Ur. 55 Erstes Blatt 176. Jahrgang Donnerstag. 4. März 1926 r»scheint täglich, anher Sonntag» und Feiertag». Beilagen: Gießen er Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Lanatr'Bezvgrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Richter- scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechauschlüsse: Schriftlettung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vniik und Verlag: vrühl'jche Universitätr-Buch- und Lteindnttkerei R. Lange in Gietzen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnlstrahe 7. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer dU zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriof; für den übrigen Teil Lrnst Dlumfchein; für den Anzeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Dießen. Ein britisch - französisches Kompromiß? Der Etat der Reichswehr. Reichswehrminister Dr. Gehler über die Entwicklung des deutschen Heeres 1, und hauptsächlich würde die Versammlung Reichskanzlers mit den Führern der Re. tiefltnü&ei: einem Rat, in dem alle einigermaßen 'gleruugsparteien. Es hantelte sich um all- Berlin, 3. 2Närz. (IDolff.) heute um 12 Uhr war im Reichstag eine Besprechung des gemeine Fragen innenpolitischen und finanzpolitischen Inhalts, u. a. um die geschästsordnungsmähige Behandlung verschiedener Vorlagen, die noch vor Genf an das Plenum kommen sollen. Die Besprechung hatte das Ergebnis, daß ein interfraktioneller Ausschuß gebildet werden soll, um eine engere Fühlungnahme der Parteien mit der Regierung zu ermöglichen. Von demokratischer Seite war vorgeschlagen worden, einen Minister ohne Portefeuille zu ernennen, der sich fortlaufend mit den Regierungs- Parteien über alle politischen Fragen in Verbindung zu sehen Hobe. Das Kabinett hat noch keinen endgültigen Beschluß über die Zusammensetzung der Delegation gefaßt. Auch der Tag der Abreise steht noch nicht fest. Dieser Tag hängt davon ab. ob in Genf noch Vorbesprechungen stattfinden sollen. Die Delegation wird etwa 12 bis 15 Personen umfassen. Jur Stäbteorbnung in Preußen. Der Preußische Landtag nahm den sozialdemokratischen Antrag cm, den auf den 1. .März festgesetzten Anfangstermin für die Rückzahlung von fünf freien Gehaltsvor- s chü s s en an Beamte, Angestellte und sonstige in Staatsbetrieben Beschädigte auf Antrag weiter hinauszuschieben. Bei der Abstimmung zu den angefochtenen Paragraphen der neuen Städteordnung wurde ein volkspartei sicher Antrag, der für die Abstimmungen im Magistrat bei Stimmengleichheit die Stimme des Vorsitzenden als ausschlaggebend bestimmt, angenommen, ebenso ein sozialdemokratischer Antrag, wonach die kommw- nalen Wirtschafts betriebe alljährlich Veröffentlichungen über ihren wirtschaftlichen Stand her» ausgeben sollen. Annahme fand ferner ein demokratischer Antrag, der folgendes besagt: Die t>ri* vatwiLlschaftlich« Betätigung eie ei politisch bedeutenden Staaten vertreten wären, an Bedeutung stark verlieren; wir Belgier sind aber keineswegs sicher, wenn diese Erweiterung stattfindet, ständige Mitglieder des Rats zu werden; 2. sehe ich im voraus, daß selbst die im Rat ständig oder nichtständig vertretenen Staaten an Einfluß viel einbüßen werden. denn neben einem zahlreichen und folglich in seinen Beratungen gehemmten Rat würde sich ein halbamtlicher oder amtlicher Ausschuß bilden, der in Wirklichkeit die Entschlüsse fassen würde. Es sind dies gegenwärtig die Besorgnisse, die die belgische Regierung hegt. Regierung und Parteien. Berlin, 3 Riärz. Die 2. Beratung des Reichswehretats wird fortgesetzt. Abg. Graf von der Schulenburg (Dntl.) weist daraufhin, daß der Mchrbedarf des Reichswehretats durch die Abstriche im Ausschuß von 70 auf 61 Millionen herabgesetzt worden sei. Die Behauptung, daß der Mehrbedarf auf eine Steigerung der Rüstungen zurückzuführen sei, sei leider nicht zutreffend. Angesichts der Verteuerung des Hecresbedarfes fei der Wirkungsgrad des neuen Heeresetats vielmehr bedauerlich gering. Die sachgemäße Arbeit der Reichswehr sei anzuerkennen. Sie sei eine Schule geworden fürBildung und Erziehung von Charakteren und Persönlichkeiten. Erfreulich sei, daß der Wehrminister den vaterländischen Verbänden nicht feindselig oder gefühllos gegenüberstehe. Er werde aber ihrem Wert nicht voll gerecht, der nicht auf militärischem, sondern auf ideellem und geistigem Gebiet liege. 3n diesen Verbänden werde die Jugend zu freien deutschen Männern erzogen und der deutsche Gedanke hochgehalten. (Bcnfall rechts.) Die Waffen starrende Welt zeige, daß wir von der Epoche des ewigen Friedens noch weit entfernt find. (Sehr wahrl rechts.) Jeder Offizier sehe ein, daß die Reichswehr keine Angriffswaffe, sondern nur ein Mittel der Landesverteidigung sein könne. Die beste Sicherung Frankreichs gegen Deutschland auf weite Sicht sei eine großzügige Verständigung aus dem Boden wirklicher Gleichberechtigung. Der Ausnabmezustand der alleinigen Entwaffnung Deutschlands widerspreche dem Gedanken der Gleichberechtigung. Der Redner verteidigt dann unter lebhaftem Beifall die alte Armee. Die Deutschnationalen seien durchaus nicht mit allem einverstanden, was der Wehr- Minister sagt und tut. Bei der an sich notwendigen Entpolitisierung der Reichswehr sehe Dr. Geßler offenbar mit dem rechtest Auge schütter als mit dem linken. (Widerspruch und Lachen links.) Es sei aber anzuerkennen, daß Dr. Geßler und Generaloberst v. Seeckt einen kluaen und geraden Weg einschlagen, und daß sie die Reickswehr zu einer kleinen, aber scharfen Waffe gemacht haben. Die Reickswehr verdiene den Dank des Volkes. (Lebh. Beifall rechts.) Abg. Künstler (S.) stimmt dem Vorredner zu in der Anerkennung der Leistungen des alten Heeres. Der oberste Kriegsherr Wilhelm II. fei aber schmählich desertiert. (Die meisten deutschnationalen Abgeordneten verlassen nach dieser Bemerkung den Saal.) Der Reichswehrminister habe bei der Aufstellung seines Etats gar keine Rücksicht auf die schwere Notlage des deutschen Volkes genommen und die dringend notwendige Sparsamkeit vermissen lassen. Der Verwaltungsapparat der Reichswehr und der Neichsmarine sei viel zu groß. Es müsse geprüft werden, ob die deutsche Reichswehr treu und fest zur Republik stehe. Das Grundübel liege darin, daß über die Einstellung in die Reichswehr die in den meisten Fällen monarchistisch gesinnten Kompagnieführer zu bestimmen hätten. Die wenig republikfreundliche Haltung des Ministers werde auch in der „Frankfurter Zeitung" kritisiert, die Dr. Geßler politisch nahe stehe. (Der Minister ruft: Nein!) — Vielleicht ist Dr. Geßler aus der Demokratischen Partei schon ausgetreten? (Der Minister verneint auch das.) t- Wenn der Minister und^Herr 0. Seeckt erklären, sie wären Gegner der sog. Schwarzen Reichswehr gewesen, so muß -gefragt werden, wie es denn möglich ist, daß Formationen der Schwarzen Reichswehr in Reichswehrgebäuden untergebracht wurden, und daß Leute, die sich bei der Reichswehr meldeten, noch 1926 in die Schwarze Reichswehr gesteckt worden sind. Die Sozialdemokraten konnten dem Wehrminister kein Vertrauen entgegenbringen, und sie würden deshalb sein Gehalt ablehnen. Abg. Er sing (Z.) bedauert den bisherigen Verlauf der Debatte. Für die Republik sei es eine peinliche Sache, wenn ihre Wehrmacht zwar von der antirepublikanischen Deutschnationalem Partei gelobt, aber von dem Sprecher der stärksten republikanischen Partei in kleinlich st er Weise kritisiert werde. Das Zentrum sei immer für eine Völkerverständigung eingetreten, aber die in Waffen starrenden Großmächte sollten endlich mit der Abrüstung dem Beispiel Deutschlands folgen. lDeifall.) Mit der Ablehnung des Etats fei aber dem Gedanken der Versöhnung auch nicht der kleinste Dienst erwiesen. Mit der lleinen deutschen Reichswehr sei kein Krieg,zu führen. Polen nichtständiges Ratsmitglied nach Deutschlands Aufnahme. Genf. 4. Mär;. (I1L) von gut unterrichteter englischer Seite erhält der Genfer Vertreter der Telunion folgende Darstellung der gegenwärtigen Verhandlungen über die Erweiterung des Rates: 3n den letzten Tagen, während der Anwesenheit des Generalsekretärs des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, in London haben rege Verbandlungen zwischen der englischen und französischen Regierung stattgesunden, die zur Zelt noch fortdauern, wenn auch im wesentlichen eine Ein'»- ?l u n g auf folgender Basis bereits erfolgt ein soll: Zu Beginn der Märztagung wird die Vollversammlung des Völkerbundsrates Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund beschließen und der Völkerbundsrat Deutschland zum ständigen Ratsmitglied wählen. Hieraus wird der Rat unter Deutschlands Teilnahme über die Frage der Vermehrung der nichtständigen Ratssihe einen Beschluß fassen, wobei, wie verlautet, auch Schweden für die Erweiterung des Rates stimmen werde, falls Deutschland seine Bedenken zurückziehen sollte. An einem der nächsten Tage würde dann Polen von der volloersaminlung zum nichtständigen Ratsmitglied gewählt werden. Die Kandidaturen Spaniens und Brasiliens auf ständige Ratssihe sollen aus den Herbst verschoben und von einer besonderen Kommission vorher geprüft werden, die der Rat in seiner Herbsttagung ernennen würde. Sollten sich die Ereignisse tatsächlich so abspielen, wie hier geschildert, so würde die letzte Entscheidung in Deutschlands Händen liegen. Der englisch-französische Plan bezweckt offenbar, den Vorwurf der Illoyalität, der von deutscher Seite gegen eine Erweiterung des Rotes vor Deutschlands Wahl zum ständigen Ratsmitglied erhoben wurde, zu entkräften und Deutschland unter dem Druck der in Genf versammelten Mächte zum Rachgeben zu zwingen. Brasilien soll für diesen Plan bereits gewonnen sein, während Spaniens Antwort noch anssteht. Der Beschluß des britischen Kabinetts. Bor einer neuen Rede Chamberlains. London, 3. März (241.) Rach einer zweistündigen Kabinettssitzung, in der über die Chamoerlainschen Richtlinien für die - Genfer Völkerbundstagung beraten wurde, erklärte Premierminister Baldwin im Unterhaus, er werde heute nicht sprechen, dafür werde Chamberlain morgen eine Erklärung über die Völkerbundsfrage abgeben, an die sich eine Debatte anschließen könne. Rach der „Morning Post" wird Chamberlains Erklärung derart sein, daß sogar die Kritiker des Kabinetts beschließen werden, im Interesse der Ration von einer Erörterung abzusehen. „Daily Rews" berichtet, das Kabinett habe der Forderung aller Parteien in der Frage der Erweiterung des Völkerbundsrates nach - gegeben. Es habe gestern beschlossen, daß Großbritannien der sofortigen Aufnahme Deutschlands in den Völkerbunds- r a t zustimmen und daß die Forderungen anderer Rationen nach Deutschlands Eintritt erörtert werden sollen. Die Politik des Kabinetts sei, daß nichts im gegenwärtigen Augenblick getan werden solle, was Deutschlands Eintritt in den Völkerbund becinträchttgen oder gefährden könnte. Vorbehaltlich dieser Bedingung sei Chamberlain in der Frage, ob es ratsam sei oder nicht, daß der Rat in Zukunft erweitert wird, freie Hand gelassen worden. Die Luthcrrede sei als ein Anzeichen für die Bereitschaft Deutschlands anzusehen, die ganze Frage der Zusammensetzung des Rates später unvoreingenommen zu erwägen, wenn Deutschland erst einmal in den Rat aufgenommen 11 orden sei. Belgien gegen die Erweiterung des Rats Eine Erklärung Vandcrveldes. Brüssel, 3. März. (Agence Beige.) Während der Debatte über den Haushalt des Außenministeriums gab Außemninister Dander- v e l d e u. a. folgende ©rtlärung ab: Die Kandidatur Deutschlands ist bis jetzt auf keine Gegnerschaft gestoßen. Die andern Kandidaten sind Brasilien, Spanien und Polen und vielleicht China. Ich will keineswegs eine endgültige Meinung über diese Kandidaturen aussprechen, denn die Frage ist verzwickt und wird durch den Pressefeldzug noch kompliziert, in dem bestimmte Kandidaturen als ein durch den Eintritt Deutschlands nötig gewordenes Gegengewicht hingestellt werden. Der Völkerbund wird die Frage der Kandidaturen nicht von diesem Standpunkt auserörtern. Es gibt bessere Argumente, die ich weder darlegen noch widerlegen will. Ich fürchte, daß der Völkerbund, weiM er sich auf den Weg drängen läßt, wohin man ihn führen will, bald genötigt sein wird, einen neuen Schub von ständigen Ratsmitgliedern vorzunehmen und infolgedessen die Zahl der nichtständigen Mitglieder weiter zu erhöhen und dann hatten wir einen Rat, der aus 18, 20 oder mehr Köpfen bestehen würde. Aus dieser Lage ergeben sich meiner Ansicht nach zwei Gefahren: li tä rkontr0 l lk 0 m m i s s i on diesen Etat geprüft hat, ohne Anstoß daran zu nehmen. Die Mehranforderungen ergeben sich einfach aus der schon früher beschlossenen Erhöhung der Bezüge, und daraus, daß der Munitionsbe- stand auf das von der Entente festgesetzte Matz ergänzt werden muß. Ich kann mich fiir die Rot- tvendigkeit dieser Ausgaben auf das Urteil der Entente berufen. Ein Verzicht darauf würde die Stillegung der Fabriken bedeuten, die nach der Entscheidung der Entente in jedem Iahre eine besttmmte Menge Munition und Waffen Herstellen sollen. ES würden dadurch viele Tausend Arbeiter weiter erwerbslos werden, die ausschließlich auf die Arbeit in diesen Betrieben angewiesen sind. Keineswegs gehen unsere Forderungen über das im Versailler Vertrag festgesetzte Maß hinaus. Wir haben nach dem Eintritt in den Völkerbund das größte Interesse daran, daß das Abrüstungsproblem sofort aufgeworfen wird. (Beifall.) Datz die gesamte Welt in Waffen starrt, während einzelne Länder vollständig entwaffnet sind, ist ein unerträglicher Zustand. (Lebhafte Zusttm- mung.) Allein das englische Heeresbudget ohne Indien hat sich von 28 Millionen im Iahre 1913 auf 48 Millionen Pfund Sterling im Iahre 1926 gesteigert. (Hört, hört!) Kein Staat hat ein größeres Interesse daran als Deutschland, daß es auf der Abrüstungskonferenz zu einem positiven Ergebnis kommt. Das jetzige System unserer Reichswehr .ist auf die Dauer unhaltbar und kann nur ein ^lebergangsshstem sein. Ls ist eigenartig, daß gerade die dernokrattschen Staaten des Mestens uns ein heeresfystem aufgezwungen haben, das mit Demokratie gar nichts zu tun hat. (Lebhaftes hört, hört! rechts.) Das frühere, auS allen Vvlksteilen zusammengesetzte Heer wurde parteipolittsch gar nicht beeinflußt; um das neue 'Berufsheer bemühen sich aber gerade die Parteien, die Gegner des neuen Staates sind. Darum ist es bei dem neuen System weit schwerer, das Heer vor polittschen Einflüssen zu schützen. Da« ist gelungen, obwohl ursprünglrch natürlich daS zum Ausbau der Reichswehr unentbehrliche Offizierskorps mit allergrößtem Mißtrauen dem neuen Staate gegenüberstand. Ich habe es immer als meine Aufgabe betrachtet, dieses Mißtrauen gegen den neuen Staat zu beseitigen und die Reichswehr au einer absolut zuverlässigen Stühe der Verfassung und der Republik zu machen. Ich bin an diese AusMbe herangegangen in der lleberzeugung. daß mit der Zeit jeben vaterländischen Mann die Entwicklung der Dinge auf den Standpunkt bringen muh, daß nur auf dem Boden der Verfassung und nur auf dem Boden der Republik eine Zukunft Deutschlands gedacht werden kann. (Beifall.) Zu dieser Erkenntnis ist jetzt das Offizierskorps gekommen. Wenn die Früchte von Locarno jetzt in Genf wirklich reifen, dann muß auch ein Ende gemacht werden mit dem System kleinlichster Schikane, denen bisher unsere Reichswehr ausgesetzt war. (Beifall.) Die Angriffe, die in Verbindung mit der Schwarzen Reichswehr erhoben wurden, stützen sich auf Einzeloerfehlungen, die nur dadurch erklärlich waren, daß sich die Offiziere geradezu unter einem Ausnahmegesetz fühlten. Diese Verfehlungen haben aufgehört. Wir haben mit der Schwarzen Reichswehr und den Vaterländischen Verbänden nichts zu tun. Die Angriffe, die gegen uns in diesem Zusammenhang gerichtet sind, sind gefährlich, weil sie die Ententepropaganda benutzt, um damit gegen Deutschland zu Hetzen und die Völkerversöhnung zu verhindern. Wenn ich nach der Meinung des deutschnationalen Redners schärfer nach rechts als nach links blicke, so liegt es daran, daß mir die größten Schwierigkeiten immer von der Rechten gemacht werden. Diese Schwierigkeiten kommen nicht von den aktiven, sondern fast immer von den verabschiedeten Offizieren, die nicht auf d i e schwierige Lage der Reichswehr Rücksicht nehmen wollen. Unbeschadet aller Kritik muß ich feflfteUen, daß auch im verflossenen Jahre die Reichswehr sich innerlich gefestigt hat, und daß sie zu einem immer zuverlässigeren Instrument des Staates wird, das das Vertrauen des deutschen Volkes verdient. Um dieses Vertrauen möchte ich am Schlüsse meiner Ausführungen bitten. (Beifall.) Donnerstag: Anträge und Interpellationen über die Not der Winzer. Wenn Deutschland in den Döllerbund ein- getreten ist. muß auch darauf gedrungen werden, daß die im Versailler Vertrag an- gekündigte Abrüstung der übrigen Mächte durchgeführt wird. Das Gerede von Rüstungen Deutschlands sei ganz unbegründet. Das wird selbst von französischen Derständigungspolitikern zugegeben. Die hohen Summen des Reichswehretats wirken anders, wenn man die großen Beträge abzieht, die für die Besoldung, Verpflegung und Unterbringung der Mannschaften gebraucht werden. Beachtung verdienen allerdings die außerordentlichen Preise, die für die Waffen und Heeresgeräte ausgegeben werden inüssen. Das ist vor allem auf die Vorschriften der Interalliierten Millitärkommission zurückzuführen, die beispielsweise die Verwendung billigerer Uebungsmunition verbietet und damit die in Betracht kommenden Fabriken zwingt, übermäßig hohe Monopolpreise zu nehmen. An der in letzter Zeit so lebhaften Propaganda gegen die Reichswehr scheinen gewisse Stellen im französischen General st ab nicht unbeteiligt zu sein. Der Anforderung neuer Schiffe im Marineetat werden wir zustimmen, weil die alten Schiffe nicht mehr leistungsfähig sind. Wir erkennen an, daß unsere kleinen Kreuzer bei ihren Auslandsreisen überall gute Aufnahme gefunden haben. Abg. Drüninghaus (D. Vp.) widerspricht der Meinung, datz der Heeresetat nicht sparsam genug aufgestellt worden sei. Die Mehrausgaben seien lediglich die automatische Wirkung der früher beschlossenen Gesetze, durch die die Bezüge der Reichswehrangehörigen verbessert wurden. Zu begrüßen war die Erklärung des deutschnationalen Redners, daß Deutschland den Weg der Verständigungspolitik gehen müsse. Wir hoffen, daß die Deutschnationale Frak- tton daraus die polittschen Folgerungen zieht, die wir längst gezogen haben. Mr -ollen der Tätigkeit des Reichswehr- Ministers volle Anerkennung. Einzelne ilebelftänbe dürfen nicht Anlaß zu Verallgemeinerungen geben. Unter Vertreter im Völkerbund wird einen sehr dornenvollen Weg gehen müssen, bis auch die Siegerstaaten sich zur Abrüstung entschließen werden. Den anerkennenden Worten des deutschnationalen Redners für das alte Heer und die Vaterländischen Verbände schließen wir uns aus vollem Herzen an. Wir bedauern aber, daß sich manche der Verbände zu sehr mit Parteipolitik beschäftigen. Wir lassen uns in nationaler Beziehung von niemanö übertreffen. Bedauerliche Zwischenfälle im großen Getriebe der Reichswehr darf man nicht zu einer Anklage gegen das ganze System benutzen. Von einer Schwarzen Reichswehr in großem Ausmaße tarnt heute gar nicht mehr gesprochen werden. Cs ist anzuerkennen, daß ein guter, gesunder und vaterländischer Geist in der Reichswehr lebt. Die Förderung aller Parteien verdient das erfolgreiche Bestreben des Reichswehrministers, die Parteipolitik aus der Reichswehr fernzuhalten. damit die Reichswehr e i n gutes und- festes Instrument in der Hand der Regierung bleibt. Abg. Schneller (Komm.) beantragt die Aufhebung der Reichswehr und ihre Ersetzung durch eine Arbeiterwehr. Weiter werde von den Kommunisten folgender Antrag gestellt: Der Reichswehrminister Dr. Geßler besitzt nicht das Vertrauen des Reichstags. Abg. Bredt (Wirtsch. Vo.) bezeichnet die Kritik dec Linken am Reichswehretat als unberechtigt. Die bei einzelnen Positionen übermäßig hoch erscheinenden Ausgaben erklärten sich zwangsläufig aus der Eigenheit eines Söldnerheeres, das unter dem Diktat der Entente geschaffen werden mußte. Die Tätigkeit des Wehrministers Dr. Geßler und des Generalobersten v. Seeckt verdiene dankbare Anerkennung trotz der Angriffe der Linke». Die Reichswehr habe eine große kulturelle A u f - g 0 b e auf dem Gebiete der Ertüchtigung der Jugend. In den Vaterländischen Verbänden sei feine Gefahr zu sehen, weder für die Entente noch für die Parteien der Linken. Reichswehrminister Dr. Getzler: Der Reichswehretat hat in der Preise scharfe Kritik wegen der Mehrforderungen erfahren. Dabei wurde übersehen, daß die interalliierte M i - Stadt muh auf öle berechtigten Belange der anderen Gemeinden sowie auf die der Gcwerbe- treibcirden Rücksicht nehmen. Die städtischen Betriebe müssen das öffentliche Bedürfnis befriedigen, wenn der Wettbewerb gleichartiger privater Betriebe tatsächlich ausgeschaltet ist. Bei der Qlbftiinmung über den Gesetzesteil, der besagt, daß werbende Betriebe von der Gemeinde in wirtschaftlicher und — soweit nicht reichsgesehliche Steuerbefreiungen vorgesehen sind — auch in steuerlicher Hinsicht d:n Privatbetrieben gleichzustellen sind, ergab die Aufrechterhaltung dieser Bestimmung mit 199 gegen 188 Stimmen der Linken. Der StaatsVoranschlag vor dem Hessischen Landtag. Darmstadt, 3. März. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 91 'z ilfjr. Auf iy?r Tagesordnung steht der Staatsvoranschlag für 1926. Abg. Kaul (Soz.) spricht von einer schweren Finanznot des Staates! es sei aber k-in Staatsbankerott, sondern es handle sich um eine Betriebsmittelnot des hessischen Staates. Eine weitere Anspannung der Steuerkrast sei kaum noch möglich: Schuld an den Schwierigkeiten sei zum Teil die viel zu geringe Lleberweisung von Reichssteuern an Hessen. Verursacht sei sie durch die Verkümmerung der Erzbergerschen Finanzreform durch die Regierungen Luther und Schlie- ben. (Widerspruch rechts.) Es sei eine Zeit ungeheuerer Steuerdrückebergerei. (Widerspruch.) Der Redner richtet diesen Vorwurf gegen die Landwirtschaft, insbesondere gegen dir Landwirtschaft in Pommern (Zurufe: Wir sind hier in Hessen: weiter wird dem Redner entgegengehalten, daß Hessen mehr vom Reich an -Ueberweisungen erhält, als es zu beanspruchen hat). Die Hausbesitzer suchten der Allgemeinheit vorzureden, als bezahlten sie die Hauszinssteuer: sie fürchten auch, daß einmal stärker gebaut wird und daß ein größeres Wohnungsangebot erfolgen könne. Die Rralsteuern müßten dem Lande verleiben: wovon solle der hessische Staat denn existieren, wenn man ihm die Möglichkeit der Existenz nehme, denn gerade die Rechtsparteien wollten doch diesen Staat erhalten. Es sei Sand in Öäe Augen des hessischen Volkes streuen, wenn man immer vom Sparen spreche: bei dein Abg. Dr. Leuchtg-cirs handle es sich um einen Spar- finnnel. Hinter dem Geschrei nach dem „Sparrn" stehe als Gefahr noch das Zusammengehen des Abg. Dr. Leuchtgens mit dem Führer der D. V. P., dem Abg. Dingeldeh. Hinter dem hysterischen Geschrei noch dem „Sparrn" stehe aber auch der Angriff auf die Republik. (Stürmische Heiterkeit rechts.) Bedenklich sei, daß sich die D. V. P. in den Mistgabel-Bolschewismus eingegliedert habe. Das Ziel der Gegner wäre, die Koalition zu stürzen und eine Regierung der Rechtsparteien, eine Regierung der bürgerlichen Parteien aufzurichten. Den wahren Charakter der Sparsamkeitserklärungen der' Rechtsparteien könne man aus ihren Anträgen ersehen: sie richteten sich gegen das Staats Ministerium und gegen das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft, die auf- gehoben oder abgebaut toertwn sollen und zwar einzig und allein, iveil Sozialdemokraten an der Sprtze dieser Ministerien stehen. Durch ein vier- MedrigeS Ministerium (vier Ministersihe) könnte nr^hr gebart werden als durch die Sparsamkeits- anträge der Rechten. Der Redner spricht dann von einer persönlichen Hetze: man spreche von -den hohen Ministergehältern und dem hesftschsS Ministerpensionsgesetz. Dieses l seirefvrmbedürstig. (Zurufe aha! Aendern Sie doch das Gesetz ab.) Die Anträge der Rechts- f Parteien seien einzig und allein auf das Agi- tationsbedürsnis eingestellt mit der Berechnung ' von innen heraus die Republik auszuhöhlen. Die Streichung des Dispositionsfonds beweise wieder den Kampf gegen die Republik. Die Angriffe der Rechten richteten sich besonders gegen bie po° litis che n Beamten, d. h. gegen die Beamten, die nicht die Ochsentour der 'Verwaltung durchgemacht haben. (Zurufe: Es kommt darauf an, daß sie etwas können!) Die Sparanträge wollten auch einen Abbau der Sozialpolitik: das beweise schon, daß man einen Pinter schied zwischen Arbeitszeit und Arbeitsbereitschaft mache. Die Betriebe in Händen des Staates, müßten in seinen Händen bleiben: es müßten Musterbetriebe daraus gemacht werden. 3m weiteren Verlaufe seiner Ausführungen fordert der Redner Abbau von Kreisämtern, die Reuord- mmg des Bauwesens werde Einsparungen bringen, auch seien noch zu viel Forstbeamte vorhanden. Sodann wendet sich der Redner gegen die Anträge der Rechten auf Abbau von Schul stellen, und verteidigt demgegenüber die Abbauanträge der Koalitionsparteien. Die Sozialdemokratie werde die Berufsschulen nicht den Berufsorganisationen, d. h. den plirternehTnern, überlassen. Sn seinen Schlußwendungen fordert Abg. Kaul das Aufgehen Hessens in einen deutschen Einheitsstaat. Abg. Rutz (3tr.) hält geistige und wirtschaftliche Rot für ein Charakteristikum unserer Tage: er zählt eine Reihe von trüben Zeiterscheinungen auf und erklärt den Staatsvoranschlag als ein Bild dieser Zeit. Dem Finanzausschuß wird für seine Arbeit hohes Lob gespendet: eine solche Fülle von Material hätte bisher noch nicht Vorgelegen Die Zentrumspartei in Hessen könne ja keine selbständige Außenpolitik machen aber sie könne die Außenpoliftk unterstützen. Sie billige die Außenpoliftk in Bezug auf die Dölker- bundspolitik und ihr Verhalten gegenüber Mussolini. 'Besonders sei in Berlin Rücksicht zu nehmen aus die besonderen Verhältnisse des besetzten hessischen Gebietes. Der Redner begrüßt sodann das befreite Köln und hofft, daß auch bald dem übrigen besetzten Gebiete die Befreiungsstunde schlagen würde. Sodann übte der Vortragende eine strenge Kritik an dem Verhalten des früheren deutschnationalen Finanzministers von Schließen gegenüber Hessen. Dieser habe alles Eingehen auf die besonderen hessischen Wünsche schroff abgelehnt. Manche Finanzämter in Hessen regierten vom grünen Tisch aus, unter Verkennung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Kommunisten und Dauernbündler nutzten die schlechte Wirtschaftslage für ihre parteipolitischen Zwecke aus. (Zurufe: Dernkastel!) Wo die Slot am größten ist, sollte die Schicksalsgemeinschaft am stärksten sein. Die Finanzämter sollten gegen die Aufreizungen vorgehen. Rur ein auf Vernunft aufgebcmtes Sparen führe zum Ziel: darum müsse man objektiv an alle Sparanträge der Parteien herantreten Das Zentrum sei föderalistisch seit seiner Gründung eingestellt, es könne die Bestrebungen der Sozialdemokratie nach einem „Einheitsstaat" nicht mitmachen. Der Redner verliest dann Pcessesftmmen, in denen dargelegt wird, daß von dem Berliner Zentralismus für Süddeutschland nichts zu erwarten sei. Der Standpunkt des Hess. Zentrums in der F ü r st e n- a b f i n d u n g sei derselbe wie im Reiche. Eine entschädigungslose Wegnahme von Privateigentum der Fürsten könne das Zentrum nicht billigen. Es könnten aber den Fürsten auch keine besonderen Aufwertungsrechte zugesprrchen werden. Der Redner bittet in seinen Schlußworten das Trennende zurückzustellen und das Einigende vvranzustellen. Abg. Dr. Leuchtgens (Hess. Bbd.) nennt die Ausführungen des Vorredners eine unpolitische Rede. Zu Beginn hätte man glauben können, ein Sozialdemokrat habe gesprochen. Abg. Ruß habe sich die Behauptung der Sozialdemokratie zu eigen gemacht, der Bauernbund treibe mit seinen Versammlungen nur Agitation. Abg. Ruß wäre nie in einer solchen Versammlung gewesen; er hätte aber nur seinen Frak- ftonsfreund Lautenbacher fragen sollen, der daran sogar als Redner teilgenommen habe. Abg. Ruh soll sich auch einmal über die Stimmung in Zentrumsdörfern informieren. Die Vorgänge in Bernkastel redeten eine zu deutliche Sprache: es wären aber doch gerade Zentrumsanhänger, die diese Ausschreitungen begangen hätten. Der hessische Voranschlag nehme keinen Bezug auf die wirtschaftliche Rot unserer Tage, das beweise u. a. die ständige . Zunahme der Verwaltungsausgaben. Die Ausgaben für das Vermögen, d. h. für werbende Anlagen, wären lange nicht in dem Maß gestiegen. Die Steuer- l a st in Hessen habe seit der Vorkriegszeit fast um das Dreifache zu genommen. Die Defizitziffern wären ebenfalls gestiegen: man stehe sogar vor einem finanziellen Zusammenbruch. den der Minister ruhig zugeben sollte. Die politische Frage sei hier gleichgültig: niemals wäre in den Protestversammlungen gegen den Steuerdruck die Frage nach der Monarchie oder der Republik erörtert worden. Die Koalitionsparteien suchten durch diese. Wie durch andere Schlagworte, z.D. Fürstenabfindung die Aufmerksamkeit von den brennenden finanziellen Fragen abzulenken. Richt die Aeichssteuern wären das Drückende, sondern die viel zu hohen Landes st en er n. Die Volksschullasten wären in Hessen von früher 11 auf jetzt 25 Millionen gestiegen. Der Staat der Rachkriegszeit arbeite viel verschwenderischer. Sn den anschwellenden Zahlen wäre . die schärfste Kritik der gegenwärtigen Zustände enthalten. So hätten sich die Ausgaben für das Landesbildungsamt seit 1913 ver- fünff ach t. Als Heilmittel habe der Finanzminister keine andere Empfehlung als einen Hinweis auf die Vaterlandsliebe: der Bürger solle aus Vaterlandsliebe Steuern zahlen. Man müsse sich fragen, woher der Finanzminister den Mut nehme, noch auf seinem Platz zu sitzen, und man müsse sich auch wundern, daß die Linke einen so unfähigen Minister noch unterstützen wolle. Die Mehrheit im Hessischen Landtag wolle innerlich keine Stellung zu den Sanierungsfragen nehmen. Sm Sechserausschuß hätten die Vertreter der Regierung ihre Ausgabe nur darin gesehen, die bestehenden Zustände zu verteidigen: nach der Meinung der Regierenden wäre in Hessen alles wohl bestellt. Die Linksparteien hätten das alles gut geheißen. Wenn man sich einen Mann vorstellen wolle, der mit der Regierung durch dick und dünn gehe und der einer der ärgsten Rückschrittler fei, so wäre das der sozialdemokratische Abgeordnete Kaul: die Verhandlungen im Sechserausschuß hätten das bewiesen. Ganze Aernter würden in Hessen von einzelnen Bureaukraten beherrscht: so sei der Oberschulrat Sun g der Alleinherrscher in der Schulabteilung. Der Finanzminister sei ganz von seinen Parteifreunden abhängig. Die Zentralverwaltung in Hessen wäre viel zu groß. Das Ministerium des Snnem habe vor dem Kriege acht akademische 'Beamte gehabt und habe heute deren 19; in anderen Ministerien wäre es nicht anders. Die Stimmung des Landes komme im Hessischen Landtag nicht zum Ausdruck; das Parlament habe sich überlebt und müsse aufgelöst werden. Der Artikel 24 der Verfassung müsse in der Weise abgeändert werden, daß der Landtag sich durch einen Mehrheitsbeschluß selbst auf löfen könne. Rächste Sitzung Donnerstag 9 Ahr. Parlamentarisches aus Hessen. Die Doltspartcilidje Fraktion beantragt: Der Landtag möge beschließen, die Regierung zu ersuchen, die Einführung der neuen Lehrpläne für d i e höheren Schulen Hessens solange aufzuschieben, bis den sachlich und sachlich beteiligten Kreisen Gelegenheit gegeben war, sich mit den geplanten Neuerungen eingehend zu beschäftigen und sich darüber zu äußern. Die gleiche Fraktion beantragt ferner: Der Landtag wolle beschließen, die Beiträge, die von Gemeinden- und Privatverwaltungen zur Försterbesoldung für 1925 zu leisten sind, herabzu-- setzcn, und zwar bis zu 50 Proz. in denjenigen Ge meinden, deren Anfall an Holz nur in Wcllenholz besteht. Im übrigen sind die Beiträge aus die Pflich- ft gen |u zur Hälfte nach der Fläche und dem Reinertrag des Waldes auszuschlagen. In der Begründung wird gesagt: Die Ausgaben, die heute den waldbesitzenden Gemeinden durch die hohen Bewirtschaftskosten entstehen, stehen in keinem Verhältnis zu den Erträgnissen der vorgenannten Waldungen. Von einem lleberschusse oder nennenswerten Gewinn kann feine Rede sein. Es ist deshalb den Gemeinden und Privaten nicht möglich, die Kosten in der festgesetzten Höhe für die Försterbesoldungen zu tragen. • Die deutschnationalc Fraktion beantragt: Der Landtag wolle beschließen, die '.Regierung wird beauftragt, einen Gesetzentwurf vorzulegen, demzufolge 1. von solchen gewerbesteuerpflichtigen Unternehmen, die den Kleinhandel mit Waren verschiedener Gattungen als Großbetriebe betätigen, die Waren in offenen Verkaufsstellen feilhalten oder im Wege des Versands zum Verkauf bringen (Warenhäuser, Basare, Dersandgeschäfte, Abzah- lungs- und Lersteigerungsgeschäfte), eine besondere Betriebs st euer erhoben wird: 2. die Steuerpfticht bei einem Betriebsvermögen von etwa 150 000 Mk. beginnt, 3. die einzelnen Warengattungen festgelegt werden unter Ausschluß der Produkte der Landwirt« schuft: 4. eine progressive Erhöhung der Steuer nach der Zahl der geführten Warengruppen, sowie nach der Anzahl der beschäftigten Arbeiternehmer eintritt: 5. Gewerbetreibende, die Verkaufsstellen oder Lager, von denen die Waren zum Verkauf abgegeben werden, unterhalten, ohne daß sie an dem betreffenden Orte ihren Wohnsitz oder Hauptbetriebsfitz haben, zur Entrichtung einer Sondergewerbesteuer (Filial-Steuer) verpflichtet find; 6. die Steuer zur Hälfte dem Lande, zur anderen Hälfte der Gemeinde zufteht, in der sich das Unternehmen befindet. Der deutschnationale Abg. Dr. Werner beantragt: Der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, zwar an dem Beschwerderecht der Strafgefangenen festzuhalten, dagegen ihnen das Petitionsrecht, das als ein staatsbürgerliches Ehrenrecht zu betrachten ist, nicht mehr zu gestatten. Eine deutsche Protestnote an Polen. Gegen die Deutschenhetze der Warschauer Presse. Berlin, 3. März. (WTB.) Der deutsche Gesandte in Warschau hat im Auftrage der Reichsregierung dem polnischen Ministerpräsidenten eine Rote überreicht, in welcher gegen die skrupellose polnische Pressekampagne, wie sie sich aus Anlaß der letzten Deutschenverhaftungen in Polnisch- Oberschlesien, insbesondere auch gegen das deutsche Generalkonsulat in Kattowih gerichtet hat und anbauernö richtet, schärfster Einspruch eingelegl wird. Sn der Rote wird nachdrücklich darauf hingewiesen, daß trotz der auf entsprechende ernste Vorstellungen des deutschen Generalkonsuls erfolgten Versprechungen des Kattowiher Woiwoden Abhilfe nicht geschaffen wurde, und daß jener weiter den Presseangriffen, die ihm allerorten Spionagetätigkeit vorwarfen, ausgesetzt bleibt. Es ist in der Rote ausdrücklich darauf hingewiesen worden, daß die Ortsbehörden sehr Wohl in der Lage wären, diesen allen internationalen Gepflogenheiten widersprechenden Ton der Presse zu mäßigen, seien doch gleichzeitig mehrfach deutschsprachige Zeitungen wegen Auslassungen beschlagnahmt worden, die an dem Vorgehen der polnischen Polizei Kritik übten. Die Lage des deutschen Grundbesitzes in Estland. Berlin, 3. März. (Wolff.) Lieber die Lage des deutschen Grundbesitzes in Estland wird den Blättern mitgeteitt. daß auf Grund des esttändi- schLn Gesetzes vom Jahre 1919 die baltischen und deutschen Grundbesitzer enteigne t wurden, Schweden, Finnländer und Engländer dagegen ihre Güter mit Snventar bis zum heutigen Lage in Benutzung haben. Auf eine Vorstellung der deutschen Regierung im Sahre 1920 hat die eftländische Regierung die Meistbegünstigung in dieser Frage zugesagt, jedoch praktisch nichts unternommen und nicht einmal ein Entschädigungsgesetz erlassen. Ein solches erschien erst im Sahre 1925 und zwar mit den unzulänglichen Sätzen einer Entschädigung von 3,20 Mark pro Hektar. Die deuftche Regierung legte hiergegen Protest ein und der deutsche Gesandte erklärte, daß die nicht vollwerftge Entschädigung der Enteignungen mit den Grundsätzen des Völkerrechts nicht vereinbar sei. Das in Estland geltende russische Recht schreibe ausdrücklich vollwertige Entschädigungen vor. Auch für das weggenommene Snden- t a r, das in gänzlich ungenügender Weise vergütet worden ist, fei eine vollwertige Entschädigung KU leisten. Angesichts der ungünstigen finanziellen Lage Estlands ist der Gesandte ermächtigt worden, eine angemessene Entschädigung als zufriedenstellend zu erklären. Die estnische Regierung hat jedoch bisher keinerlei Aeigung gezeigt, auf Verhandlungen einzugehen. Sie hat nur von der gänzlich unzureichenden Entschädigung von 6 Mark pro Hektar gesprochen. Die tschechische Schulpolitik im Hultschiner Ländchen. Prag, 3. März. (Wolff.) Der bevollmächtigte Kommissar des Hultschiner Ländchens und tschechische Landespräsident von Schlesien, Dchramek. hat allen Kindern aus dem Hultschiner Ländchen, die deutsche Schulen in Trop- p a u besuchen, den weiteren Besuch dieser Schuleri unterlagt. Sm Hultschiner Land herrscht darüber Empörung, da trotz der bei den letzten Parlamentswahlen zum Ausdruck gekommenen deutschen Gesinnung des ganzen Landes keine deutschen Schulen im Lande zugelassen werden. Die Kinder, die nicht tschechische Schulen besuchen wollen, mußten also in die deutschen Schulen Troppaus geschickt werden. Kleine politische Nachrichten. Der Herr Reichspräsident hat heute den deutschen Botschafter in Rom, F r e j h e r r n v. Reu rat h. sowie den herrischen Botschafter in Konstantinopel, Radvlny, empfangen. Der R e i ch s r a t nahm den Gesetzentwurf zur S t e u e r m i l d e r u n g, der die Herabsetzung der Umsatzsteuer ab 1. April auf 0,6 Prozent und die Befeiftgung der Lurussteu.