Nr. 284 Erster Blatt 176. Jahrgang Samstag, 4- Dezember 1926 Eriche,nl täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen. Gießener Familiendlälter Heimat im Bild Vie Schalle monaifEeiugstteis; 2 Reichsmark und 20 Retchspsenntg für Träger- lohn, auch bei Richter- Seinen einzelnerRummern folge höherer Gewalt. 3ernfpred)an|d)lü||«: 81, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Ließen, poilschrckkouto: Krantsurt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VrrS und Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und Zleindruckerei «.Lange in Siehen. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen oo.l 27 mm Breite örtlich 8, auswärt» 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Brette 35 Rerchspfennig, Platzoorschrift 20“ , mehr. Chefredakteur Dr Friede Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein: für den Anzeigenteil i. Dertr. H. Deck, iämtlich in (Bienen. Volksentscheid in Hessen. Der kommende Sonntag soll die Entscheidung darüber bringen, ob der h e ff. Landtag aufgelöst werden soll oder nicht. Das Bolt selbst soll darüber beschließen. Seit den Waklen vom 26.Fon.1919 hat in der oersassungaebenden Volkskammer sowohl, als in den späteren Landtagen die Weimarer Koalition, die Verbindung von Zentrum, Demokraten - und Sozialdemokraten, ununterbrochen über die Mehrheit versüat und infolgedessen die Regierung gestellt, in der heule noch mit einer Ausnahme die gleichen Leute sitzen, wie vor acht Jahren. Trotz aller Divergenzen, die namentlich zwischen Zentrum und Sozialdemokraten mehrfach zutage traten, hat die Regierungskoalition bis heute alle Krisen überstanden. Dazu bedurfte es besonders von feiten der beiden Flügelparteien oftmai schwerer Opfer, vor allem auf dem Gebiete der Kulturpolitik, aber auch bei der Behandlung bedeutsamer Finanz- urJ) Wirtschaftsfragen, bei denen es besonders dem Zentrum nicht immer leicht gefallen ist, seine Anhänger in der rheinhessischen Bauernschaft bei der Stange zu halten. Man hat der Koalition indessen zum Vorwurf gemacht, daß sich alle drei Parteien stets gesunden haben in einer rücksichtslos eigensüchtigen Personalpolitik, die im Lause der letzten acht Jahre manch seltsame Blüte gezeitigt hat. Der Kampf gegen politisch Andersdenkende in Staatsämtern ieder Art, Unduldsamkeit und Gesinnungs- .schnüfselei haben in kaum einem anderen deutschen ''Land so lebhaften Widerspruch ^rvorgerusen, als gerade in Hessen. Aber so unerträglich auch diese Dinge von einem großen Teile des hessischen Volkes empfunden wurden, so spielen sic doch bei der im Frühsommcr dieses Jahres mit dem Volksbegehren eingeleiteten großen Aktion der im Wirtschafts, und Ordnungsblock zufammengeschlofsenen Oppositions- Parteien nur eine untergeordnete Rolle. Dagegen haben die entscheidenden Fragen der Wirtschaftsund Finanzpolitik, namentlich das Problem der Deckung des Defizits im hessischen Staatshaushalt und der Verteilung der Steuerlasten dem nun hinter uns liegenden Wahlkampf in erster Linie den Stempel aufgedrückt. Von beiden Seiten, sowohl von den Führern der Opposition, wie von dem in erster Linie angegrifsensn Finanzminister ist hier in den letzten Wochen in eingehendster Weise zu diesen Fragen Stellung genommen, so daß es sich heute erübrigt, nochmal- auf Einzelheiten 'zuriickzukommen. Nur soviel sei zusammenjosiend gesagt, daß die morgige Abstimmung entscheiden wird, ob der Weg für eine bürgerliche Regierung freigemacht werden soll, die den festen Willen hat. mittels einer großzügigen Derwaltungsresorm an Haupt und Gliedern ein vielleicht im einzelnen rigoroses, aber im ganzen dringend notwendiges Sparpro- ?r a m m durchzuführen, um den auf der gesamten efsifchen Wirlschast lastenden, unerträglichen Steuerdruck zu milbern. Es wird auch von den Parteien des Wirtschaftsund Ordnungsblocks, der Deutschnationalen Volkspartei, der Deutschen Dolkspartei und dem Bauernbund, unumwunden anerkannt, daß die Besetzung Rheinhessens, der ehemals steuerlräf- tigsten Provinz des Landes, zu dem Defizit im Staatshaushalt ein gut Teil beiträgt, und daß es daher Pflicht des Reiches ist, hier mit seinen Mitteln helfend beizuspringen, soweit eben der Fehlbetrag in dieser Besetzung begründet ist. Es muß auch weiter zugegeben werden, daß der auf der Erz- / bergerschcn Steuerreform ruhende, immer noch zu Recht bestehende Finanzausgleich, also die Verteilung der Steuern zwischen Reich, Ländern und Gemeinden, den Ländern und Gemeinden zwar immer neue Lasten, namentlich in sozialpolitischer Hinsicht, auigebürdet hat, sie aber auf der Einnahmenseite zu Kostgängern des Reiches heraddruckte. Auch in diesem Punkt wird es Sache einer jeden hessischen Regierung sein, mag sie heißen, wie sie will, auf eine Reform des Finanzausgleichs hinzuarbeiten, auf Stärkung des Verantwortlichkeitsgefühls in Ländern und Gemeinden und Dämpfung der Ausgabefreudigkeit in den einzelstaatlichen Parlamenten und kommunalen Volksvertretungen. In diesen beiden Punkten besteht also Einigkeit. Die Meinungen gehen indessen weit auseinander in der Kardinalfrage, ob der verantwortliche Finanzminister Hessens überall dort gespart und mit Öen Ausgaben zurückgehalten hat, wo dies möglich war, ob er ein umfassendes Sparprogramm oor- hegen batte, und ob er willens war, dieses mit aller Energie burchzusühren, um eine Senkung der 'steuern ermöglichen zu können. Die Parteien der Rechten verneinen dies in allen Pulten. Der Herr Finanzminister verkündet nun zwar, er habe ein Programm, es liege dem Kabinett vor, er habe jedoch feine Veranlassung, darüber zu diesem Zeit- 1 punkt etwas verlautbaren zu lasten. Man wird I leinen Anlaß haben, dies in Zweifel zu ziehen, wird 1 jedoch feftfteUen müssen, daß heute das Ergebnis einer achtjährigen Negierungstätigkeit des Koalitionskabinetts der Kritik des Volkes untersteht, daß heule darüber abgestimmt werden soll, was von dieser Regierung geschehen ist zur Abwendung eines finanziellen Zusammenbruchs, zur Linderung einer immer drückenderen Wirtschaftsnot, nicht aber über das, was geschehen soll, heute jedoch noch im Schoße der Regierung verborgen ruht. Es steht zur Entscheidung, ob bas hessische Volk der Meinung ist, daß die gegenwärtige Regierung der Weimarer Koalition in Öen verflossenen acht Jahren das ihr anoertraute Gut wie ein rechter Hausvater verwaltet hat, daß sie aus der gegebenen Lage das Beste gemacht und in unparteiischer und uneigennützigster Weise für Land und Volk bas denkbar Möglichste hcrausgeholt hat, — ober ob bas hessische Volk der Meinung ist, daß man bei größerer Vorsicht in der Uebernahme neuer Aufgaben und größerer Rücksichtnahme auf die finanziellen Folgen in den Staatsausgaben wesentlich hätte sparen können, bajj man bei einer rechtzeitig begonnenen und ohne Rücksicht auf die eigenen Parteiinteressen mit aller Energie durchgeführten Derwaltungsreform den Weg zu erheblichen Einsparungen hätte beschreiten können, baß schließlich eine Regierung, bie biesen ernsten Sparwillen burch Taten bewiesen hätte unb bie schon mit gewissen Erfolgen ihrer Sparpolitik hätte aufwarten können, in ben Verhandlungen mit dem Reich über eine Reichshilfe für Hessen eine weit stärkere Position eingenommen hätte, als ein Kabinett, besten Krebitgesuch vom Reichsfinanzministerium mit ber Entsendung einer Prüfungskommission beantwortet wurde. Darum geht ber Volksentscyeid. Denn nur auf bem Wege über Die Auflösung dieses Landtags und über die Ausschreibung von Neu- wählen kann das Ziel einer Beseitigung der gegenwärtigen Mehrheitsverhältnisse und damit der Sturz dieser Regierung erreicht werden, nur die 2lb* lehnung der Landtagsauslösung läßt die Weimarer Koalition auch weiter am'Ruder. Darum ist bei diesem Volksentscheid >ede Stimme von Bedeutung Stehe keiner beiseite, dem es ernst ist mit feinen Pflichten als hessischer Staatsbürger, 6er sich mitverantwortlich fühlt für die Geschicke seines in der Not doppelt liebenswerten hessischen Heimatlandes. Strefemann auf dem Wege nach Gens Die Kontrollfrage auf der Tagung des Dölkerbundsrats. Am Frettagabend Hal der Reichsaußen- minifter Dr. Strefemann an der Spitze der deutschen Delegation die Fahrt nach Genf angelreten. Gewiß nicht leichten Hrrzens: auch er weiß, daß die Hoffnungen, die an seine in Locarno einMleitrte Pol.tik geknüpft worden sind, sich nur zum klein st en Teil erfüllt haben. De tschland Hal es an gutem Willen nicht fehlen lassen. Schließlich dürfen wir sagen, daß die Zugeständnisse, bie to.r in Locarno politisch und moralisch machten, nicht gering war.n. Von all den Dorbeding ngen und Dorausse Zungen aber, von denen man damals sprach, ist so gut wie nichts durchgesetzt worden. Die Lage der Deutschen im besetzten G.'biet hat sich nicht verbessert, im Gegenteil, eher noch verschlechtert, die De- sahungstruppen sind kaum verwind-rt worden, und auch um die Militärkontrolle führten wir bisher einen scharfen Kamps. Der muß nun allerdings jetzt in Gens entschieden werden: denn darüber besteh: wohl kein Streit, daß eine Politik der Vertröstungen, wie sie seit anderthalb Zähren uns gegenüber geführt worden ist, nicht mehr fortgesetzt werden form. Wenn die Mächte des Dolschafterrates sich nicht zu dem Zugeständnis bequemen, daß sie an einem heute bereits festzulegenden Termin ihre Kontrollkommission zurückrufe n, dann ist auch für den optimistischsten Deutschen der Deweis erbracht, daß eben mit dieser Politik wenigstens heute noch nichts zu erreichen ist. Wir wissen doch schließlich — und jenseits unserer Grenzen weih man das genau so gut — daß die kleinlichen Anstände, die bisher noch an unserer Abrüstung gemacht wurden, im Vergleich zu den riesenhaften Anstrengungen, wie sie Deutschland nach dem Friedensschluß gemacht hat, gar leine Rolle spielen. Was will es gegenüber den Tausenden und Zehntausenden von ab» gewisser en oder zerstörten Geschützen, Maschinengewehren und Gewehren be'eu'en, ob die De'chs- wehr wirklich das Recht hat, gegen Pappfiguren sich auf den modernen Abwehrlampf einzustellen? Was will es besagen, ob tatsächlich heute noch einige ehemalige Kasernen im Reichsbesitz sind, die das Reich nur mit großem Verlust losschlagen oder abbrechen kann? Solche Kinkerlitzchen lassen sich immer von neuem entdecken, auf diese Methode kann die Kontrollkommission noch jahrelang ihr Leben fristen. Es nmß also jetzt endlich einmal Klarheit geschaffen werden. Unb wenn wir recht unterrichtet sind, hat sich das Reichskabinett bei dem Vortrag des Außenministers auch dahin entschieden, daß wir eine weitere Hinauszögerungspolitik nicht mitmachen. Geht die Genfer Taming aus ohne den endgültigen Abbau der Militärkontrolle, dann kann daraus für Deutschland nur die eine Folgerung gezogen werden, daß wir uns den ehemaligen Ententestaaten gegenüber anders einzustellen haben und mit anderen diplomatischen Mitteln das gleich- bleibende Ziel einer Befriedung Europas zu erreichen suchen müssen. Kein Mensch in der Welt wird zu behaupten imstande sein, daß die Schuld für eine solche Entwicklung auf deutscher Seite liegt. Die Vorbesprechung in Paris. Chamberlain bei Briand. Paris, 3. Dez. (1BI3.) Außenminister Briand hak heute zu Ehren Sir Austen Chamberlains ein Frühstück gegeben, an dem auch der englische Botschafter, Lord Crewe, sowie Ministerpräsident p o l n c a r e und Anterrichtsminister ' H c r r i o t teilnahmen. Sofort nach Beendigung des Frühstücks haben sich Poincare und Briand mit ' Chamberlain über laufende Fragen unterhalten. Vom Quai d'Orsay wird über die Zusammenkunft folgendes offizielles Kommunique ausgegeben: Die Unterhaltung Chamberlains mit poincars trug einen herzlichen Charakter. Die Unterredung zwischen den beiden Außenministern, die sich unmittelbar hieran anschloß, berührte die verschiedenen Probleme der auswärtigen Politik, vor allem aber diejenigen Fragen, die aus der Tagesordnung der Genfer Ratssitzung stehen. Die beiden Außenminister stellten die Uebereinffimmung ihrer Anschauungen fest und beschlossen, in Gens ihre Unterhaltungen über andere Detailfraqen fortrufe h en , für deren Behandlung die Zeitspanne der ersten Unterredung nicht ausreichie. In Pariser politischen Kreisen trägt man hinsichtlich der Unterredung Driands mit Chamberlain nach wie vor großen Optimismus zur Schau, und man erwartet mit Sicherheit eine Einigung der englischen und französischen Aus- faff ungen über die sog. deutschen Fragen. Man ist in Paris bemüht, das diplomatische Kulissenspiel als eine Verstärkung der französisch- englischen Entente zu bewerten, dank welcher man Deutschland die Regelung der Kontrollfrage diktieren könnte. Man will sogar in der Umgebung Driands wissen, daß zwischen dem französischen und englischen Außenmin.ster nur noch unbedeutendeCinzelfragen zu erörtern sind, um die ileberjjiftimmung vollständig zu machen. Andererseits läßt sich aber eine gewisse Nervosität nicht verkenn.n, die sich teilwe.se nach der Ankunft Chamberlains in Paris breit macht. Richt anders können die Zweifel gedeutet werden, die gerade auch die nationalistische Presse in die Berechtigung des französischen Standpunktes in der Kontrollfrage setzt. Man kann deshalb auch nicht die Auffassung der „ßiberld" übersehen, daß der Güst und noch mehr die Logik von Locarw die Aufhebung der Militärkontrolle und der Rhein- landbesehung fordert. Diese politischen Argumente werden noch durch das juristische Argument auf den Versailler Vertrag gestützt, nach dem die Besetzung aufzuhören habe, toemi Deutschland den hauptsächlichsten Bedingungen genügt habe. Das Blatt glaubt deshalb, daß Strefemann eine st arke Position habe und für den deutschen Standpunkt sowohl das juristische w e das politische Argument ins Feld führen könnte. Die brttisch-französifche Entente. Pressecrnpfang bei den Außenministern. Paris, 3. Dez (Sil.) Im Laufe des Rach- rnittags empfing der französische Außenminister Drkand die Presse; nachdem er ihr dos offizielle Kommunique mitgeteilt hatte, erklärte er, daß im Lause feiner Unterhaltung mit Chamberlain die Frage einer Viermächtekonferenz nicht angeschnitten worden sei. doch sei er nicht sicher, ob dies nicht bald geschehen würde. Die Ausübung der Militärkontrolle durch den Völkerbund werde vermutlich in Gens geregelt werden, obgleich sie nicht auf der Tagesordnung des Rates stände. Ihre Lösung hänge von dem Bericht der Dotschasterkonferenz ab. Weiterhin werde von den Sachverständigen im Hinblick auf die Investigation durch den Völkerbund eine älebereinkunft' zwischen Deutschland und den Alliierten vorbereitet, in der die Frage geregelt werden soll, ob Deutschland seine Abrüstungsverpflichtungen laut Versailler Vertrag vollkommen erfüllt hätte. Auch Chamberlain empfing heute abend die englischen und französischen Journalisten. Chamberlain erinnerte daran, daß er, als er Berlin, 3. Dez. (VDZ.) Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung des Gesetzes gegen Schund- und Schmuhschriften. Der Schriftführer verliest hierauf den K o in» promih-Antrag, wonach das Reich im Einvernehmen mit den Landesregierungen verschiedene Reichsprüfstellen einrichten soll. Dieser Kompromiß-Antrag ist von allen bürgerlichen Parteien mit Ausnahme der Demokraten unterzeichnet. Abg. Dr. Rosenberg (Komm.) beantragte nunmehr, den Reichskanzler Dr. Marx herbeizuholen. Seine Anwesenheit sei notwend.g, zumal sich jetzt eine ganz neue Regierungskoalition gebildet habe. Dieser Antrag wird abgelehnt. 3n der Aussprache bezeichnet es Dr. Breitscheid (Soz.) als einen ungewöhnlichen und der Würde des Parlamentes abträglichen Vorgang, daß hier über Anträge debattiert werden solle, die noch nicht einmal im Wortlaut Vorlagen. „Wenn die Demokraten ihre ablehnende Haltung beibehalten, dann haben wir einen Zustand. daß Minister Dr. Külz, ein Mitglied der demokratischen Partei, ein von dieser Partei abgelehntes Gesetz durchbringt gestützt auf die Parteien von rechts, die zu ihm und seiner Regierung in schärfster Opposition gestanden haben. Durch die Vorgänge der letzten Tage ist diese Vorlage zu einer eminent parteipolitischen Angelegenheit geworden. Ein Teil der Regierungsmitglieder hat den Anichluh nach rechts gesucht und gefunden unter einem demo'rat scheu Innenminister. Das wird natürlich seine politischen Kou- sequcn.en haben." Das vorliegende Gesetz sei nicht geeignet, die Jugend vor Schmutz und Schund zu bewahren. Es sei das Produkt leichtfertiger Gesetzesmacherei. Wenn man, wie Minister Külz, vom Standpunkt des „Rormalmcnfchen" ausgeht, dann kann man das letzte Mal in Paris war, Locarno als den Ausgangspunkt aus dem Wege öeS Friedens bezeichnet habe. Man dürfe aber nicht z u rasche Ergebnisse erwarten. Er fei noch immer derselben Ansicht, daß man auf dem ein» geschlagenen Wege weiterschreiten müsse, iln- Derfennbar mache sich eine Entspannung geltend. Gr habe ben Eindruck, daß nach den heutigen Besprechungen und nach den Berliner Meldungen man zu einer Verständigung kommen werde. Die Grundlage dieses Verständigung bilde die französisch-englische Zusammenarbeit. Um eine Entspamuing in Europa zu erreichen, müßte zu den Beratungen die italienische Regierung h'nzugezogen werden. Eine Konferenz der vier Mächte erscheine ihm daher zweckmäßig Heber die deutsche Abrüstung gingen wohl in verschiedenen Puntteu die Meinungen zwischen Frankreich und England auseinander, die beiden Regierungen würden sich aber sicher einigen. Eine baldige Räumung heS Rheinlandes und baldigen ilebergang der Militärkontrolle in Deutschland an den Völkerbund bezeichnete er als die erste Rotwendigkeit auf dem Wege gut Verständigung. Italiens Politik in Genf. Tentsch-italicnischeKolonialverständignnq? Rom, 4. De;. (IU.) Die italienische Presse behauptet, daß ein Zusammentreffen Mussolinis mit Chamberlain und Strefemann bereits feffgelegt fei und wahrscheinlich am Lago Maggiore ffattfinben werde. Da eine Dreimächiekonseren; in Paris falsch gedeutet werden könnte, glaubt mau, daß Chamberlain in Genf eine Viermächte- konferen; anregen wird. Für die Genfer Bölfer- bunbsberatunqen wird eine gewisse b e u t f dj - i t a - lienische Annäherung vorausgesetzt, da Mussolini in der Frage der Militärkontrolle (fham- bcrlains Standpunkt einnähme. Vach italienisch c Ansicht sei cs jetzt endlich an der Zeit, daß die M-li- lärkontrolle an den Völkerbund übernehm müsse, weitgehende polnische Forderungen dürften Co um mehr bei Italien Unterstützung finden. Deutschlands siolonialwünsche werde Italien ebenfalls Verständnis entgegenbringen, vorausgesetzt, daß gleichzeitig Italiens wünsche vom Völkerbund berücksichtigt werden. Bemerkenswert ist die Fcststelluna des ..Icoere“, daß eine deutsche Kolonie als italienisches Mandat nicht in Frage komme, da andere Territorien für die Ansiedlung von italienischen Kleinbürgern und Kleinbauern geeigneter seien. Wilhelm Buschs „Max und Moritz", Schillers „Räuber", ja sogar das Alte Testament verbieten. Wenn die Prüfstellen im Einvernehmen mit den Ländern eingerichtet werden, bann kann für ganz Deutschland der Standpunkt der bayrischen Regierung maßgebend sein, die sogar „Rathan den Weisen" verbieten will. Rach seinem Verhalten in der Potemkin-Airgelegcnheit haben wir zu Minister Külz nicht das Vertrauen, daß er fich unberechttgten bayrischen Forderungen widersetzen würde. Wir warnen vor diesem Gesetz und vor seinen politischen Folgen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen bei den Sozialdemokraten.) Von den Kommunisten ist folgender Miß - trauensantrag eingegangen: „Ter Reichsinnenminister Tr. Külz besitzt nicht das Vertrauen des Reichstags." Abg. Frau Bäumer (Dem.) erklärt: Ls ist nicht zu leugnen, daß die Verbreitung guter Iugendschriften stark gehemmt wird durch das Masfenangebot von Schundliteratur durch Kapitalisten der schmutzigsten Art. Durch bie Annahme des vorliegenden Gesetzes wird diesen Kapitalisten ihr schmutziges Gewerbe erschwert. Bei der jetzigen Gliederung der Prüfstellen liegt die Gefahr vor, daß das Gesetz zu rein kulturkämpferischen Zwecken und zur äln- teebrüdung ber Meinungsfreiheit mißbraucht ®irb._ Das Mißtrauen gegen das Gesetz wird verstärkt, wenn es angenommen wirb mit einer Mehrheit von ganz bestimmter kulturpolitischer Tendenz. x>n der Einzelberatung wird nach Ablehnung aller Aenderungsan träge § 1 in namentlicher Abstimmung mit 249 gegen 158 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Dagegen haben die Sozialdemokraten, bie Kommunisten und die meisten Demokraten gestimmt. Die § 2 und 3, die In der zweiten Beratung abgelehnt worden sind, will der kompromihantrag der Annahme des Zchundliteratnrgesetzes. Spaltung der Koalition. - Stimmenthaltung der Demokraten. bürgerliche» Parteien mit Ausnahme brr Derno- f'-ifen in her Jorm wiederherstellen. bah >ie Prüf ft eilen vom Reichsminister des Innern im Einvernehmen milden Landesregierungen errichtet werden. 