Nr. 28 Erstes Blatt 176. Jahrgang Mittwoch, 3. Februar 1926 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: Vrühl'fche Univerfilatr-Vuch- und LLeindruckerei R. Lange in Sieben. Zchriftleitung und Hefchäftsstelle: Zchulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm ' Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Piatzoorfchrift 20° , mehr. Chefredakteur. Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Bliimfchein; für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schristleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Sranffurtam Main 11686. Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags. D a r m st a d t, 2. Febr. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags hielt gestern abend eine Sitzung ab, in der das Wohnungsbauprogramm für 1926 nochmals besprochen wurde. Den Beratungen lag ein Antrag der Sozialdemokratie, der Demokratte und deS Zentrums zu Grunde, wonach der im Staatsvoranschlag für 1926 eingestellte Betrag von 10 Millionen Mark zur Förderung des Wohnungsbaues möglichst bis zu 15 Prozent der Friedensmiete erfaßt werden soll. Jedenfalls aber soll der Mehrbetrag der Sondersteuer, der sich über den im Voranschlag vorgesehenen Betrag hinaus ergibt, zur Förderung des Wohnungsbaues verwendet werden. ®ic Vorbereitungen für ein zweijähriges Bauprogramm 1926/27 sollen sofort in Angriff genommen werden und die Staatsregierung wird ermächtigt, eine Anleihe zur Förderung des Wohnungsbaues aufzunehmen. Die staatftchen und kommunalen Steueranteile zur Förderung des Wohnungsbaues werden an einer Stelle verwaltet. Aus allen an der Wohnungswirtschaft interessierten Kreisen ist ein paritätischer Ausschuß zu bilden. Gemeinden kann im Höchstfälle bis 4 v.H. der Friedensmrete für 1926/27 Darlehensgeld gewahrt werden, wobei bte Zuwendungen auf die anliegenden Baudarlehensmittel angerechnet werden können. Außer diesem Antrag lag dem Ausschuß folgende Entschließung vor: „Eine Rückzahlung kann nicht eher gefordert werden, als die Feststellung des rentierlichen Wertes auf die Dauer möglich ist. Die Rückzahlung hat in einem anteiligen Verhältnis zu erfolgen, das sich errechnet aus der endgültigen Festsetzung des auf die Dauer zu ermittelnden rentierten Wertes der staatlich bezuschuhten Bauten im Vergleich zu den tatsächlichen Baukosten. Erreicht der rentierliche Wert den vollen Betrag der Baukosten, so ist das Staatsdcrrlehen in voller Höhe zurückzuzahlen. Die Staatsdarlehen smd mit 2 Proz. zu verzinsen und mit 1 Proz. zu tilgen. Für die Jahre 1926/27 wird der Kapitaldienst ausgesetzt." Antrag und Entschließung wurden mit 8 gegen 5 Stimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen. Im Anschluß an diese Verhandlungen wurde vom Ausschuß einstimmig ein sozialdemokratischer Antrag angenommen, worin die Regierung ersucht wird, bei der Reichsregierung dahin zu wirken, daß Grundstücke für Kleinwohnungen (bis 75 Quadratmeter bewohnte Fläche) von der Grunderwerbssteuer und den Zuschlägen befreit werden. Die Rotari- atsgebühr soll auf 0,3 Proz. ermäßigt werden. Meßbriefe und Lagepläne für Kleinwohnungsbauten sollen um 1/3 der Gebührenordnung kosten, wenn das Grundstück innerhalb des Jahres bebaut wird. Die übrigen Anträge zum Bauwesen werden für erledigt erklärt. Der Finanzausschuß setzte hierauf die Beratung des Staatsvoranschlags für 1926 bei Kap. 15 (Ruhegehalte) fort, das angenommen wurde. Ebenfalls wurde Kap. 19 Staatspräsident (mit 3 Stimmenenthaltungen) angenommen. Ein zu diesem Kapitel gestellter Antrag Dr. Werner, 1500 QHt Dienstaufwandsgelder zu streichen, wurde abgelehnt; gleichfalls ein Antrag Dr. Leuchtgens-Glaser, eine Reihe von Stellen auf den Inhaber zu bewilligen. Zu Kapital 20 (Staatsverlag) lag ein Antrag Hein- stadt-Blank vor, zu prüfen, ob es möglich fei, die Darmstadter Zeitung auch zum Amtsverkündigungsblatt sämtlicher Provinzen und Kreise zu machen. Das Kapitel, einschließlich des Antrags, wurde genehmigt. Ferner wurden angenommen: Kap. 21 (Auswärtige und Reichsverhältnisse). Kap. 22 und 23 (Oberrechnungskammer und Verwaltungsgerichtshof). Kap. 24 (Staatsarchiv). Kap. 25 (Rheinschiffahrt). Kap. 26 (Postgebühren), Kap. 27 (Ministerium des Innern), Kap. 28 (Stellvertretungs- und AushUfkosten). Zum letztgenannten Kapitel wurde ein Antrag Widmann (Doz.) angenommen, den hierfür eingestellten Betrag von 167 500 Mk. auf 125 000 Mk. zu ermäßigen und 6000 Mk. für einheitlichen Kohlenbezug zu streichen. Weiter wurden genehmigt Kap. 31 (Provinzialdirektion und Kreisämter), Kap. 34 (Arbeitshaus Dieburg). Kap. 37 (Zentralstelle für Landesstatistik), Kap. 38 (Kirchen), Kap. 45 (Fonds für öffentliche und gemeinnützige Zwecke), Kap. 46 (Staatsunterstühungs- kasse-, Kap. 50 (Richtstaatliche Bausachen) und Kap. 51 (Hochbauwesen). Einige zu den vorgenannten Kapiteln gestellte Anträge sind abgelehnt worden; bei der Abstimmung über Kap. 38 (Kirchen) hatten sich die Sozialdemokraten der Stimme enthalten. Auch wurde die Regierung bei Beratung dieses Kapitels daran erinnert, ein Rechtsgutachten der juristischen Fakultät in Gießen über das Verhältnis zwischen Kirche und Staat vorzulegen. Bei Kap. 53 (Landesamt für das Bildungswesen) wurde ein Antrag Dr. Leuchtgens, die Stellen von 2 Ministerialräten und 2 Oberräten auf den Inhaber zu bewilligen sowie die entsprechende Zahl von Stellen mittlerer und Un- terbeamten zu streichen, mit 9 gegen 4 Stimmen bei einer Stimmenenthaltung abgelehnt. Ein Antrag Heinstadt-Dlank, eine Stelle der Rechnungsräte sowie der Finanz- oder Berwaltungs- prakttkanten zu streichen, nnd die Inhaber auf andere Stellen zu versehen, wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt. Das Kapitel selbst wurde angenommen. Kap. 54 (Stellvertretungen usw.), Kap. 55 (Postgebühren) wurden genehmigt. Ein Die Fürstenabfindung. Der Antrag der Regierungsparteien auf Errichtung eines Reichssondergerichts. Berlin, 2. Febr. (TU.) Der Kompromiß- antrag der Regierungsparteien zur Fürstenabfindung liegt jetzt im Wortlaut vor. Der Titel lautet „Entwurf eines Gesetzes über die ver- mögensrechtliche Auseinandersetzung zwischen den deutschen Ländern und den vormals regierenden Fürstenhäusern". § 1 bestimmt, daß für die verinögensrechtliche Auseinandersetzung zwischen ben deutschen Ländern und den Mitgliedern der vormals regierenden Fürstenhäuser ein Reichssvndergericht unter Vorsitz des Reichsgerichtspräfi deuten mit dem Sih in Leipzig gebildet wird. Dieses Sondergericht entscheidet in der Besetzung von neun Mitgliedern. Den Vorsitz führt der Präsident des Reichsgerichts oder ein Senatspräsident beim Reichsgericht als Stellvertreter. Der Reichspräsident ernennt den Stellv. Vorsitzenden und sechs weitere Mitglieder. Die notwendigen Stellvertreter müssen Mitglieder- von Gerichten oder Verwaltungsgerichten des Reiches oder der Länder sein. Sie werden ebenfalls vom Reichspräsidenten ernannt. Zwei weitere Mitglieder werden auf Vorschlag des Landes und der anderen Partei vom Präsidenten des Reichsgerichtes berufen. Der Präsident des Reichsgerichts kann das Mitglied nach freiem Ermessen berufen, wenn innerhalb einer den Parteien von ihm zu sehenden Frist ein Vorschlag nicht gemacht wird. Die neun Mitglieder sind unabsehbar. Rach § 4 des Entwurfes stellt bas Reichssondergericht auf Grund des Reichs-, Landesund Gewohnheitsrechtes die Rechts- und Eigentumsverhältnisse fest und nimmt die Ausein- angerfetzung nach Billigkeit auf Grund der Richtlinien des § 5 vor. Rach diesen Richtlinien soll berücksichtigt werden, ob die einzelnen Vermögensstücke seinerzeit auf Grund eines privatrechtlichen Titels oder insbesondere in den Zeiten der absoluten Monarchie auf Grund des Völker-, Staats- oder sonstigen öffentlichen Rechtes oder auf Grund von Gegenleistungen, die > sie nur kraft ihrer Souveränität betoirfen konnten, von den Fürsten erworben worden sind. Theater, Schlösser, Museen usw. soll das Land auf seinen Antrag in der Regel zum Eigentum erhalten. Ob und inwieweit dafür eine Entschädigung zu gewähren ist, richtet sich nach freiem Ermessen. Dabei soll berücksichtigt werden, ob diese Werte bereits vor der Staatsumwälzung des Jahres 1918 der Öffentlichkeit zugängig oder nutzbar gemacht waren, ober ob sie im ganzen oder teilweise veräußerlich sind oder nicht, ob ein Rutzungswert vorhanden oder wie hoch er ist und ob und welche Lasten mit der Erhaltung verbunden sind. Für die Zuteilung von Land- und Forstbesitz soll die Gröhe des Landes und seine staatlichen Rotwendigkeiten, wie Siedlungen, Stadterweiterungen usw., ausschlaggebend in Betracht gezogen werden. Derrnögensstücke der einen Partei sind auf die andere zu übertragen, wenn dies zur Erreichung eines billigen Ausgleiches oder einer billigen Entschädigung erforderlich ist. Die Richtlinien des §5 sehen Weiler vop daß bei der Bemessung der zuzusprechenden Entschädigung sowohl'die wirtschaftliche wie die finanzielle Lage beider Parteien zu berücksichtigen ist, tote auch die Gewährleistung einer würdigen Lebenshaltung für die Fürsten. Der wesentlich herabgedrückten Wirtschaftslage des deutschen Volkes in der Rachtriegszeit soll ebenfalls Rechnung getragen werden. Von den Fürsten an Dritte verliehene oder zugesicherte Gebrauchsoder Rutzungsrechte sollen in geeigneter Weise sichergestellt werden. Bei der Aufwertung von Ansprüchen hat das Aufwertungsgesetz mit der Maßgabe Anwendung zu finden, daß für Ansprüche auf Kapitalabfindungen wie für Ueberlassung von Gebäuden und Grundstücken an ein Land, dem die früher regierenden Fürstenhäuser zugeteilt werden, die für die Aufwertung von hypothekarisch gesicherten Kaufgelder maßgebenden gesetzlichen Bestimmungen auch dann Platz greifen, wenn die Ansprüche auf Kapitalabfindungen hypothekarisch nicht gesichert sind. Der § 6 besagt, daß die den Fürstenhäusern durch Spruch oder Vergleich zugesprochenen Kapitalien oder Renten bis zum Ablauf des Jahres 1950 nur für d ie privatwirtschaftlichen Bedürfnisse des vormals regierenden Hauses oder zu Wohltätigkeits- oder Kulturzwecken verwendet werden sollen. Die Verbringung eines ausgezahlten Kapitals ins Ausland ist nur mit Genehmigung des Landes zulässig. Bereits abgeschlossene Auseinandersetzungen können binnen sechs Monaten nach Inkrafttreten des Gesetzes durch übereinstimmenden Antrag beider Parteien nochmals vor das Sondergericht gebracht werden. Die Annahme des Sperrgesetzes Berlin. 2. Febr. (WB.) Im Rechtsaus- fchuh des Reichstages wurde in der Debatte von einem Vertreter der preußischen Regierung Mitteilung über die Militärpensionsbezüge von Mitgliedern deS vormaligen preußisch^ Königshauses gemacht. Darnach beziehen Prinz Eitel Friedrich als früherer Divisionskommandeur in Generalmajorstellung jährlich 10 074 Mark, Prinz Adalbert als Korvettenkapitän jährlich 4830 und Prinz Oskar als Oberst und Drigabekommandeur 7554. Ferner beziehen Prinz Heinrich als Großadmiral unb Generalinspektor der Marine seit dem l.März 1925 — die vorher genannten Pensionen werden seit 1. Dezember 1923 gezahlt — jährlich 17 127 Mark und Joachim Albrecht Prinz von Preußen als Major feit dem 1. Mai 1908 jährlich 3013 Mark. Abg. Dr. E v e r l in g (DR.) machte darauf aufmerksam, daß zeitweise die Vermögensverhältnisse der Angehörigen Der Hvhenzollern- Familie infolge der Beschlagnahme ihres Vermögens äußerst bedrängt gewesen wären. Es wurde dann in die Generaldebatte eingetreten, in der der kommunistische Abgeordnete Reubauer den Antrag seiner Partei auf Enteignung der früheren Fürsten ohne Entschädigung begründet. In der Gesamtabsttmmung wurde das Sperrgesetz (Aussetzung aller schwebenden Verfahren bis Ende Juli 1926) mit 13 gegen 6 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen angenommen. zu Kap. 58 (Schul-, Turn- und Sportwesen) lag ein Antrag Dr. Keller vor, der die Ausbildung von Turnlehrern und -Lehrerinnen durch einen akademischen Turn- und Sportlehrer will, er wurde gegen 3 Sttmmen abgelehnt; Zxft Kapitel selbst fand Annahme. Kap. 59 (Taubstummenanstalten) und 60 (Blindenanstalt in Friedberg) wurden genehmigt. Zu Kap. 61 a lag ein Antrag Dr. Werner, Dr. Leuchtgens und Dingeldey vor zur Vereinfachung des Aufbauschulshstems in Hessen. Statt den bisherigen je 4 Aufbauschulen sollen nur je eine für Knaben und Mädchen bestehen. Der Antrag wurde mit 8 gegen 4 Stimmen abgelehnt. Ein Antrag Birnbaum will, daß in Alzey, Bensheim und Friedberg die Aufbauschulen auch Mädchen zugänglich sind und daß an den Anstalten Internate für Mädchen errichtet werden. Der Antrag wurde in der Form angenommen, daß die Regierung die Prüfung dieser Vorschläge vornehmen soll, und im übrigen genehmigt. Ein Antrag Dr. Leuchtgens, die Aufbauschule in Darmstadt aufzuheben, wurde abgelehnt. Kap 61 a wurde dann genehmigt. Kap. 69 (Lan- desbibliothek) wurde genehmigt. Ein Antrag Birnbaum, 5000 Mark für Aus Hilfskosten usw. zu bewilligen, wurde zurückgezogen, nachdem die Regierung erklärt hatte, daß an anderer Stelle Mittel hierzu vorgesehen seien. Preußischer Landtag. Berlin, 2. Febr. In seiner heutigen Sitzung beschäftigte sich der Landtag in der Hauptsache mit einem Gesetzentwurf, der das Staatsministerium ermächtigt, eine Anleihe von 150MillionenReichsmark aufzunehmen. Diese Beträge sollen für die Ausgestaltung des staatlichen Besitzes an Bergwerken, Häfen und Elektrizttätswerken verausgabt werden. Der Ausschuß hat den Finanzminister ermächtigt, die zur Ausgabe gelangenden Schuldverschreibungen samt Zinsscheinen teilweise auf ausländische oder gleichzeitig auf aus- und rn- ländische Währungen sowie im Auslande zahlbar zu stellen. Es wird unverzüglich zum Ankauf von Domänen ein Betrag von 7 Millionen Reichsmark zur Verfügung gestellt. Dieser Betrag soll besonders für die westlichen Landesteile und in Schlesweg-Holstein Verwendung finden. Zur fortlaufenden und vollständigen Unterrichtung des Landtags über die wirtschaftliche Betätigung des Staates wird ein Ausschuß von 12 Mitgliedern entsprechend der Gröhe der Fraktionen eingesetzt. Rach längerer Debatte, in der der deutschnationale Abgeordnete Hecken erflärte, daß auf dem durch die Vorlage beabsichtigten Wege zielbewußt die kalte Sozialisierung durchgeführt werden solle, wurde die Vorlage schließlich in zweiter und dritter Lesung angenommen. Auf der Tagesordnung der morgigen Sitzung stehen kleine Vorlagen und die Städteordnung. Dom Iungdeutschen Orden. Berlin, 3. Febr. (TU.) Das am Sonntag in Berlin zusammengetretene Kapitel der Großkomture und Komture, das tie gesetzgebende Körperschaft des gesamten Jung- deutschen Ordens verkörpert .nahm den Bericht der Ordensleitung über das gegen den Hochmeister Artur Mahraun und den Ordenskanzler Otto Dornemann eingeleitete