-r Vorsicht, an. Sm Reichstag ist eine Interpellation des Zen - i r ums eingegangen, in der auf die unerträgliche Rücksichtslosigkeit der Finanzämter bei der Eintreibung der Steuerrjick stände hingewie. fen wird. Gepfändete Bermögensstückc würden bei Zwangsverkäufen zu Spottpreisen verschleudert. Dic Stimmung der betroffenen Voltskreise werde täg- lich erregter und wachse sich zu einer staatspolitischen Öefahr von bedenklichem Umfange aus. Die Reichsregierung werde um Abhilfemaßnahmen gebeten. Sm preußischen Ministerium für Doltswohll fahrt fand eine Aussprache über den Referentenentwurf für ein Gtädtebaugeseh statt, an der Verbände aller interessierten Verbände imö Vereinigungen teilnahmen. Der Grundgedanke des Entwurfes, hie wohnliche Unterbringung der in den nächsten Jahren zu erwartenden Dedölle- rungsmenge in geregelte Bahnen zu lenken, wurde trotz mancher Bedenken im einzelnen als richtig anerkannt. Der seit mehreren Wochen angekündigte Streik der Pariser Geschäftswelt brach Mittwoch nachmittag aus. Zwei Stunden lang hatten sämtliche Geschäfte geschlossen. Am Streik beteiligten sich auch die Cafes, ein Teil der Banken und sämtliche Barbierläden. Die Straßen der Stadt durchzogen Abordnungen der Streikkomitees, um sich davon zu überzeugen, daß die ausgegebene Parole überall befolgt wurde. Die norwegische Regierungskrisis ist bereits gelöst. Der konservative Führer Lykke hat das neue Kabinett bereits gebildet, in dem er auch das Portefeuille des Auswärtigen übernehmen will. Aus aller Welt. Von der Heidelberger UnioerfUäf. Geheimrat Hofrat Prof. Dr. Ernst Anton Wülfing, Direktor des Mineralogisch-Petrographischen Institutes an der Universität, wird nach einer achtzehnjährigen Tätigkeit an diesem Institut aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand treten. Erstickt. In Elberfeld geriet beim Efsesi^bon Eisbein einem 42jährigen Manne ein Stück Fleisch in die Luftröhre, das trotz der sofortigen Bemühungen eines Arztes nicht entfernt werden konnte. Auf dem Wege zum Krankenhaufe erstickte der Mann an dem Fleischstückchen. Eine Bestechungsaffäre. Gegen den Stadtoberinspektor Schön und einen Angestellten vom Charlottenburger Wohnungsamt ist ein Verfahren wegen Meineides, Beamtenbestechung und pflichtwidriger Amtshandlungen eingeleitet worden. Die Beschuldigten sollen einen Fabrikanten, der keinen Anspruch auf Wohnung hatte, eine Fünfzimmerwohnung zugewiesen haben, wofür sie als Entgelt je eine Wohnungseinrichtung erhalten haben sollen. Der Angestellte ist bereits entlassen, während gegen den Stadtoberinspektor Schön ein Disziplinarverfahren schwebt. Tauschschwindel. Eiile luftige Tauschgeschichte hat sich in Wilster in Hannover zugetragtzn. Ein Zigeuner suchte, von Haus zu Haus wandernd, eine Geige an den Mann zu bringen. An einer Stelle tauschte er fein Instrument gegen eine andere alte Geige und ließ sich 15 Mark zuzahlen. Mit der getauschten Geige machte er das gleiche Geschäft beim nächsten Dummen — und so fort. Den letzten Tausch verkaufte der Brave für 25 Mark. Betrüger. Der Geschäftsführer der Baugewerkschaft. Hentrich bei Gelsenkirchen ist auf Grund der Anzeige einer entlassenen Lohnbuchhalterin verhaf - t e t worden, die angegeben hatte, daß Hentrich in großem Umfange falsche L i st e n führe, auf Grund deren staatliche Arbeitslosenunterstützungen ausbezahlt wurden. Die Schwindeleien tollen im Einvernehmen mit dem Vorsteher des Städtischen Arbeitsnachweises begangen worden fein, der gleichfalls verhaftet wurde. Beide Verhaftete haben ein volles Geständnis abgelegt. Unterschlagungen. Sn Baden-Baden wurden ein Beamter und zwei Angestellte der Städtischen Sparkasfe wegen Unregelmäßigkeiten verhaftet, die aus dem Effekten- aeschäst herrühren. Die Untersuchung, welche schon seit einiger Zeit eingeleitet ist, bat bis jetzt einen Fehlbetrag von 25 000 Mark ergeoen. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 4. März 1926. ' Steuerfälligkeiten im März. Sm Monat März werden folgende Steuern fällig: 5. März: Lohnsteuer für die Zeit vom 21. bis 28. Februar, einschließlich per für die Zeit vom 1. bis 10. Februar bzw. 11. bis 20. Februar einbehaltenen, noch nicht abgeftihrten Beträge ohne Rücksicht aus deren Höhe. 10. März: Umsatzsteuer-Vorauszahlung 1 Prozent der ülmsähe usw. im Monat Februar: vorläufige Gewerbesteuer bom Ertrag für Rj. 1925; Rachzahluug für die Stadl, den Kreis und die Provinz: übDr diese Rachzahlungen sind den Pflichftgen unterm 6. Februar Anforderungszettel Auflegungen. Vorläufige Gewerbesteuer vom Ertrag für Rj. 1925 Rachzahlung der Monatszahler für den Staat gemäß Bekanntmachung des Hessischen Ministers der Finanzen vom 10. Februar: über die zu entrichtenden Beträge gehen den Pflichftgen in den nächsten Tagen ebenfalls Anforderungszettel zu. 15. IMrz: Lohnsteuer für die Zeit vom 1. bis 10. März, sofern der Gesamtbetrag mehr als 100 Rm. beträgt. 25. März. Desgleichen für dic Zeit vom 11. bis einschließlich 20. März. Umsatz- und Gewerbesteuer können innerhalb der 7tägigen Schonfrist noch ohne Verzugszuschlag entrichtet werden. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter das Pfund 1,50 bis 1,80, Matte 30 bis 35, Käse 60 bis 1,-10, Wirsing 30, Weißkraut 25, Rotkraut 30, gelbe Rüben 20, rote Rüben 20, Spinat 40, Unter-Kohlrabi 10 bis 12, Grünkohl 30 bis 35, Rosenkohl 60, Feldsalat 80 bis 1,50, Zwiebeln 20, Meerrettich 40 bis 80, Schwarzwurzeln 50 bis 70, Kartoffeln 4 bis 5, Aepsel 15 bis "25, Honig 50. junge Hahnen 1,20, Suppenhühner 1,20, Russe 60, Eier das Stück 11 bis 13, Blumenkohl 60 bis 1,80, Salat 40, Endivien bas Pfundj,0O, Ober-Kohlrabi das Stück 10 bis 15, Lauch 10 bis 20, Sellerie 20 bis 60 Pf. Wettervoraussage. Rach Niederschlägen in Schauern ruhiger, wolkig, später TemperaturfaU. Während im Küstengebiet leichte Niederschläge fallen, ist in Mittel- und Süddeutschland sehr ver- anderttches und unruhiges Wetter eingetreten. Von einer kräftigen Westströmung getragen, ist ein atlantischer Wirbel sehr schnell nach Nordskandinaoien gezogen. Auf feiner Rückseite hat er jedoch über den britischen Inseln einen kräftigen Ausläufer enb jpirfelt, der unser Gebiet erreichen dürfte und einzelne Niederschläge in Aussicht stellt. Erst nach sei- h*™ ■"prubergang ist ruhigeres Wetter zu erwarten. Gestrige Tagestemperaluren: Maximum: 11,8 Grad Celsius. Minimum: 5,2 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 6,0 Grad Celsius. Bornotizen. — Tageskalen der für Donnerstag. Deutscher Bund für christlich-evangelische Erziehung m Haus und Schule: 8 Uhr, Lohannessaal, Famb lienabend mit Dortrag. — Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde (Naturwissenschaftliche Abteilung): 8.15 Uhr, Großer Hörsaal des Physikalischen Instituts (Stephonstr. 24): Vorträge und kurze Mitteilungen. — Ortsgewerbeoerein: 8.15 Uhr, Gewerbehaus, Mitgliederversammlung. — Gießener Nadfahrerverein 1885: 9 Uhr, „Hessischer Hof", außerordentliche Hauptversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße „Pat und Patachon als Polizisten". — Astoria-Licht'pielc: „Söhne der Wildnis". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Gounods „Margarete", die zweifellos zu den beliebtesten Werken der gesamten Opernliteratur zählt, wird am Dienstag, 9. März, unseres Wissens zum ersten Male in Gießen, aufgeführt. Was ein Operngastspiel, in dem erste Mitglieder des Frankfurter Opernhauses singen, bedeutet, hat die Aufführung von „Toska" bewiesen, die ja noch in denkbar bestem Andenken steht. Die Aufführung von „Margarete" zählt als 22. Dienstag-AbonnementsoorsteUung, und deshalb zenießen Dienstags-Abonnenten bis einschließlich Freitag, 5. März, ein Vorrecht auf ihre Plätze gegen klufzahlung. Wer als Dienstags-Abonnent die Oper nicht zu besuchen wünscht, erhält kostenlos einen Operettengutschein. Ausdrücklich sei darauf aufmerksam gemacht, daß eine Wiederholung der „M a r - garete" nicht stattfinden kann. •* Die Befreiung vom Besuch der Fortbildungsschule. Diese Notiz in unserer Nummer 50 weist infolge Verstümmelungen an zwei wichtigen Stellen eine mißverständliche Lesart auf. Richtig muh es in der Nachricht heißen, daß bis auf weiteres vom Besuche der Pflichtsortbildungsschulc befreit sind 1. Schüler und Schülerinnen mit neunjährigem Schulbesuch und einjährigem Besuche einer Privathandelsschule mit Vollunterricht. 2. Schüler und Schülerinnen mit achtjährigem Schulbesuch und zweijährigem Besuche einer Privathandelsschule mit Dollunterricht unter der Voraussetzung. daß die für die Fortbildungsschule vor- geschrlebenen Lehrgegenstände mindestens in gleichem Umfange Berücksichtigung finden. ** „Heimatbilder aus der Reformatio n s z e i t." Man schreibt uns: Das Jahr 1926 ist das Iubiläumsjahr der hessischen Reformation. So hat dieses Jahr für die hessische evangelische Kirche seine ganz besondere Bedeutung, und es liegt nahe, den Blick in jene geistig so bewegte Zeit vor 400 Jahren zu richten. Dem soll auch ein Vortragsabend dienen, der nächsten Sonntag, abends 8 Uhr (siehe heutige Anzeige), in der Stadtkirche stattfindet und auf dem einer der besten Kenner gerade unserer Gießener Lokalgeschichte, Direktor Prof. Dr. Ebel von der Universitätsbibliothek, „H e i m a t b i l d e r aus der Reformationszeit" entwerfen wird. Der Warne des Vortragenden bürgt dafür, daß viel Interessantes zu hören sein wird, zumal auch solches geschichtliche Quellenmaterial zugrunde liegt, das bis jetzt noch nicht veröffentlicht wurde. Außerdem werden Orgelfpicl des Organisten Lehrer S i - m o n und einige Bachsche Tenorarien, die von Prioatdozent Vic. Laun gesungen werden, zur Bereicherung des Mends beitragen. Die Veranstaltung geht von der Markusgemcinde aus, möchte sich ober nicht auf diese einzelne Gemeinde beschränken. Jedermann ist herzlich dazu eingeladen. Eintritt ist frei. ♦* Homer-Ausstellung im Gymnasium 8 ii Gießen. Man schreibt uns: Die Freunde des humanistischen Gymnasiums und die Bewohner Gießens und seiner Umgebung seien auf die Ausstellung von Bildwerken aus dem homerischen Sagenkreis hingewiesen, die während dieser Woche in der Aula des Gymnasiums gezeigt wird. Unter erheblichen Muhen ist es dem Vorstand der Vereinigung der Freunde des humanistischen Gymnasiums gelungen, manche kostbaren Blätter,zusammenzutrogen, die nun geordnet eine fesselnde Bilderreihe ergeben und die Wirkung Homers auf die bildenden Künstler des Altertums und der Neuzeit in verschiedenartigster Gestalt an den Tag treten lassen. Die Vereinigung hat damit eine Bahn betreten, die vor ihr zwei schwäbische Gymnasien (Günzburg und Augsburg,, warm begrüßt und von erfreulichem Erfolg begleitet, eröffnet haben. Möge denn auch dieser Ausstellung ein Erfolg beschieden sein! • * Vierzigjähriges Dienstjul> i - l ä u m. Am Montag tonnte der Hausverwalter Georg Todt, wie wir schon berichteten, auf eine ununterbrochene vierzigjährige Dienstzeit im Dienste des hiesigen Gesellschaftsvereins zurückblicken. Aus diesem Anlaß bereitete dieser seinem treuen Angestellten im großen Vereinssaale einen Ehrenabend, der. wie man wohl sagen darf, eine Feier seltener Art war. 3m festlich erhellten Saal» 6aiten sich etwa 200 Teilnehmer eingefunden, darunter Vertreter studentischer Korporationen und eine besonders stattliche Schar eingeladener Gäste aus dem Bauerschen Gesangverein. Dazu tarnen einige Freunde der Familie des Gefeierten und Nachbarn des Dereinshauses. Nach freundlichen Begrüßungsworten seitens des Vorsitzenden des Gesellschaftsvereins sangen die „Bauern" Beethovens „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Hierauf folgte die Dankesrede des Vorsitzenden an den Jubilar, in der er das schlichte Wesen des Gefeierten, seinen geraden Sinn, vor allem ober auch s-üne Treue und Gewissen-" Hastigkeit, wie überall so auch im Dienste des Vereins, rühmend hervorhob. Provinzialdirektor Graes überreichte dem Jubilar mit freundlichen Worten ein Donk- und Anerkennungsschreiben des hessischen Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft. Herr Bell off, der Vorsitzende des Bauerschen Gesangvereins, dessen Ehrenpräsident Georg Todt ist. übermittelte in herzlichen Worten die Glückwünsche aller Sangesbrüder. Cs folgten freundliche Dankesworte des Jubilars. Zahlreiche Depeschen und Glückwunschschreiben gelangten zur Verlesung. Ein Festlied und ein Festgedicht, zahlreiche Chöre der „Bauern" und Liedervorträge des Herrn Kurt Richter, sowie sonstige Vorträge trugen wesentlich zur Verschönerung der Feier bei. die ebenso eine Ehrung bedeutete für den so herzlich Gefeierten, wie für den Gesell- schastsvcrein selbst, der es dazu noch übernommen hat. den Lebensabend seines demnächst in Öen Ruhestand tretenden Hausmeisters und seiner Gattin nach besten Kräften sicherzustellen. ** D i e Wohlfahrtsmarken gültig bis 15. Mai. Der Reichspostminister hat auf Antrag der Deutschen Nothilfe die Gültigkeit der Wohl- fohrtsbriesmarken bis Ende Mai verlängert, verkauft werden sie bis 15. April durch die Organisationen der freien Wohlfahrtspflege. Für Anfang März ist eine Morkenverttiebswoche geplant. Man hofft, daß die Einnahmen in dieser Woche besonders reichlich fließen werden. Es wird vorgeschlagen, daß in dieser Woche sämtliche Privat- und Geschäftspost mit Wohlfahrtsbriefmarken frankiert wird. Helfe jeder mit, soweit es in seinen Kräften steht! Viele warten auf Unterstützung, damit sie dem -Schicksal nicht erliegen. * Die Maul- und Klauenseuche ist neuerdings in Röthges und Klein-Altenstödten (Str. Wetzlar) amtlich festgestellt worden. • * Das Entschädigungsverfahren für AuSgewiesene von Rhein und Ruhr. Roch einem Rundcrlaß des preußischen Ministers des Innern ist für die Abgeltung der Sach- und Personenschäden, die Ausgewiesene erlitten haben, diejenige Feststcllungsbe- hörde zuständig, in deren Bezirk die Ausweisung seinerzeit erfolgte. Roch nicht erledigte oder künftig noch vorkommende Entschädigungsanträge sind jetzt unmittelbar den hiernach zuständigen Feststellungsbehörden zuzuleiten. Die Erstattung der Personenschäden erfolgt in sinngemäßer Anwendung der Vorschriften des Gesetzes über den Ersah der durch Besetzung deutscher Reichsgebiete verursachten Personenschäden: nach Auflösung der Reichsentschädigungsstelle sind etwaige Zweifelsfragen der Feststetlungs- behörden dem preußischen Innenminister zur Herbeiftihrung einer Entscheidung durch den Reichsminister für die besetzten Gebiete vorzulegen. RDV. Abkürzung der Schnell- zuysaufenthalte. Wiederholt ist in den Kreisen dos reisenden Publikums der Wunsch geäußert worden, die Zahl und die Dauer der Unterwegsaufenthalte bei den Schnellzügen ab- zukürzen. Auch auf der letzten Besprechung mit dem Fahrplanausschuh des Deutschen Industrie- und Handelstages hat Geheimrat Hagen diesen Wunsch seinerseits unterstützt und insbesondere der Reichsbahn nahegelegt, daß zur beschleunigten Durchführung der Schnellzüge, diese in großen Städten allgemein nur auf einem Haupt» bahnhos, nicht aber auch aus Vorbahnhöfen halten möchten. Die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft ist bestrebt, diesem Wunsch nach beschleunigter Durchführung der Schnellzüge nach Möglichkeit zu entsprechen, trotzdem bereits aus zahlreichen Schnellzugsstrecken durch Einlegung von F. 0.-Zügen und durch Geschwindigkeitserhöhungen gute Fortschritte erzielt worden sind. Es wird deshalb versucht werden, alle Ausenthalte, die der Bedeutung der Schnellzüge nicht mehr entsprechen sollten, allmählich auszuschalten. Wenn dabei gewisse Härten für den betreffenden Ort entstehen, so sollten diese Nachteile im Hinblick aus die Gesamtheit willig getragen werden. ** Der Hausbefitzerverein Gießen hielt, so schreibt man uns, am Freitagabend im Kath. Vereinshaus seine diesjährige Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende, Stadtv. Launsbach, schilderte zunächst in großen Zügen die Tätigkeit des Zentralverbandes im verflossenen Jahre und führte an, daß, wenn auch durch die Aufklärung, die in Wort und Schrift erfolgt sei, keine wesentlichen Erfolge zu verzeichnen seien, diese Arbeit doch nicht vergeblich gewesen wäre, da es jetzt auch in den Streifen der Regierung dämmere und eingesehen werde, daß durch ble Zwangswirtschaft der Wohnungsmangel nicht behoben, sondern immer noch mecker verschärft werde. Es sei aber keine starke Persönlichkeit da, die sich an dieses Problem heranwage. Weiter berichtete der Redner über die Tätigkeit im Hessischen Landesverband. Hierauf sprach der Schriftführer, Postsekretär Bausch. Aus seinen Ausführungen ging hervor, daß innerhalb des Vereins eine rege Tätigkeit herrsche, daß die Milgliederzahl ihren alten Stand behauptet hat, und daß die Sprechstunden eine starke Aufwärts» temequng aufzuweisen hätten. Bei der Rechnung»- ablage, die von dem Rechner Aug. Becker erstattet wurde, ergab sich, daß auch in den Kassenverhältnissen eine meliere Aufwärtsentwicklung eingetreten sei. Die Rcchnungsprüsungskommissian, bestehend aus Oberlandmesser Bücking und Oberinspektor M i l b r a d i, hatte alles in bester Ordnung gefunden. Bei der Ersatzwahl der ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden die ausgeschiedenen Herren Nikolaus, K o o b, Klein und Becker wieder- gewählt. Zum Punkt „Realkreditorganisation für den deutschen Hausbesitz" sprachen Stadtv. Nikolaus und Dilickereibesitzer Klein. Dieser Sache soll erst dann nahergetreten werden, wenn alle Einzelheiten eine Klärung gefunden haben. Als letzter Punkt der Tagesordnung stand „Jnstandsetzund»- ftellc" und ..Verschiedenes" an. Den vielen ein- laufenden Beschwerden über die Jnstandsetzungs- stelle soll insoweit Rechnung getragen werden, daß sich der Verein mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dafür einsetzen wird, daß die Besetzung des Vorsitzenden durch einen Richter erfolgt und solange keine Beisitzer gestellt werden, bis diesem berechtigten Verlangen Rechnung getragen wird. Die vielen sonstigen Anfragen über 'Aufwertung usw. wurden vom Vorstand restlos beantwortet. Nach Erledigung aller dieser Fragen wurde die interessant verlaufene Versammlung von dem Vorsitzenden geschlossen. —Bezirksverein Gießen de - Geweckschaftsbundes der Angestell- t c n. Gelegentlich des zweiten Vortragsabend- hielt Verwaltungsinspettor Busse von der An- gestellten-Dersicherung einen längeren Vortrag über „Die Angestellten-Versichcrung und ihre Leistungen gegenüber den Versicherten". Der Redner schilderte zunächst die Organisation der Angestellien-Vcrsicherung. In Oberhofen habe die Versicherung vier Bezirke, nämlich Gießen» Stadt. Gießen--Land. Friedberg und Büdingen. Versicherungspflichtig seien alle Angestellten mit einem Monatseinkommen unter 500 Mk. Lehrlinge bis zu einem monatlichen Einkommen bi8 zu 50 Ml. brauchten keinen Beitrag zu ent- richte 7 Das Ruhegeld werde nach vollendetem 65. Jahre gezahlt. Die jährliche Grundrente betrage 480 Mk., die W'twenrente hiervon 60 Proz., die Waisenrente 50 Proz. Bei schweren Krankheiten. wie Tuberkulose und Herzleiden, sowie bei Berussunfähigkeit leiste die Versicherung außerordentlich viel. Die Anträge für die Heilver- sahren seien bei den Vertrauensmännern zu stellen. Beim Ableben von weiblichen Angestellten zahle Ire Versicherung 1 bert flhafe C Die bish fieflen» bj*r Trotzdein s°« ‘ " *■& ari'talter irn SS"' SS SMen em (t bringt o>e W * „bgehen. 3eD schon lang« Synmsium nud) noch vor Trotzdem deutliche An- nistWr Ne, den Jahres W ver ®' übrigen h° Mancher mt feit der ,,1! (Ium" zuruc doh das 6n in denen sic (und nicht. mensinden, wie die au Hochschulen, den, daß tk Ist, wie reaü der griechisch non ber (rar chernatik un tionai in . ohne unehriic mehr ausrecht jreinde Iräur rüdblieben; m Latz die öltest qeien den ? habe, ohne v linzersiölbark! Unb Wehliä die Erfennini Kreise an de' düng irre ge licher über I tot und abgi Wenn Id (aubt habe, schm Schuig Wen (glei btm) bereit i alten Stils“ l eines „Aesor türilem ältst selben Mm stattgesunden entwürsen 6 ßen ansinne la, der Zur somgymnasi gestimmt Hal Wenden, mürfe selber gleich mit bei Gestellung bi Berschiebenhei "ch in Menge Wn elnani geltenden Dia oon 1923 sür Eluosicht geno polen, uni j. die Schul 8-,die Art u Wehen soll Zivi sich, das kaum ohne < tretet traf, t m *) 1925 Kvgymnasu ,, ’) 9n ! ,e*ne Staatlicher Unten ist gelungen. Die kolossale Nachfrage und die rückhaltlose Anerkennung unserer Kunden beweist uns, daß wir mit unserer —Unsere Werbepreise—> für Herren-Anzüge gelten nur noch bis Montag, den 8. März, abends 7 Uhr Werbe-Woche das Richtige getroffen haben. Die säumigen Käufer wollen wir nochmals darauf hinweisen, daß die anerkannt tragfähigen Qualitäten bei den niederen Preisen etwas Außergewöhnliches darstellen. Konfirmanden-Anziige äußerst preiswert BaluiWstraleGhtDClI Ecke Neustadt Größtes Spezialhaus Oberhessens für Herren- und Knabenbekleidung 2026a Kinzenbach, den 2. März 1926. 