Nr. 257 Erster Blatt 176. Jahrgang Dienstag, 2. November 1926 (gr|d)«tnt täglich,außer Sonntage und Feiertag». Beilagen: Vieh euer Familienblütter Heimat im Bild Die Scholle Monat,'Lezngexrei»: 8 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanfchlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Krankfnrl am Main 11686. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UmversilStr-Bllch. unö Stetaöruderti R. Lange in Gießen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Schulstreche l. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm YShe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20*;„ mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Lange; für Feuilleton Dr. H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil i.Dertr. H. Deck, sämtlich in Gießen. Dresden, 1. Nov. (Wolfs.) Nach dem von der sächsischen Staatskanzlei ermittelten amtlichen Wahlergebnis ist eine Aenderung gegenüber den bereits witoetcilten Ergebnissen nicht zu verzeichnen. Es erhalten also: Alte Sozialistische Partei Sachsens 4 Mandate, Deutschnationale 14, Deutsche Volkspartei 12. S. V. D. 31, Kommunisten 14, Demokraten 5. Wirtschaftspartei 10, Nationalsozialistische Arbeiterpartei 2, Aufwertungspartei 4 Sitze. Die sächsische Presse beschäftigt sich allgemein mit dein Wahlergebnis, ohne zu einem Resultat in der Fraae der wahrscheinlichen Regierungsbildung zu kommen. Fakt übereinstimmend wird festgestellt, daß feste Mehrheiten im Landtag unmöglich sein werden und daß Koalitionsoerhandlungen sowohl nach der linken wie nach der rechten Seite hin unmöglich sein werden. Besonders kennzeichnend für die Lage ist die Ansicht der linkssozialistischen „Dresdener Dolkszeitun g", die am Schluß einer längeren Betrachtung schreibt: Es kann leicht sein, daß dieser Landtag weil in ihm eine Grundlage für eine arbeitsfähige Regierung kaum zu finden sein wird, keine allzu lange Lebensdauer hat. Die Berliner Presse kommenti-rrt ben Wahlaus'all sehr lebhaft. Die „9 213“ verbucht einen Erfolz der Radikalen. Für die bürgerlichen Parteien sei das Ergebnis an sich günstig. Es müsse jedoch weacn der Vielheit der Frak- tionen verpuffen. 5>:e „Kreuzzeit u n g" sieht als Eroebnis der Wahlen Zustande voraus, die denen ähneln würden, die die Reichsregierung seinerzeit veranlaßten, Truppen in Sachsen einmarschieren zu lassen, unb unterstreicht den Erfolg der Wirtschaftspartei und der Aufwertungspartei. Die „Deutsche Zeitung" sieht in dem Ergebnis der Landtagswahl in erster Linie eine Art neuerlichen Volksentscheids gegen den Parlamentarismus und tarophezcit für Sachsen ein parlamentarische- Chaos. Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt, man könne sich des Gefühls tiefsten Bedauerns darüber nicht erwehren, daß große Möglichkeiten zur Erringung eines Sieges der staatsbürgerlichen Kreise an den unseligen Zersplitterungen in kleine und kleinste Onteressenkreise glatt gescheitert seien. Zn der »Täglichen Rundschau" heißt es: Die Landtagswahl hat eine geradezu erschreckende ^Zersplitterung zutage gefördert. Es zeigt sich, wie Der Wirrwarr in Sachsen Die sächsischen Landtagswahlen sind ein Schul- beispiel dafür, wie ein Wahlkampf nicht geführt wer- den soll. Gerade in Sachsen, wo die äußerste Linke immer dicht an die absolute Mehrheit herankam, wäre es notwendia gewesen, die bürgerlichen Parteien zu einer Einheitsliste zu bekommen. Das war vor vier Jahren schon zum Teil gelungen. Diesmal find die Bürgerlichen mit nicht weniger als neun Listen aufmarschiert, was unausbleiblich zu einer sehr starken Zersplitterung der Stimmen führte. Es hat aber weiter zur Folge gehabt, daß diese kleinen Splitter ausgefallen sind in einer Gesamtzahl, die sonst vielleicht für weitere bürgerliche Kandidaten ausgereicht und damit die kommunistische Mehrheit, die auch jetzt wieder vorhanden Ist, beseitigt hätte. Es hat aber weiter zur Folge gehabt, daß eine praktische Möglichkeit zur Regierungsbildung kaum noch zu sehen ist. Die alte Koalition, die aus der Deutschen Volksparti, den Demokraten und den Mehrheitssozialdemokraten bestand, verfügte über 49 Stimmen, also gerade die Halste. Was von ihr übrig bleibt, ist nicht allzuviel; die alte Sozialdemokratie hat von ihren 23 Mandaten 19 verloren, die Deutsche Volkspartei verliert 6 und die Demokraten 3. Diese Gruppe ist also als Trägerin einer Regierung nicht stark genug, selbst wenn man die Wirtschaftspartei hinzuzählt, die mit zehn Mandaten in den Landtag einzieht, wie zu erwarten war, also eine außerordentlich starke Werbekraft an den Tag gelegt hat. Das Auftreten der Wirtschaftspartei und der Aufwertungspartei, die ganz überraschend 4 Mandate erhält, bedeutet eine vollkom- mene Umgruppierung der bürgerlichen Stimmen. Man kann also nicht sagen, daß die Deuschnationalen oder die Deutsche Dolkspartei starke Einbußen erlitten haben, man kann nur sagen, daß ein Teil ihrer Wähler zu diesen neuen Parteien abmarschiert ist, die bisher nicht in den Wettbewerb eingegriffen hatten. Wie diese Frakttonen sich aber parlamen- tarifefc gruppieren werden, ist nicht zu übersehen. Die Wittschastevartei ist jetzt so stark aeworden, daß sie sich der Regierungsverantwortlicykeit kaum mehr wird entziehen können. Eine Kombination ohne sie ist nicht denkbar, aber auch die Deutschnationalen werden vermutlich herangeholt werden müssen, wenn praktische Arbeit geleistet werden soll. Der Ministerpräsident wird durch den Landtag gewählt. Dis offiziellen Sozialdemokraten mit ihren 31 Mandaten und die Kommunisten mit ihren 14 Mandaten werden sich vermutlich sehr rasch auf einen gemeinsamen Kandidaten verständigen, der nicht gerade Zeig- n e r zu heißen braucht, aber doch eine Art Zeigner sein wird. Sie haben also sicher 45 Stimmen für sich, und es wird nicht ganz einfach sein, alle übrigen auf einen anderen Namen zu vereinigen. Die alte Sozialdemokratie mit ihren 4 Mandaten kann das Zünglein an der Wage fein. Daß sie überhaupt noch so viel Stimm", bekommen hat, wo der gesamte Parteiapparat gegen sie arbeitete, ist, relativ gesehen, ein Erfolg, der möglicherweise schon genügt, um die radikale Sozialdemokratie nachdenklich zu stimmen und sie zu veranlassen, den Bogen nicht au Überspannen. Sonst marschieren wir bei der Zersplitterung der bürgerlichen Parteien in Sachsen in eine neue Aera Zeigner hinein, und das wäre weder den Sachsen noch dem Deutschen Reiche zu wünschen. Weitere Verschärfung in Italien. Italiens Diktator ist aufs neue mit knapper Rot einem mörderischen Anschlag entgangen. Es hat in der Tat nicht viel gefehlt, unt> der Duce wäre heute nicht mehr am Leben. So bedauerlich dieser Vorfall ist, so muß doch immer wieder festgestellt werden, daß Gewalt nur Gewalt a u s l ö st , daß ein Diktator, wie Mussolini, von Feinden ohne Zahl umringt ist, und stündlich mit dem rechnen muh, was in Bologna für ihn noch einmal glücklich abgelaufen ist. Die sich häufende Zahl von Mordanschlägen ist kein gutes Zeichen für den Faszismus selbst, der besser daran täte, i n n e r p o li t i s ch einen anderen Kurs einzuschlagen, statt durch das fortgesetzte Betonen feiner herrschenden Stelluml nur Verbitterung und Haß heranzuzüchten. Ganz ähnlich liegen ja heute auch die Dinge in Sowjet-Ruß- land. Dort sind die kommunistischen Würdenträger ebenso von Gefahren für ihr Leben umgeben, wie das bei Mussolini der Fall ist, toerm auch in Italien die gegenrevolutionäre Bewegung noch nicht die Kraft besitzt, wie in Rußland. Die Auseinandersetzungen innerhalb des FaszismuS lassen es aber möglich erscheinen, bafi eines Tages die faszistische Opposition anfängt, mit den gleichen Mitteln zu arbeiten, wie es die kommunistische in Ruhland bereits tut. Tritt dieser Fall ein, dann wächst für Mussolini die Gefahr, durch Mörderhand zu fallen, ins Ungeheure, zumal sie jetzt schon, wie die Ereignisse der Vergangenheit zeigen, riesengroß ist. Der Attentäter festgestellt. Genf, l.Rov. (TU.) Rach einem soeben hier eingetroffenen Telegramm aus Bologna ist nunmehr die Leiche des Attentäters auf Mussolini identifiziert worden. Es handelt sich um einen Knaben von 15 Jahren namens Antonio Z a m b o n i, Sohn eines bekannten Bologneser Buchdruckers. Der Vater hatte dem Knaben verboten, sich nach 5 Uhr nachmittags auf der Straße aufzuhalten. Da der Knabe am Sonntagnachmittag nicht nach Hause zurückgekehrt war, begab sich der Vater im Vorgefühl, daß ein Unglück passiert sei, zur Polizei, wo er die Leiche des Attentäters als seinen Sohn identifizieren tonnte. „Lavoro d'Italia" teilt mit, daß Antonio Zamboni niemals eine antisafzi- stische Gesinnung bekundet habe. Man vermute, daß er nicht aus eigenem Antrieb gehandelt habe, und stelle daher Rachforschungen nach den Hintermännern des Attentats an. Der Attentäter, der seit längerem einer faszistischen Jugendorganisation angehörte, war in der letzten Zeit dieser Organisation ferngeblieben. Sein Vater war früher Anarchist gewe'en. Seit vielen Jahren aber entwickelte er anscheinend keine umstürzlerische Tätigkeit mehr. Die eingeleitete Untersuchung soll eventuell weitere Zusammenhänge aufdecken. Rach einer Meldung aus Bologna wurden die Eltern des Mussolini-Attentäters Zamboni verhaftet. Desgleichen nahm man zwei Brüder des Knaben und eine feiner Schwägerinnen, sowie zwei Bewohner des Hauses fest, in dem die Familie wohnt. Ein dritter Bruder, der als Soldat in einem Infanterieregiment in Mailand dient, ist von diesen Maßnahmen nicht betroffen worden. Dem „Reuhork Herald" wird aus Bologna gemeldet, daß der Mann, der gestern ein Attentat aus Mussolini verübte, bevor er den Schuß abgab, gerufen habe: „Es lebe die Freiheit!" Rom macht mobil. Rom, 1. Rod. (TU.) Roch während der Rächt ist die gesamteMiliz Roms mobilisiert worden. Durch Mauerschläge, Auto- staffetten werden Mvlizsoldaten und Milizoffiziere aufgefordert, sich urrverzüglich in ihren Kasernen eftJusinden. Das Gebäude des oppositionellen „Mondo" und einige Botschaften sind durch starke Militärkordons geschützt. Die Behörden fordern zur Ruhe auf, doch ist die Erregung hochgradig. Faszistische Ausschreitungen gegen die Opposition. Rom, 1. Rov. (WB.) Erst letzt toirb bekannt, daß gestern in Bologna außer gegen die Redaktion und Druckerei des „Mondo" und des „Voce Republicana" auch andere Ausschreitungen vor gekommen sind. So wurden u. a_ die Wohnung des Leiters des „Mondo" und die Parteilo^tte der Maximalisten, der Uni- tariner und Republikaner verwüstet. In Mailand wurde die Druckerei des „Avanti" und der „Unita' zerstört, sowie em Redakteur verprügelt. Die faszistischen Führer erließen sofort einen Aufruf, welcher jede Gewalttat verbietet und für den Fall von Ausschreitungen mit dem Ausschluß aus der Partei und gerichtliche Verfolgung bedroht. Wie verlautet, ist dem Ehesredakteur des „M o n d o" die Erlaubnis, seine T ä 11 g t e i t* auszuüben, entzogen worden. Gleiche Maßnahmen sollen in anderen Städten getroffen werden. Faszistische Kundgebungen gegen Frankreich. Paris, 2. Nov. (WTB. Funkspruch.) Wie Haoas aus Nizza meldet, wird dem „Eclaireur de Nice" aus Ventimiglia berichtet, daß die Faszisten anläßlich des jüngsten Attentats gegen Musiottni dort ein» Kundgebung veranstaltet hätten. Ein französischer Eisenbahner habe in dem Augenblick, als die Faszistische Bünde gespielt wurde, mcht sofort seine Kopfbedeckung ab- genommen, worauf die Manifestanten gegen ihn und mehrere seiner Kameraden gewaltsam vorge- aangen seien. Die Faszisten hätten dann vor dem französischen Konsulat eine Kundgebung veranstaltet. Einige seien gewaltsam in das Konsulat eingedrungen, und einer von ihnen habe vom Balkon eine gegen Frankreich gerichtete Ansprache gehalten. Kundgebung für Mussolini. R o m, 2. Rov. (WTB.) Gestern abend fand auf der Piazza Colonna eine große faszistische Kundgebung statt, bei der Mussolini lang anhaltende Ovationen dargebracht wurden. Der Generalsekretär der faszistischen Partei, Tu- r a t i, hielt von dem Balkon des Hauses der Pressevereinigung eine Rede, in der er erklärte: „Die Faszisten wollen die Todesstrafe nicht nur für den, der das letzte Attentat verübt hat, sondern auch für die, die ihn dazu verleitet haben." Turati fügte hinzu, er werde im Großen faszistischen Rat fordern, daß die Todesstrafe auch sofort auf Zaniboni, Cape llo und L u r e 11 i Anwendung finde. Die Faszisten nähmen alle Gesetze und jeden Richter an, unter der Bedingung, daß der Urteilsspruch auf sehr die Bevölkerung von dem Gedanken beherrscht ist, vor allem ihre wirtschastlichen Interessen vertreten zu sehen. Man darf daraus weiter den Schluß ziehen, daß dies auch bei anderen Wahlen im Reich immer ffcärfer hervortreten wird. Rach der „Germania", die es bedauert, daß es der Zentrumspartei trotz großer Anstrengungen nicht gelungen ist, wenigstens em Mandat zu erringen, sind die wirtschaftlichen Sorgen, die Arbeitslos gkeit, die Aufwertungshosfnungen usw. die Ursache dafür, daß große Mengen von Wählern sich zu Gruppen geflüchtet haben, die wahrscheinlich nicht berufener und befähigter als die großen pol.tischen Parteien seien, die Röte und Sorgen des Alltages zu bannen und zu milbern. Die Atomisierung des politischen Lebens, so heißt es in der „03 off. Z t g.", bedeutet die ernsteste Gefahr für einen demokratischen Aufbau des Staatswesens überhaupt. Das „Berliner Tageblatt" faßt fein Urteil in die Worte zufammen: Das rote Sachfen ist noch roter geworden. Für den Reichsvorstand der sozialdemokratischen Partei bedeutet dieses Ergebnis einen Fingerzeig dafür, daß seine unkonsequente Haltung in der sächsischen Frage den Porten nter- effen schweren Abbruch getan hat. Der „Vorwärts" sagt: Alles in allem ein trübes Ergebnis, das im Zeichen der wirtschaftlichen Depression steht, die sowohl die Entwicklung des Verhältnisses der bürgerlichen Parteien untereinander to:e auch die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Sozialdemokratie und Kommunisten erflärt. Slresemann wieder gesund. Reichsaußenminister Dr. S t r e f e m a n n, der die beiden letzten Wochen durch einen Grippeanfall an das Haus gefesselt war, ist vollständig wieder her gestellt. Die Konferenz der KnanzmiMer Berlin, 2. Rov. (TU.) Aus Anlaß der heute beginnenden Konferenz der Finanzmini st er der Länder im Reichs- sinanzminifterium fand gestern abend bei dem preußischen Finanzminister ein Bierabend statt, zu dem fast alle deutschen Länderfinanzminister erschienen waren. Im Laufe des Vor- und Rachmittags sanden mehrere Vorbesprechungen über den Inhalt der heutigen Konferenz statt, bei denen die heute zur Debatte kommenden Fragen eingehend besprochen wurden. In der Frage der ®arantiekiftung des Reichs für das Auskommen der (Stn- kommen-, Körperschafts- und Umsatzsteuer toeröen sich voraussichtlich die Länder dazu bereitfinden lassen, auf die Garantie des Einkommensteueraufkommens in Höhe von 2,1 Milliarden Mark pro Jahr (gleich 76 Prozent des Gesamtaufcommerrs der Reichseinkommensteuer) zu verzichten. Dagegen muh die Garantie für das Auftommen der Umsatzsteuer in Höhe von 450 Millionen Mark jährlich (rund 30 Prozent eines fiktiven Aufkommens von 1500 Millionen der Umsatzsteuer) unter allen Umständen aufrechterhalten werden, da diese Ga° rantte seinerzeit gegen die Bereitwilligkeit, statt 90 Prozent nur noch 75 Prozent der Einkommensteuer zu erhalten, eingetauscht worden ist. Zur weiteren Stärkung der Gemeindefinanzen wurde gefordert, daß Städte und Gemeinden auch nach dem 1. April 1927 die städtische Getränke st euer füllten erheben dürfen. Rach der bisher bekannt gewordenen Haltung des Reichsfinanzministeriums glaubt man bei den Ländern darauf rechnen zu können, daß das Reich auch in Zukunft die Beiträge zu den Polizeilasten der Länder im bisherigen Umfang übernehmen wird. Die LänderTodesstrafe laute. Zum Schluß erklärte Turati, daß die Faszisten dem Duce erklären würden, daß sie bereit seien, ihm heute wie gestern zu gehorchen, unter der Bedingung, daß er nicht vergesse, daß in seinem Leben die Größe, ©e» rechtigkeit und Macht der Ratton vereint sei. (Einberufung des großen faszistischen Rates. Rom, 1. Nov. (WB.) Der Generalsekretär der Faszistischen Partei ist heute nach Rom zurück- gekehrt und hatte mit dem Innenminister eine längere Unterredung. Für den 5. November wird der große Rat einberufen. Mussolini telegraphiert. Berlin, 2. Rov. Wie die Berliner Mor- genblätter aus Rom melden, sandte M u s s o - lini an den Führer der Faszisten in Bologna ein längeres Telegramm, in dem er fein Lob für die Kundgebungen in Bologna noch einmal ausdrückt. Der verbrecherische Zwischenfall in der letzten Minute habe den Glanz dieses wunderbaren Tages nicht verdunkelt. Weiter teilte er ihm mit, daß er ihm das vom Geschoß zerrissene Band des Mauritus-Ordens zusende, um es unter den anderen Andenken des Bologneser Faszismus aufzubewahren. Das Tel-gramm schließt: „Ich danke durch dich dem Volke Bolognas unb der Emilianischen Provinz und will ein Wort von absoluter Gewißheit den Kameraden ganz Italiens sagen: „Richts kann mir geschehen, ehe ich nicht meine Aufgabe erfüllt habe." London in einiger Sorge. London, 2. Nov. (TU.) In amtlichen englischen Kreisen hat man die Mitteilung über das neue Attentat auf Mussolini mit einiger Sorge entgegengenommen, und beglückwünscht Italien dazu, oaß auch dieser fünfte Anschlag gegen den Diktator fehlgeschlagen ist. Don der Abendpresse nimmt nur der „E v e n i n g Standard^ in einem kurzen Kommentar zu dem Anschlag Stellung. Er betont, daß IHuffolini für feine Diktatur durch die Attentate bezahlt werde, da seine Diktatur immer wieder Personen anziehe, die glaubten, daß mit feinem Tode auch das System vernichtet werden könne. Neue Attentate würden Mussolinis Popularität unter pinen abergläubischen Anhängern, die jetzt schon sicher glaubten, daß er unverletzlich sei, nur noch erhöhen. Man übersehe, daß Attentäter selten gute Schützen seien. Scharfe Maßnahmen könnten auch in Zukunft derartige Attentatsoersuche nicht verhindern. Glückwunsch Briands an MustoNni. Paris, 1. Rov. (WB.) Außenminister Briand hat an Mussolini anläßlich des Mißlingens des gegen ihn gerichteten Attentates ein Glückwunschtelegramm gerichtet. Der Papst an Mussolini. Rom, l.Rov. (Wolff.) Der Papst hat gestern abend sofort nachdem er die Rachricht von dem Anschlag auf Mussolini erhallen hatte, diesem sein Bedauern über das Attentat und seine Glückwünsche für die Errettung 1 aus der Gefahr übermitteln lassen. Minister wollen außerdem vom R ich die Heber- nähme der Lasten der unt.r stützenden Er- werbslofensürsorge ab sofort verlangen, da die hieraus entstehenden Ausgab n weit über die Leistungsfähigkeit der Länder hinausgehen. Die wichtigste Frage der heutigen Debatte wird sich um den Paragraphen 35 des Reichssinanz- ausgleichsgesehes drehen, der festlegt, daß er« tragsschwachen Ländern mindestens 80 Prozent des Reichsdurchschnitts der Einkommensteuer pro Kopf der Bevölkerung garantiert werden sollen. Im Reichssinanzministerium plant man diese Garantie für die ertragsschwachen Länder fallen zu lassen, da das Reich nicht gesonnen ist, außer den 75 Prozent der Einkommensteuer noch weitere Abgaben an die 2än» der zuzugestehen. Diese Beseitigung der Ausfallsgarantie hat bet den anwesenden Länderministern größte Ueberraschung hervorgerusen. Man ist in den Kr'isen der Län- derfinanzminister darüber Har, daß der Wegfall dieser Ausfallsgarantie für die erkragsschwachen Länder praktisch bas Ende ihrer Selbständigkeit bedeuten kann, eine Möglichkeit, der sich alle Länderfinanzminister mit Ausnahme von Preußen auf das energischste Widers eh en werden. Bei den Ländern betont man, daß hier eine Form von kühl rechnendem Unitarismus vorliege, die in unmittelbarem Widerspruch mit dem Artikel 8 der Reichsverfassung steht, der ausdrücklich besttmmt, daß bei der finanziellen Reichsgesehgebung auf die Erhaltung der Lebensfähigkeit der Länder Rücksicht genommen werden muß. Zur allgemeinen Lleberraschung tourbe bekannt, daß das preuhifche Staatsmini- st er ium beschlossen bat, den Standpunkt des Reichsfinanz Ministers zu unterstützen, woraus der Schluß gezogen wurde, daß Preußen an der Erhaltung der kleinen, innerhalb und a m Rande Preußens liegenden Länder kein Interesse besitze. Es ist anzunehmen, daß in allen übrigen Fragen im Laufe der heutigen Verhandlungen ein alle Teile befriedigender Ausgleich gefunden wird. Man würde es in den Kreisen der Länder bedauern, wenn diese nur scheinbar rein finanziellen, in Wirklichkeit aber staats- und reichspolitischen Fragen Anlab zu schwierigen Auseinant-er^etzungen im Reichs rat und im Landtag geben würden. Man hofft deshalb, dah das Reichsfinanzministerium von sich aus auf die Beseitigung des Paragraphen 35 verzichten wird. Eine Rede Westarps. Recklinghausen, 2. Rov. (Sil.) Hier sprach heute in einer öffentlichen Versammlung der Deut'chnationalen Volkspartei Graf Westarp. Bei der Ablehnung des Gedankens, mit der Sozialdemokratischen Partei in eine Regierungsgemein- schaft zu treten, wies er darauf hin, tote die Mittelparteien, insbesondere das Zentrum, immer neue Formulierungen heranzögen, um ihre Ablehnung der Deut