Nr. 259 Erstes Blatt 176. Jahrgang Donnerstag, 4- Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Vietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats, kezugspretr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerNummern rnfolge höherer tßewalt. Fernlprechanl chlülle: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Lietzen. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen $r«nifurtam'm«ii°ii686. vnick «nd Verla,: Brühllche Unw«rfilä>r-Such- unö Steinöruderei R. langt in Sieden. Schriftleitung und s-schästrftelle: Lchllllttaßr 7. November 1926 Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen oo.t 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspsennig; für Re- klameanzeigen von 70mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20’ , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An« zeigenteil i. Dertr. H. Beck, sämtlich in Gießen. WeMlVMmM meiSßM Vie ameriianischeil Wahlen. Die Bundes- und Staatswahlen, die in Amerika am 2. November vonstatten gegangen sind, haben zwei überraschende Ergebnisse gezeitigt. Das eine besteht darin, daß sich die Aussichten Eoolidges und seiner Republikanischen Partei auf einen Wahlsieg im Jahve 1928 bei der Präsidentschaftswahl erheblich verschlechtert haben, und das andere in der Tatsache, das) zweifellos das amerikanische Dolk auf dem Wege ist, der Segnungen der Prohibition gänzlich überdrüssig zu werden. Sn gewissem Sinne stehen beide Erscheinungen auch in ursächlichem Zusammenhang. Zwar steht noch nicht ganz fest, ob die überschwenglichen Siegesmeldungen der Demo- krateN sich voll bewahrheitet haben, nach denen sie in beiden Häusern des Kongresses die Mehrheit beanspruchen. Es ist auch vethältnismäßtg nebensächlich, besonders für europäische Beurteiler, ob im Senat Demokraten und Progressisten zusammen ein oder zwei Stimmen Mehrheit über die Republikaner besitzen oder nicht. Dasselbe gilt zum Teil auch für die Stimmverhältnisse im Repräsentantenhaus. Bon Bedeutung ist es für die beiden Parteien insofern, als diejenige, die die Mehrheit hat, damit auch die Organisation des betreffenden Hauses, d. h. die Besetzung der Stellen vom Sprecher (Präsidenten) und den Vorsitzenden sämtlicher sehr zahlreicher Ausschüsse bis zu den Angestellten und Beamten, erhält. Für die Arbeitsleistung des Kongresses an sich ist in der zweiten Hälfte eines Präsidentschafts- termins, also für die nächsten beiden Sahre, nur dann von Wichtigkeit, dah die herrschende Partei in beiden Häusern ',u gleich üher die Mehrheit verfügt, wenn sie wichtige parteipolitische Gesetze durchbringen will. Solche heih umstrittene Pläne find zur Zeit nicht vorhanden, und es ist auch kaum anzunehmen, dah sich Präsident Eoolidge und seine Trabanten ermutigt fühlen werden, neue Pläne aufzustellen. Für das Land hat sich bisher immer noch als die praktisch beste Form die ergeben, dah in dem einen Haus die Republikaner, im anderen die Demokraten die Mehrheit besitzen, weil dann jede rein parteipolitische Gesetzgebung ausgeschlossen und sachliche Arbeit gefördert wird. Wenn das Stimmenverhältnis ein so knappes ist, dah der Ausfall von ein oder zwei Stimmen das Ergebnis zu ändern vermag, dann wird dasselbe Resultat erreicht, und das scheint im neuen Kongreh der Fall zu sein. Zweifellos und bedeutungsvoll ist es jedoch, daß Präsident Eoolidge eine ganz persönliche Riederlage erlitten hat. Es ist schon ungewöhnlich, wenn der Präsident in seinem eigenen Heimatstaat, der zu den Hochburgen seiner Partei zu rechnen ist, geschlagen wird. Wenn er sich zedoch für einen bestimmten Kandidaten mit der vollen Autorität seiner Person und seiner Stellung einseht, und der demokratische Gegner siegt, dann ist das allerdings eine so schwere Niederlage, daß damit wohl Herr Eoolidge als Kandidat für seine Wiederaufstellung im Sahre 1928 durch die Republikanische Partei ausscheidet. Sedenfalls ist in dieser nunmehr das Feld frei für alle diejenigen, die das Zeug in sich fühlen, an Coolidges Stelle sich in zwei Sahren um die Präsidentschaft bewerben zu können. Der demokratische Sieg, der im Heimatstaat des Präsidenten, in Massachusetts, den Demokraten Walsh statt des republikanischen Kandidaten Butler in den Senat gebracht hat, enthält eine scharfe Warnung für die Republikanische Partei überhaupt. Bei den Vorwahlen waren in eine Reihe von Staaten republikanische Wahlbetrügereien in großem Umfange ausgedeckt worden, und das hat sicherlich stark zu der allgemeinen Mißstimmung gegen die Republikanische Partei beigetragen. Das fiel um so schwerer ins Gewicht, als es in diesem Wahlkampf sich fast nur um Persönlichkeiten und nicht um grundsätzliche Unterschiede zwischen den Parteien handelte. Nur eine Frage, die damit ihrer grundsätzlichen Entscheidung nähergerückt wird, ist stark in ben Vordergrund getreten. Das ist die Ptvhi- bitionsfrage, die se' t dem Kriege das amerikanische Volk ftirtcr beschäftigt und erregt hat als irgendwelche Angelegenheiten der äußeren oder inneren Politik. Bisher waren beide Parteien hierüber gespalten, und in verschiedenen Staaten haben es die Führer vorgezogen, die Frage lieber nicht anzurühren. Aber in acht verschiedenen Staaten drehte sich der Kamps fast ausschließlich um die Prohibition, und in allen acht Staaten haben die „Nassen" einen entscheidenden Sieg errungen. Das trat am deutlichsten im Staate Reuhork in die Erscheinung, wo der nasse demokratische Kandidat Alfred Smith mit_ überwiegender Mehrheit zum Gouverneur gewählt wurde und dem gleichfalls nassen demokratischen Senatslandidaten Wagner zum Siege verhalf. Dieses Ereignis ist doppelt erfreulich Wagner ist Deutsch-Amerikaner ünd hatte die Unterstützung des Steuben- Bundes, der sich ausschließlich aus amerikanischen Bürgern dentsch.'r Abkunft zusammensetzt. Man darf darin also einen schönen Erfolg des Dcutsch-Amerikanertums erblik- leit Smith dürfte sich durch seinen gewaltigen Erfolg die kaum zu bestreitende -Anwartschaft 'auf die demokratische Präsidentschaftsnomination für 1928 erworben haben, und das würde dahin führen, dah sich dann die demokratische Partei überhaupt als Dorkämpferin für die Beseitigung der Prohibition erklärt. Mit einer Dreiviertelmehrheit hat sich die Bevölkerung von Reu- Paris, 3. Nov. (Wolfs.) Zu den bereits gestern gemeldeten Nachrichten über die Verhaftung von italienischen und französischen Revolutionären an der französisch- panischen Grenze werden von der Havas- Agentur aus Perpignan weitere Einzelheiten gemeldet. Danach seien gestern Verhaftungen im Zusammenhang mit dem revolutionären Komplott in Spanien vorgenommen ax>r- drn. Die Verhafteten seien in der Hauptsache .Spanier. Staliener seien nur in geringer Anzahl beteiligt. Das Gerücht werde bestätigt, i>a6 Waffen- und Munitions-Depots besonders in Eerdagne angelegt worden seien. Die nach Spanien fahrenden Züge würden streng überwacht. Die seit zwei Tagen durch zahlreiche Chiffre-Telegramme aufmerksam gemachten Behörden bewahrten über die Angelegenheit des Komplotts strengstes Stillschweigen. Sn einer weiteren Meldung wird ausgeführt, dah ein ranzvsischer Polizeikommissär auf dem Bahnhof von Millas siebzehn Spanier und Staliener verhaftet habe, die einer Abteilung revolutionärer Verschwörer angehörten. Die Spanier, die die Bomben mit sich geführt hätten, seien entkommen. Der Führer der Bande ei ein gewisser Soss Carillo aus Barcelona, der 1902 in Barcelona geboren, in einer Raffinerie in Dillancourt bei Paris tätig und in Dologne-sur-Seine wohnhaft gewesen ist. Carillo habe ian Beziehungen gestanden zu Ma- c i a, einem früheren spanischen Oberst und Spanien ausgewiesen sei. Dor seiner Abreise Angehörigen des Spaniers Cortez, der aus aus Paris habe er von einem gewissen Ramon Munster 27 000 Franken und einen Umschlag mit SnftruFtionen erhalten, den er erst an dev Grenze habe öffnen sollen. Sn Toulouse, Car- cassone und Quillan habe Carillo Anhänger gesammelt. (Er habe den plan gehabt, mit feinen Anhängern die Grenze zu erreichen und eine revolutionäre Bewegung zu entfesseln. Vierzig weitere an der spanischen Grenze verhaftete Personen seien im Laufe der Nacht in Perpignan eingetroffen. Nach Dlättermeldungen sollen vierhundert Pseudotouristen, die derselben Bewegung angehörten, an der französisch-spanischen Grenze sich aufhalten, um deren Ueberschreitung zu versuchen. Die Verhafteten seien wegen ihrer großen Zahl in einer Kaserne in Perpignan untergebracht. Die französische Polizei hat gestern abend in einem aus Narbonne kommenden Zug weitere Verhaftungen von Personen vorgenommen, die an der aufgedeckten spanischen revolutionären Vereinigung beteiligt sein sollen. Unter den Verhafteten befinden sich ein Arzt und ein Apotheker, die große Vorräte an Medikamenten und Verbandszeug mit sich führten. Bei einem der verhafteten habe man die Fahne des Expeditionskorps gefunden, und zwar eine York außerdem für eine Minderung des Dolstead» Gesetzes ausgesprochen, das die Ausführungsbestimmungen zum Verfassungsamendement über die Prohibition enthält. Danach gilt im Sinne der Verfassung als alkoholisches Getränk, was einen höheren Alkoholgehalt als 1/2 Prozent hat. Die Bestrebungen der Prohibitionsgegner gehen dahin, den zulässigen Alkoholgehalt zunächst auf zwei bis vier Prozent zu erhöhen. Auf diese Weise kann langsam aber sicher das Prohibitionsamendement unterhöhlt werden, bis es zur Aufhebung reif ist. Der Ausgang der diesjährigen Wahlen bedeutet also einen wichtigen Schritt vorwärts in dieser Richtung. Die erste Ueberstcht über den Wahlausgang. N e u t) 0 r I, 3. Nov. (TU.) Obwohl das endgültige Wahlergebnis bis um 5 Uhr morgens noch nicht vollständig vorliegt, läßt sich doch bereits eine Niederlage der Republikaner seststellen. Die Demokraten haben im Senat insgesamt 47 Sitze errungen, nach Mitteilung der Hearst-Presse sogar 48, während die Republikaner zusammen mit den Progressiven nur insgesamt 43 bzw. 47 Sitze erkämpfen konnten. Es steht hiernach bereits fest, daß die Regierung Eoolidge mit großen Schwierigkeiten im Senat wird rechnen müssen, da sie nach der einen Version in der Hand der Progressiven, nach der anderen sogar von den Demokraten allein abhängig geworden ist. Die Progressiven sind in der Lage, sich jederzeit mit den Demokraten zu verständigen und haben damit die Entscheidung über die Regierungsvorlage. Die Regierung Eoolidge hat somit im Senat keine praktische Mehrheit. Sm Repräsentantenh aus haben die Demokraten, soweit feststeht, bisher 20 Sitze gewonnen. Da jedoch noch die Ergebnisse des gesamten Westens ausstehen, besteht die Möglichkeit, dah sich dies Ergebnis noch weiter zu ihren Gunsten verschiebt. Aber selbst, wenn sie im Repräsentantenhaus keine Mehrheit erzielen sollten, würde dies nicht von entscheidender Bedeutung sein, da der Senat die ausschlaggebende Körperschaft darstellt. große rotgoldene katatonische Jlagge mit blauem Separatiftenftern in der Mitte. Außerdem habe man eine weitere Fahne mit den gleichen Farben gefunden, die auf dem Kirchturm des ersten Dorfes gehißt werden sollte, das in die Hände der Separatisten fallen würde. Die Verhafteten, die in Kasernen untergebracht sind, werden getrennt von dem Leiter der Sicherheitspolizei und dann vom Staatsanwalt ver- nommen werden. Es handelt sich in der Hauptsache um junge Leute von 25 bis 30 Sahren mit vollständiger Ausrüstung. Man glaubt nicht, daß noch weitere an der Bewegung beteiligte Personen sich unterwegs befinden. 3n Perpignan beträgt die Gesamtzahl der Jcftgcnommenen 93. Die Aufstandsbewegung sollte heute früh in Spanien ausbrechen, und zwar dadurch, daß die in Roussillon festgenommenen Separatistenabteilungen die Grenze überschreiten und die Bewegung in Gang bringen sollten. Zur gegenwärtigen Stunde herrscht, wie Havas aus Perpignan meldet, in Spanien Ruhe, da die Bewegung ohne Kampf erstickt worden sei. Bereits heute nachmittag fand sich der spanische Botschafter in Paris im Ministerium des S nn er n ein, wo man ihm alle Einzelheiten der Angelegenheit mitteilte. Die Unterredung dauerte etwa U/z Stunden. Ueber die Bewegung selbst konnte festgestellt werden, dah bereits anfangs Oktober die französische Sicherheitspolizei auf eine gewisse Anzahl italienischer und spanischer revolutionärer Elemente aufmerksam gemacht worden war, die anläßlich der Feier des Jahrestages des Fasziftenmarsches auf Rom einen revolutionären Ausstand geplant hätten. Es seien geheime Zusammenkünfte in der anarchistischen Bereinigung in Paris abgehalten worden. Dort feien die Revolutionäre mit dem früheren spanischen Oberst Francesco M a c i a bekannt geworden, der feit zwei Jahren aus Spanien ausgewiesen sei und das Haupt einer reoolutionäm Bewegung in Katalonien sei. In dieser Dersammlung sei eine Aktion gegen die spanische Regierung beschlossen worden und man habe ein Nekrutie - rungsbureau unter Leitung eines gewissen Ramon Munster eröffnet. Zahlreiche Personen hätten sich eintragen lassen. Man habe Geld erhalten, Waffen gekauft und diese auf ßaftautomobilen an gewisse Punkte der spanischen Grenze befördert. Die rechte Hand des Macias sei der bereits mehrfach genannte JofL Carillo (der „Temps" nennt ihn Cariou) gewesen. Die französische Sicherheitspolizei habe die Bewegung im geheimen verfolgt und sämtliche Teilnehmer feftgeftellt. In Paris hätten sich etwa 100 und ebensoviele dieser Revolutionäre in der Provinz aufgehalten. In den letzten Tagen des Oktobers habe die Polizei davon Kenntnis erhalten, dah die Revolutionäre zur Tat schreiten wollten. Daraufhin seien die Maßnahmen getroffen worden, die zu den Verhaftungen geführt hätten. Das Wahlergebnis beweist, daß Coolidges Wiedernominlerung für 1928 nicht mehr in Frage kommt. Zum erstenmal ist ferner durch Abstimmung bewiesen worden, daß das amerikanische Volk die Prohibition für schädlich hält. Als weiteres wichtigstes Ergebnis ist der Stimmengewinn des Gouverneurs Smith anzusehen, der nunmehr innerhalb der Demokatischen Partei daraus hinarbeiten kann, daß er 1928 als Präsidentschaftskandidat ausgestellt wird. N e u y 0 r k, 3. Nov. (WTB.) Der Vorsitzende des republikanischen Komitees für die Senatswahl en, Senator P h i p p s, erflärte, der Rückgang der republikanischen Stimmen könne nicht als eine Ablehnung der Republikanischen Partei durch die Wähler betrachtet werden, da er hauptsächlich in solchen Staaten zu verzeichnen sei, in denen soziale Fragen das Heber» gewicht hätten. Demgegenüber erflärte der demokratische Senator Swanson, das Ergebnis der Wahl zeige, dah das Dolk mit der sogenannten Coolidge-Prvsperität nicht einverstanden sei. Die Lage in der Tertil-, Schuh- und Maschinenindustrie sei günstig, während die Landwirtschaft, insbesondere der Daum- woll- und Weizenanbau notleide. Die Kriegsschuldenfrage. Reuhork, 3. Rov. (WD.) Sn einer Meldung des „Soumal of Commerce" aus Washington heißt es, nach dort gemachten Feststellungen deuteten Meldungen der französischen Zeitungen über die Ergebnisse der Vorwahlen in Amerika an, daß man eine nachgiebigere Haltung Amerikas in der Frage der französischen Kriegsschulden erwarten könne, falls die Demokraten im Senat die Oberhand erhielten. Auch sei angedeutet worden, dah das französische Parlament die Ratifizierung des Kriegsschuldenabkommens auf» geschoben habe in der Erwartung, daß die Demokraten im Senat sich des Steuers bemäch- tigten. Demgegenüber betont die Meldung des „Soumal of Commerce", dah die neugewählten Senatoren ihr Amt nicht vor Dezember 1927 antreten würden und dah überdies die Kriegsschulden angelegen- h e i t nicht zu den im Wahlkampf umstrittenen Fragen gehört habe. Weitere Ausschreitungen in Italien. Paris, 3.Rov. (WD) Wie Havas aus Rom berichtet, hat der französische D 0 t - schafter Desnard wegen der Zwischenfälle in Tripolis und in Denghazi Protest erhoben. Sn Denghazi habe die Volksmenge das französische Konsulat zwingen wollen, neben der französischen die italienische F'agge zu hissen. Der Unterftaarffefretär für auswärtige Ange- legenheiten G r a n d i habe in der französischen "Botschaft seine Entschuldigung zum Ausdruck bringen lassen und eine strenge Bestrafung der Schuldigen angekündigt. Gleich-'itig habe übrigens nach dem „Temps" der französische Botschafter bei seinem Besuch in der Consulta Protest wegen der Zwischenfälle in Ventimiglia erhoben. R 0 m , 3. Rov. (Wolff.) Die Blätter berichten von Zwischenfällen in verschiedenen Städten infolge des Attentats. Sn Cagliari wurden zwei Redaktionen gestürmt, sowie ein Oppositions-Abgeordneter verhaftet. Sn einem Orte in der Nähe von Mailand wurden das Vereinslokal der Popolari sowie eine Druckerei in Brand gesteckt. Die Feuerwehr wurde von der Löschtätigkeit abgehalten, so dah die Gebäude nieberbrannten. Auch in Neapel wurden die Wohnungen einiger Antifaszisten vernichtet. „Lavoro d'Stalia" meldet aus Genua, daß Faszisten die Wohnung des Abgeordneten Rossi zerstörten und in Brand steckten. Auch die Wohnungen des sozialistischen Abge- ordneten Canepa und eines Rechtsanwaltes, der als hoher Würdenträger der Freimaurerei bekannt ist, wurden von Faszisten zerstört und angezündet. Bombenwurf gegen eine Kaserne der italientfd;en Miliz. Berlin, 4. Rov. (TU.) Rach einer Meldung der Morgenblätter aus T r i e st wurde in der vergangenen Nacht von unbekannten Tätern eine Bombe gegen die Kaserne der Rationalmiliz inSPeteram Karst geschleudert. Ern Faszist war sofort tot, fünf andere wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Die bedeutendsten Führer der Miliz sind an Ort und Stelle eingetroffen, um die Lage zu prüfen. Todesstrafe mit Rückwirkung? Rom, 3. Nov. (Wolff.) Die „Sribuna" hebt die besondere Wichtigkett der bevorstehenden Sitzung des faszist Ischen Großen Rates hervor. Dor allem werde die sofortige Verhängung der Todesstrafe mit rückwirkender Kraft beantragt werden, so daß auch die wegen früherer Attentate Angeschuldigten davon betroffen werden. Ferner sollen aus den Reihen der Faszisten alle irgendwie verdächtigen Personen <.usgestohen werden. Der „SeOere“ beantragt, man möge innerhalb des Großen Rates einen besonderen Verteidigungsausschuß bilden, der die Ursachen und Quellen des Antifaszismus zu prüfen hätte. geitungsverboie. Rom, 3. Rov. (Wolff.) Durch Dekret des Präfekten von Rom wurde die Druckerlaubnis für die demokratischen "Blätter „Mondo" und „Risorgimento"'sowie für die „Voce Republicana" aufgehoben. Vorläufig verboten wurde in Mailand der sozialistische „Avanti"' und die kommunistische „Unita" sowie einige syndikalistische und sozialistische Zeitschriften. Sn Turin wurde die „Stampa" vorläufig verboten und in Genua der sozialistische „Lavoro", ferner die Populati- Blätter „Corriero" in Turin und „Gittadino" in Brescia sowie „Sortiere de Matina". Sektion der Leiche gambonis. Rom, 4. Nov. (WTB. Funkspruch.) Der „Messagero" berichtet über den Seltionsbesund an der Leiche des Verübers des Anschlages auf Mussolini: Von den Aerzten wurden zahlreiche Stichwunden und Würgemale festgestellt. Dor der Leiche wurden mehrere Zeugen vernommen, die den jungen Mann bei seiner Tat beobachtet hatten. Dor allem wurde die Tatsache bestätigt, dah der junge Mann sich bei der Vorbeifahrt des Ministerpräsidenten durch die Truppenkette vordrängte und den Schuh aus nächster Nähe abfeuerte. Mussolini wieder in Nom. Rom, 4. Rov. (TU.) Um 8 Uhr abends traf Mussolini in Rom ein. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch unterblieb jeder offizielle Empfang, nur die Minister und die Spitzen der faszistischen Organisation hatten sich auf dem Dahnhof eingesunden. Die gesamte Miliz wat zum Spalierbilden aufgeboten. Ein weiteres Komplott in Frankreich entdeckt. Paris, 3. Nov. (WB.) Der „Temps" gibt unter Vorbehalt eine Meldung des „Lavoro d'Jtalia" aus Nizza wieder, wonach einige Stunden vor dem in Bologna auf Mussolini verübten Attentat in Frankreich ein gegen Mussolini gerichtetes Komplott entdeckt worden fei. Bereits vor einiger Zeit hätten Pariser Antifaszisten versteckt von einem Attentat gesprochen, das in Italien gegen Mussolini verübt werden sollte, und zwar während der Feier des Jahrestages des Fafzillen- marfches auf Rom. Ende der vorigen Woche habe | sich ein Beamter der italienischen Polizei nach Nizza begeben, wo er nach einer Untersuchung die beiden mit der Durchführung des Attentats betrauten Personen Scevelo und Cattane habe fest- nehmen können. Die Ueberwachung der italienischen Grenze sei weiter verschärft worden. Deutscher Reichstag. ^Berlin, 3. Nov. Präsident Lobe eröffnet die erste Sitzung nach den Ferien mit einem Nachruf für die während der Ferien verstorbenen Abgeordneten Richard Fischer (Soz.), Graf v. Merveldt (Sn.) und Robert Dihman.n (Soz.). Der Präsident teilt weiter mit, daß 2lbg. Dr. Bell (Zentr.) wegen seiner Ernennung zum Reichsjuslizminister das Amt des Reichstags- Vizepräsidenten niedergelegt hat. Die Ersatzwahl soll morgen staltsinden. Dor Eintritt in di« Tagesordnung beantragt Abg. Stocker (Komm.) eine Aenderung der Tagesordnung in der Weise, daß die kommu- nistiscken Anträge und Interpellationen zur Frage der Hohenzollernabfindung auf die Tagesordnung gesetzt werden. Der Redner beantragt, die kommunistischen Anträge an die erste Stelle der Tagesordnung zu setzen. Der Antrag scheitert an dem Widerspruch der Rechten. Ein kommunistischer Antrag auf E i n - stellung von Strafverfahren gegen den Abgeordneten Kenzler (Komm.) geht an den Geschäftsordnungsausschuß. Ohne Aussprache werden dem Auswärtigen Aue-chuß überwiesen der deutsch-niederländische und deutsch-dänische Schiedsgerichts- und Der- gleichsvertrag, der deutsch-polnische Vertrag zur Regelung ter Grenz Verhältnisse, das Abkommen über den gegenseitigen Eisenbahnverlehr zwischen Deutschland einerseits, Polen und der Freien Stadt Danzig andererseits, und schließlich W deutsch-französische und das deutsch-belgische Luftverkehrsabkornmen. , Die Novelle zur Gewerbeordnung über Gewichtsvorschriften in Brotbäckereien wird ohne Debatte dem Ausschuß überwiesen. •ihn 4,30 Ahr vertagt sich das Haus auf Donnerstag. Auf der Tagesordrrung steht die Wahl eines Vizepräsidenten anstelle von Dr. Dell, außerdem kleinere Vorlagen. Abg. Dreh (Soz.) beantragt, die Anträge zur Erwerbslosenfrage auf die Tagesordnung zu setzen. 2lbg. Rädel (Komm.) verlangt außerdem die Besprechung der Fürstenabfindung in der Donnerstags-Sitzung. Der sozialdemokratische und der kommunistische Antrag werden abgelehnt. Der Arbeitsplan des Plenums. Berlin, 3. Nov. (VDZ.) Nach einem Beschluß des Aeltestenrates des Reichstages wird am Donnerstag zunächst die Wahl des zweiten Vizepräsidenten an Stelle des zum Reichsminister ernannten Dr. Bell (Zentr.) erfolgen. Das Zentrum wird voraussichtlich den Abg. Esser Vorschlägen. Am Freitag und Samstag wird die Erwerbslosenfrage behandelt. Dom Montag ab findet eine Aussprache über die Fragen bet auswärtigenPolitik, verbunden mit dem Nachtragsetat, statt. Präsident Lobe teilte ferner mit, daß er auf eine D e r - schärfung der Geschäftsordnung dringen würde, wenn die Kommunisten versuchen würden, ähnliche Szenen hervorzurufen wie im Preußischen Landtag. Der Kommunist Stöcker erwiderte daß die kommunistische Fraktion durch eine solche Ankündigung sich nicht davon abhalten lassen würde, die Taktik, die sie für richttg halte, einzuschlagen. Die Erwerbslosenfürsorge. Berlin, 3. Nov. (DDZ.) Der Reichstagsousschuh für Soziale Angelegenheiten führte seine Beratungen über die Erwerbslosenfürsorge fort. Die Aussprache eröffnete Abg. Dreh (Soz.) mit einem Bericht über die Sitzungen des Unterausschusses in dieser Frage. Durch die Erklärung der Negierung sei die Beratung auf eine neue Grundlage gestellt worden imb müsse auf .dieser neuen Basis fortgeführt werden vorbehaltlich der Stellungnahme der Fraktionen. - Geheimrat Weigert (Reichsarbeitsministerium) erklärte, er werde in der Lage sein, morgen einen Entwurf des Reichsarbeitsministeriums über die Fürsorge für die Ausgesteuerten dem Ausschuß vorzulegen. Hierauf beschloß der Ausschuß, sich auf morgen zu vertagen und nach Möglichkeit heute bereits die Stellungnahme der einzelnen Fraktionen zu den neuen Neg-erungsvorschlägen in bezug auf die Erwerbsloscnsürsorge zu erreichen. Um die Aufhebung des Zeugnis- Zwanges der Presse. Berlin, 3. Nov. (DDZ.) Der Unterausschuß des Rechtsausschusses des Reichstags trat heute vor der Plenarsitzung zusammen, um sich mit der Frage der Aufhebung des Zeugniszwanges im Strafprozetzversahren für Redakteure und Derleger zu beschäftigen. Trotz eingehender Aussprache konnte über diese Frage noch keine Einigung erzielt werden. Es werden sich vielmehr erst die Fraktionen damit beschäftigen, so daß der Anterausschuß erst in fccr nächsten Woche diese Frage einer endgültigen Regelung zuführen kann. Die Tyyhusepidemie in Hannover. Verhandlungen im Prenhischen Landtag. Berlin, 3. Nov. Auf der Tagesordnung steht die Beratung über die Thphusepide- mie in Hannover. Hierzu liegen vor eine große Anfrage der Abgeordneten Müller Hannover, (Soz.) und Gen., der Abgeordneten Dr. Winckler (Sn.) und Gen. und der Abgeordneten Dr. Porsch (Ztr.) und Gen. Schließlich hegt ein Arantrag der Kommunisten vor, der u. a. verlangt, daß die bei den Epidemien (es werden in dem Antrag auch noch andere Typhusepidemien in Preußen erwähnt, der Fahrlässigkeit überführten Beamten sofort ihres Amtes enthoben werden und unter Anklage zu stellen sind. 3n Verbindung damit wird ein Arant rag des Zentrums über die Reinigung der Wupper und eine große Anfrage der Deutschen Volks- Partei bezüglich der Wasserversorgung und Ab- Wässerbeseitigung in Belitz beraten. Abo. Müller, Hannover, (Soz.) begründet die große Anfrage seiner Partei: 3n Hannover haben 216 Personen durch die Epidemie ihr Leben eingebüßt. Zahlreiche Leute sind in ihrer Gesundheit geschädigt. Wir sprechen ihnen unser herzlichstes Beileid aus. (Rufe rechts: Wir alle!) In Hannover ist viel zur Bekämpfung des Typhus versäumt worden. Ein von England her empfohlenes Mittel gegen Ansteckung ist nicht genügend zur Verteilung gelangt, obwohl es auch bet den bereits Erkrankten gute Ergebnisse gezeitigt hat. Abg. Quaedt, Faslern (Sn.) begründet kurz die große Anfrage seiner Partei. Noch heute ist die Quelle der Infektton nicht genau feftge- stellt. Abg. Blank (Ztr.) begründet die große Anfrage des Zentrums: Wir verlangen volle Aufklärung darüber, wer etwa der Schuldige war. Eine strenge Antersuchung muh stattfinden Das Staatsministerium muß ferner helfend eingreifen Wir wünschen, daß die Aussprache dazu führt, daß die Bevölkerung beruhigt wird durch die Gewißheit, daß für ihre Gesundheit alles getan wird. Abg. Bartels (Komm.) begründet den Antrag seiner Partei: Wir haben es beim Typhus mit einer ausgesprochenen Hungerepidemie zu tun. Minister für Volkswohlfahrt, hirtfiefer: Der Stadt Hannover, die in den letzten Jahren mehrfach schwer geprüft worden ist, spreche ich mein Bedauern darüber aus, daß auch diese schwere Epidemie sie betroffen hat. Ich spreche auch den Angehörigen der Verstorbenen die Teilnahme der Staatsregierung aus und erkläre mich bereit, nicht nur die zur Verfügung stehenden Mittel bereitzustellen, sondern auch mit dem Finanzministerium in Verhandlungen darüber einzutreten wie weiter gesorgt werden soll. Erfreulicherweise darf darauf hingewiesen werden, daß seit der großen Typhusepidemie in Gelsenkirchen im Iah re 1901 über 25 Iahre ein« derartige große Epidemie in Preußen nicht mehr vorgekommen ist. Der inzwischen eingesetzte Gut- achterausschuh ist, soweit die vom Staat eingesetzten Mitglieder in Frage kommen, der Ansicht, daß mit größter Wahrscheinlichkeit «ine Wasser-Epidemie vorliegt. Diesem Gutachten haben sich auch drei der von dem städtischen Ausschuß eingesetzten Gutachter angeschlossen, so daß die überwiegende Mehrzahl der Gutachter bestätigt, daß es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um eine Wässer-Epidemie handelt. Die Vorgänge in Hannover haben mich veranlaßt, ein« sofortig« Nachprüfung aller größeren Wassergewinnungsanlagen in Preußen anzuordnen. In der nächsten Woche findet diese Nachprüfung statt; auch in Berlin. Mit allen Mitteln werden wir auf die Abstellung etwa noch gefundener Mißstände hinwirken. Ministerialdirektor Dr. Kröhne gibt einen ungeschminkten Bericht über Beginn, Verlauf, Ursachen und Bekämpfungsmaßnahmen, sowie über die weiter noch zu treffenden Anordnungen zur Verhütung ähnlicher Unglücke. Mitte August, so führte der Redner aus, entstand in Hannover eine sog. Wasserkrankheit. Nach zahlreichen Untersuchungen ist in keinem einzigen Falle die Fessttellung von Typhus gemacht worden. Insgesamt sind in Hannover 2650 Personen an Typhus erkrankt, und 263 Todesfälle sind zu verzeichnen. Die Ursache der Typhusepidemie ist nach allen Sachverständigengutachten auf das Ricklinger Wasserwerk zurückzuführn. Um Wiederholungen zu vermeiden, sind Verbesserungen an dem Wasserwerk nach dem Urteil der Sachverständigen schon jetzt unbedingt notwendig. Der vom Staat und der Stadtoerordnetenversammlung einberufene Ausschuß war der Ansicht, daß die Verbesserung des Wasserwerks unumgänglich notwendig sei, daß aber eine Stillegung des Werkes augenblicklich nicht möglich sei. Jedenfalls kann man der Stadt Hannover keinen Vorwurf daraus machen, daß sie das Wasserwerk hat weiter bestehen lassen. Die Frage nach einer persönlichen Verschuldung zu lösen, ist nicht meine Aufgabe. Es ist angeführt worden, daß der zuständige Beamte des Medizinaluntersuchungsamts durch einen jüngeren Assistenten, der auf Pri- vatdienstoertrag angestellt war, vertreten wurde. Dieser machte die Untersuchung und stellte zunächst die Verunreinigung fest. Bei der zweiten Untersuchung wurde er ängstlich und suchte den Wasserwerksdirkto'r zu erreichen. Als das nicht gelang, trug er einem Angestellten die Bestellung an den Direktor auf, daß dieser sofort etwas veranlassen solle. Das ist dann nidjt geschehen. Ich kann dem Assistenten den Vorwurf nicht ersparen, daß er nicht alle Mittel erschöpft hat, damit das Erforderliche veranlaßt werde. Ich selbst habe veranlaßt, daß dieser junge Mann sofort aus der Wasseruntersuchung ausgeschaltet wird. Ob und welche Beamte sich schuldig gemacht haben, kann erst festgestellt werden, sobald das endgültige Gutachten vorliegt. Jedenfalls hätte eine frühere Meldung an hem Ergebnis nichts ändern können, da die Bazillen schon durch die Leitung gelaufen waren. Ich muß hervorheben, daß die Bekämpfungsmaßnahmen sofort mit der größten Energie aufgenommen wurden. Die Impfung hat zweifellos gewirkt. Nach meiner Rückkehr ist sofort an die Stadtverwaltung die Verfügung ergangen, unverzüglich der Frage einer grundlegenden Aenderung des Wasserwerks näherzutreten. Heute ist uns ein Bericht zugegangen, wonach auf Grund der Verfügung des Regierungspräsidenten bereits eine ganze Reihe wertvoller Verbesserungen an dem Ricklinger Werk vorgenommen worden sind. Weitere Verbesserungen technischer Natur sind im Gange. Selbstverständlich wird auch die Frage zu prüfen sein, ob es nicht zweckmäßiger wäre, das Ricklinger Werk durch ein neues, modernes Werk zu ersetzen. Wir haben eine Verfügung erlassen, uns mit möglichster Beschleunigung einen Plan zur Sanierung der Mängel vorzulegen. Staatliche Hilfen an Hinterbliebene bei Seuchen haben keine gesetzliche Grundlage. Ich habe aber bereits von dem Vertreter der Finanzoerwaltung die Mitteilung erhalten, daß ein zur Verfügung stehender Fonds in Anspruch genommen werden kann, um im Notfälle den Bedürftigen zu helfen. Ich hoffe, daß weitere Mittel flüssig gemacht werden können. Abg. Held (D. Vp.) begründet die große Anfrage seiner Partei wegen der Wasserver- sorgungs- und Abwässerbeseittgungsverhältnisfe der Stadt Belitz. Der Minister hat bereits zu- gesagt, Erwerbslose aus Potsdam und Nowawes mit den Sanierungsarbeiten zu beschäftigen Nunmehr findet die Besprechung der Großen Anfragen statt. Rbg. H a c t l e i b (Soz.) erklärt, daß die Bevölkerung durch die Behörden zu spät über den Ernst der Epidemie unterrichtet worden sei. Der Regierungspräsident hätte mehr zur Aufklärung beitragen sollen. Abg. Dr. Q u a e d t - Faslern (Dntl.) Betont, es handle sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Rtzasserverseuchung, aber es müßten zur Erklärung auch die fehlende Kanalisation und die schlechten Wohnungsverhältnisse berücksichtigt werden. Der Redner fordert die Erklärung dev Stadt Hannover als Notstandsgebiet. Er begründet dann einen Antrag seiner Partei, der umfassende Hilfsmaßnahmen für die Stadt Hannover fordert, und zwar die Gewährung einer Not- standsbeihilfe im Betrag« von 10 Millionen Rm.. Rückvergütung von IVr Millionen Rm. aus den Hauszinssteuerbeträgen von 1925 und Verhandlungen mit dem Reichsfinanzministerium zum Zwecke der Steuerstundungen. Der Arbeitsplan des Preuhenparlaments. Berlin, 3. Nov. (DDZ.) Der Aeltesten- rat des Preußischen Landtags beriet heute den Beratungsplan für die kommenden Wochen. Am Donnerstag sollen di« Aitträge zur produktiven Er wer b s lvse n s ü rs o r g e zur Beratung kommen. Am Montag kommender Woche werden di« Steuergesetze (Krast- fahrzeugsteuer, Hauszinssteuer, Gewerbesteuer) bzw. die zu diesen Gesetzen beantragten Abänderungen auf die Tagesordnung gesetzt werden. Die erste Beratung des Städtebaugesetzes ist für den Donnerstag kommender Woche in Aussicht genommen. Äm 12. November soll dann eine Pause bis zum 29. November eintreten. Dann will der Landtag vom 30. November bis 11. Dezember wiederum tagen, um namentlich die erste Etatsberatung zu erledigen. Das neue Neichswahlgesetz. Berlin. 3. Nov. Der Reichsminister des Innern Dr. Külz, der dem Reichskabinett den Entwurf eines Gesetzes über eine neue Reichswahlordnung unterbreitete, hat dem „D. T." zufolge außerdem auch einen zweiten Gesetzentwurf über Heraufsetzung des Wahlalters vorgelegl. Durch das neue Gesetz, das verfassungsändernd ist, da nach der Verfassung alle 20jährigen Personen wahlberechtigt sind, soll die Wahlberechtigung aus Personen beschränkt werden, die das 21. Lebensjahr überschritten haben. Das Gesetz über die neue Reichswahlordnung sieht, wie das Blatt erfährt, den Wegfall der Reichs list« und die Einführung des Einer-Wahlkreises vor. Die Reststimmen sollen vollständig innerhalb der Wahlkreisverbände ausgeglichen werden. Sitzung des Neichskabinetts. Berlin, 3. Nov. (Sil.) Das Reichs- fabln« tt beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung u. a. mit der Frage der Veranstaltung einer Weltausstellung in dec Reichshauptstadt. Das Kabinett sah keinen Anlaß, eine Entscheidung zu treffen. Infolgedessen kam die eventuelle Bestallung eines Reichskommissars nicht in Frag«. Ferner nahm das Reichskabinett den Vorschlag des Reichsinnenministers über die Wahlreformvorlage entgegen. Die Entscheidung über die Vorlage wird in' einer späteren Sitzung erfolgen. Weiterhin hat das Reichskabinett die Zuleitung der Denkschrift über den Ankauf des „Kaiserhofs" und die Unterbringung der Reichsbehörden in Berlin an den Reichsrat und Reichstag einstimmig genehmigt. In der Denkschrift sind die sachlichen und finanziellen Vorteile, die sich für das Reich aus dem Ankauf im Zusammenhang mit den übrigen Maßnahmen ergeben, eingehend dargelegt. Urteile im Landsberger Fememordprozetz. In Landsberg a. d. Warthe haben in den letzten Wochen eine Reihe sog. Fememordprozesse stattgefunden, deren Ursachen in die Zeit zurückgehen, wo Deutschland, von äußeren und inneren Feinden bedroht, mit Hilfe freiwilliger Truppen sich seines Lebens wehren mußte. Dor Verlauf der Prozesse rollte ein Stück L a n d s k n e ch t s t u m ab, wie es nur unter dem Druck der Feinde und den Gefahren, die dem Reich von innen drohten, in einer Seit in der die Gesetzlosigkeit an der Tagesordnung S.u fein schien, möglich war. In ungesetzliche Bahnen sind auch diese, durch den Friedensschluß meist aus ihrer Existenz geworfene Soldaten gedrängt worden, die in Schlesien als freiwillige Truppen gegen die Polen gekämpft hatten, die, von Feinden umlauert, von innerpolitischen Gegnern beargwöhnt, glaubten, sich eigne Gesetze geben zu müssen, die in ihrer Grausamkeit und Brutalität an die schlimmsten Zeiten römischen Prätorianertums erinnern. Was hier in Landsberg vor dem Gericht an Entsetzlichem zutage hat, kann und soll durch nichts entschuldigt werden. Aber notwendig ist es, heute nach so vielen Jahren der inneren und äußeren Konsilidierung sich i n d i e Zeitverhältnisse zurückzuversetzen, die diese scheußlichen Mordtaten zum Hintergrund haben. Am gestrigen Mittwoch ist nun in dem wichtiasten dieser fogenanntn Fememordprozesse, in dem Verfahren gegen Schulz, Klapproth und Genossen das Urteil gefällt worden. Es handelt« sich um den an. einem gewissen Gröschke in einem Küstr.ner Fort begangenen Mord. Gröschke war Mitglied des „Arbeitskommandos" Küstrin, war verdächtigt, ein fommu- nist'scher Spitzel zu sein (wobei eine Verwechslung mit einem Kommunisten gleichen Namens vorlag),' er wurde durch fortgesetzte Peinigungen zu einem erfundenen Geständnis gezwungen und dann auf einer Autofahrt von dem inzwischen flüchtig gegangenen D ü s ch i n g getötet. Das nun gefällt« Urteil lautet gegen die Ang klagten Oberleutnant Schulz, Rehm, Willy Klapproth und V o g e l auf Freisprechung. Wegen Körperverle'.