Nr. 2d5 Erstes Blatt 176. Jahrgang Donnerstag. 2. September 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: vrühl'fche Universitäts-Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. ZchrisUeitung und Geschäftsstelle: 5chulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfcnnig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° , mehr. Eheftedakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An« zeigenteil i. Dertr. H. Deck, sämtlich in Gießen. Gegen politische Terrorakte. Ein Polizeierlaß des preußischen Innenministers. Berlin, 1. Sept. (Wolff.) Der Amtliche Preußische Pressedienst veröffentlicht eine Erklärung des Ministeriums des Innern, in der es nach dem Hinweis auf die bedenkliche Häufung von Terror-' atten gegen politisch Andersdenkende u. a. heißt: Bei ,zahlreichen politischen Ansammlungen, namentlich Demonstrationszügen, wird meist die ohnehin erregte Stimmung durch die Mitführung von Plakaten sowie symbolischen Darstellungen in oft besonders verletzender Art absichtlich g e st e i g e r t. Mißfallensäußerungen Andersdenkender oder auch nur das Bekenntnis z u einer anderen politischen Auffassung, z. B. durch das Tragen eines politischen Abzeichens, werden als Provokation erklärt und zum Anlaß tätlicher Ausschreitungen genommen. Wiederholt richteten Angriffe in letzter Zeit sich sogar gegen die Polizeibeamten. Statt der verbotenen Stöcke verwenden die Angreifer neuerdings nicht minder gefährliche Werkzeuge wie Gummiknüppel, Schlagringe, Dolche und Schußwaffen, die erfahrungsgemäß häufig auf Lastkraftwagen versteckt mitgeführt werden. Der Mitzister des Innern richtete deshalb einen Rund- crlaß an alle Polizeibehörden, in dem diese ersucht werden, gegen alle Terrorakte in jedem Fall m i t Entschlossenheit und Nachdruck ein« zuschreiten. Die Schuldigen sind festzunehmen und der Bestrafung zuzuführen. Zur Erfassung von Waffen usw. sind möglichst zeitige und häufige Durchsuchungen etwa verwendeter Lastkraftwagen vorzunehmen. Das Mitführen von Plakaten, Schildern oder bildlichen Darstellungen der beschriebenen Art ist zum mindesten als grober Unfug an- zusehen, sofern nicht direkte Verstöße gegen das «trofgesetz vorliegen. Bei Begehung strafbarer Handlungen muß nach Möglichkeit vorgebeugt werden. Hierzu ist möglichst frühzeitig einzugreifen, u. a. durch eine sachgemäße Unterrichtung und Aufklärung der verantwortlichen Veranstalter schon während der Vorarbeiten. Zweckmäßig wird eine weitere polizeiliche Nachschau auf den Sammelplätzen für die Veranstaltung erfolgen. Sollten trotzdem strafrechtswidrige Schilder benutzt werden, so sind sie zu beschlagnahmen. Wird dabei Widerstand geleistet, so ist die Versammlung aufzulösen. Wo etwa im Hinblick auf die starke politische «Spannung in der Bevölkerung oder die schwierige Wirtschaftslage eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit vorliegt, sind öffentliche Versammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel zu verbieten. Sofern Vereinigungen ihr störendes Treiben, und zwar unter Umständen auch nur seitens einzelner Mitglieder, fortzusetzen versuchen, ist die sofortige Auflösung der beteiligten Ortsgruppe durchzuführen und dem Minister zu berichten, damit geprüft werden kann, ob etwa die Vereinigung in ihrer Gesamtheit aufzulösen ist. Deutschland zahlt. Berlin. 1. Sept. (WTD.) Der Generalagent für die Reparationszahlungen teilt mit. daß mit der heute früh erfolgten Zahlung von 45 Millionen Gvldmark durch die Deutsche Reichsbahn geseUscha ft Deutschland den vollen Betrag der im «Sachverständigenbericht für das zweite Jahr vorgesehenen Jahreszahlung von 1220 Millionen Goldmark bezahlt hat, mit Ausnahme eines kleineren Betrages von etwa acht MiUionen Goldmark aus der Transportsteuer, der erst am 21. «September 1926 fällig ist. Die heute von der Deutschen Reichsbahngesellschaft geleistete Zahlung stellt den am 1. «September fälligen Zinsenbetrag für die Reparationsbonds für das zweite Jahr dar. Deutschland kommt demnach seinen Verpflichtungen pünktlich nach und hat während des zweiten Jahres des Dawesplans die fälligen Zahlungen pünktlich geleistet. Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs im Nuhrbergbau Berlin, 1. Sept. ($11.) Der Reichsarbeitsminister hat heute den vorn Schlichter Dr. Götten gefällten Schiedsspruch für den Ruhrbergbau für verbindlich erklärt. Damit ist die Lohnfrage im Ruhrgebiet für die nächste. Zeit geregelt, nachdem die gestrigen letzten Einigungsverhandlungen im Ark^itsministerrum gescheitert waren. Einführung des neuen Oberreichsanwalts. Leipzig, 1. Sept. (WTD.) In Vertretung des Reichsjustizministers Bell führte Ministerialdirektor Dr. Dumke den neuen Oberreichsanwalt Werner in sein Amt ein. Dem scheidenden Oberreichsanwalt Cbermayer überbrachte er ein Dankschreiben und das Dildnis des Reichspräsidenten und sprach ihm den Dank der Reichsregierung aus. Er drückte zugleich die Genugtuung aus, daß Eber- maher seine Kraft weiterhin in den Dienst der Strafrechtsrelorm stellen werde. Der Hauplschriflleiler des Stahlhelms verhaftet. D e r l i n, 2. Sept. (WTD. Funkspruch.) Im Zusammenhang mit dem Fememord an dem Hauptmann a. D. Wagner und einer Detei- ligung an der Befreiung des Kapitänleutnants D i 11 m a r aus dem Raumburger Gefängnis ist vor einigen Tagen, wie eine Berliner Zei- Die Reform des Bölkerbundsrats. Annahme des Reformentwurfs in der Studienkommifsioni Genf. 1. Sept. (TU.) Die Studienkommifsion hat in der Rachmitiagssihung ihre Arbeiten beendet. Es wurde beschlossen, von einer Vermehrung der ständigen Ratssihe abzusehen und den Bericht der Unterkommission über die Reform des Völkerbundsrats der Völkerbundsverfammlung als Vorschlag zuzuleiten. Der deutsche Vertreter enthielt sich bei diesem Beschluß der Stimme, ebenso der spanische Vertreter, der sich mit feiner Regierung noch in Verbindung setzten wird, damit sie zu der in der heutigen Rachmittagssihung zum Ausdruck gekommenen Auffassung der einzelnen Kommissions- Mitglieder Stellung nehmen kann. Wegen der Einheitlichkeit der Auffassung erübrigte sich eine Abstimmung. Sitzungsbericht. (Senf, 1. Sept. (WTD.) Die Studienkom- Mission befaßte sich heute vormittag mit den vorn Unterausschuß angenommenen Regeln für die Wahl der nichtständigen Ratsmit- g lieber. Der argentinische Vertreter stimmte dem vom Unterausschuß aufgestellten Plane grundsätzlich zu. Lord Robert Cecil empfahl die Vorschläge des Unterausschusses dringend zur Annahme, wobei er betonte, daß die jetzigen Vorschläge auch der bereits im Mai durch den deutschen Vertreter geltend gemachten Besorgnis in bezug auf die volle Freiheit der Versammlung bei der Wahl der nichtständigen Ratsmitglieder Rechnung trage. Er wandte sich ferner an Spanien, indem er erklärte, daß der Unterausschuß alles getan habe, um die Ansprüche Spaniens in bezug auf eine möglichst dauernde Mitarbeit im Dölkerbundsrat zu berücksichtigen. Sjöborg - Schweden erklärte, daß «Schweden den Vorschlägen seine Zustimmung gebe, unter öt Voraussetzung, daß die vorgeschlagenen Abänderungen einstiinmig angenommen werden, und daß mit dem jetzigen Projekt die Krise vollkommen gelöst werde. V e v e r k a - Tschechoslowakei stimmte den Plänen ebenfalls zu. Im Ramen Italiens erklärte Scialoja. die Unterkommission habe heute das Beste geleistet, was von ihr erwartet werden konnte. Er wandte sich drauf an den Vertreter Spaniens und gab der Hoffnung Ausdruck, daß Spanien die Bemühungen und Empfindungen der Studienkommifsion würdigen werde. Spanien, das bisher so wertvolle Arbeit im Völkerbund geleistet hatte, dürfe nicht von heute auf morgen feine Stellung andern und aus- scheiden. Lin Ausscheiden Spaniens werde sehr wertvolle Beziehungen zerreißen, den Tod aber würde es nicht bedeuten, denn in der Politik erhole man sich immer wieder und stehe immer wieder vom Tode auf. Der chinesische Vertreter erklärte, daß China Anspruch auf einen ständigen Ratssih hätte, doch wolle es in Anbetracht der Situation sich mit einem halbstündigen begnügen. China erwarte aber, daß die Studienkommission sich ausdrücklich dafür ausspräche, daß ihm ein nichtständiger Sitz zuteil würde. Rach dem chinesischen Vertreter sagte der polnische Delegierte, Polen wolle die Einstimmigkeit nicht beeinträchtigen und sei daher bereit, wenn auch mit gewissen Besorgnissen, dem Projekt zu - zu stimm en. Der spanische Vertreter gab darauf die folgende Erklärung ab: 1. Spanien enthält s i ch bei der Annahme des Projektes der «Stimme; 2. möchte ich im Ramen der spanischen Regierung allen Vertretern, die sich hier in der Studienkommission so freundlich an Spanien gewandt haben, meinen herzlichen Dank aussprechen. Die Sitzung wurde darauf auf den Rach- mittag vertagt. Die Nachmittagssitznng. In der Rachmittagssihung der Studienkommission, die mit der Ablehnung der Vermehrung der ständigen Ratssihe endete, motivierte der spanische Vertreter nochmals kurz die bekannten Ansprüche Spaniens auf einen ständigen Ratssitz und gab der Hoffnung Ausdruck, daß das Gerechtigkeitsgefühl der Äommiffiongmitglieber dem spanischen Wunsche gerecht würde. Auf die Aufforderung des Präsidenten hin, äußerten sich sämtliche Kommissionsmitglieder zu der Frage der ständigen Ratssihe und insbesondere zu den Ansprüchen Spaniens. Einer nach dem andern hob die Verdienste Spaniens um den Völkerbund hervor und erklärte, daß seine Regierung mit deu größten Aufmerksamkeit die spanischen Forderungen geprüft habe. Der Vertreter Frankreichs, Fromageot, sprach hie Hoffnung aus, daß die Bemühungen der Studienkommifsion nicht vergeblich gewesen sein werden und daß sich die spanische Regierung davon überzeugen lassen wird, daß alles geschehen sei, um den Gefühlen Spaniens gerecht zu werden. In ähnlichem Sinne sprach sich Lord Robert Cecil aus. Scialoja erklärte- im Ramen der italienischen Regierung, daß er für einen ständigen spanischen Ratssitz eintreten würde, falls nicht die allen bekannteni «Schwierigkeiten vorhanden wären. Mit besonderer Aufmerksamkeit wurde, die Rede des deutschen Vertreters, Botschafters von hoesch, angehört, in der er folgendes erklärte: Im Ramen meiner Regierung lege ich Wert darauf, den besonderen Wunsch zum Ausdruck zu bringen, daß die wertvo lle Mitarbeit Spaniens, mit dem mein Land durch glückliche Bande der Freundschaft verbunden ist, dem Völkerbund auch weiterhin erhalten bleibe. Ich möchte dieser Hoffnung den Wunsch hinzufügen, daß diese Mitarbeit sich unter denselben Bedingungen vollziehen möge, unter denen sie gegenwärtig besteht. Was nun die Frage der ständigen Ratssihe anbetrifft, so kennen Sie, meine Herren, schon meinen Standpunkt, den ich während der Maitagung entwickelt habe. Das Problem der ständigen Ratssihe ist der Ausganspunk/ einer inneren Krise des Völkerbundes geworden. Ich bin der Ansicht, daß dem Völkerbund, d. h. insbesondere den Mitgliedern des Völkerbundsrates die Aufgabe zufällt, dieses Problem zu lösen und ich glaube, daß es mir nicht anstehen würde, gegenwärtig meine Auffassungen hierüber bar* zulegen während Deutschland noch nicht Mitglied des Völkerbundes ist und und gegenwärtig selbst für einen ständigen Ratssih kandidiert. Ich bin vielmehr der Ansicht, daß es eine Pflicht der Diskretion ist, mich gegenwärtig der Stellungnahme zu enthalten und sie den Vertretern derjenigen Rationen zu überlassen, die Mitglieder des Völkerbundes sind. Ich bitte Sie, meine Herren, diese meine Absicht nicht in dem Sinne auszulegen, als ob ich irgendwie die Bedeutung dieses wichtigen Problems unterschätze. Im Gegenteil, ich bin mir der Schwere der Entscheidung, die jetzt zu fassen Sie berufen sind, voll bewußt. Dor allem der schwedische und der belgische Delegierte stellten sich dann auf den Standpunkt der Dölkerbundssatzungen. Sie hoben vor allem hervor, daß nur Groh- m ä ch t e Anspruch auf ständige Ratssitze hätten und eine weitere Vermehrung des Rats seine Arbeitsfähigkeit unterbinden würde Bemerkenswert waren die Ausführungen des polnischen Vertreters S o k a l. der im Rainen seiner Regierung den Anspruch auf einen ständigen Ratssih aufrecht erhielt. Da jedoch im Augenblick die Zeit für die Erfüllung seines Anspruches noch nicht gekommen sei und er die Krisis im Völkerbund nicht vertiefen wolle, so sei er bereit, von diesem Anspruch i m Augenblick abzustehen. Doch halte er ihn für die Zukunft aufrecht. Die ständige Gegenwart Polens im Rate würde eine wirkungsvolle Sicherung des Friedens bedeuten. Der Vorsitzende Motta fand zum Schluß warme Worte für die schwierige Situation, in die Spanien verseht fet. Er richtete an den spanischen Vertreter die dringende Bitte, die Arbeiten der Studienkommission zu prüfen und feiner Regierung hierüber zu berichten. Spanien und die Schweiz hätten während des Krieges eine Sonderrolle eingenommen, die sie auch in die Friedenszeit hiirüberverpslanzen sollten. Palacios, der Vertreter Spaniens, dankte im Ramen seiner Regierung für die an Spaniens Adresse gerichteten Wünsche. Ec beendete seine kurzen Ausführungen mit der Erklärung, daß er der spanischen Regierung über die Beratungen der Studienkommission eingehend berichten werde. Es fei dann an feiner Regierung. einen Beschluß zu fassen. Rach diesen Erklärungen des spanischen Vertreters stellte der Präsident Motta fest, daß eine Rotwendigkeit der Abstimmung nicht vorliege. Sämtliche Delegierten hätten ihre Ansichten geäußert, wie aus dem Sihungsproto- koll hervorgehe. Deutschland habe sich auS den von Herrn v. Hösch erläuterten Gründen seiner Stimme enthalten. Der Präsident erklärte weiter, daß die Kommission hiermit die ihr gestellte Aufgabe erfüllt habe. Es sei lediglich ihre Aufgabe, dem Rat bestimmte Vorschläg e zu unterbreiten. Der Rat werde sich aus dem Protokoll ein Bild der verschiedenen Auffassungen machen können. Motta stellte weiter fest, daß sämtliche Mitglieder der Studien-Kommission der Zuteilung eines ständigen Ratssihes an Deutschland vorbehaltlos zu gestimmt Hütten. Die Gründe hierfür seien allgemein bekannt, so daß er nicht auf sie zurückzukommen brauche. Nachdem der spanische Vertreter gebeten hatte, in das Protokoll ausführlich den spanischen Wunsch auf einen stündigen Ratssitz aufzunehmen und ferner die Auffassung der Minderheit und der Mehrheit in der Kommission zum Ausdruck zu bringen, erklärte der Präsident die Sitzung für geschlossen. Er schlug vor, daß die Studienkommission morgen nachmittag um 6 Uhr noch einmal zusammentrete. 3n dieser Sitzung, die nur einen formalen Charakter trägt, sollen die Kommissionsmitglieder Kenntnis nehmen von dem Bericht der Studienkommission an den Rat. Bericht der deutschen Delegierten. Genf, 1. «Sept. (TU.) Botschafter v.Hoesch und Ministerialdirektor Gaus werden morgen Gelegenheit haben, mit Chamberlain und Briand Rücksprache über die Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund zu nehmen. Wenn auch im Prinzip durch die vorläufigen Arbeiten alles geregelt erscheint, so dürste eine derartige Aussprache doch gewisse Klarheiten über die Modalitäten bringen, die Deutschlands Eintritt in den Völkerbund begleiten r.erben. Am Freitag werden die beiden deutschen tungskorrespondenz zu melden weiß, der Hauptschriftleiter der Zeitschrift „Der Stahlhelm", Friedrich Wilhelm Heinz in Magdeburg, verhaftet worden. Tagung der Deutschen Volks- partei. Berlin, 1. Sept. (TU.) Der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei trat am Dienstag zu einer Sitzung zusammen, die sich mit der Vorbereitung des am 2 Oktober in Köln beginnenden Parteitages beschäftigte. Am 1. Oktober wird eine Sitzung des Zentralvorstandes in Köln ftattfinben, am 2. Oktober der Parteitag eröffnet werden. Reichsminister Dr. S t r e ) e m a n n wird über die politische Lage sprechen. Abends folgt eine große Kundgebung in der Messehalle. Am 3. Oktober wird auf dem Parteitag Minister Dr. C u r t i u s einen Vortrag über die deutsche Wirtschaftspolitik halten. Ferner sind Referate der Abg. Gramm, Dehthien und Thiel in Aussicht genommen. In der heute ftattgefunbenen Sitzung des Reichsaus schusses erstattete der Partei- vorsitzende Dr. Stresemann Bericht übet die politische Lage, an der sich eine rege Aussprache anschloß. Daran beteiligten sich u. a. auch die Herren Oberbürgermeister Dr. Jarres (Duisburg), Admiral Roehmann- Leipzig, Dr. Jänicke- Hannover, Dr. v. S t a u tz - Berlin sowie die Abg. Dr. Scholz, Kempkes, Dr. Leidig, die Frau Monde, Brüning- Haus, Dingeldey und Burger. Sowohl die Beratungen des Parteivorstandes wie des Reichsausschusses ergaben die Geschlossenheit der Partei und die Fortführung der bisherigen Politik. Der internationale Gerichtshof. Die Vorbehalte der Vereinigte» Staaten. Genf, 1. Sept. (WB.) Die Konferenz der Signatarmächte des ständigen internationalen Gerichtshofes im Haag, die auf englischen Antrag die Vorbehalte des amerikanischen Senats in bezug auf einen Beit ritt der Vereinigten Staaten zum ständigen internationalen Gerichtshof einer Prüfung unterziehen soll, hat heule vormittag unter dem Vorsitz des Holländers van Ey - (eng a in Anwesenheit von 39 der 48 Signatarmächte ihre Beratungen begonnen. Der Vorsitzende erklärte, das Leitmotiv der Konferenz habe Chamberlain bereits bei der Begründung des Antrages im Völkerbundsrat dahin festgelegt, daß den Wünschen der Vereinigten Staaten Genüge geleistet werden sollte. Bei der dann aufgenommenen ersten Lesung wurden die ersten vier Vorbehalte einstimmig angenomm en, wobei die Konferenz sich jedoch die Behandlung der formalen Seite ausdrücklich vorbehält. Der erste Vorbehalt besagt, daß die Vereinigten Staaten mit dem Beitritt zum internationalen Gerichtshof keinerlei rechtliche Bindung gegenüber ö e in Völkerbund eingehe. Der zweite und briti? Vorbehalt betreffend das Mitsprach erecht bei der Wahl der Richter und ferner die Festsetzung des Kostcnbeitraaes an den Gerichtshof durch den amerikanischen Kongreß. Kraft des vierten Vorbehaltes sollen sich die Vereinigten Staaten beteiligt sind, richtshof zurückzieh en können, ferner ist für jede Aenderung der Satzungen des Gerichtshofes die Einwilligung der Vereinigten Staaten nötig. — Der fünfte Vorbehalt verlangt, daß die Gutachten des Gerichtshofes öffentlich erstat- t e t werden und daß ohne Zustimmung der Vereinigten Staaten kein Gutachten in einem Streit abgegeben werden kann, woran d i e Vereinig ten Staaten beteiligt sind, oder erklären, daran ein Interesse zu haben. Man kam überein, daß der erste Teil dieses Vorbehaltes nach der jüngsten erfolgten Aenderung der Geschäftsordnung des Gerichtshofes keine Schwierigkeiten mehr bereite. Den zweiten Teil des Vorbehaltes bezeichnete der Präsident als den Kern des ganzen Problems und bedauerte, daß die Vereinigten Staaten keine Vertreter entsandt haben, weil gerade zu dieser Frage von amerikanischen Vertretern wertvolle Erläuterungen hätten gegeben werden können. Die Beratungen werden morgen fortgesetzt. Delegationsführer Genf verlassen, um in Berlin der Reichsregierung über ihre Eindrücke ausführlich zu berichten. Der Eindruck m Schweden. Stockholm, 2. Sept. (TU.) Die Ansichten über die gestrigen Genfer Beschlüsse sind in Schweden sehr geteilt. Während die liberalen Stockholmer Zeitungen seststellen, daß der schwedische Vertreter in Genf eine bedeutungsvolle Rolle spiele, ist die konservative Presse mit dem Ergebnis der Genfer Verhandlungen nicht zufrieden. „Nya Dag- ligt Allchanda" schreibt, die Beschlüsse der Studienkommission seien keineswegs ein Sieg des schwedischen Standpunkts. Weder die schwedische Regierung noch der Reichstag könnten es gutheißen, daß der Einfluß der kleinen Staaten im Völkerbunde aufhören solle. Bundeskanzler Ramek in Genf. Wien, 2. Sept. (Sil.) Bundeskanzler Dr. Ramek. der sich am Samstag nach Genf begeben wird, da am Montag verschiedene österreichische Fragerr im Rat zur Verhandlung kommen werden, wird seinen Aufenthalt in Genf verlängern, um der Sitzung beizuwohnen, in der die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund erfolgen soll. Der Kanzler beabsichtigt, in der Sitzung das Wort zu ergreifen, um das Deutsche Reich im Ramen Oesterreichs im Völkerbünde zu begrüßen. 