Hochverratsverfahren und die daraus entsprungenen Vorgänge der letzten Wochen entgegen, billigte einstimmig die Maßnahmen der Orde^leftung und faßte in voller Einmütigkeit eine Entschließung, in der scharfer Protest wegen der unberechtigten Angriffe gegen Artur Mahraun erhoben und diesem, das uneingeschräntte Vertrauen des Kapitels ausgesprochen wird. Wie der „Iungdeutsche" mitteilt, ist das Verfahren wegen Hochverrats gegen Mahraun und Dorne- mann eingestellt worden. Die wegen des Konfliktes mit Mahraun aus dem Iungdeutschen Orden ausgetretenen 31 Bruderschaften schlossen sich in Kassel zu cir.:.:i Iungdeutschen Treubund zusammen. Vier Sobesutieiie im Fememordprozetz. Verlin, 2. Febr lWTB.) Im Prozeß gegen die Fememörder des im Truppenlager Döberih ermordet aufgefunbenen Jägers P an - nier, der vor den Berliner Gerichten unter Ausschluß der Oefsentlichleit verhandelt wurde, verkündete der Vorsitzende nach mehrstündiger Beratung folgende Urteile Es werden verurteilt 1. die Angeklagten Schirrmann, Stein, Achenkampff wegen gemeinschaftlichen Mordes zum Tobe-, 2. der Angeklagte Denn wegen Anstistung zum Morde zum Tode; 3. der Angeklagte Schmidt wegen Beihilfe zu drei Jahren Zuchthaus, auf die vier Monate Untersuchungshaft angerechnet werden; 4. Angeklagter Stehelburg wegen Vergehens gegen § 139 des Strafgesetzbuches zu neun Monaten Gefängnis, auf die vier Monate Urner* suchungshaft angerechnet sind; 5. die Angeklagten Zeltler, Snethlage, Meder, Senden und G n t k n e ch t werden frei» gesprochen. Die Kosten des Verfahrens in den Fällen, wo Freispruch erfolgt, trägt die Staatskasse. Der Begründung des Urteils im Fenie- mordprozeß ist zu entnehmen: Die Angeklagten Achenkampff und Stein haben den Jäger Pannier nach ihrem Geständnis in der Rähe des Lagers Döberitz durchHiebemit einem Beil erschlagen. Der Angeklagte Schirr- man n hat, wie er zugibt, ihnen Pannier z u geführt. Jeder von ihnen hat die mit voller Ueberlegung ausgesührte Tötung g e - wollt. Alle drei haben die Tat gemeinsam ausgeführt. Schmidt hat nach seinem eigenen Geständnis Achenkampf und Schirr - mann begleitet. Er hat einen Spaten genommen, um die Leiche Panniers zu begraben. Vor der Tötung haben Achenkampff und Schmidt mit dem Ausheben der Erde begonnen und nachdem Pannier getötet war. hat Schmidt ihm auch einen Schlag mit einem Stein versetzt, um so seine Beteiligung bei dieser Tötung zu bekunden. Das stellt sich als Beihilfe zum gemeinschaftlichen Morde dar. Rach Aussage der Tater sollen sie von den Angeklagten Frhr. v. Senden und Benn zur Begehung der Tat an gestiftet sein. Die Anstiftung durch Denn ist durch die Bezichtigung der Mitangellagten Stein, Achenkampff und Schir- mann bewiesen. Stehelberg hat zugegeben, daß er von dem Vorhaben des Mordes vor der Tat Kenntnis hatte. Er hat feine Anzeige erstattet. Den Angeklagten 3eit ( er , Snethlage und Meder ist eine Begünstigung nicht nachzuweisen. Sie waren deshalb sreizusprechen. Der Haftbefehl gegen den Angeklagten Stehelberg wird aufgehoben. Dem Angeklagten Benn wird für den Fall der Rechtskraft des Urteils Aussetzung der Strafe und eine Bewährungsfrist bis zum 23. Februar 1929 bewilligt. — Me zu leichteren Strafen verurteilten Angeklagten Stehelberg und Schmidt haben das Urteil angenommen, während die zum Tode Verurteilten durch ihre Verteidiger sofort Revision ein legen liehen. Das Auswärtige Amt. Aus dem Haushaltsausschrch des Reichstages. Berlin, 2. Febr. Der Haushaltsausschuß des Reichstages hat heute die Beratung des Etats des Auswärtigen Amtes fortgesetzt. Reichsaußenminister Dr. Streseinann verbreitete sich über Einzelheiten des Etats, insbesondere empfahl er dem Ausschuß den W i e d e r a u f - bau unferer früheren Generalkonsulate, was auch den Wünschen aus Kreisen des deutschen Handels und der Industrie entsprechen würde. Der Minister gab dann einige vertrauliche Informationen außenpolitischer Natur. Staatssekretär von Schubert beantwortete die gestrigen Anfragen bezüglich der französischen Fremdenlegion in vertraulichen Ausführungen und erklärte, daß selbstverständlich die deutschen Behörden, wo sie eine Werbetätigkeit der Fremdenlegion feststellen, ihr mit allen gesetzlichen Mitteln entgegentreten. Nach kurzer belangloser Debatte wurde von der Mehrheit des Hauses ein deutschnationaler Antrag auf Streichung von 500 000 Reichsmark von der Etatposition der Reichszentra le fürHei- m a t b i e n ft abgelehnt, ebenso ein kommunistischer Antrag, die Kosten für den deutschen Botschafter beim Vatikan zu streichen. Auf die Anfrage, wieviel deutsche Kriegsgefangene noch in Frankreich und Rußland zurückgehallen werden, erwidert Staatssekretär von Schubert: In französischen Händen befinden sich nach sorgfältigen Ermittlungen nur noch ein deutscher Kriegsgefangener namens Hoppe, der vor Friedensschluß von einem französischen Kriegsgericht wegen Raubmordes an zwei Zivilisten zum T od e verurteilt worden war. Hoppe ist zu l eh e rur„. länglicher Zwangsarbe'' A » den auf dringende Vorstellun gierung und verbüßt seines Ein Gnadengesuch der Gießen - Leihgestern französischen Regierung bei Schneise. Die Meinung, als befäniden, den 1. Februar 1926. Kriegsgefangene in ftanzöche Bürgermeisterei. auf zurück, daß die Zahl - lOOSD hoch ist und häufig Betrüg 10WU deutsche Kriegsgefangene ft verwendet u*er besü.Gältet. tuet denkt, wßtcedmet. Der Vorstand vielem gest. uni von ein j in eii betrat Zeit i Zebra, ©ertu von arte scheu und der runs das runj mitt' sönli Iq/en Ich wacht mann öenno uns 1 ersche wenn für, tut (trab Mer Mai gebe oder gen Ciarl stisch nie lichte ss Segel zu fr ning Lchild, und ii Gesicht in sich Mil z dem, t bas i solcher bas 1 nicht t Melhei dieses gebung lockend! hing di wie di Einklei schwere hüllend w im bi ganz fällt, reich ß Wied rühre ihrer gen i femei Musil ffinffe sich / Grund Ganze zurück, die uy 9kiter und f oor q| vtauei un unser« Mez, tz Frauen! Töchter! Verlobte! Bitte ausschneidenS oür jüngere und ältere Damen, Krauen und Töchter beginnt am Freitag, dem 5. Februar, im Hotel Prinz Farl, Seltersweg, unter bewährter Leitung ein Tischdeck- und Servierkursus für Häuslichkeit und gesellige» Umgang. 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Kavallerie-Verein.' Samstag, 6. Februar, abdö. 8 Uhr: MkkS-SWl- Beiwrnlimg im Rebstock. Tagesordnung wird in der Versammlg. bekanntgegeben. Allseitiges Erscheinen ist Ehrenpflicht. 10tiU Der Vorstand Freitag, 5. Febr.: Monatsversammlung bei Hovfeld. 1038c Verein der Gastwirte v.Giellen u. Umgegend e. V. Zll der morgen abend TL. Nbr tm Saalbau Sauer stattfindenden öffentlichen taiiiilii werden alle Kollegen u. deren Angestellte bestimmt erwartet. umD TerBorstand. Brauner Zwergdackel ohne Halsband, entlaufen. Wtederbrin- ger Belohnung. luayD Marburg, Str. 35. Verloren: schwarze Ledertaache mit Werkzeug. Der Kinder wird um Abgabe gebeten. 0705 Emil Althoff Neuenweg 50. Schellfische grobe, Psd. 48 Kabeljau o. K., Psd. 45 Seelachs o. K., Psd. 35 Merlans per Vfd. 28 Landbrot 4-Pfd.-Laib 65 Feinster Allgäuer Ztg.-Limburger so lange Vorrat reicht, per Psd. 60 Frische Gier 10 Stck 1.70 ii. 1.10 Fr. Bückinge Psd. 30 Ü-Pfd.-Ktite 1.45 Weinbrand Verschn.,Kl. 2.78 Bch. 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Zubrod stellvertretender Gerichtsvollzieher. 10340 Nr. 28 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 5. Zedruar 1926 Für den Büchertisch. Vorspiel und Fuge. Das neue Buch des hessischen Dichters Albert f). Rausch, Borspiel und Fuge „Les Preludes" (160 S., Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart, Berlin und Leipzig 1925), zählt zu den stärksten literarischen Impressionen, die uns in der letzten Zeit be- ichert wurden. Was sich in diesen Blättern auftut, ist das Tagebuch einer Äugend, rückschauend gesehen non der Mittagshöhe des Lebens und der gereiften Erkenntnis, ist der Entwicklungsroman eines Menschen in den ersten Ansängen erwachter Bewußtheit und erwachenden Lebensgefühls, ist Aufzeichnung der bedeutsamen Begegnungen, Einflüsse, Wanderungen und Wandlungen eines namenlosen Ichs, das im Mittelpunkt des Werkes steht. Eine Schilderung von überraschender und bezwingender Unmittelbarkeit und Erlebnisstärke, übervoll von persönlichstem Bekenntnis. Gerade in seinem schranken- losen^Ändividualismus liegt der ganze Zauber des Buches beschlossen, das sublime Erinnerungen wachruft („Tod in Venedig", „Demian", „Gänsemännchen", um nur einiges anzuziehen), und das dennoch ganz eigenwertig und selbstgewachsen vor uns liegt, nie (literarisch) abhängig oder beeinflußt erscheint. Schon die äußere Haltung des Romans — wenn man das Ganze so nennen darf — spricht dafür, die aristokratische Gebärde und gepflegte Kultur eines Stils, der überall so intensiv, so ausstrahlend und aussagend ist, wie die Sinne dieses Menschen wach und aufnahmebereit sein müssen. Man steht bewundernd und reinem Genuß hingegeben vor solcher Sprachform, die nicht eine tote oder leerlaufende Stelle finden läßt; man ist gefangen und entzückt von der prunkenden Fülle, von der Farbigkeit und Wärme, der Leuchtkraft und plastischen Bildlichkeit stilistischer Prägung, die dennoch nie ins Uferlose fällt und eine oft rätselhafte Sachlichkeit bewahrt. _ Es würde zwecklos sein, vom Tatsächlichen, von Begebnissen und „Handlung" in diesem Buche mehr zu sagen als in knappster und allgemeinster Andeutung gegeben wurde: man muß das Ganze — Schilderung, Geschehnis, Bekenntnis — selbst lesen und in sich klingen lassen, man muß sein inneres Gesicht — Leidenschaft, Abschied und Läuterung — in sich aufnehmen, ihm Nachdenken und nachtasten. Mit zusammengedrängter Wiedergabe würde man dem, wozu man einladen will, kaum dienen; gerade das Feinste und Wesenvollste würde leiden unter solcher Vermittlung aus zweiter Hand . . . Auch ist das Tatsächliche, gleichsam mit Händen Greifbare, nicht das Bestimmende. Sondern — um aus der Vielheit Weniges mit Namen zu nennen —: etwa dieses seltsam unverbrauchte, wache und hingebungsvolle Verhältnis zur Natur, die blendende, lockende, glitzernde, unendlich vielfarbige Gestaltung des äußeren Rahmens, der in solchen Büchern, wie diesem, sicherlich mehr als nur Staffage und Einkleidung bedeutet; ober der feine Reiz, den schweren, betäubenden Duft und die schwebende, ein- hüllende Wärme südlicher Landschaft zu spüren, die tiefes Erlebnis und heißes Heimweh schafft. Alles in diesem Buche ist sommerlich, müde und still, gelöst und gelassen; es liest sich, wie wenn es hinter geschlossenen Fensterläden in einem dämmerigen Raum geschrieben wäre. Und man begreift, mitten im deutschen Winter, die große Sehnsucht, die den ganz verwandelt Heimgekehrten wie ein Fieber befällt, als ihn der Zauberruf aus dem Süden erreicht in dem wundervollen „Gesang an Granada". Oder ein anderes: das wechselreiche Hin und Wieder im Spiel der Gestalten, ihr Begegnen, Berühren, Entgleiten und Verschwinden, die Anmut ihrer Bewegungen und das Vielerlei der Beziehungen untereinander; der Rhythmus der nahen und fernen Stimmen in Moll und Dur, die die innere Musikalität des Buches ausmachen und seine äußere Einkleidung rechtfertigen, und die — ganz zuletzt — sich zusammenschließen und anschwellen zu der Grundmelodie „Les Preludes". Hier rundet sich das Ganze und kehrt, in sich geschlossen, zum Ausgang zurück. Das Vorspiel ist beendet. Aber seine Melodie wird die Wanderjahre kommenden Lebens begleiten . . . Der kleine Brockhaus einst und jetzt. Vor 20 Jahren erschien, zum ersten Male neugestaltet, der Kleine Brockhaus in zwei Bänden, und diese Ausgabe befindet sich in Hunderttausenden von Händen. Heute bringt der bekannte Weltverlag ein Handbuch des Wissens „Der kleine Brockhaus" in einem Bande. Es ist reizvoll, einmal flüchtig zu betrachten, welchen Ausdruck die Wandlungen der Zeit in diesem Übersichtlichen Sammelwerke hervorgebracht hoben, und wie dieser Spiegel die Umwertung der Werte, die sich in dieser Zeitspanne vollzog, zusammenfaßt zu einem geschlossenen Bilde. Schon äußerlich betrachtet, ist der neue eine Band viel reicher als die zwei Bände von 1906. Dies gilt vor allem von der Illustrierung, Damals waren auf den etwa 2000 Seiten rund 2000 Textbilder untergebracht, die neue Ausgabe hat dagegen auf 800 Seiten 6000 Abbildungen; ähnlich liegt es auch mit den bunten Tafeln, den Karten und Tabellen. Und man muß sagen, gerade der überaus reiche Bildschmuck macht das Werk wertvoll und gibt zugleich die Möglichkeit, kürzer zu sein. Die längste Beschreibung leistet nicht soviel wie eine einfache, richtige Zeichnung, und was sich darftellen läßt, ist diesmal dargestellt worden. Neuartig sind auch die in Kreisform angeordneten Tabellen, die außerordentlich übersichtlich wirken. Eine kurze Probe, die alle beim Studium, im Geschäftsleben, im täglichen Wirken, bei Spiel und Sport zufällig auftretenden Fragen einmal im neuen „Kleinen Brockhaus" nachsieht, wird verwundert sein lassen über die erstaunliche Vielseitigkeit des Werkes, ganz besonders aber hat in diesem Buche jeder Besitzer älterer Nachschlagwerke größeren Umfangs einen wirklich wertvollen Nachtrag, der bis zum Sommer 1925 jede statistische, wirtschaftliche und politische Veränderung notiert, von jeder geistigen Bewegung kurz Nachricht gibt. Und deshalb ist der Ueberblick über das Einst und Heute so interessant. Im Politischen natürlich vor allem, wenn uns als Deutsche dabei aud) tiefe Trauer befällt. 