Nr. 178 Liftes Blatt 176. Jahrgang Montag, 2. August 1926 Erscheint täglich.außer Seimtags und Feiertag». Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl«. BUnatvBejugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichs Pfennig für Trägen lohn, auch bei Richter- Kheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Der« lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger riehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Umverfiläts-Vuch- und Steindruckerei k. Lange in Stehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schnlftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Plahvorschrist 20% mehr. Theftedakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wlh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriol; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den Anzeigenteil Hans Iüstel. sämtlich in Gießen. Poincares Sieg in der Kammer. Annahme der neuen Steuergefetze mit 304 gegen 177 Stimmen. r Paris, 31. 3ult (Wolff.) Die Kammer begann heute vormittag die Besprechung des Gesetzentwurfes der Regierung über die Finanzsanierung. Der Berichterstatter des Finanzausschusses Ehappedelaine, der der radikalen Linken angehört, lehnte namens des Ausschusses den kommunistischen Antrag ab, der somit nach ben Vorschriften des Dringlichkeilsverfahrens hinfällig ist. Chappedelaine begründete alsdann das Urteil, das der Ausschuh durch die Annahme des R eg ierungs enk.wurf es über diesen fällte. Cr forderte jedoch den Ministerpräsidenten auf, seine Zukunftspläne darzulegen, denn zahlreiche Abgeordnete seien ber Ansicht, dah der zur Beratung stehende Gesetzentwurf nicht aus- reiche, um die Finanzlage wiederhe^us^llen. 3m übrigen müsse die Regierung sofort Mahnahmen zur Bekämpfung der Spekulation treffen. Als Wortführer der Minderheit des Finanzausschusses erklärte Abgeordnete Au r i ol: Der Entwurf, den wir bekämpfen, bereitet nicht die Wäh- runKsstabilifierung vor, sondern schiebt sie im Gegenteil hinaus. Der Regierungsentwurf ist nichts anderes als eine Zusammenstellung der bekannten Steuerbelastungen, wie sie bereits von den früheren Finanzministern Doumer, Loucheur und Pöret vorgelegt waren und die von der Rechten der Kammer verworfen wurden. Wenn die Rechtsparteien bereit sind, sie jetzt anzunehmen, so tun' sie das nur deshalb, weil sie in der Regierung sitzen. Auriol wirft der Regierung vor, schwere steuerliche Belastungen vorzuschlagen, ohne einen Gesamtplan zu haben. Gr fragt die Regierung, was sie gegen das Steigen der Preise zu tun gedenke, ob sie etwa zu der Finanzkrise noch die Wirtschaftskrise treten lassen wolle. Er spricht die Befürchtung aus, dah dies die Arbeiterlreise bald zur Erhebung treiben, und dah die Regierung gezwungen sein werde, die Aufstände zu unterdrücken Der Entwurf sei die letzte Seite eines vollbeschriebenen Buches. Morgen werde man neue beginnen. Poincars wurde gleich bei den ersten Worten von anhaltenden heftigen Zurufen der Kommunisten unterbrochen. Er erklärte, auf die Zwischenrufe nicht eingehen zu Wolken, um die Debatte nicht noch weiter zu verlängern. Es handle sich darum, einer Lage ein Ende zu bereiten, an deren Verschärfung die Kommuntsten ein Interesse hätten. Cr hob hervor, dah seit einem Monat, seit der Fertigstellung des Sachverständigengutachtens, nichts zur Defferung der Lage des Schatzamtes getan werden konnte. Es sei jetzt keine Zeit für rückwärts schauende Betrachtungen. Man habe sich in einem Kabinett des Burgfriedens zusammengefunden, um keine Fehler mehr zu begehen. da man mitten in einer Krisis stehe. Um die Währungsstabilisierung zu errei^n, seien Hebergangsmaß nahmen erforderlich, einmal um das Budget auszugleichen und in zweiter Linie, um dem Schatzamt die notwendigen Erleichterungen zu verschaffen. Die Sachver- ständigen hätten erllärt, man müsse 21 ■> Milliarden verfügbar machen, um für 1926 das Budget auszugleichen. Gewiß sei ein Gesamtplan notwendig. Der jetzt vorliegende Gesetzentwurf leite ihn ein. Wenn aber die geforderten Steuern nicht bewilligt würden, werde der Staat täglich 16 Millionen verlieren. Poincare beschäftigt sich dann mit den bis zum 3. Dezember 1926 fälligen Gesamlverpflichtungen in Hohe von 2 6 Milliarden. Die Regierung sei entschlosien, das Privateigentum zu achten, aber das bedeute nicht, dah nicht jederSteuernnachs einer Fähigkeit werde zahlen müssen. Die Regierung werde der Kammer schon in dec nächsten Woche einen Gesetzentwurf über die A m o r t i - fationskass e, deren Autonomie durch weitgehendste Garantien geschützt werden solle, vorlegen Poincare besprach dann die Mahnahmen. um der Kapitalabwanderung der letzten Jahre abzuhelfen. Die übertriebene Entweriung der französischen Devise sei ein Ronsens. Es hatte gewisse Frankenbaissen gegeben, die zu erHären feien, aber in diesen Sagen sei der Uhr tritt ein Mini st errat unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik zusammen. Man glaubt, dah hierbei die Einberufung der Rationalversammlung (gemeinsame Tagung von Deputiertenkammer und Senat) nach Versailles für Ende nächster Woche beschlossen werden wird. Die Kammer trieb jedoch nach dem Zusammen- treten der Rationalversammlung in Versailles noch nicht in die Ferien gehen können. 3n den Kreisen des Senats hat die Absicht der Einberufung der Rationalversammlung nach Versailles nicht gerade Befriedigung ausgelöst. Es wird darauf hingewiesen, daß die Rationalversammlung in Versailles sehr weitgehende Machtvollkommenheiten besitzt und keiner weiteren Kontrolle unterliegt. Laut „Quotidien" soll Poincare durch die Unterredung mit den beiden belgischen Ministern Francqui und Dandervelde zu der Einsicht gekommen sein, dah die finanzielle Wiederaufrichtung Frankreichs nicht ohne die Hilfe des Auslandes durchgeführt werden könne. Er sei jetzt entschlossen, sich in England und Holland um die Erlangung von Krediten zu bemühen. Hm diese leichter zu erhalten, beabsichtige er, iwch vor den Parlsmentsferien die Ratisizierung des zwischen Caillaux und Churchill getroffenen Schuldenregelungsabkommen zu beantragen. Auch in diesem Falle werde er die Anwendung des Dringlichkeitsverfahrens fordern. Die Ausländer in Frankreich. Paris, 31. Juli. Trotz des Einschreitens der Behörden kommen immer noch Belästigungen von Ausländern in Paris vor. Gestern wurde ein Amerikaner, der in Gesellschaft von Landsleuten den Luxemburg-Garten besichtigte, von einem Franzosen wegen seines angeblich zu lauten Auftretens zur Rede gestellt. Es entspann sich zwischen beiden ein heftiger Wortwechsel, der sehr bald zu einer Schlägerei ausartete. Der Franzose wurde von dem Amerikaner niedergeboxt, woraus dessen Landsleute zu Hilfe kamen. Die Polizei griff ein und nahm die Beteiligten in Haft. — Der sozialrepublikanische Abgeordnete Falcoz hat einen Gesetzentwurf eingebracht, nach dem jeder Ausländer beim Betreten französischen Gebiets in der Währung seines Landes eine Steuer zu entrichten hat, welche bei einem Aufenthalt bis zu 48 Stunden 20 Franken, von einer Woche 100 Franken, einem Monat 200 Franken, drei Monaten 300 Franken, sechs Monaten 500 Franken und bei Ausenthalt von mehr als sechs Monaten 1000 Franken beträgt. Ausländische Arbeiter und Angehörige von Staaten mit entwerteter Währung sollen von der Steuer befreit sein. Die Lage in Syrien. Alexandrien, l.Aug. (Reuter.) Meldungen aus Quellen, die man als zuverlässig bezeichnen kann, deuten darauf hin, baß d i e Bewegung in Syrien sich weiter a u s d e h n t und daß die Organisation der Zusammenarbeit zwischen den Führern in den von der Bewegung ergriffenen fünf Bezirken sich verbessert. Der Sultan A11 r a s ch verharrt in seiner vorsichtigen Haltung und geht mit seinen Kräften sehr haushälterisch um. Er wartet immer die Gelegenheit ab, um die französischen Stellungen zu umzingeln und den Franzosen Heber- raschungsangriffe zu liefern. Er hat die größte Beweglichkeit erreicht dadurch, daß er die Frauen und Kinder aus dem Bereich der Franzosen brachte. Der Distrikt um Damaskus und Ghata ist bebautes Gebiet, das die Aufständischen in einen ausgezeichneten Verteidigungszustand verseht haben. Es soll sich hier eine vollkommene Telephon- u. Telegraphenanlage befinden. Es wird noch weiter gemeldet, daß die Aufständischen ihre militärische Organisation verbessert haben und daß ihre allgemeine Politik dahin geht, alle Handlungen, die ihre Kräfte schwächen könnten, zu vermeiden und die Feindseligkeiten in die Länge zu ziehen, um das Land von dem französischen Mandat zugunsten eines britischen Mandats zu befreien. Das Blatt „Efpoir' veröffentlicht eine Meldung aus Beirut vom 28. 3uli, nach der 18 000 französische Truppen seit dem 18. 3uli in einer zehntägigen Schlacht in den Damaskus umgebenden Plätzen stehen sollen. Die Franzosen sollen verschiedene Dörfer, die den Aufständischen Hnterkunft gewährten, vollkommen zerstört, jedoch noch keinen entscheidenden Erfolg davongetragen haben. Das Kurdenviertel und ein anderer Teil der Stadt, wo sich Bei dem sogenannten Kulturkampf in Mexiko handelt es sich um einen politischen Kampf zwischen Staat und Kirche, der schon bald nach der Befreiung von der spanischen Herrschaft im 3afjrc 1821 einsetzte und bis heute eigentlich nie zur Ruhe gekommen ist, wenn auch in manchen Zeiten, wie unter der langen Herrschaft des 1911 gestürzten Porsirio Siax, das Verhältnis zwischen Staat und Kirche durchaus erträglich war. Bereits um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden die riesigen Kirchengüter in Mexiko fä- kulari fiert. „Religiöse Gemeinden oder Kirchen, welchem Glauben sie auch immer angehören mögen,“ heißt es in der Verfassung, „dürfen unter keinen Hrnständen Grundbesitz ober Eigentum ober ein Pfandrecht darauf erwerben, besitzen oder verwalten." Seit 50 Jahren gibt es in Mexiko eine Trennung von Kirche und Staat. 3n den Schulen des Bundesstaates, der Einzelstaaten und Gemeinden darf feit dieser Zeit kein Religionsunterricht mehr erteilt werden, und religiöse Betätigung sowie Anlegen einer besonderen Tracht oder von Abzeichen außerhalb der Kultstätten ist nicht gestattet. Auch kann ein Geistlicher nicht Präsident, Senator oder Abgeordneter werden. Mexiko hat also schon Jahrzehnte lang eine Reihe von Gesehen, die die Macht der katholischen Kirche zu beschneiden versuchen. Denn gerade darum ging es den Hrhebern der Gesetze. Hm die Bedeutung dieses politischen und nicht religiösen Kampfes zu erkennen, muh man einen Blick auf die Geschichte Mexikos und feine Bevölkerung Wersen. Das mexikanische Volk seht sich rafsenmähig aus drei Schichten zusammen: den Angehörigen der weißen Rasfe und deren Nachkommen, den sogenannten Kreolen (20 v. H. der Bevölkerung), den Indios, wie die Indianer in Mexiko heißen (35 v. H.), und den Mestizen, den Mischlingen der beiden andern Rassen (45 v. H.). Jede der politischen Gewalten hat sich auf die eine oder andre dieser Devölterungsteile gestützt und sich dadurch die andern mehr oder weniger zu Gegnern gemacht. Darin liegen die politischen Unruhen des Landes und der ständige Wechsel der Regierungen begründet. Alle Versuche, diese drei Devökerungs- teile wenigstens politisch durch die Idee des gemeinsamen Staatsgedankens zusammenzubringen, sind bisher gescheitert. Daran ist neben den großen kulturell-zivilisatorischen Unterschieden der Bewohner Mexikos vor allem die uneuropäische Denkweise der etwa 6 Millionen Indios schuld, die heute noch vielfach in der Dorstellungswelt ihrer Vorfahren zur Zeit der spanischen Eroberung leben und die das stärkste Hemmnis auf dem Weg zur „Gemeinsamkeit der Interessen, Empfindungen und Wünsche", dem vergeblich angestrebten Ziel der Politik des Porfirio Diaz, darstellen. Rach dem Sturz dieses Präsidenten, der ein Mestize war und dessen Regierung sich ganz auf die Mestizen stützte, kam eine neue Unruhe in die Massen der Indios, die unter Anführung des von ihnen vergötterten Francisco Villa die Lösung der Landfrage, der schwersten und wichtigsten aller politisch-wirtschaftlichen Fragen in Mexiko, verlangten und mit der gewaltsamen Austeilung der großen Güter begannen. Diese Agrarrevolution ist noch nicht zu Ende. Sie ist zwar im großen und ganzen aus den Spuren der Gesetzlosigkeit in die Dahn der staatlichen Reglung gedrängt. Aber so viel auch, zumal durch Einflüsse, die von außerhalb des Landes kommen, gebremst werden mag, die grundsätzliche Auseinandersetzung läßt sich nur hinausschieben, aber nicht vermeiden. Die heutige mexikanische Regierung mit dem klugen, energischen und zielbewußten Präsidenten E a l l e s an der Spitze sucht die Lösung der Landsrage in der Lösung des Indioproblems. Mit der Aufteilung des Landes allein ist, wie sie im Gegensatz zu manchen vorhergehenden Regierungen richtig erkannt hat, wenig gewonnen. Der Indio ist anspruchslos, ohne besonderen Drang zum Erwerb, ohne ausgeprägten Sinn für Eigentum und die damit verbundene Macht. Er denkt, ein Ueberbleibsel aus der aztekischen Zeit, kollekttv-kommunistisch so wie unsre Vorfahren die Aufständischen verschanzt hätten, feien beschossen und eingeäschert worden. Die Aufständischen hatten einen Zug, der von Beirut nach Damaskus fuhr, angegriffen, ihn geplündert und einen französischen Offizier, zwei Soldaten und drei Armenier getötet. Die übrigen Personen im Zuge seien jedoch nicht behelligt worden. Ein Ausnahmegesetz für Ersatz-Lothringen. Paris, 31. Juli. (WTB.) Ein vom Iustiz- minister Darthou in der Kammer eingebrachter Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Angriffe auf die nationale Einheit, der in Wirklichkeit ein Ausnahmegesetz für Elsaß- Lothringen darstellt, sieht vor, dah jede Propagandahandlung, die darauf ausgeht, einen Teil des französischen Staatsgebiets der Autorität der Regierung zu entziehen, mit Gefängnis von einem Jahr bis zu fünf Jahren und mit Geldstrafen von 100 bis 5000 Franken belegt wird. Außerdem kann auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte und auf Aufenthaltsverbot erkannt werden. Die Regierung will die Verabschiedung dieses Gesetzes vor dem Auseinandergehen | des Parlaments herbeiführen. auch. Ihre Bildungsstufe ist im allgemeinen niedrig. 