Nr. 252 Erstes Blatt 176. Jahrgang Montag, 4. Oktober 1926 Erscheint täglich,anher Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezuospreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern mfolg- höherer Gewalt. Fernsprechans chlusse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zranksnrtam Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vru6 und verleg: Brühl'jche Unioerfttäts-Vuch- und Ltetndruckerei R. Lange in vietzeir. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20u , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Tell Ernst Blumschcin; für den An« zeigenteil i. Dertr. H. Beck, iämtlid) in Gieren. Stresemanns Rechenschaftsbericht. Der A.chenminister vor dem Kölner Parteitag. - Deutsche Befremn spolitik vom Ruhreinbruch bis Thoiry. - Antwort an Pomcare. - Zur innerpolitischen Lage. 211. Köln, -L. Oft. 3m groben Saale des Gürzenich zu Köln trat unter ungeheurem Andrang der siebente Reichsparteitag der Deutschen Dolkspartei zusammen. Der Saal ist geschmückt mit den Wappenfahnen der alten Kölner Geschlechter. Seine Breitseite weist die alten schwarz- weihroten Reichsfarben auf. Aus Lorbeerbäumen ragen die Büsten Hindenburgs, Basser- manns und v. Denningsens hervor. Um 10Vi Ilhr eröffnete der Parteivorsihende' Dr. Strefern a n n den Parteitag. Geh. Rai D. Dr. Kahl Wird einmütig zum Präsidenten des Parteitages gewählt, der dann Worte der Begrühung an den Parteitag richtete. Herzliche Worte des Dankes richtete er an den Partei Vorsitzenden Dr. Stresemann. Wir stehen an einem Markstein, an einem Wendepunkt der Zeit. Ich grüße Stresemann heute nicht blob als den Führer der Partei, ich grühe ihn als den Führer des deutschen Volkes. Wir alle wissen, daß wir den Dornenweg weiter gehen müssen, dah der Weg zur Höhe steil ist, langsam, Schritt für Schritt zurückgelegt werden muh nach der Parole unseres Führers Stresemann: Durch Opfer und Arbeit zur Freiheit! Wenn ich gleichwohl von Erfolgen gesprochen habe, so geschieht es, um vor unS, vor dem deutschen Volle, vor der Geschichte der Wahrheit die Ehre zu geben. Ich habe nur festtzustellen, dah der Weg der richtige war und der einzig mögliche. Ich habe Stresemann Dank zu sagen, dah er diesen Weg wohl eingehalten und mit fester Gewissensüberzeugung, mit Weisheit und IRafrfyaltima, mit hingebender Pflichttreue, unbeirrt durch alle unvermeidlichen Enttäuschungen und Rückschläge, unbeirrt durch der Parteien Gunst oder Ungunst gegangen ist. Geheimrat Dr. Kahl begrüßt darauf die ausländischen Gäste und stellt dann sest, dah es ein günstiger Zufall gefügt habe, dah an diesem Parteitag der Geburtstag des Reichspräsidenten von Hindenburg gefeiert werden könne (stürmische Zustimmung). Wir werden ihm doppelt zu seinem 79. Geburtstage unsere treuen, innerlichsten und dankbaren Guick- und Segenswünsche senden. Wir grühen und De^rcn in dem Patriarchen unter den Staatsoberhäuptern das Vorbild der reinen Vaterlandsliebe, das Vorbild der vollendeten deutschen Treue und heiligsten Pflichtgefühl. Wir wissen uns eins mit ihm, wenn er bei jeder Gelegenheit wieder das deutsche Volk aufgerufen hat zur Einigkeit, und wir können geloben, dah wir, die Deutsche Volkspartei, unsere Kraft, unser ganzes Wollen, alles einzig und allein stellen in den Dienst dieses Gedankens der Wiederaufrichtung und der Befreiung des Deutschen Reichs. Stürmisch begrüht nahm nunmehr der Partei- vorsihende Dr. Stresemann das Wort zu seinem Vortrag über die politische Lage. Der Minister führte u. a. aus: „Ich glaube, ich kann vor meinem Gewissen sagen, dah ich niemals Außenpolitik als Parteipolitik getrieben habe. Die Deutsche Dolkspartei hat jahrelang unter dieser Außenpolitik gelitten, und sie ist deswegen der stärksten Befehdung ausgesetzt gewesen. Ich danke der Partei, dah sie stets in Zeiten stärksten Dranges die Zustimmung zu dem von ihr für sachlich richtig Erkannten gegeben hat. In ihrem Ziel ist sich die große Mehrheit des deutschen Volkes über diese Außenpolitik durchaus einig. Ihre Methode ist umstritten; ob sie richtig ist, wird an ihren Erf olgen zu sehen sein. Was wir Erfolg nennen müssen, rann in der Lage, in der wir uns bis zur Stunde befinden, nur Befreiung von den drückendsten Fesseln sein, die auf uns lasten. Es wird und ist die Tragik jedes Außenministers des neuen Deutschlands gewesen, daß er zwischen der Diskrepanz der großen Geschichte des deutschen Volkes und der deutschen Machtlosigkeit der Gegenwart steht und dazu kommt, daß auch die Rachkriegszeit nicht ohne erneute Erschütterungen und erneute Verluste vor sich a Der Ruhrkampf, der mit so vielem ismus begonnen wurde, ging verloren. Achtung jedem, der damals den Kahn mU- beftieg, der wahrlich nicht Deutschland und sein Glück trug, und Achtung jedem, der den Wut hatte, damals die Verantwortung für den Abbruch des Ruhrkampfes mit zu übernehmen der der Anfang für die Politik der Verständigung und Besserung gewesen ist Jeder, der heute in Deutschland Außenpolitik zu machen hat, hat zu kämpfen gegen eine ganz große und mächtige Partei in Deutschland, die Partei derjenigen, die da im Innern beten „Unsere tägliche Illusion gib uns auch heute!". Wer gegen diese Partei anzukämpfen hat, der muh den Mut zur Unpopularität haben. Die Verständigungspolitik war unpopulär, und die Schuld lag dabei wahrlich nicht nur am deutschen Volke, denn die Politik der ersten RachLnegsjahre gegenüber Deutschland war die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Aber gegen diese Situation war mit Trotz und mit illusionären Revanchegedanken nicht anzukäinpfen. Die Verständigungspolitik muhte erkämpft werden, und bis heute dauert dieser Kamps an, nicht nur bei uns, auch bei anderen Rationen. Auf dem Wege dieser Politik liegt die Räumung des Ruhrgebiets, liegt die Räumunig der ersten Rheinlaichzone, auf ihrem Schluhweg liegt die Crlämpfung der deutschen Souveränität über das deutsche Rheinland. Im Rahmen dieser Politik liegt Deutschlands Eintritt in den Völkerbund als ständiges Rats Mitglied in dem Rat der Völker. Ich glaube, dah die Tatsache nicht zu bestreiten ist, dah eine deutsch-französische Verständigung der Kernpunkt jeder europäischen Verständigung und Befriedigung ist und bleibt. Diese Frage ist das Kernproblem zukünftiger Entwicklung, ohne daß heute niemand zu sagen vermag, ob in dieser Entwicklung die Völker dem Wunsche und dem Willen ihrer Staatsmänner folgen. Ich glaube an den ehrlichen Verständigungswillen des Herrn französischen Außenministers, mit dem mich doch mehrere Jahre des Verhandelns über wichtige Fragen und persönliche Fühlungnahme bei Konferenzen verbinden. Ich sehe, daß die Wirtschaft Schrittmacherin ist auf dem Wege, der über Landesgrenzen hinweg große neue Vindungen schafft, der wirtschaftlicl-e Anomalien der Friedensverträge beseitigt. Gerade dieser Zusammenschluß veranlaßt mich aber, auch Legenden enlgegenzutreten, die mit dieser Tatsache, oder die mit der Erörterung von Bestrebungen über eine deutsch-französische Verständigung nicht übereinstimmen. Niemals kann es die Aufgabe deutscher Wirtschaftsführer fein, die übrigens bei all ihren Bestrebungen und Verhandlungen in selbstverständlichem Einvernehmen mit ihrer Regierung gehandelt haben, einen Zusammenschluß einzelner Länder in großen Industriefrugen herbeizu- führen, mit der Spitze und Tendenz, dadurch andre Länder oder Wirtsch^ftsrnächte niederzukonkurrenzieren. Ich möchte auch hier ausdrücklich betonen, daß es Englands eigener Wille war, wenn es nicht teilnahm. Früher war es sehr beliebt in Oppositionskreisen, b:e deutsche Außenpolitik als völlig abhängig hinzustellen von England und dem verehrten Herrn englischen Botschaft in Berlin, der jetzt nach langjähriger Tätigkeit seinen Posten verläßt, den Lord Protector of Germany zu nennen. So töricht das war, so töricht sind alle Behauptungen, als wenn irgendwie Deutschlands Wirtschaft oder Politik eine England unfreundliche Politik treiben sollte, oder treiben könnte. Dasselbe gilt von unserem Verhältnis zu anderen Nationen, insbesondere den Vereinigten Staaten. Die Politik von Thoiry kann nach meiner Ueberzeugung und wie ich glaube, auch nach der Ueberzeugung des französischen Herrn Außenministers keine solche Politik sein, die aus dem Rahmen der allgemeinen Politik mit dem Ziel der Befreiung und des Wiederaufbaus Europas heraustritt. Es bedarf zu ihrer Verwirklichung auch der Beteiligung anderer Mächte und der Mitwirkung der für die Reparationszahlungen zuständigen Stellen. Dabei denke ich besonders auch an die Vereinigten Staaten, die seit den Verhandlungen über den Vertrag von Versailles die wirkliche Befriedung Europas als eines Der Ziele ihrer Politik bezeichnet haben. Ich möchte daher annehmen, daß auch die Verhandlungen von Thoiry in der Linie der Politik der Vereinigten Staaten liegen werden. Ls ist allerdings ein fchmerzlicher Rachklang zu biefer Politik der allgemeinen Befriedung, den ich im 3nfereffe der Verständigungsbestrebungen tief bedauere, wenn neuerdings auf der Gegenseite von hoher verantwortlicher Stelle in der Oeffentlichkeit wieder die alte Behauptung von der alleinigen Kriegsschuld der Mittelmächte verkündet worden ist. Die Aufklärung der Völker ist zu weit fortgeschritten, als daß derartige Behauptungen noch jetzt gewagt werden dürfen. Wir brauchen uns um so weniger zu fürchten, werm die Behauptungen sich aus einer Stellungnahme zu all diesen Fragen erklären, deren fast zwangsläufige Parteilichkeit vor aller Welt offen zutage liegt. (Stürmischer Beifall.) Auf dem Friedhof von Arlington hat der große Staatsmann, der das größte und mächtigste Volk der Erde führt, der Präsident Coolidge, kürzlich zu denselben Fragen Stellung genommen und gesagt: Riemand, der die Tatsache untersucht, rann daran zweifeln, daß es der wirtschaftliche Zu st and Europas war, der die überlasteten europäischen Länder kopfüber in den Weltkrieg geführt hat. (Hört, hört!) Ich will mit diesen Erklärungen hier nicht rechten, will nicht kritisieren. Gott gab den Menschen nicht die Erkenntnis der Wahrheit, er gab ihnen mir das Streben nach Wahrheit. Wir sind bereit, uns jedem unparteiischen Gerichtshof zu stellen, der die Llrsache des Weltkrieges untersucht. (Stürmischer Beifall.) Die Menschheit hat ein Recht auf Wahrheit in dieser Frage, und niemand wird sich diesem Wunsche und Recht der Menschheit nach einem unparteiischen Schiedsgericht auf die Dauer widersetzen können. (Anhaltender Beifall.) Die Diskrepanz zwischen denjenigen, die die Freiheit genießen, und denen, die sie erhoffen. tritt besonders hervor angesichts der geschaffenen 1 europäischen Lage. Die roeliere Besetzung deutschen Gebiets ist eine Anomalie zur Lage der Völker in Europa. (Stürmischer Beifall.) Wer nicht reill, daß die von den Staatsmännern der Völker gereünschte Verständigung immer wieder aufs neue durch schwerste seelische Belastungen der Völker auss Spiel gesetzt werden, der schasse die Ursachen weg, die überhaupt derartige Belastungen verursachen. Ich möchte meine Ausführungen über die Außenpolitik schließen und sagen, dah sie auch Ausdruck der Erwartung des deutschen Volkes sind, daß bald alle Dorne und Kirchen des Rheinlandes die Freiheit des ganzen Rhein- landes verkünden mögen und daß man die deutsche Freude darüber allüberall hören und verstehen möge. Unb nun über die innere Lage. Welche Regierung sich bildet im Reiche und in den Ländern, ist eine Sache der Fraktionen, ist eine Sache der Entwicklung. Ich bin weit davon entfernt, etwa die Parteien anzusehen als die alleinigen Vertreter des deutschen Volkes und des deutschen Volkstums. O nein, das Geben der Ration seht sich zusammen aus unendlich vielen Cinzelempfindungen, seelischen Zusammenhängen, religiösen Tleberzeugungen, Derufsempfindungen und Hoffnungen, dah sie in den engen Rahmen einer Partei gar nicht gespannt werden können, und ich habe es durchaus verstanden, dah sich nach dem Riederbruch bei uns die vielen nationalen Verbände gebildet haben, und ich habe es besonders begrüßt, dah sich unter ihnen auch solche bildeten, die speziell auch die Romantik hineingezogen haben in ihre Bestrebungen. Deshalb waren Bestrebungen wie die Gründung des „Iungdeutschen Ordens" mit seiner Idee der Brüderlichkeit, der Verbundenheit, namentlich aber auch der Ueberbrüdung der Klassengegensätze zu begrüßen. Es waren beim auch manche, die sich sagten, daß wir die Erinnerungen nicht verblassen lassen dürften, das große Fronterlebnis jener Tage, in denen die Millionenschicht die deutsche Erde und die deutsche Heimat schützte. Um so tiefer empfinde ich es als bedenklich, wenn jetzt parteipolitische Bestrebungen sich in diesen Organisationen geltend machen. Ich möchte diesen verbänden von hier aus zurufen: Ihr gebt euer Bestes weg, wenn ihr euch hineinstellt in den Streit der Parteien, anstatt euch hineinzustellen in die ganze deutsche Ration. Denn wenn ich den Frontgeist recht verstehe, dann muh ein Frontgeist überhaupt nicht differenzieren zwischen politischen Anschauungen, zwischen Marxismus und Anti- Marxismus. Die Heimat blieb uns unversehrt, weil beide zusammen im deutschen Schützengraben das Deutsche Reich und deutsche Volk verteidigt haben (Beifall). Tlnser Kampf muh sich richten gegen den Klasfenkampf- charakter als solchen, ob er auf der einen oder anderen Seite auftritt. Wenn die Sozialdemokratie in einzelnen Ländern oder im Reich oder in ihrer Gesamteinstellung zurückfällt in den Gedanken des Klassenkampfes, der Erringung der alleinigen Macht für das Proletariat, dann gilt ihr entschiedenster und grundsätzlichster Kampf. Cs ist selbverständlich, dah für uns, die wir nicht Marxisten sind und uns dagegen auch gar nicht zu verteidigen brauchen, daß wir dem Marxismus nahestehen, nur der eine Gedanke gilt: Der des Rähertretens aller 'bürgerlichen Parteien zueinander. Aber dazu gehört das zweite: Die Bereitschaft eines sich einander verständigenden Bürgertums auch zu jeder Verständigung mit jedem, der gewillt ist, den Klossenlampfgedanken aufzugeben, rechts oder links, und sich die Hand zu reichen zu gemeinsamer Arbeit. Das ist die Grundauf- fassung unserer Partei und ich warne davor, dah wir irgendwie von dieser Gruttdauffassung zurückweichen. Die Liebe zum allen Deutschland wird uns stets in Gegnerschaft finden gegen jeden, der so klein im Herzen und so verledert im Gemüt ist, daß er nicht empfindet, welche Kraftquellen der deutschen Seele der Gedanke der großen deutschen Vergangenheit ist. Aber das neue Deutschland, für das wir leben, zwingt uns auch hier, den Kampf aufzunehmen gegen diejenigen, die ich die ewig Gestrigen auch im neuen Deutschland nennen möchte. Wenn wir ein neues Deutschland heute aufbauen, die Einseitigkeit, die es einstmals gab, zu Zeiten, zu denen schon die Ernennung eines Rational- liberalen zum preußischen Landrst als große Konzession an das Bürgertum gewertet wurde, wünschen wir nicht wiederkehren zu sehen. Wir wollen und bekennen uns zu der Lleberwin- dung jeder Gesellschaftsunterschiede, die viel mehr zur Stärkung der Sozialdemokratie beigetragen haben, als das Erfurter Programm. Ich möchte nun noch folgendes sagen: Wäre es nicht wünschenswert, dah wir uns im Kampfe der Parteien, im Kampfe der einzelnen Schichten des deutschen Volkes, mehr zur Objektivität durchringen könnten? Mag jemand tm heftigsten Parteikampf mit den Führern der Dentschnatio- nalen Partei stehen, daß diese Partei eine Persönlichkeit wie Dr. H elf f er ich, einen der heroor- ragendsten begabtesten Deutschen, dem Deutschen Reiche zur Verfügung gestellt hat. unterliegt für jeden, der ihn gekannt, keinem Zweifel. Aber sehen sie auf der anderen Seite: Wäre cs nicht an der Zeit, daß man über die Grenzen der Parteien, v'inaus erkennt, was ein Mann wie der erste Reichspräsident Friedrich Ebert, für das deutsche Volk gewesen ist, der Mann, der di» schwere Aufgabe gehabt hat, in der schlimmsten Zeit der Erniedrigung da zu stehen, wo er stand, und der gleichzeitig mit einer Objektivität ohnegleichen und mit einer Vaterlandsliebe, die nie geschwankt hat, an dieser Stelle seines Amtes gewaltet hat? Wir scheint es notwendig, auch wieder auf die Gefahr hin, weiten Massen zu mißfallen, einmal ein Wort davon zu sagen, daß das Geistige gegenüber dem körperlichen nicht roeifet zurücktreten darf, roic es jetzt der (fall ist. Wir sind Freunde jeder körperlichen Ertüchtigung, aber wie es bereits auf dem Katholikentag gesagt wurde, kann nicht die Aristokratie des Geistes durch die Aristokratie des Bizeps erseht werden. 