m. 152 Erstes Blatt 176. Jahrgang Hreitag, 2. Juli 1926 MetzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck un» Verlag: vrühl'lch« UniverfitAs-vuch- und Lteindruckerei R. Lange in Sieben. Schristlettnng utiö Seschästsstelle: Schulftratze 7. Annahme van Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wich. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Iüstel. sämtlich in Dietzen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Mouats-Bezugspretr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. 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Premierminister Baldwin führte aus, wenn Leine direkten Verhandlungen erfolgten, dann habe er keine Hoffnung auf eine Aenderung der Lage. Gr fragte die Arbeitervertreter, ob sie sämtlich in ihren innersten Herzen fest davon überzeugt seien, daß die vom Bergaroeiterverbnnde befolgte Politik verständig sei. Wenn noch jetzt der Bergarbeiterverband den Bericht der Kohlenkommission mit allem, was er einschließe, annehme, wie dies den Bergleuten so oft von vielen ihrer besten Freunde angeraten worden sei, dann glaube er, daß eine für beide Seiten befriedigende Regelung .erzielt werden könne. Bei Schluß der Unterhausdebatte erklärte der Arbeitsmini st er u. a., es sei nicht richtig, daß die achtstündige Arbeitszeit zu einer Vermehrung der Unfälle führe. In der letzten Arbeitsstunde pflege zwar die Durchschnittszahl der Unfälle größer zu sein, als in den übrigen Stunden, aber nach Einführung der siebenstündigen Arbeitszeit seien die Unfälle zahlreicher gewesen, als beim Achtstundentag, wahrscheinlich, weil mit größerer Hast gearbeitet wurde. Der Minister fuhr fort, er würde es sehr bedauern, wenn es mit anderen Ländern einen W e i t l a u f in bVt Frage der 21V* beitszeit oder bezüglich der Lohnherabsetzung geben sollte. Die Kohlentommission fordere in ihrem Bericht ein Zugeständnis der Bergleute entweder bezüglich der Löhne oder bezüglich der Arbeitszeit. Die Kosten einer Tonne Kohle, die für den Handel verfügbar sei, belaufen sich in England unter Ausschluß der Löhne der Bergleute auf 5 Schilling 6 Pence gegen 7 Schilling 9 Pence an der Ruhr. Die Bergaroeiterlöhne betrügen dagegen in England pro Tonne 13 Schilling 6 Pence gegen 8 Schill. 6 Pence an der Ruhr. Dies sei der Grund, weshalb die Kohlenkommission ein Zugeständnis der Bergarbeiter gefordert habe. Das Unterhaus nahm dann das Gesetz über die Einführung des Achtstundentages im Kohlenbergbau in dritter Lesung mit 332 gegen 147 Stimmen an. Die Haltung der Bergarbeiter. Dover, 2. 3uR. (WTB.- Funkspruch.) Der Sekretär des Dergarbeiterverbandes, Cook, sagte gestern abend in einer Rede, das Land und die Bergleute wünschten so dringend Frieden, daß er bereit sei, dem Dollzugsrat eine A'b st i m m u n g vorzuschlagen. Die Bergleute seien noch nicht geschlagen, und selbst wenn sie durch Hunger zum Rachgeben gezwungen werden sollten, so würden sie in 6 Monaten den Kampf nochmals eröffnen; sie seien entschlossen, den Achtstundentag nicht anzunehmen. Zu den Anregungen Baldwins, sich auf Grund des Berichtes der Kohlenkommission zu einigen, erklärte Macdonald einem Pressevertreter des Arbeiterblattes „Daily Herald", wenn der Premierminister es vollkommen sicher mache, dah er selbst den Bericht annähme und ihm die Auslegung gäbe, die Sir Herbert Samuel, der Vorsitzende der Kohlenbommission, ihm gegeben habe, sei sein Vorschlag erwägenswert. Die Lage in Spanien. Paris, 2.3ult (Priv.-Tel.) 3n der französischen Presse nehmen die Vorgänge in Spanien und die Aufdeckung einer Verschwörung gegen das spanische Herrscherpaar in Paris einen breiten Raum ein. Es wird mitunter ziemlich dick aufgetragen und neuerdings behauptet, der spanische Diktator sei von den Armeen so gut wie verlassen. So etwas wird natürlich immer nur dort behauptet, wo man es gerne wahr haben möchte. Tlnd das ist in diesem Falle Frankreich. Denn nichts kann der Pariser Regierung schon mit Rücksicht auf die entgegengesetzten Interessen in Marokko angenehmer fein, als ein in Revoluttonswirren verstricktes Spanien oder gar ein Spanien ohne die kräftige Hand seines Diktators, dessen Marokko-Politik und andere politische Touren den Herrschaften am Quai d'Orsay überaus unangenehm sind. Es soll gewiß nicht in Abrede gestellt loerden, daß die Dinge in Spanien vielleicht krittsch stehen. Jede Diktatur hat Feinde, auch die spanische. Aber so schlimm, wie man in Paris die Dinge darstellt, dürften sie doch Wohl nicht lein. DaS muß man bei der Lektüre der Meldungen aus französischer Quelle immer berücksichtigen. So läßt sich das „Oeuvre" melden: Die Diktatur laste weiter Haussuchungen und Verhaftungen vornehmen. Mehr als 4Ö0 Militärpersonen befänden sich in Haft. Die Gefängnisse seien über- süllt. Man habe General A g u i l e r a, der auf der Durchreise nach Valenzia begriffen sei, zu- Keine Mehrheit für das Abfindungsgesetz? Initiative der Fürsten! Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß in weitesten Kreisen des deutschen Volkes und eigentlich auch in sämtlichen Fraktionen des Reichstages allmählich mit dem Gefühl der Enttäuschung ein gewisser Ueberdruß an den ewigen Verhandlungen über die Fürstenabfindungsfrage eingesetzt hat. Das beruht zum einen Teil auf der erklärlichen Entspannung der Gemüter, die auf die Erregung des Kampfes vor dem Volksentscheid gefolgt ist, andererseits aber auch auf dem dringenden Wunsch, nun endlich einmal mit der ewigen Zänkerei Schluß zu machen. Es ist ein geradezu widernatürlicher Zustand, wenn unmittelbar vor der Stunde, zu der im Reichstag die Entscheidung fallen soll, kein Mensch weiß oder nur ahnen kann, wie diese ausfallen oder ob sie überhaupt kommen wird. Es ist von den verschiedensten Seiten wiederholt der Versuch gemacht und auch an den entsprechenden Stellen angeregt worden, dah die noch in Frage kommenden Fürstenhäuser, vor allen Dingen die Hohenzollern, selbst entschlossen sich aus den Boden der Tatsachen, wie sie nun einmal sind, stellen und mit einer großen Gebärde ein Abkommen Derbeiführen Helsen, das den langen Hader in anständiger Form beseitigt. Es darf daran erinnert werden, daß z. B. die Zähringer in Baden mit ihrem früheren Lande ein solches Abkommen getroffen haben, das ihnen eine durchaus angemessene und anständige Lebenshaltung gewährt, und dem Lande diejenigen Grundstücke usw. zurückiibt, die es im Interesse der Kultur und der Volksgesundheit braucht. Aehnlich beiderseits befriedigende Vereinbarungen sind in Württemberg und Sachsen getroffen worden. Daß sich auch Bayern mit den Wittelsbachern in gleicher Weise auseinandergesetzt hat, braucht nicht besonders betont zu werden. Man fragt sich verwundert, warum nicht längst ein ähnliches Abkommen zwischen den Hohenzollern und Preußen zustande gekommen ist, was schon aus dem Grunde besonders, wünschenswert erscheinen mühte, daß die Hohen- zollern die übriKn Fürstengeschlechler wenn nicht an Alter, so doch an ihrer Machtstellung als Träger der Krone Preußens und der deutschen Kaiserkrone überragten. Gerade hier mühte es als ein nobile officium für beide Teile erscheinen, nicht dem übrigen Deutschland und der Welt das unerquickliche Schauspiel des Feilschens um ein paar tausend Morgen Grundbesitz, um ein paar Schlösser, Bilder und Vasen zu bieten. Wir haben schon früher angedeutet, und müssen nunmehr mit aller Deutlichkeit betonen, daß das Hohenzollemhaus, gelinde gesagt, in seinem Verhalten Preußen gegenüber sehr schlecht beraten war und noch immer sehr schlecht beraten ist. Die Geschichte der Verhandlungen zwischen den Hohenzollern und dem Lande Preußen und der verschiedenen Regierungen ist eigentlich zugleich eine Geschichte verpatzter Gelegenheiten. Es hätte sich zur Zeit des Finanzministers v. Richter bereits ein Abkommen erzielen lassen, wobei die Hohenzollern noch besser weggckommen wären, als später. Run hat sich vor wenigen Wochen noch Reichskanzler Dr. Luther bemüht, die Grundlage für eine Auseinandersetzung zu finden, die immerhin noch wenigstens insofern als für die Hohenzollern günstig zu bezeichnen ist, als sie ihnen ausreichenden Grundbesitz und eine enstprechende Barsumme zur Verfügung stellt, die einen durchaus würdigen Unterhalt gewährleistet. Wenn die maßgebenden Persönlichkeiten auf der Seite der Hohenzollern die wahre Volksstimmung und ihre heutigen Aussichten einigermaßen begreifen, dann lassen sie diese jüngste und vielleicht letzte Gelegenheit nicht wieder unbenützt vorübergehen. Sie würden sich den Dank aller derjenigen Kreise, die gern in ungetrübtem Stolz auf die ruhmvolle Geschichte Preußens und Deutschlands unter der Führung der Hohenzollern zurückblicken, für immer erwerben, wenn sie jetzt von sich aus die Hand zur Versöhnung ausstreckten und den Vorschlag machten, auf Grund der Lutherschen Vereinbarungen mit Preußen die endgültige Auseinandersetzung herbeizuführen. Wenn statt dessen hartnäckig und erbittert um einzelne Güter gekämpft wird, so macht das sicherlich keinen guten Eindruck, sondern ist vielmehr geeignet, die starken Sympathien abzuschwächen, die noch in großen Teilen des deutschen und des preußischen Volles für die Hohenzollern vorhanden sind. Vielleicht ist bei den Ratgebern der Hohenzollern die Erwägung maßgebend, daß bei einem Scheitern des Abfindungsgesehes im Reichstag alles beim alten bleiben und der Zustand wiederkehren werde, der auf rein formalen Entscheidungen der Gerichte beruht. Das dürfte ein schwerer Irrtum sein. Scheitert das Gesetz endgültig, wozu nach dem unten mitgeteilten Beschluß der Sozialdemokraten alle Voraussetzungen gegeben erscheinen, dann ist eine Reichstagsauflösung schwerlich zu vermeiden, und ein Wahlkampf mit der Parole, die schon beim Volksentscheid 14*/2 Millionen Wähler mit ihrer Stimme gegen die Fürsten an die Wahlurne gebracht hat, würde den Riß im ganzen Volk nur vertiefen. Auch der Ausgang wäre kaum zweifelhaft. Die wettere Folge wäre eine Gesetzgebung, die freilich sich über Rechtsgründe und Rechtsverhältnisse hinwegsehen, aber rein materiell die Hohenzollern sehr viel schwerer schädigen würde, als die in Frage stehende Auseinandersetzung. Unter diesen Umständen müßte es als ein Gebot der Klugheit sowohl, wie eine vaterländische Tat erscheinen, wenn die Hohenzollern den Gefahren, die für die künftige Entwicklung Deutschlands in der Fortsetzung des Streites liegen, Rechnung tragen und selbst di e Initiative ergreifen wollten. Sie würden sich damit einen guten Abgang und ungetrübtes dankbares Erinnern in dem Herzen eines jed^p guten Deutschen und Preußen sichern. Wäre das nicht eines Opfers wert? Die Sozia demOkraten lehren ab Berlin, 11. Dull. Die sozialdemokratische Reichslagsfraktion hat in ihrer gestern abend nach der Plenarsitzung abgehobenen Fraktionssitzung mit 73 gegen 33 Stimmen beschlossen, in der heutigen dritten Beratung über das Gesetz über die Auseinandersetzung mit den vormals regierenden dürften- bäufern mit Rein z u stimmen, also die Vorlage a b z u l e h n e n. Die preußische Landtaqsttak- tion der Sozialdemokratie hat'' in einem Schreiben an die Reich.taqssraklion um Annahme der Vorlage ersucht. Damit sind die weiteren Verhandlungen mit den Regierungsparteien über die Frage erledigt. Der Fraklionsoorsttzende Wels wird yeute bei der dritten Berufung des Gesetzes den ablehnenden Standpunkt der sozialdemokratischen Fraktion begründen und die Auflösung des Reichstags fordern. Der „vorwärts" schreibt in einer längeren Rechtfertigung des Beschlusses der Fraktion, ausschlaggebend sei' der Gesichtspunkt gewesen, Regierung und RegierunMparteien hatten eine Vertrauenskrise der parlamentarischen Demokratie heraufbeschworen. Die Sozialdemokraten mühten diese Vertrauenskrise verhindern. Die Regierung habe geifern gedroht, im Falle der Ablehnung das Sperrgeseh zurückzuziehen und damit den Fürstensorderungen freien Lauf zu lassen. Ein solcher Schritt würde dis Krönung der undemokratischen Haltung sein, die Regierung und Regierungsparteien bisher gezeigt haben. Der Beschluß der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion läßt keinen Zweifel mehr daran, daß die Gesetzesvorlage über die Auseinandersetzung mit den ehemals regierenden Fürstenhäusern fallen wird, zumal nunmehr auch, wie es in der Tägl. Rundschau heißt, die Deutschnationalen ausnahmlos gegen dk.e Vorlage stimmen werden. Die Haltung der Regierung bleibt vorläufig noch eine offene Frag.?. Das Reichskabinett hat sich zwar gestern abend in einer Sitzung mit der Lage beschäftigt, hat aber endgültige Beschlüsse nicht gefaßt. Wahrscheinlich wird es erst heute darüber entscheiden, was angesichts des Scheiterns der Regierungsvorlage getan werden soll. Sollten die Sozialdemokraten heute einen Antrag auf Auflösung des Reichstages einbringen, so dürfte dieser kaum Aussicht auf Annahme haben. Die Blätter verzeichnen dann noch verschiedene andere Lösungsmöglichkeiten, so der Vorschlag eines Ermächtigungsgesetzes, das der Reichsregierung die Vollmacht geben soll, von sich aus ein Reichssondergericht einzu- s nicht erfüllen, so legt die Regierung auf die Verlängerung des Sperrgesehes keinen Wert mehr. (Lebhaftes Hört! Hört!) Das Sperrgesetz wirdckn zweiter und dritter Beratung angenommen. Der Haushaltsausschuß des Reichstags stellt zur Frage der Bewilligung von Wiederaufbaudarlehen folgenden Antrag: „Die Regierung möge Mittel bereit stellen, um den Geschädigten, die einen entschädigungsfähigen Liquidationsschaden mit einem Grundbetrag von mehr als 200 000 Mark erlitten haben und entwurzelt sind, über den Rahmen ber Richtlinien für Wiederaufbaudarlehen hinaus Darlehen zum Zwecke des Wiederaufbaues zu gewähren, sofern dieser der deutschen Wirtschaft bient." Abg. Schirmer (Soz.) beantragt Streichung ber Bestimmung, daß die Entschädigung auf die 200 000 Mark übersteigenden Fälle beschränkt ist. Eine solche Beschränkung würde ein großes Unrecht und Zurücksetzung ber wenigen Geschädigten fein. Abg. Dauch (D. V.) betont, daß hier gar keine ozialen Gesichtspunkte in Frage kämen. Schon rüher fei mit Zustimmung ber Sozialbemokraten eftgelegt worden, bah in erster Linie ber Wieber- aufbau ber Unternehmungen ber A u s l a n d b e u t - schen gefördert werben müßte. Zum Wiederaufbau ber beutschen Wirtschaft sind wir auf die ausland- deutschen Unternehmungen angewiesen. Abg. W e g m a 11 n (Zentr.) begründet eine Entschließung, in ber die Regierung ersucht wirb, bal- bigft Mittel bereitzustellen, aus benen auch ben- jenigen Wiederaufbaubarlehensberechtigten, beren Unternehmungen nicht der Außenwirtschaft dienen, ein erhöhtes Wiederaufbaubarlehen gewährt werben kann, soweit ber Wiederaufbau im allgemeinen volkswirtschaftlichen Interesse liegt. In namentlicher Abstimmung wird der sozialdemokratische Aenderungsantrag zum Aus- schußanttag mit 248 gegen 156 Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt. Der Ausschußantrag und die Zentrumsentschließuna werden angenommen. Zu den verschiedenen Anträgen auf Förderung des ländlichen Siedlungswesens fordert der Wohnungsausschuß in einem Antrag die Reichsregierung auf, bis zur Erschließung von Dauerkreditmoglichkeiten in den nächsten fünf Jahren einen Betrag von je 50 Millionen bereitzustellen. Dabei ist die Beschaffung eines größeren Landesvorrates und die Begebung von Einrichtungskrediten für neue Siedler zu berücksichtigen. Die Mittel find durch die Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt an die von den Landern zu bestimmenden Stellen weiterzuleiten. Eine Verteuerung der Kredite darf durch die Weiterbegebung nicht eintreten. Von allen Parteien ist dazu eine Entschließung eingegangen, in der Fürsorgeeinrichtungen und zinslose Wirtschaftskredite für die Flüchtlingssiedler verlangt werden. Abg. Beck-Oppeln (Zentr.): Besonderer Fürsorge bedürfen die aus Polen verttiebenen Flüchtlinge. In erster Linie müßten die bestehenden Siedlungen existenzfähig gemacht werden. Abg. Putz (Komm.) empfiehlt eine Entschließung, nach der in erster Linie den Siedlern geholfen werden soll, die in den abgetretenen Gebieten liquidiert oder annuliert wurden. Abg. Dr. David (Soz.) sttnrmt dem Aus- schußantrag und der Entschließung der großen Parteien zu, die weiter gehe als die kommunistische. Die kommunisttsche Entschließung wird abgelehnt. Der Ausschußantrag wird mit der Entschließung der großen Parteien angenommen. Abg. Rädel (Komm.) begründet bann einen Antrag, der sich 7 Wird, in einer - Ta Aeichsbmd „Stabt 2id)' Paris, 1. Juli. (WB.) Der Heimatbund hat zu dem Kampf, der gegen ihn geführt öffentlichen Erklärung Stellung süsser von der gewissenhaften Erfüllung unserer | Pflichten gegenüber Frankreich, dessen integrie render Teil Elsaß-Lothringen ist, abjulenfen. Wir erkennen an, das) unsere Forderungen nur ron Gram ßrper t>en Wettervoraussage. Vorwiegend bewölkt, warm, keine stärkeren Niederschläge. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 19,2, Minimum 13,2 Grad Celsius. Heutige Morgen- temperatur: 16,5 Grad Celsius. DSL aufgebei fach ^irübi der Serie karten Seift Fahrkarten Die Abferki Reifende m Gepäck mit feinem Sih Gepäck in QKitreifenta ferne Ällseir den, die Dei jeder an die Cisenbahnper fang deS nung ist im Me Rufgak auch deshal benes Gepäc hastet die selber im sichern. Ms angenommen darf, und di Aeifekörden Auch Fohr U- 6gL tver, ledvch mit i Gegenstände • eignen und m bienen. Rerbi ?eifegepäck < Betriebs Seifegel Uen Zahln Mchlensivl «M Zettel mH bereits । tzlls in der BSft ’Ä Iti1 feQtabt erst no, 5^'Nder 00 Ht. «II am » ® i e c N u^tQ9 ir eine normalen Verhältnissen ist es notwendig, daß zur Das Hochwasser der Oder. wirksamen Beeinflussung der Währungsschwankun» Stettin, I.Iuli. (WB.) Das Hochwasser gen zu dem Mittel der I Tale der unteren Oder, das gestern zum auswärtigen Anleihen Stehen gekommen war, ist heute leicht zurück- gegrisfen wird, Anleihen, die bereits vor dem Kriege gegangen .Das Wetter fd^exnt au das Ab» die Abwicklung internationaler Transaktionen ohne fluten zu begünstigen. Im üaeberschwemmung^ Ueberweisung von Goldbeständen ermöglichten. Das gebiet von Greifenhagen und Gartz sind noch Kommunique bringt die unzweideutige Absicht Call- heute Neichswehrkommandos aus Stetttn mit laux' zum Ausdruck, auf die Garantie des Gold- Deichschuharbeiten beschäftigt. Die Gefahr ift jetzt bestcmdes der Bank von Frankreich hin auswärtige aber überall als beseitigt anzusehen. Don den Anleihen aufzunehmen.. Kreisverwaltungen sind bereits Vorschüsse zum Wie der Vertreter der Telunion erfährt, hat das Ankauf von Futtermitteln für die ©efdjäbigten Kommunique im Senat und in der Kammer eine an die Gemeinden gegeben worden. Der Schaden, sehr schlechte Wirkung ausgeübt. In parla- der in dem Gebiet von Schwedt bis Stettin ent- mentarischen Kreisen nimmt man allgemein an, daß standen ist, wird auf mehr er e Millionen die Regierung am kommenden Dienstag bei der geschäht. Mehr als 50 000 Morgen wurden hier Abstimmung über das Finanzprojekt in die M i n- | überschwemmt. Es muh damit gerechnet werden, derheit versetzt wird, weil von rechts bis links auch eine starke Mehrheit gegen die Ratifizierung des Wafy'mgtoner Schuldenabkommens vorhanden fei und damit die Grundlage des Finanzprogramms erschüttert wird. Man beschäftigt sich in parlamentarischen Kreisen bereits mit der Frage, wer Briands Nachfolger wird. Die Autonomiebewegung in Elsaß-Lothringen. Der Schutz der nationalen Minderheiten. der Stadt Neuyork ist und im dichtesten Verkehr des Westviertels liegt, gelang es sieben bewaffneten Räubern, ohne daß die auf den Gängen befindlichen Aus der Provinzialhauptstadt. G i e h e n, den 2. Juki 1926. Die Jahresfeier der Universität In der Neuen Aula des Vorlesungsgebäudes fand gestern die Jahresfeier der Landes- Universität in dem üblichen Rahmen statt. Die Dozenten und ihre Damen, geladene Gäste aus der Bürgerschaft und die Studenten füllten den mit den Fahnen der Korporationen geschmückten weiten Raum bis auf den letzten Platz. Beim Einzug des Lehrkörpers spielte unsere Militärkapelle unter Leitung des Obermusikmeisters L ö b e r den Zug zum Münster aus Wagners „Lohengrin". Hierauf fang der Akademische Gesangverein unter Leitung von Lehramtsassessor Roller den Chor Nr. 29 aus Mendelssohns „Elias". Anschließend hielt Se. Magnifizenz der Rektor, Prof. Dr. Bürkcr die Festrede. Er gab in der Einleitung eine kurze Rückschau auf das vergangene Jahr, streifte die Wünsche und Ablichten der Uni- versitüt für die kommenden Jahre, sprach den Behörden den Dank für ihre Unterstützung aus und wies daraus hin, wie die Landesuniversität chrerseits es sich habe angelegen sein lassen, die wissenschaftlich interessierten Kreise an der wissenschaftlichen Ernte teilnehmen zu lassen. Dann ging der Rektor auf das Thema aus feinem Fachgebiet, der Physiologie, ein: „Neueres über die Zentralisation der Funktionen im höheren Organismus.