chnattonaleri als Regierungspartei zu rechtfertig en. Er führte dann werter aus: »Jetzt steht im Vordergrund der Vorwurf, man wollte die Svzialdemotratre grundsätzlich von jedern Einfluh ausschalten. Es handelt sich bei denr, was wir vertreten, gar nicht um eine grundsätzliche Ausschliehung der Sozialdemokratie, son- dern um eine einfache Feststellung praktischer Politik Sie geht dahin, dah wir Deulschnalionalen ein Zusammengehen mit dec Sozialdemokratischen Partes in einer Re- gierungsgemeinschast für unmöglich halten. Für uns kommt es darauf an, die handarbeitenden Massen von dem Programm und den Methoden der Sozialdemokratie loszulösen. Die Sozialdemokratische Partei lehnt selbst jede Wandlung ab. Sie stellt nach wie vor ihre Außenpolitik programmatisch und praktisch unter den Gesichtspunkt des Ziels, das im Heidelberger Programm von 1925 ausgedrückt ist. Auch im Innern hält die Sozialdemokratische Partei an dem antikapitalistischen Ziel und den verhetzenden Methoden des Klassenkampfes fest. Aus diesem Grunde sehen wir Deutschnationalen keine Möglichkeit, eine Negierungsgemeinschaft zu bilden, in der die Interessen des Landes nach außen und innen wirklich gefördert werden könnten. Was wir den Parteien der Mitte nicht ersparen können, das ist die Wahl zwischen der Sozialdemokratie und uns. Wenn die jetzt regierende Minderheit glaubt, im Winter dieser Wahl aiisweichen zu können, so wird sie sich davon überzeugen müssen, dah keine positiven Erfolge erzielt werden können." Zur Außenpolitik übergehend wies Graf Westarp darauf hin, daß die Bezeichnung besten, was Stresemann und Briand in Thoiry erreicht hätten, als Gesamtlösung recht lückenhaft ist. Weder die Ost frage, noch die Kriegs schuld frage sei dort überhaupt berührt. In der Welt zweifle kein Mensch mehr daran, daß die R e p a r a i i o n s l a st des Dawesabkom- mens neu geregelt werden müßte. Das könne nur dadurch geschehen, dah an Stelle dec öffentlich-rechtlichen Zahlungen eine Gesamt- ; anleihe, möglichst eine internationale Anleihe, trete, deren Zinsendienst nicht höher sein dürfe ' als der Betrag, den Deutschland wirklich ohne Gefährdung seiner Währung bezahlen könne. Der Redner fuhr dann fort: „Auch wir halten eine sachliche Prüfung der von B r t a n d vorgeschlagenen Teillösung für möglich. Aber sie mutz verbunden fein mit der Prüfung der Möglichkeiten, die sich für eine Gesamtlösung der Reparationslast ergeben" Thoiry. Vertin, 2. Rov. In der gestrigen Sitzung des sogenannten Thoirh-Ausschusses des Reichskabinetts, der aus dem Reichsauhen- minister, dem Reichswirtschaftsminister und dem Reichsfinanzminister besteht, erstatteten die Minister Bericht über das Ergebnis der Beratungen, die bisher innerhalb der einzelnen ; Ministerien stattgefunden haben. Der Aus- _ schuß wird in den nächsten Tagen wieder zu- < sammentveten. Neue Instruktionen für Hösch. Paris, 1. Rov. (TU.) Zu den deutschfranzösischen Annäherungsverhandlungen will der »Paris Midi" wisseir, daß Botschafter von Hösch aus Berlin neue Instruktionen erhalten werde, und zwar für seine für den kommenden Mittwoch festgesetzte Unterredung imt Briand. Sonst behauptet das Blatt noch, daß deutsche politische Kreise hinsichtlich der Politik von Thoiry einen Fortschritt verzeichnen zu können glauben. Die Politik der Schiedsgerichtsverträge. Paris, 1. Rov. (WB.) Der .TempS" bespricht auS Anlaß des gegen Mussolini verübten Attentats die Politik Italiens. Er erwähnt den spanisch - italienischen Schiedsgerichtsvertrag und betont, daß im Augenblick die Regierung In Rom mit Deutschland über einen gleichartigen Vertrag verhandele. Die Politik der Schiedsgerichtsver- träge sei ein« wesentliche französische Politik. Der Gedanke, der diese auf französische Initiative zurückzuführende Politik beherrsche, sei, daß man ein weitgehendes System Don Schiedsgerichtsabkommen nach und nach über ganz Europa verbreiten wolle, durch das es ermöglicht werde, alle Meinungsverschiedenheiten friedlich zu regeln. Rach dem Ausgebern des Protokolls von Genf bedeutet dieses System das sicherste Mittel, das man heute besitzt, um den Frieden zu gewährleisten. Man könne sich also nur darüber freuen, daß Italien sich dem Standpunkt anschliehe, den Frankreich fortgesetzt verteidigt habe, und unter diesen Gesichtspurrkten könne ,edes Abkommen zwischen Rom und Berlin nur als ein Akt ausgelegt werden, der keine politische Tragweite besitze, die geeignet sei, in irgendeiner Weise die internationale Lage abzuändem. Der deutsche Vertreter im Völkerbundssekretariat. London, 1. Nov. (WB.) Der Genfer Korrespondent des „Manchester Guardian" schreibt zur Ernennung des Botschaftsrats Dufour-Fe- r o n c e zum Untergcncraltetrelär des Völkerbünde«- Die großen Fähigkeiten Dufour-Feronces, die sich bei seiner Tätigkeit in der deutschen Botschaft in London zeigten, sind der Hauptgrund für seine Ernennung. Die V ö l k e r b u n d s k r e i se sind befriedigt darüber, daß Dufour-Feronce den größten Teil seines Lebens in der I n d u st r l e zu- brachte und kein Berufsdiplomat ist. Man glaubt, daß Berufsdiplomaten, ditz ihr ganzes Leben lediglich im Dienste ihrer eigenen Länder zubringen, es schwierig finden, die Aufgaben eines Dölkerbundsbeamten zu erfüllen, eine Aufgabe, die vollste Berücksichtigung der allgemeinen Interessen der Nationen fordert. Die a i (t) Rews" schreibt, es werde allgemeines" B e d a u e r n in London herrschen daß Dufor Feronce London verläßt. Das Blatt bemerkt, Dufour habe sich ruhig und behar-'ich der Aufgabe gewidmet, die englisch-deutschen ziehungen zu bessern. Er sei für eine solche beit ausgezeichnet geeignet. Wemge Deutsche ? : süßen eine intimere Kenntnis des englischen Lebens. In allen feinen Teilen habe er das Verständnis, das den Wann vor Irrtümern in psychologischer Beurteilung bewahrt, denen einige der klügsten Männer seiner Rasse unterliegen würden. Es sei gut. sowohl für Deutschland als auch England, daß ein Mann von so viel Klugheit, Verständnis und Geduld unter den Vertretern Deutschlands beim Völkerbund sei. Illinois. Da die. Prohibition rn die Derfassui^ ausgenommen ist, können Abstimmungen natürlich das Prohibitionsgesetz nicht andern Dbr^r den Konareßkandidaten besinden sich auch verschiedene Deullch-Amerikaner, so z. D. der ^nAorkerdemo- kratische Senatskandidat Wagner. D.ese Kandidaturen sind als Zeichen dafür anzusehen, daß der Krieg in Amerika immer mehr m Vergessenheit gerät. Dr. Luther in Buenos Aires. Buenos Aires, I.Rov. (WTB.) Deichs- kan-iler a.D. Dr. Luther wurde vom argen- ‘inSd-en Außenminister Dr. Gallardo un Re- cherungsgebäude zu einem Frühstück eingeladen, an dem außer dem deutschen Gesandten die Mit- alieder der deutschen Gesandtschaft, sämtliche ar- aentinische Minister, mehrere frühere Minister, bie Mitalieder der Generalität und der Admiralität sowie der Rektor der Universität Buenos Aires und Vertreter des argentinischen Wirtschaftslebens und der deutschen Kolonie teil* nahmen. _________ Ein deutscher Gedenkstein Minister Churchill gegen Rußland. London, 2. Rov. (WTD. Funkspruch.) Minister Churchill sagte in einer Rede, m der er sich mit dem Streik i m Bergbau beschäftigte, Großbritannien sei gegenwärtig Gegenstand der gespanntesten Aufmerksamkeit mid unermüdlicher Energie einer auswärtigen Regierung, iiämlich der b o l s ch e w i st i s ch e n R egierung Rußlands. Die Ration könne sich auf die Regierung verlassen, daß sie bei feder sich etwa ergebenden Gelegenheit die erforderlichen Schritte tun werde, um die freie Ausübung des Bürgerrechtes jedes Mitgliedes ber Volksgemeinschaft zu sichern und einen A u f st a n d mit starker Hand niederzuschlagen. Ernste Erkrankung Krassins? London, 2. Nov. (WTB. Funkspruch.) „Daily News" meldet, der russische Geschäftsträger in London, Krassin, sei erkrankt. Sein Befinden habe gestern zu beträchtlichen Besorgnissen Anlaß gegeben. Die Aerzte beabsichtigten eine neue Bluttransfusion. Absplitterung im englischen Bergarbeiterstreik. London, 2. Rov. (WTB. Funkspruch.) Trotz der in letzter Zeit von dem Kriegsrat des Der g- arbeiterverbandes betriebenen Propaganda wurde gestern abend auf einer unoffiziellen Zusammenkunft von Delegierten der Dergleute von Rvttinghamshire beschlossen, heute mit den Bergwerksbesihern in Verhandlungen wegen einer örtlichen Lohnvereinbarung einzutreten. Die Zahl der Arbeitenden im Bergbau betrug gestern 278130. Das bedeutet gegenüber Freitag ehre Zunahme von 8573. Der Dergarbeiterführer Cook erklärte in einer Rede m Liverpool, wenn die Bergarbeiter zu einer längeren Arbeitszeit gezwungen würden, so würden 'sie nicht arbeiten. Sie würden in die Schächte gehen und mehr zerstören als arbeiten. Szenen, die an die Kriegszeiten in Deutschland erinnern, formten gestern in allen Teilen Englands beobachtet werden. Die Hausfrauen undMädchenstandeninlangenReihen vor den für die Belieferung von Kohlenzuteilungsscheinen eingesetzten Behörden. Ergebnisse der englischen Gemeindewahlen. London, 2. Rov. (W. T. D. Funkspruch.) Rach den um 12 Tlhr nachts vorliegenden Ergebnissen der englischen Gemeinderatswahlen ist der Stand der Parteien olgender: Arbeiterpartei 147 Gewinne, 8 Verluste, Konservative 18 Gewinne, 87 Verluste, Liberale 7 Gewinne, 56 Verluste, Unabhängige 13 Gewinne, 34 Verluste. In Birmingham gewann die Arbeiterpartei 8 Sitze, in Rottingham 5 Sitze und in Bootle 2 Sitze. In dem neugeschaffenen Wahlkreis Twickenham dagegen wurden 19 Konservative und 5 Unabhängige gewählt, während 14 Arbeiterkandidaten unterlagen. Das Arbeiterblatt „Daily Herald" schreibt, die vernichtende Riederlage, die die Konservativen erlitten hätten, sollten dem Premierminister und seinen Kollegen zu denken geben. Die Tunisfrage. London, 1. Nov. (Wolff.) Laut „Westminster Gazette" soll der italienische Botschafter in Paris, Baron Avezzana, in seiner jüngsten Unterredung mit Briand angeboten haben, die italienischen Ansprüche in bezug auf Tunis zurückzuziehen und Frankreich zu helfen, sein nordasrikanisches Reich im Austausch gegen die Zurückziehung der französischen Einwände gegen eine freie Hand Italiens im nahen und mittleren Osten zu konsolidieren. Es sei auch vorgeschlagen worden, daß Frankreich mit Italien bei der Bekämpfung der Bewegung, die einen deutsch-österreichischen Zusammenschluß zum Ziele hat, zusammenwirken mochten. Die amerikanischen Kongreh- wahlen. Reuhork, 1. Rov. (TU.) Die Wahlkam- dagne für die am morgigen Dienstag stattfindenden Kongreßwahlen wird mit aller Schärfe geführt, jedoch stehen nur innerpolit ische Fragen zur Diskussion. Die Außenpolitik wird kaum gestreift, waS als Beweis dafür anzusehen ist, wie wenig die politischen Ereignisse in Europa hier Interesse erwecken. Schon heute läßt sich daher sagen, daß, wie auch immer die Wahlen ausfallen mögen, sie feinen Einfluß a u s die europäische Politik der Vereinigten Staaten haben werden. Auch die Frage der Zollpolitik und die des deutschen Eigentums wird durch die Wahlen kaum berührt. Die Wahlen haben vor allem ihre Bedeutung, weil sie darüber entscheiden, wie sich die künftige Regierungsmehrheit im Repräsentantenhaus und Senat gestalten wird. Außerdem, weil sie Rückschlüsse darauf zulassen, wie die nächsten Präsidentenwahlen auss allen werden. Gleichzeitig mit den Wahlen zum Kongreß stimmen acht Staaten über die Frage der Prohibition ab, u.a. Reuyvrk, Rowada und in Schweden. Trelleborg, 1. Nov. (WTB.) Die gestrige Enthüllung eines beut fd) en Gedenk st eines gestaltete sich unter lebhafter Anteilnahme ber hiesigen Einwohnerschaft unb in Anwesenheit zahlreicher in» und auslänbischer Gäste, barunter bes deutschen Gesandten in Stockholm, v. Rosenberg, zu einer eindrucksvollen Feier. Der durch die Vermittlung bes Deutschen Roten Kreuzes Schweden zum Geschenk gemachte Denkstein trägt die deutsche Inschrift: „Dem schwedischen Volke für die Talen der Menschenliebe. Das deutsche Volk 1926." Tlach der Riederlegung der Kränze wurden Ansprachen gewechselt, wobei der deutsche Gesandte namens der Reichsregierung und des deutschen Volkes der Stadt Trelleborg und Schweden unter lebhafter Anerkennung der liebevollen schwedischen Hilfstätigkeit den Dank aussprach Mit kurzer, die Verdienste des schwedischen Roten Kreuzes hervorhebenden Ansprache übergab der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes. Landesdirektor v. W i n t e r f e l d t, das Denkmal in die Obhut des schwedischen Roten Kreuzes, in dessen Ramen Generalstabsarzt Dauer, der als Vertreter des Präsidenten des schwedischen Roten Kreuzes, Prinz Karl von Schweden, teilnahm, dankte. Iltis aller Welt. Ein neues Großverkehrsflugzeug in Dienst gestellt. Das Großflugzeug Ro VIII (Roland ber Rohr- dach-Metall-Flugzeugbau G. m. b. ch), bas vollkommen aus Metall erbaut ist (zehn Passagiere, brei Führer, brei Motore zu je 250 PS.), unb bas bei dem Tempelhofer Flugtag erstmalig vor bie Oeffent- lichkeit trat, ist nunmehr von ber Deutschen Lufthansa übernommen worben. Zwei weitere gleiche, ebenfalls für bie Lufthansa bestimmte Großverkehrsflugzeuge ber Rohrbach Metallflugzeugbau G. m. b. ch sinb im Bau. Weltrekord eines britischen Jfiegerleutnanls. Der britische Fliegerleutnant C a l v e h ist im Kampfeinsiher in vier Minuten 45 Sekunden bis zu einer Höhe von 4000 Fuß (ca. 1200 Meter) auf- und niedergestiegen. Gr hat damit einen Weltrekord aufgestellt. Der Beginn des Leiferder Prozesses. Heute beginnt in Hildesheim ber Prozeß gegen bie Urheber berEisenbahnkatastrophe von Leise rbe. Angeklagt sinb Willi Weber unb Schlesinger wegen Mordes unb Personen- transportgefahrbung bzw. wegen versuchten Morbes unb Personentransportgefährbung. Ferner wirb sich Walter Weber wegen Beihilfe unb Nichtanzeige eines geplanten Verbrechens zu verantworten haben. Für bie Beweisaufnahme sinb 19 Zeugen aus ber Umgebung von Leiferbe geloben. Die Urteilsoer» künbung bürste am Donerstagnachrnittag zu erwarten sein. Jrau Walker wieder in Reuyork. Wie die Berliner Morgenblätter aus Reu- york melden, ist Frau Walker, bie Gattin des Reuyvrker Bürgermeisters, gestern von ihrer Deutschlandreise zurückgekehrt. Dei ihrer Ankunft sprach sie sich b e g «i st e r t über Deutschland und die gastliche Aufnahme aus, die sie dort gefunden habe. Jedermann in Deutschland sei sehr liebenswürdig und freundlich gegen Amerikaner. Dampferzusammenstoh auf der Elbe. Der Hamburger Dampfer „Wiedau". mit Stückgütern nach Bristol unterwegs, ist in der Rähe von Altenbruch bei Hamburg mit dem im Ballast von England aufkommenden englischen Dampfer „Fleetwing" zusammengestoßen. Die »Wiedau" ist stark beschädigt zurückgekehrt. Der englische Dampfer ist ebenfalls schwer beschädigt zur Werft von Blohm & Doß geschleppt worden. Hochwasser im vorharz. Wie ber „Braunschweiger Allgemeine Anzeiger" meldet, haben eingetretenes Tauwetter unb ununterbrochene Regenfälle Hochwassergefahr für den Harz unb Umgegenb herbeigeführt. Bei Börs - s u m steht bas Gelände westlich der Oker unter Wasser. Die Ilse ist über bie Ufer getreten. Die Bahnhöfe Heinigen, Burgborf unb Gittelde sind nur durch Fuhrwerk zu erreichen. Ueber dem Auerhahn ist gestern ein schweres Unwetter niedergegangen. Än Groß-Quenstebt brang bas Hochwasser in die Gärten, in die Keller unb zum Teil In bie Ställe ein. Besonders großen Schaden befürchtet man für die Obstkulturen und für die Zuckerrüoenfelber, die zum größten Teil noch nicht abgeerntet sind. Seine Frau erdrosselt. In einem Walde bei -Utfort in der Rähe von Moers wurde die Leiche einer Frau gefunden, die mit einem Strick erdrosselt worden war. Der Polizei gelang es, die Täter, nämlich den Ehemann der Ermordeten, dessen Geliebte und noch eine dritte Person zu verhaften. Den Vater erschlagen. Während des Melkens geriet der Sohn eines Milchhändlers tn Alsterdorf bei Hamburg mit seinem Vater in Streit und erschlug ihn mit einem Wagenfchwengel. Rach der Tat ging der Mörder nach Hause und legte sich zu Bett, als toeim nichts geschehen wäre. Drei Opfer eines Autounglücks. In der Rächt zum Sonntag uoecschlug sich auf der Chaussee nach Dölle bei Magdeburg bas Auto eines Diehkommissionärs infolge Reifendefektes mehrere Male. Einer der Insassen wurde aus dem Wagen geschleudert unb blieb mit gebrochenem Genick tot liegen. Zwei weitere Personen kamen unter das Auto zu liegen, wobei einem die Brust eingedrückt und der andere bis zur Tlnkenntlichkeit verstümmelt wurde. Starte Kälte in Norwegen. Gestern herrschte im östlichen Rorwegen eine für die jetzige Jahreszeit starke Kalte. In Rörvs betrug die Temperatur morgens minus 25 Grad Castus. Aus vielen Orten wurde eine Kälte von 20 bis 25 Grad Celsius gemeldet. Der Schnee, der an verschiedenen Stellen gefallen ist. liegt bereits einen Meter hoch. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 2. Rovember 1926. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 bis 180, Matte 35, Wirsing 4 bis 12, Weißkraut 3 bis 8, Rotkraut 5 bis 15, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 20 bis 25, Unter-Kohlrabi 4 bis 6, Grünkohl 20, Rosenkohl 45 bis 50, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 40 bis 50, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 35 bis 100, Schwarzwurzeln 45 bis 60, Kartoffeln 5i/2 bis 6, Aepsel 15 bis 30, Dirnen 10 bis 15, Rüsse 80, Suppenhühner 100, Gänse 100 bis 120 Pf. das Pfund: Käse 10 Stück 60 bis 150 Pf.: Eier 15 bis 18, Blumenkohl 50 bis 150, Endivien 8 bis 15, Ober-Kohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 20 bis 50 Pf. das Stück — Bornotizcn. — Tageskalender für Dienstag: Stadttheater: 7.30 Uhr, „Der alte Textor" (Ende 10 Uhr). — Deutschnationaler Hanblungsgehilfen- Verband: 8.30 Uhr, Kaufmännisches Dereinshaus, Vortrag. — Lichtspielhaus, Bahnhofstruße: „Heim- liche Sünder" unb „Rin-Tin-Tin rettet seinen Herrn". — Astoria-Lichtspiele: „Der Hund von Baskerville". — Aus betn S t a b 11 h e a t e r b u r e a u wirb uns geschrieben: Die Ausführung der Strauß, scheu Operette „Der lustige K r i e g" ift In rondjenlangen Proben sorgfältig vorbereitet worden, da das Werk musikalisch sehr anspruchsvoll ist unb eigentlich in das Reich der Spieloper gehört. Die Inszenierung liegt in den Händen des für die Operette neu verpflichteten Oberfpielleiters Curt H a m p e, bisher erster Operettentenor am Neuen Operettentheater Frankfurt a. M., der auch die Partie des Marchese singt. Don bekannten Fachkräften wurden wir Herrn Curt Steinbrecher unb Frl. Else Simon sehen. Die Violetta singt als Gast Frl. Inge van Heer, bie im Walzertraum so ausnehmend gefallen hat. Für die Partie der Artemisia ist Frl. NuschL Wiesner vom Frankfurter Operettentheater und für den Tulpenhändler Balthasar Groot Herr Ernst T s ch ö r n e r, Baßbuffo vom Nürnberger Stadttheater verpflichtet worden. Als musikalisch besonders wertvolle Nummern feien hervorgehoben bie Auftrittslieber der Violetta unb des Balthasar Groot, das Duett Violetta-Umberto, ber Walzer des Marchese sowie bie Finales. Die musikalische Leitung liegt in ben Händen bes Herrn Kapellmeisters N ef f. — Dor Mandolinen» und ®i« tarren-Verein „Reapolita" Dreßen wird am nächsten Sonntag, 7. Rov., nachmittags 5 Uhr, in der Reuen Aula der ^Inivevsckätz sein fünftes Konzert geben. Unter der Leitung des Herrn Hans Sonntag werden Werke von R. Cilenberg, Strauß, Mozart, Sidney Smith usw. zum Vortrag gebracht. Dem Verein ist es, wie man uns schreibt, gelungen, das tn Sän- gerckreisen bestens bekannte Wendling- Quartett aus Offenbach a. M. zu dem Konzert zu verpflichten. Den Konzertbesuchern steht ein besonderer Kunstgenuß bevor. Man beachte die heutige Anzeige. Wettervoraussage. Verhältnismäßig milde, meist trüb, Regenfälle, südliche Winde. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 5,3 Grad Celsius, Minimum 0,6 Grad Celsius. Niederschläge 2,1 Millimeter. Heutige Morgentemperatur 3,1 Grad Celsius. Ein finanzielles Rach spiel der Lungenseuche in L ich. Wie bekannt, war im Frühjahr dieses Jahres in Lich die Lungenseuche ausgebrochen. Ilm eine Weiterverbreitung der Seuche zu verhüten, mußte eine Anzahl Viehbestände abgeschlachtet werden. Die den betroffenen Diehbesihern gebotenen Entschädigungen hielten diese zum Teil für zu gering, und sie erhoben deshaw Beschwerde bei dem Kreisausschuß Gießen. In dessen jüngster öffentlicher Sitzung kamen fünf solcher Beschwerden zur Verhandlung. 