Nr. 206 Erstes Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Blatt ' , 176. Jahrgang Freitag, 5. September 1026 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfiläts-Buch- und Steinöruderei R. Lange in Sietzen. Schriftleitunz und Sefchästsftelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichsofennig, Plahvorschrist 20' , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil i.Dertr. H.Bcck, sämttich in Gießen. Eine Aenderung des Dawesabkommens. Der „kleine Befferungsschcin". Herabsetzung der Sondcrreparation. B e>r l l n. 2. Sept. (111.) Rach längeren Verhandlungen zwischen dem Reichsfinanzminisler und dem Reparatlonsagenten ist über die Ablösung der sogenannten „kleinen Besse- rungsschelne" ein Abkommen getroffen worden, das die Zustimmung des Reichskabinetts gesunden hat. Auch die Reparationskommission hat diesem Abkommen zugestimmt. Das Abkommen ist im Geiste der gegenseitigen Verständigung und m i t Rücksicht a u f die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Deutschlands geschlossen worden. Liner Ratifizierung durch die Repara- lionsgläubiger bedarf es nicht. Aach dem Dawesplan war ein besonderes, als kleiner „Besserungsschein" bezeichnetes Verfahren vorgesehen, wonach im Falle einer Erhöhung der Einnahmen aus den Zöllen und bestimmten indirekten Steuern für das Reich in den Jahren 1926 bis 1928 1/3 davon bis zur Gesamthöhe von 1/2 Milliarde Mark a l s Sonderreparativn gezahlt werden sollte. Auf Grund der vereinbarten Abänderung wird nun die zusätzliche Zahlung auf Grund des kleinen Besserungsscheines von je 250 Millionen Mark für das laufende und kommende Jahr, insgesamt also von 500 Millionen Mark, ist auf 300 Millionen Mark herabgesetzt worden. Dafür werden die Zahlun- gen von der Reichsregierung erst in den späten Herbstmonaten des nächsten und übernächsten Jahres in 12 Raten, beginnend mit dem Oktober dieses Jahres abgetragen. Für die ersten sieben Monate ist eine Zahlung von 18 Millionen Mark vorgesehen, für die weiteren eine Zahlung von 84,8 Millionen. Ein zweites Abkommen mit dem Kommissar für die verpfändeten Einnahmen sieht vor, daß der Kommissar auf die Einbehaltung der Einnahmen verzichtet und diese sofort der Reichshauptkasse überweist. Ein drit- tes Abkommen mit dem Transfer-Agenten sieht vor, daß die 300 Millionen Mark zur Ablösung der Desserungsscheine nicht in Waren geleistet werden, sondern in voller Höhe für Aufträge an die deutsche Industrie eine Verwendung finden. Durch dieses Abkommen wird der Reichsetat bedeutend entlastet. Der Reichsftnanz- minister errechnet sich daraus für das laufende Jahr eine Ersparnis von 37,8 Millionen, für das nächste Jahr von 58 Millionen und für das übernächste Jahr von 104,2 Millionen Mark. Infolgedessen wird eine nicht unbeträchtliche Summe an Steuern weniger aufzubringen sein. Aach dem Sonderabkommen mit dem Kommissar für dfe verpfändeten Einnahmen wird der Kommissar am 15. September die für August vereinnahmten Veträge an die Reichshauptkasse zurückführen, dann fortlaufend die jeweiligen Tageseinnahmen. Die Liquidität der Reichshauptkasse verbessert sich dadurch im Oktober um 162 Millionen, Ende des Etatjahres sogar um etwa 50 Millionen. Es wird dann eine Periode geringerer Liquidität folgen, im Januar 1928 aber eine erhöhte Liquidität um etwa 180 Millionen Mark. Infolge der gebesserten Liquidität der Reichshauptkasse wird die bekanntlich durch die Aenderung des Reichsbankgesehes geschaffene Möglichkeit einer weiteren Emittierung von Schatzwechseln zunächst nicht ausgenuht werden. Mit einer Ausgabe von Schatzwechseln ist also für die nächsten Monate nicht zu rechnen. In diesem Zusammenhang wird vom Reichsfinanzmini- ster darauf hingewiesen, daß die Gerüchte über bevorstehende Anleihe-Emissionen des Reiches in nichts begründet sind. Das Arbeitsbeschaffungs- Programm der Regierung sei zu einem großen Teil bereits finanziert und werde vor- aussichtlich auch in den kommenden Monaten aus den laufenden Einnahmen finanziert werden. Die Wirren in China. Die Kämpfe um Hankau. — Wnpcifu abgesetzt und gestorben? Schanghai, 2. Sept. (Reuter.) Die jüdchine- sischen siantonlcuppen setzten ihren vor- marsch auf fiantau fort und übten damit einen starken Druck aus die Truppen Dupeifus aus, der in aller Eile aus nördlicher Richtung Verstärkungen herbeigeführt hat. w u t s ch a n g . dos am Zfanglje- kiang hankau gegenüber liegt, soll noch nicht eingenommen werden. Dagegen werden beide Städte von den kcmtonischen Truppen stark bedroht. In hankau sollen ausländische sreiwillige Truppen aufgestellt und auch ausländische Marinetruppen zur Bewachung der Konzessionsgebiete gelandet worden sein. Da der Zangtsekiang bei hankau nahezu eine Meile breit ist, so würde dec Fall Dutfchangs noch nicht notwendigerweise den Fall von hankau bedeuten. Die südchinesische Armee wird voraussichtlich den Fluh weiter oberhalb überschreiten und hankau auf dec rechten Flanke an- gceifen. In der Nähe von hankau befindet sich auch das hanjang-Arsenal, das größte wasfen- lager Chinas, dessen Eroberung die Kantontruppen der augenblicklich bestehenden Schwierigkeit ihrer langen Rachschublinien entheben würde. Der Fall hankaus würde bedeuten, daß sowohl ganz Westchina wie Südchina in die Hand der Kantontruppen fällt. Die kanton- fnippen werden übrigens nach Meldungen aus Ja- keine Einigung in der Studienkommission. Um den spanischen Ratssitz. Genf, 2. Sept. ($11.) Die Studienkommission behandelte in ihrer heutigen abschließenden Sitzung wiederum das Projekt der Erweiterung des Rates. Die Sitzung, in der dem Bericht des Präsidenten Motta die letzte Redaktion gegeben werden sollte, dauerte von 6 bis 8 llyr abends. Es gelang nicht, eine Einigung herbeizuführen. Dadurch verlor die Sitzung ihren ursprünglich formellen Charakter einer letzten Lesung und bekam einen hochpolittschen Anstrich. Ueberraschenderweise wurde von englischer Seite der versuch eines letzten Druckes auf die spanische Regierung unternommen, indem in dem Bericht ein Passus ausgenommen werden sollte, der besagt, daß die Studienkommission alle nur denkbaren versuche gemacht hätte, den spanischen Wünschen enlgegenzukommen, doch leider ohne Erfolg. Sie könne die Ansprüche Spaniens aus einen ständigen Sih im Augenblick nicht anerkennen. Die Sitzung, die einen recht dramatischen Verlauf nahm, wurde um sechs Uhr abends vom Schweizer Bundesrat Motta eröffnet. Nach einer kurzen geheimen Aussprache wurde die Sitzung für öffentlich erklärt. Sämtliche Delegierte, ausgenommen der Brasiliens, waren vertreten. Auch der spanische Gesandte Palacios batte sich eingefunden. Bundesrat Motta verlas den sechs Seiten umfassenden Bericht der Studienkommission, den er als ein Werk bezeichnete, das geeignet fei, eine Lösung in der politischen Situation zu finden. Der Bericht bringt dann den Text der in vier Paragraphen niedergeleaten neuen Bestimmungen für d i e Zusammensetzung des Rates. Er geht auf die Stellungnahme der einzelnen Kommis- sionsmitglieder ein und erwähnt u. a., der deutsche Vertreter hätte seine Anschauungen über die Frage der Vermehrung der ständigen Ratssttze nicht geäußert, sich jedoch an der allgemeinen Sympathie- kundgebung für Spanien beteiligt. Zu ihrem lebhaften Bedauern und trotz ihres lebhaften Wunsches, den Interessen Spaniens in wohlwollendem Geiste entgegenzukommen, sei die Kommission nicht in der Lage gewesen, sich für eine Vermehrung der ständigen Rats- sihe über die Zahl fünf hinaus auszusprechen. Das Projekt, das doch schon von den Mitgliedern angenommen worden ist, entfesselt darauf eine neuerliche Debatte. Der Grund dafür ist, das; Lord Cecil den oben angeführten Passus eingefügt wissen will, der darauf hinweist, daß die Kommission alle nur denkbare Mühe Hube walten lassen, um den Wünschen Spaniens entgegenzukommen. Das soll der letzte Versuch sein, auf die spanische Regierung einzuwirken, die wohl zur gleichen Stunde in Madrid ihre Beschlüsse faßt. Der spanische Gesandte Palacios ist gegen eine derartige Einfügung in den Text des Berichts, da man es nicht mit Gefühlen, sondern mit realen Tatsachen zu tun habe und die Tatsache bestehen bleibe, daß die spanische Forderung auf einen ständigen Ratssih nicht erfüllt sei. Um acht Uhr abends vertagt der Vorsitzende Motta die Sitzung auf Freitag zehn Uhr vormittags, um einem Redaktionsaus- schuh die Möglichkeit zu geben, die einzelnen pan von dem ruffischen General Radek und zahl- reichcu russischen Offizieren befehligt. Eine Reihe von englischen und sranzöfifchen Kriegsschiffen sind in hankau angelangt zum Schuhe der fremden In- terefsen. Rach einer noch unbestätigten Meldung der in Schanghai erscheinenden englischen Zeitung „Rord-china Daily Rews" soll D u p e i f u , der in den letzten Kämpfen durch einen Brustschutz schwer verwundet wurde, von seinen Truppen des Kommandos enthoben worden fein und sich als G e - f a n g en er an Bord eines Kriegsschiffes auf dem Hanglfekiang befinden. Rack) anderen Rachrichken aus chinesischen Quellen soll der Marschall bereits gestorben sein. Den Oberbefehl über Wupeifus Truppen soll General Tschinyunao übernommen haben. Englands ChinapslitiK. London, 2. Sept. (WTB.) 2n einem Leit- artckel behandelt der „Daily Telegraph" die Lage in China und erklärt, daß die verschiedenen englischen Regierungen der letzten Jahre, in denen der Bürgerkrieg in China tobte, dec die Hilfsquellen des Landes verzehrte und den allmählichen Ruin der einst glänzenden britischen Handelsstellung in China herbeiführte, eine wenig mehr als beobachtende Haltung eingenommen haben. Die wirksame Zusammenarbeit zwischen der Armee Fengyuh'iang und der ebenfalls von Moskau unterstützten Kantontrupyen würde eine Lage darstellen, die um so gefährlicher wäre, als kein entsprechendes Gegengewicht vorhanden wäre, da Tschang- tsolin und Wupeifu sich wieder in offener Feindschaft gegenüberstünden. Unter den englischen Untertanen in China herrsche die feste lieber» zeugung, daß das englische Ministerium des Aeu- Hern die Bedeutung der chinesischen Vorgänge nicht richtig einschähe. Das Blatt be- Dorschläge nochmals zu revidieren. Der Redakttonsausschuß besteht aus dem Vorsitzenden Motta, Lord Cecil und dem Generalsekretär des Völkerbundes. Die ersten Ratssitzungen. Hinter verschlossenen Türen in Genf. — Brasilien und Spanien fehlen. Genf, 2. Sept. (TU.) Unter dem Vorsitz des tschechischen Außenministers Dr. D e n e s ch trat Heute vormittag punkt 11 Uhr der Völker- b u n d s r a t zunächst zu einer geheimen S i t° zung zusammen. Kurz vor 12 Uhr wird die geheime Ätzung des Rates geschlossen und der Presse und dem Publikum der Zutritt zum Ratssaar geöffnet. Aur acht Mitglieder des Rates haben am Beratungstisch Platz genommen. Den Vorsitz führt Dr. De ne sch (Tschechosiowakei). Rechts von ihm sitzt D r i a n d (Frankreich), Scialoja (Italien), Vander- velde (Belgien), Guani (Uruguay), links Generalsekretär Sir Eric Drummond, Sir Austen Chamberlain (England), Graf Ishii (Japan) und Unden (Schweden). Es fehlen die Vertreter Spaniens und Brasiliens. Der Rat tritt in die Behandlung seiner umfangreichen Tagesordnung.ein. Als Berichterstatter verliest Graf I s h i i den Bericht der Hhgienekvmmission. Der Bericht wird angenommen. Er erwähnt die Arbeit der Kommission im lohten Quartal und weist insbesondere auf die Beratungen hin, die die Gründung einer Hygiene st ation in Ostafrika betreffen. Das internationale Sanitätsab- kommen von 1918 ist in Paris im Mai des Jahres einer Revision unterzogen worden. Der frühere schwedische Außenminister Unden berichtete über die Arbeiten der Opiumkom- missivn. Es handelt sich im wesentlichen um die Kampsmittel gegen den illegitimen Handel mit Opium und andere Aarkottka. Zum Schluß der Sitzung berichtete