11 nb nun ein Wort zum Schluß: Wir werden in Bälde das 60jährige Bestehen der Rationalliberalen Partei begehen. Auf ihrer letzten Zentral- vorstandssihung hat die Rationalliberale Partei beschlossen, unter dem Rainen „Deutsche VellL- partei" fortzubestehen. Ihre Söhne und Enkel sind wir. Ich hoffe, bah in den Tagen des 60jähr':genl Bestehens auch der Grundstein des Denkmals gelegt werben wird für den Mcmn, der einer der Deutschesten und einer der Freiesten, einer der Rationalsten und der Liberalsten gewesen ist, für unseren Freund Ernst Bassermann in Mannheim. Durch unsere Partei geht wie durch das Herz jedes Deutschen der Schnitt, die Trennung von dem Alten, Geliebten, zu dem Reuen, in das wir hineingewcuchsen sind. Alles in unserem Leben ist ja doch nur Etappe zum Vorwärtsschrei t en. Lind so lassen Sie uns hoffen, dah bas deutsche Voll die Zukunft sieht mit dem Gedanken an die Weltgeschichte: Ich lasse dich nicht, du segnetest mich denn!" (Stürmischer nicht enben- wollender Beifall.) Die Parteitagsteilnehmer erheben sich von ihrer Plätzen und bringen dem Parteiführer starke, lang anhaltende Ovationen dar. , Die ersten Gehversuche der deutschen Wirtschaft. Der Reichswirtfchaftsrrriuifter Warnt vor dem Wirtschaftsoptimismrrs des Auslandes. Köln, 3. Okt. (TA.) Bei unvermindertem Andrang eröffnete Präsident Dr. von Campe am Sonntag den vierten Tag des Reichsparteitages der Deutschen Volkspartei in Köln. Zur Behandlung stand bas Thema „Deutsche Wirtschaftspolitik", zu dem vier Referenten bestellt waren. Den Gesamtüberblick gab Reichswirtschaf tsminister Dr. Curtius. Der Minister beschäftigte sich mit der optimistischen Beurteilung der deutschen Wirtschaftslage im In- und Auslande, insbesondere in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Er betrachte es als feine Aufgabe, Uebertreibungen auf das rechte Mah zurückzuführen. Fortschritte seien gewiß fesHustellen, insbesondere bei den beiden für die Konftrnktur maßgebenden Faktoren: dem Kapital und dem Absatzmarkt. Fremdes Ka- vital in Höhe von 4 bis 5 Milliarden hätte die deutsche Wirtschaft befruchtet. Auch aus eigener Kraft hatten wir wieder erhebliche Kapitalien gesammelt, wie z.B. der Zuwachs der Sparkasseneinlagen von rund 300 Millionen im Rovember 1924 auf 1700 Millionen im Ro- Dember 1926 beweise, und wie aus der Zunahme des Pfandbriefumlaufes von 600 Millionen im Jahre 1924 auf rund 1700 Millionen am 31. Juli 1926, sowie aus dem Anwachsen der Depositen bei rund hundert Kreditbanken bis zum Juni 1926 auf eine Höhe von rund 4,7 Milliarden hervorgehe. Dem Anwachsen des Kapitals entspreche die Senkung des ZinSftißes. Dr. Eurtius wies auf die Steigerung der deutschen Ausfuhr von rund 439 Millionen im Jahre 1924 auf 830 Millionen im August 1926 hin. Auch die Steigerung des Innenmarktes sei ein Anzeichen der Wiedergesundung. Demgegenüber dürfe der Stand des Außenhandels ;um Friedensstande nicht außer acht gelassen werden. Innere Schwäche und Zollmauern des Auslandes werden voraussichtlich noch lange die Erreichung des Friedensstandes verhindern. Die Landwirtschaft durchlaufe eine schwere Krise. Die Arbeitslosigkeit sei keineswegs nur eine vorübergehende Konjunkturfolge, sondern die Folge weitreichender Strukturveränderungen der Weltwirtschaft und der innerdeutschen Wirtschaft. Der Reichsbankpräsident habe auf die Gefahr hingewiesen, die beim Hereinströmen ausländischer Kapi- talien drohen. Die Reparationsfrage hänge als düstere Wolke über unserer Wirtschaft. Unsere Wirtschaft biete das Bild eines Rekonvaleszenten, der wieder die er st en Gehversuche macht und noch längerer Schonung bedürfe. Der Finanzausgleich und die Verwal - tungsreforrn müßte nach den Darlegungen des Reichsfinanzministers für die parlamentarische Erledigung noch eine Weile zurückgestellt werden. Durch eine Derwaltungsreform, Arbeitsteilung und Verwaltungsrationalisierung müßten wir eine weitere Anpassung aller Steuern an die Wirtschaftsbetriebe und auch durch Senkung von Steuersätzen, soweit sie nach Ansicht des Reichsfinanzministers zulässig wäre, die Generalunkosten vermindern. Das Problem Staat und Wirtschaft bedürfe der Lösung. Dabei spiele die Frage der sogen, kalten Sozialisierung die geringste Rolle. Hier sei man sich im Grunde einig darin, daß der Staat nur die Gebiete der Wirtschaft für sich in Anspruch nehmen dürfe, wo die Kräfte der Privatwirtschaft versagten und überwiegend allgemeine Interessen eine stärkere Betätigung des Staates erforderten. Die deutsche Handelspolitik beruhe auf der Zolltarifnovelle des Sommers 1925. Diese habe gesetzliche Gellung nur bis zum 31. Iuli 1927. Wir müßten uns entschließen, ihre Geltung um zwei bis drei Iahre zu verlängern. Es sei nicht nur technisch unmöglich, die gesetzgeberische Arbeit eines so gewaltigen Werkes wie den endgültigen deutschen Zolltarif bis zum nächsten Sommer zu leisten, es wäre auch gänzlich verfehlt, so rasch schon Endgültiges schaffen zu wollen. Die Diskussion über die Durchführung des Dawesplans und die Endlösung des Reparationsproblems sei im Ausland in vollem Gange. In diese Diskussion würden nunmehr die Verhandlungen über die wirtschaftliche Ausführung des deutsch-franzöfi- schen Ausgleichsplans von Thoiry eingeschaltet. Der Minister erklärte mit warmen Worten sein volles Einverständnis zur Thoiry-Politik Strese- manns, hielt es aber für seine amtliche Pflicht, mit nüchternen wirtschaftlichen Erwägungen zur Lösung der Ausgabe beizutragen. In diesem Zusammenhang schlug Dr. Curtius vor, die Erörterungen ouf das an sich schon ungeheuer weittragende und verwickelte Geschäft der Mobilisierung von ein bis zwei Milliarden deutscher Eisenbahn- obligationen zu beschränken und warnte vor den Gefahren der Verquickung mit der Gesamtlösung der Reparationsfrage und der interalliierten Schuldenregelung. Er betrachtete weiter die Frankenstabilisierung als ein inner französisches Problem, in dessen Rahmen Frankreich selbstverständlich den größten Wert darauf legen müßte, das wertvolle Objekt der deutschen Eisenbahnobligationen für seine Stabilisierungszwecke zu verwerten. Zweierlei stände bei der durch die Theorie ungelösten internationalen Erörterung der Mobilisierung von Obligationen im Vordergründe- die Höhe des Zinses und die Umwandlung der Zinsen aus Reichsmark in Valuten. Der Zinsfuß stehe für uns fest. Ein Disagio gehe zu Lasten der Gläubiger. Die Umwandlung in Valuten aber bedeute eine Ausnahme vom Transferschutz, eine Abweichung vom Dawesplan, und werde dadurch für uns eine schwerwiegende Angelegenheit. Der Währungsschutz ziehe sich wie ein roter Faden durch das ganze Dawesgutachten. Wir hätten um fo mehr das Recht und die Pflicht, auf unsere Sicherung durch den Transferschutz zu verweisen, als der französische Ministerpräsident in seiner Rede ;n Dar- le-Duc für Frankreich ebenfalls in Anspruch genom» men habe, seine Verbindlichkeiten nur nach seiner Leistungsfähigkeit und in den Grenzen der Transfermöglichkeiten zu tilgen Aus all diesen Gründen werde die Transferfrage bei den bevorstehenden Verhandlungen eine bedeutsame Rolle spielen. Schließlich ständen bei dem heißesten Streben nach dem Ziel der Befreiung des Rbein- landes zwei Grundsätze für die kommenden Verhandlungen unabänderlich fest: Keine neuen zusätzlichen Lasten und keine Stein« trächtigung in der Endlösung der Reparationsfrage. •t Coolidge gegen Mobilisierung . der Eisenbahnobiigationen. Washington, 2. Oft (DB.) Wie hier verlautet wird Präsiden t Coolidge sich jeder Anregung widersehen, die den verkauf oder die Aebernahme deutscher Eisenbahnobligationen durch die amerikanische Regierung als Teil eines Programms zur Regelung der europäischen Kriegsschulden und Reparationen zum Ziele habe. Poincar6 antwortet Stresemann. Paris, 2. Okt. (WB.) Havas veröffentlicht folgende Mitteilung, die ohne Zweifel vom Ministerpräsidenten Poincare selb st ausgeht: „In der Rede, die Reichsminister Dr. Stresemann in Köln gehalten hat, hat er geglaubt, noch einmal auf die Frage der Kriegsverant- -wortlichkeit eingehen zu müssen. Obgleich Poincare in seiner Erklärung in St. Germain und Bar-le-Duc sorgsam zwischen der kaiserlichen Regierung und dem deutschen Volke unterschieden hat, hat es der deutsche Reichsaußenminister für angebracht gehalten, den Aeußerungen des französischen Ministerpräsidenten zu widersprechen. Man hat deswegen in der Umgebung der Regierung erklärt, daß die Aeußerungen Poincarös in Bar-le-Duc sowohl der Form, wie dem Inhalt nach vom Mini st errat beraten worden sind und die unveränderte Ansicht der französischen Regierung zum Ausdruck gebracht habe. PoinearSs Finanzwirtschaft. Paris, 2. Oft. (TLI.) Finanzminister P oincars hat an die Vorsitzenden der Finanzausschüsse von Kammer und Senat einen Brief gerichtet, in dem er über den Stand der Budgeteinnahmen des Schatzamtes und der Dank von Frankreich Auskunft erteilt Er will hierin den Rachweis erbringen, daß unter seinem Regime sich nicht nur die Einnahlmen aus Steuern wesentlich erhöht hätten — so mache sich z. D. für die ersten sieben Monate des Iahres gegenüber dem Voranschlag ein Mehrertrag an Steuereingängen in Höhe von 27 Prozent geltend — sondern auch die Lage des Schatzamtes habe sich wesentlich gebessert, ganz besonders deshalb, well der Vorschuß der Bank von Frankreich an den Staat um 1700 Millionen zurückgegangen sei. Außerdem stellt Poincars fest, daß feit der Bildung seines Ministeriums folgende Zahlungen an das Ausland geleistet worden seien. 7 242 179 Pfund Sterling, 15 900 000 Dollar und 650 000 holländische Gulden. C-aniberlain bei Briand. Frankreich und Livorno. — Briand über die Politik von Thoiry. Paris, 2. Olt. (SU.) Der englische Außenminister Chamberlain ist um 1.23 llhr nachmittags in Paris eingetroffen. Er wurde am Dahrchof von Briand empfangen. In den späten Rachmittagsstunden sand eine längere Unterredung zwischen Chamberlain und Briand im Quai d'Orsay statt, über die Briand den Pressevertretern folgende Erklärung abgab: Die Besprechungen, die Chamberlain mit Mussolini und heute nachmittag mU mir gehabt hat, können nur zur Aufrechterhaltung und Konsolidierung des Friedens beitragen. Die beiden Staatsmänner haben sich übrigens nur über Fragen unterhalten, die ganz besonders Großbrllannien und Italien interessieren, aber etwas außerhalb des Blickfeldes der allgemeinen Politik stehen. Was die französisch- englische Politik betrifft, so bestätige ich, daß wir vollkommen einer Meinung in sämtlichen Punkten gewesen find, um unsere Aktion mit den andern in Einklang zu bringen. Chamberlain war sowohl über den Plan der deutsch- französischen Annäherung wie über die Bedingungen, unter denen diese Annäherung durchgeführt werden kann, im Bilde. Unsere Besprechungen mit Berlin werden zweifellos bald wieder ausgenommen werden. Augenblicklich ist das vor allen Dingen eine Angelegenhell der Sachverständigen. Ich habe noch nicht mit Chamberlain über gewisse Einzelheiten gesprochen; aber unsere Abmachungen mit Deutschland können nur durchgesüh rt werden im engen Äontaft mit den inter» effierten Ländern. Wir sind nicht allein. Die kontrahierenden Parteien können, wenn sie darauf verzichten, sich gegeneinander zu stellen, gemeinsam die Lösungen für die Probleme finden, die sie interessieren und die sie bisweilen auch trennen. Die bereits erzielte Verständigung geht darauf hinaus, mehr ober weniger Reibungspunkte verschwinden zu lassen. Die Politik, die Chamberlain und ich selbst eingeleilel haben, ist gegen niemanden gerichtet, da wir ja beabsichtigen, die Beziehungen zwischen sämtllchen Mächten enger zu knüpfen und so die Konfllltsursachen auf ihr Mindestmaß zu be- schränken. Mit Italien z. B. wünschen wir die engste und freundschaftlichste Zusammenarbeit, die nur möglich ist. So muß Locarno und so müssen die Verträge, die Locarno begleitet haben und ihm gefolgt sind, Europa mit einem Wellen Frie» densnetz umspannen. Um nur ein Beispiel zu zitieren: Die Sangerf r age wird einfach, wenn man sie im Rahmen der früher bereits abgeschlossenen Verträge be« handelt. Es kommt darauf an, sich auf diesem Wege durch keine Hindernisse aufhalten zu lassen, denen jedes Unternehmen dieser Art begegnet. Ich denke an den Zwischenfall von Germersheim. Sind sie nicht rein örtliche Zwischenfälle, an denen erregte Rationalisten nicht unbeteiligt sind? Man darf nicht vergessen, daß sie am Ausgang eines Cafes sich ereignet haben und daß sie eine Bedeutung angenommen haben, weil sie in einem gewissermaßen symbolischen Lande stattfanden. Unfere Regierungen müssen sich bemühen, die Wiederkehr Derartiger Zwischenfälle unmöglich