3n hiesigen diplomatischen Kreisen vermutet man, daß die Rede starke politische Anspielungen auf die innere Gemeinsamkeit der beiden Rachbarstaaten enthalten, und daß der Kanzler auch die Frage des Minoritätenschutzes, soweit Oesterreich daran interessiert ist, anschneiden wird. Zuspitzung der Lage in Tanger Madrid, 1. Sept. (TA.) Der spanische Vertreter in Tanger, Espinos, hat im Zusammenhang mit der Maßregelung deS Chefredakteurs der „Depeche Marocaine" die Ausweisung des Administrators der Tangerzon«, Albergue, gefordert, weil dieser der Spanien und Italien feindlichen Haltung des französischen Marokkoblattes nicht ent- gegengetreten ist. Autzcxdem verlangte Espinos, dem französischen Gesandten in Tanger aus dem gleichen Grunde einen Verweis zu erteilen. Es heißt, daß der italienische Generalkonsul, Dantelli, die Forderungen Espinos u n t e r st ü h t. PauL-Boncour zur Abrüstungsfrage. Paris, 1. Sept. (TU.) Paul-Boncour hat vor feiner Abreise nach Genf einem Vertreter des „Oeuvre" Erklärungen über die Abrüstungsfrage gemacht. Die Frage fei, so führte er aus, außerordentlich ernst. Sobald der Streit um die Ratssitze endgültig erledigt sei, habe ftS? 6er Völkerbund mit der Abrüstungsangelegenheit zu befassen. Das Geschick des Völkerbundes hänge von dieser Frage ab. Man müsse unbedingt zu einem Ergebnis gelangen. Wenn dieses darin bestände, daß die nationalen Abrüstungen Gegenstand eines internationalen Vertrages wurden, so wäre schon jetzt viel erreicht. Frankreich nehme für sich die Ehre in Anspruch, als erstes Land eine internationale Kontrolle seiner Rüstungen zuzugeben. (!) Dieses sei die beste Antwort auf die Anschuldigung wider den französischen Imperialismus. Bisher habe Frankreich auf diesem Wege nur rdie Zustimmung d e r kleinen Mächte ge- . funben, die mit Frankreich zusammengegangen 'feien. (!) Die großen Mächte hätten sich bisher geweigert, ihm zu folgen, lieber das Wesen der inter- ' nationalen Kontrolle erklärte Paul-Boncour, es könne sich naturgemäß nicht um eine Kommission handeln, die durch Europa reife und die Kasernen und Arsenale zu besuchen habe. Die nationale Souveränität und das Geheimnis der Mobilisierung könnten nicht in Frage gezogen werden. Was Frankreich wolle, fei ein Kontrollorgan, das aus verschiedenen Vertretern bestehe, und das in besonderen Fällen zur Untersuchung herangezogen werde. Der Bergarbeiterstreik in England. Um ein nationales Lohnabkommen. London, 1. Sept. (TA.) Die Mitglieder der Arbeiterpartei, Mac Donald, Clhnes, Walsh und Adarsvn hatten heute eine Aussprache mit den Vertretern der Dergarbeiterexekutive. Rach Schluß der Aussprache erklärte einer der Abgeordneten auf Befragen, „öie Friedenspfeife tft noch nicht in Sicht". Cook versicherte nach Beendigung der Aussprache, daß die Gerüchte von Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und dem Präsidenten der Bergarbeitergewerkschaft, Robert Smith, reine Dichtung seien. 3n unterrichteten Kreisen bezweifelt man, daß, selbst wenn die Arbeiterexekutive neue Vorschläge unterbreiten sollte, die Bergwerksbesitzer bereit fein würden, auf der Basis eines nationalen Lohnabkommens zu verbandeln. 3n anderen Kreisen hält man dagegen Verhandlungen über nationale Lohnabkommen für unmöglich. Die Berg- werksbesiher sind der Ansicht, daß die Berg- werksbefihervereinigung keine Vollmachten mehr habe mit der Bergarbeiterexekutive über diese Frage zu verhandeln. Die örtlichen Vereinigungen sollten die Verantwortlichkeit für die Verhandlungen übernehmen. Theoretisch betrachtet sich die Dergwerksbesitzerver- einigung als aufgelöst und ein allgemeines Lohnabkommen für unmöglich, sie beabsichtigt, durch drstriktweise Abkommen die Bergarbeitergewerkschaft praktisch vollkommen lahm zu legen. Die Wirren in China. London, 2. Sept. (WTD. Funkspruch.) Meldungen aus Kanton besagen, daß Streikposten vorsätzlich auf Ausländer feuern, während Barkassen chinesische Passagiere nach und von Hongkong-Dampfern befördern. Britische Kanonenboote patrouillieren den Shamenbereich. Es besteht die Möglichkeit eines ernsten Zusammenstoßes. Gerüchtweise verlautet, daß beim ersten Zusammenstoß Großbritannien den Kanton-Fluß blockieren werde. Es sei möglich. daß während des Wochenendes Verwickelungen emtreten. Kunst und Wissenschaft. Abschiedsfeier für Dr. Rottenberg. Für den nach 33jähriger Tätigkeit in den Ruhestand tretenden hochverdienten Kapellmeister des Frankfurter Opernhauses. Dr. Rottenberg, fand am Sonntag eine Abschiedsfeier statt, dem Wunsche des Geehrten gemäß in kleinem Kreise. Von den Vertretern des Magistrats, des Aufsichtsrats und der Direktion der Städtischen Hühnen-A. G.. der Dühnenmitglieder, des Orchesters, des Chors, des technischen Personals wurden Dr. Rottenberg warme Worte herzlichen Dankes und ehrender Anerkennung ausgesprochen und darauf hingewiesen, wie sehr das hohe Ansehen des Frantfurter Opernhauses durch feine Tätigkeit mitbegründet und erhalten worden fei. Stadtrat Meckbach überreichte dem Scheidenden die silberne Plakette des Magistrats der Stadt Frankfurt a. M. und teilte mit, daß der Aufsichtsrat der Bühnen-A. G. beschlossen habe, Dr. Rottenberg zum Ehrenmitglied der Städtischen Bühnen-A. G. zu ernennen. 3n schlichten bewegten Worten dankte Dr. Rottenberg und hob hervor, daß er sich immer in den Dienst der Sache gestellt habe, für die zu wirken er berufen gewesen sei. (Eine Studienreise des Reichsverbandes der Deutschen Volkswirte. Eine Tagung und Studienreise des Reichsoerbandes der Deutschen Volkswirte im rheinisch- wcstfälifchen Industriegebiet findet vom 12. bis 18. September statt. Den Hnupttcil der Studienreise bildet die Besichtigung der wichtigsten Werke und städttschen Anlagen in Elberfeld, Barmen, Leverkusen. Essen, Gelsenkirchen, Mülheim (Ruhr), Velbert, Duisburg, Oberhausen, Hamborn, Hagen, Bochum, Dortmund, Solingen, Remscheid. Ferner Fahrten nach Köln, nach Düsseldorf mit Besichtigung der Gesolei sowie Rundfahrt durch das Bergische Land. 2lus aller Wett Reichskanzler Luther in Peru. Lima, 1. Sept. Der frühere deutsche Reichskanzler Dr. Luther traf gestern hier ein. Am Abend veranstaltete der Deutsche Klub ihm zu Ehren einen Gmpsang. Dr. Luther wird heute nachmittag nach dein 3nneren des Landes abreisen, um den deutschen Siedlungen einen Besuch abzustatten. Schwere Unwetterkatastrophe in Spanien. Paris, 1. Sept. (DTB.) Der poskzug Barcelona — Valencia ist heute nachmittag in der Rahe von T o r t o s a infolge eines durch die starken Regengüsse dcr letzten Tage hcrvorgeru- fenen Erdrutsches e n t g l e i st. Dabei sind 2 4 p ertönen getötet und 88 verletzt worden. Durch das Unwetter sind weiter eine Reihe von Ortschaften überschwemmt worden. Ueber Barcelona ging ein furchtbarer W i r b e t st u r m nieder, der zahl- reiche Häuser niederritz. Bisher zählte man 30 Tote und viele verletzte. 3n San Bandille ereignete sich während des Sturmes eine Explosion, wodurch fünf Häuser zerstört wurden. Fünf Personen wurden dabei getötet, drei schwer verletzt. Das Erdbeben auf den Azoren. Lissabon, l.Sepl. (TU.) Rach Angaben des Gouverneurs wurden auf der 3nsal Frahal fünfzig Personen getötet. Fast die ganze Stadt Horta ist zerstört. Die portugiesische Regierung hat eine sofortige Hilfsaktion beschlossen. Der Konsul der Vereinigten Staaten telegraphierte seiner Regierung, das Erdbeben sei das schwerste, das die 3nsel bisher betroffen habe. Das amerikanische Rote Kreuz hat seine Hilfe zugesagt. Auch aus Mexiko werden starke Erdbeben gemeldet. Ebenso wurden in Griechenland starke Erdstöße verspürt. Schwere Gewitterstürme in Frankreich und England. Paris, 2. Sept. (WTD. Funkspruch.) Aus verschiedenen Teilen Frankreichs sind Gewitterstürme von ungewöhnlicher Heftigkeit gemeldet worden. 3n Cherbourg wurden tiefergelegene Stadtteile in kurzer Zeit überschwemmt. Der Strahenbahnverkehr und die Stromversorgung sind unterbrochen. 3n Angoulöme und Perpignan sind die Keller der Häuser zum größten Teil unter Wasser gesetzt und sonstige Schäden angerichtet worden. Auch über London ist ein 'kurzes aber schweres Gewitter niedergegangen, das erheblichen Schaden verursachte. 3n vielen niedrig liegenden Stadtteilen wurden die Straßen überflutet. Die elektrischen Straßenbahnen zwischen der City und dem westlichen Vorort Kew konnten nicht verkehren, da durch die Tleberschwemmung die Stromzufuhr unterbrochen war. Schweres Brandunglück in Reuyork. Aufregende Szenen ereigneten sich, als im unteren Stockwerk eines von Regern bewohnten! fünfstöckigen Gebäudes Feuer ausbrach, durch das alten darüber Wohnenden die Rettung unmöglich gemacht wurde. Ein tiefer Graben, der vor dem Gebäude wegen des Baues einer älnterg rundbahnstrecke ausgehoben worden war, hinderte die Feuerwehrleute. an dieser Stelle ihre Leiter anzulegen. Viele Reger sprangen aus den Fenstern und erlitten z. T. schwere Verletzungen. Fünf Leichen wurden unter den Trümmern hervorgezogen; eine Person wird vermißt. Grotzfeuer in Ostpreußen. Durch spielende Kinder wurde in Peters- Walde ein Strohhaufen in Brand gesetzt. Der Wind trug das Feuer auf die in der Rühe befindlichen Gehöfte. 3n wenigen Augenblicken war ein großer Teil des Dorfes ein gewaltiges Flammenmeer. 5 Gehöfte sind mit der «gesamten Ernte niedergebrannt. Den Feuerwehren gelang es unter Aufbietung aller Kräfte, den Brand zu löschen. Zehn Familien sind obdachlos. Schweres Automobilunglück. Ein schweres Automobilunglück ereignete sich in der Mittwoch-Nacht gegen 12 Uhr auf der Straße zwischen Gleiwitz und Hindenburg. Ein Auto mit drei Insassen fuhr bei den letzten Häusern von Matthesdorf gegen einen Straßen- bahnmast, fiel zur Seite und wurde zertrümmert. Der Chauffeur und ein Insasse wurden sofort g e ° tötet, der andere schwer verletzt. Autounglück in der Rhön. Bei O st h c i m in der Rhön ereignete sich ein schweres Autounglück. Der Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Lagerhauses befand sich mit seinem Auto, in dem noch drei Personen saßen, auf der Landstraße, als plötzlich der Reifen platzte. Das Auto überschlug sich, die 3nsassen unter sich begrabend. Der Geschäftsführer Witzel zog sich schwere innere Verletzungen, der Bäckermeister Dickert schwere Kopfverletzungen zu, während der Seilermeister Laß derart schwer an der Wirbelsäule verletzt wurde, daß an seinem Aufkommen. gezweifelt wird. Der vierte 3nsasse blieb unverletzt. INelsterwerk eines pfälzischen Architekten. 3m 3uli wurde in Detroit (11.©. oj A.) mit dem Dau des höchsten und größten Gebäudes der Welt begonnen, dessen Pläne von dem . in Aeustadt gebürtigen Architekten Kämper unter Assistenz seines Sohnes entworfen wurden. 10 000 Mark Belohnung für die Ergreifung des „Blinden Johann". Wie die Dlätter melden, hat der Oberpräsident von Hannover auf die Ergreifung des Raubmörders 3ohann L e n i e r c z , der bei der Oberförsterei Lauenau einen Först er und einen Waldarbeiter erschoss en hat und dem außer zahlreichen Raubüberfällen und Einbrüchen 13 Raubmorde zur Last gelegt werden, eine Belohnung von 3000 Mark ausgesetzt, zu der noch Belohnungen anderer Behörden von 7000 Mark hinzukommen. Offenbar sind also alle früheren Meldungen von einer Ergreifung des Raubmörders falsch. Aus der Proviuzialhauptstadt. Gießen, den 2. September 1926. Gegen die FestseMche. Von Schulrat Heinrich H a s s i n g e r, Darmstadt, Leiter der Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung und 3ugendpflege in Hessen. Fhr Vorstände und Verantwortlichen! Es wütet eine Seuche unter uns, gefährlich, lauernd, schleichend, wie Seuchen sind, und wenn Euch nicht die Verantwortung an ihren Verheeruncen treffen soll, dann tretet endlich als ihre energischen Gegner und Vekämpfer auf. 3hr allein habt es in der Gewalt, ihr Einhalt zu gebieten. Sie ist um so gefährlicher, als sie lustig und bunt daherkommt, als ihr alles dienstbar ist, Alkohol, Musik, Tanz, Umzug und als sie sich häufig auf solch ehrbare Anlässe beruft wie Weihe, Gedenken, 3ubiläum und dergleichen. Es sieht beinahe so aus, als hätten wir landaus, landab nichts Wichtigeres zu tun, als uns auf Gründe und Anlässe für Feste und Feiern zu besinnen. 3hre ungesunde Häufung gleicht einer Flut, die sich verheerend über unser ganzes Vollsleben legt und die den Sinn für wahre Feste tötet. Sind wir ehrlich: was weiß ein großer Teil unserer 3ugend heute von einem Fest? Geht nur durch die Straßen, geht nur in die Schulen, die 3ugsnd singt und summt auch ihre Erinnerungen an diese schönen „Feste" und „Feiern" vor. Die Tanzmusik, der Shimmy und 3azz, die frivolsten Schlager, das sind heute vielfach die Volkslieder unserer 3üngsten. Die aufwärtsstrebende 3ugend in allen Bünden und Verbänden wendet sich entsetzt davon ab und sucht in ernstem Ringen nach einem neuen Lebensstil bei ihren Veranstaltungen. Cs genügt nicht, die Schultern zu zucken und zu sagen, diese Festseuche liegt in der Zeit. Wer Verantwortung hat, muß handeln. Es braucht nicht zu sein, daß der eine Dereinsvorstand dem andern die Saaltüre gleich offen läßt, weil der eine Verein sein drittes, der andere sein siebzehntes und der dritte sein achtunddreißigstes Stiftungsfest feiern muß. Es wäre genug mit den 3uhiläumszahlen 25, 50 und 75. Geht es höher mit den Zahlen, gut, dann mag es von fünf zu fünf gehen. Aber das wären dann auch Anlässe! Das gäbe dann Feste! Es liegt an euch, ihr Vereine, dem wahren Fest wieder Sinn und Gla. nz und erfrischende Kraft zu geben. 3hr arbeitet für die 3ugend, ihr arbeitet für die innere Erneuerung und Gesundung unseres Volkslebens, für dieses und jenes schöne Ziel der Volksbildung im Sinne echter Voll-Bildung, das ist gut und erfreulich. Gebt der 3ugend Arbeit in euren Reihen, gebt ihr Freude und Anregung durch Betätigung im Sinne eures Strebens, aber gebt ihr nicht Sinneslust und Leichtlebigkeit durch die Häufung unnötiger Feste. Und wenn ihr Feste gebt, dann gebt sie mit all dem Ernst, den gerade die echte Freude erfordert. Cs ist unglaublich, was auf dem Gebiet der Vereinsfeste vielfach gesündigt wird gegen den Geist des guten Geschmacks, der guten Sitten und des Schönen. Geht nur unter die 3ugend, hört nur herum in den Schulen, ihr werdet erschrecken über die Wirkungen, die Leichtfertigkeit und Geschmacksverirrung der Erwachsenen gezeitigt haben. 3hr Dereinsvorstände und Verantwortlichen, prüft die Liste eurer geplanten Feste, prüft sie dreimal und viermal, prüft sie so, als träfe euch persönlich der Vorwurf, diefer Festfeuche Vorschub zu leisten. Gebet lieber euren Mitgliedern zehn Feste z!u wenig, als eines zu viel. Das Volk seufzt unter der Rot und leidet unter den Kosten des täglichen Lebens, wollet ihr den Vorwurf auf euch nehmen, in schwerer Zeit sein Verführer gewesen zu sein, es zu Ausgaben verleitet z,u haben, die ihm weh tun müssen? Das könnt ihr nicht wollen, und doch seid ihr es, wenn ihr mittanzl in dem Reigen dieser Festseuche. Und müßt ihr feiern, ist der Anlaß wirklich ein Fest wert, dann feiert zu Zeiten, wo sich alle mit euch freuen können. Verletzt nicht die religiösen Gefühle eurer Mitmenschen, indem ihr ihnen die Ruhe und Heiligkeit des Gottesdienstes stört. Rehmt auf die gottesdienstliche Zeit Rücksicht. Das wird euch und eure Sache ehren. 