^ung mittels gefährlicher Werkzeuge wurden Schiburr zu einem Iaht, Gräy zu 4 Monaten, Fricke zu acht Monaten Gefängnis, Decker wegen Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung zu 9 Monaten Gefängnis, Raphael wegen Körperverletzung mittels gefährlicher Werkzeuge in Tateinheit mit Nötigung, Meineid und Beihilfe zum Morde zu acht Iahren Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Iahre verurteilt, Glaser wegen Beihilfe zum Morde zu drei Iahren Zuchthaus. Erich Klapproth wegen Beihilfe zum Morde zu 15 Iahren Zuchthaus und Verlust der ' ürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Iahre. Strafaussetzung wird in keinem Falle für angemessen erachtet. In der Begründung des Urteils wird u. a. auSgeführt: Das Gericht ist der Auffassung, daß, wenn das Arbeitskommando Küstrin wesentlich die legalen Zwecke verfolgt hätte, es nicht zur Mißhandlung und Ermordung Gröschkes gekommen wäre, sondern daß gerade das Bestreben, Ding« vor der Oeffentlichkeit geheim zu halten, zu diesen Vorgängen geführt hat. Das Schwurgericht ist der Heber- Beugung, daß die Angellagten, die dabei mit- gewirkt haben, so sehr sie glauben mochten, daß sie als Soldaten anzusehen seien, sich der Rechtswidrigkeit ihrer Handlungsweise bewußt g:w.sm sind. Das Gericht ist überzeugt, daß B ü s ch i n g ben Gröschke vorsätzlich und mit Heber legung hingemordet hat. Sie Heberlegung geht schon aus den Vorbereitungen zur Tat hervor. Die Angeklagten Klapproth und Vogel hat das Gericht freigesprv- chen. Es erscheint zwar möglichs, daß sie in die Tat eingewdiht waren, aber das Gericht erachtet es doch nicht für erwiesen^ bah fte bei den Vorgängen unmittelbar mitgewirkt haben. Das Gericht hat auch die Anstiftung bei Oberleutnant Schulz verneint. Zwar ist es der äleberzeugung, daß die Aussagen der Zeugen über die Aeuherung, die Schulz getan haben soll, nicht einfach aus der Luft gegriffen sind. Aber das Gericht kann doch nicht feststellen, wie es das müßt«, um ein Todesurteil verantworten zu können, daß Schulz auf Düsching und Klapproth e i n g e w i r k t hat, damit sie diese Tat begingen. Das Gericht ist der Meinung, daß es auch sehr wohl möglich ist, daß irgendeine falsch verstandene Aeuherung des Angeklagten Düsching dazu verführen konnte, diese Tat auszuführen oder sie von sich aus zu tun in dem Glauben, vielleicht später die Billigung von Schulz dafür zu finden. Eine moral ische Schuld legt aber das Gericht dem Angeklagten Schulz auf, weil «r den beiden zu viel Vertrauen geschenkt hat. Die Angeklagten haben sich die Entscheidung über die Einlegung eines Rechtsmittels Vorbehalten. 2lu$ -er Provinzialhauptsta-t. Gießen, den 4. November 1926. , Der Erwerbslose und die Invaliden- und Angesteüten- verficherung. Don Walter Busse, Gießen. Die heutige schwierige Wirtschaftslage hat es mit sich gebracht, daß ein großer Teil der sonst den erwerbstätigen Kreisen angehörendsn, gegen Lohn oder Gehalt beschäftigten Personen stellenlos geworden ist. Ihnen allen, ob Arbeiter oder Handwerker, ob faufmännifdjer Angestellter oder Betriebsbeamter, kann es nicht warm genug ans Herz gelegt werden, sich für ihre soziale Versicherung zu interessieren. Sowohl die Reichsversicherungsordnung als auch das Angestelltenversicherungsgesetz verlangen für die Aufrechterhaltung der durch frühere Beitragszahlung erworbenen Anwartschaften auf Leistungen aus der Invalidenversicherung bzw. aus der Angestelltenver- sicherung bestimmte Aufwendungen an Beiträgen. Die nachstehenden Ausführungen sollen mcht die gesamten Bestimmungen für die freiwillige Versicherung oder für die Aufrechterhaltung von Anwartschaften zusammenfassen, sie sollen vielmehr in wenigen Worten nur die Bestimmungen bringen, die für die Erwerbslosen in erster Linie beachtenswert erscheinen müssen. Für die bisher der Jnvalidenversicherungspflicht unterlegenen Erwerbslosen erlischt die Anwartschaft aus den geleisteten Beiträgen, wenn während zweier Jahre nach dem auf der Quittungskarte verzeichneten Ausstellungstage weniger als zwanzig Wochenbeiträge geklebt find. Die Beiträge sind mindestens in der Lohnklasie 2 (wöchentlich 50 Pf.) zu entrichten, so daß innerhalb zweier Jahre ein Betrag von 10 Mk. aufzubringen ist. Die RDO. kennt zwar auch noch Tatsachen, die für die Erhaltung der Anwartschaften als Wochenbeiträge gelten. Jedoch kommen diese Tatsachen für die Erwerbslosen praktisch nicht in Frage, so daß an dieser Stelle davon abgesehen wird, alle diese Ersatztatjachen aufzuzählen. In der Angestelltenversicherung sind die Bedingungen für di« Aufrechterhaltung ähnlich. Soweit ein 'Angestellter mindestens vier Beitragsmonate auf Grund der Versicherungspflicht zurückgelegt hat, kann er die Versicherung freiwillig fortsetzen. Um die durch die Beitragszahlung an die AV. erworbenen Anwartschaften nicht zu verlieren, müssen vom 2. bis 11. Kalenderjahre der Versicherung mindestens 8, und vom 12. Kalenderjahre an mindestens 4 Beitragsmonate im Jahre zurückgelegt sein. Soweit dies nicht der Fall ist, sind freiwillige Beiträge zu entrichten. Bei Stellenlosigkeit genügt die niedrigste Klasse mit monatlich 2 Reichsmark. Zur Zahlung der erforderlichen Beiträge hat der Versicherte noch innerhalb 2 Kalenderjahren Zeit, die dem Kalenderjahr der Fälligkeit folgen. So können z. B. die für das Jahr 1924 erforderlichen Beiträge noch bis einschließlich 1926, für 1925 bis einschl. 1927 usw. nach- entrichtet werden. Auch das AVG. kennt eine Anzahl von Ersatztatsachen, die der Beitragszahlung gleichgeachtet werden. Anzuführen wären in dem Rahmen dieser Abhandlung Krantheitszeilen und weiter der Besuch einer staatlich anerkannten Lehranstalt zur beruflichen Fortbildung. Sowohl cie RD-. als auch das AVG. sehen zwar auch eine Wiederauslebung von bereits erloschenen Anwartschaften in späteren Iahren vor, jedoch sind die Bedingungen hierfür so schwieriger Art, daß es unbedingt erforderlich ist, beizeiten für die Aufrechterhaltung Sorge zu tragen. Immer wieder tauchen in der Praxis der Dersicherungsträger Fälle auf, bei denen sich bei Geltendmachung von Stiftungen heraus- stellt, daß die Anwartschaften erloschen sind, und dadurch die Wartezeit für die Gewährung von Leistungen nicht erfüllt ist. In vielen dieser Fälle ist es dann zu spät, die Versicherung wieder so zu regeln, daß Leistungen gewährt werden können. Mit Rücksicht darauf, daß die von dem Versicherten in früheren Z:iten zurückgelegten Spargroschen durch die Inflation aufgezehrl worden sind, daß also der Versicherte im Falle der Invalidität bzw. Derufsunfähigkeit, oder im Falle des Alters, und weiter auch noch die Hinterbliebenen des Versichrten auf die sozialen Renten (Ruhegeld, Invaliden-, Witwen- und Waisenrenten) als das einzige aus besseren Tagen hinübergerettete Kapital angewiesen sind, kann man nicht genug davor warnen, die soziale Versicherung verfallen zu lassen. Die Renten, mögen sie vielleicht manchmal auch nur gering fein, stellen einen Rechtsanspruch dar, der niemals verloren gehen kann. So mancher Versicherte, so manche Familie eines verstorbenen Versicherten wäre froh, w.mn sie die durch Säumigkeit verloren gegangene Rente erhalten würde. TL rttervoraussagc. Meist bedeckt und vielfach dunstig, langsamer Temperaturanstieg und stärkere Niederschlags- neigung, doch noch vorwiegend trocken. ,w v;Ä M. « 1828. bie Men- xüfadjtn, die als Wochen- Tatsachen für rage, fo daß rd, alle diefe ■gfÄ ?5*4ü 5-« $ griff?- ?-'L ?vdez, R Ä ?° « °.r. ' oder |ie 'S diel, “b dafür 1 legt aber Ä Wl n. e h°t es mtt onst den er. gegen Lohr, nlos gemor* Oanömerttt, ’ ebsbeamler, egt werden, Dressieren, ’s auch das für bie Wiatyiing tu aus der iMtenoer- Beiträgen, en ckchl dir dUge Per- ng von An- vielmehr in gcn bringen, ie beachtens. mb die Beglich Soweit isinonate auf egt hak, kann ?n. Um bie erworbenen 1 üom 2. bis inbefwns 8, tens 4 Bei- iin. Soweit Beiträge zu die niedrigste : Zahlung der rficherte noch )cm Elender- z. ®. die für noch bis ein- >27 ufro. nach- nt eine Slnja^l ihtuna gleich' dem Nahmen d weiter der hranftalt zur AM sehen ron bereits cn Jahren hierfür so rrderlich ist. Sorge zu der Prasis bri denen gen herauf in sind, und 'ährung von liefen dieser etunfl wieder ährt werden on dem legten 6^ ,»hrt worden rU * t oder lw ch * “Wg r*? W S» Renten, nur geris^ it der E *X ®»- -erstorbenen Se durch je erhalten i langsamer n. >erungspflicht Anwartschaft hrend zweier rie verzefch- s zwanzig e finb mfn- 50 'ßl'l zu yct ein Be> Pf Lietzener Wochenmarttpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Dutter 160 bis 180, Matte 35 bis 40, Ääfc (10 Stück) 60 bis 150, Wirsing 4 bis 12, Weist- kraut 3 bis 8, Rotkraut 5 bis 15, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 20 bis 25, Llnter-Kohlrabi 4 bis 6, Grünkohl 20, Rosenkohl 45 bis 50, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 40 bis 50, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 35 bis 100. Schwarzwurzeln 45 bis 60, Kartoffeln 51 t MS 6, Aepfel 15 bis 30, Dirnen 10 bis 15, Russe 80 junge Hahnen 100, Suppenhühner 100, Ganse 80 bis 110 Pf. das Pfund; Eier 15 bis 18 QMumen- kohl 50 biS 150, Endivien 10 bis 15. Ober-Kohl, rabi 5 bis 10. Lauch 5 bis 10, Rettich 10 b*S 20. Sellerie 20 bis 50 Pf. das Stück. Bornotizen. — Tageskalender für Don n e r s tag. Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: 8.15 Uhr, in der Neuen Aula der Universität, Lichtbilderoor- trag. — Deutscher Bund für christlich-evangelische Erziehung in rjaus und Schule: 8 Uhr, Iohannes- faal, Familienabend. — Kriegerverein: 8.30 Uhr, „Postkeller", Monatsversammlung. — Saalbau Sauer: 8 Uhr, Gastspiel von Pomröm Bellachini.— Lichrspielhaus, Bahnhofstraße: „Wehe, wenn sie losgelasfen!" — Astoria-Lichtspiele: „3m sausenden Galopp". — Der Freiwlrtschaftsbund, FFF., Ortsgruppe Gießen, eröffnet feine diesjährige Winter-Vortragsreihe mit einem Vortrag von Dr. E t o l t i n g , Frankfurt a. M., am Frei- tag, 5. November, abends im Saalbau Sauer. — Siehe heutige Anzeige. — 2lus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Es ist eine lustige Angelegenheit, die Burleske „Werk-end" („Hebern Sonntag"^ von Roel Coward, die unter Adolf Telekys Spielleitung am morgigen Freitag zum ersten Male gegeben wird. Die vierköpfige, etwas spleenige Familie Dlih hat' sich übern Sonntag Besuch auf ihr Landhaus eingeladen, d. h. jedes Familienmitglied hat sich seinen besonderen Gast eingeladen. Was nun zwischen Gastgebern und Gästen vorfällt. ergibt so bühnenwirksame und überaus luftige Szenen, dast der Erfolg begreiflich ist, den das Werk, das übrigens auch im Frankfurter Schauspielhaus auf dem Spiclplan steht, überall findet. Es wirken in der DvrsteUung mit die Damen Baumann, Krahmec. Süngting, Scherer und Schröder sowie die Herren Dvlck, Gesfers, Hanke und Lenau. *• Sitzung des Provinzialausschusses. Am Samstag, dem 6. d. M., vormittags 8.30 Uhr, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen, Landgraf-Philipp-Platz 3, eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusfes statt mit folgender Tagesordnung: 1. Klage des Arthur Heine in Bad-Nauheim gegen das Kreisamt Friedberg wegen Versagung eines Wandergewerbe- Dorheim gegen das Kreisamt Friedberg wegen der Versagung eines Wandergewerbescheins. 3. Klage des Bezirksfürsorgeverbandes Frankfurt a. M. gegen den Bezirksfürforgeverband des Kreises Friedberg wegen Ersatz von Krankenhauspflegekosten des Paul Hermann aus Lugau. 4. Klage des Bezirksfürsorgeverbandes Hanau-Land gegen den Bezirksfürforgeverband Friedberg wegen Erstattung von Unterstützungskosten für den Phil. Nees aus Oberrad. •• Gutes Ergebnis des Weltspartages in Gießen. Wie wir hören, hat die hiesige Dezirkssparkasse mit der Werbung für den „Weltspartag" am 31. Oktober d. I. ganz gute Erfolge erzielt. Haben sich doch am 31. Oktober allein nahezu 150 Sparer bei der Bezirks- sparkasse eingefunden, um ihre Spargelder dort einzulegen. Auch an dem Sage vor und nach dem „Weltspartag" sind offensichtlich unter dem Eindruck der Werbung ganz erhebliche Spareinlagen bei der Kasse getätigt worden. So brachten z. B. der 30., sowohl als auch der 31. Oktober allein weit über 30000 Rm. Spareinlagen. •• Vorsicht beim Baumfällen! 3n der Zeit des Baumfällens werden häufig an den Straßen und in den Ortschaften die Reichs- Telegraphen und Fernsprechleitungen durch um- stürzende Bäume oder durch herabfallende Aeste beschädigt, weil die Personen, denen das Baumfällen obliegt, in der Regel die zur Sicherung dec Telegraphenanlagen gegen Beschädigungen erforderlichen Vorkehrungen überhaupt nicht oder in ungenügendem Maße treffen und es unterlassen, von den bevorstehenden Arbeiten der nächsten Postanstalt redjtyntig Mitteilung zu machen. Da auch fahrlässige Beschädigungen der Telegraphenanlagen im Paragraph 318 des Reichs-Strafgesetzbuches mit Strafe bedroht find, wird den V^rumbesihern empfohlen, die nächste Postanstalt von der bevorstehenden Daumsäliung so zeitig zu benachrichtigen, dast erforderlichen Falles die Entsendung eines Beamten zur Sicherung der Leitungen veranlaßt werden kann. WTD. Prägung vonneuen50-Pfg - Stückenc Wie verlautet, wird im Reichsfinanzministerium die Ausgabe von neuen 50- Pf g.-Stücken erwogen, da die zur Zeit im Umlauf befindlichen 50 - Pfg.-Stücke in umfangreichen Mengen gefälscht wurden. k. Deut jchnationaler Handlungsgehilfenverband. Die Ortsgruppe Gießen des DHV. veranstaltete am Dienstagabend im Kaufmännischen Vereinshaus einen Vortragsabend, bei welcher Gelegenheit Gauleiter H Auerbach- Frankfurt a. M. über „Rationalisierung und kaufmännische Gehilfen" sprach Der Redner erläuterte zunächst kurz den Begriff des in letzter Zeit leider zuviel gebrauchten Wortes Rationalisierung, das auch im wirtschaftlichen Leben eine große Rolle spiele. Er gliederte sodann seine Ausführungen in Rationalisierung des einzelnen Betriebs, Rationalisierung im Hinblick auf die Zusammenfassung der Betriebe und Rationalisierung der menschlichen Arbeitskraft. Der Vortragende führte die Zuhörer zunächst in die Zeil der Inflation zurück, wo man, statt an technische Vervollkommnung 3u denken, große Industriebauten errichtet habe ufro., fo daß heute der Produktionskörper meist zu groß und die Preise überteuert seien. Die Unternehmer könnten daher im Ausland nicht mehr konkurrieren Diesem Uebelstand sollte durch Abbau der Löhne und der sozialen Lasten, sowie durch Verlängerung der Arbeitszeit abgeholfen werden. Leider werde aber durch Lohnabbau die Kaufkraft im Jnlande immer mehr geschwächt Redner schildert dann eingehend die Auswirkung der Rationalisierung der einzelnen Betriebe, er erläutert Beispiele, bei gleicher Produktion die Zahl der Arbeiter auf ein Drittel herabgesetzt, unter gleichzeitiger Erhöhung der Löhne dcr Weiterbeschäftigten. Weiter beschäftigte sich der Bor- tragenbe eingehend mit der Rationalisierung ‘-er kaufmännischen Betriebe, wo teilweise schon mit der Einführung von Akkordarbeit Versuche ungeteilt würden. Man wolle, ähnlich wie in Amerika, auch in Deutschland alles schematisieren und typisieren, vergesse aber ganz, daß Deutschland zu arm an Rohstoffen sei und deshalb in erster Linie. Wert gut Herstellen muffe. Deutschland mülle sich bet feinen Erzeugnissen auf das Volksempsinden des bett. Landes cinftcQcn. Zur Rationalisierung im Hinblick auf die Zusammenfassung der Betriebe erläuterte Redner die Bestrebunaen des verstorbenen Industriellen Stinnes, den gesamten Produktionskörper unabhängig zu machen, was sich aber als undurchführbar erwiesen habe. Heute versuche man den Zu- sammenschluß gleichgearleter Betriebe (Stahltrust, Farbenkonzern ufro.). um durch Einwirkung auf die Preisgestaltung, Abbau und Gehaltskürzungen Borteile zu erzielen. Redner weist eingehend auf die Gefahren dieser Maßnahmen für die Kaufmanns- mHilfen hin, die nach Erreichung eines bestimmten Alters kaum noch Aussicht auf Beschäftigung hätten. Auch der Handel habe eine wesentliche Umstlleung erfahren. Man versuche, teilweise den Großhandel völlig auszuschalten, der Kleinhandel werde durch Kaufhäuser und Konsumvereine wesentlich bedroht. Dasselbe gelte auch von den Filialbetrieben, bei denen die Angestellten lediglich nur als Warenver- teiler fungierten und jede schöpferische Tätigkeit lahmgelegt sei. Es sehle in derartigen Geschäften an der geistigen Anteilnahme der Ängestellten an dem Vorwärtsstreben des Kaufmanns, auch lasse die Ausbildung in derartigen Betrieben viel zu wünschen übrig; ein Vorwärtskommen sei infolgedessen nicht möglich. Redner bcfdjäftigt sich bann eingehend mit der zutage getretenen Ueberfpannung des Sportgedankens und der Verherrlichung der Sportrekorde, die eine wesentliche Ablenkung.der in der Berufsausbildung Stehenden zur Folge habe. Wenn auch die Wirtschaftskrise ihren Höhepunkt erreicht habe, so bestehe immer noch die Arbeitskrise in 'vollem Umfange. Daher sei es doppelt notwendig, daß auch die Kaufmannsgehilfen ihrer weiteren Ausbildung die erforderliche Beachtung schenken. Der Vortragende kommt dann auf die Forderungen des DHV. beim Reichstag und die Erfolge bei der hessischen Regierung bezüglich der Lchrlingsfrage zu sprechen und weist zum Schluß noch darauf hin, daß die durch dic Rationalisierung erzielten Gewinne nicht für die Unternehmer verwendet werden dürsten, sondern zur Senkung der Preise und Erhöhiing der Löhne und Gehälter, damit die Kaufkraft erhöht, der Umsatz gesteigert und dadurch auch die Prodiiktion gesteigert werde. * Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 1 Kuh, 708 Kälber, 1113 Schafe und 536 Schweine. Empfehle Havel Freitag, ö. 5. November 1926 ■61U ä ä ä Jt 1.10 X 1.10 1 9 2 I • junges Mastflelich la Hackflcück) la Nindslviirstchen 7 Med. Lebertran \ Lebertran-Lmulston beste Qual'laten . OrorerieVlinW Kreuzplah / 9 U. 10 7,,8ss Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. B wurde heute bei der Firma Vereinigte Weinbrennerei und Cü'örjabiUen, Gesellschaft mit bcschräntter Haftung in Gießen folgendes eingetragen: Durch Beschluß der GeseUschastcrversarnmlung Dom 8. Oktober 1926 ist die Gesellschaft aufgelöst. Siegmund Hammerschlag in Gießen ist zum Liquidator bestellt. Gießen, den 23. Oktober 1526. 9062C Hessisches Amtsgericht. Achtung! Empfehle mich tin Schleifen von **1) Sefielitheien, WWeiMllkw, WemMnW. Otto Heyder Wev"etngasse 8. ÄWn Waschbütten Iauchefasser MeretSomnikMn Bleichstr. 