Chamberlain über die Frage des Kinderschuhes. Hierauf wurde die öffentliche Sitzung wieder geschlossen und der Rat blieb in geheimer Sitzung beisammen. Die nächste öffentliche Sitzung findet morgen nachmittag 3,30 Uhr statt. Wie aus Ratskreisen verlautet, werden die Danziger- und die Saarfrage erst nach dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund vom Rate behandelt werden, damit Deutschland Gelegenheit hat, an den Besprechungen teilzunehmen. Eine Intervention des Papstes? Rom, 2. Sept. (TU.) Der Papst soll heute eine längere Unterredung mit dem Madrider Auntius Monsignore Tedeschini gehabt haben. Der Auntius wird sofort nach Madrid zurückkehren und dort eine Audienz sowohl beim König, als auch bei Primo de Rivera nachsuchen, denen er erklären werde, daß nach Ansicht des Dattkan sowohl im Interesse der katholischen Kirche, als auch im Interesse des Friedens Spanien Mitglied des Völ- kerbundes bleiben müßte. Die Demarche des päpstlichen Aunttus soll die Form eines, persönlichen Appells des Papstes an den König von Spanien haben. Brasiliens Rückzug. G e n f, 2. Sept. (TU.) Der Vertreter Brasiliens beim Völkerbund, Mello Franco, hat nunmehr endgültig Genf verlassen und sich nach Paris begeben. Er wird sich am 5. Oktober mit dem Personal der Gesandtsäiaft von Cherbourg nach Rio de Janeiro einschiffen. Der Gesandtschaftsrat Montarrohas bleibt als Beobachter der brasilianischen Regierung gegenwärtig noch in Genf. Die deutsche Delegation für Genf. Dr.Stresemann Führer dcrDelegatio». Vier Parlamentarier. Berlin, 2.Sept. (WTB.) Das Reichs- [abinett hat sich in seiner heutigen Sitzung mit der Frage der deutschen Dertretung auf der Dölkerbundstagung in Genf befaßt. Der deutschen Vertretung werden hiernach als Delegierte angehören: Reichsaußenminister Dr. 6 t r e f e • mann, Staatssekretär Dr. b. Schubert und Ministerialdirektor Dr. Gau s. Die Delegation wird ferner die Reichstagsabgeordneten Graf Bernstorfs (Dem.), Dr. D r e i t s ch e i d (2oz.), Dr. K a a s (Zentr.) und Freiherrn von Rheinbaben (Dtsch. Dp.), die Staatssekretäre Dr. P ü n d e r und W e i s m a n n, die Ministerialdirektoren Dr. Ä le p und Dr. Schäffer fotole Sachverständige aus verschiedenen Ministerien umfassen. Wie die Blätter melden, wird unmittelbar nach dem Eintreffen der Nachricht von der erfolgten Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund und seiner Wahl in den Bat die deutsche Delegation nach Genf abreisen. Die Abreise wird entweder am 7. oder 8. September erfolgen, so daß der Einzug der Deutschen in den Reformationssaal spätestens am 10. September stattfinden wird. Geführt wird die Delegation vom Reichsminister des Aeußeren Dr. Stresemann werden, da weder der englische Premierminister Baldwin noch der französische Ministerpräsident Poincare an der Tagung in Genf teilnehmen dürften. Botschafter v. Hoesch bei Briand Genf, 2. Sept. (WTB.) Botschafter von Hoesch hattte heute nachmittag eine längere Unterredung mit dem französischen Minister des Aeußern Briand. Die Besprechung galt vorwiegend der durch die Vorschläge des Prüfungsausschusses für die Zusammensetzung des Völkerbundsrates geschaffenen Lage. Briand zeigte sich über die zustande gekommene Lösung sehr befriedigt und äußerte auch Genugtuung über die nunmehr feststehende Tatsache des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund als ständiges Ratsmitglied. Die Besprechungen, bei denen ferner verschiedene technische Einzelheiten über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund behandelt wurden, drehten sich schließlich um verschiedene laufende Fragen, darunter auch um die Frage der Verminderung der Desahungstruppen im Rheinland. Pariser Blätterstimmen zur Lage Paris, 2. Sept. (Wolft.) Die Morgenpresse beurteilt die Lage in Genf nicht einheitlich. Während einige Blätter, wie der „Gaulois". der Meinung sind, daß eine kritische Lage geschaffen sei, die die Gefahr in sich schließe, eine neue Aera der Unsicherheit und Besorgnis für den europäischen Frieden herbeizuführen, urteilt der außenpolitische Redakteur des „Mattn", der sich in Genf aufhält, folgendermaßen: Der allgemeine Eindruck ist, daß Spanien sich nicht an den Arbeiten des Völkerbundes beteiligen und sich niemals dem vom Studienausschuß angenommenen System fügen werde. merkt, daß das, was man Versöhnung genannt habe, was aber tatsächlich nicht besser als eine Unterwerfung gewesen fei, die Lage nur verschlimmert habe. Großbritannien sei die Macht, die in der Lage fei, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und Japan eine Inter- v e n t i 0 n s p 0 l i t i k einzuleiten, die den Zweck haben müßte, die Bestrebungen zur Aufrecht- erhaltungde r Rechte und Interessen der A u s l ä n d e r zu unterstützen und möglicherweise allen bestehenden Behörden in China ihre Hilfe zur Herbeiführung deS Friedens an» zubieten. Die britische Regierung müßte die Initiative ergreifen und einen Sondervertreter als Bevollmächtigten nach China entsenden. Lord Reading, der ehemalige Dize- könig von Indien, wäre dazu besonders geeignet. Ein russisch-afghanischer Vertrag Moskau, 2. Sept. (Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Am 31. August fand in Pagman, der Sommerresidenz des afghanischen Padischahs, die feierliche Unterzeichnung des Oarantieocr: träges zwischen der Sowjetunion und Afghanistan statt, die der Vertreter der Sowjetunion Stark und der Minister des Aeußern von Afghanistan Mahmud Tarsi oornahm. Der Vertrag legt fest: Wahrung der Neutralität im Falle eines bewaffneten Konflikts zwischen einer der vertragschließenden Parteien und einem dritten Staate, beiderseitiges Nichtangreifen, Nichtbeteiligung an feindlichen Abkommen zwischen dritten Staaten, beiderseitige Nichteinmischung in innere Angelegenheiten, Nichtzulassung der Tätigkeit von Elementen auf eigenem Gebiet, deren Ziel der Kampf gegen die andere vertragschließende Partei ist, Verhandlungen zur Regelung von Differenzen, deren Beilegung auf dem üblichen diplomatischen Wege nicht möglich ist. Die internationale Mißwirtschaft in Tanger. London, 2. Sept. (Wolft.) Die „Times" meldet aus Tanger: Der Vertreter des Sultans hat sich seit der Rückkehr aus Frankreich mit den Mißbräuchen in der gemischten internationalen Polizei in Tanger befaßt. Das Ergebnis seiner Untersuchung beweise, wie es scheine, daß unter der gemischten Polizeitruppe Korruption herrsche, und daß die begangenen Mißbräuche noch weit ernster seien, als man vermutet habe. Diese Mißbräuche hätten seit langem bestanden, und es sei jetzt klar, daß alle Anstrengungen gemacht würden, um sie systematisch totzuschweigen. Sie feien der Verwaltung von Tanger bekannt gewesen, und als sie zum erstenmal bekannt wurden, seien irgendwelche Schritte unternommen worden, um ihnen Einhalt zu tun. Der Vertreter des Sultans habe, vorn Kontrolleur der scherijischen Behörden, Caillat, und vorn französischen Polizei- fommiffar Palaccat bei seiner Untersuchung unterstützt, ein vollständiges System der Erpressung, Einschüchterung und Grausamkeit von feiten der Polizei- Offiziere und Mannschaften verschiedener Ratio- namäten und Religionen ans Licht gebracht. Besonders schamlos fei die Erpressung und Beraubung von Frauen gewesen. Abd ei Krims Reise in die Verbannung. Paris, 2. Sept. (WB.) Wie Havas aus Marseille berichtet, ist der Dampfer „Amial Pierre" mit Abd el Krim an Bord heute nachmittag nach der Insel Rsunion in See gegangen. •jflenn her Völkerbund nur zu einer spanischen Wand würde, hinter der sich verschiedene Intrigen entwickeln würden, wenn er nur nvch eine OrganifationohneMacht bleiben würde, neben der die Interessen und Bestrebungen der einzelnen 'Regierungen durch Geheimverträge gefördert würden, dann könne man mit einiger Besorgnis fragen, in welcher Atmosphäre Deutschland in acht Lagen in den Völkerbund eintreten werde. Auch Perttnax schreibt, daß Spanien sich nicht an den Völkerbundsarbeiten beteiligen werde. Brasilien und Spanien würden erklären, daß Frankreich seine Verpflichtungen nicht gehalten habe. Deutschland werde sich als Triumphator in Gen, vor stellen. Cs werde wahrscheinlich am 10. September aufgenommen werden und werde dort sehr rasch eine beträchtliche Mächtegruppe schaffen. Der Genfer Korrespondent Les „Petit Parisien" schreibt, der Studienausschuh zur Reorganisation des Völkerbundes, dessen Anfangsarbeiten schwierig gewesen seien, habe sein Werk in der wieder ruhig gewordenen Atmosphäre vollendet und nach Ansicht aller zuständigen Persönlichkeiten seien keineäleberraschungenmehrzu befürchten, außer dem Rückzug Spaniens, mit dem nunmehr jeder rechne. Die Linkspresse beurteilt im allgemeinen die Frage, ob Spanien an den Arbeiten deS Döllerbundes tellnehmen werde oder nicht, eher optimistisch. Französische Sanierungsmahnahmen. Paris, 2. Sept. (WLD.) Der heutige Ka- binettsral *at die endgültigen Ziffern des allgemeinen Budgets für das Jahr 1927 nach einer Prüfung der besonderen Budgets der einzelnen Ministerien festgesetzt und sich im übrigen mit der Frage der Vereinfachung des Dienstbetriebes im Kriegs- und Marineminister cum beschäftigt. Das Budget wird etwa 40 Milliarden Franken erreichen. In dem Budget für 1926 fehlen zwei wichtige Einnahme- queUen: Die Einnahme aus dem Tabakmono- pol in Höhe von 2,5 Milliarden Franken und der Ertrag aus der Erbschaftssteuer, die der Anwrtisativnskafse zugewiesen worden sind. An neuen Ausgaben enthält das Budget vor allem die zur Erhöhung der Löhne und Gehälter festzusetzenden Beträge und die noch zu bestimmende Summe für die Tilgung der schwebenden Schuld für den Fall, daß die Mittel der Amortisationskasse nicht ausreichten Der „Matin" glaubt mitteilen zu können, das; der Finanzminister gegenwärtig eine Anleihe von geringer Höhe plant, die durch das Tabak- monvpol garantiert werden soll. Diese Anleihe, die in den ersten Tagen des Oktober aufgelegt werden soll, ist zur Stärkung des nationalen Tabakamtes und der Amortisationskasse bestimmt. Wie „Echo de Paris" erfährt, handelt es sich zunächst um die Ausgabe gewöhnlicher Schahbonds, wie sie vor dem Kriege waren. Die Höchstgrenze dieser vom Schatzamt vorzunehmenden Emission werde 5 Milliarden Franken betragen. Der Kabinettsrat hat sich nach der gleichen Quelle die Anregungen des Innenministers auf die Aufhebung einer beträchtlichen Anzahl von Hnterpräfektoren (es soll sich um über 100 handeln) zu eigen gemacht. Die Regierung beabsichtigt ferner die Abschaffung einer Anzahl Arrondissementsgerichte, die in den einzelnen Departements durch ein Gericht ersetzt werden sollen, dessen Abteilungen sich je nach Bedarf in einzelne Ortschaften begeben. Wie havas aus Toulon meldet, haben die Bäcker entgegen der Verfügung des Bürgermeisters das Brot nicht zu 2,70 Franken, sondern zu 2,80 Franken verkauft und angesichts der gegen sie getroffenen Maßnahmen beschlossen, ihte Betriebe zu schließen. Das gleiche wird aus anderen Gegenden gemeldet. Vor neuen Verhandlungen in England. London, 2. Sept. (WTD.) Der Vollzugsrat des Dergarbri.terverbandes beschloß, der heute zusammengetretenen Versammlung der Bezirksdelegierten aus sämtlichen Kohlenbezirken vorzuschlagen, dem Vollzugsrat Vollmacht für die Führung von Verhandlung en zur Beilegung des Dergarbetterkonflik- tes zu erteilen. Der Vollzugsausschuß würde dann die Regierung um Einberufung einer neuen Konferenz ersuchen. Die Delegiertenkonferenz der Bergarbeiter hat mit 557 000 gegen 225 000 Stimmen den Vorschlag des Vollzugsausschusses angenommen. Der Vollzugsausschuß wird freie Hand haben, sowohl über die Zahl der Arbeitsstunden, als auch über Löhne zu verhandeln. unter der einzigen Bedingung, daß ein nationales Uebereinfnmmen zustande-- kommen müsse. Vor neuem Umsturz in Griechenland. Plaftiras gegen