m. 207 Erstes Blatt 176. Jahrgang Samstag, 4. Septemoer (926 GietzenerAnzeiger Dnirf nnd Verlag: vnihl'fche Univerfitüts-buch- und Lteindruüerei B. Lange in Stehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrcrhe 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnummcr ots zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 nm Breite örtlich 8, ausn.. ts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 n,m Breite 35 Rcichspfrnnig, Platzvorschrift 20' , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich 'ür Politik Dr. Fr. Wilh. Langem für Feuilleton v. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein; für den Anzeigenteil i. Terti. H. Beck, sämtlich m Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener FamUienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Manats-Vezogsprets: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanf chlüfse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger tieften. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. General-Anzeiger für Oberdesten Die Ratssitze. Die S t u d i e n k 0 m m i f f i 0 n des Völkerbundes ist ihrer Aufgabe schnell Herr geworden. In wenigen Sitzungen wurde man über das Reformprojekt für den Dölkerbundsrat einig — einig allerdings nur in dem beschränkten Sinne, daß Spanien sich schmollend zurückgezogen hat und in einer Note an den Völkerbund voraussichllich sein „Desinteressement" erklären wird. Das kann nach diplomatischem Sprachgebrauch einmal bedeuten, daß Spanien aus dem Völkerbund austritt oder auch — und diese Auslegung hat mehr Wahrscheinlichkeit für sich — daß es lediglich damit den Wunsch ausdrückt, nur eine Zeit lang den Arbeiten des Völkerbundes fernzubleioen. Das Kabinett Primo de Riveras scheint mit seiner Polittk der zwei Eisen in eine schlimme Sackgasse geraten zu sein. Die Aufrollung des Tangerproblems hat bei den vor allem interessierten Mächten Frankreich und England heftigen Widerstand ausgelöft. Rur Italien sekundiert dem Partner des Madrider Vertrages. Die Antwortnoten, die der spanische Diktator aus Paris und London erhalten hat, betonen stark die Einheitsfront der beiden, sonst in kolonialen Dingen selten zusammengehenden Mächte. Man will von einer Aenderung des Tangerstatuts oder gar von einer Einverleibung der internationalen Zone in das spanische Protektoratsgebiet nichts wissen. Auch für Öen Gedanken eines spanischen Völkerbundsmandats für Tanger kann man sich nicht erwärmen, besonders aber ist man über den Augenblick, in dem Spanien diese heikle Frage aufzurollen für nötig befand, merklich verstimmt. Die Absicht Spaniens ist zu offensichtlich, von den zwei Forderungen Tangerzone und ständiger Ratssitz wenigstens eine durch- zusetzen. Die kühle Sprache Chamberlains und Briands und das Ergebnis der letzten Beratungen in der Studienkommission lassen ' befürchten, daß Primo de Rivera sich zwischen zwei Stühle gesetzt hat. Gerade der englische Delegierte Lord Cecil stut sich scharf für die Aufnahme eines Satzes in den Kommissionsbericht ausgesprochen, nach welchem die Studien komm ission alle nur denkbaren Versuche gemacht hätte, den spanischen Wünschen entgegenzukommen, aber erfolglos. Er wollte damit in letzter Stunde dem Madrider Kabinett eine Warnung zukommen lasten. England, das im Frühjahr der wärmste Verteidiger der spanischen Ansprüche gewesen ist, scheint also fernerhin seine Bemühungen nicht fortfetzen zu wollen. Die spanische Reaierung wird sich nun mit dieser doppelten diplomatischen Niederlage abfinden müs- sen. Das wird ihr nicht ganz leicht werden, angesichts der starken Strömungen, die gerade in letzter Zeit wieder, besonders im Heer sich gegen den Diktator bemerkbar machen. Auch zwischen Primo de Rivera und dem Monarchen scheint nicht in allen Dinaen Einigkeit zu sein. Die schwere Erkrankung des Thronfolgers, des Jnfanten Alfons, und die Ge- brechlichkeit seines zweiten Bruders Don Jaimes, macht eine Neuregelung der Thronfolge nötig, die der Diktator auf dem Verordnungswege vornehmen lasten will, während der König wünscht, daß den Cortes ein entsprechendes Gesetz vorgelegt wird. Primo scheut indes eie Einberufung des Par- laments, von dem er eine heftige Kritik feiner Regierungsmethoden erwartet. So werden ihm diese beiden Niederlagen auf außenpolitischem Gebiet, die sich gewiß hätten vermeiden lassen können, nicht sehr gelegen kommen. Es wäre sicher falsch, sie nun dadurch noch zu vergrößern, daß sich Spanien nun gänzlich vom Völkerbund zurückzöge. Es hat doch in Genf als die bedeutendste Macht, die den Konstellationen des Weltkrieges mit aller Entschiedenheit ferngeblieben ist, aber auch dank der großen Geschicklichkeit seines Delegierten stets eine hervorragende Rolle gespielt. Gerade wir Deutschen, die wir der strikten Neutralitätspolitik des spanischen Kabinetts, der vielen Beweise uneigennütziger Freundschaft des spanischen Volkes und seines ritterlichen Monarchen viel verdanken, würden Spanien nur sehr ungern aus dem Völkerbund scheiden sehen, gerade m dem Augenblick, wo Genf auch für Deutschland der Brennpunkt seiner Außenpolitik zu werden beginnt. Es ist deshalb besonders zu begrüßen, daß der deutsche Delegierte in der Studienkommission, Botschafter 0. H 0 e s ch , wenn er sich auch in der Sache selbst nach Lage der Dinge starke Zurückhaltung auferlegen mußte, Deutschlands warme Sympathien für das spanische Volk noch einmal unterstrichen hat. Polen, das andere Land, das von dem Re- formplan der Studienkommission besonders betroffen wird, hat es vorgezogen, sich den Genfer Be° schlüffen, wenn auch nur widerwillig, zu fügen. Es rechnet wohl mit Bestimmtheit darauf, daß die Döl- kerbundsverfammlung feiner Wahl als nichtständiges Ratsmitglied für die nächsten sechs Jahre zustimmen wird, wenn es natürlich auch heute noch nicht sicher ist, daß es die nach der neuen Wahlordnung er- forderliche Zweidrittelmehrheit in der Vollversammlung eryallen wird. Das bedeutet für Deutschland gegenüber den Maibeschlüssen der Studienkommission eine tatsächliche Verschlechterung der Lage, wenn auch formell der Grundsatz gewahrt ist, daß Deutschland allein einen ständigen Ratssitz erhalt. In der praktischen Polittk wird doch eben Polen ?ls gleichberechtigter Kontrahent neben Deutschland im Völkerbundsrat auftreten. Man mag geneigt sein, pterin für Deutschland insofern einen Vorteil zu en buicn, als Polen nun als nichtständiges Mitglied des Rates gegen die Vorwürfe, die wegen der Ver- ZEwalllgung der deutschen Minderheiten aus Ost- cX’en' aus Dosen und Westpreußen vor das Genfer ,7orurn gelangen, sich selbst wird verteidigen muhen, eine Ausgabe, die es bisher feinem großen französischen Verbündeten überlassen hat. Dagegen bleibt jedoch die Tatsache bestehen, daß durch die Wahl Polens als nichtständiges Ratsmitglied die französisch-slawische Macht- Tagung der Reichsverdands der deutschen Industrie. Wirtfchaftspolitifche Forderungen. - Reichsfinunzminister Dr. Reinhold über das Wirtschaftsprogramm der Regierung. Dresden, 3. Sept. (Sil.) Aach einem Besuch der Leipziger Messe begannen heute die Dresdener Verhandlungen des Hauptausschusses des Reichsverbandes der deutschen Industrie, die ausschließlich der Exportförderung^ gewidmet waren. Dr. M a e r z, der Geschäftsführer des Verbandes sächsischer Industrieller, berichtete über die bisherige Gestaltung des amtlichen Auslandnachrichtendienstes und knüpfte daran die Forderung, daß die Reichsregierung mehr als bisher den amtlichen Auslandnachrichtendienst für die Zwecke der Wirtschaft verwende. Uni» versitätsprofessor Dr. Schmahlenb ach-Köln betonte, daß zu einer aussichtsvollen Pflege des Exportes unbedingt eine Wiederherstellung der Beweglichkeit der Betriebe und ihrer Organe gehöre. Er befürwortete auch eine wesentlich stärkere Einführung von Detriebstan- tiemen für die Betriebsleiter mittleren und niederen Grades. Aach der Hauptaus- schuhsihung fand mittags ein Empfang des Reichs- verbanbes durch den Rat der Stadt Dresden statt. Heute nachmittag begann die Haupt- t a g u n g mit einer Eröffnungsansprache von Geheimrat Duisbuerg. Unter den Ehrengästen befanden sich u. a. die Reichsminister Lw. Strese- mann, Dr. Curttus, Dr. Reinhold, der preußische Handelsminister Dr. Schreiber. Der Generaldirektor der Reichsbahn, Dr. Dorpmüller, Vertreter der Reichsbank, des Reichsgerichts, des Reichsheeres und der Reichsmarine, zahlreiche Parlamentarier und viele bekannte Führer der Industrie. Aach verschiedenen Begrüßungsansprachen hielt Geheimrat Kastl vom Präsidium des Reichsverbandes einen Vortrag über „Wirtschaftspolitische Forderungen der deutschen Industrie". Geheimrat Kastl beginnt mit der Stellungnahme des Reichsverbandes zur öffentlichen Finanzwirtschaft. Die zukünftigen Haushalte des Reiches, der Länder und der Gemeinden bedürften einer durchgreifenden Bereinigung mit dem Ziel, die Gesamtausgaben gegenüber 1924 um 20 Prozent S.u kürzen. Im Reichshaushalt sei allerdings die Sparmöglichkeit verhältnismäßig gering wegen der Höhe öec Kriegslasten verschiedener Art usw. Die größte Sparmöglichkeit liege unbedingt bei Säubern und Gemeinden, deren Steuerbedarf von drei Milliarden vor dem Krieg auf fünfeinhalb Milliarden heute gestiegen sei. Es müsse allerdings festgestellt werden, daß Länder und Gemeinden an der Ueberspannung ihrer Ausgaben nicht allein Schuld sind. Gewisse reichsgesetzliche Regelungen seien hier der Anlaß gewesen, Länder und Gemeinden zu immer größeren Ausgaben zu z w i n g e n. Hier fei der Finanzausgleich das Kernproblem. Die Wirtschaft habe ein erhebliches Interesse an einer baldigen, aber auch richtigen und vollständigen Lösung. Ziel jeder Finanzreform müsse eine Milderung der Steuerlasten sein. Das Zuschlagsrecht der Länder und Gemeinden dürfe nicht zu einer Erhöhung der Belastung der Wirtschaft führen. Die Länder wiederum mühten für einen gerechten Lastenausgleich zwischen den einzelnen Gemeinden und Kommunalverbänden sorgen, das Reich für einen solchen Ausgleich zwischen den einzelnen Ländern. Durch eine genaue, periodisch zu veröffentlichende Finanzstatistik müsse nach einem einheitlichen Schema Klarheit über die Lage der Länder und Gemeindefinanzen geschaffen werden. Hinsichtlich der Gewerbesteuer sei vor allem die reichsgesetz- liche Aufstellung einheitlicher Grundsätze durch ein Reichsrahmengesetz erforderlich. Die Gewerbesteuer müsse grundsätzlich aus dem Gewerbeertrag erhoben werden. 3m engsten Zusammenhang mit dem Finanzausgleich stehe die außerordentlich wichtige Aufgabe der Berwaltungsoereinfachung. Ls fei klar, daß auf die Dauer die einfache Verwaltungsreform nicht genügen könne und daß man auch die staatsrechtlichen Verhältnisse im Wege der Verfassungreform entsprechend ändern müsse. Wan braucht dabei nicht daran zu denken, das Eigenleben der Länder zu zerstören oder sie ganz zu beseitigen. Wenn die Länder sich dazu aufraffen würden, sich Selbstbefchrankung aufzuerlegen, dann würden sie am besten ihre historische Wission als Träger des Reiches erfüllen und am besten dazu beifragen, nicht nur das Reich, sondern sich selbst zu erhalten. Das Tarifsystem bei Eisenbahn und Post müsse bei geringster Belastung aller Teile und aller Gebiete der Wirtschaft höchste Leistungsfähigkeit garantieren. Ein besonders heikles Kapitel sei die Frage von Lohn - und Arbeitszeit. Eine günstige Lösung dieser Frage sei abhängig davon, ob es gelinge, eine Steigerung und zugleich Verbilligung der deutschen Produktion herbeizuführen, um die deutsche Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Ausland zu verstärken. Bei der Regelung der Bestimmungen für den Arbeiterschutz dürften die wirtschaftlichen Erforderniste nicht außer Acht gelassen werden. Mit Befriedigung sei festzu- stellen, daß in bezug auf das Bank- und Kreditwesen eine wesentliche Erleichterung für die Wirtschaft Platz gegriffen habe. Die Ermäßigung des Reichsbankoiskonts und die vermehrte Möglichkeit von Auslandanlechen seien hier maßgebend gewesen. Auch für inländische Hilfsmaßnahmen sei der Boden heute bedeutend günstiger. Der Wiederaufbau eines gesunden Realkredites sei nicht nur für die Industrie, sondern auch für die Landwirtschaft von besonderer Bedeutung. Auf dem Gebiet der Rationalisierung, Konzentratton und des Kartellwesens seien befriedigende Fortschritte unverkennbar. Der Erfolg und das Tempo der Rationalisierung seien allerdings vielfach eine Kostenfrage. Der mangelnde Absatz zwinge häufig dazu, von Neuinoestierungen von Kapital zur Verbesserung des Produktionsprozesses abzusehen. Allerdings bestehe in vielen Industriezweigen das unaesunde Bestreben nach Ueberrationalifierung und Ueoermechanisierung. Das großangelegte Regierungsprogramm zur Behebung der Arbeifslosigkeif sei nach Zweckmäßigkeit und Aussicht auf Erfolg von verschiedenen Voraussetzungen abhängig. Vor allem dürfe das Projekt nicht aus laufenden Mitteln finanziert werden. Ferner fei es verfehlt, zur Durchführung des Programms neue Steuerquellen zu erschließen oder Steuererhebungen vorzunehmen. Auch darf der Kapitalmarkt nicht zum Nachteil der Kapitalbeschaffung für Industrie und Landwirtschaft einer lleberbeanfprudjung unterworfen werden. Die auszuführenden Arbeiten des Arbeitsbeschaffungsprogramms müßten einer möglichst großen Zahl von Arbeitslosen und möglichst viel unterbeschäftigten Industriezweigen für eine längere Dauer Beschäftigung verschaffen können. Die Arbeiten müßten produktiv fein, d. h. in absehbarer Zeit eine Rente abwerfen, oder dazu führen, die allgemeine Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu steigern. Zu beachten seien die Auswirkungen des Arbeitsbeschaffungsprogramms auf die Durchführung und Finanzierung des Wohnungsbauprogramms. Zusammenfassend betont Geheimrat Kastl: Der Kampf der verschiedenen Auffassungen gegeneinander hat nicht den Sinn eines Streites um Anteile am Volkseinkommen, sondern er kann nur den Sinn haben, eine gemeinsame Basis für eine künftigeWiederaufwärtsentwicklung 3U finden. In diesem Sinne kämpft der Reichsoerband der Deutschen Industrie bei der Aufstellung und Verfechtung seiner Forderungen nicht gegen die Regierung oder gegen andere Wirtschaftsgruppen, sondern mit der Regierung und m i t den anderen Wirtschaftsgruppen für die wirtschaftliche Befreiung und den Wiederaufstieg des ganzen deutschen Volkes. Reichsfinanzminister Dr. Reinhold gedachte dann zunächst der trostlosen Wirtschasts- lage, die das zweite Kabinett Luther bei seinem Amtsantritt vorgefunden habe, und führte weiter aus: In den vergangenen Jahren mußte die Sorge um die Stabilisierung und Erhaltung der Valuta in den Vordergrund gestellt werden, so daß 1924 ein zuscharfes Anziehender Steuerschraube vielleicht berechtigt war, trotzdem war zu sehen, dav bei verminderter Wirtschaft die öffentlichen Kassen sich füllten. Daß diese Skeuerpflichten so lange aufrecht erhalten wurden, war wohl gegenüber der deutschen Wirtschaft und damit gegenüber dem Vaterland ein ganz großer Fehler. Die ganzen öffentlichen Gewalten, Reich, Gemeinden und Kommunen, breiteten sich mit ihrem Geld in die Privatwirtschaft aus. Der Kreis der öffentlichen Steuerzahler wurde dadurch außerordentlich eingeschränkt. Wir wissen, daß in diesen Jahren die Gemeinden mit den Steuergeldern sich außerordentlich viel Grundbesitz zuge- legt haben. Die Wirtschaft muß sich daran gewöhnen, daß das Reich nicht die Aufgabe hat, Bankier der Wirtschaft zu fein, da es ein ganz unerhörter Zu stand ist, daß man in gut geleiteten Betrieben die Steuern abmildert, um damit schlecht arbeitende und faule Konkurrenten zu stützen. Wir muffen den Bedarf einschränken auf das Minimum, aber wir müssen auch die Verpflichtungen der Kreditwirtschaft den dazu geschaffenen Sachverständigen und den Banken, in erster Linie aber den Banken, überlassen. Es scheint mir für unser Volk, das im Augenblick unendlich hohe Lasten zu tragen hat, ganz falsch, wenn wir auch die Lasten, die wir mit Recht verteilen können auf spätere Zeiten und Generationen, jetzt schon unserer Wirtschaft aufbürben. Ich habe deshalb nach hartem Kampfe mein Setuermilderungsprogramm eingebracht und mochte daraus Hinweisen, daß dieses Programm die gefährlichste und sinnloseste Steuer, die Luxussteuer, und damit die Besteuerung der deutschen Qualitätsarbeit, beseitigt hat. Daß wir weiter in dieser Zett der Kredit- und Geldnot einen Termin der Dormögenssteuer ausfallen ließen, hat gewiß dazu beigetragen, daß dieses Frühjahr firr viele Betriebe erleichtert wurde. Die Ermäßigung der Umsatzsteuer gehörte ebenfalls zu meinem Programm. 350 Millionen, die nicht in die öffentlichen Kassen geflossen sind, sind in der Wirtschaft geblieben, und ihr belebender Einfluß ist in der Wirtschaft sicher besser gewesen. Wir müssen uns endlich, daran gewöhnen, daß wir die Ausgaben anpassen an die Einnahmen. Wegen der schwierigen Struktur Deutschlands, die einen viel 'zu großen Aufwand von Deamken- apparaten erfordert, muß endlich ein Abbau eintreten,. nicht in bet Form, daß wir schematisch die Beamten abbauen, sondern daß wir die Ausgaben abbauen. Das Reichskabinett hat gestern den von mir vorgelegten Plan einer organisatorischen Hmbilbung meines Ministeriums gebilligt, der davon ausgeht, daß wir die Hemmungen beseitigen müssen, die durch das Reben- und Durcheinander der letzten Jahre geschaffen wurden. gruppe ganz erheblich 0 erstärkt wird. Die Lage Deutschlands würde dadurch nicht besser, daß, wie es den Anschein hat, das neutrale Spanien aus dem Rat ausscheidet und seinen Plag der panische Delegierte einnimmt. Diese harten Tatsachen der praktischen Politik wiegen unseres Erachtens den moralischen Sieg auf, den Deutschland zweifellos durch feinen alleinigen Eintritt als ständiges Rats- Mitglied errungen hat. Der Bericht der Studienkommission sieht vor, daß die Vollversammlung nach Deutschlands Eintritt bereits in dieser Herbsttagung die Wiederwählbarkeit von drei Mächten als nichtständige Rots- mitglieder auf weitere drei Jahre aussprechen kann. Vorgesehen hierfür waren einmal Spanien, dessen Verbleiben im Völkerbund nun allerdings sehr unsicher geworden ist, ferner Polen und als dritte Macht vermutlich Belgien. Der Vollversammlung bleibt es vorbehalten, innerhalb der ersten drei Jahre in einer besonderen Wahlhandlung noch andere Mächte als wiederwählbar zu bezeichnen. Hierzu wird man sich indessen kaum bereit finden. Ob nun dieses Ergebnis der Beratungen in der Studienkommission auch die einmütige Zustimmung der Völkerbundsoersammlung finden wird, muß dahingestellt bleiben. Die Frühlingstagung hat olle Optimisten dahin belehrt, daß man auch in Genf niemals vor unliebsamen Ueberraschungen sicher ist. So erscheint es auch heute noch zweifelhaft, ob nicht zum Beispiel ein- der südamerikanischen Mächte oder China als Vertreter des asiatischen Kontinents oder schließlich ein Staat des nordischen Blocks einen dieser wiederwählbarcn, nichtständigen Ratssitze für sich beansprucht. Darüber würde bann die auf komplizierten mathematischen Formeln aufgebaute Einigkeit bald wieder in die Brüche gehen. Deutschland wird diesmal nicht wie im Frühjahr in Genf antichambrieren. Das Reichskabinett hat zwar in feiner Donnerstagsitzung die Zusammensetzung der für Genf bestimmten deutschen Delegation bereits beschlossen. Die Delegation, zu der diesmal auch Parlamentarier aller Parteien mit Ausnahme der Deutfchnationalen treten, wird jedoch in Berlin bleiben, bis die Völkerbundsversammlung alle Voraussetzungen für den Einzug Deutschlands in den Genfer Reformationssaal geschaffen hat. Ein Stresemann-Interview. Völkerbund. — Enpen-Malmedh. — Das Kolonialproblem. — Deutschland- Italien. Dom. 3. Sept. (Wolff.) Die Turiner „©a- zetta del Popolo" veröffentlicht eine Unterredung, die der deutsche Reichsminister des Aeuhern Dr. Stresemann ihrem Berliner Korrespondenten Pros. Senatra gewährt hat. Der Minister erklärt darin, daß zwar die Erfahrungen der Märztagung des Völkerbundes d ie Möglichkeiten des Unerwarteten in sich bergen, daß man aber nach der derzeitigen Lage den Eintritt Deutschlands als sicher a n - nehmen könne. lieber die Eupen-Malmedy- Frage erklärt Dr. Stresemann dem Korrespondenten, daß