Dienstag, 5. August 1926 176. Jahrgang Nr. 179 Erstes Blatt Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer ois zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20°, mehr. Chefredakteur. Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Iüftel, fSmtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. NoaatS'Bezugrpreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter» scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Zranffnrl am Main 11686. Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vruck vnd Verlag- vrühl'sche Univerfitüt§-Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschaftrfte^e: Zchulftrahe 7. Einheitsdrot in Italien. Rom. 2. 2lug. (WTD.) Der 'Ministerrat hat beschlossen, daß nur noch ein bestimmtes Cin- heitsbrot hergestellt werden darf. Das Backen und der Berkaus von Luxusbrot soll untersagt werden, ebenso die Herstellung von Kuchen und Feingebäck aus Getreidemehl. Außerdem hat der Ministerrat entschieden, daß von den 167 bestehenden Llnterpräfekturen 95 aufgehoben werden sollen. lehr des Reichsministers die schwebenden Verhandlungen über Deutschlands Eintritt in den Völkerbund und die damit zusammenhängenden Fragen in ihr letztes Stadium gekommen sind. Rach Klärung der Sachlage wird sich die Reichsregierung dann auch über die -Zusammensetzung der deutschen Delegation für Genf schlüssig werden. Daß der Reichsminister des Aeußern wieder Mitglied der Delegation sein wird, gilt alt selbstverständlich. zu unterstützen. Dieses Abkommen könne keinesfalls die Rechte eines Dritten verletzen oder Abessinien binden. — Der Liberale Kennworthy sagte, England solle von dem Abkommen zurücktreten, Italien sei Abessinien gegenüber immer aggressiv ausgetreten. Der deutsche Studententag. Bonn. 2. Aug. (WB.) In der heutigen Vormiltagssitzung des 9. deutschen Etudententages verlas der erste Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft zwei Schreiben. In dem ersten, an die Bonner Studentenschaft gerichteten Schreiben, legt der Vorsitzende der Donner Studentenschaft. trotz größter persönlicher Bedenken dieses Amt nieder um die vorliegende Spannung zu vermindern, die Spaltung zu beseitigen und die Einigung zu erzielen. In dem zweiten Schreiben spricht die B>nner Studentenschaft ihrem ehemaligen Vorsitzenden ihren Dank aus. Der erste Vorsitzende des deutschen Studententages gab darauf als Beschluß des Vorstandes bekannt: Die Tatsache besteht, daß der Vorsitzende der Donner Studentenschaft zurück- getreten ist. Somit ist unser früherer De- schluh hinfällig und wir fühlen uns jetzt wieder als G ä st e der Donner Studentenschaft. Dann führte das Vorstandsmitglied der deutschen Studentenschaft, Steller, im Rahmen des De- richtes über das letzte Amtsjahr u. a. aus, daß die Veruntreuungen an der älniversität Berlin im vergangenen Jahr allzusehr politisch aus- geschlachtet worden seien. Dagegen habe die Bewegung in Hannover eine ausgezeichnete Disziplin der deutschen Stckdentenfchast gezeigt. Anschließend ergriff das Vorstandsmitglied der deutschen Studenten'chaft Thon das Wort zu einem Referat über die einzelnen Arbeitsgebiete der deutschen Studentenschaft. Der Referent ging u. a. auf die Auslandarbeit der deutschen Studentenschaft im vergangenen Jahr ein, besonders auf die Verhandlungen mit der Arbeitsgemeinschaft studentischer Rationalverbände (E. I. E.). Die deutsche Studentenschaft habe ihre internationalen Beziehungen trotz des Scheiterns dieser Verhandlungen weiter ausgebaut und stehe nach wie vor in engster Berührung mit einer großen Anzahl ausländischer Studentenschaften. poincares zinanzsanierung. Die Amortisationskasse und das Tabakmonopol. Paris. 2. Aug. , Pilze 25, Falläpfel 8 bis 10, Frühäpfel 20» bis 40, Dirnen 15 bis 45, Heidelbeeren 25 bis 40, Johannisbeeren 30. Stachelbeeren 35, Himbeeren 80, Pflaumen 35 bis 50, Zwetschen 50, Pfirsiche 70, Aprikosen 80, Mirabellen 55 bis 60, junge Hahnen 90 bis 100, Suppenhühner 110 bis 130, Tauben 80 bis 90; das Stück: Eier 12 bis 13, Blumenkohl 20 bis 140, Salat 5 bis 10, Salatgurken 25 bis 50, Einmachgurken 3 bis 5, Oberkohlrabi 5 bis 15, Sellerie 20 bis 25, Rettich 5 bis 20 Pfennig. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 8 Ahr, Gastspiel des Bad-Rauheimer Kurtheaters „Rur kein Skandal". — Bauerscher Gesangverein: Zusammenkunft, Cafe „Astvria". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Mädchenhändler in Afrika". — Astoria-Licht- spiele: „Warum soll er nicht.. ** Ablösung von Anleihen. In der Zeit vom 2. August bis einschließlich 1. Rovember b. I. kann die Anmeldung des Altbesitzes von Anleihen der Länder, Gemeinden und Gemeinde- Verbände bei den Gießener Bankinstituten erfolgen. Als Altbesih gelten Werte, die seit 30. Juni 1920 ununterbrochen Eigentum der derzeitigen Besitzer waren, worüber bei Antragstellung Beweis zu führen ist. Der Antrag muß in jedem Fall persönlich gestellt werden. Wir verweisen im übrigen auf die gestrige Anzeige. ** Der 3000. Gast im Flug-Kaffee. Polizei-Obersekretär i. R. Sier, Roonstrahe 34, war am Sonntag der 3000. Gast im Flug-Kaffee. Ihm wurde, wie bisher jedem 500. Besucher, ein Freiflug nach Kassel oder Frankfurt a. M zugesprochen. ** Vorführung eines Motor- sprengwagens. Gestern nachmittag hatte die Stadtverwaltung Vertreter des Gießener Der- kehrsvereins und der einheimischen Presse zur Besichtigung eines neufonftruierten, motorisch betriebenen Sprengwagens eingeladen, der zum Zwecke einer Probevorführung am Oswaldsgar- ten im Hof der Feuerwache aufgestellt war. Es handelt sich um einen Daimler-Spreng- und Spülwagen mit ganz neuartiger Arbeitsweise. Der auf einem Fahrgestell für 5 Tonnen Ruhlast montierte Wasserkessel faßt 5000 Liter und ist hinten und an jeder Seite mit je einem Drause- körper versehen. Mit Hilfe einer vom Fahrmotor aus angetriebenen Zentrifugalpumpe lassen sich Sprengbreiten bis zu 24 Meter erzielen, ledoch ist die Vorrichtung je nach Bedarf für enge und breite Straßen einzustellen. Der Wagen, der sich übrigens durch einen modernen sog. Rihelantrieb auszeichnet, konnte innerhalb 5 Mi- nnten gefüllt werden; es werden hierzu nur 3 Minuten benötigt, wenn die Pumpe zum Anfängen und damit zum Selbstfüllen (ettoa in der ~aim) benutzt werden kann. Außer öcr-tiQQnalen Sprengvorrichtung ist der Wagen mit einer Spülvorrichtung ausgestattet, die, mit einer Geschwin- bigfeit 12 bis 18 km/(5tun&e das Wasser gegen Die Fahrbahn strömen läßt, wodurch der Schmutz nr Bordschwellen gespült wird und in die l%ong[$a$te abfließen kann. Außerdem ist der Wagen, übrigens ein gutgebautes, statt- Uches Fahrzeug von bemerkenswerter Wendigkeit als Feuerlöschsprihe zu verwenden und erreicht als solche eine bedeutende Wurfweite. Der Probewagen arbeitete bei der Vorführung in allen Funktionen tadellos und exakt, sowohl im Spülen, d. h. der eigentlichen Straßenr einigung, als auch im Sprengen, sowie bei der Feuerlösch- probe. Die Vorführungen erfolgten zunächst am Oswaldsgarten, später in der Ludwigstraße und (als Steigungsprobe) in der Ebelstrahe; endlich schloß sich eine Umfahrt durch den Anlagen- gurtel an. Die