“ Er wies zunächst daraus hin, welche schwierige Ausgabe sich die Natur gesetzt habe, einen Zellstaat von mehreren Hundert Billionen von Individuen, und zwar von sehr verschiedenartigen Individuen, wie es der menschliche Körper ist, so in Ordnung zu Halten, daß eine fortschreitende Entwicklung sich ergibt. Die Erfüllung dieser Aufgabe ist nur möglich, wenn ein Dirigent für dieses Lebensorchester vorhanden ist, und dieser Dirigent ist das Zentralnervensystem. Auf dieses sind nun geradezu alle Organe des Körpers nervös projiziert. Die Projeltions- stellen erfahren durch die Sinnesorgane, was im Körper vor sich geht, und von diesen Stellen kann andererseits auf alle Erfolgsorgane, wie Drüsen und Muskeln eingewirkt werden. Die große Gehirnrinde ist nun das höchste Zentralorgan, fie ist entwicklungsgeschichtlich das Neuhirn, während die unter der Rinde gelegenen Teile das Althirn darstellen, das nur den Instinkten dient. Während man nun früher glaubte, daß die gesamte große Rinde ziemlich einheitlich aufgebaut sei, haben die linier» suchungen von K. Brodmann einen spezifisch verschiedenen Aufbau der einzelnen Rindenteile ergeben, was auf verschiedene Funktionen hinweist; nicht weniger als 200 verschiedene Felder hat man neuerdings nachweisen können. Die Leitungskabel zu diesen Zentralorganen hin, die Nerven, hat man früher in die Gehirn- und Rückenmarknerven und in die sogenannten sympathischen Nerven eingeteilt. Aus Untersuchungen des englischen Physiologen Langley ergab sich aber die Notwendigkeit, aus dem Gehirn- und Rückenmarlshstem noch ein besonderes System abzutrennen, das in Antagonismus zu dem sympathischen steht, das f»genannte parasympathische; sympathisches und parasympathi- sches System werden auch vegetatives Nerven- system genannt. Die Funktionen dieses vegetativen Systems werden nut Rücksicht auf die vegetativen Lebenserscheinungen dargelegt. Dann ging der Redner auf die Zentralisation der animalen Funktionen, der Empfindungen und Bewegungen, ein; hier haben sich durch die Untersuchungen Brodmanns scharfe Abgrenzungen der psychosensorischen und der psychomotorischen Felder auf der Gehirnrinde ergeben, von denen die bewußten Empfindungen und Handlungen, die sogen. Gnosien und Praxien ausgehen. Bon den unter der Gehirnrinde gelegenen Zentren, den srrbkvrtikalen S.ammganglien, wußte man bisher wenig; im Anschluß an Beobachtungen bei Kopfgrippe ließen sich aber hier wesentliche Aufschlüsse erzielen, besonders im Hinblick Ä-S EM w Lus d' fla? - ihm fkku StbalW * S'£- w«« teil ZuM vck der 2anix5ir für 1923/26 1 den ^uigabt Veterinären aufgabe das Rvsenstockbr Assistent J Ausgabe d Faluwt a tete; >! Hvnvre de Theo Sa! Fakultäten Den Di ei bei auf < Der 2 dem 6#^ über in öe teilweise Verfassungsreform verlangen, wollen wir nichts anderes als das, was bedeutende Po litiler seit Jahren für ganz Frankreich tun, indem fie für eine Dezentralisation ein treten, die bis zum Föderalismus geht. Keine Regierung hat jemals daran gedacht, diese Re- gionalisten, Föderalisten und Autonomisten der Provinz zu verfolgen, während wir Elsässer und Lothringer, die wir in Gedanken groß geworden sind, ein föderalistisch-politisches Leben zu führen, und die wir, allerdings mit gewissen Einschränkungen, aber doch zum besten unseres Landes jahrelang eine Gesetzgebung und Verwaltungsautonomie genossen haben, wie Verbrecher behandelt werden, wenn wir uns erlauben, für Elsaß-Lothringen einen verfassungsmäßigen Zustand zu foroern, der dem gleicht, den Frankreich bei uns zur Zeit des Waffenstillstandes vorgefunden hat. Alle Gewaltmittel, die gegen unsere Bewegung unternommen werden, werden an dem entschlossenen Charakter der Elsässer und Lothringer scheitern. Der Tag ist nicht fern, an dem das französische Volk begreift, in welch irriger Weise man jetzt über unsere wahren Absichten sich unterrichtet hat und in welcher Weise Personen ohne Religion und sittliche Kraft in leichtfertiger Weise uns mißtraut haben. Abessinien und die Mächte. London, 2.Juli. (Priv.°Tel.) Zwischen Frankreich, England und Italien ist es zu einer grundsätzlichen Einigung über den neuen englisch-italienischen Abessinien-Vertrag gekommen. Die Verhandlungen darüber sind in Rom zwischen dem italienischen Außenminister und dem englischen und französischen Botschafter geführt worden. Frankreich gibt seinen Widerspruch gegen den italienischen Eisenbahnbau zwischen Erythrea und Italienisch-Somaliland auf und hat seinen Vertreter in Addis Abeba angewiesen, in llebereinstimmung mit seinen italienv- schen und englischen Kollegen zu handeln. Das spanische Königspaar in London. London, 1. Juli. (TU.) Das spanische Königspaar ist gestern abend hier eingetroffen. Es wurbt auf dem Bahnhof von der Königin, dem Prinzen von Wales, dem Herzog von Pork und einer Anzahl spanischer und englischer Persönlichkeiten, darunter auch dem Staatssekretär, des Aeußern Sir Austin Chamberlain, empfangen. Das Königspaar ist im Clearing-Hotel adgeftiegen. Zunächst statteten Mitglieder des englischen Königshauses den Gästen einen Höflichkeitsbesuch im Hotel ab. Später nahm das spanische Königspaar an einem Frühstück im Buckingham-Palast teil. Nachmittags begab sich König Alfons mit seiner Gemahlin nach Wimbledon, um dem Endspiel der spanischen Tennismeiste- rin d'Alvarez beizuwohnen. In Spanien kursierenden Gerüchten von einer bevorstehenden Verlobung des Prinzen von Wales mit der Infantin Beatrice von Spanien dürfte man kaum Glauben schenken dürfen. Aus aller Welt. tiert werden mrH und der Wert jeder Bank- Der B. D. A. ZUM Reithsehrenmal. note beeinflußt wird, wenn dieser Bestand irgend Der Bundestag deutscher Architekten in Düssel- welche Schwankungen erfährt, ist irrig. Der dorf, der von Architekten aus allen Teilen des Franken hatte feine Stabilität vor dem Kriege Reiches besucht war, nahm in der Frage der Errich- vor allem der jung eines Reichsehrenmals folgende Entschließung freien Goldausfuhr einstimmig an: Der Bundestag Deutscher Architek- zu -verdanken. Nur der freie Goldverkehr ermöglichte ten in Düsseldorf beschäftigte sich mit der Frage des den glatten Umtausch der nationalen Währung Reichsehrenmals. Er ift der Meinung, daß für die in ausländische Währung. Die von der Emissions- Platzfrage in erster Linie künstlerische Mo- bank kontrollierte Goldausfuhr muß wieder ein- mente maßgebend sein müßen, für deren Beurtei- setzen, soweit sie zur Stabilisierung der Währung lung Maler, Bildhauer und Architekten als die beiträgt oder wirtschaftlichen Bedürfnissen entspricht, hierzu Berufenen in Frage kommen. Der Bund Dieses System ist gesetzlich in England und wird Deutscher Architekten spricht die bestimmte Erwar- auch in den meisten Staaten Europas wieder ein- tung aus, daß neben Vertretern der Malerei und geführt. Angesichts der gegebenen Umstände und der Plastik auch der Bund Deutscher Architekten als eine Verwirrung, die sich der öffentlichen Meinung be- berufene Organisation deutscher Baukünstler einen mächtigt hat, ist es Pflicht, daß man mit großer entscheidenden Einfluß auf die Platz- und Gestal- V o r si ch t zu Werke geht. Vor der Rückkehr zu tungsfrage des Ehrenmals erhalte. Verfassungsreform verwirklicht Verwatung daß die Heuernte auch im zweiten Schnitt verloren ist. Daneben ist auch viel Schaden an Getreide und Kartoffeln zu verzeichnen. Todessiürze auf der Zugspitze. Die Zugspitze hat neuerdings zwei Todesopfer gefordert. Beim Abstieg zur Wienerneustädter Hütte ist eine Touristin namens Margarete Zahn aus Amberg tödlich abgestürzt, während heute ein Fräulein Anna Lechner aus Garmisch beim Aufstieg zur mittleren Höllental- Spitze den Tod fand. Das Erdbeben auf Sumatra. 21 m ft e r b a m, 1. Juli. (WB.) Die Blätter veröffentlichen Einzelheiten über die Erdbebenkatastrophe auf Sumatra. Danach dauern die Erdstöße im Distrikt von Pedang noch an. Die Stadt Solok ift von der Außenwelt vollkommen abge- schnitten. Man hofft jedoch, daß die zerstörte Eisenbahnlinie in etwa einewWoche wiederhergestellt ist. Ueberaü sind Militärabteilungen eifrig mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt. In der Ortschaft Bapitoch wurden bisher 51 Tote gefunden. In dem Bezirke Padang-Padjong find fast alle menschlichen Niederlassungen vollkommen zerstört worden. In Penjalangin zählte man bisher 10 Tote. In Panin- jawan 42 Tote und über 40 Verletzte. Raubüberfall in einem Reuyorker Hospital. Im Roosevelt-Ho,vttal, das eines der größten Deutschland und der Völkerbund Graf Bernstorfs auf dem Kongreß der Völkerbuudsgesellschaften. London, 1. Juli. (WB.) Aus dem Kongreß der Völkerbundsgesellfchaften in Aberystwyth gab der Führer der deutschen Delegation ' Graf Bernstorfs einen allgemeinen historischen Ueberblick über Deutschlands Stellung zum Völkerbund und kam darauf auf Locarno zu sprechen. Er legte dar. daß die Fortdauer der Besetzung deutschen Gebiets nach Locarno überhaupt keinen Sinn mehr habe und nur geeignet sei, weiterhin Erbitterung km deutschen Voll hervorzurufen und künftige Reibungen zu verursachen. Er fügte hinzu, er werde anregen, daß die einzelnen G^ellschaften bei ihren Regierungen Vorstellungen in diesem Sinne erheben. Hierauf kam Graf Bernstorfs auf die Punkte zu sprechen, in denen Deutschland mit der Politik des Völkerbundes nicht einverstanden sein könne, nämlich das Abrüstungsproblem und die Frage der Minderheiten. Beide Fragen bildeten den Prüfstein für den Völkerbund. Wenn er in ihnen versage, werde er vielleicht zugrunde gehen. Sicher werde dies aber eintreten, wenn in der Abrüstungsfrage kein Ergebnis erzielt werde. Das englische Volk sei zu beglückwünschen zu der klugen Behandlung seiner Minderheiten, die sich auf Grund dieser Behandlung gar nicht als Fremdkörper fühlten. Er bezeichnete diese Lösung des Minderheitsproblems als vorbildlich für alle Länder, die wie Polen, Italien, die Tschechoslowakei und Rumänien fremdsprachliche Minderheiten innerhalb ihrer Landesgrenzen haben. Der Kongreß nahm eine Entschließung an, in der der Wunsch nochmals zum Ausdruck gebracht wird, daß Deutschland im September als Mitglied in den Völkerbund mit einem ständigen Ratssih aufgenommen werde. Die Entschließung fordert ferner die verschiedenen Regierungen auf, alle möglichen Mittel und Wege zu suchen, um den Beitritt der Vereinigten Staaten zum ständigen internationalen Gerichtshof möglich zu machen. Die spanische Forderung, alle Mitglieder des Völkerbundrats durch Wahl zu bestellen, wurde an die einzelnen Vereinigungen zur Beratung verwiesen. Die Abrüstungskonferenz Abschl sr der Arbeiten der gemischten Kommission unddesMarincausschttsses Genf, 2. Juli. (TU.) Die gemischte Kom- mission der vorbereitenden Abrüstungskonferenz hat am Donnerstag ihre Arbeiten beendet. Sie setzte drei Unterkommissionen em, von denen die erste in Genf, die zweite und dritte in Paris im August zusammentreten sollen. Die Gemischte Kommission selbst hat sich bis zum Oktober vertagt. Die erste Kommission wird sich mit den Militärbudgetfragen zu befassen haben. Ihre Untersuchungen werden sich auf die Frage erstrecken, wie die Staatsbuchführungen und die Anlage des Staatsbudgets auf militärischem Gebiet zu erfolgen haben, um eine brauchbare Ver gleichsbasis zu bieten. Zweitens soll untersucht werden, ob die Wechselkurse und Preise in den ei meinen Staaten unüberwindbare Schwierig li-itcn für diese Vergleiche darstellen. Die zweite ilnterfommiffion soll sich vor allem mit der Wirkung der Vergleichskontrollen bei durch eine franzosis^cn der ver diese tonnen. den wir Indem genommen. Er gibt bekannt, daß er gezwungen sei, gegen die Verleumdungen anzukämpfen, die gegen ihn nicht nur in Frankreich, sonoern in der ganzen Welt dadurch erhoben werden, daß er als Gesellschaft bezeichnet werde, die im Dienste des Auslandes stehe und den Versuch mache, Elsaß und Lothringen von dem übrigen Frankreich zu trennen. Die Sache, daß wir uns als nationale Minderheit bezeichnen, und daß wir die Achtung unseres Volkstums, unserer Sprache, Gewohnheiten und Traditionen verlangen so heißt es, kann nichts Antinationales in sich schließen, d. h, nichts, was dem Bestehen der Einheit des heutigen Frankreichs Abbruch tun könnte, noch was geeignet wäre, uns El gegen eine Herabsetzung der bisher den Er- " tvc.jslofen gezahlten Unterstützungssätze richtet. Der Arbeitsminister Dr. Brauns habe niemals im Interesse der breiten Dolksmasse gc= bandelt. Er sei auch für das jetzige Vorgehen itsnachweise verantwortlich. bei Brauns: Die cirbeitsminister Dr. Regieru.gsvorlage, die die Unterstützungssätze der Lohnhöhe anpassen will, ist noch nicht ver abs-nestel worden. Aber am 3. Juli läuft die gültig.eil der jetzigen Sätze ab. Das Arbeits- Ministerium hat ausdrücklich darauf verzichtet, bei dieser Gelegenheit den in der Regierungsvorlage enthaltenen Plan einer Festsetzung auf 75 Prozent des Lohnes durchzusetzen. Es hat vielmehr in einem Brief an den Reichsrat geschrieben: ..Die andauernd schlechte Lage des Arbei!s:narÜes läßt es zur Zeit undurchführbar erscheinen, das Ausmaß der Leistungen ahcc. c n herabzusetzen." Der Derwaltungs- aussc' uß beim Arbeitsnachweis kann das nach dem Gesetz im Einzelfalle tun. Der kommunistische Antrag, der den Ländern jede Herabsetzung verbieten will, ist unannehmbar, denn er würde eine Aenderung des Gesetzes bedeuten. Am jedes Mißverständnis auszuschließen, wird das Reichsarbeitsministerium in einem neuen Rundschreiben an die Länder daraus Hinweisen, daß eine Herabsetzung der Sätze nicht vorgenommen werden soll. Frau Abg. Teusch (Zentr.) erfiärt, auch die Regierungsparteien hielten eine Herabsetzung der Unterstützungssätze jetzt für untragbar. Sie hätten auch die Staffelung nach Lohnllassen in der jetzigen Situation verhindert. •Ser kommunistische Antrag wird abgelehnt. Cs folgt die zweite Beratung der vierten Novelle zum Reichsversorgungsgeseh. Die Vorlage will wegen der gegenwärtigen Notlage der Krankenkassen auch weiterhin in den die Kassen besonders belastenden Fällen E r - s a l', leisten, nachdem die allgemeine Ersatzpflicht des Reiches für die Heilbehandlung kriegsbeschädigter Safienmitfllicber am 1. April d. I. abgelaufen ist. Der Ausschuß für Kriegsbeschädigtenfragen beantragt die Annahme der Novelle und eine Entschließung, die weitere Mittel für die Versorgung der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen, besonders eine erhöhte Pflegezulage für die Blinden verlangt. Abg. Pieck (Komm.) bezeichnet die Novelle als ganz unzureichend und als eine Verschlechterung des geltenden Rechts. Er begründet einen Gegenentwurf feiner Freunde, der wesentlich höhere Leistungen vorsieht. Abg. R o ß m a n n (Soz.) tritt für den Ausschußantran ein. Die Novelle erfüllt zwar nicht alle Wünsche der Sozialdemokraten, aber im Augenblick läßt sich nicht mehr erreichen. Die Novelle wird dann in zweiter und dritter Lesung unter Ablehnung der kommunistischen Aen- bernngsanträge in der Ausschußfassung angenommen, ebenso die vom Ausschuß beantragte Entschließung. Gegen 8.30 Uhr vertagt sich das Haus auf Freitag. Auf der Tagesordnung steht u. a. die dritte Beratung des Gesetzes über die Auseinandersetzung mit den'Fürstenhäusern. Aerzte und Besucher aufmerksam wurden, inden Kassenraum einzudringen. Sie hielten die zwölf dort befindlichen Angestellten mit dem Revolver in Schach und raubten 10 000 Dollar, die zu Gehaltszahlungen bestimmt waren, worauf sie im Automobil flüchteten. Der ganze Vorgang spielte sich o rasch und geräuschlos ab, daß keiner der Patienten in den benachbarten Räumen irgend etwas davon bemerkte. Flugzeugabsturz bei Stuttgart. Bei einem Schulflug auf dem Flugplatz Stutt gart stürzte ein Zweidecker-Flugzeug ab, wobei der Flugzeugführer ums ß e b en k a m. Der Beobachter blieb völlig unversehrt. Paddclbootunglück auf dem Rhein. Der „Koblenzer Ztg." zufolge ift auf dem hoch- gehenden Rhein bei Bacharach wiederum ein mit zwei Personen besetztes Paddelboot gekenteri. Die beiden Insassen find ertrunken. Zur Hilfe herbeieilende Schiffer konnten nur noch das Boot bergen. Die Leichen wurden noch nicht gelandet. Todessturz auf der Radrennbahn. Im Rahmen der Amateur--Wettbewrrb!e auf der Radrennbahn in Münster -unternahm der 25jährige Münstersche Dauerfahrer Hermann Guddvrf einen Rekordversuch über pd^Kilometer und kam dabei in der drittletzten Runde durch Pedalbruch schwer zu Fall. Er wurde sofort in das Hospital gebracht, wo er nach einigen Minuten an den Folgen eines Schädel- bruches starb, ohne das Bewußtsein wieder- erlangt zu haben. Schweres THotorrabunglütf. Bei Göttingen fuhr ein Motorradfahrer aus Hannover mit einer Dame auf dem Soziussitz auf der Reinhäuser Landstraße wider die Lokomotive des Frühzuges, dessen Herannahen offenbar nicht rechtzeitig bemerkt wurde. Der Herr war sofort t o t. Die Dame verstarb nach kurzer Zeit, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. ziehen. Die der Abrüstung auf die Volks- und Privatwirt schäft bcfJien und die Notwendigkeit der Auf nähme von Strafbestimmungen in Erwägung ucitte Kommission hat sich mit den Fragen des Gaskrieges zu beschäitigen. Die Kommiisiou wird Sachverständige auS Deutschland, den Vereinigten Staaten, England, Frankreich und Italien vorladen. Der Marlneausschuß hat seine Arbeiten gestern ebenfacks abgeichlossen. Er billigte den Bericht an die älnterlommission A gegen die Stimmen Englands, der Vereinigten I Staaten, Chiles und Argentiniens, die gemein- am einen Minderheitenbericht einreichen werden. Der deutsche Vertreter stimmte dem Bericht zu, nachdem folgender Vorbehaltsanttag angenommen wurde: „Um die Marinerüstungen zweier Staaten untereinander zu vergleichen, muß auch dem Personalbestand Rechnung getragen wer-- | den Das Verhältnis zwischen dem Personal- j bestand und der Gesamttonnage wird mit 140 (Personal) zu 1000 (Tonnage) ausgedrückt. Ein J Personalbestand, der hinter diesem Verhältnis ; zurücksteht, ve...