Nr. 29 Erstes Blatt J76. Jahrgang Donnerstag, 4. Zebruar (926 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: VrW'fche Univerfitätt-Vuch- und Zteindruckerei H Lange in Sietzen. Zchriftleitung und Sefchäftsflelle: Zchulftratze L Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameonzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20°, mehr. Chefredakteure Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot: für den übrigen Teil Crnft Blumschein, für den Anzeigenteil Hans Iuft-l, fämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. MouatL-vezugrpreir: । 2 Reichsmark und 20 \ Reichspfennig für Träger. lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 1 Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11689. Deutschlands Eintritt in den Völkerbund. Der Auswärtige Ausschuß billigt das sofortige Ausuahmcgesuch. Berlin, 3. Febr. (TU.) Der Auswärtige Aus- schuh des Reichstags trat heute vormittag unter dem a des Abg. Hergl zusammen. Der Ausschuß elfe zunächst das vorläufige Wirtschaftsabkommen zwischen dem Deutschen Reich und dem Königreich Spanien vom 18. November 1925, sowie den Zusatzvertrag vom 26. November zum deutsch-niederländischen Handelsund Schiffahrtsoertrag vom 31. Dezember 1851 und den deutsch-niederländischen Zoll- und Kreditvertrag vom 26. November 1925. Nach längerer Aussprache, in deren verkauf auch der Reichsauhenminister Dr. Stresemann das Dort ergriff, wurden die Gefehentwürfe an den handelspolitischen Ausschuh w e i t e r g e 1 e i t e t. Es folgte die Besprechung über die Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund. Bei der Behandlung dieser Frage im Ausschuß war das gesamte Reichskabinett zugegen. Zu Beginn der Beratung beantragte Abg. Stöcker (fiom.) die Herstellung der Dessent- lichkeit für die 'Ausschußoerhandlungen, was jedoch von der Mehrheit des Ausschusses a b gelehnt wurde. Darauf legte Reichsauhenminister Dr. Stresemann in ausführlicher Rede feine Stellungnahme zum Eintritt in den Völkerbund dar. Nach längerer Debatte wurde folgender Antrag mit 18 gegen 8 Stimmen angenommen: „Nach Entgegennahme der Erklärungen des Reichsauhenminifters hat der Auswärtige Ausschuh keine Bedenken dagegen erhoben, dah die Reichsregierung von der durch Gesetz vom 28. November erteilten Ermächtigung zum Einttitt Deutschlands in den Völkerbund G e - brauch macht und geht über die sonstigen vorgelegten Anträge, die den Einttitt Deutschlands in den Völkerbund ablehnen oder an Bedingungen knüpfen, zur Tagesordnung über." Die Reichsregierung ha! nunmehr die Staats- und 7N in i ft e r p r ä f ide n te n der Länder für Samstag vormittag zu einer Aussprache über das gleiche Thema nach Berlin eingeladen. Die Entscheidung der Reichsregierung über das Ein- trittsgefuch Deutschlands wird in einer am Montag nächster Woche stattfindenden Sitzung erflogen. Nach Informationen der „Vossischen Zeitung" hat sich in der heutigen Ausschußsihung Reichsauhen- minister Dr. Stresemann dahin ausgesprochen, dah das rechtzeitig eingehende Gesuch Deutschlands im Völkerbundsrat so schnell erledigt werden würde, dah bereits im März die auher- ordenttiche Tagung der Völkerbundsversammtung zusammentreten und die Aufnahme Deutschlands be- schliehen werde. Es liege dringend im deutschen Interesse, die Aufnahme in den Völkerbund schon im Mär; zu betreiben, weil bereits in den nächsten Tagungen des Rats Gegenstände auf der Tagesordnung flehen, die es nötig erscheinen lassen, dah Deutschland mit am Tisch sitzt. Eine Ratssitzung in Gens. Gens, 3. Febr. (TU.) 3n der 1. Abendstunde wurde im Völkerbundssekretariat das Ergebnis der Verhandlungen des Auswärtigen Ausschusses über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund bekannt und löste allgemeine Befriedigung aus. Das Aufnahmegesuch der Reichsregierung wird für Samstag oder Sonntag in Genf erwartet. Der Generalsekretär des Völkerbundes wird vermutlich für Donnerstag, den 11. Februar, eine außerordentliche Rats- sitzung nach Gens einberufen, in der die Ratsstaaten durch ihre Minister oder Berner Gesandten vertreten sein werden. Die Sitzung wird als einzigen Gegenstand der Tagesordnung die Einberufung einer Vollversamm- lung zur Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund enthalten. Als Termin für die Volksversammlung wird die Zeit zwischen dem 8. und 15. März gewählt werden. Zugleich wird auch der Rat seine 38. Tagung abhalten. Polens Sitz tm Völkerbundsrat. Danzig, 3. Febr. (TU.) Aach Meldungen aus Warschau soll Polen auf Grund eines Vertrages zwischen Spanien und der Mehrheit der Aatsmitglieder einen, nichtständigen Sitz im Völkerbundsrat erhalten und damit in die bisherige Stelle Spaniens im Rate treten. Spanien werde dafür nunmehr einen ständigen Ratssih erhalten. Diese Art der Lösung der Frage soll auf die Anregung polnischer diplomatischer Kreise zurückzuführen sein. Italiens Rüstungen. Paris, 3. Febr. (Wolff.) Der Pariser Korrespondent des „Aeuyork Hecald" hat eine Studienreise nach Italien unternommen. Der „Mattn" gibt einen Auszug aus seinen Fest- stellungen wieder, die sich auf die militärische Organisation Italiens bezüglich der Luftschifffahrt und der Flotte beziehen. Es heißt darin, das neue Flugzeugprogramm sehe den Ausbau der Luftstreitkräfte In einem Zeitraum von vier wahren auf 182 Geschwader, bestehend aus 3000 Flugzeugen und Wasserflugzeugen, vor. Dus italienische Budget für Luftschiffahrtswesen übertreffe bereits das entsprechende Budget der Vereinigten Staaten. Die italienische Englands innere Konsolidierung. Die Parlamentseröffnung. — Die unumschränkte Herrschaft der Konservativen. Von unserem W. v. K. - Berichterstatter. (Aachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) London, den 3. Februar 1926. Das englische Parlament ist feierlich eröffnet worden. Der König ist in vergoldeter Karosse, gefolgt von den hervorragenden Mitgliedern des Hofes und den Mitgliedern des Kabinetts, kurzum, geleitet von dem gesamten Aufgebot politischer Würde, vom Buckingham Palace nach dem Oberhause gefahren, wo er die Thronrede feierlich verlas. Die Parlamentseröffnung ist immer ein großer Tag. Der schaulustigen Menge wird dabei die politische Bedeutung der Staatshandlung mit einer durch lange Hebung ihrer Theatralik beraubten, selbstverständlich gewordenen Zeremonie vor Augen geführt. Der Inhalt der Thronrede war im wesentlichen schon bekannt. Ihr Hauptgewicht lag in der Ankündigung wirtschaftlicher Reformen. Elektrizitätsprogramm, Kohlenkrisis, und dergleichen. Außenpolitisch wurde das Fazit der Pariser Besprechungen Chamberlains gezogen, Alle diese Dinge sind jedoch nicht von entscheidender Bedeutung. Die Wichtigkeit des Augenblicks wird durch den Inhalt der Thronrede oder die Symbolik der Zeremonie nur unvollkommen erfaßt. Alle polittsche Entwicklung vollzieht sich langsamer, unvollkommener, als daß sie durch Aeuherungen und Reden der handelnden Personen ausgedrückt oder formuliert werden könnte. Die feierliche Eröffnung des Parlaments gibt aber einen Anlaß zu vergleichender Beobachtung allgemeiner Aatur. Immer deutlicher hebt sich aus dem politischen Geben Englands die Persönlichkeit des leitenden Ministers, Stanley Baldwin, hervor. Immer klarer wird der englischen Welt der völlige Zusammenbruch der Opposition. Das ist ein bisher kaum erlebtes Schauspiel. Bislang regierten in England zwei Parteien. Auch die scheinbar machtlose Opposition wurde bei allen Fragen der Außenpolitik und bei vielen Problemen der innere:' au Rcfte gezogen. Im 'Parlament sitzt gegenüber dem Premierminister der Führer der Opposition als der künftige Premierminister, und der Engländer war gewöhnt, mit dieser Alternative zu rechnen. Was aber gewahren wir heute? Die liberale Partei ist zu einer Debattierschule geworden, wo sich ehemalige Minister und führende Politiker mit einem ungeheuren Aufwand von Scharfsinn und Aieder- tracht bekämpfen. Im Arbeiterlager steht es nicht besser. Mac Donald ist verreist und damit fehlt der Partei die Vertretung durch eine führende polittsche Persönlichkeit, ja, man hört Stimmen höchst radikaler Arbeiterführer, die dem konservattven Erzfeinde, dem Ministerpräsidenten Baldwin, uneingeschränktes Lob wegen seiner Tatttaft auf dem Gebiete des öffentlichen Wohnungsbaus spenden. In der konservativen Partei selbst sind, wie schon häufiger betont wurde, die Stimmen der Mißvergnügten kaum noch zu vernehmen. Die kon- servattve Partei beherrscht das Feld und in der konservativen Partei regiert fast unumschränkt Stanley Baldwin. Es liegt in seiner Aatur, bescheiden und zurückhaltend aufzutreten. Das entspricht den besten Traditionen englischer Politik, die Zurückhaltung liebt und der alle Theatereffekte im Grunde verhaßt sind. Daß auch diese Methode letzten Endes ein wohldurchdachtes Mittel zur Erzielung politischer Wirtung ist, daß auch darin Regiettlnstgriffe enthalten sind, braucht wohl kaum gesagt zu werden. Aber der Engländer liebt es, leise zu sprechen und er weiß, daß auch das im Theater geflüsterte oder halblaut gesprochene Wort tieferen Eindruck macht, als das mit großem Stimmaufwand geschmetterte. Was ergibt sich aus all diesen Beobachtungen? Die englische innere Politik konsolidiert sich immer mehr. Immer klarer wird das Ziel der leitenden Männer. Immer bewußter werden sie in der Wahl ihrer Mittel Roch vor einem Jahr tastete man unsicher und brachte als Morgengabe für die Wähler weiter nichts als die politische Phrase von der „Stabilität". Heute ist das Wort Ausdruck eines Inhalts. Dieser Inhalt ist, wie man vorgibt, wirtschaftspolitisch. Allenthalben hört man in England vom Wiederaufbau der Industrie, der Finanz. Man spricht von Märkten, von Erzeugung, von Finanzproblemen, von der Technik, von Erfindungen, von der Zahlungsbilanz und Außenhandel, von Sck)iffahrt und Transportwesen ... Es scheint, als wäre England auf dem besten Wege, sich wieder in eine Nation von Krämern zu verwandeln. Ja. man kann fagen, daß man diese Absicht ganz offen zugibt. Trotzdem handelt es sich bei dieser Einstellung, wie denn der Engländer, auch wenn er wirtschaftlich zu handeln vorgibt, immer Politik treibt, um ein großes politisches Ziel. England will die Vorherrschaft in Europa, ja die in der Welt mit wirtschaftlichen Mitteln erreichen. Locarnoverträge. Weltschiedsgerichtshof, Abrüstung, Kolonialpolitik, europäische Politik, alle diese Fragen werden unter dem Gesichtspunkte der Wirtschaft behandelt, weil man fühlt, daß diese Methode die zu überwindenden Widerstände vermindert. Baldwin ist die Seele dieser Politik. Er stammt selbst aus der Wirtschaft. Diesem großen Ziele opfert man die Einzelheiten und zu diesen Einzelheiten gehört Deutschland. Deutschland ist zwar wirtschaftspolitisch einer der wichtigsten Faktoren, aber andererseits ist gerade die deutsche Frage die unangenehmste Aufgabe für den englischen Politiker. Man könnte die englische polittsche Ansicht vielleicht ausdrücken, wem: man lagt: Es kommt der englischen Politik darauf an, Deutschland, wenn möglich, wirtschafllich zu sanieren, um es die politische Gegenwart und den Verlust einer politischen Zukunft vergessen zu machen, Und deswegen ist dies stolze Bild einer großzügigen Wirtschaftspolitik mit weltpolitischem Hintergründe für uns nicht gerade sehr tröstlich. Die Adreßdebatte im Unterhaus. London, 3. Febr. (WTB.) Das Hinterhaus setzte heute die Debatte über die An t - wortadresse aus die Thronrede fort. Wheatley (Arbeiterpartei) bezeichnete die Thronrede als ein Dokument politischer Unfähigkeit. Jener Locarnogeist, fuhr Wheatley fort, der für die britische Industrie gefordert wird, bedeutet soviel als Ehrfurcht vor dem Starken und Verachtung vor dem Schwachen. Derselbe Minister, der vor dem Vertreter Mussolinis kapitulierte beschimpft jetzt öffentlich die Sowjetregierung. Wheatley, der sich weiter mit dem Elektrizitätsplan einverstanden erklärt, aber betonte, daß letzterer das Arbeitslosenproblem nicht lösen werde, sagte dann, das Land brauche einen sofortigen großzügigen Plan, der die Lage der Arbeiter verbessern könne rind dadurch die Kaufkraft steigere. Frederic W i s e von den Konservativen begrüßte die S ch u 1 d e n r c g e l u n g mit Italien als loyal und versöhnlich, forderte aber, daß bei weiteren Regelungen nicht nur die Zahlungsfähigkeit des Schuldners, sondern auch die Lage in England berücksichtigt werden solle. Morgan Jones von der Arbeiterpartei verlangte Verbesserung der Beziehungen zu Rußland auch im Interesse der Abrüstungs- frage und forderte Aufklärung über die Politik der Regierung in China. Kenworthy von der liberalen. Partei sagte: Bei der Schuldenregelung mit Italien ist England schwer hineingelegt worden. Man ist fast zu dem Argwohn berechtigt, dah irgendeine geheime politische Kraft mit am Werke war. aus der sich diese außerordentliche Vereinbarung erklären läßt. Wenn irgendein politisches Zugeständnis gemacht wurde, muß das Unterhaus informiert werden. Marine verdränge bereits 271 000 Tonnen. Italien entwickle den Dau besonders leichter Kreuzer und Unterseeboote. Der alte Kriegs- Hafen von P 01a fei unmodern geworden und werde durch neue Flottenstützpunkte in Spezia, im Golf von Genua und Tarent erseht. Außerdem erklärt der Berichterstatter, daß im kommenden März 200000 Rekruten ein- gezogen würden. Die f a s z i st i s ch e Miliz bestehe aus 350 000 Mann gut ausgerüsteter Mannschaften. Amerika öffnet seine Kriegsarchive. Berlin, 3. Febr. (Wolff.) Aach einer Meldung der „B. Z." aus Washington hat die Kongrehbibliothek im Auftrage des amerikanischen Senats alle verfügbaren Dokumente über den Ursprung und die Ursachen des Weltkrieges zusammen- gefaßt. Der umfangreiche Band, zu dessen Herstellung auch deutsche Quellen benutzt wurden, dürfte dem Senat am Mittwoch zugehen. Die Zusammenstellung der Akten und Dokumente durfte genügen, die Behauptung von der deutschen Alleinschuld an dem Krieg zu widerlegen. Eine neue Arbeitsgemeinschaft im Bergbau. Essen, 3. Febr. ITH.) Gestern haben in Essen Beratungen führender Arbeitgeber des Bergbaues und der Leiter der Gewerkschaften stattgefunden, die der Klärung der Frage einer ev. Wiederaufrichtung der seinerzeit 1918 von Stinnes und Legien ins Leben gerufenen Arbeitsgemeinschaft im Bergbau galten. Als Vertreter der Dergwerksbesiher nahm teil Generaldirektor Vögel er und Generaldirektor W i s k 0 t t, sowie Fritz Thyssen, als Vertreter des Alten Dergarbeiterverbandes Husemann sowie ein Vertreter des Allgemeinen Deutschen GewerkschaftsbuNdes, als Vertreter der Christlichen Gewerkschaften (Stege r to a l b, Imbus ch unnd Rotthäuser, ferner Schmidt (Hirsch-Duncker). Heber die Einzelfragen eines ev. Zusammenarbeitens in Fragen des Handels, der Produkttonsstatisttk und der Rattonalisierung ergaben sich vielfach starke Meinungsverschiedenheiten. Aach weiterer Klärung der besprochenen Fragen in den einzelnen Lagern sollen wettere gemeinsame Beratungen ftattfinberr. Vertzehrssragen im Haushallsausschuß. Schärfste Angriffe gegen die Nrichs- bahnverwallnng. Berlin, 3. Febr. Im HaushaltSausschuß des Reichstages wurde beule die Beratung des Haushalts des Reichsverkehrsministeriunis fortgesetzt. Beim Kapitel Reichsbahn betont der Berichterstatter Abg. Dr. Quaatz (dn.) die Notwendigkeit. den Einfluß des Reiches in der Reichsbahnverwaltung genügend zu sichern. Sehr wichtig sei die B i I a n z p v ü fang durch die Reichsstellen. Das leichtsinnige Verhalten der deutschen Dawesunterhändler rache sich jedoch noch darin, daß daS Reich die Kosten der Auskunftserteilung seitens dec Reichsbahngesellschaft selbst tragen müsse. Die Finanz- und P e r s 0 n a l p 0 l i t i 5 der Rcichsbahngesell-- schäft bedürfe schärfster Kritik. Trotz der erhöhten Tarife hätten sich die Leistungen d. Reichsbahn nicht gesteigert. Der Redner verlangt zum Schluß genauere rechnerische Aufstellung darüber, wie weit die Reichsbahn die ihr aufcrlcgten Daweslasten tragen kann. Abg. Schütz (Komm.» machte dem Reichsverkehrsministerium zum Vorwurf, daß feine Beamten sich der Reichsbahngesellsch-as! gegenüber zu schlapp benähmen. Die Gesellschaft betrachte sich offenbar als unabhängig von der deutschen wirtschaftlichen und sozialpolitischen Gesetzgebung. Während der Schiedsspruch für das Personal abgelehnt wurde, habe die Gesellschaft ihren leckenden Beamten Weihnächte arattfikattonen gewährt, deren Höhe nach der Anweisung in einem Rundschreiben geheim gc* halten werden soll. Den Arbeitern unb unteren Angestellten werden dagegen Lohnherabsetzungen durch die Drohung mit Entlassung aufgezwungen. ReichSderkehrsminister Dr. Kröhne versicherte, das Ministerium habe in allen wirt schriftlichen und sozialpolitischen Fragen nie unterlassen, auf die Reichsbah ngeseftfchaft u 11 ■ mittelbar einzuwirken. Wenn es dabei nicht weiter tarn, so lag das an der un zureichen ■ den Handhabe, die das Reichsbahn- g e s e y der Reichsregierung gibt. So hat die Reichsbahnverwaltung die Anregung des Ministeriums abgelehnk, aut Deckung der bei der Durchführung des Schiedsspruches erforderlichen 20 Millionen entsprechende Abstriche von den 28 Millionen zu machen, die für die Lei stungszulage in den Voranschlag eingestellt worden sind. Das Leistungszulagensystem in seiner jetzigen Form ist wenig zweckmäßig. Der Minister äußerte sich dann eingehend zu der Gehaltspolitik der Reichsbahn und betonte, daß das Ministerium vergebens die Anerkennung des Schiedsspruches angeregt habe. Es wäre natürlich nicht zu ertragen, wenn der größte Unternehmer Deutschlands einfach aus der deutschen sozialpolitischen und arbeitsrechtlichen Gesetzgebung losgelöst wäre. (Beifall.) In der Tarifpolitik erkläre sich die günstige Behandlung der Durchfuhrtransporte zum Teil aus dem Valutadumping, unter dem Deutschland jetzt leide. Von Geldüberfluß könne bei der Reichsbahn nicht die Rede sein. Die nottoenbigen Wschreibungen hätten bisher nicht gemacht werden können. Von einem Vertreter der Reichsfinanzverwaltung wurde mitgeteilt, daß das Reich zu den bisherigen 500 Millionen weitere 124 Millionen Vorzugsaktien gegen eine Anleihe in den Reichsbelih übernommen habe. Im übrigen sei die Reichsregierung darauf bedacht, daß ihr Einfluß auf die Reichsbahnverwaltung durch Beschickung des Verwaltungsrates und Vergebung von Vorzugsaktien in fremde Hände nicht Der- mindert werde, lieber das Bilanzprüfungsrecht des Reiches sei eine Verständigung mit der Gesellschaft nicht erzielt worden. In der Aussprache wurde von allen Rednern die Tättgkeit des Reichsverkehrsministers anerkannt und das Bedauern darüber aus- aefprochen, dah sein Einfluß auf die Reichsbahnverwaltung durch die Gesetzgebung zu stark eingeschränkt sei. Schärfste Kritik wurde von allen Rednern an dem Verhalten der Reichsbahnverwaltung geübt, die offenbar bemüht fei, d i e Gesetze zu Ungunst en des Reiches und zum Vortell der leitenden Personen der Verwaltung auszulegen. Gegen die Betriebssührung der Reichsbahngesellschaft wurden schärfste Angriffe vorgebracht. Es erwecke den Anschein, als wolle die Verwaltung gerade die gewinnbringend e n Einrichtungen der Dahn an Privatgesellschaften a b st 0 h e n, so daß schließlich die Reichsbahn bei ihrer Rückgabe im Werte herabgesetzt sei. In vielen Fällen habe die Reichsbahnverwaltung Wertstättenarbeitrr in großer Zahl entlassen und die bisher von ihnen geleisteten Arbeiten durch Privatfirmen mit höheren Löhnen und höheren Preisen ausführen lassen. Die Bilanz der Aeichs- bahngesellschaft fei ganz unübersichtlich. Der Konflikt bei der Reichsbahn. Die Klärung der Rechtslage. Berlin, 3. Febr. (WTB.) Vertreter der drei Eisenbahneroerbände waren heute im Reichsarbeits- Ministerium, um sich über die Rechtslage zu unterrichten, die durch bfc ch fÜhklLV g des verbindlichen Schle02fpruchs fei- tone- der Deutschen Rcichsbahngcfell- schüft entstanden ist. Der Vertreter des Reichs orbeitsministers legte dar, bafo auf dem Gebiet des Schlichtungsrechtes auch die Deutsche Reichsbahn- gesellfchaft kerne Sonderstellung bcorp fpruchen könne. Dos Bedürfnis, eine gewaltsame Austragung von Streitigkeiten zu vermeiden, sei bei der Reichsbahn sogar ein erhöhtes. Dos Reichsbahnschiedsgericht sei zu einer Ent. scheidung über die Zulässigkeit der Verbindlichkeitserklärung nicht zuständig, do diese nicht durch Sie Reichsregierung, sondern durch den R e i ch s a r b e i t s m i n i st e r als