zu machen, indem sie die notwendigen Dorkehrungsmaßnahmen treffen. Ich kann versichern: das tun sie. Die Stabt (Engers geräumt. Berlin, 3. Okt. (TU.) Nach einer Meldung der Morgenblätter aus Mainz ist die Stadt Engers von den Besatzungstruppen, die die Stadt in Stärke eines Bataillons besetzt hielten, geräumt worden. Der erste paneuropäische Kongreß. Wien, 3. Okt. (WB.) In dem mit Flaggen aller europäischen Rationen geschmückten großen Konzerthaussaal wurde heute vom Grasen Co u- denhove der einberufene erste paneuropäische Kongreß durch eine Rede des früheren Bundeskanzlers Seipel als Vorsitzenden eröffnet. Einleitend wies er darauf hin, daß sich heute die Vertreter aller europäischen Rationen eingefunden haben, um bei voller Wahrung ihrer Kultur und Geschichte an dem Gedankeneines geeinten Europas zu arbeiten. Seipel sprach von der Sehnsucht aller Menschen nach wirllichem und dauerhaftem Frieden, einer Sehnsucht, die nicht durch Worte, sondern durch die Mitarbeit aller Europäer und insbesondere auch die der Religionsgemeinschaften und des Völkerbundes, und durch die Mitarbeit der führenden Männer des sozialen und wirtschaftlichen Lebens erfüllt werden müsse. Bundeskanzler R a me k erinnerte an die schweren Leiden nach dem Kriege, die bei den Völkern die Erkenntnis geweckt hätten, daß neue Wege gesucht werden müßten, um eine Wiederkehr solcher Katastrophen zu vermeiden. Er sprach die Hoffnung aus, daß die Beratungen des Kongresses ganz Europa aufrütteln mögen, um das geeinte Europa in eine gesicherte Zukunft zu führen. Reichstagspräsident Loebe führte unter stürmischem Beifall aus, der Geburtstag der Paneuropäischen Union werde einst als historischer Akt in der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Menschheit gelten. Die Paneuropäische Union sei ein zwangsläufiges Ergebnis in der Zukunft der Menschheit zu höheren Gemeinschaften. Roch gelte es, eingewurzelte Ideologien zu beseitigen uNd zahlreiche Schwierigkeiten zu überwinden, doch müsse Paneuropa, das gegen niemand gerichtet fei, geschaffen werden, um neue Kriege unmöglich zu machen und die Wirtschaft ohne Hindernis und ohne Hemmung aufzubauen. Der ungarische Delegierte v. Lukacs wies auf die fehlerha f te Konstruktion des Völkerbundes hin und betonte, der Kernpunkt aller europäischen Friedensprobleme liege in der besonderen Entwicklung der französisch- deutschen Beziehungen. Der Redner sprach dann eindringlich von der Ungerechtigkeit des Friedens- Vertrages von Srianon, herein ganzes Drittel der ungarischen Rasse unter die Fremdherrs chast gestellt habe und wünschte, daß die paneuropäische Union die von Ungarn aufgestellten zwei Probleme, allgemeine Abrüstung und wirksamer Minoritäten- schütz, löse, und für eine unparteiische Revision des unhaltbar gewordenen Friedensver- trages die nötige günstige Stimmung schaffe. Der amerikanische Delegierte Allan er» klärte, daß die wirtschaftliche Absperrung der Europäer den Amerikanern unverständlich sei. Die Welle der Schutzzollpolitik führe zu einer Krise der Produktion und des internationalen Handels. Die Wirtscha ftliche Einheit Europas müsse Schritt für Schritt kommen. In feinem Schlußwort sagte Graf Coudenhove, Pancuropa sei eine Friedenserllärung an alle Leute, die guten Willens seien. Iedoch müsse es erst in den 'Teilnehmern an diesem und an späteren Kongressen selbst lebendig werden, ehe es in der Welt zum Leben erwachen könne. Das neue polnische Kabinett. Warschau, 2. Okt. (SU.) Pilsudski hat seine Kabinettsliste fertiggestellt und dem Staatspräsidenten zur Annahme vvrgelegt. Der Staatspräsident hat fte sofort unterzeichnet. Die Liste weist u. a. folgende Ramen auf: Premierminister und Kriegsminister: Pilsudski, Stellvertretender Premierminister und Unterrichtsminister: Bartel, Innenminister: General Slat- k o w s k i (der bisherige Kommandant der Stadt Warschau), Finanzminister: Czechvwicz, Außenminister: Zalweski. Die rechtsstehende Presse nimmt die Bildung des Kabinetts Pilsudski mit Ruhe auf, ja sie verbirgt ihre Befriedigung nicht darüber, daß der Marschall als Urheber des Maiputsches nun endlich d i e Verantwortlichkeit für die Vorgänge im Staate übernimmt. Die Zusammensetzung der Regierung begegnet aber da und dort der Kritik, indem hervorgehoben wird, daß im neuen Kabinett neben Sozialisten auch Wilna-Monarchisten sitzen werden. Der neue Finanzminister Czechvwicz sei der Verfasser der Broschüre über die Rotwendigkeit der Einführung der Zusahwährung in Polen, oder mit einem Wort gesagt: Anhänger der Inflation. Das sozialdemokratische Organ unterstreicht, daß der Eintritt Maraczewskis als Minister für öffentliche Arbeiten in das Kabinett für ine sozialdemokratische Partei Polens nicht die geringste Bindung bedeute, die ihre Stellung zur Regierung von ihren Säten abhängig machen werde. Doller Begeisterung ist das Blatt der engeren Pilsudski-Anhänger, „Glos Prawdy", es schreibt, daß nun der „Kommandant die Leitung übernommen habe, der gewohnt sei, in den Kämpfen, die er führe, auch Fu siegen". Einführung der Todesstrafe in Italien. Der Ministerrat nahm einen Gesetzentwurf an, nach welchem Anschläge aufdasLeben des Königs, des Regenten, der Königin, des Thronfolgers und des Ministerpräsidenten mit dem Tode bestraft werden. Derartige Verbrechen werden von einer besonderen Sektion des Kassationsgerichtshofes abgeurteill. Der Gesetzentwurf wird dem Parlament bei seinem Wiederzusammen- tritt vorgelegt werden. Der Geburtstag des Reichspräsidenten. Am 79. Geburtstag des Reichspräsidenten der dieser Sage fern von Berlin! im engsten Familienkreise verlebt, haben sich schon vom frühen Morgen an zahllose Gratulanten in das im Palais ausliegende Glückwunschbuch eingetragen. Ferner sind außerordentlich zahlreiche Selegramme, schriftliche Glückwünsche und wertvolle Dlumenspenden abgegeben worden. Der von Berlin abwesende Reichskanzler hat die Glückwünsche der Reichsregterung telegraphisch ausgesprochen, Die in Berlin beglaubigten frem» den Dotschafter und Gesandten haben sich ebenso wie eine große Anzahl führender deutscher Persönlichkeiten persönlich tn die Besuchsliste im Hause des Reichspräsidenten eingetragen, während der zur Zeit auf Urlaub in der Schweiz toeitenbe Doyen des diplomatischen Korps der päpstliche Runttus Mfgr. P a c e l l i auf draht- lichem Wege seine Glückwünsche übermittelt hat. Die meisten Botschaften und Geiand schäften der fremden Staaten hatten aus Anlaß des Sages geflaggt Aus aller Welt Der Berliner Juwelenraub. Der Sauentzienräuber Spruch erffärte nach dem Wiedersehen mit seiner Mutter, daß er sein Geständnis erweitern wolle. Er erzählte, daß seine Angaben, Sonja Ignatiew wäre mit dem Hauptteil der Deute nach Polen entflohen, erlogen seien. Die Deute sei in der Rähe von Derlin vergraben. Daraufhin haben sich die Kriminalkommissare mit dem Verbrecher nachts nach dem von Spruch bezeichneten Ort begeben. In der Gegend von Friedrichshagen machte Spruch vor einem kleinen Gebüsch Halt, zeigte auf einen Baum, in dem frisch einge- schnitten ein Halbmond zu sehen war, und erklärte, daß hier die Drillanten vergraben seien. Tatsächlich fand man auch beim Rachgraben in etwa 80 Zentimeter Tiefe ein großes Konservenglas und in diesem in einem Aluminiumkästchen sorgsam verpackt die kostbarsten Stücke der Diebesbeute aus der Sauent- zienstraße. Im weiteren Verlaus wurden die beiden Schwestern Spruchs. Charlotte und Elisabeth Spruch, unter dem Verdacht der Mittäterschaft von den Kriminalkommissaren verhaftet. Spruch erschien nach der Tat am Samstag bei seiner Schwester Charlotte, der er den ganzen Vorgang erzählte und auch einen großen Teil der Beute übergab, die sie für ihn verwahren sollte. Seinem Wunsche entsprechend berichtete Charlotte den Eltern den Raubüberfall. Der stärker war sehr erregt, verbot dem Sohn das Betreten der Wohnung und wollte auf keinen Fall dulden, daß von dem Diebesgut auch nur ein Stück in seine Räume gebracht werde. Dem gütlichen Zureden der Frau und der Töchter gelang es, den Vater von einer sofortigen Anzeige abzubringen. Die Schwester Elisabeth holte von ihrem Konto bei der Dank am Montag 100 Mark ab und gab sie dem Bruder, um ihm die Flucht ins Ausland zu ermöglichen. Als die Familie die Rachricht von der Verhaftung Spruchs las, suchten die Eltern Charlotte zu bewegen, die ihr übergebenen Iuwelen in die Spree zu werfen, wozu sie sich aber nicht entschließen konnte. Roch am gleichen Sage vergrub sie den Schah im Grünewald. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 4. Oktober 1926. , Schafft Lehrstellen! Jugend suche die Arbeit! Die Arbeitslosigkeit, die heutzutage leider auch die Iugendlichen hart in Mitleidenschaft zieht, erscheint besonders verhängnisvoll für die an kommenden Ostern die Schule verlassenden Knaben und Mädchen. Es sind zwar hier und dort auf dem Arbeitsmarkt leise Anzeichen einer Besserung zu verzeichnen, im großen und ganzen aber ist die Lage noch sehr ungünftig. Rur einem verhältnismäßig kleinen Teil der Schulentlassenen wird es voraussichtlich geringen, sofort eine Lehrstelle in dem gewünschten und passenden Beruf zu finden, viele werden Wochen und Monate warten müssen, bis ihnen der Derufseintritt ermöglicht werden kann, und leider werden nicht toenige unversorgt feiern müssen, weder Lehr- noch Arbeitsstelle erhalten. Die aus diesem erzwungenen Müßiggang erwachsenden Gefahren sind allen mit Iugend- Pflege und «fürforge Vertrauten bekannt. Darum sollte jeder sozial Arbeitende für seinen Teil dafür sorgen, das Gewissen und Mttgefühl der Öffentlichkeit, im besonderen der Arbeitgeber, für die Rot der beruss- und arbeitslosen Iugend zu schärfen, zu wecken, und diese Kreise dafür zu gewinnen, daß sie schulentlassene Iugendliche als Lehrlinge oder Arbeitskräfte einstellen. Ratür- lich soll dies ohne Schädigung der in Arbeit stehenden Erwachsenen geschehen. Immer wieder muß man appellieren: „Stellt Iugendliche ein, laßt sie, was vielen droht, nicht in Arbetts- loftgkeit verkommen und schuldig 'toftben! Die Opfer, die ihr dafür etwa bringen müßt, lohnen sich in der Zukunft, ihr spart an Ausgaben für Zwangserziehung, älnt er Haltskosten für Straft gefangene usw. und beugt späterer starker steuerlicher Belastung vor. Dor allem aber, ihr helft unser Voll körperlich und sittlich gesund erhalten und gebt den Iugendlichen einen festen Boden unter die Füße. -Ünb die Iugend ist und bleibt doch unsere Zukunft!" Den Iugendlichen müssen wir sagen: „Wartet nichts bis euch eine Stelle angeboten wird. Die Arbeit lauft niemandem nach, besonders unter den heutigen ungünstigen Wirtschaftsverhältnissen. Darum seht euch schon jetzt eifrig um, nicht einmal, sondern oft, quält um Lehre oder Arbeit und verliert dabei nicht Mut und Geduld, wenn es nicht gleich llappen will. Meidet die Straße Und den Rummelplatz, hütet euch vor leichtsinnigen Kameraden und vergeht keinen Augenblick, daß ihr einen Beruf erlernen müßt, wenn ihr im Leben ehrlich durchkommen wollt!" Steuerbewertung. Das Presseamt beim hessischen Staatsministerium teilt mit : Bei der jetzt im Gang befindlichen erstmaligen Feststellung der Einheitswerte auf Grund des neuen Bewertungsgesetzes dürfte es von allgemeinem Interests fein, öffentlich darauf hinzuweisen, daß ge- wiste Vergünstigungen für Gebäude, Grundstücke und auch für bewegliche Gegenstände bei der Steuerbewertung eintreten kann, wenn deren Erhaltung wegen ihrer Bedeutung für die Kunst, Geschichte oder Wistenschaft im öffentlichen Interesse liegt. Ob die dafür in den § 28, 34, 37, 52 der Durchführungsbestimmungen zum Reichsbewertungsge- etz (Reichsgesetzblatt 1926, Teil I, Seite 227) bestimmten Voraussetzungen zutreffen, erfährt der Eigentümer eines solchen Objektes bei seinem zuständigen Finanzamt. Da es sich wohl vorwiegend um solche Objekte handelt, die unter Denkmalschutz stehen, so sind die Denkmalpfleger (Prof. Walde und Prof. Meißner in Darmstadt) ebenfalls zur Mitwirkung und Beratung bereit. Die Bewettung gilt für die Reichsvermögenssteuer und Reichserbschaftssteuer und vom 1. April 1927 an auch für die Landes- und Gemeindesteuern. Vornotizen. — Tageskalender für Montag. Gießener Freiwillige Feuerwehr: 8 Uhr bei Buch- berger (Riegelpfad), Monatsversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Dieb von Bagdad". — Astoria-Lichtspiele: „Feuer an Bord". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Auf die morgige Eröffnungsvorstellung, die Shakespeares „Kaufmann von Venedig" in wohlvorbereiteter Vorstellung bringt, sei auch an dieser Stelle hingewiesen. — Am Mittwoch gelangen Ludwig Thomas Komödien „Die Medaille und „Lottchens Geburtstag" zur Aufführung. Der verstorbene bayerische Meister, der hier mit allen seinen dramatischen Werken und zwar stets sehr frühzeittg zu Wort gekommen ist, würde in diesem Winter 60 Iahre alt werden, ein Termin, der bei den Bühnen für Gedächtnisaufführungen gebräuchlich geworden ist. — Deutsche Volkspartei. Man schreibt uns: Morgen, Dienstag, abends 81 Uhr, findet im „Hindenburg" eine Mitgliederversammlung statt. Auf der Tagesordnung steht: „Bericht über den Reichsparteitag." Da hierbei zu den gesamten Fragen der derzeitigen Außen- und Innenpolitik Stellung genommen wird, werden die Mitglieder gebeten, sich an der Versammlung recht zahlreich zu beteiligen. (Siehe Anzeige vom Samstag.) * ** Zum neuen Fahrplan. Auf unserer Fahrplanseite vom Freitag, 1. Oktober, sind einige Aenderungen vorzunehmen, denen besondere Wichtigkeit beizumessen ist. Wie mir am Samstag berichtigend mitteilten, verkehren die l) - Z ü g e Frankfurt ab 11.53, Gießen an 1.15 Uhr mittags und Gießen ab 5.37 Uhr nachmittags, Frankfurt an 6.49 Uhr abends im Wintersahrplan nicht mehr. Ebenso fallen die v-Züge Koblenz— Gießen, ab Koblenz 10.11 Uhr, an Gießen 12,26 Uhr mittags, und ab Gießen 5.50 Uhr nachmittags, an Koblenz 8.10 Uhr abends, im neuen Fahrplan aus. Ferner verkehrt der Personenzug Gießen—Kassel, ab Gießen 3.39 Uhr nachmittags täglich, also auch Samstags, während der Personenzug Gelnhausen—Gießen, Gießen an 9.53 Uhr abends, nur werktags verkehrt. Zur Vermeidung von Irrtümern, die für jeden einzelnen unter Umständen recht unangenehm werden können, emvfiehlt es sich, auf unserer Fahrplan- feite die obengenannten V-Züge zu ft r e i cf) e n bzw. die Aenderungen im Verkehr der genannten Personenzuge vorzunehmen. Zweckmäßig durste es auch sein, diese berichtigende Notiz der Fahrplanseite anzuheften. •• Die Gießener Herbstmesse auf Oswald^arten ist gestern mit nochmaligem großen Betrieb zu Ende gegangen. Die ganze vorige