Kondylis. Paris, 3. Sept. (£U.) Aach Meldungen von der serbisch-griechischen Grenze ist es dem General P l a st i r a s , der sich in Jugoslawien aufhält, gelungen, die griechische Grenze zu überschreiten. Plastiras soll "in Saloniki Kontingente mazedonischer Truppen für sich gewonnen und die Absicht haben, an der Spitze dieser Regimenter nach Athen zu marschieren und die Regierung des Generals Kondylis zu stürzen. General Kondylis soll seinerseits in Athen alle Regimenter, die sich in den Garnisonen in Alt- griechenland befinden, zu seiner Verteidigung zusammengezogen habeii. In der nächsten Woche beginnt in Athen der Prozeß gegen Pangal v s. Im Zusammenhang damit steht die Heberfütjrung Pangalos' von Kreta nach Athen bevor. Die Anhänger des General P l a st i r a s und der größte Teil der Athener Presse fordern die Erschießung des Generals Pangalos und seiner Freunde, während General Kondylis und Staatspräsident Kvndurivtis dagegen sind. Vergleich zwischen Primo de Nivera und der Armee. Paris, 3. Sept. (WTB. Funtspruch.) Der Konflikt zwischen der spanischen Regierung und dem Offizierkorps wegen den neuen Beförderungen soll beige legt worden fein. Die Regierung hat zugesagt, nur solche Beförderungen vorzunehmen, die von den Offizieren selbst befürwortet werden. Der Reichsverband der deutschen Industrie. Leipzig, 2. Sept. (WTB.) Das Präsidium des Reichsverbandes der deutschen Industrie trat unter dem Vorsitz des Geheimrats Dr. Duis- berg zu einer Sitzung zusammen. Der Vorsitzende berichtete über die bisherigen Versuche, sich mit anderen Spitzenorganisationen, insbesondere der Landwirtschaft und dem Deutsche, Städtetag über wirtschaftliche Fragen zu verständigen. Das geschäftsführende Präsidialmitglied, Geheimrat K a st l, berichtete über den Verlaus der Verhandlungen des Reichswirtschaftsrates über das Ar beitSbes chaf- fungsprogramm der Regierung. Das Präsidium billigte trotz mancher grunösähllcher Bedenken die im Reichswirtschaftsrat eingenommene Haltung der Industrievertreter. Die Kanalbauprojekte des Reiches unb der Länder sollen in einer besonderen Kommission einer eingehenden Prüfung unterzogen werden. Geschäftsführer Dr. herle berichtete über die Arbeiten der Spitzenoerbände, die sich mit dem Eindringen der öffentlichen Hand in die Privatwirtschaft befqjjen. Geheimrat Kastl sprach über die zahlreiche?! Organisationen, die sich eine Derständigung zwischen den europäischen Staaten in wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Fragen zum Ziele setzen. Das Präsidium ist der Auffassung, daß sich eine gewisse Heber- Organisation iu der Behandlung dieser Frage herausgebildet, die geeignet ist, dem durchaus begrüßenswerten Ziel der internationalen Verständi- gungsarbeit zu schaden. Herle berichtete über die Anbahnung von Beziehungen zwischen dem Reichs- verband der deutschen Industrie und den entsprechenden ausländischen Verbänden. In der anschließenden Dorstandssitzung berichtete Dr. Fischer (Jena) über den Verlauf der Genfer Verhandlungen der Paß - und Visa-Konferenz. Eine Reihe wertvoller Anregungen zur Erleichterung des zwischenstaatlichen Verkehrs seien in Genf durchberaten worden. Außerdem sei die Frage der ständigen Riederlafsung deutscher Staatsangehöriger in feindlichen Ländern behandelt worden. Aach dem Bericht Dr. Sil- verbergs billigte der Vorstand die bisherigen Beschlüsse des Präsidiums zur Organisation der Wasser st raßenverwalt un g. Er stellte sich auf den Standpunkt, daß die auf diesem Gebiet vom Reich beabsichtigte Politik seitens der Wirtschaft tatkräftig zu unterstützen sei. Direktor Dr. Haußmann legte eine Entschließung über die bevorstehende Regelung des Finanzausgleiches und der Gewerbesteuer vor, die u. a., besagt: Der Reichsverband sieht in der Regelung des Finanzausgleichs in Verbindung mit dem unter Kautelen gestellten Zuschlagsrecht der Länder und Gemeinden auf die veranlagte Einkommensteuer von allen Einkommen den Kernpunkt der zukünftigen Entwickelung auf steuerlichem und finanziellem Gebiet, da von ihm die steuerliche Entlastung der Wirtschaft und die Derwaltungsvereinfachung in Reich, Ländern und Gemeinden ausgehen mutz. Ein neuer Vergleichsvorschlag des Hauses Hohenzollern. Berlin, 2. Sept. (TU.) Die .Berliner > Börsenzeitung" meldet: Am Samstag trifft hier der Generalbevollmächtigte des Hauses Hohen- zollern, Herr v. Berg, ein, um dem Staatsministerium einen neuen Vorschlag in der Aus» einandersetzungsangelegenheit zwischen dem Staat und dem ehemaligen Königshaus zu unterbreiten. Herr v. Berg weilte die letzte Zeit in Doorn, wo er alle strittigen Fragen mit dem Kaiser eingehend besprochen und auf Grund dieser Besprechungen den neuen Vergleichsvorschlag ab* gefaßt hat. Wie verlautet, zeigt der neue Ver- gleichsvorschlag ein weiteres Entgegenkommen seitens des Hauses Hohenzollem, das sich zur Rückgabe einer Reihe von Besitzungen bereit erklärt, die vor allem geschichtliche und kulturelle Bedeutung haben. Der Reichspräsident in Bad Tölz. München, 2. Sept. (TU.) Reichspräsident von Hindenburg besuchte gestern Bad Tölz, wo ihm auf Grund des einstimmigen Stadt» ratsbeschlusses die Ehrenbürgerurkunde überreicht wurde. Der Reichspräsident dankt gerührt für diese ehrende äleberraschung und gab seiner Freude über diese neue Würde Ausdruck. Dem Reichspräsidenten wurden von den Gästen und den Einwohnern des Bades Tolß stürmische Ovationen dargebracht. Der Finanzausschuß in Oberhessen. (Von unserer Darmstädter Redaktion.) Die Mitglieder des Finanzausschusses unö Vertreter der hessischen Regierung begaben sich am Donnerstag nach Oberhessen, um die staatlichen Werke in Wölfersheim und Bad Salzhausen zu besichtigen. Der unge» wöhnliche Zeitpunkt, mitten in den Parlamentsferien, hat feine älrfache in einer Verschiebung des Termins. Die Fahri war von einem Mitglied des Ausschusses in einer Sitzung im Juni angeregt, kam aber damals nicht zustande und ist jetzt nachgeholt worden. Unter den hessischen Staatsbetrieben sind die Braunkohlenwerke Ludwigshoffnung, Wolfersheim und Weckesheim und das Kraftwerk in Wölfersheim Schmerzenskinder, weit der Staat beträchtliche Summen erst hinein- stecken muß, um sie vielleicht einmal gewinnbringend zu bewirtschaften. Das finanzielle Erträgnis der Werke ist im letzten Rechnungsjahr erheblich hinter dem Voranschlag zurückgeblieben. Gleichwohl war im Landtag versucht worden, die Verwaltung und Detriebskosten, sowie den Zuschuß herabzusetzen. Die schwierige Lage dieser Staatsbetriebe steht im engsten Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Verhältnissen der Gegenwart. Man erhofft u. a. eine eventuelle Besserung durch Lösung der Verschwelungsfrage. wenn es also gelänge, die Braunkohle zu verschwelen und die Schwelprodukte (Teer, Benzin, Halbkoks und Gas) im Großen zu guten IPreisen abzusetzen. Aach einer Mitteilung der Regierung hatten die technischen Verschwelungsversuche, die Anfangs dieses Jahres vorgenommen wurden, günstige Ergebnisse gezeitigt. Die wirisckaftliche Zukunft der Wölfersheimer Werke ist im wesentlichen abhängig von der ©eftaltung der Verhältnisse auf dem Kohlenmarit. Anders ist es mit Bad Salzhausen, das im letzten Jahre keinen Fehlbetrag aufzuweisen hatte: wenn es dem Staate auch keinen Gewinn abwirft, so kann man unter den obwaltenden Zuständen immerhin zufrieden sein. In früheren Jahren hat das Bad, (wenn auch geringe) staatliche Beihilfen erhalten. Der Finanzausschuß konnte deshalb auch weniger sorgenvoll in Salzhausen sein und die Besichtigung des Bades war wohl wehr ein Höftichkeitsbesuch aus Anlaß des Jubiläums- jahres. Aus aller Welt. Die Unwetterkatastrophe in Spanien. lieber die Verheerungen des Unwetters in wellen Gebieten des Landes werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Gin Industrieller aus Barcelona, der eine Autofahrt mit seiner Familie unternahm, wurde vom Unwetter überrascht. Das Automobll geriet ins Gleiten und überschlug sich. Alle Insassen des Autos wurden getötet. In der Ortschaft San Antonio verursachte das Eindringen der Wassermassen in eine Fabrik eine schwere Explosion, wobei drei Arbeiter getötet und zehn schwer verletzt wurden. In der Provinz Almeria wurden acht Personen getötet und fünf schwer verletzt. In Malaga zählt man fünf Tote und 18 Verwundete, die teils durch Blitz getroffen wurden. In der Ortschaft Mora zählt man sieben Tote und 60 Verwundete. In Cordoba war das Gewitter so heftig, daß Frauen und Kinder sich in die Kirche flüchteten. Vier Personen wurden durch Blitzschlag getötet. Die an- geschwollenen Flüsse führen zahlreiche Tierleichen und Möbelstücke mit sich. Die spinale Kinderlähmung. In der letzten Zeit hat sich in der Presse eine Aachricht über die andere über das Auftreten von spinaler Kinderlähmung gehäuft und es ist dadurch eine gewisse Beunruhigung in die Bevölkerung bineingetragen worden. Tatsächlich ist jedoch, wie dem Amtlichen Preußischen Pressedienst aus dem Wohlfahrtsmini st erium gemeldet wird, kein Grund zur Beunruhigung vorhanden. Es wird in den letzten Jahren mit mehreren Fällen von spinaler Kinderlähmung jährlich gerechnet. Aur sind diese Fälle früher nicht bekannt geworden, weil diefe Erkrankungen nicht cnueigepflichtig waren. Sell dem Jahre 1924 jedoch ist die spinale Kinderlähmung in die Reihe der anzeigepflichtigen Erkrankungen aufgencmmen worden. Diese Verfügung wirkt sich nun allmählich aus und so kommt es, daß jetzt erheblich mehr Fälle bekannt werden, als früher und den Eindruck erwecken, als ob die spinale Kinderlähmung einen epidemischen Charakter angenommen hätte. Dazu kommt, daß die Erkrankungen sich alljährlich gerade in den Sommermonaten häuften, eine Erscheinung, die auch in diesem Jahre zu beobachten ist. In Wirklichkeit übersteigt die Zahl der in letzter Zeit bekannt gewordenen Fällen die Zahl der vorjährigen nicht wesentlich. Schließlich ist auch deshalb kein ©runb zur Beunruhigung vorhanden, weit die Behörden alles tun, um einer Ausbreitung der Krankheit energisch entgegen* zuwirken, wozu ihnen die eben erwähnten Unterlagen als notwendige §arü habe dienen. Schwarze Pocke» in Hamborn. Lm Krankenhaus in Hamborn wurden bei einem aus Oberschlesien zugereisten Arbeiter schwarze Pocken festgestellt. Um ein weiteros Umfidjgreifen der Krankheit zu verhüten, sind von behördlicher Selle umfassende Maßnahmen getroffen worden. Alle Personen,, die mit dem Mann in Berührung gekommen waren, wurden im Krankenhaus untergebracht und isoliert. Ruhrepidemie in Westfalen. In Erwitte, einem Nachbarort von Dortmund, ist eine Ruhrepidemie ausgebrochen. Dreißig Personen sind erkrankt. Zehn Kinder sind g e - ftor& en. Die Kranken werden in Baracken untergebracht. Bundestag des Gewerkschaftsbundes für Angestellte. In den Tagen vom 2. bis 5. September hält der Gewerkschaftsbund der Angestellten in Hamburg feinen dritten Bundestag ab, der seinen Ausklang am Sonntag, 5. September, im Dritten Deutschen Angestelltentag finden wird, auf dem Reichsfinanzminister Dr. Reinhold einen Vortrag über „Die wirtschaftliche Lage Deutschlands und ihre Beziehungen zur Wirffchaft anderer Staaten" halten wird. Eingeleitet wurde der Bundestag mit einer Arbeitsversammlung der Reichsberufsgruppe der technischen Angestellten des G. D. A. Weiter hält die Frauengruppe des G. D. A. eine Sonderzusammenkunft ab, um die besonderen Arten der Berufsinteressen der weiblichen Angestellten zu beraten. Veteranen der Arbeit. Der Dienstälteste im Betrieb der „Mindener Zeitung", Schriftsetzer KarlSchmücke, erhielt vom Reichspräsidenten v. Hindenburg folgendes, vom 1. September datiertes Schreiben: „Aus Anlaß Ihrer am heuttgen Tag vollendeten 50jährigen Dienstzeit spreche ichIhnen meine herzlichsten Glückwünsche sowie meine besondere Anerkennung für die treuen Dienste