3n drei Fällen erging Beweisbeschluß, noch weitere Zeugen zur Sache zu vernehmen, eine Beschwerde wurde als un* begründet kostenpflichtig abgewiefen, während im fünften Falle der Kläger seine Klage im Laufe der Verhandlung zurückgenommen hatte. ** Der Eisenbahnverkehr auf der Strecke Marburg — Biedenkopf behindert. Wegen Hochwasiers ist die Brückenbaustelle zwischen Biedenkopf unb Lubwigshütte für ben gesamten Eisenbahnverkehr bis auf weiteres gesperrt. Es verkehren Züge von Marburg bis zur Baustelle unb von dieser nach ber Richtung Laasphe unb Gönnern. Der Verkehr wirb durch Umsteigen an der Baustelle aufrechterhalten. ** Im Straßenschotter versunken. An dem neuen Eisenbahn-Uedergang in dem Stra- ßenzuH Bismarckstraße—Ecke Gnauthstraße—Sdnf- fenberger Weg blieb gestern mittag gegen 12 Uhr ein Lastauto mit Anhänger hängen und versank in dem neu aufgeschütteten Straßenschotter. Der von Fulda kommende Zug konnte infolgedesien bie Strecke nicht passieren unb erlitt eine Verspätung von einer Viertelstunbe. Durch Abhängen bes Anhängers des Autos wurde der Weg für ben Zug sreigemacht. Kurz zuvor blieb ein 4spänniges Fuhrwerk mit Schottersteinen ebenfalls in ber Straße stecken. Dadurch war es auch dem Chauffeur des nachfolgenden Autos unmöglich, die Straße in etwas schärferem Tempo zu nehmen. pfirsKhzarfen sofort Röte >oPf& — Sin« Menschenansammlung ent» «and in den gestrigen Rachmittagstunden auf bem Platz vor dem DühTreneingang des Stadt» theaterS. Dort hielt ein älterer Mann, anscheinend ein wandernder Raturapostrl tote der bekannte Gustav Nagel, eine Ansprache an die umstehenden und vorübergehenden Passanten, in der er die Leute zu der schon äußerlich von ihm bekundeten Lebensweise zu bekehren suchte,- eine in Anbetracht der rauhen Witterung und andererseits der leichten Bekleidung des Redners nicht gerade dankbare Aufgabe. ** Geschäftslage der DezirkS- sparkasse Gießen in Lich. Wie aus der heutigen Anzeige hervorgeht, hat sich k^r Borstand der BezirkLsparlaise Gießen entschlossen, die seither an zwei Tagen der Woche tn Ltch stattfindenden Kassentage nunmehr als an jedem Werktag stattftndende „Geschäfts» tage" einzurichten. , •• Ausgleichszulage für Verso» gungsberechtigte. Wie der Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen der „Hassia" mitteilt, hat der Reichsarbeitsminister neuerdings verfügt, daß bei nachträglicher De- toilliavng der Ausgleichszusage die Gewährung rüüwirlen). frühestens vom 1. 12. 1923 an, erfolgen kann. Wenn jedoch der Dersorgungs» Lercchtigte die Versorgungsbehorde über die Art seiner Beschäftigung nicht genügend aufgeklärt haite und ihm desahlb die Ausgleichszulage nicht gewährt worden war. so soll die Rach- zahiung im allgemeinen mit dem Monat der nachträglichen Antragstellung beginnen. Die Aus» gleichszulage gemäß Reichsversorgungsgesetz § 28 beträgt bekanntlich 35 Prozent der normalen Cebührnifse bei Berufen, die erhebliche Kenntnisse und Fertigkeiten erfordern, aber 70 Prozent, wenn der Beruf außerdem ein besonderes Maß von Leistung und Verantwortung erfordert. ” Ehrung verdien st voller Haus- a n g-e ft e 111 c n. Dieser Tag4 fand im oberen Saale des Cafe Astoria die Verleihung von Ehrengaben, bestehend aus Droschen. und Diplomen. an 12 Hausangestellte statt, die 20 und mehr Jahre, deren zwei sogar 50 Jahre ihre Dienste einer Dienstherrschaft gewidmet hatten. Der Alicefrauenverein.Rotes Kreuz, hatte bereits im Jahre 1925 diese schöne Aufgabe in sein Programm aufgenommen, die in früheren Jahren zur sozialen Tätigkeit der jeweiligen Landesmutter zählte. Der Ehrung wohnten die Dienstherrschaften, der Vorsitzende des KreisvereinS vom Roten Kreuz, der Kolonnen'- führer vom Roten Kreuz und der Vorstand des Alicefrauenvereins bei. Ausgezeichnet wurden folgende Hausangestellten: Katharine Ranft, bei Fräulein Marie Ockel, Rordanlage 9 l; Eli- sabethe Müller, bei Frau Rosenbaum, Westanlage 46; Margarethe Krätzer, bei Bäcker Keil, Reuen Däue 6; Katharine Belte, bei Spediteur Lhncker. Erlengasse 7; Marie Imhof, bei Rechtsanwalt Engifch, Reuen Däue 27; Clara Draden, bei Professor Partenheimer, Keplerstrahe 7; Magdalene Jahn, bei Fräulein Eutfleisch, Bahnhofstraße 67; Christine Ruppert, bei Fvau Arnold II, Roonstraße 29; Katharine Rieß, bei Amtsgerichtsrat Zimmer- mann, Blockstraße 4; Ottilie Schittenhelm, bei Geheimrat Dr. Gail, Löberstraße 24; Eva Katharine Dolp, bei Pfarrer Schulte, Großen» Linden; Dorothea Lögel, bei Direktor Liste. Dergwerk. Dieses langjährige treue Zusammenstehen ist ein Ehrenzeugnis für die Arbeitgeber u n d die Angestellten. ** D i e Volkshochschule Gießen hat ihre Winterarbeit aufgenommen. Die Arbeitsgemeinschaften sind, wie man uns schreibt, im Gange, und vlle sind ausreichend besucht. Den besten Besuch finden die Kurse über Weltanschauungs- fragen und Kunst, ein Zeichen, wohin sich hauptsächlich die Neigung der Menschen richtet. Als Auf- takt war die einfache Eröffnungsfeier wohlaelungen. Nach einer Beethooenschen Sonate sprach Professor G. Koch über den deutschen Bolkshochschul- gebauten. Er führte aus, daß die neue deutsche Volkshochschulbewegung mehr als nur ein Ausschnitt aus der Geschichte des überkommenen Volks- bildungswesens sei. Sie könne nur als ein Stück der tiefen Bildungskrife unserer Zeit richtig ver- Jtauben werden. Unser Bildungsgedanke habe seit lern 19. Jahrhundert eine verhängnisvolle Verarmung erfahren. „Allgemeinbildung", ursprünglich gemeint als Durchbildung des ganzen Menfchen- wefens, fei zu einem äußerlichen Wissen um „Kulturgüter", ja fast zur bloßen Belesenheit zusammen- geschrumpft. So habe sie den Zusammenhang verloren mit den beiden tiefsten menschlichen Anlagen in der Gottes- und Dolksfrage, ja mit dem wirklichen Leben überhaupt. Diesen Zusammenhang wolle die neue Volkshochschule wiedcrgewinuen in enger Zusammenarbeit der Volksschichten, gelehrter und ungelehrter. Die Entwicklung der Volkshochschule zeige bis heute drei Etappen: eine ethisch- soziale (in den Jahren vor dem Kriege), eine dynamisch-nationale (im Kriegei und eine religiös-oolk- liche (in den letzten Jahren). Die letzte Stufe wurde gewonnen durch den Zusammenschluß mit den ernsthaften Kräften der Jugendbewegung. Letzte Ziele der neuen Dolkshochschulbewegung seien innere Volkeinheit und Dolkhaftigkeit aller Bildung, ihre großen Wegweiser Matthias Claudius, Pestalozzi, Goethe, die großen Dereinfacher, die Propheten der Kindeseinsalt. — Die große Bedeutung dieser Gedanken kann niemand bestreiten. Noch vor Weihnachten hofft die Volkshochschule einen ihrer beliebten Musikabende zu veranstalten. —Der Gernhardtsche Zither- und Manbolinen»Chvr gab am Sonn» lagabcnb im Katholischen DereinShaus ein Kon- ?:rt. das in altgewohnter Weise vorzügliche Musi! bot und den hervorragenden Ruf des Chores aufs neue bestätigte. Welcher Beliebtheit sich der Verein bei der Bürgerschaft erfreut, Der Sternhimmel im November. Sonnenaufgang von 7 biS 7.50 Hhr. <5-0 irrten Untergang von 4,30 biS 3,50 lU>r. Lichtgestalten des Mondes: 1. Viertel um Mitternacht vvm 12. auf den 13., Vollmond am 19., 5 Hhr nachm., 3. Viertel am 27. 8 Hhr vvrm. rnf. Die immer früher einsehende Dunkelheit hat nur zum TeU im kürzeren Tageslauf der Sonne ihren Grund, zum andern Teil jedoch in der sog. Zeitgleichung, nämlich dem Hnterschied zwischen der wahren Sonnenzeit und der mittleren Zeit, die unsere Hhren angeben. Hm über 16 Minuten fällt im ersten Drittel des Monats der astronomische Mittag, das ist die Mitte zwischen Sonnenauf- und »Untergang, vor den bürgerlichen. Don astronomischen Ereignissen bringt uns der Monat vor adern zwei, den Sternschnuppenfall der Leoniden, der etwa vom 10. bis zum 17. an dauert, und die Opposition des Mars am 4. des Monats. Der Sternschnuppenschwarm der Leoniden führt seinen Ramen nach dem Sternbild des Löwen, lateinisch leo, das um diese Zeit^ erst etwa um Mitternacht aufgeht. Die Rückwärtsverlängerungen aller Sternschnuppenbahnen führen nämlich in dieses Sternbild 7 . Richt minder auffallend ist die Opposition des Mars; zwar erreicht der Stern nicht die Erdnähe der vorigen Opposition vom Sommer 1924, aber er hat dafür eine weit bedeutendere Höhe und bewegt sich zwischen Widder und Stier, also in HimmelS- aegenden, die jedem Sternfreund wohlvertraut sind, und in denen dieser seine rückläufige Bewegung von den Plejaden weg leicht verfolgen kann. Auch der Jupiter erstrahlt noch hell am südwestlichen Abendhimmel, wo er freilich immer früher unter geht, gegen Schluß des Monats schon um V310 Hhr. Der Saturn ist bereits in den ersten Tagen des Monats tn der Abenddämmerung verschwunden. Am Fixsternhimmel lockt vor allem die Pracht der im Osten erstrahlenden Wintersternbilder. Bereits um die Monatsmitte steht um 10 Hhr die Capella im Fuhrmann nicht mehr weit vom Scheitelpunkt. Rechts unter ihr erblicken wir den Stier mit dem Aldebaran und den Plejaden, unter diesen den herrlichen Orion, eben ausgehend den Sirius, sowie links darüber seinen Vorläufer Prokhon und über diesem — nach dem Fuhrmann zu — das prächtige Rechtecksternbild der Zwillinge. Küstermann. Q)Penu/ (2)/*7»/v Q)Jcp//ef QjJäfur/t /TfffNa/tDE/?: 4/tO/Z£ ßl/M-s /fAߣN // ZAernet K/e/ne \ zfaben (*)/onne D /Werte/ @ /o//mond ([ J Werte/ o S / <*- Der die Stundenzahlen enthaltende Kreit und die dick punktierte Linie, der tage nannte Horizont, und feststehend tu denken. Der Sternhimmel dreht eich samt dem damit verbundenen, durch Mitternacht geieichneten Pfeil — gewissermaßen dem Zeiger der Himmelsuhr — in h Minuten weniger ab 24 Stunden im Sinne des durch 12 Uhr mittags gezeichneten Pfeib einmal um seinen Mittelpunkt. Der einge zeichnete Horizont bildet ein Fenster, das die 'um Mitternacht der Monatsmilte sichtbaren Sterne umschließt. Will man zis einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel so gedreht^ daß der durch Mitternacht gezeichnete, mitzadrehende Pfeil nunmehr durch die Beobachlungi3tur.de geht, wodurch dann die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hineingedreht werden. Für je 5 Tage vor der Monatsmitte ist der Sternhimmel um '/» Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monatsmitte um *b Stunde später einznstellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen ein, wenn er die an gedeutete Lichtgestalt zeigt. geht wieder daraus hervor, daß der Saal stark beseht war, sogar die Galerie war dicht gefüllt, und auf den Gängen standen noch Besucher. Man lauschte mit Hingebung den Klängen der Kapelle, die aus 25 Zither- und Mandolinenspielern und -spielerinnen bestand. Der Eröff- nungsmarsch von Lenhardt klappte vorzüglich, und so ging es die ganze lange Reihe der Dor- tragsfolge hindurch; die Erwartungen der Zuhörer wurden voll erfüllt. Einen sehr sympathischen Vertreter der Sologeige besitzt der Verein in Herrn Äunert, der „Berceuse" von Godard mit größter technischer Fertigkeit zu Gehör brachte. Der lebhafte Beifall der Zuhörer nötigte ihn zu einer Zugabe. Die Mandolinenabteilung des Vereins zeigte sich besonders beim „Czardas" von Fr. Schmidt in bestem Lichte; bei dem Potpourri „Liederperlen" mußte sich die Abteilung zur Wiederholung verstehen. Den beiden Herren Hambrecht und Sauber gelang das Zither- Duett „Ein Abend am Traunsee" von H. Frank so vortrefflich, daß auch sie eine Zugabe spenden mußten. Ausgezeichnet waren auch das Walzer- Intermezzo „Was Blumen träumen" und die Mazurka „A verliebtes Paar". Einen würdigen Abschluß bildete der Konzert-Walzer „Münchner Kindl" von Dauer. Die Gesamtchöre Eroten das seit Jahren gewohnte Dild exakten Zusammenspielens und wohltuender Feinheit der Tongebung. Die Darbietungen des Vereins ernteten wiederum mit Recht den lebhaften Deifall der Gäste. Der Verein kann mit Genugtung auf diese Veranstaltung zurückblicken. k. Der Gießener Radfahrerverein 1 8 8 5 hielt am Sonntagabend in der Turnhalle am Oswaldsgarten fein diesjähriges Winterfest ab. Das reichhaltige Programm enthielt neben Konzertvorträgen und einer kernigen Ansprache des 1. Vorsitzenden A. Kircher eine Reihe sportlicher Darbietungen, die zeigten, daß der Verein es mit feiner Aufgabe, auch auf dem Gebiete des Saalradfports Gutes zu leisten, emft nimmt. Schon der zuerst gebotene Sechser-Jugendreigen fiel durch exakte Ausführung der einzelnen Bewegungen sehr angenehm auf. Recht nett war auch der gezeigte Schulreigen. Bei dem Zweier-Jugend- Radball zeichneten sich die jugendlichen Fahrer Stork und Wißner durch flottes Spiel besonders aus. Entscheidung 6:1. Erhöhte Aufmerksamkeit veranlaßte der Achter-Schmuckreigen, bei dem nicht nur die Aufmachung, sondern auch die Darbietung reichen Beifall fand. Recht schwierige Leistungen wurden bei dem Sechser-Kun st - r e i g e n gezeigt, die von monatelanger mühevoller Arbeit auf diesem Gebiete zeugten. Sehr spannend war das von den Gebrüdern Keßler aegen Deibel-Rieger ausgetragene Zweier-Radballspiel, bei dem beide Parteien Anerkennenswertes leisteten. Entscheidung 5:8. Den Schluß der sportlichen Darbietungen bildete ein von acht Herren gebotener K o st ü m re i g e n, der außerordentlichen Beifall fand. Den musikalischen Teil des Abends hatte die Kapelle Weller übernommen, die Kompositionen von Linke, v. Suppch Strauß, Rossini, Bizet und leite zu Gehör brachte. Ein sehr beifällig aufgenommenes Trompetensolo „Rose vom Lino-See" von Schmidt bot Herr Schwarzlose. Anschließend an den offiziellen Teil des Programms fand die Preisoertei- l u n g für die innerhalb des Vereins in diesem Jahre stattgehabten Rennen usw. statt, die folgendes Ergebnis zeigte: Jugendfahren (2 Kilometer): 1. Euler; 2. Schneider; 3. Grämlich; 4. Keppler; 5. Faust. — Wanderpreisfahren (20 Kilometer): 1. Döringer; 2. Rau; 3. Rieger; 4. Witt- mann, Helmut; 5. Heß, Erwin; 6. Jung. — Ver- einsmeifterfchaft (2 Kilometer): 1. Döringer; 2. Rau; 3. Wittmann, Helmut. — Jugend- Radball: Stork-Wißner. — Vereinsmei- sterfchaft-Radball: Deibel-Rieger. " Schühengesellschaft Gießen 1926. Hnter diesem Rainen wurde von einer größeren Anzahl hiesiger Bürger ein Kleinkallber-Schühen- verein gegründet. Zweck des Vereins ist die Pflege des volkstümlichen Schießens. •* Das Lichtspielhaus Bahnhofstraße bringt zur Zeit ebn gutes Doppelprogramm. Der erste Film „Rin-Tin-Tin rettet seinen Herrn", der im wilden Westen Amerikas spirit, zeigt die hervorragenden Dressurleistungen eines deutschen Schäferhundes, der im Mittelpunkte der Handlung steht. Der Film ist reich an Spannung und vermittelt gute Eindrücke über die „Justiz" des rauhen SkWK-WWOMMeW erfordern heute eine sorgfältige Textgebung und Latzausstatlung. Gute Satzlclstungrn sind nur erreichbar, wenn die Anzeigen Wtig genug culgegeten werden. Der Annahrneschluß für alle Anzeigen im Gießener Anzeiger entfällt auf den Nachmittag vor der Ausnahme. Empfehlungs- anzeigen müsien, je nach Umfang und Satz- Schwierigkeiten, zwei bis drei Tage vorher bestellt fein. Nur mit Sorgfalt und dem notwendigen Zeitaufwand gefetzte Empfehlungen Wern öen elMWen Wls! Landes. — Das Lustspiel „Heimliche Sünder" spottet in köstlichen „Sittenbildern" über das spießbürgerliche Leben in einer deutschen Kleinstadt. Der Film hält gutes Riveau und zeichnet sich durch ansprechende Ausstattung aus. Staatsbürgerliche Dildungstag in Wetzlar. kz. Wetzlar, 31. Ölt. D.e Landes- Abte i l u n g Hessen der Reichszentrale für Hecmatdienst veranstaltete gestern im Hotel Kaltwasier h crselbst e.ne Tagung für alle pol irisch und wirtschaftlich intereFierten PersSn- lichkeiten. Rach der Begrüßung der zahlreich Erschiene- nen durch den Vorsitzenden Dr. S t e u b c r sprach Pros. Dr. Friedrich Raab, Vorstand der Ar- 'beitsstätle für sachliche Politik, über „Gegenwartsfragen der deutschen Volkswirtschaft". Redner sagte, daß eine der wichtigsten Gegenwartsfragen de Dcschcrfung der nvt- wend'gsten Sachgüter sei. Soz ale Politik und Wirtschaftspolit.k müßten Zusammenarbeiten. Jede Politik wirke sich in dem ganzen Volksganzen aus. Heute sei eine Steigerung der Wirisck-aftspnchuk- tion herbeizuführen, die der Lebenshaltung nahe käme. Auf ausländische Kredite sei man angewiesen. Die ganze Bedeutung der Reparation zeige sich in ihrer Wirkung auf unsere Finanzen, auf unsere innere und auf die Weltwirtschaft. Die Steuern seien vor" . nsmäßig hoch. Die Zukunft bezeichnete der Redner nicht als glänzend. Eine bedenkliche Sache für die andern Völker sei die Hebernahme von unentgeltlichen Leistungen unseres Volkes, die auf die Dauer zum Rachteil jener Völker führen. Eine Aenderung ber bestehenden Verträge sei nottvend'g. Die Zeit werde für uns arbeiten. ;?n den Besprechungen von Thvirh erkannte Redner e'n;n Lichtblick für die konnnende Politik. De: den inneren Ausgaben sei eine Herabsetzung notwendig, de sich bei der Vereinfachung der Steuern in bedeutendem Maße Ergeben würde. Mit e ircr wohlgemeinten Abänderung des Steuersystems durch Kleinigkritskram sei nichts geleistet. In der Frage der Arbeitslosigkeit werde im Jahre 1929 eine vollständige Aenderung eintreten, da dann durch die hn Jahre 1914 weniger geborenen Kinder auch weniger Erwerbsfähige Ärbe't zu erhalten suchen. 2tngebot und Rachsrage würden sich dann umstellen. Studienrat Dr. K ö r b e r - Frankfurt a. M. hielt sodann einen Vortrag über „Die großen Linien der deutschen Außenpolitik vor und nach dem Weltkriege". Redner erklärte, daß die Gegenwart nur aus der Vergangenheit zu verstehen sei. Er zeigte die Politik Bismarcks, auf Grund der vom Auswärtigen Amt der Oeffentlichkeit zur Verfügung gestellten Akten, bis zu seinen Abgänge. Durch geschickte Außenpolitik habe er Frankreich schwach gehalten und zu isolieren verstanden. Durch seine kluge Politik hab? Bismarck De-.tschland zur führenden Macht Europas emporgehoben. Seine Rachfvlger hätten durch Nichtbeachtung der Verbindung Frankreichs mit Rußland und England den Rachteil für uns herb? geführt. Bismarck könne der Lehrmeister des Volkes fein. In der Politik gebe es keine Erbfeinde, der Feind von heute könne der Bundesgenosse von morgen fein. Danach habe England gehandelt. Redner zeigte die Wichtigkeit der Kolvnisat on im Lichte der europäischen Ver- hältnisse. Rach verfehlter A -ßenpolitik habe sich 1914 das Schichal vollzogen. Aus dem Weltkriege seien als größter Sieger die Vereinigten Staaten bervorgegangen. während E"ropa eine große Schwächung erfahren habe. Rach den schweren Rachkriegsjahren sei erst in letzter Zeit ein Aufstieg zu verzeichnen in der Machterhöhung Deutschlands durch den Eintritt in den Völkerbund imb Besprechungen wie in Thoiry. Dr. E. K l e i n st ü ck. wirtschastlicher Referent der Städtischen Werke Frankfurt a. M., sprach über: „Rotwendigkeit und Grenzen der Rationalisierung in Deutschlan d". Redner zeigte, daß in den Wirtschaftsunternehmungen Deutschlands gerade so vermmftige Maßnahmen zu treffen seien, wie sie jeder Kaufmann bei der Gegenüberstellung seiner Passiva und Aktiva vornehme. Hierbei sei die Beachtung der Kriegsfolgen, der steigenden Devölkerungs- zahl und der steigenden Lebensansprüche notwendig. Im DolkSvermögen habe Deutschland eine große Einbuße erlitten. An VersorgungS- bebürftige seien große Summen zu zahlen. Für die Erwerbslosen müßten Arbeilsmöglichkeiten geschaffen werden. Redner beleuchtete die Rationalisierung auf dem staatlichen, politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Geb'ete. Auch die Frage der Kolonisat'on tovrfre berührt. Dr. 6 t e u b e r dankte sodann den Vortragenden und wünschte e ne bald'ge neue Tagung mit so aufmerksamen Zuhörern. CREME MOUSON : MOUSON-SEIFE CREM Creme Mouson-Seife ist äußerst mild und von feiner, eigenartiger Parfümierung. 3hr regelmäßiger Gebrauch bildet die beste Ergänzung der täglichen Creme Mouson-Hautpflege. ist Schönheits- und Hautpflegemittel zugleich. / Sie heilt rauhe, rissige Haut, beseitigt rote Flecken, Ünebenheiten, lästigen Hautglanz und verleiht einen vornehmen, matten Teint. 