ur. ,ss Erstes Blatt 176. Jahrgang Samstag, 3. Zuli 1926 Lrsch eint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener FamilienblStter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugrprek: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Lchriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger riehen. po-scheckkonto: Frankfurt an, Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'jche Univerfität§-Vuch- und 5teindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schnlstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für { mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorfchrist 20°mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschcin: für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen. Vertagung. Die Reichsregierung hat einer Niederlage im Parlament vorgebeugt. Sie hat die auf Grund der Verhandlungen im Rechtsausschuß zustandegekom- mene Regierungsvorlage über die Fürstenabfindung in letzter Stunde zurückgezogen, nachdem ihr die Gewißheit wurde, daß von keiner der Flügelparteien, weder von den Sozialdemokraten noch von den Deutfchnationalen, eine Unterstützung ihrer Vorlagen zu erwarten war. Rach dem Rechtsgutachten des Justizministeriums bedurfte das Fürstenabfindungsgesetz zur Annahme im Reichstag einer qualifizierten Mehrheit, die nur mit Hilfe einer der beiden großen Oppositionsparteien zu erhalten war. Don den Deutschnationalen war diese von vornherein kaum zu erwärten. Der Ausgang des Volksentscheides hatte sie in dem Wunsche bestärkt, den Kompromißentwurf der Mittelparteien, den sich auch die Reichsregierung zu eigen gemacht hatte, durch mannigfache Aenderungen zugunsten der Fürsten weiter abzuwandeln. Es schien ihnen auch der Gedanke vorzuschweben, daß einmal nach der Ergebnislosigkeit des Volksentscheides und zum anderen nach einem Scheitern der Regierungsvorlage im Reichstag der alte Zustand wieder eintreten werde, der Fürsten und Länder als gleichberechtigte Prozeßbeteiligte wieder vor die ordentlichen Gerichte bringen werde. Nicht ernst genommen hat man hier offenbar die Drohung des Kanzlers, die Reichs- regierung werde bei einer Ablehnung ihrer Vorlage „die Konsequenzen ziehen". Es ist ja auch nach dem tatsächlichen Verlauf der Dinge nicht recht ersichtlich, welche Interpretation die Regierung dieser, auch von anderen Kabinettsmitgliedern mehrfach unterstrichenen Drohung hätte geben wollen, da vor einer Reichs- tagsauflösung letzten Endes doch auch die Regie- rungsparteien zurückgeschreckt sind. Waren so die Deutschnationalen nur unter Preisgabe wesentlicher Punkte für die Regierungsvorlage zu gewinnen, Punkte, auf die weder die Demokraten noch der linke Flügel des Zentrums jemals verzichtet hätten, so bestand immerhin die Möglichkeit, mit Hilfe der Sozialde-mokraten die Regierungsvorlage durchzubringen. Sie hatten in den ersten Lesungen des Gesetzentwurfes bereits eine Reihe von Forderungen durchgesetzt, so namentlich den entschädigungslosen Fortfall der Kronfideikom- mißrente und die Gleichstellung der Renten der de- posfedierten Fürsten. Darüber hinaus verlangten sie die einseitige Anfechtbarkeit bereits abgeschlossener Verträge durch die Länder, den Rückfall der dem Hohenzollernhause zugesprochene Herrschaft Schwedt- Vierraden an den preußischen Staat und die Beschränkung der fürstlichen Aufwertungsansprüche durch eine noch festzusetzende Höchstgrenze. Wenn auch in der zweiten Lesung der § 2, der die Zusammensetzung des Reichssondergerichts regelt, also für das ganze Gesetz von einschneidender Bedeutung ist, von den Sozialdemokraten abgelehnt wurde, so ermöglichten sie doch im übrigen durch Zustimmung oder Stimmenthaltung die Annahme der Vorlage in der zweiten Lesung. Die dritte Lesung hatte man um mehrere 2kige hinausgeschoben, um Zeit für Beratungen mit Jen beiden Flügelparteien zu gewinnen. Von ReHie- rungsseite scheint man am ehesten von den Sozialdemokraten eine günstige Haltung erwartet zu haben. Man hat auch in den Verhandlungen offenbar ihnen Zugeständnisse in der Zolloorlage insofern machen wollen, als die neuen autonomen Getreidesolls erst am 1. Dezember in Kraft treten sollten, bat sich aber schließlich doch auch hier einen Korb geholt. In der entscheidenden Sitzung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion wurde mit der starken Mehrheit von 73 gegen 38 Stimmen die Ablehnung der Regierungsvorlage beschloßen. Der Svrecher der Fraktion im Reichstag, der Abg. Wels, follte auf Auflösung des Reichstags plädieren. Die Haltung der Partei bei dem Volksentscheid, besonders aber die Vorgänge der letzten Tage lassen diesen Beschluß doch verwunderlich erscheinen. Man hat in weiten Kreisen der Sozialdemokratie sich nur sehr ungern dem ganzen Volksentscheidsrummel hingegeben und im Grunde auch wohl nur deshalb, um den roten Bruder zur Linken nicht übermäßig ms Kraut schießen zu lassen. Man hoffte, vielleicht auch selbst Geschäfte dabei zu machen, wollte diese jedenfalls nicht der kommunistischen Agitation allein überlasten. Die kommunistische Hetze der letzten Wochen hatte dann wohl auch wenigstens die gemäßigten Elemente der Sozialdemokratie dahin belehrt, daß bet einem so rein auf das Agitatorische abgestellten Wahlkampf, wie es der letzte Volksent- jcheid und das von ihm vorangegangene Volksbegehren ihrer Natur nach sein mußten, immer der radikalere Genosse den Vogel abschießt. In verant- ivortungsbewußten Kreisen der Sozialdemokratie war denn auch bald genug dem Rausch der Phrasen und Schldgworte kühle Ernüchterung gefolgt. Eine Aufforderung der Kommunisten, nach dem ergebnislosen Ausgang des Volksentscheids den Kampf um die Abschaffung des Privateigentums — zu der ja die entschädigungslose Enteignung der Fürsten der erste Schritt ist — durch energische Agitation auf der Straße und in Versammlungen fortzusetzen, wurde von den maßgebenden Stellen der Sozialdemokratischen Partei glatt abgelehnt. Die Partei wollte sich offenbar wieder freie Bahn schaffen für eine positive Mitarbeit bei der weiteren Behandlung der Regierungsvorlage im Reichstag. Auch die Haltung der preußischen Landtagsfraktion und die Stellungnahme des sozialdem. Ministerpräsidenten Braun lagen in dieser Richtung. Da von dem Abfindungsgesetz ja in der Hauptsache der Vergleich des preußischen Staates mit dem Hohenzollernhaus betroffen wird, kam der Zustimmung sowohl der preußischen Regierung wie der sozialdemokratischen Fraktion des Preußischen Landtags besondere Bedeutung zu. Um so erstaunlicher ist es, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion diesen ablehnenden Beschluß, und noch dazu mit einer so großen I Das Schicksal des Abfindungsgesetzes. Deutschnationale und Sozialdemokraten lehnen ab. - Die Reichsregierung zieht die Vorlage zurück. - Reichstagsferien. Berlin, 2.3uü. Bei starker Besetzung des Sitzungssaales eröffnet Präsident Löbe die Sitzung. Sämtliche Mitglieder der Regierung mit Ausnahme des Reichswehrministers Dr. Gehler sind anwesend. Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung des Gesetzentwurfs über Me Auseinandersetzung mit den Fürstenhäusern. Abg. Wels (Soz.) gibt bei der Eröffnung der allgemeinen Aussprache eine Erklärung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ab. Darin wird darauf hingewiesen, daß die Sozialdemokraten schon 1923 eine Landesgesetzliche Regelung der Ab- ftndungsfrage beantragt hätten und daß ihr Antrag ebenso wie der spätere Antrag Koch- Weser keine Annahme gefunden habe. Die unverschämten Ansprüche der Fürsten hätten dazu geführt, daß eine ungeheure Welle der Empörung durch das Volk ging. (Lärm rechts und Rufe: Eine künstliche Welle! Frechheit!) So wurde der Gesetzentwurf geboren, der dem Volksbegehren zugrunde lag. Es habe vor dem Volksentscheid Abg. Guerarb im Rainen der Regierungsparteien eine gesetzliche Regelung der Abfindungsfrage zugesagt, die dem Volksempfinden und der Gerechtigkeit entsprechen würden. Dieses Versprechen sei von den Regierungsparteien nicht eingelöst worden. (Lebhafter Widerspruch bei den Regierungsparteien.) Sie haben es insbesondere abgelehnt, die Auseinandersetzung unmittelbar durch Gesetz zu regeln, die Entscheidung vielmehr einem Gericht übertragen. Sie haben es abgelehnt, ein Sondergericht durch den Reichstag bestimmen zu lassen, dem Gesetz rückwirkende Kraft zu geben, bet der Benutzung von Fürsten- und Staatseigentum dem Volk günstige Grenzen festzulegen und haben den Antrag abgelehnt, Aufwertungen des Fürstenvermögens bis 1450 Prozent, die vorgekommen sind, unbedingt auszuschließen. Aus diesen zwingenden Gründen lehnt die sozialdemokratische Fraktion das Gesetz ab. Eine andere Lösung ist notwendig. Sie kann nach dem vollständigen Versagen des Reichstages nur von einem neuen Reichstag gefunden werden. Die sozialdemokratische Fraktion fordert daher die sofortige Verlängerung des Sperrgesehes und die Auflösung deS Reichstages. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Graf Westarp (Dntl.) erklärt, die Auseinandersetzung sei eine privat- rechtliche Frage, die in den meisten Ländern befriedigend gelöst worden sei. Dabei habe das Hohenzollernhaus das weitestgehende Entgegenkommen gezeigt. (Lautes Gelächter links. Abg. Sollmann (S.) ruft Frecher Funker!" und erhält einen Ordnungsruf.) Der ganze häßliche Streit in der letzten Zeit wäre vermieden worden, wenn die Preußische Regierung und die preußischen Regierungsparteien zu ihrem Wort gestanden hätten. (Unruhe links.) Durch den Antrag Koch-Weser (Dem.) fei in die ruhige Entwicklung der Dinge eingegriffen worden. Dieser Eingriff hat schließlich zu dem Volksentscheid geführt, der geradezu den Weg zum Bolschewismus eröffnete. (Hu-hu°Rufe bei den Sozialdemokraten.) Die deutschnationale Fraktion habe unter Zurückstellung grundsätzlicher Bedenken an dem vorliegenden Gesetzentwurf positiv mitgearbeitet, aber alle Verbesserungsanträge seien abgelehnt worden. Die Deutschnationalen seien auch jetzt bereit, zusammen mit den Regierungsparteien, eine Lösung zu schaffen in der Weise, daß die noch nicht erledigten Auseinanderfehungs- fragen von einem Sondergericht und nicht durch eine durch ein Gesetz bestimmte Rechtsverbindung entschieden werden. So könnte mit einfacher Mehrheit ein Gesetz angenommen werden und dann jene Bestimmungen entfallen, die den Der- fassungsgrundsähen von Eigentum und Rechtseigentum widersprechen. Da die Regierungsparteien auch diesen Vorschlag abgelehnt haben, bleibe der deutschnationalen Reichstagsfraktion nichts als die Ablehnung der Vorlage übrig. Der monarchische Gedanke wird im Volke nicht untergehen. (Lebhafter Beifall bei den Deutsch- nationalen, Zischen und Pfeifen links.) Reichskanzler Dr. Marx: Rach den Darlegungen der beiden Herren Vorredner namens der beiden Flügelparteien steht es nun fest, daß die beiden genannten) Parteien das Gesetz in der Schlußabstimmung ablehnen werden. Ramens der Reichsregierung habe ich nunmehr folgende Erklärung abaugeben: „Sie Reichsregierung legt auf die Weiterberatung des Gesetzes keinen Wert mehr und Zieht den Gesetzentwurf zurück. Die Regierung sieht sich zu ihrem lebhaften Bedauern der Tatsache gegenüber, daß der Reichstag bisher nicht imstande gewesen ist, die außerordentliche und alle Teile des deutschen Volkes aufregende Frage der Auseinandersetzung zwischen den Ländern und den ehemals regierenden Fürstengeschlechtern gesetzgeberisch au lösen. Sie erwarte auf das bestimmteste, daß der vorliegende Gesetzentwurf aus den in ihm liegenden gewichtigen und sachlichen Gründen doch schließlich mit -/z-Mehrheit Gesetz werden würde. Falls wider Erwarten nur eine der Flügelparteien gegen den Gesetzentwurf gestimmt haben würde, bann hätte das Reichskabinett einsttmmig beschlossen, vom Herrn Reichspräsidenten die Auflösung des Reichstages zu erbitten. Rachdem nun aber beide Flügelparteien gegen die Annahme des Gesetzentwurfes gestimmt haben, kann eine Auflösung des Reichstages keine Klärung mehr bringen. • Das Kabinett hat ferner die Frage der Demission eingehend erörtert und ist zu dem Entschluß gekommen, diese dem Herrn Reichs- Präsidenten zur Verfügung zu stellen. Von diesem Entschluß hat die Reichsregierung mit Rücksicht auf den ihr zugegangenen dringenden Wunsch des Herrn Reichspräsidenten Abstand genommen, der aus inner- und außenpolitischen Gründen den Rücktritt der Reichsrrgieiur.g für untunlih erachtet. Die Reichsregierung kann ihrerseits die Initiative zur Regelung der Frage im Wege der ordentlichen Gesetzgebung nur dann wieder ergreifen, wenn die politische Lage hierzu die Voraussetzungen schafft. Ohne Debatte wird hierauf die Vorlage auf Verlängerung des Sperrgesehes bis zum 31. Dezember 1926 in dritter Lesung angenommen. In der Schluß- abftimmung, die namentlich ist, werden dafür 333, dagegen 17 Stimmen bei 97 Stimmenthaltungen der Deutfchnationalen abgegeben. Die Verlängerung ist also mit der für Defassungs- änöerungen erforderlichen Mehrheit angenommen. Es folgt die zweite Beratung des Entwurfes zur Aenderung des Reichsmietengesetzes. Die Vorlage enthält in der Ausschußfassung u. a. die Bestimmung, daß für bauliche Veränderungen, die nach dem 15. Juli 1926 mit Zustimmung der Mehrheit der beteiligten Mieter vorgenommen sind und die den Gebrauchswert erhöhen, aber nicht Instandsehungsarbeiten sind, vom Vermieter die zur Verzinsung und Tilgung des dazu erforderlichen Kapitals notwendigen Beträge aus die Mieter umgelegt werden können. Die Vorlage wird in zweiter und dritter Beratung angenommen. Abg. Dr. Schreiber (Zentr.) begründet dann einen von allen Parteien, mit Ausnahme der Kommunisten und Völkischen, eingebrachten Antrag, der die Einsetzung eines angemessenen Betrages in den Nachtragsetat 1926 zur Förderung der beabsichtigten Reichskunstwoche fordert. Zu verschiedenen Anträgen zugunsten der Erwerbslosen, vor allem der älteren Angestellten, legt der sozialpolitische Ausschuß Entschließungen vor, in denen die Regierung ersucht wird, das Kündigungsrecht der älteren Angestellten zu verbessern und die Mißstände auf dem Gebiet der Chiffreanzeigen zu beseitigen. Weiter soll geprüft werden, ob eine Anmeldepflicht der sreiweroenden Stellen den Arbeitgebern auserlegt werden kann und ob die Betriebe zur Einstellung einer gewissen Anzahl älterer Angestellten verpflichtet werden können. Don der Regierung ist inzwischen eine Vorlage eingegangen, wonach ein mindestens fünf Jahre in einem Betrieb beschäftigter 40 Jahre alter Angestellter nur mit mindestens dreimonatlicher Frist für einen Monatsschluß gekündigt werden darf. Abg. Thiel (D.D.) beantragt eine Aenderung der Regierungsvorlage dahin, baß ohne Rücksicht auf das Alter bei fünf Jahren Dienstzeit die Kündigungsfrist auf drei Monate, bei achtjähriger Dienstzeit auf vier Monate und bei längerer Dienstzeit auf fünf und sechs Monate ausgedehnt wirb. Mit den Aenderungsanttägen Thiel (D. V.) und Genossen wird die Regierungsvorlage in zweiter und dritter Beratung angenommen. Ein Antrag der Regierungsparteien, der die Rovelle zum Gesetz über die Einstellung des Personalabbaus, die am 31. Juli abläuft, bis zum 31. Dezember d. I. verlängern will,' wird in zweiter und dritter Beratung angenommen. Die Sitzung wurde gegen 1/28 älhr abgebrochen und zu 8 älhr abends eine neue Sitzung einberufen. Zur gemeinsamen Beratung gestellt werden der sozialdemokrattsche Antrag über die Zolländerungen und die Handelsverträge mit Dänemark und Schweden. Der sozialdemokratische Antrag fordert Verlängerung der gegenwärtigen Zollsätze bis »um 31. Dezember 1926. Rach dem Vorschlag des Ausschusses sollen bis zum 31. Dezember 1926 folgende ermäßigten Zollsätze erhoben werben: für Roggen, Weizen und Hafer 5 Mark, für Futtergerste 2 Mark, für Schweinespeck 14 Mark, für Fleisch 21 Mark, für Schmalz unb Fett 6 Mark usw. Abg. Henke (Soz.) protestiert gegen die Zollerhöhung, bie eine Verteuerung des Fleisches unb des Brotes zur Folge haben mußte. An dem Werktätigen Volke werbe hier ein Attentat verübt. Es sei bedauerlich, baß bie Demokraten unb das Zentrum diese unerhörte Zollpolitik mitmachen. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schlack (Ztr.) bezeichnet einen Zoll- abbau in Deutschland als ausgeschlossen, solange das Ausland Zollmauern aufbaue. Tatsächlich sei seit der Zollgesetzgebung des vergangenen Jahres nicht eine Preiserhöhung, sondern ein Herabgehen der Preise zu verzeichnen. Abg. Freiherr v. Richt Hosen (Dem.) erklärt, es handle sich bei dem Gesetz nicht um eine Erhöhung der Zölle, sonbern um eine Herabsetzung der Sähe, bie sonst am 1. August in Kraft getreten wären. Darauf wird bas Zollabkommen mit Dänemark in 3. Lesung gegen Kommunisten unb Völkische verabschiebet. Auch bet schwedische Handels- unb Schiffahrtsvertrag wird angenommen, unb zwar gegen bie Stimmen der Sozialbemokra- ten, Kommunisten unb Völkischen. Der sozialistische Anttag auf Verlängerung der bisherigen Zollsätze bis zum 31. Dezember ds. Is. wird mit 271 gegen 135 Stimmen abgelebt. Die neuen Zollsätze werden nach der Ausschußfassung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Völkischen unb Kommunisten bewilligt. Darauf vertagt sich der Reichstag bis zum 3. Rovember. Schluß nach 12 Tlhr. (Ein Schreiben des Reichspräsidenten. Weder Rcichstastsallflösung noch Rücktritt des Kabinetts. Berlin, 2.3uli. (VDZ.) Der Herr Reichspräsident hat an den Reichskanzler heute folgendes Schreiben gerichtet: „Sehr geehrter Herr Reichskanzler! Ich höre, daß das Kabinett angesichts des zu erwartenden Scheiterns, der Gesetzesvorlage über die oermögensrechtliche Auseinandersetzung mit den Fürstenhäusern vor der Frage der Auslösung des Reichstags und der des Rücktritts der Reichsregierung steht. Ich mochte hierzu meine Auffassung dahin kundlun, daß ich mich zu einer Auflösung des Reichstags aus inner- und Mehrheit, fassen konnte. Der Rechtfertigungsversuch des „Vorwärts" ist überaus kärglich. Man hielt dock wohl in der Partei, trotz der nach dem Volksentscheid gewiß recht leeren Kassen, den Augenblick für Neuwahlen für zu günstig, um ihn im Interesse einer endlichen Beruhigung unseres politischen Lebens ungenutzt verstreichen zu lassen. Diesen Gefallen hat nun die Regierung der Linken nicht getan. Sie hat vor der entscheidenden Abstimmung den Gesetzentwurf zurückgezogen und da- mik, da der Reichstag nunmehr in die Sommer» fetten treten wird, die Regelung des ganzen Fürstenabfindungskomplexes auf den Herbst vertagt. Damit wären also die Hoffnungen der Deutsch- nationalen, die Rückkehr zum alten Zustand, erfüllt gewesen, wenn nicht vorher die Ser- l ci n g e r u ng des Sperrgesetzes mit Hilfe der Sozialdemokraten durchgesetzt worden wäre. Das Sperrgesetz setzte bekanntlich die vor den ordenllichen Gerichten schwebenden Prozesse zwischen Fürsten und Ländern bis zum 1. Juli aus. Die nun vom Reichstag angenommene Vorlage verlängert diese Sperre bis zum 31. Dezember. Damit ist auch fernerhin dem bedenklichen Zustand ein Riegel vorgeschoben, daß in langwierigen, unerquicklichen Prozessen über den strittigen Besitz, sei es an Liegenschaften, Kapitalien oder Rentenanfprüchen, nach rein formal-juristischen Gesichtspunkten zugunsten der Fürstenhäuser entschieden wird, ohne genügende Berücksichtigung der durch die Länderregierungen vertretenen öffentlichen Interessen. Andererseits ist durch die Vertagung der Abstimmung über das Abfindungsgesetz beiden Parteien, Länderregierungen sowohl wie Fürstenhäusern noch einmal eine letzte Frist gesetzt, in der sie auf dem Wege des gütlichen Vergleichs die strittigen Fragen bereinigen und zu beider Nutz und Frommen eine Sache restlos aus der Welt schaffen mögen, deren politische Behandlung schon viel zu länge im deutschen Volke schweren Schaden gestiftet hat. Wir können hier heute nur noch einmal unterstreichen, was gestern in diesen Spalten des weiteren ausgeführt wurde: gerade die Kreise des deutschen Volkes, die bei der Abstimmung über den Volksentscheid der Urne ferngeblieben sind, erwarten nun eine Initiative der dürften, erwarten nun endlich eine große Geste, die auch von dieser Seite einmal von einer rein formal-jnri- stischen Betrachtung der Dinge zurückfindet zu dem, was das deutsche Volk als recht und billig empfindet. Die Vertagung der Reichstagsentscheidung bietet die letzte Gelegenheit für die Parteien, sich am Verhandlungstisch zusammenzufinden. Möge man auf beiden Seiten Männer finden, die klug und guten Willens genug sind, nach dem alten preußischen Wappenspruch „suum cuique" zu einem für beide Teile tragbaren Uebereinkommen zu kommen. Das Volk wird es den Fürsten Dank wissen, wenn sie ihrerseits auch die Hand dazu bieten. außenpolitischen Gründen sobald nicht entschließen könnte, und daß ich aus denselben Gründen auch einen Rücktritt der Reichsregierung für u n t u n - l i ch erachte. Ich bitte Sic daher. Herr Reichskanzler, und die anderen Herren der Reichsregic- rung, 'Son dem Gedanken einer Demission Abstand zu nehmen. Mit der Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung bin ich Ihr sehr ergebener ge; o. Hindenburg. Das Echo der Berliner presse. Der deutschnationale Lokalanzeiger nennt den gestrigen Ausgang der Reichstagsberatung über den Gesetzentwurf betreffend die vern-.