aus, die Sie in ununterbrochener und hingebender Arbeit im Betrieb der dener Zeitung" als Schriftsetzer geleistet haben." Aecch der Senior im Verlag der „Mindener Zeitung", der saft 74jährige Schriftsetzer Josef Orichel, der schon 59 Jahre im Beruf ist (davon 45 Jahre ununterbrochen bei dem genannten Blatt), wurde vom Reichspräsidenten mit einem anerfeimenben Schreiben bedacht. Hindenburgs Glückwunsch an Vierkötter. Reichspräsident v. Hindenburg hat an Ernst Vi-rkötter das nachfolgende Telegramm gerichtet: „Zur erfolgreichen Durchquerung des Aermel- kanals in bester Zeit spreche ich Ihnen herzlichste Glückwünsche aus." Wettervoraussage. heiter bis wolkig, bei Winden aus südwestlicher Richtung warm, vorwiegend ttocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 26,5 Grad Celsius, Minimum 14,8 Grad Celsius, heutige Morgentemperatur 17 Grad Celsius. fl Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 3. September 1926. Schulrat E. Schmuck f- Aus Darmstadt kam gestern die Kunde von dem Ableben des langjährigen hessischen Landes- turninspektors, Schulrat E. Schmuck. Diese Nachricht wird bei vielen, besonders aber in der Deut- schon Turnerschaft,, herzliche Teilnahme auslosen. War doch Schulrat Schmuck eine Persönlichkeit, die weit über die Grenzen des Hessenlandes hinaus bekannt und geachtet war. Dies kam im vorigen Jahre bei der Feier seines 70. Geburtstages so recht zum Ausdruck. Auch zu unserer Stadt stand er in nahen Beziehungen. Wirkte doch der Verstorbene mehrere Jahre lang als Turnlehrer an der hiesigen Oberrealschule und betätigte er sich auch sehr eifrig am Vereinsleben, zuerst im Turnverein von 1846, später im Männerturnverein, der ihm seine Gründung verdankt. Als 1. Kreisverireter des Mittel- rheinkreises und als Leiter der Kreiszeitung der Deutschen Turnerschaft hat er eine hervorragende Tätigkeit entfallet, die ihm bei seinen Turnbrüdern unoergeffen bleiben ront.-ffllit seinem lobe wird aber auch in dem Hauptausschuß der Deutschen Turnerschaft eine sehr fühlbare Lücke entstehen. Sie verliert in ihm einen Kämpfer, wie sie ihn so leicht nicht wiederfindet. und einen Mann, dessen ganzes Streben und Wirken den hohen, vaterländischen Zielen der D.T. galt. Ehre seinem Andenken! Die Bestattung der sterblichen Hülle Schmucks indet am Sonntagnachmittag 3 Uhr statt. Sie )ürfte sich zu einer großen turnerischen Kundgebung üt den Entschlafenen gestalten. Die Heimatforschung. In einer sehr gut besuchten Lehreroer* sammlung, zu der die Arbeitsgemeinschaften der Junglehrer im Kreise Gießen in der Stadtknabenschule eingeladen hatten, sprach am Mittwochnachmittag Dr. U h l b o r n aus Marburg über „Die Entwicklung des Territoriums Solms-Li ch". Ausgehend von der Neubelebung des Heimatsinns nach dem Kriege, stellte der Redner die erfreuliche Tatsache fest, daß auch die Wissenschaft sich der Heimatkunde angenommen hat. Einen beachtenswerten Platz habe sich u. a. die geschichtliche Landeskunde erobert, die durch die Bearbeitung geschichtlicher Kartenwerke, wie ein solches beispielsweise im rheinischen Allas vorliege, der .Yeimatforschung ganz neue feste Grundlagen biete. Auch für Hessen, d. h. für die kurbessischen und darmstädtischen Lan- desteile, ist ein solcher Atlas in Marburg im Auftrage der historischen Kommission für Hessen und Waldeck in Bearbeitung. Der Redner, selbst Mit- arbeiter am Werke und ein besonders trefflicher Kenner der solmsischen Geschichte, gab an dem Beispiele einer eng begrenzten Landschaft einen Einblick in die gründlichen Methoden der neuen Forschung, die als Endergebnis den Atlas gestalten und mit seinem reichen Kartenmaterial, w.enn möglich, auch in einer Schulausgabe in den Dienst es heimatkundlichen Unterrichts stellen will. In einem Längsschnitt, der von der vorgeschichtlichen Zeit über das Mittelalter in die Neuzeit ging, zeigte Dr. Uhlborn die allmähliche Besiedlung unb die geschichtliche Entwicklung bes ehemaligen Oberamtes Lich. Aus vorgeschichtlicher Zeit seien nur wenige Funde in dem betreffenden Gebiet bekannt, das als Randlandschaft kaum von der Siedlung erreicht worden sei. Was an prähistorischen unb römischen Sieblungen vorhanben, sei in den Stürmen ber Völkerwanberung sicherlich hinweggefegt worben. Die Karolingerzeit erst habe bas Dunkel gelichtet, bas über ber Frühgeschichte ber Eegenb liege. Als besiebelte Orte sinb aus biefer Zeit nur Lich unb Bessingen bekannt. Eine stärkere Besied- lung setzte mit bem 11. Jahrhundert ein. Eine Arnsburger Urkunde von 1239 gibt uns die vollständige Besiedlung ber Licher Mark an. Orte, die heute Wüstungen find und deren Namen zum Teil noch in ber Flurbenennung wieberkehren, entstanden, wie Menaelshausen, Robenscheit, Westwich, Nieber-Albach, Schurfheim: Westwich, Robenscheit unb Wornsberg als Sperrforts zum Schutze Lichs. Eine große Rolle in ber mittelalterlichen Geschichte des Gebietes spielen bie Klöster Lorsch unb Fulba unb später Arnsburg unb Schiffenberg. Die territoriale Entwicklung ist burch bie Häuser Fal- fenftein unb Solms bebingt gewesen. Wieberholte Teilungen unb auch Fehden, wie ber Reichskrieg 1365, gaben bem Territorium nach unb nach bie Gestalt, bie es bei feiner Mebiatisierung 1806 inne- hatte. An ber hanb von Karten unb mit Hilfe zahl- reicher urkunblicher Belege konnte ber Rebner bas Bilb ber Entwicklung äußerst feffetnb gestalten. Man gewann aus ben Ausführungen ben Eindruck, daß das großangelegte Atlaswerk, bas alle Teile Oberhessens mit ber Grünblichkeit be- handeln wirb, wie es ber Rebner an bem Beispiele von Lich gezeigt, eine bebeutenbe wissenschaftliche Leistung werden wirb, bie wir mit Stolz erwarten dürfen. Dr. U h l b o r n bat bie Lehrerschaft, nach Kräften mitzuarbeiten am Ausbau bes Werkes. Durch bas Sammeln alter Flurkarten unb der Flurnamen könne gerade bie Lehrerschaft wichtige Bausteine für bie Wissenschaft zusammentragen. Auch empfahl er bie Ncic^rüfung ber von Wagner in „Die Wüstungen von Hessen" angegebenen Lage ber ausgegangenen Orte in ben einzelnen Gemar- hingen. Fortbildungsschullehrer Dietz (Lich), ber bie Tagung leitete, bankte bem Rebner mit herzlichen Worten für feine anregenben Ausführungen unb künbete bie Behandlung weiterer heimatkundlicher Themen an. Eine AuLonrobilstratze Hamburg-Frankfurt-Mailand? Seit etwa zwei Jahren tauchen in der deutschen und in ber auslänbischen Presse, balb ba, balb bort, Nachrichten über ben beabsichtigten Bau einer Automobilstraße Deutschlanb—Italien auf, ohne baß man eigentlich recht weiß, wo bie Urheber bes Gedankens sitzen. Zunächst erschien ber Plan so phantastisch, baß man nur an eine Jbee amerikanischer Finanzleute, bie wieberum mit Automobilfabriken in Verbinbung stehen, benfen konnte. Dann roieber wurde bie Angelegenheit von Italien aus propagiert, ohne baß man auch hier wüßte, wo bie treibcnben Kräfte sitzen. Inzwischen hat man sich in Deutschlanb selbst so mit bem Gedanken befreundet, daß uns seine Ausführbarkeit gar nicht mehr so unmöglich erscheint, namentlich bann, wenn alle Kräfte, die ein Interesse an bem Bau einer solchen Straße haben, zusammenwirken. Der Kernpunkt der Angelegenheit ist natürlich bie Finanzierung, ba aber eine ganze Reihe von großen Kommunalverwaltungen unb schließlich auch die einzelnen Länder, die an der geplanten Straße liegen, großes Interesse an dem Plane bekunden, Sturm in Schmalebeck 'Jlomon von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b. $).. Berlin. 13 Fortsetzung Nachdruck verboten. Das war ungefähr so schlimm wie die Posaune des jüngsten Gerichts. Nein, schlimmer, denn da hat man Millionen von Mitschuldigen, aber hier hieß es, dem gestrengen Doktor ganz allein gegenüber- tretcn. Fiete hatte — wie alle Schmalebecker — eine Heidenangst vor Rottmann. Er verstand es nie, das; die Frau Doktor mit ihrem Manne umging wie mit jedem anderen Sterblichen. Daß sie zu ihm sagte: „Diu reg' dich nur nicht auf", oder „Bester Mann, das ist doch meine Sache" — er begriff einfach nicht, wo jemand den Mut hernahm. — Aber gehen mußte er. und er wünschte von Herzen, die Kinder möchten heute nie fertig werden. Rottmann ging hinauf zu seinen Eltern. Da traf er auf Madam Eggers, die eine große Haubenkonferenz mit der. alten Pastorin abhielt: „Und die Blondenhaube, Madam Eggers, die bekommt wieder weißes Seidenband. Und dazwischen die kleinen weißen Fliederzweige." „Die sünd alle en duschen lose, Frau Pastorin. Ich hab' so hübsche vigelette Stiefmütterchen —" „Nein," sagte die kleine Dame sehr energisch, „die will ich nicht. Rein weiß soll die Haube sein. Sie will mir immer so etwas Buntes anschnacken, Madam Eggers. Ich trag' das nicht, ein für allemal nicht." „Ich mein' ja man. Was Frau Pastorin das nicht mal versuchen möchten." „Ich möchte es nicht." Pastor Rottmann sah über seine Brille amüsiert auf die kleine Frau. Wie sie auf ihrem Stück bestand. Und die Eggers hätte so gern ein bißchen an den Stiefmütterchen verdient. Er mußte ihr nun einen kleinen Trost schenken. „Na, Madam Eggers, wie wird es denn nun mit Fiete? Wollen Sie den immer noch zum Geistlichen machen?" Wenn sie von ihrem Jungen reden konnte, war sie restlos glücklich. „Herr Pastor, es steht geschrieben, dein Wille geschehe — und abermals: Wollen habe ich wohl, aber Vollbringen des Guten fehlet mir--Ach, wenn ich das erleben könnt', daß mein Jung--Und steht hier mal auf der Kanzel — Ach nee, Herr Pastor, ich sag' ihm jeden Abend: Fiete, sag' ich, reiß' dich zusammen, Jung, sag' ich, daß und so Herr Pastor an dir Freude hat und an dein Lernen. Wo du so Gaben hast von deinem Vater her — —" Pastor Nottmann zog die Stirn hoch. Die Gaben seines alten Landschulmeisters hatten ihm nie imponiert, aber Madam Eggers sah es nicht. . Und von mir--ich habe immer so nach dem Hohen gestrebt. Kann Herr Pastor mir zu glauben. Und wenn ich denn so mit ihm rede, wie das mal werden kann *— —" „Ja, aber wenn wir ihn wirklich bis zum Examen bringen, daß er auf die Universität könnte — wovon soll er da leben?" „Och, wenn Herr Pastor — und interessiert sich en büschen weiter für ihn--Wo es doch Stipendien gibt, wenn einer so'n guten Kopf hat. Und ich leg' alle Monat' was auf die Sparkasse —" „Aller Ehren wert, Madam Eggers. Aber sollte es nicht besser sein, der Junge würde ein bißchen mehr gepäppelt?" „Wie meint Herr Pastor?" „Ich meine nur, er sieht recht blaß und schmal aus — und ist stark im Wachsen —" „In den Jahren sehen die Jungen alle so aus, Herr Pastor. Das soll sich woll geben. Wenn er man durch das schwere Examen ist." Sie sah den alten Herrn sondierend an. „Sollt es wohl ander Jahr möglich sein?" „Im nächsten Jahr? Daran ist nicht zu denken. Ich bitt' Sie, Madam Eggers, unsere Primaner werden achtzehn, neunzehn, zwanzig — eh sie dran denken dürfen. Und Fiete — wie alt ist er nun?" „Siebzehn." „Also. Und die gehen den regelrechten (Sang. Fiete muß sich alles hier am Ort mühsam bei mir und dem Rektor Friedrich mit Privatstunden zusammenholen." „Ich fann's nicht machen, daß — und geb' ihn fort." „Es soll doch kein Vorwurf fein. Aber sehen Sie mal, wenn er nun wirklich das Examen bekommt — wenn--" „Wieso wenn?" „Das Lernen wird ihm ungeheuer schwer." „Das Lernen--" Madam Eggers blieb der Mund offen stehen. Sie faßte sich aber schnell. „Nee- bas erste, was mir einer sagt. Das glauben Herr Pastor man ja nicht, schwer wird ihm das nicht. Bloß so'n büschen schüchtern ist mein Fiete, das ist das Ganze. Der kann! Oha, wie der kann!" „Ja, Madam Eggers, das glauben Sie nun, weil Sie ja von den fremden Sprachen und allem, was von einem jungen Mann verlangt wird, feinen Bescheid wissen. Und der Junge mag sie nicht enttäuschen. Der mag Ihnen das nicht sagen wie sauer er sich plagen muß." „Wollt' ich ihm auch nicht raten. So'n Jung! Wo ich strapzier' mich so