78 v. H. der Mexikaner können nach der Volkszählung vom Jahre 1910 weder lesen noch schreiben. Dazu gehören fast alle Indios. Hier will die jetzige Regierung den Hebel ansehen. Sie will versuchen, die Indios ganz modern zu erziehen, um so aus ihnen tätige Staatsbürger zu machen. Der Indio soll dem Anschauungsgeist, in dem er noch heute lebt und der dem aus der Franzöfischen Revolution stammenden mexikanischen Staatsgedanken völlig fern steht, entrissen werden. Man muß den Erfolg dieses Experiments abwarten. Die koloniale Oligarchie, das sind vor allem die Großgrundbesitzer, steht den Bemühungen, die Indios wirtschaftlich und kulturell zu heben, mit wenig freundlichen Gefühlen gegenüber. Eine Stühe sucht und findet sie dabei von jeher in einem Teil der Geistlichkeit. Auch hier waß man rafsenmähig unterscheiden. Die jehige Bewegung nahm bezeichnenderweise ihren Anfang mit der Ausweisung von Priestern fremder Rationalität durch die mexikanische Regierung, wozu sie an sich berechtigt ist, da nach der Verfassung die Priester ausschließlich mexikanischer Abstammung sein müssen. Mexiko hat, ebenso wie eine Reihe andrer mittel- und südamerikanischer Staaten, immer einen starken Zustrom landfremder Priester gehabt. Spanier und Italiener stellten dabei den bei weitem größten Hundertsah. Ob diese ausländischen Priester besondere Helfer der „Reaktionäre" sind, wie die mexikanische Regierung behauptet, läßt sich schwer beurteilen. Die Koloniakgeschichte Mexikos enthält manches Ruhmesblatt der katholischen Kirche. Gerade ihre Missionare und Priester haben sehr viel für den Schuh und die Hebung der Indios getan, und zwar häufig in ausgesprochenem Gegensatz zu den Regierenden, die den Indio meist niederzuhalten suchten. Die Bemühungen dieser Priester seht heute der Indio- k l e r u s fort, der dem Vorstellungskreis der indianischen Gläubigen nahesteht und deren Sorgen und Freuden genau kennt. Damit gewinnt er gleichzeitig natürlich eine starke geistige Gewalt über sie. Die hohe Geistlichkeit dagegen, die nicht nur mehr oder weniger international denkt, sondern vor allem auch politische Gegnerin der sozialistisch gefärbten Regierung Calles ist, steht der besitzenden Schicht näher, den Europäern und Kreolen, auf deren materielle Hnterstühung sie angewiesen ist, und bei deren politischer Herrschaft sie am freiesten sein würde. Hnd gerade zu dieser Oberschicht, dem weißen spanischen Element, stehen von jeder Mestizen und Indios in ausgesprochener Gegnerschaft. Zur Zeit haben sich die Dinge sehr zugespiht, die Macht der katholischen Kirche ist nach dem Kriege wieder sehr erstarkt, und der Eucharistische Kongreß in Chicago, der zu einer gewaltigen, bisher noch nicht dagewesenen Kundgebung des Katholizismus wurde, hat auch der Geistlichkeit im Rachbarland Mexiko den Rücken gestärkt im Kampf gegen die Regierung. Die Liga zur Verteidigung des katholischen Glaubens in Mexiko hat zum wirtschaftlichen Boykott der Feinde der Kirche aufgefordert. Der Erzbischof von Mexiko- Stadt sowie mehrere Bischöfe und andre hohe Geistliche sollen diesen Aufruf befürwortet haben und sind dafür von der Regierung unter Anklage gestellt worden. Am 1. August treten nun im ganzen Lande die neuerlassenen Kirchengesetze in Kraft, die eine Schließung der Kirchen anordnen. Wie dieser, nun auf die Spitze getriebene Kampf auslaufen wird, ist schwer zu sagen. Die geistige Macht der katholischen Kirche in Mexiko, das nicht weniger als acht Erzbischöfe, 24 Bischöfe, einen Apostolischen Legaten und einen Apostolischen Vikar besitzt, wird keine mexikanische Regierung brechen können. Andererseits wird es aber auch der katholischen Kirche kaum gelingen, der jetzigen Regierung, die sich neben den geschlossen zu ihr haltenden Gewerkschaften und 2ant>arbeitern_auf ein im allgemeinen treu zu ihr haltendes Heer stützen kann, ernstliche politische Schw-erigkeiten zu machen, wenn sie nicht etwa Hilfe außerhalb Der Kulturkampf in Mexiko. der grünweihrvten Grenzpfähle sucht und findet. Es ist aber ganz unwahrscheinlich, daß sich etwa Nordamerika, das an einer neuen Revolution in Mexiko zur Zeit fein Interesse hat, einmischen würde. So wird also der heutige Kampf zwischen Staat und Kirche in Mexiko innerpolitisch ausgetragen werden, wobei es zum Schluß doch wieder bei der Scheidung bleiben wird zwischen der unerschütterten geistigen Macht der Kirche und der politischen der Regierung, deren Richl- linien auch bei wechselnden Persönlichkeiten für die nächsten Jahre durch die in den Revolutionen nach dem Sturz von Diaz entstandene politische, wirtschaftliche und soziale Struktur des Landes zwangsläufig sind. Rach den letzten Meldungen aus Mexiko sind durch die am 1. August in Kraft tretenden neuen Kirchengesehe Gärungen hervorgerufen, die täglich zunehmen. Angesichts der angekündig- len Schließung der Kirchen sind diese von Gläubigen überfüllt. Die Zahl der seit dem I.Iuli in der Kathedrale vorgenommenen Firmungen wird auf mehr als 90 000 geschäht. Man nimmt an, daß sie Ende der Woche 100 000 überschreiten werden. Als der Erzbischof von Mexiko am letzten Dienstag die Firmung von 5000 Kindern vornahm, brach er vor Schwäche zusammen. Die Gläubigen werden ermahnt, die Kirchen zu unterstützen. Die Regierung hat den Priestern untersagt, Kirchen, die für die Zeit vom 1. August ab während der Gottesdienste eingestellt werden, katholischen Laien anzuvertrauen und hat angeordnet, daß die Kirchen Personen in Obhut gegeben werden, die von den Bürgermeistern ernannt werden sollen. Blutige gusammenstötze vor den Kirchen. London, 1. Aug. (WTB.) Nach Blättermel- dungcn aus der Stadt Mexiko kam es aus Anlaß des Inkrafttretens der neuen Gesetze zu ernsten Zusammenstößen. An fünf Plätzen ereigneten sich Ausschreitungen. Die Zahl der Toten wird auf sechs, die der Schwerverletzten auf 38 geschätzt. Hunderte von Verhaftungen wurden vorgenommen. Unter den Festgenommenen befinden sich auch viele Frauen. In der Raffaelkirche, wo sich die Gemeinde in ihrem religiösen Eifer weigerte, auseinanderzugehen, wurden durch das Feuer der herbeigerufenen Truppen zehn Personen verwundet. Die meisten der Opfer sind Frauen. Auch bei der Kirche Santa Katharina forderte das Feuer der Truppen Opfer. Die Frauen nehmen überall hervorragenden Anteil an dem Kampf. 40 junge Frauen aus wohlhabenden Familien wurden unter der Beschuldigung, Propaganda gegen die Politik der Negierung getrieben zu haben, verhaftet. Vor der Kathedrale stehen militärische Posten. Die Kirchen werden weiter stark besucht. Die Polizei und Feuerwehr mußten eingesetzt werden, als die mit der Uebernahmc des Kircheneigentums beschäftig- len Beamten mit Steinen beworfen wurden. Die Arbeiterverbände kündigten an, daß 500 000 Personen am Sonntag an den Kundgebungen zugunsten der von Der Regierung befolgten Politik teilnehmen werden. Ein Flugblatt droht allen, die an diesen Kundgebungen teilnehmen, mit der Exkommunikation. Der Platz vor der Kathedrale wurde durch das Militär geräumt, nachdem die dort angesammelte Volksmenge der Aufforderung zum Auseinandergehen nicht nachgekommen war. Dabei wurden 20 Personen verwundet. Eine offizielle Erklärung. Washington, 1. Aug. (WTB.) Der rnexr- kanische Geschäftsträger Leal gab eine offizielle .Erklärung zum Kirchenkonflikt in Mexiko ab, in der es heißt: Die Kirche hat sich in den Zeiten i voller politischer Macht in Mexiko nicht als konstruktiver Faktor für das Volk ? erwiesen. Sie darf nicht nach den Kirchen in den Bereinigten Staaten beurteilt werden, da die Berhältnisse beider Länder von Grund auf verschieden sind. Rur wer die Geschichte Mexi- iüiä genau kennt, kann den Konflikt verstehen. Die Kirche hat in Mexiko 300 Jahre geherrscht, ohne das Land auf die Kulturhöhe anderer Staaten zu bringen. Durch die Trennung von Staat und Kirche soll die letztere veranlaßt werden, sich ausschließlich auf ihre geistliche Tätigkeit zu beschränken. Die Politik des Präsidenten Talles stellt lediglich eine Fortentwicklung der Ideen der Verfassung von 1857, der Reformgesetze von 1859 und der Verfassung von 1917 dar. Der Konflikt im englischen Bergbau. London, l.Aug. (TU.) 3n verschiedenen Kundgebungen wird noch ein letzter Versuch gemacht, im Kohlenkonflikt vor den Parlamentsferien Mitte dieser Woche eine aussichtsreiche Basis zu finden. Der Erste Lord der Admiralität, Bridgeman, verteidigt« in einer Rede die Haltung Baldwins und gab in allerdings zurückhaltender Form der Hoffnung Ausdruck, daß auf schiedsgerichtlichem Wege eine Einigung gefunden werden könnte. Wacoonald betonte in einer Rede auf einem Gartenfest, baß es sich in dem Konflikt hauptsächlich um die Frage der nationalen Produktion drehe und Cook versicherte noch einmal, daß es den Arbeitern nur auf die Berteidigung ihrer schwer errungenen Rechte ankomme. In Leicestershire haben die Grubenbesitzer einen Zuschlag von 2 bis 5 Prozent zu den Aprillöhnen bis zum 30. Juni 1927 an- gc o:en, wenn die Bergarbeiter den Achtstundentag annehmen. Man befürchtet allerdings, daß dieser Borschlag nicht die beabsichtigte Wirkung haben wird und im Gegenteil den Widerstand gegen eine Lohnreduzierung in anderen Bezirken noch vermehren könnte. Die maßgebenden Instanzen der Arbeiter haben einstweilen keine neuen Zusammenkünfte festgesetzt, sondern wollen erst die Entwicklung der letzten Tage abwarten. In politischen Kreisen hat man wenig Hoffnung, daß die Dinge vor den Parla- mentssorien einen entscheidenden Anstoß erhalten könnten, da die Spannung zwischen den Gewerkschaften und der Labourparty auf jede positive Atü ität lähmend toirft. Im übrigen ist man überzeugt, daß auch ein vorläufiger Arbeitsfriede und eine weitere Fusionierung in einzelnen Gru- benbezirken die Kohlenkrife nicht lösen vermag, sondern daß eine wirtlich rationelle Reu- ordnung der Dinge verbunden mit einer A b - Wanderung bedeutender Arbeitskräfte nach anderen Industrien notwendig sei. Auf Brran- lafsung des Arbeitsministers Sir Arthur Steel Maitland entsendet die englische Regierung eine Delegation von Arbeitern, Angestellten uno Regierungssachverständigen nach den Bereinigten Staaten zum Studium der dortigen industriellen Verhältnisse. Die Delegation, deren Zusammensetzung im Augenblick noch nicht feststeht, wird England im September verlassen. Englische Massen für die Türkei. London, 2. Aug. (WTB. Funkspruch.) „Daily Chronicle" bringt unter der Überschrift „Geheime Verhandlungen mit der Türkei" eine Meldung, die das Blatt „einen schwerwiegenden Bruch mit den politischen Traditionel« Großbritanniens in der bisherigen Taktik in internationalen Angelegenheiten" nennt. Mit Billigung des Ministers des Auswärtigen Chamberlain und unter Billigung des Kriegsministeriums habe die britische Regierung durch Vermittlung einer Birminghamer Rüstungsfirma geheime Verhandlungen mit der Türkei geführt, die den Verkauf von 100 000 britischen Gewehren Modell 1914 mit Bajonetten und umfangreichen Vorräten entsprechender Patronen zum Gegenstand gehabt hätten. Es existiere ein Schreiben von Ende Mürz d. I., in dem die Firma in Birmingham ihre Befriedigung darüber ausdrückt, daß vom Auswärtigen Amt und vom Kriegsministerium die nötige Ermächtigung erteilt worden sei. Das Schreiben erwähnt, daß das Angebot nicht früher gemacht werden konnte, da Chamberlain, dessen Zustimmung notwendig gewesen sei, wegen der Märztagung des Völkerbundes nicht in London war. „Daily Chronicle" erklärt, es sei damit bewiesen, daß die britische Regierung den Verkauf von britischen Regierungswaffen an die Türkei billige, während die Türkei völlige Freiheit darin habe, gegen welche etwaige Feinde sie diese Waffen gebrauchen wolle. Ein solcher Verkauf würde dem Geist der Völkerbundsfahullg zuwider- laufen. In einem Leitartikel schreibt das Blatt, die Angelegenheit müsse neue Beunruhigung im nahen Osten schaffen. Freigabe beschlagnahmlenEigen- tums für Südwestafrikaner. London, 31. Juli. (Reuter.) Während feitler offiziellen Reise durch Südwestafrika hat Präsident Herzog zugesagt in der Angelegenheit des ehemals feindlichen Eigentums, das Einwohner von Südwestasrika gehört, und innerhalb des Königsreiches Großbritannien beschlagnahmt worden ist, bei der englischen Regierung Vorstellungen zu erhoben. Die britische Regierring hat nunmehr für zulässig erklärt, daß derartiges Eigentum freigegeben wird, bzw. daß in Fällen, wo derartiges Eigentum bereits liquidiert worden ist, daß Ötfr Erlös freigegeben wird. Attentat auf prima de Rivera. Der Diktator unverletzt. Barcelona, 1. Aug. (havas.) Als sich General Primo de Rivera gestern abend in geschlossenem Auto auf dem Wege zum Bahnhof befand, um nach Madrid zu fahren, schleuderte ein in der Rahe stehender Mann einen Dolch gegen den Wagen des Ministerpräsidenten, ohne ihn jedoch zu treffen. Der Angreifer, der von dem hinter dem Magen des Ministerpräsidenten fahrenden Polizeiauto überfahren worden war und dabei einen Beinbruch erlitten hatte, wurde sofort verhaftet. Es handelt sich um den 34 Jahre alten und in der Rahe von Barcelona beheimateten Tagelöhner Domingo Ma- sacho lorrent, der wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt vorbestraft ist. Aus dem verhör scheint hervorzugehen, daß der Attentäter Anarchist ist. Primo de Rivera begab sich sofort zum Bahnhof, wo ihm vom Publikum ein begeisterter Empfang bereitet wurde. Der Deutsche Studententag in Bonn. Bonn, 31. Juli. (TU.) Der Begrüßungsabend am Freitag, der infolge des Niederholens der schwarz-rot-goldenen und schwarz-weiß-roten Fahnen durch den Vorsitzenden der Studentenschaft der Universität Bonn, Mager, abgebrochen wurde, fand seine Fortsetzung durch die Mehrzahl der Tagungsteilnehmer in einem anderen Saat. Der Rektor der Universität Bonn, Geheimrat D y r o f f, der ebenfalls dorthin gekommen war, führte in einer Ansprache aus, daß er es für feine Pflicht gehalten habe, die Teilnehmer des Studententages zu begrüßen, und er freue sich, daß sie gerade Bonn zu dem Sitz der diesjährigen Tagung auserwählt hätten. Am Samstagvormittag fand in der Beethoven-Halle die erste Vollsitzung des Studententages statt. Der Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft, cand. jur. Bauer, begrüßte die Versammlung und die zahlreichen Eyrengäste. Nach einer Reihe von weiteren Begrüßungsansprachen ergriff der Netteste der Deutschen