ö'icnsrechtliche Auseinandersetzung mit den vormals regierenden Fürsten eine Riederlage nicht nur des RNnderheitskabinetts Marx', sondern auch eine neue schwere Riederlage des parlamentarischen Sh st em s. Die Deutsche Tageszeitung (das Organ des Reichslandbundes) gibt der Hoffnung Ausdruck. bah die Parlamentsferien den Gedanken einer w'.rkffchen staatsbürgerlichen Staats-Volks- gemeinschoft fördern mögen. Die vvllsparteiliche Tägliche Rundschau zollt dem Reichspräsidenten von Hindenburg Dank dafür, daß er aus innen- und außenpolitischen Gründen es abgelehnt hat. der Auslö''ung des Reichstages oder dem Rücktritt der Reichsregierung zuzustimmen. Wir brauchen. so schreibt das Blatt, weder eine Reichs- tagso- slö'ung, noch fortgesetzte Krisen. _ Das deutsche Parlament hat so viel an Autorität und Ansehen verloren, daß es um den R e st spielt, wenn diese Krisenmacherei noch häufiger Erfolg haben sollte, als es leider schon der Fall ist. Der Entschluß der Regierung, das Gesetz zurück-iuziehen. wurde in den Wandelgängen des Reichstages gestern dahin ausgelegt, daß maßgebende Führer der Sozialdemokratie zu verstehen gegeben hätten, die sozialdemokratische Fraktion werde im Herbst bereit sein, das anzunehmen, was sie gestern abgelehnt hat. Wir wollen hoffen, dah diese Kulissengeriichte richtig sind. Auch die Germania, das Berliner Zentrumsblatt. schreibt: Man hofft in parlamentarischen Kreisen, dah die Bolksentscheidspshchose so weit verpflogen ist, dah man in ruhiger Stimmung erneut an die Angelegenheit der Fürstenabfindung Herangehen kann. Auch wurde im Reichstage die Möglichkeit erörtert, dah bis zum Wiederzusammentritt des Reichstags vielleicht ein vergleich zwischen Preußen und dem hohenzollernhaus zustande gekommen sein wird, der den staatlichen Wünschen mehr Rechnung trägt, als der erste. Kommt es zu dieser Regelung, dann wird der Reichstag im Herbst nur noch leichte Arbeit vorfinden. Das ..Berl. Tageblatt" schreibt: Die Reichsregierung hat erÄärt, dah sie erst dann wieder eingreifen will* wenn die politische Lage die parlamentarischen Voraussetzungen für ein Fürstengesetz geschaffen hat. Da ein Fürstengesetz mit den Deutschnationalen nicht in Betracht kommt, bleibt nur die Verständigung von der Deutschen Bolkspartei bis zur Sozialdemokratie. Hierüber w'rd sich die Sozialdemokratie Klarheit schaffen müssen. Wenn sie die Politik der Agitation fortsetzt, dann verhindert sie nicht nur eine gesetzlich? Lösung der Fürstenfrage, sondern,auch die Bildung einer republikanischen Koalition Aehnlich äußert sich die ^Voss. 31g.": 3m Herbst wird man hoffentlich begreifen, dah es 'nicht so wichtig ist, ob man ein paar Hunderttausend Stimmen mehr oder weniger hat, sondern * dah die ganze Frage der Fürstenabfindung aus f einer juristischen Streiffache zu dem grohen inner- politischen Problem geworden ist: wie und mit . wem in den nächsten 3ahren in der deuffchen Republik regiert werden wird. — 3m -Vorwärts" heiht es: Die Fürstenfragr ist nicht gelöst, aber ein Block von den Demokraten bis zu den Deutschnationalen hat die Bülow-Zollsatze ab 1. August an die Stelle der bisher geltenden niedr'gen Zollsätze gesetzt. Der Verdacht, dah die Verärgerung der Mittelparteien über die Haltung der Sozialdemokratie in der Fürsten- frage einen willkommenen Vorwand zu der zoll- politisä>en Schwenkung bietet, ist kein Bindemittel für Soz'.aldemokratie und Mittelparteien. Die Anleiheablösung. Aus dem Hnushaltsausschrrtz des Reichstags. Berlin. 2. 3utL 3m Haushaltsausschuh des Reichstags erstattete den Bericht des Alnter- ausschusses für die Frage der Anleiheablösung Abg. Emminger (Bahr. Vp.). Der Bericht gipfelt in dem folgenden Kvmpromihan- trag des Berichterstatters: „Die Regierung wird ersucht, aus den Mitteln des Anleihetilgungssonds einen ausreichenden Betrag zugunsten solcher Anleihegläubiger, bei denen wegen sehr hohen Alters und dergl. ein besonderes Bedürfnis zur rasch e n H i l f e besteht, durch Ablösung oder Der- kaus ihrer Auslosungsrechte zu verwenden. Der Abg. Philipp t®n.) beantragt einen Zusatz, der staffstifche Rachweisungen über den Bedarf für Anleihealtbesitzer über 65 3ahre usw. von der Regierung fordert. Die Anträge Emminger und Dr. Philipp werden angenommen, ebenso ein weiterer Kom- promihantrag. der die Reichsregierung ersucht, die in dem Ablösungsgeseh vorgesehene Barabfindung der kleinen Altbesitzer so zu beschleunigen, dah die Durchführung noch im Lause des Kalenderjahres gesichert ist und, falls sich dies nicht einheitlich für alle Ansprüche in diesem Zeitraum ermöglichen lassen sollte, dafür Sorge zu tragen, daß jedenfalls die im hohen Alter befindlichen Gläubiger dorweg- genommen werden. Die kommunistische Patzfälscher- zentrale vor dem Reichsgericht. Leipzig, 2. 3uli. (Wolff.) Dor dem Vierten Strafsenat des Reichsgerichts begann der Prozeh gegen die Mitglieder der kommunistischen Paßfälscherzentrale, die am 7. Oktober 1924 in Derlin-Reukölln von der Kriminalpolizei ausgehoben wurde. Zu verantworten haben sich Wesen Vorbereitung zum Hochverrat, unbefugten Waffenbesitzes und schwerer Tlrkundenfälschung der Buchhalter Herpold, der Schneidermeister Dreithaupt, der Dreher Husemann, und der Dau- ai-schlägcr Mehlbaum, sämtlich aus Berlin. 3n der Reul.llner Fälscherwerkstatt wurden Stempel Unterschriften von Behörden, Klischees, Schriftstücke usw. mit gefälschten, Unterschriften beschlagnahmt. Ebenio wurde eine Liste mit Ramen von 670 Personen gefunden, die von dieser Pahfälscherzentrale mit falschen Pässen aus- g e st a 1 t c t worden waren. Unter diesen befanden sich die bekanntesten kommunistischen Führer. z. B. Ruth Fischer, Thälmann, Hecker, Brandler usw. Auch einige Angeklagte aus dem Tfchekaprozeß, vor allem Reumann, waren mit falschen Püffen versehen worden. Leiter der Pahfälscherzentrale war 3ngenieur Prinz, der sieh aber seiner Festnahme durch Flucht nach Moskau entziehen konnte. Rach Aufhebung der Zentrale wurde eine neue Werkstatt in Berlin-Treptow eingerichtet, bei deren Aushebung der Angeklagte Herpold verhaftet wurde. Miische Sage in Frankreich. Caillaux' Finauzplau. — Ablehnende Haltung der Kammern. — Die Teue- r nrastvelle. Paris, 3. Juli. (TU.) Die parlamentarische Lage des Kabinetts Brianbs-Eaillaux bildet den Gegenstand aller Pressekommentare. Die Krt- sengerächte, die von dem Sturz des Kabinetts für die nächste Zeit wissen wollen, wollen nicht verstummen. lieber Caillaux' Plan besteht den grohen Linien nach volle Klarheit. Der Finanzminister stellt das Parlament vor die Alternative: Entweder Inflation oder Stabilisierung, des Franken durch eine auswärtige Anleihe. Voraussetzung ist sowohl die Natifizierung des Washingtoner Abkommens wie auch die Verpfändung eines Teils des Goldbestandes der Bank von Frankreich. Wie ungünstig die Aussichten des Kabinetts beurteilt werden, darauf läht ein Artikel in dem Abendblatt „La Presse" schließen, der von der Eventualität einer Kombination Tardieu-Daladier spricht. Tardieu wird ohne Zweifel in der Kammer am kommenden Dienstag eine große Rolle spielen. Eine Mehrheit im Parlament ist der Ansicht, so schreibt das Blatt, daß auch ohne eine auswärtige Anleihe eine Rettung möglich ist. Der neuen Devisenhausse ist eine merkliche Preis st eigerung auf dem Fuße gefolgt. Die Anzeichen für Streiks und Unzufriedenheit nehmen zu. Man befürchtet einen Gcneralausstand der Postbeamten, die der Regierung vorwerfen, daß ein Gesetzentwurf über die Gehaltserhöhung trotz wiederholter Versprechen noch immer nicht vor die Kammer gelangt ist. Der Verband der Postbeamten hat den Generalstreik für den 30. Juli beschlossen, falls nicht bis dahin das Versäumte nachgeholt wird. Aus Rouen wird der Streik der Dockarbeiter gemeldet, die eine tägliche Zulage von 9 Franken verlangten. In andern Gegenden Frankreichs ist es erneut zu Ausschreitungen im Zusammenhang mit be- Brotpreissteigerung gekommen. In Paris wird der Preis für das Kilogramm Brot, der erst Donnerstag erhöht wurde, vom 8. Juli ab um weitere 5 Centimes auf 2,50 Franken erhöht werden. Sine internationale Rettungsaktion für den Franken. Paris, 3.3ult (WTB. Funkspruch.) Der „Excelsior" glaubt mitteilen zu rönnen, daß gestern mehrere ausländische Finanzleute Englands, Amerikas unb auch Deutschlands im Finanzministerium empfangen worden seien. Rach dem Blatte wurden sich die Vorbesprechungen über die Gewährung ausländischer Stabilisierungskredite auf alle Finanzgruppen erstrecken, die irgendwelchen Einfluß auf den Devisenmarkt haben. Die von der Regierung geplante Stabilisierungsaktion habe eine ständige machtvolle 3n- teruention auf allen internationalen Märkten zur Voraussetzung, um jeden Versuch einer Spekulation gegen den Franken zu unterbinden. Wenn man keine Vorsichtsmaßregeln treffe und Stützen dieser Art suche, würde man der Inflation mit schnellen Schritten entgegengehen. Die französischen Banken müßten mit ausländischen Banken unter der Kontrolle der interessierten Regierungen Verhandlungen über eine gemeinsame Aktion auf allen Devisenmärkten führen. Das Gutachten der Finanzsachverständigen. P a r i s, 2. Juli. (WTB.) Die Fachzeitschrift „Le Journal des Finances" will in der Lage sein, über den Inhalt des Berichtes der Finanzsachverständigenausschusses, der heute dem Finanzminister überreicht wurde, präzise Angaben zu machen. Hiernach kommt der Bericht zu der Schloßfolge- rung, daß es ein dreifaches Ziel zu verwirklichen gebe, nämlich 1. Gewährleistung eines rigorosen Budgetausgleiches, 2. Entlastung des Schatzamtes und 3. Währungsstabilisierung. Um dieses Ziel zu erreichen, schlägt der Aus- schuß vor: 1. Einnahmequellen $u schaffen und auszubeuten, die geeignet sind, weiter ausgebaut zu werden und sofortige Erträgnisse abwerfen; 2. energisch die staatlichen Ausgaben einzuschränken; 3. von jedem direkten und indirektem Zurück- greifen auf die Vorschüsse der Bank von Frankreich zur Deckung neuer staatlicher Ausgaben abzusehen, d. h. also, die Inflation auszuschließen; 4. nach und nach die Dorschüffe der Dank von Frankreich an den Staat zu vervin- gern, um die Deckung der Banknoten intensiver zu gestalten; 5. um für em gutes Funktionieren des Schatzamtes z'u sorgen, diese feiner normalen Bestimmung wieder zu übergeben, dadurch, daß man es von einem wesentlichen Teil der schwebenden Schuld entlaste; 6. durch freiwillige Konsolidierung für die Umwandlung der Bonds der nationalen Verteidigung und der kurzfristigen Schahbonds in zu amortisierende Wertpapiere Sorge zu tragen. 7. in kurzer Frist mit Hilfe der Dank von Frankreich- die W äh r un g s st a b i l i s ie- r u n g durchzufuhren, die Kapitalien im Lande zu halten, heranzuziehen und wieder zurückfliehen zu lassen; 8. die demnächst'ge Wiedereinführung des freien Verkehrs ber Kapitalien vvrzube» reiten und zu bleiern Zweck in auslandi- schen Währungen möglichst langfristige Anleihen aufzulegen unb Ausland- Irebite zu erhalten; 9. eine Wirtschaftspolitik zu betreiben, die es gestatte, die unvermeidliche Krise abzuschwächen, die nach Einführung einer gesunden Währung eintreten werde. Der Bericht behandelt vor allen Dingen die Amortisierung ber schwebenben Schuld, b. h. vor allem bic Amort'sierung ber kurzfristigen Bonds. Der Bericht schlägt eine freiwillige progressive Konsolidierung der Bonds der nationalen Verteidigung vor, und zwar durch die Schaffung einer besonderen Verwaltungskasse hierfür. Diese Kasse werde ihre Betriebsmittel durch regelmäßige budgetäre Zuschüsse erhalten, durch Zuweisung eines Grundkapitals von vier Milliarden Franken, die von der abzuschließenden ausländischen Anleihe ab- getrennt werden soll und schließlich durch eine Zuweisung ber Erträgnisse vom Tabakverbrauch sowie endlich durch die Schaffung inländischer Kredite, die die Bankinstitute und auch die Bank von Frankreich gewähren können. Die neugeschaffene Amortisierungskasse soll die Verpflichtung haben, zweimal monatlich eine Bilanz zu veröffentlichen. Der Sachverständigen-Ausschuß schlägt ferner eine etappenweise Stabilisierung vor, und zwar durch Derm thmg der Bank von Frankreich. Er hält zunächst die Anlegung eines beträchtlichen Devisen- unO Frankenvorrates für notwendig, dem der Metallbestand der Dank von Frankreich sowie auch die langfristigen Kredite (Morgan-Anleihe, Kredite bei ausländischen Rotenbanken und Handelskredite) angehören würden. Hierauf würde eine sehr kurze Periode der Vorstabilisierung eintreten, in deren Verlauf gewisse, vom Ausschuß auszuarbeitende Maßnahmen zur Vorbereitung und tatsächlichen Stabilisierung zu treffen wären. 3n der Periode der tatsächlichen Stabilisierung soll die Dank von Frankreich den Kurs durch An- unb Verkauf von Devisen auf einem festen Riveau regulieren Rach Herstellung dieser tatsächlichen Stabilisierung wäre auf gesetzlichem Wege gesetzliche Stabilisierung festzusehen. Es wäre eine neue Münzeinheit im Wege der Devalvation des Franken zu schaffen, die Vorschüsse bet Dank von Frankreich an den Staat neu zu regeln und die von der Bank von Frankreich übernommene Ausgabe ber Auf re cht erh allang eines festen Kurses in eine gesetzliche Verpflichtung umzuwandeln. Die Unruhen in Spanien. Das Komplott flcgcti d?s Köuigspaar. Madrib, 2. Juli. (Haoas.) Die Zeitungen oer- öffenllichen ein längeres Kommuniquö ber Regierung über die Aufdeckung des gegen das spanische Köniaspaar gerichteten Komplotts in Paris. Die Regierung erklärt darin, es handle sich um eine Bande von des Landes verwiesenen Verbrechern, die schon im Abwesenheitsverfahren verurteilt worden feien und gegen die zum Teil Auslieferungsantrag gestellt worden fei. Andere, die über genügende Mittel verfügten, um ein Automobil und Waffen zu kaufen, hätten die Absicht ge» habt, den Eisenbahnwagen, in dem sich das Königspaar befand, in der Nähe eines Bauhofes zu beschießen. Die Polizeibehörden in Buenos Aires erklären dagegen, daß es sich um dieselben Täter handele, die vor einiger Zeit eine Bank in Buenos Aires beraubten und die auch wegen anderer in Südamerika begangener Verbrechen gesucht wurden. Der ehemalige spanische Ministerpräsident Gras R o m a n o n e s, ber sich in Henbahe aufhält, erklärt, bie Bewegung, bie in Spanien fest- zustellen sei, habe Weber kommunistischen noch anarchistischen, noch im besonderen proletarischen Charakter. Sie sei im wesentlichen eine militärische Bewegung, ein Eingreifen des Heeres, um Spanien seine Verfassung unb ein freies Parlament wieberzugeben, bas allein bie Die Rohlenirisir in England. Der Bericht der Kohlen ommission.— Empfindlicher Brennstoffmangel. London, 2.Juli. (TU.) Die heutige Ausein- andersetzung über die Bergbaufrage drehte sich vorwiegend um die gestrigen Erklärungen Baldwins. Die Arbeiterpartei verlangte eine Präzisierung der sehr allgemeinen Baldwinschen Erklä- rungen und ließ Wedgewood im Unterhaus fragen, ob die Erklärungen des Premierministers eine Korrektur der bisherigen Regierungspolitik be- deuteten. In Regierungskreisen erklärt man, daß Baldwins Erklärungen nicht als ein neues Angebot aufzufassen seien, es handle sich nur um eine Geste, die die Kontroverse selbst nicht berührt. Ein gewisser Stimmungsumschwung in der ganzen Frage kommt dadurch zum Ausdruck, daß seit 48 Stunden wieder der Bericht der Kohlenkomm i s s i o n in den Vordergrund getreten ist, und daß ein Teil der Presse in Uebereinftimmung mit der Ansicht der Regierung die Rückkehr zum Kohlenbericht verlangt. Diesen Zweck hat offenbar auch die Baldwinsche Geste. Die Schwierigkeiten liegen darin, daß zwar beide Parteien, wie sie versichern, bereit wären, den Kvhlenbericht als Verhandlungsgrundlage anzunehmen, daß aber keine zuerst Vorschläge machen und sich so in aller Form auf den Bericht festlegen wolle. Die Arbeiterpartei hat die Ergebenheitsadresse an den König als Dank für die Prolongation des Ausnahmezustandes um einen Monat mit einem neuen parlamentarischen Vorstoß beantwortet und einen M i ß- trauensantrag gegen bie Regierung eingebracht, der jedoch a d g e l e h n t wurde. Am späten Nachmittag fanden zwischen Persönlichkeiten, die ber Regierung nahestehen unb majjgebenben Führern ber Arbeiterpartei Besprechungen statt. Der Kohlenmangel infolge des Derg- arbeiterstreikes macht sich jetzt so empfindlich fühlbar, baß bie Regierung am Mittwoch zunächst bas Tlnterhaus um bie Bewilligung besonderer Kredite zum Einkauf umfangreicher Kohlenvorräte im Auslände ersuchen wirb, um lebenswichttge Dienstzweige des Landes, beten Störung im öffentlichen 3ntereffe nicht gestattet werben bars, aufrecht zu erhalten. „Daily Mail" schreibt, die englische 3nbustrie beginne infolge des Kohlenmangels allmählich langsamer zu arbeiten. Zukunft ber Ration sicherstellen könne. Rach seiner Ansicht müsse die Armee dienen, nicht aber regieren, sie müsse gehorchen, nicht aber befehlen. Wenn die Armee regiere, bedeute das das Ende ber Disziplin, bie gerabe das Wesentliche beim Heere ausmache. Kleine politische Nachrichten. Der Reichstagsausschuß für bie Ausschmückung bes Reichstagsgebäudes hat beschlossen, die Ausführung ber Hinbenburgbüste für bie Ausstellung im Kuppelraum ber Wanbelhalle bem Berliner Professor Edwin Scharff zu übertragen. * Anläßlich des Besuches niederlänbischer Kriegsschiffe in deutschen Häfen hatte der Reichspräsident ber Königin der Niederlande in einem Telegramm seine Genugtuung über den Besuch ausgesprochen. Darauf ist beim Reichsprä- beuten folgendes Telegramm der Königin ber