ab, und alle Monat' einen Taler auf die Sparkasse, und denn--was denkt Herr Pastor sich beim, was mein Fiete werben sollt'? Möcht' ich boch wissen." „Hm", sagte ber alte Herr unb sah nicht, baß seine kleine Frau mit ben Augen blinferte, „wenn Sie mich ehrlich fragen, Mabam Eggers, ich mürb' ihn in ihrer Stelle ein solibes Hanbwerk lernen lassen. Handwerk hat golbenen Boben. Lassen Sie ihn bei Meister Große in bie Lehre gehen, ober — er malt ja wohl gern ein bißchen — geben Sie ihn zu Maler Kolbe. Da hat er auch seine gute Pflege. Kolbe hält seine Lehrjungen wie seine eigenen, unb sie---" So weit hatte er nur reben können, weil ber be- (eibigten Mutter bie Sprache im Halse stecken blieb. Nun aber brach sie los. „Mein Jung! Mein Fiete! — unb soll sich mit so'n Volk gemein machen! Mit sein' Kopf! — Was hat Herr Pastor sich benn gedacht, daß er ihn — und hat ihm so lang’ den Unterricht gegeben. Und wo der Jung sich so mit den Gören geplagt, alle Tage. Daß er doch mit sein ehrlich Arbeit das wieder gut machen will, was Herr Pastor ihn lehrt! Wo das son böse Kinder sind!" — Rottmann horchte auf. Madam Eggers hatte noch nie ein Wort über sein Trio verloren. „Jawohl, sone bösen Kinder! Was schreien sie immer hinter ihm her? Fiete Eggers geht auf Eiern, jawoll, das schreien sie. Hab' es oft genug gehört. Die anderen Bengels haben es sich auch all angenommen! Soll ihn das nicht kränken? — Weil man kein reicher Mensch ist, muß man still sein und sich alles gefallen lassen. Aber Herr Pastor hat uns oft genug in der Kirche gelehrt: Irret euch ■■■■m 11 i »I i 1,1» i.icht, Gott lü|jt sich nicht tpo;ien, — unb: Mit welcherlei Maß ihr messet, soll euch gemessen werben." „Ach, Madam Eggers," der alte Herr schwankte zwischen Aerger unb Lachen, „bas Sprüchezitieren lassen Sie lieber bleiben. Die soll man nicht anwenden, wenn es sich um ein paar unartige Kinber handelt. Junges Volk neckt sich, und Fiete sollte sich seine Empfindlichkeit abgewöhnen. Aber was das heißen soll: sich mit solchem Volk gemein machen, das versteh' ich nicht. Unsere Handwerker sind alle ehren- hafte Leute. Was war denn Ihr Vater, Madam Eggers?" Darauf einzugehen, fand Madam Eggers nicht für angemessen, sie verzog sich und murmelte Unverständliches vor sich hin, als sie aus der Tür ging. Den Doktor sah sie gar nicht an, unb ihr kleines ver- Enittertes Gesicht war eitel Galle. Als Doktor Rottmann eine halbe Stunbe später bie Treppe herunterkam, wollte sich Fiete gerade aus ber Haustür brücken. „Stopp! Hiergcblieben! Du sollst boch noch in mein Zimmer kommen." „Sie waren nicht brin." „Denn komm jeßt mal mit. Brauchst nicht bie Hänbe so zu ballen, ich fress' bich nicht." Unb als er ben langen Jungen brinnen in seinen^ Merhei- ligften hatte, wies er auf einen Stuhl neben bem Schreibtisch, auf bem bie Patienten sitzen mußten. „Nun also zu bir, mein lieber Fiete. Sage mal, du siehst ja man recht jämmerlich roieber aus. Hast du wohl manchmal nicht satt?" „Dock. Doch." „Sieht mir gar nicht so aus. Und wie ist es eigentlich mit deiner Meinung zum Lehrer oder Pre- diger? Hm?" „Ich soll es doch werden." „Nämlich, zum Lehrer hast du gar keine Anlagen, und etwas davon muß ein Geistlicher auch besitzen. Meine Gören sind bei bir ganz aus Ranb unb Banb geraten. Warum nimmst bu sie nicht stramm?" „Wie soll ich benn bas machen?" „Eins hinter bie Löffel. — Wie siehst bu mich an? Dem Jungen ist es sehr gefunb, unb ben Möd- chen würbe es auch nicht schaben." „Ich hab' es einmal versucht", stammelte Fiete. „Da hat Hans so gräßlich gebrüllt---" (Fortsetzung folgt.) 1/zM50^ Kindti-ieihing.Ikrkkine Gxü* üder.Sq»* cUfchtitere'Üoat. gratii! Bad-Nauheims größtes Konzertereignls Montag, 6. September, abends 8 Uhr, im Kurhaus (Großes Haus) Lieder- und Arienabend: Deutschlands gefeiertster Sänger Kammersänger Heinrich Schlusnus l. Bariton der Staatsoper Berlin. — Am Blüthner: FRANZ RUPP. Lieder und Arien von Schubert, Brahms, Rich. Strauß, Verdi, Gounod und Thomas. Karten: Rm. 2.-, 3.-, 4.- und 5.- an der Theaterkasse im Kurhaus, Tel. 187. 7H7D Restaurant zum Krokodil Kaiserallee 27 Wiedereröffnung der neu hergerichteten und ausgestatteten Räume Samstag,4.Sept., nachmittags Erstklassige Küche bei mäßigen Preisen. Im Ausschank: Gießener Brauhaus-Biere und Münchener Pschorr-Bräu Um geneigten Zuspruch bittet der neue Pächter HANS THEIS langjähriger Küchenfachmann ea Arbeitsvergebung. Für die Gemeinde Heuchelheim sind nachfolgende Arbeiten zu vergeben: Los I. Maurerarbeiten. Bacheinsaffung und Brückenbauten (330 cbm Beton-Mauerwerk). Los II. Schlosserarbeiten. Ufer- und Brückengeländer aus l1/» “ l. W. Eisenrohr, zusammen 240 Ifdm. Pläne und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebotsvordrucke sind für je 1 Mk. in bar von uns zu beziehen. Eröffnung derAngeboteDonners- tag. den 9. September ds. IS., vormittags 10 Uhr, auf unserem Bureau, Frankfurter Straße 29. Freie Auswahl Vorbehalten. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 27. August 1926. 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Der Zweck dieser Aussprache soll die Gründung einer Studiengesellschaft sein, die zunächst einmal die Vorarbeiten zu leisten hätte, namentlich aber ein Projekt über die endgültige Linienführung ausarbeitcn müßte. Es sind bisher zwei Linien in Vorschlag gebracht worden, die sowohl in technischer wie in wirtschaftlicher Beziehung sehr stark voneinander abweichen. Es ist aber ganz natürlich, daß schließlich demjenigen Plan der Vorzug gegeben werden muß, der einerseits die technischen und finanziellen Schwierigkeiten vermindert, andererseits aber die größte Aussicht auf Rentabilität und Zukunstsmäglichkeiten ein- schließt. Das erste Projekt sieht eine Trafsenfüh- rung von Hamburg über Berlin, Leipzig, Nürnberg, München und Verona nach Mailand vor, schließt also die Reichshauptstadt in den geplanten Automobilweg ein. Ganz abgesehen davon, daß bei der Wahl dieser Strecke der Weg um rund 400 Kilometer verlängert und sich dem Bau große technische Hindernisse entgegenstellen, führt diese Linie streckenweise durch sehr dünn besiedelte Gebiete, was die Rentabilität sehr beeinträchtigen dürfte. Viel aussichtsreicher erscheint das zweite Projekt: Hamburg — Hannover — Kassel — Gießen — Frankfurt — Karlsruhe — Basel —Zürich — Mai- land. Als Paßweg ist der St. Gotthard vorgesehen, dessen großzügige Tunnelanlage evtl, auch die Verladung der Automobile per Achse zuließc. Diese zweite Linie sührt in fast schnurgerader Richtung von Hamburg und dem mitangescylossenen Bremen über Hannover durch das Leinetal nach Göttingen, entlang der Weser nach Kassel, Marburg, Gießen, und Nauheim ins Maintal. Hier erhält der Automobilweg seinen Anschluß an das Rheintal. an Köln, Mainz und Wiesbaden. Von Frankfurt aus schneidet die Straße direkt in die landschaftlich reizvolle oberrheinische Tiefebene ein, berührt hier auf dichtbesiedeltem Gebiete zahlreiche bedeutende StLdte mit starkem industriellem Leben und regem Fremdenverkehr. Auf der ganzen Strecke stellen sich dem Bau nennenswerte Hindernisse nicht entgegen. In Offenburg, das über Karlsruhe und Baden- Baden erreicht wird, ist Gelegenheit für den Anschluß von Straßburg und damit von Frankreich geboten, lieber Freiburg geht der Weg nach Basel. Zürich, Schwyz. Göschenen. St. Gotthard, Airolo, Bellinzona. Como, Monza nach Mailand. Selbstverständlich würde von hier aus die Straße bis zur Ligurischen Küste nach Genua fortgesetzt werden. Welches dieser beiden Projekte schließlich zur Ausführung gelangt, wird die Zeit lehren. Bornotizen. — Tageskalender für Freitag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Die Tragödie einer Entehrten". — Palast-Lichtspiele (Kirchen- platz): „Pat und Patachvn auf der Weltreise" und Gastspiel der Darsteller. — Astoria-Licht- spiele: »Mut Monty, es wird schon schief gehen". = Ehrung eines oberhessischen Mundartdichters. Am 2. März dieses Iahres waren es 25 Jahre, daß der Dichter der Welterau, Peter Deibel, für immer die Augen schloß, allzufrüh seinen zahlreichen Freunden, allzufrüh auch für die Heimatdichtung, die von ihm noch manche Perle urwüchsiger oberhessischer Mundartdichtung erwarten durste. Der Volksdichter lebt aber unvergeßlich weiter. Seine kost-, lichen Wellerauer Gedichte, die zwei starke Bände füllen, hört -man bei festlichen Veranstaltungen immer wieder und freut sich an ihrem herrlichen Humor. Besonders im V. H. C. werden Geibels Dichtungen immer und immer wieder zu Gehör gebracht, und wo Oberbessen fern der eigentlichen Heimat auch gelegentlich vereinigt sein mögen, da fommt Gcibel, der die Heimat und ihr Volkstum so trefflich zu schildern verstand, stets zu Wort. Dom V. H. C.. und da in erster Linie wieder von dem Landtagsabg. Prof. Dr. W e r - ner (Butzbach), geht auch die Anregung aus, am Geburtshause des Ächters in Klein- Karben eine Gedenktafel anzubringen. Die Vorarbeiten sind soweit beendet, daß am 17. Oktober die Enthüllung vor sich gehen kann, wozu zahlreiche V. H. C.er erscheinen werden, um im Kreise Gleichgesinnter dem Humor des besten Dauerndichters Hessens zu huldigen und seiner dankbar zu gedenken Peter Deibel wurde am 21. August 1841 zu Klein-Karben in der Wetterau als jüngster Sohn eines Landmannes geboren. Aach dem frühen Tode seiner Eltern besuchte er das Gymnasium in Büdingen bis zur Sekunda, um dann in Gießen Tierheilkunde zu studieren. Aach bestandenem Sramen war er von 1871 bis 79 in Groß- Felda (Kreis Alsfeld) und in Dattenberg (Kreis Biedenkopf), von 1879 bis 81 in Wied-Selters (älnterwesterwald) und von 1882 bis zu seinem am 2. März 1901 erfolgten Tode in H ö ch st a. M. als Tierarzt tätig. Seine Gedichtbände „Humoristische Gedichte in Wetterauer Mundart" und „Mein schinste Gruß d'r Wearrera" sind in mehreren Auflagen erschienen und werden immer wieder neu herausgebracht werden müssen. *" 3n der Volkshalle herrscht jetzt Hochbetrieb der Hmrdwerker. Die Abteilung Elektrizität der Gartenbau- und Elektrizitätsausstellung ist dort bereits im Entstehen begriffen, die Abteilung Gartenbau wird in den nächsten Tagen mit ihrem Einzug beginnen. Inzwischen ist die Volkshalle auch noch auf den Wandseiten rechts des Eingangs von der Grün- bergerstraste her verputzt worden, wodurch der Anblick noch freundlicher gestaltet ist. Die Bühne, die bekanntlich vor einigen Tagen hübsch verputzt wurde, erhält jetzt noch Stabfuhboden. Auf der Galerie der • Dolkshalle links neben dem Bühnenraum ist durch Einführen einer Zwischenwand ein großer Raum abgeteilt worden: hier soll in der Zeit der Ausstellung eine altdeutfche Weinstube erstehen, später wird der Raum ebenfalls RestaurativnSzwecken dienen. Aus der gegen« überliegenden Galerieseite neben der Bühne ist ein Raum durch ein Holzgeländer abgctreimt; hier will die Ausstellungsleitung für die AuS- stellungszeit eine Mokka- und Likbrstube einrichten. Zur Erzielung wirkungsvoller Beleuch- tungsessekte sind die Wandkanten der vorderen Frontseite des Gebäudes und die Kanten der Galerie in der Halle mit einigen Tausend kleiner elektrischer Glühbirnen versehen worden, deren Erstrahlen während der Ausstellung einen reiz- vollen Anblick bieten dürste Außer dieser Effektbeleuchtung wird die Innenbeleuchtung noch weiter durch zahlreiche Lampen verstärkt werden. *• Eine Um Pflasterung im Asterweg ist seit gestern mittag im Gange. Aus dem Straßen, stück zwischen der Schillerstraße und der Nordanloge werden die Basaltsteine entfernt, an ihre Stelle wird die Asphaltierung der Bürgersteige und der Fahrbahn treten. Die Arbeiten dürften einige Wochen in Anspruch nehmen. Bedauerlich ist, daß die Fahrbahn dieser Straße zwischen der Walltor- und der Schillerstraße und der Asterweg zwischen der Nordanlage und dem Schwarzlachfeld nicht gleich mit hergestelll werden können, da hierfür keine Mittel zur Verfügung gestellt sind. Hoffentlich läßt sich diese Versäumnis im nächsten Jahre gutmachen. 