Woche ermöglichte die verhältnismäßig günstige Witterung einen regen Verkehr auf dem Iux- vlah, wobei den Schaustellern mancherlei Em- nahmemöglichkeiten entstanden. Den Hauptzu- spruch hatte natürlich die Achterbahn, deren Wagen auch gestern nachmittag und abend stets gut besetzt liefen. _ . •* Der Hauptgewinn derGre Den e r Dferdemarktlotterie, der bekanntlich rn eine Kollekte in Dodenhausen fiel, ist an dm Arbeiter und Landwirt Theodor Ster nm Rebgeshain (Kre-rs Lauterbach) gefpmmeru Der glückliche Gewinner, dec als Dreschmaschrnen- arbeiter und kleiner Landwirt lchtvA: zu kämpfen hat und dem der Gewinn deshalb zu gönnen ist hat das Los durch seinen vreriahrrgen -Buben bei dem Lotteriekollekteur aus Dobmhausen zrehen lassen. Durch die Glückshand des Kleinen durften die Alltagssorgen der Familie etwas gemildert worden sein. ., . . . WSR Entgleisung auf derStrecke Frankfurt a. M. — Gießen. Gestern nachmittag 5.30 llhr ist zwischen Frankfurt-West und Ginnbeim der Strecke Frankfurt — Stehen die ZuVomotive des v 215 mit der vorderen Achse entgleist. Reisende sind nicht zu Schaden gc- lonunen. Der Zug wurde nach Frankfurt-West zurückgezogen und setzte seine Fahrt nach Loko- motivwechsel um 6.20 ülhr wieder fort. Die Ursache der Entgleisung konnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden. k. 80. Stiftungsfest d e s Gesangvereins Harmonie • Gemütlichkeit. Am Samstag und gestern feierte der Gesangverein Har- monie-Gemütlichkeit sein 80. Stiftungsfest. Außer den Mitgliedern des Vereins und deren Angehörigen nahmen an der Veranstaltung am Samstag im Katholischen Dereinshaus Vertreter einer größeren Anzahl hiesiger und auswärtiger Vereine teil, die dem Jubelverein herzliche Glückwünsche und zahlreiche Geschenke übermittelten, ein Beweis der großen Wertschätzung der Harmonie-Gemütlichkeit in Sänger- und sonstigen Bürgerkreisen. Der Verein hat sich in den letzten Jahren unter dem derzeitigen Vorsitzenden A. Hardt und dem Chorleiter Hans Sonntag sehr günstig entwickelt. Das bezeugten eindrucksvoll u. a. die zu Gehör gebrachten Chöre, die sämtlich reichen Beifall fanden. Neben den Gesangsoorträgen erfreute zunächst eine gut zu- sommengestellte Musikkapelle durch eine Neihe wertvoller Darbietungen, von denen die Trompetensoli des Herrn Schwarzlose besondere Erwähnung verdienen. Recht nette musikalische Einlagen bot auch die Musikabteilung Wandervogel Höhenflug. Lucie Böhling trug einen der Veranstaltung entsprechenden Prolog wirkungsvoll vor. Im Mittelpunkt des Abends stand die Festrede des Ehren- birigenten Lehrer Albach, der in seiner Ansprache zunächst auf die Berechtigung der Feier des 80. Stiftungsfestes hinwies. Er hob sodann die Schwierigkeiten hervor, welche der Verein, der Dirigent und die Sänger zu überwinden hatten, denen als Lohn die Freude am Gesang beschieden ist. Redner schilderte dann eingehend die Geschichte des Vereins, dabei der im Weltkrieg gefallenen Sangesbrüder besonders gedenkend. Zur Bedeutung des deutschen Männergesanges übergehend, wies er darauf hin, daß der Deutsche neben seinem leiblichen Wohl auch etwas für seinen Geist und seine Seele haben wolle, und deshalb greife er zum deutschen Lied, das die Natur verherrliche und in dem Lust und Leid zum Ausdruck komme. Daß die Rheinlande heute noch zu Deutschland gehörten, verdanke man in hervorragendem Maße mit dem deutschen Lied. Es sei das Bund, das uns Deutsche zusammenschließe. Deutscher Geist im deutschen Liede lasse Deutschland nicht untergeben. Redner schloß seine Ansprache mit dem Sängerspruch: „In Frieden und im Streit, ein Lied ist. gut Geleit." Der Vorsitzende A. Hardt buntte hierauf allen und versicherte namens des Vereins, daß er auch weiterhin an der Pflege des bculfcben Liedes mit arbeiten werde zum Besten des deutschen Männergesanges und unseres Vaterlandes. Der Redner überreichte dem Sangesbruder I. L e h r m u n d, der für 25jährige aktive Mitgliedschaft zum Ehrenmitglied ernannt wurde, eine Ehrenurkunde. Als Abschluß des Stiftungsfestes fand am gestrigen Sonntag eine Familienzusammenkunft auf der Liedigshöhe statt. •• Der Bund der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Angestellten, Ortsgruppe Gießen, beging vor einigen Tagen aus der „Liebigshöhe" das zwanzigjährige Stiftungsfest der hiesigen Ortsgruppe, zu dem u. a. aus zahlreichen Rachbarstadten Vertreter der dortigen Ortsgruppen als ©ratulyüen erschienen waren. Die Festansprache hielt W. Herrmann- Frankfurt a. M., der dabei den Wert der Or- gauifation betonte und interessante Mitteilungen aus der Geschichte der hiesigen Ortsgruppe machte. Im Ramen der Arbeitgeberschaft sprach Hotelbesitzer Köhler, der den Mitgliedern der Ortsgruppe empfahl, an den wertvollen Errungenschaften der bisherigen Arbeit festzuhalten. Ein abwechslungsreiches Programm unterhielt die Festteilnehmer in bester Weise. ♦* Der Geflügel- und Vogelzuchtverein Gießen und Umgegend 18 9 7 hatte in seiner jüngsten Versammlung einen der bedeutendsten Preisrichter Deutschlands auf dem Gebiete der Geflügelzucht, Erich Klein aus Nußdorf, zu Gast. Das Thema des Abends war „Vorführung und Besprechung von etwa 20 Rassehühnern und Tauben"; die Beranstaltung war außerordentlich gut besucht. Der Vortragende Erich Klein sprach am Anfang seines Referats zunächst kurz über die Entstehung der Rassegeflügelzucht, anschließend besprach er die von den Vereinsmngüe- dern mitgebrachten, in Käfigen ausgestellten Rassen. Er ging jeweils von den Urjprungsraffen aus und erklärte dabei die Zuchtziele, die man sich bei der betreffenden Neuzüchtung gesteckt hatte, und ir welchem Umfange sie in der neuen Rasse Derwtrk- lichung fanden. Der Redner tonme aus seinen reichen Kenntnissen und Erfahrungen den aufmerksamen Zuhörern ein lehrreiches Bild über den Werdegang jeder einzelnen Rasse von der Entstehung bis zu dieser Musterbeschreibung entrollen. Soweit das Entwicklungsstadium der vorgeführten Jungtiere eine ziemlich eingehende Beurteilung zuließ, gab der Vortragende wertvolle Hinweise, inwieweit die Tiere den zu stellenden Anforderungen entsprachen, welche Mängel noch vorhanden seien und auf welche Weise dem gesteckten Ziel näherzukommen sei. In der anschließenden Aussprache wurden noch manche von den Züchtern gestellte Fragen durch den Referenten in erschöpfender Weise beantwortet. Reicher Beifall wurde dem Redner am Schlüsse seiner Ausführungen mit Recht zuteil. WSR. Die Gefahren des Kaugummis. Der Kölner Regierungspräsident hat über das Gummilauen den Bürgermeistern seines Bezirks eine Mitteilung zugehen lassen, in der es heißt: „Durch die ilnfitte des ©ummifaucnö werden erhebliche Summen deutschen Geldes ins Ausland gelockt. Reben diesen wirtschaftlichen Schäden sind die gesundheitlichen noch größer. Durch das Kauen wird das widerliche Spucken und damtt das Verbretten von Krank- heitskeimen aller Art hervorgerufen. Endlich betonen die amerikanischen Aerzte, welche über das Gummikauen die größten Erfahrungen besitzen, daß durch das Gummikauen die Zähne in vier bis sechs Fahren abgenutzt und zerstört werden." Am Schluß des Schreibens werden die Dürgermei- ster aufgefordert, die Bevölkerung in geeigneter Weise über die Rachteile aufzuklären. •• Quentin-Mahlaus grauer Ta - s chen- Fahrplan für Hessen-Rassau, Hessen, Pfalz, Rheinland und das nördliche Baden und Bayern ist in neudurchgearbeiteter und verbesserter Auflage für den Winterdienst 1926/27 erschienen. Dieser Fahrplan enthält in besonderer Zusammenstellung die wichtigsten Fernverbindungen und Kraftpostlinien. Er ist in den Buchhandlungen und im Verlag Hellerdruck A.-G., Frankfurt a. M.. erhältlich. ** Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtvieh markt: 512 Ochsen, 59 Bullen, 623 Kühe, 473 Färsen, 360 Kälber, 391 Schafe und 3997 Schweine. Oderhessen. Landkreis Gießen. e. Großen-Duseck, 4. Ott. Die vom hiesigen Obst- und Gartenbauverein im Wagnerschen Saale hier veranstaltete O b st - und Gemüseausstellung war auch in diesem Fahre, das doch in bezug auf Ertrag nicht zu den besten gehört, reich ausgestattet. Dank der Förderung, die dem Obstbau von jeher in unserer Gemeinde durch sachkundige Männer zuteil wurde, war fast nur erstklassiges Obst ausgestellt, sodaß den Preisrichtern, Obstbauinspektor W ie sine r und 2oh. Rinn, Heuchelheim, die Wertung nicht leicht gewesen sein mag. Besonderes Interesse der Hausfrauen erregte die Ausstellung von Frl. Luise Wagner, Großen-Buseck, die in schöner Ausmachung und zahlreichen Gläsern ihr Können in der Obstkonservierung zeigte. Von den 71 Mitgliedern hatten 54 die Ausstellung beschickt. Die hessische Larrdwirtschastskammer ermöglichte es durch einen ansehnlichen Zuschuß, dah die preisgekrönten Aussteller mit nützlichen Wertgegenständen bedacht werden konnten. 5 LiH, 3. Ott. Der Stadtvorstand beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit der Platzfrage für die Erstellung der kürzlich beschlossenen 4 Rvtwohnungsbauten. Rach den Ausführungen des Bürgermeisters kommt nur ein Bauplatz in Frage, bei dem Wasser, Kanal und Lichl ohne größere Kosten zugeführt werden können. Rach kurzer Aussprache einigte man sich auf die Hintere Hälfte des früheren Melchiors Garten in der Butzbacher Straße. — Sodann stellte der Bürgermeister den Antrag, für die nächsten Monate die Ausführung zwei größerer Rotstandsarbeiten^ vorzu- sehen, sofern hierzu die üblichen Zuschüsse von feiten des Staates geleistet werden. Es handelt sich 1. um die Ausstihrung der Kanalisation in Gk!!M-WWUWMiW erfordern heute eine sorgfältige Textgedung und Satzausftattung. Gute Satzleistungen sind nur erreichbar, wenn die Anzeigen WM UW MeM» werden. Der Annahmeschluß für alle Anzeigen im Gießener Anzeiger entfällt auf den Nachmittag vor der 2lusnahme. Empfehlungsanzeigen müßen, je nach Umfang und Satz, schwierigßeiten, zwei bis drei Tage vorher bestellt fein. Nur mit Sorgfalt und dem notwendigen Iettaufwand gesetzte Empfehlungen Mm Offl treWffl wo! der Braugasse und 2. um Chaussierung des sog. Saubrückenwegs. Zu letzterer Arbeit will die Gemeinde Langsdorf einen größeren Zuschuß leisten. Der Stadtvorstand trat dein Anträge bei Die Arbeiten sollen jedoch nur dann in vollem Umfange zur Ausführung gelangen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. — Für das Ortsgericht L i ch ist zur Unterbringung der neuen Ortsgrundbücher und der Flurkarttn die Anschaffung eines größeren Schrankes nötig geworden. ©5 soll ein feuersicherer Altenschrank unter Inanspruchnahme des MvbUiarerneue- rungsfonds beschafft werden. — Wetter beschäftigte sich der Stadtvorstand mit der Beschaffung eines neuen Weideplatzes für die Gänse. Diese waren seither auf dem Marktplatz an der Riederbessinger Straße unttrgebracht. Der Platz finbzt jetzt als Sportplatz für hiesige Vereine und als Spielplatz für die Schule Verwendung und kann demzufolge als Weideplatz für Gänse nicht mehr benutzt werden. Mangels eines geeigneten Platzes und im Hinblick daraus, daß ein öffentliches Fnteresse an einem Weideplatz für Gänsa nicht besteht, beschloß der Stadtvorstand, vom nächsten Fahre aD bis auf weiteres das Austreiben der Gänse ein zu stell en. Die Fas elochsen der Stadt werden seit einiger Zeit zu Gespannleistungen in mäßigem Umfang verwendet. Da die Anschaffung eines Wagens notwendig geworden ist,wurde der Bürgermeister beauftragt, die Lieferung eines solchen öffentlich auszuschreiben. Weiterhin teilte der Bürgermeister mit, daß für die nächsten Monate nach einer Mitteilung des Kreisveterinäramtes Gießen noch eine getrennte Dulle n h a l t u n g erfolgen müsse. Dazu sei die A n - schaffung eines weiteren Bullen und eine besondere Haltung desselben erforderlich. Der Stadtvorstand erklärte sich damit einverstanden, daß ein weiterer Bulle zum Schlachtpreis angekauft und die Haltung desselben dem Landwirt Heinrich Heller gegen eine entsprechende Vergütung übertragen wird. I Hungen, 3. Ott. Rachdem vor mehreren Fahren in den Grubenfeldern der Firma Mannesmann gründliche Dohrversuche zwecks Gewinnung von Eisenerz vorgenommen worden waren, die ein sehr gutes Ergebnis zeitigten, entschloß man sich, durch größere Anlagen die Grube „Constanze" rentabler zu gestalten, zumal das gefundene Erz von vorzüglicher Deschaffenhett war und einen hochprozentigen Eisengehalt besaß. Eine große Anzahl von Arbeitern fand Arbeitsgelegenhett und guten Arbeitsverdienst. Leider muhte infolge des Rückgangs der Eisenindustrie diese Grube st i 11 g e l c g t werden, was die hiesigen Arbetter schwer traf. Seit einigen Wochen ist nun der Betrieb, wenn auch noch mit wenigen Arbeitern, wieder ausgenommen worden, utrfr man gedenkt, ihn nach und nach zu einem größeren Betriebe zu erwettern, was besonders von der arbeitenden Bevölkerung begrüßt wttd. Rachdem ein direkter Bahnanschluß geschaffen ist, wird sich der Betrieb rentabler gestalten. Daß die Firma in größerem Maße die Eisengewinnung betreiben will, ist schon daran erkemitlich, daß sie auch die im Feldheimer Wald gelegenen Eisenerzgruben zur Ausbeutung erworben bat, um auch 'frort den Betrieb in nächster Zeit aufzunchmen. Kreis Büdingen. ED Nidda, 3. Okt. Der hiesige Gemeinde- rat hat folgende Beschlüsse gefaßt: Hinsichtlich der Wasserversorgung des Bahnhofs Ridda hat die Reichsbahnverwaltung die Entnahme des gesamten Wassers aus der Pumpstation angeregt, weil das Wasser als Lokomotiv- speisewasser geeigneter ist. Der Gemeinde rat steht der vorgeschlagenen Aenderung sympathisch gegenüber, da hierdurch die Hochdruckleitung für die hochgelegenen und zur trockenen Fahreszett unter Wassermangel besonders leidenden Stadtteile frei wird. Es soll aber erst mit dem Kulturbauamt Rücksprache genommen und insbesondere die Frage geprüft werden, ob die hiernach für die Wasserversorgung des Bahnhofs ausschließlich in Frage kommende kombinierte Mittelund Riederdruckleitung dann noch zur völligen Versorgung der an dieses Leitungsnetz ange- schlossenen Stadtteile ausreicht und welche Kosten mit ten nottoenfrig werdenden Aendemngen etwa verbunden fhifr. — Der von dem Ministerium für Arbeit und Wirtschaft vorgelegte Entwurf über die Errichtung eines Landwirtschaftsamts mit landwirtschaftli ch e r Schule in Ridda wurde genehmigt. — Die Erhebung einer Fuslalionswertzuwachssteuer Wurde beschlossen und die vom Ministerium vor- gclegtc Mustersahung unverändert angenommen. Zn Betracht kommen Grundstücksübertragungan, bei freuen der Verkäufer das Eigentum in der Zeit vom 1. Fanuar 1919 bis zum 31. Dezeinber 1924 erworben hat. — Dem Aiddaer Ziegenzuchtverein wurden für Prämierungszwecke gelegentlich des letzten Herbstmarttes nachträglich 50 Mark bewilligt, und seftgestellt.