Instanz des Schlichtungsverfahrens ausgesprochen werde, und daher ein Streit zwischen der Reichsregierung und der Reichsbahngesellschaft gar nicht oorliege. Die Rechtslage sei nach Derbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches für die Eisenbahnarbeiter und ihre Verbände keine andere als gegenüber jedem privaten Arbeitgeber, so daß sie also ihre Ansprüche gerichtlich geltend machen müßten. Die Vertreter der Gewerkschaften stellten fest, daß sich diese Ausführungen mit ihren eigenen Anschauungen durchaus deckten, und wiesen darauf hin, daß der Reichsbahngesellschaft durch die Durchs sührung des Schiedsspruches nur eine Belastung von 11,8 Millionen Mark jährlich erwüchsen, was bei der Höhe ihres Gesamtetats überhaupt nicht ins Gewicht falle. Die R e i ch s b a h n g e f e l l s ch a f t betonte demgegenüber, daß die Mehrbelastung von 2 0 Millionen, die die Durchführung des Schiedsspruches bringen müßte, von ihr nicht getragen werden könne. Weiter ist sie der Ansicht, daß Verbindlichkeitserklärungen auf sie nicht a n g e wo n d t werden dürften, da das Rcichsbahngeseß Sonderverpflichtungen dem Reparationsagenten und der deutschen Wirt schäft gegenüber bedinge, und daß deshalb für sie auch eine Sonderstellung dem Reichsarbeitsministe- riuni gegenüber notwendig sei. Deshalb habe sie, obwohl Reichsrcgierung und Verkehrsausschuß des Reichstags die Zuständigkeit des Reichsbahngerichts angezweifell haben, die Entscheidung dieses Gerichts ucrlnngt. Rach Mitteilungen von zuständiger Seite trifft es zu, daß die von der Reichsbahn beabsichtigten Tariferhöhungen von der Reichsregierung a b g e l e h n t worden sind. Deutscher Reichstag. Der Glückwunsch an die befreite Zone. Berlin, 3. Febr. Präsident V ö b e eröffnet die Sitzung mit folgender Ansprache, die von den Abgeordneten stehend angehört wird: „Der Deutsche Reichstag sendet mit dem gesamten deutschen Volke seine Grüße an den Rhein und beglückwünscht die Landsleute der sog. ersten Zone zu ihrer Befreiung vom Drucke fremder Besatzung. Er dankt ihnen für die unwandelbare Treue, mit der sie auch in den schwersten Tagen zur deutschen Heimat hielten, und für die Festigkeit und die Tapferkeit, mit der sie jedem Druck standhielten. (Beifall.) Wie wir ihnen oft von diesem Platze aus anläßlich aller Drohungen von außen und oller Zweifel von innen zuriefen: Der Tag eurer Befreiung kommt!, so versichern wir heute den Volksgenossen in den übrigen Gonen d e s W e st e n s, daß all unser Trachten und unsere Arbeit darauf gerichtet sind, nicht nur ihre Losten ( zu vermindern, sondern auch b i c Fristen der Besetzung abzukürzen, die mindestens noch den letzten völkerrechtlichen Vereinbarungen ihren Sinn verloren haben. So hoffen wir, daß nur bald den letzten Deutschen am Rhein und an der Saar die gleichen Glückwünsche sagen können wie heute den Landsleuten im nördlichen besetzten Gebiet." (Äbhafter Beifall.) Das 5)qu9 tritt sodann in die Tagesordnung ein und berät einen von der Deutschen Volkspartei eingebrachten Gesetzentwurf zur steuerlichen Erleichte- ' rung wirtschaftlich notwendiger Betriebs zu- s a m m e n s ch l ü s s e. Die Vorlage wird dem - Steuerausschuß überwiesen. — Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs zur Vereinfachung des TNiliiärstrafrechts. Der Ausschuß hat die Strafbestimmungen für Beleidigungen innerhalb des Heeres verschärft. Zn besonders schweren Fällen soll auf die Entlassung der Offiziere und Mannschaften erkannt werden. Gehorsamsverweigerung soll in schweren Fällen mit verschärftem Arrest bestraft werden. In einem besonderen vorn Ausschuß ein- gefügten Abschnitt Via wird der Zwei kämpf unter Heeresangehörigen mit Freiheitsstrafen von einem halben bis zu drei Jahren belegt. Wer Ehrengerichte bei Vereinigungen oder Orden anruft oder an ihnen mitroirft, wird mit Freiheitsstrafen von einem bis sechs Monaten bestraft. Zu den Freiheitsstrafen kommt in allen Fällen die Entlassung. Abg. Dr. Barth (Dn.) bezeichnet die Duell be st immun gen der Vorlage als unannehmbar. Eine solche Sonderbehandlung des Militärs stehe in der Gesetzgebung der ganzen Welt einzig da. Eine Veranlassung zu so schweren Strafen bestehe nicht, denn in der Reichswehr sei kein Duellzwang, und seit ihrem Bestehen sei auch kein Duell unter Reichswehrangehörigen vorgekommen. Die Deutschnationalen könnten der Vorlage nur zustimmen, wenn die Duellbeftimmungen wesentlich gemildert würden und vor allem die Bestimmung der Dienstentlassung wegfalle. Abg. Buchholz (Z.) begrüßt die Vorlage als eine zeitgemäße Verbesserung des längst reform- bcdürstigen Militärstrafaefetzbuches. Das Zentrum werde die Ausschußbeschlüsse unter Ablehnung aller A e n d e r u n g s a n t r ä g e annehmen. Die DueUbestimmungen seien ein Fortschritt, der nicht entbehrt werden könne. Das Zentrum habe immer das Duellunwesen bekämpft, aber die Reform sei früher stets an dem Widerstand des Kaisers gescheitert. Abg. Landsberg (Soz., bezeichnet es als einen Vorzug des Gesetzentwurfs, daß er neben einer Vereinfachung des Militärstrafgesetzbuchs auch eine wesentliche Milderung in vielen Punkten bringt. Die Duellstrafbestimmungen seien dringend notwendig. Wenn durch sie das Duell aus dem Heere beseitigt werden könne, würde diese Unsitte auch allgemein verschwinden. Abg. Hampe (Wirtsch. Vg.) stimmt der Vorlage zu. Die von den Deutschnationalen geäußerten Be denken gegen die Duellstrafbestimmungen seien zum 7eil berechtigt, aber sie könnten nicht zur Ablehnung der Vorlage führen. Abg. Dr. Frick (Dölk.l protestiert gegen die Duellstrafbestimmungen. Abg. L o i b l (Bahr. Dpt.) begrüßt die Dorlage. Die Duellstrafbestimmungen dürften nicht auf die Reichswehr beschränkt bleiben, sondern mußten auch auf die Zivilbevölkerung ausgedehnt werden. Die holländische Regierungskrisis. Amsterdam, .. — Die bereits vom 12. November v. Is. datierende holländische Regierungskrise nimmt neuerdings wieder das Interesse der öffentlichen Meinung des Landes o ausschließlich in Anspruch, daß alle anderen Fragen dadurch in den Hintergrund gedrängt werden. Die Krisis hat sich jetzt zu der schwierigsten und l ä n g ft e n ausgewachsen, die es jemals in der holländischen parlamentarischen Geschichte gegeben hat, und übertrifft schon an Dauer selbst die berühmte vorletzte Regierungskrisis mit ihrer rund ZOtägigen Dauer, die seinerzeit mangels einer anderen Lösungsmöglichkeit zu einer Fortführung des Amtes durch das Kabinett Ruhs de Deerenbrouk als „Ge- angene der Kötzigin" führte. Auch jetzt wird wieder der Königin die Absicht zugeschoben, als letzten Ausweg den Mitgliedern des augenblicklichen Kabinetts Colijn die Genehmigung ihrer Demissionsgesuche zu verweigern und o das jetzige Kabinett zu zwingen, im Amte zu bleiben Inzwischen ist man allerdings gegen Gnbc der vergangenen Woche einen geringen Schritt weitergekommen. Der Leiter der Christlich-Historischen Kammerfraktion und Unterrichtsminister des jetzigen demissionären Kabinetts Dr. de 03 i ff e r hat das Vergebliche seiner sieben Wochen dauernden Versuche zur Vildung erst eines rechtsparlamentarischen und später eines Geschäftsministeriums der Rechten endlich einge* eh en und den von der Königin erteilten Auftrag zur Kabinettsbildung wieder an sie zurückgeben müssen. Er hat für die Bildung eines rein außerparlamentarischen Kabinetts oder eines sich auf die Linke stützenden Gefchäfts- ministeriums den bekannten Haager Rechtsanwalt Dr. Limburg empfohlen. Dr. Limburg, der Mitglied der Freisinnig- Demokratifchen Partei ist, aber niemals parteipolitisch hervvrgelreten ist. gehört nicht den Generalstaaten an. ist jedoch längere Zeit Abgeordneter der Deputiertenlammer der Provinz Süd- Holland gewesen. Er gilt in internationalen Rechtssraaen als eine Autorität und war als holländischer Delegierter auf der letzten Völker- bundsversammlung und al« Rechtsbeistand des polnischen Staates im Polnisch-Danziger Pvst- streit vor dem internationalen Gerichtshof tätig. Die Eigenart des jetzigen Stadiums der Re- gierungslrifis liegt darin, daß die Ernennung Dr. Limburgs zum „Kabinettsformateur" saft von der gesamten Presse von der äußersten Rechten bis zu den Sozialdemokraten verhältnismäßig günstig aufgenommen wird — nur nicht in den Kreisen seiner eigenen Partei! Der Führer der freisinnigen Demokraten. Rechtsanwalt Dr. Marchant, der zu Anfang der Regierungskrisis den vergeblichen Versuch unternahm, Katholiken und Sozialdemokraten in einer Linksregierung zusammenzufassen, hat sich dieser Tage in Reden und in einem Artikel des Parteiorgans De Vrijzinnig Demoeraat verhältnis- mäßig scharf gegen eine Annahme des Limburg erteilten Auftrages durch diesen ausgelas- fen und sogar mit seinem Ausschluß aus der Partei gedroht. Es ist jedoch nicht anzunehmen, daß Limburg sich hierdurch irgendwie in feinen Absichten beirren lassen wird. Da der parlamentarische Einfluß der Freisinnig-Demokratischen Partei nicht allzu groß ist und Dr. Limburg selbst den Rus eines Mannes von über- parteiischer Gesinnung genießt, können die Aussichten einer durch ihn vorzunehmenden Kabinettsbildung auf der Grundlage eines Geschäftsministeriums von mehr oder weniger unparteiischem Charakter als nicht ungünstig bezeichnet werden. Dies gilt in erhöhtem Maße für den Fall, daß er den Katholiken in der Frage der Gesandtschaft beim Heiligen Stuhl einige Konzessionen gewährt. Reichswehrminister Dr. Geßler: Der neue Gesetzentwurf will leine Regelung des Militärstrafrechts. Wir bemühen uns, den inneren Wert der Truppen so zu heben, daß wir Strafbestimmungen nicht an^utoen- den brauchen. Die Bestrafungen sind m der Reichswehr auch schon um 50 Prozent zurückgegangen. Die vorn Ausschuß beschlossenen Duellstrafbest immun gen bieten zahlreiche juristische Schwierigkeiten. Ich bin ein grundsätzlicher Gegner des Duells. Ich muß mich aber dagegen wehren, daß hier ein Ausnahmegesetz gegen Offiziere und Soldaten- der Reichswehr befchlossen wird, von dem Richter, Staatsanwälte. Schupooffiziere und andere Kreise nicht berührt werden. Wenn für die Allgemeinheit ein solches Antiduellgeseh erlassen wird, so wäre ich damit einverstanden. (Rufe links: Wir werden es morgen beantragen!) Aber dann sind auch die hier vom Ausschuß beantragten Sonderbestimmungen überflüssig. Ich bitte, diesen Abschnitt zu streichen. (Beifall rechts.) Reichsjustizminister Dr. Marx äußerte Bedenken gegen die Einbringung eines allgemeinen Anti-Duellgesetzes, weil damit wichtige Teile der geplanten Strafrechtsreform normeggonommen würden. Damit schließt die allgemeine Aussprache In der Einzelberatung erklärt der Abg. Wunderlich lDt.Vpt.), daß feine Freunde aus den auch vom Wehrminister vorgetragenen Gründen die Duell-Strafbestimmungen und im Falle ihrer Annahme die ganze Vorlage adle h n e n würden. In der zweiten und daraus auch in der dritten Beratung werden alle Aendeinmgsanträge abgelehnt und die Duell-Strafbestimmungen auf- rechterhalten. Die Schluhabstimmung im Hammelsprung ergibt die Annahme des Gesetzentwurfes mit 167 gegen 137 Stimmen der Deutschnationalen, Völkischen. Kommunisten und der Deutschen Volkspartei. Auf der Tagesordnung der Donnerstagsihung stehen das Sperrgesetz zur Fürstenabfindung und das von den Sozialdemokraten beantragte allgemeine Anti-Duellgefeh. Schiedsspruch im deutschen Bankgewerbe. Berlin. 3. Febr. (WTD.) Im Reichs- arbeitöminifterium wurde ein Schiedsspruch gefällt, der 1. die Verlängerung des Manteltarifs bis zum 28. Februar 1927, 2. eine Gehaltserhöhung für Icmuar um 4 Proz., ferner für Februar bis einschließlich September 1926 um 5 Proz.. 3. eine Arbeitszeitregelung bis zum 1. Oktober 1926 vorsieht. Dis zu diesem Zeitpunkt kann die tarifliche Wochenarbeitszeit von 46 Stunden im Bedarfsfall auf 52'/« bzw. 54 Stunden erhöht werden mit der Maßgabe, daß wöchentlich ty/2 Überstunden ohne Bezahlung zu leisten sind. Der Vertreter des Danken- Verbandes erklärte sofort nach Verkündung dieses Schiedsspruches, daß er für die Dankleitungen unannehmbar wäre. Die (8r=> klärungsfrist läuft am 8. Februar ab. Arbeitgeber- und Angestellten b e i f i tz e r haben den Schiedsspruch gleichfalls abgelehnt. gum Fememordprozetz Pannier. Berlin, 3. Febr. «Wolfs.) Die Frau des in dem Fememordprozeß zum Tode verurteilten Stein, die gestern beim Schluß des Prozesses noch den Angeklagten von Senden belastende Aussagen machen wollte, erklärte einem Vertreter der „D. Z.", ihr Mann, der der Abteilung des Freiherrn von Senden angehörte, habe ihr kurz vor seiner Verhaftung erklärt: „Wenn ich Pannier nicht ermordet hätte, wäre ich selbst an der Reihe gewesen" Auch nach feiner Verhaftung habe er "Befürchtungen geäußert, da feine Komplizen genau tvüßten, daß er alles erzählt und u. a auch den Fememord Wills berichtet hätte. Am Tage der Verhandlung fei sie zu dem Staatsanwalt gekommen, um ihre Aussagen zu machen. Der Staatsanwalt wieS sie an einen Rechtsanwalt. Der Rechtsanwalt warnte sie dringend vor Irgendwelchen Schritten vor Gericht. Daraufhin hat sich Frau Stein mit dem kommunistischen Rechtsanwalt Obuch ins Benehmen gesetzt. Bundeskanzler Seipel in Berlin. Berlin, 4. Febr. (TU.) Der ehemalige öfter» relchische Bundeskanzler Dr. Seipel traf Mittwoch abend in Berlin ein. Aus Einladung des Hilfswerks für die katholischen Studenten wird er über die kulturellen Aufgaben der Kirche sprechen. Daran wird sich ein Bierabend anschließen, den Reichsjustizminister Dr. Marx, der Führer der Zentrumspartei, zu Ehren Seipels im Reichsjustiz- Ministerium veranstaltet. Dr. Seipel wird in Berlin vom Reichspräsidenten von Hindenburg, vom Reichskanzler und vom Reichsaußen- Minister empfangen werden. Donnerstag gibt der österreichische Gesandte Dr. Frank, Freitag Reichsaußenminister Dr. Stresemann zu Ehren Dr. Seipels ein Frühstück. Kleine politische Nachrichten. Der Herr Reichspräsident wird die Städte Köln, Bonn und Krefeld am 21. und 22. März und nicht, wie entgegen unserer gestrigen Meldung sestgestellt sei, am 22. und 23. März besuchen. 3m Treppenhaus des Heidelberger Rathauses wurde die Friedrich-Ebert-Büste enthüllt, die die. Stadt Heidelberg dem verstorbenen Reichspräsidenten gewidmet hat. Die Büste ist ein Werk des Stuttgarter Bildhauers Kerzin- ger und in fränkischem Muschelkalk ausgeführt. Oberbürgermeister Dr. Walz gedachte in einer kurzen Ansprache des in Heidelberg beigesetzten Reichs- Präsidenten. Unter den Klängen des Deutschlandliedes wurde die Büste enthüllt. Präsident Adelung hat das Plenum des hessischen Landtags für Mittwoch, den 10. Februar d. I., nachmittags 3 Ahr, einberufen. Einziger Punkt der Tagesordnung: Beratung der Anträge zum Wohnungsbaupro g r a m m. * Die Zahl der stellenlosen A n g e ft c 11 - i en im ganzen Reiche dürste nach den letzten Monatsberichten der Reichsstellenvermittlung des Gewerkschastsbundes der Angestellten 200 000 überschritten haben, darunter etwa 65 000 weibliche Angestellte. Der Bevölkerungspolitische Ausschuß des Reichstages hat den § 7 der Vorlage zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. der die Behandlung nur den approbierten Aerzten gestattet, gegen dte Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. In Duisburg wurde bei der Oberbürgermeisterwahl der bisherige Oberbürgermeister Dr. Iarres mit 41 gegen 12 Stimmen der kommunistischen Stadtverordneten auf weitere zwölf Iahre wiedergewählt. Der Preußische Landtag beschäftigte sich mit der zweiten Lesung des Initiativgeseh- entwurss für eine preußische Städteo r b = nung. In der Debatte erklärte Abg. Dr. Rosen (D. Dpt.), daß die Vorlage kein großes Reformwerk bedeute und seine Partei sich daher ihre endgültige Stellungnahme bis zur dritten Lesung Vorbehalten müsse. Auch der Sprecher der Deutschnationalen, Abg. Dr. M a r e tz k y , brachte verschiedene Dedenken vor, ebenso der kommunistische Abgeordnete Kilian. Roch einer unlängst obgeschlossenen amtlichen Statistik beläuft sich die Zahl der nach dem Kriege noch 31 a l i c n z n r ü ck g e k e h t e n deutschen Staatsangehörigen, darunter zahlreiche Techniker, 3ndustriellc und Kaufleute, auf mehrere Zehntausend. Davon entfallen auf Mailand 3714, auf Rom 1043 und aus Turin 1630. v Professor Drachel von der Hochschule für Bodenkultur in Wien hat eine an ihn ergangene Einladung für einen Anfang Mai stattfindenden internationalen F o r st k o n g r e ß in Rom mit dem Hinweis auf die Unterdrückung des Deutsch tums in Südtirol abgelehnt. Oesterreich wird auf der internationalen Konferenz nicht vertreten fein. • Präsident Masaryk empfing aus der Prager Durg den scheidenden französischen General Mittelbaus er in einer Abschiedsaudienz und überreichte ihm dabei die Insignien des GroßkreuzeS des Orden« vom Weißen Löwen mit Schwertern. Am 11. Februar wird General Mittelhauser nach Marokko abgehen, wo er zum Kommandanten einer Kampstruppe ernannt worden ist. Sein Rachfolger als Generalstabschef der tfchechoslowakifchen Armee wird ein tschechischer General, , Moskauer Brief. Don unserem Korrespondenten. Moskau, £?, 2-2^. 1926- Rach langem Kranksein ist Krassin über Paris nach London gereift und hat dort feinem neuen Botschafterposten angetreten. Hier geht die Dersion. daß er nicht lange in London bleiben werde, da ihm das seine Gesundheit nicht erlaube. Rakowski, Krassins Vorgänger, fährt dieser Tage nach Paris. Allein es scheint nicht ausgeschlossen. daß er von dort aufs neue Verhandlungen mit der Londoner Regierung anknüpft, die eine Wiederaufnahme des Mac- donaldv ertrage« zum Gegenstand haben« Dis jetzt ist es allerdings nicht gelungen, dis englische Regierung für eine russisch-englische Annäherung zu interessieren, die immerhin auch von gewissen Kreisen in England gewünscht wird. Dagegen stehen wiL vielleicht vor ruf fisch- polnischen Handelst) e"k Hm gsver- Handlungen. Die Abgeordneten des Sejm, die sich gegenwärtig in Moskau befinden, haben auch Vorbesprechungen wegen eines Handelsvertrages geführt. Die Sowjetunion, der die mißliche finanzielle, täglich in der Moskauer Presse betonte Lage Polens wohl bekannt ist, verhält sich sehr zurückhaltend. Andererseits wirst Polen feine Beziehungen zu Rumänien in die Wagschale. Das Militärbündnis zwischen Polen und Rumänien läuft demnächst ab. Polen will die Unterlaffung einer Erneuerung des Bündnisvertrages davon abhängig machen, daß es von Rußland einen günstigen Handelsvertrag erhält. Hemmend wirkt entschieden auf die russisch-polnischen Verhandlungen der Umstand, daß nach Ansicht hiesiger politischer Kreise — Polen vollständig im finanzielle Abhängigkeit von -England geraten ist. Innerpolitisch interessieren vor allem die Vorgänge innerhalb der Kommunistischem Partei. Rach Mitteilungen der Prawda wird die Opposition der Leningrader Kommunisten immer mehr isoliert. Eine Arbeiterorganisationj nach der anderen wendet sich mit Ergäbenheits- erklärungen an die Moskauer Parteileitung und erklärt, daß sie „im Interesse der Wahrung deü Einheit der Partei" sich ganz auf die Seite dev Majorität stelle. Unbeweglich bleibt allein Sinowjew, Führer der Leningrader Organisation, Vorsitzender der Komintern und Bürgermeister von Leningrad. Sinowjew bekleidet kein Regierungsamt, wie etwa Kamenew oder Sokolnikvw, die wegen ihres Widerstände«! gemaßregelt wurden. Er hat also volle Bewegungsfreiheit und wird durch seins internationalen Beziehungen gestützt. Dennoch ist ohne Zweifel eine erhebliche Schmälerung! seines Einflusses festzustellen, wie man überhaupt bestrebt ist, die Kompetenzen der Partei und der Regierung in Zukunft möglichst voneinander zu scheiden. Unter solchen Umständen wird es leichter fallen, tüchtige Beamte, wie z. B. So- kolnikow, der Regierung zu erhalten. Der entthronte Finanzkommissar hat noch keinen Rachfolger, und es ist ganz ausgeschlossen, daß feilt provisorischer Stellvertreter ihn ersetzen könnte. Rhkow hat die Leitung des wichtigen „Sto". des Rates für Arbeit und Verteidigung über- nommen. Der Sto ist die wichtigste Wirtschaftsorganisation Rußlands, viel bedeutender, als der Oberste Wirtschastsrat. Sein Statut schreibt deshalb auch vor, daß der Vorsitzende des Rales der Volkskommissare auch Vorsitzender der Sto sein mutz Eigentlich entsprach es nicht dem Wortlaut dieser Verordnung, daß Kamenew, Ry- kvws Vorgänger im Sto, den letzteren leitete. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist also der aus dem Auslande wiederholt gemeldete „bevorstehende Rücktritt Rykows im Slo zugunsten! Trotzkis" nichts, als eine falsche Kombination. Als Leiter des Konzessionskomitees hat übrigens Trotzki eine äußerst wichtige Betätigung. Zudem ist er auch im Parteileben sehr rege, wenngleich er es vermeidet, vor die Oeffentlichkeit zu treten. Es heißt, daß er auch auf dem letzten Parteikongreß zu Worte gekommen fei. Der offizielle Bericht läßt allerdings nichts darüber verlauten. Von den neuen Männern soll besonders Frumkin hervorgahoben werden, der zu den bedeutendsten Volkswirtschaftlern der Sowjetunion gehört. Scheinmann iit dem Auslands ja bereits bekannt. 2lus aller Welt. Cin Todesopfer der Tollwut. Die in Unterfranken stark verbreitete Tollwut hat in Karlstadt am Main ein Todesopfer gefordert. Eine Kuh, die wahrscheinlich von einem tranken Hunde gebissen worden war, mußte getötet werden. Der siebenjährige Sohn des Besitzers kam mit der Kuh in Berührung, erkrankte und verstarb bald darauf. Verkauf der „3ugenb“. Der gesamte Buch und Kunstverlag der Georg-Hir th-A.-G. in München einschl. der bekannten Zeitschrift „Iugend" ist durch Kauf in den Besitz der Richard Pflaum- Druckerei- und Verlags -A.G. übergegangen. Kunst und Wissenschaft. Ehrung des Klaatsmlnisters a. D. Sdjmibt-OIL Rektor und Senat der Technischen Hochschule Danzig verliehe» unter dem 26. 3anuar die Würde eines Dr.-3ng. e. h. dem Staatsminister a. D. Dr. jur. et phil.h. c. Friedrich Schmidt-Ott in Berlin- Steglitz in Anerkennung seiner Verdienste um die Entwicklung des deutschen Unterrichts- und Hochschulwesens sowie um die Förderung der Wissenschaft uiib Technik durch eine großzügige Unter st ü tz ii n g der 3 n ft i t u I c, Laboratorien und sonstigen mijsenschaftlichen Einrichtungen der deutsche» Hochschulen, insbesondere der Technischen Hochschule in Danzig, in seiner Eigenschaft als Präsident der Deutsche» R o t g e m e i n s ch a f t. Notlage der Heidelberger Universität. die vorn letzten Rektor der Heidelberger Universität anläßlich der Iahresfeier im November angetünbigte Denkschrift ist jetzt erschienen. Die Denkschrist spricht in dürren Worten von den unhaltbar g e Id o r ö er c n baulichen it n b räumlichen Verhältnissen an bec Heibelberger Universität. Das Notwendigste müsse nach einem Haren Bauprogramm bald geschehe», wenn nicht der alte Ruhmesglanz der Ruperta Carola verdunkelt werben soll. Besonders mißlich seien bic Verhältnisse in ben Instituten der medizinischen Fakultät. Die Zustände im Botanischen Insti - t u t seien geradezu katastrophal. Auch die Lage der Sternwarte fei trostlos. Brief. hnienhn, i.JäX II 1926- '«$S 'S«-!«», fcte ®Wanö?JCfl W getung^ W kneten h»a & ■ /".es Handel Runion, 6cr ÄmS KL:^ srA* Mwiib einen Mimen schänd- - ~ noch Ansicht hie, E «Kniigi, Wuw geraten ist cen vor allem die o^/lUschen n Prcüvda wird jawr Mnmniften -ärbeiterorganisatwnj $ mit Ergebrnheiir. ■r Parteileitung und K der Wahrung dec aus die Seite der glich bleibt allein Leningrader Organi» lintem und 'Bürger- otojeto bekleidet teilt Kamenew ober ihres Widerstandes t also volle Bewirb durch seins geM. Dennoch ist he Schmälerung i, wie man überhaupt i der Partei und der lichst voneinander'zu Umständen wird es imle, wie z B. So- t erhalten. Der entöl noch feinen Aach- ögeschlossen, dah sein ■ ihn ersehen könnte, bes wichtigen „Sto“« । Verteidigung über* eben sehr rege. wenw- die OefsentlM't zu auch aus dem leM gekommen sei. ®er dings nichts darüber n Männern soll beloben werden, der rtschastlern der Sow- nn ift dem Auslande r Welt. der r-llwul- ut t/Sobe5op|er de W'0C arV*1"”* und RU1V- etnschl- i« ÄÄti«®' Eu6cr rldd8'^ *££ fiSfcÄ i Lrfiitfl' richl "rdcn.e" issen ge Jerh/! ^otwe^ bfH2’. §as ,,ainnt HM- * Das hessische LnndeStherler. Der üeuijchnationalc Abg. Dr. W c r n c r Hai sollende 'Anfrage über die neuerlichen Darbietungen des Hessischen Landestheatcrs an die Negierung gerichtet: Die Darbietungen des Hessischen Landes- theaters haben schon öfters zum berechtigten Gilt- spruch Veranlassung gegeben. Man mag dem Theater immerhin den allgemeinen deutschen Verfall als „Entschuldigung" gelten lassen, so ganz darf aber die Buhne nicht ihre doch auch moralische Aufgabe vergessen, was leider in Berlin schon längst üblich, wie es nunmehr in Darmstadt auch der Brauch zu werden scheint. Schon „Danton s T o d" bot mit seinem Geschweige in Zynismus und Roheit, in Widerwärtigem und bewußt übertrieben dargestellter Dirnenschamlosigkeit des Abstoßenden und Verderblichen genug. Es erfuhr aber noch eine Ucberftcigcrung durch das ganz unkünstlerische und tunstlose Machwerk „Anja und Esther". Was hier auf krankhaft perverse Weise in Herabsetzung des Weibes auf die Stufe tierhafter Schamentblößt- heit unter Verwendung kindlicher Mitdarsteller und vor größtenteils jugendlichem Publikum geleistet wurde, mußte Schrecken und Grauen zugleich erwecken. Nicht daß die Mebrzahl der Zuschauer das Stück erfreulich kühl ablehnte, ist hier die Haupt- joche, sondern das ist der Skandal,.daß ein solcher Schmutzflnden in unserm mit schweren Opfern erhaltenen Kunsttempel überhaupt die Bretter berühren durfte. Ich frage daher die Regierung, was sie zu tun gedenkt, um in Zukunft die Aufführung derartiger Fragwürdigkeiten zu verhindern? Darauf ist folgende Regierungsantwort eingegangen: „Dantons Tod" nimmt in der deutschen Literaturgeschichte einen unbestrittenen Rang ein. Nachdem dieses Drama auf den bedeutendsten reichsdeutschen Bühnen zur Aufführung gelangt ist, war es eine schon längst fällige Ehrenpflicht des Landestheaters, dieses in Darmstadt noch nicht gespielte Werk des größten hessischei^Dichters zur Darstellung zu bringen. Das Drama befaßt sich mit durchaus kritischer Tendenz und ablehnender Gebärde geschichtstreu mit Zuständen der französischen Revolution. Die von dem Herrn Abgeordneten beliebte .Kennzeichnung beruht auf einer Verkennung des Dramas und der Aufführung des Darmstädter Landestheaters. Die Beantwortung der Anfrage, soweit sie die Aufführung des Schauspiels „Anja und Esther" von Klaus Mann betrifft, lehne ich ab. Ich protestiere gegen diese Anfrage, weil aus ihr der in aller Öffentlichkeit gegen die Leitung des Landestheaters geltend gemachte Vorwurf gelesen werden muß, daß sie künstlerische Arbeit und öffentliche Mittel an die Pflege ener Literatur niedrigsten Ranges verwendet. Der Staatspräsident. Hessisches Landesamt für das Bildungswesen: I. V. Urstadt. Südwestdeutscher Dolksbühnentag. Der Bezirk Hessen-Hessen-Rassau im Verband der deutschen Dolksbühnenvereine hielt dieser Tage in Mainz eine Tagung ab. Auf dem Festakt hielt Oberbibliothekar Dr. Eppels- heimer (Mainz) einen Vortrag über das Drama unserer Zeit. Aus den Verhandlungen ist von allgemeinerer Bedeutung, dah. dem Geschäftsbericht zufolge, die Volksbühnenbewegung zunimmt: sie umfaßt gegenwärtig in dem eben- genannten Bezirk 9 Vereine mit 15 000 Mitgliedern. Die Vereine von Mainz und Offenbach stiegen von je 800 auf je 1800 Mitglieder. Worms und Darmstadt haben sich gehalten-, in Gießen besteht zur Zeit ein Gründungsausschuß. Das Verhältnis zu den Theaterleitungen hat sich zugespiht, weil diese die Forderung stellen, die Volksbühnenorganisationen sollen die Aufnahme von Mitgliedern auf eine gewisse Einkommensgrenze beschränken. 3n der Diskussion sprach man sich dagegen aus. Cs wurde beschlossen. daß der Bezirksvorstand in Gemeinschaft mit dem Bühnenvolksbund Rechtsträger des Frankfurter Künstlertheaters, das zugleich die Hessische Landeswanderbühne darstellt, werden soll und Treuhänder für den hessischen Staatszuschuß. Ferner wurde einer Entschließung an die hessische Regierung zugestimmt, in der eine stärkere Heranziehung des Frankfurter Künstlertheaters und ein größerer Zuschuß zu der Hessischen Lanbeswanderbühne gefordert wird. „Ouatea und Maximilian- in Berlin. Franz Werfels Drama „Iuarez und Maximilian", soeben mit dem Grillparzer- Preis gekrönt, wird im Deutschen Thea- t e i: unter Leitung von Max Reinhardt gespielt. Die dreizehn Bilder nehmen den historischen Stoff zum Vorbild, den Kampf des Habsburgers mit dem Gegenpräsidenten Iuarez. Maximilians anfänglicher Sieg, seine Gefangennahme, seine standrechtliche Erschießung in Que- retaro. Hinter der politischen Fassade verbirgt sich ein tiefer menschlicher Kern. Maximilian, der Sproß eines alten ermüdeten Fürstengeschlechts. wird zum Typus des träumerischen Menschen, der feine Untertanen durch Güte zwingen möchte, der die Befreiung der Indianer, die Beglückung seiner farbigen Einwohner aus heißem und ehrlichem Herzen erstrebt, aber von der Staatsraison doch einmal gezwungen wird, Gewalt zu gebrauchen und Blut zu vergießen: die Inkonsequenz auf feinem Wege, die sich ihm stets wie ein Gewicht an die Füße hängt. Juarez aber (der unsichtbar bleibt) wird zum kalten, berechnenden Vertreter aller staatlichen Rotwen» bigfeiten, die sich nicht von schwebenden Gefühlen leiten läßt, sondern das Richtige tut. Es entwickelt sich durch diese Gegenüberstellung kein spannender, dramatischer Konflikt: das vergebliche Ringen Maximilians, der an Versöhnlichkeit und Güte glaubt, um die Seele seines Gegners, in dessen unerbittlicher ©tärfe er zugleich seine Schwäche gespiegelt sieht. Ein bedeutsamer dramatischer Fortschritt Werfels nach seinem „Spiegelmensch" und seinem ..Schweiger". — Unter Reinhardts Regie erlebte das Drama — von vielen Längen und Dehnungen abgesehen — eine nahezu vollendete Aufführung: man lernte wieder an Wert und Würde des Theaters glauben. Rach dec „Gesellschaft" ist Reinhardt in dieser Spielzeit keine so einheitliche. gänzlich in sich geschlossene Aufführung geglückt, wie diese. Der Erfolg war denn auch schon nach der ersten Pause fast völlig entschieden: stürmisch rief man den Dichter und Reinhardt: daneben auch die Darsteller, die Reinhardt zu einem höchst eindrucksvollen Gesamtspiel ^usammengefaht hatte. Hartmann lMaximilian). Sibylle Binder (Charlotte), Friedrich Kühne, den trefflichen Chargendarsteller, Oskar Homolka und Paul Bildt. Ernst Deutsch als Porfirio Diaz verdient ein Sonderlob. ebenso wie die Bühnenbilder Schüttes und die malerisch-thralrMchen Kostümentwürfe Karl Holliyers. Wenn nicht alles täuscht, wird diese Ausführung in den nächsten Monaten den Spielplan des Deutschen Theaters ausfüllen können. Aus der Provinzialhauptstadt. ® i e 6 e n. ben 4. Februar 1926. Steuersälligkeilen im Februar. Im Monat Februar werden folgende Steuern fällig: >. Februar Steuerabzug vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 21. bis 31. Januar emschl. der für die Zeit vom 1. bis 10. Januar bzw. 11. bis 20. Januar einbehaltenen, noch nicht abgeführten Beträge ohne Rücksicht auf deren Höhe. 6. Februar: Vorläufige staatliche Sonder- fteuer vom bebauten Grundbesitz, 6. Ziel Rj. 1925. 10. Februar: Umsatzsteuervorauszahlung: 1 Prozent der Umsätze im Monat Januar. Die monatlich zahlenden Landwirte entrichten Umsatzsteuer auf Grund der bekannten neuen Richtzahlen und der sonstigen Umsätze usw, für den Monat Januar. Vorläufige Gewerbesteuer vom Ertrag für Rj. 1925, und zwar der früheren Monatszahler der Einkommen- und Körverschastssteuer von den am 10. 4. und 10. 5. 1925, und der Vierteljahrszahler von den am 10. 4. 1925 fällig gewesenen Beträgen an Einkommen- und Körperschaftssteuer-, für die Stadt Gießen 30 Prozent, die Provinz Oberhesfen 4 Prozent, den Kreis Gießen von den Pslich- tien 1. in der Stadt Gießen 3 Prozent, 2. in den Landgemeinden 18 Prozent. Diese Abgabe wird in 3 Raten, und zwar zu je j, am 10. 2„ 10. 3. und 10. 4. 1926 fällig. 15. Februar: Steuerabzug vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 1. bis 10. 2., sofern der Gesamtbetrag mehr wie 100 Mk. beträgt. Vorläufige staatliche Grundsteuer und Gewerbesteuer vom Anlage- und Betriebskapital 4. und 3. Ziel Rj. 1925. Abgabe nach dem Aufbringungsgesetz, 1. Rate für das Kj. 1926, gemäß den kürzlich zuge- stellten Steuerbescheiden. Kirchen- und Kultussteuern der Landwirte und Gehalts- bzw. Lohnempfänger (Arbeitnehmer) 4. Rate für Rj. 1925. Brandversicherungsbeiträge für das Kj. 1925 auf Grund der zu gestellten Anforderungszettel. Einkommensteuer, erste Rate für das Kj. 1926 nach den seinerzeit übersandten Veranlagungsbescheiden für das Wirtschaftsjahr 1924/25 bzw. Kalenderjahr 1925. Vermögenssteuer 1. Rate für das Kalenderjahr 1926, und zwar i der Jahresschuld für 1924. Der Betrag ist auf Seite 2 des Steuerbescheids für Kj. 1924 angegeben. 2 5. Februar: Steuerabzug vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 11. bis 20. 2., sofern der Gesamtbetrag für genannte Zeit oder mit den für die Zeit vom 1. bis 10. 2. einbehaltenen und noch nicht abgeführten Beträgen zusammen mehr als 100 Mk. beträgt. Mit Ausnahme des Steuerabzugs vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) können die angeführten Abgaben noch innerhalb der siebentägigen Schonfrist ohne Zuschläge, z. Z. ? Prozent halbmonatlich, gezahlt werden. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten aus dem heutigen Wochenmarkt: Butter das Pfund 160 bis 180, Matte 35 bis 40, Käse 60 bis 70, Wirsing 20 bis 40, Weißkraut 15 bis 25, Rotkraut 20 bis 30, gelbe Rüben 25, rote Rüben 20, Spinat 40 bis 50, Urrter-Kohlrabi 10 bis 15, Grünkohl 30 bis 35, Rosenkohl 60 bis 70, Feldsalat 100 bis 120, Endivien 100 bis 120, Zwiebeln 20, Meerrettich 30 bis 80, Schwarzwurzeln 50 bis 70, Kartoffeln 4 bis 5, Aepfel 15 bis 25. Dirnen 20 bis 40, Rüsse 40 bis 80, junge Hahnen 120 bis 130, Suppenhühner 120 bis 130: Eier das Stück 17 bis 19, Blumenkohl 60 bis 180, Lauch 15 bis 40, Sellerie 20 bis 60 Pf. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: Vortrags-Vereinigung: 8 Uhr, Reue Aula der Universität, Vortragsabend froher Kunst. — Oberhess. Gesellschaft für Ratur- und Heilkunde:' 81/, Uhr, Großer Hörsaal des Physikalischen Institutes (Stephanstraße 24) Vortrag. — Ober- hessischer Geschichtsverein: 8V4, Uhr, Hörsaal 44 im Vorlesungsgebäude der Universität, Vortrag. — Jnteressenverband des Getränkegewerbes: 8 Uhr, Saalbau Sauer, öffentliche Versammlung. — Katholisches Vereinshaus: 8 Uhr, Konzert des erblindeten Flötenvirtuosen Thies. — Lichtspielhaus Dahnhofstr. „Die Lieblingsfrau des Maharadscha". — Astoria-Lichtspiele: „Achtung — Kurve!" — — Vom Konzertverein wird uns geschrieben: Nachdem das viel gerühmte und hier so beliebte Wendling-Quartett mehrere Jahre nicht nach Gießen kommen konnte, weil es zu großen und wiederholten Konzertreisen auf dem Kontinent und in überseeischen Staaten verpflichtet mar, wird am nachsten Sonntag, 7. F e b r., nachmittags 5 Uhr, in der Universitäts-Aula der lang, erwartete Kammermusikabend stattfinden. Das Programm ist dieses Mal auf klassische Musik ein- gestellt: Schuberts nachgelassenes Streichquartett m O-Moll mit den wundervollen Variationen über den „T 0 d und das Mädchen", das wohl als die bedeutendste Quartettkomposition der nachbeet' hovenschen Zeit anzusprechen ist: Beethovens opus 95 in f-Moll (dem Hofsekretär v. Zmeskal gewidmet, von dem Meister ursprünglich mit Qua- tuor serioso bezeichnet, eine Benennung, die aber später fallen gelassen wurde. Das Werk ist nach dem Harsen-Quartett komponiert und bildet gewissermaßen das Bindeglied zwischen der zweiten Periode und den letzten Quartetten. An dritter und letzter Stelle steht das F»2)ur»Quartett O 0 0 räks (t 1904) mit eigenartigen nationalen Klängen. Es ist vor vielen Jahren von dem böhmischen Streichquartett hier vorgetragen worden, eine prachtvolle frische Komposition, die zu den beliebtesten des Meisters gehört. In der Besetzung des Wendling-Quartetts ist in ofern eine kleine Aenderung erfolgt, als an Stelle des ausgeschiedenen Bratschisten Neeter, der nach Holland 'zurückging, der ebenso treffliche Matterer eingetreten ist. Die Quartettoereinigung, die als eine der ersten gilt, hat in diesem Winter in zahlreichen rheinischen Städten und zuletzt in Berlin mit größten Erfolgen musiziert, so daß auch hier ein außergewöhnlicher Kunstgenuß erwartet werden darf. ** Die Erstattung von überzahltem Reichsnotvpfer. Es wurde in der Oeffentlichkeit vielfach die Befürchtung ausgesprochen, daß die Personen, die ihr Beichsnot- opfer durch Hingabe von Kriegsanlechestucken überzahlten, die auf die Zwangsanleihe nicht rechtswirksam verrechneten Stucke nicht so rechtzeitig zurückbekommen, daß sie diese zur Wahrung etwaiger Altbesitzrechte bis zum 28. Februar, dem I letzten für die Anmeldung vorgesehenen Termin, zum Umtausch anmelden tonnen. Der Reichsmunster der Finanzen ordnete nun an. daß den Erstattungsberechtigten künftig an Stelle der Krieasanleihtzstücke sofort Anleihcablösungs- und Schuldverschreibungsauslvsungsrechtc im Werte der in Markanleihen zu erstattenden Beträge ausgehändigt werden. Zur Wahrung der Altbesitzrechte ist eine Anmeldung also in diesen Fällen nicht mehr erforderlich. Es braucht daher niemand zu befürchten, daß er etwaiger Altbesih- rechte verlustig geht, wenn er die KriegSanleihe- stücke nicht bis zum 28. Februar zurückerhält. ** D i e Aufwertung hinterlegter Wertpapiere. Reichsbehörden, bei denen Wert- Papiere oder sonstige Urkunden hinterlegt sind, die auf nicht mehr geltende inländische Währung lauten und die nach dem Aufwertungsgesetz und dem Gesetz über die Ablösung öffentlicher Anleihen aufgeroertet werden, sind nicht verpflichtet, von Amts wegen Maßnahmen zur Erhaltung des Rechts auf Aufwertung vorzunehmen. Sie sind dazu auch in zahlreichen Fällen mangels Kenntnis der maßgebenden Verhältnisse gar nicht in der Lage. Z. B. wird es sich meist ihrer Kenntnis entziehen, ob es sich bei den hinterlegten Papieren um Alt- oder Neubesitz handelt u. a. m. Die Berechtigten müssen daher selbst für die Wahrung und Sicherung ihrer Rechte Sorge tragen und die erforderlichen Anmeldungen rechtzeitig vornehmen. Die Reichsdienststellen werden den Beteiligten die erforderliche Unterstützung hierbei nicht versagen, soweit sie im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen gewährt werden kann. Der Umtausch hinterlegter Markanleihen ist durch die Dritte Verordnung zur Ausführung des Gesetzes über die Ablösung öffentlicher Anleihen geregelt. **' Aus dem Gießener Standesamt s r e g i st e r. Es verstorben in der Zeit vom 15. bis 31. Januar: 16. Louis Müller, Schreinermeister. 65 Jahre alt. Schiffenberger Weg 16. 17. Emil Freund, Gendarmeriewachtmeister i. R.. 62 Jahre alt, Ludwigstraße 6. 18. Jakob Rikolaus Dehe, Elektrotechniker, 21 Jahre alt, Marburger Straße 56. 19. Maria Reinhardt, geb. Weitzel, Witwe, 60 Jahre alt, Löwengasse 15. 21. Karoline Wilhelmine Pfeil, geb. Dauernheim. 58 Jahre alt, Goethestrahe 48a. 22. Eduard Meister, ohne Beruf, 80 Jahre alt, Licher Straße 74. 23. Anna Margarete Hof, geb. Becker, 67 Jahre alt, Steinstraße 52. Fritz Reuter, Kaufmann, 35 Jahre alt, Walltorstr. 33. 24. Heinrich Baumann. 1 Monat alt, Lindengasse 14. 25. Konrad Jensen, Landschaftsmaler, 61 Jahre alt, Hinter der Westanlage 9. 26. Helmut Hans Kurt Slawitzki. 7 Monate alt, Am Riegelpfad 106. 28. Christian Burk. Kutscher, 61 Jahre alt, Steinstraße 70. 30. Friedrich Erwin Althaus, 1 Jahr alt, Reuenweg 48. 