01534 Danksagung;. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, die uns anläßlich des Hinscheidens meiner lieben Frau, unserer lieben Tochter, Schwiegertochter und Schwester erwiesen worden sind, für die reichen Kranzspenden, für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers und dem Herrn Lehrer Schlierbach mit seinen Schülern für den Grabgesang sage ich auf diesem Wege unseren aufrichtigsten Dank Im Namen der Hinterbliebenen: August Pfaff, Anstreichermeister. Fisch-Zentrale Marktlaube. Morgen Freitag findet in d. Marktlaube Verkauf statt von grohen Sendungen billige, frische 01Me Seefische. Ebenfalls frisch« grüne Heringe. I. L A. Verhetz. Verschiedenes) Flaschen bier- geschaft am verpachten ob. Teilhaber gesucht. Zu erfragen in der Geschäftsstelle des Gtefi. 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M. in Hohensolms angekündigtenBersteigerung sollen folgende Nutzhölzer mitversteigert werden: Aus dem Distrikt „Windelbach": Eichen- Schnittholz A: 13 Stück mit 15,75 Fstm., Schnittholz B: 10 Stück mit 11,68 Fstm.; aus dem Distrikt „Pfaffenstrauch" und „EichelSberg": Eichen-Stammholz 9 St. 3. und 4. Kl. mit 7,54 Fstm., 8 St. 3. und 4. Kl. mit 6,85 Fstm.; aus dem Distrikt „Pfaffenmark": Eschen-Stammholz 2. bis 4. Kl. 5 St. mit 4,08 Fstm, 5. und 6. Kl. 37 St. mit 7,28 Fstm., Derbstangen 1. bis 3. Kl. 156 St. nut 7,04 Fstm aus dem Distrikt „Grnndwald": Eschen-Stamm- holz 5. und 6. Kl. 13 St. mit 2,23 Fstm., Derbstangen 1. bis 3. Kl. 40 St. mit 2,04 Fstm. Das Nutzholz wird zuerst verkauft, An- Gut erb. Sitzlrege- wagen und Kinder- Laufgitter zu verk. Zu erfragen Frank- surt.Str.71v. ousa Gebrauchtes Sofa billig au verk. Kaiscrallee 19 I. Gebr. Chaiselongue und Wauehtiich zu kaufen gesucht. Schr. Angebote unt. 01523 an den Gtefi. Anz. 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Trotzdem fei ganz kurz an den geschichtlichen Werde- gang erinnert, wie zuerst nur das Gymnasium als Erbe der alten Gelehrtenschule in Betracht kam, wie erst allmählich neben diesem und lange zur Aschenbrödelrolle verurteilt, höhere Schulen „reale- rcn" Charakters sich entwickelten, wie sie dann im Zeitalter imperialistischen Ausstiegs und technischer Höchstleistungen der älteren Schwester den Rang abzulausen drohten und schließlich dieselben Berechtigungen boten, jene aber an Schülerzahl weit übertrafen*). Wer heute als Abiturient die Oberrealschule oder das Realgymnasium verläßt, steht — abgesehen von gewissen Spe^ialberufen — in allen Stucken dem gymnasialen Altersgenossen gleich, ja, er bringt vielleicht für technische Studien oder für einen Aufenthalt jenseits der deutschen Sprachgrenze wertvolle Kenntnisse mit, die dem andern abgehen. Jedenfalls zwingen äußere Rücksichten schon lange keinen Vater mehr, sein Kind dem Gymnasium zurzusühren, wie das vor hundert und auch noch vor fünfzig Jahren der Fall war. Trotzdem machen sich gegen alle Erwartungen deutliche Anzeichen für ein Wtedererstarken humanistischer Neigungen bemerkbar, so Hot im lausenden Jahre zum erstenmal seit lange in Hessen die ^ahl der Gymnasiasten zu-, die der Insassen der übrigen höheren Schulen etwas abgenommen. Mancher wird diese Tatfache aus die eifrige Tätigkeit der „Vereine für das humanistische Gymnasium" zurücksühren; man soll aber nicht vergessen, daß das Entstehen und Aufblühen solcher Vereine, in denen sich Angehörige der verschidensten Berufe (und nicht zum wenigsten der technischen) zusammenfinden, an sich schon beweiskräftig ist, so gut wie die auffallende Parteinahme der Technischen Hochschulen. Man ist sich eben darüber klar geworden, daß klassische Bildung so wenig u n d e u t s ch ist, wie reale deutsch, ja, daß mehr Brücken van der griechischen Kultur zur germanischen führen als von der französischen, ganz zu schweigen von Mathematik und Naturwissenschaft, die übernational in jeder Beziehung sind. Man kann auch, ohne unehrlich zu fein, den beliebten Vorwurf nicht mehr aufrechterhalten, das Gymnasium bilde weltfremde Träumer heran, die im Lebenskämpfe zu- rückblieben: man wird vielmehr zugestehen müssen, daß die älteste Schulart sich so wenig wie die jüngeren den Forderungen des Tages verschlossen habe, ohne freilich jene Werte aufzugeben, deren Unzerstörbarkeit jjroei Jahrtausende bargetan haben. Und schließlich fei der Hinweis erlaubt, daß gerade die Erkenntnisse der Kriegs- und Schieberzeit weite Kreise an den Segnungen „exakter" Nerstandesbil- dung irre gemacht haben und sie (ehr viel freundlicher über Dinge denken lassen, die ihnen sonst als tot und abgetan galten. Wenn ich mir diese scheinbare Abschweifung erlaubt habe, so tat ich es oeshalb, weil unsere yessi- schen Schulgewaltigen noch vor genau zweieinhalb Jahren (gleich einzelnen anderen deutschen Ländern) bereit und willens waren, dem „Gymnasium alten Stils" das Lebenslicht auszublasen zugunsten eines „Reformgymnasiums" mit bedenklich verkürztem altsprachlichem Unterricht, und weil dieselben Männer — es hat kein Personenwechsel stattgefunden! — heute in ihren neuen Lehrplanentwürfen dem Gymnasium weniger Veränderungen ansinnen als sämtlichen übrigen Schultypen, ja, der Zurückbilbunb des einzigen hessischen Re- formgymnasiums (Büdingen) zur Normalform zugestimmt haben. Wenden wir uns nun der Betrachtung der Entwürfe selber zu und beschränken wir ihren Ver- aleicy mit der preußischen Neuordnung auf die Festellung der Tatsache, daß grundsätzliche Verschiedenheiten kaum, solche in Einzelheiten freilich in Menge vorhanden sind**), so haben wir für Hessen einander gegenüberzustellen: 1. die bisher geltenden Pläne: 2. die nach den „Stundentafeln" von 1923 für die Einführung von der Regierung in Aussicht genommenen und 3. die neuerdings vor- rgten, und wir haben alsdann zu betrachten: die Schulgattungen: 2. deren Gestaltung und 3. die Art und Weife, wie die Durchführung geschehen soll. Nehmen wir das letzte voraus, so ergibt sich, daß man im alten Staate Änderungen raum ohne Anhörung besonders tüchtiger Fachoertreter traf, daß man im neuen noch 1923 die amt= •) 1925 Schüler im hessischen Gymnasien und Progymnasien 2529, in Realgymnasien 1763, in Oberrealschulen und Realschulen 9103. ** ) In Preußen z. B. weniger Wochenstunden, keine Staatsbürgerkunde, kein allgemein verbind- llcher Unterricht in philosophischer Propädeutik. Schaufeln. Don Fritz Müller (tßartenfird>en). Meine Nachbarin, die alte Leitnerin, ist gestorben. Wenn tn der Stadt mein Nachbar stirbt, was geht's mich an? Mag sein, er wohnt auf dem gleichen Flur mit mir. Mag sein, er hatte auf der andern Seite einer Wand, an der mein Bett steht, siebzehn Jahre lang mit mir geatmet, Zug um Zug. Mag sein, er hat da drüben gestern morgen seinen letzten müden Atemzug getan, als ich herüben meinen ersten frischen eines arbeitsreichen Tages tat. Mag alles sein — was geht's mich an? Die alte Leitnerin hat nicht Wand an Wand mit mir gewohnt. Hundert Meter waren zwischen ihr und mir. Hundert -wischen mir und einem Menschen tn der Stadt — ein Wesen auf dem Sirius, durch ein Fernrohr hergeschraubt, ist näher. Aber hundert Meter auf dem Land — ich mache mich als Nachbar auf. Da liegt sie aufgebahrt, die Alte. Zweiund- achtzig Jahre ist sie. Stumm zeigt ihr Sohn, der Leitnerbauer, auf ein Spinnrad in der. Ecke, t Nichtig, gestern sah ich noch durchs Fenster, wie sie spann. Was Fabriken und was Schafe in Australien! Seit sechzig Jahren überschnurrte sie dteS Rad. ,3n die letzte Heuernt" ist sie noch hinauä- gegangen," sagt der Leitnerbauer. (Mir fallt ein, er soU ein Ausnüherischer sein.) „Dableibst d', Muatter, hach i gesagt — da Hütt st mir fast 's Gsicht derkraht. Unb krank war st keine Stund im ganzen Leben. In der letzten Woch' hat st gsagt: Mit mir is 's aus. — Dummes Zeug, sag i, liche Auffassung vertrat, sämtliche Lehrerräle und mehrere andere Instanzen (z. B. die Hochschulen) müßten eingehend gehört und berücksichtigt werden, daß man dagegen nunmehr d i e ausführlich erläuterten Lehrpläne mit Dem Befehle sofortiger Einführung den Schulen hingelegt hat. Man hat sich auf den Standpunkt gestellt: „Der Worte sind genug gewechselt!" und will nun seitens der Philologen diejenigen Taten sehn, die man behördlicherseits bis ins einzelne vorgeschrieben hat. Wer das als nicht ganz mit demokratischen Grundsätzen verträglich ansieht, wird vielleicht die Begründung unseres Landesamtes für das Bildungswesen für aus- reichend erachten, man habe ja vor zweieinhalb Jahren in zahllosen Kritiken die Ansid t oller Beteiligten zur Genüge tennengelernt und beabsichtige überdies nur eine vorläufige Einführung der neuen Organisation, die also vor der Umwandlung in eine endgültige je nach den Erfahrungen berichtigt werden könnte. Dazu wäre allerdings zu sagen, daß die Werturteile über die Stundentafeln von 1923 ohne jede Bedeutung für die jetzigen sein dürsten, weil beide so grundverschieden sind, daß jeder Faden zwischen ihnen zerrissen scheint, und daß weiter nach den grundstürzenden Aenderungen von 1926 eine nochmalige im Jahre 1928 oder 1929 für jeden ernsthaften Erzieher außer Erörterung steht: man bedenke nur die Wirkung einer derartigen doppelten Eifenbartkur auf die gleiche Schülergeneration! Höchstens damit wird eine autokratisch-demokratische Verwaltung ihren Standpunkt stützen können, daß sie nicht ganz ohne Berechtigung behauptet, die Ausstellungen an ihren wohlerwogenen Vorschlägen, die von Alt- und Neusprachlern, Mathematikern und Naturwissenschaftlern, von pädagogischen Reaktionären, Reformern und Revolutionären gekommen feien, hätten sich gegenseitig aufgehoben. In der Tat ein beachtenswertes Beweismittel, da unstreitig die Pädagogik auf den Namen einer exakten Wissenschaft keinen Anspruch erheben darf; ob es aber ausreicht zur Begründung der beabsichtigten Zwangsmaß- regel, ist eine Frage, die hier unbeantwortet bleiben mag. Ich komme zur Betrachtung der Schulgat- tungen und ihrer bisherigen und künftigen Gestaltung. Außer Betracht lasse ich die mir persönlich sehr sympathische „Deutsche Oberschule", zu deren Bereich die „Aufbauschule" gehört: weil für sie ein Lehrplanentwurf ebenso wie für die höheren Mädchenschulen noch aussteht. Jeder Löser weiß, daß wir bisher 3 Arten von Vollanstalten hatten: Gymnasium, Realgymnasium und Oberrealschule, daneben standen die in jene einmündenden 5—Massigen Bürger- und Realschulen. Die Stundentafeln von 1923 wollten das „Gymnasium alten Stiles" nur in Einzelfällen weiter gestatten, die Mehrzahl der humanistischen Anstalten dagegen in Reform- schulen umwandeln, die zwar „Altsprachliche Gymnasien" hießen, ihrem Namen aber nur sehr wenig entsprachen. Daneben sollten zwei ganz verschiedenartige „Neus^rachliche Gymnasien" bestehen, von denen eins mit dem derzeitigen Realgymnasium, das andere mit der Oberrealschule entfernte Familienähnlichkeit zeigte, die anderseits auch wieder das „Mathematisch - naturwissenschaftliche Gymnasium" mit der Oberrealschule verband. Daß nun der neueste Entwurf andere Namen für die verschiedenen Schulen zeigt, ist gewiß nebensächlich, daß er da gegen, obwohl gleicher Vaterschaft wie der frühere entsprossen, sich im Wesen meilenweit von jenem entfernt ist, mindestens ein Beweis für die geistige Anpassungsfähigkeit seiner Schöpfer. Zwei Gesichtspunkte waren 1923 für den ganzen Aufbau bestimmend, und eine Aussprache über sie war dann bezeichnenderweise auch ausgeschlossen: Der gemeinsame Unterbau von Sexta bis Quarta und der gleichzeitige Betrieb nur zweier Fremdsprachen. Der erste raubte (freilich nach dem Dorbilde des preußischen Reform- gymnvsiums) den humanistischen Sonberbebürfniffen Licht unb Luft, ber zweite führte zu ber pädagogischen Ungeheuerlichkeit, daß der von Sexta an mit Nachdruck betriebene französische Unterricht von Untersekunda ab in zwei Schulgattunyen als Pflichtfach verschwand, was für die Praxis in den meisten Fällen den Verzicht auf ein dem 'Aufwande entsprechendes Ergebnis bedeutet hätte. Nunmehr hat man gerade das preisgegeben, was vor kurzer Zeit noch als derart unantastbar galt, daß nicht einmal an (einer Notwendigkeit gezweifelt werden durfte; denn sämtliche Gymnasien und Realgymnasien beginnen wieder — im Gegensätze zum „Reform real gymnasium" und zur Oberrealschule — mit Latein, und drei Schulgattungen pflegen drei Fremdsprachen gleichzeitig: das Gymnasium von Untertertia, das Realgymnasium von Obertertia und das Ne- formrealgymnafium von Untersekunda ab aufwärts. Im ganzen scheint als leitender Grundgedanke an die Stelle des oben gewürdigten heute ber von bei , t,. i i d) m ä b i g e n Herausstellung der K e riifäche r" getreten zu fein (b. h. Religion, philosophische Propädeutik, Deutsch, Geschichte, Staatsbürgerkunde und Erdkunde) und der andere (aber nicht folgerichtig durchgeführte), zwei Haupttypen zu schaffen, in denen Geschichte hier, Natur dort die Brennpunkte bilden. Demnach sind nur Gymnasium und Dberrcah schule als reine, Realgymnasium und Resormreal- gymasium dagegen als" Kompromißformen anzusehen. Ich möchte jedoch behaupten, baß ber großen Masse ber Elternschaft letztere sehr viel wünschenswerter sein werben als bas, was künftig den Namen Oberrealschule führen soll, mit ber alten aber wenig mehr zu tun hat Denn biese pflegte zwar (wie auch künftig) Mathematik und Naturwissenschaft in erster Linie, vermittelte aber auch eine gediegene Kenntnis ber französischen und englischen Sprache, die mit 42, bzw. 23 Wochenstunden im ganzen bedacht waren. Künftig sollen es je fünf weniger sein, und bas wird um (o mehr ins Gewicht (allen, als das ganze Weniger die Oberklassen trifft, die mit je 3 Stunden Französisch unb 2 Stunben Englisch von Ila bis la in Sprache, Literatur unb Gesamtkultur zweier Weltvölker einbringen sollen. Demgegenüber steht bie Mathematik in alter Stärke, die Naturwissenschaft mit vermehrter Stundenzahl. Es handelt sich also um eine Schulgattung, die vor allem geeignet ist, für mathematisch besonder^ be- anlagte Naturen, und die sind noch meinen Erfahrungen bei der männlichen Jugend nicht häufig, bei der weiblichen sogar Ausnahmen. Nun vergegenwärtige man sich, daß die Mehrzahl ber Realanstalten, zu benen ihrem Lehrpläne nach auch bie höheren Bürgerschulen gehören, sich in den Land- ft ä b t d) e n befinoen, wo sie bie einzige höhere S ch u l e sind. Man beachte ferner, baß sie von zahlreichen Mädchen mangels anberer Anstalten mit« besucht werden, z. Z. von etwa 1200. Ueberaü müßte nun hier eine höchst einseitige Ausbildung einfetzen, und Detlev v. Liliencrons Klage über die „Mathematik, diese Schleifmühle des Kopfes", würde tausendfältig, besonders von den Eltern der meist sprachlich viel besser begabten Mädchen, zum Himmel steigen. Sehr sachverständig hat sich über diesen Punkt Studienrat Dr. Molz im „Oberhessischen Anzeiger" vom 16. Januar geäußert, ich wollte ihn hier vor allem mit Rücksicht auf die Gemeinschaftserziehung erwähnen. Von dieser Frage abgesehen, läßt (ich behaupten, daß die diesmaligen Entwürfe im großen und ganzen viel weniger radikale Aenderungen bringen als die von 1923; die Prinzipien der ersten Zeit der neuen Aera sind allmählich müde geritten. So ist dem Gymnasium das Fach, mit dem es steht und fällt, in voller Stärke belassen: bas Griechische (36 Stunben); so sind dem Realgymnasium von 55 Wochenstunden Latein 42 geblieben statt der 30, die bas „Neusprachliche Gymnasium (Typ I)" haben sollte. Daß ber Deutschunterricht eine mäßige Stunbenvermehrung erfahren hat (bie Ausnahme bei ber Oberrealschule ist nur scheinbar), wirb ganz allgemein begrüßt werben; Gleiches gilt für den Geschichtsunterricht, wo aber das Gymnasium mit einer Verkürzung von 20 auf 17 Stunden leider ein Minus hat, über das die 4 Stunden „S t a a t s b ü r g e r! u n b t“, bie überall verbindlich sind, nicht Hinwegtrösten können. Die Notwendigkeit dieses Faches ist stark bestritten, und zwar nicht, wie gelegentlich behauptet wird, aus politischen Beweggründen. So gut man den Satz aufstellen kann: ,Heber gute Unterricht in Deutschland muß gleichzeitig Deutschunterricht fein", kann man den andern vertreten, daß jeder gute Unterricht im Dienste staatsbürgerlicher Erziehung stehen müsse, ber deutsche wie ber fremdsprachliche, ber geographische wie ber geschichtliche. Aus Kleists „Prinz von Homburg" läßt sich mehr Staatsgesinnung schöpfen als aus bem Werke von Preuß zur deutschen Verfassung. Wenn jedoch die Anforderungen des Lehrplanes, die manchem Doktoranden der Nationalökonomie als Grundlage dienen könnten, verwirklicht werden sollen, so wird viel Arbeit von Lehrer und Schüler nötig sein, unb an Langeweile wirb es babei nicht fehlen, weil bie ganze abstrakte Weisheit für sich steht, statt aus bem gesamten Lehrstoff ber Schule herauszuwachsen. Aehnliches gilt für bie philosophische Propäbeutik, über beibe Fächer hat sich sehr richtig Dberftubienbirettor Altenborf im „Darmstadter Tagblatt" (3. Februar) ausgesprochen. Der körperlichen Ertüchtigung sollen künftig neben 2 Turn stunden 2 weitere für Bewegungsspiele dienen. An sich schön und gut, aber ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Möglichkeiten am grünen Tische dekretiert. Wo sind bie nötigen Spielplätze, wo bleibt bie Zeit, befonbers in ben Lanbschulen, bie bie Hälfte, ja Dreiviertel ihrer Schüler nachmittags nicht mehr erreichen können? Wo bleiben die Turnlehrer in einem Staate der den einzigen „Turnrat" (früher Inspektor) 4n derselben Zeit beseitigt hat, in ber bie Notwenbigkeit des Turnens und des Sportes bis zum Ueberdruß betont wird? Man warum sollt 's bei dir aus sei? — I gspür mi, sagt s' — woaßt. an’ extra Krankheit braucht's bei uns net. Wenn sich einer iirnerwendig gspürt, dann hat's halt geschnackelt." Den vorgeschriebenen Spritzer mit geweihtem Wasser gebe ich der Alten, dann reiche ich zum Beileid ifjrem Sohn die Hand. Der Leitnerbauer ist verlegen. Das mit der Hand ist nicht der Brauch. Er schaut meine Schrtibhand an: „Hm", sagt er. „extra leicht wird's dir net werdn." „Was wird mir nicht leicht werden?" „s' Schaufeln." „Was soll ich denn schaufeln?" Er sieht mich grrch an. Wie kann ein Mensch im Angesicht des toten Nachbars nur so fragen, denkt er. „Was d' schaufeln sollst? — ihr Grab halt, als der nächste Nachbar, was. denn sinscht." Da fällt's mir ein. Dies Dorf ist tausend Jahre alt. Hundert Häuser hat es heute, wie vor taufend Jahren. Hundertheim hat es geheißen, Hundham heißt es heute. Ein Bayernherzog hat das Land für eine Kriegszugs Hilfe hundert Dauern hingegeben. Hm Karl den Großen herum war es. Die Grundmauern vom Seit en bauern- Haus sind tausend Jahre alt. Die von meinem auch. Tausend Jahre hat der Nachbar seinen toten Nachbar eingegraben, und der erste zugezogene Stadtmensch will (ich davon drücken? „Wennst d' mir bei Schaufel leihn kunnst, Leitenbauer?" „Hast du fei' Schaufel, Brüaler? Er nennt mich Brüaler. Brüaler hat der Mann geheißen, der mein Haus vor tausend Jahren ur.term großen Karl gebaut hat. Brüaler heißt ein jeder, der drauf stht. Ins Wesenlose schwinden alle Zufallsnamen der Nachfahren auf dem Hause. Auch der meine. Ich bin der Drüa-- ler. In die Dorfgemeinschaft bin ich ausgenommen. ..Erweis dich ihrer würdig", heißt es, „schaufle deiner Nachbarin das Grab. Schäm dich, wenn du's mit geliehner Schaufel tust." Nein, ich finde auf der Tenne eine Brüaler- bauernschaufel. Ich stapfe mit ihr durch den Schnee. Da ist der Kirchhof, da ist das Brüaler- bauerngrab, das meine Hausvorsahren ausgenommen hat feit tausend Jahren. Daneben ist das ßeitnerbauerngrab. Ich fasse fest nach meiner Schaufel. Ich habe noch nie eine Schaufel in der Hand gehabt. Es ist nicht leicht. Gut, daß die Erde nicht gefroren ist. Nun, dafür hätte der Brüaler eine Hacke gehabt. Ich schaufle hastig. „Zeit lassen!" mahnt mich über die Kirch- hofsmauer ein vorüberfahrender Holzer, „Zeit lassen, sonst derkrafst d' es net.