Studentenschaft, cand. rer. pol. Frank, das Wort und trug einen A n - trag des Hauptausfchusfes an den Stu- bententag vor, der folgenden Wortlaut hat: „Der Studententag wolle beschließen: Der deutsche ^tubententag mißbilligt aufs schärfste bas Vorgehen des Vorsitzenben ber Studentenschaft ber Universität Bonn, Mager, wenn er gestern bei bem Bearüßungsabenb bie schwarz-weiß-rote unb die schwarz-rot-goldene Flagge niederholen ließ, weil er dadurch das Andenken der Gefallenen entehrt und bie Reichsflaggen in ben Staub zog. Der Studententag wolle beschließen: Der deutsche Studententag sieht sid) nicht In ber Lage, sich als Gast ber Stuben- tenschaft Bonn zu fühlen, solange Herr Mager ben Vorsitz ber Studentenschaft Bonn inne hat." Zur Erläuterung dieses Antrages führte Herr Frank aus, daß für bie Studentenschaft beide Flaggen Symbole seien, bie schwarz-weiß-rote als das Zeichen, unter dem unsere Brüder im Weltkrieg gefallen seien, unb bie schwarz-rot-golbene als altes Zeichen ber Sehnsucht nach einem einigen deutschen Neich. Nach kurzer Aussprache wurden beide Anträge von der Versammlung angenommen, worauf die Vertreter der Studentenschaft Bonn die Versammlung verließen. Danach trat der Studententag in die Besprechung der Hochschulprobleme ein, die mit einem Reform von Professor Dr. Scheel (Kiel) eröffnet wurde. Wie die Telunion erfährt, ist der Konflikt aus dem Bonner Studententag b e i g c l c g t worden. Der Vorsitzende der Studentenschaft der Universität Bonn. Mager, der durch fein Verhaften auf dem Begrüßung5abend den Konflikt verursacht hatte, hat sein Amt nieder gelegt und damit die Möglichkeit einer ruhigen Fortführung des Studententages geschaffen. Kunst und Wissenschaft- Jubiläum der ersten Darmstädter Künstlerkolonie. In diesem Jahre sind es bekanntlich 25 Jahre her, daß mit der Eröffnung der bedeutsamen Ausstellung „Ein Dokument deutscher Kunst" der Grundstein zu Darmstadts künstlerischer und kunstgewerblicher Größe gelegt wurde. Alrit diesem Jubiläum ein bescheidenes Denkmal zu setzen, haben sich hiesige und auswärtige Freunde des Gründers der Künstlerkolonie zusammengeschlossen und die Mittel bereit gestellt, um am Eingänge der Rosenhöhe, angesichts der vor 25 Jahren geschaffenen Bauten der Mathilden- höhe, das zur Zeit abgerissene Löwentor auf» zustellen. Professor Albin Müller, der Schöpfer des Löwentores, hat seinen ursprünglichen Entwurf einer reizvollen Bearbeitung unterzogen und ihn in höchst dankenswerter Weise zur freien Verfügung gestellt. Der neue Entwurf sieht für die Hoetgerschen Löwen Postamente aus glasierten, farbigen Backsteinen vor und vereinigt Monumentalität mit größter Schlichtheit. 3m Gesamtcharakter wird sich das Werk in würdiger Weise der Bautradition der Künstlerkolonie anschließen. Das hoffnungsreiche Gebiet unseres schönen Stadkostens erhält mit dem neuerstande- nen Löwentor sicherlich ein beachtliches Schmuckstück. Die Aufstellungsarbeiten dürften bis zum Herbst vollendet sein. Ein Berliner Bachfest. Das 14. Deutsche Bachfest der Reuen Bachgesellschaft wird zur Erinnerung an das vor 25 Jahren in Berlin veranstaltete erste Deutsche Bachsest in der Zeit vom 30. September bis 3. Oktober in Berlin stattfinden. Die künstlerische Leitung des Festes liegt in den Händen der Herren Professor Dr. Georg Schumann, Professor Siegfried Ochs und Professor Karl Thiel. Die Chöre werden die Berliner Singakademie, der Chor der Hochschule für Musik und der Madrigalchor des Staatlich-Akademischen Instituts für Kirchenmusik in Berlin stellen, den Orchesterteil führt das Philharmonische Orchester Berlin aus. Die Veranstaltung wird sich auf fünf Chorkonzerte, zwei Kammermusikveranstaltungen und ein Orchesterkonzert erstrecken. Festgottesdienst und Bach-Vesper sowie gesellschaftliche Veranstaltungen werden das Ganze umrahmen. Auskünfte erteilt die Geschäftsstelle der Reuen Bachgesellschaft (Leipzig. Rürnberger Straße 36). Deutsche Forschungen auf Island. Zur Zeit befinden sich zwei deutsche Gelehrte auf Island, wo sie sich mit wissenschaftlichen Forschungen beschäftigen. In Erkenntnis der großen Bedeutung, die der strahlungsbiologischen Forschung für die Klimatologie und Therapie in der modernen Medizin zukommen, haben das Physikalische Universitätsinstitut in Hamburg und das Lichtforschungsinstitut am Eppendorfer Krankenhause, sowie die deutsche Seewarte sich veranlaßt gesehen, Dr. Dann m eher und Dr. Georgi mit diesbezüglichen wissenschaftlichen Untersuchungen auf Island zu betrauen. Dank der Unterstützung, die dieser Expedition gewährt wurde, konnten die beiden Gelehrten kürzlich ihre Arbeit beginnen. Rctturforscherlagung in Düsseldorf. Die diesjährige (89.) Versammlung der Gesellschaft Deutscher Raturforscher und Aerzte findet in der dritten Sernptember- woche in Düsseldorf statt. Um einem größeren Kreise der Bevölkerung Gelegenheit zu geben, einige der berühmtesten Vertreter deutscher Wissenschaft über Tagesfragen sprechen zu hören, werden sechs öffentliche Abendvorträge veranstaltet. Es werden sprechen am 17. September Geheimrat Dr. von Dyck, München, über „Die Umgestaltung des Weltbildes um die Wende des 16. Iahrunderts", am 20. September Professor Dr. Bumke, München, über „Kultur und Entartung", am 21. September 'Professor Dr. Fitting, Bonn, über „Das Pflanzenleben der tropischen Urwälder", am 22. September Geheimrat Dr. Aschoff, Freiburg, über „Religion und Raturwissenschaft", am 23. September Professor Dr. Biedl, Prag, über „Jung sein und alt werden", am 24. September Professor Dr. Fischer, Freiburg, über „Vererbung und Rasse unseres Volkes". Aus aller Welt. Deutsche Großflugzeuge am Baikal-See Am 29. Juli, 4,30 Uhr nachmittags landeten, wie schon kurz gemeldet, zwei Großverkehrsflugzeuge der Deutschen Lufthansa A. G., von Berlin kommend, über Königsberg—Moskau, den Ural überquerend, in Irkutsk am Baikal-See, nach fünfeinhalbtägiger Gesamtreisezahl trotz eines eintägigen Aufenthaltes am Ural zu Studienzwecken. Die Eisenbahnfahrt Berlin- Irkutsk dauert dagegen in ununterbrochenemTag- und Rachtverkehr acht Tage. Die Großflugzeuge (Typ Junkers G. 23) sind die gleichen, bie bereits auf den mitteleuropäischen Der- kehrsstrecken manchen Fluggast befördert haben. Zur Besatzung jedes Flugzeuges gehören insgesamt fünf Mann. Das Tragvermögen der Maschinen ist nicht ausschließlich durch große Detriebsstioff-Tanks ausgenutzt, sondern außer fünf Personen ist eine besonders reichhaltige Ausrüstung mit Reserveteilen, Werkzeugen und Material aller Art an Bord. Besonders Ravigationsgeräte, Signalmittel, Kino- und photographische Apparate, Kochgerätschaften, Apotheke, Hängematten, Schlassäcke, Schreibmaschine usw. vervollständigen die Ausrüstung. Der Flug führte über Königsberg—Smolensi—Moskau- Kasan — Krasno - Ufinmsk — Kainsrk—Barabinsk —Kurgan—Omsk — Rowo-Sjbirsk — Krasnojarsk Rischne-Udinsk nach Irkutsk. Bei der hohen Betriebssicherheit der Großflugzeuge, die den ganzen 6700 Kilometer langen Weg von Berun bis Irkutsk ohne Defekt planmäßig zurücklegten, verlief auch dieser Flug ohne Zwischenfall. Mit dem Eintreffen am Baikal-See ist das vorläufige Ziel erreicht. Die Zurücklegung der gewaltigen Strecken in fünfeinhalb Flugtagen mit zahlreichen Landungen und mehr oder weniger lange dauerndem Aufenthalt muß in Anbetracht der Tatsache, daß normale Verkehr smaschi- uen verwendet wurden, als vielversprechende Leistung gewertet werden. In Irkutsk far.n zunächst eine Auswertung des bisherigen Eindrücke und Erfahrungen erfolgen. Die Weiterführung des Fluges nach dem Osten — sei daS nächste Ziel die chinesische Hauptstadt Peking oder sei es eine Hafenstadt am Pacific — wird in beiden Fällen entscheidend durch die Gestaltung der politischen Lage in China beeinflußt. Rach den bisher vorliegenden Rachrichten find die Verhältnisse dort noch so ungeklärt, daß die chinesische Regierung zögert, den deutschen Flugzeugen die Zusicherung für ungehinderten Durchflug durch die Mongolei bzw. Mandschurei oder für den Einflug zwecks Abstattung eines Besuches in Peking zu geben. Doch darf damit gerechnet werden, daß auch diese Frage schon in den nächsten Tapen durch die freundschaftlichen Bemühungen der chinefi- schen Regierung geklärt wird. Weltkonsettnz der chrisilichen Iungmcinnervereine. In Helsingfors fand in der Iohanniskirche der Eröffnungs^gottesdienst derWeltkonferenz derchrist- lichen Iungmännervereine statt, bei der Bischof Gummerus in deutscher Sprache predigte. Zur Konferenz sind 1500 Abgeordnete aus allen Teilen Iber Welt eingetroffen. Die Beteiligung der Reger und der Vertreter aus dem fernen Osten ist viel stärker als bei der Konferenz in Stockholm. Rachmittags fand eine Begrüßung durch die städttschen Behörden statt. Die Eröffnungsrede von John Mott, dem Leiter der Konferenz, stand unter dem Leitwort „Offene Türen für die christlichen Iungmännervereine". Die deutsche Abordnung, die Samstag einen Ausflug nach den Finnischen Seen unternommen hatte, legte Sonntag in einer ergreifenden Feierstunde Lorbeerkrän^ an den Gedenksteinen der im Befreiungskriege^efallenen deutschen und finnischen Soldaten nieder. Tagung des Deutschen Sonderausschusses für Tabakbau. Dieser Tage hielt in Speyer der Sonderausschuß für Tabakbau ber Deutschen Landwirt- schaftsgesellschaft seine orbentliche Tagung ab. Der seitherige Vorstanb würbe wiebergewählt. Hierauf erstattete Oekonomierat Hoffmann- Speyer über bie Einrichtung unb Arbeitsweise ber bayrischen Tabakbauoxganifation unb R. Wolke- Berlin über bie Zusammenhänge zwischen ber Glimmfähigkeit ber Tabakblätter unb ihrem Gehalt an Kali unb Chlor Bericht. Weiterhin würben oer- schiebene Versuchsberichte erstattet. Zum Ort der nächsten Sitzung wurde Heilbronn bestimmt. Schweres Flugzeugunglück. In Heidenheim a. d. Brenz endete die Flugveranstaltung des Landesverbandes von Württemberg nach kurzem Flugvorführungen mit einem furchtbaren .Unglück. Heinkel D 720 mit bem Iungflieger Drechsler flog beim Landen zu kurz in den Platz. Der Versuch, erneut durch Antrieb des Motors zu feigen, mißlang, da das Flugzeug absackte. Das Flugzeug erfaßte dabei die Bretterwand des Püahes und drängte gegen die Barriere und bie dahinter stehenden Zuschauer. Durch bie Propeller, bie Planken und das schleifende Flugzeug wurden fünf Personen tödlich, sieben Personen und der Flieger leichter verletzt. Anwesende Aerzte leisteten die erste Hilfe. Das Flugzeug wurde zertrümmert. Großfeuer infolge Mehlftaubexplosion. In ber Rächt zum Sonntag brach in ber Mühle des Dorfes Zöschen, das an der Staatsstraße von Leipzig nach Metseburg liegt, infolge Mehlftaubexplosion ein Großfeuer au5, das in kurzer Zeit das gesamte Gebäude in Flammen setzte. Richt weniger als 20 Feuerwehren aus Leipzig. Merseburg und Umgebung eilten an die Brandstätte, vermochten aber trotz fünfstündiger 'Arbeit die Mühle nicht zu retten. Es wurden rund 3000 Zentner Getreide im Werte von 50 000 Mk. und sämtliche Gebäude unb Maschinen im Werte von 250 000 Mk. vernichtet. Die Mühle, die erst im Herbst vollständig modernisiert worden war, ist Eigentum der Stadt Leipzig und an einen Pächter verpachtet. Das Feuer war in ber sogenannten AsPivationS- anlage ausgekommen und hat sich von dort trotz eiserner Türen, Brandmauern ufp. durchgefressen. Die Ursache dürfte darin zu suchen fein, daß ein Ragel zwischen die Mahlsteine kam, und dort Fünfen auslöste. Lin Lebensretter ertrunken. In Berlin sprang einem jungen Mädchen, das durch einen ©prreng in bie Spree sich bas Leben nehmen wollte, ihr Bräutigam nach, um sie zu retten. Mit Hilfe eines Bootes konnte bie Lebensmüde ben Fluten entrissen werben, währenb ber Retter ertrank. Eisenbahnunglück in ber Tschechoslowakei. In der Station C h o t o w i n bei Tabor fuhr die Lokomotive eines Güterzuges infolge falscher Weichenstellung in eine tiefe Grube. Hierbei wurde der Heizer getötet, ber Zugführer leicht verletzt- Der Verkehrsbeamte, der sich die Schuld an dem Unglück beimah, verübte Selbstmord. Die Führe Dover—Oftendc unter dem Streif feuer englischer Maschinengewehre. Der „Montag" meßbet, die Fähre Dover—Ostende sei gestern vormittag unter dem Strichseuer einer englischen Maschinengewehrabteilung geraten, bie auf ben Felsen von Dover Schießübungen ab- hielt. Eine Dame sei am Oberschenkel verletzt war- ben. Der Schornstein ber 'Fähre sei von einem Geschoß burchbohrt worben. Muscumsdi^bslahl. In London wurde gegen Wochenende ein großer Diebstahl im Victoria- and Albert-Museum entdeckt. Unersetzliche Goldmünzen, darunter olche im Alter von 1700 bis 2500 Jahren sind entwendet worden. Rur 9 Münzen sind noch übrig. Der Diebstahl ist umso unerklärlicher, als das Zimmer, in dem sich bie Münzen befanden, am Tage von einem Aufseher dauernd bewacht wird, während nachts eine Wache von 5 Mann das Museum abpatrouilliert. Dureaukratismus. Einem Rheinberger Händler, der in ben Inflationsjahren beim Landgericht Kleve eine Kaution von 7,80 Reichsmark stellen rnuhte. wurde dieser Betrag in den letzten Tagen durch die Rheinberger Behörde zurückgezahlt mit einem Darlehnskassenschein im Betrage von 5 Papiermark, einem roten Zweimarkschein, einem Gutschein des Kreises Kleve im Betrage von 50 Pfennig und zwei alten 15-Pfenrng-Briefmarken. Um sich dieser doch gar nicht gültigen Zahlungsmittel zu entledigen, war eine Zustellung, eine Quittung des hocherfreuten Empfängers über baß längst vergessene Kapital in dieser gelbarmen Zeit unb der bekannte Schriftwechsel mit Porto- loften usw. nötig. W ^tervoraussage. Ansteigenbe Temperaturen, wechselnde, zeitweise schwächere Bewölkung, im allgemeinen trocken. Gestrige Tagestemveraluren: Maximum: 18 Grab Celsius; Minimum: 9,8 Grab Celsius. Heutige 1 Morgerttemperatur: 12,6 Grab Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. Ti eh en, den 2. August 1926. Der „Bund deutscher Iugendvereine" B. D. I. hielt in den Tagen vom 22. bis 26. Juli in Köln seine 13. Dundestagung ab, die einen guten Derlauf nahm. Auch die beiden (Siebener Ortsgruppen haben an dem Fest lei [genommen. 