«r tt Uj 9tJw«n. L- Wt >L L-A -LM ."LsUZ eÄ -'Mr teft A bi, . Uvb erfix-fc alr AnkunftN- 'bnen. hkeit ftattHn?Utnbet9 Ä*"' )ßEg. tdw‘> unter. Das^^gut -.En« 5ettDtob^ « mb Ä »* iktfltl ’mrfi $n anschauen n* ® Öehnor *............>'«.........W»J ibgwtanhwhen «wwüWA i® prim. QiMÜttt iO, 14.50, IM JO,18.50,80J0 Spangenschuhe 0,14.50,16.50 nders preiswert ’ibrikxte i Sie mein gflöstigcs darf bei mir. 109D O Äcker wj? Ä qm Äcker l^Eseck zum Zveck» us S» S chaft ver- ; .WZerfüglMg ffÄ-20'6- M* „tiriach^S' SS5 Die 5,rma. V., -rir»" k’ffä’fe ««W ^.,nbeatt ®CÄ jein KM ZK * Wisger"' Rr. 3 Erstes Blatt 176. Jahrgang Dienstag, 5. Januar 1926 Mchener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Druck und Verlag: Brühl'sche Unioersität§-Vuch- und Zteindruckerel R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrasze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeige» von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig: für Re- klamean^eigen von 70 mm Breite 35 llleichspseiinig, Plahvorschrif! 20 “, r.cf)r. ChesredalUeur Dr. Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich. für Politik und Feuilleton Di. Friede. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein: für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Eiehen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: $rattffurt am Main 11686. Brennende Auswandererfragen. Ein prominentes Mitglied der deutschen Auswandererbehörde machte unserem lU.-6.-Korrespondenten folgende Angaben: Das Auswanderungsgesetz von 1897 ist veraltet. Die Reformversuche nad> dem Kriege führten im vorigen Fahre zu einer 21 o tt> e ro ro - nung über die Bekämpfung von Mwstanoen im Äusatvndererwesen, wodurch es wenigstens gelang, eine Kontrolle über die ww Pilze aus der Erde wachsenden Auswanderervererne auszuüben. Aber das Rotgesetz ist in keiner Werse wert- gehend genug; es fehlt die aktiv e A u s l an d° Politik der deutschen Regierung. Sie nur allein kann verhindern, daß die Deutschen im Auslande nicht n u r a ls K u lt u r düii g e r, sondern als Kulturträger betrachtet werden. Re- gierungsrat Dr. v. Zanthier sagt in Heft V ber kolonialen Dolksschrislen, das dein bekannten öor- derer, dem Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg zugeeignet ist: „Es ist erforderlich, alles daran zu setzen, um die Auswanderer dem Deutschtum zu erhalten. Das ist aber nur dann möglich, wenn man diese in eigenen Kolonien unter eigener Staatsoberhoheit ansiedeln kann." Bekanntlich setzte die Auswanderung nach Freiwerden des deutschen Schiffsraumes im Fahre 1921 verstärkt ein. Der Hauptstrom wandte sich wie vor dem Kriege, nach den Bereinigten Staaten von Amerika, die gezwungen wurden, sich durch ein besonderes Einwanderungs- geseh vor der Ausnahme fremder Staatsangehöriger zu wehren. Rach der Kontin- ge'nticrung waren im Fahre 1923 122 000 Deutschen die Einwanderung in das Land gestattet. 1924 wurde die Zahl der Deutschen auf 51000 zurückgeseht, obwohl die Quote für Einwan- derungslustige bedeutend höher war. Sicherer Berleutbarung nach sollen im Fahre 1926 nur noch 20000 Deutschen Gelegenheit zur Unterkunft in den Bereinigten Staaten gegeben werden, und diese beschränkte Zahl der Landsleute hat noch die strengen amerikanischen Anforderungen, wie die Erbringung des Rachwei- Ics genügender Gesundheit und eines nicht gerade sehr niedrigen Barkapitals zu erfüllen. An der letzten Forderung scheitern die Wünsche vieler Auswanderungslustiger, denn die Ueber- fahrt alleine rostet heule 1121.2 Dollars. Während insbesondere den intellektuellen Berufen wegen Aussichtslosigkeit auf Arbeitsbeschaffung dringend vor der Einwanderung nach Amerika abgeraten toerben must, finden Landwirte und häusliche Dienstboten genügende Gelegenheit zur Beschäftigung, vornehmlich in Ca- nada. Die Auswanderung nach Südamerika ist augenblicklich sehr rege; zu den bevorzugten Ländern gehören Brasilien, Arg en t i - nien und Paraguay. Bor dem Aufsuchen dieser Republiken, ohne im Besitz von Kapital zu sein, warnen die Behörden dringend, denn die wirtschaftlichen Verhältnisse sind hier die gleichen wie in Deutschland. Arbeit, Arbeit und nochmals schwerste Arbeit, das ist die Losung, und nur in den wenigsten Fällen gelingt es bei überaus großem Fleiste dem Einwanderer, sich eine ausreichende Eristenzmöglichkeit zu schaffen. Mexiko harrt noch der Entwickelung, und es besteht in baldiger Zeit die Aussicht auf Urbarmachung zahlreicher Landstrecken. Wesentlich gehoben hat sich die Einwanderung ehemaliger Auslandsdeutscher in die früheren deutsch-afrikanischen Kolo» n i c n. Die Gelegenheit zur Wiederansiedelung in Südwest muh z. Z. wegen der milden englischen Einreisebestimmungen als günstig bezeichnet werden, natürlich nur. soweit der Deutsche genügende Geldmittel besitzt. Das Auswanderungsrecht ist nach der Reichs- Verfassung jedem Deutschen gestattet. Es versteht sich jedoch von selbst, dah. abgesehen von den Verlusten ethischer und finanzieller Bolksgüter für das Heimatland ldurch Auswanderung 100 000 Deutscher gehen der deutschen Bolkswirtschaft jährlich 100 Millionen Mark verloren, das find jährlich bei einer Verzinsung von 5 Prozent die Zinsen eines, Kapitals von 2 Millarden), es Reich und Behörden nicht einerlei sein kann, ob ihre Landeskinder in Gegenden ziehen, in denen ihnen ein Vor- wärtskommen aus mancherlei Gründen nicht möglich ist. Zum Zwecke der Beratung sind deshalb in verschiedenen Städten des Reiches Aus - kunstsstellen errichtet, die den hinausziehenden Auswanderern Gelegenheit zu fachmännischer Beratung geben. Die Erfahrungen der letzten Fahre haben nur allzu oft gezeigt, dast zurückkehrende Auswanderer „drüben" die traurigsten Schicksale durchgemacht haben, weil sie es unterlassen hatten, den Ratschlägen der amtlichen Charakter tragenden Auskunftstellen Gehör zu schenken oder überhaupt diese übergangen hatten. Die Unglücklichen verloren fast alles und waren nur froh, mit dem spärlichen Rest ihres Geldes und mit Unterstützung deutscher Hilfsvereine in die Heimat zurückkehren zu können. Abbau der Militarkontrolle. Qi ad) b ein demokratischen Zeitungsdienst hat der Präsident der Fnteralliierten Militärkontrollkommission, General Walch, an den General von Pawels ein Schreiben gerichtet, in dem er mitteilt, dah mit dem 1. Fanuar die Kontrollzweigstellen der F. M. K. aufgehoben werden. Als provisorische Posten bleiben einstweilen lediglich in Königsberg und München Gruppen von je 2 alliierten Offizieren als Abgesandte der Berliner Zentralstelle bestehen. Negierrmgssorgen Der Thronverzicht des rumänischen Kronprinzen hat in Grohrumänien die Wirkung eines weit über die Bedeutung einer lediglich dynastischen Angelegenheit hinausragen- den politischen Ereignisses von größter Tragweite ausgelöst. Die allgemein bestehende Heber« zeugung von der Unübersehbarkeit der Folgen dieses unerwarteten Schrittes der Berzichtleistung des Prinzen Karol auf feine Thronfolgerrechte herrscht im ganzen Lande vor. Dafür spricht die Verhängung einer Rachrichtensperre, trotzdem man sich in' Bukarest dessen wohl sehr bewußt fein dürste, daß durch derartige Maßregeln der beunruhigende Eindruck der Vorgänge wenigstens im Auslande eher verstärkt als gemildert wird. Rumänien, das seit dem. Eintritt in die Reihe der europäischen Staaten von jeher unter den Fnteressengegensähen der sich bekämpfenden Parteien der parlamentarischen Gruppen schwer zu leiden hatte, hat auch in seiner heutigen Gestatt, nachdem ihm als Beute aus dem Weltkrieg eine Gebietserweiterung von ungewöhnlicher Gröhe zu- gefallen war, im Fnnern weder eine politische Befriedigung noch wirtschaft- li dje Konsolidierung gefunden. Bisher war der rumänische König Ferdinand dem Beispiel seines Vorgängers auf dem Throne dem staatsklugen Hohenzollernfürsten Karol gefolgt und auch, bemüht gewesen, die dynastischen Fragen von der eigentlichen Staatspolitik völlig zu trennen. Es gewinnt den Anschein, als ob gewisse Parteigruppen bemüht sind, den Thronverzicht des Prinzen Karol zum Anlaß eines gegen den König und das königliche Haus sich richtenden Vorgehens zu nehmen. Ob hierbei national-fazistische Kreise, denen der bisherige Kronprinz nahe gestanden haben dürfte, in den Vordergrund treten, oder ob andere unzufriedene Elemente, an denen Rumänien in seiner heutigen Gebietszusammensetzung ja noch reid;er als vor dem Kriege ist, die Gelegenheit zu einer Aktion suchen, läht sich gegenwärtig noch nicht übersehen, jedenfalls dürfte die nächste Zeit schwerwiegende innere Krisen für das innerlich so wenig befestigte Grohrumänien bringen. Fn Griechenland hat General P a n g a» los durch die Erklärung der Militärdiktatur den Versuch gemacht nach dem Beispiel, das seinerzeit Primo do Rivera in Spanier: gegeben hat, für die Gesundung der verworrenen inneren Lage des Landes dieses letzte, allerdings auch reichlich gefährliche Mittel anzuwenden. Sein neues Regierungsprogramm gründet sich nach der von ihm abgegebenen Erklärung nur auf die bewaffneten Streitkräfte des Heeres. Griechenland hat seit der Militärrevolution von 1909 ibs zu dem letzten die Erklärung der Republik bringenden Staatsumsturz immer wieder politische Generale an der Spitze aller Bewegungen aufzuweisen gehabt, die allerdings nicht alle eine besonders glückliche Hand für die Reugestaltung der Dinge hatten. Das wirtschaftliche Leben, das unter diesen ständigen Unruhen der letzten Fahre äußerst zu leiden gehabt hat, wird auch unter der Diktatur nur eine geringe Möglichkeit zur Reuentfaltung haben. Wiederum werden der Ehrgeiz und die imperialistische Tendenz der militärischen Führer das Land neuen außenpolitischen Konflikten entgegenführen. Das schroffe Vorgehen in dem bulgarischen Grenzkonflitt bewies zur Genüge, daß Pangalos alles andere als ein Friedensbringer für das griechische Volk ist. Die Diktatur in Griechenland. Athen, 5. Ian. (TU.) Die Regierung Pangalos hat drei Ordonnanzen zur Bekämpfung der Opposition herausgegeben. So ■imi.—i im in , in ii ■ iimh 11 ii Englisch - ameManstche AnanZ- tontroöc für Frankreich. Am interessantesten sind im gegenwärtigen Augenblick entschieden die Finanzbesprechungcn in Washington, die zwischen dem amerikanischen Schatzsekretär • Mellon, dem Gouverneur der New Porter Federal Reserve Bank Strong, dem Gouverneur der Bank von England Norman und schließlich dem Reparationsagenten Parker Gilbert hin und her gehen. Nach den letzten Kabelberichten scheint ein gewisses Ergebnis erzielt worden zu sein, nämlich die Bildung einer amerikanisch-englischen Einheitsfront bei der Regelung der französischen Kriegsschulden. Soweit ist es also nun schon gekommen, daß sich die beiden stärksten Alliierten Frankreichs aus dem Weltkrieg, darunter sein unzweifelhafter Retter, die Vereinigten Staaten, zusammengeiunden haben, um jedes Mittel anzuwenden, das geeignet erscheint, wieder in den Besitz ihrer zur französischen Kriegsführung hergeliehenen sehr namhaften Beträge zu kommen. An welche Mittel gedacht wird, beweist z. B. die Teilnahme des Reparationsagenten an den Verhandlungen: England und Amerika wollen sich nicht allein mit "einem Versprechen Frankreichs, seine Schulden abzuzahlen, begnügen, sondern sich auch entspred)ende Garantien verschaffen, möglicherweise dieselben, wie sie die Entente Deutschland gegenüber inne hat. Die Kabelberichle lassen auch bereits erkennen, daß die Finanzgewaltigen in Washington vor drastischen Maßnahmen nicht zurückschreckcn wollen und radikale Eingriffe in die Budgetgebarung Frankreichs vorzunehmen gedenken. Ein Druckmittel, um Frankreich gefügig zu machen, haben sie in ihrer Hand, den französischen Franken, dessen der Balkanftaaten. wirb den Zeitungen bei Androhung bes Dauerverbots die Veröffentlichung von Artikeln der Republikaner Kaphandaris. Papanastasiu unb Michalaiopulos verboten. Die royalistische Zeitung „Kathimerini" unb das Veniselos-Organ „Elentheros Logos" haben ihr Erscheinen eingestellt. Angriffe gegen bie Reg ie- rung sollen mit bem Tobe bestraft werben. Karols Thronverzicht. Billigung des Parlaments. — Prinz Michael zum Thronfolger erklärt. Bukarest, 4. Ian. (WB.) Beide Häuser des Parlaments hielten heute Sitzungen ab, um sich mit dem Thronoerzicht des Kronprinzen Karol zu befassen. Der Gesetzentwurf über den Thronverzicht und der Proklamierung des Prinzen Michael zum Thronfolger wurde von den beiden Häusern des Parlaments angenommen. Die Mit- gleider der Opposition enthielten sich der Abstimmung. Nach dem Gesetzentwurf werden Mitglieder der Negentichaft sein: Prinz Nikolaus, der Pa- triard) Christea Miron und der Präsident des Kassationshofes Buzdugan. Während der Sitzungsdauer waren sowohl in der Hauptstadt als auch in der Provinz militärische Vorsichtsmaßnahmen getroffen, da für den gewesenen Thronfolger Kundgebungen erfolgten. In Klausenburg hatten die Demonstranten sogar ein Manifest erlassen. Prinzessin Helena bleibt weiter Mitglied des Königshauses, behält das Palais des Kronprinzen und widmet ihr Leben der Erziehung ihres Sohnes. Sie hat bereits die bindende Erklärung abgegeben, daß sie nach ihrer Scheidung eine neue Ehe nicht eingehen werde. Königin 9Jt a r i a wird voraussichtlich am Mittwoch in Mailand, dem augenblicklichen Wohnsitz des Exkronprinzen Karol eintreffen, um die Scheidung einzuleiten. Lin neues Kabinett in Bulgarien. Sofia, 4. Ian. (WTB.) Der König hat heute nachmittag den bisherigen Ministerpräsidenten 3 a n f o f f unb den Abgeordneten und früheren Mst'.ifter Liaptscheff in Audienz empfangen. Im Anschluß daran genehmigte der König den Rücktritt der Regierung Zankoff und ernannte Ljaptscheff zum Ministerpräsidenten. Das neue Kabinett hat folgende endgültige Zusammensetzung: Vorsitz und Inneres: Ljaptscheff; Auswärtige Angelegenheiten: Burofs; Oeffentlicher Unterricht: Naideroff; Finanzen: Wladimir Moloff; Justiz: Kuleff; Krieg: General Wulkoff; Handel: Bo- boschewsky; Ackerbau: Christofs; Oeffentliche Arbeiten: Slaoerodo Wassilefs; Eisenbahnen: Komon Georgieff. Die neuen Minister wurden vom König in Audienz empfangen. Die schnelle Lösung der Krise machte in allen Kreisen den besten Eindruck. Die Bedeutung, die der Ministerpräsident den inneren Angelegenheiten beimißt, deren Portefeuille er selbst übernimmt, verdient besonders hervorgehoben zu werden. General Wulkoff, Bobo- schewsky und Ehristosf waren Mitglieder des zurückgetretenen Kabinetts. Der neue Außenminister Athanasius Buroff ist ein bekannter Finanz- tnann. 1913 war er Vizepräsident der Kammer, und zweimal, 1913 und 1919, Mitglied der Regierung. Der Finanzminister Wladimir Moloff ist Universitätsprofessor und ein hervorragender Jurist. Er war in früheren Kabinetten Kultus- und Verkehrsminister und ist Präsident der bulgarischen Sektion der Interparlamentarischen Union. Justizminister Kuleff und Unterrichtsminister N aide n o f f waren Präsident bzw. Vizepräsident der Kammer. Wertverlust sie fördern bzw. aufhalten können. Für Frankreich ergibt fick) also die Frage, ob es an feiner jetzt geübten Finanzpolitik weiterhin festhalten ober sich ben Wünschen ber Gläubigerstaaten fügen will, b. h. sparsamer wirtschaften unb jede unnötige Ausgabe einzustellen, also auch bie kostspieligen Kolonialkriege zu liquidieren, unb seinen Haushalt in Drbnung zu bringen, wodurch gleichzeitig der Franken stabilisiert werden würde. Herr Verenger, Frankreichs neuer Botschafter in Washington, ber in ben nächsten Tagen in ber amerikanischen Bundeshauptstadt eintrifft, wird binnen kurzem über bie Absichten unb Wünsche Englands unb Amerikas im Bilbe fein, um so mehr, als er bie unbanfbare Aufgabe übernommen har, neue Verhandlungen über die Tilgung der französischen Schulden aufzunehmen. War es bisher Frankreich, das in Washington trotz seiner Stellung als Schuldner Forderungen erhob, so hat sich das Blatt jetzt gewendet, es wird sich, wenn es nickst eine Katastrophe des Franken vorzieht, wohl oder übel Tilgungsbedingungen j^efatiin lassen müssen, bis einer „Dawesierung Frankreichs" verdammt ähnlich sehen werben. Fengyuhsiang zieht sich zurück. Peking. 