3hr Verantwortlichen, es gibt ein Mittel, dieser Festseuche zu Leibe zu gehen; wenn ihr Führer der Vereine in den einzelnen Gemeinden euch ehrlich und ohne Mißgunst zusammensetzt und gemeinschaftlich eine Einteilung der im laufenden 3cchre abzuhultenden Feste und Veranstaltungen anstrebt. Es kann jeder Verein dwbei zu seinem Rechte kommen, denn es braucht doch nicht zu sein, daß zwei oder drei Feste auf einen Tag fallen, daß man sich gegenseitig zu übertrumpfen sucht und in die Werbemethode der geschäftlichen Konkurrenz verfällt. Das Ansehen und die Bedeutung eurer eigenen Feste wird dabei steigen und ihr werdet auf diese Art eirrer Gemeinde einen großen Dienst erweisen. Denn was nutzt es, toemi die Präsidenten der Vereine in ihren Reden noch so sehr im Brustton der Aeberzeuguna von der Wichtigkeit des Wiederaufbaues und dem Segen der gedeihlichen Zusammenarbeit sprechen, und wenn dabei schon in dem kleinen! Kreis einer Gemeinde das gegen- I fettige Verständnis fehlt, wenn man sich da schon nicht zu einem ersprießlichen Handinhandarbeiten aufraffen kann. Hier, gerade hier, wo es gilt, ein anerkanntes Hebel, einen Mißstand zu bekämpfen, hier könnt ihr den schönsten Schritt zur Dorfgemeinschaft tun. Hier setzt der rechte Weg ein zum Verständnis des Volkes untereinander, der Weg zu der in allen Reden geprie- f en eit Volksgemeinschaft. Vergeßt über den Festen das est e nicht, das uns alle findet: die Wohlfahrt des Volkes. 3 n euren Vereinen spiegelt sich das Leben des Volkes, sorgt dafür, daß dieser Spiegel nicht durch das Wüten dieser Seuche trübe wird und daß er allzeit einwirklichfrvhes, klares und erfreuliches Bild unseres Volkes und seines Lebens zurück w i r f t. Deshalb alle, die ihr die Verantwortung! tragt, stehet zusammen im Kampfe gegen die entsetzlichste Seuche, die gegen 3ugend und Volk wütet: die Festseuche! Die Notare in HeAe^r, Einem Ersuchen des Landtags entsprechend, bat der Justizminister die nachstehenden Angaben über die Notare in Hessen bekanntaegeben. Die Zahl der Notare in Hessen beträgt z. Z. 59. Das Einkommen gestaltete sich im Jahre 1925 wie folgt: Die Solleinnahme der 59 Notare an Gebühren betrug insgesamt 1 463 197 Mark, die Jst- einnahme insgesamt 1 151 477 Mart. Die Solleinnahme an Auslagenersatz betrug 201 225 Mark, die Jsteinncchme hieraus 249 526 Mark. Nach Abzug des auf den Staat entfallenden Gebährenanteils verblieb • den Notaren eine reine Jsteinnahme von insgesamt 1 091 750 Mark. In dieser Summe ist die Jsteinnahme an Auslagenersatz mit 249 526 Mark enthalten. Am Schluß des Kalenderjahres 1925 waren von den Solleinnahmen noch nicht eingegangen und sind deshalb bei der Feststellung des Jahreseinkommens der Notare noch zu berücksichtigen an Gebühren: 311720 Mark, Auslagenersatz 51 699 Mark. Der aus den rückständigen Gebühren von 311 720 Mark auf den Staat entfallende Anteil kann nicht angegeben werden, da dessen Berechnung erst nach Eingang der Gebühren möglich ist. Bei den Notaren bewegte sich die Jahreseinnahme (Solleinnahme) an Gebühren und Auslagenersatz ohne Abzug des Staatsanteils an den Gebühren zwischen 14 744 Mark und 1078 Mark. Die höchste Jahres-Jsteinnahmc eines Notars an Gebühren und Auslagenersatz nach Abzug des Staatsanteils an den Gebühren betrug 55 882 Mark (hierin 16 329 Mark Auslagenersatz). Bei Feststellung der Jahresgesamteinnahme dieses Notars wäre noch zu berücksichtigen, daß von der Solleinnahme des Jahres 1925 am Jahresende noch 8078 Mark Gebühren ausstanden, von denen aber ein noch nicht feststellbarer Satzanteil in Abzug zu bringen märe. Die niedrigste Jabresisteinnahme eines Notars betrug 1369 Mark (einschließlich 291 Mark eingegan- gener Rückstände aus der Zeit vor dem 1.1.25). Die vom Staat aufgewendeten Mittel betrugen nach dem Stande vom 1. 8. d. I. an Ruhegehältern für Notare jährlich 37 302 Mark, an Bezügen für Hinterbliebene von Notaren jährlich 88 732 Mark. Gießener Wochenmarktpreise. Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Vutter 180 bis 200 Pfennig, Matte 30 bis 40, Käse (10 Stück) 60 bis 100. Wirfing 8 bis 15, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 12 bis 30, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10, Spinat 25, Römischkohl 10, Dohnen (grüne) 15 bis 20, Dohnen (gelbe) 20 bis 25, Tlnterkohl- rabi 6, Erbsen 30 bis 35. Tomaten 20 bis 40. Zwiebeln 15 bis 20, Meerrettich 80, Rhabarber 20, Kartoffeln 4 bis 5, Falläpfel 8 bis 10, Frühäpfel 20 bis 35, Dirnen 10 bis 25, Zwetschen 25 bis 35, Mirabellen 30 bis 45, Preiselbeeren 70, junge Hahnen 90 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120; das Stück: Eier 14 bis 15, Blumenkohl 40 bis 120, Salat 5 bis 10, Salatgurken 10 bis 40, Einmachgurken 2 bis 4, Endivien 15 bis 25, Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 30 bis 50; das Bund: Radieschen 10 Pf. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Liebigshöhe: 8^ Uhr Sonderkonzert der Reichswehrkapelle. — Bund für christlich-evangelische Erziehung in Haus und Schule: 8 Uhr, Johcmnes- saal, Familienabend. — V. s. B., Alte Herren: 8£ Uhr Versammlung bei Vogt, Sonnenstraße. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Straße des Vergessens". — Palastlichtspiele: „Pat und Pato- chon auf der Weltreise" und persönliches Auftreten dieser Darsteller. — Astoria-Lichtfpiele: „Mut, Monty, es wird schon schief gehen". Wettervoraussage. Bei nordöstlichen Winden vielfach heiter bis molkig, etwas kühler, Gewitterstörungen. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 27,2 Grad Celsius, Minimum 11,5 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur 13,7 Grad Celsius. ** Der Herbstflugplan der Luftverkehr A. G. Oberhessen-Lahngau sieht von gestern ab vor. daß die Flugzeugs mittags um 1 älhr nach Frankfurt a. M. unb um 1.10 älhr nach Kassel hier abfliegen. Die Strecke Frankfurt a. M.—Gießen—Kussel wird nunmehr von zwei Flugzeugen beflogen, die sich auf unserem Flugplatz treffen und dann in dem Abstand von 10 Minuten starten. Bei dem gegenwärtigen schönen Wetter ist die 3nanspruchna^we der Fluglinie recht rege. 3n der vorigen Woche hatte unser Flugunternehmen den bisher jüngsten Passagier, eine Schülerin von 11 Fahren, und den ältesten Fluggast, den 84 3ahre allen Rentner Karl Berg, äu befördern. Beiden machte der Flug viel Vergnügen; die Schülerin schilderte ihr Erlebnis sogar in einem Aufsatz, in dem sie u. a. zum Ausdruck brachte, daß sie nicht verstehen könne, warum „so viele erwachsene Leute heute noch immer Angst vor dem Fliegen" hätten. Vielleicht wirkt bie Courage der Kleinen ansteckend auf die Großen und veranlaßt diese, sich das Vergnügen eines Fluges noch zu leisten, bevor am 8. Oktober die diesjährige Flugperiode geschlossen wird. ** Ein guter Rat an die Vereine. Vom Gießener Veükehrsverein wird uns geschrieben. Bittere Enttäuschungen würden den einzelnen Vereinen erspart bleiben, wenn sie ihre Veranstaltungen frühzeitig dem Stadt. Verkehrsamt (Stadthaus, Zimmer 14) anzeigten. Es würde dadurch vermieden werden, daß mehrere größere Veranstaltungen auf einen Tag falten und dadurch die beteiligten Vereine schwere finanzielle Einbußen erleiden. Das Städt. Verkehrsamt gibt jederzeit Auskunft über die bereits angemeldeten Veranstaltungen, so daß einer erfolgreichen. Durch- füfrrung von Veranstaltungen bei Beachtung der Mitteilungen des 2Inrte6 nichts im Wege steht. " Dte staatliche Preisprüfungsstelle für Oberhessen aufgehoben. Das hessische Ministerium des Innern gibt bekannt: Rachdem durch Reichsgesetz vom 19. Iuli 1926 die Verordnung über die Preisprüfungsstellen mit sofortiger Wirkung aufgehoben worden ist, wird hiermit auch die staatliche Preis- Prüfungsstelle für die oberhessischen Kreise in Gießen aufgehoben. ** Anlagenkvnzert findet morgen. Freitag, nachmittags 5 Llhr in der Süd-Anlage statt. Die Musikfolge ist: 1. Armeemarsch II, Ar.207, Vombardvnmarsch aus der Oper: .Das goldene Kreuz", I. Brüll. 2. Ouvertüre zur Oper: „Orpheus in der Unterwelt", I. Offenbach. 3. ^omm Zinganv", Lied aus der Operette: „Gräfin Mariza", E. Kalman. 4. Fantasie aus der Operette: „Der fidele Dauer", L. Fall. 5. Armeemarsch II. Ar. 212, König Karl-Marsch, L. Anrath. Strahensperre. Zur Vornahme von Walzarbeiten ist die obere Kaiserallee zwischen Alter Rödger Weg und der Verbin- dungsstrahe zum Sportplatz der Spielvereinigung 1900 seit gestern bis auf weiteres für jeglichen Fährverkehr gesperrt. " Städtische Frühbirnen-Ver- steigcrung. Gestern fand die Versteigerung der Frühbirnenecnte auf den städtischen Bäumen statt. Die Ernte ist im allgemeinen mittelmäßig, nur stellenweise gut ausgefallen. Der Kreis der Bieler war sehr gering, infolgedessen blieben auch die Gebote niedrig. Im Durchschnitt kam der Zentner auf etwa 3 Mark. Da dieses Gebot der Taxe entspricht, wurde der Zuschlag erteilt. O Dors icht beim Aeberqueren der Fahrdämme! Gestern vormittag wollte eine Daine in der Aeuen Baue den Fahrdamm überschreiten. Anscheinend hatte sie den dort herrschenden Verkehr nicht genügend beachtet, denn sie kam einem Radfahrer so in den Weg, daft der Zusammenprall nicht mehr zu vermeiden war. Beide kamen zu Fall, glücklicherweise ohne Schaden zu nehmen. Aach Berichten von Augenzeugen soll den Radler keine Schuld treffen. Fuft- gänger und Fahrende mögen in den belebten Straften der Innenstadt vorsichtig sein und aufeinander die gebotene Rücksicht nehmen, dann werden Anglücksfälle wohl zu den Seltenheiten gehören. ** Gemeine Patrone. Gestern nachmittag gegen 4j Uhr wurde eine Dame, die sich auf dem Wege nach Annerod befand, im Walde in der Nähe der siebenten Schneise von einem Menschen in schamloser Weise belästigt. Die Frau ergriff die Flucht nach Annerod zu und entkam dem Wüstling glücklich. Erst kürzlich wurde in der Stadt ein anderer, gleich übler Geselle festgenommen, der sich gemeine Handlungen gegenüber Kindern hatte zu schulden kommen lassen. Gegen diesen Menschen ist ein Strafverfahren anhäirgig. Man muß immer wieder betonen, daß das Publikum sich vor solchen üblen Zeitgenossen am besten dadurch schützen kann, daß es alle Möglichkeiten zur sofortigen Dingfest- machung ausnutzt. Handfeste Männer mögen in solchem Falle nur beherzt zugreifen. '* Eine Polizeistreife wurde gcftern früh gegen 5 Ahr in den Strohschobern in der Aähe der Stadt vorgenommen. Hierbei wurden verschiedene Obdachlose aufgegriffen, die sich schon seit einiger Zeit hier Herumtreiben. Ver- bxiftungen wurden nicht vorgenommen. "* Personalien. In den Ruhestand versetzt wurden: der Lehrer Peter Henrich in Borsdorf (Kreis Büdingen), mit Wirkung oom 1. Oktober ab, sowie die Lehrer im einstweiligen Ruhestand Karl L c n z zu Langenbergheim (Kreis Büdingen) und Karl Rahn zu Kirch-Göns (Kreis Friedberg). Preisabbau bei her preußischen Polizei. Da häufig für geringfügige lieber- tretungen, z. P. das Briahren des Bürgersteigs mit Handwagen usw., verhältnismäftig hohe Strafen, wie 20 bis 30 Mark und höher festgesetzt werden, hat der prcuftische Minister des Innern, wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, unter Hinweis darauf, daß früher für derartige Aebertretungen Strafen bis 5 Mark die Regel bildeten und auch jetzt in Anbetracht der verschlechterten Einkommensverhältnisse im allgemeinen noch als ausreichend gelten können, in einem Runderlaft die preußischen Ortspolizeibehörden ersucht, sich bei der Festsetzung der Strafen in angemessenen Grenzen zu halten, sofern nicht von der Strafverfolgung überhaupt abzusehen sein wird. " Die Umlage der Landwirtschaftskammer ist für bas Iahr 1926 in Höhe von 4,7 Pfennig auf je 100 Mk. des der Umlage unterliegenden Vermögens festgesetzt worden. Der Höchstwert eines Grundstückes, der für die Erhebung der Umlage in Frage kommen soll, darf 1 Mk. für den Quadratmeter Grundbesitz nicht übersteigen. Aot Helfer-Ausweise hüten. Man teilt uns mit: Es ist in letzter Zeit wiederholt vorgekominen, dah unberechtigte Personen Aothelser-Ausweise cingezogen haben. Da eine allgemeine Einziehung der Aothelfer- ausweise gegenwärtig überhaupt nicht vorgenommen wird, lann es sich nur um Schwindler handeln, die es auf die Schädigung der betreffenden Aothelfer ober der Technischen Aot- hilfe abgesehen haben. Die Aothelferschast wird daher gewarnt. Amtsgericht Gießen. * Rieften, 30. Aug. Ein Bildhauer K. aus der Nähe von Gießen erstattete im Aovember 1924 bei der Pcklizri Anzeige, ein Maurer St. habe ihm auf einer Baustelle Werkzeuge gestohlen. Die angestellte Antersuchung ergab, öaft St. zu Anrecht verdächtigt worden war, alle vernommenen Zeugen erklärten, St. habe mit der ganzen Sache überhaupt nichts zu tun. Das Verfahren wurde daraufhin eingestellt und dies dem K. auch mitgeteilt. Trotzdem erzählte er im März auf einer Baustelle in Wölfersheim, ihm sei einmal eine Werkzeugkiste aufgebrochen und Eisen herausgeholt worden. Das habe kein anderer getan als der St., und der habe auch noch Bürgermeister werden wollen. St. hat deswegen gegen K. die Beleidigungsklage erhoben. K. gibt zu, diese Oleufterung getan zu haben, und will die früheren Zeugen, die in der Strafsache gegen St. schon einmal vernommen worden sind, nochmals vernommen haben. Das Gericht lehnt dies jedoch ab, weil alle Zeugen schon früher zugunsten von St. ausgesagt haben, und verurteilt den K. zu einer Geldstrafe von 30 Mark. Außerdem wird dem St. die Publikationsbefugnis bzgl. des Arieils auf Kosten des K. zu- gesprochen. * Gießen, 31. August. Zwei Nachbarn B. und St. in Heuchelheim leben miteinander in Unfrieden. B., der mit Lumpen und Altsachen handelt, behauptet nun, Frau St. habe ihn vor einiger Zeit einen „schlechten Lumpensammler" genannt und ihm zugerufen, seitdem er das Geschäft betreibe, sei nichts als Schweinerei da. Frau St. bestreitet dies und gibt an, sie habe ihrem Hund, der damals auf dem Hofe an ihr vorbei auf die Straße gelaufen sei, zugerufen: „Du schlechter Lumpenhund" und ihren Nachbar B. überhaupt aar nicht gesehen. Ein Zeuge, der damals zufällig oei B. gewesen ist, kann auch keine genauen Angaben machen. Es sei schon dunkel gewesen, und er habe plötzlich eine Person, die er an der Stimme als die Frau St. erkannt habe, iraend etwas murmeln hören, das wie .Lumpenhund" oder „Lumpensammler" geklungen habe. Bestimmteres tonne er nicht sagen. Ob ein Hund auf die Straße gelaufen sei, wisse er auch nicht. Da vorher zwischen B. und Frau St. in seiner Gegenwart nichts vorgefallen sei, habe er die Aeußerung der Frau St. nicht auf den 'S. bezogen. Das Gericht hielt es an sich bei der zwischen den Parteien bc stehenden Feindschaft nicht für ausgeschlossen, daß der Ausdruck „Lumpenhund" oder „Lumpensammler" dem B. gegolten hat, zumal dieser mit Lumpen handelt, allein es wäre immerhin möglich, daß die St. damit ihren Hund gemeint haben könnte. Es mußte daher im Zweifel zu ihren Gunsten entschie- den und sie mangels ausreichenden Beweises freigesprochen werden. Berichtssaal. Die Todesfahrt des Reklamechefs der Firma Opel. WSN. Darmstadt, 1. Sept. Am 8. April dieses Jahres befand sich der Reklamechef der Firma Opel, August Müller, mit dem Motorrad auf der Heimfahrt von Frankfurt nach Rüsselsheim. Zwei Apfelsinenhändler, Dusch und Heuser aus Schwanheim, begegneten ihm auf der Landstraße mit ihrem Fuhrwerk. Da der Wagen nur eine verrußte Laterne anhängen hatte bemerkte Müller, der in ziemlich raschem Tempo fuhr, das Fuhrwerk nicht und fuhr in dieses hinein. Die Deichsel drang tief in den Körper des Unglücklichen am Schlüsselbein hinein, durchbohrte die Lunge und zertrümmerte den Brustkorb. Man bettete den Verunglückten nahe des Banketts und fuhr ihn bann, der am Verbluten war, mit dem Auto nach Hause. In Anbetracht dessen, daß die beiden Händler nur eine verrußte Laterne am Wagen hatten, die Müller nicht bemerken konnte, verurteilte das Gericht die Angeklagten 511 4 Monaten Gefängnis. Der Umstand, daß Müller zu schnell gefahren war, wurde im Strafmaß berücksichtigt. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr beantragt. Gefängnis für eine fahrlässige Autofahrerin. WER. Frankfurt a. M., 1. Sept. Im Iuli 1925 wurde ein junges Mädchen von einem Auto angefahren, dessen Lenkerin eine Frau Hella R a p 0 11 aus Wiesbaden war Das Mädchen wurde von dem im rasenden Tempo die Eschenheimer Landstrafte herunterkommenden Auto erscrftt, als es aus der Miquelallee herausfahren wollte. Bald darauf starb das Mädchen. Die Obduktion ergab, daft der Tod auf Tuberkulose zurückzuführen war, daft aber die Verletzungen Schuld an dem Tode hatten. Der Einzelrichter verurteilte die Angeklagte zu einem Mona t Gefängnis wegen grober Fahrlässigkeit: betont wurde aber, daft der Tod der Verletzten nicht allein auf die Folgen des Zusammenstoftes zurückzuführen gewesen sei. Hypotheken ?ür den Kleinwohnungsbau. Frankfurt a. M., l.Sept. (WER.) Die in der Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken vereinigten Banken, darunter auch die Frankfurter Pfandbriefbank, haben sich, um den 1 nJDD6nung£bau durch Hingabe mög- lichst billiger langfristiger Hypo- t per engelder zu fördern, entschlossen, zunächst 10 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen unter der Bedingung, daß die 10 Mill. -^arf ausschließlich zur Beleihung geeigneter Kleinwohnungsbauten unter Bürgschaft öer Kommunen, denen diese Bauten zugute kommen, verwendet werden. Ferner sind die Hypotheken mit 8 Prozent jährlich zu verzinsen und seitens der Darlehnsnehmer fünf Iahre un- rundbar. Die Tilgung beträgt 1 Prozent jährlich und muß spätestens nach fünf Iabren einsetzen. Die Au-zahlung der Darlehen erfolgt zum RettokurS von 96 Prozent. Einige Kommunen, darunter Frankfurt, haben bereits von diesem Angebot Gebrauch gemacht. Hessen in Berlin. In Berlin bat sich eine Hess en-Ver- einigung gebildet, die die zahlreichen in Berlin und Amgegcnd ansässigen Hessen in zwanglosen und regelmäßigen Zusammenkünften einander näherbringen und die Liebe zur Heimat pflegen will. In der am 10. August stattgehabten, von Ministerialrat Prof. Maurer geleircten Gründungsversammlung überbrachte Schauspieler Göbel vom Hessischen Landestheater u. a. Grüfte von Biench-n-Bimmbernell uird trug deren neuestes Gedicht „Kinstliche 5tinner“ vor. Es gab viel Wiederiehensfreude zwischen Landsleuten, die sich zum Teil seit Iahren nicht gesehen hatten, obgleich sie in der Riesenstadt dicht beieinander wohnten, ohne davon zu wissen. Man kann es nur begrüßen, daft endlich ein verbindendes Glied geschaffen ist, welches die vom Schicksal nach der Reichshauptstadt geführten Hessen zusammenhalten und dafür sorgen will, daft sie ihrer schönen Heimat und hessischer Art nicht allzu rasch entfr eintet werden Die Hessen-Vereinigung ist bestrebt, alle hessischen Landeskinder in Berlin — ohne Anter- schicd — au umfassen, und bittet deshalb diejenigen unserer Leser, welche Bekannte oder Angehörige in Berlin haben, diese von der Gründung der Vereinigung zu benachrichtigen und sie zu veranlassen, ihre Adresse an Ministerialamt- mann Kriegbaum- Derlin-Halensee, Iohann- Georgstrafte 12, mitzuteilen. Sie werden dann regelmäßig Einladungen zu den Hessen-Abenden erhalten Aus dcv! Amtsverkündigunflsblatt. ** Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 70 vom 31. August enthält: Maul- u. Klauenseuche in Gießen. — Hauptkörung 1926. — Feldbereinigung Rieder-Befsingen. — Verlorener Polizeiausweis. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloßen. Für unverlangt elngefandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenausträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. iiwn 1 iim 111 iim 11 mui iikiiii mi 111—11 ■■mwiwf1 macht das Wasser des täglichen Bades, der Waschungen und Abreibungen zum natürlichen Hell- und Schönheitsmittel. Durch den Zusatz von Kaiscr-Borax wird das Wasser weich, relnl« gungskräftig und antiseptisch und gewinnt wundervoll belebende Wirkung auf die Hauttätigkeit Verstärkte Hautatmung und raschere Blutzirkulation heben Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit und so ist die Körperpflege mit Kaiser- Borax der natlMlichsie Weg zu Gesundheit und Schönheit. — Kaiser-Borax wird niemals lose, sondern nur in der bekannten roten Original-Packung geliefert, welche für die Reinheit der Ware garantiert. — Ausführliche Gebrauchsanweisung liegt jedem Karton bei. — Heinrich Mack Nachf., Ulm a. D. Seifenflocken SEI FEN FLOCKEN f Verkäufe | Ein Wurf schöne Ferkel (9 Wochen altv zu verkaufen. °*°19 Annerod, Ttefenweg 8. Neue Mine mit Zubehör billig abzugeben. Zu er- fragen L d. Geschäfts- stelle d. G. Anz. 06016 Kontrolltajfe (Schreibkasse, noch neu», btO.au nett 06033 LöberS Hof 7 IL Sritileüe Ä verkaufen. 06028 Wolfstraße 4 p. [ Kaufgesuche Gebrauchtes, gut er- batteneß, schweres Motorrad Viertakt, geg. Kasse zu kaufen gesucht. Schr. Ang. u. 7079D an den Gieß. Anz. aiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiD ÄlbjMftt sucht Landanweien, 5 bl- li Zimmer, eicht. Licht. Wasserltg., mit direkt am Haufe lieg. 6 — 12 Morgen Land. Schr. Ang. tu F. T. 8956 (7082Ai an den Gtek Anzeiger. wiimiiiniiiflnHiiiiiiiiiiiiD Altes Blei ßleiribren usw. kauft Brühl'sche Druckerei Schoutratte 7- 9 > WWlk Barnen- find Herren- irisiersalon Ondulieren Maniküren Bubikopfschneiden Aufmerksame und gute Bedienung! 6918V Hans Götz Asterweg 1 £ebensversidf-Lerung Q~S'. «u- J. Vogt, Bezirksleiter, Gießen Riegelpfad 26 226D Umtausch alter Reiwtileo* (Di* auf Weitere*) Sigen die wunderbaren neuen lutarte - Diamon - Klingen end Kwe-tie- Nähere« d. WJLCUTO- WERK, SOLINGEN. Die grille Spezialfabrik der Welt für hohl- geeohilflMicRMierwpparati Torfstreu Torfmull ab Lager und waggonweise liefern [5099D Gebr. Kahl. Tel. 87. M. 26» Mndnhauc Medalia-Strumpf iVSnHph„llc UUUl IClUo iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniii BWlUUcildUo Jede Größe iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiii Oalomon gesucht. 06024 70886 i V. No « 2adr« Utt Ich an einem blSechenarllgen 0.80 0.80 125 2.10 5.90 8.90 Diese Preise gelten nur für Freitag und Samstag Hießen, Sahnyosftraße 14 i 7096a Spiegelschrank, 180 cm groß, mit ovalen 1 1 2 Bettstellen (Kristallgläsern 1 Waschtoilette mit weißem Marmor Mk. 595,00 Mt 5W0U- und 6WW tt Vereine Telephon 1233 ©leben ’ertel Zu beziehen durch die Verteilungsstellen des Konsumvereins Gießen u. Umg. E. G. m. b. H. Aufträge, auch Reparaturen, werden schnell und sachgemäß auSgeführt. Prospekte und Kostenvoranschläge stehen kostenlos zur Verfügung. 0.80 1.40 3.50 2 1 mit Strumpfhalterschutz (ges.gesell.) extra prima Seidenflor, extra starker 4-facher Rand, lieber 50 moderne Farben 1 1 6 Kredenz Ausziehtisch Lederstühle 8. IX. 8V, Uhr Kranichen. a buh sie es ve: Heberraschung« leider so viele wir wollen nac duh sie n o ch i um so mehr. < zählig vertrete 3n der kom bunb durch ein wegs hoffnungs sönlicher Eifers dnrchzusinben, k strich unter ein deuluug sehen in den Löllerl Eulen nach Ai einmal auf all« auf Tanger \ Komplikationei halb mit der land auf der sammlung das Deutschlands a gäbe betrachten maßgebenden en unö jtoat aus die sich in ihrer gegebenen Beil Erstens sieht mc nähme Deutsch knüpfte 3uh Verträge ä die Defrieduns bieten schon i gungen eine 2 Tangerzon das auch inimt dahingestellt sei wägung noch ( des ersten Pun. Denn / tz-S W fest ein rassiger und ausgiebiger Edelkaffee, einer der feinsten, die überhaupt auf den Weltmarkt kommen. Echt blau Java, hocharomat. Mk. 4.80 Echt gelb Java, herb u. kräftig Mk. 4.40 Weitere Sorten von Mk. 2.40 bis 3.60 Die (Erol Don Dr. W. D Privatdozen »•A2ün 21 Eepl *, H ti, 145 Jahre der: Ungarn gewesen erobert wurde, branbenbuigilcho Deichs find (i g ben Schlüssel Ui finden entriss, Sw ’M haben le ihre damalige nur ein g Das Haupt Eroberung gluckt war Manuel von 2 fi Dringen ds ti 88 tz«! 6'1» Men 21 non SÄ 3un vtch ce Na/ L'W LK lvdMdoo f. Spezialgeschäft für sofort gesucht. Schriftl-Angeb. unt. O6O22 n. d. Gies;. An». Sauberes, ehrliches IN*I gesucht,- evtl, für tagsüber. 06027 Frau Dr. Büchner, ZranksurterStr. 121. Suche f. mein Büro UmWei mit guter Schul- blldung. Schriftliche Angeb. unter 7091D an den Gieß. Anz. Seltersweg 7O II. Ordentl., flethigeS und ehrliches M ad ch e n Volt? r^ttlde für Haushalt für sofort gesucht. 06009 Bäckermeister Weil. Gießen, Steinstr. 70 Lesseres. meM Kindermädchen nur mit guten Zeugnissen, zu 2 kleinen Kindern für sofort gesucht. [06017 LeihgestenierMg24i MIMIM' leörilDoe gesucht. Näheres in der Geschäftsstelle des Gies;. Anz. ‘K2D Tüchtiges, älteres Mädchen # die beste fugenlose Unterlage für Linoleum, Sleinholz-bStriCD noaei6ot Ml. mö6L zimmer mit elektr. Licht (In ruhiger Jam.» zu vermieten 06019 Frankf.Str. 63 I. Möbl. Zimmer im Zentrum der Stadt zu verm. Zu ersr.ind. Geschästsst. d. Gieß. Anz. 105989 j Mietgestiche | 3-5-3immer- wohnung mit Küche und Bad, beschlagnahmefrei, evtl. Neubau, zu zeit- gemätzenBedingung. gesucht. Sckr. Ang. u. 7089D an den Gieß. Anz. Großer leerer Raum möglichst mit 1 bis 2 Nebenräumcn (Nähe Frankfurter Straße—Westanl.>, gut heizbar, baldigst zu mieten gesucht. S-chr. Angeb. u. 06020 an d. Gieß. Anz. erb. . Altbekannte leistungsfähtge 7l)83A Bremer Rauchtabakfabrik sucht b. d. Händlerkundschaft best. eingeftihrt. Vertreter Angebote mit Referenzen unter B. R. 371 ALA, Haasenstetn L Vogler, Bremen. mit allen kau'm. Ar» beiten vertraut, sucht Stellung. Es wird auch evtl, nichtkaufm. Arbeit angenommen Sckr. Angebote unt. 06021 an den Gieß. Anz. | Verschiedenes} Gießener PserdeMkl-Lose ü. 1 Nm. sind zur Ausgabe gelangt u. bei allen Loseverkäu» fern inStabtu. Vanb zu haben. General- Vertrieb: Buchecker Neuen Baue 11; ba- selbst 11 Vofe für 10 Nm., 28 Lose für 25 Rm. 6813D 3 Kaffee 5kch wandt« bi« verschiedensten Mitt«! virgebttch an. Durch Hchaumauflag« f» mit VbermeyerS Medizinal- «rzi«tt« ich rasch« Heilung. So schreibt Frau B hack- wann, Wiesbaden, ^per 6t. Ä. —.65, 3O°/e ver- fiLrkt M. 1.-. Zur Nachbehandlung ist Herba-Srrm« besond. z. «mps. 3. hab. In alt Apoth» Drog^ u.Parf. Abler-Drogerie W. Waldschmidt. Freitag, den 3. September 1926 nachmittags 2 Uhr versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28, zwangsweise gegen Barzahlung: 1. 1 DertiKo, 2 Sofas, 1 Ausziehtisch, zwei Regulatoren, 2 Schreibtische, 1 Bild, 1 Schrank, 17 Bände Brockhaus-Kon- versaiions-Lexikon, 1 Büfett, 1 kredenz, 1 Standuhr, 2 Ladentheken, 1 Rauch, tisch, 4 Diwans, 2 Sessel, 1 Waschtisch, 2 Nähmaschinen, 1 Bücherschrank, 1 ©ul» kanisierpresse, 1 Ladeneinrichtung, eine Kommode, 1 Klavier. 7087D 2. Voraussichtlich bestimmt: 1 Fauchepumpe, 1 Ackerschleife. Hebbel Hessischer Gerichtsvollzieher in Gießen Dammstraße 24 I. Telephon 239. Sl aiomon J Jedes Paar Freibank. Freitag, d. 3. September 1926, von vorm.8Uhr ab 7090D MWerlM. 259961m. auch geteilt, auf erste Hypothek von Privatmann auszuleihen. Schr Ang. u. 06026 an den Gieß. Anz. Jackeu.Hose, la Mako, E Cft mod. Strait, mit Riegel- l III bnnd und Satinbesatz V*Uv Herren-Oberhemden i Aß einfarbig Batist, mit 2 11 UIB Krag., die große Mode Herren-Oberhemden n einfarbig Trikollo, mit / llll 2 Kragen............. »♦«JU Weiße Pfautaube entflogen. Abzngeb. Neustadt 55. Dienstag nachmittag verlor Motorradler eine Lichtmaschine, be- zeichnet Eisemanu Nachricht ober Rückgabe gegen Belohnung an 7098D I Schilling. Gießen, I frankfurter Str. 23. Zimmer zu vermieten 05990 Senaendergstl. 25 n. Möb'. Zimmer sofort zu vertu. Celtcrsweg831l,r. möbl. Zimmer sos. zu verm. 06015 Ebelttraste 39 p. Wohnungstausch 5Zimmer-Wobn., Part. iWilh.-Str.s, geg.4-Zimm.-Wob- nttttn im I. ob.ll.St. IWtlh - od..Liebigstr.) zu tauschen gesucht. Schr. Angeb. unter 06013 a. d. Gieß. Anz. [Stellenangebote) Suche Seifenverkäufer) 20 Muster Akk. L4O frei Nachn. P. Holster, Bres- lau Sv. 498. LufiA Klein 8 Stiefel Fulda Bandsägen Bobel- maschinen einzeln und kombiniert Nr. 205 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für tvberheffen) Donnerstag, 2. September (926 Genf von London aus gesehen. Don unserem A. L.-Derichterstatter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) London, 30. August 1926. Wenn es heute in London einen Derg gäbe, der fo hoch wäre, daß man unter Zuhilfenahme eineS .außenpolitischen" Fernrohres bis nach Dens blicken könnte, dann würde man über den Städtchen und Dörfern am Genfer Eee nichts als Debet sehen, nichts als Rebel, Debet, der noch dichter ist. als man ihn. bildlich gesprochen, vom Kontinent über England zu sehen gewohnt ist Es ist dec Debel der Llngewihheit, den oller offizielle und offiziöse Optimismus mcht beseitigen kann. Als genau heute vor neun Monaten sich die Premier- und Außenminister der am Vertrage von Locarno beteiligten europäischen Staaten in London versammelten, um ihre Damenszüge unter eines der vielversprechendsten Dokumente zu sehen, das die Geschichte kennt, lag auf allen Gesichtern freundlicher Sonnenschein, troh des damals in natura vorhandenen Debels. Aber des Lebens ungetrübte Freude ward keinem Sterblichen zuteil, am wenigsten Wohl der hohen Diplomatie, die sich, wie seit einiger Zeit behauptet wird, neuerdings die „neue Diplomatie" nennt — im Gegensah zur alten, verbesserungsbedürftigen. Dieser Anspruch begründet sich, wie man meint, auf der Ausgabe des Verfahrens der Geheimverhandlung. wobei allerdings zugegeben wird, das) sich dieser Gewinn schon aus der Gemeinsamkeit des diplomatischen Schauplatzes, nämlich Genf, ergibt, wo im übrigen auch alle Sonderverträge der einzelnen Mächte untereinander, den Bestimmungen des Dölker- bundpaktes gemäß, hinterlegt werden müssen. Wir glauben, in Ermangelung unzweideutiger Beweise noch nicht in der Lage zu fein, die Vorzüge der „neuen Diplomatie" bereits richtig erkannt zu haben, aber wir können nicht sagen, dah sie es verstanden hat, sich vor unliebsamen Lieberraschungen, deren es in der Vergangenheit leider so viele gab. gänzlich zu schützen. Aber wir wollen nachsichtig sein und ihr zugute halten, dah sie noch in den Kinderschuhen steckt, um so mehr, als sie in Genf noch nicht vollzählig vertreten ist. 3n der kommenden Woche hat sich der Völkerbund durch ein kompliziertes, aber noch keineswegs hoffnungsloses Gewebe nationaler und persönlicher Eifersüchteleien und Divalitäten hindurchzufinden, bevor er einen vorläufigen Schluh- strich unter ein Ereignis von geschichtlicher Bedeutung sehen kann: den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und seinen Dat. Es hiehe Eulen nach Athen tragen, wollten wir jetzt noch einmal auf alle die durch die spanische Forderung auf Tanger und andere Wünsche geschaffenen Komplikationen Hinweisen. Wir wollen uns deshalb mit der Feststellung begnügen, dah England auf der bevorstehenden Völkerbundsversammlung das Zustandebringen der Ausnahme Deutschlands als seine erste und vornehmste Aufgabe betrachten wird (um mit den Worten einer mahgebenden englischen Persönlichkeit zu sprechen), und zwar aus folgenden zwei Beweggrünben, die sich in ihrer Bedeutung nach der hier wieder- gegebenen Reihenfolge einander unterordnen. Erstens sieht man in England das mit der Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund verknüpfte Inkrafttreten der Locarnoverträge als einen wesentlichen Faktor für die Befriedung Europas an, zum anderen verbieten schon rein militärisch-strategische Erwägungen eine Ausgabe der internationalen Tangerzone an eine einzelne Macht, wer das auch immer sein möge, wobei man getrost dahingestellt sein lassen kann, ob die zweite Erwägung noch ein Verdienst für die Erfüllung des ersten Punktes übrig läßt. Auf alle Fälle Die Eroberung von Öfen. Von Dr. W. Barges, Gymnasialdirektor z. D., Privatdozent an der Llniversität Gießen. Am 2. September 1926 sind 240 Jahre verstrichen, dah die alte Stadt Ofen (Buda), die 145 Jahre der Hauptsitz der türkischen Macht in Ungarn gewesen war, von den Christen zurückerobert wurde. Deutsche Truppen, österreichische, brandenburgische, bayerische und Kontingente des Reichs sind es gewesen, die die gewaltige Festung, den Schlüssel Ungarns, mit stürmender Hand den Feinden entrissen und damit Ungarn von der Türkenherrschaft befreit haben. Die Magyaren selbst haben sehr wenig dazu beigetragen, um Ihre damalige Hauptstadt — Pest war in jener Zeit nur ein großes Dorf — zurückzugewinnen. Das Hauptziel des Feldzuges von 1786 war die Eroberung Ofens, die im Jahre 1684 mißglückt war. In Ungarn waren zwei Heere aufgestellt, das eine unter dem Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, das andere unter Karl von Lothringen, dem Befreier von Wien. Der ehrgeizige Bayer wollte auf eigene Hand gegen die Türken vorgehen. Erst nach längeren Auseinandersetzungen entschloß er sich mit Karl von Lothringen zusammen zu operieren. So geschah der Vormarsch erst am 12. Juni 1686. Arn 18. Juni war Die Stadt von dem österreichisch-brandenburgischen und dem bayerischen Delagerungs- korps eingeschlossen. Die Armee Karls zählte ungefähr 42 000 Mann, die des bayerischen Kur- fürsten 21 000 Mann, doch wurde fast die gesamte Reiterei, die bei der Belagerung nicht verwertet wurde, gegen Stuhlweißenburg entsendet, um diese Festung zu beobachten. Der Kurfürst, bei dem sich Ludwig von Baden und Prinz Eugen befanden, lagerte auf dem Blocksberge, Karl am Wiener Tor, die Reichs» völler lagen an der Wasserstadt. Am ^23. Juni begann die Beschießung: am folgenden Tage fand der erste Sturm statt, durch welchen die Belagerer in den Besitz der unteren Stadt kamen. Die Türken — 16 000 Mann, die der tapfere Pascha Abdurrahman befehligte, — zogen sich in die Festung zurück, die nun beschossen wurde. Zugleich tourbe aber auch der Minenkrieg eröffnet, der aber den Christen mehr Schaden brachte, als den Türken. Als besonders tüchtige Ingenieure bewiesen sich die Drmrdenburger. Die Verluste der Belagere^ waren groß. Am 5. Juli fiel auch der Sohn des alten Dersflingers. Einige Treffer, die die Artillerie erzielt hatte, bewog die Kaiserlichen, am 13. Juli einen neuen Sturm zu unternehmen, der nur große Verluste, aber keine Erfolge brachte. Bei diesem Sturme taten sich besonders die fremden Edelleute, die sich dem steht fest, daß das Interesse Englands an der Einhaltung des Deutschland gegebenen Versprechens mindestens ebenso groß ist, wie an der Aufrechterhaltung des internationalen Statuts von Tanger. Ob sich indessen Spanien mit dem in der Hauptsache von Lord Cecil ausgearbeiteten Kompromißvorschlag einverstanden erklären wird, ist eine andere Frage. Theoretisch ist jedenfalls das Recht Spaniens aus einen permanenten S i h im Dölkerbundsrat in England kaum angefochten worden. Aber es ist im Gegensatz zu Fragen von lebenswichtiger Bedeutung von der englischen Oesfentlichkeit von jeher als ein sekundäres Problem betrachtet worden. Indirekt hat das Festhalten Englands an der Ausschließlichkeit der deutschen Zulassung zu einem permanenten Ratssitz zu einer wenn auch noch nicht sehr deutlich sichtbaren Besserung der deutsch-englischen Beziehungen geführt. Hieran kann auch die zu Zeiten schwankend gewesene Haltung deS englischen Auhewninisters Sir Austen Chamberlain, den Presse und Oesfentlichkeit mit seltener Einmütigkeit wieder an seine auf Abwege geratene Vorstellung über seine Pflichten gegenüber der Ration erinnerte, nichts ändern. Für entscheidend hält man in England aber das gewiß sachliche und zurückhaltende Verhalten des deutschen Auswärtigen Amtes. „Ohne Furcht und Tadel", so muß man die Gesamtauffassung der sonst so kritikfreudigen englischen Presse über die deutsche Außenpolitik der vergangenen 12 Monate zusammenfassen. Vom englischen Standpunkt aus gewiß richtig gesehen, denn für die englische Ausfassung lagen die mehr oder weniger sanften Erinnerungen Deutschlands an die Erfüllung der doch recht fest versprochenen Rückwirkungen ebensoviel über dein erwarteten Diveau. wie sie nach deutscher Ausfassung hinter dem zurück- blieben, was man wünschte. Dach Meinung weiter Kreise auch in England sind die Versprechungen betreffs des Rheinlandes und des Saargebietes durchaus nicht so unbestimmt gewesen, wie man das in Paris vorgibt. „Ohne Furcht und Tadel" sollte auch die Parole der deutschen Regierung in der Verfolgung dieser Probleme fein, wobei