Mittwoch, 4- August 1926 176. Jahrgang Nr. 180 Erstes Blatt S Poincares Amortisationskasse 'a3 von den „Adler und Falken" in Der Liebfrauenkirche veranstaltete, sogenannte Eisenacher Zehnjungfrauenspiel hatte außergewöhnlichen Erfolg. Das Spiel, das aus Dem dreizehnten Jahrhundert stammt, machte durch Die vorzügliche gesangliche und musikalische Aufführung unD Durch Die prachtvollen Kostüme auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Die Kirche war bis zum letzten Platze gefüllt. Der Montag brachte besonders Der Jugend eine Freude durch das Spiel des Kasperltheaters auf Der Seewiese, Der Abend war wieder durch eine Abendmusik (gemeinsam mit Der Schuljugend) in Der Stadtkirche aus- gefüllt. y. Wölsersheiin, 3. Aug. Nachdem in der letzten Gemeinderatssitzung zur Vermeidung unnötigen Wasserverorauchs die Einführung von Wassermessern beschlossen und eine öffentliche Ausschreibung zu deren Lieferung erfolgt war, wurde gestern die Lieferung an mehrere Firmen vergeben. Zur Ausführung der Arbeiten wurde genehmigt, daß die Gemeinde bei der Bezirkssparkasse Friedberg ein Darlehen von 6000 Mk. gegen Schuldschein aufnimmt. — Die vom Ministerium angeordnete und von den Gemeinden für sich zu erhebende Inflations-Wertzuwachs st e u e r von mindestens 12 Prozent des seinerzeitigen Veräußerungs- oder Erwerbswertes, die von den Käufern, die während der Inflation Grundstücke oder Häuser erwarben, nach Umrechnung in den jetzigen Geldwert au entrichten ist, wurde mit 7 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Kreis Büdingen. !! Büdingen, 2. August. Der zweite Tag der Jubelfeier des Wolfgang-Ern st-Gnm- n a s i u m s wurde eingeleitet durch verschiedene Choräle, die von dem Posaunenchor vom Schloßturm geblasen wurden. Vormittags fanden die verschiedenen Festaoitesdienste statt. Später bewegte sich ein langer Festzug durch die Straßen der Stadt. Nach einer kleinen Mittagspause fand sich der Rest der Gäste und ein großer Teil der Büdinger Einwohnerschaft nm Kriegerdenkmal zusammen, um auf den Büdinger Festplatz, den Hammer, zu marschieren. Auf dem Hammer begann ein frohes Treiben, das bis in die späten Nachtstunden andauerte. * Hirzenhain, 2. August. Ein Konzert, das der hiesige Gesangverein in Gemeinschaft mit dem Gesangverein „Sängerlust" Saubringen hier veranstaltete, war sehr gut besucht. Die gesanglichen Darbietungen standen auf einer Höhe, die einen noch stärkeren Besuch verdient hätten. Kreis Schotten. ------ Gedern, 3. Qlug. Dieser Tage ereignete sich auf Der hiesigen Hauptstraße ein Vorfall, Der von schlimmen Folgen hätte begleitet fein können. Das Pferd des Bau- materialienhändlers Rullmann scheute vor einem Kinde, das ihm mit einem Reifen zu nahe kam und ging mit dem mit Steinen belaßenen Wagen durch, wobei Der Sohn des Genannten ein Stück geschleift wurde und ziemliche Hautabschürfungen erlitt. Gedern, 3. Aug. In diesen Tagen erreichte Der für Die Lehrer Des Konferenzbezirks Gedern abgehaltene i4tägige Werkunterricht s k u r s u s sein Ende. Kursusleiter war Schulrat Denzer, Darmstadt. In überzeugender Weise legte der Referent Dar, wie sehr der Werkunterricht imstande ist, die verschiedensten Unterrichtsgebiete zu beleben und dem Kinde durch erhöhte Anschaulichkeit und Erziehung zu größerer Aufmerksamkeit gegenüber den Dingen seiner Umgebung klarere Vorstellungen und Begriffe zu geben, als sie die „Nur-Lernschule" zu geben in Der Lage war. Eine in Der einklassigen Schule zu Hartmannshain abgehaltene Lehrprobe durch Den Kursusleiter zeigte am praktischen Beispiel, daß der auf die Selbsttätigkeit des Kindes und das werktätige Prinzip eingestellte Unterricht sehr wohl in der Lage ist, auch unsere Landkinder in erhöhtem Maße zu fesseln und ihnen Erkenntnisse gu vermitteln, non Denen anzunehmen ist — weil sie aus der Eigentätigkeit und Der persönlichen Beobachtung heraus erwachsen —, daß sie zu bleibendem geistigen Besitz werden. Zur Behandlung kamen während des Kursus Die verschiedensten Techniken des Werkunterrichtes, wie malendes Zeichnen zur Belebung des Anschauungsunterrichtes auf Der Unterstufe, Modellieren in Ton und Sand, Ausschneiden in Buntpapier, Faltarbeiten, Anfertigung einfacher physikalischer Apparate. Der letzte Kursustag brachte noch einmal zu- sammenfassend einen Ueberbluf übet Die Grund- lagen und Ziele des Werkunterrichtes, sowie die verschiedenen Wege, die zum Ziele führen. Einmütig brachten die Kursusteilnehmer ihre volle Befriedigung über das Gesehene und Gehörte zum Ausdruck. Mit Worten des Dankes an Kursusleiter und -teilnehmer brachte Kreis- --S säß »*• < ite: ; * Wl“ tt Nest tr Gin- n, um u mar- srohrr len an- twv ■ der» ehn- n bet trmei- n und fenmg teurere rbeiten er Bc- 00 5W. üiniste- m für liju.- nt des wertes, iflation imrech- ?n ift, e be- Spiel übend infam aus- ijert, inst mit en hier nglichen len noch jen er» bezins ntct* ir war -zeugen' ehr der ebensten Ltzber Tyrn- hiebent vchloß- >ie ner- jeroeflle 1 Stobt. age er- ihr ein itte be- >te vor äsen zu neu bt* chn b® -M das. eine ichule chmig ndl, ■Otiö 'der der- erren 'gen- tfam» Se- er- ' zu er ein' faltet« n-ral- itigk'1 i ein* ige ist, atze V mitte", ins der .achtuns ibende" «?s s Zich' .rÄtes -on und arbeiten- Ipparote- .Grund* foiptc ,'sthren- '^ihre c -reis' sch»lrat Kinkel, Schotten, den Äudu8 wm Wschluh. KreiS Alsfeld. »er. Homberg, 3. 2lug. Unter Är t e g e r- verein veranstaltete dieser Tage fern diesjährige- Scheibenschiehen. Die guten Schützen errangen wertvolle Preise. Die ersten Preisträger sind: 1. 2oh-. Decker. 36 Ringe, 2. Ä Daufter, Gießen, 35 Ringe: 3. Ä. Klemm, 35 Ringe! 4. D. Decker. 35 Ringe: 5. Han- Schmitz, 34 Ringe: 6. L. Joses, 33 Ringe: 7. Fr. Seih, 33 Ringe: 3. H Kreuder. Er- benHausen, 33 Ringe: 9. K Schepp. 32 Ringe: 10. Friedrich, Appenrod, 32 Ringe. KrciS Lauterbach. § Blitzenrod, 2. August. Der gestrige sonn- tag war für unseren Ort ein Festtag von ganz besonderer Bedeutung: Er war für die Weihe unserer neuerbauten Kirche bestimmt. Nachmittags bewegte sich ein stattlicher Festzug nach dem Gottes- hause. Nach einem Choral des Lauterbacher Musik- nercins und einem Liedervortrag des Gesangvereins sprach zunächst der Superintendent für Oberhessen, Obertirchenrat Wagner aus Giehen, Worte der Pcorußuna an die zahlreich Erschienenen, worauf Architclt Neuler aus Lauterbach im Auftrage des verhinderten Baumeisters den Schlüssel zur Kirche nn den Vorsitzenden des Bauoereins. Fabrikanten Wegener übergab. Die Feier in der Kirche L-.-.rbe burih einen Choralvortrag des Musikvereins c-t'fp.ci. Oberkirchenrat Wagner hielt die Festrede uno sprach die Weihe über Altar, Kanzel und Glocks. Liederoorlräge der Schulkinder, des Gesangvereins und Gemeindegesang umrahmten die Feier in würdiger Weise. Nach der Weihe sand die erste kirchliche ftanblung, die Taufe eines Kindes, in dem neuen Gotteshause statt. Die Feier wurde hierauf vor der Kirche fortgesetzt, wobei Pfarrer KneU aus Lauterbach eine Ansprache hielt. Prälat D. Dr. Diehl aus Darmstadt überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Landeskirche. Die Kirche ist aus dem Hügel am Ortsausgange nach Lauterbach erbaut und nach den Plänen von Geheimrat W a l b e in Darmstadt ausgeführt: sie ist schlicht und einfach gehalten und macht einen würdigen Eindruck. Preußen. Tillkrcis. bl. Dillenburg, 3. 2lug. Mit der Errichtung eine- Kriegerdenkmals für unsere Stadl wird nunmehr doch voller Ernst gemacht. Da- Gelände ist bereits planiert und das Ehrenmal im Sockel hergestellt. 3m Herbst gedenkt man die Weihe vornehmen zu können. bl. Dillenburg, 3. Aua. Nach dem Stande vom 31. Zuli beträgt die Zahl der männlichen Vollerwerbslosen des Kreises 1283, die der weiblichen 28 Personen. Die Ziffer hat im Vergleich zu den Vorwochen sich gehalten. bl Sinn (Dillkreis), 3. Aug. In voller Wucht rannte ein hiesiges Mädchen mit seinem Rade gegen die Mauer der Fabrik von Haas. Die Bedauerns- ■» werte erlitt schwere Verletzungen am Kops und an den Armen, ftronffnhau^ournnhme wurde erforderlich. j-1 Eisemroth, 3. Aug. Wie alljährlich, so fand auch dieses Fahr wieder seitens des Krieger- oereins unter Mitwirkung des Gesangvereins und des Posounenchors am Kriegerdenkmal eine Feier für die gefallenen Krieger statt. Nach kurzer Ansprache und Gesang nahmen die Teilnehmer an dem anschließenden Gottesdienst in der Kirche teil. Maingau. WER. Frankfurt a.M., 2. Aug. Beim Feldbergfest ereignete sich während des Kugelstoßens ein Unfall, der leicht schwere Folgen hätte haben können. Durch den starken Andrang der Zuschauer wurde der Kampfrichter in die Dahn hineingedranqt und dabei von einer etwas seitlich fliegenden Kugel getroffen, so daß er an der Kinnlade stark blutende Verletz u n g e n davon*rug. Der neue Flessa-Prozetz. WSR. Frankfurt a. M.. 3 Aug. DaS Zeugenvcrhör wurde heute fortgesetzt, und zwar fanden Zeugenvernehmungen über wichtige Aeuherungen der Angeklagten und des Dr. Seitz statt. Ein Arzt sagte als Zeuge aus. daß. als die Sprache auf eine evtl. Heirat mit der F'.essa kam. Dr. S geäußert habe, er denke nicht daran. Dies machte jedoch bei dem Zeugen den Eindruck, als sei dies? Verneinung als indirekte Bejahung anzusehen. Ein anderer Arzt, der gesellschaftlich mit Dr. S. verkehrte, sagt aus. daß gelegentlich einer Gesellschaft Dr. S. ihm lächelnd erzählt habe, daß er seit längerer Zeit von einer Krankenschwester verf olgt würde, die mit ihm ein Verhältnis anfangen und ein Kind von ihm haben wollte. Er habe sich dagegen gewehrt, sie sei ihm jedoch einmal m der Anlage entgegengesprungen und habe ihn mit einem Revolver bedroht. Er habe sich vor sie hingeftellt und gesagt: „Schieß nur bin." Auf eine spätere Frage des Zeugen über den Stand der Dinge habe sich D. ausweichend geäußert. Bei einem anderen Gespräch gab er ihm ledvch Mitteilungen über die Zudringlichkeit der Schwester und sagte: „3ch sage es 3hnen, damit, wenn ich eines Tages tot aufgefunden würde, Anhaltspunkte da sind." Sonst habe er sich sehr abfällig über die Schwester geäußert. Dem Zeugen war auch bekannt, daß Dr. w. Schritte bei der Polizei und beim Rechtsanwalt in der Sache unternommen hatte. Die Redensart des Dr. S.: „Es ist wieder eine dankbare Patten- tin“, kann der Zeuge nicht bekunden. Die nächste Zeugin, eine Krankenschwester R., bestreitet, nähere Deziehungen zu Dr. S. gehabt zu haben. Letzterer habe sich sehr korrekt benommen. Es wird ihr vorgehalten, daß sie Aeuherungen anderen Sinnes getan haben soll. Aus die Frage des Verteidigers über eine Aeuherung, daß sie recht viel zu gunsten der Flesta aus lag en könne, antwortet die Zeugin, daß sie lich nicht mehr erinnern könne. Sie gibt zu. daß darüber allgemein die Rede war. daß Dr. S. den Frauen gern nachlaufe. Auf Vorhaltungen des Vorsitzenden. Tatsachen anzugeben, erwidert sie. daß dies so allgemein getagt worden sei. Die nächste Zeugin, die Stationsschwester bei Dr. S.. schildert ihn als sehr ruhigen Menschen. Eine andere Zeugin sagt, daß Dr. S. den Frauen start nachstellte. Dei einer Fahrt mit den Geschwistern Fiessa nach Garmisch war die Rede von einer Verlobung. Die Angeklagte erklärte damals, daß Dr. S. sie noch nie geküßt habe. Andererseits wolle sie, die Flessa. sich nicht mehr Hinhalten lassen. Die Zeugin gibt ferner eine Aeuherung der Angeklagten wieder: „Wenn S. mich nicht heiratet, bann könnte ich mich so auf- regen. daß ich ihn erschiehen könnte," was ihrerseits bestritten wird. Dr. S. wird als sehr nett und freundlich geschildert, wegen seines älteren Aussehens habe man ihn „Vater Seitz' genannt. Eine andere Zeugin bestätigt ebenfalls die Redensart Dr. Seih', dah ein Mädchen ein Kind von ihm haben wollte und ihn bedroht habe. Die Schwester eines Dundes- bruders des Dr. Seih macht nicht uninteressante Aussagen. Es erfolgt dann die Vernehmung mehrerer Dundesbrüder des Erschossenen. Der eine, Rechtsanwalt Dr. Sy, ist von Dr. S. über den Stand der Dinge aufgeklärt worden. Er habe ihm gesagt, er müsse Mann genug sein, so ein Frauenzimmer abzuschütteln. Aach einiger Zeit äußerte Dr. S.. es werde immer toller mit dem Frauenzimmer und es müsse eifi Ende gemacht