3m Mittelpunkt der Festlichkeit standen zwei Dorträge, der eine in der Aelteren-Dersamm- lung im altehrwürdigen .Gürzenich" von Pfarrer Heitmann (Hamburg) über „Die Grobstadt und das komtnende Geschlecht", der andere vor dem ganzen Bund in der gewaltigen Messehalle von dem Bundes leit er, Professor D. Wilhelm Stählin (Münster i. *ID.) über „Die deutsche Sendung". Den Gottesdienst am Eonntagmorgen hielt Pfarrer Spieker von Hamburg ab. Bundesversammlungen, Buben- und Madchentressen, ein Spiel der Solinger Gruppen auf der Freilichtbühne am Stadion, nämlich das deutsche Königsdrama .Lothar" von Walter F l e x, Sport und Spiel auf den groben Feldern des neuen Stadions. Festwiese am Rhein füllten dazu die Tage so reichlich aus, dab kaum Zeit verblieb, die Stadt zu besichtigen. Den Abschluß bildete das Bundesfeuer, ebenfalls auf dem Stadion, das trotz Regens eine hervorragende Krönung des ganzen Festes bedeutete. Tine Ausstellung von bündischen Arbeiten und Erzeugnissen, „Reues Leben", fand gleichzeitig während der Tagung in der Messehalle statt, die sich eines regen Besuches erfreuen durfte. Am Montag wurde eine Dampferfahrt inS Siebengebirge und eine Treffahrt in die Berge veranstaltet, verschiedene Gruppen schlossen noch Fahrten in die Eifel, an die Mosel, ins Arial oder den Rhein herab, an. Alles in allem eine schone Tagung, die sich würdig anschliebt an ihre Vorgängerinnen, zumal an die während der letzten Jahre. Bornotizcn. — Tageskalender f ü r Montag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .Mädchenhändler in Afrika". — Astoria-Lichtspiele: .Warum soll er nicht... V •• Drei Kellereinbrüche. In der Dacht zum Sonntag wurden im Großen Steinweg und im Leihgesterner Weg drei Kellereinbrüche verübt. Als Täter wurde ein junger Mann ouS Essen festgenommen, dem bei seiner Tat eine Anzahl Nahrungsmittel in die Hände fielen. " Turnverein 1 846. Am kommenden SamStag und Sonntag, 7. und 8. August, begeht der Turnverein 1846 fein 8 0. (Stiftung«- f e st. Die Festlichkeiten werden am Samstag nachmittag durch ein Echauschwimmen eingeleitet, dem sich abends ein Festakt in der Turnhalle in der Steinstraße anschließt. Der Sonntag bringt am Dormittag Spiele, am Rachmittag ein großes Schauturnen tn der Dolkshalle, am Abend, zum Abschluß, ebenfalls in der Dolkshalle turnerische Dorführungen und Tanz. (Dgl. die Anzeige am Samstag.) •• Strahenausbau. Die Stadtverwaltung hat sich in anerkennenswerter Weise entschlossen. die zur Druchstraße zählende Privat- strabe Mischen dem „Bruch", der Bruchstraße und der Goethestraße, als städtisches Eigentum zu übernehmen. Sie hat bereits einen Teil des Geländes angekauft und steht mit andern Besitzern in Kaufverhandlung. Die Straße soll vorschriftsmäßig ausgebaut, befestigt und der noch fehlende Regenwasserkanal angelegt werden. Der Entschluß der Stadtverwaltung wird von den Anwohnern begrüßt, denn die Straße befindet sich in einem recht unerfreulichen Zustand. Es wäre zu wünschen, daß die ilebemabme durch den Erwerb eines privaten Geländestreifens zweckmäßig unb bald ergänzt würde. •’ Pilzreichtum in unseren Waldungen. Das feuchtwarme Wetter der letzten Tage Hal die Pilze in den Waldungen und auf Heiden plötzlich und in großer Zahl aus dem Boden schießen lassen. Hauptsächlich trifft man die lehr begehrten Steinpilze und Pfifferlinge an. •• Landwirtschaftliche Lehrlingsprüfung. Die nächste Prüfung von landwirtschaftlichen Lehrlingen findet Anfang Oktober dieses Jahres vor der Prüfungskommission der Landwirtschastskammer statt. Die Prüfung hat den Zweck, den landwirtschaftlichen Lehrlingen nach beendeter zweijähriger Lehrzeit die Möglichkeit zu geben, sich einen Befähigungsnachweis für ihre praktischen Kenntnisse zu erwerben. Diejenigen jungen Landwirte, welche an der Prüfung teilnahmen wollen, müssen sich bis spätestens 20. September 1 926 bei der Landwirtschaftskammer angemeldet haben. Mit der Anmeldung ist gleichzeitig einzusenden: ein kurz- gefaßter selbstgeschriebener Lebenslauf, eine Zustimmungserklärung und das Zeugnis des Lehr- herrn. sowie das letzte Schulzeugnis, eine Beschreibung der Lehrwirtschaft, der Rachweis der zweijährigen Praxis, die Prüfungsgebühr in Hohe von 5 Mark. Die Prüflinge werden von dem Termin und dem Ort der Prüfung schriftlich in Kenntnis gesetzt. Die Bestimmungen für die Lehrlingsprüsung sind bei der Landwirtschaftskammer zu erhalten. " Auftrieb aus dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 425 Ochsen, 61 Bullen, 1146 Kühe. 589 Kälber. 90 Schafe, 3590 Schweine. Preußen. Hrcis Wetzlar. 0 Wetzlar, 31. Juli. Der Unwille der selbständigen Handwerler und Gewerbetreibenden des Kreises über die Steuerlasten äußerte sich in zwei SteRerprote st Versammlungen, die dieser Tage hier abgehalten wurden. Beide Der- sammlungen waren von dem Deutschen Handwerkerbund E. D. in Berlin einberusen. Die erste war von etwa 300 selbständigen Handwerkern und Gewerbetreibenden des Kreises Wetzlar besucht. In ihr sprach an Stelle des verspätet eingetragenen Referenten Dr. Sieger der Steuersachverständige Dr. Dindemann aus Herborn. Der Redner führte aus, daß sich das ganze Steuersystem in der letzten Zeit inaner für dos Handwerk recht unangenehmen Weise entwickelt habe und daß die einzelnen (Steuern eine solche Hohe erreicht hätten, daß Gewerbe und Handwerk nicht mehr in der Lage seien, sie aufzubringen. Er mißbilligte insbesondere die Handhabung einer solchen Steuerpraxis, daß das Finanzamt trotz genauer Buchführung die ülmsähe und Einkommen höher schätze, als der Steuerpflichtige durch seine Bücher nachweise; auch der Derkehr zwischen Finanzamt und Steuerpflichtigen müsse ein besserer werden. Als Diskussionsredner sprach u. a. der Leiter des hiesigen Finanzamts, Regierungsrat S ü f i e r t. Er betonte, daß Steuererklärungen, die auf ordnungsmäßiger Buchführung beruhten, fast stets anerkannt würden. Leider gebe es aber noch sehr viele Steuerpflichtigen, die den Wert einer solchen Buchführung nicht zu schätzen wüßten. Ins» beosndere wies er den Dorwurf zurück, daß das Finanzamt Wetzlar bei der Einziehung von Steuern rigoros vorgehe. Dringend warnte er vor öffentlichen Aufforderungen zur Steuerverweigerung. da solche strafbar feien. In der zweiten Dersammlung sprach der inzwischen eingetroffene Steuersyndikus des Deutschen Handwerkerbundes. Dr. Sieger, Berlin. Er schilderte ebenfalls die steuerlichen Roten des Handwerkes und wies auf die Rotwendigkeit einer straffen Organisation hin, die in einer freien Dereimgung besser gegeben sei, als in den von den Behörden nicht vollständig unabhängigen Handwerkskammern. Auch an diesen Dortrag knüpfte sich eine längere Aussprache. Die Dersammlung endete mit der Annahme einer die steuerlichen Forderungen des Handwerkes enthaltenden Entschließung, die sowohl dem Reichsfinonzministerium in Berlin, als auch dem hiesigen Finanzamt zugestellt wurde. — Die weite Entfernung der Finanz- kasse vom Finanzamt hat schon oft den Gegenstand lebhafter Klagen von Steuerpflichtigen gebildet. Wer an beiden Stellen eine Angelegenheit zu besorgen bat. mub zunächst das am ..Goldfischteiche" gelegene Finanzamt aufsuchen, sich bann zu der eine halbe Stunde entfern tliegen- ben Finanzkasse an der „Aeberführung" nach Riedergirmcs zu begeben und unter ilmftänben von da wieder zu dem Finanzamt zurückkehren. Dabei passiert es oft noch, daß man wegen starken Andranges an der Finanzkasse warten muh und auf dem Rückwege das Finanzamt innerhalb der vorgeschriebencn Dienststunden nicht mehr erreicht, also nur halb verrichteter Sache nach Hause gehen muh. Was das für einen Steuerzahler bedeutet, der zufällig an diesem oder jenen Ende des Kreises wohnt, braucht nicht näher gesagt zu werden. — Die Ausübung des Wandergewerbes mit Zucker- und Spielwaren an Sonntagen bei Gelegenheit von Festlichkeiten, die der besonderen Erlaubnis des Landratsamtes bedarf, hat im hiesigen Kreise einen solchen Umfang angenommen, daß sich das Landratsamt gezwungen gesehen hat, hier eine besondere Regelung zu treffen. Es wird zu den in den einzelnen Orten des Kreises stattfindenden Festen nur noch eine beschränkte Zahl solcher Gewerbetreibenden $uge- laffen. Dabei sollen in erster Linie kreisetnge- sessene Händler berücksichtigt werden, und auswärtige Gewerbetreibende nur dann die Sondererlaubnis erhalten, wenn die einheimischen um sie nicht nachsuchen. lz. Dutenhofen, 31. Juli. Die Bautätigkeit hat in den letzten Jahren am hiesigen Orte bedeutende Fortschritte gemacht. Die Gemeinde hat Teile von ihrem Bauland an der Wetzlarer Straße zu Bauzwecken an Daulustige für billigen Preis zur Verfügung gestellt, und zwar pro Quadratmeter für 2—2.50 Mk. Für Spelulationszwecke wurde von diesem Land jedoch nichts abgegeben. Sonstiges Bauland in nächster Umgebung des Ortes (denn innerhalb des Ortes ist kein Bauland vorhanden) kostet pro Quadratmeter 3 bis 4 Mk. An der Wetzlarer Straße ist eine ganze ^Kolonie entstanden; von den Gemeindebauplätzen ist noch ein Bauplatz frei, alleS übrige Land ist in Privatbesih. Leider ist der Weg in der neuen Kolonie noch recht schlecht und an nassen Tagen schlammig. Die Gemeinde ist bemüht, diesen Weg, sobald es die Mittel erlauben, auszubauen. Ehe die außerhalb des Ortes liegenden Wege gebaut werden, sollen zunächst die Straßen innerhalb des Ortsbildes gebaut werden. Die Gemeinde-Einnahmen sind gering, da Dutenhofen nur eine geringe Menge Wald aufzuweisen hat; die Haupteinnah- men erzielt die Gemeinde aus den Gemeinde- Wiesen im Lahntal. —Münchholzhausen, 31. Juli. Die Erwerbslosen zifser in unferm Orte beträgt zur Zeit 12. Man erwartet, daß sich diese verhältnismäßig geringe Zahl mit der einsehenden Getreideernte noch mehr verringern wird, da die Erntearbeiten in diesem Jahre mehr denn je alle verfügbaren Kräfte in Anspruch nehmen. —&— Aus dem Kleebachtal, 31. Juli. Die in vollem Gange befindliche Roggenernte wurde durch die unbeständige Witterung der letzten Woche unliebsam verzögert. Das Ab- ernten der Getreidefelder gestaltet sich wegen der starken Lagerung in diesem Jahre sehr mühsam, eine Mähmaschine kann in seltenen Fällen benutzt werden, vielfach muß noch die Grassense bei stark lagernden Stellen benutzt werden. Man sieht die Landwirte in diesem Jahre wegen der regnerischen Witterung ihre zusammengestellten Kornhaufen mit „Hüten" versehen, da die vorjährigen Erträge bei nicht geschützten „Haufen" durch das mit der steten Feuchtigkeit verbundene Auswachsen der Aehren stark gemindert wurden. — I— Drandoberndorf, 31. Juli. Zur Zeit wird hier für etwa 100 Teilnehmer ein Selbstanschlußamt gebaut, nachdem seit ungefähr 10 Wochen Dorbereitungen für den Ausbau des Ortsnetzes und der Meldeleitung nach Wetzlar vorgenommen worden sind. Unternehmerin ist die Telegraphenverwaltung in Frau! furt a. M.. die den Ausbau durch das Postamt in Wetzlar vornehmen läßt. Man beabfichttgt. das Selbstanschlußamt bis zum 6. August dem öffentlichen Derkehr zu übergeben. L Leun, 30. Juli. Richt geringen Flurschaden verursachten tn den letzten Jahren die hier sehr »ablreich vorhandenen Wildschweine, die sich zumeist in den Wäldern und Dickichten von Riederbiel, Leun und den Fürstlichen Waldungen um Hof Heisterberg und Diana- bürg aufhalten. Don hier nehmen sie bann den Weg einzeln und in kleinen Herden zu den nahegelegenen, mit Frucht und Kartoffeln ausgestellten Aeckern. 3n unglaublich kurzer Zeit haben die Sauen ein Ackerland durchwühlt und verwüstet, und wenn es auch gelang, in Treib» und Einzeljagden bisher etwa 40 Tiere zur Strecke zu bringen, darunter solche von 240 Pfund, so kann von einem Rückgang in der Zahl doch kaum gesprochen werden. Interessant war der Fang von zwei jungen Ferkeln im Leuner Wald, die Jagdaufseher Wagner längere Zeit fütterte. 3n welchem Maße die Lauen zur Zeit wieder die Felder bearbeiten, zeigt sich in Riederbiel, wo durch ständige Rachtwachen mit steten Schießereien die Tiere von dem Feld femgehalten werden sollen, was auch bis zu einem gewissen Grad gelingt. Dillkrcis. WER. Dillenburg, 31. Juli. Die Lage der Basaltindustrie hat in der letzten Zeit sich dauernd verschlechtert. Die Aufträge in Pflastersteinen in sämtlichen Betrieben des Dill- und Oberwesterwaldkreises, ebenso für Schottermaterial sind nur ungenügend. Da als Baustein Basalt kaum in Frage kommt, so konnte in der letzten Woche beobachtet werden, daß in einem Basaltbetrieb des Dillkreises mehrere Tausend Tonnen Kleinpflastersteine vorrättg lagerten. Dazu sinken die Preise von Woche zu Woche und haben jetzt einen Stand erreicht, der für die meisten Betriebe kaum die Selbstkosten deckt. Ferner ist in Schottermaterial eine starke Ueberproduktion eingetreten, was die Einstellung einer Anzahl von Betrieben und die Streckung der Arbeitszeit für eine weitere Reihe von Betrieben zur Folge hat. Z B r e i t s ch e i d , 30. Juli. Hier hat sich unter dem Dorsih des Schmiedemeisters Gustav Kolb ein neuer Schühenverein gebildet. Der Herein hat eine Stärke von ungefähr 30 Mann. Den Echiehstand der in dem nahliegenden Walde im Ausbau begriffen ist, hat die Gemeinde unentgeltlich zu Derf ügung gestellt. — Die Maul - und Klauenseuche, die in den Gemarkungen Breitscheid, Gusternyain, Schönbach und Langenaubach bereits als erloschen anzusehen war. ist hier erneut in 13 Gehöften ausgebrochen. Reue Sperrmahnahmen muhten vorgenommen werden. U Eisemroth, 31. Juli. Der Straßenbau Eisemroth — Oberscheld ist bis auf die Walzarbeiten fertiggestellt. Die endgültige Derbindung zwischen dem Dillkreis und dem Kreis Marburg über Eisemroth—Hartenrod ist nun vollständig hergestellt und auch für Autoverkehr geeignet. — Die hiesigen Eisensteingruben liegen zum Teil immer noch still An eine vollständige Eröffnung der Gruben ist vorerst nicht zu denken, da es wegen zu hoher Eisenbahnfracht an Absatzgelegenheit fehlt. Sprechstunde« der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloffen. Jür unverlangt eingefanbk Manuskripte ohne beigesügles Rückporto wird keine Gewahr übernommen. Unzeigenauftrcige sind lediglich an die Geschäfts st elle zu richten. Maixena/äZj das Kraftmehl undQebäck Statt Karten! 05339 6345V 267V 0.90 Billigste Preise! Größte Auswahl! Bonn a. Rh. Bahnhofstraße 4 Brechkoks Gaskoks Buchenholz Anmachholz Nußkohlen Anthrazitkohlen Eiformbriketts Union-Briketts Schmelz-Nuß Schokolade, 3 Tafeln ................ 