“ Ich lasse mir Zeit. Ich derkrafte drei Schuh tief. Ich erschrecke. Wenn ich auf den letzten hier Begrabenen stieße. Ich stoße nicht darauf. Auf den Leichenstein ein Blick besagt, den letzten haben sie vor dreißig Jahren hier begraben. In dreißig Jahren sinkt man tief. In dreißig Jahren wird man Erde. Ich habe vier Schuh derkraftet. Ich schnaufe schwer. Bei fünf Fuß hämmert mir das Blut im Hirn. Ich habe nie in meinem Geben so geschuftet. Unb gilt doch hier als eine kleine Müh, einem, der da ausgeschuftet, eine Ruhestatt zu graben. Den vorgeschriebenen sechsten werd ich nicht mehr leisten können. Fincken sprühn mir aus den Augen. Und beim Scheine dieser Funken sehe ich die tausend harten Dauernfäuste, die dies Land gerodet unb betreut Dom Kopfe fällt der schaffe Uusbübungs- unb Beiätigungsmöglichkeiten, unb bann verlange man, baß Tüchtiges gelehrt unb geleistet wird; statt dessen baut man noch 1926 den Gießener Turnassistenten an der Universität ab! Damit sei unsere Betrachtung ^geschlossen. Es ist nicht zu leugnen, baß die neuen .Stundentafeln, wie ihre Erläuterungen manches Erfreuliche enthalten, besonders die allgemeinen Richtlinien bringen zum Teil Vortreffliches, das au di, über die eingestreuten Gemeinplätze hinweghilft. (Selbst das „werktätige Volk" marschiert einmal auf.) Trotzdem teile ich die Meinung, die in den Eingaben der beiden Hochschulen (warum sind sie nicht veröffentlicht morden?,, einer Aeußerimg des Darmstädter Oberbürgermeisters, den Bemerkungen zahtreidier Fachmänner und in einem Anträge der Deutschen Dolks- partei zum Ausdruck kommt, daß mau nach so langer Vorbereitungszeit auch jetzt noch hätte abwarten sollen, bis die beteiligten Instanzen gesprochen hätten, ehe man der höheren Schule einen Rock anzieht, über dessen Kleidsamkeit und Güte noch so große Zweifel bestehen. Amerikanische Iugendrepubttken Im Republikanischen Lehrerbund sprad; Univer- sitätsprofesfor Dr. K o f f k a über amerikanische Jugendrepubliken, über die Schülerselbstverwaltung nach dem System von Mr. W. 21. George, wie er sie als Austauschprofessor an einer U. S. A.-Univer- sität kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Redner ging von den Grundfragen aus, was diese Institute für die Jugend, und was sie für den Staat leisten. Der Staat braudje Bürger. Die drei gegebenen Faktoren der Erziehung zum Bürger seien Familie, Kirche und Schule. Hiervon komme aber wiederum ernstlich nur die Schule in Betracht. Die Schule, als Autokratie, erziehe in erster Linie zum Gehör- sam. Dies aber sei nicht die primäre Forderung des (demokratischen) Staates. Die Erziehung zum demokratischen Bürger solle gleichwohl schon in der Schule liegen. Redner kommt dann auf allgemein- pädagogische Probleme zu sprechen und streift die sog. Anlage- und Milieutheorie. Georges System beruhe nun darauf, die zu erziehenden Menschen in einer Gruppe zusammenzubringen. (Der soziologische Begriff der Gruppe wird an einer Reihe von tierpsychologischen Parallelerscheinungen demonstriert.) Prof. Koffka schilderte anschließend den Weroegang und die langwierigen, mühseligen Versuche des'Mr. George, die endlich zur Gründung einer Jugendrepublik führten, wie sie der Vortragende drüben selbst in Augenschein genommen hat. George, so führte er aus, habe mit den verwahrlosten Reuyorker Gassenjungen angefangen.- Nach vielen Fehlschlägen sei dennoch die Gründung eines kleinen Clubs für Jugendliche gelungen, der die Keimzelle der heute seit Jahren bestehenden, vervoll- tommneten Jugendrepublik bildete; diese Republik, deren Bürger im Alter von 16—21 Jahren stehen, sei ganz ähnlich organisiert, wie der große amerikanische Staat. Erst im 3. Jahre sei es gelungen, die Jugendlichen aus eigenem Antrieb zur Arbeit zu bringen. Redner schilderte, wie nach und nach alles erarbeitet werden muß in dieser Gemeinschaft, in der Republik „von, für und durch Kinder', die ein getreues Abbild der großen Republik sein soll, im Zusammenleben, in der Tätigkeit und Lebensweise Des einzelnen, tn ihren Gesetzen und ihren Gerichten unb einer Verfassung, die sich die Jugendlichen selber geschaffen haben. Die Institution bestehe bis heute, und man müsse bedenken, aus welchen Kreisen die Bürgerschaft ber Jugendrepublik sich lange Zeit rekrutiert habe. Erst später fei der Kreis erweitert unb auch Kinber wohlhabenber Eltern ausgenommen worben. Die einzige Voraussetzung für bie Aufnahme fei körperliche unb geistige Gesundheit. Die soziale Lage des einzelnen Mitgliedes richte sich nach der von ihm geleisteten Arbeit. Es gebe in der Jugendrepublik Schulen (deren Besuch, wie jede andere Arbeit, bemerkenswerterweise bezahlt wird), es gebe Handwerk, Banken, auch Landwirtschaft. Im ganzen aber lebe bie Gemeinschaft aus Stiftungen. Regiert werbe sie burch selbstgewählte Präsibenten unb Derwaltungsbeamte; Richter unb Geschworene verwalten bie Gesetze, bie selbstgewählten unb bie Neuyorker, bie eo ipso gelten. Es seien, wie betont würbe, sehr angesehene Bürger aus ber Institution hervorgegangen, man habe unbere berartige Republiken gegrünbet unb ihre Prinzipien auch — mit guten Ergebnissen — auf gewöhnliche Schulen übertragen. In einer zu- sammensasfenben Schlußbetrachtung trat der Vortragende für ben Versuch einer Einführung ber $e« fdjilberten Institute auch bei uns in Deutschlanb ein. ec^e Sodener Pastillen gegen Jp Husten, Heiserkeit Verschleimung Hut. Es ist meine Reverenz vor diesen tausend Dauernsäusten. Es ist mein Eingeständnis: „Nicht einmal dazu, deinen Nachbar zu begraben, langt's bei dir." „Dscht." Der ©tiefer steht vor mir. Der ©tiefer hat die meisten Tagwerk' weit und breit Der ©tiefer ist mein Nachbar auf der andren Seite. Der ©tiefer schaut sich um. Nein, es ist niemand da. „Muß i dir helfen, Brüaler?" „Du?" „No ja, einmal trifft'8 mi do, wenn — wenn'- di trifft." Ich schau' ihm starr in das Gesicht. ..älnd wenn d' di schaamst, da wißt i aa a Mittel — kimmst beit abend zu mit, na’ zeig t dir's - gib bei Schaufel her — wia, laß deine Händ anschaun — (aubernc Schwiel'n hast schv, Respekt . . Mit den Schwielen bin ich abends zum ©riefet- hinübergegangen. Er sah am Tisch, die Feder in der Hand, etwa so wie ich die Schaufel. Bor ihm ein Steuerformular. Bermogensauf- nahme, Besitz an Vieh usw. Er schnaufte schwer. Fünf Fragen hatte er derkraftet. Bei der sechsten aber, jener mit den r>tc!?n Nebensätzen, hatte ihm das Blut im Hirn gehämmert. Er hatte nie in seinem Leben so geschuftet. Er sah mich hilflos an: „Moanst net. i streich alles wieder durchs?" „Unb dann?" And schreibet oafach drüber: Peter Streicher, des gleiche Rindvieh wie im vorigen Jahr — was moanst?" „Es hilft dich nichts, die sechs Antworten sind Vorschrift. wie die sechs Fuß fürs C.ab — gib dei Schaufel her — dein' Federhalter hab i sagn wvlln. . Oberhessen. Landkreis Gietzen. = Alten-Buseck, 3. März. An der Kreis st raße Alten -> Buse ck—D a u b r i n- gen wurden in diesem Winter eine Reihe junger Ob ft bäume angepflanzt. 3n der Rächt auf Montag tonnten junge Leute kein größeres Vergnügen finden, als daß sie 5 junge Apfelbäume etwas unterhalb der Kronenverzweigung abbrachen, von 3 anderen Däumchen die Kronenäfte abrissen und einen etwa 6—8jährigen Daum durch starkes Rütteln von der Erde ablöften. Der Frevel wurde sofort der Gendarmeriestation Lollar angezeigt. Angestellte Untersuchungen führten zwar anfangs zu keinem befriedigenden Ergebnis, doch hofft man, nun dem Täter auf der Spur zu fein. Da auch auf den benachbarten Straßen in der letzten Zeit an Reupflanzungen solche Schandtaten begangen worden sind, so wäre es gut, den überführten Missetätern eine exemplarische Strafe zu verabfolgen. r. Mainzlar, 3. März. Am Samstagabend veranstaltete der Z w e i g ve re i n „ßumbatal" des V. .f). C. im Saale der Wirtschaft Müller seinen ersten populär-wissenschaftlichen Vor- traa über Radio. Herr M. Geißler führte an Hand von felbangefertigten Zeichnungen und Diagrammen, die mit dem Lichtbilderapparat der Schule zu Daubringen epidiaskopisch projiziert wurden, die aufmerksamen Zuhörer äußerst anschaulich in das schwierige Gebiet des Rundfunks ein. z. A l l e n d o r f a. d. L., 3. März. Im Auftrage der Liga zum Schutze der deutschen Kul- t u r sprach hier vor einer zahlreichen Zuhörerschaft Dr. Stier (Gießens über das Thema: „Quer durch unsere Kolonien". Der interessante Vortrag führte an Hand guter Lichtbilder in unsere früheren afrikanischen 'Kolonialbesitzungen. Lebhafter Beifall dankte dem Redner. * Bellersheim, 3. Marz. Am Samstagabend hielt der ehemalige Burenkommandant Koos I o o st e hier einen interessanten Dortrag über seine Erlebnisse in Afrika und im Weltkriege 1914/18. Der Gesangverein umrahmte die interessanten Darlegungen des Redners, die mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurden, mit einigen schönen Liedern. — Unser Gesangverein „Ge r m a n i a' begeht im Juni d. I. sein 50jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlaß findet hier das Bundes- fängerfeft statt, an dem 35 Bundesvereine teilnehmen werden. = 2idj, 3. März. In dem geftrigen Bericht über die Generalversammlung des hiesigen Turnvereins bedarf eine durch Druckfehler entstandene Entstellung der Berichtigung. Es muß in bezug auf die Rechnung über den Turnhalleerweiterungsbau heißen: Die EiMahmen betrugen 28 454,10 Mark (in Anleihen), die Ausgaben (an die Handwerker) 28 437,25 Mark. Aufzubringen sind noch etwa 15000 Mark. • Rieder-Bessingen. 3. März. Einen selten schönen Fischzug machten die hiesigen Fischereipächter Gastwirt W. Lotz und Konsorten in der alten Dach. Sie erbeuteten einen Hecht von 90 Zentimeter Länge und 14 Pfund Schwere. Es ist wohl anzunehmen, daß das letzte Hochwasser den Fisch zurückgelassen hat. Petri Heill T Dom 6cental, 3. März. Um eine Besserng des unzureichenden Zugverkehrs auf der Strecke L a u b a ch—M ücke zu erreichen, fand bei Gastwirt Zimmermann in Lardenbach -Seenbrücke «ine gut besuchte • Versammlung statt, in welcher der LandtagS- abgeordnete Fenchel sprach. GS waren die i Dörfer Altenhain, Freienseen, Weickartshain. Lardenbach, Klein-Eichen, Groß-Eichen, Selln- * rod, Stockhausen und Flensungen vertreten. Die Verkehrswünsche der Versammlung gipfelten in der Forderung, daß derZugHunge n—L au • bach (Hungen ab 7.22 Uhr abends) bis Mücke durchgeführt werden soll, hier die Anschlüsse an die Abendzüge aufnimmt und dann nach Laubach zurückkehrt. Ferner soll eine Besserung des gänzlich unzulänglichen Sonntagssahrplans angestrebt werden. Kreis Büdingen. th. Lei dHecken, 3. März. Wie man hört, sind die Landwirte hier und in der südöstlichen Wetterau im allgemeinen mit der Heber* Winterung des Getreides zufrieden. Der Winterweizen steht recht gut, außer bei zu feuchten Aeckern: ebenfalls gut steht der Roggen. Der Klee ist sogar schon ganz vorzüglich, so daß bald der erste Schnitt gemacht werden farm. Kreis Schotten. Id. Schotten, 3. März. In allen Wiesentälern unseres Gebirges kann man eben beobachten, daß infolge der großen Bodenfeuchtigkeit die M a u l = wurfshaufen auf kleine Flächen zn - sammengedrängt sind. Die trocken gelegenen Stellen waren für die Maulwürfe Zufluchtsstätten zur Zeit der Wastersnot. Hier haben sie aber, da für ihre Wühlarbeit nur eine kleine Bodenfläche zur Verfügung stand, die Grasnarbe stark beschädigt. Da mit zunehmender Austrocknung der Wiesen die Maulwürse die im Winter ausgebeuteten Jagd' gebiete verlassen und sich wieder auf die gesamte Wiesenfläche verteilen, sollte jeder einsichtige Land- । wirt von einem Dernichtungsfeldzug gegen dieses nützliche Tier a b s e h e n. □ Laubach, 3. März. Auf der gräflichen ! Holzversteigerung, die gestern im Gasthof j „Zur Traube" stattfand, kosteten der Raummeter : Buchenscheiter 12 bis 15 Mk., Rm. Buchen knüppel 9 bis 10 Mk., Rm. Buchenstöcke 6 bis 7 Mk., Rm. Reiserknüppel 6 bis 7 Mk., Rm. Buchenreiser 1,50 bis 2,50 Mk. Diese Preise sind wesentlich niedriger, als diejenigen der Umgegend, wo der Raummeter Buchenscheiter teilweise auf 20 bis 24 Mk. tarn. * Eichelsdorf, 3. März. Um die zur Herstellung von Pflastersteinen unbrauchbaren Steine und den beim „Richten" der Pflastersteine entstehenden Abfall zu Sttaßenschotter und Grus verarbeiten zu können, stellt das hiesige B a s a l t w e r k z. Z. eine Klopfmaschine auf. Da seither außer den anfallenden Erdmasten auch die Steinabfälle zu Halden aufgeschüttet werden mußten, erwuchsen dem Werk dauernd hohe Kosten zur Beschaffung von Haldengelände. Durch die restlose Verarbeitung des Steinmaterials wird weit weniger Land als seither für die Lagerung des Schuttes benötigt, die Be- triebsunkosten werden sich also wesentlich verringern. Die einheimischen Steinklopfer, die seither den Straßenschotter herstellten, werden in der Klopfmaschine einen Feind erblicken, der sie um ihren Verdienst bringen könnte. Es wäre nur zu begrüßen, wenn das Basaltwerk aus diesem Grunde für Straßenschotter auf heimische Absatzgebiete verzichtete. Der von einer Maschine hergestellte scharfkantige Schotter ist auch für unsere Straßen, die von zahlreichen Kuhfuhrwerken benutzt werden, nicht zu empfehlen. lg. Gedern, 3. März. Bei der hiesigen Brennholzversteigerung erzielte die Gemeinde ansehnliche Preise. So wurden im Durchschnitt für Fichtenscheiter 7 bis 10 Mk. erlöst, während sich die Preise für Knüppel nur unwesentlich darunter hielten. — Der gestrige Schweine- markt war gut beschickt. Die Preise für Ferkel im Alter von 6 bis 8 Wochen betrugen 75 bis 80 Mk. für das Paar. Wenn auch die Geldknappheit sich bemerkbar machte, so wurde doch ein größerer Umsatz erzielt. — In zahlreichen Fällen treten hier unter Schulkindern und jüngeren Kindern die M a - fern auf. Bis jetzt nahmen alle Erkrankungen einen gutartigen Verlauf. Unter den Erwachsenen machen sich vielfach grippeartige Erscheinungen bemerkbar. ld. A u s demVogelsberg,3. März. Trotz der wirtschaftlichen Rottaqs, in der sich eben die Vogelsberger Bauernbevölkerung befindet, sind in diesem Winter auffallend vielPserde gehandelt worden. In den meisten Fällen wurden nach Kriegsschluß erworbene, nun unbrauchbar gewordene Militärpferde vertauscht. Gar mancher in der Nachkriegszeit zum „Gäulsbauer" gewordene Vogelsberger Kleinbauer hat im Laufe der Jabre ein- gesehen, daß für ihn die Haltung eines Pferdes nur von Borteil ist, wenn in den Zeiten, in denen die landwirtschaftliche Arbeit ruht, durch Uebernafjme von Fuhren (Holz, Steine) etwas verdient werden kann, und ist nun wieder, da ihm die geldknappe Zeit nicht ermöglicht, die für den Eintausch eines jüngeren Pferdes nötige „Draufgabe" aufzubringen, zum „K u h d a u e r" geworden und „fährt so besser". Da unsere erschöpften Wälder in den kommenden Jahren nach Befriedigung des örtlichen Holzbedarfs kaum größere Mengen für Den Holzhandel liefern können, der Wegebau aus finanziellen Gründen stark eingeschränkt werden muß, da Holz- und Steinfuhrwerke kaum noch benötigt werden, wird im Vogelsberg mit einem weiteren Sinken der Pferdezahl zu rechnen sein. Kreis Alsfeld. Alsfeld, 3. März. Die schwierige Wirtschaftskrise macht sich auch in der hiesigen Stadt durch die immer noch im Zunehmen begriffene Zahl der Erwerbslosen, die gegenwärtig 150 beträgt, bemerkbar. Da die Holzindustrie und die Webereien, welche einen Hauptbestandteil der hiesigen Industrie bilden, schlechten Geschäftsgang infolge der allgemeinen Absatzstockung aufzuweisen haben, ist vorerst an einen Rückgang der Erwerbslosenziffer noch nicht zu denken. Inzwischen hat die Stadt beschlossen, durch Bereitstellung von Not- ftanbsarbeiten, hauptsächlich Herstellung von Wegen, eine größere Anzahl Erwerbsloser auf etwa drei Monate zu beschäfligen. Seither wurde den Erwerbslosen eine Winterbeihilfe gewährt, die in drei Raten mit einem Grundbetrag von jedesmal 10 Mk. für jeden Erwerbslosen zur Auszahlung kam, jedoch nur gegen Gutscheine für Lebensmittel und Bekleidungsstücke. Niedergemünden, 3. März. Infolge der teilweisen Betriebs ft illegung in den Quarzit- und Basaltsteinbrüchen bei Homberg ist eine Anzahl hiesiger Arbeiter er werds- l o s geworden. Die Leute werden gegenwärtig von der Gemeinde mit Notstandsarbeiten beschäftigt. ck. Aus dem Ohmtal, 3. März. Dieser -tage wurde ein Jagdbezirk der Gemeinde Nieder- Ohmen, der etwa zwei Drittel der ganzen Gemarkung umfaßt, zum zweitenmal ausgeboten. Bei der ersten Verpachtung war Steuerinspektor Merz (Merlau) mit einem Gebot von 300 Mark Höchst- bietenber, diesmal bot Herr Amend (Gießen) 500 Mark. W Elpenrod, 3. März. Der hiesige Krie- gerverein beschloß, im Hinblick auf die außerordentlich schlechte Finanzlage das Bezirk s k r i e g e r f e st für den Bezirk Homberg, das hier stattfinden sollte, nicht abzuhalten. Kreis Lauterbach. 8Lauterbach,3. März. Gestern wurde wieder eine Motorspritze, die dritte innerhalb kurzer Zeit, in der hiesigen Stadt im Betriebe vor- geführl, die von den Fladerwerken gebaut worden isst Die Spritze hat die an sie gestellten Anforderungen voll und ganz erfüllt und die Notwendigkeit der Anschaffung einer solchen Maschine erneut vor Augen geführt. Die Stadtverwaltung wird sich nun zu entscheiden haben, welche von den in Betracht kommenden Firmen sie mit der Lieferung der Spritze betrauen will. Im Interesse der Feuersicherheit der Stadt wäre zu wünschen, daß diese Entscheidung recht bald getroffen wird. l. Grebenhain, 3. März. Unsere Gemeinde hatte im vorigen Jahre die Feldbereinigung beantragt. Daraufhin nahmen mehrere Geometer des Feldbereinigungsamtes Lauterbach Verme- fungsarbeiten ih unserer Gemarkung vor. Ob die Maßnahme durchgeführt wird, ist jetzt fraglich, denn die Kosten sind auf 180 000 Mark veranschlagt. Dies kann unsere Gemarkung nicht aufbringen. Auch die Nachbargemeinden Crainfeld, Nieder-Moos und Vaitshain hatten die Feldbereinigung geplant, sie haben aber jetzt die Einstellung des Verfahrens der schlechten Wirtschaftslage wegen beantragt und wollen bessere Zeiten abwarten. Starkenburg. WSR. Bensheim, 3. Mürz. Das hiesige Lehrerseminar, das setther den Lehrer- kandidaten ihre wissenschaftliche und fachliche Ausbildung vermittelte, wird mit der diesjährigen Kursisten-Erttlassung aufgehört haben, zu bestehen. Es wird weitergeführt alS sog. Aufbauschule, die, auf die Volksschule aufbauenv, ihre Schüler in sechs Jahren zum Maturum führt. Die Fachausbildung erhalten die Lehrerkandidaten in Hessen in Zukunft in den Pädagogischen Instituten in Mainz unb Darmstadt. DaS Seminar hat gerade 105 Jahre bestanden und in dieser Zeit rund 2200 Lehrer für ihren Beruf ausgebildet. Das alte Seminargebände wird jetzt wieder zu einem Kapuzinerkloster umgewandelt werden. e Preußen. Kreis Wetzlar. 