es sich bei dem materiellen Objekt dieser inoffiziellen Verhandlungen um eine Summe gehandelt habe, die etwa den zehnten Tell der von amerikanischer Seite genannten 1,5 Milliarden ausmachte, und daß auch sie nicht von Reichswegen, sondern etwa als eine Befreiungsanleihe im Rheinland privat hätte aufgebracht werden müssen. Die Frage falle übrigens nicht unter die Kompetenz des Völkerbundes. Schlieh- l'.ch berührte der Minister auf eine Frage des Interviewers das Kolonial-Problem, das gleichermaßen Deutschland und Italien interessiere. Er unterstrich dabei, daß es in dieser Frage nur eine einheitliche öffentliche Meinung in Deutschland gebe, und daß man mit bezug auf sie dem deutschen Dolle auf das bitterste Unrecht getan habe. Ob und wann sie wieder akut werde, sei im Augenblick nicht zu sagen. Endlich äußerte der Minister feine große Befriedigung darüber, daß die deutsch-italienischen Beziehungen sich nach den lauten Auseinandersetzungen der Vergangenheit toef entlieh gebeffert haben. Die Verwaltungsreform ist vor allem nötig auch in den Ländern und Gemeinden. Eng damit im Zusammenhang steht der Finanzausgleich. Sch bin entschlossen ihn durchzufuhren, sobald die nötigen Unterlagen zu beschaffen sind. Die Grunüzüg« dieses großen Planes mühten in erster Linie darin bestehen, daß wir die finanzielle Selb stverant- Wortung der einzelnen Körperschaf- t en. die das Geld bewilligen müssen, wieder starren. Dos kann geschehen in erster Linie durch die Ginführung von Zuschlägen für die Einkommensteuer. Kommt es wieder dahin, dah, wenn ein Stadlparlament die Einkommensteuer von 145 auf 146 Prozent in die Höhe setzen will, ein groher Kampf in der Bürgerschaft los- gcht, dann wird ein gesunder Zustand in den Gemeindefinanzen eintreten können. Es müssen auch Kautelen geschaffen werden, dah wir aus der Vielheit unserer Steuern heraus- . kommen. Es ist zweifellos sinnlos, wenn das Reich Steuern ermäßigt und Länder und Gemeinden gleichzeitig eine Steuer erhöhen. Wir wollen deshalb in unserem Finanzausgleich das schwere Problem lösen, das wir die Realsteuern in eine Relation bringen zu den Zuschlägen der Einkommensteuer. Die Realsteuern sollen ferner durch ein Rahmengesetz vereinheitlicht werden Uftr, scheint, daß es auch notwendig ist, mit den Ländern und Gemeinden zu einer vernünftigen und organischen Regelung der auf dem Grundbesitz lastenden Steuern zu gelangen, damit sie leicht berechenbar werden irrtb die Beleihung nicht verhindern, ferner die Möglichkeit geben, auf dem Markte wieder den normalen Verkehr zu schaffen. Es ist schon mehrfach betont worden, daß im Vordergrund unserer finanzpolitischen Erwägungen die absolute ErhaltungunsererWäh- r u n g steht. Vermutlich wird in der nächsten Zeit ein neues Ereignis eintreten, das beweisen wird, wie fest auch in der ganzen Welt unsere Währung steht. Die Reichsregierung hat die Pflicht, eine Tleuausrollung des Aufwertungsproblems nicht zuzulassen. Wir haben aber auch die Pflicht, dafür zu sorgen, daß wir keinen Heber- schuhetat bekommen. Die reduzierte Dörsen- umsatzsteuer hat im Juni und Juli das doppelte Ergebnis der Vormonate gebracht. Sch empfehle den Gemeinden, auch mal ihrerseits gewisse Sähe ihrer Steuern zu prüfen. Vor der Einführung von Zuschlägen zur Einkommensteuer werden wir auch die Einkommensteuer selbst uns einmal entschieden ansehen müssen. Sch habe mich von jeher dafür interessiert, das in England beliebte System, daß die Geschäftsbllanzen durch vereidigte Revisoren nachgeprüft werden, so daß die Steuerbilanz mit der Geschästsbilanz identisch ist, auch in Deutschland einzuführen. Mit voller Loyalität werde ich die V e r p f l i ch - tungen aus dem Dawesplan erfüllen, solange die wirtschaftliche Möglichkeit dazu gegeben ist. Daß ich aber ebenso für die vernünftige Anpassung an die wirtschaftlichen Rotwendigkeiten Deutschlands eintreten werde, ist gewiß. Der Minister drückte die Heberzeugung aus, daß die ganze Welt sich einmal gegen die Daweszahlungen wehren wird. Man müsse das ganze Problem aus dem politischen Gebiet herausbringen und auf das wirtschaftliche Gleis sichren. Zum Schluß erllärte der Finanzminister: Sch 'ehe unendliche Schwierigkeiten und einen großen Leidensweg. Von einer günstigen Lage unterer Finanzen kann Seine Rede sein. Aber ich glaube an Deutschland und an Deutsch- l lands Zukunft. 7 Dir glauben an das Reich, an dessen Spitze jetzt der greife Führer steht, vor dessen 7 vorbildlicher Treue zu Volk und Vaterland wir uns alle in Ehrfurcht beugen. (Stürmischer Verfall.) Wir werden unser Reich durchreiten zu einer besseren Zukunft und den schweren Weg der Arbeit gehen müssen. Sch weiß, dah dieser Weg schwer ist, aber wir müssen, welch politischen Glaubens wir auch sind, gemeinsam den Weg gehen, weil meiner festen Heberzeugung nach nur am Ende dieses Weges das Ziel steht, zu dem wir alle streben: Der Wiederaufbau unserer Ration, die alte deutsche Größe und die neue deutsche Freiheit. (Die Versammlung erhebt sich und bringt dem Minister brausende Ovationen.) Geheimrat Dulsberg dankte dem Minister für seine Ausführungen und sprach den Wunsch aus, daß es auch gelingen möge, bei den Landesfinanzministern den gleichen guten Willen zu erzielen. Hierauf wurde einstimmig beschlossen, fol- genbed Telegramm an den Reichspräsi- d ent en abzusenden: Die 3000 Vertreter der heute in Dresden zu ihrer diesjährigen Tagung Versammelten im Reichsverband zusammengeschlvssene deutsche Sn- dustrie entbietet Shnen, hochverehrter Herr Reichspräsident, die ehrerbietigsten Grüße und ge toben, alle ihre Kräfte in den Dienst der Wiedererstarkung der deutschen Wirtschaft zum Heile des Vaterlandes zu stellen. — Die Dev- handlungen wurden sodann auf Samstag vertagt. Die Einkommensteuer- Veranlagung. Eine Anfrage im Preußischen Landtag. Berlin, 3. Sept. (TU.) Im Preußischen Landtag ist folgende Kleine Anfrage Janssen (Dntl.) ein- gcgangen: Dem Staatsministerium wird bekannt sein, daß über das Vorgehen der Finanzämter bei der Einkommen st euerveranlagung zahlreiche Stimmen der Beschwerde, ja der Erbitte- rimg, aus den Kreisen der gewerbetreibenden Steueroflichtigen laut geworden sind. Die Tages- presfe hat in Der letzten Zeit wiederholt darüber berichtet. Die Hauotursache dieser Beschwerde ist darin zu suchen, daß Die Finanzämter vielfach in rigoroser Weise unter Abweichung von den seitens der Steuerpflichtigen eingereichten Unterlagen Schätzungen des Einkommens vorgenommen haben, wodurch die Steuerpflichtigen zu außerordentlich hohen Steuerleistungen veranlagt werden, die in keinem Verhältnis zu ihren Betriebsergebnisfen stehen. — Es steht mit dem Gesetzeswillen in Widerspruch wenn Finanzämter im Neuoeranlagungsverfahren das Sy- ft em Der Besteuerung nach dem Umsatz beibehalten. Trotzdem wird durch viele Finanzämter in der Praxis so verfahren. Wir fragen daher: Ist das Staatsministerium bereit, das Reichsfinanzministerium zu ersuchen, 1. die Finanzämter anzuweisen, bei der Einkommensteueroeran- lagung sich streng an den Willen des Gesetzes zu halten und in allen Fällen, in denen der Steuerpflichtige seine Steuererklärung auf Grund einwandfreier Buchführung oder Aufzeichnungen erstattet, von einer Schätzung des Einkommens ab^ufehen: 2. darauf hinzuweisen, daß in allen Fällen, in denen trotz einwandfreier Buchführung durch die Finanzämter zu Schätzungen geschritten ist, die Steuerveranlagung unverzüglich wieder aufgehoben und auf Grund der Buchführungsunterlagen des Steuerpflichtigen neu v arge n o m m en wird? gum Volksentscheid in Hessen. Bekanntlich hatte der Landesabstimmungsausschuh in- seiner letzten Sitzung den Antrag Kollbach-Kleinkurt einstimmig angenommen, der dahin ging, zwecks Klärung verschiedener strittiger Rechtsfragen Rechtsgutachten einzuholen. Diese Gutachten sind inzwischen. wie uns mitgeteilt wird, zum Teil bereits seit einigen Tagen, von feiten der bekannten Staatsrechtler und Hniversitätsprofessoren Dr. G m e l i n - Gießen und Dr. Giese- Frankfurt a. M., sowie der Verwaltungsjuristen Ministerialdirektor Dr. Schwarz- Darmstadt unb Ministerialrat Dr. Kais enb erg-Berlin beim hessischen Landesabstinunungsleiter eingetroffen. Damit hat sich auch bewahrheitet, was der Vertreter des Wirtschafts- und Orbnungsblocks, Generalsekretär K o l l b a ch zum Ausdruck brachte, daß nämlich bie erwähnten Rechtsgutachten zweifellos eher vorliegen würben, als das Ergebnis der erneuten Prüsimg der Hnte^eich- nungslisten durch den Landesabstimmungsleiter. Es steht zu erwarten, daß auf Grund der eingetroffenen Rechtsgutachten bie Arbeiten des Abstimmungsausschusses eine wünschenswerte De- schleuntoung erfahren werden; allerdings liegt eine Einladung zur nächsten Sitzung bislang immer noch nicht vor. Die Schlußsitzung der Studienkommission. Einstimmige Annahme des Berichtes. Genf, 3. Sept. (WTD.) Der Prüfungsausschuß genehmigte in seiner Schlußsitzung heute vormittag e i n st i m m i g ohne Debatte d i e endgültige Fassung des Berichts, der dem Völlerbundsrat über die ihm vorgelegten Fragen in be^ug auf die Hmbildung des Völler- bundsrates übermittelt wird. Einstimmig angenommen wurde eine Entschließung, die, w'.e Lord Robert Cecil sich ausdrückte, als Botschaft in besonders feierlicher Weise der spanischen Regierung den ernsten Wunsch des Prüfungsausschusses übermittelt, seine Bemühungen zum weitestgehenden, unter den heute gegebenen Hmständen möglichen Entgegenkommen einer wohlwollenden Prüfung zu unterziehen. Präsident Motta erklärt nach einer Schlußansprache, daß die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund mit einem ständigen Ratssitz nunmehr keinen Schwierigkeiten mehr begegnen könne. Sn bezug auf die Haltung Spaniens könne noch nichts gesagt werden. Der Ausschuß hoffe, dah die spanische Regierung die feierliche Entschließung richtig würdigen werde. Bei den Beratungen des Ausschusses sei kein Wort gefallen, das nicht von der herzlichsten Freundschaft und der größten Hochachtung für Spanien eingegeben gewesen sei. Das zeige auch jede Linie der vom Prüfungsausschuß empfohlenen Regeln für die Wahl der nichtständigen Ratsmitglieder. Der Bericht des Prüfungsausschusses wiederhvll die bereits im Mai beschlossene Empfehlung des Prüfungsausschusses zugunsten der Verteilung der nichtständigen Ratssitze nach geographischen Gesichtspunkten unb für die Zuerkennung von drei nichtständigen Ratsfitzen an Lateinamerika und erllärt weiter unter Betonung der Freiheit der Völker- bundsversammlung bei der Wahl der nichtständigen Ratsmitgkieder: Rach der Auffassung des Ausschusses würden die Aenderungen, die der Reglementsentwurf in der gegenwärtigen Organisation des Völkerbundsrates herbeiführen würde, der Völkerbunds Versammlung erlauben, einen besonderen Rechts titel in Rechnung zu (teilen, die sie bestimmten Staaten in bezug auf ihre Vertretung im Völkerbundsrat während einer über gewöhnliche Mandatsdauer hinausgehende Periode zuerkennen toürbe. Zum Schluß wird noch fesv- gestellt, daß es nunmehr dem Völkerbundsrat obliegt, sich über die Schraffung eines ständigen Ratssitzes für Deutschland unb über drei nichtständige Ratssitze auszusprechen, wobei die Völkerbundsverscimmlung seine Entscheidung sowie das vorgeschlagene Reglement für die nichtständigen Ratssitze werde bestätigen können. Zwischen zwei Stühlen. Spaniens Politik in Genf. Paris, 4. Sept. (W.T.B. Funkspruch.) Der außenpolitische Korrespondent des „Matin", Sauerwein, der sich in Genf aufhält, beschäfttgt sich in einem Telegramm mit der Haltung Spaniens gegenüber dem Völkerbund. Spanien habe sich selbst in eine heikle Lage gebracht. Es lehne die ihm angebotene Kombination ab unb es fordere weiter einen ständigen Sitz, nicht wie Brasilien, um einer Frage der Grundsätze willen, fonbern es habe bei der Aufstellung seiner Forderung sich nicht geniert zu sagen, daß, wenn es in der Tangerfrage Erfolge habe, in Genf sich nachgiebig zeigen werde. Die nackte Tatsache fei, dah Spanien weder Tanger noch einen ständigen Sitz im Völkerbundsrate erhalten werde, während es geglaubt habe, dah es unfehlbar wenigstens eines von beiden erreichen werde. Auf diese Weise sei die Gefahr vorhanden, bah der Erfolg, den General Primo be Rivera zur Festigung seiner Stellung notwendig gehabt habe, zu einem vollkommenen Mißerfolg werde. Gut wäre es, wenn er sich jetzt dem Hnvermeiblichen beuge und sich rasch unter den Mächten bie Hnterstühung suche, bie er brauche, um sich eine Popularität zu schaffen. Es würbe genügen, wenn er in geschickter Wendung erklären würbe, er erwarte von der Zukunft die Befriedigung, auf die er rechne unb wolle nicht bie Verantwortung auf sich nehmen, bas Gebäude in Genf zu erschüttern. Der Prüfungsausschuß habe gestern alles getan, um ihm einen ehrenvollen Rückzug zu erleichtern. Aus Genf waren auch in den gestrigen Abendstunden bestimmte Rachrichten über bie Stellungnahme der spanischen Regierung nicht zu erhallen. 3*n englischen Kreisen glaubt man, daß der spanische Gesandte Palacios bereits in den Rachmittagsstunben des Samstags Genf r> e r I a f i e n und Spanien mit diesem Akt offiziell sein Desinteressement am Völkerbund bekunden werde. Eine zweite Version, die in neutralen Völkerbundskreisen verbreitet ist, will davon wissen, dah die spanische Regierung zurzeit keine positiven Beschlüsse fassen wird, sondern den Gang der Ereignisse abtoarten will. 3n diesen Kreisen glaubt man, daß bevor in der Tangerfrage nicht das letzte Wort gesprochen ist, die spanische Regierung kein Interesse an einem Bruch mit dem Völkerbund habe. Der spanische Gesandte Palacios, der im übrigen bie Rachricht von seiner Abreise im Laufe des Samstags betätigte, weigerte sich, nähere Angaben über die Gründe, die ihn zu seiner Abreise veranlassen, zu machen. Ratürlich würde es vor allem im Znteresse Frankreichs und Polens liegen, wenn Spanien vorläufig dem Völlerbund treu bleibt, da hiermit der Eindruck verwischt würde, als sei der einzige Rutznieher der Beschlüsse der Studienkommission der polnische Staat. Kleine politische Nachrichten. Reichspräsident von Hindenburg wird sich in den nächsten Tagen zur Fahrt nach Bad Kreuth begeben, wo er bei Herzog Ludwig Wilhelm in Bayern Quartier nehmen wird. Am 11. September verläßt der Reichspräsident bereits wieder das Oberland, um in die Reichshauptstadt zurückzukehren. Der Chef der Marineleitung, Admiral Zenker, hat gegen den „Vorwärts" und gegen den „Montagmorgen" Strafantrag wegen Beleidigung Der Marine gestellt. Als Grund sind unberechtigte Angriffe der beiden Blätter aegen die Offiziere des Kreuzers „Hamburg" anzufeyen. Dr. Böhme, der geschäftsführende Vorsitzende des Deutschen Bauernbundes, hat aus gesundheitlichen Rücksichten Den Vorsitz im Deutschen Bauern- bunD nieDergelegt. Nach BlättermelDungen aus MaDriD sind zwölf Deutsche, Die angeblich aus Hamburg stammen, vor dem spanischen Kriegsgericht in Melilla erschienen. Alle zwölf sind Des Verrats militärischer Geheimnisse während des Marokko- feldzuges angeklagt. Die Verhandlungen über Den rumänisch- italienischen FreunDschaftsvertrag sollen abgeschlossen und Der Vertrag bereits paraphiert sein. Die formale Unterzeichnung Des Vertrages merDe gelegentlich Des Besuches Des Generals Averescu in Rom erfolgen. Aus aller Welt. Eröffnung der Berliner Funkansftellung. Zn Berlin fand bei schönstem Wetter die Eröffnung der Großen Deutschen Funkausstellung statt. Gleichzeitig würbe bas neue Wahrzeichen Berlins, der Berliner Funkturm, ein- geweiht unb dem Verkehr übergeben. Hnter den sehr zahlreich erschienenen Ehrengästen bemerkte man u. a. die Minister Dr. Külz, Dr. Dell, Dr. Haslinbe, Dr. Becker, Severing, von der Industrie Kommerzienrat Dr. Paul Mamroth unb Graf Arco. Oberbürgermeister Böß hielt bte Weiherebe. Die Eröffnung der Großen Deutschen Funk« ausstellung 1926 begann mit einer Rebe des Staatssekretärs a. D. Dr. Bredo w. Zum dritten Male hat sich bie deutsche Funkindustrie zu- fammengetan, um in einer imposanten Kundgebung zu zeigen, daß dieser junge Wirtschaftszweig trotz des schweren Existenzkampfes auch im verflossenen Jahre mit einer Opferwilligkeit die funktechnische Entwicklung gefördert hat, die ihresgleichen sucht. Die Schätze von Kunst und Wissenschaft, aus denen der Rundfunk schöpfen kann, sind unermeßlich. Von der Leistung der Technik wird eS abhängig sein, ob der Rundfunk die ihm zufallenden Aufgaben auch wirklich erfüllen kann. Bundestag des Gewerkschaftsbnndes der Angestellten. Auf dem Bundestag des G. D. A. stellte Reichstagsabgeordneter Gustav Schneider- Berlin bei seinem Rückblick fest, dah der Bund auch in politischer Beziehung den richtigen Weg gegangen sei. Der G. D. A. wirb weiter alle Schritte unterstützen, die, wie das Dawesabkom- men geeignet sind, der Befreiung Europas zu dienen. 3n wirtschaftspolitischer Beziehung bedauerte Schneider die falsche Zollpolitik. Die Rationalisierung mühte eine Preissenkung im Gefolge haben, sonst hätte sie ihren SvM verloren und die Opfer der Arbeitnehmer wären nutzlos gewesen. Hm gute Wohlfahrt und Sozialpolitik zu gewährleisten sei der Einheitsstaat notwendig, der alles einheitlich, schneller und treffender regeln könnte. Eine Senkung der Lohnsteuer sei erforderlich eine Herabsetzung der Befitzsteuern könnte nur unter gleichzeitiger Herabsetzung der Lohnsteuern vorgenommen werden. Max R o e s i n g e r, Mitglied des Reichs- wirtschaftrates, erllärte: Der G. D. A. werde auch in Zukunft den Kampf um Durchdringung der Wirtschaft mit sozialem Geiste und sozialem Rechte als Voraussetzung des Wiederaufbaues der deutschen Volkswirtschaft mit aller Entschiedenheit toetter führen. Vierkötter in Berlin. Der Deutsche Kanalschwimmer Ernst Vierkötter ist im Berliner Flughafen eingetroffen. Vertreter Der staatlichen unD städtischen Behörden sowie Die sportlichen Organisationen hatten sich zu seiner Begrüßung eingefunDen. Eine nach vielen Tausenden zählende Menge umsäumte Den Flughafen unD Die Zufahrtsstraßen. Nach Den offiziellen Ansprachen wurDe Vierkötter auf Dem Flugplatz von Sportbegeisterten auf Die Schulter gehoben unD Durch Die jubelnDe Menge nach Dem wartenDen Auto getragen. Auf Dem Berliner Rathaus wurDe Vierkötter Durch Den Oberbürgermeister ein Ehren- trunk kreDenzt. Hieran schloß sich ein Bankett im engsten Kreise an. Abends fanD ein groher Kommers Der schwimmsportlichen VerbänDe in Der „Neuen Welt" zu Ehren Vierkötters statt. Wettervoraussage. Bei schwach wechselnDen Winden vielfach heiter bis wolkig, etwas kühler. Dann wieder langsames Aufsteigen Der Temperaturen, Durchweg trocken. Aus der Prsvinzialhauptftadt. Gießen, den 4. September 1926. ] Emanuel Schmuck f. „Man braucht sich nicht künstlich Sorgen zu machen; Das tun nur Schwächlinge. Der Starke aber fürchtet sich nicht, wenn ihm das Leben Schwierig- keilen bringt. Er nimmt wohlgemut Den Kampf mit ihnen auf unD erlebt feine grüßte und reinste Freude aus ihrer Ueberwindung." Diese Worte, die Schul- rat Schmuck als Schriftleiter der „Turn-Zeitung für den 9. Kreis" in der Neujahrsbetrachtung von 1926 sein-« Turnschwestern und Turnbrüdern zurief, kennzeichnen so recht den Mann, der über 25 Jahre lang an der Spitze des Mittelrheinkreises der Deutschen Turnerschaft geftanben. Ein echter deutscher und treuer Mann vom Scheitel bis zur Sohle, fv hat er gar manches Mal im Kampfe gestanden gegen die Widerwärtigkeiten, die sich ihm im Leben auftaten, und er hat sie auch in einem über 71 Jahre dauernden Lebenskämpfe siegreich überwunden. Zu Worms, der alten Reichsstadt am Rhein, am 16. April 1855 als Sohn eines BuchoillVDrmeisters geboren, erhielt er seine erste Ausbildung in der dortigen Realschule und besuchte später bas Lehrerseminar zu Bensheim. An Der Realschule zu Singen fand der junge Lehrer seine erste bienftlidje Verwendung. Schon dort regte sich in iym der turnerische Geist, der auch in Der Gründung eines Turnvereins zum Ausdruck kam. Durch den Besuch eines Turnkursus erhielt er 1876 die Befähigung zum Turnlehrer und als solcher wurde er 1879 an die damalige Realschule in Gießen berufen. An dieser Anstalt entfaltete sich in einer achtjährigen Tätigkeit seine reiche turnerische Begabung. Bald sah man ihn