Vorführungen erregten natürlich allenthalben nicht nur das rege Interesse der Geladenen, sondern auch des Straßenpublikums. (Zumal die Jugend nahm an der Spritz-Fahrt regen Anteil.) Man wird, ehe man sich zu einem -Ankauf entschließt, in den nächsten Tagen Gelegenheit haben, die Vorführungen eines anderen Sprengwagens in Augenschein zu nehmen. ** Turnverein von 1846. Rur noch wenige Tage trennen uns von der 80jährigen Jubelfeier. Die Vorbereitungen für den 7. und 8. August sind soweit beendet, so daß die Veranstaltungen an beiden Tagen einen würdigen Verlauf nehmen werden. RWge der 7. und 8. August ein Markstein sein in der Geschichte des alten Turnvereins von 1846, und mit dem alten Wahlspruch „ Frisch, fromm, fröhlich, frei“ wollen wir an beiden Tagen zeigen, daß deutscher Wille und deutsches Tun und Treiben noch beseelt ftt vom Geiste Vater Jahns. Die Riege der Besten des Mittelrheinkreises wird von nachstehenden Turnern gestellt: Höflich, Mainz-Kost- beim, Pfeiffer, Frankfurt, Bunt, Wiesbaden, Hahn, Esch, Gebrüder Menz, Mainz, Kretz, Mainz, Ries, Ridda, Hofmann, Rürnberg, Steinmüller, Rürnberg und Reuter, Gießen. .. ’* .®'cr Schottener S ommermarkt findet Vn althergebrachter Form am Montan, 9. August, als Pferde- und Rindviehmarkt, Diens- tag.10. August, als Rindvieh- und Schweine- Mittwoch, 11. August, als Krämermarkt und Volksfest statt. Es ist zu erwarten, daß der Markt gut besucht wird und seine alte Anziehungskraft ausübt. (vgl. die gestrige Anzeige.) ** Personalien. Auf Grund des § 1 des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten vom 2. Juli 1923/19. Dezember 1923 in der Fassung des Gesetzes vom 8. Oktober 1025 (R.--G -Bl ©. 249) treten am 1. August 1926 in den dauernden Ruhestand die im einstweiligen Ruhestand befindlichen Rektor Adam Kredel zu Bad°Rau° heim und Lehrer Georg G e ck zu Trais-Horloff, Kreis Gießen. Fünfzig Fahre „FreiwilligeFeuerwehr" Lollar. <5 Nach längeren Vorarbeiten beging am Sonntag die Lollarer Freiwillige Feuerwehr ihr 50 jähriges Stiftungsfest. Da mit dieser Veranstaltung der Verbands tag des Kkeisverbandes der Fre-fwilligen Feuerwehren im Kreise Gießen verbunden wurde, waren die Erwartungen für diesen Tag keine geringen. Reges Leben und Treiben herrschten den ganzen Samstag von früh bis spät in den Straßen. Unter Beteiligung der gesamten Einwohnerschaft und einiger Delegationen auswärtiger Wehren nahm das Fest am Samstagabend seinen Anfang. Das Übliche Abholen der Vereine von ihren einzelnen Lokalen mit Musik gestaltete sich wie zu einer Kundgebung für die Feuerwehr. Auf dem großartig angelegten Festplah entwickelte sich ein Programm, bei dem Wohl ein jeder auf seine Rechnung kommen konnte, und das das Wirken der einzelnen Vereine im besten Lichte zeigte. Rach einer Begrüßung durch den 1. Kommaiidanten Gerh. Rohrbach, der ein kräftiges „Gut Wehr!" für die noch lebenden vierzehn Grü.nder folgte, fand das Ortsoberhaupt, Bürgermeister Schmidt herzliche Worte des Willkommens. Lebhafte Anerkennung zollte er der Tätigkeit der Freiwilligen Feuerwehr und wünschte weiteres gutes Gedeihen im Interesse der Allgemeinheit. Mit kurzen Worten streifte er die Verhältnisse, die bei der Gründung der Wehr bestanden. Schwere Zeiten hatte damals die Wehr durchzumachen. Doch Opfersinn und Hingabe führten zu großem Erfolg, trotz dem heute nicht zu verstehenden, kleinlichen Verhalten einer damaligen Gemeindevertretung. Mit freudig aufgenommenem „Gut Wehr!" für den Gastgeber schloß die Rede. Anschließend folgten noch einige Ansprachen mit Geschenküberreichungen. Der Sonntagvormittag sah nun die Delegierten der freiwilligen Wehren des Verbandes int Kreise Gießen zu ernster Arbeit versammelt. Kurz nach 10 Uhr konnte der Vorsitzende des geschästsführenden Ausschusses den 6. Herbstverbandstag eröffnen. In seiner Begrüßungsansprache entbot er besonderen Gruß dem Regierungsvertreter, Ober-Reg.-Rat Dr. Hetz, den anwesenden Bürgermeistern aus dem Kreis, sowie den Vertretern aus anderen Feuerwehrverbänden. Rach Feststellung der sahungsmäßigen Einberufung des Verbandstages wurde durch den Vorsitzenden Fr. Wenzel die Berichterstattung gegeben. Erfreulich war dabei, zu hören, daß in mehreren Orten des Kreises Gießen freiwillige KAU-BONB- >ELLSCHAFT, FRAN II M Ä M D WM Msielkms wegen Aufgabe des Ladengeschäfts. A.Welz,Seltersweg 6 Z Eleganter Damenputz jetzt Seltersweg 81 Geschäftsverlegung H. Lehmann, vnh. S. Haas halte sie die IBaffe nach unten, um ihn nur leicht, vielleicht am Dein, zu treffen. Sie sei aus der Treppe Dr. Seih entgegengelaufen, um eine ernstliche Aussprache herbeizusühren. Seitz habe he dabei am rechten Arm gefaßt und später an der Achsel, um sie zu beruhigen. Plötzlich habe sie ihre zwei Hände frei gehabt und Seitz gestützt. Der Vorsitzende hält der Angeklagten vor, daß lhre heutige Auslassung in vielen Punkten in Widerspruch stehe zu ihren früheren. Die Angeklagte ertlärt diesen Widerspruch damit, daß sie nicht fähig gewesen sei, damals präzise Angaben zu machen. Hierauf verliest der Vorsitzende zwei Briefe der Angeklagten aus der Haft an ihre Oberin. 3n einem Schreiben heißt es, „baß der unglückliche Ausgang keinem schlechten Motiv entsprang". Der Derteidiger stellt daraus fest, daß der Angeklagten der Revolver aus der Hand gefallen sei und erkundigte sich, ob sie den Revolver nach unten ober nach oben gehalten habe. Sie kann sich ihrer damaligen Handstellung nicht mehr erinnern. Bei einer Zwischenfrage des Staatsanwalts ereignete sich ein heftiger Zusammenstoß zwischen der sehr erregten Angeklagten und dem Staatsanwalt Floret. Es folgt eine halbstündige Pause, bann beginnt die Vernehmung der Zeugen. Die heute vernommenen Zeugen, zumeist Krankenschwestern, barunier auch die Oberin des. Schwesternhauses und Patienten, sprechen sich über die Angeklagte verhältnismäßig günstig aus. Sie habe immer gut mit den Patienten gestanden und sie, besonders Schwerverwundete und Doppelamputierte, aufopfernd gepflegt. Rur ein einziges Mal sei eine Klage gekommen. Die Angeklagte sei immer sehr impulsiv gewesen. Eine Zeugin bekundet, baß die Flessa gesagt habe, sie sei mit einem Arzt verlobt, könne aber wegen der pekuniären Verhältnisse nicht heiraten. Die Angeklagte bestreitet, das Wort „verlobt" gebraucht zu haben. Die Schwester der Angeklagten, die ebenfalls Krankenschwester ist, hat den Eindruck, daß die Angeklagte sich ihr nicht in allen Punkten anvertraut habe. Andere Zeuginnen heben hervor, daß Seih in feinem guten Rufe gestanden, geringschätzig von den Frauen gesprochen und als Schürzenjäger gegolten habe. Strafkammer Gießen. Ein Heilkundiger hatte eine Frau längere Zeit behandelt, die an einer sehr starken Vereiterung eines Fingers erkrankt war. Als aber kein Erfolg eintrat, und der Zustand des Fingers sich verschlimmerte, begab sich die Frau zu einem Arzt, der ihr auf operativem Weg ein Glied des Fingers abnehmen mußte. Die Folge war, daß der Hellkundige wegen fahrlässiger Körperverletzung unter Anklage gestellt wurde. Durch das Amtsgericht L a u b a ch wurde er zu einer Geldstrafe von 100 Mark verurteilt. Auf seine