3')re Entscheidungen fallen für bas ganze Reich Gültig- teil haben. Zur Entscheidung über Einsprüche und Reschwerben soll eine Oberprüfskelle in Leipzig gebildet werden. Die Prüfstelle besteht aus einem beamteten Vorsitzenden und acht Sachverständigen aus den Kreisen der Kunst, der Literatur, des Buch- und Kunsthandels, der Iugmdwohliahrt und 3ugcnb= Organisationen, der Lehrerschaft und der Volks- bildungsorganisationen. Dec Rrichsinnenmin.ister soll nach bem Antrag bei Ernennung der Sachverstand gen die Vertreter brr K.rche berücksichtigen. 21 ur bei ÜIrbereinstimmung von mindestens sechs Mitgliedern darf eine Schrift auf dis Gifte gesetzt werden. Dir Ober- Prüfstelle gehören außer dem Vorsitzenden und den Sachverständigen noch sechs vom Reichsrat gewählle Beisitzer an. § 2 wird in namentlicher Abstimmung mit 237 gegen 146 sozialdemokratische und kommunistische Stimmen bei 23 StimmenentHaltungen der Demokraten in der Fassung des Kompromiß» antrags angenommen. Auch § 3 wird bann m der Kornpromihfassung angenommen. Unter ^sb'ehnung sozialdemokratischer und komrnunisti» ,^,-ex Anträge werden auch die §§ 4, 5, 6 und 7 'angenommen. Vor der Schlußabstimmung gibt Abg. Dr. David (Eoz.) eine Erk ärung der sozialdemo- tratischeu Fraktion ab, in der es heißt: Dor aller Welt wollen wir in diesem letzten Augenblick noch einmal laut und deutlich feststellen, daß dieses Gesetz in seiner jetzigen Form eine ständige Bedrohung von Literatur und Kunst ist. Eine Mehrheit für dieses Tefetz kann nur zustande kommen, wenn die Vertreter des allen Kulturliberalismus, der seiner Zeit mitgeholfen hat, die Vorgängerin dieses Gesetzes. die lex Heinze. zu Fall' zu bringen, ihre liberale Tradition Preisgeben. Würde das Gesetz scheitern, so wäre nichts verloren. Der gefährdeten Jugend könnte auf andere und wirksamere Weise geholfen werden. Wird das Gesetz aber angenommen, so bedeutet der heutige Tag einen schwarzen Tag für die deutsche Kultur. Abg. Schreck (Soz.) verlangt nunmehr Aussetzung der Schluhabstimmung, bis die Beschlüsse der dritten Lesung, die von denen der zweiten Lesung abweichen, gedruckt vorliegen. Dieses Verlangen auf Grund des Paragraphen 46 der Geschäftsordnung wird durch Sozialdemokraten und Kommunisten genügend unterstützt. Präsident Loebe stellt dir Schlußabstim- uning zurück, macht aber darauf aufmerksam, daß er Druck und Verteilung sofort veranlassen werde. Wenn sich auch keine Stunde angeben lasse, so würde doch der Abstimmung in dem Augenblick nichts mehr im Wege stehen, wo die Drucksache ferriggestettt sei. Inzwischen ruft der Präsident den nächsten Punkt der Tagesordnung auf: Gesetzentwurf zur Aenderung der Verordnung über Erwerbslosenfürsorge. Reichsarbeitsmini st er Dr. Brauns begründet die Regierungsvorlage. Mit der Verlesung dieses Entwurfes löse ich das Versprechen vom 9. November ein Das Gesetz soll klarstellen, daß Bezüge ans der Wochenfürsorge nicht auf die Erwerbslosen sürsorge angerechnet werden können: ferner gibt es die gesetzliche Grundlage für bte Neuordnung der Bedürftigkeitsprüfung. Auße/dem bringt der Entwurf die Erhaltung der Anwartschaft für die Sozialversicherten bei langer Erwerbslosigkeit. Abg. Brey (0.): Die Sozialdemokraten würden heute ihre weitergehendra Forderungen zu- ruckstellen, aber sie würden weiter für diese Forderungen kämpfen. Die Ausführungsbestimmna- gen zur Krisenfürsorge sind geeignet, den geringen Rest von Vertrauen, den die Erwerbslosen noch zum Arbeitsminister haben, zum Teufel geben zu lassen. Die Maßnahmen für die Erwerbslosen können noch nicht abgeschlossen fein. , Wir stimmen dem Entwurf zu. Rach Ablehnung der kommunistischen Anträge wird die Vorlage in erster, zweiter und darauf in dritter Beratung angenommen. Inzwischen sind die Drucksachen zum Gesetz gegen Schmutz und Schund verteilt worden und es wird nun die namentliche Schlußabstimmung vorgenommen. Sie ergibt die Annahme der Vorlage mit 250 gegen 158 Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten und eines Tells der Demokraten bei drei Stimmenthaltungen. Das Haus vertagt sich aus Donnerstag, den 9. Dezember. Die Abstimmung über das M.ß- trauensvotum gegen Dr. Külz soll am 10. Dezember erfolgen Die politischen Folgen der Abstimmung. Das Echo her Berliner Presse. Berlin, 4. Dez. (Wolff.) Die Mehcheits- verhällnisse bei der gestrigen Adstunmung im Reichstage über das Gesetz zum Schutze gegen Schmutz und Schund geben den Blättern Veranlassung, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob die Abstimmung als Symptom zu wer- t e n sei und auf die weitere Oeftaltung der Mehrheitsverbältnisse und damit auf die K o a- litionSbildung einen Einfluß ausüben tonnle. 3m deutlchnationalen «Lok. - An z." beißt eS: Es hat sich wieder herausgestellt, daß eine praktische Zusammenarbeit der Mitte mit der Rechten durchaus möglich ist. — Die „Sägt Rundschau" sagt: Die letzten Tage haben gezeigt, daß auf dem Gebiete der Kultur,ragen eine Verständigung mit der Linken so gut wie ausgeschlossen ist. Es ist jedoch ganz falsch, wenn die demokratische und die sozialdemokratische Presse er» klären, daß der Bürgerolock bei den Verhandlungen angestrebt worden sei. — Die „Germania" nennt die gestrige Ab- ffLminung eine Episode und betont, daß öa- ■ von die Koalition als solche nicht berührt werde. • Was hie Abstimmung neu gezeigt hat, ist die Rotwendigkeit, eine Regierung auf fester B asiS zu bi den. — Das Berliner Tageblatt schreibt, daß bas Gesetz auf den schon sichtbaren Weg zur großen Koalition einen schweren Stein gewälzt habe. — Aehnlich äußert sich der Vorwärts: In dieser Zeit, in der die „stille große Koalltion" eine beliebte Redensart der bürgerlichen Presse ist, ist eine Kluft aufgerissen worden, die die Sozial» Demofralie von der M.tte trennt und Die .lu.tcn durch die demokratische Partei hindurchgeht. Der gestrige Tag hat die sozialdemokratische Partei als Opposition gegen den Rechtsblock in glänzender Stellung gezeigt. 6iit neuer Reichsbahnlouflitt zwischen dem Reich und Preußen. Berlin, 3. 'Dez. Raubach"“D En»ro»: E. Huth. r,udwtzstr. 42. (9992td ■ Q An der Spitze siehe" KriiäerolÄ mit demanliieptiach wirkenden ZuSSil, (Kirchenplatz): »Der Setfabetz". — 2lstoria-Dchr- spiele: »Der stumme Ankläger'. — Lageskalender für Sonntag. LtaLU-eater: 7 Ufcr »tinb Pippa tanet“. ®nbe 93/4 Uhr. — Deutsche DvlkSPartLi: 8-’j Ü&r. Hotel »Hindenburg". — Dnttschnationale Dolks- parlei: 8'/, Uhr. Hotel .Biftoria“. — 6.Q3.O.®.: 9 LLhr. »Hessischer Hof". 2ahr:Shauptreriamm- lung. — Männer-Turn vrr:in: 3 Ufcv. Spor:Platz Schiffenbergrr Weg. Handballwettsplel gegen Turn- und Lporloerei.^ 186) Mröurg. S »Hotel Köhler", Jamilienabend. — Lichtspirl- Häuser wie Samstag. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Lus DU Ausführung von Ger hart Hauptmanns hochinteressanten und eigenartigen Glashü:!-'ninärchen „U n b Pippa tanzt" am morgigen Sonntag sei auch an dieser Stelle besonders hingewiesen. — An Neueinstudierungen stehen für die nächste Leit folgende Werke in Borbereitung: „ii e 0 n i e", Lustspiel von Leo Lenz, noch Scribes ..Feen Hände". „I 0 h a n n l o fe u e r" von 6u- bermann, ,.Juarez und Maximilian", dra- matische H.störte von Franz Werkel. „Die fünf Hamide V". Schwank von Julius Pohi. u • dith". Tragödie von Friedrich Hebbel. „Frau Holl e". ein Märchenspiel für groß und klein für die Weihnachtszeit sowie die Operetten „Der liebe Augustin" von Leo Fall und „Boccaccio" von 6upp£. — „Die Biochemie — eine giftfreie V) e i I» e I f e". Man schreibt uns: „lieber dieses Thema wird heute. Samstag, abend» 8 Uhr. im großen Saale fce^ früheren Hotel Großherzog der berufenftc Vertreter der Biochemie, Ur. med. L Schmidt aus Köln, sprechen-, sein Bortrog wird durch Lichtbilder wirk» sam unterstützt werden. „Was ist Biochemie?" wer- den viele fragen; urteilslose Menschen ober der Biochemie nicht freundlich Gesinnte werden mit geschmacklosen Redensarten diese Frage kurz abtun ober der Beantwortung au» dem. Wege gehen. Der objettio denkende und gebildete Mensch fordert Auf- flarung! Handelt es sich doch um eine Heilweise, die das ganze Bolk außerordentlich interessiert und auf wissenschaftlicher Grundlage sich stützende Klarheit verlangt. Dr. med. Schmidt wird durch seinen Bortrag vollständig hierüber ausklären. — Der Kath. Deutsche Frauenbund vevanstaltet auf der Ömpore ün Katholischen BeretnshauS am Sonntag, 5. Dezember, von 11 Uhr vormittags an, eine Duchausstellung. Gerade jeht. wo die Frage durch das Gesetz gegen Schmutz- und Schundliteratur besonders aktuell ist, ist Gelegenheit geboten, sich das gute Buch ohne Kaufzwang anzufehrn, oder es zu erwerben. Es sind Bücher für jedes Alter zu haben, angefangen von den Bilderbüchern für unsere Kleinsten, und Iugendschriften bis zu den guten Büchern und Fllustrationen für Erwachsene. Eintritt frei. (Siehe Anzeige.) — Herein für das Deutschtum im Ausland. Nächsten Freitag abend spricht Eduard Redelsberger, ein Elsässer und ehemaliger Ober beamtet bei der französischen Abteilung der interalliierten Aheinlandkominis- fion, im großen Hörsaal der Universität über .. Frankreich, der Rhein, da« Elsaß". Aäheres in der heutigen Anzeige. ** Die Abstimmungsergebnisse des Volksentscheids werden wir morgen Sonntag, nachmutag von 6 Uhr an durch AuShairg an den Fenstern unserer Grscha'isstellr 5etafmt- leben. Da daS ZLHlgeschäst dieser Abstimmung ehr einfach ist. dürften die abschließenden Ae- ultale noch im Lause des Abends zu erreichen ein. "Fernsprechverkehr Gießen — London. Dom Telegraphenanu wird uns mitgeteilt: Die Teilnehmer des OrtsfernsprechnetzeS Gießen sind nunmehr zum Fern'r recht erkehr mit Lon- d 0 n zügel f en. Ein gewöhnliches Dreiminutengespräch zwischen Gießen und London kostet H.20 Mart. Die Leitung der Gespräche erfolgt über Ä?ln direkt nach London. " Die Gießener Kunstsammlung mit der Dr. Hans Bock- Gebüchmisstiftung im Reuen Schloß, Eingang Senckenbergftrahe, ist auch in diesem Winter an jedem 1. Sonntag im Mona: von U bis 1 Uhr geöffnet. Morgen. Sonntag, bereits ist die Ausstellung von 11 bie 1 Uhr ju besichtigen. Ein. tritt frei. •' Eine Reparatur der Straßenbahn s ch i e n e n an der Ede Frankfurter Straße —Liebigstrahe wurde In der Aacht zum Freitag in angestrengter Arbeit voraenommen und soweit vorangebracht, daß sie am Vorgen beendet war und der Betrieb der Elektrischen ohne Störung durchgeführt werden konnte. •’ Personalien. Ernannt wurden die Fvrstre'erendare Ludwig Georgi zu Ermenrod und Willi Sauerbier zu Butzbach zu Forst» astessoren. — Auf fein Aach suchen wurde der Oustizinspektor beim Amtsgericht Gießen Karl Aau mit Wirkung vom 1. April 1927 in den Ruhestand versetzt. " Hinterbliebenenrente in der Angestelltenverficherung. Das De'etz vom 28. 3uli 1925 hat die Wartezeit für bk Hinterbliebenenrenten in der Angestelltenversicherung vorübergehend verkürzt. Ist der Antrag aus Hinterbliebenenrente nach dem 31. D zember 1922 wegen Nichterfüllung der bisher längeren Wartezeit rechtskräftig abgetoiefen worden, so ist auf Antrag von der AeichsversicherungS- anstalt zu prüfen, ob unter Berücksichtigung der verkürzten Wartezeit (60 Beitragsmonate auf Grund der Bersicherungspflicbt) nunmehr H.nter- bliebenenrentc zu gewähren ist. Der Antrag auf Aachprüsung kann nur b i S zum Schlüsse des Jahres 1 926 gestellt werden. Die Reichsversicherungsanstalt hat. soweit sie die seinerzeit abgelehnlen Anträge ermitteln konnte, die hiernach Berechtigten durch besonderes Schreiben auf die Aotwend gkeit hingewiesen, den neuen Antrag zu stellen. Da die Frist binnen kurzem abläuft, wird etwa noch vorhandenen Berechtigten empfohlen, unverzüglich den Antrag zu stellen. Aahere Auskunft hierüber erteilen der Ausschuß für Algestelltenversicherung beim Kre.samt-Bersicherungsamt- Darnlstadt. die üleb rwachungsbeamten und dir Vertrauensmänner der Angestelltenverficherung. ^Jagdliches aus dem Kreise Wetzlar. Der Bezirksausschuß zu Koblenz hat den Bth ?inn der Schonzeit für Birk-, Hasel- und Fasanen- ennen auf den 18. Januar 1927 festgesetzt, so daß der 17. Januar der letzte Jagdtag auf dieses Wild ist. ** I m Lichtspielhaus, Bah n Hof st r.. rollt zur Zeit der Film Kreuzzug des Weibes", der das in letzter Zeit vielumstrittene Problem des § 218 StGB, aufrollt. Der Film be- leuchtet knete wichtige soziale Frage an Sinne der mon verschiedenen poliüldjen Partelen und Verbänden geforberten llu'hebung dzw. einschränkenden Auslegung des Gesetzes. Bet dem Für und Wider der Ansichten mutz es dahingestellt bleiben, inwieweit durch Filmpropaganda gegen den § 218 die andere Meinung beeinflußt weroen kann, denn ohne erhebliche Schwierigkeiten laßt sich durch »inen Film auch der gegenseitige Standpunkt vertreten. Ohne auf diese grundsätzliche Streitfrage einzugehen, soll hier der Film lediglich vom künstlerischen Gesichtswinkel aus beurteilt werden. Und da ist zu sagen, daß das Werk recht wirkungsvoll inszeniert und ausgestattet ist. Line vorzügliche Leistung bietet Conrad Beidt in der Rolle des Staatsanwaltes, den Typ eines nüchternen, kalten Varagraphenmenschen — dem Zweck des Films entsprechend stark betont. In zwei weiteren Hauvtrollen zeichnen sich Mali) Dell' ch a f t und Werner Krauß aus, während Harry Liedtke nicht so gefallen kann, wie dies in einigen Lustspielen der Fall ist. Die Redenrollen sind gut besetzt, hier seien noch Fritz Alberti imb Gertrud Arnold lobend erwähnt. —3. ' D i e Maul- und Klauenseuche ist neuerdings amtlich festgestellt worden in Rödgen (Kreis Dießen). Dorheim, Ober.Florstadt. Ober-WkMtadt (Krct^ Friedberg), Dauernheirn Heuchelheim (Kreis Büdingen), Ober-Gorg (Kreis Alsfeld), AngerSbach. Landenhausen. UrllerS- hiusen. Wallenrod (Kreis Lauterbach), Edingen, Wißmar. Alm (Kreis Wetzlar.. Aiederwalgern, Kehna (Kreis Marburg). Erloschen ist die Seuche in Friedberg.Fauerbach. Ilbenstadt (Kreis Friedberg). Höchst a. d. Ql (Kreis Büdingen), Zell (Kreis Alsfeld). Raubüberfall im Kreise Büdingen. * Michelnau, 3. Dez. Am 29. Olooeniber vormittags gegen 10 Dhr. wurde auf den Landwirt öeum von hier, der in EichelS d0r f Pachtgelder erhoben hatte, auf dem Fußwege Sichelsdorf—Michelnau von einem ihm unbekannten Marme ein Aaubübersall auS- geführt. Seum erhielt einen Stockschlag über den Kopf, vermochte sich aber drs Angreifer- durch einen Fußtritt gegen Unterleib zu erwehren. Da der Fußweg nicht allen Einheimischen, noch viel weniger Fremden belannt ist, dürste der Täter nicht allzuweit zu suchen sein. Kirchliche Nachrichten. Evang«! fche Gemeinden. Sonntag, den 5. Dezember. 2. Advent. Gießen. Stadtktrche. 9',',: Psarrassist. Hertel 11: kinderlirche f. d. Matthäusgemeinde. Pfarrassist. Hertel. 5: Pfr. Decker. Beichte und heiliges Abend- mahl f. d. Martnsgemeinde - Zohannestirche 9'/,: Pfarrassiit. Schultheis 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrassist. Schultheis. 5: Pfr. Ausfeld. Beichte und heiliges Abendmahl f. d. Iohannesgm. - Kirchberg. 10: Pfarrer Hickel Darmstadt Aachmitt. 1'/,: Mainzlar Dienstag, 7. Dez. abends 8 ,: Lollar. Bibelstunde. Donnerstag, 9. Dez. abends 8'/,: Daubringen. Bibelstunde. — Lich. 9% Beichte — t0 Stiftspfarrer Schorlemmer, heil. Abendmahl (besonders f. d- Jugend). — */tl Kindergottesdienst — 2 StiftsdechantLenz. - (Der Dormittagsgottesdienst beginnt von jetzt an um 10). - Mittwoch 8 BweMunbe. — Diese«. 97,; 11: Kindertirche. 7",: Abendgottesdienst. Opfer für die armenischen Waisen. Donnerstag, den 9. Dezember. Frauenabend. Katholische Gemeinde». Gießen. SamStag. 4. Dez. 4' , u. 7 Beichte. Sonntag, 5. Dez. 2. Advents-Sonntag. 6', Beichte. 7 Mesie, Kom' der Manner, 8 Korn., 9 Hochamt mit Predigt, 11 Messe mit Predigt, 2*/, Andacht. 3', Kinder-Feicr deS Frauenbundes im DereinS- hause. — Grünberg. 91/, Meste mit Predigt. — Hungen. Abends 51AdvendSandacht. — Laubach. 10 Messe mit Predigt. — Sich 7', Messe mit Predigt. fW Bci ■ itrovanille Jn ADQthek ?,aur«tut. v.iuuüci. L461id Kopfschmerz Migrärve Neuralgie Zahnschmerz Gegei Hauh Wlnterkur für 4582ss Nervenkranke Q. Nervfls-Erschöpfte. Kpcaialkn ran »falt Hot heim L Taunus bei Frankfurt a M. Prospekte durch Dr. Ä. Scbalee- Kahleyee, Nervenarzt. Bahnhotstr. 65B Gießen Fernruf 1367 Filiale Lich, Bttlzl a.'her Straße 12. Gegründet 1876. Alleinvertretungen von Stcinway Lr Sons (bedeutendste Klaviermarke der Welt) Rud. Ibach Sohn Orotrian — Steinweg Schiedmayer & Soehne »»ssa W. Ritmüller & Sohn (Deutschlands älteste Pianofabrik) 6elcgcnhcHskaui Derselbe, tn besserer Qualität mit echtem L. XV.- 4 Absatz . . IV Braune Satin- Spangen hübscher Tanzschuh, L. XV.-Absati Dito, in Silber, Gold und farbig, franz. Absatz, < ^90 primaQualität 8 V Lack-Zugschuhe, hochmoderner Durdibrudh, KomfeB-Absatz. . - Brokat - Span - genschuhe schönes Dessin, Komteb-Absatz . 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Mitarbeiter Wir zahlen auch Nichtfacbleuten von vornherein featee Elnkomta schrlltl Bewerbung, in Lebens lauf und Referenzen erbittet die Subdirektion Frankfurt a. M. WestL Fürstenbergerstraße 318 Friedrich Wilhelm lebBBsrereiclieraagä - j klien psellsch? l Errichtet 181*6 ««। ZivkWueksieigkiü^ -Die Bewohner der Stadt Gießen wer- den darauf aufmerksam gemacht, daß mit Ausübung der Feusroisitatioi'.. die durch Verfügung vom 21. März 1904 dem Stadtbauamt übertragen wurde, der Iiadlbaukontrolleur e e b r t beauftragt ist. Derlei ist im Besitz einer Ausweis- (arte, die ihn berechtigt, Grundstücke und Gebäude im Bezirk der Stadt Gießen zur Born ahme der ^eucrfchau *u betreten/ Gießen, den 3 Dezember 1926. Der Oberbürgermeister. I. B.: Or.Hamm. Die Oberförsterei Jleuflabt Äreis Kirchhain. an der Main-Wefer-Bahn verkauft Für die Gemeinde Daubringen sind die Arbeiten nebst Lieferungen zur Erbauung einer Äanalijation sowie Straßenbau» arbeiten öffentlich zu vergeben 21naebote, für jede 2lrbeii getrennt, auf Dorge>d?riebenem Vordruck, der gegen Erstattung der Selbstkosten bei uns erhältlich •ft sind bis zum Montag, 13. Dezember &. X, vormittags 11 Uhr, bet dem Unter- Bremer Import,Haus für Lüdwetne. Num und Arrac hat für den hiesigen Besttk die unter H. 5654 an Wilh. cheHer. Ann.-Erv. Bremen, au senden. s».7.0 Strcbfamen Uttöfen Herren dieier sich •aeet net tüt abgeb. Scanne od fiaüfmann) lohnende Existenz durch 9(üeinDertrieb vor Neuheit atme Loetialkenninisie. «em TJaienoerfaut kein 1 erkauf an Brivate. Aeuuerst reell. Nötu-.e- «avtral- 3100 - RM. sofort Jnieresieutkn wollen Monraq, den 5 d. M' bet benn »>uch» „Hotel Hindenburg" von. 11 bis 3 Nbr vorsvrechen. 08427 Am Freitag, dem 10. 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DoBlfoiitlsctiefinfltleniiettaül der Deutschen Nolhilse durch das städtische Wohlfahrtsamt Gießen. Im ganzen Deutschen Reiche findet zur Linderung der in vielen Kreisen deutscher Volksgenossen herrschenden Not in der 3eit vom 1. Dezember 1926 bis 15. Februar 1927 — für Gießen voraussichtlich bis 20. April 1927 — ein Wohlfahrtsbrief- markenverkauf statt. Die postalische Gültigkeit der Marken erlischt am 30. Juni 1927. Es werden 5-Pf.