mitten im turnerischen Vereinsleben stehen, anfangs als 1. Schriftführer, dann als 1. Sprecher des Turnvereins von 18 46. Mit gleichgesinnten Freunden gründete er 1885 den Gießener Männer-Turnverein, dem er stets seine Liebe und Zuneigung bewahtte. In Bingen, an dessen Realschule er 1887 versetzt wurde, stand er in kurzer Zeit an der Spitze des Dortige Turnvereins, unD balD kürten ihn Die Rheinhessen zu ihrem 1. Gauoertreter. Im Jahre 1900 wurDe er von seinen Turnbrüdern mit der Leitung des Mittelrheinkreises betraut. Acht Jahre später erfolgte seine Berufung als Landesturninspektor nach Darmstadt, und wahrlich, man hätte keinen Besseren unb Würdigeren mit der Leitung des gesamten hessischen Schulturnwesens betrauen können als E. Schmuck. Mit frischem, fast jugendlichem Eifer ging er ans Werk. Zahlreiche Unterweisungskurse für Lehrer wurden eingerichtet, und neues turnerisches Leben hielt in den hessischen Schulen seinen Einzug. Daneben wurde auch das Vereinsturnen durch staatliche Unterstützung gefördert. Bald zeigte sich überall im Hessenlande der befruchtende Geist des neuen Turninspektors, der in dieser Eigenschaft bis zu seiner im Herbst 1923 erfolgten Ruhestandsversetzung restlos tätig war. Auch der Hessische Lehrer- turnoerein verdankte ihm seine Entstehung. Dabei widmete E. Schmuck, der von seiner Behörde durch Den Titel „Schulrat" ausgezeichnet wurde, seine Kraft auch der Deutschen Turnerschaft, die ihn 1919 in Anerkennung seiner Verdienste um die deutsche Turnsache zu ihrem Ehrenmitgliede mit Sitz und Stimme im Hauptausschusse ernannte. Auch schriftstellerisch ist Schulrat Schmuck vielfach tätig gewesen, so als Mitarbeiter an der Deutschen Turn- zeitung, sowie durch Herausgabe eines neuen Lehrbuches für den Turnunterricht. Als 1924 der Mittelrheinkreises der D. T. das Wiedererscheinen einer eigenen Turnzeitung beschloß, übernahm Schmuck bereitwilligst die Schriftteitimg, und hat diese bis zu seinem Tode mit großem Geschick und Erfolge geführt. Die Liebe unb Verehrung, die er überall genoß, zeigte sich so recht bei der Feier seines 70. Geburtstages, an dem ihm zahlreiche Ehrungen zuteil wurden. Trotz seines hohen Alters stand der nunmehr Heimgegangene noch bis vor kurzer Zeit frisch an Körper und Geist mitten in der turnerischen Arbeit. So galt sein ganzes Wirken und Streben Den hohen Zielen des deutschen Turnens, denen er unentwegt stets nachgestrebt. Nun ist er von seinen Turnbrüdern geschieden, Denen er so lange Zeit ein treuer FreunD und ein hervorragender Führer war. Geblieben aber ist sein Geist, Der durchglüht von Dem Gedanken, einer guten und edlen Sache zu Dienen, in ihm lebte. UnD dieser Geist möge in Der Deutschen Turnerschaft, besonders aber im Mittelrheinkreise, weiterleben und dort eine eifrige Pflegestätte finden. G—g. Die Eisenbahnbrücke an der Ederstratze befindet sich gegenwärtig im Umbau. Den Anlaß dazu gab Die bevorstehende Indienststellung schwere- rer Lokomotiven unD Die Dadurch bedingte stärkere Belastung der Brücken. In anerkennenswerter Weise haben die städtischen Körperschaften die gün- ftige Gelegenheit benutzt und durch Zahlung einer Beihilfe zu den Baukosten die Verbreiterung der Brücke sichergestellt. Die Brücke, die jetzt vier Meter lichte Weite hat, wird nach dem Umbau zwölf Meter lichte Weite aufweisen und damit den Zukunftsnotwendigkeiten des Straßenverkehrs gerecht werden. Damit die Bauarbeiten unter Aufrechterhaltung des vollen zweigleisigen Eisenbahnbetriebs auf der stark in Anspruch genommenen Strecke oorgenom« men werden konnten, mußten zur Sicherung des Betriebes zunächst umfangreiche Vorkehrungen getroffen werden. Die beiden Gleise wurden durch je zwei behelfsmäßige Eisenkonstruktionen, deren Auf- lager auf einer Seite das alte Mauerwerk, auf Der arideren ein in den Bahndamm auf einer Betonplatte angeordneter Schwellensteg bildet, abgefangen. Sodann wurden zu beiden Seiten Der alten Brücke gleichzeitig Die ErDarbeiten in Angriff genommen. Zum Abfangen Der erheblichen, auf Die neuen Erdwände infolge Der Verkehrslast wirken- Den Drucke mußte von Der ausführenden Firma eine stabile Befestigung dieser Wände vorgenommen werden. Der sehr sorgfältige Einbau mittels starker Kanaldielen und Rundholz von nicht unter 25 Zentimeter Durchmesser bewirkt, daß Erschütterungen beim Ueberfahren der Baustelle durch die Züge kaum bemerkbar sind. Die Erdbewegungen wurden innerhalb dreier Wochen fertiggestellt. Gegenwärtig werden die Frmdamente, die für das neue Dau werk mit 1,70 Meter Tiefe und 4 Meier Breite bemessen sind, mit Beton ausgestampst. Rach deren Fertigstellung mutz, wiederum unter Obwaltung größter Sorgfalt, der Einbau der Dersttebungen nach und nach entfernt werden, damit die Betonmauern hochgeführt werden können. , Aus die neuen Mauern wird dann unter Beseitigung der jetzigen behelfsmäßigen Eisen- konstruktivn eine andere aufgelegt und hierauf oer Abbruch de- alten Bauwerks vorgenommen. Schließlich wird mit der Montage einer eifernen Drücke, an Stelle der Hilfskonstruktionen. die neue Ueberführung vollendet. Als Zeitpunkt der Fertigstellung wird der 1. Oktober genannt. Das Mischen des Detonmaterials geschieht mittels einer neuzeitlichen Mischmaschine, das Einbringen aus Gleisen, die durch den Bahndamm hindurchgelegt sind. Das Dauwasser muhte mit einer provisorischen Wasserleitung aus 400 Meter Entfernung herbeigehvlt werden. Die Erd- und Detvnarbeiten werden von der Firma Baugeschäft Martin Abermann in Dieben ausgesührt, die Eifenkonstruktion der neuen Drücke wird von der Firma Hilgers in Rheinbrohl geliefert. Damit der Eisenbahnbetrieb jederzeit wirksam gesichert ist, wird die Baustelle Tag und Rächt scharf überwacht. Die Züge dürfen die ilnüwiu stelle nur mit einer Stundengeschwindigkeit von 20 Kilometer passieren. Vornotizen. — lageskalendcr für Samstag: Artlllerie-Bcrein: 8.30 Uhr, „Hessischer Hof", Mo- natsoersammlung. — Marine-Verein: 8.30 Uhr, Dereinslokal, Monatsversammlung. — Erste Reichs- kurzschriftgesellschaft „Gabelsberger": 8.30 Uhr, -tobt Lich", Versammlung. — Elsaß-Lothringer: 8.15 Uhr, Hotel Köhler, Monatsversammlung. — ^Geflügel- und Vogelzuchtoerein: 8.30 Uhr, „Pfälzer Hof", Monatsversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Tragödie einer Entehrten". — Palast-Lichtsoiele, Kirchenplatz: „Pat und Pata- chon auf der Weltreise" und Gastspiel der Darsteller. — Astoria-Lichtspiele: „Mut Monty, es wird schon schief gehen". — Tageskalender f ü r Sonntag: Bienenzüchter-Verein: 3 Uhr nachmittags, Frankfurter Straße 81, Versammlung. — Schützenverein: 4 Uhr nachmittags, Freiflug-Preisschießen. — Lichtspieltheater wie Samstag. — Gabelsberger Stenographen- Derein von 1861 und Damenverein ..GabelSberge r". Am nächsten Montag, 6. September, abeirds 7 Uhr, im Kaufmännischen Dereinshaus, Eröffnung eines Anfängerlehr- gangS in der deutschen Einheitskurzschrist. (Siehe gestrige Anzeige.) rg. Vom Einsammeln der Heilkräu- ter a l s H a u s m i t t e l. Für das Einsammeln der Heilkräuter ist der Zeitpunkt maßgebend, wo die wirksamen Stoffe der Pflanze am reichlichsten zur Ausbildung gekommen sind. Dies ist bei Blü> ten kurz vor oder nach dem Aufblühen, bei Kräutern und Blättern kurz vor oder während der Blüte der Fall, Wurzeln werden je nach Art im zeitigen Frühjahr oder im Herbst gegraben. Als beste Tageszeit gilt der Vormittag, nachdem der Tau abgetrocknet ist. Man sammelt nur an warmen, trockenen Tagen. Kräuter, die nach anhaltendem Regen oder eucht eingesammelt wurden, sind wenig gehaltreich, chimmeln leicht und verderben. Wildwachsende Pflanzen sind heilkräftiger als solche, die im Garten wuchsen, und solche von sonnigen Standorten besser als andere, die im Schatten wuchsen. Im Volke gilt die Zeit zwischen den Frauentagen, Maria Himmelfahrt, 15. August, und Maria Geburt, 8. September, als besonders günstig .zum Einsammeln von Heilkräutern. Im Monat September können eingesammelt werden: Die Wurzeln von Arnika und Attich oder Stauden- hollunder, Augentrost, Baldrianwurzeln, Beifuß, Bibernelle, Birkenblätter, Eibischwurzeln, Engelwurz, Ehrenpreis, Eschenblätter, Faulbaumrinde, FieberNee, Gänsefingerkraut, Gundelrebe, Hagebutten, Heidekraut, Heidclbeerblätter, Hirtentäschel- traut, Huflattich, Kamille, Kalmuswurzeln, Lavendel, Leinsamen, Majoran, Ressel, Quendel, Rain- farn, Ringelblume, Salbeiblätter, Schafgarbe, Spitzwegerich, Tausendgüldenkraut, Wacholderbeeren, Wegetritt, Zinnkraut. * Der Rechnungsdirektor beim Landeskirchenamt, Otto Rothermel 3u Darmstadt, wurde auf fein Rachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt. " S in rudersportlich cS Ereignis kann man morgen Dormittag 9 älhr und nachmittags 5 Uhr an der Lahn beobachten: den Städt e- Achter - Wettkarnpf Gießen- Wetzlar. Vormittags findet das AusscheidungS- rennen der beiden Gießener Vereine statt, am Nachmittag ist der Entscheidungskamps zwischen dem am Vormittag erfolgreichen Gießener Verein und den Wetzylarer Vertretern. Der Start ist am Felsen, das Ziel am Bootshaus der Ruder-Gesellschaft. Eintrittsgeld wird nicht er- hoben. ** Die Maul- und Klauenseuche in Gießen. Das Polizeiamt teilt auf Veranlassung deS Kreisamts mit: Infolge Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in dem Gehöft des Josef Stern in Gießen, Rodheimer Straße 42, wird Gießen rechts der Lahn zum Sperrgebiet Imb links der Lahn, sowie die Gemarkung Heuchelheim zum Deobachtungsgebiet ctflärt. ** Der Konsumverein Gießen verlegt, wie er im heutigen Anzeigenteil bekanntgibt, seine Derteilungsstelle in der Frankfurter Straße in den vorderen Eckladen, Ecke Klinik- und Frankfurter Straße. Der Verein hat vor kurzem das Haus erworben und war dadurch in der Lage, einen modernen Laden einzurichten. Weiter beabsichtigt der Verein, wie er uns schreibt, vom 12. bis 19. September im Saalbau Sauer eine Warenausstellung mit Erzeugnissen des Vereins und der Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Konsumvereine oorzunehmen. Dabei soll auch der Film der Großeinkaufsgesellschaft vorgeführt werden. ** (Ein Fahrraddieb. Gestern nachmittag wurde im Hofe des Gaswerks ein Fahrrad gestohlen. Als Täter wurde ein Handwerksbursche ermittelt, der mit dem Rad in der Richtung nach Marburg daoongefahren war. Durch sofortige Verständigung der Polizeiverwaltung in Marburg gelang die Festnahme des Täters und die Sicher- fteming des Rades. * Ein Ob st verpackungslehrgang findet am 14. und 15. d. Mts. an der Hess. Lehranstalt für Obstbau und Landwirtschaft in Friedberg statt. Schulgeld wird nicht erhoben, den Teilnehmern kann sogar noch eine Fahrgeldvergütung gewahrt werden. Interessenten mögen die heutige Bekanntmachung im Anzeigenteil beachten. " Herb st- Meisterprüfungen. Wie die Handwerkskammer mitteilt, finden in diesem Jahre auch im Herbst Meisterprüfungen statt. Anmeldungen müssen bis zum 30. d. Mts. erfolgen. ** Eine Tagung des Hess. Handwerks- und Gewerbeverbandes findet am kommenden Dienstag in Mainz statt. Die Tagung soll eine machtvolle Kundgebung des gesamten Handwerks werden. ** D i e Männer- und Frauenoer. einigung der Markusgemeinde hielt am Donnerstag einen gut besuchten Vortragsabend im Markusfaal ab. Kreisschulrat Fischer, der Vorsitzende der Männeroereinigung, berichtete in seinem Vortrag „Eltern, Lehrer und Kinder in gemeinsamer Schularbeit" über einen Besuch der Veriuchsschule in Bremen und stellte in interessanten Ausführungen das oft überraschend Reue dieser Schulart der seitherigen Unterrichts- und Erziehungspraxis gegenüber. Durch Schilderung von Einzelbildern erhielt man einen lebendigen Eindruck von dieser Schulgemeinschaft, die ganz auf Freiwilligkeit eingestellt ist oder auf Freiheit durch selbstgewählte Autorität. Wenn auch manches in der unterricht- lichen An nicht ausreichend fei, so sei dagegen in erziehlicher Beziehung doch manches Gute, das ernstliche Beachtung verdiene und für Weiterarbeit verwendbar fei. Als charakteristisch für diese neue Versuchsschulc wurde von dem Vortragenden auch die Inschrift über dem Eingang genannt: „Wir, nicht ich!", wahrlich eine gute Parole in unserer vielzerrissenen Gegenwart. " Das 4. Sonderkonzcct unserer Reichswehrkapelle unter der Leitung von Obermusikmeister Gober fand am Donnerstagabend auf der „Liebigshöhe" statt. Das Programm (für Streichmusik) bot reiche Abwechslung und wurde von der Kapelle in trefflicher Weise zum Vortrag gebracht. Die Darbietungen sanden lebhaften Beifall so daß verschiedene Einlagen gegeben wurden. Besonderen Anklang fanden u. a. die große Fantasie aus den „Meistersingern", die Paraphrase über das „Heidenröslein", do- Potpourri aus der Oper „Die Jüdin" und vor allem auch der Ostseewellen-Walzer (komponiert von Obermusikmeister W. Gober). Der Abend, der vom Wetter außerordentlich begünstigt war, bot den Besuchern einige Stunden angenehmer Unterhaltung. *• Palast-Lichtspiele. Zur Zeit kommt hier ein neuer luftiger Pat- und Patachonfilm zur Vorführung. „Pat und Patachon auf der Weltreise". Die beiden Welt bum mler betätigen sich diesmal als Schatzsucher und kommen bei ihrer Reise u. a. auch nach Paris unb Pisa. Der Film zeigt in einer vorzüglichen Aufnahme auch den berühmten „schiefen Turm" von Pisa. Das Lustspiel, das sich durch vorzügliche landschaft- liche Aufnahmen besonders auszeichnet, hält durchweg gutes Niveau. Nach Schluß des Films traten zwei Darsteller auf, die die bekannten Filmsiguren trefflich verkörperten und von den zahlreichen Besuchern mit lebhaftem Beifall empfangen wurden. Sie traten im Anschluß an den Film als Wanderfahrer auf und fanden recht beifällige Aufnahme. Preußen. Obcrlahnkrcis. 0 Gröoeneck, 3. Sept. Bei prächtigem Wetter sanden die Reichsjugendwettkämpfe für die Orte Ahausen, Drommershausen, Gräveneck, Löhnberg, Niedershausen, Obershausen und Selters auf dem Turnplatz des Turnvereins Löhnberg unter der Leitung des Kreisjugendpflegers, Lehrer Velten, statt. Der Leiter richtete an die Kinder beherzigenswerte Worte über die Bedeutung dieser Wettkämpfe für den einzelnen und das Volksganze. Die Beteiligung an der Veranstaltung war sehr rege. Die Kämpfe wickelten sich flott ab, so daß schon gegen 5 Uhr nachmittags die Siegerverkündung erfolgen konnte. Knaben und Mädchen zeigten in sämtlichen Altersklassen hervorragende turnerische und sportliche Leistungen. 0 Villmar, 3. Sept. Beim Dreschen auf dem Felde entstand in unserer Gemarkung ein Brand, dem etwa 15 hohe Strohhaufen zum Opfer fielen. Die Dreschmaschine und die Strohpresse wurden durch das Feuer stark beschädigt. Kreis Westerburg. Vom Westerwald, 3. Sept. Mit der Grummeternte wird hier bereits allenthalben begonnen. Der Grasschnitt ist im allgemeinen gut. Hoffentlich hält die augenblicklich günstige Witterung an, damit auch das Getreide, das jetzt schnell nacheinander abgemäht wird, trocken unter Dach und Fach gebracht werden kann. Die Aussichten auf die diesjährige Kartoffelernte sind nicht besonders gut. Brachten schon die Frühkartoffeln wenig Ertrag, da sie vielfach von einer Pilzkrankheit heimgesucht waren, so scheint es mit den späteren Sorten nicht besser zu flehen. Was bis jetzt geerntet wurde, zeigte meist reichen Be- Hang, doch waren die Kartosseln durchweg lehr klein. Manche Felder weisen pudern starke Fäulnis auf. Tbcrwesterwaldkrels. & Marienberg, 3. Sept. Die Hebung und Förderung des Fremdenverkehrs war der Kernpunkt einer Versammlung des Westerwaldoereins. Es wurden die besonders beachtenswetten Schönheiten Mattenbergs, die wohl dazu geeignet wären. Fremde anzuziehen, vom Vorsitzenden geschildert und bann beschlossen, unter Mithilfe der interessierten Kreise die Sehenswürdigkeiten schöner zu gestalten. Als besonders anziehend wird die historische Marienquelle, die mit herrlichen Anlaaen umsäumt ist, angesehen: ferner das von mächtigen Buchen- und Tannenwäldern überschattete romantische Nistertal, da« wohltuende Erholungs- und Aufenthaltsstätten bietet, der große und der kleine Wolfsstein usw. Schaffung von Privatpensionen, Bereitstellung von Fremdenzimmern, die Renovierung und geschmackvolle Ausgestaltung der Häuserfronten zur Verschönerung des Straßenbiwes sind weitere Vorbedingungen zur Verwirklichung der Absicht, Marienberg als Luftkurort und Sommerfrische weiter auszubauen. Diükreis. WSN. H a i g e r, 3. Sept. Im Walzwerk der Grube Halbach fanden heute früh Arbeiter beim Antritt der Frühschicht den in der Aufbereitungsanlage beschäftigten jugendlichen Arbeiter K r e n z e r aus Donsbach mit klaffenden Halswunden am Boden liegend vor. Scheinbar wurde St von der Transmission der schweren Maschine ersaht und der Körper mehrfach herumgeschleudert, wodurch der eine Oberschenkel gebrochen, die Kinnlade zurschmettert und der Kehlkopf blobgelegt worden ist. Außerdem war ein doppelter Schädelbruch festzustellen, der nach kurzer Zeit für den Bedauernswerten den Tod zur Folge hatte. bl. Eibelshausen, 3. Sept. Die evang. Kirchengemeinde ist gegenwärtig mit dem Umbau einer Scheune zur Kleinkinderschule beschäftigt. Der Saal geht seiner Vollendung entgegen. Wenn die noch fehlenden Baugelder in Höhe von etwa 3000 Mark bald herbeigeschafft werden, wird das Haus noch vor dem Winter fertiggestellt fein. Ein schöner Spielplatz für die Kleinen umgibt das Gebäude. Kreis Usingen. —!— Weiperfelden, 3. Sept. Unser Ge- birgsdörfchen ist noch eins der wenigen im Kreise Usingen, das keine Wasserleitung besitzt. Mehrfach fanden schon Versuche mit der Wünschet- rute statt, die aber fast ergebnislos verliefen. Auch jetzt wieder wurden Wünschelrutengänge unternommen, bei denen man auf einige, allerdings nicht bedeutende Wasseradern stieß. Hoffentlich gelingt es bald, eine günstig gelegene wasserreiche Ader zu finden, damit unser Dorf den Bau der schon lange ersehnten Wasserleitung in Angriff nehmen kann. Sonntaaödienft d. Aerzte u. Apotheken am 5.9.2a Dr. Schäffer. Dr. W. Klein. Hirfchcwocheke. Zahnarzt: Or. Buchinger. "v eßei vanille Jn Apothek ______ Jabr-tttte bewährt. Ni’flld Kopfschmerz1 Migrant,;' Neuralgie? Zahnschmerz en Immer TOGHURT. Zwei Achtzigjährige m M Wer keine Erholungsreise machen kann erzielt am wirksamsten u.auf dem billigsten Wege eine Kräftigung des Körpers, erhöhte Stoffwechseltätigkeit u.damit eine dauernde Gesundung durch DR. 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September 1926, vormittags 8 Uhr beginnend, wird an unserer Lehranstalt ein Obstverpackungslehrgang abgehalten. Zugelassen werden in erster Linie berufmähig ausgebildete Baumwärter, jedoch können auch sonstige ältere Interessenten teilnehmen. Schulgeld wird nicht erhoben. Den Teilnehmern kann eine entsprechende Fahrgeldvergütung gewährt werden. Anmeldungen sind baldmögliä;st an die Direktion zu richten, die auch zu seder weiteren Auskunft gerne gereit ist. Friedberg, den 3. September 1926. Direktion der Hessischen Lehranstalt für Obstbau und Landwirtschaft. Zur weiteren Ausbildung in. !8jähr. Sohnesi Schneider- Handwerk Stelle In Meßen ges. Kost u. Wohng.t.Hauseerw Näh. Snmwetr. 1211k. Fräulein 29 I. alt, im Kochen n. in allen Hausarb. ers., sucht Stelle als Alleinmädchen in bess. Hause für sofort ob. 15. Sevtbr. Schr. Angeb. u. 06065 an d. Gieff. An», erb. Geprüfte Siaöetgilttnetin sucht Stellung tn beff. Hause, evtl, auch ausw. Zu etfr. in d. Geschäftsstelle des Gieff. Anz. [06092 Gießen, Neuyork, 3. September 1926. Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. 06064 D Die Beerdigung findet am Montag, den von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus Alien denen, die uns beim Heimgang unserer lieben Entschlafenen ihre wohltuende Teilnahme erwiesen, sagen wir herzlichen Dank. In tiefer Trauer: Heinrich Dort Hermann Dort Marie Fanning. 6. September nachm. P/2 Uhr, statt. Gießen (Bahnhofstr. 44), 4. Sept. 1926. 06095 Im Namen der Angehörigen : Karl Hübner. Nach kurzem Kranksein verschied gestern, Donnerstag, 2. September nachmittags 6 Uhr, unser lieber Vater, Großvater und Urgroßvater Karl Dort Ob.- Tel.