3 Wetzlar, 3. März. Der Regierungspräsident zu Koblenz hat eine mit sofortiger Wirkung in Kraft getretene viehseuchenpolizeiliche Anordnung erlassen, wonach das im Eisenbahnverkehr beförderte Klauenvieh beim Entladen amtstierärztlich zu untersuchen ist. Die Entfernung des Viehes von der Entladestelle darf erst erfolgen, wenn bei allen zu dem Transport gehörigen Tieren die Untersuchung stattgefunden hat. Zuwiderhandlungen werden bestraft. Die Anordnung dient her Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche und insbesondere der Verhinderung der Einschleppung dieser Seuche aus fremden Bezirken. — Der für den Bereich der Rheinischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft gebildete Ausschuß zur Festsetzung des durchschnittlichen -Jahresarbeitsverdienstes hat beschlossen, als durchschnittliche Jahresarbeitsoerdienste feftt zusetzen: für männliche Personen über 21 Jahre 960 Mk., von 10 bis 21 Jahren 660 Mk., unter 16 Jahren 480 Mk., für weibliche Personen über 21 Jahre 660 Mk., von 16 bis 21 Jahren 480 Mk.. unter 16 Jahren 330 Ml. Die Festsetzungen gelten nicht für Betriebsbeamtc und Facharbeiter. Die Jahresarbeitsverdisnste sind mit Rückwirkung vom 1. Januar 1926 ab in Kraft getreten; sie bilden die Grundlage für die Berechnung der landwirtschaftlichen Unfallrenten. ch. Lützellinden, 3. März. Die Maul- und Klauenseuche ist in unserem Dorfe endgültig erloschen, ohne glücklicherweise Opfer gefordert zu haben. — Die Erwerbslosen unserer Gemeinde werden augenblicklich mit der I n - standsetzung der Feldwege beschäftigt. CO Lützellinden, 3. März. "D ««-hiesige Ge« meinbe ist dem Oesterreichisch-deutschen Volksbund in Berlin als Mitglied beigetreten. k. Groß-Rechtenbach, 3. März. Die hiesige Gemeindevertretung hat die Anschaffung zweier neuer Kirchenglocken beschlossen. Die Liefe- rung ist der Glockengießerei R i m f e r in Sinn übertragen worden. Don den beiden neuen Glocken soll die eine als Ersatz für die von der gleichen Firma schon im 17. Jahrhundert gelieferte Glocke dienen, die damals im Distrikt „Dollenstück" der hie- figen Gemarkung gegossen worden sein soll. <> Rieoerkleen, 3. März. Rachdem die Bedingungen über die Verpachtung der hiesigen Gemeindejagd in der vorgeschriebenen Weise öffentlich ausgelegen haben und Einsprüche von feiten der Jagdgenossen innerhalb der Auslegungsfrist nicht erhoben sind, ist die Jagd nunmehr zur öffentlichen Verpachtung ausgeschrieben. Die Verpachtung findet am 20. März auf dem Rathause wieder in zwei Bezirken statt. Besonders der links des Kleebaches be- legene Bezirk 1, der den größeren Teil dev Gemarkung darsteUt, weist einen guten Bestand an Rehen, Hasen und Hühnern auf. Auch Schwarzwild kommt in diesem Bezirke ständig alS Wechselwild vor. Trotzdem ist der Wildschaden kaum nennenswert. Dieser Jagdbezirk war bisher an ben ehemaligen Offizierjagdverein Butzbach verpachtet, dessen beteiligte Mitglieder in den letzten Jahren die Jagd nur in ganz geringem Umfange ausübten. Der kleiner« BeziÜ2 befand sich bisher in den Händen hiesiger Ortseinwohner. Recht gute Pachtresultate wären der Gemeinde, der durch Wegebauten und den Wasserleitungsbau große Ausgaben erwachsen, sehr zu gönnen. <2> Dornholzhausen, 3. März. Wir knapp das Geld bei den Landwirten ist, zeigte sich bei einer hier stattgesundenen Versteigerung von landwirtschäft- lichen Grundstücken eines auswärts wohnenden Besitzers. Aus verschieden« Grundstücke wurden zum Teil keine, zum Teil so geringe Gebote abgegeben, daß der Zuschlag nicht erteilt wurde. Soweit «in Verkauf zustande kam, wurde trotzdem für daS Meter Land bis zu 1 Mk. bezahlt. — Der Schnepfenstrich hat auch in der hiesigen Gegend seinen Anfang genommen. Vorgestern abend wurde im Distrikt „Brand" deS hiesigen Gemeindewaldes der erst« streichende Langschnabel gesehen. — Di« hier und in den Rachbargemeinden erzielten hohen Holzpreis« haben auch den Besitzer deS Hoses „Strauch" veranlaßt, einen Teil seiner Waldungen abholzen zu lassen. Bei dem eingeschlagenen Holze handelt es sich meistens um Weich- holz. Bei der in diesen Tagen stattgefundenen Versteigerung wurden 15 bis 25 Mk. für 50 Wellen bezahlt, p. Reiskirchen, 3. März. Hier ist ein P/i Jahre alte# Kind an Scharlach gestorben. Kreis Marburg. ][ Marburg, 3. März. Wie in der Stadtverordneten - Sitzung mttgeteilt wurde, ist der Stabt Marburg von der Ausland a n l e i h e der Deutschen Giro-Zentral« ein Darlehen in Höhe von 900 000 Mk. genehmigt worden. Die Summe soll bei notwendigen Arbeiten im Elektrizitäts-, Gas- und Wasser- Die tolle Herzogin. § Roman von Ernst Klein. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten James Wood zuckte die Achseln und ging mit. Wie groß war fein Erstaunen, als Sperazzi nicht das goldvergitterte Tor Nr. 26 öffnete, sondern bis zum nächsten Hause weiterschritt. Hier prangte ein großes Messingschild am Eingang: International Agency Sperazzi & Co. Ein ernstes, sehr solid und sehr vertrauenswürdig aussehendes Schild. Wood blickte halb über die Schulter feinen Begleiter spöttisch an. Der aber hob die buschigen Augenbrauen, als wollte er sagen: Ja, mein Lieber, der Schein trügt mitunter! Sie traten ins Haus. Dieses wie das Schild, ernst geschäftsmäßig, solid. Ein großes Kontor empfing sie, in dem etwa zwanzig bis dreißig junge Leute emsig arbeiteten. Landkarten bedeckten die Wände, Eisenbahnfabrpläne und Schiffsrouten vervollständigten die Ausstattung. Schreibmaschinen klapperten. So früh die Stunde war, drängten sich bereits Kunden an den Schaltern. Geld wurde gewechselt. Fahrkarten bestellt, Auskünfte erteilt. James Wood fiel von einem Erstaunen ins andere. Hier wurde ja regelrecht gearbeitet. Sperazzi führte ihn, ohne sich lange aurzuhalten, durch das große Kontor und stieg mit ihm in den ersten Stock empor. Auch hier reges Geschaftsleben und alle möglichen vielversprechenden Aufschriften an den Türen. „Dersicherungsbureau", „Tarifbureau" usw. usw. James Wood wurde unheimlich zumute. Er blfam Angst. Sperazzi, der höflich an seiner linken Seite ging, kam ihm auf einmal ganz anders vor. So ernst, so geschäftsmäßig wie das ganze Kontor. Er sah beinahe solide aus-- Eine Glastür schloß den Korridor ab; an ihr stand in einfachen, schwarzen Lettern: Privatkontor. Sie traten ein. Ein kleiner 'Borraum öffnete sich, einfach und geschmackvoll mit alten Stichen Alexandriens und Kairos geschmückt, ganz so, wie es sich für ein ehrbares Kaufmannshaus schickt. Ein schwarzgekleideter Fellache nahm den Herren die Hüte ab. Sperazzi öffnete eine der beiden großen Doppeltüren und ließ James Wood eintreten. In einem großen, hellen Zimmer saß an einem vierdimensionalen amerikanischen Rollschreibtisch — Madame Lsonie. Uff — James Wood, der sich bei Gott nicht leicht verblüffen ließ, blieb beinahe der Atem stehen. Sie trug ein elegantes, aber sehr einfaches Tailorkleid, bis an den Hals geschlossen. Keine Brillanten, keine Perlen. Nüchternste, seriöseste Geschäftsfrau. Sah aber geradezu entzückend und bezauoernd aus, wie gestern abend, als sie den vergeblichen Versuch unternommen hatte, Herrn James Wood den Kopf zu verdrehen. Jetzt glückte es ihr beinahe. Er stand jetzt da und starrte sie an. Fassungslos, überwältigt-- , Sie erhob sich und kam auf ihn zu. Himmelherrgott noch einmal — selbst ihr Gang war heute anders! Kein Wiegen. Kein Gleiten. Kein schreitendes Tanzen. Der Chef einer großen Firma erhebt sich und geht seinem Besucher entgegen. Sie reichte chm die Hand; er küßte sie, wie er die einer Herzogin geküßt hätte. Vergebens suchte er ihren Blick. Höflich war der, liebenswürdig — aber nicht eines der Lichter in ihm, die gestern abend geflimmert und gelockt hatten. Wenn sie von ihm verlangt hätte, sich vorzustellen — bei Gott, James Wood, hätte sich nicht gewundert. War sie ihm ja selbst wie eine Fremde, wie eine Frau, der er zum ersten Male gegenübertrat. Man setzte sich. Madame Löonie an ihren Mammut von Schreibtisch. James Wood auf dem harten Lederfauteuil daneben, während sich Sperazzi einen Sessel heranschob und sich darauf niederließ, vergnügt die Hände reibend. Madame eröffnete die Konversation. „Herr Wood, wir hatten gestern die Ehre, und, wie ich nicht verheimliche, das Vergnügen, Ihre Bekanntschaft zu machen. Ich habe mir erlaubt, während des Gespräches mit Ihnen anzudeuten, daß ich von Ihrer Bekanntschaft sogar mehr erwarte als das bloße Vergnügen, das der gesellschaftliche Verkehr mit einer so anziehenden Persönlichkeit, wie Sie es sind, bieten kann. Wie Sie sehen, sind — mein Bruder und ich---" Dor dem Worte „Bruder" machte sie eine Pause. Eine Pause so dünn wie Seidenpapier. Aber doch eine Pause! James Wood war beruhigt. Indessen — er verzog keine Miene, er lächelte nicht, er blieb so ernst wie sie selbst. „---ernste Geschäftsleute. Auch das Haus nebenan ist nichts anderes als ein Geschäft, das wir beide sehr ernst nehmen. Trotz der Maske, die wir dazu anlegen müssen. Jedes Geschäft verlangt seine Aufmachung, nicht wahr? Ich kann eine internationale Agentur, deren Verbindungen, wie ich mit Stolz sagen kann, nach San Franzisko, nach Kapstadt, nach Buenos Aires reichen, nicht in einer dekolletierten Abendtoillette führen. Und ich kann mich zur Leitung eines Spielhauses nicht an einen Rollschreibtisch setzen, nicht wahr, das sehen Sie doch ein, Herr Wood?" James Wood sah das ein. James Wood verbeugte sich in voller Zustimmung und Anerkenung. James Wood machte sogar ein todernstes Gesicht. Madame sprach weiter: „Wir haben nun sofort erkannt, Herr Wood, daß Sie für einen Zweig unseres Unternehmens ganz besonders in Frage kommen. Gerade der Mangel an geeigneten Persönlichkeiten hat es uns bis jetzt unmöglich gemacht, diesen Zweig besonders auszudehnen, obwohl er vielleicht der lukrativste von allen sein könnte. Wir betreiben, wie Sie gesehen haben werden, eine regelrechte Agentur. Aber eine Hafenstadt wie Alexandrien hat andere Bedürfnisse, andere Verhältnisse wie etwa London ober Neuyork. An ein Unternehmen wie das unsere treten vielfach Anforderungen heran, die sich nicht auf rein kaufmännischer ober hanbelsmäßiger Basis abwickeln lasten. Anforberungen, die ein Zwistes Vertrauen seitens des Klienten in unsere Firma voraussetzen. Man würde drüben in Europa diesen Zweig, den wir bis jetzt leider noch nicht genügend verfolgen konnten, als Detektivarbeit bezeichnen. Bei uns fällt alles Mögliche darunter. Zum Teil haben wir die an uns herangekommenen Angelegenheiten erledigt, so gut wir konnten, zum Teil mußten wir sie ablehnen. Eben aus Mangel an geeigneten Persönlichkeiten. Denn sehen Sie, Herr Wood, zu diesen Geschäften gehört nicht nur ein scharfer und entschlossener^ Verstand, sondern auch eine absolute Vertrauenswürdigkeit. Ich glaube, baß beibe Bedingungen in Ihrer Person erfüllt sind---. Sie sind früherer Offizier---?" James Wood lächelte. „Wir wollen die Diskretton, die Sie von mir erwarten," erwiderte er. „gleich auf meine eigenen Angelegenheiten anwen- ben. Im übrigen--— warum nicht? Gerade als Ihr — Herr Bruder bei mir eintrat, hielt ich mit mir selbst Krieasrctt über meine nähere Zukunft, lieber die fernere Zukunft zerbreche ich mir nämlich nicht den Kopf. Aber ich überlegte mir doch, was ich in der nächsten Zeit Vernünftiges anfangen konnte. Detektiv? Man kann dafür auch Schnüffler und Spitzel sagen. Nicht wahr? Ich bin absolut nicht stolz ober feinfühlig, aber —" Mabame Läonie hob bie Hanb mit einer Würde, die James Wood als nichts anderes denn als hoch- mütgie Zurückweisung feiner Zweifel ansehen konnte. „Ich glaube nicht, Herr Wood, daß wir den, Eindruck auf Sie machen von Leuten, bie sich mit kleinen und schmutzigen Sachen befassen —" Jetzt hätte nicht viel gefehlt unb James Wood wäre trotz seiner Selbstbeherrschung in schallendes Gelächter ausgebrochen. Die präparierten Roulette-- tische — unb keine kleinen schmutzigen Sachen! Keine schmutzigen Sachen! Woob konnte sich nicht helfen, er mußte grinsen. Madame Läonie sah es natürlich nicht. Madame Leonie blickte ihn ernst und geschäftsmäßig an wie bisher unb fuhr fort: „Es kommt ja nur auf einen Versuch an, Herr Woob. Vielleicht zeigt es sich, daß wir uns. doch in Ihrer Person geirrt haben. Ober baß Ihre Anschauungen über bie für Sie vorgesehene Tätigkeit nicht ganz mit ben unsrigen übereinstimmen. Dann werden wir uns freundlich bie Hände schütteln unb Lebewohl sagen. Aber vorher, glaube ich, lohnt ein solcher Versuch der Mühe. Zudem ich doch annehme, Ihr Versprechen zu haben, nicht wahr, Herr Wood?" „Ich stehe zu Ihren Diensten, Madame, aber wenn auch ich Sie an eine Wendung unseres gestrigen Gesprächs erinnern darf: ich muß fragen, was verdiene ich dabei?" „Selbstverständlich müssen Sie das fragen. Doch hören Sie zuerst! Ich habe gleich hier in meinen Akten einen Fall, den ich Ihnen übertragen möchte. Ich brauche wohl von Ihnen kein Versprechen, daß Sie, wenn Sie ihn nicht übernehmen wollen, beim Verlassen dieses Zimmers vergessen haben, was ich Ihnen jetzt auseinandersetzen werde---* „Sie brauchen fein Versprechen, Madame." (Fortsetzung folgt.) werk Verwendung finden. — ®te strittige Frage, ob in den Volksschulen sog. Vegabten- abteilungen oder Ausbauklassen ein- geführt werden sollen, dürste vorläufig ruhen. Es wurde beschlossen, in diesem Sommer seitens Vertreter des Magistrats und der Schuldepu- tation Erkundigungen in Ftanksurt und in einer Stadt, in der gehobene Klassen eingeführt sind, einzuziehen und dann auf sicheren Grundlagen einen Sntschluh zu fassen. — Für dre Errichtung eines VerlehrshäuschenS am Haupt bahn Hof wurden 9000 Mk. bewilligt. Dillkreis. bl. Aus dem Dilltal. 3. Marz. Der Saatenstand unserer Fluren ist durchschnittlich gut. Korn und Weizen sind kräftig gesprossen und versprechen ein weiteres gutes Wachstum. Hoffentlich trügt die Frühjahrssonne nicht und allzu starke Fröste bleiben fern, die die Hoffnungen wieder zunichte machen können. bl. Herborn, 3. März. Die Stadt will in diesem Jahre selbst versuchen, den Wohnungsbau nach Möglichkeit zu fördern. Nach dem Projekt sollen 14 neue Wohnungen geschaffen werden. Dazu beabsichtigt man noch den Ankauf von Gelände. Ein Darlehen von 60 000 Mark soll zu dem Zweck ausgenommen werden. Die Tilgung des Betrags soll zum größten Teil aus der Grundoer- mögenssteucr erfolgen. bl. Dillenburg, 3. Mörz. Nach dem jüngsten Stand beträgt die Erwerbslosenziffer des D i l l k r e i j e s 5150 Personen. Dazu kommen noch 2981 Zuschlagsemosänger. Gegenüber den Borwochen blieb die Zahl im wesentlichen unverändert. Mit einer Erhöhung kann jedoch in Bälde gerechnet werden, da weitere Betriebseinschränkungen zu erwarten sind. bl. Hirzenhain, 3. März. Zum Pfarrer unserer Gemeinde wurde Pfarrvikar Honstein von Herborn, der längere Zeit die hiesige Pfarrstelle verwaltete, ernannt. Der neue Seeelsvrger wurde bereits in sein Amt eingeführt. — Dieser Tage wurde unsere neue Schule bei starker Anteilnahme der Bevölkerung feierlich eingeweiht. bl. Strohebersbach, 3. März. Die Gemeinde beabsichtigt, unter Inanspruchnahme von Mitteln aus der produktiven Erwerbslosenfürsorge den Stauweiher zu erweitern, ein Projekt, das schon seit längerer Zeit lebhaft erörtert wurde. Dabei soll eine größere Anzahl Erwerbsloser Beschäftigung finden. bl. Offenbach, 3. März. Teure Preise brachte die vor einigen Tagen in unserer Gemeinde- gemarkung oorgenommene Holzversteige- r u n g. Für 4 Rm. Buchenscheithvlz wurden 80 Mk. bezahlt. Maingau. WSA. Frankfurt a. M.. 3. März. Auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise entstand im Dachstuhl deS Völkermuseums im ehemals Thurn und Taxisschen Palais in der Großen Eschenheimer Straße heute früh gegen 4 Ühr ein Brand. Der sofort herbeigeeilten Feuerwehr gelang es noch etwa einstündiger Tätigkeit, den Drarrd zu löschen. Der Schaden wird aus etwa 60 000 Mark geschätzt. — Vach dem heutigen Polizeibericht wurde am 28. Febr. nachmittags zwischen 1—3 Uhr in der Jügelstrahe ein Wohnungseinbruch verübt, bei dem den Dieben ein wertvolles Platinkollier mit Kettchen und Anhänger, zwei Hängestäbchen mit Brillanten in Tropfenform und einer Perle als Endstück, eine Kassette mit Papieren, eine Aktentasche und 500 Mk. Bargeld in die Hände fielen.— Sn der Aacht zum Dienstag überfielen nachts auf der Zeil zwei junge Burschen einen Passanten mit den Worten: „Hund, Zigaretten heraus, oder wir schlagen dich tot!" Der Ueber- fallene setzte sich mit Erfolg zur Wehr, indem er einen der Angreifer zu Boden schlug. Dieser sprang aber sofort wieder auf und flüchtete mit seinem Komplizen unter Mitnahme des Hutes des Lieberfallenen. Beide wurden verfolgt, und ihre Festnahme konnte bald darauf erfolgen. Kreis Hersfclv. WSA. Niederaula, 3. März. Eine hiesige Ballgesellschaft erlebte dieser Tage eine unangenehme Ueberraschung. Als es zur Kaffee- pause gehen sollte, muhte man die peinliche Feststellung machen, daß von dem im Vorratsraum hoch aufgestapelten Kuchen nicht ein einziger mehr vorhanden war. Diebe hatten sich durchs Fenster eingeschlichen und den ganzen Vorrat mitgenommen. Wohl oder Übel mutzte sich die Ballgesellschaft mit Kaffee ohne Kuchen begnügen. Aus dem (Siebener Parieileben. veutfchnationale Volksparkei. Man schreibt uns: Eines starken Besuchs hatte sich der erste Borkragsabend dieses Jahres zu erfreuen, an dem Abg. Dr. W e r n e r • Butzbach über „Brennende Zeil- und Streitfragen" sprach. Er wies ein- aangs feiner Ausführungen darauf hin, daß man leuie — wie schon zu Zeiten Ciceros — mit vielem Lärm die Augen des Volkes von den Nöten der Zelt wegzuwenden und es mit Schlagworten zu betören juche. Eines der neuesten Schlagworte sei das von der „Fürstenabfindung", mit dem man die Ocffentlichkeit ablenken wolle von den Geschäften eines Barmat und Kutisker. Es handle sich bei der Auseinandersetzung mit den Fürstenhäusern um ein Rechtsgeschäft, um die Frage, ob das Privateigentum noch Geltung haben solle oder nicht. Wenn der Eigentumsbegrift einmal aufgehoben sei, dann sei die weitere Entwicklung zum Bolschewismus nicht mehr aufzuhalten, dann werde man auch andere Kreise zu enteignen suchen. Das Privateigentum müsse gewahrt bleiben, möglichst viele selbständige Existenzen müssen erhalten werden, ein kräftiger und starker Mittelstand sei notwendig. Gewiß mühten die Fürsten bei ihren Ansprüchen Rücksicht nehmen auf die Zeiwerhältnisic. Ein anderes Schlagwort sei das von der Ankurbelung der Wirtschaft. Wo seien denn die Auslandkredite, die man mit der Annahme des Dawesplanes erhofft habe? Ein ungehuerer Kapitalsverlust sei in Deutschland eingetreten, eine grohe Steuerlast bedrücke alle Kreise der Wirtschaft. Die Zentralisation der Finanz- verwaltung sei unser Unglück. Dazu komme eine verkehrte Handelspolitik, die einen so ehrbaren und fleißigen Stand wie den der Winzer dem Untergänge zutreibe. Gerade an der Mosel liege der Weinbau meistens in Händen von Kleinbauern, die in ihrer Existenz auf das schwerste bedroht seien. Ob die Herabsetzung der Umsatzsteuer für den Konsumenten von Nutzen sei, wäre sehr ftaglich, besonders da man noch nicht wiße, was an deren Stelle treten solle. Die Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz sei heute schon dermaßen hoch, daß sie nicht mehr bezahlt werden könne. Sie solle jetzt sogar auf 1,30 Mk. erhöht werden. In Hessen werde man einen ungeheueren Steuerausfall erleben. Der hessische Staat arbeite auf Pump, die Steuerkraft in Hessen sei am Erliegen. Tief einschneidende Operationen müßten vorgenommen werden. Das Landesamt für das Bildungswesen habe in den letzten 7 Jahren Hessen regiert und steuerlich ruiniert. Redner habe darum auch in der Hess. Kammer den Antrag gestellt, die Kosten für die Volksschule und für die Polizei wieder den Gemeinden zu überweisen. Denn diese hätten mehr auf die Ausgaben für diese Einrichtungen aufgepaßt. Das Darmstädter Landesiheater, das früher im Besitze des