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Dabei siel dem unparteiischer: Beobachter neben den hervorragenden Leistungen ber den turnerischen Wettkämpfen und den prächtigen Massenvorführungen von Leibesübungen die militärische Form des Aufmarsches, des Anzuges und der ganzen Organisation der beteuig- ten Verbände auf. Es erschien daher fast als selbstverständlich, als auch das tschechoslowakische Heer mit einer wirkungsvollen Parade und zahlreichen Darbietungen aus dem Gebiet moderner Gr'echtsausbildung auf den Plan trat. Das weile Stadion hallte wider vonMaschinengewehr- gelnatter und Kampfwagengedröhne, in der Luft spielten sich die spannendsten Fliegerkampsszenen ab Die Begeisterung der Massen war grenzen- los Zum Schluß hab der Präsident der Republik in einer Ansprache die Bedeutung der Wahrhaftigkeit hervor und der Beifall aus 100 000 Kehlen wollte nicht enden, als er von der nationalen Ausgabe der Sokols und des Heeres sprach, die sich gegenseitig ergänzen und in der Vaterlandsliebe übertrumpfen sollten. Das ganze Fest war mit einer ungeheuren Spannung vorn tschechischen Teil der Bevölkerung erwartet worden; es sollte den öffentlichen Beweis für_ die Macht erbringen, die die faszistischen Verbände und in ihrem Gefolge die Sokols im Staate besitzen und ihre Verbrüderung mit dem Heere, dessen Ches des Generalstabes der faszistischen Bewegung nicht fern stehen soll, öffentlich dokumentieren. Weniger skeptische Beurteiler der Lage erhofften an diesem Tage sogar die Ausrufung der nationalen Diktatur, die von den Sokols und Faszisten schon wochenlang zuvor ganz offen gefordert worden war; der geeignete Zeitpunkt schien den Drahtziehern der Bewegung aber offenbar noch nicht gekommen. Da der Faszismus stets auch außerpolitische weitreichende Ziele hat, ist es zweckmäßig, sich über die für Durchführung außenpolitischer Ziele zur Verfügung stehende Macht Rechenschaft zu geben. Die Bevölkerung der Tschechoslowakei besteht bekanntlich aus fünf Rationen, von denen die Tschechen nicht einmal 50 Prozent ausmachen. Deutsche. Slowaken, Magyaren und Ruthenen treffen sich in scharf abgegrenzter Eigenart im Heere zwangsweise zusammen, für das sie von sich aus wenig Interesse haben. Die Dienstzeit wurde daher von Jahr zu Jahr verkürzt und beträgt zur Zeit 18, ab 1. Oktober 1926 nur 14 Monate. Die allgemeine Wehrpflicht beginnt mit dem 20. und dauert bis zum 50. Lebensjahr, sie fordert von jedem Staatsangehörigen Waffen- oder Arbeitsdienst. Das aktive Heer besteht aus etwa 150 000 Köpfen. Es ist gegliedert in vier Militärbezirke, 12 Infanteriedivisionen mit 52 Infanterieregimentern, 3 Kavalleriebrigaden mit ürsgesamt 12 Regimentern, 2 Gebirgsartillerie-, 16 leichte, 14 grobe, 5 schwere, 3 Flakartillerie- reginienter, 5 Pionierregimenter, 1 Kampfwagenbataillon, eine Airzahl Flieger-, Eisenbahn-, Rachrichten- Fahr- und Kraftfahrverbände. Den Oberbefehl führt nominell der Staatspräsident und in seiner Stellvertretung das Gesamtministerium, in Wirtlichkeit der Landesver- teidigungsminister. der sie seinerseits wieder uneingeschränkt dem Generalstabschef übertragen hat. Dieser führt im Krieg allein und ausschließlich das Oberkommando über das Feldheer. Das Feldheer wird sogleich nach Mobilmachung auf eine Stärke von 90 000 Mann gebracht werden können. Durch Rachmusterung und durch Aushebung der 18- bis 19jährigen lassen sich in kurzer Zeit weitere 50 000 Mann gewinnen, deren Ausbil- bildung iJahr nach Kriegsbeginn abgeschlossen sein wird. Durch umfangreiche Einziehung von Reservisten zu längeren Sommerübungen werden die alleren Jahrgänge auf der Höhe ihrer Aus- blldung gehalten. Die Reservemannschaften sind insgesamt zu 14 Wochen, die Reserveoffiziere zu 20 Wochen Reserveübungen verpflichtet. Bei einer Einwohnerzahl von 13,6 Millionen fällt es der Darinnen liegt begraben... Das alte Lied, das die Buben vor dem Krieg auf den grünen Festungswällen um Straßburg fangen, wenn sie mit Säbeln, Helmen und fliegenden Fähnchen Soldaten spielten, ist wieder wahr geworden. Zu Tausenden liegen sie in der kühlen, herbstnassen Erde gebettet, Freund und Feind, im Tod vereint, die in blühender Kraft auszogen und ihr junges Leben lassen mußten. Andere kamen dazu, Landwehrmänner, die ganze Familien zurückließen und nie wieder in ben ernsten Rorden oder in die Sonne des Südens zu Frau und Kindern heimkehrten. Schwer und grau lastet der Himmel über den Wasgauhöhen. An den Bäumen hängen wie Fahnen auf Halbmast und Trauerflore lange, wallende Rebelstreifen. Trostlos müde verkrie- chen sich die Täler in den Schuh der eng auseinander hockenden Berge. Heber die Felder, in denen der goldene Weizen reifte, durch die Rebstöcke, die voll purpurner Trauben standen, fährt ein eisiger Rovemberwind, der die letzte Erinnerung an den hellen, warmen Sommer ausbläst und dem „fußen Elifaz", „dem luftigen Garten voll Weizen und Wein" das schimmernde Kleid aus Kupfer und Rot vom Leibe reißt Wie eine Schar wundgeschossener Vögel, herrenlos und heimatlos, taumeln die Blätter zur Erde. Welkes Laub deckt den Boden, der vor einem Jahrzehnt vom Donnern der Geschütze erbebte. Gespenstisch, drohend ragt in das graue Richts des Allerseelenmorgens das furchtbare Heer der verstümmelten Bäume. Recken und Könige, durch deren Kronen das Licht der Sonne rieselte, in deren Schatten Amseln nisteten, Kinder spielten, und von denen nichts mehr geblieben ist, als ein nadter verkohlter Körper, ein armseliger Stumps •mit einem zu ewiger Anklage erhobenen Arm. Allerseelen! Wie ein endlos weiter Friedhof erscheint plötzlich das Land, das sich blühend und reich gesegnet aus den lockenden Tiefen des Rheins zu den grünen Vogesengivseln hinaufschmiegt. Die Luft ist noch erfüllt von dem Stöhnen und Wehklagen der Verwundeten und Sterbenden, die mit ihrem Blut den braunen, Duftenden Waldbvden getränkt haben. Dort, wo Republik nicht schwer, jährlich 140 000 taugliche Waffendienstpflichtige zu stellen, von denen nut 60 000 in das Heer eingegliedert werden können. Die Bewaffnung und Ausrüstung hat sich im Laufe der Iayre erheblich gebessert, die Vereinheitlichung hat große Fortschritte gemacht. Das Heer verfügt über etwa 4000 leichte und über 1000 schwere Maschinengewehre gegenüber 1100 leichten und 80 schweren Deutschlands, ferner über 1204 großenteils schwere Geschütze gegenüber 280 leichten Geschützen Deutschlands. Für den Mobilmachungsfall sind darüber hinaus noch bedeutende Waffen- und Munitionsvorräte niedergelegt. für deren Vermehrung offenbar ganz bedeutende Mittel in den Etat eingestellt sind. Das Osfizierkorps besteht aus über 10 000 Offizieren, von denen rund 32 Prozent ehemalige aktive Offiziere und rund 20 Prozent ehemalige Reserveoffiziere der österreichisch - ungarischen Armee sind. Wie die Tschechisierung des Heeres sortschreitet, das beweist ein Blick auf die Mitgliederliste der Militärakademie in Weißkirchen, wo unter 281 Ramen 258 tschechische, 19 slowa- kische und 4 deutsche zu finden sind. Die Weiterbildung des Offizierskorps wird mit großer Sorgfalt betrieben, in zahlreichen Kursen werden selbst Generale und Regimentskommandeure noch ge° schult. Sell Jahren geht im tschechischen Parlament der Kampf um die pflicht mäßige militärische Iugendvorbereitung. Die Regierungsvorlage will alle körperlich und geistig tauglichen Staatsbürger vom 18. Lebensjahre ab bis zum Eintritt in das Heer zur Iugevdausblldung verpflichten. Die Ausbildung soll den fiinftigen Rekruten soviel Dorkenntnisse bei ihrem Eintritt ins Heer mitgeben, daß dort nur noch die taktische Schulung und die Ausbildung an den Spezialwaffen zu leisten bleibt. Jährlich soll die Ausbildung an 24 Samstagnachmittagen und 12 Sonntagvormittagen durch Offiziere oder von einer Prüfungskommission als befähigt erklärte andere Persönlichkeiten betrieben werden. Roch hat die Regierung ihre Vorlage nicht durchgedrückt, aber auch so schon wird die Jugend zu einem großen Teil militärisch vor- gebildet in den Sokols, denen der Staat seit 1920 Waffen zu Ausbildungszwecken zur Verfügung gestellt hat. Die Sokols pflegen ebenso sehr wie das Turnen die angewandten Leibesübungen wie Fechten, Schießen, Kartenlesen, Geländeübungen. Alle Dedvlkerungsschichten sind in den Sotols Bereinigt, der nationale junge Arbeiter ebenso wie der Student, der Beamte wie der Kaufmann oder Handwerker. Man kann die Macht der Sokols sich erst richttg vorstellen, wenn man weiß, daß sie in 2400 Ortsgruppen 380 000 aktive Mitglieder zählen. Sie bilden ein zweites Heer im Staat. Die Heeresausgaben für 1926 wurden zwar um 200 Millionen tschechische Kronen gekürzt, sie sie betragen aber immer noch Ve der Gesamtausgaben gegenüber l/ro in Deutschland. Auch darf dabei nicht übersehen werden, daß auf die Dauer von 11 Jahren der Jahres betrag von 315 Millionen tschechische Kronen lediglich für Materialbeschaffung eingestellt ist, der für die laufenden Ausgaben nicht herangezogen werden darf. Arts diesem Sonderfonds wird die Armee, die schon bisher über eine außergewöhnlich starke Artillerie (etwa 400 Batterien) verfügte, weiterhin in beträchtlichem M^ß mit lriegsentscheiden- dem Material versorgt werden können. Die sehr leistungssähige tschechische Rüstungsindustrie, besonders die Slodawerke in Pilsen und die Wassenfabrik in Brünn, sind auf Jahre hinaus mit großen Aufträgen persehen. So können die Franzosen getrost nunmehr ihren Bundesgenossen, der die Belehrungen und die unmittelbare Einwirkung der französischen Militärmission allmählich als bedrückend und unwürdig empfindet, sich selber überlassen. Der tschechoflowalische Staat hat die französt'chen Lehren willig in sich au genommen und wird allein langsam aber stetig seinen Weg zu einer achtunggebietenden Macht fortsetzen. Geist und Stimmung im Heer sind gut, die Rationalitäten sind entsprechend dem Bevöllerungsprozentsatz innerhalb der Einheiten verwicht und kommen bemerkenswert gut miteinander aus. Die Rach- teile der Rationalitätenmischung werden zu einem großen Teil» durch die vorzügliche technische Ausstattung des Heeres aufgehoben. eltfriedens jt können, daß Polen, das zuerst etwas ftörnsch war, sich nun auch zu friedlicher Arbeit niedergesetzt hat. Wir brauchen uns nicht darüber zu sorgen, daß S p a n i e n und B r a s i l i e n zur Zeit dem Bölker- bunde fernbleibcn. Ich habe die Drohungen Spaniens im Jahre 1924 schon mit ziemlicher Ruhe ausgenommen, und ich habe damit gerechnet, daß es mit der Zeit einsehen würde, daß es einen Fehler gemacht habe. Es ist bedauerlich, daß Großbritannien sich über diese Vorgänge aufgeregt hat und versucht hat, Spanien zu besänftigen. Dieses Land in den Völkerbund sozusagen hineinzukaufen, wie wir das zweifellos in einer Zeit mal versuchten, würde meines Erachtens nach für den Weltfrieden gefährlicher fein, als das zeitweiilge Fernbleiben Spaniens aus dem Völkerbund. Ich habe nie großen Wert auf Schieds- gerichtsverträge zwischen einzelnen Staaten gelegt, weil ich der Ucberzeugung bin, daß, wenn ein Krieg droht und die Nationalgefühle sich erhitzen, diese Verträge keinerlei Wert besitzen. Die Abfassung von solchen Verträgen ist indessen geeignet, die friedlichen Gefühle zu wecken und durch diL^dabei notwendigen Erörterungen den friedfertigen Tendenzen eine Gelegenheit zu geben, sich zu betätigen. Einige dieser Verträge sind mit Klauseln versehen, die von gegenseitiger militärischer Hilfe sprechen. Sie sind daher in Wirklichkeit nur eine moderne Form der militärischen Allianzen, die stets gegen einen gewissen Feind gerichtet sind. Solche Verträge sind natürlich wenig erfreulich. Trotzdem muß man zugeben, daß manche Schiedsgerichtsverträge immerhin einen Fortschritt bedeuten, und wir müssen versuchen, diese Fortschritte zu erweitern und zu vertiefen. Auf diese Weise können wir allmählich zum Ziel gelangen. Wir dürfen andererseits nicht die gefährliche Flut übersehen, die aus der entgegengesetzten Richtung 1 auf uns einbringt, wir müssen vielmehr versuchen, Hindernisse des * Von The Right Honourable R am sah M a c d o n a l d, ehemaligem englischen Premierminister. Es ist kein Wunder, daß bei vielen Personen heute über die Möglichkeit dauernden Weltfriedens große 3toei.el bestehen. Der politische Horizont ist keineswegs frei von drohenden Wolken, und auch der Völkerbund, auf den wir so viel Hoffnungen gesetzt haben, ist noch lange nicht die wirksame Organisatton, für die wir ihn hielten. Hm uns ein klares Bild der wirklicher: Lage zu machen, müssen wir genau die in der Weltpolitik tätigen Kräfte abwägen, wir müssen die Fortschritte, die in der Sicherung des Weltfriedens gemacht sind, uns vor Augen halten, und die nach der entgegengesetzten Seite hin tendierenden Kräfte richtig einschätzen. Eitelkeit, Herrschsucht, diplomatische Jntriguen und all die anderen menschlichen Fehler, die den Weltkrieg hervorbrachten, lassen sich nicht von einem zum anderen Tage ausrotten, wir müssen unseren Weg gleichsam aus einem Urwalddickicht aus einer ungesunden Gefühlswelt bahnen. Das ist eine schwierige Aufgabe; wir dürfen dabei nicht ermüden. Ich glaube indessen, daß, wenn wir das Für und Wider in Rechnung stellen und eine Bilanz ziehen, immerhin ein Gewinn herauskommt. Es ist für den Weltfrieden ein außerordentlich wichtiger Vorgang gewesen, daß Frankreich und D e u t s ch l a n d sich die Hände gereicht haben und in der idyllischen Zurückgezogenheit von Thoiry gemeinsam frühstückten. Und es ist ferner außerordentlich wichtig, daß das neue Deutschland nicht so sehr eine Politik der Allianzen als eine Politik der Zusammenarbeit zur Sicherung des Weltfriedens erstrebt. Es ist auch hochbedeutsam, daß die führenden Staatsmänner beider Rationen, sowohl Poincars wie Dr. Stresemann, Reden gehalten haben, die bewußt die Zeit von 1914 zu vergessen suchten. Es ist endlich sehr wichtig, daß die Schwierigkeiten der Abrüstung nunmehr in ernster Weise studiert werden. Es ist erfreulich, feststellen zu sie zurückzudrücken. So bildet jede Diktatur ein Gesahrmomenl. Diktatoren mögen eine Zeitlang geeignet fein, die nationale Energie ihrer Staaten aufzufrifchen, wenn sie nämlich brutal genug sind, ihre Gegner ermorden zu lasten oder sie in die 93er bannung zu schicken. Sie mögen selbst geeignet fein, eine veraltete Demokratie künstlich zu festigen. Der Charakter wirklich erfolgreicher Diktatoren ist jedoch napoleonisch und Napoleons sind internationale, nicht nationale Krastzentten. Italiens Politik erregt aus den oben an- gedeuteten Gründen ein gewisses Gefühl des Hnbehagens und des Mißtrauens in Europa. Mag sein, daß feine Politik rein ist wie das Tageslicht, doch ist sie ganz dazu angetan, seine Rachbarn zu beunruhigen. Das ist besonders deshalb der Fall, tveil Italien so nahe dem gefährlichen Brandherd des Balkans liegt und — um es mild auszudrücken — Versuchungen gegenüber, die in der Ratur dieses Materials liegen, nicht ganz widerstandsfähig ist. Obwohl Italiens Beziehungen zu Frankreich sich nicht nach den Leitartikeln, die in beiden Ländern veröffentlicht werden, noch nach dem Geschrei der Menge beurteilen lassen, möchte man wünschen, daß sie besser wären. Der Beitritt Deutschlands zu in Völkerbunde nimmt diesen wenig erfreulichen Betrachtungen zwar ihren Stachel, doch kann man nicht umhin, festzustellen, daß die Verhandlungen in Gens sich unglücklicherweise immer mehr nach dem Vorbilde der alten Diplomatie entwickeln und daß viele Vertreter nicht mit dem internationalen Geist dorthingehen, der die allgemeinen Weltinteressen an die erste Stelle seht. Vielmehr gehen viele dieser Männer dorthin mit einem rein nationalen Geist, der die Augenblicksinteressen ihrer Staaten in den Vordergrund stellt. Weltinteresse und nationaler Vorteil sind weder in sich selbst antagonistisch noch schließen sie sich gegenseitig aus, trotz der Tatsache, daß viele Leute dies nicht in ihren Kops bekommen. Aber die Ziele einer Politik, die von einem Mann getrieben wird, der sich selbst als Schützer des internationalen Rechtes fühlt, während er zu gleicher Zeit auf feine nationalen Wünsche achtet und versucht, sie in das viel weitere System der internationalen Interessen einzugliedern, ist völlig verschieden von der Politik eines Mannes, der die Weltpolitik durch die Verfolgung seiner eigenen nationalen Ansprüche formen möchte. Der erstere erringt wirklich nationale Vorteile, da er sie in einer befriedeten Welt verankert, während der letztere durch die Gegenzüge feiner Mitspieler auf dem internationalen Schachbrett von Schachfeld zu Schachfeld getrieben wird. Es ist vielleicht sehr schwer, die grundsätzlich« Verschiedenheit der beiden diplomatischen Methoden auf dem Papier klarzumachen, doch jeder, der hieran teilnahm, wird wissen, wie wichtig diese Heberlegungen sind. Genf scheint mir leider Zeichen zu zeigen, die darauf hindeuten, daß es von der Auffassung einer lebendigen und organischen Verbindung der Völker im Völlerbunde abrückt und sich nach der Richtung eines Bündels von lose zusammenhängenden Staa- t e n entwickelt, das nicht besser ist als ein Haufen Steine. Wir müssen uns ferner vor Augen halte::, daß Rußland noch kein friedlicher Staat ist. Seine Energien sind augenblicklich auf fein« innere Entwicklung konzentriert. Solange wir aber di« falsch« Politik einer Isolation Rußlands treiben, muß dieses Land später einmal eine Quelle der Hnruhen werden. Ich wünschte, daß unsere Staatsmänner genauer die Geschichte der französischen Revolution studieren würden, denn bann würden sie sehen, wie durch kurzsichtige Leidenschaften anderer Rationen Revolutionen entfesselt werden, di« den Weltfrieden gefährden können. Das sind einige von den dunklen Wolken, die ich augenblicklich am politischen Horizont erblicke. Sie mögen noch in großer Höhe sein, aber sie sind jedenfalls vorhandem Hm diese Wolken gruppieren sich viele kleine Wölkchen von minderer Gefahr. Hierzu gehören noch nicht geregelte Grenzen, Minderheitsunterdrückungen, Diktaturen, das österreichische Problem und die Cigenbewegung von wachsenden Völkern, die auf ihre Grenzen drücken. Es muß sicherlich noch die Kämpfe am heißesten tobten, wo wochenlang unter sengender Hitze, in der Kälte des Winters zwischen Felsen und Gestrüpp um einen Graben gekämpft wurde, sind die Dergfriedhöfe entstanden, um die der Sommer einen Hellen, blühenden Reisen von Ginster u:ü> blauen Glockenblumen schließt. Hier ruhen die Toten in der unheimlich kühlen Stllle des Rovembertages. Ein Kreuz ragt neben dem andern — wohl an die hundert werden es fein — nur mit kurzer Inschrift versehen und doch bedeutet jeder Raine, jede Zahl ein tragisches Menschenschicksal, ein Stück des furchtbaren Leides, das heute noch feine schwarzen Fittiche über Millionen von Menschenherzen ausbreitet. In Massengräbern sind die Hnbekannten, die zu einem formlosen Richts zerschossenen armen „Inconnus“ untergebracht, die von keiner trauernden Frau, von keiner vom Schmerz gebeugten Mutter je besucht werden können. Der Tag der Toten ist mächtiger als alle Schranken, die von den in Zank und Haß Lebenden aufgestellt wurden. Er vereint die Völker. An den Gräbern der Gefallenen finden sich die Hände, falten sich ineinander zu wortlosem Gebet. Die französische Regierung hat Erleichterungen geschaffen. Die Deutschen, die im Elsaß ein Grab haben, können ohne Visum über die Grenze geben. Straßburg, die wunderschöne Stadt, in der heute wieder so viele tapfere Soldatei: begraben liegen, birgt, wie einstens, Deutsche aus allen Teilen des Reiches, die eine große, durch gemeinsames Leid verbundene Trauergemeind« bilden. Scharen schwarzgekleideter Menschen gehen durch die Friedhöfe St. Urban und Kronenburg zu den Gräbern ihrer Angehörigen. Frische Kränze aus Chrysanthemen und wehmüttg blassen Herbstastern bedecken die sttllen Ruhestätten. Kleine Lichter flackern gleich unruhigen Seelen. Wie eine einzige mächtige, den Lärm des Alltags übertönende Totenweise klingt es von den Kirchhöfen über die Gassen und traulichen Winkel, hinauf zum Münster. Losgelöst von aller Erdenschwere, unberührt von der Leidenschaft der Jahrhunderte ragt Erwins Bau als hehres Wahrzeichen des Unvergänglichen hoch über Leben und Tod in den grauen Allerseelenhimmel hinein... „Die neuentstehende We8L". Von Dr. Olga oon Ungern-Sternberg. Es ist das Einfachste und leichtest Verständliche, was Keyserling*) bisher geschrieben hat, und zugleich die Darstellung eines völlig neuen Gesichtspunktes, der aus die unmittelbare Bestimmung der Brennpunkte menschlichen Lebens selbst ausgeht. Und zwar in diesem Fall jener, die für die Möglichkeit schöpferischer Wirksamkeit in Frage kommen. Es sind zwei Momente, die das Charakteristische dieser Schrift ausmachen, zwei Momente, die per- önlichster Einstellung entsprechen, dennoch oder zerade deshalb Allgemeingültiges darstellen und rurch alle Ebenen menschlichen Seins hindurch wirk- am sind. Beide bedeuten innerhalb des in tausendjährigen Perspektiven aufgerollten Weltbildes, das den Inhalt dieser Schrift bildet, ein doppeltes: nämlich für den auf Tat gerichteten Geist den Ansatzpunkt, wo Weltgeschehen und menschliches Wesen keimhaft Zusammenhängen, für den auf Erkenntnis gerichteten Die Zentren, welche die Grundtatsachen des Lebens in eine doppelpolige Bedeutung zueinander setzen, Zusamniengefaßtester Ausdruck des einen dieser charakteristischen Momente sind die Worte des Verfassers selbst in dem ersten Abschnitt seiner Einführung, nämlich daß diese Schrift mehr bedeute als den Niederschlag persönlichen Denkens, daß sie „Teilausdruck einer uberperfönlichen Geistesbewegung" sei. Dies ein Bekenntnis zur Solidarität mit dem organisch Erwachsenden. Diesem entsprechend wirkt sich als Grundton dieses Buches oon Anfang bis Ende eine Haltung des Geistes aus, die sich unbedingt zu all dem bekennt, welches — für die Gesamtheit — über das Gegenwärtige hinausweist. Für den Leser erzwingt diese geistige Einstellung durch die Beschwörung der unendlich mannigfaltigen Bilder organischen Wachstums in einem unerhörten Zugleich und Miteinander und voneinander Abhängigsein alles dessen, was dem lebendigen Menschengeist Fatum bedeutet, die unbedingte Anerkennung der Mächte des realen Lebens, der bindenden Bedingungen der in lebendiger Umbildung beftnd- *) Graf Hermann Keyserling: „Die neuent- stehend» Welt", Verlag Reichl, Darmstadt. ließen Wirklichkeit. Aus diesem erwächst, an konkreten Gegebenheiten aller ßebcnsgeoiete faßbar dargestellt, die Basis für menschliches Tun. Hier nun greift das zweite für das Wesen dieser Schrift bedeutsame Moment ein — allein der Sphäre menschlichen Wollens zugehörig —, welches von dem im letzten Kapitel zitierten Kongfutsewort im Kern getroffen ist: „Wenn ich jemandem eine Ecke zeige und er kann es nicht auf die drei anderen übertragen, dann wiederhole ich nicht." Dies die unerbittliche Forderung zur Selbsttütigkeit des Geistes, die sich je und je im Einzelleben und in der Geschichte gestellt hat und in aller Zukunft stellen wird; das Bekenntnis zur Ausschließlichkeit, zur Aussonderung der Qualität, das Mehr oder Weniger, welcyes einzig vor dem Geist entscheidet und Macht gibt über das Leben: Aufruf zur Verantwortung im Letzten. So vom Menschen aus gesehen und auf ihn, nur auf den Menschen bezogen, werden die Mächte des Lebens dem geistigen Gesichtspunkt im Verhältnis zu feiner Ueberblickskraft wachsend zugänglich. Dadurch erschließt sich ihm eine neue Wirklichkeit. Diese nun wird zur Basis für neues Tun. Zugleich gewinnen von dort yer die bindenden Fakten, welche vom Leben her anzuerkennen sind, für den Menschen erneute Bedeutung als vom Geist aus umzu- bildendes Material, welche Umbildung durch die Fähigkeit zur Integration und zum Transponieren vor sich geht. Wie aus dem Zueinander und Gegeneinander dieser beiden der unter- und übertriebßaften Sphäre menschlichen Wesens zugehörigen Pole und aus der mit allen Mitteln des Intellekts, des Ausdrucks und der Nuance aufgerollten Schau historischen Geschehens die eigentliche Frucht dieser Schrift erwächst, nämlich die Bestimmung des Ansatzpunktes für schöpferisches Menschentum, darauf kann hier nicht eingegangen werden. Denn sachlich ist darüber nichts auszusagen, weil es kürzer als in der Schrift selbst nicht zu fassen ist und auch dort vor allem aus dem persönlichen Ausdruck, dem persönlichen Ton heraus klar wird — eben weil nur dieser überzeugt, daß die als Ausgangspunkt für schöpferisches Wirken geforderte Identität von Sein und Wissen dem hier Gesagten in der Tat zugrunde liegt. G e Oberhessen. Landkreis Gietzen. Haltung, beschlossen, wegen der durch die Machen- schäften der beiden Schreibgehilfen der Gemeinde entstandenen Nachteile Schadenersatzklage gegen den Bürgermeister und weitere verantwortliche Gemetndebeamte zu erheben. Die Klage, die von dem Beigeordneten als Beauftragten des Gemeinderats anhängig gemacht wird, soll von Rechtsanwalt Aaron-Gießen Durchgeführt werden. Der Bürgermeister erklärte zu dieser Entschließung, daß dieses Vorgehen gesetzlich unzulässig sei, vielmehr die Haftpflicht nur im Verwaltungswege entschieden werden könne. — Die im vorigen Jahre schon vorgesehene Veuanlaaecines gröherenOvst- bäum stück es soll nun durchgeführt werden. Die Lieferung der jungen Däumchen wird je zur Hälfte den beiden hiesigen Daumschulbesthern Germer und Weber -um Preise von 3.30 Mar! je Stück übertragen Gleichzeitig soll Schutz gegen Hasenfraß angebracht werden. An Sorten werden verschiedene unserer besten zur Anpflanzung kommen, um sich gegen einen evtl. Verlust durch stärkeres Eingehen zu schützen. X W i e s c ck . 