4. Fan. (Reuter.) General Fen- gyuhfiang, der sogen, christliche General, der am 24. Dezember Tientsin besetzte, teilte in einem Rundtelegramm mit, dah er auf das öffentliche Leben verzichtet, nach dem Ausland geht und die Militärpartei beschwört, dem Chef der Exekutivgewalt, Tuan- s ch i j u, Unterstützung für die Besserung des Landes zu gewähren. r , - -------- -z" _ t k • vor einem amerikanisch- europäischen Handelskrieg? Aus den Vereinigten Staaten wird eine Aeußerung d:s amerikanischen H ndelLministers Hoover hierher gek.bstk, nach der ein "n- delskrieg zwischen Amerika unb Europa drohe. Diese Erklärung muß den Laien überraschen, nicht aber denjenigen, der in den letzten Monaten Gelegenheit hatte, den Kampf zwischen der europäische und der amerikanischen Fndu- strie auf den internationalen Märk.e t zu beo. achten. Amerika befindet sich nämlich mit bestimmten Erzeugnissen gegenüber verschiedenen europäischen Fndustrien, die eine Monopolstellung einnehmen, in einer ungünstigen Lage: junge amerikanische Wirtschaftszweige tannen sich mit ihren Produkten nicht recht durchsetzen, weil ihnen ältere gleichartige europäische Fndustrien den Wind aus den Segeln nehmen, die über einen gut funktionierenden Produktionsapparat und vor allem auch über reiche Erfahrungen verfügen. Das behagt der Washingtoner Regierung absolut nich', sie lä" t nie' ts unversucht, um die auf Monopolen avfgebute ausländische Konkurrenz zu schädigen, al'o damit die heimische Fndustrie zu schützen. Wir brauchen nur an das Schicksal der Kali-Anleihe erinnern, die in Rew Bork aufgelegt werden sollte, aber im letzten Augenblick zurückgezogen wurde, weil man in Washington den Standpunkt vertrat, die deutsche K. liindustrie nehme eine Monopolstellung ein und schädige die junge amerikanische Kaliindustrie. Aus dem gleichen Grunde erhält auch unsere chemische Fndustrie in den Vereinigten St wen feine Anleihen, weil diese ihre er ft im Kriege zum Leben erweckte Farbenindustrie nicht schädigen wollen. Doch nicht allein gegen die deutschen Monopole richten sich die Worte Hoovers, sie gehen in gleicher Weise an die Adresse der englischen! Baumwoll- und Kautschukindustrie, die Monopolstellungen inne haben und sie benutzen, um die Preise namentlich für Kautschuk- Waren künstlich hochzuhalten. Wie die Vereinigten Staaten sich einen Handelskrieg mit Europa denken, geht aus dem kurzen Kabeltelegramm nicht hervor. Wenn Hoover, wie es heißt, den Getreidefirmen empfiehlt, ihre Preise hinaufzusehen, um die europäische Wirtschaft zu schädigen — Europa ist auf wesentliche Getreidezufuhren aus Amerika angewiesen —. so ist daran zu erinnern, daß Südamerika und Australien über erhebliche Getreideüberschüsse verfügen, die sie mit Freuden in Europa absetz-en würden. Damit ist aber nicht gesagt, daß sich Europa in einer günstigen Situation befindet. Ein Wirtschaftskrieg dürste sich nicht lediglich gegen die Monopolindustrien richten, sondern auf die gesamten amerikanisch-europäischen Handelsbeziehungen übergreifen. Erst in diesem Falle würde die ganze Stärke der Vereinigten Staaten zutage treten, der gegenüber das verarmte Europa nicht gewachsen ist. Für die Anhänger einer europäischen Zollunion dagegen wird diese Drohung ein vorzüglicher Anlaß sein, nun mit aller Macht für den bisher von ihnen propagierten Gedanken einzutreten, da es /ich jetzt darum handelt, durch Ausschaltung der Zollkriege und zollkriegähnlichen Zölle die europäische Wirtschaft z u s a m m en* zusühren, zu kräftigen und kampffähig zu machen. Angesichts der geplanten Weltwirt- schastskonferenz berühren die Worte. Hoovers recht eigenartig, sie haben denselben Beigeschmack, wie z. B. die Ausrüstung Ftaliens und Polens im Augenblick der Einleitung einer allgemeinen Weltabrüstung. Sozialisten und Regierungsbildung in ßrantteich. Paris, 5. Fan. (TTl.) Die zum größten Teil nunmehr vorliegenden Einzelbeschlüsse der sozialistischen Verbände, die im Hinblick auf den bevorstehenden Kongreß abgestimmt haben, zeigen, daß sich eine Mehrheit gegeniegliche Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Parteien ergeben wird. Die Beschlüsse des außerordentlichen Kongreßes werden wahr- sck)einlich dahin lauten, daß die sozialistische Partei zur alleinigen Llebernahme der Regierungsgeschäfte bereit ist und bis zur Verwirittchung dieser Möglichkeit in die Opposition treten wird. Fn politischen Kreisen zerbricht man sich den Kops, in welcher Form nach dem Austritt der Sozialisten die ■Umgruppierung der Linksparteien vor sich gehen werde. Man hält weniger eine sofortige Auflösung als eine Ar! Zerbröckelung des Kartells für wahrscheinlich. Es kursiert erneut das Gerücht von einer Spaltung bei den Sozialisten, da die Anhänger der Beteiligungspolitik laut ihre Absicht verkündet haben, aus der Partei auszu- treten, wenn der Kongreß gegen ihre Resolutionen! stimmt. Cs läßt sich zur Zeit nicht entscheiden, wie weit hier Partei taktische Erwägungen mit* sprechen. Auch die Gruppe der Sozialrepublikaner weist Uneinigkeit auf. Die Links- radika len sind bereits unter Fühnmg ihres Präsidenten Daoult P e r e t unverhüllt auf die Seite der Linksrepublikaner getreten. Das Kartell wird also tatsächlich zu bestehen aufgehort haben. Die Opposition wird nach der Umgruppierung der Parteien hauptsächlich durch die äußerste ßinle (Sozialisten uni> Kommunisten) und vereinzelte Mitglieder der radikalen und vepu- blikanischsn Parteien gebildet werden. Gin BanknoLenfälscher- fkandal in Ungarn. Budapest, 4. San. (LU.) 3m Dez em 0er uurbe in Holland ein imgarischer Oberst Ian - I owitsch verhaftet, bei dem die holländischen Behörden einen Kuricrpah der ungarischen Regierung und in seinem amtlich versiegelten Kuriergepäck zehn Millionen Uranien falscher s r a n z ö s is ch e r B a n i not en fanden. Die Angelegenheit wirbelte namentlich in Paris begreiflicherweise iric( (staub auf und sieht jeNt einer fcnfatipncncJt Aufklärung entgegen. Die Untersuchungen haben nämlich er* geben, daß der Chef der Landes Polizei, Aadossv, der zunächst die Untersuchungen in der Jloteiifä^cherangelegenheit geführt hat, seine Stellung mißbraucht habe und falsche Meldungen über den Stand der Angelegenheit an die vorgesetzten Dienststellen gegeben hat. So hat er dem Auswärtigen Amt fatsche Berichte über den in Holland verhafteten Iamowitsch erstattet. Er gab an, das; der verhaftete Oberst ein durchaus vertrauenswürdiger Mann sei, gegen den kein verdacht vorliege, und daß man ihm ohne Bedeuten einen Kurierpaß nach Holland ausstellen und sein Gepäck versiegeln könne. Man macht ihm den schweren Vorwurf, daß er bewußt das Auswärtige Amt getäuscht haue. Heute vormittag wurde Prinz Ludwig W > u d i s ch g r ä tz verhaftet, da er dringend verdächtig ist, der Chef einer Geld- s a l s ch e r b a n d e zu sein, die aus 45 Mitgliedern beftebi. Die Regierung erklärt m einem Kommunique. daß der Prinz schweb belastet sei, und daß die Regierung in der staatl ich e n karrho- graphischen A N st a l t eine Haussuchung habe vornehmen lassen, weil der Verdacht ausgetaucht fei, daß hier das Falschgeld fertiggesteilt oder nun« bestens aufbemahrt worden sei. Die Polizei seht ihre Ermittelungen mit etwa 100 Kriminalbeamten fort und hat heute im Laufe des Tages zahlreiche Haussuchungen bei Politikern der r a d i -> taten Rechtsparteien vorgenommen, von denen mehrere verhaftet und vom Unter» fuchurHsrichter vernommen wurden. Die Polizei gibt die 'Kamen dieser Persönlichkeiten vor- läufig noch nicht bekannt. Der verhaftete Prinz Windischgraetz ist Legitimist und gehört schon seit längerer Zeit den ungarischen Faszisten an. Die unter Führung Gombös und Eckhardts dem Erzherzog Albrecht ncchestehen. Es scheint bereits festzuftshen, daß die Aotenfälschungen einen eoptischen Hintergrund haben und sich Haupt- sächlich gegen die gegenwärtige Regierung und gegen das ganze Regime richten. Die Polizei verhörte aua) den früheren Ministerpräsidenten, den Grafen Paul Teleki, der gegenwärtig in der irredentistischen Bewegung eine große Rolle spielt und kürzlich Präsident jener Bereinigungen wurde, an deren Spitze als Protektor Erzherzog Albrecht steht. Bekanntlich war er auch Mitglied der Mossulkommission, deren Gutachten dem Genfer Beschluß als Grundlage diente. Unter den rechtsradikalen Abgeordneten, die in die Angelegenheit verwickelt find, wird auch der Abgeordnete Httain genannt, der wegen eines Putschversuches aus Ungarn geflohen ist und sich zur Zeit auf italienischem Boden aufhält. Reuerdings wurde von der Polizei feftgestellt, daß der verhaftete Prinz Windischgraetz, der früher als Majoratsherr über sehr große Ländereien verfugte, infolge Spielschul- - den gänzlich verarmt ist. Es wird daher auch vermutet, daß materielle Beweggründe für die Fälschungen vorhanden waren. Man glaubt, 'daß sich rechtsgerichtete Politiker nur in die . Fälscheraffäre haben verwickeln lassen, um so durch die Unterbringung falscher Frankennoten - möglichst schnell eine große Propagandafront für ihre Bestrebungen zu schaffen. Begreiflicherweise haben die Fälschungen gerade in Frankreich das größte Aufsehen errget Der französische Gesandte in Budapest, Clinchant, ist nach Paris, der ungarische Ge- sandte in Paris, Baron Koranyi, nach Budapest abgereift. Die französische Presse ergeht sich in schärfsten Angriffen gegen die ungarische Regierung. Sie wirft ihr vor, daß die ungarischen Behörden ihre Ermittelungen nur sehr ungenügend und lässig Dörgenommen hätten und daß dem nach Ungarn entsandten französischen Sachverständigen die Arbeit sehr erschwert worden sei. Einige Blätter behaupten sogar, daß der Beweis erbracht sei daß die verhafteten Rotenfälscher mit der Regierung in Beziehung gestanden hätten. Die Abrüstungskonferenz Eine Botschaft des amerikanischen Präsidenten an den Kongreß. Neu y o rk, 5.3an. (Kabeldienst der TU.) 3n einer Botschaft an den Kongreß erinnert Coolidge an seine letzte Botschaft, in der er erklärte, daß eine internationale Abrüstungskonferenz Abmachungen über d i e Beschränkung der R u - stun gen Neffen müsse, denn dies 'sei die natürliche Folge der Locarnoverträge. Die Regierung der Bereinigten Staaten sei offiziell zu den Genfer Vorbesprechungen für die Entwaffnungskonferenz teilzunehmen. Es heißt dent Coolidge hebt jedoch ausdrücklich hervor, daß die Teilnahme Amerikas an diesen Borbesprechungen nicht dazu verpflichte, auch on der endgültigen Entwafnungskonserenz teilzunehnien. Es heißt dann wörtlich: „Hier ist weder Zeit noch Ort, um sich über die Möglicksteiten irgendeiner Entwaft- uungskonferenz auszusprechen. Es genügt die Feststellung, daß die Regierung der Vereinigten Staaten zur Teilnahme an den Vorbesprechungen über eine allgemeine Abrüstungskonferenz eingeladen ist, die die Wege für endgültige Abmachungen in der Abrüstungsfrage oorbereiten soll. Es braucht auch nicht erörtert zu werden, ob die Bedingungen und Umstände vorhanden sind, die es wünschenswert erscheinen lassen, daß die Bereinigten Staaten an der endgültigen Abrüstungskonferenz teilnehmen. Es ist meine Ueberzeugung, daß, soweit Vorbesprechungen in Frage kommen, w i r unsere Hilfe und Mitarbeit nicht versagen dürfen. Ich bin ferner der Ansicht, daß das Wettrüsten der wichtigste Faktor für den Ausbruch von Kriegen ist, das sich jetzt offensichtlicher denn je zeigt. Die Notwendigkeit, d i s Steuern zu ermäßigen, wird in allen Ländern immer dringender, was jedoch nur bann möglich ist, wenn die Rüstungen b e schränkt werden. — Dem Kongreß ist ferner eine Sonderbotschaft Coolidges zugegangen, in bei die Bewilligung von 50 000 Dollar zur Deckung der Unkosten erbeten wirb, die durch die Teilnahme an der vorbereitenden Abrüstungskonferenz in Genf entstehen. Damit wird gleichzeitig die Genehmigung zur Entsendung einer Delegation nach Genf nach- gesuchr. Königin Margherita f. Bordighera. !. 3cm. (WTB.) Die Königin-Mutter Margherita von Italien ist heute vormittag gestorben. Der König teilte Mussolini das Ableben der Königin-Mutter mit. Mussolini sandte daraus ein Beileidstelegramm und richtete an die Ration folgende Botschaft. Italiener! Die ganze Ration wird heute in beispiellose Trauer verseht. Tiefes Erschauern bemächtigt sich unserer Seele. Margherita von Savoveir. die wäh- rend langer Jahre inmitten bedeutender Ereignisse das vollkommene Sinnbild des Königtums und der italienischen Ritterlichkeit geblieben ist. ist nicht mehr. Die Rachricht des Todes breitet im Himmel des Vaterlandes einen dunkeln Trauerschleier aus. Das ganze Bolk denkt in dieser Stunde unsagbaren Schmerzes an die Tugenden der erhabenen Königin, an ihre majestätische Schlichtheit, ihre unermüdliche Wohltätigkeit und strengen Gleichmut in den Tagen des Unglücks sowie an die heiße Vaterlandsliebe und an die feine Empfindlichkeit der Königin und Frau für alle höchsten Kundgebungen des italienischen Lebens in der ruhmreichsten Periode unserer Geschichte. Sie wird in großmütigen Herzen unsterblich bleiben. Italiener! Sammeln wir uns in Andachtstimmung um die heilige Majestät des Königs und die königliche Familie. Läutern wi unsere Liebe in dem gemeinschaftlichen Schmcund bejahen wir nochmals unseren Willen zur Disziplin und zur Einigkeit, um Italien der großen Feit entgegenzu- führen, die die Königin vertrauensvoll von dem Völk erwartete und von Gott erflehte. Unter den Beileidstelegrammen befinden sich die der Armee, des Senates und der Kammer. Die öffentlichen Schulen bleiben bis auf weiteres geschlossen. Saint.iche Feierlichkeiten wurden abgesagt. Die Theater. K'nos und Tanzinstitute in ganz Italien haben die Vorstellungen eingestellt. - Der Herr Reichspräsident hat folgendes Beileidstelegramm an den König von Italien gerichtet: „(Sure Majestät und Ihre Majestät die Königin bitte ich, meine aufrichtigste Teilnahme anläßlich des Ablebens Ihrer Majestät der Königin Margherita ausfprechen zu dürfen. Reichspräsident von Hindendurg." Erleichterung der Notstandsarbeiten. Berlin, 4. Ian. (WTB.) Im Anschluß an Vorbesprechungen mit dem preußischen Wohlfahrtsministerium wurden heute im Reichsorbeits- ministorium mit den Vertretern der Länder die Erleichterungen beraten, die für die Durchführung öffentlicher Rotstandsarbeiten m den Bezirken gewährt werden sollen, die unter besonders großer Erwerbslosigkeit leiden. Allgemeine Hebereinftimmung bestand darüber, daß die zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit bestimmten öffentlichen Mittel bei der großen Rot der Erwerbslosen in möglichst entgegenkommender Weise für Rötst ands- arbeiten zur Verfügung gestellt werden sollen. ES wurde daher beschlossen, in den notleidenden B«irken