ändert beträcht.ich die Schlagkraft der Marine bei Beginn eines Krieges, während ein bö'erer Personalbestand die Möglichkeit gewährleistet, sowohl Kriegsschiffe in Betrieb zu nehmen als auch schnell gebaute Schisse zu benutzen ober dem Landheer mehr oder weniger bedeutende Kräfte zur Cßerfügung zu stellen. Der Bericht des älnterausschusses für Heeres- ragem, der Freitag ebenfalls der Unterfom- mission vorgelegt werden wird, beschäftigt sich zunächst mit dem Vergleich der Rüstungen im Frieden. In einem Vorwort wird darauf hingewlesen, daß es schwierig sei, so ver- chiedene Größen, wie Milizheer und stehendes Heer oder Landheer und Kolonialheer miteinander zu, vergleichen. Trotzdem soll der Versuch gemacht werden, folgeiide vier Vergleichselemente heranzuziehen: 1. die Friedensstärke der Armee, 2. die Organisation und den Aufbau eines Friedensheeres, 3. die Dauer und den Grad der Truppen» aufstellung und 4. das Heeresmaterial. Der zweite Teil des Berichts behandelt die ür den Kriegsfall vorbereitenden Rüstungen. Hier sind als Vergleichselemente angenommen: die ausgebildeten Reserven, das Depotmaterial und sämtliche Kriegsvorbereitungen. Der dritte Teil nennt weitere Rüstungsfaktoren, die im Kriegsfälle unter gewissen Ämständen von Bedeutung sein könnten. schlechte Aussichten für Laillauz' (Sin Firranzconilnttniqns. — Keine Mehrheit im Parlament. Paris, 2. Juli. (£11.) Das Finanzmini- terium gab gestern ein Kommunique heraus, das die über die eventuelle Verwendung des Goldbestandes der Danque de France in der OeffentUchteit entstandenen Meinungsverschiedenheiten klären soll. Es heißt darin: Die anormalen Nachkriegsverhältnisse haben zum Verbot der Goldausfuhr und zur gesetzlichen Regelung der Goldziitsfestsehung geführt. Die Wiederherstellung normaler Verhältnisse setzt entsprechende Hebergangsmaßnahmen voraus. Die im Publllum vielfach verbreitete Ansicht, daß das Papiergeld durch einen in den Kellergewölben der Bank deponierten Goldbestand garan- K‘ - W M sich den Ge- unb wird nach mit viel des Rhein. Die Teilnehmerzahl beträgt 500. Plant ist eine Rheinfahrt bis St. Goar Rückfahrt bis Kastel. 3n Aßmannshausen die Fahrt unterbrochen, um einen Gang Buntes Allerlei. Deeinflussung der Echüdelform. Bei den Raturvölkern ist zu allen Zeiten die Kopfform der Reugeborenen künstlich beeinflußt worden, und man hat damit den Köpfen die merkwürdigste Gestalt gegeben. Es ist aber auch möglich, durch ganz geringfügige, gewöhnlich gar- nicht beachtete^ Einwirkungen die Kopfform 'wesentlich zu verändern. Dies ist erwiesen durch die Versuche, die der Württemberger Walcher durchgeführt hat. Vor mehr als 20 Jahren begann er, die Kinder, die in der von ihm geleiteten Hebammenschule geboren würben, auf eigentümliche Weise zu behandeln. Die eine Hälfte der Kinder wurde gleich bei der Geburt zur Lang- köpfigkeit, die andere zur Kürzköpfigkeit bestimmt. Den Kindern, die langköpsig werden sollten, gab er eine harte Kopfunterlage, auf der der kindliche Kopf wie ein Ei zur Seite fällt, das man auf die Spitze zu stellen versucht. Wenn die Kinder im Älter von einigen Monaten etwas sehen wollen, bringen sie dabei häufig den Kopf in eine Stellung, die in der Mitte zwischen reiner Seiten- und Rückenlage liegt, und dadurch würde der Kopf schief werden Deshalb wurde bei älteren Kindern das Bettchen auf eine Kommode gestellt, damit die Kinder die Vorgänge im Zimmer cm besten in der ©c'.tenlage sehen rönnen, und die Spielsachen wurden in der Höhe des Kopfes aufgehängt. Die zur Kurzköpfigkeit bestimmten Kleinen wurden auf ein weiches Federkissen gelegt, in das der Kopf tief einfinkt: diese Kinder erhielten niedrige Bettstellen mit undurchsichtigen Wänden, und die Spielsachen wurden den Kindern vor die Rase gehängt, um sie in der Rückenlage zu erhalten. Von den Kindern, die in der Rückenlage aufgezogen wurden, bekamen 84,4 Prozent einen größeren Längenbreitenindex des Schädels: bei den in der Seitenlage gehaltenen Kindern erfuhr der Index bei 62,4 Prozent eine Verkleinerung. Im ganzen sind 555 Kinder auf diese Weise behandelt worden. Um nun festzustellen, inwieweit diese während der Kindheit aufgezwun eene Schädelform sich noch im späteren Alter nachweisen läßt, hat Geh. Rot Basler einige der damals so behandelten Personen einer Rachsuchung unterworfen und berichtet über seine Ergebnisse in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift". Daäach hat sich die künstlich herbeigeführte Kopfform über die Wachs- tumsperiode heraus erhalten. Basler halt es aber für verfrüht, deswegen die ganze Schädellehre aus der Rassenforschung auszuscheiden. „Wir müssen immer berücksichtigen," sagt Basler, „daß nur 81,4, bzw. 62,7 Prozent aller Versuche ein positives Ergebnis lieferten, und sogar in den ersten 12 Tagen nach der Geburt, also in einer Zeit, wo die Formbarkeit des kindlichen Schädels noch am größten ist. Schon aus diesem Zahlenverhältnis läßt sich erkennen, daß die ererbte Anlage bei der endgültigen Form des Schädels doch einen nicht zu unterschätzenden Faktor darstellt." Dörfern oberhalb von Ridda zum Risten zu bewegen, fehlschlugen, hat er bereits im Vorjahre, nachdem ein neues Jagdgebiet entdeckt war, in Ulfa einen neuen Wohnsitz gegründet. So sieht man nun oft in den Riederungswiesen um ällfa und im Riddatale, selbst in der Rähe ratternder Mähmaschinen, den Storch auf der Rah- rungsluche, von jedermann freudig begrüßt. Ridda, 1. Juli. Äm 17. Juli unter- Kreis Büdingen. Id Ridda, 2. Juli. Die letzten Jahre ihren reichlichen Riederschlägen haben sehr zur teilweisen Versumpfung der Wiesen Riddatales beigetragen und günstige Lebens- bebingungen für den Storch geschaffen Während früher alle Versuche, den Storch in den >z der Rektor, Pürker n der Einleitung eine das vergangene Zahl', ü) Mächten der Uni- Len Jahre, sprach den ihre Unterstützung aus ie die Landesuniversität angelegen sein lassen, gierten Kreise an der leilnehinen zu lassen, ter auf das Thema aui ysiologie, ein: alifation der Zunklionru sichauptsM. n, den 2. Juli 1926. der Universität bes Vorlesunasgebäudes feier der Landes- ichen Rahmen statt. Sie geladene Gäste aus der aten füllten den mit den m geschmückten weiten M hr'viper; spielte unsere ng des Obemusikmcisters Münster aus Magners bet Naüemifche Gesang- chramtsassestor Moller idelsfohns „Mas". Kn« deshalb erhebliche Lücken aus. Dies ist insofern sehr bedauernswert, als der Mais in hiesiger Gegend als Futterpflanze sehr hoch geschätzt wird. Das Getreide bietet ebenso wie die Rüben- und Kartoffelfelder ein prächtiges Bild. Roggen und Sommergetreide sind ausgezeichnet, auch der Weizen, der mit Rost befallen war, hat beträchtlich von seiner Krankheit erholt. und evangelischer Gedanken werden. Das Schauspiel „Andreas Hofer" wird an das verlorene Südtirol erinnern. Pfarrer Haupt wirb in seiner Rede Grundgedanken der Reformation behandeln, und so die ganze Feier unter dem Wahlspruch des Bundes stehen: ..Evangelisch brs zum Sterben, deutsch bis in den Tod hinein." * Neit - und Fahrturnier in Gießen. Man schreibt uns: Wie schon berichtet, veranstaltet das hiesige Infanterie-Bataillon zusammen mit dem Nett- und Fahrklub Gießen und Umgebung am kommenden Samstag und Sonntag ein Reit- und Fahrturnier. Die Veranstaltung findet nicht, wie früher vorgesehen, auf der Haardt, sondern auf dem Sportplatz am Trieb statt. Am Samstagnachmittag um 4 Uhr ist ein kurzer Geländeritt mit Hindernisspringen (Start und Ziel Trieb), am Sonntag um 2.30 Uhr beginnen die Einzelprüfunaen im Reiten Noch- und Wcitsprung und Fahren. Außerdem wird von hiesigen Damen und Herren eine Quadrille geritten. (Siehe gestrige Anzeige.) ** Aus dem Gießener Standes- tsr cgi sie r. Es verstorben in b-r .Zeit vom bis 30. Ium: 16. Elisabethe Jöckel, geb. Abrrg. Witwe, 69 Jahre alt. Marburger Straße 40. 17. Jakob Ehristmann, ohne Beruf, 74 Jahre alt, Sicher Straße 74. Elise Wagner, ge& Dender^ Witwe, 83 Jahre alt, Friedrich- ™ k 7‘ Morell, geb. Ramge, Witwe, 78 Jahre alt Stephanstr. 29. 19. Marie Elisabeth ^rebing, geb. Schneider, Witwe. 53 Jahre alt. Hillebrandstraße 8. 21. Marianne Lindenstruth. 1 oaßr ait, Wehsteinstraße 34. 23. Heinrich Weller. Hausmeister, 58 Jahre alt. Kaiserallee32. rl ^ua Salomon, geb. Loeser, Witwe, 78 Jahre t ?ohannesk:rche 6. 25. Sara Lazarus, geb. Mandel, Witwe, 83 Jahre alt, Aster- toeg o3. 26. Susanne Ebert, geb. Gold, 69 Jahre alt. Frankfurter Straße 86. 27. Emilie Karoline Äobb ,geb. Hahn. 65 Jahre alt, Dismarckstr. 30. 28. Marte Haberkorn. geb. Volpert, 47 Jahre alt. Katserallee 32. Margarete Leuchtgens. geb. Klamm. Witwe. 78 Jahre alt. Plockstraße 2. 29 Heinrich Amend II., 86 Jahre alt, Gießer Karl August Baumann 2 Jahre alt. Llnbengasse 18. Margarete Kürschner, geb. Zoden. 52 Jahre alt. Schottstraße 7. Edith Roßner. 3 Monate alt. An den Bahnhöfen 80. nehmen Schüler der hiesigen und benachbarten Volksschulen eine Tagesfahrt an ussage. keine stärkeren ckMn: Maximum 19,2, < heutige Morgen, elsiuS. dem Riederwalddenkmal zu machen. Gegen 11 Tlhr abends trifft der Sonderzug wieder hier ein. y Bad Salzhausen, 1. Juli. Bezüglich der F e ld b e r e i n i g un g in unserer Gema» t'ung fand hier im Konzerthaus eine Versammlung statt, in der die beteiligten Grundbesitzer zu der Feldbereinigungskommission zwei Sachverständige und deren Stellvertreter sowie einen Schiedsrichter nebst Stellvertreter zu wählen hatten. Von hier war nur Bürgermeister Röper erschienen. Die übrigen Wähler waren auswärtige Grundstücksbesitzer, meistens aus Kohden und Geiß-Ridda. Als Sachverständige wurden die Landwirte Otto W ö r n e r, Geiß-Ridda. und L. Denner, Kohden, als deren Stellvertreter Herm. Lind, Geiß-Ridda. und Heinr. Uhl II., Kohden, gewählt. Zum Schiedsrichter wählte die Versammlung Bürgermeister B i r k e n st o ck, Ranstadt, und zu dessen Stellvertreter Bürgermeister Hofmann, Ulfa. Ferner wurde beschlossen, daß die Kosten der Feldbereinigung durch den Erlös von Massengelände bestritten werden sollen. Ein Antrag, die Kosten auf die einzelnen Grundstückswerte auszuschlagen, ging nicht durch. „?" Echzell, l.Juli. Der Rückgang des hiesigen p o st a l i s ch e n Verkehrs, der sich schon in den letzten Vorkriegsjahren bemerkbar machte, veranlaßt die Postverwaltung, unser Postamt in eine erweiterte Postagentur umzuwandeln. Da bereits die Aufforderung ergangen ist, sich um die Uebernahrne der Agentur zu bewerben, erwartet man die vorgenannte Veränderung in aller Kürze. Kreis Schotten. ld. Schotten, 2. Juli. Der Umsatz von frischem Wiesenheu, der früher in Schotten und Umgegend recht bedeutend war, ist in diesem Jahre kaum nennenswert. Für den Zentner werden je nach Güte 3 bis 3,50 Mk. bezahlt. Es handelt sich nur um geringe Mengen, da die großen Aufkäufe durch Militärproviantämter und Fuhrunternehmer in Wegfall gekommen sind, und es die heutigen W'.rtschaftsverhältnisse den Heuhändlern nicht ermöglichen, wie früher, Heu. aufzustadeln. ld. Glashütten, 2. Juli. Von einem Teil der Diepgen Grundeigentümer ist die Einleitung des Feldbereinigungsverfahrens beantragt worden. Die kleine, ziemlich flachliegende Feldmark unseres Dorfes mit ihren geringen Höhenunterschieden stellt der Bereinigung weit weniger Hmdernisse in den Weg, als der größte Teil der Vogelsberger Gemarkungen. Da viele hiesige kleine Landwirte als Arbeiter in Hirzen» Hain beschäftigt sind und die Feldarbeit meist in ihren Freistunden ausführen, ist eine Vereinfachung und Erleichterung der Betriebsweise nur zu begrüßen. -S“ Herchenhain, 1. Juli. In einem. Zuckerstand, der vom Johannimarkt und der Rachkirmes noch auf dem Festplah aufgeschlagen war, wurde eingebrochen und für ca. 150 Mk. Schokolade, Pralinen usw. gestohlen. Die Planen, womit der Stand verhängt war. wurden zerschnitten. Obwohl die Besitzer im Innern schliefen, haben sie von dem Diebstahl nichts gemerkt. Die Gendarmerie hielt hier und in den Nachbardörfern Haussuchungen ab, die aber bis jetzt ohne Erfolg waren. — Die Gemeinde erzielte bei ihrer diesjährigen Heugrasversteige- r un g recht ansehnliche Preise. Es wurden durchschnittlich bezahlt für eine Fuhre Heu (ca. 20 bis 25 Zentner) 40 bis 60 Mk. und höher. Kreis Alsfeld. z. Schwarz. 1. Juli. Schon feit Tagen sieht man Heidelbeerensucher in den nahe bei unferm Ort beginnenden, ausgedehnten Waldungen. Da aber erst ein kleiner Teil der Beeren gereift ist, so ist das Einsammeln noch eine mühevolle Arbeit. Es wäre zu wünschen, daß die Wälder noch einige Tage von den Beerensamm- lern gemieden würden, damit die so begehrten Blaubeeren auch zur vollkommenen Reife gelangen konnten. In den hiesigen Waldungen kann im Durchschnitt von einer schwachen Mittelernte gesprochen werden. Kreis Lauterbach. 5 Schlitz, 1. Juli. Die Vorbereitungen zu dem Jubiläumsfest des Gesangvereins »Harmonisches Kränzchen" versprechen einen schönen Festverlauf. An dem Gesangswettstreit nehmen 25 Vereine teil. Außerdem werden zahlreiche Gastvereine erwartet. Wertvolle Ehrenpreise sind in sehr großer Zahl gestiftet worden. Eine Festschrift ist bereits erschienen. Die Cisenbahnverwal» Oberhessen. Keine Kreuzottern im Vogelsberg. Mus bern Vogelsberg, 1. Juli. Durch eine r\?r™'LaMer Korrespondenz wird die unglaub- üche Meldung verbreitet, daß in den Wäldern des Do gelsbergs in diesem Jahre die Kreuzottern sehr stark auftreten. Aus der Umgegend werde gemeldet, daß täglich größere Massen von Kreuzottern getötet werden. Ebenso werde aus JÖcrsfetb gemeldet, daß der dortige Kreisausschuß dort für ,ede abgeheferte Kreuzotter eine Prämie von einer Mark ausgesetzt habe. Man sollte es nicht für möglich halten, mit welcher Leichtfertigkeit eine derartige Meldung in die Welt gesetzt werden kann. Seit wann liegt denn Hersfeld im Vogelsberg? Der Vogelsberg ist nach Aussagen wissenschaftlicher Autoritäten bekanntlich absolut frei von Kreuzottern, und wir können uns nicht entsinnen, daß hier einmal eine Giftschlange einwandfrei nachgewiesen worden ist. In den herrlichen Duchenwäldern des Dogelsberges ,man h>e und da einmal eine Blind- .gleiche oder eine harmlose Ringelnatter sich sonnen sehen. Bei Schlitz werden durch den Grafen die prächtigen Aeskulapschlangen gehegt: aber bie giftige Äreujotter ift hier ob so lu t fremd. Und nun sollen täglich auch noch größere Massen getötet werden. Also durchschnittlich wohl so 50 bis 100 Stuck! Entsetzlich' Die mnzigen wilden Tiere, die hier Vorkommen, sind die Daren, die man den braven Zeitungslesern von 2) a r m ft q b t aus massenhaft aufbinbet. Landkreis Gießen. == ßidfc, 1. Juli. Einen großen Raum in per Jahresarbeit des Landwirts nimmt hier von teher die Heuernte ein, gehört unsere Ge- markung doch zu den wiesenreichsten Gebieten Oberhessens. Von Kolnhausen bis hinauf nach Rieder-Bessingen zieht sich im Wettertal der herrliche Gießer „Wiesgrund" hin, über l1/. Stunden in der Gänge, an manchen Stellen fast einen Kilometer Breite erreichend. Richt nur die hiesigen Gandwirte decken hier ihren Trocken- futterbeöarf. Auch viele wiesenarme Gemeinden der Umgebung gehören von altersher zu den Abnehmern des Gießer Heus. Soweit Gandwirte aus der Umgebung nicht selbst Wiesenbesiher in unserer Gemarkung geworden sind, bietet sich ißnen Gelegenheit, bei den Versteigerungen des Heugrases sich einzudecken. Heuer ist die Ernte noch in den Anfängen. Bei dem guten Wetter der letzten Tage ist sie aber rüstig vorangeschritten und auch in der Qualität gut ausgefallen. Wagen hinter Wagen sah man gestern und heute durch die Stabt fahren. Unsere obstreiche Gemarkung hat nur eine schlechte Obsternte zu erwarten. Besonders kläglich ist der Behang der Apfelbäume. Eine kalte Mainacht vernichtete fast die ganze Ernte. Es gibt Obstbaumbesiher, die die zu erntenden Aepfel an den Fingern abzahlen können. > Aus der nördlichen Wetterau, 1. Juli. Infolge des prächtigen Sonnenscheins der letzten Tage macht die Heuernte enorme Fortschritte. Bei anhaltender guter Witterung dürfte sie in den ersten Tagen ihren Abschluß finden. Trotz anfänglicher Befürchtungen ist sie nach Qualität und Quantität im allgemeinen zufriedenstellend. — Die gegenwärtig in vielen Gemeinden unserer Gegend in größerer Anzahl auftretenden Krähen werden immer mehr zu einer Plage für den Gandmann. Besonders fügen sie den jungen Dickwurz- und Maispflanzungen großen Schaden zu, indem sie die erst aufgeleimten Pflänzchen mit ihren langen Schnäbeln aus der Erde ziehen. Mitunter weist der Mais WSR. Umfangreiches Handgepäck auf gebe nl Es herrscht bei dem Publikum vielfach früher Unklarkeit, ob bei der Benutzung der Feriensonderzüge auf die Sonderzuz» karten Reisegepäck angenommen wird. Auf diese Fahrkarten kann Reisegepäck abgefertigt werden. Die Abfertigung ist sehr zu empfehlen, da jeder Reifende nur berechtigt ist, in das Abteil soviel Gepäck mitzunehmen, als er über und unter seinem Sitzplatz unterbringen kann. Wer mehr Gepäck in das Abteil mitbringt, schädigt seine Mitreisenden. Häufig entstehen h erdurch unliebsame Auseinandersetzungen zwischen den Reisenden, die vermieden werden können, wenn sich jeder an die bestehenden Vorschriften hält. Das Eisenbahnpersonal ist angewiesen, auf den Umfang des Handgepäcks zu achten. Diese Anord- mmg ist im Interesse der Reisenden getroffen. Die Aufgabe des Reisegepäcks empfiehlt sich auch deshalb, weil die Eisenbahn für aufgegebenes Gepäck Haftung übernimmt. FürHandgepäck hastet die Dahn nicht, der Reisende muß es selber im Auge haben und gegen Diebstahl sichern. Als Reisegepäck werden alle Gegenstände angenommen, deren der Reisende zur Reise bedarf, und die durch ihre Verpackung in Koffern, Rersekörben usw. als Reisegepäck kenntlich sind. Auch Fahrräder, Motorräder, Kinderwagen u. dgl. werden als Reisegepäck angenommen, jedoch nut der Einschränkung, daß sich diese Gegenstände zur Beförderung im Gepäckwagen eignen und zum eigenen Gebrauch des Ausgebers dienen. Verboten ist, gefährliche Gegenstände als Reisegepäck aufzugeben: aus Motorrädern muß der Betriebsstoff vorher völlig abgelassen fein. Das Reisegepäck wird bei der Gepäckabfertigung gegen Zahlung der Gepäckfracht angenommen. Empfehlenswert ist, in die einzelnen Gepäckstücke einen Zettel mit der genauen Adresse des Aufgebers zu legen. ** Der Ferien -Sonderzug Kassel — Basel, der in der Nacht vom 2. zum 3. Juli verkehren sollte (Gießen nb 1.14 Uhr vormittags), fällt wegen zu schwacher Beteiligung aus. Reisende mit bereits gelösten Karten können auf den ebenfalls in der kommenden Nacht verkehrenden Ferien-Sonderzug Hamburg—Basel (Gießen ab 2.14 Uhr vormittags) übergehen. ** Personalie. Auf Grund des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten ist der leitende Arzt der Heilstätte für Nervenkranke in Gießen, Medizinalrat Dr. Albert Wagner, am 1.Juli in den Ruhestand getreten. ** Der neue Straßensprengwagen- thp, der heute vormittag in den Hauptstraßen der Stadt erschien und dort von der Firma Auto- Schneider vor zahlreichen KomunalPolitikern in der Arbeit gezeigt wurde, bereitete ftaunenere- gende Überraschungen. Allgemein hörte man nur lobende Stimmen über dieses Erzeugnis unserer Industrie. Wir werden morgen auf das Ereignis noch zurückkommen. ** Kinderfahrscheine auf der Stra- B e n b a f) n. Von heute ab gibt die Straßenbahn ’ür Kinder vom 6 bis 14. Lebensjahr Fahrscheine V.i ermäßigtem Preise aus. Diese Kinder zahlen jetzt 'ür die ganze Strecke 10 Pf. Kinder bis zu sechs wahren haben in Begleitung Erwachsener freie Hahrt. ** D ie evangelische Bundesfeier rm Sonntag in der Turnhalle dürste, so schreibt man uns, eine tiefwiriende DarsteUung deutscher v >' Vorauf fi, ft 1 "w £ n nur noih'^Ur5ilie Rabt^nbai)n. rZsr t». Iti au5 Än °Hat nicht Jer fyn öar \^\ nat) furjsr Zeis, oi)ne 19f zu haben. )rganismu5. raus weiche Me. ’atut geW habe, einen Stert Mionen von Lverschied-narttgen Esch'uche Körper ft ’ Kjh eine lorMratenbe i mA WÄ wrhanM ü‘a"l^ M unt* Das atj vor iilte KV grineinj^ eS % tonn, A- bimd wir leit.191 be Friede Li -arantdes - durch d sWneuarbc LiiSlieder besonder ventwnen, interne A Men. da tzandetV Hundes to TuM' ® großen Mächten zu Detfto1 urtige 2e Zweck zu mit W alle Sm fr iinmnM ausgesührt h'nb die Sol kriegerischen selbst nicht im Jöllerbi den. 