0 Die Eisenbahnbrücke in der Klinik st raße, die den Süden mit dem Güterbahnhof verbindet, ist soweit fertiggestellt, daß sie in etwa acht Tagen dem Betrieb übergeben werden kann. Die Verstrebungen der Brücke wurden verstärkt. Der Brückenboden wurde durch die Firma Dratengeier in Sprendlingen« Frankfurt gepflastert. Hierzu wurden eigens dazu berge« stellte imprägnierte Holzklötze verwandt, die mittels Teer und Sand miteinander verbunden werden. Auch die Detonrinne zu beiden Seiten der Drücke ist erneuert worden. Es ist hier ein sehr wichtiger Verkehrsweg wieder so bergestellt, daß er unserem heutigen Verkehrswesen stand- halten wird. —.— E i n neues elektrisches Stellwerk wird gegenwärtig im hiesigen Güterbahnhof am Ablaufberg errichtet. Durch diesen Bau werden die beiden jetzigen mechanischen Stellwerke vereinigt, wodurch die Eisenbahnverwaltung Personal- ersparnisse erzielt. Die Inbetriebnahme des neuen Stellwerks soll voraussichtlich im November erfolgen. Der Bahnhof Gießen besitzt alsdann vier elektrische Stellwerke. ** Aus dem Gießener Standesamt s r e g i st e r. Es verstorben in der Zeit vom 16. bis 31. August: 16. August Juliys Siesel, Kaufmann, 60 Jahre alt Marktstr. 8. 17. Mathilde Haßler, 5 Monate alt, Walltorstr. 63. Anna Hager geb. Petri, Witwe, 59 Jahre alt, Johannesstr. 7. 19. Auguste Stern, ohne Beruf, 72 Jahre alt, Stein« ftraße 19. 21. Marie Pebler geb. Rollhäuser, Witwe, 71 Jahre alt, Licher Straße 74. 23. Elisabeth Hartmetz, Zigarrenmacherin, 30 Jahre alt, Tcufelslustgärtchen 20. 24. Karoline Brinkmann, ohne Beruf, 52 Jahre alt, Marburger Straße 56. 26. August Bussag, Eisenbahnoberinspektor i. R., 67 Jahre alt, Steinstraße 68. 27. August Marie Spahr geb. Reß, Rentnerin, Witwe, 83 Jahre alt, Großer Steinweg 22. Marie Hübner geb. Velten, 61 Jahre alt, Bahnhofstr. 44. 29. Katharina Seng geb. Schwalb, Witwe, 85 Jahre alt, Asterweg 54. 30. Karl Wagner, Privatmann, 77 Jahre alt, Asterweg 53. 31. Elisabetha Stamm geb. Hock, Witwe, 76 Jahre alt, Krofdorfer Straße 32. Die PostauloUnie Gießen - Kleebachtal. Fahrplanwünsche. e Aus dem Kleebachtal, 2. Sept. Die Postverwaltung dürfte sich in diesen Tagen damit beschäftigen, für die Posta utolinie Gießen — Kleebachtal einen Winterfahrplan aufzustellen, der auch den im Winterhalbjahr eintretenden Veränderungen der Eisenbahnfähre Diene Rechnung tragen müßte. Bei dieser Gelegenheit seien hier die Wünsche der Kleebachtalbewohner vorgetragen mit der Bitte an die zuständige Stelle, sie wohlwollend zu berücksichtigen. Die bisherige erste Fahrt ?es Autos dürste bis zu einer Stunde später zu legen fein, weil im Winter der Wochenmarkt später stattfindet und auch der älnterricht in den höheren Schulen Gießens eine Stunde später beginnt. Die Mittagsfahrt an den Bahnhof Großen-Linden und die Rachmittags- , fahrt nach Gießen haben sich bewährt; sie können in der bisherigen Weise weiter bestehen bleiben. Es ist bekannt, daß in Hochelheim und Hörnsheim eine große Anzahl Käsehändler ansässig sind, deren geschäftliche Beziehungen in die verschiedensten Orte und Städte der näheren und weiteren Umgebung gehen. Diese Gewerbetreibenden würden es dankbar begrüßen, wenn die Postverwaltung Dienstags, Freitags und Samstags eine Frühf ah rt an den Bahnhof Großen-Linden dergestalt ein- richten würde, daß daS Auto Anschluß an den dort norm. 4.12 ÜIHr nach Frankfurt a. M. abfahrenden Personenzug hätte. Dienstags könnte sogar diese Fahrt über Großen-Linden hinaus noch bis nach Gießen ausgedehnt werden, da an diesem Tage auch viele Händler von Hochelheim und Hörnsheim, die die von Gießen kurz nach 5 Ahr in das Lahn- und Dlllgebtet abfahrenden Züge benutzen; diese Händler müssen, weil um diese Zeit kein Zug von Großen- Linden nach Gießen fährt, den Weg nach Gießen zu Fuß oder mit Fuhrwerk zurücklegen. Die Post- verwaltung sollte im Interesse der wirtschaftlichen Gestaltung der ßinie erwägen, ob sie diesen berechtigten Fahrplanwünschen nicht Rechnung tragen mühte. Oberhessen. Landkreis Gießen. —Klein-Linden, 2. Sept. Ein großes Herb st preiss (hießen hält der hiesige S ch ü tz e n c l u b „Rolan d" am 5., 12. und 19. September ab. Unter Leitung des 1. Vorsitzenden Friedrich Stein errichtete der Verein im vorigen Jahre einen Schießstand in der Nähe der Wetzlarer Straße. Zur Preisverteilung gelangen zahlreiche wertvolle Preise. Der im Jahre 1909 gegründete Schützenclub zählt heute 60 Mitglieder. Bg. Großcn-Buseck, 2. Scpt. Heute stürzt e, während er Verwandten beim Dreschen Hilfe leistete. Ober Postschaffner GanS in der Scheune vom Gerüst ab und zog sich erhebliche Quetschungen. wahrscheinlich auch innere Verletzungen, zu. * Hattenrod, 2. Sept. Unter starker Beteiligung fand gestern die Beerdigung des bei dem Autounfal 1 in der Wilhelmstraße zu Gießen jählings verunglückten Weißbinders Heinrich Kutscher l von hier statt. In der Grabrede gedachte der Ortspfarrer des treu- sorgenden Vaters und fleißigen Arbeiters. Die Gemeinde verliere an dem Verstorbenen ein Mitglied des Onsvorstandes, das in kluger und auch den anderen Ständen gerechtwerdender Weise am Wohle der Gemeinde mitgearbeitet habe. Kränze wurden niedergelegt von der Arbeiterschaft der Gemeinde Hattenrod, von den Berufsaenossen des Verstorbenen. von dem Inhaber der Firma Peter R e e b, in deren Diensten der Verunglückte 30 Iahre stand, sowie von Bürgermeister R e e b im Ramen des Gemeinderates, dessen Mitglieder den Sarg zum Grabe getragen hatten. ri. Lich, 2. Sept. Eine unübersehbar große Trauerversammlung geleitete gestern den Sarg unseres langjährigen Rektors Christian Roth zur letzten Ruhestätte. 3m Verein mit den anderen Gesangvereinen ehrte ihn sein Roth- scher Männerchor durch Grabgesang und einen ehrenden Rachruf, den ihm DürgermÄstereigehilfe Schmidt widmete. Die Leichenrede hielt StiftS- dechant Lenz. Im Ramen deS Stadtrates und des Schulvorstandes sprach Bürgermeister Völker, im Ramen des Dezirkslehrervereins der Obmann Lehrer Sprengel- Bellersheim; Direktor Beckmann redete im Auftrag des Frankfurter Waisenhauses, dessen Pfleglinge feit Iahr- zehnten hier in Lich erzogen wurden und sich der besonders liebevollen Fürsorge des Entschlafenen erfreuen durften. Außerdem legten die ^verschiedenen Vereine, in denen der Verewigte tätig war, mit Worten dankbaren Gedächtnisses Kränze an feinem Grabe nieder. Rektor Roth war mit seinem ruhigen und aufrichtigen Wesen ein allseits beliebter Mann. Besonders bewahren ihm seine Kollegen und seine vielen früheren Schüler, wie Rektor Erb an seinem Grabe ausführte, stets ein ehrendes Andenken. Kreis Frie-üerg —.— Friedberg, 2. Sept. Eine lebhafte Bautätigkeit herrscht seit Frühjahr in unserer Stadt. Der Neubau eines Wohnhauses für die Beamten des Ueberlandwerkes fonnte bereits bezogen werden. Die Wetterauer Volksbank ist bis auf die letzten Arbeiten fertiggestellt. Der Neubau des Polytechnikums ist im Roybau vollendet, er enthält das Maschinenlaboratorium, die Maschinenräume und einen Hörsaal. Während diese Bauten sich fast alle im Bahnhofsviertel erheben, herrscht von privater Seite die Hauptbautätigkeit im südwestlichen Stadtteil zwischen Ockstädter Straße und Roßbacher Straße. Hier sind in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Neubauten errichtet worden. Die Stadtverwaltung ist g egenwärtig mit dem Ausbau und der Ausbesserung des Straßennetzes beschäftigt. Bismarckstraße, Wilhelmstraße und Hanauer Straße werden neu chaussiert. Die umfangreichen Neupflasterungen vor dem Bahnhof haben sehr wesentlich zur Verschönerung des Bahnhofsplatzes beigetragen. ÖO Aus der südlichen Wetterau, 2. Sept. Die SBirnenernte ist in der hiesigen Gegend äußer st günstig ausgefallen, so daß es oft schwer fällt, die Früchte auf dem Markte abzusetzen. Der Preis ist entsprechend niedrig. Gute Eßbirnen (Gute Graue) sind im Kleinoerkauf schon für 8 Pfennig zu haben. Tasclbirnen kosten 10 bis 15 Pfennig. Volkswirtschaftlich wirkt sich dies günstig aus. Das ausländische Obst, besonders die Bananen, sind fast ganz aus den Läden verschwunden. y. Wölfersheim, 2. Sept. Gestern wurde dahier das Grummet von etwa 25 Morgen Ge- meindewiescn versteigert. Da diese meist nasse Lage haben unb der Grasbestand daher an Güte und Menge zu wünschen übrig läßt, da andererseits der Klee gut geraten war, ist die Nachfrage nach Grum- met diesmal gering gewesen, und der kleine Morgen (1875 Quadratmeter) brachte durchschnittlich nur 5—6 Mark. — Gestern fand im Beisein eines Vertreters des Kreisbauamtes die Vergebung der Arbeiten an der neuen Lehrerwohnung Hierselbst statt. Eigentümlich berührte es, daß die Berechnungen der Angebote für dieselbe Arbeit einen Preisunterschied bis z u 50 P r o z., in einem Falle bis 10 0 Proz. a u f ro i e f e n. Es erhielten den Zuschlag zu Weißbinderarbeiten Karl Gorr II., Stammheim, für 2232 Mk.; zum Treppenbau Georg Hirfch III., Nieder-Florstadt, für 717 Mk.; zu den Schreinerarbeiten die Schreiner Müller. Knoll und Musch, Wölfersheim, für 1749 Mk.; zu den Schlosferarbeiten H. Leschhorn III., Wölfersheim, für 443 Mk.; zu den Klosettarbeiten G. Paul, Wölfersheim, für 84 Mk.; zur Herstellung der Rolläden Ehr. Sauer, Wölfersheim, für 531 Mk.; zu der Lichtleitung H. Leschhorn III., Wölfersheim, für 201 Mk.; zur Tapeziererarbeit H, Berg, Wissels- heim, für 100 Mk. Ein gegangen waren im ganzen 37 Angebote. =18 odenrod. 2. Sept. Unser kleines Gebirgsdorf, das mit seinen 430 Metern Meereshöhe der Höch st gelegene Ort des hessifcyen Taunus und des Kreises Friedberg ist, liegt inmitten großer Wälder und hat nur eine verhältnismäßig kleine Feldmark. Diese bietet nur dürftigen Unterhalt, so daß ein Teil der Bewohner außer der Beschäftigung mit dem Bodenbau noch als Waldarbeiter, Besenbinder oder Korbmacher 'Betätigung sucht. An (Betreibe wird vorwiegend Korn und Hafer angebaut. In diesem Jahre waren diese aber ausnahmsweise vorzüglich geraten, wie leiten zuvor. Das Korn erreichte auf vielen Aeckern über zwei Meter Höhe, und auch der Hafer wuchs teilweise bis zu Mannshöhe heran. So gab es hier eine überaus reiche Ernte, auch in bezug auf den Körncrertrag. Das hatte zur Folge, daß die meisten unserer Kleinbauern die Fruchtmengen aar nicht in ihren Scheuern unterbringen konnten. Die Drefchmaschine, die sonst erst im Herbst hier ihren Einzug halt, um sich Scheune für Scheune vorzunehmen, mußte jetzt schon herbeigeholt werden; sie ist nun auf dem Felde tätig, was zuvor hier nie der Fall war. Ein Teil der Ernte wird nun schon auf dem Felde gedroschen, was den Vorteil bietet, daß die Landwirte das Korn für die Aussaat sich rechtzeitig beschaffen und den Hauptdrusch auf den späteren Herbst verlegen können, nachdem die Feldarbeiten beendet sind. Kreis Büdingen. th. L e i d h e ck e n , 2. Sept. Bei der hiesigen Versteigerung der „Honigbirnen" wurden durchschnittlich 8 Mark für den Baum geboten. — Infolge der günstigen Witterung ist die G r u m- m e t e r n t e in vollem Gange und wohl in drei bis vier Tagen beendet. Die Ernte kann als eine gute bezeichnet werden. Kreis Schotten. ld. Aus dem oberen Vogelsberg, 2. Sept. In den meisten Iahren fällt es der oft sehr fchön herausgewachsenen Frucht schwer, in den Gemarkungen und um den Oberwald zur Reife zu kommen, da Rebelmassen und groß« Ri^>erfchlagsmenaen die Tätigkeit der Sonne fast auSschalten. Die Sonnentage oieser Woche haben Erntearbeiten und Fruchtreise so stark gefördert, daß in einigen Tagen die gesamte Ernte geborgen sein wird. Für den Dogelsbergev Bauer ist 1926 nach einigen Mißernten wieder einmal ein Dlücksjahr, denn Heu-, Frucht- und Grummeternte sind so reich und so gut