-, 10-Pf.-, 25-Pf.- und 50-Pf.-Marken zum doppelten Preise und Heftchen mit je acht 5-Pf.- und sechs lO-Pf.-Marken zum Preise von 2 Reichsmark ausgegeben. Die Marken find im gesamten Jn° und Auslandverkehr an Stelle der gewöhnlichen Briefmarken gültig und außer an den Postschaltern auch beim städtischen Wohlfahrtsamt, Garten- strotze 2, Zimmer 7lr. S. erhältlich. Den Freimachungswert erhält vorweg die Deutsche Reichspost, und den Ueber- schuß mit 60 Prozent die Gießener Win- ternothilfe — aber nur dann, wenn die Marken beim Wohlfahrtsamt entnommen werden —, mit 10 Prozent der Landesausschuß und mit 30 Prozent der Reichsausgleichsstock. 10040C verwende also jeder und insbesondere für die weihnachls-, Neujahrs- und Oster- post nur die Wohlfahrtsbriesmarken, und kaufe er sie nur beim Wohlfahrtsamt, Gartenstrahe 2, Zimmer Nr. 8. Gießener Winternothilfe 1923. Dr. Frey, Beigeordneter, ________Vorsitzender.__ WliM M? WiSliMMM am 5. Dezember 1926. Die Stimmkartei, nach der die Zu- lasiung zur Abstimmung erfolgt, ich nach Straßen und Hausnummern, und zwar so wie die polizeilichen Meldungen lauten, geordnet. 10015B Hat ein Stimmberechtigter seine Wohnung gewechselt, aber noch keine polizeiliche Ummeldung veranlaßt, so kann er nur in dem für seine alte Wohnung zuständigen Abstimmungsbezirk in der Kartei stehen und folglich auch nur dort abstimmen. Gießen, den 4. Dezember 1926. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Seid. Vogelfänge. Aquarien, Goldfische. Eugen Scheel Miinöburg 17. l^.-. (Defen u. Herde einzig in Qualität und Preis. Jeder Lagerbes uch überzeugt. ÄlleGrö» hen u. Ausführung, stets greifbar. looinD August Lotz Etsenwaren Wieseck. | F urigeres, ehrliche. I sauberes 1WW für tagsüber gesucht. Näb Marktvl. 17, 100 53 D Laden. 2 mööi. 3immet NI. Küchenbenutzung für 1. Jan. 27 gesucht. Schristl. Angeb. unt. 99671) a d Giest Anz. Suche 1 bts 2 möM. Ziminkr 2 Betten nu Slüdicn- benuvungab 15 XII. oder 1. I. 27. Schr. Angeb. m Preisang. unter 08459 an den (V,ieh. Anz. erbeten. Mädchen ö. gut. Lohn gesucht. Frau Pfarrer Benriö) Müuzenberg. Ein in Küche und Haus durchaus erf., selbständiges Mädchen für 15. Dezbr. oder 1. Januar gesucht. Nur solche mit guten Zeugnissen mögen sich melden. [08481 Frau B. Kremer tSchuhhauS Süßi Weihnachts-Angebot! Zurückgesetzte Perserteppichc von 750.- an Wie Etflsen: 70.- 90.- 120.- 190.- 250.- usw. 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I. auf dem Bureau der Industrie- und Handels- kammer Gießen, Lonystraße 7, und das Wahlprotokoll für den Wahlbezirk Lich- hungen in derselben Zeit auf der Bürgermeisterei zu(Mich während der üblichen Amtsstunden zur Einsicht der Wahlberechtigten offenliegt. Einwendungen gegen die Wahlen oder die Gewählten sind innerhalb dieser drei Tage bei Vermeidung des Ausschlusses oder bei der unterzeichneten Industrie- und Handelskammer vorzubringen. Gießen, den 2. Dezember 1926. Industrie- und Handelskammer Gießen. Schirmer, Kommerzienrat. SWUVMgWUUM: Vögel aller 2lrt, Hochwertige Provenienzen können günstig nur direkt von den Tabakfeldern des Orients eingekauft werden. Die weitreichenden Beziehungen und großen Erfahrungen unserer den gesamten Orient umfassenden Mslille bis zu 40 qm Größe gesucht. Schriftliche An geb. unter 08401 an i)en Gieß. Anz. MI. Simmet mit oder ohne Pension zu vermieten. Schr. Ang. unt. 08173 an d. Gieß. Anz. erb. Ml. aimmet m. el. Licht z. vm. [«•« Licher Str. 163. 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Dezember (926 Der Thronfolgestrett in Rumänien. Bon Dr. Paul Rohrbach. Die Ichwere (Sclranfung des Könige von Rumänien tann über Rächt in den vaUanischen Legionen ein neues Moment polttisiyer «Äeiapt und Unruhe fchafien. König Ferdinand ist ein Sohn jenes Prüfen Leopold von Hohen- Kollern, bellen Wahl zum König von Spanien 1870 für die |rai»oiiiche Knegeertiätung an Deutschland den Vorwand bildete. Seine Wut- ter Antonia war eine portugiel ische Prinzessin. Die mütterliche iüdländ.scye Herkunft ver» leugnet sich auch nicht im Aeuhern des Könige. Da die Ehe seines Oheims, des Füriren und spaieren Könige Karl nut der Prtnzestm Elisabeth zu Wied (Lärmen Sylva) tinder- los war, so wurde er 1889 atS Thronfolger an den Hof nach Bukarest berufen. Am 11. Oltober 1914 starb König Karl. König Ferdinand steht also im zwölften Jahr (einer Aegierung, die Rumänien zwar eine Vergröberung um mehr als das Doppelte an Volkszahl und Umfang, aber keine Festigung seiner inneren Verhältnisse gebracht hat. Vekannt sind die irregulären gamilien- verhältnisse am rumänischen Hof. Der König ist vermählt mit Maria, einer englisch- koburgischen Prinzessin. Sie Hochzeit fanb im 3anuar 1893 im Schlosse in Sigmaringen statt. 3u Weihnachten wurde der Thronfolger Prinz Jtatl geboren, der zu Anfang dieses Jahres auf sein Thronrecht verzichtet hat. Dein Sohn, bet jetzige Kronprinz Michael, ist 1921 geboten, also ein Knabe von fünf Jahren, für den eine lange Regentschaft notwendig wäre. Lin eigentliches gami.ienleben hat am kronprinz- lichen und späteren königlichen Hose in Bukarest, wie allen 'Augenzeugen bekannt ist, nicht existiert. Beide Teile pflegten ihren besonderen Neigungen keine Beschränkung aufzuerlegen. Auch bet frühere Kronprinz hat in Bezug auf Liebesaffären bekanntlich schon eine Menge geleistet und fein Thronverzicht entsprang wesentlich dem Wunsch, sich in dieser Beziehung nicht einmal die notwendigsten äußeren Schranken aufzu- er legen. Politisch war der Ehrgeiz der Königin Maria, die vom AuSbruch des Weltkrieges an mit Leidenschaft auf der Seile der Alliierten stand und mü ihren Freunden auf jede Weife die Parteinahme Rumäniens betrieb, ein sehr (tarier Faktor, zumal feil dem Tode deS alten Königs Karl. Seinen großen Tag erlebte das Königspaar bet der Krönung mit der Krone von Groß- tumänien 1920 in der neu erbauten Kathedrale von Alba Julia, dem früheren Karlsburg in Siebenbürgen. Dieser Dau war gleichsam ein Vorzeichen unsicherer Zukunft und einer mehr auf Schein als auf Sein gestellten Gröhe. Die unverhältnismäßig kleine und eilig gebaute Kirche in buntem, byzantinisch-morgenländischem Stil ist in eine mächtige, prunkvoll wirkende, aber auch au« wenig solidem Material errichtete Hofanlage hineingestellt. die der Architekt hauptsächlich zu dem Zweck hat komponieren müssen, um die Pracht des Krönungszuges sich darin entfalten zu lasten. DaS Ganze ist nicht viel mehr, als eine eilig gebaute, dekorative Kulisse, die schon jetzt nach wenigen Jahren anfängt, Riffe des Verfalls zu zeigen. Die Lage in Rumänien ist von mehreren Seiten her bedroht — zunächst durch den S t r e 11 her Parteien. Die mächtigste Partei, obwohl augenblicklich nicht am Ruder, ist die liberale, die eigentliche Trägerin de« am besten al« „DalkaniSmuS" zu bezeichnenden Systems der Vernachlässigung aller Rechtsbegriffe und der Ausbeutung deS Staats für persönliche und private Vorteile. ES wäre zu viel gesagt, wenn man jeden politischen Machthaber in Rumänien al« im gewöhnlichen Sinne korrupt bezeichnen wollte. Man hält es aber bis in die höchsten Regionen hinaus für selbstverständlich, bah Gesetze und Derwaltungsmäßnahmen daraufhin zu- geschnitten werden, daß die Unternehmungen bestimmter Persönlichkeiten ihren Vorteil davon haben. Verhältnismäßig intakt ist der Richt erstand. namentlich der höhere und höchste. Der Karlchen. Der dezemberliche Vortragsabend des Gvethe- bundes brachte, ganz auf harmlose Heiterkeit gestellt, Karl Sitlinger au« München, aufs Podium, und „Karlchen" — von der „Jugend" her unter diesem populären Vornamen auch heute noch, wo er schon graue Haare hat, weiten Kreisen bekannt — bereitete einem großen und dankbar gestimmten Zuhörerkreise zwei vergnügte Stunden. Karlchen (in seiner Frankfurter Heimat würde man sagen: Kallche) begann mit einer sanften Satire in vier Bildern „Wenn der Frau Venus btt Hand aus rutscht", von den seltsamen Folgen berichtend, die aus einer dem Amorbuben in himmlischen Gefilden verabfolgten Ohrfeige unversehens erwachsen. Dann folgten in bunter Reihe Skizzen, Plaudereien, Satiren und Gedichte, die alle ohne Ausnahme einen ungetrübten Heiterkeitserfolg erzielten, obschon sie nicht alle gleichmäßig tresssicher in Wiy und Erfindung waren, auch nicht immer salonfähig, und obwohl vieles im Dortragstempv verschleppt und allzu geflissentlich auf die Kernstellen hin betont wurde. Aus dem sehr reichhaltigen Programm erinnern wir un« etwa einer drolligen Gerichtsszene nebst Vorgeschichte und Rachspiel, einer Bubikopf-Gro- teSke im Kaffeehaus, zweier Gedichte, die ein Nein wenig ernsthafter im Unterton gestimmt f waren: auch von den KarIchen-Auffätzen, die sich bereits einer gewissen Volkstümlichkeit rühmen können, bekamen wir zwei versetzt, die sich teil« mit dem Radioapparat, teils mit dem Lied von der Glocke beschäftigten, (welch letzteres bekanntlich von jeher eine beliebte Zielscheibe abgegeben hat, nach der zu schießen man nicht müde wurde. Aehnlichen Zuspruchs erfreut sich eigentlich nur noch der „Erlkönig", der auch auf franfiurterito eines gewissen Reizes nicht entbehrt, den wir aber leider vermissen mußten.) Daß im übrigen auch der Dialekt nicht zu kurz kam, versteht sich bei einem „alten Frankfurter" von selbst. Es bleibt also nur noch zu berußten, daß die gute Laune des Publikums bis zuletzt an- hielt, sich womöglich noch steigerte, und mit Richter wird auch nicht ganz so elend bezahlt wie die Derwaltungsbeamten. Ein Richter erster Instanz bekommt nach deutschem Gelde 100 Mark monatlich Gehalt: ein Landrat dagegen nur 60 Mark, und das mit Familie! Dabei versteht es sich von selbst, daß er, nach der rumänischen Redensart, im ersten Jahr eine neue Mobel- ausftattung im zweiten ein Automobil mit Chauffeur, im dritten eine elegante Villa besitzt. Die alte konservative Partei, aus die sich der König Karl und fein persönlicher Freund und Minister, her Freund Deutschlands. 'Peter Carp, gestützt haben, ist ziemlich bedeutungslos geworden. Dagegen ist eine kulturell dem Altrumänerttum überlegenes Element in den stebenbürgifchcn Rumänen vorhanden, die unter der ungarischen Verwaltung trotz der magyarischen Rationa .tätenpoli:ik — llnga.n a immerhin ein Rechtsstaat — größere Fortschritte gemacht haben als ihre GtammeSgenofken im sogenannten Regat, k^m Altreich. Dazu kommt die radikale Bauernpar- t e l Diese erhält ihre gegenwärtige und noch mehr ihre zukünftige Dedmitung dadurch, daß Preisausschreiben in der Freitags erscheinenden landwirtschaftlichen (Beilage des Gießener Anzeigers „Die Scholle" offen für alle selbsttätig in Landwirtschaft und Gartenbau wirkenden Bezieher unserer Zeitung. Bedingungen Das Preisausschreiben ist eingeteill in vier Gruppen von insgesamt dreizehn Aufgaben. Die Veröffentlichung je einer Gruppe erfolgt in vier fortlaufenden Dezembernummern der Scholle. - Die Gruppen sind wie folgt zusammengesetzt: Gruppe I..............Großviehzucht Gruppe II...........Feld- und Wiesenbau Gruppp III.............Kleintierzucht Gruppe IV..........Obst- und Gartenbau. Die Wertung der Lösungen wird von vier fachlich zuständigen Preisrichter- Ausschüffen durchgeführt. Die Bearbeitung von geeigneten Lösungen für die spätere Veröffentlichung in der Scholle erfolgt durch Sachverständige. Die Einsendung der Lösungen ist jewe ls binnen zwei Wochen nach Erscheinen der Aufgaben erforderlich und mit Kennwort versehen zu richten an die Schriftleitung der Scholle, Gießen, Schulstraße 7. mit der Aufschrift: „Preisaussch eiben". Genaue Anschrift mit dem Kennwort und letzte Bezugsquittung muffen in verschlossenem Briesum chlaq beigefügt sein. Die Teilnehmer erkennen die Entscheidung der Preisrichter-Ausschüsse als endgültig an. Preife Der Gesamtwert der Preise beläuft sich aus 500 Reichsmark Die Bemessung der Preishöhe für die einzelnen Lösungen steht den Preisrichtern zu. Vorgesehen sind folgende Preise: Gruppen I und II Kalkstickstoff ober schwefelsaures Ammoniak, Thomasmehl, Kalisalz; Gruppe 111 Eine Ziege oder Zentrifuge für Ziegenzüchter, ein Stamm Hühner, ein Paar Kaninchen; Gruppe IV Eine Obstpresse, Obstbäume, Beerensträucher notfalls entsprechender Geldeswert. Verpackung und Versand erfolgt von den Lieferern aus zu unseren Lasten. Verlag und Redaktion des Gießener Anzeigers. nach dem Kriege aus Furcht vor her bolschewistischen Propaganda eine große SanDre» form, eine teilweise Zerschlagung her ungeheuren Vojarengüter zugunsten des besitzlosen Bauerntums, stattgefunden Hal. Die Folge davon war zwar auf der einen öei.e ein c.mcn der rumänischen Getreideerzeugung bis zu caiem Grade, daß die Ausfuhr und die <-ahlungsbilan- deS Landes schwer geschädigt wurden, aber der Dauer ist, wenn auch noch lehr kulturlos, im ganzen doch aufsteigend. Man kann sagen, daß die mehr lonserra.iven und kultivierten Siemen le eine Rückgängigmachung des Thronverzichts deS Kronprinzen begrüßen würden, wozu na:ürlich die Wiederherstellung der Ehe mit seiner rechtmäßigen Gattin, einer Prinzessin von Griechenland, gehören würde. Aus der anderen Seite versprechen sich ehrgeizige Par eihäup ter und Geschä tspo.itiler die größeren Vorteile von einer Regentschaft, von der es allerdings zweifelhaft wäre, ob sie nicht das bloße Vorspiel einer Republik nach griechischem Muster sein würde. Zu diesen Schwierigkei.en kommt nach außen der Streit mit Sowjetrußland wegen der nur zur Hälfte von Rumänen, im übrigen von Likrainern und Russen bevölkerten Provinz Bessarabien, und außerdem die starke un* aarische Jrredenta. Bei der Grenzziehung für Groß-Rumänien wurde nicht nur a.ler von Rumänen besiedele Boden aus Ungarn herausgeschnitten, sondern es wurde auch noch tief in den ungarischen Dollskorper hine.ngegriNen. Dazu kommt die große magyari che Volksinsel der Szekler, die allein eine halbe Million zählen, mitten in Siebenbürgen. Aus diesen Verhältnissen heraus ist in rumänischen, aber auch in einigen ungarischen Köpfen sogar d.e Idee einer Personalunion zwischen Ungarn und Rumänien unter dem rumänischen Königshause entstanden. Besonders leidenschaftliche Feinde des Ru- märentumd sind die Bulgaren, denen durch den Friedensschluß mehrere hunderttausend Etam- mesgenossen in der Süd-Dobrudscha entrissen sind. Das Deu schtum in Rumänien -ählt 800 000 Angehörige. Führend sind die Siebenbürger Sach'en; zahlenmäßig am stärksten und auch am wohlhabendsten sind die Schwaben im rumäul'ch gewordenen Teil deS Banats. Die Deutschen, die unter der gegenwärtigen Regierung des Generals Averescu etwas weniger mißhandelt werden als unter dem liberalen Regime, würden bei den unausb erblichen Wirren einer Regentschaft vermut ich am schlechtesten fahren. Augenpolitische Umschau. Von Proirs oc Dr. Otto H o e tz s ch, M d. R. Arn 20. Rovernber hat nun auch Driand seine außenpolitische Rede gehalten. Er ist bei seinem Standpunkt zur deutsch-französischen Verständigung stehen geblieben, aber man kann nicht sagen, daß er die Sache mit dieser Rede vorangebracht habe. So wissen wir auch eigentlich nicht, worüber die beiden Minister Strohmann und Driand in oder nach Gens miteinander sprechen wollen, wenn nicht Briand in der Hauptfrage. nämlich der Militärkontrolle und Jnvesti- gationsflage weitergehen will, als er jetzt gegangen ist. Seine Kammerrede enthielt mit Bezug Darauf gar nichts. 3m übrigen zeigte sie. daß die französische Außenpolitik, worin ja auch gewisse Fingerzeige für uns liegen, erhebliche Sorgen anderer Art hat: nicht nur Syrien, sondern vor allem das Verhältnis zu Italien, über das Briand sich sehr vorsichtig äußerle, aber immerhin in einer Weise, die den italienisch- französischen Gegensatz nicht verschl tert.. Driand wiederholte, daß die Stunde gekommen fei, wo alles versucht werden müsse, um den Frieden in Europa dauernd und endgültig zu festigen, und daß dafür die unerläßliche Voraussetzung sei — die Annäherung zw i- schenDeutschlandund Frankreich. Das wissen wir auch, darüber besteht theoretisch gar kein Widerspruch. Run muß Frankreich jetzt das seine tun, Damit überhaupt einmal die Voraus» setzung zur Voraussetzung in Ordnung gebracht wird. Darunter verstehen wir eben die Beseitigung der Militärkontrollei Wird es für die Genfer Ratstagung, die zwar nicht entscheidend, aber wichtig ist. leichter Mühe eine Derjüngungsgeschichte und Steinachgroteske als Zugabe erklatscht wurde. —y— Nochmals: Jur Vorgeschichte der Rabenau. Don Herrn Pfarrer Schick, Ouedborn, wird uns geschrieben: Nach Herrn Lehrer Eberle, Treis, hat gerade an den Bommesteinen einmal Tannenwald gestanden, und „möglicherweise" wurden dort Tannenzapfen = Bommen gesammelt. Es scheint mir aber doch unwahrscheinlich, daß die Steine davon genannt wurden. Tannenzapfen gibt’s immer dort, wo die entsvrechendcn alten Tannenbäume stehen. Wenn sie geschlagen sind, hört das Bommensammeln an dieser Stelle auf und geht auf einen anderen Platz im Wald über. Es scheint naturgemäß, daß dann auch die Bezeichnung der Felsen als Bommensteine auf. hört. Daß die alten Leute sich den seltsamen Namen von den Tannenzapfen erklären, ist begreiflich, aber die Bezeichnung dieser aussallenden Felsgruppe dürfte doch älter sein. Daß sie bis in die Eiszeit heraufreicht, habe ich selbst in meinem Erklärungsversuch für kaum denkbar erklärt, aber es kommt uns ja so manches unfaßbar vor und klärt sich doch auf einmal auf. Uebrigens läßt die Herleitung von den Tannenzapfen die sagenhaften Nickels und ihr Springen auf den Buckel unerklärt. Auch die Annahme der sprach, lichen Unhaltbarkeit trifft nicht zu, da es ein Sprach, gesey der Lautangleichung gibt, nach dem p und b hinter m zu m werden. So ist z. B. Summer aus Kumber, kümmern aus kemben, fummel aus Hum- bel entstanden. Sollten nicht die Tannenzaofen wie in Annerod Bommer heißen? (Crecelius.) Dann müßten sie Bornmerfteine heißen. Nicht bloß Jahrhunderte, sondern Jahrtausende hinaus reichen örtliche Sagen, auch das Mahnern bei den Huhnengräbern am Schabenberg bei Mainzlar, die 3—4000 Jahre alt sind. Ein überraschendes Beispiel sand sich hier bei Ouedborn im Krumm- strauch. Da ging ein Hoiche (als Hühnchen verstanden) um, das sogar die Burschen einmal zu fangen versuchten. Als ich den Platz aufsuchte, fanden sich dort zwei Hünengräber und ein größerer recht- ediger Haufen (Gebäude?). Dr. Kunkel hat sie 1919- aufgegraben und eine schöne hallftattzeilliche Be- stattung gesunden. Ich nehme unbedenklich an, daß die Hünen wie auch anderswo zu Hühnern, Hinkeln, Hoiern herabgefunken sind. Auch der Helgestein bei Muschenheim hat in seinem Namen die Kunde von feiner Heiligkeit über, liefert, denn als Kofler ihn aufgrub, sah er nur wie eine natürliche Felsgruppe aus. Er ist auch an die 4000 Jahre alt. Wenn sich Sagen aus der jüngeren Steinzeit erhalten haben, dürste cs an sich nicht unmöglich sein, daß solche auch aus der älteren Steinzeit auf uns gekommen sind, zumal hier in der Nabenau die Glaubrechtsche Drachensage dazu kommt. Die Zählung der Jahre in der älteren Steinzeit beruht doch nur auf Schätzung. Dabei liegt, da die Wohnplätze der Steinkünstler noch nicht gefunden sind, die Möglichkeit vor, daß ihre Jnbustrietätigkeit bis in die jüngere Steinzeit hineingereicht hat. Frankfurter Theater. Wenn eine neue Operette den Komponisten Oskar Strauß zum musikalischen Vater hat, dann verdient sie besondere Beachtung, denn dieser gehört zu den wenigen, die heute in Deutschland Anspruch auf ernsthafte Würdigung besitzen. Das Operettentheater brachte „Riquette", ein liebenswürdiges, nur viel zu kompliziertes und umfangreiches Werk von Schanzer und Welisch heraus, zu dem Oskar Strauß eine frische, melodiöse und schlagerwirksame Musik geschrieben hat. Die Handlung weicht nur wenig vom gewohnten Klischee ab, jedoch die Inszenierung und die Darstellung sind von ausgezeichneter