31. Luise Bernhard, geb. Edelmann, Witwe, 74 Jahre alt, Licher Straße 74. Frederike Cohn, geb. Stern, Witwe, 79 Jahre alt, Seltersweg 19. ** Der Verein für Luftfahrt hielt am Montagabend im Gasthaus ^Hindenburg" seine diesjährige Generalversammlung unter dem Vorsitz von Geheimrat Prof. Dr. König ab. Die Sitzung war sehr gut besucht. Der Vorsitzende erstattete zunächst den Jahresbericht über das abgelaufene Geschäftsjahr. Zwar konnten in dieser Zeit keine neuen Großtaten vollbracht werden, jedoch wurde die Werbearbeit für die hohen Ideale des Vereins eifrig fortgesetzt mit dem Erfolg, daß die Mitgliederzahl erfreulich anwuchs: ein Beweis für die zunehmende Popularität des Luftfahrtgedankens. Der Kassenbericht, erstattet von dem Schatzmeister, Wein- Händler Riemann, zeigte die Finanzen des Vereins in bester Verfassung: eine ansehnliche Rücklage dient der weiteren Vereinsarbeit als fester Halt. Beide Berichte befriedigten in hohem Maße. Dem Vorstand wurde einstimmig Entlastung erteilt. Bei der Reuwahl des Vorstandes kam es zu einer für den Verein sehr bedeutsamen Veränderung. Der langjährige, verdienstvolle Vorsitzende Geheimrat Pros. Dr. König hatte unter Hinweis auf sein Alter und seine sehr starke berufliche Inanspruchnahme den dringenden Wunsch geäußert, ihn aus'diesem Amt zu entlassen, sich jedoch bereit erklärt, an anderer Stelle des Vorstandes auch weiterhin mitzuarbeiten und dort seine Erfahrungen und Kenntnisse der Sache dienstbar zu machen. Die Versammlung bedauerte einstimmig, sich der Erfüllung dieser dringenden Vitte nicht entziehen zu können. Der Vorstand wurde in folgender Zusammensetzung neu gebildet: Regierungsassessor Schmidt, 1. Vorsitzender: Geheimrat Prof. Dr. König, 2. Vorsitzender: Bankdireltor Grießbauer. Schriftführer: Weinhändler Riemann, Schatzmeister: Rektor Schmidt, Leiter des Fahrten ausschuf ses: Hauptmann Faulenbach, Beigeordneter Dr. Hamm, Prof. Dr. Klute, Gaswerkdirektor Steding , Buchhändler Dr. Töpelmann, Beisitzer. Anschließend besprach man noch einige Fragen der Jugendgruppe. die nun regsamer als bisher auf dem Plan erscheinen soll. Am Schlüsse der Verhandlungen nahm der bisherige 2. Vorsitzende das Wort zu einer herzlichen Dankesansprache an den unermüdlichen, nun von der Spitze des Vereins zurückgetretenen 1. Vorsitzenden Geheimrat Prost Dr. König, dessen große Verdienste um den Verein durch den beredten Sprecher in schönster Weise gewürdigt und bedankt wurden. Eine Ehrengabe (eine Figur, ruhende Falken auf hohem Horst darstellend) bildete das äußere Zeichen des herzlichen Dankes, durch den sich der Verein stets mit seinem langjährigen Dorlämpfer König innig verbunden fühlt. Mit herzlichen Worten, erfüllt von dem hohen ideellen Wert dieser Ehrung, dankte der Gefeierte in seiner bekannten bescheidenen Art, dabei die hingebende Arbeit seiner Mitarbeiter, insbesondere die des 2. Vorsitzenden, besonders herausstellend, zugleich aber auch betonend, dah er noch lange nicht daran denke, sich aufs Altenteil zurückzuziehen, llebrigenö fei noch erwähnt, daß der Verein an diesem Abend einen geschätzten Gast in seiner Mitte hatte, den früheren Seilensteuermann Hahn von L.59, der — im Gegensatz zu dem durch bnt mrzlichen Vortrag bekannten Ingenieur Goebel — die große Äfrikafahrt an Bord dieses Zeppelinluft- schifses wirtlich selbst m i tg e m acht hast Herr Hahn, der jetzt in Beltershain bei Grunberg wohnt, erzählte auf Wunsch der Versammlung mancherlei fesselnde Erlebnisse von seinen Zahl' reichen Kriegs-Luftschiffahrten, wodurch die Veranstaltung noch eine besonders int er e ff a nie Ro t e erhielt. Ein gemütliches Plauderstündchen bildete den Abschluß des Abends. k. Deutsche Volkspartei. Emen (ehr gut gelungenen Unterhaltungsnachmittag veranstaltete die hiesige Ortsgruppe der Deutschen Dolkspartei am Sonntag im Saalbau Sauer. Der überfüllte Saal und die Erwartung, die sich überall zeigte, bewiesen, daß man sich von dem Programm ganz Besonderes versprach. Aber selbst die kühnsten Erwartungen wurden von dem Gebotenen weit übertroffen. Aus der von einzelnen Mitgliedern gebotenen Fülle von Darbietungen dos Beste herauszuheben, erscheint unmöglich. Mit einem Musikstück, der gewandt gespielten X Dur Polonaise uon Ehopiu. wurde dos Programm eingeleitet. Zwei Rheinlieder, die nicht fehlen dursten, angesichts der am Sonntagabend erfolgten endgültigen Befreiung des heiligen'Kölns und der 1. Zone nach über 7jähriger Besatzung, und dac ölte Volkslied „Tom der Reimer" wurden mit nicht endeilwollendem Beifall nufgenommen. Der 1. Akt der Lokolposfe „Der tolle Hund" von Nieder gall im Darmstädter Dialekt frisch iind flott gespielt, sorgte, daß auch der Hiimor zu seinem Recht kam. In Großeiterns Zeit versetzten eine leicht und gram ziös getanzte Gavotte und das Singspiel „Großmutters Bratäpfel", ein Kinderstück, das wohl den künstlerischen Höhepunkt der Veranstaltung bildete. Daß sich die Darbietenden angesichts des Beifalls mehrmals zu Wiederholuiigen bereit erklären muß ten, verwundert nicht. Auch sonst war für die Unterhaltung bestens gesorgt, jo daß die Stunden des Beisammenseins allzu schnell verstrichen. Markusgemeinde. Der gestrige Familienabend der Mcnckusgemeinde ließ noch einmal die erhebenden Tage des groben G u st a v-A d 0 ls» Festes vom vorigen Herbst lebendig werben. Der starke Besuch zeigte, wie großes Interesse man in unseren Gemeinden dieser Tagung auch in der Erinnerung noch entgegenbringt. Mehr als 60 Lichtbil^r führten durch unsere Feststabt und ließen manch wohlbekanntes Bild vor uns auftauchen, was man so oft in Wirklichkeit gesehen hat und über das man sich auch freut, wenn es auf der Leinwand erscheint. Dazwischen waren lebenswirkliche 'Bilder der Hauptpersönlichkeiten des Festes cinge- schvben und besonders interessante Gruppen des Festzuges. B:i dem Anblick der Massenversamnu (ungen auf dem Trieb und in der Festhalle stand inan noch einmal unter dem starken Eindruck des Gelöbnisses, das wie ein Gruß eoan- gelisch.deutscher Treue hinaus an die Brüder und Schwestern in der Diaspora ging: „Wir hören eure Rot. Wir wollen an euch denken, für euch beten, für euch arbeiten!“ Eine weitere: Lichtbilderreihe führte auf ein besonderes Arbeitsfeld des Gustav-Adolf-DereinS, nach Siebenbürgen. Land und Leute, wirtschaftliches und kirchliches Leben dieses deutschen Volks-- stanimes lernte man kennen und bekam Achtung vor der Treue, mit der die Siebenbürger Sachsen als Vorposten im Osten durch viele Jahrhunderte ihr deutsches Volkstum und ihren evangelischen Glauben bewahrt haben. Mit gemeinsamem Lied begann und schloß der an eindrucksvollen Bildern reiche Abend. ** Im Lichtspielhaus Bahnhofstraße kommt seit gestern der Großfilm „Sie Lieblingsfrau des Maharadscha" zur Vorführung. In neuer hervorragender Ausstattung, die de n vor einigen Jahren schon gezeigtem gleichnamigen Filin sehr verbessert und ihm ein besonderes Gepräge gibt, wird er über viele deutsche Lichtspielbühnen gehen und 'einen guten Anziehungspunkt bilden. Die vorzügliche Besetzung der Hauptrollen mit Gunnar T 0 l - naes als Maharadscha und K a r i n a D e l l als Lieblingssrau — beides ausgezeichnete künstlerische Leistungen trägt weiter dazu bei, daS Gesamtwert auf ein Riveau zu heben, das weit: über dem üblichen Durchschnitt liegt " Austrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 339 Schweine, 381 Schafe, 1 Kuh. 482 Kälber Me Reichspost im Dezember 1925 Die Reichspost gibt jetzt ihren Geschäftsbereich für Dezember v. I. heraus. Bemerkenswert ist, dah die Zahl der aufgelieferten Briefsendungen gegenüber dem Vormonat eine Zunahme von 3,4 Proz. aufweist. Der Postaus- trags- und Postnachnahmeverkehr ist gegenüber dem Vormonat gestiegen. Die Stückzahl der eingezahlten Postanweisungen und Zahlkarten beträgt 24,4 Mill., d. i. eine Zunahme gegenüber Rovember um 13,6 Mill., im Postscheckwesen hat der Amsah im Dezember bei rund 49 Mill. Buchungen 9 716 Mill. AM. betragen, von denen 7 471 Mill., d. i. 77 Proz., bargeldlos abgewickelt wurden. Die Zahl der Postscheckkonten im gesamten Jahre 1925 ist von 809 000 auf 857 000 gestiegen. Der Umsatz betrug 11 Mill. RM. rund gegen 79 Mill, des Vorjahres. Das Guthaben der Postscheckkunden betrug im Jahresdurchschnitt 872 Mill, gegen 575 Mill. Ende 1924. Die Gesamtzahl der Sprechstellen im Fernsprechwesen betrug im Dezember 1925 2 531 344 gegen 2 519 438 im November, der Funktelegrammver-- kehr mit dem Auslande zeigt gegenüber November einen Zugang von 19 Prozent, die Zahl der Teilnehmer am Unterhaltungsrundfunk hat die erste Million überschritten. Ende Dezember waren 19 Sender im Betrieb: die Aufstellung eines Senders in Baden ist in Aussicht genommen. Der Personalbestand der Hauptverwaltung am 31. Dezember betrug 251 896 Beamte im Hauptamt, 40 815 außerhalb des Beamtenverhältnisses, 30 873 Personen als Vertreter und Aushilfspersonal. Der Kassenabschluß zeigt an Einnahmen 145,6 Mill, gegenüber 163,1 Mill, an Ausgaben, d. i. eine Mehrausgabe von rund 18 Mill.: den Hauptanteil daran haben die persönlichen Ausgaben. Die Einnahmen sind hinter den Erwartungen zurückgeblieben, es wurde nicht einmal der Stand des Dezember 1924 erreicht. Der Grund hierfür ist die allgemeine Wirtschafts- trise. Die Finanz- und Wirtschaftslaae der Reichs-- poft ist zur Zeit außerordentlich gespannt. J Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. — (Aus der „Radio-Umschau".) (.< Freitag, 5. Februar: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 6 Uhr: Hausfrauennachmittag. „Gefrierfleisch im Haushalt", Vortrag von Dr. K. Kuppelmayr, Direktor des Schlacht- und Diehhofs in Frankfurt nm Main. 6 bis 6.30 Uhr: Die Lesestunde. 6.30 bis 7 Uhr: Stunde des Südwestdeutschen Radio-Clubs. Kursvortrag E. Becker: „Einfacher Röh-- renempränger".7 bis 7.20 Uhr: Zwanzig Minuten Umschau über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 7.20 bis 7.30 Uhr: Film-Wochenschau. 7.30 bis 8 Uhr: Italienischer Sprachunterricht. 8 bis 9 Uhr: Duettenabend. 9 bis 10 Uhr: Alt-Frankfurter Humor. E. Herrn. Ad. Hallenstein (1811—1881), Frankfurter Lokalstücke. "CT^e^^ysSödener PäsHllen gegen J Husten, Heiierkeit, VefXhtemupg Mäusburg3 Schwaab's Weinstuben Preis-Abschlag Inheiden, Ulfa, Mainz, Worms, den 3. Februar 1926. | Apfelsinenstück0.65,0.50 0.351 0795 Die Beerdigung findet Samstag, den 6. Februar, nachmittags 3 Uhr, statt. Mischobst Pta. 0.80 Pfd. Pflaumen PH.0.58,0.42 Pfd. | Empfehlungen | Röst-Kaffee Tanz Jazzband Eintritt frei! 1057c scheinigung abzuholen. 1055c Dolkshallenverein e. D Cafe Astoria Hfl Mäusburg 3 nnffe 30. 10786 Verkäufe | i i Wk Ab 10 Uhr: wellpeisch mit Kraut M Ole MM her Stoöl SM! M MlHI-klMW» II M«l«m IIII «IW! Jeder Beitrag ist willkommen. Es kommt darauf an, datz wir alle helfen. WWWMe!Si>UWrWI>ellI.KMWe!lMWMelWl 1049B MWM,WM,WMWkl ton W öielet WWW MM!!! SiMfetoaMiiae ii.$ii(ronrimöile linsen Bohnen Krem-Pralinen P^O.2O Asla-Pralinen Pfd, 0.25 Spezial-Pralinen Pf*d. 0.35 Sahne-Bonbons L O.3O MilMbokol. Taf.0.85 Milchnuß-Schok.Tlf.Ö.85 Krem-Schokol. A 8 85 . 0.50,0.36 L 0.28,0.30 pfd. 0.90 pfd. 0.40 Ringäpfel Feigen 0 3 00 hO CD öl SV c s a o DIE SAUER5TOrF=ZAHNPASTA BIOX ULTRA STARK SCHAUMEND Margarine Pfd. 0.78,0.66 Kunsthonig ^0.40 2. o ,8,a FrkiiliSl. Zimmer sofort gesucht von berufstät. ruhigem Herrn, Nähe Marburger Straße bevorzugt. Schriftliche Angeb. unter 0797 an den Gieß. An». Bücklinge aus heutiger Zufuhr, das Pfd. 32 Pf., 5 Pfd.-Ktste Mk. 1.40 In tiefem Schmerz: Die trauernden Hinterbliebenen. Suche für ein im Nahen und im Haushalt erfahrenes Mulem Dauerstellung. Zu erfragen bei Frau 2l. Rudolf, Srellenvermittlerin, Wetzlar, Lang- 1053a Stadttheater Freitag, 5. Febr., l8.3reitagAbn.vl1l. von 7'/, bis 9"/« Uhr Lec wahre 3afoD. Schwank in 3 Akten von Arnold u. Bach. Namens des Ortsausschusses der Stadt Bietzen: Keller Professor Dr. König Oberbürgermeister. Vorsitzender des Vereins für Luftfahrt. Wenn die Zeppelin-Werft nicht bald in der Lage ist, ein neues Luftschiff zu bauen, so ist es unmöglich, den bewährten Stamm von Konstrukteuren, Fahrt- mannschasten, Facharbeitern usw. zusammenzuhalten. Gehen diese auseinander, so sind sie nie wieder zusammenzubringen. Dann sind 25 Jahre Erfahrung auf dem Gebiete der Luftschiffahrt, die Deutschland der übrigen Welt voraus hat, nutzlos vertan. Gibt es einen Deutschen, der dies wünschen könnte? - Der ZkMim-WWM in WWWn isl ietites MiWikWlW im besten Sinne des Wortes. Das deutsche Volk selbst ist es gewesen, das nach der Katastrophe von Echterdingen durch seine Opferwilligkeit die Weiterführung des großen Werkes ermöglicht hat. Auch jetzt wieder steht das deutsche Volk vor solcher Entscheidung zu opferwilliger Tat. Es gilt, mitzuhelfen, datz das Werk Graf Zeppelins und Dr. Eckeners nicht verloren geht. Bekanntmachung. Wir fordern unsere Anteilzeichner auf, ihre Anteilscheine gegen Vorlage der Einzahlungsbescheinigungen (Quittungen ob. sonstigeVankdelege) bei der Handels- u. Gewerbebank S. G. m. b. h. während der üblichen Kassestunden persönlich oder gegen Empfangsbe- Won Brandl Neuen Bäue 22 Gut möhL Immer Bette Verpflegung Tel. 1085. osD Tanz Verstärktes Orchester Tanz 1058c. Cif6 Ernst Ludwig iimliilliiiiiiilllliilllliHillllllllllllllllllllllilllllliluiiiiiiiiiiiiiiihiiliiiiiiiiilii l'/riähr., sprungfäh. Vogelsberger Süllen aus der besten Blutlinie der Kurbeist- fchenRotviebzucht. preiswert 0783 zu verkaufen. Herrn. Schott Cappel b. Marburg. 4000 wl als 1. Hnpothek auf Wohnhaus iNenbau) gesucht. Sch » Angeb. u. 0779 an den Gteh. Anz. .SumSraustübl' — Wolkengasse — 0793 Freitag, den 5. Februar Warme Küche — Kalte Platten Gute Ausschankweine Bodega t: Drei getrennte Räume rr Für Vorbestellung Fernruf 27 Wschc MMcnl. billig 5. ver!. Anzus. 8—4'/, tägl. Siäh. in der Geschästsst. des Giefi. Ana. 0790 Samstag, den 6. Februar, 8 Uhr abends: Faschingstreiben Cier-Teigwaren ganz frisch bezogen MarkeSchüle,Knorr,DreiGlocken, Makkaroni, Gemüse-Nudeln, Spaghetti, Suvven-Nudeln, d.Psd.0.7V,0,80,0.85,l.-u.l.25 Deut tolifot. gettom. IrWe Avrikosen, Pfirsiche, Birnen, Äpfel, bosnische Pflaumen, Plochtna-Pflaumen Misch-Obst MlOSMMlO Bahnhofstr. 27 lo6ce Fernspr. 1631 4 b-3immer- tzaus ünd Bad in bester Lage mit frei werd. Wohnung II. Stock) Berh. halber unter Verloren 1 Reisepaß, enthaltend: iZührer- schein, Zulassungö- bescheiniguna und Steuerkarte für Motorrad, auf d. Namen Dr. Rossenbeck lautend, vor etwa 10 bis 12 Tagen abhanden gekommen. Gegen Belohnung abzugeb. beim Pförtner der Frauenklinik.^,!) günstigen Beding, zu i verkaufen. Näheres verkauft K. Eise, <^9! Löbcrstr, HI.' Lick, Ziegelgafse 4. Samstag, den 6. Februar, abends 8 Uhr: Grober bunter Abend Als Gast: Herr C. Hermann, in seinem Programm die neuesten Schlager sowie den großen Karnevalvortrag Gebrauchte r6,D | Kandiszucker 0.10 Bonbons & & 0.15 Berliner Miscbg.p^O.20 Block-Schokol. PJd 1.00 Spelse-Scbokol.®' 1.00 Speise-Schokol. T3af 0.70 Block-Schokol, T3qf 0.68 KffcheKsche beute eintreffend: Pr. Schellfische o. Kops das Pfund 50 und 60 Pf. Portions-Fische «/<—2 pfdtg. Pfd. 35 Pf., 3 Pfd. L- fi. Cabliau o. K. Pfund 45/50 Pf. Frische Fischkoteletts Rollmops BiSmarckberiuge,Bratberinge, Heringe i.Gelee, Rronfardinen, die I-Liter-Dose Mk. 1.— die 4-Liler-Dose Mk. 3.20 j Vermietungen | Schön möbL Wohnzimmer mit Schlaf- iabinett in der Nähe der Kliniken und des Bahnhofs an nur soliden bess. Herrn sür los. ob. Mitte Febr. abzug. Schr. Angeb. il 0788 a. d. Gß. Anz. Mehrere bester und einfach möblierte Zimmer zu vermieten. Näh. sagt Herio, Plock- slrafte 11059h Erbsen Scmh'‘l0 pfd.O26 Erbsen s?chhnate Pfd.0.40 Nuß-Schmalz pfd.0.75 Kokosfett Ta,; 0.75,0.68 in bekannt vorziigl. Qualität frisch eingetroffen feine Mischungen I feinste Mischungen /.Pfd. 0.85, 0.90 | 1 «Pfd. 1.05, 1.25 Hamburger Kaffee-Lager Thams & Garfs Aeltere Dame sucht zum 1. Avril behaglich möbliertes Zimmer wenn möglich mit Mittagstisch. Schr. Angeb. unter 0789 an den Gien. Anz. [Stellenangebote] «Vüt: einen ordentl. Jungen <15 I.) aus guter Familie wird kaufmännische Lehrstelle gesucht. Sckr. Angeb. u. 0777 a. d.Gietz.Anz. Todes-Anzeige. Nach Gottes unerforschlicjiem Ratschluß wurde uns heute mein lieber Mann, unser guter Vater, Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Adolf Jacob im besten Alter von 44 Jahren nach vierwöchigem Krankenlager jäh entrissen. MM. Freitag, 5. Febr., norm. 8—11 Uhr: MUMM. ( Vereine j Fisch Zentrale Marktlaube. Morgen Freitag findet in d. Marktlaube Verkauf statt von rischen Sendungen Seme ebenfalls frische 5eemuscheln und Bückinge. Preise diese Woche sehr niedrig. 0791 F. L A. Verhetz. I Mietgesuche | Schöne IZ-Zinm.-Wohn. iNähe der Anlagen), mögt, im 1. Stock geg. Friedensmiete oder Miet - Vorausznhlg. von 2 Pers, baldigst zu mieten gesucht. Sckr. Angeb. unter 0764 a. d. Giefi. Anz. Einfach möbl. Zimmer zu verm. Zu erfr. in der Geschäftsstelle d. Giefi. Anz. (1018D Altes Blei iUlelröhrew kaust BrühlscheDrackerei D" Schttlstr 7'0 Gut erb. dkbl. Bren- naher - Kinderwagen zu verkaufen. 0,70 Roonttrafie 26 I. Kinderwagen billig zu verk. 0781 Landgralenstr. 8 1IL [Verschiedenes | W-oS.Nachlch- Strptifletnnotn führt prompt und fachgemätz aus osoo H. Denner II., Auktionator und Taxator, SelterSweg 83, H. I Luxus- Sprech-Apparalß von 70 Mk. an bei geringer Anzahlung sofort zu haben bet H. Benner IL, Öres Seltersw. 83, H. Zu verkaufen 2 vollständ. Betten, 2 Kleiderschränke, 2Küchenschr.,1neuer Schreibtisch, 1 elektr. Lüster u. Zuglampe, 1 Handwagen usw. bei Auktionator 0 99 Benner II. I SelterSweg 83 H. । Brate Beiehsknrz- sohrlltgeaeUsebalt ..Babelsberger*’ u Damenabtel'.nng Gießen e. V. Samstag, 6. Februar, 8 Ubr: Kappen« sitzmig 1 zur Stadt Sich.__ Mehksokrein Wen t. T. Einladung. Die ordentl. Mit gliedervcriamm- luuq des Verkehrs- verelnS findet am Montag, den 8. d. M.. abends 8 Ubr, im „Hindenburg" statt. 10t3D Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht, 2. Rechnungsablage, 3. Errichtung einer Geschäftsstelle, 4. Ausbau d. Bieber-* talbahn und deren Durchführung bis zur Marktstraße, 5. Berkehrserschtte- tzung des Kleebachtales, hier: Mitteilung über den Sachstand, 6. Norstandswahl, 7. Punkt 9 Uhr: Vortrag deS Herrn Geh.-RatProf.Or. Sommer über ^Gie- henS Zukunft als Berkehrkzentrum^ 8. Verschiedenes. Der Borstand. 5. XL81, Uhr Kränzchen. Br. Br, 104nc Li. Zimmer zu vermieten [0792 Nordanlage 9 l, MI. Zimmer zu vermieten [0778 Kaiserallee 16 IL Mbl. Zimmer zuverm., aufWunsch mit Pension. [1025D Scbanzenttr. 12 j. Wer erteilt armem Waisenjungen 1lM1D llntenidjt in £onö- fmaftsmaletei? Meldungen erbittet dasStädt.Jugend- amt, Gartenstr. 