- Leit i. R. Veteran von 1866 und 1870/71 kurz vor Vollendung des 83. Lebensjahres. Nr. 207 Zweites Blatt Optimismus und Poincarismus in Gens. Von Dr. Paul Rohrbach. Bemerkenswerterweise sind sowohl die infot« n,irrten deutschen als auch die offiziösen englischen Stellen darin einig, daß die Frage des deutschen Ratssitzes und der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund sich diesmal glatt u nb rasch erledigen wird. Man kann daraus folgern, daß auf englischer Seite — im Gegensatz zum letzten Frühjahr — der Wille vorhanden ist, Intriguen abzu- jchneiden. Eine andere Frage ist es, ob der noch fn gute englische Wille auch dazu ausreichen wird. Eine Probe in entgegengesetztem Sinn haben wir jetzt eben dadurch erhalten, daß die geschickt und glücklich eingeleitete Verständigung mit Belgien über die Rückgabe des Gebiets von (Lupen und Malmedy durch die feindselige Einmischung Frankreichs zunichte gemacht worden ist. Es ist nicht nötig, hier an die Einzelheiten der frivolen Komödie zu erinnern, durch die Eupen und Malrnedy unter dem Schein einer „Abstimmung" von Deutschland losaerissen wurden. Die Belgier haben an dem unrechten Besitz wenig Freude gehabt, und sie wären es zufrieden gewesen, gegen gewisse noch näher zu bestimmende deutsche Leistungen, ihn mit Gewinn an uns zurückgeben zu können. Herr B r i a n d hat vor ein paar Wochen gesagt. in dem Kabinett PoincarL werde nach wie vor r r selbst die auswärtige Politik machen. Demnach hätte er auch die Verantwortung für das an Belgien ergangene Verbot, sich wegen Eupen-Mal- medy mit Deutschland zu verständigen. Im übrigen Ist es gleichgültig, ob diese üble Einmischung die Driginalmarfc „Briand" ober bic Marke „Poin- carL-Briand" trägt. Beibes ist praktisch bic- selbe Marke, unb sic heißt: Versailles. Was man aus diesem Vorfall sieht, ist der Geist, in dem von der französischen Seite überall dort Politik gegen Deutschland gemacht wird, wo man freie Hand zu haben glaubt. Das wird sich auch im Völkerbund wiederholen, und wenn die Dinge jetzt bei der Entscheidung über die Ratsfrage wirklich anders laufen, so würde das nur bedeuten, daß die französische Politik durch zwingende Rücksichten gebunden ist. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, kurz nachdem der Prinzregent Louis Napoleon als Na- polcon III. zum Kaiser ausgerufen worden war, schrieb Guizot über Frankreich: „Unser Land ist die Beute zweier einander entgegengesetzter Begierden: der Sucht nach Ruhe und der Sucht nach neuen und starken Erregungen. Es will seine Interessen gesichert, gleichzeitig aber auch seine Einbildungskraft befriedigt sehen." Das heißt: der Franzose will besitzen und er will eine Rolle spielen. Jede französische Regierung ist nach dem ausgesprochenen oder unausgesprochenen Bolksempfinden dazu da, um dies doppelte Bedürfnis zu beliebigen, unb biejenigen Politiker, die es am besten verstehen und am energischsten verfolgen, werden in Frankreich immer die erfolgreichsten sein. Für die französische öffentliche Meinung ist es einfach eine Genugtuung, es verhindert zu haben, daß Eupen und Malmedy wieder an Deutschland herausgegeben werden. Für die französische öffentliche Meinung wird es aber auch zukünftig eine Genugtuung sein, „Erfolge" Deutschlands zu verhindern. Wenn Deutschland sich erholt, so werden dadurch, um mit Guizot zu reden: „die französischen Interessen und die französische Einbildungskraft" beunruhigt. Poincarismus und europäischer Optimismus sind Gegensätze. Der Optimismus ist immer nur soweit berechtigt, wie er Gegenkräfte aufbieten kann, um den Poincarismus zurückzudrängen. Der Abgeordnete Jules Uhry hat kürzlich in der „Ere Nouvelle" einen Artikel veröffentlicht mit der Überschrift: „Wie die Offiziere Locarno sabotieren." Darin heißt es: „Es steht außer Zweifel, daß die französische Rheinarmee für die bedauerlichen Ereignisse (in Germersheim!) an und für sich nicht verantwortlich gemacht werden kann. Das 171 Infanterieregiment hat sich in wenig ritterlicher Weise benommen, weil es vom Ruhrgebiet kommt und die schlechten Gewohnheiten behalten hat, die dort gewisse Truppen- ührer sich einpflanzen ließen. Ich mache dabei cdoch alle Vorbehalte für die Soldaten, die nur »er geistigen Einste11ung ihrer Offiziere folgte n." Der Deputierte Uhry ist sicher kein Deutschenfreund. Er ist aber auf seine Art ein ehrlicher Mann unb sagt es runb heraus: die Offiziere wollen die Politik von Locarno sabotieren. Natürlich meint er nicht die Leutnants, sondern die Generale, die den Geist des Osfizierkorps bestimmen. Die Generale aber haben heute in Frankreich das politische Mit- regiment, und Poincarismus und Militarismus sind Verbündete. Weder Briand noch PoincarL könnten, selbst wenn sie wollten — Poincare zum mindesten will es bestimmt nicht — ihre Politik von den Einflüssen der französischen Generalität frei machen. Das Komödienspiel bei den Besprechungen über die sogenannte Abrüstung, die jetzt von der Mehrheit der Teilnehmer selbst nur noch als eine Farce empfunden werden, zeigt das deutlich. Wie festgefahren in ihren Bahnen die französische Politik ist, das hat auch der „blutige Sonntag" am 22. August in Kolmar im Elsaß gezeigt. An dem Tage errangen die französischen nationalistischen Verbände mit Revolver und Knüppeln einen großen „Sieg" über die unbewaffneten Mitglieder des elsaß-lvthrinaischen j)eimatbunbes. Darauf antwortet jetzt die Zaberner „Zukunft" mit dem Ausruf an die elsaß-lothringische Jugend, sie möge aus sich heraus eine Heimatschutztruppe schaffen: „Wir werden der Gewalt Gewalt entgegensetzen! Wir werden uns bewaffnen wie die Gegner! Wir werden rücksichtslos unser Bürgerrecht erkämpfen!" Die Behörden in Kolmar hatten den bewaffne- ten Ueberfaü auf die Heimatbündler ruhig geschehen lassen. Der Poincarismus versteht das nicht anders. Wo er seiner Natur folgen kann, übt er Gewalt. In Kolmar ober Germersheim glaubt er diese Methode unbesorgt befolgen zu können. Wir möchten nicht so weit gehen, daß wir sagen: der Poincarismus ist Frankreich! Was wir aber nicht vermeiden können zu sagen, ist dies, daß heute noch der Poincarismus der stärkste psychologische Faktor in der französischen Politik ist. Der Poincarismus ist der ungesehene Gast auf jeder europäischen Konferenz, an der Vertreter Frankreichs unb französischer Vasallenstaaten teilnehmen. Wir glauben, baß diesmal bic optimistischen deutsch-englischen Stimmen für Gens recht behalten werben. Wir glauben aber nicht, baß es ohne Quertreibereien, ohne versteckte Erpres- sungsversuche unb ähilliche Überraschungen abgehen wird. Aus diesem Grunde ist es auch besonders zu begrüßen, daß unser Minister des Auswärtigen Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Die Anzeige. Don Herbert Maser. hervorzutreten. (Ein besonderes Aus 3m Vorjahr hatte der Gießener Anzeiger die Ausstattung unb Wirkung ber Anzeigen in seiner Jubiläumsausgabe dem Urteil der Leserschaft unterstellt. 3eht soll eine Wertung in ähnlichem Sinne stattfinden für die Anzeigen, die während der Ausstellungszeit vom 11. bis 19. September von der Geschäftswelt erlassen werden. So wird allen Beteiligten Gelegenheit geboten fein, mit wirksamen, in Text und wird die Beteiligung der Zcitungsle er an der Begutachtung der Anzeigen wesentlich teigern und damit auch den (Erfolg der Empfehlungen selbst. Sahausstattung forgfältig durchgeführten Anzeigen 'chreiben der modernen Anzeigenreklame aller Länder maßgebend beeinfluht und in ganz neue Bahnen gedrängt wurde. Die Zeiten sind vorüber, in denen der Inserent sich damit begnügen konnte, in seinen Anzeigen lediglich au sagen: „Ich habe das und das zu verkaufen". Auch die Superlative haben abgewirtschaftet: „t>ie beste Ware, prima Qualität, konkurreirzlos." Diese Schlagworte ziehen heute nicht mehr: auch das Publikum hat gelernt. Es wehrt sich mit Recht gegen solche langweilige, sehr oft unwahre und übertriebene Behauptungen. Es verlangt die Wahrheit, es fordert Beweise. Es will mit allen Mitteln umworben werden. Es will fühlen, welchen großen Wert der Kaufmann auf jeden einzelnen Käufer legt. Diejenige Anzeige ist deshalb die beste unb darum auch die ersolgreichslc, die es versteht, im Publikum dieses Gefühl des Umworbenseins, der Wertschätzung auszulösen, und der es gelingt, die Käufer von der unbedingten TtotroenbigfeiL ja Unentbehrlichkeit einer bestimmten Ware zu überzeugen. Die Anzeige gleicht einem kostbaren Instrument. Der Meister, der es zu spielen versteht, beherrscht das Publikum, er hält es in seinem Bann, es ist ihm untertan. Die Menge folgt ihm, sie ist willenlos in seinen Händen. Die Ausdrucksmittel sind außerordentlich vielgestaltig. Humor, Satire, Witz, ein Appell an das immer rege Sensations- und Aktualitätsbedürfnis des Publikums, ebenso wie sachliche Beweisgründe, die in ihrer Schlichtheit überzeugend wirken, können geeignet fein, das gewollte Ziel zu erreichen. Wenn man kritisch den augenblicklichen Stand der deutschen Reklame betrachtet, muß man feststellen, daß in den letzten Jahren ein ganz bedeutender Fortschritt zu verzeichnen ist. Ihre künstlerische unb werbepshcho- logische Gestaltung hat erheblich an Qualität gewonnen. Die führenden Industrie- und Markenartikel-Firmen, vor allem auch die großen Warenhäuser, gehen mit gutem Beispiel voran. Nachdem man in Deutschland einmal den Wert der Reklame im gairzen Umfange erkannte und die Reklame selbst den Kinderschuhen entwachsen ist und sich die Anerkennung als selbständiges Wissensgebiet errungen hat, hat man auch durch Erfahrungen und Versuche die nötige llrteils- fähigkeit gewonnen, um zwischen guter und schlechter Reklame zu entscheiden und zu unterscheiden. Man bleibt heute nicht mehr an der Oberfläche, sondern spürt mit wissenschaftlicher Exaktheit den Wegen nach, die die Reklame gehen muß, um erfolgreich und damit produktiv zu fein. Im Rahmen dieses Artikels interessiert besonders die Entwicklung der deutschen Anzeigenreklame. Man ist auch hier mit der Zeit gegangen und hat sich einer fortschrittlichen Entwicklung nicht verschlossen. Den besten Maßstab bietet wohl ein Vergleich des Anzeigenteils einer heutigen Zeitung mit dem einer Ausgabe aus den Vorkriegsjahren oder aus der Kriegszeit. Ins Auge springend ist die Vielgestaltigkeit der heutigen Anzeigen. Sie haben das Schablonenhafte in ihrer Ausstattung vollständig abgestreist. Man legt den größten Wert auf einen vollendeten Satz der Anzeige und auf moderne, schöne Druckschrift. Ihre Bebilderung hat, vom ästhetischen Standpunkt gesehen, erheblich gewonnen. Man bemüht sich auch zwischen Bild und Text der Anzeige einen möglichst finnigen Zusammenhang herzustellen. Die textliche Behandlung der Anzeigen läßt allerdings noch viele Wünsche offen und bedarf der sorgfältigsten Pflege. Es fehlt uns noch an eigentlichen Reklamefchriftstellem, die das Wort meistem und es in den Dienst der Werbung stellen. Von den Amerikanern können wir in dieser Hinsicht noch recht viel lernen. Es ist geradezu erstaunlich, in welch ungezwungener und doch formvollendeter Weise die Amerikaner durch ihre Inserate zu ihrem Publikum zu sprechen verstehen. Ein dankbares Tätigkeitsfeld bietet die Anzeigenreklame der kleinen Geschäftsleute, die nur in bescheidenem Umfange inserieren können. Es ist durchaus möglich, auch Heine Anzeigen in würdiger Weise auszustatten. Den nachstehenden Aussatz eines Fachmannes geben wir auszugsweise aus dem „Zeitungs-Verlag" wieder, um dem Kunden werbenden Geschäftsmann behilflich zu fein bei der Wahl und Anwendung feiner Empfehlungsmittel, sowie bei der Ausgestaltung seiner Anzeigen. 'Bei der Unmenge wilder Re- klamegelegenheiten, die mehr oder minder die einzige Wirkung haben, dem Geschäftsmann Geld aus der Tasche zu ziehen, dürfte die Geschäftswelt gerade in der gegenwärtigen Zeit der erhöhten Werbetätigkeit anläßlich der Gießener Ausstellungsver- anftaltungen Nutzen aus den flaren Darlegungen ziehen. Menschen und Anzeigen haben das eine gemeinsam: Sind sie Dutzenderscheinungen, gehen sie in der Masse unter. Sie sind deshalb keinesfalls wertlos, sie erfüllen schlecht und recht die ihnen zugewiesenen Aufgaben, aber es ist ihnen nicht beschieden, sich eine überragende Beachtung zu erzwingen. Ihnen fehlt die Individualität, der innere Gehalt. Machen Sie die Probe! Durchblättern Sie den Anzeigenteil einer gut geleiteten Tageszeitung. Befassen Sie sich nicht mit Einzelheiten, lassen Sie den Gesamteindruck einer Anzeigenfeite auf sich wirken. Ihr Blick schweift gleichgültig über die Spalten, plötzlich stutzen Sie, eine Anzeige fesselt Ihre Aufmerksamkeit, regt Ihre Neugierde an. Sie können nicht bestimmt sagen, wodurch Ihnen das An- zeigenblld so anziehend erscheint. Vielleicht ist es eine geschickte Zeichnung, ein aktuelles Bild, eine geschmackvolle Sahanordnung, ein auffallender Schwarz-Weiß-Kontrast, der die Anzeige aus ihrer Umgebung deutlich heraushebt. Es ist durchaus nicht gesagt, daß alle anderen Menschen genau wie Sie auf diese Anzeige reagieren müssen, es ist sogar höchst unwahrscheinlich. Der einfache Mensch wird eine Anzeige, die sich seinem Ideenkreis nicht anzupassen versteht, übersehen, während der Gebildete sich von einer Anzeige abgestvßen fühlen wird, die an die Instinkte der urteilslosen Masse appelliert. Dieser Tatsache muh man sich immer voll bewußt sein, wenn man eine erfolgreiche Werbung durch die Anzeige betreiben will. Mit welchen Mitteln es gelingt, bestimmend auf die Kaufentschlüsse des Publikums einzuwirken, ist an und für sich gleichgültig. Immerhin gilt es auch hierbei, nicht gegen die allerdings ungeschriebenen Gesetze des guten Geschmacks zu verstoßen, deren Verletzung das große Publikum sich auf die Dauer ebensowenig gefallen läßt, toit Anzüglichkeiten und persönliche Anrempelungen im Textteil der Zeitungen. Anzeigen, geschickt verstreut über bas zu bearbeitende Gebiet, verteilt auf die maßgebenden Tageszeitungen sind, zumal im Hinblick auf ihre vielgestaltige Auswertungsmöglichkeif, das idealste Werbemittel. Sie bringen in alle Berufskreise unb in die Homilie ein. Sie find taktvoll und belästigen das Publikum nicht, wenn es keine Zeit hat und mit anderen Dingen beschäftigt ist. Für den modernen Menschen, gleichgültig welchen Geschlechts und welcher Denkungsart, ist die Lektüre einer guten Tageszeitung unentbehrlich. Sie bedeutet ihm eine Entspannung und eine Erholung von der Tagesarbeit. Dieser psychische Zustand der Ruhe bedingt nun eine hervorragende Aufnahmefähigkeit der Leser gegenüber den Einwirkungen der Anzeigen, und hierin liegt das ganze Geheimnis ihres überragenden Erfolges. Die Aufgabe der Zeitung ist int wesentlichen damit gelöst, dem Leser die Anzeigen in einem Augenblick zu Gesicht zu bringen, in dem er in der Stimmung ist, sich mit dem Werbeinhalt der Anzeigen zu befassen, und auch die Muße hat, darüber nachzudenken. Alles weitere liegt in erster Linie bei dem Inserenten selbst. Das Zünglein an der Wage schwantt, jetzt fällt die Entscheidung über den Erfolg oder Mißerfolg einer Anzeige. Ist der Insereict oder sein Werbeberater ein feinfühliger Psychologe, der es versteht, den Regungen der Seele des Publikums nachzuspüren und seine Anzeigen dementsprechend zu gestalten, dann muß jetzt die Anzeige ihren Beschauer in ihren suggestiven Bann zwingen. Je öfter eine Anzeige erscheint und auf den gleichen Kreis von Lesern einwirkt, um so mehr prägt sich der Inhalt der Anzeige dem Leser ein. Er läßt sich durch sie seine Handlungen vor- fchreiben und kauft die Ware, deren Besitz ihm mit so überzeugenden und eindringlichen Worten und Beweisgründen als unentbehrlich hingestellt wird. Die Wortwirkung in der Anzeigenreklame ist zuerst systematisch von amerikanischen Werbe- sachleuten angewandt worden, und zwar mit einem derartigen Erfolge, daß die Entwicklung nicht eher nach Genf geht, als bis dort bas Terrain von allen Fallgruben unb Fußangeln gesäubert ist. Vie franzöfischen Generalräte. (Von unserem Pariser W. S.-Korresponbenten.) Poris, September 1926. Gegenwärtig tagen in Paris weber Kammer noch Senat, bafür ist bas parlamentarische Leben in den Departements aber umso reger. In zahlreichen Departements-Hauptstäbten (nicht in allen) tagen gegenwärtig bie Generalräte. Da über biese Einrichtung sowie über bie Bedeutung ber französischen Generalräte in Deutschlanb im allgemeinen wenig bekannt ist, sei nachstehenb bas Wichtigste barüber kurz zusammengefaßt, beim bie Bebeutung dieser Tagungen ist recht groß. Man kann bie französischen Generalräte am besten vergleichen mit unseren Provinzial- Uanbtagen. Nur hat ber ältere Parlamentarismus in Frankreich ben Generalräten einen viel größeren politischen Einfluß gesichert, als ihn unsere Provinzial-Lanbtagc kennen. Die Generalräte haben hauptsächlich bas vom Präfekten ausgearbeitete 'Bubget der Departements zu begutachten, also Straßen- unb Forstoerwaltung, Lokaleisenbahnen, Bubget ber Präfekten, ber Unterpräfekten, ber öffentlichen Anstallen ber Departements, ber Sanatorien, Heilanstalten usw. Sie haben zu beschließen über bie Verteilung des bepartementalen Suboentionsfonbs an Vereine unb Gesellschaften, schließlich Haven sie bie Steueraufschläge für bie Departements festzusetzen unb bie Gehälter für bie Departementsbcamten zu bestimmen. Die Generalräte gehen, wie bie Deputiertenkammer, aus allaemeinen, birekten unb geheimen Wahlen hervor. Da die Zuständigkeit der Generalräte nur auf die Departements-Verwaltung beschränkt bleibt, so wird den Departementswahlen, die alle 4 Jahre stattfinden, im allgemeinen kein allzu großes Interesse der Wählerschaft entgegengebracht. Die Beteiligung an den Departementswahlen überschreitet durchschnittlich kaum 60 bis 70 Prozent der Wählerschaft. In ganz Frankreich herrscht übrigens im allgemeinen eine sehr große Unkenntnis über diesen departementalen Parlamentarismus. Dies wirkt sich besonders augenfällig aus, denn sonderbarerweise sind die meisten Generalräte in Frankreich auch heute noch stark reaktionär. Die Mitglieder der Generalräte gehören meistens den Notabeln an, dem alleingesessenen Agraradel, führenden Industriellen und Kommerziellen, Bürgermeistern der wichtigsten Ortschaften usw. So bilden diese Generalräte zum nicht geringen Teil wahre Heimstätten des französischen Nationalismus, so wie er von den eingesessenen Notabeln im Lande von jeher stark kullioiert wurde. Auch äußerlich bieten diese Generalratssitzungen meist das Bild eines ausgesprochenen reaktionären Patriarchalis- mus. Die ständigen Sitzungslokale sind die Prüfet- Samstag, 4. September 1926 nirgcbäubc der Departemenlshauptstäd.e. Diese Ge- bäube sinb bekanntlich durchweg im altsranAöfiscben vornehmen Stil gehalten und ihre Sitzungssäle fast klubmößig ausgestattet. Dort vereinigen sich die alten Herren und beratschlagen über das --chicksal ihres Departements. Die zweimal im Jahre stattfindenden Sitzungsperioden, die übrigens nur je 4 bis 5 Tage dauern, werden regelmäßig durch eine Eröffnungsrede des Generalratspräsidenten eingeleitet. In dieser Rede bringt ber Präsident bie Wünsche ber Versammlung an bic Regierung unb die Parlamente aftlichen Schule noch eine sogenannte In d u st ri e s ch u I e. in der 250 Schüler in allen Zweigen des Handwerks unterrichtet werden. Sogar eine Eisengießerei ist der Schule an- geschlossen. Insgesamt gewinnt man also den Eindruck, daß die Entwicklung, in der sich die Türkei heutzutage befindet, nur bis zu einem gewissen Grade beschleunigt werden kann. Eine Ueberschreitung dieser Grenze würde nur den Zusammenhang des Gefüges lösen imb bas schon Erreichte wieber gefährden. Die kulturelle Entwicklung mehrerer Jahr- Hunderte läßt sich eben nicht in wenigen Jahren nachholen. Weswegen die Gesetze auch stets nur darauf angelegt sind, die der Entwicklung hinderlichen Umstände aus dem Wege au räumen, nicht aber die Errungenschaften einer höheren Kultur zum Gemeingut des Volkes zu machen. 25 Jahre Städtisches Elektrizitätswerk Am 8. September kann das S t ä d t. Elektrizitätswerk Gießen auf sein 2 5° fahriges Bestehen zurückblicken. Damit vollendet sich das erste Vierteljahrhundert eines Werkes, das im Wirtschaftsleben unserer Stadt und des Kreises Gießen und im Dasein des einzelnen von hervorragender Bedeutung ist. Im Hinblick daraus erscheint es angebracht, in den Tagen des Jubiläums einen Blick auf die interessante Entwicklung des Elektrizitätswerkes zu toerfen. Das Werk wurde auf Grund eines Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung vom 26. Oktober 1898 erbaut. Der Bau wurde der Sirnta Schuckert & Co.. Nürnberg, als General- unternchmertn übertragen. 