Qualität; als Riquette betrat Lea Seidl, die Tochter eines Österreichischen Politikers, zum ersten Male eine Frankfurter Bühne und erzielte einen starken Erfolg durch ihre schone Stimme. Der mrbestrittene Erfolg des Abends wurde weiterhin durch den Tenoristen Ha m p e vom Operettentheater. ein junger Künstler von schonen Mitteln, und durch Lisa Rado, Inge van Hees und den jugendlichen Komiker Rothe-Earey erzielt. Das Operettentheater hatte in der Person des Gastregisseurs Max Steiner-Kaiser von Hanrburg einen geschmackvollen Spielleiter gewonnen. L. W. Weihnachten im Erzgebirge. Die erzgebirgische Weihnachtstafel ist reich gedeckt. So karg es sonst in den kleinen Häusern zu- geht, denn die reizenden Spielsachen, die von hier aus in alle Lande wandern, bringen den fleißigen Bastlern nur eben das trockene Brot: am heiligen Abend kehrt die Freude ein und eine Ahnung von Genuß. Von einem Zinnleuchter strahlt das schön- bemalte Heiligabendlicht. Es bleibt auch nach dem Essen steht samt Salz und Brot, damit in der Nacht die armen Seelen eine Erquickung finden. Für bic Lebenden gibt es neunerlei und jedes Gericht hat seinen Segen: zunächst Semmelmilch, damit die Nase nicht tropfe im neuen Jahr; Knödel und Linsen, auf daß weder großes noch kleines Geld fehle; Bratwurst mit Sauerkraut, um Kraft und Herzhaftigkeit zu erhalten: Schöpsenfleisch mit Weißkraut, damit das neue Jahr nicht sauer werde; Pilze, um das Glück zu bannen, und endlich Apfelsalat mit Heringen, um sich des Cebews zu freuen. Ueppig geht es zu! Aber auch das liebe Vieh wird nicht vergessen. Jedem Stück strahlt eine Kerze im Stall und das Brot mit Salz wird als besonderer Leckerbissen gereicht. Liebe tut sich noch immer nicht genug. Sie geht in den Garten und schmückt jeden Baum mit einem Seil aus Stroh. Sie füttert den Zeisig im Bauer mit Pfeffertuchen. Sie vergißt das Wild im Walde nicht und tut die doppelte Portion Heu in die Raufen. Lustig geht es nach dem Essen zu. Die Mädchen klopfen an den Huhnerstall und fragen: „Kräht dr Hoh, kriegt fe an Mah; Gackert de Henn, kriegt fe känn; gc&?rt weder Henn noch Hoh, wird se bald zu Grab ge- troh." Oder sie werfen den Pantoffel hinter sich und fragen: „Schukel aus, Schukel ei, wo werd id) übers Jahr wohl lei?" Liegt der Pantoffel mit der Spitze nad) der Stube zu, so erscheint im neuen Jahr der Erwartete, und die Spitze zeigt nach der Gegend, von wo er kommt. Mit solchen Spuken geht der heiliae Abend hin, dessen fromme Vorbereitung und frohen Verlaus Kurt Meltzer in einem mit luftigen bunten Bildern geschmückten Aufsatz des Dezemberheftes von Delhagen & Stahnas Monatsheften schildert. etwas bedeuten, daß England nun mit der i Beendigung seines Bergarbeiterstreiks und dem ’ Abschluß der Reichskvnferenz etwaS mehr freie I Hand für die europäische Politik wieder gewinnt, oder vorsichtiger gesagt, wieder gewinnen kann? Der Bergarbeiter st reik war einer der größten sozialen Konflikte und endete mit der vollen Riederlage der Arbeiter. Innenpolitisch wird das seine Folgen haben in einer Radikalisierung der Arbeiter, namentlich | wenn die Führer der Industrie es nicht verstehen, nun die Folgerungen im Sinne einer Rationalisierung ihrer Betriebe zu ziehen. Außenpolitisch bedeutet es, daß England nun wieder auf dem Kohlenmarkt mit aller Kraft als Wett- bewerber auftreten wird. Sieben Monate ist dieses Kohlenland ein Land der Kohleneinfuhr gewesen und 6 Milliarden Mark hat der Streik seiner Volkswirtschaft gekostet. Es ist begreiflich, daß die Dergwerksbrsitzer den Kampf um die verlorenen Absatzgebiete draußen wieder mit aller Energie aufnehmen wollen, und sowohl Frank, reich wie Belgien als auch Deutschland und namentlich Polen werden spüren, daß die Zeit der Köylenlieferung nach England jetzt vorbei ist. Menn aber der englische Kohlenbergbau sich darauf beschränkt, den Kampf bis anS Messer um die Absatzgebiete draußen führen zu wollen, wenn er nicht begreift, daß gerade auch der Streik eine Anregung in der Richtung einer internationalen Kohlenkonvention analog dem Stahlpakt sein muh. so wird er mit Sicherheit das jetzige Ergebnis, den Sieg (in seinem Sinne gesprochen), wieder Frage stellen und seine eigenen Arbeiter aufe neue zum Widerstand reizen. Die Rei^hskonferenz hat mit der Erklärung der groben Kolonien zu völ.errechtlichen Selbständigkeiten geendet. Die Art, in der das geschah, der Bericht, in dem das niedergelegt wurde (er ist ein Wert des alten Balfours) war wieder ein Sieg jenes unvergleichlichen politischen Genius der Angelsachsen, dem diese die Herrschaft über die halbe Welt verdanken. Man kommt zu rechten Zeit entgegen. Man sieht ein, daß die Zeiten sich ändern, daß aus den abhängigen Kolonien, die mit ihren Wünschen fortwährend ans Mutterland tarnen, jetz. Cie erwachsenen Töchter geworden find, deren sechs die Mutter umgeben. Selbständig nun durch- - aus, nicht nur in der Führung ihrer inneren Geschäfte, sondern auch in der Vertretung nach außen: die Gesandten Kanadas und Australiens für Dordamerika sind schon ernannt Aber das vollzog sich nicht, indem nun die erwachsene Tochter ihres WegeS geht, vollständig selbständig, höchstens einmal noch pietätvoll der Mutter sich erinnernd. Der Zusammenhalt des Reiches wird nicht nur betont, er wird auch aufrecht erhalten, er wird unzweifelba't durch dieses Ergebnis verstärkt. Das Reich bleibt nicht nur auf Grund der Sprache, der Ueb2tli2fcnmg, gemeinsamer Einrichtungen, sondern es wird zu- sammengehalten durch den gemeinsamen Handel und die Flotte, und das Band um alles schlingt die Krone. Für sie aber wird nun eine andere Stellung geschaffen. Der König ist nicht mehr König von Groh-Britannien und Irland, der dadurch auch über die Kolonien herrscht. Er ist König von England und Schottland, König von Kanada und König von Australien usw. Hevr jeweils jedes einzelnen Teiles, der in den einzelnen Teilen durch den Generalgoudemeur Oertreten wird. Richt mehr ist jetzt der General- gouverneur der Beauftragte des englischen Kabi» nettes, der den letzten Rest der Macht des englischen Herrschers über die Kolonien verkörpert hat, er ist vielmehr Vertreter des Königs, der den Zusammenhang mit dem Reich und den Reichsfragen darstellt. Deshalb erörtert man den Gedanken, ob es sich nicht empfehle, die Würde des Genercilgvuverneurs in jenem Herrschergeschlecht erblich zu machen. Dieses Dokument ist nach der Verfassung der Vereinigten Staaten das bedeutendste Dokument des englischen schaffenden G.istes. Gs ist das erste Stück geschriebener Derfa fung des eng- | lischen Weltreiches, und wir können der Versicherung glauben, daß es aus lange Zeit auch das letzte geschriebene Stück sein wird. Denn der »Engländer weiß, wie gefährlich eS ist, Theorien in solchen Dingen in eine Masse von Paragraphen zu spannen und dann fortgesetzt aus den Erfordernis en des Lebens über diese Para- 'graxhen zu stolpern. Der Ausgang berührt aber zugleich auch die europäische Politik. Wo liegt nun der Schwerpunkt der englischen großen Politik? Eine genaue Fassung dieses neuen Verhältnisses ist mit Absicht vermieden. Groß- Britannien macht seine Außenpolitik. Es bindet seine großen Kolonien dab:i nur, wenn ste selbst diese Verpflichtung aufnehmen und anerkennen. Wie stehen sie zum Gerichtshof im Haag? Wie zu Locarno? In der ersten Frage lehnen sie die Weiterentwicklung zur obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit ab. In der zweiten haben sie abge- lehnt, unter lebhafter Beglückwünschung Chamberlains für den Rheinpall. diesen durch ihre Unterschrift feierlich zu bekräftigen und zu ratifizieren. Damit berührt der Ausgang der Konferenz auch direkt die deutsche Außenpolitik. Aber für uns ist eben schließlich wichtiger, ob nun nach Erledigung dieser beiden gewaltigen Fragen, die monatelang, viel mehr als man nach außen merkte, das englische Kabinett beansprucht haben, dieses etwas freier und energischer und einflußreicher in der Europapolitik werden wird. Wir befürchten, daß bad nicht der Fall ist. Man sieht das gleich an dem etwas merk- würdigen Versuch, jetzt in letzter Minute eine Art Vermittelung mit Frankreich in der Kontrollfrage zu versuchen, bei der man nicht nur sieht, wie wenig die beiden Staaten mltein- anber übereinstimmen, bei der man ferner nicht nur sieht, wie wenig entscheidenden Einfluß England aufwendet, sondern bei der man arcch sieht, wie der vielleicht schwierigste Punkt der Resterledigung gerade von England unterstrichen wird, nämlich die Streitfrage um die Herstel - luna von Kriegsmaterial im Rahmen der Kontrollfragen. Da verbindet sich Politisches mit Wirtschaftlichem, da verbindet sich französische Tendenz mit englischer Handelskonkurrenz. So aber kommt die Sache nicht weiter und Deutschland empfindet es tief, daß nun tatsächlich doch die Kontrollfrage über die erste Tagung des Bölkerbundsrates hinausgeschoben worden ist, an der Deutschland Mitarbeiten soll und will. Damit hat Frankreich zunächst daS erreicht, was es wollte. Es wird mit gleicher Zähigkeit und Energie daS nächste Ziel verfolgen: die Gestaltung der Investigation in feinem Sinne. ES wird hoffentlich auf die notwendige Festigkeit bei Deutschland stoßen, ob dieses aber die Unterstützung Englands in der ausreichenden Weise finden wird, ist äußerst fraglich. Das aber ist fein erfreulicher Ausblick auf eine gemeinsame erfolgreiche Zusammenarbeit im Völkerbund! ____ Kraftpoftlinie Gießen - Hochelheim - Niederkleen. Gießen, den 4. Dezember 1926. Bei einer gestern nachmittag im hiesigen Stadthaus (DerKlrahe) stattgehabten Versammlung von Vertretern der hiesigen Stadtverwal- tung und der Gemeindevorst, eher aller an der Kraftpvstlinie beteiligten Gemeinden des Klee- bachtales wurde unter dem Vorsitz des Beigeordneten Dr. Hamm, Gießen, im Beisein von Vertretern des Postamts die Frage erörtert, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, um die Linie wirtschaftlicher zu gestalten und für die Zukunft Fehl betrüge nach Möglichkeit zu vermeiden. Don dem Vertreter des Postamts wurde mitgeteilt, daß der Verkehr zwischen Hochelheim und Gießen die besten Ziffern aufzuweifen habe, dagegen werde auf der Teilstrecke von Hochelheim übet Dornholzhausen bis Rieder» kleen, ebenso wie bei den P e n d e l fa h r t e n zwischen Klein-Linden und Gießen die Kraftpost in einem recht geringen Umfange benutzt. 2n der Erkenntnis, daß nur durch Aufhebung von Fahrten, für die die Post Verwaltung 90 Pfennig für jeden gefahrenen Kilometer in Rechnung stellt, eine Verbilligung des Betriebes erreicht werden kann, hat man sich dahin geeinigt, daß mit Wirkung vom 13. Dezember ab die Pendelfahrten zwischen Gießen und Klein-Linden ganz aufgehoben werden und die Orte Dornholzhausen und Rieberkleen statt der bisherigen zweimaligen, künftig nur eine einmalige Verbindung mit der Stadt Gießen erhalten. Die erste Fahrt, die bisher in Riederkleen ihren Anfang nahm, wird künftig in Hochelheim beginnen. AuS diesem Grunde soll auch die in aller Kürze zu erbauende Kraftwagenhalle ihren Standort in Hochelheim erhalten. t Der Fahrplan wird sich voraussichtlich wie folgt gestalten: 1. Fahrt ab Hochelheim 7 Uhr Dorrn., an Gießen Markt (Landgra, Philipp-Platz) 7.54 Ahr vorm., 2. Fahrt ab Gießen Bahnhof 10 Ahr vorm., an Riederkleen 11.05 Ahr vorm., 3. Fahrt ab Riederkleen 11.30 Ahr vorm., an Grohen-Linden Bahnhof 12.05 Ahr nachm., 4. Fahrt ab Großen-Linden Bahnhof 12.50 Ahr nachm., an Hochelheim 1.07 Ahr nachm.. 5. Fahrt ab Hochelheim 1.15 Ahr nachm.. an Gießen Bahnhof 2 Ahr nachm., 6. Fahrt ab Gießen Bahnhof 7 Ahr nachm., an Riederkleen 8.05 Ahr nachm., 7. Fahrt ab Riederkleen 8.10 Ahr nachm., an Hochelheim 8.29 Ahr nachm. Während die erste und zweite Fahrt nur werktags ausgeführt werden, Verkehren alle übrigen Fahrten täglich. Am den Ansprüchen der Gemeinde Klein-Linden gerecht zu werden, soll nach vollzogener Amstellung zwischen Klein-Linden und Gießen ein Anhänger so verwendet werden, daß der Anhänger bei der ersten Fahrt in Klein-Linden an den von Hochelheim kommenden Kraftwagen angehängt und ebenso bei der letzten Fahrt zwischen Gießen und Klein-Linden benutzt wird. Für die Unter- stellung des Anhänger- muh in Klein-Linden ein Raum zur Verfügung gestellt werden. Weiter will man prüfen, ob außerhalb dieses Rahmens noch ein Pendelverkehr zwischen Gießen und Klein-Linden, evtl, bis Lützellinden, erforderlich und erwünscht ist. Es ist nun auch damit zu rechnen, daß die seit langem von den Gemeinden Hochelheim und Hornsheim erstrebten Früh f ährten an jedem Dienstag. Freitag und Samstag an die Bahnhöfe in Großen-Linden und Gießen ausgeführt werden können. Eingemeindungsfragen im ‘Biebertal. T Bieber, 3.Dez. Gestern abend fand die angekündigte Versammlung wegen der E i n- gemeindung Biebers nach Rodheim statt. Landrat Goßmann aus Diedenstrpf mit vier Herren vom Landratsamt leitete die Verhandlung ein. Er gab zunächst einen Aeberblick über die hundertjährige Geschichte der Destre- bungen, die Ansiedelung Bieber aus ihrem nachteiligen Zustand, drei Gemeinden anzugehören, herauszuheben. die aber bis jetzt alle im Sande verlausen sind. Sodann wies er an der Hand von Zahlen im Vergleich mit vier anderen Gemeinden des Kreises nach, daß der Lebensfähigkeit einer selbständigen Gemeinde Bleu selbst wenn von den drei Gemarkungen je ein Viertel abgetreten würde, große Schwierigkeiten entgegenstehen, daß insb: sondere ohne 300 Prozent Gemeindesteuern der Gemeindeetat nicht zu balancieren sei. Als einzig mögliche Lösung der Schwierigkeiten sieht er die Eingemeindung nach Rodheim. Der Bürgermeister von Fel- lingshausen gab die Erklärung ab, daß Fellingshausen der Selbstänl igkcit Biebers nicht hindernd im Wege stehe, aber ein Viertel der Gemarkung- nicht abtreten könne. Gr wies nach, daß seit 1587 Der größte Teil von Bieber nach Fellingshausen gehört und sich wohl gefühlt habe, und daß Fellingshausen der Eingemeindung von Bieber nicht zustlm- m e n könne. Der Vertreter von Königsberg, Bürgermeister Bernhardt, hatte gegen eine Abtretung von Bieber nichts einzuwenden, fei es, daß es selbständig ober an Rodheim ange- schlossen würde, doch dürste Königsberg in feinen Einnahmequellen nicht geschmälert werden, insbesondere will er Hof Haina, der bei der Selbständigkeit zu Bieber geschlagen werden soll, steuerpolitisch behalten, ebenso die ganze Ober- försterel Strupbach. Der Oberförster gab die Erklärung ab, die Ansicht der Regierung abzuwarten. Bürgermeister Leicht von Rodheim gab zu Protokoll, daß Rodheim mit der Eingemeindung einverstanden ist, aber einem selbständigen Dieber i/< von 860 Hektar feiner Gemarkung Del einer jetzigen Einwohnerzahl von 1600 nicht ab- treten könne, wodurch Rodheim In ferner Lebensfähigkeit stark beeinträchtigt werde. Sr wies auf die Vorteile hin, die Bieber durch die Eingemeindung erfahren werde, durch Straßenbau, Baugelände. Verlegung der Biebertalbahn. Pfr. V ö m e l - Rrchheim ist damit einverstanden, daß das zu Fellingshausen gehörige Kirchengut bei Bieber zu Rodheim kommt. Der Vertreter von i Hof Haina, Herr Lenz, reichte In einer schriftlichen Erklärung den Wunsch ein, wegen der weiten ®ntfermmg von Königsberg mit Haus- unb Grundbesitz an die Verwaltung nach Rodheim angeschlvssen zu werden, doch die Berechtigung an dem Gemeindewald Königsberg zu behalten. Der Gemeindevertreter Süß aus Bieber, zu Fellingshausen gehörig, will von einer Eingemeindung nach Rodheim nichts wissen: wenn nicht felbftänbig, dann soll eS lieber bleiben, tote es ist. Herr Du t en ho f e r-Bieber legte eine Zustimmung mit 105 Unterschriften von Grundbesitzern dar, die Selbständigkeit wünschen, und erflärtc, Rodheim werde bei einer Eingemeindung an ihnen keine Freude erleben. 3m ganzen kommen 176 Interessenten in Frage. An Hand der drei G nnark angst arten, welche die ganze Stirnseite des Gerlachschm Saales ein- nahmen, erläuterte der 2 an brat den Vertretern die beabsichtigte Abgrenzung. Rach Schluß der reichlichen Aussprache verlas Herr ©lebe de vom Wohlfahrtsamt eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts vom 20. Januar 1923 dahingehend, daß au« staatsrechtlichen Gründen G renL en verändert werden fön: e 7, ohnedieZustirnmungderEigen- t ü m e r 51 besitzen. Das ließ durchbiicken, daß die Verwaltungsbehörde jetzt das Wort redet, wie dem mißlichen Zustand ein Ende bereitet wird. Preußen. Kreis Bievenkops. XX Oberförsterei Strubach. 3. Dez. Bei dem jüngsten Treiben im staatlichen F 0r st wurden nur drei Has en erlegt. Die Ergebnisse der Feldjagden sind auch in hie- iger Gegend äußerst gering; selbst gar mancher eifrige Rimrod wird diesmal auf einen lederen Hasenbraten verzichten müssen. Kreis Wetzlar. —5— Lützellinden, 3. Dez. Unter dem Viehbestände eines hiesigen Einwohners wurde gestern dieMaul-undKlauenseuche amtlich festgestellt. Die Seuche wurde durch den Bestand eines auswärtigen Ferkelhändlers einge- schleppt. — Da die Feuerspritzen unserer Gemeinde den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügten, hat die Gemeinde von der Stadt Wetzlar eine große und eine kleine Sauqfeuer- f pritze erworben, die dort infolge Abschaffung von neuzeitlichen Motorspritzen überzählig geworden waren Dillkreis. bl. D i 11 e n b u r g, 3. Dez.. DieStadtver - ordneten beschlossen, In ihrer jüngsten Sitzung die Dill zum Teil regulieren und eine neu? Oberiorbrüde errichten zu lassen. Kosten: 150 000 Mark. Mit der Regierung soll wegen Zu- schußge rährung verhande t werden. — 2m nahen Straße bersbach fiel ein Kind von zwei Jahren in einen mit heißem Wasser gefüllten Topf. Mit verbrühtem Anterkörper liegt daS Kleine hoffnungslos darnieder. Kreis L'mbnrq. WSR. Limburg, 3. Dez. Wegen einer schweren Erkrankung des Hauptsachverftändigen, des bekannten Psychiaters der Marburger Ani- versltät, Prof. Dr. Iahrmärker, muhte der Mvrdprvzeß Krämer, der am Mittwoch beginnen sollte, verschoben werden Maingau. WSR. Frankfurt a. M., 3. Dez. Gestern vormittag wurde im Ostparkweiher, im Schilf versteckt, die Leiche eines neugeb vrenen Kindes männlichen Geschlechts gesunden Die Leiche war in blaues Packpapier eingewickelt und mit Bindfaden verschnürt; sie hat ungefähr vier bis fünf Tage am Fundort gelegen — Am selben Tage, kurz nach 1 Ahr, wurde in demselben Weiher die Leiche eines weiteren neugeborenen Kindes, weiblichen Geschlechts, gefunden, die in graues Packpapier eingewickelt war. Eine auf dem Packpapier befindliche Adresse war abgekraht. Die Leiche kann er ft wenige Stunde । am Fundort gelegen haben. WSR. Homburg v. d. H., 3. Dez. Rach längerem schweren Leiden ist gestern der Pfarrer der Gemeinde Gonsenheim, Erwin Gros, im Alter von 61 Jahren gestorben. Der Entschlafene, der aus Riederems bei Ufingen stammt, war früher Pfarrer in Hartenrod und Esch bei Idstein. 