10.9vCÖD Küchen schränke, 2 Requlaiere, 1 Tisch- -Herd. 1 Kiichenanrichie, 1 Kücheiitisch. Küchenuüi,le, 3 Diwans, 1 Sianoudr, Schreibitsche, 3 Sofas. 2 Trumeaus. _ n-alnrnd, 4 Veriikos. 1 Ausziebiisch 1 Bild. 1 Wäscheschrank. 17 Bände Brock- bauS Konverfäiions-Lerikon, 2 Bücherschränke, 2 Ladeneinrichtunaen, 1 eleftr. 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Die ersteren fußen aus den sicheren Abstimmungszifsern und gelangen |o auf dem Papier zu einer großen Mehrheit für die alte Koalition: denn am 7. Dezember 1924 standen fast 354 000 Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrumswählern nur rund 217 000 Stimmen des heutigen Wirtschafts- und Ordnungsblocks gegenüber. Aber in jener Mehrheitsziffer stecken neben treuen Parteigängern auch unsichere Mitläufer, das zeigte schon die Reichspräsidentenwahl mit über 274 000 Stimmen für Hindenburg in Hessen, die nur zum kleinsten Teil aus bisherigen Richtwahlerkreisen kamen. Eine Wahl nun, die lediglich wirtschaftliche Momente in den Vordergrund schiebt, kann überraschende Ergebnisse zeitigen, und bereits uas Volksbegehren hat bewiesen, daß die Zentrumsbauern nicht die geringste Lust haben, den Wagen der Linken aus dem Sumpfe zu ziehen. Derartige Erwägungen sprechen stark zugunsten der Rechtsparteien, denen überdies beim nächsten Wahlgang, der ja nicht einer Neuwahl, sondern nur einer Landtagsauflösung gilt, die Kommunisten sich gesellen werden. Schlagen wir diele nur zu 35 0Ö0 Stimmen an, was vermutlich eine Unterschätzung ist, und rechnen wir vom Zentrum und dem kleinbürgerlichen Teil der Demokraten rund 50 000 .herüber, so ist bereits ohne Reserven das Gleichgewicht hergestellt. Daß aber ähnliche Betrachtungen in der Stille auch im Schoße der Koalition angestellt werden, zeigt die dort von Tag zu Tag wachsende Nervosität, für die doch bet völliger Sicherheit keine Ursache vorhanden wäre. Fest steht unter diesen Umständen das eine, daß der Kampf heiß und erbittert sein wird. Und leider — das kann man heute schon sagen — wird er auch in seinen Formen unerfreulicher als je werden. Das haben schon die letzten Verhandlungen im Landtage gezeigt: das künden die Fchdeartikel der Parteipresse an; das hat nicht zum wenigsten auch die Denkschrift des Finanzministeriums merken lassen, die der Abg. Dr N i e p o t h an dieser Stelle jüngst mit Recht ein „Wahlhandbuch der Koalition" genannt hat. Man ist bei den hessischen Landboten an einen rauhen Ton gewöhnt, ober was in der Aussprache über das Volksbegehren an parlamentarischer „Rhetorik" geleistet wurde, geht doch bedeutend über das übliche hinaus. Daß die Vertreter der Kammermehrheit, die ja immer schon auf die Rechte der Minderheit blutswemg Rücksicht genommen haben, dem Prüfungsausschuß für das Volksbegehren eine durchaus einseitige Zusammensetzung gaben, daß in diesem Ausschuß endlose Kleinigkeitskrämerei an die Stelle wahrhaft demokratischer Großzügigkeit trat, daß man kein Ende bei der Prüfunas- arbeit finden konnte, weil man immer noch hoffte, neue Ungültigkeitserklärungen heraustüfteln zu können, das alles ist ja zur Genüge bekannt. Nun galt es noch, die Unregelmäßigkeiten, die ein so formloses Verfahren wie das hessische Volksbegehren mit Notwendigkeit mit sich bringt, gebührend als „Volksbetrug" an den Pranger zu stellen, und ein halbes Dutzend Redner der Linken haben das um so gründlicher besorgt, weil sie wohl wußten, daß ihre Anklagen dann in ihren Parteiorganen ausführlich (und ohne die Entgegnungen der Angegriffenen) der Wählerschaft vorgesetzt würden. Der Abg. Oberamtsrichter Schreiber hat von 75 000 „Fälschungen" gesprochen, womit er in der Hauptsache die Fälle meinte, in denen durch Strichelung statt Neuschreibung von Ortsnamen, durch Einträgen von Worten wie „Ehefrau" von fremder Hand, vielleicht durch das Miteintragen von Familienangehörigen durch den Hausvater, das doch sicher in fast allen Fällen mit deren Einwilligung geschah, Streichungen in den Listen veranlaßt waren. Andere Redner riefen nach dem Staatsanwalt, um Bestrafung der Doppel- und Falscheintragungen herbeizuführen. Demgegenüber konnten die Venreter des Volksbegehrens feststellen, daß die nicht übermäßig zahlreichen Namen dieser Art beinahe alle eine recht harmlose Aufklärung zulassen: sie waren auch^ in der Lage, nachzuweisen, daß die berühmteste „Fälschung", die außer in allen möglichen Zeitungsartikeln auch noch in der Rede des Abg. Kaul einen prachtvollen Stoff zu sittlicher Entrüstung lieferte, gor nicht existiert, bzw. nicht eine Fälschung des Eintragenden, sondern höchstens des Liftenglosfa- tors war. Da sollte nämlich einer eingetragen fein, der fast 30 Jahre tot ist, und so stehts tatsächlich von irgendeiner Hand neben dem ausgestrichenen Namen in der Liste. Der betreffende „Tote" lebt aber, ist wahlmündig und -fähig, und wenn ihm der Bürgermeister oder sonst ein Schriftgelehrter seiner Helmatgemeinde „versehentlich" mit seinem toten Großvater verwechselt hat, so ist der Wähler selbst doch nicht der schuldige Teil. Der Fall ist aber in der Presse so oft und so liebevoll behandelt worden, daß er in den Kreisen, auf die er Eindruck machen sollte, sicherlich auch gewirkt hat, und ein Dementi pflegt man ja nur in den seltensten Fällen für nötig zu halten. . Für die Art und Weise, wie man auf sozialdemokratischer Seite den Wahlkampf zu führen gedenkt. scheint mir ein Leitartikel des Darmstädter „Dolksfreund" vom 28. Oktober bezeichnend. Er trägt die Überschrift „Sparapostel Dingeldey" und behauptet ohne den Schatten eines Beweises, ja man kann wohl sagen im Gegensatz zu allem, was Dingeldey und die Deutsche Volkspartei tatsächlich vertreten haben, jener beabsichtige, eine Reduzierung der Beamtengehälter vorzunehmen, wenn ihn veränderte Mehrheitsverhältnisse dazu in den Stand setzten. Verdient aber schon diese Unterstellung eine Zurückweisung schärfster Art, so erst recht die weitere Behauptung, eine solche Reduzierung solle nur die unteren Beamten und Staats- arbeiter, dagegen nicht die oberen Stellen treffen. Man fügt also zur erfundenen ersten These eine noch bösartigere zweite, die nicht wahrer ist, und glaubt eine Art von Wahrjchcinlichkeitsbeweis dafür in meinem letzten Antrag zu finden, der die Schaffung von 80 neuen planmäßigen Studienrats- fteUen verlangt. Oer Finanzsachverständige des „Doiksfreundes" schätzt diesen Antrag aus „das niedliche Sümmchen von rund einer halben Million". Ich weiß nun nicht, ob das seine wirkliche Meinung ist, oder ob er sie nur seinem anspruchslosen Wählerkreis weismachen will. Wer nicht nur meinen Antrag, sondern auch die kurze Begründung gelesen hat, die ich ihm beigefügt habe, um von vornherein Räubergeschichten wie die skizzierte unmöglich zu machen (eine ausführlichere Begründung behalte ich mir vor), der weiß ganz genau, daß die geforderte Maßregel nicht nur eine Notwendigkeit ist, wenn Recht Recht bleiben soll: er ersieht auch, daß die finanzielle Auswirkung den Staat überhaupt nicht nennenswert belastet. Aber es gilt auch hier dasselbe wie bei den „Fälschungen" beim Volksbegehren: die Hauptsache ist nicht die Richtigkeit, sondern die Verbreitung einer Behauptung in der Wählerschaft. Der Landtag hat in diesen Tagen noch einige Dutzend andere Punkte außer dem Volksbegehren behandelt. Neben unwichtigen waren auch recht bedeutsame dabei, wie z. B. die zahlreichen Meliorationsarbeiten im Lande und ihre Finanzierung, die ja neben dem Staate auch die Gemeinden trifft. Aber das Interesse an allem, was der ersten Redeschlacht folgte, war gering: selbst als Sozialdemokraten und Kommunisten in wütendem Wortgefecht bei den Unterstützungsanträgen für die Arbeitslosen sich ihre gegenseitige Unzulänglichkeit vorwarfen, bewunderten die Kenner mehr die Leidenschaft der Pose als der Uebergeugung. Der Landtag war innerlich müde, und roenn's auch die Mehrheit nicht Wort haben will: „Man sagt, er wollte sterben!" Spanische (Einbrüche. (Von unserem nach Spanien entsandtenVl/.-8.-Sonderberichterstatter)*). Madrid, im Oktober. Man ist immer geneigt, das gegenwärtige Regime Primo de Riveras mit dem gegenwärtigen Regierungssystem in Italien zu vergleichen, nicht ganz mit Unrecht, denn es find Aehnlich- keiten vorhanden, die eine Parallele rechtfertigen. So vor allem die in beiden lateinischen Ländern Se Verneinung eines alleinseligmachenden Par- itarismus, die gleiche überragende Stellung des Ministerpräsidenten, schließlich auch die Bildung der nationalen Bürgergarde in Spanien, die als eine abgeschwächte Nachahmung der faszistischen Miliz erscheint. Aber die Verschiedenheit des Nationalcharakters und der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der beiden Völker lassen andererseits diesen Vergleich nicht zu, im besonderen nicht eine Gegenüberstellung der beiden Diktatoren. Mussolini ist ein Kind der Revolution, geformt in der Bluttaufe des Weltkrieges. Er hat auf feinem Weg vom verbannten Sozialisten bis zum gefeierten Nationalisten eine glänzende Entwicklung durchgemacht. Primo de Rivera, Marquis de Estelle, hingegen ist kein Volkstribun, er ist ganz Aristokrat und stammt aus einer alten spanischen Militärfamilie. Sein Onkel war Marschall von Spanien. Schon als junger Offizier erhielt er auf den Schlachtfeldern von Afrika den höchsten militärischen Orden für seine Tapferkeit und Umsichtigkeit, Eigenschaften, die ihn durch fein ganzes Leben ausgezeichnet haben. Skrupellos räumte er am 13. September 1923 mit den verrotteten Cortes (Kammern) auf und schuf das Militärdirektorium aus Generälen, die kaum für ihr neues Amt vorbereitet waren, aber das Land aus dem Sumpf des parlamentarischen Regimes wieder zur Ordnung und Disziplin geführt haben. Die neue Regierung begann mit einem großen Reformwerk. An erster Stelle sollte die F i n a n z- *) Vgl. Nr. 235 und 240 des „Gießener Anzeigers" vom 7. bzw. 13. Oktober. wirtschaft saniert und ein defizitfrües Budget aufgestellt werden. Das ist dem Diktator bisher nicht gelungen. Es kann ihm auch nicht gelingen, da der Marokko-Feldzug allzu große Mittel verschlingt. Wir haben uns bereits mit der Sage der spanischen Landwirtschaft kurz besaßt. Nachstehend nun die letzten amtlichen Ziffern über die spanische Inti u st r i e und die augenblickliche Sage. Im Jahre 1925 förderte Spanien 5 619 733 Tonnen Steinkohle (1924: 5 819 922), 305 396 Tonnen An- thrazit (371488 Tonnen), 674 026 Tonnen Koks (717 125 Tonnen), 4 462 400 Tonnen Eisenerz (4 612 817). Uebecall mith'n em bedenklicher Rim- gang. Nur die Förderung von Manganerzen stieg im Jahre 1925 um fast 16 000 Tonnen sowie die der Stahlproduktion um 40 000 Tonnen auf 580 102 Tonnen, während die Gußeisenerzeugung von 497 390 Tonnen auf 468 800 Tonnen sank. Ter Notenumlauf in Spanien beläuft sich gegenwärtig auf rund 4,4 Milliarden Peseten bei dem hohen Goldbestände von rund 2,5 Milliarden. Der Diskontsatz beträgt gegenwärtig 5 Prozent. Das Zentrum der spanischen Eisenindustrie ist Bilbao, ein uralter Seehafen mit augenblicklich 142 000 Einwohnern. Große Hoffnungen werden auf die kürzlich entdeckten Kali- Gruben bei Suria in Katalonien gesetzt. Die Lage der Kohlenbergwerke ist hingegen außerordentlich schlecht. Primo de Rivera hat zwar einen besonderen Kohlenrat aller Interessenten eingesetzt, um Abhilfe zu schaffen, aber dadurch ist bis jetzt nichts gebessert worden. Die natürlichen Ausbeutungsbedingungen der Gruben in Asturia sind ohnehin bedeuteird schlechter als in Deutschland und England. Den Eisenwerken geht es oftmals nicht viel besser, hauptsächlich wegen ihrer zum größten Teil stark veralteten Einrichtungen. Einige Werke, wie die Altos Hornos de Bizcaya S. A, die Societad Espanola de Eonstruciün Aaval in Reinosa, u. a. verfügen hingegen bereits über ganz moderne Einrichtungen. In Burgos und ©antaubra wird Petro- leum, wenn auch in geringen Mengen, gesunden. Petroleum-Bohrungen in den Pyrenäen und Andalusien blieben bisher ergebnislos. 23 Prozent der Gesamt-Einfuhr im Werte von übet 700 Millionen Peseten entfallen allein auf Industriebedarf. Im allgemeinen wird in Spanien gut und billig gearbeitet, dank hoher Schutzzölle. _ Der Staat gewährt neuerdings mancherlei Prämien der verschiedensten Art. In vielen Unternehmungen steckt viel deutsches und amerikanisches Kapital. Neuerdings macht England die größten Anstrengungen, Einfluß auf die spanische Industrie zu gewinnen. Immer größere Bedeutung kommt der „Weißen Kohle" zu. Der Bau bedeutender elektrischer Kraststationen und 11eoerland,entralen schreitet rüstig voran: namentlich m de.i Pyrenäen plant man die Anlaze von elektrischen Kraftstationen von insgesamt 1 Million P. S. Sie bilden einen Teil des von Primo de Niveva vorgeschlagenen allgemeinen grossen Wirtschasts- programms, das für 1927 bis 1937 eine Ausgabe von insgesamt 3,5 Milliarden Peseten vorsieht. 800 Millionen sollen verwandt werden für Verbesserung der Straßen, 100 Millioncn für die Ausbeutung nalürliä.er Wasserkrä te, 203 Millionen für Hasenbauten, 100 Millionen für Aufforstungen, fast 1 Milliarde für den Ausbau der gegenwärtig noch recht ungünstigen Eisenbahnen usw. usw. Die gegenwärtige Steuergesetzgebung in Spanien ist außerordentlich verwickelt und hauptsächlich deswegen teilweise so sehr ungerecht, weil zwischen den verschiedenen Arten des Einkommens keinerlei Unterschied gemacht wird. Dem im Jahre 1933 eröffneten Institut für soziale Reformen sind bedeutende Fortschritte auf sozialem Gebiete zu verdanken. Der Achtstundentag ist eingeführt, wenngleich das Washingtoner Abkommen bisher noch nicht ratifiziert wurde. Die Anerkennung des Streikrechts wurde ausdrücklich ausgesprochen. Für die Arbeitslosen wird nur in unzureichendem Maße gesorgt. Seit 1911 werden auch billige Arbeiterwohnungen errichtet. Der Staat v'raus- gable dafür bisher insgesamt über 8 Millionen Peseten, wofür etwa 5000 billige Arbeiterhäuser errichtet wurden. : Die soziale Gesetzgebung bleibt noch weit hinter der deutschen zurück. Se't 1921 gibt es e ne staatliche Altersversorgung für alle Lohnempfänger von 16 bis 65 Jahren, die b.s zu 4000 Peseten im Jahre verdienen. Staat und Arbeitgeber tragen d e Lallen dies'r Der'icherung allein. Die Beiträge der Arbeitnehmer sind freiwillig, sie dienen der Erhöhung der gesetzlicher Pensionen. Ende 1925 waren 2 M'llwnen Arbeiter von dieser Versicherung erfaßt. Für sie zahlte der Staat 32 und die Arbe tgeber 97 Millionen Peseten. 27 000 Arbeiter zahlten freiwillige Beiträge in einer Gesamthöhe von 500 000 Peseten. Ziemlich arg bestellt ist efl noch mit dem Schulunterricht. Die allgemeine Schulpflicht ist zwar eingeführt, aber vorläufig nur auf dem Papier. Der Staat verausgabt für Volksschulen nur sehr wenig, bedeutend weniger als andere Staaten, nämlich nur ein paar Hundert Millionen Peseten. Die Zahl der Analphabeten beträgt daher augenblicklich noch 45 bis 46 Prozent der Gesamtbevölkerung von über sechs Jahren. In öffentlichen Volksschulen unterrichten etwa 30 000 Lehrer 1,7 Millionen Kinder von 6—12 Jahren. Weitere 1,1 Millionen Kinder werd n in Privatschulen unterrichtet. Etwa 35 000 Knaben und Mädchen im Alter von 12 bis 18 Jahren werden in staatlichen Fort- bilduirgsschulen unterrichtet, 54 000 in Privatschulen, die sämtlich von Geistlichen geleitet werden. 11 000 Studenten studieren Theologie in 60 ©emiicarten. Die staatlichen ilniberfitäten werden von 13 000 Studierenden besucht. Zusam- menfapfenb kann gesagt werden: die Hälfte den spanischen Jugend lernt weder lesen noch schrei- Gießener Stadttheater. Johann Strauß: „Der lustige Krieg". Wenn man den Wertmaßstab an Text und Musik dieser Operette anlegt, so ist festzustellen, daß der weitaus größte Teil des Wertes auf der musikalischen Seite liegt. Im erfreulichen Gegensatz zu der stark an der Oberfläche haftenden Dutzendware neuzeitlicher Operettenkomponisten hören wir in diesem 1881 zum erstenmal aufgeführten Werke die reife Tonsprache des genialen Meisters. Eine Fülle von Harmonien, immer in reizvollster, bilderreicher Gestaltung, das Walzermotiv stark betonend, daneben aber auch prächtig in musikalischer Situationsschilderung, nimmt den Zuhörer gegangen; sie läßt leicht über die vielen schwachen Stellen der Textdichtung Hinwegkommen. Für diese zeichnen F. Z e l l und Rich. Genee als Urheber. Was sie geschaffen, ist liebenswürdigste Operettenware, bei deren Verarbeitung der Geist nicht allzu stark strapaziert ist, — nebenbei bemerkt auch der der Verfasser nicht! —, nicht allzu reich an Situationskomik, frei von üblen, auf niedrige sinnliche Instinkte spekulierenden Machenschaften, ohne die leider unsere modernen Operettenschreiber vielfach nicht mehr auszukommen glauben, kurz gesagt, eine Handlung, die auch von der strengsten Mädchenpensionatsvorsteherin gutgeheißen werden kann. Dieser .Krieg zwischen der Republik Genua und dem Fürstentum Massa-Carrara entbrennt um einer Tänzerin willen, die jede Partei für sich engagiert hat und die keiner dem andern gönnt. Diesen Krieg führen auf der carrarischen Seite nur Frauen an, täglich wird nur eine einzige Granate als Morgengruß und „Danke schön" hinüber- und herübergeschossen, die Ober« befehlshaberin Carraras gerät auf dem Schleichwege zur Stätte ihrer Tätigkeit in genuesische Gefangenschaft, die Geschichte endet natürlich mit der Verheiratung der beiden feindlichen Führer, der Kriegsgrund aber fällt fort, da die Tänzerin beiden Teilen ausreitzt. Damit ist „dieser lustige Krieg aus und man geht nach Haus". Der Ausführung kann man ein gutes Zeugnis dusstellen. Dberfpielleiicr Curt Hampe hatte für eine befriedigende Darstellung und deren flotte Abwicklung trefflich gesorgt. Die musikalische Leitung lag bei Eugen Neff wieder in besten Händen, dem man samt feinem ausgezeichneten Orchester ein besonderes Lob auszusprechen hat. Heinz Steinbrech e r als Umberto Spinola und Inge van Heer als Violetta waren gesanglich und darstellerisch auf der Höhe und erfreuten in reichem Maße. Eine feine Verkörperung des schwatzhaften Marchese Filippo Sebastiani bot Curt H a m p e , dem man auch für seine gesangliche Leistung ein Kompliment machen muß. Nuschi Wiesner wurde der Rolle der touragierten Fürstin Artemisia Malaspina in gefälliger Weise gerecht. Den stilecht ausstaffierten holländischen Tulpenzüchter Balthasar Groot gab Ernst Tfchörner; wenn er auch die Komik dieser Figur hier und da etwas allzu reichlich betonte, so ist seine Gesamtleistung doch mit großer Anerkennung zu bewerten. Else Simon als Groots Frau war in Gesang und Spiel gut, aber in der Kostümfrage war sie etwas daneben geraten; wir und