1906 Deutschland in Glanz und Glorie, und fjeute: große Textbeilagen unterrichten über unsere Verluste, über den Schandfrieden von Versailles, über die wirtschaftlichen Zerstörungen, die Krieg und Nachkriegszeit heroorgebracht haben. Aber wer näher zusieht, findet auch Trost, wenn An solchen Stellen, die mit Worten schwerer zu fassen sind, als das Sachlich-Gegenständliche, enthüllt sich Reife und Tiefe, geistiges Ausmaß und bleibender Wert des neuen Werkes, dem die Verse Rilkes aus dem „Buch der Bilder" vorangestellt werden könnten: Das ist der Sinn von allem, was einst war, Daß es nicht bleibt mit seiner ganzen Schwere, Daß es zu unserem Wesen wiederkehre, In uns verwoben tief und wunderbar. -y- A. 5. M. Hutchinson. Ein neuer Erzähler von internationaler Bedeutung. Don Alexander v. Gleichen-Rußwurm. Ehebücher tauchen überall auf und finden weite Verbreitung (ich weiß es, denn ich habe selbst eines geschrieben), und die „Schule der Weisheit" hat ein ganzes Aufgebot von Gelehrten und Damen gebracht, um sie über die Ehe ein theoretisches Kompendium aufstellen zu lassen. Aber das Problem, wie es der veränderten Welt unserer Tage sich enthüllt, kann nur der Dichter in ganzer Tiefe fassen. Ich habe es niemals — als modernes Problem notürlid) — so erschütternd in seiner Wirkung erlebt, als in A. S. M, Hutchinsons Roman*) „Das Gartenbau s". Nicht umsonst wußten Zeiten, in denen die Literatur eine führende Nolle im Leben der Völker spielte, ihre Probleme in lebendigen Dichtergestalten zum Ausdruck zu bringen und zeigten an Individuen, was ins Allgemeine zu wirken hat. In diesem Sinne scheue ich nicht davor zurück, Hutchinson als den bedeutendsten unter den ernsten Erzählern der Gegenwart zu bezeichnen, denn er ist Dichter und Beobachter, Philosoph und Politiker in jener höheren Auffassung, die nicht als Parteiangelegenheit, sondern als menschliche Fragen die ungelösten Rätsel der Zeit vor sich steht. Im „Kartenhaus" stehen sich zwei vollwertige Menschen gegenüber, ein erfolgreicher Rechtsanwalt und eine Frau, die sich erfolgreich in einem großen geschäftlichen Unternehmen an leitender Stelle bewährt. Beide haben sich aus Liebe unter „Wahrung ihrer persönlichen Freiheit" geheiratet, lieben sich innig und scheitern an dem Problem, welches von beiden den Beruf, das ist das ureigene Leben, opfern muß, um dem Haus und vor allem der Kindererziehung vorzustehen. Die Kinder wachsen nämlich, von bezahlten Kräften hygienisch und pädagogisch nad) modernsten Grundsätzen betreut, den Eltern entfremdet auf, zeigen sich unzugänglich und geraten, da keines bet Eltern das Opfer des Hauses zu bringen gewillt war, in eine Reihe erschütternder Katastrophen . .. Das Problem ist ungelöst auf dem modernen Wege der Freiheit, es läßt sich nur bezwingen, wenn jedes Individuum die Tradition in sich aufnimmt, denn sie allein hat sich natürAbebenat anerkennt und aufnimmt, denn sie allein hat sich natürlich entwickelt, und alles andere muß trotz Ehe- büchern, Theorien und Deklamationen Utopien bleiben. Die Natur ist im Kinde repräsentiert, und das Kind verlangt Opfer, die im Geschlecht begründet sind. Hutchinsons Roman ist groß angelegt, spannend und frei von jenen erotischen oder sensationellen Mätzchen, deren sich Autoren zweiten Ranges bedienen. Was gibt dem englischen Roman, wenn er von einem Autor wie Hutchinson geschrieben ist, jene Ueberlegenheit, die ihn international macht, obwohl er sich durchaus englisch gibt in Charakteren, Sitten, Weltanschauung? Ebenso wie das „Kartenhaus" ist auch „Wenn der Winter kommt" in jedem Satz Darstellung speziell englischer Verhältnisse und allem Kontinentalen durchaus fremd, soweit es das Aeußerliche betrifft. Aber das allgemein Menschliche, eine große, verstehende Liebe gibt Hutchinsons Werken die Seele, die über das Nationale hinausweist, gerade weil es aufrichtig ist und dem Menschheitsproblem, das in den Gestalten liegt, auch in der Ferne das Interesse sichert. „Wenn der Winter kommt" zeigt die Wirkung des Krieges auf die eng- *) Hutchinsons Romane „D a s Kartenhaus" und „Wenn der Winter kommt" sind in meisterhaften Uebersetzungen im Drei-Mas- ken-Verlag, München, erschienen. er sich dem Wirtschaftlichen zuwendet, da ist überall Arbeit mit zusammengebissenen Kiefern zu spüren, da sind der Güterverkehr, der Seeverkehr, Ernteerträge, seit 1920 wieder in gutem Aufschwung, die Neubauten der Handelsflotte sind sogar verblüffend. UeberaU empfindet man, an Hand der sicheren Statistik, Aufbau, Zurechtfinden, Organisation, und wenn die Textbeilagen „Steuern" und „Versailles" nicht wären, könnte man sogar recht getrost sein. Entsprechend der Wendung, die uns der verlorene Krieg brachte, sind die Veränderungen gegen einst besonders deutlich bei Dingen der Wissenschaft, Kunst und Geistigkeit. Die Notwendigkeit, nur Tüchtigste in den Lebenskampf zu schicken, hat das Interesse an der Eugenie, wie man mit einem Fremdwort diese Bestrebungen nennt, hervorgebracht, Tafeln sehr interessanter Art über Vererbung, Rassenkunde, Leibesübungen und über den Menschen überhaupt sind eingefügt. Technik und Wissenschaft sind viel reicher bedacht, viele Dinge, wie Heimstättenbewegung haben vorzügliche Tafeln erhalten. Und die Kunst ist nicht nur aus den etwas veralteten Bahnen früherer Zeit befreit, so daß Malerei, Baukunst und Kunstgewerbe in wirklich einwandfreien Mustern abgebildet sind, auch die neuesten Wendungen sind berücksichtigt, neben van Gagh, Brücke von Arles, findet sich Noldes infantile Vertreibung aus dem Paradiese, neben Rodin, Klinger und Barlach Archipenkos steinernes Fragezeichen. Und so überall, so daß der Benutzer des Werkes im Bilde bleibt. Ein Buch für jeden, der arbeitet, für jeden, der sich bilden will, durd; seine Kürze wertvoll, ein Buch, in dem aber auch abends am Familientisch geblättert werden Fann, so daß unmerklich und zwanglos reichste Belehrung empfangen wird. 0 Dr. v. 231. Das neue hessische Lesebuch. Hessisches Lesebuch, Neubearbeitung 1925" im Verlag von Emil Noch. Gießen. — Der unglückliche Ausgang des Weltkrieges mit dem Politischen, sittlichen und wirtschaftlichen Zusammenbruch unseres Volkes stellt die hohe Ausgabe an die Schule, mitzuhelsen in ganz besonderem Maße an dem Wiederaufbau unseres Vaterlandes. Die hessischen Lehrpläne stellen deshalb als Ziel der Schule die Erziehung der äugend zu religiös-sittlicher Dildung, zu staats- U|d)e Gesellschaft an einzelnen Beispielen, ohne billigen Haß — nur in seiner Wirkung aufs Leben. Daran kann man lernen, wie Hutchinson seinen Kulminationspunkt vorbereitet, wie er die Katastrophe herbeiführt und ihren schrillen Lärm sanft ausklingen läßt. Trotz aller Breite — englische Romane sind gern bereit, wenn auch nicht in dem Maße, wie es deutsche und französische Moderomane übernommen haben — ist der Aufbau wie die gesamte Technik der Hutchinsanschen Bücher vorzüglich. Ader seine Technik wirkt nie aufdringlich, immer selbstverständlich, er steht darüber, weil er über seinen Problemen steht, er kämpft nicht für irgend etwas, er schildert es, und durch die 2lrt, wie er es schildert, gelingt es ihm, die Meinung des Lesers in seinem Sinne zu lenken. Das war immer Zweck und Fall bei den großen Romanen, die über das rein Erzählende in politisches, philosophisches, pädagogisches, religiöses Gebiet Übergriffen und dadurch oft kulturhistorische Bedeutung erlangten. Mich erinnert er an Dickens' feine Beobachtungs- gäbe und an Thackereys meisterhafte Formbeherrschung, so red)t geeignet, jene zu erfreuen, die das gute Buch zum Lesen und Schenken dem Reinsensationellen vorziehen. Es wäre ein Verdienst, wenn bald die Sammlung kleiner Geschichten, die Hutchinson unter dem Namen „The Eighth Wonder" in einen Band zusammenfügte, in deutscher Sprache herauskam ebenso wie sein früher geschriebener Roman „The. Happy Warrior", der noch des Uebersetzers harrt. In jedem der Hutchinson-Bücher ist irgendein 'Abschnitt, den man sich unvergeßlich merkt, etwas durchaus Großes und so scharf Gesehenes, daß es ein für allemal geprägt erscheint. Hutchinsons jüngster Roman geht auf religiöse Fragen ein, er heißt: „One Increasing Purpose" und kommt dem mysti- fd)en Bedürfnis der Zeit entgegen. Weil uns das Leben nicht mehr befriedigt, drängen wir zur Mystik, im Uebernatürlichen jenen Frieden zu finden, den die Erde versagt. 'Auch hier Schilderung rein englischer Verhältnisse, aber eine international empfundene Sehnsucht, die auf Wege verwiesen wird, wie man sie überall gehen kann. Ich bin überzeugt, daß, wenn ein bedeutender Autor einen derartigen deutschen Roman schriebe, wie Hutchinsons Romane englisd) sind, er auch den Weg ins Ausland machen würde ob seiner tiefen, im Grunde wohnenden Menschlichkeit. Diese Menschlichkeit gibt Hutchinson internationale Bedeutung. Schöne Literatur. — Martin B u b e r. Sein Gang in die Wirklichkeit. Von Wilhelm Michel. 47 S. — Literarische Anstalt Rütten & Loening, Frankfurt a. M., 1926. — Wilhelm Michel, vornehmlich bekannt geworden durch seine neueren Schriften, die sich mit Hölderlin beschäftigen, versucht in der vorliegenden, sd)malen Broschüre zum Wesensbilde der Erscheinung Martin Bubers vorzustoßen, und den Men- schep und sein Werk in seiner beispielhaften Bedeutung für unsere Gegenwart zu erschließen. In einem eindringenden, auf das Wichtige und Zentrale des gegebenen, geistigen Komplexes bedachten Stil geschrieben, gelangt der Essay zu einer überraschenden Umfassung des Dargestellten. Wesentlicher als die Charakterisierung der vielleicht doch in ihren fundamentalen Beziehungen zur deutschen Gegenwart überschätzten Persönlichkeit ist die paradigmatische Formulierung der gedanklich-intuitiven Ausstrahlungen vom Weltbilde Bubers. „Was ist es also, das Martin Buber, beispielhaft und beispielgebend, „bedeutet"? Er bedeutet den Gang des Zeitalters in die Wirklichkeit." Im Postulat solcher Rückkehr zum Wirklichen, solchem Wege vom Wort zur Tat (als einer letzten Gipfelung alles Innerlichen, jeder Mystik und jeden Kultes), findet sich ein liebenswertes Bekenntnis zur wahrhaften, überdog- matifdjen, allgemeinmenschlichen „Religion" — im ursprünglichen Wortsinn — zu einer Bindung des Menschen an die Welt und einem Gottesdienst von so großer Einfachheit und Tatsächlichkeit, daß man sich in fast legendäre Zeiten zurückversetzt glaubt, wo die wirklich-unwirklichen Dinge dieses Buches zum Leben gehörten und Notwendigkeit waren. (872 bürgerlicher Gesinnung und zu Persönlicher Tüchtigkeit im Geiste deutschen Volks- und Menschentums. Um unsere Heranwachsende Iugend zu wertvollen, tüchtigen Staatsbürgern zu erziehen, muh ein neuer Geist, der Geist einer arbetts- und zukunftssrohen Zeit in unsere Schule ein- ziehen, der Geist der Pflicht und der Arbeit, der Arbeit an sich und für das Ganze, für das Wohl des Vaterlandes. Dem weitgesteckten, hohen Ziel der Erziehung müssen auch die Lehrbücher gerecht werden. Daher haben sich hervorragende hessische Schulmänner zusammengesunden zur Herausgabe eines neuen hessischen Lesebuchs, im Verlag von Emil Roth in Gießen erschienen, ein wertvolles Werk, das sich ebenbürtig neben andere nach dem Kriege erschienene Lesebücher ft eilen kann. Das Werk erscheint in zwei Ausgaben, A und B. Die Ausgabe A für Stadtschulen, aus vier Vänden bestehend, ist jetzt abgeschlossen, während Ausgabe B für Landschulen sich noch im Druck befindet, aber bis zum Beginn des neuen Schuljahres bestimmt erscheinen wird. Der letzte Band A 5. „Die weite Welt" liegt uns vor (7.. und 8. Schuljahr). Der Leitgedanke des neuen Lesebuches ist dieser: Es will an seinem Teil dazu beitragen, das Heranwachsende Geschlecht in deutsches Geistesleben, in deuft<-)es Wesen einzuführen. Deutsches Land und deutsches Leben sollen ihm lieb werden. Die Jugend soll zu deutschen Menschen herangebildet werden, zu Menschen, die in ihrem §uhlmi, Denken und Wollen von dem Bewußtsein ihres Deutschtums sich bestimmen lassen. Aus dem Reiche dcr deutschen Dichtung wurden im vorliegenden Band A 5 ”®ic.5r^.'7€ . vornehmlich nur solche Werke berücksichtigt, in denen das deutsche Empfinden den reinsten und schönsten Ausdruck findet. Das Volkslied und das volkstümliche Kunstlied nehmen einen breiten Raum ein. Der Befähigung und Steigung der jugendlichen Leser entsprechend wird den Valla^n unserer großen Dichter, wie Schiller, Goethe, Uhland und Bürger eine besonders liebevolle Behandlung zuteil. Auch die Pro^ ist durchaus im vaterländischen Sinne ausgew.hlt worden. Dem Mrchen. der Sage, dem Volksbuch, der Ec- zäblung. überhaupt jeder sprachlichen Aeußerung des Voltsbewuhtseins gönnt es einen breiten Raum Der jugendliche Leser wird durch die beut- — Heinrich Ruppel, Der dunkle Weg, Dal- laden, Heimatschollenverlag, 21. Bernecker, Melsungen. — Diese Balladen atmen srische Unmittelbar- Feit des Empfindens. Gewollte Schlichtheit formt pcketische Charaktere, dramatisches Gefühl und bildkräftiger Ausdruck verschmelzen zu klingender Einheit. Auch die technische Form der Balladen ist ein- wandsrei. In wogender Fülle umdrängen den Dichter die Stoffe, er kennt die Kunst der Konzentration. Immer zeigt sich, daß aus einer religiösen Grundstimmung heraus bei Heinrich Ruppel das Physische zum Symbol des Geistigen wird. Man läßt die Balladen auf sich wirken und hat das Gefühl, daß sie eine neue Stufe auf dem Weg bedeuten, den der Dichter zur Höhe schreitet. Die Ausstattung des Buches in ihrer Gediegenheit ist mustergültig. (53) A. B. — Roda Robas Roman. Mit Zeichnungen von Andreas S z e n e s. (Drei-Masken- Verlag, München.) — Roda Roda, ber weitbekannte und vielverehrte Schriftsteller und Vortragskünstler, zeichnet in biefem Buche seinen Lebensgang. In seiner bekannten Art. reich durch- flochten mit golbcnent Humor, führt er uns zurück bis in seine Kinberjahre, ja wir erfahren sogar noch mancherlei Interessantes über seine Großeltern und seine Urgroßmutter. Es ist ein wechselvolles, kunterbuntes Leben, bas Roda Roda mit ungenierter Offenherzigkeit ba vor dem Leser ausbreitet. Man liest das Buch mit seltener Spannung, unb ist erfreut, den Mann mit ber bekannten roten Weste burch diese Zeilen auch in seinem persönlichsten und liebenswerten Menschentum kennen zu lernen. Er kommt seinen Freunden dadurch noch näher als am Vortragspult, wo er ja stets mit bestem Erfolg seine! prickelnde Eigenart zur Geltung bringt. Dieses Buch wird ber großen Roda Roda-Gemeinde eine wertvolle Gabe sein. 708 — Das Martyrium des Dicken. Roman von Henri Beraub. (Verlag Ernst Rowohlt, Berlin). — Der Autor schildert in fesselnder Art das Lebensschicksal eines Dicken. Köstlich sind die Situationen, die Böraud aufzeichnet. Die Handlung ist von großer Lebendigkeit und höchst wechselvoll sind die Bilder, in bereu Mittelpunkt der unglückselige Dicke und natürlich eine Frau stehen. Die geistvolle Art des Erzählers, seine vortreffliche Gestaltungskraft in der Kleinmalerei bet Lebensschicksale ber Persönlichkeiten dieses Romans unb der Zauber ber lanbschaftlichen Umgebung, in ber die Handlung sich abspielt, nehmen den Leser des Buches in hohem Maße gefangen. 837 — Leuchtende Gipfel. Roman von Rudolf Haas. Verlag Staackmann, Leipzig 1925. Geh. 3 Mk., geb. 5 Mk. Ein Buch, das etwas von ber klaren und reinen Dergluft in unsere dumpfe Stube bringt unb von Menschen erzählt, bie mit ihren Bergen verwachsen sinb burch ihre leidenschaftliche Liebe zu den hohen Gipfeln und ihre große Menschenfehnsucht nach dem Licht. Höhenmenschen, deren gewaltigster Ernst Fernau, ein starker Geist in einem starken Körper, den Mittelpunkt der Handlung bildet. Seine Tat- unb Willenskraft läßt ihn nicht nur die hohen Gipfel bezwingen, sondern stellt ihn auch im Lebenskampf in die vordersten Reihen. Selten finden wir die erhabene Schönheit der Bergwelt so innerlich erlebt, so tief empfunden und so meisterhaft gestaltet wie in diesem letzten Werk des bekannten: österreichischen Dichters. — Es ist ein Buch für alle, denen „Bergsteigen" Gottesdienst ist, Höhenkult Heimkehr zu den heiligen reinen Quellen alles Seins. 