1919 wurde er zum Pfarrer von Gonsenheim gewählt. Durch seine volkstümlichen erzählenden Werke, von denen „Der Bauernpfarrer" „Der Lehrer von Hartenhausen" und „Das leuchtende Haus" die hervorragendsten sein dürften, hat er sich einen großen Rainen erworben. WSR. H a n a u, 3. Dez. In der Rächt zum Donnerstag fielen der Bahnhofspolizei in Kassel zwei junge Mädchen auf, die verstört und übernächtigt im Wartesaal sahen. Bei der Kontrolle stellte sich heraus, daß sie nur im Besitz von Bahnsteigkarten waren, dabei gaben sie aber an, daß sie »: H an v ßucA« \/feien D $ * (•j/onne D 7 Vierte/ @ Vo/fmoncf d -3 Vierte/ Der die Stunden zahlen enthaltende Kreit und die dick punktierte Linie, der trift nannte Horizont. sind fezletehend w denken. Der Sternhimmel dreht eich tarnt dem Jamil eerbundenen. durch Mitternacht gezeichneten Pfeil — ge- wiesermaßen dem Zeiger der Himmelt uh r — in b Minuten weniger alt 24 Stunden im Sinne de» durch t'l Uhr mittag» gezeichneten Pfeil» einmal um feinen Mil lei punkt. Der emp" zeichnet» Horizont bildet ein Feneter, da» die um Mitternacht der Monafmutte »ichlbaren Sterne u mach ließt Will man zu einer anderen Stunde beobuc/. •■■n. u> denke man »ich den Sternhimmel to gedreht, daß der durch Mitternacht geuurhnete, mitzudrehende Pfeil nunmehr durch die BeoSachtungentundegeht, wodurch dann die zu dieeer Zeil »ichlbaren Sterne in den nicht mitzudrehendon Horizont hineingedreht werden. Für je 5 Tage aor der Monaltmille ul der Sternhimmel um '/, Stunde früher, für je 5 Tage nach der MonaUmiUe um '/, Stunde »pater emzuzlcUen. Man vergleiche die nüchete Monatekarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen ein, wenn er die ange deutete Lichtgeetali zeigt. für den langsam absterbenden Jupiter rückt nun auch die Venus in der zweiten Monatshälste, zunächst sreilich noch unscheinbar, auf den Abendhimmel über. Der Firstemhimmel erstrahlt wie stets um diese ! Jahreszeit in herrlicher Pracht. Gegen Jahresende I fleht mit dem Erscheinen des Sirius das große 5)immetssechseck aus der Capelle, im Fuhrmann, dem Aldebaran im Stier, dem Orionstern Nigel, den beiden Hunden Sinus und Prokyon und schließlich den Zwillingen ffaftor und Pollur bestehend, voll über dem Horizont Man beachte, daß der Proton von dem rechts neben ihm stehenden Stern etwa die gleiche (Entfernung hat. wie die beiden Zwillings- fteme Eastor und Pollur voneinander, daß aber der Helligkeitsumerschied bei weitem größer ist als bei den Zwillingsslernen. von denen der tiefer stehende Pollux seinen über ihm flehenden Zwillings- bruber nur um ein weniges überstrahlt. ftü ft ermann. Rundfunk-Programm des frankfurter TrnderS. (Aus der .Radio-Umschau".) fconntag, 5. Dezember. 8,30 bis 9,30 älhr: Hcbettragung von Kassel: Morgenfeier, veranstaltet von der evangelischen Landeskirche (Lutherische Gemeinde). 11,30 biS 12 Uhr: Elternstunde. 12 bis 1 U&r: Konzert des Hausorchesters: Mozart. 1,45 bis 3.45 älhr: Hebertragung von München: Fußball-Länderspiel Deutschland Schweiz. 3.45 bis 4,30 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4,30 bis 5.30 Uhr: Lieber- tragung von Kassel: Gesangskonzert von Rolf Joachim von Körber. 5,30 bis 5.45 Uhr: Literarisches Preisausschreiben. 6 bis 7 Ufjr: Stunde des Rheln-Mainischen Verbandes für Volksbildung. 7,30 Uhr: llebcrtragung aus dem großen Saal des Saalbaues: Fünftes Montagslonzert des Frankfurter Orchestervereins. Anschließend 12,30 Uhr: ile&crtragung von Berlin. Tanzmusik. Montag, 6. Dezember. 3,30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4,30 bis 5,45 Uhr: Konzert des Hausorcheflers: Blasmusik. 6,15 bis 6.45 Uhr: „Tanzprobleme der Gegenwart", Vortrag von Dr. Paul Laven. 6,45 bis 7,15 Uhr: Beanitenfortbildungskurlu-: ..Die Verbrauchssteuer (mit besonderer Berücksichtigung der gegenwärtigen Verbrauchebesteuerung in Deutschland)". Vortrag von Dr. Fritz Reumark. «7,15 bis 7,45 Tlhr: Englischer Sprachunterricht 7,45 bis 8* Uhr: Englische Literaturproben. 8 bis 6,15 Uhr: Literarisches Preisausschreiben. 3,15 Uhr: Gastspiel der Operettendirektion Sander-Graes: „Der Detter aus Dingsda". Operette in drei Akten nach Kempner-Hochstädt von Hermann Haller und RideamuS. Lpreriitku'den der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloßen. Für unverlangt eingesanbte Manuskripte ohne beige Ügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen Anze genau f träge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. 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W n ’ »eitle, «t Smnen ,2" ®ann Vä; St sSs »fiAi'dit -i-Sj Zoll den Derge. .Ms ma >5 Aon uw Sr m°J_ Sonn es*» Hochebene s6^ kehren, an w bet Sebirgst- bet tawatts ihre wilden ni echmms nad) morden Süden über ' der in pe^' bet 3W örzgebir eine AM 1 lammengebun bai Dildwas seine grobart Srenze! M btt Seltsam« schauer S- Iahrtaasende schleirrarligen als wollte sie tausende der B 3al)tuul' TMewvlben t W w. ■ Iahrhundrrie Kulturen uni Dem ©emaiii ben Geisi j und der beza des 18. 3a Und doch mit diesem l verbindet, il StuWun ilittt btutfän W nx d-° btnen das La '2*t adn tzetzidn MC mlsland. TM fier. Hachsen erzählt von i erwuchs lein nid abrangei einem frühen alten Handelt wissen viel zu samkeit. die 3 non dem deu leine Stollen (Seiftet zu vei les des „Wahl Herrn" das Bergen begeh, Tatra fragen scheu Männer zwangen Ach ihre Mauern 3Jtanb, von r. Nr. 284 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhejfen)Zamstag, 4. Dezember 1926 800 Jahre deutschen Lebens unter der Koben Tatra. Don Hilde Reirnefch-DomLnik. Don den Zipfer - Dachsen soll heute dis-Rede fein, von ihrem Lebens- und Kulturkampf als klein« Sprachinsel im slawischen Meer, von ihrer lounderschönen Heimat im Angesicht der ewigen Berge. Aus mancherlei Gründen kann man in die Tschechoslowakei reisen. auS wirtschaftlichen oder politischen, aus Interesse an den sremden Dollern und Landstrichen. Das aber ist eine reine Herzenssache, wenn der Wandersmann mit einem „Grüh Gott" an uns vorübergeht, wenn bei schwieriger Klelterparlie der Bergführer uns aus deut'chen blauen Augen ermunternd zuwinkt, wenn ein deut'cher Weister die Reparatur am Knipskasten ausführt, ein deut'cher Feinbäcker sich über den häufigen Besuch der Landsleute in seiner vorzüglichen Konditorei am Marktplatz von KeS - markt freut, ein deut'cher Direktor gar den «rohen Sommer- unb Winterbetrieb im wunderschönen Dcttrakurort Altschmecks leitet und so fort. Herrlich und -überwältigend ist es. von der Hochebene aus, von Poprad-Deutschendor l die Hohe Tatra zu schauen, wie sie in gewaltiger Kette ihre Häupter reckt: noch schöner durch chren Hochwald zu wandern, in ihren verschwiegenen oder mondänen Kurorten einzu- kehren. an ihren Dren hoch oben in den Kesseln der Gebirgstäler zu träumen, dem uralten Lied der talwärts stürzenden Wasserfälle zu lauschen, chre wilden Felswände und lockenden Spitzen zu erkliynnen, um selige Ausschau zu halten ncub Dorden über das Meer der Gipfel, nach Süden über die gold'chimmernde Hochebene, hinter der in perlmutterweichein Blau die Höhenzüge der Zipfer M a g u r a und des G ö m ö r e r Erzgebirges verschwimmen. Wie spannend eine Fahrt im richtigen Indianerkanoe ans zu- sarnrnengebundenrn, ausgehöhlten Baumstämmen das Wildwasser deS Dunajez hinunter, durch seine grohartige Drrgszenerie bis zur polmschen Grenze! Unheimlich und von schier bedrückender Seltsamkeit — ein Besuch in der Dob- sch a u e r Eishöhle tief unter der Erde, wo Jahrtausende hindurch jene weihe Frau mit dem schleierartigen Gewand auf die Felswand zugeht, als wollte sie in ihr verschwinden, wo Iahr- tausende der erstarrte Riagara sich wölbt, wo seit Jahrtausenden neben den Eisbergen und EiSgewölben der Abgrund der „Hölle" Inö Wesenlose stürzt, — dann wieder aus den Spuren Jahrhunderte alten Städtebaues die Zeugen alter Kulturen und edler Kunstepochen auffinben, aus dem Gemäuer und den Resten stolzer Edelsitze den Geist jener feinen polni'chen Renaissance und der bezaubernden franzö'isch-deutschen Kultur des 18. Jahrhunderts aufspüren! Uni) doch! Und doch! WaS uns zu tiefst mit diesem Landstrich südlich der Hohen Tatra verbindet, ist sein 8 0 0 Jahre altes Deutschtum. Hat dies Land doch einen uralten deutschen Ramen, denn nach Bel stammt ZipS vos d»n Gepjden, die hier wohnten, nach denen das Land Gepusia gleich Eepusia, der Gepider aber selbst, mit Um taut des G in C, Eepider genannt wurde, woraus dann Zipser rntsland. Wohnen hier doch Deutsche — Schlesier, Sachsen, Hessen. Rheinländer! DaS Land erzählt von ihnen. AuS ihrem Blut und Schweif) erwuchs seine Fruchtbarkeit, di« sie der Wildnis abrangen. Die erste Generation zahlte mit1 einem frühen Tot« den Gewinn der Heimat. Die aüen Handeis ^rasten zwischen Kralau und Kaschau wissen viel zu reden von deutscher Bürgerbetriebsamkeit. die D^rge in der südlichen Zips raunen von dem deut'chen Bergmann, der Kreuze vor feine Stollen und Schichte stellte, um die bösen Geister zu vertreiben, und der im Ramen Gottes d«S „wahren Erzmachers und obersten Bergherrn" das ..Tugendhafte und Edele" aus den Bergen begehrte. Wog?. Spitzen und Gipfel der Tatra tragen deut'che Ramen, künden von deutschen Männern, die sie zum ersten Mal bezwangen Ach, und die Städte! Was erzählen ihre Mauern nicht alles von ilcbcrfall und Brand, von Mord und Pest und neuem Leben, Oer Frosch mit derMaske Roman von Edgar Wallace. 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten Er blieb ein fetter Faustkämpfer. Vor einiger Zeit — vor noch ganz kurzer Zeit —, war Lew Brady Schwergewichtsmeister von Europa gewesen, ein schrecklicher Kammer, mit gerade jenem Tropfen farbigen Blutes in den Adern, der den Unterschied zwischen Gröhe und Mittelmäßigkeit im Ring auszumachen pflegt. Ein stärkerer Mann hatte seine schwache aufgedeckt, und der Ruhm Lew Bradys welkte mit bemerkenswerter Schnelle dahin. Er hatte einen einzigen Vorteil vor feinen Gefährten, und dieser rettete ihn vor völliger Vergessenheit. Ein Philanthrop hatte ihn einst als Kind in der Gosse gesunden und ihm eine Erziehung angedeihen lassen. Er hatte eine gute Schute besucht und war mit Männern, die ein gutes Englisch sprachen, befreundet. Die Vorteile, die er dieser Freundschaft verdankte, waren nicht verloren gegangen, und feine Sprache war von so merkwürdiger Kultur, daß Leute, die den brutalen Mann zum erstenmal sprechen hörten, mit dem hellsten Erstaunen lauschten. „Um wieviel Uhr erwartest du deinen Pagen?" fragte er. Lola zuckte die zarten Schultern unter der dünnen Seide, nahm die Zigarette aus den Lippen, um zu gähnen und schmiegte sich noch träger in ihren Sitz. „Ich weiß nicht — er kommt um fünf Uhr aus dem Bureau." Der Mann wendete sich vom Fenster ab und begann langsam im Zimmer auf- und niederzuschreiten. ,Lch verstehe nicht, warum sich der Frosch für ihn interessiert", murrte er. „Lola, ich bin dieses alten Herrn Frosches entschieden überdrüssig" Lola lächelte und sah ihn aus halbgeschlossencn Lidern an. „Vielleicht bist du nur der Tatsache üben drüssig, daß du Geld bekommst und nichts dafür zu tun hast", sagte sie. „Mich selbst wird solch ein Ueberdruß niemals anwandeln. Und sei sicher, daß der Frosch nicht nach dem jungen Bennett fragen würde, wenn er dessen nicht wert wäre." Brady zog seine Uhr heraus und blickte auf das juwelengeschmückte Ziffernblatt. „Fünf Uhr, — du, von höchster herrlicher deutscher Kunst! Deiner gedenke ich, du Jakobskirche in Leut schau. Fromme Andacht wächst in der Seele vor deinen Wunderfamen Altären. Deine köstlich: Schönheit steigt zum Allmächtigen enrpor als ein deutsches Gebet. Die erleuchteten Doppelarkaden des mittelalterlichen Leuilchauer Rathauses schimmern wie ein Märchenspiel in den lauen Rächten, und der Mond schiebt sich langsam über die vielen reizenden Giebelchen. daß ihr zierliches Schattenbild gegen den sanft erleuchteten Himmelsraum sich abhebt. Kesmark's gedenke ich, der tätigen deutschen Stadt, überkrönt vom majestätischen Zug der Hohen Tatra, auf deren duftigen Hintergrund die dunklen Schindeldächer der Altstadt sich kraftvoll abheben, und aus deren Mitte sich der eigenartige Rathausturm schlank und anmutig gegen die Berge reckt. In schönen alten Formen, wie gleichsam aus der Stadt erwachsen, steigt die Eilige Kreuzkirche empor. Dominierend, aber ohne Beziehung zum Stadtbild die mächt ge Masse der evangelischen Kirche. Da ist mir dein evan- geli'ches Holzkirchlein schon lieber — Kesmark, was weiß es zu erzählen aus bösen Tagen der älnduldsamkeit, aus schönen Tagen nicht zu brechenden Glaubensmutes! Welch eine innige Stimmung breitet sich noch heute unter seinen niedrigen, bemalten, gewinkelten Holzdächern, um seinen köstlich barocken Altar und Kanzel! Am andern Ende der Stadt schauen die stoben Türme des Tökölyi-'Schlosses aus dem wuchernden Daumwuchs: schwer von Geschichte ist diese Stätte, und wenn man in der Mittagsstille auf einer sonnigen Bank im Park zu lau'chen beginnt, dann wird es unheimlich lebendig rings herum, da brausen die Hussitenstürme über das Schloß und vernichten es zweimal, da werden alte, edle Ramen lebendig, die Zapolyal die Lasky, die Thurso und Tököly, und was der Stadt KeSmark Gutes und Böses durch sie geschah. Wenn du dies alles und noch viel mehr erschaut und erlebt hast, dann fragst du wohl dem Leben und Schicksal dieser Deutschen nach, dann magst du wohl wissen, was sie heute sind. Ins 12. Jahrhundert müssen w.r zurückwandern zum ungarischen König Gefall.: denn er war es, der die deutschen Kolonisten in sein Land rief, das eine Wildnis, ein Sumps und ilt- wald war. Die verstanden damals schon den Ackerbau, das Handwirk, den Städtebau, die hohen Künste, damals als feine unruhigen Magyaren kaum seßhaft geworden waren, und der Slawe nichts anderes wußte, als sein kümmerliches Dieh das fressen zu lassen, was Gott wachsen liefe. Da schlug deutsche Faust den ilr- wald, da erkämpfte deutsche Tatkrast und deutscher Idealismus unter Drangabe von Gesundheit und Leben den fruchtbaren Boden, da erblühten 24 deutsche Städte, die sich nach eigenem Recht regierten, nach dem Sachsenspiegel „Dill- kühr der Sachsen in dem Zips". Die ungarischen Könige und Herren forderten und schützten sie, wo sie nur konnten, waren sie doch in allem unvergleichliche Lehrmeister der anderen Böller. Doch dies schöne blühende Leben wurde mit einem Schlage vernichtet durch die bei Liegnitz abgewehrten Tataren, die ganz Ungarn überschwemmten und von den ungarischen Königen leider nicht besiegt werden konnten. Der „Sachsengras" führte den gröfeten Teil seiner Deutschen aus einen im wilden Wald versteckten Felsen, wo sie drei Jahre lang hausten, und der heute noch der „lapis refugii“ oder „Zufluchtsstein" helfet. Rach Abzug der grausigen Horden blieb den unglücklichen Menschen ein ungeheures Trümmerfeld: tapfer fanden sie sich darein und begannen ein neues Geben aufzubauen. Wieder halfen ungarischer Edelmut, Freigebigkeit und königliche Dankbarkeit dabei. Die Sachsen waren abgabefrei, hatten weitgehende Privilegien und waren nur zu Kriegsdiensten verpflichtet. Eine 820;äferige Geschichte verbindet die Zips mit Ungarn. Die ungeheuere Macht einer solchen Tradition darf man nicht verkennen: man darf sich nicht wundern, wenn der Zipfer sich auch — vermutlich weiß der Junge nicht, daß du mit mir verheiratet bist." „Du bist ein Narr!" sagte Lola, sich träge dehnend. „Sollte ich mich dessen auch noch rühmen?" Lew Brady ging von neuem hin und her, hin und her. Ein schwaches Glockenzeichen ward hörbar und er sah Lola an. Sie nickte, erhob sich, schüttette die Kissen auf und nahm von neuem ihre frühere Stellung ein. „Mach auf!" sagte sie und der Mann ging gehorsam. Dann kam Ray Bennett mit «-afdjen Schritten herein, nahm Lolas Hand und küßte sie. „Ich komme spät. Der alte Johnson hat mich noch zurückgehalten, nachdem die andern schon lange gegangen waren. Oh, ist das aber ein schöner Raum! Ich hatte gar keine Ahnung, daß du in so großem Stile lebst, Lola." ' „Kennst du Lew Brady?" Ray nickte lächelnd. Er sah wie die verkörperte Glückseligkeit aus und die Geaenwarl Bradns tat ihm wenig zuleide. (Er wußte längst, daß Lola mit Brady in irgendeiner Geschäftsverbindung stünde. Ueberdies war Ray auch noch stolz auf jene Verwirrung der Meinungen, die man „freie Anschauungen" nennt. Er hatte Visionen von einer neuen Ge- sellfchaftsordnung, die höher stehen sollte als die Knechtschaft, die den Männern und Frauen in ihren Beziehungen zueinander von altmodischen Gesetzen aufgezwungen wurde. Er war jung und sah die Dinge, wie er sie haben wollte. „Also, sprechen wir jetzt von deinem yundecvollen Plan!" sagte er, als er auf ein Zeichen von Lola sich neben sie gesetzt hatte. „Weiß Brady davon?" „Es ist Lews Idee , sagte sie leichthin. „Er späht ja immer nach guten Gelegenheiten aus, allerdings nicht für sich selber, sondern immer nur für andere Leute." „3a, das ist eine meiner Schwächen", sagte Lew bescheiden. .Ich weiß ja nicht, ob Sie mit meinen Plänen einverstanden fein werden. Ich würde die Sache selbst üoernehmen, aber ich habe leider im Augenblick zu viel zu tun. Hat Lola Ihnen alles darüber gesagt?" Ray nickte. .Ich kann es kaum glauben", sagte er. ..Ich habe immer gemeint, daß so etwas nur in Zeitschriften steht. Lola hat mir von einem Geheimagenten erzählt, den die japanische Regierung in London einfeßr* möchte. — Jemanden, den sie weiterhin auf Gedeih und Verderb mit Ungarn verbunden fühlt: denn er wird und kann es nie vergessen, wie die ungarischen Herren ihm halsen, sein Leben aufzubauen, deutschen Ackerbau, deutsches Handwerk, deutsch« Kunst förderten, wenn auch aus der richtigen Erkenntnis heraus, dafe der hochentwickelte Deutsche dem noch völlig unkultivierten Ungarn ein vorzüglicher Lehrmeister fein toure. Dessen sollen aber die Zipfer gedenken, dafe während 700 Jahren dieser gemeinsamen Geschichte nur ein deutsches Dolkstumsbewufetsein, nicht aber ein ungarisches oder slawisches in der Zips vorhanden war. Die — von wenigen Ausnahmen abgesehen — gütige und gnädige Haltung der ungarischen Könige und Adligen erweckte im Lause ber Zeit _ eine geradezu fanatische Dankbarkeit und Anhänglichkeit in der Seele der Deutschen. Der deutsche Bauer und Handwerker schickte seinen Sohn auf das magyarische Gymnasium, und wirklich konnten diese intelligenten Bauernsöhne die höchsten Stellen im Staate erreichen. So verlor das Zipfer Deutschtum feine Fuhrer- fchicht an Ungarn und den mißachteten Acker an den Slowaken! Andere Faktoren traten auf, das Zipfer Deutschtum zahlenmäfeig und wirtschaftlich zu schwächen. Sie alte Handelsstraße Kafchau—Krakau wurde von den gewinnsüchtigen Habsburgern widernatürlich über Wien gelegt. Dadurch begann die Verarmung des Dolles, die sich durch den Eisenbahnbau, der sich nicht an d e Handelsstraße hielt, steigerte: die hereingebrachten Fabrikprvdukte aber erwürgten das Handwerk. 3n den achtziger Jahren beginnt die Auswanderung nach Amerika, die der Zips die Hälfte der Bevölkerung enhog. Rach der neuen Staatseinteiluna ist die Industrie, die auf Ungarn und den Balkan eingestellt war, von diesen Märk en abgeschnitten. 