sicherlich noch viele andere Zeitgenossen haben noch keine „arme holländische Bäuerin" mit Seidenstrümpfen und Lackschuhen gesehen, Else Simon wollte uns diese Type aber glauben machen. Die kleinern Rollen waren zufriedenstellend besetzt, die Chöre klappten und waren stimmlich gut ausgeglichen. Lobende Erwähnung gebührt auch der Dekorationskunst Karl Löfflers (der aber das Wandbild im Fürstensalon im 2. Akt schon vor dem Hochgehen des Vorhangs hätte gerade hängen lassen sollen) und der Beleuchtungstätigkeit Ludwig Keims. Als Ganzes beurteilt: eine Aufführung, die in hohem Maße befriedigte. Zum Schluß noch ein Wort an die Theaterleitung: Es ist anerkennenswert, dqß man auch jetzt die gute, alte, klassische Operette hat zu Worte kommen lassen. Und es wäre ein Verdienst, wenn die Theaterleitung im Laufe dieser Spielzeit noch öfter den Weg zum oftbewährten Alten in der Operette finden würde. Bn. Vortragsabend Jakob Wassermann. Jakob Wassermann, seit neuestem auch zum Mitgliede der erweiterten Dichter-Akadewie vorgeschlagen, hat 1897, als L4jähriger, zuerst von sich reden gemacht mit dem Roman von den „Juden von Zirndorf". Die Stationen, aus die sich seine literarische Entwicklung und toeiter- toirfenbe Bedeutung gründet, aus denen seine künstlerische Persönlichkeit sich formen läßt, heißen etwa so: „Di? Gesuchte d-r jungen Renate Fuchs" (1900), „Alexander in Babylon" (1905), „Caspar Hauser" (1938), „Die Masken Erwin Reiners" (1910), „Das Gänsemännchen" (1915), „Christian Wahnschaffe" (1919) und „Der Wendekreis" (1. Dd. 1920). Wassermann las drei Prosastücke. (Mit einer dunklen, etwas spröden und übrigens ganz leidenschaftslosen Stimme, die oft fast eintönig klang: aber manchmal zog eine flüchtige, halb unbeteiligt wirkende Geste die Konturen des Redebildes mit überraschender Schärfe nach) Zuerst ein Kapitel aus dem „Wendekreis"°Roman „UlriEe Wohtech": die Charakteristik einer gealterten Frau, die ein seltsames Leben hinter sich hat. In geschmeidig fließenden, ineinander übergehenden Sähen eine ebenso fließende, auf bauende, ab rundende Der- lebendigung; ein psychologischer Aufriß von der fanatischen Eindringlichkeit der frühen Naturalisten, dennoch in der innern und äußeren Haltung himmelweit davon getrennt. Man ist betroffen von der epischen Kunst, von der gesteigerten und verfeinerten Technik in diesem ruhigen Fliehen, das so ganz leicht, unaufdringlich und trotzdem nachdrücklich abgeteilt und gestuft wird. Was da gesagt wird, schillert gleichsam in vielen Farben: abermals betroffen steht man vor der Rundheit und Restlosigkeit des Bildes, betroffen und im Innern beteiligt an einer ganz gelassenen, aber wesenvollen und sehr artistischen Schilderung. Was das Kapitel enthält — sollen wir etwa sagen: Rückschau der altgewordenen Frau in das Gewesene eines überaus bewegten Lebens, das erst im Nacherleben wiederkehrend wirklich wird — das Gegenständlich-Inhaltliche ist nicht nachzuschreiben an dieser Stelle: es würde damit gar nicht getroffen werden, was den Wert ausmacht. Man muh das lesen ober hören; nach dem Hören lesen: in dieser Anregung, nach mehr zu greifen, ist ja der beste Sinn der Begegnung mit einem Dichter beschlossen. Es folgte eine kleine Novelle, „Die Kaunzin". Wieder dieser zwingende vorwärtstreibende Stil, der noch den kürzesten Sähen geheime Spannung verleiht. Manchs, was hier von einer stein- alten Bäuerin gesagt wird, berührt sich mit Zügen des Eingangskapitels, obwohl zwei ganz getrennte Lebenskreise beschrieben und aufgeschlossen worden sind. Das Ganze ist wie eine Federzeichnung, die aus vielen, sicher geführten und berechneten, (leinen und ganz winzigen Strichen als trollenbet gerundetes, greifbares Bildnis sich zusammenfügt. Dabei bleibt nichts an der Oberfläche: der Stil, den wir rühmten, die so selbstverständliche und fo kcmstvolle Form läßt nichts aus, sagt alles; alles so, wie es gefogt werden soll und muh; nicht am Wesen vorbei. Die kleine Erzählung ist mehr Meisterwerk und Kunst-Stück, als mancher vielleicht geahnt hat. Das Dritte war eine noch junge Arbeit, „Die Heimkehr der Freifrau von Ehrenberg" (aus dem „Aufruhr um den Junker Ernst"). Eine dritte Frauengestalt; ein Schicksal: und auch ein Gewesenes und zugleich funkelnd Gegenwärtiges, mit den Worten Wassermanns „wiederkehrende Wirklichkeit". Und gerade das, was man im einfachen Bericht so schwer vermitteln kann, enthält das Verbindende und Gemeinsame, das die drei Abschnitte des Abends in tieferen Zusammenhängen nebeneinander stellt und als etwas Geschlossenes wirken lieh. Das merkwürdig Schwebende der an sich so nahen und deutlichen Gestalten, die in einem besonderen Sinn „außer sich" sind, neben den Dingen, zwischen den Zeiten, auf der unbestimmbaren Grenze von gestern und heute, von heute und morgen. Sagen kann man es nicht: gesagt ist es einmal und unwiederholbar: in solcher Ursprünglichkeit und Fülle, in solcher Sprache, deren Worte schwer beladen sind mit Dildfracht und üollgefogen mit Farbglanz, muß man es hören, lesen, auf sich wirken, in sich ausllingen lassen. — y— Die grüne Krankheit. Das im Jahre 1814 von I. S. W. Sattler in Schonungen bei Schweinfurt erfundene Schweinfurter Grün wurde wegen seiner schönen leuchtenden Farbe schnell beliebt. Es besteht aus arseniksaurem und effigfaurem Kupferoxyd und kommt in der Giftwirkung dem weihen Arsenik nahe. Da die Farbe besonders zu Tapeten verwendet wurde, traten eigenartige Erscheinungen auf, die nicht immer sofort als Vergiftungen erkannt wurden. So erzählt der Mediziner Klencke in feinen Selbstbekenntnissen von einer jungen Fran, die sich zur Hochzeit die Zimmer leuchtend grün tapezieren lieh. Ein halbes Jahr später stellten sich bei ihr Vergiftungserscheinungen ein. Da kein Mittel half, und da man den Grund der Erkrankung nicht erkannte, schickte man die Frau in ein Bad, von wo sie schnell gesundet zurückkam. Aber nach einem Vierteljahr war sie wiederum erkrankt. Ein zweiter Arzt erkannte die grünen Tapeten als älrsache der Erkrankung. Man bettete die Frau in ein anderes Zimmer, ließ die Tapeten abnehmen und verbrennen, und die Frau wurde unb blieb gesund. ben, ein Viertel wird in Staatsschulen unterrichtet. ein Viertel in religiösen Schulen. Es gibt in Spanien 34 000 Priester und 71000 Mönche und Qtonnen; 50 Prozent von ihnen sind als Lehrer tätig. Münsterseier in Ztrahburg. » Don unserem x.-Derichterstatter. (Vachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Straßburg, Oktober 1926. Es kommt nicht alle Tage vor, daß man an und in einem Dom mit siebenhundertjähriger Geschichte eine neue Weihefeier als Abschluß langer Dauarbeiten begeht. Am Straßburger Münster aber ist es am 9. und 10. Oktober geschehen, und mit Fug und Recht geschehen. Irgendwie aus- gebessert, erneuert und gebaut wird ja an unseren alten rheinischen Domen allezeit und auch das Straßburger Münster haben wohl nur ganz wenig Leute je ohne irgendein Gerüst an irgendeinem Teil des Baues gesehen. Den Abschluß dieser Art Arbeiten aber feiert man nicht, einfach weil es einen Abschluß niemals gibt. Diesmal aber handelte es sich um anderes, um nicht weniger als um die neue Ausmauerung der Fundamente unter dem einen der vier riesigen Tragpfeiler des Münslerturmes, um ein Werk, das zwanzig Jahre lang ununterbrochen gedauert, zwanzig Jahre lang die bauliche Schönheit des Münsters unvermeidlich beeinträchtigt hat. Im Jahre 1904 wurde der Münsterbau- meister Knau 1 h auf einen Riß aufmerksam, der sich im ersten der Hochschiffspfeiler auf der Vord- seite zeigte und durch rasches Anwachsen Anlaß zu ernster Besorgnis gab. Die Richtung der Risse wies nach dem Turm und ließ Bewegungen im südöstlichen Turmpfeiler als die Ursache vermuten. Die genauere Untersuchung des Turmpfeilers ergab, daß seine Fundamente Überla st e t und dadurch zerdrückt waren, so daß der Pfeiler sich gesetzt und der Druck des darüber» liegenden Mauerwerks, eine Last von 8000 Tonnen. sich einerseits auf den nordöstlichen Turm- Pfeiler, andererseits auf den dieser Aufgabe nicht gewachsenen Schiffspfeiler übertragen hatte. Als erste Vorsichtsmaßregel wurde der geborstene Pfeiler mit eisernen Bändern umschient. Kaum war diese Arbeit fertig, so wurde Straßburg und das Münster am 16. Vovember 1911 von einem Erdbeben heimgssucht, unter dessen Stoße die Risse im Pfeiler trotz der Umschienung um zwei -Zentimeter wuchsen. Ohne die Vorsichtsmaßregel wäre wohl der Pfeiler und vielleicht sogar der Turm, seiner Stühe beraubt, geborsten. Diese Erfahrung war eine nachdrückliche Warnung. In Eile und mit gewaltigem Kraftaufwand ging man ans Wer?. Riesige Stühgerüste wurden bis in die Scheitel der bedrohten Gewölbe hinauf errichtet, um die Last abzufangen und die bedrohten Bauteile zu befreien. Damr sollte die Erneuerung der Turmp feiler-Fundamente versucht werden. Unterbeffen brach der Krieg aus, es wurde ununterbrochen weiter gebaut. Run endlich nach zwanzig Jahren, neunzehn Jahre, seitdem b:e Rose verschalt wurde und ihre farbigen Scheiben aufgehört hatten, das i3imere zu erleuchten, nun ist das Werk vollendet, Und welch ein Werk! Der Turmpfeiler ruht auf der Kreuzung zweier alter Fundamentmauern, die noch von dem romanischen Dau stammen, der vor dem jetzigen Münster Straßburgs Dischofskirche war. Diese romanischen Mauern waren, nicht gerade in vorbildlicher Weise, auf einer nachgebenden Lettenschicht errichtet, deren Tragfähigkeit der alte Baumeister durch engerammte Stämme verstärkt hatte. Aber infolge der Grundwassersenkung waren die Stämme im Laufe der Jahrhunderte verfault und die Tragfähigkeit des Bodens war nur noch schlechter geworden. Diese Fundamente waren für d:e kleineren Verhältnisse des alten romanischen Münsters berechnet, der spätere gotische Turmpseiler aber, der wahrscheinlich in seinem Innern den romanischen Pfeiler noch enthält, ist in seinen Abmessungen größer als die Fundamentmauer. Um die vorragenden Teile zu stützen, hatte man sich wieder in wenig vorbildlicher 4Weise damit begnügt, auf das romanische Fundament starke Quaderschichten aufzubauen, die mit 'ihrer Unterlage V'schen mit bis zu 2 Meter Tiefe . bildeten. Aus d'esem fragwürdigen Fundament ‘ erhob sich dann der Turmbau, den die Folgezeit bekanntlich in wiederholten Abänderungen des Bauplanes Erwin von Steinbachs immer höher hm.auf trieb, zur immer schwereren Last für die Fundamente machte. Schon Erwins Vach- Hochfchulnachrichten. I An der Deutschen Hochschule für Politik, Berlin, wird im Winterhalbjahr 1926 27 Dr. Peter Rohden eine Vorlesung über „V ergleichende Parteienkunde" halten. — Der durch Emeritierung des Geh. Regierungsrates A. Penck an der Berliner Universität erledigte Lehrstuhl der Geographie ist dem ordentlichen Professor Dr. Vorbert Krebs in Freiburg i. D. angeboten worden. — Zur W ieder - befttzung des physiologischen Lehrstuhls an der Universität Breslau (an Stelle des in den Ruhestand getretenen Geh. Medizinalrats Karl Hürthle) ein Ruf an Prof. Dr. Ulrich E b b e ck e, Direktor des physiologischen Instituts in Dv n n ergangen. — Zum Vachfolger von Prof. Jvh. Kunze auf dem etatmäßigen Ordinariat der systematischen Theologe der Universität Greifswald ist Prof. D. Wilhelm Koepp ebenda ausersehen: das durch die Beförderung Koepps in der Greifswalder theologischen Fakultät frei werdende etatmäßige Extra Ordinariat der systematischen Theolog e wurde dem nichtbeamteten a. v. Professor Lic. Rudolf Hermann in Breslau angeboten. — Der mit der Leitung der vorgeschichtlichen Abteilung des Museums für Völkerkunde in Berlin beauftragte Kustos Dr. phil. Wilhelm Unverzagt ist zum D'rektor der genanntem Abteilung ernannt worden. Der besonders aus dem Gebiete der Vor- und Frühgeschichte fachlitcrar sch tätige Forscher, ein geborener Wiesbadener. war früher wissenschafllicherH'lssarbeiter am LandeLmuseum in Wiesbaden und später am Archäologischen Institut des Deutschen Reiches in Frankfurt a. M. tätig. — Dem Pr'vatdozenten an der Universität Halle Dr.-Jng. Moritz Dolch ist ein Lehrauftrag zur Vertretung der technischen Chemie erte'lt worden. — Eine Reihe von Einzelvorträgen über soziale Fürsorge ist für das bevorstehende Winterhalbjahr an der Universität Bonn angekündigt, und zwar: 1. Vortrag 16.Vovember über „Der Alkohol als Arzneimittel und folger scheint die baulichen Mängel erkannt zu haben. Daß spätere Münsterbaumeister im 16. Jahrhundert sie erkannten, steht urkundlich fest. Aber bis in die Gegenwart glaubte man sich mit Behelfsarbeiten begnügen zn können, und man hat damit auch den kritischen Zeitpunkt, der den Fortbestand des ganzen Münsters in Frage stellte, bis jetzt hinausgeschoben. Die Erneuerungsarbeiten begannen nach Errichtung der Absteifungsgerüste damit, daß rings um das alte Fundament in 8,50 Meter Tiefe ringförmig 8 Detonklötze angelegt wurden. Auf diesem Fundament erstand aus stärkster Eisenbetonkonstruktion ein Mantel um den Turmpfeiler, der als mächtiges Stützkorsett bis zur Höhe der Kapitäle der Seitenschiffsarkaden hinaufgeführt wurde. Durch den Einbau hydraulischer Pressen tn die Fundamentklötze, die dann bis auf 500 Atmosphären getrieben wurden, wurde die Pfeilerlast auf dieses Stühfundament übertragen. Run konnte man die nicht mehr tragfäßigen Fundamente unter dem Pfeiler selbst beseitigen, auch die unbrauchbare Lettenschicht abtragen und auf dem festen Kiesboden die neuen Fundamente in Eisenbeton errichten. Sie bilden einen Detonblock mit einer Grundfläche von 120 Quadratmeter. Mit hydraulischen Pressen wurde wieder die Druckübertragung auf die neuen Fundamente hergestellt. Zuletzt wurde auch der geborstene Hochschiffspfeiler, nachdem eine Urnllarn- merung der Bogenauflager in Eisenbeton ihn entbehrlich gemacht hatte, abgebrochen und aus neuem Material wieder aufgebaut. Dann noch die langwierige Beseitigung aller Stützbauten aus Beton und Holz, die monatelang das Münster vom Lärm der Preßluftbohrer widerhallen liehen, und das große Werk war getan. Aun hat man die Vollendung gefeiert. Zuerst mit Siner sozusagen weltlichen Feier, zu der die Stadtverwaltung als die eigentliche Bauherrin und Geberin des größten Teils der Gelder eingeladen hatte. Mit den üblichen Reden des Bürgermeisters und eines Regierungsvertreters wurde eine Pergamenturkunde. b:/,3 Hhrein in der Oberlindau wohnender 14jähriger Schüler in der Aähe des Heddernheimer Gaswerks In d i e A i d d a. Da er schwimmkundig war, bekam er aber schnell Reue und kletterte von selbst wieder ans Ufer. WSA. Dörnigheim, 3. Aov. Gestern vormittag stürzte ein 75 Jahre alter Mann aus dem Dachstock seines Hauses auf die Straße. Gr war sofort tot. Es wird angenommen, । daß er einem Schwindelansall zum Opfer gefallen ist. Für die so überaus zahlreichen Geschenke und Aufmerk, samkeiten anläßlich unserer Vermählung, sowie für die von der Gesanqs-abteilung der Lokomotivführer erwie- sei.e Ehrung danken w.r herzlichst. Karl Kleinhenn und Frau Luise geb. Eckhardt. Gießen, den 30. Oktober 1926. 0,Ml Tanz-Unterricht Mein diesjähriger Winter-Tanzkursus für die Herren Studierenden beginnt am Freitag, dem 12 November 1926 Damen 7 Uhr Herren 8'/, Uhr Sämtliche modernen Gesellschaftstänze einschließlich Tango, Blues, Bosion u Charleston nach neuestcrStilart Gefl. 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Der zweckmäßigste Weg, wirklich zur Beherrschung einer fremden Sprache vorzudringen, ist der Selbstunterricht nach der Sprachlehr-Methode Toussaint-Langenscheidt Sie brauchen von einer fremden Sprache nicht die geringsie Kennt nis zu besitzen und werden doch durch das Selbst-Studium nach jeder Lektion eine bedeutende Steigerung Ihres Wissens fest stellen Zu gleichen Teilen er wer ben Sie mii jeder Lektion eine immer grn ndlichere Beherrschung von Schrift, Grammatik und Aus spräche der fremden Sprach -. Den Beweis hierfür erbringen schon die vielen lausende der hei uns täglich unaufgefordert eingehenden Anerkennungen. Langenscheidtsche Verlagsbuchhandlung f Namc: (Prof. O. Langenscheidt) O. m. b. H., Berlin• Schöneberg * 9 Ort u. Straße: Sie können sich aber auch persönlich davon überzeugen! Wir haben uns erneut entschlossen, jedem Einsender des nebenstehenden Abschnittes eine Probe-Lektion portofrei, kostenlos und ohne jede Verbindlichkeit einzusenden. 