3m Jahre l900 wurde mit dem Bau begonnen, die Betriebseröffnung erfolgte am 8. September 1901. Als Betriebskraft diente bis zum Jahre 1901 die Wasserkraft der Lahn und Generatorgas. Das Gas wurde in eigener Anlage erzeugt. Außerdem wurde als Reserve ein Anschluß an das städtische Gasrohrueh hergestellt. Es stellte sich jedoch bald heraus, daß das Gasrohrnetz zu klein war, um einen der vorhandenen Gasmotore mit Leuchtgas zu betreiben. Als Stromart wurde Gleichstrom von 2 '220 Bolt Spannung gewählt, der damals für mittlere Städte der gebräuchlichste war. Das Werk wurde auf dem von der Stadt angekauften Grundstück, die Aeumühlc, errichtet. Das hier zur Verfügung stehende Gefälle der Lahn beträgt etwa 2 Meter. Di», älteren Turbinen der Wassertraftanlage wurden entfernt und hierfür zwei Turbinen von je 75 P. S.» Leistung aufgestellt. Diese Turbinen arbeiten heute noch- durch sie wird ein Stromerzeuger von 100 Kilowatt angetrieben. Da die Wasserkraft den Strombedarf im Stadtneh nicht allein decken konnte, wurden zwei Gasmaschinen von je 150 P. 8.-Leistung, sowie eine Batterie aufgestellt. Das Maschinenhaus wurde aber so vorgesehen, bah noch zwei weitere Gasmaschinen von je 300 P. 8.-Leistung aufgestellt werden konnten. Die Akkumulatorenbatterie wurde im Obergeschoß des alten Mühlengebäudes untergebracht, sie bestand aus 272 Elementen. Die Anmeldungen zum Strombezug waren so reichlich, daß bald nach Beginn der Bauausführung die erste der beiden, zu späterem Bedarf vorgesehenen 30O-P.8.-Maschinen in Auftrag gegeben werden mußte r Bis zum Herbst 1904 wurde das Elektrizitätswerk von einem Assisteirten des Gas- und Wasserwerks nebenamtlich geleitet. Der Geschäftsbetrieb des Werks hatte jedoch derartig zugenommen, daß die Leitung nicht mehr von einem Assistenten nebenamtlich ordnungsgemäß ausgeübt werden konnte. Cs wurde deshalb beschlossen, für das Elektrizitätswerk einen Betriebsleiter anzu- stellen. Anfang Aovember 1904 trat der jetzige Leiter, Direktor Stvlte, seinen Dienst an. ’ Bis zum Jahre 1907 hatte sich die Stromerzeugung so gesteigert, daß die vorhandenen Erzeugei'maschinen während der Hauptbelastunas- zeit voll beansprucht wurden und somit eine Betricbsreferve nicht mehr vorhanden war. Es wurde davon Abstand genommen, einen weiteren 300-P. 5.-Gasmotor aufzustellen, sondern man entschloß sich, mit Rücksicht auf die spätere Entwicklung von der Erweiterung der GaSänlage abzusehen und zum Dampfbetrieb überzugehen. 3m 3ahre 1907 wurde zunächst ein neues Kesselhaus errichtet und ein Dampfkessel von 220 Quadratmeter Heizfläche, 330° Tieberhitzung aufgestellt. Da man die weitere Entwicklung abwarten wollte, wurde von der Erweiterung des Maschinenhaufes Abstand genommen und eine Dampfmaschine von 600 P. S. Leistung im alten Maschinenbaus untergebracht. Da»s «alte Maschinenhaus wurde hierdurch vollständig ausgefüllt. Die Dampfanlage konnte noch vor Eintritt der höchsten Beanspruchung, Anfang Dezember 1907, in Betrieb genommen werden. Die Spitzenleistung des Werkes stieg durch die vielen Reuanschlüfse noch weiter, und zwei 3ahre später, im 3ahre 1909, mußte ein weiterer Stromerzeuger aufgestellt werden. Da im alten Maschinenbaus kein Platz mehr vorhanden war. wurde nunmehr das im 3ahre 1907 bereits geplante Maschinenhaus errichtet. Es gelangten eine weitere Dampfmaschine von 600 P. S. und ein Stromerzeuger von 400 Kilowatt Leistung zur Aufstellung. Die 3nbetriebnahme erfolgte im Rovern b er 1909. Nach langwierigen Berhanblungen beschloß die Stadtverordnetenversammlung am 21. Juni 1908, ben Omnibusverkehr einzustellen und hierfür eine elektrische Straßenbahn zu errichten. Mit den Bauarbeiten der Straßenbahn wurde im Frühjahr 1909 begannen, die Inbetriebnahme erfolgte nm 21. November 1909. Die Verwaltung der Stra- ßenbahn wurde der Verwaltung des Elektrizitätswerkes angegliedert, die beiden Verwaltungen unter einer Direktion vereinigt. Die Betriebsspannung der Straßenbahn betragt 550 Volt. Es sind für diesen Betrieb vorhanden: Ein Einanker-Umformer mit einer Leistung von 200 Kilowatt. Eine der vorhandenen Lichtmaschinen kann als Reserve für den Straßenbahnumformer herangezogen werden. Im Jahre 1910 traten die Gemeinden K r o f. darf und Gleiberg an die Stadt Gießen heran mit dem Wunsche, ihre Einwohner von dem Gießener Elektrizitätswerk mit elektrischem Licht und Kraft zu versorgen. Es bedurfte längerer Verhandlungen, um dem Wunsche dieser Gemeinden nachzukommen. Mit Rücksicht auf die große Entfernung konnte die Versorgung mit Gleichstrom nicht erfol- gen, es wurde daher beschlossen, zunächst vcrsuchs- weise für die Versorgung der Gemeinden zwei kleinere Drehstrommaschinen aufzustellen. Die Dreh- slrommaschinen erzeugen eine Spannung von 5000 Volt, die in zwei in Krofdorf errichteten Transformatorenstationen auf eine Gebrauchsspannung von 3 mal 128/208 Volt herabtransformiert werden. Der Ausbau der Ortsnetze Krofdorf und Gleiberg erfolgte auf Kosten der Stadt Gießen. Hierfür mußten die Gemeinden einen entsprechenden Stromverbrauch gewährleisten. Mik dem Bau der Leitungs- netze Krofdorf und Gleiberg wurde Im Frühjahr 1911 begonnen, die Arbeiten wurden so gefördert, daß Ende 1911 die Inbetriebnahme der Ortsnetze erfolgen konnte. Schon damals bestand in den Ortschaften um Gießen stroßes Interesse an der Einführung der Elektrizität. Direktor Stolte hatte die Absicht, die für die Gemeinden Krofdorf und Gleiberg aufgestellten Drehstrommaschinen so groß oorzusehen, baß auch weitere Gemeinden ongeschlossen werden konnten. Aus finanziellen Gründen wurde jedoch hiervon Abstand genommen. Inzwischen hatte die Provinzialdirektion Ober- Hessen ein Projekt für die Versorgung ganz Ober- Hessens ausgearbeitet, und trat die Versorgung von etwa 50 Gemeinden im nördlichen Teile der Provinz Oberhessen an die Stadt Gießen ab. Für die Versorgung dieser Gemeinden und etwaiger Großabnehmer war die Beschaffung von zwei Dampfmaschinen von je 600 P. S.‘8ciftung und den dazu- gehörigen Kesseln notwendig. Mit dem Ausbau der Ortsnetze wurde noch im Herbst 1911 begonnen. Die Versorgung des In Betracht kommenden Bezirkes konnte mit einer Spannung von 5000 Volt nicht niehr erfolgen, man wählte daher eine damals allgemein übliche Spannung von 20 000 Volt. Die Dampfmaschinen wurden der Dinglerschen Ma- schinenfabrik A. G., Zweibrücken, der elektrische Teil den Siemens-Schuckert-Werken in Nürnberg in Auftrag gegeben. Die Generatoren erzeugen eine Spannung von 5000 Volt, diese wird mittels besonderer Transformatoren auf 20 000 Volt herauf- transformiert. Die Inbetriebnahme der Hochspan- nunasanlagc konnte Ende 1911 bzw. Anfang 1912 erfolgen. Es sind gegenwärtig 46 Gemeinden — im nördlichen teile des Kreises Gießen und in dem angrenzenden preußischen Grenzgebiet, sowie im Kreise Alsfeld gelegen — und eine Reihe von Großabnehmern an das Ueberlandnetz angeschlossen. Bis zum Ausbruch des Weltkrieges hatte der Stronwerbraud) sich sehr gut entwickelt. Zu Beginn des Krieges ging der Stromverbrauch erheblich zurück, später nahm er durch die inzwischen ncugegrun- beten Kriegsindustrien erheblich zu. Er wuchs derartig an, daß der Bedarf nur unter Anspannung aller Maschinenkräfte gedeckt werden konnte. Das Werk arbeitete bis Ende 1918 ohne jegliche Maschinen- und Kesselreserve. Man hatte beabsichtigt, im Jahre 1916 die Gasanlage zu beseitigen und hierfür eine Dampfturbine aufzustellen. Infolge Materialmangels und aus finanziellen Gründen konnte diese Erweiterung jedoch nicht oorgenommen werden. Ende 1918 befanden sich die Maschinen in einem Zustand, daß Störungen nicht mehr zu vermeiden waren. Um die Stromlieferung im Stadtgebiet sicherzustellen, schloß man mit der Pronin- Aialbirettion Oberhessen, Gießen unb den Buderus- schen Eisenwerken in Wetzlar einen kurzfristigen Stromlieferungsvertrag ab. Die erforderlichen 23er- blnbunasleitungen wurden im Jahre 1919 herge« stellt, die Anschlüsse konnten im Sommer 1919 bzw. 1920'21 in Betrieb genommen werden. Diese Anschlüsse reichten jedoch nicht aus, um den Strombedarf zu decken. Es wurden daher Projekte aiisge- arbeitet über die Erweiterung der Maschinenanlage durch Dampfturbinen. Finanzielle Schwierigkeiten stellten sich dem aber entgegen, und im Jahre 1925 wurde nun ein Strombezugsvertrag mit den Preußischen Kraftwerken „Oberweser" A. G., Kassel, ae- tätigt. " b Die Stromlieferung von „Oberweser" erfolgt in der Hauotsache vom Kraftwerk Borken bei Kassel. Die Kraftwerke „Oberweser" errichteten bei Gießen ein Umspannwerk. In diesem wird der von „Oberweser" gelieferte Strom von 100 000 Volt Spannung in 20 000 Volt hcrabtranßformiert. Das Um- pannwerk wurde Anfang Dezember 1925 in 'Betrieb genommen. Die Leistungsfähigkeit des Clek- trizitätswerks und der Ucberlanbanlage wurde hierdurch erheblich gesteigert. In dem Umspannwerk stehen zweimal 2500 kVA Leistung zur Ber- ügung. Diese Leistung kann noch ganz erheblich erweitert werden. Im Elektrizitätswerk sind zur Zeit vorhanden 4 Damvfmaschinen von je 600 P.8. = 2400 P. S., 2 Wasserturbinen von je 75 P. S. = 150 P S zusammen also 2550 P. S. Einschließlich ber zur Verfügung zu haltenden Leistung der Kraftwerke „Oberweser" steht dem Werk zur Zeit eine Gesamtleistung von etwa 8000 P. S. zur Verfügung. Die höchste Beanspruchung betrug im Dezember 1925 rund 3000 P, S. Die Länge des 5000-Volt- Netzes beträgt 26 km, die Länge des 20 000-Volt- Netzer beträgt 152 km, die Länge des Gleichstrom- nehes 82 km, zusammen also 210 km. Ls sind zur Zeit angeschlossen, im Stadtgebiet I 5268 Zähler, im llcbcrlanbgcbiet 8625 Zähler, zu- lammen _alfo 13 893 Zähler. Die Stromerzeugung seit Betriebserössnung des Werkes zeigen die nachstehenden Ziffern: 1902 621731 kWh, 1903 492 925 „ 1904 566 300 1905 654 812 „ 1910 1.384 063 ., 1915 2 411 637 „ 1920 5 215 456 ., 1925 6 671 776 „ Die Anschluhbewegung seit Betriebseröfsnung des Elektrizitätswerks ist folgende: Anzahl der Anschlüsse im Stadtgebiet Ucbcrlanbgcbict 1902 90 — 1903 252 — 1904 325 — 1905 393 — " 1910 1025 — 1915 1899 5200 1920 2218 6826 1925 4898 8393 In dem Werk waren im Jahre 1901 beschäftigt: 9 Arbeiter unb 6 Beamte, 1926 sind es 79 Arbeiter und 16 Beamte. Diese Darlegungen zeigen, daß das Elektrizitätswerk unter umsichtiger Führung eine recht erfreuliche Dorwartsentwicklung erfahren hat. Daß heute noch gewisse Verb'sserungsnot- toemDigfeitcn bestehen, liegt vor ollem in den mißlichen Tlmständen her letzten Jahre begründet, die ja alle Derwaltungen zu starker Vorsicht und Beschränkung zwangen. Man darf aber Wohl gewiß sein, daß auch hierin der Weg des gesunden Vorwortsschreitens nicht verlassen werden wird. Möge eS unserem Elektrizitätswerk vergönnt sein, unter seiner zielbewußt und rastlos vorwärtSstrebenden Leitung und mit weitgehender Förderung durch die städtischen Körperschaften den Weg zur Höhe im Dienste der Allgemeinheit ohne Unterbrechung kräftig fort- zusetzen! Oderheffen. Ein Anschlag auf die Vogelsbergbahn. WSN. Lauterbach, 3. Sept. Ein Eisenbahn a n s ch l a g wurde auf die Vogelsbcrgbahn verübt. Bei der Streckeitbegehung wurde bei Hartmannshain das Fehlen einer Neihe von Laschen schrauben festgestellt, was unzweifelhaft eine Zugentgleisung zur Folge gehabt hätte. Als Täter wurde ein 15 Jahre alter Knecht ermittelt, der die Tat aus lieber- mut begangen hat. Landkreis Gictzcn f. Klein-Linden. 3. Sept. Em schwerer Unfall betraf heute morgen 5 Uhr den Eisenbahner Heinrich Aaumann in seinem Hause. Beim Verlassen seines Schlafaemaches stürzte ^er infolge eines Schwächeanfalles die innere Treppe hinab und blieb mit einem schweren Schädelbruch bewußtlos liegen. Nachbarn eilten auf die Hilferufe herbei und leisteten die erste.Hilfe bis zum Eintreffen des Arztes. Kurz darauf wurde Dr. Boßler nach Lützellinden zur Hilfeleistung gerufen. Ein Radfahrer war dort auf dem Wege zur Arbeitsstelle gestürzt und war mehrere Stunden be° wußtloS. Ob innere Verletzungen vorliegen, muß erst festgestellt werden. n. Großen-Linden, 3. September. Die Maul- und Klauenseuche der Schafe ist hier er! o s ch e n und die Gemarkung zum Durchtrieb von Klauenvieh nun wieder freigegeben. Die Bewohner von Hochelheim und Hörnsheim können jetzt ihr Grummet von den Wieseü der Stadt Gießen wieder mit Kühen durch die hiesige Gemarkung heimfahren. — Ein hiesiger Landwirt hieb unvorsichtigerweise seiner Schwägerin mit einer Sense in den Fuß. Die Verletzte mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Bg. Großen-Buseck, 3. Sept. Im hiesigen Volksbad, das sich immer größeren Zuspruchs erfreut, ist — der stärkeren Nachfrage nach Wannenbädern entgegenkommend — mit dem U in b a u zweier B r a u s e d a d e z e l l e n in solche mit Wannenbädern begonnen worden. In Zukunft werden also sechs Wannen zur Verfügung stehen. * Steinbach, 3.Sept. Bei dem in Gießen von dem Verband hessischer Kleinkaliberschützenvereine abgehaltenen Schießen um die Kreismeisterschaft konnte der hiesige Schützenverein gute Erfolge erzielen. Beim Grupvenschießen (5 Mann) schoß die vom Verein gestellte Gruppe die Kreismeisterschaft mit 346 Ringen. Beim Einzelschießen errang das Mitglied Ludwig Haas VI. die Kreismeisterschaft mit 80 Ringen. Die zweithöchste Ringzahl konnte Heinrich Ludwig Balser mit 72 Ringen erzielen. An° schlagart war knieend, liegend und stehend freihändig. t>L Langsdorf, 3. Sept. Wir haben nun auch eine Wasserleitung. Sie wurde von der Firma Fay in Lich kurz nach Ostern begonnen. Soweit die Hausleitungen gelegt sind, tänn nun gezapft werden. Jetzt fand unter Aufsicht des Bauleiters, Oberinspektor Müller (Gießen), die Spülung des Ortsnetzes statt. Bauleitung und ausführende Firma haben also ihr Wort gehalten, die Leitung lief am 1. September. Wenn auch vorerst noch ein paar Tage vergehen werden, bis das Wasser genießbar ist, so ist es doch freudig zu begrüßen, daß wir soweit sind. Die Langsdorfer Wasserverhältnisse waren an vielen Stellen furchtbar schlecht, und das Wasser hygienisch keineswegs einwandfrei. Aun wird eS auch nicht mehr Vorkommen, wie im Jahre 1921. daß man wegen einem Eimer voll Wasser Polonaise stehen muß. Die meisten Einwohner fuhren damals nach Lich an die Wetter und holten ihr Wasser in Pfuhlfässern. DaS alles ist nun vorüber, bald klingts tote ‘ ein Märchen. Verbunden mit der Wasserleitung ist dtc Kanalisation, deren segensreiche Wirkung mait schon längere Zeit- -verspüren konnte. Viele Abwässer werden schon seither von ihr fortgeführt. Unser Dorf wird dadurch trockener und gesünder. Ueberlaufende Fauche- gruben sollte eS jetzt nicht geben. Die Dorf- straßen sind zum Leidwesen der Auto- und Radfahrer vorerst noch etwas holperig, doch das bedeutet angesichts des geschaffenen Werkes Wetter nichts. Untere Gemeinde kann stolz sein auf das geschaffene Derk, das durch den Ge° ineinberatsbefchluß vom 18. Februar d. I. geboren wurde. Unb die Gemeindevertretung tarnt ebenfalls stolz fein, trotz mancher Gegenstromun- gen, einen solchen Beschluß gefaßt zu haben, den sie nie zu bereuen haben wird, und für den ihr noch kommende Geschlechter danken werden. Hie und da bekommt nun das Dorf bild ein anderes Aussehen. An manchen Stellen wurde neu gepflastert. Besonders schön macht sich nun der Platz unter unserer prächtigen Dorflinde, der Fahrhundertlmde, um die noch eine Bank kommen soll. Am 19. d. M. findet das W a s s e r f e st statt, durch welches das Wert offiziell seiner Bestimmung übergeben werden soll. Damit zusammen fällt die Aachkirmes. :/: Utphe, 3. Sept. Bei der hiesigen Grum- inetgrasversteigerung auf dem Gemeinde- wiesengelände kamen minder gute Morgen auf etwa 10 Mk., mittlere auf 20 bis 30 9)1 f., während gute Qualität mit 30 bis 40 Mk. bezahlt wurde. Zwei Morgen erhielten sogar je 51 Mk. Gebot. Der Ertrag der Grummeternte ist nach Menge und Güte ganz hervorragend. — Am Sonntag fand das A b - turnen unseres Turnvereins, verbunden mit einer Feier, statt, an der sich auch die übrigen Vereine unseres Dorfes beteiligten. Die Leistungen Zeigten, daß in dem Verein gearbeitet wird; besonders die Geräteübungen bewiesen, daß der Turnverein sich in aufsteigender Linie weiterentwickelt. Die ersten Preise erhielten in der Schülerriege Theodor Bildhäuser, in der Unterabteilung Hermann Tag, in der Oder- abteilung Fritz Weber. Eine Musterriege aus Lich bot sehr beachtenswerte Leistungen. Kreis Friedberg. ^Bad-Aauheim, 3. Sept. Zwischen hier und Äieder-Mörlen, unweit des Bahnkörpers der Main°Weserbahn erfolgte gestern nachmittag die Notlandung des Sportflugzcuges D 4 3 9. das auf der Reise von Köln nach Konstanz begriffen war. Im Gewitter hatte der Pilot die Orientierung verloren. Infolge kleinen Defekts, der bei der Landung entstand, konnte das Flugzeug erst heute seinen Flug fort- sehen. Bad-Nauheim, 4. Sept. Am nächsten Montag, 6. September, abends, wird der berühmte deutsche Kammersänger Heinrich Schlusnus im hiesigen Kurhaus (großes Haus) in einem Lieder- und Arienabend auftreten. Auf dieses Ereignis seien die Kunstfreunde besonders hingewiesen. Kreis Büdingen. —Aus dem Niddertal, 3. Sept. Die Fruchternte ist hier schon seit einiger Zeit beendet: sie hat im allgemeinen ein gutes Ergebnis geliefert. Zur Zeit ist die Grummet- ernte in vollem Gang. Das Ergebnis ist vorzüglich, auch Bergwiesen befriedigen völlig. Natürlich war der Preis bei den öffentlichen Grummetversteigerungen dementsprechend: die besten Wiesen kamen pro Morgen auf 6 bis 8 Mk., geringere auf 1 bis 5 Mk. Die O b ft c r n t e versagt allerdings in vielen Gemeinden völlig, nur Birnen liefern eine einigermaßen zufriedenstellende Ernte: jedoch ist der Preis für beste Tafelbirnen fahr mäßig, es werden für gute Ware 5 bis 10 Mk. pro Zentner geboten. Kann es etwas «Besseres für Jhre Wäsehe geben ? Qleiehzeitig mit einem, (Paket Qnffioitipsoift Serfetipulvef(^) koehen Sie Jhre Wäsche mit einem Met Seif ix (15J) zutnJBteiehen. SEIFENPULVER Kl 8 Kreis Alsfeld Alsfeld. 