Berufung hin wurden nochmals zwei ärztliche Sachverständige vernommen, die übereinstimmend der Ansicht waren, daß die Frau infolge nicht sachgemäßer Behandlung durch den Heilkundigen das Glied Ihres Fingers ein* büßen mußte. Das Gericht sah eine Fahrlässigkeit des Angeklagten für erwiesen an und verwarf die Berufung. Ebenfalls keinen Erfolg mit seiner Berufung hatte ein Arbeiter, der wegen schwerer Körperverletzung durch das Amtsgericht B ü - Dingen zu 14 Sagen Gefängnis verurteilt worden war. 3n der Verhandlung bestritt er, sich strafbar gemacht zu haben und berief sich auf Rotwehr. Durch die Beweisaufnahme wurde aber das Gegenteil festgestellt. Richt der Angeklagte war angegriffen worben, vielmehr hatte er seinem auf dem Boden liegenden, wehrlosen Gegner mit einer Kneifzange micberbolt auf den Kops geschlagen. Wit Rücksicht auf das sehr gespannte. auf Mietstreitigkeiten zurückzuführende Verhältnis, bas zwischen der Familie des Angeklagten und der deS Verletzten besteht, billigte das Gericht ihm mildernde Umstände zu. Die von dem Dorderrichter erkannte Gefängnisstrafe von 14 Tagen wurde als angemessene Sühne der Tat angesehen. Ein junger Mann hatte wegen Betrugs einen Strafbefehl von vier Wochen Gefängnis erhalten, gegen den er Einspruch einlegte. Auf Grund der darauf erfolgten mündlichen Verhandlung hatte das Amtsgericht Gießen auf Die gleiche Strafe erkannt. Auch mit feiner gegen dieses Urteil eingelegten Berufung hatte er feinen Erfolg. Bei einer großen auswärtigen Fleisch- uni> Wurstwarenfabrik hatte er mehrere Zentner Wurst unter Benutzung von Postkarten mit vielverheißendem Firmenaufdruck bestellt und dabei Barzahlung innerhalb acht Tagen versprochen, während hinter allen Angaben nichts Wahres stand. Das Gericht hielt ihn des Betrugs für schuldig und bestätigte daS auf vier Wochen Gefängnis lautende Urteil. Zwei Gefangene, die sich im Amtsgerichtsgefängnis Friedberg in Untersuchungshaft befanden, hatten dort gemeinsam auszubrechen versucht, waren aber in ihrem Vorhaben gestört worden. Durch das Amtsgericht Friedberg waren sie zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt toorben. Mit ihrer Berufung wollten sie eine Herabsetzung der Strafe bezwecken. Der Erfolg blieb aber versagt, da das Amtsgericht bereits auf die gesetzlich zulässige Mindeststraf« erkannt hatte. Amtsgericht Wetzlar. Q Gin Kassenbote aus Wetzlar machte sich dadurch eines groben Vertrauensbruchs schuldig, daß er ihm anvertraute Gelder der städtischen Sparkasse — es waren 167 Mark — unterschlug und für sich verwendete. Mit dem Gelde fuhr er nach Magdeburg und von bä nach Warnemünde, wo er dann von der Polizei verhaftet wurde. Dieferhalb hat er sich wegen Unterschlagung zu verantworten. Der QlngeHagte ist geständig und führt weiter an, daß er abends nach Bureaufchluß das Geld abliefern wollte, ihm aber bedeutet wurde, das Geld bis zum Montag früh zu behalten. Er will dann 60 Mk. verloren haben und in der Bestürzung darüber kopflos geworden und flüchtig gegangen sein. Das Urteil lautete aus 1 Monat Gefängnis, die durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt gilt. Einem Arbeiter aus Klein-Altenstädt en ist schwerer Diebstahl zur Last gelegt unter der Beschuldigung, in der Gemarkung Groß- Rechtenbach eine alleinstehende Kirschenhütte erbrochen und den darin befindlichen Ofen gestohlen zu haben. Der Angeklagte bestreitet die Tat, gibt aber zu, einmal mit einem anderen zusammen die AL ficht gehabt zu haben, den fraglichen Ofen, den er einmal per Zufall entdeckt hatte, zu entwenden: er will aber von diesem Vorhaben wieder Abstand genommen haben. Da die Verhandlung nicht den Beweis der Täterschaft deS Angeklagten ergab, erfolgte kostenlose Freisprechung. Zwei Arbeiter aus WaldgirmeS sind wegen Diebstahls und ein weiterer wegen Hehlerei angeklagt. Die beiden ersten Angeklagten hatten einem Arbeiter aus Erda fein Fahrrad, das dieser in der Scheune eines Erdaer Gastwirts untergestellt hatte, gestohlen, während der dritte Dohren neu gegründet wurden, also die Verbreitung einer guten Sache begrüßenswerte Fortschritte macht. In Erwiderung auf die Begrü- ßung dankte der Regierungsvertreter für .die Einladung und wünschte der Veranstaltung den besten Verlauf. Er bedauerte, daß besondere Umstände im Amt dazu geführt hätten, einen Wechsel des Referenten im Feuerlöschwesen vor- zunehmen, eS habe sich aber für ihn ermöglicht, noch einmal zu dieser Tagung -u kommen, da ihm gerade diese Aufgabe ans Herz gewachsen sei. — Eine Anregung deS Vorsitzenden, einen Besuch der Feuerwehrwoche auf der „Gesolei" zu erleichtern, fand bei der Versammlung lebhaften Widerhall. Viel ist dort zu sehen und hinzu zu lernen. Ober-Reg.-Rat Heß verftchert, sich der Sache anzunehmen. Die Rechnungsprüfer für 1926/27 werden auf Vorschlag wiedergewählt. Unter .Verschiedenes" teilt der Vorsitzende mit. daß die Ausz e i ch- nung für fünfzehnjährige Dienstzeit fertiggestellt ist und zur Verlechung kommt. Die Dekoration der anwesenden Ausgezeichneten wurde gleich vorgenommen. Branddirektor Braubach danft für die Verleihung und gibt feiner besonderen Freude darüber Ausdruck, Daß Entwurf und Herstellung der Auszeichnung aus hiesigen Kreisen stammten. Die Auszeichnung erhalten 419 aktive Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren im Kreise Gießen. Die Stiftung selbst ist vom Verband der Freiwilligen Feuerwehren im Kreise Gießen. Der Vorsitzende wünscht, daß diese Auszeichnung ein Bindeglied fein'möge. Rach Schluß der Tagung begaben sich die Delegierten mit Gästen an die Schule, wo die Jubelwehr mit Geräten Paradeaufstellung genommen hatte. Die Aufstellung war glänzend, und hintersieß bei allen Anwesenden den besten Eindruck. Die nun folgenden Fuß- und Geräteübungen klappten vorzüglich. Einen Brand- angriff, welcher der Wehr nun auf gegeben wurde, führte sie vereint mit der Werkseuerwehr der Duderus'schen Eisenwerke zur vollsten Zufriedenheit aus. Hierbei war erstaunlich, mit welcher Exaktheit alles ausgeftchrt wurde, und in welch kurzer Zeit Wasser das Drandobjekt belegte. So, wie die beiden Wehren sich gezeigt hatten, fiel auch die Kritik aus: hatten sie doch alles auf „Sehr gut“ bestanden. Um hie Gelegenheit nicht ungenützt vorübergehen zu lassen, wurde nach Beendigung der Hebung die Motorspritze des Kreises Gießen von dem Oberkommando alarmiert. Die Ankunft dieses neuangeschafften Löschgerätes erfolgte In ziemlich kurzer Zeit nach dem telephonischen Ruf. Jedoch ließ die Vor- füßrung zu wünschen übrig. Aber eS wird ja nicht immer so fein. Inzwischen war es so spät geworden, daß die angesehten Zeiten auf dem Progrannn geändert werden mußten. So verzögerte sich Die Ausstellung des Festzuges um rund eine Stunde, aber dann ging alles wie am Schnürche^. Ein imposanter Zug war zu sehen. Durch Beteiligung der vielen Feuerwehrkapellen folgte fast ein Musittrupp hinter dem andern. Sehr angenehm fiel auch hier die neugegründete Lollarer Feuerwehrkapelle auf. Um einen Ansporn zur guten Beteiligung und Haltung im Festzug zu geben, waren vier Anerkennungen in Gestalt von großen silbernen Trinkgefäßen