werden. Als die Rede auf ein Tanzkränzchen, an dem sich der Erschossene beteiligte, kommt, meint der Staatsanwalt, dah Dr. S., der ein lebensfroher Mann war und Verkehr mit Mädchen hatte, es nicht nötig hatte, mit der Flessa zu verkehren. Frl. Dr. Schulz, Verteidigerin der Angeklagten, fragt den Zeugen über Gelage, die in seinem Hause veranstaltet worden sind, bei denen minderjährige Mädchen zugegen waren. Auf Antrag des Staatsanwalts wird die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Aach den gepflogenen Erörterungen ergab sich, dah Dr. S. sich korrekt verhalten haben soll. Die Oeffentlichkeit wird dann wieder hergestellt. Ein darauf vernommener Rechtsanwalt sagt aus, dah ihn Seih gefragt habe, ob er zur Zahlung von Alimenten verpflichtet sei, wenn die uneheliche Mutter vor Geburt des Kindes in notarieller ürfunbe darauf verzichtet hätte. Auch diesem Zeugen gegenüber sprach Seitz davon, dah er immer gucken müsse, daß sie nicht etwa rechts oder links stehe und ihm au flaue re. Ihr Lebenszweck sein, ein Kind von ihm zu bekommen. Der Zeugin P. sagte Dr. Seitz, daß er nie seines Lebens sicher fei, wenn er abends nach Hause gehe. Einem weiteren Zeugen sagte Seih am 15. Oktober anläßlich eines Durschenschaftlerfestes beim Abschied: „Hoffentlich komme ich heute nacht aut nach Hause!" Der folgende Zeuge, ein Rech.'S- arüDalt, erklärte, daß Sech abandS au# dem Lokal nicht wegzubringen gewesen sei. da er befürchtete. dah ihm aufgelauert würde. Die Angeklagte wird hier sehr erregt und erklärt, sie könne lückenlos nachweisen, dah sie nachts stets zu Haute war, mit Ausnahme der Tage, wo sie mit Seih leibst auSging. Dem Zeugen gegenüber, der Seih als ein großes Kind bezeichnete, betont der Verteidiger: Sie beurteilen Seitz anders als Rechtsanwalt Dr. H., der ihn als einen Mann schilderte, der der Situation gewachten war. Mehrere darauf vernommene Zeugen sprechen sich im ähnlichen Sinne wie die vorherigen aus. Siner der Zeugen erwähnte, daß Seitz in der Äaiferftra&e ein Absteigequartier gehabt und später aus gegeben habe. Ein Kriminalkommissar wird beauftragt, diese» Absteigequartier ausfindig zu machen. Al» bei einer der folgenden Zeugenaussagen im Publikum gelacht wird, wird dies sowohl vom Verteidiger wie vom Vorsitzenden scharf gerügt. Die Angeklagte wird im Verlaufe der Beweisführung schließlich so erregt, dah die Verteidigerin sich neben ihr auf die Anklagebank setzt, um sie zu beruhigen. Hierauf wird Rechtsanwalt Dr. H. nochmals vorgerufen und über den Sinn feiner Worte, dah Deitz der drohenden Situation gewachsen gewesen fei, befragt. Der Zeuge will feine Aussage so aufgefaßt haben, dah Seitz der Situation sowohl lörperlich als auch geistig begegnen könne und bemerkt noch, daß Seih alS Westfale ein Bombenkerl gewesen sei. Es folgt sodann die Vernehmung des Kaufmanns K., der als Schwerkriegsverletzler in einem Lazarett von der Angeklagten gepflegt wurde. Der Zeuge gibt an, dah ein Freundschaftsverhältnis ohne nähere Beziehung zwischen ihm und der Pflegerin bestand und dah keine Zärtlichkeiten ausgetauscht worden seien. Als der Staatsanwalt beantragte, diesen Zeugen in Abwesenheit der Angeklagten zu vernehmen, unterbricht die erregte Angeklagte durch Zwischenbemerkungen häufig den Verhandlungsgang. Das Gericht lehnt schließlich den Antrag des Staatsanwalts ab. Das Gericht verliest nun die Aussage der geschiedenen Ehefrau von Dr. Seitz, aus der hervorgeht, dah zwischen den Eheleuten kein anormaler Verkehr bestand. Der Verteidiger verweist darauf, daß es sich um das Liebes leben von 1909 handele, während jetzt 1925 in Frage komme. Das Gericht begibt sich darauf zu einer Otfg- befidjtigung nach dem Tatort. Die Angeklagte nahm hieran nicht teil. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Ahr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingefandle Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts ft eile zu richten. Verantwortlich für den lokalen Teil i.2.: Dr. Hans Thhriot. nrauanBanm ■ Um. I. t: „Ehrfurcht". lind dann die Erklärung. Eine dreifache Ehrfurcht wird hier gelehrt und verlangt: „Ehrfurcht vor dem, was über uns ist, daß ein Gott da droben sei. der sich in Eltern, Lehrern. Dorgesetzten abbildet und offenbart. Zum Zweiten: Die Ehrfurcht vor der Erde, vor qllem. was sie und gibt und erschlicht, vor ihren Leiden, ihren Freuden. Und zum Dritten soll das Kind Ehrfurcht vor feinen Mitmenschen lernen, vor allem Göttlichen und Menschlichen, das sich ihm in ihnen zeigt und offenbart." Wenn wir im Lichte dieses Goethe-Worts heute um uns schauen, so wissen wir, was unserer ganzen Zeit, vor ollem aber unserer Jugend fehlt: Ehrfurcht. - Ehrfurcht vor Gott und den Eltern, den Lehrern und Dorgesehten. den Alten. Kranfen. Müden. Es mangelt auch an der Ehrfurcht vor der Erde, am Verständnis für die Werte, die sie in treuer täglicher Arbeit gibt und er- sc^ießt. am rechten Einwerten und Achten der Freuden unb Leiden, die sie ihren Kindern schenkt. Und es fehlt den jungen Menschen die Ehrfurcht voreinander, die sich in Höflichkeit und Freundlichkeit. in strenger Redlichkeit und Hilfsbereitschaft. in Achtung vor des andern Art und Persönlichkeit äußert. Immer wieder fragen wir Eltern und Pädagogen ..Woher dieser Mangel und die Der- wilderung, die er mit sich bringt? Woher dies Dersagen unserer Erziehung?" Als Antwort lassen sich eine Reihe von Gründen nennen, die zum Schluß alle wieder auf einen Untergrund zurückzuführen sind. Gewiß liegt viel am bösen Beispiel, auch den Erwachsenen ist der Begriff und die Hebung der Ehrfurcht sehr abhanden gekommen. Wer auch in früheren Zeiten sind die Eltern und Lehrer keine Heiligen gewesen und haben doch bei ihren Kindern und Schülern mehr Ehrfurcht geweckt und gefunben. Sehr viel Schuld hat sicher die ganze Methode unserer Erziehung. die ein Rückschlag nach dem harten System der Prügelstrafen — vor etwa zwei Generationen einsetzte unb zu Anfang unseres Jahrhunderts bas berühmte Wort Ellen Keys vom „Jahrhundert des Kindes" zu ihrem Leitwort machte. Die Kinder haben dann rasch genug begriffen, wie wichtig fie find, daß ihnen die beste Liebe unb bic Zukunft gehört. Sie schieben olles beiseite, was unbequem und hinderlich für die eigene freie Entwicklung scheint, sie kennen keine 'Furcht vor ihren Eltern und Dorgesetzten, aber auch keine Ehrfurcht. Dazu kommt, daß die langen Kriegsjahre mit ihren Erregungen unb Unregelmäßigkeiten der ruhigen Entwicklung unserer Kinder schädlich gewesen sind. Mit Ermahnungen und Strafen, mit einem rückläufigen Kurs ist da sicher nicht zu Helsen unb zu bessern. Goethe sagt weiter: „Der Itatur ist wohl Furcht gemäß, aber keine Ehrfurcht. Der natürliche Mensch strebt aus der Furcht zur Freiheit, aus der Freiheit wirb er zurück in die Furcht getrieben und kommt um nichts weiter. Sich zu fürchten ist leicht. Ehrfurcht zu hegen, ist schwer. Ungern entschließt sich der Mensch zur Ehrfurcht, ober vielmehr, er entschließt sich nie bazu; es ist ein höherer Sinn, welcher feiner Rotur gegeben werden muh. unb der sich nur bei besonders Begünstigten aus sich selbst entwickelt, die man auch deswegen von jeher für Heilige gehalten hat." Was ist nach diesen Goetheworten für unsere Zeit, unsere Kinder zu erhoffen? Daß wieder Menschen geboren werden, Persönlichkeiten, die zu jenen „Begünstigten" gehören, die „den höheren Sinn der Ehrfurcht aus sich selbst entwickeln", — die Ehrfurcht haben unb Ehrfurcht wecken, bie auch unserer Jugend aus der geistigen und seelischen Verarmung heraushelfen, welche durch diesen Mangel an Ehrfurcht bedingt wird. Wir hoffen und vertrauen, daß zur rechten Stunde solche Führer und Propheten gegeben werden unb mit ihnen, durch sie ein neuer Tag unb Aufstieg kommt. Freilich das Wann, Wie unb Wo ist dunkel, wie jedes Wehen von Gottes Deist. Dann wird sich auch bas schöne Schlußwort jenes Goethegesprächs erfüllen: „Aus diesen drei Ehrfurchten eittspringt die oberste Ehrfurcht, die Ehrfurcht vor sich selbst, und jene entwickeln sich abermals aus dieser, so daß der Mensch zum Höchsten gelangt, was er zu erreichen fähig ist, ja. daß er selbst auf dieser Höhe verweilen bars, ohne durch Dünkel und Selbstheit wieder ins Gemeine gezogen zu werden. Elterliche Bequemlichkeit, ein Hemmnis der gesundheitlichen Erziehung. Don Stadtmedizinalrat Dr. F i s ch c r - D e f v h, Frankfurt a. M. Daß in der Jetztzeit die Gesundheitspflege in den Schulen eine Heimstätte gefunden, darf sich nicht der Schularzt als Verdienst anrechnen; er ist selbst eine Erscheinung, die ihren ©ninb in dem allgemeinen Bestreben hat, die Erziehung des Kindes nicht, wie früher, einseitig zu gestalten. Man will nicht nur den Geist auf Kosten des Körpers pflegen, sondern bie Erziehung nach allen Richtungen hin ausdehnen unb dem altgriechischen Vorbild der körperlichen und geistigen Vollkommenheit näher kommen. Dieses Ideal kann nur dann erreicht werden, wenn Schule unb Elternhaus zusammen arbeiten. Eine Einigkeit zwischen beiden wird aber besonders dann ver- priht, wenn es gilt, die Gesundheit des Kindes Schule auf eine möglichst wenig eingreifende Weise anzupassen. Die Einwirkungen der Schule ind. zumal was den Zwang des von Ratur aus auf körperliche Bewegung angewiesenen Kindes , Stunden schlafen. Ganz dringend muß davor gewarnt werden. Kinder in solche Schaustellungen wie Ringkämpfe zu fuhren, wo außer dem Ausbleiben der Sensationskihel höchst ungünstig wirkt, oder in Operetten oder seichte Schauspiele, wo außer dem körperlichen Schaden auch eine verhängnisvolle Störung des seelischen Gleichgewichts erfolgen kann, die dann wieder in körperlicher Beziehung Unheil stiftet. Während die abendlichen Kinovorstellungen den Kindern und Jugendlichen durch Gesetz verschlossen sind, steht der Besuch eines jeden „Sittenstückes" und jeder Revue ihnen wegen des vorliegenden „höheren Kunstinteresses" frei! Das Hand in Hand mit dem späten Schlasen- Sehen und dem ungenügenden Schlafen des im Innern aufgepeitschten Kindes enchergehende mühselige Aufstehen am Morgen erlaubt meistens nicht, daß in Ruhe gefrühstückt wird, zumal wenn es die Eltern vorziehen, liegen zu bleiben, und es dem Kind selbst überlassen, sich mit Frühstück zu versorgen; es nimmt naturgemäß nur selten diejenige Rahrungsgrundlage zu sich, die der Körper nötig hat. um den Anstrengungen des Tages gewachsen zu fein. Durch Rachfragen in den Schulen wird immer wieder feftgeftelft, bah ein Teil ber Kinder Morgen für Morgen, ohne ?enügend gefrühstückt zu haben, in die Schule ommt. Richt lange bauert es. dann macht sich das in einer Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens geltend. Der Lehrer unb bie Lehrerin find unparteiische Beobachter, unb ihr Blick ist unbefangen unb nicht getrübt von elterlicher Voreingenommenheit; sie sehen, weil sie stets Der- gleichsobjekte in großer Anzahl vor sich haben, oft eher als bie ihr Kinb durch eine rosafarbene Brille ansehenben Eltern, daß bem Kinbe irgenb etwas fehlt. Sie ergründen wohl auch die Ursache; aber nicht selten wird die warnende Stimme des Lehrers von den Eltern mißachtet, toeniger aus bösem Willen, als vielmehr aus einer Bequemlichkeit heraus, wie sie stets bei der Hand ist, wenn es sich um die eigne Familie handelt, und wie sie von einem unverbesserlichen Optimismus diktiert wird. Völlig versagen manche Eltern, wenn es gilt, ihre Kinder vor denjenigen Gefahren, körperlichen und sittlichen, zu bewahren, die auf geschlechtlichem Gebiete drohen. Eine Einigung zwischen Schule und Elternhaus über die Frage der Belehrung der Kinder in dieser Hinsicht ist >wch nicht erzielt. Zweifellos aber darf man nicht mit einem festen Plan vorgehen, besonders nicht bestimmte Stunden etwa ansehen, und, wie das ernsthaft vorgeschlagen worden ist. eine Weihe- stunde mit Kerzenbeleuchtung aus einer Belehrung herleiten wollen, die sich eigentlich von selbst ergeben soll. Einmal muß das Kind über das Geheimnis aufgeklärt werden, das seine Entstehung verhüllt. Das ist aber noch keine sexuelle Belehrung. Diese kann leicht an irgendeine Gelegenheit anknüpfen, wie sie das tägliche Leben bietet, an Vorgänge in