2. Tüchtige Wöetin nimmt Kunden an in und außer dein Hause. Schr. Ang. u. 0784 an den G. Anz. Nr. 29 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Donnerstag, 4.8ebruar 1926 Oberhessen. Landkreis Gießen. f. Klein-Linden, 3. Febr. Unser n e u - qewähltes G e m e i n d e p a r l a m e n t trat am Montag zur ersten Sitzung zusammen. Eine große Menge Zuhörer hatte sich zu der Neue,nfuhrung des größten Teiles der Gemeinderate eingefunden. Vom alten Gemeinderat nehmen nur noch fünf an der Vertretung teil. Vor der Verpflichtung der neugewählten Gemeinderäte richtete der Bürgermeister Worte für gedeihliches Zusammenarbeiten und Sachlichkeit an den Gesamtgemeinderat. Besonders unsere Gemeinde sei infolge ihrer überaus schlechten Einnahmequellen sehr schwierig zu verwalten. Es bedürfe der größten Sparsamkeit, um den Ge- ineindehaushalt im Gleichgewicht zu halten. Das schließe aber nicht aus, daß in dringenden Fallen die Gemeinde doch für die Einwohner sorgen müsse auf allen Gebieten. Da unsere Gemeinde zu 35 Pro- zent aus Bahnbediensteten bestehe, habe er sich an die betreffende Behörde um Zuschüsse der Bahnver- waltung zugunsten der Gemeindeverwaltung gewandt. Hierauf erfolgte die Verpflichtung durch Handschlag. Als Kontrolleur wurde Phil. WeigelXXII. gewählt. Die Bildung weiterer Kommissionen wurde vorerst nicht ins Auge gefaßt. Ein Antrag auf Tanzerlaubnis am Faschingsdienstag wurde, der jetzigen gesetzlichen Vorschrift entsprechend, dem Gemeinderat zur Beschlußfassung vorgelegt. Damit verbunden wurde ein Antrag auf Einschränkung der Lustbarkeiten im allgemeinen, sowie Erhöhung der Vergnügungssteuer. Die Anträge lösten eine längere Debatte aus. Es wurde schließlich beschlossen: Mit Rücksicht aus den Faschingsdienstag wird die Tanzerlaubnis ausgesprochen. Die V e r g n ü gu n g s st e u e r wird aus den doppelten Satz erhöht (gemäß dem Dorschlaa des Bürgermeisters unter entsprechender Abänderung des bestehenden Ortsstatuts). Einem Gesuch verschiedener Einwohner um Pachtnachlaß für Gemeindeäcker wurde insofern nähergetreten, als eine dreigliedrige Kommission gewählt wurde, welche die ungefähre außergewöhnliche Belastung durch vorzunehmende Kulturarbeiten feststellen soll. Gleichgelagerte Fälle aus dem Jahre 1925 sollen dabei revidiert werden, um evtl. Unrecht vorzubeugen. Die Anschaffung einer kompletten Küchen- und Kocheinrichtung für die dritte Klasse der Madchenfortbildungs. chule wurde abgelehnt mit der Begründung, daß ne herrschende Geldnot und der für solche Zwecke ehlende Raum zur Zeit nicht zulasse, diese Forderung der Regierung in die Tat umzusetzen. Als Schätzer für gefallenes Vieh wurden gewähtt Weigel und Langsdorf, als Stellvertreter Rinn und Fr. Langsdorf. Die Besetzung der Gemeinderechnerstelle macht keine Fortschritte. Es sollen beim Kreisamt Schritte unternommen werden, damit diese Angelegenheit möglichst bald erledigt wird. Seit über Jahresfrist schwebt nun schon die Neubesetzung der Rechnerstelle. v. Londorf, 3. Febr. Bei der gestrigen Verpachtung der hiesigen Gemeindeiagd erhielt Los 1, Feld- und Waldjagd umfassend, Möbelfabrikant Louis Köhler- Isenburg für 505 Mk., Los 2, nur Feldjagd, Rittmeister v. Röder-Kesselbach für 550 Mk. o , ... Watzenborn-Steinberg, 3. Febr. Aus der jüngsten Gemeinderatssitzung ist folgendes zu berichten: Da der im Rj. 1925 als Zuschlag zu den Einkommens- und Körperschafts, steuer zu entrichtende Teil der Gewerbe st euer nach Ablauf des reichsgesetzlichen Fälligkeitstermins noch nicht voll eingegangen war, konnte mit ministerieller Ermächtigung die Gewerbesteuer für das Rj. 1925 für die von ihr noch nicht erfaßten Umsätze in Nachtragszielen erhoben werden. Zu dieser Erhebung nahm der Gemeinderat einen ablehnenden Standpunkt ein. Hinsichtlich der Verfügung betr. die Einschränkung voii Festlichkeiten beschloß der Gemeinderat einstimmig, den noch rückständigen Vereinen die Abhaltung ihres Stiftungsfestes an einem Abend zu genehmigen. Dem Wiesen- vorftand wurde Georg Häuser XVI. zugewählt. Einstimmige Bewilligung fand nachträglich die E r- werbslosenbei Hilfe für die verspätet gemeldeten Holzhauer. Da für Einrichtung des Haus- wirtschafts- und K o ch u n t e r r i ch t s der Mädchenfortbildungsschule in der hiesigen Schule kein genügender Platz vorhanden ist, nahm man hierzu auf Vorschlag des Bürgermeisters das Haus des Karl Philipp II. in Aussicht. Man ging hierbei von der Voraussetzung aus, daß sich noch eine kleinere Nachbargemeinde hierbei beteiligt. Die Kosten für diese Einrichtung wurden einstimmig genehmigt, jedoch behält sich der Gemeinderat vor, daß er über die jeweiligen Anschaffungen vorerst nochmals gehört wird. Der Antrag des Zigarrenfabrikanten G. Stork auf Ueberlaffung eines Ge- ländeftreifens neben seinem Fabrikgebäude wurde zurückgestellt bis zum Abschluß der Feldbereinigung, jedoch ist der Gemeinderat der Ansicht, daß der Fabrikationsbetrieb durch etwaige Neubauten nicht störend beeinträchtigt werden dürfe. Hinsichtlich der Neufestsetzung der Jagdpacht beschloß der Gemeinderat einstimmig, die Friedenspacht von 900 Mk. zu fordern. Hinsichtlich der Schließung der Nebenwerk st ätte in Gießen wurde eingehend Stellung genommen. Sollte eine Schließung wider Erwarten erfolgen, so hieße dies für unsere Gemeinde eine ganze Anzahl Familienväter brotlos machen und der öffentlichen Fürsorge überliefern. Die Gemeindeverwaltung muß daher auch an ihrem Teil dazu beitragen, daß dies, wenn irgend möglich, vermieden wird; sie soll zu diesem Zweck an maßgebender Stelle vorstellig werden. Unsere Gemeinde hat augenblicklich 93 Erwerbslose und 63 Kurzarbeiter (Tabakarbeiter). — Wie verlautbart, beabsichtigt die Eisenbahndirektion, elektrische Beleuchtung auf der Station Schisfenberg einzuführen. Einem lang bestehenden Bedürfnisse trüge man dadurch Rechnung. Die Beleuchtung, besonders des schmalen, langen Bahnsteigs, ist jetzt derartig mangelhaft, daß es bei dem hier immerhin starken Verkehr und bei herrschender Dunkelheit verwunderlich ist, wenn Unfälle bisher nicht vorkamen. Wenn man berücksichtigt, daß die Station die Bahnhaltestelle der Gemeinden Grüningen, Hausen und Watzenborn-Steinberg ist, die an verkehrsreichen Tagen rund 500 Fahrkarten nach Gießen verabfolgt, und täglich einige hundert Personen hier einsteigen, so erweist sich eine einwandfreie Beleuchtung des Bahnsteigs als dringend erforderlich. Auch entspricht die Wartehalle schon längst nicht mehr den bestellenden Bedürfnissen. Die Kosten der Zuleitung der Lichtleitung sollen sich auf 1600 Mk. belaufen. Bei Ausführung der Zuleitung wäre auch gleichzeitig Gelegenheit geboten, den Weg nach der Station von hier aus zu beleuchten. Mit nur einigen Richtungslampen würde der Zweck erreicht. t. Burkhardsfelden, 3. Febr. Die Bachbargemeinden Hattenrod und Oppenrod haben schon vor dem Krieg die Feld- Bereinigung durchgeführt, und auch in unterer Gemeinde sieht man die Notwendigkeit ein, daß in der Gemarkung manches geschehen muß, um die Bodenerträge zu steigern. Da unsere Gemeinde keinerlei Waldbesitz hat. kann sie in dieser Zeit der Geldknappheit die Kosten zu einer Feldbereinigung nicht aufbringen. Trotzdem will man versuchen, umfangreiche Doden- verbesserungen durchzuführen. Zu diesem Zweck hat sich int vergangenen Jahr eine Wasfer- genossenschaft gebildet, die sich zum Ziel gesetzt hat, einzelne Fluren zu entwässern. Zunächst soll der Gemarkungsteil nördlich des Licher Waldes, der „Mankestrauch", in Angriff genommen werden. Nachdem die Pläne die Genehmigung der Behörde gefunden haben, sollen in diesen Tagen die Arbeiten vergeben werden. Die Entwässerung des Mankestrauch soll zunächst einen Versuch darstellen, wie weit der Bodenertrag gesteigert werden kann und wie sich damit das angelegte Kapital verdient macht. Nacb und nach sollen dann weitere Gemarkungsteile in Angriff genommen werden. Sobald es die Witterung zulätzt, will man mit den Arbeiten beginnen. Bei der Durchführung des Planes wird auch ein Teil der Arbeitslosen Beschäftigung finden. t. Hattenrod, 3. Febr. Unser G e meinde- r a t hat den Beschluß gefaßt, eine eigene Koch- schule einzurichten. Ein geeigneter Raum ist im Rachaus vorhanden, die Kocheinrichtungen sollen angeschafft werden. Da eine geeignete Lehrerin vorhanden ist, kann mit dem hauswirtschaftlichen Unterricht nach Ostern begonnen werden. ri. Lich, 2. Febr. Die Kirchenge - meindevertretung beriet eingehend über den Voranschlag der evangelischen Kirche für das neue Jahr. Der durch örtliche Kirchensteuer aufzubringende Fehlbetrag beläuft sich auf 5000 Mark. Auf den Kopf 'der evangelischen Bevölkerung kommen somit für das ganze Jahr im Durchschnitt 2 Mark kirchliche Lasten, ein verhältnismäßig recht geringer Betrag. Die Kirchengemeindevertretung war, wie auch der Kirchenvorstand, einstimmig der Ansicht, daß die vorgesehenen Ausgaben gerade nur für die notwendigsten Bedürfnisse der Ge- meinbe ausreichen. Es wird von feiten der i Kirche gespart an allen Enden; selbst, notwendige Ausgaben werden zurückgestellt. Eine besonders hohe Belastung hat die Kirchenkasse erhalten durch den Beitrag zu dem großen Fehlbetrag der gesamten Landeskirche, für den die einzelnen Gemeinden mit auskommen müssen. Dieser Fehlbetrag beträgt gerade so viel, wie vor dem Krieg die Zinsen der Pfarreikapitalien betragen haben, die dem Staat anheimgefallen sind und unter denen sich viel Kriegsanleihe besindet, bei deren Zeichmtng einst gerade auch die Pfarreien mit guten Beispiel voran gingen. Eine längere Debatte entstand über die Kirchensteuer. Es wurde sestgestellt, daß die Kirche in keiner Weise Schuld trägt an der ungleichmäßigen Verteilung der Steuer, und es wurde allseitig beklagt, daß der Staat keinen Weg sucht, für die gerechtere Verteilung der Kirchensteuern, für deren Erhebung er übrigens einen bestimmten Prozentsatz bezieht, zu sorgen. Aus dem Jahresbericht des Kirchenvorstandes, den der Vorsitzende Stiftsdechant Lenz vor der Gemeindevertretung erstattete, sei u. a. als bemerkenswert hervvrgehoben die Reparatur des Daches der Marienstiftskirche und die stilvolle Herstellung der Front des alten Pfarrhauses auf dem Liebfrauenberg. Beklagt wurde die Sonntagsentheiligung durch die vielen Feste und der besonders unter der Jugend zunehmende Alkoholmißbrauch. Wit Bedauern wurde es zur Kenntnis genommen, daß zwei kirchliche Vereine, der Kirchengesangverein und die Mädchenver- emigung, aus Mangel an äußerer und innerer Beteiligung ihre Tätigkeit einstellen mußten. Aus der Landeskirche ausgetreten sind im vergangenen Jahr drei Familien, die sich einer Sekte anschlossen, und drei Personen, die konsessessions- los wurden. Kreis Kriedberg. Friedberg, 3. Febr. (WSN.) Am Samstagabend wurden an der Landstraße Dorheim- Friedberg zahlreiche junge Ob st bäume abgeschlagen und anderen die Krone beschädigt. Die zurückgelassenen Fußspuren wurden von der Gendarmerie in Gips festgehalten. Mit Hilfe derselben gelang es, den Täter bald zu ermitteln. Er ift geständig. : : Pohl-G öns, 3. Febr. Ein Familiendrama hat sich hier zugetragen. Ein sehr fleißiger, nüchterner Arbeiter, der in den unglücklichsten Familienverhältnissen lebte, kam abends müde nach Hause. Die Zustände, die er antraf, müssen den sonst so stillen, freundlichen Mann so außerordentlich erregt haben, daß er wie rasend auf seine Frau e i n s ch l u g. Als diese zusammen brach, ging er flüchtig. Heute wurde er aufgesunden — er hatte sich von der Dahn überfahren lassen. Das Schicksal des Mannes, der sich großer Beliebtheit erfreute, wird allgemein bebauert. Die Frau wurde in das Krankenhaus nach Nieder-Weisel gebracht; sie ist außer Lebensgefahr. Kreis Schotten. □ ßaubatft, 3. Febr. Gestern fand m „Gasthof zur Traube" die H o l z v e r st e i g e r u n a des gräflichen Försterbezirks Freienseen statt (Distrikte: Eichelgarten, Herrenzipfen, Wei- oenau, Heinzeberg, Trankbach, Ziegenberg, Läße- wüldchen, Kreuzseenerberg, Steinbiegel). Es galten der Raummeter Buchenscheit 12 bis 14 Mk.; Buchenknüppel 8 bis 9,50 Mk.; Buchenstöcke 8 bis 9 Mk.; Reiferknüppel 4 bis 5 Mk. — Die Rehböcke haben in den hiesigen Waldungen gut aufgesetzt, zum Teil schon vereckt. Wenn nicKs dazwischen kommt, wird die Hasenjagd gut werden. Einzelne Häsinnen haben schon gesetzt. lg. Gedern, 3. Febr. Der Vogelsberger Sängerbund hielt am Sonntagnachmittag im Gasthause Reichert dahier seinen diesjährigen Bundesdelegiertentag ab, der recht gut besucht war. Der Bundespräsident, Lehrer ©troffInger (Oberlais) begrüßte die Vertreter der Vereine, wobei er besonders hinwies auf den kürzlich hier statt- gehabten Delegiertentag und die hierbei empfangenen Anregungen, den Vereinen zur praktischen Durchführung empfahl. Hierauf erstattete der Schriftführer, Lehrer L e h m e r - Glashütten, den Bericht über die im abgelaufenen Vereinsjahr geleistete Arbeit. Der Rechner, A. Hoffmann- Gedern, erstattete die Rechnungsablage, die erfreulicherweise mit einem ansehnlichen Betrag als Ueberfchuß abschließt. Nach Prüfung der Rechnung wurde dem Rechner Entlastung erteilt. Zwei Vereine wurden neu in den Bund ausgenommen. Am 9. Mai soll in Volkartshain ein Wertungssingen stattfinden. Zum Wertungsrichter soll Kantor Samper- Darmstadt bestellt werden. Der Arbeiter- gesangoerein „Vorwarts"-Gcdem übernimmt die Vorbereitung des diesjährigen B u n d e s f e st e s. Als Termin wurde der zweite Sonntag nach dem Prämiierungsmarkt in Aussicht genommen. Bei den V o r ft a n d s w a h l c n wurde allseitig der Wunsch laut, daß Herr S t r ö s s i n g e r das Amt bis zu feinem Wegzuge behalien möchte, womit er sich einverstanden erklärte. Als 'Nachfolger im 'Amte des Bundespräsidenten wurde Lehrer Müller - Voltartshain gewählt. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Damit war die arbeitsreiche Tagung zu ihrem Abschlüsse gelangt. In seinem Schtußwort gab der Bundespräsident dem Wunsche Ausdruck, daß auch das neue Vereinsjahr ein Jahr des Aufstiegs für den Bund fein möge. — Der Gesangverein „L i ederkranz" veranstaltete am Sonntagnachmittag ein Konzert, zu dem die Einlaßkarten schon tagelang vorher vergriffen waren. Der Verein hat, um es vorweg zu sagen, die hochgespannten Erwartungen der Besucher voll und ganz erfüllt. Mit einer stattlichen Reihe von Chören bewies er feine hervorragende Schulung. Herr Karl Schäfer- Frankfurt (Bariton) als Solist hatte besonderen Erfolg (der zum Teil auch dem so zeitgemäßen Inhalt galt) mit den beiden Rheinliedern „Der Rhein, deutsch muß er sein" und „Am Rhein, da bin ich zu Hause", so daß er sich zu einer Zugabe verstehen mußte. Den übrigen Teil des umfangreichen Programms bestritten die Herren W.Zinß und Spahn- Frankfurt a. M. durch mehrere Violinvorträge mit Klavierbegleitung. An den gesanglichen Teil schloß sich die Aufführung eines Singspiels. Die Darsteller ernteten reichen Beifall. Die Veranstaltung schloß mit Tanz. Kreis Alsfeld. &-$> Alsfeld, 3. Febr. Aus der S t a b t o o r* standsfitzung. Ein von der Feldbereinigung bei der Stadt gemachter Vorschlag zum Ankauf eines Wassergrund st ückes wurde nach dem Vorschlag der landwirtschaftlichen Kommission abgelehnt, da das Grundstück für die Stadt keinen besonderen Wert hat, ein Erwerb sich bei den heutigen geringen Pachtpreisen nicht rentieren würde und der Acker als Baugelände nicht in Frage kommt. — Prämienmarkt 1 926: Hierüber hat bereits eine Vorbesprechung mit den beteiligten maßgebenden landwirtschaftlichen Kreisen stattgefunden, in welcher die Grundzüge für die diesjährige Marktoeranstaltung festgelegt wurden. Es wurde demgemäß vom Stadtvorstand beschlossen, der Prämienmarkt 1926 soll in der seither üblichen Weise am Montag, 5. Juli 1 926 abgehalten werden. Die sportlichen Veranstaltungen (Pferderennen, Reitturnier und Fahrkonkurrenzen) sollen an demselben Tage stattfinden. Die Kosten des Prämienmarktes sollen vorlagsweise von der Stadt übernommen werden. Gleichzeitig wird wieder eine Lotterie mit Sachgewinnen veranstaltet, welche dem Lotterieeinnehmer C. C. Waldeck in Alsfeld auf Grund des vorgelegten Vertrages übertragen wurde. — Einführung der neuen Lehrpläne f ü r öie Ober-Realschule: Nach einer Verfügung des Landesamtes für das Bildungswesen sollen die neuen Lehrpläne bereits am 1. April d. I. zur Durchführung kommen. Darin sind verschiedene neue Unterrichtsfächer vorgesehen: Werkunterricht, Schülerübungen in Bioloaie, Physik, Chemie, Verstärkung des Unterrichts Tn Latein und Stenographie, sowie Einführung eines zweistündigen Spielnachmittags. Nach einem Voranschlag der Direktion der Ober-Realschule sind zur 2mschaffung der hierfür erforderlichen Werktische, Werkzeuge, Apparate, Mikroskope usw. sowie für Einrichtung der neuen Räume etwa 10 000 Mk. erforderlich, welche die Stadt zu tragen hätte. Auch wird durch die Vermehrung der Unterrichtsstunden die Einstellung zweier neuer Lehrkräfte erforderlich. Das Landesamt für das Bildungswesen hat nun verfügt, daß die finanziellen Verhältnisse des Landes eine Vermehrung der Zahl der Lehrkräfte nicht gestatten, die neuen Aufgabe sollen im Rahmen des Möglichen mit den vorhandenen Lehrkräften gelöst werden. Auch bei den sachlichen Mehrkosten soll den bestehenden Verhältnissen Rechnung getragen werden. Die Finanzkommission schlug hiernach vor, zur Einführung der biologischen, physikalischen und chemischen Hebungen in den drei obersten Klassen der Oberrealschule für das Rechnungsjahr 1926 einen Betrag von 2500 Mk. zur Einrichtung und Beschaffung von Unterrichtsmitteln zu bewilligen. Der Werkunterricht soll vorläufig zurückgestellt werden. Die erforderlichen Einrichtungen sollen auf Gießener Stadtthealer. Sutton Bane: „Ueberfahrt". Als vor nicht ganz einem Jahre das dreiaktige Schauspiel „Outward bound“ des Engländers Sutton Vane (übertragen von Karl K l e- ment) seine deutsche Uraufführung — in Berlin — erlebte, entsann sich wohl nremand, je zuvor den Namen des Autors gehört zu haben. Nur ging diesem rätselhaften Stück (von dem niemand wußte, worum es sich eigentlich handle) der Auf voraus, daß es im Auslande eine bedeutende Aufführungsserie erzielt habe. Das kann erfahrungsgemäß kein kritischer Maßstab für uns fein —; sicher ist, daß diese „lieber- fahrt" einen starken, obschon nicht unbestrittenen Premiörenerfolg hatte und seitdem, wohl mit dem gleichen Ergebnis, auch über zahlreiche andere deutsche Bühnen gegangen ist, ohne daß man übrigens von dem Dichter inzwischen mehr als vorher gehört hätte. Sicher ist auch: man geht nachdenklich von diesem Stück nach Hause. Wenn auch nicht vollkommen befriedigt. Wenn der Vorhang aufgeht, befindet man sich auf einem Schiff, auf einem Ueberseedampfer, kurz vor der Slusreife, im Rauchsalon. Hinter der Bar steht der würdige Steward und mixt; die Passagiere kommen und gehen, lernen sich kennen, plaudern und treiben allerhand Späße. Also ein Gesellschafts- stück wie hundert andere, mit einer kleinen Liebesgeschichte vielleicht auf hoher See zwischen Deutschland und Amerika? Am Ende ein „Verlobungsschiff"? Nichts von alledem. Es kommt ganz anders. Dieses Schift hier ist von besonderer Art, ein merkwürdiges Schiff, von einer unbekannten Reederei. Es ist nicht geheuer, es wird unheimlich. (Und plötzlich fällt uns ein, daß wir diesem Fahrzeug schon einmal begegnet fein könnten, vielleicht bei Edgar Allan Poe). Als man schon unterwegs ist, stellt sich heraus, daß die Reisegesellschaft nur aus sieben Leuten besteht. Ein junger Mensch, eine Aristokratin, ein Geistlicher, ein Kaufmann, eine „Frau aus dem Volke" und ein Liebespaar. Sonst niemand; nur der mixende Steward mit dem unerschütterlichen Gesicht. Kein Steuerman, keine Mannschaft, kein Kapitän. Und diese sieben zusammengewürfelten Passagiere merken so nach und nach, daß sie innerlich nicht mehr recht intakt sind. Alles wird so sonderbar: ihre Sinne sind ein wenig verwirrt, sie können sich gar nicht mehr deutlich besinnen, warum sie eigenüid) auf dem Schiff sind, wo sie Herkommen, wo sie hinwollen, was sie eigentlich vorhaben. Sieben Personen fahren ins Blaue hinein, suchen ein Reiseziel, schwimmen im Ungewissen, irgendwoher, irgendwohin. Erst werden sie stutzig, dann unruhig. Aber allmählich fällt Lähmung und Entsetzen über die Passagiere, als sie gewahr werden, daß ihr Schiff ohne Lichter durch die Nacht fährt, töte der „Fliegende Holländer", und als der Steward unversehens oben im Tauwerk erblickt wird, wie der Klabautermann. Sieben Menschen fahren zwischen Leben und Tod, sieben arme Seelen sind verdammt, ein unsinnig-übersinnliches Abenteuer zu erleben. Der Steward aber, ein moderner Charon, ist auf einmal wieder da und jagt ihnen, die nicht wissen, ob sie wachen oder träumen, daß sie gestorben sind. Und die Ueberfahrt — wohin? Fimmel oder Hölle, je nachdem; in ein Land jedenfalls, wo Rechenschaft abgelegt werden muß. Man kann an manche Motive bei Pircrudello denken, oder an den armen Juckenack, um den niemand weinte. Noch mehr, im zweiten Akt, wo das Stück sich innerlich spannt und steigert, wird man an die Dramatik des Mittelalters erinnert, an die Totentänze und Weltgerichtsspiele der Gotik. Es gibt eine starke Szene (nächst jener ersten, wo die unheimliche Erkenntnis, Stück für Stück, anschleicht und unter den blinden Passagieren ausbricht) —: die große Demaskierung zwischen Tod und Leben, vor dem Ungewissen, vor dem Schicksalsspruch und der Abrechnung, die auf die Sieben wartet, in der Vorbereitung auf den Totenrichter, den „Prüfer", wie der Steward und Seelenfährmann ihn nennt. Da knickt die Haltung ein, Hüllen und Masken fallen ab, armselige Menschlichkeit kommt ans ungewisse Licht. Der Kaufmann will noch handeln, der Geistliche wird kleinmütig und fällt aus der Nolle, die reiche Frau ist gar nicht mehr vornehm, die arme gottergeben, alle von Angst geschüttelt, verzweifelt, unzulänglich, klein und gering. Dies ist das Beste, was das Stück hergibt. Spannung springt über, wie es ausgeht, was das Ende fein wird, in welchem Hafen man anlegt. Manches zuvor schon schwantt (bis zuletzt eigentlich) auf der Grenze zwischen Scherz und Ernst; satirische Lichter brechen sich im szenischen Gefüge, Tendenz wird leise fühlbar, Groteske blitzt auf (und wird allzu übermächttg) schon in der Szene, wo die Sieben ein Palaver abhalten und abstimmen untereinander, ob sie tot oder lebendig sind. Groteske überwuchert leider audj die Schlußszene, wo man auf Entladungen gefaßt war. Ein bannender Moment, toenn die Sirene tont, und das Schiff plötzlich stoppt, zum Zeichen, daß die seelische Zollrevision beginne. Aber dann: der „Prüfer" ist gar nicht unheimlich, kaum irgendwie übermächtiges Wesen, sondern ein ganz irdischer, jovialer Herr in reiferen Jahren, eher wie ein guter Hausarzt anzu- schauen, etwas geistlich betont. Manches, titele» sogar ist verschwommen, bleibt ungelöst im letzten Gericht, die „Schicksale" nach der Landung schweben im Ungewissen. Das Stück hat keine Lösung, kann auch vielleicht, oder will feine baben. ilnb der Dichter steht am Ende vor verschloßenen Türen; man weiß, unbefriedigt, nicht eigentlich, worauf es ihm ankam: auf Hieb und Spott, oder Ernst und Zweifel, oder einen barocken Spaß der Unendlichkeit. Immerhin: dichterisch ist das überraschende Motiv, daß Mutter und Sohn sich sinden vor dem Richter (Me Frau aus dem Volk und der junge Mensch) und