Nieberlanbe eingegangen: „Ich spreche Ew. Exzel- lenz meinen aufrichtigen Dank aus für Ihr freunb» liches Telegramm. Es ist mir eine aufrichtige Genugtuung, daß mein Geschwader bei feiner Uebungs- fahrt Kiel besucht hat und ich möchte meinen Dank hinzu fügen für den gastfreien Empfang, welcher demselben zuteil wurde. gez. W ! £j) c l m i n e. Die holländische Zweite Kammer hat mit 64 gegen 8 Stimmen den Gesetzentwurf über die Ratifizierung des deutsch-niederländischen Handels- und Kreditabkommens vom 26. November 1925 angenommen. * Der deutsche Botschafter in Paris, Herr von Hoesch, hat einen Urlaub von zehn Tagen angetreten. Er ist in Berlin angelangt und hatte mit bem Reichsaußenminister Dr. Stre semonn eine längere Aussprache. Aus chinesischen Kreisen in Peking erfährt man, baß Marschall Wu-Pei-Fu Weisung erteilt.habe, eine Expebition gegen Kanton zu unternehmen. Bei ber kürzlich ftattgefunbenen Unter- rebung zwischen Wu-Pei-Fu unb Tschanq-Tso-Lin soll feftqelegt worben sein, daß Tschang-Tso-Lin die militärischen Operationen im Narben unb Wu-Pei- Fu die tm ©üben leiten würben. --- W Aus aller Welt. Uederschwemmunnskataftrophe in Ju oskawieu. Das Hochwasser richtet in ben niedrig gelegenen Teilen des Landes große Verheerungen an. Es sind zahlreiche Opfer an Menschenleben zu beklagen. Der Sachschaden ist beträchtlich. In Osijek kämpfen Militär und Bevölkerung gegen das Hochwasser, bas seit 100 Jahren keinen so hohen Stand erreicht hat. In Jschtiv wurden fünf Bauern von ber Strömung fortgerissen. Die Straße Kumanowo— Kriva—Palanka ist teilweise so stark überschwemmt, baß ber Verkehr unterbrochen wurde. Ein großer Teil der Stadt Nisch, wo Deich und Kai geborsten find, steht unter Wasser. Seit heute vormittag f ä.l l t Die Flut. In Batschka arbeiten 15 000 Männer mit Unterstützung des Militärs an der Rettung der Ernte, der fruchtbarsten Gegend des Königsreiches. Drei Geldfchrcmkeinbrecher verhaftet. Rach fast vier Monate langen Beobachtungen und Ermittelungen ist es der Berliner Kriminalpolizei gelungen, drei" Geldschrankeinbrecher, die durch ihre technischen Kenntnisse besonders gefährlich waren, zu verhaften. Die Täter, die mit dem modernsten Einbruchswerczeug ausgerüstet waren und ein eigenes Artr nobil besahen, sind geständig, u. a. am 28. Februar d. 3. in das Postamt Leffchin im Kreise Lebus einen Geldschrankeinbruch verübt zu haben, bei dem sie 7000 Mark bares Geld und für 14 000 Mark Postwertzeichen erbeuteten. Der größte Teil der Deute konnte beschlagnahmt werden. Absturz eines Verkehrsflugzeugs. Ein am Donnerstag aus Scraßourg abgeflogenes Flugzeug der Flugzeuggesellschaft Franco-Roumaine, das unterwegs in Rürnberg noch Reisende ausgenommen hatte, ist bei dem Dorfe Roßhaupt abgeftürzt. Der Pilot sowie vier Passagiere, darunter ein junges amerikanisch^ Ehepaar das sich auf der Hochzeitsreise befand, waren sofort tot Ein fünfter Reisender wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Zwei Kinder vom Blitz getötet. 3n Keunctt an der württembergisch-bayerischen Grenze wurde der 16 3ahre alte Landwirtssohn Hartmann und fein 14 3ahre alter Druder Anton mit den anderen Geschwistern bei de r Heuernte vom Gewitter überrascht Die beiden Brüder suchten unter einer nahen Tanne Schutz, während die übrigen Geschwister auf der Wiese stehen blieben. Kaum standen sie unter dem Baume als ein Blitzstrahl niederfuhr und die beiden sofort tötete. Schwerer Unfall auf der Werft Blohm & Voß. An Bord bes auf ber Hamburger Werft Blohm & Voß liegenden Dampfers „O l b e n b u r g" brach der Brückenaufbau, auf bem sich 10 Arbeiter befanden, zusammen. Die Arbeiter stürzten infolgedessen in den Laderaum. Acht von ihnen erlitten schwere, zwei von ihnen leichtere Verletzungen. Eine ganze Familie durch veronal vergiftet 3n Gnadenwald bei 3nnsöruck hat sich eine zur Sommerfrische dort weilende Familie, Mann, Frau und zwei Kinder, durch Veronal vergiftet. Das Ehepaar wurde bewußtlos in sehr ernstem Zustande aufgefunden. Die beiden Kinder waren bereits tot, Heber die Hinftänbe. die zu der Tat geführt haben, ist bis jetzt nichts bekannt geworden Rach einer vorgefundenen Legitimation soll es sich um einen Dersicherungs- beamten Gustav Glvh aus Schwaz handeln. Wettervoraussage. Etwas stärkere Bewölkung, nördliche bis öMche Winde, warm, zunehmende Gewittergefahr, sonst trocken. ,r Der östliche Luftstrom, der stellenweise Oie Morgentemperaturen bis über 20 Grad Celsius hat anffeigen lassen und der durch die Lage unseres Bezirkes an der Rordseite eines südosteuropäischen Wirbels bedingt ist, wird von einem mehr nördlichen abgelöst, wodurch der Witterungscharakter etwas unsicher wird, sich jedoch nicht grundlegend ändert. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 25,8, Minimum 14,0 Grad CelsiuS. Heutige Morgen- l temperatur 17,5 Grad Celsius. könne. ~ dienen N .4en „>!' nicht ie:e r Nicht qr, * bas L^r **. ‘iOr’R« Ne bem?u'ffel. NtQ£^ner 5SfeS lieb, }spr6. Ul!n? übnhnbe tim 9tejT?en Ve. > der K^'pra. aus für L'.^zel, S fernen Don, ®i&ffieU)er u|eimin( DLL ,om""ns Welt. 'katastrvphe Dien. K'ng erführt man, We'lungetteilt.habe, hIJ ? 3U nnier. Jefunbenen Unter, nd Tfchan^^Lin TschangrLis-Lin bit °rden und Wu-Pef. I2n niedrig gelegenen errungen an. Eb smd enfchenleben zu beträchtlich. Dfifet ling gegen bas hoch, nen fo hohen Stand n fünf Bauern von strafte Kunianowa— stark überschwemmt, wurde. Ein grofter i) und Rai geborsten eute vormittag fallt 1 15000 Männer mit der Rettung der Segen! des Königs- »et verhaftet. WN Deodachtungen 'berliner Kriminal- lchranleinbrecher. die tniffe besonders gr- , Die Täter, die mit oecheug ausgerüstet :) iwbil besahen, sind wrvar d. 3. in dos Lebus einen Ged« haben, bei dem fie ch für 140X1 Mark Der grohte Teil der hrrslugzeugs. 16 Sirühourg E FIugMggesellsM das unterwegs in t>t ab gestürzt. Der sagiere, darunta sh-Mr das sich °us waren sofort tv te schwer verletzt mS ;S« ' Mrin Ges^vistern ’S? Geviit" Brüder 11 tpcy JKtfl slti Ä imbur6 mfl" bra4) n JLlen in °l9f £«wu*; । ^x?li--"inndc.^ ■bei.« je&t E .n, ist ’eSSi*1”- lkvng. Aewiti^ . ,.ie d-k JT:» di- fS lä* »ij L j uiistch^ 258. Aus der Provinzialhauptstadt. Grehen, den 3. Juli 1926. Abschied vom Spargel. Wir müssen uns bamit abfinden: der Spargel stirbt oder vielmehr er schiebt, er schiebt zu einem slittrigen zierlichen Miniaturbäumchen auf; die Gartner sagen, er schiebt ins Kraut. Es bleibt uns nichts anderes übrig als eine zärtliche Er» tnnerung, die wir bis zu den ersten Maiwochen des nächsten Jahres tragen müssen. Sechs Wochen hat er uns erfreut, al8 Salat oder eingebettet in einen schimmernden Oel- und Butterspegel, in der Suppe schlürften wir seine leckeren Köpfe and zum Schinken mit Pfannkuchen wurde er uns aufgeschichtet. And sogar in der Art. die ich nicht liebe, als Gemüse, das die kinderreichen und rationelldenlenden Hausfrauen besonders lieben, hat er uns erfreut. Ach. es war herrlich. ihm am Lösche gegenüberzusihen. aber man mußte seine Gastfreundschaft intensiv gemeßen; denn seine Dauer ist kurz und unsere Entbehrung lang. Vorsorgliche Haus rauen haben ihn zwar eingeweckt und konserviert aber für den schimmernden und eleganten Leib des Spargels ist die Frischhaltung nicht van Vorteil. Er verliert bis zu den Festbraten im kommenden Herbst und Winter das Aroma, die Kraft des Geschmackes vexflüch- kigt sich, feine Würze hat sich in der langen Gefangenschaft aufgelöst, er bleibt gepreßt in das Glas, nur ein bewegender Anblick für das Auge und steigert im äußersten Falle die Sehnsucht des Spar- gelfanatifexe zur Qual. Aber niemals wird ein solch leckerer Gourmand seine Dual am „srischgehaltenen" Spargel stillen. Er wartet, voll guten Angedenkens an die vergnüglichen und herrlichen Schmausereien und Begegnungen mit dem köstlichen Gemüse, auf den Augenblick, da feine erste Stange nach langer Ent- dehrungszeit erscheint, mit frischem und lockerem Mantel, das ausdrucksvoll kerbige Köpfchen hochmütig gereckt, behaftet mit einem trunkenmachenden Erdgeruch, der das Wasser im Munde zusammen- sließen läßt. So sehr ich ihn liebe, mit dem Spargel dieses Jahres war ich nicht ganz zufrieden: es gab gewiß schöne Exemplare, herrliche Figuren wie aus Elfenbein, Ruten von ansehnlicher Dicke und spritzender Saftigkeit, aber zu den glorreichen und auserlesenen Spargeljahren gehörte dieser Frühsommer nicht. Der Spargel setzte frühzeitig Bitterkeit, Fäulnis und Härte an. Gut zu verstehen bei der Stühle und Feuchtigkeit der Mai- und Juniwochen. Der Spargel badet sich ja gerne und saugt viel Raß in sich, das ihm die poröse und lockere Erde durchläßt, aber das, was der Himmel diesmal über ihn herabfchüttete, war zuviel. Ich spähte jeden Morgen und jeden Abend nach meinem Liebling; es war ziemlich kühl in feinem Erdreich und unbehaglich In feinem Dunkel, und über mancher Wurzel staute sich das Wasser. Das war nicht von Vorteil für sein Wachstum; ich merkte es ihm ordentlich an, er kam langsam aus dem Dunkel getrieben, bedrückt und gehemmt in seinem Drang nach Licht und Oben, eine gewisse Unwilligkeit verstockte ihn. Er bedarf sehr der Lockung durch die Sonne, und er hat es gerne, wenn das Licht und die Wärme auf der Erdschicht, die ihn deckt, liegen. Dann kommt er rasch und willig, und läßt sich über die kühle Schlangenhaut mit den Fingerspitzen liebkosen und stürzt sich schnell dem langen blinkenden Messer entgegen, das er mit seinem weißen und saftigen Blut befeuchtet. Ich habe immer das Suchen und das Stechen des Spargels als einen Genuß vor dem eigentlichen Genießen bewertet. Und dabei war mir der Spargel, der bereits durch den Boden gestoßen war, nicht der Begehrteste, sondern der andere, der gerade mit der Spitze die Sand- und Erdrinne angetippt und sie rin wenig mit ganz dünnen unb haarfeinen Nissen jefprengt hatte. Ein solch verborgener Bursche ist 1er makelloseste in der Farbe und auch im Ge- chmack und Geruch der zarteste. Dieser ist der Sieb’ ing der Kenner. Aber das ist alles für lange Monate wieder vorbei, und ich bin ein wenig über feinen Tod betrübt, der eigentlich feine Auferstehung ist. Es tut mir leib (und wem nicht noch!) ihm entsagen zu müssen, wenn er auch in diesem Jahre der typische Regenspargel war, ein wenig wässerig und ohne besondere Individualität (auf vollkommenem Sandboden gedieh er noch am besten), es war hall doch ein frischer Spargel. Das Verspeisen unb Schlürfen dieses unterirdischen Königs hatte seine Wollüste, er brachte etwas Abwechslung in unsere kontinentale Kartoffelkost. Beklagen wir sein Sterben aufrichtig, aber der Melancholie wollen mir uns darob nicht anheimgeben. Ein ebenso leckerer unb hübscher Bursche kommt jetzt, die ersten Exemplare dieses braun- rockigen Abseitsgangers unb Einsiedlers habe ich schon entdeckt: Gepriesen sei der Steinpilz! Anton Schnack. Die Meldepflicht der Ausländer. Eine neue hessische Verordnung vom 21. Mai d. I. mildert im Hinblick auf den Fremdenverkehr die seitherigen Dorfchriften unb gleicht sie den Bestimmungen der anderen Länder an. Die Ortspolizeibehörde kann auch jetzt noch von hem Ausländer verlangen, daß er sich persönlich bei ihr meldet, ein ober zwei Lichtbilder von sich übergibt unb über [eine persönlichen unb wirtschaftlichen Verhältnisse erschöpfende Auskunft erteilt. Don diesem Recht ist aber nicht allgemein, sondern nur in den Fällen Gebrauch zu machen, in denen dies für eine wirksame F r e m- dentontrolle erforderlich ist. Jede Schikane ilt dabei zu vermeiden. In der Regel der Fälle ist auf die persönliche Meldung und die llebergabe eines Lichtbilds zu verzichten und genügt es, wenn die Meldung schriftlich ober burch Dritte erfolgt. Bei der Meldung ist regelmäßig der Paß oder P a ß e r s a tz vorzulegen. Die Verordnung sieht vor, daß die Ortspolizeibehörde auch davon a b - sehen kann. Dies soll nur ausnahmsweise geschehen Gedacht ist an Fälle, in denen es untunlich ist, auf der Vorlage des Pasies zu bestehen; fo z. B. wenn bekannte, einwandfreie Ausländer, die im öffentlichen Leben eine Rolle spielen, zur Erholung noch Hessen kommen unb ihren Paß nicht gern aus der Hand geben wollen. Die Verordnung ist fo zu handhaben, daß einerseits eine wirksame Kontrolle der Ausländer erhalten bleibt, andererseits alles vermieden wird, was den Fremdenverkehr in Hessen beeinträchtigen kann. Einzelhandels - Derbandstag in Gießen. Am heutigen Samstag und morgigen Sonntag findet in unserer Stadt die diesjährige ordentliche Jahresversammlung des Landesverbandes des Hessischen Einzelhandels statt. Während der heutige Samstag vorwiegend für interne Beratungen und vorbereitende Beschlüsse vorgesehen ist, wird der morgige Sonntag der Generalversammlung gewidmet sein. Die Tagesordnung der Hauptversammlung bringt außer den Berichten des Geschäftsführers, Dr. M 0 e ß n e r, und der Vorstandsmitglieder ein Referat des geschäftsführenden Vorstandsmitgliedes der Hauptgemeinschast des Deutschen Einzelhandels, Oberreg.-Rat Dr. Tiburtius (Berlin), über „Die Bedeutung der Repara- tionssrage und des Dawesvertrages für die deutsche Wirtschaft, insbesondere für den Einzelhandel. Der Besuch der Tagung wird den Einzelhändlern, die aus allen Gauen Hessens sich in Gießen treffen werden, einen guten Einblick in die derzeitige Lage des Berufsstandes und in die Tätigkeit des Hessischen Landesverbandes gewähren. Man darf den Beratungen einen gedeihlichen Verlauf im Interesse dieses Berufsstandes und darüber hinaus auch zum Besten der Allgemeiicheit wünschen. Hoffentlich scheiden die Gäste aus dem Hessenlande mit den besten Erinnerungen aus unserer Stadt. Bornotizcn. — Tageskalender für Samstag: Reiterliche Wettkämpfe: 4 Uhr auf dem Trieb. Ge- länberitt. — 58. Regatta des Sübd. Ruderoerban- bcs: ab 4 Uhr nachmittags Vorrennen auf ber Lahn. — Bürger-Gesellschaft: 8 Uhr: Philosophenwalb, Sommernachtsball. — Reapolita: 8 Uhr, „Karlsruhe", Sommerfeft. — Erste Reichskurzschriftgesell- schaft „(Babelsberger" 8.30 Uhr „Stabt Lich" Versammlung. — 21. V. 1870—1920: 9 Uhr, „Aquarium" Hauptversammlung. — Radfahrer-Verein „Fortuna" 8.30 Uhr, Vereinslokal, Monatsoersamm- lung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Gasthaus zur Ehe". — Astoria-Lichtfpiele: „Parisette". — Tageskalenber für Sonntag. Reiterliche Wettkämpfe: 2.30 Uhr nachmittags auf dem Trieb. — 58. Regatta des Sübbeutfchcn Ruber- oerbanbes: Ab vormittags 9 Uhr Vorrennen, ab 2.30 Uhr nachmittags Hauptrennen auf ber Lahn. — Evangelischer Bund: 3 Uhr nachmittags unb 8 Uhr adenbs: Turnhalle (Oßwalbsgarten) Bunbes- feier. — Ehemalige 174er unb 461er: 4 Uhr nachmittags, Eifenbahnhotel, Grünbung einer Ortsgruppe. — Gesangverein Concordia: 3 Uhr nachmittags, Karlsruhe, Sommerfest. — Lichtspieltheater wie Samstag. — Evangelische Bundesfeier. Man schreibt uns: Wir machen noch einmal auf die morgige Bundesfeier aufmerksam, zumal eine Wiederholung nicht vorgesehen ist. Weitere Feiern finden mit Ausnahme von Schotten nur außerhalb Hessens statt. Um auch Auswärtigen unb Kindern Gelegenheit zu geben, teilzunehmen, ist die Nachmittagsfeier angefetzt. Das Programm ist jedoch dasselbe wie am Abend. (Siehe Anzeige.) — Volkshochschule Gießen. Zu dem Vortrag von Geheimrat Sommer über „Reiseeindrücke aus Aegypten und Syrien" am kommenden Montagabend wird uns geschrieben: Es handelt sich nicht nur um Reisebilder im üblichen Sinne, sondern um die Beobachtung der ganzen sozialen und politischen Verhältnisse in dem sog. nahen Osten. Der Vortragende geht von der Beobachtung der menschlichen Arbeit und ihren Auswirkungen im ganzen Geben der Völker in Gestalt von Berufsgruppen, politischen und sozialen Verhältnissen aus. Die Darstellung be- Jahrelangschmerzten meine Wdu rch < iMWWWWWW wandten Mittel blieben erfolglos. Ich kann nun nach halbjährigem Gebrauch der Pneumette*) erklären, daß die Pneumette etwas Großartiges ist. Allen Fußleidenden kann ich Ihre P n e u m e t t e bestens empfehlen. E., Dahnbeamter a. S>n Bonn." *) Pneumette, die weltbekannte pneumatische Fußstütze, ist die beste Schuheinlage gegen Übermüdung und Senkfuß. Sie wird an jedermann 8 Tage zur Probe abgegeben bei Schuhhaus Metropol Seltersweg 19 Ingenieurschule 1 cchnikum Altenburg-Th STAATSKOMMISS AP Maidiincnbau-Automobilb/iu-EUktrottduitk P'tnw.Verpfl irn Smd Casinc Progr.duf Winxh Wrigley p.=K. Kaubonbons tOaffcibööen für Eiswaffeln Baner'fche Bonbons Schokoladen u. Iuckerwaren aller Art kaufen Sie preiswert und in großer Auswahl Q für den Wiederverkauf bei s WtM.UMMliW Ludwi^-straße 42. Fernruf 721. Lahnsand in allen Körnungen M51c Rheinsand u. Mainsand zu bill. Preis C. Rübsamen, Gießen, Fernsp. 