878 — Gustav Schröer: Kinderland. Erzählungen und Skizzen aus dem Kinberleben. Mit einem Rachwort von Walbemar Mühlner. (Verlag Philipp Reclam, Leipzig. Heft 40 Pf.. Band 80 Pf.) — Gustav Schröer eroberte infolge der Schlichtheit und Gemütstiefe, mit der er das Leben des deutschen Bauerntums wiedergab, schnell die Herzen der Leser. Unter seinen kleinen Erzählungen tragen die feinen Skizzen von Kind unb Kindesart eine eigene Rote. Kinderwelt mit sche Landschaft unb die deutsche Heimat, in^Dorf unb Stabt geführt, wo er den deutschen Menschen in Sorge unb Arbeit, in Wirtschaft und Kunst, in Denken unb Fühlen schaut. Die deutsche Heimatflur und Landschaft erscheint in Dichtung und Prosa. Wan sieht die Stände des Volkes bei der Alltagsarbeit, den jungen Lehrling am ersten Tage feiner Lehrzeit, den Bauer hinter dem Pfluge, den Schmied in feiner Werkstatt. Der Sieg der deutschen Technik über die ber Welt wird durch den Flug von Z.R. 3 nach Amerika dem interessierten Auge ber Jugend bargestellt. Stimmungsvolle Auslähe und Gebichte führen die Jugend in die Welt ber deutschen Kunst, in der sich die Seele unseres deutschen Volkes am reinsten äußert. Das Lesebuch zeigt uns ferner den Menschen im Verhältnis zu seinem Mitmenschen und sucht in ber jugenblichen deutschen Seele staatsbürgerliches Bewußtsein unb Pflichtgefühl zu todden. indem es machtvolle Gestalten ber deutschen Geschichte unb Sage besonders hervorhebt. Auch dem Auslanddeutschtum wendet es seine volle Aufmerksamkeit zu und widmet ihm nicht weniger als 10 Lesestücke, in denen die schweren Kämpfe deutscher Helden jenseits ber Grenzen unseres Vaterlandes in Vergangenheit unb Gegenwart verherrlicht werben. Reben dem mannigfadien Stoffinhalt wird auch der reiche Bilberschmuck dazu beitragen, das Lesebuch dem Schüler nicht nur zu einem lieben Freunde zu machen, sondern es wirb auch mit- helfen. den Sinn zu fruchtbarer Kunstbettachtung zu wecken unb ben künstlerischen Geschmack zu fördern. „ . _r , Dem Cesamtwerk ist am Schlüsse ein Anhang zugesügt, „Was sollen wir lesen?" überschrieben. Hier werden wertvolle Bücher dem Schüler zum Lesen empfohlen unb ben Eltern Gelegenheit geboten, ihre Kinder vor der Schundliteratur zu bewahren unb ihnen einen guten Lesestoff zuzusüh- ren. Als Gesamturteil bleibt übrig, daß es sich hier um ein ganz bedeutendes unb hervorragendes auch drucktechnisch anerkennenswert sorgfältig durchgesührtes Lesebuchwerk handelt, das nocy baxu den Vorzug Hst, in allen seinen Tellen ck Bet^ben der hessischen Wirtschaft hergestellt zu sein und dessen Einführung man auf das wärmste empfehlen kann. Studienrat Obermann. \ Luft und Leid ist Schröer anS Herz gewachsen, und aus ihr plaudert er. wie nur einer kann, der in dem Kinde und mit dem Kinde die Welt gesehen hat. Das Buch wird für alle, die Kinder lieben, ein Quell des reinsten Genusses sein. 895 — Deutsches Heirna 1 glück. Ein Ju- gendleben auf dem Lande. Don Marie Martin. «Verlag Georg Westermann. Braunschweig.) — Aus dem Buche strömt uns sprudelndes, frisch pulsierendes Leben entgegen. Inn g:s Empfinden, naturhaft schlicht, zeichnet die fesselnden Erzählungen aus. Eine warme Empfehlung sei dem Buch auf den Weg mitgegeben. 8£1 — „Das Licsche n“. Ein Odenwald°Lust- ipiel in zwei Akten. Von Hans Otto Decker. Darmstadt 1926; Verlag von H. L. Schlapp, Hof- buch Handlung. — „Bauer und Bell mann". Odenwäl- der Dolksschauspiel in 5 Akten von Hans Holz- amer. Darnistadt 1925; Verlag von H. L. Schlapp. Hofbuchhandlung. Zur Heimatgefchichte. — Friedberger G e s ch i ch t s b l ä t t e r, Beiträge zur Geschichte und Landeskunde der Wetterau, Heft 7 (1925). Herausgegeben im Auftrage der Stadt Friedberg durch den Geschichts- und Altertumsvercin. Schriftleitung: Professor Ferdinand Dreher, Stadtarchi'var. (Verlag C. Bindernagel in Friedberg.) Die Frage der Heimatforschung und die Fruchtbarmachung ihrer Ergebnisse für Schule und Haus, wie sie Professor Dreher in einer der letzten Nummern unserer „Heimat im Bild" grundlegend erörterte, ist praktisch wohl kaum so weitgehend gelöst wie in Friedberg für das Gebiet der alten Reichsstadt selbst wie für die ganze Wetterau. Der Friedberger Geschichtsverein hat es unter der umsichtigen Leitung seiner Vorsitzenden, der Professoren Dr. G. B l e ch e r und F. Dreher verstanden. In weiten Kreisen der Bevölkerung von Friedberg und der Wetterau reges Interesse für die heimatliche Geschichts- und Altertumsforschung zu wecken und durch Veranstaltungen verschiedenster Art nunmehr dreißig Jahre hindurch wachzuhalten. Der literarische Niederschlag dieser sammelnden, sichtenden, beschreibenden und belehrenden Arbeit des Vereins sind die „Friedberger Ge- s ch i ch t s b l ä t t e r" von denen nun das 7. Heft vorliegt. Dem Schriftleiter, Professor Ferdinand Dreher, dem nur die Geschichte Friedbergs und der Wetteratu ditrch seine eigene reiche schriftstellerische Tätigkeit wie durch den weitblickenden Ausbau des Museums und Stadtarchivs hochverdienten Geschichtsforschers ist cs auch in diesem Jahrgang gelungen, interessante Beiträge aus allen Gegenden der Wetterau und unter Berücksichtigung aller Zweige der Heimatgeschichte zu einem überaus vielseitigem Bande zu vereinigen. Der Herausgeber selbst hat sich allerdings ein überaus trauriges Kapitel Vorbehalten „Hoimatvflegc und Geldentwertung", der Jahresbericht 1923 2-1 des Vereins, der jedoch zeigt, daß auch in der schlimmsten Zeit der Inflation die Friedberger ihrem Geschichtsverein treu geblieben und ihn durch große Opfer über die schweren Krisenjahre in die der Forschung wieder günstigere Gegenwart hinüberzuretten. Von den übrigen Beiträgen verdient den Aufsatz „Die Heimorte der Wetterau in ihrer Bedeutung für die Geschichtsforschung" aus der Feder Professor Dr. Georg Wolffs, des Nestors der mittelrheinischen Altertumsforschung, wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung besondere Beachtung. Interesse beansprucht auch ein Aufsatz von Dr. Leonhard Kraft, der die wechseloolle Geschichte des Klosters Ilbenstadt durch den Lauf der Jahrhunderte verfolgt. ^Weiter feien von größeren Beiträgen u. a. Backhaus: Die Entschädigungslande im Oberfürstentum dessen, eine auf Grund gründlicher archivalischer ^Studien ruhende, auch in der Darstellung wohlgelungene Arbeit, ferner aus dem Gebiet der Volkskunde Maul: Teufelsbannung, Teufelskünsteley und Zauberei); ein interessanter Bericht eines Hexenprozesses in Ossenbeien aus dem Jahre 1753. Das Beispiel einer mustergültigen Dorfgeschichte gibt Pfarrer i. R. Jakob Knab für Bruchenbrücken. An biograpischen Aufsätzen seien erwähnt Oberge- wsrberat Dr. F. Gerhards Plauderei über den „alten und jungen Falck" und Würdigung Paul Trapps durch Professor Dr. Richard Trapp. — Bad-Rauhei rn. Die Erbohrung der Ernst Ludwig-Quelle Sprudel 14, von Oberbadmeister Kissel, Dod-Rauheim. (Verlag Ludwig Wagner, Bad-Aauheim), Preis 1 Mark. — Der Verfasser, der durch seine jahrzehntelange Tätigkeit im Dienste unseres hessischen Weltbades wie selten einer befähigt ist, über dieses P^d und seine Entwicklung zu berichten, hat hier eine Schrift herausgebracht, die ernster Beachtung wert ist. Dieser Abriß aus der ad-Aguheimer und hessischen Heimatgeschichte ?eichnet sich durch gute Übersichtlichkeit aus, die Behandlung des Stoffes verrät den ausgezeichneten Sachkenner. Das Büchlein, dessen wertvoller textlicher Gehalt durch gute Bilüdrucke bereichert ist, darf als ein sehr beachtenswerter Gewinn der hessischen Heimatliteratur begrüßt werden. Es sei der allgemeinen Aufmerksamkeit, insbesondere auch zu Geschenkzwecken für die reifere Jugend, bestens empfohlen. 857 Die Arbeit der hessischen Volkskammer. Von Oberstiidiendircktor Dr. Keller, M. d. L. H*). Wenn die Kosten der Erwerbslosenfürsorge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gemeinsam getragen, also auf die Wirtschaft abgewälzt werden, so zeigt das, wie wirtschaftliche und soziale Fragen nicht reinlich zu trennen sind. Und wenn andererseits der Volksstaat Wert darauf legt und legen muß, daß die Grundlagen der Bildung und alle kulturellen Fortschritte dem Aermsten so gut wie dem zugänglich gemacht werden, der dafür bezahlen kann, so sehen wir weiter, wie das Band zwischen sozialen und Kultur- fragen sich knüpft. Da schließlich die gewaltigen Ausgaben für Schulen, Hochschulen, Theater usw. (in Hessen weit über 30 Millionen) sich in den Steuern auswirken, die die Wirtschaft aufbringen muß, so schließt sich auch hier der Ring zwischen scheinbar weit voneinander abliegenden Gebieten. Nun sagt die Linke: „Bei den kulturellen und sozialen Ausgaben darf unter keinen Umständen abgebaut werden", und sie findet dabei die Zustimmung des Finanzministers. Die Rechte erwidert: „Gewiß, Deutschland würde sich selbst aufgeben, wenn es feine Bildung und fein Fürsorgewesen vernachlässigen wollte, aber mir alle (eben nur von den Hebers chüssen der Wirtschaft, und wenn diese nicht aiisreichen, so müssen wir eben sehen, wie wir Notwendiges von nur Wünschenswertem unterscheiden, wie wir Ersparnisse machen, indem wir kostspielige Neuorganisationen vermeiden, wir müssen erkennen, daß wir zuerst leben müssen. ehe wir uns bilden können." Dem wird sich nicht allzuviel entgegnen lassen, und in der Praxis wird man auch mit Naturnotwendigkeit den allein gangbaren Mittelweg finden. Sein Beschreiten wäre aber leichter, wenn nicht auf Schritt und Tritt in die Bildungsfragen andere hineinspielten, die an sich mit ihnen nichts zu tun haben, vor allem die, ob nicht Beamte brotlos gemacht, ob nicht den Anwärtern Anstellungsmöglichkeiten entzogen werden, bitterernste Fragen für die Betroffenen, aber doch nicht das, womit sie verquickt werden. Diese allgemeine Betrachtung vorauszuschicken, schien uns nicht ganz überflüssig, wenn sie auch weniger für die letzte Tagung als für die vergangene lind künftige Generalaussprache beim Voranschlag in Betracht kommt. Diesmal beschäftigten den Landtag nur Einzelfragen sehr mannigfacher Art: die Kommunisten liefen im Auftrag der „Freidenkergemeinschaften" Sturm gegen die Förmlichkeiten, die beim Austritt aus den Landeskirchen erfüllt werden müssen, fanden aber nur die Beihilfe der Sozialdemokraten und damit keine Mehrheit. Das gleiche Bild zeigte eine endlose Aussprache über die H e b a m m e n l c h r a n st a l t in Mainz, in der nach den Behauptungen der Kommunistin Roth den werdenden Müttern das Leben zur Hölle gemacht wird, weil sie allerdings im Haushalte mithelfen müssen. Ein etwas seltsam anmutenbes Triumvirat, nämlich die Abg. Dr. Werner, Reibe r und Dr. Greiner, sand sich zusammen bei der Forderung der Impf klau sei, mit der andere Staaten nach der Ansicht der Antragsteller gute, nach der Statistik des Regierungsvertreters dagegen sehr trübe Erfahrungen gemacht haben. Der Antrag wurde abgelehnt. Ein scharfer Kampf wird seit langem besonders von den weiblichen Abgeordneten der Rechten und des Zentrums gegen „Schmutz in Tat, Wort und Bild" sowie gegen den Alkoholmißbrauch geführt. Widerspruch erhebt fick) bei derartigen Anlässen kaum je gegen die erstrebten Ziele, wohl aber des öfteren gegen die vorgeschlagenen Wege zu ihrer Erreichung; natürlich sieht auch je nach ihrer Gesamteinstellung nicht jede Partei die Grenzen zwischen sittlich und unsittlich an derselben Stelle. Jedenfalls fand sich eine sichere Mehrheit für die Bekämpfung von Filmschund und andern Anreizungen zur Sittenlosigkeit, sowie der Volksseuche der venerischen Krankheiten; diese Mehrheit brach aber glatt auseinander, als der gleiche Antrag in einem weiteren Absätze die Einführung des G e - meindebestimmungsrechtes verlangte, in dem seine Anhänger eine gesunde Maßnahme gegen Völlerei, die Gegner jedoch den ersten Schritt zu einer „Trockenlegung" nach amerikanischem Muster sehen, vor deren Heuchelei uns allerdings der Himmel bewahren möge. Von Schulanaelegenheiten war zunächst eine Vorlage der Regierung bemerkenswert, durch die sie mit Zustimmung der Landtagsmehrheit eine aus guten Gründen angegriffene Maßregel wenigstens vorläufig rückgängig machte: Der Eintritt der ABC-Schützen in die Grundschule soll 1926 und 1927 noch möglich fein, wenn diese erst zwischen dem 1. Mai und 30. September sechs Jahre alt werden. Es darf wohl angenommen werden, daß man es dauernd dabei belassen wird, und daß zahlreiche Eltern, besonders des Mittelstandes, damit der schweren Sorge ledig werden, ihr Kind ein Jahr später selbständig zu sehen, als dies sonst der Fall gewesen wäre. Mit einer Zufallsmehrheit von einer Stimme abgelehnt wurde ein Antrag Dr. Keller- *) Vgl. Nr. 27 des G. A. vom 2. Februar. Konzert der Musikschule Körner. Die Musikerziehung der Jugend ist ein Problem von größter Reichweite, insbesondere auch für unsere Zeit, die sich in Erziehungsfragen um eine Neuorientierung bemüht. Sollen alle die geistigen Kulturwerte, die unsere Musik in weit größerem Ausmaße umfaßt, als es offensichtlich zutage tritt, verschlossen bleiben? Sind nicht gerade sie imstande, unserer geistigen Pildung Zusammenhänge au geben, besonders durch die Wechselstellung der Musik zu den anderen Künsten? Frühere Zeiten hatten der Musik in der Erziehung eine weit gewichtigere Stellung einräumen können, als es im vergangenen Jahrhundert möglich war; erst die Gegenwart stellt die Musik wieder als Kunstfach in den Kreis der allgemeinen Schulerziehung. Jedoch kann sich die,e Art der Heranbildung zunächst nur auf das Verstehen und Erschließen des Wesens der Musik erstrecken, weniger auf ein praktisches Ausüben, abgesehen von dem Gesanglichen. Ist die Jugendzeit wirklich am geeignetsten für die musikalische Erziehung? Wenn ja, kann in dieser Zeit das Wesen der Musik voll erschlossen werden? Die erste Frage ist unbedingt zu bejahen, die zweite nicht ohne Einschränkung. Für die technische Grundlegung ist die Zeit des Heranwachsens durchaus als die geeignetste anzusehen; denn die physiologischen Grundlagen der instrumentalen Technik finden bei dem Wachstum ihre günstigste Berücksichtigung und Durchbildung. Doch eine noch so sorgfältige, aber rein technische Ausbildung würde nicht in das geistige Wesen der Musik hineinführen; denn Technik an sich würde nur einen mechanisch-akustischen Eindruck vermitteln. Um in die Musik, als einer Welt subjektiven geistigen Erlebens hineinzugelangen, bedarf es geistiger aktiver Mitarbeit. Ist diese Forderung für Jugendliche nicht doch etwas zu hoch? Scheinbar vielleicht. In jeder Melodie sind Energien gebunden, die in unserer Psyche bestimmte Reaktionen auslösen, so z. B. das Leittonverhältnis, das Tonalitätsgefühl