1. Noo. Die Predigt gelegent« sich utfferes gestrigen Reformatio nsfe st es f. Klein-Linden, 1. Rov. Der Gemeinderat beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung zunächst mit dein Bericht der vom Gemeinderat eingesetzten plntersuchungskom- mission über die berichteten Unterschlagungen und Urkundenfälschungen zweier Schreibgehilfen auf der Bürgermeisterei. Aach eingehender Beratung unter dem Vorsitz des Beigeordneten, in der seitens der Kommission gewisse Anklagen über Hemmungen der Untersuchung durch den Bürgermeister erhoben wurden, während dieser sein Verhalten mit den Bestimmungen der Landgemeindeordnung erklärte, wurde mit allen Stimmen, bei einer Stimment- brachte auch einige für die Geschichte unserer Heimat wichtige und interessante Mitteilungen. Hiernach ist folgendes festzustellen: Bis ins 16. Jahr- hundert war Wiefeck, ebenso wie Leihgestern, Filial der Pastorei G r o h e n - L i n d e n, und wurde dann erst, wie dieses, zur selbständigen Pfarrei erhoben. 3n oorreformatorischer Zeit wurde Wiefeck von Kaplänen versehen, die hier residierten. Wilhelm Sigfridus kommt 1451 in einer Urkunde vor, die nennt die Altäre S. Dalentini, S. Bar- barae, S. Catharinas et Dorotheas inWyske; erhalten sind noch die Namen: Johann Stenn 1497; Werner Lesch, Johann de Grüßen 1506, Georg Langenstein. Ist das Einführungsjahr der Reformation für Großen-Linden, die alte Mutter- pfarrei unserer Gemeinde, sicher 1527, so ist es für Wieseck nur annähernd festzustellen: vor 1531. Als erster Wiesecker lutherischer Pfarrer begegnet uns 1531 Gerhard Steuper lDergineus) von Hachen- bürg; 1527 in Marburg immatrikuliert, wirkt er hier noch 1545. Seine Nachfolger sind: Johannes Cor- n i c u l u s (um 1548), Friedrich Gernand, Sohn des Pfarrers Johannes Gernand von Heuchelheim bei Gießen, ftud. Marburg 1551, Pfarrer dahier 1556—1570 und von da bis 1591 in Heuchelheim; Hermann H a b e r k o r n von Mendorf a. d. Lda., ftud. Marburg 1554, Pfarrer dahier 1570—1606; tn diesem Jahre emeritiert, ist er noch 1612 am Leben. Im KirchengebäudL erinnern an die katho- lische Zeit noch das W e7 h w a s s e r b e ck e n am zugemauerten Südeingang und das bei der Erneuerung im letzten Jahr wieder freigelegte Sa- k r a rn e n t s h ä u s ch e n auf der Nordseite des Chors; an der ehrwürdigen „Port" tun dies auf jeder Seite Nischen, deren Heiligenfiguren sicher chon lange verschwunden sind. — Wie andere Gemeinden des Evang. Dekanates Gießen, so hat nun auch unsere evangelische Kirchengemeinde im An- chluß an ihr Erntedankfest durch Konfirmandinnen eine Haussammlung von Naturalien für das Evangelische Schwesternhaus zu Gießen durchgeführt, die einen recht erfreulichen Opfersinn gezeigt hat. Es wurden gesammelt: 10 Zentner Kartoffeln, 5$ Zentner Gemüse aller Art, 2$ Zentner Aepfel und Birnen; dazu Brot, Speck, Wurst, Mehl, Hülsenfrüchte usw. Auch noch 25 Mk. wurden in bar für den gleichen Zweck ge- geben. £ © i e f e rf, 1. Nov. In feiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich der Gemein de rat mit der Festsetzung einer Ortssatzung für die Wertzuwach s- ft e u e r. Nach dem vom Ministerium des Innern hierzu erlassenen Richtlinien handelt es sich um alle in der Zeit vorn 1. Januar 1919 bis 31. Dezember 1923 erworbenen Grundstücke, Gebäude, Wertpapiere, Jndustrieobligationen usw., die vorn Zeitpunkt des Inkrafttretens der Ortsfatzung weiter veräußert werden. In einer Anzahl von Fällen wird die Wertzuwachssteuer nickt erhoben. Die Einnahmen aus dieser Steuer fließen restlos in die Ge- meindekasse. Die Einführung dieser Steuer wurde einstimmig beschlossen und als Zeitpunkt des In- rafttretens der 1. November 1926 bestimmt. Die der Verordnung beigefügte Mustersatzung wurde für Wiefeck übernommen. — Dem Ziegenzuchtverein Wieseck und dem Stenographenverein Gabelsberger Wieseck war seitens des Bürgermeisters im Namen der Gemeinde je ein Ehrenpreis gestiftet worden. Die nachträgliche Ge- nehmigung hierzu wurde ohne Widerspruch erteilt. — Der wichtigste Beratungsgegenstand des Abends betraf, wie der Bürgermeister ausführte, die Anlage von Baum Pflanzungen. Seit 1909 sei die nunmehr beendigte Feldbereinigung im Gange gewesen. Dieser Umstand habe die Gemeinde und die Privatbesitzer von der Neuanlage und den Ersatzpflanzungen abgehalten, da niemand wissen konnte, ob er nach dem Abschluß der Feldbereinigung im Besitze der Baumpflanzung bleiben werde. Nunmehr sei, wie in dem kürzlich in der Presse erschienenen Aufsatz übr den Abschluß der Feldbereinigung ganz richtig gesagt worden sei, der Zeitpunkt gekommen, an diese Arbeit mit Energie heran» zutreten. Es müsse hierin seitens der Gemeinde gründliche Arbeit geschaffen werden, die dann als befruchtendes Beispiel für die Privatbesitzer wirken müsse. Der gesamte Gemeinderat machte sich diese Auffassung zu eigen und beauftragte den Bürgermeister, zunächst mit einem Sachverständigen Rücksprache zu nehmen. Ein Rundgang durch die Gemarkung unter Führuna dieses Sachverständigen soll an Ort und Stelle Ausschluß über die Zweckmäßigkeit und die Art und Weise der Anlage geben. Hieran soll sich ein aufklärender Vortrag anschließen, der nach Möglichkeit für die gesamten Interessenten zugänglich gemacht werden soll. Gelände, das sich für Obstbaumpflanzungen aller Art eignet, ist genügend vorhanden. In den Obstbaumanlagen der Gemeinde sollen alle abgängigen Bäume entfernt und die noch gesunden, ober im Ertrag un- rentabeln umgepfropft werden. Im Laufe der nächsten Jahre muß hierin sehr viel geschehen. — Im Laufe dieser Woche soll die infolge der Feldbereinigung notwendig gewordene Neuner- pachtung des Gemeindegeländes vorgenommen werden. Der Gemeinderat schlug vor, die Einteilung des Geländes in Stücken von 1000 bis 1500 Quadratmeter vorzunehmen. — Eine Reihe von Gesuchen lag zur Beschlußfassung vor. Anwohner der unteren Kirchstraße ersuchen um Renovierung derselben; dies wurde befürwortet, es soll mit den Notstandsarbeiten erledigt werden. — Anschließend an die Sitzung teilte der Bürgermeister noch mit, daß das Är ei samt Gießen die vom Gemeinderat bei der letzten Voranschlagsberatung vorgenommene Herabsetzung der Gehälter des Bürgermeisters, des Rechners und der Gemeindebeamten und Angestellten beanstandet und dagegen Einspruch erhoben habe. Der Ge- meinoerat wird sich also mit dieser einschneidenden Frage erneut beschäftigen müssen. I—! Lollar-Kirchberg, 31. Ott. In unserer Kirche hatte sich heute wahrscheinlick infolge des feuchten und windigen Wetters Koylenoxyd- g a s entwickelt, durch dessen Verbreitung während des Gottesdienstes etwa 15 bis 2 0 Konfirmanden und Erwachsene ohnmächtig wurden. Der Gottesdienst wurde schnell abgebrochen und den Patienten im nahen Pfarrhaus ein starker Bohnenkaffee gekocht, der sie wieder zu sich kommen ließ. Bei einem Jungen aus Staufen- berg mußte, da er über eine Stunde ohnmächtig blieb, ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werben. Merkwürdigerweise zeigten sich bei vielen Kirchenbesuchern erst am Nachmittag in starker Uebelkeit die Dergiftungserscheinungen. z. A l l e n d o r f a. d. Lumda, 1. Rov. Unsere Stadt steht gegenwärtig im Zeichen des 21 i - kolausmarkte«, im Dolksmund kurz „Rikels- markt" genannt. Emsige Hände sind bemüht, die Marktveranstaltung, verbunden mit Vieh» und Krämermarkt, ganz besonders auszugestalten. Die Geschäftswelt hat umfangreiche Vorbereitungen zur Befriedigung sämtlicher Markt- befucher getroffen. Der Aikolausmarkt ist vdel getan werden, um den Frieden Europas zu sichern, ganz abgesehen von der Sicherung des Weltfriedens, die tn der Tat eine außerordentlich schwierige Aufgabe ist. Der rote Faszismus. ’ Don unserem römischen E - Korrespondenten. Rv m. Ende Oktober. Wandlung der Begriffe oder Begriffsverwirrung ? Kappentausch? Der mit der Jakobiner- mütze bejubelt den Anbruch des goldenen Zeitalters der Plutokratie und der mit dem reaktionären schwarzen Fes verflucht den Untergang des sozialen Zeitalters! Man legt heute einem deutschen Arbeiter die Leitartikel der faszifti- fchen Presse vor, in guter Lleberfetzung, und er wird schwören, sie seien dem „Vorwärts" entnommen. Di'e über Europa hinfegende Dertru- stungSlawine, der Sturmwind des Degleitmani- festes der besitzenden Klasse hat scheinbar diese Geistesverheerung angerichtet — scheinbar, denn in Wirklichkeit stieß er nur hohle Köpfe gegeneinander wie Moränensteine. Wir erkennen, wie wurzellos im Grunde die „großen Ideen" waren: längst inhaltlos gewordene Schlagwörter, nicht mehr. ,, ,£ Die sozialistische Presse in Deutschland steht in dem Manifest der Geldritter „den Sieg der von der arbeitenden Klasse unaufhörlich proklamierten Lkdee verkörpert", die faszistische Presse leert das gan^e Arsenal der sozialistischen Be- wegung. um gegen die »kapitalistische Ausbeutung der Proletarier" zu Wettern. Aun muß man allerdings zugeben, daß die deutsche Sozialdemokratie, sich seit 1918, bat jeden neuen Gedankens, nicht mehr mit sozialen ^mgen befaßte, sondern lediglich politische Kulissen schob und verschob. Der Faszismus dagegen hat kerne .lieber lief crung, dafür um so mehr Leidenschaft; leinen politischen Gegner, dafür aber um so mehr Muße, sich konkreten Dingen zuzuwenden. Er eroberte zuerst die Masse, um ihr dann höhere Löhne und Arbeitssicherheit zu geben, während die Sozialdemokratie nach Erfüllung aller Lohnforderungen, nach Verwirklichung aller sozialen Ziele naturgemäß mit leeren Händen Dastehen muh. Sie kann ihren Anhängern heute mir noch politische Unterhaltung liefern. Von Mussolini persönlich angefeuert, von feinem Bruder durch den Popolo d'Italia geleitet, steht das arbeitende faszistische Italien als geschlossene Phalanx der europäischen Trustbewegung entgegen. Aeußerst geschickt weih dabei der Feldherr Die Legionen des Hammers und der Sichel für seine nationalen Ziele zu gewinnen. Italien ist ein armes Land, so ruft er aus, und nun wollen uns die Reichen einen Würgfrieden auferlegen, dagegen wehren wir unsl Mangelt euch nicht ohnehin das Feuer am Herd, sorgen wir uns nicht um das tägliche Brot? Haben Wit deshalb die Getreideschlacht und die Lira- schlacht begonnen, um uns nun, an der Schwelle des Sieges, in die Abhängigkeit der. internationalen Großfinanz und Schwerindustrie zu begeben? Und „Riemais wird sich Italien unter Das Joch der Reichen beugen!" gellt der Schwur von — Spalte zu Spalte. Die Leitartikel rasen. Da ist keiner, der nicht einen Spieß ins Treffen zu tragen wüßte. Die Französlinge wittern eine Auflehnung gegen den heiligen Geist von Versailles, die Habsburgfeinde sagen, es sei schamlos, die Zertrümmerung der Donaumonarchie zu beklagen, die Brennerwacht fürchtet ein neues'„Mitteleuropa". Alte Kriegsgesänge lodern auf, die Kanonenfabrikanten rufen die Humanität an und von Amts wegen wird „das Bestehen, die Kraft und der Rus der modernen Zivilisation" als zweifelhaft erklärt, wenn das europäische Leben in die Abhängigkeit der fitta- voli geraten würde." Fittavoli, Pächter Europas! schleudert der Palazzo Chigi den Trust- lern und Bankiers seine Verachtung ins Gesicht. Schon heute ve^eiht man es den Männern nicht, daß sie als Italiener überhaupt unterzeichneten, wenn auch mit Reserve. Warum der ungeheure Zorn? Was steckt da- . hinter? Biel. Die Angst vor der wirtschaftlichen Isolierung Italiens, Diese berechtigte Lebensangst. Richt nur der Fa- szismus. der sich längst nicht mehr bloß auf ~ Die eine Million seiner Bajonette stützt, sondern auf die zwanzig Millionen faszistischer Beamte und Arbeiter, die zu ihm als ihrem Rähv- Vater aufblicken, wird durch die Monopolisierung Der Rohstoffe und des Geldes bedroht, sondern auch die italienische Ration. Wie soll sie ihre hohen volitischen Ziele verwirklichen, wenn es irgendeinem Kartell evnfällt, ihr Den Stahl für die Schwerter wie für den Amboß - zu verweigern? 29. Lc8-t5 Die Narrenkappe Splitter und der ziehenden Partei Da4-a5 13. Lg2xe4 14. 0-0 voll, Ich ©egenb 11. 12. 16. Df6-f5 17. Th8-h6 18. h4xg3 19. Th6-g6 Ke8-f8 Ld7 - c8 Kf8-g8 9. Lb4xc3-f- 10. Lc8-d7 15. Tfl-dl 16. Da5Xc7 17. La3-d6 18. Tal-bl 19. Ld6xg3 9. Ddl-a4! 10. b2xc3 11. Lei —a3 Weiße einen bedeutenden Stellungsvorteil. Einfach und besser war Lb7 oder Ld7. 2. Sbl —c3 3. Sg2-f3 4. dl-d4 5. Sf3xd4 Besser Lc7, 20. ... 21. Dc7Xb8+ 22. Db8Xa7 23. Da7-c5-b 24. Kgl-hl e2-e3 24. ... 25. Tdl-bl 26. Dc5~e54- 27. De5-b84- 28. Db8-f4 29. Df4xe4 ..Ra, sind Sie Verhindert auf unbestimmte Zeiten die Ro- chade von Schwarz, womit das Schicksal der nach, Sparren vom AeDakttonstisch. Zu schwer. zwecken später nötig gebraucht wird. 6. g2-g3! Konsequent gespielt; der Läufer erhält sonst Tie nächsten oormitta zimmer meiftbide können si soll sosor gekauft h) es der hie mittelleii. Harb W Ein kleines Auto bahnt sich den Weg durch die belebte Straße. Am Steuer sitzt ein dunkelhäutiger, anscheinend ferneren Zonen entstammender Herr. Da er aber die Fahrtvorschriften nickt innehält, tritt ihm der Schupo in den Weg und sagt: „Halt! Sie sind falsch gefahren, mein Herr, an dieser Stelle dürfen Sie nicht überholen. Ditte um Ihren Rarnen." Der Dunkelhäutige sagt bereitwillig: „Ich heiße Pandit Direndranath Zarnumder, wohnhaft in Antananarivo auf Madagaskar. Entsetzt läßt der Schupo den schon gezückten Bleistift sinken, sieht den Missetäter an und sagt: verschont. Die Täter, die diese Arbeit leisten, müssen so alt fein, daß sie die Strafbarkeit ihrer Handlung kennen. fahren Sie weiter, das nächste Wal vorsichtiger." Grausamkeit. kann ohne Ihre Tochter nicht leben, Herr Direktor." — „Dann müssen Sie sich eben nach einem Beruf umsehen, lieber Mann." Reisepläne. „Dein Vater hat doch in die Ferien gehen wollen, warum bleibt er denn nun daheim?" „Er hat Bewährungsfrist gekriegt." Passende Vorbereitung. „Darfst du schon rasieren?" „Ree, — erst bei der Meestern in de Küche Fische schuppen." 2. Sg8-f6 3. Sb8-c6 4. e5Xd4 5. Lf8-b4? da derselbe zu Derteidigungs, stein UN? werden Hie miste fraglich es Dotersprr versteige zwangst I, zwei jtomr Dacht Wage 1 Sch Sabent Aurga Mlnt vult, i Kinder schb.l kein richtiges Entwicklungsfeld. 6.... 6. d7-d6 7. Sd4xc6 7. b7xc6 8. Lfl-g2 8. d6-d5? Rach diesem fehlerhaften, Zuge erhält tigte * tzauvei hielt frei ab, dies' Mischst spwche । Srayen u NlegiM gemocht. ' Sie bet K ten unsere zur Dwlo schon, M Sontcrslir 2aum!chnl W-'H für Aich des „Den die von oeranstal reicher F konsektio teilweise fertigt m zahl anm jianben, b imb bti 11 Wien jur rahmt Mi *\4) vviMM nahmen. öchach-Ecke. Bearbeitet von W. Orbach Hs 5* hier an 26. 27. 28. schon entschieden fein dürfte. 11. Sf6-e4 12. Dd8-f6 13. d5xe4 14. h7-h5 Schwarz hat sich aus seiner gedrückten Stellung bestmöglichst befreit, aber auf die Dauer ist die Partie doch unhaltbar. 20. Tbl -b84- Die Fortsetzung 20. Tb7!, Td8 21. e3 (um den gegnerischen Zug e3 zu verhüten) verdient hier den Vorzug, da hiernach sämtliche schwarzen Figuren gefesselt sind und der Schwarze dann in kurzer Zeit an Tempozwang zugrunde gehen muß. Schwarz, welcher in der Entwicklung ständig gehemmt ist. unternimmt hier mit Recht w! fei Serran'-° tarnen die «roh . düngen i xÄ heule b'e wurden-5 f i a e n + X» einen Angriff auf den feindlichen König. ■ — • 15. h5-h4 20. Ta8xb8 21. KeS-e7 22. Dr5-e6 23. Ke7-e8 verdient hier den Vorzug- 24. De6 —g4 25. Dg4-h3 Richtige Lösungen zum Problem Ar. 83 sandten ein die Herren: D. in G. (auch zu Ar. 82); Lehrer E. Simon, hier; Schulamtsanwärter Stumpf, Garbenteich. Schachbrieflasten. D. in G. Wir wollten bei Problem Ar. 83 mit der Zahl 7 keine Erschöpfung der Mattmög- lichkeiten geben, deswegen schrieben wir auch lieben „elegante" Mattbilder, z. B. sehen ^wir 1. Db2, Tyd4 2. Dxd4 matt nicht als elegant? Matt- stellung an. Wenn Sie die T.-Züge des Schwarzen mitrechnen, die möglich sind, gelangen Sie zu 13 verschiedenartigen Mattbildern. Es wird uns freuen, öfter Lösungen von Ihnen zu erhalten. I. Sch., hier; Sie vergessen, daß nach 1..... Txd4+ Ihre Dame nicht mehr auf b4 steht. Aus der Schachwelt. Dienstag, den 2. Aovember, wird der Schachmeister K. Reti in dem Frankfurter Schachverein e. CB., vormals „Freie Schachvereinigung". Löwenbräu, Große Gallusstrahe 17 eine Blindlingsvorstellung gegen zehn starke Gegner geben. Reti gilt gegenwärtig als der größte Blindspieler der Welt. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers". Problem Nr. 85. Don K. Traxler. Schwarz. Schwarz verlor hier durch Zeitüberschreitung. Aach Reti ist die Partte immer mit 30. Tb8+, Kh7 31. Dh4+, Dh4: 32. Lh4: gewonnen. Mit 32. . . Tg4 kann aber der Rachziehende noch ein kleines Gegenspiel einleiten. Lösung des Problems Ar. 83. Don L. Fothergill. 1. Db4-b2! mit leicht auffindbaren Mattstellungen. nicht nur für Allendorf sondern auch für die Umgebung ein Ereignis, kommen doch alljährlich Besucher sogar aus dem sog. „Grund", um hier ihre Winteveinkäuse zu besorgen. Bei dieser Gelegenheit durften einige Angaben über die Entstehung des Marktes interessieren. Der Rame Allendorf kommt schon im Jahre 786 vor. Im Jahre 1323 erhielt Allendorf unter Landgraf Otto I. (Heinrich I. Sohn) das Marktrecht. Anfangs fand jeden Mittwoch ein Wochenmarkt statt. Der erste Biehmarkt war im Jahre 1625, 14 Tage vor Ostern. Hiernach kann Allendorf jetzt auf ein Marktrecht von 603 Jahren zurückblicken. : Beuern, 1. Aov. Wie man hört, wird die Autvverbindung hierher vielleicht dock) noch Wirklichkeit werden. Rachdem seinerzeit sich die Verhandlungen mit der Reichsbahn betr. Zubringerverkehr Beuern—Großen-Buseck zerschlagen haben, hat sich nunmehr ein Bürger unserer Gemeinde bereit erklärt, das Unternehmen auf eigene Rechnung zu übernehmen. Er verlangt hierzu einen Kredit bezw. Vorschuß von der Gemeinde zum Ankauf eines Autos. Rach Ausarbeitung der Einzelheiten soll in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen hierüber verhandelt werden. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn die Schaffung eines Verkehrsmittels für unser abseits des Verkehrs liegendes Gemeinwesen zustande käme; besonders für die in Gießen beschäftigten Arbeiter, die Tag für Tag das ganze Jahr über eine Stunde kostbaren Schlafes opfern müssen, um rechtzeitig zu ihrer Arbeitsstätte zu gelangen, wäre diese Verbesserung sehr wichtig. — Zur Zeit tritt der Keuchhusten unter den Kindern unseres Dorfes wieder auf. — Der Stand der Erwerbslosenziffer in unterer Gemeinde beträgt zur Zeit 17. Kreis Fricvberg. 