Tier- und Pflanzenwelt, und sollte von dem Erzieher stets dann erfolgen, wenn sich diese Gelegenheit bietet. Hierin versagen aber viele Eltern; sie schieben ihre Worte nur zu gern auf, weil sie sich sagen, bah es vielleicht noch zu früh fei, daß sich ähnliche Gelegenheiten noch weiterhin böten. Durch das Hin- ausschieben unb Warten verpassen sie aber den Anschluß, mit dem Erfolg, daß nun bas Kind von seinesgleichen belehrt wird ustd dabei Dinge lernt, die ihm sehr schaden können. Die Eltern verkennen auch häufig den geschlechtlichen Unterton, der sich bei dem reifenden Kind stets findet, und bie Erklärung für manche Uebertreibung in dieser von dem „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt" beherrschten Zeit abgibt; bic Geschlechtlichkeit des reifenden Kindes bewegt sich nie in normalen Dahnen, unb daher bedürfen auch alle Wsbrüche der Triebe, alle Uebergriffe einer besonderen Beurteilung, für bie oft nicht ber Erzieher, sondern der Arzt maßgebend ist. Es drohen auch gesundheitliche Gefahren in jener Zeit, unb zu mancher, bas spätere Leben zu einer Quelle des Ueberdrusses unb ber Bitterkeit machenben Hysterie wird jetzt der Grund gelegt. Verständiges Eingehen, nicht aber aus Bequemlichkeit schroffes Vonberhandweifen unangenehmer Folgen muh für die Eltern maßgebend fein. Schließlich sei auch noch auf bic Haltung mancher Eltern hinsichtlich der 'Berufswahl ihrer Kinder eingegangen. Wie wenig wird oft die körperliche ober seelische Eignung des Kindes beachtet! Weil es ein bequemer Gedanke für den Vater ist. daß der Sohn in seine Fuhstapfen tritt, weil die Mutter eine nach ihrer Meinung gute Stelle für das Mädchen ausgemacht hat. um das sich von nun an eine andere kümmern soll, wird der eigne Wille des Kiirbes. seine Befähigung gänzlich außer Acht gelassen, ganz ungeachtet der Folgen, die nun cintretcn können, bic vielleicht die Gesundheit untergraben unb Siechtum verursachen. Es könnten noch viele Dei- piele dafür angeführt werden, wie die elterliche Bequemlichkeit, der Mangel an Verständnis, der ihr entspringt, bem Gedeihen des Kindes hinderlich ist; es wäre zu wünschen, daß die Eltern mehr als bisher sich auf den Standpunkt des Kindes stellten, denn sie kommen ihm nicht nur näher dadurch, sondern fie werden auch in ben Stand gesetzt, seine Weiterentwicklung zu fördern und es in gesundheitlichem Sinne Heranwachfen zu taffen. Unb nun die Kinder, bic unseresgleichen sinb. die wir als untere Muster ansehen sollten, behandeln wir als Untertanen. Sie sollen keinen Willen haben! Haben wir denn keinen? Unb wo liegt das Vorrecht? Weil wir älter sind und gescheiter? Guter Gott von deinem Himmel! Alte Kinder siehst du und junge Kinder unb nichts weiter, und an welchen du mehr Freude hast, das hat dein Sohn schon fange verkündigt. Aber sie glauben an ihn unb hören ihn nicht — das ist auch was Altes - und bilden ihre Kinder nach sich. Goethe. Der Haushaltslehrling. KFP. Die Frage der hauswirtschaftlichen Berufsausbildung ist in den letzten Monaten so eingehend auf Tagungen und in Zeitschriften besprochen worben, daß man in kürzester Zeit zu ziemlich sicheren Entschlüssen auf biefem Gebiete kommen wird. Man darf diese Ziele aber nicht fest setzen, ohne andere Lehrverhältnisse dabei zu berücksichtigen, danrit man zu ziemlich gleichmäßiger Regelung auf dem Gebiete des Lehr- lingswesens kommt. Für jede Lehrlingsausbildung ist eine bestimmte Ausbildungszeit, in der Regel 3 Jahre, festgesetzt; diese müßte ebenfalls für ben Haushaltslehrling angenommen werden. Wenn man allgemein nur 2 Jahre fordert, so kann man das tun, sobald man mit einer vorhergehenden haus- wirtschaftlichen Allgemeinbildung rechnen darf, bic an die allgemeinbildenden Schulen jeglicher Art anzuschliehen wären. Sowohl die Land- wie die Stadthausfrauen fordern die zweijährige Lehrzeit, unb cs wird sich im Laufe der Zeit zeigen, ob man einen Gehilfen in dieser Frist auf allen Gebieten ausbilden kann. Im Handwerk sowohl wie im kaufmännischen Beruf kann ein Teil dieser Lehrzeit durch den Besuch einer Fachschule erseht werden; das mühte man um so mehr für ben Haushaltslehrling zu- (affen, als die theoretische Ausbildung des Lehrlings an ben meisten Orten, vor allem aber auf bem Lande auf die größten Schwierigkeiten stößt. Solange wir keine hauswirtschaftlichen Berufsschulen bqj>en, wirb die Ausbildung der Haus- haltslehrlinge — das geben die Hausfrauen ohne weiteres zu — in den allerwenigsten Haushaltungen eine alle Gebiete umfassende fein können. In dem einen Haushalt fehlt neben mancher theoretischen Ausoildung Kinderpflege, in einem anderen Säuglingspflege ober die Behandlung der Wäsche usw.. so baß ein ergänzender Unterricht in einer Berufs- ober Fachschule auch auf diesem praktischen Gebiete hinzukommen muß. Au diese Weise wirb auch den Hausfrauen ein Teil ber Verantwortung, die ihnen auf einem ihnen völlig neuen Gebiete auferlegt wird, abgenommen unb auf andere Schultern gelegt. Auf dem Lande versucht man diese Ergänzung durch Kurse, wie sie die Wander-Haushaltungslehrerinnen ab» halten ober durch Parallelklassen an den landwirtschaftlichen Schulen zu schaffen; wenn man nicht auch für diese Mädchen den Besuch einer landwirtschaftlichen Vollschule ermöglichen kann. In Zukunft wird cs wohl so werden, daß bie Mädchen der gehobenen hauswirtschaftlichen Berufe bie Fachschulen besuchen, während bie Hausangestellten mehr auf die ergänzende Berufsschule in den verschiedensten Orten angewiesen sind. Auch für bie Vergütung scheinen sich, gemäß ber übrigen Lehrlingsausbildung, festere Formen zu bilden. Während bie angehende Haushaltspflegerin damit rechnet, außer Kost und Wohnung keine weitere Entlohnung zu erhalten — die in ben ministeriellen Bestimmungen vorgesehenen 3 praktischen Jahre, in benen fie gegen Entgelt beschäftigt fein muß. sollten billigerweise erst nach ben beiden Lehrjahren beginnen — wünscht die angehende Hausangestellte wenigstens em kleines Entgelt. Die letzte vergleicht ihre Lage mit ber des kaufmännischen Lehrlings, ber wäh- renb der brei Jahre 10, 20 unb 30 Reichsmark erhält, ohne babei zu bebenEcn, daß freie Wohnung unb Beköstigung weit größeren Wert hoben. Man könnte vielleicht beide Seiten dadurch befriedigen. daß die Arbeitslleidung geliefert würbe, wovon beibe Teile gleich großen Borten hätten. Roch Ablauf ber Lehrzeit erfolgt die Prüfung vor der Landwirtschaftskammer. bie die Vorarbeiten hierfür bereits abgeschlossen hat und in der Lage ist. zu jeder gewünschten Zeit eine Prüfung abhalten zu können. Als feste Fristen müßten Ende April oder Ende Oktober angeleht werden, damit der Antritt der Lehrlinge tote auch ber Gehilfen zum 1. Mai ober 1. Rovembcr erfolgen kann. Auch bie Fachschulen mühten diesen Zeitpunkt für den Beginn festsehen. Für die Haushaltslehrlinge in der Stadt wird man im Zusammenhang mit den Berufs- und Fachschulen derartige Prüfungen einrichten können. Rach dieser zweijährigen Lehrzeit beginnt die Arbeit als Gehilfin. Die Hausangestellte wird in der Regel einige Jahre als Alleinmädchen dienen, um sich dann zu spezialisieren und entweder Hausmädchen. Jungfer. Köchin. Mamsell oder Wirtschattcrin zu werden. Alle können, wenn sic ben Haushaltspflegerinnenkursus nicht durchlaufen wollen, nach zwei vraktifchen Jahren ihre Wirtschafterinprüfung bei der Landwirtschaftskammer ablegen. Die ländliche Haushaltspflegerin besucht nach der Gchilfenprüfung eine der anerkannten irirt- schaftlichen Frauenschulen auf dem Lande und legt nach einem Jahre das staatliche Examen ab. Die städtische Haushattspflegerin dagegen macht einen ähnlichen Kursus an einer städtisch, n Haushaltungsfchule durch, um dieselbe 'Berechn- gung für städtische Haushaltungen durch eine staatliche Prüfung zu erlangen. Sowohl die gc- prüfte Wirtschafterin als auch die ländliche nnc bic städtische Haushaltspflegerin tverden besrie- bigende und angesehene Stellungen finden können, da nach gut ausgebildeten, umsichtigen Krästem die mit Verständnis arbeiten, auf diesen Gebieten trotz des reichlichen Angebots an Kräften überhaupt, eine große Rachsragc besteht. Deshalb sollten Mädchen wie Eltern bei jeder Berufswahl sich gerade auch über diese Ausbildungs- und Arbeitsmoglichkeiten eingehend unterrichten, und wenn Reigung und Eignung dafür vorltegen, nicht aus äußerlichen Gründen von der Wahl eines derartigen Berufes abfehen. Dora Brede. Kiel. Der Krankenpflegeberuf. Von Generaloberin Agnes Karll. Aus dem letzten Kongreß des Weltbundes in Köln konnten alle Berichte über die deutsche Krankenpflege von Hoffnungen für die Zukunft sprechen. In ben nächsten Jahren begannen sich manche von ihnen ihrer Erfüllung zu nähern. . Die Besoldung und Arbeitsregelung machte befriedigende Fortschritte. Für die Fortbildung eröffneten sich manche Aussichten. Jetzt aber muß gesagt werden, daß sich bislang für Deutschland weder bic allgemeine Anschauung bestätigte, Kriege bebeuteten eine Förderung der Krankenpflege, noch bie politische Stellung der Frau fei bestimmend für die Lage des Pflegeberufes. Der Krieg hat sich mit feinen Folgen bisher nur als Zerstörer ber deutschen Krankenpflege erwiesen. Durch das 1918 erlangte Stimmrecht der Frauen wurde nur erreicht, daß ber Kampf zwischen Mann unb Frau um bic Existenz im Beruf auch in ber Krankenpflege peinlichere Formen angenommen hat als je, unb ben Frauen durchaus nicht die Stellung in den Behörden unb Verwaltungen gefichert ist, deren sie bedürften, um Krankenpflege unb Fürsorge in der Weife zu fördern, wie mir es verlangen müssen. Man müßte annchmen, daß ein Entwicklungsstabium ber staatlichen Prüfung als Fortschritt zu bezeichnen sei, aber die allgemeine Lage hat auch diesen in sein Gegenteil verkehrt. Preußen hat als führender und größter Bundesstaat seit 1921 statt ber bisherigen einjährigen theoretischen Vorbereitung für die staatliche Prüfung eine zweijährige Dauer derselben festgesetzt. Bis dahin bestand mit ganz wenigen Ausnahmen allgemein für die Schülerin eine mindestens dreijährige Arbeitsverpflichtung, so daß bei einjähriger theoretischer Ausbildung doch eine praktische von drei Jahren gesichert war. Jetzt wird aber in vielen städtischen Krankenhäusern von den Der Wallungen verboten, bie Schülerinnen länger als die für die Prüfung vorgeschriebenen zwei Jahre zu binden, was vom Standpunkt ber nötigen Berufserfahrung unb Charakterprüfung als sehr unbefriebigenb bezeichnet werden muß. Man kann es auch nicht als forderlich für den Pflegeberuf ansehen, daß 1917 eine besondere staatliche Prüfung für Säuglingspflege zuerst mit einjähriger, jetzt mit zweijähriger Ausbildung eingerichtet ist. statt daß jede Krankenpflegerin Säuglingspflege erlernt, und sich die besonders geeigneten für die dauernde Arbeit in Säuglingsheimen spezialisieren. Ebensowenig ist cs erfreulich, daß das Eintrittsalter für bie Säuglingspflege übettoiegenb auf 18 Jahre festgesetzt wurde. Auch das am 18 September 1918 eingeführtc Staatsexamen für Wohlfahrtspflege hat seine sehr bedenklichen Seiten, weil bei zweijähriger theoretischer Ausbildung für Gesundheitspflege, nicht einmal mehr als zu Anfang die staatliche Kranken- oder Säuglingspflegeprüfung gefordert wird, feit diese eine zweijährige Ausbildung voraussehen, sondern man sich als Grundlage für dieses allerwichtigste Gebiet mit nur einjähriger Ausbildung in einem Krankenhause ober Säuglingsheim ohne jeden Abschluß begnügt. Heber die deutsche Krankenpflege ist im allgemeinen folgendes festzustellen: Lille Krankenpflege-Institutionen, gleichviel ob es sich um die ber religiösen ober weltlichen Schwesternschaften ober die des Staates oder der Städte handelt, haben auf das schwerste gelitten. Das Inventar, besonders die so äußerst wichtigen Wäschebeständc. waren bis auf das äußerste herabgewirtschaftet, und ein Ausgleich kann nur nach und nach erreicht werden bei der großen Geldknappheit, die allgemein herrscht. Wie den Anstalten geht es auch den Krankenpflegerinnen persönlich. Zweimal zwei Hungerjahrc haben die Gesundheit der meisten auf das schwerste erschüttert. was für viele nicht mehr gutzumachen sein wird. Die städtischen