u. y. m. Diese Reaktionen wirken sich formgestaltend aus, und indem wir diese Reaktionen mitschaffen, erleben wir den musikalischen Formungsprozeß In seinen Spannungen und Lösungen mit und dringen somit in die Formen der musikalischen Logik ein. Dazu die rhythmisch-metrischen Energien, denen selbst der Unmusikalische nicht fremd gegenübersteht. Diese in der allgemeinen Menschennatur liegenden psychologischen Grundlagen des Musikerlebens find, wenn auch individuell verschieden, auch bei Jugendlichen weckbar. Das persönliche Identifizieren von Spannung und Lösung mit menschlichen Erlebnisgrundlagen und deren Auswirkungen, kurz, was wir als Einfühlung im engeren Sinne zu bezeichnen Pflegen, kann her» ständlicherweise erst mit dem Heranreifen und Erwachen der eigenen Persönlichkeit sich ausprägen. Der Unterschied des musikalischen Gestaltens bei Jugendlichen und Erwachsenen liegt also im Erfassen des Formalen, das mit zu- Birnbaurn, der für die Wahlen z u Schulaus- f di u i f e n usw. eine Aeuderung dahingehend wollte, daß für die Einreichung von Vorschlag-listen statt 10 Prozent nur 5 Prozent Unterschriften nötig sein sollten. Auch hier ging das Zentrum mit den Rechtsparteien zusammen, diesmal ohne Erfolg. — Eine ganz besondere Note tragen alle jene Forderungen, die von den weiblichen Mitgliedern des Parlaments mehr oder weniger gemeinsam in Schulfragen gestellt werden. Sic betreffen die Lehrerinnen, die Mädchenschule oder meist beides zusammen. Ale wichtigster derartiger Antrag der letzten Tagung darf ein von den Damen Birnbaum, Hat- temer, Heräus und Steinhäuser gemeinsam eingebrachter gelten, der ft ä r k e r e Verwendung von weiblichen Lehrkräften auf allen Unterrichtsstufen der Mädchenschulen verlangt. Er wurde durch eine entgegenkommende Regicrungs- antwort für erledigt erklärt; es kann aber kühnlich behauptet werden, daß sich innerhalb wie außerhalb des Volkshauses bei solchen Gelegenheiten ein leichtes (gelegentlich auch schweres) Mißbehagen männ- lid)erseits geltend macht, weil bei allem Wohlwollen für berufstätige Frauen doch nun einmal nicht weg- zuleugnen ist, daß sie häufig Männern die Stellen wegnehmen, damit Eheschließungen verhindern und so der Ausübung des natürlichsten Frauenberufes nidjt gerade förderlich sind. Wozu außerdem noch kommt, daß gerade Mütter oft männliche Klassenleitung für ihre Töchter vorziehen, wenigstens wurde das in Gießen dann und wann festgestellt. Es bliebe nun noch die Erwähnung der zahlreichen sog. „Fäll e" übrig, mit denen eine un- liebenswürdige Opposition Regierung und Koalition zu behelligen pflegt. Abgesehen von andern interessanten Einzelheiten bieten sie meist das pikante Schauspiel, daß man dem „rechtesten" Koalitionspartner deutlich anmerkt, wie wenig wohl er sich im Weimarer Bunde fühlt. Nun ist diesmal so manche kitzelige Anfrage unerledigt geblieben und wird, wenn sie erst bei der Etatberatung zur Sprache kommt, ihren sensationellen Charakter verlieren; von den erörterten Fällen verdient aber wenigstens einer, daß seiner in der Presse einer Universitätsstadt mir kurzen Worten gedacht wird: Der „Fall Goldstein", der eigentlid) ganz etwas anderes ist. nämlich feit Menschengedenken in Hessen der erste Eingriff einer R e - gierung in die Selbstverwaltung einer Hochschule. Ein philosophischer Lehrstuhl war zu besetzen, und der Senat der Darmstädter Technischen Hochschule reichte dem Landesamte für das Bildungswesen zunächst einen Vorschlag, bann auf Anfordern eine ganze Vorschlagsliste ein. Aber auch auf ihr fehlte der einzige Name, den die demokratische Negierung sehen wollte, und so begannen Verhandlungen, in denen der Senat, dem übrigens Linksparteiler und Juden angehören, e i n st i m - m i g bei feiner Meinung blieb, allerdings auch den vom Staatspräsidenten geheischten Nachweis der „wissenschaftlichen Unfähigkeit" seines Schützlings Goldstein 311 liefern nicht für seine Aufgabe hielt. Und nun geschah das für das Professorenkollegium überaus Kränkende, daß die Regierung noch einmal eine Vorschlagsliste einforderte, gleichzei - t i g indessen bereite die Ernennung Goldsteins voll- zog. Die erste Folgeerscheinung war eine scharfe Kritik des Geschehenen im „Darmstädter Tageblatt" und „Gießener Anzeiger", ihr Verfasser aber war der — demokratische Führer und Reichstagskandidat Prof. Heidebroek. Schon diese Tatsache bürgt Im Verein mit der oben erwähnten von der Zusammensetzung des Senats dafür, daß hier von keiner Antisemitenhetze" die Rede sein kann, wie die sozialdemokratischen und demokratischen Verteidiger einer wahrlich nicht demokratischen Negierungsyandlung behaupteten; daß auch die Deutsche Volkspartei, die durch ihre Abgeordneten Dingelbey und Dr. Keller ihre Meinung über Unioersitätsfrciheit und Forschereignung besonders deutlich zum Ausdruck brachte, von grundsätzlicher Judengegnerschaft nichts weiß, zeigte ihre Stellung zur ebenfalls recht autokratisch getätigten Ernennung des Generalmusikdirektors Josef R 0 s e n st 0 ck , die sie billigt, weil dieser Hervorragendes leistet. Die Aufgabe des Ministerialdirektors Urftabt war gegenüber der geschilderten Sachlage trotz temperamentvollen Beistandes des Staatspräsidenten Ulrich nicht besonders dankbar; einige auch von dem demokratischen Rednern als „nicht gerade glücklich" bezeichnete Redewendungen berührten wohl selbst seine Freunde unangenehm, so die bebenflidje Auseinandersetzung, eine Hochschule dürfe nicht immer den Ehrgeiz haben, den b e st e n Dozenten bekommen au wollen, ein anderer genüge auch, und zudem müsse man sparen. — Nun hat ja die Koalition in der Ablehnung der deutschnationalen und deutschvolksparteilichen Anträge zusammengehalten, und der „Fall Goldstein" ist somit parlamentarisch erledigt. Wer aber behütet uns davor, daß er sich morgen in Gießen ober Darmstabt wieberholt, unb baß mit ber Zeit Hochschulkörper entstehen, nicht mehr erlesen von benen, die in ber Geistesrepublik ber deutschen universitas Sitz unb Stimme haben, sonbern von einem Ministerkollegium, bas seine Machtbefugnis lediglich der wankelmütigen Volksstimmung verdankt? nehmender Reife immer mehr mit dem Persönlichen, Individuellen in Beziehung gebracht wird. Mit diesen Tatsachen hat der Musikunterricht zu rechnen wenn er der naturgemäßen Entwicklung Sorge tragen will. Je mehr der Ton bei seiner Hervorbringung im Physiologischen bzw. im Psychischen verankert ist, wie bei der Geige, um so leichter führt das Instrumentale in den Geist der Musik hinein. Um so schwerer, wo nur ein Tastendruck, wie beim Klavier, der Künder inneren Erlebens wird. Gelingt es, das musikalische Erleben auch beim Klavierspiel zu Wecken, so ist damit die Hochwertigkeit des Unterrichts gegeben. Und daß dieses Ziel erreichbar ist und erreicht werden kann, dafür sprechen die Vorführungen in der Schule für höheres Klavierspiel von Minna Körner. Solch eine Reife von Schülerleistungen eröffnet am allerbesten den Einblick in das Musik- erleben der jugendlichen Psyche. Jede Leistung ist interessant, mag sie auch diesem oder jenem noch nicht vollkommen scheinen, sie zeigt ja nur den jeweiligen Standpunkt des Herangebildeten, genau wie in einer Werkstatt, wo man das Werk in allen seinen Stadien heranreifen sieht; das Erstreben des Zieles, sein Festhalten, der Wille zum Werk prägt sich jeder Leistung auf, so auch hier; der Weg des Emporwachsens ist klar gezeichnet. Dem jugendlichen Stadium entsprechend, wurde Musik gespielt, die aus den formgestaltenden Kräften herausgewachsen war, und sich den Jugendlichen als besonders faßlich und erziehlich erwies. Urb der zunehmenden Reife und Entwicklung und damit auch dem Ge- Flotte und Krieg. Von Vizeadmiral a. D. v. Trotha. Für Englands Denken und Handeln sind die Völker des Kontinents immer nur Schachfiguren gewesen, die so zu setzen waren, daß die „gottgewollte englische Herrschaft über die salzige Flut" nicht in Gefahr kommen könne. Die Freiheit der Meere hatte für jeden Engländer nur eine Auslegung: die der Herrschaft englischen Willens, nur ein Fundament: das der allseits anerkannten englischen Macht. Ein Volk, das in natürlicher Entwicklung seiner Tüchtigkeit und Kraft sich als Konkurrent fähig zeigte, muhte aus göttlichem Recht geschwächt oder mit den brutalsten Mitteln niedergerungen werden, bis es sich beugte und daS Zoch Englands freiwillig tragen gelernt hatte. Frankreichs Hatz gegen uns und fein Jahrhunderte alter Drang zum deutschen Rhein, der pan- slavistische Geist, die italienische Untreue, serbischer Mord und was sonst waren nur Faktoren, die in die englische Politik eingestvltt^wurden. um zu gegebener Zeit das erstaunliche Herauswachsen geeinter deutscher Tüchtigkeit auf allen Gebieten zu brechen. So lag, als ber Weltkrieg entfacht wurde, in England der Mittelpunkt des Vernichtungswillens, und seine Flotte, über der der Rhrnbus der Unbesiegbarkeit schwebte, war das Herz des Völkerringens gegen Deutschland. So gesehen, tritt erst die wahre Bedeutung der Skagerrak-Schlacht hervor, nachdem bei Coronel der Glaube an Englands Unbesiegbarkeit den ersten Stotz erhalten hatte. Die Macht der Flotte Englands wird aber erst ganz verstanden, wenn man sich klarmacht, daß sie „durch die Beherrschung der salzigen Flut" überall entscheidend hinreichte, wo das Salzwasser des Meeres der Kampffront nahekam oder unsere Küsten bespülte, und wo der Weltverkehr über See einen wesentlichen Einfluß ausübte. Das, was wir diesem entscheidenden Druck der englischen Flotte entgegensetzen konnten, war allein die für die Hochsee kampffähige deutsch«, schwimmende Streitmacht in allen Teilen vom Linienschiff bis zum U-Boot. Es ist uns jetzt belegt durch die offenen Enthüllungen des Bandes ll von Churchills Buch „Die Weltkrise", (erscheint demnächst im Verlage K. F. Koehler in Berlin), daß ohne das Vorhandensein einer kampffähigen deutschen Flotte die Engländer sich nicht hätten abhalten lassen, die Seeherrschaft in der Ostsee sich zu erzwingen, dort das für uns unentbehrliche Wirtschaftsleben zu vernichten, und eine von den Russen bereits vorbereitete Landungsarmee gegen das Herz Deutschlands anzusetzen; daß sie in dem in allem burchgearbeiteten Plan durchgeführt hätten, in erster Linie Borkum zu nehmen, damit auii) in ber Nordsee jeden deutschen Verkehr zu unterbinden, unseren außerordentlichen regen Dampferverkehr nach Holland und auch jeden U-Boot-Krieg unmöglich zu machen. Roch in der letzten Phase des Krieges hat der englische Flottenchef, wie wir heute von drüben wissen, sich dahin geäußert, daß er „eine Veränderung der Seestrategie — im aktiven Sinne — für zu gewagt, den Einsatz der englischen Flotte für zu groß hielte,, solange die Flotte des Gegners noch vorhanden fei“. So hat unsere Flotte auch als sie in der ersten Kriegszeit noch stark gebunden war, allein durch ihre burchgebildete Kampfbereitschaft und Einsahmöglichkeit einschneidend auf die Kriegsführung eingewirkt, unb Englands weit überlegene Grand fleet veranlaßt, von für den Krieg schnell entscheidenden Maßnahmen abzusehen, und die große Kriegsführung bis hinunter zu den Dardanellen, indem sie Englands Seemacht in der Rordsee band, beeinflußt. Für uns waren U-Boot und Flotte eins. Ohne die Flotte wäre dem U-Boot-Krieg in kürzester Frist der Garaus gemacht worden, und der U-Boot-Krieg muhte den durch die Taten der Flotte am Stagerrak bis in den tiefste* Grund erschütterten englischen Ueberlegenheits- glauben durch schärfstes Zugreifen gegen die dem Jnselreich unentbehrliche Handelstonnage brechen. Flotte unb U-Boot muhten und konnten Englanb gemeinsam zwingen! Wie verhängnisvoll hierin unser Zögern auch nur um Wochen unb Monate gewesen ist, dafür ist das im Parlament in Washington feftgcftellta Zeugnis des amerikanischen Generalstabes im Kriege Beweis, wonach die amerikanische Armee in Frankreich „mit Rücksicht auf den nötigen Rachschub an Verpflegung, Waffen, Munition usw. sich noch höchstens vier Monate hätte halten können, da auch die übrigen Ententemächte nicht hätten aushelfen können." „Die Transportlag«: sei so schlecht geworden, daß, wenn die Deutschen nicht Schluß gemacht hätten, die amerikanische Armee es hätte tun müssen.“ Dies Zeugnis deckt sich mit dem Ausspruch eines englischen Vertreters bei ber Abrüstungskonferenz in Washington, ber, über bie U-Boote sich auslassend, ausführte: „Ich brauche wohl nicht daran zu erinnern, daß die Alliierten den Krieg verloren hätten, wenn die deutsche Restaltungsvermögen Rechnung tragend, waren die Ausgaben gewählt: C. Saint-Saens' Variationen für zwei Klaviere über ein Thema von Beethoven. Largo, Menuetto aus der O-Dur-Sonate von Beethoven (dessen Wirken die beiden Veranstaltungen fast ausschließlich gewidmet schienen) waren solche Höhepunkte. Richts aber lehrt das musikalische Werk mehr als Organismus erfassen, als das Zusammenspiel, eingeführt durch das vierhändige Spiel, als Begleitung zu einem Soloinstrument, zum Ensemble; auch da ein Eindringen in den Geist der Musik, das zum Teil schon seine eigenen Wege gefunden hatte und für die Zukunft manches verspricht. Und selbst die Kleinsten fanden ihre Betätigung im Durchführen einer Orchesterstimme. und mochte es selbst der Brezelknarre sein, in Haydns Kindershphonie. Frau Dr. Rohkopf-Pseifser, Gießen (Sopran), und Herr Otto Gabel. Wiesbaden (Baß), brachten durch Soli und ein Duett erwünschte Abwechslung in die Reihe der Klaviervorträge. Die Herren Otto Seeger (Cello), cand. forest. Bernhard Geißler (Flöte), Fräulein Friedel Mulch und Herr Paul Köhler (Violine) machten sich mit Solo- und Ensemblestücken mit bestem Erfolge um die Veranstaltungen verdient, insbesondere sei Herr Köhler noch erwähnt als ein Werdender, der aber schon mit rechter Musikalität zu gestalten weiß. Der Leiterin, Frl. Minna Körner, sei noch mit Dank gedacht, auf ber die gesamte Verantwortung ruhte, und die sich auch als Begleiterin der Solisten in btn Dienst der guten Sache stellte. -in- Der jüngere Recknagel blintzelte vergnügt nach seinem Vater hin: „Es ist vielleicht besser, Kaptein,' meinte er dann, „wann Sie gar nicht erfahren, wie die Zeit für Sie gearbeitet hat. Nicht, wahr, Papa? Wieviel brauch^ Sie denn momentan, Freund Hinriks?" Wieder gab sich der Seemann einen Ruck. „Wenn Sie' so rund hundertfünfzig Milliönchen entbehren könnten, wäre es mir lieb. Nun war es heraus — die Arbeit war schwerer als Tauwinden. „Hundertfünfzig Millionen? kaptein, das halten Sie wohl für bannig viel Geld, nid)?" Der alte Recknagel klopfte Onkel Otto jovial auf die Schulter. „Ja — vel schall bat wohl sin — aber billiger kann ick's nich daun!" Ein brausendes Gelächter war die Antwort. „Guter, lieber Hinriks," sagte Recknagel senior, „wenn Sie nicht mehr als hundertfüns^ig Milliönchen nötig haben, damit Ihre Pip wieder Rauch gibt, dann brauck)en Sie Ihr schönen Parten gar nich zu verkloppen! Die klettern nämlich mit dem Dollar von Tag zu Tag um die Wette, und wenn das Klettern so weiter geht, dann wird Onkel Otto am Ende gar noch ein übermütiger Mann!" „Gott soll mi bewahren!" rief Hinriks in komischem Entsetzen. „Glauben wir auch im Ernste niemals", versicherte der junge Recknagel. „Wissen Sie was, Kaptein," fuhr er fort, „über die hundertsün^ig Millionen kriegen Sie einen Scheck auf die Rostocker Bank. Wie wir das nun machen, ob wir Ihnen die Papiere beleihen ober so, bas wird Ihnen Jacke wie Hose sein, nich?" „Machen Sie bat, wie Sie 's |ür gut hollen, meine Herren — bloß man nich — „Wat bloß man nich, Ohm Otto?" „Bloß man nich, bat ick mir schämen muß!