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Juli, abends 8l/2 Uhr: SnelVMeiiS in der Stadt Lick. Ausgabe der Ehrenurkunden v. Bezirks- roeufdiretben. “*‘c 1 Posten färb. Oberhemden mit 2 Kragen 4.95 1 Posten Sporthemden in Zephir u. Flanell 5.50 1 Posten Söckchen mitWollrand ?Ä“o.sm.7s; 0.50 1 Posten Sweateranzüge,Sweater,Knab.-Hosen- Faltenröckchen gäbe der M°arke ' unter Fabrikpreis 1 Posten Kinder-Jumper,wo"»......3.50 1 Posten Damen-Westen roino Wolle mit 20% Rabatt Bekanntmachung. Auf die am 2. Juli 1926 stattsindende statistische Erhebung in der Erwerbslosenfürsorge wird hingcwiesen. Es ist für die zu volkswirtschaftlicher wichtigen Untersuchung von größter Bedeutung, daß die Arbeitgeber die ihnen zugesandten Karten richtig und vollständig ausfüllen und bis 20. Juli 1926 an die absendende Stelle (in der Stadt Gießen der Arbeitsnachweis, im übrigen das zuständige Kreisamt) zurücksenden. Bei den Lohnangaben find die Sachbezüge nach dem vom Der- sicherungsamt festgesetzten Geldwert zu berechnen. Die Sachbezüge sind durch Bekanntmachung des Versicherunasamts vom 17. Januar 1924 mit Wirkung vom 1. Januar 1925 an für die Landgemeinden BahnhofstraBe 31 5576c Verschiedenes Natur- und sport- liebender Herr, hier fremd, wünscht mit gleichgesinnter Dame nicht über 25 Jahre, bekannt zu werden. Schr. Ang. u. 04604 an den Gieß. Anz. Bess.,geb.Herri22J.), wünscht d. Bekanntschaft m. einem lb. Mädel zwecks spät. Heirat. Ehrensache. Schristl. Angebote unt. 04581 an den Gieß. Anz. Radsahrverein Minna. Samstag abend V,9 Ubr: Monatsversammlung. Aller Erscheinen erwünscht. 5574V Leib- Dragoner. SamStag, 8Va Ubr: Vereinslokal. ^v Auf alle übrigen nicht herabgesetzten Preise bei Barzahlung 10% Rabatt! (Einige Markenartikel ausgenommen) Putzkolonne für Wasserbauten im Sauerland gesucht. Carl Hanebeck, Dortmund. | Saubere gmu ah. Mchen f. vormittags einige Stunden ges. Wilbelmttr. 21 I. WMt ÜÖilrat erfahr, in Krankenpflege und »Behandlung, sucht Stellung b Arzt ob. Zahnarzt während d. Svrechst. 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Als vorbereitenden Schritt einer allmählich immer mehr durchzusührenden Abrüstung wurde Deutschland vollkommen entwaffnet und zwar ohne Rücksicht darauf, ob und wann die allgemeine Abrüstung durchgeführt werden kann, und ohne Rücksicht darauf, daß der Völkerbund noch lange kein wirklicher Bund aller Kulturstaaten ist, und daß Rußland, mit dem wir seit 1917 in Frieden leben, es ab lehnt, der Friedensgarantie des Völkerbundes beizutreten. Als Leitprinzip hat der Völkerbund als Garant des europäischen — ja des Weltfriedens — durch die Herbeiführung gemeinsamen Zu- sammenarbeitens den Satz aufgestellt, dah die Mitglieder des Völkerbundes unter sich keine besonderen Allianzen, militärische Konventionen. offene oder geheime oder sonstige interne Abmachungen untereinander abschliehen dürfen, da solche Verträge das Recht des freien Handelns nach den Bestimmungen des Völkerbundes ausschliehen würden. Trotzdem hat die Furcht, die als psychologische Rachwirkung der großen Katastrophe zurückblieb, eine Anzahl von Mächten veranlaßt, gegen diese Bestimmungen zu verstoßen, und der Völkerbund mußte derartige Verstöße hinnehmen, um nicht ganz seinen Zweck zu verfehlen. Frankreich schloß Bündnisse mit Polen, der Tschecho-Slowalei und Belgien, alle drei begleitet von unverhüllten militärischen Abmachungen. Possen schloß einen Vertrag mit Rumänien, und auch andere Staaten könnten aufgeführt werden. Die französischen Verträge sind die Folge der Furcht Frankreichs vor einem kriegerischen Deutschland. Diese Gefühle sind also selbst nicht durch die Mitgliedschaft Frankreichs im Völkerbünde ausgelöscht vder gemildert worden. Deutschland sah sich daher gezwungen, einen ähnlichen Weg zu gehen wie die anderen Mitglieder, und bot Frankreich als Zeichen seines guten Willens jene Sicherheiten an, die in dem Locarno-Dertrage fesbaelegt sind. Deutschland tat dies aus freien Stücken, ohne durch eine Mitgliedschaft im Völkerbünde gebunden zu sein, obwohl es durchaus gewillt war, dem Völkerbund beizutreten und sich an seine Bestimmungen zu halten. Erfahrungen aus der historischen Entwicklung — als Herz Europas — und der Wunsch, in einer für uns und die Mitwelt befriedeten Welt zu leben, geben den Ausschlag. Rationen, die glauben, dah die Organisation des Völkerbundes nicht stark genug ist, sie zu beschützen und die aus diesem Gründe nicht nur ungeheure militärische Rüstungen aufrecht erhalten, sondern die auch besondere Verträge und Abkominen militärischen Charakters ab- schliehen. dürfen sich nicht wundern, wenn eine Ration wie die deutsche trotz ihrer Anwartschaft auf einen Sitz im Völkerbundsrat es notwendig erachten sollte, unbewaffnet wie sie ist, ihre offene Flanke durch einen Vertrag durchaus friedlichen Charakters und mit friedlichen Absichten zu sichern. Wenn man es erlauben muß, daß trotz des allgemeinen Charakters des Völkerbundes besondere Abmachungen unter Völkerbundsmitgliedern geschlossen werden, so darf man auch nicht eine zu scharfe Kritik üben, denn ein künftiges Mitglied des Völkerbundes, dessen geographische Lage im Herzen Europas besonders gefährdet ist, einen Freundschafts-, SÄedsgerichts- und Reutralitätsvertrag mit Rußland abschießt. Frankreich und Englaird verwehren sich dagegen, daß die Locarno-Abmachungen und der Völkerbund irgendwelche anti-russische Tendenz zeigen. Man kann jedoch auf der anderen Seite nicht leugnen, daß keine von diesen beiden Großmächten, so sehr sie es auch gewünscht haben mqg, mit dem großen örtlichen Rachbarn zu einer Verständigung gekommen ist. Ich bin durchaus Kr Ansicht, daß sie bestrebt sind, diese ungesunde Lage zu verbessern; das kann aber nur auf dem Wege geschehen, daß sie einen Anerkennungs-, Freundschafts- und Schiedsgerichtsvertrag, ähnlich dem deutsch-russischen Vertrage, schließen. Reben anderen Schwierigkeiten bietet die noch Die Neuromantik im heutigen Deutschland. Von Dr. Herbert Eulenberg. Aus einem in Paris gehaltenen Vortrag des Dichters. »Wenn ich über die literarische Bewegung der Reuromantik in Deutschland reden rälll, so muh ich von vornherein zugeben, daß iy$ in Des Hauptsache von mir selbst sprechen werde. Denn auch der sachlichste und unpersönlichste Betrachter dieser kurz blühenden Richtung, die wir Reuromantik nennen, müßte zugeben, daß diese Strömung auf dem Gebiete der Bühne wie des Romans in Deutschland am beharrlichsten und breitesten von Herbert Eulenberg eingchalten worden ist. Gewiß! Es gab unb gibt auch heute noch manche andere Vertreter dieser eigentümlichen Zeitsttedung neben mir. Ich nenne als die hervorragendsten dramatischen Dichter der Reu- romantik bei uns den jungen Hofmannsthal, Karl Vollmöller mit seiner Tragödie „Katharina von Armagnac", Ernst Hardt mit seiner „Rinon", feinem „Tantris", Wilhelm Schmidt- bonn, Eduard Stucken, Wilhelm v. Scholz mit seiner Reigung zum äleöersimrlichen und Mystischen. Iick>essen sind alle von den Genaimten und den Richtgenannten entweder früh verstummt, wie Ernst Hardt und Karl Vollmöller, oder sie haben die alte Bahn verlassen und sich von der abgewandt. Wenn ich als Dramatiker und Romanschriftsteller einen Ruhmestitel beanspruchen dürfte, so wäre es der, daß ich den Richtlinien der Reuromantik am treuesten geblieben bin und die Lösung, die mir mit meiner bisher ungeklärte Frage der Zinsen und Kredite der Westmächte sowohl aus der Zeit vor dem Kriege als auch während des Krieges ein großes Hindernis für einen solchen Vertrag. Der Rapallo-Vertrag hatte diese Frage für Deutschland volllommen geregelt. Diese Regelung bildet den Hauptinhalt des Vertrages und ist dem neuen Vertrag als in voller Kraft und Wirkung befindlich angeführt. Außer Handelsfragen enthält der Rapallo-Vertrag fernerhin jene Klauses, die in etwas abgeschwächter Diktion auch im Artikel 1 des neuen Vertrages wiederholt ist. Ich behaupte deshalb, daß. sobald eine englischrussische und eine französisch-russische Annäherung einseht, die Westmächte dieselben Verpflichtungen auf sich nehmen müssen: nämlich in Wort und Geist ihr Einverständnis mit Rußland auszudrücken: es sei denn natürlich, daß Rußland nicht etwa in der Zwischenzeit selbst ein Mitglied des Dölkerbundsrates geworden ist. Besondere Verträge zwischen Völkerbundsmitgliedern sollten so weit wie möglich vermieden werden. Besondere Verträge zwischen Völkerbunds- Mitgliedern und Outsidern lassen sich nicht vermeiden. Mit einem Abkommen zwischen Rußland und den Westmächten, das doch eines Tages kommen muh, und mit einem Abkommen zwischen Polen und Rußland, das bereits kurz vor dem Abschluß steht, werden alle diese Rationen in derselben schwierigen Lage sein, falls man von einer solchen überhaupt sprechen kann. Die Regierungen der Westmächte sind aus erklärlichen Gründen sehr vorsichtig gewesen, den neuen Vertrag offen zu kritisieren. Die Presse hat indessen weniger Zurückhaltung geübt. Sie hat Kritik geübt. Das ist ihr gutes Recht. Aber diese Kritik darf nicht im Ton einer väterlichen Ermahnung gesehen, wie ihn etwa eine selbstgefällige Lehrerin unartigen Kindern gegenüber gebraucht. Ein derartiger Ton ist ein heute wenig angebrachtes Lleberbleibsel der Kriegspsychose und zeugt von einem mangelnden Anpassungsvermögen an neue Ideen und Verhältnisse. Die augenblickliche europäische Lage ist noch ein Gemisch der alten Gleichgewichtstheorie und der neuen Völkerbundstheorie zwischen dem bewaffneten Frieden und der Sicherheit durch friedliche Zusammenarbeit. Wir haben keine Verwendung mehr für die Theorie des bewaffneten Friedens, denn selbst wenn wir sie aufrecht erhalten wollten, so könnten wir dies nicht. Wir sind also die einzige Ration in Europa, die nach Willen und Tieberzeugung, aber auch durch die Macht der Umstände gezwungen, endgültig die Theorie des Völkerbundes angenommen hat, die uns vorschreibt, auf der Grundlage von Recht und Gerechtigkeit mit unseren Rachbarstaaten zu leben. Äese Theorie suchen wir in die Wirklichkeit umzusetzen. Wir haben teilweise aus Gründen der internationalen Höflichkeit, teilweise auch um Mißverständnissein vorzubeugen, von dem Abschluß des Vertrages den Locarno-Mächten Mitteilung gemacht. Aber während der Text des neuen Vertrages keinerlei Grund für Kritik und und Erklärungen bietet, vermutet man doch hinter ihm irgendwelche finsteren Pläne und selbst gehbime Abmachungen. Richts dergleichen ist aber der Fall. Rußland ist kein Mitglied des Völkerbunds, es hegt fogar äußerstes Mißtrauen den Großmächten gegenüber, daß. diese von dem Völkerbund einen ihm schädlichen Gebrauch machen könnten. Rußland hat sich aus eigenem Willen in eine große Isolierung hineinmanöve- riert. Es hat bisher erklärt, daß es niemals einen Schiedsvertrag mit irgendeiner kapitalistischen Macht schließen würde, da ein derartiger Vertrag gegen seine Würde und gegen seine Prinzipien sein würde. Diese Mentalität war auch ein ernstes Hindernis für den Abschluß des Vertrages, wie chn Deutschland als das Herz Europas bedarf. Die Rote, die Reichsminister Stresemann dem Vertrage beifügte, erflärt daher, daß der Völkerbund ein Friedensinstrument ist, daß die Mitgliedschaft und die Verpflichtungen, die mit dem Beitritt verbunden sind, mit guten Beziehungen zu Outsidern vereinbar ist, so lange das Verhalten eines solchen Outsiders friedlich ist. Sie weist nach, daß, falls die russischen Befürchtungen irgendwelche Begründung haben — was wir verneinen — Deutschlands Verpflichtungen dem Völkerbunde gegenüber nicht so weit gehen, eine handgreifliche Ungerechtigkeit gegen ein friedfertiges Rußland zu erlauben oder zu dulden. Im ^übrigen wiederholen wir nur wörtlich, was zu uns in Locarno bezüglich der Artikel 16 und 17 des Völkerbundsvertrages gesagt wurde, und wir verpflichteten uns außerdem, nicht an irgendeinem Versuch, Rußland in Zeiten, in denen es nichv als Friedensbrecher durch den Völkerbund be-< zeichnet wird, zu boykottieren, teilzunehmen, ja, einem derartigen Dohkottversuch sogar Widerstand entgegenzusehen. Man mag fragen, ob diese besonderen Art Kunst gegeben wird, am breitesten und fruchtbarsten befolgt habe. Was ist und bedeutet nun Reuromantik? Ihnen allen ist der Begriff der alten, früheren Z^itrichtung, die man Romantik nannte, mehr oder minder geläufig. Sie in Frankreich haben ja das große Glück gehabt, diese romantische Rich- 'tung auch eine Zeit lang auf Ihrem Theater in voller Herrschaft zu erleben, in jener Epoche, in der das französische Theater seine vorläufige letzte Blüte hatte. In jener Epoche, in der Victor Hugo, der sonderbarerweise augenblicklich in Deutschland als Erzähler wieder sehr geschäht wird, mit seinen romantischen Stücken, wie „Her- nani“, „Le Roi s’amuse“, „Cromwell“, die Bühne eroberte. Einen solchen Sieg der romantischen Richtung auf den Brettern haben wir damals in Deutschland leider nicht gehabt. Die Dramen eines Ludwig Tieck, eines Brentano und Eichendorfs, sind zu ihrer Zeit unaufgeführt geblieben und auch später kaum noch zum Leben erweckt worden *). Mit jener alten Romantik verbindet nun die neue vor allem das Gefühl von der Unbeständigkeit der Seienden, von dem Vorübergehen und der Vergänglichkeit alles dessen, was da ist und sich spreizt. Sie können sich denken, daß den Romantikern als den Relativisten auch die Lehre Einsteins von der Relativität, eine sehr willkommene sein muhte. Der Romantiker von heute wie der von gestern liebt ja durch die Dinge zu sehen und wie Calderon, einer der großen Ahnherren dieser Bewegung, die Traumhaftigkeit des Geschehens zu erkennen. Ihm ist die Welt oft nur geträumt, nur gemalt. Dieses Spielen mit dem *) Von Eichendorfs neuerdings „Die Freier" in Frankfurt und Berlin. — D. Red. Versicherung notwendig war? Ich persönlich glaube, daß dies nicht der Fall war. Aber da die Furcht vor einem derartigen Boykott in Friedenszeiten stets in den Unterhandlungen mit den russischen Delegierten wiederkehrte, so konnten wir feinen Grund sehen, weshalb wir nicht ausdrücklich erklären sollten, daß wir jede gerecht denkende Person als eine Selbstverständlichkeit ansehen würden. Wir taten es, um ein Instrw-> ment zu schaffen, das in seinem Geiste und seinen Wirkungen den Frieden sichert. Denn der Vertrag ist ein derartiges Instrument. Er ist die logische Folge des Rapallos Vertrages, des Handelsabkommens vom Oktober 1925, der Kreditgewährung an die russische Regierung im Dezember letzten Jahres. Schritt für Schritt wurde Rußland durch diese Maßnahmen näher an die Methoden der Westmächte gebracht, wurde es an kapitalistische Geschäfts-, Methoden gewöhnt, seine Befürchtungen über Gefahren von feiten des Völkerbundes beschwichtigt und seine Abneigung gegen Schiedsverträge überwunden. Die deutsche Erklärung über den eigentlichen Zweck des Völkerbundes ist in Rußland ohne das Gefühl einer Herausforderung ausgenommen worden. Rußland hat formell Rotiz davon genommen. Der Völkerbund kann tatsächlich niemals wirklich wirkungsvoll werden, ohne dah er weiter ausgebaut wird. Das bedeutet letzten Endes, dah er der Zusammenarbeit Rußlands bedarf. Falls Deutschland bereit ist, als „ehrlicher Makler" zu handeln — ich bediene mich eines Ausdrucks des Altreichskanzlers Bismarck — s o sollte man ihm dazu gratulieren, es aber nicht in unfreundlicher Weise kritisieren. Briands Antrittsdebüt. Alle Berichte aus Paris stimmen darin überein, daß die Aufnahme der neuesten Antrittsrede des Kabinetts Driand in der Kammer wie in der Presse keine sehr günstige gewesen ist. Das wird begreiflich, wenn man die an sich ziemlich lange Regierungserllärung aufmerksam durchliest. Denn trotz einiger dunkler Andeutungen ist sie verblüffend inhaltlos. Warum Briand seinen Landsleuten und der ganzen Welt diese Enttäuschung bereitete, muh dahingestellt bleiben; jedenfalls ist sie um so allgemeiner und größer, als man dem ersten Auftreten des Kabinetts, das nunmehr zwei starke Männer als Köpfe besitzt, mit besonderer Spannung entgegen- gesehen hatte. Jedermann hofft nun, daß nach Ablauf der einwöchigen Schonzeit, die Briand schließlich bei der Kammer durchgedrückt hat, der große Finanzdiktator Caillaux das Versäumte nachholen und ein Finanzprogramm ent- wickeln wird, das auch wirklich diesen Ramen verdient. Die französische Oefsenllichkeit ist durch die Inhaltlosigkeit dieser Regierungserllärung und durch das, was sie offenbar verschweigt, noch mehr beunruhigt, als sie ohnehin war. Dazu kommen die Verhandlungen, die von dem vertrauten Gehllfen Caillaux', dem Staatssekretär Dubois, mit den Leitern der Dank von England Montaau Rorrnan und dem Präsidenten der Federarl Reservebank Strong ziemlich geheim geführt werden. Man argwöhnt dahinter Bestrebungen der englischen und amerikanischen Hochfinanz, auf dem Tlmwege über die Bank von Fraickreich maßgebenden Einfluß auf die französische Finanzpolitik zu gewinnen, wodurch die französische Eigenliebe aufs schwerste gekränkt werden würde. Das alles wird freilich den Franzosen nicht allzu viel nützen, denn ohne englische und amerckanische Hilfe find sie nicht imstande, aus ihrem Währungsverfall herauszukommen. Daß die Beunruhigung in dieser Hinsicht nicht unberechtigt ist, geht auch daraus hervor, daß die erste Maßnahme Caillaux darin bestand, die Frank von Frankreich ihrer Selbständigkeit zu entkleiden unb zum gefügigen Werkzeug der Regierung zu machen. Gerade dadurch erhält selbstverständlich der Argwohn, daß ein für den französischen Stolz demütigendes Abkommen mit den beiden großen Geldmächten in Aussicht steht, neue Rahrung zugeführt. Auf der anderen Seite muh Caillaux bei seinen Bemühungen, eine Anleihe von ausreichender Höhe in England und Amerika unterzubringen, Schritte tun, um hierfür, in den genannten Ländern eine günstige Stimmung zu schaffen, und das erreicht er schwerlich dadurch, daß er die Ratifikation des Schuldenabkommens mit den Vereinigten Staaten ablehnt und neue Verhandlungen verlangt. Dah eine solche Politik in Amerika besonders stark verschnupft, kann man erst voll würdigen, wenn man sich vor Augen hält, wie stark die Amerikaner auch rein gefühlsmäßig daran festhallen, dah einmal ge- Dasein, dessen Erhöhung ihm am schönsten in der Kunst zustrahlt, war und ist dem Romantiker höchste Wonne. Er nimmt diese flüchtige ®rben- reife, die wir Leben neinnen, nicht so ernst. Ja, er vermag selbst mit dem Tode, dem Bittersten und Traurigsten, noch zu spielen. Es ist eine alte, falsche Meinung, daß der romantische Dichter darum, weil er über dem Leben steht und mll ihm jongllert, dem Tag und seinen Fragen abgewandt, schaffe und wirke. Richts ist verehrter. Victor Hugo stand mit beiden Beinen fest in seiner Zeit und bewährte sich auch als Politiker ebenso weitschauend und klug als bei uns damals etwa unser Balladen- und Romanzendichter 2ub= wig Ufjlanb. Mit vollem Bewußtsein habe ich mir die Bühne