ausgesetzt. Die Träger dieser Anerkennungen sind die Freiwilligen Feuerwehren von Großen-Linden, Hungen, Gr. - Duseck und Heuchelheim. Auf dem Festplah entwickelte sich ein echtes, rechtes Feuerwehrfest. Alles in allem: der Kreisfeuerwehrverband Gießen, sowie die Jubelwehr Lollar können aus diesen Tag mit ganz besonderem Stolz zurückblicken. „Gut Wehr!" Gerichtsfaal. Der neue Prozeh Flessa. WSR. Frankfurt a. M.. 2. Aug. Der mit so großer Spannung erwartete neue Prozeß Flessa nahm heute vormlltag vor dem Lchwurgerichl feinen Anfang. Umfangreiche Absperrungsmaßnahmen waren getroffen worden, um Dem Prozeß einen ungestörten Verlauf zu sichern, und nur die mit Zutrittskarten versehenen Personen fanden Einlaß. Verhandlungsleiter ist Landgerichtsdirektor Ungewitter, als Beisitzer fungieren die Landgerichtsräte Deschauer und Dr. Liebmann. Uitter den sechs ausgelosten Geschworenen befindet sich eine Frau. Die Anklagebehörde wird wieder wie in dem ersten Prozeß von dem Ersten Staatsanwalt Floret vertreten. Die Angeschuldigte wird vom Rechtsanwalt Prof. Dr. Sinzheimer und Fräulein Dr. Anna Schul; verteidigt. Zur Verhandlung sind 63 Zeugen, für den ersten Ver- Handlungstag davon nur 12 geladen. Als Sachverständige sind erschienen: Gerichtsarzt Geheimrat Dr Roth, Universitätsprofessor Dr. R a e ck e, Derichlschemiker Prof. Dr. Popp, Pros. Dr. Friedländer (Freiburg). Prof. Dr. Goldstein, Prof. Dr. Löwenstein (Bonn), Büchsenmacher Bock und als weiterer Schießsachver- ftänbiger Herr Trapper t. Kurz nach 9 Uhr wurde die Angeklagte Krantenschwestcr Wilhelmine Flessa, in den Saal geführt. Rach Verlesung des EröffnungS- beschlufses wird Die Angeklagte zur Aenßerung aufgeforDert, aber es gelingt Dem Vorsitzenden nur schwer, sie zum Sprechen zu bewegen, und es bedarf häufig Der Zusprache des Verteidigers, um Die Beschuldigte zu einer Erklärung zu veranlassen. Schwester Flessa ist sichtlich gefaßter als im ersten Prozeß. Der Vorsitzende geht auf Die wichtigsten schon bekannten Daten aus ihrem Vorleben ein. Als Die Sprache auf die Beziehungen der Angeklagten zu Dr. Seih kommt, wird Die Oeffent- lichkeit ausgeschlossen. Rach Wiederherstellung Der Öffentlichkeit kommt Die Sprache auf Den Briefwechsel Der Angeklagten mit Dr. Seih, auf ihre Spaziergänge unD Theaterbesuche. Auf die Frage des Vorsitzenden über das gespannte Verhältnis zu Seih erklärt Die Angeklagte. Daß sie Seih, als er sich über sein Vorhalten gegenüber Damen ausließ, sie ihm gesagt habe: „Wenn mir so etwas passieren würde, würde ich Den Herrn erschießen". Die Angeklagte behauptet weiter, Daß sie nie gedroht habe, aber sie habe ihm einmal geschrieben: „Daß den Menschen auch mal sein Schicksal erreicht, wenn er fortfährt, mich fo zynisch zu behandeln". Der Vorsitzende stellt hierauf einige Fragen an Die Angeklagte, wonach sich Die Drohungen immer gehäuft hätten. Die Angeklagte bestreitet dies und wendet sich gegen Die Behauptung, daß sie hinter einem Baum auf Seih gewartet habe. Den Revolver will sie sich zum Selbstschutz gekauft haben, well sie in ihrer Wohnung in Der Grünenstraße im Parterre nachts bei offenem Fenster geschlafen habe. Auf die Feststellung, Daß sie die Waffe entsichert im Rucksack getragen habe, erklärt die Angeklagte, daß sie das nicht für gefährlich gehalten habe. Bei der weiteren Vernehmung kommt die Angeklagte auf Die Krankenpflege in Der Familie Sch. zu sprechen. Deren Tochter bekanntlich beabsichtigt haben soll, sich mit Dr. Seih zu verheiraten. Sie habe nie innerlich verspürt, Daß Sri. S. ihre Rivalin sei. Eifersucht gegenüber Dem Mädchen habe sie nie beherrscht. Es wird nun Die Sprache auf Die Tat selbst gebracht. Die Auslassungen Der Angeklagten gehen dahin, Daß sie sich sagte, wenn sie schieße, Empfehlungen la Wetterauer Speisekartoffeln versendet per Ztr. x 4.—, tnkl. Sack, gegen Nachnahme. A. Simon II., Echzell,Selepbon: Reichelsheim Wet- terau 10. tWsD Garbenbänder feurig gefärbt, Marke „Prima", empfiehlt Samenhaus Hahn Bahnhofstraße. Telephon 1403. WWWeins „Böhmö alterirübeste Gelbe", „Stanettro» nen"u Qdenwälder Blaue, la Welter- auer Ware, per 3tr. x 4 — m. Sack, vers. ab Stal. Echzell geg. Nackn. Schnelle und nute Bedienung. Vubtvin Erb, Echzell iWettemu». Tel. 9Zr 21 Amt Reiwelc- beimr^'C'tcrani MI6D aller Art liefert die Brühl'sche Druckerei LIEBI6SH0HE Donnerstag, den 5. August, abends S1/» Uhr 8. Abonnementskonzert tU«fl! 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Gelegentlich eines Wortwechsels gerieten zwei Arbeiter aus Tri n gen st ein aneinander, in dessen Verlauf der eine eine Latte vom Zaune eines Gattens abrih und den andern damit derart bearbeitete, daß er zu Boden stürzte. Dessen- ungeachtet schlug er weiter auf den am Boden Liegenden ein. Durch diese Schläge erlitt der Mißhandelte ziemliche Kopfverletzungen, welche ärztliche Behandlung notwendig machten. Der Täter ist dieferhalb wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt und wird zu 3 0 R m. Geldstrafe, hilfsweise 6 Tage Gefängnis, verurteilt. 2. Ein Arbeiter aus Dornholzhausen erschien s. ZI. auf dem Bürgermeisteramt, um sich Arbeitslosenunterstühung zu holen. Da die vorgeschriebene Bescheinigung des Gemeindevorstehers auf seinem Kontrollbogen nicht verzeichnet war, wurde ihm unter der Bedingung, das) er die Bescheinigung nachbringe, die Unterstützung gezahlt. Statt nun zum Gemeindevorsteher zwecks Erlangung der Bescheinigung zu gehen, setzte er Danksagung. Für die überaus zahlreichen Beweise herzlichster Teilnahme und die vielen Kranzspenden bei dem Heimgänge unserer herzensguten, unvergeßlichen Mutter Frau Wilhelmine Rau geb. Jung sprechen wir allen unseren aufrichtigsten Dank aus Familie Rau. Lieh, Offenbach a. M., Beuern, den 2. August 1926 ———______________ 6362D Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redakt io/» dem Publikum gegenüber keinerlei DerantwoEing.) Schristleitung.) Mehr Lichki Die Worte spielen zur Zeit bei den maßgebenden städtischen Instanzen eine große Rolle, wenigstens für bestimmte Straßenzüge, die jetzt taghell erleuchtet sind. Daß dadurch die Verkehrssicherheit erhöht wird, ist zu begrüßen. Befremdend ist es aber, daß andere Straßen in der Beleuchtungsfrage sehr stiefmütterlich behandelt werden. Zu diesen Straßen gehört auch die Hintere Liebigstraße, die abends und nachts in tiefes Dunkel gehüllt ist. — Die Frage lautet: „Wie lange noch wollen Polizei- und Stadtverwaltung diesen verkehrsunsicheren Zu- stand dulden, zumal doch die Stadtverwaltung andere neuerbaute Straßenzüge mit elektrischer Beleuchtung ausgerüstet hat?" Luzifer. Mittwoch, den 4. August 1926, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich in Gietzen, im Löwen Zwangsweise gegen Barzahlung: 1. 2 Sofas, 2 Büfetts, 2 Vertikos, 1 Standuhr, 1 Nähmaschine, 2 Tische, 1 Tru- nieau, 2 Sessel, 1 Kommode, 1 Bücher' nenelt, 4 Stühle mit Kunstleder, 1 Rauchtisch, 50 Verbandskasten, 1 Projektionsapparat, 1 Revolverdrehbnnk, 1 große Bohrmaschine mit Riemenscheibe und Zubehör,1 FriseureinrichUlNg,lHerren- sahrrad, 1 Schreibmaschine, 1 Kassen- schrank, 1 Ladentheke mitMarmorvlatte, 1 Doppelpult, 1 Spuirad, 15 Metzger» kittel, 1 Fleischerstrickjacke,6 Messer, sechs Löffel, 17 Katzeelöff. (Alpaka) 48 Bestecke. 