Nr. 2 Erstes Blatt 176. Jahrgang Montag, 4. Zanvar 1926 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vruü und Verlag: VrLhl'sche Univerfitäts-Buch- und Zleindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulttraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re. klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorschrift 20*' „ mehr. Chefredakteur Dr. Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich. für Politik und Feuilleton Dr. Friede. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Blumschcin; für den An» zeigcntcil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Scholle Monolr-Vezugrpreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Ver« lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Siehrn. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Der Thronverzicht des Kronprinzen Carol Den Blick nach außen! Der Reichsauhemninister hat in seinem Reu- jahrsgruß darauf hingewiesen, das Jahr 1925 sei für uns ein Jahr aktiver Außenpolitik gewesen. Das ist zweifellos richtig, und was man auch gegen das Werk von Locarno im einzelnen einzuwenden haben mag, die Tatlache bleibt unbestreitbar, daß mit dem Februa^ Memorandum zum erstenmal der Ders uch eines Einschaltens in die Welt- geschehni.fse gemacht wurde. Wir sind heute nicht mehr allein Objekt, wir sind wied^ Subjekt der Ereignisse geworden. Ob der Preis, den wir dafür befahlt haben, zu hoch war, ob der Weg der richtige war, darüber mag man verschiedener Meinung fein. Wir sind jedenfalls wieder im Spiel drin. Lind das ist die einzige Möglichkeit, die wir überhaupt haben, um uns aus den Fesseln zu befreien, die *unS in Versailles angeschmiedet wurden. Mit Zuwarten und darauf hoffen, daß irgendein Wunder geschieht, ist es nicht geschehen, wir werden uns Len Aufstieg sauer genug verdienen müssen, werden die kleinsten Dorteile wahrzunehmen haben, um Stein auf Stein zu sehen, bis der Unterbau für unsere Weltgeltung wieder stark genug geworden ist. Das verlangt aber auch, daß wir den Dingen außerhalb unserer Grenzen ein ganz anderes Interesse entgegen bringen, als bisher. Man hat uns oft genug nachgesagt, wir feien ein unpolitisches Dolk. Das ist vielleicht falsch gesehen. Wir sind leider in erster Linie ein i n nerpoliti ches Dolk. Unser 3ntcreffe erschöpft sich gar zu sehr in Rebenfächlichkeiten, wie ja auch jetzt wieder in dem törichten Streit um die Genfer Posten. Wir denken, brutal gesprochen, in Kirchtürmen, anstatt in Kontinenten. Eine traurige Erbschaft aus der Bisrnarckschen Zeit her, wo wir alle wußten, daß unsere Außenpolitik in den Händen des eisernen Kanzlers gut lag. Inzwischen aber haben wir doch wohl Lehrgeld genug bezahlen müssen, und heute muß sich jeder daran gewöhnen, daß er das, was rings um uns vorgeht, mit offenen Augen betrachtet, um die Zeichen der Zeit zu erkennen. Und es geschieht weiß Gott viel um uns .ytii-uiii," yeuüy, au. .'vi/ii)iiito।tof fe anzu- häufen. Der unglückliche Tag, an dem der Völkerbundsrat in Gegensatz zu dem Gutachten das Mossulgebiet d:n Engländern zusprach, bedeutet ganz zweifellos den Ausgangspunkt neuer Kombinationen, deren letzte Wi'lurgen überhaupt noch nicht abzusehen sind. Es ist kein Zufall, daß am selben Tage die Türkei und Rußland einen Vertrag unterzeichneten, der an sich nur als Reutralitätsvettrag aufgezogen ist, aber doch scchr Viel Liehr bedeutet. Auch wenn er keinerlei Geheimftauscln enthält, sichert er doch der Türkei Rückensrciheit in ihrer Front gegen England. Genau so wie der russisch-türkische Vertrag von 1921, der erst den Sieg Angoras über Griechenland ermöglichte. Damals galt der Schlag dem Vasallen Englands, heute gilt er unter Umstanden England selbst. Wieweit die Aspi- rationeit der Türken gehen, erhellt sich schon daraus, daß der türkische Außenminister seine Rückfahrt nach Angora über Belgrad und Sofia genommen hat. Und nach englischen Quellen hat er an beiden Stellen abgehorcht, wieweit die Möglichkeiten eines Bündnisses gegeben seien. Er soll sich einen Korb gcholt haben; immerhin, die Lage der Bulgaren ist so verzweifelt, daß sie sich jedenfalls noch Hintertüren für spater offen gehalten haben mögen. Aber auch England hat diesen Schachzug der Türken sofort mit einem Gegenzug beantwortet. Zwischen den Festen hat der englische Außenminister sich mit Herrn Mussolini in Rapallo getroffen. Er hat also den Osterglocken von Rapallo, die damals den deulsch- russischen Vertrag einläuteten, die Weihnachts- gloden folgen lassen, die eine italienisch- englische Annäherung bringen sollen. Von London und von Rom aus hat man sich bemüht, die Bedeutung dieser Zusammenkunft abzuschwächen. Vermutlich wird auch etwas Besonderes gar nicht abgemacht sein. Die Tatsache der Zusammenkunft an sich aber beweist schon die außerordentliche Rührigkeit der europäischen Diplomatie, die rechtzeitig die Karten mischen will und ausgerechnet im Zeichen des Völkerbundes in aller Ruhe einen kommenden Krieg vorbereitet. Ob freilich Italien für England ein besonders wertvoller Bundesgenosse gerade in Kleinasien ist, bleibt abzuwarten. Italien hat sich als Erster den Türken gegenüber desinteressiert und wird sich auch hüten, noch einmal die Kastanien für England aus dem Feuer zu holen, wenn es dafür nicht sehr greifbare Vorteile sieht, die ihm England kaum zu bieten hat. Auf der anderen Seite ist auch Moskau nicht untätig geblieben. Tschitscherin spielt ein sehr hohes Spiel, er hat den Kampf gegen England jetzt von allen Seiten aufgenom- men. Die Vorgänge in China lassen nicht nur die russische Hand, sondern auch den russischen Rubel erkennen, von hier aus erfolgt der eine Stoß gegen die Grundlagen der englischen Weltmacht, der andere aber, der über Angora, Wos- ful und Afghanistan nach Italien zielt, ist noch sehr viel gefährlicher. Iedenfalls zeichnet sich hier zwischen den Iahren zum erstenmal sichtbar der Anfang einer neuen Konst e l l a t i o n der Mächte vorläufig nur in Asien ein, der aber auch durch die Spitze, die er gegen den Völkerbund trägt, bestimmend für die ganze Entwicklung von 1926 werden kann. Wie die »Montagspost" aus Bukarest meldet, hat sich Prinz Carol nach der Abreise des Ministers des königlichen Hauses, Hieta, aus Venedig über Mailand nach der Schweiz begeben. Reben Briefen an seinen Vater und an seine Mutter habe er auch einen Dries an seine Frau geschrieben, in dem er mitteilte, daß er die Ehegemeinschaft auf gebe und ihr volle Freiheit gebe, die Scheidungsklage ein- zureichen. Prinzessin Elena sei außerordentlich niedergeschlagen. In dem Brief an seinen Vater habe er gebeten, daß er den Ramen Sc arlav Monastireanu führen dürfe. Heber die Gründe, die den König bewogen haben, über die Frage des Thronverzichts seines Sohnes so rasch die Entscheidung zu treffen, veröffentlicht der offiziöse „Averul" folgende Mitteilung: »In gut unterrichteten Kreisen wird bestätigt, daß Kronprinz Carol an den König einen zwe iten Brief gerichtet habe, der jedoch dem Kronrat nicht vor- gclegt wurde. In diesem Brief habe Carol eine ganz ungewöhnliche Haltung eingenommen und dem König gegenüber eine höchst sonderbare Feindseligkeit an den Tag gelegt. Der Brief offenbart einen gefährlichen Geisteszustand (!) deö Verfassers. Cs werden die Gerüchte über gewisse Zwischenfälle bestätigt, aus' denen gefolgert werden muß, daß im Interesse der Dynastie und des Landes unbedingt die Entkleidung des Kronprinzen Carol von allen Rechten und Pflichten einer offiziellen Persönlichkeit notwendig fei." Wie weiter aus Bukarest gemeldet wird, wurde am Sonntag ein Äronrat einberufen, an dem der Ministerpräsident, der Außenminister, der Iustizminister und der Minister für Landwirtschaft und Staatsdomänen teilnahmen. In diesem Kronrat wurden die mit dem Thronverzicht zusammenhängenden Rechtsfragen geregelt. Die Kammer tritt Montag zusammen, um von dem Thronverzicht des Prinzen Carol und von der Hebertragung der Thronrechte gemäß den Bestimmungen der Verfassung auf seinen Sohn, den Prinzen Mihai, Kenntnis zu nehmen. Bei derselben Gelegenheit werden Kammer und Senat aufgefordert, über die Verfügungen Beschluß zu fassen, die angesichts der neuen Lage der Dinge erforderlich werden. Kammer und Senat werden die Angelegenheit in einer Sitzung zum Abschluß bringen und sich darauf wieder vertagen. Berlin, 2. Ian. Heber die Beweggründe, die den rumänischen Kronprinzen zu seinem Thronverzicht veranlaßt haben, melden die Blätter, daß Kronprinz Carol etwa seit einem Iahre ein Liebesverhältnis zu einer Frau Lupe s c i, der geschiedenen Frau eines rumänischen Hauptmannes, die Iüdin von Geburt und die Die ltallemsch-encllischen ZchMeiwerhandlungen. London, 4. Ian. (TH ) Die vom Finanzminister Grafen V o l p i geführte italienische Schuldenkommission trifft am Dienstag in London ein. Die Verhandlungen werden am Mittwoch beginnen. Die Blätter veröffentlichten offensichtlich inspirierte Erörterungen der gesamten Schuldenfrage. Daraus ergibt sich, daß Die italienischen Schulden aus dem Iahre 1915 stammen. Damals überwies die italienische Regierung zur Sicherung ihrer Kreditoperationen: einen Betrag von 22 200 000 Pfund Sterling in Gold und erhielt hierauf einen Kredit von 132 Millionen Pfund. Später wurde dieser Kredit erhöht und bis Ende des Krieges belief sich der Gesamtbetrag der englischen Zahlungen für italienische Rechnung auf 400 Millionen Pfund, wozu noch die inzwischen ausgelaufenen Zinsen in Höhe von 160 Millionen Pfund hinzuzurechnen sind, so daß der Gesamtbetrag sich auf 560 Millionen Pfund beläuft. Der englische Standpunkt in der Schuldenfrage ist folgender: England darf unter keinen Hmständen eine schlechtere Behandlung erfahren als die Vereinigten Staaten. Solange diese chrerseits nicht auf die Forderung voller Rückzahlung der englischen Schulden, die durch das Baldwin-Abkommen gesichert ist, verzichten, solange kann England nur nach Maßgabe seiner eigenen Verpflichtungen an die Vereinigten Staaten entgegenkommen. Die Gesamtschulden Englands an die Vrre nigten Staaten belaufen sich auf etwa 1 Milliarde Pfund Sterling. Die Schulden der Al.ierlen an England betragen etwa 2 Milliarden Pfund. Demzufolge ist England bereit, etwa 50 vom Hundert seiner eigenen Forderungen nachzulafsen. Die Mittwoch beginnenden Verhandlungen werden zunächst die Frage der Rückgabe des italienischen Golddepots betreffen. Rach italienischer Meinung handelt es sich dabei lediglich um eine Bürgschaft für den ersten Kredit von 182 Millionen Pfund Sterling. Wie die „Sundah Times ' meint, wird England in dieser Beziehung wahrscheinlich entgegenkommen, nicht aber in den andern Fragen. Heeresreform in 3 alten. Rom, 2. Ian. (WTB.) Der Ministerrat hat die neue Heeresreform angenommen, in der auf Grund der dreistaffeligen Divisionen an Stelle der bisherigen Divisionen von vier Regimentern die Zahl von dreißig Divi ioien aufred.t- erhalten, ein Korps mehr als früher eingeführt I und die Verteidigung von Sizilien und Sardinien besonders geordnet wird. Damit wird es auch möglich fein, d ie Grenzorganisationen Tochter eines Kaufmanns in Iaffy ist, unterhielt. Der Kronprinz, der mit der Schwester des entthronten griechischen Königs, Elena, verheiratet ist, beabsichtigt, sich scheiden zu lassen und die Iüdin zu heiraten, mit der er kürzlich in Paris und Venedig weilte. Wie die „D. Z." ergänzend erfährt, reiste der Kronprinz von London, wo er zur Beisetzung der Königin Alexandra weilte, mit Frau Lupesci nach Paris und Venedig. In beiden Städten zeigte er sich überall mit ihr. In Paris fiel das Paar besonders auf. Dies wurde nach Bukarest berichtet und der Pariser Botschafter wurde beauftragt, dem Kronprinzen eine offizielle Warnung zu überbringen. Hierauf schrieb der Kronprinz schon damals nach Bukarest, daß er auf den Thron verzichte und sich von der Kronprinzessin scheiden lassen wolle, um von nun an im Ausland leben zu können. In dem daraus einberufenen Kronrat wurde beschlossen, auf den Kronprinzen einzuwirken, ihn von seinem Plane abzubringen. Es soll sogar beschlossen worden sein, dem General Averescu die Pariser Mission anzuvertrauen, nötigenfalls wolsie s.-gar die Königin Maria selbst nach Paris fahren. Man sandte dann den Hochmarschall A n a - l s c u nach Paris, der dort aber mit seiner Mission vollkommen scheiterte. Hauptmann Lupesci gehörte seit Iahren schon der Bukarester Garaison an und geriet dadurch auch in dienstlicher Beziehung zur königlichen Familie. Seine Frau, eine bekannte Schönheit, versuchte mehrmals, sich dem Kronprinzen Carol zu nähern, aber ohne Erfolg. Anläßlich des letzt:,! rumänischen Autotur- niers, an dem sich auch der Kronprinz beteiligte, warf sie ihm vor seiner Abfahrt ein großes Bukett Blumen ins Auto und wünschte ihm viel Glück. Es schien, daß diese Geste einen Eindruck auf den Kronprinzen nicht verfehlte, denn gleich darauf wurde et öfters in ihver Gesellschaft gesehen. Bei dem Thronverzicht des Kronprinzen sollen außer persönlichen auch politische Gründe eine Rolle gespielt haben. Der Bukarester Berichterstatter der Wiener „Stunde" weih zu melden, daß das Verhalten Carols dem Kö- "-^spaar und der Regierung Branami gegenüber schm seit langer Zcit eine Derschwö - r ungsaktion des Kronprinzen befürchten ließ. Aus diesen Gründen sei dem Kronprinzen nahegelegt worden, auf den Thron zu verrichten. Ferner sei der Kronprinz in eine große Korruptionsaffäre verwickelt, bei der es sich um die Lieferung von unbrauchbaren ausländischen Militärflugzeugen für die rumänische Armee gehandelt habe. zu verstärken. Es soll ein Teil der Divisionen immer auf einem höheren Stand gehalten werden, wodurch der andere Teil während des Jahres vorübergehend einen geringeren Stand wird aufwcisen können. Die Dienstzeit wird im allgemeinen 18 Monate betragen, doch kann das Kriegsministerium nach einer Ausbildungszeit von mindestens sechs Monaten einen Teil der Soldaten entlassen. Auf Grund der Bestimmungen über die Begünstigung des Familienstandes, sofern die Begünst gten eine vormilitärische Hebung msigemacht haben, die fast ausschließlich in der Rationalmiliz geleistet werden kann. Zur Sicherung der Mobilisierung werden M o b i l i s i e r u n g s i n s P e k t o r a t e geschaffen. Die Insanteriewasie bleibt vorläufig in Brigaden gegliedert zu drei, statt wie bisher zu zwei Regimentern, wodurch die Zahl der Regimenter verringert wird. Außerdem ist die M o d e r n i s i e r u n g d e r B e w a s s n u n g urd die Hmstellung aller Berfagtterieregimenter in Radfahrerregimenter vorgesehen. Für die Artillerie ist eine Erhöhung der Feldgeschütze bei den Divisionen und eine Verringerung der schweren Geschütze bei den Korps und der schweren Küstenartillerie in Aussicht genommen. Die Luftabwehr w rd beweglicher geflötet, so daß sie gemeinsam in den verschiedensten Fällen verwendet werden kann. Bei der Genie- truppe wird der R a d i o d i e n st erheblich vermehrt. Die Tanks erhalten eine unabhängige Organisation. Die Königin-Mutter von Italien im Sterben. Paris, 4. Jan. (TU.) Nach einer Havasmel- dung aus Rom liegt die Königin-Mutter im Sterben. Nachdem in ihrem Zustande eine vorübergehende Besserung festgestellt wurde, erlitt sie nach Mitternacht einen Schlaganfall und verlor das Bewußtsein. Das Königspaar und der Erbprinz sind im Sonderzug von Turin in Bordighera ein- getroffen. Königin Margherita, die Mutter König Viktor Emanuels III., die Witwe des im Jahre 1900 in Monza ermordeten Königs Humbert I. ist 1851 geboren als Prinzessin von Savoyen-Genua, also eine Kusine ihres späteren Gatten, den sie 1868 heiratete. Die Königin war Chef des ehemaligen Kur- hessischen Jägerbataillons Nr. 11 in Marburg. Keine Berufung Karells. Darmstadt, 4. Ian. (TH.) Gegenüber der von einem Berliner Blatt gebrachten Meldung über eine Berufung des Abgeordneten K o - r e l l zum R a ch f o l g e r des hessischen Gesandten in Berlin, Freiherrn von Biegeleben, wird an amtlicher Stelle erklärt, daß von einer derartigen Berufung des Abgeordneten Korell nichts bekannt sei. Vie französischen Sozialisten