daß zuletzt das Schiff wieder zurück fährt mit dem zeitlosen Fährmann und dem Liebespaar. Die beiden find nicht reif für den „Prüfer" und für die fremde Küste, die nicht Amerika heißt; sie fahren zurück zu dem Land, das auch nicht Deutschland ist, oder England. Denn sie sind „Halbwegige" hatten keinen Mut zum Leben, haben Selbstmord begangen. Müssen umkehren ins Ungewisse ... Viele Fragen bleiben unbeantwortet, vieles verläuft im Sande. Aber ein paar Mal springen doch Funken über aus diesem Schauspiel, liegt ein Hauch vom großen Geheimnis über der Szene. Die Aussühruna (Adolf Teleky), im ganzen, war gut und bemühte sich, das Abenteuer an den Grenzen der Dinge miterleben zu lassen. Doch wurde manches, besonders zuletzt, im Tempo verschleppt, anderes auch, weiter vorn, zu leicht und zu sehr vom Komischen her gespielt. (Die Unentschiedenheit des Dichters sollte hier möglichst ausgeglichen werden.) Daß der Höhepunkt allzu weit vor dem letzten Vorhang lag, kommt natürlich nicht auf die Rechnung der Regie. In der Besetzung gefielen vor allem A. M a r ck s (Mrs. Cliveden-Bcmks), die furchtbar vornehme und andauernd schockierte Lady, die selbst im Jenseits noch etepetete sein wird: L. Jüngling, rührend, ahnungslos und gottergeben: die arme kleine Scheuerfrau, die zuletzt ihren Jungen wiederfindet; sehr überlegen und fein K. Vol ck, der Steward Scrubby. Basis (Tom Prior, der verlorene Sohn) hate ein paar ehrliche, starke Ausbrüche, griff doch manches zu nonchalant und überspielte einige tiefere Uebergänge, die in seiner nicht leichten Rolle liegen. Auch Teleky schien etwas zu schroff und unvermittelt zwischen drastischer Groteske und unheimlichem Gepacktwerden; in der Maske ein bißchen altväterisch. Hanke als Pastor war am geschlossensten zu Anfang in einer liebenswürdigen Sprechszene. Das verstörte, unglückliche, selbstmörderische Einmaleins der Liebe: Krahmer-Wehrl. Fr. Geffers endlich fand sich mit Bonhommie in die undankbare Prüferrolle. — Das Bühnenbild Löfflerswar nicht schlecht. Doch hätte das Ganze im abgeschlossenen Jnnenraum, ohne die fmnfälliäe Markierung des nautischen Schauplatzes, vielleicht eindringlicher gewirkt. — Das nicht allzu zahlreiche Auditorium schien sich im wesentlichen an tue fetteren Momente zu halten, nahm aber die Neuiakeit am Ende beifällig auf. vr. To. eine Reihe von Jahren verteilt und in jedem Jahr das Notwendigste im Boranschlag vorgesehen und angeschasft werden. Nach kurzer Aussprache, in welcher es sich hauptsächlich um die ^rage der Zweckmäßigkeit des Werkunterrichts handelte, beschloß man gemäß dem Vorschläge der Finanz- kommision. — Die Anlage einer Zentral- b e i ,3 u n q für d i e Unterkunftshalle der P ost k r a s t m a g e n wurde genehmigt und die Ausführung der Firma Esch & Co. in Mannheim übertragen. — Eine Eingabe der Ein- zelhandels Vereinigung Alsfeld an den Stadtrat führt Beschwerde wegen Vergebung von Lieferungen für das „Deutsche Haus". Auf Grund der Aussprache in der Versammlung stellte diese einstimmig fest, daß die von der Bankern- Mission beauftragten Herren bei der Verteilung der einzelnen Lieferungen durchaus korrekt verfahren sind und die Beschwerde deshalb unbegründet ist. — Unter Mitteilungen gab der Vorsitzende eine Eingabe der Erwerbslosen der Stadt bekannt, worin diese wiederum um Gewährung einer Winterbeihilfe für den Monat Februar iowie um Ueberlassung uon verbilligtem Brennmaterial und um unentgeltliche Abgabe von Milch an Kinder nachsuchen. Die Eingabe wurde der zuständigen Finanzkommission zur selbständigen Erledigung ub-rwiesen. * Alsfeld, 2. Febr. lieber den kürzlich ein- geweihten Um- und Neubau des „Deutschen Hauses" sei noch folgendes berichtet: Die Stadt Alsfeld wollte mit dem im März 1925 begonnenen, ziemlich umfangreichen Um» und Neubau des „Deutschen Hauses" eine moderne Gaststätte und zugleich einen würdigen Mittelpunkt für Kunst, Festlichkeiten, Tagungen und Vorträge in diesem Teile Oberhessens schaffen. Dementsprechend wurde her Erweiterungsbau in einem auf lange Zeit genügenden Größenoerhältnis ausgeführt. Das Hauptverdienst um das glückliche Zustandekommen dieser weitsichtigen Um- und Neugestaltung erwarben sich der Bürgermeister 2r. V ö l s i n g und der Stadt. B a u a u s s ch u ß. Die bestehende Anlage ist nach Möglichkeit als Ausgangspunkt für die Bauausgabe benutzt worden. Der eigentliche Hotelteil erhielt nur eine neue innere gediegene Auskleidung, die meisten Fremdenzimmer Waschtische mit fließendem warmem und kaltem Wasser. Im Erdgeschoß des um- und neugebauten Teiles sind ein großer heller Wirtsraum und ein kleiner Saal, speziell für Tagungen, Vorträge und Lichtbilderuorführungen, untergebracht, sowie ein Vestibül, das den Verkehr zu diesen, sowie auch zu der sehr geräumigen Garderobe- und Toiletenanlage und der Kassenhalle vermittelt. Von der Kassenhalle führt eine breite, geräumige Haupttreppenanlage zu dem großen Festsaal mit moderner Bühneneinrichtung im Obergeschoß, der sich durch drei mächtige Doppelflügeltureu den Eintretenden als ein überraschender Eindruck öffnet. Der Saal hat ein Ausmaß von 17:29 Meter und über 8 Meter Höhe; er kann mit der sehr breiten Emporenanlage etwa 700 Menschen fassen. Der Saal mußte ent» sprechend der Eigenart des Bauplatzes mit feiner breiteren Seite vor die Bühnenöffnuna gelegt werden. Hierdurch war es möglich, eine Bühnenanlage mit nebenliegenben Kulissen- und Ankleideräumen zu schaffen, welche auch schon größeren Anforderungen genügen und wodurch für die Sihplahanordnungen des Saales ein sehr günstiges Gesichtsfeld geschaffen wurde. Außerdem ist hierdurch die für äußere Lichtquellen nicht in Frage kommende Gebäudeseite vorteilhaft ausgenutzt. Die Gestaltung des Entwurfs und die Bauleitung lagen in Händen des Stadtbaumeisters Egner, wegen Uebcrlaftung desselben wurde zur eigentlichen architektonischen Bearbeitung der'Architekt Völker aus Gießen herangezogen, der die ihm gestellte Aufgabe mit Hingabe und seinem Erstehen löste. Er hat ein Hauptportal, ein Vestibül "Ild eine Garderobenanlage geschaffen, welche mit einfachen, nur etwas gesteigerten architektonischen Mitteln eine festliche Stimmung vorbereiten, die in dem großen Theatersaal ihren Höhepunkt erreicht. Der Architekt hat in diesem Saal vor allem durch die Verwendung der Eiscnbetonkonstruktionen zu stark plastischer Decken- und Wandbehandlung im Verein mit entsprechenden Stuckarbeiten die schwierigen unsymmetrischen Verhältnisse fast ganz ihres störenden Einflusses zu entkleiden gewußt. Es ist ihm im Verein mit dem für die malerische Aus'- qestaltung betrauten Kunstmaler Kienzle aus Treysa b. Darmstadt gelungen, die wuchtigen, starren Linien einer so gewaltigen Eisenbetonkonstruktion in eine weiche, man könnte sagen musikalisch klingende Schwingung zu versetzen und zu einer seinen, festlichen Farbeneinheit zu komponieren, ohne daß die Großzügigkeit und Strenglinigkeit des verwendeten Materials, des Eisenbetons, verleugnet wird. Die Gesellschaft für Beton- und Eisen betonbau in Gießen hatte die Berechnung und Ausführung der gesamten Eisenbetonarbeiten in Händen und unterstützte bereits die Projektierung. Die einwandfreie technische Ausführung derartiger gewaltiger Rahmenbinder und Tragekonstruktionen sowie der bis 3,80 Meter ausragenden, freitragenden Galeriekonsolen ist eine mustergültige Leistung. An allen anderen Arbeiten waren sämtliche Alsfelder Bauhandwerker und Firmen beteiligt, außerdem eine Reihe namhafter auswärtiger, darunter auch einige Gießener Firmen. Die Firma Dem & C o. lieferte und verlegte sämtliche Fußboden und Wandplatten, von der Firma Appel wurde eine indirekte Beleuchtungsanlage sowie einen Teil der Beleuchtungskörper geliefert, Schlossermeister Euler war mit der Anfertigung einiger Kunstschmiedearbeiten betraut, und Holzbildhauer Kürschner fertigte einige geschnitzte Wandarmleuchter nach Entwurf des Architekten an. Eine Ventilationsanlage wurde und wird noch von der Firma Brinkmann eingebaut. Kreis Lauterbach. C Hopfmannsf eld, 3. Febr. Am Samstag fand die Hauptversammlung des hiesigen Kriegervereins statt. Der Schriftführer gab einen ausführlichen Jahresbericht. Dem Rechner und Schriftführer wurde Entlastung erteilt. Nachdem noch einige geschäftliche Sachen erledigt waren, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Bei dem anschließenden geselligen Beisammensein gedachte Lehrer Ludwig in einer kurzen An- spräche des durch Versetzung ausgeschiedenen Kameraden Pfarerr G e r t ch. Im Verlaus des Abends trug er noch Gedichte aus „Heffefpäß" von Martha Frohwein-Büchner vor, die den ungeteilten Beifall der Kameraden ernteten. Starkenburg. ' Darmstadt, 2. Febr. Den Schluß der Landwirtschaftlichen Woche tn Darmstadt, die seit einigen Jahren von der Landwirtschaftskammer veranstaltet wird, bildete eine Der- fammlung von Züchtern der Provinz Starkenburg, welche der Landwirtschasts° kammer - Ausschuß zusammen berufen hatte Die Versammlung sand im .Fürsterckaal ' statt und war außerordentlich zahlreich besucht. Prof Dr. Kraemer-Gießen hielt einen sehr interessanten Vortrag über „Die Bedeutung der Leistungözucht, insbesondere in den klein- uni) mittelbäuerlichen 'Betrieben". Prof. Kraemer wies in seinen Ausführungen ausführlich auf die Bedeutung der Milchleistunasprüfungen, welche ein vorzügliches Mittel zur Verbesserung der Rind- Viehzucht darstellt, hin. Der interessante Vortrag fand allseitigen Beifall. 3m Anschluß davon ergab sich eine längere Diskussion über verschiedene, die Tierzucht betreffende Fragen. D a r m st a d t, 3. Febr. (WSA.) Vach einer soeben erfolgten Deröfsentlichung waren in Stadt und Kreis Darmstadt am 31. Januar 5188 Stellen suchen de vorhanden gegen 5359 in der Vorwoche. ü Bensheiin, 3. Febr. Der Kreistag des Kreises Bensheim stimmte dem Vorvertrag auf Einführung einer Ferngasversorgung dec Provinz Starkenburg als kommunalwirtschaftliches Unternehmen zu. Ferner wurde eine Herabsetzung der Tagegelder beschlossen. Die kommunistische und die sozialdemokratische Fraktion im Kreistag haben eine Arbeitsgemeinschaft abgeschlossen. Rheinhessen. Mainz, 3. Febr. lWSV.) Die hessische Staatsanwaltschaft erläßt wegen des seit dem 12. v. Mts. verschwundenen 44jährigen Postschaffners Wilhelm Baron ein Ausschreiben. Der Vermißte befand sich zu der angegebenen Zeit bis Mitternacht in einer Wirtschaft in der Löhrgasse und verließ diese in Begleitung eines jungen Mannes, der nicht wissen will, wo der Verschwundene geblieben ist. 3n der Angelegenheit hat die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Mordes eingeleitet. Preußen. Kreistag in Wetzlar. 0 Wetzlar, 3. Febr. Gestern versammelte sich der neugewählte Kreistag im Sitzungs- jaale des Kreishauses. Mit Ausnahme des Avg. Bürgermeister Dr. Kühn waren alle Vertreter erschienen. Vor der offiziellen Sitzung hatten sich die Abgeordneten zu einer Vorbesprechung zusammen. gefunden, um hier eine Einigung über die Besetzung der einzelnen Kommissionen zu erzielen. Diese gelang jedoch bei den meisten und wichtigsten nicht, so daß bei diesem Punkt der Tagesordnung, der an den Schluß der Verhandlungen gesetzt wurde, das System der Verhältniswahl Platz greifen mußte. Hierbei wurden in den wichtigsten Ausschuß, den Kreisausschuß, drei Vertreter der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft und drei Sozialdemokraten gewählt, so daß dessen Zusammensetzung mit altem Stärkcverhältnis geblieben ist. Aus der großen Reihe der zur Beratung gestellten Punkte, die im allgemeinen ahne erhebliche Debatte erledigt werden konnten, ist besonders Punkt 10 herauszuheben, der sich mit der Frage der Beschäftigung der Erwerbslosen befaßte. Die Kreisverwaltung hatte hierzu etnige Projekte vorgelegt, so den weiteren Ausbau oer Garbenyeimer Straße und der Nauborner Straße, die beide Auf. Wendungen in Höhe von 165 000 Mark erfordern. Dazu soll die Umgehungsstraße am Dill- heimer Kopf yinzukommen und ebenso eine Umlegung der Straße nach Groß-Rech- t e n b a ch. Von den Abgeordneten wurden Anregungen über den Ausbau weiterer Wege und Straßen in großer Zahl oorgebracht, für die jedoch noch keine Projekte ausgearbeitet sind. Wie weit sich hier noch eine Erweiterung der Bauvorhaben erzielen läßt, hängt auch von der Aufbringung der notwendigen Mittel ab. Die Sitzung, die bis in die späten Nachmittagsstunden währte, wurde durch ein gemeinsames Mittagessen unterbrochen. Kreis Wetzlar. e. Krofdorf, 2. Febr. Die Pvstdienst - Verhältnisse sind hier sehr mangelhaft. Briefe, Postkarten usw. brauchen bis nach Gießen, das nur 5 Kilometer von unserem Orte entfernt und in einer Stunde Fußweg bequem zu erreichen ist, oft 2 Tage. biS sie den Empfänger erreichen. Ebenso geht es umgekehrt. Hier wird die Post nur einmal täglich vormittags ausgetragen. Sämtliche Postsachen, die um 1 ilfjr mittags an der nahen Haltestelle der Bahn abgeholt werden, bleiben biS zum andern Morgen auf der Post liegen, wodurch eine fast 24stündige Verspätung in der Zustellung entsteht. linier Ort besitzt viele behördliche Stellen, Bürgermeisterei, Oberförfterei, Kommunalkasse, Forstkasse, verschiedene Fabriken und zahlreiche Geschäftsleute, denen die langsame Post- bestellung nicht zum Vorteil gereicht. Es ist dringend zu wünschen, daß die Postsachen w i e- der zweimal täglich zum Austrag gelangen. Vor 30 Jahren waren die Postverhältnisse hier weit besser, als heutzutage. — Daß auch unser Ort schwer unter bet Arbeitslosigkeit zu leiden hat, ersieht man daraus, daß gegenwärtig ca. 100 Erwerbslose Unterstützung empfangen. <> Dornholzhausen, 3. Febr. Der Ausbau der 500 Meter langen Teilstrecke des Weges nach Langgöns Ist dem Bauunternehmer Schäfer von hier als dem Wenigst- fordernden übertragen worden. k. Groß.Rechtenbach, 3. Febr. Der hie- fige Männergesan averein „Lieber- kränz" veranstaltete am Samstag- und am Sonntagabend im Gemeindesaal im neuen Schulhause einen Theaterabend. Die Veranstaltung am Sonntag war besonders von auswärtigen Gästen gut besucht. — Die Maul- und Klauenseuche in der hiesigen Gemeinde war bekanntlich erloschen und die angeordneten 'Sperrmaßnahmen aufgehoben. Nachdem sich die Seuche inzwischen in Kletn-Rechtenback) weiter verbreitet hat, ist aus dem hiesigen Ort sowie der Gemarkung erneut ein Beobachtungsbezirk gebildet worden. 0 Niederkleen, 3. Febr. Unter dem Viehbestände eines hiesigen Landwirtes wurde die Maul- und Klauenseuche amtlichfestgestellt. Au» Ort und Gemarkung ist ein Sperrbezirk gebildet worden. — Der Kreisausschuß hat genehmigt, daß die hiesige Gemeindejagd wieder in zwei Bezirken verpachtet werden kann. Die Verpachtung wird voraussichtlich anfang März stattfinden. 00 Hochelheim, 3. Febr. Die hiesige, sowie die größere Kirchenvertrelung von Dornholzhausen haben in einer gemeinsamen Besprechung einstimmig den Wunsch geäußert, die durch den Tod des Pfarrers Schnei-, der freigetooebene hiesige Pfarrstelle dem Sohne des Verstorbenen, dem Hilfsprediger Paul Schneider in Essen, zu übertragen. Wenn bem bereits ber Kirchenaufsichtsbehörbe unterbreiteten Antrag« ftattgegeben wirb, kommt eine Wahl um die Stelle nicht in Frage. — Bei ber am Montag im hiesigen Gemeindewald ftattge» funbenen Holzversteigerung konnte von billigen Preisen, mit denen man gerechnet hatte, nicht die Rede sein. Es tourten gezahlt für Buchcnscheitholz bis zu 20 Mark und Buchen- knüppel 17 bis 20 Mart je rm, Buchenreiscr (50 Wellen) kamen bis zu 20 Mark, für liefern- nuhholz (3 Meter lang) wurden bis zu 30 Mark für die Schicht bezahlt. Kiefernstämme tarnen bis auf 30 Mark je fm zu stehen. — 'Bei einem von einem hicsigeii Metzger geschlachteten Schwein ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden. Ort und Gemarkung sind als Sperrbezirk erklärte I Vollnkirchen, 3. Febr. Die durch die Jn- ruhestandversetzung des Lehrers Scherer frei gewordene hiesige Lehr er stelle ist dem Lehrer Nagel von Rengsdorf, Kreis Neuwied, endgültig übertragen worden. Lehrer Seim, der die hiesige Stelle bisher austragsweise verwaltete, ist an die bisher von Lehrer Nagel versehene Stelle in Rengsdorf berufen worden. Kreis Biedenkopf. XX Rodheim a. d. Bieber, 3. Febr. Die hie- fige Spar - und Darlehnskaffe, gegründet vor vielen Jahrzehnten, hat sich aus kleinen Anfängen zu einem großen, gemeinnützigen Institut entwickelt. Seit 1. Januar 1911 gift sie als B e - zirksfpar kaffe: sie umfaßt als solche die acht Gemeinden des südlichen Hinterlandes. Infolge des gesteigerten Verkehrs konnte die Kasse daran denken, das Storksche Anwesen für ihren Betrieb zu erwerben. Auch verdankt die hiesige Gemeinde der aufstrebenden Kasse ihre erste Straßenbeleuchtung, wie auch alljährlich Schwesterstation, Gcwerbever- ein, Freiwillige Feuerwehr usw. mit namhaften Zuwendungen aus den Uebcrscyüsten der Kasse bedacht werden konnten. In der Nachkriegszeit machte sich aber, wie bei vielen ähnlichen Instituten, ein steter Geschäftsrückgang bemerkbar, so daß für die Generalversammlung am vorigen Samstag sogar die Auflösung der Kasse auf der Tagesordnung stand. Dazu Ist es erfreulicherweise nicht gekommen, 'vielmehr wurde auf Betreiben des anwesenden Landrates der gesamte Vorstand und Aufsichtsrat der Kasse neugewählt. T Waldgirmes, 3. Febr. Der Juaendpfle- ger für den Bezirk Wiesbaden, Mittelschullehrer Möller aus Frankfurt, hielt gestern abend vor einer zahlreichen Versammlung einen Vortrag über den Wert des Wanderns. Anschließend daran zeigte Lehrer Müller von hier im Licht- bilde die wichtigsten Jugendherbergen unserer Umgebung. Zum Schlüsse führten einige Turner Hebungen am Reck, Barren, Pferd sowie Freiübungen aus. Dillkreis. bl. Herborn, 3. Febr. Die Holzpretfe für Gemeindeholz stellen sich im Durchschnitt im Dillkreis auf 7 Mk. für Knüppel und 8,50 Mk. für Scheit pro Meter. Für Flchtenstammholz würben verschiedentlich 26 Mark bezahlt. bl. Burg, 3. Febr. De hiesige Schwer- spatgrube wurde nunmehr endgültig still- gelegt, nachdem längere Zeit stark verkürzt gearbeitet worben war. Die Pumpenanlagen des Betriebs wurden herausgerissen und weggeschafft. Feststellungen haben ergeben, daß die beste Sorte Schwerspat ausgebeutet ist und es sich für bas Werk nicht mehr rentiert, weitere Grabungen tn minderwertiger Ware vorzunehmen. Maingau. Frankfurt a. M., 3. Febr. (WSA.) In einer Wirtschaft tn der Bergstraße kam es gestern zu einer wüsten Schlägerei zwischen mehreren angetrunkenen jungen Leuten. Einer davon brachte seinem Gegner mit einem Taschenmesser mehrere Stiche bei, so daß dieser schwer verletzt in das Hospital gebracht werben muhte. Als ein Beamter zur Verhastung des Täters schritt, versuchte bessen Bruder, ihn zu befreien. Gr griff den Beamten tätlich a n und schlug ihm in das Gesicht, daß er blutete. Erst als Berstärkung der Polizei kam, konnten fünf Beteiligte festgenommen werden. — 3m hiesigen Bankhause Gebr. Goldschmidt ist ein Bündel Aktien der Ham- burg-Amerika-Paketsahrt QI.-®, im Werte von etwa 10 000 Mk. gestohlen worden. 