2. 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Vortrag von Herrn Prof. Dr. Raumann. 7,45 bis 8 Uhr: Stunde der Franlfutter Vereinigung für Heimatkunde. 8 bis 8,30 Uhr: Uebertragung aus dem Mannheimer Besprechungsraum: „Die Heidelberger Festspielaufführung des Sommernachtstraums", Vortrag von Herrn Intendant Gustav Hartung. 8,30 Uhr: Uebertragung vom Heidelberger Schloßhof: „Ein Sommernachtstraum". Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloffen. Jüc unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäs tsstelle zu richten. Einfaches Einfamilien haus von 5—6 Simmern, nächste Untflebunno. (Siesten IBahnstat.« S» kaufen acincht. Schr. Annebvle von Besitzern unt. 05152 an den Gietz. Anz. Gebt. MIM mit Sprungseder- inatratze, gebt. kl. CAfn su kaufen acincht. Schr. Ana. u. 05362 an den Gietz. Anz. MulbtttWiler tänl. frisch, z. k. aef Schr. Ana- u. 05357 an den Gietz. Anz. Schäfer, Ltcher Strätze 9. Altes Blei iBletröhrem lauft Brühlsche Druckerei D Schulstr 7'9 Ur. 179 Zweites Blatt Oberhessen. Landkreis Gießen. : Beuern, 2. Aug. Ein Schmerzenskind unserer Gemeindeverwaltung ist unsere Wasserleitung. Bei ihrer Anlage vor nunmehr 20 Jahren wurde schlechtes Material verwendet, so daß schon ungezählte Rohrbrüche vorgekommen sind. Trotz der überaus starken Regengüsse der letzten Wochen mangelt es gegenwärtig wieder an Wasser. Die Ursache ist wahrscheinlich wieder darin zu suchen, dah das Wasser innerhalb des Dorfnehes durch zerbrochene Rohre der Wasserleitung entweich:. Da die Oefen unserer beiden Schulhäuser nicht mehr in Ordnung sind, trägt man ltd) mit dem Gedanken, Zentralheizung in die Schulhäuser zu legen. Bei dieser Gelegenheit wird sich auch die Anlegung eines Volks- Labes in den Schulkellern ermöglichen lassen. Dieser Gedanke mühte unbedingt verwirklicht werden, da in unferm Dors jegliche Badegelegenheit für Erwachsene fehlt. Auch der gegenwänigs Badeplatz für unsere Jugend unterhalb des Dorfes im Krebsbach ist ungenügend, mißt doch das Wasser an seiner tiefsten Stelle kaum mehr als 50 Zentimeter bei einer Breite des Baches von nur etwa zwei Metern. ch. Lich, I.Aug. Aus Veranlassung des hiesigen Aewerbevereins sand dieser Tage eine Steuerprote st Versammlung aller Handwerker und Gewerbetreibender von Lich und Um- gegend statt, die sehr zahlreich besucht war. Die überaus große Rotlage des Handwerks und Gewerbes zwingt diese, mit aller Entschiedenheit gegen die bestehende Steuerpolitik zu protestieren. Es wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, die der Regierung übermittelt werden soll. Kreis Friedberg. ss. Friedberg, 1. Aug. Zn der letzten Woche stand unsere Stadt im Zeichen des Bundes' tage s der „Adler und Falken" und der „S ch i l l j ug e n d"; aus allen Teilen Deutschlands und der deutschen Grenzlandc waren sie herbeigeströmt und durchzogen mit ihren Wimpeln und Fahnen die geschmückten Straßen: man schätzte die Zahl der Anwesenden auf über 1500. Mit der Bundestagung sind auch zwei sehr beachtenswerte Ausstellungen verbunden, die eine im Hotel Trapp bietet als Grenzlandausftellung ein lückenloses Material von Büchern, Schriften und Karten über alle deutschen Grenzlande. Die andere Ausstellung im Saale des Polytechnikums bringt neben Büchern und Schriften eine sehr große Zahl selbstgefertigter kunstgewerblicher Gegenstände, wie Zeichnungen, Scherenschnitte, Aquarelle, Plastiken, Schmucksachen usw. Die meisten der Sachen sind verkäuflich und stehen auf beachtenswerter künstlerischer Höhe. — Der Verlauf der Tagung bietet fortwährend Neues und Interessantes. Während in den Zwischenzeiten auf der Seewiese die turnerischen Hebungen, die Wettkämpfe und Geländespiele ihren Fortgang nehmen, tagen auch die einzelnen Arbeitsämter, wie das Kunstamt, das Amt für Heimatkunde, für Rasfenkunde, für deutsches Schrifttum usw. Außerdem fand zwischen Friedberg und Fauerbach auf einer Freiluftbühne die Aufführung eines Eddafpielcs statt, von besonderer Bedeutung war die Dichterstunde an der Georgskapelle. Der Dichter Dr. Ldw. F i n ck h , Baienhofen, war selbst erschienen, um aus seinen Romanen, seinen Gedichten und den Ahnenbüchlein einzelne Stellen oor- zulesen: eine große Anzahl der Bundesteilnehmcr und Bewohner unserer Stadt lauschten mit Andacht seinen Worten. Der Sonntag begann mit einem großen Singen an der Georgskapelle, wohin die Mannschaften in geschlossenem Zuge anrückten: Gc- samtchöre, Chöre der einzelnen Gaue und ein von einem Quartett vorgetragenes Menuett von Beethoven bewiesen, daß auch die musikalische Ausbildung eine liebevolle Pflege findet. Die Spielabteilung „Ekkehard" gab in den benachbarten Gemeinden Usingen und Bad-Nauheim einen bunten Abend und erntete in beiden Orten vollen Beifall. Unter lebhafter Anteilnahme der Friedberger Bevölkerung fand dann noch am Nachmittage 3 Uhr auf der Seewiese ein Tanzfest statt, welches uns altdeutsches Tanzgut, Reigen und Tänze brachte und einen überaus malerischen Anblick bot. am Stammheim. 2. Aug. Am Sonntag fand hier bei günstigem Wetter ein Dolks- missivnSfest statt. Der FestLottcsdienst wurde unter Mitwirkung des Posaunenchors Ober-Mockstadt und des hiesigen Kirchenchors von Missionar Walther. Beuern, gehalten. Rachmittags Das Bibliographische Institut in Leipzig. (Zu seinem 100jährigen Bestehen am 1. August.) Von Peter W a r m u n d. Man gerät leicht in den falschen Verdacht, man wolle für ein einzelnes Unternehmen wirtschaftliche Reklame betreiben, wenn man über die Geschichte eines der großen deutschen Der- lagshäuser schreibt. Wer sind nicht die Annalen der großen Verlage selbst ein Stück von deutscher Geschichte, bergen nicht die Entwicklungen dieser Unternehmungen immer eine Episode deutscher Kultur in sich? Das Bibliographische Institut, das heute im Osten Leipzigs mit seinen Werkstätten. Druckereien, Maschinenräumen und Sehersälen eine kleine Stadt für sich bildet, entstand aus febr winzigen und wenig beachtenswerten Anfängen. Joseph Meyer, Angehöriger einer alten Handwerkerfamilie, war 1816 nach London aus- gewandert, weil ihm der Umkreis des väterlichen Geschäfts zu eng deuchte: hier verlief nicht alles so. wie er es berechnet hatte: nach einigen Jahren kehrte er. von seinem Vater unter Aufopferung seines Vermögens von den Schulden erlöst, nach der Heimat zurück. Aber er hatte Erfahrungen gesammelt und konnte daran denken, 1823 in Gotha ein „Korrespondenzblatt für Kaufleute" herauszugeben. Diese ganz fachliche Zeitschrift ist eigentlich der Grundstein zu seinen literarisch-buchhändlerischen Anfängen und der «erste Schritt zur Gründung seines großen Instituts gewesen. Freilich war bis dorthin noch ein weiter Weg. Damals war die romantisch-abenteuerliche Welt Walter Scottscher Romane eine beliebte Kost. Meyer begamt sie zu übersehen, er legte Wert auf eine sehr blllige und lieferungsweise erscheinende Ausgabe, bie man durch Subskription beziehen und ratenweise bezahlen konnte: eine bis dahin in Deutschland unerhörte und kühne Reue- tung. Gleich seine ersten Verlagswerke schafften Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten) Dienstag, 3. August 192b fand auf dem Zwirnleinshof eine Dachseier statt. Rach kurzen Degrühungsworten des Ortsptarrers sprach Pfarrer Knodt, Bad-Rauheim. über Luk. 16,1—12. Danach sprach Missionar Walther über 1. Petr. 2,18. Pfarrer Hamburger dankte zuleht allen, die zum Gelingen des Festes beigetragen hatten. Zwischen den Ansprachen spielte der Posaunenchor in belanntcr Tonreinheit mehrere Stücke und fang unser Kirchenchor mehrere Lieder. Auch die Sammlung für die Arbeit der Dolksmission hatte ein recht erfreuliches Ergebnis. Kreis Büdingen. !! Büdingen. 