das Ausmaß der Darlehen, die Reich und Länder für öffentliche RotstandS- arbeiten geben, gegenüber b~r bisherigen Hebung beträchtlich, im Höchstfall bis zu 80 Proz. der Gesamtkosten, zu erhöhen. Ferner soll nötigenfalls der Zinssatz für diese Darlehen bis auf 5 Proz., im besetzten Gebiet in Ausnahmefällen auf 4 Proz. herabgesetzt werden. Auch die Tilgung der Darlehen soll dadurch erleichtert werden, daß der Beginn der Rückzahlungen um ein bis zwei Jahre hinausgeschoben wird. Endlich soll es den Gemeinden, dir durch die Fürsorge für ausgesteuerte Erwerbslose besonders stark belastet sind, erleichtert werden, auch Ausgesteuerte zu Rotstandsarbeiten heranzuziehen. Das Ergebnis der Besprechung wird den Regierungen der Länder durch einen Runderlah des Reichsarbeitsministeriums sofort mitgeteilt werden. Die Hochwasserschäden. Am Niederrhein. Eleve, 4. Ian. (WB.) Das durch das Hochwasser hervorgerufene Elend besonders in dem bis zur Hälfte überschwemmten Kreise Cleve ist fürchterlich. Die Gefahr ist hier so groß, daß die ganze Bevölkerung in größter Aufregung lebt. Die Rettung der bedrohten Be - wohner von Warbeyen und Huisberdem gelang durch Heldentaten mehrerer Em - mericher Lotsen, die mit ihrem Rachen über das wild foetoegte Hochwasfergebiet des Rheins fuhren und die Leute in Sicherheit brachten. In beiden Orten ist viel Vieh ertrunken. Das Wasser fällt seit heute früh. Der Schaden, der bis jetzt angerichtet ist, ist gar nicht zu übersehen. Im Emmericher Eyland stürzte das Haus eines Landwirtes ein, Menschen intb Vieh wurden gerettet. Eine große Gefahr bedeutet der Weststurm, der das Wasser mit furchtbarer Gewalt gegen die Dämme treibt. An niederen Stellen spulte das Wasser schon über den großen Bannendeich. Dadurch drohte eine furchtbare Hochwasserkata- strophe im Kreise R e e s. Es bestand die große Gefahr, daß die Flut sich einen Weg in die nieder- rheinische Ebene bahnen werde. Etwa 70 blühende Gemeinden wären bann dem entfesselten Element zum Opfer gefallen. Am Abend des ersten 3anuar= tages ließ der Deichgras im ganzen Kreise die Glocken läuten, um aus das drohende Unheil hinzuweisen. In der größten Not wurde die Technische N o t h i l f e mit hundert Mann eingesetzt, denen es nach unsäglichen Anstrengungen und ununterbrochener Arbeit bei Tag und Nacht durch Einrammen von Pfählen und Ausschütten von Erde gelungen ist, die gesährdete Stelle soweit zu befestigen, daß die Gefahr heute als behoben gelten fannn. In Kellen-Mehr nd nunmehr 200 Pioniere mit dem Stützen des Dammes beschäftigt. Am Heutiyen frühen Morgen durchschritten h o l ländische Pioniere bei Cranenburg deutsches Gebiet, um dem gefährdeten Gebiet um Gennep Hilfe 3" bringen. Sie mußten deutsches Gebiet betreten, da längs der Grenze alles überschwemmt ist. Todesopfer deS Hochwassers. H < n n o o e r , 4. Jan. (TU.) Im Hochwasser der Innerste ertranken zwei Sportsleutc, die glaubten, in ihrem Paddelboot die Fluten meistern zu können Das Hschwaffer in MMerdeuLschland. Merseburg, 4. Jan. (TH.) Die Hochflut der Saale nimmt erst jetzt im Gebiet ihres Hnlerlanses E a t u strophalen H m f a n g on. Im meist gesährdeten Stadtteil Merseburgs. dem Reumairt, wurden Rotbrücken ausgestellt, um den Verkehr nur einigermaßen auf» rcchtzuet.halten. Zahlreiche Familien müssen ihre Wohnungen räumen. Merseburgs Hingebung ist eine einzige große Wasserfläche. Viele Dörfer sind fast vollständig von den Zugangestraßen abgeschnitten. Aus dem Ungelegenen Äuegcbiet flüchtet daS Hochwild durch die Fluten der Gaal*', um int Stadtpark Unterschlupf zu finden. Oberhalb der Sternebergschen Badeanstalt in Merseburg ist der Damm gebrochen. Da vom Oberlauf ein Stillstand des Wassers gemeldet wird, hofft man, daß das Hochwasser jetzt den Höchststand erreicht hat. Auch vom H ii r z werden neue schwere Schäden gemeldet. So haben in Ocker die Metall- und Farbwerke durch das Hochwasser schweren Schaden erlitten. Eine große Zahl von Elektromotoren ist ersoffen. Große Hoizvorrüte sind von den Fluten meagetragen worden. Vier Hochöfen mußten gelöscht werden. Beim C 1 a n s t h a i e r Bergwerk sind zwei Schächte stark mitgenommen worden. In Braunlage sind in mehreren Hotels bedeutende Lebensmittelvorräte weggespült oder ver- nichtcr worden. Nach dem amtlichen Bericht des Quedlinburger Magistrats beziffert sich der durch das Hochwasser angerichtete Schaven auf drei Millionen Mark. Davon entfallen auf die Saatzuchtbetriebe allein zwei Millionen. Die Stadt hat die Reichs- und Staatsbehörden ersucht, eine einmalige Summe von einer halben Million zur Linderung der ersten Nat bereitzustellen und dar- über hinaus um Kredite dis zur Höhe des wirklichen Schadens gebeten. Auch die braunschweigische Regierung hat eine Hilfsaktion für die stark geschädigten braunschweigischen Harzgemeinden gefordert. Notstandsbeihilse für die Hochwassergebiete. Berlin, 4. Ian. (WB.) Amtlich. Der preußische Minister des Innern und der Reichsfinanzminister haben im weiteren Verfolg der eingeleiteten staatlichen Notstandsaktion dem Regierungspräsidenten in Wiesbaden 150 000 Mark, dem Oberpräsidenten in Koblenz 300 000 Mark und dem Oberpräsidenten in Magdeburg 50 000 Mark überwiesen. Sämtliche zur Verfügung gestellten Mittel sind lediglich für eine Linderung der erstcn Not der Bevölkerung in den durch das Hochwasser geschädigten Gebieten bestimmt. Eine belgische Nationalspende für die Hochwassergeschädigten Brüssel, 4. Ian. (Bely. Telegraphenagentur.) Der König u n d die Königin beteiligten sich an der Rationalspende zugunsten der Hochwassergeschädigten mit zwei Millionen Franken. In einem an die Vorsitzenden der belgischen Presse und des Roten Kreuzes gerichteten Brief sagen sie, sie seien sicher, den Wünschen der Nation zu entsprechen, indem sie ihnen die dem Herrscherpaar bei ihrer silbernen Hochzeit überreichten Gaben zur Verfügung zu stellen und die persönliche Gabe von 100 000 Frank hinzuzufügen. Sie übernehmen das Protektorat der Nationalspende. (Bin Verfahren gegen Oberbürgermeister Luppe. Rürnberg, 4. Ian. (WTB.) Gegen den Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Luppe ist eine Voruntersuchung wegen Eidesverletzung eingeleitet worden. Dr. Luppe ist auf längere Zeit beurlaubt worden. Die Hntersuchung gründet sich auf Hnstimmigkeiten zwischen Aussagen des Oberbürgermeisters in erster und denen zweiter Instanz feines Beleidigungspro-- zesses gegen den nationalsozialistischen Stadtrat Streicher, der seinerzeit zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Aus aller Welt. Explosion von Feuerwerkskörpern. Ein bedauerlicher Hnglucksfall, bei dem vier jugendliche Personen schwere Verletzungen erlitten, ereignete sich am Silvesterabend in Kaiserslautern. In dem Kolonialwarengeschäft der Witwe Dernad entstand eine Explosion von Feuerwerkskörpern in größerem Hrnfange. Die Wirkungen waren verhängnisvoll; es wurden mehrere Personen verletzt, und zwar die Tochter der Inhaberin, ferner zwei 14 und 15 Jahre alte Knaben und ein 12*/» Jahre altes Mädchen. Alle mußten ihrer schweren Verletzungen wegen nach dem Krankenhaufe gebracht werden. Die junge Bernad trug so schwere Verletzungen davon, daß ihr d c r r e d> t c A r m amputiert werden mußte. Die Explosion war dermaßen stark, daß die innere Ladenreinrichtung vollständig demoliert, die Schaufenster aurtrümnurt wurden und sogar die Rebenwände einzustürzen drohen. Schluß bet Deutschen Derkehrsausstellung in München. 3n der Schlußsitzung der Deutschen Verkehrsausstellung München 1925 wurde von dem Ge- neralschatzmeifter Dr. H e r g t mitgeteilt, daß die Ausstellung mit einem Heberschuß von rund 370 000 Mark abschliehe. Aus diesem Heberschuh würden u. a. dem Deutschen Museum 50 000 Mark, dem bayerischen Innenministerium 20 000 Mark für Wvhltätigkeitszwecke, dem Kultusministerium der gleiche Betrag zur Unter ft üt>ung des Kun st Handwerks überwiesen. Für wohltätige Zwecke erhielten noch 20 000 Mark die Münchener Wohlfahrtsorganisation und die Zeppelin-Eckener-Epende 5000 Mk. WetLcrv-'rKttssKHe. Meist bedeckt, westliche Winde, etwas milder, wieder zunehmende Niederschlagsneigung. Ein abgefpaltenes Teiltief liegt heute über Jütland. Auf feiner Rückseite strömen vorübergehend nördliche Winde ein. Später beim Heran- nahen des außerordentlich starken Island-Tiefs zunächst südliche, dann westliche Winde und Zunahme der Bewölkung und der Riederschläge. Gestrige Tagestemperatur: Maximum 7,5, Minimum 4,2 Grad Celsius. Riederschlagsmenge: 3,6 Millimeter. Heutige Morgentemperatur 4,8 Grad Celsius. Au§ der Proomzialhauptstadl. Gießen, den 5. Januar 192b. , Kulturelle Tagung in G'ehen. Zweiter Lag. Der Tag begann mit einem Vortrag von Geh. Rat Dr. Rv.nlel über die kulturelle Bedeutung der religiösen Erziehung. Neben dem Sinn für Natur und die soziale Verpflichtung ist das religiöse Gefühl eine spezifisch deutsche Eigenart Das Bewußtsein, daß der Mensch schon auf Erden an ein höheres Wesen gebunden ist, ist eine seelische Kraft, die vom Hrbeginn an im Menschen lebendig ist und >ß>u erst vein volles Menschentum gibt. Aus dem religiösen Gefühl entwickelt sich die Religion, die uns den sittlichen Halt verleiht; die Religion aber ist uns gegeben durch das Leben und die Lehre Jesu. Diese Lehre muß deutsch erlebt und empfunden werden, wie es Luther tat und vor ihm in bet alldeutschen Helianddichtung geschah. Dieser religiösen Anschauung steht der Materialismus gegenüber. Wissenschaftlich schon längst überwunden, wird er noch heute als Religion der Masseninstinkte gepraingi^ krasseste Selbstsucht ist sein Zeichen. Auf Dein- Gegensatz zwischen religiöser und materialistischer Weltanschauung beruht letzten Endes auch der Streit in der Schulfrage. Dem Materialismus aber darf die Schule, die Erzieherin unserer Sag mb, nicht anheimfallen, denn das bedeutete den Untergang unserer nationalen Güter. Das religiöse Moment muß der Schule erholten bleiben. einerlei ob als Konfessions- oder Simul- tanschule. Denn nur die Rückkehr zur Religion kann eine Wiedergeburt Deutschlands herbe! - führen. ; 4 Am Nachmittage sprach Professor Dr. Lenz über List als nationalen Erzieher. Lists Jugend stand unter hem Eindruck des Untergangs des alten Deutschen Reiches, das damals eine letzte Blütezeit staatsrechtlicher Literatur erlebte, unb her Rieberwerftmg Napoleons. Nicht aus her Romantik finb Lists äbeen hercmsgewachsen, fon= bern aus der Gedankenwelt des protestantischen Vernunftsrechts. Sein Idealismus verbindet ihn mit den Großen der klassischen Epoche. 1825 nach Amerika ausgewandert, kehrte er nach der Julirevolution nach Deutschland zurück, bereiste jedoch auch Frankreich und Belgien. Seine Studien widmete er der auf einem nationalen Wirtschaftssystem aufgebauten äußeren Wirtschaftspolitik. 'Richt finden wir aber bei ihm die heute übliche Ueberschätzung von Maschine und Wirtschaft: Wirtschaft ist für ihn nicht Schicksal. Er widmet sich und seine Ideen dem Zollverein. Doch Staat, Wissenschaft und Wirtschaft verschlossen sich ihm. Durch selbstgewählten Tod beendet dieser Große sein Leben, der mit seinen Ideen zwei Weltteile befruchtete. Für List steht die 'Jia- tion im Mittelpunkt der Betrachtung. Denn nur in ihr ist der Mensch denkbar. Doch wird die Nation hineingestellt in den großen Rahmen, der alle Volker umfaßt. Entfaltung aller Produktivkräfte ist das Ziel, zu dem hier die Nation erzogen werden muß. Ein einseitiger Jndustrieexportstaat hätte seiner Anschauung nie entsprochen. Für ihn gilt allein die Frage, wie eine Nation sich selbständig erhalten kann. Und so gipfeln seine Anschauungen in einem realistischen Idealismus. Im letzten Vortrag des Tages sprach Geh. Rat Dr. Runkel über die Begabtenförderung, ein deutsches Kultur- Problem. Ziel jeder Erziehung muß die Heranziehung deutscher Kulturträger sein. Kulturträger ist aber jeder, der bewußt deutsche Werte schafft. Das Ideal ist die Persönlichkeit. Die Jugend muß dem Materialismus der Masse enthoben werden. So nur kann sie Führer des Volkes werden. Schon vor der Schule muß das Kind von der Mutter für seine hohe Aufgabe herangebildel werden. Um die Mutter hierzu zu befähigen, muß die Frau schon in der Schulzeit für ihren mütterlichen Beruf vorbereitet werden. Mütterberatungsstellen, die nicht nur um das leibliche, sondern auch um das geistige Wohl des Kindes besorgt sind, sind einzurichten.Das Spielzeug soll dem Kind Betätigungsfeld seiner Gestaltungskraft sein. Die Schule soll keine JnteUigenzschule, sondern eine Schule der Lebenstüchtigkeit sein. Bei dem Problem der Grundschule müssen die Förderung des Kindes und nicht soziale Ideologien voranstehen. In einer siebenjährigen Grundschule sollen di? Begabten, die sonst nur die Lust am Unterricht verlieren, die Möglichkeit haben, einzelne Klassen zu überspringen. Ein achtes Schuljahr foll den Begabten einen orts- und heimatbetonten Unterricht gewähren. Daneben müssen die höheren Schulen und die Ausbauschule bestehen bleiben. Und nicht dürfen die höheren Schulen um ein Jahr gekürzt werden, da darunter die Ausbildung ber Kinder leidet, was nicht im Sinne gesunder Entwicklung liegt. Hn. Die Icrgd im Januar. Mit dem Januar ist die Schonzeit für fast alles Wild gekommen, und wo noch die Jagd auf einzelnes offen ist. da soll man trotzdem möglichst das Gewehr in Ruhe setzen. Besonders dann, wenn Schnee und Frost dem Wilde Sorgen und Rot bereitet. Das Edelwild rudelt sich in dichteren Beständen ohne Hnterschied des Geschlechtes, nur die starken Hirsche stehen einzeln beisammen. Die Fütterungen find täglich nachzuschen und nachzuschütten. besonders ist für kräftige Fütterung des hochbeschlagenen Mutterwildes zu sorgen. Der Abschuß weiblichen Hochwildes soll beendet sein oder sich nur noch evtl, auf ein gelteS Stück beschränken. Für Damwild gilt das gleiche. Auf Sauen ruht die Jagd in gehegten Revieren. Rach der in diesem Monat noch fallenDen Rauschzeit sind besonders die Keiler- schlecht bei Wildbret, aber auch nicht gefütterte Bachen lohnt bei kümmerlicher Erdmast kaum die Kugel. Mit Kartoffeln, Eicheln, Futterrüben lassen sich die Sauen leicht airkornen. Die Rebe suchen bei mäßiger Schneelage gern die Saatfelder auf, wobei Oelsaaten bevorzugt werden. Es steht deshalb gerne an Feldrändern und hält in der Regel bestimmte Wechsel. Das wissen die Wilderer, die mit Schlingen arbeiten. Deshalb ist eine stete Revision der Wechsel geboten. Gegen das Auswechseln auf feindliches Gebiet, wo die Rehe durch Schießer gefährdet sind, hilft nur die Antagc ausreichender Fütterungen, in Denen unter anderem Hafer- gaben, Lupinen und gutes Heu geboten werden sollen. Her Hase äst aus jungen Saaten, wenn er dazu gelangen kann, sonst nimmt er auch mit Heidekraut und bergt, vorlieb, äst aber besonders **•'**. ”9 ht'J* . Tag. ^Ben. ÄftS« N 'N!