Angestellten sind ziemlich gut bezahlt, die in staatlichen ober in privaten Anstalten meistens ungenügend, ebenso in Gemeindepflege. In Privatpflege ist die Bezahlung wohl wie vor dem Kriege, aber die Aussichten, genügend beschäftigt zu sein, sind für den größten Teil des Jahres sehr gering, außerdem ist der Unterhalt mindestens um das Doppelte teurer. Die natürliche Folge aller Dieter Um« stände ist, daß sich die Frauenwelt, besonders die zielbewußten, hochwertigen Elemente, stark von einem Beruf abwendet, der an llch schon so große Anforderungen an die körperlichen und seelischen Kräfte stellt. Ein außerordentlich großer Mangel an Krankenpflegerinnen herrscht allgemein. Statt, daß sich unter Bestreben, das Eintrittsalter wenigstens auf das Mündigkeitsjahr heraufzusehen, erfüllte, wird durch die zweijährige Ausbildung bei der Bestimmung. daß die Prüfung nicht vor dem 21. Jahr abgelegt werden kann, das Einlritts-- alter auf 19 herabgesetzt, und wegen Mangels an Bewerberinnen oft genug noch weiter auf 18. In ben großen Berliner Krankenhäusern wurde der ganze Ausbildungsplan für mehrere Jahre völlig in Anordnung gebracht. Die Zahl der Schülerinnenplähe wurde stark verringert zu einer Zeit, wo Schulerinnenandrang herrschte, unb diese Hunderte fehlen dauernd für den normalen Rachwuchs. Daß von 348 deutschen Krankenpflege- ft&ufen zur 3di 34 geschlossen sind, ist bezeichn itenb für die Notlage. Eine sehr hoffnungsvoll einsehende Reform in der Irrenpflege durch Einstellung voll ausgebildeter Krankenpflegerinnen nach Erledigung eines Spezialkurses geht wegen Schwestern- mangels stark zurück und hat ort manchen Anstalten, wo sie dringend gewünscht wurde, nicht begonnen werden können. Statt dessen richtet man nun in einigen dieser Anstalten Krankenpflegeschulen ein. Alle alten Krankenpflegerinnen sind direkter Rot ausgeliefert, wenn sie nicht als Wutter- hausschwcstern versorgt sind oder in städtischen oder staatlichen Diensten eine etwas höhere Pension erreichen oder Angehörige haben, die sie unterstützen können, da die staatliche Rente bei der fetzigen Sage des deutschen Staates nicht so weit erhöht werden kann, daß sie zum Leben reicht. Die Ausbildung der Schülerinnen wird schwerlich gefördert durch Mangel an Arbeitskräften und eine allgemein so ungünstige Lage. Die so dringlich notwendige Fortbildung, schule in Kiel, sowie die von der Berufsorgani'a- für die ein einjähriger Kursus der Oberinnen- tion der Krankenpflegerinnen Deutschlands an der Hochschule für Frauen in Leipzig veranlaßten zweijährigen Kurse und die durch eine Frauenversammlung geschaffene Kaller-Wilhelm- Schule deutscher Krankenpflegerinnen in Berlin sorgten, ist völlig beseitigt, da alle drei Einrichtungen ihren Lehrbetrieb einstellen muhten. Fortbildungskurse. welche behördlich etwa alle fünf Iahre für jede Krankenpflegerin in Preußen vorgeschrieben sind, werden höchstens in größeren Krankenhäusern für die eigenen Angestellten durchgeführt. Die Lage des Pflegeberufes ist auf das engste mit der allgemeinen Lage des Heimatlandes verbunden. Ist ein Land im Aufblühen begriffen, so kann auch die Krankenpflege zur Blüte gebracht werden. Sein Riedergang bedeutet unerbittlich auch den Verfall des Pflegeberufes und so können neue Hoffnungen für die deutsche Krankenpflege erst wieder aufdämmern, wenn ein neuer Aufstieg Deutschlands beginnt. Deutschland und Frankreich. 1 (Don unserem Pariser XVä.-Korrespondenten.) Es war in diesen Tagen besonders interessant zu beobachten, wie die französische Presse genau die Stimmung in Deutschland verfolgte und sich bis ins einzelne mit der Aufnahme des KabinettsPoineare beschäftigte. Einen der letzten Artikel hierüber veröffentlichte der rechtsoppositionelle „Avenir". das Blatt der Millerand-Gruppe und der „Patrioten-Liga". Der „Avenir" schreibt: Es wäre nur zu begreiflich gewesen, wenn man in Deutschland Poincare mit einer gewissen Mißstimmung ausgenommen hätte, doch man muß anerkennen, daß Deutschland in diesen Tagen eine erstaunliche Beherrschung gezeigt hat. Man war von der Ruhe, der äleberzeugung, ja der Würde, mit einem Wort, der Korrektheit, überrascht gewesen, die man in Berlin bewies, sobald feststand, daß Poincare Ministerpräsident sein würde. Abgesehen von einigen Entgleisungen von Blättern zweiten Ranges, wie z. D. dem „Vorwärts", hat es keinen Mihton gegeben. Dieses Blatt, das es sich zur besonderen Aufgabe macht, sich ständig in die inneren Angelegenheiten Frankreichs einzumischen, ist anscheineich das einzige gewesen, das in Berlin Poincare angriff. Andere Blätter hatten aus innerpolitischen Gründen dem neuen Ministerpräsidenten kaum einige Radelstiche versetzt. Sonst war man überall, wie auf ein Stichwort hin, würdig und zurückhaltend geblieben. Offenbar ist man in Deutschland noch miß- IrLuikch, aber man muh blind sein, um nicht .einzusehen, daß man in Berlin entschlossen ist, eine Politik der Realität zu betreiben, eine praktische und von jeder Art Sentimentalität freie Politik und daß man entschlossen ist, mit P o i n- ca r 6 sich ebenso zu einigen, wie man sich mit Driand als Ministerpräsidenten hat einigen wollen. Man kann sogar so weit gehen, zu behaupten, daß man in ernst zu nehmenden politischen Kreisen der Reichshauptstadt alles in allem erfreut war, endlich an der Spitze Frankreichs eine starke Regierung zu sehen, eine Regierung der wirklichen nationalen Konzentration, mit der es möglich sein wird, in Ruhe diplomatische Verhandlungen zu führen, ohne befürchten zu müssen, daß — wie dies im Laufe der letzten Monate so oft der Fall war — eine neue Mimsterkrife eine jähe .Unterbrechung der Verhandlungen herbeiführt. Man kann ohne weiteres sagen, daß, wenn die deutsche Presse nicht objektiv geblieben wäre, wenn einige chauvinistische Temperamente ihrer Mißstimmung freien Lauf gelassen hätten, die deutsch-franzö- fischen Beziehungen darunter beträchtlich gelitten hätten. Stresemann und seine Mitarbeiter haben zweifellos nicht ohne Geschick diese Gefahr ob- ; zuwenden gewußt. Dafür kann mRußIcrnd ist auf bet Hut und unterhält in Polen ein riesiges Heer von Agenten und Spionen. Das haben die kürzlichen Massenverhaftungen wieder einmal bewiesen. Moskau arbeitet auch intensiv daran, die baltischen Staaten in sein Lager hinüber- zuziehen und durch Vermittlung Italiens mit Rumänien ins reine zu kommen, um im entscheidenden Augenblick nach allen Seiten freie Hand zu haben. Vorläufig dürsten Pilsudstrs Pläne nur dahin gehen, bis zur Ostsee vor- zustoßen und die balttschen Staaten zu überrennen. Sicherlich plant er auch gegen Deutschland und seine ostpreußische Provinz Böses. Iedensalls organisiert er in Posen und Pomn^r- retten ein starkes Iägerkorps, hält in der Gegend von Dromberg Reservistenübungen ab und ist gut Freund mit den oberschlefis um uns rechtzeittg vor unangenehmen Lleberraschungen schützen zu formen. Turnen, Sport und Spiel. Turngau Hessen CD. I.) Aus dem 4. Bezirk. — In Alsfeld wurde, wie in den Vorjahren, die 6 m al-lOO -Meter-Staffel des 4. Bezirks gelaufen, an der Mannschaften der Vereine Alsfeld, Lauterbach, Schlitz und Maar teilnahmen. Sieger wurde Tv. L a u t e r b a ch in der für eine Pendelstaffel recht guten Zeit von 77,2 Sekunden. Vorjähriger Sieger war Tv. Schlitz. Ein neuer Turnverein ist in Angers- bach entstanden. Am Sonntag trat er mit einem Wetturnen erstmalig vor die Oeffentlichkeit. Die Turnvereine Maar und Lauterbach hatten sich durch fleißige Mithilfe und durch ein Schau- und Werbeturnen in den Dienst der Veranstaltung gestellt. Auf einen schönen Erfolg kann der Tv. Lauterbach wieder mit feinem kürzlich veranstalteten Volksfest auf dem Hainig zurückblicken, dem den Turnern des Gaues Hessen als Ziel häufiger Turnfahrten bekannten Bergesgipfel. Das mit der Veranstaltung verbundene Vereins- Wetturnen wies eine vorzügliche Beteiligung auf und zeigte schöne Leistungen im Mehrkampf sowohl als bei den Einzelkämpfen. Don den Einzel- kämpfen erwähnen wir: Kugelstoßen: I.Sieg H. Stein, 9,35 Meter: Weitsprung: 1. E. Södler, 6,38 Meter: Stabhochsprung: 1. E. Gerbig, 2,60 Meter. Das 73. FeLdbergsest. Aus 260 Vereinen hatten sich rund 2000 Wettkämpfer eingefunden. Der heimische Mittel- rheinkreis war besonders durch das Rhein-, Saar- und Moselgebiet stark vertreten: auch Oberhes'en und die angrenzenden Londesteile waren zahlreich zur Stelle. Ungezählt blieb die gewaltige Volksmasse, die außer den Turnern den Gipfel des Berges erklommen hatte, um Zeuge der eindrucksvollen Merbeveranstaltung für den turnerischen Gedanken sein zu können. Das erste Feldbergfest auf dem Gipfel nach dem Kriege hat in seinem ganzen Verlauf sich wieder als die große Veranstaltung Mitteldeutschlands erwiesen, die getreu einer Ueberlieferung von nahezu acht Iahrzehnten sich den wahrhaft turnerischen Sva* ratter bewahrt hat. Dichter Rebel umlagerte noch den Bergesgipfel, als die Turner am Sonntag früh zum Wettkampf antraten. Philipp 21 obig, der langjährige Vorsitzende des Feldbergfest-Ausschusses, begrüßte die Turnerschar in herzlicher Weife. Trotz der Ungunft der Witterung nahm die Durchführung der Wettkämpfe einen einwandfreien Verlauf. Die nach altbewährten turnerischen Grundsätzen durchgeführten Mannschafts- lämpfe hatten eine weit größere Besetzung zu verzeichnen als in den Vorjahren, bewarben ftd) doch um das Völsungenhorn 10, um den Iahn- schild 16 und um den Brunhildisschild (Turnerinnen) 8 Mannschaften. Die von Anfang brs zum Ende überaus spannenden Wettkämpfe wurden vor einer unübersehbaren tumbegeiftetten Zuschauermenge durchgeführt. Bisher liegen folgende Ergebnisse vor: O b e r st n f e (749 Bewerber): 1. Sieg Bruno Siegemund, Tgm. Bockenheim, 90 Punkte: 2. E. Wengenroth, Tv. 1860 Frankfurt a. M., 89 P.: 3. PH. Trumm, Tv. Bieber, und H. Heberer, Tv. Bieber, 84 P.: 4. Gg. Höflich, Tv. Kostheim, 83 P.: 5. Karl Hornberger. Tv. Kreuznach. 82 P.: 6. R. Kalbfell, Trbd. Reutlingen. Unterstufe (752 Bewerber): 1. Ph. Heß, Tv. Schornsheim, Duchardt. Eintracht Frankfurt am Main, I. Wilhelmi, Tv. Oestrich, 75 P.: 2. P. Zimmermann, Tv. Hofheim, I. Reudecker, T. u. Spv. Klein-Auheim, E. Müller, T. u. Spv. Butzbach, 74 P.: 3. K. Rapp, T. u. Spg. Fechenheim, F. Linn, Tgm. Hanau, 73 P.: 4. Fritz Morneweg, Tv. Klein-Linden, Eberhard auf dec Heide, Tv. Sachsenhausen. 72 P.. 5. K. Junior, Tv. Idstein. 71 P.: 6. W. Wagner, Tv. „Jahn" Siegen, 70 P.: 7. H. Schröder, Tv. 1860 Bad-Rouheim. 68 P.: 8. W. Reitz, Tv. 1846 Gießen, 67 P.: 9. W. Grubeaud, Tv. Heuchelheim, 66 P. Alterst nrner (über 45 Iahre): 1. W. Kratz, Tv. 1817 Mainz. 