als Kampfplatz für heutige Errungenschaften ausgesucht. Richt dem Tage fremd, nein, ihm mit all seinen Sinnen und Sorgen zugewandt, will der Romantiker schaffen. Er konzentriert sich das Leben nach, er verdichtet es und balll es zusammen und erreicht damit ein Leben über dem £ef>en und über der Zeit, ein neues fieben, die vita nuova des Dante. Darin liegt auch das Geheimnis, daß die Kunst des Romantikers, entgegen dem allgemeinen -Urteil, selten altert, weil sie, nicht an eine Mode gebunden, bet all ihrer Verhaftung an die Zeit, etwas Schwebendes, Ewiges hat. Fast ganz fehlt auch der neuromanttschen Richtung und Dichtung im heutigen Seutfd^anb, wenigstens soweit sie sich auf der Bühne äußert, das Katholisierende, das die alte Romantck kennzeichnete. Die Tendenz der Reuromantiker in Deutschland weist nicht nach Rom. Sie ist frei- geistig gerichtet und schwört, ohne die Einrichtung der Kirche zu verletzen, auf den Fortschritt und auf die Ideale der großen französischen Revv- schlossene Abkommen auch durchgesührt werden. Die Vereinbarung über die Abzahlung der französischen Kriegsschuld liegt schon seit Wochen dem amerikanischen Senat vor und dieser wartet mit der Ratifikation daraus, daß das französische Parlament damit vorangeht, weil man schon einige schlechte Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht hat. Der amerikanische Kongreh hat im wesentlichen seine diesjährigen Arbeiten vollendet und hätte längst Ferien gemacht, wenn nicht die Ratifikation des Schuldenabkommens mit Frankreich noch schwebte und vor Schluß der Session erledigt werden muß. Man kann sich ungefähr ausmalen, mit welchem Gefühl beide Häuser des amerikanischen Kongresses in der Washingtoner Sommerhitze beieinander bleiben müssen, bis es Frankreich gefällt, die Ratifikation vorzunehmen, und noch mehr, wenn man erfährt, dah die ganze Arbeit voraussichtlich umsonst war. Die kühlen Rechner und Finanzgrößen in Reuyork haben das Heft in der Hand und sind in der Lage, erforderlichenfalls den französischen Staatsmännern durch einen abermaligen Sturz des Franken eine empfindliche Lehre zu erteilen. Wenn sie augenblicklich damit noch zögern, so geschieht das sowohl aus dem Grunde, daß sie von dem starken Mann Caillaux in der Tat durchgreifertde Maßnahmen zur Stabilisierung der französischen Währung erwarten. Wi,e wird diese nun aussehen? Die Regierungserklärung enthält evnige dunkle Andeu- tung-en, aus denen schließlich jeder machen kann, was ,er will. Es ist allerdings nur ein oft gehörter Gemeinplatz, wenn gesagt wird, daß es darauf ankomm,e, dem Sinken des Franken Einhalt zu gebieten, dem weiteren Abgleiten eine Schranke zu ziehen und eine Grundlage neuer, aber fester W^rtbegrenzun- gen zu schaffen. Ein wenig deutlicher wird di^e Erklärung in den Worten, dah der allgemeinen Entwertung eine Herabsetzung der Geldwährung zu deren Stabllisierung entgegenge- s.eht werden müsse. Auch ist das reichlich unklar. Wenn man aber damit zusammenhält, daß Caillaux bereits mitgeteilt hat, er beabsichtige, Franken auf feinem heutigen Kurs zu stabilisieren und eine neue Währung einzuführen, so würde das bedeuten, daß mari das deutsche Beispiel nachmacht und für die Aebergamgszeil einen festen Dollarkurs des Franken nach dem heutigen Stand bestimmt, bis die neue Währung gefunden ist. Das würde also schließlich darauf hknauslaufen, daß die französischen Werte und Zahlungsverpflichtungen auf die Hälfte ihres Rennwertes herabgesetzt werden. Wenn das die Absicht Caillaux ist, dann ist.es begreiflich, dah er sich einen ihm ergebenen und energischen Kriegsminister und einen gleichgesinnten Innenminister gesichert hat, denn dann muß man allerdings bei der geistigen Verfassung her Franzosen mit sehr ernsten -Unruhen rechnen. Das wird ein böses Erwachen aus langem Traum eingebildeter Sicherheit geben. Ob diese Angaben zutreffen, werden wir nächste Woche aus dem Finanzprogramm Caillaux entnehmen tonnen. Der alliflamifche Kongreß in Nena. Von unserem türkischen Korrespondenten Konstantinopel, im Juni 1926. Es war vorauszusehen, daß der im vorigen Monate in Kairo zusammengerufene Kalifatskongreß resultatlos verlaufen werde. Schon durch die Wahl des Kongreßories war es weiten islamischen Kreisen unmöglich gemacht, teilzunehmen, aus der berechtigten Erwägung heraus, daß sich in Aegypten der englische Einfluß zu sehr geltend machen werde. Dazu kommt noch vor allem die Schwierigkeit der oielzerklüsteten islamischen Reformbewegung unb die Unklarheit des Amtsbegriffes eines zu erwählenden neuen Kalifen. Bis jetzt ist der Kalif niemals nur geistliches Oberhaupt gewesen, sondern immer der Träger zum mindesten des Anspruches auf die weltliche Oberherrschaft aller islamischen Länder. Dieser aämismus im alten Sinne ist heute nicht mehr. e die wenigen noch freien islamischen Völker haben bewußt mit ihrer religionestaatlichen Vergangenheit gebrochen und den neuen Volksstaat einzig auf dem nationalen Gedanken aufgebaut. So besonders die Türkei, die vor über zwei Jahren durch Parlamentsbeschluß die Abschaffung des Kalifats der Osmanen beschlossen hat und sich damit scheinbar eines großen Prestigevorteils im gesamten Orient entäußerte. Auch in den übrigen islamischen Staaten gewinnt die nationale Freiheitsbewegung immer mehr Grund und es find gerade die besseren Elemente, die an der Spitze dieser Bewegung stehen und sich zu dieser an sich reaktionär zu nennenden Kalifatsbewegung durchaus ablehnend verhalten. An der Kalifatskonferenz hatten vorwiegend englisch ^2---.....J __■■■■*!!!«!__LJ# lution, des Beginns einer neuen Zeitrechnung für unser Europa. Auch in diesem Punkt hlblen wir uns einem romantischen Deist wie Victor Hugo verwandt, der — ohne -ein Spötter zu sein — aufrecht und frei durch die Welt der Freuden und der Schmerzen schritt, um sie ebenso mutig urft stolz unter Verzicht auf die Tröstungen f>Ä Kirche oder einer platten Metaphysik wieder zu verlassen. Die neuromantische Strömung auf bar deutschen Bühne will die religiöse Frage nidyt mehr ■ mit dem uralten, unerflarbaren und abgegriffenen Wort „Gott" beantworten. Sie wlll sich auch nicht an die Kirche anlehnen, wie es die früheren Romantcker, ein Chatcaubricu«) oder Lamartine in Frankreich, ein Friedrich Schlegel oder Sied in Deutschland, ein Gogol ire Rußland getan haben. Sie neigt sich vor dem ilnerforfcfe- lieben, aber sie betet es nicht mehr an. Sie hat tue Gleichgültigkeit des Absoluten erkannt, seine LIn- beteiKgung an uns und unserem Schicksal und kann sich nicht dazu verstehen, die älnvernunft des Weltgeschehens auf den Knien anzverkennen. Mit bem Trotz des Prometheus steht der Reu- romanttker allen Göttern und Geistern gegenüber. Dabei drückt uns diese Erkenntnis, dies Ge-> fühl vor dem schrecklichen Richts nicht nieiter, wie es noch einen Qßfreö de Müllet bebeilcEpe und entmutigte. Wir fürchten uns nicht, einer entgötterten Welt zu stehen. Gin Gutes hat urö Rietzsche gelehrt, dieser Grzreher des DeutsA lands von gestern, den wir heutigen Reuromcm- tifer in manchem, wie in feiner Theorie acan Willen zur Macht, bereits wieder aMebnen. Gutes hat er uns gefreebi Lebensfreu diakeit, die Cief wie er es bezeichnet hat. gesiihl sind wir Reuromcm-t^r r : die Besä zu feinem orientierte Kreise der islamischen Geistlichkeit, die den veralteten überlebten Religionsstaat herbei- sehnen, größeres Interesse, und cs ist daher nicht zu verwundern, daß die türkischen und russischen Mo. !>ammedaner, die mit einer Zahl von etwa 40 Millionen wohl das fortschrittlichste Element des Islams darstellen, auf dein Kongreß in Kairo nicht vertreten waren. Ein großer einheitlicher Gedanke, der den gesamten Islam umfaßt, ist schon seit langem nicht mehr vorhanden. Der hierauf begründete Mißerfolg des letzten „Heiligen Krieges" ist noch in schmerzlicher Erinnerung, und cs zeugte von großer Unkenntnis, so ganz unberechtigte Hoffnungen auf die Schlag- traft eines so morschen Zusamenhangs des islamischen Orients zu setzen. Auch bei der Gelegenheit der Kalifatskonfercnz in Kairo trat diese lange bestehende, tiefe Spaltung des Islams offen zutage', und man kann heute mit voller Berechtigung von dem Kreise der türkischen Nordmohammedaner im Gegensatz zu den mehr reaktionären arabischen Südmohammedanern sprechen. Dieser Gegensatz dürfte sich vor allem auch auf dem allislamischen Kongreß geltend machen, der von dem heutigen Herrscher im Hedschas dem Wciha- bitensultan A b d ulAsisJbnSaud in Mekka zusammengerufen und in diesen Tagen feierlich eröffnet worden ist. In kluger Voraussicht hat Ibn Saud für diesen Kongreß die Frage eines Kalifats ganz beiseite gelassen und als klar umrissenes Programm lediglich die Sicherung der Pilgerfahrt und die Regelung der künftigen Verwaltung der den Mohammedanern heiligen Stätten aufgestellt und damit das Interesse des gesamten Islams wachgerufen. Sicherlich spielen auch praktische Gesichtspunkte ein gewichttges Wort mit, denn für den je- weiligen Beherrscher der heiligen Stätten hat die Pilgerfahrt immer eine sehr beträchtliche Einnahmequelle dargestellt, und es ist daher nicht zu verwundern, daß der Wahabitensultan die seit Jahrhunderten währende, erbitterte Gegnerschaft seiner Religionssekte gegen die Pilgerfahrten aufgibt, gerade jetzt, da Mekka und Medina fest in seiner Hand sind. Es ist ein schlauer Zug dieses klugen Mannes, den Kongreß jetzt einzuberufen, um den Islam davon zu überzeugen, daß die gläubigen Moslems ungestört nach Mekka pilgern können, und daß er die Dermal- tuna der heiligen Stätten als eine gemeinsame Sache des Islams hingestellt, hat ihm die Sympathien der gesamten islamischen Welt gesichert. Für das, was nicht auf dem Programm steht, für die Lösung der Kalifatsfrage, dürfte hier wichtige Vorarbeit geleistet werden. Beschützer der heiligen Stätten sein, gehört zu den wichtigsten Ausgaben eines Kalifen, und Ibn Saud ist heute unveschränkter Herrscher über Mekka und Medina'. Seit einigen Monaten setzt ein ausfälliges Werben Ibn Sauds um die Gunst der Türkei ein, das um so auffälliger ist, als die heutigen Regierungsmänner in der Türkei von den Arabern gerne als gottlose Verräter am Islam hingestellt werden, die mit der Herrschaft des Scheich-ül-Jslamat gebrochen, die Religionsschulen aufgehoben, das Religionsgesetz abgeschafft, die Klöster mitsamt den frommen Stiftungen einaezogen und Trennung von Kirche und Staat proklamiert haben. Aber die Türkei genießt als stärkste Macht im islamischen Orient doch ein großes Ansehen. Ibn Saud hat die Türkei wissen lassen, er lege großen Wert darauf, daß die Türkei zu seinem Kongresse Delegierte nach Mekka entsende. Es wurde in Angora bereits als eine sehr liebenswürdige Geste des Wahabitensultans aufgefaßt, daß er'als Emir von Mekka den Scherif Ali Haidar Pascha ernannt hat. Haidar Pascha war früher türkischer Minister und wurde während des Weltkrieges von der Hohen Pforte bereits zum Emir des damals türkischen Mekka bestimmt, konnte aber - infolge des Aufstandes Husseins, der jetzt als vertriebener erster König des Hedschas von Englands Gnaden in Cypern lebt, sein Amt nicht am ' treten. Inzwischen hat die Türkei als diplomatischen . Vertreter den früheren Kommandanten von Mekka, * Suleiman Schewket Bey, ernannt.. Als 7 Berater ist ihm Machmud Schewket Bey beigegeben, der vor dem Kriege Mali im fernen war r und erst vor kurzem von Arabien zurückgekehrt ist. Er sprach sich vor Pressevertretern äußerst günstig über die Türkenfreundlichkeit Ibn Sauds aus, der betone, daß er während des Weltkrieges nie gegen die Türkei gekämpft habe und ein großer Verehrer des Befreiers der Türkei Gast Kemal Paschas sei. Die Türkei hat der Einladung zum Kongreß Zern Folge geleistet und ist durch den Abgeordneten Edib Serwet Bey vertreten. Zusammen mit ihm haben die 13 Abgesandten der russischen Mohammedaner die Reise angetreten. Sie hatetn ursprünglich die Einladung zum Kalifatskongreß in Kairo angenommen, aber nach Fühlungnahme mit Angora von einer Weiterreise abgesehen und weilten daher mehrere Wochen in Konstantinopel. Es ist überhaupt ein enger kultureller Zusammenschluß zwischen den Türken und den russischen Mohamme- "banem zu verzeichnen, die ja zumeist der Familie der Türkvölker angehören und durch Religion, Sitte und Sprache eng verbunden sind. Dieses Zusammenjungen Amerika von heule, das den Optimismus, den Willen zur Lust, auf seine siegreichen Fahnen geschrieben hat. Wir älrenfel Schopenhauers, dieses größten Pessimisten, der sein eigenes Leben bekanntlich wie ein Jünger Gpicurs durchaus genossen hat, suchen wieder ein Heim auf dieser Erde zu finden, sind Diesseits-Menschen geworden und möchten nach Möglichkeit eine Einheit zwischen unseren Lehren und unserem Leben Herstellen. Der Romantiker will, was schon Shake-- speare wollte, ein Spiegel der Zeit sein. Gin Spiegel, wohl verstanden und nicht ein bloßer Tllrklatsch seiner Zett, wie es der Raturalismus predigte. Der Romantiker sucht das Leben zu erhaschen. Aber nicht, indem er ihm nachläust oder es einfach naturgetreu durchpaust, sondern dadurch, daß er ihm einen Sinn verleiht oder einen solchen in das Leben hineinsieht. Zn dieser Hinsicht komponiert der Romantiker starker, als der Raturalist oder Expressionist, die drauflos stottern oder heulen. Der Romantiker von heute wie der von gestern Kat einen schlimmen Feind, den Abgott der alten Athener, die Ironie. Aber der wahre Romantiker wird sich nicht ganz von dieser Ironie und Spottlust verschlingen lassen. Er wird vor allem sich den Blick für die Gröhe und Erhabenheit bewahren und das Edle nicht in den Glauben oder die Lächerlichkeit ziehen. Darum habt er und verachtet er Bernhard Shaw, der alles verkleinert und verzerrt/) Der romantische Dichter wäre nicht der, der er ist, wenn er nicht über der Torheit des Tages und über der Mißachtung der Zahlenmenschen und hohlen Profitjäger die Hoffnung behielte. Gr ist ja überhaupt ein Mensch, der *) Gin interessantes Urteil, das man dennoch nicht zu teilen braucht. D. R. gehörigkeitsgefühl wurde durch einen gemeinsamen Kongreß aller Türkvölker im April dieses Jahres in Baku gefestigt, und es wurde dort u. a. der Beschluß gefaßt, künftig die arabische Schreibweise der türkischen Sprache durch das lateinische Alphabet zu ersetzen. Es ist daher sicher anzunehmen, daß Russen und Türken in Mekka geschlossen als Vertreter der fortschrittlichen Ideen des Nordislams auftreten und vor allem bei etwaigen Vorschlägen zu der dringend notwendigen Reform der islamischen Religionsform ein gewichtiges Wort mitsprechen und so allerdings reichlich Konfliktsstofs herbeibringen werden. Es wäre sicher falch, aus dem großen Entgegenkommen Ibn Sauds lind dem Eingehen der Türkei darauf irgendwelche Schlußfolgerungen in Hinsicht eines neuerwachenden Panislamismus ziehen zu wollen. Es gibt, was die auch heute im Orient noch immer ausschlaggebende Religionsseite anlangt, zuviel trennende Momente, und die heutige Türkei hat durchaus kein Interesse daran, seine Untertanen in großen Mengen zu den heiligen Stätten des Islams pilgern zu lassen, in denen sic ja doch nur den Herd der Infektion mit gefäbrlichem religiösen Fanatismus erblickt. Als politischer Freund jedoch ist der Wahabitensultan Ibn Saud für die Türkei von großem Wert. Er ist heute der anerkannte Herr von Arabien und im gesamten islamischen Orient einer der wenigen unabhängigen -Herrscher von realem, politischen Wert. —"I tin । । । »■■IMI Die Zchiilgesmdheitspflege im Meise Gießen. Dem Gießener Kreistag wurde in seiner jüngsten Sitzung der Bericht des Kreis- schularztes über die schulärztliche Tätigkeit im Jahre 192 5/26 vorgelegt. Der neue Amtsarzt Dr. Orth übernahm die Dienstgeschäfte von seinem Borgänger Dr. Schüppert erst Ende Mai 1925. Daher umfaßt der Bericht nur die schulärztliche Tätigkeit und die in ihr gemachten Wahrnehmungen in der Zeit vom 1. Juni bis Ende des Schuljahres 192 5/2 6. Dem Bericht entnehmen wir folgendes : Wie in den Vorjahren, konnten auch im Berichtsjahr infolge der räumlichen Ausdehnung des Kreises, der schlechten und wenigen Zugverbindungen und des Fehlens eines modernen, schnellen Verkehrsmittels nicht alle Schulen des Kreises besucht werden. Die Vorstellung der neu aufzunehmenden Kinder in den Diensträumen des Berichterstatters in Gießen, welche durch einzelne Rektoren veranlaßt wurde, konnte dem Mangel nur wenig abhelfen. In der Derichtszett wurden von 78 Gemeinden 50 besucht, darunter sämtliche größeren, mit insgesamt 163 Klassen und zusammen rund 9000 Schulkin^rn. Von 700 Schülern des ersten Schuljahres wurden 205 beanstandet, d. i. rund 30 Prozent gegenüber 12 Prozent der Schüler der übrigen sieben .Hlassen. Die erhöhte Ziffer der beanstandeten Kinder im ersten Schuljahr darf einmal auf die strengeren Anforderungen bei der Untersuchung, weiter aber auch auf eine erhöhte Auffälligkeit dieser in dem Jahr nach Kriegsende geborenen und in der Inflationszeit herangewachsenen Kinder zurückgeführt werden. Sie ist weiter dem unvermindert fortbestehenden Wohnungselend zur Last zu legen. Die gleichen Gründe sind maßgebend für die erhöhte Zahl der beanstandeten in den anderen Schuljahren. Sie weist gegen früher eine Steigerung um etwa 3 Prozent auf. Auch diese Kinder, die zum Teil in den Kriegsjahren großgeworden sind, bedürfen erhöhter schulärztlicher Aufmerksamkeit. Allgemeiner körperlicher Zustand der Kinder , im kreise. Als Erfolg langjähriger, schulärztlicher Tätigkeit im Kreise Gießen darf die Feststellung verbucht werden, daß die körperliche Reinlichkeit und das Freisein von Ungeziefer fast durchweg als zufriedenstellend bezeichnet werden kann, wenn sich auch im einzelnen noch regionale Verschiedenheiten feststellen lassen. Die gegenüber anderen hessischen Kreisen übeckurchschnittlich gute Reinlichkeit der Schulkinder darf auf das Konto der langjährigen, schulärztlichen Versorgung des Kreises und die intensive, aufklärende Tättgkeit der Kreisfür- sorgerinnen gesetzt werden. Es bleibt aber noch zu wünschen, daß die in einzelnen Schulen des Kreises eingerichteten, bequemen Schulbäder häufiger von den Kindern benutzt werden. Eine über den ganzen Kreis gleichmäßig verbreitete Erkrankung konnte nicht festgestellt werden. So beschränkt sich z. D. die T u b e r t u l v s e, die Rachitis, die Schilddrüsenschwellung, das gute oder schlechte Gebiß in seinen exttemen Formen, skrophulöse und anämische Zustände auf eng umgrenzte Gebiete, einzelne Gemeinden oder Täler. Die Verbreitung der Erbkrankheiten ist, soweit sich das unter den Schulkindern feststellen lieh, nicht sehr erheblich. Immerhin besteht ein Unterschied zwischen Osten und Westen des Kreises, indem die Verbreitung der Erbkrankheiten in ersterem Teil wesentlich größer ist. Man geht nicht fehl, wenn die Ur- sache dieses Verhältnisses in der nur wenig oder gar nicht fluktuierenden Bevölkerung des Ostens und der größeren Zahl der dort vorkommenden Verwandtenehen gesehen wird. Während ein sehr großer Teil des Kreises von der Tuberkulose wenig betroffen wird, herrscht sie gerade in den Gemeinden am Laufe der Lumda besonders stark. Die tuberkuloseverdächttgen Kinder wurden bei per Schuluntersuchung ausgesucht und zur weiteren Beobachtung und Beratung an die Tuberkulosefürsorgestelle in der Medizinischen Klinik verwiesen. Im Berichtsjahre sind 8 Kinder in Lungenheilstätten untergebracht worden. Die tuberkulosebelasteten Kinder wurden, soweit dies nur immer erreichbar war, während der warmen Jahreszeit in Erholung geschickt. 