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Die Frage des Ausscheidens der Stadt Marburg aus dem Kreisverbande ist nunmehr so- weit geklärt, daß die letzte Errtschridurrg bei dem preußischen Staatsmimsterium liegt. Die Stadtverordnetenversammlung hat gestern in einer vertraulichen Sitzung dem Abschluß des vom Magistrat vorgelegten Auseinandersetzungsvertrages zwischen dem Kreise Marburg und der Stadt Marburg einstimmig zugestimmt, für den H-all, daß das Preußische Staatsministerium das Ausscheiden beschließt. Heute hatte sich der Kreistag mit der gleichen Frage zu beschäftigen und faßte nach mehrstündiger Verhandlung mit 23 Stimmen, bei 3 Stimmenthaltungen, folgenden Beschluß: Aus grundsätzlichen Bedenken und im Interesse der Allgemeinheit ersucht der Kreistag den Pro- vinziallandtag und das Staatsmimsterium. das Ausscheiden der Stadt Marburg aus dem Kreis- verbände abzulehnen. Aur für den Fall, daß das Staatsministerium das Ausscheiden der Stadt Marburg beschließen sollte, stimmt der Kreistag den von beiden Kommissionen ausgearbeiteten und dem Reichstag vorgelegten Verträgen zu." Aus den Verhandlungen zwischen Kreis und Stadt, die unter dem Vorsitz des Regierungs- Vizepräsidenten Dr. Lehmann aus Kassel ge- füjyrt wurden, ist ein Vertragsentwurf hervorgegangen, der sowohl vom Magistrat als auch vom Kreisausschuß angenommen worden ist, und im wesentlichen folgendes besagt: Das beim Ausscheiden der Stadt Marburg aus dem Kreis- verbande vorhandene Aktiv- und Passiv-Vermögen des Kreises Marburg verbleibt ganz dem zukünftigen Kreise, insbesondere auch das Kreishaus, die Kreisbahn, die Kreissparkasse, die Wänderarbeitsstatte, und das Kapitalvermögen des Kreises. Die Stadt Marburg übernimmt ferner vom Zeitpunkte ihres Ausscheidens an den Ausbau und die Unterhaltung der im Gebiete der Gemarkung Marburg gelegenen, seither von dem Kreise unterhaltenen Sandwege, sie verpflichtet sich weiter vom gleichen Zeitpunkte an zwei Fünftel aller dem Landkreise entstehenden Ausgaben für die Anterhaltung der vorhandenen Kreisstraßen zu tragen. An den Kosten der künftigen Lahnregulierung nimmt die Stadt nach dem gleichen Verhältnis teil, wie sie im Rechnungsjahr 1926 an der Aufbringung der Kreissteuern beteiligt war, jedoch nicht mehr, als mit einem verlorenen Zuschuß von 50 000 Mark. Und schließlich tritt die Stadt Marburg bei ihrem Ausscheiden ihr gesamtes nicht im Stadtgebiet liegendes Elektri- zitätsnetz nebst allem Zubehör an den zukünf- ttgen Landkreis ab. Bemerkenswert ist noch, daß Marburg die einzige Aniversität ist, die noch einem Kreisverbande untersteht. Außer dem Stadtparlament hat sich auch der Vertreter der Regierung für ein Ausscheiden der Stadl Marburg ausgesprochen. Buntes Allerlei. Wiederherstellungcarbeiten am Almer Münster. In letzter Zeit wurde mehrfach von Arbeiten an unseren großen mittelalterlichen Bauwerken, besonders den Domen von Köln und Mainz, berichtet. Auch am Almer Münster wurden im vorigen Jahr die dringend nötigen Wiederherstellungsarbeiten durch die Münsterbauhütte in weitem Amfang aufgenommen. Schon sind die Erfolge dieser Arbeit sichtbar. Die ganze Ehor- bedachung ist erneuert, turmhohe Gerüste wurden an einer Stelle abgehMchen und an einer anderen wieder aufgeschlagen, gründlich instandgesetzte Strebepfeiler stehen in alter Schönheit da und zeigen an Stelle der häßlichen weißen Aussahkrusten des Steinfrahes die gesunde graubraune Farbe des Muschelkalkes. Besondere Sorgfalt wird der pfleglichen Erhaltung und Instandsetzung der hochbedeutenden Figurenfolgen der großen Portale sowie der Architektur am ganzen Bauwerk zugewendet. Aber an der ungeheuren Gröhe des Baues gemessen, ist das bis jetzt Geleistete doch nur wenig, und es wird mehr wie ein Jahrzehnt dauern, bis das Rötigste getan und das Steinwerk am Aeuheren des Münsters in einen befriedigenden Zustand zurückversetzt ist. Reben der Beseittgung der durch den scharfen Zahn der Zeit verursachten Verwitterungen sind weitere Schäden zu beheben. Anter anderem werben durch umfangreiche Fundamentsverbreiterungen in Bewegung gekommene Strebepfeiler wird ins Gleichgewicht gebracht, und am Helmfuh des Hauptturmes, dieses höchsten Kirchturms der Welt, wird durch einen Ringanker ein weiteres Sicherheitsglied eingeschaltet. Diese Wiederherstellungsarbeiten erfordern bedeutende Mittel. Wohl fliehen erfreulicherweise namhafte Summen in der Münsterbaukasse zusammen; das Reich, das Land Württemberg, die Stadt Alm, die Oberkrrchenbehörde, die Kirchengemeinde und der Almer Münsterbauverein geben ansehnliche jährliche Beiträge; aber sie reichen doch nicht aus, die notwendigen Daumittel auszubringen, denn der jährliche Bauaufwand beträgt nahezu x[. Million Reichsmark. Wie früher ist deshalb das Münsterbau-Komitee auch jetzt wieder zu einem namhaften Teil auf die Erträgnisse der Almer-Münsterbau-Lotterie angewiesen. Die munblofen Idole der Steinzeit. Die neuen Aufsehen erregenden steinzeitlichen Funde von Glozel, dieu. a. ein steinzeitliches Alphabet ans Licht förderten, stnd in der letzten Sitzung der Pariser Akademie der Inschriften eingehend besprochen und für authentisch erklärt worden. Bei dieser Gelegenheit wurde auch eine Abhandlung des Dr. Morlet mitgeteilt, der bei den Grabungen zu Glozel eine wichtige Entdeckung gemacht hat. Eine merkwürdige Erscheinung der steinzeitlichen Idole ist es, dah sie alle ohne Mund dargestellt sind. Während die Augenbrauen, die Augen, die Rase, die Brüste und andere Körpermerkmale angegeben sind, ist der Mund nirgends bezeichnet. Morlet hat nun bei den neuen Grabungen 9 Idole und 5 Vasen in Form von Totenköpfen gefunden, und et glaubt, aus ihnen diese rätselhafte Erscheinung erklären zu können. Da es sich bei diesen steinzeitlichen Funden zweifellos um Gräberfunde handelt, so mag die Mundlosigkeit mit der vorgeschichtlichen Vorstellung vom Tode zusammenhängen. Für die Steinzeitmenschen war das auffälligsten Merkmal am Toten, dah er nicht mehr sprechen konnte. Der Tod bedeutet das große Schweigen, und so wurden die Toten, um sie als stumm zu bezeichnen, ohne Münder dargestellt. Dah Tod ursprünglich mit Schweigen in manchen Sprachen gleichbedeutend war, läßt sich aus dem Lateinischen, dem Irischen und Gälischen nachweisen. Wenn auch in unserer Dichtung und besonders in den Volkssagen die Toten noch vielfach als die Stummen bezeichnet werden, so ist es erst recht begreiflich, dah die vorgeschichtlichen Menschen sie als stumm, d. h. ohne Mund, darstellten. 0 Toyo schreibt nach Haus. Die blumenreiche und gewählte Ausdrucksform, die dem Ostasiaten eigen ist, nimmt sich merkwürdig aus in den Schilderungen europäischen Lebens, die eine kleine Japanerin ihren Eltern nach dem Lande der ausgehenden Sonne geschickt hat. Diese Briefe werden jetzt unter dem Titel „O Toho schreibt nach Haus" in London veröffentlicht. Die kleine O Toho ist em japanisch^ Schulmädchen, das zur Vollendung ihrer Dil- bung auf eine Mädchenschule in England geschickt wurde Sie erzählt nun den „vielgeliebten Alten" von ihren Erlebnissen. „Ich lege Euch meinen tiefsten Gehorsam zu Füßen", beginnt sie. „Dieser Brief verkündet Euch meine Ankunft in dem Lande England, nachdem ich viele viele Sage gereift bin, endlos, wie .die Schar der Wolken die über Euer erhabenes Dach hinziehen. Als das Schiff in den sogenannten Londoner Hafen kam da warf ich, Euer unerfahrenes Kind, Kimono Obi und Tabi fort und vertauschte diese natürlichen und edlen Kleidungsstücke mit dem Gewand des englischen Schulmädchens. Run habe ich Sachen an, die man Jumper, Rock und Bluse nennt- ein steifes Band geht um meine genüge Taille; meine Fühe sind in zwei Leder em- geschnürt die Schuhe heißen. Solche Kleidungs» stücke haben keine Bequemlichkeit und Anmut.. Ein andermal schreibt sie: „Die schrecklichsten unter allen Gefährten in den Londoner Straßen sind Angeheuer, die man Autobus nennt und in denen Leute des zweiten und dritten Standes ohne alles Vorurteil reifen. Diese Angeheuer erfüllen die Luft mit schlechtem Geruch; ihr Lärmen ist wie das Donnergebrüll zorniger Götter. Wahrlich, dieses London ist eine andere Welt als das erhabene Dorf in unserem heiligen Land. Das Mittagessen ist von großer Wichtig- reit. Wohllöblicher Reis, wie er in dem Bamato- Land zu jeder Mahlzeit gegessen wird, wird hier nur einmal in der Woche gereicht, und dann ist es keine schöne und reine Frucht, sondern ein dickes Gemisch mit Milch und Zucker, das sehr schlecht schmeckt. Das Fleisch der Haustiere, das in'ihrem eigenen Saft gekocht wird, ist die Hauptnahrung. And wie ungeheuerlich und unbeherrscht ist der Appetit der englischen Mädchen!" Der Meister der Bauchrednerpuppen. Die Bauchredner, deren Künste stets so viel Bewunderung und Beifall finden, tragen auf ihrem Arm gewöhnlich eine oder mehrere Puppen, mit denen sie sich unterhalten und die ihnen die drolligsten Anlworten zu geben scheinen. Der Künstler, der für diele der berühmtesten Bauchredner ihre so lustig und charakteristisch dreinschauenden Gefährten verfertigt hat, ist ein Mann namens Quisto, der in einer abgelegenen Straße Londons feit mehr als 30 Jahren fein Atelier hat. Er hat Puppen für 2500 berufsmäßige Bauchredner geschaffen und ist ein unerreichter Künstler auf diesem Gebiet. Seine Figuren können schreien und lachen, gehen und kriechen, grüßen und Hände schütteln, ja, sie können sogar rauchen und spucken; nur sprechen können sie nicht, denn das besorgt der Bauchredner für sie. Berühmte Meister der Dauchrednerkunst besuchen ihn in seiner Werkstatt, um sich bei ihm einen neuen „Mitarbeiter" auszusuchen, und zahlen dafür große Summen. Manche feiner Puppen kosten mehr als 2000 Mark. Sie haben Perücken aus menschlichen Haaren, künstliche Zähne, und die Augen werden von besonderen Spezialisten hergestellt. Quisto kann eine gewöhnliche Puppe in ein paar Tagen verfertigen; es gibt aber auch Meisterwerke, an denen er mehrere Monate arbeitet. Die sinnreichste Puppe, die er geschaffen, hatte im Kopf allein Vorrichtungen für 11 verschiedene Bewegungen, und da jede Bewegung aus drei verschiedenen Phasen besteht, so waren es im ganzen 51 Handlungen, die die Puppe ausführte. Diese bewegten Puppen werden durch elektrische Kraft oder auch durch Luftdruck angetrieben und können durch unsichtbare Drähte aus einer Entfernung von sechs Meter gelenkt Werdern Die Puppen werden bis nach China, Japan und Indien verkauft. Oesters erhält Quisto, wie er einem Besucher mitteilte, den Auftrag, eine Dauchrednersigur nach dem Leben zu schaffen. Mancher Künstler des Bauch» redens läßt sich selbst a&Eonlerfeien, um mit feinem wohlgelungenen Ebenbild aufzutreten. Die Kleider werden von seiner Frau hergestellt. „Die Erfahrung vieler, vieler Jahre ist nötig, um einer solchen Puppe den nötigen Ausdruck und das notwendige Leben zu verleihen", sagte er stolz. Marokkanische hochzettsmaniküre. Bei der dreifachen Hochzeit der Sultanssöhne, die jetzt unter großen Festlichkeiten in Marokko gefeiert wird, ist eine der wichtigsten Zeremonien die Maniküre der Bräutigams uird der an dem Fest teilnehmenden Damen. Am Abend vor der Hochzeit werden die Hande des Bräutigams mit Hennah gefärbt, während er nj seinen Fingern einige Goldstücke hält. Dieser Brauch verleiht dem künftigen Ehemann Glück, Reichtum und Schönheit für fein Eheleben. Die Farbe, die auf die Hände aufgetragen ist, wird ihm dann mit einer wohlriechenden Flüssigkeit abaewaschen, da die marokkanischen Männer ihre Frager im allgemeinen nicht rot färben. Anders steht es bei den Damen, deren Rägel in leuchtendem Rot prangen müssen. Erst wenn die Hände der Frauen mit Hennah behandelt sind, erlangen sie dadurch das Recht, an den Hochzeitsfeierlichkeiten teilzunehmen; sie werden dann in den Festpalast ern- gelassen und müssen dort 10 Sage lang nach der Hochzeit bleiben, eine Zeit, die mit beständigem Essen und anderen Vergnügungen hingebracht wird. Die Kuh mit dem Holzbein. Eine Kuh mit einem hölzernen Bein ist eine Sehenswürdigkeit, die sich auf dem Gut einer Miß Penrose ■W I ß D 5;- Eine Kost - Probe Mobser s smohoiode bei Einkauf für 1 Mk. (Zucker ausgeschl) Wir empfehlen besonders! das Pfd. Mk. 2.40. 2.60. 2.80. 3.- Kaisers Karfee für Feinschmecker Mk. 3.20. 3.60, 3.M 4.—. 9.20 u. 4 40 । ' .ir-i !!■■■■ .................... (ge allbeliebten kandierlen Kaffees stets vorrätig. Taa das Paket = 100 gr. Mk. 0.90 - 1— - 1.15 - 1.30 1.50 - 1.70 (lose in allen Preislagen) Kaiser’s feine Schokolade, bons, - ff. Backwaren, - Kakao. 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Dieser Au.lchuß beschäftigt stch nur mit den t e ch n i s ch e n F a en te Hochbau e s. um nicht Kreise anderer Organftatwnen, dir ftcy mit ähnlichen Ausgaben befassen, zu schnn^n und dadurch unnütze Doppelarbett zu leisten. Bei der Tagung wurde zunächst fcft geb eilt, oan die Bestrebungen, das Bauen zu ralwnaftsteren, bisher in der Hauplsache darauf ausgmgen, die Herstellung des Wauercrerks zu verbilligen, daß sie sich aber nicht bcfchäftigten nut der Rattonaft- sierung deS Bauvorganges, also brr Or- ganisation der Baustelle und des Arbeitsvor. ganges. Aus diesen Gründen hat die Aational,. sierung erst geringe Fortschritte gemacht Welchen unbedeutenden Einfluß dir Konstrultion des Mauerwerkes hat, ist daraus zu sehen, datz auf daS Mauerwerk im Wohnungsbau z. B. nur etwa 25 bis 30 Prozent Der Gesamtkosten fallen. Gegenüber dem bisher üblichen Backsteinbau erzielen daher alle neuen Bauweisen, die an seine Stelle treten sollen, nur geringe Ersparnisse, die im Berhältnis zum gesamten Hausbau von untergeordneter Bedeutung sind. Um so wichtiger ist die Rationalisierung des Sau- Vorganges. Welche Ergebnisse sich dabei erzielen lassen, bewies der Privatdozeut für Physio- technik an der Technischen Hochschule in Darmstadt, Dr. Brahmsfeld, auf dessen Veranlassung und nach dessen Vorschlägen die Reparaturarbeiten in den Merctschen Fabriken in Darmstadt rationalisiert' wurden. Dabei ergab sich z. B. bei Dachpapparbeiten eine Ersparnis von 54,3 Prozent, bei Verschalungsarbeiten eine solche von 21,6 Prozent, bei Reparaturen von Luberoiddächern und bei Vlihableitungen eine Ersparnis von 23 bzw. 59 Prozent gegenüber der bisherigen Arbeitsmethode. Datz die Rationalisierung der Arbeitsmethoden noch so wenig Fortschritte gemacht hat, liegt nach der Meinung deS Architekten Paulsen, Berlin, in dem Fehlen einer bis in den kleinsten Dauvorgang durchdachten Kalkulation. Gr glaubt, datz es in ganz Deutschland höchstens fünf bis sechs Bauunternehmer gibt, die für den Hochbau so genau kalkulieren, wie es z.B. in der Maschinenbranche üblich ist. Beim Reich schweben deshalb zur Zeit Verhandlungen, einige Millionen aus der HauSzinssteuer frei zu machen, um diejenigen Bauten ganz besonders zu fördern, die nach genauen wirtschaftlichen Kaltulations» und Be- triebsmethoden gebaut werden. Dieser Versuch, zu einer wirtschaftlichen DetriebSführung im Hochbau anzuregen, ist durchaus begrüßenswert, denn je billiger gebaut wird, desto mehr wird gebaut. Der „Ausschuß für wirtschaftliches Bauen" hat in letzter Zeit noch einige Untersuchungen angestellt, die für jeden Fachmann und Bauherrn von Interesse fein dürften. Er hat u. a. die in Fachkreisen umstrittene Frage des flachen Daches für den Wohnungsbau ganz objektiv untersucht und geprüft — ohne zur ästhetischen Seite des flachen Daches Stellung zu nehmen —, ob das flache Dach in unserem regenreichen Klima nicht nur einwandfrei wasserdicht, sondern auch wirtschaftlicher hergestellt werden kann, als das übliche steile Dach. Dabei stellte eS sich heraus, datz man schon heute in den Dach- deckungsmaterialien „Durumfix", „Sealit-Arco" (amerikanisches Patent), dem „Natur-Asphalt" aus der Gegend von Hannover und der „Dachperle" Materialien hat, die unter bestimmten Voraussetzungen unbedingt eine sichere Abdichtung darstellen. Unter bestimmten Voraussetzungen ist zu verstehen, datz einzelne dieser Materialien nicht bei Frost oder starker Hitze, andere wieder nicht bei Regen verlegt werden können, oder datz sie mit einer besonderen Schutzschicht versehen werden müssen, wenn sie begehbar sein sollen. Alle diese Materialien sind sehr teuer. Beim wirtschaftlichen Vergleich, den ein bekannter Bauunternehmer von Dresden Durchgerechnet und burchkalkuliert hatte, er gab es sich, datz für einen Kleinwohnungsbau ein normales Satteldach, unter 45 Grad mit Biberschwänzen doppelt eingedeckt, etwa 30 Prozent billiger ist, als ein über den gleichen Hausgrundritz aufgelegtes Flachdach. Dec sehr tiefem Grundritz, wenn also «in gewaltiger Dachstuhl konstruiert werden muh, verschiebt sich das Verhälinis. Wesentlich ist aber, datz heute für den Kleinwohnungsbaudas flache Dach unwirtschaftlich ist, ganz abgesehen davon, datz, wenn je einmal ein Schaden am flachen Dach auftreten sollte, er nicht einwandfrei srstzustellen ist, weil das Wasser erfahrungs- gemäß an einer ganz anderen Stelle die 2^cke durchnäßt als dort, wo der eigentliche fehler steckt. Aus wirtschaftlichen Gründen ift sur Massenobjekte im Kleinwohnungsbau also das lache Dach abzulehnen', es ist für ein Einzelhaus möglich, allerdings nur bei Aufwendung hoher Kosten. Roch vollkommen ungeklärt ist die Frage ob das flache Dach für unser Klima wärmewirtschafttich das richtige ist. Darüber wird der „Ausschutz für wirtschaftliches Bauen" noch besondere Untersuchungen anstellen. Eine weitere wichtige Studie des .Ausschusses für wirtschaftliches Bauen" galt der Untersuchung, ob das Dollgeschotz oder das Mansardendach wirtschaftlicher ist. Es wurden zwei Einfamilienhäuser von genau gleicher Grundfläche (77,5 Quadratmeter) scharf durch- kalkuliert und durchgerechnet. Das Ergebnis ist insofern überraschend, als das Vollgeschoß mit normaler Maucrstärke 4,6 Prozent teurer ist, als das Mansardengeschotz. Letzteres hat allerdings, durch die Konstruktion bedingt, eine etwas lleinere nutzbare Dodenfläche. was beim Kleinwohnungsbau von Bedeutung ist. Selbst wenn dieser kleine Verlust von nutzbarer Dodenfläche ignoriert wird, so ist das Mansardenbach dem Dollgeschotz nicht vorzuziehen. Es ist nur scheinbar billiger, weil es in der Bauunterhaltung unwirtschaftlich ist. Fehlerquellen in der Dachhaut find nur schwer fest- zustellen, außerdem arbeitet das Holz beständig, wodurch im Puh Risse entstehen nsw. Der .Ausschuß für wirtschaftliches Bauen" ist deshalb der Ansicht, daß bei völlig freier Wahl — das Mansardengeschotz wird vgm Bauherrn oder der Bauaufsichtsbehörde hauftg gefordert — Der Architekt in den Fällen, wo es auf unbedingte Wirtschaftlichkeit ankommt, das Vollgeschotz wählen soll. Wichtig sind auch die Feststellungen bet Bauunternehmerfirma Gutzeit (Berlin) über die Produktivität des Dau v o r g a n g e s. Von der Tatsache ausgehend, daß mit Ausnahme der Beton- und Mvrtelmaschinen. Der Aufzüge und neuerdings der Terrazzoschleismaschinen das Bauen maschinell noch sehr wenig betrieben wird, prüfte Gutzeit die Möglichkeiten, in weiterem -Umfange Maschinen zu verwenden. Sein Versuch, die Daggermaschine zum Ausheben der Baugruben zu verwenden, zeigte, datz sie nur bei großen Objekten brauchbar ist, well bei kleinen der wirtschaftliche Ruhen in keinem Verhältnis zu den hohen Betriebskosten steht. Dagegen kann bei Siner geeigneten Umarbeitung der Gurtförderer verwendet werden. Er empfiehlt auch, harten auszuhebenden Untergrund, anstatt mühsam mit dem Pickel, mit Sprengpatronen lockern zu lassen. Gutzell glaubt, daß die Verwendung der Torrret-Maschine für die Dauarbeiten sehr aussichtsreich ist. Mit dieser Maschine kann der trocken gemischte Mörtel auf 200 Meter Länge durch eine Schlauchleitung gedrückt und durch die am Ende des Schlauches befindliche Düse den nötigen Wasferzusah erhalten. Mit dieser Maschine ist es also möglich, den Mörtel auf dem Baugerüst selbst zuzubereiten, wodurch der ganze Mörteltransport wegsälll. Von Gutzell gehen noch eine Reihe von Vorschlägen aus. die im „Ausschuß für wirtschaftliches Bauen" eingehend geprüft werden: Verwendung eines Schlackenbau st eins für Innenwände. Der geschliffen werden kann, so daß kein Verputz mehr aufgetragen werden mutz, sondern Die Tapete mit einer isolierten Rückschicht unmittelbar auf die Wand aufgezogen wird, ferner die Verwendung eines Elektro- Ibohrgerätes, um das unendlich mühsame Schlagen von Lochern und Arcsstemmen Aon Schlitzen im Mauerwerk mit Hand für die In- —raam—■—M.t ■ IMWilli ■ I ■ HT mniTTTTHI stallation eineS Hauses zu vermeiden, sodann eine rationelle Einrichtung des gesamten Zimmereibetriebs, well dieser sich, im Gegensatz z. D. zur Schreinerei, noch gar nicht rationalisiert hat und dergl. mehr. Stadtbaurat Fauth iSorau) beschäftigte sich mit Dem der Allgemeinheit wenig bekannten Gebiet Der Biotechnik. Er zeigte an Hand von Untersuchungen des belannten Naturforschers Franc, wie alle möglichen unserer technischen