79 P.: 2. F. Huthmann. Tgs. Darmstadt, 72 P.: 3. Adam Pfeiffer, Mainz, 69 P. Gießener Stadttheater. Karl Müller-Ruzika: „Nur kein Skandal!" Der Autor spricht: eine ganz unglaubliche Geschichte in drei Fortsetzungen. Untertitel dieser Art sind in der modernen Bühnenliteratur beliebt. And werden vom Theaterreferenten (aus trüben Erfahrungen) zumeist mit schnödem Mißtrauen zur Kenntnis genommen. Rämlich: sie dienten allzu ost dazu, sich um em offenes Bekenntnis zu einer eindeutigen, literarischen Gattung herumzudrücken. And der Chronist, gewissenhaft bemüht, in dieser Richtung Enthüllungen zu machen, stand ebenso oft vor der rauhen Rot- wendigleit, Indiskretionen zu begehen, die der Autor klug und schonungsvoll vermied. Immerhin: man kann äleberraschungen erleben. Derlei Indiskretionen sind meist peinlich, aber einfach. Hier nicht. Man dachte: was kann man Anfang August anderes erwarten, als einen Schwank? -llnb fand, der Urheber dieses drolligen Abends sei von übergroßer Bescheidenheit ge- wesen. Wenn dies ein Schwank war, dann haben wir seit langem keinen besseren gesehen. Es wäre mehr gewesen: ein Lustspiel, rund und nett, witzig und sicher und haltbar bis ans Ende. Wenn nicht die „Unglaublichkeit" sich doch zu oft mit älnmöglichkeit der Voraussetzungen deckte. «And dennoch: was ist ..in Wirklichkeit" unmöglich^ Iener Hauptmann von Köpenick, an den man mehrfach denken konnte, war von unleugbar- peinlicher Realität.) Ein Einfall liegt zugrunde, der, in anderen Härchen, zur Komödie hatte fuhren können. Ern Einfall übrigens, der an sich durchaus nicht neu und literarisch mehrfach ausgewertet worden ist Der erste Akt erinnert stark an ein Lustspiel, des verstorbenen Thaddäus Rittner, das seinerseits vom „Biberpelz" beeinflußt ist. Hier liegt das Stichwort: Hochstapelei ist stets eine wirksame Prämisse für das heitere Spiel auf der »Bühne. Das triumphierende, freche Gaunertum, von einem Strahi abenteuernder Roblesse womöglich vergoldet, findet die glänzendste Folie in der genas- führten und bloßgestellten Autorität: der Staatsgewalt. die sich wiederum mit Vorliebe nn Staatsanwalt repräsentiert. Ein Schuß Juristerei ist ein jahrhundertaltes Theaterrezept, das fast nie versagt. Schon die Gerichtsverhandlung an sich trägt dramatische Qualitäten. Sie steigert sich sehr pikant in der Pointe des Rollentausches: Der Hochstapler — mit dem Heft in der Hand und der Frechheit im Herzen — leitet (unertamit) oie Vernehmung. So sicher, daß er, Gipfel der älnverfrorenheit, ohne Rot selbst die Maske lüften darf. Er wirft die Rolle, die ihm ein Zufall, die lächerliche Verwechslung mit einer ungeschickten Standesperson in die Hände gab, grinsend belferte und haut den erpresserischen Trumps auf den Tisch — wieder denkt man an Rittner —: feine Vernehmung würde zugleich gröbste Kompromittierung aller Beteiligten auf der Gegenseite bedeuten. Als da sind: Der Erste Staatsanwalt, den -2- e l c k y mit hagerer Würde ausstattete, dessen Frau (von Tine Schneider elegant und apart gespielt) und Sohn (bei Hanke in guten Händen), ein Polizeirat (dessen Blödheit von Volck zu sehr in die Karikatur getrieben wurde) nebst besserer Hälfte, für die Luise Iüngling eine Jebr energische Sprache führte, ein ahnungsloser Messor (Fr. L. Eisig), der dem Autor leider etwas aus den Händen geglitten ist: schwächste Figurine des Spiels. Ansonsten in kleineren Rollen sehr angenehm: Krahmer, Scherer und Kurzhoff. Die Krone des Abends aber, witziger Mittelpunkt des Spiels: Schwanneke, falscher Assessor, zweiter Hauptmann von Köpenick. elegant, wortsicher, voll Humor und ßaunc, voll von weltmännisch-liebenswürdiger pleber- legenheit und der fabelhaften .Unverschämtheit des besseren Gauners: eine sehr begabte, saubere Leistung. Ihm zur Seite Rita Andre als raffiniert schauspielernde, famos eingefuxte Komplizin. Das Ganze rollte unter Volcks Leitung flüssig und filmhast flimmrig vorüber. Ein sehr amüsanter Llbend. .Und ein sehr dankbares Publikum. Dr. Th. Verlorene Kometen. Es ist eine seltsame Erscheinung, daß manche Kometen bisweilen verloren gehen. DaS jüngste Beispiel dafür ist der Ensor-Komet. Dieser wurde 1925 entdeckt, und man erwartete fein Wiedererscheinen am nördlichen Himmel früh im Iahre 1926; es ist aber nicht wieder zum Vorschein gekommen. Ein berühmter Komet, der spurlos verschwand. ist der 1826 entdeckte Bielaschc. Seine Laufbahn wurde von den Mathematikern berechnet, und man sand hcrarrs, daß er eine 6> ... jährige Periode hat. Er wurde auch 1832 pünktlich beobachtet: aber 1839 fehlte er, 1846 war er wieder zu sehen, und seine Bahn schien ganz normal zu verlausen. Doch dann brach ec in zwei Teile, die sich allmählich immer weiter voneinander entfernten. Die beiden Halbtometen wurden 1852 wieder beobachtet, aber die Entfernung zwischen ihnen war noch größer. Seitdem ist er niemals wieder gesehen worden. Als die Erde 1872 den Pfad des Konreten kreuzte, da stellte man einen bemerkenswerten Regen von Meteoren an dem Teil des Himmels fest, an dem der Komet sich befunden haben müßte, wenn er sichtbar gewesen wäre. Ein anderes Beispiel ist der Le?ellsche Komet, der 1770 von Meßler entdeckt wurde. Seine Laufbahn wurde von Lepell berechnet, der sand, daß er alle fünf Iahre wiederlehren müßte. Aber fo viel man auch nach ihm Ausschau gehalten hat, man hat ihn nie wieder erblickt. Bei einem Kometen, der 1846 von Peters entdeckt wurde, errechnete man eine Periode von 131/5? Iahren. Er ist niemals wieder zum Vorschein gekommen. Das gleiche geschah mit dem Stephan- schen Kometen, der 1867 gefunden und mit einer Periode von 40 Iahren berechnet wurde. Der Vicosche Komet, der 1846 entdeckt wurde, hätte 1921 wieder auftauchen müssen, konnte aber trotz eifrigsten Suchens nicht beobachtet werden. Aus welchen Gründen gehen nun solche Kometen verloren? Der englische Astronom I. A. Lloyd gibt zwei Ursachen dafür an. Gin Komet ist ein Schwarm von Meteoriten, die sich in einem Kreis um die Sonne bewegen. Der Schweis besteht aus Gasen, die von dem Kops ausströmen. Das bedeutet, daß die Kometen fortgesetzt an Substanz verlieren und bei jeder Wiederkehr kleiner sein müssen. Der Halleysche Komet z. B., dessen Geschichte uns seit langen Zeiträumen bekannt ist, hat durchaus nicht mehr das Aussehen wie in früheren Zeiten. Kometen können also allmählich verschwinden. Außerdem kann aber auch ein Komet nahe an die Riefenplaneten Jupiter oder Saturn beranfommen und in das Bereich ihrer Anziehungskraft geraten. Er wird dann von feiner Laufbahn abgelebt, verschwindet im All und kehrt nicht mehr in für uns sichtbare Regionen zurück. Das ist wahrscheinlich bei dem Lexellsch-m Kometen der Fall gewesen. Altersturner (35 bis 45 Iahre): 1. 3. Lemlpecher, Tv. Sieburg. 76 P: 2. CB. Ender-, Lv. Kreuznach, 75 P; 3. F. Kotier. Tv. Homburg v. d. H., 73 P. Frauen (175 Bewerberinnen): 1. Tilly Fleischer, Eintracht Frankfurt a. M 71 P.: 2. Elis. Schauh, Tv. Biebrich, 06 P.: 3. Elif. Pfeiffer, Tv. GrieSheim, 64 P. Im Mannschaftskampfe gewann Tv. 1860 Frankfurt a M. überlegen das historische Völfungenhorn mit 401' , Punkten- als zweiter Sieger placierte (ich Tv. ..Vorwärts' Bocken- heim. der seitherige Inhaber des Preises, mit 358 Punkten, während Tv. 1860 Bad-Rauhetm mit 355 Punkten dritter Sieger wurde. Die deutschen Hochschuimeisterschaften. Tie Deutschen Hochschulmeisterschaften wurden am Sonntag vor nahezu 3000 Zuschauern im Stadion des Deutschen Sportvereins in Iena ausgetragen und reibungslos durchgeführt- in mehreren Hauptkonkurrenzen wurden neue deutsche Hochschulrekorde erzielt, wie überhaupt der deutsche Hochschulsport große Fortschritte zu verzeichnen hotte. Ergebnisse: Weil'rrung: 1 L a d e w i g - Breslau 6,78 Meter. 80I-Meter-Lauf- 1. Mahr, Technisch« Hochschule Wien 2:01,3. 100-Meter-Lauf: 1 Körnig, llniü Breslau. 10,7 Sel (neuer deutscher Horch' schulrekard i 5000-Meter-Laus 1 Bauer, ilnio. Halle,> 18:15,6 Min. (neuer deutscher Hochschulrekord- 100-Meter-Lauf: 1. S t v r z, Univ. Holle, 50 Sek (neuer deutscher Hochschulrekord). Äugel- flohen 1 Knopp, Univ Hamburg. 12,63 Meter. 1500-Meter-Laui. 1. Krause. Univ. Breslau. 4: 14,4 Min. (neuer deutscher Hochschulrekord). Hochsprung: 1. Bey, Univ. Berlin. 1,80 Meter berührt 4maI100-Meter-Staffel: 1. Technische Hochschule Eharlottenburg 45,1 Sek. Speerwurs: 1. Moll e s, Univ. Königsberg. 54.40 Meter (außer Konkurrenz, neuer Rekord 55,40 Meter). 110-Meter-Hürdenlaus en 1. Anton, Univ. Berlin. 16,4 Vel 3ma(1000-Qlieter Staffel. 1. technische Hochschule Eharlottenburg 8:02,2 Min. (neuer deutscher Hochfchulrekord). 6mall00-Meter- Staffel: 1 Univ. Berlin 1:07.6 Mi" DiskuS- Wurf 1. Knopp. Univ. Berlin. 40,9 Meter (neuer deutscher Hochschulrekord). Stabhochsprung: 1. Spieler. Univ München, 3,30 Meter. SchwimNi-Mehrkämpfe 1. Albert. Univ. Breslau, 56' . Punkte. Olymp'i'chrr Fünflomps: 1. Ladewig, Univ. Breslau, 387 Punkte. Olympischer Fünfkampf für Altakademiker Klosse A: 1 Engertner. Univ. München. 348 P.. Klasse B: 1. ©träte, Univ. Greifswald, 221 P.: Klosse C 1 Dr Mollwi h-Berlin 105 P. Akademischer Aeunkamps: 1. Kohlih. Techn. Hochschule Dresden, 625.5 P: für Altokademiker Klas'e A: 1 Ä n i r I b c r g c r. Univ. München, 639 5 P : Kla'se B. 1 Dr. TD e r n c r, Univ. Greifswald 399 P: Klasse C: 1. Müller- Danzig 275.5 P. Freie Turnerschaft Giehen I - M.-T.-D. Marburg I 9:1. L In letzter Stunde wurde seitens der Bezirksleitung das vorgesehene erste Verbandsfpiel zwischen Wieseck und Marburg nicht zur Durch- sührung gebracht, dafür trug Marburg gegen Giehen als letztes Ge'ellfchofts'piel ein Treffen auf dem (Siebener Trieb aus. Trotz der Kürze hc x’/it seit Bekanntwerden deS Spiels hotte sich eine zahlreiche Anhängerschaft eingefunöen, die zunächst die angefünöigtc OteuaufUefhing der Gießener sehen wollten. Das gegen die Marburger erzielte Otetultat zeigt, daß Giehen im Vergleich zu früher nichts verloren hat. Verfügt die Mannschaft über den nun einmal erforderlichen Zusammenhalt, so wird -ie bei dieser Spiel- weite den Wetzlarern die Tabellenspitze bald streitig machen. Im Sturm ist nur die rechte Seite etwas unsicher, die Läuferreihe war ihrer Aufgabe vollkommen gewachsen, im Mittelläufer, nach langwieriger Verletzung geheilt, verfügt die Mannschaft üver eine außerordentliche Stütze. Die Verteidigung ist balllicher und mit einem weiten Schlag ausgerüstet, der Tormann war zu wenig beschäftigt, um übet ihn ein Urteil abgehen zu können: die wenigen »ich bietenden Gelegenheiten »cigtcn ein ansprechendes Können. Der Mannschaft fehlt nur noch eines, um sie sympathischer zu machen: etwas mehr Ruhe, dem aufmerksamen Beobachter stört dies viele Die Krummhölzer. Roman aus den bayerischen Bergen. Von Michael Wagner. 22 Fortsetzung. Nachdruck verboten. empfanden die einen Tonis Vorgehen, den sie längst nicht mehr als zu ihnen gehörig ansahen, als Protzerei und unschöne Handlung gegenüber dem allseits geachteten und beliebten Förster, so wuchs dafür bei den andern die Ehrfurcht und Bewunbc- rung vor dem „sakkrülhetz" Urachertoni um so mehr. In ihren Augen wuchs er zum Allgewaltigen, dem alles gelang, dem es das Geld zum Fenster hineinschneite, und der wußte, wie und wo es zu holen war ... Auch mit dem Vater hatte^Toni bald nach besten Zusammentreffen mit dem Förster aus der Alm eine Auseinandersetzung. Bei allem damals zur Schau gestellten Selbstvertrauen gegenüber den Warnungen des Annodomini mochte Uracher doch sein rechtschassener Sinn dazu treiben, mit Toni ein ernsthaftes Wort über die Sache zu reden. Günstige Gelegenheit ergab sich bald daraus, als Uracher und Toni' eines 'Abends — was bei dessen häufiger Abwesenheit eine Seltenheit geworden war — bei- fammcnfafecn. Da leitete der Uracher das Gespräch in Sie gewünschte Richtung. „Lus, Toni! — Heul' Höft' i a tfrag an dich'.'' Toni, der in einem Rotizbtiche blätterte, anscheinend nach Schieberart die gesamte Buchführung seines einträglichen Großhandels, blickte auf. „Wo brennfs denn?" Der Vater tat erst noch schweigend einige Luge aus der Pfeife, hob dann den Kopf und faßte mit einem seiner durchdringenden Blicke dem Sohn ins Auge. Toni fühlte unter diesem Blicke, den er noch aus der Kindheit her fürchtete, eine sonderbare Unsicherheit und Unruhe in sich auskommen. „Za — i töt halt amal reden!" stieg er ungehalten und gereizt hervor. „Nur Zeit lassen! Kommt schon! — Lus: Daß deine Hanbelschasten viel Geld abwerfen, is mir net unbekannt — es freut mi a fetal, mennst du in d' Höh' kommst! Was dös für Handelschasten sind, hat mich noch niemals bekümmert — a heut net. Stufen und meistens auch die eigenen Spieler Zu sagen hat doch eigentlich nur der Spiel- führet etwas! Warburg erschien in seiner alten Ausstellung. Vorn Anstoß weg entwickelte sich sofort ein äußerst lebhaftes Spiel, Marburg drückte sich bis zum Tormann durch, der Harle. Im exakten Dreieckspiel griff Gießen an, erzielte nach 3 Minuten Spielzeit eine Ecke, die von Marburg ins Feld befördert wurde. In Auswirkung des folgenden Angriffs gelang es ihnen, den Gießener Tormann zu täuschen, der nach der verkehrten Seite herauslief, und nach 4 Minuten Spielzeit führte Marburg. Durch diesen überraschenden Erfolg der Marburger spielte Gießen recht aufgeregt, kurz darauf konnten die Gäste ihrerseits eine Ecke erreichen. Gießen mußte recht aufmerksam verteidigen. Aach und nach kam Schwung in die Mannschaft, die nun mit Ungestüm das Gästetor angriff In der 12. Minute fiel denn auch der Ausgleich. Von da ab hatten die Gießener das Heft in dec. Hand. Angriff aus Angriff erfolgte, die Ausbeute waren bis Halbzeit 4 weitere Ecken und in der 40. Minute das 2. Tor. Aach dem Wiederanstoß zeigte die