recht als ein militärisches liecht begangen werden, an dem sich mit der Leichswehr, deren oberster Befehlshaber als Der deutsche Botschafter bei Briand. Paris, 6. April. (TTl.) Don zuständiger deutscher Seite wird heute darauf aufmerksam gemacht, dah der Besuch des deutschen Botschafters von H ö s ch am Quai d' Orsay am letzten Freitag in keinem Zusammenhang mit der Studienkommission für den Völkerbund stehe. Die anderslautenden Sn* formatierten des „M ati n", die von der französischen Presse übernommen wurden, und auch in den deutschen Zeitungen auftauchten, seien aus der Luft gegriffen. Das offizielle Kommunique der deutschen Botschaft, das feststellt, dah im Rahmen der politischen Lage die Luftfahrt- Verhandlungen und Wirtschaftsbesprechungen zur Sprache gebracht wurden, entspreche vollauf der Tatsache. Cs sei in ihm auch nichts fortgelassen. Für den Besuch von Höschs macht man geltend, daß der deutsche Botschafter den französischen Ministerpräsidenten wegen der gespannten innerpolitischen Lage in Frankreich lange Zeit nicht gesehen habe, und genau derselbe Grund habe den englischen Botschafter Lord Crewe bewogen, sich im Quai d' Orsay einzufinden. Mit der Aufnahme der Verhandlungen über die Stu* dienkommission des Völkerbundes zur Prüfung der Ratsfrage sei nicht vor der Rückkehr des Reichsauhenministers nach Berlin zu rechnen. Tbort in übertragenem Sinne: Sa, jeder von un#, in aller Stille und Schlichtheit, aus tapfer, liebereicher Gesinnung, mit ganzem Herzen ein tl>ter Soldat Gottes! Seder. erfüllend die reine Sehnsucht seiner Mutter, daß er ein guter, echter Mensch und Safager werde, einer, der weiß, zur Höhe zu kämpfen! Kann es etwas Größeres, geben! Seder ein ganzer glücklicher, wie schwer er Erscheinttäglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Movatr-vezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummem infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: nvttamMain 11686. gegen führen. Der Reichswirtschastsminister an Dr. Fritz Thyssen. Berlin, 6. Apinl. (W.B.) Der Reichs- wirtschaftsminister C u r t i u s sandte dem Sohn des verstorbenen August Thyssen Dr. Fritz Thyssen, Hamborn, folgendes Beileidstelegramm: Sn aufrichtiger Anteilnahme spreche ich Shnen mein tief empfundenes Beileid zu Shrem schweren Verlust aus. Mit Shrem Herrn Vater ist eine der markantesten Erscheinungen der deutschen Sndustrie dahingeschieden. Mit klarem Blick hat er die Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse vorhergesehen und sich in schöpferischer Gestaltungskraft dieser Entwicklungstendenz angepaht, ja ihr selbst neue Wege gewiesen. Er war der deutschen Wirtschaft ein großer und weitblickender Führer. Als Mensch war er ein hohes Vorbild eines deutschen Mannes, dessen edle Hingabe an sein Werk nur ein Ziel kannte: der ganzen deutschen Wirtschaft und dem deutschen Volke zu dienen. Die Berliner Presse zum Tode Thyssens. Berlin, 6. April. Sämtliche Berliner Blätter widmen dem Heimgegangenen August Thyssen lange Rachrufe. Die „Kreuz - zeitung" schreibt: Mit Thyssen ist einer von Den markantesten der rheinisch-westfälischen Sn* dustriekapitäne, der Senior jener Kaufleute und Fabrttanten, wie sie sich int Bewußtsein ihres Wertes selbstgenügsam nannten, endgültig vom Kampfplatz abgetreten; denn gekämpft hat August Thyssen Zeit seines Geben. Was diesem Kampf aber seine innere Berechtigung gab, das waren seine Ergebnisse. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" nennt Thyssen den bedeutendsten Techniker, Kaufmann und Finanzier unserer Zeit. Sn der „Täglichen Rund- sch a u" heißt es: Wenn nicht lange vor seinem Hinscheiden Thyssen feine Zustimmung zu dem Aufgehen seines Lebenswerkes in den großen deutschen Cisentrust gegeben hat. so hat hier noch einmal der alte Sndustriekapitän sein hohes Maß von Einsicht in die wirtschaftlichen Notwendigkeiten und seine Entschlußkraft bewiesen. Die „Germania" bezeichnet Thyssen als den Typ der Schwerindustriellen der Vorkriegszeit, der in weiser Selbst beschränkung auf dem ihm eigenen Gebiete, auf dem er bester Kenner war, wahrhaft Großes geleistet habe. Die „Börsen- zeitung" sagt: Thyssen war der größte Arbeiter Deutschlands und der erste Diener seiner Werke, wie Friedrich der Große der erste Diener des Staates war. Der „Bö r s e n - C o u r ie r" rühmt an dem Verstorbenen die überaus große Bescheidenheit und Zurückhaltung. Das christliche Gewerkschaftsblatt „Der Deutsche" sagt über das Verhältnis August Thyssens zu feinen Arbeitern: Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse aus feinen Werken waren immer die besten. Sein rücksichtsloses Vorwärtsdrängen veranlaßte Thyssen, auch der Arbeiterschaft gegenüber allzuoft die Ellenbogen zu gebrauchen. Wenn der alte Thyssen sich trotzdem bei den Arbeitern eines gewissen guten Rufes erfreute, dann nur deshalb. weil er keine Drohne, sondern selbst außerordentlich fleißig war. „Gottes Soldat". ßu Hindenburgs 60. Militärjubiläum am 7. April. Don Reinhold Braun. „Werde Gottes Soldat nach ihrem (der Mutter) Herzen!" Walter Flex. . Ein schönes, tiefes Gespräch vereinte uns, ten alten ehemaligen „aktiven Offizier" und mich. Dir saßen hr feinem fast spartanisch einfachen Arbeitszimmer. Sch schaute in die Entwicklung eines Menschen hinein, in ein echtes, starkes Mannes- und Soldatenleben. Er erzählte von ter Kadettenzeit, von bet strammen Zucht in der Anstalt, von der frisch-fröhlichen, aber auch ncmchmal recht harten Leutnantszeit, von seinem langsamen Aufwärtsrücken bis hin zum Welt- friege, bis schließlich zum jähen Abbruche. Heute seht dieser Mann in anderer, bedeutsamer Stellung als Führer und Organisator und Volksvertreter, und er beweist auch hier, daß er ein ganzer ÜKamr ist. Sch muß sagen, meine Hochachtung vor dem .aktiven Offizier" hat sich wiederum an diesem Abende, da ich den innerlich starken, vortreff* schen Mann erleben durste, um ein gutes Stück Gefestigt. K . Das war doch eine Erziehung, die durch und furch ging, die das Mark anfahte, die den ganzen Menschen körperlich und geistig in Anspruch nahm Md ihn als Ziel hatte. Das war eine Durchbildung vom Kern bis zur Schale; jede Faser purde gleichsam von ihr ergriffen. Sv erlebte ich den echten Soldaten, den immer Zusammengerissenen, stets viel von sich Fordernden, den Geschlossenen, edel Wuchtvollero, ten immer in Bereitschaft sich Befindlichen. Sch erlebte den Kämpfer für Vaterland und Freiheit und alle echten LcbenSgiiter, für deutschen Sdealismus, und in diesem besonderen Falle auch für deutschen Glauben. Das Wort von Walter Flex fiel mir ein: „Werde Gottes Soldat rach der Mutter Herzen." Hier erlebte ich , ihn; Softes Soldaten; denn er ist der Sohn jener Frau, an der ich die Klarheit echten Menschen- lumes erlebte, von der ich bereits berichtete. Gottes Soldat nach der Mutter Herzen! Karl Alexander von Bismarck, so erzählt Walter Flex, schickt feinen jungen Sohn hinaus in die Welt, dah er des großen Königs Soldat d-erde. Er hat mit dem Sohn eine stille, schöpferische Vater stunde, in die er seine ganse Siebe dmeinschenkti Sm And.mkcn an die tote Mutter feiert er mit dem So a die heilige Stunde, und Ichließt mit dem Worte: „Werde Gottes Soldat rach ihrem (der Mittler) Herzen!" Gottes Sold.il Also ein Kämpfer tu eines Höheren Auftrag! Müssen wir bei diesem Worte nicht an den denken, der unseres Volkes „erster Diener" nun ist, an Hindenburg? Sechzig Sabre ist nun dieser edle Mann Soldat. Ein Menschenalter Soldat * Das zwingt Ehrfurcht ab und besonders bei diesem Manne, der das Soldatentum vorbildlich aufsahte und lehrte, der zu jeder Stimde in diesen sechzig Sahren Soldat war, stets seiner hohen Pflicht eingedenk, stets den ganzen Menschen in die Bresche werfend, stets und immer reifer aus Sott lebend u'.d handelnd! Sa, ein echter, rechter Soldat Gottes! Danken wir dem Geschicke, daß n noch da ist und das Ganze nach seinem besten Wissen und Gewissen zu führen bereit ist. Auch der ihm politisch nicht Zugeneigte muh bei ehrlicher Empfindung Achtung vor dieser Soldaten- riatur, vor diesem Soldaten Gottes haben! Sagen aus diesen vorbildlichen Mann, diesen rechten Lebens- und Gotteskämpferi Der Segen ruht dann auf uns, wenn jeder fcidf feinem Posten ein echter und rechter Soldat Gottes ist. Was tut dabei die Uniform, was der Stand, was das Geschlecht! Rehmen wir das den seine rheinische Heimat in den Sahren vor dem Kriege genommen hat, ein Aufschwung, der im wesentlichen beruhte auf den echt rheinischen Tugenden, die auch den Verstör- i st i g e R e g s a mkei t, h. Das Rheinland be° Französische Stimmen zu den Völkerbundsverhandlungen. Paris. 6. April. (TU.) Das Wiederaufleben der diplomatischen Beziehungen und Verhandlungen zwischen Deutschland, Frankreich und England wird im Zusammenhang mit dem Mißerfolg von Genf heute morgen von einem Teil der Pariser Presse eingehend kommentiert. ,rr Der „Gauloi s" glaubt zu wissen. B r ian d werde im Laufe der Woche die Besprechungen mit London und Berlin wieder aufnehmen, um im Rahmen des Möglichen die verhängnisvollen Folgen des Genfer Mißerfolges zu beseit,, gen. der die ganze Locarnopolitik in Frage stelle. Es scheine, daß Deutschland nur wenig geneigt sei, sein Aufnahme- o e f u ch zur' nächsten Sitzung zu erneuern. Deutschland wolle bereits im voraus über die möglichen Reformen unterrichtet werden, die man am Dölkerbundsrat vornehmen wolle, ebenso über die Haltung Frankreichs und Englands zu den Kandidaturen Spaniens und Brasiliens. Falls die Reformen und die Frage der Kandidatur nicht die von der deutschen Regierung gewünschte Erledigung finde, so werde sich das Reich die v o l l e F r e i h e , t vorbehalten, sein Aufnahmegesuch unbefristet zurückzuziehen. Diese Haltung der deutschen Regierung sei durch innere und äußere Vorgänge bedingt. Es sei Tatsache, daß in der letzten Zeit eine starke Propaganda in Süd - und Rordamerika und in gewissen europäischen Staaten betrieben worden sei, die sich gegen den Dölk'erbund richte. Der „Avenir" glaubt, die letzte Begegnung zwischen H o e s ch und Briand müsse auf deutscher Seite die bellen Hoffnungen erwecken. Briand habe erklärt, die deutschen Vertreter in der Berfas- fungskommisfion des Völkerbundes müßten ebenso wie die Vertreter der übrigen Rationen behandelt werden. Berlin wolle diesmal absolut Herr der Lage sein und bereits im voraus den westlichen Mächten die Hände binden. Daher verlange es vor einer offiziellen Antwort Aufklärungen. Berlin verlanae. daß unter der Frage der Erweiterung auch die Einstimmigkeit geprüft werden solle. Md ei Krim greift wieder an. Berlin, 6. April. (TU.) Wie die „Tägl. Rundsch." meldet, schein A b d e l Srim einem Friedensschluh noch wenig geneigt zu sein, wie aus einem Rundschreiben an seine Unterführer hervorgeht, in dein es heißt- Bereinigt Euch und bildet einen Wall gegen die Christen. Metzelt sie nieder, wo Ihr auf sie stoßt. Setzt dem Feinde überall zu. Schneidet ihm die Verbindungswege ab. Tretet in den Heiligen Krieg ein, um unsere Ration zu verteidigen und unser Vate'rland zu retten. Trotzt dem Tode aus Liebe zu Gott. • Paris, 6. April. (TU.) Die Blätter mel- den aus Rabat, daß die Truppen Abd el K r i m s im Abschnitt von T a z a unerwartet die Offensive ergriffen haben. Die französischen Vorposten wurden zurückgedrückt, haben dann aber mit Unterstützung al- tiver französischer Truppen eine Gegenoffensive unternommen und dabei einige der verlorengegangenen Dörfer zurückgewonnen. Das Kommunique besagt weiter, daß an gewissen Stellen die f r a n z ö si sch - s pan i s ch e Linie wieder erreicht wurde. Die französtschen Verluste belaufen sich auf f ü n f T o t e und drei Verwundete. Meldungen aus spanischer Quelle besagen weiter, daß die Risleute tm Sektor von Larasche ebenfalls Angriffe unternommen haben. Das unerwartete Vorgehen der Rifleute, von dem man noch nicht weih, ob es sich um eine Teiloffensive handelt, oder ob sie auf der ganzen Front fortgesetzt werden soll, erregt hier starkes Aufsehen, da man nach den letzten Eindrücken mit der Möglich, feit intensiver Friedensverhandlungen gerechnet hatte. Spanische Friedensbetrachtnngen. Madrid, 6. April. (TU.) Die offiziöse Zeitung „Roticiero" veröffentlicht Betrachtungen über küe durch die Friedensbereitschaft Abd elKrims geschaffene Lage. Es wird darauf hingewiesen, daß die französische und die spanische Auffassung eigentlich nur über den Zeitpunkt und die Qlr.t des Vorgehens bei den Friedensverhandlungen auseinanderging. Da aber beide Regierungen das gleiche Ziel ver- fo^ten. werde eine Einigung sicher bald möglich sein. Die Regierungskrrsis in Polen. Warschau, 6. April. (TU.) Die Regierungskrise in Polen hat sich während der Feiertage weiter zugespitzt. Die Par- teiführer hielten an den Feiertagen mehrfach Konferenzen ab, um eine Einigung zu er- zielen, die jedoch nicht zustande kam, da die Meinungsverschiedenheiten zwi- schen den Parteien groß waren, da die Rechts- sowie die Linksparteien fest entschlossen sind, die Koalitionsregierung nicht mehr zu unterstützen. Diese Partein machen jetzt Versuche, eine neue Regierung vvrzubseiten. Die Rechtsparteien versuchen eine Regierung mit dem Marschall R a t a j als Premierminister zu schaffen, die Linksparteien dagegen gruppieren sich um die Person von Marschall Pilsudski. Beide Lager unterhandeln mit Strzynski, um ihn zu veranlassen, das Portefeuille für auswärtige Angelegenheiten zu behalten. Bon gut informierter Seite wird erklärt, daß die Koalitionsregierung gleich nach dem Zusammentritt des Sejm ihre Demission einreichen wird. Scharfe litauische Note an den Völkerbund. London, 6. April. (TU.) Der Genera \-- fefretär des Völkerbundes hat von der litauischen Regierung eine für die Mitglieder des Völkerbundsrates bestimmte Mitteilung erhalten, die nach Meinung des diplomatischen Korrespondenten des ..Dailh Telegraph" wahrscheinlich die f ch ä r f st e diplomatische Rote ist, die dem Völkerbundsrat jenrals von einem Mitglied zugegangen ist. In der Rote beschwert sich Litauen darüber, daß polnische Truppen immer noch einen litauischen Gebietsstreifen besetzt hielten, obwohl Polen vom Völkervundsrat aufgefordert sei, den Status quo wiederherzustellen. Litauen s .Habe die sofortige Einberufung einer Llntersuchungskvmmissivn verlangt.Der Vorsitzende dieser Kommission, Graf Ifhii. sei indessen der Auffassung gewesen, daß der Völkerbundsrat sich nicht mit den Einzelheiten zu befassen brauche. Der Korrespondent meint, die Rotwendigkeit einer unparteiischen Untersuchung sei um so dringender, als die polnisch-litauische Grenze in dem strittigen Gebiet noch nicht fe st gelegt sei. Rußlands Beteiligung an der Abrüftungs - Vorkonferenz. London, 7. April. (WTB.-Funkfpruch.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt, in britischen Kreisen werde die Richtbeteiligung Rußlands an der Ab- rüstungs-Dorkonstrenz nicht als unüberwindliches Hindernis für den Erfolg der Konferenz betrachtet. Es werde darauf hingewiesen, daß die Kommissionsberatung noch nicht die eigentliche Konferenz bedeutet, sondern lediglich die Aufgabe hat, das Terrain zu prüfen und Anempfehlungen über die Reichweite und das Programm der Konferenz zu machen. Es werde als möglich gehalten, daß Rußland sich doch noch entschließen werde, an der Konferenz selbst teilzunehmen. Zur Lage in Kalkutta. London, 6. April. (TU.) Rach dem Ausstand der letzten Tage war gestern in der Stadt Kalkutta alles ruhig und man hofft, daß der Auf stand dainit feinEndegefunden hat. Die Polizei fährt jedoch fort, verdächtige Elemente zu verhaften. Bisher sind 3 00 Verhaftungen vorgenommen worden. Die Truppen sind noch nicht zurückgezogen und werden wahrscheinlich noch für einige Zeit in der Aufruhrzone bleiben. Die Läden sind zum größten Teil wieder geöffnet und auch der Straßenbahn- Verkehr ist wieder ausgenommen. Umein beutst esKolonialmandat London, 6. April. (TU.) Die Berliner Befürchtungen über ein mögliches Abtreten ehemals deutscher Kolonialgebiete in Ostafrika an Italien sind nach Meinung des diplomatischen Korrespondenten des „Daily Telegraph" gänzlich unbegründet. Es seien keine englisch-italienischen Verhandlungen dieser Art gepflogen worden. Sie würden wahrscheinlich mit dem Problem der italienischen Interessen in Abessinien, über die zur Zeit zwischen London und Rom verhandelt werde, verwechselt. Aber ebenso wenig stichhaltig sei die Annahme, daß Deutschland irgendein Versprechen wegen der Zuteilung irgendeines bestehenden Mandatsgebietes gemacht worden sei. Als diese Frage bei den Verhandlungen in Locarno angeschnitten worden sei, sei den deutschen Delegierten klar zu verstehen gegeben worden, daß Deutschland, sobald es M i t g l i e d des Völkerbundes werde, natürlich wie alle anderen Völkerbundsmitglieder das Recht bekämen, einen Antrag zu stellen, ein freiwerdendes ober neues Mandat zugetcilt zu erhalten. Es fei aber niemals die Rede von einer sofortigen Mandatszutei- lung gewesen. Das müsse jetzt klar zum Ausdruck gebracht werden, um neue Mißverständnisse in Genf im September zu vermeiden. Der Reichskanzler an von Gwinner. Berlin, 6. April. (TU.) Reichskanzler Dr. Luther hat aus Anlaß des 7 0. Geburtstages des langjährigen leitenden Direktors der Deutschen Bank, Dr. von Gwinner, an diesen folgendes Glückwunschtelegramm gerichtet: Zu dem Tag, an dem Sie auf 70 Iahre eines an Erfolgen überaus reichen Lebens zurückschauen, spreche ich Ihnen der Reichsregierung und