00 Offenheim, 1. Nov. An der Straße von ?icr nach Fauerbach wurden nachts viele unge Bäumchen beschädigt. Die Kronen waren umgeknickt oder abgeristen, die Pfähle auf die Straße geworfen, so daß sich morgens ein trauriges Bild der Verwüstung bot. Die umgeknickten Kronen wurden sofort wieder hochgebunde'n. Ob sie aber weiter wachsen werden? An dieser Straße sind schon wiederholt Bäumchen vernichtet worden, neben starken Stämmen stehen deshalb immer frisch gesetzte. Bet dem letzten Frevel wurden aber auch Bäume, die schon fünf und mehr Jahre sitzen, nicht Kreis Büdingen. ... R i d d a, 1. Rov. Gestern nachmittag fand in der Turnhalle hier die Z i e h u n g Der Geld- Loltcrie des Turnvereins Ridd a statt, die zum Besten Des Turnhallebaufonds veranstaltet worden war. ©ine große Anzahl der 33 000 Lose konnte nicht abgeseht werden, weil deren Vertrieb in den preußischen Gemeinden des Turngaues mcht genehmigt worden war. Der Hauptgewinn betrug statt 3000 Mark nur 1200 Mark. Der glücklicke Gewinner ist noch nicht bestimmt ermittelt. Es soll ein hiesiger stäDti - scher Arbeiter fein, dem der Gewinn zu gönnen wäre. —!■— Ortenberg, 1. Nov. Der Kalte Markt machte Heuer seinem Namen wieder einmal alle Ehre. Ein kalter Nordwest blies, Regen und Schneeschauer gingen nieder, das regnerische Wetter der vorhergehenden Tage hatte den Boden aufgeweicht. Trotzdem hatte die Beschickung des Marktes mit Pferden und Fohlen, sowie der Besuch gegen früher nicht nachgelassen. Gestern abend wurden 'bc- reite amtlich rund 600 Pferde gezählt, die In hiesigen Stallungen und Scheunen untergebracht waren. Die Eisenbahn hatte mehrere Sondergüterzüge ein* legen müssen, um den Verkehr zu bewältigen. Dazu kamen die noch heute Morgen eintreffenden Pferde, so daß der Markt mit etwa 800 bis 1000 Tieren eröffnet werden konnte (genaue Zahlen folgen noch). Man sah durchweg erstklassiges Material aller Rassen, Oldenburger, Belgier u. a. m. Trotz des gleichzeitig stattfindenden Frankfurter Pferdemarktes waren Händler selbst von weither, so von Bad Brückenau, Alzey usw., vertreten. Infolge des schlechten Wetters, das sich aber später aufklärte, und der sich immer noch bemerkbar machenden Geldknappheit ging der Handel zunächst schleppend und zeigte fallende Tendenz. Die Preise waren je nach Alter und Güte verschieden. So kosteten 1 ? jähr. Fohlen 300 bis 500 Mk., jüngere entsprechend weniger. Gute Arbeitspferde 600 bis 1000 Mark, beste und Luxustiere 1000 bis 1500 Mk. Da der Rindvieh- und Schweinemarkt morgen wegen der ringsum herrschenden Maul» und Klauenseuche ausfallen muß, wird auch morgen noch manche v Pferdehandel abgeschlossen werden. Da der Pferde- markt von Jahr zu Jahr wieder größer wird, erwies sich der Platz als viel zu klein, wovon sich auch Lrhthi Ullungeni otrgfinfitg Stupptßi Wan panufafc {eileibun. oes ®irti SMm werden lo Daraus iS ""inen 9024a Eil Heiden Seiten m Kitze' Weiß. Weitz zieht und setzt in zwei Zügen matt. Weitz: 7 Steine Ka6; Dg8; Lf4; Sd8, e3; Ba3, b2. Schwarz: 6 Steine Kc5; Df6; Tel; Bc6, d3, e4. Partie Nr. 63. Die nachstehende Partie wurde im Breslauer Schachturnier gespielt. Unregelmäßige Eröffnung. Weiß: A6ti. Schwarz: Moritz. 1. c2-c4 1. e7-e5 Positionsgemäßer erscheint e6. onwefende Vertreter der Feldbereinigungsbehörden überzeugten! der Platz soll daher in den nächsten Jahren eine bedeutende Erweiterung erfahren. Denselben Mangel zeigte der Schaubudenmarkt, der ebenfalls ausgezeichnet beschickt war. Bude reihte sich hier an Bude, jedem Geschmack war Rechnung «tragen, ein Riesenehepaar, Frauen mit zwei Köpfen oder gar keinem Kopf, ein SOOjähriges Krokodil mit seinen Jungen, und vieles andere mehr erregten die Aufmerksamkeit; großen Zuspruch halte wegen seiner besonderen Leistungen der Zirkus Serrani. der erstklassige zirzensische Kunst bot. Dazu kamen die vielen Buden mit Süßigkeiten aller Art, die große Anziehungskraft ausübten. Die Anmeldungen zu dem morgen unb übermorgen ftattfin» denden Krammarkt sind zahlreicher denn je. Auch in der Stadt entwickelte sich in den Geschäften und Gasthäusern ein reges Leben. Der Markt wird am Donnerstag mit einer Verlosung beschlossen, zu der heute die besten Fohlen als erste Preise angekauft wurden. — Der Schalterverkehr am h > e » sigen Postamt wurde verlängert, er findet jetzt vormittags von 8 bis 12 und nachmittags von 2.30 bis 6 Uhr statt. Die Maßnahme wird von allen Geschäftsleuten und auswärtigen Kunden sehr freudig begrüßt. Slreie Schotten. Schotten. 1. Rov. 3n dec jüngsten Kreisausschuhsihung kam die beabsichtigte Anschaffung von Motorfeuerspritzen zur Sprache. ES wurde bev Beschluß gefaßt, zunächst durch die Firma Magirus eine Probevorführung einer Liliput-Motorsprihe vor- nehmen zu lassen. Die Frage, ob für die vier Bezirke deS KreifeS (Schotten, Laubach. Ulrichstein und Gedern) je eine Spritze angeschafft werden soll, rief eine lebhafte Debatte hervor Die entstehenden hohen Kosten lassen es noch fraglich erscheinen, ob die Anschaffung von vier Motorspritzen auf einmal erfolgen kann. )—( Ruppertsburg, 1. Rov. Die hiesige ^Ortsgruppe deS O b ft' und ® art en« bauvereins, zur Zeit 44 Mitglieder zählend, hielt dieser Tage ihre erste Winterversammlung ab die sehr gut besucht war. Der Obmann sprach zunächst über daS Thema: .Wie ernährt ftch der QMnm?" Daran anschließend wurde in der Aussprache noch auf verschiedene Mängel beim Kratzen und Kallen der Bäume, sowie bei der Anlegung von Znsektenfanggürteln aufmerksam gemacht. Zum Schlüße kamen 22 Obstbäumchen, die der Kreis-Obst- und Gartenbauverem Schotten unserem Vereine kostenlos überwiesen hatte, zur Verlosung. Die Däumchen, durchweg sehr schön, stammten aus der zwischen Laubach und Gonterskirchen gelegenen, 2> > Morgen großen Baumschule des Kreises Schotten. Kreis Alsfeld. teet Alsfeld, 1. Ron. Ein Ereignis bedeutete für Alsfeld die gestern nachmittag im großen Saale des „Deutschen Dauses" abgehaltene Mobesckau, die von hiesigen Bekleidungs- und Putzgeschaften veranstaltet wurde. Es wurden in abwechslungsreicher Folge sowohl in Damen- wie auch in Kinderkonfektion sehr schöne Modeschöpfunaen gezeigt, die teilweise sogar besonders für die Modeschau ange« fertigt worden waren. Die Träger waren eine Anzahl anmutiger junger Damen von hier, die es verstanden, durch graziöse Bewegungen auf der Buhne und bei ihren Besuchen im Saale die Mobesckon- heiten zur wirkungsvollen Geltung zu bringen. Umrahmt wurde die Deranstaltung durch ein gut zusammengestelltes Konzertprogramm, zu dem die sehr zahlreich erschienenen Besucher — der Saal war vollständig besetzt — ihren Nachmittagskaffee etn- nahmen. „ L Ober-Ohmen, 1. Aov. 3n unktet Gegend waren vor dem Kriege noch W e b - stühle in Tätigkeit. Die Mechanisierung der Weberei hat dieser Hausindustrie dann abor den Todesstoß versetzt. 3n der Kriegs- und Rachkriegszeit wurde jedoch mancher Webstuhl wieder in Betrieb genommen, denn die Stoffe aus den Webereien waren meist unerschwinglich teuer. Die selbstverfertigtcn Stoffe, besonders daS Hausmacherlernen. das sowohl zu Leibwäsche, alS auch für Bett- und Tischtücher verwandt wurde, und der Schäftig, der zu Männer- und Frauenkleidung Verwendung fanb, zeichneten sich durch ihre Haltbarkeit aus. 3n manchen Haushaltungen frndet man diese Stoffe heute noch in größeren Mengen vor. Run ruhen die Webstühle in unserem Dorfe, nur e l n Einwohner hat seinen We b - stuhlwiederinDang gebracht. D.eser Mann hat bereits das siebzigste Lebensjahr hinter sich. Er hatte früher die Weberei und den Tuchyand^ in großem Maßstäbe betrieben und sich burty seinen Fleiß unb seine gute Ware ein ansehnliches Vermögen erworben, so baß er mit Ruhe dem Alter entgegensehen könnt. Di? 3nf.atwn nahm ihm alles. Unb so webt nun dec alte Mann heute wieder für eint* Tuchhandlung und verdient sich dadurch etwas Geid ftir seine .ganz alten Tage." Mrt dem Rückgang der Haus'neberer nahm auch der Flachsanbon hier immer mehr ab. Heute sieht man nur selten in unserer Gegend noch ein Flachsfeld. Dagegen sind tn unserer Rachbargemeinde Groß-Eichen, wo früher die Hausweberei in großer Blüte stand, heute noch einige Webstühle im Gang e. Wie lange witd's aber dauern, bis auch diese durch den Siegeslauf bet Maschine üerbrängt sinb. V Grebenau, 1. Rov. Unsere Landschaft ist ältester Kulturboden, der schon in vorchristlicher Zeit besiedelt wat. Die Zeugen jener Zeit liegen zahlreich auf den Abhängen unserer Berge, u. a. am Schlitzet Pfad bis hinab in den Heistergrund, an der alten „Frankfurter Straße" (d. i. jener alte Höhenweg über den Windhain) zwischen Udenhausen und Schwarz, vom Talgrund der Knechtbach aufwärts bis in den ..Tannenwald" hart links an der Straße Eulersdorf— E i f a—QI lSfeld und rechterhand dieser Straße nach L i n g e l b a ch zu. Es find jene flach runden, niedrigen Hügel, die nur Erdhaufen zu fein scheinen und als Hünengräber bekannt find. Wenn auch nicht gerade ein sagenhaftes Oe- schlecht von Hünen hier seine riesigen Toten bestattete, so bergen diese Grabstätten doch menschliche Üeberreste aus früher, vorchristlicher Zeit. Diese Stellen sind Friedhöfe aus heidnischer Vorzeit. Einige der Gräber sind schon früher geöffnet worden, um aus ihrem Inhalt Kunde zu schöpfen über Volkstum, Kulturstufe und Zeitalter jener Menschen. Was sie bargen, ist in den Museen zu Alsfeld und Gießen zu sehen. 3m vergangenen Sommer wurden diese Rachforschungen unter Leitung von Professor Helmke auS Gießen fortgesetzt. Wenn auch die Ausbeute an Gebrauchsgegenständen gering war, so dürften doch aus der Art der Anlagen wichtige Schlüsse gezogen werden können. So wurde in einem ausgedehnten Grabhügc oberhalb Eulersdorfs zunächst eine beträchtliche Menge Holzasche (wohl die Lieberreste deL Toten- oder Opferfeuers), dann eine Füllschicht von Feldsteinen (Sandsteinbrocken) und als einziger Lieberrest der Totenbestattung eine Dronzenadel (Gewandnadel) gefunden. Letztere wurde unseres Wissens inS Alsfelder Museum gebracht. Die Leiche selbst war vollständig vermodert, denn es wurde auch nicht die geringste Spur von Knochenresten angetroffen. Es verlautet nunmehr, daß die Ausgrabungen rm kommenden Sommer fortgesetzt werden sollen. Vielleicht sind dann ausgiebigere Funde zu erwarten, die im Verein mit früher gemachten vollständige Kunde geben vom Leben unb Sterben der nachweißlich ersten Bewohner unseres Tales. ft. A u . dem S e e n t a 1, 1. Nov. Der Seen- dach in der Flen junger Gemarkung wurde reguliert. Hierdurch wurde einem schweren Uebelstandabgeholsen.da in feuchten Iah. ren die Wiesen zwischen Stockhausen und Flensungen einen großen See bildeten, der den Boden vollständig ruinierte, so daß auf diesen sonst so guten Wiesen das schlechteste Heu geerntet wurde. Außerdem wurde durch die Regulierung viel Land gewonnen, da sämtliche Krümmungen des Baches in der Gemarkung Flensungen nun verschwunden sind. Der Wiesengrund bietet jetzt einen ganz anderen Anblick wie in früheren Jahren. Da der Lauf des Backes oberhalb Seenbrücke nach Freienseen zu schon vor einigen Jahren reguliert wurde, fehlt jetzt nur noch das Zwischen- stück, das den Gemarkungen Lardenbach, Stockdaufen und Stockhäuser Hof gehört. Hier wäre Die Regulierung am nötigsten, da die Versumpfung der angrenzenden Wiesen schon recht weit fortgeschritten ist. L Aus bem Vogelsberg, 1. Rov. Ein bebauerliches Zeichen bet Zeit ist der an« öauernbcRückgang bet Schafzucht, bet sich in unserem Gebirge in hohem Maße bemerkbar macht. 3n dielen Orten, in denen in der Kriegs- und Rachkriegszeit noch ansehnliche Schas- herden gehalten wurden, find diese fetzt abgeschafft; in anderen trägt man sich mit bem Gedanken. die Schafzucht letzt aufzugeben. Früher hatte man allgemein die Gemeinbeschäsereien, b. h. der Schäfer war Angestellter der Gemeinde und die Schafe we'deten auf Gemeindeland unb nach der Ernte auf dem Privatland. Heute wandelt man häufig die Gema: ndefchäfereien in Gesellschaftsschäfereien um. Die Folge davon sind Streitigkeiten unb Scherereien, bi ble Landwirte, die keine Schafe besitzen, bas Beweiben ihrer ®rtmb- ftüdc verbieten. Der Schluß ist bann meistens die Auflösung der Schäfere':. Sehr oft fehlt es aber I auch an tüchtigen Schäfern. Dieses QTbfterben der | Schafzucht ist besonders bedauerlich für unser Gebirge, wo es gewiß nicht art Weideflächen fehlt. Kreis Lauterbach. d Lauterbach, 1. Rov. Die Ortsgruppe Lauterbach der Deutschen Bolkspartei hielt in dem Lokale des Gastwirts Keuher eine Versammlung ab, in welcher der Geschäftsführer Weißer (Gießen) über die politische Lage in He'sen referierte unb einen Bericht über ben Reichsparteitag der Deutschen Vollspartei am 2 und 3. Oktober in Köln erstattete. Der Vortragende besprach die burd) die Annahme des Qlntrags auf Volksentscheid für den Dolksstaat Hessen geschaffenen Verhältnifse und wieS auf den Steuerdruck hin, der auf allen Berufsständen lastet. Die Deutsche Bollspartei fordere Abbau der höheren Deamtenstellen. Der Redner ermahnte die Mitglieder, am 5. Dezember für die Auflösung des Landtags zu stimmen. Lieber den Parteitag in Köln sprach der Redner in längeren Ausführungen. Die Veranstaltung in Köln sei eine mächtige Kundgebung für bas Deutschtum gewesen unb habe bei den Teilnehmern einen tiefen Eindruck hinterlassen. Der Vortrag Wurde mit großem Beifall ausgenommen. Eine Aussprache fand nicht statt. Preußen. Kreis Wetzlar. kz. Wetzlar, 1. Rov. Der als Auto- und Llmgehungsstrahe ausgebaute P h i l o - fophenweg hat nicht nur große Verkeh rs- erleichterung geschaffen, sondern auch ein neue- Baugelände erschlossen. An I':r großen, auf die Höhe führenden Kurve des Weges ist bereits ein stattlicher Reubau bn Eatsteycn. dem noch weitere folgen werben. Degen seiner geschützten Lage ist dieses Gelände für Wohnzwecke sehr gesucht. <> Münchholzhausen. 1. Nov. In der Nacht vom Sonntag auf Montag kam es zwischen hiesigen Burschen auf der Ortsstraße zu einer Schlägerei, wobei ein Bursche einen R e - ü o l d e r zog und einem anderen einen Schuß in den Unterleib beibrachte. Der Schwer- verletzte mußte noch in der Nacht im Sanität»- auto in die Klinik nach Gießen verbracht werden. Wie verlautet, besteht Lebensgefahr. Ein weiterer Bursche erhielt einen Schuß in den Arm. Der Täter wurde heute nachmittag durch einen Landjäger v e r h a stet und in das Amtsgerichts- gefängnis nach Wetzlar eingeliefert. Kreis Westerburg. * ©öfterbürg, 1. Nov. Regierungsrat Schunk von der Regierung in Koblenz wurde zum k o m miss arischen Landrat des Kreises Westerburg ernannt. 00 Westerburg, 1. Nov Bei den 0c fcllenprü ’tngcn der Schuhmacher- Zwangsinnung des Kreises Westerburg be- standen 4 Lehrlinge, zwei mit der Note . Sehr gut" im Praktischen, zwei mit derNote „Gut". — End-' voriger Woche fand in einem Teil der ehemals graf- lieben Jagd eine Treibjagd statt. Obwohl sich etliche 20 Jäger, meist aus Solingen, cinfanbcn — der jetzige Pächter ist Herr D i e d e r i ch s'Solingen — wurden nur 9 Hasen zur Strecke gebracht. Amtsgericht Gießen. Gießen, 26. Okt. Im Sommer d. I. waren mehrere Geschäftsleute zusammengekommen, um sich über die Vergebung von Arbeiten bei einem Ladenumbau zu besprechen und sich über die hierfür zu fordernden Preise zu verständigen. Einer von ihnen nahm die Arbeiten für sich in Anspruch und verlangte von den anderen, daß diese ihre Preise bem» entsvrechenb höher ansetzen sollten. Es konnte keine Einigung unter ihnen erzielt werben, ber eine warf vielmehr einem ber Anwesenbcn vor, er habe sich bei einer früheren Arbeitsvergebung nicht ben Ber abrebungen entsprechen!) benommen, jonbern anbere Preise verlangt, als ursprünglich verabredet worben sei. Schließlich kam es so weit, daß einer den andern „Lump", „Schuft" unb „niederträchtigen und gemeinen Menschen" nannte. Der Beleidigte erhob hierauf Privatklage, die heute dahin verglichen wurde, daß der Beleidiger seine Aeuherungen mit Bedauern zurücknahm und sich zur Zahlung einer Buße von 25 Mark an das Evangelische Schwesternhaus dahier und zur Tragung der Kosten des Verfahrens verpflichtete. Rundfunk-Programm deS frankfurter Senders. (Aus der .Radio-Umschau".) Mittwoch, 3. November: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters. Ballerinnerungen (Alte Tänze). 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Bücherstunde. 6.30 bis 7 Uhr: „Altdeutsche Tafelmalerei HI", Vortrag von Dr. Götz, Assistent am Städelschen Kunstinstitut. 7 bis 7.30 Uhr: „Frauenschicksal und Verlauf der Menschheitsentwicklung", Vortrag von Dr. Lilli Nölting. 7.30 bis 8 Uhr: Die Schachstunde. 8.15 bis 9.15 Uhr: Uebertragung von Kassel: Opern- und Arien-Abend. 9.15 Uhr: Dramatischer Abend. Inserieren bringt Gewinn Schmücker. 9024a Drucksachen aller Art Hefen In jeder gewünschten Ausstattung stilrein und ordswert die Brühl’icbe Uelv.-Dniekerei. R. lange. bekleidung beim Einkäufe den Angehörigen des Wirtschaftsbundes der Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenverbände zuteil werden lassen wollen. Jur Vermeidung von Irrtümern möchte ich daraus Hinweisen, daß ich die nämlichen Vorteile unter gleichen Verhältnissen schon seit über einem Jahr allen meinen Kunden gewähre. V Cummlbetifloffc A hygienische Zlnifel A sämtliche (Fummiwaren I Drogerie Wlnterholf// k Areuzplotz 7/ 9 u. 10 Jr Empfehlung. Schneiden von Obst- und Beerensträuchern,Decken v.Rosen u.sonstigeGarten» arbeiten werd, fachgemäß ausgeführt. Landschaftsgartner O7M7 Fritz Schulz, Steinftr. 52p. Wliliei für Krontork-, Papplcheiben- unb Büget- Berschluh, sowie Krorikorkverschlllsse, Pavvlcheiben und Kionkorkverschtuk- mafchmen, Flafchenkasten und ftlaWett: körbe liefert zu rlrigtnalvretfen Eduard Gondner Klitschen-, Korbflaschen- und Korkengrotz- banblung — Kellereibebarlvnrtiket fternruf Nr 326. Gießen. Steim'ir. 84/86. Niederlage ber A.-G. der GerreSbelmer Glasbüttenwerke norm, ft erb. Hene, Düsseldorf—Gerresbenn 805» D MimlMM. Letzthin wurde durch besondere Mit, honig Golbktnr, Heller Bie- nensckleuberhontg, gar rein,Vinbeburdi, schmeck., 10-Vid - Eimer Jt 10 50, halbe ./£ 6.50. AuS Lmbe- Akazie A 13.80, dzw. Ji8.40 sranko Nackn. Uelietnst. 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Noscmbkr 1926, nachmittags 2 Llhr versteigere ich Neuenweg 23 im Löwen zwangsweise gegen Barzahlung: 9017D I. zwei Pianos. 1 Trumeauspiegel, zwei Kommoden, 2 Sesfel, 2 Tische, zwei Nachtschränkchen, 1 Sofa, 1 schweren Wagen mit Kasten, 1 Schreibmaschine. 1 Schreibtisch. 1 Kaffenschrank, zwei Ladentheken, 1 Partie Zigarren, eine Flurgarderobe, 1 Teppich, 2 Vertikos. 1 Chaiselongue, 2 Stücke Anzuglloffe. JJ. Bestimmt: 1 Nähmaschine,'Doppel- pult. 1 Spulrad. 1 gut erhaltenen Kinderwagen. An Ort u. Stelle: zwei fahrb. Lokomobilen, 7 Sandsleinblöde. Junker Gerichtsvollzieher in Gießen. W.Sie? Elektr.Ulcht- u. Kraftanlagen Roonstr. 34 Fernruf 1652 teilungen bekanntgegeben, welche Zahlungsoergünstigungen gewisse Geschäfte der Ortsgruppe Gießen des Neichsbundes des Textil- Manufakturwaren und Herren-'u. Knaben-1 Sudle meldete Ooöel-ui)leiiüüiHe Größeres Pelzgesckäft mit eigener Kürschnerei liefert vom einfachst, bis zum feinst. Petzmcrl an Beamte, Lehrer. Aerzte, Direktoren unb Festangestellte jegliche Pelzgegenstänbe, sowie Petzmäntell Zacken, echte Skunkse. Wälle, Fückle unb andere Pelzarten gegen mebrmonatltche Sn&hmgcn obne sebenAul- schlag. Das Pelzstllck wirb fofort mtsge- bänbigt. Wir bitten um Angabe, slir welche- Stück Jnteresie vortiegt, woraus unverbindlich. Berlreterbeiuchersolgi. Strengste DiSkreiion wird Augeiicbeit. Berufsan gäbe erbeten. 8901c Pelzbauö All-er und Eobn, _____ Frankfurt a.M., Goetbestr. 14__ UMiiMÜM. von nachmittags 2 Uhr ab, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28: 3 Betten, 1 hompl. mit Federzeug, 4 Kleiderfchränke, 1 Kommode, ein Nachtschränkchen, 1 Vertiko, Näh-. Maschinen, Grammophone, Schreibmaschinen, 1 Motor (1 P.S.), 1 kompl. Badeeinrichtung, Herren- u. Damen, fahrräder, 1 großes Schiff, Zigarren, Kakao, Seife, Seifenpulver. Kerzen, Zahnbürsten, Kinderwagen, Gasöfen, elektr. 