^daß in Zukunft die Prämiierung sich nicht auf Tiere des Ziegenzuchtvereins Ridda beschränken darf, sondern eine allgemeine Prämiierung der auf getriebenen Ziegen vorgenommen werden muß. wenn noch auf eine ilnterftütjung der Stadt gerechnet werden soll. — Da die Kosten für den seinerzeit beschlossenen massiven Treppenaufgang von der Zufuhrstrabe zum Güterbahnhos nach der verlängerten Abellstrahe sich voranschlagsmäsiig auf 488 Mark belaufen, soll von der Ausführung vorerst Abstand genommen und eine Ro11reppe aus Holz angelegt Werdern — Für den st ä fr t i - scheu Wohnhausneubau in der Schillerstraße wurden die Schreinerarbetten Karl Peter- mann, Arthur Schmidt, Karl Keller, Louis Runk und der Firma C. Rings Hausen, die Glaserarbeiten L. Ewald, Gustav Ringshausen und Fritz Ringshaufen, die elektrischen Fnstal- lationsarbetten Karl Mantel und Heinrich Wolf, die Verputz- und Weihbinderarbeiten Karl Walther, Hermann Paul, August Spruck und Gustav Psanrckoch, die Fnstallationsarbetten Hermann Paul. Heinrich Wolf und Karl QKantel und die Schlosserarbetten Rettberg und Raumann laut Angebot übertragen. Die in den Weißbinder- arbeiten eingeschlossenen Tapezierarbeiten sind von der Vergebung ausgeschlossen und werden später vergeben. Kreis Schotten. ------ Schollen, 3.Ott. Die Mitglieder- Versammlung des Kreis-Ob st- und Gartenbauvereins beschloh, den einzelnen Ortsgruppen zur Gratisverlosung unter ihre Mitglieder aus der Kreisbaumschule Laubach zur Förderung des Obstbaues eine Anzahl O b ft - bäumchen abzugeben. — Die Einführung einer Wertzuwachs st euer wurde von allen Gemeinden des Kreises mit Ausnahme der Gemeinden Kaulstvs, Rieder-Secmen, Klein- Eichen, Solms-Flsdors und Lardenbach beschlossen. = - = Gedern, 3. Ott. Die von einer hiesigen Sparkasse ausgegebenen Heimsparkassen, die sich zumeist im Besitze von Kindern und Fugendlichen befinden und den Vortett haben, dah sie nur von der Kaste entleert werden können, scheinen sich gut zu bewähren. Bei der letzten Entleerung konnten den Heim- sparkassen über 300 Mark entnommen werden. Vielfachen Wünschen entsprechend sollen die Entleerungen fünftig allmonatlich erfolgen. Außerdem wird den Kindern durch die Schule Gelegenheit zum Sparen gegeben durch Ausgabe von Sparmarken. Doch wurde von dieser Einrichtung seither nicht allzu grotzer Gebrauch gemacht. Kreis Lauterbach. hml. Lauterbach, 2. Okt. Unter zahlreicher Beteiligung wurde gestern die Vorsitzende des hiesigen Frauenvereins, die zugleich die Leiterin der hiesigen Heil- und Pflegeanstalt für Kranke war, zu Grabe gebracht, Frau Lina Rappvlt, geb. Hoos. Die Verstorbene hat sich um diese Anstalt besonders verdient gemacht. Seit 1909 stand sie in der Sorge und Arbeit um diese Anstatt dec früheren Vorsitzenden, Freifräulein Marie Riedesel zu Eisenbach, treu zur Seite, um nach deren Tode im Fahre 1913 den Vorsitz des Fran.envereins und die Leitung des hiesigen Krankenhauses zu übernehmen. 18 Fahre hindurch hat sie an der Erhaltung und dem weiteren Ausbau dieses für Stadt unfr Land zur Segensanftatt gewordenen Hauses mitgearbeitef unfr ihre Zett und ihre Kraft in seinen Dienst gestellt. Fn der schweren Kriegs- und Rachkriegszeit hat sie den Schwestern mit Rat und Tat zur Seite gestanden und an ihrem Test mttgeholfen an diesem Werke christlicher Barmherzigkeit. Fhr Rame bleibt allezeit mit dem Lauterbacher Krankenhaus verknüpft. Verlobte Gießen, den 2. Oktober 1926 D Lich, 3. Oktober 1926 Offeriere la dieser Stelle herzlich gedankt. Elisabeth Keller Georg Schaefer Für die anläßlich unserer Hochzett erwiesenen zahtteichen Aufmerksamkeiten sprechen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank aus. Drucksachen aller Art liefert Die Lrühl sch« Druckerei 8106V Der Vorstand. Fabrikant Jos. Röder und Frau Tlaire-Marianne geb. Beil Gg. Reichenbach, wurstsabrik Neustadt lKreis Kirchhains. schnittfeste Zervelatwurst ä Pfund Mk. S.— Koteletts lCarrs in Reihen, frisch und en,DJ gesalzen, ä Pfund Mr. 1.80 MWMkMkI. dankt allen denen, die zum guten Gelingen der Werbe- woche beigetragen haben. Besondere Anerkennung verdient die hiesige Geschäftswelt, welche zur Unterstützung der Bestrebungen unseres Vereins große Opfer an Zeit und Geld gebracht hat. Daß nicht alle am Schaufensterwettbewerb beteiligten Firmen die ihnen gebührende Auszeichnung erhalten haben, wird vom Derkehrsverein am meisten bedauert, darf aber niemand veranlassen, in dem Bestreben, den Verkehr unserer Stadt zu heben, zu erlahmen. Aber auch den am Blumenkorso beteiligten Vereinen und Einzelpersonen, durch deren Mitwirkung wirklich Gutes geboten wurde, sei an Akad. Gesangverein. Wiederbeginn der Proben Mittwoch, 6. Okt, abds. 8 Uhr, im groß. Börsaal d. Universität Leitung: Dr. Temesvary Man wolle beachten, daß die Hebungen von jetzt ab stets Mittwochs stattfinden. Wichtige Mitteilungen. Aller Erscheinen unbedingt nötig. Stimmbegabte Damen und Herren sind willkommen und werden gebeten, sich an den Uebungs-Abenden zu melden. 8118D Der Vorstand. MAS Slawen II. Absaat, abzugeb. lKnuf ober Tausch». Ernst Zimmer, Landwirt, Bingmüble b. Lau- ter in Hessen. 81'°D Logische Handelsschule Gießen:: Herborn Beginn neuer Kurse 14. Oktober. Anmeldungen durch die Stirnlleiiq. Gießen Mllrsser, Blüten bersHwinden sihr.schnell, wenn man attNdS bift Schaum DTJn ,,4Er4 B.OTebljHtf.Grift“, i Gti. 60 M, (iWt«), Mk. 1.- (25% ig) und Mk. 1.50 (Lchtg, stLüjte Form), tintwtncn lüht. SLaum fetfl morzenz abwaichen und mit (i 45, 85 und 00 Plg.) nächste«! ch en. MoßarNtze SRrtalto, von Taufenden teftßtigt. In allen SPuIhrtLn, Drogerien, Pattümcrf?« ». Frstcutgeschafttn erh. O.Wintcrboff.Med.'Drog. AKreuzvlatz" A. 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Doch ist seine Annahme, wie schon die Abstimmungen im Ausschuß dartaten, gesichert. Ein wert- nottes Kulturgesetz wird dadurch dem deutschen Volke gegeben werden. Als zweites Gesetz wird das Gesetz über den Schuh der Jugend bei Lustbarkeit e n vor das Plenum des Reichstages kommen. Aach einer kurzen üleberprüfung Der §§ 2 und 3 in einer Sitzung des 25. Ausschusses ist es beschlußreif. Das Gesetz teilt für das weite Gebiet der Lustbarkeiten, wie sie Jahrmarkt, Bummel- vlah, Schaustellung, Kirmesse, Zirkus, Varietes, Kabaretts usw. bringen, ebenfalls für Die jugendlichen unter 18 Jahren Schutzmahregeln treffen. Es stößt in der breiten Oeffentlichkeit weniger auf Widerstand als das Gesetz gegen Schund- und Schmutzschriften, weil es auch im Interesse des gesunden Vergnügungs- geteerbes liegt, wenn VeranstaÜungen verhindert werden, Die eine Schädigung der sittlichen, geistigen oder gesundheitlichen Entwicklung dtt Jugendlichen befürchten lassen. Wetter ist auch Sicherheit getroffen, daß eine Darstellung wegen einer politischen, sozialen, religiösen, ethischen oder Weltanschauungstendenz als solcher nicht verboten werden darf. Auch politische Tageszettungen unterliegen nicht Der Spruchstelle. Der Gefahr, daß das Gesetz ein Polizei- und Strafgesetz werden könne, hat Die Ausschußfassung borge- haben insofern eine Sonderstellung inne, als Die Spiele sich auf eine andere Zeitspanne erstrecken. In Ostpreußen und Pommern ist man jetzt mit der ersten Spielserie am Ende. Wie immer steht in Königsberg der dortige V. f. D. ungeschlagen an Der Spitze, während in Pommern Die Stettiner das Bennen unter sich ausmachen. Der Sportklub scheint dort Der tüchtigste zu fein; er führt zur Zeit auch das Feld an. Aoch ist es bis zur Entscheidung ein gutes Stuck Weg. dennoch bringt jeder Spieltag neue und ernste Kämpfe, Die in immer steigendem Maße das Interesse der Massen erwecken. Der Schwerpunkt des deutschen Fußballsportes liegt in SüddeutschlanD. Das dürfte sich fürs erste auch nicht ändern. Die FutzbaKspieleim Mainbezirk endeten gestern im großen und ganzen ohne Überraschungen. Der Meister, Fußballsportverein Frankfurt, hatte einen neuerlichen Punkt- verlust, und zwar gegen den aufstrebenden Dockenheimer Klub Rot-Weih, dem er ein sehr hartes Treffen lieferte, gegen Den er aber kaum etwas zu bestellen hatte. Eintracht spielte mit Ersah für ihren besten Mann Dietrich, konnte aber trotzdem einen Sieg, wenn auch einen sehr knappen, landen. Offenbach konnte sich durch einen knappen Sieg über die Aschaffenburger seine Führerposition weiterhin sichern. Etwas hoch, aber durchaus normal, ist das Ergebnis in Isenburg. Die Isenburger sind auf ihrem Platz immer gefährlich. Hanau 93 und Germania tiermtM sich unentschieden, ein Ergebnis, das dem Stärkeverhältnis beider Mannschaften entspricht. Die Ergebnisse: Eintracht Frankfurt gegen Union Aieder- raD 2:1. Hanau 93 gegen Germania Frankfurt 2:2. V. f. L. Aeu-Ifenburg gegen Hanau 94 4:0. Sportklub Rot-Weiß gegen Futzballsportver- ein Frankfurt 0:0. Kickers Offenbach gegen Viktoria Aschaffenburg 2:1. FutzbM-SensQtion in Bayern. Die Sensation des gestrigen Tages in Bayern, man kann sogar sagen die Sensation m Süddeutschland, bildet die Riederlag» Hes vorjährigen süddeutschen Meisters gegen den deutschen Meister, die Spielvereinigung Fürth. Bayern -München spielte vollständig unter Form und mußte ohne seinen Mittelläufer Pöttinger antreten, während Fürth erstmals wieder in starker Aufstellung mit Seiderer als Mittelstürmer erschienen war. Die Fürther lieferten ein blendendes Spiel. Sie erzielten zwei Tore durch Franz (einen Elfmeter und einen Strafstoß), ein Tor durch Auer und ein Tor durch Ascher. Auch der I. Fußballklub Aürnberg könnt» wieder ein hohes Torergebnis gegen Augsburg erzielen, wodurch erneut bewiesen wurde, daß Die Mannschaft zur Zeit in Hochform ist. Die übrigen Ergebnisse sinD normal. Die deutsche Meisterschaft im 50-Klm.- Gehen hat am gestrigen Sonntag in Berlin-Neukölln der Erfurter Hähnel mit 16 Minuten Borspruna in 4:37:39,5 vor dem Meister von 1924 und 1925 Siewert (Neukölln) 4:53:52, Schälke (Neukölln) 5:6:45 und Liss en (Homburg) gewonnen« Brandenburgischer Meister wurde damit Siewert. Houben in Paris geschlagen. Am Samstpg sanden in Paris anläßlich der Einweihung des neuen Stadions Jean Bouin sportliche Beranftalhmaen internationalen Charakters statt. Der deutsche Meisterläufer Houben (Krefeld) beteiligte sich am 150-Meter-Lauf und wurde im ersten Borlauf Dritter hinter dem Amerikaner M o u r l o n und dem Franzosen Auvergne. Den zwecken Dorlauf gewann T h e a r b vor van dem Derghe (Holland), der im Endlauf Sieger wurde. Houben konnte sich nur als Fünfter placieren. Am zweiten Sag der sportlichen Veranstaltungen anläßlich der Einweihung des neuen Pariser Stadions Jean Bouin siegte tm 100- Meter-Lauf van Den Derghe-Holland in IOVö Sek. Houben konnte nur den 4. Platz belegen. 200-Weter-Lauf: 1. van Den Derghe-Holland 22 Sek., 2. Houben- Deutschland 23 Sek. In der internationalen viermal-Hundertmetrstaffette siegte die internationale Mannschaft, bestehend aus Imbach- Schweiz, Paulen-Hollano, van den Berghe-Hol- land und Houben-Deulschland, mit 424/s Seb vor zwei französischen Mannschaften. Der letztjährige deutsche Meister. Die Spielvereinigung Fürth, hat zwar von fünf ausgetragenen Spielen bereits zwei verloren, seine Teilnahme an Den Endspielen um Die süddeutsche Meisterschaft durch einen Sieg in der Verbands- Vokal-Konkurrenz aber bereits sichergestellt. In wesentlich besserer Form ist Dagegen der vierfache Deutschmeister, der 1. F. C. Aürnberg. Der bisher alle Spiele siegreich gestalten konnte. Bayern-München, im Vorjahr süddeutscher Ver- bandsmeister, hat gleichfalls bisher Drei Punkte eingebützt, kann dieses Terrain somit nur schwer gegen Aürnberg aufholen. Im Kreis Württemberg-Baden führt Der V. f. B. Stuttgart, wohingegen der alte Karlsruher Spielverein bisher recht ungünstig abschnitt. Auch der S. C. Stuttgart zeigt, daß er im Kommen ist. _ Im Rheinbezirk hat der D. f. R. Mannheim bisher einen Punkt eingebüßt, während Waldhof noch ungeschlagen ist. Aber auch Die übrigen Mannschaften find noch dicht beisammen, so daß sich über Den vermutlichen Sieger nichts sagen läßt. 3m Mainbezirk sind die beiden im Vorjahr stärksten Mannschaften Hanau 93 und F. S. D. Frankfurt vom Start weg zurückgeblieben, während über Den Offenbacher Kickers mit Rot- weiß-Frankfurt eine „kleinere Größe" Die Führung übernommen hat. Es ist aber zu erwarten, daß die größere Praxis des Fußballsportvereins sich doch wieder durchsetzen wird. Rheinhessen-Saar ist Der Kreis nut den schwächsten Leistungen. Wormatia steht hier zusammen mit Saar 05 und Mainz 05 an Der Spitze. Zwischen letzteren beiden wird sich im wetteren Verlauf Der Meisterschaft aller Voraussicht nach auch der Führungskampf abwickeln. Westdeutschland hat in seinen Dezirten kleinere ülmgruppierungen durchgeführt, um Die Schwierigketten Der Klasseneinteilung etwas auszugleichen. Durchweg haben die in bezug auf Spielstarke weniger geschätzten 2Rannschaften Anfangserfolge errungen, wie Westdeutschland überhaupt recht häufig neue Mannschaften an der Spitze sieht. So wurde der 7 Die Textilschau „von der Zaser zum Gewebe" in zrantfurt. Don Dipl.-3ng. Mangold. (Aachdruck verboten.) Schon von der Frankfurter Frühjahrsmesse her sind wir gewohnt, in der großen Festhalle, in der im Fnlhjahr Die interessante Derkehrs- ausstellung untergebracht war, immer etwas ganz besonderes zu finden. Dieses Mal wurden unsere Erwartungen noch bei weitem übertroffen. Man darf mit vollem Recht die Textilschau als außerordentlich gut gelungen bezeichnen. Wir sahen noch nie eine Ausstellung oder Messe, auf Der in so anschaulicher und vorzüglicher Weise Die so vielartigen Textilmaschinen nicht nur gezeigt, sondern auch im Betrieb vorgeführt wurden. Aur durch die Vorführung im arbeitenden Betrieb gewinnt man erst die richtige Vorstellung, wie es heute Der modernen Technik gelungen ist, die Herstellung Der Textilwaren, die doch alle an und für sich Massenanfertigung im wahrsten Sinne des Wortes sind, durch Die entsprechenden Deutsche Erfolge beim FrauensporLsest in Paris. 3m Stadion Pershing fand gestern „ nachmittag ein internationales Zrauen-Sportsest statt, an dein aus'er hannÖlifüxii 1 ar "'.e schwedische und tschechoslowakische Vertreterinnen toilnahmen. 3m Gewichtstoßen belegte Frl. H c n o ch (Deutschland) mit 9,96 Meter den zweiten Platz vor Morris (Frankreich) mit 10,045 Rketer, 3. Frl. Hau? (Deutschland, Frankfurt a. M.) mit 9,50 Meter. 