meinen herzlichsten Glückwunsch aus. Mit Dank gedenke ich der Verdienste, die Sie sich um das deutsche Vaterland erworben haben, indem Sie stets bereitwillig bei der Lösung wichtiger finanzieller und wirtschaftlicher Fragen mitgewirkt und Ihren Rat und Ihre großen Erfahrungen und Kenntnisse dem Reich zur Verfügung gestellt haben. Die großartige Entwicklung, die unter Ihrer Führung die Deutsche Bank, sowie eine große Zahl industrieller Unternehmungen erfahren haben, besonders die Förderung der Stickstoffindustrie zum Segen unserer deutschen Landwirtschaft, sichern Ihnen einen Romen in der Geschichte des deutschen Wirtschaftslebens. Ich gebe meiner Freude darüber Ausdruck, daß wir den heutigen Tag mit Ihnen feiern können und wünsche, daß Ihnen noch manches Lebensjahr, reich an Arbeit und Erfolgen beschieden sein möge. gusammenschruß aller Cisen- bahnerorganisaLionen. Berlin, 6. April. (TU.) Wie die „Voss. Ztg." meldet, sind zwischen den Spitzen-Or- ganifattonen der Eisenbahner Verhandlungen eingeleitet worden, die den Zweck haben, das Eisenbahnpersonal zu einer Kampffront gegen d i e R e i ch s b a h n g e s e l l- s ch a ft zusammenzufchliehen. Von allen Organisationsvertretern ist bereits zugesagt worden, daß sie sich für die Herbeiführung dieses Zusammenschlusses e i n s e tz e n werden. Ein Vertragsentwurf sieht die Schaffung eines Kartellverhältnisses vor. Durch Annahme dieses Vertrages würden sich die Organisationen bei voller Aufrechterhaltung ihrer sonstigen Selbständigkeit verpflichten, daß alle Handlungen und Maßnahmen, die im Interesse der Ersenbahner notwendig sind, von allen Eisen- bahnergewerkschaften gemeinschaftlich durchgeführt werden. Zur Verwirklichung dieser Absicht ist zunächst die Gründ ung eines Ausschusses vorgesehen, in dem jede große Gewerkschaft durch ihren Vorsitzenden vertreten ist. Die Eröffnung der Flugsaison. Berlin, 6. April. (TU.) Heute vormittag erfolgte auf dem Berliner Zentralflughafen T e m p e l h o f der erste fahrplanmäßige Start derDeutschenLufthansain diesem Iahre. Zum Start der ersten Maschine hatten sich auf dem Flugplatz neben der Direktion der Lufthansa Vertreter der preußischen und der Reichsbehörden eingefunden. Die Flug- hallen haben geflaggt. Ein Albatros-Focker unter Führung des Piloten B a b e k u h l machte sich auf den Luftweg nach Zürich, und es darf als poetischer Auftakt für die Saison erwähnt sein, daß das erste Flugzeug ein junges Paar auf seiner Hochzeitsreife nach der Schweiz führte. Um 9 Uhr folgte ein Dornierflugzeug mit dem Piloten R v a ck am Steuer, dessen Ziel das befreite Köln ist. Köln soll ohne Zwischenlandung in vier Stunden erreicht sein. Heute mittag um 11,20 Uhr landete die erste Maschine, aus Hamburg kommend, im Tempelhof. Das Gegenflugzeug startet am Rachmittag um 3,15 Uhr. Kleine politische Nachrichten. Die Tierärtliche Hochschule Hannover hat den preußischen Landwirtschaftsml- nister Steiger zum Dr.h.c. ernannt. Die schweizerische Delegation, für die Handelsoertragsverhandlungen mit Deutschland trifft, wie die Morgenblätter melden, am Mittwoch in Berlin ein, wo mittags die ersten Sitzungen beginnen. Man rechnet mit einer drei- bis vierwöchigen Dauer der neuen Verhandlungen. Die Zeitungsmeldungen vom Rücktritt des schwedischen Landwirtschaftsministers Linders sind völlig aus der Luft gegriffen. * Aus der Redaktion des „Giornale b'Jtalia" sind eine Reihe von Redakteuren ausgetreten und durch ebenso viele f a s z i st 1 s ch e Journalisten ersetzt worden. „Morning Post" zufolge liegt in Jerusalem eine Meldung vor, wonach Emir Hamed Atrasch, einer der Führer der aufständischen Drusen, in einem Kampfe bei Manrabe gefallen ist. * Einer Blättermeldung aus Soeul zufolge ist der vormalige Kaiser von Korea, T s ch o h o e k Pi, der 1910 abdankte, schwer erkrankt. * Wie aus Wien gemeldet wird, ist dort nach langer Krankheit der Schöpfer des österreichischen Zivilprozesses und ehemalige Justizmini- st e r Dr. Franz Klein im Alter von 71 Jahren gestorben. Von zuverlässiger Seite wird berichtet, daß General K u n g Raihsi als Vertreter W u p c i f u s in Peking eingetroffen ist, um als Bevollmächtigter mit den nationalen Führern zu verhandeln. Aus aller Welt. Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Iverwolsleulen. Aus Halle wird gemeldet: Einige Hallenser Werwolfleute, die sich zu einer viertägigen Wanderfahrt nach Hinsdorf in Anhalt zu- fammengefunden hatten, wurden in der Rächt zum zweiten Ostertag von etwa 100 Kommunisten überfallen. Es kam zu einer schweren Schlägerei. Durch das Eingreifen einiger anderer Werwolfleute, die ihren bedrängten Kameraden zu Hilfe kamen, gelang es schließlich, die Kommunisten zu vertreiben und die Haupträdelsführer, darunter einen soeben aus dem Zuchthaus entlassenen, festzu- sehen. Von den Werwolfleuten wurden acht verwunden, darunter einer so schwer daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Die Kommunisten hatten mehr als zwanzig Verletzte. Schweres Automobilunglück im Rheingau. Wie die Reue Wiesbadener Zeitung aus Oestrich berichtet, ereignete sich am ersten Oster- feiertag nachmittags gegen 6 Ahr auf der Chaussee zwischen Oestrich und Hattenheim ein schwerer Automobilunfall. Eine Frankfurter Gesellschaft, etwa 20 Personen machten mit dem Speditionsauto des Spediteurs R e i ch a r r, Frankfurt a. M-—Heddernheim' eine Rheingaufahrt. Bei der Rückfahrt wollte der Führer zwei sich kreuzenden Personenautos ausweichen, kam dabei dem Graben zu nahe und das Auto stürzte um. Alle Passagiere stürzten heraus teils kamen sie unter den Wagen zu liegen. Rur wenige trugen keine Verletzungen davon. Die Insassen der beiden anderen Autos leisteten den Verunglückten Hilfe. Drei Passagiere mußten ins Eltviller Krankenhaus eingeliefert werden. Ihr Zustand ist bedenklich. Zwölf Leichtverletzte konnten mit dem inzwischen wieder fahrbar gemachten Auto nach Hause gefahren werden. Mord an einem Patienten. Wie die „Köln. Volksztg." meldet, lieferte vor drei Wochen der praktische Arzt Dr. Iosef P rö ch er den Architekten Oberreuter an das St. Marienlrankenhaus ein, wo er in einem Einzelzimmer Aufnahme sand. Dr. Pröcher, der mit der Familie des Architekten freundschaftliche Beziehungen unterhielt, habe ihn mehrfach besucht und ihm ohne Wissen der Anstaltsärzte eine sehr starke Quecksilbereinspritzung gegeben, die am Karfreitagabend den Tod des Architekten herbeiführte. Es bestehe kein Zweifel, daß hier ein Mord an einem Patienten vorliegt. Fahrlässigkeit koipme nicht in Frage, da die Dosis der Einspritzung so stark gewesen sei, daß sie tödlich wirken mußte. Die Beweggründe zu dieser entsetzlichen Tat seien noch nicht aufgeklärt. Dr. Pröcher sei flüchtig. Tolle Zustände auf einem Bauernhof. Aus Kleve wird gemeldet: In Pfalzdorf sollte ein Dauer wegen Richtzahlung von Abgaben gepfändet werden. Der Bauer trat dem Beamten, mit der Mistgabel entgegen. Darauf wurde polizeiliche Hilfe in Anspruch genommen. Dem Beamten bot sich beim Betreten des Hofes ein grauenerregender Anblick: der Hof war vollständig verwahrlost. Die Kühe in den Ställen glichen Gerippen. Bis über die Knie standen fie im Kot. Als man einen jungen Stier fortführen wollte, brach das Tier nach wenigen Schritten zusammen. Mit Mühe fand man zwei Kühe, die fortzuführen es sich noch lohnte. Von der Lokomotive erfaßt. Bei Stieglitz (Grenzmark) wurde nach einer Meldung aus Schneidemühl das Gespann eines Gutsbesitzers von einer herannahenden L o - komotive erfaßt und vollständig zertrümmert. Bon den vier Insassen des Wagens wurde e i n e P c r s o n auf der Stelle getötet, eine andere s ch m e r und zwei weitere leicht verletzt. Die Pferde blieben unversehrt. Explosionsunglück beim Osterfeuer. Beim Abbrennen eines Osterfeuers in Bottrop wurden durch die Explosion eines von unbekannter Hand in das brennende Reisig geworfenen Sprengkörpers ein zehnjähriger Iunge getötet, zwei Frauen s chwer und mehrere Personen leicht verletzt. Dom Zuge getötet. Aus Heidelberg wird gemeldet: Auf der Station Walldorf wurde der 53iährige verheiratete Weichensteller Matthias Kögel von Walldorf vom Schnellzuge erfaßt. Kögel erlitt schwere Arm- unb Beinbrüche; er starb im Akademischen Krankenhaus an den erlittenen Verletzungen. Reue Methylalkoholoerglstung. Aus Rheinbischofsheim wird gemeldet: Im benachbarten Hausgereut starb dieser Tage der Gemeinderat Friedrich Lacher im Alter von 42 Jahren, der auf ärztliche Anordnung infolge Herzschwäche Kognak genommen hatte. Da infolge der bekannten Vorgänge Verdacht bestand, daß das Getränk Methylalkohol enthalten hatte, wurde der Rest der Flasche der Staatsanwaltschaft Offenburg zu- gesandt. Sie Untersuchung ergab 17,2 Prozent Methyl. 3n den Bergen erschossen. Die Dergungskolonne des Roten Kreuzes wurde am Ostermontag nach der Dchneekvppe alarmiert, wo etwa 50 bis 60 Meter unterhalb des Koppenkegels eine Person mit einer Schußwunde auf gesund en wurde. Gtö handelt sich anscheinend um den 1899 in ßaubeffBbrf in der Tschechoslowakei geborenen WirtschaftsgHilfen Peter, der zuletzt in Königsberg in StÄlung war. Beraubung des Posiamles 'm Lodz. In der Rächt zum Ostersonntag drangen Einbrecher, wie die Blätter berichteten, in die Räume des Hauptpostamtes in Lodz ein und raubten sämtliche Kassen aus. Der beträchtliche Schaden konnte ziffernmäßig noch nicht genau festgestellt werden. Drei Wacht- beamte, die von dem Einbruch nichts wahrgenommen haben wollen, wurden verhaftet. Aufruhr im Gefängnis. Im Gefängnis zu Kairo versuchten drei Häftlinge, die kürzlich einen ihrer Mitgefangenen ermordet hatten, um den von ihnen vorgcbrachten Beschwerden mehr Rachdruck zu verleihen, abermals einen ihrer Mitgefangenen zu ermorden. Während sie zusammen mit hundert anderen Gefangenen ins Gefängnis geführt wurden, üb er- fielen sie plötzlich einen anderen Gefangenen, durchschnitten ihm die Kehle und verletzten den eingreifenden Gefangenenwärter im Gesicht. Aufstieg bet „Los Angeles". Das amerikanische Luftschiff „Los Angeles" wirb, wie man aus Neuyork berichtet, am kom- menben Sonntag seinen er st en Flug nach der Zerstörung des Luftschiffes „Shenanboah" unternehmen. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 7. April 1926. Die E^enbahnpolizei. Auf die Zeiten vnfeligert Gedenkens, als die Sachwerte der Güter höchstes waren, geht ebenso wie die bring einer eigenen Post- Polizei auch die Ein iditung einer solchen polizeilichen Stelle im Dien^öereich der Reichsbahn, der UeberwachungsabteU^ngen, zurück. Eine solche Ueberwachungsabteilung befindet sich bei jeder Eisenbahndirektton. Ihr sind für die verschiedenen Gebiete des Direkttonsbezirks die eigentlichen Untersuchungsst ellen unterstellt, wie z. B. auch Gießen, deren Beamte, als Hilfsbeamte der Staatsanwaltschaft unterstehend, selbständig kriminalpolizeiliche Funktionen ausüben. Diese bahnpolizeilichen Fahndungsstellen haben durch die immer und immer wieder vor den ordentlichen Gerichten zur Verhandlung kommenden Strafprozesse über Zugberaubungen und andere Delikte, die in den Bereich der Reichsbahn fallen, nicht nur in den Iahren ihrer Gründung ihre Existenzberechtigung glänzend nachgewiesen, sondern auch in den letzten Iahren rroch sind derart viele Fälle vorgekommen, daß sie immer noch eine durchaus bewahrte polizeiliche Sondereinrichtung darstelleri. Ein Ueberblick des reichen Betätigungsfeldes der Untersuchungs- stellen zeigt, daß es sich bei den in Frage kommenden Straftaten nicht allein um Erscheinungen handelt, die aus den besonderen Verhältnissen der Gründungszeit zu erklären sind, sondern es sind meist Dinge, die allgemeiner kriminalistischer Ratur sind, deren Sonderbehandlung durch kriminalistisch ausgebildete Cisenbahnbeamte aber sich aus dem komplizierten Organismus der Reichsbahn ergibt, in dessen Wesen der nicht speziell orientierte Kriminalbeamte keinen Einblick hat. Ursprünglich vielfach auch gegen di« unsicheren Elemente gerichtet, die zur Zeit der Personalinflation bei der Reichsbahn sich Eigen- tumsvergehen zuschulden kommen liehen, richtet sich die Arbeit der Untersuchungsstelleu heute vorwiegend gegen das Cisenbahnspezialistentum in der Verbrecherwelt, dessen es eine ganze Reihe vvn besonderen Kategorien gibt. Ein Gebiet, auf dem die Untersuchungsst eilen sich ganz außerordentliche Verdienste um die Rettung großer volkswirtschaftlicher Werte auS Derbrecherhand gemacht haben, sind die Güterzugberaubuugen. Allgemein bekannt ist, daß auf vielen unebenen Eisenbahnstrecken sich Gefahrenzonen befinden, starke Kurven oder Steigungen, an denen die Züge ziemlich langsam fahren müssen. Der weitere Umstand, daß durch die allgemeine Einführung der K. K.-Bremse bei den Güterzügen nur der erste und letzte Wagen mit Bremsern beseht sind, verführt immer und immer wieder zum Versuch der Güterzugberaubung. In jedem Eisenbahndirektionsbezirk sind solche Strecken, die fortgesetzt heimgesucht werden. Daß auch hier die große Arbeitslosigkeit hereinspielt, geht daraus hervor, daß fast nur solche Gegenden in Frage kommen, die industrielle Bevölkerung aufweisen, während in rein landwirtschaftlichen Gebieten diese Beraubungen weniger vorkommen. Die routinierten Eisenbahnräuber gehen fo vor, daß sie an den Stellen, an denen die Züge lang' sanier fahren, aufspringen, den Wagen kunstgerecht öffnen, sich durch Dlinklaternen — die Raubansälle gehen meist nachts vor sich — mit ihren auf der Strecke liegenden Komplizen verständigen, wo die wahllos ergriffenen Güter aus dem Zug geworfen werden, worauf die Verbrecher auf dem gleichen Weg wieder den Zug verlassen Es sind auch schon Fälle vor- gefommen, daß diese Banditen sich aufs Bremsgestänge gelegt hatten und dann während der Fahrt die Wagen plünderten. Aus diese Weise Meldet, ar • übrige'■ bt, 19(1 oonfr" erlitt lA^Mori .'Habt® < -dvnA^ *top ^Ihing. i IDirh °"> dich, ' im L"N it 7«« L °- *■ ’tte. 2q u*8 hetz °st°nd, Ä» btt alte. J,”8 T. (hart cK°9et Ä s*s,- Neu. tr ^euzer io "dpt -Lrsr lt$s ia Lodz. l’T" « M ingnis, to versuchten bw btJt Dtigescmgeni Wn vsraebrähte iu "Ehen, afa. äen^n ju ermocötr Ätt anderen (&. lyrt wurden, über, äderen Desangum e Kehle und ver- ^esangenenwärter Angele,' W ,Lo« Lngrltt' rf berichtet, am fotn. Ev Flug nach btt .vhenandvah' unten chrupWt. den Z. April 1926. «Polizei. igen TedenkeuL, alt höchstes waren, gch einer eigenen W> einer solchen Polizei. -er Aeichsöapn, te zurück. Eine so/ch inöet sich bei jete > für die vrrichck- zbezickS die eigvL- untersieU, Vie z. 2 inte, als MsbvM- lerstchend, selbsiändij men ausüben. Dich zsstellen haben durch cder vor den ortet? chändlMg kommend« Labungen und ändert -eich der Ärichsbah-. ihren ihrer Sründuitz izend nachgeviksen, N Jahren noch sink armen, dah sie imm« )rte p°lMche Som tzin Ueberblrck M der Untersuchungs- ei den in Frage tonten um 6rfW« sonderen Derhnltmllo lären sind, meiner frumnriW Behandlung durch W ZjfendahnbcMt- ofc ten OrgamSmus M £WMÖ techsbahn^ty W Ä»* M hn» 618 mün^-^füfinrnf ^lgememe _ j?I n Meyugvl besetz! mit MJr g ip immer jedes" »>raE strecken, d" !L° A>» °"Z w 'rielle Etlichen %&*s 5o>np^s§ s lS KÄ erten- 4 goS herriie^te || erfräü jede Wäsche durch Kochen mit Sil. Hervorrogen deS(?tedttrttfeniungsmiM Sd spart Seife und etxt# jede besondere gleiche Ohwe Chlor W ß Der Sternhimmel im April Verlängerung der Deichselsterne der Ein rransporrablcs H|l|||!ffl!HI!flil|ini||l1l1IIID Hansa AMWxtzWK Tchnlbncher Handelsschule iLuceumi n'.