« Itjim, S „ -cI"d)c K?Kr»s ?’en lcbendR'^'o fen*um giß. Ul\j) s "ch L fes ^rlejht iE 'L'°n. •re n,uß beut? Ulld ,lc « "lebt **n*r. Doch wird die 'Jimion in Rahmen, der alte Böller Produktivkräfte ist das tion erzogen werden mich, iportstaat hätte seiner fe iTür ihn gilt allein die sich selbständig erhallen ’ 'llnfänuungen in einem Inges sprach r. Runkel rg. ein deutsches ftultur- nm. j dir Zzeranzirhung den,- miturträger ist aber jeder, c schasst. Da? Neal ist die d muß dem NolerialiMns en. co nur kann sic tW tyon vor bet schule Düst r für feine hohe Ausgabe die Mutter hierzu zu be- hon in der Schulzeit für vorbereitet werden. Mut' ht nur um da? leiblia)-. ine Wohl des «indes be- '§os Spielzeug soll dem er Gestaltungskraft fern, liaenzschuld. sondern eine t 'sein. Bei dem Problem e Sörberung des Kindes m ooronstehen. In einer lollmbit »»»■> ,,W «KM Begabten erneu orts-uno Ä*inr „oNdem mög- fall Nlonders Sorgen Frost W ) nachZusck Äderung für lcöst'ge o B 616 t’sfäfg v®0,ii> s1™!,, tr. ”1CS®o« S®nt- l! vvrsteb, gern die Rinve von Sträuchern und jungen. Daumen. Treibjagden sollen nicht mehr flott- finben, auch muh sonst der Abschuh auf das äußerste beschräntt werden, da der Hase bet zeitweiligem, mildem Wetter schon zu rammeln beginnt. Auf Schlingensteller ist auch hrer letzt besonderes Augenmerk zu richten. Die Rebhühner sind bei strenger Witterung möglichst in der Rähe kleiner und dichter Remisen mit Getreideabfällen. Heusamen und bergt, zu füttern. Enten liegen gern an offenen Stellen schnell fließender Gewässer oder warmer Quellen, aber ein Anpürschen gelingt, wenn das Gelände nicht besonders günstig, nur selten und bei glücklichem Schuh geht dann recht ost noch die Deute verloren. Alles Haarraubwild tragt zcht fern wertvolles Winterkleid. Der Fuchs fängt Ende des Monats an zu ranzen. („6L HubertuS", Cöthen.) ** Falsche Rentenbankscheine i m Umlauf. In den letzten Tagen sind im Verkehr neuerdings falsche Rentenbantscheine zu 5 und 10 Mark aufgetaucht. Die falschen Scheine sind leicht zu erkennen. Die Scheine zu 5 Marr weisen gewöhnliches Pabier ohne Wassereichen auf. die Fasern lind dmrch rote und schwarze Striche vorgetäuscht, der Stoffauflauf ist durch älebertünchung mit einer schmutzig-gelbgrauen Farbe nachgeahmt. Die Merkmale der salsch- scheine zu 10 Mark sind: Schlechte Rachbildung, gewöhnliches Papier. Wasserzeichen mißglückt, Stosfauflauf durch grünliche Färbung nachgeahmt. Fasern fehlen. Druckbild auf Vorder- und Rückseite unsauber, verschwommen und mangel» Oeffentlichc Bücherhalle. Im Dezember wurden 1281 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 867, Zeitschriften 97, Iugendschriften 88, Literaturgeschichte 4, Gedichte imd Dramen 11, Länder- und Völkerkunde 76, Kulturgeschichte 8, Geschichte und Biographien 61, Kunstgeschichte 5, Naturwissenschaft und Technologie .32, Gesundheitslehre 4, Religion und Philosophie 7. Staatswissenschaft 6, Sprachwissenschaft 6, Fremdsprachliches 9 Bände. Nach auswärts kamen U Bände. ♦* „Stahlhelm" - Weihnachtsfeier. Die noch junge Gießener Ortsgruppe des „Stahlhelm", Bund der Frontsoldaten, hatte ihre Mitglieder und eine Anzahl Gäste am Samstagabend in der „Stadt Lich" zu einer Weihnachtsfeier versammelt, die durch ihre vorsätzliche Schlichtheit und durch die bewußte Abkehr von dem anderswo fast unentbehrlichen Tanzvergnügen eine besonders angenehme Note erhielt. Bei dieser Feier kamen die starken Gemütswerte, die der „Stahlhelm" in seinen Reihen pflegt, in schönster Weise zur Geltung, und sie vermochten, auch ohne Klimbim einige von rechter Weihnachtsfreude und schönster Geselligkeit erfüllte Feierstunden zu schaffen. Daß der „Stahlhelm" mit Fug und Recht auch in seinen Reihen das Weih- nachtsfest feiern darf, bewies der Ortsgruppen- führer Spies in einer fein durchdachten Ansprache, in der er u. a. Fronterinnerungen erstehen ließ, die Bilder kameradschaftlicher Liebe und Hilfsbereitschaft in Sturm und Not dort draußen lebendig machten, und in der er weiter auch daran erinnerte, daß der Weihnachtstag der Geburtstag des „Stahlhelm" fei, den man gerade am 25. Dez. 1918 in Magdeburg gegründet habe. Pfarrer Haupt sprach unter dem im Kerzenschein strahlenden Christbaum prächtige, packende Worte über die Weihnachtsbotschaft, den „Stahlhelm", wahre Nächstenliebe, Bekennermut, mannhaftes Der- halten und Wahrhaftigkeit den eigenen Volksgenossen, aber auch den anderen Völkern gegenüber; die von schönsten Idealen getragenen Betrachtungen wurden zum eindrucksvollsten Ereignis des Abends. Beide Ansprachen sanden bei den Zuhörern lebhaften Widerhall, der sich in starken Beifallskundgebungen äußerte. Der gemeinsame Gesang unserer schönen, alten Weihnachtslieder, der Nationalhymne und noch so manch anderer gehaltvoller Lieder, treffliche Rezitationen der Schauspieler Karl Juhnke und K. Ban dis vom Stadttheater, ausgezeichnete gesangliche Darbietungen der Damen Frau Luzie Dunkel und Frl. Marie Becker und H. Decker, sowie des Herrn Fritz Dunkel füllten den Abend in schönster Weise aus. Instrumentalvorträge einer kleinen Hauskapelle umrahmten das Ganze. Alles in allem: eine schöne, würdige Weihnachts-Familienfeier, an die man gerne zurückdenken wird. Die junge Ortsgruppe kann diesen Abend mit Genugtuung in ihrer Vereinsgeschichte aufzählen. Bornotizerr. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: „Das Dorf ohne Glocke" (Anfang 71/*, Ende gegen 10 Uhr). — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Nochmals sei in letzter Stunde auf die heutige Ausführung der Operette „Das Dorf ohne Glocke" hingewiesen. — Kulturelle Tagung des Hess. Vaterländischen Blocks. Morgen, Mittwoch. finden im Kath. Vereinshaus Vorträge statt: 4 Ahr Dr. Stadtler- Berlin „Das Wesen der Polittk", 8 ilfjr Dr. S tad tler- „Auf dem Weg zum neuen Reich". (Siehe Anzeige.) — Vortragsabend Isolde Kurz. Rachdem Isolde Kurz vor 2 Jahren in Gießen vor einigen Freunden deutscher Dichtung einige Proben aus ihren Werken vorgetragen hat, wird sie.nächsten Donnerstag einen öffentlichen Leseabend in der Buchhandlung Keihner veranstalten. Alle Freunde und Verehrer ihrer Erzähl- kunst, ihrer Reifeschilderungen, ihrer liebenswürdigen Iugenderinnercmgen werden zur Teilnahme an dem Abend eingeladen. Roheres im heutigen Anzeigenteil. — Damaschke in Gießen. Anfang nächster Woche spricht in der Reuen Aula in Gießen D. Dr. Damaschke aus Berlin über „Die sittlich-religiöse Bedeutung der Bodenreform". Damaschke, der nun sechzigjährige Führer der Deutschen Dodenreformer. der jüngste Ehrendoktor der Gießener Theologischen Fakultät, als Schriftsteller so vorzüglich wie als Redner und Mensch, wird zeigen, däß die Forderungen der Bodenreform tief in der christlichen Ethik wurzeln und daß es einen Weg aus dem W.rrsal unserer Zeit, eine Rettung vor dem Kommunismus einerseits und dem Mammonismus andererseits gibt: Die Durchführung der Bodenreform, die ja nach Artikel 155 der Reichsoerfassung ein Grundrecht des deutschen Volkes ist. Roheres in den nächsten Tagen im Anzeigenteil. — Dirigententagungen. Die Zentrale für Volksbildung, der Deutsche Arbeiter- Sängerbund und der Hessische Sängerbund veranstalten in den Monaten Dezember und Januar kurze Dirigententagungen an verschiedenen Orten in Oberhessen. Für die Hmgegenö von Gießen finden diese Tagungen statt am 9. und 10. Januar in Stangenrod bei Grünberg und am 16. und 17. in Butzbach. Die Teilnahme ist nicht davon abhängig, daß die Vereine einem der genannten Bünde angehören. Wir verweisen auf die Anzeige in der gestrigen Rümmer. (Eine Kundgebung der hessischen Handwerks. * Darmstadt, 4. Ian. Hier fand eine Besprechung von Führern der Landesfach- verbande und der Bezirksvorstände des hessischen Handwerks statt, um zu dem Gesetzentwurf zur Förderung des Preisabbaues Stellung zu nehmen, der ge- gcntoärtig dem RcichSwirtfchaftsrat vorliegt. Der Direktor der Handwerkslamm.r, Schüttler, erstattete einen Bericht über den Entwurf, der die Organisationen dos Handwerks zerstöre. Es schloß sich daran eine Aussprache, in deren Verlauf u. a. Reichstagsabgeordneter Dr. Decker erklärte, die Deutsche Volkspartei als Hauptträgerin des Ausbaues der Handwerkerschutzgesetzgebung werde sich stets gegen eine Zerschlagung der Organisationen des Handwerks wenden. Die Versammlung nahm die nachstehende Entschließung an: „Die im „Perkw" zu Darmstadt versammelten Führer des gesammelten hessischen Handwerks lehnen einmütig die Artikel 2 und 4 des Gesetzentwurfs zur Förderung des Preisabbaues mit aller Entschiedenheit ab. Das Inkrafttreten dieses Entwurfes führt dazu da die in jahrzehntelanger. mühseliger Kleinarbeit auf gebaute handwerkliche Organisation zerschlagen und das Handwerk in feiner sozialen und wirtschaftlichen Entwickelung um Jahrzehnte zurückgeworfen wird. Die anwesenden Herren Reichstagsabgeordneten werden gebeten, mit allem Rachdruck gegen diesen handwerlsfeindlichen Entwurf bei den Be- ratungen im Reichstag Stellung zu nehmen. Das hessische Handwerk fordert gleichmäßige Behandlung aller Wirtschaftsgruppen und wendet sich mit Schärfe gegen das auch in dem vorliegenden Entwurf wieder brtundete einseitige Vorgehen gegen das Handwerk. Sollte der Entwurf trotz des Widerspruchs des Handwerks Gesetz toerben, so ist sich das hessische Handwerk darin einig, das Recht zur Kalkulationsbelehrung in den Innungen auch weiterhin zu verteidigen." Kirche und Schule. I Watzenborn-Steinberg, 4. Ian. Aus dem kirchlichen Leben unseres Kirchspiels im abgelaufenen Jahre ist folgendes festzustellen: Getauft wurden in 1925 66 Kinder (Watzenborn-Steinberg 52, Garbenteich 14). Trauungen fanden 28 statt (Watzenborn 15, Garbenteich 13), B:erd.gungen 27 (Watzenborn 21, Garbenteich 6), konfirmiert wurden 72 Kinder (Watzenborn 45. Garbenteich 27). Am heiligen Abendmahl nahmen teil in Watzenborn-Steinberg 1172 Männer, 1389 Frauen, zusammen 2561 Personen, in Garbenteich 641 Männer, 699 Frauen, zusammen 1340 Personen. ; Lehrbach, 4. Jan. KirchlicheHand- lungen sanden im vergangenen Jahre verhältnismäßig wenige statt. Cs wurden im ganzen Kirchspiel nur 16 Kinder zur heiligen Taufe gebracht, davon entfallen 11 auf Lehrbach und 5 auf Erbenhausen. Unter den hiesigen befindet sich ein Zwillingspaar, dessen Ankunft die Eltern besonders erfreute, da ihre Ehe 6 Jahre lang kinderlos geblieben war, und das Glück sich nun doppelt in Gestalt von zwei Buben einstellte. Trauungen wurd-en 4 vorgenommen, 3 in Lehr- buch, 1 in Erbenhausen. Der Tod hat nur vier Opfer gefordert, es fanden in beiden Gemeinden je zwei Beerdigungen statt. Die Zahl der vorjährigen Konfirmanden betrug 8, diesmal sind es 14, die aus der Schule entlassen werden. Rach ihrem Abgang wird in Erbenhausen die Schülerzahl auf ein Minimum eingeschrumpft sein. Die Teilnahme an der Feier des hl. Abendmahles ist in unseren Gemeinden gut zu nennen. So sah das Jahr 1925 in Lehrbach 131 männliche und 151 weibliche Gäste zum Tisch des Herrn kommen. In Erbenhausen waren es je 151. Der sonntägliche Kirchenbesuch ist in Erbenhausen im allgemeinen reger als hier. Möge das neue Jahr auch unsere Gemeinden zu der hellen und frohen Erkenntnis bringen, die der große Kirchenhisto- rifer Karl v. Haase gemacht und in die Worte gefaßt hat: „Der Herr der Zett ist Gott — der Zeiten Wendepunkt Jesus Christus — der rechte Zeitgeist der heilige Geist." )— ( Ruppertsburg, 4. Jan. Aus der kirchlichen Statistik unseres etwa 700 Einwohner zählenden Ortes entnehmen wir daS Folgende: Im abgelaufenen Jahre wurden getauft 14 Kinder (5 Knaben und 9 Mädchen), konfirmiert 11 Kinder (3 Knabm und 8 Mädchen), getraut 8 Paare, beerdigt 6 Personen (3 Frauen und 3 Kinder). An Kollekten und Opfer gingen ein 886,07 Ml. Düchertisch. — Das Januarheft des neuen Jahrganges der „Z e i t w e n d e" (Verlag C. H. Beck in München) bezeugt nicht nur die an der „Zeitwende" schon oft gerühmte Geschloffenheil der geistigen Haltung, fondern vor allem den Willen der Herausgeber zu einem gesteigerten Anschluß an das Leben und die Forderungen der Gegenwart. Zur Politik ist neben Werner Fuchs-Hartmanns Beitrag über „Partei und Staat in Sowjet Ruß^ land" auch der Aufsatz des bekannten Literarhistorikers Ernst Bertram „Norden und deutsche Romantik" zu rechnen, der das Verhältnis des Nordens zu Deutschland unb die Frage des modernen Nationalismus allerdings nicht im Sinne der Ta- gespolitii, sondern von einer großartigen Schau des deutschen Geistes aus behandelt. Helmuth Schreiner zeichnet erschütternde Bilder von der Prostitution. Als Vorbild ihrer erfolgreichen Bekämpfung nennt Schreiner die nordischen Lander. Der Kunstteil des Heftes ist dem von Adolf Schin- ncrer gewürdigten Maler Hans Gött gewidmet. Sechs Bildbeilagen vermitteln die Anschauung der Kunst dieses feinen sympathischen Münchner Malers. Im beUelristischen Teil beginnt der Roman „Der Trollelch" des Norwegers Mikkjel Fönhus, her ein schönes Beispiel nordischer, bodenständiger Erzählungskunst ist. Eine tief menschliche Skizze von Selma Lagerlöf ist auch noch eingestreut. — Europäische Gespräche. Hamburger Monatshefte für auswärtige Politik. Herausgegeben von A. Mendelssohn Bartholdi. (Deutsche Berlags- anftalt, Stuttgart, Berlin und Leipzig.) 3. Iahrg., Heft 12. Dezember 1925. Das Erscheinen der Grey- schen Memoiren gibt Professor A. Mendelssohn Bartholdy Anlaß zu einer meisterlichen Charakterzeichnung dieses Staatsmannes von unbezweifelbar gutem Willen und unheilvoller Wirkung; darüber hinaus wird der Aufsatz zu einer Auseinandersetzung zwischen Grey, der fast ohne Akten und Bücher gearbeitet hat, auf englischer Seite, und einem der besten Aktenkenner auf deutscher Seite. Aus dem sonstigen Inhalt sei hervorgehoben ein Aufsatz von A. Bagts über den durch den Weltkrieg fast ins Vergessen geratenen spanisch-amerikanischen Krieg von 1898, der nicht nut das Typologische von Kriegsursachen und -entstehungen auszeigt, sondern auch dartut, wie sehr von dem ba- maligen Friedensschluß her die Weltfriedensschlüssc ihren speziell amerikanischen Charakter erhalten haben, das will sagen, wie sehr diese mit ihren Völkerrechts- und Unrechtsformen gerade von amerikanischen Erfahrungen her bestimmt sind. — Mit Heft 14, das mit einem besonders schönen, wirkungsvollen Umschlag geziert und eine farbenprächtige Kunstbeilage aufweist, beginnt das Daheim ein neues Quartal. Zwei Novellen — „Gedenken" von Fritz Müller-Partenkirchen und „Der zerbrochene Tabakskops" von Kurt Schumann — rahmen eine Reihe famoser Aufsätze em: H. von Schrötter-Firnhaber spricht von der Kulturgeschichte des Frauenschuhes, Bilder von der Sandale der Römerin bis zum modernen Stöckelschuh begleiten die Abhandlung. 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Januar 1926 in Güglingen statt. 133D Güglingen, Lauter (Oberh.), Gießen, Berlin, Lorsch a. d. B., den 5. Januar 1926. Die trauernd Hinterbliebenen: Grete! Feldmann geb. Wagner, und 3 Kinder Marie Feldmann geb. Haas Auguste Schlosser geb. Feldmann Ottilie Römheld geb. Feldmann Theodor Feldmann, Prokurist Arthur Römheld, Pfarrer Ernst Schlosser, Landwirt Georg Wagner, Oberförster, und Frau (Vermietungen 5? Saalräume undBureau Walltorttraße 36 (früher Cafü Leib», für Fabrikation:- betrieb geeignet. fo= fort zu verm. Näh. Becker. Landgraf- Phil.-Pl. 10 I. (048 GmlttelW für den Bezirk Gießen und Umgebung zum Vertrieb eine« HauShaitnnaSscblages O R- G. M. gesucht. Zur Uebernahme eines Lagers 1L Alk. 300 — 500.— erforderlich. Zuschriften an Schitkoff & Co. .vranksurt a. M. Blei ftr. 43.14ofstr. 2K QfDcin» und Spirituo»en-Großhandlung ge- währt ihren Abnehmern Darlehen bei vorhandener Sicherheit. Schriftliche Angebote unter 061 an den Gieß. Anzeiger. 30 Jahre alt, gewandt im Kochen u. 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Studenten und Volkshochschule: SU Pf. und 20 Pf. Steuer.