1. Aug. Schon seit Wochen hatte sich der Verein ehemaligerSchüler des Wolf g-ang-Ern st- Gymnasiums Büdingen zur Feier des 3 2 5jährigen De- st e h e n s der Lehranstalt gerüstet. Am Samstag war Büdingen zu dem Empfang seiner Gäste bereit. Alle Häuser. Stadttore usw. waren reich mit Fahnen und Girlanden geschmückt. Rachmittags wurden die Gäste an den einzelnen Zügen abgeholt. Voran das neugebildete Trommler- und Pfeifer-Korps der Schule, sowie die Kapelle Kalbhenn. Rachmittags wurde die Gedenktafel für die Gefallenen enthüllt. Die Tafel ist ganz aus Holz geschnitzt und enthält in goldener Schrift 97 Damen. Die Feier selbst war sehr stark besucht. Eingeleitet wurde sie durch einen Posaunenchor, den Vortrag von Gedichten und einem Chorgesang. Pfarrer Gustav Lenz hielt die Weiherede und unter den Klängen des Liedes „Ich halt' einen Kameraden" fiel der Vorhang. Die Tafel wurde dann von Oberstudiendirektor Keller in das Eigentum der Schule übernommen. Die Feier schloß mit Gedicht». Gesangs» und Musikvorträgen. Um 5.45 Uhr fand eine Pennälerversammlung im Rathaussaal statt. Für den Abend waren zwei Veranstaltungen vorgesehen: Kommers für die Herren und ein Festabend für die Damen. Der Kommers wurde von dem Vorsitzenden Oberpostmeister Hofmann unter Begrüßung aller Erschienenen eröffnet. Die Festrede wurde von Oberstudiendirektor Keller gehalten. Gemeinsame Lieder und Musikstücke trugen zur Verschönerung des Abends bei. Sämtliche Räume des Fürstenhofs waren beseht bis auf den letzten Platz. Ebenso im Stern, bei den Damen. Hier gefiel besonders das von Direktor Keller selbst gedichtete Festspiel, das von Schülern und Schülerinnen vorgetragen wurde. Auch die Rüpel- komödie aus Shakespeares „Sommernachtstraum" fand allgemeine Anerkennung. Sehr schön sang ferner das Büdinger Doppelquartett unter Leitung des Rektors Pebler. Das Programm des Sonntags umfaßte Gottesdienste, einen Festzug. ein Festessen und nachmittags ein Volksfest auf dem Hammer. -.- Nidda, 2. Aug. Der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. wurde eine Eingabe unterbreitet, die sicherlich dem Wunsche aller Eltern im Interesse ihrer Kinder, welche das Wolfgang-Ernst-Gymnasium in Büdingen und die Realschule in Didda besuchen, Rechnung trägt. Die Eingabe bringt den Wunsch um Späterlegung des Personenzuges 504 W. (Gießen ab 5.31 Uhr vormittags) um etwa 25 Minuten zum Ausdruck und gibt hierfür folgende Gründe an: Der genannte Zug wird ab Didda, zum Teil auch schon von Hungen in der Hauptsache von Schülern des Büdinger Gymnasiums bzw. der Realschule in Didda benutzt. Zur Zeit kommen 124 Schüler in Frage. Diese Zahl erhöht sich' im Winter noch wesentlich durch die zahlreichen Schüler der Landwirtschaftlichen Schule zu Büdingen und der Gewerbeschulen zu Didda und Büdingen. Der fragliche Zug erreicht Didda bereits um 6.36 Uhr, Büdingen um 7.18 Uhr, während der Unterricht allgemein erst um 8 Uhr beginnt. Die Schüler sind dadurch genötigt, sich bis zu Beginn des Unterrichts in der Stadt oder im Wartesaal aufzuhalten, nachdem sie verhältnismäßig früh ihre Ausgangsstation verlassen mußten. Besonders hart empfunden werden die frühen Abfahrtszeiten von den Kindern namentlich im Winter, die in tiefer Dunkelheit bei Wind und Wetter weite Wege zur Bahnstation zurücklegen müssen. Außerdem wird in der Eingabe zum Ausdruck gebracht, daß auch die Anschlußzüge zu dem in Frage stehenden Zug (Pz. 4134 ab Gedern 6.03 Uhr. Pz. 4101 ab Heldenbergen 6.22 Uhr) entsprechend später gelegt werden möchten. Die Antragsteller erbrachten in der Eingabe der Reichsbahndirektion in einem skizzierten Fahrplan den Beweis, daß ihm einen derartigen Erfolg, dah er auf diesen bewährten Grundsätzen einen eigenen Verlag begründete. So entstand 1826 in Gotha, drei Jahre darauf nach Hildburghausen und 1874 nach der Buchhändlermessestadt Leipzig verlegt, das Bibliographische Instttut. Meyer blieb seinen Grundsätzen treu und hatte damit den Erfolg auf seiner Seite. Er gab die deutschen Klassller, die griechischen und römischen Autoren, die Bibel, Andachtsbücher, die Geschichtsbibliothek und die Rattvnalbibliothck, die Bibliothek für Kanzelberedtsamkeit und die Familienbibliothek heraus, lauter kleine, billige Lieferungsbändchen, die sehr wohlfeil und Volks- tümlich gehalten waren. Daneben war es stets Meyers Bestreben gewesen, durch eine Zeitschrift in die Weite zu wirken. In dem politisch erregten Jahre 1830 schuf er seinen „Dolksfreund", dessen liberale Tendenz bald verdächtig wurde und den die Zensur verbot: an seiner Statt gab Meyer das Universum heraus, das bald nach seinem Erscheinen gegen hunderttausend Abonnenten aufwies und in verschiedenen Sprachen gedruckt wurde. Er schuf ein sehr umfängliches Lexikon in nicht weniger als 52 Bänden, er entwarf. als sich Tellnahme für die ersten deutschen Eisenbahnen zu regen anfing, weitschauende Pläne für ein zentraldeutsches Eisenbahnnetz, er lieh Bergwerke entdecken und ausbeuten, um die Industrie seines Heimatlandes Thüringen zu heben, zu dessen Erschließung er wiederum Eisenbahnprojekte entwarf, nicht phantastische Utopien, sondern durchaus realisierbare Anschläge, die aber durch die Ungunst der Zeiten — Meyer war unter denen, die im Revolutionsjahr 1848 Pressevergehen mit Gefängnis bühen mußten — zerschlagen wurden. Sein Sohn Hermann Julius Meyer führte ^s Bibliographische Institut zu weiterer Aus- Sehnung, indem er den Verlag von den unglücklichen wirtschaftlichen Unternehmungen seines Vaters loste und ihm neue Ausgaben stellte Er revidierte die große lexikalische Enzyllopädie des Vaters, indem er sie auf ein handliches und eine Späterlegung sehr wohl möglich ist unter Berücksichtigung der Anschlüsse der Seitenlinien. Didda, 1. Aug. Gestern vormittag fanden die vom hiesigen Ortsgewerbeverein fett Ostern abgehaltenen Gefellenprüfungen des Bttirks Didda durch Uebcrreidyung der Gesellenbriefe in der Gewerbeschule einen feierlichen Abschluß. Zu der Feier waren der Gesellenprüfungsausschuh, die Junggesellen mit ihren Angehörigen und Meistern sowie einige Mitglieder und Freunde des Gewerbevereins erschienen. Die Zahl der Anmeldungen war zu diesem Prüfungstermin geringer als in vorhergehenden Jahren, weil jetzt zum erstenmal die Verlängerung der Lehrzeit von 3 Jahren aut 31 /'_> Jahren bei manchen Gewerben sich geltend macht. Voraussichtlich wird deshalb int Herbst eine weitere Prüfung stattfinden müssen, zu der die