>?,uneben. und eine fiiiiHuiuiiüiiirdiiiiiiü.'iHn D Z/zr/T*#/ (I Fo/Zmo/x/ d 3. Zi erte/ ziehen im Qlrttur in /. Kunzeimann Gießen, BahnJiofstr 60 yorm. Hermes Neue Karst 20. April, j Sterne; tr/e/ne äucA- \ jf»6en Die eil । des Wagens oder Großen Bären steht bereits hoch am Himmel: auch die Spica in der 3ung- srau, die man leicht findet, wenn man diesen! Bogen nach links verlängert, nähert sich bereits ihrem Höchststand im Süden. Hinter der hellen Wega steigt im Bordosten bereits daS Kreuz- fternbild des Schwans herauf. Bon den Wandelsternen ist am Abendhimmel nur der sonnenferne Saturn zu sehen, der zu Beginn des Monats um 11, gegen Schluß um 9 Ahr im Südosten sichtbar wird. Er stehl rechts vom Sternbilde des Skorpions, das mit seinem rötlichen Hauptstern Antares noch etwas später aufgeht. Die anderen Wandelsterne stehen am Morgenhimmel. Hier enteilt die Venus dem Jupiter, während der Mars ihn am 24. einholt. Küstermann. Drucksachen allerArt liefert in jeder gewünschten Ausstattung stilrein und d; eiswert die BräbFsche Unlw. Druekcrei, IL Laogft Ein Demonstrativnszug erwerbsloser Arbeiter bewegte sich gestern mittag zwischen 11 und 12 Ahr vom städtischen Arbeitsamt aus zur städtischen Haupwerwaltung. Hier wurde eine Abordnung der Leute von dem Beigeordneten Dr. Seib als Stellvertreter des beurlaubten Oberbürgermeisters empfangen, dem sie eine Anzahl Wünsche und Beschwerden vor- brachten. In der Hauptsache ersuchten die Leute unter Hinweis auf ihre allgemeine Rotlage und die niedrigen Anterstützungssähe um eine besondere Osterbeihilfe in Geld. Ein Antrag in der gleichen Richtung war schon vor dem Feste seitens der Interessenten bei den maßgebenden städtischen Körperschaften gestellt, vom Finanzausschuß der Stadwerordnetenversammlung aber mit Rücksicht auf bindende reichgesehliche Bestimmungen, insbesondere aus eine vor kurzem erst ergangene Verfügung des zuständigen Reichsministers, und im Hinbllck auf die angespannte Finanzlage der Stadt abgelehnt worden. Dagegen hatte -der Finanzausschuß beschlossen, den verheirateten Erwerbslosen eine Aatural-Anter- stützung in Höhe von 5 Pfund Mehl b>stenlos zu gewähren, die auch verabreicht wurde. Wünsche in erstgenannter Richtung brachte die Abordnung der vor dem Verwaltungsgebäude erschienenen er die angedeutele Lichtgestalt zeigt. worauf ja der scheinbare jährliche Umschwung des Fixsternhimmels beruht. In Wirklichkeit ist dieser Umschwung die Erscheinungsform der Wanderung der Sonne durch den Fixsternhimmel, die durch den Umlauf der Erde um die Sonne veranlaßt wird. Zweitens ober verschwinden die Sternbllder im Westen auch infolge der schnellen Zunahme der Tageshelligkeit am Abend, die in diesem Monat ebensogroß ist wie im Vormonat — nur etwa 5 Minuten geringer. Da ist es kein Wunder, wenn der abendliche Sternhimmel sein Aussehen rasch und gründlich vev- ändert. Rur in der ersten Monatshälfte sehen wir kurz nach Eintritt der Dunkelheit die Wintersternbilder (Stier, Orion und den Sirius am westlichen Abeirdhimmel: tief am Horizont stehend, haben sie bereits ihren winterlichen Glanz Sonnenaufgang von 5.40 bis 4.35 Ahr. Sonnenuntergang von 6.30 bis 7.20 Ahr. Licht gestalten des Mondes: 3. Viertel am 5., 10 Ahr nm.. 1. Viertel Mitternacht vom 19. auf 20., Vollmond am 28., 1 Ahr nm. ins. 3m Frühjahr ändert sich der abendliche Sternenhimmel besonders schnell. Erstens gehen, wie das ganze 3ahr hindurch, alle Sternbilder Tag für Tag um 4 Minuten, also für jede Woche um eine halbe Stunde früher unter, verloren. Rigel, der rechte Fuß des Orion, verschwindet zuerst im Dunst des Horizontes, dann folgen fast gleichzeitig der Sirius sowie der Aldebaran und die Plejaden im Stier: diese dachte man fich einst vom Riesen Orion gescheucht, aber nun sind sie mit ihm s riedlich im Untergang vereint. Rur die Zwillinge und der flehte Hund Der die Stundenzahlen enthaltende Kreit und die dick punktierte Linie, der sogenannte Horizont, sind feststehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem damit verbundenen, durch Mitternacht gezeichneten Pfeil — gewissermaßen dem Zeiger der Himmelsuhr — in i Minuten weniger als 24 Stunden im Sinne des durch 12 Uhr mittags gezeichneten Pfeils einmal um feinen Mittelpunkt. Der eingezeirhneto Horizont bildet ein Fenster, das die um Mitternacht der Monatsmille sichtbaren Sterne umschließt. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel so gedreht, daß der durch Mitternacht gezeichnete, mitzudrehende Pfeil nunmehr durch die Beobaehlungssturule geht, wodurch dann die zu dieser Zeil sichtbaren Sterne in den nicht milzudrehenden Horizont hineingedreht werden. Für je 5 Tage Oqf der Monatsmitte ist der Sternhimmel um '/j Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monatsmitle um '/j Stunde später etnzuslellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen ein, wenn empfiehlt preiswert Samenhandlung üöll Mönstadt 48 Pl2ivj Perarni 314 g Or. Hslnrich Rosse Klavier - Theorie - Musikgeschichte für alle Bauzwecke zu billigem Preis C.Rübsamen,Gießen Fernsprecher 1659. wffehlt 02407 bni Wallinlels gegenüber der Gngelavoiheke. oder Prokyon halten sich standhafter. Dafür Osten neue Sternbilder herauf: der Donnerstag, den 8. April 1926 nachmittags 2 Ahr, versteigere ich im „Löwen", Reuenweg dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 2 Klaviere. 4 Kaffenschränke, 4 Büfetts, 2 Schreibtische, 3 Schreibmaschinen, einen kleinen Lastwagen, 4 Fahrräder, 3 Re- gistrier kaffen, 1 Schweihapparat, eine Wäschemangel, 1 Grammophon, zwei Teppiche, 1 komplettes Speisezimmer, 2 Wanduhren, 1 Standuhr u. v. o. Voraussichtlich bestimmt: 2 Schreib- Maschinen, 2 Schreibtische, 1 gr. Waren- schrank, 1 Dervielfälti gung smaschine, je 1 größeren Posten Tabak, Bonbons, Streichhölzer, Pfeffer und Zimt. Dern, Gerichtsvollzieher in Gießen Stein straffe 13. 3131c Arbeiter bei dem Beigeordneten Dr. Seib erneut vor, daneben wurden noch verschiedene andere Wünsche und Forderungen allgemeiner Art geäußert Der Vertreter der Stadtverwaltung nahm die Anllegen der Abordnung zur Kenntnis und sagte Prüfung der Wünsche durch die zuständigen städtischen Stellen zu. Rach etwa einstüudiger Verhandlung entfernten sich die Leute wieder. Der Zug. von dem übrigens auch die Polizei Kemrtnis hatte, erregte in den Straßen natürlich Gießen erreicht worden. Ferner hat man teilweise recht gute Anschlüsse sichergestellt. Wenn trotz des bis jetzt Erreichten noch nicht alle Wünsche hinsichtlich der Anschlüsse nach den verschiedensten Richtungen hin erfüllt sind, so darf man aber doch hassen, daß die Luftverkehr A. G. in verhältnismäßig kurzer Zeit auch diesen Ansprüchen Geltung verschaffen wird. Im übrigen sei bei dieser Gelegenheit erneut betont, daß unsere Stadt mit dem Anschluß an das große Lustoerkehrsnetz sehr zufrieden sein kann. Andere Städte, die wesenttich größer sind als Gießen, dürften heute die gleiche Verkehrsbe- günftigung nur unter verhältnismäßig größeren Opfern erlangen können. Aufgabe der Bevölkerung wird es nun fein, unsere Luftverkehrslinie durch rege Inanspruchnahme wirtschaftlich so zu kräftigen, daß sie auch den erhöhten Anforderungen jederzeit gewachsen ist. " D i e Gründung eines Lahn- verkehrsverbandes, dem die Städte an der Lahn von Gießen bis zur Mündung unter dem Vorsitz von Landrat Scheuern- Diez angehören sollen, wird von auswärtigen Blättern berichtet. Wir stellen fest, daß toebet bei der Stadtverwaltung in Gießen, noch beim Gießener Derkehrsverein von einer solchen Grün- düng etwas bekannt ist.______________ (3'jjafn/er einiges Aufsehen. ' Der Ofterverkehr auf der Reichsbahn. Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben. An den Ostertagen war der Bahnvcrkchr im Bereich des Direktionsbezirks Frankfurt a. M. im allgemeinen zwar gut: doch läßt sich nicht abstreiten, daß sich die aHgemeinc wirtschaftliche und finanzielle Lage auch im Ausflugsverkehr bemerkbar machte und daß sehr viele Menschen sich die Ankosten eines mehrtägigen Ausflugs nicht mehr leisten können. Bon einem Rekord-Ostervcrkehr zu sprechen, ist in jeder Hinsicht verfehlt und entspricht nicht den Tatsachen. Am Gründonnerstag war der Verkehr etwas stärker in Richtung Basel und München, während der Lokalverkehr gering war. Am Karfreitag war der Ausflugsverkehr nach dem Taunus und dem Rhein etwas stärker als am Vor- tage: immerhin war die vorgesehene Doppelführung von Zügen nicht notwendig. Der Samstagsverkehr war im allgemeinen normal: nur in Richtung Aschaffenburg bzw. Darmstadt etwas besser. Der Fernverkehr war an diesem Tage allgemein schwach. Ebenso war während der beiden Ostertage der Fernverkehr gering, während die Ausflugsverkehr in die nähere Hingegen!). besonders nach dem Rhein und dem Taunus, stark war. 3mmerhin war der Verkehr nicht stärker als an einem schönen Sommertag. Die Einnahmen am Frankfurter Haupt- bahnhof an den einzelnen Ostertagen stellen sich folgendermaßen dar: Gründonnerstag rund 100 000 Mk., Karfreitag 70 000 IRL, SamStag 89 000 Mk., Ostersonntag 66 000 Wk., Ostermontag 73 000 Mk. Dabei ist noch zu berücksichtigen, dah in diesen Zahlen auch noch erhebliche Beträge für Monats- und Wochenkarten enthalten sind, da die Feiertage in diesem Fahre auf den Monatsanfang fielen. Alles in allem genommen, hat der Ofterverkehr jedenfalls nicht den Umfang erreicht, wie man allgemein angenommen hatte. : Die Schwalben haben während der Öfterfeiertogc ihren Einzug bei unS gehalten. Bemerkenswert ist die Beobachtung, daß sie sich nicht vereinzell, sondern gleich in größeren Mengen eingefunden haben. *• Auftrieb auf dem heutigen Frank, für ter Schlachtviehmarkt: 235 Ochsen, 16 Bullen, 496 Färsen und Kühe, 473 Kälber, 54 Schafe, 313 Schweine. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Donnerstag, 8. April: ftnb ganze Wagenladungen geraubt worben. Die Ermittelung dieser Banditen ist natürlich nicht immer so einfach, wie bet frisch fest gestellten Fallen. Dann ist zwischen den Punkten, auf denen die Beraubung vorgelommen fein muß, zunächst durch eingehende Anterfuchung der engere Tatort einzukreisen und von hier aus dann I die Verfolgung eventueller Spuren aufzunehmen. . Da. wie gesagt, die Gefahrenzonen auf den verschiedenen Strecken den Antersuchungsst eilen genau bekannt sind, ist natürlich sorgfältige Vorkehrung getroffen, um Beraubungen vorzubeugen. Sowohl auf den Zügen ist Begleitpersonal zur Heber* wachung postiert, wie sich auch auf der Gefahrenftrecke ständig Streifwachen in Bewegung befinden, um Ravbversuche zu vereiteln. 'Viefe Streifwachen sind übrigens auch weiter eine wichtige Einrichtung der Eisenbahn- , Verkehrsämter und eine wertvolle Ergänzung der Antersuchungsstellen. Es sind m e i ft gedten t e Soldaten, die je nach den Amstanden mit Motorrädern. Schutz- und Degleithunden aus- ae üflet sind. 3hr Hauptaugenmerk gilt natürlich den gefährdeten Strecken, außerdem dienen sie noch zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit in den Bahnhöfen und anderem reichsbahneigenen Gelände. Der Tätigkeit dieser Streifwachen ist es wesentlich zuzuschreiben, wenn jetzt Zugberaubungen nicht mehr so häufig sind wie früher. Reben dem Schutz des der Eisenbahn anver- trauten Gutes, das auch sonst noch durch Fälschungen von Frachtbriefen usw. Gefahren ausgesetzt ist. denen die Äntersuchungsstellen zu parieren haben, ist es wesentlich auch der Schuh des reisenden Publikums, dem besondere Aufmerksamkeit zugewandt wird. Die internationalen O-Zug-Taschen- diebe sind eine in der Öffentlichkeit noch mel iu wenig beachtete Plage der Reisenden. Sie werden von den die l)»Züge als Zivilpersonen begleitenden Mannschaften der Antersuchungsstellen aufs Korn genommen. Einen fleinen Begriff von der Massenhastigkeit solcher Fälle von Taschen- und Gepäckdiebstählen auf der Eisenbahn, die bei weitem nicht immer durch die Zeitungen zur Kenntnis der Allgemeinheit gelangen, mag eine Ziffer geben: in einem überwiegend im besetzten Gebiet liegenden Direftions- bewirf wurden in einem etliche Monate umfassenden Zeitraum über hundert solcher D- Zugdiebe gefaßt. Eine kleine Blütenlese verschiedener Kategorien von Verbrechern, die sich aus die Reichs- bahndvmäne spezialisiert haben, sei an Hand eines Verbrecheralbums gegeben, das sich die Beamten der Antersuchungsstelle Frankfurt a. M. zusammen gestellt haben und das schon oft zur Wiedererkennung von »Kunden" geführt hat. Diese kriminal-physiognomisch interessante Zusammenstellung von Steckbrief-Gesichtern zeigt Spezialisten mannigfacher Sorte: da ist der internationale Gepäckräuber, der Fahrkacten- fälscher, der Gepäckschwinbler, der falsche Eisen- bahnbeamte. der .schwere" Spezialist, der raffinierte Anweisungsfälscher, dann die würdige Repräsentation ganzer Eisenbahnräuberfamilien und -generationen, nicht zu vergessen. Die Heh- lerspezialisien und -spezialistinnen. sonstige spezielle Schwindlertypen u. a. m. Bornotizerr. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 7.30 Uhr „Der fröhliche Weinberg" (Ende nach 9.30 Uhr). — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Heiratsschwindler". . — Verein Rudersport 1913. Freitag abend Monatsversaminlung. (Siehe Anzeige.) DZettervoraussagc. Wollig mit Ausklaren, mäßig warm, südliche bis westliche Winde, stellenweise Niederschläge. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 19,2 Grad Celsius, Minimum: 3,6 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 7,4 Grad Celsius. ** Wiederbeginn des Luftverkehrs am 8. April. Der flugplanmäßige Luftverkehr in diesem Jahre nimmt, wie die Lustoerkehr-A.-G. Oberhessen-Lahngau in unserem heutigen Anzeigenteil bekannt gibt, morgen, 8. April, seinen Anfang. Der Beginn dieses Dienstes war aus oraanisawri- schen Gründen ursprünglich auf den 19. April festgesetzt, es ist aber den Bemühungen der Luftverkehr A. G. gelungen, die Inbetriebnahme dec Strecke schon von morgen ab zu erreichen. Das diesjährige Luftstreckennetz ist im Vergleich zum Vorjahre wesentlich erweitert worden. An Stelle des wöchentlich dreimaligen Pendelverkehrs Frankfurt Gießen, den wir im vorigen Jahre hatten, ist von diesem Jahre ab täglicher Luftverkehr auf der Strecke Frankfurt — Gießen —Kassel mit jedesmaliger Zwi s ch e n l a n d u n g in Wiederbeginn von Kursen und Einzeh t, unterricht im April. Anmeldungen und Anfragen jederzeit Goethestraßc 34. 3122D la Eiierlellte 9 Pfd. 6 Mk. franko Damvfkäieiabrik, RcndSburg. Donnerstag früh eimreffend frische SWWe «kW Die beginnt am 11. April 3l,äh Frische Fische au billigsten Preisen beute und folgende Tage eimreffend. Meinheim Bahnhofstr. 59 Televb. 66. 3128c beginnt am 11. April 31iah zu Verkäufen. MV,D t-'rlerrgasse 7. 11,30—12.30 Uhr: Sonderkonzert für die Mainzer Funkausstellung: Opernmusik. 4.20—5.20 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Oskar Fetras. 5.20 bis 6.10 Uhr: Ueberttagung von Darbietungen der Mainzer Funkausstellung. Kammermusikvorträge. 6.15—6.45 Uhr: „Derufsmerkmale in der Kriminalistik", Vortrag von Otto Schwerin. 6.45—7 Uhr: Stunde der Frankfurter Vereinigung für Heimat- künde. 7—7.30 Uhr: „Der Sportgedanke in der Gegenwart", Vortrag von Franz Creutzburg, Geschäftsführer des süddeutschen Verbandes für Leichtathletik. 7.30 Uhr: Ueberttagung aus dem Frankfurter Opernhaus: „Die BohLme", Oper in vier Akten von Giacomo Puccini. Anschließend bis 12 Uhr: Übertragung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle. Briefkasten der Redaktion. h. £. 40 £. Am besten wenden Sie sich in dieser Angelegenheit an einen Rechtsanwalt. A. 2D. in Gießen. Fahrräder müssen bei ein- tretender Dunkelheit beleuchtet werden. 9m allgemeinen kann man wohl das Anbrennen der Stra- henlampen als den gegebenen Zeitpunkt ansehen. 6. £. in U. Das Alter zum Eintritt bei der Schupo haben Sie. Wenden Sie sich bezüglich des Eintritts an das hessische oder preußische Ministerium des Innern. 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Einwendungen sind schriftlich oder zu Protokoll bei der Bürgermeisterei einzureichen. Es wird eine Umlage erhoben, zu welcher auch die Ausmärker beizutragen haben. Rüddingshausen, den 6. April 1926. Hessische BürgermeistereiRüddingshausen. Am 2. April verstarb in Neuyork unerwartet mein lieber Bruder Die glücklicheGeburt einer gesunden Tochter zeigen hocherfreut an 02373 Gillmaun, Ederstrasse 20. Galerie........................................ Die Mittwoch - Abonnenten haben für diese 1118 an V Kastel Flugpreise: Gießen-Frankfurt: 20 RM. sofort gesucht. 02372 Römer, Kaiserallee 12II. S1«c Sperrsitz und 1. Rang Mittelplah . Sperrsitz und 1. Rang Rückplatz ... Sperrsitz und 2. Rang Vorderplah. Zwei neue Steppdecken Wollfüllung, gegen Barzahlung billig Monatsversammlung Freitag, den 9. IV. 1926, abends 9 Uhr, Bootsbaus. T.-O.: 1. Eingänge, 2. Ausnahme neuer Miiglieder, 3. Trat- ningsverpstichtung, 4. Verschiedenes. MUS-WM« Freitag, den 9. April d. 