3n dem W'ttbewerb mit der böhmischen ist sie sowie die Bergwerke zugrunde gegangen, ganz abgesehen davon, daß der Tscheche in dem neuen Staate allein verdienen will. Seelisch ist das Schicksal dieser Deutschen, die in fremdem Boden Wurzel fafeten, ein grau» kam hartes. Der Boden, den sie nicht nur bebauen, wie jeder Landmann anderswo, sondern den sie sich eTf. er kann es alles ebensogut deutsch, aber er tut es nickt: dabei verleugnet er nicht etwa seine deutsche Herkunft, im Gegenteil, er betont sie mit Stolz. Aber es ist die ruhiae Liebe, mit ber man her Eltern und feiner Kindheit gedenkt. desavouieren könnte, wenn es notwendig wäre. Aber worin bestünde denn eigentlich meine Arbeit?" „Das weiß ich nicht", sagte Lew kopfschüttelnd. „Soweit ich informiert bin, Haben Sie nichts zu tun als zu atmen. Vielleicht werden sie Sie brauchen, um Dinge in Erfahrung zu bringen, die in der politischen Welt vor sich gehen. Das war mir, wie ich ehrlich gestehe, daran nicht gefällt, ist, daß Sie tzin Doppelleben führen müffen. Niemand darf erfahren, daß Sie bei Maitland angestellt sind. Sie können sich einen beliebigen Namen beilegen und müssen Ihre häuslichen Arrangements treffen so gut Sie es vermögen." „Das wird nicht schwer halten", unterbrach ihn Ray. „Vater meinte ohnedies, ich müßte ein Zimmer in der Stadt nehmen. Er findet d»e tägliche Reise von und nach Horsham zu kostspielig. Das habe ich Samstag mit ihm ausgemacht. Zum Wochenende werde ich immer nach Hause fahren, aber was habe ich zu tun und wem muß ich berichten?" Lola stand auf und kam langsam auf ihn zu. „Armer Junge," spottete sie mit ihrem leisen Lachen, „die Aussicht, eine schöne Wohnung zu haben und mich jeden tag zu sehen, macht ihm solche Sorgen!" VI. Herr Maitland geht einkaufen. Die Eldorstraße in Tottenham ist einer der tausend grauen und häßlichen Verkehrswege, die die inneren Vororte Londons durchziehen. Man denke sich zwei Rejhen von Häusern, $u beiden Seiten einer geraden Straße aufgereiht, in sparsamen Intervallen von gelben Lampen beleuchtet. Jedes dieser Häuser ist von der Straße durch ein Eisengitter getrennt und mit einem eisernen Tor versehen. Im ersten Stock darüber sieht man zwei ganz gleiche Fenster. In dem winzigen Borhof müssen auch die zähesten Sträucher verzweifett um ihr Dasein kämpfen. Um neun Uhr abends ging Elk im strömenden Regen durch die Eldorstraße, die verödet lag. Die meisten Fronten waren unerhellt, denn das Leben der Eldorstraße spielt sich zu dieser Zeit in der auf der Hinterseite der Häuser liegenden Küche ab. Aber aus den Fenstern des Kaufes Nr. 193 fiel ein Lichtschein. Hingegen die leibenschaftlich Begehrte ist llnN gam. — Run sind diese armen Menschen staatlich« Tschecho-Slowalen. Richts verbindet sie gefühls- mäfeig mit diesem Dolk. Sie wollen loyale Staatsbürger sein: mehr können die Tschechen auch nicht verlangen. Da das llngartum in Die'cm neuen Staate naturgemäß verfolgt wird, so bra gt sich den Zipser Sachsen immer mehr die Erkenntnis auf, voll und ganz Deutsche zu werden, was sie dem Blute nach sind. Gegen diese Einstellung kann der Tscheche nichts sagen, er mufe sie achten, und auch dem alten ungarischen Dater- land ist damit am besten gedient, denn würde die neue Generation nicht konzentrisch deutsch, so würde sie sich in absehbarer Zeit ebenso im Slawentum verlieren, wie sie im Begriff war, im Ungartum völlig aufzugehen. So ist wenigstens die Möglichkeit offen, als Deutsche noch einmal zum alten ungarischen Ta erlaub gehören zu können. Die jüngste Generation geht diesen neuen Weg aus innerster lleberzeugung, und daS ist hocherfreulich. Sie sollte eS nur vermeiden, die Gefühle der alten Generation mit der Doppelseele in so schroffer Weise zu verletzen, indem sie von ber 830‘ährigen ungarischen Unterdrückung spricht. Das ist nicht nur unnötig, sondern auch unrichtig: denn ihr Ber- hältnis zu Ungarn haben die Zipser Sachsen in freier Wahl bestimmt. Es ist nicht nur verständlich. sondern eine sitt.iche Pflicht, dem alten Baterland die Dankbarkeit und Freundschaft zu bewahren. Wenn die Jungen jedoch verlangen, die Zipser Sachsen sollen in jedem Staate, auch wenn es noch einmal ber ungarische fein sollte, den sittlichen Mut aufbringen, Farbe zu bekennen für beutscheS Wesen, sollen bie Pflege deutscher .Kultur auch in Mittelschulen durchsetzen, so ist das ihr gutes Recht als Deutsche. Und man kann nur wünschen, dafe dies Streben nach einem einhe t ichen Bolkstums- gefühl immer erfolgreicher sein möge, diesem fräfliren und hochintelligenten deutschen Stamme und feiner schönen Heimat zum Segen. Oberhessen. r.'anvkrcis GHcficn. OO Klein-Linden, 3. Dez. Aus ber gestrigen Gemeinderatsfitzung: Der Beitritt zum Dogelschutzverein wurde abgelehnt. D ieser Entschluß ist verwunderlich, wenn man bedenkt, bafe ber Bogrlschuhverein als eine sehr gemeinnützige Einrichtung enuufefeen ist. Der Deretn will die hermifche Dogelwelt, insbesondere unsere nützlichen Singvögel, erhalten, um damit auch unseren Landwirten treue Bundesgenossen zuzusühren, die ihnen bei der Bekämpfung des Ungeziefers helfen sollen. Auch beträgt ber jährliche Mitgliedsbeitrag nur 3 Mk. Wie g sagt, ein unverständlicher Beschlufe. — Die Pflicht- arbeiten ber Erwerbslosen werden für bie Zukunft eingestellt. — Das Daugesuch des Friebrich Jung wurde unter einigen Vorbehalten genehmigt. — Die Unterhaltung der Wilhelm strafe« soll später auf die Gemeinde über gehen. * Lang-Göns, 2. Dez. In dem kürzlich vev öfsentlichten Bericht über die diesjährige G e - [lüget- und Kaninchen-Aus st ellung Des hiesigen Züchtervereins waren einige Angaben gemacht, die auf einer mißverständlichen Auffassung beruhen dürften. Berichtigend sei solgendes mitge- teilt: Als Preisrichter fungierten die Herren Softer, Bad-Nauheim, Menget, Marburg, und Gerhardt, Kirch-Göns, die folgende Ehrenpreise vergeben konnten: Norbert Grünebaum auf weiße Wyandottes, W. Reusch, schwarze Wyandottes und engt. Zwergkämpfer, Otto May, schwarze Minorka, N. Orünebaum, schwarze Langshan. K. Schmidt, schwarze Italiener, Otto Boller, rebh. Italiener, Karl Müller, porzellf. Zwerge, und Antw. Bartzwerge, Rich. Kaiser, weiße Wyandottes, Zwerg und Zwerg- langshan, Willi Belte, gelbe Italiener. Wilh. Bink, deutsche Zwerge, Bürgermeister Müller, schwarze Am Morgen jenes Tages hatten die Zeitungen eine Verlautbarung über die neue Spekulation der Vereinigten Maitlands gebracht, über ein Geschäft, dessen Gewinn weit mehr als eine Million Pfund betragen hatte. Und das Haupt des Konzerns lebte in solch einem Schmutzwinkel! Während Elk vor dem Hause stand, verlöschte plötzlich das Licht und er hörte den sich nähernden Schall von Tritten drinnen im Hausflur. Er hatte eben noch Zeit, die Dunkelheit der gegenüberliegenden Straßenseite zu gewinnen, als die Türe sich öffnete und zwei Personen heraus- traten. Es waren Maitland und die alte Frau, die Elk schon gesehen hatte. Sie trug eine'Tasche aus Netzwerk in der Hand und anscheinend gingen sie aus, um einzukaufen. Es war Samstagabend und die Hauptstraße, die Elk eben passiert batte, war noch von den Einkäufern belebt, die erst spät die Läden von Tottenham zu besuchen pflegten, um die Nahrungsmittel vor Geschäftsschluß zu billigeren Prei- fen zu erstehen. Elk wartete, bis das Paar verschwunden war, ging dann bis zum entgegengesetzten Ende der Straße herab und wendete sich nach links. Er folgte einer mit Plakaten bedeckten Mauer, bis er einen engen Gang erreichte. Es war ein Weg, der zwischen den teergestrichenen Holzzäunen der Gärten hinlief, ein finsteres, unbeleuchtetes Gäßchen, kaum zwei Meter breit. Er zählte die Gartentore zur Linken mit Hilfe feiner Taschenlampe, nach einer Weile blieb er stehen und drückte die Klinke des letzten nieder. Die Türe war versperrt, aber nicht' verriegelt. Elk grunzte befriedigt und zog aus feiner Tasche ein ledernes Säckchen, dem er einen kleinen hölzernen Handgriff entnahm, in welchen er einen Stahlhaken einfetzte, den er sorgfältig Aus einem Dutzend anderer ausgewählt hatte. Erst nach vielen Versuchen drehte sich das Schloß und er stieß die Türe leise auf. Die Hinterfront des Hauses lag im Dunkeln und der Hof war merkwürdigerweise ganz frei von all den Hindernissen, die Elk erwartet hatte. Er überquerte ihn rasch und ging zur Türe, die ins Haus führte. Zu feiner Ueberraschung war sie nicht oer- schlossen. Er befand sich in einem kleinen Abwasch- raum, bann ging er durch eine Türe in einen kahlen Flur und kam in das Zimmer, in dem er das Licht gesehen hatte. (Fortsetzung folgt.) tionskarten. - Bildung einer öffentliche^^ Was- fergenossenfchast in der Gemarkung Saufen. — Vertrautheit mit der Handhabung des Sern» sprechers. — Straßensperren. — Dienstnachnchten. -J-IL". — ,*.!±LL ■ - J--JJ1. »---L-r-!—■—!L■"■ffffgg Die Kaffeebohne verlangt die Zutat von $feber’s Carlsbäder zur stärkeren Entfaltung ihres Reichtums an Duft und Würze! Et war eine glänzende Jdat ous den Sdren der berühmten Sodener Qud* len Poshllen herzustellen So kann jeder für Mk.t- Husten u. Heiserkeit durch Rn-t echte Sodener vertreibe» Italiener, Karl Stoll, rebh. Italiener. Gänse: Ernst Weil. Emdener Gans. Tauben: Otto Heß auf Strasser, Richard Kaiser auf weiße Hess. Kröpser, auf getigerte und Stürmer Kröpfer K. Stoll, Ko- bürget Lerchen, geletcht, S)d). Wagner, Hess. Kröpfer, iah!, Willi Ebel, Brünner Kröpfer, blau, Willi Homer, Elsterktöpser, schwatz. Die Ausstellung, die mit ungefähr 200 Nummern beschickt war, hatte einen guten Besuch zu verzeichnen. 1 211 bad), 3. Dez. Unser Mitbürger Heinrich Hilberg kann jetzt auf eine 25jährige Tätigkeit als Friedhofsaufseher und Totengräber zurückblicken. Durch feine vorbildliche Pflege der Friedbofsanlagen hat sich der Jubilar die allgemeine Zufriedenheit der Gemeinde erworben. t ® r ün b e r g, 3. Dez. Dieser Tage wurde die neueingerichtete K o ch s ch u l e eröffnet. Die Einrich. tung hat im Saale des Doltsschulgebäudes Unter- fünft gefunden. Bei der (Eröffnungsfeier sprach der Leiter der Kochschule, Lehrer Bender, bet Stadtverwaltung Dank und Anerkennung aus für die Bereitstellung der Geldmittel zur Kücheneinrichtuna, ferner äußerte er sich in bemerkenswerter Weise über den Zweck und die Ziele des hauswirtschast- lichen Unterrichts in der Mädchenfottbildungsschule. Bürgermeister Jockel betonte in einer Ansprache, daß die Stadtverwaltung auch künftig ihr möglichstes für die finanzielle Unterftühuna dieser Einrichtung tun werde. Die Kochschule wird von 98 Schülerinnen besucht, von denen 50 aus Grün- berg sind, während die anderen aus den Orten der Umgegend stammen; 20 bet Schülerinnen nehmen freiwillig an dem Unterricht teil. Äreis Friedberg. y. W ülfersheim, 3. Dez. 3n der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde u. a. beschlossen: Die R e P a r a t u r der seit Monaten streikenden Kirchenuhr soll in Bälde vorgenommen und einem Uhrmacher in Friedberg für den angebotenen Preis übertragen werden. — Der Vorschlag drs Landeskirchenamtes betr. die Auswertung eines Darlehens der Gemeinde aus 1914 in Höhe von 23 000 Mk. wurde in der vorgeschlagenen Form (etwa 9 0 Prozent Aufwertung) als unannehmbar bezeichnet und einstimmia abgelehnt. Ss sollen deshalb weitere 3nformatibnen eingezogen werden. Kreis Schotten. AusdemKretseSchotten.3. Dez. Bei cintretente/i Schneeverwehungen werden die nachfolgenden Strecken nicht, wie In früheren Jahren, offengehalten, sondern an ihren Anfangs- und Endpunkten durch Anbringung von Tafeln al# gesperrt bezeichnet: 1. Michelbach—Busenborn, 2. Breungeshain- Sichenhausen, 3. Ritzenbügel—Altenhain, 4. - Petershainer Hof—Wohn seid, 5. Wiesenhof— Feldkrücken, 6. Poppenstruth—Götzen, Z. ötum- perlenrod—Untetseiberlenrod, 8. Köddingen- Meiches, 9. Helpershain—Engelrod, 10. Allriti» stein—Dodenhausen (Abfahrt nach Seibertenrod. □ Laubach, 3. Dez. Die vier Abteilungen des hiesigen Johann-Friedrich-Stiftes haben sich sehr gedeihlich weiter entwickelt. Von den im .Pfründnerhaus" vorhandenen 16 Betten find zur Zeit 15 belegt, von den im .Altersheim" vorhandenen 16 Betten dagegen 13. Das .Krankenhaus" hat 25 Betten: hiervon find 19 belegt. Das .Haus für weibliche Lungenkranke" zählt 18 Briten (15 belegt), das .Haus für männliche Lungenkranke" zahlt 14 Betten (10 belegt). Die .Kleinkinderfchule" wird von 35 Kindern besucht, die eine besondere Schwester betraut. Den Dienst in den anderen Häusern versehen eine Oberschwester und fünf Schwestern. Der am 1. Oktober in den Ruhestand getretene frühere Erste Stadtpfarrer Rebel steht noch an ter Spitze der Verwaltung: als Anstaltsarzt wirkt noch Dc. Philippi. — 3n einet im „Solmser Hof" stattgehabten Versammlung des .Sau» bac^er Dürgervereins" sprach sich die Mehrzahl der Anwesenden für den Arnold- schen Entwurf des Ehrendenkmals 'aus. Hinsichtlich der Plahfrage war die Meinung der Versammlung geteilt. Ebenso wurden Stimmen taut, die die Verwendung der Gelder zu einem wohltätigen Zweck befürworteten. — Vorgestern fand Förster Reust im Distrikt .Wann" (3 Kilometer nördlich -von Laubach) reise Erd- beeren. — Auf der heutigen 2 re ib ja g b am den hiesigen Lrmeintefeltern (vom »Eichberg" bei der ZriedrichShütte beginnend) wurden 21 Hasen zur Strecke gebracht (Pächter ist Fabrikant Schunk vom Winrhof bei Gissten). Die Treibjagd in den Gemeintewaldungen in .voriger Woche hatte ehte Strecke von nur 11 Hasen. ld. Aus dem Vogelsberg. 3. Dez. Biele Obstbaumzüchter, die in diesem Herbst erstmalig Klebgürtel zum Fange der Frost - spanner anlegten, haben mit dem verwendeten Leime, schlechte Erfahrungen gemacht. Da es hierzulande infolge oft herrschenden Sturmes meist »schräg" regtet, k)mm nur Leimarten verwandt werden, die nicht leicht von Regengüssen abaewaschcn werd n kSanen. Es hat sich herausgesteut. dass der Helle Ra.strenleim „Höchst" wegen lang andaiernter K'ebsähigk it und k um Dcnommenbct Abwaschung bei schwersten Regengüssen vor allen anderen Letmarten den Vorzug verdient. 4 Eichelsdorf. 3. Dez. Daß auch schwächer besuchte B.ranstaltungen im Laufe der Z it große Wirk ngen erzielen können, beweist das Aus'ehen der Odstbau:npflanzu.'ge.r uns.rer Gemarkung. Dor Jahresfrist liest der Landwirtschasts- kammerausschuß für Oberhessen durch Obstbauinspertor Wiesner hier einen Obstbaum Pflegekursus ab ;alt n, dessen 12 Teilnehmer bei der Größe unseres Dorfes nur einen sehr kleinen Bruchteil der Obstzüchter darstellten. Runmehr haben aber bereits sehr viele Dauern ihre ehemalige Gleichgültigkeit g genutet solchen Kursen aufgegeben und ahmen acks von den Kur- isten ausgeführten Daumpflegearbeitrn nach, älnd o finden «ich in unserer Feld mark fast Ee.ne Obstbäume. die nicht g. kratzt, gekalkt, aufgegraben, gedüngt und mit Älebgurtrln versehen worden inö. Die guten Erfahrungen, die man hier mit einem Obstbaumpflegekursus machte, soll.en recht viele Gemeinden veranlassen, auf gleichem Wege tee in der Rachkriegszeit etwas vernachlässigte Obstbaumpflege wieder m:hr ms Blick- eld zu rücken. Da die Gemeinde die vor ehugeit Jahren begonnene Bepflanzung von Oedland mit Aepfel- und Kirschbaumen ortgesetzt hat. find, di'se.n Beispiele folgend, von vielen Landwirten zahlreiche Obstbäume a pflanzt worden und dadurch infolge des Frostwinters 1923,24 entstandene und noch zu erwartende Verluste bereits ausgeglichen. —s— Volkartshain, 3. Dez. Die Meliorationsarbeiten an ter hiesigen Hutweide sind schon einige Zeit in Angriff genommen Worten. Seitens des hessischen Staates ind sämtliche Kosten in Höhe von 3000 Mk. vorgeschossen worden. Davon muh die Hälfte im nächsten Jahr zurückbezahlt werten, während die andere Hälfte Staatszuschust ist. Rur dadurch war es möglich, mit den Meliorationsarbeiten etzt schon beginnen zu können —s— Herchenhain. 3. Dez. Die Holzhauerarbeiten haben im hiesigen St aatd- wa 1 d jetzt erst begonnen Aus ter hiesigen Gemeinde beteiligen sich 34 Holzhauer. Da in die- dem Jahr nur sehr wenig Holz geschlagen werden soll — nur ca. 1600 Festmeter — so dürfte bei ter großen Zahl der Holzhauer die Arbeit in etwa 4 bis 6 Wochen beendet sein Kreis Alsfeld. I Mücke, 3. Dez. Zwei neue Benzin- t a n t ft e 11 e n sind in diesem Jahre an der Hauptverkehrsstraße Grünberg—Alsfeld bzro. Ulrichstein entstanden, ein Zeichen dafür, daß mit einer Zunahme des Auto- und Motorradverkehrs gerechnet wird. — Voraussichtlich werden im nächsten Jahre hier wieder einige Häuser erbaut. Auch von der „Deutschen Bau- und Siedlungsgenossenschaft", Sitz Darmstadt, werden zwei Häuser errichtet, von denen eins bereits ausgelost ist. Der erfreuliche Aufschwung, den unser Gemeinwesen nach dem Kriege genommen hat, dürfte infolge der regen Bautätigkeit noch zunehmen. — Es wäre zu wünschest, daß sich Merlau-Mücke und Flensungen zu einer Interessengemeinschaft zum Bau einer Wasserleitung zusammen, schlössen. Die drei Orte liegen so nahe zusammen, daß sie fast ein Ganges bilden. Käme auch eine Wasserleitung im nächsten Jahre noch nicht zustande, so würde doch von den meisten Bewohnern schon der erste Schritt freudig begrüßt werden. — Nachdem die Straße Ruppertenrod—Mücke wieder hergesteUt ist, wäre es notwendig, daß auch die Zu fahrt s» straße zum Bahnhof Mücke von der Straße Grünberg—Ruppertenrod an einigermaßen hergestellt würde. Diese Straße befindet sich infolge des lebhaften Wagen- und Autoverkehrs in sehr schlechtem Zustande. Besonders gilt dies von dem Fuß. pfad. — Die Dahnoerwaltung würde sich den Dank des Publikums verdienen, wenn sie den hiesigen Bahnsteig etwas überdachen ließe, damit man in der schlechten Jahreszeit nicht der Rässe aus- gesetzt ist. — Auf dem hiesigen Güterbahnho herrscht gegenwärtig regerDerkehr. Es werden verhältnismäßig viel Baumaterialien und Kohlen ausgeladen, Getreide und Holz dagegen eingeladen. — Das P o st a u t o nach Ulrtch stein nahm abends stets die Pakete mit, die mit dem letzten Zuge tarnen. Dadurch entstand ein längerer Aufenthalt, der für die Reisenden, die nach dem hohen Vogelsberg wollten, sehr unangenehm war. Die Postverwaltung hat nun den Klagen der Reisenden Rechnung getragen, so daß das Auto jetzt abends nur die Briefpost mitnimmt. Dadurch kann man mindestens eine Viertelstunde früher abfahren. Starkenburg. WSR. Darmstadt, 3. Drz. Obcrbürger» meister Dr. Glässing tonnte am 1. Dezember sein 2Sjähriges Jubiläum tm Dienste der Stadt Darmstadt begeh.n Sr wurde am 1. Dezember 1901 zum besoldeten Beigeordneten und bald daraus als Nachfolger von Mor- netoeg zum Oberbürgermeister gewählt. Spielplan der frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 5. Dez., nachm. 2*/i bis 5 41hr: Peterchens Mondfahrt; atends 6>/s bis 10l/3 Uhr: Lohmgriir. Montag, 6. Drz.. ZVs bis 10’A Uhr: Der Golem. Dienstag, 7. Drz., 8 bis 93/t Uhr: Salome. Mittwoch, 3. Drz., ZV» bis 10 Uhr: Der Waffenschmied. Donnerstag' 9. Dez., ? vis 10'/° Uhr: Die Zauberslote. (Samstag, 11. Dez., ?’/z bis 10 Uhr: Rigoletto. Sonntag, 12. Dez., nachnr. 3 bis S1/» Uhr: Peterchens Rätsel-Ecke. Silbcnrätscl. Aus den 25 Silben: al _ ba — bei — bürg — chen — de — ei — em — fort — ge — ha — ler — fi — mar — me — now — pier — ra — ran — re — fei — ftum — tril — wech — zen ind elf zweisilbige und ein dreisilbiges Won zu bilden, die in ihren Anfangs- und Endbuchstaben, beidemal von vorn nach hinten gelesen, ein Sprichwort ergeben: 1 kaufmännische Urkunde; 2. priesterliches Gewand; 3 Taschenan: 4. Universitätsstadt; 5. Fluß in der Schweiz: 6. Fechtwaffe; 7. Stadt in Mecklenburg; 8. weiblicher Personenname- 9. Gar- tengerät; 10. französische Festung; 11. Zeiteintei- lung; 12. Gesangsverzierung. Kreuzworträtsel. 2 24 n 2f 26 29 \2O 25 — 28 — S"” 3 h 22I 123 I 1. Von links nach rechts: 5. Stadt in der Schweiz; 7. Baumgana; 9. biblische Person; 10. Schijssführer; 12. andere Be- Zeichnung für Beruf; 14. tierischer Fruchtkörper: 15. Handlung; 16. ausgeftorbene Rinderart; 17. Flächenmaß; 18. TeU des Wagens; 20. Fluß in Sibirien; 21. biblische Person; 23. biblischer Frauenname; 25. weiblicher Personenname; 26. Dichtungsart: 27. Tageszeit: 28. Fluß in Rußland; 29. französischer Feldherr; 30. andere Bezeichnung für Rest; 31. Singstimme. 2. Don oben nach unten: 1. Biblischer Stammvater, 2. altgermanische Göttin; 3. englisches Bier; 4 biblische Frauengestalt; 5. orientalischer Fürstentitel; 6. Senkblei; 7. Teil des Baumes; 8. Laufvogel; 9. schmachtender Liebhaber; 11. russisches Land, 13. andere Bezeichnung für Begleiter; 17a. Feldblume; 18. Gangvogel; 19. andere Bezeichnung für Sache; 20. Kosmetikum; 22. wie 29 wagerecht; 23. englische Insel; 24. Abschiedswort; 25. wie 25 wagerechi. Umstellnngsrätsel. Die Buchstaben in den Wörtern: Rinde — luere — Horen — Abo — Preis — Graus — Betti — Wilna — Lampe — Schlaf — Reis — Elch sind zu umstellen, jo daß neue Wörter entstehen. Diese müssen alsdann in ihren Anfangsbuchstaben, werden selbige aneinandergereiht, einen winterlichen Leckerbissen nennen. Bilderrätsel. Kopfwechselrätsel. Eid — Locke — Kunde — Else — Mole — Riegel — Rehe — Ober — Lasso — Pirol — Puter. Vorstehenden Wörtern gebe man einen andern Kopf. Die neuen Köpfe ergeben alsdann, werden sie aneinandergereiht, eine kirchliche Handlung. Homonym. Gehl es nicht mit einem Male --möcht' ich jedem bann, Daß er doch in--zahle. Nun mag--, wer da kann. Auflösungen. Silbenrätsel. 1. Adresse, 2. Du er er; 3. Alarich; 4. Adler; 5. Hering; 6. Knochen; 7. Idaho; 8. Meltau; 9» (Esra; 10. Marlitl; 11. Lurlei; 12. Aspern, 13. Thaddaeus; 14. Marine; 15. Grande; 16. Kragen; 17. Andersen. Duldendes Ausharrn erreicht alle Dinge. Verbindungsausgabe. Vogen-Lampe — Apfel-Kraut — Licht-Schi rm —« Lust. Schiff — Safsee-Satz — Laub-Wald — (Els* Sera — Jlse-Stem — Distel-Fink. Ballkleid. Fehl-Ausgabe. Hatibor — Antimon — Ultimo — hirtius — Routine — Etikett — Intimus — Fatime. Rauhreif. verwandlungsräksel. 