sie sicher auf die LInterstühung eines großen Teiles der englischen Oesfentlichkeit rechnen kann. Deutschland, so meinte der Reichsaußenmini- ster Dr. Stresernann uns gegenüber am 1. Dez. 1925 in London, hat nicht nur ein Mädchen, mit dem es tanzen kann. Wir wissen, daß er rechtbehalten kann, wenn er rechtbehalten will. Personalpolitik und Eisenbahnunfälle. Von der Bezirksleitung F r a n k f u r t a. M. des Einheitsoerbandes der Eisenbahner geht uns ein Aufsatz zu, in dem es u. a. heißt: Die erschütternde Tatsache der Häufung dec Eisenbahnunfälle fordert gebieterisch, einmal vor breitester Oesfentlichkeit die verfehlte Personalpolitik der Reichsbahngesellschaft zu beleuchten. Seit der Vergesellschaftung der Reichsbahn — 1. Oktober 1924 — ist ein Personalabbau und -umbau im Ganyc, dessen Wirkung in puncto Verkehrs- und Betriebssicherheit sich immer mehr in erschreckender Weise zeigt. Hat doch dieser Personalabbau zu einer Dezimierung des Betriebspersonals geführt, daß Betrieb und Verkehr nach dein jetzigen Betriebs- und Verkehrspersonal nur noch durch Dienst- und Arbeitsleistungen bewältigt werden kann, die das erträgliche Maß weit überschreiten. Diese Dienst- und Arbeitsleistungen sind keinesfalls Einzelerscheinung, sondern allgemein und Regel geworden. Zum Beweis lassen wir eine kleine Zusammenstellung aus den letzten Tagen mit Datums- und Namenangabe folgen. Kaiserlichen Heere als Freiwillige angeschlossen hatten, durch ihre Tapferkeit hervor. Bei dem Versuche, die Bresche zu halten, fanden der Herzog von Deiar, der Fürst Piccolomini, die Chevaliers von Duplessis und Cour- millon und verschiedene englische Offiziere ihren Tod. Auch der brandenburgische Oberst Graf Dohna fiel. Erfolgreicher war ein nächtlicher Angriff auf den südlichen Graben. Am 23. Juli traf eine glühende Kugel, die aus einem bayerischen Mörser abgefeuert wurde, ein türkisches Pulvermagazin, das mit 8000 Zentner Pulver in die Lust flog. Die Wallmauer an der Donauseite wurde auf 60 Schritte zerstört. Ein Haupt- sturm am 27. Juli brachte neue Erfolge, so daß man Abdurrahman zur Liebergäbe aufforderte. Der Kommandant erllärte sich aber nur zur Heber gäbe bereit, wenn der Kaiser Frieden mit der Türkei schließen würde. Die Belagerer lehnten dies ab. Die Geschütze wurden näher an die Stadt herangebracht unb in den eroberten Werken ausgestellt. Der Minenkrieg wurde von den Christrni auf gegeben, weil er meist unter den eigenen Truppen großen Schäden anrichtete. Einmal wurden 100 Brandenburger verschüttet. Man befchräntte sich jetzt darauf, die feindlichen Befestigungen unter ein wirksames Feuer zu nehmen. Auf die Kunde von dem Herannahen eines Ersatzheeres unter dem Großwesir Suleiman wurde am 3. August ein neuer Sturm unternommen, der aber mißglückte. Lim den Großwesir besser abwehren zu können, wurden die christlichen Truppen enger zusammengezogen und das Lager mit einem Erdwall umgeben. Ernstliche Kämpfe wagte Suleiman nicht zu unternehmen. Seine verschiedenen Versuche, Truppen in die Festung zu werfen, schetterten. Rur wenige 3ani« tfcharen erreichten die Festungstore, waren aber mehr oder weniger verwundet. Da man sah, daß Suleiman keinen Ernst mache, beschloß der christliche Kriegsrat, im Angesicht des feindlichen Heeres am 2. September den Hauptsturm zu unternehmen. Lim 6 Llhr morgens gaben sechs Kanonenschüsse das Signal zum Generalsturm. Die Türken verteidigten sich mit verzweifelter Tapferkeit. Da sie aber aus Mangel an Munition keine Minen auffliegen lassen und keine Pulversäcke zur Entzündung bringen konnten, so drangen die Christen immer weiter vor, rissen die Pallisaden nieder und gelangten schließlich in die Stadt. 'Als erster soll nach dem Bericht ungarischer Geschichtsschreiber der ungarische Oberst Petnehazy die Mauer erstiegen haben. Er war ein Anhänger des Anführers der ungarischen Empörer, Tokolys, gewesen, war aber dann zu den Kaiserlichen übergegangen. Die Türken erkannten ihn, ergriffen ihn und Es haben Dienst geleistet: CM Reine Rach- a> i Sienfb Ar- sol. E Äame Züge schicht beitS- genbe a zeit Ruhe G Std. Std. Std. 10.8. Kranz Holl 6776-6981 7676—6981 19,00 20,00 16,16 16,35 12,00 11,00 11.8. Willich 7612—6981 18,55 17,20 12,50 Gernhardt 7768—6053 21,40 19,28 13,20 — Verlach 7612—7861 18,00 15,08 10,00 Kersch 7776-7861 16,00 13,07 10,00 Holl 7626-6975 23,15 18,53 17,44 12.8. Schreiber 7784-6974 22,43 17,45 13,17 13.8. Holl 7776-6981 17,22 17,22 11,00 Kranz 7778-6975 20,15 17,65 10,45 14.8 Harttg 7612-7305 17,00 14,05 23,00* Holl 7768-7625 13,14 14,00 25,00* Strüber 7776—6985 18.10 17,45 9,50* w Gerlach 7776-6985 18,10 17,45 9,50 16.8 Plorr 7766-6799 23,53 21,28 12,00 Holl 7766-6799 23,53 21,28 12,00 Kersch 7784-7855 21,00 16,20 12,00 •) Sonntagsruhe. Diese Zusammenstellung enthält nur Zugbeamte und es sind Beschwerden von nur einem einzigen Bahnhof. Sie enthält auch nur einen Bruchteil von vielen Beschwerden des Betriebs- und Verkehrs- personals über dienstliche Ueberkaftungen. Zwar schreiben die Dienstdaueroorschristen vor: „Die planmäßige Arbeitszeit darf im Durch, schnitt a) bei ununterbrochener, besonders anstrengender Beschäftigung 8 Stunden an einem Arbeitstage, 48 Stunden in einem siebentägigen und 208 Stunden in einem 30tägigen Zeitraum nicht übersteigen, b) im übrigen bis zu 10 Stunden an einem Arbeitstag, 60 Stunden in einem siebentägigen und 260 Stunden in einem 30tägigen Zeitraum ausgedehnt werden. Zur Erzielung zweckmäßiger Dienstpläne, die den Bedürfnissen des Betriebes und Verkehrs sowie den Gepflogenheiten des Personals Rechnung tragen, darf die Arbeitszeit an einem Arbeitstag 8 bzw. 10 Stunden überschreiten, sofern die für den sieben- tägigen und ßOtägigcn Zeitraum vorgeschriebenen Höchstmaße dadurch nicht überschritten werden." Diese Dienstdauervorschristen sind mit den Organisationen vereinbart und bilden die Grundlage für die Ausstellung der Dienstpläne und Heranziehung des Betriebs- und Verkehrspersonals zum Dienst. Seitens der maßgebenden Stellen der Reichsbahn werden indessen diese Dienstdauervorschriften bet Aufstellung der Dienstpläne nicht mehr beachtet. Am meisten leidet unter der übermenschlich langen Dienst- und Arbeitszeit das Zugbegleitpersonal. Gerade dieses Personal ist durch den 2Ibau am meisten dezimiert. Daß bei solchen Dienst- und Arbeitsleistungen und übermäßigen Dienst- und Arbeitsschichten die körperliche und geistige Spannkraft nachlassen, ja sogar ein körperlicher Zusammenbruch erfolgen muß, wird niemanden wundern. Der Zusammenbruch macht sich bereits stark bemerkbar. Die Krank- heitszisfer ist gestiegen und die Unfälle haben sich gewaltig vermehrt. Jedem Menschen geht nach einer gewissen Zeit der intensiven Tätigkeit in geistiger bzw. körperlicher Hinsicht die geistige unb körperliche Spannkraft verloren. Er braucht zur Wiederauffrischung der verlorengegangenen Kräfte eine gewisse und bestimmte Zeit der Ruhe. Nun haben wir schon seit Monaten auf die gefährliche Auswirkung einer solchen Personalpolitik auf die Betriebssicherheit wiederholt verwiesen. Die Neichsbahnverwaltung hat diesen Hinweis nicht beachtet. Die Häufung der Unfälle beweist dies. Gerade der Eisenbahnverkehr und -betrieb mit seinen tau- fenbfältigen Gefahren erfordert im Interesse der Betriebssicherheit ein in jeder Beziehung leistungsfähiges Betriebs- und Verkehrspersonal. Diese Leistungsfähigkeit muß aber bei den geforderten Dienst- und Arbeitsleistungen aus dem Nullpunkt anlangen und damit die Betriebssicherheit schwer gefährden. Das reisende Publikum darf dies aber im Interesse der eigenen Sicherheit nicht zulassen. Tritt bezüglich der gänzlich verfehlten Personal- Politik der Reichsbahngesellschaft keine Aenderung ein, bann ist zweifellos noch mit einer weiteren Häufung der Eisenbahnunfälle zu rechnen. Die Bezirksfchule Jt eftanlage. Seit Oktober v. I. sind die Bauhandwerker die regierenden Herren auf dem Grundstück der Bezirksschule in der We st anlag e. Das Schulhaus, das vor vierzig Jahren erbaut wurde, erfuhr eine Erweiterung durch einen Anbau, und seit dem Beginn der großen Ferien auch einen gründlichen Umbau, der dringend notwendig geworden war, nachdem das Haus in den vier Jahrzehnten seines Daseins keine Verbesserung erfahren hatte. Der Llnterrichtsbetrieb findet seit dem Miaus der Sommerferien behelfsmäßig in anderen Schulgebäuden statt, nach den Herbst- serien wird der größte Teil der Klassen in das neu hergerichtete gewohnte Heim zurückkehren, während der Anbau voraussichtlich einige Wochen spater bezogen werden kann. Bei einem Rundgang durch das Gebäude konnten wir feststellen, daß die Inneneinrichtung des Altbaues sowohl inderRaumausnuhung, wie auch in der Reugestaltung der Korridore und Zimmer eine recht vorteilhafte und zeitgemäße Verbesserung erfahren hat. und daß in dem Anbau der Schule die Lknterrichtsväume gegeben wurden, die notwendigerweise zu einem neuzeitlichen Schulbetrieb gehören. Das Kellergeschoß im Altbau, das bisher nur zur Aufbewahrung von allerlei altem Gerümpel biente, ist jetzt völlig für Schulzwecke nutzbar gemacht worden. Hier wurde eine Speifeküche für die Zwecke der Kinder - Schulspeisung eingerichtet, ferner ein Aufenthaltsraum für Kinder, den diese vor dem Unterrichtsbeginn und in den Pausen auf- uchen und sich dort vor den Unbilden der Witterung chützen können. Die M ä d ch e n f o r t b i l d u n g s- chule hat hier vorläufig einen Raum für den Waschunterricht, bis sie mit diesem Lehrbetrieb in ein eigenes Haus wird einziehen können. Ferner ist in diesem Geschoß eine nach neuesten Erfahrungen erbaute Zentralheizung vorhanden, die mit Fern-Thermometern ausgeftattet ist, wodurch es dem Heizungswärter ermöglicht wird, die Temperatur jedes Zimmers an der Zentralheizstelle abzulesen unb zu regulieren. Die unzweckmäßige Ofenheizung in ben einzelnen Zimmern ist nunmehr entfernt. Enblich ist hier ein Teil bet mobernen Abort- unb Waschanlagen für Kinber mit Zugängen vom Schulhof unb vom Treppenhaus her untergebracht. Die Kellerräume sind jetzt hoch- unb grunowasser frei hergestellt worden. Von besonderem Interesse ist übrigens, daß man bei den erforderlichen Ausschachtungsarbeiten zur Tiefergestaltung des Kellers auf Reste der früher,en Stadtmauer, die sog. Georgen schanze, gestoßen ist: der Denkmalpfleger Prof. H e I m rf e wurde von diesen Funden in Kenntnis gesetzt. Das Kellergeschoß des Anbaues enthält ausgezeichnete, helle Räume für ben Werkunterricht, Kraftanschluß ist vorhanben. Als angenehme Verbefferung fällt zunächst in bern knüpften ihn auf, aber er formte von den nachbringenden Christen noch rechtzeitig losgeschnitten werben. Die ersten Trupkpen, bie in bie Stabt ein- brangen, waren bie Brandenburger unter Barfuß, denen sich bie Schweben angeschlossen hatten, und bie Kaiserlichon unter Feldmarschall be Souches. Den Bayern war es nicht gelungen, in bas Schloß einzubringen. Erst als bie von ber Gegenseite vordringenden Brandenburger und Kaiserlichen das Tor auf dem Georgiplahe öffneten, rückten sie in die Feste ein. In ben Straßen und in dem Häusern wurde von den Türken der tapferste Widerstaird geleistet. Am Wiener Tor fand der greife Pascha Abdurrahman tapfer fechtend seinen Tod. Den Säbel in den Händen, kämpfte er so lange, bis er von mehreren Kugeln getroffen zusammenbrach. Die christlichen 'Truppen, bie burch ben langen Widerstand erbittert waren, hiebei, alles nieber. Rur mit Mühe konnte ber Kurfürst won Bayern eine Anzahl von Türken, die in einem Zwinger zusammengedrängt waren, ihrem Grianm entreißen. Die Türken hatten, als schon bie Christen in bet Stabt waren, eine Anzahl Häuser in Brand gesteckt. Die Feuersbrunst breitete sich immer weiter aus, so dah Ofen am Morgen nicht mehr einer Stadt, sondern einer Ruinenstätte glich. Außer vielen Mörsern wurden 400 Geschütze erbeutet. Als der Großwesir sah, daß die Feste genommen war, zog er fich nach Stuhlweihenburg und Essek zurück. Arn 2. September um 5 Llhr nachmittags wehte die kaiserliche Flagge auf dem Schlosse von Ofen, das mit seinen gewaltigen Mauern 145 Jahre das festeste Bollwerk deS türkischen Sultans in .Ungarn gewesen war. Deutsche Feldherren, deutsche Offiziere und deutsche Soldaten hatten einen Erfolg erzielt, der ben größten sonstigen Heldentaten an bie Seite gestellt werben kann. In der Christenheit herrschte großer Iubet über die Heldentat. Rur am Hofe Ludwigs XIV., den der Spott der damaligen Zeit im Gegensatz zu dem Grobtürken als den kleinen Türken bezeichnete, sah man sauer. Ein solcher Erfolg der deutschen Waffen war dem Sonnenkönig eine gleiche unliebsame Enttäuschung, wie es das Mirakel von Wien gewesen war. Gießener Stadttheater. Kraatz uud Neal: „C diese Bubiköpfe"! Vor grauen Zeiten lachte man im Theater über den sogenannten Sacktüchelkomiker, dem immer im unpassendsten Augenblick ein undefinierbarer Lappen fjmten heraushing. Rur unheilbare Optimisten vermochten zu glauben, mit fo etwas könnte man heute keinen Eindruck mehr machen. Ratürlich kann man. Es braucht nicht immer das knallbuntkarierte Rastuch zu sein, ein abgerissener Frackschoh tut dieselben Dienste. Ein Schwenkerflügel, der einem lügenhaften Filmfabrikanten auf den aus Schwänken sattsam bekannten Abwegen von einem Meisterboxer meuchlings geraubt wird, und der 3 Akte lang gewissermaßen als Damoklesschwert, teils sichtbar, teils imaginär, Über der Szene schwebt. Ferner ist zu sagen, daß jemand mit einem Doppelgänger gestraft ist, was man auch früher schon auf der Bühne erlebt hat, und was im Theater überhaupt häufiger vorkommt, als im LÄben. Die Bubiköpfe (im Titel) sind eine nicht einmal mehr aktuelle Verlegenheitsgeste und haben weiter nichts zu bedeuten. Der Rest aber ist eine solche Anhäufung von Witzlostgkeit unb blühen- bem Blödsinn, daß man sich auch bei viel gufer Laune und Sinn für Humor und in voller Würdigung der sehr sauren Gurkenzeit, in der wir leben, einigermaßen wundern muß. Es gibt auch beim Schwank eine gewisse Grenze, die em gepflegtes Theater nicht überschrellet. Dabei ist dem Ganzen ein einwandfreier unbestrittener, lauter Erfolg zu bescheinigen: ein Erfolg, den man sogar begrüßen wird, wenn man sich des sozialen und charitattven Moments der Aufführung entsinnt, von dem man zuvor sagen hörte und lesen konnte. Hohes Lob verdienen alle Mitwirkenden, die sich mit einer schönen Hingabe für den Abend einsehten. Es spielten mit, außer dem mißhandelten Frack, von dem berichtet wurde, die Damen Marcks, Krahmer, Andre und Jüngling, die Herren Goll, Volck, Schwan- n e t c und Ges fers, der als Meisterboxer auf der Bühne umher tobte und nicht zu beneiden war. Goll tat, was er konnte: man freut sich darauf, ihn endlich einmal in einer angemessenen, guten Rolle zu erleben. Schwanneke, elegante Erscheinung und witziger Plauderer, immer geschmackvoll und liebenswürdig, wie mans an ihm gewohnt ist, verabschiedete sich (um einem Engagement nach Landsberg zu folgen) in einer Doppelrolle vom Gießener Publikum. Volck hatte zwei Minuten lang die beste Szene des Abends in Händen: seiner Regie hätte man es gedankt, wenn er wenigstens den peinlich verschleppten Schlußakt energisch zusammengestrichen hätte. Von der 2lufnahme der Reuigkeit wurde bereits gesprochen. Dr. Th. Erdgeschoß des Altbaues -in nach dem Beginn der Sommerferien ausge» mutes Portal mit breit ausladendem Balkon auf, das sich recht hübsch ausnimmt. 