100-Meter-Laus: 1. Edwards (Engtanb) 12J s Sek.. 3. Wittmann (Deutschland), 5. Voß (Deutschland). Hochsprung: 1. Frl. Vredow (Deutschland) 1,43 Meter. _ , 200-Meter-Lous: 1 Frl. Edwards (England) 26 Sek., 3. Frl. Hau? (Deutschland). Diskuswerfen: 1. Frl. Reuter (Deutschland) 35,75 Meter. leOO-Metec-Laus: 1. Seidel) (England), 4. Wewer iDeutschland), 5. Lingner (Deutschland). _ , , „ 4; '100 Meter-Stasette: 1. D e u t s ch e M a nn- schaft 50', . Sek., 2. Französische Mannschaft 1 Meter zurück. Speerwerfen: 1. Frl. Hau? (Deutschland) 30,68 Meter vor Warmer (Frankreich) 28.07 Meter, 4. Voß (Deutschland) 25,61 Meter. Um die deutsche Schwergewichts-Meisterschaft. Die Vollversammlung der Boxsport-Behörde Deutschlands faßte am 1. Oktober folgenden Beschluß : Der Kampf um die deutsche Schwer - gewichts - Meisterschaft wird zwischen Hans Breiten st räter und Ludwig H a Y - mann als fc-em nach Samsons Ausscheiden bestqualisizierten Anwärter ausgetragrn. Der Kampf findet am 16. Oktober in .der Westsalew halle in' Dortmund statt. Unmittelbar nach diesem Kampf werden neue Ausscheidungen im Schwergewicht ausgeschrieben. Davon unabhängig wird Franz Diener das Recht zugebilligt, nach seiner Rückkehr aus Amerika mit dem derzeitigen Titelhalter um den Titel zu kämpfen. Radrennen in Köln. Auf der Radrennbahn im Kölner Stadion kam am gestrigen Sonntag im Rahmen der Morgen'oeranstaltung der Zweikampf Oszmella — Frrcke zum Austrag^ 3n zwei Läufen behielt Oszmella mit 1 Länge Vorsprung die Oberhand über. Fricke. 3m Verfolgungsrennen gewann Fricke vor Huertgen Oszmella und Schott. Frick stellte außerdem noch einen neuen Bahnrekord über eine Runde (400 Meter) in 25,2 Sek. auf Feldbergrennen im Taunus. Als Abschluß dec diesjährigen Rennsaison veranstaltete der Gau II l a des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (A. D. A. C.) am gestrigen Sonntag sein bekanntes Feldberg- Re nnen. Schon am frühen Morgen strömte Tausende von Reugierigen und Sportlustigen nach den Taunushöhen. Die Straßenböschungen waren dicht besetzt: besonders aber an den Kurven hatten sich die Mengen postiert. Auch der Wettergotl war den Fahrern hold gesinnt. Obwohl die Straße erst vor kurzem instand gesetzt worden war, war sie doch durch den voraufgegangenen Regen in schlüpfrigem Zustand. Es waren daher an die Fahrer die größten Anforderungen gestellt. Wie vorauszusehen war, ereigneten sich auch einige Anfälle, die glücklicherweise jedoch ziemlich glimpflich abliefen. H. Keilholz-Leipzig auf Bugatti stürzte lurz hinter dem Ziel mit seinem Wagen in vollem Tempo in den Graben und zog sich dabei eine Gesichtsverlehung und eine Verletzung des Armes zu. Zum Glück war an dieser Stelle die Straße von Zuschauern frei: ein großes Anglück wäre sonst unvermeidbar gewesen. Otto Glöckler auf Hanomag geriet beim Rehmen einer Kurve ebenfalls in den Straßengraben und überschlug sich, ohne jedoch Schaden zu nehmen. F. Zwermann- Waldfriede auf Güldner kam mit seinem Rade ins Rutschen, überschlug sich und landete an einem Vaum. Die Maschine wurde zertrümmert, während der Fahrer mit einigen kleinen Schrammen davonkam. Die besten Zeiten von den Motorrädern fuhren Hhronimus - Erlangen auf Das grotze Würfelspiel. (Martina Wilemar.) Roman von Franz I a d e r Kappus. 6. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Wie einem Kinde sprach er ihr zu. Jeden Tag wollte er ihr schreiben, jeden zweiten Tag telegraphieren. Die Depeschenboten sollten zu tun bekommen. „Und du wirst dich nicht verlieren?" „Wie meinst du das, Liebes?" „Grauenvoll", sagte Martina und schüttelte sich. „Grauenvoll stelle ich mir so einen Herrn Schwarzkopf vor." Benno lachte selbstsicher. „Wenn er es zu bunt treibt, lasse ich ihn im stich." Unvermittelt sprang er auf Martina über. „Und du?" Martina erzählte von ihren Fortschritten im Kurs. Sie habe auch schon eine Stelle in Aussicht: bei einer Holzindustrie A.-G. in der Schützenstraße. Dafür habe der Direktor gesorgt. Immer würden die besten Schüler von der Anstalt selbst untergebracht. „Zu Neujahr soll ich den Posten antreten. Wenn es nur schon Neujahr wäre." Dichter rückte Martina an Benno heran. Lange blickten die zwei einander in die Augen. Ringsum wechselten die Gäste, lärmende und leise Musik scholl, eifrig kamen und gingen die Kellner. Kreuth zog die Uhr. Seine Hände bebten. Brüchig klang seine Stimme: „Halb sechs. Wir können hier nicht ewig sitzen." Martina schwieg. „Zahlen!" rief Benno. Draußen schlug der Novemberabend den beiden in das Antlitz. Wässeriger Schnee planschte unter den Füßen. Zweimal gingen sie den Weg bis zum Kaiservlatz und wieder zurück. Dan roarf Martina die Arms um seinen Nacken. „Leb' wohl. Vergiß mich nicht." Sie war bleich wie eine Tote. „Leb' wohl, Martina." V. „Haben Sie alles, Nettelbeck?" fragte Carsten. Bei jedem Wort pochte er mit dem Finger auf die Der Sternhimmel im Oktober (Rachdruck verboten.) Sonnenaufgang von 6 bis 6.55 Ahr. Sonnenuntergang von 5,40 bis 4.30 Ahr. Lichtgeftalten des Mondes: 1. Viertel am 14., 3 Ahr nachin., Vollmond am 21., 6 Ahr nachnp, 3. Viertel am 28.. nachm. „Der Rebel steigt, cs fällt das Laub" singt Storm in seinem Oktoberlicd: die obigen Zahlen zeigen, daß die Sonne am Schluß des Monats nur noch 91 Stunden über, affo 141 . Stunden unter dem Horizont weilt. Auch die Dämmerung Don den Wandelsternen erstrahlt der Jupiter noch fast so schön wie im September, während der Mars an Helligkeit weiter zu nimmt. Der seine Bewegungen im Vormonat verfolgt hat, wird bemerten, daß er nun „rückläufig" ist und sich von keit Plcjaden im Stier, denen er sich im September näherte nunmehr wieder entfernt. Die Rückläufigkeit hat denselben Grund wie die Täuschung, bei bet sich ein langsamer fahrender Zug rückwärts zu bewegen scheint, wenn wir selbst im Schnellzug vorübereilen. Der Durchmesser der Marsicheibe ist aus etwas über 20 Dogensekunden D /rrne/ioEft: m/zf ßvc/b/» /MßM // -Zferns K/ezne ßi/cß \ jfdöen Q)Kenu/ (2)bfors (Qy&turn (*)Jo/?ne X D Werte/ kb/Zmozsß (( J Werte! A «=* rt ♦ > U X, o* \ lY Z*/°ß/r/E^ V® Der die Stundenzahlen enthaltende Kreit und die dick punktierte Linie, der sogenannte Horizont, sind feststehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem damit verbundenen, durch Mitternacht gezeichneten Pfeil — gewissermaßen dem Zeiger der Himmelsuhr — in h Minuten weniger als 24 Stunden im Sinne des durch 12 Uhr mittags gezeichneten Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont bildet ein Fenster, das die um Mitternacht der Monafsmitte sichtbaren Sterne umschließt. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel so gedreht, daß der durch Mitternacht gezeichnete, milzudrehende Pfeil nunmehr durch die Beobachtungsslunde geht, wodurch dann die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hineingedreht werden. Für je 5 Tage Vor der Monatsmitte ist der Sternhimmel um '/j Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monatsmitte um Stunde später einzustellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen ein, wenn er die an gedeutete Licht gestalt zeigt. ist in diesem Monat besonders kürz: immerhin beträgt die Dauer der Helligkeit nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang noch etwa 40 Minuten. Am Firsternhimmel ist vor allem das Verschwinden des Arktur in der Verlängerung der Deichselsterne des Himmelswagens im Großen Bären, das zu Beginn des Monats um Vs9, gegen Ende um i/37 Ahr im Rordwesten cintritt, und der Aufgang des Orion im Osten zu Beginn kurz vor Mitternacht und gegen Ende etwas vor 10 Ahr bemerkenswert. Auch auf den Fomalhaut im südlichen Fisch, den südlichsten der bei uns sichtbaren Fixsterne, sei aufmerksam gemacht. angewachsen, d. h. er ist etwa so groß wie ein Millimeter aus einer Entfernung von 10 Meter betrachtet erscheint. Der Durchmesser des 3upiter ist freilich beinahe doppelt so groß, trotzdem seine (Entfernung zur Zeit etwa zehnmal so groß ist wie die unseres rötlichen Rachbarplaneten. Von den anderen Wandelsternen ist nur der Saturn sichtbar, der tief im Südwesten steht, wo er allmählich vom Sternbild der Wage in das des Skorpions hinüberwandert, freilich ohne — wenigstens für den irdischen Beobachter — seine Ankunft zu erleben: Denn mittlerweile verschlingen ihn die Strahlen der von Westen heran- nahenden Abendsonne. Küstermann. Ernst Mag in 6:11:0, K. Eickelmann- Wiesbaden auf Ariel in 6:12:0 und Glöckler- Frankfurt a. M. auf Rorton in 6:13:3, die der Motorräder mit Seitenwagen Fritz P ullig -> Frankfurt auf Güldner in 7:38:3, K. En gel- Griesheim a. M. auf D. S. A. in 7:44:1, und die der Cyclecars W. Schwartz auf Diabolo in 7:44:4. Die beste Zeit der S p o r t to a g e n hatte P. v. Guillaume -Berlin auf Stehr mit 5:56:3, die beste Zeit der Rennwagen G. Kim- p e l - Ludwigshafen auf Bugatti mit 5:13:3 zu verzeichnen. Kimpel hat somit den vorjährigen Bahnrekord für Rennwagen von 5:25:0 geschlagen. H. Heuher -Klein-Schmalkalden auf Steyr, der vier 3ahre lang den Bahnrekord gehalten hat, muhte sich somit geschlagen geben. Schreibtischplatte. „Spätestens morgen müssen die Briefe hinaus." Der junge Mensch starrte auf das Stenogramm in seiner Hand. Immer röter war sein schmales, eingefallenes Gesicht geworden. Nach einer Weile sagte er kopfschüttelnd: „Verzeihung, Herr Carsten: aber vielleicht reicht mein Verstand nicht so weit. Diese Briefe sollen hinaus? Alle diese Briefe?" „Sind sie nicht deutlich genug?" „Doch, doch", nickte Nettelbeck. „Vielleicht zu deutlich. Vielleicht kann ich eben deshalb nicht mit." Langsam erhob sich Carsten. Mit stampfenden Schritten ging er auf und nieder. „Ich will Ihnen etwas verraten, Nettelbeck. Das muß herunter von mir. Das drückt mich sonst tot. Ich kann so nicht weiter. Ich will Luft haben, Luft." Beide Arme reckte ev zur Decke. „Es wird einen Aufruhr geben", sprach Nettelbeck vorsichtig. „In der Bodenbank, in der Baugesellschaft, in der Terag. Niemand wird begreifen, warum Sie auf einmal ausscheiden wollen. Dazu werfen Sie alle Aktien auf den Markt: eine Katastrophe für Sie und die anderen. Verzeihung, Herr Carsten: vielleicht wird man Sie auch für verrückt halten." „Weil ich zur Vernunft gekommen bin?" Nettelbeck schluckte. Alle Worte waren versiegt. In der Tür stieß er mit Fräulein Haunold zusammen. „Eine Dame", meldete das Fräulein. Lange betrachtete Carsten die Visitenkarte. „Bitte", sagte er dann und fuhr sich mit beiden Händen über das Antlitz. Einen Augenblick später stand Julie Wilemar vor Carsten. Auf den ersten Blick erkannte er sie. Dennoch war er wie versteinert. .Lweiundzwanzig Jahre", murmelte er. Er konnte es nicht glauben, daß das schon so lange her war. Wieder griff er sich an die Stirne. „Bitte", sprach er mühsam und wies auf, den Klubsessel. „Ist ein Wunder geschehen oder —" „Sein Wunder", lächelte Julie. „Es gibt keine Wunder in dieser Zeit." Sie schwieg und senkte die Lider. Sie fand den Mann auch nicht sehr verändert. Nur sein Blick war ein anderer geworden. Es schien, als glitte dieser Blick an ollen Dingen vorbei. Carsten erriet ihre Gedanken. Preußen. Kreis Marburg. sch. Marburg, 3. Oft. Die Jahresversammlung des Haupt Vereins des Evan gelischcn Bundes für Kurhessen 'und Waldeck wird hier in der Zeit vorn 9. bis 11. Oktober tagen. Am Sonntag, 10. Oktober, vorm. predigt in der Pfarrkirche Hofprediger D. Doehring-Berlin, nachmittags sprechen in einer öffentlichen Versammlung in den Stadtsälen Prälat D. Dr. Diehl- Darmstadt über „Evangelische Bewegung und Reformation in der Landgrafschaft Hessen" und Pfarrer Zinnecker- Böhmen über „Die Lage der deutschen evangelischen Gemeinden in Böhmen". 3m gleichen Saale spricht abends Hofprediger D. Doehring über „Das kommt davon", sagte er. „Aber: mir dürfen nicht verzweifeln. Ich will es wieder lernen, den Menschen in die Augen zu schauen." „Oh", machte Julie. „Warum sprechen Sie so bitter über sich, Bernhard Carsten? Keiner ist schlechter als der andere. Wir alle wehren uns nur. Bloß die Waffen sind verschieden." Jetzt lächelte auch Carsten. „Hoffentlich haben Sie sich erfolgreich gewehrt, Julie. Sie sehen blendend aus. Ist es Ihnen immer gut gegangen?" „Es kam, wie es mußte. Bald waren wir oben, bald unten." „Und jetzt?" „Unten, Bernhard Carsten. Ganz unten." Das Gesicht des Mannes zog sich zusammen. Wieder jemand, der nur zu seinem Gelds kam, dachte Carsten. Der Mensch zählte ja nicht. Der Mensch lag auf dem Boden, plattgedrückt von seinem Gelde. Schuldbewußt versicherte Julie: „Sie sollen mich nicht mißverstehen. Ich denke sehr oft an Sie. Selbst sorgen Sie ja dafür: fast jeden Tag steht Ihr Name in der Zeitung. Jetzt waren Sie in London, voriges Jahr in Amerika: ich weiß alles." „Alles?" „Vielleicht. Ich knüpfe immer an den an, den ich vor vielen Jahren kannte." Carsten starrte auf den Teppich. „Ein anderer sitzt da." Lange blieb es still. Wie ein Stöhnen war das Ticken der Standuhr in der Ecke. Immer pei- lügender wurde das Schweigen. „Also ganz unten?" fragte Carsten, ohne aufzublicken. „Merkwürdig. Er hatte ja so schöne Aussichten, der Herrr Architekt. Viel schönere als ich. Hätte ich sein Diplom gehabt, seine Verwandtschaft: wer weiß. Alles wäre anders gekommen. Bei mir wenigstens." „Auch bei mir", sprach Julie einfach. Wieder sann Carsten vor sich hin. „Oder irre ich? Ist es nicht nur die Erinnerung an dieses eine Jahr, die mich umnebelt? Eigentlich sollte man Erinnerungen wegwischen können, wegwischen wie mit einem Schwamm. Vielleicht wären dann weniger Enttäuschte, weniger Unzufriedene auf der Wett." Plötzlich glänzten die Augen Jyttes. „Luther und die deutsche Volksseele". Montag vormittag findet im Phittppshaus ein Vortrag des Hofpredigcrs D. Doehring statt über „Die konfessionelle Lage". || Marburg, 3. Olt. Am Freilag rutschte ein nui dem Dache eines hiesigen Instituts beschäftigter junger Klempner aus und stürzte ab. Beim Fallen klammerte er sich in halber Höhe an einer vorstehenden Gerüst st ange fest und konnte so, mit dem Kopfe nach unten hängend, gerettet werden. " Marburg. 2. Olt. 3n manchen Gemeinden des Kreises Marburg ist die Gern ü t* lieb leit nicht z u Hause, wenn KirmeS gefeiert oder aus einem sonstigen Anlaß der Becher stärker kreist und das Tanzbein flott geschwungen wird. Rauhbeine führen dann das Regiment, und das Messer oder ein handfester Prügel sind ihre Instrumente, ohne deren Betätigung sic nicht feiern können. Die Sache muh recht bedenkliche Jornten angenommen haben, sonst wurde sich der Land- r o t des Kreises Marburg, Schwebet, nicht zu der folgenbeu Ankündigung in der Presse des Kreises entschlossen haben: „Zur Warnung. 