gegeneineRegierungibeteilignng P a r i s, 3. Ian. (WB.) Heute haben die meisten Dezirksvercinigungen der Sozialistischen Partei ihre Delegierten für den am 10. Ianuar in Paris fiat.fi d.n' en cuß rwrd n lichei Partei- kongreß bestimmt, der über die Haltung entscheiden soll, die die Sozialistische Partei zur Frage einer eventuellen Beteiligung der Sozialisten an der Regierung einzunehmen habe. — Die Dezirksoerelnigung des Departements der Rhonemündung hat sich mit 225 von 250 Stimmen gegen die Beteiligung an der Regierung ausgrsprochrn. Die Bezirk> vereinigung von Chambery hat mit 33 gegen 26 Stimmen ebenfalls gegen die Beteiligung an der Regierung gestimmt. Die Bezirksvereini- gung der Ost-Pyrenäen hat sich j,:doch mit allen gegen neun Stimmen für eine eventuelle Beteiligung der Sozialisten an der Regierung ausgesprochen. Bon besonderem Interesse ist die Stellungnahme der einflußreichen De-iclsvereini- gung des Seinedepartements, die heute in Abwesenheit des sozialistischen Abgeordneten ßeon Blum tagte. Der Qlbj. Blum hat jedoch — wie bereits berichtet — in einem Briefe Stellung genommen und sich gegen die Beteiligung ausgesprochen. Die meisten Red'.er haben sich ebenfalls gegen die Beteiligung ausgesprochen. Zu einer Entscheidung ist es jedech nicht gekommen. Es wurde beschlossen, einen Rc>ak- tionsausschuß mit der Ausarbeitung von drei Resoluttonen zu beauftragen, von beten die erste die bedingungslose Mitwirkung un den Regierungsgeschäften empfiehlt, die zwecke eine Beteiligung unter der Voraussetzung, daß bie Mehrheit der Portefeuilles ttn Kabinett den Sozialisten zufällt, während die dritte Resolution sich gegen jede Mitwirkung ausspricht und die Besitzergreifung der Macht durch die Sozialisten allein fordert. Die Delegierten der Seine-Federation werden am kommenden Freitag erneut zusammentreten und ü ec die drei Entschließungen abftimmen. Es best ht Grund zur Annahme, daß die zweite Entschließung die Mehrheit der (Stimmen auf sich vereinigen wirb. •Bombenattentat auf den Schah von Persien? London, 4.Ian. (TU.) wie „Exchange Telegraph" aus Bagdad meidet, soll nach einem Telegramm aus Persien auf ben neuen Schah von Persien, Riza Khan, ein Bom - benattenfat verübt worden sein. Dem Schah sollen beide Beine abgerissen worden sein. Die Nachricht ist noch von keiner anderen Stelle bestätigt worden. Auch die Be nner persische Gesandtschaft ist noch nicht im Besitz direkter Meldungen. Ls wird darauf hingewiesen, daß Gerüchten, die auf dem Wege über Bagdad aus Persien in die Oefsentlichkeit gelangen, recht wenig Glauben zu schenken ist. Deshalb muß die amiliche Auskunft abgewartet werden, die die Gesandtschaft in Teheran erbeten hat. Militärdiktatur in Gri chenland Ministerpräsident General Pangalos proklamierte am Sonntagnachmittag in Athen mit Zustimmung des Heeres die Diktatur. Bor der Munizipalgarde hielt Pangalos eine Rede, in der er erklärte, daß der Parlamentarismus eine Niederlage erlitten habe, und daß der Zusammenbruch in Kleinasien auf die R u ck ° kehr Beniselos' nach Athen im Jahre 1920 und auf die von ihm bewirkten Wahlen zurückzu führen sei. Pangalos teilte weiter mit, er wolle die' angekündigten Wahlen für Senat und Kammer nicht vornehmen lassen. Kürzlich noch hätten einige Führer der republikanischen Partei in Genf den Bulgaren Argumente gegen ihr eignes Vaterland gegeben. „Ich werde", so erklärte Pangalos, „das Vaterland allein mit Hilfe des Heeres retten. Bald wird dieses Heer zu den ersten auf dem Balkan zählen. Auch die Flotte wird mich bei meinem Wiederaufbau des Vaterlandes unterstützen, nachdem sie reorganisiert und zur Beherrscherin des östlichen Aegäischen Meeres aufgerürft ist." Nach einer Meloung der „Montagspost" hat die griechische Polizei in der Nacht zum Sonntag etwa 4 00 Kommunisten verhaftet, die nach den Inseln des Aegäischen Meeres verschickt werden sollen. Die Verhafteten haben angeblich versucht, sich die griechischen Mobilisierungspläne zu verschaffen, um den beabsichtigten Staatsstreich besser durchführen zu können. Das neue chinesische Kabinett. Peking, 2. Ian. (LH.) Der Chef her Exekutive, Tuantschijui, hat Hfushi- h y i n g zum Ministerpräfibenten ernannt. Hsuhshihying ist 55 Iahre ult unb bereits 1912 Iustizminister. 1921 Zivilgouverneur von Anhui unb 1923 Direktor des Büros für 2uft- fchiffahrt gewesen. Ausgedehnte Reisen in Europa unb Amerika gaben ihm Gelegenheit, bie moderne Iustizverwaltung und den Strafvollzug zu studieren. Als Freund Sunyatsens ftanb er der Kuomingtang, der chinesischen Revoluttons- partei, nahe. Aus Grund seiner Beziehungen! zu Tuan wurde er bei dessen Regierungsübernahme zum Präsidenten der Organisationskon- serenz ernannt, deren Ausgabe es war, einen politischen unb wirtschaftlichen Wieberausbauplan! Q-blnoS au entwerfen Infolge der unruhigen Derhältnifse ist die Arbeit der Konferenz in akademischen Erörterungen stecken geblieben. Die Leiden Tirols. Innsbruck, 1. Ian. (Privattelegramm.) In ganz Südtirol wird gegenwärtig nach Waffen gesucht. Zahlreiche Haussuchungen wurden in den letzten Wochen borgenommen. Die Gerichtsbehörden sind angewiesen, mit größter Strenge vorzugehen. Ein Bauer von Lajen wurde vor einigen Tagen von dem Tribunal in Bozen wegen Besitzes eines WafsenlagerS, bestehend auS einem Gewehr und einem Bajonett, zu nicht weniger alS 13 Monaten Kerkerö verurteilt. Am 14. 'November wurden in Gries bei Bozen dreißig junge Leute verhaftet, die in einem Weinlokal zusammensasten und deutsche Lieder sangen. Gegen sie wurde nuil Anzeige w e g e n Hochverrats erstattet. Der Staatsanwalt wohnte persönlich den Vernehmungen bei. Mussolini selbst wird über den Prozeß auf dem Laufenden gehalten. Der grüßte Teil der Angeklagten ist jedoch heute noch nicht vernommen, obwohl gesetzlich die Bernchmung innerhalb von drei Tagen nach der Einlieferung zu erfolgen hätte. Dine für die Familien der Berhaftctcn veranstaltete Dannnlung wurde von den Karabinieri sofort verboten und befohlen, das Geld den Spendern zurück u^e en. widrigenfalls die Sammler eingesperrt würden. Wiederbeginn der parlamentarischen Arbeiten. Berlin. 2. Ian. (WTD.) Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages wird sich am 9. Januar mit der in der Öffentlichkeit viel erwähnten Völkerbundsangelegenheit beschäftigen. Ferner steht auf bev Tagesordnung die Affäre des Pros. S t r a t i l - S a u e r, der eine Forschungsreise nach Afghani st an unternommen hatte. Dort wurde er von einer Bande überfallen. In der Rotwehr tötete er einen Afghanen, woraus er verhaftet wurde. Davor einiger Zeit bereits einmal ein italienischer Staatsangehöriger aus einem ähnlichen Anlaß zum Tode verurteilt und h i n g e r i ch t e t wurde, wird die deutsche Regierung vermutlich wegen des Pros. Stratil-Sauer diplomatische Schritte hei der asghanischen Regierung unternehmen. Der Auswärtige Ausschuß wird sich schließlich mit der Frage der Auswirkung der Locarnoverträge beschäftigen. - Der Preußische Landtag tritt am Dienstag, 12. Januar: zusammen. Das Plenum wird sich u. a. mit der 2. und 3. Beratung des Gesetzentwurfs über die ülnterbrin- gung der Schulleiter und Lehrer (Leiterinnen und Lehrerinnen) sowie mit einer volksparteilichen Anfrage über die Entschädigung der durch die rechtswidrige Besetzung des Ruhrgebiets betroffenen Gemeinden beschäftigen. — Der Reichstag, der gleichfalls am 12. Januar zufammen- tritt. hat noch keine festsormulierte Tagesordnung vvrgelegt. Der Dank des Reichspräsidenten. Berlin, 2.Ian. (TU.) Dem Herrn Reichspräsidenten sind anläßlich. des Weihnachtv- festes und des Jahreswechsels aus allen Gebieten des Reiches und von vielen Deutschen jenseits der Grenze Glückwünsche in großer Fülle $u« gegangen. Es ist leider dem Hern, Reichspräsidenten nicht möglich, alle diese Zuschriften einzeln z>i beantworten. Er muß daher den vielen, die seiner gedacht haben, seinen besten Dank für die freundlichen Wünsche, die er auf das herzlichste er. widere, auf diesem Wege übermitteln. Kunst und Wissenschaft. Vergleich im Schillings. Berlin, 2. Ian. (WTB.) Durch Vermittlung des Oberbürgermeisters B o e ß ist ein Vergleich im Schillingkonflikt zustandegekommcit. der durch einen gleichzeitig veröffentlichten Briefwechsel dokumentiert wird. In dem Brief des preußischen Kultus- Ministers Becker an Prof. Schillings erklärt der Minister, daß von Schillings beim Hol- landgaftspiel und beim Kempvcrtrag in gutem Glauben gehandelt hat, und daß weder Schillings noch Frau Barbara Kemp ein Dorwurf nicht ehrenhaften Handelns zu machen ist. Mit dieser Erklärung glaube er, die Bahn frei zu haben für eine Verständigung, wonach das Ausscheiden von Schillings als auf Grund gütlicher Vereinbarung zuftandegekommen betrachten sei. Gleichzeitig bietet er von Schillings eine Mei- stertlaffe für Musik an der Akademie der Künste ober die Auszahlung der blebe r i g e n Bezüge bis zum Ende der Vertrags- zeit an unter der Voraussetzung, baß von Schillings auf einen gerichtlichen Auc-trag ber bestehenben Differenzen verzichtet. In seinem Antwortschreiben nimmt von Schillings das Angebot an, wonach sein Vertrag mit dem Staate als auf Grund gütlicher Vereinbarung gelöst zu betrachten ist. Er verzichtet auf gerichtliche Erledigung der Angelegenheit. Die Entschließung über die weiteren Vorschläge behält er sich bis Mitte Januar vor. Eine geographische Hundertjahrfeier. Ein gutes Buch von einem schlechten zu unterfcheiben, gehört cum grano falls zum deutschen Bllbungsgut: die flute Karte dagegen aus mindern zu kennen, Ist bei nicht ganz unter deck Durchschnitt stehenden Erzeugnissen selbst für die meisten Gebildeten eine schwierige Ausgabe. Es ist ein Glück, daß Deutschland auch auf dem Gebiete der Kartographie Führerruhm besitzt: der Wert der durchschnittlichen deutschen Kartenproduktion überragt da- ausländische Riveau. Ein AtlaS von der Bedeutung des „Stiele r" konnte nur auf breitester Grundlage entstehen. Justus PertheS' Geographische Aust alt bot sie ihm. Die hielt lebendigste Verbindung mit allem, waS an neuen Forschungsergebnissen auswertbar war. Sven HedlnS grundlegende Forschungen, Emin Paschas Fahrten, deS Freiherrn von Richthosen Reisen im fernen Osten, sie alle fanden hier ihre erste Durcharbeitung und kartographische Auswertung. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse find dann von ben Kartographen in reproduktionSsähigen Vorlagen n eoerzulegen. Zur Zeichnung einer Karte benötigt ein guter Kartograph etwa zwei Jahre: er gebrauchte also, twynn er allein alle 108 Karten neu zu zeichnen hätte. 216 Jahre. Zahlen geben auch bem Laien eindrucksvolle Bilder von der technischen Riesenarbeit, die zu bewältigen ist. Die 4 Grundplatten (Gerippe, Flüsse, Berge, Schrift) feder Karte — Das Hochwasser. Fallen des Rheins. Düsseldorf, 3. 3an. (WB) Der Rhein fällt langsam weiter. Heute mittag war der Stand nur noch 8,75 Meter. Das Wasser ist somit seit gtftcrn nachmittag etwa 30 Zentimeter zurückge- gangen, und eine Ueberschwemmungsgefahr für die Altstadt besteht nicht mehr. Der Kaiser-Wilhelm- Park steht dagegen nach völlig unter Wasser. Im linksrheinischen Stadtteil O b e r k a s s e l ist das Grundwasscr in die Häuser eingedrungen. Im neuen Hafcngebiet und im dortigen Industrieviertel ist durch Dammbruch erheblicher Schaden angerichtet worden. Die Fluten habe» das viele Kilometer große H a m m f e l d überspült. Die Bewohner mußten sich und ihre Habe in Sicherheit bringen. Viel gelitten haben auch die südlich von Düsseldorf gelegenen Ortschasten, wie Hamm, Himmelgeist, Vil- merswerth unb Urdenbach. In dem besonders mitgenommenen Zone stehen über 200 Häuser I m Wasser. Auch das nördlich von hier gelegene Kaiserswerth ist teilweise überschwemmt, so daß der Verkehr mit Kähnen und Flößen aufrecht- erhalten werden muß. Der Kölner Pegel zeigte am Sonntagabend 9 Uhr einen Wasserstand von 8,77 Meter gegen 8,90 Meter um 4 Uhr nachmittags. Dao Wasser ä 111 weiter um drei Zentimeter stündlich. In einigen Straßen, die wieder von Wasser frei sind, ist man bereits eifrig mit den Aufräumungsarbeiten und mit dem Auspumpen des Wassers aus den Kellern beschäftigt. In den Strafen und den unteren Stockwerken der Häuser am Rheinufer steht da» Master immer noch 2 Meter hoch. Auf der Hohenzollern- und der f)ängcbrürfe drängte sich den ganzen Tag über Kopf an Kovk um das von hier aus besonders imposante Bild des entfesselten Stromes zu betrachten. Rach den vor- liegenden Meldungen vom Oberrhein und den Nebenflüssen ist damit zu rechnen, daß der Rückgang des Wassers am Montag schneller vonstatten geht. Der bedrohte Kreis Kleve. Kleve, 4. Ian. (WTB.) Das Elend am Rieberrhein, befonberd in dem zur Hälfte übzr- chwemmten Kreise Kleve, ist außerordentlich. Eine große Gefahr bildet der mittags crufgekom- menc W est st ur m, der das Wasser mit furchtbarer Wucht gegen die Dämme treibt. In der vergangenen Rocht ist in Erlekum bei Rym- wegen ein Dam mbruch erfolgt. Dadurch ist der Kreis Kleve auch von Holland her sehr stark bedroht. Das Wasser steht bereits am großen Grenz - und Querdanun. Das Hochwasser selbst ist zwar gestern nachmittag zum Stillstand gefommen. Rian hofft, die gefährdeten Deiche von Till-Moyland und Huis- oergen retten zu können. Man versucht, Vieh und Menschen auf Kähnen in8 Trockene zu bringen. Die Schäden im Kreise Kleve sind unermeßlich. Der Regierungspräsident von Düfseldorf hat für Montag feinen Besuch im hiesigen Hochwafser- gebiet angesagt. Einberufung des Hochwaffer- entschädigungsausschusies. 3t Ö Ina. Rh. 3. Ian. (TU.) Der Hochwasser- entschädiguingSauSschuh ist für Montag nachmittag einberufen worden. Gr wird, wie bei den früheven Hochwassern, alle eingeheirben Anträge auf Entschädigung prüfen. Rach den ministeriellen Richtlinien kommen Entschädigungen nur für den Fall der Bedürftigkeit in Frage. Bei dem letzten Hochwasser 1924, daS den Umfang des jetzigen bei weitem nicht erreichte, wurden ins- gesamt 5456 Schadenersatzansprüche gestellt und 2 290 430 Mark, von denen au» öffentlichen und privaten Mitteln insgesamt 1 104 541 Marl ersetzt wurden, als Entschädigung ausgezahlt. Vie Hochwasserkatastrophe in Holland. A in ff e r b a m , 4. 3an. (DIB. Funkspruch.) Rach den letzten hier eingetragenen Berichten hat das Hochwasser in Holland einen bisher beispiellosen Umfang angenommen, ber die Ueberfchwem- mungen des Jahres 1880 bei weitem übertrifft. Die ganze Westseite ber Provinz Limburg sowie ein großer leit ber Provinz (öetberlanb unb Jtorbbrabant flnb vom Hochwasser ber Waas unb bes Waat überschwemmt. Die Waas hatte in bet Rocht jum Sonntag bei Maastricht einen um 12 Zentimeter höheren Stand als 1880 erreicht. Inzwischen ist allerdings ein beträchtliches Jollen des Wassers eingetreten. Durch verschiedene Deichbrüche ist das ganze Land zwischen der Maas und dem Waal ein einziges großes wasser geworden. Allein ans der kurzen Strecke zwischen Maastricht und Roermond sind 10 Dörfer unter Wasser. Tausende von Menschen sind gezwungen, auf den Böden und Dächern der Häuser zu kampieren. Die Militärbehörden haben alle auf Urlaub befindlichen Mannschaften, soweit sie sich nicht schon im hochwassergebiet befinden, zurückberusen. In ber Röhe von Beugen, 20 km. sübwesil. Kleve, stehen an vielen Stellen b 1 e Häuser b i s über öle Dächer im Wasser. Militärische Abteilungen mit Maaskähnen, Motorbooten und Pontons sind in die bedrohte Gegend entsandt worden. Dammbrüche werden aus Booksmeer und Beugen gemeldet. Die hochgelegene Eisenbahnstation ist eingestürzt unb im Wasser versunken. Bei ber Station haps ereignete sich ein Elsenbahnunfall. Lin von der Station MU kommender Zug ist infolge Einsturzes des Dammes entgleist. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Die Königin und der Prinzgemahl haben die überschwemmten Gegenden besucht. Die Hochwasserschäden in Frankreich. Paris, 4. Ian. ($11.) Die durch die HeberfchtMmmunaen der letzten Tage verursachten Schäden lassen sich kaum übersehen. Rach den vorläufigen Angaben beläuft sich der Schaden für ganz Frankreich auf mehrere h u n * dort Millionen Frank. Die Stadt Säen hat allein 20 Millionen Franl Schaden erlitten. Zu den Rettungsarbeilen wurden mehrfach Marinebataillone und Landtruppen heran- gezvgen. Besonders bedrohlich ist die Lage in Soifsons. Die Aisne ist im Steigen begriffen. Die meisten Straßen stehen unter Wasser und die Bevölkerung kann nur durch Boote zu den Häusern gelangen. Aus Belgien wird gemeldet, daß zahlreiche Fabriken wegen des Hochwassers ihren Betrieb einstetten muhten. Der König von Belgien trifft am Dienstag vormittag in Ramur zur Besichtigung der Schäden ein. Besonders schwer hat die Stadt Mecheln gelitten. Ueberschwemmungen auch in England. London, 4. Jan. (WTD. Funkspruch.) Die Blätter melden Ueberschwemmungen im Süden und Westen Englands. Die Themse und der Severn mit seinen Rebenflülle Whe und Avon sind über die Ufer getreten. Mehrere Personen sind ertl-unken, Hunderte von Famillen mußten ihre Heimstätten verlassen. im ganzen 432 — werden beim Stleler in der edelsten aller Reproduktionstechniken — im Kupferstich — herg.'stellt: ein Kupf.rstecher müßte 200 Jahre arbeiten. Damit nicht genug: nur die Grundplatten werden im Kupferstich gefertigt; die verschiedenen Farbenplatten, die zur Darstellung der politischen Grenzen, der Meerestiefen usw. dienen, sind lithographisch: Arbeit. Durchschnittlich 11 Farben kommen auf jedem Stleler- blait zur Darstellung, mit bem Rückseiten druck (Titel) sind also 12 Druckgänge für jede Karte notwendig. Bei einer Auflage von 100 000 Exemplaren und einer Steindruckpresse wäre die Arbeit so zu berechnen: 1 200 000 Drucke bei jeder Karte, das sind für alle Karten 130 Millionen Drucke. Eine Tagesleistung von 3000 Drucken bedingt unter günstigen Verhältnissen eine Drrckdauer von 43 000 Tagen «= fast 150 Jahre! Es ist eine stille Arbeit, die hier geleistet wird und die dafür Sorge getragen hat, daß alle Vorzüge hundertjährigen Strebens auch in der jetzt heraus- aegebenen Jubiläumsausgabe wieder erscheinen. An wissenschaftlicher Güte, an Plastik der Darstellung, an vollend'ter Reproduktion: mit alledem an GebrauchSsäh'.gkeit für jedermann erreicht schwerlich ein anderes Kartenwerk unseren „Stielen". Deutsches Gtudentenheim in den Schweiz. Die Wirtschaftshilfe der deutschen Studentenschaft, die schon seit Jahren eine planmäßige Fürsorge für tuberkulosekranke Studsnten durchführt, hat in Arosa in der Schweiz in einem zunächst auf zwei Jahre gepachteten Sanatorium eine deutsche Studsntonheilstätte eingerichtet, die unter dem Protektorat des deutschen Gesandten in der Schweiz, Dr. 2ld. Müller, steht. Sin Aestor der deutschen Wissenschaft gestorben. In Göttingen ist am Silvesternachmittag Geh. Reg.-Rnl R. Ehlers im eben vollendeten 90. Lebensjahre verstorben. Der Heimgegangene hat auf dem Gebiete der Zoologie her deutschen Wissenschaft bedeutende wissenschaftliche Arbeiten geliefert, die in der Hauptsache den Rleder- schlag wissenschaftlicher Forschungsreisen bilden, die her Gelehrte saft nach allen Weltteilen unternahm. Er tvar auch Herausgeber der Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie. Aus aller Welt. Vereinigung zum Schutz des Laacher SeeS. Sine Anzahl der an der Erhaltung des ßaa- cher SeeS interessierten össentlichen unb privaten Körperschaften und Personen haben sich zu einer (Bereinigung zusamrnengeschlossen, die sich den Schutz oeS Laacher Sees zur Aufgabe machen wird. Die Geschäfte der Vereinigung führt der Vorstand des naturhistorischen Vereins der preußischen Rheinlande und Westfalen. Erdstöße bei Denthen. Am Rachmittag heS 31. Dez. ereigneten sich in Diskrrpitz bei Beuthen starke Erdstöße, die bis Beuthen hin fühlbar waren. Das Beben ist wahilcheinlich auf Erdverschiebungen infolge des Abbaues der in der Rahe von Diskupltz befindlicheir Gruben zurückzuführen. In verschiedenen Häusern stürzten Bilder von den Wänden. In der Hindenburgst raße brach ein Schornstein zusammen und stürzte aus die Straße, jedoch ohne Passanten zu verletzen. Die Kirche in Diskupitz trug erhebliche Beschädigungen davon. Rach den bisherigen Feststellungen haben sich in dem Gemäuer der Kirche Risse gebildet, die wahrscheinlich zu einer vorläufigen polizeilichen Sperrung der Kirche führen werden. Schwere Silvester-AuSschreitungen in Posen. Wie erst jetzt aus Posen berichtet wird, haben dort in ber Silvesternacht erhebliche Arbeitslosendemonstrationen stattgefunden, die sich angeblich gegen galizische und kong reßpolnis che Beamte gerichtet hätten. Bei der Machllosigkeit der Polizei gelang es den Massen, im Geschäftsviertel über 100 große Schaufensterscheiben zu zertrümmern und die Auslagen zu plündern. Das alarmierte Militär wurde erst nach der erfolgten Plünderung eingesetzt. 15 Schutzleute sollen verwundet und gegen 100 Personen verhaftet worden sein. Explosions-Unglück stillterapparates ist das Gebäude der Rewport Harz- und Terpentingesellschaft in Pensacola (Florida) in furchtbarer Weise verwüstet worden. Zur Löschung des auSgebrochenen Brandes mußte die ganze Feuerwehr herangezogen werden. Bis jetzt sind 12 Tote und 8 Verwundete aus den Trümmern geborgen tooröen. 10 bis 15 Personen werden noch vermißt. Zuchthausstrafe für einen Drlefkastenmarder. Das Schöffengericht Berlin-Schöneberg verurteilte den Qnbeitcr Gentscharrek, der längere Zeit hindurch Berliner Briefkästen ihreö Inhaltes beraubt hatte, zu zwei 3a breit neun Monaten Zuchthaus. WettcrvaranHsagc. Meist bedeckt, westliche Winde, etwas kühler, noch Regenfälle. Dem Störungsgebiet, das heute vor der fkandinavischen Westküste liegt, dürste ein neuer Wirbel folgen. Inzwischen erfolgt vorübergehend Einströmen nördlicher Winde und Sinken der Temperaturen, später unter Zunahme der Rteder- fchläge und erneuter Bewölkung wieder westliche Luftströmung. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 8,4, Minimum 4 Grab Celsius. Riederschläge: 4,8 Millimeter. Heutige Morgentemperatur.' 5,1 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 4. Januar 1926. , Kulturelle Tagung in Gießen. Erster nnb zweiter Tag. Der Hessische Vaterland.sche Block, DezirkS- verband 'Gießen, veranstaltet in diesen Tagen eine Vortragsreihe bedeutender Wissenschaftler, die sich mit der kulturellen unb politischen Erziehung des putschen Balkes befaßt. Dorträge, getragen von großen Gesichtspunkten und tiefen Gedanlcn, unb natürlich deshalb schlecht besucht. Das ist außerorbentlid) bedauerlich. Am ersten Abend sprach Pros. Dr. Wundt über Wissenschaft unb Politik. 3cber Staat, von mächtigen Einzelpersönlichkeilen! gcschafsen, wird anfangs getragen in seinem Da- lein unb feinen Ideen von den blutsverwandten Erben ber führenden Geschlechter. Insofern ist jeder Staat am Anfang aristokratischer Ratur. beruhend auf frfter Familisnüberlieserung. Dann aber kommt, historisch bedingt, der Bruch, meist geistig lange vorbereitet, verschieden in seiner geschichtlichen Erscheinung. Die Famülsnüberliefe- rung einzelner Geschlechter ist nicht mehr maßgebend, der Staat steht in seiner gefährlichsten . ,1 "^e“c Ziele .müssen ihm aus seiner Geschichte und aus seinem Doltstum-^zegeben werden. Fremdländische Gedanken können mitspielen, dürfen aber nicht die Oberhand gewinnen. Hier ruht die Aufgabe, die die Wissenschaft dem Staat zu leisten hat. An Stelle der Gemeinschaft des Blutes tritt dann die Gemeinschaft der Bildung. Zuerst getragen von Einzelnen, muh sie das gesamte Volk durchdringen. Diese Krise, durch die somit jedes Staatswesen hin durchgehen muß, ist gleichzeitig meist ein Höhepunkt geistiger Entwicklung. In Deutschland jedoch war das 1918 anders: Die Revolution wird als Höhepunkt angesehen werden. DaS ist aber darauf zurückufühnen, daß sie nicht deutschen, sondern dem Deutschen wesensfremden Ideen den Sieg brachte. Die deutschen Ideen toaren bereits im Laufe bes 19. Jahrhundert verloren gegangen. Bismarcks Verfassung ist ein letztes Zurückbiegen zu deutschen Gedanken, dann aber versinkt das deutsche Volk in der undeutschen Gedankenwelt des DemokratiSmus und Sozialismus. Aus dieser Welt den Deutschen der Gedankenwelt seiner eigenen Staatsmänner und Denker zuruckzuge-, Winnen, ist die Aufgabe der Zukunft. Mit den । Quellen deutscher DUdung beschäftigte sich der zweite Vortrag Professor Wund ts. Heute fehlt dem Deutschen eine eigene Bildung: die großen Geister seiner Ratton kennt er kaum. Fremden Einflüssen ausgesetzt, ist er diesen unterlegen. Doch nicht jeder fremde Einfluß ist schädlich. Ist doch auch die echte deutsche Bildung erst entstanden durch den Einfluß des Geistes antiken Griechentums und Christentums, die sich mit deutscher Art verbanden. Bis heute sind die wahren Quellen deutscher Bildung: deutsches Heldentum, christliche Liebe und griechischer (Seift. Schädlichen Einfluß dagegen übte die aus dem Sumpf der fpätanttken Welt her- vorgewachsene Idee des Materialismus. Skeptizismus und egoistischen Individualismus'. Auf- aegriffen von den romanischen Böllern des Westens, wurden sie *on Ncfcn schnell verarbeitet und führten sie auf eine glanzende, wenn auch nicht tiefgründige Höhe, die den Deutschen blendete und den tieferen und schwereren Gedanken seiner eigenen großen Landsleute ablenkte. Zu diesen aber muß dev Deutsche sich wieder zurück- finden, wenn sein Bolkstum gesunden soll. Als nächster Redner sprach Geh. Rat Dr. Runkel über Deutsch« Kultur und DolkStum. Deutsches Volkstum bedeutet Wesen und Art deö deutschen Volkes. Deutsche Kultur ist die QhiStoirhmg des deutschen Volkstums. Hervorstechende Züge dieses Volkstums sind einerseits der unermüdliche Forscherdrang, mit der der Deutsche jedes Ding bis inL Kleinste zu ergründen sucht, andererseits aber auch das Streben, die Synthese zu ftnden, die Weltanschauung, die alles umfaßt. Ferner hat der Deutsche ein strenges Pflicht- und Derantwortungsgcftchl. Die Pflicht treibt ihn zur Arbeit um der Arbeit willen, die Verantwortung zur Arbeit um feiner Mitmenschen willen. Tiefes Raturerleben und ozialeS Empfinden sind in der Welt des Gefühls Grundzüge des deutschen Charakters. Alle diese Züge des deutschen DolkstumS drohen heute zugrunde zu gehen. Dies darf nicht sein. ES muß alles deutscher Art Fremde entfernt werden. Aus diesem Grunde ist die Sozialisierung abzulehnen. Drei Imperative sind es, die unS den Weg zu uns selbst finden lassen: Mebr Raturempfinden statt zersetzender Großstadtluft: mehr sozial sein, nicht die Welt auf sich, sondern sich auf die Welt beziehen und sich für seine Mitmenschen verantwortlich fühlen, Und zuletzt mehr nationales Erleben, nicht äußerliches De- kennen, sondern tief im Herzen liegendes Empfinden für das Vaterland. Als letzter Rednei- des Sonntags sprach Pros. Dr. Hornesser über Staat unb Disziplin. Volksleben ist nur aus dem DolkScharakter heraus verständlich. Der Hauptcharakterzug des Europäers und vor allem des Deutschen ist ein überschwenglicher Individualismus. Gr ist einerseits die Ouellkraft europäischer Kultur. Der Individualismus ist aber auch andererseits eine staatsfeindliche Macht. So haben denn die meisten großen Denker Deutschlands dem Staat feindlich gegenüber gestanden und die großen deutschen Grenzstämme haben sich losgesehnt von einem allesb Herrschenden Staat. Die kantonale StaatSforrn ber Schweiz und nicht der große Machtstaat ist die ursprüngliche, deutsche Staats- form. Erst in höchster Rot, als das 'Deutschtum bereits unterzugehen drohte, schuf ber preußische Staat die Disziplin. Im harten Kampf der Ostmark entstanden und nicht vom Ausland ein- geführt verbreitete sie sich unter Preußens Führung über ganz Deutschland und vereinte sich mit dem Individualismus für freie Gesetzlichkeit und gesetzliche Freiheit. Denn in derselben Zeit, wo der preußische Staat die Disziplin schuf, die ber Welt zum Muster getoot^en ist, führte er die religiöse, oic sittliche Freiheit ein, die Freiheit von Dichten unb Denken. Unb gleichzeitig mit der Entwicklung des Großstaats Preußens nahm auch die geistige Entwicklung 'Deutschlands einen neuen Aufschwung. Erst als man nnfing, die Disziplin zugunsten einer falten Gesetzlichkeit zu vergöttern und der freien Persönlichkeit keinen Platz mehr ließ, verknöcherte unser Staatswesen unb wurde es möglich, das Wunderwerk echter 1 Disziplin in einem unseligen Augenblick fortt J9mig J toeitc, ?'eK 5*2??' n9V, Men W(M4^98l ®ei^a.°3?ßt, ^"2 .^* itiiW •JWi|ij||f| BZ-Z ör Qti^frati|?0fcrn ift ??‘S^lS5er W >lechtex ift * ^ ,5'^-5 ! &Ä?Ä i ^üen. Dick das g^ HohepiM H ift -ito als tok.2. . kaber Jan^KjJf k drn 6iea zM’ten »Witt im *jtaÄ iÄRj1 ta. 6 Sozialismus, ffi\r Ät.ÖSL*** deutsch« Dckuaz ®ÄÄ SÄÄft . uich! icberfrembeöin- N ooch auch die echte deutsche noen durch den Einfluß des echentums und Christentums, -r Art verbanden. M heute Quellen deutscher Dlldung: n. christliche Liebe und grie- iollchen Einfluß dagegen übte chf der fhätaMen Delt her« re des Materialismus, Elep- tischen Individualismus.' 2uf- romanischen Dölkern des D?- hon d.'ckn schnell verarbeit r eine glanzende, wenn auch >öhe, die den Deutschen blenden und schwereren Gedanken jen Landsleute ablenve. Zu :ti Deutsche sich wieder zurück« Doltetum gesunden soll. Redner sprach Kunkel über Deutsche Äultut lud Dollstum. tm bedeutet Wesen und Art lkes. Deutsche Kultur ist die deutschen Volkstums. Hervor- ses Iollstums sind einerseits -Forscherdrang, mit der der ;g bis ins Kleinste zu ttgmn- stits aber auch das Streben, nden, die Weltanschauung, die «m: h°l t« E L nb DerantwortungsgrM M zur Arbeit m.der Arbck Wortung zur Arbeit um feinet ,n Tiefes Aaturerleben und lint in der Dell L-K es deutschen Eharakte^ M tschen LollstMs drvtM^uie Dies darf ÄÖJgs -XsiSÄ M sondern nicht die ^n nur gutem Ha cke-Es istT« uich- woimnng vorband Dchr. An geb. unter 029 a d (9teü. ’VlnA. (lllllllllllllllllflllllllllllllliP RllössSnMrAü liefert in je»er g Markt 16. Zselpälz । wird unter Garantie hergestellt von MklMSMOMV Dietzen, Lahnstrahe 3. Fernspr. 2463. KK Heute entschlief sanft im 83. Lebensjahre unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater und Urgroßvater Herr Hartin Bolte Hch. Geißler VII. und Familie. Lollar, den 2. Januar 1926. Die Beerdigung findet Dienstag, den 5. Januar, 2*/r Uhr nachmittags, statt. usd U5a )25 I00an 160 0.95 195 1.25 Sommeröireftor ^mbr. Stadttheater n'Ä8’5^«».. 13.ÜNt|« MihMtt, "'eil, toc Nr. 2 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Montag, 4. Zanuar 1926 ■rnmJirw^aagxa«y_-WK-^g—aum—iimi um «ei ■mee m m» »»«mm „„»i i ni । im i Das Reichsheer 1925. Von Oberstleutnant K. von Oertzen. Die Jugendjahre unseres jungen Heeres,sind nicht leicht. Nicht nur, daß cs mit unserem ganzen Volke an den Lasten des verlorenen Krieges und der daraus entspringenden notbringenden wirtschaftlichen Lage mitzutragcn hat: schmerzliche Ereignisse, die wertvolle Menschenleben kosteten, stehen als Meilensteine an dem Wege des Heeres durch das Jahr 1925. Im März rissen die Wellen der Weser 80 junge Soldaten in den Tod, im September raubte ein Eisenbahnunglück dem Heere weitere zwei Menschenleben und Ende Oktober fiel auf dem Schießplatz Jüterbog ein hoher Offizier der abgeirrten Kugel eines Maschinengewehres zum Opfer. Schmerzliche Opfer, die in ihrer Häufung besonders erschütterten. Bei der militärischen Ausbildung sind leider ebenso wie bei vielen anderen Berufen Betriebsunfälle nicht zu vermeiden: wünschen wir unserem Heere, daß im Jahre 1926 ein günstigerer Stern über seinem Streben walte. Das verflossene Jahr brachte noch einmal einen heftigen Angriff unserer Kriegsgegner gegen unsere bewaffnete Macht. Nach dem Vertrag von Versailles hätte der nördliche Bezirk des von den gegen Deutschland verbündeten Mächten besetzten westlichen Deutschlands am 10. Januar geräumt werden müssen. Damals dauerte die widerrechtliche Besetzung des Ruhrgebietes noch an. Schon deswegen konnten nach Ansicht des französischen Generalstabes die Lande um Köln glicht von der Besatzung verlassen werden. Den Vorwand für den Bruch des Versailler Vertrages mußte die Behauptung abgeben, die deutsche Regierung habe die militärischen Klauseln des Versailler Vertrages noch nicht vollständig erfüllt. Zunächst hielt man zwar nicht für nötig, den Deutschen auch nur mitzuteilen, worin die angeblichen Versäumnisse eigentlich gefunden wären. Etwa ein halbes Jahr wurde die Frage in der Schwebe gelassen. Da fanden sich in unserem Vaterland tatsächlich Leute, die an irgendwelche geheimen Rüstungen in den deutschen Grenzen zu glauben vorgaben. Beschämt lernten sie schweigen, als die Alliierten mit ihrer bekannten Juni-Note herauskamen. Etwa 300 Verfehlungen waren in ihr zwar aufgeführt. Aber was für Lächerlichkeiten. Danach hatte Deutschland zuviel Hufeisen, zuviel Platzpatronen, zuviel Lebensrnittel in den Magazinen, wo bei der geringen Stärke des Heeres in keinem Fall mehr lagert, als man bei jedem Lebensmittelhändler täglich kaufen kann. 'Reben diesen komisch anmutenden, nur durch da« Chine'entum des französischen Militär- bureaukatismus zu erklärenden Dingen, griff auch die 3uni=2lrtc das Gesüge des Heeres und der Polizei an. Es waren zwar keine geheimen Rüstungen, die beanstandet wurden, sondern die offen zu Tage liegende Organisation, die seit 1920 bestand und sich in schweren Tagen bewährt hatte. Die militärischen Klauseln des Versailler Vertrages boten keinen Anhalt zu den neuen Forderungen: bei der Lage Deutschlands, die durch den Pakt Don Locarno gebessert werden sollte, mußte auch diesmal nachgegeben werden. Die Interalliierte Mi'i ärkrntrollkommission hat 1925 weitergearbeitet, wirkt heute noch und bleibt uns leider auch 1926 solange erhalten, bis sie aud) die Durchführung der letzten deutschen Zugeständnisse sestgestellt hat. Dem deutschen Heere und dem deutschen Volke muß man wünschen, daß diese Einrichtung, dies sichtbare Kennzeichen der deutschen Riederlage und der Demütigungen, die ihr gefolgt sind, bald der Erinnerung angehören möge. — Der Erfolg des FreiwilligenheereK hängt in erster Linie von den Aussichten ab, die dem Soldaten nach Beendigung seiner zwölfjährigen Dienstzeit geboten werden. Sie zu verbessern bemüht sich eine Ergänzung des Wehrmachtsversorgungsgesetzes, das im Sommer fast einstimmig vom Reichstage beschlossen wurde. Den Belangen bes Heeres ist die Volksvertretung auch sonst bereitwillig entgegengekommen. Soweit Kritik geübt wurde, richtete sie sich, to?e ausdrücklich von den Abgeordneten, die das Wort ergriffen, hervorgehoben wurde, nicht gegen die Truppe und ihre Führung, sondern gegen die Politik der militärischen Zentralbehörde, die bei der politischen Zerrissenheit unseres Volkes und der Schärfe der Gegensätze nicht unangefochten bleiben kann. Erfreulich ist, daß diese politisch-parlamentarischen Zwistigkeiten weder die Truppe in Mitleidenschaft ziehen, noch ihr gutes Einvernehmen mit allen Schichten der Bevölkerung stören. Alle Verbände des Heeres konnten im letzten Fahre auch außerhalb der Truppenüb mgsvlätze üben. Einheitlich ist aus dem Lager aller Parteien und aller Richtungen ihrer Haltung, ihrer Mannes- zwcht, ihrer- 'Ausbildung, ihrer Eingabe an den Dienst Anerkennung gezollt worden. Das neue Heer ist ein wohlgelittenes, anerkanntes Organ des neuen Deutschland gewor- Fünfzig Jahre deutsche Münzwährung. Bei Ablauf des Iahres 1925 sind sie ein halbes Jahrhundert alt, die Mark und der Pfennig, fast vergessen sind ihre Vorgänger, der Taler, Gulden, Groschen, Kreuzer, ebenso wie die noch älteren Batzen, Heller usw. Wir sprechen Wohl noch davon, daß wir etwas „bei Heller und Pfennig bezahlt haben, geben uns aber über die Herkunft des seligen Hellers keine Rechenschaft. Die richtige Schreibweise wäre eigentlich „Haller", denn er war die Münze der alten schwäbischen Reichsstadt Hall und hat von ihr feinen Rainen. „Ein Heller und ein Batzen War'n all zwei beide mein", sagt das alte Lied, und der Süddeutsche kennt noch die Redensart: „Er ist keinen Batzen wert!" Dieser ,.Batze n" kommt ursprünglich aus der Schweiz, aus dem Kanton Bern, der den Bären im Wappen führt. Auch die Berner Münzen trugen das Bild des Bären, der bekanntlich Petz oder Bätz genannt wird, daher der Name Batzen. Die ersten „Kreu - z e r" find zweifellos in Tirol geprägt worden, denn Meraner oder „Etschkreuzer" sind die frühesten, die erwähnt werden. Sie tragen das bischöflich Brixener Wappen, ein Kreuz, haben also ihren Namen gleichfalls vom Gepräge. Sie fanden nament- „ lich im Süden ausgedehnte Verbreitung. Den „Jrofchen" kennt der Berliner noch heute. Zuerst ließ Wenzel von Böhmen gegen Ende des hcn. 1926 wird cs auf feinem Wege weiterführen, dem Ziele entgegen, der Schutz und der Stolz seines Vaterlandes zu werden. Englands Jahresbilanz. Bon unserem K.-Derichterst alter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) London, Ende Dezember 1925. Das Fahr 1925 bescherte England den bedeutungsvollsten politischen Umschwung feit dem Ende des Krieges. Das Ministerium Baldwin, die Konservativen, die mit so großen Hoffnungen begrüßt wurden, und die dann zunächst enttäuschten, haben sich jetzt allerorts durchge- setzt. Manche Schwierigkeiten waren zu überwinden. Mac Donald und feine Regierung hatten das englische Staatsschiff in ei gefährliches Fahrwasser gesteuert und es galt umzukehren und einen völligen politischen Reubau mit den vorhandenen Brocken anzufangen. Erschwert wurde diese Arbeit — so eigenartig wie das klingt — wohl am meisten durch die Tatsache, daß der Kabinett Baldwin eine geradezu überwältigende Mehrheit im Kabinett hinter sich hatte, daß eine Opposition überhaupt nicht zu Worte kam, und daß infolgedessen die gesamte Verantwortung gänzlich ungeteilt und ungeschmälert durch Hinweise auf parlamentarische Schwierigkeiten bei dem fast souverän herrschenden konservativen Kabinett lag. Es ist nur zu verständlich, daß der englische Bürger, der seinen konservativ"! Stimmzettel abegeben hatte, nun von seinen Erzählten auch schleunigste Sanierungsmaßnahmen erwartete. Sie blieben zunächst aus und die Folge war die leise beginnende Kritik, die sich zunächst in den Witzblättern äußerte und bald in die ernsten Spalten der Zeitungen überging. Heute, am Ende des Fahres, aber sieht es ganz anders aus. Außenpolitisch hat die Regievung das Verhältnis z u Frankreich auf eine neue Basis gestellt und hat sich vor allen Dingen durch den Abschluß des Locarnopaktes völlige Freiheit in Europa gesichert. Es war ja der am meisten beklagte Mißgriff Mac Donalds, seine Festlegung in Europa, die ihren stärksten Ausdruck fand in seinem Verhalten zum Völkerbund. Heute hat England das Instrument des Locarnopaktes als Garant in der Hand und kann, ohne sich in seinen weltpolitischen Entscheidungen wesentlich hindern zu lassen, „das europäische Gleichgewicht" ausoalanzieren, sobald das nötig wird. Es ist oft ausgesprochen worden, daß Locarno einen Anfang bedeutet. Die Deutung dieses Anfangs aber ist hier eine wesentlich andere als in Paris oder Berlin, denn hier bedeutet der Locarnopakt den Anfang der endlich wieder erreichten Freiheit der Entscheidungen. Fnnerpolitisch hat es die Regierung Baldwin fertiggebracht, endlich die heikle Frage des Arbeitslosenproblems zu regeln. Schon zu Beginn des Winters. zeigte sich ein ständiges Abnehmen der Arbeitslosenziffern. Das Geheimnis dieser Tatsache liegt in dem Bruch eines gegebenen Versprechens, in der Rückkehr zum Schutzzollgedanken. Gcrade diese englische Schutzpolitik ist im Ausland sehr wenig beachtet worden, trotzdem sie eines der interessantesten Beispiele für die Mentalität des englischen Politikers ist. Die Wahlversprechungen sicherten zu, daß man Schutzzölle nicht einführen würde. Lind doch hat England heute neue Zölle und ist auf" dem besten Wege, zum Hochschutzzolland zu werden. Erreicht wurde das auf einigen Schleichwegen, das Wort Schutzzoll wurde nie ausgesprochen. Heute gibt es einen Zoll auf Seide und eine ganze Menge Zolltarifposten, trotzdem ein Zolltarif nicht existiert. Das Ziel ist ein Ausbau dieses Schemas bis zu dem Stand, an dem keine englische Industrie, die irgendwie unter ausländischer- Konkurrenz zu leiden hat, ungeschützt ist. Daß aber dieser Weg nicht ganz ohne Schwierigkeiten ist, beweist das Vorgehen Amerikas und der beginnende Gummikrieg. Aber man darf wvhl damit rechnen, daß die beiden angelsächsischen Staaten Mittel und Wege zu einer gütlichen Einigung finden werden. Als Erfolg dieser Politik ist im Innern die Tleberwin- dung der Kris is im Kohlenbergbau und die Besserung der allgemeinen Wirtschaftskon- junktur zu buchen. Lind die Öffentlichkeit ist bereit, diese Erfolge der Regierung auch anzuerkennen. Hinzu kommt die für England günstige Entscheidung des Völkerbundes in der Mossultra g e, die England als eine Art Weihnachtsgabe überraschte. Auch hier haben sich anfängliche Befürchtungen zerstreut. Die Türkei scheint sich zu besinnen und auf einen kriegerischen Konflikt zu verzichten. Die dunkle Wolle bleibt nur das russisch-türkische Bündnis, dessen Rätsel man noch zu lösen versucht. Aber diese Frage ist heute noch nicht aktuell und — kommt Zeit, kommt Rat! Die Verhältnisse in den Dominions haben sich ebenfalls günstig gestaltet, die radikalen Tendenzen, die in einem direkten politischen Druck auf das Mutterland in Erscheinung traten, Hingen immer mehr ab. Lind auch d i e indis che Politik hat sich im letzten Iahre wesentlich beruhigt. Der Jahreswechsel 1925 auf 26 zeigt dem Engländer eine politische Situation, wie sie günstig seit dem Ende des Weltkrieges noch nie dagewesen ist. Parlamentarisches aus Hessen. Dem Landtag sind folgende Anträge der Parteien zugrgangen: Die demokratische Fraktion beantragt, die Regierung zu ersuchen, 1. zu prüfen, ob und in welcher Weise zur Beschaffung langfristiger Kredite für Lan" wi t ch ft. Industr e H nael un) Gew rb duck) Vermittelung des Staates An.eihen — auch im Auslande — aufgenommen werden können und gegcb.ncn Falles dem Landtag alsbald Vorlage zu machen: 2. dafür besorgt zu sein, daß die der Hess. Landeshypothekenbank obliegende Aufg be zur B:g bring hypot -.ekarisch gesicherter Darlehen baldigst wieder ausgenommen werde. Ein volksparteilicher Antrag fordert, der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, die Finanzämter sind arzuwcisen, bei der Beitreibung rückständiger Steuern in weitestgehendem Umfang Rücksicht auf Die wirtschaftliche Ro11age der Steuerpflichtigen zu nehmen, zinslose Stundung überall dort eineretrn zu lassen, wo eine Beitreibung die Fortführung eines Betriebs unmöglich machen wurde, auf jeden Fall aber die B triebseinrichtungen eines S.euerpfiich- tigen bei Beitreibungen unangetastet zu lassen. Ooerhessen. Die Überschwemmungen in Oderhessen. t. Aus dein Buseckertal, 2. Jan. Auch in unserem Tal macht sich das Hochwasser bc- merkbar. Der ausgedehnte Wicsengrund von Grünberg bis Gießen bildet eine einzige, nur hier und da unterbrochene Wasserfläche. Bei dem Dorfe Linden struth tritt das Wasser auf der einen Seite bis an den Bahndamm heran, auf der anderen Seite greift es bis über die Staatsstraße hinweg. Wie die Erfahrung lehrt, wird sich hier das Wajfer auch nicht in kurzer Zeit verlaufen: denn dieser Wiesengrrmd ist die Sammelstelle aus dem ganzen oberen Busecker- tal, und bis das Wasser sich von den langgestreckten Hängen gesammelt hat, vergeht immer längere Zeit. Sollte jedoch der Regen noch weiter anhalten, dann besteht die Gefahr, daß auch einzelne Ortschaften unter der Waffernot leiden. —/— Ortenberg, 2. Ian. Das Hochwasser der Ridder, das weite Strecken des Landes zwischen hier und Stockheim überschwemmt, aber durch die neue Regulierung der Ridder bei Stockheim rascher als sonst abfliehen kann, richtete an der hiesigen alten Ridder- brüde mehrfachen Schaden an, so daß die Brücke zunächst polizeilich gesperrt werden mußte. Z Steinfurth, 2. Jan. Das Heber- schwemmungs gebiet dehnt sich jetzt hier und in der Umgegend bis an die Talwände des breiten Wettertales aus. Wenn man mit der Nebenbahn von Bad-Nauheim nach Griedel fährt, erblickt man einen sich lang hinstreckenden See, aus dem nur noch die Bäume herausragen. Das Wasser strömt selbst bis an höhergelegene Häuser heran, bringt in die Keller ein, so daß fortgesetzt Pumpen in Tätigkeit sein müssen, um sich der eindringenden Flut einigermaßen zu erwehren. Die sonst friedliche Wetter ist ein wilder Fluß geworden, der schmutzig- gelbe Wassermassen dahinwälzt in der respektablen Höhe von 2,30 Meter, während der Wasserstand im Sommer nur 20 bis 30 Zentimeter beträgt. Das Hochwasser hat zwar bis jetzt noch keinen erheblicheren Schaden angerichtet, die großen Wiesenflächen aber, die in den letzten Jahren öfters unter Wasser standen, werden wohl bald nur noch saure Gräser hervorbringen. [ Rieder-Florstadt, 2. Ian. Das Hochwasser der Ridda steigt weiter und ist in den tiefer gelegenen Straßen in die Hofe und Stallungen eingedrungen. Einzelne Häuser sind ganz von Wasser umspült und Werkstätten stehen unter Wasser. Die Weitgasse war gestern schon in der Rähe der Brücke überschwemmt, in der Rächt ging das Wasser auch über die Turmstrahe, in der es jetzt ca. 50 Ztm. hoch steht. Die Feuerwehrleitern, die man gestern zur Ausrechterhaltung des Verkehrs gelegt hatte, genügten heute nicht mehr, so daß das Dorf von Hinsbach getrennt war. Wer gestern abend zur Reujahrsfeier in den anderen Teil des Dorfes ging, konnte vor Tag nicht wieder zurück. Auch der Gottesdienst muhte aussallen. Heute früh wurde die Feuerwehr alarmiert und Rotbrücken angelegt. In der Weitgakse find 7 Wagen aneinandergestellt und durch starke Bretter unb Leitern verbunden worden. Die im Walser liegenden Häuser wurden durch Rotstege zugänglich gemacht. Da noch immer Walser aus dem Flußbett ausfließt, muß mit weiterem Steigen gerechnet werden. Der Wasserspiegel der Ridda steht etwa 2' Meter über dem n o r m a l e n 61 a n b. Auch alte Leute können lich an eine derartig ausgedehnte Lleber'chweininung nicht erinnern. Z Vilbel, 2. Jan. Unsere Stadt wird besonders stark von der H o ch w a f s e r k a t a st r o p h e mitgenommen. Von den sieben großen Ueberflu- tungen, die die südliche Wenerau innerhalb der legten anderthalb Jahre zu überftehen hatte, ist die gegenwärtige am stärksten. Die meisten Keller stehen im Wasser, und auch einige Straßen werden von den Flutwellen überspült. Der Bahndamm zwischen Vilbel Süd und Berkersheim ist wie immer besonders gefährdet. Da in den letzten Jahren, besonders im letzten Sommer, erhebliche Befestigungsarbeiten an demselben vorgenommen worden sind, rechnet man damit, daß nach der Flut diesmal keine Sen- kungserscheinnngen sich bemerkbar machen. Der heft fifdx Grenzort H arheim ist f a ft völlig vom Verkehr abgeschnitten. Die zahlreich daselbst wohnenden Arbeiter können nur auf Umwegen zur Bahn gelangen. Die im Niddagebiet gelegenen Orte Groß-Frankfurts haben alle stark unter der Flut zu leiden. Die Elektrische mußte nach einigen von ihnen den Verkehr einstellen. Gänz - 1 i ch abgeschlossen ist z. B. Hausen. Von Bockenheim aus mußte ein mehrere hundert Meter langer 'Halft eg nach diesem Orte errichtet werden. Die Schrebergärten Groß-Frankfurts stehen alle unter Wasser. Es ragen nur die Gartenhäuschen hervor, soweit sie der Flut nicht zum Opfer gefallen find. Der Ruf nach der Niddaregulierung erschallt in der ganzen Gegend lebhafter denn je zuvor. Die Vorteile der Regulierung erkennt man deutlich an dem Beispiel des Erlenbachs s, der vom Taunus kommt, durch hessisches Gebiet fließt und bei dem nahen Massenbeim in die Nidda mündet. Sein Tal bleibt von Ueberfchwemmungen frei, seitdem die Regulierung des Baches durchgeführt ist. Stark zu leiden unter dem Hochwasser haben auch die Anlagen der hiesigen bekannten Gartenbaufirma Gebrüder Siesmayer. WSR. Frankfurt a. M, 3 Ian. (Amtlich.) Am 2. Ianuar ist das Güter zug- Einfahrtgleise der Main-Wescr-Babn in dem Güterbahnhof Friedberg und ta? Ql u s- fah rtgleis ans dem Gütcrbahnhof tn.ucn Dammrutsches gesperrt toorben. Die Güterzüge werden über den Personenbahnhof umgeleitet. Landkreis (hicsrcn. -1- Wieseck , 2. Jan. Der Hanget st einer Höhenklub, der, wie der 'Harne besagt, den Sinn für Wanderung und Erholung in Wald und Flur der engeren Heimat zu pflegen sucht, feierte am 1. Januar auf der Wellersburg fein 15. Stif- tungsfeft. Gute Musik und sonstige Unterhaltung erfreuten die zahlreich anwesenden Mitglieder und Gäste bis zum späten Abend. Dem ältesten Mitglied, Ludwig D a u b e r t, wurde in Anerkennung seiner Verdienste um den Klub durch Herrn Kümmel ein Diplom überreicht. * Rödgen, 2. Jan. Zu unserer Notiz vom 28. Dezember, betr. Vortrag des Herrn Hartmann aus Gießen, ging uns von diesem folgende Berichtigung zu: „Der Satz „Rettung sei nur möglich, wenn es gelänge, Geld von Holland und Amerika zu erhalten", entspricht nicht meinen Ausführungen. Ich sehe im Auslandkredit keine Rettung, sondern nur für Bauluftige ein notwendiges Hebet da Jnlandkredit erstens kaum zu beschaffen und zweitens zu teuer ist. Streik Fricdbcrg. Bad-Rau heim, 1. Ian. In der letzten Sitzung der alten Stadtverordnetenversammlung verabschiedete, wie w'.r bereits mitgeteilt haben, Bürgermeister Dr. Kayser die nicht mehr gewählten Stadtverordneten mit herzlichen Dankesw orten. Unter den ausgeschiedenen Mitgliedern des Parlaments befindet sich der Stadtv. Iakob Minder, der 20 Iahre lang dem Kollegium angehört und in dieser Zeit äußerst segensreich für das Gemeinwohl gewirkt hat. Aus den Verhandlungen der Sitzung fei folgendes mitgeteilt: Als Beitrag für den Heilstättenverein in Hessen, der eine Kinderheilstätte für tuberkulöse Kinder errichten will, hatte der Finanzausschuß die Summe von 300 Mr. in Vorschlag gebracht. Ein kommunistischer Antrag wollte die Beihilfe auf 1000 Mark erhöht sehen. Rach Fürsprache des volksparteilichen Arztes Dr. Haeberlin wurde der Antrag angenommen. Ein Gesuch des Zuch t- Vereins für das schwarzbunte R i e- derungsvieh in der Provinz Ober- Hessen um Bewilligung eines jährlichm Zudreizehnten Jahrhunderts „Grossi" prägen; ihm folgten die Markgrafen von Meißen mit ihren Groschen die sich rasch über ganz Norddeutschland verbreiteten. Nichts mit dem Groschen zu tun haben die oldenburgischen und bremischen „Graten", womit ursprünglich eine große Münze bezeichnet wurde, im Gegensatz zu einer kleinen. Die Bremer „©roten" waren, nebenbei gesagt, der Ueberlieferung nach so ziemlich das schmutzigste und abgegriffenste Blechgeld, das es je in Deufchland gab. „Da hast du 'n Taler, geh auf den Markt, tauf dir ’n Kühchen und ’n Kälbchen und ’n Mulle- Wullegänschen", sagt die Mutter auch heute noch zu ihrem Kleinen und mahnt den Heranwachsenden: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert", obwohl es die Münze schon so lange nicht mehr gibt. Wie die englische Guinee ihren Namen hat von dem Gold aus Guinea, aus dem sie gemünzt ist, so hat der Taler seinen Namen nach dem Orte Joachimstal in Böhmen erhalten. Aus dem Joachimsthaler Bergwerk nämlich, das dem Grafen Schlick gehörte, stammt das Silber, aus dem die ersten Taler geprägt wurden, die an Wert dem Goldgulden gleich standen. Es sollte eigentlich heißen „Joachimstaler Gulden". Daraus wurde „Jo- achimstaler" oder Schlickentaler"; dann blieben noch „Joachim" und „Schlick" fort, und es hieß einfach „Taler, Taler, du mußt wandern". Und so wanderte er bis nach Amerika, denn auch der Dollar, der allmächtige Herrscher der Inflation, hat mittelbar seinen 'Hamen aus dem kleinen erzgebirgi- schen Städtchen bezogen. Gulden und Dukaten blicken auf einen ähnlichen Werdegang zurück: Als Florenz im Jahre 1252 Goldmünzen prägen ließ, schmückte es sie mit seinem Wappen, den drei Lilien, und nannte sie „Giliati", Lilienmünzen. Die Fremden aber nannten sie „Florinen", Blumenmünzen (vom lateinischen flos, pl. flores). Andere italienische Städte und Fürsten «schlugen Münzen mit der Umschrift: Sit tibi, Chnste, datus Quem tu ipse regis ducatus, (Dir, Christus, sei dies Herzogtum [ducatus] geweiht, das du selbst regierst.) Nach dieser Umschrift nannte man die Goldstücke „Dukaten". Durch den lebhaften Handel, den Italien damals trieb, wurden die Münzen in anderen Ländern bekannt, auch Ungarn, Böhmen und Lübeck prägten sie und nannten sie, da sie aus Gold waren, „Gulden"; in Frankreich aber hießen sie „Florins". Aus dem Goldgulden wurde dann allgemach ein silberner. Zunächst prägte man im 15. und 16. Jahrhundert in Deutschland Gulden von geringerem Gehalt, denen dann bald gleichwertige Münzen aus reinem Silber zur Seite gestellt wurden. Man unterschied jetzt Gold- und Silbergulden. Recht häufig führen wir eine andere längst verschollene Münze im Munde, das „Scherflein" der Witwe. Es hat seinen Namen vom „Scherf", einer kleinen Münze, die ihren Ursprung in dem lateinischen scripulus oder scrupulus hat, dem „Skrupel", ursprünglich auch einer kleinen Münze. Im Kinderreim hat sich der „Dreier" ober „Dreiling" erhalten, den schon Fischart und Hans Sachs erwähnen, und der später in Hessen ein Vierhellerstück war, während in Württemberg drei Dreier einen Schilling ausmachten. Das heutige „berappen" erinnert uns an den alten Schweizer „Rappe n", eine Silbermiinze, die in der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts erstmals erwähnt wird. Seit 1403 bildete der „Rappen" die Münzeinheit des sogenannten Rappenmünzbundes, der aus den Städten Bafel, Freiburg i. Br., Kolmar usw. bestand. Im Sprachschatz erhalten hat sich auch der „Deut", sagen wir doch: „Das ist keinen Deut wert". Zuerst erwähnt wird diese kleinste Münze, deren Name aus dem niederländischen „buit" stammt, im Jahr 1716. Sie galt z preußische Pfennige ober £ Stüber. Der „Stäbe r" selbst galt ehedem am Nieberrhein einsechzigstel Taler. Die Bezeichnung würbe aus bem Niederländischen „stuyver" abgeleitet, bas wohl mit bem mittelniederdeutschen „stuve", bas ist „Rest" zusammenhängt. Ganz ber Vergessenheit anheimgefallen ist der „Stiefelknech t", so genannt nach ber Form ber Namenschiffre, bie Friebrich ber Große darauf prägen liefe, und ebenso erging es bem „Schin- berlin g", ben zuerst Kaiser Friebrich im Jahr 1475 schlagen liefe, und ben bann später bie Herzöge von Lanbshut prägten, unb ben schlechten „Ephraimite n", die nach ihrem Urheber hie- feen, bem Münzpächter Friedrichs des Großen, bem Vettel Heine Ephraim. Sie alle finb ben Orkus hinab, unsere Herrscher finb bie Mark (Verzeihung, bie Rentenmark!) und ber Pfennig, dessen Herkunft sich nicht mit Sicherheit bestimmen läßt. Aber, möge er stammen, woher er wolle, ber biebere Pfennig, laßt uns ihn ehren, auf baß wir des Talers wert werben. -hagh- schuf feS von 25 Mark fand Annahme. Dem hiesigen Männerturnverein wurde ein einmaliger Zuschuß von 200 Mark betoilligt, nachdem unlängst auch dem Turnverein 1860 eine Beihilfe in Höhe von 300 Mark gewährt worden tvar. Die bewilligten Mittel sind zur Anschaffung von Geräten bestimmt. Lieber einen Beitrag zur Zeppelin-Eckener-Spende wurde noch nicht Beschluß gefaßt, der Punkt wurde von der Tagesordnung abgesetzt. Vom st ä d t i s ch e n Neubau Lut her st ratze 5 lag die Wirtschaftsrechnung in Höhe von 64 221,57 Mark vor: sie wurde auf Vorschlag des Dauausschusses genehmigt. Dem Feldschutzpersonal, das in einem vorliegenden Gesuch um Stellung eines Mantels und weiterer Kleidungsstücke bat, wurde die Gestellung von wasserdichten Llmhängen zu- gebilligt. In der Aussprache wurde von den Stadtverordneten I. Schäfer und Wieder- m a n n angeregt, curch für die Stadtdiener und die städtischen Arbeiter nach dem Dorbilde Friedbergs Wettermäntel zu beschaffen. Es soll darüber spater beschlossen werden. Linker Besprechungen kam Stadtv. S t a in m auf die Vorwürfe zurück, die in voriger Sitzung gegen den Vorsitzenden des Wohnungsamtes erhoben worden waren. Der Bürgermeister konnte dazu mitteilen, dah eine dieser Tage stattgefundene Verhandlung in der Sache nichts Nachteiliges gegen den betreffenden Beamten ergeben habe. In der nichtöffentlichen Sitzung wurde über Aufwertungsansprüche an den städtischen Grundbesitz beschlossen, der Vertrag mit dem Schularzt erneuert, die Heizung im Feuerwehrgerätehaus vergeben und über ein Gesuch von Erwerbslosen Beschluß gefaßt. Weiter wurde über Geländcerwerb in zwei Fällen beschlossen, ein Geländeverkauf abgelehnt. Die Gebühren des Pfandmeisters wurden anderweit geregelt, einem Baubeihilfegesuch entsprochen und über die Besetzung der R ekt o r st elle an der Fortbildungsschule Beschluß gefaßt. — Beide Kirchen gemeinden beschlossen, das alte Jahr am Silvesterabend mit kirchlichen Iahresschluhfeiern. Die Gotteshäuser waren überfüllt und konnten nicht allen Andächtigen Einlaß gewahren. 3n der Bonifatiuskirche fand Predigt mit erhebender Schluhandacht statt, in der Dankeskirche war die Silvesterpredigt des Geistlichen von Lhören des Männergesangvereins „Frohsinn" umrahmt, der unter Leitung seines verdienstvollen Dirigenten. Neallehrer Bechtolsheim er. „Der Herr ist mein Hirte" und „Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden" weihevoll zum Vortrag brachte. Nach den Gottesdiensten waren die Familien in der Hauptsache Sammelpuntte zum Verbringen der letzten Stunden des alten Jahres. In denLokalen, von bcnen mehrere besondere Sildesterveranstal- tungen angesagt hatten, setzte erst um die Mitwr- nachtSstunde lebhafterer Verkehr ein. Jedoch blieb es im allgemeinen viel ruhiger als in den Vorjahren. Dasselbe gilt vom Strahenverkehr zur Stunde des Jahreswechsels. Er nahm nur ganz geringe Ausmaße an, manche Strahenzüge wurden davon kaum berührt. Feuerwerkskör- p s rs u. dgl. spielten eine wesentlich geringere Rolle als in den Vorjahren. Don irgendwelchen Llnfüllen ist nichts bekannt geworden. Eine nicht gerade erfreuliche Neujahrsüberraschung wurde den Stammitgliedern des staatlichen Kurorchesters zuteil, von denen viels schon seit Jahrzehnten unserer Kurkapelke angeboren. Der hessische Staat hat das Vertragsverhültnis in der fetther bestandenen Form zum 1. April gekündigt. C Nieder-Florstadt, 2. Jan. Der Einspruch gegen die Gemeinderatswahl wird am 9. Januar vor dem Kreisaus- schuß verhandelt. Der alte Gemeinderat konnte mit dem Jahreswechsel seine Tätigkeit nicht beschließen und wird auch im neuen J'hr noch tagen müssen. Sollte dem Einspruch ftattgegcbm und die Dahl für ungültig erklärt werden, dann wird ein starker Wahlkampf einsehen. der allerdings an dem ersten Ergebnis wenig ändern dürfte. Kreis Büdingen. Nidda. 2. Jan. Am Neujahrs tag abend hielt die hiesige freiwillige Feuerwehr seit langen Jahren wieder einmal ein Konzert n7bst Ball im Gambrinus ab. Der sehr ft arte Besuch der Feier bewies die große Beliebtheit und Wertschätzung, die die Bewohner unserer Stadt dem überaus wichtigen Dereine entgegenbringen. Kreis Schotten. e,n e i n d e h u n d e st e u e r für lg. Gedern, 1. Ian. Aus her letzten Sitzung en Gemeinderates ist zu des seitherig, berichten: Die G , 1 9 2 6 wurde auf 6 Mk. für den ersten Hund und für jeden weiteren Hund je 4 Mk. mehr festgesetzt, mithin wären zu entrichten für den zweiten Hund 10 Mk., für den dritten Hund 14 Mk. usw. Nach Erledigung einiger weiterer Angelegenheiten von geringerer Bedeutung gab Bürgermeister Müller in einer Ansprache einen Ueberblick auf die Tätigkeit des seitherigen Gemeinderates während der verflossenen Wahlperiode. Nicht weniger als 1475 Gegenstände sanden während dieser Zeit ihre Erledigung. In aufopferungsvoller und selbstloser Arbeit, die ohne jeden Parteihader und irgendwelche Sonderinteressen cjelei tet worden sei, habe die Gemeindevertretung sich tets redlich bemüht, dem Wohle der Allgemeinheit zu dienen. Ihr besonderes Verdienst, das um so schwerer ins Gewicht falle, als durch die schwierige Gesamtlage von Reich und Staat den Gemeinden gewaltige Lasten aufgebürdet worden seien, bestehe darin, daß es ihr gelungen sei, die Finanzen der Gemeinde trotz schwerer Zeit (Jnflations- und Uebergangszeit) in bester Ordnung zu erhalten. Der Bürgermeister sprach für diese ersprießliche Tätigkeit der Gemeindevertretung seine volle 2lnerfennung und seinen Dank aus und gab der Hoffnung Ausdruck, dah sich die ausscheidenden Mitglieder allezeit gerne ihrer einstigen Mitwirkung an verantwortlicher Stelle erinnern möchten. An die wiedergewählten Gemeindevertreter richtete er die Bitte, auch in der neuen Amtsperiode ihre ganze Kraft zum Wohl der Gemeinde einzufetzen. ld. Aus dem Vogelsberg, 2. Ian. In den letzten Tagen des Dezember haben in den Dörfern des Bogelsbergs viele Hunde, treue Wächter im Hofe und fleißige Helfer an der Weide, ihr Leben lassen müssen, da bei der ungeheuren Steuerlast und der großen Geldnot die Hundesteuer im Betrage von 15—20 Mk. eine ansehnliche Summe darstellt, die man im neuen Jahre sparen will. Die I a g d p ä ch t e r werden die Abnahme der Hunde zahl mit großer Freude begrüßen, da sich unter den Weidhunden und Hofhunden eine große Zahl von leidenschaftlichen Jägern findet, die manches juhge ober halbwüchsige Häschen auf dem Gewissen hat. Die Jäger hoffen, mit abnehmender Hundezahl einen stets wachsenden Bestand von Hasen in ihre Jagden zu bekommen, denn sie sehen in der feit Kriegsende ungemein aeftiegenen Zahl der Hunde einen wesentlichen Grund für den geringen Hasenbestand in Vogelsberger Jagdbezirken. — In der Kriegs- und Nachkriegszeit hatte die Schafzucht Im Vogelsberge wieder bedeutend zuoenommen, weil man unter dem Druck der Verhältnisse wieder dazu kam, Smnnrad und Webstuhl mehr und mehr zu benutzen. Der Vers „Selbst gesponnen, selbst gemacht, ist die beste Bauerntracht" kam wieder zu Ehren. Mit Beendigung der Inflationszeit setzte dann die rückläufige Bewegung ein; die Schafzucht geht seitdem dauernd zurück, am ftärfften in den Orten, in denen man nicht eine Ge- meinde-, sondern eine Gesellschaftsschäferei hat Wenn die Gewinne, die die Schafhaltung abwirft, allgemein gering sind, so sind diese völlig in Frage gestellt, wenn eine kleine Anzahl von Schafhaltern, die sich zur Schäfereigesellschaft zuiammengeschlossen haben, alle Kosten des Schäfereibetriebs aus eigenen Mitteln aufbringen muß. Da ist beizutragen zum Barlohn des Schäfers, Effen für den Sckäfer ins Feld zu tragen, her Pferch zu klopfen, find Lebensrnittel aller Art (Frucht, Kartoffeln, Milch, Honig, Del) für die Familie des Schäfers zu liefern, ist Weidegelände zur Veriügung zu stellen oder von der „Schäferei" zu pachten. Dazu kommen noch die ewigen Reibereien rrit den Gegnern der Schafhaltung unter den kleineren Landwirten, die Teile der Allmende als Viehweide benutzen wollen, kurzum, die Gefellschafts- fd)äferei ist mit so viel Umständlichkeiten und Aerger verknüpft, daß in diesen Orten die Schafhaltung über kurz ober lang aufgegeben werden wird. Ob sich in Orten mit Gemeindeschäferei die Schafzucht halten wird, hängt von der künftigen Gestaltung der Lage der heimischen Landwirtschaft ab Käme bald eine bessere Zeit, so wurden besonders in Gemeinden mit starker Rindviehzucht die Schafherden rasch verschwinden. Kreis Wetzlar. ZJ Wetzlar, 1. Jan. Sturm, Regen und Hochwasser waren diesmal auch hier die Begleiter der Der Sternhimmel int Januar. (Nachdruck verboten.) Sonnenaufgang von etwa 8,14 Llhr bis 7,47 Llhr, Sonnenuntergang von 3,53 Llhr bis 4,41 Llhr. Lichtest alten des Mondes: Letztes Viertel am 7„ Neumond am 14., erstes Viertel am 21. und Vollmond am 29. Januar. Im Januar erstrahlt der Fixsternhimmel in voller Pracht. Orion, das herrlichste unserer Sternbilder, erscheint zu Beginn des Monats schon die Alten gerade um die Sterne dieses Himmelsteils woben, beweist, welchen Eindruck die große Zahl Heller Sterne dieser Himmelsgegend auf sie gemacht bat. Auch die neuere Forschung findet dort viele Sterne, an die sich eine Fülle gelehrter Forschungsarbeiten anknüpft, beispielsweise Beteigeuze, den rötlichen Hauptstern links oben im Orion, der ein Gasball von so ungeheurer Große sein soll, dah die Q^Venuz (^)Marz Qjafura /7Eft/Vß/lD£fi: JMßEN // K/e/nc 5<#gA« \ jfaßen (*)Jonne D /Werfe/ d 3. Werfe/ ■ e » v®ro*yon\0R^ *Vir*üI Der die Stundenzahlen enthaltende Kreta und die dick punktierte Linie, «der »»genannte Horizont, lind feststehend tu denken. Der Sternhimmel dreht lieh samt dem damit verbundenen, durch Mitternacht gezeichneten Pfeil — gewissermaßen dem Zeiger dar Himmelsuhr — üt 4 Minuten weniger als 24 Stunden im Sinne des durch 12 Uhr mittags gezeichneten Pfeils einmal-um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont bildet ein Fenster, das die um Mitternacht der Monatsmitte sichtbaren Sterne umschließt. Will man r» einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel so gedreht, daß der durch Mitternacht gezeichnete, mitzudrehende Pfeil nunmehr durch die Beobach tu ngsstunde geht, wodurch dann die zu dieser Zeil sichtbaren Sterne in den nicht milzudrehenden Horizont hineingedreht werden. Für je 5 Tage vor der Monatsmitte ul der Sternhimmel um */# Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monalsmitte um €]$ Stunde später einzustellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen ein, wenn er die angedeutete Lichlgeslalt zeigt. bald nach Eintritt der Dunkelheit, gegen Ende steht es schon ziemlich hoch am östlichen Abendhimmel. Wenn der in der Verlängerung der drei Mittelsterne des Orion stehende Sirius sichtbar wird, was am Anfang des Monats etwa um 1/J8 Llhr, gegen Schluß um 1 '26 Llhr eintritt, so ist der schönste Teil des Fixsternhimmels, der sich von der hoch in der Nähe des Zenitbs stehenden Eapella im Fuhrmann über die Ple- jaden und den Orion nach dem Sirius hin erstreckt und auf der linken Seite vom Vorläufer des Sirius, dem kleinen Hund oder Prvkyvn, und den Zwillingen mit (Saflor und Pollux begrenzt wird, voll sichtbar. Die Fülle der Sagen, die Erde und auch ihr Nachbarplanet Mars in ihm für ihren Umlauf um die Sonne Platz fänden. Umgekehrt hat der Sirius einen dunklen, nur mit Mühe in starken Fernrohren sichtbaren Begleiter, der nur etwa dreimal so groß sein soll wie die Erde, dafür aber von einer kaum vorstellbaren Dichte feiner Masse. Von den Wandelstemen ist am Abendhiimnel die Vemls sichtbar, deren Sichtbarkeitsdauer freilich, da sie sich der von Westen herannahendsn Sonne entgegenbewegt, rasch abnimmt. Schon vorher ist der Jupiter in der Abenddämmerung verschwunden. Am Morgenhimmel stehen der Satum und der Mars. Küstermann. Jahreswende. Am Silvesternachmittag setzte noch ein solcher Regen ein, baß es fast unmöglich war, die Straße zu betreten. Das an unb für sich schon starke Hochwasser würbe hierburch in ber Neu- jahrsnacht so bebrohlich, baß in den gefährbeten Gebieten ber Stabt, befonbers in ber Langgasfe, ber Neustabt und im Bezirk Niedergirmes schleunigst Notstege gebaut werben mußten, weil bas Wasser die Straßen überflutete. Erst heute in ben Vormittagsstunden trat ein langsames Sinken in Erscheinung, so vaß die größte Gefahr, wie sie uns seit 1920 bekannt ist, glücklich gebannt erscheint. Trotzdem hat auch das jetzige Hochwasier wieder viel Schaden an den Gebäuden, in ben Kellern unb Ställen angerichtet. Hunderte von Personen benutzten den heutigen trockenen Nachmittag, um sich das Hochwassergebiet anzusehen. Der Silvesterabend ist diesmal wegen des schlechten Wetters äußerst ruhig verlaufen. Der um 5 Uhr abgehaltene evangelische Gottesbien st, in bem nach althergebrachtem Brauch stets ber Männer - gesangverein mitzuwirken pflegt, war trotz ber Ungunst bes Wetters von einer so großen Zahl von Anbächtigen besucht, baß selbst die Treppen alle besetzt waren. Nachts 12 Uhr läuteten die Dom- glucken in feierlicher Weise bas neue Jahr ein, währenb eine ansehnliche Menschenmenge sich auf bem Domplatz versammelt hatte unb bie Jugend sich mit bem Abbrennen von Feuerwerkskörpern vergnügte. Nach Schluß bes Läutens ertönten von der Galerie bes Domturms herab ernste Klänge von Chorälen, gespielt von einem Bläserchor. Hoffentlich wirb diese schöne Sitte, bie vor bem Kriege in ber Neujahrsnacht öfter so viel Franziska. Roman von Liesbet Dill. 34. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Der Judenzank setzte ein, der sich wie ein verworrener, unharmonischer Lärm anhörte. Es fehlte noch der führende Daß. „Wo bleibt der Kammersänger Drast?" ries Mariot dazwischen. „Ist nicht vorhanden? Gut, wenn die Sänger nicht da sind, stören sie wenigstens nicht!" Da erschien Drast, herbeigeholt aus den Kulissen, und das verworrene Geschrei bztam durch diesen orgelgleichen Daß gleichsam einen Halt, ein Fundament, auf dem es sich harmonisch abhob. Mariot Hopfte auf und blätterte in der Partitur: „Wir nehmen erst noch einmal die Stelle mit dem Kopf. Haben Sie das? Also bttte." Das Orchester feite ein, und nun sah Hasse Franziska. Sie stand zwischen den Kulissen, die Hande in den Taschen ihres Sealmantels, mit einer jüngeren Kollegin, die eine Cleo°de-Merode-Frisur trug und einen Kopf Heiner war als sie. „Ich hab' heut' einen Llnglücks- tag", sagte Franziska. „Wie ich vorhin gekommen bin, hat mir die Garderobefrau die Nummer dreizehn zum Verfchließfach in die Hand gedrückt, das ist mir noch nit passiert, seit ich beim Theater bin..." „Die Nummer sollt's gar nicht geben", warf die kleine schwarze Schauspielerin ein. „Seitdem ist eine Llnruhe in mir,“ fuhr Franziska fort, welche auf und ab ging, um sich zu erwärmen. „Ich friere wahrhaftig, ich zittere, sehen Sie her", und sie streckte der Kleinen ihren Arm aus dem weichen Mantel hin. „Wo bleibt denn der Kopf?" rief Mariot heraus. Der dritte Kapellmeister, der in der Zisterne dirigierte, hatte das Zeichen verpatzt. „Sehen Sie doch in die Partitur", rief Mariot. Lieber den Rand der Zisterne tauchte eine Hand auf, die eine OeriUberte Pappschüsfel in die Höhe hielt. Ein schrecklicher, in dieser ungewissen Beleuchtung grausiger, bleicher Kopf erschien mit langem, schwarzem Haar. In diesem Augenblick rief jemand: „ Fräulein Rott." Sie hörte an einem scharfen, ungeduldigen Aufllopsen, daß Mariot sie wünschte, und trat auf die matterleuchtete Bühne. Zu dieser Aufführung hatten so viel Proben stattgefunden, daß sie unbedingt glatt gehen mußte, eS war heute die letzte, die Generalprobe, und sie war ruhig, ihrer musikalischen Sache sicher. Der Akt begann von vorne, ein straffer Zug kam in die Sänger, sie nahmen ihre Stellungen ein, und das Orchester fetzte mit dem Hauptmotiv der Salome ein. Aus der Tiefe erttang ein prachtvoll ruhiger Bariton, die Stimme des Propheten: „Nach mir wird einer kommen, Der stärker ist als ich." Das ist Stephansberger, dachte Hasse beunruhigt. Man hatte ihn zu dieser Nolle aus Hannover herüberiommen lassen. Er beugte sich vor. um besser sehen zu können. Franziska wari ihren Mantel ab und trat auf die Terrasse hinaus in einem graublauen, rotbestickten Gewand, das, vom Gürtel ab mit Perlenschnüren und glitzernden Juwelen bedangen, geschlitzt war bis zu dem bunten, breiten Gürtel, Rubinen funkelten an den Händen und Armen. Sie schaute zum sternbesäten Nachthimmel auf. Den silbernen Mond fang sie an. Diese biegsame Stimme Hang so rein, so ruhig, so zart, die hohen Töne schwangen sich leicht und sicher empor, mühelos und flar schmiegten sie sich der Begleitung an. Was war aus dieser ungleichmätzigen, unsicheren Stimme geworden! Die rauhe Stimme des Propheten in der Zisterne unterbrach ihren süßen Gesang. Bestürzt und neugierig lauscht sie, gierig verschlingt sie seine mahnenden Worte. „Siehe, der Herr ist gekommen." Salome wird aufmerksam, welch seltsame Stimme. Sie will mit ihm sprechen. Die Soldaten treten ihr in den Weg: wir dürfen es nicht, Prinzessin, aber sie will ihn sehen, diesen Mann, der so schreckliche Dinge über ihre Mutter sagt. Sie biegt sich lauschend über den Brunnen: „Sprich mehr!" Niemals hatte des Stephansbergers milde volle Stimme so ergreifenb geklungen. Oder kam es Ihm nur so vor in dieser sonderbaren Angst der Erwartung, der äußersten Anspannung aller Kräfte? Salome fragt die Soldaten nach dem Fremden aus, sie umdrängt den Hauptmann mit schmeichlerischer Bitte. Er windet sich, wehrte sie ab, aber mit dem Eigensinn des Weibes, dem Starrsinn, der jeder Vernunft trotzt, verlangt sie nach dem Propheten. Sie will sich dem schrecklichen wilden Mann nähern. „Du wirst es für mich tun, Narraboth:" sie sprach es singend, fast atemlos. „Nicht wahr, ich war dir immer gewogen... und morgen, wenn ich in meiner Sänfte an dem Torweg, wo die Götzenbilder stehen, vorbeikomme, werde ich eine kleine Blume für dich fallen lassem" Niemand konnte ihr widerstehen. Der Hauptmaim hebt den Arm, und aus der Tiefe des Brunnens steigt groß und finster der Prophet. Wie betäubt von dem Licht, erschaut er Salome: er schließt die Augen, erschauernd. „Ich will deinen Mund küssen, Jochanaan", bricht sie in Entzücken aus. Sie umringt ihn neugierig, schmeichelnd, sie will seinen Leib berühren. Er weicht entsetzt zurück. Er stößt die rubinfunkelnde zarte Hand zurück. Er flucht ihr unb ihrer Mutter. „Sprich mehr, JochanaanI" lächelt sie, während es in ihren Augen auffunkelt. „Geh in die Wüste", rät er ihr. „Ich will deinen Mund küssen", flüstert Salome. Herodes und Herodias mit (Säften unb Gefolge treten auf die Terrasse. „Legt Teppiche hierher, bringt Wein!" Herodes erblickt die junge Salome: er halt den Atem an, wie schön ist sie heut abend in ihrem ebelftelnfunfelnben Mieder der leuchtenden weißen Haut... Ihn fröstelt... Der Prophet taucht lautlos in den Brunnen hinab. Salome starrt ihm nach „Salome, komm, trink Wein mit mir“, aber Salome hat sich auf eine Marmorbank geworfen und zuckt die Achseln. „Ich bin nicht durstig." Bebend lauscht sie den fürchterlichen Drohungen des Propheten, dessen dunkle Stimme mahnend aus dem Brunnen zu ihr spricht. Es ist etwas ganz Neues, das er sagt. Gr regt etwas in ihr an, das bisher geschlafen hat, das Gewissen. Sie schaudert und schließt die Augen: ihre blonden Locken hängen ihr zu beiden Seiten des blassen, verdüsterten Gesichts herab. „Salome, tanz für mich", bittet ber entzückte Herodes. Salome starrt vor sich hin, ihre weiße Brust hebt und senkt sich im Sturm. „Zurückge- wiesen!" zucken ihre Lippen. Don einem Manne! Sie, das verwöhnte, reizende Kind, das schönste Weib, die Königstochter? Kann man ein Weib tiefer kränken? Sie hat sich ihm in ben Weg geworfen, sie begehrt ihn, ben seltsamen, ungewöhnlichen Menschen, der ihr, den Tod vor Augen, so grausame, schreckliche, neue, große Dinge sagt unb sie wiederholt, weil sie seine Lleberzeugung sind. Lind für diese Lieberzeugung will er sterben, ber große Prophet. Es ist etwas Lieberwältigendes in seinen Wahrheiten, etwas Ewiges, etwas, das sie erbeben macht unb erschüttert. Nichts hat sie bis jetzt so gepackt. Rasend vor Leidenschaft, zitternd vor verhaltener Begierde, verzehrt von einer Liebe, die nicht erwidert wird, liegt sie rasch atmend unb sinnt mit verdüsterter Stirn. „Salome, tanz für mich! Salome!" fleht Herodes. Die Mutter rät ab: „Tanze nicht, meine Tochter!" plötzlich richtet sich Salome entschlossen auf, das seidene Haar zurückwerfend. Wie Flammen bricht es aus ihren Augen. Mit welchen, leichten, febernben Schritten nähert sie sich Herodes. Hasse sah, wie sich das aschgraue Profil des Kapellmeisters Ihr zuwandte, von bem grünlichen Lampenlicht grell beleuchtet unb doch halb In Schatten getaucht. Das bleiche Gesicht Mariots war durchleuchtet wie von einem inneren Feuer, während seine Blicke sich mit denen Franziskas kreuzten. Es lag wie eine Spannung in der Luft. । (Fortsetzung folgt) ■'Me* SF'ä’Hb ®A>/y MrteLuu^ **im*t< drtlu n/N-#e- ”»V»alf24 U einmal .ui* Mw, du di» Wiß man tu "b!w gedreht, unnukr durtk Muren Sterne hr je S Tage für je 5 Rye WtfWeA» die 'gen em, wenn inUQt, °Ht feu k Ntt sSj®M :t w W$ -kLIkFtz wegen des schlechten Wetters s«n. 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Sirius einen öunflen, nur n Fernrohren sichtbare > etwa dreimal sv M sein dafür aber von einer kaum ? seiner Masse, dftemen ist am Abendhinunel beten Sichtbarkeitsdauer frei« non Weflcn tetamuilxnbea bgt, rasch abnimmt, Schon er in der Abenddämmerung Mrgenhimmel sichen der Ars. ^üfiermann. Freudc^'nd auch stilles Nachdenken ausläske, lieber zu eimr bleibenden Einrichtung. kz. Groh rechten dach. 2. Ian. Die Maul - und Klauenseuche wurde in einem hiesigen Gehöfte festgestellt. Man nimmt an, daß sie von einem Markte nach hier verschleppt worden ist. — Einen schönen und lehrreichen Abend bot Lehrer Gerhardt von hier am Sonntag abend den vielen Besuchern des Ge- meinde'aales durch Vorführung einer Anzahl guter Lichtbilder aus der Jugendzeit I e s u Passende Worte gaben den prachtvollen Bildern noch mehr Leben. Auch die anderen nichtreligiösen Bilder erweckten die Bewunderung der Zuschauer. Man war mit dem Abend allgemein recht zufrieden. Der Lichtbilderapparat wurde vor kurzem von der Gemeinde angeschafft: man hofft, daß er noch öfter« in den Dienst der Allgemeinheit gestellt wird. Kreis Biedenkopf. # Königsberg, 2. Jan., Durch den Sturm in den letzten Tagen wurde die neu errichtete, vor 14 Tagen fertiggefteUte 2lusbersitu n g s h a l l e auf der hiesigen Grube in einen Trümmerhaufen verwandelt. Der Schaden ist groß. Vom 7. Januar wird aus der Grube nur noch an drei Tagen in der Woche gearbeitet. Die Seilbahn soll im Frühjahr gebaut werden. Älteingatt. WSR. Frankfurt a. M., 2 Ian. In der Gelnhauserg^sse wurde eine seit mehreren Tagen vermißte Frauensperson tot in ihrer Wohnung auf gefunden. Da die Leiche einige Verletzungen im ®e i jt aufwies, nahm man zuerst an, daß ein Verbuchen vorlie jt. Die eingeh.nde Untersuchung hat jedoch ergeben, daß der Tod an sch inen d durch Alkoholvergiftung eingetreten ist. WSN. Homburg v. d. H., 2. Jan. Der B e - such der S a a l b u r g hat sich im abgelaufenen Jahre in erfreulicher Weise gehoben. Die Saalburg- | bahn beförderte insgesamt rund 126 000 Personen, I gegenüber 60 000 im Vorjahre. Wenn man die Fuhwanderer hinzurechnet, dürften im ganzen etwa 200 000 Personen dem Kastell einen Besuch abgestattet haben. Das Museum wurde von 36 300 Personen gegen 33 000 im Jahre 1924 besucht: davon waren 14 100 Schüler (Vorjahr 12 692). Man hofft, daß in diesem Jahre der Besuch der Saalburg wieder die Vorkriegshöhe erreichen wird. Turnen, Sport und Spiel. D.s.B.Gtehen—D.f.R.Frank?urt jL Das für gestern bestimmt angesehte Spiel obiger Ligamannschaften ist in letzter Stunde abermals abgesagt toorben. Dieses Wettspiel sollte bereits am ReujahrStage stattfinden, ble Srrmif* furter blieben aber aus, die überaus zahlreichen Sportanhänger hatten den Weg bei dem ungünstigen Wetter umsonst gemacht. Genau so gings am gestrigen Sonntag. Wieder war eine zahlreiche Sportgemeinde nach dem Waldsport- platz gepilgert, wo ihnen bereits am Eingänge die Mitteilung wurde, daß das Spiel abermals nicht stattfinden könne, da die Frankfurter am Samstag mittag das angesetzte Spiel abgesagt hätten. Wie bekannt wurde, war zwischen V. f. R. Frankfurt und Aüla-Langendiebach für den gestrigen Sonntag bereits vor längerer Zeit ein Pokalspiel angeseht, so daß es eigentlich recht verwunderlich erscheint, daß diese Mannschaft auch zu gleicher Zeit in Gießen spielen sollte. Auf alle Fälle wäre es wohl möglich gewesen, die Oeffentlichkeit von dem Ausfall des Spiels rechtzeitig zu benachrichtigen. Dies hätte auch im Interesse des Vereins selbst gelegen, denn es erscheint recht fraglich, ob es gelingt, zum dritten Male eine so starke Zuschauermenge nach dem Waldsportplatz zu bringen. Leider fand das zwischen der 3. Mannschaft des V. f. B. und der 1. „Hessen"-Mannschaft angesetzte Spiel aus unbekannten Gründen ebenfalls nicht statt. Fußball in Frankfurt. WSR. Frankfurt a. M, 3. Ian. Heute fand hier im Stadion das Rückspiel des Fußball s p v r t v ere in s Frankfurt gegen Tennis-Borussia Berlin statt, das wiederum die Berliner, und zwar mit 4:2, gewinnen konnten. Rach dem ausgesprochenen Spiel des Fußballsportvereins gegen Servette-Genf tonnte man annehmen, daß der Sportverein seine 8:0 Riederlage in Berlin wett machen würde, aber was man heute vom Sportverein zu sehen bekam, stand noch unter mittelmäßig. Man schoß planlos darauf los, spielte zu viel mit dem Ball, und wenn es darauf ankam, verlor man ihn. Von einem Kombinationsspiel konnte keine Rede sein. Die Berliner stellten eine flotte, glänzend kombinierte und vor allen Dingen sehr schußfreudige Mannschaft. Mainz 05 spielte gegen Servette- Genf 4:1, Eintracht» Frankfurt gegen Sportverei n-W iesbaden 1:1. Die Mainzer Mannschaft zeigte hohes Können und spielte mit aller Aufopferung, während die Schweizer gegenüber dem Reujahrstage in Frankfurt eine starke Verschlechterung aufwiesen und die Riederlage verdient hinnehmen mußten. Das Spiel des Sportvereins Wi sbaden gegen die Eintracht ließ volle Befriedigung nicht aufkommen, da der Kampf, der von Seiten Wiesbadens mit drei Ersatzleuten ausgefochten wurde, rafinessenreiches Spiel und Frische vermissen ließ. Eintracht war während der ersten Halbzeit überlegen, konnte aber zu keinem Erfolg kommen. Erst in der Mitte der zweiten Spielzeit konnte sie das Spiel, das mit 1:0 für Wiesbaden gewechselt hatte, auf 1:1 ausgleichen. In einem Privatspiel der Kickers Offenbach gegen Helvetia-Frankfurt errangen die Offenbacher einen 6:2 Sieg. Westdeutscher Fußball. Ruhrbezirk: Schwarz-Weiß Essen—Buer07 5:3. Altenessen—Linden 6:0. Union Gelsenkirchen- Dortmund 95 3:1. V. f. B. Dortmund—Essener S. V. 99 2:1. Arminia Maarten—T. u. S. V. Gelsenkirchen 1:6. Niederrhein-Bezirk: S. B. Duisburg— B. V. B. Beek 5:0. V.f.L. Creseld—Hamborn 07 1:0. Rasensport Mühlheim—V. f. B. Bottcop 2:0. Weiderich 06—Preußen Krefeld 3:1. Rheinbezirk Gruppe Süd: Iura Bonn gegen Swatoschmannschaft Köln-Sülz 1:2. Bonner F. D.—F. C. 99 Köln 4:7. V. f. R. Köln—Viktoria 96 Köln 7:1. Rheinbezirk Gruppe W e st: Rheydter S. V.—München-Gladboch S. C. 5:4. V. f. B. Aachen--F. E. Düren 4:2. Bergisch-Märkischer Bezirk: T.V. Düsseldorf—S. C. Cronenberg 5:0. B. C. 05 Düsseldorf—F. C. 95 Solingen 5:1. V. f. R. Remscheid— B. V. Düsseldorf 1:6. W e st f a l e n - B e z i r k: Viktoria Recklinghausen—Union Recklinghausen 3:2. Gronau 09—Arminia Bielefeld 0:6. V. f. V. Elberfeld—V. f. L. Osnabrück 1:4. Preußen Münster—S. V. Hamm 1:2. Dom küddeutschen Futzball ist erwähnenswert, daß der Meister des B e -- zirks Bayern, die Münchner Bayern, gegen die Spielvereinigung Fürth eine Riederlage mit 0:1 hinnehmen muhte. Im Bezirk Württemberg-Baden hat sich der Karlsruhe Fußttallvereiu durch eil e.i hohen (7:1) Sieg über den 1. F. C. Freiburg die Meisterschaft gesichert. Auch im R h e i n b e z i r k ist durch das unentschiedene Spiel des V. f. R. Mannheim gegen Ludwigshafen 03 der Meister in den Mannheimern entstanden. Berliner Fußball. Im Berliner Oberliga-Fußball erzielte am gestrigen Sonntag „Vorwärts" gegen die „Alemannia", Haselhorst, nur einen knappen 1;0°Sieg, während der Spandauer S.V. den B.S.V.92 hoch (5:1) schlug. In der Abteilung B brachte der Kampf um die Führung zwischen Rorden-Rordwest und den K i k - kers ein 2:2, Tasrnania wurde von der Union 92 Überraschend mit 2:0 geschlagen. Der Berliner Fußballmeister in Stettin. Der Berliner Meister Hertha B. S. C. weilte am gestrigen Sonntag zum Rückspiel gegen Preußen Stettin in Stettin. Die Berliner holten sich einen überlegenen 6:2-Sieg. Wetzlarer Handball. Die Polizei gewinnt gegen den B.C. 3:0. tz. Die charakteristischen Merkmale dieses Spiels waren zunächst der übergroße Eifer des Ballspiel- Clubs, der teilweise die Selbstbeherrschung etwas überschritt, und das immer noch zusammenhanglose Spiel des Polizeisportvereins. Zu Beginn des Spiels hatte der Platzoerein nur sieben Mann zur Stelle und vervollständigte sich erst in der letzten Sekunde vor Anpfiff. Hier sind seitens der Polizeivereinsleitung disziplinäre Maßnahmen am Platze. Eine Elf, wie die des P. Spv., die noch Chancen auf den Meistertitel hat, sollte sich ihn durch leichtfertige Ausfassung einzelner nicht verscherzen. Da muß ein eiserner Besen kehren, denn die durch das zweifelhafte Antreten hervorgerufenc Aufregung wirkte in der Platzelf noch eine halbe Stunde fort. Die B. C.-Elf hatte nur im Torverhältnis ein Minus, eine Spielfeldüberlegenheit war nicht zu ersehen. Ballspielclub verlor durch das Schußunvermögen seines Sturmes, der wenigstens die Unsicherheit des Polizeitormannes in hohen Bällen hätte ausnutzen können. Die Grünen verdanken ihren Sieg einem Manne, dem Halblinken. D a dein a s ch, der sich tadellos freistellte und durch glänzenden Schuß (er ist zweifellos der beste Schütze weit und breit!) bis Halbzeit zwei prachtvolle Tore vorlegte. Das bessere Feldspiel in der ersten Halbzeit glichen die Polizisten in der zweiten Halste (mit dem Wind!) aus. Der Linksaußen der Polizei erhöhte die Torzahl auf drei. Damit war das Spiel entschieden. Bom B. C. mußte ein Mann den Platz verlassen, da er zur Abwehr mehr die Beine als die Hände gebrauchte. Imponierend wirkte die Leistung des B"C.-Berteidigers Eberhard, der eine prächtige Abwehr zeigte. Schiedrichter Speck- Hardt von „Hessen" Gießen war einwandfrei. S. C. Niedergirmes—$. L. Wetzlar 0:12. Daß das Resultat des Vorspiels (1:9) Übertrossen wurde, war nicht vorauszusehen. Die derzeitige Hochsorm des F.C.-Sturms ließ aber keinen Zweifel darüber. Bis zur Halbzeit fielen 5 Tore für F. C., und nach der Paus« gelang den Girmesern das verdiente Ehrentor immer noch nicht. Auffällig war trotz der hohen Niederlage das zunehmende j Spieloerständnis in der R. G.-Elf, in der wie immer Schönberger die treibende Kraft war. Als er später ins Tor ging, versagte die Schieß tun ft des Gegners etwas. Beim F. C. war der Rechtsaußen unsicher, der Linksaußen als Ersatz nicht richtig eingespielt. Sehr gut verteidigte der alte Schindler. Die meisten Tore schoß wie immer N o t h II. Der Unpai teiische Hühne, P. Spv., leitete korrekt. Die beiden Spiele sanden durch die lieber» schwemmung der anderen Wetzlarer Plätze im stets spielfähigen Stadion am Sonntagnachmittag nacheinander statt und waren verhältnismäßig gut besucht. Im Laufe der Handballoerbandsspiele ist ein ständig wachsendes Interesse an dieser Spielbewegung festzustellen. Die erste Serie im Lahnkreis ist beendet. 'Auf zur zweiten und zur Entscheidung! Hockey. Aachbem am Samstag die Damenmannschaft des Harvestehude H. und T. C. -Hamburg die Damen der Eintracht 6:1 geschlagen hatte, setzte sie gestern durch einen 4:2- Sieg über die Damenhockeymannschaft des 0. C. Frankfurt 1 880 ihren Siegcszug in Frankfurt fort. Die Hamburgerinnen ze gten ein überlegenes Spiel, dem die Frankfurter Damen nichts Ebenbürtiges entgegensetzen konnten. Der Frankfurter Turnverein 1860 blieb in einem Spiel gegen den Marienburger S. C. Köln mit 4:2 siegreich. Wshockey. Der deutsche Eishockeymeister D. S. C. Der- l i n verlor bei einem Spiel im Berliner Eispalast gegen den mehrfachen Europameister Slavia-Prag nach hartnäckigem, wechsel- vollem Kampfe, dem viele tausend Zuschauer beiwohnten, knapp 2:1. Beim Entscheidungsspiel um die Internationale Eishockeymei st erschuft der Schweiz blieb der Eishockeyklub Davos gegen den von St. Moritz mit 4:1 © eg er. SübWestdeuts eBoxmeisterschaft dd. In den Vorentscheidungskämpfen um die südwestdeutschen Boxmeisterschaften in Frankfurt am Samstag abend standen sich im Fliegengewicht Wieland (Frankfurt) und Lorenz (Wiesbaden) gegenüber, ein Punktsieg Derschaff te Wieland die weitere Teilnahme an den Meisterschaftskämpfen. Im Bantamgewicht siegte der bessere Witzel (Frankfurt) über Herrn dH (Mainz) durch dessen Aufgabe nach der ersten Runde. Im Federgewicht gab es den einzigen ko. des Abends. In der zweiten Runde gelang dem Frankfurter Milke die Entscheidung gegen Scheffner- Ludwigshafen. In der Leichtgewichtklasse wurde der Sieg Röder I - Frankfurt kampflos zugesprvchen, da sein Gegner S t i l g e r - Ludwigshafen Heber« gewicht in den Ring brachte. E r n st - Wiesbaden gewann knapp nach Punkten gegen K l e e m a n n« Bockenheim, im Mittelgewicht holte sich Zim- inet» Mainz mit der besseren dritten Runde den Punktsieg gegen B l e u l, im Halbschwergewicht siegte Gattmann ! - Offenbach gegen Wallravenstein- Mainz n. P. Am 9. Ianuar finden die Entscheidungskämpfe zwischen den Siegern dieser Kämpfe und der Meister Don Württemberg-Baden um den Titel des südwestdeutschen Meisters statt. Neuer deutscher Schwimmrekord Günther, S. V. Gelsenkirchen 04. konnte in Duisburg bei einem offiziell angemeldeten Rekordversuch die bisher vom Breslauer Over- Ham gehaltene Bestzeit im Rückenschwimmen über 4 0 0 Meter mit 6:13 beträchtlich verbessern. Mit 6:03,9 stellte er eine neue deutsche Höchstleistung über diese in Deutschland allerdings nur selten geschwommene Strecke aus. Den Weltrekord hält schon seit 1921 der Belgier Blitz mit 5:59,2. Wasserballspiel. Die beiden langjährigen Rivalen um die deutsche Meisterschaft Hellas-Magdeburg und Wasserfreunde Hannover lieferten sich gestern in Hannover ein erbittertes Treffen, bei dem dec diesjährige deutsche Meister, Hellas, knapp, aber verdient, mit 4:3 Toren Sieger blieb. Deulschiandreise schottischer Fuhballer. Der schottische Fußballklub Queens Park Rangers wir) im Mai des IahreS eine Gastspielreise durch Deutschland unterne^- men. Die Schotten, die zu den besten Amateuer- mannschaften Groß-Britanniens g:hören, werden in Berlin gegen den F. C. Preußen, ferner in Frankfurt, Rümberg und München spielen. Kirche und Schule. - Klein-Linden, 4. Jan. Im abgelaufenen Jahr wurden in unserer Gemeinde 36 Kinder getauft, 20 Paare eingesegnet und 19 Gemeindeglieder beerdigt. Konfirmiert wurden 41 Kinder. rt. Niederbessin gen, 2. Ian. In der hiesigen etwas über 300 Seelen zählenden Ge- I meinde fanden im vergangenen Iahre 4 Taufen ! statt (im Vorjahr ebenfalls 4), nämlich 1 (2) Knabe, 3 (2) Mädchen. Dieser geringen Zahl von Geburten steht leider diesmal eine für unseren kleinen Ort auffallend hohe Zahl von Verstorbenen gegenüber: neunmal läutete die Totenlocke, während im Iahr zuvor nur zwei Beerdigungen stattfanden. Unter den Toten dieses Iahres ist der langjährige Lehrer und Organist unseres Ortes, Ludwig Graulich. Hochzeit kam in Riederbessingen im abgelaufenen Iahr nur einmal vor, denn die zwei Trauungen deS Iahres fielen auf einen Tag (im Vorjahr' 3 Trauungen). Zum Konfirmationsaltar gingen 8 Kinder, 6 Knaben und 2 Mädchen. rog. Gedern, 2.Jan. (Kirchliche Persona l st a 11 ft i k 1 9 25.) Int Jahre 1925 fanden in der hiesigen evangelischen Kirchengemeinde statt: 37 Taufen (15 Knaben, 22 Mädchen), 11 Trauungen. 17 Beerdigungen (10 Männer, 6 Frauen, 1 Kind). Konfirmiert wurden 32 Kinder (21 Knaben, 11 Mädchen). Die Durchschnittszahl der Gottesdienstbesucher an den drei offiziellen Zählsonntagen betrug 317 Erwachsene, 162 Kinder. Am heil. Abendmahl nahmen im ganzen 1054 Gemcinde- glieber teil, und zwar 512 Männer und 542 Frauen. Berichtssaal. Eine seine Gründung. Fulda, 2. Ian. (WSR.) Der vielfach vorbestrafte 29 Jahre alte Kaufmann August Bebberling aus Ruttershausen bei Gießen, zur Zeit in der hiesigen Strafanstalt, hatte Ende 1924 zusammen mit dem 23jährigen Elektriker Iosef Brand aus Dachrain bei Fulda ohne jegliche Barmittel die Firma „Fuldaer Seidenindustrie. Textil en gro8“ gegründet. Das „Geschäftslokal" befand sich im möblierten Zimmer des Bebberling. Es wurden Briefbogen mit großzügigem Kopf gedruckt, auf denen fälschlicherweise Bankkonten, Telephon- anschluh, Postscheckkonto u. dgl. angegeben waren. Auch die entsprechenden Inserate in den Zeitungen fehlten nicht. Die „Firma" verstand es, unter Vorspiegelung dieser falschen Angaben eine Doigtländer Tuchgrohsirma erheblich dadurch zu schädigen, daß sie Ware auf Kredit kaufte und niemals bezahlte. Das große Schöffengericht verurteilte jetzt die beiden Schwindler zu je vier Monaten Gefängnis wegen Betrugs. Die Logiswirtin von Bebberling wartet noch heute auf die Bezahlung von etwa 300 Mk. für Kost und Logis. —------ -1 Gießener Wochenmarktpreise. Es kostete auf dem Wochenmarkt am Samstag das Pfund: Butter 140 his 170 Pfennig, Matte 40, Käse 60 bis 70, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 15, rote Rüben 15. Spinat 40 bis 50, älnterkohlrabi 10 bis 12, Grünkohl 30, Rosenkohl 60, Feldsalat 120 bis 150, Zwiebeln 12, Meerrettich 30 bis 100, Schwarzwurzeln 50 bis 70. Endivien 100, Kartoffeln 4, Aepfel 15 bis 18, Birnen 30, Rüsse 50 bis 90, Honig 50, junge Hahnen 120, Suppenhühner 120, Gänse 100 bis 120; das Stück: Eier 19 bis 22, Blumenkohl 60 bis 100. Lauch 5 bis 15. Sellerie 20 bis 40 Pfg. Rundfunk-Programm des frankfurter SenderS. (Aus der „Radio-Umschau".) Dienstag, 5. Januar: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Iugend. 4.30 bis 6 Uhr: Rachmitragskonzert des Hausorchesters: Shakespeare-Ouvertüren. 6 bis 6.30 Uhr: Die Lesestunde 6.30 bis 7 Uhr. Italienischer Sprachunterricht. 7 bis 7.30 Uhr: Funkhochschule Frankfurt a. M.: ..Säuglingspflege''. Vortrag von Privatdozent Dr. Scheer. 7.30 bis 8 Uhr: Vortrag von Oberregisseur Chmalnitzky: „Gerhart Hauptmann und die Darstellung des naturalistischen Dramas". 8 bis 9 Uhr: Openr- Abend. 9 bis 10 Uhr: Klavier-Konzert. MM Ser PRAKTISCHE SINN cfes^mm^iners Beim Dwgfeicf) deutfcher muf n»wnrife,75 82,26 65 48 103.7* 103,2* 38.5* 65* &i* 90.5 95 22,5 37.75 94.13* 94 5* 02 98,4 36,25- 65.75* 80,5' 83,25" 50,5* 64,6* 1 35 21,5 । 14 30 95' I 97,4' 55,5* 25 37.5* 55* 59.2/.* 83* 9125 9.1 44.12 44,4' 68.5 1 90.25 . 98.25 7,66 ( 42,75 1 135* 96,5* 10 r 101° 56 , 103.5 73.6 i 92* 6,15 0,03 58* 0 2/6 0,29 0.1UÜ 0.215 80,1 83 I 88,75' 75 92 S.S 0,03 135" 96.35" 104' 101 135,9 06.5 104 104,5 1,9 76,ö 43.76 33,75! 0 c10 0,105 — 0,2125 0,2175 0,215 - 49 103 7 i 40,1 I 13,5 . 69,75 42 94,5* | 95,35' 95 25 i 2.1. 4. L Motorenwerke Manubeim Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . Mclallgesell'chast Frankfurt Pet. Union A.-G....... Schuhfabrik Herz ..... Sichel..... ..... . Zellston Waldhof...... Zuckerfabrik Frankenthal ' Zuckerfabrik Waghäusel . . 5% Deutsche Reichsanleihe . 4'Vo Deutsche Rctchsanlcibe . 3'/a% Deutsche ReichSanlethe 3°/u Deutsche Reichvauleihe . Deutsche Svarpromienanleibe 4'7o Preußische Äonsols - . . 4% »epen . ....... »MT.... Dcuttche Wertb. Dollor-Lnl. dto- Doll--Schatz-Aorreisug.'! 4% Zolltürken . 5% Goldmerikaner Berliner Handelsgesellschaft - Commerz- und Privat-Bank Dannst. und Nationalbank . Deutsche Bank......... Deutsche Vereinsbayk .... Disconto Lommandit ■ . . Metall bank.......... Mitteldeutsche Creditbank. . Lestcrreichische Creditanstalt. Weftbank ■ Bochumer Guß • ..... Buderus Taro . Deutsch Luxemburg ..... Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau...... zkallwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurahütte..... Oberbedarf^ ......... Phonir Bergbau ...... Rheiustabl Mcbeck Montan ..... Tellus Bergbau ....... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Analo-Lont.-Guano . . ... Oe Anilin........ he Maver Alaptu .. Goldschmidt Gries lcimer Electron . . .. Höchster Farbwerke ..... Holzverkohlung ....... Äütgerswerke ........ Lcheideanstalt Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mainkraftwerke ....... Schuckert . . . ........ Siemens Paris • • • 15,85 15,87 16,98 11.12 Schwei; . . 81,125 81,325 81 06 81.26 Spanien. . 59,18 59.32 59,13 59,27 Japan . . . 1,818 1,822 1.816 1,820 Rio de Jan. u.6'22 0.624 3.619 Ltol Wien in D-- Lest, abgest 59,19 59,33 59.09 69,23 Prag .... 17,415 12.455 12,413 12,401) Belgrad . . 7.43 7,45 7,435 7,45? Budapest. . 5,875 5,895 5,875 5,895 Bulgarien 2,01’5 3,005 .2,995 3,005 Lissabon Ul,275 .1,325 21 275 31.328 Danzig. . . 80.71 80.91 80 68 80.88 Konstantin. 2,235 2,245 2,235 3,245 Athen 5 ■ 5.35 5 83 5.35 Canada. . . 4,192 4.202 4 19 4,2i Uruguay . 4,285 4,295 4,295 4.305 Berlin, 2 Jan Geld Brief Amerikanische Noten . . . .. ».192 4.212 Belgische Noten ....... 18,08 19.08 Dänische Noten ....... 103.14 101,06 Englisch? Noten. . ...... 20,807 20.407 Jranü'stschc Noten ...... 15,8" 15,88 Holländische Noten ...... Italienische Noten...... 168,3b 169,2.5 16.93 17.01 Norwegische Noten...... 85,1h 85 58 Dcutsch-Oesterr., ä ioo Krauen 69,04 69,31 Nurnänische Noten ...... —— Schwedische Noten...... 112,14 112,70 Schweizer Noten....... 81,06 81,40 Spanische Noten..... . 68,95 69 25 Tschechoslowakische Noten . . 12.875 12.435 Ungarische Noten ....... 5 83 5,86 Frankfurter Schlachtvirhmartt. (Eigener Drahtbericht des ,Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M„ 4. 3an. Auftrieb: 1017 Stück Rinder, darunter 288 Ochsen. 27 Bullen, 702 Färsen und Kühe, 300 Kälber, 164 Schafe, 3366 Schweine. Es wurden bezahlt für 100 Pfd. Lebendgewicht: Rinder: Ochsen, vollfleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 54 bis 62, junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgcmästete 45 bis 53, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 34 bis 44; Dullen, vollst, ausgemä stete Färsen höchsten Schlachtwerts 50 bis 55, vollst jüngere 44 bis 49, Färsen und Kühe, vvttsl. ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 53 bis 60, dottfl. ausge- inäftete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu sieben Jahren 46 bis 54, wenig gut entwickelte Färsen 42 bis 52, ältere auSgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jünKre Kühe 35 bis 45; mäßig genährte Kühe und Färsen 23 bis 33, gering genährte Kühe und Färsen 15 bis 22. Kälber: Feinste Mastkälber 75 bis 85. mittlere Mast- und beste Saugkälber 68 bis 74. geringere Mast- unb gute Saugkälber 60 bis 67. geringe Saugkälber 50 bis 58 Schafe: Mastlämmer und Mast- hämmel 43 bis 18. geringere Masthämmel und Schafe 34 bis 42, mäßig genährte Hümmel und Schafe (Merzsch cke) 25 bis 32. Schweine; Dollst, von 80 bis 100 Kg. 90 bis 92, unter 80 Kg 84 bis 89, von 100 vis 120 Kg. 90 bis 93. von 120 bis 150 Kg. 90 bis 92. unreins Sauen und geschnittene Eber 70 bis 85. Markt" verlaus: Bei regem Handel au&Dertiauft. 5canhuner Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"^ Frankfurt a. M.. 4. Jan. Es wurden notiert: Weizen, Wetter au er 25,50 bis 25,75, Roggen .inlänb. 17.50, Sommergerste für Brau- zwecke 22,50 bis 25, Hafer, inländ 18.50 b» 21,50. Mais, gelb 21, Weizenmehl, inländ. Spezial 0 41 bis 41.75. Roggenmehl 26 bis 26.50, Weizenkleie 11 bis 12,25. Roggenkleie 11 bis 1125 Erbsen 30 bis 34. Linsen 40 bis 70, Heu, süddeutsches, gut. trocken 9,50. Weizen- und Roggenstroh 5.50 bis 6, Treber, getrocknet 18 bis 18,50 Tendenz ruhig Amtliche Rotie- rangen für S p e i 1 e l a r t o s s e l n: Industrie hiesiger Gegend 2,60 bis 2,70, weißschalige Industrie hiesiger Gegend 2,20. Tendenz ruhig. Buntes Allerlei. Tiefste Temperaturen. Dt. Wenn man ein Gas bei gki.d)ölcibeiv- dem Druck ablühlt. so wird sein Rauminhalt (Volumen) immer Heiner, und zwar bei jedem Grad um bei - 273n müßte das Volumen also gleich Rull sein, doch wird das Gas vorher flüssig. Bei jener Temperatur würde das Gas also keinen Druck mehr ausüben: man bezeichnet sie als den „absoluten Rullpunft" und glaubt, daß es die draußen im Weltenraum herrschende Temperatur ist. llebrigenß ist man heute dem absoluten Rullpunft experimentell schon recht nahe gekommen. Die durch die gewöhnlichen ., Kältemischungen" erhaltenen Temperaturen sind freilich dem gegenüber noch recht „hoch". Schnee und Kochsalz ergeben - 22u; Schnee unb Chlorkalzium —50°. Bei der Verflüssigung der Gase erhält man viel tiefere Temperaturen. Mit flüssiger Luft in luftverdünntem Raum bei niedrigem Druck hat man —225° erreicht, dadurch kann man unter entsprechendem Druck Wasserstoff verflüssigen. Dieser ist dann so kalt, daß er Luft sofort zu einet schneeartigen Masse erstarren läßt. Bei niedrigem Druck liefert dieser flüssige Wasserstoff nun gar eine Temperatur von - 265". Aber auch dies ist noch nicht die tiefste, bisher erreichte Temperatur. Bei der Verflüssigung des Heliums ist jetzt der Holländer Kamerlingh Onnes mit —271.5° dem absoluten Rullpunkt ganz nahe gekommen. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keiner le: Verantwortung.) Der Feuermelder-Unfug. Da z. Z. in Gießen der vermutlich ansteckende Unfug grassiert, die Feuermelder ohne vorliegende Ursache zu betätigen, erscheint es angebracht, hier« gegen etwas zu unternehmen. Der Hauptanreiz für die Lausbuben, die diesen Unfug treiben, besteht offenbar in dem Vergnügen, die Feuerwehr a n - rücken zu sehen. Das muß man unterbinden, unb zwar dadurch, daß man auf einen eingehenden unpersönlichen Alarm nicht ohne weiteres den ganzen Apparat in Bewegung setzt, sondern zunächst lediglich einen Boten zu dem betreffenden Feuermelder sendet, der den Tatbestand feftfteUt. Für die der Wache nähergelegenen Feuermelder genügt ein Radfahrer, für die ferner gelegenen ein Motorradfahrer oder ein kleines Personenauto. Die Verzögerung, die hierdurch entsteht, kann selbst bei den Feuermeldern der Außenbezirke höchstens fünf Mi nuten betragen und noch dadurch eingeholt werden, daß der einzelne Bote ja unbedingt sofort abfahren kann, während zum Ausrücken der Wehr selbst immerhin ein paar Minuten zum Antreten der Mannschaft, Oeffnen der Tore, Anwerfen der Wagen usw. benötigt werden. Diese Vorbereitungen könnten, während der Bote unterwegs ist, ja zur Sicherheit immerhin getroffen werden, fo daß bei eintreffender Rückmeldung die Wehr momentan ausrücken kann. Es tritt also bei dem vorgeschlage- nen Verfahren kein Nachteil ein, und den Uebel- tätern wird der Spaß verdorben, fo daß die Neigung dazu vermutlich einschlafen wird. Sch. Aus dem Amtsverkündig>: rgsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 1 vom 2. Januar enthält: Sonderunterstützung für arbeitslose Tabakarbeiter. — Arbeitsbeginn in den Bäckereien. — Maul- und Klauenseuche in Langsdorf und Lumda. — Hauptkörungen 1925. — Feldbereinigung Lindenstruth. — Legitimationsscheine für das Jahr 1926. — Dienstnach- richten. - Letzte Nachrichten. Ein deutscher Stahltrust mit amerikanischem Geld? Neui; ork, 4. Jan. (TU.-Funkspruch.) „Associated Preß" bringt die Aufsehen erregende Meldung, daß der amerikanische Bankier Dillan ein bedeutendes Kartell deutscher Stahl-Gesellschaften zusammengebracht habe, das, wie „World" ergänzend meldet, der Bethlehem- Steel-Company nicht nachsteht. Der „Herald" meldet, in diesem Zusammenhänge würden folgende Firmen genannt: Gelfenkirchen, Phönix, Deutsch- Lux, Thyssen, Gloeckner, Hoesch und Rheinstahl. Von anderer Seite wird sogar von einer Verschmelzung der deutschen mit amerikanischen Stahlfirmen gesprochen. Wie die Teliinion hierzu von interessierten Kreisen erführt, steht man den Meldungen vorläufig noch skeptisch gegenüber. furzarteroei/3e6atil s due beste JCilitiVT Krem-Drog. Angeet Noll, Neestafll-Drog. Heus Noll, P. J. JSöba, Selfenlabrlk, Oormauia-Drog. C. Seibel, Adler-Drogerie W. Waldeoheidt, Drogerie Seorj Wallenfels, Drogerie Otto WlnterhotL 27« PelzmSrtel. Tin Nürnberger Spielzeugroman. Nach dem (italienischen der Teresah erzählt von Gustav W. Eberlein. Copyright 1925 by QL Scherl G. m. b. H., Berlin. 30. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Die Gaunerei", antwortete Siebenschelm, ..steckt darin, bah Merlino alt wird und manchmal vergißt, den Zauberschrank zu schließen. Orb- nunasliebend. wie ich bin, habe ich ihn nun neulich, eS herrschte ein schreckliches Durcheinander darin, aufgeräumt. Hm, und waS finde ich unter einem Haufen alter Papiere? Dieses Büchlein da." Die Hexe wollte kaum ihren Äugen trauen. Dieses Büchlein, wie es Siebenschelm nannte, enthielt nicht weniger als sieben der schwierigsten und verzwicktesten Zauberformeln für die furchtbarsten Verhexungen. Die sieben Astrologen hatten es entworfen, die sieben Weisen hatten es erläutert, den sieben Hexenmeistern gehörte «S. ES war kein anderes als jenes abgegriffene, auf uraltem Papyrus geschriebene Buch mit durchsichtigen Blättern, dem Alcina seinerzeit ihre Wacht verdankte. Sie entriß es ihm mit einem so tückischen Grinsen, daß Siebenschelm es sofort bereute, fie aufgehetzt zu haben. „Langsam, Meisterin," sagte er, „bedenke doch, daß ich eS mit Merlino zu tun kriege. Nur dir zuliebe habe ich daS Buch genommen, denn ich persönlich habe ja keinen Haß auf die beiden Kinder unö die Spielsachen. Versprichst du mir wenigstens deinen Schutz?" „Prügel verspreche ich dir", höhnte die Hexe mit demselben grausamen Grinsen. Kaum fühlte sie daS Buch in ihren Händen, das ihr die verlorene Macht zurückgab, erwachte mit einem Schlage wieder ihre schrankenlose Grausamkeit. „Scher dich fort. Bengel", schrie sie. „Kommst du mir noch einmal unter die Augen, so wirb dich als ersten mein schrecklichster Zauberspruch treffen." Es galt jetzt, bas entwendete kostbare Buch durch irgendein anderes zu ersetzen, um Merlino eine Zeitlang zu täuschen. Das war bald geschehen, und Alcina konnte über den einfältigen Ober^xerich lachen, der, im Glauben, sie hätte sich mit ihrem Los abgefunden, in der Bewachung des unersetzlichen Schatzes immer nachlässiger geworden war. Grinsend schwang sich Alcina auf ihr altes Greifenroh und sprengte davon, durch die Lüfte. Das Greifenroß hatte in den vielen Zähren seiner Stallbeschaulichkeit die Fähigkeit, zu fliegen. eingebüht. Es war eine arme, gebrechliche Schindermähre geworden, an der man die Rippen abzählen konnte. Aber kaum hatte Alcina das magische Buch geschwungen, kaum ein paar Worte daraus vor sich hingesprochen, da verwandelte sich der alte Klepper in ein Höllenpferd, das, Feuer und Flammen auS den Nüstern blasend, mit Ungestüm den Raum durchmaß. Die Mähne als Zügel benützend, saß eine Amazone von dämonischer Schönheit im Sattel. Und wer war es? Alcina! Auch sie hatte sich verwandelt. ... Unsere kleinen Reisenden hatten sich kaum von den guten Feen verabschiedet, die sie nie mehr sehen sollten, da hatte sie schon Alcina, schneller als der Blitz und unsichtbar wie der Wind, eingeholt und überholt. Sie jagte ihnen voraus, um ihnen den Weg zu verlegen. Das Flügelroß ließ sich auf eine grüne Wiese herab. Mit einem Satz war Alcina aus dem Sattel, blieb aber mit dem Fuß an einem Hindernis im Steigbügel hängen. Das Hindernis war --Dtebenschelm. , „Erbarmen. Meisterin," schluchzte der Wicht, „schlage mich, haue mich, nur jag mich nicht fort! Wenn mich Merlino erwischt, bringt er mich um." „Daß dich die Raben stückweise fressen," schrie Alcina wütend, „was soll ich denn mit dir Taugenichts anfangen?" i „Ich werde dir wie ein Sklave gehorchen. Daß ich ein äußerst scharfes Gehör habe, daß ich auch nachtS sehe, daß ich schneller sein kann wie der Wind, weißt du. Wer tonnte deine Botschaften besser besorgen als ich?" Alcina überlegte einen Augenblick. Steben- schclm konnte ihr tatsächlich sehr nützlich sein. Und das sogleich und auf der Stelle. Sie befahl ihm, das Ohr auf die Erde zu legen und ausmerksam zu lauschen. Siebenschelm gehorchte. ..Was hörst du?" „Ich höre das Gras wachsen." „Schafskopf, das höre ich auch. Aber weiter weg, ganz in der Ferne?" „Ich höre einen Fluh rauschen." „Ah — das ist die Pegnitz. Weiter?" „Ich höre Leute gehen und aufgeregt diskutieren." „Ausgezeichnet, Hnö was hörst du noch?" „Ich höre eine Gummikatze mit einem Storch sprechen und sich rühmen, sie habe alles gemacht." „Was noch?" „Ich höre einen Mann vor Verzweiflung weinen und klagen. Er sagt, es wäre besser gewesen, ihn im Gefängnis sterben zu lassen. Die anderen suchten ihn zu trösten, aber umsonst. Gr weint immerzu und verlangt zu wissen, wo seine Kinder seien. Niemand kann es ihm sagen." Die Hexe frohlockte. „Mach die Ohren noch weiter auf, Siebenschelm, du mußt noch etwas anderes hören und spüren." „Au," sagte Siebenschelm, „ich spüre eine Ameise, die mich ins Ohr zwickt." „Daß gleich ein ganzes Heer käme und dich aushöhlte wie einen faulen Apfel", erboste sich Alcina. „Mach schnell, sage mir, ws du sonst noch hörst!" ..Ich höre Pelzmartin, wie er siegesbewußt auf und ab geht, über die Gummikahe spottet, die keinen Schimmer begriffen habe, und überall ankündigt, daß Otto und Liefe! Land binnen kurzem da sein würden. Er hat es Bringglück versichert, den Dohlen und den Schwalben. Jetzt steigt er in ein unterirdisches Gewölbe hinab und berichtet die Neuigkeit einer Menge von Leuten, die mit den Füßen trampeln und sich überhaupt sehr ungeduldig zeigen. Sie seien jetzt seit fünf Monaten in diesem finsteren Loch und hätten es satt. Einer, den sie Christophorus Herzensräuber nennen, schreit am lautesten. Er verlangt eine Entschädigung und einen Kuraufenthalt für den Rheumatismus, den er sich hier Zugezogen habe. Pelzmärtel antwortet H« trocken, wegen der paar Monate brauche er kein solches Wesen zu machen." „Genug," lobte die Hexe, „jetzt steige auf diesen Baum und schau rückwärts, so weit du kannst. Was siehst du?" „Ich sehe einen Himmel, so heiter, wie wir ihn seit langem nicht mehr hatten. Nicht ein einziges Wolkenschäfchen, nicht der geringste Windhauch. Bis zu den blauen Bergen in der Feme alles hell und klar." „Ich dachte mir's", sagte Alcina befriedigt. „Sie werden eine schnelle Reise gehabt haben und in den ersten Nachtstunden hier ein treffen. Jetzt gilt es! Du, Siebenschelm, bleibst auf dem Baum! Wenn du die Störche kommen hörst, stößt du den Alarmschrei der Schwalben auS: „Ziriii, ziriii — siiieh, siiieh, siiieh!" Bei diesem zwischen den Vögeln vereinbarten Gefahrensignal werden die Störche sofort ihren Flug verlangsamen. Darauf schreist du mit aller Kraft, tee die Lungen hergeben: „Hier Bote vom Pelz- märtel! Heruntergehen!" Wenn dann btt Störche haltgemacht haben, stellst du dich al« Bote vom Pelzmärtel vor und erklärst ihnen, er habe bestimmt, daß die Ankunft in Nürnberg mit der gebührenden Feierlichkeit stattftnden müsse, und daß sie daher auf dieser ‘JDiefc’ übernachten und die Morgenröte abwarten sollten, um mit der ausgehenden Sonne ihren Einzug zu hatten. Verstanden?" „Zu dienen!" versicherte Siebenschelm. „Ziehe aber deine Kapuze über den Kopf, damit sie dich nicht erkennen: verstelle auch deine Stimme —" „Ich kann durch den Bauch reden", unterbrach sie Siebenschelm großartig. „Um so besser. Immerhin mußt du dich gut im Laubwerk verstecken. WaS mich anbelangt, so werden sie mich nach meiner Verwandlung schwerlich wieder erkennen." Das glaube ich gern, dachte Äiebenschelm etwas zu laut, so daß eS die eitle Hexe Hörde und ihm eine Maulschelle gab, die ihn den Himmel für einen Brummkreisel anschauen Netz. (Fortsetzung folgt.) ! Bankhaus I I HERZ & CO. I Gießen, Neuen Baue 23 Tel. 1303,1304. Telegr.-Adr.: Herzbank-Gießen e Ausführung aller bank- und börsenmäßigen Geschäfte Kontokorrent- und Scheck-Verkehr Annahme von Depositengeldern und Spareinlagen | Stahlkammeranlage mit vermietbaren Tresors ß - - e Versicherungs-Abteilung | Beratung in allen Versicherungsfragen | = 330 - nmimn ininimiimii liiiiimiini iiuiiiimi nim ihi im im i hiiiii in ii ui inmii Hitiin»! "'°A niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii) bla» idealster Korsettersatz. Verkauf jeden Mittwoch PlEUZ I. j oiiiffliiiiiiiiiiPHiiiiiiiHnin Zwangsversteigerung Am Mittwoch, dem 10. Februar 1926, nachmittags 41 /, Llhr, werden bi« nachverzeichneten, den Ludwig Emil Haas Eheleuten in Wieseck zugeschriebenen Grundstücke: 948 Flur 7 Ar. 119 = 481 qm Acker Gemarkung Wieseck Flur 21 Ar. 162 - 1464 qm Acker Gemarkung Gießen auf dem Rathaus zu Wieseck zum Zweck» der Aufhebung der Gemeinschaft versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, dahier zur Einsicht angeschlagen. Gießen, den 16. Dezember 1925. I. A. des Hest. Amtsgerichts Gießen Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. A wurde eingetragen: Am 12. Dezember 1925 bei der Firma Sigmund Jacob in Gießen: Die offene Handelsgesellschaft ist durch den Tod des Siegbert Jacob erloschen. SigmundIacob in Gießen ist nunmehr Alleininhaber. Am 19. Dezember 1925 a) bei der Firma 3- K. Spieß in Gießen: Die Firma ist erloschen. b) bei der Firma Samuel Löwenberg in Reiskirchen: Die Firma ist erloschen. Am 24. Dezember 1925 bei der Firma Schunk & (Ebe, Heuchelheim: Dem Ingenieur Willi Fritze zu Köln°Deutz, Karlstraße 27, und Albert Paatz in Marburg a. d. Lahn, Friedrichsttaße 12 ist derart Gesamtprokura erteilt, daß beide gemeinschaftlich oder je in Gemeinschaft mit einem der anderen seither schon bestellten Gesamlprokuristen zur Vertretung der Firma befugt sind. Gießen, den 24. Dezember 1926. Hessisches Amtsgericht. 118B