Gießener Mannschaft noch größeres Können, Marburg wurde völlig zurückgedrängt In der 4., 7. und 18. Minute fielen 3 weitere Tore. Eine Ecke wurde kurz danach von Warburg mit der Hand abgewehrt. der dafür gegebene Elfmeter von Gießen inS Aus geschos-en. Bis zum Schluß änderte sich an dem Spielverlauf nichts. Gießen konnte feine Torzahl auf 9 erhöhen und zeigte damit gegenüber Marburg eine Besser- Iciftung, die an Klassenunterschied grenzt. Auch das Eckenverhältnis 11:2 für Gießen unterstreicht diele Tatsache. Die Tätigkeit des Schiedsrichters ist mit der vorzüglichen Leistung der Gießener auf eine Stufe zu stellen. Die Verbandsspiele im Arbeiter-Turn- und Sporlbund. L Am Sonntag begannen in ter Ingendklasse die Derbandsfpiele der Aachrunde, die gleich zu Beginn recht lebhafte Kämpfe brachten. Eine Aenderung der Aeihenfolge trat, durch die Spiele nicht ein, Gießen und Wieseck, die seither führenden Mannschaften, konnten auch jetzt den Sieg an ihre Fahnen heften. In Heuchelheim standen (ich Heuchelheim Igd. und Gießen 3 g b. gegenüber. Aach wenig schönem und unruhigem Spiel siegte Gießen 4: 3. Seinen ersten Punkt in den Derbandsspielen holte sich die Iugend Blasbachs im Spiel gegen Lollar auf eigenem Platz, indem sich beide Vereine ein unentschiedenes 3:3°Aesultat lieferten. Einen einwandfreien Sieg errang die Iugend Wiesecks im Spiel gegen Aaunheim aus dem dortigen Platz. Bei Halbzeit stand die Partie 0:0, die zweite Spielhälfte sah die Wiesecker m besserer Form, -o daß sie ein Schlußergebnis von 3: 0 herausholen konnten. Recht knapp ging es wieder in Wetzlar zu, wo die dortige Iugend gegen die des Männer- Turn-Vereins Marburg antrat. Marburg konnte mit Muhe und Aol 3:2 gewinnen und damit Wetzlar den Platz in der Spitzengruppe streitig machen. y Rückspiel des (Siebener Tennisclubs gegen den Homburger T. Ck. 7:18. ck. Am Sonntag weilte der Gießener Tennis- club in Homburg, wohin er seine Turniermannschaft zum Aücklpiet gegen den Homburger Elub gesandt hatte. Gießen trat mit Ersatz an. Homburg dagegen hatte eine noch stärkere Mannschaft als bei der ersten Begegnung aufgestellt. Von der Gießener Mannschaft spielte zum ersten Male Bostroem mit, der einen sehr schnellen Vorhandschlag hat. Sein Aückhandspiel muß noch schneller und sicherer werden. Auch die Aufgabe läßt noch zu wünschen übrig. Bet eifrigstem Training ist anzunehmen, daß Bostroem ein beachtenswerter Tournierspieler werden wird. Gute Leistungen zeigten wiederum die Gießener Kirchner und A o 11. die in scharfem Kampf über ihre Gegner triumphieren konnten. Von den Homburgern gefiel am besten M 6 groz . cm routinierter Tennisspieler, der durch gut durchdachtes Spiel and geschickte Angrisfsmrthodik das zahlreich erschienene Publikum besonders fesseln konnte. Giehener Ruder-Gesellschast 1877 Zu den bereits aemelbeten Erfolgen des Vereins auf der Limburger üRegatta. der mit der ausgezeichneten Dierermannschaft Georgi, Michel, Becker. Müller zwei schöne Siege an sich bringen konnte, wird uns noch folgendes geschrieben. Die Mannschaft Georgi wird nach einer kurzen Ruder-Paule da- Training wieder aufnehmen, um in der gleichen Besetzung auf der in Gießen am 12. September stattfindenden Herb st »Regatta des Lahn-Regatta-Ber- bandeS die beiden großen Vierer-Reimen zu bestreiten. ®lei(Zeitig wird sie, komplettiert durch vier weitere Mitglieder, den ersten Achter belegen und die Gießener Farben bei dem Städte- Achter-Wettkampf Gießrn-Wetzlar am 5. September vertreten. Breitensträter schlägt Fröhner fc. o. Der Exmeister Hans Breitensträter schlug in Mühlhausen den elsässischen Schwergewichtsmeister Fröhner in der dritten Runde k. o. Der Sternhimmel im August. Sonnenaufgang von 4.20 bis 5.10 Uhr. Sonnenuntergang von 7.50 bis 6.50 Tlhr. Lichigestalten des MondeS: 1. Viertel am 16. 6 Uhr iiachm., Vollmond am 23. 2 Uhr nachm.. 3. Viertel am 30. 6 Uhr nachm. Der August bietet dem Sternfreund vor allem der Sternschnuppenschwann der Perseiden, der von dem in unserer Sternkarte mit 5 bezeichneten Punkt ausgeht. Dem braven Bürger, der nur gelegentlich — man möchte säst sagen „versehentlich" — seine Blicke auf den Sternhimmel richtet, erscheinen wobei seine Erdnähe und demnach auch seine Helligkeit fortwährend zunehmen. Der Morgenhimmel wird im August naturgemäß weniger beachtet: wer Gelegenheit hat, seine Blicke auf ihn zu richten, sieht hort den untergehenden Iupiter im Westen, die ausgehende Venus im Osten. Am Morgen deS 6. streicht der Mond dicht unter dem helleiuhtenden Morgenstern dahin. Am westlichen Abendhimmel erblicken wir auch den Saturn. Der Fixsternhimmel erstrahlt gegefx Ende des Monats Ichvn in überraschend schöner Pracht, und \IM2 r der Monatsmille ist der Sternhimmel um '/» Stunde früher, für je 5 Togo nach der Monatsmitte um ’/j Stunde später einzuslcllen. Man vergleiche die nächste Monatskarte Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen, ein, wann er die angedeutete Lichtgestalt zeigt- Sternschnuppen als ein so seltenes Ereignis, daß lic nach einer altbekannten Redensart sogar die Erfüllung eines gleichzeitig gehegten oder ausgesprochenen Wunsches gewährleisten. Wer den Himmel wirklich beobachtet und — um ihn etwa Jüngeren zu erklären — stundenlang seinen Blick unverwandt nach oben richtet, weih, daß sie gar nicht so selten sind: aber zu feiner Iahres- 'zeit sind sie so häufig wie zu Beginn des August und besonders am Tage des Laurentius, am 10., weshalb man auch vom »Laurentiusstrom" spricht. Von den Planeten wird am Abendhimmel der Iupiter immer schöner sichtbar: auch der Mars gebt zu Beginn des Monats etwa um 11. gegen Schlutz des Monats schon um 9 -Ufjr aus. namentlich die Milchstraße mit ihrem im Sternbilde des Schwans gelegenen Verzweigungspunkt, der in den Abendstunden fast senkrecht über dem Beobachter im Scheitelpunkt zu erblicken ist, macht an den Sommerabenden großen Eindruck. Rechts über dem Schwan erstrahlt die Helle Wega und ein tüchtiges Stück rechts von ihr, nunmehr immer tiefer hinabsteigend, der Helle Arctur. Vorn Schwan nach Aordosten steigen die Milch- strahenbilder der Cassiopeia und des Perseus immer höher hinaus. Andromeda und Pegasus stehen unter der Milchstraße. Gegen Ende des Monats ist es — abgesehen von den westlichen Gegenden Deutschlands — schon um 8 Tlhr abends völlig dunkel.. Küstermann. «I I»» I —.---—__ Alles dös is dein' Sach' und net die meinige. Wollt I — Aber bloß bös macht i heut von btr wissen — | machst du a solcherne G'schiister, die wo dich und den Hof — jo quafi in G'sahr bringen könnten?! — Unrechte —? —?" Ganz ruhig und gemessen sprach Uracher diese schwerwiegende Frage aus. Sein Blick aber war tiefbringenb wie zuvor, unb hielt ben Sohn gleich einer züpackenben Faust fest. Toni roanb sich innerlich unter biefem Blick bes Vaters. Zorn unb Wut röteten sein fleischiges Gesicht. „Warum — sau mir vielleicht in der Christen- lehr jetzt, Han?! — Oder bin i a Schuldua?! Aber i kenn den Wind schon — der blast vom Marktplatz rauf, gel?! — Wenn i dir an Rat geben darf, Baler — bann halt's wie bisher unb laß bir nix in b* Ohren blasen!" „Ob bersell Winb jetzt grab vom Marktplatz* rauf ober vom 'Jliebcrlegcr runterblaft — bös bleibt" sich ganz gleich, Toni — g'sragt hab allrocil jetzt i!" entgegnete ber Uracher bestimmt. „Unb i mag amal die dumme Ausfragerei net!" Zwischen Ürachers graubauschige Brauen grub sich eine scharfe, tiefe Falte. In seinen Singen blitzte cs auf. „Toni, wenn i a im Austrag bin, dein Vater bin i deswegen allrocil noch! — Ader ohne alle Seitenhieb und Sprung, reden mir dös Ding aus mitnand, Mann zu Mann — mein' Frag' kennst!" Toni wußte genau, daß solch dumpf grollende Ruhe beim Pater stets das Wetterzeichen eines drohenden Zornfturmes war. Deshalb zwang er sich — wenn auch mühsam — wenigstens zu äußerlicher Gefaßtheit. „Gut — nachher sollen die Ohrenbläser bloß zu mir selber kommen und sich die richtige Antwort holen!" Uracher schien diesen Einwand gelten zu lassen. Jenes Drohende wich wieder aus seinen Zügen und machte ber gewohnten Ruhe Platz. „Unb wenn i bich also selber frag?" „Dann sag i bir, baß i nix zum Fürchten hab! — Dös rannst jebem ins G'sicht sagen, der . . Toni würbe schon roieber heftig. Der Vater unterbrach ihn mit einer wegwerjen- ben Hanbbewegung. „Woll 's langt mir schon! — Unb bös G'reb, ber Hof könnt amal . . ." „Schwinbel! — Da reb' ber 'Jleib b’raus unb b* Gift!" sprach ber Toni nun eifrig auf ben Vater ein, froh, ein Ventil gefunben zu haben. Dann hieb er mit ber Faust auf ben Tisch unb lachte höhnisch auf. „Grab guat is', ba i da gleich bie richtige Antwort b’rauf geben kann! Unb zwar — durch ben Notar!" Notar ist so ein Wort, bas auf ben Bauern immer eine gewisse Zugkraft ausübt. Kein Wunber beshalb, wenn auch ber Uracher barob von lebhaftem Interesse ergriffen würbe, bas vorerst alles an= bere in ben Hintergrund brängt. „Durch den Notar ? — Wieso durch den Notar?" Nun fühlte sich Toni wieder in seinem Element. Er wußte das .spiel gewonnen, die gefährliche Moralklippe glücklich umschifft. Die altgewohnte llcbcrlcgcnheit, bie ihn vorher beinahe im Stiche gelassen hätte, kehrte zurück. Er streckte bie Hände in die Hosentaschen unb lehnte sich zurück. „Aha! — Gel. ba schaugst!" begann er mit her- ausforbernbem Lachen. „Gel — ba reißt's bich! Unb bie anbern erst, die eing'schworenen Neidhammel und Quertreiber — denen werden erst d' Augen übergeh'n!" Toni weidete sich mit größter Befriedigung an des Vaters unverhohlener Spannung unb Erwartung. Mit erhobener Stimme fuhr er bann fort: „Kannst benen Ohrenbläsern ausrichten: wenn's für ’n Krummholzerhof a G'fahr gibt, nachher is' bie, daß er allweil großer unb foafter wirb, verstauben! So zum Beispiel gleich bie nächste Zeit — wenn's Branbnerlehen bozuawachst!" Ürachers Augen funkelten. „Was? — 's Branbnerlehen?!" Nun spielte Toni im Triumph ben großen Trumpf aus: „Iawohl — nix anbers! 's Branbnerlehen wirb bazuakauft. nachdem 's bie anbern wegen ber Erb teilung loshaben wollen! So was macht ber Uracher toni natürlich ohne großen Tamtam, schön stab unter ber Hand! — Gel, jetzt verschlagt's bir b’ Red! — 5a, so richt i den Hof z'grund!" „Es is also wirklich wahr — 's Branbnerlehen kommt zum Hof?" Helle Freube machte ben Uracher ganz aufgeregt. „Wenn i amal sag! Die nächst' Wach' werd's notariell g'macht. Jo. mein lieber alter Herr —" setzte Toni burschikos hinzu, — „dös hat aber a allerhand Diplomatie kost!" Uracher hörte gar nicht auf Tonis selbstbewußte Nebenbemerkungen. Die überraschende Mitteilung zog ihn völlig in ihren Bann. Denn den Zukauf des kleinen Brandnerlehens, das mit feinen zwar nicht großen, aber ausgezeichneten Gründen an den Hof grenzte, hatte er selbst schon eifrig, aber ohne Erfolg betrieben. Unb baß bern Sohne bas gelungen sein sollte, ließ ihn neuerbings in seiner Achtung turmhoch wachsen. Als ihm bann Toni unter hämi schem Grinsen auch noch ben erstaunlich niebrigen Kaufpreis nannte, erreichte sein Staunen unb ehrliches Serounbern ben Höhepunkt. Jetzt war ber Uracher roieber ganz schollen- wüchsiger, erboeranterjer Bauer, ber um feines Hofes Gebeihen zum harten Egoisten wirb. Tonis Kalkulation war richtig gewesen: Er hatte ben gro ßen Trumpf ausspielen können unb ben Vater bamit roieber ganz auf feine Seite gezogen. Seine funtelnben Augen verrieten alles. An biefem Abenb konstatierte Toni mit restloser Genugtuung bie vielseitige Wirkung bes wohlgelungenen Schachzuges: bie günstige SefiBerroeiterunp, bie vollkommene Wiedergewinnung des Vaters für sich und feine Zwecke unb bie Niederlage derjenigen, bie er seine Wibersacher nannte: in erster Linie natürlich Zeno . . . Der endgültige Bruch zwischen den Brüdern war bei der herrschenden Spannung unb ben tief« riaifenben Gegensätzen schließlich unvermeiblich geworben. Er ließ auch nicht mehr lange auf sich warten. Ein sogenannter Zufall führte ihn herbei. Seit ber Toni burch seine „Hauspolitit" bes Vaters Vertrauen unb Wohlwollen mehr als je belaß, unb ber Vater ebenso wie Toni schon bei der geringsten Anspielung, bie Zeno über bas Protzen- tum etwa machte, aufbrauste — feitbem