1. Ummer; 2. Lader; 3. Biene; 4. Faktor; 5. Harke; 6. Kran; 7. Krater; 8. Last; 9. Maske; 10. Trog; 11. Watt; 12.. Wolf. viersilbige Scharade. Schlummerrolle. BilterrätfeL ~ — Besser abwarten als übereilen. Suchrätsel. Außer den daraus befindlichen ganzen Fiauren sind noch 7 Jungen und 7 Zieaen auf dem Bildchen angebeutet, a) Die Jungen: 1. Baum; 2. Leiter; 3. linier Rand Schatten; 4. Peitsche und 5. Ball hinter dem Baumstumpf; 6. Hund an der Leine; 7. Stock rechter Rand b) Die Ziegen: 1. Hörner neben Leiter; 2. Schatten: Hörner; 3. Schatten: ganzes Tier; 4. neben Baumstumpf; 5. hintenn Berg; 6. auf dem Berg; 7. Rand rechts, Hinterpfote. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedakttonSttsch. Uebersahrk. Es ist sehr stürmisch, und die See geht hoch. Herrn schlicker geht es auch bald hoch, er geht auf Backbord und hält sich, auf alles gefaßt, krampfhaft fest. Seine besorgte kleine Frau eilt zum Kapitän und fragt ihn: „Was soll ich da tun, wenn mein Mann seekrank wird?" Der Kapitän grinst sehr liebenswürdig und meint: „Das wird er schon selber besorgen, da brauchen Sie gar nichts zu tun'. Der neueste Shaw-Ditz. George Bernhard Shaw war kürzlich auf einer Gesellschaft, auf der sich ein junger Geigenkünstler hören lieh. Nachdem er einige Stücke gespielt hatte, wandte sich die Dame des Hauses an den berühmten Dichter und fragte stolz: „Nun, was sagen Sie zu meiner Entdeckung?" Shaw erwiderte, er fände an ihm eine große Aehnlichkeit mit Paderewski. „Aber Paderewski ist doch kein Geigensvieler". sagte die Dame. „Nun eben deshalb 1" bemerkte George Bernhard Shaw. kalauer. Otto Julius B i e r b a u m und Otto Erich Hartleben erinnerten sich einmal in den spateren Jahren mit stiller Rührung an ihre Studentenzeit, und Bisrbaum erzählte, er habe in einem so kleinen Zimmer gewohnt, daß er darin leinen Schritt gehen konnte. „Das ist noch gar nicht»," erwiderte Otto Erich. „Ich hatte mal eine Bude die war so klein, daß nicht einmal meine Uhr darin gehen konnte. Deshalb muhte ich sie aufs Versatzamt tragen." wer ist Optimist. Wer sich ein Austern, ruhstück bestellt und hofft, mit ten Perlen, die er in den Austern finden wird, die Zeche zu bezahlen. Mondfahrt; abends 71/. bis 10Vg Uhr: Der Golem. Schauspielhaus. Sonntag, 5. Dez., nachm. 4 bis 6 Uhr: Pinkepunl; abends 8 blS y/t Uhr: Drr fröhliche Weinberg. Montag, 6. Dez.. 8 bis 10 tthr: Die zwei Abenteurer. Dienstag. 7. Dez., 7VS bis 10 Nhr: Kilian oder die gelbe Rose. Mittwoch. 8. Drz., TV» bis 10 Uhr: Prinz Friedrich von Hornburg. Don° nerstaa, 9. Dez., 71/» biv 10 Uhr: Kilian oder die gelbe Rose. Freitag. 10.D->z.. 8 bis 10 Uhr: Die zwei Abenteurer. Samstag, 11. Dez., nachm. 3Vg dis 5V& Uhr: Pintepunt; atends TU bild Ahr: Otlapotrida. Hierauf: Hochzeit. Sonntag, 12. Dez., nachm. 31/? bis 5V» Uhr: Der Revisor; abends V/3 bis 10 Uhr: Kilian oder die gelbe Rose. Aus dem Amtsvcrrttndiuunttsblatt. • DaS AmtSverkündigungSblatt Rr. 9 7 vom 3. Dezember enthält: Anhörung von Privattengsten. — Kreisstraßensperre. ~ Maul, und Klauenseuche in Rödgen und Grotzen-Duseck. — Wandergewerbescheine. — Grwertelegitima- Für den Weihnachfs - Verkauf haben wir in allen Abteilungen Sonder-Angebote zusammengestt ausserordentlich vorteilhaften in den Verkauf bringen Pelzbesetzte Mäntel und Kostüme Mk. 29.- 39. 49.- 58.- Pelz-Mäntel und Jacken jeder Art Mk. 135.- 175.- Nachmittags-Kleider, flotte Formen Mk. 29.- 39.- 49. 5S.- Vornehme Abendkleider, schwarz und farbig Mk. 39.- 49.- Tanzstunden-Kleider, mod. Lichtfarben Mk. 39.- 49.- 59.- 68.« 75.- usw. Frankfurt a. 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Wenn man dagegen beobachtet, wie der Finanzminister dieser Regierung heruntergerissen wird, dann ist es Ehrenpflicht für jeden Wähler erst recht für diese Regierung Diese Die Mehrzahl der abgCgCbCttCH Stimmen entscheidet Wer zu Hause bleibt, unterstützt die Gegner! 6>e:x Deutsche Demokratische Partei 10010c Ist eine gute NAUMANN Seltersweg 52 10036t ln'0SD FÜR DAS WEIHNACHTSFEST IN REICHER AUSWAHL Blumenkrippen und «Stander FeNr?§58Oh" Ernst Rau, Komplette Wohnungseinrichtungen Teilzahlung gestattet I Beachten Sie bitte meine Schaufenster! Walltorstr. 10000a Matratten Chaiselongues und Decken Divans Klubsofas u. Sessel in Stoff und Leder CT B 2 o *■» o g tv I Klub- und Rauchtische mit Holz-, Messing- und Marmorplatten Nähtische, Bücherschränke Frisiertoiletten in weiß und eiche ME einzutreten. 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Dezember 1926 Ur. 284 Viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) SkUWAls- und ZMWrm res vrieisdmes. 470 000 Einwohnern ha Schwanheim mit Erwägung gc et. ben us dem Unterfangen, gegen das der Vogelsberg mit , 22.-. 21- ‘bogt.. • 1150 IM Kossenheim Griesheim oder dreifach-weiten Weg zum miserabelstem Wetter, bei Rcgen- unb und und und 711 1794 638 481 TSrnxirtimg. werden irnö den doppelt- Kreisarnt. bei ha ha ha ha 15.- 35; W rund fleht vor dem Ab. chluh der Ein- ttboifiraiitjj- wollen wir uns bescheiden in der daß diese Singe im Auge behalten stidrt" O’.2S der l'nnöiviriidjoft leniiäiiöe, i'/iimiodj. idiniiimgS l'/j Ubr, ■rttriflcrn: 1. einen I Mniicn und Veucr, eine Tütfronnnnible, urilune und louüwc ne ^urWüll- unb tfbreit unb lotni by n 08447 mit 4 800 Einwohnern mit 12509 CinmoQnern Eingemeindungsfragen im Maingau. dem hohen Vogelsberg geholfen wird, sobald die allgemeine Lage cs gestattet. Segen eine Verschlechterung seiner Verhältnisse aber darf und muh sich der durch seine klimatischen Verhältnisse schon genug leidende und wirtschaftlich schwer ringende hcche Vogelsberg m l t allem Nachdruck wehren. K. BJTHöhehkhkraff, alibewcdit/l . ^' denen sind, die verhältnismähig geringere Einwohnerzahl haben. Wer aber die Verhältnisse an Ort und Stelle auch nur etwas kennt. Weitz, datz eS völlig abwegig ist. nun einfach zu sagen: „fangen wir also bei den kleinsten an!" Sin solcher Standpunkt mutzte als zu oberflächlich und in den wahren Verhältnissen zu wenig begründet, scharf bekämpft werden. Aber genau so denkt „man" etwa bei dem Abbau von Kreisämtern oder Kreisbauämtern. Warum sollt« da ausgerechnet der Kreis Schotten herhalten? Das ist wirklich nicht einzusehen. Anscheinend will „man“ wohl sparen, aber an einer Stelle, wo „man“ es möglichst wenig selber spürt: ob die anderen es spüren, und wie sie es spüren, danach dürste denn doch wohl auch einmal gefragt werden. Unb da ist zu sagen: verlöre der Vogelsberg etwa sein KreiSamt Schotten dann hätte jedermann, der am Kreisamt irgendwie etwas zu erledigen hat und in dem Bezirk des alten Kreises wohnt, die doppelte Zeit und höhere Kosten aufzuwen- den. als vorher: eine persönliche Fühlungnahme, durch Rücksprache besonders, und eine Zusammenarbeit zwischen Privaten und auch den einzelnen Behörden des alten Kreises einerseits und dem KreiSamt deS neuen KreiseS anberer- seitS wäre bebeutenb erschwert und für viele Fälle unmöglich gemacht. Aehnlich läge es mit dem Kreisbouamt. Unb bazu mutz man doch bedenken, welches Wetter im hohen Vogelsberg, besonders in der schlechten Jahreszeit, herrscht: soll man dabei wirklich vier Stunden und mehr unterwegs sein müssen, um einmal etwas Wichtiges auf dem Amt zu erledigen? Wenn daS einmal wäre, dann wäre es noch einigermotzen erträglich : da crsahrungsgemäh derartige Gänge aber öfters nottoenbig werden, so fällt das sehr ins Gewicht. Und wenn es heute schon so ist, dann muh es damit genug sein: nun aber diesen Zustand noch verschlechtern wollen, das wäre ein starkes sturm oder Schneegestöber vielleicht, machen zu sollen, das bedeutet eine Zumutung, die wirklich nur völliger Sachunkenntnis entspringen kann. Warum zieht man denn nicht die schlechten Derkehrsmöglichkeiten des Vogelsbergs in Betracht? Und warum denkt man nicht daran, dort, wo sehr gute Verkehrsmöglichkeiten bestehen, etwa an der Sichen— Frankfurter Strecke, ein Kreisamt oder ein Amtsgericht eingehen zu lassen? Der Vogelsberg darf sich also mit aller Entschiedenheit gegen eine Zurücksetzung und stiefmütterliche Behandlung wehren. Freilich sind heute, so wird man trieft ganz mit Unrecht einwenden, die Derkehrsmöglichkeiten auch im Vogelsberg bedeutend besser, als vor 15 oder 20 Jahren. Denn wir haben ja, und wie froh unb bankbar sind wir dafür, die Postkraftwagen, die bei schlechtestem Wetter, auch bei Schnee, wenn er nicht allzu hoch kommt, ihren Weg machen. Wir geben das gerne zu, und wir banken hier einmal den Chauffeuren, die in bewundernswerter Pflichttreue manchmal geradezu Unmögliches möglich machen. Wer einmal mit dem Postauto im Vogelsberg durch hohen Schnee mühsam sich durchgewühlt hat. der kann ermessen, welche Anforderungen an Mann unb Material da oft gestellt werden. So ist eS wirklich keine leere Schmeichelei, wenn wir auch einmal laut unb öffentlich für so viel Treue danken." „Gut gemacht!", wird nun wohl jemand sagen, aber...?" Ja: es kommt nämlich ein Aber. Und zwar ein grohes. Da müssen wir sagen, dah wir die Zuschüsse, die die Post fordert, doch etwas reichlich bemessen finden, und dah gerade im hohen Vogelsberg der Gedanke der Rentabilität nickt zu scharf durchgedacht werden sollte: so könnte etwa die Strecke Mücke — Feldkrücken doch wohl von einem Post- auto befahren werden, to£nn .....ja, wenn sie rentabel wäre", sagt die Reichspost heute mit einem gewissen Recht. Immerhin scheinen und (die wir übrigens an dieser Strecke ganz unerhebliche Opfer auferlegt, ist nicht geeignet, ben Aktienmärkten neue Käufer zuzuführen. Aus L.... Ausland sind dem Markt nicht unerhebl che eigentlich« unb hohe Vogelsberg einem Abbau bedroht. Immeryi einzelner Amtsgerichte wird in „ _ _ zogen", heitzt es: unb wenn wir die gerade jetzt veröffentlichten Einwohnerzahlen der hessischen Amtsgerichtsbezirke ansehen, erkennen wir. dah Schotten, Ulrichstein und L 0 u b a ch unter allen Mitteln sich zur Wehr setzen mutz. Und etwa von so unb so vielen Dörfern aus nun -175 ■ w 7.50 ■ «»7.50 ^.50 A, üoijl.W ■ ■ “so 5.75 elefelder n rn ■ 12.00 y.!)0 • - 6.00 5.50 • -10.50 9.00 • . afö 0.75 • 1801.50 • 2.50 • 3.75 2.75 -75. iso 0.95 2,f$. 3.00 2.00 nmuste- 1 cr\ 2.Ä M i-JVJ von 1.90 an efüttert 8.00 Akt ienpaketo zugeslossen, die tur^brü den b wirken. Ein Beispiel hierfür war das ominöse Aktienpaket der J.-G-Farben von schätzungsweise 8 bis 10 Mill Nominalwert, das aber inzwischen wieder untergebracht sein soll. Entgegen anderen Verlautbarungen nimmt man an, datz es schließlich wieder seinen Weg In bad Ausland genommen hat, was bei dem außerordentlichen Interesse, das das Ausland gerade diesem Papier entgegenbringt, sehr begreiflich erscheint. Von der Nachricht von den Plänen des Reichsfinanzministeriums in bezug au) U m- wandlung der Altbesih-Ablösungs- a n l e i h e profitierten vorübergehend neben diesem Papier selbst auch Kriegsanleihen. Erst die strikte Erklärung aus dem Reichsfinanzministerium, dah Neubesih auch h'er wiederum unberücksichtigt bleiben soll, machte dieser Bewegung ein Ende. Wie bereits oben erwähnt, brachte der Ultimo eine scharf« Anspannung derGeld- s ä tz e, die bisher noch keiner Gntspattnung Platz gemacht hat. Man glaubt jedoch anriehmen zu dürfen, daß es sich auch diesmal wieder nur um eine vorübergehende Erscheinung handelt. Immerhin ist zu berücksichtigen, daß wir jetzt in den letzten Monat des Jahres getreten sind, unb sich der Jahresschlußbedarf immer schon recht früh bemerkbar macht. Charakteristisch ist jedoch dah trotz zeitweiser Vermehrung des Materials die Privatdiskvntsähe bisher aus recht erhalten werden konnten. Inwieweit die Absicht der Gold- diskontbank, durch Angebot von Solawechseln daS Material am Privatdiskontmarkt zu vermehren, auf dessen Entwicklung Einfluß gewinnen wird, läßt sich heute, da man die Einzelheiten dieser Maßnahme noch nicht kennt, noch nicht überblicken. Zweck dieser Maßnahme kann nur sein, eine neue Unterbringungsmöglichkeit für die kurzfristigen Gelder, die zeitweise aus Mangel hieran sogar in das Ausland wandern mußten, zu schaffen unb gleichzeitig der Reichsbank stärkeren Eitrfluh auf dem Geldmarkt zu gewähren. gentralausschuhsitzung der Reichsbank. Wie zu erwarten war, ist In der gestrigem Zentralausfchuhsihung der Reichsbank keine Diskontermähiaung vorgeschlagen worden. Dach den Ausführungen des Reichsbankpräsidenten ist hiermit für den Dezember auch nicht zu rechnen. Dagegen scheint eine Ermäßigung des Diskantes zu Anfang des nächsten Jahres in Erwägung gezogen zu werden. An Stelle des auS- scheidenden Vizepräsidenten Dr. Kaufs mann wurde Reichsbankdirettor Dreyse, einer der jüngeren Direktoren, als Vizepräsident bestätigt. jDie Einziehung von 293 Millionen Rentenbank- Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. Auch in den ersten Tagen der Derichtswoche zeigte die Tendenz der Berliner Börse keine Aenderung. Don auhen her blieb die Zurückhaltung bestehen, während die Spekulation mehr geneigt war. a la baisse zu operieren D e Ultinto- Liguidationskurse brachten dann auch gegenüber den Rovember-Midiokursen teilweise recht empfindlich« Abschläge. Am meisten in Mitleidenschaft gezogen waren I-G.»Farben-A'tim mit einem Kursverlust von 34 Prozent. Es folgten Berliner Handelsanteile mit 28 Prrqent. Rheinisch« Braunkohle mit 21 Prozent. Rheinftabl mit 20 Prozent. Die übrigen Wert' verloren im Mittel etwa 10 bis 15 Prozent. Charakteristisch ist jedoch für die Gesamtbörsenlage, daß es mir eines kleinen Anstoßes bedurfte, um das B ld wieder zu verschieben. Di« Meinung, dah in '«r Frage der Freigabe der deutschen Werte in Amerika unter den Parte en eine Verständigung erzielt sei. bi« als verhältnismäßig günstig für Deutschland betrachtet nxrb-n darf, und bei der insbesondere im Gegensatz zu einem bisher zur Erörterung stehenden Entwurf auch eine teilweise Entschädigung der deutsche nSchisfahrts-Gesellsch asten vorgesehen ist. gab der gesamten Tendenz ein freundlicheres Aussehen, wobei insbesondere die sogenannten Freigabepaviere. darunter auch Schiffahrts-Werte, erheblich vrof tieren konnten. Die Folge war, daß die Baisse-Spekulati'n auch aus anderen Gebieten zu Deckungen schritt. Auch die verschiedenen Monatsberichte der Gr^h- banken, die zum Ausdruck bringen, daß die Ermäßigung der Kurse zur Gesundung der technischen Börsenlage bei getragen hätte, scheinen ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben, jedenfalls insoweit, als die Ban'enkundschaft jetzt eher geneigt ist, an ihren Engagements festzuhalten. Die Aussichten, daß nunmehr aber bere ts wieder eine neue Hausseperiode ein treten wird, scheinen jedoch außerordentlich gering zu se it. Es macht sich vielfach das Bestreben der (Mbgel'-er bemerkbar, in der Zurverfügungstellung von Re- portsgetdern größere Zurückhaltung zu wahren. Die starke Anspannung der Geldsähe, die b'sher noch keine Erleichterung erfahren hat. läßt den Schluß, dah der Ultimo bereits völlig überwunden ist, noch nicht zu. Die oben skizziertem Kursdifferenzen zwischen Medio- unb Ultimokursen bedingen naturgemäß erhebliHe Difserenz- zahlungen, die augenscheinlich vielfach erst durch Kassaverkäufe ermöglicht wurden. Auch die Anhäufung von Kapitalzusammenlegungen, die den Aktionären teilweise recht LLSN. Innerhalb des Rhein-Moinijchen Städtekranzes der in feiner Zusammenfassung ben großen Kernpunkt des jüdweftdeutschen Wirtschaftsgebietes abgibt, nehmen die bereits vorhandenen zahlreichen Anknüpfungspunkte der Gc- meinsamkeitsinteresten täglich zu und steuern sichtbar .......m Interesse der Allgemein- Der verschiedenen Siedlungskomplexe nichts weniger als die zwangsläufige mosaikartige Zusammenfü- gung eines weiträumigen Grohstadtbildes am Untermain. Das Zentrum Frankfurt mit -------- . u, 13 4?7 hQ und unaufhaltsam der im Interesse der Allgemein- beit erwünschten Schaffung eines Z w e ck 0 e r • bandes entgegen. Unter diesem Gesichtswinkel gewinnen di« derzeitigen Eingemeindungs- beftrebungen der einzelnen Siedlungen innerhalb des Rhein-Mainischen Städtekranzes mit dem Zentrum Frankfurt a. M. an erhöhter Bedeu- tung. Bremen doch diese einzelnen Abrundungen Stelle etwa bringt, will wenig bedeuten gegenüber einer wahrscheinlich genau so ins Gewicht fallenden Schädigung der Vogelsberger Landwirt«. die sich auS Oer Aufhebung ergibt. Nach dem Landwirischa tSamt kommen die Amtsgerichte. Es scheint uns, die wir da nicht so ganz ununterrichtet sind, als sei der eigentliche unb hohe Vogelsberg hier nicht von iin: „der Abbau Der Vogelsberg erfreut sich gegenwärtig vielfach eines Interesses, das ihm wenig angenehm ist: es scheint, dah. sobald von Abbau- mahnahmen gesprochen wird, dabei der Vogelsberg in Betracht gezogen werde, als ob das ganz natürlich sei. So ist es leider Tatsache geworden, datz das Landwirtschafts- amt der Stadt Schotten genommen unb ihr nur eine sog. Außenstelle belassen wurde. Wir müssen das in Anbetracht der besonderen Aufgaben, die einem Landwirtscha'tsamt gerade im Vogelsberg erwachsen, für verfehlt ansehen, der höhere Vogelsberg, als dessen Landwirt- schaftSamt man das Schottener ja wohl bezeichnen durfte, hat ganz andere Verhältnisse, als etwa Nidda, und eS hätte wahrhaftig nichts geschadet, wenn man dem Landwirt deS hohen Vogelsbergs weiterhin möglichst nahe und be- quem Gelegenheit zu theoretischer Weiterbildung unb damit zur fortschreitenden Verbesserung seines Betriebs gegeben hätte. Die wirkliche Ersparnis, die die Aufhebung der Schottener Zusammen 503 200 Einwohner 17 101 ha Dazu steht noch aus im Westen Nied mit etwa 6000 Einwohnern. Die weitere unausbleibliche Ausdehnung Frankfurts, im Rahmen der nächsten Berührungsumgebung, besonders nach Osten, Westen und Süden, zielt auf die Schaffung eines G r 0 tz - stadikerns innerhalb des Rhein-Moi- nischen Städtekranzes, dem die Tendenz innewohnt, die an seiner Peripherie gelagerten Siedlungen zu einem wesentlichen Bestandteil seines wirtschastlichen Weichbildes zu machen. Diese Eingemeindungen werden früher oder später kommen unb sich auch auf das nördlich gelegene Taunusgebiet erstrecken. H ö ch st a. W. hat bereits früher die Orte Sindlingen, Zeilsheim unb ilnteriieberbad) ein- aemetnbet, so batz noch Abschluß der neuen westlichen Eingemeindungen Frankfurts vom Landkreis Höchst nur noch kümmerlich« Reste verbleiben. Ferner ist zwischen H 0 sheim und Kristel seit einiger.Zeit gleichfalls ein Der- schmelzungsprozeh im Gange. Auch hier rechnet man. wie in Höchst, in einer späteren Zeit mit der Möglichkeit einer Einverleibung nach Frankfurt a. W. Wiesbaden hat durch die kürzlich erfolgte Eingemeindung von Biebrich, Schierstein unb Sonnenberg eine Neueinteilung der Landkreise Wiesbaden-Land. Höchst unb ilntertaunud beraufbeschworen. da di« nunmehrigen Restkreise kaum noch lebenssähig sind. Wiesbaben mit bisher 107 000 Anwohnern hat bamit einen Zuwachs von etwa 30 OOO Personen erhalten, wird also in Zukunst über 137 OOO Bewohner zählen. Der Flächeninhalt steigert sich mit Biebrich um 1677 Hektar, mit Schierstein um 1190 Hektar unb mit Sonnenberg um 750 Hektar. Damit wirb Groh-WieSbabcn noch nicht saturiert sein. In Erwägung steht noch die Einbeziehung von Dotzheim, Srvenheim, Kloppenheim, Dierstadt u. a., die heute schon durch di« Beriorgung mit Gas. Wasser unb Elektrizität mit Wiesbaden eng verbunden sind. Auch Mainz mit 108 000 Einwohnern, wozu Womboch. Kastel unb Kostheim gehören, betreibt zur weiteren Ausdehnung nach Osten, aus Gründen seiner Wasserst ratzen- unb Hafen- Politik. die ©ingemeinbung von Gustavsburg. Nachdem Offenbach bereits Bürgel ein- verleidt hat. steht es zur Zeit im Süden mit der Gemeinde Bieber in Unterhandlung. Unbeschadet der lediglich olS politischer Begriff bestehenden hessischen LandeSgrenze drängen auch hier innere Kräfte auf eine Verschmelzung Frankfurts m i 1 Offenbach, der beiden Hchwesterstäbte. die heute schon wirtschaftlich und bebauungmähig zusammen verwachsen sind. Hanau, mit etwa 38 000 Einwohnern, ist bestrebt. Mittelpunkt eines eigenen Hin erlandes zu fein. Die Eingemeindungspläne erstrecken sich *ur Zeit aus die dem Wainhafen nahegelegen«. 