26 Kinder mit Anomalien des Knochensystems wurden der Krüppelberatungsstelle in Gießen zu- gesührt. An den Augenarzt bzw. die Augen- poliklinik in Gießen wurden zur Behebung von Augenleiden bzw. zur Korrektur von Brechungsfehlern 45 Kinder geschickt. Zum Ohrenarzt sind 9 Kinder verwiesen worden, dazu kommen noch 32 wegen Wucherungen im Rachen. Eine kleinere Anzahl kam zur" Beobachtung ihres Geisteszustandes in die Psychiatrische Klinik in Gießen. Einige wurden in das Alicestift in Darmstadt, in die Epileptikeranstalt in Rieder-Ramstadt und in die »Anstalt Hephata bei Treysa überwiesen. Epidemisch auflretende Krankheiten haben im Berichtsjahr den Gesundheitszustand der Schulkinder auf die Dauer nicht merkbar beeinträchtigt. In 4 Gemeinden mußte wegen Schar- l a ch bzw. Masern zum Teil unter den Kindern, z. T. bei Lehrpersonal oder in dessen Familie der Unterricht für kurze Zeit ausgesetzt werden. In drei weiteren ließ sich eine Unterbrechung im Unterricht dadurch vermeiden, daß die Unterrichtsstätte verlegt bzw. die gefährdende Lehrperson für die Zeit der Ansteckungsgefahr vom Unterricht sus- pendiert wurde. Todesfälle schulpflichtiger Kinder an epidemisch aufgetretenen, ansteckenden Krankheiten sind nicht bekannt geworden. Wie alljährlich, wurden auch in diesem Jahre die anämischen, skrophulösen und rachitischen Kinder für für Erholungskuren im Gebirge und in Soolbädern ausgesucht. Aus allen untersuchten Kindern wurden 120 ausgelesen, von welchen in 42 Fällen die Eltern die Uebernahme eines Teiles der Kosten ablehnten. Die übrigen 78 Kuren kamen bzw. kommen noch in Bad-Nauheim, Kreuznach, auf dem Heuberg, dem Darsberg, in Weilmünster und an der Ostsee zur Durchführung. Der Kreis Gießen darf beanspruchen, als erster in Hessen eine planmäßige Schulzahnpflege eingeführt zu haben. Leider wird von dieser Einrichtung nicht der Gebrauch gemacht, der im Interesse der Schüler wünschenswert wäre. Trotzdem man die Schulzahnpflege als „gehobene Fürsorge"' betrachtet, d. h. bei der Heranziehung der Eltern weitgehend auf ihre Verhältnisse Rücksicht nimmt, wird bei einem Teil der Eltern die Beitragsleistung verweigert, wodurch die Zahnbehandlung in den meisten Fällen natürlich unterbleibt. Eine Gemeinde sei angefühtt, in der bei 15 behandlpngs- bebürftigen Kindern nur drei Eltern sich zustimmend erklärten. Zwei von ihnen waren, da die Kriegsfürsorge zahlend eintrat, von der Beitragsleistung befreit. Es soll versucht werden, durch geeignete Belehrung der Eltern eine Besserung zu schaffen. Die Auswahl der behandlungsbedürftigen Kinder wurde aus den drei letzten Schuljahren getroffen. Ausgesucht wurden insgesamt 348 Kinder. Bei 163 wurde die Zahnbehandlung ganz abgelehnt. Nur 185 haben sich zur Uebernahme bereit erklärt. Nach den seitherigen Erfahrungen darf man damit rechnen, daß etwa die Hälfte der mit der Behandlung einverstandenen Kinder auch wirklich zur Behänd- lung kommt. Zur Zeit sind leider nur etwa 50 Behandlungen von den obengenannten 185 durchgeführt. Besondere Aufmerksamkeit wurde im vergangen nen Jahr der Kropfkrankheit dec Schulkinder gewidmet. Von einem über den ganzen Kreis ver- breiteten Auftreten kann man nicht sprechen. Man findet die Schilddrüsenschwellung, wenn überhaupt, nur auf einzelne Gemeinden beschränkt, in manchen Fällen auch nur sporadisch in einer Schule. Es hat den Anschein, als ob sie mit einer rachitischen Anlage der Zähne und Neigung zu früher Karies verbunden sei. Andererseits konnte festgestellt werden, daß in einzelnen Gemeinden, wo die Kinder erstaunlich gut gehaltene und gestellte Zähne auf» wiesen, der Kropf so gut wie fehlte. Auf besondere geologische und klimatische Verhältnisse in den Kropfgemeinden (wenn man dos Wort im Streife Gießen überhaupt anwenden will) wurde geachtet, aber keine irgendwie bemerkenswerte Beziehung und Verknüpfung aufgedeckt. Das Verhältnis bt? r kropfkranken z u ben kropffreien Kindern betrug etwa 10 Prozent, wobei dieser Satz bis auf 30 Proz. in den Gemeinden, welche besonder viel kropfige Kinder aufwiesen, anstieg. Das weibliche Geschlecht überwog bei weitem (zirka 80:20 Prozent). Relativ wenig kropfkranke Kinder fanden sich in ben unteren Klassen, die meisten wiesen die beiden letzten Schuljahre aus, wo die Mädchen wie- der das größte Kontingent stellten. Ausgesprochene Strumen fanden sich sehr selten. Meist handelte es sich um diffuse, parenchymatöse Schildbrüsenver- größerungen. Basedowstrumen waren ebenso selten wie knotige Strumen. Vom 1. Dezember 1925 ab wurde in sämtlichen Schulen die Kropfprophylaxe nach Schweizer Muster eingeführt. Um sich des Einverständnisses der Eltern zu versichern, wurde für jedes krankbefundene Kind ein Zettel durch die Schule an die Eltern versandt. Gleichzeitig mit den für die Eltern bestimmten Zetteln 'rtrtnS* eine Anweisung an die Klassenlehrer versandt, worin sie um ihre Mitwirkung gebeten und ihnen Anweisungen erteilt wurden. Es sei hier mit Befriedigung festgestellt, daß sich sämtliche Lehrer der Mühe und Verantwortung ohne weiteres unterzogen und ben Schularzt unterstützten. Die Behandlung geschah in der Weise, daß an jedem Montag in der ersten Stunde jedes Kind eine, ein Milligramm Jod enthaltende Tropon- tablctte bekam. Alle vier Wochen wurde der Hals- umfang gemessen und die Zahl in die Tabelle auf dem Zettel jedes Kindes eingetragen. Nach zehn Wochen wurde die Kur zunächst unterbrochen und die Zettel zur Kontrolle an ben Schularzt ein» gefanbt. Aus ben bisher eingegangenen Zetteln läßt sich entnehmen, daß 7 3 Prozent der behandelten Kinder eine Abnahme des Hals- iimfangs aufzu weifen hatten. Bei 18 Proz. war der Halsumfang gleichgeblieben und mir 9 Proz. wiesen eine Vergrößerung des Kropfes auf. Bei ihnen wurde die Behandlimg sofort eingestellt. Das außerordentlich günstige Resultat dürfte mit darauf zurückzuführen sein, daß erkennbare Basedowstrumen von vornherein von der Behandlung ausgeschlossen wurden. Die Behandlung, welche auf Kosten des Kreises mit wenig Geld durchgeführt wurde, wird bis zur nächsten Schuluntersuchung in einem nochmaligen, zehnwöchigen Turnus fortgesetzt. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Isr.ReligionSgemLinde, sottesd. i. d. Synagoge (Sübanlage). Samstag, ben 3. Juli 1926. Vorabb. 7.45, morgens 8.30, Predigt, abends 9.00 u. 9.40. Gottesdienst der isr. Religionsgesellschaft. Sabbatfeier, den 3. Juli 1926. Freitag abds. 7.45, Samstag vorm. 8.00, nachm. 4.30, Sabbatausg. 9.40, Wochengottesdienst: morg. 6.30, abds 7.15. Rundfunk-Programm. Samstag, 3. Juli. , 3.30 bis 4 ilfjr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Walzer. 5.45 bis 6.05 Ahr: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45 Uhr: ..Die Organisation der deutschen Verkehrsluftfahrt", Vortrag von Herrn Scharlach von der Südwestdeutschen Luftverkehrs A.-G. 7.15 bis 7.45 Uhr: Schachstunde. 7.45 bis 8.15 Uhr: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Die Märchen der Raturvölker", Vortrag von Privatdozent Dr. Vatter. 8.15 bis 9.15 Uhr: Wiener Operettenabend. 9.15 bis 10.15 Uhr: Schweizer Lieder. BROCKEN PRALINEN von Hoffnung und Illusion lebt, wie es — nebenbei bemerkt — ein jeder Sterblicher tut, ohne es, wie der Romantiker, wahr haben zu wollen. Dem Romanttker sind die Völker nur Mitglieder einer einzigen großen Familie und darum ist ihm der Begriff der Rasse nur ein leeres Gespenst, ein toter Götze. Der Gedanke Pan- Europa, den wir heute, nach diesem grauenvollen Kriege, der uns alle zerfleischt hat, als ein Richtseil vor dem Versinken in eine kulturlose Tiefe wieder ausgenommen haben, diesen Gedanken hat die frühere Romanttk schon bei uns bis zu Ende gedacht. Rovalis, einer unserer stärksten romantischen Dichter, auf den besonders Maeterlinck in der Gegenwart erneut hingewiesen hat, ist der Begründer einer Zeitschrift „Europa" gewesen, die das Schrifttum aller Völker als eine Einheit behandelte. Hölderlin, diese lange über dem Tageslärm überhörte, aber heute wieder oft belauschte Rachkigall, fang schon unser altes Festland als eine Ganzheit an. Wie man schließlich ja auch nicht vergessen darf, daß in Deutschland, ja im preußischsten Preußen, sogar der Geist gelebt hat, der ben Gedanken des Völkerbundes zuerst ausgesprochen und formuliert hat, Immanuel Kant, der nachträglich noch stark auf unsere Romanttker einwirkte. Der Reuromanttker geht noch über das Ideal Pan-Europa hinaus. Er wendet sich an die Welt und die Menschheit als Ganzes. Er fordert und fördert ein pan-irdisches Ideal. Mit seinen Werken und mit seinem Leben appelliert er an das allen Menschen gemeinsame Herz." Tierschau. Von Marianne von Ziegler. Uralt ist die Freude des Menschen an seltenem Getier. Das Ergötzen am buntfarbigen Anblick wurde noch erhöht durch geheimes Grauen vor ben gefährlichen Gefangenen. Blutige Kampf- spiele waren von jeher das Lieblingsvergnützen sensationslüsterner Massen. Heute stehen wir dem Tiere anders gegenüber. Wir wollen nicht seine Vernichtung, sondern die Entfaltung seines Wesens sehen. Dem^- nach schiene freilich die Leistung des 21er-- bändigers unzeitgemäß. Und doch ist in unseren Tagen, wo die primitivsten Leidenschaften des Menschen $u unserem Schrecken aufs neue entfesselt scheinen, der Triumph des zielbewußten Willens über die wilde Kraft, den ungebänbig» ten Instinkt, ein Phänomen, das zu denken gibt. Welche Eigenschaften sind es, die einen Menschen -n solcher Wirkung befähigen? Könnte nicht jeder, der Führer sein will, hier in die Schule gehen? Aber mindestens so sehr wie der Bändiger interessieren uns seine wilden Zöglinge. Freilich müssen wir und immer erst über das peinliche Gefühl hinwegsetzen, daß eine in sich vollkommene Kreatur hier durchaus unzweckmäßig beschäftigt und in eine ihr widersprechende Umgebung gestellt ist. Bei der jüngsten großen Tierschau war es, — ich weiß nicht, wer sich mehr schämte, ich oder der Löwe, der mit allem äußeren Anstand, aber in tiefster Niedergeschlagenheit sauber und korrekt arbeitete. Gr sah bemitleidenswert, gebemütigt aus und verschmähte es doch, zwecklos zu protestieren. Anders die Tiger. Ich kann mir denken, welch blinder Schrecken den Menschen erfassen ntuft, der solch ein fahles Gesicht, einer furchtbar bemalten Kriegsmaske gleich, aus dem Dickicht auftauchen sieht. Selbst hinter dem Gitter wirken die prachtvollen Tiere mit den weichen Bewegungen unheimlich. Aber — traurig zu sagen: sie benahmen sich, an der Situation gemessen!, durchaus albern. Erst fauchten sie und brüllten: Niemals! — und bann taten sie doch alles, was t>pn ihnen verlangt wurde und zeigten dabei noch eine sinnlose Angst vor der Bedrohung, die der Bändiger natürlich ihrem wilden Benehmen gegenüber anwenden mußte. Die Werbe hinwiederum schienen mir eine geradezu streberhafte Freude daran zu haben, daß sie ihre Aufgabe gut und korrekt erfüllten. Hier §atie.j*an nicht den Eindruck, daß ein Wille hMmpsi^und gebrochen werden mußte. Ich kann mir denken, daß solche Pferde ihren Lehrmeister ehrlich bewundern und mit Genuß sich von ihm befehlen lassen. Weitaus den größten Geist zeigten meine Lieblinge, die Elefanten. Obwohl ihre Vorführung so gut wie gar feinen ästhetischen Reiz hatte. Ein Elefant wirkt diel besser, wenn er wie ein Stück Cyklopenmauer dasteht, als wenn! er auf einem Stühlchen balanciert. Und doch waren diese Kunstlttstungen nicht peinlich. „Schau, wie er lacht!", jubelte .toben mit ein kleines Mädchen. Und ich möchte wetten, der alte Riese lachte wirklich. Er stand völlig über der Situation. Durchaus freiwillig tat er, was ihn der Heine Mensch vor ihm gelehrt hatte, obwohl er der Stärkere war und dies ganz genau wußte. Er hatte es verstanden, auch in ber Knechtschaft sich die innere Freiheit zu wahren, ein Stück ber allerhöchsten Weisheit. Selbst das Unangenehme, selbst das Aufgezwwr- gene, das Sinnlose mit Heiterkeit zu tun, ist eine Kunst, die — ach — so wenige von uns besitzen. Wer es vermöchte, sich so in seinem Inneren über die Dinge zu stelle^ ber müßte jede Widrigkeit des Lebens überwinden und bliebe in allen Lagen ein wahrhaft Freier! Der dritte Zchutz. Kriminalroman von Ole Stefani. . 27. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Dort kamen wir noch zeitig genug an, um Brentheims letzte Worte zu hören. Sie lauteten: „Nicht der Baron." Meinen Namen auszusprechen, verhinderte ihn der Tod. In den folgenden Togen bemerkte ich, daß der Rechtsanwalt Kramer, der sich die Aufklärung der Mordtat zur Aufgabe gemacht hatte, Verdacht auf einen gewissen Architekten Sondberg warf. Dieser Sandberg war, wie es sich später herausstellte, ein aus dem Zuchthaus entflohener Schwindler, namens Racofzy, der Brentheim Rache geschworen hatte und, wie ich von dem Kriminalbeamten Schulz erfuhr, bereits zwei Fehlschüsse auf den Kommissar abgegeben hatte, — wahrscheinlich, um ihn zu erschrecken. Denn nach meiner Meinung ist es unwahrscheinlich, daß ein eben aus der Strafanstalt entsprungener Mann, der noch dazu genau mit den Gesetzen Bescheid weiß, sich ernstlich mit dem Plan getragen haben sollte, einen in seinen Folgen so gefährlichen Mord zu begehen. Die Hysterie, in der ich mich zur Zeit der Tat befunden hatte, war verflogen, und mein ganzes Sinnen und Trachten war nur darauf gerichtet: man möge keinen Unschuldigen an meiner Statt fassen. So verriet ich Sandberg in jener Nacht nicht, als mit uns auf der Expedition nach der Insel Grafenwert befanden, und er in der Maske Kramers, die ich sofort durchschaute, unser Motorboot anhielt. Andererseits befreite ick) Kramer und Schulz später aus der Hütte, als ich glaubte, daß sie Sandberg nicht mehr erwischen konnten, und motivierte mein Erscheinen mit einer Erzählung, in der ich nur den mir ungefährlichen Teil der Wahrheit unterbrachte. Um die Nachforschenden weiter zu verwirren und die Aufklärung schwieriger zu gestalten, gab ich nicht zu, in der Nacht vom Neunten zum Zehnten in meinem Hause Sandberg getroffen zu haben, sondern änderte später meine Beschreibung des Unbekannten erheblich ab. Aus demselben Grunde stahl ich in Essers Haus dem Rechtsanwalt die zweite Kugel. Ich habe mich bei der Untersuchung meiner Kleider gewehrt, weil ich die Auffindung der Kugel verhindern wollte. Aber es war vergeblich, und das machte mich sehr niedergeschlagen, denn ich hatte Kramer auf dem Bahnhof vorgelogen, sie in den Rhein geworfen zu haben. Wie groß war mein Schreck in jenem Moment, als Kramer in der Bahnhofshalle in dem Musiklehrer Lachner jenen Racoszy erkannte, den ich bereits in Sandbergs Gestalt kennengelernt hatte. Es gelang mir auch hier, die Verhaftung des am Morde Unschuldigen zu verhindern. Ich beschwöre, daß ich Lachner, mit dem ich seit drei Monaten in Mehlem zusammenwohnte, mein vollstes Vertrauen geschenkt habe, und daß ich nicht wußte, daß et mit Racoszy identisch war. Ich bereue meine Tat aus vollstem Herzen und habe an Sie, Herr Untersuchungsrichter, die inständige und dringende Bitte: sorgen Sie dafür, daß sowohl meine Mutter wie Fräulein Grete Brentheim, da sie es ja doch einmal erfahren werden, in der schonendsten und vorsichtigsten Form von meiner wahnsinnigen Tat unterrichtet werden! Roman Molinski." . Der Teufel auch!" sagte Schulz konsterniert. „Das ist ja eine schöne Geschichte! Darauf wäre ich nie in meinem Leben gekommen . . . Wer hätte das gedacht daß dieser kleine Molinski mit seinen schönen braunen Augen zu solchem Haß fähig gewesen wäre." Sind Sie froh über die Lösung?" Schulz antwortete kleinlaut: „Nein! Bei Gott nicht! Sic gefällt mir gar nicht. Was wird Fräulein Grete dazu sagen? — Armes, armes Ding! . . . Nun wifsen wir aber wenigstens, wer der war, der uns Knüppel auf Knüppel zwischen die Beine warf. Herrgott — wenn dieser Irre mit seinem ver- worrenen Gerechtigkeitsgefühl nicht gewesen wäre, das einsetzt, nachdem er einen Menschen umgebracht hat, bann hätten wir jetzt Racoszy gefaßt. — Was mag der wohl dazu gesagt haben, als er sah, wie ein anderer ihm feinen dritten Schuß wegnahm. Ich bin doch wahrhaftig kein Neuling, aber solch ein Unterschied zwischen dem, was ein Mensch auf seinem Gesicht trägt, und dem, wie er inwendig ausschaut, wie bei Roman Molinski — das ist mir denn doch —" Er hielt erschrocken inne, denn Kramer war in ein lautes Gelächter ausgebrochen. Es schüttelte ihn förmlich in den Kissen hin und her. Schulz war es, als hätte ihn jemand plötzlich mit kaltem Wasser begossen. Der Anwalt hörte auf zu lachen. Es war kein fröhliches Gelächter gewesen. Gereizt, mit nervös verkrampftem Gesicht blickte er den Beamtem an. Der wußte nicht, was er sagen sollte. Mil beiden Beinen sprang Kramer aus dem Bett. Er begann sich hastig anzukleiden. „Wo wollen Sie hin, Herr Rechtsanwalt?" „Ins Untersuchungsgefängnis!" VI. Eine Viertelstunde später siel die Haustür hinter ihnen ins Schloß. Sie hatten bis jetzt ken Wort miteinander gesprochen. Sie waren ein paar Schritte auf dem Gartenweg gegangen, als Kramer ftehenblieb und mit halbgeschlossenen Augen vor sich hinblickte. „Halt!" sagte er, wie zu sich selbst. „Es fehlt noch etwas . . . Aber was?" Schulz hörte verständnislos zu. Sie gingen wieder langsam weiter, bis zur Gartenpforte. Da blieb Kramer zum zweitenmal stehen, diesmal mit einem energischen Ruck, wobei sich seine ganze Gestalt straffte und seine Augen in seltsamem Feuer blitzten. „Warten Sie einen Moment!" rief er Schulz zu und lief mit elastischen Schritten zurück zum Haus, bog um die rechte Ecke und lief die Seitenwand bis zu Gretes Zimmer entlang. Schulz sah ihn zu seinem größten Erstaunen auf das Maucrsims steigen und mit einem kühnen Schwung durch das offenstehende Fenster in das Zimmer springen. Nach kaum einer Minute kam er auf demselben Wege wieder heraus. „Nun können wir gehen! — Kommen Siel" Des Anwalts Mienen trugen ein so vsrschloffenes Gepräge, daß Schulz es unterließ, Fragen an ihn zu richten. — Roman Molinski erhob sich von der Pritsche, als Kramer in seine Zelle trat, und machte eine stumme Verneigung. Kramer reichte ihm, als sei nichts vorgefallen, die Hand, die der Jüngling dankbar ergriff. Der Anwalt setzte sich nieder, bot Molinski unbefangen eine Zigaretet an und. plauderte über alles mögliche. Molinski gab zögernde, vorsichtige Slntroorten. Auf einmal sagte der Rechtsanwalt: „Wollen Sie mir nicht doch die Wahrheit „Die Wahrheit?" „Ja — sagen Sic sie mir doch!" „Aber ich habe bereits gestern abend ein (3e< ständnis schriftlich abgefaßt und dem Untersuchungs, richter schriftlich zugestellt!" „Ja — eben das meine ich. Wollen Sic mir nicht doch die Wahrheit darüber sagen: warum Sie dieses Geständnis niedergeschrieben haben?" „Ja — was blieb mir denn anderes übrig?" „Oh — mein Lieder — noch viele andere Möglichkeiten! Warum haben Sie gerade diese gewählt?" „Weil ich mußte! — In meiner Lage ist Ehrlichkeit das beste!" „... Was haben Sie eben gesagt?" Kramers Stimme war sehr leise geworden, er blickte Mo- linffi scharf an. Das fahle Antlitz des jungen Polen wurde noch um einen Schein blasser. Regungslos — während einer Minute — hingen die Augen der beiden Männer ineinander. Dann sagte Kramer langsam: „Hoben Sic wirklich gedacht, daß ich auch nur ein einziges Wort von Dem Zeug glauben würde ...?" Von diesem Moment an war das Gespräch verändert: sie redeten mit unterdrückter Stimme, aber die Worte hasteten eilig hintereinander her. „Warum sollen Sie es nicht glauben?" rief Molinski trotzig. „Der Untersuchungsrichter hat es auch geglaubt! „Weil er die näheren Umstände des Mordes nicht kennt, und weil er ein schlechter Psychologe ist." „Es ist aber wahr!" (Fortsetzung folgt.) kfei toc&Adi- mit vwfmt*' So mild U. schonend wie reinste Seifen-1 flocken, im Gegensatz zu diesen aber voll- K kommen selbsttätig und schneeweiß. So bequem u, fleckenlos wie selbst-1 tätige pulvrige Waschmittel, aber ohne deren | Schärfe und Wäsche fressenden Gehalt an k Wasserglas So W&scht nur® x9)erf.lor', . das einzige milde selbsttätige Waschmi tte Bedeutende Papierwarenfabrik sucht Platzvertreter welcher in Lebensmittelhandlungen, Bäckereien etc. gut eingesührt ist. Schriftliche Angebote unter 04635 an den Gießener Anzeiger erbeten. 