3n zweck- inähiger Weise ist ein Windfang vor den Treppen vorgesehen, diese selbst, die in den vierzig Jahren der Benutzung arg abgelaufen, waren, sind mittels aufgestampften Stahlbetons nach einem neuzeitlichen Verfahren völlig einwandfrei gestaltet. Der Korridor und die Klassenzimmer sind, da der alte Fußboden sehr abgetreten war. — zum Teil war er nur noch einige Millimeter stark —, jetzt mit Stab- parkettbvden versehen' dagegen ist die alte Vertäfelung in den Zimmern verblieben, im übrigen aber ein Reuanstrich der Xlnterrichtsräume vor- genommen worden, der in den Zimmern des Erdgeschosses licht gehalten ist, in den Zimmern öcr beiden übrigen Geschosse dagegen etwas lebhaftere, gesättigtere Farbentone, aufweist, die in allen Teilen gut aufeinander abgestimmt sind. Im Erdgeschoß sind gleichfalls noch Abort- und Wascheinrichtungen untergebracht. Die bisherigen Ofenheizungskamine sind zu Entlüftungskanälen umgebaut worden. Die beiden Obergeschosse des Altbaues zeigen in der Neugestaltung der Xlnterrichts- s immer und der Korridore dasselbe vorteilhafte Bild wie die Räume des Erdgeschosses. Im ersten Obergeschoß bemerkt man noch als neu ein Zimmer für den Schulleiter mit Wartezimmer für das Publikum, ferner ist ein schönes, großes Konferenzzimmer und endlich ein Z i m m e r f ii r d i e Lehrerinnen vorgesehen. Sämtliche Korridore erhalten an beiden Enden Laufbrunnen, ebenso werden besondere Einrichtungen für die Entnahme von Reinigungswasser für Scheuerzwecke getroffen. In jedem Klassenzimmer ist als Reuheit für den XInterrichtsbetrieb ein Meterquadrat an die Wand uird der sog. Rordpfeil an die Zimmerdecke gemalt. Der Anbau enthält im Erdgeschoß einen recht geräumigen und Hellen Physiksaal mit Sammlungsraum und Vorbereitungszimmer, im er st en Ober- st o ck einen Singsaal, der auch als Hand- arbeitss aal dienen wird, im zw eiten Q b e r st o ck endlich einen sehr schönen Zeichensaal, einen Modellierraum und eine Dunkelkammer. Der Zeichensaal. von dessen hoher Lage aus man einen herrlichen Blick auf die reizvolle Umgebung des Dünsberges und des Lahntales hat. ist mit einer kleinen Bühne, ferner nebenan, aber feuersicher abschließend mit einem Kino-Vorführungs- raum ausgestattet! hier sollen Elternabende, Aufführungen u .dgl. stattfinden. Den Anbau krönt ein Türmchen, an dessen oberen Enden der Wände die Entlüftungsschächte aus den Klassenzimmern münden: von der recht fest umfriedigten Plattform dieses Türmchens aus kann heimatgeschichtlicher Anschauungsunterricht erteilt werden: es dürfte sich hierzu aber empfehlen. auch an dieser Stelle die praktische Einrichtung des Rordpfeils, etwa auf einer kleinen Tafel in einer Geländerecke. anzubringen. Von dieser hochgelegenen Stelle aus hat man einen sehr genußreichen Rundblick aus die Stadt und ihre weitere Umgebung. An dem Türmchen bemerkt man schließlich noch die Blihschutz- anlage und die Vorrichtung für eine Radio- Antenne. Der Gewinn dieses Um- und Anbaues ist folgender: Bisher hatte die Bezirksschule 17 Klassenräume, in Zukunft besitzt sie deren 20. ' Außerdem gewinnt sie durch den Bau einen Physiksaal, zwei Werkunterrichtssäle, einen Sing- saal, der auch als Handarbeitssaal dient, einen • Zeichensaal mit Modellierraum. Konferenzzimmer, * Schulleiter- und Wartezimmer, Lehrerinnenzim- mer. die Nutzbarmachung des ganzen Kellergeschosses für Schulzwecke, zeitgemäße Abort- und Wascheinrichtungen im Haufe unter Verschwinden der alten Anlagen dieser Art vom Schulhofe, moderne Feuerlöscheinrichtungen und Laufbrun- nen im Schulhause, Einführung der Elektrizität in allen Räumen anstelle des Gases, völlige Reudeckung des schadhaften Daches, gefällige 'Reuherrichtung des äußeren Bildes des Hauses. Die-Schule wird gegenwärtig von etwa 900 Kindern besucht, mit einem weiteren Ansteigen der Schülerzahl ist nach Mitteilung von maßgebender Stelle schon zu Ostern n. I. zu rechnen. Obwohl die Bauarbeiten noch nicht völlig abgeschlossen sind, darf man auf Grund der eingehenden Besichtigung heute schon sagen, daß die geistigen Kräfte dieses Bauwerkes iOberlei- tung: Stadtbauamt, örtliche Leitung: Architekt Klein), die Handwerker und die Dauarbeiter- schaft aller ^Branchen hier ein Werk schaffen, mit dem die Bürgerschaft zufrieden sein kann. Damit wäre ein Teil unserer Schulhausfrage als befriedigend gelöst anzusehen. Hoffentlich läßt nun aber der zweite und letzte Teil dieser Frage, der dringend notwendige Neubau eines weiteren Volksschulhauses, nicht mehr allzu lange auf seine Lösung warten. Eine Entschließung der deutschen Lteinarbeiter. Eine Delegiertenoersammlung des Berufsver- bandes deutscher Steinarbeiter in Frankfurt a. M. faßte eine Entschließung, in der es u. a. heißt: Die Schwierigkeiten und Schäden für die deutsche Steinarbeiterschaft, auf welche der Berufsoerband deutscher Steinarbeiter bei Abschluß oes deutschschwedischen Handelsvertrages mit aller Deutlichkeit hinwies, machen sich schon im ersten Monat seit Inkraftsetzung des Handelsvertrages bemerkbar. Auf Kosten der Steinarbeiterschaft hat ein Konkurrenzkampf eingesetzt, der dem noch in Arbeit befindlichetn Teil der «teinarbelterschaft jede ExistenzmöglichHüt nehmen wird. Nur eine, im Beruf ihre Befri^'igung findende Arbeiterschaft kann dazu mit beitrv gen. die vorhandenen Schwierigkeiten zu behebet». Die Stcinarbeiterschaft erwartet, daß die Reichsbahngesellschaft für eine möglichst gerechte Verteilloig der Aufträge Sorge trägt, um die Steinarbeiterschaft einzelner Gebiete nicht vollständig erwerbsU's zu machen. Don der Reichsregierung sowie den Länderregierunge» und Ge° meindekorperschaften wird erwartet, daß durch die Bereitstellung dc«' Mittel zur Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprograintnes die Aufträge in reichlichem Maße ?mb durch gerechte Verteilung, nur an deutsche Firmöla, bald erfolgen, da dadurch auch ein großer Teil van Arbeitslosen bei Straßenbauten Beschäftigung finitet Die deutsche Steinarbeiterschaft ist sich ihrer großen Aufgaben im Interesse der Volksgesamthcöt bewußt. Sie will kein Unterstützungsempfänger sein, sondern durch produktive Arbeit die Existenz ihrex Familien sichern. Sie erwartet aber auch, daß olle maßgebenden Stellen endlich einsehen, dass dem deutschen Volke mehr gedient ist, wenn auah mittels fremder Mittel volkswirtschaftliche Wert»! geschaffen werden. Vom BÄchnenvolksvund« Eine Reichs Tagung des Buhnen- volksbundcs f'Lndet in Mainz vom 11. bis 14. September staid. Am Samstag, 11., abends 7 Uhr, wird im Garten der Stabt I) alle mit Volksliedervorträgen. Reigenspielen vom Kinderchor des Mozartemns in Salzburg und Ansprachen ein festlicher Empfang, ftattfinben. Abschließend wird eine Mainzer Spielsehar des B. V. B. das Tellspiel der Schweizer ISauarn" von F. I. Weinrich bei Fackelschein aufführev. Das bistet den Auftakt für ein klang- und farbenfrohes V o l k s f e ft aller Spiel-, Tanz- und Singfcharen des B. V. B. am Sonntag, 12. Sept., nachmittags ab 3 Uhr, in allen Räumen, Gärten und Terrasse» der Stadthalle. Ein Aussprachekrcis von Jugendspielen und Spielpflegern mit Varträgen von dem rheinischen Dichter Otto Brües über „Der vaterländische Gedanke im Laienspiels" und von dem Jugendspielpfleger des B. V. B., Bruno S a f o w s k i, über „Praktische Laienspielberatung" wird die breiteste Basis zu weiterer künstlerischer Arbeit deutscher Jugend am Laienspiel schaffen Oderhessen. LandkVcis Gießen. f. Klein-Linden. 1. Sept. Der durch den Krieg und die folgende Inflationszeit zurück- gestellte Dau einer Wasserleitung wird auch bei uns wieder in Erwägung gezogen. Der früher schon gehegte Plan der Wasserversorgung durch die Stadt Gießen dürfte wohl Wirklichkeit werden, zumal die Frage der Eingemeindung unseres Ortes nicht mehr allzulange ungelöst bleiben wird. Hand in Hand mit dem Bau der Wasserleitung wird die Schaffung der Gaszufuhr geplant. Die Durchführung und Beschleunigung der Angelegenheit ist jedenfalls eine Forderung der Zeit, nicht zuletzt aber auch ein Vorteil in finanzieller Hinsicht für die Gemeinde, wenn die Anlage als Notstandsarbei> _ durchgeführt wird, zumal sonst sehr wenig Arbeitsgelegenheit in unserer Gemeinde geboten ist. — t Grünberg, 1_ Sept. In der jüngsten Gemeinderatssitz ung wurde ein Schreiben des Ministeriums des Innern verlesen, worin den Gemeinden empfohLen wird, ihre Anleihen in bezug aus die Aufwertung in gesetzlicher Hinsicht zu regeln. Hierüber soll in der nächsten Sitzung Beschluß gefaßt werden, bis dahin wird der Staotrechner die nötigen -Unterlagen beschafft und die Finanzkommission die Materie vorerst durchgearbeitet haben. Weiterhin wurde die Dullenkommission beauftragt, sich mit dem Ankauf von 2 Dullen zu befassen, evtl, die Auktionen am 6. September in Nidda bzw. 16. September in Gießen zu besuchen. Aus dem Gemeinderat wurde angeregt, die Anfertigung und den Vertrieb der Lohe zu dem diesjährigen Gallus markt in die Wege zu leiten, waS als erforderlich angesehen wurde. Die Stadtverwaltung beabsichtigt, ein großes Quantum Steine zur Instandsetzung von Chausseen und Feldwegen anzuschaffen. In geheimer Sitzung wurde die Besetzung der freigewordenen Lehrer st eile besprochen und hierfür ein Kandidat bestimmt, der dem Kreisschulamt namhaft gemacht werden soll. — In einer Sitzung, an welcher der Bürgermeister, Stadträte, der Vorstand der Feuerwehr und andere geladene Persönlichkeiten teilnahmen, hielt der Hauptmann unserer Freiwilligen Feuerwehr, Herr Seifart, einen interessanten Vortrag über den Reichsfeuer- Wehrtag in Düsseldorf. An die Darlegungen schloß sich eine interessante Aussprache an. 5 Lich, 1. Sept. Die Schütze »gesell- schäft 1921 hat am Rodenschütt in schöner Lage neue Schieß st ände und ein schönes Sch ätze n h a u s errichtet. Nächsten Sonntag findet die Einwechung in Verbindung mit einem großen Schießen statt. Auswärtige Schützenvereine werden als Gäste zu der Feier erwartet. — Unsere Landwirte sind im großen und ganzen mit dem Ertrag der Ernte zufrieden. Verhältnismäßig gering ist nur der Körnerertrag des W e i z e n s. der durch den Gelbrost auch hier vielfach in seiner Entwicklung gerade im besten Stadium gehemmt morden ist. Ueberreich ist er Strohertrag gewesen. Manche Landwirte brachten infolgedessen die Ernte nicht ganz in ihren Scheune» unter und mußten einen Teil der Frucht jetzt schon an die Dreschmaschine fahren, die zunächst noch auf freiem Felde tätig ist, bevor sie mit den Drescharbeiten in den Scheunen beginnt. Ohne die sonst übliche kleine Erholungspause ist man an die Grummeternte gegangen. Das selten schöne Spätsommerwetter laßt die Arbeiten gut voranschretten und liefert zu der reichen Quantität auch qualitativ gutes Futter. * Lich, 1. Sept. Rektor i. R. Christian Roth ist nach längerem Leiden im Alter von 65 Jahren verstorben. Eine hochgeschätzte und allseits beliebte Persönlichkeit ist damit heimgegangen. Als erster Schulleiter unserer Stadtschule hat er sich er ft als Hauptlehrer, bann als Rektor um die Entwicklung und den Ausbau unseres Schulwesens ganz besondere Verdienste erworben und sich im Verkehr mit Lehrern, Eltern und Schülern nie als Vorgesetzter, sondern als väterlicher Freund und Berater gezeigt. Christian Roth wurde als Lehrerssohn in A l t e n - D u s e ck geboren. Nachdem er 1881 das Lehrerseminar in Friedberg verlassen, kam er als Schulvilar erstmalig an die hiesige Schule. Um definitiv angestellt zu werden, ging er dann nach Altenstadt. kehrte von dort aber bald wieder in unsere Stadt zurück, um bis zu feiner vor wenigen Jahren erfolgten Pensionierung dauernd an unserer ^Schule segensreich zu wirken, zuletzt als deren umsichtiger Leiter. Neben feiner beruflichen Tätigkeit fand der Verstorbene bis in seine letzten Lebensjahre hinein noch Zeit, im Dienste der Allgemeinheit tätig zu sein. Er war nicht nur in seiner Lehrerorganisation allzeit ein eifriges Mitglied, sondern setzte sich auch im öffentlichen Geben für alles Gute mit Tatkraft ein. XI. a. erwarb er sich um die Bienenzucht besondere Verdienste, auch durch ehrenamtliche Tätigkeit in den Organisationen der Bienenzüchter, die ihn als einen sachkundigen Fachmann hochschätzten. Jahrzehntelang leitete Christian Roth den Gesangverein „Männerguartett", der unter seinem Dirigentenstabe eine vorbildliche Pflegestätte des deutschen Liedes geworden war und daher feinen Dirigenten schon zu Lebzeiten nicht schöner ehren konnte als mit der Tatsache, daß er sich vor einigen Jahren den Namen „Roth'scher Männerchor" zugelegt hat. Auch an der Lehrerbildung in Hessen war der Verstorbene beteiligt, indem er an der früheren Präparantenanstalt irebenamtlichen Xlnterricht erteilt hat. Das Andenken des verewigten verdienstvollen Schulmannes wird hier unvergessen bleiben. *!* Weickartshain, 1. Sept. Dieser Tage verschied hier im Alter von 76 Jahren der frühere Grubenaufseher Johannes Schmidt 4. In ihm verliert unsere Gemeinde eine Persönlichkeit, auf die sie stolz fein konnte. Johannes Schmidt hat lange Jahre den Kriegerverein geleitet und hat der Kirchengemeinde als Mitglied des Kirchenvorstandes und zeitweilig auch als Abgeordneter der Synode des Dekanats Grünberg wertvolle Dienste geleistet. Er besaß eine seltene Rednergabe, und was er bei kirchlichen und weltlichen Festen, zum Beispiel auf dem Gustav-Adolf-Fest im Jahre 1913 oder auf der Dekanatsshnode im Jahre 1915 sprach, wird allen, die es gehört haben, unvergeßlich sein. Er war ein 'Mann reicher, abgeklärter Lebenserfahrung und tief christlicher Gesinnung. Kreis Friedberg. = Ober-Nosbach, 1. Sept. Mit dem Bau der sehr notwendigen Landstraße von hier über Rieder-Rosbach nach Ober- Wöllstadt ist diese Woche begonnen worden. Es handelt sich um eine Rotstandsarbeit, bei der eine größere Zahl Arbeitsloser Beschäftigung findet. — Während man in den meisten Gemeinden der Rachbarschaft davon absieht, einen Elternbeirat im Sinne der neuen Dienstanweisung für die Volksschulen zu wählen, wurde hier die Einführung der Neueinrichtung in einer gemeinsamen Sitzung von Gemeinderat und Schulvorstand nach längerer Aussprache beschlossen. Die Wahl wird in einer Elter »Versammlung vorgenommen. Kreis Büdingen. Nidda, 1. Sept. Das Straßenrennen am nächsten Sonntag um den großen Preis der Opelwerke berührt nach Lich und Hungen auch unser Städtchen. Die Motorradfahrer werden gegen 9 Xlhr, vom Harb- wald kommend, die Rau n passieren. Der hiesige Radfahrerverein hat den Sicherungsdienst übernommen. — Das benachbarte Bad-Salzhausen erfreut sich in diesem Jahre eines guten Besuches. Die öfters wiederkehrenden konzertlichen Darbietungen, an deren Zustandekommen der wieder gegründete Kur- und Verkehrsverein lebhaft interessiert ist. bieten den Kurgästen angenehme Abwechslung und werden gut besucht. Kreis Schotten. Schotten,!. Sept. Die Zahl der Sommerfrischler, die sonst in den Sommermonaten den Vogel^erg aufzusuchen pflegten, hat in diesem Jahre stark abgenommen. Größere Xlnternehmen, die einzig und allein auf den Besuch von Kurgästen angewiesen sind, stehen völlig leer, ohne daß Aussicht auf kommende Besucher vorhanden wäre. Auch die Gastwirtschaften, die sich in der Nachkriegszeit auf die Ausnahme von Sommergästen eingestellt hatten, kamen nicht auf ihre Rechnung. Ob gedrückte wirtschaftliche Verhältnisse oder der Wunsch, belebtere, näher an den großen Der- kehrszentren gelegene Gegenden als Sommerfrische zu wählen, den Ausfall bedingen, ist schwer zu sagen. Kreis Alsfeld. -er. Homberg a. d. Ohm, 1. Sept. Am Sonntag beging unser Gesangverein „FrauenIob“ in eindrucksvoller Weise die Feier seines 70jährigen Bestehens..Zunächst fand auf dem Friedhof eine Gedächtnisfeier statt, bei der man der Toten des Vereins in Dankbarkeit und Treue gedachte: der Geistliche hielt hier die Gedenkrede, der Präsident legte einen Kranz nieder. Nachmittags bewegte sich ein Zestzug durch die reich geschmückte Stadt zur Stadthalle, wo eine ausgezeichnet verlaufene Feier stattfand. Aach der Begrüßung der Gäste wurden die Mitglieder, die 40 und mehr Jahre dem Verein angehören, durch die Xleberreichung prächtiger Xlrfunbcn ausgezeichnet. Die fein durchdachte Festrede hielt der Ortspfarrer, das Ehrenmitglied des Vereins: er feierte die hohe Macht des Gesangs und schloß mit einem Hoch auf das Vaterland. Gemeinsam wurde anschließend das Deutschlandlied gesungen. Hierauf erfreuten die Gastvereine die Zuhörer durch den vortrefflichen Vortrag zahlreicher Chöre. Den Abschluß des Tages bildete frohes Volksfesttreiben. Der Iu- belverein kann mit Befriedigung auf den schönen Verlauf seines Festes zurückblicken. Kreis Lauterbach. < Schlitz, 1. Sept. In der Besetzung der hiesigen Pfarrstellen sind zwei Aenderungen eingetreten. Nachdem Oberpfarrer Knodt, der zwölf Jahre hier wirkte, nach Bad-Nauheim verseht worden war, wurde dem seitherigen Stadtpfarrer Boeckner die Oberpfarrstelle auf Präsentation Seiner Erlaucht des Grafen von Schlitz übertragen. Die zweite Pfarrstelle, deren Inhaber zugleich Pfarrer des Kkdutzersgründe« ist, der Dörfer Dernshausen, Rieder-Stoll und Xletzhausen, die zwischen Schlitz und Bad-Salzschlirf liegen, versieht nun Pfarrverwaltev Schm i d t. Sein Vater, zuletzt Oberpfarrer und Dekan in Schlitz, hat seine pfarramtliche Tätigkeit im Schlitzerland verbracht. Aus dem Schlitzerland, 1. Sept. Hier sind die Erntearbeiten in vollem Gange. Xleberall hört man die Dreschmaschinen brummen, die die erstgeschnittenen Kornfrüchte, Roggen und Gerste, dreschen. Das Ergebnis der Körner schien wohl erst etwas größer zu werden, doch wird es eine Ernte, die gut über dem Durchschnitt liegt. — Run sieht man alle Wiesen bevölkert mit den Leuten, die das Gras mähen und das Grummet, das prachtvoll in dem warmem Sonnenschein gedörrt wird, nach Hause bringen. Die Aecker stehen zum guten Teil leer, meist wird nur noch der Hafer draußen fein, dem aber auch die Sonne gut bekommt. Starkenburg. Weinheim, 1. Sept. (WSR.) In den Tagen vom 4. bis 12. September findet hier eine „W einheimer Woche" statt, die mit einer Ausstellung der hiesigen Industrie- und Geschäftswelt verbunden ist und ein großes Sport» und Vergnügungsprogramm bietet; es handelt sich um eine Werbung für die Bergstraße, insbesondere für Weinheim. WSR. Klein-Auheim, 1. Sept. Bei dem Versuch, einem entgegenkommenden Fuhrwerk auszuweichen, blieb der Motorradfahrer Dauer aus Klein - Krotzenburg an der Pferdedecke eines der Pferde hangen. Sein Rad kam dadurch ins Schleudern und der Mann wurde in weitem Bogen auf dis Straße geworfen. 1 Rheinhessen. WDR. Mainz, 1. Sept. Ein dreijähriger Junge tummelte sich auf dem Balkon des ersten Stockes eines Hauses herum. Als er auf einen Stuhl stieg und sich zu weit über das Geländer beugte, verlor er das Gleichgewicht und stürzte herunter. Zufällig stand unten ein leerer Kinderwagen, in den der kleine Xlnternehmungslustige hineinfiel. Man kann sich den Schreck und die Freude der Mutter vorstellen. Preußen. Kreis Wetzlar. X Groß-Rechtenbach, l.Sept. Bei einer am Sonntag hier abgehaltenen Tanzbelustigung kam es zu einer Schlägerei unter hiesige» Burschen, wobei Biergläser, Weinflaschen und zuletzt auch dos Messer eine Rolle spielten. Die „Zärt. lichkeiten" dürften ein gerichtliches Nachspiel haben. L Ausoem Kleebachtal, 1. Sept. Das günstige Wetter der letzten Tage hat die G r u m- meternte in den Gemeinden des Kleebachtales frühes beginnen lassen, als in sonstigen Jahren. Der Ertrag ist überall gut, was daraus zurückzuführen ist, daß das Wachstum des Grases durch die öfteren Regenfälle sehr gefördert wurde. Dillkreis. bl. Dillenburg, l.Sept. Die Stadtverordnetenversammlung wählte in ihrer jüngsten Sitzung den seitherigen stellvertretenden Stadtverordneten-Vorsteher Röver zum Stadtverordnetenvorsteher. — Die durch Reichsgeseh notwendig gewordenem Aenderungen der Vergnügungssteuer- o r d n u n g der Stadt Dillenburg bezüglich der Besteuerung der Rundfunkanlagen und der Filme wurden gebilligt. Ein Antrag der Vereine der Stadt auf Ermäßigung der Vergnügungssteuer wurde dem Magistrat überwiesen. — Die von der Regierung geforderte Einrichtung einer Konrektor stelle bei der städt. Mittelschule wurde im Hinblick auf die entstehenden Kosten nicht angenommen. Der Beschluß beruht natürlich auf schwachen Füßen, da die Regierung jetzt eben entsprechende Zwangsmaßnahmen anwenden wird. Maingau. WSR. Frankfurt a. M., 1. Sept. Auf der Straße Mörfelden—Frankfurt wurde ein Kaufmann aus Groß-Gerau mit seinem Motorrad schwer verletzt im Straßengraben auf- gesunden. Der Verunglückte konnte keine Auskunft geben, was ihm zugestohen war. Rach der Lage des Motorrads ist zu schließen, daß er von einem Auto um gerannt wurde, dessen Insassen ihn in bewußtlosem Zustande in den Graben getragen haben und dann flüchtig gegangen sind. WM Verlangen Sie in den elnschl. Geschäften die neuen farbig llluetr. Rezept- “ — n.a» _ ■ bücher, Ausg. P für 15 Pfg., wenn vergriffen, gegen Einsena. von Marken von tsoo $ I3l68€»| OlCli Calder .Backpulver zerpflückte Butter mit dem Rest des Mehles unter die Masse und fügt nötigenfalls soviel Mehl hinzu, daß sich der Teig ausrollen läßt. Mit dem fertigen Teig belegt man den Boden einer Springform. Den Quark hat man währenddessen auf einem Sieb gut ablaufen lassen, reibt ihn durch ein feines Sieb und verrührt ihn sorgfältig mit etwas saurem Rahm zu einer glatten Masse. Dann gibt man nach und nach Zucker, Eidotter, Vanille-Saucenpulver, Gustin und Korinthen hinzu und verrührt nochmals gut. Zuletzt hebt man vorsichtig den Eiweißschnee unter die steife Quarkmasse, streicht diese auf den Teig und backt den Kuchen bei guter Mittelhitze ca. 50 Minuten. Zubereitung: Zuerst bereitet man den Mürbeteig. Ei u.Zucker werden mit einem Teil des mit dem Backin gemischten Mehles verrührt Dann arbeitet man die kaltgestellte und in Stückchen Zutaten i Teig» 65 g Butter, 60 g Zucker, 150 g Weizenmehl, 1 Ei, ’/a Päckchen von Dr. Oetker's Backpulver ,,Backin". — Belag r !