1659. ruht auf einer großen Reihe von eigenen photographischen Aufnahmen, le'onders aus Aegypten. (Näheres siehe heutige Anzeige.) — Verein der Freundinnen junger Mädchen. Morgen, Sonntag, abend im Johannes- faal Versammlung mit Vortrag über „Schutz der weiblichen Jugend, eine soziale Pflicht". (Siehe Anzeige.) ** 93 0 n der Landesunioerfität. Der planmäßige außerordentliche Professor bei der philosophischen Fakultät der Landesuniversität Gießen Dr. Heinrich Wilhelm Weber in Gießen ist zum ordentlichen Professor in dieser Fakultät ernannt worden. ** I n den Ruhe st and sind auf Grund des Altersgrenzegesetzes für die Staatsbeamten ver- setzt worden: Der Ministerialrat im Landesamt für das Bildungswesen Dr. Karl D 0 r f e l d (Darmstadt) am 1. Juli; der Rektor im einstweiligen Ruhestand Albert Boßler (Klein-Linden) am 1. Juli; der Polizeiverwaltungsoberassistent Karl Somme r t 0 r n zu Gießen zum 1. September; die Lehrer Philipp Weil zu Laubach, Ernst Lehr zu Rülfenrod und Karl Sang zu Friedberg. " Ein Ql a d) f l a n g zur Gießener Kreistagssihun q. In unserem Bericht über die Sitzung des Gießener Kreistages hatten wir mitgeteilt, der Antrag Klein betr. die Herabsetzung der Tagegelder sei von den Mitgliedern der Rechtsparteien und den beiden Vertretern der Demokraten angenommen worden. Hierzu wird uns jetzt milgeteilt, daß stch für diesen Antrag alle anweseirden Kreistagsabgeordneten ohne Ausnahme der Parteistellung ausgesprochen haben. Wir haben sestgestellt, daß diese Darstellung stimmt und uns bei der Riederschrift des Berichts ein Irrtum unterlaufen war. Q Der Glückwunsch der hessischen Regierung bei goldenen und diamantenen Hochzeiten. Wie wir hören, beabsichtigt die hessische Staatsregierung, für die Folge aus Anlaß von goldenen und diamantenen Hochzeiten den Jubelpaaren in einem besonderen Handschreiben ihre Glückwünsche auszusprechen. Soweit Bedürftigkeit der Jubelpaare oorliegt, soll dem Glückwunschschreiben ein kleines Geldgeschenk beigefügt werden. O Deutsch - polnische Verhandlungen in Bad-Rau heim. Wie zuverlässig verlautet, ist in Aussicht genommen, einen Teil der zwischen der deutschen und der polnischen Regierung noch schwebenden Verhandlungen in der Rechtskommission außerhalb Berlin stattfinden zu lasten. Als Ort dieser Verhandlungen, die ab 5. Juli beginnen werden, kommt nach unserer Information Bad- Nauheim in Frage. *' Oberhessischer Kun st verein. Die derzeitige.Ausstellung von Gemälden und Aquarellen moderner Meister und Radierutzgen von Lovis Corinth ist morgen, Sonntag, 4. Juli, zum letzten Mal geöffnet. ** Kreis st raßensperre. Dom kommenden Montag, 5. Juli, ab ist die Kreisstraße Klein- Linden — Dutenhofen (Landesgrenze) bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Autoverkehr gesperrt. Der Durchgangsverkehr nach Wetzlar wird über Heuchelheim—Atzbach geleitet. ** Unter ein Auto gekommen ist gestern abend gegen 61/» 41 hr an der Ecke Südanlage—Gartenstraße die etwa 12 Jahre alte Schülerin Elisabeth Müller aus der Licher- straße 149. Das Kind, das auf dem Fahrrad fuhr, hatte einen Zusammenstoß mit einem Personenauto, wobei es mit dem Rad unter den Wagen geriet und hierdurch einen Knöchelbruch und Hautabschürfungen erlitt, .lieber die Schuldfrage muh erst die behördliche älntersuchung Klarheit bringen. ** Sie fünfte Reichsschulmusikwoche in Darm ft ab t. Das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht in Berlin und das Hessische Landesamt für das Bildungswefen veranstalten in der Zeit vom 11. bis 16. Oktober in Sarm« ft a b t bie 5. Reichsschulmusikwoche. Neben Referaten bedeutenber Schulmänner unb Musikpädagogen über den Musikunterricht in ber Volksschule wirb auch bas Verhältnis des Musiklehrers zum Chorgesangswesen unb zur Kirchenmusik behandelt. ** Rheinfahrten für Vereine, Schulen und Gesellschaften kündigt bie Schiffahrtsfirma Ph. K u u s in Mainz in unserem heutigen Anzeigenteil an. Man schenke ber Veröffentlichung feine Aufmerksamkeit. ** Einwanberungs - Sichtvermerke nach Amerika. Seit bem 1. Juli werden amerikanische Einwanberunas-Sichtvermerke für unseren Bezirk nur noch von dem amerikanischen Konsulat in Köln erteilt. A y t r ä g e auf Erteilung eines amerikanischen Einwanberung-Sichtvermerkes sind jedoch nach wie vor dem amerikanischen Konsulat in Frankfurt a. M. einzureichen. Die für deutsche Auswanderer nach den Bereinigten Staaten bisher notwendige ärztliche Untersuchung durch einen deutschen Amtsarzt ist nicht mehr erforderlich, da bie ärztliche Untersuchung kostenfrei im Kölner amerikanischen Konsulat erfolgt, woselbst über bie Zulassungsfähigkeit der Auswanberer in bie Vereinigten Staaten gleich bei Ausstellung bes Sichtvermerks entschieden wird. Weitere Auskünfte erteilen die örtlichen Agenturen der Schiffahrtsgesellschaften. ** Der nädjfte Pferdemarkt in Frank- surta. M. findet am 5. Juli statt. Man rechnet mit einer guten Beschickung bes Marktes. Näheres in der heutigen Anzeige. Gerichtssaal. Zum Tode verurteilt. WSR. Offenburg, 2. Juli. Das Schwurgericht hat gestern den 27 Jahre alten Land- w:rt Wilhelm Schütt aus Städelhos bei Oberkirch wegen QEorbed zum Tode verurteilt. Der Angeklagte hatte am Sonntag, dem 3. Januar. seine Braut, die 22sährige MariaDraun vmi Oberkirch, die von ihm in anderen Hm- ständen war, zu einem Spaziergang bestimmt unb sie auf dem Rückwege unvermuteterweife erdrosselt. Schütt, der außerdem noch verschiedene andere Liebschaften angeknüpft unb mehreren Mädchen bie Ehe versprochen hatte, hängte nach der Tat bie Ermordete an einem Baum auf, um den Anschein zu erwecken, als ob das Mädchen freiwillig aus dem Leben geschieden sei. Der Angeklagte war im großen und ganzen geständig. Die Anterschlagunqen des Dürgermeisters von Zwingenberg. * Darmstadt, 2. Juli. Wegen schwerer Verfehlungen im Amt wurde vom Be- zirlsschöffengericht der 39jährige bisherige Bürgermeister von Zwingenberg an der Bergstraße, Jakob Simon, zu einem Jahr unb sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte in fünf Fällen Geldbeträge unterschlagen, unb zwar in Summen von 2000 Mark, 1700 Mark, 1000 Mark. 100 Mark und 46 Mark. Die unterschlagenen Gelder hat er inzwischen erseht. Außer ber Gefängnisstrafe erhielt Simon auch dreijährigen Ehrverlust zu- diktiert, weil er als Beamter öffentliche Gelder unterschlagen habe. Rundfunk-Programm des Frankfurter Tenders. (Aus der »Radio-31mschau".) Sonntag, 4.3uli. 8 bis 9 älhr: Morgenfeier, veranstaltet von den Chören der Christuskirchc 12 bis 1 Llhr: Konzert des HausorchesterS: Chr. W. v. Gluck. 3 bis 4 älhr: Die Stunde der Jugend. 4 bis 7 Ahr: liebertraaung aus Köln: Die deutschen Karnpfspiele in Köln. 4 bis 5 Uhr: Ruder- rejratla auf dem Rhein. 5 bis 6.45 Uhr: Fuß- ball--Endsviel um den Kampf spirlpokal des Deutschen Fußballbundes im Kölner Stadion. 7 bis 8 Uhr: Stunde des Rhcin-Maii^ scheu Verbandes für Volksbildung: „2anb unb Lied der Finnen". Vortrag von Geheimrat Alfred Biese. 8.30 bis 9.30 Uhr: Uebertra^ung von Kassel: Konzert des Kasseler A-capella-Chvres. 9 30 bis 10.30 Uhr: Gastspiel Kammersänger Karl Jörn. Anschließ. 8.. Kickstarter, 3-Gang-Getrtebe, zu verkaufen. Reiskirchen. Hauvtstratze 82. Motorrad 1000 ebe-, m. Betwg., t. best. Zstd^ a. öctL Schr. Ang u. 04677 an den Gietz. Anz. Motorrad 3 P. Kickstarter, 3 Uebersetzungen, führerschctnfret, aus Teilzahlung z. verk. Schr. Ang. u. 04669 an den Gtetz. Anz. «W Treppe zu verkaufen. 04600 Zu erfr. Schreine- rei, Ederstratze 4. Guter wettzer Majolika- Küchenherd zu verkaufen. 04665 Diezstraste 8. Billig zu verkaufen: Ledersofa grotz, fast neu, ein Küchenherd, elektr. Lampen. 04673 Baonbosftr. 14 I. Ein dunkelgrüner Promenadewagen zu verkaufen. 04659 Ludwtgstr. 42 1. Gepolst. Kranken nacktstnbl, ovaler Tisch, 4 st. Petroleum - Kochofen, Büaeloscu, Wa,ck- tisch, Nähtisch ab- zugebeu. 04652 Bismarckstr. 7 II. 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Moderne Jndustriewirtschast strebt nach einer immer weitergehenden Spezialisierung der Produktion, durchgeführt unter dem Gesichtswinkel der Massenerzeugung und des Massenverbrauchs. In Amerika ist diese Spezialisierung wohl am weitesten durchgeführt. Indem wir unsere Fabriken an die Stellen verlegen, wo Rohstoffe am vorteilhaftesten zu haben sind und Arbeitskräfte am schnellsten herangeführt werden können, und indem wir ausgedehnten Gebrauch von arbeitssparenden Maschinen machen, sind wir in der Lage, billig zu fabrizieren und vielfach selbst die Konkurrenz der Länder mit minder hohem Lebensstandard aus dem Felde zu schlagen. Natürlich besitzen wir in unserem außerordentlich großen Inlandmarkte und in einer kauflustigen Bevölkerung von etwa 110 Millionen eine starke einheitliche Konsumkraft. Unsere Industrieproduktion in Landwirtschaft und Industrie ist indessen so groß, daß wir nicht in der Lage sind, unsere gesamte Produktion im Jnlande zu verbrauchen. Wir müssen daher bestrebt sein, den Produktionsüberschuß im Auslande unterzubringen. Diese Gedankengänae sind ja auch in Europa hinlänglich bekannt. Die Blüte der amerikanischen Wirtschaft setzt also voraus, daß das Ausland in der Lage sein muß, unseren Ueberschuß aufzu- nehmen. Wir sind somit an einem kaufkräftigen Weltmarkt außerordentlich interessiert. Es ist für mich klar, daß Europa, unser bester Kunde, der im vergangenen Jahre für 2,5 Milliarden an Waren aller Art aufnahm, nicht fort- sahren Fann, Erzeugnisse in dem bisherigen oder gar in einem noch Höheren Umfange zu kaufen, wenn es nicht in feiner finanziellen Kaufkraft gestärkt und gehoben wird. Wir müssen also danach streben, durch eine Reorganfta- lion der europäischen Finanzen und durch eine Sanierung der europäischen Wirtschaft die Kaufkraft Europas zu heben und die alte Welt in den Stand zu setzen, weiter von uns zu kaufen. Das sind die logischen Schlußfolgerungen unserer neuen Stellung in der Weltwirtschaft. Wir geben uns lebhaft der Entwicklung der südamerikanischen Märkte hin. Australien und der ferne Osten sollen erschlossen werden. Europa ist aber bei weitem unser b e st e r Kunde; wenn die alte Welt nicht in der Lage ist, unfere Ueberschüsse an Baumwolle, Weizen, Tabak und Schweinefleisch-Produkten aufzunehmen, so werden wir die Folgen sehr bald in unserer Wirtschaft spüren. Der wirtschaftliche Wiederaufbau Europas gleicht der Reorganisation eines bedeutenden Industrieunternehmens, das sich nach einer schweren Krise mf dem Wege der Sanierung befindet. Wie bei .'inem solchen Industrieunternehmen ist es auch bei Europa notwendig, Ausgaben und Einnahmen in Einklang zu bringen, d. h. die Budgets zu b a = 1 analeren und neues Kapital zu finden nicht nur zur Regelung der unfundierten Verpflich- nrngen, sondern auch zur Erhöhung der Produk- iionskapazität. Europa braucht also auswärtiges Kapital, um feine Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Die Union verfügt über derartiges Kapital, aber ihre 'Regierung muß doch darauf bestehen, daß Anleihen nur an solche Länder gegeben werden, die ihren Schuldverpflichtungen uns gegenüber nach- L’ommen oder di wenigstens ernstlich in Verhandlungen eingetreten sind, um eine Fundierung ihrer Schulden an uns vorzunehmen. Die gesamten Verpflichtungen der alliierten Mächte an die Union betrug am Schlüsse des Welt- "rieges etwa $ 10,34 Milliarden. Es handelt sich meist um kurzfristige Wechsel, die auf Sicht zahlbar wurden und mit einem Zinsendienst von 5 Prozent im Jahre belastet waren. Es war zunächst not- -vendig, diese kurzfristigen Wechsel in langfristige Obligationen umzuwandeln, Obligationen, die zu gestimmt festgelegten Terminen fällig wurden. Der Kongreß hat zur Ueberwachung und Regelung dieser Frage die sogenannte Ausland-Schulden-Kommission ins Leben gerufen (World-War-Foreign-Debt-Com- mission), die mit den verschiedensten Unterhandlungen über die Schuldenregelung betraut wurde und die Bedingungen festlegen sollte, wie diese Regelung am besten durchzuführen sei. Immer wurde die Zustimmung des Kongresses vorbehalten. Die Kommission hat die prompte Rückzahlung der Schulden als obersten Grundsatz ausgesprochen, da sie auf dem Standpunkt steht, daß eine dauernde Gesundung der europäischen Wirtschaft unmöglich ist, ohne daß die im Weltkriege aufgenommenen Verpflichtungen im Laufe der Zeit nach einem vorsichtig, aber gerecht festgelegten Tilgungsplane zurückgezahlt werden. Solange diese Schulden unbeglichen bleiben, bilden sie die Ursache einer dauernden Beunruhigung zwischen den einzelnen Regierungen. Sie bedeuten eine unbekannte Größe in den Etats der Großmächte und eine Gefahr für die dauernde Stabilisierung der Währungen; sie hindern den freien Lauf der Handelsbeziehungen zwischen den einzelnen Ländern. Zu gleicher Zeit bedenken wir auch, daß keine Nation gezwungen werden kann, Summen zu zahlen, die seine Zahlungskraft übersteigen. A u f Grundlage der Zahlungsfähigkeit wurde daher das Schuldenregulierungsabkommen mit Großbritannien im Jahre 1923 eingeleitet und auch bei dem nachfolgenden Fundierungsabkommen wurden auf Grundlage der Zahlungsfähigkeit Amortisationsquote und Zinsendienst festgelegt. Man hat die Anpassungsfähigkeit des Schuldentilgungsplanes an die jeweilige Leistungsfähigkeit der Schuldnerländer durch eine dehnbare Skala der Zinsenzahlung erreicht, im übrigen aber die Rückzahlungen der Grundbeträge, d. h. die Tilgungsquoten als wichtiges ethisches Moment für die Aufrechterhaltung der Unantastbarkeit internationaler Verpflichtungen angesehen. Bei allen Verhandlungen hat die Kommission die durch den Krieg verursachte Zerstörung des wirtschaftlichen Gleichgewichtes in Europa voll in Rechnung gestellt. Man erkennt die Unmöglichkeit gewisser Schuldnerstaaten, bedeutende Zahlungen in nächster Zukunft zu machen, voll an, hält aber das Prinzip, die Verpflichtungen nach dem Stande des Wiederaufbaues zu regeln, für richtig. Die meisten europäischen Nationen haben in den letzten Jahren ihre Budgets ausbalanziert. Viele Aiislandverpflichtungen an Amerika konnten fundiert werden. Währungen wurden stabilisiert. Die Placierung von Auslandanleihen in Amerika wurde eine dauernde Erscheinung auf dem internationalen Geldmärkte. Der wirtschaftliche und finanzielle Wiederaufbau Europas ist also in Sicht. Wir haben festgestellt, daß dieser Wiederaufbau für uns von höchstem Werte ist, und legen Wert daraus, daß dieser Wiederaufbau in der richtigen Weise geschieht. Europas Wiederaufbau ist Amerikas Wirtschaftsinteresse. Unsere gesamten ausländischen Guthaben sind für uns in Dollars und Cents nicht soviel wert wie ein blühendes Europa. Die günstigen Folgen der Schuldenregelungen mögen an einigen Beispielen gezeigt werden. Großbritannien bezog von uns im Jahre 1925 Waren im Werte von über 1,03 Milliarden Dollar, der Import der Vereinigten Staaten aus England betrug in der gleichen Zeit nur etwa 412 Millionen Dollar Waren, während wir ihm im gleichen Zeitraum für etwa 205,2 Millionen Dollar sandten. Deutschland kaufte von uns im Jahre 1923 noch für nur etwa 150 Millionen Dollar an Baumwolle; mit der Einführung des Dawes-Planes, der Stabilisierung der deutschen Währung und der Durchführung einer gesunden Finanzwirtschaft stieg dieser Bedarf im Jahre 1924 auf 223 Millionen Dollar und im Jahre 1925 auf 240 Millionen Dollar. Es ist also klar, daß sowohl Amerikas Industrie wie seine Landwirtschaft größtes Interesse an einer Stabilisierung Europas haben. Die europäischen Länder müssen heute noch große Anstrengungen machen, um ihre Finanzen in Ordnung zu halten. Hohe Steuern belasten die Bevölkerung, die allgemeinen Unkosten der Industrie sind bedeutend gestiegen. Diese Härten sind unvermeidlich, bedeuten sie doch den Preis, den die gegenwärtige und wahrscheinlich auch die kommende Generation für den Weltkrieg zu zahlen hat. Wiederaufbau ist immer eine mühsame und langwierige Sache. Auf jedem Wiederaufbau liegt aber auch Finale furioso. Zum 250. Geburtstag des alten Dessauers am 3. Juli. Von Dr. F. E r n st. Bisher hatte &ürft Leopold von Dessau, tat alte Dessauer, ruhmgekrönter Feldherr und Sieger in berühmten Schlachten, den ein genauer Rennet den größten Soldatenführer und größten Hofintriganten seiner Zeit nannte, „ein Mann Mn fürchterlichem ilngeftüm, eine wahre Windsbraut von einem Menschen", in den beiden ersten . schlesischen Kriegen seines Königs, der aUein seine Kriegstaten überstrahlt, keine Gelegenheit gehabt, sich seines alten Rufes würdig zu zeigen. Als Friebrich Wilhelm I. gestorben und der junge Friedrich den ersten Tag König war, soll Leo- Mld von Dessau weinend bei ihm eingetreten, 'ein Beileid ausgedrückt und gebeten haben, daß 'ein neuer Herr ihm seinen bisherigen Einfluß mb sein bisheriges Ansehen lassen möge. Friedrich soll verbindlich geantwortet haben, daß von tun an niemand Ansehen und niemand Einsatz haben werde als er selber; möglich, daß dies Wort nachwirkte, obwohl der Fürst von Dessau in allen seinen Aemtern blieb. Möglich euch, daß Leopolds bekannte österreichische E^- (iimung dem König eine gewisse Zurückhaltung cuferlegte. Da kam das Schlußspiel des zweiten Schlesienkrieges. Der alte Dessauer stand mit seinem Korps bei Halle und sollte gegen Sachsen, wurde ober mit feinen Vorbereitungen nicht fertig. Er zögerte offensichtlich; manchmal sollen alte Kriegshelden um ihren wohlverdienten Lorbeer besorgt lein, vielleicht aber wollte auch der Intrigant dem Heerführer einen Streich spielen. Endlich am 29. November 1745 rückte er vor und besetzte Leipzig. Der König drängte heftiger, er befand lich in einer Art Zwickmühle zwischen dem Loth- tiirger und dem Grafen Rutowski, deren Der- pinbung er verhindern wollte. Der alte Dessauer 15er, statt dessen, wich nach Torgau aus. strengster Befehl seiner Majestät. Da endlich ? ernannte sich der alte Löwe, runzelte die wulstigen Lippen mit dem borstigen Schnurrbart bar- &5er und schob sich bis zum 12. Dezember nach Meißen vor und gewann Verbindung mit dem König, der bei Großenhain stand. Auf Dresden Drzugehen, war der Plan. Aus dem linkem Ufer hielt in unangreifbarer Bergstellung bei Kesselsdorf Graf Rutowski mit seinen Sachsen und Oesterreichern, nur der linke Flügel, an das Dorf selbst angelehnt, schien angreifbar, aber durch eine starke Batterie gedeckt, der rechte Flügel sah von einer scharfen Talkante in einen tiefen Grund. Der alte Dessauer setzte feinem Herrgott zu und sprach zu ihm, ehe er an greifen lieh: „Lieber Gott, stehe mir heute gnädig bei! Oder, wenn bu es nicht willst, so hilf wenigstens ben Hunbs- föttem, ben Feinben, nicht, sondern sieh zu, wie es kommt!" Zweimal prallten die Preußen vor den vernichtenden Ungeteiltem der Kesselsdorfer Batterien zurück, die Granaten rissen Gassen in die Reihen, die wie auf dem Exerzierplatz vorstürmten. Auf die Zurückweichenden machten die Sachsen einen Gegenangriff, da warf der alte Dessauer seine Lieblingswaffe, ein Dragonerregiment, auf sie, zerschmetterte sie, nahm beim dritten Sturm Batterie und Dorf und trieb auch die feindlichen Reitereien in die Flucht; unterdessen hatte sein Sohn Prinz Moritz, vom linken preußischen Flügel her, ein unerreichtes Wunder der Tapferkeit geleistet. Um 4 Uhr, schon in der Dämmerung, kam er am Fuß der Felskante an, wo sich eine morastige Schlucht, der Tschamer- grund, hinzog. „Moritz sprang zuerst hinab in die Schlucht und zeigte dadurch den ©einigen die Möglichkeit des Durchkommens. Zwei Musketiere trugen ihn auf ihren Schultern durch den Morast", schreibt Adolf Menzel, der die Szene denkwürdig darstellt. So ging es eisglatte, schneebedeckte Felsen hinauf gegen einen gut eingegrabenen Feind, der nicht standhielt, so sank auch der rechte sächsische Flügel, und wilde Flucht hob an. Am 16. Dezember dankte Friedrich der Große dem alten Dessauer für seine Siegesmeldung, die er in Meißen empfing, in einem fast feierlichen, von überströmendem Gefühl getragenen Schreiben und schloß: „Morgen umb neun Uhr hoffe ich Ihr Liebden bei Kesselsdorf zu embraffieren und Ahnen zu danken, daß Sie dem Staat und mir bei dieser Gelegenheit so ausnehmende Proben von bero Treu, Bravoure unb Conbuite gegeben haben; ich habe meiner Seite große Ursache gehabt, Sie zu pressieren, um bie Funktion des, Prinzen Karl zu prävenieren und ist es Gott Lob gelungen!" Friedrich wußte, daß dieser mit großen Opfern erkaufte Sieg den Frieden bringen würbe, als er am anderen Tage ben alten ®efa Segen, selbst wenn er unter größten Mühen vor sich geht. Wir nehmen die moralischen Verpflichtungen, die der Wiederaufbau Europas uns auferlegt, gerne auf uns, wissen wir doch, daß dieser Wiederaufbau Europas zum Segen der Weltwirtschaft und daher zu unserem eigenen Vorteil auslaufen wird. Außenpolitische Umschau. Don Prof. Dr. Otto Hoetzsch, M. d. R. Geht man in Frankreich nun wirklich mit Ernst daran, die Finanzen zu sanieren? Das neue Kabinett ist gebildet, Brianb wie C a i l- laux sind in ihm die beiden Hauptfiguren. Vielmehr, wenn wirklich mit Ernst und Entschluß an die Finanzreform gegangen wird, tritt Driand naturgemäß in bie zweite Reihe, unb olles dreht sich um Caillaux, um seinen Plan unb seine Energie. Brianb hat in bezug auf dieses Kabinett unb bie beiden maßgebenden Männer darin von den beiben „Konsuln" gesprochen. Das ist eigentlich ein sehr guter Vergleich, sowohl der Sache nach wie der Person nach. Man kann auch dabei an die berühmte Formel denken, mit der im alten Rom die Konsuln zu außerordentlichen Maßnahmen aufgerufen und bevollmächtigt wurden: Die Konsuln mögen sehen, daß der Staat keinen Schaben leide! Höchste Zeit dazu ist es ja allmählich in Frankreich geworden. Caillaux hat verhindert, daß in das neue Kabinett Poincare hereinkäme. Man begreift auch nicht recht, was sich Driand davon versprach. Im Augenblick war für das Kabinett ein Minister, der sich im besonderen mit der elsaß-lothringischen Frage beschäftigen will, nicht notig, und welche Garantie bot Poincare für eine wirkliche Lösung des Fmanzproblems? Dazu genügt es nicht, daß man, wie Poinacre es tut, gegen die Ratifikation des Schulden- abkommens mit