49. Hauptversammlung des LandespserdezuchLverelns für Hessen. —Friedberg, 1. Febr. Im Hotel Trapp tagte hier die 49. Hauptversammlung unter dem Vorsitz des Oekonomierats Müller- Neuho» und im Beisein der Vertreter der Zuchtvereine der drei Provinzen, der Vertreter der Landwirtschaftskammer, darunter Direktor Hamann-Darmstadt, des Vorsitzenden für Oberhessen Oekonomierat Breidenbach aus Dorheim und des Generalsekretärs Oekonomierat Dr. Wagner aus Gießen, des Landesstallmeisters S ch ö r k e und des Oberveterinärrats Prof. Dr. Kn eil aus Gießen. Pro- oinzialdirektor G r a e f - Gießen war am Erscheinen verhindert. Der Vorsitzende Müller wies auf die Notlage der Landwirtschaft hin, unter der auch die Pferdezucht sehr leide. Er hofft, daß bei der 50. Hauptversammlung, die im Frühjahr 1927 in Darmstadt tagen werde, wieder eine bessere Zukunft winken möge. Diese Versammlung soll mit der Landwirtschaftlichen Woche verbunden werden. Redner teilte mit, daß sich ein Warmblutzuchtverein mit etwa 100 Mitgliedern gebildet habe, der sich dem Landesverein anschloß. Der Jahresbericht über das Vereinsjahr 1925 Zeigte die ungünstige Einwirkung der allgemeinen Notlage der Landwirtschaft auf den Landespferdezuchtverein. Von HOo früheren Mitgliedern find nur noch etwa 650 geblieben, die 16 Zuchtvereinen angehören. Neu ist der Warmblutzuchtverein mit rund 100 Züchtern hinzugekommen. Die Pferdemärkte — darunter auch Darmstadt, Gießen, Alsfeld — wurden mit je 100 Mark unterstützt, ebenso die Fohlenweiden zu Düdelsheim, Langsdorf, Hahn. Für 1926 ist ein Pferdemarkt in Darmstadt im Verein mit der Landwirtschaftskammer geplant, andere werden folgen. Die Rechnungsablage für 1925 zeigte eine Einnahme von 5741 Mark, darunter einen Mitgliederbeitrag van 4358 Mark, die Ausgaben betrugen 1270 Mark. Der Voranschlag für 1926 zeigt die größte Sparsamkeit und balanciert mit 6640,95 Mark in Einnahme und Ausgabe. Für Fohlenweiden sind 750 Mark, für Pferdeschauen 500 Mark, für die Pferdemärkte (Gießen, Alsield, Groß-Umstadt, Beerfelden, Darmstadt) je 100 Mark vorgesehen. Oekonomierat Breidenbach-Dorheim bittet, auch Friedberg zu bedenken, das Mitte Februar einen Pferdemartt plane: er bedauerte, daß kein Vertreter der Stabt Friedberg anwesend sei, obwohl Einladung erfolgt märe. Der Vorsitzende sagte die Unterstützung des Friedberger Marktes zu, falls die Stadt sich melde. Der Vorsitzende Müller machte dann den Vortrag bekannt, ber 1924 zwischen Landesver- c i n und Landwirtschaftskammer vereinbart wurde. Danach unterstützen sich beide in der Förderung der Pferdezucht. Der Vertrag dauert vorläufig 12 Jahre. Breidenbach- Dorheim bedauerte besonders das Fernbleiben Alsfelds: es soll mit bem dortigen Zuchtverein persönlich verhandelt werden. Häuser- Nieder-Weisel und Oekonomierat Breidenbach sprachen über die Verteuerung der Fohlen durch den Zwischenhandel und empfahlen die dauernde Einrichtung von Fohle nauktio- nen ähnlich den Bullenauktionen: sie sollten recht oft abgehalten werden. Landesstallmeister S ch ö r k e - Darmstadt gab interessante Mitteilungen über die Gestüte in Hessen. 1914 und 1924 wurden je 3500 Stuten gedeckt, 1925 1000 weniger, nämlich nur 2500. Viele^kkchter der Nachkriegszeit seien zum Vorteil für eine qualitativ hochstehende Pferdezucht abgefallen, aber die alten Vorkriegszüchter müsse man zusammenhalten trotz der Geldknappheit. Nur bann könne ein weiterer Abbau der Deckstationen und Gestüte verhindert werden. Früher waren es 35 Stationen mit 90 Hengsten, heute sind es nur noch 29 Stationen mit 70 Hengsten. Im Gegensatz zur allgemeinen Abnahme der Deckungszifsern steht die Station Grebenhain; hier wurden 1924 nur 45, 1925 dagegen 104 Stuten gedeckt. Die Zuchtvereine müßen auf stärkere Benutzung der Stationen hinwirken, sonst drohe weiterer Abbau zum Schaden der Pferdezucht. Mehrere Redner betonten, baß bic hessische Pferbezucht bobenftänbig geworben sei und Vorzügliches leiste, unb wanbten sich mit Entschie- benheit gegen bie Einfuhr aus bepi Auslanb. Bei unserer Armut sei bas ein unverzeihlicher Luxus. Zahlreiche Rebner beteiligten sich an ber Aussprache über ben Zwischenhanbel, ber bas Pferbe- material zum Schaben für bic Käufer sehr verteuere, es sollte eine Verkaufsvermittlung eingerichtet, Fohlenauktionen abgehalten unb gegen bic Einfuhr aus bem Auslanb energisch protestiert werben. Pros. Dr. K n e l l - Gießen erklärte, wir könnten qualitativ ben Bebarf an Pferben im Jnlanb becken, bas Gelb müsse im Jnlanb bleiben. Oekonomierat Fritsch hielt bann einen Vortrag über „Aufzucht ber Fohlen". Das Jungtier brauche Luft, Licht, Reinlichkeit, weiches, trockenes Lager, bann folgt ber Weibegcmg. Der kleine Bauer müsse bie Probuktion, ber große Lanbwirt bie Aufzucht zum gebrauchsfertigen Pferb übernehmen. Die lanbwirtschaftlichen Betriebe müssen vielseitig gestaltet werben unb neben Ackerbau auch Tierzucht treiben. Er warnte baoor, wegen ber gegenwärtigen ungünstigen Konjunktur bie Pferbezucht aufzugeben. Professor Dr. Kn ell° Gießen sprach über bas Gebiet ber Hygiene, über Fohlenkrankhei- t e n unb Bekämpfung ber Aufzuchtkrankheiten. Die Deutsche Lanbwirtschaftsgesellschaft hat hier auf- klärenb gewirkt, in Hannover sei ein vesonberes tier« ärztliches Amt entstauben. Die Erhaltung ber Pferbe, zücht fei für Hessen sehr bebeutenb, sie sei ein Teil bes Volksvermvgens. Das hessische Pferbematerial sei so gut wie bas auslänbische, bie Zuchtzielc müssen streng befolgt werben. Oekonomierat Breidenbach dankte den beiden Rednern namens der Landwirtschaftskammer, die ber Pferdezucht alle Sorgfalt widme. 1925 seien 110 Fohlen auf den Jungviehweiben gewesen, bic Gewichtszunahme habe je Tier 100 Kilo betragen. Vier Weiten seien bereits vorhanben, eine weitere im Entstehen begriffen. Wirtschaft. Von den Schlachlviehmärkten. An Öen deutschen Schlachtviehmärkten der vorigen Woche hat sich in der Marktlage gegenüber der Vorwoche feine fühlbare Besserung ergeben; der Handel blieb nach wie vor überwiegend ruhig bis schleppend. Die Auftriebsziffern weichen in ihrer Gesamtheit von denen der vorangegangenen Woche ebenfalls nur minimal ab. Die Preise haben besonders für Kälber und Schweine eine weitere Abschwächung erfahren, während sic sich für Binder und Schafe etwas stetiger halten konnten. Auf den nachstehenden Märkten wurden für 1 Pfund Lebendgewicht in Pfennig notiert: Rinder Kälber Schafe Schweine Berlin 19-50 40-72 — 69-80 Bremen 23-50 40-80 _ 60-72 Breslau 15-49 44-65 30-49 55-73 Chemnitz 25-53 40-70 35-48 65-83 Dortmund 15-52 40-85 25-48 75-84 Dresden 23-53 48-72 35-56 65-86 Düsseldorf 18-55 50-88 — 65-82 Elberfeld 20-54 45-85 25-50 65-80 Esten 24-55 40-110 30-52 72-84 FrankfurtM. 15-53 38-75 20-50 58-81 Hamburg 12-52 30-83 — 58-76 Hannover 15-52 25-80 15-50 65-78 Husum — — — — Karlsruhe 16-54 63-76 — 75-84 Kastel 20-52 45-67 — 70-84 Kiel 14-49 25-71 24-52 45-73 Köln 15-52 45-80 35-42 70-83 Leipzig 20-52 45-68 30-52 70-83 Magdeburg 18-50 24-60 18-44 65-83 Mannheim 15-52 50-82 24-35 64-77 München 18-53 50-82 — 50-82 Stettin 10-49 30-75 15-40 60-76 Stuttgart 12-55 50-75 — 54-79 Zwickau 15-52 40-70 30-55 72-83 ' Die Konkurse und Geschäftsaufsichten im Januar. Aach Mitteilungen des Statistischen Reichsamtes wurden im 3anuar 2092 neue Konkurse - ohne die wegen Mangel an Masse abgelehnten Konlursanträge — und !553 angeorönetc Geschäftsaufsichten durch den Reichsanzeiger" bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Dezember v. 3. stellen sich aus 1660 bzw. 1388. * Ungünstige Absatzlage auf dem Eisenerzmarkt bes Lahn- unb Dill- gebicts im Januar. Auch währenb bes Mo- nats Januar war hier keine Besserung ber Markt- lage^zu verzeichnen. Es bestehen zur Zeit auch keine Anzeichen, bie in absehbarer Zeit eine Erleichtc- vung für ben Eisensteinbergbau bes Reviers er« hoffen lassen. Die Eisenbahn Verwaltung hat immer nod) Lichts zur Belebung bes Erzversanbs getan. t ^orberung auf weitere Senkung ber Erztarise auf bie Höhe ber Vvrkriegssätze gegenüber verhält sie sich nach wie vor ablehnenb. 9hir mit Sarge fann Oer weiteren Entwicklung ber Verhältnisse auf 31. Haltung. Schlietz- seste Verfassung, Datum: 1.302 nebst Lc5 usw. Wieder einmal im Keim war mein Verleger nur Hamburg-Amerika Paket. . . 1 123 7* ' Norddeutscher Llovd ... 1139,1* ! > 125' 1140,9' und Schöffengericht Gießen a. M. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt Telegraphische Auszahlung. Banknoten. I Gelt. Bries Börse. 9. a7-a5 10. Sb8-a6 83,5* 83 5* 94 116* 97 7 5 12. Le7-f8 13. Lc8-d7 48.5 45.75* 96 5* 96,75* 112* 118.5 Rach diesem Wort zung der Theaterkunst vernichtet. 125 140,5' e5xd4 Sg8-f5 Lf8-e7 0-0 c7-c6 Tf8-e8 8.9 40.75 103,5* 124* 116 6* 88 96 5* 7.55 0 032 zu halten sein. 9 10. Lcl-b2 22. Se2-f4! der Springer 22 122 5 138,5' Zug, der zugleich deckt 14. Sf6-h5 15. Dd8 - g5 16. Dg5-e7 17. Sh5-f6 18 d5xe5 19. De7xe5 20. De5-c7 11. e2-e4 12. Ddl -c2 13. Tal-dl 14. Sd4-e2! Ein sehr feiner angreift. 14 15. H2-h3 16. f2 — f4 ! 17. g3-g4 18. e4-e5! 19. f4xe5 20. Sc3-e4 21. Se4xf6+ 0.30 ",315 0 305 9,895 0,3075 Einen Durchbruch auf dem Damenflügel hat sich Spielmann durch seinen eigenartigen Aufbau verscherzt, also muh er danach zu streben suchen, Die Fianchettierung des Königsläufers allein genügt Reti nicht: er strebt auch noch diejenige des Damenläufers an. Das schwarze Spiel macht einen gedrückten Eindruck, und dürfte sehr schwer nennenswerten Veränderungen vor. Mailand war etwas abgeschwächt. Frankfurter Börje. (Eigener Drahtberichr des „Gießener Anzeigers".) 81,25* i 82.5* 93 56 25 ! • Gießen, 1. Febr. 3m 3anuar 1921 erschien bei der hiesigen Flüchtlingsfürsorgestelle ein in der Zwischenzeit mehrfach bestrafter junger Mann, der sich unter Beilegung emes falschen Aamens als Flüchtling aus Elsaß- Schwarz will Weih durch ein Quolitäts- opfer versöhnen, da es ihm angesichts der Beherrschung der Diagonale des Läufers b2 unheimlich zumute wird, aber Aeti läßt sich hierauf nicht ein. sondern erkennt mit scharfem Blick, 21. g7xf6 steht nach h5 22. Te8-e5 Bisweilen mache ich mir die Mühe — was täte man nicht für den Verleger —, seine Schwarzgalligkeit etwas aufzufärben. So versuchte ich jüngst, seinen Groll gegen die Menschen mit einem Geschichtchen abzulenken. „Es ist Ihnen bekannt," sagte ich, „daß Plato eines Tages definierte: „Der Mensch ist ein zweibeiniges Tier ohne Federn." Diogenes vernahm diese Sentenz in seiner Tonne, fing einen Hahn, rupfte ihn lebenden Leibes und lieh ihn eben laufen, als der Philosoph mit seinen Schülern vorüberwandelte. „Das ist ein fauler Witz, Diogenes!" zürnte Plato. „Olein, du irrst dich," lachte Diogenes, „es ist der plato-nische Mensch." Nicht der Widerschein eines Lächelns erschien auf dem Antlitz meines Verlegers. Er versank vielmehr in düstere Gedanken, tat den Mund auf und sprach also: „Der Mensch ist ein zweibeiniges Tier mit einer Feder." 1141.5' 103,41' 121,2 Schach-Ecke. Bearbeitet von W Orbach 93.25 47 4F 5* 97* 96.5’ 11$ 2* 114' '25 39,5 63.5 2 25’ 82,5' 90 0.29 0. 025 0,2't75 0.875 0 165 0.30 0 275 0.27 0 26 92 99,05 Berlin Schluh-lAnsana ftnr» ! 3.2. I 4. 2. Cbermnischc Werke Al bin • • Zementwerk Heidelberg . . Bbilipp Holzrnann Anglo-Cont-Guano lilienüfdjc Mauer Älapin . . $. 'S Farbcnindustric, A.-G. Goldschmidt Holzverkohlung Rlitgerswerke Lcheidcanstalt Allg. ElektrUttätS-Gesellschast Bergmann Mainkraftwerke..... . Schultert . Siemens 4 Halske ..... Adlerwerke filetier ...... Daimler Motoren. ..... Hehligenstaedt ....... Meauin............ Motorenwerke Mannbeim Frankfurter Armaturen . . fionservensabrik Braun ■ . Melallgesell'chaft Frankfurt. Pet. Union A.-G Schuhiabrik Herz Sichel. • ■ Zellstoff Daldhof..... . Znckerr'abrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waabäulel . . . Lg2—e4! Ausgcgeben. In großartigem Stile gespielt! Msung deS Problems Ar. 46. Don D. G. Laws. 1. Le7-h4! Kf2: 2. Df4!+ etc. 1 , Se2: 2. Sd3!+ etc. 1 b5: 2. Kg2! etc. Andere Züge einsach. Die Narrenkappe Vor Jahren iwch ein Schriftstellerfeind. Unter der Fülle der täglich über ihn hereinbrechenden Manuskripte nistete sich ihm die fixe Idee ein, daß alle Menschen schriftstellern. Seit einigen Tagen ist er Menschenfeind — schlechthin und gründlich. 3. 4. 5. 6. 7. 8. daß ihm die offene verhelfen muß. 23. Sf4 —115! 24. g4xh5 25. I_b2xf6 26. Dc2-d3 27. Kgl-hl 28. Tfl-gl Auf 5xh5?? folgt 29. 29. Tdl —fl 30. Dd3xc3 sprach vernehmlich in die wirkungsvolle Atempause: „Aber, Herr Direktor — dann können die Zuschauer ja die Souffleuse sehen!" " " " " war die neueste Umwäl- 12,5 141 5 103.2* 121 2' 121’ 115 5* 6 5* 7,4 95* I 50,25 ' 48.-5* 96,25' 97’ 11'.2' 121* 128 56,5* 83 62* i 84* 93 nötig. Besser Sc6 3. d2 — d4 4. Sf3Xd4 5. Sbl-c3 6. g2 —g3 7. Lfl-g2 8. 0-0 9. b2-b3 das Zentrum zu befestigen. " * 11. Sa6 —c5 x-Linie zum raschen Sieg4 23. Te5xh5 24. Sc5-d6 25. I.f8-h6 26. Ld7-e8 27. Se6-g7 28. Dc7-f4 '. Dxh7+ Kh7: 30. Le44-+- 29. D!4-e3 30. Lh6xc3 werden. , . ... • Bor weiteren großen deutschen Amerika-Anleihen. Wie dem DHD. aus Aew Vvkk gekabelt wird ist in Kürze die Auf- leaung weiterer deutscher Industrieanleiheii zu erwarten. So soll nach einer Meldung der .Aew Bork Times" demnächst eine Anleihe im Gesamtbeträge von 15 Mill. Dollar für die Phönix A.G für Bergbau und Hüttenbetrieb durch das Aew Vorker Bankhaus Kuhn, Loeb u Co.vermittelt werden. Weiterhin beabsichtige das Bankhaus Harris Forbes u. C. die Ausgabe von 4 Mill. Dollar ö^proz. Bonds der Schlesischen Elektrizitätswerke Ä. G., Breslau. - Diese Reu- Dörfer Meldung wird dem DHD. von der Pho- nix°Verwaltung bestätigt. Cs seien mit amerika- Nischen Finanzkreisen Verhandlungen im Gange, und man hofft, die Anleihe zu den bei den letzten größeren Anleihen (Amerika-Anleihe der Rhein-Elbe) festgesetzten Bedingungen erhalten zu können Voraussichtlich würden aber die Arbeiten zur Bestellung der hypothekarischen Sicherheiten noch einige Zeit erfordern. ♦ Mansfeld Aktiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb, Eis- leben Der Geschäftsgang bei der Gesellschaft war im abgelaufenen Geschäftsjahr besr edigend. Cs kann daher, wie verlautet, nzit der Ausschüttung einer angemessenen Dividende, deren Höhe sich auf 6 bis 8 Proz. belaufen dürfte, gerechnet werden. Auch die der Mansfeld A.G. nahestehende Hallesche Pfännerschaft wird eine Dividende verteilen, die voraussichtlich etwas niedriger als die der Mansfeld A. G. sein wird. •Bi* f entarte. 5% Deutsche Retchsanletbe • 4% Deutsche RcichSanleihr • 3'/,% Deutsche Retch^anletbe yfo Deutsche NeichSuilnve Deutsche toparprämienanleiDe 4% Preußische fionsolS • ■ • 4°/e Hessen 3'/i°/n ..... 3% Hessen.....•••••• Sie Wertb. Dollar-Anl. oll.-Schav-Anweisna-’l 4»/0 Zolltürken 5% Goldmerikaner . • • Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank Darmst. und Nanonalbank Deutsche Bank Deutsche Bcreinsdank • • . . DiSconto Lommandit . . Mctallbank. ...... Mitteldeutsche Kreditbank. Desteieeichische Creditanstalt Mcstbank ...... Bochumer Gaß ...... Buderus .....* • . • Laro . . . »Luxemburg irchcner Bergwerke. Harpeucr Bergbau...... fialiwerkc Aschersleben. . . . fialiwcrk Westeregeln. . . . . Laura Hütte • • Obcrbedarf . . . . Phönix Bergbau Rheinstahl ...... Riebet! Montan........ TclluS Bergbau. ..... Splitter und Sparren vom AedakttonStisch. Gute Antworten. „Bücher sind doch die seltsamste Ware auf der Welt", sagte ein Professor, der auch Bücher schrieb, zu Lichtenberg, dem witzigsten Kopf unter den Deutschen, wie man ihn nannte. „Man bedenke, daß die Bücher von Leuten gesetzt, gedruckt und gebunden werden, die sie oft gar nicht verstehen, ja, daß sie sogar von Leuten verkauft, gelesen und rezensiert werden, die sie nicht verstehen." „Ich finde es nicht merkwürdig", entgegnete Lichtenberg. „Seltsam ist nur, daß sie auch oft von Menschen geschrieben werden, die sie nicht verstehen." Vor der Eröffnung eines neuen literarischen Theaters in Berlin sammelte der funkelnagelneue Direktor — ein Dr. phil. — die neugierige Schar seiner Mimen auf der Bühne um sich und entwickelte den entsetzten guten Leuten sein künstlerisches Programm, das selbstverständlich eine vollständige Umwälzung in der Theaterkunst nach sich ziehen würde. Als aber der Herr Doktor im Verlauf seiner Ausführungen mit höchstem Pathos erklärte: „Und das eine will ich Ihnen schon heute sagen," meine Herrschaften: „einen Souffleurkasten gibt es an meiner Bühne nicht mehr!" — da erstarrte die Gesellschaft zu einer Steingruppe. Aur der Komiker schüttelte den Kopf und Weih. Weiß zieht und seht in zwei Zügen matt. Weih: 7 Steine Kcl, Df 1, Td3, Sbt>, Bc3, Be5, 0.300 I 0 285 0.-5 | 0,161 ! 0.295 0,275 0 27 90.25 i 100,75 I 9 41 141,5 103* 121 5* 121,5* 60 115.2* 86,5 96 | 7 4 | i.032 I — „In welchen Fällen und wie hoch wird auf geteert et?“ Ein gemeinverständlicher Führer durch das neue Aufteertungsrecht. Bearbeitet in Verbindung mit der Reichszentrale für Heimatdienst von Rechtsanwalt Dr. Fritz Koppe (Berlin). Berlin 1925, Zentralverlag G m b. H. Preis 1 Mark. - Jedem, den die Aufwertungsfrage irgendwie unmittelbar berührt, fei er Gläubiger oder Schuldner, wird das wohlfeile Büchlein ein unentbehrlicher Berater fein 25 — Wein, Weib. Gesang. Don Fedor von Z o b e l t'i h. (Prisma-Verlag, Berlin.) — Ein feucht-fröhliches Plauderbud) vom Wein, darum nie .trocken", sondern Immer Jrob belebt schäumend von Lebenslust. Ein Buch der Laune und des frohen Genießens. das man mit bestem Vergnügen liest. Prächtige Bilder bereichern das schöne Buch. (1566) Kirchliche Nachrichten. Gottesdienst der isr. Religionsgesellschaft. Sabbatfeier, den 6. Februar 1926. Freitag abds. 5.00, Samstag vorm. 8.30, nachm. 3.30, Sabbat- ausg. 6.15. Wochengottesdienst morg. 7.00 und abds 5.00 .. Berlin, 8 Febr Amerikanische Role» .... Belgische Noten . ..... Dänische Noten . ....... Englische Roten....... Französische Noten ..... Holländische Noten Italienische Noten Norwegische Noten Teutsch-Ocsterr.Lioo Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Note« Schweizer Noten ..... Spanische Noten Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten . . .... Berliner bem Eisenerzmarkt des Reviers entgegengefehen I wisse Unsicherheit in das Geschäft getragen. ' Erst unter der Anregung einiger Spezialbewegungen und infolge der weiteren Verflüssigung des Börsen- geldmarltes konnten die Aktienmärkte wieder^ Siäu-- fcrschichten anziehen. Im Verlaufe der ersten Stunde I Alle für die Redaktion bestimmten Mittel- entwickelte sich daher wieder ein g ü n ft i g e 5 lungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Bild. Bevorzugt waren besonders Petroleum- Schachredartion d?s „Giehentzr Anzeigers", und E r d ö l a k t i e n in Erwartung eines baldigen Abschlusses der deutschen Erdöl-Gruppe mit der Provlem Jlt. ***. Anglo-Persien-Oil-Company. Ferner waren Elek- Q3on Fr. af Geherstam. tro- und Kolonial-Aktien stärker gefragt. Im Zu- 2 P^is „Gazetta Letteraria" 1889. summenhang mit der Befestigung von Rhemstahl konnten die Farbwerte einige Prozente an« I 7 u 3‘ ziehen. Spekulative Käufe fanden in einigen M a - schinenaktien statt, die teilweise um 3—4 Proz. befestigt eröffneten. Auch Schiffahrtswerte verkehrten wieder in freundlicher Haltung. Schließlich zeigte die Gesamtbörse eine feste Verfassung, zumal Anregung vorlag, daß dem Reichstage ein Gesetzentwurf zugegangen fei, wonach die Ratio, n u l i s i e r ii n g s b e st r e o u n g e n in der deutschen Industrie st en erlich erleicht er t und dadurch endlich auch staatlid;erseits unterstützt werden sollen. Am Geldmarkt ist der Bedarf gering, so daß die Geldgeber ihre Sätze weiter herabgesetzt haben. Tägliches Geld war mit 6—7Z Prozent und darunter angeboten. Monatsgeld nominell 8—9 Proz. 3m Devifenverkehr lagen keine ■io 49’ 96* 113,5* 120* 123.75 । 127 38,5 | 47 25 52 I 53.75* Frankfurt a.M. Schloß! I-Uhr» fiuT» I «ur» 3.2. | 4. - Hmfb'lHou Loen.-Aires Brsi.-Antw Lhristiania Kopenhagen Stockholm Hekstngfors Italien. . London. . Neoyork . . Pari«. . . Schweiz . . Spanien . Japan .. . Nio de Ian Wien in D-- Oest. abgrst Prag .... Belgrad . . Budapest. . Bulgarien Lissabon Danzig. . Konstantin. Athen Lanada. . . Uruguan - Frankfurt a. M., 4. Febr. Tendenz: Sehr fest. — Die Börse, deren optimistische Veranlagung trotz kleiner Rückschläge sich imme$ wieder durchzusetzcn vermag, wies heute bereits vorbörslich bei größerer Umsatztätig- leit auf fast allen Gebieten mehrprozen - . - tige Steigerungen auf. Dabei kamen toent- ß”* v . R„7 ger Auslandorders in Betracht, als vielmehr Schwarz. 