3. Sept. Ein imposanter Traucrzug, in welchem eine Reihe uön Vereinen mit umflorten Fahnen mitmarschicrten und wie ihn Alsfeld wohl selten sichi. bewegte sich gestern nachmittag zu unserem Friedhose. Es wurde der städtische Branddirektor und Oberschützenmeistcr Ludwig Martin, eine bis weit über die Grcn zen des Hessenlandes hinaus bekannte, markante Persönlichkeit, zur letzten Ruhe bestattet, nachdem ihn ein hcimtüaisches inneres Leiden im Aller von ,‘>7 Jahren unerwartet hinweggcrafft hatte. Der Verstorbene hatte sich im öffentlichen Leben und im Vereinswesen der Stadt durch sein verdienst- volles, uneigennütziges Wirken grofec Verdienste erworben, was auch in den überaus zahlreichen Kranzniederlegungen und Nachrufen am Grabe zum Ausdruck kam. — Wie wir hören, beabsichtigt die hiesige Stadtverwaltung, am Sonntag, 19. September, einen Flugtag in Alsfeld zu oernn- ftatten. Der Fluglag wird diesmal von dem Frankfurter Flugsport G. m. b.H. unter dem Protektorat des Frankfurter Aero-Ktubs veranstaltet. Hoffentlich ist dieser Veranstaltung mehr Glück beschieden, als dem Fluglage im vergangenen Herbste, der zwei- mal angesetzt und jedesmal infolge widriger Umstände und Wetterverhältnisse ausfallen mußte. T Nieder-Gemünden, 3. Sept. Hier wurde im Beisein des Kreisschulrats Huff ein vierzehntägiger Lehrgang f ü r die Handarbeitslehrerinnen der Umgegend, soweit sie an dem Kursus in Homberg noch nicht teilgenommen haben, eröffnet. Der Kursus soll die Handarbeitslehrerinnen mit dem neuesten Stand des Handarbeitsunterrichts für Mädchen und Fortbildungsschülerinnen bekannt machen: er wird von Fräulein De iß aus Bellersheim geleitet. öp Groß-Felda, 3. Sept. Ein Landwirt fuhr hier mit einem hoch mit Frucht beladenen Wagen einen sehr {teilen Berg, die „Moos", herab, ohne einen Hemmschuh mit sich zu führen. Die Bremse des Wagens versagte, der Wagen kam im Dorfe ins Laufen und schließlich jagten die Pferde mit ihm im Galopp weiter. Da der Fuhrmann Geistesgegenwart hatte und, die Pferde fest am Zügel haltend, nebenher lief, konnte er ein Stürzen der Pferde verhindern und die Kurve am Fuße des Berges glücklich passieren. Glücklicherweise war auch kein anderer Wagen auf der Straße, denn sonst wäre ein schreckliches Unglück unabwendbar gewesen. (D Erbenhausen, 3. Sept. Leider ist hier die Maul- und Klauenseuche ausgebrochcn und forderte schon verschiedene Opfer an Vieh. Das Auftreten der Seuche hatte zur Folge daß man zum Erwerb von Pferden schreiten mußte, um den Rest der Ernte einzubringen. Soweit man sich nicht gegenseitig durch Pferdegespanne auszuhelfen in der Lage war, konnten einige, deren Wiesen gut und günstig an der Landstraße lagen, ihre Grummetwagen selbst nach Hause fahren. z. Renzendorf, 3. Sept. Die erweiterte Bahnhofsanlage wird mit einer neuen Wage ausgestattet. Der Standort der neuen Wage liegt günstiger als der seitherige, können doch nach Fer- ttgstellung die Waggons eines Zuges gewogen werden, ohne daß sie ihren Platz innerhalb des Zuges verlassen müssen. z. Schwarz, 3. Sept. Der durch unseren Ort fließende Bach erhält gegenwärtig innerhalb des Dorfes ein mit Betonmauern eingefaßtes Bett. Die Kosten der einen Ufereinfassung müssen die angrenzenden Eigentümer tragen, während das andere Ufer auf Rechnung der Gemeinde hergestellt wird. Die Notwendigkeit dieser Derbesse- runa konnte insbesondere bei dem letzten Hochwasser, wo die an den Bach anstoßenden Grundstücke überschwemmt und geschädigt wurden, erkannt werden. — Die unter dem Nomen „Terrazzo" bekannten K u n st st e i n c r z e u g n i s s e werden seit Jahren hier hergestellt. In der Bausaison sind die Unternehmer dieses Gewerbes meist in den umliegenden Ortschaften mit der Ausführung von Fußböden für Küchen, Hausflure u. dgl. beschäftigt. Starkenburg. WSR. Rüsselsheim, 3. Sept. Gestern nacht wurde ein Fuhrmann auf der Land-- strcche zwischen Rauheim und Hof Schönau- von drei Wegelagerern überfallen. Während einer der Strolche die Pferde im Schach hielt, ft:rangen die beiden anderen auf den Wagen und suchten den Fuhrmann, auf dessen Geld sie es wahrscheinlich abgesehen hatten, herunterzureißen. Als sich dieser energisch zu> Wehr setzte und die Strolche sahen, daß sie nichts ausrichten konnten, suchten sie ihr Heil in der Flucht und konnten auch von der Polizei bisher noch nicht festaenvmmen werden. ' Rüsselsheim, 3. Sept. Hier erfolgte in einer Werlstältc eine Benzin explosiv n. wodurch der Schlosser Jean Dl um aus Mainz so schwere Brandwunden erlitt, daß er ihnen erlag. Ein zweiter Arbeiter trug ebenfalls schwere Derlehnngen davon. Feuer in einem Irrenhcrus. WSN. Heppenheim, 3. Sept. In der hiesigen Landes-Heil- und Pflcgcanstalk brach gestern nacht gegen 12 Uhr ein Brand aus. Das Feuer griff rasch um sich, und die Insassen konnten sich nur in Nachtbekleidung retten. Durch Einsetzen der neuen Motorspritze konnte ein Ucber- grcifen auf das Hauptgebäude verhindert werden. Im anderen Falle hätte der Brand ohne Zweifel in dem mit 400 Geisteskranken besetzten Gebäude unabsehbares Unglück verursacht. Preußen. Kreis Wetzlar. 3 Aus dem Kreise Wetzlar, 1. Sept. Der Regierungspräsident zu Koblenz empfiehlt den Gewerbetreibenden, die im künftigen Jahre ein Gewerbe im Umherziehen ausüben wollen, den Antrag auf Ausstellung eines neuen Wondcrgewerbcjcheincs schon im O k t o- b e r zu stellen, weil bei der Menge der Anträge und wegen der erforderlich werdenden Ermittelungen die Ausfertigung längere Zeit in Anspruch nimmt und sonst die Aushändigung der Scheine zu Beginn des neuen Jahres nicht gewährleistet werden kann. XX Dorlar, 3. Sept. Die anfangs August durch einen Kranwagen am hiesigen Bahnhof zerstörte Ueberführung Dorlar—Waldgirmes steht noch immer unter strenger Beobach- iung, da inan eine weitere merkliche Senkung festgestellt hat. Die Brücke ist bei Tag und Nacht von einem Eisenbahnbeamten bewacht, schwere Fuhrwerke dürfen sie nur mit größter Vorsicht überfahren. XX Hohensolms, 3. Sept. Unter reger Anteilnahme der Kreis-, «chul- und Bürgermeistereiverwaltung wurden die^ Reichsjugend- w et t kämpfe der neun Schulen des Hohen- solmser Landes auf dem Sportplatz Bermoll ausgetragen. Wohlvorbereitet durch den Obmann, Lehrer H e d r i ch (Bellersdorf), ging alles feinen gewohnten Gang. 100-Meter-Lauf und -schlagball- mcitrourf zeigten schöne Leistungen, während dem Weitspruna noch vielfach die höchste Vollendung mangelt. In der Oberstufe seien als die beiden ersten Sieger erwähnt: O. Bie k aus Groß-Alten- städten mit 96 Punkten und W. Rinker aus Erda mit 85 Punkten. In der Unterstufe blieben Sieger Netze (Groß-Altenstädten) mit 96 Punkten und Paul (Mudersbach) mit 81 Punkten. Das von der Bürgermeisterei gestiftete Wanderwimpel, ausgeführt in den Farben des Solmfer Landes, wurde als Siegersymbol der Schule zu Groß-Alten- ftäbten zuerkannt. Auch in Spiel und Gesang wetteiferten die einzelnen Schulen zum Schluß mit- cinanber. 00 Hochelheim, 3. Sept. Das hier herkömmlicherweise am zweiten Sonntag im September ftattfinbenbe Kirchweihfest darf gemäß Anordnung des Landratsamts in diesem Jahre nicht abgehalten werden, da in Dornholzhausen die Maul- u n d K l a u e n s e u ch c herrscht und Feste in einem Umkreise von 5 Kilometer nicht abgehalten werden dürfen. Aus dem gleichen Grunde ist auch ein Antrag der Burschen von Hörnsheim auf Genehmigung des Ki r ch- weihfeftes abgelehnt worden. In Hörnsheim ist lange Jahre keine Kirmes mehr gefeiert worden. Rürsei'E^L. Kreuzworträtsel. 9 19 \2Ö 21 22 2.3 25. 26 OHE] 16 17 27 L29 28 30 1. Don links nach rechts: 1. Tafelfisch: 4. große Tur, 7. Auszeichnung: 8. chemisches Element. 10. Himmelsrichtung: 11. europäische Hauptstadt: 12. griechischer Sanger; 16. Anteilschein: 18. englisches Bier: 19. leichter Wagen: 21. weiblicher Vorname; 23. vielgenannter Ort in Thüringen; 25. Ortsname im Rheingau und Württemberg; 27 wie 18; 28. englischer Ädelstitel; 29. afrikanischer Strom; 30. Dich- lungsart. 2. Von oben n a ch unten: 1. Gattungsbegriff; 2. Abschiedsmort; 3. Fluß in Sibirien; 4. Fischfett; 5. Wind, 6. Edelwild; 7. europäische Hauptstadt; 9. russischer Strom; 13. Teil des Wagens; 14. Gebirgspflanze; 15. fettige Flüssigkeit; 16. biblische Person; 17. Figur aus Schillers „Jungfrau von Orleans"; 19. Wagen« Wettfahrt; 20. Trage; 21. Raubvogel; 22. Vorgebirge des Harzes; 24. Hoherpriester; 26. spanischer Nationalhcld. Silbenrätsel. Aus den 32 Silben: cel — da — di — droh — e — c — og — els — fleth — hok — i — ter — lauch — le — Io — lo — mont — mütz — ne — ol — quit — ran — re — ri — schnitt — tat — te — tos — u — va — vers — vid sind 16 zweisilbige Wörter zu bilden mit folgenden Bedeutungen: L Insekt; 2. asiatisches Hochland; 3. Stadt in Oldenburg; 4. Obst; 5. Schweizer Kanton, 6. Drama von Goethe; 7. Stadt in Italien; 8. Seerosengswöchs; 9. Voranschlag; 10. männlicher Personenname; 11. weiblicher Personenname; 12. schriftliche Zusicherung; 13. Küchengewächs; 14. Stadt in Hannover; 15. Zei chenstuhl; 16. Stadt in Mähren. — Sind die Wörter richtig gebildet, ergeben Anfangs- und Endbuchstaben, beidemal von vorn nach hinten gelesen, ein Zitat von Ralph Waldo Emerson. Bilder-Rät'e!. Echarndr. Mit zweien kocken wir die Speisen, Mit einem bau'n wir unser Haus. Das Ganze schlägt man mit Stahl und Eisen, Dann kommt ein funkelndes Zwerglein heraus. Verschmelzungs-Aufgabe. Aus den nachstehend aufgeführten je zwei Wörtern soll durch Umstellen der Buchstaben je ein neues Wort gebildet werden, deren Anfangsbuchstaben, aneinandergereiht, den Namen einer Sportjüngerin ergeben, die in letzter Zeit viel von sich reden machte. Amu Niger — Blume; Leo Vater — Fahrstuhl; Ring Seil = Rebenart; Miene Tat = Gewinnanteil; Rest Tula --- Ergebnis; Rebe Ruh ---- Verfasser; Darm Dore =9amelart; Au Pore = phönizische Königstochter. Don Marga --- Sol- metscher; Enz Hobel = Tropenbaum; Kaste Mur ---- Fleischschnitic; Laune Rod = Wagenart; '2luc Lila — weiblicher Personenname. Husamuieusetz-Aufgabc. Anden — Erd — Erk — Lingen — Miß — Raten — Rucken — Stützen — Unter — Vers. Je zwei der vorstehenden zehn Wörter, richtig aneinandergestellt, müssen stets ein Zeitwort ergeben. Wie lauten diese? Äuflösungct:. Cinfügungsaufgabc. Pranke — Leier — (Si)pcrn — Faktum — Rand — Mahdi — Ocker — klappe. Picknick. Rätsel. Probe — Robe Bilderrätsel. Es geht nicht immer alles nach Belieben. Kreuzworträtsel. TLÄ ffl B QFü)001DiQE!l3 qbb1q1i30B ■mSsSSil ■traBiiamaB homonym. Sekretär. Silbenrätsel 1. Holstein, 2. Ebro, 3. Logger. 4. Gepard; 5. Ochse; 6. Lüster; 7. Aden; 8. Rahe; 9. Dandy. Helgoland — Norderney. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom AedakttonSttsch. Intermezzo. Frau Aberle hatte sich bei der Aachbarin Frau Deberle beschwer», daß Dederles Jüngster, der kleine Anton, ungezogen zu Frau Merle gewesen sei. „Das wollen wir gleich haben", sagte Frau Deberle und tief ihren Anton. »Komm mal her. Frau Aberle detlagt sich, daß du zu ihr „alte Hexe" gesagt hast. Hast du das gesagt, Anton?" „Za, Maina", sagte Anton mutig-trotzig. „Run," seufzte die Mutter befriedigt, „wenig- stens sagst du die Wahrheit." Und jetzt wundert sich Frau Deberle, warum Frau Aberle überhaupt nicht mehr mit ihr spricht, Geographie. „Wo warst du in den Ferien?" „Italien." „Wie sieht Italien aus?" „Wie'n Stiefel. Hast du keine Erdkunde gelernt?" herzensgüte. Tante Emmeline kommt in Berlin an, mit drei Kvffern, sechs Schachteln und einer Riesen* Handtasche. Sie nimmt eine PferdedroschLe. „3ebenfc die vlle Tasche man vvch her," sagt der Kutscher, „die kann rwch mit oben ruff." „Rein," sagt Tantchen und hält sie fest, „tue behalt ich hier auf dem Schoß, das arme Pferdchen hat genug zu ziehen." Rettungsweg. „Himmel, wie komme ich jetzt da von dem Baum herunter?" „Warte — der Ast wird gleich brechen!" Frankfurt a. M. Restaurant Kölner Hof am Hauptbahnhof (rechts) Neu eröffnet! Sehenswert! Anerkannt erste Küche — Kleine Diners — Reichhaltige Tages-und Abendkarte zu mäßigen Preisen. Im Ausschank: Dortmunder Actien, Pils und Münchener Hotbräu. 6792s! Weinrestaurant. Sorgfältig zusammengestellte Weinkarte zu niedrigen Preisen. Hotel Kölner HofgbeSz™r" kalten X\ ass er von Mk. 3.50 bis 6.—. 20 Privatbäder Große und kleine Konferenzräume Waagen aller Art empfiehlt u. werben eichfShiy hergestellt. 06083 Karl Schmidt, Neuenweg 42, Tel. 1075 BBBBBBBBBBBBBSBBft Farben und Lacke i 7149D G. m. b. H. 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Cs ist etrvas merkwürdiges um diese Stadt: sie macht selbst bei Regenwetter einen sonnigen Eindruck: man hat immer das Gefühl, die Sonne auch noch hinter den Wolken lebhaft zu spüren, so als wollte sie jeden Augenblick siegreich her- vortreten. And dieses Gefühl bringt einen, sowie man den Boden Münchens betritt, in eine angenehme toarme (Stimmung; und ebenso freundlich empfängt einen diese schöne Stadt, man ist wieder als Fremder (will sagen als Rorb- deutfcher) ein gern gesehener Gast, wandert behaglich durch küe lieben vertrauten Straften und es scheint alles so zu sein, wie es einst gewesen. Erst langsam merkt man dann, bah auch München sich in einer Wandlung befindet. Früher war es in erster Linie Kunststadt, Stadt der Künstler; es bot dem Künstler die behaglichste Atmosphäre der Well, und er lebte und schaffte dort froh und zufrieden; er fand Mäzene, die ihm halfen, der bayerische Hof unterstützte die Kunst aus alter Tradition heraus, kurz es war alles schön und gut. Der Münchener selbst hatte ja keine be- sonberen^Deziehungen zur Kunst, aber er folgte freundlich dem Beispiele, das ihm die anderen gaben, vor allem aber schuf er die behagliche Atmosphäre humorvoller Teloranz, in welcher der Künstler mit viel Behagen atmen konnte. Die Atmosphäre ist, möchte man sagen, eigentlich wieder da, aber die Mäzene und Förderer fehlen; und auch die Kunst selbst ist in einer Amge- staltung begriffen und sucht neue Ziele, und so zieht in Berlin mit seinen geballten Zeitenergien und seinen vielen Möglichkeiten einen Künstler um den anderen wie ein Magnet von München fort. An dieser Tatsache ändert auch der Glas- Palast nichts, in dem jetzt tausende von Kunstwerken ausgestellt sind, und daran ändert auch nichts die Bemühungen so mancher tiefsinniger Münchener, die ihre Vaterstadt wieder zur Kunststadt machen wollen. Denn hier bereitet sich, wie schon angebeutet, eine neue Entwicklung vor: statt Kunststadt wird München in erster Linie Fremden st ad t, und zwar in einem Ausmaße, wie es keine andere deutsche Stadt zeigt. And dies wird wohl die große und schöne Ausgabe Münchens für die nächste Zeit fein: als Fremdenstadt deutsche Kultur in schönster Umgebung, umrahmt von Kunstwerken und in liebenswürdigster Weise auf die Fremden wirken zu lassen und damit teilzunehmen an der friedlichen Propaganda für den deutschen Geist, deutsche Kultur und deutsches Wesen. Mit solchen Gedanken wandert man in schöner Stimmung durch die entzückende Stadt, mit dem Bewußtsein, daß hier aus dem Allen in lebendiger Wandlung schönes und bedeutsames Re'ues zum Lichte will und man hofft, hier einmal Goethes schönen Spruch verwirklicht zu sehen: „Aeltestes bewahrt in Treue, freundlich auf gefaxtes Reue". »Was gibts denn Reues in München?" fragte ich einen Armünchener, denn man möchte sich doch gerne bilden. „3a mei," antwortete er freundlich, „da ham's endlich mal nach langen Jahren wieder zum ersten Mal a Sommerbier gebraut, dös müssens fei probieren, dös is gut“. Also ging ich ganz behaglich in ein Bräu, um das Sommerbier zu probieren. Das war nicht so leicht, denn die großen Gaststätten sind alle fast bis auf den letzten Platz gefüllt, von der buntesten Gesellschaft, die man sich denken kann. Ich kenne nur eine Stadt, die einen so Verschiedenartigen und doch so liebenswürdigen Fremdenverkehr erzeugt, wie München, und das ist Florem. And so wie man in Florenz sich oft an München erinnert, muß man in München oft an Florenz denken; es sind da Zusammenhänge zwischen diesen beiden Städten, die tiefer svurzeln, als nur in der Gleichheit der Feldherrnhalle mit der Loggia bei Lanzi. Aber in einem Punkt unterscheidet sich München von jeder anderen Großstadt; die Stubenten» Couleur färbt das Strahenbild. And ba zurzeit verschiebens QJerbinbungen hier ihre Feiern abhalten, gelingt es einem manchmal, sogar brei Generationen Arm in Arm unb buntgemützt burch die Straßen toanbern zu sehen: Großvater, Vater unb Fuchs-Sohn, wobei man erstaunt wahrnehmen muß, bah meist bie ältesten der „Alten Herren" den meisten Anternehmungsgeist haben. Also ich wollte mein Sommerbier trinken unb bekam endlich einen Platz in einem Bräu, neben einer Dame, anscheinend älteren jungfräulichen Standes. Wir kamen ins Gespräch. Sie war, wie sichs erwies, eine Lehrerin aus einem anderen Teile Deutschlands: und sie sagte, sie sei wegen der Bildung hier, denn München böte darin so viel. Sie zeigte mir ihren Stundenplan. Alle Achtung, dana ß leistete sie eine Mu- seumsbesichtigungsarbeit, für die sich b.r Staat eigentlich durch eine Schwerardeiterzulage erkenntlich zeigen mühte. Soeben kam sie aus der Pinakothek, wo sie vergebens nach dein Modell eines Bergwerkes, mit Menschen und allein Zubehör, gesucht hatte; es sollte wunderschön sein, alles bewege sich, hätten ihr Bekannte erzählt, und in der Pinakothek sei es zu sehen: und sie wollte doch so gerne ihren Schulkindern davon erzählen. Aber sie hätte vergebens die ganze Pinakothek danach abgesucht, es wären nur lauLr Bilder da, nichts als Bilder, die meisten in Oel. Ich tröstete, sie solle es mal im Deutschen Museum versuchen, dort werde sie ihr Bergwerk sicher finden, und dann rief ich die Kellnerin, um zu zahlen. And nun hatte ich ein Erlebnis. Denn die Kellnerin war nicht n. r weiblichen Geschlechts, sondern ein Weib, ein richtig ausseheirdes Weib, so wie wirs als Kind gesehen hatten. Sie trug lange Haare, richtig aufgewickelt, auf dem Kopf, sie scheute sich nicht, unter der schwarzen Schürze den richtigen altmodischen Dusen einer erwachsenen Weiblichkeit zu besitzen, und sie trug einen, also man kann fast sagen langen Rock, unter dem sich, soweit das zu beurteilen war, tüchtige Deine in undurchsichtigen schwarzen Strümpfen verbargen. Diese Kellnerinnen, glaube ich, sind tn München die einzigen Frauen, die noch über sämtliche Attribute der Weiblichkeit verfügen. Denn im übrigen herricht auch in München der Dubikops. And es hilft gar nichts, daß sich die alten Münchener dagegen wehren (erst gestern las ich wieder ein Inserat: „Buchhalterin gesucht, kein Bubikopf") — das hilft alles nichts, auch in München werden von Tag zu Tag die Röcke kürzer und die Haare auch. Der Mode ist es sogar gelungen, das Sorgenkind der Münchenerin, das sogenannte D. E. B. (Bayerisches Einheits- Bein), das sich bisher oft durch, na, wie sagt man es, also durch allzustarke Kräftigkeit auszeichnete, fast automatisch in wohlgeschwungene Formen zu bringen. And so hat die Münchenerin sich eine „Vollschlankheit" verschafft, die selbst den verwöhntesten Geschmack befriedigen kann. Ein tüchtiger Menschenschlag. And dabei unverwüstlich frohlebig. Als ich am Rochusberg vorbeikam, sah ich vor einem Toreingang eine vergnügte, aufgeregte Menge stehen. Da wird wohl wieder ein neues Bier ausgeschenkt, dachte ich. Aber es war das städtische Leihhaus, das soeben wegen Aeberfüllung vor der Zeit geschlossen wurde. So führte der Münchener auch seinen Kampf gegen die schlechte Zeit und für sein Freudebedürfnis mit Humor und unter Anwendung der letzten Hilfsmittel. Ja, er verliert den Humor sogar dann nicht, wenn er zu Dingen zwangsweise erzogen werden soll, die ihm gar nicht recht liegen. Man will ihn jetzt nämlich von Polizei wegen zur Ordnung anhalten und hat deshalb an allen Straßen Körbe aufgestellt, wohinein Abfälle und Papiere zu werfen sind. Selbst der Strahenbahnfahrschein darf nicht auf den Asphalt geworfen werden; wer es dennoch wagt, wird sofort, von einem Beamten in Zivll erwischt, gezwungen, das Papier wieder aufzuheben und muß doch gleich 2 Mk. gegen sofortige Quittung zahlen. And die Quittung darf er beileibe nicht hinwerfen, sonst kostets wieder 2 Mk. Da kann man wirklich mit Faust sprechen: „Richt jedes Städtchen hält so rein!