Amerika sich ausgesprochen hat, eine Ansicht, die gut klingt, aber so unrealpolitisch wie irgend möglich ist. Warum man aber einen Minister, der den Ruhreinfall nach Deutschland gemacht hat unb eine ungeheure Schuld an der heutigen Frankenzerrüttung trägt, ausgerechnet jetzt im Kabinett haben wollte, bloß damit dann der alte nationale Block für die Regierung stimme, das war wirklich nicht recht einzusehen. Jedenfalls hat Caillaux das verhindert. Kein Vertreter des nationalen Blockes ist in das neue Kabinett eingetreten. Caillaux hat sich noch anderer finanzverständiger Männer versichert und außerdem in das Kriegsministerium, das Painlevs deshalb aufgeben mußte, einen General hereingenommen, von dem er Unterstützung in der Sparsamkeitspolitik auch an der Armee erwartet und (nicht zu vergessen!) furchtloses Eingreifen, wenn die Finanzküktatur zu Erschütterungen führen sollte. Die Regierungserklärung des neuen Kabinetts war nicht sehr inhaltsreich. Sie läßt auch noch nicht das wirkliche Programm erkennen. Aber wie Caillaux sich die Sache vorstellt, ist wohl im ganzen flar. Zunächst Sparsamkeit, was sehr schön ist, aber das Hebel nicht an der Wurzel saßt und außerdem erst allmählich Früchte bringt. Dazu Gleichgewicht im Budget. Dazu sind nötig Steuern. Woher soll das Geld dafür kommen und woher das andere, das der Staat braucht, um bie Verbindlichkeiten der schwebenden Schuld einzulosen? Hier liegt der erste Entschluß, der gef^rlich werben kann. Caillaux will zu diesem Zwecke zunächst die Inflation bewußt vermehren, die Ausgabe von Roten erhöhen, freilich in fortgesetzter Höhe. Damit wird das Budget ins Gleichgewicht gebracht, und dann wird an die Stabilisierung der Währung gegangen. Er sieht mithin eine weitere Entwertung des Franken voraus und muß dann für die allernächste Zeit mit den gefährlichen Folgen rechnen. Er will dem Volke die Illusionen von den Augen reißen, den bestehenden Zweifel an der Währung absichtlich in die Verzweifelung umwandeln und dann aus dieser Lage mit einem Ruck den Ausweg finden. Das ist ein Programm, das im einzelnen noch nicht völlig klar ist und genug Risikos in sauer mit entblößtem Haupte begrüßte, verstand er seine besten Worte zu finden, unb ein Zuschauer schreibt, „bah bes alten Fürsten Leopolb verklärte Physiognomie hinreichenb zeigte, wie wohltuenb biete Auszeichnungen feinem Herzen unb seinem Ehrgeize waren." Zwei Stunden besichtigte er bas Schlachtfeld unb hatte nur Lob unb Dank für ben Heerführer, bie Offiziere unb bie tapferen Solbaten. Für ben alten Dessauer! entfielen aus ben feinen Händen bes alten Kö- nigs lauter Weihrauchkörner, ba würbe der großen Jugendzeiten mit bem Prinzen Eugen unb Marlborough gedacht, wie bes ruhmreichen Anteils an ber Schlacht bei Höchstett, Ramen wie Cassano, Turin, Douai, Aire, Mörs, Stralsunb flössen von ben Lippen bes bankbaren Friebrich und erfüllten ben fast Siebzigjährigen mit einem fast jünglingshaften Glücksrausch. Als zehn Tage später zu Weihnachten 1745 ber Frieben unterschrieben war, zog sich ber alte Kämpfer nach Dessau in seine Resibenz zurück. Der gewitterhafte Mann, bie Winbsbraut von einem Menschen war still geworben, noch anbert- halb Jahre wirkte er tatkräftig unb weitsehend für bas Wohl seines Lanbes, schuf Deiche, wehrte ber Bauernbebrückung, sann auf Gerechtigkeit. Als er sich am 9. April 1747 zum Tobe nieber- legte, konnte er mit ber Spur seiner Erbentage zufrieden sein, am meisten sein letztes Jahr begnadet hatte aber sein Feldherrnfinale bei Kesselsdorf. DerKIaffiter derchinesischen Kochkunst. Dse chinesische Küche gilt zwar bei uns als der Inbegriff des Exotischen, unb bem Europäer gruselt schon bei bem bloßen Ramen ber seltsamen Leckerbissen, die hier beliebt sind. Aber solche Abneigung, bie übrigens beim Genuß ber Speisen im ßanbe selbst meistens verschwindet, beruht auf einer sehr einseitigen Auffassung ber kulinarischen Künste, unb bie Chinesen selbst hallen mit einem gewissen Recht ihre Kochkunst für eine Blüte ihrer Kultur, bie sich in langer Zeit ber Vervollkommnung entfaltete. Ratür- lich besitzt das Lanb ber Mitte auch eine aus- gebreitete gastronomische Literatur, unb als ber Klassiker ber chinesischen Kochkunst gilt allgemein Man Mei, ein Beamter, ber sich zugleich als sich trägt. Caillaux weiß genau, daß es nicht durchzuführen ist ohne Hilfe von außen. Er muß sich mit den Vereinigten Staaten einigem, Denn wo sonst sollen die Kredite Herkommen, mit denen er die Währung allein stabilisieren kann? Gewiß ist der Atem der Bant von Frankreich, wenn er diese zwingt, ihr Gold zur Stützung des Franken herzugeben, heute noch sehr viel länger, als er seinerzeit bei uns mit unserer Reichsbank war. Caillaux will sich dieses Instituts dienstbar machen und hat den ersten Schritt schon getan, indem er den Gouverneur ber Dank beseitigte. Aber das ist keine wirkliche Lösung. Die Reform im Innern ist unmöglich, wenn nicht Klarheit über bie Verpflichtungen nach außen, und zwar an England und Amerika, besteht. Gegen das Abkommen, wie es der französische Botschafter'in Washington, Beranger, geschlossen hat, ist auch Caillaux. Er »erlangt eine Sicherungsklausel, er verlangt die Verbindung ber französischen Schulben an Amerika mit ben Einnahmen aus Deutschland. Schwerlich wird er sich darüber täuschen, daß er damit nicht durch- kommt. Rorbamerika lehnt diese Bedingungen! aus wohl erwogenen Gründen ab. Ebenso weiß er, baß bie jetzt vielfach besprochene Idee, zur Rettung ber französischen Währung bie deutschen Eisenbahnobligationen (bekanntlich 11 Milliarben Golbmark) mobil zu machen und so Frankreich mit einer großen Summe zu versehen, auch nicht entfernt spruchreif ist. Das hat der Treuhänder für diese Obligationen selbst erflärt Das ist auch selbstverständlich, denn daran hängt viel in bezug auf die Revision des Dawesplanes selbst. Es wird also nicht anders gehen: Auch Caillaux wird scheitern, wenn er sich nicht entschließt, durch das Kaudinische Joch hindurch- zugehen und Frankreich auch einem D a w es - Plan zu unterwerfen. Dieser unterscheidet sich natürlich grundlegend unb in vielen Einzelheiten von bem Dawes-Plan in Deutschlanb, aber er kommt im wesentlichen auch barauf hinaus, baß er bie französischen Finanzen an bag norbamerikanische Golb unb bessen Herren binbet Caillaux war schon einmal an dieser Stelle unb hat enttäuscht. Man bringt ihm immer noch Vertrauen entgegen, er gilt als einer ber besten Köpfe unb allerstärksten Willen Frankreichs. Ob ct3 ihm gelingen wirb, Frankreich finanziell auf bie Füße zu stellen, steht bahin. Deutschland jebenfalls hat burchaus fein Interesse baran. wie immer wieder betont sei, daß bie französische Währungszerrüttung weiter fortschreite. Wir kommen in Europa überhaupr nicht in Orbnung. wenn nicht bie Währungen überall gefertigt werben. Es läßt, sich ber Wirtfchaftsaustausch, bie Hanbels- unb Zollpolitik, bie Europa braucht, schlechterdings nicht machen, wenn ihre Grunb- lagen fortwährenb schwanken unb mit Erschütterungen bebro&t sinb. Auch in biesem Sinne ist sich Caillaux ganz llar. Er teilt ohne Zweifel aus voller Überzeugung bie AußenpolitikDrianbs. Aber es scheint, als wenn er biese noch eine Stufe höher heben wollte in einer wirklich europäischen Politik. Mehrfach schon hat er sich ganz offen dahin ausgesprochen, baß Europa nur zu retten ist, wenn bie einzelnen Teile sich zueinanber finden, bie notwenbigen wirtschaftlichen Abreden miteinanber treffen, unb er hat das mit aller Bestimmtheit ausgesprochen, viel positiver als Driand. Ob er auf diesem Gebiete zu Erfolgen kommt, steht auch noch dahin. Auch das ist vom deutschen Standpunkt aus lebhaft zu wünschen. Wir teilen ganz bie Auffassung, daß der europäische Kontinent nicht in Ordnung und Ruhe kommen wirb, wenn nicht ein europäisches Gemeinsamkeitsgefühl sich auch wirklich umsetzt in eine europäische Politik, die auf die gemeinsamen Interessen gegründet ist und die diese auf einen gemeinsamen Renner zu bringen in bet Lage ist. Dabei wird Caillaux, ber ja nicht nur Wirtschaf tspolitiker ist, fonbern überhaupt außenpolitischen Blick besitzt, naturgemäß, wenn er überhaupt an ber Macht bleibt unb Erfolge hat. weitergeführt werben. Es ist ein merkwürdiges Kochkünstler und Schriftsteller hervortat. Schon zu Anfang ber 40er Jahre seines Lebens zog er sich von ben Geschäften zurück und führte nun ein glückliches Dasein in seinem schönen Garten zu Ranking, in bem er seinen Schülern Weisheiten über das beste Leben und bas beste Essen vovtrug. Die chinesische Küche ist ja bekanntlich sehr reichhaltig, unb bie Speisekarte eines Restauraifts führt mehrere 100 Gerichte auf. Vüan Mei vergleicht das Kochen mit ber Ehe. Auch in ber Ehe müssen zwei Dinge, bie in benselben Tops getan werben, miteinanber harmonieren, um gut unb glücklich zu wirken. „Das Klare soll mit bem Klaren oerbunben werden," schreibt er, „bas Dicke mit bem Dicken, das Harte mit bem Harten, bas Weiche mit bem Weichen. Ich habe Menschen gekannt, bie Hummern mit Vogelnestern vermischten unb Pfefferminz mit Hühnern. Das kann keine gute Ehe geben! Die Köche von heute denken sich nichts dabei, wenn sie in einer Suppe bas Fleisch von Hühnern, Enten, Schweinen und Gänsen vermischen. Aber diese Hühner, Schweine, Enten und Gänse haben zweifellos Seelen, unb biese Seelen werden in ber anberen Welt sicherlich bittere Klage erheben, weil man sie so behandelt hat." Als bie vier wichtigsten Fleischspender ber Tafel führt Man Mei bas Huhn, bas Schwein, bie Ente unb ben Fisch auf. Als ein wahrer Philosoph des Essens haßt er nichts mehr als älmnätzigkeit unb Unnatur. Er erzählt, baß er einst bei einem Freunde speiste, ber seinen Gästen Vogelnestersuppe in Gefäßen vorsetzte, bie so groß waren wie kleine Fässer. Die anberen Gäste waren entzückt, Man aber lächelte und sagte: „Ich kam hierher, um Vvgel- neftersuppe zu essen, nicht, um mich in ihr zu haben.“ „Iß nicht mit den Augen", ist eine feiner Regeln, unb er will damit sagen, baß bie Tafel nicht mit unnötigen Schüsseln und mit einer zu groben Speisenfolge überladen sein soll. „Iß nicht mit den Ohren", lautet eine andere Regel, und sie will besagen, daß man nicht durch merf-. würdige unb fonberbare Gerichte mit ungewöhnlichem Ramen ben Beifall ber Rarren gewinnen soll. Rach einem Diner bei einem Freunde, ber nicht weniger als brei Speisenfolgen, jebe aus acht verschiebenen Gerichten bestehend, und sechzehn verschiedene Arten bes Rachtischs auftragen ließ, atz Man zu Hause noch einen Teller? Reisgrütze, so hungrig war er! ■ ✓ „ Zusammentreffen, daß er gerade in den Vordergrund wieder tritt. 15 Jahre nachdem er Ministerpräsident Frankreichs war. während der Marokkokrise (Panthersprung und Agadirs. Die eben erschienene Serie unseres großen Altenwerkes gibt sehr interessante Einblicke und Aus' schlüsse über diese Zeit. Sicht dann Eaillaur im weiteren seine Aufgaben auch außenpolitisch im eigentlichen Sinne an. so muß er von selbst darauf kommen, daß man allein mit der Locarnopolitik und allein mit Deutschlands Angehörigkeit zum Völkerbund nicht ausreicht. Er wird, er muß dann sehen, daß der Frieden Europas nicht nur so gesichert werden kann, sondern daß Gefahren für den Frieden aus der Welt geschafft werden müssen, die in den Friedensverträgen selbst liegen. Die bezüglichen Forderungen haben wir ost genug bezeichnet. Mit absoluter Sicherheit wird der französische Staatsmann auch dahin geführt werden, wenn er überhaupt in der La.ze ist, die großen Gedanken, praktisch durchzuführen, die ihm vorschweben, die in allgemeinen Umritten, bedeutend und wirkungsvoll, vor der Welt ausgebreitet sind, aber deren praktische Behandlung und konkrete Ausgestaltung nach den blsherigen Reden und Handlungen Eail- laut' doch noch ziemlich unbestimmt und vage ist. Es scheint, als wenn man auch in Frankreich dein neuen Ausstieg dieses ohne Zweifel sehr bedeutenden Mannes mit gewisser Skepsis zusieht. Jedenfalls kann Europa nur wünschen, daß er in der Lage ist, seine Politik durchzufehen und zu Erfolgen zu führen. Oberheffen. Landkreis Gieren. L Wiescck. 3. Juli. Die gesamte Einwohnerschaft. ohne Unterschied der Anschauungen auf den verschiedensten Gebieten, rüstet sich, die von auswärts sehr zahlreich eintreffenden Arbeiter-Turner. -Sportler und -Turnerinnen zu empfangen, die in den Tagen bis zum 5. Juli ihr B e z i r k s f e st hier abhglten wollen. Der mustergültig hergerichtete Festplatz ist vollkommen fertiggeftettt: er überrascht zunächst durch seine Größe und zweckmäßige Einrichtung, seinen einheitlichen Schmuck, und dem deutlich erkennbaren Willen, überall dem Turnen und dem Sport die größte Beachtung zu sichern. Der Samstag bringt schon große Scharen auswärtiger Turner; muhten doch weit über 500 Quartiere bereitgestellt werden, eine Aufgabe, die zunächst unlösbar schien. Aach einem Fackelzug folgt, umrahmt von Gesangsvorträgen, die Dannerweihe des Turn- und Sportvereins Wiese ck, der mit der Veranstaltung sein 20jähriges Bestehen feiert. Eine große Reihe auserlesener neuzeitlicher turnerischer Vorführungen auf einem eigens hierzu errichteten Podium schließt sich an. Aach dem üblichen Weckruf am Sonntag morgen folgt aas Etnzelwetturnen der Turner und der Turnerinnen und die Wettkämpfe der Leichtathleten. Sehr gute Leistungen sind hierbei zu erwarten. Am Aach- mittag soll ein Festzug die heutige Größe und Bedeutung der Arbeitersportbewegung zeigen. dem schließt sich ein Massenchor der Arbeitersanger auf dem Festplah an Es folgen dann die M a s s e n v o r f ü h r u n g e n der Turner und Turnerinnen nach eigens hierzu ge- ichrieoener Musik, und ein Fußballspiel, über das wir gestern bereits berichteten. Son- dervorsührungen. Gesangsvorträge usw. beschließen den Tag. Die leichtathletischen Wettkämpfe werden am Montag fortgesetzt. Vereinsriegenturnen füllt den ' Vormittag weiterhin aus. Ein Festzug, der in der Hauptsache den Kindern gewidmet ist. leitet über zu den Schülerwettkämpfen am Rachmittag. Gesellschaftsspiele und Turnspiele bilden den Beschluß des turnerischen Teils, der mit der Preisverteilung seinen Abschluß findet. Große Arbeit ist von dem festgebenden Verein geleistet worden, es fehlt jetzt nur noch eins, um die gan^e Veranstaltung vollkommen zu machen: gutes Wetter! — Der Autobetrieb versucht den an ihn gestellten Anforderungen nach Möglichkeit gerecht zu werden. Am Vormittag des Sonntags soll alle halbe Stunde 'ein Wagen ab Bahnhof nach Wieseck und umgekehrt fahren. Don mittags 1 übr ab versieht der Wagen Ar. 2 den fahrplanmäßigen Sonntagsdienst, während der Wagen Ar. 1 alle halbe Stunde nur ab Walltor nach Wieseck und ebenso zurück fährt. Die Fahrten gehen alle bis in mössnche Rähe des Festplahes. Für die Rachtstund^n ist die Rückfahrt nach Gießen ebenfalls gesichert. * Gründer g, 2. Juli. Zu dein Bericht in Ar. 150 des „Gieß. Anz." über die hiesige Turnhalle wird uns vom 1. Sprecher des Turnvereins Grünberg u. a. mitgeteilt: Die Turnhalle hat ihren Hauptzweck, Tumraum zu sein, bis jetzt noch vollständig erfüllt. Der einzige Mangel ist die kleine Bühne, die für größere turnerische Veranstaltungen nicht ausreicht. Für die Abhaltung von Versammlungen und sonstigen Veranstaltungen erweist sich die Halle zwar manchmal als zu Hein, aber wegen dieser vereinzelten Fälle eine kostspielige Erweiterung vorzunehmen. dazu wird so leicht kein einsichtiger Mann seine Hand bieten. Wenn der Turnverein das anliegende Robertsche Grundstück erworben hat, so geschah dies zunächst einmal, um es nicht in andere Hände gelangen zu lassen, da ja dann für später jede Ausdehnungsmöglichkeit unterbunden würde. Zum andern aber ist der Verein jetzt in der Lage, seinen neben der Halle liegenden Tura- und Spielplatz so zu vergrößern, daß es möglich ist, das diesjährige ©aufrauentumen darauf abzuhalten: ebenso formen nunmehr das alljährliche Jugendfest sowie ab und zu Bezirks turnfeste darauf stattfinden. Von einer Erweiterung der Halle ist zwar schon unverbindlich gesprochen Der Sternhimmel im Juli. Sonnenaufgang von 3.45 bis 4.20 Uhr. Sonnenuntergang von 8.25 bis 7.50 Uhr. Lichtgestalten des Mondes^ 3. Viertel am 2. zwei Uhr nachmittags, 1. Viertel am 18. vier Uhr vormittags, Vollmond am 25. sechs Uhr vormittags, 3. Viertel am 31. acht Uhr nachmittags. mf. Die obigen zwei „dritten Mondviertel" werden vielleicht manchem ansfallen, sie rühren daher, daß die Periode der Lichtgestalten des Mondes (der sog. synodische Monat) etwas kürzer ist. als durch- schnittlich der Kalendermonat, nämlich etwa 29} Tage; infolgedessen umfaßt das Jahr etwas mehr als im Westen der letzte Rest der Wintersternbilder verschwunden. Die in den Abendstunden zcnitnahe Wega, der noch hochstehende Arktur in der Verlängerung der Deichsel des Himmelswagens oder großen Bären, die links von der Wega stehenden Sternbilder des Schwans und der unter diesem fliegende Adler sind kennzeichnend für den Sommer Von den Planeten ist am Abendhimmel zunächst der Saturn zu sehen, der im Sternbild der Wage ziemlich tief im Westen steht. Seine Bewegung ist für das bloße Auge völlig unmerklich. Noch heller als er erstkahlt der Jupiter am östlichen Abendhim- (TjVeovv 0)Marv (3)7qoiter"- ($) Saturn SrfMGHOEft: ffRO/Zf JMßEN // S'/arne-, tt/e/ne £?c/cä* X. jfafren (*)/onne ]) 1.Viertel (v) Vollmond (( A. Vierte! fZ X'UOT°' o Der die Stundenzahlen enthaltende Kreis und die dick punktierte Linie, der sogenannte Horizont, sind feststehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem damit verbundenen, durch Mitternacht gezeichneten Pfeil — gewissermaßen dem Zeiger der Himmelsuhr — in 4 Minuten weniger als 24 Stunden im Sinne des durch 12 Uhr mittags gezeichneten Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont bildet ein Fenster, das die um Mitternacht der Monatsmilte sichtbaren Sterne umschließt. Will man su einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel so gedreht, daß der durch Mitternacht gezeichnete, mitzudrehende Pfeil nunmehr durch die Bcobaehtungsstundegeht, wodurch dann die zu*dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht milzudrehenden Horizont hineingedreht werden. Für je 5 Tage vor dar Monatsmiete ist der Sternhimmel um */j Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monatsmitte uni '(g Stunde später einzustellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen ein, wenn er die angedeutete Lchtgeslalt zeigt. 12} synodische Monate, und es müssen auf einen der 12 Kalendermonale des Jahres 5 Lichtgestaltcn des Mondes entfallen; in diesem Jahr ist dies im Juli der Fall. Da das letzte Mondviertel bann eintritt, wenn der Mond vom Beschauer aus gesehen, einen rechten Winkel gegen die Sonne bildet — zwar nicht ganz genau, aber der Unterschied ist geringfügig — so zeigt uns die Wandelrung, die das letzte Mondviertel vom Anfang bis zum Ende des Monats am Himmel gemacht hat, gleichzeitig den Weg der Sonne während dieser Zeit an. Der Juli gilt als Hochsommer, und das ist auch für den Sternhimmel. Mit den Zwillingen ist nun inel; er geht am Beginn des Monats gegen 10.30, gegen Ende um 8.30 Uhr auf. Die vier schon in schwach vergrößernden Fernrohren sichtbaren Monde dieses mächtigsten aller Planeten werden immer zu den stärksten Eindrücken gehören, die der Sternhimmel dem Sternfreund bietet. Er wird sich zugleich auch freuen, daß der Planet in höhere Teile des Tierkreises aufsteigt und dah«r in den folgenden Jahren immer bester sichtbar werden wird. Gegen Schluß des Monats beginnt schon der Sternschnuppenschwarin der Perseiden, der aber erst im August seinen Höhepunkt erricht. K ü ft c r m a n n. worden, aber gerade durch den Erwerb des Grundstückes in Gröhe von 1600 Quadratmeter zu einem Kaufpreis von 5000 Mk. ist der Turnverein so stark belastet, daß zunächst einmal die Abtragung dieser Schuld ins Auge zu fassen ist, ehe die Frage der Hallenerweiterung spruchreif wird. Z L i ch . 