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Die deutsche Luftfahrt wird, obgleich die Fesseln der sogenannten „Begriffsbestimmungen" nt>cß nicht gelöst sind, in diesem Frühjahr in ein neues Stadium der Entwicklung eintreten, nachdem die beiden führenden Konzerne, nämlich Junkers und Aero-Lloyd, sich zu der Einheits- gesettschast Deutsche Lufthansa zusammengeschlossen haben. Damit wird der Zersplitterung der Kräfte ein Ende gemacht, als deren Wirkung die Unrentabilität vieler Luftlinien im Landesverkehr sestzustetten war. Inzwischen ist bereits von von der Lufthairsa ein neues Streckennetz, das insgesamt 42 Linien umfaßt, fest gelegt worden, das ab 1. April nach monatelanger Pause be- . flogen wird. Von der Entwicklung des deutschen Luftverkehrs im Lauf der letzten Jahre gibt eine kurze Uebersicht ein eindrucksvolles Bild. Die Zahl der Personen, die im Jahre 1923 auf dem Luftwege befördert wurden, betrug rund 5000, im Jahre 1924 bereits 25 000 und im Jahr 1925 127 000. Die Gewichtsmengen des Güterverkehrs, die 1923 rund 1000 Kilogramm ausmachten, stiegen 1924 auf 30 000 Kilogramm und im Jahr 1925 sogar auf 900 000 Kilogramm. In den sechs wichtigsten Flugmonaten des Vergangenen Jahres wurden mehr als 4 Millionen Flugkilometer zurückgelegt. Auf dem Tempelhofer Feld bei Berlin, dem größten deuttchen Flughafen, starteten im Jahr 1924 476 Flugzeuge, im Jahr 1925 dagegen 4725. Diese Ziffern geben ein deutliches Bild von der geradezu überraschenden Entwicklung des deutschen Luftverkehrs und lassen erhoffen, daß das Jahr 1926 die Kurve dieser rapiden Aufwärtsbewegung weiterführt. Die Voraussetzungen hierzu sind gegeben, nachdem die Lufthansa, die in Deutschland eine Art Monopolstellung besitzt, die Organisation des Luftverkehrs nach größeren Gesichtspunkten durchführen, die Konkurrenzprobleme lösen und damit die Grundlage für eine bessere Rentabilität samten übrigen Industrie, die die verttkclle Trustbildung durch Majorisierung in einer Weise betrieb, die zuletzt verhängnisvolle Folgen nach sich zog. Rach dem vorerwähnten Verlust war sein Sinn in der Hauptsache auf die Erweiterung und Moderni- fierung seiner rheinischen Werke gerichtet. Trotz der Bedenken feiner Direktoren schritt er schon bald nach der Revolution, als manche feiner Fachgenossen verzweifelten, zu erheblichen Erweiterungen, deren Ausmaß die Bedeutung des verloren gegangenen Hagendinger Werkes erreichen sollte. Auch sein unmittelbar nach dein Kriege in Perbindung mit der 500 Millionen Reichsmark-Obligationsanleihe bekannt gewordenes »Programm zum Abteufen neuer Kohlenschächte erregte nicht geringes Aufsehen. So wurde er auch jetzt wieder wie ehedem die Triebkraft für die deutsche Industrie, deren einzelne Glieder wieder nachzueifern begannen. Die Bedeutung Thyssens als Eisenproduzent trat erst mit dem Tode Friedr. Alfred Krupps 1902 und mit der Begründung des Stahlwerksverbandes ins rechte Licht. Vorher kannte man ihn bzw. feine Firma in der Industrie nur von der Seite der Billigkeit der erzeugten Produkte und des rücksichtslosen Auftretens im Wettbewerb. Wenn es sich um größere Mengen Stahlerzeugnisse handelte, bot er früher oft bis zu 20 Mk. die Tonne billiger an, als die Konkurrenz. Wie er das möglich machen konnte, blieb lange unklar. Aber noch ehe andere Werke daran dachten, hatte Thyssen das Prinzip der Massenerzeugung unter Herabdrückung der Selbstkosten auf ein Mindestmaß und Berechnung nur kleinen Gewinnes in intensivster Weise auf feinem neuen Werk Deutscher Kaiser herausgebildet. Unter starker Ausnutzung der Ausfuhr halte er damit einen Absatz und Umsatz erreicht, der alle anderen Werke des Ruhrbezirks in den Schallen stellte. Es ist bekannt, daß die enorme Beteiligungsziffer, die Thyssen seinerzeit im Slahlwerksverband verlangte, auf starken Widerstand stieß, schließlich aber doch bewilligt werden mußte. Mittelbar gab sie wohl auch den Anlaß zu den großen Neubauten, die Krupp in Rheinhausen und später Gelsenkirchen in Esch errichtete. Thyssen wiederum baute, um nicht überflügelt zu werden, sein großes Hagendinger Werk. So ist er die eigentliche Triebkraft für unsere großen Produk- lionsziffern geworden, mit denen wir England überflügelten und uns den Weltmarkt erobert hatten. Das Prinzip der intensivsten Ausnutzung aller technischen Anlagen durch den Produktionsprozeß ist von ihm in außerordentlicher Weise entwickelt worden und er hat damit „amerikanisch" auf unsere Industrie eingewirkt, ohne dabei der deutschen Gründlichkeit etwas zu vergeben. Darin insbesondere liegt sein Verdienst um die Entwicklung unserer Eisenindustrie. August Thyssen wurde am 17. Mai 1842 in Eschweiler bei Aachen geboren, hat also das seltene Alter von nahezu 84 Jahren erreicht. Sein Vater, Johann Friedrich Thyssen, geboren 1804 zu Aachen, leitete als Kaufmann ein damals in Deutschland noch vereinzeltes Drahtwalzwerk in Eschweiler. Als solcher mag er die besondere Veranlagung seines Sohnes August schon früh erkannt haben. Nach Absolvierung der höheren Bürgerschule in Aachen ließ er ihn drei Jahre lang das Polytechnikum in Karlsruhe besuchen. Sein von allem Anbeginn an stark entwickelter Sinn für wirtschaftliche Betätigung zog ihn Darüber hinaus noch ein weiteres Jahr zur Handelsschule Antwerpen, und sein Blick mag sich hier besonders geweitet haben. Jedenfalls war fein Sinn für kaufmännische Fragen so ftühzeilig und in einem Maße bei ihm ausgeprägt, daß man von August Thnfsen als dem geborenen Wirlschaftsführer mit einer sonst kaum erreichten Produkttoität sprechen darf. Dabei zeigte er, von den Elterm ererbt, eine derart außergewöhnliche Anspruchslosigkeit, die ihm den Stempel'für sein ganzes Leben aufprägte. Jeder, der mit ihm zusammen kam, hatte gleich den bestimmten Eindruck, daß darin bei ihm nichts Gekünsteltes lag. Der oft mit ihm gemeinsam längere Stunden verbrachte, kannte genau den Ernst, mit dem er offen sich auch bei großen Anlässen und Besuchen namhafter Persönlichkeiten für einfaches Essen aussprach, das Rauchen gar als Verschwendung bezeichnete. Auch in seiner Kleidung dokumentierte er weitgehende Einfachheit und die gleiche Bescheidenheit zeigte er auf Reisen in der Wahl der Zugklasse, seines Hotels, feiner Spesen bis herab zur eigenen Behandlung feines stets dürftigsten Gepäcks. Nach feiner eigenen Aussage hinterließen seine Ettern jedem ihrer Kinder 15 000 Mk., ein Betrag, der zur damaligen Zeit allerdings eine wett höhere Kaufkraft hatte, als heule. Immerhin ist erstaunlich, daß er 1867 mit nur 8000 Talern, zusammen mit einem Herrn V. Fossoul das Bandeisenwalzwerk ßeldherr und Reichspräsident. Au Hindenburgs 60. militärjubiläum am 7. April. Von Dr. Stephan Kekule von Strodonitz. Hindenburg heißt Mit vollem Namen von Senerfenborff und von Hindenburg. Dem Stamme nach ist er kein Hindenburg, sondern ein Benecken- DogL abslammend aus dem uralten Adelsgeschlechte ÄEckendorff des Wappens mit dem Büffettopfe. Der Doppelname rührt von einer königlich preußischen Namen- und Wappenvereinigung vom 2. 1. i 1789 mit Denen Der ausgestorbenen von Hinben- burg her Die Damals Dem Johann GoltfrieD von Senerfenborff (geb. 1749, geft. 1827), Herrn auf Keimkallen, Limbfee, NeuDeck unD Perfcheln, Dem Urgroßvater des GeneralfelDmarfchalls, zuteil wurde, weil die väterliche Großmutter dieses Johann Otto Gottfried: Scholastika, eine geborene von Hindenburg gewesen war. Er hat also, indem er sich selbst meist bloß kurz „von Hindenburg" nennt, eigentlich den Namen einer Ahnfrau unsterblich ge macht, statt den seiner Vorfahren des eigenen, des Mcmnesslammes! Das vereinigte Wappen von 1769 ist in vier Felder geteilt und zeigt im ersten und vierten Feld in Blau einen schwarzen 'Büffeltopf mit goldenem Ring im Maule (Stammwappen Senerfenborff), im zweiten unb britten Felb in Silber einen grünen Baum, vor dem auf grünem Rasen eine braune, d. h. naturfarbene Hirschkuh ober Hinbe schreitet (Stammwappen Hinbenburg). Zwei Helme: auf dem rechten mit blau-silbernen Decken vier Strau- ßenfebern (blau-schwarz schwarz-blau); auf bem linken mit rot-silbernen Decken ein offener schwarzer -Zlblerflug — jener ist ber Helm bes Wappens Senerfenborff, biefer derjenige des Wappens Hindenburg. Dem vorstehend beschriebenen, vereinigten Wappen von 1789 widerfährt häufig das Mißgeschick, mit unrichtigen Farben wiedergegeben zu werden: die oben angegebenen Farben sind dem Wortlaute ber Namen- unb Wappenvereinigungs- urfunbe von 1769 entnommen. Paul (Lubwig Hans Anton) von Senerfenborff unb von Hinbenburg ist am 2. 10. 1847 zu Posen geboren. Sein Vater war Robert von Senerfenborff unb von Hinbenburg (geft. 1902 als Major a. D.), die Mutter Luise, geb. Schwickarbt. Der Vater war damals Leutnant im 1. Posenschen Jnf.-Regt. Nr. 16. 1850 war ber Vater als Führer einer „Lanbwehrkompagnie" nach Pinne versetzt worben, wo bann ber kleine Paul sein viertes bis siebentes Lebensjahr zubrachle. 1855 kam ber Vater nach Glogau, wohin bas Regiment 1851 versetzt war. Paul besuchte bort zwei Jahre bie evangelische Bürgerschule an ber Kirche „Zum Schifslein Christi". Ostern 1857 kam er in bie Sexta bes bärtigen Königlichen Gymnasiums; Ostern 1858 würbe er nach Quinta versetzt. Im Frühjahr 1859 sollte er Kadett werden: er kam nach Walstatt. Die Wahlstatter Zeil dauerte bis zum Frühjahr 1863; im April dieses Jahres wurde die Hauplkadetlenanstalt zu Berlin bezogen. 1865 kam der Kadett in die Selefta. Am 7. 4.1866 kam Hindenburg als Leutnant in das 3. Garde-Regt. z. F. Am Feldzug von 1866 hat der junge Offizier teilgenommen. Bei Koniggrätz hal er sich ausgezeichnet, wurde leicht verwundet unb erhielt bafür später ben Roten Ablerorben vierter Klasse mit Schwertern. Den Krieg gegen Frankreich von 1870'71 machte ber nun Dreiunbzwanzig- jcihrige als Abjutant bes 1. Bataillons mit. Er Hal an ben Schlachten bei Gravelolte-St. Privat unb Seban, ber Belagerung von Paris, ber Erstürmung von Le Bourget teilgenommen unb brachte bas Eiserne Kreuz 2. Klasse heim. Am 13. 4. 1872 würbe er Premierleutnant; von 1873 bis 1876 würbe bie Kriegsakabemie besucht. 1877 würbe ber Premier- leutnc.nl zur Dienstleistung beim Großen Generalstabe fommanbiert unb 1878 unter Beförberung zum Hauptmann unter Belassung beim Großen Generalstab in ben Generalstab ber Armee versetzt. Am 9. 7. 1878 kam er in ben Generalstab bes 2. Armeekorps, 1881 in benjenigen ber 1. Division, unb am 15. 4. 1884 würbe er als Kompagniechef in bas Jnf.-Regt. Nr. 58 versetzt, das seit 1902 „3. Posensches" hieß. Schon am 11. 8. 1885 wurde Hindenburg wieder in den Generalstab der Armee versetzt und dem Großen Generalstab zugeteitt. In diesem wurde er am 12. November 1885 Major. 1888 wurde der Major in Den Generalstab Des 3. Armeekorps versetzt, kam im Oktober 1889 wieDer in den Großen Generalstab unD am 19. 11. Des gleichen Jahres in Das Kriegsministerium. In Diesem war er zunächst mit Der Wahrung Der Geschäfte eines Ableilungschefs beauftragt; am 25. 11. 1890 rourDe er Abteilungschef. 1891 rourDe er zum Oberstleutnant beförDert, 1893 an Die Spitze des Oldenburgischen Jnf.-Reg. Nr. 91 gestellt. 1894 zum Obersten befördert, kam Hindenburg 1896 wieder in eine Generalstabsstellung: als Chef bes Generalslabs bes 8. Armeekorps; in biefer Stellung erhielt er am 12. 9. 1896 ben Rang eines Brigabefommanbeurs. Am 22. 3. 1897 würbe Hinbenburg Generalmajor, am 9. 7. 1900 als Generalleutnant an bie Spitze ber 28. Division gestellt. Am Geburtstag bes Kaisers 1903 würbe er mit der Führung bes 4. Ärmeekorps beauftragt, am 18. 6. des nämlichen Jahres Kommandierender General des gleichen 2lrmeetorps, am 22. 6. 1904 General der Infanterie. Auf den Weihnachtstisch des Jahres 1908 legte ihm sein Kriegsherr die Stellung ä la suite des Regiments, in dem er seine Laufbahn als Offizier begonnen hat. Am 18. 3. 1911 wurde er auf feinen Antrag zur Disposition gestellt und erhielt den hohen Orden vom Schwarzen Adler. Dieses ist der äußere Lebensabriß Hindenburgs bis zum Ausbruch des Krieges. — Vermählt ist Der Feldherr seil dem 24. 9. 1879 mit Gertrud v. Sperling, einer Tochter des 1872 zu Dresden verstorbenen Generalmajors Oskar v. Sperling. Der Ehe sind drei Kinder, zwei Töchter und ein Sohn, ent- Iproffen. Die älteste Tochter Irmengard (geb. zu Stettin 1880) ist seit 1902 die Gemahlin des Hauptmanns d.R. bes 1. Garbe-Regis, z. F. Lanbrals a. D. Hans-Joachim von Brorfhusen, Herrn auf Groß-Justin im Kreise Kammin. Die jüngste Tochter Annemarie (geb. zu Berlin 1891) ist seit 1912 die Gemahlin bes Rittmeisters im 2. Hannoverschen Dragonerregiment Nr. 16 Christian v. Pentz. Sein Sohn Oskar ist nach bem mütterlichen Großvater benannt (geb. zu Königsberg 1883). Für Denjenigen, Der Die Abslammungsverhatt- nisse Des Heerführers ihrer allgemeinen Beschaffenheit nach betrachtet unb Dabei Die Urquellen feiner Anlage zu erforschen sucht, springt eine auffaUenDe Uebereinftimmung mit Der allgemeinen Beschaffenheit Der Abstammungsverhättnisse Des Reichsgrün- Ders Otto von Bismarck in Die Augen. In beiDen Fällen ist Der Baterftamm von UraDel, ein ausgesprochenes Geschlecht von ßanDeDelleuten mit starkem Einschlag von Offizieren, währenD Die Mutter einer nichtabeligen, ausgesprochenen „intelligent familie" entstammt: Bismarcks Mutter Dem Profes- sorengeschlochl Mencken, HinDenburgs einer Familie, Die mehrere Generalärzte zu ihren Mitgliedern zählt. Es bleibt nur noch übrig, sich einiger Daten aus Hindenburgs Leben nach dem Kriege zu erinnern. Es wird stets eines seiner großen Verdienste bleiben, daß er den Hauptteil des Weslheeres ohne Erschütterung in die von der Revolution durchwülete Heimat zurückführte und die durch Die Waffenstill- ftanDsbeDingungen geforberte Demobilmachung Der Armee durchführte. Am 1. Mai 1919 erbat et von Der Regierung seine Gntbinbung von Dem Amt und legte Drei Tage vor Der Unterzeichnung Des Versailler Vertrages Den Oberbefehl nieber. — Ein Jahr barauf erschienen, in seiner Hannoveraner Muße geschrieben, seine „Lebenserinnerungen". 'Bieber ein Jahr barauf traf ihn ein tiefer Schmerz: er verlor burch ben Tob seine treue Lebensgefährtin nach 41jähriger Ehe. — Vor Jahresfrist wählte bas beutsche Volk Hinbenburg zum zweiten Präsibenten ber Republik. August Thysieu f. Von Karl Akbach. So wie ber Name „Kirdorf" eine fest umriffene Persönlichkeit unb ein fest ftehenbes Programm in ber Bergbauindustrie bedeutet, so knüpften sich an ben Namen Thyssen bestimmte Auffassungen ber eifeninbuftrieUen Kreise über Persönlichkeit, Charakter unb geschäftliche Eigenschaften. „Nichts wird ihm mehr Freude bereiten, als Die MelDung über eine Erhöhung Der Probuklionsziffer." Dieser Ausspruch eines seiner Mitarbeiter gelegentlich seines 80. Geburtstages ist charakteristisch für Den Jnbu- ftrieüen August Thyssen, Der zugleich moDerner Kaufmann unb Finanzmann war. Thyssen ist nicht von außen her burch Anglieberung groß geworben. Er hat biete nur betrieben, soweit sie für ben Eigen- bebarf feiner Werke in Frage kam. Von innen heraus burch ben systematischen Ausbau ber Werke ist bie Firma Thyssen zu ihrer heutigen Bebeutung gelangt. Diese Enlwicklungslenbenz war auch noch nach bem unglücklichen Kriegsausgang, ber ben Verlust bes von ihm errichteten neuen unb mobernften Stahlwerks in Hagenbingen (Lothringen) zur Folge hatte, ridjtunggebenb unb August Thyssen befanb sich bamit im gewissen Gegensatz fast zur ber ge- $oibeq)i. W. g _ ......... . 8.50 ......... . 7.50 ......... . 550 ......... , 4.- ......... , 3.50 ........ , 3.- diese Opern, einentsplah, wenn 'alerkasse während -ungen leisten: littchfatz M. 4.- ........ , 3.- Aüchüah , 2.- Slatten vorzulegen, ichlung GWgleii H nicht besuchen «Sjen Totlage ihrer tenguischein. gt der freie (Bor- wn auf ihre Plätze 31163 Zwei neue Stepp« decken Kaufgesuche WM ür Auto zu faulen «sucht. 0-4\l Wer Dietrich, Beuern. Staute oebtaudne; Chaiseionzue. SckriNl.Aiigeb.mu. QM n d. Gicii-Aiu. WM xu kamen Sksich. Angebote niN Preis an Schmidt. Wariweg^ -Ur-getragene . Wustes zahlt höchste Preise L. Rosenzweig, Kar!e_genM:--- **. ,flttlA. Hüllen outen - iönfeck^.. (Verschieden^ DU KW Meres Käufer ^6närül; kl- Teil lcun JnsirMA Mark ciötoiVrlcbtit ct' als rar>e>,q.n. Nuhraktion ihm verursachten. Diese Verluste sind ihm, der die Entstehung jeder Neuanlage und ihre Inbetriebnahme mit inniger Anteilnahme verfolgte, besonders nahegegangen. Nur so läßt cs sich auch begreifen, daß er monatelang erbittert mit dem Reiche kämpfte, um eine einigermaßen angepaßte Entschädigung für die verloren gegangenen Werke durchzuseßen. Die übrige Schwerindustrie wußte wohl, was sie tat, als sie — nach den früheren Differenzen verwunderlich genug — Thyssen zugleich die Vertretung für ihre eigenen Ansprüche an das Reich übertrug. Und noch ein zweitesmal sprang Thyssen für die gemeinsamen Interessen in die Bresche. Das war, als die Folgen des Krieges sich 1923 bis ins Herz des Ruhrgebietes erstreckten und hier das gesamte industrielle Leben zu ersticken drohten. Die mannhafte Haltung seines Sohnes Friß in diesen schweren Monaten bleibt unvergessen. Hinter ihm aber stand er selbst, und er dokumentierte dies durch sein persönliches Erscheinen bei der Kriegsgerichtsverhandlung in Mainz und die gemeinsame Rückfahrt. Wie er sein ganzes Leben in der Hauptsache nur Kampf kannte, so kämpfte er auch noch am Ende. Die Gründung der Vereinigten Stahlwerke A. G. und die Einbringung seiner größten 'Anlagen decken sich gewiß mit seinem schon früher gehegten Ansichten über Zusammenfassung in der westlichen Eisenindustrie. Man kann indessen zweifeln, daß Zeitpunkt, Form und sonstige Begleiterscheinungen der Transaktion ganz nach seinen Ideen und Wünschen sind, wie endlich auch der einstweilen zu- sammengeseßte Kreis der Werke. Schließlich gaben wirtschaftliche Erwägungen für ihn den Ausschlag, denn gerade seine Werke in Hamborn-Bruckhausen find in seltener Weise auf volle Ausnutzung eingerichtet und vor allem auch daraus angewiesen. Die günstige Lage für Empfang und Versand gewährleistet die günstigsten Selbstkosten und schafft ihnen so einen Vorsprung vor allen übrigen Werken. Steht man nach allem verwundert an dem Lcbenswerk dieses Mannes, so muß man einräumen, daß hierzu keine alltäglichen Kräfte ausreichen. Frühmorgens mit den ersten seiner Beamten ,'m Bureau, vorher oft schon im Betrieb, war er abends der letzte, der es verließ, um schließlich zu Hause noch wichtige Eingänge zu lesen unö meist handschriftlich zu erledigen. Bis zu seinem 80. Jahre und auch später noch erfreute sich August Thyssen seltenster körperlicher und geistiger Frische. Roch fast täglich erschien er auf seinen Werken, versammelte feine Werksleiter zu anregenden Konferenzen, und war nur schwer zu bewegen, sich die notwendige Ausspannung zu gönnen. In der letzten Zeit nahmen aber auch bei ihm die Kräfte ab und mit einem stets sich verschlimmernden Augenleiden zog August Thyssen sich mehr und mehr von den Geschäften zurück, um sich zuletzt nur noch mit einigen ihn besonders interessierenden Spezialfragen zu befassen. Die letzten, dem Ausgleich in der Familie dienenden Auseinandersetzungen mit seinen Söhnen Fritz und Heinrich über die Verwaltung der viel verzweigten Unternehmungen hatten das Gute, daß sie zugleich einen gewissen Schnitt zogen zwischen dem Teil, der für eine Vertrustung wegen der Gleichartigkeit mit anderen Werken geeignet war, und den Betrieben und Gesellschaftern die mehr ober minder aus diesem Rahmen herausfielen. Der erstere Teil unterstand der Leitung von Fritz Thyssen, der andere der Verwaltung von Baron Heinrich Thyssen-Bome- misza und einer diesem nahestehenden holländischen Bank. Ob diese Regelung etwa schon als Vorbereitung für die später in die Erscheinung getretenen Vertruftungspläne und -Absichten gemeint war, lassen wir dahingestellt. Ausgeschlossen erscheint es indessen nicht. Der Gegensatz zwischen den Erben, der ja bei der Verständigung zutage trat, mochte gelegentlich an die Vorgänge der Familie Stinnes erinnern, deren Folgeerscheinungen mögen aber auch vielleicht nicht ohne Wirkuna auf den Verstorbenen geblieben sein. Und wenn auf der einen Seite die Einbringung eines gewaltigen reinen Familienwerkes in eine neue Gesellschaft für den zum Nachfolger in der Leitung prädestiniert gewesenen Sohn auch nicht ohne ein Opfer an persönlichem Stolz geschah, so erblickt Fritz Thyssen vielleicht doch eine neue große Ausgabe darin, als Präsident des ersten deutschen Werksblockes in neuer Richtung zu wirken. Rast' ich, so rost' ich! Das ist offenbar der Wahlspruch August Thyssens während seines ganzen Lebens gewesen. Um so mehr muß es überraschen, daß er dieses hohe Alter erreichte und bis kurz vor seinem Tode vor schweren Erkrankungen bewahrt blieb. Auch Seelenkonflikte haben niemals seinen Wirkungsdrang beeinträchtigen können. Verwurzelt mit Menschen und Dingen blieb er in seiner Die tolle Herzogin.! „ Roman von Ernst Klein. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. 34 Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Las Valdas ermordet? Das ist wirklich furchtbar!" sagte sie langsam, mit einem Ton des Bedauerns in der Stimme. Sie wunderte sich selbst, woher sie auf einmal diese Kunst des Schauspielens hatte. Hinter Lord Burnham hielt sich Grace mit Muhe und Not aufrecht — die Augen schreckensooll auf sie geheftet, von ihr Rat und Hilfe erwartend. „Ja — ja," fuhr Lord Burnham fort. „Er ist noch am selben Tage, da er von uns nach London zurückkam, ermordet worden. Im Klub meinen fie, es stecke eine Eifersuchtsgeschichte dahinter." „Er machte mir gleich den Eindruck eines Mannes, der ein rücksichtsloser Frauenjäger ist. Sagte ich dir das nicht gleich, Grace, als du ihn mir vorstelltest?" „So ist es. Du bist doch immer eine gute Menschenkennerin gewesen", brachte Grace fertig, so leichtweg Hinzuwersen. Dabei ging Blick um Blick zwischen ihr und Gloria hin und her. Der Vater stand auf. „Nun, ich werde Ryce empfangen. Da Las Valdas dem deplomatischen Korps angehörte, wird er wohl mit der Untersuchung betraut sein und an uns allerlei Fragen zu stellen haben." Gloria übersah blitzschnell die Lage und die in ihr steckenden Gefahren. Weder der nichts ahnende Vater noch die völlig wehrlose Grace durften mit Ryce sprechen, der mit ihnen beiden sicher machen würde, was er wollte. Sie selbst mußte ihn sehen. Sie selbst-- „Vater, eine Bitte", sagte sie lächelnd. „Bring Sir Walter heraus! Wenn ich auch Las Valdas nicht leiden mochte, so interessiert mich doch die Geschichte ungemein. Ich habe lange genug still liegen müssen und nichts sehen und hören dürfen —" „Aber du kannst doch unmöglich-- „Ich habe dir gezeigt, Vater, daß ich Unmögliches kann. Mutte. Anne, du gehst jetzt hinunter und bittest Sir Walter, eine Viertelstunde zu warten. Wir werden ihn bann in meinem Salon emp- einfachen Denkungsart und Lebensweise bei allem kämpferischen Geiste sozusagen ein Philosoph, der den jeweiligen Verhältnissen stets die beste Seite abzugewinnen vermochte. Achtung gegenüber jedermann — auch gegenüber dem Geringsten seiner Arbeiter — trug ihm selbst die größte Achtung ein. Diese völkische Grundeinstellung — wer wollte sie leugnen — offenbart sich in seinem ganzen Werk, das aus kleinsten Anfängen geworden, während aller Phasen seiner Entwicklung >edweden Hauch händlerischen Geistes vermissen läßt. Von innen heraus ist es gewachsen. Er selbst hat Stein auf Stein gefügt und stets den Familiencharakter gewahrt. Der Abwehrkampf an Rhein und Ruhr in 1923, auf den schon vorne kurz hingewiesen wurde, läßt nicht minder diesen Grundzug in die Erscheinung treten. Ja in diesem Deutschenspiegel erkennt man darüber hinaus ein diplomatisches Geschick uftb ein politisches Fingerspitzengefühl, bas man unter Wirtschafts- sührern häufig vergebens sucht. Auch August Thyssen wirb persönlich von ber Besatzung nicht verschont. Auf Schloß Lanbsberg hat sich ein französischer General ober höherer Stabsoffizier cinguar- tiert, ber Herrn August Thyssen eines Tages seine Aufwartung zu machen gebenft. August Thyssen besangen. Vater, bu stellst bich schön brav vor bic Tür, um für ben Fall bei ber Hanb zu sein, baß ich noch nicht kräftig genug bin, allein zu gehen! Unb bu, Grace, hilfst mir beim Anziehen!" Ein Wiberspruch war nicht möglich. Mutter Anne humpelte nach biefer Befehlsausgabe bavon, Lorb Burnham trat bie Wache vor ber Tür an. Drinnen flüsterte Grace, währenb sie Gloria half, sich aus bem Bette zu erheben: „Wie soll ich dir banken!---Wie soll ich bir alles vergelten, was bu für mich tust!" Gloria zürnte ber Schwester schon längst nicht mehr. Grace, nicht so wiberstanbsfähig, |o entschlossen wie sie selbst, litt gleich allen passiven Naturen, bie sich einem fuchtoaren Geschehnis gegenüber wehrlos sehen. Dazu marterte ehrliche Reue, bittere Angst um Gloria bie Frau, bie einst mit einem leichtfertigen Lächeln allen unangenehmen Dingen aus bem Weg tänzelte. Nun hatte sie Tag und Nacht an bem Bett gesessen unb bie mit bem Fieber Ringende mit fanatischer Hingebung gepflegt. „Schwatze keinen Unsinn", sagte Gloria. „Was wir angefangen haben, müssen wir auch zu Ende führen. Da ich keine Garderobe hier habe, bringe mir eine deiner Matinees unb Häubchen — aber bitte etwas folib Englisches, nichts pikant Pariserisches!" Sir Walter Ryce präsentierte sich mit einem großen Rosenstrauß in ber Hanb. Keine Miene in seinem jugenblichen Gesichte verriet bas Erstaunen barüber, daß Gloria selbst ihn empfing. „Ich hatte mir bereits mehrere Male bie Freiheit genommen, mich telephonisch nach bem Besinnen ber Frau Herzogin zu erkunbigen", begann er, inbem er sein Bukett überreichte. „Ich banke Ihnen, Sir Walter", ermiberte Gloria, indem sie mit Wohlbehagen ben Dust ber Blu- men einsog. „Man hat mir (eiber nichts bavon gesagt — bas Telephon ging ja fortwährenb--" Sie blickte die Schwester an. „3a," bestätigte diese, „man sollte es nicht für möglich halten — wir wurden mit Anfragen und Sympathien förmlich bestürmt. Ich hatte nie gedacht, daß bie Lonboner Gesellschaft so viel Aufwand an Mitgefühl mit anberen Menschen treiben kann!" „Das kommt auf ben sogenannten anderen Menschen an!" lächelte ber genannte Sir Walter unb machte ein bubenhaft bewunbernbes Gesicht. stimmt ben Termin und bei ber Begegnung bebeutet ber französische General in phrasenhaftem Wortschwall feine große Freube unb die ihm zuteil werbende besondere Ehre, bie Bekanntschaft eines solchen bebeutenben Mannes zu machen unb fügt sein Bebauern hinzu, baß es unter solchen Verhältnissen erfolge. August Thyssen greift biefe Rebewen- bung auf unb erwibert: Ihr Bebauern, mein General, kann ich sehr wohl verstehen, benn Ihnen als bem Vertreter eines großen Kulturvolkes muß es außerorbentlich peinlich fein, in ein wehrloses unb friebliebenbes Lanb mit Waffengewalt einzudringen." Wendet sich ab unb beenbet bamit ben Akt internationaler Höflichkeit. Kaum besser konnte die Ehre des deutschen Volkes unter ähnlichen Umständen gewahrt werden. Man erinnert sich anderer Vorgänge und wird so besonders inne, welchen großen Verlust nicht nur die Familie Thyssen, sondern gerade das deutsche Volk und Gesamtdeutschland durch den Tod dieses Mannes erlitten hat. Ein besonderes Geschick will es, daß er gerade von hinnen scheidet, da die Thyssenwerke als solche aufhören zu bestehen, mit dem Genie — wenn auch nur bildlich gesprochen — gleichzeitig bas Werk untergeht. Lächelte unb ließ lächelnb seinen Blick von der einen zur anberen gleiten. Grace senkte ben ihrigen, Gloria aber gab bankbar Lächeln unb Blick zurück. Sie ist es, sagte er sich. „Eigentlich ist es ein großes Unternehmen von mir," sprach fie, „mich aus bem Bette zu wagen, aber ich bin so neugierig, zu Horen, was es Interessantes in Lonbon gibt! Bitte, Sir Walter, Sie find boch sicher mit Neuigkeiten gefüllt — packen Sie aus!" Teufel — was wollte sie? Er fühlte sich unbehaglich. Wußte nicht, was er aus biefer lächeln- ben, heiter gestimmten Gloria Sainsbury machen sollte. Ganz anbers hatte er erwartet, sie an- zutrefsen. „Ach —" erroiberte er, „ber Neuigkeiten gibt es eine ganze Menge. Worüber wünschen Sie informiert zu werben, Frau Herzogin? lieber Politik ober Sport — ober, hm, sagen wir Gesellschaft?" „Sie meinen boch Klatsch? Protestieren Sie nicht, Sir Walter, Papa sagte mir vorhin, Sie hätten ben Ruf, ber beste Beamte im Geheimbienste zu sein — aber vor einer Frau können Sie sich trotzbem nicht verstellen. Sie wollten Klatsch sagen. Ja ober nein?" « „Ich bekenne mich zu biesem Vergehen und bitte um Nachsicht." „Gewährt unter ber Bebingung, baß Sie uns etwas recht Interessantes erzählen. Wissen Sie, Sir Walter, was Papa vorhin meinte, als Sie sich inel- ben ließen?" „Nun?" „Sie tarnen bestimmt wegen ber Ermordung des armen Las Valdas?" Sir Walter Ryce war gewiß nicht leicht aus bem Gleichgewicht zu werfen. Aber dieses Mal fehlte nicht viel dazu. Sogar fein Monokel wurde unsicher — um Zeit zu gewinnen, nahm er es aus bem Auge und begann es sorgfältig abzureiben. Bewunderungswürdig ber Mut biefer Frau! Hm — — Mut ober Verzweiflung? Man wirb ja sehen--" „Nein, biefe Affäre", erwiderte er, nachdem Gleichgewicht unb Monokel wieder in Ordnung waren, „führt mich nicht hierher, obwohl ich nicht leugnen will, daß ich mit ihrer Untersuchung betraut bin. Ich wollte mich tatsächlich nur nach dem Beünden der Frau Herzogin ertunbigen. Aber da bas Blatt. In der 20. Minute konnte ber Halblinke von Gießen bic Führung für seine Farben buchen. Bis zur Halbzeit wurde auf beiden Seiten nichts mehr erreicht. Nach Halbzeit zuerst offenes Feld- spiel, bann eine sich immer mehr bemerkbar machenbe Ueberlegenheit ber Gießener. 15 Minuten vor Schluß schoß ber Mittelstürmer Gießens in glänzenber Manier unhaltbar ein. Beim Schlußpfiff trennten sich zwei ruhige unb faire Mannschaften. Marburg II — Gießen II 6:1. Hier trafen zwei ungleiche Mannschaften auf- einanber, trotzbem überrascht bieses Resultat. Mit etwas mehr Geist wäre aucy hier ein anberer Ausgang zu buchen gewesen. Die Ueberlegenheit ber Marburger war unverkennbar, ber Sieg oerbient, wenn er auch in biefer Höhe nicht zu erfolgen brauchte. Lollar. Am Karfreitag weilte die erste Mannschaft der Sportabteilung des Turnvereins Lollar in Wetzlar, um sich mit der dritten Mannschaft des D. Cl. v. 1910 zu messen. Aus dem fairen, ruhigen Kampfe konnte die LoUarer Mannschaft, die nur mit zehn Mann und noch einigem Ersah angetreten war, als knapper 2:1-Sieger hervorgehen. Am ersten Ostertag standen auf hiesigem Platze die erste Iugendmannschaft des Sportvereins .Heuchelheim und die erste Jugend des Platzvereins gegenüber. Der Kampf, der auf beiden Seiten einige ansprechende Leistungen bot, endete unentschieden 3: 3. Vom Vriestaubensport. Einer der schönsten und idealsten Sporte ist zweifellos der Brieftaubensport, dem man sich in unserer Gegend mit immer größerem Interesse zuwendet. Andere Sportarten, wie Fußballspiel, Radrennen und Boxkämpfe, erfreuen sich beim Publikum vielleicht einer viel schnelleren Beliebtheit. Dies liegt wohl ohne Zweifel daran, daß der Berlauf der Wettkämpfe vom Publikum unmittelbar verfolgt, beobachtet und genau beurteilt werden farm. Diese Wettkämpfe sind Schaustücke für die große Menge. Was bietef. aber der Briestaubenfport nach dieser Richtung hin? Biele Menschen können im allgemeinen von der eigentlichen sportlichen Tätigkeit der Brieftauben überhaupt nichts wahrnehmen, heute noch viel weniger als früher. Sie kennen auch nicht den ungeheuren Reiz, den ein Wettflug für den Eingeweihten auslöst. Früher trugen auch die Briestaubenwettflüge mehr militärischen Charakter, heute jedoch sind sie in die Reihe der deutschen Sportarten eingetreten. Unö es ist nicht zuviel behauptet, wenn man sagt, daß der Rennsport und die Taubenwettflüge in allen Punkten eine Sportart sein dürsten. Man sagt oft, der Brieftaubensport ist der Sport des kleinen Mannes. Das Heimatland des Brieftaubensports ist Belgien, von wo aus er sich über Westdeutschland nach dem übrigen Deutschland verbreitete. 3n Belgien ist fast kein Haus ohne Taubenschlag, und dort ist man auf die Taubenwettflüge gespannter als bei uns auf den Ausgang eines Pferderennens, weil die ganze Bevölkerung regen Anteil daran nimmt. Die Siegertauben, auf bie oft hohe Einsätze gesetzt werden, werden in illustrierten Zeitungen abgebildet, und große Artikel werden über sie geschrieben. Aehnlich oder genau so ist es im Ruhrgebiet, im Rheinland und Westfalen. Don hier aus laufen oft Eisenbahnzüge voll Brieftauben bis an die Grenzen unseres deutschen Bater- landes, wo dann die Tiere aufgelassen werden und die oft 900 Kilometer lange Strecke in einem Tage zurücklegen. Die Leistungen, die vor dem Kriege die Brieftauben vollbringen konnten, haben sie in der Rachkriegszeit noch nicht erreichen können', denn es gab damals Flüge, die von Rom und Barcelona ausgingen, wo die Tauben über hohe Gebirge, wie die Alpen und Pyrenäen fliegen mußten und trotz dieser ungeheuren Schwierigkeiten in kurzer Zeit ihre Heimat wiederfanden. Doch wird man dieses Jahr auch wieder von gewaltigen Flügen lesen können: denn durch das Freiwerden der Kölner Zone ist auch eine scharfe Bestimmung der Besatzungsbehörde gefallen: die dortigen Brieftaubensportler dürfen wieder reifen von Osten nach Westen. Unb soweit die Reifepläne feststehen, dürfte die Cndtour für einen Teil ber rheinischen Züchter, mit benen auch der Brieftaubenklub Gießen in Gemeinschaft reift, mir bie Herrschaften so entgegenkommen, wäre ich glücklich, einige Fragen stellen zu bürfen — bas heißt, wenn ich ber Frau Herzogin nicht bamit lästig falle." „O, durchaus nicht! Im Gegenteil! — — Wir hoffen, baß unsere soziale Neugierbe babei auf ihre Kosten kommt." Ryce stürzte fick; also in Fragen, bie er schon längst alle wußte. Gloria schwieg, boch Lorb Burnham unb Grace stanben Rebe unb Antwort. Wann Las Valbas nach Burnham Tower hinausgekom- men? Wie lange er geblieben? Ob sie säuberliche Erregung an ihm bemerkt hätten? Nein? Er sei sehr lustig gewesen? Ein überaus nützliches Mit- glieb ber Gesellschaft? Ein guter Tänzer--ein guter Klavierspieler —? Wohl ein bißchen Draufgänger? Nun ja — fein Ruf--unb so weiter — unb so weiter. Ryce wußte schon, roarum er kein schweres Geschütz ins Treffen schickte. Keine gefährlichen Fragen stellte. „Papa," sagte bann Gloria, „erzählte, im Klub herrsche bie Ansicht, Las Valbas sei einem Ecfer- suchtsattentat zum Opfer gefallen." „Möglich, Frau Herzogin. Wenn ich aber offen sprechen bars, so mochte ich boch sagen, baß bie Angelegenheit komplizierter sein dürfe, als sie auf den ersten Blick erscheint. Denken Sie, am Tage nach bem Morbe ist ber Chauffeur des Grafen überfallen worben! Die Attentäter haben ihn noch auf ber Straße burchsucht unb finb bann in seine Wohnung eingebrochen! Unb haben nichts gestohlen! Gar nichts. Haben nur etwas gesucht, was sie augenscheinlich nicht gefunben haben — benn am nächsten Abenb würbe versucht, in bas Hgus Las Valbas' selbst einzubrechen." Währenb Ryce sprach, blickte er Lorb Burnham an. Aber ihm entging nicht, wie sich bei seinen Worten bie Nerven seiner weiblichen Zuhörer spannten. Beibes Frauen! Sie tauschten einen raschen Blick. Gloria blieb aber ruhig. „Das ist überaus interessant", meinte sie, indem sie wieder ihr Gesicht in ben Rosenstrauß senkte. „Sie lassen natürlich bas Haus jetzt bewachen?" Sir Walter spitzte bie Ohren. Die Spur würbe warm. Aber jetzt nicht loslassen! Gleichmütig zuckte er bie Achseln. (Fortsetzung folgt.) Turnen, Sport und Spiel. V. f. B. (=) Die unteren Mannschaften weilten mit Ausnahme ber 2. Iugenb auswärts, um zum Teil alte Freunbfchaftsbeziehungen aufzufrifchen, ober neue anztiknüpsen. Die 2. Mannschaft kam hoch- befriebigt von ihrer „Vogelsberg-Tournee" zurück unb lobte bie Gastfreunbschaft ber Schottener unb Ober-Schmittener Sportleute. Am 1. Feiertag würbe in Schotten gegen Sportverein 1920 gespielt. Die V. f. B.-Mannschaft hatte von Anfang bes Spiels ein kleines Plus, ihre Zusammenarbeit war unter Beibehaltung ber flachen Kombination sehr gut. Das Resultat lautete benn auch 2:0 für D. f. B. Die vom gaftgebenben Verein veranstaltete Abenb- unterhaltuna mit Tanz schien bic Kampfkraft ber A. f. B.