8000 Einwohner zählende Gemeinde Groh- Auheim. Friedberg steht mit seiner Nachbar- gemeinbe O ck st a b t in Verhandlung. Andererseits sind zwischen den Städten Friedberg, Bad-Nauheim unb Butzbach Derhanb- hmgen bezüglich eines Gruppengaswerkes Im Gange. Oberursel soll mit der räumlich unb wirtschaftlich eng zusammenhängenden Landgemeinde Bommersheim vereinigt werden. Auch Aschaffenburg und Darmstadt haben ihre grohzügigen Eingemeindungspläne noch nicht abgeschlossen. Zu einem weiteren Bindemittel zwischen ben einzelnen Gemeinden im ilntermaingebiet hat sich neben der rationellen Grotzversorgung mit Kraft, Licht, Wärme unb Wasser sowie dem VchlssahrtS-, Lust- unb Radioverkehr das Kraftverkehrswesen besonders ausgewirkt. Reben ben neuen, gemeinsam burchzufüh- renden Autoburchgangsst ratzen sind es die Auto- OmnibuSlinien, welch« zwischen den einzelnen Gemeinden ernste kommunalpolitifche Gemeinsamkeitsgedanken über Landes- grenzen hinweg auslösen. Di« freie Wirtschaft, sowie bie öffentlich-rechtlichen Verbände und Organisationen haben bereits den Weg des Zusammenschlusses über bie innerpolitischen Grenzen hinweg beschritten, di« rein kommunalen Organisationen werden über kurz ober lang folgen müssen, besonders im Hmblici auf bie Fernversorgungspläne mit Gas unb Elektrizität aus dem Ruhrgebiet, welche hier an die bedeutende Konsumkraft einer wirt- schaftlich unb industriell hochentwickelten Grotz- tieblung mit rund 1,6 Millionen Einwohnern ich anzulehnen bestrebt sind. beteiligt sind) die Lätze, die die Reichspost a l 1- gemein als Garantiesummen ansetzt, z u yoch zu sein. Auch zum Fahrpreis haben wir ciwas zu bemerken. Wir erinnern uns, ge- legentlich in Bayern mit dem Pvstaulo pro Kilometer nur 8 Ps. gezahlt zu haben, während hier durchweg 10 Pfennig gezahlt werden. Das macht bei Entfernungen von 10 oder 20 Kilometern immerhin schon etwas aus! Wir haben gewiß nichts dagegen, datz die Reichspost ihren Betrieb wirtschaftlich gestaltet. wir sehen die Notwendigkeit dazu durchaus ein. Wir können aber nicht einsehen, warum man auf jeder Strecke, die in Betrieb ist, möglichst viel herauSwirtschasten will, anstatt noch mehr äleberschüss« zum Ausgleich auf anderen, weniger rentierenben Strecken zu verwenden, als es heute minstdeens für den Außenstehenden den Anschein hat. Da wir nun bei der Reichspost sind, ein Wort zu der geplanten UmgeftaUung des P 0 stwesens. Es sollen, so schwirren hier oben Gerüchte, Postämter aufgehoben unb der Post dienst mit Hilfe von Kleinkvastwagen um- gestaltet werben .Die Abtragung der Postsendungen in den einzelnen Landorten soll nur im Anschluß an die erste tägliche Fahrt ftatt- finben." heißt es in dem amtlichen Bericht, .während nach der zweiten Fahrt der Klein- kraft wagen eS dem Publikum ermöglicht werden soll, seine Sendung bet ben Poststellen in den Land ort en aHz uh ölen" Soll das etwa bedeuten dah an Orten, die beide zweimal tägliche Postbesteslung haben, bann nur noch einmal Postbestellung erfolgt und man sich im übrigen die Postsachen abholen .darf"? Unb soll ixid etwa bedeuten baß man in Zeiten der Grnte vielleicht stundenlang warten muß, bis jemanb von der Post Hilfsstelle zugegen ist? Sollte das überhaupt eine Verschlechterung des bestehenden Zustande- mit sich bringen, bann wäre nur schärfste Verwahrung bagegen einzulegen. Wie denkt man sich denn diese neuen Verhältnisse in einem schneereichen Winter im Vogelsberg? Wie da wohl bie Kleinkrastwagen stecken bleiben, wenn nur einzelne der ganz großen Straßen freigemacht sind! Und glaubt denn bie Reichspost im Ernst daß sie für Sendungen, die man sich selber abholt, die sie also nur teilweise behandelt, und bie vielleicht mit großer Verzögerung ankommen, biefeiben Gebühren erheben könnte, die sie heute erhebt? (Ueber diese Umgestaltung denken wir etwas anders als der Herr Dersasser dieses Aussatzes. D. Red.) Wir ziehen ben Schlußstrich: wohin wir Vogelsberger sehen, sehen wir Gefahren. Hier Abbau des Kreisamtes, dort des Kreisbauamts, dort des Landwirtschaftsamts, dort des Postamts unb dort vielleicht des Amtsgerichts. Nicht als ob alt diese Gefahren nun unbedingt so ernst fern mühten, wie sie uns manchmal erscheinen: man muh uns aber schon gestatten, dah wir, die wir ohnehin nicht zu ben .Bevorzugten des Glücks" gehören, uns gegen jede auf steigende und drohende Verschlechterung unserer Lage wehreni Wir haben einen klar begründeten Rechtsanspruch daraus, gegenüber den in besserer Verkehrslag« Lebenden nicht weiter benachteiligt zu werden: wir wollen also, dah etwaige Ersparnismahnahmen auf den behandelten Gebieten nicht nur auf Grund statistischer Unterlagen, sondern auch in Fühlung mit ben beteiligten örtlichen Instanzen getroffen werben. Heute hat man in weiten Kreisen, die es angeht, den schweren Fehler eingesehen, ben man Ende der vorigen und anfangs dieses Jahrhunderts gemacht hat: hätte damals bet Vogelsberg es fertig gebracht, die alte beutsche .Grb- tugenb", genannt Uneinigkeit, bei sich etwas zurücHudämmen, bann hätte bet hohe Vogelsberg heute, neben der Strecke Lauterbach—Stockheim, eine zweite Eisenbahn. Sie scheint uns immer noch das Erstrebenswerteste, etwa auf der Strecke Mück e—R i f f e I b. Unter Zurückstellung aller irgendwie weniger in Bettacht kommenden kleineren unb rein örtlichen Interessen sollte man sich einigen auf dieses groh- zügige Projekt. Und dann, im Anschluß an solchen Dahnbau, käme Absatzmöglichkeit für Vieh und landwirtschaftliche Erzeugnisse ganz anders als heut«, und es gäbe die Möglichkeit, Eisensteingruben neu anzulegen, bie Basaltmassen auszuwerten zum Straßenbau unb, mehr als heule, als Baumaterial: auch bas anfallende Holz könnte dann besser abgefahren werden, unb bie Eisenbahn könnte Brennmaterial heran- führen: man könnte bamit manchen Fuhr- lohn, der heute für sehr weit« Anfuhr gezahlt werden muh, sparen, und könnte Ersah schaffen für das ohnehin immer knapper werdende Buchenbrennholz, das unsere Vogels- berg Wälder jetzt hergeben müssen. Wohin man heute blickt, werden dort ja Fichten nachgepflanzt: es könnte also nichts schaden, wenn man schon jetzt ernstlicher, als es geschieht, mit dem einmal kommenden Mangel an dem so beliebten Duchen- brennholz rechnete. Wir sähen bei einer solchen Entwicklung überhaupt neue Verdienst- Möglichkeiten sich eröffnen für die vielen im hohen Vogelsberg, bie heute kaum so etwas haben, und deren Lebenshaltung sich wesentlich heben könnte, wenn eine weitere Eisenbahn da wäre. Wir denken also für die Zukunft etwa so: eine Eisenbahn Mücke- Ai ? f e l d, deren Linienführung im einzelnen Lache von Verhandlungen zu sein hätte, und im Anschluß an diese Strecke, davon ausstrahlenb. je nach den Verkehrsbebürfnissen, Postautolinien Davon versprechen wir uns große Vorteile für bie Dauern, Arbeiter. Gewerbetreibenden unb Beamten: das brächte wirklich eine Hebung der gesamten ^Levölke- rung. Ist sie vorläufig nicht zu erreichen, dann Srmelnbung von echenheim mit 10 000 Einwohnern 5900 Einwohnern 116.1» 118.1h 7,t Fratttfurter Ä^rse. Mz. Kauft in Giessen! 165,2a v Börse 0,72 139 25 13-1.1 I62 16t I« 1)5 IG« t Dors« Nahm Iduf. Das 190.5 IM 169,6 IW MÖ.M 103 5 62.25 40 191 75 IM 15 III 120.75 813.5 111,4 131 800 161.6 14*i 176 16« 03.6 147 tii IUI) 125.6 149.76 230. Sü Berlin, 4. Dez. VK heutig« einen ruhigon, aber festen. Ver 118.76 64 5 146,66 Hi.n 99 1-iö Paris gegen London 123, Mailand 111,75. London- Kabel unverändert 4,85, ebenso die Reichsmark mit 4,2050. Dörlencane. 176 I 167.0 । 4s.?z 196 IM.4 17, 162.9 162.6 112 138 133 16!) 167 ö ran t furt a.M.. 4. Dez. Tendenz: fest. - x' ' ' d e ü u n g her Kurse machte tschritte. Die schon gestern hg । 157/25 I7Ü.&I 10.5 iö« j 171.76: IM.S Ifil Ml MI l8Ö IU9 | I27.fi i 1» fi.fi I 137 9 78,5 I i24l IBS I 174 I 160,25 | '1-1 M\ Iflo 10« Hili tiM 23 M 6» I U 92 0.415 0,726 । 0.7 , 0.723 1 W 16.75 I 44,0 I Ä\ 181 f< 172.80 IG) 0 19 0,736 11.73 U.R55 0 45 0.725 0.70 0.67 98.4 16 1$ 44.25 Z6d 259 104.6 173.5 A 146.6 7 76 158.75 171 26 11.9.9 17*1) 171.75 186.75 14 i 6 161.5 78 9 188,4 134 HO 6 127 236 115.5 178.6 142 25 [IM 75 I 148 165 79 62 : »ui 177 | 168.76 1 96.3 ISO 1 IGI (1 7925 0.72 I 0,723 0.0345 io. 7993 i 140.5 Im.« i 134.a | - I81.A ilsS.fi- 160.62 ltl.fi 198 2fi 104 .*3 RM. 134 Auflösungen von A G. im Oktober stehen 119 im Avvember gegenüber. Einzelfirmen wurden neugegründct 821 (810 im Oktober) und aufgelöst 1488 (1767). Offene Handelsgesettscha - len verzeichnen 403 (304) Gründungen und 7^8 (362) Auflösungen, ®.Ift. b. 9- 419 (391) und 900 (734) Auslösungen. Kornm.-Ges. 60 (46) Gründungen und 42 (45) Gründungen und ®<- nossenschaften 12ö (130) Gründungen sowie 184 192 Auslösungen. Devisenmarkt Derliu—Irimkfurl a. HL Jdnlnoten. __________ rvfi IW .259.75 186 176.0 1 Ifil IM.fi I46.fi 7 8 1 1 1174.62 1 118 5 scheinen ist nach Ausführungen des AetchSoank- präiidenten ohne jede Erschütterung des Geldmarktes vor sich gegangen. Weiler teilte Dc. Schacht mit. das) der telegraphische Giroverkehr von und nach '^min. fotoie -wischen den einzelnen Anstalten im Lande in Kürze eingeführt werde. Der Termin für die Einführung wird noch bLkanntgegeben. Alsdann wird jede Gelddisposltrvnno ch a m selben Tage d u r ch g e f ü h r t. Dr. Schacht wies besonders darauf hin. das) man aus dieser Maßnahme ersehe, daß die Aeichsbank keineswegs beabsichtige, alle flüssigen Gelder: nach -Berlin zu ziehen. Weiter machte Dr. Schacht Mitteilung von der Einführung des int er- nationalen Giroverkehrs. Diesbezug- lich ist bereits mit Oesterreich. Tschechoslowakei und Ungarn eine Verständigung erzielt. Eine solche mit anderen Nachbarländern wird folgen. Die Schecls werden in der Währung des Landes ausgestellt werden, auf die sie gezogen find. Schließlich teilte D^ Schacht mit Dal) be« abiichtigt sei, 100 Millionen Mar! Solawechsel der Golddiskontbank auf den Markt zu bringen, und zwar zu niedrigerem Sähe als dem üblichen, um auf diese Weife flüssige Gelder an sich zu ziehen Eventuell sott versucht werden, diese Wechsel auch im Auslande unterzubringen. Die AufwärtebeweaUn heut« weitere sZorts^.i'. , .. . heroorgctrelenen günstigen Momente bildeten auch heute die Grundlage der freundlichen ©Hm- müng. Die Anregung ghifl wieder von Narbe n - a U I 6n aus, für die sich vekSlis vorbot-llch starke- res Interesse Zeigte. Im allgemeinen war die Um- satztätigkeit nur in Spezialwerten rege, während Der Bertehr in den Übrigen Werten ruhig verlies. Die Kurserholungen hielten sich ober selbst bei den bevorzugten Spezialwerten In ongen Grenzen. B.-G. mußten sich mit einem Gewinn von 2 Prozent Begnügen. Bon MoNlonwertön waren stärker befestigt: Bochumer plus 8,9, Niebeck plus 3,29, Rhklnstahl plus 2, Mannesmann plus 1,75 Prozent, während Die übrigen Aktien dieser Gruppe nur gering verändert waren. Am C h e m i e m a r s t waren Scheideanstalt um 1,25 Prozent befestigt. Gold- schmidt plus 0L Prozent, C l e k t r o a k t i e N blieben zunächst vernachlässigt, vereinzelt aber stätk-r gefragt und gut befestigt. Gelten plus 6 Prozent. Für Bankaktien bestand kein größeres Interesse, diese Werte waren zumeist Unverändert. Aut Bayrische Hypotheken (plus 3,5 Prozent) und Metallbank (plus 2,5 Prozent) gut befestigt. S ch 1 s s - fahrlSaktiöN still und Uneinheitlich. ^OtüIIonb plus 0,25, Havaa minus 1 Prozent. Zellstoff- aktIen im Zusammenhang nut den Zusammen- schlußbeströbungen gut befestigt. Waldhos plus 3,25. Von M o t o r e n w e r t e n waren Kleytr 1 Prozent erholt. OelaMien gut gefragt. Deutsche Erdöl plus 2,5 Prozent. Datta ttien uneinheitlich, tsil- wsife gut befestigt. Wayß & Freytag plus 2 Prozent. Zuckeraktien weiter befestigt. Stuttgart plus 2,9. Deutsche Anleihen ruhig und kaum verändert. Ausländische Äe niest gehalten. Zm weiteren Verlause kam «S zu Gchwankungen, Schließlich konnte sich aber die feste Tendenz wieder durchsetzen. Der Geldmarkt blieb angespannt. Tagesgeld 6 bis 6L Prozent. Monatsaeld 5,76 bis 7,5 Prozent. Privatdiskonten 4,8, Zndustrisakzepte 3 bis 5,25 Prozent. 9m Devisen verkehr fetzte sich die Aufwärtsbeivegung der LaklN-Volilten fort. N. Ä KÄSS. - . Svatm.'MlknoMeihe 4c/g »reufiilfl)« NortsolS .,. 4° n echeii........... 3",°/, Geffert .......- - - uff die tii'ettb. TollmfltiL tue. Doll'Skvay-stnniUng. 4°/fl .................. 6®/, flolemerifahet Scrrtiü. imv VlailDiiälbanl . D-i»ia>- Dank. . . ...... TiSk.-'mo fToinntaitMt ... Dresdner 8.:rtf - - - ’WeliUlWiit - - • • MuielvenUch» itreoüUaii! . . Ctfhnreid)H:be titebitanfltit. gtdufttte. . . :Hlitget5foctre . ...... Scheid malt Slllg. Tiekttfjiiafß.eheseklschast ÄUrammin ..... fcl Itr. Vieferuiiflth...... VidJl Und ........... • 'j.iMlnftaittOeflc........ Sdmctttt ......... < Siemens & Halste ?ivierw,rke flietiir ...... Ddiikller MlUvreN. ..... Hetiligeiistnevk......... "iffluith . .... .... 4 . . lOdnrtiieltnet Mveoren . . . svt-anifnrier Wrmnmren . . ItöiileruertfdbMf Braun,. . -tbrlnlladfrll chdfl ^tarttftm . Ikt Union «.-G....... Schiiibabrik Herr...... Zellstoff'Sifchafselburä *. * *. ' Seflftö i Stnlaliöf...... , .uderiäbtjf Frankenthal . . SUdttfabfil Waglläustl . . . 197 NX' Ito lM.7fi tifl 142.6! ' Handel und Gewetbe im Ab" vem b e r. Aach den Verichtrn Der preuhstch-n Industrie- und Handelskammern machte kn« Entwicklung der Wirtschaftslage im ttotrtmbet 1926 weitere Fortschritte, Lwch setzte sich der Aua- gang in der Zahl Der HauptunterstühMiÄSeM)- fänger, die Immer noch über 1,3 QILIllatten liegt, nicht weiter fort. Auch war die Handelsbilanz int Monat Oktober mit 110,4 M ll. Am. (ohne Gold und Silber) passiv, wobei die Gmfuhr von Aahrungsmilleln um 78,4 Mill oNen skteg. Aebeii der Kohlenförderung erhöhte sich vor allem die Produktion In der eisenschaffenden und ver chr- mischen IIndustrie. Auch die deutsche Schisfahrt konnte sich wesentlich erholen. ' Die Insolvenzen in der vierten A o v e m b e r w o ch e. In bet acht Tage umsas,Enden vieren AobemberaroLe wurden 145 Konkurse neu eröffnet, gegen 95 In der vorhergehende.:. nur fünf Tage umiaHetlben Woche. Die Zahl der neu Verhängten G:schä tsaussichten steille sich auf 32 (20). Aach Unternöhntungs- formen betici.t. erfolgten In der Viecten Ao- vember oche Konkutee.Öffnungen bei 4 (1) AG., 9 G m. b. H (7), einer Kommcmditc-.esei.sHa t (—), 2 einge.r. Gen. (o), einem eingetr. Verein (—) und 9 o. H. G. (4). Geschäftsausfichten würden eröffnet über 3 AG., ( 3 G. m. o. H. (3) und 5 o. H. ®. (^). * Gründungen Unv Auslbf UN gen im Aovembet. Sowohl die TleugründungLn wie die Auflösungen zeigen im Aovember eine Zunahme gegenüber dem vorhergehenden Monat. Die Astrahl der Gründungen erhöhte sich von 1735 auf 1852, Die der Auflösungen von 3236 au) 3461. Die Anzahl der neugegtündeien A.G. ging von 31 aus 21 zurück, das investierte Kapital verminderte sich von 31,6 auf 28,5 Milü ittfinffurt n.TL Berlin Schlu »I l«Ubr. JiMts । schlug. Änsana ftttt» -ti- Tnfrt-n: 3 IS 4 11 3. 11 4 13 Berlin, 8 Dt,br G^lv. „ «rie> afmrrlfanilrf)* Violen - • • • • 4,188 58.31 V* 88.61 Hi.fi? IH, 1* ............ ‘ ch,»-> •Ufa FMNwMchc 91 oten ÄoniinbHrfif Akrten....*• Otnlktilfdje Vlßffil ..«-•< iÄ-8 sier/Ifil 00 «eonen 'Hs M .11 w.yi 168'42 18.01 107,77 2.24 lÜ.25 Äumänltche 'Jlofen...... Zriiincfiltfir 'Holen...... t 2» 111.68 StWricr Nolkrt....... 80,82 bOi Ifrb'-titilr'ivantcüe Noten .. SC.61 13,42 6.842 1«^8 Ungarische 'Jioten...... Privatpublilum trat mit kleinen Kaufen Verbot, die jedoch auf die Tendenz keinen Einfluß aus» übten. Die heutigen D.fserenzzahlungen verursachten leine Scbwierigkriten. Die Grundstimmung war freundlich. Das Interesse erttredte sich besonders auf Bankak tien, einige Mafchinenwerte. die A.tien des Metallbanttonzerns und einige wr.tere Spe- zialwekle. Auch für eine Reihe von Kassa- werten übertoogen die Kauforders. Die Hausse In AorkriegSpsandbri«sen nahm ihren Fortgang. Am Geldmarkt war Togesgeid nicht unter 7 bis 8 Prozent zu frohen, Monatsgeld 6 bis 7 . Prozent. Im Devisen- verkehr konnte stch Paris ern-ut gut befestigen aus 121,23 gegen London. Auch Mailand gegen das Pfund fester mit 111. Maand erfrolt auf 31.85 gegen London, dagegen Oslo schwächer mit 19,05. Die übrigen Valuten waren nicht new- nenStoett verändert. j- Lestte Nachrichten. Eine Schlacht zwischen Elefanten unv Flu'gpserd. WSA. Frankfurt a. M., 4. Dez. Sin ebenso eigenartiger wie blutiger K 0 M p f entspann sich gestern nachmittag in Den Stallungen des zur Zeit in der hiesigen Frsthalle gmstie- renben Zirkus Sarrafani. Der 20 Iafrre alte Fluhpserdbulle ..Oedipus". ubri- geus das einzige dressierte. Flußpferd der Welt, das sonst sahm wie ein Hund seinem Wärter auf dem Fuße zu folgen pflegt. Drang au8 bisher noch nicht aufgedäiier Ursache jn ken Elefanten st all ein und griff Dort unt« wütendem Schnaufen die 22röpfige Tle- santenfrerde an. Alarmsignale riefen sofort das gesamte ZirkuSpersonal herbei und fast 100 Menschen bemühten sich, den tobenden Dickhäuter zu bästLigen, der mit feinen furchtbaren Hauern auf die (Stefanien einhieb. Die sich unter schmet- ternden Trmnpetenstühen mit gewaltigen Rüssslhieben und Fi5h tritt en deS kurz, deinigen Angreifers zu erwehren suchte^ Soft nach etwa 20 Minuten gelang es. dem Flußpferd ein starkes Lederlaffoum den Aachen au werfen, und schließlich harten sich noch ein halbes Dutzend weiterer Wurfschlingen um die Reine deS tobenden Tieres gelegt, so daß eS schließlich nacfr etwa 33 Minuten angestrengter „Arbeit" in sein DissiN zukückaeschleppt werden konnte, wo eS. .inscheistena höchst zufrieden mit seiner Heldentat, ein erfrischendes Dad nahm und sofort wieder völlig ruhig war. Von den Elefanten, die noch stundenlang in größter Aufregung traten unS andauernd furchtbare Trompetenstöße ertönen ließen, sind drei Tiere, durch bis zu 50 Zentimeter tiefe Fleischwunden verletzt worden. Ts bat sich bei diesem ganz eigenartigen, in der Äatur selbst durch geographische Verhältnisse ja unmöglichen Kampf gezeigt, daß da« Flußpferv im Kampf mit mittel- großen Elefantenweibchen, also Tieren ojne Stoß- zähnen, weit überlegen ist. Da die Slefanten auch abends Immer noch lehr erregt waten, mußte in bet gestrigen Abendaufführung die Elefantennummer vorsichtshalber auSsallen, wahrend DaS Flußpferd, das anscheimend bessere Aetven hat und sich wohl auch als Sieger fühlte, ruhig vorgeführt werden konnte. Die schönsten Träume werden lebendig? Könnte nicht der Onkel aus Amo^ ^fn _ _? «naub aufs Herz! Niemals wurde etwas datavs. Erben werden tzeute so feiten gesucht, meistens sind zuviel ön. Gut' Sind Sie schon mal gliuHicber Erde, Beelzebub haben Sie tm Haus. Der liebe verwandte verklagt Sie. Alles werden Sie wieder los. Kosten zahlen Es"sei"denn! Sie hielten es frei nach Otto Kalmier: „Was Du ererbt von Dc nem Cntcl hast, ergreif es, um davon zu sichen." Ist das ein Leben? $ .fr Heber io ein Glück wie Nachbar Meier, Der sein Erbteil in Ruhe ver- zehren kann und einen riesigen Brillanten im Schlips ttägl, weil von den 3000 Mark ein schöner Stein angefchafsl werden sott — ? Aber ^Auck?EÄe^zuden Glücklichen, allein ein Testament nach besten Kräften nutzen zu können: die hinter^ssenen Rezepte unseres verstmbenen Gründers ° U^e stammen von feinem Jugendfreunde vr. Ali Nabi, dem Letzten eines sich schon seit Urzeiten mit derTabakexperlise beschastigendenTütkengefchlechtS. Er dejitzt ganz besondere, vom Vater auf den Sohn vererbte Geheimnisse und Erfahrungen. „ . Semem Können verdanken unsere Erzeugnisse ihren We truf Unser Münchener Kindl, das Wahrzeichen der al: en weltbekannten Zuban- Zigarettenfabrik,hat jetzt erneut das Testament deS alten Z u b an studiert. 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