>/» Pfund Quark, 200 g Zucker, 1 Päckchen Dr. Oetker's Smcenpulver Vanille-Geschmack, 2 Eier, das Weiße zu Schnee geschL, 60 g Dr. Oetker’s „Gustin", 150 g Korinthen, etwas sauren Rahm. j&F W g® b ® g®, «P Gebacken mit Dr. Oetker*» Backpulver „Backin“ Wk ’Ktf W 8 Vollmundig, von vorzügi. Geschmack, außerordentl. nahrhaft, H mW««* !» Aai'si I und Her enflW; --W »ec »« SW M engl'sAn A MinDeuM AM auf U Wen 6elW es au^um M Prozent der B Amben iinsgesan lafiung von A vrganisatum wir als W vielfach haben nach den lüsten das gm Vereinigung vr ihre mchi sicherlich ebenso weiteres Monte dah in Znglan! zweifellos übei geben. W ist i möglichst fchneb preise durchzuse sich zu einer Se Niveaus zu In den hiet liegt der Sieg i schcn Bergbau i bergbau. Ts toll England die Spc Lchnantell seins« trenbungen ufto.) und sie sich im Mark beläuft. Tuhrbrrgbau ni ?:vtschland die1 land, bah der Dr Mittel erfvrderl neue Lohnrrhvhi b'ndlichleitserklä um rund 10 f Spanne, mit fr lehlemnarlt geh muh, ist also sü in England. H ribmertum Sie । aus öer Ser engt fre Haatli(j)tn 6m "hbruc 1 v'ie nde ( ■ Vge ö . Ivie Sem M Sen tatsächlich 'n Einklang zu k-ri K W der dr Konjunftiic eine D sie auch dem ~ wnnte man sj5.25 31.5 49 145 98 86.5 >51* 169,2* 155.3* 11(1 147.75 55 71.5 122,5* 147* 167.25 69,75 geben — ä. V?v' in her nhc gute Konjunktur beschert und der . 'lge dem englischen Bergarbeiter — ähnlich wie dem Ruhrbergarbeiter jetzt — einen 112 52.25 120,5 165.5 106* 165* 110 209* 87 0_\' eltinorft ausnehmen kann. 3m Falle der Lohn- hcraussetzuna wäre der Ruhrbergbau in dieselbe (Situation hrneingeraten, die die Grundlage für die Schwierigkeiten im englischen Bergbau und hcirit auch letzten Endes für den Streik abge- hat. Der englische Streik ist die Folge inbruchS. der dem englischen Bergbau L i Ed)t. Aus ter Ä*# . konnte le>^ M ÄJÄ cr ui OE gurte. Bochumer <3n6 ...... BudcruS Caro Deutsch-Luremburg...... Gelsenkirchener Bergwerke . . Harpener Bergbau...... Raluverke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln VauraUutlc . . . . Oberbedarf Phönix Bergbau -t>ibem!Ml>l........... Me deck Montan ...... TelluS Bcrabau....... Bereinigte Stahlwerke A,-G- Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd .... Cheramischc Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . ^bilivv Holzmaau . . . . . . Slnglo Cont -Guauo Gl)cmiid)c Mayer Alapin . . ^G.^arbcnindU^ic, A..G. Holzverkohlung Rükaerswerke Scheidcanstalt HüC- (kiekkrtzitätS-Gesellschaft »eramaim Mainkraitlverke ....... Schuckeri Siemens i ©aBfe ..... Adlcrwerkc Kleyee Daimler Motoren Heyligenstaedt...... Meguin Motorenwerk- Mannheim Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . Mctallgcsclllchaft Frankfurt. Pct. Union 91..®........ Zellstoff Waldbof..... . Zuckerfabrik Frankemhal . . Zuckerfabrik WagdäuÄ . - . S!e rubung ftfeite nem9)0*e ^acht tauf «SS4 das H ! des aus xjT. 3u- liden b«ch. s sSTe Okr^arretM amtliche At,g. ^°nd, 1. s^t Sä n in tem tixttmet rtNeSnS g^meifllR lCln' dm aber auch ix1*" Wirtschaft. Ruhrbergbau und Weltwirtschaft. Der englische Streik neigt seinem Ende zu. Er wird auf jeden Fall mit einer Verlängerung der Arbeitszeit und mit einer Aenderung des LohnsystemS, vielleicht sogar mit Lohnherabsehungen, endigen. Allein der Effekt der Ar- beitszeitverlangerung um eine halbe Stunde ist schon außerordentlich hoch zu veranschlagen, da sie in ihrem finanziellen Endeffekt einen vollen Ausgleich bietet für die staatlichen Subventionen. Damit wäre die Situation vor dem Streik, die bekanntlich für den Ruhrbergbau sehr ungünstig war, in vollem Umfange wieder hergestellt, wobei besonders zu beachten ist. daß England in demselben Augenblick zu einer Durchbrechung des Washingtoner Abkommens sich anschickt, in dem Deutschland durch da- Arbeitsschuhgefeh eine indirekte Ratifizierung herbeizuführen sich bemüht. Der Kampf im englischen Bergbau ist neben dem sozialpolitischen Moment der Arbeitszeit und des Arbeitslohnes vor allem auch um das organisatorische Prinzip der künftigen Gestaltung des englischen Bergbaues geführt worden. Dieser Kampf wird zwangsläufig so enden, bah genau wie in Deutschland auch England die Förderung künftig auf die leistungsfähigeren Gruben mit den billigsten Selbstkosten konzentrieren wird, und fei es auch um den Preis der Stillegung von 20 Prozent der jetzt noch in Betrieb befindlichen Gruben linsgefamt beinahe 2000) und der Entlassung von 150 000 Bergarbeitern. Diese ilm- organifation wird vermutlich schneller erfolgen, als jetzt vielfach angenommen wird. Die "Santen haben nach den letzt entstandenen groben Verlusten das größte Interesse an einer baldigen Vereinigung des Bergbaues, sie werden also ihre nicht gering zu veranschlagenden Druckmittel sicherlich ebenso bald wie energisch einsetzen. Ein weiteres Moment der Beschleunigung liegt darin, daß in England die Preise für manche Produkte zweifellos über das Weltmarktniveau hinaus- gehen. Es ist da- Prinzip offenkundig, zunächst möglichst schnell eine Ermäßigung der Kohlenpreise durchzufehen. um auf dieser Basis allmählich zu einer Senkung de« gesamten Selbstkostenniveaus zu kommen. 3n den hier kurz aufgezeichneten Momenten liegt der Sieg des Unternehmertums im englischen Bergbau und die Gefahr für den Ruhrbergbau. ES wird in Zukunft so kommen, daß in England die Spanne zwischen Verkaufspreis und Lotznanteil (einfchl. Gehattsanteil, soziale Aufwendungen usw.) rund 5 Schilling beträgt, während sie sich im Ruhrbergbau nur auf rund 4 Mark beläuft. Diese Spanne wird für den Ruhrbergbau noch verkürzt dadurch, daß in Deutschland die Steuern hoher sind als in Eeg- land, daß der Grubenausbau in England weniger Mittel erfordert als an der Ruhr usw.; die neue Lohnerhöhung würde im Falle ihrer Ver- b'ndlichkeitserklärung eine weitere Verkürzung um rund 10 Prozent mit sich bringen. Die ; Spanne, mit der der Kampf auf dem Welt- j kohlenmarkt geführt und durchgehalten werden muß. ist also für Deutschland viel geringer als in England. Damit ist dem englischen Unternehmertum die Schaffung der Basis gelungen, cns der der englische Kohlenbergbau auch ohne i\:c staatlichen Subventionen den Kamps um den zumal nur eine Dertreuerung. aber keine Verknappung zu bemerken ist. 3m Devisen- verkehr wirkten sich die Maßnahmen bec italienischen Regierung gegen die Inflation stärker aus. Der Li re-Kurs konnte sich gegen London bis auf 130 bis 132 befestigen. Auch der französische Franken war weiter befestigt neuen Stammaktien sollen insbesondere auch für bic Durchführung der Fusion mit der Köln- ^ottweil A. G. und zur Sicherung eines späteren älmtausches gegen Aktien der Dynamit- AG. vorm. Alfred Robel & Co. und der Rheinisch-Westfälischen Sprengstoff-A. G. Ver- Wendung finden. Ferner wurde die Herabsetzung schäftigt sich die Spekulation jetzt nur noch öes hundertfachen Stimmrechts der alten 4,4 I wenig mit Erörterungen über die Geldmarktlage. Hin. RM. Vorzugsaktien auf zehnfaches Stimm- 1 ‘ teajt beschlossen. Diese Vorzugsaktien verlieren chre Deräußerungsbefchränkung, werden auf den Inhaber umgestellt und in ihrem Liquidations- eil beschränkt. Die sonst noch von der Verwaltung beantragten Satzungsänderungen sanden ebenfalls einstimmige Billigung. stn. . Ein dreijährt. auf tem Dalkvn bei uses herum. Als et h zu Veit über das s Gleichgewicht uitb ig ftanb unten ein in bttr ter Heine :L Mn kann sch Uhitttt dvEen. XU tat. I, l.Sept Bei einet neu lanjteluftiaung i unter hiesigen $ur- msloschen uni) zuletzt ; (piellen. Die M ichcs Nachspiel haben. cktal.1. Sept. W aqe hat die Trumen des KlnbachtaleL in soMgrn fahren, was darauf wrud- »m des W sehr gefördert tmirte. Sept. Die Stadt- Jung wählte m seitherigen Vorsteher 2°bet !Nvorstehet wendig geworden 'ü g uns sst euer *« Si'LS rang ge der °L in W uebe,nl . Her Ss 148.2* 100 82' 156.5* 174,5’ 159.7* 142 150.5 54.12 73,4* 124.5- 15.3* 165,5* 145 163* 162.4* 6)elv 4.183 11,84 111,12 20,325 12,67 167,76 15,16 91,57 69,17 2,06 111,82 80,88 63,54 12,375 5,835 Berlin, 2. Sept. Die feste ftimmung der Börse kam nach dem freund- ließen Verlaufe der Frankfurter Abendbörfe bei * Starker Rücktzang d e r Konkurse Beginn des heutigen Effektenverkehrs wiederum llnd T e s ch ä f t s a u f s i ch t e n im August. Die zum Ausdruck. Die Spekulation schritt auf den sinkende Tendenz, die die Ziffer der Konkurseröff- Scrminmärften zu neuen Käufen und nahm das nungen feit dem März des Jahres ununterbrochen nach den kürzlichen Steigerungen infolge von verfolgt, hat sich auch im August in erfreulicher Realisationen herauskommende Material glatt auf. Weife fortgesetzt. Es wurden, nach einer Zusammen- Die Kursbesestigungen setzten üch allerdings nicht stcllung der Finanzzeitschrift „Die Bank", im auf der ganzen Linie fort, sondern beschränkten -lugiist 503 Konkurse eröffnet, gegen 698 im Juli sich während der ersten Stunde auf Montan- Berlin, 1 2eptbr «merikantlihr Vloin . Belgische Noten . . . . Dänische Noten . . . . Engliiche Noten. . . . Franjosischc Noten . . und Schis fahrtswerte, einzelne Elektro- und Bankaktien, sowie auf einzelne Spezial- „ . . . . Papiere der Rebenmärkte. Rach Erledigung der im Februar. Mangels Masse abgewiesen wurden ersten Kaufaufträge wurde das Geschäft allgemein im August 147 Konkursmiiräge (im Juli 151). ruhig. Das Kursniveau bröckelte vereinzelt 3- G. Farbenindustrie, Frank- leicht ab, doch vermochte diese Beruhigung an furt a. M. 3n der gestrigen a. o. H.-V. der der freundlichen Auffas'ung der Börse nichts 3. G. Farbenindustrie waren 458 149300 RM. zu ändern Am Montanmarkt wurden Stamm- und 4,4 Mill. RM. Vorzugsaktien ver- insbesondere die Erhöhung des Stadeilen- ireten. Alle Anträge der Verwaltung wurden Preises und die Verbindlichkeitserilärung des cinstimmig angenommen. Das Kapital wurde Ruhrschiedsspruches. durch die ein Berg- u.in 258,4 Mill. RM. Stammaktien, 160 Mill, arbeiterftreif vermieden wird, stark beachtet. VM. 6prvz. Vorzugsaktien mit einfachem Stimm- Außerdem boten der Rückgang der Äon- und 35.6 Mill. RM. 3* >proz. Vorzugs- kursziffer und die Geschäftsbelebung auf der nuien mit zehnfachem^ Stimmrecht ^erhöht. Die | Leipziger Melfe einige Anregung Am Geld- ''"'*** 1 ' "r ' ' martt war eine leichte Entspannung zu bemerken, die in den Geldsähen nicht zum Ausdruck kam. Die allgemeine Auffassung geht dahin, daß die Teuerung in der nächsten Zeit mit den tatsächlichen Konjunkturverhältnissen nicht in Einklang zu bringenden Lohnstandard gebracht hat. Als der vorübergehenden Besserung der Konjunktur eine Verschlechterung folgte — ähnlich wie sie auch dem Auhrbergbau jetzt bevorsteht — konnte man sich nicht entschließen, das Lohnniveau abzubauen; es wurde vielmehr das System der staatlichen Subventionen eingeführt, das den englischen Bergbau nach vorübergehender scheinbarer Besserung in die größten Schwierigkeiten gebracht hat. Eine ähnliche Taktik in Deutsch- i Hollmidyche möten...... -land wurde zwangsläufig eine weitere Fort- atniientfdie Noten 17,’^ führung des Konzentrations- und Rationalisie- Noten rungsprozesses zur Folge haben. Dazu zwingt schon me JtottoenDigreit, durch möglichst hohen Sckiwedifch: Noten Export, der aber nur auf der Grundlage billigster Schwer Noten Selbstkosten möglich ist, dem deutschen Bergbau iWoHo^Scbe'* * eine möglichst günstige Quote als Grundlage für | UnznE-Noten . die Verhandlungen zu ficherm die über kurz ober lang mit dem Endziel einer deutsch-englischen Kohlenverständigung ausgenommen werden müssen. 11 °>« nne,<’r„„ Sie» =in-yS nd eiefe|d' irnurffnrt a.M. Berlin Schlu-;. fiurs l.Uhk. flure Schtuh- Anfang Sirrt flnr'. Datum: L9. 2.9. 1. 9. 2. S, 57« TruUcht 9idd)4anleibe . ♦7c Tkutsä-c NcichSanlelbe . 3V,°/r Tcunch- 9lcid)#anldbt A- Dcu Ische Ndchsauleibe - Teutichr Lvaroramicnonleihe <% Prcuk-ische .Konto« . . . <% Hetzen....... 3Vs6/« Hessen......... 3% Hcucn.......... 0,43 0,41 U.26 U.435 0.40 95/5 13.3 44.5 213.5 139* 218* 170* 97 162* 134.9 140 9.3 85 0.485 13,5 44.5 219,5* 141* 120,5* 174* 165,5* 135 110,7* 9.25 u.4825 0.48 0.435 0,4375 l‘,51 0,505 0.27 - 0.4325 0,4.125 0,455 — 99.8 - 13,12 - 44,12 - 215* 214.5* 139* 140,5* 217* .119,5* 167* 173.2* 161.5* 165* 140,2* 142.5* 9.05 9.15 Tcuttchc Denb. Dollar-?lnl. Mo. Doll.-Schav-Lurdlna.*) ♦7° Zolltürten........ 57, ÄoldMexikaner • . . Berliner HandelSgdelllchaft • Conaner^ and drivot-rSant Tarntft. und Nanonaldank . Deutsche Bank......... Deutsche Dereinsbcmk .... DiScomo Lommandtt .... Metallbank........... Mitteldeutsche Kreditbank. . Ocsierrcichische Creditansiali Wesibmik.......... 1 Septbr. 2. Septbr. Amtliche Notierung Amtliche Notierung (Selb Briet (Mb Brtei Ämsl.-Viou. 168.11 168,53 168,11 168,5.1 vuen.Aireö 1,693 1.697 1,694 1,698 Bdi-9tnt>v. 11,85 11,89 11,78 11,82 Chliinania. Kopenhagen 91,88 92,12 91,88 92,12 111,41 111,69 111,43 111,71 Stockholoi - HelsrngforZ. 112,16 112,44 112,21 112,49 10,552 10,592 10,554 10,594 Italien. . 14,75 14,79 15,52 Vondon. . 20,356 20,406 20,367 20,417 ^'euyork . . Paris... 4,191 4,204 4.194 4,204 12,51 12,55 12,73 12,77 Schivei, . . 80,98 81,18 80,98 81.18 Spanien . . 63,82 63,98 03,94 64,10 Japan . . . 2,018 2,022 2,017 2,021 »iio de Jan Wien in D.- 0,642 0,644 0,611 0,643 Oest. abgeft. 59,24 59,38 59,22 69,36 Prag .... 12,42 12.46 12,418 12,458 Belgrad . . 7.40 7.42 7,405 7,425 Budapest. . 5,875 5,895 o,88 6,90 Bulgarien. Lissabon . 3,0.35 3,045 3.04 3,05 21.395 -1,445 21,395 21,445 Damlg. . . Konitüntln- 81.39 2,215 81,50 2,225 81,30 81.50 2,254 ?ltben. . . 4,79 4,81 4,79 4,81 Canada. . 4,199 4,209 4,199 4,209 Utnauan . . 4.185 4.193 4.185 4,195 Schach-Ecke. Beardettet von W. Ordach. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers". Problem Nr. 77. Don Dr. A. W. Galihky. 9 » Schwarz. ab c d e f £ h ä b c d e i g ti Weiß. Weiß zieht und seht in drei Zügen malt. Weiß: 4 Steine Kgl; Tf4; Ld2; Sf4. Schwarz: 2 Steine Kh4; Bg4. Ein ausgeaeichnelcs Problem des bekannten Verfasicrs, welches über einen prachtvollen Einleitungszug verfügt. Partie Nr. 58. Gespielt in der 9. Runde des Schachturniers zu Kaiserslautern Anregelmäßige Eröffnung. Weiß: Lempelius. Schwarz: Orbach. 1. d2-d4 1. Sg8-f6 2. Sgl-fJ .- 2. c7-eö 3. c2 —c4 3* b7-b6 4. Lei -g5 4. Lf8 - e7 5. Sbl — c3 5. Lc8-b7 6. e2-e3 6. Sf6-e4 7. Lg5xe7 7. Dd8xe7 8. Lfl -d3 8. f7 — f 5 9. 0-0 9. 0-0 10. Tal -cl 3n der zweiten Partie W. Hennebcrger gegen W. Qrbach, des Länderwettkampses Deutschland — Schweiz am 5. August 1926 zu Freiburg, welche mit dieser Partie bis hierher übereinstimmt, geschah hier besser: 10. De2!, d6 ll.Tadl, Sbd7 12. Sfd2, Sdf6 13. 13, Sed2: 14. Td2:, d5! 15. e4, fe4: 16. fe4:, de4: 17. Sce4:, Sfe4: 18. LdetTfl-ß: 19. Kfl: Tf8 + 20. Kgl, Le4: 21. De4., Df6 22. h3, Dfl-f- 23. Kh2, Df4 + , 24. Df4:, Tf4: 25. Kg3, g5 etc. Schwarz hatte jedoch das bessere Endspiel und gewann im 66. Zuge. 10 10. d7-d6 11. Ld3-e2 Kein guter Zug, da er Schwarz den Druck auf e4 ständig überläßt, besser jedenfalls Sd2. II 11. Sb8-d7 12. d4-d5 12. Se4Xc3 13. TclxcS 13. e6-e5 14. b2 — b4 ? Ein schwacher Zug, da der folgende Zug des Schwarzen den Damenflügel sicherstellt, wodurch er nun mit größter Sorglosigkeit einen gefährlichen Königsangriff einleiten kann. 14 14. a7-a5! . 15. b4-b5 15. Sd7-c5 16. a2- a4 16. Ta8 —e8 17. Sf3-d2 17. Tf8-f6 Der Rachziehende beginnt einen scharfen Angriff. 18. 12-f3 18. Tf6-h6 19. Tfl-f2 19. Lb7-c8 20. Tc3-a3 Wahrscheinlich, um die Dame zu mobilisieren. 20 20. De7-h4 Ilm Weiß zu einer Schwächung des Königsflügels zu veranlassen. 21. g2-g3 21. Dh4-e7 22. Le2 - f 1 22. Kg8-h8 23. Sd2 - b3 Ein unverbindliches Taufchangcbot, auf da- Schwarz selbstverständlich nicht eingeht, da der Sb3 vollständig deplaziert steht 23 23. Sc5-d7 24. Ddl-c2 24. Sd7-f6 25. Lfl-d3 25. De7-d7 26. Kgl —fl 28. 26. 27. Sb3-d2 Kglxg? Weiß gibt auf. 34. 35. Kfl -el Stellt Weiß c3-e4 DXg2 32 33. Dc2 - e2 29. h2xg3 30. Ld3-fl 31. Tf2-g2 26. g7-g5 27. fb - (4! vor schwierige Probleme. 28. 14xg3 29. Thö-hl-f- 30. Dd7-h3 32. Te8 - fS 33. Lc8-g4 • 34. L?4Xc2 35. Tnlxfl Dem Weißen wird cs angesichts der gefährlichen Figurentonzentration des Rachziehendcn bange zu Mute, und er beschließt eine Königswanderung nach dem Damenslügel vorzunehmen, aber nachdem er auf seinem Ar'prungsstandseld angelangt ist, ereilt ihn fein Schicksal. Es folgt nun ein glänzender Schluß. ’ , 31 .... Ein ausgezeichnetes Springeropfer, welches das Spiel sofort entscheidet. 