3n der letzten Zeit ist es in verschiedene Gemeinden des hiesigen Kreises gelegentlich der Kirmes und sonstigen öffentlichen Tanzlustbarkeiten zu schweren Messerstech e r e i e n..sowie zu Bedrohungen und selbst zu schwerem Widerstand gegen die Aur Aeberwachung der Veranstaltungen iomman- dierten Landjägerbeamten gekommen. Diese bedauerlichen, meiftend auf bestimmte einzelne Raufbolde zurückgeführten Vorkommnisse geben mir Veranlassung, bis zum Inkrafttreten einer bereits vorbereiteten, z. Z. dem Kreisauvschuß zur Zustimmung vorliegenden Polizeiverordnung, betr. Raufbolde, die öffentlichen Tanz- lustbarkeiten einschl. der Kirmesver- anst alt ungen weitestgehend einzuschränken. Rach dieser in Kürze in Kraft tretenden Polizeiverordnung werden Personen, die offenkundig zu Gewalttätigkeiten neigen oder die sich bei öffentlichen Tanzlustbarkeiten oder ähnlichen Veranstaltungen nicht richtig zu verhalten pflegen (Raufbolde), in eine bei der Ortspolizeibehörde ihres Aufenthaltsortes zu führende Liste (R a u f b o l d l i st e) eingetragen Diesen Personen ist alsdann der Aufenthalt in sämtlichen öffentlichen Lokalen des Kreises, in welchen öffentliche Tanzlustbarkeiten pp. stattfinden, verboten. Erst wenn diese Verordnung in Kraft getreten und damit der für die gesamte Bevölkerung notwendige Schutz gegen Messerstecher und und Raufbolde erreicht ist. kann ich der Frage der Erteilung der Zustimmung zur Abhaltung öffentlicher Tanzlustbarkeiten in dem bisher üblichen Umfange wieder näher treten. Gleichzeitig bringe ich zur allgemeinen Kenntnis, daß ich alle in Frage kommenden Gerichtsbehörden gebeten habe, gegen Messerhelden und Raufbolde und gegen alle des Widerstandes imb Angriffs auf Polizeibeamte schuldigen Personen mit aller Strenge des Gesetzes vorzugehen. 3m übrigen erwarte ich auch von den Wirten und den Besuchern öffentlicher Tanzlustbarkeiten, daß sie ihrerseits zur Unschädlichmachung von Raufbolden beitragen. Gegen Wirte, die die ihnen obliegenden Pflichten vernachlässigen, werde ich außer der Herbeiführung empfindlicher Bestrafungen das Konzessionsentziehungsverfahren einleiten." Maingau. WSN. Frankfurt a. M„ 3. Oft. Am Frei- tagnachmittaa gegen 6 Uhr wurde auf der Bergerstraße ein 12jähriger Schüler von einem Personenkraftwagen überfahren und schwer verletzt. Der Wagenführer brachte den Verletzten nach dem Bethanien-Krankenhaus, wo er kurz nach der Einlieferung verstarb. WSR. Höchst a. M., 2. Oft. 3n der gestrigen Stadtverordnetenversammlung wurde der Vertrag, nach welchem die Stadt Höchst in Zukunft von dem Frankfurter Wasserwerk in Hattersheim mit Wasser versorgt wird, endgülttg gutgeheißen. Sobald der Vertrag wirksam wird, muß die Stadt Höchst den Betrieb ihres eigenen Wasserwerks einstellen. — 3m Vorort Unter-Liederbach stürzte gestern der Dachdeckcrgefette Moll während der Ausübung seines Berufes von einem etwa 20 Meter hohen Hause ab. Er mußte mit schweren inneren und äußeren Verletzungen im Krankenhaus eingeliefert werden. „Die Erinnerung, an dieses Jahr: ich gebe sie nicht her." „Sie waren sehr jung, standen das erstemal auf der Bühne —" „Wir liebten einander, Bernhard Carsten!" Als ob ihm der Raum zu eng würde, blickte Carsten nach allen Seiten. Dann stand er auf, ging im Bogen um den Schreibtisch und rückte ein Bild an der Wand zurecht. Mit dem Antlitz gegen die Tapete sagte er leise und beinahe zischend: „Es war ein Rausch, ein Wahnsinn. Was sollte nach dem Wahnsinn noch kommen?" Jäh drehte er sich um. Geschwollen lagen die Adern an seinen Schläfen. „Welche Frau hätte nach dir kommen können, Julie?" Sein Kopf fiel herab. Und dieses Weib sah jetzt da, überlegte er. Ganz nahe und doch getrennt durch Wetten. Zweiundzwanzig Jahre seines und ihres Lebens: zwei dicke Bücher, vollgeschrieben mit verschiedenen Text. Was wollte er von ihr? Schrill für Schritt ging Carsten zu seinem Platz am Schreibtisch zurück. Als er wieder saß, sagte er: „Sie brauchen Geld. Sie sollen es haben." Ein Fremder hatte die Worte gesprochen. Rettung! jubelte es in Julie. Aber nur eine Sekunde währte die Seligkeit. Verkniffen waren die Züge Carstens. Unstet strichen seine Blicke umher. „Nicht für mich", sprach Julie. „Haben Sie Kinder?" „Zwei Töchter." Abermals schien es, als erhellten sich Carstens Mienen. Warm fragte er: „Für die Töchter also? Oder für eine von den zweien? Weil sie heiraten will oder studieren?" „Auch nicht für die Töchter, Bernhard Carsten." „Sondern?" „Für die Firma." Carsten nahm den bronzenen Briefbeschwerer vom Tisch und betrachtete ihn tion allen Seiten. „Was ist das für eine Firma?" „Die Firma .Wilemar & Co/ Das Export- und Importgeschäft meines Mannes." Geläufig berichtete Julie, welche Bewandtnis es damit hatte. Wie so viele andere, hatte auch Ernst Wilemar nach dem Umsturz umgesattelt. Da nirgends gebaut wurde, hätte er als Architekt verhungern müssen. So gründete er das Geschäft, und das Geschäft ging gut „Besonders zur Zeit der Inflation — (Fortsetzung folgt) Paraihphnsepideniie im Kreise jfulda. WSN. Fulda, 3. Oft. Von zuständiger Seite wird zu der Paratyphusepidemie im ' rcije Fulda mitgeteilt: Die Zahl der an Paratyphus Ertränkten beträgt zur Zeit 75, von denen 20 Erkrankungen die Stadt Fulda betreffen. Ein Todesfall ist bisher nicht zu verzeichnen und, soweit sich übersehen läßt, auch nicht zu befürchten. "Ute Erkrankten, bis auf vier Fälle, befinden sich im Landkrankenhaus Fulda. Wenn auch die Zahl der (Erkrankten sehr hoch ist, so muß doch bedacht werden, daß sich die Fälle auf 24 Ortschaften verteilen und daß in den einzelnen Ortschaften immer nur vereinzelte Fälle vorgekommen sind. Gegen die Weiterverbreitung der Krankheit sind umfassende Maßregeln getroffen worden. Sowohl die Trinkwasserversorgung der Stadt Fulda, wie auch die Milchversorgung sind in vollkommen einwandfreiem Zustand und werden laufend kontrolliert. Im übrigen kann die Krankheit als ü be r st a n d e n gelten. Neuerkrankungen sind in den letzten Tagen nicht mehr vorgekommen. Wirtschaft. Von den SchlachtviehmärkLen. An den deutschen Schlachtviehmärkten der vorigen Woche war die Marktlage im Vergleich :,ur Vorwoche nicht wesentlich verändert, wenn auch eine Neigung zur Besserung unverkennbar war. Die Auftriebsziffern erreichten für Schweine wieder die alte Höhe; für die übrigen Gattungen waren sie unverändert. Die Preise blieben für Rinder im allgemeinen auf der Höhe der Vorwoche; für Kälber und Schweine gut behauptet, während die Preise für Schafe vielfach etwas schwächer lagen. Auf den nachstehenden Märkten wurden für 1 Pfund Lebendgewicht in Pfennig notiert: Rinder Kälber Schafe Schweine Berlin 20—54 60-98 30-58 74-85 Bremen 25-56 40-95 23-56 65-78 Breslau 20-60 53-80 30-61 70-84 Chemnitz 27-63 67-85 35-53 72-86 Dortmund 28—60 60—105 35 — 55 75 — 85 Dresden 23 - 60 62 - 88 - 72 - 85 Düsseldorf 25- 61 55 - 90 35 - 37 65 - 84 Elberfeld 25-60 60-100 - 75-86 Essen 30-63 60-120 32-55 72-85 FrankfurtM. 20-64 60-89 29-47 Jamburg 15 — 56 38 — 91 25 — 56 65 — 82 Hannover 15 — 57 40 — 90 20—55 65 — 81 Husum 18—58 — 38—48 — Karlsruhe 21—60 60—80 32-42 76-84 Kassel 28-63 55-78 - 74-87 Kiel 17-50 33-82 28-55 49-76 Köln 20-62 58-90 35-53 67-84 Leipzig 25-60 50-85 30-62 75-86 Magdeburg 20 - 60 40-115 28 - 53 70 - 83 Mannheim 16-62 52-85 35-46 68-83 München 20-62 68-84 - 64-84 Stettin 10 - 56 40 - 87 20-53 70 - 84 Stuttgart 14 — 62 61 — 84 — 62 — 85 Zwickau 15 — 56 70—85 30 — 58 75 — 86 * * D ie amtlichen Insolvenzziffern für den Monat September. Äach Mitteilung des Statistischen Reichsamtes wurden im September durch den ..Reichsanzeiger" 467 neue Konkurse — ohne die wegen Massemangels ab- gelehnten Anträge auf Konkurseröffnung — und 147 Geschästsaufsichten bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Vormonat stellen sich auf 493 bzw. 228. * Auch d i e 2'nlan dtranche der Siemens-Anleihe bereits überzeichnet. Die Zeichnung auf die Znlandtranche der gemeinsamen Anleihe der Siemens & Halske QI.-®, und Sicmens-Schuckcrtwerke G. m. b. H. ist, wie von dem beteiligten Bankenkonsortium mitgeteilt wird, bereits am Samstag wegen Lleberzeichnung geschlossen worden. * Rheinisch-westfälisches Kohlen- shndikat, Essen. Auf Grund der in der Mitgliederversammlung vom 30. September gefaßten Beschlüsse gelten vom 1. Oktober ab nachstehende jetzt genehmigte Verkaufspreise je Tonne: Briketts l.Kl. 22 Mk., 2. Kl. 21 Mk.. 3. Kl. 20 Mark; Eiform 1. Gruppe (Eß-Eiform) 22 Mk., Eiform 2. 3. Gruppe (Mager-Eiform) 21,75 Mk.; Eßkohlen: Feinkohlen 11,90 Mk.. Magerkohlen (östliches Revier) gew. Feinkohlen 10,90 Mk., ungew. Feinkohlen 10,40 Mk.; Magerkohlen (westliches Revier) gew. Feinkohlen 9,50 Mk., ungew. Feinkohlen 8,90 Mk. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 4. Ott. Tendenz: Unsicher. Während sich der Aktienhandel an den Vortagen durch größere Kaufneigung auszeichnete, eröffnete der heutige Börsenverkehr mit einer gewissen D e r k a u f s n e i a u n g, die für einige Werte empfindliche Kursverluste mit sich brachte. Allem Anschein nach ging die Abgabelust von Bankenseite aus, die damit einer allzu stürmischen Auswärtsbewegung der Kurse entgegenzutreten beabsichtigt. Die weitere Tendenzgestaltung wurde durch Kaufaufträge, die in größerem Umfange noch zu erledigen waren, günstig beeinflußt, so daß der offizielle Verkehr eine überwiegend feste Stimmung hatte. QN o n t a n a k t i e n waren zumeist befestigt. Bochumer plus 3 Prozent, Deutsch-Luxem- vurg plus 3 Prozent, Buderus plus 3 Prozent, Phönix plus 1,87 Prozent, Rheinstahl plus 5 Prozent. Etwas niedriger wurden Gelsenkirchen und Mansfelder, während Mannesmann unverändert blieben. Kali-Westereaeln plus 2 Prozent. Von Chemiewerten blieben Scheideanstalt unverändert. 3. G. Farben gaben auf Angebot hin 2 Prozent nach. Goldschmidt dagegen plus 1,8 Prozent. Der Elektro markt verkehrte uneinheitlich. AEG. schwächer. Bergmann plus 1,75 Proz., Felten plus 2 Proz. Siemens kaum verändert. Am Bankeninarlt mußten Bayerische Hypotheken von ihrer letzten Steigerung 1 Proz. hergeben. Darmstädter plus 0,5 Proz. Scharf gesteigert waren erneut Berliner Handel, die um weitere 5,5 Prozent anzogen. Deutsche plus 1,5 Prozent. Disconto unverändert. Schiffahrtsaktien waren trotz des wilden Streikes in Hamburg ansehnlich befestigt. Autoaktien lagen anziehend, ebenso B a u st o f f a k t i e n. Zement Heidelberg plus 3 Prozent, Wayß & Freytag plus 1,5 Prozent. Holzmann plus 1 Prozent. Auch Zellstvffaktien tendierten fest. Zuckeraktien nicht ganz einheitlich. Deutsche Anleihen befestigt. Kriegsanleihe 0,552V», Schutzgebiet 7,75 Prozent. Auch der Aus- landrentenmarkt tendierte in fester Haltung. Bevorzugt waren Russen. Der Frei- verkehr blieb ohne Geschäft, die Kurse hielten sich auf der letzten Basis. Der weitere Verlauf brachte bei Rachlassen des Geschäftes eine allgemeine Abschwächung der Kurse, nur am Rentenmarkt waren Russenwerte weiter befestigt. Der Geldmarkt hat eine Erleichterung erfahren. Tagesgeld 5 Prozent, Monatsgeld 5,75 bis 7,5 Prozent, Privatdiskonten 5,12 Prozent, Industrieakzepte 5,38 Prozent. Im Devisen- verkehr waren größere Kursveränderungen nicht zu verzeichnen. Paris gegen London 173,50, Brüssel 179, Mailand 129. Das englische Pfund stellte sich auf 4,85' .t gegen Kabel. Die Reichsmark notierte gegen Kabel 4,198. Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) Datum: 5°/„ Deutsche Rctch-'anlcihe . 4% Deutsche Reichsanleihe . BV3°/o Deutsche Rcichsanlcihe 8% Deutsche Neichsanleihe . Deutsche Svarprämienanleihe 4% Preußische KoniolL - • - 4°<> Hessen ■ • • 3Vi% Hessen 3% Helsen Deutsche Wcrtb- Dollar-Anl. dto- Doll -Schav-Amreilng.*) 4e/0 Zolltürkrn 5% Solbmenfcner ... . Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- and Pnvat-Bank Darmst. und Nationalbank . Deutsche Bank......... Deutsche Vereinsbank .... Disconto Couunandit .... Metallbank........... Mitteldeutsche Kreditbank. . Dcsterreichische Kreditanstalt. Westbank........... Bochumer Guh . . BuderuS............ Caro ........... . Deutscb-Luxemburg ..... Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpcner Bergbau ...... Kaliwerke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln .... Lanrahnttc...... Oberbedars ..... Phönix Bergbau ..... Rheinstahl...... .. ., Riebcck Montan....... Tcllus Bergbau. ..... Bereinigte Stahlwerke 21,-®. Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd..... Cheramtsche Werke Albtn . . Zementwerk Heidelberg . . , Philipp Holzmann...... Anglo-Cont.-Guano Chemische Mäher Alapin . . ®- Farbenindiistrie. A.-G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung Rütgerswerkc Scheideaustalt «llg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann ........ . Mainkraftwerke ....... Schuckert Siemens 1 Halske ..... Adlerwerke Kleyer ..... Daimler Motoren. ...... Hehligenstacdt ........ Memnn...... Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armaturru . . , Konservenfabrik Braun . . . Metallgesclli^ast ftranlfurt. Schuhsabrtk Herz . . . . ' . Sichel Zellstml Waldhof Zustersabrik Frankenthal .. Zuckerfabrik Waghäusel . . . Frankfurt a.M. Berlin Schlug» Kurs l-Uhr- fiure Schlich. Kur» Anfang fturs 2. 10. 4. 10. 2. 10. 4. 10. 0,5375 ■ 0,5525 0.535 0.55 — 0.5125 0,5525 0,50 _ 0,5075 0,5525 — — 0.68 0.68 0.31 — 0.31 — 0,51 — 0.510 0,5335 D.4H — — —— 0,51 — — — — —— — — 95 — 98 — •* W — 17.5 27.9 f 17,7 — 46,4 — ! - — 227 232,5 228 231,7' 144 144 144 144.5' 235 -34' 233 234* 175,23 177,9* 171,5 176.5* 97 — — _ 165 165.5* 165' 165* 149 152 149 154.25 140 — 1.39.75 140 7.6 — 8,5 8,5 — — — — 158 161* 160 161* 98 100 97,75 99.62 — — 82 78.5 161.5' 161.2' 160 161,7* 174 174.5 174 174.5' 172 173,25 172,75 174,7* 143 — 141.75 143,5* 155 — 152 153,75 63.75 — 64 64.9 73.5 — 72 123,5 121,9* 123,75 124.9* 163.5 163,5* 16.3.75 162,9 156.5 — 156 154.25 68,75 — — - - — 147 146.75 166 167,5 165,13 167.75 164 165,25 163,75 165,25 68,25 133 136 134,25 135,25 135,5 — — — 94,9 — —— — —— —— <93.9 292.2* 293 >98* 124,75 126,5 125 128 - —. —— 127.5 127.5 126,75 126 172.75 172,75 — 164.5 163,5 164 163 161 162,4 160 162 108,5 — — 141.5 — 110 140,7' 205,5 — 205 204.75 90 91 91,4 SV.5 85,75 —- 87 86 27 —» * — 45 .— 45,9 —• — — 39,75 — 17 — — — —— 163,75 — — — 99 — 98,75 — 55 — 57 — ■ 1— 3 ■ 1 187 — 186.5 187.9 89 90,5 91 — 105 101 106 —- Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. TL Telegraphische Auszahlung. 2 Oktbr. 4. Oktbr. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief 167,87 168,29 167,98 168,40 Buen.-AireS 1,715 1,719 1,713 1,717 Brff.-Antw 11,365 11,405 11,38 ' 11,42 Christi ania. 91,84 1)2,06 91,88 92,10 Kopenhagen 111,33 112,08 111,61 111,33 111,61 Llockholm . 112,36 112,08 112,36 10,585 Selfingford. 