________1311) »•••eeeeöeee Stadttheater Mittwoch, 6. Igu.» 1Z.Mi!kwOlV-AV.Vrsk. von 7‘/a t’ geg.lOnhr o Der GlMsvitz. Lustspiel tn 3 Akten von Rickelt. Frau geht ans flicken. Kaiferallee 49, 066 Mansarde. 1 gekreuzt. SehUerk. entlauf. Schnauze u. Bctne gelb, lange schm. Lock Geg. Be- lohn.abzug.b.Schrei- nerin. Karl Bender, Rodhelm/Biebir. 074 1 M 0.22 M 0.22 II „ 0 32 „ 032 III „ 0.42 „ 0.42 IV „ 0.52 „ 0.52 V „ 0.64 „ 0.64 VI „ 0 74 „ 0.74 VII „ 0.84 „ 0.84 VIII „ 0.94 „ 0.94 IX „ 106 „ 1.06 X w 1.26 „ 1.26 XI „ 1.48 „ 1.48 XII „ 1-68 „ 1-68 Dienstag, 5. Januar 1926 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen) Nr. 3 Zweiter Blatt tnn ßfl in 5 ar 1926 4MHUIHiumu4 iosrMrforge bttwct 5 Kreises Gießen „Lebensanschauungen der großen Denker", „Kampf um einen geistigen Lebensinhalt", „Gnmdlinten einer neuen Lebensanschauung er- die der die in draikilometern entstanden. Aehulich war Mg. arbeüsamtsPniißen' bslofenfürforgt vom es Gninblohnes bcr Der Kampf um die Bagdadbahn. Aus den diplomatischen Akten. Winston Churchills Sondierung beim Botschafter von Marschall. .« 0.22 „ 0.32 „0.42 „ 0.52 „0.64 „ 0.74 „ 0.84 , 0.94 v 1.06 , 1.26 Während über dieie (wirtschaftlichen) Fragen mit der Pforte verhandelt wurde, führte die eng- *) „Die Große Politik der Europäischen Kabinette 1871—1914." Sammlung der Diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes. Im Auftrage des Auswärtigen Amtes herausgegeben von Johannes Lepsins, Albrecht Mendelssohn Bartholdy, Friedrich Thimme. <5. Reihe. Erste Abteilung: „Weltpolitische Komplikationen". Band 26—29 (6 Teile). Im Verjage der Dentsä)en Verlaasgejellfchaft für Politik inw Geschichte in Berlin W. 8. Betätigung nicht genügen. Es handelt sich um die Frage, ob die heutige Menschheit den nicht abzu- . streitenden Wahrheitsgehalt der sozialistischen Bewegung zu assimilieren vermag, oder ob der letzte Rest unserer Kultur einer endgültigen Auflösung entgegensinkt. Indem Gurten so mitten in die heutige Umwälzungen hineingreist und den Zeitproblemen mutig zu Leibe geht, wird er doch nie Partei und dadurch einseitig, sondern er zeigt in all den Gegensätzen eine über ihnen liegende Möglichkeit eines geiftig=tulturellen Ausgleichs auf einer höheren Stufe der Geistigkeit, auf die der Mensch ohne Wahrheilsstreben und Arbeit an sich und der Umwelk nicht gelangen kann. Und wie dadurch, so auch durch seine Scheidung des rein Historischen von dem „ewigen Wahrheitsgehalt der Religion" hat Gurten mitten in das Sehnen der heutigen Zeit getroffen und Tausenden einen festen Halt in dem Fluß der tragisch-verworrenen Gegenwart geboten. Das richtete sich, wenn es auch zunächst sich an das eigene Volk wandte, durchaus „an alle", und das verstanden alle nach einem Ausgleich und einer Ueberwindung der Gegensätze strebenden Geister von Schweden, das ihm schon 1908 den Nobelpreis verlieh, bis nach Japan, Amerika, Australien und China. Und weil Gurten zugleich guter Deutscher und guter Weltbürger im Geiste ist, und seine Darlegungen sicl) nie auf ein besonderes Volkstum etnengten, sondern immer das „Ganze des Lebens" im Auge haben, desbalb wurde er ein wirklicher „Erzieher der Menschheit" und ein unermüdlicher Verfechter ihrer geistigen Pflichten und Rechte. So grüßt auch heute Gurten nicht nur Deutschland, weit über die akademischen Kreise hinaus — der Gurfenbunb beweist es —, sondern auch zu- amit ihm als einen seltenen und begnadeten Inder von der unüberwindlichen Macht eine» wahren Idealismus die ganze gebildete und noch Klärrmg dürstende Well. Rudolf Gucken. Zum SO. Geburtstag am 5.3anuar. Von Paul Friedrich. Rudolf Gurten, der Senior der deutschen Philosophen und der berühmteste von ihnen, ist einer der wenigen Menschen in unserer Zeit, dem ein glückliches, zugleich beschauliches, tätiges und an Erfolgen reiches Leben beschieden ist. Schon vor fünf Jahren kam er voll Dankbarkeit gegen ein gütiges Schicksal am Schlüsse seiner „Le° benseriimeningen" zu diesem Fazit und heule, wo er auch das achte Lebensjahrzehnt beschlossen hat, kann er in voller körperlicher Rüstigkeit und Frische seinen reichen Werkaufgaben obliegen, darunter auch einem „Briefwechsel mit der halben Welt". Gerade das letztere ist besonders merkwürdig. Gewiß, ein reiner, trockener Fachgelehrter war Gurten weder als Schullehrer, noch als Katheder- Philosoph in Basel, wo er ein Kollege Nietzsches mar, noch in Jena, in dessen idyllischen Mauern er nun schon über em halbes Jahrhundert lebt. lischt Regierung zum ersten Male amtlich und öffcntlid) einen Schlag gegen unsere Bagdadbahn. Die Pforte halte von den Mächten die Genehmigung erbeten. ihre Eiugangszölle von 11 auf 15 Prozent zu erhöhen. D: stellte das Londoner Kabinett die conditio sine qua non, daß von den M e h r c i n n a h m en nichts zugunsten der Bagdadbahn verwendet werde. Eine seltsame Zumutung, die darauf hinauslief, daß die Pforte einen fest geschlossenen Vertrag nicht halte. Die Mehreinnahmen ans den Zöllen waren, soweit sie der Pforte zufließen, d e r B a h n verpfände t. Wir haben den Schlag, der uns treffen sollte, alsbald pariert. Derselbe ist dann auf die Engländer zurückgefallen. Denn die Türken haben sich erstmals ernstlich nacl) den Gründen gefragt, denen die englische Gegnerschaft gegen eine die Hauptstadt mit Mesopotamien und dem Wilajet Bagdad verbindende le-istungssähige Bahn entspringt. England will jene Gegenden der Kultur und dem Fortschritt erschließen. Wie stimmt dazu die Feindschaft gegen eine Bahn, die dasselbe Ziel verfolgt? Zum wirksamen Schlitze der neu zu schaffenden wirtschaftlichen Interessen bedarf es angefid)ts der dortigen unsicheren Zustände einer Stärkung der türkischen Staatsauturität in jenen Provinzen. Die Bagdadbahn bient diesem Zwecke, indem sie rasche Trup- oentransporte ermöglicht. Da erinnerte man sich, daß die wirtschaftlichen Interessen, die England sich in fremden Landern schafft, regelmäßig naci) einiger Zeit durch Unruhen bedroht werden, und dann die englische Macky, ivenn der einheimische Stat feinen Schutz gewährt, z u r S e l b st h i l f e schreitet. So ist es in A den gewesen. Aus einem kleinen Kohlendepot ist dort in wenigen Jahrzehnten ein englisches Territorium von 30 000 Qua- heute mit ihren geistigen Problemen umstarrt, mit offenen, durch keine Gelehrtenbrille verengten Sinnen; feiner außer- und oberhalb der Zeitströmungen auf dem festen Grund einer wahren idealen, aber die realen Faktoren richtig einschätzenden Weltanschauung ruhenden Geistigkeit liegt alles einseitig Formelhafte ebenso fern wie alles Agitatorische. Gr wägt mit einer streng kritischen Sachlichkeit die einzelnen Strömungen ab aus dem Zentrum der ewig in Fluß befindlichen Bewegung, dem von ihm umfassend formulierten „Leben" her. Sein Pantheismus unterscheidet sicl) von dem der nachkantischen Philosophen dadurch, daß es ihm um die letzthin unmögliche Erforschung des „Transzendenten" nicht zu tun ist. Der Geist ist für ihn in der Form des „Ledens" bereits angelegt. Des Menschen Ausgabe besteht darin, sich aus dem bloßen Dasein naturhafter Bedingtheit in die geistige Welt emporzuringen, sie tätig, „aktivistisch" auf eine besonnene Formung des „Daseins" anzuwenden, so also eine Kultur- weit zu errichten, und sich bis zu der Erkenntnis von der überragenden Weltmacht des Geisteslebens zu erheben, ohne die weder Freiheit noch Religion möglich sind. Es handelt sich also um eine Innere Besitzergreifung des Lebens in feiner Totalität, und Wahryeit ist das Streben des Lebens zu sich selbst. Aller Naturalismus bleibt zu eng an die reine Naturgesetzlichkeit des bloßen Daseins gebunden und vermag sich nicht selbsttätig über sie zu erheben. Der Spiritualismus wieder geht zu einseitig von seinen Denkgesetzen aus und wird dadurch, daß er das Mrgedachte für das Alleinseiende hält, dem Wesen des wirklichen Lebens, dessen Grundlagen er falsch einschäht, nie gerecht. Einen ähnlichen Gegensatz zeigt das tätige Leben des Geistes. Auch dies hat sich in zwei Arten gespalten: einmal eine „Realkultur" und zweitens eine „Jdealkultur". Beide Formen des menschlichen Tätigkeitsdranges verfehlen das eigenlliche Ziel. Der große Delltsche Jean Paul hat diese beiden Stadtthe£ SKS InM-" Seiten des deutschen Lebens in seinen „Flegeljahren" in den ungleichen Brüdern Valt und Vielt gezeichnet. Der Ablauf des vorigen Jahrhunderts zeigt deutlich, einmal bis gegen 1850 ein lieber: wiegen einer reinen Jdealkultur, die sich in romantische Träume einspann ober in kühnen philosophischen Jdeenspekulationen die Wirklichkeit überflog. Während in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine reine Realkultur herrschte, die zwar in Technik und Naturerkenntnis Ungeheures leistete, geistig aber bis zum ödesten, platte ften Materialismus und künstlerisch bis zum reinen Naturalismus herabsank. Guckens Hauptwerk „Mensch und Welt" legt in eindringlichen geschichtlichen und philosophischen Betrachtungen diesen fundamentalen Spannungsgegensatz des modernen Lebens dar. Gurtens Aufenthalt in Amerika, wo er vor dem Weltkrieg als Austauschprofessor wirkte, hat ihm die Gefahr einer einseitigen „Arbeitskultur" verschärft vor Augen geführt. Eine reine Massenarbeit, die nur die Formen der Arbeitsmethoden kompliziert, ohne auch dem Geistes- und dem Seelenleben eine Befriedigung feiner Sehnsucht zu schaffen, vermag den Menschen niemals zu erfüllen. In seiner vielgelesenen Schrift „Zur Sammlung der Geister" trat er energisch für eine notwendige Geisteskultur als Ergänzung em und er unterstrich das Wort Nietzsches „Nur das Volk lebt, das seine Erlebnisse in Ewigkeitswerten aus- brürtt". In dem Fehlen dieser geistigen Ewigkeitswerte in dem Deutschland vor dem Kriege erkannte er die große Gefahr, die ja sich auch bann in bem, was folgte, aufs schwerste offenbart hat Drei große „Snntagincn' ober Lebenszusammenhänge zeitigte bte abendländische Welt: die Antike der Lebensgestaltung, die christlist-religiöse der Seelenvertiefung, die moderne der Kraftentfaltung. Der moderne Mensch schwankt haltlos zwischen ihnen hin und her. Es fehlt ihm einmal eine innere Einheit, ein volles „Beisichselbstfein" und anderseits kann ihm das Leben m einer rein äußeren • c) bei der Land. 'e Krankenkasse bes und die gewissenhafte Achtung wohlerworbener Rechte anderer Staaten, weldic unentwegt die Richtung der deutschen Politik bilde, schlössen bei vor- urteilslosen Menschen die Möglichkeil eines Verdachts, daß Deutschland zum Friedensstörer werden könne, vollkommen aus. Mr. Winston Churchill gab dies zu, bemerkte aber, daß es and) in England Streife gäbe, welche ernstlich befürchteten, daß Deutschland seine Flotte vermehrt, um eines Tages England zu überfallen und daraus eine deutsche Provinz ztt mad)en. Id) beschränke mich auf die Bemerkung, daß es aud) in Deutschland Leute mit absurden polnischen Ideen gäbe, dieselben aber bei uns in ernsten Kreisen keinerlei Beachtung fänden. Mr. Winston Churchill ging dann noch weiter und sagte mir, sein lebhafter Wunsch sei, daß zivi- fd)en Deutschland und England eine „Cooperation“ in verschiedenen Ländern der Erde eintrete. Id) erwiderte, daß mir der Gedanke an die sympathisch sei, er mir aber nicht Übelnehmen möge, wenn ich offen sage, daß speziell in der Türkei, wo mir die^Wahrung der deutschen Interessen obläge, eine Spur von Betätigung dieses Wunsches bisher nicht zu erblicken gewesen sei. Daraus wurde mein Besucher lebhaft und begann alsbald von Mesopotamien und der Bagdadbahn zu sprechen. Es sei ein Irrtum, so führte er aus, zu glauben, daß England ein Gegner der Bagdadbahn sei. Das sei nicht der Fall. Im Gegenteil. Gr betrachte diese Bahn als ein großes und nützliches „Kulturwerk" — er gebrauchte dieses delltsche Wort, während unsere Unterredung in englischer Sprache geführt wurde —. Gegen den Bahnbau bis Bagdad durch die Deutschen unter den vereinbarten Bedingungen bestände in England fein Widerspruch. Man wünsche nur, daß die vornehmlich kommerziellen englischen Interessen in Mesopotamien und am Persischen Golf gewahrt würden, und daß sei nur möglich, wenn England bezüglich der „G o l f l i n i e , das beißt der Linie von Bagdad bis Kostma, b e - sondere Rechteei n geräumt würden. Ich wandte hier ein, daß der Begriff „Golflinie" im Laufe der Zeit vielfad) gewechselt und dabei fort während an geographischer Ausdehnung gewonnen habe. Urfprünglid) habe man darunter die letzten 200 Kilometer bis zum Golf verstanden, dann die Linie von Basra, später von Bagdad aus, und kürzlich sei sogar der Versuch gemacht worden, dieselbe schon von Helif aus beginnen zu lassen, obgleich dieser Punkt zirka 1500 Kilometer vom Golfe entfernt sei. — Mr, Churchill fuhr fort: England habe in Mesopotamien so große Interessen, daß es schon von Bagdad aus besondere Rechte an der Bahn beanspruchen müsse. Ich wies daraus hin, daß in den Verhandlungen zwischen der Deutschen Bank und Sir Ernest Cassel eng- lid)erfeits nur „absolute control“ über die erwähnte Golflinie als annehmbar bezeichnet worden sei. Scherzend fügte ich hinzu, daß, wenn jemand sich mit Mühe und Kosten ein Bett hergestellt habe, es eine sthwere Zumutung darstellt, dasselbe wieder zu raumen und einen anderen darin schlafen zu lassen. Mr. W. Churchill lachte und bemerkte, wir könnten ja beide in dem Bette schlafen ae man and wHe, worauf ich replizierte, daß ich diesen Vergleich nicht ablehnte, daß aber in guten Ehen die Benustung des gemeinsamen Ehebettes auf dem Prinzip der gleichen Rechte sich vollziehe, während uns die englischen Finanziers diese nickst einräurfien wollten. Churchill suchte dies mit der Bemerkung zu bestreiten, daß nicyt absolute but effective control verlangt werde, konnte aber wenig erwidern, als ich ihm nachwies, daß praktisch dies nur verschiedene Worte für ein und dieselbe Sache seien ... Das ist der wesentlichste Inhalt meiner Unterredung mit Mr. Winston Churchill. Ich habe in ihm einen klugen, geistig überaus lebhaften Staatsmann gefunden. Ob seine deutschfreundlichen Gesinnungen aufrichtig sind, vermag ich natürlich nicht zu beurteilen. Da derselbe in den letzten Tagen nicht nur mit meinem englischen, sondern auch mit meinem französischen Kollegen sowie mit den hervorragenden türkischen Staatsmännern, wie Dscha- wid Bey und Taalat Bey konferiert und dabei zweifellos überall Informationen über die Bagdadbahnfrage eingeholt hak, so habe ich mich verpflichtet gehalten, ihm, als er dieses Thema mir gegenüber berührte, Rede und Antwort zu stehen. Irgendein Ausweichen meinerseits würde zur Folge gehabt hohen, daß er mit falschen Eindrücken die hiesige Hauptstadt verlassen hätte. Daß ich bei dieser Gelegenheit, wie man englisch sagt, „to the point“ gesprochen habe, entspringt meiner Erfahrung, daß man nur auf diese Weise bei ernsten englischen Staatsmännern — ich will nicht sagen Vertrauen erwecken, aber jedenfalls Mißtrauen und falsche Schlußfolgerungen vermeiden kann. Marschall. Aegypten. Die englische Regierung hatte die Suezkanalaktien gekauft. Da brock) der Aufstand Arabis aus, der angeblich den Kanal bedrohte. Die türkische Regierung war machtlos einzuschreiten. Darum ist Aegypten heute englischer Besitz. Man dachte an Kueit, auf das England die Hand gelegt hot, weil der dortige Scheid) durch unruhige Araberstämme bedroht war. Bestehen ähnliche Pläne für dos Hinterland des Persischen Golfes? Bekämpft man den Schienenstrang zwischen der tür= kischen Machtzentrale und Bagdad etwa deshalb, weil man dort unten nach Guwünken schalten und walten will? Aus allen diesen Fragen und Erwägungen ist eine Wirkung eruftanben, die sicherlich von den Engländern nicht erwartet wurde, nämlich der feste Entschluß der Türken, unsere Bagdadbahn um jeden Preis d u r ch z u f ü h re n. Es ist lehrreich, festzustellen, wie der heute durch den M o s s ii l - S t r e i t erneut akut gewordene englisch-türkische Gegensatz eine genaue Fortsetzung der englischen Bestrebungen aus der Vorkriegszeit darstellt, im Stromgebiet von Euphrat und Tigris keine fremde Macht Fuß fassen zu lassen. Auf welcher Grundlage England eine Verständigung erwünscht erschien, entnehmen mir, ebenfalls als Vorabdruck aus dem 27. Bande, dem folgenden Bericht des Botschafters in Konstantinopel F r e i - Herrn von Marschall an den Reichskanzler von Bethmann Hollweg. Theropio, den 15. September 1910. Mit einem Einführungsschreiben Sir Ernest Cassels ausgerüstet, hat mir der englische Minister Mr. Winston Churchill, der sich seit einigen Tagen auf einer Jacht hier aufhält, einen längeren Besuch gemocht. Der Zweck dieses Besuchs, mit mir über Politik und speziell die Bagdadbahn zu sprechen, trat alsbald zutage. Er begann das Gespräch mit dem Ausdruck des Wunsches, daß bald die alten freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und England wiederhergestellt sein möchten. Der einzige Differenzpunkt, der zwischen beiden Ländern bestehe, sei die F1 o t t e n f r a g e. Die fortwährende Zunahme der deutschen Flotte errege in weiten englischen Volkskreisen Besorgnisse und zwinge die Regierung zu immer stärkeren Ausgaben, während die großen sozialpolitischen Pläne der Arbeiterversiche rung, die er nach dem bewunderungswürdigen deutschen Beispiel entworfen habe, in den Hintergrund gedrängt würden. Ich habe erwidert, daß mir zur Besprechung dieser Angelegenheit jede Kompetenz fehle. Die Friedensliebe Seiner Majestät des Kaisers, die vom gesamten deutschen Volke geteilt werde, die ruhige, maßvolle Haltung, welche das Deutsche Reich seit seiner Gründung eingenommen, Paraguay und seine Siedlungsmöglichkeiten Bon Dr. C. Fiebrig-Gertz, Direktor des Botanischen Gartens, Paraguay. Südamerika ist der Kontinent der riesenhaften Abmessungen. Südamerika bildet mit dem größten Strom, den größten Gebirgsmassen — die 7000 Kilometer lange Andenkette — und dem ausgiebigsten Waldgebiet der Erde im Tiefland des Amazonas, während diesem Kontinent auf der andern Seite die Wüsten fehlen, eine Sahara Afrikas, die riesigen Tundren und Hod;wiisten Jnnerasiens und das wasserlose Zentrum Australiens, den von der Natur vielleicht am reichsten gesegneten Erdteil, mit größten Zukunstsmöglichkeiien. Innerhalb dieser riesenhaften Abmessungen dieses Erdteils liegt wie eine Enklave in feinem Innern, verbunden mit dem Meere durch den Paranastrom. die Republik Paraguay, die gewissermaßen all die spezifisch südamerikanischen Eigenschaften in kleinem Maßstabe zeigt. Niedrige Gebirgszüge, dichte Wälder und ein reich verzweigtes Stromgebiet; dazu ausgedehnte Kämpe, die im kleinen das wiederholen, was man unter der argentinischen Pampa versteht. Im wesentlichen bietet sich als bas natürliche Landschaftsbild dar als eine Abwechslung zwischen Wald und Kamp, durck)zogen von vielen Bächen und Flüssen, und man kann im allgemeinen diese Vegetationsformation als parkähnlich bezeichnen. Wald und Kämpe hängen im wesentlichen ab von den Bodenverhältnissen, so zwar, daß der Wald die höher gelegenen Plätze entnimmt, die sich durch einen roten Boden auszeichnen, während sich die Kämpe mehr in den Niederungen ausbreiten, ivo der Bode» häufig schwarz und undurchlässig ober bann mehr sandig ist. Dieser rote Waldboden zeichnet sich burd) seinen Tongehalt aus und im allgemeinen große Tiefe, Eigenschaften, die für die Kultur sehr günstig sind. Der Paraguayer pflegt infolgedessen sich lieber der Mühe des Schlagens der Bäume zu unterziehen, um auf diese Weise brauchbares Kulturland zu gewinnen (gerade so wie der Siidbrasilianer, wo ähnliche Verhältnisse sind). Der rote Sandboden ist in der Tat sehr fruchtbar und geeignet, alle in Betracht Fornrndn- den Kulturpflanzen heroorzubringen. Weld)e wirtschaftlichen Kulturen in Paraguay möglich wären, konnte man dahin beantworten, daß so ziemlich alle tropischen und subtropischen Pflanzen gedeihen, so z. B. fid)erlid) die rein tropischen Bananen, Kaffee und Ananas. Nicht gedeihen durfte Kakao, da bei uns die Temperaturen alle Jahre unter 4 Grad plus zu fallen pflegen. Daher die Tatsache, daß im allgemeinen für Kakaokultur in erster Linie Küstengebiete in Frage kommen, und überhaupt Gegenden mit einem großen Feuchtigkeitsgrad der Luft, die aber für den Menschen weniger gesund ist, wie überhaupt eine Parallele bestehen dürfte zwischen hohen Temperaturminimen und hoher Luftfeuchtigkeit auf der einen Seite und hygienisch ungünstigen Faktoren für den Menschen auf der anderen. Diejenigen Kulturen, die jeder Eingeborene zunächst mal produziert, sind Mandiok und Mais, die Standardnahrungsmittel für alle tropischen Bewohner. Ebenso dienen im allgemeinen als Nahrungsmittel Bataten ober süße Kartoffeln und Porotos oder kleine Staudenbohnen. Von weiteren Kulturen wäre in erster Linie der Tee ober Matte ober die „Perba", wie sie im Lande selbst genannt wird, zu erwähnen, eine in Paraguay wildwachsende Plauze, daher ihr wissenschafllicher Name, Ilex paraguariensis, die letzt allgemein kultiviert wird und aerobe für den Kolonisten heutzutage von besonderer Wichtigkeit ist. Ich möchte mir erlauben, auch hier wieder eine interessante Tatsache zu erörtern, nämlich daß die „künstliche" Aufzucht und insbesondere die Kulturmöglichkeit der Ilex paraguariensis, die bis dahin unmöglich erschienen war, durch deutsche Kolonisten, und zwar einen gewissen Herrn Neumann, vor etwa 30 Jahren in Paraguay gezeigt worden ist. Sehr alt ist in Paraguay die Tadakkulttir, aber auch sehr verbesserungsbedürftig. Zweifellos würde burd) eine Fermentationsbehanblung bes an sich guten Produktes eine wesentlich bessere, dem nordischen Geschmack in höherem Grade entsprechende Qualität zu erzielen sein. In neuerer Zeit wird der Baumwollkultur besondere Beachtung geschenkt, und es kann kein Zweifel bestehen, daß gerade diese Pflanze, die schon seit Jahrhunderten für den Hausgebrauch gezogen wurde, ein sehr wichtiges Ausfuhrprodukt barstellt, da für diese Kultur in Paraguay besonders günstige Faktoren vorhanden sind. Es sei hier auf die interessante Tatsache hingewiesen, daß Paraguay von Natur aus drei für den Export hochwichtige Pflanzenarten sein eigen Aber cs ist doch interessant, daß ein ausgesprochen deutscher Denker wie Gurten, von Geburt ein Ost- iriefe, eine solche Ausstrahlung seines Geistes zeugen konnte, daß seine Hauptwerke, wie säst alle modernen Kultursprachen, darunter sogar das Chinesische, übersetzt sind. Gewiß hat Gurten der Verkehr als Lehrer mit Studenten der verschiedensten Nationen das Hinausbringen in bas Ausland erleichtert, aber das Ausland war schon stark für Guckens Ideen ge- töonnen, als in Deutschland sich die werten Kollegen noch einer fühlbaren Zurückhaltung befiel» Wen. In Guckens geistigem Wesen liegt wohl des Rätsels Lösung. Rudolf Gurten ist eine selten harmonische Natter. Gr erfaßt die Welt, die uns Zu den Hauptmotiven der deutsch-englischen Entfremdung- im Jahrzehnt vor dem Weltkrieg hat neben der Flottensrage zweifellos die wachsende Rivalität der beiden germanischen Großmächte auf dem Staatsgebiet der astatischen Türkei gehört. Diese Rivalität verschärfte sich, je mehr sich mit dem fortschreitenden Bau der Bagdad b ei h n die unter deutschem Einfluß stehenden Wirtschaftszonen dem Stromgebiet des Euphrat und Tigris näherten. In Mesopotamien, bas nach ben bekannten Forderungen Lord Gur- zons zu dem Glacis Indiens gerechnet würbe, burfte sich nach allgemeiner englischer Uederzeugung keine fremde Großmacht aud) nur wirtschaftlich nieberlatfen,. und selbst eine stärkere Betonung der türkischen Staatgewalt suchte man von London aus mit allen Mitteln zu hintertreiben. Das unter englischen Kanonen gelegene halb- souveräne Sultanat Kueit am Persischen Golf stellte einen Vorposten englischen Imperialismus dar. Für die Sicherung der englischen Ansprüche in Mesopotamien gab es zwei Wege: Kampf um den herrschenden Einfluß in Konstantinopel und Verständigung in Berlin. Beide Möglichkeiten hat man in London in Erwägung gezogen. Was die Möglichkeit einer Verständigung nut Deutschland anging, so mar man in Berlin dazu im Prinzip gern bereit. Ja, man hielt dort gerade ein Zusammengehen mit England in der wirtschaftlichen Erschließung der Türkei für „im höchsten Grabe wünschenswert". In einer Aufzeichnung des Auswärtigen Amtes für ben neu ernannten Reichskanzler von Bethmann-Hollweg vom 17. Juli 1909 hieß es darüber: „Daß wir bei diesen wirtschaftlichen Unternehmungen Hand in Hand mit England gehen, wäre aus politischen Gründen im höchsten Brade wünschenswert. Es würde hierdurch ,licht bloß zur Erstarkung und Konsolidierung der Türkei beigetragen, an der wir mit unserem österreichisch-ungarischen Bundesgenossen zusammen das größte Interesse haben, sondern es würde dadurch auch die Kluft zwischen England und Rußland vertieft, das seiner alten Politik getreu auf möglichste Schwächung der Türkei hin- urbeitet. Und hat fick) In England das Vertrauen in die Dauerhaftigkeit des gegenwärtigen Systems in der Türkei befestigt, so steht zu erwarten, daß dieses durch weitere wirtschaftliche und finanzielle Betätigung an der Erschließung der Türkei Mitwirken, und durch diese Gemeinschaftlichkeit der Interessen, die uns dort bereits mit Frankreich verbinden, uns nähergebracht werden dürfte." Man sieht auch hieraus, wie sehr der deutschen Regierung an einer Verständigung mit England gelegen gewesen ist. Aber auch auf diesem Gebiet trat der Erfolg der Bemühungen erst ein, als es zu spät geworden mar. Der 1914 paraphierte Vertrag über die Bagdadbahn, der England die gewünschte Sicherung seiner mesopotamischen Interessen brachte und ein wichtiges Entspannungsmoment der internationalen Lage bilden mußte, vecsank im Strudel des Weltkrieges. Den deuftchen Einfluß am Goldenen Horn endgültig bei Seite zu schieben, hoffte England, als nach der jungtürkischen Revolution von 1908 in Stambul die Wogen der Begeisterung für ben westlichen Liberalismus hoch gingen. Englische Unge- schicklichkeiten und die türkische Erkenntnis von der relativ großen Uneigennützigkeit der deutschen Freundschaft änderten dieses Bild jedoch bald gänzlich. Hierüber entnehmen wir aus bem tn Kürze erscheinenden 27. Bande der Großen Aktenpubli- fation des Auswärtigen Amtes*) aus einem Brief des Botschafters in Konstantinopel Freiherrn von Marschall an ben Reichskanzler von Bethmann Hollweg folgenden Bericht-. beitgeber und 2ev L Eießen-Siadt Landkreises Eiehen ^ceist^Eiehen^ Biolin- unterricht bitt'- erteilt 3ii er. \Wn .,q n Mrwen^u ^oiinerstaS' 7 qaniiarÄ wird Isik t« tsrt* und jlD nennt. Mmkich außer der eben erwähnten Perba« Matte noch den Qusbrachobaum (Schinopsis Balan- sae) und die Wilde Orange. Quedracho stellt in seinem Extrakt einen für die Gerberei sehr wichtigen Exportartikel dar, der, in verschiedenen großen Fabriken gewonnen, die stattliche Summe von über 30 Millionen Kilogramm in einem Jahr erreicht bat. Der Ouedrachobaum wächst vornehmlich im Gran Chaco, dem westlich des Paraguaystromes gelegenen Teil des Landes, der neuerdings besonderen Wert für die Viehzucht bekommen hat, die ja zweifellos für Paraguay mit der Zeit eine immer größere Bedeutung haben wird und schon durch die Etablisierung mehrerer großen Fleischoerarbeitungs- fabriken (konserviertes Fleisch, Gefrierfleisch und Salzfleisch) zum Ausdruck gekommen ist. Es wird auch hier alles von einer zielbewußten systematischen Zuchtverbesserung des einheimischen Bieh- materials herauskommen, wie solche schon von verschiedenen weiten in ernsthafter Form in die Wege geleitet worden ist und bereits zu recht erfreulichen Resultaten geführt hat. Aus der wildwachsenden bitteren Orange wird das berühmte Petit grain Oel, Pelzmartel. Ein Nürnberger Spielzeugroman. Nach dem Italienischen der Teresah erzählt von Gustav W. Eberlein. Copyright 1925 bh 21. Scherl G. m. b. H., Berlin. 31. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Harmonisch wie ein Lied zog der 2lbend über die Wiese hin. die durch Alcinas Zauberei blühte wie im Sommer. Die Glühwürmchen leuchteten auf wie wandernde Laternchen, und die Grillen zirpten. Gri... gri... gr. Cs war. als ob die Wirse selber leuchte und singe, weil den Tönen, die aus dem Wurzelwerk des roten Mohns, der Margareten und wilden Nelken herausklangen, ein Helles Klingen der Blütenglocken antwortete. Welch ein Zauber! Wenn ich im Gefieder der Störche gesteckt hätte, ich würde auch heruntergegangen sein, nur um auf dieser Sommerwiese einzuschlafen. Für die Störche kam noch der Befehl des Pelzmärtels hinzu, den sie um nichts in der Welt zu mißachten gewagt hätten. So kam alles, wie es die schlaue 2llcina vorhergesehen hatte, und niemand von der Reise« gesellschast konnte einen Verdacht hegen, nachdem ihnen eine wunderschöne, überaus liebenswürdige Fee entgegentrat, die ein Greifenroß am Zaume führte und sich beauftragt erklärte, die Reisenden zu empfangen. Sie waren ja nun an solche Dinge gewöhnt. „Eßt und trinkt und laßt's euch wohl sein!" sagte Olkina mit ihrem graziösesten Lächeln, auf ctpe einladend geschmückte Tafel deutend. „Cs gibt Kuchen für die Kinder, rösche Heuschrecken und frische Schnecken für die Störche. Die Herren Gesandten der Marionetten, Bleisoldaten und Hunde pflegen, wie ich weiß, nicht zu speisen, aber Karl der Drohe wirb ein Pfeifchen nicht verschmähen, für HanS Sachs habe ich eine besonders feine Tabaksorte aufgetrieben, und Krach- auf hat sich, wenn ich nichr irre, wieder einmal den Zopf zerbrochen, den ihm der große Einsiedler mit so viel Geduld zusammengeleimt hatte. Hier ist der Leimtopf und hier Tabak für alle/ der grundlegende Stofs für eine große Anzahl des wertvollsten Parfüms, gewonnen. Es würde zu weit führen, wenn ich mich noch weiter äußern würde über die zahlreichen Kulturen, die noch für den Ackerbau in Paraguay in Betracht kommen. Ich will mir bemerken, daß auch die Kartoffel ganz gut gedeiht und man neuerdings auch an die Kultur von Weizen herangeht. Es ist aber natürlich, daß Paraguay in bezug auf Weizenkultur niemals mit Argentinien würde konkurrieren können. Wir dürfen also hoffen, daß die Welle des wirtschaftlichen Aufschwungs, welche die benachbarten Staaten Argentinien und Brasilien in den letzten Jahrzehnten so außerordentlich gefördert hat, jetzt auch nach unserem Paraguan hinüberflute, ein Land, das ja, wenn auch in größerer Entfernung vom Meere, gewissermaßen als südamerikanische Schweiz manches Vorteilhafte hierfür bietet, so namentlich noch sehr niedrige Landpreise, den noch jungfräulichen Boden und in mancher Beziehung auch vielleicht bessere Arbeiterverhältnisse. Für alle, hatte die schöne Fec gesagt, das ließen sich die Soldaten nicht zweimal sägen, und auch Florindo und Harlekin griffen wacker zu. Die Damen, um auch etwas zu haben, denn damals gab es noch keine Zigaretten, freuten sich über die Tafelblumen und steckten sie sich an die Brust. Nur die