herein- gekommen, wie selten in den Vorjahren — Die Hoffnungen, die die Vogelsberger Imker auf den Monat August setzten, haben sich nur zum geringen Teile erfüllt. Wohl sind von den Dollern, von denen sich wenige auf voller EntwicklungShöhe befanden, kleine Mengen Honig eingetragen worden, die aber als Winternahrung und Reservefutter fürs Frühjahr unbedingt den Dienen verbleiben müssen. Merkwürdigerweise hat im nun zu Ende gehenden Bienenjahr 1926 der Rordhang des Vogelsberges besser abgeschnitten als der llimatisch günstigere südliche und westliche Teil deS Gebirges; dort hak manche Bienenzucht wenigstens so viel abgeworfen, daß ein Teil der Betriebskosten gedeckt ist. Kreis Lauterbach. P. Queck bei Schlitz, 2. Sept. Am kommenden Sonntag findet hier das Dekanats- mission-fest des Dekanats Lauterbach statt. Festprebiger ist Pfarrer D e r n b e ck (Stockhausen), während Missionar Säuberlich über die Arbeit der Leipziger Mission in Oft» afrika und Indien berichten wird. Der Posaunen«' chor Stockhausen wird bei der Feier mit wirken. Starkenburg. • Darmstadt, 2. Sept. Der Elektrotechniker Martin Mink aus Eberstadt, der zahlreiche Geschäftsleute in betrügerischer Absicht geschädigt hat, wurde hier verhaftet. WSR. Heppenheim, 2. Sept. Gestern kam es hier in einer Wirtschaft zwischen Zigeunern aus nichtigen Gründen zu einer Schlägerei, tovbei einem der Beteiligten die ganze linke Gesichtshälfte vollständig gespalten wurde. Die Gesellschaft bewegte sich dann zu ihren Wagen, wobei man sie dauernd mit Stechen und ^hießen droben hörte. Plötzlich setzte sich der schwächere Teil auf die Wagen und jagte in voller Flucht davon. Preußen. Kreis Marburg. sch. Marburg, 2. Sept. In der jüngsten Sitzung der städtischen Kollegien stynd in der Hauptsache eine Eingabe des hiesigen Frauenoereins betr. die Lebensmittelversorgung der Stadt zur Erörterung. Es kam hierbei zu einer recht lebhaften Aussprache, bei der von den Derbraucherkreisen Klage über die hohen Lebensmittelpreise geführt wurde und der Wunsch zum Ausdruck kam, daß die Stadtverwaltung sich der Frage der Preisgestaltung tatkräftig annehmen möge. Im übrigen wurde einer Neufassung der Dergnügungssteuerordnung zuge- gestimmt. Für die Ausführung der Wasserlei - t u n g am Ortenbergplatz-Lothringerstraße wurden 6800 Mark aus vorhandenen Anleihemitteln genehmigt und zur Instandsetzung des Armenhauses und Beschaffung von Inventar für diese Räume 7500 Mk. bewilligt. Ferner wurden dem Altersheim zur Deckung seiner restlichen Schulden eine einmalige Unterstützung von 4000 Mark und ein jährlicher Zuschuß in gleicher Höhe gewährt und der Neufestsetzung des Zinsfußes der städtischen Sparkasse und Leihbank zugestimmt. Danach betragen vom 1. August 1926 die Habenzinsen 4 bis 5i Proz. (bisher 41 bis 6 Proz.) und die Schuldenzinsen 10 bis 11 Proz. (bisher 11 bis 13 Proz.). Im übrigen ist noch eine Mitteilung des Oberbürgermeisters Dr. B o i g t erwähnenswert, wonach neue Staatsmittel für Wohnungsbauten in Aussicht stehen, mit deren Hilfe man auch auf der Lahninsel noch ein drittes Zehnfamilienhaus errichten zu können glaubt. Zwei Mörder gestellt. sch. Marburg, 3. Sept. Fe st genommen wurden in Reustabt von dort lagernden Zigeunerbanden zwei Zigeuner. Es handelt sich um die schon lange steckbrieflich gesuchten Zigeuner Winter, die vor Iahren zwer Schirmflicker bei Dürnberg erschossen haben. Die Inhaftierten wurden durch die Gendarmerie nach Cassel transportiert. handliehe/'* Str-euf/crsehe. Sparsamste Verwendung! ATA Henkels Schenerpulver .immnn [Vermietungen | Eine schöne, teilweise möblierte Wuimr-Mhn. m. Küchenbenutzung sofort aii vermieten. Noouitrahe 31 IL W. Zimmer fle»enüb. d. Universität sof. zu orm. Goetbeftr. 48IIL lietgesuche [Wohnungstausch) DMungslaM Stehen-Zranljvtt oder beschlaanahme- treie 3—4-Zimmer- Wobng. in Gießen gesucht. Zuschriften erbeten an Gießen (Ludwigstr. 35), 2. Sept. 1926. Die Beerdigung findet Montag, den 6. September, nachmittags 2 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. 7132D Statt Karten! Gesunder Junge angekommen Thomasmehl Ammoniak Reinheim (Odenwald), 3. September 1926 66051 Heuchelheim, den 2. 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Stfitfroth & Sendet. ©. m. 6.9., 6ieB?n (Saüelsö. stenogr.- vereln von 1861 unO Samenoer. „(Baöeis- Verger". In tiefer Trauer: Louise Keppler geb. Walther Tilly Barth geb. Walther Aug. Keppler Werner Barth und 4 Enkel. Handelsgesellschaft derThyssen’schen Zechen G.m.b.H. Elsaß-Lothringer Monatsversammlung am Samstag, 4. Sem., abdS. 8".U, im Hotel Üöbler. Wicht. Besprechung, in Sach, d Bertreter- tageö des HilsSbund. Gießen (Asterweg 53), den 2. September 1926. 7113D 1 gr. Fl. MK. 1.75 Monatsversammlung 4. 9. 1926, 8'/, Uhr. Jugend- und Posaunenseft der oberhessischen Gemeinschaften gm Sonntag, dem 5. September, nachm. 2 Uhr in Allendorf a. d. Lahn 71140 SeiWteölget Sm Ufarter saöfet-HJiesbaöen nnö onöere Festprogramme sind an den (Eingängen zu dem Festplatz zu haben. Vorverkauf: Buchhandlung der Pilgermission, Plockstratze 4. Günstige Verzinsung v.Geldeinlagen 5 An- und Verkauf und Beleihung s von Wertpapieren Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Luise Wagner. Todes-Anzeige. Donnerstag abend 9 Uhr, verschied nach kurzem schweren Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Tochter,Schwiegertochter, Schwester, Schwägerin u. Tante Frau Lina Reuschiing geb. Kreiling im Alter von 43 Jahren. In tiefer Trauer: Louis Fr. Reuschling, Spenglermeister nebst allen Angehörigen. Kontokorrent- und Scheckverkehr I ■ Aufbewahrung und Verwaltung s von Wertpapieren Ausführung aller sonstiger Bankgeschäfte | im In- und Ausland K6919D& I/—I/—II—»—//al/—II—»—/)—J/Mt Heute morgen 9 Uhr wurde unsre innigstgeliebte, herzensgute, unvergeßliche Mutter, Großmutter, Schwiegermutter, Schwägerin und Tante Frau Konrad Walther Wwe. Elisabeth geb, Michel von ihrem langen, schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden durch einen sanften Tod erlöst. Samstag Tanz-Abend Achtung! Auktionssaal Walltorstrahe 36 Samstag, den 4. 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Wenn die Hoteliers, ZimmervermieterinneN und Barbesiher in Genf über die Bedeutung des Völkerbundes zu entscheiden hätten, und wenn steigende LebcnLhaltungslostcn ein Maßiab für die Bewertung dieser Institution wären, dann könnte man dem Völkerbunde eine geradezu blendende Prognose stellen. 'Bereits jetzt, und lange vor der Ankunft der wichtigsten Delegierten und Der prominenteren Völierbundsbummler he rscht eine Teuerung in der „Stadt des Friedens", wie man sie wohl sonst auf dem Kontinent nicht wieder treffen bür'te. Das drei- uni) vierfache der normalen Zimmerpreise bei den Hotels, fast verdoppelte Speiserechnungen lassen dar- auf schließen, das; man mit einer ganz besonders hohen Desucherziffer für die diesmalige Völker- bundssession rechnet. Trotzdem sieht man jedoch nirgends frohe Gesichter. Die politische Krise, die nun seit bald einem Jahre die Fundamente des Völkerbundes erschüttert, ist zu groß, und manche Gastwirte, die beianntlich durchaus nicht immer den schlechtesten Instinkt zu entwickeln ^pflegen, wenn Geschäft und Politik für, sie selber wichtig werden, zeigen verdrießliche Mienen. Sie befürchten, daß die Herren Politiker ihnen ihr schönes und ohne eigenes Verdienst in den Schoß gefallenes Geschäft verderben werden. Das ist natürlich nur eine Ansicht aus der Froschperspektive und, den offiziellen Versionen nach, durchaus fein Grund zum Pessimismus. Im Gegenteil, der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ist, wie alle amtlichen Vertreter erklären, gesicherter denn je. Da sie aber niemals hinzufügen, daß auch die Völkerbundskrisegelöst sei — die Dinge gehen gar nicht so sehr um Deutschland, als um die Interessen der Alliierten — stimmt gerade dieser Optimismus verdächtig. Cs sieht fast so aus. als ob man absichtlich an der Tatsache vorbeiredet, die in Genf jeder weih, und die doch niemand sich auszusprechen getraut, weil sie so ungeheuerlich klingt: die Tatsache nämlich, daß der Völkerbundsgedanke, so wie ihn die Pazifisten und vielleicht auch Wilson sich vorgestellt haben, bereits jetzt im siebenten Jahre seines Bestehens so völlig erledigt ist, daß man den Bankerott nicht einmal mehr zu verbergen trachtet! Ein bitterer Zynismus hat Platz gegriffen, der es allerhöchstens gestattet, von einer politischen Me i nun g s bö r s e in Genf zu sprechen und alles Geschäfts- und Iobbermäßige, das man mit dem Begriff der Börse zu verbinden pflegt, ist darin einbezogen. Gewiß reden noch einige Idealisten und einige Karrierebedürftige sehr lebhaft vom „ewigen Frieden" — aber ernst nimmt sie von den Eingeweihten niemand mehr. Man duldet sie, weil man weiß, daß selbst der Völkerbund im Zeitalter der Reklame einiger Schreier auf dem internationalen Markte bedarf, um toeiterhin als Ware, wenn auch nicht ganz vollwertige, angesehen zu werden. Diese Entwicklung der Ansichten der Dinge, die, je länger desto mehr auf eine politische Entwertung des Völkerbundes hinauslaufen müssen, leugnet hier in Genf, also an Ort und Stelle, niemand. Selbst Völker bundsfreunde, die fanatisch am Dölkerbundsgedanken hängen, wagen es nicht, die zutage getretene Dekadenz zu bestreiten. Ahn so erstaunlicher mag es darum erscheinen, daß der große Kampf zwischen England und Frankreich um diese In- stttution immer noch mit solcher Energie ausgekochten wird. Denn um England und Frankreich handelt es sich bei all den Intrigen, von denen die Blätter voll toaren, ja ganz allein. Zwar kommt es auch vor, daß die eine oder andere Macht, wie z. B. Brasilien oder jetzt Spanien, — nachdem sie ursprünglich von der einen von diesen beiden Mächten aufgestachelt wurden, plötzlich Politikauf eigene Faust machen, aber das gehört im allgemeinen zu den Seltenheiten. Für gewöhnlich parieren die Kleinen den Großen auch in Genf auf das Wort. Man wird daher guttun, die übertrieben unschuldige Miene, die ein Teil der französischen Diplomaten anläßlich der letzten Ereignisse als Ludwig Reeg. Don Emil D e h r e, Darmstadt. Ludwig Reeg, der als Schriftsteller auf religiösem Gebiet sich eine stattliche Gemeinde bt Hessen geschaffen hat, ist in diesen Tagen M Jahre alt geworden. Er ist aus dem Pfarrerberuf hervorgegangen und hat in verschiedenen hessischen Orten als geschätzter Prediger gewirkt, bis Krankheit ihn zwang, diesem Beruf zu entsagen. Besonders bekannt geworden ist er durch seine Schriften: „Don der tiefen Wirklichkeit", „Das verborgene Leben". „Der Heimweg", „Die Gemeinde", „Das Gedicht Gottes", die alle im Verlag von C. H. Deck in München erschienen sind. Ludwig Reeg ist ein tiefer Denker, der leine philosophischen Betrachtungen über das Sein und das Ewige in einer rhythmischen Sprache mitteilt, die sich oftmals zu dichterischem Schwung erhebt. Ludwig Reeg ist einer der Stillen im öanbe, der keinen Anschluß an eine literarische Zeitströmung hat, darum sei auf seine lebensechten Schriften nachdrücklich hingewiesen, Llrn einen Einblick in seine ganz nach Innen gekehrte Weltanschauung zu geben, lassen wir hier drei Proben aus seinen Werken folgen; die ersten beiden sind dem „Heimweg" und die dritte der Schrift „Von der tiefen Wirklichkeit" entnommen. Meine Stube. Endlich habe ich, was mir gehört meine Stube! Meine Wände, meinen Tisch und Stuhl! Und niemand fragt nach meinem Kommen und Gehen, und niemand wartet unerwartet. Die- mand sieht nach meinem Angesicht, und keines forscht in meinen Augen! Ich bin allein, nicht Stunden, sondern Jahre, nicht allein gelassen aus Rücksicht, aus Zorn, aus Güte; nein, so allein, wie mics zukommt, mir selbst überlassen, mir selbst geschenkt! Ich hin am Abend heimgekommen, ich habe mein Haus