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Millionen in Deutschland erklären von heute ab: Dr. Wilhelm Klein Neuen Bäue 29 verreist bis Ende Juli Vertreter sind die Herren: SanitätsratDr.Sohllepkake,Goethestr.44 Professor Dr. Honigmann, Wilbelmstr. 1 Dr. Geyer, Seltersweg 78. 04827 Jeöer Genossenschafter wirbt neue Mitglieöer. Stadttheater Dienstag, den 6. Juli 1926, Gastspiel d.KurtheatersDad-Aauheim Betöre Wi Lustspiel in 3 Allen von Leo Lenz (Verfasser von „Heimliche Brautfahrt"). Anfang 8 Uhr. 5550c Ende 10 Uhr. Der Vorverkauf beginnt am Samstag, dem 3. Juli, in den gewöhnlich. Kaffenstunden. Tanz-Abende Original Jazz-Kapelle Samstag Tanz-Abend ___________________________________________04631 Genossenschaft nicht Fette, nicht Partei * Man frage nicht, welchen Glaubens jemand sei * Noch welcher Zarbe, welcher Richtung, nein: * Ein Zrieöenswerk, hoch über Üen Partei'»! * Ju einem Jweck und Ziel verbunden * Mrd Hotz Haß unö Hader überwunden. ©eutv S solle» Mal »SS, XIS sich W. 2 LU mm Westen der w wird. Köln ub Msqabe und 9 lige Arbeffder W"derStao sich in den $ und kulturelle pischen Spielen mit deutschem! DemeinM' w alle vereinen, deckn. unaW politischer W Sie Kämpfe m versiegbaren R unversiegbaren Vaterland." Dc Ausrufes zu der die im Alldem! als Vorsitzender der Obtrbürge Doll hinausschu Dinterkain Deutschen Kam in Köln eine ßi statt Und nun Kampfspielen se 11, Juli das < heiligen Stadt < land und alle und Sport, sü Mittel zur G gegangen ift Köln bat, nem mb Spor bereitet §ur d die gewaltige Kc 60 000 Zuschauer kleinere Kampfs Spiele, eine Ra! othletll, eine vu 100 Meter law Tennis-Platze, erforderlichen ' und Vereins hä ger der Dettkä spiele geschaffe und zwar in ; vergoldete, der die bronzene Er treten, und nicht Tugend, sonder Detllamps uns, Kampfspielen in Festes der Deut Sehnte, De Btjietiung M, Sch»,, t^iteOugenö sü Wta Zeit« ftiWöeif1 SM gekenn Übungen eine gegenbringt, der Fall w TO?" »« »«Malen „ Gleitung, ist ^ule zmn Z gewiesen w ^ung in gl«, =6Ab^ Ä Ä r«M Essend erst r spfiä?, sK M Ne$y Ä «TJ Le Inch ted J Mc SanKlsch k chrer Hu' Achtung! Meiner werten Marktkundschaft bringe ich hiermit zur Kenntnis, daß sich der Verkauf meiner Vogelsberger Schottener Hausmacher Wurst- u. Fleischwaren von jetzt ab Marktlaubenstand 16/18 befindet Carl ßimmermann, Metzgermeister des 3. Bezirks, 9. Kreis, des Arbeiter- Turn- und Sportbundes inWiefeck »m3., 4. »5. Juli Samstag abend: Fackelzug, Begrüßungsabend, Bannerweihe, turnerische Sonderoorführungen, Konzert. Sonntag: Vormittags: Einzelwettkämpfe an Geräten und in Leichtathletik. Nachmittags 2 Uhr: Festzug, Massenfteiübungen. Fuhballrvettspiel turnerische Vorführungen, Konzert, Tanz auf 2 Tanzböden. Montag: Vormittags: Einzelwettkämpfe in Leichtathletik, Vereins-Rie-- genturnen. Nachmittags: Festzug, Schülerwettkämpfe, Turnspiele, Preisverteilung, großes Volksfest. 5552V Bayerische Bierhalle, Kaffee und Konditorei, Weinzelt. Zu recht zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein der Festausschuß. I Sutil- unö SNlsesl MMsM rhein. 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Jeder Deutsche mit einem Mindestalter von 18 Jahren kann sich an den Deutschen Kampfspielen beteiligen. Auf Grund dieser Satzung hat der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübungen erstmalig im Jahre 1922 in Berlin solche Kampsspiele veranstaltet. Trotz verschiedener technischer Mängel sind sie ein voller Erfolg gewesen, eine einzigartige Kundgebung deutscher Jugend. Schon damals war man sicb einig, daß die Durchführung derartiger Hampf- spiele eine bleibende Einrichtung sein solle. Der Vorstand des D. R. A. hat ihre Durchführung für das Jahr 1926 der Stadt Köln übertragen. Es sollte damit zum Ausdruck gebracht werden, daß in ganz Deutschland, im Norden und Osten, im Süden und Westen der Rhein als deutscher Strom empfunden wird. Köln übernahm freudig die ihm zugedachte Aufgabe und ging zielbewußt sofort an die gewaltige Arbeit der Vorbereitung. „Willkommen sind alte Deutschen ohne Rücksicht der Staatsangehörigkeit als Teilnehmer und Zuschauer. Alle vier Jahre wiederkehrend, soll sich in den Deutschen Kampfspielen der nationale und kulturelle Gedanke, der den alten olympischen Spielen zugrunde gelegen hat, mit neuem, mit deutschem Leben erfüllen. 3m Sinne innerer Gemeinschaft sollen die Kampfsviele 1926 wieder alle vereinen, die deutsch fühlen und deutsch denken, unabhängig von Landeszugehörigkeit, von politischer Richtung, von Derbandsmitgliedschaft. Die Kämpfe mögen Zeugnis geben von der unversiegbaren Kraft unserer Jugend, von dem unversiegbaren Quell der Liebe zu Heimat und Vaterland." Das waren die Leitsätze des ersten Ausrufes zu den 2. Deutschen Kampfspielen 1926, die im Rovember vorigen Jahres Dr. Lewald als Vorsitzender des D. R. A. und Dr. Adenauer, der Oberbürgermeister von Köln, ins deutsche Volk hinausschickten. Winterkampfspiele bildeten den Anfang der Deutschen Kampfspiele 1926. Mitte März fand in Köln eine Eröffnungsfeier für die Kampfspiels statt. Und nun stehen wir vor den eigentlichen Kampfspielen selbst, in deren Zeichen vom 4. bis 11. 3uli das ganze deutsche Vaterland in der heiligen Stadt am Rhein lebt, das junge Deutschland und alle die, denen der Sinn für Turnen und Sport, für Pflege von Leibesübungen als Mittel zur Ertüchtigung unseres Volkes aufgegangen ist. . Köln hat zusammen mit den dortigen Turnern und Sportlern alles aufs glänzendste vorbereitet. Für die Austragung der Kämpfe steht die gewaltige Kampfbahn des Stadions mit seinen 60 000 Zuschauerplätzen zur Verfügung, dazu zwei kleinere Kampfbahnen und einige Plätze für Spiele, eine Rad-Rennbahir, ein Platz für Schwerathletik, eine wundervolle Schwimmbahn mit einem 100 Meter langen betonierten Decken, zahlreiche Tennis-Plätze, ein Reit-Turnier-Plah und all die erforderlichen Anlleidc-, Dusch-, Dade-, Gerate- und Vereins Häuser. Als Preise erhalten die Sieger der Wettkämpfe die für die Deutschen Kampfspiele geschaffene Erzplatte mit einer Urkunde, und zwar in jedem Wettkampf der Sieger die vergoldete, der Zweite die versilberte, der Dritte die bronzene Erzplatte. Alle Sportarten sind vertreten, und nicht nur ein Massenaufgebot deutscher Jugend, sondern eine Versammlung und ein Wettkampf unserer Besten wird den deutschen Kampsspielen in Köln den Stempel eines wahren Festes der Deutschen ausdrücken. Schule, Verein und Arzt in ihrer Beziehung zu de Leibesübungen. Die Schule hat die Aufgabe, die ihr anvertraute Jugend für das Leben vorzubereiten. Zu verschiedenen Zeiten ist das Erziehungsideal bei den einzelnen Völkern verschieden gewesen. Die Jetztzeit ist unzweifelhaft (nicht nur in Deutschland) dadurch gekennzeichnet, daß man den Leibesübungen eine viel höhere Wertschätzung entgegenbringt, als das noch vor 20 oder 30 Jahren der Fall gewesen ist. Eine harmonische Ausbildung des Menschen, das heißt eine gleichmäßige Pflege der Entwicklung körperlicher und geistiger Fähigkeiten mit dem Bindeglied der technischen Anleitung, ist heute die Aufgabe, die sich die Schule zum Ziel sehen muß. Dabei mag darauf hingewiesen werden, daß sich die körperliche Erziehung in gleicher Weise auf die männliche wie aus die weibliche Jugend zu erstrecken hat. Leibesübungen müssen also harmonisch in den ganzen Unterrichtsplan der Schule eingefügt werden. 3n den meisten Lehrplänen ist das bereits geschehen, wo nicht, da werden die Erfordernisse der Zeit ebenso wie das Drängen der Jugend in abseh- . barer Zeit dazu führen. Denn unsere Jugend ist sportfreundlich, sie will turnen, sie will Sport treiben, sie will spielen, Und wenn die so erzogene Fugend erst selbst im Kampfe des Lebens steht, dann wird sie ihrerseits alles tun, daß unser Volk nicht wieder durch einseitige geistige Ausbildung am Körper verkümmert. Die Zeit, wo man in der Schule vom Turnunterricht befreit werden konnte, etwa gar auf Grund einer ärztlichen Bescheinigung über „allgemeine Körperschwäche" — welcher Hohn! — ist wohl endgültig vorbei. Auch das etwa wegen Mangels an Geräten oder einer Turnhalle kein Unterricht in Leibesübungen erteilt werden kann, gibt es heute nicht mehr, denn Turnen inti> Sport sind technisch so vorwärts entwickelt, daß eine planmäßige Pflege von Leibesübungen keinerlei Geräte oder Hallen mebr bedarf, um wirksam zu werden. Gin gutausgebildeter Turnlchrer — und mit der Zeit muß auch der wissenschaftliche Fachlehrer genügend vovgebildet sein, um mindestens im 10-Minuten-Turnen die Schäden des Ditzunterrichts ausgleichen zu können — weih in jeder Lage und zu jeder Zeit, die Jugend durch Turnen, Sport und Spiel zu fesseln. Wie in der Schule, so hat sich auch in den Vereinen in der Behandlung der Zugendabteilungen ein Wandel vollzogen. Ein anderer Geist ist eingezogen, man nimmt dort die freiwillig übernonmiene Aufgabe der Erziehung der Jugend viel ernster als früher. Unb das ist besonders wertvoll deswegen, weil es sich hier ja um die schulentlassene Fugend handelt, das heißt um junge Menschenkinder, die freiwillig kommen und die andererseits Versuchungen und den Gefahren des Lebens viel mehr unterworfen sind, als die schulpflichtige Fugend, Ueberall in den Vereinen. wo es irgend möglich ist, hat man die erfahrenen und in sich selbst gefestigten Mitglieder zu Leitern der Fugendabteilungen bestellt. Vielfach findet man deshalb in den Vereinen ein oft geradezu rührendes Anhänglichkeitsverhältnis der jugendlichen Turner und Sportler zu ihren Fugcndlehrern. das meist noch anhält, weim die Betreffenden längst im Leben stehen. Raturgemäß ist diese gewissenhafte Fugendarbeit in den Vereinen auch auf ein gutes Verhältnis zur Schule, zur Lehrerschaft nicht ohne Einfluß geblieben. Und das ist recht so. denn Schule und Verein müssen in engster Fühlungsnahme und in bestem Einvernehmen miteinander arbeiten, wenn sie, gleichen Zielen zustrcbend, ihrer Aufgabe gerecht werden wollen. Der Dritte im Bunde bei der Erziehung der Fugend ist der Arzt: er gehört in die Arbeitsgemeinschaft mit Schule und Verein. Gerade bei der Pflege von Turnen und Sport zeigen Beobachtungen. daß bei der Fugend das Maß der Leistungssteigerung oder gor Höchstleistung nur allzuoft angestrebt und in den Vordergrund gestellt wird. Da heißt es achtgeben, damit nicht Raubbau an den Kräften unserer Fugend getrieben wird. Leibesübungen müssen dosiert werden wie Medikamente. Das ist beosnders 'zu beachten bei Sporttreibenden, die mit irgendwelchen ihnen vielleicht selbst nicht bekannten körperlichen Fehlern behaftet sind und die sich im Training nicht genügend schonen. Fe nach Veranlagung, Konstitution und Leistungsfäh'gkeit, sowie nach dem augenblicklichen Alter darf von jedem einzelnen immer nur ein entsprechendes Maß von Hebung und Leistung verlangt werden. Es ist oft gar nicht so einfach, hier das Rechte zu treffen, und erst auf Grund genauer Untersuchungen, Beobachtungen und Kontrolle, die ärztlicherseits durchgeführt werden muß. wird man den notwendigen Anforderungen Genüge leisten können. Viele Vereine sind schon dabei, ihre Sportabteilungen einer dauernden systematischen ärztlichen Überwachung zu unterstellen. Wo das nicht der Fall ist, geschieht die Unterlassung nicht aus Mangel an Erkenntnis, sondern aus wirtschaftlicher Rotlage. Hier ist es Sache der Aerzte, von sich aus durch praktische und wenn nicht anders möglich auch durch kostenlose Tätigkeit wertvolle und notwendige Hilfe zu leisten. Schule, Verein und Arzt müssen also zusammenwirken, um aus unserer Fugend gesunde, kräftige und harnionisch gebildete Menschen zp machen. Turnen. Volksturnmeisterschaften des 1. mittelrhein. Gauverbandes (D. 2.) Erfolge des Turngaues Hessen. bpw. Auf dem Sportplatz des Frankfurter Turnvereins von 1 860 trafen sich am Sonntag die Gaubesten aus den Gauen Hessen, Frankfurt a. M. Offenbach-Hanau, Kinzig und Main, um die Meisterschaften des 1. Gauverbandes des Mittelrheinkreises der D. T. auszutragen. Die Kämpfe waren deshalb von besonderer Bedeutung, weil die 5 Besten jeder Kampfart der Meisterklasse zugelassen sind zu den Kreismeisterschaften im Volksturnen, die am 17. und 18. Fuli in Koblenz ausgetragen werden. Die Frankfurter Veranstaltung stand auf beachtenswerter Hohe. Die Deilnehmerzahl in den einzelnen Konkurrenzen hätte zwar besser sein dürfen, recht bedeutend waren aber die Leistungen, die erzielt wurden, besonders in den Wurf-, Stoß- und Laufarten. Es seien nur einige Ergebnisse bervorge- hoben: E. Baß (Polizei-Sportv. Frankfurt a. Olt.), einer der besten Wettkämpfer der Sumer- schäft, stieß die Kugel 12,28 Meter weit, und 2t Wilhelm Münch von den Marburger Reichswehrsportlem (D. f. L.) brachte es im beid- artigen Kugelstoßen auf 22,51 Meter. 3m Schleuderballwerfen ist der Wurf von Wengenroth (Franks. Tv. 1860) beachtenswert der mit dem Vierpfünderball 54,34 Meter erzielte. Topp (Vorwärts, Bockenheim) erreichte im Speerwerfen 47,85 Meter. Leistungen ganz besonderer Art vollbrachte A. D i h e l (Tos. Sachsenhausen) im Stein stoßen: er erzielte bestarmig 8,94 Meter und beidarmig 17,59 Meter und blieb damit nur ganz knapp hinter den Tumerschaftshöchstleistungen zurück. A Diehl (Tgm. Dockenheim) blieb mit seinem Weithochsprung (1,60 Meter Höhe auf 3,20 Meter weit) ebenfalls nicht weit hinter dem deutschen Rekord zurück. 3m Dreisprung zeigte Trumm (Tv. Ofsenbach-Dieber) mit 13,13 Meter ein ganz beachtliches Können, im Schlagballwertwurf war Bär vom Verein für Leibesübungen in Marburg mit 92,90 Meter führend. Würdig vertreten war bei den Meisterschafts- kämpfen auch unser Heimatgau Hessen, der in den Lauf konkurrenzen fast alle Meisterschaften gewinnen konnte. Die Marburger Münch und Regendank und die Dad-Rauheimer May und Baumb la11 waren in ausgezeichneter Form, besonders Daumblatt im 2M-Meter-Lauf, wohl dem rassigsten Kampf des Tages. Es gelang dem Hessenläufer, den bekannten Reu°3senburger W. Schuber niederzuringen. Auch der jugendliche D i l g e s vom Tv. 1846 Gießen konnte sich mit seiner ausgezeichneten Leistung im Kugelstoßen sehen lassen. Daß die Marburger Akademiker den 1. Platz bei der Schweden staffel belegt haben, ist auch ein Erfolg, auf den der Turngau Hessen stolz sein darf. Alles in allem war der Tag, dec bestzen Qualitätssport bot und reich an reizvollen Kampfbildern (besonders in den Staffeln) war, ein voller Erfolg der Turnerschaft. Ein allgemeiner Fortschritt ist unverkennbar. Den gezeigten Stiftungen nach zu urteilen, darf man die diesjährigen Kreismeister in ihrer Mehrzahl ziemlich gewiß im 1. Gauverband zu suchen haben. Auch unser Heimatgau Hessen, dessen Erfolge aus nachstehender Zusammenstellung zu ersehen sind, wird bei den Kreismeisterschaften nach menschlichem Ermessen nicht leer ausgehen. INeisterklasse, Turner. Schlagballweitwerfen 1. Helmut Bär, Verein für Leibesübungen Marburg, 92,90 Meter. Kugelschocken: 3. Hch. Arndt, V. f. L. Marburg, 16,62 Meter. 1500-Meter-La u f: 1. Kuno May, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 4 Min. 20,5 Sck. Speerwerfen bestarmig: 2. Richard Wiener, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 44.22 Meter. Speerwerfen, beidarmig: 1. R. Wiener, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 68,82 Meter. 100-Meter-Lauf: 2. Stefan Daum- blatt, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 11,4 Sek. 400-Meter-Lauf: 1. Regendank, Akad. Tv. Marburg, 53,7 Sek. 800-Meter- La u f: 1. Kuno May, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 2 Min. 5,9 Sek. 200-Meter-Lauf: 1. St. Baumblatt, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 23,2 Sek. S t e i n st o ß e n, bestarmig: 2. Willi Lehmann, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 7,92 Meter (vor Wengenroth, Frks. Tv.). Steinstoßen, beidarmig: 3. W. Lehmann, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 16,33 Meter. Kugelstoßen, bestarmig: 2. Wilh. Münch, V. f. L. Marburg, 11,40 Meter. Kugelstoßen, beidarmig: 1. W. Münch, D. f. L. Marburg, 22,51 Meter. 1000°Meter° La u f: 2. R. vom Schloß, Turnclub R,eustadt, 35,45 Min. Weitsprung: 3. Bernhard Scheurer, Tv. Wetzlar, 5,87 Meter. 110-Meter-Hürden: 1. W. Münch, D. f. L. Marburg, 16,9 Sek. Schweden staffel: 1. Akad. Tv. Marburg, 2 Min. 9 Sek.: 3. Tv. Wetzlar, 2. Min. 12,2 Sek. Weithochsprung: 3. Karl Gerlach, Tv. Wetzlar, 1,50 Meter auf 3 Meter. Z.eh nkampf: 1. Wilh. Münch, V. f. L. Marburg, 1016 Puickte. Sechskampf: 1. Wilh. Münch, D. f. L. Marburg, 580'4 Punkte: 5. W. Lehmann, Tv. 1860 Bad-Rauheim. Turnerinnen. Schlagballweitwerfen: 2. Anna Mörler, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 50,79 Meier. Kugelstoßen: 2. Anna Mörler, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 8,07 Meter. Unterstufe. Kugelstoßen: 1. Hch. Arndt, D. f. L. Marburg, 10,05 Meter. Diskuswerfen: 1. Hch. Arndt, V. f. L. Marburg, 33,61 Meter. Weitsprung: 3. Hans Scharpf, V. f. L. Marburg, 5,83 Meter. Jugendklasse. Kugelstoßen: 1. Dilges, Tv. 1846 Gießen, 12,68 Meter. Vierkampf: 3. Dilges, Tv. 1846 ©i efe en, 78 Punkte. Siegreiche Turnerinnen. £ Unter sehr starker Anteilnahme aus dem ganzen Kreisgebiet fand am Sonntag das Tur- nerinnentrcffen des 9. Kreises des Arbeiter- Tum- und Sportbundes in Offenbach statt. Eingeleitet wurde die Veranstaltung am Samstagabend durch eine Werbeveranstaltung für das Frauenturnen. Am Sonntag begannen auf der Rosenhöhe die sportlichen Wettkämpfe. Aus unserem engeren Heimatsgebiet wurden von den Teilnehmerinnen folgende Resultate erzielt: 4-Kampf für Sportlerinnen über 13 3ahre (100-Meterlauf, Weitsprung, Schleuderball, Kugelstoßen 5 Kilo): Emma Mandler, Heuchelheim, 5. Preis. 4-Kampf für Sportlerinnen unter 18 3ahren (wie oben, Kugelstoßen 21/» Kilo): Emilie Linde n st r u t h , Heuchelheim' 4. Preis. Schleuderballwerfen für Sportlerinnen unter 18 3ahren: 1. Preis Emilie Linden st ruth, Heuchelheim, 27,90 Meter. Kugelwerfen, 2x/2 Kilo: 2. Preis Emilie Linden st ruth, Heuchelheim, 11,25 Meier. Kugelstoßen, 5 Kilo für über 18 Fahre alte: 3. Preis Emma Mandler, Heuchelheim, 6,63 Meier. Weitsprung: G ö b l e r, Gleiberg (außer Konkurrenz) 4.31 Meter. Kleine olympische Staffelte (250, 50, 100 Meter): 1.Preis Turnerinnen Heuchelheim, 1:4,1 Min. Turngau Welterau. — Der hn Südwestdeutschen Turn verband organisierte Turngau W e 11 e r a u , dem 48 Turnvereine des mittleren und südlichen Oberhessens angehören, hat seine Turner für kommenden Sonntag zum Gauturnfeft nach R i e - der-Rosbach eingeladen. In Anbetracht der Tatsache, daß erst vor 14 Tagen dieGautumfahrt nach Eichen durchgeführt word'n ist, muh die Zahl von rund 300 gemeldeten V>.tturnern als sehr gut bezeichnet werden. Die Sumer innen tragen einen 9-Kampf aus, die Sumer in der Männer-, Ober-, Mittel- und Unterstufe einen 12-Kampf, der neben den Uebungen an den Geräten noch eine Freiübung und die vollstümlichen Uebungen Dreisprung und Kugelstoßen umfaßt. Die deutschen Turner in Philadelphia. Die deutsche Sumriege begab sich nach dem Empfange bei dem Präsidenten Coolidge in Washington nach Philadelphia. Hier wurde sie in der Stadthalle von dem Bürgermeister empfangen und durch eine Ansprache ausgezeichnet. Für die Begrüßung daickte der Vorsitzende der Deutschen Sumerschaft, Dr. Berger. Dann nahm die Riege an einem großen Schauturnen im Stadion der Weltausstellung teil. Hieran waren auch amerikanische und schweizerische Sumvereine beteiligt. Die Vorführungen der deutschen Sumriege weckten den jubelnden Beifall der nach Tausenden zählenden Zuschauer, die das weite Rund der Kampfbahn umsäumten. Sow ohl am Reck, als auch am Barren und am Pferd wurden von den deutschen Turnern ausgezeichnete Leistungen geboten, die Freiübungen der Riege fanden verdiente Beachtung. Fußball. Dezirksmannschaftsspiel in Wieset. £ 3m Rahmen des vom 3. bis 5. 