10,549 10,589 10,545 Italien . . . 15,80 15,83 15,81 15,85 20,393 London. . 20.341 20.391 20,343 Weilt)ort . . 4.1925 4,2025 4,1925 4,2025 Paris. . . Schweiz . . 11,76 11,80 11.74 11,78 81,01 81.21 81,034 81,235 Spanten . . 63,47 63,63 63,39 2,034 63,55 Japan - . . wio de Jan. 2,037 2,149 0.628 2,038 0.628 0.626 0,626 Wien in D-- Oest. abgest. 59,200 59,347 69,19 69,39 12,417 12,457 12,413 12,453 Belgrad . . 7.418 7,4:8 7,415 7,435 Budapest. . Bulgarien . 6,87 •5,025 5,89 3,035 5,867 3,025 5,887 3,035 Lissabon . 21,475 21.525 21,475 21,525 Danzig. . . Konstantin. 81,42 81,62 81,42 81,62 2,157 2.167 2.152 2,162 5,06 Athen. . . 4,99 5,01 5,04 Lanada. . . 4,194 4.200 4,195 4,205 Uruguay . . 4.21 4.22 4.21 4.22 Banknoten. Berlin, 2 Oktbr. Amerikanische Note» .... Belgische Noten ........ Dänische Noten ....... Englische Noten........ Französische Noten ..... Holländische Noten...... Italienische Noten Norwegische Noten . Deutsch-Oesterr., i 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten Tschechoslowakisch- Noten . . Ungarische Noten....... 80,75 63,44 12.382 3,84 Geld 4,176 11,35 111,02 20,305 11.87 167.48 15,59 91,67 69.05 2,16 Bries 4,196 11,41 111,58 20,405 11,90 168,32 15,97 92,13 59,35 2,20 112,22 81,1.) 63,76 12,442 5.887 Berliner Börse. Berlin, 4. Oft. Die günstige Verfassung der Aktienmärkte scheint sich auch auf diese neue Woche zu übertragen. Das Interesse für M o n t a n a 11 i e n, Freigabewerte, Maschinen aktien und verschiedene weitere Spezialwerte hielt an. Trotz der freundlichen Grundstimmung eröffnete die Börse nicht ganz einheitlich, da verschiedentlich Realisationen erfolgten. Die Unsicherheit wurde aber bald überwunden, als durch die Anschaffungen des Publikums das Angebot glatt ausgenommen wurde. Die Spekulation wandte größeres Interesse dem heimischen Anleihemarkt zu, wo Kriegsanleihe mit 0,55 umging. Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß die Spekulation von der Einführung der Ablösungsscheine zum Börsenhandel eine Belebung des Geschäftes in diesen Werten erwartet. Recht fest lagen von den Aktienwerten besonders Kaliaktien, Textil-, Zellstoff- und Schiffahrtspapiere. Am Geldmarkt ist die Lage etwas leichter geworden, der Sah für Tagesgeld ist aber immer noch angespannt mit 6,5 bis 7,5 Prozent. Monatsgeld 5,75 bis 7,5 Prozent. Im Devisenverkehr war das Geschäft außerordentlich ruhig. Wesentliche Kursveränderungen traten nicht ein. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 4. Oft. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 28,75 bis 29 Mark; Roggen, inländischer, 23 bis 23,25; Sommergerste für Brauzwecke 23,50 bis 27; Hafer, inländischer, 17,75 bis 18,75; Mais (^elb) 18,50 bis 18,75; Weizenmehl, inländisches (»spezial 0) 41,50 bis 42; Roggenmehl 33,50 bis 34; Weizenkleie 9,50; Roggenkleie 10,50; Erbsen 40 bis 60; Linsen 45 bis 75; Heu, süddeutsches, gut, trocken 7 bis 7,50; Weizen- und Roggenstroh 3,25 bis 3,75; Treber, getrocknet, 15,50 bis 16 Mark. Frankfurter Schlachtvietzmarkt. Frankfurt a. M., 4.Oft. Auftrieb: 1667 Rinder (darunter 512 Ochsen, 59 Bullen 623 Kühe, 473 Färsen), 383 Kälber, 391 Schaff 4661 Schweine. — Rinder (Ochsen): Voll- fleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 58 bis 62; (ältere) 55 bis 60; sonstige vollfleischige 48 bis 54; fleischige 40 bis 47. (Bullen): Iüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 50 bis 54; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 45 bis 49; fleischige 40 bis 44. (Kühe): Iüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 50 bis 55; sonstige vollfleischige oder aus- gemästete 42 bis 49; fleischige 32 bis 41; gering genährte 20 bis 30. (Färsen): Vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 56 bis 61; vollfleischige 49 bis 55; fleischige 42 bis 48. — Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 82 bis 87; mittlere Mast- und Saugkälber 72 bis 81; geringe Kälber 60 bis 70. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 43 bis 47; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 35 bis 42; fleischiges Schafvieh 30 bis 34. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 80 bis 82; voll- fleischige Schweine von zirka 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 80 bis 83; zirka 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 80 bis 84; zirka 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 80 bis 83; fleischige Schweine von zirka 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 75 bis 79; Sauen 65 bis 75. Marktverkauf: In Rindern und Schweinen langsamer, in Kälbern und Schafen lebhafter Handel. In Rindern und Schweinen verbleibt etwas Lleberstand. Reichskredite für den Hruhgemiisebau in Hessen Anläßlich der Dresdener Tagung des Reichsverbandes des deutschen Gartenbaues, Anfang August, hat der Staatssekretär des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Hofmann, Ausführungen darüber gemacht, daß die Reichsregierung gewillt sei, zur Fökdcrung der Rationalisierungsbestrebungen des Gartenbaues Reichs mittel auf dem Kreditwege zur Verfügung zu stellen. Inzwischen hat die Reichsregierung einen Kreditbetrag von drei Millionen Reichsmark speziell zur Steigerung des heimischen Frühgemüsebaues durch Errichtung von Treibanlagen (Gewächshäuser, Frühbeetkasten usw.) bereitgestellt. Hiervon ist als auf den Volksstaat Hessen entfallender Anteil ein Betrag von 100 000 Mark vorgesehen. Die Landwirtschaftskammer für Hessen erachtet diese Summe als viel zu niedrig und hat deshalb eine Erhöhung derselben beim Reichsministerium beantragt. Wie aus den Richtlinien des Reichsernährungsministers hervorgeht, kann weder Areal noch Einwohnerzahl des Landes für die Höhe der ihm zugeteilten Quote maßgebend fein, sondern die Geeignetheit in bezug auf Erzeugung und Absatzbedingungen, und in dieser Hinsicht hat wohl Hessen einen berechtigten Anspruch auf eine höhere Quote. Leider ist es sehr fraglich, ob die Landwirtschaftskammer mit ihrem Antrag den gewünschten Erfolg haben wird, so daß bei dem großen Interesse, das für den Kredit in den Kreisen der hessischen Gemüsezüchter besteht, wahrscheinlich mit erheolichen Kürzungen zu rechnen ist. Die Richtlinien für die Durchführung des Kredits find von dem Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft festgelegt. Mit der bankmäßigen Erledigung ist das berufsständige Bankinstitut des Gartenbaues, die Deutsche Kredit- A.-G., beauftragt worden. Die Kreditanträge sind durch den Kreditnehmer selbst bei der Land- wirtschaftskammer für, Hessen einzureichen. Die Landwirtschaftskammer wird eine genaue Prüfung der wirtschaftlichen Voraussetzung des betreffenden Betriebes vornehmen. Die erwähnten Richtlinien bestehen aus einer Reihe von Bestimmungen, die in 11 Paragraphen zusammengefaßt sind. Hiernach werden die Darlehen aus die Dauer von höchstens fünf Jahren gegeben. Die letzte Rückzahlung muß spätestens am 30. Juni 1931 geleistet sein. Der von dem Kreditnehmer zu zahlende Zinssatz darf einschließlich Bankprovision 4 Prozent jährlich nicht übersteigen. Die Zinsen sind jeweils am 30. 6. und 31. 12. fällig. Die Rückzahlung der Darlehen erfolgt derart, daß am 30. 6. 1927 5 Prozent, am 30. 6. 1928 20 Prozent und am 30. 6. 1929, am 30. 6. 1930 und am 30. 6. 1931 je 25 Prozent zurückzuzahlen sind. Den Kreditanträgen sind u. a. folgende Unterlagen beizu- siigen: Ein beglaubigter Grundbuchauszug über das zu beleihende Grundstück, aus dem insbesondere hervorgehen muß, wann bereits eingetragene Hypotheken frühestens gekündigt werden können, eine Erklärung des Antragstellers darüber, ob das zu beleihende Grundstück noch mit einer nicht eingetragenen Aufwertungshypothek belastet werden kann, und eine amtliche Bescheinigung über den berichtigten Wehrbeitragswerc, sowie etwa vorhandene Nachweise über die Höhe und Dauer der Brandversiche- rungen und etwaige Taxen. Als Anmeldeschluß für die Anträge ist der 20. Oft 1926 vorgesehen. Als die für die Schätzung zuständigen Stellen sind die Ortsgerichte bestimmt. Von der Landwirtschaftskammer für Hessen in Darmstadt sind die Eintrags- und Kreditsormulare einzufordern. Schutz gegen K n o ch e n e r k r a n k u n g e n, anhaltende Seuchenfcstigkcit und frohes Wachsen aller Jungtiere verbürgt mit Sicherheit M. Brockmanns Dieh-Lebertran-Emulsion „Dfteofan". Wer einen Viehstand unterhalten will, der bei steter Gesundheit Höchsterträgnisse durch abgekürzte Mastdauer, reiche Würfe und verstärkte Milchproduktion liefert, wird mit M. Brockmanns Vieh-Lebertran- Emulsion „Dfteofan" beste Erfahrungen machen. Ein Wink für die Frau. Es liegt in der Natur der Wäschepflege, daß die einzelnen Stücke zunächst vom Schmutz befreit und danach gebleicht werden, wie es eben bei der Rasenbleiche üblich ist. Die gleiche Reihenfolge sollte auch dann eingehalten werden, wenn die natürliche Bleiche fehlt. Die Mittel hierzu sind bekannt: Zum Reinigen der Wäsche Dr. Thompsons Seifenpulver mit dem Schwan und zum Bleichen „Seifix". Beide Mittel enthalten keine schädlichen Bestandteile. Amtsgericht Wetzlar. Ein Reifender aus Braunfels, dem unter der Beschuldigung, beim Fahren mit feinem Motorrad die nötige Vorsicht außer acht gelassen: und dadurch die Verletzung eines Passanten ver» ursacht zu haben, ein Strafbescheid der Polizeiverwaltung über 9 Mk. zu diktiert worden war, hatte hiergegen gerichtliche Entscheidung beantragt. Die Verhandlung ergab, daß der Angeklagte in mäßigem Tempo gefahren war und die Verletzung des Passanten durch dessen Schuld geschah. Der Angeklagte wurde daher frei- gesprochen. Vier Landwirte aus Wies eck hatten sich wegen Diebstahls zu ixranttoorten. Sämtlichen Angeklagten waren unter der Beschuldigung, gemeinschaftlich im Krosdorfer Wald von fremden Holzstößen sich widerre^tlich Holzscheite weggenommen zu haben, Strafbefehle über je 15 Mk. Geldstrafe an Stelle von je 3 Tagen Gefängnis zugegangen. Auf ihren Einspruch erzielten sie kostenlose Freisprechung, da die Verhandlung ergab, daß sie die fraglichen Holzscheite im Einverständnis mit dem Eigentümer beim Holzabfahren zur Festlegung des Stammes entnommen hatten. Ein Dachdeckermeister aus Wetzlar ließ int Iuni durch seinen Gesellen an einem Hause in Metzlar Reparaturarbeiten ausführen. Dabei waren keinerlei Warnungsze'.chen, die einen Hinweis auf die Gefahr durch herabfaUende Ziegel enthielten, ausgestellt. Eine des W.ges kommende Frau wurde durch eine herabfallende Schieferplatte verletzt. Der Dachdeckermeister erhielt daraufhin wegen seiner Unterlassung durch polizeiliche Strafverfügung 5 Ml. Geldstrafe, wogegen er gerichtliche Entscheidung beantragte. Das Gericht stellte fest, daß den Meister keinerlei Schuld treffe, da der Geselle die Arbeit ausgeführt und nach seiner Angabe die Anbringung der Warnungstafeln vergessen hatte. Demgemäß lautete das Llrteil auf kostenlose Freis p rechn n g. Ein Schlosser aus Wetzlar, der seine Tochter den Schulunterricht unberechtigt versäumen ließ, war durch Strafverfügung mit 3 Mk. Ge ldstrafe belegt worden. Sein Antrag auf gerichtliche E 'Scheidung hatte keinen Erfolg, denn die Verhand. i ergab, daß fein Einwand, er habe das Fe r.i bleiben seiner Tochter bei der Lehrerin schrifll ch entschuldigt, nicht den Tatsachen entsprach. Das Gericht erkannte daher auf die gleiche Strafe. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem Wochenmarkt am Samstag: Butter 150 bis 186, Matte 35, Wirsing 6 bis 12, Weißkraut 4 bis 6. Rotkraut 6 bis 15, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 20, Römischkohl 10, Bohnen 25, Llnter-Kohlrabi 6. Feldsalat 100, Tomaten 20, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 40 bis 80, Kürbis 6, Kartoffeln 4. Falläpsel 8, Aepfel 15 bis 25, Birnen 10 bis 15, Zwetschen 20 bis 25, Brombeeren 60, Pfirsiche 25, Rüsse 70, Honig 40, junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 110 Pf. das Pfund; Käse 10 Stück 60 bis 150 Pf.. Sier 15 bis 16, Blumenkohl 10 bis 150, Salat 5 bis 10, Endivien 6 bis 15, Ober-Kohlrabi 3 bis 12, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück; Radieschen 12 Pf. das Bund. Wettervoraussage. Wenig Aenderung des vielfach trüben aber durchweg trockenen Wetters, tagsüber ziemlich milde. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 15, Minimum 9,8 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 12,2 Grad Celsius. Vüchertisch. — Der offizielle Führer zu der Ausstellung „Von der Faser zum Gewebe", die die Fabrikationsvvrgänge für WoUe und Baumwolle auf arbeitenden Maschinen vorführt, ist soeben erschienen. Rach einem Vorwort der Abteilung für Werbe- und Ausstellungswefen des Wirtschaftsamtes der Stadt Frankfurt a. M., das prinzipiell die Reuartigkeit dieser Ausstellungsform betont, folgt ein ausführlicher Artikel von Dr. Marschik, der sich mit dem Thema „Die wirtschaftliche Fertigstellung der Textilwaren und Textilmaschinen" eingehend beschäftigt. Entsprechend dem Aufbau der Textilschau schließen sich dann fachmännisch und doch für Laien aufschlußreich und verständlich geschriebene Artikel über Materialprüfung, Handspinnerei und Weberei, Baumwollspinnerei, Baumwollweberei, Kammgarnspinnerei, Wollweberei, Wolldeckenweberei und Ausrüstung, Teppichknüpferei, Trikotfabrikation usw. an. Rundfunk-Programm des Frankfurtre Senders. (Aus der „Radiv-Umschau".) Dienstag, 5. Oktober: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Wunsch- nachmittag. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lsseftunde. 6.15 bis 6.45 Uhr: Funkhochschule Frankfurt: „Die Einstellung des Kranken zu seiner Krankheit", Dortrag von Pros. Dr. Erich Stern-Gießen. 7.30 Uhr: Ueber- tragung aus dem Frankfurter Opernhaus: „Der Waffenschmied". Komische Oper in drei Akten von W. A. Lortzing. Sprechstunden dcv Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt elngefanbte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewahr übernommen. Anzeigenausiräge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Geschäftliches. Eigenartiges und Bezwingendes bietet die Ziga« retten-Fabrik „Penidze" (Salem-Haus) mit der sogenannten G e s o l e i - Z i g a r c 11 c , die auf der Ausstellung in Düsseldorf als einzige Ausstellungs- Zigarette fungiert. Die Gesolei-Zigarette entspricht in ihren Eigenschaften dem hohen Niveau der „Ge> solei". Täglich rauchen Tausende von „Gesolei"- Besuchern die Gesolei-Zigarette und halten mit ihrer 2lnerkennung nicht zurück! Man hüte sich vor den vielen Nachahmungen, die „Palmin" gefunden hat. Das echte Palmin wird nur in Paketen (niemals lose) verkauft; jedes Paket trägt den Namenszug „Dr. Schlinck". z .