Erfindungen in der biotechnischen Organisation des PslanzenlebenS vorhanden sind, und erläuterte an praktischen Dellvielen, wie in der Biotechnik ganz wichtige Fingerzeige für Die Rationalisierung technischer Vorgänge zu finden sind. Aus diesem kleinen Ausschnitt der Untersuchungen des „Ausschusses für wirtschaftliches Bauen", dem übrigens neuerdings auch der deutsche Städtetag beigetreten ist. kann man ersehen, welche Arbeit in aller Stille geleistet wird, um unsere Bauwirtschast praktisch zu befruchten Steuerfreie Spareinlagen nach dem Einkommensteuergesetz vom 15. August 1925. Von Rechtsanwall Georg Lind, Grünberg. Durch die Zeitungen ging kürzlich eine Notiz, wonach Die Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen eine beträchtliche Steigerung erfahren haben Wenn auch aus dieser Tatsache leine falfd;en Schlüffe auf Die Fähigkeit der Steuerzahler, aus Dem Einkommen Ersparnisse machen zu können, gezogen werden Dürfen, so scheint es doch, als ob breitere Volksschichten sich wieder Daran gewöhnt haben, verfügbare Gelder auf Sparkonten einzuzahlen, um sich Rücklagen zu schaffen. Diesen vollswirtschaftlich wichtigen und begrüßenswerten Vorgängen mutz im Interesse Der deutschen Wirtschaft vorn steuerlichen Standpunkt möglichstes Entgegenkommen gewährt werden. Tatsächlich hat auch schon die Steuergesetzgebung vor der Stabilisierung in anerkennenswerter Weise versucht, den Sparsinn steuerlich anzuregen. Cs sei hier verwiesen auf die durch das Gesetz vom 20. Juli 1922 geschaffenen steuerfreien Spareinlagen. Wenn diese Einrichtung infolge der immer mehr steigenden Geldentwertung sich damals fast in das Gegenteil des Gewollten umgewirkt hat, so ist doch der darin zum Ausdruck kommende Grundgedanke, als den Spar sinn fördernd, so wichtig, datz er verdient, nach der Stabilisierung unserer Währung in allen Devölkerungs- kreisen bekannt und gewürdigt zu werden. Das Prinzip ist, Denjenigen Berufen, die nicht durch Pension, staatliche Versicherung u. a. hinsichtlich Erwerbsunfähigkeit, Alter und Hinterbliebene (grau und Kinder) für die Zukunft gesichert find, das Sparen zu erleichtern. In erster Linie ist hier an die Geschäftswelt, die Gewerbetreibenden, die Handwerker, Die freien Berufe und die Landwirtschaft gedacht. Ihnen soll durch steuerliche Begünstigung von Rücklagen eine anspornende Gelegenheit gegeben werden, Vorsorge für ihre eigene Zukunft und die ihrer Familienangehörigen (Hinterbliebene) zu treffen. Gerade diese Bevölkerungsklassen werden es — wie sorgsame Hausväter — als eine dringende sittliche und wirtschaftliche Pflicht zu betrachten haben, angesichts Der jetzigen Wirtschaftslage nach Möglichkeit Rücklagen für ihr eigenes Alter und für die ungewisse Zukunft ihrer Familien zu schaffen. > Das neue Einkommensteuergesetz von 1925 behandelt diese Materie in § 17 Abs. 3. Als abzugsfähige Svnderleistungen, die steuerfrei sind, lätzt das Gesetz Spareinlagen für Den Steuerpflichtigen und seine nicht selbständig veranlagten Hausangehorigen gelten, die in zweifacher Voraussetzung gemacht werden: a) Sie dürfen (zusammen mit den Lebens- versicherungspramien) den Iahresbetrag von 450 Mark nicht übersteigen: b) auf Die Rückzahlung mutz bis zu Tode, oder auf mindestens 20 Jahre verzichtet werden. Ist Der Steuerpflichtige verheiratet und hat er Kinder, so erhöht sich die Steuerfreiheit der jährlichen Spareinlagen nach § 17 Abs. 2 für Die Ehefrau um 100 Mk.. für das erste Kind um 100 Wk., für jedes weitere Kind um je 100 Mk. Den älteren Leuten, Die sich durch Sparen einen Rückhalt für Die Zukunft schaffen wollen, erleichtert der § 112 des Gesetzes das Sparen Darüber hinaus insofern, als Steuerpflichtige mit einem Einkommen von nicht über 15 000 Mk. und einem Vermögen von nicht mehr wie 50 000 Mk. je nach ihrem Alter höhere Beträge als steuerfrei in Abzug bringen dürfen: FBTOJiBrySSnaaaS; 11 ll ■! I IIII Alter Spareinlagen steuerfrei 50—55 Jahre, jährlich bis zu 960 Rm. 55—60 Jahre, jährlich bis zu 12OU Rm. über 60 Jahre, jährlich bis zu 1400 Rm. Hat jedoch der mindestens 50jährige Sparer einen Anspruch oder eine Anwartschaft auf Ruhegehalt oder andere wiederkehrende Bezüge von mehr als jährlich 2000 Mark, so Darf er nur den jährlichen Rvrmalsatz von 480 Mark abziehen. Auf den jährlichen steuerfreien Sparkonteir- betrag muß sich der Steuerpflichtige die Beträge anrechnen lassen, Die er für Leoensversiche- rungsprämie für sich und seine Angehörige zahlt. Cs dürfen c(lso Spareinlagen und Lebensver- sicherungsprämien zusammen die gesetzliche steuerfreie Grenze nicht überfteigen. Zahlt ein Steuerzahler die Rormalhöhe von 480 Mark als steuerfreies Sparkonto bei einer Kasse oder Dank unter den Voraussetzungen des § 17, Abs. 3 E. St. G.. so zahlt er Steuern weniger, da er von dieser Spareinlage Eilllommensteuer nicht zu entrichten hat. während sonst Spareinlagen versteuert werden müssen. Die Zinsen stehen ihm ebenfalls in voller Höhe zu: er kann sie nach Belieben jährlich erheben, oder seinem steuerfreien Sparkonto zuschreiben lassen. Das Verfahren ist einfach: Will jemand ein Sparkonto errichten, um für seine Zukunft vorzusorgen und sich gleichzeitig die steuerlichen Vorteile zu sichern, so hat er nur nötig, eine Erklärung etwa folgenden Inhalts zu unterschreiben und feiner Bank oder Kasse zu geben: „Ich beantrage hiermit die Eröffnung eines gesperrten Sparkontos nach den Desftmmungen des § 13 Abs. 1 Ar. 5 a des E. Et. G. Alle Einzahlungen auf dieses Konto dürfen nur im Falle meines Todes oder 20 Jahre nach Eröffnung dieses Sparkontos zurückgezahlt werden. Ich verzichte auf Abänderung oder Aufhebung dieser Bestimmung." Er erhält Dann von Der Dank eine Bescheinigung etwa folgenden Inhalts: „Anter Bezugnahme auf § 13 Abs. 1 Ar. 5 a des E. St G. wird hierdurch bescheinigt, daß R.A. zu T. im Jahre 1926 .... Mark (in Worten .... Mark) auf ein gesperrtes Sparkonto eingezahlt hat, Deren Rückzahlung vereinbarungsgemäß nur für Den Todesfall oder für den Fall des Erlebens nach Ablauf von 20 Jahren vom Tage Der Vereinbarung und Der ersten Einzahlung, Dem .... 1926, ab erfolgen Darf. Auf eine Abänderung oder Aushebung Diefer Dereinabrung ist von dem Einzahler und von uns verzichtet worden." Dem Finanzamt ist Anzeige von der Errichtung des Sparkontos zu machen. Heber jede Einzahlung erhält der Sparer von der Sparstelle eine Bescheinigung, Die er alljährlich Der Steuerbehörde einreicht. Er erhält Dann jeweils Steuerfreiheit auf diese Einlagen. Als Zeitpunkt der Eröffnung des Sparkontos gilt der Tag, an dem der Sparer Den Antrag auf Sperre des Kontos stellt und gleichzeitig die erste Einzahlung leistet. Die erste Einzahlung auf das gesperrte Konto kann in jeder beliebigen Höhe bis zu dem Rvrmalsatz geleistet werden: das Konto mutz für Personen über 50 Jahre jedoch nach § 112 Abs. 1 E. St. G. bis spätestens zum 31. Dez. 1926 errichtet fein, wenn diese die steuer- Dos grotze Würfelspiel. [ (Martina Wilemar.) Roman von Franz lauer Kappus. 83. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Ich dachte doch?" „Das war einmal", sprach Martina und fühlte, wie Der alte Abscheu vor Carsten wiederkam. Aber tapfer schüttelte sie Den Kopf. „Das liegt hinter mir. Selbst bin ich damit fertig geworden." Carsten staunte sie an. „Sie verurteilen mich also nicht?" Martina hob die Schultern und sagte leise: „Man toll niemanden verurteilen. Kein Mensch weiß, was in der Seele des anderen vorgeht." „Das wären ja —" Mit einem Sprung fuhr Carsten in die Höhe. Erregt lief er um den Schreibtisch. Knapp vor Martina blieb er stehen. Hell waren seine Mienen auf einmal. Lange schaute er ihr in die Augen. Ein anderer Mensch, dachte Martina. Doch im selben Moment kam das unbehagliche Gefühl von früher wieder. Warum stand er immer noch Da? Warum starrte er sie so verzückt an? Was wollte dieser sonderbar gewölbte Mund? Bis auf die Stuhlkante rückte sie allmählich. Die körperliche Nähe Carstens peinigte sie. Doch da saß er schon wieder auf seinem Platze. „Ich wollte Sie nicht erschrecken, Fräulein Martina", sprach er scheu und still, die Augen auf der Tischplatte. „Es war nur das Neue — begreifen Sie: niemand hat noch so gi# mir gesprochen." Etwas spannte sich in Martina, etwas löste sich facht. Wie damals im Krankenhaus fühlte sie auch fetzt tiefes Mitleid mit dem gequälten Menschen. Furchtbar mußte Die Einsamkeit dieses Lebens fein, furchtbar die Verzweiflung feiner Tage und Nächte. Nur aus solcher Wirrnis tonnten die Entschlüsse gewachsen [ein, die Die Welt jetzt mit Spott unD Verachtung übergoß. Carsten regte sich mieDcr. Eine Weile blickte er stumm vor sich hin. bis er bann sagte: „Sie sind ein wunderbares Mädchen, Fräulein Martina! Keine zwanzig Worte haben Sie hier gesprochen — und doch: auf einmal ist mir leichter zumute. Verstehen Sie, warum? Der eine Satz war es: Kein Mensch weiß, was in Der Seele des anderen vorgeht." Lächelno schaute er zu ihr auf. „Auch ich weiß nicht, was in Ihnen vorgeht." Einen Augenblick stockte er. „Aber ich ahne, daß auch Sie nicht auf Rosen gebettet sind." „Ach Gott", machte Martina, wieder seltsam beunruhigt. „Sie kennen ja Doktor Morell?" fragte Carsten plötzlich ohne Uebergang. Martina erinnerte sich. „Doktor Morell hat mir geraten, immer an das Krankenhaus zu denken, wenn ich nicht ein noch aus weiß. Und wirklich: etwas merkwürdig Beruhigendes geht von unserem Krankenhaus aus. So viel Leiden und Schmerzen dort auch angehäuft sind: immer ist Das Krankenhaus jetzt mein liebster Aufenthalt. Den ganzen Tag möchte ich dort verbringen. Ist das nicht sonderbar, Fräulein Martina?" Die Augen Martinas leuchteten wieder ruhig. „Natürlich ist das, Herr Carsten, nur natürlich. Denken Sie doch: es ist Ihr Werk. Wie eine Festung steht das Krankenhaus. Es wird noch lange fiepen, wenn wir alle schon tot sind. Und — es ist ein gutes Werk, ein wirklich gutes, gutes Werk. Es muß schön fein. Dort zu arbeiten." Verträumt ergänzte Martina: „Und alles andere zu vergessen." „Niemand hindert Sie", sprach Carsten vorsichtig. Bestimmter erklärte er nach kurzer lieber» legung: „Nur von Ihnen hängt es ab, Fräulein Martina. Der Verwaltungsdirektor braucht einen ganzen Menschen an seiner Seite, eben einen Menschen wie Sie. Roch immer suchen wir nach diesem Menschen." Martina senkte das Antlitz. „Das will überlegt fein, Herr Carsten." Heiß brannten Ihre Wangen auf einmal. Klein und kleiner wurde Die Gegenwart. Wie eine Wunderblume blühte die Zukunft auf. Kurz erhob sich Martina. „Wenn sonst nichts im Wege steht: ich bin dabei!" Ihre Augen strahlten groß und blau. Mit beiden Händen preßte Carsten ihre Rechte. Ein eisiger Wind fegte draußen durch die Straßen. Lächelnd stemmte Martina Den Leid gegen Den Sturm. Irgendwo drückte sich eine froftbebenDe Frau unter ein notdürftiges Leinendach. Kleine grüne Tannenbäume drängten wie Kinder um sie. Jeden Moment legte der Wind einen um, daß die weißen Holzkreuze aufrecht ragten. „Weihnachten," lispelte Martina überrascht, „Weihnachten." XXV. „Nichts, gar nichts", Jagte Ernst Wilemar und reichte Winterrock und Hut Dem Mädchen. Bis in die Diele war ihm Julie entgegengeeilt. Argwöhnisch musterte sie ihn von oben bis unten. Lange forschte sie in feinen Mienen. „Nichts", versicherte Wilemar noch einmal. „Kein neues Moment. Die Untersuchung schleppt sich ins Endlose." Jeden Abend wiederholte sich das jetzt: immer ernster, immer verschlossener kam Wilemar nach Hause. Umsonst Drang Julie mit Frager, in ihn. Umsonst lächelte Lily Dem Vater zu. Umsonst starrte Martina mit brennenDen Augen. Wilemar schwieg. Es war eine Pein fü rolle. Kein Ende wollte so ein Abendessen nehmen. Nur Lily sprach Dann und wann. Die Schwüle, Die über Dem Hause lastete, paßte nicht gut zu ihrer Stimmung. Endlich hatte sie Den Sieg über Mia Hell Dgoongetraaen. Der Vertrag mit Der Apollo-A.-G. war unterschrieben. Kein Gott konnte ihr Die Kleopatra in Dem neuen Riefenfilm streitig machen. In wenigen Wochen ging es noch 2legppten und Dann nach Rom. Ungeheure Ziele hatte FinDeisen sich gesteckt. Nach Dem großen Erfolg, den die „Rache Der Berge" in Deutschland und darüber hinaus erzielte, wollte er jetzt sein Bestes geben. Um die Wette fieberte LUys Ehrgeiz mit dem feinen. Frau Julie entfachte den gesunkenen Lebensmut an Den Erfolgen Der Tochter. Als wahres Glück empfanD sie es, daß Lily daheim war. Jemand wenigstens war da, mit Dem man ein vernünftiges Wort reden konnte. UnD man mußte reden: Kaum zu ertragen wäre die drückende Stille sonst gewesen. Voll dunkler Wolken stand Der Horizont. Nichts war aus Ernst herauszubekommen, manche Ueberraschung mußte gewärtigt werden. Aber wie immer Die Singe sich auch entwickelten: an Die Zukunst Durfte man gar nicht Denken. In jedem Falle hatte Das neue Jahr trostlos angehoben. Wohl war noch etwas Geld im House: aber wie lange würde das reichen? Nicht viel Durfte man mehr von Carsten erwarten. Ser Mann war fo gut wie abgetan. UnD Dann? Von vorn konnte Das alte Spiel beginnen. Ader Lily war ja da. Etwas Wildes, Mitreißendes sprühte aus Der Tochter, wenn sie mit Der Mutter später allein beisammensaß. Das trug fort, das führte in die große, weite Welk. Wie eigenes Erleben war das beinahe. Nur einmal noch sollte man jung sein können! Ganz anders würde man alles einftchten^ganz anders! Bald ging Martina in ihr Zimmer. Seit vielen Wochen schlief Lily wieder vom. Sie Schwester brauchte Licht, Raum, Ausblick auf den Kurfürstendamm. Ganz nahe sollte das brausende Leben immer fein. Still setzte sich Martina an den kleinen weißen Tisch, wo sie so viele Briefe an Benno geschrieben hatte. Alle Briefe waren jetzt versiegt. Keiner kam in dieses Zimmer, keiner ging in die Welt hinaus. Es schmerzte nicht einmal sonderlich, wenn man daran dachte. Nur das rote Löschblatt mit den vielen krausen Abdrücken erinnerte daran Ein Gedanke stieg auf. Martina holte Den Handspiegel von der Toilette und hielt ihn schräg gegen das Papier. Gespannt versuchte sie, ihre Schriftzüge zu enträtseln. Aber alles, was sie sah, waren dicke, verquollene Linien, die kreuz und die quer. Sie löste bas oberste Blatt ab und begann von neuem. Und Da formte sich auch schon ein Satz. „Wahnsinnig lieb hab' ich dich, Kenno, ganz wahnsinnig lieb!" Sehr deutlich war bas zu entziffern. Martina rückte mit Dem Stuhl zurück. Sie Hand, Die den Spiegel hielt, schwang auf ihrem Knie auf und nieder. Wahnsinnig lieb — was für große Worte das waren! Oder schien das heute nur fo? Hatte sie Benno heute vielleicht weniger lieb? Gott, darüber Durfte man wirklich nicht grübeln. Solange sie atmete, mußte sie Benno lieb haben. Bloß Die Gegenwart war stärker. Immer verdrängte die Gegenwart die Vergangenheit. So vieles war ja da, was sich in ihr türmte. 3m Bureau hatte sie gekündigt, Die neue Stelle versprach neues Leben. Trotzdem konnte keine Freude aufkommen. Zu sehr bangte sich Martina um Den Vater. Sein Gehen war ein Wanken. Dünn spannten sich Die Wangen vom Kiefer zu Den Jochbeinen. Unstet blickten die armen, kurzsichtigen Augen. Was sollte aus Dein Vater werden, was? (Fortsetzung folgt.) Irchen Vorteile genieben wollen. Ist es rechtzeitig errichtet, so genießen auch die erst in späteren Jahren auf das Sparkonto gemachten Einzah- hingen den Vorteil der Ciirkommensteuerfreiheit im Einzahlungsjahr und sind ebenfalls 20 Jahre nach Leistung der e r st e n Einzahlung zurück- zuzahlen. Die zwanzigjährige Sperrfrist bezieht sich also nur auf die Sperrdauer der ersten Einlage, und verringert sich entsprechend für Einzahlungen, die erst im Laufe der Jahre erfolgen. Angesichts dieser Sachlage empfiehlt es sich, daß die Sparer möglichst bald, spätestens aber vor Jahres schluß 192 6 sich ein solches Konto anlegen, auch wenn sie vorerst größere Einzahlungen nicht leisten können. Denn mit der ersten, wenn auch ganz geringen Einlage setzen sie die 20jährige Sperrfrist in Lauf und verringern die Sperrdauer der Einzahlungen späterer Jahre. Daß der jährliche Aormalsah von 480 Mark sich auf Spareinlagen und Lebensversicherungen bezieht, sei nochmals besonders betont. Dieser Sah von 480 Mark jährlich kann nur einmal als Spareinlage zusammen mit der Lebensver- jicherungsprämie in Abzug gebracht werden. Die Frage, ob Lebensversicherung oder Spareinlage vorzuziehen sei, kann nicht generell, sondern nur von Fall zu Fall entschieden werden. Der Ge- sehgeber hat Wohl eine Kombination von Spareinlage neben Lebensversicherung im Auge gehabt, da er für beide zusammen den Aormal- sah aufstellt. Jedenfalls können die Spar- stellen durch die lange Verfügbarkeit, die sie über die Spareinlagen im allgemeinen haben werden, sehr wohl einen Zinssatz gewähren, der über den sonst üblichen Zinssatz hinausgeht. Wirtschaft. • Aufhebung der Steuer ber» zugszuschläge bevor st ehend. Aach Artikel 18 der zweiten Steuernotverordnung ist bei nicht rechtzeitiger Zahlung der wichtigsten Steuern für jeden auf den Zeitpunkt der Fälligkeit folgenden angefcmgenen halben Monat ein Verzugszuschlag zu entrichten, der zur Zeit noch immer 0,75 Prozent beträgt. Der Zentralverband des Deutschen Großhandels E. V. hat sich wiederholt an das Reichsfinanzministerium gewandt und die Aufhebung dieser den heutigen Verhältnissen nicht mehr gerecht werdenden Einrichtung erbeten. Wie wir vom Zentralverband des Deutschen Großhandels E. V. hören, hat sich das Reichsfinanzministerium nunmehr zu einer alsbaldigen Beseitigung der Verzugszuschläge entschlossen, so daß in Zukunft bei nicht rechtzeitiger Zahlung lediglich Verzugszinsen zur Erhebung gelangen werden. Eine diesbezügliche Verordnung durfte in den nächsten Tagen ergehen. Die Stinnes-Anleihe überzeichnet. Wie aus Aeuyork gekabelt wird, ist die zu einem Kurse von 99Va Proz. zur Zeichnung aufgelegte Stinnesanleihe in Form von 121/2 Mill. Dollar Iproz. Debentur-Bonds überzeichnet worden, äleber die Höhe der Lleberze'.chnung und die Form der Zuteilung ist näheres noch nicht bekannt. * Hugo Stinnes Reederei A.G., Hamburg. Die Llmgründung der Hugo Strnnes A. G. für Osthandels- und Industrieunternehmungen Mülheim (Ruhr) in die Hugo Strnnes Reederei A.G., Hamburg ist mehr aus formalen Gründen erfolgt, denen keine große Bedeutung zukommt. Es war nötig, für die im Stinnes- Konzrrn verbliebenen Schiffsinteressen eine neue juristische Form zu finden. Das nominelle Aktienkapital der Gesellschaft beträgt 500 000 Mark. Vorstand sind Direktor Struwe und Dr. Hensel. * Rückgang der österreichischen Arbeitslosigkeit. Die amllichen Ausweisungen über den Stand der Arbeitslosigkeit in Oesterreich haben auch in der zweiten Oktoberhälfte einen kleinen Rückgang ergeben. Man rechnet damit, daß bei Anhalten der günstigen Witterung die Arbeitslosenziffer auch in der nächsten Zeit eine absteigende Linie beibehalten wird. * * Londoner Goldpreis. Der Londoner Goldpreis beträgt für eine Unze Feingold 84 sh 11 i d, für ein Gramm Feingold demnach 32,7777 Pence. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 4. Aov. Tendenz: Sehr fest. — Die Depression, die gestern zeitweise die Börse beherrschte, machte heute bereits wieder einer äußerst lebhaften Llmsatztätig- k e i t Platz. Besondere Anregung boten dir Berichte der preußischen Handelskammern, dir eine weitere Besserung der Wirtschaftslage feststellen. Die Kaufaufträge haben einen großen ilmfang angenommen, und erstreckten sich nicht nur auf führende Werte, sondern auch auf die Aktien, der Aebenmärkte. Tie Spekulation zeigte sich sehr unternehmungslustig. Tas Hauptinteresse nahmen I. G. Farben in Anspruch, die eine neue Haussebewegung verzeichneten. Der Vortragskurs von 346 Prozent sprang gestern abend auf 369 Prozent, und erreichte zu Beginn des heutigen Verkehrs einen neuen Rekordstand von 380 Prozent. Es ergibt sich also ein Kursgewinn von 34 Prozent. Montanaktien blieben weiterhin ein beliebtes Kaufobjekt. An der Spitze standen hier Rheinstahl mit einem Gewinn von etwa 17 Prozent. Von den übrigen Werten waren stärker gesteigert: Harpener plus 4 Prozent, Rheinische Braunkohlen plus 7 Prozent, Riebeck-Monlau plus 5 Prozent, Am Chemiemarkt betrugen die Steigerungen für die übrigen Werte 3 bis 4 Prozent. Der Elektro- markt lag gleichfalls sehr fest. Mit Ausnahme von AEG. zogen die Kurse um 3 bis 4 Prozent an. Von Bankaktien standen Darmstädter an der Spitze der Auswärtsbewegung, mit einem Gewinn von 5 Pro enl. Metallbank plus 4 Prozent. Von Schiffahrtsaktien lagen Hapag um 3,75 Pro ent gebessert, während Lloyd unverän- bert blieben. Motorenaktien fest. Klever plus 3 Prozent, Daimler plus 3,5 Prozent, Hansa= Lloyd plus 2,5 Prozent. Baustoffaktien und Mafchinenwerte 2 bis 3 Prozent fester. Zuckeraktien vernachlässigt und kaum verändert. O e Ito er t e gut gebessert. Rütgerswerke plus 7 Prozent, Deutsche Erdöl plus 2,25 Prozent. älnbeeinfluht von der Höherbewegung blieben deutsche Renten, die eher zum Aach- geben neigten. Auch ausländische Sen» ten waren kaum verändert. Der weitere Verlauf brachte bei lebhaftem Geschäft neue Kurssteigerungen. Der Geldma rkt ist flüssig. Tagesgeld 5 Prozent, Monatsgeld 5,75 bis 7,5 Prozent je Adresse. Privatdiskonten 4,62 bis 4,87 Prozent, Industrieakzepte 5,25 Prozent. Die lateinischen Valuten lagen im Devis enver- l e h r fest, vor allem Paris, das sich gegen London auf 147,25 erheblich befestigte. Mailand mit 112,75 und Delga-Drüssel mit 34,85 gegen das Pfund behauptet. London-Kabel 4,8565, die Reichsmark gegen Kabel 4,2085. Börsenkurse. Datum: 5% Deutsche Rcichsan leihe 4% Deutsche RetchSanleiye ■ 8■/»*/« Deutsche Reichsanleihe 3% Deutsche Reich San lei he Deutsche Svarprümienanleihe 4°/o Preußische Konlols . . . 4° o Hessen 3Vi0/o Hessen .......... 3°/e Hriirn........... Deutsche Wertb. Dollar-Lil. dtv- Doll -Schatz-Anweisng.'l <•/» Zoll türken 5% Soldmerikaner . . . Berliner Handelsgesellschaft Lonnnerz- and Privat-Bank Darmst. und Nanonalbank ■ Deutsche Bank Deutsche vercioSbank .... DiSconro Commandit Metallbank .... Mitteldeutsche Lreditbank . Oesterreichische Creditanstall Weltbank ..... . Bochumer ^ng ...... BuderuS ......... Taro . . Deurlch-Lnreorburg .... Gelsenkirchener Bergwerke. Harvener Bergbau ... Kaliwerke Aschersleben. . . , Kaliwerk Westeregeln .... llaurahütte Lberbedan Phönix Bergbau ..... Rbeinuohl ...... 'Xiebeet Montan ...... Tellus Bergbau Bereinigte Stahlwerke A.-G- Hamburg-Amerika Pakt. . . Norddeutscher Llovv . . , Tberaunsche Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . Püilwv Hotzmunn .... Anglo-Cont.-Guano . . . . Chemische Mayer Alapin . . I. G Jarbcnindustric, A.-G. Goldschmidt Holzverkohlung Rütgerswerke ... v'chcldeanstalt . . All« Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann ...... Mainkraitwerke ...... Schlicken .. , Siemens & Halst» ..... Adlermerke Kleyer ..... Daimler Motoren. ...... Hcyligensioedr . Meguin Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armamrrn Konservenfabrik Braun ■ . Metallgesell chafi Frankfurt . Pc«. Union A.-G Cchub'abrik Herz . . .... Sichel ........ Zellstoff Woldhok • • .... Zuckerfabrik Frankenthal . . -suckerkabrik Wag baute! . . . Frankfurt a.M. Berlin 5d)lu /i fiurs l»Ubr. Kur, Schluß, firrr« Aufana ■ii-. 3. 11 4.11. 3. 11- 4 11 3.752 0.775 0.75 0.7675 — — 0.7105 0.7475 — 6.6905 0.725 0,88 — 0.8505 0.88 0.45 — 0,44 0,75 — 0 70 1.7175 0,75 — — — — 0,70 — 95 — - 19.25 f — 18,75 — 44.75 1 — 250 — 251.5 -64 5 182 184 181 184 61' 271 261 276.5 186* 191 186" 189.4 107.5 1;6.75 179.25 176 178 170 177.5 170 179 156 — 16J 148.25 8.25 8,25 8.3 77 — — 175,25 175.75 183 116 120 H5,25j 120 ITT1 182 176 5 182 179 184 179 183.25 199.5 204.5 198.5' 204,9 159 — 162' 163,5 170.5 175 172 172.5 84 ü — 83.75 85 107 113.5 109 110.5 136.5 142 136' 140.75 186.5 185 5 187 205 172 207 172 148 102 108 154 154 157,5 183 5 188.75 182,5 185 175 177,5 174.11 176 80 - - _ 135.5 139 — 162 ■— (62,25 169.9 — - 99,25 — 352 >79,5 352.7' 377 147 153 147 152 66 — — — 148 139.5 145 181 189.75 173.25 178 172.75 174.5 173 171 169.9 173 114 — — 159.25 166 5 158 160.75 210.5 -16 75 -09 25 214,25 110! 119 112.75 119,5 -.19 105.5 102.25 105 33 - 58 * 59,75. — — — 42 — 16.75 — — — 53 —- - — 175.75 183 — — 114,5 — 115 — 66,5 — — —- 3 — 5.7 —- 205 215 202.5 211 92 92,75 84.5 112,25 112,25 111 — Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische 01 u « » a b । u n a. .3 Novbr- 4. Novbr. Amtliche Noti runa Amtliche Notierung Keld Brief (Held Brief Ämir.-r-ion 167.92 168.34 168.01 168,43 Buen.-Aires 1.706 1.710 1.702 1.706 Brss.-Anlw 58.45 58.59 58,53 58,67 Chriltiania 105.37 105.63 105.12 105.38 ftopznbagcii 111,66 (11,94 (11,76 112,04 Stockholm 112 09 (12.37 (12,14 112.42 Helssngfors 10.55- 10.598 (0.561 10.606 Italien . 18,05 18.09 18,07 18.il London. .0.353 20,40 > -0.364 20,414 Wtunot! • 1.1995 1,2095 1,2015 4,2015 Paris. . 13.54 13,58 (4.08 14,12 Schweiz . >0 98 '1,18 -.1.00 M.20 ©Dai. im • 63.65 63,81 '«,64 63,‘•O Ja van • ■ 2.056 2.060 2.60 2,64 "Kto de Jan Wien in D-- 1.576 (.578 <.570 0.572 Cef). abflcft r>9.28 39,42 39,28 69,42 Prag . 12,4 6 12,476 12.44 12,48 Belgrad ..408 7.428 7.412 7.432 Budav.'ss • >.875 3,895 '.88.3 3,90.> Bul arien -.032 >.042 3,033 5,043 Lissabon -1.575 1,623 21 525 21,57.' Danzig 81.50 M.60 M.46 81,66 Qonft nttn 2.045 2,075 -,105 ,115 Arbeit 5,19 5,21 5,29 5,31 Canada. 1 2(2 1.221 1,21(5 4,215 Uruguav 1.155 f 16, 1.155 4.165 Banknoten. Berlin, 3 Novbr lAeld Brie> Amerikanische Note» ..... Belgische Noten ..... Dänische Noten ....... Tnglilche Noten. ....... ifranwssiche Note» ...... Holländische Noten ..... Jiilienjschr Noten...... Norwegische Noten ... Deuisch-Oesterr.äioo Kronen Rumänische Noten .... Schwedische Noten..... Schwerer Noren ...... Spanische Noten ...... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noien 1.186 68.2? U1.37 41,318 13.61 167.55 18,05 105,13 59.05 111,82 60,75 63,42 12,405 ».842 4,206 58,57 Hl.93 20.418 13,47 168.39 18,15 105,65 59,35 112,38 «1.1., u3.74 12.465 ».882 Berliner Börse. Berlin, 4 Roo. Die Stimmung der Aktienmärkte ist nach den gestrigen Realisationen überraschend schnell wieder in das alte Fahrwasser geraten. Schon im Frühverkehr waren die Kursverluste voll aufgeholt worden. Bei Beginn des amtlichen Verkehrs stellte sich heraus, daß die Bankenkundschaft die niedrigeren Kurse zu umfangreichen Neuanschaffungen ausnutzte. Infolgedessen sah sich auch die Baissespekulation zu Deckungen veranlaßt, so daß ein ungewöhnlich lebhaftes Geschäft einsetzte. Es traten Kurs st ei gerungen bis zu 20 Prozent und darüber hinaus ein. Im Mittelpunkte des Kaufinteresses standen J.-G.-Far- ben und sämtliche irgendwie bainit zusammenhängenden Werte. J -G.-Farben eröffneten 22,5 Proz., Rheinstahl 18 Prozent über ihren gestrigen Schluß» kursen. Daneben wurden Kohlen-, Oel-, Eisen» und Bankwerte bevorzugt. Darmstädter Bank plus 8, Berliner Handel plus 7 Prozent. Zu der heutigen Haussebewegung dürfte die flüssige Lage des Geldmarktes und die sehr günstig lautenden Berichte der preußischen Handelskammern beigetragen haben. Tagesgeld war zu 5,5 bis 7 Prozent in großen Beträgen erhältlich, teilweise war auch schon hierunter anzukommen. Monatsgeld bei 6 bis 7 Prozent zurückhaltender. Im Deoisenver- k e h r hatte Paris gegen London eine bauf feartige Befestigung zu verzeichnen. Die Pariser Pfundparität stellte sich auf 146. Die Reichsmark lag gegen Kabel fest Die übrigen Valuten hatten keine nennenswerten Veränderungen aufzuweisen. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 4. Noo. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 29,50 bis 29,75 Mark: Roggen, inländischer, 24,25 bis 24,50; Sommergerste für Brauzwecke 24,50 bis 27; Hafer, inländischer, 20 bis 20,75; Mais (gelb) 20 bis 20,25; Weizenmehl, inländisches (Spezial 0), 42 bis 43; Roggemehl 35,25 bis 36; Weizen- und Roggenkleie 11 bis 11,25 Mark. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 4. Noo. Auftrieb: 53 Kühe, 708 Kälber, 1123 Schafe, 836 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 75 bis 80 Mark; mittlere Mast» und Saugkälber 68 bis 74; geringe Kälber 58 bis 67. — Schafe: Mast- lämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 38 bis 42; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 32 bis 37; fleischiges Schafvieh 24 bis 31. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 74 bis 76; oollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 74 bis 76; von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 74 bis 76; von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 73 bis 76; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 70 bis 74 Mark. Marktverlauf: In Kälbern und Schafen langsames Geschäft und ausverkauft. In Schweinen gedrückter Handel und Ueberstand. Berliner Produktenbörse. Berlin, 3. Aov. Die Märite der Vereinigten Staaten, die gestern geschlossen waren, und den wenig veränderten Winnepegec Preisberichten konnte Berlin heute keine toesent» lichen Anregungen entnehmen. Die Forderungen zeigten sich etwas ermäßigt und auch Liverpool hatte nicht voll behauptete Anfangskurse gemeldet. Dies veranlaßte im Lieferungsmarkt für Weizen und Roggen Preisrückgänge in Höhe von 0,50 Mark. Für Export bestand etwas Frage nach Weizen, doch hielt das Angebot zurück und zeigt sich in den Forderungen unnachgiebig. Auch beim Roggen zeigten sich nur geringe Einfuhren. Gerste ruhiger, Hafer liegt verhältnismäßig still bet kleinen Einfuhren. Mehl trotz ermäßigten Preisen nur schwer abzusetzen. Es notierten (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, 270 bis 273; Roggen, märkischer, 219 bis 224; Sommergerste 220 bis 261; Wintergerste 192 bis 205; Hafer, märkischer, 178 bis 193; Mais, loco Berlin, 201 bis 206; (100 Kilogramm): Weizenmehl 36 bis 38,75; Roggenmehl 31,75 bis 33,75; Weizenlleie 12; Roggenkleie 11,75; Viktoriaerb'en 58 bis 68; kleine Speiseerbsen 40 bis 42; 7 uttererbsen 22 bis 26; Peluschken 21 bis 22; A-, oohnen 21 bis 23; Wicken 25 bis 26; Lupinen, blau, 13 bis 14; Lupinen, gelb, 14 bis 15; Rapskuchen 15,60 bis 15,80; Leinkuchen 20,60 bis 20,80; Trockenschnitzel 9,70 bis 9,90; Soyaschrot 19,30 bis 19,60; Kartoffelflocken 23,80 bis 24 Mark. Gerxchtsfaal. 3m Wiederaufnahmeverfahren freigesprachen. • Limburg, 2. Aov. Der Grubensteiger Ludwig Haus aus Hartenrod (Kreis Biedenkopf) wurde durch Urteil des Schöffengerichts Wetzlar vom 16. Juni 1924 zu 1 Jahr Gefängnis wegen Aotzucht, begangen an der minderjährigen A i x, verurteilt. Die an die Strafkammer Wetzlar eingelegte Berufung wurde verworfen. Der Angeklagte beteuerte im Vorverfahren und in beiden Hauptrer- handlungen seine Tln schuld; insbesondere bestritt er, überhaupt von Juni 1922 bis April 1923 mit der angeblich Verletzten zusammengekommen zu sein. Im April 1923 habe die Zeugin Aix und ihre Großmutter bei ihm Holz geholt. Strafbares sei hierbei nicht vorgekommen. Das Gnadengesuch des Qlngefigten wurde zurückgewiesen, Haus mußte die Gefängnisstrafe verbüßen. Er betraute nunmehr den Rechtsanwalt Dr. L. Katz in Gießen mit dem Wiederaufnahmeverfahren, dem das La: d- ger'cht Limb rg nach Ver ehmung von Zeugen stattgab. Zu der heutigen Hauvtverhandiung vor der großen Strafkammer in Limbura waren 22 Zeugen erschienen. Cs wurde tatsächlich festgestellt, daß das behauptete Zusammentreffen nicht im Aovember 1922, sondern im Avril 1923 stattgefunden hat. Weiterhin, daß angesichts der Widersprüche, in die sich die Zeugin Aix und ihre Großmutter verwickelten, sowie ihrer Persönlichkeit und ihrer moral'chen Qualifikation ihren Angaben kein Glauben zu schenken sei und daß daher der Angeklagte auch nicht der Vater des im Juni 1923 geborenen Kindes sein könne. Das Landgericht hob nach mehrstündigen Verhandlungen die be'den eingangs erwähnten Urteile auf und sprach den 69jährigen, unvorbestraften Angeklagten frei. De Kosten des Verfahrens einsch'eßlich der der Verteidigung toirrbm d?r Staatskasse auferlegt. Wie uns mit- geteilt wird, soll nunmehr Zivilklage auf Schadenersatz gegen den Fiskus von dem Frei- gesprochenen wegen der von ihm vm:büßten einjährigen Gefängnisstrafe erhoben werden. Büchertisch. — Thomas Mann: Lübeck als geistige Lebensform. Otto Quitzow Verlag, Kom.-Ges., Lübeck 1926. — Was auf den 55 kleinen Druckseiten dieser Rede (gehalten am 5. Juni im Stadttheater zu Lübeck aus Anlaß der 700-Iahrfeier der freien und Hansestadt) geschrieben ist, gehört zum Feinsten, was man seit langer Zeit zu lesen bekam, ist ein Leckerbissen für literarisch Genuhfähige. Dies begründet sich zwiefach. Einmal in der beim Lesen überwältigend auf tauchenden Erinnerung an ein Wort Thomas Manns, in dem gesagt wird, ein Schriftsteller sei einer, der nicht leichter, sondern schwerer schreibt, als andere, gewöhnliche Menschen. (Man darf es nur nachher nicht merken.) In solcher Bemerkung ist die Quintessenz dessen enthalten, was vor allem Geschriebenen (ober Gesprochenen) dieses Menschen immer wieder hinreibt und entzückt: das in unserer sprach- und stilmörderischen Zeit immerhin rar gewordene Bewußtsein, einem Meister des Wortes zu begegnen, dem feine Muttersprache musikalisch gehorcht, wie ein edles Instrument. Das ist das Eine. Das Andere aber ist das Tiefgeistige des unscheinbaren Düchelchens, das bekenntnishaft Persönliche (im großen Werk immer nur durchscheinend durch den einhüllenden Schleier streng gewollter Sachlichkeit), der Einblick in die Werkstübe künstlerischen Gestaltens, den diese wahrhaft festliche Rede gestattet. Man folgt den unendlich reizvollen Einzelheiten der Entstehungsgeschichte der „Buddenbrooks", als eines schlechthin genialen Erstlingswurfes; man sieht einen Künstler mit leichter Hand und sicherstem Bewußtsein die Grenzen seiner inneren und äußeren Heimat ziehen und die Hrgrünbe seines Schaffens vor unseren Augen entschleiern. — Dieses Andere und jenes Eine machen die 50 Seiten des Buch:s zu einem literarischen Dokument von unalltäglichem Schwergewicht. 560 Kauft in Giessen! Letzte Nachrichten., Deulschnalionale und Außenpolitik. (Eigener Bericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 4. Aov. In Berliner politischen Kreisen bespricht man heute auch den Gegensatz, der im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages zwischen Dr. Stresemann und dem deutsch- nationalen Abgeordneten Dr. Hoetzsch zutage trat. Wie man hört, hat der deutschnationale Vertreter die Außenpolitik Stresemanns stark kritisiert. Demgegenüber hat der Reichs- außenminister ertlärt, daß er der deutschnationalen Kritik kein Verständnis entgegenbringen könne. Man bedauert diesen Gegensatz um so mehr, als die letzten Wochen Aeußerungen führender Deutschnationaler (Graf Westarp) brachten, die eine Ausgleichung der Anschauungen über die deutsche Außenpolitik zwischen Deutschnafio- nalen und Regierungsparteien erhoffen ließen. Es wird zudem nicht verkannt, daß eine möglichst geschlossene Front im Reichstag der Reichsregierung bei den für ein Land ohne Macht so besonders schwierigen außenpolitischen Verhandlungen einen guten Rückhalt geben würde. Der für den Beginn der nächsten Woche vorgesehenen Reichstagsdebatte über die außenpolitischen Probleme sieht man deshalb mit Spannung, aber auch mit einer gewissen Sorge entgegen. Wie wir hören, wird Reichsaußenminister Dr. Strese- mann die Beratungen darüber mit einer Rede im Reichstagsplenum selbst ein leiten. Die spanischen Putschpläne. Paris, 4. Aov. (WTD. Funkspruch.) Wie Havas aus Perpignan meldet, wollten die Separatisten in Katalonien auf Grund der ihnen von den f oft genommenen, aus Frankreich stammenden Verschwörern überbrachten Weisungen, sich der revolutionären Bewegung anfchließen. Ihre erste Aufgabe wäre gewesen, die Bahnhöfe. Telegraphen» unb Telephon-Aemter z u besehen. Man erwartet Verhaftungen. General ©Srarb f. Paris, 4. Nov. (WTB. Funkspruch.) Den Blättern zufolge ist General Gerard gestorben. Er führte im Kriege ein Armeekorps und leitete später die Besetzung der Pfalz. Der Verstorbene stand im 69. Lebensjahre. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der .Radio-Umschau".) Freitag, 5. November: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Hausfrauennachmittag. Programm u. a.: „Elektrizität im Haushalt", Vortrag von Ingenieur Schulze. 6.15 bis 6.45 Uhr: Funkhochschule: „Cha» raktergestalten aus der Geschichte des neueren deutschen Unternehmertums: Georg o. Siemens an der Spitze der Deutschen Bank", Vortrag von Prof. Dr. Küntzel. 6.45 bis 7.15 Uhr: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). 7.15 bis 7.45 Uhr: Italienischer Sprachunterricht. 8.15 bis 9.15 Uhr: Konzert der Frankfurter Kam» mermusikgemeinde. 9.15 bis 10.15 Uhr: Kammermusikkonzert. Sprechstunden der Nedaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandte Zfi a n u I f c I p I e ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen Anzeigenausträge sind lediglich an die Geschäfts ft elle zu richten. (Geschäftliches. G ol d e n e Medaille. Die Firma Koch & Schenk, Chemische Fabrik A.-G. in Ludwigsburg, die Herstellerin der bekannten „Büffel-Beize", ist auf der Ausstellung „Die Frau in Kleidung, Haus und Küche" in Nürnberg mit der Go Ide» nen Medaille ausgezeichnet worden. Zelle, Ne, MM, Sriiiti, M, Wo « MW M«