“. Das ist eben ein Triumph der Polizeiorganisation. And überhaupt fällt es einem auf, daß das gemütliche München sich stark organisatorisch zu betätigen beginnt. Richt nur der wllde Kunst- Handel ist so vortrefflich organisiert, daß man in jedem Restaurant, immer von anderen Personen, die gleichen OriginalölgemÄde angeboten bekommt (Marke: Landschaft mit sonnigen Bergen, Herstellungskosten 3 Stück 10 Matck, Leinwand und Farbe wird vom Generalunternehmer geliefert, Verkaufspreis „Handsigniert“ das Stück 50 Mark, mit Gemsen auf den Bergen 5 Mark mehr), nein, auch sonst ist München die erste Stadt, der es gelungen ist, die Raucher unter einen Hut zu bringen. Denn kürzlich wurde hier ein „Reichsbund Deutscher Raucher“ begründet, der die Antinikotinbewegung bekämpfen will. „Jeder volljährige deutsche Raucher und jede Raucherin kann Mitglied des Bundes werden", heißt es in den Statuten. And wer den Kampf der Münchener gegen die deutschen Prohibitionsbestrebungen, die unter dem Deckmantel des Ge- meindeselbstbestimmungscechtes drohten, kennt, weiß, daß auch diese Kampfansage keine leere Droßung sein wird, u.id daß jeder Münchener Dubi'opf bald als „volljährige deutsche Raucherin" das Abzeichen des Dundcs aus dem Büstenhalter liegen wird. Aber da scheint gerade die wirkliche Sonne auf die grünaufleuchtenden Frauentürme — und nun sieht man nicht mehr die Fremdenautos, nun denkt man nicht mehr daran, ob München Kunststadt ober Fremdenstadt ist ober es weri en will, sondern man genießt gan-. ticj den Anblick dieser herrlichen Stadt, schlürft die Luft, die von den fernen Bergen kommt, starrt lusibesessen in die kräuselnd rauschende Isar, läßt das Leben um sich fluten und schmeicheln und fühlt: hier ist das Land, wo vom Süden, von jenseits der Alpen her, etwas berauschendes, befruchtendes, wie eine warme Quelle aus deutschem Boden ausrauscht, etwas, das, nach dem Rorden heimgetragen und dort weiterwärmend, das beseligende Bewußtsein gebiert: wir schön, wie reich, wie vielfach ist unser Land, Deutschland. Der südliche Odenwald. Von Karl W i h e l. Der Odenwald hat sich in den letzten Jahren immer mehr Freunde erworben. Leider bleiben die meisten an dem Rande kleben oder unternehmen es auch, etwas in sein Inneres ein- zudringen, besuchen die bekannten Kurorte, schwingen sich vielleicht auch dazu auf, eine längere Wanderung längs ober quer durch ihn zu machen, um sich einen einigermaßen klaren Begriff von seinem eigenartigen Gepräge zu bilden. Der südliche Teil wird meistens weniger beachtet, weil man annimmt, hier weniger des Sehenswerten zu finden. Er ist das Aschenbrödel vorn Odenwald, unb boch hat er so viel Anziehendes, daß es sich wirklich verlohnt, auch ihm einen kurzen Besuch abzustatten. Daß ex so vernachlässigt wird, ist vielleicht darin zu suchen, daß man wacker zu Fuß fein muß, denn es gibt noch weite Strecken, wo keine Eifenbahn sich in den Dienst der Personenbeförderung stellt. Daher ist man auf feine Wanderschuhe angewiesen, durcheilt ihn, seine Reize zu bewundern, die oft noch wenig von der Kultur beleckt sind unb sich daher in einer natürlichen Unmittelbarfeit zeigen, die ihresgleichen sucht. Daher ist es wohl angebracht, ein Wörtlein ihm zu widmen, für ihn eine Lanze zu brechen. Seine Grenzen werden von Fluhläufen gebildet mit Ausnahme der Westgrenze, 'wo die Bergstraße diese liebenswürdige Ausgabe übernimmt. Die Rordgrenze bezeichnen das Weschnitz- und Marbachtal, die Ostgrenze bas Mümling- und das Jtterbachtal, die Südgrenze das reizende Reckartal. Am seine Grenzen, die ziemlich scharf gezogen sind, genauer kennen zu lernen, unternehmen wir eine Wanderung. Wir beginnen damit bei Weinheim, gehen bas Wesch- nihtal aufwärts an Birkenau, Mörlenbach, Rimbach und Fürth vorbei bis zum Gumpener Kreuz, das den Stotz mit dem Schenkenberg bei Lindenfels verbindet unb bas Weschnitztal vom Gersprenztal trennt. Vom Gumpener Kreuz wenden wir uns südöstlich und gelangen an die Wegscheibe. Hier stehen wir an einem sehr merkwürdigen Punkt, ba hier Flußgebiete aneinanbet treten, das der Weschnitz, der Gersprenz, der Marbach und des Alsenbachs. Dann nehmen wir unseren Weg durch bas Marbachtal unb kommen an Hiltersklingen und Hüttenthal vorbei nach Hehbach. Hier übersteigen wir den Krähberg. unb wandern durch das Jtterbachtal nach Eberbach. Don da wenden wir uns durch das Reckartal bis Heidelberg und bann nach Rorden, bis wir wieder Weinheim erreicht haben. Die Täler sind es hauptsächlich, bie dem südlichen Odenwald einen besonderen Charakter verleihen. Man kann fünf Haupttäler unterscheiden; sie sind nach den Nüßchen benannt, die sie durchfliehen. Das Gemeinsame bei den Tälern ist, dah sie alle Rordsüd-Richtung haben. Das Jtterbachtal weist zwei Richtungen auf, erst südöstliche bis Kailbach, dann südwestliche bis zur Mündung bei Eberbach. Das nächste Tal ist das Gammelsbachtal, das vom Gammelsbach durchrieselt wird. Er entspringt bei Beerfelden und mündet unterhalb Eberbachs in den Reckar. Das Finkenbachtal, das daraus folgt, wird vom Finkenbach durcheilt. Er hat zwei Verzweigungen. Am Hinteren Ende der westlichen größeren Verzweigung, bie bis Olfen führt, liegt ein Querriegel, der das Finkenbachtal vom Marbachtal scheidet. In dem östlichen Tälchen liegen tesc iüe beiden Dörfer Airlenbach unb Faliengeiäh. Im unteren Teil des Hauptlais liegt Hirschhorn. Der Alsenbach hat seinen Arsprung bei Grasellenbach. In seinem Tale breiten sich aus -Untei- unb Ober-Schönmane..nac'g und Larmm- thal. In ihm mündet der Fiickenbach. Darauf wendet sich der Alsenbach nach Sudweften und mündet in den Reckar. Das 'etzte Tal ift a3 Steinachtal. Die Steinach entspringt bei Ober- Al'steinach unb mündet 6e> Reckarsteinach. In ihrem Tale liegen Heiligf'-euzsteinach unb Schönau. Dei Ziegelhausen geht noch' ein Täl- chcn, in dem PeterStal liegt, in das Reckertal über. Zwischen diesen Tälern l'egen hochflachcn- artig-erweiierte Höhenrücken, die mit Laub- oder Radelwald bedeckt sind. Anter dem Laubwald herrscht besonders der Cichwald vor. Aus der Rinde der jungen Eichbäume bereiten die Leute Lohe, welche Beschäftigung einen lohnenden Verdienst abwirft. Die Höhenrücken selbst bestehen vorzugsweise aus Sandstein. Wanderfahrten. Lich — Ruppertsburg — Gonterskirchen — Schotten. Von Lich wandern wir den blauen Ringen nach an den Villinger Teichen, einigen ziemlich großen, in idyllischer Landschaft gelegenen Weihern, vorbei über Ronnenroth, Ruppertsburg unb bie Friebrichshütte zur Rast nach dem anmutig im Horlofftale gelegenen Gonterskirchen. Ein Stück hinter Ronnenroth verlassen uns bie blauen Ringe, bie nach Laubach führen unb wir gehen nunmehr ohne Wegezeichen. Eine gute Karte ist baher schon ersorberlich. Aut guter Landstraße erreichen wir das tief im Grunde gelegene Einartshausen mit hübschen Fachwerksbauten, das durchwandert wird, um hinter dem Dorf einen Höhenrücken zu ersteigen, von dessen Grat man einen prächtigen Ausblick auf den hohen Vogelsberg genießt. Aus nächster Entfernung grüßen der Taufsteinturm, der Hohe- rodskopf mit den Klubhäusern, Bilstein unb Gackerst ein, währenb zu unseren Füßen sich sreunbliche Vogelsbergdörfchen augbreiten. Rach genügen bet Augenweibe geht es dem Endziele Schotten zu. Die gesamte Wanderung dürfte etwa 5 Stunden beanspruchen. Lauterbach — Herbstein — Ilbeshausen — hoherodskops — Schotten. Diese an landschaftlichen Schönheiten reiche Wanderung muß, da leider die Verbindung auf der Vogelsbergbahn iricht vorteilhaft ist, in 1V3 Tagen ausgeführt werden. Dis Lauterbach benutzen wir die Dahn. Rachdem das freundliche, industriereiche Städtchen passiert, auch dem hinter der Stadt, etwas links ab vom Wege gelegenen interessanten Dasaltsteinbruch Dllstein ebn Desuch ab gestattet ist, geht es über Dlitzenrod zum Wald. Dald darauf zeigt uns ein Wegweiser rechts ab den Fußpfad nach Eisenbach, der uns durch Wald unb über Wiesen nach bem malerisch gelegenen Schlosse, der „Hessischen Wartburg" führt. Wir durchschreiten das Schloß und seine reizenden Parkanlagen und wandern auf guter Landstraße, vorbei an Station Rixfeld, nach dem hochgelegenen Herbstein, wo wir in einem der guten Gasthäuser übernachten. Den andern Tag benutzten wir die Landstraße nach Ilbeshausen, besichtigen hier bie Teufelsmühle, wohl bas schönste Fachbauwerk Oberhessens unb toanbern an bem Höhenluftkurort Hochwalbhausen, einer Vlllenlolonie in idyllischer, gesunder Lage, vorüber, dem lieblichen Schwarzbachtal (rote Kreuze) aufwärts über den Taufstein zum Hpherodskopf, von hier bekannter Abstieg nach Schotten. Dauer der Wanderung etwa 1 Stunden. Reisewinke. Mittelstandskuren in Heilbädern und Heilanstalten. Die von der Dalneologischen Gesellschaft in Derlin angeregten Mittelstandskuren in Heilbädern und Hellanstalten erfreuen sich einer allgemeinen Beliebtheit, da bei ihnen bie Preise für bie Kuren außerorbentlich mäßig gehalten sind. Die Mittelstandskuren sind aber nur bann möglich, wenn fie in der Vor- unb Rachsaison vorgenommen werden. Die Entlastung bet Hochsaison zugunsten der stilleren Kurzeit gestattet den Bädern unb Sanatorien ein weitgehendes Entgegenkommen in der Preisgestaltung. Grundbedingung für Mittelstandskuren ist der Rach- weis der Kurnotwendigkeit durch eine kurze Botel-Knrhaus Baltenberg (Eder) Kr. Biedenkopf 4520D Vollständig neuzeitlich eingerichtet — Konferenz' und Versammlungsräume —Ueber 500 Personen fass. Gartenlokal — Beste PenstonSvervstegung und nach der Karle. Täglich Streich, und Jazzbandkonzert durch meine Dortmunder HauSkapelle. 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Man geht dort anscheinend nicht auf die Wirkungen der höheren Dergarbeiter- löhne ein, die sich dann bemerkbar machen werden, wenn der deutsche 'Bergbau nach dem Abbruch des englischen Kohlenstreiks alles daran sehen muh, in dem zu erwartenden ungemein scharfen Wettbewerb mit Den englischen Gruben seine jetzt etwas günstigere Position auf dem Weltmarkt zu behaupten. Es ist selbstverständlich vorauszusehen, dah die Engländer auf jede Weise versuchen werden, ihre alten Absatzgebiete wieder zurückzuerobern. Die Stellung der deutschen Zechen hat dagegen eine bedauerliche Schwächung durch die Lohnerhöhungen erfahren, die aus dem Grunde um so mehr im unrichtigen Augenblick vorgebracht und durchgedruckt wurden, als das Resultat des kommenden Wettbewerbes die Grundlage einer späteren Verständigung zwischen dem deutschen und englischen Bergbau werden dürfte. Auf beiden Seiten ist man darüber im klaren, Daß im 'Verlauf der nächsten Jahre in England diejenigen Organisationen der Gruben gebildet werden, die als Gegenkontrahent bei den dann beginnenden Verhandlungen über bestimmte Abreden mit den deutschen Gruben (in der Preis- bezw. Absatzfrage) auftreten können. Die Stärke des deutschen Bergbaues zu jener Zeit wird die Quote bestimmen, die ihm zugebilligt wird. Die Entwicklung der nächsten Jahre wird also lange das Schicksal unseres Kohlenbergbaues maßgebend beeinflussen Da diesem keine staatlichen Subventionen zur Verfügung stehen, werden alle Kräfte angestrengt werden müssen, um den harten und schweren Kampf auf dem Weltmarkt gut zu überstehen. Diese Erwägungen darf man an der Börse nicht außer acht lassen, wenn man sein ■Slrteü über die Art der Beendigung des Lohn- streites fällt. Kleber die Kombinationen, die den „Elektro- t r u st" und die Ausdehnungsabsichten der Farbengruppe angehen, ist durch die Generalversammlung der 3. G. Farbenindustrie A G. bzw. das Cornrnuniqus des Siemens-Konzerns zur 30 Mill. Dollaranleihe keine Aufllärung geschaffen worden. Die Phantasie der Börse kann daher, namentlich in der FarbeTrangelegenheit, ungestört weiter arbeiten. Dah sie es tatsächlich tut, zeigt die an einem Tage (Donnerstag) über l3proz. Steigerung der Rheinischen Braun- kohlenaktien auf Gerüchte über einen Umtausch 1:1 in Farbrnaktien. Den Dementis scheint die Börse wenig Vertrauen zu schenken, so daß sich schon förmlich das Schlagwort einer »Hausse in Dementiwerten" gebildet hat. Wenn auch verschiedene Verwaltungen in neuerer Zeit mit Dementis arbeiteten, die sich später als unzutreffend herausstellten, so dürften die in diesem Falle auftretenden Zweifel der Spekulation an der Richtigkeit der Erklärungen des Farben- tonzerns kwch zu weit gehen. Die Festigkeit der verschiedenen Spezialwerte gibt der Börse neuerdings aber nicht mehr einen so starken Rückhalt, wie noch vor Wochenfrist. Inzwischen hat der Ultimo das Geschäft nachhaltiger und länger beeinflußt, als man erwartete, so daß die hier schon wiederholt an» gestellten Ueberlegungcn über die Entwicklung des Geldmarktes zum Herbst nun auch an der Börse diskutiert wurden und die Unternehmungslust hemmten. Außerdem ist zu berücksichtigen, dah in der kommenden Woche das jüdische Reujahrsfest den Dörsenbesuch und die Umsätze zwei Tage (Donnerstag und Freitag) sehr einschränken wird, danach aber die M e d i o - abwi ckelung nicht mehr weit ist. Die optimistischen Monatsberichte der Großbanken wirkten sich daher kursmäßig kaum aus. Die leichte Besserung unserer Wirtschaftslage ist ja auch in dem gegenwärtigen Kursniveau bereits eskomptiert. Die Lage am Geldmarkt wird voll der Commerz- und Privatbank sehr richtig dahingehend charakterisiert, daß man nicht von einem Geldmangel, wohl aber von einer gewissen Versteifung des Geldes in diesem Herbst zu sprechen haben werde. Für die Zukunft des deutschen Geldmarktes werde, abgesehen von den Koniunkturmomenten. die Frage des Bedarfes der öffentlichen Hand von besonderer Bedeutung sein. Soweit das Reich in Frage kommt, wird nach den neuesten Erklärungen des Reichsfinanzministers an eine 21 n - leihemifsion bzw. die Ausgabe neuer Schatzanweisungen vorläufig (d. h. für die nächsten Monate) nicht gedacht. Der Börsen-Geldmarkt zeigt nach dem August-Ultimo nur eine langsame und bisher noch kaum spürbare Entspannung, weniger hinsichtlich der bereitstehenden Mittel, als der Zinssätze: Tagesgeld stellt sich auch jetzt noch auf 6 bis 7 Prozent. * Mitteldeutsche Creditbank, Frank- f u r t a. M. und Berlin. In der gestrigen Auf- sichtsratssitzung wurde der Abschluß für das erste Halbjahr 1926 vorgelegt. Er weist eine erfreuliche Entwicklung des Geschäfts und sehr befriedigende Erträgnisse aus. * QL Riebeck'sche Montanwerke m Halle a. d. S. In der gestrigen Aufsichtsratssitzung wurde beschlossen, der auf den 29. September einzuberufenden o. H. D. die Annahme eines Interessengemeinschaftsvertrages mit Der I. G. Farbenindustrie Aktien-Gesellschaft zu empfehlen, der ein Dividendenverhältnis der Riebeck- Aktien zu der I. G. Farbenindustrie von 6:10 und vom 1. April 1930 ab für die Riebeck- aktionäre ein Recht zum Umtausch der Riebeck- aftien in I. G. Farbenaktien im gleichen Verhältnis Vorsicht. Der Interefsengemeinschaftsvertrag soll mit Rückwirkung vom 1. April 1925 ab in Kraft treten, so daß im Falle feiner Annahme für das Geschäftsjahr 1925/26 eine Dividende von 6 Prozent auf die Riebeckaktie zur Verteilung kommt. Das jetzige Dezugsrecht der 3. G. kommt für die Riebeckaktionäre nicht in Frage. * Gründungen und Auflösungen in der zweite n Augu st hälfte. Während in der zweiten Augusthälfte die Zahl Der Gründungen gegenüber der ersten Hälfte eine geringe Verminderung von 575 auf 573 zeigt, hat sich Die Zahl der Auslösungen von 935 auf 1075 erhöht. Bis aus Einzelsirmen, Aktiengesellschaften und Genossenschaften überwiegen Die Gründungen Die Auslösungen. * Gebesserte Geschäftslage bei Krupp. Die Aufträge Der ersten Augusthälfte haben Den AuftragsbestanD des ganzen 'Vormonats überschritten. Weitere Arbeiterentlassungen sind nicht mehr zu erwarten. Die Finanzverhältnisse sind im allgemeinen sehr liquide. frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"^ Frankfurt a. M, 4. Sept. Tendenz: schwächer. Die Stimmung war am heutigen Wochenende unsicher, und in Der Geschäftsgestaltung ließ sich eine große Zurückhaltung beobachten. 3m Termingeschäft kommt Die Vorliebe für Spezialwerte auch weiter zum Ausdruck. An Der Spitze dieser Bewegung standen Die mit Der Farbengruppe in Verbindung stehenden Werte. Eine wesentliche Steigerung dieser Papiere war Damit aber nicht verbunden. Anfangs war die Kursgestaltung uneinheitlich, nach kurzem Verlaufe drückte Die allgemeine Geschäfts stille stark auf die 3hirfe, so dah Die Tendenz eine schwächere Haltung annahm. Am Montanmarkt konnten bei Beginn Rheinstahl und Mannesmann mit leichten Steigerungen eröffnen, Die aber im Verlause nicht zu behaupten waren. Die anderen Werte dieses Gebietes gaben 1 bis 2 Prozent nach. Ricbeck-Montan erlitten einen scharfen Rückschlag von 6 Prozent infolge von Angebot. Die Einzelheiten des in Vorschlag gebrachten Interessengemeinschaftsvertrages mit der Farbengruppe dürften eine Enttäuschung gebracht haben. Am Elektromarkt traten Rückschläge his zu 1,5 Prozent ein. Auch Bankaktien muhten sich Kursabschläge gefallen lassen, mit Ausnahme von Darmstädter, Die 0,25 anzogen. Stark gedrückt waren Dis- conto, minus 2 Prozent. Schiffahrtsaktien behaupteten ihre Festigkeit. An den übrigen Märkten waren Die Rückgänge überwiegend, nur Zuckeraktien gehalten, teilweise gebessert. Heimische Anleihen lagen lustlos. Auch auslänDische Renten, von Denen Rumänen lebhaft gehandelt wurden, neigten zum Rach- geben. Der Freiverkehr bot das übliche stille Bild. Beckerstahl 28, Benz 82, Brown Boveri 124, Frankfurter Handelsbank 85, Ufa 42, Entreprise 8, -Ufra 94 Proz. Der spätere Verlauf brachte keine QlenDerung des lustlosen Geschäfts. Die Kurse gaben weiter nach. I. G. - Farben gingen auf 284. Mannesmann auf 138 Proz. zurück. Am Geldmarkt hält Die Flüssigkeit Km, Die Sähe waren unveränDert. Im Devisenverkehr toaren Die westlichen Frankenvaluten leicht abgeschwächt. 3m übrigen traten keine wesentlichen Veränderungen ein. Dörsenkvrke. Frankfurt a.M. Berlin Sd)lu!j» Kur» t.UKr Kur, SchluK- fiirr» Anfang kure Dalum: 3.9 | 4 9. 8.9 4 9 5°/p Deutsche RcichZanlethe . 4°/o Deutsche Reichsan leihe . u•4825 0.4825 u.48 0.48 — 0 44 0,4325 3Vi% Deutsche Reichsanlethe 0,43 0.43 0,50 3% Deutsche Reichsanleihe ■ 0,48 — 0,5025 —» Deutsche Svarpramien an leihe 0.24 - 0.27 _ 4% Preußische Kons als ■ . . 0.435 — 0.4275 0,435 4% Hessen...... 0,40 — — — 3Wo Hessen........ 3°/o Hessen.......... - - — — —- — — — Deuttche Wertb. Dollar-Snl- dto- Doll.-Schav-Slntreisllg.'> 95,5 — 99,85 — — — -- 4°/0 Zolltürken......... 13,45 13.5 _ 5°/e Solbmertfantt ■ - . . — — 46,25 - Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank 215 205* 211,7* 207* 141' 138.5* 140,7* 140* Darmst. und Nationalbank . 218' 217* 216.7* 215* Deutsche Bank........ 172,2* 169,5* 170* 169-2* Deutsche Bereinsbank ■ ■ . . 96 — Disconto Commandit 164.5 — 163* 162* Metallbank.......... 136,5 133,25 Mitteldeutsche Kreditbank. . 141.5 — 141.5* 142 Ocsterreichische Lreditaustalt 9.2 8,5 9,2 9.05 Weltbank ......... 80 — Bochumer Guß....... 148.5* — 147.7* 146,9* BuderuS........... 101 100 99,9 100 Caro ........... 82.75 —- 82 Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . 156,5* 155* 154.5 153.5* 167.7' 168,5* 168.2- 167.5* Harpener Bergbau..... Kaliwerke Aschersleben.... '57* 141,5 — 154,5* 139.7* 153.2* 139,2* Kaliwerk Westeregeln..... 149,5 — 148 Laurahütte .......... — _ 54 51,62 Oderbedarf........... Phönix Bergbau ...... 70 _ 72 72* 122* 121’ 121* 120.7* Ryeinstabl . ........ 156.5* 156.5* 155.5* 157* Riebeck Montan........ 169' 161* 166,5* 161* Tellus Bergbau...... 69,75 Bereinigte Stahlwerke A,-G — 143.25 142,75 Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . ... 161.5* 161* 161.2* 161,5* 162* 162' 162* 161,7* Lheraunsche Werke Albin . . 68 _ Zementwerk Heidelberg . . . Philipp HoUmann...... 135,5 119.9 135,75 119 Anglo Cont -Guano..... — _ 93 94,75 Chemische Mayer Alapin . . — — I. G. Farbenindustrie, A.-G. Goldschmidt .......... 485,2* 112 -84,7* 285* 111 285* 119 Holzverkohlung........ Rütgerswerke........ 53 122 121 120,75 Scheideanstalt......... 163 «llg. ElektrizttätS-Gesellschaft 162' 160,7* 161* 160.5* Bergmann ....... , Mamkrastwerke . ....... 161 109 159* 158,1* Schuckert . . ........ 141* 139,9* 139,5* 138,5* Siemens A HalSke . 204,5* 204,5* 203’ 203.5* Adlerwerke Kleyer ...... 85 — 85 84,5 Daimler Motoren. ...... 85 — 83.62 83,9 Hehligeustaedt......... Megnin............. 30 48 — 47,75 Motorenwerke Mannheim . — 41,75 — Frankfurter Armaturen . . — Konservenfabrik Braun . 40,75 — — Metallgesell!ck>ast^ Frankfurt . 151 95 _ 96 ^chuhiabrik Herz . . . . , 60 — 59.5 — Sichel.............. Zellstoff Watdhof....... — —- — — 184,5 - 184,5 >84,75 Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Gag häufel . . 75,5 90,5 76,75 90,75 72 90,5 — Berliner Börse. Berlin, 4.Sept. Die Haltung der heutigen Börse war ab wartend. Die Haussestim- mung ist von den Aktienmärkten allgemein g e - wichen, da man an das erhöhte Kursnioeau letzt den Rentabilitätsmaßstab anlegt und vielfach feststem, daß die Kurse der Terminware mehr aus spekulation, als Berzinsungsaussichten in die Höhe getrieben worden find. Es mehren sich außerdem beachtenswerte Stimmen, die auf den immer noch anhaltenden Ernst unserer Wirtschaftslage Hinweisen. An ihrer Spitze stehen die Ausführungen maßgebender Wirtschaftsführer auf dem in Dresden stattfin- denden Änduftrietage. Die Besserungen erstrecken sich laut den Berichten der preußischen Handelskammern auf einige wenige Wirtschaftskreise, wäh-i rend in der Beurteilung der Zukunft zu einer größeren Reserve gemahnt wird. Da Spekulation und Publikum jedoch noch immer an ihrem Besitz festhalten, bröckelt das Kursniveau bei äußerst stillem Geschäft nur leicht ab, ohne daß die Tendenz als schwach bezeichnet werden kann. Die absolute Lustlosigkeit veranlaßte die Börse, in einigen S pe - zialwerten Kursbewegungen zu inszenieren, für die sachliche Motive nicht bekannt geworden sind. So konnten Schiffahrtaktien, Mannesmann-Röhren, Rheinstahl, Deutsche Erdöl und der Markt der ausländischen Renten bei spekulativen Käufen gute Kursbefestigun- g c n verzeichnen. Am Auslandrentenmarkt traten besonders Rumänen und Türken hervor. Von Montanwerten lagen Riebeck stark gedrückt, obgleich das jetzt bekanntgewordene Umtauschoer- hältnis in Farbenaktien eine erhebliche Besserung gegenüber den ursprünglichen Absichten darstellt. Am Geldmarkt machte die Erleichterung Fortschritte. Tabesgeld stellte sich auf 5 bis 7 Prozent. 