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Der Dergleichsvorschlag ist auf der Gerichtsschreiberei des Konkursgerichts an jedem Werktage in der Zeit von 10-12 Uhr vormittags zur Einsicht der Detei- ligten niedergelegt. 63476 Gießen, den 27. Juli 1926 Hessisches Amtsgericht. in nur besten Qualitäten liefert bei reeller Bedienung zu billigsten Tagespreisen 6336V Telephon 1581 H* TFCChsler Steinstr.73 letzt beste Zeit zur Eindeckung des Winterbedarfs ■Vi.^hVl|jl|l||,||JM||||||||||||||||||J|||ini.!lll,lll,|i|,lll,dHriLVIfflllllHIII,JUIIIIinTTTT | Carl Stückrath I E Asterweg 47. UOWelWU Dienstag, den 3. August, von 2 Ubr ab, versteigere ich Walltorstt. 36 im Saal: 2 Dezimalwagen (5 und 8 Zentner Tragkraft), 1 Wäschemangel, 2 Waschmaschinen, Gasherde, 2 Rähmaschinen, 1 Schuhmachernähmaschine, 1 Motor (3*/, P. S.), 2 elektr. Lüster, 1 Kanonen- ofen mit Rohr, 25 Eonnecken-Mappen, Jagdgewehre, 1 Hahndrilling, 2 gebt. Herrenräder, 1 Halbrenner, 1 Damenrad, vierrädr. Handwagen, 1 zweirädr. 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In den heimischen Gewässern find gegenwärtig unter Defehl des Flottenchefs Vizeadmiral Mommsen die vier Linienschiffe „Schleswig- Holstein". „Elsaß". „Hessen" und Hannover, die kleinen Kreuzer „Rymphe" und „Amazone", die 1. und 2. Torpedobootsflotille mit zusammen 22 Dosten und eine Minensuchhalbflotte in Dienst. Da auf Grund des Friedensvertrages die Desestigungen am Eingang der Kieler Förde ebenso wie die von Helgoland haben geschleift werden müssen, ist jetzt in der Ostsee Swinemünde der Hauptstühpunkt unserer Marine. Wichtige Sonderausgaben erfüllen in den heimischen Gewässern das Vermessungsschiff „Panther", das gegenwärtig mit einer Rach- prüfung der Seekarten an den Flußmündungen der Rordsee, deren Sünde sich dauernd verändern, beschäftigt ist. und der Fischereikreuzer „Ziethen", ein früheres großes Minensuchboot, das außer seinen polizeilichen Aufgaben auch gelegentlich Forschungszwecken dient, die es schon bis nach Island und Grönland geführt haben. Ein besonderes Gewicht legt die Marineleitung mit vollem Recht darauf, die deutsche Flagge in möglichst zahlreichen Auslandshäfen zu zeigen. Dei der alljährlichen Sommerübungsreise der Flotte werden regelmäßig skandinavische oder spanische Hafenplätze angelaufen. In diesem Frühsommer waren unsere Schiffe in Darcelona, Malaga, Cadiz und Port Mahon und haben überall den besten Eindruck hinterlassen. Der kleine Kreuzer „Ha mburg", der als Schulschiff für den Seeoffizier- und Unteroffiziernachwuchs dient, ist gegenwärtig auf einer Weltumsegelung begriffen, die ihn bisher durch den Atlantischen Ozean und den Panamakanal in den Stillen Ozean geführt hat. Die Rückreise wird über Ostasien. durch den Suezkanal und das Mittelmeer erfolgen. Zum erstenmal. seit Admiral Spees Schiffe im Spätsommer 1914 auf ihrer Heldensahrt und Todesfahrt die ostasiatischen Gewässer verließen, wird die deutsche Kriegsflagge in den für unsere Handelsentwicklung so überaus wichtigen chinesischen und japanischen Hafenstädten wehen. Im Herbst d. I. wird der Schulkreuzer „B e r l i n“ eine ähnliche Auslandsreise antreten: auch für die neue „Emden", die ihre Probefahrten erfolgreich beendet hat. dürfte eine Verwendung in ausländischen Gewässern vorgesehen sein. Da die ständige Stationierung deutscher Kriegsschiffe in bestimmten Teilen dbs Auslandes wie vor dem Kriege vorläufig nicht in Frage kommt, sind derartige Reisen die beste Gelegenheit, um einerseits die Fühlung mit dem Deutschen über See zu halten und andererseits durch die Art des Auftretens unserer Seeleute und den Eindruck, den unsere musterhaft sauberen Schiffe machen, bei den fremden Völkern die vielfach noch vorhandenen Vorstellungen von einem halb bolschewistischen Deutschland gründlich zu beseitigen, Hnzählige Derichte aus allen Teilen der Welt zeigen, daß die Dedeutung der Auslandreisen deutscher Kriegsschiffe auf diesen beiden Gebieten gar nicht hoch genug eingeschäht werden kann. mit einer runden, sattgelb gestrichenen Scheibe mit schwarzweihem Rand. Die senkrecht stehende, dem ankommenden Zuge ihre Fläche zeigende Scheibe sagt, daß das Hauptsignal auf „Halt" steht, die wagerecht gestellte Scheibe gibt an, dah das Hauptsignal auf „freie 'Fahrt" gestellt ist. Rachts treten außerdem bunte Lichter am Vor- und am Hauptsignal in Tätigkeit. Die Sache liegt nun so: Vor dem geschlossenen,Hauptsignal muß unter allen Hmstänten gehalteii werden, vor dem geschlossenen Vorsignal aber nicht: Es soll den Führer nur veranlassen, seine GeschwinLigkeit rechtzeitig so zu vermindern, dah er unter allen Umständen vor dem Hauptsignal halten kann, wenn es bei feinem Eintreffen noch geschlossen ist. Run hört inan sehr oft die Ansicht, man müsse mit dem Hauptsignal eine Vorrichtung verbinden, die den Zug zum Halten bringt, wenn es geschlossen ist. Das nützt aber nicht viel, denn wenn der Zug mit unverminderter Geschwindigkeit am geschlossenen Hauptsignal ankommt, so ist auch bei schärfster Bremsung sein Dremsweg noch so lang — und das ist eben der wesentliche Hnterschied von den oft zum Vergleich heran- gezogenen, aber wesentlich langsamer fahrenden Hoch- und Hntergrundbahnen —. dah ein Auf- rennen auf irgendein Hindernis, das sich innerhalb dieses unter Umständen mehrere hundert Meter langen Dremsweges befindet, nicht vermieden werden farm. Der Dremsweg kann aber nicht beliebig verkürzt werden, sonst tritt das ein, was gerade vermieden werden soll: ein Unglück. Wenn man dies jemand auseinander- seht, so pflegt er das in der Regel einzusehen, ist aber dann gewöhnlich mit der Antwort auf dem Plan: Dann muh man eben die selbsttätige Zugbremsung durch das Vorsignal einleiten! Run, auch das ist eine Unmöglichkeit: Man denke sich einmal die Verhältnisse bei dichter Zugfolge, wie sie etwa auf der Derliner Stadtbahn herrscht, wo das nächste Vorsignal oft schon dicht hinter dem vorhergehenden Hauptsignal steht und sich die Züge zeitweise mit 2 Minuten Abstand folgen. Der ganze Detrieb würde stocken, wenn die Züge nicht ungehindert an geschlossenen Vorsignalen vorbeifahren könnten: eine so dichte Zugfolge, wie sie zur Dewältigung des Verkehrs unumgänglich nötig ist, wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Aehnlich liegen die Verhältnisse auf Erne besondere Erwähnung verdient noch der „M c t e o r", ein zum Forschungsschiff umge- bautes Kanonenboot, das bereits seit dem Frühjahr 1925 mit einem Stabe von Fachgelehrten an Dord in planmäßiger Arbeit den südatlantischen Ozean bezüglich seiner ozeanischen, biologischen und meteorologischen Verhältnisse erforscht. Abgesehen von dem rein wissenschaftlichen Wert dürfte ein Teil des Forschungsmaterials auch für praktische Aufgaben, z. D. für die Einrichtung einer Luftschifsveroindung von Europa über Spa- nien nach Südamerika in absehbarer Zukunft erhebliche Dedeutung gewinnen. Davon abgesehen ist es recht bemerkenswert, daß sich das arme Deutschland in glücklicher Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Kriegsmarine mit einem so bedeutenden Unternehmen auf dem Gebiete der Meeresforschung wieder in die Reihe der großen Kulturnationen zu See gestellt hat. Alles in allem genommen, bietet die kleine deutsche Kriegsmarine ein Bild frischen, gesunden Lebens und vielseitiger planvoller Arbeit. _ Wenn es einer zielbewussten Außenpolitik allmählich gelingt, die Fessel des Versailler Vertrages auch auf dem Gebiet der Marine zu lockern, wird sie auch größeren Aufgaben gewachsen fein. Das deutsche Volk ist in so hohem Maße auf Handelsbeziehungen über See und auf die Wiedererwerbung überseeischer Detätigungs- gebietc für seine weitere Entwicklung angewiesen, daß es im Laufe der geschichtlichen Entwicklung wieder zur Seemacht werden muh. Mehmarkt oder Meyhof in Gießen? Don den Gaststall-Desihern Sieck und Kreiling erhalten wir die nachstehende Zuschrift als Antwort auf den im „Gieß. Anz." (Rr. 165) erschienenen Artikel: „Wir hoben die Angelegenheit geprüft. An einen Diehhof ist überhaupt nicht zu denken, da die Klauenseuche in Hessen stark herrscht und den gesetzlichen Destimmungen gemäß der Gießener Viehmarkt und andere Märkte gesperrt sind, sogar in den angrenzenden Gebieten Preußens. Hätten wir nun einen Zuchtviehhof. welcher durch die obengenannten Destimmungen unrentabel wäre, und das Millionenobjekt stände leer, wie zur Zeit seit Dezember 1925 die Gießener Stallungen, wo bliebe da der Heberschuh? Diesen Schritt muh sich unsere Stadtverwaltung überlegen. Rach Erkundigungen in den Städten Wetzlar und Fulda denken diese nicht daran, weil sie feine Zentrallage der Eisenbahn hoben. Dos Vieh müßte einige Tage vorher verladen werden, um diese Städte zu erreichen: frischmelkende Kühe können aber diese längere Bahnfahrt nicht vertragen. Auch die Händler, die von weit her kommen, längere Zeit unterwegs find, do sie durch das Hmfteigen einen Tag vorher abfahren müßten. haben, do ihnen dann weit höhere Hnkosten entstehen, fein Interesse an den Rebenstrecken. Demnach ist der Gießener Viehmarlt durchaus nicht gefährdet. Hätte aber Gießen einen Zucht- viehhos, wo der kleine Handelsmann bei Ankunft des Viehes nicht dabei sein kann, so könnte eine frischmelkende Kuh nicht abgemolken werden. Der Eigentümer hat jedenfalls mehr Interesse an feinem Vieh, als das Personal te£ Viehhofs. Ein Zuchtviehhof ist mit einem Schlachtviehhof jedenfalls nicht zu vergleichen. II n f e r Herr Stadtverordneter Balze r ist für das Wohl der Stadt und nicht für das Wohl der einzelnen Interessenten. Die angeführten hohen Zahlen aus den Jahren 1912/1914 sind darauf zurückzuführen, daß 8 Tage nach dem Markt noch ca. 300 Stück Vieh in die Stallungen eingestellt wurden, was heute nicht mehr vorkommen kann, da die Händler heute die Mittel nicht mehr zur Verfügung haben. Es ist festgestellt, daß die Stallungen, die als Lager gedient hatten, frei geworden find. Wie bekannt, sind die Frühjahrsmärkte die stärksten. Da ist es vielleicht einmal vorgekommen, daß in Hallen oder Toreinfahrten einige Stück Vieh gestellt wurden. Cs ist dies meistens Weidevieh, welches das Unterftelten unter freiem Himmel gewöhnt ist. Was die Beschwerde der Rachbarschaft anbelangt, so sind die Angaben der Gegner vielbefahrenen Schnellzugsstrecken: wenn dort auch die Abstände der Signale und die Zugabstände größer sind, so ist dafür auch die Geschwindigkeit größer, und zwar erheblich Es ist auch nichts oder nicht viel gewonnen, wenn man etwa die selbsttätige Zugbeeinflussung zwischen das Dor- und das Hauptsignal legt. Die Gründe liegen auf der Hand. W i e soll man es also machen? Es gibt wohl nur einen einzigen richtigen Weg zur Lösung dieser Aufgabe: Die Abhängigkeit des Zuges von der Signalstellung muh zwischen dem Vor- und dem Hauptsignal dauernd bestehen. Der Führer, der ein geschlossenes Vorsignal überfährt, was er nicht nur darf, sondern sogar muß. muh seine Geschwindigkeit, wie wir gesehen haben, zwischen beiden Signalen allmählich so vermindern, dah er mit Sicherheit vor dem geschlossenen Hauptsignal halten kann: Diese allmähliche GeschwindiAeitsverminderung muh erzwungen werden, wenn sie der Führer nicht selbst vorgenommen hat. Die Vorrichtung darf also den Zug nicht so — plötzlich — zum Halten bringen wollen, wie es der Führer nie tun würde, wenn er richtig handelt, sondern sie muh dasselbe ohne Einwirkung bewirken, was dieser bei richtigem Handeln selbst tun würde. Erst unmittelbar vor dem geschlossenen Hauptsignal muh der Zug unter allen ilmftänben stillgesetzt werden, und das ist natürlich möglich, wenn er vorher seine Geschwindigkeit durch die Einwirkung des Führers oder zwangsweise ermäßigt hat. Cs muh also zwischen dem Dor- und dem Hauptsignal eine Vorrichtung angeordnet werden, die die Zuggeschwindigkeit entweder fortlaufend oder doch wenigstens an einer größeren Zahl von Punkten bei geschlossenem Hauptsignal überwacht und nur dann eingreift, wenn die Geschwindigkeit in Anbetracht der Entfernung vom geschlossenen Häupt- fignal zu groß ist: Je näher die Stelle oder der Punkt dem Hauptsignal ist, bei desto niedrigerer Geschwindigkeit muß eine weitere Geschwindigkeitsverminderung zwangsweise herbeigeführt inerten, wenn sie nicht schon durch die Einwirkung des Führers eingetreten ist. Selbstverständlich muh aber die Einrichtung — einerlei ob sie zur Wirkung gekommen ist oder nicht — nicht ganz richtig: denn mancher Liter Milch wurde an die Rachbarfchaft für wenig Geld verkauft, die Leute waren froh. In einem etwa kommenden Zuchtviehhof sollen, wie der Artikelschreiber ermähnt, besondere Räume zur Abwehr der Seuchengefahr geschaffen werden. Den gesetzlichen Destimmungen nach aber müßte der ganze Diehbestand entweder abgeschlachtet. ober bis zur Beseitigung der Seuche stehen bleiben. Wenn z. D. auf Orr» schäften ein Seuchefall bekannt wird, darf fein Vieh aus der betr. Gemarkung ausgeführt werden. Genau so würde cs werden bei einem Zuchtviehhof. Entsteht in einem Gehöft eineSeuche, fo ist nur der betr. Hof gesperrt, nicht aber das für den Viehrnarkl bestimmte Vieh verseucht. Sollte der Zuchtviehhof wirklich bestehen und eine Seuche wurde ausbrechen, so könnte der Dieb- Hof nicht lebensfähig bleiben, da ihm feine Viehbestände zugeführt werden föunten. Von einem Handeln auf der Straße kann wohl kaum gesprochen werden: es sind dies meistens nur kleine Absprachen Auch wirkt der Viehauftrieb und das damit verbundene Handelsgeschäft außerhalb der Stadt ganz und gar nicht störend für das Publikum. Man könnte noch viel über die Sache sagen. Doch noch eine Frage: Von was sollen denn die Steuerzahler existieren, die auf ihre Einnahmen angewiesen sind und ihre Betriebe darauf eingestellt haben, wenn in ter Viehmarktfrage nicht bald die richtige Antwort gefunden wird? Die Stadt will ihre Steuern, und die Geschädigten können sehen, wie sie existieren." In dieser Zuschrift treten persönlich interessierte Bürger nur für ihre materiellen Interessen ein. Trotzdem geben wir den Zeilen Raum, damit diese Herren auch einmal Gelegenheit haben, ihre Meinung öffentlich vorzutragen. Die Argumente, mit denen sie für ihre Sache wirken, sind aber wenig beweiskräftig. Darüber nur einige Worte. Daß die Errichtung eines Viehhofes nichts mit dem gegenwärtigen vorübergehenden Auftreten der Maul- und Klauenseuche zu tun hat, liegt klar