2 Sterne Ke4, Bg7. Aufträge aus der Provinz und in der Hauptsache I Partie Nr. 36, fitere große.Deckungskäufe der Spekulattom nQ($)Wnblt P^tie wurde in der Ge^chäf^ verbunden war. ging vom Markt Runde des Marrenbadener Schachturniers der Vorkriegspfandbriefe aus, der gespien. ~m,.nu,rn(hj.T schon seit Tagen größeren Zuspruch und ® ™ noch größere Gewinne aufzuweisen hat, wo- Werß: Retr (Oesterreich)^ bei anzunehmen ist, daß diese Gewinne nun- S ch te a r z: Sprelmann (Deutschland), mehr zu Anlagezwecken dem Aktienmärkte 1. c2-c4 1. e7-e5 zugutekommen. Im Vordergründe des Interesses 2. Sgl - f3 2. d7-d0 standen wieder Montan-Aktien, die durch- | Die Einsperrung des Konigslaufers ist Nicht chnittlich weitere Gewinne von 4 Prozent auf* wiesen. Aber auch Elektro werte strebten mit kleineren Gewinnen weiter höher. Farben- teerte waren um etwa 2 Prozent gesteigert. Sehr begünstigt lagen auch Bankaktien, für die sich ansehnliche Kursbesserungen einstellten. Sch if sah rrs werte, die weiter stark begehrt blieben, zogen um 2 bis 3 Prozent an. Auto-Aktien traten demgegenüber etwas zurück und konnten ihren Stand nur knapp behaupten. Maschinen-Aktien lagen dagegen weiter fest und konnten durchschnittlich um 1 bis 2 Prozent anziehen. Der Kassa- markt der Industriepapiere verkehrte in fester Haltung. Deutsche Anleihen lagen ruhig und ziemlich fest. Ausländische Renten blieben vernachlässigt. Türken waren leicht ermäßigt. Ungarn zogen etwas an. Der Freiner ke h r schloß sich der festen Strömung an. Api 0,4 Proz., Beckerstahl 45 Proz., Deckerkohle 54 Proz., Benz 36 Proz., Brown-Boveri 70 %, Entreprise 9, Growag 50 Proz., Hansa-Dank 80 Proz.. Krügershall 85 Proz., Petroleum 75 Prvz., Rastatter Waggon 10. Kabel Rheydt 108 Proz., Ufa 68 Proz., ilfra 59 Proz. Der weitere Verlauf unterlag Schwankungen. Das Geschäft ließ an Umfang bedeutend nach, doch konnte sich die feste Stimmung behaupten, wobei allerdings nur noch kleinere Gewinne erzielt wurden. Der Geldmarkt ist weiter sehr leicht. Tägliches Geld war reichlich angeboten. Monatsgeld stellte sich auf 63/4 bis 9 .Proz. Im Devifenverkehr liegt das englische Pfund gegen Kabel weiter fest mit 4,86Vr- Paris notierte gegen London 129,30. Die übrigen Valuten sind nicht wesentlich verändert. (Eigener Drahtberich: des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 4. Febr. Die Börse brachte zu Beginn nicht die lebhaften Kurssteigerungen, die man nach dem festen Vormittagsverkehr erwartet hatte. Durch die ungünstigen Berichte der preußischen Handelskammern über den Monat Januar und durch dos Anwachsen der Konkursziffern wurde eine ge- _vir!rner Produktenbörse. Berlin, 3. Febr. Die an und für sich hoch- gehaltenen Forderungen für Weizen der In- landeigner waren im heutigen Produktenverkehr in Üc6ereinftimmung der festeren amerikanischen Offerten wiederum unnachgiebig und eher höher gehalten. Da auch Liverpool bis zu 2 Cts. fester Anfangskurse meldete, gestaltete sich bei Eröffnung die Tendenz am Lokomarkt sehr fest. Auch Roggen schloß sich dieser Bewegung an, doch reichten die Gewinne an die des Weizens nicht heran. Im Lieferungshandel eröffnete der Weizen für März und Mai mit einem Gewinn Yon --------- 4 Mark (271,50, exklusive 278,50), Roggen März Lothringen ausgab und unter Vorlegung einer mit 175,50 1.50, Mai mit 188,50 2,50 Mark über h<:i einer anderen Stelle erschwindelten Be- Vortagsschlutz, Hafer zum Export nach England scheinigung um Llnterstützung bat, die ihm auch^ eher gefragt. Mehl "still und ohne größere Ilm- man seinen Angaben Glauben schenkte, durch sähe, desgl. Futterartikel. Es notierten per 1000 Verabfolgung von Kleidern, barem Geld und Kg.: Weizen (märt) 244—249, Weizen (Pom- Verpflegung gewährt wurde. Die Iluterstühung, mern) 245—250, Weizen (März) 271,50—271, hie er durch die Vorspiegelung dieser falschen Weizen (Mai) 278,50, Roggen (märt.) 149—155, Tatsachen erlangte, und um deren Betrag die Roggen (Pommern) 145—152, Roggen (März) hiesige Flüchtlingsfürsorgestelle geschädigt worden 175,50—174, Roggen (Mai) 188,50—186.50, Gerste ist, beziffert sich, umgerechnet nach heutigem (märf.) 190—198, Futtergerste 142—160, Hafer Wert, auf ungefähr 60 Reichsmark. Da er (märt.) 157—168, Hafer (März) 177; per 100 außerdem auch die ihm vorgelegten Quittungen Kg.: Weizenmehl 32,50—35,75, Roggenmehl mit einem falschen Hamen unterzeichnete, so 22.50—24,50, Weizenkleie 11—11,25. Roggenkleie mußte er sich heute, nachdem es endlich gelungen 9,50—9,80, Diktoriaerbsen 26—35, Kleine Speise- war, seiner habhaft zu werden, wegen Betrugs erbfen 22—25,* Futtererbsen 20—22, Peluschken in Tateinheit mit schwerer Urkundenfälschung vec- 20—21, Ackerbohn^n 19—21, Wicken 20—24, Lu- antworten. Unter Zubilligung mildernder Um« pinen blau 12—13, Lupinen gelb 14—15, Sera- stände erhielt er drei Monat Gefängnis, della 19 -20, Rapskuchen 15—15,20, Leinkuchen Unter Ausschluß der Öffentlichkeit wurde 21.50—21,80, Trockenfchnihel 8—8,15. Kartoffel- dann gegen einen Arbeiter wegen eines Sittlichflocken 14,20—14,60, Svya-Schrot 19,20—19,60. I keitsverbrechens an einem Mädchen unter 14 Frankfurter Getreidebörse Jahren verhandelt. Er wurde im Sinne Der Frankfurt, 4. Febr. Weizen, Wetterauer, Anklage für schuldig befunden und unter Zuduu- 27 Roggen, inländischer, 17,75—18, Sommergerste gung mildernder Umstande zu acht 2110 n a e für Drauzwecke 21,50—23,50, Hafer, inländischer, Gefängnis verurteilt. 18,50—21,50, Mais (gelb) 19,50—19,75, Weizen- mehl, inländisches, Spezial 0, 41—41,25, Roggen- JJUuJCtnjCp. mehl 26—26,50, Weizenkleie 10,50—10,65, Roggen- — ©[eftra. Rovellen von Franz Hirsch- tleie 10,75—10,90. Tendenz stetig. f e 1 b. 190 Seiten. Preis gebunden 2.50 Mk. Ver- Frankfurler Schlachtviehmarkt. lag I. Wiesike. Brandenburg (Havel) “ Frankfurt a. M.. 4. Febr. Auftrieb: - Anderlieb. Ein ^man aus Branden- 1 Rind. 1 Kuh. 782 Kälber. 381 Schafe, 339 burgs alter Zeit von Rdolf May. Pre s Schweine. Kälber: Feinste Mastkälber 68 bis gebunden 3 Mk. Verlag 3. Wiesike, Brandenburg 74. mittlere Mast- und beste Saugkälber 60 bis 67. (Havel). < a hnn geringere Mast- und gute Saugkälber 50 bis 59. — Das Hexlein des Herrn vo geringe Saugkälber 45 bis 49. Schafe: Mast- Bredow. Roman von Dvm.Br^>enburg aus lämmer und Wasthämmel 44 bis 50 geringere dem 16. Jahrhundert von ^6 S Masthämmel und Schafe 35 bis 43, mäßig ge- Preis gebunden 3,50 Mk. Verlag 3. Wtesike nährte Hänimel und Schafe (Merzschafe) 25 bis Brandenburg (Havel). JV 33 Schweine Vollfleifchige von 80 bis 100 - Der K l 0 st e r v 0 g t v 0 n St. Pauli. Kttogr?mm 76 bis 78. vollfleischige unter 80 Kilo- Rovelle aus Drand^iburgs ^Aa'igenhei^ von gramm 70 bis 75. vollfleifchige von 100 bis 120 B h e r 0 t t - B u ch h 0 l tz^ geb. ^ai^ Kilogramm 77 bis 79. vollfleischige von 120 bis leinen 3.60 OTf., Web« 3 6° Mk. 150 Kilogramm 76 bis 78. 1 3. Wiesike, Brandenburg (Havel). 64 8 6 6 5 2 — — _ 72 73 73 — 68 69 57 — — —- — — ■ - 131,7* 133,5* 130,5* 133.7* 76 76 73.5 75.5 50 5 — — 82 83.5 80 — 92 96 5 — — 99* 100* 99.5* 100’ 87* 9O.i 86 5* 90,5* 81 81,5 — — 88’ 88..5' 87 5* — 104* — 104,5* 100,8* 40 40 3'1,62 40 37.5 35,75 37.75 38 _ —> 30 — 32 — — — 24 — — — — — — — — —- 103.5 105 —- — 67 67 5 65 —— 21 25 — 22 — 8 5 8.5 7 — 95 75 96 9j 98,75 46,5 ! 48 — — 47,5 47 5 46 —• 3 Febr. 4 Febr. Amtliche Noti rung Geld 1 Briei Amtliche Notierung Geld ' Brief 168 35 169,.7 168.26 168.6- 1.730 1,734 1.731 1,735 19 07 19.11 19,07 19,11 85.31 85,56 85.34 85,66 103.64 103,90 103,5') 103,85 »12. :i 112,51 112,31 112,59 10.648 10.588 10.548 10,58 16.84 16.88 16.89 16,93 20,460 2O.5U2 20,401 20,456 4.195 4.205 1,195 4,2'15 15,77 15,H 15,745 15.7 5 80 86 81,'iG 80.81 81,0' 59.23 69,37 59,35 59.49 1.879 1,883 (.887 1,891 i) 616 1.618 1.618 0.620 59,08 59,32 59.06 59,20 12.415 12,455 12.419 12,459 7.38 7,40 7,393 7,413 6.876 i,896 i,876 3,856 2,915 2,955 2,9; 5 2,98 41 245 21,295 21,225 -11 80 01 81.11 80.92 81.12 2,205 2,215 2,205 2,215 5.89 5.91 689 5.91 4.186 4,196 4.18. 4,196 4.315 1 4,3:5 4.315 4,325 4.191 4.211 19.03 19 13 103,34 103.86 20,37 20.47 15,83.5 15.935 167,98 168.82 16 88 16.96 85.09 85.51 58,97 59,27 —- — 112,02 112,58 89,76 81,16 59.10 59 4" 12.395 12.455 5.84 5.88 Sein oder Nichtsein. Lin Kriminalroman von der Wasserkante. Von Moritz Schäfer. 12. Fortsetzung. Nachdruck verboten. X. Hinriks meditierte, als er mit der Bahn nach Warnemünde zurückfuhr. Die Recknagels hatten ja getan, als seien hundertsünfzig Millionen ein Pappenstiel. Und Lorenzen, der „reiche" Lorenzen, wußte nicht, woher er hundertfünszig Millionen nehmen sollte, um seine Schulden an den Windhund, den Mühlfeld, zu tilgen! Etwas stimmte da nicht! Beim Klabautermann, daß man auch so ganz heraus war aus der Art, wie sie jetzt rechneten! Freilich, da saß man an der Stolteraa, pflanzte sich Kohl und Rüben selbst, hatte sogar einen Morgen Weizenfeld und ließ sich sein eigenes Mehl mahlen, sein eigenes Brot backen. Was kümmerte man sich da um die große (Geldentwertung, über die alle so schrien! Fleisch brachte Onkel Otto nur Sonntags, und die alte Teerjacke, der sechzigjährige Maat Leoerrenz, der ihm kochte und wusch, erntete und pflanzte, scheuerte und Strümpfe stopfte, der alte zahnlose Fink Leoerrenz war zufrieden, wenn er auf seinem kleinen Pachtäckerchen in der Freizeit Erdäpfel ziehen konnte. Die teilte er dann mit dem Käpping, den er vergötterte, und bezog dafür sein Deputat Weizen. Was brauchten die beiden Alten mehr? Mochte doch der Dollar steigen, soviel er wollte. Selbst auf den Preis des Pfeifentabaks harte das nicht allzu viel Einfluß, denn Fink Leoerrenz, — weiß der und jener, wie der Gute zu dem Vornamen Fink gekommen mar — Fink Leoerrenz verstand es ausgezeichnet, mit allerlei duftigem Kraut den Kanaster zu strecken. Der Ersatz war wirklich angenehm, und je teurer der Tabak wurde, nm so größere Triumphe feierte das Surrogat, bis es schließlich das Feld zu drei Vierteilen beherrschte. Oie Ersatzkräuter noch mehr dominieren zu lassen, schien freilich gewagt, denn schon war Onkel Otto einmal ins Spucken gekommen und hatte die Stirn in noch krausere Falten gezogen, als ihm vom Alter als Ehrendekoration schon verliehen waren. Da wußte Fink Leoerrenz, die Grenze sei erreicht, und behielt von nun an die Mischung: drei Viertel Ersatz, ein Viertel echter Tabak, bei. Der Wackere ahnte in seines Herzens Einfall nicht, daß das, was er und jein „Käpping" als echt in kunstgerechter Mischung genossen, stmerseiis schon die Bekanntschaft mit Wegerich, Buchenlaub und Zichorien gemacht hatte. Daß es bei Hinriks keine Nerven gab, war zweifellos dem gemeinsamen „Tabakskollegium" 31t- zuschreiben, das mehrmals in der kalten Jahreszeit Fink Leoerrenz, Ohm Otto und einen pensionierten Landdrosten in des Kapitäns guter Stube vereinigte. Den Kastengetst kannte das Kleeblatt nicht, dessen jüngstes Blatt, der Herr Landdrost Lütje auch schon seine fünsundsechzig auf dem Rücken hatte. Im oommer war es nichts mit den gemeinsamen Rauchabenden: da lebte der Drost in Doberan, Fink Leoerrenz hatte bis in die Nacht hinein auf dem Feld zu schaffen, und Hinriks mußte seine geliebte Pip allein schmauchen, falls ihm nicht Margot dabei Gesellschaft leistete. Von Geld und Geldesnöten hatte das Rauchkollegium nte gesprochen. Seltsam, das Thema, das alle Welt beherrschte, hatte für die drei Weisen keine Bedeutung. Denn auch der Drost baute eigenhändig seinen Kohl und war zufrieden mit dem, was ihm der mecklenburgische Staat an Ruhegehalt gab. Die Pension reichte ja ganz hübsch, und Herr Lütje hatte außer seiner Pip nur noch seinen alten Pudel „Mucki", für den er zu sorgen hatte. Der Pudel war ein unwahrscheinlich bejahrter Herr, der seinem Besitzer außerordentlich ähnlich sah. Beide hingen aber auch aneinander wie die Kletten, und jeder hätte für den andern unbedenklich das Leben in die Schanze geschlagen. Freilich, es muß getagt werden, nach peinlich genauer Abschätzung erschien die Anhänglichkeit des Pudels an seinen Herrn noch größer,als die des Herrn Drosten an seinen vierbeinigen Freund. Obgleich das, was der Mitteleuropäer gemeinhin als Tabak bezeichnet, einer Hundenase nicht gerade als Gift vorschwebt, war der Geruch, der aus den drei vereinigten Pipen Hinriks-Leverrenz-Lütje entströmte, für „Mucki" so entsetzenerregend, daß er am liebsten gleich die Flucht ergriffen hätte. 2(ber aus Pflichtgefühl hielt „Mucki" aus, so wie ein todesgetreuer Musketier trotz aller Gasangriffe im Schützengraben aushalt. „Muckis" schneeweißer Pelz wurde allerdings, seit er in Hinriks guter Stube vor den Füßen seines Herrn auf einem Fell von unbestimmter Herkunft stoisch das Schicksal über sich ergehen ließ, schwärzlich angeräuchert: dafür ward der Vierbeiner aber auch zu seiner Freude gewahr, daß die Tugend immer siegt. Die Tugend des Ausharrens tni Dampf der hundcrtundem Kräuter hatte für „Mucki" nämlich die gute Folge, daß feine standhaftesten Flöhe, darunter alteCngefeffene Habitues, die sich schon uuf ein Erb- und Gewohnheitsrecht berufen tonnten, mit Tod abgingen. Nicht unerwähnt darf hier bleiben, daß auch Hinriks einen vierbeinigen Hausgenossen hatte; doch da dieser sofort bei den Darnpfergüssen aus den vereinigten Pfeifen Fersengeld zu geben pflegte, und da fein aktives Eingreifen in den Gang der Ereignisse erst in ein späteres Kapitel fällt, sei hier seine Existenz einstweilen nur flüchtig erwähnt. Kommen wir von Hunden und Flöhen wieder auf Ohm Otto zurück, so müssen wir sagen, daß die kurze Eisenbahnfahrt nach Warnemünde in ihm einen Entschluß zeitigte. Den Entschluß, sofort wieder umzukehren und ohne Aufenthalt nach Rostock zurückzugondeln. Zwar war es sieben Uhr, die Rostocker Bank bereits geschlossen, und für heute war es zur Einlösung des Schecks, den der Onkel in der Tasche trug, zu spät. Aber mußte er das Papier denn selbst einlösen? War es nicht ein sogenannter Ueberdringerscheck? Soviel war dem Kapitän auch ohne besondere Belehrung aus dem Aufdruck des Schecks klar geworden, daß er persönlich bei dem Inkasso keine Rolle zu spielen brauchte. Er konnte Llso nach Gefallen damit operieren. Zugleich wollte er sich einmal erkundigen, wie feine Schisfsparten denn eigentlich im Kurse stünden. Man durfte denn doch nicht so weiter in die Welt hineinleben ohne zu wissen, was man besaß. Man konnte ja Lorenzen mal unauffällig fragen. Und bann noch eins: Wurde nicht Heinz Wallot mit dem Abendzug aus Hamburg erwartet? Beim Klabautermann — da sollte man nicht zugegen fein? Onkel Ottos Gesicht strahlte, als er, kaum in Warnemünde angekommen, eine Rückfahrkarte forderte. Zufällig war fein Freund, der Landdrost Lüste, mit feinem Pudel auf dem Bahnsteig. „Hinriks!" rief der alte Herr und schickte aus seiner unvermeidlichen Pip dicke Rauchwolken nach allen vier Himmelsgegenden, daß zwei zierlich angeputzte Dämchen naserümpfend und hustend dis Flucht ergriffen. „Hinriks, wat is denn passiert? Sei lopen ja wie der Sturmwind von einem Toch in den annern! Ja, Manning, hären S' doch en Oogenblick tau!" Pass, paff! „Wat schall bat be- beuten?" Paff, paff! „Sei wollen boch nid) ein Parpendikel marfiern, weil Sei unaufhörlich hin und her pendeln daun?" Mit jugendlicher Lebhaftigkeit schwang sich Ohm Otto, der gerade sein neues Billet ergattert hatte, in den zur Abfahrt bereitstehenden Zug und reichte, sd;naubend vor Eifer, dem Drosten die Hand aus dem Abteil. „Freund Lüste," rief er frohgemut, „en Parpendikel bin ick nid); aroerft de Unruh steckt unner min West. Ick heww nod) bannig veel to daun in Rostock, un ick heww bat biffentmegen so eilig, bat ick bin Slachter noch 'ne Wurst fragen kann för min ollen Freund „MuckH „Quatschkopp", sagte Lütje und drehw dem abfahrenden Zug den Rücken. „Mucki" aber, der Menschenverstand hatte, verglich: Sein Herr konnte dock) besser qualmen als 'ne Lokomotive! Das erfüllte „Mucki" mit großer Befriedigung. Daß ihm eine Wurst versprochen sei, hattd er nicht verstanden, der Trubel auf dem Bahnhof war zu groß. Außerdem war Mucki bei seinen ... zig Jahren schon redjt schwerhörig geworden. Das war gut so, denn Vergeßlichkeit ist die Tante aller pensionierten Kapitäne und beherrscht sie, sobald sie an Land kommen. Wenn Onkel Otto auch schmählich die „Mucki" versprochene Wurst vergaß, sein anderes Programm für den Tagesrest hielt er inne. Als er um 7.20 Uhr in Rostock ankam, belehrte ihn ein Blick auf den Fahrplan, daß zehn Minuten später der Hamburger Schnellzug fällig fei. Also rasch hinüber auf Bahnsteig 2. Pünktlich lief denn auch der Zug in die Halle. Spähend blickte der Kapitän die Reihen der Ankommenden entlang, da flog es plötzlich wie Sonnenschein über sein verwittertes Gesicht, und ein Jubelruf drängte sich über die Lippen. (Fortsetzung folgt.) FRISCH GEKIRNT ML Fordern Sie die „Blauband-Woche“ zu jedem Pfund. Zu Gesellschaften :: Anlässen:: empfehle aus eigener Kühl- und Gefrieranlage stets vorrätig: Junge französische Poularden Junge Perlhühner Junge Puten Frisch geschossene Hasen Junge Mast-Enten Junge Mast-Hahnen Junge fette Suppenhühner Junge Fasanen Schleien Steinbutt _ “hen Ro,zun^ Carl Schwaab Hansa Handelsschule /. Kunzeimann Güßen, Bahnhofstr 60 vorm. Hermes Neue Kurse Grüne Heringe bas Pfd. 20 Pf. treffen morgen früh ein. ' 1064c Hamburger Fischhdlg. A. Koch Nachflnr. 10 Schulstraße 10 Televh. 1612. 1064c PHONE 162 D Tel. 240 AUTO AUCH NACHTS. Gar. naturr.Bieneu- Blliten-Schlender- HONIG edelst.Qu.10-Pfd.-Ds. ir.Nachn.llM, halbe 6.50,Garant.Zuruckn. Imk.Bienenhof,Jnh. Carl Scheibe, Ober« Neuland 73 Bremen. woffitnonttatf liefert (n ftber gerotn|d?tra Muiftattung preiswert 6te Brühl sche Unioerfltati« Druckerei. R. Lange. Ruhr- Eiform- Briketts, IMMWe, iMWsle, Mgsle Seuetuiig iv Müsen o. WenMen, verbrennen fast geruch- und rauchfrei und hinterlassen nur wenig Rückstände. Erhältlich in allen größeren Kohlen- hanblungen. 90A ßreiiag, dm 5. Februar (926 nachmittags 2 Uhr versteigere ich im „Löwen", Neuenweg dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Motorrad, 1 Aevvlverbank, 1 Kassen- schrank, 2 Büfetts, 1 Diwan, 1 Kleider, schrank, 1 Bild. 2 Musikautomaten, ein Schränkchen, 25 Flaschen Wein, 6 Zen- trifugen, 3 Sofas, 1 Vertiko, 1 Regula- tor, 4 Schreibtische, 1 Glasschrankchen, 1 Kuh, 1 Schreibmaschine, 1 gr. Glas- schrank, 1 Ladenschrank, 1 Klavier, ein Damenfahrrad, 1 ovalen Tisch. Hebbel, Hess. Gerichtsvollzieher in Gießen Dammstraße 24 1. 1063D Betr.: Konkurs über das Vermögen der Firma Kling & Eo.» G. m. b. H. in Gießen. Beschluß. Das Verfahren wird eingestellt, da eine den Kosten des Verfahrens entsprechende Konkursmasse nicht vorhanden ist. Gießen, den 1. Februar 1926. 10478 Hessisches 2Imf3 'M. WM lMlW aroße nebedte Laaerhallen, Pferbestall mit Heuboden, Antoballe, Bnrean, für jedes Geschäft fleelnnet, in unmittelbarer Räbe beider Bahnhöfe, ganz oder geteilt 5U vervachten. Schriftliche Angebote unter 0787 an den Gießener Anzeiger. Ziehung bestimmt am 11.Februar 1926 EiSBnachcr=Golfiloiaerie zum Beeten des Thüringer Museums, Eisenach. 2882 Gewinne zusammen Mark: 25000 5000 f3000 Lose ä 1 Mk. CopÄ1’*' venendet auch unter Nachnahme 20 Pfg. mehr A« mnlielmann^ Worms. Postscheckkonto 15194 Frankfurt a. M. Zu haben in GIESSEN bei: Staat!. Lotterie-Einnehmer Flimm Wilhelm Semmler, Seltersweg 25 Frau Louise Joost, Bahnhofstraße 33 Josef Chambre, Bahnhofstraße 22 Theodor Schmidt, Neuen Bäue 6 ,081D A. König Nacht. A. Schmidt, Schulstraße 5 Hermann Lublinski, Dammstraße 41. Brennabor-Kinderwagen Neuheiten der Saison 1926 eingetroffen. Konstruktion und Ausführung unerreicht — Billigste Preise. — Ein kleiner Posten vorjähriger Muster besonders billig abzugeben. ,050D August Kilbinger Gießen, Seltersweg 79 Wie es kam, i» Götz Billing seine Frau leim FUm wie- derfand und sie ihm das Leien rettetet wie das Ehepaar Billing dazu miß- Iraucht wurde, die Schandtaten eines lalbanischen Verbrecherfiaares im Film aufleben zu lassen, ohne es zu wissen: wie leide trotz geheimnisvoller ^Tarnungen diesen Film auf dem Bal- Ian und in der Türkei drehten, Billings Frau einer Entführung entging und ihre Filmrolle in steter, ungeahnter Lebensgefahr weitersfiielte und wie schließlichderganzeFilm indieLuft flog, *) — das alles erfahren Sie unter atemloser Spannung, wenn Sie das Romanwerh »Filmgewitter« von Ru d o 1 fih St ratz lesen. Alit dem Abdruck beginnt heute »DIE V70CHE* Bestellungen in allen Buchhandlungen / Verlag Scherl\ Berlin S V/68 AstoriaLichtspiele Seltersweg Heute bis einschließlich Sonntag; Das große Weltstadt-Programm Hdttung—Kurve! Ein Film von Liebe und Auto. Fabelhafte Sensationen. 6 Akte. — Ferner: Spanische Gluten Schauspiel in 5 Akten. Hauptrollen: Dary Holm und Maria Cuevas. Eine äußerst spannende Handlung. Prachtvolle Originalaufnahmen aus den Pyrenäen. 1056c Versteigerung. Freitag, den 5. Februar, nachmittags 2 Llhr, werden im „Löwen", Veuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung versteigert: 2 Bücherschränke, 2 Schreibtische, eine Schreibmaschine, 1 Kasienschrank, 1 Kommode, 1 Sofa, 1 Nachttisch, 1 Vertiko, 1 Standuhr, 1 Ladentheke, 1 Windjacke, neu, 3'/z Pfund Strickwolle, 1 Kaute Mist. Bestimmt: Ort wird im Versteigerungslokal bekanntgegeben. 1 gr. Büfett, IKredenz. Finanzamt Gießen __________(Dollstreckungsstelle). 10520 Zagdverpachlung. Samstag, den 13. Februar 1926, nachmittags 2 Ahr, soll die der Gemeinde Betzenrod zustehende Jagd auf hiesiger Bürgermeisterei, unter den vor der Verpachtung bekannt zu gebenden Bedingungen auf weitere 6 Fahre verpachtet werden. 1061D Betzenrod, den 2. Februar 1926. Hess. Bürgermeisterei. Appel