-Mannschaft etwas geschwächt zu haben, was am folgenben Tag bem Namensvetter in Ober- Schmitten zu einem 2:1-Sieg über seine Gäste verhalf. Nichtsbeftoweniger würbe boch von beiben Seiten recht annehmbarer Sport geboten. Die 3. Mannschaft war am 1. Feiertag bei ber gleichen bes V. f. R. „Olympia" Frankfurt zu Gast unb errang einen einbrurfSDoUen 4:1-Sieg. Am 2. Feiertag fuhr bie 1. Jugenbmannschaft nach Villmar an ber Lahn unb schlug bie als sehr spielstark bekannte 1. Jugenbmannschaft bes bärtigen Sportvereins mit 2:0. Eine sehr beachtenswerte Leistung vollbrachte bie 2. Iugenb am 1. Feiertag, inbem fie ber burch Aktive verstärkten Iugenb Lollars ein gleichwertiges, oft sogar überlegenes Spiel lieferte unb burch einen Elfmeter ben 1:0-Sieg sicherstellte. Aus dem Arbeiter-Turn- und Sportbund. Wehlar II. — vlasbach I. 3:3. £ Zu ihrem ersten Spiel hatte Wetzlars II. am Karfreitag bie I. Elf Blasbachs verpflichtet. Die Wetzlarer Mannschaft zeitzte naturgemäß noch manche Schwäche, bic aber sicher in ben kommenben Spielen ausgemerzt wirb. Ueberraschen konnte bes- halb bas immerhin gute Abschneiben ber Els gegen ben eingespielten Gegner, unb bas um so mehr, als Wetzlar jebesmal bie Führung übernehmen konnte. Blasbach oerstanb es in geschickter Weise, immer roieber den Ausgleich herzustellen. Das Hauptver- bienst gebührt hier bem Mittelläufer Blasbachs. Wehlars 2. Jugend — Vlasbachs 1. Jugend 8:0. Die durch die drei Kleinsten der 1. Jugend verstärkte 2. Jugend Wetzlars stellte sich ber körperlich stärkeren Blasbacher Iugenb auch zum ersten Spiel. Zu Anfang des Spieles hielt Blasbach feinem technisch überlegenen Gegner ftanb, bann aber setzte sich bie glänzenb fpielenbe Iugenb Wetzlars burch unb erzielte bis Halbzeit 3 Tore, außerbem verschenkte sie einen Hanbelfer. Nach bem Wechsel ließ sich Blas- bachs Iugenb die Courage abnehmen, inbem sie nun fast nur ihr eigenes Tor verteibigte, obwohl sie bas Zeug bazu gehabt hätte, auch burch Angriffe bem Wetzlarer Tor gefährlich zu werben. Die kleinen Wetzlarer liefen zur Höchstform auf unb stellten bas Resultat bis zum Schluß auf 8:0, wobei fie auch in ber zweiten Halbzeit nochmals einen Elfmeter verschenkten. Eckenverhältnis 10:1 für Wetzlar. Blasbach muß unbebingt mehr Angriffsgeist entwickeln, benn nur baburch kann bie sonst gute Mannschaft zu Erfolgen kommen. Wetzlars 1. Jugend — Naunheims 1. Jugend 3:1 (2:1). Für bie ausgebliebene Bornheimer Iugenb sprang in echt sportlicher Weise bie Naunheimer Iugenb ein. Diese Jugend, bie gegenwärtig mit Gießens Iugenb an ber Spitze steht, spielt einen schonen Fußball, ber unbebingt probuktiv eingestellt ist. Sie schaffte bann auch gleich brenzliche Momente vor bem Wetzlarer Tor, in bem aber ber Hüter auf seinem Posten war. Nach schönem, ausgeglichenem Spiel ging Wetzlar in Führung. Der linke Läufer Wetzlars, von Anfang an behinbert burch eine alte Verletzung, verließ das Felb, bie Elf spielte bis zum Schluß mit 10 Mann. Bis zur Pause stellte Naunheim den beiben Toren Wetzlars ebenfalls eins entgegen. Naunheim spielte weiter vollkommen gleichwertig unb war immer gefährlich, ber Ausgleich wollte aber nicht gelingen. Wetzlar vergrößerte burch feinen guten Mittelläufer ben Vorsprung auf 3:1. Die letzten Minuten gehören ber Naunheimer Els, bie Wetzlarer Hintermannnschaft bekam reichlich Arbeit, immerhin blieb es bei bem Resultat von 3:1. Wetzlar I — Vilbel I 0:5 (0:2). Am ersten Ostertag trat Vilbel zum Freundschaftsspiel gegen Wetzlar an. Letztere Mannschaft machte burch bic schöne Kleidung einen guten Eindruck, ben Vilbel burch bie bessere Spielweise vollkommen ausglich. Trotz ber Hitze entwickelte sich sogleich ein scharfes Tempo. Bis zur Pause gelang es Vilbel, bas mit ber Sonne spielte, zwei Tore vorzulegön. Der Wetzlarer Sturm hatte ungeheures Pech unb versiebte die sichersten Sachen. Nach dem Wechsel glaubte man zunächst an ein Auflaufen Wetzlars, aber immer wieder fand ber gesamte Sturm Wetzlars bas Tor Vilbels nicht. Daburch nervös geworben, ging ber rechte Verteibiger Wetzlars nach vorn, was von bem linken gefährlicheren Flügel Vilbels geschickt ausgenutzt würbe. Nummer 3 unb 4 saßen unhaltbar. Daburch entmutigt, hatte Wetzlar nichts mehr zu bestellen unb mußte auch Nummer 5 noch passieren lassen. Trotz ber eifrigsten Bemühungen einzelner Spieler blieb Wetzlar selbst bas Ehrentor versagt, drei Ecken waren bie Ausbeute biefer letzten Bemühungen. Vilbel svielie äußerst eifrig, sein Sieg ist, wenn auch nicht in biefer Höhe, voll oerbient. Wetzlar muh viel mehr Stellllungs- unb Zusammenspiel pflegen. Marburg I — Gießen I 0:2. Für bic ausgebliebene Spielvereinigung „Vorwärts" Frankfurt sprang am 2. Feiertag bie Gießener Mannschaft in bie Bresche unb stellte sich in Marburg ben Männerturnern. Es war bas Rückspiel von bem Vorspiel, bas Gießen auf eigenem Platze 10:0 gewinnen konnte. Marburg, jetzt in besserer Form, legte gleich mit einem scharfen Tempo los unb setzte sich auch für zehn Minuten in ber Gießener Hälfte fest. Balb aber brehte sich > lm unb dj. gegenüber. £ -'M ansprechend leben 3: z. 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Denn -ch ° hie An- “'n i haben nch.^ sie ■ .»sie, inde"' ’«n jl bewach«" rnnrde p@wulis3 Dörsenkurke. : 153,5* 66 128 143,4’ 84 61 6-1,5 91 45,75 129,25 59,5 84,75 96 148,5’ 89,62 89 12,5 40,5 114,5’ 138,2* 158,5’ 154,7* 103,7 80,75 129 57,25 64,5 115 105* 4,202 15,09 110,22 20,455 14.675 168,72 17,02 90,38 59,47 1,77 112,73 81,24 59,40 12,445 5,875 änberungen nicht eingetreten. Paris stellte sich gegen London auf 140; Brüssel gegen London 131. Das englische Pfrmd notierte gegen Kabel 4,863/ie. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 4,182 15,41 109,68 20,355 14,595 167,88 16,94 89,92 59,17 1,73 112,17 80,84 59,10 12,385 5.835 98 v5 9t.,2 12,3 155* 116’ 140,5* 138* 134,5* 132,5* 100,25 101,7* 7,5 0,051 0.4425 i 0,445 . 0,43 I 0,55 49* 101* 100’ 110,5* 134 139,62 42,75 83,5* 90,5* Metallbank........ Mitteldeutsche Creditbank. Oefterrrichische Crrditanstalt Westbank Bochumer Gaß ...... BuderuS ......... Taro ... Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. Haroener Bergbau Kaliwerke Ascherslebeu. . . 136,5’ 132,5’ 101,2’ 7,5 98’ 66,12 Frankfurter Schlachtviehmarkt. (Eigener Drahtbericht des »Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 7. April. Auftrieb: 747 Rinder (darunter 235 Ochsen, 16 Bullen, 496 Färsen und Kühe), 473 Kälber, 54 Schafe. Rinder. Ochsen: Bollfleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 53 bis 58, junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 45 bis 52; Bullen: Dvllfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 48 bis 52, vollfleischige jüngere 42 bis 46; Färsen und Kühe: Bollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 53 bis 58, vollfleischige aus- gemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren 44 bis 50, wenig gut entwickelte Färsen 45 bis 52, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 35 bis 43,, mäßig genährte Kühe und Färsen 28 bis 43, gering genährte Kühe und Färsen 15 bis 27. — Kälber. Feinste Mastkälber 82 bis 87, mittlere Mast- und beste Saugkälber 72 bis 81, geringere Mast- und gute Saugkälber 63 bis 71, geringe Saugkälber 55 bis 60. — Schafe. Mastlämmer und Masthämmel 45 bis 50, geringere Masthämmel und Schafe 35 bis 44. — Mar ktverlauf: Ruhiger Handel. Nächster Diehmarkt: Freitag, 9. Avril. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 7. April. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 28 bis 28.25, Roggen. inländischer. 19, Sommergerste für Brauzwecke 21.50 bis 24, Hafer, inländischer, 21 bis 23. Mais,gelb. 18.25 bis 18.50, Weizenmehl, inländisches. Spezial 0. 40.50 bis 41, Roggen- mehl 28 bis 28.25. Weizenkleie 10, Rvggenkleie 10.75, Erbsen 26 bis 34, Linsen 40 bis 70, Heu. süddeutsches, gut, trocken 9, Weizen- und Roggenstroh 6 bis 6.50, Treber, getrocknet 16,50 bis 17, Tendenz: Fest. 12,45 40,5 164.7* 116* 139,7* 137.7* 87.5 134* 102 102* 0,4505 0,4505 0.440 0.510 0.29 0,4505 0,446 0,470 ' 0,500 0,300 । 0.445 0,42 99.25* 69,9 53,5* 104,7’ 105,2’ 114* 136,7’ 141,7* 43,9 52,4* 87,13* 93,75* 101,5* | 160’ 1156,7’ 50,5’ 1 101* 101’ > 110* 1134,2* I 139’ I 42,62 50,25* 84* 89.5*1 98,5’ 156,5’ 1154,5* 148,7* 90 81,5 89 121 107,9’ 102 98 94.5* 120 63,5 67,5 35 46 26 48 114,5 90.75 4,1 130,5 57* 66,5 108,7* 103,5’ 93.9* 121 63,5 69 3Ve°/o Hessen ....... 3% Hessen Deutsche Wertb. Dollar-Ant- bto. Doll.-Schatz-Anweilng-’) 4e/o Zolltürken 5°/0 Goldmerikaner ... . 7,25 0.051 99 68,5 50,5 104,5* 105* 114.7’ 135.5 140 43.5 51,25* 87* 93.75* 101,5 0,42, .99,65 1 96,5 143.5* 85,5 | 85,75 I — UM,7* 1101,5* 190,75* ! 117* I 64,25 | 65,75 Kaliwerk Westeregeln..... Lanrahütte • Oberbedars ........ Phonir Bergbau ...... Nhcinstahl Riedeck Montan ....... TelluS Bergbau. .... Hamburg-Amerika Paket. . . I Norddeutscher Llovd . . . I Lberamischc Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . Philipp Holzmann...... Anglo-Cont.-Guano Chemische Mäher Alapin . . 9. G- Farbenindustrie, A.-G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung Rütgcrswerke Scheideanstalt Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann ......... Mainkraftwerke ....... Schucken . ■ ......... Siemens & Halske ..... Adlerwerke Kicher ..... Daimler Motoren. ...... Heyligenstaedt....... . Meguin....... Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgcscll'chaft Frankfurt. Pet. Union A.-G. .... Schuhtabrik Herz....... Sichel - • . Zellstoff Waldhof Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . Berliner Handelsgesellschaft Loannerz- und Privat-Bcmk Darmst. und Naiionalbank Deutsche Bank Deutsche Vereins bank . . . . DiSconto Lommandü ■ i i e r t. •— Beuern, 6. April. An den O st e r f e i e r- a q e n war hier ein sehr guter Kirchenbesuch 7 verzeichnen. Der Vormittagsgottesdienst am isiien Feiertag, meistens der bestbesuchtesteGottes- ensi des ganzen Kirchen,ahres, zahlte 371 Be- ncher. Der K i r ch e n g e s o n g v e r e i n verschönte ne Gottesdienste mit einigen Chorliedern. flüssig- Tägliches Geld 6 bis 81 3 Proz. Monatsgeld 6 bis 7 Proz. Frankfurter Börse. lEigener Drahtbericht des Gießener Anzeigers" 1 Frankfurt, 7. April. Tendenz: Schwächer. Die schon gestern hervorgctretene Neigung zur A b schmächung überwog auch bei Eröffnung des heutigen Verkehrs. Bei stark verminderter Umfai? tätigfeit setzten sich die Abgaben fort und nahmen im Verlause infolge von Blankoabgaben der Spelu- lation ein schärferes Ausmaß an. Bei der geringen Aufnahmelust und der Widerstandslosigkeit des Marktes waren vereinzelt Einbußen bis zli 5 Prozent zu verzeichnen. Der Tendenzumschwung wurde in der Hauptsache auf das Abgabebedürfnis nicht nur der Spekulation, sondern auch des Pri vatpublikums zurückgeführt, er wurde aber auch damit begründet, daß durch die beabsichtigte 2 50. Millionen-Anlcihe der Reichsbahngesellschaft eine Versteifung des Geldmarktes herbeigeführt werden könnte, wodurch natürlich die günstige Börsenkonjunktur stark beeinträchtigt werden würde. Die aus diesen Momenten resultierende V e r st i m m u n g übertrug sich auf alle Märkte, und kam besonders am Montan-, Farben- und Elektro markt zum Ausdruck. Montanaktien lagen 2 bis 3 Prozent schwächer, Farbwerte büßten 2 Proz. ein, und bei Elekto- Aktien traten Verluste in gleicher Höhe ein. Auch B a n k - A k t i e n wurden in Mitleidenschaft gezogen. Darmstädter und Commerzbank je minus 2 Prozent. Schifsahrts- aktien waren ca. 1,5 Prozent niedriger. Stärker gedrückt waren die in den letzten Tagen gut befestigten A u t o a k t i e n. Daimler minus 3, Kleger minus 2,5 Prozent. Dagegen waren Neckarsulmer um 5 Prozent gesteigert, und Benz gingen im Freiver- kehr um 3 Prozent höher. Größere Einbußen erlitten die Werte des M e t a l l b a n k k o n z e r n s. 5% Deutsche Reichsanleibe 4% Deutsche NeichSanleihe . S'/,°/k> Deutsche Reichsanleibe 3°/n Deutsche Reichsanleibe Deutsche Sparpramicnanleibe 4V/O Preußische Konsols . . . 4°/0 Hessen ..... . . - Berliner Börse. Berlin, 7. April. Die Abschwächun- gen, die sich bereits an der gestrigen Rachbörse und an der Frankfurter Abendbörse bemerkbar gemacht haben, setzten sich heute in verstärk- t em Maße fort. Die Spekulation ging auf der ganzen Linie zu Realisationen über, so daß käst sämtlicheMärkte empfindliche Einbußen erlitten. Auch von feiten des Publikums lagen Derkaufsaufträge vor. Am Montanmarkt betrugen die Abschwächungen 2 bis 3 Proz. Rur Rombacher Hütte machten hiervon eine Ausnahme und lagen weiter fest. Elektrowerte waren ebenfalls stark abgeschwächt. Eine größere Einbuße erlitten ferner die Werte der 3.0.-5ar 6 en, da man nur noch mit einer Dividende in der Höhe des Vorjahres rechnet. Schiffahrtsaktien waren gleichfalls erheblich niedriger (Hapag minus 4 Proz.), obwohl die Rachrichten über die Freigabe günstig lauteten. Deutsche Anleihen wurden von der allgemein schwächeren Strömung mitgezogen. Rach Festsetzung der ersten Kurse machte sich teilweise eine leichte Erholung bemerkbar, wovon in erster Linie Schiffahrtsaktien profitierten. Dio Werte der 3. G.-Farben blieben dagegen weiter schwach veranlagt. 3m D e v i s e n v e r k e h r lag Paris weiter schwach mit 140.50 gegen London. Brüssel gegen London 131,13. Der Geldmarkt war wieder t Grünberg, 6. April. Der Gesang- ,Crc in „Sä n ger kr anz" veranstaltete ge- lcrn abend in der Turnhalle ein Öfter- entert, das die Besucher durch feine hervor». -a genben Leistungen sehr erfreute. Der Dirigent ionrab Ricolai, Großen-Buseck, unb ber eängerdjor, sowie die Herren Schwarzlose, Hießen, unb Soge, Marburg, haben sich um xm genußreichen Abenb sehr Derbient gemacht. p. Allertshausen, 6. April. Zu dem jeftem bereits gemeldeten Llnglücksfall, bei k>m der Landwirt Römer zu Tode kam, sei i»ch folgendes berichtet: Heute wellte eine Ge- lichtslommission hcer, um den Tatbestand aufzu« icbmen und die Leiche zu sezieren. Heber den '.Unglückssall herrscht hier große Aufregung und allgemeine Teilnahme mit dem Verunglückten unb dessen Familie. Auch mit den beiden Radfahrern, es waren zwei junge Leute »»n hier, herrscht Mitgefühl, da beide ruhige uitb nüchterne Menschen sind. Der eine Rad- tahrer kam mit dem Schrecken davon, wahrend bet andere durch den Sturz sehr schwer verletzt ipurbc, baß er heute noch nicht vernehmungs- sähig ist. Wen bie Schuld trifft, muh die weitere Lnterfuchung ergeben. Bei dieser Gelegenheit sei daraus hingewieseii, daß sehr viele Rad-, Auto- unb Motorrabfahrer biefen sehr steilen und sehr kurvenhaften Berg in unverantwortlicher Weise ohne Rücksicht auf bas Leben ber Mitmenschen befahren. Es wäre am Platze, hier eine Warnungstafel anzubringen, evtl, das Fahren bis unter bie Kurven ganz zu verbieten und Richtbefolgung rücksichtslos zur Anzeige zu bringen. Auch wäre es sehr ange- beacht, vor den Kurven in den Ortschaften Warnungstafeln anzubringen und bas Vergnü- gungssahren innerhalb ber Orte, das gewöhnlich von jungen Leuten sehr gerne geschieht, zu unterlagen, ba auch hierdurch das Leben der Mitmenschen, besonders der Kinder, sehr ge- sührdet ist. scheint, nicht abgehalten werden. Münster bei Lich. 6. April. Unlängft fanb sich im Walbdistrikt „3 udeneich e“ (zwischen hier und Wetterfeld) in einer Tiefe von ettoa einem halben Meter der lleberreft einer Schmiede-Einrichtung. Vermutlich hat man es hier mit einer altenWaldschmiede ja tun. Hntoeit davon liegt der Distrikt „Tief- niaiers Schloß", wo sich das Volk von einer alten Raubburg erzählt, von wo aus die „Alte Straße" (zwischen Grünberg und Lich) unsicher gemacht wurde. Kreis Friedberg. *** Steinfurth, 6. April. Der Gau 11 (Friedberg) des Radfahrerbundes 19 2 2 veranstaltete zu Ostern seine Gauwanderfahrt nach unserem Rosenort. Etwa zehn Vereine nahmen an der Veranstaltung teil. Mit der Wanderfahrt waren mehrere Schaureigenfahrten verbunden, die sämtlich starken Beifall ernteten. Auch die Leistungen der Reigenmann- schaft des R. V. Teutonia Wölfersheim wurden mit reichem Beifall ausgezeichnet. Der Tag war für den Gau II ein voller Erfolg. 00 N i e d e r - F l o r st a d t, 6. April. Die Hessische Landwirtschaftskammer überreichte der Taglöhnerin Katharine Hirsch für 42jähr. treue Dienste bei Oekonomierat Alles (Hof- aut Rieder-Florstadt) eine silberne Brosche. Der Taglöhner Karl Roth, der 39 Jahre auf dem Hof tätig ist, erhielt eine bronzene Medaille, ebenso der Knecht Heinrich Kern für 27jahrige Dienste und der Taqlöhner Wilhelm Trupp für 2 5 j ä h r i g e Tätigkeit. Die Taglöhnerin Marie Roth, die, wie ihr Mann, 39 Jahre auf dem Hos arbeitet, und die Taglöhnerin Elisabeth Güth, die 28 Jahre dort ift, erhielten eine bronzene Brosche. Außerdem wurde jedem eine Urkunde überreicht. Amerikanische Notes .... Belgische Noten ....... Dänische Noten ...... Englische Noten ....... Französische Noten ..... Holländische Noten ..... Italienische Noten...... Norwegische Noten ..... Deutsch Oesterr., 5100 Kronen Rumänische Noten Schwedische Noten ..... Schweizer Noten....... Spanische Noten Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten is. Steinbach, 6. April. Heute nachmittag ■5.30 Uhr entstand in der Hofreite des Landwirts »L. Mock Feuer, das die noch neue Scheuer ui 'Asche legte. Nur dem raschen Eingreifen der ls'inwohner und der Feuerwehr sowie dem guten funktionieren unserer Wasserleitung ist es zu verdanken, daß die angrenzenden, ebenfalls neuen Scheuern stehen blieben. Das Wohnhaus von Mack in er sehr gefährdet. Die umliegenden Wehren waren rasch zur'Stelle, brauchten aber nicht in Tätigkeit ju treten. Die Ursache des Feuers ist unbekannt. ri. Lich, 6. April. Die Feiertage brachten in allen Gottesdiensten eine gefüllte Kirche. Am Rachmittag des Karfreitags wurde von beiden Geistlichen unter Mitwirkung des Frauenchors und dec Chorschule bie übliche feierliche Vesper in ber Marienstiftskirche gehalten. Eine befonbere Anziehungskraft bewies auch in diesem 3ahr die nach alter Licher Ordnung an Ostern bei Sonnenaufgang gehaltene Mette, bie durch feierliches Chorgebet vor dem mit Blumen geschmückten, int Kerzenschein leuchtenden weihbekleideten Altar unb Mitwirkung des Posaunenchors und des Frauenchors ausgestattet war. Am Rachmittag des zweiten Feier- " tags fand bie Prüfung der 60 Konfirma nden statt. Das schöne Wetter hatte hierher und nach Kloster Arnsburg große Scharen von Ausflüglern gelockt. Um die Mittagsstunde des Ostermontags ging durch unsere Stadt das große Opelrennen. Die Kreuzungen der Sttahen waren aus diesem Anlaß von einer IBenge von Schaulustigen beseht. Der beliebte Oft er mar It Am Dienstag konnte leider wegen der Maul- unb Klauenseuche, bie übrigens jetzt glücklicherweise zum Ende gekommen zu sein Oderhessen. Landkreis Gießen. X Klein-Linden, 6. April. Hier wurden * Knaben unb 25 Mädchen konsir- niert. An beiden Feiertagen konnte die Kirche )ie vielen Besucher kaum fassen. Bemerkenswert o,r die Mitwirkung des Posaunenchors tm Saitesdienst am 1. Feiertag. n. Großen-Linden, 6.April. Hier wurden cjiern 22 Knaben und 21 Mädchen konsir - 0,450: 0,390! 