Großherzogs war, leide unter einem immer größer werdenden Defizit. Wenn es nicht gelänge, dies zu decken, fo müßte von 1927 ab das Landestheater geschloffen werden. Die Zahl von 70 Land- taasabgeordnelen sei für ein Land von der Größe Hessens nicht mehr zu ertragen. Es fei ungeheuer lich, dach nach dem hessischen Ministerpensionsgesetz ein abgehender Minister schon nach sechsmonatiger Dienstzeit 50 Proz. seines Gehaltes als Pension erhalte, so der frilhere Minister Fulda 13 000 1 Mk. Die Bevölkerung sei aber über diese Dinge zu I wenig aufgeklärt, sonst wären die letzten hessischen Landtagswahlen ganz anders ausgefallen. — An diesen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache an. Amtsgericht Gießen. Im August 1924 wurden aus der Turnbaracke des Universitätssportplatzes dahier verschiedene Geaenstände gestohlen, darunter auch eine silberne Taschenuhr. Der Verdacht der Täterschaft fiel auf einen Bautechniker W. aus Leipzig, dessen Frau mit einer Freundin aus Berlin an einem Gym nastikkurse teilnahm, und die er hier ausgesucht hatte. Einige Wochen später wurde einem hiesigen Uhrmacher eine Uhr zur Reparatur übergeben, die dieser als die gestohlene erkannte. Es stellte sich heraus, daß der jetzige Besitzer die Uhr bei einem Wirt erworben hatte, dem sie einige Wochen vorher von einem jungen Manne als Unterpfand für ein Darlehen überlassen worden war. Der junge Mann stellte sich als Architekt W. aus Berlin vor und zeigte eine Anmeldebescheinigung der Polizei dortselbst vor. Als der Wirt 8 Tage später der getroffenen Vereinbarung gemäß die Uhr unter Nachnahme an die von W. in Berlin angegebene Adresse sandte, kam die Nachnahme uneingelöst zurück. Man nahm um so mehr an, daß W., der jetzige Angeklagte, der Dieb sei, als der Wirt auf Vorzeigen mehrerer Bilder des W. erklärt hatte, sie zeigten große Aehnlichkeit mit der Person, die ihm damals die Uhr in Pfand gegeben hatte, und als dem W. nach feinen Vorstrafen ein Diebstahl sehr wohl zuzutrauen war. In der Hauptoerhandlung konnte jedoch der Wirt auf Gegenüberstellung den aus Leipzig, wo er z. Z. eine Diebstahlsstrafe verbüßt, hierher gebrachten W. nicht wieder erkennen, und dieser mußte deshalb trotz Vorliegen anderer schwerwiegender Verdachtsmomente mangels ausreichenden Beweises freigesprochen werden. Ein junger Mann von hier hatte Beziehungen mit einem Mädchen, die nicht ohne Folgen blieben. Da seine Mutter gegen das Verhältnis war, ging es auseinander. Als der junge Mann später dem Bruder des Mädchens in einer Wirtschaft bei einer Auseinandersetzung ein Glas auf den Kopf schlug, daß blutende' Wunden entstanden, zog die Mutter des Verletzten vor die Wohnung der Eltern des Täters und überhäufte dessen Mutter mit einer Flut der gemeinsten Ausdrücke und Beschimpfungen. Diese erhob daraufhin Prioatklage wegen Beleidigung, worauf die Angeklagte mit einer Widerklage wegen Beleidigung antwortete. In der Haupt- oerhandlung wurde errotefen, daß die unter Anklage gestellten Beleidigungen, die seitens der Angeklagten gar nicht ernstlich bestritten wurden, tatsächlich gefallen sind, während sich ergab, daß die Beleidigungen, die die Privatklägerin früher gegen die Angeklagte geäußert haben sollte, gar nicht gegen diese, sondern gegen deren Töchter gerichtet waren. Die Angeklagte wurde deshalb zu der gleichen Geldstrafe, nämlich zu 40 Mark, verurteilt, die die Privatklägerin im vorigen Jahr wegen einer ganz gleichartigen Beleidigung gegenüber einer anderen Frau erhalten hatte. Dagegen wurde die Privatklägerin auf die Widerklage hin freigesprochen. Außerdem wurde der Beleidigten die Publikationsbefugnis des Urteils zugesprochen. Ein Student hat einen Kleinrentner von hier, mit dem er in einem Hause zusammenwohnt, wegen Beleidigung verklagt. Er war nämlich mit dem Dienstmädchen seiner Wirtin auf deren Bitten auf den Boden gegangen, um von dort Sachen her» unterzuholen. Das Mädchen wollte aus Angst vor dem Kleinrentner nicht allein hinaufgehen, weil dieser ihm im Keller schon einmal Ohrfeigen am geboten hatte. Als die beiden vom Boden herunterkamen, rief der inzwischen aus seiner Wohnung her- ausgetommene Kleinrentner dem Studenten zu, er solle machen, daß er herunterkomme, sonst schmeiße er ihn hinunter, er habe oben nichts zu suchen, auch gebrauchte er die Worte „Lausbub von 21, 22 Jahren" und „Bub von 21 Jahren". Der Kleinrentner bestreitet diese Aeußerungen und will lediglich gesagt haben: „Was wollen Sie denn eigentlich hier oben? Ein junger Mensch von 24 bis 25 Jahren will das Mädchen hier heraus begleiten. Das Mädchen hat von meiner Seite nichts zu befürchten, i h m schlage ich nicht hinter die Ohren. Kommen Sie mit herunter, ich will S i e begleiten, daß Ihnen nichts passiert." Das Gericht schenkte jedoch den beeidigten Aussagen des Mädchens, die durch die Angaben anderer Zeugen in wesentlichen Punkten unterstützt wurden, vollen Glauben, und verurteilte den Angeklagten, dem seine Nervosität zugute gehalten wurde, zu einer Geldstrafe von 3 0 Mark. Gießener Jugendgericht. 3n der jüngsten Sitzung des Jugendgerichts wirkten als Jugendschöffen mit Karl Voigt von Wieseck und Friedrich Wagenbach II. von Alten-Bufeck. Anfangs Oktober v. 3. ist ein hiesiger Weißbinderlehrling durch ein in einer Umzäunung eines Gartens in den Eichgärten befindliches Loch geschlüpft und hat alsdann mittels Einsteigens aus dem dort befindlichen Garten- Häuschen ein Paar gute Frauenftiefel und zwei Vollen Vindfaden entwendet. Urteil: Vier Tage Gefängnis unter Etrasaussetzung bei vierjähriger Bewährungsfrist. Das Verfahren gegen einen angeblichen Mittäter ist vor der Hauptverhand- hmg eingestellt worden, da er bereits Fürsorgezögling ist und außerdem erhebliche Zweifel an seiner strafrechtlichen Verantwortung bestehen. 3m vergangenen Sommer balgten sich mehrere junge Leute, die miteinander nutzt auf gutem Fuße standen, auf der Ortsstrahe zu Durkhards- felden. Erst nach Wochen gelangte der an sich unbedeutende Vorfall zur Anzeige. Die Betreffenden — es sind zusammen sechs Angeklagte — hatten sich wegen gegenseitiger gemeinschaftlicher Körperverletzung zu verantworten. Der Dchlolftrlehrling PH. M., von dem festgestellt wurde, daß er zwei Gegnern eine leichte blutende Verletzung — wahrscheinlich mit einem Drahtstift, nicht »edoch mit einem Messer — beigebracht Hal, erhielt eine Geldstrafe von 15 Mk.. hilföweise drei Tage Gefängnis: die fünf anderen tarnen wegen der Geringfügigkeit der Tat mit einer nach dem Jugendgcrichlsgeseh m glichen Verwarnung davon. Außerdem hoben die Angeklagten die Kosten des Verfahrens zu tragen. Eine weitere Sache gegen den jugendlichen Hermann A. von Gießen, der beschuldigt ist, sich an zwei schweren Schlägereien beteiligt zu haben, wurde zwecks Herbeischaftung weiteren De- und Entlastungsmaterials vorerst auf unbestimmte Zeit vertagt. Gerichtssaal. ' Verurteilung wegen Eisenbahnfahrkarten- nnterschlagung. -WSN. Frankfurt a. M., 3. März. Das Schöffengericht uenirteilte den bei der Fahrkartenausgabe beschäftigten Eiienbahnbeamten H n g o Stroh wegen Amtsunterschlagung, Urkundenfälschung und Betrugs zu fünf Monate n und den Reisenden Hermann Wild wegen Beihilf? dazu zu zwei Monaten Gefängnis. Stroh eignete sich im Dienste etwa zehn Fahrkarten zweiter Ätaffe, darunter solche nach Berlin, an, fuhr mit einer Karte bis Hanau, wo er den Zug verließ und sich am Schalter den Fahrpreis Hanau—Berlin zu-- rückbezahleu ließ. Nachdem in Hanau die Sache vorzüglich geklappt hatte/versuchte er mit Wild, am anderen Tage den gleichen Trick in Friedberg auszuführen. Dort wurden aber die Beamten stutzig, da sie nicht glauben konnten, daß 100 Fahrtarten nach Berlin in einem Tage verkauft worden feien. Die beiden Täter wurden kurz darauf noch in Friedberg festgenommen und erhielten nun die verdiente Strafe. Zürnest, Sport und Spiel. Tennis. Helen Wills schlägt ftrau Ncppach. Wie die „Voss. Ztg." aus Mentons erfährt, trat Frau Neppach gegen die Amerikanerin Helen Mills an. Die Olympiasiegerin war der wenig trainierten deutschen Meisterin überlegen. Nachdem sie den erften Satz leicht mit 6:0 gewonnen hatte, erzielte sie im zweiten Satz nur 6:3. Ein Jugendheim auf der Loreley. Der Gauturntag des Turngaues Süd-Nasiau der Deutschen Turnerschaft hat beschlossen, auf der Loreley ein Jugendheim für die wandernde beutfdje lumerjugenb zu errichten. Sobald die geldliche Sicherheit hierfür vorhanden ist, wird der Gautag die endgültige Genehmigung der Gauvereine zum Bau einholen. Olympia - Vorbereitungen im Deutschen Rudersport. Der Deutsche Auderverband beabsichtigt, in diesem Jahre zum Zwecke der Olympia-Vorbereitungen der deutschen Ruderer Skullerlehrgänge in Frankfurt a. M., Mainz und Hamburg zu veranstalten. Folgende Termine find in Aussicht genommen: Frankfurt a. M. 6. bis 21. April (Leitung F. Qeuj): Hamburg: 15. biS 30. April (Leitung R. Brandes): Mainz: 1. bis 15. (bzw. 6. bis 21.) April (Leitung 3. Fremersdorf). Buntes Allerlei. Verbrecher-Spezialisten. .Unsere Zeit steht überhaupt im Zeichen der Spezialisierung, und so legen sich denn auch die Verbrecher in zunehmendem Maße nur auf ein bestimmte« Gebiet, in dem sie es dann zur Vollkommenheit bringen. Rach den Listen, die in der englischen Kriminalstatistik geführt werden, lassen sich zahlreiche Beispiele für solche Spezialisierungen des Verbrechens nachweisen,, und es finden sich unter den bekannten Verbrechern zahlreiche Männer und Frauen, die wegen desselben Vergehens Dutzende von Malen bestraft worden sind. Eine der hervorragendsten Spezialistinnen ist ^Pollh, die Taschendiebin": sie stiehlt nur Börsen und hat sich einen internationalen Ruf erworben, denn sie ist nicht nur in London und allen größeren englischen Provinzstädteit bereits abgeurteilt worden, sondern hat auch schon zahlreiche Gefängnisstrafen auf dem Kontinent abgesessen. Sie hat niemals ein anderes Verbrechen begangen als das Stehlen von Portemonnaies und Brieftaschen. „Jimmy, der Deften- dieb" ist em anderer Typus des Verbrecherspezialisten. Sein Jagdgebiet sind die Londoner Kraftwagen, und wenn er in einem unbewachten Wagen eine wertvolle Decke liegen sieht, dann hat er sie rasch unter seinen Vkantel gesteckt und ist verschwunden. 3immh weiß den Wert einer Decke mit dem Auge eines Sachverständigen abzu- schätzen, und er hat schon Decken gestohlen, die 1000 Mark und mehr wert waren. Die Klasse der Ladendiebinnen teilt sich wieder in verschiedene Gruppen. Cs gibt Frauen, die nur Pelze stehlen, andere, die sich nut Wäsche aneignen. Eine Ladendiebin hat sich auf reinseidene Strümpfe spezialisiert: kunstseidene würde sie niemals mitnehmen. Cs gibt in London Diebinnen, die ihre' Der-- brecherlaufbahn darauf beschränken, Hamdtaschen in Kirchen zu stehlen. Eine solche Diebin würde niemals ihrem verbrecherischen Beruf in einem Warenhause nachgehen: sie betrachtet nur die Gotteshäuser als das ihr zustehende Jagdgebiet. Es gibt Verbrecher, die niemals aus dem Stadtviertel herauskommen, in dem sie wohnen, und andere Verbrecher, die beständig Herumreisen. Wirtschaft. Die Arbeitsmarktlage in Hessen und Hessen-Nassau. Das Landesamt für Arbeitsvermittlung in Frankfurt a. M schreibt uns: Die Abwärtsbewegung auf dem ArbeilSmaickt ist in den beiden letzten Wochen unverkennbar zu einem gewissen Stillstand gefommen. Wohl hat in den Großstädten des Bezirks die Srwerbs- lofigkeit noch weiter zugenommen, jedoch nicht mehr in demselben Tempo wie in den Monaten Dezember und Januar. (*n einer Aeih» von Arbcitenachrveisbezirken im besetzten und unbesetzten Gebiet ging 'die Zahl der Stäupt« unterst ühungsempfanger sogar etwaS zurück. Am 15. Februar wurden nach der Erwerbslosensta- tistik im Gesamtbezirk des Landesamts (Hessen, Hessen-Aafsa,' und Waldeck) 145 850 Personen, und zwar 127 850 männliche und 18 000 weibliche unterstützt, also nur 2 Proz. mehr als am 1. Februar <142 93b. davon 127 476 männliche und 15 460 weibliche). Dazu kommen noch 6606 Aotjtandsarbeiter. für welche gleichfalls Zuschüsse aus der Erwerbslosensürsorge gezahlt werden, was einem Verhältnis von 4,3 V. H. der Haupt- tmtcrstützungsempsänger c tsprich:. Eine wesentlich verstärkte Inangriffnahme von öffentlichen: Aotstandsarbeiten ha: b.c in den neuen Bestimmungen enthaltene Erleichterung der Verzinsung und Tilgung der Darleden vorläufig nicht hn Gefolge gehabt. Die verhältnismäßig stärkere Zunahme der weiblichen gegenüber derjenigen der männlichen Hauptunterstützungsempfänger dürste auf die Verschlechterung des Beschäftigungsgra- Oes im Spinnstoff». Aahrungs- und Genußmittelgewerbe (Zigarren-, oigatetten- und Süßwarenindustrie) und im Bekleidungsgewerbe zurückzu- führen fein. Durch die Erwerbs!vfenstatistik werden nicht alle Arbeitslosen erfaßt, da die Gewährung der Llnterstüyung von der Erfüullung gesetzlicher Voraussetzungen abhängig ist. Aach der Stich* tagzählung durch die öffentlichen Arbeitsnachweise waren am 16. Februar im Gesamtbezirk des Landesamts 148 762 männliche und 25 698 weibliche, zusammen 174 460 Arbeitsuchende vorgemerkt. Davon kommt über Vs allein aus die Gruppe der ungelernten Arbeiter, für welche Beschäftigungsm öglichteiten z. Zt. nur in ganz beschränktem Umfange geboten sind. Aber auch in der Metallindustrie mit rund 31 000 Arbeitsuchenden. im Baugewerbe mit über 20 000 arbeitslosen Facharbeitern, im Bekleidungsgewerbe (9500) und im Holzgewerbe (7600) ist die Verschlechterung der Arbeitsmarktlage noch nicht zum Stillstand gekommen. Die Zahl der arbeitsuchenden männlichen und weiblichen Angestellten erreichte am 15. Februar einen Stand von rund 12 200. Ein Mittel zur Belebung der Wirtschaft wäre die sofortige Inangriffnahme der von Behörden geplanten ausführungsreifen! Bauvorhaben. Die nach amtlichen Pressemeldungen aus dem Preußischen Staatshaushalt für 1926 hierzu schon jetzt bereitgestellten Summen sollten den betreffenden Stellen unverzüglich zur Verfügung gestellt werden. Mtt den Eom- munalen Bauaufträgen sollte gleichfalls sofort und nicht erst, wie üblich, im April oder Mai begonnen werden, zu welchem Zeitpunkt auch die private Bautätigkeit einzusehen pflegt. Dadurch könnten schon jetzt nicht nur die hohe Zahl der erwerbslosen Baufacharbeiter herabgemindert, sondern auch verwandten. Berufen (Bauschlosser, Bauschreiner- und ungelernten Arbeitern Beschäftigungsmöglichkeiten geboten werden. Von den Schlachlviehmärkten. An den deutschen Schlachtviehmärkten der vorigen Woche verlief der Handel überwiegend langsam bis mittel, bei Schweinen vielfach etwas flotter. Die Auftriebsziffern haben für alle Gattungen eine leichte Zunahme erfahren. Die Preise für Rinder. Kälber und Schafe konnten sich annähernd behaupten, für Schweine verschiedentlich noch eine Kleinigkeit bessern. Aus den nachstehenden Märkten wurden für 1 Pfund Lebendgewicht in Pfennig notiert: Binder Kälber Schafe । Schwein« Berlin 18-50 36-70 25-48 68-80 Bremen 25-54 35-70 40-53 67-79 Breslau 15-50 47-68 30-48 58-75 Chemnitz 20-48 45-72 35-52 70-83 Dortmund 18-53 30-78 25-50 73-83 Dresden 20-51 50-71 30-55 60-80 Düsseldorf 20-57 38-80 — 72-83 Elberfeld 20-53 40-75 — 65-80 Essen 23-55 40-100 30-53 68-80 FrankfurtM. 15-51 40-70 25-50 60-86 Hamburg 12-50 30-76 — 65-81 Hannover 15-52 30-70 20—50 70-81 Hulum —— — —— — Karlsruhe 18-52 55-70 — 72-84 Kassel 25-53 45-60 — 75-88 Kiel 14-46 20-66 — 49-78 Köln 20-55 45-72 40-44 70-85 Leipzig 20-49 48-70 30-52 70-82 Magdeburg 18-51 25-63 23-42 65-82 Mannheim 12-52 46-74 30-38 68-82 München 16-52 55-80 — 58-80 Stettin 10-47 28-65 15-43 68-78 Stuttgart 12-51 56-74 — 59-82 Zwickau 15-50 40-65 30-50 70-83 * Eine 8prozentige Hessische Gern e i n d e a n 1 e i h e. Die kommunale Landesbank in Darmstadt legt eine 8prozentige Hessische Gold- fommunalanleibc im Betrage von 5 Mill, zu 88$ Prozent zur Zeichnung auf, die später an der Frankfurter Börse eingeführt werden soll. Sie ist innerhalb 25 Jahren rückzahlbar, und zwar durch Rückkauf oder Auslosung zu pari, beginnend mit dem ersten Anleihejahr: über den Tilgungsplan enthält der Prospekt keine näheren Angaben. Darüber hinausgehende gänzliche oder teilweise Kündigung ist erstmals zum 1. April 1931 möglich, und zwar bis 1935 zu 102 Proz., bis 1940 zu 101 Proz. und später zu 100 Proz. Für die Anleihe haften außer den a mErlös beteiligten Gemeinden das Vermögen der Landesbank selbst. * Julius Sichel K.G. a. A . Mainz. Die Verwaltung der unter Geschäftsaufsicht stehenden Gesellschaft wird Ende des Monats Juni eine H. V einberufen, der die für die Abwicklung der Gesellschaft entscheidenden Entschlüsse vorgelegt werden sollen. Die für das Resultat maßgebenden Verhandlungen mit der A. G. für Jndustriewerte in Luzern dürsten in den nächsten Tagen fo weit gefördert sein, daß der bekannt» lich mit 55 Proz. in Aussicht genommene Der- gleichsvorschlag den Gläubigem vorgelegt werden kann. An eine Wiederaufrichtung bzw. Weiterführung der Julius Sichel ll So. K. G. a. A dürste kaum zu denken fein, nachdem die Gruppe der Eisenhandlungen, der eigentliche Kern des Unternehmens, zerschlagen ist. Voraussichtlich wird daher, wie die .Frankr. Ztg." berichtet, die Liquidation durchgeführt werden. Doch hofft man dadurch, daß sich für die Aktionäre noch ein kleiner Wert ergeben wird. Bezüglich der Aktiengesellschaft für Jndustriewerte in Luzern sind die endgültigen Dispvsttionen noch nicht getroffen. Wahrscheinlich wird dieses älniemehmen tn bescheidenem Rahmen fortgesührt werden. LG < B ) 4' 1 - 4 Dörfenvirfe. Frankfurt a.M. Berlin Schluh.! r-Uhr- Schluß. !Änfanp Kurs | Kur« Kur» | flurc Datum: | 3. 3. ! 4.3. 3.3. j 4 3. »% Deutsche Reichsanleihe . 4% Deutsche Reichsaoleihe . S'/gO/n Deutsche Reicheanleihe •77,i Deutsche Reichsanleibe . Deutsche Svarprämienan leihe 4% Preußische Äonsols . . . <% Hessen ....... 3V«0/o Hessen......... 3% Hessen Deutsche Wertb. Dovar-Anl. dto- Doll.-Schatz-Auweilng.') 4*/o Zolltörten 5% Toldmcxitaner ... . Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank Darmst. und Nationalbank • Deutsche Bank Deutsche Bereiosdank .... Dtscomo Commandtt . . . Metallbank........... Mitteldeutsche Kreditbank. . Oesterrrtchische Crcditanstalt Westbank........... Bochumer Guß ....... Buderus ..... Caro ........ Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau ' Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln..... Laura Hütte . Oberbedarf Phönir Bergbau ..... Rbeinstahl ....... . Mebeck Montan ....... Tellus Bergbau. . ..... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd ..... Theramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Anglo-Cont.-Guano Chemische Mayer Alapin . . I. G i^arbcninvustrie, A.-G- Goldschmidt...... Holzverkohlung Rütgerswcrke Echeideanstalt Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann ........ Mainkraftwerke ....... Schlickert..... Siemens A Halske ..... Adlerwerte Kleycr ..... Daimler Motoren. ..... Heyligenstaedt ...... Megutn Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . . Melallgesellichaft Frankfurt. Pct. Union A.-G Schuhfabrik Her;..... Sichel. . ....... Zellstoff Waldhof Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerrabrtk Waghäusel . . . 0,3725 I .'.380 ".3702 0,38 — — 0,3507 0.36 0.355 0 350 0 3 i 0,440 — 0,4705 0 485 0,230 — 0,2205 —— 0.355 — 0,3505 0,357 0.350 — 0,37 —• — — 0,35 — 0,33 — — * 100 95 — 69 35 — 99,55 11.35 1 U,8) 1 11,25 [ — 38 ' 38,- I - । 