3m Devksenverkehr traten nennenswerte Veränderungen nicht ein. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt cu M. Telegraphische Auszahlung. ___________(Ohne Gewähr.) — Banknoten. 2 Septbr. 3. Septbr. Amtliche Noti runa Amtliche Notierung weid Brrek Geld Brief Amst.-rttou 168,14 168,56 168.19 168.61 Buen.-Aires 1.693 1,697 1,693 1,697 Brff.-Antw 11,58 91,88 11,62 11,65 11,69 Christiania 92,12 91,93 92.17 Kopenhagen 111,50 111,78 111,69 111,77 Stockholm 112.16 112,44 112,19 112,47 Helnngfors 10,553 10,693 10,55 10,59 Italien - . 15,17 15,21 15.48 15^52 London. . 20,366 20,416 20,369 20,419 Neuhork . . 4,194 4.204 4,194 4,204 Paris. . . 12,32 81,02 12,36 12.41 12,45 Schweiz . . 81,22 81,05 81,25 Spanien - 63,60 63,76 63,92 64,08 Japan . . . 3,017 3,021 2,020 2,034 Mio de Fan. Wien in D-° 0,641 0,643 0,641 0.643 Lest, abgest 59,22 59,36 69,325 59,365 Prag .... 12,42 12,46 12,418 12,458 Belgrad • . 7,40 7,42 7,405 7,425 Budapest. . 5,875 5,895 o,88 5,90 Bulgarien 3.04 3,05 5,04 3,05 Lissabon 21,395 21,445 21,395 21,445 Danzig. . . Konstantin. 81.32 81,52 81,42 81,63 2,235 2,245 2,23 25 Alben 4,79 4,81 4,75 4’8i Canada. . 4,199 4,209 4,199 4,209 Uruguav - 4.185 4.195 4.185 4,195 Berlin, 3. Septbr. Geld Sötte i Amerikanische Note, . . . .. Belgische Noten..... . . Dänische Noten ........ Englische Roten........ Französische Noten ...... Holländische Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten..... Deutsch.Ocsterr., äioo Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten ..... Schweizer Noten...... Spanische Noten...... Tschechoslowakische Noten •. Ungarische Noten....... 4,183 11,62 111,17 20,34 12.50 167,74 15,51 91,57 59.16 2.065 111,82 80,90 63,19 12,38 5,83 4,203 11,68 111,73 20,44 12,56 168.58 15,59 92,03 69.46 2,105 112,38 81,30 63,51 12,44 5,87 Berliner Produktenbörse. Berlin, 3. Sept. Die schwächeren Ausland- marktberichte blieben auch auf den Berliner Produktenmarkt nicht ohne Einfluß. Das Angebot in Weizen ist merklich niedriger geworden, die Mühlen halten mit chrer Kauflust zurück. So mußte Weizen am Loko- wie Terminmarkt durchweg 2 Mark ein- büßen: Roggen ist vom Jnlande wieder vermehrt am Markte, daher auch etwas nachgiebiger. Hier besteht Frage nach der Küste, aber auch solche seitens der Mühlen. Auch im Zeithandel zeigt sich dasselbe Bild. September- und Oktoberlieferung 1 Mark niedriger. In Hafer kommt das Erport- geschäft nur recht langsam in Gang, die Preise zeigen nur geringfügige Veränderungen. Gerste in mittleren Qualitäten eher etwas schwächer. Mehl in Uebereinftimmung mit den Getreidepreisen niedriger, das Geschäft ruhig. Es wurden notiert (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, 259 bis 265 Mark: Roggen, märkischer, 202 bis 208; Sommergerste 197 bis 241; Wintergerste 166 bis 172; Hafer, märkischer, 169 bis 183; Mais, loko Berlin, 178 bis 182; Raps 150; (100 Kilogramm): Weizenmehl 36,75 bis 39,25; Roggenmehl 29 bis 31; Weizenkleie 10; Roggenkleie 11; Viktoriaerbfen 42 bis 48; kleine Speiseerbsen 33 bis 37; Futtererbsen 24 bis 28; Rapskuchen 14,20 bis 14,40; Leinkuchen 19,20 bis 19.30; Trockenschnitzel 10,60 bis 10,80; Soyaschrot 20; Kartoffelflocken 20,25 Sturm in Schmalebeck Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b. H., Berlin. 14. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „So laß ihn doch brüllen. — Du Bengel, wie willst du durch das Leben kommen. Ich kann dir nur raten, werd' Handwerker. Mein Vater hat es eben deiner Mutter gesagt, es wird mit deiner Lernerei doch nichts. — Na, das ist nicht meine Sache, das bered' mit ihr. Aber meine Sache ist es, dir mal deutlich zu machen, daß solch großer Kerl wie du, der vorwärts muß, keine Zeit mit Allotria vertrödeln soll. Wenn du die Gören arbeiten lassen sollst, und du zeichnest dann junge Mamsellchen auf dein Papier,— na, daß sie dann keinen Respekt vor dir haben, das kannst du dir wohl selber denken." Fiete wurde stammend rot. Täte sich doch die Erde auf, ihn zu verschlingen. Aber die Holsteinsche Erde hatte durchaus keine derartigen Anwandlungen. Sie stand bombenfest, obgleich es Fiete schien, als schwankte sie unter seinen Füßen, als er hinaus aus dem Haufe und auf den Markt kam. „Na, haben dir die Mäuse die Butter vom Brot gefressen?" fragte Madam Eggers. „Wie siehst du denn aus?" „Der Doktor schimpft mit mir. Daß ich die Gören nicht in Zug halten kann. Und ich soll man Handwerker werden. Und satt kriegt' ich auch wohl nicht. Und —" Herrje fuhr die kleine Frau in die Höhe. „Sag' ich doch! Sag' ich doch! Das sind die Vornehmen! Oha! Handwerker werden. Und nicht satt kriegen, wo ich mich so — und spar' mit das Brot vom Munde ab." Sie drohte mit der Faust zum Doktorhaus hinüber. „Die kriegen es auch noch. Tüchtig kriegen es die. Laß man fein, Fiete, und du wirst doch noch Pastor. Kannst ihnen allen noch mal die Leichenreden halten. Kannst es ihnen allen noch mal ordentlich sagen in deinen Predigten. Das kannst du." Sie wischte sich die Stirn. Es war wieder ein heißer Tag gewesen, und die Luft lag noch immer dick und schwül über der Stadt. „Wo hast du denn nun dein Abendbrot?" „Brot? Ach so, das hab' ich oergeffen." „Wenn ich mir--und denk mir das nicht. Nu kann ich hinlaufen zu Bäcker Böttcher und hol' uns noch en halbes Brot." Sie ging mit kleinen, zornigen Schritten zum Wandschap, kramte zwei Schilling hervor und lief aus der Tür. Kam wieder und war noch aufgeregter als vorher. „Soll man es glauben? Sie zanken sich' da, daß Böttcher-- und hat Mehlwürmer in sein Brot gebacken. So ne Smutzerei. Und wie ich sag, — ich sag: Haar war da auch schon ein — oha, aus’n Laden wollt sie mich smeißen. Was gibt das einmal für flechte Menschen/ Sie schnitt drei dünne Scheiben vom Brot, eine für sich, zwei für Fiete, kratzte ein Nestchen Schmalz Drüber hin und sagte, kauend: „Wenn du Pastor bist, mein Fiete, da essen wir alle Sonntag Butter." „Wenn", murrte der Junge. * An diesem Samstag abend, wo die Wetterwolken drohend über Stadt und Land hingen, hatte Jlsebill wieder versonnene Augen, sah in der Lindenlaube und strahlte vor sich hin. Und irgendwo in den Feldern jenseits der Schmale verschwand ein weißes Pferd, und der Reiter, den es trug, der lachte über Das ganze Gesicht, denn er hatte das Versprechen des hübschesten Mädchens von Schmalebeck und sieben Meilen in der Runde, den ländlichen Ball auf Eich- tal mit ihm zu eröffnen. Nun konnte der dicke Grütz- mann am andern Tag auf der Fahrt vergebens bitten und werben. Ach ja, dieser heiße Sommer, der Das Bett der Schmale so herrlich zum Hindurchreiten ausdörrte, dieser ganze selige Sommer voll Rosen und Lindenduft und junger Liebe, Der sollte gesegnet fein. So oft hatte Olaf Hammersmio schon sein Herz in Flammen gefühlt, aber gegen den Schmalebecker Brand waren selbst Kopenhagens Gluten nichts gewesen. Und zu denken, daß dieses Mädchen reich war. Und daß Eriksgabe, das heimatliche Gut, eine reiche, junge Herrin geradezu forderte — daß die Eltern sich aus diesem schwerwiegenden Grunde auch in eine bürgerliche Schwiegertochter mit liebenswürdigem Gesicht finden würden-- Der brave Schimmel keilte erschrocken aus, sein Herr hatte sich hoch im Sattel gehoben und einen klingenden Jauchzer in die weite Welt geschickt. ---Die Sonne sank hinter dicken Bänken, und es murrte wett her von Westen, wo das Meer seine ruhelosen Wogen gegen die Deiche schob. Die Flut lief an und schob das Wetter heran, und als es Zeit war zum Schlafengehen, war in allen Häusern Schmalebecks Licht hinter den Fenstern, die Menschen liefen auf den Höfen, füllten die Tröge und Eimer, der Nachtwächter hatte die Feuerspritze vorsichtshalber schon aus Der alten Scheune gezogen, Pastor Rottmann ftanD am Fenster und freute sich über die blauen Flammen, die den Himmel durchjagten, bis sie von weißen und schwefelgelben Brüdern abgelöst wurden, und er sagte zu seiner kleinen-'^Frau: „Willst du dir nicht Die Blitze ansehen, Luise? Sie baDen Die ganze Stadt in Licht." Aber Gewitter konnte Frau Luise nicht vertragen. Beide Hände vor das Gesicht gelegt, hockte sie in der Ofenecke und stieß kleine schrille Schreie aus, wenn es trotz der vorgelegten Hande hell in ihren Augen wurde. Ilse kam herein, faßte die Großmutter zärtlich um und küßte sie. „Wenn Du den Blitz siehst, Großmutter, ist er schon vorbei. Das haben die Gelehrten herausgebracht. Darum brauchst du dich nicht zu ängstigen." „Ach, deine Gelehrten! Die haben schon viel herausgebracht, und nachher war es ganz anders. — Oh! Oh! — Lieber Herrgott, was für ein entsetzlicher Schlag! Rottmann, das hat eingeschlagen." Aber die Feuerglocke tönte nicht, und nach geraumer Zeit, als die Spannung zwischen Himmel und Erde ihre Losung gefunden, als der Regen ein- setzte und die Linden zu rauschen begannen wie fieser Orgelklang, nahm Luise Rottmann die Hände von Den Augen und rourDe wieDer ein beruhigter Mensch. Aus Dem Fenster sah sie und konstatierte nach Kleinstadtart, wer noch Licht hatte, und als sie drüben bei Madam Eggers einen schwachen Schein bemerkte, sagte sie: „Die arme Seele, die kann auch kein Gewitter vertragen. Und hat niemand bei sich als ihren schlappen Fiete. Sie hat es doch recht schwer, wir sollten sie gut behandeln, Rottmann. Du könntest ihm die Stunden wirklich weiter geben." „Luise, es ist Unsinn. Der Junge wird im Leben kein Studierter." „Nein, das wird er wohl nicht. Aber sie hat die Hoffnung. Uid Hoffnung brauchen mir alle im Leben. Die ist viel notwendiger als die Erfüllung." „Du hast recht, kleine Frau. Was machst du für ein verstimmtes Gesicht, Jlsebill?" „Verstimmt? — Nein. Aber ihr habt alle so traurige Ansichten vom Leben. Wenn ich nur hoffen soll, und nie kommt das Glück wirklich —. So wie bei Fräulein Rosen und dem Kantor — Wenn man an Den Rhein will und bleibt in einem kleinen Gib» Dorf sitzen —" Sie schüttelte sich. Sah, Daß Die Großeltern lachten, unD lachte mit. Aber als sie in ihrer Stube ftanD und hinauslauschte in Das sanfte Riefeln und Rauschen des Regens und fernher noch stille Flammen am Horizont flackern sah und alles so beruhigt war, und doch so voll neuer sehnender Hoffnung, Da preßte sie beiDe HänDe gegen Die Brust und sagte ganz laut in Die Nachtstille hinein: „Ich nicht. Ich will nicht resignieren. Ich nicht." Es klang wie ein Schwur. ---Das Rieseln aber verstummte, als die Turmuhr Mitternacht melbete. In ganz Schmalebeck wachte niemand mehr. Nachtwächter Sonneborn, Der doch bekanntlich dazu verpflichtet war, schnarchte neben dem Feuerschuppen, und nur die Regenpfeifer schrien irgendwo in Den Feldern: Geuß, gieß, giet — Geuß, gieß, giet. Die Wolken waren weit hinweggezogen, fernab rohrte die See, — die kleine Schmale, vom Gewitterguß geschwollen, plätscherte geschwätzig durch die Wiesen, — und Der Vollmond goß aus silberner Schale weißes Licht in das Land. Wiesen und Gärten standen in Duft. Die tag- warme Erde ließ die niedergegangenen Fluten in zarten Schleiern wieder emporfteigen zum nachtblauen Dom droben. Aus den wallenden Massen hoben sich Giebel, Dächer, Baumkronen wie Inseln aus einem Märchensee. Der Hahn auf dem Kirchturm hatte ein Funkelkleid an, so gleißte er im Mondlicht, aber niemand sah seine Pracht. Niemand sah Die ganze schlichte und doch so feine Schönheit dieser stillen Welt, die Da weltverlassen im flachen LanDe lag und von Den eigenen Reizen nichts wußte. Als die ersten Hähne krähten, wurde Kantor' Mampert wach, sah aus dem Fenster neben seinem Bell, Das Tag und Nacht offen stand, hinaus in sein Gärtchen, und wie die Rosen im Tau standen, und an allen Büschen Knospen hingen, die ersten Lichtstrahlen oben am Kirchturm aufblitzten und die ganze Welt so recht sonntäglich und herrlich dalag, griff er zu seinen Glockenstränaen und ließ das kleine Werk auf dem Dache erklingen. (Fortsetzung folgt.) Landwirtschaftliches Fest in Gladenbach. • Gladenbach, 3. Sept. Aul dem Festplatz ist man emsig an der Arbeit, die letzten Dorbereitungen für das landwirtschaftliche Fest am Sonntag, 5. September, zu treffen. Schaubuden, Karussels, Luftschaukel und andere Dergnügungsstätten sind in großer Zahl ein- getroffen. Die Ausschmückung der Straßen und Plätze ist an Fachleute vergeben, so daß Gladenbach im Festschmuck prangen wird. In dem großen historischen Festzug, m dem außer sämtlichen Gladenbacher Vereinen 14 auswärtige Ortsbauernschaften und Gemernden mit Festwagen vertreten sein werden, wrrd auch ein historischer Teil mit Gruppen aus dem Mittelalter, dem Dauernkrieg und der Bieder- meierzeit angeschlossen. Der Festzug umfaßt im ganzen 45 Rummern, darunter 13 historische Gruppen und über 20 Festwagen und Reitergruppen. Dieser Festgug ist der erste größere dieser Art im Kreise Diedenkopf. Rach Ankunft auf dem Festplatz wird neben anderen führenden Persönlichkeiten der Präsident des Reichslandbundes, Reichstagsabgeordneter Hepp, Seelbach, sprechen. Sonntag vormittag 10 Llhr wird der 'Kreisziegenzucht. Verband seine Kreisverbands-Tagung im Gasthaus Elmshäuser abhalten. Ebenso findet um 10 Uhr eine Tagung der 2 u n g s ch m i e d e im Hotel 'Blankenstein statt. Auf beide Versammlungen sei besonders hingewiesen. Der Montag, der Haupttag für die Züchter, bringt einen reich beschickten Auftrieb von Zuchtmaterial. Während der Tierschau wird Frühkonzert veranstaltet. Die Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte wird den Verhältnissen nach entsprechend gut beschickt. Eine Fest- s ch r i f t mit einer Abhandlung aus Gladenbachs Geschichte, interessanten Aufsätzen und einem Ausstellerverzeichnis der Züchter wird zum Verkauf gelangen. Vor Beginn des Festzuges wird eine gebundene Festzugsordnung zum Preise von 25 Pf. verkauft werden. Tut der Wetterausschuß seine Pflicht, dann ist mit einem glänzenden Verlauf des Festes bei Massenbesuch zu rechnen. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 5. September, 5.30 bis 10.30 Uhr, „Götterdämmerung". Montag. 6., 7.30 bis 10.30, „Die lustigen Weiber von Windsor'". Dienstag, 7., 7.30 bis 10, . Rigoletto". Mittwoch, 8., 7.30 bis 10.15, „Dec fliegend? Holländer". Donnerstag, 9., 7 bis 10, „Figaros Hochzeit". Freitag, 10., 7.30 bis 10, „Martha". Samstag, 11., 7.30 bis 10.30. „Der Opernball". Sonntag, 12., 7 bis 10, „Fidelio". Schauspielhaus. Don Sonntag, 5. bis Dienstag, 7. September, geschlossen. Mittwoch. 8., 8 bis 10, „Week-end". Donnerstag, 9., 8 bis 10.30, „Orpheus in der Llnterwelt". Freitag, 10., 8 bis 10, „Week-end". Samstag, 11., 7.30 bis 10.30, „Ribelungen" (1. Teil). Sonntag, 12., 8 bis 10.30, „Orpheus in der älnterwelt". Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 5. September. 14. n. Trinitatis. Gießen. Stadtkirche. 8: Pfr. Mahr. Zugleich Christenlehre f. d. Reukonsirmierten a. d. Matthäus- gemeinde. 91/,: Pfarrafsist. Hertel. 11: Kinderkirche für die Markusg. Pfarrasi. Hertel. - Johannes- kirche. 8: Pfr. Bechtolsheimer. Zugl. Christenlehre f. d. Reukonfirmiert. a. d. Lukasgemeinde. 91/,: Pfr. Ausfeld. 11: Kinderkirche f. d. Iohannesgemeinde. Pfr. Ausfeld. 8: Dibelbesprechung im Johannes- faal.Pfarraff. Hertel. — Kirchberg. 10; 11: Christenlehre f. d. männliche Jugend. Rachm. 1'/,: Lollar. Wieseck. 9'/,. 10’/«: Kinderkirche. - Watzenborn- Garbenteich. Watzenborn - Steinberg: 8 Abendgottesdienst. Gorbenteich: 1. Katholische Gemeinden. Gießen. Samstag, 4. Septbr. 41/, und 7 Beichte. Sonntag, 5. Septbr. 15. Sonntag nach Pfingsten, 6'1, Beichte, 7 Meße, Kom. der Männer, 8 Kom., 9 Hochamt mit Predigt, 11 Messe mit Predigt, 2 Andacht. — Grünberg. 9‘/, Messe mit Predigt. — Hungen 6 abds. Andacht. — Laubach. 10 Messe mit Predigt. — Lich. 7*/a Messe mit Predigt. Rundfunk-Programm. Sonntag, 5. September. 8 bis 9 Uebertragung von Kassel: Morgenfeier veranstaltet von der Baptisten-Gemeinde Kassel. 10.30 bis 11.55: Liebertragung von Kassel: Mittagskonzert der Kapelle Crnö Engler. 11.55 bis 12.55: Konzert des Hausorchesters: Die Oper der Woche. 3 bis 4: Die Stunde der Jugend. 4 bis 5: Zitherkonzert. 6 bis 7: Stunde deS Lhein- Wainischen Verbandes für Volksbildung: „Sizilianische Reise", Vortrag und Vorlesung von Waller Dirks. 7.30 bis 8: Die Bücherstunde. 8.30 biS 9.30: Liederabend John Gläser. 9.30 bis 10.30: Heiterer Abend. Anschließend bis 12: Uebertragung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle. Montag, 6. September. 10.30 bis 12 Uhr: Uebertragung von Kassel: Mittagskonzert der Kapelle Hans Glasnick. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Giacomo Meyerbeer. 6.15 bis 6.45 Uhr: „Moderne Kriminalistik", Dortrag anläßlich der Berliner Polizeiausstellung von Heinrich Schmidt. 6.45 bis 7.15 Uhr: „Ferdinand Raimund, der österreichische Volksdichter", Vortrag zu seinem 90. Todestag von Re- dakteur Robert Mösinger. 7.15 bis 7.45 Uhr: „Unterricht und Erziehung in den Vereinigten Staaten von Nordamerika", 2. Dortraa von Geheimrat Dr. Max Walter. 7.45 bis 8.15 Uhr: „Die Alhambra", Vortrag von Bildhauer Benno Elkan. 8.15 Uhr: Uebertragung von Bad Soden — Konzert des Kur- orchesters — Operettenabend._____________________ Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittag». Samstag nachmittag geschloffen. Für unverlangt eingefandle Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anreigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts st elle zu richten. | Verkäufe | 13 einjährige, gute ' Legehühner (Italiener», l For lerrier, 1 Zeitiger Haieustall zu verkaufen. (Siehcn.Bts- mnrckitr. 22 II. Einiamilienhaus mit Heizung, groß. Garten, fof. behebbar, billig zu verk. Schr. Ang. u. 06081 an den Gieß. Anz fynis mit sreiwerdender 5-Zinimer-Wohunng inLich zu oerfnufen. Anzahlung—4000-/r Näheres " 3‘ Lich. Braugasse 2 l. Garten mit vielen Obstbäu- men, in guter Lage, •zu verkaufen. Schr. Ang. it. 6046c an den Gieß. Anz Bienenhaus mit 12 Böltern Ger- itungbaute Sterbe- fallü löegen au verk. rofdorf, Hauptstraße 287. 20 P.S. Trehitrouimvtor m. Schletsringanker, B.A. V., 220/380'-Bolt, 1420 Umdr., neu, la la Fabrikat ((So- Ionia), Fabrikpreis 1120 ML, tür 504 Mk. zu verkaufen. Denkbar günhtnTter Ge- legenheiiSkauf. 7174c Carl Schunck. Adler- Lieferwagen geschlossen, auch als Personenwagen fahrbar, sowie ein 4-6-SiverPbacton m.elektr. Licht, sehr billig zu oert. O. 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Bevor wir jedoch die letzte Entscheidung treffen, möchten wir durch eine weitgehende Üitifrage unter den Freunden unserer Cigaretten die Wünsche und Geschmacksbedürfnisse der Raucher genau feststellen, um danach unsere Einkaufs^ An Weisungen nochmals überprüfen zu können* Es gibt.fiir den Cigaretten-Fabrikanten zwei Wege. Er kann auf Grund seiner Erfahrungen eine gut rauchbare Einheits-Cigarette schaffen, die aber, da sie sämtlichen Rauchern unterschiedlichsten Temperaments gerecht zu werden sucht, ängstlich alle ausgesprochenen Feinheiten, jedes besondere Charakteristikum, das den Kenner entzückt, vermeiden muß. Im bewußten Gegensatz hierzu pflegt die Reemtsma A.-G. das Mehrsorten-System, dem sie ihre beispiellose Entwicklung verdankt. Der Sinn dieses Systems liegt darin, durch ein sorgsam abgestuftes Sortiment jedem Raucher die seiner Eigenart entsprechende Spezial-Cigarette zu bieten. e Das System der 'Spezial-Cigaretten für die verschiedenen Geschmacksarten verlangt einen Meinungs-Austausch mit der Raucherwelt, den wir über unsere bisherigen Versuche in engeren Kreisen hinaus auf die Gesamtheit der deutschen Raucher ausdehnen möchten. Diese Ra.ucher^Umfrage der Reemtsma A -G> wird ergänzt durch Prämien in der Höbe von insgesamt M. 105.000,00 Oie Preise bedeuten ein Entgelt für die Mitarbeit, Die Einzelheiten werden in 8 TagSn an dieser Stelle veröffentlicht v^rden. REEMTSMA A.-G. Fabriken für hochwertige OrienkCigaretten Zwei hallen billig zu verkaufen. Maße: 3,90xf>,00 m, 11,00X3,90 „ Näheres durch Architekt Schuhmacher, Roonstraste 31. Zwei gut erhaltene Hmensahmder (f- 30 u. 40 wegen Matzm. abzug. Zu erfrag.!. d.GesckäfkS- stelle d. G. 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