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Warum bleibt das <9CUmfiänt>I?d)^in9erte Kreuth zwischen dem Leder. Ihm war, als brause die Luft auf einmal. Alles rundum schichtete sich ineinander: selbst die ewigen Berge drüben am Ufer stürzten in den See. „Natürlich auch das", lächelte Kreuth und zog die Noten hervor, die für die Heimreise bestimmt waren. „Natürlich auch das. Und das macht zusammen —" „Achthundertdreißig Franken", ergänzte die Sabukowa. Gleich darauf nahm sie ihr Geld wieder an sich. „Lassen wir das bleiben", sprach sie leichthin. „3ur Not sind ja meine Perlen da." War das Scherz, war das Ernst?" So kamen und gingen die Tage. In einer abseitigen, stillen Pension lebten die zwei. Die Sonne, die Berge, der See und die beiden einfachen Zimmer waren Montreux. Es gab kein Kasino, keine Tanzbars, keinen Spielfaal. Keiner der Sportzüge trug Kreuth und die Sabukowa in die verschneiten Höhen, wo die Bobsleighs in der Kurve knirschten, und die Skier ihre weiten Dogen in die weiße Unendlichkeit zeichneten. In keinem der vielen Autocars waren sie noch gestiegen, die emsig zum Großen Sankt-Bernhard oder nach den Alpenpässen von Pillon und Les Masses fuhren. In den stillen zwei Zimmern oder immer auf demselben Wege nach Schloß Chillon und zurück knisterte und flammte ihre Liebe. Bald war sie ein Rausch, der sengend bis ins Hirn drang, bald ein wortloses Tändel,piel der Hände, bald ein Werfen und Fangen von Wörtern. die Gluten anfachten oder erstickten Wie Stunden flogen die Wochen vorbei. Einmal sagte die Sabukowa, als die hellen Mauern von Chillon wieder durch das Geäste leuchteten- .Denkst du noch immer an dein Mädchen in Kreutb wuchs in die Hohe. Schlaff wurden seine Züge gleich darauf. , „An wen soll ich denken? murmelte et. Die Augen der Sabukowa blitzten. „Leugnest du vielleicht? Ich will nicht, daß du an sie denkstI" Im nächsten Moment drängte sie sich heran. Weich und voll Zärtlichkeit bettelten ihre Lippen: „Denk nicht an sie." Ihre weißen Hände bildeten eine Schale, die höher und höher stieg und vor seinem Antlitz hielt. „Da — hier hast du mein Herz! Willst du mehr als mein Herz?" Er legte sein Gesicht in ihre kühlen Hande. Stumm setzten fie ihren Weg fort. Ein Trupp Touristen belagerte die kleine Brücke, die zu dem Felsen führte, darauf Schloß Chillon seit Jahrhunderten stand. Jemand erklärte mit schallender Stimme, welche Bewandtnis es mit der alten Burg hatte. . Kreuth wollte umkehren, aber die öabutoroa sagte: .Hören wir den Mann an." Der zungengeläufige Führer erzählte von Franz von Bonivard, der vor vierhundert Jahren zweimal im Kerkergewölbe des Schlosses geschmachtet hatte Der Herzog von Savoyen war sein erbitterter Feind gewesen. Erst 1536, als die Berner Chil- lon eroberten, erlangte Bonivard die Freiheit wieder. Behaglich schilderte der Führer die Qualen, die der Gefangene in dem finsteren und feuchten Verließ zu erdulden hatte. Flugs war auch em Verkäufer zur Stelle, der Byrons „The pnsoner of Chillon" laut anpries. Behend reichte er Exemplare des Buches herum. „Alles finden Sie hier, meine Damen und Herren, alles, von einem der größten Dichter befungen." Nur wenige kauften. Die Blicke der Männer schwirrten um die Sabukowa. Verstohlen lugten auch die Frauen und Mädchen nach ihr-, ihre Nasenflügel blähten sich irritiert. Manche Hand schloß sich fester um die Armbeuge ihres Begleiters. Mißmutig packte der Der- fäufer feine Bücher ein. „Siehst du," sprach die Sabukowa, als man wieder heimwärts schritt, „das war ich." Noch höher Öen ihre dünnen Brauenbogen. ..Wenn ich ir- wo erscheine, verblaßt felbst die Geschichte.. So- | gar Lord Byron wird geschlagen."_______ Kreuth starrte über den See. Ein weißer Dampfer legte in Montreux an. Blaffer Rauch schwamm über den Hausern am Quai. Graugrün grüßte der Wald von den fangen dahinter. Helle Flecke waren die Dillen bis hinauf, wo der schimmernde Schnee begann. Eine Eisenbahn pfiff ganz nahe, durchdringend und gellend. Ungestüm donnerte der Zug heran. ^we^längst, wie es ist, wenn du irgendwo erscheinst" sagte er stolpernd. Wie gelähmt war ^^W^dttwrach die Sabukowa etwas, ohne daß er sie verstand. Aber man mußte sie ja gar nicht verstehen. Wenn sie die Lippen nur öffnete und dunkle Laute ausströmte, genügte das schon Im Augenblick war man fortgetragen von den schwingenden Ty- nen im Augenblick zerbrochen und wehrlos. Sehr in acht nehmen mußte man sich vor dieser Stimme. Eine Stunde nur sollte man taub sein können, uber-- (eate Kreuth, taub und blind und ohne Gedächtnis, bann ginge es vielleicht. Dann würde das Wagnis vielleicht gelingen: blindlings fort von ihr, wie man ba stand, in ben nächsten Zug hinein — unb fort. Doch mit den Nerven spürte die Sabukowa, was Gr „Halte ich dich?", fragte sie einmal lächelnd. .WAcher Mensch könnte den anderen halten? Die Kräfte eines Riefen reichen dazu nicht aus." Nur mit der Fingerspitze berührte fie seine Wange. „Das hält dich. Jetzt fühlst du dach, was es ist?" Besinnungslos sank Kreuths Kopf zurück. Die Sabukowa nahm seine Hand und legte sie an ihre Brust. „Und nun fühle ich es," keuchte sie schwer, die Lider geschloßen. Wenige Sekunden blieb fie still. Dann warf fie die Hand weit von sich. „Wie lange soll ich das ertragen?" lispelte fic_ mit verzogenen Sippen. „Es ist starker als ich. stärker als du. Niemand hat die Kraft, dem zu entfliehen." Dennoch lauerten ihre Augen immerfort. Wie märchenhafte Wasserfälle stürzten die Tage: aus unendlicher Höhe in unendliche Tiefe. Der Grund, dachte Kreuth, irgend einmal mußte der Grund doch kommen. Immer und überall war das so: alles hatte seinen Anfang, alles sein Ende. Jeder fühlte festen Boden unter feinen Füßen, niemand schwebte endlos in der freien Luft. Man war der Erde zugehörig, lebte auf der Erve, a*, tränt, schlief wie die anderen. Man mußte zur Erde zu» rück. Noch eine Woche, noch einen Tag, noch eine Stunde waren alle Wege verschüttet. Aber bann kam ber Augenblick. Kaum hämmerte ber Morgen. Sitzend fand sich Kreuth in seinem Bett, die Augen aufgeriffen, die gespreizten Finger auf ber Decke. „Jetzt", bornierte es in ihm, „jetzt!" Nur eine Sekunde lauschte er. Sacht tickte die Alabasteruhr auf der Kommode. Leise hüstelte jemand in der Nachbarschaft. Lautlos glitt Kreuth zu Boden, lautlos kleidete er sich an, lautlos schlich er durch die Türen. Niemand stellte sich ihm entgegen. Leer lagen draußen die Straßen. Kühle wehte von den Bergen. Ruhe und Kraft stiegen aus dem blank - glänzenden See. Eine Viertelstunde später saß Kreuth in einem Zug, in irgendeinem Zug. Langsam zählte er sein Geld. Es langte. Vielleicht brachte man sogar noch etliche Franken nach Berlin mit, um einen zweiten Anzug und etwas Wäsche zu kaufen. Dann zog die Maschine an. XXIV. Alles um Bernhard Carsten wankte. Die Heimarbeiterin Böhlecke war im Krankenhaus gestorben. Eines der drei Kinder rang mit dem Tode. Noch wochenlana beschrieben die Zeitungen ausführlich, wie alles zugegangen war. Jedes Blatt gab feinen Schilderungen einen anderen Titel. Nur wenige blieben objektiv. Die meisten verrieten ihre Einstellung schon durch die Ueoer» schrift. „Wohltätigkeit um jeden Preis — auch um den Preis von Menschenleben", sagte ein radikales Organ. „Solchen Phantasten muß das Handwerk gelegt werden , schrieb ein anderes Blatt, das einer bekannten Kapitalistengruppe nahestand. Sehr weit riß der Stadtverordnete Priebe den Mund ckckf. Nicht nur gegen den schuldigen Architekten Wilemar. auch gegen Carsten verlangte er ein beschleunigtes gerichtliches Verfahren. Auf einmal leuchteten unzählige Blendlaternen in Carstens Leben. Jede Falte wurde aufgedeckt, jeder verborgene Winkel durchstöbert, jede Spur aus der Kriegs- und Inflationszeit oerfolat. So also sah der Mann aus, der sich für den Menschenfreund ausgespielt hatte? Niederschmetternd war die Erkenntnis. (ffortlefiung folgt.) Hol m-iBiiara-taii,,Ifeipoili“ Leitung Herr Hans Sonntag Sonntag, den 7. November 1926, nachmittags 5 Uhr in der Neuen Universitäts-Aula NdHrttahr-burl 90050 unter gütiger Mitwirkung des WEN DUNG-QUARTETTS Gesangs-Solo-Quartett aus Offenbach a. M. Karten im Vorverkauf bei Ernst Chai 11 er, Neuenweg. Zigarrenge-chflfte Gustav Sonntag, Selters weg u Schul tralie. sowie an der Kasse- Preise der Platze-, 1 20 u 0.8uMk lli LOTTERIE JUGEND HAUPT 3OOOO AK PRÄMIE 1OOOOMK LOS SQs GESAMTWERT BER GEWINNE 21OOOOMK DEN FUAUEN ZU NUTZ, 0£R WÄSCHE ZUM SCHUTZ SUMA aW VSbilt.CitJ4/. Eingetroffen Frische Fische Sche'lfisch, klein.. 0 32 Schellfisch o. Kopf 0.40 Rotbarsch.......0.35 im Konsum-Verein Gießen und Umg 9021a e. G. m. b. H. Rastas „ZuihLh“ Meitanlaac 7. Westanlage 7. Mittwoch, 3. November 1926 Qualität und Qualitäts-Arbeit 07017 Heinrich Kreveri Feine Herren- il Damen-Maßschneiderei Gießen, Plockstraße 7 Fernsprecher 1323 Metzel f uppe Morgens 9 Uhr BelWnmt Stow Volkshochschule Morgen, Mittwoch, abends 8 Uhr, beginnt der Kurs ..t.inftihrnnc In das Bürgerliche Gesetzbuch**. (Oberrealschule, Eing. BismarckstrJ ... r.e____________________________________ McielnünT Emaillieren Ziehung am 15. und 16. Dezember 1926. Aufsehen erregender Gewinnplan. Gewinnplan und Lose sind erhikitlich In Gießen bei E. Legler, Lott.-Elnn.. Südanlage 5; Peter H a >>; Lahnstr. 21. Kolonial waren.__________74S5ss i Fichten. I Deckreiser etuaeirosten 076: 0762-'. [ Kaufgesuche 07616 a ö.iMteü. flna. rtUitor auch mir Ne- wUlU bcnbciriebt 9018V ülflemur jed. vröye. für anb* lunfl$fab.,fof.cnifdil. Kaut * kauf, (ic’ucbf. AnSfübrl Off erbet, an ble altvek. (Muter- Eelljgelierner weg 21 Tel. 1308. Hermann I.Öhm Fraokiurtn. M.VS Zeil 111. emhmh Miii iifflrr t~tt " Zum Vertrieb em erstkl patent.Werk- 9 ;e.tge3, s. d. ied.Cleklrotnüallateur um S bcbtnßt Käufer tit werben nur beet » einffrffihrtc Vertreter geg. ho > S Srooiüon nefudjt. Ost um F.ü.M.1627 ti an Rnflolt Klone, Frankfurt a.M. [„.,ess ■ Gebrauchtes taiwta nut erhalt, nldjter- los, au kaufen ne- flicht. Lchr. An geb. u. Beamter gegen Vergütung a.Vertrauensmann gesucht werden gewährt an Beamte und Staat lieh test An- ffCMteilte gegen 8"/o Zinsen jährlich u. Dinou. Rückzahlung mit- günst. Bedingungen. Antragsformulare wolle man anfordern von der eoiaD llogjlfiel Braugasse 9, statt. 9015D Bezirkssparlrasse Gießen. ist das Beste, Eleganteste und Billigste Rheingold kuäu.gltrcihe L>. UlAWi) MehÄ suppe MMlUMMlUitKlüllk. WeMd.MolWM'M WWm Restauration 07624 „Stadt Lich" mors mit ro s.noo viN«vv/lr ffr wl'vwll v v ilvvV Die in Lich (Oberhessen) eingerichteten Geschäftslage finden nunmehr |MMW,MK!.8WghsU'/,W im Hause des Herrn Bürgermeisters i. R. 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D.-Mannschaft zufrieden sein, die sich ihrem groben Gegner ebenbürtig erwies und ihr Bestes hergab für den Sieg, den sie mindeftens ebensogut vrrd'.ent hätte wie die glücklicheren Kasselaner. Die Zweite Mannschaft hat sich nach ihrer Riedcrlage gegen D. C. Wetzlar wieder auf sich selbst besonnen und sich durch ein 8:1 gegen Butzbachs Ligareserve auf deren Platz die begehrten Punkte geholt. Die übrigen Spiele sielen dem Wetter zum griff schloh denn auch.durcheinenschwerenDeckungs- ehler eines Giehener Derleidigers begünstigt, mit einem Torschuh ab. Kassel beherrschte nun ür einige Zeit das Feld. Seine rechte Sturmseite ouhte sich immer wieder durchzusetzen. Eine tat- ächlich vollkommen zu TInrecht gegebene Ecke ergab für K. den dritten, sehr billigen Erfolg. Ruch dies war eine grobe Fehlentscheidung des Schiedsrichters, der durch Mitlaufen die unwahre Entscheidung des Kasseler Linienrichters als solche hätte erkennen und richtigstellen müssen. Trotzdem kämpfte D. f. D. unentwegt werter, um das Resultat zu verbessern. Aber auch hier " - - - “ ' " ' Weg. Rechtsautzen . Endlich gelang es Handball. T. D. 46-töt. T. D. Bietzen (Meisterklasse) 1:1. ' Unter der Leitung des Gauspielwarts Seibert Wetzlar) stellten sich am Sonntag obige Mann- (haften. Mlo. in stärkster Aufstellung, wahrend 46 ür seinen verletzten Sturm sichrer Ersatz stellen mutzte. Es entwickelte sich sofort ein spannendes Spiel, das 46 zunächst im Angriff sah. Das Spiel gestaltete sich dann offen, und in der 13. Minute mutzte der 46er Torhüter einen Fernwurf passieren lassen. Mto. führte 1:0. Nach Anwurf sah man Mto., von seinem Erfolg angefeuert, im Angriff, jedoch die 46er Hintermannschaft, Verteidigung und Torwart, war in bester Form. Die 18. Minute brachte den für 46 verdienten Erfolg. Ein scharfer Wurf des Halbrechten fand seinen Weg ins Mw.- Tor 46 hatte ausgeglichen. Mit dem Stande 1:1 ging es in die Pause. Nach Wiederbeginn sah man die 46er im Angriff, sie konnten das Spiel bis zum gröhten Teil überlegen gestalten. Einen von links- außen geworfenen Ball holte der Mtv.-Torwart unter der Latte heraus. Unoerständlicherweife ent- schied der Schiedsrichter Torabwurf. Ein weiterer Erfolg war den 46ern trotz starken Drängens nicht beschieden, da Mtv. sich etwas stark auf die Verteidigung verlegte. Auch Mto. konnte während der zweiten Spielzeit nichts ausrichten. Bei dem Stande 1:1 ertönte der Schlußpfiff. Das Spiel der 2. Mannschaften sah Mto. als glücklichen 2:1-Sieger. Der Schiedsrichter leitete beide Spiele bis auf die obengenannte Fehlentscheidung zur Zufriedenheit. Futzball. V. f. D. /=) Droh Spiel- und Punkleverlust brachte vas Treffen ge^en „Kurhessen-Kassel" in mancherlei Beziehung doch reichen Gewinn. Obwohl das Wetter alles andere als günstig war, hatte der Rame des Altmeisters von „Hessen- Hamwver" genügt, mehr als 1000 Zuschauer, eine für Gietzens Verhältnisse erkleckliche Zahl, auf die Deine zu bringen, damit wenigstens in stnan- yreller Hinsicht dem Plahverein einen bescheidenen Erfolg sichernd. In Anbetracht des tagelangen Dauerregens waren Spielfeld und Zu- fchauerrä.nne der Waldsportplatzanlage als sehr gut zu b^eichnen. Das Spiel selbst dürfte auch in propagandistischer Hinsicht einen gewissen Wert gehabt haben. Richt zuletzt darf die für den Kenner der siitzballiportlicyen Verhältnisse Gie- tzens auheroroentlich eriveulichr Tatsache der Einmütigkeit und Geschlossenheit dankbar erwähnt werden, mit der fast die gesamte Zuschauermenge, mit ihr also auch die Anhänger der anderen! Lokalvereine, hinter der Platzmannschaft stand und ihren hervorragenden Leistungen lebhaften Beifall zollte. — V. f. D. Hal das Spiel 1:3 verloren und hätte es mit demselben Resultat auch gewinnen formen. Ohne die Riederlage der Einheimischen beschönigen oder den Sieg Kassels schmälern zu wollen, kann man dies auf Grund des Spielverlaufs sagen. Wohl sei zugegeben, datz jeder .Kurhesse" ein ganz glänzendes Stellungsspiel zeigte und ebenso an Schnelligkeit den V. s. Bern überlegen war: dagegen hatten letztere zweifellos die grötzere Anzahl Torgelegenheiten, die zu verwerten ein seltenes Pech verhinderte. Der Anfang war für Gießen recht verheitzungs- voll. Kurz nach Beginn schon kam der Sturm geschlossen vor und bedrängte das Kasseler Heiligtum. dessen Hüter er,olgreich abwehrte. Aach einem kurzen Gegenbesuch Kassels ging B. f. B. sofort wieder zum Angriff über, in dessen Verlauf Stürmer und aufgerückte Läuferreihe die gegnerische Hintermannschaft minutenlang im eigenen Strafraum einschnürten und ein wahres Dombardement aufs Tor wsließen. Es waren Momente höchster Spannung: hier mutzte D. f. B. das Spie! für sich entscheiden. Der zahlreichen „Kurhessen"-Verteidigung half ein fabelhaftes Glück. Mehrmals wurde vielstimmig schon „Tor" gerufen, so nahe lag der verdiente Erfolg, dem auch der Torpfosten sich zweimal in. den Weg stellte. Es sah ganz danach aus, als ob Gießen haushoch gewinnen sollte. Bald darauf war das Spiel jedoch wieder verteilt. „Kurhessen" leitete gutdurchdachte Angriffe ein. von denen einer mit einem planierten Torschutz abgeschlossen wurde. Unentmutlgt drückte V. f. B. mit Macht auf den Ausgleich. Seine forschen Angriffe schufen wieder recht heikle Situationen vor dem „Kurhessen"-Tor, wo der Verteidiger Weber, der übrigens als der beste Spieler auf dem Felde bezeichnet werden kann, stets Herr der Lage war. Als dieser durch Handabwehr ein sicheres Tor verhütete, und der Schiedsrichter auf die Elfmetermarke deutele, schien der längst fällige Ausgleich da zu sein. Aber auch hier war das Glück wieder auf Kassels Seite. Kretzl. schotz dem Tormann in die Hände. Mit 1:0 für Kassel, das mit diesem Resultat mehr als zufrieden sein kann, ging es in die Pause. Sofort nach Wiederbeginn ergriff die Platzmannschaft wieder das Kommando und versuchte unter allen Tlmständen den Ausgleich zu erzielen. Ein zweites und drittes „Hände" des obe/!gerann.en Verteidigers wurden durch Tlnachlsamieii des Schiedsrichters, der sich nur selten der Muhe des Mitlaufens unterzog, übersehen und b.ieben zum Schaden der Plahelf ungeahndet, ebenso das mehrmalig recht rohe Spiel Webers. Die „Kurhessen" waren mit ihren Aktionen reit glücklicher, wohl auch keshalb, weil diese Angriffe planvoller waren. Wenn sie vvrs To.en kamen, vurlen sie sie s ge ährlich. Ein von ihrer rechten Seite glänzend eingeleiteter 2In- B" in— Opfer. Freie Turnerschaft Gietzen Gietzen I. — Vilbel I. 2:2 (0:2). Ecken 5:2. £ Es gehört schon ein gut Teil Sportenthusias- mus dazu, um bei dem Wetter, wie es am Sonntag war, und bei der Verfassung des Sportplatzes auf dem Trieb ein Futzballspiel auszutragen. Große, sehr große Wasserlachen bedeckten einen guten Teil des Spielfeldes, und übermannshoch spritzte mitunter das Wasser, wenn in einer solchen der Kampf um den Ball entbrannte. Daß unter diesen Um- ftänben bas Spiel nicht das zeigte, was bei normalen Verhältnissen der Fall gewesen wäre, ist erklärlich. Trotzdem bemühten sich beide Mannschaften, mit viel Unerschrockenheit vor dem reichlich vorhan- denen nassen Element ein flottes und gutes Spiel zu liefern. Die Dilbeler Mannschaft stellte sich mit einer recht ansprechenden und auf Erfolg zielenden Spielweise vor. Der Sturm leistete schöne Arbeit, war recht ballsicher und schnell im Abspiel und verfügt vor allem über ausgezeichnete und flinke Läufer, die meistens einen Moment früher am Ball waren, als die Gießener. Sehr gut unterstützte die Läuferreihe, und hier besonders der Mittelläufer, der seinen Sturm immer wieder nach vorn trieb. Besonders lobenswerte Leistungen zeigte der Tormann. Die Gießener Mannschaft hatte schon bessere Spiele gezeigt und schien ziemlich aufgeregt zu sein, der Mittelläufer hatte einen schlechten Tag. in der Verteidigung stand Ersatz. Der Sturm hätte entschlossener schießen mutten. Zum Spielverlauf: Fast die ganze erste Spiel- hälste zeigte sich eine leichte Ueberlegenheit der Vil- veier. Gießen verteidigte mitunter zu zahlreich, glückte dann ein weiter Schlag der Verteidigung, so konnte derselbe von dem zu weit nach hinten gegangenen Sturm nicht ausgenommen werden, und die Vilbeler Hintermannschaft hatte lrichtes Spiel. Vilbel erzielte nach einer Viertelstunde eine Ecke, 15 Minuten später die zweite, und kurz darauf das erste Tor. Gießen versuchte es nun mit größerem Eifer, kam aber zu keinem Erfolg, erst kurz vor Schluß konnte es den ersten Eckball treten, der von Vilbel gut abgewchrt wurde. Sofort erhielten die Gästestürmer den Ball, saßen vor dem Gießener Tor, und mit leichter Selbstverständlichkeit war der zweite Treffer fertig. Beide Tore waren recht schöne Leistungen. Die zweite Halbzeit bot ein wesentlich anderes Bild. Gießen griff sofort mit Entschlossenheit an und erzielte kurz hintereinander zwei Ecken, von denen die letzte nach kurzem Geplänkel zum ersten Tor verwandelt wurde. Mit viel Energie versuchte sich Vilbel von der Umklammerung freizumachen, aber die Gießener spielten jetzt mit äußerst lebhaftem Tempo und drückten immer wieder stark auf das Gästetor. Hierbei zeigte der Dilbeler Tormann sein ganzes Können, bis ihn sein Geschick ereilte. Sichtlich verdutzt ob der Anmaßung eines Gießener Verteidigers, Tore schießen zu wollen, ließ er den von der Mittellinie getretenen, allerdings sehr scharfen Ball an sich vorbeipassieren. Damit war der Ausgleich hergestellt. Gießen hatte sich scheinbar in seinen Kräften etwas verausgabt, auf der anderen Seite riß Vilbel wieder das Kommando an sich, brachte es aber trotz aller Aufopferung zu keinem Erfolg. Gießen, das jetzt besser Stellung hielt, erzielte zwar noch zwei Ecken, alle weiteren Angriffe machte aber der Vilbeler Tormann zunichte. Es fing bereits an zu dunkeln, und ein kräftiger, kalter Regen setzte ein, als zehn Minuten vor Schluß der Schiedsrichter, der etwas sicherer hätte fein können, das Spiel abpfiff. Vorher spielten die zweiten Mannschaften Vilbels und Gießens. Sie gaben dem folgenden Spiel der ersten Mannschaften ein gutes Beispiel, indem sie ebenfalls ein unentschiedenes 2:2-Resultat herstellten. Hier machten sich die unglücklichen Platzverhältnisse noch stärker bemerkbar. Spielüereinigung 1900 Gietzen. ö. Die Ligaelf der Spielvereinigung 1900 Gießen gewann die so wichtigen Punkte gestern kampflos, da der Gegner, die Sportvereinigung Dillenburg, nur 4 ober 5 Mann nach hier entsandt hatte, deren Bemühen natürlich zwecklos war, da bei Spielbeginn jede Partei mindestens 8 Spieler zur Stelle haben muß. Die mit Ersatz für den rechten Verteidiger und den Mittelstürmer antretende Ligareservemannschaft konnte gegen den F. E. 05 Wetzlar nur ein Unentschieden (1:1) erzielen, obwohl sie in ihrem Können dem Gegner um ein Beträchtliches überbot. Die schlechte Bodendeschaftenheit vor den Toren beeinflußte stark die Schußsicherheit des einheimischen Sturmes, der die aussichtsreichsten Sachen vergav. Die 3a-Lehrmannschast gewann die Punkte ebenfalls ohne Spiel, da „Hessen" II. schon bereits Ende der Woche wegen Spielermangels Verzicht leistete. Die 3b trat vergeblich an. Der Gegner, V. f. B. Gießen 3L-Mcmnschaft hatte es vorgezogen, zu Hause zu bleiben. Den Schiedsrichter hatte man auf einen anderen Platz bestellt als den Gegner, so daß überhaupt kein Treffen zustande kommen konnte. Die 1. Jugcndmannschast erlitt in Wetzlar den ersten Punktverlust. Sie konnte in einem überlegen durchgeführten Spiel gegen den B. C. 1910 Wetzlar, infolge der miserablen Platzverhältnisse, nur 1:1 pielen. Die 3. Jugend gewann überraschend gegen Leuns 1. Jugend 2:0. Das Spiel der Schüler gegen D. f. B.