2. Juli. Zur 50-Jahr feier der Freiwilligen Feuerwehr sei im Anschluß an den Bericht des „Gieß. Anz." noch rnitgeteilt: Die Bewegung zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr hatte, wie in den meisten oberhessischen Städten, ihren Ursprung in unserem feit 1860 vestehenden Turnverein. Der bekannte Turner und ehemalige österreichische Offizier A. Sartorius, der feinerzeit hier als Kaufmann lebte und in der liberalen Bewegung eine führende Rolle spielte, gab am Sedanstage 1 87 6 die Anregung zur Gründung der Wehr, die dann am 31. Dezember 1876 von 48 angesehenen Bürgern der Stadt, zumeist Turnern, vollzogen wurde. Der Vorgänger der Freiwilligen Feuerwehr war eine Pflichtfeuerwehr, die fog. „städtische Feuerrotte", die anfangs 1877 aufgelöst wurde. Von den 48 Gründern der Freiwilligen Wehr sind heute noch am lieben: F. Eise, Joh. Phil. Findt, W. Fey I., F. Kämmerer, P. K ü ch l e r, K. Ehr. Lotz, H. P e t r i I., Phil. Oßwald , F. Schäfer II., PH. I. Schäfer, Gg. Schäfer, L. S ch e r f f, Ehr. Vater I., H. Vater , H. Wilh. Weicker. Im Weltkriege verlor die Wehr 17 Kameraden, deren Andenken durch Anbringung einer Gedächtnistafel am Gerätehaus geehrt wurde. * Ettingshausen, 2. Juli. Heute ereignete sich hier ein schwerer Unglücksfall. Der Landwirt Heinrich Stein IV. war während des Heumachens nach 5)aufe gegangen, um fein Pferd zu füttern. Als er nach einiger Zeit nicht wieder erschien, sahen seine Angehörigen nach seinem Verbleiben und fanden ihn mit einem schweren Schädelbruch auf der Scheunentenne liegen. Da niemand bei dem Unglücksfall zugegen war, der Verletzte auch noch bewußtlos ist, weiß man über den Vorfall bis jetzt nichts Genaues. Der Zustand des Kranken ist nicht unbedenklich. Kreis Friedberg sf. Friedberg, 2. Juni. Die Deutsche Bau - und Siedlungsgemeinschaft G. m. b. H. in Darmstadt" hatte auf gestern abend in die Gastwirtschaft zur Loreley im Stadtteil Fauerbach eingeladen. Die Versammlung war sowohl von Bewohnern Fauerbachs wie Friedbergs gut besucht. Der Referent des Abends, Herr E s f i n g e r - Butzbach, entwickelte in längeren Ausführungen die Bestrebungen der Gemeinschaft zur Bekämpfung der Wohnungsnot und der Arbeitslosigkeit. An den Vortrag schloß sich eine ausgedehnte Aussprache, an der sich >!. a. Bahningenieur Gottsbühren, AmtsgerichtsrcU Thum, Regierungsrat Dr. R i n d f u ß , Zimmermeister 3 ö II u. a. beteiligten. Von verschiedenen Seiten wurde die Durchführbarkeit der Sache bezweifelt. Der Referent erwiderte, daß von dem Gründer der Vereinigung, Architekt H e i l m a n n , genaue Berechnungen auf- gestellt wären, und an der Durchführbarkeit nicht zu zweifeln sei. Wenn sich auch in der Versammlung verschiedentlich Widerspruch erhob, so schien die Sache doch im allgemeinen einen gewissen Anklang zu finden. Bad-Rauhe im, 2. Juli. Die Besucherzahl unseres Bades ist bis jetzt befriedigend, es wird sogar erwartet, daß die Ferienzeit ein nochmaliges starkes Ansteigen der Frequenzlurve bringt. Der internationale Einschlag ist stärker als im Vorjahre. Unter den Ausländern, die zurzeit hier wellen, ist Justice George Sutherland zu erwähnen, der als Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten zu den hervorragendsten Persönlichkeiten Amerikas zählt. Für die Heilerfolge unseres Bades spricht die Tatsache. daß sich die Zahl der Stammkurgäste mit jedem Jahr vermehrt. Besucher, die zum 25. oder gar zum 30. Male zum Kurgebrauch nach hier gekommen, sind keine Seltenheit. W i s s e ls h e i m, 2. Juli. Eine alte Rist- Italic des Kiebitzes sind die salzhaltigen Wiesen beim nahen Löwschen Hosgut Löwenthal. Man hat den seltsamen Vogel feit einigen Jahren aber dort nicht mehr beobachtet. Um so größer ist die Freude des Raturfreundes, daß in diesem Sommer wieder ein Paar hier gebrütet hat. Leider ist das Männchen von einem Jäger ab- geschossen worden. Auch anderorts ist der Kiebitz im mittleren Wettertal noch daheim, so in den ebenfalls etwas salzhaltigen Wiesen zwischen Münzenberg und Oberhörgern. wo er auch in diesem Jahre beobachtet werden kann. Kreis Büdingen. Ridda, 2. Juli Um die wenigen Reubauten, die hier und in der .Umgebung zur Ausführung kommen, ist ein Konkurrenzkampf unter den Maurermeistern entbrannt. Man sucht die Preise herabzusetzen, um nur Arbeit zu haben und nicht feiern zu müssen. Leider ist die Geldbeschafsung für die Bauenden schwieriger als in einem der Vorjahre. Ober-Schmitten. 2. Juli. Gestern waren es 2 5 Jahre, daß der Oberwerksührer Louis Muller als Beamter im Dienst der Papierfabrik W. u. I. Moufang steht. Dem Jubilar, der sich als Mensch und Beamter gleich hoher Wertschätzung erfreut, wurde die übliche Ehrung zuteil. Angestellte und Fabrikleitung bedachten ihn mit sinnigen Geschenken. Kreis Schotten. □ Laubach, 1. Juli. Gestern abend verstarb in Gießen an den Folgen einer Blinddarmoperation der Geheime Sanitätsrat Dr. med. Wilhelm Vogel, der vier Jahrzehnte unser Mitbürger gewesen ist. Als Arzl und als Mensch war er eine hervorragende Persönlichkeit. Geboren in N a u- f) c i ni bei Äroß-Gera» am 13. November 1855, besuchte er bis zum 12. Lebensjahre die höhere Pri- vatschulc zu Groß-Gerau, sodann baff^pewatinftitut des Pfarrers Wolf in Badenheim bzw. Wendelsheim bis Herbst 1870, wo er in bas Ludwig-Georgs- Gymnasium zu D a r m ft a b t eintrat. Im Herbst 1873 bezog er die Universität Gießen, hierauf die Universität Marburg. In Gießen war er aktiv beim Korps Hassia. er war ein ausgezeichneter Schläger und bekleidete wiederholt Chargen. Das Korps ernannte ihn zum Ehrenmitglied, eine Ehrung, die sehr selten verliehen wird. Nachdem er im Februar 1879 fein Schluß- cxamen mit bestem Erfolge in Gießen beendet harte, war er in Gießen Assistenzarzt an der Medizinischen Klinik bis Herbst 1879. Von Oktober 1879 bis dahin 1880 diente er als Einjährig-Freiwilliger im 1. Rhein. Jnf.-Regt. Nr. 25 zu Straßburg i. E. Am 10. Oktober 1880 ließ er sich als praktischer Arzt in Homberg a. d. Ohm nieder, wo er sich am 8. September 1881 mit Auguste Wahl aus Wetterfeld verheiratete. Schon am 24. April 1884 verlor er seine Gattin. Arn 16. Ok- iober 1886 ließ er sich in Laubach nieder, wo er die Leitung des Gräflich Solms-Laubachi- f d) c n Johann - Friedrich - Stiftes übernahm und eine hervorragende ärztlickie Praxis entfaltete. Er erwarb sich dos allgemeine Vertrauen in ungewöhnlichem Maße. Im Jahre 1894 wurde er im Dekanat Nidda als Abgeordneter zur Landesfvnode gewählt; außerdem wurde er zum Mitglied des „Aerztlichen Zentral- a u 5 { d) u f | e 5 für das Groß Herzogtum Hessen" gewählt. Volle 38 Jahre hat er in Laubach in Segen gewirkt. Im Jahre 1924 legte er die ärztliche Praxis nieder und verzog nad) Stuttgart, wohin sich seine Tochter, sein einziges Kind, uerheiratet hatte. Jedoch erfaßte ihn mehr und mehr das Heimweh nach dem geliebten, trauten Städtchen, wo er feine besten Jahre verbracht hatte. Sim 15. Mai d. I. siedelte Vogel aus dem Schwaden- lanbe wieder nach Laub ach über, dessen Gemeinderat ihn 1924 bei seinem Wegzug nach Stuttgart einstimmig zum Ehrenbürger ernannt hatte. Doch nur wenige Wochen waren ihm vergönnt, in dem schön gelegenen fyau\e zu verleben, das er im oberen Wettertal gemietet hatte (fein eigenes Haus hatte er von 2 Jahren verkauft). Ein trefflicher Mann, aufrecht und bieder, beseelt von wahrer Frömmigkeit ist mit Wilhelm Vogel dahingegangen. Sein Gedächtnis wird allezeit in hohen Ehren bleiben. „?" AusdemRiddatal, 2. Juli. Während in den hochgelegenen Gegenden d e s V o g e l s b e r g e s, wo bei größerem Wie- senbesitz Grasmäher nur seltener Verwendung finden können, die Heuernte sich noch auf längere Zeit erstrecken wird, nähert sie sick) in unserem Tale schon ihrem Ende. Es ist erfreulich, daß der Ertrag in diesem Jahr den der heureichen Vorjahre noch übcr- troffen hot, Rur gairz nasse Wiesen und Wiesentelle enlläuschen etwas, ohne aber das Gesamtergebnis wesentlich zu beeinflussen. Der geringe Heupreis, 1,80 bis 2,50 Mark pro Zentner. drückt stark die Graspreise bei Versteige» rung.cn. Der kleine Mann, der sonst als Steigerer austrat, um das Heu mit einigem Vorteil sofort wieder abzusehen, ist sehr zurückhaltend geworden. weil sich bei diesen Preisen seine Arbeit nicht bezahlt macht. Starkenburg. ' Darmstadt. 2. Juli. Für den Posten eines B ü r g e r m e i st e r s in dem StÄ>tchen Groß-Gerau bei Darmstadt haben sich bis jetzt über hundert Bewerber gemeldet. WSR. Eberbach, 2. Juli. Ein 14 Jahre alter Schüler aus Mannheim hatte mit fünf Schulkameraden unter Führung eines Vikars eine Radpartie nach Eberbach unter- Rad zu Fall und stürzte so unglücklich g e gen nommen Auf der Rückkehr kam er mit dem Heute abend 8 Ihr SosideraiConzert verstärkte Kapelle 6M6c Anschließend TANZ Bei Neigung zu in Fettansatz können wir Ihnen nur raten, in der Avoiheke 30 Gramm echte Tolnba-Kerne zu kaufen, die als wirksam anerkannte, den Fettansatz beseitigende, dabei völlig unschädliche Stoffe enthalten. Gutachten, genaue Anweisung und Bestandteile ni d. Packungen. I DEUTSCHE DEBRRUCHSWR&EN Die neuesten Preise Phaeton...........M. 3439.» Puilmarm-Limousine H. 1Q3QÖ.- Abnehmbare Pullmann-Llmouslnet», Landauletts, Lieferwagen In eilen Ausführungen, ab Werk sechssitzig, Vierradbremse, sechsfach ballonbereift, mit elektrisch. Licht und Anlasser, elektrisch. Signal, Kilometerzähler, Geschwindigkeitsmesser, Fahrtrichtungsanzeiger, Scheibenwischer, Gepäckbrücke usw. 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Wn Geil Wegzug nach Ault- enbiirger ernannt ijen waren ihm ver- i Saufe zu verleben, gemietet fyafte ((ein lehren verkauft!. Tm i bieder, beseelt von it W® Dogel mis wird allezeit in a t a (, 2. 3uli. Mh> enen Gegenden o bei gröberem Die- seltener Lertvendung rate sich noch auf wird, nähert sie sich ihrem Ende. Es ut ag in diesem Jahr ah re noch über« nasse Diesen und M. ohne aber das ,u beeinflussen. Ser >5-3 Mart pro Zent« ireife bet Mrsie'ge' der f°B als SN>. mit einigem ^otteu sehr zurüchaltendge Preisen seine Arbeit tm iburg. »ÄÄ a&3s so unglucklich g^ .hi Ludwig {®nxert eise ,SS.' 100/ $$&"*" einen Seifen, daß der telephonisch herbei» gerufene Vater feinen Sohn nur noch als Leiche vor fand. CES27. Weinheim, 2 Juli. Sn Abwesenheit der Mutter, die gerade Milch holte, spielte hier ein etwa einjähriges Kind mit dem Schnuller, der mit einer Schnur am Bett festgebunden war. Dabei geriet dem Kind die Schnur um den Hal?, wodurch es so schwer gewürgt wurde, bah es kurz nach seiner Einlieferung im Krankenhaus verstarb. Preußen. Kreis Wetzlar. T Waldgirmes. 2. Juli. Bei der Grasversteigerung auf den Gemeinde- wiesen wurden sehr hohe Preise erzielt. Es fam die Parzelle, etwa 6 Ar groß. 35 bis 43 Mark, das ist der Morgen durchschnittlich 160 Mark. T Naunheim, 2. Juli. Die Maul- und Klauenseuche, die hier als erloschen erklärt war, ist von neuem in 30 Stallungen, darunter auch bei den Gemeindebullen, festgestellt worden. Die Gemarkungssperre ist angeorbnet. Dillkreis. bl. Dillenburg. 2. 3uli. Der D i l l - kr-eis plant die Errichtung eines Wald- erholungsheimes für Ironie und schwache Kinder. Geeignetes Baugelände ist bereits vorhanden. 3m neuen Etat stehen für diesen Zweck Mittel. bl. Herborn, 2. 3uli. Sn den nächsten Lagen wird eine Kommission von Vertretern der Regierung und des Kreises die großen Oedlandflächen des Westerwaldes eingehend besichtigen. Es handelt sich hierbei um eine Kultivierung des ausgedehnten Weidelandes. bl. Offenbach, 2. Suli. Die seit Herbst vergangenen Sahres still gelegene Eisenstein- grübe „Rotland" hat ihren Betrieb mit 50 Mann Belegschaft wieder aufgenommen. Oberwesterwaldkreis. WSR. Hachenburg. 2. Suli. Das im Laufe dieses Sahres hier neu erbaute Finanzgebäude ist jetzt fertiggeftellt und vor einigen Lagen feiner Bestimmung übergeben worden. Der Amzug ist fast vollständig vollendet. Der imposante Dau in neuzeitlich modernem Stil bildet eine Zierde für unsere Stadt und den Oberwesterwaldkreis. Maingau. WSR. Frankfurt a. M., 2. Suli. Di älhr: Orpheus in der Unter- weit. Montag. 5. Suli, abends 8 bis 98 !U)r: Der Misanthrop. Dienstag, 6. Suli, abends 8 bis 10' i älhr: Orpheus in der llntcrtoelt. Mittwoch, 7. Suli. abends 8 bis 10 Ahr: Week-end. Donnerstag, 8. Suli, abends 8 bis 10 rihr: Schluck und Sau. Freitag. 9. Suli, abends 8 bis 10',\ älhr. Orpheus in der Llnterwelt. Samstag, 10 Suli, abends 8 bis 10' 2 Ahr: Orpheus in der Unterwelt. Sonntag, 11. Suli, abends 8 bis 10 Uhr: Week-end. Buntes Allerlei. Spinnenfeindschaft und Krötengift. Wenn man das Wort spinnefeind, älter spin« nenfeind, so gebraucht finbet, daß es zu bedeuten scheint: den Spinnen feindlich, wie z. B. in Schillers Räubern 2, 3 Spiegelberg versichert, ihm fei kein Geschöpf so zuwider, als eine Spinne (und ein al- les Weib), so ist dieser Hauslrauenstandpuntt der ursprünglichen Verwendung des Wortes fremd. Die ältere Zeit legte in dem Worte spinnenfeind eine Raturbeobachtung nieder, die uns Reueren abgeht: die Spinnen verhalten sich untereinander feindselig, die stärkere fällt über die schwächere her und frißt sie auf. .3hr fallt euch, wie zwei Spinnen, selber an!" sagt Kleists Hermann zu seinen Germanen, und Keisersberg hat den Vergleich: so feind als die Spinnen: bei Lichtwer sind sich Rachbarn Jo spinnefeind als die Gibellin und die Guelphen." Fabel ist aber die lle6erlieferung vom Gifte der Spinne, die schonimMittelalterbezeugtistund noch imSprichwort lebt. Die Spinne saugt Gift, die Biene Honig aus allen Blumen. iria6aair~ir-r~inr. Verein der Freundinnen junger Mädchen, Gießen Sonntag, den 4. Juli abends 8 Uhr im Iobannessaal Vortrag über den 5593D „MtaiclaJiipil“ Eintritt frei! UULAJUiMUUUUlJkjq KciListerner Kirmes om 4. Aull. - Karlche: „WoaS willfte dann bis Sonn« doag treiroc?" Fritzche: „ch bat virgefeh', dehaam fe bleiwe." Karlche: „Dou feist meiftil nätt reächt gescheit, host' dou eam Gealdboil dann kaa Zeit? — Bis Sonn- doag eas d's Wearrer fchie, do wonn m'r of die Kirmes gieh." Fritzche: „Ich soi s z'frirre, 's bleibt debe^ Wu soll dann däi Kirmes sei?" Karlche: Gan Laastern eas fe, hir mich oo, flout fe Easse gritt m'r do. Wirschtcher, Broure, Rettchsoloat, eas doas näit e Deltkoat?" Fritzche: „Seiste stell — domet genunk — gebt's dann näit en goure Trunk?" Karlche: „Sei doacb so kaa äwig Däier, freilich gebt’ö do prima Bäier, „Ltcher Melchor" — „Denning- hoff" — ean noach eabbes, ■§ gebt nach Schwoof. Schwenkst die Laast'ner Maarercher ean ihre kurze Klaarescher, kannst Dich herzlich amisiere, doust Dich sost doach näit scheniere ean guckst gern nooch de decke Woare. Wäi eaö — aich huDich eangeloare." Fritzche: „Wahte, mir käm's näit troff oo, doach mol Fraa waih naut de've. Wann m'r däi groad met kennt nomme — Waßt de Karl — sost baut fe bromme." — Karlche: „Ai geweasi, dann wird's eascht schte, met Kia'nn ean Steel do gieh m'r hie. Die Alldoagssoarge wär'n vegeaffe, wäi schul gesaat, fir gout fe Easse soarge die Ijaaet'ner Kirm'seweat. Etz Hal Doi Woat, belik mich neat ean sei zoum Oabmarsch pinkt« lich do; im „drei" do gilt die Kirmes oo. Die Bosch mar- schiern eam Zug durchs Oat — solang om Dour c Jeder woat. Nooch gieh die Weibsleud fot ean ihre hibsche Troacyte, doas tvonn m'r seh — doas wonn m'r uS betroachte. (Dann vergeatzt oawer d's Komme näit). H. Unil Mr nut eines kleinen 5> nus gestern spielen! A dieses betriebe aoribrwegungsmögl derks. sei hier als Dslsstächleit halb zuviel zu saa 2tSbrud geben, daß ^iolprengivegen al «urrgenfrühe in ett sprengt lein Knnen Jim die ebensal Ich'ne auf bei ™ unsere Straf e^. 7 die bisl gphfl ersetzt. 3m n voller ogT R® und Mbur I-L'LZ ML Mefserte Dirückl feus gt mmfter bed« IhB big Jan,e" lie Ma rn» VUK KM IEfs* Z 8-i sehen. Ein wichtiger tic DekanrM gestern d-eoffentn hohem Maste aus I ca5 Sie wn der L emmunalpolitnern «rschichten man Laimler'Htrah heben gestem bereu xegesereignisse bet, U:berraschungen bt |etb. 64 ist nicht hcuM, ein einzigl fprengwagen erseh nt den leider nut Lichlvagen von h gwnölicher als dü wumlich, zeitlich triebswirtschasllich der Viehwagen bi> vagen eine Arbeite ften Ansprüchen ( Autovasservagen sehnliche Fassung neler. Der M m>tvn/chen Jtnf ge/ü/Zt veröen; öle kr LaHn geigte gest Seit ton 3 Minute: galten Halle. Die ( dvnichlluig erstreckt ß Meter insgesamt beachtenswert ist; bLrengtoeite auch c Migen eingestält i r-.^Kapi'-el W. ßN z ^schr-cb ober ün ^^ch £lI56 babei Obst ton 6e.n D?t gtnug Kartons oj* täte ii« iorig eSS**1* 5* „3m .ti oinß mmig. » l*lfiZüer Lage An» L-U ; A-jcht auch m Len Einten, die gir niöchlen den ■ uig dieser Ange Giengen KM lwg der Sache lcng versäumt to innigen Dv^n Mt erleben wu S-Mahr die Fre! xehrmasch >" 56501 u>e SkW abends SV« Ubt der Universität '"Geheimrat n* Sommer Nr. HZ Drittes Blatt Die Stratzenreinigung in Gießen. Unter ben kommunalen Schmerzenskindern anferer Stadt steht an bemerkenswerter Stelle die städtische Strahenreinigung. Lieber dieses Kapitel ist schon viel gesprochen und gar nanches geschrieben worden, bis jetzt hat sich -der an dem unerfreulichen Anblick, den untere .Straften vielfach bieten, nichts geändert. Wir denken dabei nicht nur an die Beseitigung von Vapierfehen, Obstresten, Teilen von Mull, die i|n den Hunden aus Mülleimern, -kästen und »rtons oft genug auf den Bürgersteig gekratzt ;rden und nun dort eine zeitlang in voller dchönheit" glänzen, sondern wir haben hier auch 2 Bekämpfung der Staubplage im Auge. ti Anlauf zur Beseitigung der Liebelstände jrße Ende vorigen Jahres mit dem Stadt- rordnetenbeschluh unternommen, unsere gesamte lastenre'migung auf Motorbetrieb um» i ft eilen. 3m diesjährigen Haushaltsplan >rde von den Stadtverordneten im M a i die aste Rate für diese Llmstellung bewilligt; leider licht einstimmig, wie wir und viele Mitbürger liiAesichts der Lage der Dinge es erwartet hatten. 3on einem sichtbaren Ergebnis dieses Anlaufes oben wir bis jetzt aber nichts bemerkt, und liter must man anscheinend die Möglichkeit an» ehmen, dast wir in diesem Sommer — und ielleicht auch im Herbst — noch nicht darauf pchnen fönnetv, die Neuerung vor uns zu sehen. Dir möchten den Langsamschritt in der Abwicke- img dieser Angelegenheit auf das Konto der kngtoierigen kommunalparlamentarischen Behänd» hng der Sache schreiben; was hier monate- kng versäumt wurde, kann die Verwaltung in tenigen Wochen nicht wieder einholen. Diel- Kidbt erleben wir aber im nächsten Winter oder friihjahr die Freude, die Motor-Strasten- 5ehr Maschinen in unseren Straßen arbeiten sehen. erner ne? drücke und Syrien e Probleme aus Lichtbilder« mmen! 542c 8 Saalmiete >!