nahm Zeno bie zunehmenbe (Entfrembung als etwas Un vermeidliches hin. Er trug sie als ein Verhängnis mit sich herum, das drückend auf ihm lastete unb keine Hoffnung auf Licht, ionbern im Gegenteil nur irgendein weiteres, in nebelhafter Ferne bräuenbes unbestimmbares Unheil ahnen ließ. (Fortsetzung folgt.) Sechzig Jahre Butzbacher Feuerwehr. Seit geraumer -Zeit schon rüstet sich die Freiwillige Feuerwehr Butzbach, um am 7. u. 8. August d. 3. das Fest ihres sechzigjährigen Bestehens würdig zu begehen. Blättert man in alten Akten, und liest man die Niederschriftsbücher der Wehr nach, so findet man manches Erwähnenswerte aus ihrer Vergangenheit. das nicht nur für diese, sondern auch für andere wissenswert ist. Deshalb soll versucht werden, in kurzer, gedrängter Form hier ein Bild der Tätigkeit der Wehr. seit ihrem Bestehen zu geben. Schon im Jahre 1851 waren 45 jüngere Bürger zusammengetreten, und hatten unter dem Kommando des Strumpffabrikanten Christof Rumpf und des Steigerführers Louis Braubach eine Freiwillige Feuerwehr gebildet. Die Stadtverwaltung konnte sich jedoch von der Notwendigkeit einer solchen Wehr nicht überzeugen, und verweigerte die Bewilligung des zur Beschaffung von Ausrüstungsgegenständen erbetenen Betrags von 80 Gulden. Auch die Wehr war nicht in der Lage, aus eigenen Mitteln diesen Betrag auszubringen unb löste sich daher nach zweijährigem Bestehen auf. Zehn Jahre vergingen, bis der Gedanke der Gründung einer neuen Wehr wieder lebendig wurde, llnö zwar ging er diesmal von den Turnern aus. Schlägt man die Abhandlungen über die Gründung der Wehr nach, so findet man sie vom ersten Sprecher des Turnvereins, Kollektor Kuhl, unterzeichnet, und fragt man, wer der erste Leiter der Freiwilligen Wehr war, so wird der erste Turnwart Christoph Dietrich S t ö r i k o genannt. Turner bildeten sonach den Grundstock der heutigen Wehr, die am 6. August 1866 endgültig gegründet wurde. Auch in der Stadtverwaltung herrschte ein fortschrittlicher Geist, sie überwies der neuen Wehr Spritze und Gerätewagen zu ^lebungszwecken und zeigte sich von da ab, im Nahmen des Möglichen, jederzeit entgegenkommend. Mit 37 Mann trat die junge Wehr ins Leben und erhielt die Feuertaufe bei einem am 13. Oktober 1867 ausge- brochencn Brand. Im Lause der Jahrzehnte entwickelte sich die Wehr ständig weiter, sowohl hinsichtlich ihrer Schlagfertigkeit, als auch hinsichtlich der Vervollkommnung und Ergänzung ihrer Geräte und Löschwerkzeuge. Dank diesen Eigenschaften ist es ihr in fast allen Brand - fällen gelungen, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Der größte Brand, den die Wehr überhaupt zu bestehen hatte, war der im Jahre 1879 ausgebrochene Brand in der Fröschau, bei welchem ein Wohnhaus und eine ganze Anzahl Scheunen und Oekonomiegebäude dem verheerenden Brand zum Opfer fielen. Wie alle anderen Wehren, so trat auch die Butzbacher Wehr, sowohl dem Hessischen Landesverband, als auch dem Oberhessischen Verband bei, und hatte im Lause der Jahre mehrfach die Ehre. Tagungen dieser Verbände in Butzbachs Mauern abhallen zu dürfen. Als sich die Wehren des Kreises Friedberg im Jahre 1893 noch zu einem weiteren Verband zusammenschlossen, fehlte auch selbstverständlich hierbei Butzbach nicht. Der erste Krcisfeuerwehrtag wurde am 5. Juni 1896 hier gehalten, so das) mit dem 60jährigen Jubelfest auch gleichzeitig das 30jährige Bestehen des Kreisverbandes begangen werden kann. Als der Weltkrieg ausbrach. eilten zahlreiche Mitglieder der Wehr zu den Waffen. Die noch vorhandenen Mitglieder wurden zum Sicherheitsdienst herangezogen. Ain 6. Augi:st 1914 löste eine Abteilung der Wehr die Wache des l. Bat. Jirf.-Regts. 168 ab, um den Wachdienst an den Bahnanlagen und der Bahnstrecke der Main-Weser-Bahn zu übernehmen. Hilfsbereit unterstützten die älteren, zurückgebliebenen Kameraden die Kameraden im Felde sowohl als auch deren Angehörige in der Heimat und halfen allenthalben mit. wo es galt, im vaterländischen Sinne zu wirken. Am 20. Äug. 1916 wurde in schlichter Weise die Feier des 50jährigen Bestehens begangen. Als die Feldgrauen zurückkehrten, fehlte so mancher, der zur Verteidigung des Heimatbodens hinausgezogen. Vierzehn tapfere Kameraden kehrten nicht wieder. Eine Ehrentafel wurde zu ihrem steten ehrenden Gedächtnis im Spritzenhau'e angebracht. Als eine Selbstverständlichkeit be rachteten es die zu- rückgekehrten Kameraden, der Wehr wieder bei- zutrcten, um mit aufbauen zu helfen. Neues Leben regte sich, ein langjähriger Wunsch der Wehr, eine eigene Musikkapelle zu besitzen, konnte dank der freigebigen Mithilfe der Bürgerschaft und dank des bereitwilligen Mitwirkens einer Anzahl musikliebender Kameraden verwirklicht werden. Die Stadtverwaltung beschlos) die Beschaffung einer Motorspritze, wodurch ein langgehegter Wunsch der Wehr Erfüllung sand. Die Wehr ist dadurch auf eine Höhe gebracht, wie sie allgemein nur Wehren größerer Städte aufzuweisen haben. Sie wurde in vier Löfchzüge eingeteilt, wovon die drei ersten Züge aus je einer Spritzen-, einer Hydranten- und einer Steigerabteilung bestehen. Der vierte Löschzug besteht aus der Motorspritze, der Aussuhrspritze, öeni Einreihgerätewagen und einer Sanitätsabteilung. Dieser Zug ist als Neservelöschzug gedacht, und wird je nach Bedürfnis den anderen Löschzügen zuge- teilt. Von den 37 Gründern, die vor 60 Jahren die Freiwillige Feuerwehr bildeten, lebt heute nur noch einer, es ist das Ehrenmitglied Rentner Philipp Groh, der heute im 80. Jahre steht. Von weiteren Mitgliedern, die länger als 40 bzw. 50 Jahre der Wehr angehören, und Ehrenmitglieder sind, seien genannt: Medizinalrat Dr. Vogt, Kaufmann Robert Schmidt und Schuhmachermeister Jakob Rumps. Mit 37 Manu trat die Wehr ins Leben, dank der kameradschaftlichen Zufammenarbeit aller, vom Kommandenten bis zum jüngsten Spritzenrnann, kann sie heute einen Mitgliederstand von 174 Mann aufweisen. Möge sie getreu ihrem Wahlspruch: „Einer für alle und alle für einen" weiterarbeiten, weiterstreben und toeiier- Lestehen bis in die fernsten Zeiten. Preußen. Kreis Bievenlops. XX Rodheim ci. d. Bieber, 3. August. Wenn es gilt, das Iah ressest unserer Klein- k i n d e r s ch u l e zu feiern, dann ist regelmäßig die ganze Gemeinde dabei. Die mit Fähnchen und Kränzlein geschmückte Kinderschar hielt am Sonntag- nachmittag unter Dorantritt dcs Posaunenchors einen Umzug durch das Dorf nach dem Schulhof. Der Hof war sogleich so umstellt von einer Zuschauermenge, daß die Kleinen kaum Platz für ihre Aufführungen sanden. Freudestrahlend trugen sie ihren Eltern und Gästen ihre Gesänge und Spiele vor. Einen Glanzpunkt des Tages bildeten die bei- f den Reigen des Jungfrauenvereins. Pfarrer Bömel dankte allen, welche zum guten Gelingen des Kinderfestes beigetragen haben. XX Aus d e m Biebertal, 3. Slug. Oberlandjäger Ralf, welcher 16 Jahre dem Bezirk Rodheim oorgeftanden hat, ist zum 1. August nach Gladenbach versetzt worden. XX F r a n k e n b a ch, 3. August. Die F r u ch V- ernte ist jetzt auch hier in vollem Gang und befriedigt nach jeder Richtung hin. Es gibt reichlich Stroh und viel Körner. Auch die Kartoffeln zeigen erfreulichen Stand und versprechen gleichfalls einen vollen Ertrag, das Gemüse dagegen hat sich durch späte Pflanzung nicht gerade nach Wunsch entwickelt. Kreis Marburg. sch, Marburg, 3. Aug. Jetzt wird auch im Kreise Marburg der Wunsch laut, den aut o- matischen Fernsprechverkehr auf dem Lande baldmöglichst einzuführen. So sanden kürzlich im Ebsdorser Grund die ersten Verhandlungen statt, zu denen ca. 50 Feinsprechteilnehmer erschienen waren und die Zwecke verfolgten, zunächst für die Gemeinden Ebsdorf und Holzhausen ein automatisches Fernsprechamt in Wittelsberg zu schassen. Die Kosten für den Umbau dieses Amtes werden zirka 70 000 Mk. betragen, die einzelnen Fernsprechteilnehmer muffen sich zur Zahlung eines Zuschusses von 100 Mk. bereit erklären, die in zwölf Monatsraten zu zahlen sind. Es ist so gut wie sicher, das) die Verhandlungen zum Abschluß kommen. J( Marburg, 2. Aug. Hier hat in diesem Jahre eine lebhaftere Bautätigkeit eingesetzt. Außer dem großen Kunstinstitut sind noch eine ganze Reihe behördlicher Bauten in Angriff genommen; die Stadt baut verschiedene Doppelhäuser usw, die Studentenverbindung Nibelungia ein großes Vereinshaus. Außerdem finb noch eine Anzahl andere Bauten geplant, die den Wohnungsmangel beseitigen helfen sollen. — Eines der letzten studentischen S t i s t u u g s f e st e ist dasjenige des Korps Teutonia. Nach alter Ueberüeferung bekommt bann der historische Schwan vor der Schwanenapotheke ein blaues Gewand. Das war auch diesmal wieder so. — o- Dreihausen, 3. Aug. Am Sonntag konnte der 1909 gegründete Turnverein zur Einweihung seiner schönen, geräumigen Halle einladen. Der 1. Vorsitzende, Stationsvorsteher Krau l, gab bei der Vorfeier einen Rückblick auf die Baugeschichte. Bezirksvertreter Dr. D r ü s k e «Kirchhain) überbrachte die Glückwünsche des 1. Bezirks, die Marburger Turner und Turnerinnen (T. u. Sp.-V. 1860) brachten unter Leitung der Turnwarte O. T e x t o r und O. Heuser eine abwechslungsreiche Folge von Frei-, Keulen- und Geräteübungen zur Darstellung. Arn Sonntagvormittag fand ein Fünfkampf statt. Am Nachmittag erfreuten sich die Bewohner der drei Hausen, Ober-, Mittel- iind Unterhausen, an einem stattlichen Fesizuge. Gauvorstandsmitglied Rektor Dach (Großen-Linden) weihte die neue Turnhalle als ein Zeugnis ungebrochener Tatkraft und Willensstärke, als einen Hort der Heimat- und Vaterlandsliebe. Zur turnerischen Unterhaltung der vielen Festgäste trugen die schön durchgeführten Freiübungen, Sonderwettlämpfe verschiedener Art und Schauturnen bei. Kreis Aulda. WSN. Fulda, 2. Aug. Von der preußischen Staatsregierung erhielt die E r inne r n n g s m e d a i l l e „ Für Rettung aus Gefahr" der Schlosser Christoph Hartmann aus Fulda, wegen Errettung eines jungen Mannes aus Horas vom Tode des Ertrinkens aus der Fulda. Wirtschaft. Don den Schlachtviehmärkten. An den deutschen Schlachtviehmärkten der Woche hat die Marktlage weiterhin eine fühlbare Besserung erfahren. Bei allgemein höheren Auftriebsziffern gestaltete sich auch die Preisbildung fast ausnahmslos fester. Auf den nachstehenden Märkten wurden für 1 Pfund Lebendgewicht in Pfennig notiert: Rinder Kälber Schafe 1 Schweine Berlin 22-64 50-80 33-62 72-83 Bremen 25 - 56 40-70 45-60 68-79 Breslau 20-60 50-71 35-59 65-83 Chemnitz 25-57 46-65 50-55 70-83 Dortmund 21-60 40-71 35-50 66-75 Dresden 26-63 46-69 30-64 60-83 Düsseldorf 25-64 38-70 — 70-81 Elberfeld 20-62 45-70 — 60-78 Essen 25-62 40-85 30-52 65-78 FrankfurtM. 18-64 40-75 35-50 65-84 Hamburg 15-59 30-75 25-63 64-79 Hannover 20-61 35-80 50-65 70-80 Husum 18-60 — — —— Karlsruhe 21-58 60—68 — 74-82 Kassel 25-62 45-66 — 67-79 Kiel 17-51 29-66 28-60 45-76 Köln 20-63 45-70 — 65-80 Leipzig 24-62 40-70 30-63 65-83 Magdeburg 20-62 30-102 27-54 74-88 Mannheim 12-62 50-76 34-44 68-84 München 20-60 50-75 — 60-80 Stettin 10-58 28-70 20-56 70-81 Stuttgart 14-57 52-70 — 54-79 Zwickau 10-60 40-65 35-56 76-84 * Anhaltende Besserung der Lage des Eisenerz Marktes im Lahn- und Dillrevier im Monat Juli. Die Gewißheit über die Hilfsmaßnahmen des Reiches und der Länder kam zu spät, um den Eisenerz- markt für den Monat Juli noch wesentlich beeinflussen zu können. Immerhin konnte festgestellt werden, daß die in Verbindung mit der Hilfsaktion vorgenommene Preissenkung von 2 Mk. pro Tonne für das nach dem 1. Juli geförderte Erz die Nachfrage nach Lahn- und Dillerzen angeregt hat. Es war im Berichtsmonat möglich, über den früheren Delegschaftsftand hinaus einige allerdings vorläufig noch geringe Verstärkungen der Belegschaften durchzuführen. Man hofft, in her Folge auf diesem Wege erheblich welker gehen zu können. 