* „Unsinn, Kaptein! Wir schenken Ihnen nichts! Und was Sie heute per Scheck erhalten, wird Ihnen angefreibet, verlassen Sie sich brauf! Sie ünb jetzt unser Schulbner und" — der alte Herr machte ein drollig-ernstes Gesicht — „wehe Ihnen, wenn, na, wenn Sie nicht wieberkommen und mehr verlangen!" (Fortsetzung folgt.) gterung nicht selbst wiederholt den Tl-Doot-Krieg sabotiert hätte".-- Churchill sagt über den Krieg: „Es war ein gleiches Rennen bis zum Ende, aber am Ende sind wir sicher durchgekommen, weil die ganze Ration unverwandt zusammenhielt. Je mehr wir von dem Kampf erfahren, um so mehr erkennt man, an welch kleinem, dünnen, gefährlichen Fädchen unser Erfolg hing!" — — In der Kraft unserer Flotte, deren Aeber- legenheit in Material und Durchbildung der Engländer durch viele Stimmen anerkennt, lag bis zur letzten Stunde die Entscheidung gegen England. Oderhessen. Landkreis Bietzen. ck. H e u ch e l h e i m , 2. Febr. Am Samstag- nbcnb feierte der Gesangverein Lieber- kränz sein diesjähriges Winterfest in dem großen Saale der neuerbauten Turnhalle. Das Programm bestand aus verschiedenen Chören der aktiven Sänger, die Theaterabteilung wartete mit der bekannten ^rkalposse „Der tolle Hund" von Niebergall auf, den Schluß bildete der übliche Tanz. Die Chöre wurden unter der Leitung des Dirigenten Gerlach-Gießen in musterhafter Weise vorgetragen. Mit Befriedigung konnte man feststellen, baß der Saal eine >ehr gute Akustik hat und daß er den Ansprüchen, die man an einen Saal zum Vortrag von Chören stellt, in jeder Weise gerecht wird. Die Aufführung der Lokalposse stellte die Theaterabteilung vor eine sehr schwere Aufgabe, die in glänzender Weise gelöst wurde. * Großen - Linden, 2. Febr. Ortsgerichtsmann und Feldgeschworener Ludwig Velten V. dahier feierte gestern in voller Gesundheit seinen 8 8. Geburtstag. / Watzenborn-Steinberg, 2. Febr. Einen harmonisch verlaufenen Familienabend veranstaltete im Saale zum „Goldenen Löwen" der hiesige Kriegerverein. Rach einem einleitenden Musikvortrag begrüßte der Vorsitzende Schäfer in herzlichen Worten die Teilnehmer. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Lichtbildervortrag über den „Seekrieg 1914—16“, den Pfarrer Staubach übernommen hatte. In 60 kolorierten, farbenprächtigen Bildern zogen die Taten unserer blauen Jungens an unserem Auge vorüber, und mancher neue Eindruck wurde durch die Bilder vermittelt. Die beiden Teile des Vortrags schlossen mit den Liedern vom „guten Kameraden" und dem „Morgenrot". Das Ganze klang aus wie die Mahnungn zur Einigkeit und Treue. Den Rest des Abends füllten vortrefflich vorgetragene Musikstücke und mehrere Vorträge ernster und heiterer Art aus. Die Veranstaltung war getragen vom Geiste echter Kameradschaftlichkeit, wie er in unseren Kriegervereinen heimisch ist. -t- Watzenborn, 2. Febr. Der Ge- sängverein Sängerkranz feiert in diesem Jahre das Fest seines 5 0jährigen Bestehens und verbindet damit einen Gesangs- wett streit, der am 12., 13. und 14. Juni stattfindet. Sonntag fand im Saale der Wastwirt- schäft „Zum goldenen Stern" die Vertreterversammlung der wettstreitenden Vereine statt. Der festgebende Verein eröffnete die Tagung mit dem Sängergruß und dem Curtischen „Hoch empor". Die stattliche Sängerschar, die unter der Leitung des Lehrers Blaß, Großen- Linden, steht, nahm im Verlaus der Tagung wiederholt Gelegenheit, Proben ihres trefflichen gesanglichen Könnens zu Gehör zu bringen. Der erste Vorsitzende, I. Harnisch, entbot den Erschienenen den Willkommgruß, worauf der Dirigent des Vereins den Vorsitz übernahm und die Tagung leitete. An dem Wettstreite beteiligen sich 19 Vereine, darunter einer aus Rheinhessen. In den Stadtklassen fingen neun, in den Landklassen zehn. Insgesamt beteiligen sich etwa 1000 Sänger an dem Wettsingen. Der Antrag des Männergesangvereins Burgsolms, mit Rücksicht auf die leeren Vereinskassen statt der zwei aufgegebenen Chöre nur einen zu wählen, wird abgelehnt. Man will gerade die Pflichtchöre, die als ganz besondere Gradmesser für die gesanglichen Leistungen anzusehen sind, trotz erheblicher Mehrkosten nicht vermindert haben. Doch soll man seitens des festgebenden Vereins bestrebt sein, die dafür nötigen Ausgaben auf ein erträgliches Maß herabzudrücken. Außer den Klassen- und Ehrenpreisen werden vier Sein oder Nichtsein. Ein Kriminalroman von der Wasserkante. Von Moritz Schäfer. 11. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Ehe die Meuterer das Schiff in Brand stecken konnten, hatte die kaltblütige und umsichtige Defensive des alten Hinriks die Flamme der Empörung ausgetreten. Fünf Tote und mehrere Schwer- verwundete hatten die Reihen der Meuterer gelichtet, der Haupträdelsführer lag in Eisen und der Rest bat um Pardon. Ohne den Verlust auch nur eines einzigen Pferdes gelangte Hinriks mit seinem treu gebliebenen Steuermann, drei Matrosen und einem Schiffsjungen, die Meuterer in sicherem Gewahrsam, nach dem Heimathafen. Das Seeamt billigte sein Verhalten, die Aufrührer wurden zu schweren Freiheitsstrafen verurteilt, und die Firma Recknagel & Sohn erwies dem alten. Kapitän ihre dauernde Dankbarkeit. Nicht nur, daß Hinriks, ebenso wie seine Getreuen, eine materielle Belohnung erhielt — die Chefs der Firma, Vater und Sohn, zeichneten ihn auch durch persönliche Freundschaft aus. Sein Reeder war eine nüchterne Natur, er verstand es weniger, hen erprobten Seemann zu würdigen, und Hinriks, ein wenig verändert, ging alsbald nach der denkwürdigen Schärenfahrt in Pension. Aber Recknagel & Sohn hatten noch eine lieber rcischung für ihn in petto. „Kapitän," sagte der Seniorchef, als Hinriks in den Ruhestand trat, „wir bleiben in Ihrer Schuld! Bezahlen läßt sich das, was Sie für uns getan haben, nicht, aber mit schönen Reden und einer treuen Gesinnung, die wir Ihnen bewahren, ist Ihnen auch nicht gebient. Da haben wir so ’ne Idee, mein Sohn unb ich. Wir meinen, es freut Sie vielleicht ein bißchen, wenn wir ben Transportdampfer, den wir nachher für die Fahrten zwischen Rybnik und Malmö auf eigene Rechnung bauen lassen, wenn wir ben Kasten in bankbarer Erinnerung „Otto Hinriks" taufen. Ja, das ist Ihnen recht? Schön also, es bleibt dabei. Aber auch das ist nur eine halbe Sache. Sie müssen uns glei^-eittg gestatten, Ihnen ein paar Schiffsparten auf den „Otto Hinriks" so quasi als Ehrensold anzubieten. Keine Gegenrede, Kaptain; Sie haben Ordre zu parierens Hauptehrenpreise ausgesungen, von denen zwei den Stadtklassen, zwei den Landklassen zufallen. Entscheidend ist die Punktzahl in den beiden auf- gegebenen Choren. Der Dirigenrenpreis fällt dem zu, der in der Auffassung bei sämtlichen Chören zusammen die höchste Punktzahl erreicht. Der festgebende Verein wurde ersucht, nach Möglichkeit einen zweiten Dirigentenpreis auszusehen, was auch zugesagt wurde. Die Tagung verlief äußerst anregend ohne irgend einen Mißklang. )( Mainzlar, 2. Febr. Im Müllerschen Saale fand ein Familenabend des hiesigen Männergefangvereins statt. Die Gäste füllten den geräumigen Saal bis auf den letzten Platz. Der Vorsitzende, Ludwig Kreilinlg. begrüßte die Erschienenen. Der Verein erfreute unter Leitung seines Dirigenten Borger durch eine Anzahl sehr schön vorgetragener Chöre. Auch die Sologesänge und das Quartett gefielen sehr gut. Wesentlich zur Verschönerung des Abends trug die Kapelle Otter bei. Sie hatte ein auserlesenes Programm zusammengestellt, das sie mit feinem Verständnis und technischer Meisterschaft abwickelte. Sänger und Künstler ernteten reichen Beifall. Zur Erheiterung trug ein Theaterstück bei, das von jugendlichen Kräften in bester Weise gespielt wurde. Dem Mitglied Ludwig F i n d t überreichte der Vorsitzende eine Ehrenurkunde. Verlosung und Tanz bildeten den Abschluß der Veranstaltung. X Wieseck, 1. Febr. Die Ortsgruppe des ReichsoerbanbesberKriegsbeschädig- ten unb Krieger Hinterbliebenen veranstaltete am Samstagabenb im Saal von Bierau einen in schöner Harmonie verlaufenen Familien- abenb. Der Vorsitzende, Reusch, begrüßte bie zahlreich erschienenen Besucher. Den musikalischen Teil bestritt unter ber Leitung seines Dirigenten Pfeif- f e r bas hiesige Mandolinen- unb Gitar- renorchester, ein Rezitator aus Gießen brachte Ernstes unb Heiteres. Auch eine Verlosung von Lebensmitteln unb Gebrauchsgegenstänben fehlte nicht. Für bie Gießener Gäste sprach ber Vor- sitzenbe bes Bezirksausschusses Schirmbeck - Gießen. Pfarrer Sattler ging in seiner Rede auf Ersuchen aus ber Reihe bei Kriegsbeschäbigten unb Kriegerhinterbliebenen auf die brennende Frage ber Schaffung einer roürbigen Kriegerehrung ein. Allseitige Zustimmung zeigte, baß man die von Seiten ber örtlichen kirchlichen Organe auf diesem Gebiet in Verbindung mit Kreisbaumeister Schneider geleistete Vorarbeit anerkannte und wünschte, daß die Sache im Zusammenwirken mit dem neuen (Semeinberat im laufenden Jahre gefördert wurde. Ein gleicher Wunsch richtete sich auf bie Sammlung ber Silber ber Kriegsopfer, bie auf ihren früheren, als vorläufig angesehenen Platz in der neuhergestellten Kirche nicht mehr zurückkehren können. * L o 11 a r, 2. Febr. Am Sonntag fand bie bies- jährige Generalversammlung des Turnvereins Lollar statt. Nächdem ber 1. Vorsitzenbe, Bürgermeister Schmidt, die Mitglieder begrüßt und auch den Turnern für bie im Jahre 1925 errungenen Siege sowie bem Vorstanb für seine Arbeit Dank gesagt hatte, konnte ber 1. Turnwark Bericht über den Turnbetrieb im vergangenen Jahre erstatten. Der Verein beteiligte sich in 1925 an allen innerhalb des Lahn-Dünsberg-Gaues bzw. des Südwestdeut- schen Turnerbundes abaehaltenen Turnfesten. Das Jahr 1925 ist für ben Turnverein Lollar in bezug auf turnerische Leistungen als bas erfolgreichste feit Bestehen zu bezeichnen. Don aktiven Turnern, Zöglingen, Turnerinnen, Schülern und Schülerinnen würben in 1925 insgesamt 98 Preise errungen, darunter ein Ehrenpreis, fünf 1. Preise, sechs 2. Preise, acht 3. Preise, sieben 4. Preise und zwei 5. Preise. Ferner errang der Verein bei dem Bundesfest des Südwestdeutscyen Turnerbundes ben Wanderpreis des Bundes sowie ben 1. Preis im Musterriegen- turnen am Pferb. Außerbem nahm der 1. Turnwark an bem Meisterschaftsturnen bes Allgemeinen Deutschen Turnerbundes in Darmstadt teil und ging aus diesem Wettkampfe als 12. Sieger hervor. Bei der Vorstandswahl wurde ber langjährige 1. Vorsitzenbe unb Gründer des Vereins, Bürgermeister Schmidt, einstimmig als 1. Vorsitzender wiedergewählt. Ebenso traten bei ber Wahl des übrigen Vorstanbes keine befonberen Aenderungen ein. Dem wiebergewähtten 2. Vorsitzenben, L. Klinkel, würbe gleichzeitig die Leitung des gesamten, jetzt sehr umfangreich gewordenen Turnbetriebs übertragen. Besonderer Dank gebührt dem 1. Vorsitzenden, Bürgermeister Schmidt, für seinen am Schlüsse der Versammlung gehaltenen sehr interessanten Vortrag über das Leben, Leiben und Wirken des Turnvaters Jahn, denn nur wenige Dagegen war nun nichts zu machen. Onkel Otto hielt zwar nicht ben Munb, sondern brummte allerlei unverständliches Zeug, aber er schüttelte Vater und Sohn bie Hände, daß bie Gelenke knackten. Die Schiffsparten blieben in Hänben ber Firma: Hinriks kümmerte sich nicht um bie Papiere und wußte nichts von ihrem Kurs. Er kam mit feiner Pension aus, unb trotz ber Gelbentwertung reichte es noch zum Pipentobak. Von ben Geldwerten, bie für ihn in Recknagels Besitz steckten, sprach der Wackere zu niemand: er vergaß seinen Besitz beinahe selbst. Seine Steuereinschätzung machte ihm alljährlich bie Firma, Hinriks wußte nur mit nautischen Berechnungen Bescheib. Die Firma forderte auch jedesmal bie angeblich fälligen Steuersätze von bem alten Herrn ein, um ihn bie Last ber Zahlung abzunehmen. Daß die Raten in Wirklichkeit ein Vielfaches bes von ber Firma erhobenen Betrages ausmachten, brauchte der Wackere nicht zu wissen. Seine Parten lauteten ja noch auf ben Namen ber Firma als Inhaber, waren von ihr bei ber Reichsbank beponiert und mußten auch von den nominellen Inhabern besteuert werden. Das war, wie Recknagel & Sohn stillschweigend voraussetzten, ein nobile officium ber Geschenkgeber. „Na, Kaptain," sagte Bernhard Recknagel, als man im Hafen des Firmakontors gelandet war, „nun schießen Sie mal los. Wo drückt der Schuh?" „Es sollte uns freuen," fügte Herbert hinzu, „wenn wir Ihnen endlich mal ein Riesterchen auf= legen dürften." „Schomakers haww ick freilich nich nöbig", antwortete der Alte. So ’ne Menge Stäbeln, als ick to hus stöhn heww, bat langt, bis ick afffegeln tu. Repraturen tun ook nich not, unb wenn eins, denn ging ich an 'ne andere Adreff." „Uff," machte ber Seniorchef belustigt, „bas war ’ne "lange Vorreb'. So viel Haden Sie gewiß nich mal bei Ihre berühmten Brautens bies- unb jenseits gesnakt, Kaptein." „Nee," sagte Henriks unb schmunzelte, „die hebben mi allens verstahn, wenn ich gornir (eggt heww." £ „Soweit haben wir's leider noch nicht gebracht, lieber Henriks." ber Versammlung haben jebenfaUs gewußt, wie Turnvater Jahn für die edle Turnerei gewirkt, gekämpft und gelitten hat. - ® aubringen, 2. Dez. In seinem Vereinslokal bei Gastwirt Weimer hielt der Gesangverein Saubringen sein diesjähriges Wintervergnügen in Gestalt einer Familienfeier ab. Die vielseitigen Darbietungen standen unter den beiden Gesichtspunkten ..Heimat — Vaterland" und ..Das deutsche Volkslied". Die Lieder des Vereins wurden unter Leitung seines Dirigenten, Lehrer Eberle, Treis, präti tig zu Gehör gebracht und ernteten reichen Beifall. Im Mittelpunkt des ersten Teils der Gesamtdarbie- tungen stand ein Singspiel „Heimweh", das mit großer Hingebung gespielt wurde und bei allen allen Anwesenden großen Anklang fand. Einzelne Musikstücke wurden von der Kapelle Linker, Lollar, ausgeführt. Tanz hielt alt und jung noch einige Stunden zusammen. — Auf dem nahe gelegenen Hof Heiberts- hausen ist