114.5* 138,2* ®rud an ber Leitha, ein großes Stuck über Dien hinaus, zirka 800 Kilometer, sein, während fcc anbere Teil nach dem Osten geht, bis Marien- surg, schätzungsweise 900 Kilometer. 3.-S). Kreis Schotten. Laub ach, 6. April. „Palmarum—Tra- larum" (Schluß des S ch n e p f e n st r i ch s), diese alte 3ägerreget ist dieses 3ahr hier nicht befolgt worden, denn erst Mitte der verflossenen Woche sind die Langschnäbel abgezogen. Es streichen ja immer noch einige, aber dieses sind ,,Lagerschnepfen", die überhaupt hier bleiben. 3nfolge der ungünstigen Witterung der vergangenen 3ahre sind nur wenige alte Hasen vorhanden, jedoch scheinen sich unter d^n jetzigen günstigen Verhältnissen die 3unghasen nach Qualität und Quantität gut zu entwickeln. Auch die Rehjagd scheint gut zu werden. Die Böcke haben fast durchgängig gut aufgesetzt und schön vereckt. — Die Winterfrucht hat infolge der kälteren Witterung der letzten Woche nicht unbeträchtlich gelitten, besonders der Weizen. Dem Roggen hat die Kälte weniger geschadet. Es zeigt sich jetzt, daß auch das Hochwasser vom Februar der Winterfrucht geschadet hat, besonders in der „Au" (unterhalb des Bahnhofs). Verschiedene Aecker müssen hier neu ausgestellt werden. Kreis rllsfelv. — — Alsfeld, 6. April. Große Vorbereitungen werden hier zur Hauptversammlung des Vogelsberger Höhen- klubs getroffen, die hier am 29. und 30. Mai tagen wird. Am Bahnhof und am Marktplatz werden Ehrenpforten errichtet, und die Straße vom Bahnhof zum „Deutschen Haus" wird als Feststrahe ausgeschmückt werden. Für Samstagabend ist ein Begrüßungsabend mit Festvorstellung im großen Saalbau vorgesehen. Die Hauptverhandlungen sinden Sonntagvormittag statt. Der Rachmittag sieht ein Volksfest aus dem Lindenplah mit Spielen, Volkstänzen und Konzert vor. Kreis Lauterbach. — — Lauterbach, 6. April. Die Stadtmühle ist als Elektrizitätswerk fertig ausgebaut und konnte dieser Tage in Betrieb genommen werden. Der Umbau kostet rund 20 000 Mk. Die Krasterzeugung beträgt lährlich 60 000 Kilowattstunden. Damit hat das bisherige Elektrizitätswerk eine bedeutende unb zugleich billige Verstärkung erhalten. — Die Kriegergebächtnisstätte auf bem alten Friedhof ist im Dau soweit gediehen, daß mit der Fertigstellung und Einweihung im August gerechnet werden kann. 3n ber Halle werben Gedenktafeln mit den Rainen sämtlicher Gefallenen angebracht. Rheinhessen. WEN. Mainz, 6. April. Dem „Mainzer Anzeiger" zufolge wurden auf der Mauldeerau bei Worms 4 2 Schafe itn Werte von 1800 Mark gestohlen. Die Schafe waren zum Teil mit rotem S und rotem V auf dem Rücken gezeichnet. Unter den gestohlenen Schafen befanden sich 17 I Hammel und drei Zuchtböcke. I 160,7* I 157,6’ 50 105,5 86 Kreis Büdingen. ! DveUheN. WSR. Büdingen, 5. April. Vor einigen , . . , Monaten hatten wir gemeldet, daß in der Rahe Kreis Marburg, unseres Städtchens ein Storch überwin- I y Marburg, 6.April. Nachdem die seither tert habe. Der eigenartige Storch ist längere in ößr Oeffentlichkeit noch nicht behandelte Frage Zeit hindurch von Raturfreunden beobachtetwor- I Bildung eines selbständigen Stadl- den. Das Ergebnis der Beobachtung wirb nun I f reifes Marburg bei der Erstattung des Ver- in der 3ägerzeitung „St. Hubertus" veröffent- waltungsberichts in der letzten Stadtverordneten licht. Danach hat das treue Acksharren des fj^ung seitens des Oberbürgermeisters Dr. Voigt Storches, trotz Schnee unb ziemlich strenger angeschnitten und als im Interesse der Stadt liegend Kälte, sowie schmaler Kost, reichen Lohn gefun- bejeidjnet wurde, hat nunmehr auch der Kreis- den. Frau Storch, bie bie Seßhaftigkeit ihres a u s s ch u ß in feiner letzten Sitzung vom 3. April Gemahls nicht mitmachen wollte unb im Herbst mjf btefer wichtigen Angelegenheit befaßt. Die- nach dem sonnigen Süden eilte, ist letzt wieder |cr ,p natürlich ganz gegenteiliger Ansicht, da zurückgekehrt und von dem in banger Sehnsucht Stadt und Land Marburg ein organisch gewordenes harrenden Gemahl auf das Wärmste empfangen I Wirtschaftsgebiet bilde, das in Käufer und Der- worden. Rach langer Trennung befinden sich I fäuferfdjaft auseinander angewiesen sei und sich nun beide wieder auf dem Horst, auf dem gegenseitig stärken müsse. Der Kreisausschuß verseil Ende August nur noch der verlassene Ehe- tritt deshalb mit aller Deutlichkeit die Aussassung, mann weilte. Es war ein sonderbarer Anblick, daß das Ausscheiden der Stadt aus dem Kreise für auf dem im Winter oft verschneiten Horst den Heide Teile ein Nachteil sei. Storch in stoischer Ruhe, trotz Kälte und eisigen ^illkrcis Rordwind, zu beobachten. Trotz des froftfreien * , k x Februars hat der treue Vogel schwer um seine bl. Dillenburg, 6. April. Gegenüber der Existenz ringen müssen. Als Anfang Dezember Vorwoche ist die E r w e r b s l o , e n z, f s e r des der Frost die Kälte von fast 20 Grad erreichte, Dillkreises weiter g e s u n k e n. Die Gesamtzahl suchte er Schuh in einer oben offenen FA.scheune. I. 2ln einem in der Rahe gelegenen Klärbecken Stande fischte er sich bei strenger Kälte mühsam sein „tägliches Brot" heraus. Aber bie Ausdauer siegte; es tarnen wieder milde Tage und auch die märzliche Kälteperiode hat er gut überstanden. 3n den letzten Tagen vor der Rückkehr seiner „Gemahlin" scheint er von froher Ahnung gepackt gewesen zu sein. Auf feinem Horst machte er oft tolle Luftsprünge und umstrich ihn aufgeregt. Heißes Sehnen scheint sich in ihm dabei geregt zu haben. Sein Harren ist dann auch belohnt worden: Die sehnsüchtig Erwartete ist wieder zurückgekehrt. . nd. Nidda, 6. April. Die kirchlichen Feiern des O st e r f e st e s verliefen hier in besonders erhebender Weise. Am ersten Feiertage wirkten im Hauptgottesdienste der Kirchenchor unter Leitung von Regierungsrat Cleeberger und der M ä n n e r g e f a n g d e r e i n und der Schüler- ch o r von Unter-Schmitten unter Leitung von Leh- hrer Wolf mit. Die Predigt hielt Pfarrer Laut über „Osternsieg und Osternfreude". Am zweiten ! Feiertage sand die Konfirmation von 6 0 Konfirmanden, 32 Knaben und 28 Mädchen, des Kirchspiels Nidda statt. Pfarrer Köhler sprach in seiner Konsirmationsrede zu den jungen und erwachsenen Christen ermahnend und warnend von den zwei Wegen, der weiten und der engen Pforte, die dem Christen offen stehen. Das Gotteshaus war jedesmal dicht gefüllt. Leider ist die schöne Sitte, daß hiesige Konfirmanden die Mitkonsirmanden und deren Eltern aus den Filialen zu Gaste mitnehmen, seit dem Kriege verschwunden. Dadurch wurden früher zwischen Altersgenossen Freundschaftsbündnisse geschlossen, die häufig für das ganze Leben dauerten und jetzt noch bei älteren hiesigen Leuten mit den Filialbewohnern bestehen. £ Echzell, 6. April. An unserer Schule ist eine Schulstelle dem Abbau zum Opfer gefallen. Die seither vierklässige Volksschule wird m eine breif(affige verwandelt. Doch ist eine Versetzung einer Lehrkraft von hier nicht nötig, weil Lehrer Barth nach 41jähriger Dienstzeit fetzt in den Ruhestand tritt. Ueber 39 Jahre hat er an der hiesigen Volksschule mit Eifer und Treue gewirkt und zwei Generationen unserer Einwohner unterrichtet. Die ganze Gemeinde schätzt den verdienstvollen Mann, der seinen Lebensabend in Echzell verleben will. — In Ober-Mock st adt wird die zweiklassige Schule jetzt einklassig unb Lehrer Kratz von da nach Dauernheim versetzt. Ebenso geht eine Schulstelle in A l t e n ft a b t ein. der Vollerwerbslosen beträgt nach dem neuesten Stande 2049 Personen mit 2832 Zuschlagsempfängern. Durch Bauarbeiten und landwirtschaftliche Arbeiten ist diese Vqpvinderung eingetreten. — Ab 20. April entsendet der D i 11 k r e i s einen Transport von über 20 Kindern zum Erholungsaufenthalt nach dem Ostseebad Boltenhagen. — Am Samstagabend wurde in der Dill, unweit des Wehrs an der Herborner Landstraße, eine Kin- besleiche gelänbet. Die Nachforschungen ergaben, daß es sich um das vierjährige Söhnchen der Witwe des Schuhmachermeisters Lang von hier handelt. Auf welche Art das Kind den Tod gefunden hat, ließ sich noch nicht mit Bestimmt- i ^nbers Scheideanstalt minus 5 Prozent. Am Helt feftftellen. Kassamarkt machten sich überwiegend Abgaben bemerkbar, schwächer wurden vor allem Bau-, Zellstoff- und Zuckeraktien. Der An Ieihemarkt wies bei kleinem Geschäft nur ge- * Gründung der A. G. „Anilin" für ringe Veränderungen auf. Pfandbriefe waren Farbenhandel in Belgrad. Unter Be- etwas abgeschwächt. Ausländische Renten teiligung des Deutschen Farben-Konzerns und konnten sich teilweise leicht befestigen. Im F r e i - serbischer Industrieller ist mit einem A.-K. von verkehr ging die Tendenz nach unten. Becker 8 Mill. Dinar die A.G. „Anilin" für Farben- Stahl 40, Becker Kohle 58, Benz 70, Brown Boven handel in Belgrad gegründet worden. 3n erster 70, Entreprise 11, Growag 68, Hansabank 85, Krü- Linie ist der Vertrieb der deutschen Farben in gershall 104, Petroleum 75, Ufa 53, Ufra 75 Proz. i 3ugoslawien durch die neue Gesellschaft beab- Der weitere Verlaus brachte eine leicht gebesserte sichtigt. Stimmung, doch waren die Erholungen recht bescheidener Art. Das Geschäft wurde etwas lebhafter. Am G e l b m a r f t ist die Lage unverändert. Tagesgeld 7 Prozent, Monatsgeld schwankt zwischen 5 und 7,5 Prozent je Adresse. Bankdiskonten 5 Prozent, Jndustrieakzepte 5,75 Prozent. Im Devisenverkehr sind nennenswerte VerFrankfurt a.M. Berlin Schlug fiurs l.UDr. Sure Schluh-! Anfang finr» | litr-. Saturn: 6. 4 7.4 6 4 | 7 4 6 April. 7. April. Amtliche Noti rung Amtliche Notierung Meld 1 Brief Geld Brier Amft.'Non. 168,43 168,85 168,29 168,71 Buen.-Aires 1,662 1,666 1,664 1,668 . Brff.-Antw 15,47 15,51 16,005 16,045 Christiania. 90,19 90,41 90,10 90,32 Kopenhagen 109,92 110,20 109,90 110,18 Stockholm . 112,48 112,7 i 112,46 112,74 Helsingfors. 10,556 10,566 10,553 10,593 Italien. . 16,87 16,91 16,875 16,915 London. . 20,324 20,446 20,395 20,447 Neuyork . . 4,195 4,205 4,195 4,205 Paris. . . 14,525 14,635 14,62 14,66 Schweiz . . 80,84 81,04 80,925 81.125 Spanten . 59,26 59,40 59,25 59,39 Japan . . . 1,931 1,935 1,938 1.942 !Nfo de Jan 0,593 0,595 0.579 0,581 Wien in D-° Ctft. abgest 59,25 59,39 59,23 59,37 Prag .... 12,418 12,458 12,419 12,459 Belgrad . . 7,389 7,409 7,389 7,409 1 Budapest. . 5,87 5,89 5,87 5,89 | Bulgarien 3,05 3,06 3,015 3,055 | Lissabon 21.325 21,375 21,225 21,275 | Danng. . 80,92 81,13 80,91 81,11 Konstantin. 2,108 2,118 2,09 2,10 Athen 5,50 5,52 5,56 5,58 I Canada. - • 4,187 4,197 4,19 4,20 Uruguati 4,225 4,285 4,295 4,305 Banknoten. 1 Berlin, 6 April Geld Brief folg'-) Für den Büchertisch. Handwörterbuch der Kommunaiwijsenfchasten. In der Kommunalpolitik der Nachkriegszeit sind in raschem Fluß immer wieder zahlreiche hochbedeursame Probleme aufgetaucht, und nirgendwo ist ein Abklang dieser Entwicklung heute abzusehen. Kaum glaubt man die eine Frage gelöst zu haben, so stehen schon mehrere andere unmittelbar wieder an. Reich und Länder betrachten in vielerlei Hinsicht die Gemeinden als die Packesel, denen man alles aufbürden kann. Nur" mit der Bereitstellung der erforderlichen Geldmittel hapert's vom Reich sowohl wie von feiten der Länder. Was das bedeutet, weih jeder, der praktisch in der Kommunalpolitik steht. Weitblick, nie rastende Tatkraft, vorsichtiges Wägen gepaart mit energischem Zupacken zur rechten Zeit, das richtige „Fingerspitzengefühl" für das, was entscheidungsreif herannaht, vor ollem aber tiefgründiges Fachwissen, das sind einige Haupteigenschaften, die der Kommunalpolitiker sein eigen nennen must, wenn er auf diesem Arbeitsfeld produktiv wirken und dabei seinen Aufgaben gewachsen sein will. Neben dem fortlaufenden Studium kommunalpolitischer Zeitschriften muh der Kommunalpolitiker sich aber auch auf gute, mit gröstter Sorgfalt bearbeitete Nachschlagewerke stützen können, denn schließlich kann auch der klügste Mensch nicht alles wissen, nicht ohne jede Informationsquelle aus- kommen. Ein austerordentlich lehrreiches, den vielseitigsten Problemen gewidmetes Werk, das dem Kommunalpolitiker ein vortreffliches Rüstzeug bietet, liegt uns vor in dem „Handwörter- buch der K o m m u n a l w i s s e n s ch a f t e n". (Verlag von Gustav Fischer, Jena.) Herausgegeben von dem Geh. Regierungsrat, Stadtbaurat a. D., o. Professor an der Technischen Hochschule zu Berlin-Charlottenburg, Dr.-Jng. h. c. Josef Brix, dem früheren Herausgeber des Kommunalen Jahrbuches in Stuttgart, Staatsminister a. D. Prof. Dr. Hugo Lindemann, dem Oberbürgermeister und M. d. R. Dr. Otto Most, dem Reichsminister a. D. und Prof, an der Handelshochschule zu 'Berlin Dr. Hugo P reust (der erst kürzlich verstorben ist) und dem Herausgeber des Kommunalen Jahrbuchs, Staats- und Finanzminister a. D. Dr. Albert Südekum in Zehlendorf-Berlin bietet es in vier Bänden einer großen Zahl von hervorragenden Kommunalpolittkern, Wirtschaftlern, Derwaltungsbeamten, Schulmännern usw. usw. Gelegenheit, aus dem reichen Schatze ihres Wissens und ihrer Erfahrung zu berichten, daraus anregend zu mancherlei Entschlüssen für die Zukunft. Cs sind viele klangvolle Namen, die man in diesen vier Bänden mit sehr fruchtbringenden Aufsätzen vorfindet. Aus der grohen Fülle der Mitarbeiter auch nur eine Auswahl zu nennen, ist im Hinblick auf den knappen Raum ein Ding der Unmöglichkeit. Der erste Band handelt aus 740 Seiten Umfang von dem Kapitel „Abdeckerei" bis zum Abschnitt „Filtration des Wassers"; der zweite Band (667 Seiten) beginnt mit dem Kapitel „Finanzbedarf" und endet mit dem Kapitel „Kommunalisierungsgesetz"; im dritten Band (826 Seiten) begegnen wir zuerst einer Abhandlung über die „Kommunalpolitik der politischen Parteien", wobei führende Männer der verschiedenen Parteien über die Ziele ihrer Partei sprechen, der Band endet mit dem Kapitel „Staatsgeschäfte in den Gemeinden"; im vierten Band (626 Seiten, lesen wir zuerst über '„Stadt und Etadtverfassung" und am Schluß über „Zweckverbände". Ein systemattsches Gesamtverzeichnis zu Band 1 bis 4, das recht übersichtlich geordnet ist, gestattet eine schnelle Orientierung in der umfangreichen Schöpfung. Man hat es hier mit einem Standard-Werk der Kommunalwissenschaften zu tun, das auf die vielseitigsten Fragen der Praxis sehr gediegene Auskunft und lehrreichen Rat gibt. Das Werk ist . für die moderne Kommunalpolitik in den Städten aller Größen schlechthin unentbehrlich. Mit Freude und Genugtuung nimmt man es immer wieder vor, und nie legt man es ohne reichen Ruhen aus der Hand. Zum mindesten sollte das Werk auf jedem Bürgermeisteramt zur Beratung der Verwaltungsmitglieder und der Stadtverordneten bereitliegen. 1162 Politik und Geschichte. — Der berühmte Münchener Historiker Hermann Oncken läßt in Kürze bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart ein dreibändiges Aktenwerk Über „Die Rheinpolitik Kaiser Napoleons HI. von 1863 bis 1870 und den Ursprung des Krieges von 1870/71“ erscheinen, zu dem ihm österreichische, preußische und süddeutsche Archive das Material lieferten. Das Werk, das als ein Anfangsglied der großen Aktenpublikation des Auswärtigen Amtes bezeichnet werden kann, enthüllt in eindeutiger Weise die Kriegsschuld und den Kriegswillen Frankreichs und seines letzten Kaisers. 3n einer glänzenden Einleitung, die gleichzeitig als Sonderausgabe erscheint.' gibt Hermann Oncken ein lebendiges und anschauliches Bild von der napoleonischen Politik, die zum deutsch-französischen Kriege führte. — Zuletzt regiert der Bestinformierte!" So beginnt Karl Haushofer, der Münchner Professor für Geopolitik, seinen Aufsatz im Märzheft der „Z e i t - wend e" über die Wirren in China. Seine klaren Ausführungen werden den meisten Lesern wohl zum erstenmal einen wirklichen Ueberblick über die chinesische Frage ermöglichen; zugleich unterstreichen sie die Notwendigkeit solcher weltpolitischer Orientierung. Eng berührt sich hiermit, was Justus Has- hagen über Historikerpflichten im neuen Deutschland zu sagen hat, über den Dienst, den der Historiker gerade heute in absoluter Wahrhaftigkeit dem Volke durch den immer erneuten Hinweis auf feine Vergangenheit und die in ihr ruhenden Kraftquellen zu leisten hat. Ein lebendiges Beispiel solchen Dienstes gibt der mit vier Bildern versehene Beitrag von Elisabeth Sulzer über Augsburg, der das architek- tonifche Bild der alten Reichsstadt als überzeitliches Symool des deutschen Staatsgedankens wertet. — Gandhis Leidenszeit. Briefe, Berichte und Aufsätze aus Gandhis Gefängnis- und Spitalzeit, herausgegeben von Emil R o - n i g e r. Rotapfelverlag, Zürich und Leipzig. Geb. 8 Mk. Die wichtigsten Dokumente aus Gandhis Leben, nach den Hauptepochen von Literaturgeschichte. — Dämon Kunst. Das Leben E. T. A. Hoffmanns. Aus Briefen, Tagebüchern und den autobiographischen Stellen seiner Schriften zu- sammengestellt und eingeleitet von Walther Harich. 