drei Hunde ließen sich nicht verhexen. denn sie aßen nicht, rauchten nicht, steckten sich keine Blumen an und brauchten mich keinen Leim. Olkina muhte sich umdrehen, denn die grüne Galle stieg ihr ins Gesicht: an alles hatte sie gedacht, nur nicht an die Hunde. „Legt euch jetzt zur Ruhe." mahnte sie. „ich habe ein Zelt aufschlagen, lassen, damit ihr nicht kalt habt. Gute Nacht!" Alle begaben sich in das Zelt und verfielen sofort in einen tiefen Schlaf. Hämisch betrachteten Ollcina und Siebenschelm ihre Opfer. „Das Tränklein tut seine Wirkung", freute sich Siebenschelm. „Auch die Hunde werden sich nicht rühren. Die Hunde sind so dumm — die Hexe lachte verächtlich bei dieser Feststellung —, ihren Herren immer treu zu fein; vor lauter Treue haben sie sich auf diese Weise selben mitverhext." Wer htrj darauf den Kopf aus dem Zelt gestreckt hätte, würde die Hexe Ollcina ringsherum einen großen Rauchgürtel haben ziehen sehen, den berüchtigten Zauberkreis. Von diesem Augenblick an konnte niemand mehr die unsichtbar gewordene Wiese verlassen. „Geglückt, geglückt! Racke ist süß!" triumphierte die Hexe. „Ueberlassen wir sie ihrem Schicksal!" jubelte Siebenschelm, nicht weniger grausam als seine Meisterin. Die Hände in die Mähne ihres feuerspeienden Flügelrosses krallend, schwang sich Alcina in den Sattel, Siebenschelm klammerte sich an den Steigbügel, hui, huiiiiih ging eS durch die Lüfte, Hohnlachen hinterher wie ein Kometenschweif. Niemand auf der Wiese hörte dar furchtbare Echo. Alle schliefen. Rur Lu und Li steckten die Köpfchen vorsichtig aus ihrem Versteck, LieselS vhrringen, in denen sie, allen unsichtbar, dir Reise mit» einzelnen Gendegesellschaften erfolge, die zu diesem Zwecke sich zu einer einzige» Körperschaft zusammenzuschließen hätten. Natürlich können hiergegen auch wieder durchaus plausible Gründe vorgebracht werden. Doch wird die Entwicklung gu einer größeren Einheitlichkeit sich auf die Dauer nicht aufhalten lassen. Als iliorbilb kann dabei England dienen, wo sämtliche Sender von einer einzigen Gesellschaft betrieben werden, und wo schon sehr stark auch eine gewisse Einheitlichkeit im Programm durchgeführt 'st. 1° daß ein und dieselbe Darbietung stets von mehreren Sendern gleichzeitig gegeben wird. Dadurch wird natürlich eine beträchtliche Ersparnis erzielt, die bei den viel geringeren Gebühren in England (10 Mk. jährlich anstatt wie bei uns 24 Mark) sehr ins Gewicht fällt. Ansätze zum Austausch von Programmen bzw. zu gemeinsamen Darbietungen gibt es bei uns in Deutschland auch, ich erinnere nur an die Berliner Opernübertragung von „Lohengrin" am ersten Weihnachtsfeiertag. Die Oper wurde von fast sämtlichen deutschen Sendern gegeben. Eine wunderbare Leistung; wenn man bedenkt, wieviel Stationen, wieviel Klippen diese Töne zu überwinden haben, bis sie an unser Ohr gelangen. England ist das europäische Land, in dem der Rundfunk die weilest? Verbreitung gefunden hat. Die Hörerzahl betrug am 1. Oktober d. I. 1 464 674, also immerhin rund eine halbe Million mehr als bei uns in Deutschland. In den übrigen europäischen Ländern ist die Entwicklung noch weit zurück. In Frankreich und Belgien ist die Organisation anscheinend nicht besonders glücklich durchgeführt worden. Nähere Zahlenangaben fehlen mir jedoch darüber. In Holland wird die Zahl der im Betrieb befindlichen Empfangsstationen auf 50000 geschätzt, was m. A. nach zu niedrig gegriffen sein dürfte. Dänemark hat angeblich bisher über 10 000 Genehmigungen erteilt. In Polen, Rußland, Finnland, in Skandinavien, überall sind erst Anfänge eines eigenen Rundfunks festzustellen. Aehnlich liegen die Verhältnisse in Südeuropa. Oesterreich dagegen hatte bereits im März d. I. über 120 000 Rundfunkteilnehmer. In der Schweiz wirkte besonders die Inbetriebnahme des Züricher Senders anregend. 18 000 Empfangsanlagen sind dort festge- stellt worden. In den außereuropäischen Ländern, abgesehen uon ben Vereinigten Staaten von Nordamerika, ist es fast genau so. Ueberall ist die Entwicklung noch in den Anfängen, und es ist nicht abzusehen, wie sie weiter geht. Nordamerika und Deutsch- land sind dabei die Hauptlieferanten der erforderlichen Geräte, die nur zu einem verschwindenden Teile von den einheimischen Industrien erzeugt werden können. Im Laufe der letzten Jahre hat sich die Ausfuhr von Radiogeräten aus Deutschland beträchtlich gehoben. So betrug der Export in der ersten Hälfte des Jahres 1923 298 Tonnen, in der gleichen Zeit 1924 dagegen 520 To. Hiervon kamen z. B. nach England 223 Tonnen, nach Schweden 86 Tonnen, nach Argentinien 24 Tonnen, nach Holland 23 Tonnen und nach Dänemark 23 Tonnen, nach China 10 Tonnen und nach den Vereinigten Staaten 9 Tonnen. Der Wert dieser Ausfuhr beläuft sich auf viele Millionen Reichsmark, da es sich hier durchweg um hochwertige Waren handelt. Werfen wir nun zum Schluß noch einen kurzen Blick auf die Entwicklung des Rundfunks in unserer engeren Heimat, so ist festzustellen, daß hier in Gießen Ende 1925 rund 300 Rundfunkteilnehmer vorhanden waren. In Anbetracht des Umstandes, daß auch die einfachste Anlage hier rund 100 Mk. kosten dürfte, ist dies kein schlechtes Ergebnis. Dielleicht bringt uns die bevorstehende Erhöhung der Sendeenergie des Frankfurter Senders bessere Empfangsoerhält- nisse, so daß mit den verminderten Anlagekosten die Zahl der Rundfunkhörer stärker wächst. Daß hier dem Rundfunk nach wie vor starkes Interesse entgegengebracht wird, bewies die überaus rege Anteilnahme weiter Bevölkerungskreise an den Veranstaltungen des letzten Jahres, die den Rundfunk irgendwie betrafen. Dahin gehören die Borträge von Prof. Korn über „Drahtlose Bildübertragung" und von Dr. Bergmann über „Kurze Wellen", sowie die Lautsprecherschau. Als besonderes Ereignis darf hier auch die Inbetriebnahme des Gießener Verfuchssenders erwähnt werden. Vorläufig fanden nur Versuche im Bereich der Rundfunkwellenlängen statt. Aufgabe des gemacht halten, schauten sich verstohlen um und seufzten: Ach, ach! Da sie sich vor der Hexe, die sie mit einem einzigen Fingerschneller zu Staub zermahlen hätte, nicht zeigen durften, hatten 2u und Li alles mögliche versucht, um wenigstens Liesel davon abzuhalten, die betäubenden Süßigkeiten zu essen. Sie hatten ihr auf die Wangen getrommelt, sie hatten sie am Hals gekitzelt, fi£ hatten sich sogar bis in ihre kleinen Ohren hineinqeschaukelt und hineingeflüstert: Hüte dich, hüte dich! Aber Liesel war so ausgehungert gewesen, daß sie nicht darauf achtete und den ganzen Kuchen aufzehrte. WaS nun? fragten sich in tödlichem Schrecken Lu und Li. Was hatte die Hexe vor? Undurchdringliches Geheimnis! Zwölftes Kapitel. Ein recht trauriges Kapitel, denn die Reisegesellschaft bleibt hoffnungslos verschwunden; sogar Pelzmärtel muß erfahren, daß kleine Ursachen große Wirkungen haben können, denen gegenüber seine Macht versagt; und Lu und Li, die einzigen, die helfen könnten, verirren sich in den himmelhohen Bergen und unermeßlichen Wäldern, die vor Nürnberg liegen. Inzwischen warteten sie in Nürnberg, warteten voller Ungeduld. Pelzmärtel hatte Bringglück, Fifi und alle Schwalben von der Rück- kehr der Reifegefellschaft unterrichtet, die Amsel und den Papagei auf dem laufenden gehalten und allen befohlen, sich für einen würdigen Empfang bereitzumachen. Darauf war er in den unterirdischen Gang hinabgestiegen und hatte die Spielwaren aufgeweckt. Alle, die irgendwie teil hatten an dem Kreuzzug, mittelbar oder unmittelbar, sollten dabeisein, sollten den feierlichen Schlußakt verschönen helfen. Am liebsten wäre Pelzmärtel geradeswegs zu Peter Tand gegangen und hätte ihm gefagt: »Freue dick, spätestens morgen wirst du deine Kinder in Die Arme schließen können." Aber der Puppenpeter würde ihn ja nicht gesehen und seine Worte nicht gehört haben. Es war also zwecklos, ihn «ufzufuchen. neuen Jahres bleibt es, Kurzwellenversuche, Insbesondere Reichweitenversuche durchzuführen. Was schließlich die Empfangsanlagen, ihre technische Vervollkommnung usw. aubetrifjt, so hot das vergangene Jahr keinerlei Umwälzungen gebracht. Deutlicher nach als vor einem Jahre lassen sich zwei Extreme unterscheiden. Einmal das Bs- streben, mit möglichst wenig Material und Geld möglichst viel zu leisten, Einröhrenapparate, und dann Riesenempfänger von bis zu 10 Röhren, die mit einer tragbaren Rahmenantenne überall ausgestellt werden können und jede Station im Lautsprecher bringen — sollen. Der Apparat, auf den viele noch warten, der in der Westentasche mit» »nehmen ist, und der etwa das gibt, was heute ein 8—10-Röhreuapparat nur unvollkommen leistet, her Apparat wird auch im neuen Jahre noch nicht erfunden werden und sollte eigentlich kein Grund sein, um vorläufig noch dem Rundfunk fernzu- Lleiben. Im Gegenteil, je mehr sich dem Rundfunk anfchließen, desto breiter wird die Basis, aus der ».vortschritte sich aufbauen können, desto wahrscheinlicher wird auch die Verwirklichung der Forderung: Neben Wasserleitung, neben Gas und elektrischem Licht gehört in jede Wohnung eine Runbftmkein-- richtung.— Oderhefsen. Landkreis Gießen. L W i c l e cf, 4. Ian. Gegenüber dem Vormonat ist die Zahl der Crwevbslofenl in unserer Gemeinde um 100 Prozent ge- stiegen. Mit dem Beginn des Dezembers fetzte eine rapide Steigerung ein. die den ganzen Monat Über anhielt und aus folgender Äebersicht zu ersehen ist: Am 1. Dezember betrug die Zahl der unterstützten männlichen Erwerbslosen 36, die der weiblichen 7. Zuschlagsberechtigt waren hierbei 18 Ehefrauen und 36 Kinder. Am 7. Dezember stiegen die Zahlen auf 46 männliche und 8 weibliche Erwerbslose, 20 Ehefrauen und 48 Kinder waren als Zuschlagsempfänger zu unterstützen. Sprunghaft stiegen diese Zahlen am 14. Dezember auf 68 männliche und 9 weibliche Hauptunterstützungsempsänger und 25 Ehefrauen und 68 Kinder als Zuschlagseinpfänger. Ginen- geringfügigen Rückgang brachte der 21. Dezbr.: 61 männliche und 10 weibliche Erwerbslose waren mit 29 Ehefrauen und 58 Kindern zu unterstützen. Von nun ab setzte wieder eine Aufwärtsentwicklung ein, die nächstfolgende Woche, der 21. Dezember, wies wieder 68 männliche und 9 weibliche Erwerbslose mit 26 Ehefrauen und 63 Kindern auf. Die höchste Ziffer in diesem Winter brachte der 31. Dezember, an dem die ZaHl der zu Unterstützenden auf 72 männliche und 6 weibliche Erwerbslose stieg. 26 Ehefrauen und 53 Kinder gelten als Zuschlagsempfänger. Diese letzten Zahlen erhöhen sich noch um die vorhandenen Erwerbslosen, die nicht mehrunter- stützungsberechtigt find. Außerdem ist eine Anzahl Erwerbsloser bei dem im Gang befindlichen Holz-- schlag beschäftigt. Mit der in Kürze bevorstehenden Erledigung dieser Arbeit ist mit einer weiteren Steigerung der Erwerbslosenziffer zu rechnen. Zu diesen Vollerwerbslosen kommen noch eine große Zahl Kurzarbeiter, die in der Hauptsache in der Metall- und Zigarrenindustrie zu suchen sind. Ganz speziell in letzterer besteht ein ungünstiger Beschäftigungsgrad. So läßt die Zigarrenfabrik Metzer- Wieseck schon seft sehr langer Zeit nur drei Tage in der Woche arbeiten. Ebenfalls drei Tage in der Woche hat die Zigarrenfabrik Dievau ihren Betrieb offen. Die Firma S. Dock A Co., die ebenfalls nur drei Tage arbeiten ließ, beschäfttgte ihren hiesigen Betrieb in den ersten Dezemberwochen voll, dafür ruhte er aber vom 19. Dezember bis 4. Januar völlig, von da ab beträgt die Arbeitszeit wieder wöchentlich drei Tage. Man sieht also, die Arbeitsverhaltnisse auch in unserer Gemeinde sind ein getreue- Spiegelbild der katastrophalen wirtschaftlichen Lage int ganzen Reich Für die Gemeindeverwaltung erwächst aus der ständig steigenden Zahl der Erwerbslosen die Pflicht, auf Grund der neueren Notstandsmaßnahmen für eine Milderung der größten Qü>t zu sorgen. Bekanntlich stellt das Reich eine größere Summe hierzu bereit, die erforderlichen Ausführungsbcftimmungen sind in Bälde zu erwarten. Es ist beizeiten dafür zu sorgen, daß auch für unsere Gemeinde für die einzurichtenden Notstandsarbeiten Gelder aus Der große Tag kam. Strahlender Sonnenschein begrüßte Nürnberg. Es war Sonntag, die guten Nürnberger zogen ihre neuen Früh«» lingskleider an und ergingen sich auf den Straßen. Es lag wie Feststimmung über der Stadt. Irgend etwas älngewöhnliches, manwußt« nicht was, war in der Luft. Alle Menschen lächelten vor sich hin, gingen mit federnde^ Schritten und sprachen mit gehobener Stimme. An die traurigen und unerklärlichen Ereignisse der letzten Wochen mochte man gar nicht denken. Frühling, Frühling... Pelzmärtel kannte sich selber nicht mehr vor lauter Geschäftigkeit, er wäre am liebsten ander Haut gefahren und hätte sich zerteilt, um gleichzeitig da und dort sein zu Gnnen. Schon in der Morgendämmerung hatte er sich dabei ertappt, wie er von der Zinne des runden Turmes aus den Horizont abspähte. Bald hockte er neben Dringglück auf dem Nestrand, baÜ> bummelte er durch die Straßen, um zu hören, was die Leute sagten, und blähte und spreizte sich vor Stolz. Was hätte er nicht dafür gegeben, sich den Menschen sichtbar machen zu können: Ich hab's geschafft, ich hab's bewirkt, jawohl ich! Dumm, seine Verdienste so unbemerlt mit sich Herumtragen zu müssen! Schon war er wieder auf den Dächern, um den Schwalben Verhaltungsmaßregeln zu geben, Jakob zur Ordnung zu rufen, Fifi abzukanzeln und sich wichtig zu machen für zehn. Gr merkte vor Aufregung gar nicht, was er sich an Würde vergab. „Wenn sie nicht bald eintreffen, zerplatze ich", gestand er Dringglück und flitzte schon wieder weg wie ein Kreisel, weil er in der Fern« Christohorus Herzensräuber rumoren und an die Ture des unterirdischen Ganges pochen hörte. „Willst du wohl still fein, he?" schrie er durch das Türschloß. „Sotten die Leute aufmerksam werden?" „Kommen sie oder kommen sie nicht?" brummte Christohorus trotzig. „Längst schon angekommen, du Tölpel!" (Fortsetzung folgt.) Der deutsche Rundfunk 1925. Von Dr. Heinrich Müller- Gießen. Wenig mehr als zwei Jahre sind verflossen, seitdem am 29. Oktober 1923 die Deutsche Funkstunde in Berlin mit regelmäßigen Rundstinkdarbietungen begann. Welch eine Entwicklung inzwischen stattgefunden hat, sowohl qualitativ und quantitativ, als auch ideell und materiell, zeigen die damaligen und die heutigen Tages- und Wochenprogramme, zeigen auch die ständig wachsenden Ziffern der Rundfunk- reilnehmer. Mit einer Stunde täglich begannen die Rundfunkdarbietungen, und heute kann man kaum eine Tagesstunde ausfindig machen, in der nichts geboten wird. Zählte man Ende 1923 noch eine sehr kleine Zahl von angemeldeten Rundstmkteil- iiehmern. so waren es Ende 1924 bereits über eine halbe Million, und Ende 1925 wäre die ganze Million schon langst überschritten, wenn die im besetzten Gebieten beantragten Rundfunkanlagen schneller genehmigt wurden. Bekanntlich ist das Gebiet des Deutschen Reiches unter eine Anzahl Sender verteilt derart, daß jeder Sender einen bestimmten Bezirk als — jagen wir mal — Interessensphäre zugewiesen erhält. Alle in diesem Bezirk, der gewöhnlich eine oder mehrere Oberpostdirektionen umfaßt, eingehenden Rundfunkgebühren kommen dem Bezirkssender ober besser der betr. Sendegesellschaft zu gut nach Abzug von * des Gesamtbetrags, die von der Deutschen Reichs- poft beansprucht werden dafür, daß sie die Sender baut und betriebsfähig unterhält. Es ist selbstverständlich, daß bei wachsender Teilnehmerzahl die Gebührenerträge auch wachsen, und damit die Gute der Darbietungen gesteigert werden kann und auch wird. Dafür sorgt schon die Kritik der Teilnehmer, die naturgemäß stets vorhanden ist, da d i e sende- gesellschaft erst noch gebildet werden muß, die es allen ihren Hörern recht zu machen verstände. Zahlenmäßig wirkt sich der Anstieg der Teilnehmerzahlen im Jahre 1925 etwa folgendermaßen aus: Sendebereich Teilnehmerzahl Ende 1924 abgerundet Teilnehmerzahl 1. XII. 25 3u. nähme in voll. 1000 Zunahme in % Berlin . . . . 