0 Antrag auf Fristverlängerung für d i e Einkommensteuerabschluh- Zahlungen 1 925. In zahlreichen Fällen sind auf Grund der zur Zeit ergehenden Einkommensteuerbescheide recht erhebliche Einkommensteuerabschlußzahlungen für 1925, und zwar binnen Monatsfrist nach Zustellung des Steuerbescheides zu entrichten. Aus der anderen Seite müssen die Einkoimnensteuervorauszahlungen für das Jahr 1926 geleistet werden. Da es bei der gegenwärtigen Geschäftslage in vielen Fällen nur sehr schwer möglich sein dürfte, die für die Abschlußzahlungen notwendigen Beträge zugleich mit den lausenden Slec erverpflichtungen aufzubringen, hat der Zentralverband des Deutschen Großhandels c. V., Berlin, an das Reichsfinanzministerium den Antrag gerichtet, die Finanzämter anzuweisen, in derartigen Fällen im Wege der Stundung oder durch Bewilligung von Ratenzahlungen den betreffenden Steuerpflichtigen weitgehend entgegenzukommen. Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) Frankfurt a.M. Berlin Schlug» fiurs r-Uhc. flut» Schluß. ^Anfang Rur» , Uurs Datum: 3.8 4.8 3.8. ! 4. 8. 5% Deutsche RclchSanletbr . 4% Deutsche Reichsanleihe . 3V«% Deutsche Reichsanleihe 3% Deutsche Reichüanleihe . Deutsche Sporpräinicnanleihe 4% Preußische KonlolS - . , 4% Hessen........... 3>/s% Hessen 3% Hessen Deutsche Wertb. Dollar-Aul. dto- Doll.-Schav-Anircisng.') 4»/0 Zolltnrken 5% Äoldmcrikaner - - - • Berliner Handelsgesellschaft. ILommerz- and Privat-Bank Darmst. und Nationalbank - Deutsche Bank......... Deutsche Vereinsbank ■ . . • Lisconto Commandil Metallbank........... Mitteldeutsche Lreditbank . Ocsteireichliche Creditanstall Weltbank........... Bochumer Guh Buderus • • Laro Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke . . Harpencr Bergbau..... Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurahütte...... Obcrbedars Phönix Bergbau ..... Rheinstahl Ricbccl Montan ....... Tellus Bergbau...... Hamburg Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd • ... Theramische Werke Albin . . Zementwerk Hcioclberg . . Philipp Holtmann...... Anglo-Lont.-Guano . . . . Chemische Mäher Alapin . . ?r. G. Harbenindustric, A.-G. violdschmidt.......... Holzverkohlung NulgerSwcrkc . . Schcidcaiistalt ........ Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann • ■ Mcunkraitwerke Schulten Siemens 4 Halske ..... Adlcrwrr.'e .flJcijci...... Daimler Motoren Heyligcnsiacdt Meguin............. Motorenwerke Mannheim Frankfurter Annaturen . . . Konservenfabrik Braun . . Metallgesell'chafl strankfurl. Ccknh'abrik Herz Sichel ........ Zellstoff Waldhof ..... Zuckerfabrik Frankenthal . , ?,ackcrfabrik Waghäusel . . . 0.4925 1 0.491 0,452*5 — 0.53 — 0,27 — 0.4525 — 0,43 — — — — — 96,75 - — — 13,9 14 43 51,5 193* _ 139,5* 140 5* 187,5' 189,5* 174* 172,5* 90.5 — 159,2' 161.4* 127.75 134.5* 133 — 7,45 — — — 145,25 147.7* 95,5 95,5 82 — 151,7* 152,4* 169,5' i73* 155* 157* 138.5 140* 1)8 — 58.25 58,12 — 118,7* 120.7' 145,5' 153* 149 156,7* 70,5 — 154 1.55.5* 119,7' 151* 50 — | 115.5 119 85,5 87,62 — — —— — 263.5* 284.5* 98,25 111 48 48,5 113 115 5 145 119 144* 145.7* 137,2* 139,5* 96 — 129 130,5* 174.5' 175.5* 79,25 88.5 p i — 24 — 45 — — — 16 — 38.5 — 139,5 142.5' 84.5 — 37 - 159 161 70 78.75 81 82 3,4807 0,49 0,45 — 0,45 — 0.52 0,505 0,28 —- 0.45 — 0,432 — — — —— — 98 — — — 18,9 — — — 190,5* 193,5* 139* 139.5* 186* 190* 170,5* 171,7* 159,4* 160* 134,5- 7,35 7,45 145,5* 147,7* 95,25* 90,5 83,62* I 85,62 150.1* 151,1* 169* 174.6* 154.5* 156.5* 138 । 143* 148,75 , 1501 152* 156,5* 147,5' 152,7* - I - 86 I - 89 364' }283,5* 160.25 107,5 113,5 । - I - 148,5' i 145* 136,5' | 138* 127" ! 129* 172' 174* 78,25 81,5 87,62 90 158 159,75 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. iOhne Gewähr.) Banknoten. (Ohne Gewähr.) 1 August. 4. August. Lmilichc Notierung Amtliche ‘Dotierung Äcld 1 Briet Geld Briet amft.»)Kon 168,49 168,91 168,48 168,91 Buen.-Airet 1,700 1,704 1,700 1,704 Brss.-Anlw 11.40 11,44 11,06 12,10 Christiania. 91,88 92,12 91,88 92,12 Kopenhagen 111,33 111,61 111,32 111,60 Stockholm . 112,27 112,55 112,26 112,61 HMngforS Hl.5.5 10,59 10,553 10,593 Italien . . 13.61 13,65 14,10 14,14 London. 20.392 20,444 20,394 20,449 Neuyork . . 4.195 4,205 4.195 4,205 Paris. . . 11.22 11,26 12,01 12,05 Schweiz . 61,15 M.35 61,15 81,35 Spanien . 63,95 64.11 63.52 63,68 Japan . . 1.977 1.981 1,993 1,997 Rio de Jan Mien in D-- 0,643 0.645 0.644 0.646 Oest. abgcst 59,35 59,49 29,33 59,47 Prag .... 12,448 12,453 12.42 12,46 Belgrad . . 7.39 7.41 7,407 7,427 Budapest. . 5,872 5.892 -1,8(5 5,885 Bulgarien o,03 3.04 3,035 3,045 Lissabon 21,455 21,505 21,375 21,425 Danzig. . . Konstantin- 81,60 81,80 81.58 81,78 2,35 2,36 2,375 2,385 Athen. 4,79 4,81 4.69 4,71 Canada. . 4,198 4,208 4,198 4,208 Uruguav - 4.155 «.165 4.155 4,165 Berlin, 3. August Geld Briet Amerikanische Nölen..... 4,175 4,195 Belgische Noten ....... 11,87 11,93 Dänische Noten ....... 110,80 111,40 Englucbe Noten........ 20,377 20,477 Fran;viiichc Noten...... 11,92 11,98 Holländische Noten..... 168,18 169,02 Italienische Noten...... 13,96 14,94 Norwegische Noten...... 91,75 92,25 Deutsch-Oestcrr., a 100 Kronen 59,45 69,75 Rumänisch- Noten..... — Schwedische Noten...... 111,85 112,45 Schweizer Noren ...... 81,25 81,65 Spanische Noten ...... 63,95 64,35 Tschechoslowakische Noten . . 12,37 12,43 Ungarische Noten . . ... 5.82 5.86 frankfurter Börse. Frankfurt a. M.. 4. Aug. L endenz: fest, Hausse i n I. G. F a r b e n - I n d u st r i e. — Die günstige Beurteilung der I. G. Farben- Aktien beherrschte auch heute die Börse und ließ alles andere in den Hintergrund treten. Die Spekulation wandte sich mit gesteigerter Unternehmungslust diesem Gebiete zu, obwohl die Meldung von dem Verkauf eines Oelsprengstofs- Patentes der I. G. Farben-Jndustrien nach Amerika bis jetzt keine Bestätigung gefunden hat. Da auch zahlreiche Auslandlaufaufträge und Publilumskäuse zusammentrafen, konnte die hausse- artige Bewegung noch stärker zum Ausdruck kommen. Das Papier eröffnete mit einem Kurse von 282 Prozent und konnte nach einer mäßigen Abschwächung im Verlaufe auf 285 Prozent an- ziehen, so daß die G e f a ni t ft e i g e r u n g feit gestern mittag über 25 Prozent beträgt. Das Geschäft erstreckte sich vor allem noch auf die mit der I. G. Farben-Jndustrie in Verbindung stehenden Werte, wobei man ziemlich wahllos vorging. So waren Goldschmidt, die man .gleichfalls mit der I. G. in Verbindung brachte, bis auf 111 Proz. gesteigert, so daß das Papier gegenüber dem gestrigen Mittagskurs um 13 Proz. höher lag. Rheinstahl und Deutsche Erdöl waren gleichfalls in den Vordergrund gerückt, doch mußten sich diese Werte mit bescheideneren Besserungen begnügen. Deutsche Erdöl plus 3 Proz. Sehr fest lagen auch wieder die Werte des Metall- bankLonzerns. Metallbank plus 5,75 Proz., Metallgesellschaft plus 2 Proz. Am Montan- markt gingen die Aktien allgemein mit Besserungen von 2 bis 3 Proz. aus dem Verkehr hervor. Don Elektrowerten lagen Lah- meher fest plus 1.5 Proz., während die übrigen Aktien dieser Gruppe nur geringe Veränderungen aufwiesen. Bankaktien schlossen sich der festen Haltung an. doch waren auch hier die Erhöhungen nur geringfügig. Schiffahrtsaktien zeigten keine wesentlichen Besserungen, die Kurse hielten sich aus der gestrigen Basis. Von A u t o a f t i c n lagen Daimler um 1,5 Proz. fester. Schars gesteigert waren Z e l l st o f s a k t i e n. Wald- Hos plus 2 Proz.. Aschaffenburg plus 2.5 Proz. Auch Baustoffaktien strebten nach oben. Zement Heidelberg plus 2 Prozent. Zuck exakt i e n tendierten unsicher und nachgebend mit Ausnahme von Stuttgartzucker, die 1 Prozent anzogen. Deutsche Anleihen verkehrten ruhig bei behaupteten Kursen. Ausländische R e n- ten gehalten. Im weiteren Verlaufe konzentrierte sich das Geschäft vornehmlich auf I. G. Farbenindustrie und die anderen Favoriten, to* = bei es äußerst stürmisch zuging. Die Aufwärtsbewegung machte aber keine wesenFortschritte mehr. Am Geldmarkt machte sich eine leichte Entspannung bemerkbar, so daß pd> der Sah für Tagesgeld etwas senken kürst:. Monatsgeld 5 bis 7 Prozent. Bankakzepte 41 bis 43/4 Prozent. Waren-Wechsel 5 bis 5' , Proz. Im Devisenverkehr setzte sich die Befestigung der Frankenvaluten fort. Man hörte Paris mit 178 in Pfund Parität und Brüssel mit 176 gegen London. Berliner Börse. Berlin, 4. Aug. Die heutige Börse begann mit einer Hausse-Bewegung in den Aktien der Farben-Jndustrie und der verwandten Werte. Farben-Jndustrie wurden mit 283,50 Prozent genannt und lagen damit gegen den Wochenbeginn bereits mehr als 30 Prozent höher. Bei den zur Farbengruppe gehörenden Werten des Pulver- Konzerns waren Kurserhöhungen von 7 bis 8 Prozent festzustellen. Deutsche Erdöl-'Aktien und Rütgerswerke gewannen 4 bis 5 Prozent. Das Geschäft in Chemiewerten war außerordentlich lebhaft und zog die Aufmerksamkeit von den anderen Terminwerten ab. Immerhin konnten Mvntan- und Ba n ka k't i en-trotzdem Besserungen von mehreren Prozenten durchsetzen. Die Festigkeit dieser Gebiete und einiger weiterer Spezialgruppen gab der Gesamtbörse einen Rückhalt, so daß die Tendenz bei Eröffnung einheitlich fest war. Die durchschnittlicheii Kursbefestigungen dürften noch stärker gewesen sein, wenn nicht am Geldmarkt eine gewisse Versteifung vorhanden gewesen wäre im Zusammenhang mit den heutigen Differenzzahlungen und der morgen fälligen Einzahlung der Hundert - Millionen- Reichsmark Eisenbahn-Obligationen durch di: Banken. Tag es gelb hörte man mit 5 bis 6V2 Prozent. Im Devisenverkehr setzten sich die B e s s e r u n g e n der westlichen F r a n - lenbalu'fen fort. Paris stellte sich auf 172,75 und Brüssel auf 171 gegen London. Mailand war ebenfalls fester mit 144 gegen das Pfund. Z o r a nk/1 rter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 4. Aug. Cs wurden notiert: Roggen (inL, neuer) 20.50 bis 21, Hafer (ausl.) 21 bis 22,50. Mais (gelb) 18,25 bis 18.50, Weizenmehl (inL, Spezial 0) 42,75 bis 43,25, Roggenmehl 30,75 bis 31, Weizenkleie 9, Roggenkleie 10,75. — Tendenz: Abgeschwächt. Berliner Produktenbörse. Berlin, 3. Aug. Es notierten: Weizen, märt, 72 bis 75 Mk., Roggen märt, 137 bis 192 Sommergerste 190 bis 205, Gerste, inlänö-, 162 bis 170, Hafer, jtfört 195 bis 205, Mais loko Berlin, 176 bis 183, Weizenmehl 38.5 bis 40,5 Roggenmehl 27 bis 23,5, Weizenkleie 1(7,25 bis 11,05, Roggenkleie 11 1 bis 11,4, Raps 350 bis 360, Viktoriaerbsen 33.37 bis 37,31. Kl. Speiseerbsen 21 bis 25, Futtererbsen 27 bis 28.5. Peluschken 23 bis 26, Ackerbohnen 23 bis 26, Wicken 32 bis 35, Lupinen, blau, 15,5 bis 17 5, Lupinen, gelb, 20 bis 215. Rapskuchen 14,4 bis 14,5, Leinkuchen 19 bis 19 3, Trockenschnitzel 10,8 bis 11,1 Soha-Schrot 20,4 bis 20,9, Kartoffelflocken 24 bis 24,5 Mk. Büchertisch. — Nummer 14 der Zeitschrift „D e r Hund" (Verlag Gersbach und Sohn, Berlin W 35) besaßt sich, abgesehen von der aktuellen Berichterstattung, mit verschiedenen, khnologischen Spezialthemen: wir greifen heraus einen Aufsatz von Dr. Schäme über die Beurteilung des Deutschen Schäferhundes, und eine Abhandlung von Oberförster Graml über den Waldgebrauchshund. Die meteorologischen Einflüsse in ihrer Bedeutung für die Wirksamkeit und Erhaltung der Geländespur untersucht Reg.-Rat Dr. Kölzer. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. • Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 62 vom 3. August enthält: Ausführung des Reichsviehseuchengesetzes. — Forderung des Sparsinns bei der Schuljugend. — Feldbereinigung Klein-Linden. — Dienstnachrichten. Rundfunk-Programm des Frankfurter Tenders. (Aus der .Radio-Umschau".) Donnerstag, 5. August. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Reue Tanzmusik. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45 Uhr: Uebertragung von Kassel: „Praktische Naturliebhaberei im Heim". 6.15 bis 7.15 Uhr: Stunde des Südwestdeutschen Radioclubs: „Wie verhalte ich mich, wenn ich den neuen Sender schlechter höre als den alten?" 7.15 bis 7.45 Uhr: Fräulein I. D. Ungerer, Wiesbaden, lieft aus eigenen Werken. 8.15 bis 9.15 Uhr: Konzert des Münchener Kitarre-Kammertrios. 9.15 bis 10.15 Uhr: Uebertragung von Kassel: Liederabend des Kasseler Solo-Gesangsquartetts. Anschließend bis 12 Uhr: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle. Geschäftliches. Verblaßter Stofs wird augenblicks Neu auf gefärbt mit „W ilbrafix"! Das beste Hühneraugen- Mittel ist „Cornua". Erhältlich in Parfümerie Lotz, Bahnhofstraße 33.-w:sss