auf ter Hand: deshalb wird man sagen können, daß sehr wohl und sogar recht stark an einen Viehhof zu denken ist. Im übrigen handelt es sich bei dem jetzigen langanbauernben Auftreten der Seuche um eine Ausnah me- erscheinung, nach der man nicht über die R e g e l - Verhältnisse, die eine rentable Führung des Viehhofes in Aussicht stellen, urteilen kann. Wenn — nach den Erkundigungen her Einsender — Wetzlar und Fulda an eine solche Einrichtung nicht denken, fo möchten wir bemerken, daß diese Städte nicht allein unsere Rachbarschaft bilden: belanntlich haben wir noch große Städte mit „Zentrallage der Eisenbahn" in unserer Rähe: mehr möchten wir in diesem Zusammenhang im Interesse unserer Stadt jetzt nicht fagen, ilebrigenS liegt ja Gießen an einer Hauptstrecke: was die Einsender von Rebenstrecken sagen, trifft also für unsere Stadt gar nicht zu. ja es stärkt die Beweismittel f ü r einen Viehhof in Gießen. Daß frischmelkende Kühe auch im Viehhof ordnungsgemäß gemolken werden können, dürften die Einsender doch wohl nicht ernstlich bestreiten wollen. Im Gegensatz zu der Ansicht der Einsender sind wir der Meinung, dah die in Rr. 165 wiedergegebenc Zuschrift des Stadtv. Balzer vornehmlich eine Lanze für die Gast- staftbesiher brach. Was die Einsender hinsichtlich der Zahlen von 1912/1914 behaupten, ist falsch. Hnfere Zahlenangaben in Rr 165 sind amtlichen Hrsprungs: an ihrer Richtigleit ist nicht zu rütteln. Wir wissen übrigens auch, dah der erstgenannte Einsender gelegentlich einer Unter- redung auf dem Stadthaus feinen Irrtum hinsichtlich der Zahlen schon erkannt und dabei bemerkt hat, dah er sich dann in seiner Zuschrift an uns berichtigen müsse: diese Berichtigung liegt uns bis zur Stunde aber noch nicht vor. Heber die Beschwerten der Rachbarschasv möchten wir sagen, dah die Abgabe billiger Milch noch lange kein Hindernis für Beschwerden und übrigens auch kein Beweis gegen das tatsächliche Vorliegen von Klagen ist. Von den „einigen Stück Vieh" in Hallen oder Torein- ■****—■''m"IWMMII sofort unwirksam gemacht werden, sobald dos Hauptsignal während ter Fahrt des Zuges zwischen dem Dor- und dem Hauptftgna! auf „freie Fahrt" gestellt wird, weil sonst ter Detrieb gestört und dadurch eine dichte Zugfolge verhindert wird. Ebenso selbstverständlich muh die Verzöge- rungswirkung sofort einsehen, wenn etwa nach dem Durchfahren des offenen Vorsignals die Signale auf „Halt" gestellt werden, weil ein unerwartetes Hindernis eingetreten ist: Diese Forderung ist sogar besonders wichftg, weil der Führer sich unter Umständen darauf zu verlaffen geneigt sein wird, dah ja das Vorsignal offen war und nach seiner Heberzeugung nun auch das Hauptsignal offen sein muh, was ja auch mit Sicherheit zu vermuten ist. Schon aus diesem Grünte ist Die Abhängigkeit ter Zugbeeinflussung vom Vorsignal und die Anordnung der Deein- flussungsvorrichtung bei oder hinter diesem ein Hnding. Keine ter ter Oeffentlichkeit übergebenen Lösungen beschreitet meines Wissens diesen ganz klar vorgezeichneten Weg. Es kann aber keinem Zweifel unterliegen, dah es nicht möglich ist, die Aufgabe durch eine nur an einem Punkt wirksam werdende Vorrichtung befriedigend zu lösen, ganz gleichgültig, ob die Lösung mit mechanischen, elektrischen oder magnetischen Mitteln, durch Lichtstrahlen oder Töne — alle diese Mittel sind schon versucht worden — gesucht wird. Wie aber soll eine dauernde oder an mehreren Punkten eingreifende, die Fahrgeschwindigkeit bei geschlossenem Hauptsignal zwangsweise ermähigente Verbindung zwischen Zug und Signalstellung auf ter ganzen Strecke zwischen Vor- und Hauptsignal zustande gebracht werten? Auch dafür sind unzählige Möglichkeiten denkbar, und es wäre mühig, sie hier aufzuzählen. Der Zweck dieses Aufsatzes kann und soll es nicht sein, ten vielen an gepriesenen und versuchten Vorrichtungen weitere an die Seite zu stellen: Er soll nur zeigen, dah die Einwirkung auf den fahrenden Zug zu dem Zweck, ihn vor einem geschlossenen Hauptsignal nötigenfalls .zwangsweise zum Halten zu bringen, nicht so einfach liegt, wie gemeinhin angenommen wird, und dah es keinen Zweck hat, die Reichsbahn zu vielleicht übereilten Entschlüssen zu drängen: Ihr Zögern entspringt dem ganz richtigen Gefühl — statt f ährten weih man an amtlichen Stellen etwas überzeugenderes zu sagen als die (Sinfenöcr. Zu der im Schluhabsah der Zuschrift aufgeworfenen Frage möchten wir bemerkens Die gedeihliche Fortentwicklung des Gemeinwesens kann bet aller gebotenen Rücksichtnahme auf den einzelnen Bürger in gewissen Fällen nicht gehemmt werden, nur weil das an und für sich berechtigte Interesse des einzelnen in Gegensatz zu den Erfordernissen der Stadt gerät. In solchen Fällen muh der eürzelne sich auf die neue Lage umstellen. Derartige Dorgänge hat man doch schon oft erlebt: auch in Giehen sind Beispiele dafür vorhanden. Wir sind auch durch diese Zuschrift nicht davon überzeugt worden, dah der jetzige Zustand im Viehmarktverkehr bestehen bleiben könne und ein Diehhof überflüssig wäre. Im wohlverstandenen Interesse unserer Stadt halten wir es vielmehr nach wie vor für gut, durch zeitgemähe Einrichtungen in Giehen den berechtigten Wünschen des Diehhandels Rechnung zu tragen. Hebet: diese Rotwendigkeit wird ein Fachmann in einer unserer nächsten Rummern noch Räheres zu sagen haben. Turnen, Sport und Spiel. Fußball. Fürth süddeutscher Futzball-PoKalmeister: Im Frankfurter Stadion fand am Sonntag zwischen Spielvereinigung Fürth und D. f. B. S t u t t g a r 1 das Endspiel um den süddeutschen Fuhballpokal statt, das Fürth mit 3:2 als Sieger sah. Dem Spiel voraus ging ein Treffen zwischen der Sonderelf der Eintracht und dem F u h - ballklub 1919, das die Eintracht mit 3:1 gewann. D. f. B. (-) Die Ligareservemannschaft, die sich in der zurückliegenden Derbandsserie die Meisterschaft der Gruppe Gießen-Butzbach holte, trat gestern auf neutralem Platz in Dillenburg gegen den Gruppenmeister von Wehlar- Dillkreis, F. E. Frohnhausen, zum Entscheidungsspiel um die Gaumeisterschaft der A- Klasse an. D. f. D. ging auf Grund seiner starken Aufstellung mit den besten Hoffnungen nach Dillenburg, kehrte aber sehr enttäuscht zurück. Die gänzliche Unzulänglichkeit des Schiedsrichters hat die weitaus bessere Mannschaft um den wohlverdienten Sieg und damit um die Meisterschaft gebracht. Richt das hiermit die eigene Riederlage beschönigt und der Sieg des Gegners geschmälert werden soll: tatsächliche, gröbste Fehlentscheidungen des Unparteiischen verhalfen Frohnhausen zum billigen Erfolg. Der Spielverlauf selbst ist geradezu dramatisch zu nennen. Bis Halbzeit konnte der Gegner durch äußerste Kraftentfaltung trotz technischer Heberlegenheit der D. f. D. - E l f das Spiel meist offen gestalten, es gelang ihm sogar unter Airsnutzung eines Mißverständnisses der Berteidigung das Füh-- rungs- und damit Siegestor zu erzielen. Während Frohnhausen durch allzugrohen Kampfes- und Siegeseifer seine Kraft und Energie verbraucht hatte, hatte D. f. D. in taktisch kluger Weise bis dahin fast verhalten gespielt, um nun in der zweiten Halbzeit, dank seiner ökonomischen Kräfteverwaltung und reiferen Technik den ausgepumpten Gegner in seiner Hälfte einzuschnüren. Trotz zahlreicher Berteidigung Frohnhausens gelang es denn auch zweimal, den Ball zwischen all den vielen Beinen hindurch ins Reh zu schieben, jedoch mit dem Erfolg, daß der Schiedsrichter die beiden Tore in ganz unverständlicher Weise als solche nicht anerkannte, ohne sogleich einen Grund dafür angeben zu können. Seiner späteren Behauptung, dah^es „Abseits" gewesen sei, widerspricht allein die Tatsache, daß sich fast die gesamte Mannschaft des Gegners vor dem eigenen Tor befand. So blieb es bis zum Abpfiff beim 1:0 für Frohnhausen, das als glücklicher Sieger und Gau- meister demnächst gegen den Gaumeister von Marburg um die Lahnkreismeisterschaft der A-Klasie anzutreten hat, Sofern D. f. B. sich nicht durch energischen Protest dagegen verwahrt, daß selbst eingestandene Hnsähigkeit eines Einzelnen übe/ anerkanntes Können einer ganzen Mannschaft siegt. Aus dem Arbeiter-Turn- und Sportbund. Jugend Klein-Linden — Alten-Duseck 2:2 (0:2). s. Die beiden Iugendmannschaften maßen in Klein-Linden am gestrigen Sonntag in einem Freundschafts-Rückspiel ihre Kräfte. Die Spieltechnik war bei den Gästen die bessere, wogegen das Eckenverhältnis 4:0 zugunsten Klein-Lindens | Gefühl kann man auch Wissen sagen —, daß die Patentlösung noch nicht gefunden oder noch nicht verwirklicht ist. Wird eine solche Einrichtung erst eingeführt, so kostet das Millionen über Millionen, und man kann nicht einfach zu einer anderen übergehen, wenn es sich Herausstellen sollte, daß das eingeführte Verfahren die Hnglücksfälle nicht vermindert, sondern sie vielleicht sogar vermehrt. Der Einwand freilich, daß solche Vorrichtungen die Aufmerksamkeit der Lokomotwführer untergraben, toeii ja eine Hn- aufmerksamkeit selbsttätig unschädlich gemacht wird — oder wenigstens unschädlich gemacht werden soll —, kann nicht als stichhaltig angesehen werden, denn selbstverständlich müssen alle solchen Vorrichtungen mit Registrierapparaten verbunden werden, die jede Unterlassungssünde des Führers gewissenhaft aufzeichnen — auch wenn sie nicht zu einem Unfall geführt hat — und ihm bie Pflicht zur Verantwortung auferlegen. Som» men wird und muh die Zugbeeinflussung in Abhängigkeit von den Signalen, aber sie darf erst dann kommen, wenn es eine gibt, die die Aufgabe vollkommen und nicht nur halb löst, eine, die wirklich das Heberfahren eines auf „Holt" stehenden Hauptsignals — und sei es auch nur um 1 Meter — mit Sicherheit verhindert und dabei nicht durch unnötiges Intätigteitlreten den Be- trieb verzögert oder verschlechtert und die Fahrgaste beunruhigt, vor allen Dingen aber eine die öie erörterte Gefahr beseitigt, ohne etwa andere Hnfallquellen an ihre Stelle zu sehen. Wenn es aber erst eine solche Vorrichtung, gibt, dann wird die Reichsbahn sicher die erste sein, die zugreift: denn wenn eine'solche Vorrichtung auch teuer sein wird, so wird sie immer noch billiger sein als der Ersatz des bei Hn- glücksfällen entstehenden Schadens — ganz abgesehen von Erwägungen der Menschlichkeit. Das ist eine von irgendwelchen „amtlichen" Erwägungen ganz unabhängige und unbeeinflußte Heberzeugung: zu einer ähnlichen Auffassung muh wohl jeder kommen, der die Frage unvoreingenommen und mit der gebotenen Gewissenhaftigkeit durchdenkt. Bedauerlich wäre es jedenfalls, wenn die öffentliche Meinung, der „technisches Denken" oft recht fern liegt, einen Einfluß auf die lediglich auf dem Gebiet der Technik liegenden Maßnahmen der Reichsbahn gewänne! aussiel. Etwas mehr Schuhfreudigkeit und Stellungsspiel dürfte Klein-Linden zum Siege verhalfen haben. Leichtathletik. Akademische Turnverbinduug Marburg. Hervorragende sportliche Erfolge hat in diesem Sommersemester Die Akademische Turnverbindung .Marburg. Mitglied des Akademischen Turn- bundes (A. T. B.). zu verzeichnen. Zu Beginn des Semesters wurde sie B ezir ks mei st er der Deutschen Turnerschaft in Faust- und Handball. In der Handball mann schäft der Hniversität Marburg, die die Technische Hochschule Charlottenburg mit dem hohen Ergebnis 7:1 überlegen schlug, spielten 9 A.-T.-Ber. Bei den Hniversitätsmeisterschaften gewann die A. T. V. Marburg von 16 Wett- betoerben nicht weniger als 12. An dem Lauf quer d u r-ch Marburg beteiligte sie sich mit drei Mannschaften und belegte den 1., 4. und 6. Platz. Bei den Gau Meisterschaften in Frankfurt wurde die Schweden staffel Gaumeister und bei den Kreismeisterschaften in Koblenz Kreismeister 6er Deutschen Turnerschaft. DoppeMeg Dr. Peltzers in Kopenhagen. Dr. P e l tz e r siegte bei den internationalen Leichtathletikwetikämpfen in Kopenhagen sowohl im 400-Meter-Laufen in 49,5 gegen Jensen- Kopenhagen 51,8 und Larsen- Kopenhagen 53,2 als auch über 1500 Meter in 4:1,3 vor Larsen 4:5,3. Boitze- Stettin wurde hier Vierter. Den bereits 1923 in diesem Rennen errungenen Sandeman-Pokal hat Dr. P e l h e r damit zum zweitenmal gewonnen. Schwimmen. Die Schwimm-Meisterschaften des MitteSrheinkreises der D.T. — Von der Turngemeinde Oberlahnstein trefflich vorbereitet, konnte das 7. Kreis- fchwimmfest der mittelrheinischen Turner im Oberlahnsteiner Hafen bei sehr guter Beteiligung einen ausgezeichneten Verlauf nehmen. Die aufstrebende Bewegung des Turnerschwimmens. worüber wir kürzlich interessante statistische Angaben bringen konnten, hat im Mittelrheinkreis besonders schöne Fortschritte gemacht. Das zeigte sich auch beim diesjährigen Kreis- schwimmfest, nicht allein in der Tatsache, daß aus 17 von den 27 Gauen des Kreises 38 Vereins Turner und Turnerinnen zu den einzelnen Wettkämpfen gemeldet hatten, sondern auch in den zum Teil vorzüglichen Leistungen, die sich im allgemeinen ganz wesentlich gebessert haben, wie auS der Oiegcrhfte zu entnehmen ist. Dabei ist zu beachten, daß es sich um ein völlig ström- freies Schwimmen im Hafen handelte. Der Gau Hessen war durch seinen rührigen Gauschwimmwart F. Sauer-Gießen (außer ihm betätigten sich aus dem Gaugebiet noch die bekannten Turnerschwimmer David Otto- Wetzlar und Karl Horeyseck - Gießen als Kampfrichter) und die auf dem Gebiete des Schwimmens führenden Vereine: T v. 13 4 6 Gießen, T v. Wetzlar und T g m. Friedberg würdig vertreten, der benachbarte Sin« zig - Gau durch den T v. B üd i n g e n , der dem Schwimmsport ebenfalls ganz besondere Aufmerksamkeit widmet. Von den Leistungen der Assisi. Von Gustav W. Eber lein (Rom). Hm Franziskus zu verstehen, muß man in lein Land gehen, wandern durch seine zerklüftete Zeit, sich umschauen in seiner zerrissenen Seele. Die Jäger nennen sich gerne Hubertusjünger und vergessen dabei, daß ihr Schutzpatron gerade deswegen zum Heiligen wurde, weil er kein Tier mehr toten wollte. Hub wie Hubertus, so war auch Franziskus vorher einer der größten Lüstlinge und Wüstlinge seiner Zeit, die seine Jugend an Ausschweifungen vergeudete und dieses Leben der Sinnenfreude erst wegwars, als er es fatt hatte bis zum Heberdruß. bis zum Ekel. Ihm leuchtete das Kreuz auf — in den Augen eines weiblichen Wildes — in dem Augenblick, too andere Entwurzelte zum Strick greifen. Hnd ber begnadete