200 000 417 749 218 109 Breslau . . . 40 000 52 247 12 30 Franüfutt/M. 40000 63 095 23 57,5 Hamburg. . . 70 000 118618 49 68,5 Königsberg . 11000 15171 4 36,4 Leipzig.... 45 000 109 980 65 144 München. . . 70000 91 001 / 21 30 Münster . . . 9000 71 798 63 700 Stuttgart. . . 17 000 27 145 10 59 Insgesamt rb. 500 000 966 804 Da die Zahl der Teilnehmer am 1. 11. 25 913 776 betrug, ergibt sich für den November ein Zuwachs von 53 028 Teilnehmern, oder anders ausgedrückt: .Im November kamen täglich 1768 Teilnehmer neu dazu. Angesichts dieser Zahlen kann mau wohl von einer Rundfunk Müdigkeit, von einem Abflauen des Interesses kaum reden, obwohl im Laufe des Jahres hie und da veröffentlichte Wahlen eine Abnahme der Teilnehmerzahl zu beweisen schienen. Wohl find in einzelnen Bezirken in einem oder dem andern Monat einmal die Abgänge zahlreicher gewesen als die Zugänge. Man muß aber dabei berücksichtigen, daß unter den Abmeldungen auch alle die aufgeführt werden, die infolge einer Reise ober bgl. vorübergehend ihre Anlage in her betr. Stabt ausgcben, beispielsweise um am Ort ihres Sommeraufenthaltes ihren gewohnten Runbfunk nicht entbehren zu müssen. Berücksichtigt man nun noch die überaus trübe wirtschaftliche Lage des größten Teiles des deutschen Volkes, so kann man mit her fast lOOprojentigen Zunahme voll und ganz zufrieden fein. Unter den jetzigen Umständen müßte sogar ein Beharren auf der vorjährigen Teilnehmerzahl als ein Gewinn betrachtet werden^ Vergleichen wir die Zunahme in den einzelnen Bezirken, so ergibt sich ein buntes Bild. In absoluten Zahlen ist die Zunahme im Berliner Bezirk am bedeutendsten, an zweiter Stelle kommt Leipzig, bann Münster unb Hamburg. Dagegen ist ber Zuwachs, nach Prozenten der Hörerzahl Ende 1924, am stärksten in Münster, dann kommt wieder Leipzig an zweiter und Berlin an dritter Stelle, während Hamburg wie vorher die vierte Stelle hält. Wie erklärt sich diese so überaus verschiedene Zunahme. Es ist ohne weiteres klar, daß hier eine ganze Reihe von Ursachen Mitwirken. In Berlin Ist wohl die nach Millionen zählende Einwohnerschaft der Grund ber stetigen Weiterentwicklung. Bei Münster ist zu bebenten, baß im Laufe des Jahres zwei neue Senber (Elberfeld unb Dortmunb) errichtet würben, deren Hörer in ber Zahl ber Teilnehmer des Bezirks Münster mit enthalten sind. Aehnlich ist es bei Leipzig unb Hamburg. Zu Leipzig gehört ber Zwifchensenber Dresden,, und zu Hamburg gehören die Sender Bremen unb Hannover. Die Teilnehmerzahl unseres Bezirks wäre be- bentenb größer, wenn nicht ein beträchtlicher Teil des Bereiches bes Frankfurter Senbers im besetzten Gebiet läge, wo jetzt erst, zu Weihnachten 1925, bie ersten Runbfunkanlagen genehmigt würben. Nachdem hier einmal die erforderlichen Ausführungsbestimmungen durch die Be° satzungsbehürden erlassen und mit ber zu erwar= tenben Weitherzigkeit burchgefiihrt werben, ist mit einer sprunghaften Zunahme ber Hörerzahl zu rechnen. Am geringsten ist bie Hörerzahl im Bezirk Königsberg, was sich zwanglos aus ber relativ bünnen Bevölkerung Ostpreußens erklärt. Diese Ungleichheit ber Hörerzahlen, oerbunben mit ber baburch bebingten ungleichen finanziellen Grunblage, steht natürlich einer gleichmäßigen Aufwärtsentwicklung ber Güte unb Reichhaltigkeit ber Runbfunkbarbietungen hinberlich im Wege. Denn es ist leicht einzusehen, baß Berlin mit seinen 417 000 Hörern mehr unb besseres bieten kann als Königsberg mit seinen 15 000 Hörern. Es finb deshalb Bestrebungen im Gange, bie barauf hinzielen, hier eine Aenberung eintreten zu lasten, bamit eine gleichmäßigere unb eine gerechtere Verteilung der gesamten zur Verfügung stehenben Mittel unter bie c Nb UL rHA- ?'ZHr *-afiFÄ J? w,** "ehr sich Äfe> '''"en, öeft0’lSf der kl'chung der ??Aein- und LL"s- lmq ^jhS£ SnT ^en. »• »* w n losen rnL drK Li"f ,ge< I letzte ^chlngöber-echt^^L 20 Ehefrauen unb^s SmS 3U unter. SA* am ratfi^e und 9 tveidljch«. p unH5 8Wrer seiner Zeit so viel Aufsehen erregt v befindet sich nicht Darunter, da er noch nicht spruchreif ist. Voraussichtlich wird er in bet kommenden Periode zur Verhandlung kommen. Darmstadt. 4. Jan. Der Milchpreis ist in Darmstadt von 36 Pfennig auf 32 Pfennig für den Liter herabgesetzt worden. Preußen. Dillkrebs. bl. Dillenburg, 4. Jan. Die Adolfs- hütte in Rieders cheld hat den Betrieb vorläufig eingestellt. Als Grund wird der Rückgang des Ofcngefchäftes angegeben, der zur Aufstapelung von Fabrikaten geführt habe. Sobald wieder Aufträge eingehen, wird der Betrieb ausgenommen. bl. Haiger, 4. Jan. Von den l)icfigenf Werken haben nunmehr den Betrieb still- gelegt: Minervahütte oon A. Grimmel u. Co.. Hansa-Zement- und Fillerwerte und das Kabel- wert. ilcber 100 Personen fallen heute schon der Erwerbslosenfürsorge anheim. Matttgau. Hanau, 4. Jan. (WSR.- Zwei junge Männer im Alter von 26 bis 27 Jahren» sprangen gestern in Die z. Zt. hochangeschwollene Kinzig, um sich das Leben zu nehmen. Beide fr .:ten von Passanten gerettet werden. Das Mol iv zur Tal soll Liebeskummer sein. WSR. Frankfurt a. M.. 4. Jan. Das Hochwasser des Mains ist am heutigen Tage nur langsam zurückgegangen. Beide Uferstraßen sind noch immer weit überschwemmt. In den Rachmittagsstunden wurde ein Pegelstand von 4.85 gemeldet. In Hanau zeigte der Pegelstand 5.25 Mtr. — Zur Deckung des R a ch t r a g s e t a t s für 1 925 ist bekanntlich u. a. eine Erhöhung des Zuschlags auf die G e w e r b e e r t r a g s st e u e r von 400 auf 460 Prozent vorgesehen, einerseits mit Wirkung ad 1. April 1925, andererseits mit Der Maßgabe, daß dadurch nicht die lausenden Vorauszahlungen gesteigert werden sollen, sondern bet der Veranlagung für das Rechnungsjahr die Verrechnung des höheren Zuschlags erfolgt. Die Industrie- und Handelsiammer Frankfurt a. M.- Hanau, sowie die Wirtschaftsverbände von Industrie und Handel erheben gegen die Vorlage den entschiedensten Wider sprach. Die Wirtschaftsorganisationen erwarten von der Stadtverordnetenversammlung die einmütige Ablehnung jedweder Erhöhung der ®eto erbe ft euer und fordern, daß endlich mit der notwendign Einsicht in die tatsächliche Wirtschaftslage durchgreifende Sparmaßnahmen getroffen werden, um den entstandenen Fehlbetrag des Jahres 1925/26 zu decken. — pinbekannte Täter haben bei einem Einbruch Drei Gemälde deS Kunstmalers Frank aus dem Rahmen geschnitten und sind damit flüchtig geworden. Die Bilder sind 34x40 groß, dunkel (Kupfer) gehalten und stellen die Geburt Christi, die Anbetung der Heiligen drei Könige bzw. die Kreuzigung bar. — Zwei unbekannte Männer hatten in einer Wirtschaft mit einem hiesigen Bürger einige Glas Bier getrunken und begleiteten diesen Dann nach Hause. Auf dem ilntertoege erhielt er plötzlich von einem der Unbekannten mit einem harten Gegenstand einen Schlag aus ben Hinterkopf, worauf er besinnungslos zusammenstürzte. Die Banditen stahlen ihm dann die Brieftasche mit 450 Mk. Inhalt, eine silberne Herrenuhr mit Dünner goldener Kette unb einen roten Personalausweis mit Lichtbild. Bisher konnten die Räuber noch nicht dingfest gemacht werden. Gießener Wochenmarttpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 140 bis 160, Matte 35 bis 40. Käse 60 bis 70, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 15, Rotkraut 23, gelbe Rüben 15, rote Rüben 20. Spinat 40, Unter-Kohlrabi 10 bis 12, Grünkohl 25, Rosenkohl 60, Feldsalat 120. Tomaten 80, Zwiebeln 15, Meerrettich 30 bis 80, Schwarz« Winzeln 50 bis 70, Kartoffeln 4 bis 5, Aepfel 15 bis 20, Birnen 20 bis 30, junge Hahnen 120, Suppenhühner 120, Gänse 120. Rüste 60 bis 90, Endivien 100; das Stück: Eier 19, Blumenkohl 80 bis 200, Salat 40, Lauch 5 bis 15. Sellerie 50 bis 70 Pfennig. Briefkasten der Redaktion. P. D. 3604. Uns nicht bekannt. 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Höher ,yi'ir deutsche Anleihen bestand Banknoten. H.Kaeß Nachfolger Kein Unsren mehr! Inh.: Wiih. Horn Telephon 773 Kreuzplatz 15 Mein diesjähriger Frische statt. — Es werden demselben sämtliche Lager-Bestände in ein. 148c Herren- und Damen-Kleiderstoffen Baumwollwaren sowie Restposten zu Ausnahmepreisen Rew Vork notierte in Amsterdam treffen Mittwoch und folgende Tage Der dem lEigener Drahtbericht des „Giessener Anzeigers".) Frankfurt Proz. befestigt waren. Der Kassamnrki der Jn- dustriepapiere lag nickt einheitlich. dock U) il'BU auch hier leichte Kursdesferungen überwiegend. Von Autoaktien blieben Kleyer unverändert, gingen, festigt, wenig ändert. Franffurtrr Pseröemarkt. Frankfurt a. M., 4. Jan. (WSR.) erste Pferdemarkt, der im neuen Jahre auf Das alle Hausmittel! Zu haben in der Enuel- Apoheke am j Markt. Pelikan-Apotheke, Drogerien: Angnst I Noll, Wintorhol, | Apotheke in Lieh u. a Apotheken u. Drogerien. 134D Auch Z u ck e r*a l i i e n waren b.?-- Begebr, die Kurie waren kaum ber° ......... 5proz. Reichsanleibe 0,193. Auf hem A n S l a n ds r ent e nm a r k t tarnen unrariscke Herren-und Knaben-Konfektion unterstellt | Hansa । Handelsschule /. Kunzeimann : Gießen, Bahnhofs tr 60 I vorn. Hermes Neue Kurse i 4. januar. war keine Anregung wegen des Börsenruhr* tages zu entnehmen, doch gaben die mittags vorliegenden festeren Liverpooler Kurse auch Berlin etwas höhere Roi'.erungen. Weizen ist für Export bauerno gefragt und besonders greifbare Ware. Am Markt der Zeitgeschäfte gewann Weizen per März 1,50 Marc, per Mai 4 Mark. Regg: n März und Mailieferuna je 2,50 Mark gebessert. Gerste ana^botcn, dock ohne Frage, Gerste in mässigem Verkehr, Mehl und Futtermittel still. Es wurden notiert für 1000 Kilo: Weizen, märt. 248 bis 254. do. Ponnn. 248 bis 25--. do. Marz 274 bis 275. do. Mai 280 dis 281.50, Roggen, mär'. 149 bis 156, do. Pomm U9 bis 156. do. März 180.50 bis 182. do. Mai 190 biS 192, Gerste, mim. 187 bis 214, Furt eiferst o 155 bis 170, Hafer, mark. 162 bis 173, do. März 183, do. Rai 187; für 100 Kilo; Weizenmehl 33 bis 36,50, Reggenmehl 22,75 bis 24.75, Weize.ckleie 11,40 bis 11,60, Rogge nkleie 9,75 bis 10 25, Viitvriaerbsrn 26 bis 33, kleine Speiseerbsen 22 bis 24. Sutter erb fen 20 bis 21. Peluschken 18 bis 19. Ackerbohnen 21 b:<5 22. Wicken 21 bis 23, Lupinen, blau 12 bis 12,50. do. gelb 12 bis 14.50, RapSkuchrn 15 b?. j\25. Kohle 36, Benz 21, Brown Boveri 50, Entreprise 8,5. Growag 37,5. Krügershall 64, Tlfa 43.5. Alfra 51. Am Geldmarkt besteht weiter grösseres Angebot. Tagesgeld wird sckon mit 8 Proz. genannt, Monatsg.'ld stellte sich auf 9','2 bis 10’' Proz. je Adresse. Der Satz für Bank' diskvnten stellte sich auf 7 Proz. Industrie^ Akzepte auf 8 , Proz. Im Devise überlebt hielt die Fra ulendes e st igung an. Die Pariser Pfundparität ist 12(5,15. Di rührigen Valuten find unverändert. Frankfurter üctrdbebürjc, Frankfurt a. Ri.. 5. Aan. Gr, wurden notiert: Weizen, Wetterauer 25.75 bis 25, Roggen. inländ. 12.50 bis 18, Sommergerste iür Brauzwecke 22,50 bis 25, Hafer, i-tland. 18,50 dis 21,50. Mais, gelb 21 bis 21,50, Weizenmehl, inländ., Spezial 0 41.25 bis 42, 'Roggenmehl 26,25 die 26.75, Weizeickleie 11 bis 11,25, Roggenichchr 11,25. Tendenz fester. Devisrnmartt Berlin—Frankfurt a. 28. Telegraphische Auszahlung. Frankfurt a.M. Berlin Schlu - Kurs Kurs Schlutz-IAnfang 6ttr* 1 >-<- Tntrrn: | 4 t 5.1. | 4. 1 5 1. S°/> Denllchc Ncichsanleil'e 4% Deutsch,' Reichsan leihe • 8’M'n Deutsche ReichSanlclhe 3% Deutsche Reichs anleihe Deutschs (Lparhrämiciianleihe 4% Preußische Sonsolö • ■ 4°o Hessen........ SWn Hessm........ 3% Venen.......... Deutsche Wertv. ToUavAüil. dto. Doll.-Schatz Anlreisng.'l 4% ^olltürlcn...... 5% (Soiömcritaner ■ ■ - Berliner Handelsgesellschaft Lommer^ und Privat Baut Darinst. und Naiionalbauk Deutsche Baut....... Deutsche Bcrcinßdank . Discomo Commandit Picialldank......... Mitteldeutsche Kreditbank Oesterrcichische Creditanstalt Weltbank ...... Lochuvrer . ...... BudkruS ......... Caro .......... . Dcntsch-l.'l«xeLtburg ..... Gelsenkirchener Bergwerke . Harpcncr Bergbau . . «alituerfe AscherSlcben... ikaliwerk Welkeregelu..... Vcuraüüttc ...... Lberbcdr.es ........ Phönix Bcm'.au ...... Rbcinitabl ....... Ricbeck Montan...... . TelluS Bergbau...... Hamburg Amerika Paket. . . norddeutscher Llovd . . Chcramiiche Werke Albin . . 'icmcntwcrk Heidelberg . . . Bdilivp SoUinann .... Ang lo-'Lonr.-Guano . ... Badische Anilin ....... Chemische Mäher fliabtit .. Goldschmidt ...... GrrcS eintet Electron .... Höchster Farbwerke...... Hotzverkohlmia ■ ....... RütgerSwerke ....... ^cbeldeanskoli ....... «llg. ElektriLitäts-Gesellschast Bergmann ........ Mamkrafiwerkr ....... Schuckeri. ......... Siemens 0»* Ä U5,5* lii 80,25 84* 6.3,25 Gd 53* 61 25* 25 21 '<5 14 28 16 •4 51.5 18^ 79 43,75 36 0,193 7,70 43,62 102.5* 92' 6,12 0.03 27,25 59 87* 59* 46.75* 6, 39 106* 105,75 105 7‘ 40 81,25 25 65.5 1.5 18 5 78.5 41 35 '1.1875 U 21.» 0.2125 0.105 0,125 91.75 98'4 <36,4* «6* 105* 104' 102,5* 92 5 6,1.2 — ■»"i 37,23* 66* 60.62* SV 89 93 24 38 SG.25* 45,4* 18.75 95* 97,4* 39 65,5 104.2' 47 103,7. 103,4* 44,75 63- 65 51.2j* 63.5* 24.5 2< 75 28,75 — 61« 1 5 0,16 0.22.» 0 22 0 05 0-2175 96.5* 103' 10’,5* 103* 92.75* 27,25 36,5* 62* 85.7 * 89 90 24 3 .25 38 25 46.5* 93,35* 91 75* 65 25 105.4* 46,12 105* 84.75 65,25 5?,r 66 ,o* 23.25 - - - - 1 4 st an. 5 statt. Ämtlich «eld c Noti rung Briri stintlich: Noticrnng (gelb Brief VImir. tftott bis. 71 iwTTb 168,79 169,21 Buen-AireL 1.723 1.737 1,734 Biss.'Antw <9,35 19.45 18.03.5 19.07.5 (Lbristiania. 85.61 85.-7 85.49 Koprndagen in.;.:; 1'14.(10 103,72 103.93 «iockbolin . 112.18 112,76 112,41 112.63 HelsingforS 10.518 10.588 10,545 10,5X5 Italien. . 16,92.» 16,965 16 925 16,965 London. - io,:tt< 20,398 20,351 20,101 Olcutzork . . 1.19.' 4,20> 1,195 4,2i Poris. . . IG.98 <1,1'2 15,92 1.5,96 Schwerz . St 06 1 81.26 81,10 81,3'1 Spaui:n - 69.1 ■ 69,27 51,13 59.27 J cr rum . . . 1.616 i 1.820 1,8*0 1,824 ?Hio de Jon i) MO i.lBI 1,627 0,630 Wien in D-- Lest, abgcst >9,1111 59,23 -V.09 59.23 Prag . . . 12.413 i 12,461 12.413 12.453 Belgrad . . 7.435 7,455 7.435 7,45» Budapest. . »,875 .».sh;. 5.875 5,89 • Bul,innen 2.995 3,0.'5 2.9 5 3,005 Viffdbru .1 275 21,323 41,275 : 1.325 TanLig. - 89 68 80. «8 80,-8 80 88 Konstantin- 2.235 2,245 -',24 2,25 Vltlien 5 33 5.r5 5 4t 5.46 Conodo. . 4 19 4,2' 1.189 i.lüfl Urugua» 4.295 4,305. 4.305 4,315 Berlin, 4 Jan (Aeld Briet Amerikanische Polen..... ■,l> 4,et Belgische \Qoten . ...... 18.98 19.18 Dänische Noten ....... 10.1,16 10',W Englische Noten........ Framösische Noten ...... 30,31)7 20,4 7 16, <8 1(1 16 Holländische Noten ..... 168.31 1 df.'it Italienische Noten . . ... Hi 90. 16,185 Norwegische Noten . . . . , 8.5,21 85 66 Deutsch^Oesterr., 5100 Kronen 8.93 59,?') Rumänische Noten . . . . Schwedische Noten..... 112,20 112,76 Schweizer Noten . . ... 81,1)2 81.42 Spanische Noten ...... 58.M) 59.2'1 Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Nonnr 12,377 12,437