3uli in Wicseck st at findenden Dezirksfestes wird inmitten des großzügig angelegten Festplahes ein Fuß- ballwettspiel zwischen Bezirksmannschaften des hiesigen 3. gegen den 2. (Frankfurter) Bezirk auggetragen. Das Spiel verspricht für die Fuh- ballanhänger ein besonderer Genuß zu werden, kommen mit diesem Tage doch zum ersten Male die Spieler der besten süddeutschen Klasse nach hier. Als Vergleich für die Spielstarke der zu erwartenden Mannschaft mag das Resultat dienen, das die Mannschaft vor kurzem gegen Domheim, den voraussichtlichen Kreismeister und mehrfachen Süddeutschen Meister, errang. 5:0 lautete damals das Ergebnis zugunsten der Bezirksmannschaft des 2. Bezirks. Gegenüber einer derartigen Mannschaft hat die oberhefsische Mannschaft mit ihrer viel jüngeren Spielerfahrung natürlich einen sehr schweren Stand. Dis Gewinnaussichten sind von vornherein außerordentlich gering. Aber darum gehts ja am Sonntag nicht. Fußball in seinen besten Formen soll gezeigt werden, um die Gemeinde der Sportanhänger immer größer werden zu lassen. Hoffentlich hat die Leitung des 3. Bezirks von der vorhandenen Möglichkeit, die eigene Mannschaft zu verstärken, Gebrauch gemacht. Leichtathletik. Iwei neue deutsche Rekorde der D.T. Anläßlich der Leichtathletik-Meisterschaften des Kreises 8b der Deutschen Turnerschaft (Rheinland) wurden zwei neue Höch ft lei st ungen erzielt, und zwar im 1000-Meter-Staffellauf, den der T d. Köln 1843 in 2:05,2 gewann und damit die 1924 in Hannover von Kreuznach erzielte Höchstleistung um ein Zehntel Sekunde überbot. Im Speerwurf für Turnerinnen verbesserte Frl. Schumann ihren 1925 errungenen Rekord von 36,88 auf 37,66 Meter. Schlagball viele der Höheren Schulen Hessens. Bezirk Oberhesfen-Rord. Am Mittwoch fand im Bezirk Oberhessen» Rord das Endspiel um die Bezirks- meist erschuft statt. Das Spiel auf dem „Trieb" sah die Sieger der Vorspiele, das Realgymnasium Gießen und die Oberreal- schule Gießen, als Gegner. Unter der Leitung von Turnlehrer S ch u tz b a ch (Weilburg) entwickelte sich ein schönes Spiel, das zunächst zwei gleichwertige Mannschaften abwechselnd „im Felde" und „am Schlage" in Tätigkeit kommen ließ. Schon bis zum Ballwechsel, dem Ende der ersten Spielzeit, konnten die Oberrealschüler durch Weitschlöge und mehrere Läufe das Spiel an sich ziehen. Die Realgymnasiasten konnten nur durch Fangbälle, deren Sicherstellung eine gute gang« ficherheit bewies, Punkte gewinnen. Die Obcr- realschüler ließen sich die Führung bis zum Schlüsse nicht mehr nehmen. Mit dem Ergebnis 64:26 Punkten wurde die Oberrealschule Gießen Dezirksmeister von Oberhes- s e n - R o r d. Erreicht wurden die Punktzahlen bei den Realgymnasium durch 12 Läufe, 12 Fangbälle und 2 Weitschläge: bei der Oberrealschule durch 48 Läufe, 5 Fangbälle und 11 Weitschläge. Erfreulich war feststellen zu können, daß außer den Oberstudiendirektoren eine große Anzahl der Lehrer und viele Schüler dem Spiele als Zuschauer beiwohnten. Bezirk Oberhessen-Süd. 3n Friedberg auf der „Seewiese", dem Spielplätze der Wetteraustadt, wurden am Mittwoch vormittag die Vorspiele um die De - zirksmeisterschaft ausgetragen Zur Teilnahme traten an: die Aufbauschule Friedberg, das Gymnasium Büdingen, die Oberrealschulen Butzbach und Bad- R a u h e i m. Als erstes Paar traten die Ober- re a l sch ü l e r Butzbachs und die Aufbau- schüler Friedbergs zum Wettspiele an. Butzbach zeigte sich überlegen und ging als sicherer Sieger mit dem hohen Ergebnis 90:16 aus dem Wettkampf hervor. Gymnasium Büdingen und Oberrealschule Dad-Rau- heim lieferten ftch ein ausgeglichenes Spiel, das Büdingen mit 67:46 Punften für sich entscheiden konnte. Die Sieger Butzbach und Büdingen werden ihr Endspiel, sicherem Vernehmen nach, schon nächste Woche in Gießen zur Durchführung bringen. Gegen den Sieger aus diesem Spiel, das den Dezirksmeister Oberhessen-Süd ermittelt, wird dann die Oberrealschule Gießen als Dezirksmeister Oberhessen-Rord zum Endspiel um die Provinzmeisterschaft Oberhessen anzutreten haben. Radsport. Das Gausommerfest in Alsfeld. „Die Wauderer", Gießener Radfahrer- Gesellschaft von 1896. Anläßlich des Gau-Sommerfestes in Alsfeld wo wie alljährlich die Kräfte innerhalb des Lahngaues im D. D. R. in den einzelnen Radsportarten gemessen wurden, konnte der Verein bei allerstärkster Konkurrenz sehr gute Erfolge erzielen. Richt weniger als 8 Preise konnten bei der Preisverteilung in Empfang genommen werden, darunter 4 erste Preise, 2 zweite und 2 dritte. Der Verein der erst vor einigen 3ahren wieder, nach einer über 10 Fahre langen Pause, neu erstanden ist, betreibt erst feit 2 Fahren den Saalfport, aber schon heute steht er hierin im Gau mit an der Spitze. Die errungenen Preise verteilen sich auf diö einzelnen Konkurrenzen wie folgt: 6er Fugendreigen: 1. Preis (8 Konkurrenzen), 8er Fugendreigen: 1. Preis (4 Konkurrenzen^ Cer Schulreigen: 2. Preis (9 Konkurrenzen), r Schulreigen: 1. Preis (4 Konkurrenzen), 2cr Jugenbradball: 2. Preis (9 Konkurrenzen 2er liciiitt A.-Kl.: 3. Preis (11 Konkurrenzen), Korso: 1. Preis (4 Konkurrenzen), Jugend-Korso. 3. Preis (5 Konkurrenzen). R^dfahrcrvcrein 1885 Gießen. Der Verein konnte auf dem Gau-Sommerfest in Alsfeld 4 cYftc uixb 2 zweite Preise erringen. (5 r si c Preise wurden erreicht im 4er QHann= scha'tZfahren (Gaumeisterschast), Korso Gruppe A, 3er Radball, 2er Jugendradball. Z w eite Preise im 2er Radball und 3er Schmuckreigen. Rrichswehrmeisterschast aus dem Rade. Der Bund Deutscher Radfahrer hat in einer Eingabe an das Reichswehrminister' .m l'i? Bitte ausgesprochen, für die Angehörigen von Heer und Marine anläßlich des Bundestages in Dresden eine M e i st e r s ch a f t über 1 00 Kilometer zum Austrag bringen zu lassen. Das Rennen soll auf der gleichen Strecke zum Austrag gelangen, auf der die Meisterschaft im Mannschaftsfahren zum Austrag kommt, und ebenso wie dieses Mannschaftsrennen soll auch die Reichswehrmeisterschaft ein geschlossenes Fahren bilden. Start- berechtigt sind alle Formationen des Heeres und der Marine, und zwar darf jede Formation fünf Fahrer stellen, von denen die Zeit des Dritten gewertet wird. Bedingung ist, daß der dritte Fahrer innerhalb von zwanzig Sekunden hinter dem e r st e n Fahrer der Patrouille eintrifft. Tennis. Frankfurter Allgemeines Tennis-Turnier. Die Rennungen zu dem großen Frankfurter Turnier, das von den drei führenden Frankfurter Temnsklubs stets gemeinsam veranstaltet wird, sind wieder in überaus großer Zahl eingegangen, wenn auch die Qualität der Gemeldeten nicht ganz an die Vorjahre heranreicht. Selbstverständlich hat aber auch diesmal die gesamte südwestdeutsche erste Klasse genannt. Wir erwähnen von einheimischen Kräften nur Oskar Kreutzer, der jetzt endlich das Training nach seiner Armverletzung wieder ausgenommen hat, G os ewich, Flo d a und Dr.S chmi d t-Knatz, von Damen Frau Dr. Friedleben und ihre Schwester Toni Weihermann. Aus Pforzheim kommt der in diesem Jahre so erfolgreiche junge Wetzel, aus Mannheim die bekannte Lurniermannschaft mit Dr. Buh, Ofen, Klopfer, Waldeck und Strauch, Karlsruhe Dr. Dill Fuchs, aus Darmstadt Schüler. Die Kämpfe beginnen bereits Donnerstag nachmittag auf den wieder vorzüglich instand gesetzten Plätzen im Palmengarten. Flugsport. Neue Flugrekorde. Nachdem erst kürzlich von neuen Flugrekorden mit einem Dornier» Flugzeug berichtet werden konnte, kommt jetzt die Rachricht, daß der Pilot Mittelholzer in Gemeinschaft mit dem deutschen Piloten Zinsmaher neue Rekorde aufgestellt hat. Er bediertte sich wieder eines Doririer-Merkur-Flugzeuges, das mit einem 460 PS. Motor der Bayerischen Motorenwerke 'ausgerüstet war. Er versuchte es diesmal mit einer Ruhlast von 1000 Kilogramm. Leider mußte er seinen Flug wegen Motor defektes unterbrechen, doch waren zu der Zeit bereits mehrere Rekorde verbessert. Mit 1160 Liter Benzin wurden 800 Kilometer zurückgelegt bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 164 Kilometer. Mit 4 Std. 51 Min. hatten sie den alten Rekord von Grasse (Holland) auf Fokker (400 PS. Liberty-Motor) von 3:30,03 erheblich verbessert. Auch der Rekord des Franzosen L a f n e auf Reuport-Delage (800 PS. Hispano) von 200 Kilometer wurde weit Überboten, ebenso die 'Schnelligkeitsrekorde von 1000 Kilogramm. Wirtschaft. Konzernbildung in der Automobilindustrie. Seit langem ist die Automobilindustrie ein Sorgenkind der deutschen Wirtschaft, und es ist durchaus verständlich, wenn in der Zeit der industriellen Zusammenschlüsse aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus auch wieder die Idee einer engeren Konzentration in der Automobilbranche besprochen wird, die diesmal vielleicht der Verwirklichung näher ist als bisher. Dis gegen Ende des Jahres 1923 beherrschte die deutsche Automobilindustrie unter dem Schuh der Einfuhrbeschränkung den Jnlandmarkt vollständig und konnte hier sogar äleberschüsse erzielen, die eine erhebliche Konkurrenz mit ausländischen Firmen auf dem Auslandmarkt unter Anwendung niedriger Kampfpreise ermöglichten. Hinzu kam die Inflationszeit mit ihrem Hunger nach Sachwerten, der zum größten Teil mit den damals schnell wieder veräußerbaren Erzeugnissen der Automobilindustrie gestillt wurde, so daß zahlreiche Autofirmen neu emporschossen und mit hochwertiger Reklame und nicht immer gleich wertvollem Wagenmaterial den deutschen Markt überschwemmten. Mit dem Beginn der Deflationsperiode fand diese Scheinblüte ein schnelles Ende. Später folgte die Aufhebung der Einfuhrbeschränkung, die für die starke ausländische Autoindustrie das Signal war, mit der ganzen Wucht ihrer finanziellen Kraft auf den deutschen Markt vorzustohrn. Was in der deutschen Autoindustrie nicht von Grund auf gesund war, mußte dabei zugrunde gehen. Wie sollte man mit den plötzlich aktuell gewordenen Problemen fertig werden: Senkung der Produktionskosten zwecks Erzielung niedriger Enopreise; Vergrößerung der Produktion, um für die verringerte Derdienstspanne durch gröberen Absatz einen Ausgleich zu finden: Verkürzung der Herstellungsdauer und der Lieferfristen für Rohmaterial und Halbfertigfabrikate, für deren langfristige Finanzierung riesige Beträge adsorbiert wurden: und schließlich Erleichterung der Zahlungsbedingungen, wie sie im Auslände bereits lange üblich war. Bekanntlich blieb ein großer Teil der neuen Automobilfirmen bei de n Konlurrenzkampf mit der ausländischen Industrie auf der Strecke, und nur die alten, cingeführten Firmen konnten sich unter nicht unbeträchtlichen Opfern behaupten. In erster Linie ist dieser (relative) Erfolg darauf 'urückzuführen, daß bei diesen Werken rechtzeitig fabrikatorische Umstellungen vorgenommen worden waren und ihr durchweg größeres Eigenkapital ihnen gestattete, unter Aufwendung erheblicher Mittel konstruktive Reuerungen usw. auszuprobieren, mit denen sie die übrige inländische Konkurrenz überflügeln konnten. Hin mit dem Auslande konkurrieren zu können, mußte man jedoch in der Lage sein, den finanziell schwachen Abnehmern günstige Zahlungsbedingungen zu gewähren, oder für die Finanzierung des Absatzes Kapital heranzuziehen. Die Verhandlungen nach dieser Richtung haben nach langer Dauer Erfolg gehabt, so daß mit Unterstützung von .Banken und Versicherungsgesellschaften die deutsche Automobilbranche jetzt auch leistungsfähige Kreditunternehmen besitzt, die allerdings bei der anhaltenden schwierigen Wirtschaftslage weniger oft Autokäufern ihre .Unterstützung gewähren können, wie beispielsweise gleichartige Gesellschaften in Amerika, deren Umsatz mehrere hundert Millionen Dollar pro Jahr beträgt. Zu bedenken ist natürlich, daß durch Zwischenschaltung der Finanzierungsgesellschaft der Verdienst der Hersteller gekürzt wird und ein erheblicher Teil davon Instituten zufließt, die nur ein begrenztes Interesse an der Entwicklung der Autoindustrie haben Es erscheint aus diesem Grunde durchaus möglich, daß die führenden Autofirmen versuchen werden, durch Zusammenschluß ein so großes Eigenkapital zu erhalten, daß s i e das Autokreditgeschäft in eigene Regie übernehmen können. Für diesen Zusammenschluß spricht ferner neben der erheblichen Verbilligung des Verwaltungs- und Propagandaapparates die Möglichkeit, durch weitgehende Normung aller Zubehörteile zu kürzeren Lieferfristen zu gelangen, was sich bei der Kalkulation natürlich gleichfalls wieder verbilligend auswirken müßte. Alle wirtschaftlichen Momente sprechen also für eine engere Zusammenarbeit der Automobilhersteller, und die Fusion Daimler-Benz, sowie das in den letzten Tagen aufgetretene Interesse der Börse für alle guten 'Automobilaktien deuten möglicherweise darauf hin, dah wir vor einem Zusammenschluß aller lebensfähigen, wirklich produktiv arbeitenden Werke der Branche stehen. * ' D i e amtliche Großhandelsindex- z i f f e r. Die auf den Stichtag des 30. Juni berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem 23. Juni um 1,3 v. H. auf 126,9 gestiegen. Bei weiter anziehenden Getreidepreifen erhöhte sich die Indexziffer der Agrarerzeugnisse um 1,8 v. H. auf 128,5, während die der Jndustwiestoffe nur leicht auf 123,8 anzog. Im Durchschnitt Juni lagen die Agrarerzeugnisse mit 125,0 um 1,8 v. H. höher und die Jndustriestoffe mit 123,7 um 0,2 v. H. niedriger als im Mai. Die Gesamtindexziffer stellte sich im Durchschnitt Juni auf 124,6. * Konkurse im er ft en Halbjahr 192 6. Obwohl die Anzahl der Konkurseröffnungen in den Monaten April bis Juni stark zurückgegangen ist und nur 3289 gegen 6015 in den Monaten Januar bis März beträgt, hat sich die Zahl der Konkurse im soben beendeten Halbjahr gegenüber der entsprechenden Vorjahrszeit mehr als verdoppelt. Es wurden nach einer Zusammenstellung der Finanzzeitschrift ,.Die Bank" im ersten Halbjahr 1926 9302 Konkurse eröffnet gegen 4545 im ersten Halbjahr 1925. Noch ungleich stärker ist die Steigerung bei den neuverhängten Geschäftsaufsichten. Hier ist die Ziffer von 1707 irn ersten Halbjahr 1925 auf 6787 im soeben beendeten Halbjahr gestiegen. * Englische Niederlassung des Anilinkonzerns. Nach längeren Verhandlungen mit den Vertretern der seitherigen Fusionsgesellschaften hat die J.-G.-Farbenindustrie A.-G. unter der Firma „J.-G. Dycstuff Ltd." in England eine Niederlassung gegründet. Die neue Gesellschaft, die ihren Hauptsitz in Manchester hat, nimmt am 1. Juli ihre Tätigkeit als Verkaufsgesellschaft auf. Filialen sind in London, Bradford und Glasgow eingerichtet. * Basalt-Aktiengesellschaft, Linz am Rhein. Die ordentliche Hauptversammlung war außerordentlich stark besucht. Bei Vorlage des Geschäftsberichts führte der Vorsitzende des Aust sichtsrats, S. Alfred Freiherr v. Oppenheim, aus, daß das Ergebnis des Jahres in Anbetracht der Wirtschaftsverhältnifse nicht unbefriedigend zu nennen sei. Es habe wohl eine Enttäuschung in den Kreisen der Aktionäre Platz gegriffen, als bekannt geworden sei, daß entgegen der Annahme der Verwaltung im Januar d. I., eine Dividende von acht Prozent in Vorschlag zu bringen, nur sechs Prozent verteilt werden könnten. Das liege aber an den Verhältnissen, besonders an dem Preisrückgang und an den Schwierigkeiten der Steinindustrie. * Bingwerke Dorrn. Gebr. Ding A. -G.. Rü rnberg. Der Generalversammlung lag die Gewinn- und Verlustrechnung für das abgelaufene 31. Geschäftsjahr vor. Der in diesem Geschäftsjahr erzielte Reingewinn in Höhe von 407 148 Rm. wird mit dem Gewinnvortrag von 1924 mit 797 912 Rm., zusammen 1 205 060 Rm. auf neue Rechnung vorgetragen unter Voranstellung des Gesichtspunktes der inneren Konsolidierung, so dah also keine Dividende zur Verteilung geengt. Der Auftragseingang war in der ersten Hälfte des aögelaufenen Geschäftsjahres noch ein guter zu nennen, doch trat auch hier im weiteren Verlaus eine Stockung ein infolge der enormen Geldverknappung. Die Gesamtsumme der Verpflichtungen hat sich seit Dilanzabschluh nicht unerheblich vermindert, insbesondere sind die Waren- und Akzeptverpflichtungen auf einen geringfügigen Betrag zurückgebracht. Die Tochter- gesellschaften trugen zur Tlmsatzziffer eine beträchtliche Quote bei. Der Auftragseingang im lausenden Jahr darf unter den bestehenden Verhältnissen befriedigend bezeichnet werden. Dörfenkurle. Tvranffitrt a.M. Berlin bd)lu 1»U r- Schlich- Änsang flut'. kure Nur» 'in- Datum: | 1. 7 2 7 1 7 2 7 5% Deutsche Rcichsanleibe 0.455 0,4625 0,4575 0,4625 4% Deutsche Ih'cirtbSankitjc — — 0.4325 0.43 3‘/a% Deutsche R hönn leihe 0,415 _ 0,4225 1.4275 3% Deutsche Reich i 'Nleihe 0,37 — 0,64 Deuische Svarpräunen-mleibe 4% Preußische Koniols • . . — — 0.26 —- — 0 4275 0.43 4° o Helsen..... . 0,4 — 0,39 3V2°/o Hessen .......... — — — — 3% Heuen........... Deutsche Wertb. Dollar-Anl. — 0,39 — 96,5 — 97,25 _ dto- Doll>Schav-Anweisng.*> — — — 4°/o Zollturken......... 13 14,12 12,9 — 5% Goldmcrikaner ... . 51,75 52,25 52,3 — Berliner Handelsgesellschaft • Commerz and Privat-Bank Darinsi. und Nationaldank 175 13'2.5* 122.5* 175* 123,5* 172.9* 122* 169* 172* 169* 171* Deutsche Bank....... 156,2* 154* 154* 153* Deutsche Bereinsbank .... 84.25 — — — Disconto Commandit 141,2* 145.5* 146,5* 145* Metallbanl........ 119 117.5 Mitteldeutsche Kreditbank . 117,5 118* 120* 120,5* Lestcrrcichischc Kreditanstalt 7,45 7,55 7,6 7,15 Weltbank ........ . - — — Bochumer Guß ....... 139 144,5* 138* 144* Buderus ......... 90.5 — 93.5 Caro ........... 80 79 79.25 Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . 138* 145* 139* 146,5* 156’ 166* 155,2* 166* Harpener Bergbau ..... Kaliwerke Aschersleben.... 143* 116* 143* 148* 146 14! 140* 141,5 Kaliwerk Wette regeln .... 156* 159 155.5 157,5* Lanrahütte......... 60 60 Oberbedarf .......... Phönix Bergbau ...... Rheimtahl ......... Ricdecl Montan........ 78' 76' 74* 74.5* 116* 139* 112* 143* 116.2* 14t' 118* 144.5* 145 151,5 145 153 Tellus Bergbau...... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . 149 151* 149* 150* 144.5* 146* 144* 141* Chcramische Werke Albin . . 48 _ — _ Zementwerk Heidelberg . . . 108 - — — Philipp Holzmann...... /1 77,5 77 — Anglo-Cont.-Guano..... — — 90 85 Chemische Mäher Alapin . . — — I. G. Jarbenindustrie, A.-G. 247* 251.5* '249* 255’ Goldschmidt.......... 98 97 98,75 98 Holzverkohlung . ....... Rütgerswerke........ 56,5 111 110,5 109 — Schcideanstalt......... 143 141,5 — «llä- ElektrtzitätS'Gesellschaft 143.5* 146* 144,2* 146,7* Bergmann ......... 127.5 128* 129,5* 125* Mainkrastwerke........ 99,5 —— '— Schuckert....... . ., Siemen-