°Schüler fiel dem schlechten Wetter zum Opfer. „Hessen" Gietzen- Daubringen 3:1. ö. Mit diesem Sieg haben sich die „Hessen" an die Spitze der Tabelle der 6-Klasse gesetzt. Aus dem sumpfigen Rasenplatz Saubringens fand das Spiel vor einer ansehnlichen Zuschauermenge statt. Es war ein Kampf im wahrsten Sinne des Wortes, der trotz allem einen fairen Verlauf nahm. Bis zur Halbzeit verlief das Spiel torlos, obgleich Gießen bis dahin schon mit zwei Toren hätte in Führung liegen müssen. Nach Halbzeit griffen beide Parteien mit Macht an, wollte doch jede den Sieg an sich reißen. Bald gelingt dies auch G. durch ein Tor des Halblinken. Die Freude währte aber nicht lange, und D. gleicht, infolge eines Mißverständnisses in der Verteidigung, aus. Die .Hessen" wollen es nun unbedingt schaffen. Ihr Derteidider Schneider arbeitet wie ein Löwe und sieht seine Leistung durch das Führungstor belohnt. Halblinks stellt kurz darauf durch ein weiteres Tor den Sieg sicher. Bis zum Schlußpfiff macht sich eine leichte Ueberlegenheit der Gießener bemerkbar. — B ö ch e r 1900, als Unparteiischer, war einwandfrei. Das Fuhballjugsndtreffen der Arbeitersportler in Heuchelheim. £, Trotz des hartnäckig anhaltenden Regens konnte endlich die mehrmals verschobene Veranstaltung durchgeführt werden. In Anbetracht des äußerst ungünstigen Wetters ist die Detei- ligung von zehn Mannschaften als gut zu bezeichnen. Wie schon in der Vorschau gesagt, wurde hierbei zum erstenmal ein anderes Wertungssystem angewandt, das, wie der Verlauf der Spiele zeigte, einen heilsamen Etnfluh ausübte, wurde doch jedes Vergehen durch Straf- Punkte angerechnet. Jede Mannschaft war deshalb sichtlich bestrebt, möglichst wenig Strafpunkte zu verschulden, um dadurch recht günstig im endgültigen Punktverhältnis zu stehen. Der glückliche Verlaus der Veranstaltung gab für zukünftige Veranstaltungen wertvolle Fingerzeige Den Reigen eröffneten Wieseck Jugend — Gieße» Jugend. Zwei gleichwerrige Mannschaften, die ein schönes und recht lebhaftes Spiel vorführten. Beide Mannschaften blieben sich durch je drei verschuldete Eckbälle (Strafstöße!) un Punktver- haltnis gleich, Wieseck sicherte sich aber einen kleinen Vorsprung durch ein erzieltes Tor. Gießen drückte in der zweiten Halbzeit sehr stark, um dieses Plus auszugleichen, was aber von Wieseck glücklich verhindert wurde. Metzlar Jugend — Klein-Linden 1. Jugend. In diesem Spiel zeigte Wetzlar, obwohl mit nur 9 Mann spielend, gegen die noch nicht recht eingespielte Jugend Klein-Lindens ein merkliches Plus an Spielerfahrung, die ihr durch die erzielten Tore einen gewissen Vorsprung sicherten. Klein-Linden zeigte hierbei, daß es bestrebt ist, sich den übrigen Jugend-Mannschaften als gleichwertig einzureihen. Lollar Jugend — Fronhaufen Jugend. Das Kräfteverhältnis dieser beiden Mannschaften war fast vollkommen gleich, dies kommt schon im Torverhältnis (1:1) zum Ausdruck. Lollar, spielerfahrener als Fronhausen, konnte mehrere gefährliche Momente gut überwinden und sicherte sich dadurch ein gutes Punktverhältnis. Gießen Schüler — Metzlar Schüler waren die nächsten beiden Gegner. Es war eine Freude, die Jungen spielen zu sehen, mancher Aktive konnte sich von deren Ballbehandlung etwas absehen. Auch diesmal endigte das Treffen der beiden Gegner (zum dritten Male) unentschieden und torlvs. Wetzlar war im Gesamt- punktverhältnis die glücklichere Elf. Heuchelheim Jugend — Gießen Jugend. Gießen, das sich mangels eines anderen Gegners zum zweitenmal zur Verfügung stellte, spielte jetzt wesentlich besser als gegen Wieseck, so daß die Heuchelheimer einen recht schweren Stand hatten und nach zäher Gegenwehr doch zweimal den Ball aus dem Retz holen mußten. Den Beschluß der Spiele machten Klein-Linden 2. Jugend — Metzlar Schüler. Auch hier stellten die Kleinsten Wetzlars ihre guten Fähigkeiten unter Beweis, konnten sie doch ihren körperlich weit überlegenen Gegner 3:0 abfertigen. Rach Beendigung der Spiele und Zusammenrechnung der Resultate zeigte die Wertungltabelle olgendes Bild: 1. Wetzlar, Jugend 110 Punkte, 2. Lollar, Jugend, 88 Punkte, 3. Wieseck, Jugend, 76 Punkte, 4. Gießen, Jugend, 70 Punkte, 5. Heuchelheim, Jugend. 66 Punkte. 6. Fronhausen, Jugend, 66 Punkte, 7. Klein-Linden, Jugend 62 Punkte. — Schüler: 1. Wetzlar, Schüler, 88 Punkte, 2. Gießen, Schüler, 76 Punkte, 3. Klein-Linden, 2. Jugend, 72 Punkte. Wetzlarer Sport. h. Zwei Aufsehen erregende Riederlagen hat der Wetzlarer Fußballsport zu verzeichnen. Beide Ligamannschaften von D. C. und F. C. lieben sich schlagen. Speziell der Fuhball- club, der am Sonntag das erste Mal in den Spielbetrieb der Kreisliga eingriff, enttäuschte sehr. F. C. verlor in Butzbach mit 5:1. Bei dem Bericht über dieses Spiel muß vorweg gesagt werden, daß Butzbach der einwandfrei bessere der beiden Gegner war, und verdient gewann. Allerdings verlor der F. C. in den ersten Minuten seinen guten linken Verteidiger und dann tonnte sich die sowieso zusammenhanglos spielende Elf erst recht nicht mehr zuscmnnenfinden. Butzbach erzielte vom Anstoß weg zur allgemeinen Tleberräschung sein erstes Tor. Dann drängte der F. C. so lange, als er 11 Mann im Feld hatte, und erzielte den Ausgleich, mit dem zugleich auch das Halbzeitresultat gegeben war. Rach dem Wechsel kam Butzbach mehr und mehr auf, während die W^larer sich ständig verschlechterten. Butzbach errang noch vier Tore, mit denen sie verdient siegten. Wetzlar franfte vor allen Dingen an der Zusammenhanglosigkeit im Sturm, während Butzbach gerade im Sturm und da wieder auf der linken Seite seine beste Leistung zeigte. Schiedsrichter Älter (Wetzlar) leitete zufriedenstellend. V. L. verliert gegen Herborn mit 1:2. Auf eigenem Platze hatte B. C. einen unglücklichen Tag, drängte 80 Minuten und war in allen Phasen des Kampfes überlegen. Erzielte vor Halbzeit ein Tor durch Elfmeter und ließ sich nach dem Wechsel im Anschluß an zwei der wenigen Vorstöße der Herborner von diesen zweimal schlagen. Damit waren Sieg und Punkte bei den Gästen, die den B. C. auch in der Tabelle nunmehr überflügelt haben. B. C. fällt mit dieser Niederlage auf den fünften Platz zurück. Untere Mannschaften. B. C. II. verlor gegen Herborn II. ihre ersten Punkte, indem sie nur ein 2:2 erzielte. B. C. III. ließ sich von Werdorf I. mit 1:11 schlagen. Das beste Ergebnis erzielte die I. Jugend B. C.s, die gegen die bisher ungeschlagenen 1900er aus Gießen unentschieden 1:1 spielte. F. C. II., mit nur 10 Mann, konnte sich trotzdem in Gießen gegen 1900 II. mit 1:1 halten. Leichtathletik. Bräutigam schlägt Pürsten. vo. Bei naßkalter Witterung und auf durch dauernde Riederschläge stark beeinträchtigten Strecken brachte am Sonntag der Gau Rord- westsachsen (Leipzig) seine Herb st Waldläufe zur Durchführung. 3m Mittelpunkt stand das Zusarnmentteffen Bräutigam — Pürsten im Hauptwettbewerb über 10 Kilometer. Mit 20 Meter mußte sich P ü r st e n schließlich hinter Bräutigam geschlagen bekennen. Den Mannschaftspreis gewann D. f. B. Leipzig vor Spiel- Vereinigung. 3m Lauf über 5 Kilometer siegle (Siliert vor Otto, hier gewann der Leipziger B. C. den Mannschaftspreis. Schwimmen. Giehener Schwimmer in Offenbach. Bei dem am vergangenen Sonntag im Offenbacher Hallenschwimmbad veranstalteten S t affe l t a g des S. S. D. „M venu s"-Osfenbach waren den Mannschaften des Gießener Schwimmvereins überraschende ir rige beschieden. 3n der Herrenbrust staffel für 1. Senioren über 3x112 Meter starteten außer dem Giehener S. V. „3ungdeutschland" Darmstadt, 1. Frankfurter S. C. und Frankfurter Schwimmverein. Zunächst ging 3ungdeulschland mit feinen beiden ersten Leuten in Führung. Pascoe, der als letzter, der Schlnhleute ab- sprang, holte das von seinen Dorderieuten Verlorene auf, indem er einen seiner Gegner nach dem andern überholte, schlug mit beträchtlichem Vorsprung als erster an — und der Gießener S. V. wurde wegen angeblich falscher Wende Pascoes distanziert! Der jugendliche Rolf Kraft, der als Ersatzmann für Dr. Eck eingestellt war, bewährte sich sehr gut. Ergebnisse (Bahnlängs 14 Meter, Startsprung, Wende in Schwimmlage): Gießener S. V. (R. Kraft, Schneider, Pascoe) 4 Min. 39 Sek., einig- deutschland Darmstadt 4 Min. 42 S:k.. 1. Frankfurter S. C. 4 Min. 48,4 Sek., Frankfurter S. V. 4:50,2 Mm. Roch überraschender war der Sieg der Giehener 3 ugendlagenstaffel 3x112 Meter. Den ersten Lauf, rn dem man den Sieger vermutete, gewann Mornus-Offenbach, den zweiten der Giehener S. V. vor „Rot-Weih" Darmstadt mit zwei Dahnlängsn! 3eder der G ehener Mannschaft gab in diesem Rennen sein Destes, und so reichte es zum sicheren Sieg. Ergebnisse: 1. Giehener S. V. (Rolf Kraft. Schaum, Rau) 4 Min. 29 Sek. 2. „Moemrs" Offenbach 4:32,6 Min. 3. 1. Frankfurter S. C. 4:37.2 Min. 8998c 2 Teller Wirtschaft. • Deutsche Vereins bank, Frankfurt a. M. Die außerordentliche Hauptversammlung genehmigte die vorgeschlagene Aktien- kapitalerhöhing um 2,9 Mill. RM. auf 8,9 Mill. Reichsmark und anschließend den Fusionsvertrag mit der Frankfurter Dereinsbank Kornm.-Ges. auf Aktien. 3n der außerordentlichen Hauptversammlung der Frankfurter Dereinsbank Komm- Gesellschaft auf Aktien wurde die Fusion ebenfalls genehmigt, desgleichen die Lilebernahme des Bankhauses L. u. E. Wertheirnber. Die neue Gesellschaft, deren Kapital 9 Mill. RM. betrogen wird, wird in Zukunft Deutsche Dereinsbank, Komm.-Ges. auf Aktien firmieren. * Zur Verteilung der Golddiskontbank-Anleihe. Die Deutsche Renten- banl-Kredi:anslalt «Landwirtschaftliche Zentral- baut) hat den landwirtschaftlichen Realkreditinstituten, welche die Weiterleitung der Gelder der GolddiSkontbank-Anleihe vermitteln, mitgeteilt, daß Anträge auf diese Kredite bis spätestens 30. Rovembec d. 3. eingereicht sein müssen. Landwirte und Genossenschaften, welch; für sich bzw. für ihre Einzelmitglieder aus jetzt bei einer Reihe von Realkreditinstituten nvcy zur Verfügung stehenden Mitteln der Golddiskontbank einen hypothekarischen Zwischenlredit zu erhalten wünschen, rönnen daher auf Berücksichtigung ihrer Gesuche jedenfalls nur dann rechnen, wenn die Anträge bei den zuständigen Stellen (Hypothekenbanken, öffentlich rechtlichen Kreditanstalten und öffentlichen Sparkassen) spätestens Ende des Monats eingegangen sind. ' Kapitalerhöhung beim Norddeutschen Lloyd. Eine am 1. November abgehaltcne Aussichtsratssitzung des Norddeutschen Lloyd beschloß, einer auf den 2. Dezember einzuberufenden Hauptversammlung die Erhöhung des Grundkapitals um 50 Mill. Mk. Stammaktien und 1 563 000 Mk. Vorzugsaktien auf 125 Mill. Mk. Stammaktien und 3 906 200 Mk. Vorzugsaktien und die Ermächtigung des Vorstandes und des Aufsichtsrat^ zur Durchführung der Kapitalserhöhung vorzuschlagcn. Mit dieser Kapitalserhöhung würde der Norddeutsche Lloyd das Stammkapital drs 3crhr^ 1914 wieder erreichen. Die herernkommenden Mittel sollen die für den weiteren Ausbau des älnternehmens bereit- stehenden Mittel nach Maßgabe des Bedürfnisses ersehen. * Ermäßigung der Superphosphatpreise. Mit Wirkung ab 1. November 1926 sind die Superphosphatpreise erneut ermäßigt worden. Gegenüber dem letzten Preis beträgt die Herabsetzung 6 Pfennig für das Kiloprozent wasserlösliche Phosphorsäure. Die Zcihlungs- und Lieferungsbedingungen haben keine Aenderungen erfahren. rankfurter Börse. Frankfurt a. M., 2. Nov. Tendenz: Lebhaft und fest. — Hauptsächlich unter dem Eindruck der am lokalen Geldmarkt eingetretenen Erleichterung und im Hinblick auf die sich mehrenden günstigen Nachrichten wirtschaftlicher Natur eröffnete die Börse in sehr fester und lebhafter Stimmung, die für einzelne Werte einen hausseartigen Charakter trug. Die Amsatztätigkeit erreichte einen bedeutenden Umfang und umfaßte nahezu alle Marktgebiete. Mit besonderer Intensität war die Spekulation auf einige Motorenwerke, Elektro- aktien, 3.-G.-Farben und Bankaktien eingestellt, die scharf gesucht blieben und eine neue Aufwärtsbewegung zu verzeichnen hatten. Sv erreichten Ll. -G. -Farben auf verschärfte Nachfrage einen Retordkurs von 349 Prozent, also gegenüber der gestrigen Abendnotiz einen Gewinn von über 10 Prozent. Scheideanstalt plus 2 Prozent, Goldschmidt plus 3 Prozent. Elektroaktien waren ebenfalls zum Teil wieder in den Vordergrund gerückt und erzielten Steigerung von 3 bis 4 Prozent. AEG. und Schuckert je plus 2,5, Bergmann plus 4,5, dagegen gingen Siemens 0,75 Proz. Am Montanmarkt war die Umsahtätigleit ebenfalls lebhaft. Bochumer und Klöckner je plus 1, Phönix plus 1,75, Rheinische Braunkohlen plus 3,25, Rieb eck plus 4 Proz. Deutsch-Lux waren kaum verändert. Für einige Werte dieser Gruppe, u. a. für Stahlverein, stellten sich leichte Rückgänge em. Am Bankenmarkt konnte die Mehrzahl der Werte ihre Steigerungen fort ehen. Commerz plus 2. Darnat plus 3,25, Dresdner plus 1 Proz. Motorenwerte verkehrten sehr ang regt. Kleyer plus 2, Daimler plus 3, NSU. plus 2, Hansa-Lloyd plus 1 Proz. Zellstoffaktien hatten neue Gewinne zu verzeichnen. Waldhof plus 2,5 Proz., Aschaffenburger plus 1 Proz. Scharf gesucht waren B a u a k t i e n, für die große Industrie- und Staatsaufträge stimulierten. Holzmann plus 2,5 Prozent, Wayß & Frehtag plus 1,75 Prozent, Zement Heidelberg plus 0,25 Prozent, Dyckerhoff plus 2,75 Prozent. Zuckeraktien anziehend. Badischer plus 1,5 Prozent, Heilbronn plus 3 Prozent. Schifffahrtsaktien wurden weniger beachtet und eher schwächer. Fest lagen T e x t i l w e r t e. Hammersen plus 5 Prozent. Deuts che Anleihen ruhig und wenig verändert. Ausländische Renten befestigt. 3m weiteren Verlause blieb das Geschäft lebhaft, doch begannen die Kurse, besonders bei den stark gesteigerten Werten, leicht abzubröckeln. Der Geldmarkt ist wieder leichter geworden. Tagesgelb 5,5 bis 6 Prozent, Monatsgeld 5,87 bis 7,5 Prozent, Privatdiskonten 4,62 bis 4.87 Prozent, 3ndustrieakzepte 5,25 Prozent. 3m Devisenverkehr war das Geschäft ruhig. Paris kaum verändert bei 152 gegen London, Mailand 112, Belga-Drüssel 34,80 gegen das Pfund. London-Kabel 4,8465 etwas schwächer. Die Reichsmark war gut befestigt auf 4,2040 gegen Kabel. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 2. Nov. Der feste Verlauf des gestrigen Frankfurter Abendoerkehrs und des inoffiziellen Vormittagsgeschäftes, ferner die günstig abgestimmten Monatsberichte der Großbanken und zahlreiche anregende Einzelmeldungen privat- und volkswirtschaftlicher Art hielten das Kaufinteresse für Aktien werte wach. Die höchsten Vorbörsenkurse wurden später teilweise bedeutend überschritten. Kursbefestigungen von 3 bis 7 Prozent waren auf den im Mittelpunkt stehenden Marktgebieten keine Seltenheit. J.-G.-F neben, die einige Tage vernachlässigt blieben, zogen sprunghaft an und erreichten den Rekordkurs von 350 Prozent. Daneben wurden von der Haussebewegung Bankaktien, einige Maschinen- und Metallwerte, Bau- st o f f a k t i e n , verschiedene Spezialpapiere und auch M o n t a n o k t i e n erfaßt. Am Montan- markt stellten sich Oberbedarf, für die gestern keine Notiz zustandekam, 11 Prozent gegenüber dem letzten Kurs höher. In Schiffahrtsaktien fanden dagegen Realisationen statt, so daß Deutsch-Australier 4,5, Kosmos 5 und Hapag 2,5 Prozent verloren. Norddeutscher Lloyd waren infolge der Kapitalerhöhung mäßig höher. Am Geldmarkt stellte sich Tagesgeld auf 6 bis 7 Prozent. Monatsgeld wurde kaum umgesetzt. Im Devisenverkehr gab Mailand gegen London auf 114 nach. Paris un- verändert. Madrid gegen London befestigt auf 32,85. Das englische Pfund stellte sich auf 4,8462 gegen Kabel; die Reichsmark auf 4,2035 erholt. BorlenkllNe. ___ Frankfurt a.M. Berlin fiur* l-Utzr» ftutl Schluh- flnr» Anfang Vt- . Tafu*t: 1. 11 2. 11 1.11. 2 11 Teutfdjc RttcdSan'eihr 1.7937 0.784 0.79 0.785 <0/. Deutsche Reich San leihe — - 0.74 0. <45 3‘/,e,n Deulichr Reich'an leihe 0,735 — 0.7405 0,727 3Deutsche Nrichsinlcche 0,86 — 0.84 0.89 Drunche Svarorumrenanlewe x4?rtni:ifd)t Äonlolä • • • u,45 074 * 0.44 0 735 0,7325 <° o besten • • • • 3>/,% Hessen..... ■ • 1 3°/« Hellen........x.* 0.60 0.71 1 1 1 0,72 1 1 1 Deutsche 2?crtb- Dollar-Anl. vro Toll.S»olz-Anrrejio«.^ 95 —— — —— — — — — 4»/0 soarurfen 18,7 18.9 18.62 - 5°/e Goldmerikaner ■ • • 44 — - Berlmcr Handelsaelellschast Lannnerz- and Privat-^ank Ü57 183 187 256.5 183 261 185 Eorrnft und 'Jta.ionolvanf 60.6’ 265 262 £65 Drustche Bank .... 191* 192 190* 192 Dculsche Bcreinsdank ■ . . . 105 - — — DiSconkv Commandit . . 180 181.62 180 181 •IDtialibanf .... IÜ9 171 - — Mitteldeutsche Creditbank. CtltcrmdiiitDt Lredilanstalr LiO 8 8,15 163 8.25 164 8.10 ©cflbnnf ..... — — eoebumet ^Suß ....... 181,5 184.5 182.5 184.9 Buder.:s ......... 117.5 — 117,75 118.75 Caro ........... — — — Deutsch Luxemburg ..... Gelsenkirchener Serfltectte . 182 5 185.75 >84 188 182.25 185- 184,9 harpencr Bergbuu . . 200.75 -Illi. 5 200* Ralirocrte ÄicocrSlebeii.... 160 162,5 161’ 164 Kaliwerk Westeregeln..... 174.5 176.5 173.25 177,75 ^uvatjürte ...... »6.5 86.5 86 85 Cbcrbföari . ....... 192 - 111 Pbönix Bergbau ...... 142 144.75 141.7' 142.75 Nveinuahl ....... 'Riebcrf 'JWontnn..... . 181 183 182.62 185 166.5 179 166.5 174 Tcllus Bergbau ..... 105 - - Bereinigte Stadlwerke A.-G- 159 159.5 158.5 159 Hamourg-Ämerika Paket. . 187 _ 187 185.5 Norddeutscher HIodd . . 178.75 180 178.25 179.5 «Lderamilchr Werke Älbtn . . 81 _ Zementwerk Heidelherg . . 137.25 138,25 — Bdilivv poUmann ... 165 188.7 166 168,75 Anglo-Conk.-Guano . ... — _ 100 Cdemischc Mover Alopin . . — y. to Fardenindustric, A.-6. 337 J49 36.5* 549.7^ Koldichmidk......... 148 5 152 148.5 — Holzverkohlung...... . 52 Niitgcrswerke . . ..... 141,5 145,75 142 106.5 echetdeanstalt ....... IM. 75 186 — Allg. EteknizttStS-Gesellschafl 177.5 ISO 176,75 178 Bergmann ....... Mainkraitwerke ....... 175 179.5 173,62 177,75 iio 116 Cchuckcn ........ 162 1645 159 164 Siemens & HalZkr ...... 117.75 217 219 -Idlcrwcrtc Wiener ...... 109 111.5 109,13 112 Daimler Motoren. ...... 99.8 101.5 100.5 105 Heyligenstocdt . . ...... ''icautn ....... >3 63 _ 61 Motorenwerke Mannbelm — — 42 — ^tanffurrct Hrmararcn . . 16.9 — fiouferoenfabrif Braun . 53 — * — MetaNgcscll chast st-rankbrrt. 175.5 180 -* — Pci. Union A.-ltz..... 118,75 119 _ Schubtabrit Her; .... 70 67 — Sichel . ........ 3 — 6 — ^cdftofi Daldhol..... 2l>5 210 205 209,5 Zuckerfadrik Frankenthal . . 92.9 92.9 90.25 — Zuckerfabrik Wagbausel . . 113,5 115 112 - Ararr^'uri't'r . lrridLbör.c. Frankfurt a. M., 2. Nov. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 29,75 Mk.; Roggen, inländischer, 24,25 bis 24,50; Sommergerste für Brauzwecke 24,50 bis 25,50; Hafer, inländischer, 20 bis 20,75; Mais (gelb) 20 bis 20,25; Weizenmehl, inländisches (Spezial 0), 42,25 bis 43; Roggenmehl 35,25 bis 36; Weizenkleie 11 bis 11,25; Roggsnkleie 11 bis 11,25 Mk. Tendenz fest. Frartcr Pferdemarit. Frankfurt am Main, 1. November. Der Frankfurter Pferdemarkt, der zeitlich mit etwa vier bis fünf Märkten in der Provinz und Nachbarstädten zusammenfiel, wies mit einem Auftrieb oon 360 <5tücf nur etwa die Hälfte der üblichen Zufuhr auf. Infolge des anhaltenden Regenwetters war auch der Besuch mäßig, und der Handel entwickelte sich in den Vormittagsstunden nur langsam. Trotzdem dürfte ungefähr die Hälfte des Auftriebs den Besitzer gewechselt haben. Preise wurden diesmal nicht notiert, da der Umsatz in den einzelnen Pferdekategorien zu gering war. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt tu M. Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) B a n ! n o t e n. (Ohne Gewahr.) 1. Novbr- 2 Novbr- Ämkliche Nori rung Amtliche Notierung fflelö Brier «eld ' Brief -lmn.-Not! 167,‘.'4 168,36 ’ 167.85 168.27 ' Vuen.'AireL 1.708 1.712 1,705 1,709 Brst.-Antw 58.41 58.58 58,435 58,575 Cbristiania 101,67 104,93 105.32 32 3 5 Kovendagen 111,64 111.92 111,61 Ekockbolm 112.16 112.44 112.11 112.39 HelüngsorS 10.55« 10.598 10,555 10.595 Italien - . 18,10 18.74 17,40 17 99 London. .0,36 >0,405 -0,344 iO.397 VItDDorf - • 4,199 4,209 4.198 4.-08 Paris. . . 13,375 13.45 r 13,30 13,34 Sch wetz . . >0.96 '1,16 50,95 M.15 Svn ien . 63.72 63,88 53,67 63, «3 Japan . . . !riio de Jan Wien in D - 2.056 2,060 2.58 Z.62 9.574 1,576 u.572 0.574 Cefl- abgeit 59,31 59,55 59,28 59,42 Prag . . . 12,412 12,472 >2,43 12.47 Belgrad . . 7.41 7.43 7.40'J 7,429 Budapest. 6,87 5,895 •>.875 ?,895 Bulgarien 3,032 »,042 3.03 ..m L'stabon -1.475 1.525 21.475 : 1,525 Danzig. . ■11.42 11,62 61.40 Ml, 60 .Sonst nhn 2.135 2,145 -.115 .125 ?lfbrn 5,19 5,21 5,09 5,11 Canada. . . Uruguav . 1.21'1 4.211 1,202 4,212 1.177 *1« 4.155 4,165 Berlin, 1 Novbr (Selb Briet Amerikanische Vioiai..... Belgische Noten ...... Dänische Noten ....... Englische Noten........ Franiöstsche Noten ...... Holländische Noten .... Italienische Noten ...... Norwegische Noten . ... Deutsch-l?estcrr.,ä 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten..... . Svanische 9 Schulstr. vanien-hüte werden umgearbeitet und neu angefertigt. Mies Material wird verwandt. [07626 £.Bob,Kaiferanee2 Bnbnbosstr. 27 ffetitfVr. 1631 FrischeFjsche Mittwoch früh 9 Uhr treffen ein: blutsrikclie Ccbellffsche, (5abllnu und Seelachs tm Ausschnitt, frische Portions ScheUfiicve, grüne Heringe u. Goldbarsche. Frische Fischkoteletts. Frische Bücklinge das Psd. 40 Pf., die Kiste mit netto 5 Psd. Mk. 1.80. Eier 9016a Eier zum Kochen, schwere, voll- irische Ware, das Stück IG Pf.. 10 Stück Mk. 1.50. 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