> Mitglieder des Nidierendr 30 Pf. ampfe tat Siehrn Hr nachmittags i-und Spielplatz enhaus MMWII i frei! m Universität und die e labet ein Ein wichtiger Teil der Strahenreinrgung, fic DekärnPfung der Staubplage, hat »rstern die öffentliche Aufmerksamkeit erneut in p>em Maste auf sich gelenkt. Den Anlaß dazu Sifr die von der Firma Auto-Schneider vor onirnunalpolttikern und vor den breitesten Bür- gwfchichten veranstaltete Vorführung eines Lai m ler»S t r a h enfp ren g wa g en s. Wir haben gestern bereits in einer kurzen Rott; der Tagesereignisse betont, dast dieser Wagen starke lleberrafchungen bereitete und allgemeines Lob smb. Cs ist nicht zuviel gesagt, wenn man behauptet, ein einziger dieser Äutomobil-Strasten- frrengtoagen ersetzt zahlreiche Pferdefuhrwerke mit den leider nur recht selten zu bemerkenden Ticßwagen von heute, und er arbeitet weit Endlicher als diese. Anstelle der bisherigen, räumlich zeitlich und infolgedessen auch 6c» triebswirtschastlich recht ungenügenden Tätigkeit dcr Giehwagen bietet der Automobil-Spreng» tragen eine Arbeitsleistung, die den weitgehend- fkn Ansprüchen gerecht werden kann. Dieser Äutvtvasserwagen hat zunächst das sehr an- sehnliche Fas s ungsverm ö gen von 5 Kubikmeter. Der Wasserkessel farm mittels der motorischen Kraft in wenigen Minuten gefüllt werden; die Vorführung der Füllung an der Lahn zeigte gestern, dast der Kessel in der •Seit von 3 Minuten fein volles Quantum erhalten hatte. Die Auswurfbreite der Sprengvorrichtung erstreckt sich beiderseits auf etwa 25 Meter insgesamt, also eine Breite, die sehr beachtenswert ist; selbstverständlich kann die Cfrengtoette auch auf beliebig kleinere Entfer» Hungert eingestellt werden, und dazu bedarf es mur eines kleinen Handgriffs, dem der Mechanismus gestern spielend gehorchte. Dast die Schnelligkeit dieses Detriebsautos weit größer ist als die -Frrtbewegungsmöglichkeit eines Pferdefuhr- iwrf£,_ sei hier als Selbstverständlichkeit nur der Bvllständigkeit halber registriert. Wir glauben nicht zuvrel zu sagen, wenn wir der Meinung Ausdruck geben, dast mit einem oder zwei solcher Autosprengwagen alle Straßen der Stadt in der Morgenfrühe in etwa zwei bis drei Stunden belvrengt fein können. Lind wenn diesem Sp ren g- ccaaen die ebenfalls automobile Kehrmaschine auf der Stelle folgen würde, so 'könnten unsere Straßen sorgfältig gereinigt fein, Mh ehe — wie bisher — der Publikumsverkehr richtig einseht. 3m Verlaufe heißer Tage könnte idr7 Autosprengwagen, dank seiner Schnelligkeit, itrcy voller oder starker Wasserbelastung, noch 'Mige Male den größten Teil der Stadt be- tlfrcngen und dadurch sehr bedeutsam zur De- Ü-Lnpfung der Staubplage bei tragen. Man würde »ilfo mit diesem Gefährt erhebliche betriebswirt» l'cchülliche Vorteile gegenüber dem bisherigen Be- t2i>v erreichen; die Tatsache, dast neben dem OEMfeur noch ein Mann zur Bedienung der !Hpnchhebel mitfahren muh, vermag u. C. die stark üwbelferte Wirtschaftlichkeit des Autos gegenüber Den jetzigen Betrieb nicht so erheblich zu beein- ftlulsen, daß Bedenken am Platze wären. Reben 8« betriebswirtschaftlichen Verbesserung wäre der nicht minder bedeutsame Gewinn für die Gesundheitspflege in den Straßen zu verzeichnen, öet in der Möglichkeit einer wirksameren Staub- SÄimpsung als bisher liegt Zu diesen beiden Wuspunkten kämen nach der gestern gvzeigten Mschme noch weitere. Der Autowasserwagen kl»m irämllch auch als Feuerspritze verwendet üd-rden. Gestern vormittag an derLahn vorgesührte Spätzproben aus zwei Schlauchleitungen ergaben « gute Brauchbarkeit des Gefährts auch für Zweck. Wahrend mit motorischer Kraft Wasser in den Kessel gesaugt wurde und diesen durchschnittlich zur Hälfte gefüllt hielt, Ltwde gleichzeitig aus zwei Schläuchen qe- und dabei eine Hohe des Wasserstrahls «iÄett, die der Leistung unserer Motorspritze r-'chÄ nachsteht. Die Anschaffung eines solchen Wagens würde allo auch eine Verstärkung un- saanr städtischen Feuerschuheinrichtungen bedeu» ha. Endlich bietet der Autosprengwagen noch die WgllchLeit, durch verhältnismäßig einfache Um- peCung, die hier vorgenommen werden kann, in tnmn Schneepflug oder Straßenreini- >!<: verwandelt zu werden, also in Maschinen, n* u.n£ im Winter recht willkommen sind. 3n uMzr inetfeitigen Benuhungsart ist der hier c-rsyriebene Autosprengwagen bereits in zahl- 4«ü6en Städten, großen und mittleren, im Ge- und allgemein wird er günstig beurteilt. Das Interesse unserer Mitbürger dürfte sich nun der Preisfrage zuwenden. Hierzu ist ßiu lagen, dast ein Wagen der oben beschrie- bsmm Art rund 27 OOO Mark kostet. Wer sich die bSLshiedenartigsten Rutzungsmoglichkeiten vor Magen hält und dabei an die begrüßenswerten, reundmnen i)en, Gießen all abends 8 Uhr neSiaal 5593D iiNiii" It frei! _ , 5u(i. - sie Sann bti So““’ \t1* ef(6; dehaain st «3 s Wearrer die Kirmes ßi fr ritte,'8 bleibt K douit 2.1* MS OZd -HO s, WS' Gießener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 3. Juli 1926 l ■ —li l , „„ , „r.|T-„„ oben nur kurz angrdeuteien Erfolge denkt, wird diesen Preis verstehen. Zur Finanzierung des Kaufs von einem oder zwei solcher Wasser- Wagen wäre vielleicht der Gedanke mit zu er- wägen, ob nicht bei den ortseingeführten Feuerversicherungs-Gesellschaften eine finanzielle Mitwirkung erreicht werden könnte. An erhöhtem Feuerschutz, den ein solcher Wagen im Verein mit unseren übrigen Feuerwehreinrichtungen darstellt, sind doch zweifellos alle Feuerversicherungen stark interessiert, und wenn sie durch ein gewisses Mittragen an der Finanzlast bei der Beschaffung eines solchen 3nstrum.ents gemeindlicher Arbeit vorbeugend wirken, so ist das u. C. doch besser, als wenn sie hinterher nach großen Bränden unter ilmftän» den ganz gewaltige Schadenersahsummen bezahlen müssen. Allzu schwierig dürfte mithin die Lösung der Finanzfrage nicht gerade fein. Wir haben bei dieser Betrachtung dem gestern vorgeführten Daimler-Strahensprengwa- gen als Musterbeispiel einen breiteren Raum gewidmet. LInleugbar bietet dieser Wagen starke Anziehungspunkte; er ist wert, die vollste Aufmerksamkeit der maßgebenden Personen zu finden. Damit wollen wir uns aber keineswegs auf dieses eine Produtt festlegen, und ebensowenig benfen totr daran, bei unseren Lesern allein für diesen Wagen Stimmung machen zu wollen. Maßgebend ist für uns nur der Gesichtspunkt, und der dringende Wunsch, nun möglichst bald zu einer Llmstellung unseres Strahenreinigungs- betriebs auf motorische Grundlage zu kommen, und bei dieser Motorisierung ein so bedeutsames Werk, die den gezeigten Daimlerwagen, seiner vielseitigen Verwendungsmöglichkeit halber so ernstlich in Betracht zu ziehen, wie es angezeigt erscheint. Taucht allerdings zur rechten Zeit ein noch besseren und finanziell gleichfalls erschwingbares Fabrikat dieser Branche auf, bann wird ohne Schwanken und Zögern diesem der Vorrang zu geben sein. 3eht möchten wir gerne bald Taten sehen! Automobil - Fernstraßen. Von Dr. H e y m a n n , Berlin. 3n den letzten Monaten sind in Fachkreisen Pläne aufgetaucht, die dahin gehen, ganz Deutschland mit einem sog. Fern st raßen- oder Durchgangs st raßen-Netz zu überziehen und zu dessen Herstellung hauptsächlich die Kraft- fahrzeugsteuer zu verwenden. Vorläufig zeichnet man auf dem Papier erst die Verbindungslinien zwischen den Städten, die in dieses Netz einbezogen werden sollen, und bekümmert sich noch wenig oder gar nicht um die Art der Ausführung der Straßen. Don der Herstellung neuer Auto- mobil st raßen, wie sie in anderen Ländern, insbesondere in Italien und Amerika, bestehen, will man bis aus wenige Ausnahmen allerdings absehen. Vielmehr sollen in der Hauptsache vorhandene Strahenzüge in schwerer Bauweise befestigt und einige Umgehungsstraßen geschaffen werden. Nach Feststellung dieser Straßen erster Ordnung soll dann ein Netz von Straßen zweiter und schließlich ein Netz von Straßen dritter Ordnung ausgestellt und danach die Verteilung der Kraftfahrzeugsteuer eingerichtet werden. Bei der außerordentlichen Bedeutung dieser Verkehrs- und Steuerverwendungsfragen für die gesamte Volkswirtschaft empfiehlt es sich, schon in den Anfängen dieser Projekte das Für und Wider unbefangen zu untersuchen, damit man sich nicht am Ende fertigen Tatsachen gegenübersieht, die einen Rückweg nicht mehr gestatten. Zunächst ergibt sich die naheliegende Frage, wie |id) denn die Langen jener Fernstraßen zu dem übrigen Landstraßennetz verhalten. Nach den ursprünglichen Vorschlägen war an rund 30 000 Kilometer Durchgangsstraßen gedacht, neuerdings aber nur an die Hälfte, also 15 000 Kilometer. Diese sollen bei einem Preise von 80-, 120» und 200 000 Mark je Kilometer rund etwas mehr als 14 Milliarden Mark kosten. Natürlich könnte die Durchführung nur mit Anleihen — wenn es solche gibt — geschehen; die Verzinsung und Tilgung würde in den ersten sechs Jahren mindestens 4 Milliarde Mark erfordern. Das Erträgnis der Kraft- f a h rz e u g ft e u e r wird für dieselbe Zeit auf rund eine ganze Milliarde geschätzt, wobei man mit einer Zunahme der Kraftfahrzeuge um jährlich 20 Prozent rechnet. Den verbleibenden Teil von der Kraftfahrzeugsteuer hält man in jenen Fachkreisen für ausreichend, um genügende Zuschüsse zur Unterhaltung und zum Umbau aller übrigen, vom Fernstraßenplan nicht betroffenen Landstraßen zu gewähren. Dies ijt jedoch ein Irrtum; denn dabei wird nicht beachtet, daß es weit mehr als zehnmal soviel Land st raßen gibt, als der Fahrstraßenplan umfaßt, nämlich 170 000 Kilometer, von denen 120 000 Kilometer gewöhnliche Schotterstraßen sind. Diese können in der bisherigen Bauart, d. h. in der Bindung mit Santo und Wasser, unmöglich weiter erhalten bleiben, sondern bedürfen wesentlich höherer Erhaltungskosten. Diese sind bedingt einmal durch Aufwendung vermehrter Ausbesserungsarbeiten, beste- ren Wegebaumaterials, vor allen Dingen aber durch Verwendung eines besseren Bindemittels als des Wassers, d. h. es ist eine Oberflächenbehandlung mit leer, Asphalt ober anderen Stoffen umum - gänzlich notwendig. Insbesondere kann die entsetzliche Staubplage auf den Landstraßen und in den Ortschaften nur auf diese Weise und Verhältnis- mäßig billig bekämpft werden. Don der Anwendung mittelschwerer, moderner Bauarten, d. h. z. B. der Jnnenteerung, die durchschnittlich etwa 50000 Mark je Kilometer kostet, ist gar nicht zu reden. Noch weniger kommt für diese in Rede stehenden weiten Strecken Klein-, Großpflaster, Beton und andere harte Decken in Betracht, da sie noch viel teurer sind. Es wird daher wohl einleuchten, daß bei diesen modernen Anforderungen an die Erhaltung der Sttaßendecken mit dem halben (Erträgnis der Kraftfahrzeug st euer nicht durch- jufommen ist, selbst wenn die Wegeunterhaltungspflichtigen aus ihrem Einkommensteueranteil, aus der Gewerbesteuer usw. noch das Doppelte hinzutun wollten und könnten, was aber sehr zu bezweifeln ist. Der bisher übliche und anerkannte Prozentsatz der Zuschüsse aus allgemeinen Steuern findet bei der Not der Wirtschaft, die ja auch diese Steuern aufbringen muß, seine Grenze. Die Automobil- und Motorradbesitzer werden sich daher bei näherer Ueberlegung bedanken, wenn mit der Kraftfahrzeugsteuer nur jene paar tausend Kilometer Fernstraßen gebaut werden sollen, während das gesamte übrige Wegenetz in kürzester Zeit weiter dem Verfalle entgegenginge. Das Intereste jedes einzelnen geht doch dahin, daß er in der Reichweite feines Fahrzeugs und auf den Wegen, die es täglich oder öfter zu befahren pflegt,, möglichst gute Straßen oorsindet, die seine Betriebskosten^ verringern und ihm ein angenehmes und sicheres Fahren gestatten. Der Fahrbereich der Hauptmasse der Kraftsahrzeuge liegt aber fast ausschließlich in und dicht um den Heimatsort herum. Mit anderen Worten: Es wird in der Regel nur das Hauptwegenetz der näheren Umgebung benutzt. Hiermit stimmt überein, daß die bisherigen Verkehrszählungen in graphischer Darstellungsweise die Anhäufung des Verkehrs in Knoten und nicht in breiten, durch das ganze Reich ziehenden Bändern zeigen. Es wäre also Verschwendung, wenn man die mühsam aufgebrachte Kraftfahrzeugsteuer zu Lurusstraßen verwenden wollte, obwohl ein gut ausgebautes Eisenbahnnetz bei uns vorhanden ist. Wirtschaftlich können die Mittel nur verwandt werden zum Ausbau der zerstreuten, hauotbelasteten einzelnen Wegenetze. Diese Aufgabe kann aber nur von den dezentralisierten Landstraßen-Unterhaltungs- pflichtigen geschehen und nicht von großen Zentral- verwaltungen, die zu teuer wirtschaften würden, weil sie von der einzelnen Straßenstrecke zu weit entfernt und an ihr doch zu wenig interessiert sind. Freilich werden wegen der Knappheit der Geldmittel die Wegeunterhaltungspflichtigen dabei untereinander viel weitgehender Fühlung nehmen müssen, als es vor dem Kriege der Fall war. Hierzu bedarf es jedoch gar feiner Gesetzesänderungen oder gar einer grundsätzlichen Aenderung in der Verteilung der Unterhaltslast auf die unzähligen Kommunalverbände Deutschlands. Sie würde in der gegenwärtigen Krisis des Landstraßenwesens gar nicht rechtzeitig durchgeführt werden können, nur Verwirrung stiften und die Lösung jener großen Ausgabe aushalten ober gar verhindern. Glockeneinholung in Butzbach. Pb Butzbach, 2. 3uli. Gestern morgen lief die Kunde von der Ankunft der neuen großen Glocke durch die Stadt. Froh und freudig wurde diese Rachricht begrüßt, und schnell seitens der Stadtverwaltung und des Kirchenvorstandes alle Vorbereitungen für die würdige Einholung getroffen. Die Glocke, die ein Gewicht von 2414 Kilogramm hat, wurde zunächst in der Fabrik von Samesreuther ausgeladen und dort für den Einzug mit Girlanden und Blumen geschmückt. Sie hat eine der alten ähnliche Form und trägt auch die lateinische Inschrift der für die Verteidigung des Vaterlandes geopferten Glocke, die folgendermaßen lautete: Sit aura pia dum rogat ist maira est sua vox bambam potens repelrc satan. Conitruum rumpo, mortuum defleo, sacrilegum voco. Zu deutsch: Sei frommes Echo Wehen, während jene bittet Maria ist ihre Stimme bambam, mächtig den Satan zu vertreiben. Donner breche ich, Tote beweine ich, Gottlose rufe ich. Hierunter steht: Diese Inschrift trug ich, als ich 1917 zur Verteidigung des Vaterlandes eingegossen wurde. Weiter enthält die Glocke noch folgende Inschriften: Meine Vorgängerin gab ihr Leben her, Sie wurde zerschlagen zu Deutschlands Wehr Ich möchte künden nach Zank und Streit Den heilen Frieden in Ewigkeit. Weiter: 1926 konnte ich durch die Opferwilligkeit der Einwohnerschaft Butzbachs auf Anregung des Bürgermeisters Dr. Jansen zur Ehre Gottes und zum Gedächtnis ter gefallenen Helden wieder ertönen. Gegosfyi von Gebrüder LI l r i ch A.-G., Glockengießerei, Apolda. Die feierliche Einholung fand heute abend 7 LlHr vom Fabrikhof der Firma Samesreuther aus statt. An der Einholung nahmen fast sämtliche Vereine der Stadt mit ihren Fahnen und Wimpeln teil. Rachdem durch den Schülerchor der Stadtschule der Choral: „Danket dem Herrn" gesungen worden war, setzte sich der Wagen mtt der festlich geschmückten Glocke unter den Klängen der Feuerwehrkapelle und unter Dorantritt der Schüler der Weidig-Oberrealschule und der Stadtschule in Bewegung. Ihm folgten zunächst der Stadtvorstand mit Bürgermeister Dr. J a n s e n an der Spitze, der Kirchenvorstand, mit dem ersten Geistlichen, Pfarrer Schneider, der Vorstand des Kugelhaussonds, dem sich dann die einzelnen Vereine in endlos langem Zuge anschlossen. Der Zug bewegte sich durch die dichtbesehte Kaiser-, Bahnhofs- und Rieder- weiUerstraße, über den Marktplatz, die Griedelerstrahe bis zum Kirchenplatz, wo der Wagen vor dem Portal der Kirche hielt. Rach einem Musikstück der Feuerwehrkapelle hielt Bürgermeister Dr. Jansen eine Ansprache, worin er betonte, daß es trotz der schweren Zeit Dank der Opferwilligkeit und dem Gemeinsinn der Bürgerschaft gelungen sei, dies Werk zu vollenden und der Stadt wieder die Beschaffung einer neuen großen Glocke zu ermöglichen. Er sprach allen, die bei dem Werk mitgeholfen. Dank aus. Hierauf ergriff der erste Geistliche, Pfarrer Schneider das Wort und dankte Gott dafür, daß es gelungen sei, dies Werk, den Guß und die Herstellung der Glocke ohne LInfall zu vollenden. Möge auch das weitere Werk, die Verbringung der Glocke in den Glockentuvm, ohne LInfall vonstatten gehen. Beinahe fünf Jahrhunderte habe die alte Glocke ihre eherne Stimme über Butzbachs Gefilde ertönen lassen, möge es der neuen ebenso vergönnt sein, durch die ferneren Jahrhunderte zum Frieden und Segen der Stadt und Gemeinde, und zum Gedächtnis der im Welttrieg gefallenen Helden zu erklingen. Llmrahmt wurde die eindrucksvolle Feier durch weihevolle Lieder des Kirchengesangvereins und des Chores der Weidig-Oberrealschule. Das niederländische Dankgebet, ge- spiekt von der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr, beschloß den für Stadt und Gemeinde denkwürdigen geschichtlichen Vorgang. Kirche und Schule. Don der Baseler Festwoche. h. Basel, 1. Juli. Die Basler Festwoche. in der verschiedene Jahresfeiern christlicher Vereinigungen stattfinden, in deren Mittelpunkt aber die Mission steht, erfreut sich immer stärkeren Besuches, sind doch in diesem Jahve etwa 1000 Festgäste aus Suddeutschland, auch aus Hessen, anwesend. Am Sonntag begann die Festwoche mit einer würdigen Gedächtisfeier für den auch in Hessen wohlbekannten und schmerzlich vermißten, schnell verstorbenen Pfarrer Würz und Pfarrer K i n z l e r, Lehrer am Missionshaus. Die seit einigen Jahren gebildete „Heimat- gemeindevertretung" (H. G. V.) gab ihre Zustimmung zu der Vereinigung der Basler und der kanarischen Mission (das ist die Mission der fra.rzösischen Ostschw.'iz. die während des Krieges nach Ausschluß von Basel das indische Mistionsfeld übernommen hatte). Heute sanden in der Generalkonferenz die üblichen Begrüßungen der Delegierten der Heimatgemeinde statt. Besonderes Interesse erregte die in gutem Deutsch gehaltene Ansprache des schwarzen Pfarrers Clerk von Adamsoo (Geldküste. Afrika), der im Ramcn der dortigen Kirchensynode Gruß und Dank an die Basler Mission in einer Dankadresse übermittelte und zu diesem Fest besonders delegiert war. Zu der Sinsegnungsfeier im Mün - st e r waren die weiten Hallen fast zu klein, um die Tausende der Festbesucher zu fassen. Es wurden 11 Brüder eingesegnet. Paul L i e r a d (Kamerun), W. Hermann (Indien), P. L e u (Kamerun), G. Bär (Borneo), Dr. H. Lutz (China), A. Martin (Goldküste), Fr. Stendle (Kamerun), C. Autenrieth (China), C. Keller (Kamerun), A. Ernst (Indien), W. Hamm (Goldküste). Außerdem waren in einem besonderen Gottedienste der Frauenmission 7 Missionsschwestcrn eingesegnet worden. Direktor Dipper nahm Absck)ied als Direktor, weil er ein Pfarramt in Stuttgart übernommen hat. Er wurde von der hiesigen theologischen Fakultät zum theologischen Ehrendoktor feierlich ernannt. Von allgemeinem Interesse ist iwch zu bemerken, daß Missionsdozent Dr. Oehler (Tübingen) zum Missionsinspekwr und Dezernenten für China, außerdem zum Herausgeber des seither von Dr. Würz geleiteten bekannten „Missionsmagazins" .ernannt worden ist. Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. _ Wenn man die Kursbewegung an der Börse beobachtet, erhält man den Eindruck, als ob Deutschland bereits wieder mitten in einer Aufschwungsperiode sich befände, während man doch höchstens von Anzeichen einer sehr langsam fortschreitenden Besserung sprechen kann. Allerdings lehrt die Erfahrung aus früheren Jahrzehnten, daß die Börse dem Wirtschaftsleben stets voranging, und so darf man vielleicht auch in der jetzigen Bewegung den Anfang eines wirklichen Aufschwunges sehen. Ob nicht allerdings doch im Verhältnis der zu erwartenden Rendite heute schon manche Papiere überwertet werden, scheint nicht ganz von der Hand zu weisen zu sein. Das llngefunbe an der jetzigen Bewegung liegt doch wohl in der Konzentration des Interesses auf die Termin- märkte. Zwar find in der letzten Zeit auch die variablen Märkte etwas gefolgt, am Kassamarkt war bisher jedoch die Belebung nur sehr sporadisch, und es bedarf keines Zweifels, daß, am Ertrage gemessen, viele gute Kassa- Papiere ebenso sehr vernachlässigt sind, wie Terminpapiere allzusehr in den Vordergrund gerückt. Wenn man z. B. die Bewegung der letzten Tage in einzelnen oberschlesischen Werten betrachtet, an Werten, die auf Jahre hinaus zur Dividendenlosigkeit verurteilt sind, so erscheint ein tüchtig Teil Skepsis doch anti Platze. Man führt diese Bewegung allerdings zurück auf Verhandlungen, die mit den Vereinigten Stahlwerken zwecks Angliederung geführt werden sollen. Diese Gerüchte haben aber von autoritativer Seite aus noch keinerlei Bestätigung gefunden, sie sind im Gegenteil bereits verschiedentlich dementiert worden, und ein plausibler Grund für die Vereinigten Stahlwerke, sich mit den oberschlesischen Montanwerken zu belasten, ist einstweilen noch nicht ersichtlich. Bestenfalls wird es sich nur darum handeln, das eine oder andere Werk der Eisenerzeugung, das zu dem oberschlesischen Konzern gehört, aus diesem herauszunehmen und den Vereinigten Stahlwerken anzugliedern. Dom technischen Gesichtspunkte aus gesehen, birgt die derzeitige Bewegung sicherlich leicht große Gefahren eines Rückschlages. Bekanntlich hat sich in der letzten Zeit die Depositen- und Provinzkundschaft erheblich an der Börsenspekulation beteiligt und dadurch ist das Material vielfach in schwächere Hände gelangt, die einen Rückfchlag nicht durchzuhalten vermögen. Es fehlt auch zur Zeit völlig an der Kvntremine, da naturgemäß die Baissespekulation zur Zeit ausgefchaltet ist. Deckungskäufe, die an den Terminmärtten geeignet sind Rückschläge zu mildern, würden also kaum in Betracht kommen. Bekannt ist auch, daß von gewisser Grohbankseite die derzeitige Bewegung stark unterstützt worden ist, um der in der nächsten Woche aufzulegenden Anleihe des Montan- t rüst es, wie auch der beabsichtigten Einführung eines Postens Aktien der Bereinigten Stahlwerke die Wege zu ebnen. Wenn diese beiden Ziele erreicht sind, könnte von dieser Seite aus sehr leicht der Markt sich selbst über* lassen werden. Wenn also einmal Wom ente Sonntnnöbtenft Ä. Aerztc u.Avotb-ken am 4.7.26 Dr. Ploch. Hirschavolheke. Zahnarzt: Dr. Milcher. ”D Bahnhofstr. 65B Gießen Fernruf 1367 Filiale,. Lieh, Butzbacher Straße 12 Neue Pianos von 40 Mark monatlicher Abzahlung an 129,25 130,25 — — — — 65 65 75 — Rätsel'Ccke TTlTT AlS BlE Mann zwischen Dame, Doot und Sträuchern zu sehen« Die Anfangsbuchstaben, zusammengezogen, 9«' ben Samstag, dt Danknoten. Heinrich OPEL Viersitzer r o s e n m r e t e a t o g u m o n a t g m a 1 k Wörtern entnehme man je eine andergefügt ergeben diese in vier Wunsch der Schriftleitung und für die Leser zur Sommerreis«. Auflöjungen. Silbenrätsel. dürfen Ua.: den nötigen Aufschluß. Bilderrätsel Lieferung durch dieSOOdeutschenOpel- Vertreter, sowie durch die Kredit-Abt. AdamOpeiRüsselsheimM Vexierbild. Dild rechts drehen, dann ist der 2 6 5 Mark monatliche Abzahlung innerhalb Jahresfrist / Anzahlung 1000 Mark inkl. Versicherung gegen Feuer.Diebstahl, Haftpflicht und Zusammenstöße Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom Redaktioustisch« Sparsamkeit über alles. 3n der Lokomotivführerschule war als Lehrer ein Eisenbahningenieur, der den Sparsamleitsfimmel hatte. „Keinen Tropfen Oel verschwenden", belehrte er seine Schüler immer wieder, »und auch nie die verbrauchte Putzwolle rumliegen lasten oder wegwerfen, das kostet alles Geld", und immer wieder prägte er den Anwärtern ein, sparsam mit Schmieröl und Putzwolle umzugehen. Und als eines Tages die Vorprüfung statt- fand, kam ein Aegierungsrat von der Eisenbahn- direktion. Um einen Mann auf die Probe zu stellen, stellte er schwierige Fragen zur Beantwortung. „Sie fahren auf einer eingleisigen Strecke in voller Fahrt und sehen plötzlich, daß Ihnen von der anderen Richtung eine Schnellzuglokomotive entgegenkommt. Was würden Sie tun?" Da sagte der strebsame Jüngling: „Die Oelkanne und die Putzwolle nehmen und rasch abspringen." Unterhaltung. Der Jüngling war mit dem Mädchen spazieren gegangen und hatte ihr einen Kuß gegeben. Dann sprachen sie ernsthaft miteinander, und er sagte: „Ich werde ganz offen zu dir sein — bdj bist nicht das erste Mädchen, das ich geküßd habe." Dann sagte sie: „Ich werde Offenheit mit Offenheit vergelten denn du mußt noch viel lernen." Büchertisch. — „Made in Germany" ist die stolze Parole für den fröhlichen Inhalt der neuesten „Lustigen D l ä t t e r. (Verlag Dr. Eysler & Co., 21.-0., Derlin SW. 68.) In eifrigem Wettbewerb bieten die Humoristen der Feder und der Palette dem Leser eine Reihe bunter Lustigkeiten. Man freut sich, daß der Witz auch heute noch ein guter Artikel Made in Germany ist. — Die Kohlenfrage, die in den letzten Jahren in ganz Europa außerordentlich akut und durch den Silbe. Änein- Wörtern einen des Verlages heute bewegt sich der Fabrikationsgcmg und Ab- sah m aufsteigender Linie. * Weiterer Rückgang der Halden- bestände im Ruhrgebiet. Während der englische Bergarbeiterstreik auf die Kokslagerbestände des Ruhrgebiets bisher absolut keinen Einfluß ausgeübt hat, haben sich die Haldenbestände an Kohle um 1,5 Millionen Tonnen verringert. Anfang Juni waren an Lagerbeständen noch 7,8 Millionen Tonnen vorhanden, davon allein 3,5 Millionen Tonnen Koks. Ueberhaupt hat sich in den letzten Tagen die Auslandnachfrage nach Ruhrkohle stark gesteigert. Große Aufträge liegen aus Frankreich, Belgien, Holland und der Schweiz vor. In einigen besonders gangbaren Sorten herrscht bereits fühlbare Knappheit. Leider war der Kohlentransport, wie vor einigen Tagen bereits berichtet, durch die Ueberfüllung der Umschlags- und Auslandbahnhöfe arg behindert. * Acueinftellung von Arbeitern auf den Thysfenschächten. Auf den Ham- borner Thysfenschächten sind in der letzten Zeit etwa 1700 Bergleute eingestellt worden. In der nächsten Zeil sollen weitere Reueinstellungen erfolgen. Auch auf der Zeche „Neumühl" finden Einstellungen, allerdings nur geringen Umfanges, statt. • D i e Dollar-Anleihe der Sächsischen Werke überzeichnet. Die bl/zproz. 15°Mill.-Dollar-Anleihe der A. G. Sächsische Werke ist am Mittwochmittag zum Kurse von 91,50 Proz. in Rcuhork zur Zeichnung aufgelegt worden. Sie muhte wegen erheblicher Ueberzeich- nung sofort wieder geschlossen werden. Der Ueber- nahmekurs beträgt 88 Proz. * Reue russische Bestellungen in Deutschland. Der Leningrader Maschinen- truft Hal. wie die Sowjetpresse berichtet, seine Aufträge in Deutschland untcrgebracht. Es handelt sich um Ausrüstungsmaterial im Werte von 1 700 00? Rubel, das hauptsächlich für die Fabriken „Kraßnij Putilowiz". die Metallfabrik und „Karl Marx" bestimmt sind. Dem Trust ist ein vierjähriger Kredit eingeräumt. Devisenmarkt Berlin—Frcmlfurt —MFA 1 englischen Bergarbeiterstreik jetzt besonders aktuell geworden ist, findet in dem Beitrag „Die Krisis der europäischen Kohle" von Anton Lübke in der Rümmer 4241 der „I l l u st r i e r t e n Zeitung" (Verlag I. I. Weber, Leipzig) eine eingehende Erörterung. Des weiteren ist für Archäologen der Beittag „Ein neugefundener Tempelbezirk im Altbach, tal zu Trier" von Dr. Siegfried Loeschcke von Inter- esse. Ein Artikel aus der Feder Hans Ostwalds, zeigt uns in Wort und Bild „Die Eß- und Tnnksittea unserer Voreltern", während ein illustrierter Aussatz, von Friedrich Röse dem Andenken an die Dichterin Hroswitha von Gandersheim gewidmet ist. Da» künstlerische Schaffen Eberhard Eges wird in einem Beitrag von Prof. Dr. Hans W. Singer an der Hand von einigen wiedergegebenen Werken des Künstlers gewürdigt. In farbiger Reproduktion erscheinen schließlich die Gemälde „Amor mit Tagebuch" von Fritz August v. Kaulbach und „Abend- stimmung auf der Estanzia Velha bei Porto Alegre' von Martin Konopacki. in Bankaktien war das Geschäft überaus rege. Darmstädter Bank plus 3 Proz., Deutsche Bank plus 3,5 Prozent. Disconto plus 2,25 Prozent, Dresdner plus 1,5 Prozent. Die bisher nur wenig hervorgetretenen Schiffahrtsaktien zeigten sich heute beweglicher. Zunächst stimulierten für diese Werte wieder Freigabehoffnungen, die sich darauf stützten, daß eine endgültige Entscheidung in Kürze zu erwarten sei. Hapag plus 4 Prozent. Am Elektromarkt betrugen die Besserungen 1 bis 2 Prozent. Motoren aktien lagen gleichfalls fester. Auch Zuckeraktien waren ansehnlich gesteigert. Stuttgartzucker plus 4,5 Prozent. Offstein plus 3 Prozent. Bau- und Zellstoffaktien zogen um 1 bis 2 Prozent an. Erdölaktien waren rege im Geschäft. Deutsche Erdöl gingen um 3,5 Prozent höher, mutzten sich aber später einen Abstrich von 1,5 Prozent gefallen lassen. Rütgerswerke plus 2,5 Prozent. Deutsche Anleihen lagen eher eine Kleinigkeit schwächer. Don ausländischenRenten gingen Türken anfangs höher, bröckelten aber später etwas ab. Der Freiverkehr zeigte keine wesentlichen Veränderungen. Becker Stahl 21, Benz 89, Drown Doveri 126, Growag 60,5, Ufa 37,5, Unterfranken 81 Prozent. Der weitere Verlauf war Schwankungen unterworfen. Die Tendenz wurde unsicher und es kam für verschiedene anfangs stark gesteigerte Werte zu leichten Kurs- rikfgängen. Am Geldmarkt ist die Lage wieder etwas leichter geworden. Tagesgeld 5,5 Proz., Monatsgeld 5,12 bis 6,5 Prozent. Privatdiskonten 4,5 Proz., Industrieakzepte 5 Prozent. Im Devisen verkehr war der französische Franken mit 181,50 behauptet, während Brüssel mit 181 gegen London und Mailand mit 139 gegen das Pfund erheblich schwächer lagen. London gegen Kabel 4,86,75. Die Mark ist unverändert. ta WW Morgen Sonntag tn der Turnhalle BW Ausikaljschr Andrea «k. . ^Eschauspj vom Sttttebt; P kachw.:3Mf, Jj 2-benk>s.Hjhp,-^ larfen -6,*k K reuen Dc MF «Ni. Berlin, 3. Juli. Die Erholungen, die die gestrige Börse brachte, setzten sich heute bei Beginn in einer hausseartigen Bewegung fort. Alle Märkte, insbesondere der Montan- und Bankenmarkt, lagen bei überaus lebhafter Umsatztätigkeit sehr f e ft. Viel besprochen wurde die nunmehr erfolgte Veröffentlichung des Prospektes für die Anleihe der Vereinigten Stahl- werke-A.-G. Auch die Aussichten auf eine Beilegung der innerpolitischen Schwierigkeiten wirkten anregend. Heroorzuheben ist die starke Befestigung am Bankenmarkt, wo besonders die durch die Auflegung der Stahltrustanleihe in Erscheinung getretene Konkurrenzfähigkeit der deutschen Großbanken selbst gegenüber amerikanischen Banken stimulierte, so daß lebhafte Käufe vorgenommen wurden. Elektro-, Maschinen- und Facbenaktien lagen ebenfalls f e ft, letztere waren gegenüber dem gestrigen Schlußkurs um 6,5 Prozent gebeffert. Ferner waren Erdölaktien und die Werte des Bier- und Spritkonzerns gut befestigt. Am Renten- markt lagen ausländische Renten recht fest, wäh- rend heimische Anleihen nur geringfügige Besserungen erzielten. Der Geldmarkt zeigt eine weitere Erleichterung. Tagesgeld 5) bis 6| Prozent. Im Deoisenverkehr lag Paris mit 182 gegen London unverändert, dagegen waren Brüssel mit 185 und Mailand mit 139,5 erneut stark abge* schwächt. Frankfurter Börse. Frankfurt, 3.Juli. Tendenz: Sehr fest. Eine neue Haussebewegung beherrschte auch den Wochenschluß, so daß das Börsengeschäft wieder einen bedeutenden Umfang annahm. Die zuversichtlichere Beurteilung der innerpolitischen Lage sowie günstig lautende Berichte über g e ft eiferten Kohlenabsatz gaben der Spekulation Anlaß zu einer weiteren ungehemmten Betätigung. Besonders die Vorbörse stand im Zeichen großer Kurssprünge, die sich besonders für I. G. F a r b e n auswirkten. Der Kurs dieses Papieres zog auf 261 an, mußte sich dann aber eine Senkung auf 256,75 gefallen lassen, und zwar durch Abgaben infolge Gewinnsicherungen. Im Vordergründe des Interesses standen wieder M o n t a n a f t i e n, die erneut um 2 bis 3 Prozent gesteigert waren. Auch eintreten, die eine Baisse veranlassen könnten, so bestehl die Gefahr, daß diese sehr starke A u s m a h e annimmt. Alles in allem ist daher außerordentlich Vorsicht am Platze. Die Gefahr, daß von feiten des Auslandes in stärkerem Maße Material an den Markt kommt, scheint allerdings nach der neuerlichen Rückwärtsbewegung des französischen Franken zunächst nicht sehr groß, eher dürften die Kapitalfluchtkäufe erneut einsetzen. Wider Erwarten hat der Geldmarkt am ultimo doch größere Anspannung erfahren. Dies dürfte allerdings in erster Linie darauf zurück- zusühren sein, daß die Großbanken einige Tage als Geldgeber überhaupt nicht am Markte waren, daß sie im Gegenteil Privatdiskonten anboten, augenscheinlich, um am Stichtage der Zwei- Monats-Bilanzen große Flüssigkeit zu zeigen. Wenn auch bisher die Geldmarktsätze noch nicht nachgelassen haben, so liegen doch Anzeichen dafür vor, daß bereits in der allernächsten Zeit die alte Flüssigkeit wieder eintritt. Auch die bevorstehende Auflage der Stahl- tru st- Anleihe wird hierin nichts ändern, denn vermutlich dient ihr Gegenwert in der Hauptsache zur Ablösung bereits gegebenen Bankkredites. Börsenkurse. Der jtri-nin^ * 1 Ll» 5? Genf •--5 Ich behaus mW Linen ®“Ln 3n Irimin^Kufio Ikrft Sei, ch/Z e/rührs W- „ willen »L.» * I „er gab lem a -er 'Mrljeit! I "5d,IDCi9?npnG Lfieres ju Jagen e-gr Gestände e 9d,0l09i'!t,eLm himmelt, fonbem Volinsti hatte H.WN an Krame „Erstens: Sie Ihr hinter einem -der, fondern sie M auf her W Herkommen-, eM Frankfurt a.M. Berlin Schlu.. ftur» I.Ubr. Ritte Schlitt;. Rur» Anfang Datum: 2.7. | 3 7 - r 3 7 5% Deutsche Rcichsanleihe 0.4625 0.4625 0,4625 0.47 4°,. Deutsche NcichSanleihe . — — 0,43 0.43 31'-.0 deutsche iHeidjcnnlcibe — — 0.4275 0,43 Deutsche NcichSanleive ■ — — — 0.55 Deutsche ^uarDramicnanleibe — — — — 4°/0 l'icuvifdje Konsols . . . — — 0.43 — 4° o veilen ...... — — — — OVs0/- Vellen ........ — —- — — 3% Vei'cu — — Deutsche Wertb. Dollar-Anl. — — — — bto- Doll -Schav-Anweisng.'l —- — — — 4°/0 ^ollturken ....... 14,12 14,12 5e/0 ®ol6nicrifancr ... . 52,25 52,25 Berliner Handelsgesellschaft _ — 172.9* 176* Commerz- und Privat Bank Tarmü. und 'Jlarionalbcmt • 122.5* 125* 122* 125,5* 172* 177.7* 171* 176* Deuvchc Bank ..... 154* 160' 153* 159,5* Deivschc Bereinsbank .... — — — — Disconto Conmiandit . . . 145,5' 149,7* 145* 149.2* Metallbau! ...... 117.5 118 — — Millclbeutschc Crcdilbank. 118* — 120,5* 121* Ocllc^ rcichischc Kreditanstalt 7,55 7,05 7,15 7,25 Weltbank ...... . - — — — Bochumer Gnh ........ 144.5* 148* 144* 148* Buderus ........ — 97 — 97,73 80 Caro . ■ . ...... . — 79.25 Deutsch Unremburg...... 145* 147.5* 146.5* 148.5* 6>elicntirchener Bergwerke. . >66' 169,7* 166' 170.5* Hartiei.cr Bergbau .... 146' 149,5 148* 149 jtaliiDerfe Aschersleben...» 143 — 141,5 143.75 KaUw.rk Wcucregelu. .... 159 158 157,5* 155.75 Laurabülte ....... — — 56 75 60,25 L bcrbcöarf ........ 76* — 74 5 75,75 Phom: Bergbau ...... 112* 119,5* 118* 119.7* Nbcin'tabl ....... 143* 146.2* 141,5* 145,2 Nie deck Nionian ........ 151,5 153 153 TclluS Bergbau...... — Hamourg-.'lmcrika Paket. . . 151* 156,5* 150’ Norddeutscher Llovd . . , 146* 148,7* 144* 149* ChcramisLe Werke Albt» . . — - _ _ Zementiverk Heidelberg . . . — - — — Pbtlivv Holjm»nn .... 77,5 - — — Anglo-Cont-Guano .... — — 85 87 Chemische Mayer Alaptn . . — I. W Fardenindustrie, Ä.-G- (Soldsvinidk......... 251,5* 256,7* 255* 258* 97 — 98 111 Lolzvcrkolilnng........ Rutgcrslvcrkc........ 110,5 114 110,5 Echeidcanstalt ........ 141,5 145 — Alla CiektrizitätS-Gelellschaf« 146* 148.5* 146,7* 148.9* Bergmann ....... 128* 130’ 125* 129* Maintrallwerke...... . — - — Cchucken ....... 127* 129,7* >28* 128.9* Siemens 4 Halske ...... 170* 175* 169,5* 175* Adlerwette Äleyer ...... 81 86 82 84.5 Daimler B.oioren. ...... 84,5 90,5 84,5 92 Heyligenstaedl . . ...... — — — — Meguin ... ..... — — — Motorenwerke Manu beim — — — — 2 Juli- 3. Juli. Amtliche ’Jtori rung Amtliche A'okierung es die Vorprüfung statt, Krat von der Sisenbchn- Mnn aus die Probe -i -Uge Fragen zur Deant soll ich ohne weiteres hinnehmcn? Lieber — ich bin kein Romantiker! — Ich will Ihnen was sag! Ihr Geständnis ist erlogen — vom ersten 5ßi big zum letzten — und es ist schlecht erlogen!" „Wie können Sie das behaupten!" rief der Pole bebend und sprang auf. „Ich behaupte es, Molinski, weil ich es weiß!" gramer lief mit langen Schritten in der Zelle auf nxb ab. „Machen wir uns doch nichts vor! Dies -eständnis lief vom ersten Moment an, wo ich inen Blick darauf warf, bis zum Schluß meinen rcininaliftifchen Instinkten vollkommen zuwider! < roo r ien. Brauche ich dem noch etwas hinzuzufügen? Nur noch eins und diesmal werden Sie mir doch glauben müssen. Ich bin tatsächlich Brenthcims Mörder. Ungefähr aus der Entfernung, wie sie der Arzt annahm, habe ich ihn von der Landstraße aus, über die Mauer weg, erschossen. Wie ich es habe tun können, verstehe ich nicht. Ein rätselhafter Zwang hat mi chdazu gebracht. Ich war wohl nicht ganz bei mir selbst. — Ich schätze Sie so unbedingt hoch, Herr Rechtsanwalt, daß ich die einzig frohe Empfindung, die mir das Leben noch zu bieten hat, Ihnen verdanken möchte: Wenn nämlich Sie mir gleich schreiben wollten, daß Sie mir mein erlogenes erstes Geständnis verzeihen werden. Ihr Roman Molinski." Schulz schüttelte nach langem Schweigen den Kopf: „Wissen Sie noch, Herr Rechtsanwalt, wie überraschend uns seinerzeit die Aufklärung im Kist- mordprozeß der Schwestern Heß kam? — Wir waren damals eigentlich alle innerlich erleichtert, denn der Schuldige war ein Mann, der trotz seiner hohen gesellschaftlichen Stellung jemand war, der uns von vornherein menschlich nicht sauber schien. Aber hier — Herr Rechtsanwalt, halten Sie mich für sentimental?" „Selten!" sagte Kramer lächelnd. tFortsenung folgt.) veranstaltet vom 5525D I. (Hess.) Grenadier-Bataillon 15. Inf.-Regts. Gießen Reit- und Fahrklub Gießen und Umgebung Sonntag, den 4. Juli 1926, nach mittags 21/, Uhr, auf dem Trieb Wettbew rb land ich er Reitervereine, Reitprüfungen, Jagdspringen, Trabrennen, Fahrprüfungen, Quadri e 'er eingleisigen Strecke ii en plötzlich, bah Jhnr ung eine Schnellzuglob Das würden Eie tun? ime Jüngling: die Putzwolle nehmen id ^Haltung. t mit dem Mädchen fsn tte ihr einen Kuh gegebo Mast miteinanber, ur, ffen zu dir - b» Ldcheu, bofi ich ge» :U mit Offenheit vergebt :[ lernen." tteil jetzt besonders oftti dem Beitrag „Die Krisis a )n Anton Lüdke in « lustrierten Zeitun! reip-ia) eine eingehend- k ist für Archäologen der« r Tempelbezirk im W ieflfriei Loeschcke von M Feder Hans Ostwalds, ^ > Etz- un Jng. mdeinMriecker«. Andenken an die Dicht» Heim gewidmet 'st. » zerhard Egcs wird m en^ Hans D. Singer an UM n ffaulbach und ,>* £elshe^M Statt Karten! ALTER’S DARM STADT Ihre Vermählung geben bekannt 5578c Saalbau Sauer Rittergut Börnichen b. Oberen, 26. Juni 1926 Henrietienhof Samstag u. Sonntag Sn CafeAstoria Gießen (Kath. 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