dieMaul-undKlauenseuche ausgebrochen: sie hat fast den gesamten Viehbestand befallen. v. Londorf, 2. Febr. Am Samstag und Sonntag veranstaltete der Geflügel- und Kaninchenzuchtverein Londorf und Umgebung im Dögerschen Saale eine Ausstellung mit Prämiierung und Verlosung. Die Veranstaltung war sehr stark — über 200 Rummern — beschickt: man konnte ganz vorzügliches Material sehen, so daß der Preisrichter-, Verbandsoor- sihender Kolter aus Dad-Rauheim, keine leichte Aufgabe hatte. Am Sonntag war die Ausstellung aus der näheren und weiteren Umgebung sehr stark besucht. Die Veranstaltung fand all- seitige Zustimmung. — Am nächsten Sonntag findet hier der Delegierten tag des L a h n- talfängerbundes statt, zwecks Besprechung über das im Sommer dahier stattfindende Bundesfest. : Beuern, 2. Febr. Am Sonntag veranstaltete der hiesige ONännergesang verein P o l y h y m n i a im Saale des Karl Dietrich fein Wintervergnügen. Der erste Vorsitzende des Vereins, Wilhelm Hermann, begrüßte Sänger und Gäste und pries in madigen Worten den Wert des Deutschen Liedes als einen Haupt- saktor, der heute in der Zeit des harten Existenzkampfes manchem helfen möge, über die schwere Gegenwart hinüberzukvmmen. In einem Hoch auf das Deutsche Lied klang seine Rede aus. Die zu Gehör gebrachten Chöre des Vereins, geleitet von feinem Dirigenten, Musiker Heinrich S ch o m- b e r von Beuern, fanden allseitigen Beifall. Zwei Mitglieder des Vereins. Beigeordneter Heinrich Arnold 5. und Schmiedemeister Heinrich Sch o m ber 5., wurden aus Anlaß ihrer langjährigen Zugehörigkeit zum Verein unter lleberrciqjung von Ehrenurkunden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Schauspiel in drei Akten: „Um der Ehre willen" von Hermann Reiselt. Sie Spieler gaben ihr bestes. Das Stück üble tiefe Wirkung auf die Zuhörer aus. Ferner fand eine Verlosung statt. Die Preise dazu waren sämtlich von Mitgliedern und Freunden des Vereins gestiftet und bestanden in Haushaltungsgegenständen aller Art. und einzelnen Scherzartikeln. Tanz hielt die Besucher noch lange beisammen. Bg. Großen-Buseck, 2. Febr. Am Samstag abend veranstaltete der hiesige Turnverein „Gut Heil" einen Werbe- und Un» terhaltungsabend, der bei den sehr zahlreichen Besuchern den besten Eindruck hinterließ. Der 1. Vorsitzende begrüßte die Anwesenden, gab einen kurzen lleberblicf über die Erfolge der Wett-Turner im vergangenen Jahr und wies auf die Forderung hin, die die Regierung dem Turnen und Sport angedeihen läßt. Zum Schluß forderte er die noch fern stehenden Eltern und die Jugend auf, im eigensten und im Interesse des Volksganzen dieser Bewegung mit warmem Herzen näherzutreten, damit jeder an seinem bescheidenen Teile mit beifrage zum Wiederaufstieg des deutschen Volkes. Hierauf wechselten in bunter Reihenfolge turnerische Darbietungen mit solchen unterhaltender Ratur ernster und heiterer Art. Die turnerischen Leistungen zeugten von guter Durchbildung fast aller Turnenden. Den Höhepunkt des unterhaltenden Teils bildeten zwei Theaterstücke. Die Darsteller hatten sich durchweg gut eingespielt und boten treffliche Leistungen. Mit Tanz schloß der Abend. „Na, denn möt ick bat bittlicher feggen." Henriks war aufgeftanben unb hatte sich bas Jackett aufgeknöpft. Was er anzubringen wünschte, machte ihn reichlich heiß. Aber er gab sich einen Ruck, blies bie Backen auf unb begann: „Meine Herren, bamit Sie bat nu weiten baun. Sie können mich an bie Luft setzen. Sie können ooch feggen, ick wir' en ollen Esel. Ick will Sei bat gor nich öwel nehmen." Vater unb Sohn sich an. Dann pruschten sie beibe los. „Onkel Otto! Sie wollen doch nicht —" „Am Enbe gar —" „In Ihren alten Tagen —" „Sie wollen boch nicht etwa auf bie Freite geh'n? Wie ein Feuerwerk prasselten bie Fragen auf ben wackeren Hinriks herein. Der stutzte einen Augenblick, bann lachte auch er, baß ihm bie hellen Tränen übers Gesicht liefen. „Ha ha ha", kam es aus seiner breiten Brust. „Ha ha ha. Sei meinen von wegen bes ollen Esels? Gott soll mi bewahren. So 'ne lange Löffels gibt bas ja gor nich!" Aber ber Gute mochte einsehen, baß er bie Ge- bulb ber beiben Herren nicht länger in Anspruch nehmen dürfe, und so fuhr er benn, nachbem feine Heiterkeit abgeebbt war, in ernsterem Ton fort: „Nein, zu solchen Scherzen bin ich nicht aufgelegt. Ums kurz zu machen, es ist ein Leck an Bord, unb ich muß pumpen gehen! Da wollt' ich fragen, eh mir bas Wasser bis an ben Hals geht, wie is bas nu mit ben Schiffsparten?" Fast hätte ber junge Recknagel Hurra geschrien, und auch ber Alte schmunzelte über bas ganze Gesicht. Zwar, baß Onkel Otto persönlich Schulden habe, glaubte keiner ber beiden Herren. Aber daß sie endlich in bie Lage versetzt wurden, ,hm eine Gefälligkeit zu erweisen, gab ihnen hohe Befriedigung. Ohne nach dem Verwendungszweck irgendwie zu fragen, erklärte Recknagel senior: „Die Schiffsparten, Kaptein, sind selbstverständlich jederzeit zu Ihrer Verfügung. Wünschen Sie die Papiere selbst ober ihren Gegenwert in bar? Onkel Otto kratzte sich hinter ben Ohren. „Van so 'ne Dinger versteh' ich rein gornix! Was sind denn nun die Parten wert?" fGrünberg 2. Febr. Am Sonntaanach- mittag und -abend veranstaltete der hiesige Männe rgesangverein, der aus ein säst hundertjähriges Bestehen zurückblicken kann, sein diesjähriges Konzert. Schon vor Beginn war die geräumige Turnhalle von den Besuchern stark gefüllt. Zur Darbietung kamen verschiedene Chore unb Quartette, die sämtlich starken Beifall fanden. Abends wurde durch einen Musikvortrag, gespielt von Mitgliedern des MusikvereinS in Begleitung von Frl. Hamel, das Abendkonzert eröffnet, hierauf folgten Chore, gesungen von dem Verein. Anschließend kam zur Ausführung „Lindenwirtin, du junge". Alle Darbietungen wurden mit großem Beifall ausgenommen. is. Steinbach, 2. Febr 3m vollbesetzten Saale von Ludwig Hahn 2. hielt der Gesangverein „Eintracht" sein diesjähriges Wintervergnügen ab. Der erste Teil des Abends bestand in Musik und Gesangsvorträgen. Die unter Leitung von Karl Sommer, Watzenborn, vorgelragenen Chöre zeugten von guter Schulung und fanden allgemein Anklang. 3m zweiten Teil kam zur Aufführung „Am Waldkreuz", ein dramatisches^Volkvstück in sechs Bildern, weiter wurde der Schwank „Der Bureauvorsteher" gegeben. Mit Tanz sand der Abend seinen Abschluß. bf. Langsdorf, 2. Febr. Am Samstag veranstaltete ber Gesangverein Concordia einen wohlgelungenen Familienabend. Der Verein brachte etwa 10 seiner neueren Lieber zu Gehör, die mit Beifall aufgenommen wurden. Zwischendurch wurde auch bas Tanzbein geschwungen, doch waren nur beutsche Tänze zugelassen. Den Höhepunkt bes Abenbs bilbete bie Ehrung ber fünf Mitglieder, die 25 Jahre unb länger aktiv bem Vereine angehören. Es find bies bie Herren Heinrich Schmalz, aktiv feit 1891, Karl Roth I., aktiv feit 1895, Abam Z a y IV., aktiv feit 1899, Heinrich Schiel, aktiv feit 1900 unb Hermann Krämer, aktiv feit 1901. Diesen wurden nach einer Ansprache in Anerkennung ihrer treuen Mitgliedschaft Ehrenzeichen in Form eines Silberkranzes mit der Zahl 25 verliehen. Holzheim, 2. Febr. Am Samstag abend hielt der hiesige Turnverein bei Gastwirt Sarnes seine diesjährige Generalversammlung ab. Da der seitherige 1. Vorsitzende, Heinrich Müller 1, sein Amt niedergelegt hatte, leitete Vorstandsmitglied W. A r ch die Versammlung. Der Jahresbericht des Schriftführers K. Jung zeugte von den guten Leistungen des Vereins im verflossenen Jahre. Der Rechner Ernst Jung konnte nach Abführung aller Beiträge an die deutsche Turnerschaft mit einem kleinen Ueberschuß abschließen. Zum 1. Vorsitzenden wurde Turner Kd. Klee gewählt. Dies ist zu begrüßen, da Herr Klee schon seit einer Reihe von Jahren als Turnwart sich große Verdienste um den Verein erworben hat. CS erfolgte alsdann die Wiederwahl des seitherigen Vorstandes: zum 1. Turnwart wurde Hch. Jäger gewählt. Kreis Friedberg. WSR. Bad-Rauheim, 2. Febr. DaS kürzlich gemeldete Verschwinden des hier zur Kur wellenden Michael S t a i b 1 auS Wackersheim hat sich aufgeklärt. Staibl hat sich kein Leid angetan, wie ursprünglich angenommen worden war, sondern sich freiwillig nach Köppern im Taunus begeben, um in der dortigen Rervenhellanstalt von feiner Schwermut geheilt zu werden. 4 Butzbach, 1. Febr. Die Hauptversammlung des hiesigen Turn- und Sportvereins war von 120 Mitgliedern besucht, sie nahm unter der umsichtigen Leitung des ersten Sprechers, des 2. Gauvertreters K. Schneider, einen echt turnerischen Verlauf. Beschlossen wurde, das 80jährige Bestehen des 1846 gegründeten Vereins im Mai d. 3. in würdiger Weise zu begehen. Abgelehnt wurde die Abhaltung eines Maskenballs. Der diesbezügliche Vorschlag des Vorstandes fand eine zustimmende Mehrheit: besonders hat sich auch die Turner- jugenb gegen die karnevalistischen Veranstaltungen ausgesprochen. Reu in den Vorstand gewählt wurde Dr. Hermann R a u. <> Steinfurth, 2. Febr. In seiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich ber Gemeinberat mit bem Problem ber Wasserversorgung. Anlaß bazu gab der Bericht einer in Bab-Nauheim abgehaltenen Versammlung aller an bas Gruppen- Wasserwerk Lauter angeschlossenen Gemeinden. Das Wesentlichste dieser Berichte ist folgendes: Die Ge- ineinden sollen versuchen, mit den ihnen zustehenden Wassermengen auszukommen: allen unnötigen Wasserverbrauch zu verbieten, insbesondere die Be° Nutzung sog. Wasserstrahlpumpen. Es wird vorgeschlagen, die Gemeinde möge Wassermesser einbauen lassen, denn dadurch wäre sie in der Lage, den "Wasserverbrauch jedes einzelnen Betriebes zu kontrollieren. Der Gcmeinderat erkennt an, daß diese Vorschläge sich in die Tat umsetzen ließen, aber hier am Ort wird man damit wenig Erfolg haben, und zwar deshalb, weil 123 Kubikmeter Wasser pro Tag für unsere Gemeinde im Sommer nicht ausreichen, und wenn wenig Wasser vorhanden ist, werden wir wohl kaum mehr als diese vertraglich festgesetzte Menge bekommen. Der Gemeinderat beschließt deshalb: Die in hiesiger Gemarkung vorhandenen Quellen sollen zunächst festgestellt und auf ihre Ergiebigkeit gemessen werden. Falls diese Feststellungen ein gutes Resultat zeitigen, soll ein Kostenvoranschlag für eine Wasserversorgung ausgearbeitet werden. Der Gemeinderat ist sich bewußt, daß die Aus- führung dieses Projekts große finanzielle Anforderungen an die Gemeinde stellt, er sieht jedoch hierin die einzige Möglichkeit, die jeden Sommer wiederkehrende Wasserkalamität zu beseitigen. *** Gambach , 2. Febr. Heute. fand hier die Verpachtung der Gemeindejagd auf weitere 9 Jahre statt. Die 1105 Hektar große Feld- und 302 Hektar große Waldjagd erzielte eine Pachtsumme von 3410 Mark. Pächter ist K. Heinrich Metzger- Gambach. Reichelsheim, 2. Febr. Der Einbruch in ein hiesiges Schuhgeschäft hat seine Aufklärung gefunden. Der Einbrecher wurde in der Person eines Einwohners von Abenheim ermittelt und in Ober-Wöllstadt verhaftet. E Viederflorstadt, 2. Febr. Da hier kein Volksbildungsverein besteht, hat es das Reichsbanner übernommen, in seinen Monatsversammlungen belehrende Vorträge zu bringen, zu denen auch Nichtmitglieder Zutritt haben. Schon die ersten Versammlungen im vorigen Jahre bewiesen durch ihren starken Besuch aus allen Teilen der Bevölkerung, daß man damit einem allgemeinen Bedürfnis entgegengekommen ist. Nachdem vor einigen Wochen Lehrer Appel einen Lichtbildervortrag über die geschichtliche Entwicklung der Reichsfarben Schwarz- Rot-Gold gebracht hatte, wurde eine Vortragsreihe, die einen Gang durch die deutsche Geschichte geben soll, gewünscht. Den ersten Vortrag dieser Reihe hielt jetzt Lehrer Heller. Er behandelte die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse der Germanen. Von der germanischen Vorgeschichte ausgehend, schilderte er den Anfang der Seßhaftigkeit mit nur Gemeineigentum, den allmählichen Hebergang zum Privat- und Gemeinbesitz, dessen Reste sich noch bis in die Gegenwart als Allmende erhalten haben. Auch die Art der Dodenbewirtschaftung wurde ausführlich besprochen. 3m Mittelpunkt der Ausführungen standen die politischen Verhältnisse, die sehr eingehend und übersichtlich geschildert wurden. Der Vortrag war gut besucht und fand starkes Interesse. Kreis Büdingen. △ Ridda, 2. Febr. Lehrer FranzDeck, der über zwei Fahre eine Lehrstelle an der hiesigen Volksschule verwaltete, ist als Turnlehrer an die städtische Schule nach Mainz verseht worden. Er hat sich um die Förderung des Turnwesens in unserer Stadt große Verdienste erworben, sowohl bezüglich des Schul-, als auch des Vereinsturnens. Die Gründung 1 cine8 Turnlehrervereins im Bezirk Ridda ist ^zum größten Teil dem unermüdlichen Eifer des ^Scheidenden zu verdanken. 3m Turnverein er- -r teilte er uneigennützigerweise Turn- und Spielstunden und gab vielfältige Anregungen zur weiteren Vervollkommnung der Leistungen durch Wort und Beispiel. Wohl schwerlich wird ein Ersatz für ihn zu finden sein. Turnverein, Schule und Bürgerschaft sehen daher Lehrer Deck von hier mit großem Bedauern scheiden. — 3n dem hiesigen städtischen F a s e l st a l l ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Man hofft durch Abschlachten des erkrankten Fasels die Seuche rasch ersticken zu können. -/- Ortenberg, 1. Febr. Einen schönen Llnterhaltungsabend bot gestern im Saal der „Post" der Veteranen- und Militär- v e r e i n „H a s s i a“. Der Abend wurde durch eine Ansprache und ein begeistert aufgenommenes Hoch auf das deutsche Vaterland von dem Vorsitzenden, Landwirt Hr. S t r e u b e r, eröffnet. Zwei Theaterstücke unter der trefflichen musikalischen Leitung von Herrn Ackermann fanden lebhaften Beifall. Frl. Marie Göllner und Frl. Erna Carl fangen mit ansprechender Stimme verschiedene Lieder. Auch diese Darbietungen wurden dankbar ausgenommen. Tanz schloß den gemütlichen Abend. — 3nfolge einer Masern- e p i d e m i e mußte unsere Kinderschule vorübergehend geschlossen werden. Glücklicherweise tritt die Krankheit in den meisten Fällen nur leicht auf. le. B l e i ch e n d a ch, 2. Febr. Der seit 4 Jahren hier bestehende Zweigverein des V. H. C. zeichnete am Samstag seine wackersten Wanderer mit Abzeichen und Gegenständen von bleibendem Werte aus. Damit verband er eine schön verlaufene Familienfeier. Förster Emrich, der neue Vorsitzende des Zweigoereins, eröffnete den Abend mit einer kurzen Begrüßungsansprache. Darauf folgten abwechselnd Musikstücke für Klavier und Geige, vorgetragen von dem 2. Vorsitzenden, Lokomotivführer Badenschneider, und dem Gesangswart, Lehrer S ch n i e r l e, und zahlreiche vierstimmige alte und neue Volkslieder, die das ebenfalls feit 4 Jahren bestehende gemischte Quartett des Zweigoereins unter großem Beifall vortrug. Im Mittelpunkte des Abends stand die Auszeichnungsfeier. Unsere V. H. E.