428 Seiten 8°. Deutsche Buch-Gemeinschaft G. m. b. Sy, Berlin 1926. — Das ist, in Wahrheit, der Roman des Künstlers und Menschen Ernst Theodor Amadeus, von ihm selber — „nicht gewußt oder nicht bedacht" — in Briefen nieder- geschrieben, in abgerissenen Tagebuchvermerken ausgezeichnet, in seinen Dichtungen eingesprengt; vom berufensten Hoffmannbiographen ausgewählt, geordnet und durch einen knappen Text verbunden, der dem Ganzen das Gerüst und den inneren Halt und Zusammenhang gibt. Neben feine Geschichte von Hoffmanns Leben und Werk stellt Harich nun gewissermaßen die Autobiographie, und es ist, was er hier mit unendlicher Spürkraft, mit überlegener Meisterung eines gewaltigen Stoffes und liebevollem Verständnis zusammengefügt hat, ein erstaunliches, phantastisches und tiefergreiifettdes Buch geworden, ein menschliches Dokument von romantisch gesteigerten Formen und ein Künstlerspiegel, der — das ist das Wichtige nut) Bleibende im Falle Hoffmann und in diesem Buche — über die zeitlich-individuell begrenzte Einmaligkeit hinaus Symbolkraft gewinnt. Dies ist die tiefere und zeitlose Bedeutung des Königl. Preußischen Kammergerichtsrates: in ihm ist jener Typus des Künstlers schlechthin geboren und unsterblich geworden, er hat. weltliterarisch, in schärferen Formen das disproportionale Dasein gelebt, um dessen ästhetische Formulierung man sich seit Goethe („Tasso") und Hebbel („Michelangelo") bis zu Hauptmann und der Gegenwartsdichtung immer wieder bemüht hat. Das liegt beschlossen in Harichs Buch zwischen den räumlichen Polen Königsberg und Berlin, zwischen den Jahren 1776 und 1822; solche geistige Form kennzeichnet den weiten, wirren, verschlungenen Abcnteuerweg der Jagd nach dem Erlebnis, der Reise ins Jenseitige und der großen Wandersehnsucht eines verzauberten Musikanten, der sich selber nicht finden kann. Zu Hoffmann, dem letzten Ritter der blauen Blume, kann freilich niemand gezwungen werden. Man liebt ihn und kehrt immer wieder zu ihm zurück; oder man geht an ihm vorüber. Wer ihn aber liebt — dem wird dieses Werk eine kostbare Gabe sein. Die Duchgemeinschaft hat auch mit der verlegerischen Ausstattung das Ihre dazu getan. 173 — Lessing, Kleist, Büchner. Drei Versuche. Von Arnold Zweig. 195 Seiten. I. M. Spaeth Verlag. Berlin 1925. — Im Jahre des Unheils 1923 entstanden, getrennt voneinander. drei Essays: im Frühling über Kleist, im Sommer über Büchner, im Herbst über Lessing. Jeder als Einleitung zu einer Ausgabe der gesammelten Werke, doch alle drei in innerm Zusammenhang und im Hinblick auf ihre Vereinigung in einem selbständigen Buche konzipiert. Rach einer gründlichen Umarbeitung stellen sie sich nebeneinander im vorliegenden Bande dar. Der Dichter der „Novellen um Claudia" entwickelt einleitend, als welcher Art die Gemeinsamkeit und Zusammenhänge der drei Versuche gedacht sind. Das geistige Band wird erkennbar in dem Sah der Vorrede: „Die Leidenschaft dieses Buches heißt Shakespeare (sic!) . . . das ist der große Heilige, zu dem wir wallfahrten . . . seine Linie im deutschen Drama zieht das Buch nach . . ." Die Unvollständigkeit ist sogleich angedeutet im Hinweis auf die Namen, die die Linie (annähernd) vervollständigen würden: Lenz — Goethe und Schiller — Grabbe — Wedekind und Strindberg. Das Ganze bemüht sich, ausdrücklich, um das Drama als Form und um seine bestimmenden, künstlerischen Gesetze. Das Verbindende des Buches (vom Autor her) liest ferner in der geistigen Spürkraft und Einfühlungsfähigkeit des Schreibenden und in einer gleichmäßigen (auf vollendete Rundung bedachten) Stilhöhe, in der sprachlichen Gebärde der Darstellung. Cs soll an dieser Stelle nicht verschwiegen sein, daß Form und Fassung an innerer Vornehmheit gewonnen hätten, wenn es der Autor vermocht hätte, in manchen Partien eine gewisse, über die sachliche Bettachtung und Formulierung hinausreichende, polemisch-politische und persönliche Zuspitzung auszumerzen. Dergleichen hat mit dem Gegenstand nichts zu tun und verstimmt. Die drei Dichterbilder beginnen jeweils mit den in Kürze zusammengefahten, bekannten biographischen Voraussetzungen und versuchen sich im Folgenden (immer die oben angedeutete Linie der Gemeinsamkeit beobachtend) an der Darlegung dessen, was in diesen drei Gestalten — Lessing, Kleist, Büchner — vergänglich, was bleibend war; Zweig gibt eine Bestimmung ihrer Entwicklung, ihrer Zusammenhänge, ihrer Form im Drama. Gut ist die einleitende Lessing-Studie, ausgezeichnet die abschließende Verlebendigung Büchners (dessen starke Bedeutung für die Entwicklung unserer dramatischen Form wohl immer noch unterschätzt wird). Zwischen beiden: Kleist. Im ganzen behutsam, verstehend und fein. Im Einzelnen nicht immer überzeugend. Man sollte endlich davon abstehen, das dunkle Problem hin und her zu wälzen, das aus gewissen Briefstellen und der ominösen Würzburger Reise aufgestöbert wurde. Die Beurteilung des „Homburg" ist nicht völlig einleuchtend, der „Zerbrochene Krug" und die „Hermannsschlacht" unbefriedigend gewertet. Der ganze Versuch wird weniger einer Hinführung zum Einzelnen, als der Bildprägung eines einmaligen und einsamen künstlerischen Phänomens gerecht. 101 — Geschichte der deutschen Dichtung. Ein Lieberblick von Friedrich von der Leyen. In Ganzleinen 6 Mk. Verlag F. Druckmann A. G., München 1926. — Der vornehmlich durch seine Märchenforschungen bekannt gewordene Kölner Ordinarius der Germanistik gibt im vorliegenden Buche, ausgehend von Problemen der Stoffgliederung (am anfechtbarsten erscheint die konstruierte „Wellentheorie"), eine Darstellung unserer deutschen Literatur in nuce; es gelingt ihm, auf 130 Seiten, in zehn Abschnitten, einen Ueberblick über das Schrifttum von der Völkerwanderung bis Thomas zu vereinigen. Gewissermaßen: Literaturgeschichte in einer Stunde. Aber es ist anzuerkennen, daß von der Leyen mehr gibt, als Klabund, der sich die Sache reichlich leicht gemacht hat. Dieses Buch ist immerhin um Linienführung, Zusammenhänge, Entwicklungen und Verwandtschaften bemüht. Die Vorzüge einer einheitlichen, in einer Hand versammelten, und überdies möglichster Kürze sich befleißigender Darstellung liegen auf der Hand. Ebenso offensichtlich (und wohl unvermeidlich)^ daß es dabei nicht ohne Unebenheiten, Ungerech- I tigfeitcn und Härten abgeht. 201 — Geschichte des deutschen Stils in Einzelbildern. Von Professor Dr. E. Hofsmann-Kraher. 172 Seiten. Quelle & Meyer. Leipzig. — Der bekannte Baseler Germanist und Folklorist gibt in diesem Buche eine sehr lesenswerte Uebersicht über die Entwicklung unseres literarischen Stils von den ältesten Aw» sängen unseres Schrifttums bis zum Expressionismus. In großen Zügen, versteht sich. Aber, aufs Ganze sehend, wird man sagen können, daß die gravierenden Stationen, „Strömungen" und Revolutionen treffsicher erfaßt und ans Licht gestellt sind. Obwohl man vielleicht in der Gesamtverteilung des Stoffes die Gewichte gern ein wenig verschoben sähe. U. E. ist die Env- wicklung des mittelalterlichen Stils doch Wohl, auf Kosten sehr wesentlicher späterer Partien, zu einläßlich behandelt. Wert zu legen ist auf die Titelformulierung „in Einzelbildern". Das war ein glücklicher Griff, der das Buch selbst sprechend, einleuchtend und beispielhaft macht. Der eigentliche Text ist in weise bemessenen Grenzen gehalten und auf Notwendiges, Verbindendes, Weiterführendes beschränkt; geistiges Band des ganzen Buches, dem eine möglichst weite Verbreitung in unserem Zeitalter sinkenden und verwirrten Stilempfindens herzlich zu wünschen wäre. 1961 — Heutige Deutsche Dichtung in Hes- f e n. Eine Sichtung von Will Scheller. 59 Seiten mit 23 Abbildungen. Heimatfchollen-Verlag, A. Bernecker, Melsungen. — Es ist gut, von Zeit zu Ze.t (mit aller gebotenen Delikatesse) den von Nadler zuerst gewiesenen Weg behutsam weiter zu verfolgen und Literaturgeschichte nach Landschaften zu schreiben. Will Scheller unternimmt es in diesem kleinen, bildergeschmückten Bande, der bei Licht besehen, nichts weiter darstellt, als eine schriftlich fixierte Erweiterung eines halbstündigen Rundfunkvortrages, sehr begrüßenswerter Weise einen kurz- gefaßten, lebendig geschriebenen Ueberblick über die zeitgenössische, hessische Literatur zu geben. Eine ganze Reihe klangvoller Namen zieht vorüber; nur Stefan George fei genannt. Will Vesper, Karl Neurath. Leo Weismantel, Adam Korillon, Wilhelm Schäfer, der Meister der neudeutschen Anekdote und Alfred Bock dessen Schaffen ein französischer Literarhistoriker kürzlich in einer größeren Abhandlung würdigte; sie schließt mit den ehrenden Worten: Wir würden ihn gern den hessischen Mörimee ober Maupassant nennen. 131 — Gleichzeitig mit der Erinnerungsfeier des Meininger Theaters am 100. Geburtstage des Herzogs Georg II. von Meiningen erscheint aus Max Grubes berufener Feder die „Geschichte der Meininger" (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart), ein Werk, das neben der Ehrung eines genialen Fürsten die einzigartige Darstellung seines Lebenswerkes gibt. Illustriert nut den Porträts der hervorragendsten Mitglieder des berühmten Dühnenverbandes bringt das Buch auch noch mehr als 100 Handzeichnungen des Herzogs, die beweisen, in wie ernsthafter, künstlerischer Arbeit der fürstliche Regisseur mit der Gestaltung seiner neuartigen Dühnenideen rang. Das Buch ist ein Denkmal der Triumphzüge der Meininger und ihrer jetzt historisch gewordenen Theatermission. Aeltere Theaterfreunde finden darin eine Fülle unvergessener Erinnerungen und zahlreiche Anekdoten, in denen die großen Mimen jener Tage in ihren kleinen Eigenheiten neu aufleben. Den Jüngeren aber gibt es ein miterlebtes Stück Theatergeschichte. Gandhis Leben geordnet, will E. Roniger der europäischen Leserschaft darbieten. Der vorliegende Band umfaßt die Leidenszelt „des indischen Christus". Er erzählt nicht, er berichtet Tatsachen: Die Verhaftung und Untersuchung, der Prozeß und indische Stimmen zum Prozeß, Voung Jndia während Gandhis Gefangenschaft, Briefe und Erinnerungen aus der Gefängniszeit. Nicht mit Unrecht hat man den Prozeß gegen Gandhi eiii menschheitliches Ereignis genannt: ein Prozeß, in dem nicht Gandhi, sondern die englische Regierung vor dem Gericht stand. Diese Dokumente der indischen Non-Violens-Dewegung führen in das Herz der Bewegung ein; sie sind ein ergreifendes Zeugnis, wie der Geist Gandhis bezwingend aus seiner Anhängerschaft in Boung Jndia spricht. ' n Ein Handelslexikon Ein ausgezeichnetes kaufmännisches Nachschlagewerk, das schnelle, zuverlässige, erschöpfende und klare Auskunft über alle im Geschäftsleben vorkommenden Fragen gibt, liegt in Georgs Handels-Lexikon (Ausgabe in einem Band. Weltbund-Verlag, Ha. 'bürg. Preis für den Halblederband Rm. 25.—) vor v .• Dieses Werk ist eine vortreffliche Tat, deren Wert hock) zu veranschlagen ist. Die Behandlung des weitschichtigen Stoffes —es sind rund 15 000 Artikel und Stichwörter — ist nicht nur vom wirtschaftlichen Standpunkt aus vorgenommen, sondern alle damit verwandten Gebiete sind berücksichtigt worden, so Finanzwirtschaft, Statistik, Detriebswiffenschaft, Bilanzkunde, Reklame, Wirtschaftsgeographie, Technik, das Recht, kaufmännisches und gewerbliches Bildungswesen, Sozialpolitik, Zeitungswesen usw. Dieses Handels- Lexikon wird daher nicht nur Kaufleuten, Industriellen und Gewerbetteibenden, sondern auch Rechtsanwälten, Revisoren, Syndici, Ingenieuren, Technikern, Lehrern, Beamten usw. wertvolle Dienste leisten, da die Fäden des Wirtschaftslebens heute mehr denn je durch alle Berufszweige laufen. Die Anschaulichkeit des Werkes wird durch zahlreiche Beispiele, Muster, Liebersichten, Statistiken, Tabellen usw. erhöht. Aeußer- lid) stellt sich der 800 Seiten starke Band in einem geschmackvollen Halblederband dar, der Druck ist klar und übersichtlich. Der Preis von Rm. 25. ist bei der Beschaffenheit, dem Um- fang und die Ausstattung als mäßig zu bezeichnen. Wir geben diesem Buche unsere Empfehlung Wit 887 Zwei Scheffelbücher. — Scheffel als Student. Von Dr. Bogdan Krieger. 244 S. mit Bildnissen Scheffels und seiner Freunde, Wiedergabe einer Handzeichnung und bekannter Oertlichkeiten aus dem Scheffelkreise. Verlag von Adolf Bonz & Co., Stuttgart 1926. - Der bekannte Hohenzollernhistoriker und Hausbibliothekar legt hier eine schöne und gediegene Gabe zum 100. Geburtstage Scheffels vor, den wir vor kurzem festlich begingen. Zugrunde gelegt wurden in erster Linie die erst kürzlich erschienenen Briese an die Eltern, der bereits früher veröffentlichte Briefwechsel mit den Freunden Friedrich Eggers und Karl Schwanitz, sowie Mitteilungen und Erinnerungen von Persönlichkeiten aus dem Scheffelkreise (wie dem bekannten Mediziner Kußmaul), die hier und dort im Lauf der Jahre zerstreut bekannt geworden find. Das Ganze rundet sich zu einem lebendig geschriebenen Bilde des jungen Dichters auf den akademischen Lebensstationen München, Heidelberg und Berlin, gibt das studentische Vorspiel zu einem Dichterleben, in dem dieser Auftaktt-viLj» mehr und Tieferes bedeutet, als bei den meisten andern, die diese Lehrjahre auch durchlaufen haben. Im Bilde des jungen Dichters aber spiegelt sich zugleich als der rahmengebende Hintergrund der Schilderung das bewegte, politisch-freiheitliche Spiel vormärzlichen, deutschen Studententums. 137 — Scheffel im Lichte seines 100. Geburtstags. Eine Huldigung deutscher Dichter und Schriftsteller. Herausgegeben vom Scheffel-Museum in Mattfee. Verlag von Adolf Bonz u. Comp., Stuttgart. Der alte Freund Scheffels und Gründer des Scheffelbundes in Oesterreich, Anton Breitner, hat eine Sammlung charakteristischer Aussprüche und Aufsätze im Austtag des Scheffel-Museums zusammengebracht, die sich in der Hauptsache mit der Frage beschäftigen: Was ist das Schöne am Ekkehard? Es ist erstaunlich und erhebend zu sehen, wie weit die Wirkung dieses Meisterromans gegangen ist, und wie stark sie auch jetzt noch nachtönt. 136 weltschöpsung und Weltschau. — Bilder aus dem Weltenraum Sonne und Planeten. Im Dienste der Hans Bredow-Schule der DeutschenRundfunkgesellschaf- ten. 45 einseitig bedruckte Tafeln mit 52 Abbildungen und erläuterndem Text. Verlag E. H. Mayer, Leipzig. — Die Sammlung wurde angeregt und aufgestellt vom Herausgeber der Rundschau der gesamten Sternforschung „Sirius". Dr. H. H. Kritzinger in Dresden, dessen zähl- reichische asttonomische Rundfunk-Vorträge besonderes Interesse gefunden haben. Durch 45 Kunstdrucktafeln werden wir auf dem Wege durch die Planetarien in das Reich der Urania eingeführt, lernen die gewaltigen Teleskope kennen und bekommen von den Ergebnissen der Forschung des Astronomen unmittelbare Anschauung. Zunächst werden fesselnde Abblldungen der Sonne mit ihren Flecken und .riesigen Protuberanzen — unter Berücksichtigung der allerneuesten Forschungsergebnisse — geboten. Es folgen hochinteressante Mondlandschaften, deren bizarre Formen in einem eigentümlichen Gegensatz zu unserer alpinen Gebirgswelt stehen. Die Planetenabbil- öungen bieten vorzügliche Zeichnungen des Mars, des Saturn, des Jupiter und der Venus, wie sie unter den günstigsten Deobachtungsbedingun- gen gewonnen werden konnten. — Weltschöpfung und Weltanschauung. Wege zur Lebenskunst und Gesundheit. Don Professor Dr. W. L i e p m a n n. 2. erweiterte und verbesserte Auflage. 243 Seiten una 23 Abbildungen. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — Die stärkste Hilfe im Lebenskämpfe ist die Bildung einer harmonischen Weltanschauung. In der Harmonie des Ganzen mit seinen Teilen sah Goethe immer die große Linie des Naturverstehens. Für alle die, die den Wunsch haben, aus dem öden Materialismus unserer Zeit heraus, in stillen Stunden zu eigener Harmonie zu gelangen, ist das vorliegende Buch bestimmt, das die Entwicklungsgesck'ichte der Natur vom ersten Kreisen des Urnebels bis zu den heutigen Menschen und zu den heutigen Zivili- sations- und Kulturformen zum lebendigen Besitz werden läßt. 189 — Harmonie in der Natur von R. Sy France. Mit zahlreichen Abbildungen von R. H. France, R. Oeffinger und einem farbigen Um« schlagbild von W. Planck. Kosmps, Gesellschaft der Naturfreunde. — Daß die Harmonie eines der grundlegenden Gesetze im Dau des Weltalls ist, lernen wir zwar in der Schule, und w'tt können auch manchmal schöne dichterische Ergüsse darüber lesen, aber die meisten Menschen haben doch nur sehr verschwommene Begriffe davon. Da ist es nun eine sehr dankbare Aufgabe der Naturwissenschaft, diese Harmonie im Ganzen wie im Einzelnen nachzuweisen, und gerade ein Naturforscher wie R. H. Francs, der mit einem weiten Blick im Getriebe des Weltalls zugleich eine tiefe philosophische Schulung verrät, war berufen, die große Gemeinde des Kosmos, wie alle, die sich nach einer sicheren Erkenntnis sehnen, über die Fragen aufzuklären, die sich auf die Harmonie in der Natur beziehen. Sein schön illustriertes Buch ist eines von denen, die Genuß beim Lesen bereiten und nach denen der nachdenkliche Mensch immer wieder gerne greift. 130 — D i e neuent stehende Welt. Vom Grafen Hermann Keyserling. 139 S. 8°. — Otto Reichl, Verlag, Darmstadt, 1925. — Der bekannte Führer der Darmstädter Philosophenschule versucht in diesem Buche eine Auseinandersetzung mit den brennenden Kulturproblemen der Gegenwart. Ausgehend von einer Umdeutung Spenglers und einer Verbreiterung seiner berühmten Theorien, bemüht sich Keyserling, in den Symptomen des Kulturverfalls zugleich schon erste Anzeichen eines beginnenden Ausstieges erkennbar zu machen, und einen individuell gangbaren Weg zur Mitarbeit an der „neuentstehen- den Welt" aufzuweisen. 103 Sei vorsichtig es gibt nur einen echten —™ Kathreiners Malzkaffee! I