32. f3xc4 Auf Dxe4 gewinnt natürlich 32 Lösung deS Problems Rr. 75. Don 2. Slater. 1. Df5- bl!, Kd4-d5 2. Dbl -b6! nebst Matt durch 3. Db6-c5. 1 , Kd4 - c3 2. Ld6- b4+ nebst Matt durch 3. Dbl-e4 1 , Kd4 - e3 2. Dbl -c2! nebst folgendem Matt durch 3. Sg3-f5 oder 3. Dc2 - c3. 1 , c4-c3 2. Dbl-e4 matt 1 f3-f2 2. Sg3-f5+ nebst Malt durch 3. Dbl-b7. Richtige . jungen zum Problem Rr. 75 sandten ein die Herren: Oberfekundaner V. LooS, Lehrer E. Simon, Gießen: H. Ranz, Steinbach. Aus ver Lchachwctt. Die zehnte Tagung des Bayerischen Schachbundes sand diese Woche in Pirmafens statt: im Rahmen dieser Veranstaltung wurden verschiedene Turniere auSgctragen. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom Redattionstisch, Zustände. Fremder: „Aber sind denn die Herrschaften wirklich nicht zu sprechen?" Stühe: „Wirklich nicht! Der gnädige Herr probiert gerade ein Korsett zu seinem neuen „Aus Taille"-Rock und die gnädige Frau läßt sich rasieren!" Virchow-Anekdote. Der große Virchow verlangte im Exameir ganz genaue Farbenbestimmungen. Also nicht Braun, sondern Graubraun, mit einem Stich ins Grünliche usw. Einen Examinanten, dec nicht nach Wunsch antwortete, fragte er wütend: „Welche Farbe hat denn mein Rock?" Der Prüfling faßt den Rock, zieht Virchow ans Fenster und sagt ruhig: „Wie der neu war/ dürfte er blau gewesen sein." Er hat das Examen mit Gut bestanden. auf 160 bis 161 gegen das Pfund. Sonst waren die Schwankungen nur gering. frankfurter Börse. Frankfurt a. M, 2. Sept. Tendenz: fest. Angeregt durch eine Reihe günstiger Momente, teils politischer, teils wirtschaftlicher Ratur eröffnete die Börse in recht festerStimmung. Don den Verhandlungen, in Genf erwartet man mit Bestimmtheit die Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund. Auch die günstiger lautenden Berichte aus dem Wirtschaftsleben tragen zu der allgemeinen Festigkeit wesentlich bei. Unter dem Einfluß dieser Faktoren entwickelte sich eine rege Geschäftstätigkeit der Spekulation, die gefördert wurde durch beträchtliche Käufe außenstehender Kreise. Die Befestigungen erreichten im allgemeinen die Höhe von 2 bis 3 Prozent und gingen vereinzelt noch darüber hinaus. Der Abschluß der 3 0 ° M i l l i o n e n - Dollar-Anleihe von Siemens in den Vereinigten Staaten brachte dem Elektro- markt nicht den erwarteten Erfolg. Die Werte dieses Gebietes konnten nennenswerte Befestigungen nicht mehr erzielen. Siemens waren auf Realisationen hin um 1,5 Prozent gedrückt. dagegen war AEG und Bergmann etwa 1 Prozent höher. Am Montan- markt nahm die Umsatztätigkeit ein größeres Ausmaß an, wobei besonders Deutsch-Lux, Rhcin- stahl und Phönix hervortraten. Buderus erreichten mit plus 2 Proz. wieder den Stand von 100. Farben-Aktien hatten kleines Geschäft; I. G. neigten zum Rachgeben. Der Danken- markt lag fest; unter Führung von Darmstädter (plus 1 Proz.) und Deutsche «plus 1.25 Proz.) war dieses Gebiet recht günstig veranlagt. Schiffahrtsaktien konnten ihre Steigerungen um 1 bis 2 Proz. fortsehen. Recht fest lagen O e l a k t i e n. Besonderes Interesse wandte sich den Aktien des Metallbank-Konzerns zu, und zwar mit Rücksicht auf die in Berlin erfolgte Zulassung der Metallbank. Man erwartet, daß auch die anderen Werte dieses Konzerns recht bald in Berlin zugelassen werden. Metallbank plus 1. Scheideanstalt plus 1.5, Metallgesellschaft plus 3 Proz. Maschinrnaktien lagen fest. Frankfurter Maschinen waren gegenüber dem gestrigen MittagskurS insgesamt um 7 Prozent befestigt. Zuckeraktien waren überwiegend fester, desgleichen Zellstoff- und B a u - aktien. Deutsche Anleihen erholt. Bon ausländischen Renten waren Türken etwas stärker gefragt und befestigt. Der Frei- verkehr blieb fast umsatzlos. Benz 82,5 Prozent, Brown Boveri 123, Growag 60, Entreprise 8, Ufa 43 Prozent. Ufra 92,5 Prozent. Der weitere Verlauf brachte eine hausfe- artige Befestigung von Rheinische Braunkohlen - und Rheinstahlaktien, die um 7 bzw. 3 Prozent ansogen. Am Geldmarkt trat eine Erleichterung ein. Monatsgeld 5,5 bis 7.5 Prozent je Adresse. Tagesgeld dürste sich aus 5 Prozent ermäßigen Im Devifen- v e r l e h r setzten die lateinischen Valuten ihre V e s e st i g u n g fort. Paris gegen London 160, Brussel 170. Mailand stark befestigt auf 131 gegen das Pfund. frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 2. Sept. Es wurden notiert: Weizen, yktteraner, neuer Ernte, 27,75 bis 28 Mark; Roggen, inländischer, neuer Ernte, 21 bis 21,25; Sommergerste für Brauzwecke 23 bis 26; Hafer, inländischer, 18,50 bis 19; Mais (gelb) 18,25; Weizenmehl, inländisches, Spezial 0, 41,25 bis 41,50; Roggenmehl 31 bis 32; Weizenkleie 9; Roggenkleie 10,50 Mark. Tendenz: stetig. frankfurter Lchlachtviebmarkt. Frankfurt a. M., 2. Sept. Auftrieb: 897 Kälber, 275 Schafe, 279 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: feinste Mastkälber 78 bis 84 Mk.; mittlere Most- und beste Saugkälber 67 bis 77; geringere Most und gute Saugkälber 60 bis 65. — Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 48 bis 50; geringere Masthämmel und Schafe 42 bis 47; mäßig genährte Hammel und Schafe (Merzschafe) 30 bis 40. Marktverkauf: Kälber und Schafe bet lebhaftem Handel ausverkauft. Beste Maftkälber über Notiz gehandelt. Mangels genügendem Angebot in Schweinen fand hierfür eine Notierung überhaupt nicht statt. Rundfunk-Programm. Freitag, 3. September: 3-30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45: Hausfrauen-Nachmittag. Programm u. a.: „Die geprüfte Hausangestellte der Zukunft", Vortrag von Stephanie Forchheimer. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lefestunde. 6.30 bis 7 Uhr: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). 7.30: Uebse» tragung aus dem Staatstheater Kassel: „Die Zauberflöte", deutsche Oper in zwei Akten von W. A. Mozart. - Spielplan der Gießener Kinos allerGroßstädte 7083c Gewaltiger Sittenfllm in 6 Akten In den Hauptrollen: Georg Cooper und Gladys Brockwell Honte bis cinschL Sonntag Täglich 4 nnd 8.15 Uhr Die Sensation Entehrten Sittendrama in 6 Akten. In den Hauptrollen: Claire Lotto und Albert Steinrück Ferner: Honte letzter Tag: WWckckMM mit Hella Moja Ab morgen bin einscbl. Sonntag: ...... faik« Sensationsschauspiel in 5 Akten. Ferner: Oie Regimentsfeier des Füsilier-Regiments 80 vom 22. Aug. 1926 Alle Gießener Festteilnehmer können sich im Lichtspielhaus wiedersehen Lichtspielhaus Itahnhofeitraüe Ab heute bis einschl. Sonntag: Int Monti es wird schon schief gehen Die größte amerikanische Sensationskomödie in 6 gewaltigen Akten. In der Hauptrolle: Monty Banks Ferner: Der Umweg zur Ehe Palast-Llchtsplele Lindonplntz Ästoria-Lichtsplele Selterswcg Persönliches luflreteD der urkomischen M mit Wioii- Darsteller Persönlich auf der Bühne Dazu das große 7aktlge Lustspiel: Pal und PatachoD aal der Weite KT. 2° M Die o Ms«" Aeichspsen * cheinenem infolge Anl-hnst richte»'^ pcHlt XI*0" Nach als kleiner fahren voi Erhöhu: len und bi Reich in 6 bis zur 0 als Son den sollte, änderung 6 Grund des 250 Million mende Iah' Marl, ist a abgeseht gen von de HerbslMna Jahres in dieses Iah Monate ist vorgesehen, 84,8 Millic Kommissar vor, daß i der Einnah Reichsha /es 2Ibfvnrn vor, daß die der Besserur werden, svnd an die de düng sinder Reichsetat 1 Minister er Jahr eine das nächste übernächste Infolgeöesst tidje Sun Zuöringe mit dem Ki nahmen wir A für Am Aerchshauptl He ieweiliqi der Reichsh, Oktober um sogar um e eine Perivd oanuar 1928 etwa 180 r besserten Li Se., bekaim Rerchsbg^^ toeiteten N'eln ■2Iit einer ur die noch lem Äsami ner darauf bevorstehend !* 6egni Mstramm l *etl 5erei Mchtlich a d«« lauf werden. Die! $’c Ääm ob A’ auf 5 ? ?ner 6ifp LL'°° 'M? NahZ Wh. von J} nt wird ÄS fei«"* läge, ffu'1' der „ ‘’itiQs Sm?* Bleff*. N>ü bet g’na fru Janf( pe” werd, ü des! Der, HerabseS g^rlln hanblllngcn betn «eparal bet for rungrsche den, das di« füiiden hat tiefem Ablc Im Geiste d Rücksicht Schwier sen worden tionsflfäubi Ein erstklassiger LADEN in der besten Lage in Wetzlar sofort preiswert zü vermieten. — Bevorzugt wird Spezialgeschäft (evtl. Filiale) für Damen- und Herrenwäsche, da am Platze ein Spezialgeschäft dieser Branche nicht besteht und guter Absatz erzielt werden kann. (Evtl, mit Wohnung). Schriftliche Angebote unter 7093D an den Gießener Anzeiger erbeten. Sturm in Schmalebeck Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 bi) Ang. Scherl G. m. b. H„ Berlin. 12. Fortsetzung. 'Hochdruck verboten. „Vielleicht einmal im nächsten Jahre. Bisher hieß cs sparen. Es waren immer noch Verbindlichleiten —" Er brach ab. Besann sich, daß Hanse um die ganze Vergangenheit wußte, cs sollte Feine Schuld ungetilgt bleiben. Durch einen Raben sollte niemand fein Geld verlieren. Jetzt im Herbst werde ich die letzte Schuld abrtagen können. Eine leichte .<)anbbeiucflung, als schöbe er das alles fort. „Sprich mir lieber von dir, Hanse. Wir sahen uns nicht seit damals---" „Was soll ich von mir erzählen? Ich bin eine alle, verständige Frau geworden, habe vier Kinder, drei Töchter und einen Jungen, einen richtigen kleinen Strold), habe einen Mann, der lehr gut mit mir ist, und das Leben verfließt in Schmalebeck in einem Gleichmaß, von dem man sich in Hamburg keinen Begriff machen kann. — So, da kommt mein Mann." Detlev Rottmann trat ein, und nur Hanse er- kannte in seinen Augen den scharfen Blick, mit dem er den Besucher gleich auf Herz und Nieren zu prüfen schien. Aber die Prüfung mußte wohl günstig ausfallen, die beiden Männer tarnen schnell in ein lebhaftes Gespräch, und sie begnügte sich mit stillem Zuhören. Eine Bahn sollte gebaut werden von Hamburg an der Küste hin, ein ganz neues Unternehmen. Schmalebeck sollte Knotenpunkt werden, und dann würde Leben in das Städtchen kommen, Verkehr. Vielleicht sogar Hamburger Sommergäste. Raben hatte als Syndikus der Gesellschaft die Ankäufe von Land zu erledigen, die mit großen Schwierigkeiten verbunden waren, weil das Landvolk dem Unternehmen sehr mißtrauisch gegenüberftanb. Gerade um Schmalebccks Umgebung ging cs, wo ein Marsdibauer am andern saß, und keiner von seinen Weiden auch nur einen Fuß Landes hergeben wollte. „Und durch die Luft können wir ja leider unsere Schienen nicht legen." „Wir werden Sie also längere Zeit hier haben. Da hoffe ich, Sie kamen heute nicht zum letztenmal", sagte Rottmann. „Viel los ist hier ja nicht in unserem Nest, aber was wir Ihnen bieten können-- Sie sollten draußen in Eichtal Besuch machen, da ist immer Verkehr." „Ich war dort. Es geht auch um einen Streifen Land in Herrn von Krogs Schafweiden. Man hat mich zu übermorgen gebeten, da fei großes Sommer- fest auf dem Gut." „Dann werden Sie also gleich alles kennen lernen, was es in Schmalebeck und Umgegend gibt. Und wenn Sie noch nicht zu den Alten zählen — also jedenfalls tun Sie das doch nicht, — so wird inan sie mit der gesamten Schmalebecker Jugend auf bekränzten Leiterwagen abholen. Hier auf dem Markt ist Abfahrt. Was Beine und Augen hat, ver- sammelt sich und sieht der Einschiffung zu. Es ist alles sehr vergnügt, sehr tanzfreudig, sehr hungrig. Man sagt, manche Schmalebecker fasten drei Tage, nm all die guten Dinge würdigen zu können, die in Eichtal auf den Tisch kommen. Na, Sie werden ja selber sehen." Er geleitete den Gast hinaus. Hanse stand noch nachdenklich im Wohnzimmer, als ihr Mann zurückkam. „So! — Das war er also! —" „Ja, das war er." Und ganz vor sich hinfinnend. „War ek das wirklich? — Hat er sich so verändert, oder sah ich ihn anders?" „Was ist dir denn fremd geworden an ihm?" „Ich weiß nicht. — Damals war er ein Brausekopf. Na ja, das gibt sich. In Hamburg schon ganz gewiß. Dies —" sie lachte, — „dies ist ein Ham- burger Herr, wie viele, aber mein alter Jugendkamerad, der ist es nicht." „Das ist gut so, Hanse." „Ist es? — Ich weiß nicht. — Wer wenn cs dir lieb ist, mein Alter, soll cs gut sein." v * Es war Samstag nachmittag. Fiete Eggers faß in der Rottmannschen Kinderstube und ließ das Kleeblatt die Schularbeiten zum Montag erledigen. Aenne und Brigitte, die in die Töchterschule von Madam Baumann gingen, hatten einen Aufsatz zu schreiben: „Meine Heimatstadt." Hans, der noch nicht in die Schule ging, lernte bei Fiete die Anfangsgründe des Lesens und Schreibens. Es war draußen glühend heiß. Die Sonne sengte, daß ihre Glut durch die Linden brach, und im ganzen Garten kein kühles Fleckchen zu finden war. Fiete rann der Schweiß über die Stirn. Aenne und Gitte rieben immer wieder die Finger mit den Taschentüchern, die längst wie Scheuerlappen aussahen, Hans schmierte auf seiner Tafel und murrte, wenn Fiete einen mühsamen Versuch machte, ihn zum Schreiben eines u zu veranlassen. „Aenne, lies mal vor, was du geschrieben hast." Aenne fing verdrossen an: „Meine Heimatstadt, schreibt man Stadt mit zwei t, Fiete?" „Gott bewahre, mit d und t." „Wenn das man wahr ist." „Was ich dir sage, das ist allemal wahr." „Och Gott, hab dich man nicht. So gräßlich weise bist du auch nicht." Sie fing wieder an: „Meine Heimatstadt heißt Schmalebeck. Schmalebeck ist ein Nest." „Ihr sollt doch schreiben: Ist eine kleine aber hübsche Stadt. Das hab ich euch doch dreimal gesagt." „Papa sagt, es ist ’n Nest. Der lebt hier nu all bald fünfzig Jahre." „Aber das schreibt man nicht im Aufsatz." „Ich schreib' es und Gitte auch," „Ja, ich auch." „Lies weiter. — Hans, was schreibst du da?" „Er schreibt gar nichts, er malt Schweinchen. Immer ein fideles und ein trauriges." „Du sollst doch keine Schweinchen malen." „Du malst auch immer. Du malst immer unsere Ilse." Fiete wurde puterrot. „Du dummer Junge!" „Gitte hat cs auch gesehen. Neulich hast du den Zettel verloren, wo sie auf ist. Aenne hat ihn." „Gib ihn sofort wieder her, Aenne." „Nee. — Wo du immer mit uns schimpfst!" ,Hch schimpf' auch nicht." „Doch," sagte Gitta, „du schimpfst immer mit uns. Und deine Mutter auch." Sie zog den Mund zusammen und kopierte Madam Eggers. „Oh, was seid ihr einmal für schlechte Kinder. Immer und immer ärgert ihr mein Fiete." Dem langen Jungen flogen die Nerven bis in die Fingerspitzen. Aber er zwang sich. Sie hatten einen Zettel mit Ilses Zeichnung, sie konnten ihn bei den Eltern verklatschen, sie konnten ihn unmöglich machen im Hause — — er schluckte und würgte und sagte mit erzwungener Sanftmut: „Lies weiter." „Schmalebeck liegt an der Schmale. Fiete, weißt du, warum die Schmale genannt wird?" „Das ist immer so gewesen, das braucht ihr nicht zu schreiben." „Ob du das aber weißt. Id) weiß es." „Weil sie man schmal ist", schrie Hans. „O du kannst aber gar kein Rätsel raten." „Wollt ihr nun gefälligst--" Nein, sie wollten gar nicht. „Fiete, was ist das: Es liegt was Rotes unterm Kirschbaum? Na, sag' es dych." „Görenkram." „Du weißt es nicht. Du weißt es nicht." „Also: Eine Kirsche. Und jetzt lieft du--" „Falsch, falsch, falsch! Ein roter Husar. — 216er nun liegt was Blaues unterm Pflaumenbaum. Was ist das?" Der verzweifelte Fiete stöhnte: „Ein blauer Husar". Gellendes Triumphgeschrei. „Wieder falsch. Eine Pflaume." "* — Die Tür ging auf. Doktor Rottmann sah in die Stube. Aenne und Gitte fuhren mit den Köpfen über die Bücher, Hans spuckte eilig in die Hand und wischte die ganze Schweineherde von der Schiefer- täfel. „Nennt ihr das Arbeiten?" fragte der Vater. Er hatte fein Autoritätsgesicht aufgesetzt, und nicht das leiseste Zwinkern in den Augenwinkeln deutete auf Versöhnlichkeit. Niemand antwortete. „Sag' mal, Fiete, warum sitzt du hier eigentlich? Wenn du die Bande nicht besser in Zucht halten kannst--" Fiete wand sich innerlich vor Angst. Wenn jetzt die Gören schwatzten--Wenn sie ihn jetzt Preisgaben, um sich selber zu retten — Er ahnte nicht, daß Hans längst in seiner Dummheit alles ausge« schwatzt hatte. „Komm doch mal zu m-r herauf, wenn sie fertig sind, hörst du?" (Fortsetzung folgt.) Lebende Karpfen Schleien Blaufelchen vom Bodenfee Rheinsaint Hechte Schollen und alle anderen Sorten Seefische treffen nächstenMitt« woch ein. Bestellungen werden sofort entgegen genommen. Hamburger Fischhandlung A. Kock Nachslar. Schulstraße 10. Televb. 1612. 7095c Prima liderfeltkäse 9 Pfd. ML 6.- franko Dampfkäfesabrik 457*A Rendsburg. 3000 Atteste bezeug., daß Hautjucken, Flechten. Pickel, Beinschäd., Krätze, Schuppen, läßt Schweiß, Haemorrholden. Ausschlag mit„Kril t z- urgan“ beseitigt werden können. 75-, 100- xl 150-Gr.- Pack. Mk. 1.50, 2.-. 3.—. Auch Versd. Drogerie Karn, 462D Schulstraße. Preiswerte Küchenwäsche Geschirrtücher Handtücher Tischwäsche Tischtücher mit Servietten Gedecke, Tischdecken C. RÖHR L Co. Bahnhofstraße 44 7090a sprechen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank aus. Gießen, September 1026. 05977 Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Karoline Rusag geb. Müller. Danksagung. Für die vielen Beweise innigster Anteilnahme bei dem Heimgange meines lieben Mannes, unseres unvergeßlichen Vaters Kräftiger Junge angekommen! Karl Schäfer und Frau Auguste geb. Laub Gießen (z. It. (Ed. Schwesternhaus), den 2. September 1926 7077V TT. IHohesEinkommen r bietet auch im Nebenberuf die Uebernahme 1 eines gesetzt, gesch. Unternehmens, welches t jährlich nachweisbar 5—15 000 Mk. und t mehr Reingewinn abmirft. Branchekennt- r ntsse nicht erforderlich. Nein Warenlager, r Streng reelle Sache ohne Risiko. Zur | Uebernahme erfordert. 300—1000 Mk. bar | je nach Größe des Bezirks. Nur schnell- t entschlossene einwandfreie Bewerber woll. sich melden bei Pani Vogelsang, Bonn a. Rh. 7097D Gießen, Wetzlar, Aachen, den 2. September 1926* Fritz Riekeberg Hans Groebler Elly Groebler. Margarete Groebler geb. Rohde Anneliese Riekeberg geb. Groebler Statt besonderer Mitteilung. Für die vielen Beweise der herzlichen Teilnahme bei dem Ableben unseres teuren Entschlafenen sprechen wir unseren tiefempfundenen Dank aus.