-Schwestem boten zu Beginn des zweiten Teiles des Abends einen guten Kaffee zu vielerlei Kuchen. Sehr eindrucksvoll waren dkd von einer Gruppe von Schwestern und Brüdern zur Laute gelungenen Löns-Lieder. Heitere Vorträge aus heimischer Mundartdichtung erhöhten die frohe Stimmung. — Durch die Unterstützung der Gemeinde ist hier die Anschaffung eines ganz modernen Bildwerfers für Auf- und Durchlicht möglich ge- ivorden. Er ergänzt nicht nur in willkommener Weife den Schulunterricht, sondern kommt auch in hohem Maße der freien Volksbildungsarbeit zugute. Seit- ber stand nur ein kleiner Bildwerfer für die teueren Glasbilder zur Verfügung. Kreis Schotten. )—( Ruppertsburg, 2. Febr. Die vor einem Jahre nach dem Softem Reinickens-Effen eingerichtete Sparkasse der beiden hiesigen S ch u l- f l aff e n hat sich recht gut entwickelt. Don etwa 40 Sparern konnten in der Zeit vom 1. Februar 1925 bis 1. Februar 1926 rund 852 Mk. an die Bezirkssparkasse Laubach abgeführt werden. Die Rückzahlungen betrugen 52 Mk. Zuzüglich Zinsen beträgt das Sparguthaben bei genannter Kasse jetzt 822 Mark. -s- Aus dem Vogelsberg, 2. Februar. Sicherem Vernehmen nach fallen auf der Strecke Lauterbach —Gedern die gemischten Zugpaare Rr. 8891 und 8892 ab 1. April aus. Diese dienten neben der Güterbeförderung auch dem Personenverkehr und wurden stark benutzt. 3br Fehlen wird in unserer an Verkehrs- Möglichkeiten so armen Gegend sehr unangenehm empfunden werden. Empfindlich betroffen werden die Schüler aus dem oberen Vogelsberg, die in Gedern die höhere Schule besuchen. 3hnen bietet sich erst mit dem Abendzug, der um 8 Llhr Gedern verläßt, Gelegenheit zur Rückfahrt. Begründet wird diese einschneidende Maßnahme mit dem durch Sparmaßnahmen bedingten Deamten- abbau. Sv sollen allein auf der Station Gedern nicht weniger als fünf Eisenbahnbeamte abgebaut werden. — Bei Lihberg geriet das Auto des Pferdehändlers Oppenheimer von Ortenberg ins Schleudern. Der Führer verlor die Herrschaft über den Wagen, das Fahrzeug fuhr mit aller Wucht gegen einen Baum. Die sechs 3nsassen kamen außer einigen leichten Verletzungen mit dem Schrecken davon. Das Auto ging vollständig in Trümmer. ^reis Alsfeld. Alsfeld, 2. Febr. Am Samstag hielt der Radfahrerverein 1 8 9 0 fein diesjähriges Winterfest ab, und zwar als erster der Alsfelder Vereine in dem neuen, prachtvollen Feftfaale des „Deutschen Hauses". Oie Veranstaltung nahm einen in allen Teilen wohlgelungenen Verlauf. Rach Eröffnung des Abends durch einige Musickstücke, welche von Mitgliedern der Reichswehrkapelle Gießen ge» spielt wurden, hielt der erste Vorsitzende, Karl B e l - Hager, eine schwungvolle Begrüßungsansprache. Alsdann folgte Reigenfahren der verschiedensten Arten. Ein zwischendurch flott gespieltes Festspiel „Der Radsport" mit anschließendem lebenden Bild wirkte auf der neuen, mit allen modernen Beleuchtungseffekten ausgestatteten Bühne sehr stimmungs- voll. Anschließend hieran fand die Verteilung von Ehrenzeichen an Mitglieder des Vereins statt. Der anschließende Ball hielt die Teilnehmer des stimmungsvoll verlaufenen Festes noch lange zusammen. — .Am Sonntag stand unsere Stadt unter dem Zeichen von Konzerten. In der altehrwürdigen Walpurgiskirche fand abends um 8 Uhr eine kirchenmusikalische Feier statt, die veranstaltet wurde von dem Evangelischen Kirchengesana- oerein unter Mitwirkung von Frl. Rosemarie Rölke aus Gießen unter Leitung von Musiklehrer Meinhardt in Alsfeld. Zur Aufführung gelangte der 42. Psalm für Ehor, Orgel und Streichinstrumente in der Vertonung von Felix Mendelssohn- Bartholdy. Die Chöre wurden mit großer Exaktheit und Klangschönheit vorgetragen, Frl. N ö l f e sang die Sopranpartien mit ihrer sympathischen, kräftigen Stimme recht schön. Verschiedene Drgeloorträge und Gemeindegesänge umrahmten die sehr stimmungsvolle Feier, die gut besucht war. — Zu derselben Zeit fand im großen Saale des Hotels „Deutsches Haus" ein großes M i l i t ä r k o n z e r t statt, ausgeführt vorn Musikkorps des 1. (Hessischen) Grenadier-Bataillons des 15. Jnf.-Rgts. aus Gießen unter persönlicher Leitung von Obermusikmeister L ö b e r. Der Saal war dicht besetzt, und die dankbare Zuhörerschaft lauschte entzückt den Klängen der Kapelle, die ganz vorzügliche Leistungen darbot, ein für Alsfeld leider sehr seltener Genuß. Besonderen Beifallssturm erregte der Marsch für Heroldstrompeten und Kesselpauken. Am Schlüsse des Konzerts gedachte Bürgermeister Dr. V ö l s i n g in einer schwungvollen Ansprache der Befreiung der Kölner Zone von der feindlichen Besatzung und brachte ein Hoch auf das deutsche Vaterland ays. Der Erlös aus dem Konzert, das der Verein der ehemaligen 116er von Alsfeld und Umgegend veranlaßt hatte, soll zum Besten des 116er-Denkmals in Gießen verwendet werden. (•) Zeildach, 2. Febr. Am Sonntagabend fand im vollbesetzten Saale der Gastwirtschaft Heinrich Zimmer der diesjährige Unterhaltungsabend des hiesigen Kriegervereins statt. Den Kernpunkt im Programm der Veranstaltung bildeten einige Theaterstücke, die flott gespielt wurden. Reicher Beifall lohnte die Mühe. Der Leiter des Theaterabends war Lehrer Peppler. Kreis Lauterbach. •S Herbstein, 2. Febr. Herr Hans K übel hat auf einer der Gemeinde gehörigen Wüstung in der Nähe der Heckenmühle eine Silberfuchs- f a r m eingerichtet, die seit Mitte November mit 4 Paaren Silberfüchsen besetzt ist. Die aus Kanada stammenden Tiere sind paarweise in besonders abgeteilten Zwingern, in denen hundehüttenartige Ge- lasse ausgestellt mürben, untergebracht und befinden sich anscheinend in recht guter Verfassung: sie werden mit Hundekuchen und rohem Fleisch gefüttert. Silberfüchse werden bekanntlich ihres kostbaren Pelzes wegen gezüchtet. 8 Bermutshain, 2. Febr. Die im vorigen Jahre dahier stattgehabte Bürgermei st erwähl, bei der der Land- und Gastwirt Pfann- st i e l mit 35 Stimmen Majorität gegen den jetzigen Bürgermeister I o st gewählt wurde, war von dem Kreisausschuß wegen ungesetzlicher Wahlbeein- flussung für ungültig erklärt worden. Am Sonntag fand die dadurch erforderlich gewordene Nachwahl statt, wobei Pfa nn stiel 174, sein Gegenkandidat Andreas König 104 Stimmen erhielt. — Bürgermeister Jost hatte seine Kandidatur zurückgezogen. Preußen. Kreis Wetzlar. * Wetzlar, 2. Febr. Dieser Tage fand in der „QHten Post" eine Versammlung der Kreisbauernschaft Wetzlar statt, in der Prof. Dr. K r a e m e r von der Universität Gießen über „Tagesfragen aus der Rindviehzucht" sprach. Der gute Klang dieses Ramens hatte es vermocht, daß der Saal überfüllt war und viele der Erschienenen die Ausführungen des Redners stehend anhören muhten. Prof. Kraemer behandelte in seinen formvollendeten Ausführungen das Rasseproblem unter dem Gesichtswinkel der kleinbäuerlichen Verhältnisse unseres Bezirkes und schilderte mit vortrefflichen Worten die Maßnahmen, Mittel und Wege, welche geeignet sind, durch eine sinngemäße Aufzucht, Verbesserung der Bullenhaltung, Fütterung und Pflege der Tiere unsere heimische Rindviehzucht zu fördern und sie zu einer namhaften Einnahmequelle für unsere Kleinbauern unter den heutigen außerordentlich schweren Wirtschastsbedingungen zu gestalten. Reicher Beifall bewies, daß Prof. Kraemer mit dem vorgetragenen Stoff das rege Interesse der Zuhörer zu fesseln verstanden hatte, und legte Zeugnis davon ab, wie dankbar gerade die kleinbäuerliche Praxis unseren Wissenschaftlern ist für die vielen Anregungen, die sie durch derartige Vorträge den Versammlungen übermitteln können. Kreis Biedenkopf. U Endbach, 2. Febr. Gestern abend blieb der Zug 3378, der um 5 Uhr von Nieder-Walgern nach Herborn fuhr, infolge Kuppelungsbruchs an derLoko motive zwischen Endbach und Hartenrod längere Zeit liegen. Die Lokomotive war nicht vom Platze zu bringen. Die Reisenden mußten daher an der Unfallstelle u m ft e i g e n und den Gegenzug 3379 wieder nach Herborn benutzen. Beide Züge erhielten je zweistündige Verspätung und somit keinen Anschluß an die Züge der Hauptbahn Frankfurt—Kassel bzw. Gießen—Köln. Dillkreis. bl. Herborn, 2. Febr. Auf der jüngsten Tagung der Kreisbauernschaft des Dillkreises wurde der Jahresbericht erstattet und die Rechnungen vorgelegt. Aus dem Jahresbericht ging hervor, daß im Jahre 1925 recht eifrig gearbeitet wurde. U. a. wurde nach großen Bemühungen erzielt, daß die vom Jahre 1924 gestundeten Steuern niedergeschlagen wurden. Die Rückzahlung der Saatgutkredite in Höhe von 105 000 Mk. wurde bis zum November d. I. verlängert, und zwar so, daß in drei Raten abgezahlt werden kann. Der Kassenbestand kann als günstig bezeichnet werden. Es wurde ein Ueberschuh von etwa 350 Mk. ausgewiesen. Die Ergänzungswahl des Vorstandes und der Vertreter zur Bezirksbauernschaft ergab Wiederwahl der alten Mitglieder. Die Beiträge für 1926 wurden pro Mortzen auf 30 Pf. heraufgefetzt. Direktor M ö h l e r hielt einen Vortrag über die Geflügelzucht, Dr. P f i st n e r - Limburg sprach über die Notlage der Landwirtschaft. Dann wurde noch über die Haftpflichtversicherung und die Berufsge- nossenschaft referiert. Wirtschaft. * Th. Goldschmidt (Chemische Fabrik A.G.) in Essen. Das mit dem Kalenderjahr zusammenfallende Geschäftsjahr 1925 ist günstig verlaufen, so daß die Gesellschaft voraussichtlich in der Lage sein wird, die Dividendenzahlungen auf das 29 Millionen Reichsmark betragende Aktienkapital wieder aufzunehmen. * Vom Sichel-Konzern erfährt der WSR-Dienst, daß der Aufsichtsrat in seiner gestrigen Sitzung sich von dem derzeitigen Stand der Geschäfte befriedigt gezeigt habe, lieber die gefaßten Beschlüsse wurde jedoch keinerlei Mitteilung gemacht. Börsen kurse. Datum: 5% Deutsche RcichSanlethe . 4% Deutsche Rcichoanleihe . 37a% Deutsche Ncichsan leihe 3% Deutsche ReichSanlcihe • Deutsche Sparprämicnanleihe 4% Preußische Nonsots - . . •’ /a i" ■ypnen *....... • 3% Hessen Deutsche Wertb. Dollar-Anl. dto. Toll-Schatz-Anweisng.*) 2 Neuvork . . 4,195 4,2)5 4.195 4,20’. Paris. . . 15,74 15,7 < 15,77 • 5,>t Schwei; . . 80,8' 81,01 80 86 81, Hi Spanten . . 69,23 59.37 59,23 69,37 Japan . . . :Hio dc Jan. 1.884 1,888 1,879 1,883 0,620 0.622 > 616 1.618 Wien in D-' Cefl. abgeft 59.07 59,21 59,03 59,42 Prag .... Belgrad . . 12.412 12.452 12.415 12.455 7,38 7,40 7.38 7.40 Budapest. . 5.87 5,'J6 5.876 5,896 Bulgarien 2,945 2,9.5 2,915 2,955 Lissabon 21,225 21,275 21 245 21,295 Danzig. . . 8092 81.12 80 91 81.11 Konst.'nttn. 2,215 2,225 2,205 2,215 Athen. . 5.89 5.91 5.89 5.91 Kanada. . . 4.188 1.198 4 186 4,196 Uruguav . 4,315 4.325 4,315 4.3i5 Banknoten. Berlin, 2. Febr Geld Brief Amerikanische Noten ..... Belgische Noten ..... . Dänische Noten ....... Englische Noten........ Französische Noten ...... Holländische Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... DkUlsch-Oesterr., 5100 Kronen Rumaillsche Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten..... 1,19 19 01 103,24 20,37 15,79 187.78 16 83 , 85,14 58.95 111.97 80,80 59,13 12,392 5,832 4,21 19 11 103,76 20,47 15 87 168.62 16.915 85 56 59,25 112,53 81.20 59 43 12.453 5,872 Frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M.. 3. Febr. Tendenz: Lebhaft und fest. — Die Veranlagung der Effektenbörse ist wieder als wesentlich freundlicher zu bezeichnen, namentlich insofern, als die durch Berliner Abgaben gestern verursachte rückläufige Bewegung zum Stillstand kam. Nachdem der Vorstoß der Baisse- Spekulation als gescheitert zu betrachten ist, mußte diese notgedrungen wieder zu Rückkäufen schreiten, die allmählich einen so großen Umfang annahmen, daß das Geschäft wieder das in letzter Zeit gewohnte lebhafte Bild zeigte. Dir neue Aufwärtsbewegung ging vom Montanmarkte aus, wo sich in Nachwirkung der Aufnahme einer Anleihe durch die Rhein- Clbe-Union ein überaus lebhaftes Geschäft entwickelte, wobei Rhein stahl das Hauptinteresse beanspruchen und im Kurse etwa 5 Proz. höher gingen. Auch die anderen Montanwerte konnten die gestrigen Verluste zum Teil wieder aufholen. Farbwerte, die gleichfalls rege gefragt blieben, waren um 1 bis 2 Proz. gebessert. Rütgers- werke plus 4 Proz. Auch Elektrowerte bewegten sich in steigender Richtung, während B a n f a 11 i en kaum verändert waren. Die Kursbesserungen auf dem Elektro- und Chemie- markte bewegten sich auf der Hohe von 3 bis 4 Proz. Größere Umsahtätigkeit hatten ferner Schiffahrtsaktien aufzuweisen, von denen Hapag um 3,25 Proz., und Nordllohd um 1,75 Proz. gebessert waren. Von Auto-Aktien waren Kleyer und Neckarsulmer leicht gebessert, während Daimler etwa 2 Proz. nachgeben mußten. Maschinen-Aktien lagen fest. Karlsruher plus 2 Proz. Der Kassamarkt der Industriepapiere hatte gute Erholungen zu verzeichnen, nur am Zuckermarkte war die Haltung schwankend und überwiegend etwas schwächer. Deutsche Anleihen und ausländische Renten kaum verändert. Im Freiverkehr konnte sich eine feste Tendenz durchsetzen. Api 0,4, Decker stahl 47 Proz., Dek- kerkohle 53 Proz., Benz 34 Proz., Brown-Dvveri 66 Pro., Growag 51 Proz., Krügershall 86 Proz., Alfa 67 Proz., Unterfraufen 57,5 Prvz. Im weiteren Verlause waren auf fast allen Märkten neue Kursavancen zu verzeichnen. Das Geschäft blieb unverändert lebhaft. Am Geldmarkt hält das Angebot an. Besonders Tagesgeld wird in bedeutenden Summen zu 6 Proz. angeboten. Auch in langfristigen Mitteln hat sich das Angebot verstärkt. Monatsgeld 63/4 bis 9 Proz. je nach Adresse. Im Devisen- verkehr lag die Mark gegen Kabel weiter sehr fest. Die Inlandsparität stellte sich auf 4,20. Das englische Pfund ist weiter fest mit 4,86Vz- Paris notierte gegen Londotz unverändert 129,50. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"^ Frankfurt a. M., 3. Febr. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 27; Roggen, inländischer, 17,75 bis 18; Sommergerste für Brauzwecke 21,50 bis 23,50; Hafer, inländischer, 18,50 bis 21,50; Mais, gelb, 19,50 bis 19,75; Weizenmehl, inländisches, Spezial 0, 40,75 bis 41,25; Roggenmehl 26 bis 26,50; Weizenkleie 10,50 bis 10,75; Roggenkleie 10,75 bis 11 Mk. Tendenz: stetig. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Donnerstag, 4. Februar: 4.30—6 Uhr: Nachmittagskonzert des Haus- Orchesters: Neue Schlager. 6—6.30 Uhr: Die Lesestunde. 6.30—7 Uhr: Präsident Arthur Bergener, Vorsitzer des Zweiges Kassel des Deutschen Sprachvereins spricht über „Ziele und Aufgaben des Deut, schen Sprachvereins". 7—7.30 Uhr: Schachstunde. 8—9 Uhr: Uebertragung von Kassel: Unterhaltungsmusik (Streichmlisik) der Musikervereiniaung der Schutzpolizei Kassel: Leitung: Musikdirektor Karl Kneifei. 9—10 Uhr: Abend Wiesbadener Künstler. Anschließend bis 12 Uhr: Uebertragung aus Berlin* Tanzmusik der Kapelle Rapöe.,