Anmeldungen größer sein werden. Zehn Lehr- jungen und vier Lehrmädchen hatten sich mit Erfolg der Prüfung unterzogen. Die Leistungen waren in der Mehrzahl als gut zu bezeichnen. Mit einem beherzigenswerten Mahnwort an die Junggesellen und der Betonung be£ Wertes und Zwecks der Gesellenprüfungen verteilte Rektor Vitt, der Leiter der Gewerbeschule, die Gesellenbriefe an die Prüflinge. Bei der abgeschlossenen Prüfung hatte auch die Schreiner- und Metzgerinnung zum erstenmal mitgewirkt. y. Ridda, 1. Aug. Die Geistlichen des Dekanats Didda hatten im vorigen Monat gemein- sam unter Führung von Dekan Sc r i ba in Eichelsdorf eingehend die Z e 11 e n ft r a f a n - statt Butzbach besucht. Pfarrer Kohler von hier schilderte im Abendgottesdienst seine Wahrnehmungen und Eindrücke in diesem Gefängnis und die Belehrungen des Direktors der Anstalt in so ernster, tiefgründiger Weise, dah er heute seine Predigt auf Wunsch der Gemeinde im Hauptgottesdienst wiederholen mußte. Zu der großen Zahl der Zuhörer im Abendgottesdienst hatten sich noch viele neue eingefunden, die von den Worten des bedeutenden Kanzelredners tief ergriffen waren und mit starken Eindrücken das Gotteshaus verliehen. le. B l e i ch e n b a ch . 13. Aug. Die üble Angewohnheit der Kinder, sich an fahrende Wagen hinten anzuhängen, hat gestern hier einen iln- glücksfall verursacht. Ein Heiner Junge lief seitwärts von dem Wagen weg, an den er sich gehängt hatte, in ein entgegenkommendes Motorrad. Er wurde überfahren und trug einen Beinbruch und - eine erhebliche Kopfverletzung davon. — Die hiesige Schule beschloß ihren Sommerunterrichc mit einem Ausflug nach Aschaffenburg. Die Gemeinde hatte jedem Schüler einen Reiselostenzuschuh von 1 Mk. bewilligt. — Die Ernteferien beginnen hier gewöhnlich mit der Weizenernte, die im Laufe dieser Woche einfehen wird. Der Weizen steht in Anbettacht der auch hier im Frühjahr stark aufgetretenen Rostkrankheit überall verhältnismäßig gut, hat sich auch wenig gelagert. Es ist nur ein besseres Erntewetter zu wünschen. Kreis Schotten. -.- Gedern, 2. Aug. Die hiesige Kleinkind e r s ch u l e wurde am Donnerstag mit etwa 30 Kindern eröffnet. 'Das Amt einer Kindergärtnerin übernahm Fräulein Elli Baumann von hier. Die Schulzeit wird unterbrochen durch einstündige Mittagspause im Eltern- Hause. Das Verbringen der Kinder zur Schule sowie das Abholen in der Mittagspause und abends hat durch die Eltern oder sonstige Angehörige der Kinder zu erfolgen. Den Bedürfnissen hauptsächlich der landwirtschafttreibenden Bevölkerung kommt die Errichtung der Kleinkinderschule sehr zustatten. wg. Ulfa, 1. Aug. Der Zweigverein Schotten derGu st av-Adols-Stiftung feierte hier das erste der für diesen Sommer geplanten Iahresseste. Im Festgottesdienst, der durch Chorvorträge des Männergesangvereins und des Iungfrauenvereins verschönt wurde, predigte der bekannte Diasporageistliche Pfarrer Weih aus Bieber bei Offenbach: der Redner schilderte an Hand des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter Rot und Leid der Diaspora und die glaubensbrüderliche Liebesarbeit des Gustav-Adolf-Dereins. Am Rachmittag fand auf dem Festplah unter der alten Dorflinde die auch von den Gemeinden der Umgegenb sehr stark besuchte Rachversammlung statt. Hier sprachen nach der Begrüßungsansprache des Ortsgeist- lichen Pfarrers C r u l l der Vorsitzende des I vernünftiges Maß zurückführte, er hielt sich an | wc Tradition des Hauses, indem er die alten Klassikerausgaben in neuer Gestalt herausgab. Er verlegte „Drehm's Tierleben" und stellte diesem grundlegenden Werk ähnliche umfassende aus allen Gebieten des Raturlebens zur Seite. Er war nicht nur Verleger, er wurde auch der Redakteur und Mitarbeiter der von ihm angeregten Verlagserscheinungen. Er und seine Sohne, die Forschungsreisenden Hans und Hermann Meyer, führten die vom Gründer aufgestellte üeberlieferung des Instituts weiter: Wissenschaftliche Bildung in schöner Form und gemeinverständlicher Art über alle Schichten Deutschlands hin zu verbreiten. Dazu half ihnen der technische und maschinelle Ausbau der großen Werkstätten. Das Bibliographische Institut ist völlig darauf eingerichtet, alles, was zu einem Buche gehört, selbst herzustellen, so daß das eingelieferte Papier bedruckt, gebunden, mit Karten und Dildbeigaben ausgestattet, in die Welt hinausziehen kann. Aus diesem kurzen Entwicklungsabriß des Unternehmend mag schon deutlich werden, welchen Ruhen das Unternehmen dem deutschen Dolle gebracht hat, wie fest seine Geschichte mit der Deutschlands verknüpft bleibt. „Bildung macht frei!" ist der Wahlspruch seines Gründers gewesen. Möge es dem Bibliographischen Institut gelingen, diesen fruchtbaren Gedanken auf bewährtem Wege auch weiterhin zu verwirklichen — in multos annos! Aus dem Genf der Römerzeil. Von Dr. Hans D e e r I i. Die schon bei früheren Anlässen gemachten Römersunde in Genf haben in allerjüngster Zeit eine unerwartete Bereicherung erfahren. Was die neueste Entdeckung dieser Art besonders interessant macht, ist der iimftanb, dah sich die Fundstelle auf dem Boden der Dllla Dartholoni im sogenannten „Secheron". also auf dem Baugelände des künftigen Völkerbunds- Schvttener Zweigvereins Hofprediger Widmann (Gedern), der die Grüße des Hauptvev- eins sowie des Dekanats überbrachte und den üblichen Jahresbericht erstattete, ferner Pfarrer Müller (Olmüh). der ein lebensvolles und interessantes Bild der deutsch-evangelischen Kirche in der Tschechoslowakei entwarf und von seiner persönlichen Berufsarbeit dort erzähtte, schließlich noch Pfarrer Weih «Bieber), der von der Diasporaarbeil vor den Toren von Offenbach berichtete und die Herzen warm machte zur Mithilfe am Dau der für Bieber geplanten neuen Lutherkirche. Das Fest ivrlief sehr schön und konnte auch durch die ungünstige Witterung in keiner Weise beeinträchtigt werden. Die Kollekten im Festgottesdienst und in der Rach Versammlung ergaben den Betrag von über 100 Mark. t Groh-Eichen, 1. Aug. Unter recht zahlreicher Beteiligung hatte Dr. S e l z e r vom Landwirtlchaftsamt Grünberg hier einen G e» markungsgang unternommen. Die hierbei gemachten Wahrnehmungen in Bodenbeschafsen- heit. Erkrankungen in Getreide und Hackfrüchten wurden eingehend besprochen. — Der Landwirl- schastSlehrer Dr. S c l z e r von hier unternahm in dieser Woche mit etwa 50 ehemaligen Landwirtschaftsschülern eine Rh ein fahrt. In Oppenheim wurde die Obstbaum- und Weinberg- schule besichttgt. KrciS Alsfeld. -er. Homberg, 1. Aug. Dieser Tage feierte Rentmeister i. R. Gottfried Repp und seine Ehefrau Minna, geb. Engel, in voller körperlicher und geistiger Frische das seltene Fest der Goldenen Hochzeit. - Seit voriger Woche werden hier Kanalisationsarbeiten ausgeführt, um den nach der Stadthalle führenden Weg ttocken zu legen und in einen guten Zustand zu sehen. »er. Aus d e in Ohmtale, 1. Aug. In der verflossenen Woche hat nunmehr der Schnitt der Wintergerste begonnen, dem der des Roggens jetzt folgen dürfte. Leider ist das Wetter für die Erntezeit höchst ungünstig, da kaum ein Tag ohne Regen vergeht. Der anhaltende Regen