144 75 144.5' 107.5 108,5* 108' 108 5* 125.75 — 126' 120,3* 125 —— 125,5' 127* 73 — —— 119' 119,75 118,5* 119,2* 83 82 — 101,7* 101,7* 101,75 6.62 6,62 6.63 6,62 0,035 0 035 80 — 81,6 82,5 43,5 — 43 43 — 44 — 85* 87,-* 83,75* 85' 86' 87.25' 85.25* 86* 104,6* 104,2* 103 5* 102.7' — — 1-2,5 114 116.5 — 115 5 117.5 33 — 33 33 44,5 . —— 45,75* 7-.5* 75.25* 73,62* 74,25' 78.5' 79,5* 77,75* 78 65 80,75 — 80,13 53 —- — — 132,7' 135 7' 132,1* _ 128.5' 131 7* 123* — — — - 85 87 — - 63,5 65,25 64 — — — — — —— — — 124,2* 126,5* 124* 124.8' 65 66,25 65,25 67 63.75 — 72 5 — 71,25 90 70 — — 89' 89,5* 88,9 89' - — 80,13* 79,5* 84 — 80' 80 7a 79 5* — 99 100 97,9* 99,25' 41,25 — 40,75 41.75 35,25 36 35 38,37 23 — — 28,5 — — — - * —— 20 — — 4.1 | — — 91 5 — 62 62,25 62 — 2 i 26,1 * 5 4.5 5 —- 106.5 | 107 104.5 106,25 42 43 42 45,12 1 46 37 46,9 1 — Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegrap h i sche Auszahlung. 3. März. 4. März. Amtliche Notierung <^eld 1 Brief Ärmliche Notierung Geld i Brief Sünft.»'Jiott Buen-Aires Brss.°Antw. Tssristiania. Kopenhagen Llockholm . Helssngfors. atalicn. . . London. . Neuhork . . Darts. . . Schweiz . . . Spanien. . Japan . . . Nio de Jan. Wien in D ° Lest- abgest l ieffrab' ! l Budapest. . t Bulaanen 9 Lissabon Damig. . » Konftanttn. Alben Canada. . . Uruguay . . 167.94 1.6J1 19 055 90.07 108,91 112,41 10,56 16,84 20,38-3 4,195 Lj, 68 80 73 59,12 1,913 0.616 59,11 12,411 7,395 5,875 3,035 21 12.) 80 84 2,1-tö 5 !9 4.178 4,305 168,:j6 1,695 19.095 90.2) 109 19 112,69 10,60 16,88 20,4 2 4,205 15,72 80.93 59,26 1,917 ).618 59,25 12,416 7,415 i,895 3,045 21,175 81.04 2,195 601 4,188 4,315 168.12 1-685 19.06 89 04 108,91 112,41 10.558 16,82 20,383 15,625 80,74 59,13 1,909 0,609 59,10 5,416 7,392 5,875 3,025 21,205 80,85 4,19 5.94 4.171 4,305 168,54 1,-89 19,10 90,26 109,19 112,69 10,698 16,86 20,435 15,65 80.94 59,27 1,913 0,611 59,24 12,456 7,4'5 5,895 3,035 21,255 81,05 2,20 6.96 4,184 4,315 Banknoten. ■ Berlin, 3 Mär; Geld Briet Amerikanische Role« , . .., 1.186 4,206 Belgische Noten ....... 19.00 19.10 Dänische Noten ....... 108,58 109,12 (Englische Noten........ 20,355 20.45, Französische Noten ...... 15.8’ 15.9? Holländische Noten ...... (67,48 168/!? Italienische Noten ...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr-, 5100 Kronen 16 87 16.95 89,58 90,31 69,00 59,3) Rumänische Noien...... — Schwedische Noten ..... 112,12 112,68 Schweizer Noten....... 80,605 81.005 Spanische Noten..... , 59.03 59 33 Tschechoslowakische Noten . . 12,385 12,445 ungarische Noten....... 5,842 5,8X2 Berliner Börse. Berlin, 4. März. Die hiesige Börse wurde heute von den Vorgängen an der Neuyorker Effektenbörse nicht beeinflußt. Man hat sich vielmehr yon der amerikaniscken Kursbewegung emanzipiert, wobei man mit Recht darauf hinwies, daß die Berliner Hausseengagements schon in den letzten Wochen abgebaut waren und an deren Stelle vereinzelt bereits Decouverts entstanden find. Die pessimistischen Monatsberichte der preußischen Handelskammern über den Verlauf des Monats Februar wurden wenig beachtet, da man auf die kürzlichen Ausführungen des Reichswirtschaftsministers verwies, der betonte, daß man auf die leichten Anzeichen einer Besserung unseres Wirtschaftslebens nicht verkennen dürfe. Auch der Monatsbericht der Dresdner Bank ist im Gegensatz zu den Berichten anderer Großbanken optimistisch gehalten. Die Tendenz war daher bei Beginn allgemein befestigt. Die Führung übernahm der Schiffahrts- markt, an dem mit Spannung das Ergebnis der Verhandlungen zwischen Geheimrat Cuno und Harriman erwartet wird. Diese werden gegenwärtig in Hamburg fortgeführt und sollen nach Blättermeldungen heute oder morgen abgeschlossen werden. Der Vertrag soll im Falle des Zustande kommens in der ursprünglichen Form der Hapag sowie der deutschen Schiffahrt erheblichen Nutzen stiften. Hapagaktien, die vorbörslich mit 132 Proz. gehandelt wurden, eröffneten bei Beginn des amtlichen Verkehrs mit 134,68, Norddeutscher Lloyd mit 131,5 nach 127,5 im telephonischen Morgenver- kehr. Die weitere Erleichterung der Geldverhöltniise und der günstige Eindruck der unveränderten Annahme der Steuermilderungsgesetze bestärkten die Spekulation und das Publikum in ihren Rückkäufen. Sehr fest lagen außer Schi'ff- sahrtsaktien auch türkische Renten und Vor- c riegspfandbriefe. Am Geldmarkt war der Satz für tägliches Geld 5,5 bis 7 Prozent. Im Vevisenoerkehr war Oslo abgeschwächt. Pa- .is notierte aegen London 130,5, etwas schwächer. Warschau Kabel unverändert. Heute Keine Stadtverordneten- fttzung. Die für heute nachmittag einberufene Stadtverordnetensitzung ist im Laufe der Vormittagsstunden abgesagt worden. Frankfurter Börse. Frankfurt, 4. März. Tendenz fest. — Die Effektenbörse, die vorbörslich etwas weniger zuversichtlich eröffnete, zeigte sich durch die überaus flaue Haltung der Pariser Börse etwas beeinflußt und ließ Neigung zu neuen leichten Rückgängen erkennen. Bei dem zunächst unsicheren und zurückhaltenden Geschäft war die Kursbildung leicht nach unten gerichtet. Nach kurzem Verlaufe jedoch war die Verstimmung verdrängt und eine freundlichere Strömung gewann die Oberhand. Das Geschäft erreichte indessen nicht den gestrigen Umfang. Am Terminmarkt standen Schiffahrtsaktien bei beträchtlichen Umsätzen wieder im Vordergründe. Die Kaufneigung, die auf Berliner und Hamburger Rechnung zurückgeführt wurde, zeitigte neue Kursbesserungen von 3 bis 4 Proz. Am Montanmarkt verstimmte etwas die Mitteilung, daß die Harpener Bergbau-A.-G. wahrs cheinlich eine Dividende nicht ausschütten könnte. Kursmäßig kam dies nicht zum Ausdruck, denn auch Montanwerte waren bis zu 2 Proz. höher, Harpener allerdings nur um 0,25 Proz. gebessert. Auch Farbwerte standen im Mittelpunkt des Kaufinteresses. Die Besserungen betrugen bis zu 1,13 Proz. Elektroaktien blieben etwas im Hintergründe und folgten der Aufwärtsbewegung nur zögernd. Nur Siemens & Halske waren um 1 Proz. befestigt. Bankaktien lagen ruhig ohne Veränderungen. Disconto etwas niedriger, Auto-, Zellstoff- und Zuckeraktien waren weiter bevorzugt und hatten neue leichte Kurssteigerungen aufzuweisen. Die übrigen Werte des Kassamarktes bewegten sich zumeist auf gestrigem Stande. Der heimische Renten- markt hatte stilles Geschäft. Bei geringer Umsatztätigkeit blieben die Kurse säst unverändert. Pfandbriefe tendierten ziemlich fest. Für ausländische Renten ist die Nachfrage geringer geworden. Türkenwerte gaben infolge der schwachen Pariser Kurse etwas nach. Ungarn lagen fest. Stärker gefragt waren Rumänen. Der Freiverkehr hatte etwas regere Umsätze. Api 0,45, Becker Stahl 45, Becker Kohle 50,5, Benz 42, Brown Boveri 69, Entreprise 9,5, Growag 51, Hansabank 70, Helvetia 45, Krügershall 84, Petroleum 60,5, Kabel Rheydt 102,5, Ufa 54, Ufra 63 Prozent. Bei dem Nachlassen des Geschäfts wurde im weiteren Verlaufe die Tendenz unsicher. Die Kurse begannen leicht abzubröckeln, mit Ausnahme von Schiffahrtswerten, die weitere geringe Steigerungen erzielten. Der Geldmarkt wies weiter steigendes Angebot auf. Tagesgeld 6 bis 7 Prozent, Monatsgeld für erste Adressen 6 bis 6,5 Prozent, für zweite Adressen 8 bis 8,5 Prozent. Bankdiskonten 5 Prozent, Jn- dustrieakzepte 6,5 bis 6,75 Prozent. Im D e - visenverkehr notierte Paris gegen London 129,30, fast unverändert. London war mit 4,857/a gegen Kabel behauptet. Die übrigen Valuten waren unverändert. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 4. März. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 26,25 bis 26,50 Mk.; Roggen, inländischer, 17; Sommergerste für Brauzwecke 20 bis 22,50; Hafer, inländischer, 18,50 bis 22,50; Mais (gelb) 18; Weizenmehl, inländisches (Spezial 0) 39,75 bis 40; Roggenmehl 25 bis 25,50; Weizenkleie 9,25; Roggenkleie 9,50 bis 9,75 Mk. Tendenz: stetig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 4. März. Auftrieb: 3 Rinder, 3 Kühe, 1217 Kälber, 406 Schafe und 703 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: feinste Mastkälber 67 bis 72 Mk.; mittlere Mast- und beste Saugkälber 58 bis 66; geringere Mast- und gute Saugkälber 48 bis 57; geringe Saugkälber 35 bis 47. — Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 45 bis 50; geringere Masthämmel und Schafe 35 bis 44; mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 26 bis 32. — Schweine: vollfleischige von 80 bis 100 Kilogramm 79 bis 80; unter 80 Kilogramm 70 bis 78; von 100 bis 120 Kilogramm 79 bis 81; von 120 bis 150 Kilogramm 79 bis 80 Mk. Deutsche Volkheit. Der Begriff Volk erschöpft sich keineswegs in der Fläche des Räumlichen und Zeitlichen Rebeneinanoer der Zeitgenossen, sondern noch entscheidender ist das Racheinander der Schicksalsgenossen! An das von Goethe in Wahrheit und Dichtung geprägte Wort „Volkheit", wird man wohl sich erst gewöhnen müssen, während die Bücherreihe, die unter dem Titel „Deutsche Volkheit" vor kurzem bei Eugen Diederichs in Ieüa zu erscheinen begann, bereits sich eingebürgert hat,, dank ihres inneren Wertes, ihrer reichen und geschmackvollen Ausstattung und der Schlck- salsnotwendigkeit jetzt stärker als früher in unserem Wesen zu wurzeln. Diese Bücherreihe ist etwas anderes als ein billiger Rachdruck alter Texte mit wissenschaftlichen Anmerkungen, sie geht nicht darauf aus, totes Wissen zu vermehren. Alle Gelehrsamkeit, sei sie historisch oder germanistisch, hat nach ihrem Programm zwischen den Zeilen unbemerkt zu stehen, denn sie will künstlerisch bildhaft in den Werdeprozeß der deutschen Seele einführen, um der Gegenwart zu dienen. Gerade heule brauchen wir ein Besinnen auf die Tradition, wo alles Geschehen nach neuen Formen drängt. „Richt die alten Formen sind es, die wir suchen, sondern jene Kraft, aus der einst die Formen geschaffen wurden, damit sie neues Wesen in uns zeuge." Es gilt ein Zurück zu den Quellen! Bisher liegen 16 Bände in wunderschönen farbigen Kün stlerpapp bänden zum Einheitspreise von Mk. 2,— vor. und es ist schon eine Augenfreude, diese schmucken Bande nebeneinander liegen zu sehen, sie aufzuschlagen und den schonen Druck und die interessanten Illustrationen zu sehen, die zur näheren Beschäftigung mit den Texten locken. Rur der Kenner der alten Texte bemerkt deren sorgfältige Umformung, die Rhythmus und Bildhaftigkeit der alten Sprachform zu wahren sucht und doch leichte Verständlichkeit an- strebt. In das germanische Heldentum führen die beiden Bände: „Dänische und nordische Heldensagen" nach dem Saxo Grammaticus. Das im mittelalterlichen Latein von einem dänischen Mönch im 12. Jahrhundert verfaßte Original ist neben der Edda die wichtigste Quelle des ältesten germanischen Denkens und der Wi- Schach-Ecke. Bearbeitet von W Orbach. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredattion des „Gießener Anzeigers". Problem Nr. 51. Don Severin Herzsprung. Weiß zieht und seht in drei Zügen matt. Weiß: 4 Steine Ke2, Da5, Tc2, Tg2. Schwarz: 3 Steine Ke6, Ta8, Ba6. 3 2 6 5 4 1 8 7 ■ h 5 4 3 6 7 8 2 1 a b c d e Weiß. Der nordische Komponist bietet uns in dieser Aufgabe ein Meisterwerk, das eines Samuel Lohd würdig wäre. Rach dem ersten Zuge stehen dem schwarzen Könige alle acht Felder offen! Endspiel Nr. 13. Don A. Troihki. Schwarz. 3 2 6 5 4 1 7 a b 6 3 2 8 5 4 7 1 Weiß. c d e f £ h Weiß am Zuge gewinnt. Weiß: 4 Steine Kg4, Dc2, Se5, Bh7, Schwarz: 6 Steine Kh8, Dh6, Td7, Bc3, Bf4, Bg5. Ein sehr feines Problem des großen russischen Endspielkomponisten. Lösung deS Endspiels Nr. 13. Don A. Troihki. Wie man sieht, hat Weiß für seine Dame nur die Diagonale (a8-hl) frei. Es ergeben sich also nach: 1. Se5-g6+, Kh7: 2. Se7-J-, Kh8 3. Dc3-f-:, Dg7 die Turmlinienschachs 4.-12.: Dc8-c2-h2-b2— b8-bl -hl -al -a8; sodann ist Schwarz genötigt, den Turm zu opfern (Kh8-h7 führt zu DaS-hl-J-, Dg7 — h6, Dhl —bl+etcj. Dann folgt wiederum die Schachserie, außerdem tritt noch eine innere Linie hinzu 13.-25.: D-d8-d3-h3-c8-c2 etc. Run entscheiden die 4 Züge: 26. Dhl+, Dh6 27. Dbl4-, Kh8 28. Db84-, Kh7 29. Dg8++. Lösung des Problems Nr. 50. Don D. Dalle. 1. Sd4-f5! Aus der Schachwelt. Turnier um die Meisterschaft von Frankfurt am Main. Anfang März beginnt das Turnier um die Meisterschaft von Frankfurt am Main, welches bis Mitte April erledigt werden soll. Von stärkeren Spielern nehmen daran teil: Prof. Mannheimer, F. Präger, Dr. -Naumann, K. Sauer. Der Meister der Stadt Frankfurt, *20. Orbach, wird an diesem Turnier nicht teilnehmen. Wir werden über den Stand des Turniers gelegentlich berichten. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom NedattionSttsch. Abfuhr. Der französische Epigrammatist Le Brun wurde einst von einem Schwäher gefragt: welcher Unterschied wohl zwischen Zeit und Ewigkeit sei. „Mein Gott!" erwiderte Le Brun, „wenn ich mir die Zei f nehmen wollte, Ihnen da- auseinanderzusetzen, so würden Sie eine Ewigkeit brauchen, mich zu verstehen" Geschichtchen aus dem Kriege. Gin älterer Major a. D. ist Bahnhofskommandant geworden und spaziert in seiner Uniform auf dem Bahnsteig umher, als ein müder, bestaubter, schwerbepackter Landwehrmann an ihm vorbeikommt, ohne zu grüßen. — „Run, mein Sohn, kennen Sie mich nicht?" Der Landwehrmann betrachtet den Majo« und schüttelt den Kopf: „Ich war in Galizien, und war bei Verdun, und war in Rumänien, aber Ihnen bin ich nirgends begegnet." Mildernde Umstände. „Klau-Fränze" steht wieder einmal wegen eines schweren Einbruchs vor Gericht. Der Staatsanwalt beantragt gegen den rückfälligen Verbrecher eine Zuchthausstrafe von einem Jahr. „Klau-Fränze", vom Vorsitzenden zum letzten Wort verstattet, bittet, ihm doch wenigstens einen Tag der Strafe abzulassen. „Warum denn gerade einen Tag?" fragt der Verhandlungsleiter. „Heile haben wir Stiftungsfest in unferm Verjnüjungsverein," erwidert der Angeklagte. „Wer da zweemal hintereinander fehlt, muß ’n Taler Strafe zahlen." Alte Geschichte. Im Zoologischen Museum: „Und hier i ‘ ein in Alkohol konserviertes Vogelei aus der Zeit Rhamses VI.“ Lehmann pufft seine Frau in die Seite: „Siehste, die ollen Ejipta mit ihren Giakognakl?" Kreislauf. „Ich werde nie einen Mann heiraten, der mich nicht imponiert." — „Und wodurch kann dir ein Mann imponieren?" — „Daß er den Mut aufbringt, mich zu heiraten." kingerkultur. Aber diese Sagen sind im Original in einem Wust scholastisch mittelalterlicher Weitschweifigkeiten erstickt und es bedurfte nicht nur wissenschaftlicher Fachkenntnis, sondern auch künstlerischen Empfindens, um die reine Dolks- sage wieder herauszuschälen. Die beiden Auswahlbände bringen, abgesehen von der Urfassung der Hamletsage überraschend unbekannte Stoffe. So eine Fahrt in die Polarländer mit Besuch der Unterwelt. Auch jene Uffesage, auf deren Inhalt hin die Dänen ihre Ansprüche in Schleswig bis zur Eider erheben, und die der Uhland'schen Ballade „Vom blinden König" zu Grunde liegt, ist sogar entsprechend den Quellen in zwei verschiedenen Fassungen gegeben. Aber auch die beiden plattdeutschen Märchensammlungen sind von ganz besonderem Interesse. Die eine von Zaunert unter dem Titel „Plattdeutsche Märchen" herausgegeben, vereinigt abseits von Grimm und Wisser zerstreut liegendes älteres Material zu einem eindrucksvollen Bande, der noch durch alte Spekter'sche Holzschnitte wirkungsvoll gehoben wird. Der andere Band von dem Hamburger Schriftsteller Hans Friedrich Blunck „Vun wilde Keerls in'n Brook" bringt die ursprüngliche Fassung seiner niederdeutschen Glbemärchen, die er zum Teil schon früher in hochdeutscher Sprache veröffentlicht hat. Bei diesen Märchen kann man bereits vom „Reuen Werden" reden. Denn hier schafft Blunck mit unanfechtbarer Selbstverständlichkeit Verkörperungen der von der modernen Technik unterjochten Elemente so stark und unmittelbar in ihrer Phantasiegewalt wie die Vorzeit ihre mythologischen Fabelwesen schuf. Es sei ferner auf die aus niederdeutschen Quellen stammenden „Marienlegenden" in ihrer schlicht naiven Sprache, auf die kraftstrotzenden „Flämischen Märchen", die ganz in Behaglichkeit, Humor und Freude am Leben getaucht sind, hingewiesen. Die geschichtliche Seite des Unternehmens tritt bei den ersten Bänden noch verhältnismäßig zurück. Ein gelungener Barbarossaband ergänzt das mittelalterliche Volksbuch durch Chronikenberichte aus dem Leben Friedrich II. Man liest hier beispielsweise die Quelle zu Schillers Dal- lade vom Taucher. Ausführliche Schilderung erfährt Friedrich der Große in 2 Bänden, die fein Leben in Rheinsberg und Sanssouci zeichnen. Hier spürt man im Etil den Zeitgeist des Rokoko direkt, denn man erlebt das Leben Friedrichs unmittelbar im Verkehr mit seinen Freunden durch in die Schilderung verwobenen Briefe und Tagebuchblätter. Weitere Bände, die die alten deutschen Kaiser behandeln, die geistigen und politischen Führer des Mittelalters, die Führer der Freiheitskriege und andere, werden in den Bänden erscheinen. Der Versuch, Volksbücher für alle Kreise zu schaffen, ist dem Herausgeber Dr. Paul Zaunert überraschend gut gelungen. Rundfunk-Programm des Frankfurter TenderS. (Aus der „Radio-Umschau".) Freitag, 5. Marz. s 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. „In der Tretmühle des Lebens, oder das Los des ungelernten Fabrikarbeiters". Vortrag von Frau Klüssendorf (für Kinder vom 13. Jahre ab). 4.20 bis 5.45 Uhr. Hausfrauen-Nachmittag (Programm u. a ..Die geistige Entwicklung des Kindes", Dortt von Lehrer K. Stricker). 5.45 bis 6.10 Hfjr: Lesestunde (Driefliteratur): Aus den Briefe, der Günderode. 6.20 bis 6.45 Uhr: „Theater — Film — Funk", ein Vortragszyklus von Dr. Martin Kunath. 6.45 bis 7.15 Uhr: Stunde des Südwestdeutschen Radioklubs: Kursvortrag: Herr E. Becker: „Störungen an Empfangsgeräten". 7.15 bis 7.25 Uhr: Film-Wochenschau. 7.25 bis 7.45 Uhr: Der Briefkasten. 7.45 bis 8.15 Uhr: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Arzneimittel in alter und neuer Zeit", Vortrag von Privatdozent Dr. Fleischer. 8.15 bis 9.15 Uhr: Klarinettenkonzert. 9.15 bis 10.15 Uhr: Kabarett der Komiker. Ans dcm Amtsvcrkiindiftunqsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 18 vom 2. März enthält: Volksbegehren „Enteignung der Fürstenvermögen". — Auflösung der Wassergenossenschaft „Oberau" in Villingen. — Maul- und Klauenseuche in Stangenrod und Röthges. — Beihilfen an ehemalige Kriegsteilnehmer.— Nachtrag zur Ortssatzung der Gemeinde Wieseck über den Bezug von Wasser aus der Wasserleitung. — Feldbereinigung Lauter. — Dienstnachrichten. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Isr. NeligionSgemelnde. GotteSd. i. b. Synagoge (Sübanlage). Samstag, 6. März 1926. Vorabd. 6.00, morgens 9.00, abds. 6.20 u. 7.00. Gottesdienst der isr. Religionsgesellschaft. Sabbatfeier, den 6. März 1926. Freitag abds. 5.45, Samstag vorm. 8.30, nachm. 3.30, SabbatauSgang 7.00. Wochengottesdienst: morg. 6.45, abds. 5.30. - 11 ■!' ' =5 1 Sammeln Sie SÄS Bonbonniere ein ^Verli Preußisch^ Sie im D wäriige' Zeitungen äußernden kabinrtl runzlet! schienen. G Ministe Präsiden!« mit viele, wesend. 21 Mmtensc Industrie, Perliner f denen viel nach Derli Sr. Fra bandes, 61 irr bet er i der Presse Uteic Nk.54 Erschein Sönitz Tiehentt heil E 2 W Nächte loh", °° scheinen« infolge ssernpr Ns lag MdE Anschrift lichtem J polt jronffnrti eine Aede, zur Zeit sch sftechen far aus die deu entnahm die aus dem Ci lichen Fi .ttigen, dah durch die E führe. Es i nicht von ' dend mW rungs- uni ja in der sei An bi in der sich sinanzm sp zusammen^ ietveiligen L anderem C Zeitraum s< deutlich m nähme der zum Abschi politischen bis zur E läge nn Zi vir am l dritten vicklungsg, verständlich erkennt Sc die finanjii Auch ti 1924 beginn Abgänge n ander. 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