Strahl aus anderen Fernen traf ihn ein zweites Mal, als er strauchelte. Man wird zum Dichter geboren, nicht zum Heiligen. Der Heilige läßt sich erziehen. Hnd bte Kirche schätzt die Bußfertigen noch mEhr als die Gerechten. Denn aus den größten Buhlerinnen werden die größten Beterinnen und die büßende Magdalena, die schöne Sünderin, erscheint uns zumindest interessanter als das von Haus an sittsame Gretchen. Den immer gottes- sürchtig gewesenen Luther können wir uns nur schwer als Heiligen vorstellen, obwohl er, betrachtet man seine geistige Tätigkeit, ungemein wel Ähnlichkeit hat mit dem Reformator des christlichen Lebens, dem gewaltigen Prediger und Gelehrten Franziskus. Luther ist förmlich bas protestantische, beutsche Gegenstück zu dem Or- bensstifter von Assisi. Er ist mit Dürer Der- toanbt wie Franziskus mit Raffael. Den Hintergrund aber bildet immer, gleichviel, ob es sich um einen herben Holzschnitt ober ein weiches Oelgemalbe hanbelt, bie ideale Landschaft wie sie alle mittelalterlichen Künstler liebten, wie man sie noch heute in Umbrien findet. Wer mit verbundenen Augen auf die weltberühmte Terrasse der Präsektur von Perugia gebracht würde, der müßte nach dem Fallen der Binde ausrufen: „Wo bist du, Franziskus? Hier ist deine Heimat!" So sicher lebt in uns, die wir, wer weiß wann und wo, einmal alte Le- heimischen Vereine verdient besondere Erwähnung die 4x50-Meter-Staffel der Gießener Turnerinnen (Hannile Weeg, Lina Haubach. Gretel Hammel, Ida Hauck vom Tv. 1846). Wenn die siegreiche Turnerinnenmannschaft auch nicht den ersten Platz belegen konnte, so hat sie mit 3 Min. 22,2 Sek. ihre bei früheren Veranstaltungen erreichten Zeiten aber ganz wesentlich verbessert, und gezeigt, daß sie zu den besten deutschen Staffeln zählt. Die Wettkämpfe selbst fanden in Ober- und Mittelstufe statt: für Turner, Altersturner und Turnerinnen. Die meisten Meldungen, 30 an der Zahl, gab es beim Brustschwimmen der Turner in der Mittelstufe, ebenso waren die Wettkämpfe im Springen, in welcher Kunst die Turner- schäft von jeher Hervorragendes geleistet hat, gut besetzt. Zum erstenmal gab es bei einem Kreisschwimmfest auch ein T u r m s p r i n- g e n. Die äußerst spannenden Wettkämpfe gaben gleichzeitig eine Hebersicht über die Meldungen für bas 5. Schwimmfest der D. T., das am 14. und 15. August im Rheinstabion zu Düssel - Dorf veranstaltet wirb. Ein einzig schönes Bild boten die allgemeinen Freiübungen, unter Leitung des Kreisschwimmwarts Bitsch (Frankfurt a. M.) auf der Landzunge zwischen Hasen und Rhein von etwa 250 Turnern und Turnerinnen wirkungsvoll ausgeführt. Hm ein Bild von Den Leistungen der mittel- rheinischen Turnerschwimmer zu geben, veröffentlichen wir im Auszug von den wichtigsten der insgesamt 31 Einzelwettkämpfe, von den 4 Mehrkämpfen und 13 Staffeln die ersten Sieger, außerdem noch die Erfolge der obengenannten heimischen Vereine. Turner-Oberstufe. H a u p t s p r i n g e n: 1. 21. Jüngling, Tgm. Darmstadt. 661 t Punkte: 4. Willi Schäfer, Tv. Wetzlar, 57*/2 P. 200-Meter-Lagenschwimmen: 1. H. Fuchs. Tv. Offenbach a. 211., 3 Min. 17 Sek. 100-Meter-B rüst schwimmen. 1. W. Späth, Tgm. Darmstadt, 1 Min. 27 Sek. 1 0 0 - M e t e r - S e i t e n s ch w i m m e n: 1. L. Rausch. Tv. Offenbach, 1 Min. 21,5 Sek. Turmspringen: 1. H. Listmann, T. u. F. Kl. Frankfurt a.M.. 59'/. P. Strecken tauchen:!. Friedrich Kratz, Tv. Büdingen, SO1/. Meter in 58-', - Sek. 4 0 0 Meter, beliebig: 1. F. Kamstein, Tv. Frankfurt a. M., 7 Min. 17,2 Sek. Die Leistung wurde in der Mittelstufe von F. Weiß. Tgm. Darmstadt, mit 6 Min. 23,3 Sek. wesentlich überboten. t Mehrkampf: 1. A. Jüngling, Tgm. Darmstadt, lö0s/i P.: 3. Hans Geismar, Tv. 1846 Gießen, 80 '' i P. Dreimal - 100 - Meter - Freistil- staffei: 1. Tv. Offenbach, 5 Min. 7,7 Sek. Viermal - 100 - Meter - Brust- ftaffel: 1. Tgs. Darmstadt, 6 Min. 13.8 Sek. 100-Meter-Rückenschwimrnen:l.I. Lohrer, Tgs. Darmstadt, 1 Min. 25,2 Sek. 100 Meter beliebig: 1. H. Fuchs, Tv. Offenbach, 1 Min. 11,5 Sek. Viermal - 100 - Meter - Lagen- ftaffel: 1. Tv. Offenbach, 5 Min. 47 Sek. R h e i n st a s f e l: 1. Tgs. Darmstadt. 2 Min. 41,2 Sek.: 2. Tv. Wetzlar, 3 Min. 5 Sek. Iitrner-lftiHelffitfc. 100 Meter Brust: j. H. Habich. Tgm. Darmstadt, 1 Min. 32 Sek.: 4. Fr. Fölch, Tv. Wetzlar, 1. Min. 35,8 Sek.: 5. F. Becker, Tv. Wetzlar. 1 Min. 36 Sek.: 7. K. Sehmig, Tv Wetzlar, 1 Min. 37.3 Sek. Viermal - 100 - Meter - Brust- staffel: 1. Tv. Wetzlar, 6 Min. 22,4 Sek. 100 - Meter- Rückenschwimmen: 1. W. Schäfer, Tgm. Friedberg. 1 Min. 34 Sek.: 2. K. Sehmig. Tv. Wetzlar. 1 Min. 36 Sek.: 3. E. Link, Tv. Büdingen. 1 Min. 40,4 Sek. 10 0 - Meter - Seitenschwimmen: 1. W. Angermüller, Tv. Mainz, 1 Min. 213 ;> Sek.: 4. Hans Geismar, Tv. 1846 Gießen, 1 Min. 28- , Sek. Viermal- 100 - Meter - Lagenstaffel: 1. Tv. W e tz l a r 6 Min. 16,2 Sek. Turnermnen-Obersiufe. 10 0 - Meter -Seitenschwimmen: 1. Mina Henkel. Tv. Offenbach, 2 Min. 6,4 Sek. R h ein st af f e l: 1. Tv. Offenbach, 3 Min. 32,5 Sek. S t r e cke n t a u ch e n: 1. G. Reuland, Tv. Saarbrücken, 44 Meter in 58 Sek. gendenbücher durchblätterten. Kupferstiche in Museen überflogen, Heiligenbilder in uns aufnahmen mitten in einer luftigen Serienreife, ohne zu ahnen, daß sich ein feiner, aber bestimmter Rieberschl^g im Hnterbewußtsein bilden würbe, der Eindruck der Lanbschaft, bie inan nicht hügelig nennen kann, ohne zu blaß, nicht gebirgisch bezeichnen Darf, ohne zu laut zu werben. Ein ins Lila spielender tiefblauer Rebel schwebt über den Tälern, ernst ist bas Grün, von verhaltener Heiterkeit nur bie Ruhe. Eingebettet alle Städte unb Dörfer, fliegt man brüber hin, aber ginnen» haft auf Dergscheitel gebaut, steht man in der Tiefe. Man ahnt, wie schwer, wie lange um dieses Paradies gerungen werben mußte, man möchte einfallen wie ein Vogel und schreckt doch vor irgendeiner Gefahr zurück. Auf alten Bildern sieht Bologna wie eine von zahllose^ Fabrikschloten durchsetzte Arbeiter- stabt aus. Diese vermeintlichen Schlote, von denen nur noch ein paar stellen, unb bie krumm,» waren Wohn- unb Festungstürme bet Familien, die sich bie Herrschaft streitig machten. (Warum hauen wir unsere Fabrikessen nicht zu schön wir- lenben Türmen ober wenigstens Minaretten aus?) Hnb Streit unb Krieg waren auch in Hmbrien bas tägliche Brot, als Franziskus lebte. Roch um feinen fterbenben Leib starrten bie Hellenbarben, noch um bie Leiche rauften sich die Städte. Perugia tag mit Assisi in grimmiger Fehde unb alles wütete gegen Rom, gegen die Päpste. Cs war bie Zeit des Hasses. Hnb da stand Franziskus auf unb lehrte bie Liebe. Wie bas Christentum in der Zeit der Gewalt lehrte bas wehrlose Dulden. Das war bie große Tat des Heiligen. Luther schenkte uns die deutsche Sprache, Franziskus bie italienische. Es führt ein gerader Weg von ihm zu Iacopone da Todi. zu Petrarca unb Dante. Das ist fein literarisches 23er» bienst. 2ch liebe ihn, weil er, bas war fein menschlicher Ruhm, die Tiere liebte. Als ich aus bem biblisch schönen Choraestühl einer hohen Bergkirche heraustrat-, da sah ich ben Lerchenschwarm sich nicbcrlaffcn auf feine Laubhütte, um seinen letzten Hauch auf^unebmen unb hinauszujubeln ins göttliche Blau. Wenn ich einen zahmen Wolf sehe, so sehe ich seine streichelnde Hand. Hauptspringen: 1. A. Kapp, Tv. Homburg v. d. H., 53s ch- l o n d. Aus Tokio wird gemeldet, daß das japanische Ministerium für Industrie den japanischen großen Industrie-Gesellschaften erlaubt hat, in Deutschland Stahl für japanische Stahl-Produkte anzukaufen. Nach einer Meldung des japanischen Blattes „Hozi" werden diese Käufe sich auf. über 5 Mill. Yen belaufen. Das Auftreten des deutschen Stahls auf dem Markte des fernen Ostens wird die Nachfrage nach amerikanischem Stahl stark vermindern, der bis jetzt für viele Millionen Yen in Amerika gekauft wurde. Berliner Börse. Berlin, 2. Aug. In der neuen Woche fand die Börse günstige Voraussetzungen für eine feste Tendenzgestaltung vor. Die Dis- konterhöhung der Dank von Frankreich und die '^Annahme der Finanzproielte durch die fran- ^-zösische Kammer führte zu einer Besserung des französischen Frankens um 10 Punkte. Außerdem lagen vom deutschen Eisen- und Kohlen markt sowie aus der Maschine nindu st rie günstige Berichte vor, deren Wirrung auf die Tendenz noch durch die Auslassungen in den Monatsberichten der Großbanken verstärkt wurde. In diesen stellen die Banken eine allgemeine Besserung der deutschen Wirtschaftslage fest, die eine Bestätigung in dem weiteren Rückgang der Konkurs- und Arbeilslosenziffern findet. An den Terminmärkten fanden nach der glatten Abwickelung des Ultimos bedeutende Engagements der Spekulation statt. Montan«, Elektro- und Schiffahrtsaktien hatten Kurssteigerungen von 3 bis 5 Prozent aufzuweisen. Auch Bankaktien fanden unter dem günstigen Eindruck der Zweimonatsbilanzen gute Beachtung. Im Devisenverkehr besserte sich Paris gegen London auf 190. Die Umsätze waren allerdings gering, da heute in London Feiertag ist. Am Geldmarkt sind kurzfristige Mittel noch etwas angespannt. Tagesgeld stellte sich auf 5,5 bis 6,5 Prozent. Monatsgeld war zu gleichen Sähen zu hören. Börsenkurse. Frankfurt a.M. Berlin Schlug- 1-Uhr- Schluß. Anfang flurs Kur» Kur» aurs Darum: 30.7. | 2. 8. 30. 7. 2. 8. 5% Deutsche Rcichsanlethe 0.4975 0.500 0.50 0,4925 4% Deutsche Rcichsanleihe • — — 0,4575 0,4775 37,% Deutsche Reichsauleihe 0.475 — 0.46 0,4625 3% Deutsche AeichSanlclhe . 0.52 — 0.52 0.54 Deutsche Svarprämicnanleihe 4% Preußische Kontols • . • 0.27 —- 0,2725 — 0.47 — 0.4625 0,46 4% Hessen..... • 0,45 — — —— 3%% Hessen......... 3% Hessen........... Deutsche Werrb. Dollar-Anl. 0,43 _ 0,445 0.44 — 96 — 98 — dto- Doll-Schau-Anweilug.*! — — — — 4% Zolltürlen......... 13.5 13,5 13,5 — 5% Goldmerikaner ... ■ 44,5 — 43,5 — Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- and Prival-Bank 186 — >85' 187’ V>V 139* 137.5* 138' Tarmst. und Naiionalbank - 187- 187* 187’ 187,5' Deutsche Baut........ 170.9' — 170* 172.5* Deutsche Bereinsbank • • . • 90.5 — — — Disconto Commandir . . 156.5’ 160.5’ 156,5' 160,5* Metallbanl......... 125 — — — Mitteldeutsche Kreditbank . . 127 — 127’ — Ocsterreickische Creditanstalt. Weltbank ........ < - — 7.4 7.5 — — — — Bochumer Guß - ....... 144' 145,9* 144.6’ 146.7’ Buderuö • ........ 93,4 95 94.75 95,75* Caro .......... . 78,5 — 79,75* 83 Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . 148,5* 169' 150' 172’ 141.1* 169,7* 152' 172’ Harpener Bergbau...... 154,7* 158.5' 154.9’ 157.9* Kaliwerke Aschersleben.... 137* 138' 137' 139,5' Kaliwerk Westeregeln. . . « < 148 148.1* 147,75 149- Laurahütke......«... 59,25 59.75 58,9 60 Oberbedars........... 69 76* 69,75 71.75' Pbönir Bergbau ....... >19- — 118,9’ 120* Ryeinitahl........... Nicbcck Montan - ....... 140.5 145' 140,9' 144,9* 147 149 116.7- 147.75 Tellus Bergbau. ...... 71 — — Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovo • ... 152 148* 157' 151* 151,7* 148' 156,5* 151,7’ Cheramische Werke Albin . . 50 — — — Zementwerk Heidelberg . . 110 101.5 — — Philipp Holzmann...... 85 86,25 85,4 —- Anglo-Cont.-Guano..... — — 82 — Chemische Mayer Alapin . . — — — I. G. Farbenindustrie, A.-G. Goldschmidt......... 253.5' .-59,5* 255.7' 259,9' 93 — 94.9 97 Holzverkohlung........ 48 47,5 — - Rütgerswerkc........ 109 — 109,9 Scheideanstalt ........ 140 144.75 — — Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 142.2- 146* 141,7* 145,2' Bergmann ......... 133* 134* 132’ 137' Mainkraftwerkc........ 3 98 — — — Schlickert........... 125,2 — 125.9* 128,9* Siemens 4 HalSkr ...... 169.5- 171' 169' 175,5* Adlcrivcrke Klcyer...... 79.5 81 79 79,75 Daimler Motoren. ...... 86.75 88 87.5 89 öevligenstaedi - • ...... Meguiu............ 24 — — — 43,75 — 43,5 — Motorenwerke Mannheim — — 34,5 — Frankfurter Annaluren . . . 15 — — — Konservenfabrik Braun . . 37,25 — — — Metallgescttlchaft Frankfurt. Pct. Union A.-G...... 135.5 83,75 139 85 — «Schuhfabrik Herz...... 38 — — — Sichel.............. 3,15 — 3,5 — ^ellstmi Waldhoi...... 158 156,5 157.75 159 Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . 68,5 —- 67,75 —- 81 85,25 80,75 — frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 2. August. Tendenz: fest. Die Börse eröffnete die erste Augustwoche infolge der glatten Tleberwindung des Ultimo in vertrauensvoller (Stimmung, nachdem vorbörslich eine gewisse Unsicherheit wegen der im Ruhrgebiet erhobenen neuen Lohnforderungen der Bergarbeiter bestand. Die Unternehmungslust hat gegen die Vorwoche etwas zugenommen. Aus allen Aktienmärkten war eine f e st e Haltung zu beobachten. Bevorzugt waren wieder Spezialwerte des Montan-, Elektro-, Farben- und O e l m a r k t e s. Die Kurssteigerungen betrugen im allgemeinen 2 bis 5 Prozent. Ein Teil dieser Erhöhungen wurde allerdings bereits am Samstag im Verkehr von Bureau zu Bureau erreicht. Von M o n- t anwert en waren besonders stark gesteigert: Mannesmann plus 4,5 Proz., Oberbrdarf plus 4,5 Proz. I. G. Farbenaktien zogen bei lebhafter Nachfrage um 2 Proz. an. Scheideanstalt plus 0,75 Proz. Holzverkohlung erlitten dagegen als einziges Papier eine Einbuße von 1,2 Proz. Don Elektrowerten waren AEG. um 2,5 Prozent und Siemens & Halske um 3 Prozent stärker gesteigert. Bankaktien lagen weiter fest, mit Ausnahme von Darnatbank, die 0,5 Prozent nachgaben. Deutsche Bank plus 3 Prozent. Schifsahrtsaktien hatten bei stärkerem Interesse gute Kursavancen aufzuweisen. Hapag plus 3,5 Prozent, Nordlloyd plus 2 Prozent. Motorenaktien waren wenig verändert. Für Zuckeraktien bestand rege Nachfrage bei lebhaften Steigerungen. Badischer plus 4 Prozent, Offstein plus 3 Prozent, Heilbronn plus 2,5 Prozent, Frankenthal plus 1,13 Prozent. Metallgesellschaft konnten um weitere 3,5 Prozent anziehen. Von Bauaktien gingen Zement Heidelberg 5Prozent höher. Auch Zellst o f f a k t i e n lagen überaus fest. Deutsche Anleihen recht still. Die Kurse waren kaum verändert. Für ausländische Renten war das Interesse ebenfalls nur gering. Der Freiverkehr war ruhig. Benz 85, Brown Doveri 115, Growag 60, Frankfurter Handelsbank 85. Ufa 43, Ufra 90 Proz. Der weitere Verkehr wies Schwankungen auf. Bei fester Grundstimmung schwächten sich einige stark gesteigerte Werte mäßig ab. Der Geldmarkt zeigt immer noch eine gewisse Anspannung. Lagesgeld dürfte sich auf 6 Proz. stellen. Monatsgeld 5l/4 bis 6x/2 Proz. je Adresse. Privatdiskonten 4 bis 41,2 Proz. Industrieakzepte 51/, Proz. Irn Devisen verkehr konnte Paris infolge der Diskonterhöhung der Dank von Frankreich und der Annahme der Finanzprojette durch die Kammer sich gegen London stark erholen und notierte 190, Brüssel stellte sich auf 192 gegen das Pfund. Mailand gegen London 151,50. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 30 Juli. 2. August. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brier Geld Briet Amst.«r)ioil 168,57 168.99 168,56 168,99 Buen.-Aires 1.698 1,702 1,698 1,702 Brss.°Antw 10.57 10,61 11,06 11,10 Christiania. 91,88 92,12 91,88 92,12 Kopenhagen 111,26 111,54 111,33 111,61 Stockholm . 112,26 112,5! 112,26 112,64 Helssngfors 10,55 10,59 10,55 10,59 Italien. . . 13.50 13,54 13,70 13,74 London. 20,39! 20,446 20,392 20,444 Neuyork . . 4,195 4,205 4,195 4,205 Paris. . . 10,085 10,125 10,78 10,82 Schwei; . . 81,13 81.33 81,17 81,37 Spanien . . 64,52 64.68 64.27 64,43 Japan . . . 1,977 1,981 1,989 1,993 !liio de Jan. 0.643 0.645 0,643 0,645 Wien in D-- Oest. abgest 59,35 59,49 59,35 59,49 Prag .... 12,418 12,453 12,422 12,462 Belgrad . . 7.39 7.41 7,40 7,42 Budapest. - 5,872 5,892 5,862 5,882 Bulgarien J.03 3,04 3,035 3,045 Lissabon 21,455 21,505 21,425 21,475 Danzig. . 81,60 81,80 81,61 81,81 Konstantin. 2,35 2,36 2,38 2,39 Athen. 1,79 4,81 4,69 1,71 Canada. . 4,198 4,208 4,198 4,208 Uruguav 4.155 4.165 4.155 4.165 a r l L -.. c»e r G e t r e i d etr ö r s e. Frankfurt o. M., 2. Aug. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer. 32 Mk.; Roggen, inländischer. 22—22.25; Hafer, ausländischer. 21,25—23; Mais. gelb. 18,2".—18,50; Weizenmehl, inländisches. Spezial 0, 43,25—43.75; Roggenmehl 31,50—32; Weizenkleie 9; Roggenkleie 11; Erbsen 32—48; Linsen 45- 75; Heu. 'üddeutsches. gut. trocken, altes. 10; do. neues 8; Weizen- und Roggenstroh, altes, 5,50—6; do. neues 4; Treber, getrocknet 15,50. Tendenz: stetig. Frankfurter Schlachtvichmartr. Frankfurt a. M., 2. Aug. Auftrieb: Rinder 1632 Stück; darunter Ochsen 425, Bullen 61, Färsen und Kühe 1146, Kälber 589; Schafe 90, Schweine 3590. Rinder: Ochsen, oollfleischige ausgewachsen.- höchsten Schlachtwertes 58 dis 62, junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 50 bis 57, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 43 bis 49. Bullen: Bollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 50 bis 54, vollfleischige jüngere 42 bis 49. Färsen und Kühe: Bollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 58 bis 62, vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren 50 bis 55, wenig gut entwickelte Färsen 46 bis 57, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 40 bis 49, mäßig genährte Kühe und Färsen 30 bis 40, gering genährte Kühe und Färsen 16 bis 18. Kälber: feinste Maftkälber 68 bis 74, mittlere Mast- und beste Saugkälber 60 bis 67, geringere Mast- und gute Saugkälber 42 bis 59, geringe Saugkälber 40 bis 51. Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 45 bis 50, geringere Masthämmel und Schafe 35 bis 44. Schweine: Bollfl. von 80 bis 100 Kg. 79 bis 82, unter 80 Kg. 72 bis 78, von 100 bis 120 Kg. 78 bis 81, von 120 bis 150 Kg. 78 bis 81, Fettschweine über 150 Kg. 76 bis 80. Marktverlauf: In Rindern verbleibt bei langsamem Handel geringer Ueberstand. Kleinvieh wird bei mäßig regem Handel geräumt. Schweine bei mäßig regem Geschäft nahezu ausverkauft. Berliner ProDuLicnbörse. Berlin, 31. Juli. Die Tendenz int Berliner Produktengeschäst war heute ziemlich stetig, die Umsahtätigkeit weiter ruhig. In Weizen ist seit gestern ziemlich viel Material gehandelt worden, das noch dem Zoll unterliegt. Die heutigen Andienungen, meist Manatoba-We^en, gleichen Juli-Verbindlichkeiten ziemlich aus, so daß noch weitere Deckungen möglich waren. Der Julikurs zog um 3 Mark an, während Herbstmonate bis 1 Mark niedriger wurden.- Von Roggen waren die Andienungen nicht durchweg kontraktlich, so daß auch hier in meisten Quanten zu 6 Mark höhere Preise zu decken waren. Herbstlieferung konnte sich ähnlich tote Weizen nicht voll behaupten. In Wintergerste belebt sich das Geschäft, sonst ruhig. Auch Hafer füll bei mäßigem Angebot. Mehl in Ware meist fest, für späte Lieferungen fehlen Käufer. Cs wurden notiert für 1000 Kilo: Roggen, märt., 190 bis 195; Sommergerste 190 bis 205; Wintergerste (neue) 162 bis 170; Hafer, märt, 197 bis 207; Mais (loko Berlin) 175 bis 177; Raps 355 bis 360; für 100 Kilo: Weizenmehl 38,50 bis 40,50; Roggenmehl 27,25 bis 28,75; Weizenkleie 10,25- bis 10,50; Roggenkleie 11,25 bis 11,50, Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Dienstag. 3. August. 4.30—5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters:■ „Alla Turca". 5.45—6.05 Uhr: Die Lesestunde. 6.45—7.15 Uhr: Funkhochschule Frankfurt: „Beobachtungen bei den Deutschen Kampfspielen", Vortrag von Dr. Hagen. 7.15—7.45 Ähr: Italienischer Unterricht. 7.45—8.15 Uhr: Schachstunde. 8.15—9.15 Uhr: Uebertragung aus der Lukaskirche: Orgelkonzert. 9.15—10.15 Uhr: Uebertragung aus Kassel, Heiterer Abend. Letzte Nachrichten. Asien den Asiaten. London. 2. Aug. «WTD. Funkspruch.) „Times" berichtet aus Tokio: Gestern wurde in Nagasaki eine transasiatische Konferenz unter Beteiligung von 51 Delegierten Japans, Indiens, der Philippinen und Koreas eröffnet. Wegen ihres Argwohns gegenüber den Koreanern haben die Chinesen die Konferenz boykottiert. Die Konferenz fordert u. a. den Zusammenschluß der asiatischen Völker. den Bau von transasiitischen Bahnen, die Schaffung von Banken zur Erleichterung zwischenasiatischer Kredite, die Schaffung einer Gesellschaft zur Hebung des transasiatischen Handels usw. Es ist der erste Kongreß der Weltgeschichte, in dem die Delegiert : b"; farbigen Rassen Gleichberechtigung 'fordern und die Vorherrschaft der Weißen verurteilen. Verschiedene, namentlich japanische, Delegierte, haben scharfe antienglische Reden gehalten und erklärt, daß England und Australien antijapanisch seien. Die japanischen Redner wiesen ferner vor allem aus i ie japanfeindliche Stimmung Amerikas hin. I Von den japanischen Delegierten sind vier Parla- .aentsmitglieder. Das Programm des Kongresses enthält den Plan der Schaffung einer Entente ? e ;• aI iatischen Rasse. Asien wolle etwas Konkreteres als das. was in den Völkerbunds- latzungen niedergelegt sei. Sommerkur für 4582ss INervenkpanke u. Nervös-Erschöpfte. Spezialkuranstalt Hof heim i. Taunus bei Frankfurt a M. Prospekte durch Dr. .11. Schulze - Kahleyss, Nervenarzt. Die Krummhölzer. Roman aus den bayerischen Bergen. , Bon Michael Wagner. 20 Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Da — dös sans scho!" rief sie ganz aufgeregt. „Und von die Mannsbilder hat er scheint's a oans dabei, der Bauer!" „(yreili — d' Hauptfach!" erwiderte der Förster anzüglich. Die Nandl hatte keine Zeit mehr, darauf zu antworten. Sie stemmte die Hände in die Hüften und schmetterte einen Juchzer zum Wald hinunter, daß es nur so hallte von allen Seiten. „Respekt, Nandl!" bemerkte der Förster anerkennend, i sag halt — bei dir is was dahoam!" „I hab jetzt nimmer Zeit zum Plauschen, Herr Förster! I muaß noch g'schwind 's Sach Herrichten, bis der Bauer da is!" Die Nandl verschwand in der Hütte, wo man sie gleich darauf sehr vernehmlich herumhantieren hörte. Der Annodomini steckte sich inzwischen seine Pfeife in Brand, streckte die Beine behaglich von sich und wartete ... Eine halbe Stunde später saßen die beiden grauhaarigen alten Freunde nebeneinander auf der Bank. „Endslang is her, daß wir zwoa so nimmer beisammen g’sessen sind!" jagte der Annodomini und machte sich an seiner Pfeife zu schaffen. „Schaut grab aus, als ob uns nur mehr der Zufall zamm- brächt' —" „Schau, Annodomini," gab Uracher langsam, bedächtig zurück, es gibt sich halt d' Gelegenheit a nimmer so, wie ehemals." „Hm! —" brummte der andere. '.Und du läßt dich bei uns am Hof a nimmer sehn!" Der Förster zuckte die Achseln. „Zum Zeno komm i oft in d' Werkstatt!" wich er aus. , . , , Aber der Uracher liefe nicht loder. Zum Zeno! — Aber am Hof sieht man dich gar 'nimmer! Woafe Gott, wie lang schon nimmer!" „Werd mir schon was net passen!" „Und dös war?" „Willst es wirklich wissen?" „Sag's nur — werd wohl zum Anhören sein!" „Also nack)her, wennst grab moanst: Seit der G'schicht mit dem Beri gist's mich —" begann der Förster mit einer Miene, als wäre er im Begriffe, dem Freunde mit aller Unnachsichtigkeit seine Sündenregister vorzuhalten. Der Uradjer aber machte eine müde Handbewegung, als wolle er den andern abwehren. Laß die Unglücksg'schicht!" „Eben net!" begehrte der Annodomini auf. „Jetzt muafet's schon anhören! I will dich weiter gar net plagen, Quirin — über wennst net ganz mit Brettern vernagelt bist, nachher mufet doch zugeben, daß der Zeno net umsonst allweil in euch 'neinpenzt hat, wegen dem Beri! Und recht hat er g'habt, der Zeno! Ueberhaupts is mir der Zeno seit der Zeit a lieber Freund worden." Nun schaute er dein Uracher gradaus ins Gesicht. „Hast's noch nie eing'sehn, daß der Zeno recht g'habt hat — Han?" Wie eine Gewisfensforschung hörte sich dies an. Urachers Gesicht aber blieb unbeweglich. Steinern hart. Ein unbeugsamer Trotz widerspiegelte sich darauf. Zwischen den graubuschigen Augenbrauen zog sich eine senkrechte tiefe Falte in die Stirne hinauf. Da stieg dem Annodomini wahrhaftig die Zornesröte ins Gesicht. Die Nase, sein Gefühlsbarometer, färbte sich ganz dunkel und zitterte vor Erregung. „Wie a Stock sitzt da!" grollte er. Uracher nahm die Brauen hoch, nahm die Pfeife aus dem Munde und sagte so ruhig und fest, wie man es von ihm nur gewohnt sein konnte: „Was haft denn bloß allweil mit'm Zeno? — Der Zeno is mir heut und morgen genau so lieb und wert wie gestern und allweil! Da gibt’s für mich nix zum Reden! Und über die Sach mit’m Beri mag i nimmer reden — kurz g’fagt!" „So/ machte der Förster. „So? — No ja, is mir a recht!" Es Hang aber gar nicht danach, als ob er den alten Freund schon in Ruhe lassen wollte. Und wirklich hob er nach einer kurzen Pause von neuem an: „Wie steht's denn nachher eigentlich zwischen dem Toni und dem Zeno?" Uracher zuckte die Achseln. „Dafe die Buam net zammharmonieren, paßt mir selber a net — tät's lieber anders sehn! Zwietracht und Unfried hab i noch niemals um mich leiden können!" Der Förster schwieg und nickte nur bestätigend zu Urachers Aeußerimg. Der setzte seine Betrachtung fort: „Warum hat aber der Zeno damals allweil so drum rumg'redt, als ob so quasi der Hof auf Gant käm, wenn i dem .Toni übergib? Dös war net recht vom Zeno!" „No — unrecht war's aber a net!" „Möcht wissen warum! Der Zeno hat sein 6ad), wie er's sich besser net hat wünschen können — oder net? Was will er denn nachher vom Toni? — Der kümmert sich doch um den Zeno a net! Und machen kann der Toni, was er will! Und i sag dir, daß er's net schlecht macht!" Der Förster klopfte mit Bedacht feine ausgebrannte Pfeife aus. „So?" machte er dabei so nebenhin mit leichter Ironie. „No ja, aber rooafet wenigstens, Quirin, warum daß i nimmer auf ’n Hof komm!" „Also wegen — dem Toni?" Der Förster wiegte überlegend deii Kopf hin und her. „Wegen dem Ton! wär's an und für sich net, verstehst! Wenn er nur a anderer wär! Aber so is er mir z'gschwollen — rund heraus g’fagt! — Quirin — mir zwoa waren dreißig Jahr lang guat Freund und werden's a bleiben, hoff i — trotz alldem! Weilst du allzeit a aufrechter und rechtschaffner Mensch und vor allem — a rechter Bauer warst!" „Und was hast sonst am Toni ausz'setzen?" „Abg'sehii von seiner Patzigkeit vor allem — seine Handelschaften! Die g’fallen mir amal net! I sag dir bloß dös oane: Wenn oaner recht hat in der Beziehung, nachher is' der Zeno — glaub inir's! Was will er denn? Daß der Toni euern schönen alten Hof weiterregiert, wie fid)’s g'hört! Statt dessen werkelst du als Austrägler weiter, damit der Herr Toni den g'fchwollnen Gutsbesitzer lind — und Großhändler spielen kann! Daß i net lad)!" Die letzten Worte sprudelte der Annodomini mit einem Ingrimm hervor, der keinen Zweifel darüber aufkommen liefe, daß ihm nicht zum Lachen zumute war. „Was schadt' denn dös dem Hof?" hielt ihm nun Uracher dawider. „Der Toni will halt oaner von den Neuen fein. Alles is mir selber a net recht, aber döswegen braucht doch kein Unrecht z'sein?!" „Woher doch!" höhnte der andere. „Sag' mir bloß, was der Toni — a was, i mag mich gar nimmer ärgern! Was geht's mich schließlich überhaupt an!" brach er plötzlich ärgerlich ab. „Aergern brauchst dich doch net," meinte Uracher in aller Ruhe, „—mir reden uns halt amol aus, weil sich grab die Gelegenheit so schickt. Hab sonst allweil von dir gern Rät und Meinung g'hört — bösmal aber scheint's, kommen wir net zamm!" „Mhm!" knurrte der Annodomini. „Was brummst denn bloß allweil — du alter Brummbär?" „Wär a Wunder, wenn man da zuaschaun inuafe, wie du so blind und vernagelt bist! Mir scheint, du wirst mid) erst verstehn, wenn amal der Gendarm auf'n Hof kommt oder der — Gerichts- vollzieher!" Da lachte der Uracher so gerade und frei hellauf, wie wohl schon lange nimmer. Angeregt legte er dem Freunde die Hand auf die Achsel. „O mei, Annodomini! Da hab i die weniger Angst! — Ja, wie dir nur so was einfallen kann!" Dann wurde er wieder ernst. „Freili — wennst du den Toni a so einschätzt, nachher versteh i alles! Aber da tust ihm unrecht!" So sicher und überzeugt llang’5, daß es schien, als scheue sich der Annodomini, solche iinerschütterliche Zuversicht weiter zu untergraben. „Wär ja recht, Quirin, wenn s anderst wär! Aber laß dir sagen: So ehrlich wie i moant’s n der Zeno! Der fürcht ja bloß um den Hof, meil’s feine Hoamat is! Vielleicht kenn i den Zeno besser als du!" । „Und i sag dir — es gibt mx zum Fürchtest beim Toni, was dem Hof schaden könnt! Wenn er a diamal so Spinnereien hat! Der Zeno sollt' sich doch solche Gedanken aus dem Kopf schlagen — d,e stiften bloß Zwietracht und Verdruß! Und i möcht' an Fried auf meine alten Tag!" Allzuviel aber wollte der Förster nun doch nicht nachgeben. „Meinetwegen," warf er ein, schauen wir halt zu, was mehr Verdruß bringt!" (Fortsetzung folgt.)