schadet auch den Kartoffeln, und die Reife des Obstes wird nicht gefördert. Preußen. KreiS Wetzlar. □ Wetzlar, 1. Aug. Das Personenauto einer hiesigen Firma geriet vorgestern Nacht zwischen 11 und 12 Uhr an einer abschüssigen Wege- biegung am Dorfausgange von Nauborn ins Schleudern und stürzte die etwa zehn Me» ter hohe Böschung hinunter, wo es an der Hausecke der unten befindlichen Nonnenmühlc liegen blieb, nachdem es bei feinem Sturz noch zwei große Chausseesteine umgerissen hatte. Von den beiden Insassen hat wie durch ein Wunder keiner größere Verletzungen erlitten, das Auto selbst ist jedoch sehr stark mitgenommen worden. kz. Wetzlar, 2. Aug. Der gestrige F l u g t a g auf den Niedergirmeser Wiesen, veranstaltet vom Wetzlarer Verkehrsverein für Stadt und Land in Verbindung mit der Frankfurter Flugsport-Gesell schäft, G. m. b.H., war nicht allein für die Ein wohner Wetzlars, sondern für die weitere Umgebung ein bedeutsames Ereignis. Die Veranstaltung dieses Flugtages war für den Verkehrsverein als eine rechte Tat zu bezeichnen. Obwohl Wetzlar in bergigem Gelände liegt, besitzt es doch in den Wiesen von Niedergirmes ein Fluggelände, wie man es nicht besser zu wünschen braucht. Der Flugtag kündete sich durch die Ankunft der Spgttflugzeuge D 513, D 734 und D 855, die gegen 11 Uhr die Stadt überflogen und dann landeten. Ein Zustrom von Menschen, wie ihn Wetzlar wohl selten gesehen, wanderte nach dem Fluggeländc, das ringsum dicht umstanden war. Um U Uhr stiegen die Flugzeuge auf und führten über dem Flugplätze oft in geringer Höhe über den Köpfen der Zuschauer Flugkunststucke der verschiedensten Art aus. Die Kunstflüge mit Loopings und Rollings waren Meisterstücke. Ein interessantes Bild boten die drei Sportslug- zeuge, als sie gemeinsam einen Geschwaderflug vor- führten. Die Landungen gingen jedesmal mit Leichtigkeit vor sich. Während der Kunstflüge der Sportflugzeuge unternahm das Verkehrsflugzeug „Gießen" ununterbrochen Passagierfahrten, bis am Spätnachmittag beim Landen ein Laufrad zerbrach. Doch bald war von Gießen ein Ersatzrad wieder zur Stelle, und es wurden bis zur Dämmerung Passagierfahrten durchgeführt, da die Jlugebegeiste ■ Palastes, befindet. Bei Kanalisationsarbeiten für den nahen Reubau des Internationalen Arbeitsamtes sind die Erdarbeiter in der Wiese zwischen der Villa Dartholoni und dem Seeufer auf die Reste einer römische nn Villa gestoßen. Ohne zu wissen, was sie vor sich hatten, meldeten sie den Fund erst, als durch den Graben die Anlage^bereits in der Diagonale durchschnitten war. Trotzdem ist es unter der Leitung des kantonalen Archäologen, Prof. Dlondel, gelungen, wichtige Anhaltspunkte zu gewinnen. Die bisher zutage geforderten Mauerreste lassen auf ein Gebäude von mäßigem Umfang schließen. W.is den Fund besonders cruszeichnet, ist der Timstand, daß der Standort dieser Villa auf dem rechten Seeufer war, während die bis anhin entdeckten Spuren der einstigen römischen Dillenkolonie Genfs auf der anderen Seite liegen. Dann aber weist auch alles darauf hin, dah hier eine ganz besonders luxuriöse Anlage aus der besten Zeit des römischen Kaisertums vorliegt. Die neben Bruchstücken kunstvoll modellierter Bordüren auf- gefunöenen zahlreichen Fragmente bemalten Stucks zeigen hübsche Motive in delikaten Farbentönen. Außer einem Stück glatten Fußbodens aus zusammengekitteten weihen Marmorteilchen ist auch die zentrale Heizungsanlage (Hypokaust) freigeiegt worden, von der ebenfalls noch Rohren enthalten sind. Ferner hat man drei in verschiedener Richtung verlaufende Wasserleitungen feststellen können, was die Vermutung nahelegt, dah das bisher entdeckte Gebäude, das lediglich aus Daderäumen zu bestehen scheint, nur einen Teil einer größeren, vielleicht terrassenförmig vom Wasser aufsteigenden Anlage bar- stellt. Leider werden die Rachforschungen gerade in diesem Punkt durch eine benachbarte alte Daumgruppe erschwert, die einstweilen nicht geopfert werden soll. Aber auch so darf man noch manche interessante Auftchlüsse über diese neueste Entdeckung erwarten, welche die in letzter Zeit hier gemachten Römerfunde nach verschiedenen Richtungen hin in wertvoller Weise ergänzt. < Banknoten. 150, 150 85,75 1.V Berliner Börse. 21 Fortsetzung. Nachdruck verboten. 4 folgt.) 116 86,5 156' 150,5' damals großes Auf- nebcn der hohen Pc>- der männlichen Ge- g < 158,5 70 81 Ol 83,5 159,2* 96,25 114,75 96 151* 171,2- 156* 138.5 150 72,75* 119,7' 145' 149 Wirtschaft. frankfurter Börse 159 70 80 145' 187' 128.9' 175,5' 79,25 87,75 44?5 262,5' 97,5 113.9 80 ss 24 43,-5 wurden lebhaft Sn den übrigen allgemein ruhig. Wirtschaftslage 263,5* 96,8 113 146 144' 139,5* 129 173,2* 80 87.4 die Lleberschüsse aus der Provinz zufliehen. Tagesgeld 5.5 bis 6.5 Prozent. 3m Devisen, verkehr stellte sich Paris gegen Mittag auf 183 gegen London. Brüssel auf 180,50. Mailand notierte 149,90 nach 145.50 gegen dos Pfund. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. dingt nötig, um das ganz zu sein, was Toni war. So wie Toni sich auf diesem Wege immer mehr von Scholle und Familie entfernte, rourfre Hio de Jan Wien inD- 0.643 0.645 0.643 0,645 Oeft. abgest 59,35 59,49 59,35 59,49 Prag .... Belgrad . . 12,422 12,462 12,418 12.453 7.40 7,42 7.39 7.41 Budapest. . Bulgarien 5,862 3,035 5,882 3,045 - 5,892 3,04 Lissabon 21,425 .'1,475 21,455 21.505 Danzig. . . Konstantin. 81,61 2,38 81,81 2,39 81,60 2,35 81,80 2,36 Athen. 4,69 4,71 4,79 4,81 Lanada. . 4,198 4,208 4.198 4,208 Uruguav . . 4.155 4.165 4.155 4.165 Frankfurt a.M. Berlin Schlug» I»Ul)5. Schlug.'Anfana Kur» Kur» Rin» Rurs Datum: 2.7. 3.8. 2.8 3. 8, 5% Deutsche Rcichsanlethe . 4% Deutsche Reichsanleihe . 0.499 0.496 0,4902 0,4507 0.49 0,445 8’/»% Deutsche Relchsanleihe 0,465 — 0,4507 0,4475 3% Deutsche Neichsanleche . 0.53 0.4207 0,52 Deutsche L-varprämienan leide 0,275 0.26 4u/o Preußische Äonsols • . . 4°/« Hessen....... 0,455 0,45 1,4505 0,45 3'/?°/n Hessen..... ... 3% Hessen .... ...... Deutsche Lertb. Dollar-Anv 0,43 — _ _ 0.435 96,75 98 — dto. Doll.-Schatz-Anweisog.') - — — 4% Zolltürlen......... 13.55 14 13,3 — 5% Goldmerikaner ... . 43,5 42,5 — Berliner Handelsgesellschaft. Commerz, and Prwat-Bank 186 139' 193,5* 159,5* 192' 139' 192,5' 138.7* Darmst. und Nationalbank . 187' 187,5' 187* 186' Deutsche Bank......... Deutsche Bereinsbank .... 173.5 171,7' 173.5' 170,9- 90 Disconlo Conunanbit 160.2- 160' 160.5' 159,2* Metallbank.......... 127,5 127,25 Mitteldeutsche Creditbank. . 132 134 134.5' Oeskerreichische Creditanftalt. 7,35 7.4 7.4 Weltbank ......... — Berlin, 2. August. Geld Briet Amerikanische Note» ..... 4,175 4,195 Belgische Noten. ....... 10 87 Dänische Noten........ 110,90 111,50 Englische Noten...... . 20,38 20,48 Französische Note» ...... 11,37 11’43 Holländische Noten ...... 168.08 168,92 Italienische Note»...... 13,96 14,94 Norwegische Noten...... 91,75 Deutsch-Oesterr-, 5100 Krone» 59^30 59*50 Rumänische Noten...... Schwedische Noten ...... Schweizer Noten...... 111,80 81,19 113,40 Spanische Noten....... 64,00 64*40 Tschechoslowakische Noten .. 12,42 12J8 Ungarische Noten..... 5.77 5.81 I