geöffnet, mit großen Schritten ist die Katze die Treppe hinunter gestiegen und hat mich schmeichelnd umstrichen, und nun bin ich in meiner Stube. Ich will nichts tun in dieser Abendstunde, nicht arbeiten, nicht die Zeit vertreiben. O, wie lieb ich diese Zeit! Bei all der drängenden Hast meiner Seele will ich zu dieser Stunde ruhen in meinem Sein, weil es mein Sein ist, das ich wiederfand. das zu werten, was sie ist, — als einen der üblichen Knif,e bei der Arbeit im Völkerbunde, die immer angewandt urd doch nie geglaubt werden. Frankreich kann gar nicht so uninteressiert an den Dingen in Gen sein, wie es das gerne darstellen mochte. Ist doch der Döltcr- bund nach der Ratifikation Locarn-3 das einzige politische Instrument auf dem Kontinent, auf dem Frankreich auch gegen England Politik treiben kann, ohne sich allzusehr blohzustellen Man stelle sich nur einmal vor, was ein von England beherrschter Dölkerbu;D zu den letzten Verträgen Frankreichs mit Rumänien und Dem polnisch-jugoslawüchen Vertrage sagen würde, und wie fatal es wäre, wenn Frankreich in Den Abrüstung^ fragen sich den englischen Wünschen, also Der Abschaffung feiner großen Armee, beugen mühte! Dein. Frankreich kann so etwas nicht zugestehen, solange es noch die Absicht einer selbständigen Politik behalten Hal Man braucht deswegen nicht gleich zu vermuten, daß das unbedingt gegen Deutschland gerichte, wäre, obgleich es natürlich für uns peinlich ist. so zum Schacherobjekt zwischen zwei anderen Mächten gemacht zu werden. Es ist denkbar, und vernünftige Franzosen werden nicht müde, das einem zu versichern, daß ein französisch orientierter Völkerbund befge Gestaltung der Reihenfolge der Mannschaften sehr wichtige Spiele bringen werden. Im Vordergrund des Interesses dürfte das Spiel zwischen den ersten Mannschaften Gießens und Heuchelheims stehen, das auf dem Heuchelheimer Sportplatz zum Austrag kommt. Hier treffen Zwei Gegner aufeinander, deren Leistungen als gleichwertig anzuerkennen sind. Beide^ Mannschaften haben nichts von ihrer Spielstärke "eirfgebüßt; das beweisen die Resultate der letzten Spiele. In der Vorrunde konnte Heuchelheim die Gießener Mann» chaft, wenn auch nur mit einem Tor Unterschied, chlagen. Als ernsthafter Bewerber um die Meisterest wird die Mannschaft auf eigenem Platz alles daran setzen, um die Punkte zu behalten. Gießen auf der anderen Seite wird unter allen Umständen feine mühsam errungene Tabellenführung behaupten wollen. Eine ähnliche Bedeutung kommt dem Spiel Wetzlar gegen Marburg in Wetzlar zu. In den Vorrundespielen konnte Wetzlar mit drei Punkten Vorsprung die Spitze halten, mußte sie aber nach den zwei Verlustspielen mit Gießen und Lollar mit einem Punkt minus an Gießen abtreten. Sa nun das Spiel gegen Gießen wiederholt wird, sind noch Aussichten vorhanden, die Führung wieder zu übernehmen. Dazu ist Vorbedingung, daß das Spiel am Sonntag gegen Marburg gewonnen wird, wozu die Marburger unter keinen Umständen ohne weiteres Ja und Amen jagen. Die wieder in sehr guter Form befindliche Wi esecker erste Mannschaft bat der Naunheimer ersten Mannschaft auf deren Platz gegenüberzutreten. Stellen die Wiesecker von vornherein die Tücken des Naunheimer Platzes in Rechnung und spielen sie den Fußball wie am Sonntag gegen Lollar, so dürfte ihnen der Sieg sicher sein. Den Beschluß der Spiele in der ersten Klasse machen Alsfeld und Lollar, die sich in Alsfeld ein Stelldichein geben. Programmgemäß wüßte Alsfeld mit einem knappen Resultat im Nachteil bleiben, zumal Lollar bemüht sein wird, die am Sonntag erlittene Niederlage wieder wett- zumachen. Da aber Alsfeld trotz feiner gewohnheitsmäßigen Niederlagen ein ernstzunehmender Gegner ist, kann auch einmal mit dem Gegenteil gerechnet werden. In der zweiten Klasse werden sich Marburg II und Wetzlar II in Marburg ein verteiltes Spiel liefern. Fronhausen I und Saubringen I stellen sich in Fronhausen. Weiter spielen: Rodheim I gegen (Sieben Ila in Rodheim, Gießen Ilb gegen Naunheim II in (Sieben, Blasbach I hat auf eigenem Platz Leun I als Gegner. In Wieseck treffen sich die zweiten Mannschaften Heuchelheims und Wiesecks, bei dieser Gelegenheit stellt sich die Heuchelheimer Zweite als Neuling vor. In der Jugendklasse sind nur drei Spiele vorgesehen: Wetzlar hat Heuchelheim zu Gast unb müßte erwartungsgemäß gewinnen, die Heuchelheimer Jugend hat sich aber recht gut entwickelt, so daß das Resultat offen bleiben muß. Die Gießener Jugend hat, in Marburg gegen die dortige Jugend ebenfalls einen stabilen Gegner, dürfte aber doch zum Schluß die Punkte für sich in Anspruch nehmen. Verhältnismäßig leicht wird der Wiesecker Jugend der Sieg über die Jugend Blasbachs werden. Die Preußen werden den Wiesecker Sportplatz wohl mit einer einwandfreien Niederlage verlassen müssen Handballkamps Wetzlar Giehen h. Die Stadionschulmannschast aus Wetzlar trägt am Samstagabend auf dem Platz des M. T. V. Gießen im Schiffenberger Tal ihr fälliges Rückspiel gegen die Gießener Männer- turner aus. Die Wetzlarer Elf besteht aus Schü- lern der beiden Wetzlarer Höheren Schulen, Gymnasium und Aufbauschule, mit ihrem Sportlehrer Paulus als Mittelstürmer,- sie zeigte in ihren bisherigen Spielen ein beachtlicAs Können. In der Elf sind mit P. vier Spieler der Städtemannschast, die dem M. T. V. einen gleichwertigen Gegner abgeben werden. T. V. von 1846. Zum erstenmal nach der Sommerpause treten am nächsten Sonntag Oie beiden Handballmannschaften zum Wettkampfe an. Als Gegner wurden für die 1. Mannschaft die 1. des Turnvereins von 1860 Bad-Nauheim, für die 2. Mannschaft die 1. des T. V. Alsfeld verpflichtet. Bad-Nau^ heim, das in den verflossenen Verbandsspielen an 2. Stelle der Meist er kla ssen-Tabelle stand, verfügt über ein ausgezeichnetes Spielvermögen, so daß die 1. alles aus sich herausgeben muß, um ehrenvoll gegen diesen spielstarken Gegner zu bestehen. Die 2. Mannschaft hat Alsfelds 1. als Gegner. Heber den Ausgang dieses Spiels kann nichts vorausgesagt werden, da über die Spielstarke der Alsfelder hier noch nichts bekannt ist. Giehener Leichtathleten starten in Mannheim. i » e ü n 11 p a n n u n g am Geldmärkte blieben auf die Haltung der Aktienmärkte ohne Einfluß, da die Unternehmungslust der Spekulation infolge des Aus- bleibens der zweiten Hand an den Terminmärkten und die bevorstehende Hemmung des Börsenverkehrs durch die hohen jüdischen Feiertage in der nächsten Woche, sowie des bald darausfolgenden Medioker mins wesentlich beeinträchtigt wurde. Die Spekulation entledigte sich teilweise weiterer Engagements, so daß die Haltung der Börse während der ersten Stunde eher unsicher und uneinheitlich war. Einzelne Spezialpapiere, wie Rheinische Braunkohlen, bei denen man einen Umtausch in Farbenaktien trotz des erfolgten Dementis erwartete, und Riebeck-Montan, deren Vorstand gegen das bisherige Umtauschange bot der Farbengruppe als unzureichend opponiert, erfuhren zwar bedeutende Steigerungen, stellten damit aber Ausnahmebewegungen dar. Im D e • Visen verkehr bröckelten die lateinischen Saluten ab. Die Anspannung des Statutes der Bank von Frankreich brachte in Reaktion auf die letzt- tätige Befestigung etwas Frankenmaterial heraus. Paris gegen London 164,50, Brüssel 165,50. Mai- land gegen das Pfund 133,50. Die sonstigen Valuten waren nur wenig verändert. Am Geldmarkt zeigte sich eine mäßige Erleichterung Monatsgeld 5f bis 6) Prozent. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) Banknoten. (Ohne Gewähr.) 2 Septbr. 3. Septbr. Amtliche Noti rung Amtliche Notierung t»cld Brie! (Selb Briet 168,11 168,53 168,14 168,56 Bucn.-Aires 1.694 1.698 1,693 1,697 Brsi-Antw 11,78 11,82 11.58 11,62 Tbrilltania. 91,88 98,12 91,88 92,13 Kopenhagen 111,43 111,71 111,50 111,78 Stockholm 112,21 112.49 112,16 112,44 HclnugforS 10,5.54 10.594 10.553 10.593 StfaUcn . . 15,52 15,56 15,17 15,21 London. . 20,367 20.417 20,366 20,416 Weunorf . . 4.194 4.204 4,194 1.204 Pari« - . . 12,73 12,77 12,32 13,36 Schwei; . 80,98 81,18 81,02 81,22 Spanten . 63,94 64.10 63.60 63.76 Japan . . - 2,017 2,021 3,017 3,021 mio be Jan. Wien in D-' 0,641 0.643 0,641 1.643 Cefl. abgell 59,22 59,36 59,22 59,36 Prag ... 12,418 12,458 12,42 12,46 Belgrad - . Dudaprfi. . 7,405 5,88 7,425 5,90 7.40 6,875 7,42 5,895 Bulgarien ->,04 3,05 3,04 3.05 Lissabon 21,395 21,445 21.395 -1.445 Danzig. - Konllantin. 81.30 81.50 81.32 81.53 2,235 2,254 2,235 2,245 Athrn 4.79 4.81 4.79 1.81 Sanaba. . Uruguav 4,199 4,209 4,199 1,209 4.185 4.195 4.185 4.195 Berlin, 2. Septbr. Gelb Brie: Amerikanische Note» » . .», Belgische Noten ..... . Dänische Noten ....... Englifchr Noten. ....... Franzöniche Noten ...... Hollänbische Noten .... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr-, i 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwebische Noten..... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Uno arische Noten . . . 4,182 11,82 111,12 20.326 12,87 167,76 15,96 91,57 59.14 2,04 111.87 80,88 63,64 12,38 5.835 4,202 11,88 111,68 20.126 12,93 168,60 16,04 92,03 59.44 2,08 112,43 61,2.8 03,96 12,44 5.875 KranL/urtcr Vctrerde-örse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger-".) F r a n k f u r t a. M., 3. Sept. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, neuer Ernte, 27,75, Roggen, inländischer, neuer Ernte, 21 bis 21,25, Sommergerste für Brauzwecke 23 bis 26, Hafer, inländischer, 18,50 vis 19, Mais,gelb, 18,25, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0, 41 bis 41,25, Roggenmehl 31 bis 32, Weizenkleie 9, Roggenkleie 10,50 Mk. Tendenz ruhig. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Isr.ReNglonSgemelnde. GotteSd. i. d.Synagoge (Südanlage). Samstag, den 4. September 1926. Vorabd. 6.45, morgens 8.30, abends 7.10 u. 7.50. Gottesdienst der ifr. Religionsgesellschaft. Sabbatfeier, 4. September 1926. Freitag abds. 6.35. Samstag vorm. 8.00, nachm. 4.30, Sabbatausg. 7.50, Wochengottesdienst: Sonntag und Mittwoch inorg. 5.00, an den übrigen Tagen 5.15, abds. 6.30. Letzte Nachrichten. Ium Fall Heinz. Zu der gestrigen Meldung von Wolffs telegraphischem Bureau über die Verhaftung des Hauptschriftleiters der Zeitschrift „Der Stahlhelm", Friedrich Wilhelm Heinz in Magdeburg, wird uns von dem Verteidiger des Beschuldigten mitgeteilt, daß sich Heinz als llnlersuchungsgefangener in der Zellenstrafanstalt Butzbach befinde. Von einem Fememord an dem Oberleutnant a. 'S). Wagner könne nicht gesprochen werden, da Wagner heute noch lebe. Es handle sich höchstens um einen Versuch; über eine Beteiligung des Heinz hieran könne erst die Untersuchung Klarheit bringen. Gegen die Verhaftung sei Haftbeschwerde erfolgt. Eine Beteiligung des Heinz an der Entführung des Kapitänleutnants Dittmar komme überhaupt nicht in Frage, da einmal in dieser Beziehung ein Verdacht gegen Heinz gar» nicht bestehe und weiter durch die Amnestie vom 17. August 1925 eine Verfolgung nicht mehr stattfinden könne. Rundfunk-Programm deS Frankfurter Senders. (Aus der »RaLto-Umschau".) Samstag, 4. September: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Schweizer Volksmusik. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lese- stunde. 6.15 bis 6.45 Uhr: „Humor in Frankfurter Kinderreimen und Redensarten", Vortrag von Dr. Josefine Fleck. 6.45 bis 7.15 Uhr: „Johann Gottlieb Fichte, Einführung in die Persönlichkeit und die populären Schriften des großen deutschen Idea- listen", erster Vortrag: „Fichtes Leben und Eharak- terentwicklung", erster £eil, Vortrag von Pfarrer Taesler. 7.45 bis 8.15: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Wohlfahrtspflege in alter und neuer Zeit", Vortrag von Dr. O. Wehn. 8.15 Uhr: Die Lokalbahn", Komödie von Ludwig Thoma. Anschließend bis 12 Uhr: Uebertragung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle.