Samstag, Z. April 1926 |76. Jahrgang Nr. 78 Erstes Blatt t, wird weiigebendeSEnlgegenkoinmenzugencverr. Ausflihrltche Angebote mit Angabe der bisherigen Tätigkeit und Referenten erbeten unter Nr. 1178 an Herso, Mitteldeutsche Ann.-Eroed, (ülieken. 2 <8nb mögL gelernten Autoschlosser, für Kelscionren 8. Bock&Co. G.m.b.H. Kaleerallee 23. 8017 D ■ in elektro technischem Betrieb zu sofort ohne Vergütung eventl. Lehrgeld. Gefl. Antw, unter T 4936 Ann.» Exp.Kolvniattrtegerdank. Berlin W 35. Alter ölei iBtelröhrem lauft BrühUche Drucker« , D Schulitr 7'9 um 1.24 , 2.10, 2.56, 5.40, 6.30, 7.20, 8.05,8.50 und 9.50. Die Rückfahrt nach Gießen von Fellingshausen auS kann zuletzt um 7.10 Uhr, von Krofdorf aus um 9.30 Llhr angetreten werden. Einzel- f kahrten A». LEI Te!. 802. Freie lockte. , , ” Für verstärkten Reiseverkehr an beiden O st erf eierta gen hat die Reichsbahn alle Vorbereitungen getroffen. Zu den fahrplanmäßigen Zügen werden erforderlichenfalls Vor- und Rachzüge gefahren. Ganz bestimmt geht nach den jetzt festliegenden Dis- poistionen zu dem fahrplanmäßigen Zug 556 Alsfeld —Gießen am zweiten Oster- f e i e r t a g ein Vorzug, ab Alsfeld 5.42 Ahr nachm., an Gießen 7.33 Llhr abends. Hoffentlich bringt nun das Osterwetter leine Enttäuschung. Todes-Anzeige. Unsere über alles geliebte, an Güte und Liebe so überreiche Mutter und Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Lisette Chambre geb. Halberstadt wurde uns heute, 67 Jahre alt, aus langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden durch den Tod genommen. Die trauernden Hinterbliebenen: Karl ChambrS Leopold ChambrS Emma Schiffer geb. Chambre Josef Chambrg Albert Chambr6 e Bekannte Berliner Klürfirma O sucht zum Vertrieb ihrer bestens eingeführ- ten Hausklärgruben 3011ss fetaer Freiwillige Feuerwehr. Montag, den 19. Avril 1920, abends 8 Ubr Hauptversammlung im.,frankfurter vos". — Tagesordnung: I. all rec bericht. 2. Kassenbericht. 3. Bor- ntiid)lttn 1026/27. 4. Etwaige Anträge ge° irai>; 31 der Satzung. 5. Auszeichnungen. 6. Verschiedenes. 3034c Uniform: ArbeitSanzug und Helm. Der Vorstand. Frau Simon Gießen, Mühlstralle 5 II Gesichts- u. Körpermassage Gießen, Darmstadt, Aachen, den 2. April 1926. Die Beerdigung findet Dienstag, den 6. April, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt Kranzspenden sind nicht im Sinne der Verstorbenen. 02345 rTTTWfT Hfl WII immuj 2 Mt Bazirksverlrglnng zu ? ergeben für den yrovisionSw. Alleinvertr. unserer neu berausgebrachten. zum Bat. am emeld. SiWieOe für W anö ITlotonäöer. ®leW(W für Hlototrnöer swsa Herren, die den Bezirk mit etg. Motorrad geheimnisvolle Haus". 1. Teil. — Lageskalender für (1. Osterfeiertag): Stadttheater: 7 Uhr „Heber unsere Kraft" (Ende 9»/2 Uhr). — Saalbau Sauer: 8V2 Hhr. Militärkonzert Lichtspielhaus, Dahnhofstraße: „Wovon man nicht spricht". — Astoria-Lichtspiele: „Das aeheinmisvolle Haus", 1. Teil. — Palastlichtsptele (Kirchen- Platz): „Er" als falscher Prinz". — Tageskalender für Montag (2. Osterfeiertag): Stadttheater: 7 Uhr: „Der fröhliche Weinbergs (Ende 9 Uhr). — M. T. V.: 2.30 Uhr nachm. V. f. B.-Waldsportplatz, Handball-Wettspiel. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Heiratsschwindler". — Astoria-Lichtspiele: „Das geheimnisvolle Hans", 2. Teil. — Palastlichtsptele (Kirchen- Weilburg verseht. ** Aus der A u f w e r t u n g s p r a x i s. Wir werden unter dieser Ueberschrift künftig aus sachverständiger Feder kleine Abhandlungen und kurze Inhaltsangaben wichtiger Entscheidungen, namentlich der Öbergerichte, aus dem Gebiete des Aufwertungsrechts und damit zusammenhängender Gebiete (Eintragungen ins Grundbuch bei Auswertungssachen) veröffentlichen und hoffen, hiermit bei unseren Lesern zur Klärung mancher Zweifels- sragen beizutragen. Der erste Abdruck erfolgt in unserer heutigen Ausgabe. ' 2 .. „ .r i y e Karfreitag brachte unseren Gotteshäusern wieder den bekannten starken Besuch. Namentlich die Stadtkirche war im Dor- mittagsgottesdienst, in dem der Superintendent für Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner, predigte, überfüllt. Im übrigen zeichnete sich der hohe kirchliche Feiertag durch prächtiges Frühlingswetter aus, das die Ausflügler zu Tausenden hinaus ins der Literaturgeschichte. — Daß es nun Frühling im Lande ist, merken wir nicht nur an der Entfaltung der Felder^ und Wälder und am Lerchensang, der über der Flur erklingt, wir merken es hauptsächlich an den Menschen. Nun springen die kleinen Kinder wieder vor die Häuser, werfen den Ball, lassen den Kreisel surren, spielen ihre Abzählspiele, und die Alten, die im Winter grämlich hinter dem Ösen saßen, gehen, auf die Stöcke gestützt, über die Straßen und vorüber an Gartenhecken. Alles Vergängliche ist nun ein Gleichnis. Hoffnung jetzt an allen Enden! Nein, es ist doch nicht das beste, daß der Weltlauf sich wieder m das Nichts zurückbilde, wir wollen nicht auf die Jammerphilosophie des Pessimismus hören, sondern auf das schöne Wort, das der Apostel Paulus einst an die Christen in Thessalonich gerichtet hat: „Er aber, unser Herr Jesu Christus, unser Gott, unser Vater, be. uns hat geliebet und gegeben einen ewigen Trost und eine gute Hoffnung durch Gnade, br- ermahne eure Herzen und stärke euch in allerlei Lehre und gutem Werk." Das ist der rechte Segenswunsch für das Osterfest. H- B. ** Wieder mal nichts. Die am Donnerstag gemeldeten Goldfunde im Odenwalde sind leider für den hessischen Staatshaushalt unbrauchbar, da sie vorn 1. A p r i l stammen. Bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, daß es sich bei diesent Funde um das Gold eines „Humors trotz alledem" handelte, für den der Finanzminister Henrich bei feinen drückenden Finanzsorgen keine Derwen. düng hat. Die Sucher nach echtem Gold wollen nun Mini nächsten April auf dem Hoherodskops und Taufstein schürfen. ** Die Kirschbäume auf dem Trieb. Von der Stadtverwaltung wird uns zu dem Eingesandt in unserer Nr. 69 vom 23. März geschrieben: Die Stadtverwaltung hatte schon vor längerer Zeit beschlossen, das Gelände aus dem Trieb zu planieren, um es für Festlichkeiten besser ausnützen zu können. Spruchreif wurde die Angelegenheit durch den Bau der Volkshalle. Bei der am 7. Mai 1925 erfolgten Festlegung des Hallenfußbodens wurde die z. Z. in Ausführung begriffene Planierung derart festgelegt, daß die Platzoberflächc vor dem Halleneingang 60 bis 70 Zentimeter gesenkt werden sollte, hierbei war Voraussetzung, die Kirschbäume zu entfernen. Es wäre nicht angängig gewesen, die Bäume zu erhal° len, da bei der Ausgleichung und Regulierung des Platzes die Kirschbäume dann auf der Seite der Kaiserallee auf einem hohen Damm, auf der gegenüberliegenden Seite am alten Nödger Weg nicht unwesentlich in der aufgefüllten Erde gestanden hätten. Die Bäume wären über kurz oder lang auf beiden Seiten eingegangen Von den ursprünglich vorhandenen 300 Bäumen waren noch 161) vorhanden. Von diesen Bäumen waren, wie nach gründlicher Unter« juchung durch den städtischen Sachverständigen fest- gestellt wurde, 90 Proz. morsch und verfault. Sie hätten über kurz oder lang sowieso entfernt werden müssen. Mit Rücksicht hieraus waren bereits im Voranschlag 1925 1500 Mk. für Anpflanzung junger Kirschbäume eingestellt worden. Es ist beabsichtigt, an einer anderen geschützten Stelle ein neues Kirschbaumstück anzulegen Die Neubepslanzung auf dem künftigen Festplatz des Triebes wird mit Ulmen ober Nußbäumen erfolgen. ** Stubenarrest für bic Tauben. Die Stabtverwaltung gibt in unserem heutigen Anzeigenteil bekannt, daß die Tauben während der Saatzeit vom 1. April bis l.Mai in den Schlägen zu halten sind. ** Gestohlen wurden in den letzten Tagen von einer Feldscheune im Neustädterfeld zirka 30 Meter Dach'kandel, die der Dieb durch Anstellen einer Leiter abmachte. Vor Ankauf wird gewarnt. Sachdienlick)e Mitteilungen hierzu nimmt die Kn- rninalpolizei Gießen entgegen. ’ ** Die Maul- und Klauenseuche ist in , Lumda und Bellersheim amllich festgestellt worden. , In Ettingshausen, Nonnenroth, Mittelgrünbau unb i Oueck ist die Seuche erloschen, in Orüningen hat sie weiter um sich gegriffen, in Lich und Muschen- . heim ist sie zum Stillstand gekommen. Gelbe 0013 ilmritwcMtn 2Hieroöael, Ivrächt. Am der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 3. April 1926. Ostern. Ein Jahr vor dem Kriege, der die Einheit Deutschlands herbeigesührt hat, erschien des früheren Artillerieoffiziers Eduard von Hartmann berühmtes Buch: „Philosophie des Unbewußten". Eine erstaunliche Leistung für den damals erst 27jährigen Mann, aber ein Buch, das einen lähmenden Pessimismus predigt. Von der Menschheit sagt der Verfasser: „Krankheit, Aller, Not wird sie niemals los, nicht gebessert Hal sich die Bosheit im Laufe der Zeiten, sondern ist nur eingedämmt und wird darum um so raffinierter. Demgemäß sei es das beste, wenn der gegenwärtige Welllauf sich wieder in das Nichts zurückbilde. Hat dieser Philosoph nicht recht mit seinen Behauptungen? Ist das Leben des einzelnen nicht eine Kette von Mißgeschick, Herzeleid, Krankheit? Ein lahmender Pessimismus; aber haben mir nicht alle recht oft Anwandlungen dieser Lebensanschauung? Hart 'wird der einzelne, hart werden ganze Familien vom Schicksal betroffen. Die Geschichte einer Familie berichtet selten von Glück und Ausstieg, sie führt an Kindergräber, erzählt von langwieriger, schmerzlicher Krankheit, von Unheil, das unvermutet, nie geahnt, seinen Weg 'zu dem Haus gefunden hat, von Leid, das nie mehr verwunden worden ist, von den schweren Stunden, da Familienglieder einander im tiefsten Herzeleid in stockender Sprache Unglücksbotschaften übermitteln mufoteh. Von hochfliegenden Plänen, die Menschen in ihrer Jugend gefaßt hatten, erzählt die Familien- geschichte und davon, daß von diesen Plänen nicht ein einziger in Erfüllung gegangen ist. lieber allen Menschenschicksalen steht das Wort „hoffnungslos'', über allem Menschentun das Wort „vergeblich". Noch mehr gilt das vom Leden ganzer Völker. Denken wir an das Schicksal unseres armen, gebeugten Volkes. Viele der gegenwärtig lebenden Deutschen sind gar nicht fähig, die ganze Größe unseres nationalen Unglücks auszudenken. Ein Blick auf die Landkarte sagt uns genug. Jin Osten und im Westen sind große Gebiete vom Deutschen Reich abgetrennt. Jahrhunderte hat deutsche Tatkraft auf die Kolonisierung des Ostens verwandt, nun sind diese Gebiete dem Polentum ausgeliefert, alle Arbeit war vergeblich. Der in harten Arbeitsjahren errungene Wohlstand unseres Volkes ist vernichtet, feine Ersparnisse sind zerslattert wie Blätter, in die der ^erbftfturm weht. Mutz sich angesichts dieser Tatsachen nicht wirklich der Herzen em lähmender Pessimismus bemächtigen, hat der Mann nicht recht, der vor 57 Jahren gesagt hat, das beste wäre, wenn der Weltlaus sich in ein Nichts zurückbilde? Die christliche Lebensanschauung setzt dieser Frage ein entschiedenes Nein entgegen, sie begründet ihre Verneinung mit der Auferstehung Jesu von den Toten. Niemals war ein Werk so zusammengebrochen, wie das Werk Jesu, als er am Kreuz gestorben war, aber auch niemals hat sich nach einem Zusammenbruch die Hoffnung wieder so sieghaft erhoben, wie kurz darnach in den Herzen derer, die an Jesu glaubten. Zu dem Eigenartigsten und Erhabensten, das es je in einem Schrifttum gegeben hat gehören die Berichte der Bibel über diese Geschehnisse. Sie bewegen sich in einem eigentümlichen Halbdunkel, sind voll von Duft und Morgenstimmung, muten uns an wie die Holzschnitte eines Albrecht Dürer oder eines Hans Holbein des Aelte- ren wirken wie lautere, kristallklare Poesie, sind aber Berichte von tatsächlichen Vorgängen. Deutlich geht aus ihnen hervor, daß Jesu Jünger unmittelbar nach seinem Tode aus Golgatha völlig nieder- Tdüringer (SlaS Heiminduftrie Für den Vertrieb von mod. Glasverlkelten, Glasarmbandern, Parfümflakons, Var- füm-Serftäubet, Glasmär del, Glaswolle, Kaleidoskopen, GlaSfulllieren, Chrlsi- baumschmuck, Fcenhaar , oU4bA Brzirksvcrtreter gemcht. ES wollen fich nur «errett melden, die etr kleineres Votier unterhalten und ausbauen föntten und in der Vage sind, die in b-rage kommende Abnehmersch. itänb. zu belachen. Bewerb, an bcn.Generalverir. Konrad Bartboldy, Castet. Park,tr. 41, Tel. 3715. — Aus dem ötabttbcatcrburcau wird uns geschrieben: ES fei schon heute darauf hingewicsen, daß für die Mittwoch-Abonnenten eine Ausführung der reizenden Spieloper .Don Pas anale" am Mittwoch, 14. April, oeran- ftaltet wird. Die Aufführung des Donizettifchen Werkes wird hier als offi^iellcö Enfernblegastspiel des Darmstädter Landestheaters in der Original- besehung gegeben. " Reichskanzler Dr. Luther Ehren- Mitglied der Deutschen D urnerschaft. Ans einstimmigen Beschluß des Hauptausschusses der D.T. hat der Vorsitzende dem Reichskanzler Dr. Luther (bei dem im Anschluß an eine Hauptausschußsihiing im neuen D. D.-Haus in Berlin-Charlottenburg am 1. April stattgefundenen Empfang einer Anzahl von Ehrengästen der Reichsbehörden) die Ehrenmitgliedschaft der D. T. angetragen, die dieser dankend annahm. L. U. V 0 n der Landes-Universität Gießen. Der außerplanmäßige außerordenlliche Professor an unserer Landes-Universität Dr. Wilhelm Schauder hat einen Rus als planmäßiger außerordentlicher Professor für Veterinär-Histologie und -Embryologie an die Universität Leipzig erhalten. f urter Frühjahrsme,. Frankfurter Messe organisieren anläßlich der bevorstehenden Frühjahrsmesse bei genügender Beteiligung an jedem Orte aus Gesellschaftsreisen, die eine Fahrpreisermäßigung von 25 Prozent ermöglichen, und zwar in allen Wagenklassen, sowohl für Schnellzüge als auch für Personenzüge und beschleunigte Personenzüge. geschlagen waren, und daß sie einige Wochen später kühn das Haupt erhoben, well ihnen unterdessen gewiß geworden war, ihr Meister lebe. Diese Gewißheit ist durch den (Bang der Weltgeschichte bestätigt worden. Von Jahrhundert zu Jahrhundert hat Jesus immer größere Gewalt über die Seelen gewonnen, Hunderte von geistvollen Widersachern wie Celzus, Voltaire, David Friedrich Strauß und Nietzsche sind gegen ihn aufgestanden und bedeuten heute nicht mehr als eine interessante Episode aus Wettervoraussage. Leicht wolkig mit Aufheiterung, tagsüber kräftiger Temperaturanstieg, trocken. Die Wetterlage wird weiterhin beherrscht von einem kräftigen mitteleuropäischen Hochdruckgebiet, das durch die Vereinigung mit einem nördlichen Kaltluftgebiet fich noch verstärkt hat. Allerdings hat in Westeuropa leichter Druckfall eingefetzt, da hier das ozeanische Regengebiet östlich und besonders nordöstlich langsam an Raum gewinnt. Vor der Hand bleiben wir jedoch auf der Südwestseite des langgestreckten Hochdruckgebiets und haben mit dem Fortbestand des vielfach heiteren, tagsüber wärmeren Wellers bei mehr füblidjen Winden zu rechnen. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 19,4 Grad Celsius. Minimum: 2,2 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 6,7 Grad Celsius. Bornotizen. — Lageskalender für Samstag. Goethe-Bund: 7V2 Uhr. Reue Aula der Universität, Haaß-Bertow-Festspiele. — Ruderklub Hassia: 8Vs Hhr, Bootshaus, Mitgliederversammlung .— Lichtspielhaus, Dahnhofstraße: „Wovon man nicht,spricht". — Astoria-Lichtspiele: „Das Statt besonderer Anzeige. Heute morgen 11 Uhr entschlief sanft nach kurzem Leiden unsere herzensgute Mutter, Großmutter, Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Elisabeth Uhl geb. Strohmann im 72. Lebensjahre. WliOiW m Weikniiden, Zufchneiden, Flicken, Sticken und anderen Handarbeiten, sowie Kleidermacbeu erteilt Frau Felber-Stollmer Frankfurter Straße 31 II. Anmeldungen jederzeit 02342 yjTrinkt, das gute Mainzer Aktien-Bier! ; Btsrgroßhaod’. n. Hislabrik Emil Sch mall Gießen Telephon 83 2U‘D Tennis-Cafe Bad Nauheim ist geöffnet _____ _____ 3O67P ... 1. Feiertag: nachm. 3 Uhr: Liga -Gesellschaftsspiel 02339 Fußball-Verein Sportfreunde 1904 e. V. Frankfurt a. M. gegen V. f. B. Gießen. 2. Feiertag: nachm.230Uhr: Handball-Gesellschaftsspiel T.-Ges. Frankfurt a.M.-Sachsen- hausen gegen Männer-Turn-Verein Gießen; nachm. 330 Uhr: Fußball-Gesellschaftsspiel Fußball-Verein Sprendlingen (Liga) gegen V. f. B. Gießen (Liga). Preise der Plätze: (Die am 2. Feiertag zu lösenden Eintrittskarten haben für beide Spiele Gültigkeit). - Terrasse-Sitzplatz: 1 Mk., Terrasse-Stehplatz: -.70 Mk., Stehplatz: — .50 Mk., Studenten- und Schülerkarten: -.30 Mk. Der Spiel-Ausschuß. iMMZNWWWsl (Inhaber: Franz Rathenow) : Klein-Linden bei Gießen, Frankfurter Str. | Empfehle den werten Vereinen, Gesellschaften und Korporationen meineLokalitäten (großen und kleinen i Saal, Dereinszimmer, Wirtschaft mit Veranda) j Beliebter Ausflugsort | Eigene Schweinemetzgerei la Hausmacher Wurst Warme Speisen zu jeder Tageszeit r Reine Weine - la Exportbier - Solide Preise | j I.Osterfeiertag: Konzert von 4—11 Uhr. 12.Osterfeiertag: Tanz ab 4 Uhr. sogsd j /‘■iiihiit-*****........ tum. ............. Sitz Frankfurt a. M. unter günstigsten Bedingungen. 3007D Mn Sie ein Eigenheim? Dann sparen and hauen Sie, wir helfen mit! 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Feiertag v. 8 Ubr abends ab Zusammens. im Vereins!. iGafth. Boller» 2. Feiertag yon 4 Uhr nachm. ab Zusammensein aus der Liebigshöhe 2. Feiertag von 8 Uhr abends ab Zusammensein tin Darmstädter HauS M7oC Der Vorstand Gesangverein SeilkW 2. Osterseiertag nachmittags MllieiiÄSWg nach der §iarlSruhc 8)78D Der Boi stand. Ostermontag ' 12: Frühschoppen „Hindenburg". Verein ^u(^er" O sport Gießen 1913e.V. AmI.Feiertag ist das Bootsbaus geschlossen- Am 2.Feiertag nachm. Familien- znsammenkunst da« selbst.2991c Stadttheater Sonntag, 4. April (1. Citerieiertng) 24. SoMag-W.-vrsk. v0lt7biSnach9'/c Schauspiel in 4Aufz. von Bjomson. Sonntag, il.April 25. soüntüg-'tiü.-öriL von 7 bis geg. 10 Uhr MheWeMaiM DramatischeChronik in 6 Szenen und 1 Epilog von Shaw, deutsch vonTrobitsch 83 i'1. Ä* 'en neuenbQnlt,flel Cfterieieriauuü.;.- mittag* MWSA »ckderstarlsrräc ’D DerPvüMd- ÄSK ÄS»? ! Ä*«* Äs,te“«<- L ptoenabieÜBi. SiDQöeuoerein WgOLÄ Cftetmoniflß: tamiilenauh- tnsna^llnnetoK Dvunkl mittQßS Zahlreiche Leiei- sung erwiinschi. . Feiertag an 11 Uhr worin, ab ulanimensein tm lnoenburg. Feiertag 8 Ubr abendö ab liaumenlimVer- rtLiUttfOoQen Feiertag m4Uhrnachm.ab uiammrnsein aui et Lieb>gshöhe !. Feiertag >on 8 Uhr abends ab D)iiinmmcnfein im Larmiladier Hauk -e Ter Boriiand Beiaugbercin Litcrmontag1.12: MH!ch»P!>ei! _ „Hiudenburo"-_ K Verein 'Ü® Ruder- TO sPort Gießen 1 1913 e.V. Anll.FeierlaS ,st das Bol-iebaas aeicklotte». SttmtSg; iel bii'______ Stadttheater KS ff» VSielet'^1 «ÄS«' hs* von ou giytu ,0» ’>S. SZ ia-ZAlie» sä^. *Sa «ÄS» .WZ i rw&S® Nr. 78 Zweites Blatt Hessischer Landtag und hessisches Bildungswssen. Bon Ob' studiendirektor Dr. Keller, M. d. L. Büdingen. In drei endlosen Sitzungen der vergangenen Woche hat sich die hessische Volkskammer bei der Voranschlagsberatung mit den Kapiteln des Landesamts für das Bildungswesen beschäftigt und hat dabei so bedeutsame Wünsche geäußert und so folgenschwere Beschlüsse gefaßt, daß ihre Betrachtung auch für ein breiteres Publikum ein Bedürfnis sein dürfte, zumal eine lebhafte Presiefehde und er- * regte Versammlungen schon einige Zeit die allgemeine Aufmerksamkeit auf die umstrittenen Gebiete gelenkt hatten. Nachdem aber zunächst nur von Aufheben zusammengeschrumpfter Volksschulklassen die Rede gewesen war, zeigte sich im Verlaufe der Verhandlungen und des bei verschiedenen Parteien nur allzu beliebt gewordenen Kuhhandels nach und nach immer stärker das Bestreben, der höheren Schule pnd der Hochschule die schwersten Opfer zuzumuten, und, um es gleich vorauszunehmen, sei schon an dieser Stelle betont, daß in der Tat die 3lb- stimmungen des Samstags für keine Schu-lartt auch nur entfernt in dem gleichen Maße eine Schädigung und eine Knebelung bringen wie für die höheren Knaben- und Mädchenschulen, während die Universität Gießen nur mit knapper Not vor dem Verlust ganzer Fakultäten bewahrt blieb. Heber den Ausgangspunkt der gesamten 2lbbau bestreb ungen, die hessische F i n a n z n o t, braucht hier kein Wort mehr verloren zu werden. Ganz einerlei, ob man mit dem Führer der Sozialdemokratie, dem Abg. Kaul, von einer „vorübergehenden Betriebs rnit- t e I n o t" oder mit den Rechtsparteien (und auch einem Teil der Zentrumsblätter) von einem b e - vorstehenden Bankerott spricht, — das Millionendefizit ist so wenig zu leugnen wie die steuerliche Ucberlastung großer Teile der Bevölkerung, und an beiden darf kein verantwortungsbewußter Volksvertreter achtlos oorübergehen. So kam es zur Einsetzung des „Sparausschusses", so zu Einschränkungsvorschlägen verschiedenster Art, und nachdem als erste die For st Verwaltung durch „Aufdeninhabersetzen" von vier Amtsvorständen und Streichung von zehn Assessoren die Einbuße von 14 Prozent ihrer akademischen Stellen neben- anderen Verlusten hat über sich ergehen lassen müssen, ist man nun dem Schulwesen hart genug auf den Leib gerückt und wird nach Ostern auch in den M i n i st e r i e n des Innern und für Arbeit und Wirtschaft die Stellenköpfung versuchen, während es die I u- st i z lediglich der Arbeitsbelastung durch die Auf- mertuirg verdankt, daß sie vorläufig weniger bedroht erscheint. Daß das Landesamt für das Bildungswesen von sparbeflissenen Abgeordneten in stärkstem Maße aufs Korn genommen werden würde, Ivar von vornherein deswegen zu erwarten, weil es die größte Beamtenzahl beschäftigt und mehr Ausgaben verursacht als irgendein Ministerium (36 573 708 Rm., davon 30 135 106 Rm. Zuschuß). Ferner trat hier die Ausgabensteigerung gegenüber der Vorkriegszeit besonders hervor, die z. B. der Volksschule allein über 100 Proz. beträgt, wobei die früheren Gemeindebeträge mit berüsich- tigt sind. Schließlich aber, und das ist das Entscheidende, war der Rückgang der Schülerziffern dort so augenfällige geworden, daß eine Anpassung der Klassen- und Lehrerzahl durchaus Möglich schien. Anderseits sind Eingriffe in das Schulwesen, die eine Volksvertretung, also doch in der Hauptsache eine Körperschaft von Fachfremden, vornimmt, stets bedenklich und müssen notwendigerweise mehr von finanziellen als pädagogischen Gesichtspunkten beeinflußt sein. Aus diesem Grunde wäre es höchst wünschenswert gewesen, wenn die Regierung als solche einen Plan ausgearbeitet hätte, wie das in anderen deutschen Ländern geschieht, statt den Oppositionsparteien und dem Zentrum die Führung zu überlassen und zunächst jede Sparmöglichkeit in Abrede zu stellen. Eine spät vorgelegte Statistik und mühsam von den Abgeordneten zusammengetragenes Zahlenmaterial ergaben etwa folgendes: Vor dem Kriege hatte Hessen in seinen Dolksschulklassen von allen deutschen Ländern (außer den Hansestädten) die geringste Schülerzahl, die freilich mit 54 immer noch betrübend hoch war. Im Jahre 1921, dem Zeitpunkte der letzten Reichsschulstatistik, hatte uns Bayern mit der Durchschnittszahl 40 den Rang abgelaufen, wir folgten mit 43 zusammen mit Sachsen; die übrigen Länder standen mehr oder weniger zurück, am stärksten Baden. Erst nachher machten sich die G e b u r t e n a u s f ä l l e der Kriegsjahre geltend, und 1 9 25 war die Klassenbesetzung in Hessen auf knapp 35 gesunken; weit über 1100 Klassen, fast 28 Prozent der Gesamtzahl, zählten unter 30 Schülern. Die Haatz-Derkow-Spiele. Aus Einladung des Gießner Goethebundes • erschien nach längerer Pause Haaß-Berkow mit seiner Truppe zu einem kurzen Gastspiel wieder in unserer Stadt. Der erste Abend, in der Reuen Aula der Universität, brachte mit Paradeisspiel und Totentanz Proben aus der Dramatik des deutschen Mittelalters. Eine Form des Bühnenspiels, eine drw- L malisch-dichterische Kunst, die man als etwas längst Verschüttetes und Verlorengegangenes vor sich erlebt, und von der man stumm, aufgerüttelt und im Innern gepackt hinausgeht. Das macht: diese Kunst ift weltliterarisch und zeitlos, weil sie sich mit den ältesten immergültigen Themen beschäftigt und sich das A und das O, Anfang und Ende alles Menschseins dichterisch, ' bildhaft, eindringlich und lebensvoll zu eigen macht; Weltanfang, Schöpfung, Paradies - Weltuntergang, Tod und Weltgericht: das sind die Themen, die dem mittelalterlich-christlichen Menschen am nächsten lagen als Dinge, die über das alltägliche Dasein hinaus wert und geschaffen schienen, im Bild, im Vers, tm drafa- matisch-tänzerischem Redespiel gestaltet, und auf dem Markt oder in der Kirche vorgestellt und ausgenommen zu werden. Hier waren Offenbarungen gefunden^ öte für jeden galten, jedermann angingen, für jeöer= mann nicht nur als Augen- und Ohrenweibe sich begaben, sondern — dies ist der ttefe Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Samstag, 5. April 1926 Ursache lag im Rückgang der Gcsamtschülerzahl nun 216 000 in den Jahren 1914 16 auf 142 000: noch noch dem Beamtenabbau bei der Währungsstabili- sierung, dem 6,3 Prozent Lehrer zum Opfer fielen, sank der Schülerbestand um 16 Prozent; eine nennenswerte Steigerung ist vorläufig nicht zu erwarten. Die Geburtenziffern der Nachkriegszeit sind nun für die künftige Entwicklung entscheidend, und leider bieten sie kein erfreuliches Bild. Selbst das Rekordjahr 19 20 brachte nicht mehr Geburten als das letzte Vorkriegsjahr (rund 3 2 5 0 0); seitdem aber i st bereits wieder ein Rückgang um 5 4 00 eingetreten. Daraus läßt sich schließen, daß auch nach dem Ausscheiden der Kriegsjahrgänge aus der Schule in der Zeit von 1928/32 ein Anwachsen der Schülerzahl auf die alte Höhe ausgeschlossen ist. Die Zentralstelle für Landesstatistik errechnet den neuen Höchststand für 1934 mit 170 000, dann prophezeit sie erneutes Abgleiten bis 1940 auf rund 150000. Damit scheint er» wiesen, daß es s i ch hier um eine Dauererscheinung handelt, bie in der Schulorganisation berücksichtigt werden muß. Eine volle Auswirkung der Schülerverminderung auf den Klassen- und Lehrerbestand wünscht niemand. Auch der weitestgehende Antrag des Bauernbundes sah mit einem Abbau von 800 Stellen nur eine Verminderung um ein Fünftel vor, gegenüber einem Schülerrückgang von einem Drittel. Die Deutsche Volkspartei dachte zunächst an 400 Stellen, schloß sich aber dann einem Zen- trumsantrage an, der mit 350 rechnete. Die Regierung rang sich mittlerweile zu dem Entschluß durch, die Einsparung von 200 Stellen annehmbar zu finden; sie erklärte dabei freilich, in der Hauptsache könnten nur ländliche Klassen in Betracht kommen, weil beim letzten Abbau bie fünf Städte bie Hauptlast getragen hätten. Dieser Auffassung war entgegenzuhalten, daß bie brei Stabte Darmstabt, Mainz und Offenbach nur eine Durchschnittsfrequenz von 31 haben, daß dort die Lehrerzahl die Klassenzahl erheblich übersteigt, daß Darmstadt und Offenbach sich je 35 Prozent Sonderklassen leisten gegenüber halb soviel in Gießen und Worms, und daß endlich an Plätzen, wo für jeden Jahrgang über 20 Klassen bestehen, verhältnismäßig leicht Zusammenlegungen möglich sind, die jede einzelne Klasse nur um ganz wenige Kinder verstärken. Der Schreiber dieser Zeilen suchte den Nachweis zu führen, daß die 7 5 Orte in Hessen, bie mehr als acht Klassen aufweisen, ohne empfind- liche Schäbigung des Schulbetriebs fast den ganzen notwendi gen Abbau tragen könnten; er verlangte, daß die wenig gegliederten Dorfschulen nur bei wirkliche!! Zwergklassen heranzuziehen seien. Wie nun künftig leitens des Landesamtes verfahren wird, bleibt abzuwarten, zunächst aber ift von einer höchst merkwürdigen Wendung zu berichten, die in der ganzen Streitfrage eintrat. Unverkennbar hatte das Zentrum seit Monaten — gezwungen durch die Wünsche seiner ländlichen Wähler, die genau so steuermüde find wie die des Bauernbundes — eine Haltung eingenommen, die den anderen Koalitionsparteien wenig genehm war. Es wollte sparen, auch bei der Schule, es ließ durchblicken, daß die Wei- marer Koalition leine Lebensfrage für es sei. Sozialdemokraten und Demolraten dagegen versicherten ein über das andere Mal der Oeffent- lichkeit, daß sie, im Gegensätze zu den „bildungsfeindlichen" Rechtsparteien, die „Schule deS Volkes" vor jeder Einbuße bewahren würden. Erste Zweifel an der Zuverlässigkeit solcher Beteuerungen entstanden freilich schon, als ein Antrag ReiberiKaul vorschlug, 200 Stellen vorläufig unbesetzt zu lassen; höchste Aeberraschung aber löste am letzten Freitag dann ein KomPromi ß a n t r a g Kaul-Lenhart-Schr e i ber aus, dessen wichtigster Teil lautet: „Mit Beginn des neuen Schuljahrs sind zu - nächst mindestens 200 Schulverwal- t e r und Schulverwalterinnen außer Verwendung zu stellen. 3 m weiteren soll jede zweite freiwerdende Volksschullehrerstelle unbesetzt bleiben." Was war geschehen? Die Koalition war geeint, aber die Linke (oder soll ich sagen, die Schule?) hatte ein Opfer gebracht, ein schweres Opfer; denn jede zweite Stelle einsparen heißt, (bei einem Aormalabgang von jährlich 31/2 Proz. — 140 Lehrern) noch 70 Leute streichen zu den „mindestens" 200 schon im ersten Jahre, und wenn der Antrag Dauergeltung gewinnt, so wird der ursprüngliche Zentrumsantrag schon im zweiten Jahre erreicht und nut der Zeit auch der des Bauernbundes. So fand der Kommunist G a l m Gelegenheit zu beißendem Hohne: „Die Koalition ist gekittet mit dem Blute der Anwärter, statt daß Demokraten und Sozialdemokraten mit uns den Abbau verhinderten." In der Tat: 2 6 Sozialdemokraten, 6 Demokraten unb 4 Kommunisten bi l- den zusammen eine Mehrheit, die gleiche, die seinerzeit die Wahl v. Brentanos zum Staatspräsidenten verhinderte; diese Mehrheit hätte die Möglichkeit gehabt, sämtliche Angriffe der Rechtsparteien wie des Zentrums auf die Schule abzuwehren, und das Wort, das Reiber wie Kaul übereinstimmend gebrauchten, „inan habe größeres Unheil verhüten wollen", kann folglich nur auf die Erhaltung der derzeitigen Regierung, nicht aber auf die Wahrung der Belange der Volksschule gedeutet werden. Bei der Abstimmung ist bann der erwähnte Antrag gegen die kommunistischen Stimmen bei Stimmenthaltung der beiden Vollsparteien angenommen worden. Cs unterlag bei keinem Kenner der Verhältnisse von Anfang an dem geringsten Zweifel, daß die Abmachungen des erneuten Triumvirats Kaul-Lenhart-ÄHreiber, beziehungsweise Reiber, auch die höheren Schulen in Mitleidenschaft ziehen würden. Und bei diesen ist dann das Zentrum entgegenlommend gewesen in einer Weise, die mich schwanken laßt i n Urteil, welcher der drei Partner eigentlich die andern vor seinen Wagen gespannt hätte. Richt genug, daß ein Parallelantrag zu dem bei Kapitel „Volksschule" die Entlassung von mindestens 3 5 Studienassessoren und das Offenlassen jeder zweiten Studie nrats ft eile forderte und selbstverständlich durchsetzte, in einem weiteren Antrag wurde die ursprünglich sozialdemokratische Forderung der Zusammenlegungähnlicher hö Hörer Schulen in 30 Kilometer Umkreis und eine in vielen Fällen ganz unmögliche Kostenabwälzung auf die betreffenden Gemeinden für richtig befunden. Die Folgen kann man sich nicht leicht zu schlimm vorstellen, denn all die Voraussetzungen zu einem Abbau, die bei der Volksschule gegeben sind, fehlen hier. Die Statistik lehrt uns, daß Hessens höhere Schulen bei Außerachtlassung der Vorschule heute 3000Schüler mehr zählen als vor dem Kriege. Während damals 10 Proz. der Kinder aus der Volksschule abtoanberten, sind es heute (trotz der Klassen mit erweiterten Lehrzielen und trotz des hohen Schulgeldes der viel geschmähten „Klassenschule"!) 16 Proz. Auch die höhere Schule ist nun mit ihren untersten Klassen in die schwachen Geburtenjahrgänge eingerückt, dennoch ist kein nennenswertes Sinken der Eintritte zu verzeichnen, wie mir auf Anfrage vom Regierungstische ausdrücllich bestätigt wurde. Eine Kostenersparnis wird nicht eintreten, wenn seitens der Behörde höhere Schulen erdrosselt und ihre Insassen in die Volksschule zurückgedrängt werden; denn der Staatszuschuh ist höher auf den Kopf des Volksschülers als auf den des Gymnasiasten oder Realschülers, geschweige der Lh- zealbesucherinnen. Die einzige Schulart, deren Zöglinge das Land schweres Geld kosten, ist bie Aufbauschule, aber deren Beseitigung fordert niemand, auch nicht die Rechte, älnd wenn nun trotzdem so verhängnisvolle Anträge wie die beiden charakterisiert«! glatte Annahme finden, im selben Augenblick, in dem neue Lehrpläne den Schulbetrieb nicht leichter, sondern schwerer machen (der Antrag der D. D.P., die Einführung aufzuschieben, wurde abgelehnt), so wird es dem beteiligten Fachmanne wirklich reichlich schwer, an die sachliche Einstellung derer zu glauben, die hier etwas zerschlagen, was fte._ gar nicht wieder flicken oder jemals ersehen können. Man beachte nur die hübsche Gegenüberstellung: Die Darmstädter „Grunbschüger" werden in Klassen von ost unter 30 Schülern unterrichtet, die dortigen höheren Schulen dürfen trotz Fremdt- sprachenunterricht erst Sexta bis Quarta teilen, wenn mehr als 46 Schüler da sind. (So bildeten im Realgymnasium dort 124 Schüler drei Parallelklassen.) Primen von „nur" 20 Schülern erregen Anstoß; denn ein Unterschied in der Lehrweise und Lehrschwierigkeit, in der Arbeitsbelastung und geistigen Inanspruchnahme wird von gewissen Leuten zwischen Anschauungsunterricht und Plcllolektüre, zwischen Einmaleins und Differentialrechnung grundsätz'ich nicht anerkannt! Soweit die sachliche Seite der Angelegenheit! Sie hat auch eine personelle. Der Abbau trifft Menschen, vermehrt das Heer derer, die ihren Beruf nicht ausüben können, er bringt Kummer und Unglück über ganze Familien. Kein Abgeordneter, der Verantwortungsgefühl besitzt, wird sich dem verschließen und wird weiter in der Einschränkung der Staatsaufgaben und in der Abschiebung derer, die sie zu lösen haben, gehen, als die Staatsnotwendigkeit erheischt. Jedenfalls darf er aber nicht den Grundsatz aus dem Auge verlieren, daß die Staatsdiener des Staates wegen da sind; braucht sie also der Staat nicht mehr, so kann' keine Volksvertretung ihre Beibehaltung auf die Dauer verantworten, und da der angestellte Be- amte, wenigstens nach bürgerlichen Begriffen, wohlerworbene Rechte besitzt, wird ein Abbau immer mit ganzer Wucht den Rachw u ch s, die Anwärter, treffen. Wenn diesen nun mit vollem Rechte allgemeine Teilnahme sich zuwendet, so sollte doch nicht, wie das leider in der jüngsten Vergangenheit nut zu sehr zu spüren war, mit zweierlei Maß gemessen werden. Es Das grotze Heimatblatt der eingesessenen Bevölkerung (Ziehens, der ganzen Provinz Oberhessen und des benachbarten preußischen Lahnyebiets ist der im 176. Jahrgang erscheinende Gießener Anzeiger mit seinen drei in eigener Redaktion bearbeiteten und in eigenem Betriebe gedruckten regelmäßigen Beilagen Gießener Familienblätter der Unterhaltung und Belehrung L ettend durch sorgfältig ausgewählten, gediegenen literarischen Lesestoff Heimat im Br-d der heimatlichen Landschaft, ihren besonderen Eigentümlichkeiten und ihrer Kultur in Bild und Wort gewidmet Die Scholle vonFachleutenundKennernderHeimateroefür dieLand- wirtschaft und Gartenbau treibende Leserschaft bearbeitet Für die Geschäftswelt, Behörde und Familie, für Wirtschaft, Hande! und Verkehr ist der Gießener Anzeiger Das grohe Anzeigenblatt Unterschied zum modernen Theater, seinen Mitteln und Ausstrahlungen — als ein stark religiös und kultisch gefärbtes Erlebnis des Masse. Wir sahen zuerst das Paradeisspiel (Spiel vom Sündenfall aus Oberufer bei Preß- burg in Ungarn, 14. Jahrhundert). Durch den Mittelgang ziehen singend herein und herauf auf die Bühne der Herre Gott mit den Erzengeln, mit Adam, Eva und der Kumpanei, die den Chor macht. Heber die Bühne huscht die kettenklirrende, schwarze Teufelsgestalt, als Widerspiel der himmlischen Heerscharen. Und nun begibt sich, halb episch, halb pantomimischdramatisch, von Gesang durchbrochen und begleitet, die Geschichte von der Geburt des ersten Menschen, von der Erschaffung der Eva aus der Rippe, von der Versichrung unterm Baum der Erkenntnis, vom Fluch und von der Verstoßung, die dennoch, christlich und österlich, im Auferstehungsglauben sich verklärt. Sparsamster Dühnenrahmen, schlichte, schwergefügte Worte, Weisen, Gebärden, Gesichter zu einer bezwingenden Einheitlichkeit eines sehr alten Sttls zusammengefaht. Dieser Stil, nach Bilderszenen und Drucken des 15. Jahrhunderts (Basler und ßübeder Motive) nachgeschaffen und neu lebendig gemacht, läßt die Holzschnittweise des Totentanzes zum übertoäüigenben Erlebnis aufklingen. Das Spiel ist so menschlich, zeitlos, I weltwichtig und allgültig, daß es auch dem Spät- geborenen ans Herz greift. Bild und Wort, | Weise und Tanz (nach alten deutschen und italienischen Meistem) verbinden sich hier zu einer grausigen Einfachheit und der magischen Wucht elementarster Dramatik. Manches wirkt geradezu wie aus alten Holzschnitten, aus einem Holbein- bilde herausgehoben. Gesichter und Gestalten sah man vorüberziehen, die man längst gestorben und begraben glaubte. Im Mittelpunkt des Ganzen stand imponierend groß, beherrschend und vergeistigt die Gestalt des Todes; dargestellt vom schauspielerisch, mimisch und künstlerisch gleichmäßig stark und stilecht empfindenden und gestaltenden Vor-Spie- ler. Ilm ihn herum der Todesreigen, die gosische Revue, die nach dem Prolpg der Engel „vom fünferlei Tod" auszieht: König und Edelfrau, Bauer und schöne Maid, Mutter mit dem Kind, Arzt und Wucherin. Landsknecht, Klosterbruder unb kranke Maid. Heberraschend, wie hier in Einzelszene und Zwiesprache das Spiel zugleich individualisiert, vertieft und in Tanz und Begleitmusik vollendet gedeutet wurde. Wundervoll die reisige Marschmelodie (Tod und Landsknecht), das zarte, höfisch-ritterlich geführte Menuett (Tod und Edelfrau), die süße Marienweise (Tod mit Mutter und Kind); überwäll gend die gnadenlose Eintönigkeit und Wiederholung, der motivische Refrain des Abtanzes mit dem Tode, der keinen ausläßt und keinen verschont. Aber dennoch ist er nie gleich; das muh das Grohe und Unerbittliche in der Todgestalt sein: sie ist innerlich erhöht, sublimiert, ist Vor-Richter des Weltgerichts, ist Tröster und Rächer, Kavalier und Kriegskamerad, Würger und Freund... So klingt der Totentanz. Riemand kann ungerührt bleiben. Stumm und ergr ffen geht man hinaus, verzaubert in den dichterischen Ä.ichklang ferner Jahrhunderte, im Herzen angerührt von ben ersten unb letzten Dingen der Wett, in Bann geschlagen von einer begeisterten unb blut vollen Schauspielkunst. —y— Operationen mit elektrischen Funken. An der Münchener älniversitäts-Frauen- flinif wendet nach der „Umschau in Wissenschaft und Technik" Geh. Rat Pros. Dr. Döderlein bei Operationen eine neue Schneidetechnik an. Das Verfahren beruht daraus, daß ein auf einige tausend Volt hochgespannter Wechselstrom von sehr hoher Frequenz durch den Körper geleitet wird. Dieser Strom erzeugt im Gewebe Wärme, die umso höher ist, je größer der dem Strom entgegentretende Widerstand sich bemißt und auf je engerem Raum die Stromlinien zusammengedrängt werben. Benützt man eine feine Elektrode, so entesthen auf diese Weise im Gewebe solche Hitzegrade, daß dieses auseinander weicht, wie mit einem scharfen Messer geschallten. Schon zu Beginn unseres Jahrhunderts wurde diese Lichtbogen-Chirurgie angewandt. An der Klinik Döderleins wurde bas Verfahren wieder ausgenommen und verbessert. Bei bestimmten Operationen, so bei Zerstörung von Krebsgeweben, hat sich der schneidende Funk vorzüglich bewährt. Zur NeichsgesundheitsWoche der auf en die An« e und ver- zx awji Gießen 1876 Bahnhofstr. 65 b Fernruf 1367 3018c nach und Bind nntrcnnbar. wm nutet ein Red.wenn die Berel fang sichte tnagt? Hervorragende Steinwayßz Sons Rud. Ibach Sohn GrotrianSteinweg Schiedmayer & Söhne Gebr. Niendorf Lindholm u.a. 2lr° der io- von Filiale Lieh Butzbacher Str. 12 Das Vertrauensvotum für Chamberlain hat das Ergebnis von Genf, also die Neubestätigung des Locarnowerkes auch für England bestätigt. Die darin enthaltene Billigung der Haltung Chamberlains aber ist eine reine Parteisache und verschleiert nicht, daß Chamberlain an Prestige sowohl bei der eigenen Partei wie in der englischen öffentlichen Meinung überhaupt sehr stark eingebüßt hat. Man zollt nach wie vor seiner Ehrlichkeit allen Respekt, aber man sieht doch deutlich, daß seine staatsmännische Fähigkeit weder in der Strategie noch in der Taktik den Anforderungen in Genf wirklich gewachsen war. Darüber hinaus geht man im Augenblick nicht. Man wartet ab, was werden wird, ob etwa Deutschland und Frankreich einander näher kommen, wie sich Nordamerika dazu stellt, usw. Systems vertragsmäßig in der Richtung eines ent- sprechenden deutsch -russischen politischen Ver- träges absolut notwendig ist. Wie bedauern, daß die Art, in der die Pnrlamentsdebatten im Plenum über solche Dinge geführt werden, nicht dazu kommen läßt, die damit doch auch zusammenhängenden großen Fragen im Blick auf den Osten, den Fernen Osten und Nahen Orient usw. zu behandeln. Brentano den nachstehenden Aufruf: Arbeitskraft ist zurzeit fast das einzige, jedenfalls das wertvollste Gut, das Deutschland noch besitzt. dem soll sich ein „mitteleuropäisches Co» carno" herauskristallisieren. Darin gehe:. 2L 21.. sichten merkwürdig durcheinander. Sie betreffen einmal die Beziehungen Italiens und Jugoslawiens und weiter die zu Griechenland, die Angelegenheiten der Adria, der Freizone von Saloniki, das Mittel- Gesundheit ist die Grundlage der beitSkraft, Gesundheitspslicht eine Pflicht Gesamtheit und des Einzelnen. Aiemand hat das ausschließliche Recht, (Bin Aufruf der hessischen Regierung. Zur Reichsgesundheitswvche erläßt Hessische Minister des Innern von Hautpflege. Von Dr. Walter Schultze. Privatdozent an der Universität Gießen. Eine gesunde Haut unterstützt den Körper wohl bei der Abwehr wie auch bei der Heilung Krankheiten. Zukunft unseres Volkes ruht. Für das Wohl unseres Volkes und die Zukunft unserer Ration arbeiten alle, die sich an der Reichsgesundheitswoche beteiligen. Die ReichSgcsuudheitswoche will vom Wissen zum Gewissen, von der Erkenntnis zur Verantwortlichkeit hinlenken. Alle sollen dabei, sei es gebend, sei es empfangend, mitwirken. Alle rufe ich zur Reichsgesundheitswoche. Alleinvertretungen von IHärioiuiiis Belieben mit seiner Gesundheit zu schalten zu walten. Das Volksganze hat Anspruch auf die Gesundheit jedes seiner Volksgenossen. Die Gesundheit des Einzelnen ist ein bedeutsamer materieller Faktor in der Volksgemeinschaft. Die Volksgenossen, die sich zur Lebensgemeinschaft ehelich verbinden, besitzen als Lebensgefährten ein gegenseitiges Recht auf Gesundheit. Beide haben die heilige Pflicht, Gesundheit als gemeinsames Gut mit in die Ehe zu bringen und nach Möglichkeit dauernd zu erhalten. äinbest reitbar ist das Recht der Kinder auf Gesundheit. Es beginnt schon vor dem ersten Augenblick ihres Daseins: denn das größte und reichste Erbteil, das Eltern ihren Rachkommen geben können, ist die durch Erkenntnis und Willen vor Schaden bewahrte gesunde Erbmasse des Körpers und des Geistes. Die Eltern haben in dieser Hinsicht ihren Rachkommen gegenüber eine große, unabweisbare Pflicht, für deren Erfüllung sie, und zwar nur sie allein verantwortlich sind. Mögen daher alle sich durch die Reichsgesundheitswoche von ihrer Gesundheilspflicht überzeugen lassen. Ich habe das Vertrauen zu unserer Tugend, daß sie sich ihrer ernsten, nicht zu umgehenden Verantwortung bewußt wird, die auf ihr und die kommende Generation und die Der Bericht Hougthons hat eine scharfe Stellung Nordamerikas gegen den Völkerbund und Frankreich ausgesprochen. Man hatte sich in Washington wohl nicht überlegt, welche Wirkung das •n Europa auslösen mußte. Diese Wirkung ist vom Standpunkt der europäischen Befriedung keineswegs zu beklagen, aber sie hat in Nordamerika dazu geführt, die eben abgeschlossene Diskussion über das Verhältnis zu Europa wieder zu eröffnen, und zwar nicht zu Nutzen der Republikanischen Partei. Die nachfolgenden Verlautbarungen ließen ja auch erkennen, daß man nicht mehr als eine Warnung aussprechen wollte und daß Nordamerika nach wie vor bereit ist, an der Abrüstungs- und der Weltwirtschaftskonferenz mitzuarbeiten, daß es in der Linie einer Zusammenarbeit mit Europa, wenn irgend möglich, weitergehen will. Parallel mit Genf und in Genf sind Verhandlungen gepflogen worden, zu d.enen der jugoslawische Außenminister die Anregung gab. Er war in Rom und in Paris. Er bat in Genf Verhandlungen mit dem Italiener und mit dem Griechen geführt, der Grieche wieder mit Rom, und aus alle- lst schon so, daß erst von „Anwärterelend" in weiteren Kreisen gesprochen wird, seit die Volksschule in Fraae steht, Unb doch ist es bis vor ganz kurzer ZAt so gewesen, daß Schulverwalter rmd Schulverwalterinnen spätestens zur Zeit ihrer Mündigsprechung auch zu Brote kamen und wenige Jahre danach $u fester Anstellung! Wenn es nun schlechter um ihr Dorwärtskommen aus- sieht, so ist das gewiß beklagenswert, aber f o a I t werden sie alle bis zur Verwendung und Anstellung gewiß nicht werden wie die Assessoren im höheren Schuldienst, in der Verwaltung oder in der Forstwirtschaft, auch nicht so alt wie zahlreiche Anwärter mittlerer Deamtenberufe. Lind dabei rekrutieren sich alle in der Hcnrptsache aus den gleichen Kreisen, vor allem aus dem heute völlig verarmten kleineren Mittelstände. Wie lange die Rot der akademischen Anwärter schon währt und wie groß sie ist, scheint leider bisher der Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit entgangen zu sein. Vermutlich, weil man auf Protestversammlungen und Demonstrationen verzichtet hatte! Aber die Rot war da, und nur als kleines Beispiel wiederhole ich hier eine Feststellung, die ich im Landtage gemacht habe, daß nämlich im Bereich der höheren Schulen seit neun (genauer seit beinahe zehn) Monaten eine einzige Anstellung getätigt worden ist gegenüber 140 im Bereiche der Volksschule. Könnte man. nicht dieses Verhältnis 1:140 auch auf den Abbau übertragen, anstatt des anderen von 35:200? Dann brauchten wenigstens nicht 30- jährige und Kriegsteilnehmer auf die Straße zu fliegen, die schon jahrelang redlich für den Staat gearbeitet haben. Aber was macht das alles gegenüber der weltgeschichtlichen Tatsache der gekleisterten Koalition? -Zum Schlüsse wäre noch zu erwähnen, daß Sozialdemokraten und Demokraten die theologische Fakultät, letztere auch die L e h r° stühle und Institute der Forst- und Landwirtschaft bei der Gießener Universität beseitigen wollten.Diesmal versagte die Koalition, und mancher wird es als bemerkenswert empftnden, daß ausgerechnet das Zentrum die evangelische Theologie retten mußte. Den sämtlichen Wünschen der Landesuniversität war die Abgeordnete Birnbaum wie immer eine warmherzige Fürsprecherin: daß sie um deswillen vom Vizepräsidenten Ruh wegen allzulangen Redens (es mögen 20 Minuten ge- tticfen fein!) und Aufhaltens der Gemeinde moniert wurde, war auch ein Zeichen dafür, was in diesen Tagen Sachlichkeit für unsere hessische Volkskammer bedeutete. Im ganzen ist von den beiden Landeshochschulen feine halbe Stunde die Rede gewesen — dafür hatte ja auch der „Fall Goldstein" neulich zwei Sitzungen beansprucht! Die Anwendung von Wasser, das in erster Linie für eine Hautpflege in Frage kommt, geschieht vor allem zu Reinigungszwecken. Kluge Gesetzgeber forderten, um ihr Volk reinlich zu erziehen, Waschungen des Körpers als religiöse Handlungen. Das Ziel unserer Wohnungshygiene sollte sein, jedem es zu ermöglichen, täglich ein warmes Bad nehmen zu können, am besten in Form eines Vollbades ober doch wenigstens einer guten Dusche. Bei der Verunreinigung durch den Staub in der Stadt sollte jeder wenigstens wöchentlich einmal ein Bad nehmen. Außer für die Säuberung von dem von außen eingedrungenen Schmutz wollen wir durch das Bad auch für eine Reinigung der Haut von den »ingetrockneten Absonderungen der Schweiß- und Talgdrüsen sorgen und die in steter Abschilferung befindlichen Oberhautzellen entfernen. Das Vollbad ist für diese Reinigung am geeignetsten, weil warmes Wasser die fettigen Substanzen besser angreift und löst. Zweckmäßig ist es, die tägliche Reinigung des Körpers im Anschlich an die Tagesarbeit vorzunehmen, damit die hierbei auftretenden Verunreinigungen möglichst bald entfernt werden. Mit Wasser allein ist aber eine gründliche Reinigung des Körpers nicht möglich, dazu bedarf es noch der Anwendung der Seife. Seifen, die wohlriechen, find nicht immer die besten. Eine gute Seife soll den Körper so reinigen, daß nach der Waschung kein übler Geruch mehr da ist. Wir können also bet guten Seifen auf Zusätze von Wohlgerüchen verzichten. Auch soll man vorsichtig sein gegenüber solchen Seifen, die als Allheilmittel gegen die verschiedensten Hautkrankheiten angepriefen werden. Eine Seife kann für gewisse Erkrankungen der Haut ein vortreffliches Mtiltel sein, doch es gibt eine Reihe von Hauterkrankungen, wo die kritiklose Anwendung von Seife nur Schaden stiftet. Nicht zu unterschätzen ist der Wert einer guten Seife als Desinfektionsmittel. Hier möchte ich noch erwähnen, daß Seifen von empfindlicher Haut oft besser vertragen werden, wenn sie aufgelöst dem Bade zugesetzt werden. Für den allgemeinen Gebrauch sind überfettete Seifen zu empfehlen, die im warmen Wasser eine leichte Löslichkeit haben und beim Reiben gut schäumen. Wichtig für eine gute Hautpflege ist auch die Beschaffenheit des Wassers. Wir unterscheiden harte und weiche Wasser. D:e harten Wasser haben einen höheren Gehalt an Kalk- und Mugne- siumsalzen. Hartes Wasser wird nach längerem Kochen, wenn sich der Kesselstein abgesetzt hat, weich. Auch durch Zusätze von Borax ober Soda Fann es weichgemacht werden. Regenwasser ist weich und daher sehr geeignet zum Waschen. Badezusätze wie Extrakte von Fichtennadeln wirken erfrischend auf das Nervensystem, besonders auf die Geruchsner- oen, haben aber sonst für die Hautpflege keine besondere Bedeutung. Die gebräuchlichsten Arzneimittel zur Pflege der Haut sind Puder und Salben. Puder werden zur Austrocknung der Haut und zum Aufsaugen non Ausscheidungen gebraucht, während mit Salben eine Zuführung von Fett erreicht werden soll. Mit beiden wird als sogenannte Schönheitsmittel viel Reklame gemacht. Man tut daher gut, in ihrer Beurteilung und Benutzung Vorsicht zu üben oder sie nur nach Vorschrift eines Arztes anzuwenden. Von den stark parfümierten Salben gilt ungefähr das gleiche wie bei den Seifen. Leider spielen in der heutigen Schönheitspflege nach allzusehr geheimnisvolle Rezepte von Schminken, Pulvern und Salben eine Rolle. Sie führen meist zu einem Verkleistern der Hautporen, trocknen sie unnötig aus und schaden dadurch. Unser natürlicher Sinn sträubt sich gegen eine Schönheit, die abwaschbar ist. Eine echte Schönheitspflege verlangt eine Pflege des ganzen Körpers in Ver- binbung mit Leibesübungen und natürlicher Lebensweise. Außenpolitische Umschau. Von Prof. Dr. Otto Ho-etzsch, M.d R. Im großen Kampf um den Genfer Fehlschlag ist zuruckgetreten, daß in Genf auch das Geärgert et behandelt wurde. Eigentlich sollte das schon unter Hinzuziehung Deutschlands geschehen, in einem wichtigen Augenblick, da es sich um die Neuwahl der Präsidenten der Reaierungskommission handelte. Endlich ist der Franzose R a u l t, der 6 Jahre diesen Posten gehabt und ihn ganz im einseitigen französischen Sinne ausgenutzt hat, ohne Kenntnis der deutschen Sprache, ohne Verständnis für die Interessen der Saar, beseitigt worden. An seine Stelle tritt ein Kanadier, an sich ja auch ein hohn- sprechender Widerspruch, daß eine spezielle schwie- rige deutsche und europäische Frage von einem Ka- nadier behandelt werden soll, aber Herr Stephens 6 hat bisher immer am meisten Objeküvität gezeigt, er spricht deutsch, und so ist das wenigstens ein Fort- f schritt. Dagegen ist das belgische Mitglied, das - die Saarbevölkerung durchaus ablehnte, und das ' ganz Poincars-Politik machte, zum sechsten Male wieder bestätigt worden. Ebenso sind entgegen dem (Saarreglement heute noch französische Truppen im Saargebiet, und auch dieses Mal hat die Erwartung getrogen, daß das endlich anders werde. Der Völkerbundsrat hat sich der Regierungskommission angeschlossen, die auf die Hin- .zuziehung französischen Militärs nicht verzichten zu können glaubt, als wenn im Saargebiet Mord und Totschlag herrsche, und eine wilde, 'unzivilisierte Bevölkerung dort lebe. Immerhin will die französische Regierung vorn 1. Mai an staffelweise ihre Truppen zurückziehen. Das ist im ganzen keineswegs befriedigend, in alledem hat man sehr wenig vom Geist von Locarno gespürt. Allmählich bekommt man es ja nun auch satt, diesen sogenannten Geist immer wieder 3'tiert zu hören. Das Vertragswerk non L o- carno, man stehe dazu, wie man wolle, ist heute ein durch die Abstimmungen der Parlamente erneut befestigter, gewissermaßen neu ratifizierter 61 a a t s v e r t r a g, dessen Wirkungen abzuwarten sind, namentlich als sogenannte „Rückwirkungen", und weiterhin auf die Staatsbeziehungen überhaupt, m denen ja ohne Zweifel sowohl im Westen wie im Osten die Locarnoverträge eine neue Periode ein» geleitet haben. Ob das zum Vorteil ober zum Nachteil für Europa und für Deutschland sein wird, das muß sich erst zeigen. Aber allein die Beziehungen der Staaten im Sinne des Systems der Staaten, der Gesellschaft der Staaten haben sich natürlich ba- geändert, daß ein solcher Garantiepakt von tun. Machten, ergänzt durch die bekannten Ost- vertrage, entstanden ist. Wir wiederholen unablässig vom deutschen Standpunkt aus, daß, wenn das nun einmal so ist und wenn daran infolge der getroffenen Entscheidungen nichts geändert werden 1°H oder kann, die Ergänzung dieses Locarno- Fluß ist. Er sieht weiter, daß sich neue Staaten« b^ziehungen bilden, und daß darüber im Laufe der Monate der Völkerbund stark in den Hinter- gründ treten kann, vielleicht sogar zur Abdankung gezwungen wird. Das ist nun, nachdem im Kampf um das Sicherheitsproblem dieser große Abschnitt beendet ist, der Ausblick auf das weitere: Wie wird der Völkerbund dieser ganzen Lage gegenüber sich benehmen? Man glaubt wahrzunehmen, daß seine Führung in Genf die Gefahr der Lage begriffen hat, man merkt, das an der Aktivität, die von dort ausgeht. Das Arbeitsprogramm nach Dftein ist ja nicht gering. Am 26. April soll die Vorbereitungs« kommission für die Weltwirtschaftskonferenz beginnen, am 10. Mai die Studienkommission für die Frage der Ratserweiterung, am 18. und 19. Mai die vorbereitenden Kommissionen für die Abrüstungskonferenz. Zu allen dreien ist Deutschland einge« laben, zur ersten und dritten auch Nordamerika und Rußland. Bei der dritten will man sogar diese drei Mächte auch in die stündigen Militärkommissionen und die sogenannte Wirtschaftskommission mit hereinnehmen. In bezug auf Deutschlands „moralische Mitgliedschaft im Völkerbund" geht es also, saweit das von &enj aus zu beeinflussen ist, mit Volldampf voraus! Deutschland hat die Einladungen zur Abrüstungskonferenz und zur Weltwirtschaftskonferenz angenommen, und wird sich selbstverständlich daran beteiligen. Die Beteiligung an der Studienkomis« swn ist durch den Beschluß des Reichskabinetts ebenfalls in Aussicht gestellt. Wie die Dinge nun gelaufen sind, rückt nun das Schwergewicht aller Deryanb- lungen und Entscheidungen in diese Sttidienkom- miffion. Zu einer Konferenz der Abrüstung und Wirtschaftsfragen kann man sich auch ohne den Völkerbund zusammenfinden, namentlich, in der Ab» rüftungsfrage ist Nordamerika jeden Tag bereit, die Initiative zu ergreifen. Die Frage aber, die im Vordergrund steht, ist, ob überhaupt der Völker- bunb sich über das, was er bisher war, vorwärts entwickeln kann, ober ob auf die Krise in Gens ber volle Bankerott folgt. Das ist gar nicht übertrieben unb gerade ber Völkerbundsenthusiast muß sich doch bieje Frage sehr ernst verlegen, die uns an sich kühl lassen kann. Wir haben uns nicht fjereingebrängt, ohne unsere Schuld ist dieser ganze Krakeel entstanden. Wir haben keine Vorschläge zu machen und uns zu bemühen, nun eine Organisation zu bessern, der Deutschland durch die ganzen Jahre ihres Bestehens hindurch wahrhaftig nichts zu danken hat. Genau zu beobachten aber sind diese Vorgänge, die nach Ostern eine neue Phase einleiten sollen. Und je mehr man sie durchdenkt, um so klarer wird, daß Deutschland sein Eintrittsgesuch formal hätte zurück nehmen müssen. Es wäre viel freier, es ginge frei wie Ruß. land ober Nordamerika auf jene Konferenzen, es würde sich beteiligen an der Studienkommijsion, wenn es die andere Seite wünscht, aber es hätte b i e Hänbe frei für bie letzten Entschlüsse, bie es sich selber durch bie Entscheidung seiner Regierung unb ber Mehrheitsparteien vor ber Zeit festgelegt hat. Es ist merkwürbig, daß im Parteikampf diese einfache und klare Gedankenführung, bie in ber Rebe des Abmirals von Tirpitz herauskam, nicht erfaßt wurde und baß bie Mehrheit den zutage tretenden Widerspruch des Kanzlers ohne weiteres hinnahm. Denn nach ihm soll Deutschland faktisch frei in seine» Entschlüssen fein, ob es in den Bund eintreten will ober kann. Aber sein Eintrittsgesuch konnte es unter Feinen Umstünden zurücknehmen, weil sonst das Locarnowerk gefährdet worden wäre!? Das Locarno- werk, das ja gerade durch das (Kommunique vom 16. Mürz und die darauf folgenden Abstimmungen in London und Berlin unabhängig non (9enf auf die Beine gestellt wurde. Es ist nun, nach dem alles so durcheinander geraten ist, keineswegs leicht, bie neue Linie zu finden. Man kann nur bie Hoffnung aussprechen, daß bie Osterpause non ben Staatsmännern Deutschlanbs, Englanbs unb Frankreichs dazu benutzt werde, einmal in Ruhe unb Sammlung herüber nachzuben- Fcn, wie man bie selbstverschulbete Unorbnung wieder in Ordnung bringt, bie Bahn frei machen Fann für bie doch unweigerlich im Laufe des Sommers Fommenben Auseinanbersetzungen um die großen Wirtschafts- und Finanzfragen: französisch-amerikanisches 6d)uIbenabFommen, und französische Finanzsanierung, und auf der anderen Seite Revision des Dawesplanes, handlespolitischer Aufbau für Deutschland und für Europa überhaupt! meer im ganzen und berühren insofern selbstverständlich auch bie Interessen Frankreichs. Damit aber verbunden würbe bie Frage, wie ber Anschluß Deutschösterreichs an Deutschlanb zu verhindern wäre — etwas, was gar nicht akut ist unb etwas, was mit ben anberen Plänen absolut nicht zusammen- hängt! Die „Times" hat sich besonbers angelegen sein lassen, diese Dinge zu besprechen, unb wir Horen da von ben „Kleinlocarnisten", bie einen Bunb zwischen Jugoslawien, Italien, Frankreich, bann Tschechoslowakei, Rumänien unb vielleicht auch Deutsch-Oesterreich zustanbe bringen wollen, auf ber Plattform: Fein Anschluß Deutsch-Oesterreichs an Deutschlanb. Soweit jene Verhanblungen, die bis heute nicht zu irgend einem Abschluß gediehen sind, bie Drbnung der süb- unb südosteuropäischen Verhältnisse betreffen, können wir sie nur begrüßen. Sie gehen in der Linie ber Konjolibation unb Befriebung Europas, und je mehr darin Italien die Führung übernimmt, um so besser wird es für den ganzen Zusammenhang und für Europa sein. Soweit diese Bestrebungen, bie natürlich auch auf bie Kleine Entente weiterwirken, aber mit ber deutsch-oster- reichischen Anschlußfrage verquickt werden und gewisfermatzen einen Schwung in ber Richtung gegen Deutschland geben sollen, sehen wir ihnen mit großer Ruhe zu. Ein Bund zwischen ben genannten Staaten gegen Deutschlanb zu gebuchtem' Zweck ist von vornherein ein totgeborenes Kinb. Er geht voll- ftänbig in bie Luft, es ist kein Gegner ba, gegen den er feine Spitze richten könnte. Dagegen wäre er ein vortreffliches Mittel, bie Genossen dieses Bundes recht gründlich auseinander zu bringen, unb was dem Locarno-Vertrag als Idee zugnmbe lag. bie Verhütung von kriegerischen Konflikten burch, Mittel frieblicher Auseinanbersetzung, bas ginge babei erst recht in bie Luft. Wer bie Beziehungen ber europäischen Mächte zueinander jetzt verfolgt, sieht, daß überall viel Leden ist, viel Aufregung unb daß - vieles in vollem 'M so durcheinander ge* e neue Lime zu sm. ung aussprechen, daß nünnem Deutschlands, ju benutzt werde, ein- g darüber nachzuden- (bete Unordnung wie- nhn frei wachen tonn Laufe de; Sommers wen um die grohen n: franMch-amrika« und ftanMlhr oberen Seite Neviswn olitifcher Ausbau für iberhaupU nQ^imQ>i SQ Eitert «W^in Lage ± Je t»lrb sich ^age bl J leine ibie °°n n h°t. aach§°us. Ö|e 31nrh^ ein ist »*&> ’ ^“'ifion k'9"1’ «18. S"19ht > die Abriisf, auch'2° einge. *>GQn !9en diese *&>■ L;- JÄ'S °ichiG^./^'u|en n ieie ^u>and- ber Z'K Sn -fl9 bereit, die Ne aber, die m « y d„ a ” .Mer war, vor. U°büus.KSch ierabc der örage sehr A kühl lassen kann drangt, ohne unsere keel entstanden. ffiir “)en und uns zu b«. an zu bessern, der iahre ihres Bestehens ?nken Hot. Genau zu W, bie nach Oflem '-und ie mehr man ird, daß Deutschland •**e Zurück nehmen Pnae frei wie Butz, ene Ävnseienzen, es r Ttudienkommission, icht, aber es hätte die Entschlüsse, die es sich seiner Regierung und Zeit festgelegt hm. Es eikamps diese einjache die in der Rede des m, nicht ersatzt wurde age tretenden Wider- eres hinnahm. Denn h frei in feinet 6nt» d eintreten will ober h konnte es unter , weil sonst das Loire!? Das Locarno- Kommunique vom nden Abstimmungen ängigvonTens jießen ahnhofstr.65b Fernruf V&1 ■ilialeL«* CI6ARETTJ kV? X;A, WH" AM- 'S'&X'.W-. , W ■ LLZÄ .-*•> .. i-AAv- •: ’ u. WM KM < W QUALITÄT U.GLAN'LVvlllRKUNG IST DAS BESTE ALLER SCHUHPUTZMITTEL UNION-AUGSBURG Der erwachende Frühling Der erwachende Frühling lockt an schönen, warmen Tagen alt und jung hinaus in Flut und Wald, wo viele fröhliche Menschen sich an den alten und doch immer wieder neuen Netzen des Lenzes ergötzen. Freudig wird jeder sprossende und grünende Busch jedes noch so einfache Blümchen begrüßt, weil sie die ersten Zeichen des wiederer- wachenden Lebens in der Natur sind. Aber auch in her Tierwelt regt sich neues Leben. Die Finken und Amseln lassen wieder ihren schönen Schlag erschallen, und die anderen Sänger kehren nach und nach zurück, beziehen ihr altes S)eim oder bauen ein neues. Heroorgelockt durch die ersten warmen Sonnenstrahlen, schwingt sich ein Schmetterling durch die Luft, im Grase zeigen sich Schnecken, und Käfer machen die ersten schüchternen Versuche, zu laufen ^md zu fliegen. In Gräben und Wasserläufen wird es lebendig: es wimmelt förmlich von jungen Fischen, Fröschen und Larven in allen Stadien und Größen. Da das Gras noch nicht hoch und das S^aub noch nicht dicht ist, so spielt sich dies neue Leben fast ganz offen vor aller Blicken ab. Besonders die Jugend ist es, die ein scharfes Auge für all diese Vorgänge hat. Da gilt es denn, diesen Trieb zu Beobachtung und Verfolgung aller neuen Erscheinungen in die richtigen Bahnen zu lenken. Ist ein Junge sich selbst überlassen, so wird er in den allerseltensten Fällen die ihm zu Gesichte kommenden Tiere vorsichtig und mit Teilnahme beobachten, sondern die Tiere zu fassen oder niederzuschlagen versuchen, ohne jede Ueberlegung, ohne Sinn und Verstand. Wie viele Roheiten und Quälereien kommen dabei vor! Kein Schmetterling in den Lüften, kein Käfer im Grase, kein Frosch am User, keine Eidechse im Graben, kein Wurm an der Erde, kein Ameisenhaufen ist sicher vor der Derfol- gungs- und Zerstörungssucht der meisten Knaben. Nun würde es in den häufigsten Fällen vollständig verkehrt sein, solche Unarten und Grausamkeiten ohne weiteres zu strafen. Man wird meist finden, daß die Kinder aus Unkenntnis und Gedankenlosigkeit handeln, Moralpredigten würden da auch wenig helfen. Man muß das Interesse der Kinder wecken, indem man sie anleitet, das Leben und Treiben der sog. niederen Tierwelt still zu beobachten, und ihnen die nötigen Erklärungen zu den gemachten Beobachtungen gibt. Wie spannend ist es z. B., den Bau der Ameisen anzusehen, wie sie sich gegenseitig helfen, wie tapfer und ausdauernd sie einen Feind, ob groß oder klein, ob stark oder schwach, angreifen, wie vorsichtig sie seinen Waffen ausweichen. Schwieriger und viel größere Geduld und Vorsicht erfordernd, ist schon eine genauere Beobachtung der Vogelwelt. Aber auch das wenige, das man bei vorübergehender Betrachtung erblickt, wird genügen, die Knaben von dem Zerstören der Nester abzuhalten, wenn mit einigem Geschick ihre Teilnahme bis zum Wohlwollen ausgebildet wird. Auf einen Punkt soll noch ganz besonders hingewiesen werden. Die meisten Verfolgungen Haden die Tiere zu erdulden, die nach der landläufigen Meinung schädlich oder giftig sind, ohne es in Wirklichkeit zu sein. Wir haben ja nur ein giftiges Tier, vor dem man sich hüten und das man töten muß: die Kreuzotter. Von den weitaus meisten Menschen wird alles Getier, das auf den Bauche kriecht, für schädlich und giftig gehalten und unbarmherzig verfolgt und erschlagen Was besonders die Groß- । städter, wenn sie hinaus aufs Land kommen, an Unkenntnis oft in diesen Dingen leisten, ist geradezu haarsträubend : Blindschleichen werden zu Kreuzottern gemacht, und die nützliche Kröte oder der schöne harmlose Salamander für giftig und gefährlich erklärt. Der Unterricht in der Schule allein kann hier nicht zum Ziele, führen, wenn er nicht durch Anleitung zur Beobachtung im Freien, ganz gleich ob von Lehrern, oder Eltern oder sonst wem, unterstützt und fortgesetzt wird. Ist in den Kindern die Neigung zur Tierwelt geweckt, dann liegt eine andere Gefahr nahe: sie wollen sammeln, lebendig für ein Aquarium oder Terrarium, tot für Schmetterlings- und Käfersammlungen. Das darf unter keinen Umständen geduldet werden: es müßte denn unter sachkundiger Aufsicht geschehen, so daß Grausamkeiten ausaeschlossen sind. Das unbeaufsichtigte Sammeln ist der Jugend unbedingt zu verbieten. Man sehe nur, wie die Jungen gedankenlos und grausam Käser, Raupen, Salamander u. a. m. in Flaschen, Dosen und Büchsen einsperren, diese fest schließen, so daß die Tiere selten lebend nach Hause gebracht werden. Und kommen sie wirklich lebend an, so fehlt oft jede Einrichtung für eine passende Unterkunft: das Interesfe nimmt auch bald ab, und die Tierchen kommen langsam um. Die Entschuldigung, die Tiere könnten im Hause besser beobachtet werden, ist nicht stichhaltig, da ein Tier in der Gefangenschaft, wo ihm die wichtigsten Lebensbedingungen fehlen, sich nicht in feinem natürlichen Wesen zeigen kann. Schule, Familie und Tierschutzvereine müssen Zusammenwirken, um den Kindern begreiflich zu machen,, wie unrecht es ist, Tiere zu peinigen, oder ihnen die'Freiheit und das Leben zu nehmen. Daß durch eine rücksichtsvollere Betrachtung der Natur und menschlichere Behandlung der Tiere der Verrohung der Jugend wirksam entgegengearbeitet werden kann, beweist die Tatsache, daß in England, wo der Tierschutz viel verbreiteter ist, seit Jahren die Zahl der jugendlichen Verbrecher stetig abnimmt. Zur Erreichung dieses Zieles auch bei uns sollte jedermann freudig mithelfen. Denn das Kinderherz ist weich und empfänglich. Drum, ihr Eltern und Erzieher, weckt in den euch anvertrauten Kinder- Herzen Liebe zur Natur, sowohl zur Pflanzen-, als auch zur Tierwelt! Und gerade die jetzt beginnende herrliche Frühlingszeit mit alle ihrer Pracht und Herrlichkeit ist mehr denn jede andere Zeit des Jahres geeignet, Liebe zur neuerwachenden Natur zu wecken. Man achte streng darauf, daß die Kinder nicht Blumen abpflücken, um sie dann, ihrer müde, wieder wegzuwerfen. Blumen sind da, um gepflückt zu werden, doch nicht dazu, um gepflückt und gleich wieder weggeworfen zu werden. Also, ihr Kinder, nur soviel pflücken, als ihr mit nach Hause nehmen wollt! Alle andern aber laßt an ihrem Platze stehen: beim nach euch kommt vielleicht ein müder Wanderer, trüben und ernsten Sinns, der freut sich wieder, wenn er auch ein Blümlein findet. Und dann, ihr Eltern, weckt in den Kindern Liebe zu den Tieren, zu allen Tieren! Denn noch nie ist aus einem Kinde, welches Tiere liebt und gern hat, später ein böser Mensch geworden. Aber das Gegenteil hat sich schon oft bewahrheitet, nämlich: Wer in der Jugend Tiere quälte und mißhandelte, ist oft in späteren Jahren roh und grausam gegen seine Mitmenschen gewesen. Und nun: Hinaus in Gottes herrliche Natur! Erfreut euch, alt und jung, an dem nun erwachenden Frühling mit seiner Zauberpracht! A. B. 3ur Stundung und (Ermäßigung von Steuern. Die wirtschaftlichen Verhältnisse haben zu einer Vermehrung der Anträge auf Steuererleichterungen geführt, die vielfach auch dann an die Hessische Regierung gerichtet werden, wenn deren Zuständigkeit nicht gegeben ist. Einkommensteuer, Körperschaftssteuer, Vermögenssteuer, Umsatzsteuer sind Reichssteuern, auf deren Farbflecken aus y/eissar Wäsche Obst .Kaffee-,Kakao-,Wein-,Rost-u.dergl.Fecken entfernt farbige Stoffe entfärbt f2,38as HestmasinS Entfärber Unschädlich für alle Stoffe. Mühelose Anwendung. Man achte auf die Marke ..Fuchskopf Im Stern“. Erhältlich In Drogerien und einschlägigen Geschäften. Sie zweite Mannschaft unternimmt eine Reise in den Dogeisberg, und trägt am ersten Feiertag ein Freundschaftsspiel gegen Sportverein 1 920 Schotten aus. Ob es ihrem Sturm gelingen wird, den früheren D. f. B -Liga-Tormann Grimm zu schlagen, ist eine offene Frage. Am zweiten Feiertag ist sie beim Oberschmi t tenev-D. f.B. zu Gast. Sie dritte Mannschaft führt am ersten Feiertag nach Frankfurt, um sich der gleichen des D. f. R. O l y m p i a zu stellen. Eine Dieder- läge wird trotz bewährtem Korpsgeist unvermeidlich sein. Auch die erste Jugendmannschaft! fährt am zweiten Feiertag nach auswärts und wird sich mit der ersten Jugend des Sportvereins D i l l m a r bei Qhmfel messen. Sie zweite Jugendmanns chaft tritt ebenfalls am 2. Feiertag auf hiesigem Platz der Jugend des Sportvereins Lvllär gegenüber Quer durch Ohm- und Lahntal. Auch der diesjährigen Veranstaltung des Landesverbandes Hessen, dem Straßenrennen „Quer durch O h in - u n b Lahntal" am 1. Dfterfeicrtag, 210 Kilometer mit Start und Ziel in Kirchhain, ist der Erfolg treu geblieben. Wiederum ließen sich mehr als 200 Rennfahrer in die Liste eintragen Unter diesen befinden sich der deutsche Meister Hans Hund er tmarck - Frankfurt, der deutsche Bergmeister Damm-Köln, der Dresdner Erich Rühl von der Deutschen Meistermannschaft des Wanderfalke-Dresden, der yii-rb- deutsche Meister Glaesmann-Hannover, Emil Müller- Pforzheim, der Meisterfahrer von Süd- deutschland, Peter Rosen- Köln, der zweimalige Sieger von Zürich—Berlin, die gesamte Rennmann- schast des Meisterschaftsvereins 1889 Schweinfurt, sowie die Elite der Deutschen Straßenfahrer, unter ihnen Gugast.Keßmeier, Witzack, Dumm, Straffer, W. Hundertmarck und Quant- Leipzig, De ibelGießen,Setzepfand -Sondershausen, die Münchner B rändel, Kemme- t e r und Jakob usw. Der Start erfrlgt am 1. Öfter« feiertag in mehreren Gruppen, und zwar wird Punkt 8 Uhr die Altersfahrer-Rennklasse abgehen, der in weiteren Abständen die einzelnen Gruppen folgen. Die ersten Fahrer werden gegen 3 Uhr in Kirchhain zurückerwartet. Die ersten Fahrer werden gegen 1.30 Uhr von Wetzlar her kommend durch die S t e i n st r a ß e und Marburger Straße Gießen passieren. Unter den Teilnehmern befindet sich unser Gießener Meisterfahrer August Deibel. Turnen, Sport und Spiel. V. f. B. (-) Am 1. Feiertag hat die Ligamann- schäft den bekannten Frankfurter Fußballverein „Sportfreunde 04“ zum Gegner. Sen Gästen geht in jeder Beziehung ein sehr- guter Auf voraus, so daß ein spannendes und saires Spiel zu erwarten ist. Für die Spielstarke der Mannschaft sprechen ihre Resultate gegen namhafte Gegner: u. a. schlug sie vor 14 ^agen die Frankfurter „Germania" mit 32 und verlor gegen den ungeschlagenen Meister D. f. D. 01 mit nur 2:1 durch Elfmeter. Wie die D. s-D.-Mann- schast diese Aufgabe lösen wird, kann nicht vorausgesagt werden. Für 2. Feiertag ist die Ligamannschaft des Fußballvereins Sprendlingen hter- her verpflichtet. Seit fünf Jahren unterhalt D. f. B. freundschaftliche Beziehungen zu Sprendlingen, und hat manchen harten, aber immer fairen Kampf mit ihm ausgetragen. Der letzte endete mit 2:1 zu Gunsten Sprendlingens. Daß die Gästeelf etwas kann, beweist ihr Sieg im Einziehung dem Hessischen Finanzminister eine Ein- I Wirkung nicht zusteht: entsprechendes gilt für die Rentenbankzinsen. Auf diese Abgaben bezügliche 1 Anträge sind an die Finanzämter, gegebenenfalls an den Herrn Präsidenten des Landesfinanzamts Darmstadt zu richten. Hierbei darf ein vielfach noch bestehendes Mißverständnis aufgeklärt werden: Das Landesfinanzamt ist keine Abteilung des Hessischen Finanzministeriums unter anderem Namen, es ist überhaupt keine Landes-, sondern eine Reichsbehörde. Auch auf die Einziehung der Gemeinde-, Kreis- und Prooinzialsteuern (Grundsteuer, Gewerbesteuer, Sondergebäudesteuer) hat der Hessische Finanzminister keinen Einfluß: Anträge auf Erlässe aus Billiqkeitsgründen, auf Stundung oder Einstellung der Beitreibung find an die Gemeindebehörden zu richten. Auf die Kirchensteuer bezügliche Anträge sind bei dem zuständigen Pfarrer vorzubringen. Auch die land- und forstwirtschaftliche Berufs- genosfenfchaft ist keine hessische Staatseinrichtung: ihre Umlage fließt nicht in die hessische Staatskasse, so wenig wie der Brandversicherungsbeitrag, im Volksmund „Brandsteuer" genannt. Die „Brandsteuer" ist überhaupt keine Steuer, sondern eine Feuerversicherungsprämie zugunsten der Gebäude- Brandversicherungsanstall. In allen vorstehend genannten Fällen handelt es sich nicht um Einnahmen des Hessischen Staates, und der Hessische Finanzminister ist deshalb auch nicht berechtigt, diese Abgaben niederzuschlagen, zu ermäßigen, zu stunden oder sonstwie in das Verfahren ihrer Einziehung einzugreifen. Diese Befugnis hat er nur bezüglich der hessischen Staatsfteuern, insbesondere der staatlichen Grundsteuer, der staatlichen Gewerbesteuer und der staatlichen Sonder- gebäubefteuer. Da die Verwaltung dieser Staatssteuern Reichsbehörden übertragen ist (die Finanzämter und das Landesfinanzamt sind Reichsbehörden), so ist es naheliegend, daß die allgemeinen, vom Reichsfinanzministerium erlassenen Vorschriften über Stundung, Zwangsbeitreibung, Erhebung von Verzugszuschlägen auch auf die hessischen Staatssteuern anwendbar erklärt sind. Neuerdings sind die Finanzämter wiederum angewiesen worden, die Prüfung von Stundungsanträgen in wohlwollender Weife und mit wirtschaftlichem Verständnis vorzunehmen: sie sind sind erneut darauf hingewiesen, daß Stundung auf kürzere Zeit zinslos bewilligt werden darf, und daß in anderen Fällen ein Zinssatz von nur 5 Prozent jährlich gerechtfertigt sein kann. f Pokalspiel über die Aschaffenburger .Diktvria". Auch hier wird die D. f. D.-Elf alle« daransehen | müssen, um ehrenvoll zu bestehen. Dor diesem Spiel findet ein interessantes Handballlreffen zwischen Turngefellschaft Sachsenhausen und Männerturnverein Gießen statt. Schulranzen) la La Lederranzen billigst Carl * chunck N. S U.- und vittoria- Hahrrö-er zwei altberoäbrte MaikenrDer, sind ständig am Lager bei Ludwig Römer I. SaljrrüDöaaDlung Hcuchclveim Wilbelmstrahe 2. Günstige Teilzahlung. oxut la Eiderietlkäse 9 Psd. G Ml. ,'ranko Damvikäiefabrik, Rendsburg. la Moller unglaublich billig. 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Meine Verlobung mit Fräulein Elara Mandler zeige ich ergebenst an Hermann Schönburg Krofdorf Obertiefenbach (bei Gießen) (Oberlahnkreis) Ostern 1926 Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen : Katharina Albohn j Heinrich Dörr - Hattenrod, Ostern 1926 Künstliche Augen Anfertigung nach der Natur in Glessen, Hotel Viktoria am 12. und 13. April von Adolf Müller-Welt, 3C20A Inhaberder FirmaGebr. Müller-Welt. Stuttgart, Hohenhelmer Straße 40 Neueste Technik — Bestes Material Anerkennungsschreiben aus allen Kreisen. Höchstmögliche Beweglichkeit. Ar. 78 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbecheffen) »■eeaoDHfcxi-.iÄiÄir;> cnrjc*g-x~jciiZ£.yL.wuhI a'im i! »LLViriut wm-mjfhi Samstag, 5. April 1926 Von Ostern und vom deutschen NaLurgefühl. Ostern, das Fest der Wiederauferstehung Christi und zugleich des Wiedererwachens der Natur, hat die christliche Empfindungswelt in tiefgehender Weife beeinflußt. Ja, man kann sogar sagen, daß unser ganzes Noturgesühl sich zunächst an Dem Ostererleb- nis entwickelt und verfeinert hat, und daß für uns dieses Fest aufs engste mit dem beglückenden Gefühl für die Schönheit der Umwelt verbunden ist. Diese bisher wenig beachtete geschichtliche Erscheinung tritt neben vielen anderen überraschenden Erkenntnissen aus dem Werk „Das N a t u r g e f ü h l im Wandel der Zeiten" von Alfred Biese hervor. Der bekannte Verfasser, der sich diesen Studien durch ein langes Leben hin immer wieder gewidmet hak, behandelt hier in lichtvoller Darstellung das ganze gewaltige Gebiet und verweilt besonders liebevoll bei dem Keimen und Erblühen der deutschen Landschaftsfreude. Dem Menschen des Nordens erschloß sich ja die Natur nicht so leicht und selbstverständlich wie den Menschen des Südens, dem mehr Sonne und üppige Fruchtbarkeit das Wunder der Schöpfung nachdrücklicher einprägen. 2lber gerade auf der kargeren Erde und unter trüberem Himmel ist allmählich ein Naturgefühl entstanden, das vertiefter und innerlicher wurde als das des Südländers. Die alten Germanen befaßen jene den Ariern gemeinsame Naturphantasie, die auf Bergesgipfeln, in Flüssen, im dunklen Hain und im Rauschen der Baumkronen die Nähe göttlicher Wesen ahnte. Solche Naturoerehrung hat sich Jahrhunderte hindurch unter Sachsen und Friesen erhalten. Aber der spröde Charakter der Landschaft verlockte nicht viel zu Schilderungen, und so finden wir die Natur in der ältesten germanischen Dichtung nur selten erwähnt. Im angelsächsischen „Beowulf", diesem düsteren Gesang von Moor und Winter, von Meer und Nebel, leuchtet nur dann ein schwacher Lichtstrahl auf, wenn die Wonne des Frühlings erwähnt wird. Erst das Christentum mit seinem erwärmenden und verfeinernden Hauch öffnete dem deutschen Menschen Wünsche zum neuen Effenbahnsahrp an. Am 15. Mal wird der neue Eisenbahn- Fahrplan in Kraft treten. Der erste Entwurf dieses Planes liegt jetzt vor. BK seiner kritischen Durchsicht ergibt sich, daß vom Standpunkt des Verkehrsbedürfnisses aus erhebliche Bedenken gegen die Fahrplanabsichten der Reichs- bahndirektion Frankfurt a. M. geltend zu machen sind. So hat der Hessische B e r k e h r s v erbau d , Vorort Darmstadt, in einem Schreiben an die Reichsbahndirektion zahlreiche Beanstandungen erhoben, die er auch an die Presse zur Veröffentlichung mitteilte, leider aber in einer Fassung, mit der die Leser nichts hätten anfan- gen können. 3n dieser Eingabe werden stets nur die Zugnummern genannt, die niemand aus dem Publikum kennt, anstatt die Abfahrt- und Ankunftzeiten auf der Ausgangs- bzw. Endstation zu nennen, die allgemein geläufig find. Diese unpraktische Formulierung bewog uns, von dem Abdruck der Eingabe abzusehen, weil unsre Leser daraus doch keinen Aufschluß erhalten hätten. Ferner hat sich der Verkehrspolitische Ausschuß des Gießener Verkehrsvereins am Donnerstag abend in einer Sitzung eingehend mit diesem Fahrplan-Entwurf beschäftigt und dabei mancherlei Mängel festgestellt, deren Beseitigung im Interesse unserer Stadt und der weiteren Umgebung dringend geboten erscheint. In einer Eingabe an die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. soll um die Erfüllung dieser Verkehrswünsche ersucht werden. Diesen Forderungen geben wir gerne unsere Llnterstüt- zung, denn sie sind berechtigt: ihre Befriedigung wird übrigen^ in hohem Maße auch den Interessen der Reichsbahn entsprechen. Betrachten wir die Gießener Eisenbahnwünsche nunmehr im Einzelnen. Als eine empfindliche Beeinträchtigung der Verkehrsinteressen Gießens und der Umgebung muh es angesehen werden, daß -i>er neue Rachtschnellzug Altona — Kassel — 5 r a n f f u r t—B asel den Bahnhof Gießen ohne Halt durchfahren soll. Dieser Zug, der eine sehr gute Verbindung aus Rorddeutschland darstellt, soll nach dem neuen Fahrplan um> 2.33 Uhr nachts in Kassel abfahren, Marburg! und Gießen ohne Halt passieren und um 5.04 Uhr früh erst in Bad-Rauheim wieder Aufenthalt bekommen. Der Gegenzug Basel-^- F r an k f u r t—K a s s e l—A11 on a soll ebenfalls in Gießen nicht halten: Frankfurt a. M. ab 11.29 Uhr nachts, Bad-Rauheim 12.10 Uhr, Kassel an 2.40 Uhr früh. Dieses Zugpaar wird in seiner Bedeutung für unser Gebiet noch erhöht durch die Tatsache, daß es Kurswagen von bzw. nach Berlin mit sich führt, also nicht nur eine vortreffliche Verbindung mit der Wasserkante, sondern auch mit der Reichshauptstadt darstellt. Es ist unverständlich, daß man die oberhessische Provinzial haupt- st a d t, den bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt Gießen, von einer so wichtigen neuen Zugverbindung ausschließen will. Die Reichsbahnverwaltung wird es nicht als unbilliges Verlangen ansehen können, wenn gefordert wird, diesen Zügen Aufenthalt in Gießen zu geben. Dieser könnte, da eine Paketbeförbelang ja nicht in Betracht kommt, auf eine oben zwei Minuten beschränkt werden. Ein weiterer Wunsch an die Reichsbahndirektion Frankfurt am Main betrifft gleichfalls die Strecke Frank- f u r t—G ieße n—K a s s e l. Hier soll, wie wir hören, von Mitte April ab der Personenzug 7 71, Frankfurt a. M. ab 11.44 Uhr nachts, Friedberg 12.52 UJjr, Bad-Rauheim 1.01 Uhr, Butzbach 1.20 Uhr. Gießen an 1.50 Uhr. ebenfalls in Fortfall kommen. Ferner soll der Gegenzug 778 Kassel—Gießen— Frankfurt, ab Kassel 4.40 Uhr nachm., ab Gießen 8.56 Uhr abends, gestrichen werden. Legen wir auch der letztgenannten Beschränkung keine Bedeutung für das Publikum von Gießen bei, weil unmittelbar vorher und auch durch spätergehcnde Züge immer noch eine ausreichende Verbindung in der Richtung Frankfurt bzw. zu den Rachbarorten Gießens bestehen bleibt, so ist dagegen die Streichung des Spätpersonenzuges ab Frankfurt a. M. 11,44 Uhr nachts für Friedberg, Rarcheim, Butzbach und Gießen außerordentlich unangenehm. Man denke nur an die oberhessischen Besucher der Frankfurter Theater! Heute schon ist die Sachlage so, daß man in Frankfurt von den Theatern zu ben Schnellzügen 10,33 bzw. 10,33 Uhr hetzen muß: verpaßt man diese aber doch, so hat man immer noch den Trost, den Personenzua 11,44 Uhr benutzen zu können. Dieser Behelf soll nur verschwinden: es tonnte dann den ober hessischen Theaterbesuchern sehr leicht das „Vergnügen" beschieden sein, beim Verpassen der Schnellzüge zwangsweise die ganze Rächt bis zu dem Früh- zuae 5.45 Uhr ab Frankfurt in der Mamstadi zu- zuoringen. Es wird auch von der Reichsbahn nicht bestritten werden können, daß dies eine unerträgliche Härte für die oberhessischen Freunde der Frankfurter Theater sein würde, eine Zumutung, die so stark ist, daß mancher vielleicht sogar auf den Theaterbesuch in Frankfurt verzichten dürste, auch zum Schaden der Frankfurter Theater! Wir sehen, falls die Reichsbahn den genannten Spätpersonenzug unweigerlich streichen will, nur zwei Möglichkeiten zur Befriedigung der berechtigten Eisenbahnwünsche der oberhessischen Theaterfreunde Frankfurts: entweder läßt die Reichsbahndirektion den obenerwähnten Rachtschnellzug D 191 (ab Frankfurt 11,29 Uhr) mindestens in Friedberg. Bad-Rauheim (wo er ja ohnehin schon halten soll). Butzbach und Gießen halten — ben Halt dieses Zuges in Gießen betrachten wir auch ohne Theaterbesucher als eine dringende Rotwendigkeit! —, oder sie läßt als Ersatz bis nach Gießen einen Triebwagen oder sog. kleinen Dani Pfzug fahren. Im Hinblick darauf, baß auch die Landorte zwischen Frankfurt und Gießen am Frankfurter Theater, wie überhaupt an einer Spätabendverbindung von der Mainstadt aus Interesse haben dürsten, möchten wir die letztgenannte Art der Lösung zur Durchführung empfehlen, zumal ja die Bahn schon aus betrieblichen Gründen kaum geneigt fein wird, den Rachtschnellzug D 191 in den kleinen Städten Friedberg und Butzbach halten zu lassen. Hoffentlich kommt die Bahnverwattung auf dem bezeichneten Mittelwege den Wünschen des Publikums entgegen. Mit dem Gießener Der- kehrsverein und der Gießener Stadtverwaltung, die beide schon am Werk sind, sollten auch die Handelskammern Gießen und Friedberg und die Stadtverwaltungen von Butzbach, Bad-Rauheim und Friedberg in dieser Angelegenheit Schritte unternehmen. Für die Strecke Gießen — Gelnhausen und die Strecke Ridda —Schotten erscheint vor allem für ben Sonntagsverkehr eine Verbesserung des Fahrplanes dringend notwendig. Wer von Gießen aus über Schotten den Vogelsberg, 5- D. ben Hoherodskopf, besuchen teilt, kann jetzt und nach dem neuen Fahrplan auch künftighin Sonntags erst um 8,14 Uhr vormittags abfahren, trifft um 9,22 Uhr in Ridda ein. fährt dort 9,35 Uhr ab und ist um 10.16 Uhr in Schotten. Bis dorthin ist also der halbe Aus- flugstag schon verstrichen, und für bie Wanderung in den Wald bleibt nicht mehr allzu viel Zeit. Von den Ausflüglern. deren Zähl sehr groß ist, würde es begrüßt werden, weirn bie Reichsbahndirektion die jetzigen Werktags züge Gießen —Ridda, ab Gießen 5,31 Uhr früh, an Ridda 6,36 4Ihr, an Stcxkheim 6,57 Uhr und Ridda— Schotten, ab Ridda 6,49 Uhr, an Schotten 7,30 Uhr vorm., auch an Sonn- und Feiertagen verkehren lassen würde: auf der Strecke Gießen— Gelnhausen am besten bis Stockheim, mit entsprechendem Anschluß nach Ortenberg und Gedern, der noch herzustellen wäre, evtl, mittels Triebwagens. Säe Besetzung dieser Züge wird sicherlich für die Reichsbahn zufriedenstellend ausfallen, denn allen Ausflüglern wird es angenehm fein, toenn sie bei ihren Tagestouren möglichst früh am Ausgangspunkt ihrer Wanderungen eintreffen können. Die Rückfahrgelegenheiten am Abend von Schotten bzw. von Gedern aus über Stockheim nach Gießen sind in befriedigender Weise vorgesehen. Der Strecke Giehen-Lollar-Grün- berg möchten wir ebenfalls eine bessere Berücksichtigung im neuen Fahrplan wünschen. Schon die Zugfolge an den Werktagen ist außerordentlich mangelhaft. Hier wäre eine Ausfüllung der großen Lücken vielleicht durch Triebwagen am Platz». Die Bürgermeister der Rabenau- Gemeinden werden der Reichsbahnbircktion sicherlich gerne mit entsprechenden Ratschlägen dienen. Aber auch die Sonn- und Feiertags-Bahnverbindung ist sehr verbesserungsbedürfttg. Es dürfte sich empfehlen, etwa gegen 1/21 oder 1 Uhr mittags an Sonn- und Feiertagen ab Gießen eine Verbindung nach dem Lumdatal zu schaffen: cvll. tonnte im Anschluß an den um 12.30 Uhr mittags hier abfahrenden Personen- zug in Richtung Marburg ein Pendelverkehr zwischen Lollar und Londorf eingerichtet werden. Ferner wird es angebracht sein, den um 8.30 Uhr abends in Gießen abfahrenden Sonntagszug nicht nur bis Londorf, sondern bis nach Grünberg zu führen. Schließlich würde man es auch gern sehen, wenn abends gegen 7 Uhr von Londorf aus eine Rückfahrgelegenheit nach Gießen geschaffen würde. Zum Schluß möchten wir der Reichsbahn- direktivn Frankfurt noch empfehlen, den in unserem Artikel „Cisenbahnverkehrswünsche des Kreises Gießen" in Rr. 61 des „Gieß. Anz." geäußerten Wunsch nach einer Triebwagenfahrt Gießen — Mücke — Laubach — Hungen — Ridda — Hungen — Lich — Gießen einer recht wählte olleirden Prüfung zu unterziehen. Das Publikum wird ein Entgegenkommen der Reichsbahn sicherlich nicht unerwidert lassen. Oberheffen. Landkreis Gieszen. br. Sau bringen, 1. April. In unserem Echulsaale versammelten sich die jetzt zur Entlassung gekommenen Schüler und deren Eltern zu einer schlichten Schulentlassungsfeier. Der Klassenlehrer Dr. Balser sprach zunächst kurz über Unterrichtsziele und -weise des modernen Unterrichts, so wie ihn die Arbeitsschule fordert, und gab dann den Anwesenden ein praktisches Lehrbeispiel durch Behandlung des Themas „Arbeitslosigkeit". Durch von der Hand der Kinder angefertigte statistische Darstellungen und sonstige Zeichnungen konnte er sehr schön zeigen, wie sich auch schon Schulkinder die schwierigen Begriffe der Volkswirtschaft erarbeiten können. Umrahmt wurde die Feier von einigen stimmungsvollen dreistimmigen Chören. : Beuern, 2. April. Infolge stockender Absatzmöglichkeiten ist die hiesige Zigarrenfabrik, eine Filiale der Firma I. B. Roll in Gießen, bis auf weiteres ftillgclegt worden. Der Rest der Arbeiterinnen wurde entlassen. Der Zeitpunkt der Wiederaufnahme des Betriebs ist heute noch nicht abzusehen. t Grünberg, 1. April. Der Viehver- sicherungsoerein (Brünberg hielt gestern seine Hauptversammlung ab. Aus der Nechnungsablage war zu entnehmen, daß im Jahre 1925 die Einnahmen 1556,31 Mk., die Ausgaben 1300,96 Mk. betrugen, so daß ein Kassenbestcmd von 255,35 Mk. verblieb. Dem Verein gehören gegenwärtig 91 Mitglieder an. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden die Herren Großhaus, Flick und K r c u b e r III. gewählt. Im übrigen beschäftigte sich die Versammlung mit einigen internen Angelegenheiten. — Zu der jüngsten Holz- versteigerung im Stadtwalde waren viele Steigerer erschienen, was sich bei der Preissteigerung sehr auswirkte. Durchschnittlich wurde für ein Raummeter bezahlt: Sch e i t h o l z: Buchen 16,50, Kiefern 7,50, Fichten 5, Eichen 8, Erle 3, Aspen 4 Mk.: Knüppel: Buchen 12, Kiefern 5,50, Fichten 4, Eichen 6 Mk.: Stöcke: Buchen 6,50, Kiefern 4,50, Fichten 0,60, Eichen 4 Mk.; Reisig: Buchen 2, Kiefernreisigknüppel 2, Eichen 0,60 Mk. Kreis Friedberg. ll Stamm heim. 1. April. Der 10 Jahre alte Junge einer hiesigen Familie „vergnügte" sich damit, glühendes Blei in Patronenhülsen zu füllen. Hierbei schüttete er das heiße Blei auch in eine Patronenhülse, die noch mit Pulver gefüllt war. Der Junge wurde durch die Explosion am Körper sowie im Gesicht so schwer verletzt, daß er in die Klinik nach Gießen verbracht werden mußte. Kreis Büdingen. 1! Büdingen, 1. April. Die schweren Ueberschwemmungsschäden, die in den letzten Jahren von der Ridder und der Ridda verursacht wurden, haben die in Betracht kommenden Gemeinden zu dem Entschluß gebracht, die Wasserläufe zu regulieren. Man hofft, durch diese Maßnahme einer Wiederholung dieser Schäden endgültig Vorbeugen zu können. Im vorigen Jahre regulierten die Gemeinden St ockheim und Glau berg die in ihren Gemarkungen gelegenen Flußsirecken der Ridder. In diesem Jahr hat die Gemeinde Höchst a. d. R. die cllg.mein vorhandene Erwerbs! offokeit benutzt, um den in ihrer Gemarkung gelegenen Flußlauf zu regulieren. Die Arbeiten. die als große Rotstand-arbeiten, durch den Kreisarbeilsnachweis Friedberg-Büdingen anerkannt, ausgeführt werden, beschäftigen 270 bis 300 Arbeiter, sodaß in den umliegenden Gemeinden z. Zt. keine Erwerbslose vorhanden find. Sie Gemeinde Höchst hat den Vorteil, daß ihr zu den eines Tages doch notwendigen Arbeiten heute ein bedeutender Zuschuß gewahrt teirb. Man hofft, bis Ende Mai oder spätestens Ende Juni fertig zu sein. Die Regulierung in der angreirzenden preußischen Gemeinde K a i ch e n ist bereits vor Iahreir durchgeführt toorben. Bis 1930 soll die Regulierung von allen Gemeinden durchgeführt sein. /X Ridda, I. Apr. Gestern nachmittag sand an der hiesigen Gewerbeschule der Schluß des Wintersemesters statt, womit eine kleine Feier verbunden wurde. Die Eltern der Schüler und sonstige Interessenten des gewerblichen Llnterrichtswesens versammelten sich mit den Lehrern und Schülern der Anstalt und besichtigten unter Führung des Leiters der Schule, Rektor Vitt, die in den Llnlerrichtssälen aus- geftellten Zeichnungen. Modelle und technischen und schriftlichen Arbeiten der Schüler. Alle Fachleute fanden die Leistungen der Schüler höchst lobenswert rnb stimmten in dem Urteil überein, daß eine solche theoretische Ausbildung der künftigen Meister und Gesellen sicher gute Früchte bringen werde. An der Anstalt wirkten im Winterhalbjahr außer dem Reltor noch fünf Gewerbelehrer und ein Fortbildungsschullehrer im Hauptamt. Die Zahl der Gewerbefchüler betrug 75. Eine Rachfeier im Gambrinus vereinigte die Teilnehmer der Schlußfeier einige Stunden, wobei noch beherzigenswerte Ansprachen gehalten wurden. — Dieser Sage hielt das Forst amt Ridda H o l z v e r st e i g e r u n gen ab, bei denen die Preise wieder so hoch waren wie vor 10 Tagen. Ein Raummeter Buchen- Scheitholz kam bis auf 20 Mk., em Raummeter Buchen-Knüppel bis 12 Mk.. ein Raummeter Buchen-Stöcke bis 5 Mk. und gewöhnliches Reisig ein Raummeter bis 2,50 Ml. * Kreis Schotten. Id. Schotten. 1. April. Wie alljährlich, so wandern auch in diesen Sagen viele Frauen aus den höhergelegenen Vogelsberger Dörfern ins Riddatal, laufen dort eben ausgeschlüpfte junge Gänschen zur Aufzucht und bezahlen für das Stück etwa 1 Mk. Im Spätherbst werden d.e gemästeten Gänse wieder abgeseht. Zuchtgänse hält man im oberen Vogelsberg nicht, den Rach- wuchs liefert das Riddatal. Erst mit der Wasserleitung ist in viele Vogelsberger Dotier die Gänseaufzucht eingezogen, denn bis dahin benutzte man das durchfließende Bächlein als Viehtränke und konnte deshalb die das Wasser verunreinigenden Gänse nicht gebrauchen. Schotten. 1. April. Rach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 haben, gemessen an der Bevölkerungszahl von 1910, fast die Hälfte aller Ortschaf t en des Kreises mehr oder weniger an Bevölkerung a b genommen. Insbesondere sind es die Gemeinden, die allein auf Landwirtschaft angewiesen sind, ohne Gelegenheit zu haben, einen Teil ihrer Arbeitskräfte in industriellen Unternehmungen unterzubringen. Auffallend stark ist auch der Rückgang der israelitischen Devölkerrmg in unserem Kreise, der fast 20 Prozent beträgt. Abgesehen von Gedern, das einen geringen Zuwachs aufweist, ist allenthalben die Zahl der Israeliten zurückgegangen. Am stärksten macht sich die Abnahme an kleineren Orten, wie D o - benhausen II und Einartsyausen, bemerkbar. XlX Schotten, 1. April Der Kreis- ausschuh des Kreises Schotten beschäftigte sich in einer öffentlichen Sitzung mit einer Klage des Gastwirts Rühl und Gen. zu Hartmannshain gegen den dortigen Gemeinderat. Der Klage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Gemeinderat von Harttnannshain beschloß, von den Richtortsbürgern das Doppelte an Weidegeld zu erheben. Cs sollten hiermit diejenigen Personen getroffen werden, die schon seit vielen Jahren in der Gemeinde wohnen, jedoch keine Ortsbürger find und doch Teil an dem Ortsbürgernuhen nahmen. Die allmählich den Sinn für die Schönheit der Natur. Besonders zu Ostern war das Gemüt der Frommen feierlich gestimmt, freudig bewegt von dem großen Heilswunder und daher aufgefchloffen mit Herz und Sinnen für die Eindrücke der Umwelt. Während es in der antiken Dichtung die Schönheit der Geliebten ist, die zum Vergleich mit den Reizen der Natur auf- fvrdert, bringt dem geistlichen Sänger die Liebe zu Ehriftus und die Ueberwindung des Todes durch den Auferstandenen zu Vergleichen mit der Landschaft. Das Erwachen neuen Lebens in der Natur offenbart sich als Widerhall der Osterbotfchaft So singt der große Lehrer der alten Deutschen Notker Balbulus, der Stammler, in seiner Ostersequenz zum erstenmal in der deutschen Dichtung auch von der Herrlichkeit der Schöpfung: „Dem aus Grabesnacht auferstandenen Heiland huldigt die Natur. Blum' und Saatgefild sind erwacht zu neuem Leben: der Vögel Chor nach des Winters Rauhreif singt ein Jubellied. Heller strahlen nun Mond und Sonne, die des Heilands Tod verstört, und im frischen Grün preist die Erde den Erstandenen, die, als er starb, dumpf erbereyb ihrem Einsturz nahe schien." Nun erwacht mit der Osterfreude ganz langsam auch die Lebenslust und das Gefallen am Diesseits, die so lange durch den Blick ins Jenseits in den Bann geschlagen waren. Der Mensch bringt sein eigenes Gefühlsleben mit dem Leben der Natur in Beziehung, und ergreifend ist in dieser Entwicklung das in einer Cambridger Handschrift gefundene lateinische Liebeslied einer jungen Nonne, in dem das sprießende Naturleben des Frühlings gemalt wird und im Gegensatz dazu die verdorrende Innenwelt. In einem Zwiegespräch zwischen Kleriker und Nonne, das man das älteste deutsche Liebeslied genannt hat, klingt uns das Lob des Frühlings als der Zeit der Liebe entgegen, und nun lacht die erwachende Frühlingslust durch die halb lateinischen und halb deutschen Volkslieder, durch die Gesänge der fahrenden -Schüler, bis in des „Minnesangs Frühlings" ein un- endlick;er Preis des Lenzes losbricht. Es ist bezeichnend für diese Verschmelzung christlicher Osterfreude und heidnischer Naturoerehrung, daß auch im Minnesang Ostern häufig zur Bezeichnung höchster Frühlingswonne verwendet wird. Der schöne Maientag mit seinem klaren Sonnenschein und dem lieblichen Blumenprangen wird von Heinrich von M o - rungen „ein österlicher Tag" genannt, und die Geliebte bezeichnet er kosend als „meines Herzens Osterspiel". Wie bei diesem ersten leidenschaftlichen Schilderer der Natur (Bottesminne und Lebensfreude sich innig vereinen, so ist es auch später das Mitklingen der Osterfreude, das das Naturgefühl durchleuchtet. Einen lachenden Dftertag schaut der Sänger in den Augen der geliebten Frau, und bei dem größten Lyriker dieser Zeit, bei Walther von der Vogelweide, verbindet sich mit der Osterhoffnung die Frühlingssehnsucht zu einer wundervollen Beseelung der Natur. Nunmehr ist das Leben des Deutschen eng mit dem Naturleben verwoben, und er ahnt auch die weihevollen und geheimnisvollen Stimmungen, die sich in der Neugeburt der Natur vollziehen. In Wolfram von Eschenbachs „Parzifal", dieser größten Osterdichtung unseres Schrifttums, offenbart sich das feierliche Wunder des Todes und der Auferstehung, wie es sich in der Natur spiegelt. Seitdem sind im deutschen Dichten Ostern und Frühling immer wieder in innigen Betrachtungen verknüpft worden, bis dann schließlich in Goethes faustischer Osterbotfchaft der ganze Jubel über die Schönheit der Natur durchbricht in den jauchzenden Versen: „Von Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden belebenden Blick". Mit alldurchdringender Liebs umfaßt der Dichter die ganze Schöpfung und dankt dem Erdgeist dafür, daß er ihm gab „alles, worum ich bat . . . Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich, Kraft, sie zu fühlen, zu genießen . . ." Conan Doylcs spiritistisches Museum. Conan Doyle, der Schöpfer des Sherlock Holmes, hat sich bekanntlich seit längerer Zeit ganz dem Spiritismus verschrieben und jetzt sein Wirken für die okkulten Wissenschaften gekrönt durch die Errichtung eines Museums, das sich in der Londoner Victoria Street im Schatten der Westminster-Abtei befindet. Einem Besucher, der uns davon in einer englischen Zeitschrift berichtet. zeigte Conan Dohle die merkwürdigen Dinge, die hier die Entwicklung des Spiritismus im letzten halben Jahrhundert veranschaulichen sollen. Als dem „Anfang aller Dinge" — natürlich vom spiritistischen Standpunkte aus — bezeichnet er ein Bild, das die Szene vom 31. März 1848 toieöergibt, als die Klopfgeister zum erstenmal von der Familie Fox zu Hydeville im Staate Reuyork gehört wurden. Damit manifestierten: sich die Geister der übersinnlichen Welt zum erstenmal. und es begann jene Mode des Tffch- rückens, in der die Schwestern Fox als die ersten modernen Medien glänzten. Unter den Bildern, die an den Wänden hingen, befinden sich auch außerdem Gemälde, die von Geistern veranlaßt wurden, Geisterphotographien und ähnliches. In den Glaskästen liegen Protokollbücher über Protokollbücher, in denen die Geister die ihnen gestellten Fragen durch „automatisches Schreiben" beantwortet haben. In einem Kasten »findet man Münzen, die bei einer Sitzung in Australien von einem Geist auf den Tisch, an dem Conan Dohle saß. geworfen wurden: eine merkwürdig verzierte assyrische Vase ist auf demselben geheimnisvollen Wege in den Besitz des Dichters gelangt, und ebenso eine große Anzahl anderer kurioser Dinge. Als größte Kostbarkeit des Museums gelten die „ektoplasmischcn Hände", die wächsernen Abdrücke zweier linken Hände, bei denen die Daumen über den Handteller gelegt sind. Sie sind für Conan Doyle der stärkste Beweis dafür, daß ein Weiterleben nach dem Tode besteht. Diese Geisterabdrücke wurden bei einer Sitzung mit einem polnischen Medium gewonnen, bei der Gelehrte von internationalem Ruf versammelt waren. Der ganze Vorgang ist im Bilde festgehalten. Als die Geister erschienen, wurden sie aufgefordert, ihre Hände in ein Gefäß mit Paraffin zu tauchen. Auf diese Weise wurden mehr als ein Dutzend solcher Abdrücke genommen, und zwei Proben dieser Art sind im Museum auf geteilt. Außerdem kann man eine ganze Anzahl von Briefen bewundern, die berühmte Verstorbene an Conan Doyle geschrieben haben,. so z. B. ein Schreiben Oscar Wildes, dessen Schriftzüge genau mit denen eines Briefes übereinstimmen, den Wilde noch zu Lebzeiten an Conan Doyle richtete. Kläger bezweckten mit ihrer Klage, als Orts- bürget anerkannt und von dem erhöhten Weidegeld befreit zu werden. Sie gaben an, schon 10 und mehr Jahre in Harimannshain zu wohnen und auch schon früher Antrag auf Aufnahme als Ortsbürger gestellt zu haben. Der .Kreisausschuß gab der Klage statt. Die Kosten wurden der Gemeinde Hartmannshain auferlegt. * E i chelsdorf, 1. April. Unser Dorf, das zu den wenigen Orten des Kreises Schotten gehört, deren Devolkerungszahl trotz stärkster Kriegsverluste seit 1910 eine wesentliche Zunahme erfuhr, hatte von jeher zwei sehr starke Schulklassen, die im Zeitalter des Schulabbaus immer noch 120 Schüler zählen. Während nach Ostern die Klassenstärke der Oberklasse von 67 auf nur 56 zurückgeht, steigt die Schülerzahl der Unterklasse von 54 auf 71, Ostern 1927 auf 75, Ostern 1928 sogar auf 87. Aehnliche Zahlen werden auch von der Oberklasse etwas später erreicht, so daß 1930 wieder mit einer zweiklassigen Schule mit etwa 160 Schülern zu rechnen ist. — Der Aufbau einer dritt »n Schulklasse, die schon einmal ein Jahr lang bestand, dann aber wieder abgebaut wurde, weil für drei Klassen nur zwei Säle vorhanden waren, wäre dringend erforderlich. — 3m Mai vorigen Jahres wurde von der Schule, wie in einzelnen Orten unseres Kreises, eine Pfennigsparkasse ins Leben gerufen. Die Zahl der einlegenden Kinder stieg im Laufe des Schuljahres aus 45, und es wurden insgesamt 1089,1 0 M k. eingezahlt. In einer Zeit, in der trotz großer Geldknappheit Unsummen vernascht werden, ist die erzieherische Wirkung einer solchen Spargelegen- hett nicht hoch genug einzuschähen. — Gendarmerie-Oberwachtmeister Schmidt, der Stationsführer unserer Gendarmerie-Station, ist in gleicher Diensteigenschaft nach Aidda verseht worden. h- Cichelsdorf, 1. April. 3n dem Konkursverfahren gegen die hiesige Iunkermühle ist noch immer keine Klärung erfolgt. Käufer für das große Mühlenobjekt, das weit von den schiffbaren Wasserstraßen abliegt, sind schwer zu finden, und Sa- merungsvorschläge des seitherigen Besitzers scheinen nicht die Zustimmung der ersten Hypothekengläubigerin zu finden. Da die Mühle jetzt noch die einzige unserer Gemeinde ist, wäre es sehr wünschenswert, daß die Aufrechterhaltung des Betriebes dem Dorfe erhalten bliebe. Kreis Alsfeld. * Bleidenrod, 1. April. Unser Lehrer N i e- meyer schied infolge Abbaues aus dem Schuldienst. Der Wegaang des allgemein beliebten Herrn wird hier sehr bedauert. Lehrer Häugenröder von Burg-Gemünden, der unseren Gesangverein leitete, ist ebenfalls infolge des Schulabbaues von uns geschieden. Für unseren Gesangverein bedeutet der Weggang dieses vortrefflichen Dirigenten einen schweren Verlust. Kreis Lauterbach. & Lauterbach, 1. April. Aus der jüngsten Stadtvorstandssitzung ist zu berichten: B rgermeister Walz gab zunächst davon Kenntnis, daß die beschlossene Motorfeuerspritze kürzlich von der Firma Dlagirus gekauft wurde. Der Kaufpreis, einschl. Schlauchmaterial, beträgt rund 9700 Mk. — Weiter erstattete der Bürgermeister Bericht von den vor einigen Tagen in Altenschlirf ae° pfogenen Verhandlungen über die A u t o p o st - linie Freien st einou — Lauterbach. Diese Linie soll, da sie sich nicht rentiert, ob 1. April nicht mehr von Freiensteinau aus fahren, sondern auf die Teilstrecke Stockhausen — Lauterbach beschränkt werden. Die hierfür evtl, erforderliche Garantiesumme wurde bewilligt. — Bezüglich der Veranstaltung einer Reichsgesundheitswoche wurde beschlossen, diese nach den Vorschlägen des vorbereitenden engeren Ausschusses durchzuführen. Hiernach finden in der zweiten Hälfte des Monats April an einem Tag bzw. Abend Vorträge mit Filmvorführungen über Tuberkulosen- und Trinkerfürsorge, sowie allgemeine Gesundheitspflege und im Rathaussaal eine Ausstellung in gesundheitlicher Beziehung statt. Außerdem sollen turnerische Vorführungen gezeigt und Heftchen und Schriften, deren Inhall gesundheitliche Fragen behandelt, verteilt werden. — Die hiesige Gastwirtevereinigung hat die Aufhebung der Getränke st euer beantragt. Es wurde beschlossen, das Gesuch abzulehnen und die Steuer in der seitherigen Höhe auch für das Rechnungsjahr 1926 weiterzuerheben. — Die Heimstättenbaugesellschaft hat in der letzten Aufsichtsratssitzuny die Wiederaufnahme der Bautätigkeit für 1926 beschlossen; sie beabsichtigt, ein Haus mit 5 Zwei- zimmer- und 3 Dreizimmer-, sowie nach Möglichkeit evtl, noch ein weiteres mit 4 Zweizimmerwohnungen zu errichten. Dieses Bauprogramm kann jedoch nur dann zur Durchführung gelangen, wenn die erforderlichen Staatsdarlehen ausgenommen werden können, und sich die Stadt ebenfalls daran beteiligt. Der Stadtoorftand beschloß, das Vorhaben der Baugesellschaft weitestgehend zu unterstützen und sich mit einem städtischen Darlehen in Höhe von 75 Proz. der gewährten »vtaatsdarlehen zu beteiligen. Bei diesem Punkt wurde weiter beschlossen, das Stammkapital bei der Heimstättenbaugesellschaft um weitere 12 000 Mk. zu erhöhen, so daß die Stadt nunmehr mit 51 Proz. am gesamten Stammkapital beteiligt ist. — Die am 1. Februar begonnenen Notstandsarbeiten (Straßenbau) gehen ihrem Ende entgegen. Um die immer noch herrschende Arbeitslosigkeit zu beheben, wurde beschlossen, weitere Notstandsarbeiten durchzuführen, und zwar soll zunächst die Regulierung der Lauter in Angriff genommen werden. Starkenburg. * Darmstadt. 1. April. Generalleutnant v. I l s e m a n n konnte heute das Jubiläum seines vor 50 Jahren erfolgten Eintritts in die preußische Armee begehen. Er war vor dem Kriege mehrere Jahre Kommandeur des Leibdragoner-Regiments (2. Grohh. Hessisches) Ar. 24 in Darmstadt gewesen. Im Weltkriege war er Kommandeur der 5. Kavalleriedivision, die in Darmstadt ausgestellt worden war. Preußen. Kreis Wetzlar. f. Wetzlar, 3. April. Ein schwerer 51 n = glücksfall ereignete sich am Donnerstagnackp- mittag auf der Buderusschen Sophien- Hütte. Ein 43jähriger Familienvater wurde beim Verladen von Röhren von einem elektrischen Kranen derart am Kopse verletzt, daß der T o d auf der Stelle eintrat. XX Braunfels. 1. April. Vor mehr als zwei Jahrzehnten wurde unter Prinz Albrecht von Braunfels der Verein Landeswohlfahrt gegründet. Der Verein wirkt fortgesetzt in großem Segen, vor allem in der Kranken- und Jugendpflege. Er verfügte zuletzt über 23 Badewannen, 27 Kranken stütz le, 14 Verbandslasten, 2 Sanitätsschränke, eine Fahrbahre und einen Lichtbilderapparat. Kreis Biedenkopf. T Waldgirmes, 1. April. Gestern wurde eine Kammer unseres Wasserbassins zum erstenmal gefüllt und die Druckprobe im Dorfe gemacht. Der Wasserstrahl wurde 32 Meter weit geworfen. auch wenn zwei Schläuche am Hydranten waren. — Durch den Kreisbaumeister Achenbach aus Biedenkopf wurde hier eine freiwillige Feuerwehr gegründet, der 34 Mitglieder beitraten. Die Kosten tragen der Kreis und die Nassauische Brandkasse. Kreis Marburg. ]( Marburg, 1. April. In der gestrigen Stadtverordnetenversammlung legte Oberbürgermeister Dr. Voigt den Entwurf des Haushaltungsvoranschlages für 1 9 2 6 vor. Dieser schließt ab in Einnahmen und Ausgaben mit 2 576 000 Mk., gegen 2 441 000 Mk. im Vorjahre. Die größten Aufwendungen erfordern Betriebe und Schulen, nämlich 742 678 Mk., Wohlfahrtspflege 608 300 Mk., Besoldungen 505 000 Mk. Don den Vorlagen, die Genehmigung fanden, sind zu erwähnen die Errichtung eines großen LIniversitäts-Reitinsti- tuts im ehemaligen Deutschordensgut am Ortenberg. Es soll hier außer den Studierenden den Bauernsöhnen aus dem hiesigen und den um» liegenden Kreisen sowie den Mitgliedern der Reit- und Fahrvereine Gelegenheit zur Ausbildung im Reiten und in der Pferdepflege gegeben werden. Ferner genehmigte man den Antrag, an der Alten Herrenmühle, dem jetzigen Elektrizitätswerk, zwischen der Weidenhäuser Brücke und deni llniversitätsgebäude, ein würdiges Denkmal für d i e im Kriege gefallenen Dozenten und Studierenden zu errichten. Die Einweihung soll gelegentlich der 400-Iahrfeier der ilniberfität im nächsten Jahre stattfinden. Weiter beschäftigte man sich mit der jetzt in den Vordergrund der Betrachtungen getretenen Frage der Bildung eines selbständigen Stadtkreises, der allerdings die Eingemeindung einiger Hausdörfer zur Folge haben dürfte. Cs wurde eine aus vier Magistratsmitgliedern und fünf Stadtverordneten zusammengesetzte Kommission bestimmt, die sich mit der Frage befassen soll. Dillkreis. bl. Dillenburg, 1. April. Die Reichsbahn v e r w a l t u n g ist an den Kreis mit dem Antrag auf Bereitstellung eines Darlehns von 480000 Mark zum Zwecke der Vollendung des Bahnbaues von Haiger nach Güstern- h a i n herangetreten. Man hofft, den Betrag gegen den Reichsbankdiskontsatz plus 1 Prozent sicherstellen zu können. Ferner will man versuchen, die Arbeiten im Wege der Erwerbslosenfürsorge zu fördern. Maingau. WER. Frankfurt a. M., 1. April. Die gestrige Stadtverordnetenversammlung genehmigte denEtatfür!926 nach den Vorschlägen des Referenten. Danach sind die neuen Steuern äb 1. April 1926 folgende: 200 Prozent Zuschlag zur staatlichen Grundver- mögerrssteuer, Gewerbesteuer 400 Prozent des Ertrages bzw. 1500 Prozent der Lohnsumme, Kanalgebühren 265 Prozent der Sähe der Gebührenordnung vom 27. März 1924, Kehrichtabfuhr und Straßenreinigung 365 Prozent des Rutzungswertes, Wassergeld 23 Pfg. pro Kubikmeter. Ferner wurde der Rachtragsetat 19 25, der bisher abgelehnt worden war, nach den Anträgen des Magistrats genehmigt, sodaß eine älebernahme des Defizits von 1,95 Millionen aus den neuen Etat vermieden wurde. — Der Magistrat hat dem Wohlfahrtsamt bis zu 300 000 Mark zur Verfügung gestellt, um Hilfsbedürftigen eine einmalige Osterbeihilfe zu gewähren. Turner-Tagung. Frauenturnen im MMeSrheinkreis. z Tagung der Fachwarte für das Frauenturnen in Wiesbaden. 4 In der Woltbadestadt Wiesbaden waren die Fachwarte für das Frauenturnen des Mittelrheinkreises zu ernster Arbeit zusammengekommen. 24 von den 27 Gauen des Kreises waren vertreten, ein Zeichen ernsten Strebens und ziel- bewußten Wollens. Aus der sich über zwei Tage erstreckenden, sehr umfangreichen Tagung seien hier nur zwei Vorträge angeführt,die für die Allgemeinheit von Interesse sein dürsten. Turnwartin Friedel Kasten vom Turngau Frankfurt behandelle die Frage: ,,Welche Formen der neueren Bestrebungen (lockere, schwunghafte, rhythmische Bewegungen) aus dem Gebiet der Frei - und Handgeräteübungen eignen sich, um auch für einfache Verhältnisse in den Turn- bet r i e b der Frau ausgenommen zu werden?" Da wir in der Deutschen Turnerschast über einen gewissen Formenreichtum verfügen, können wir auf neue Formen verzichten; nur neue Wege (ilebungäarten) müffen gegangen werden. Folgende Gesichtspunkte sollen richtunggebend sein: 1. Das Prinzip der Bewegung. 2. Das Prinzip der Bewegungstotalität. 3. Das Prinzip der Spannung und Entspannung. 4. Als höchstes Gesetz: Ratürlichkeit und Ungekünstelei. Der zweite Vortrag, von Walter Schmidt, Koblenz, gehalten, befaßte sich mit dem Thema: „Die Ausgestaltung unseres Geräteturnens unter Berücksichtigung der neueren Bestrebungen." Auch hier mag genügen, die erarbeiteten Leitsätze anzuführen: 1. Das Geräteturnen kann auch im Frauenturnen nicht voll durch Leichtathletik, Spiel, rhythmischer Gymnastik und andere Formen der Leibesübungen ersetzt werden. Als wirksames Mittel zur Erzielung von Mut, Entschlossenheit und Selbstvertrauen ist es für das Frauenturnen ebenso notwendig wie für das Männerturnen. 2. Voraussetzung für das Geräteturnen in unserem Frauenturnen ist das Geräteturnen im Schulunterricht der Mädchenschule, das die Kräftigung des Schultergürtels und die Erreichung von Hang- und Stühkrast zum Ziele haben muß. 3. Als Mittel zur Ausgestaltung benutzen wir Vortumerinnenstunden, in denen llebungs- gruppen vorgeführt und beurteilt werden; außerdem Wetturnen mit Pflicht- und Kürübungen. 4. Alle Hebungen, die der weibliche Körper ohne Verzerrung bewältigt, gehören in das Gebiet des Frauenturnens. 5. Ein schärferes Beobachten der physikalischen Gesetze beim Geräteturnen der Frau kann uns wertvolle Fingerzeige zur Ausgestaltung geben. 6. Geräteturnen nach Musik und fließende Gang- und Hüpfübungen zu und vom Gerät sind keine wertvolle Be*' reicherung des Geräteturnens der Fran. Reben diesen Vorträgen wurden behandelt: „Die Körperschule unter Berücksichtigung von Riels Buckh", „Die Heftungen für die Deutschen Kampfspiele in Köln", „Spiele und Volkstänze", „Keulenschwingen in Verbindung mit Gang- und Hüpsübungen". Zum Schlüsse folgte ein Bericht des Kreissrauenturnwartes Poller über die Jahresarbeit und ehren Lehrgang. Das Frauenturnen hat an Ausdehnung gewonnen, hinsichtlich an Zahl der Turnenden als auch an Zahl der Abteilungen. Ein Lehrgang, den die Deutsche Turnerschaft durch ihre Unterstützung ermöglicht, soll einheitlich im Kreise zur Durchführung gelangen. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmartt: Butter 210 bis 220, Matte 35 bis 40, Käse 50 bis 140, Wirsing 30, Weißkraut 25, Rotkraut 30, gelbe Rüben 18 bis 25, rote Rüben 20, Spinat 45 bis 60, Grünkohl 35, Feldsalat 120 bis 130, Endivien 100, Tomaten 150, Zwiebeln 20, Meerrettich 40 bis 70, Schwarzwurzeln 50 bis 60, Rhabarber 30, Kartoffeln 4 bis 5, Aepfel 15 bis 25, junge Hahnen 120 bis 130, Suppenhühner 120 bis 130 Pf. das Pfund; Eier 12 bis 13, Blumenkohl 60 bis 180, Salat 40, Salatguvken 150, Lauch 10 bis 20, Sellerie 20 bis 70 Pf. das Stück; Radieschen 30 Pf. das Bund. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 4. April. 1 Osterfeiertag. Gießen. Stadtkirche. 9l/3: Pfr. Becker. 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfr. Becker. 6: Psarrassistent Hertel. — Iohanneskirche. 9'/,: Pst. Bechtolsheimer. 11: Kinderkirche f. d. Iohannesgem. Pfr. Ausfeld. 6: Ausfeld, im Anschluß daran Beichte für die'Konfirmanden aus der Iohannesgemeinde und deren Angehörige. — Kirchberg. 10. 11: heiliges Abendmahl f. die alten Gemeindemitglieder von Staufenberg. 1'3. — Mainzlar. 1'/, Heil. Abendmahl f. d. alt. Gemeindeglieder von Mainzlar. Watzenborn-Steinberg. 1. Kirchenchor. 77,: Kon- sirmationsbeichte. — Garbenteich. 10. anschließend Konsirmationsbeichte. - Wieseck. 97, (Frauenchor); Pst. Haupt, Gießen. Opfer für den evang. Bund. r/2: Beichte zum Konfirmationsabendmahl. Montag, den 5 April. 2 Osterfeiertag. Gießen. Stadtkirche. 9'/,: Pst. Mahr. 2: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Markusgem. Pfr. Becker. 6: Psarrassistent derlei. Liturg. Gottesdienst. — Iohanneskirche 9'/,: Pst. Ausfeld. Konfirmation der Kinder a. d. Johannes- gemeinde. Feier des heiliges AbLNZHahls. 2: Pst. Bechtolsheimer. Vorstellung und Prüfung der zu konfirmierenden Knaben aus der Lukasgem. 4: der du konfirmierenden Mädchen aus der Lukasgem. 6: Pfarrassist. Schultheis. - Kirchberg. 10. Konfirmation. (Kollekte für das hessische Krüppelheim). Watzenborn-Steinberg: 10: Konfirmation und heiliges Abendmahl. (Kollekte). --- Garbenteich: 8: Konfirmation und heiliges Abendmahl (Kollette). — Wieseck. 9: Feier der Konfirmation; im Anschl. Feier des heil. Abendmahls. Opfer für den Kleinkinderschulfonds. 5: Konfirmationsnachfeier;Studien- rat Knopp, Alzey. Dienstag, den 6. April. Wieseck. 21/,; Osterfeier der Kinderkirche (bei gutem Wetter im Walde). Katholische Gemeinden. Ostersonntag, den 4. April. Gießen. 6'/, Beichte, 7 Messe, Kom.d.Männer, 8Kom, 9 Hochamt mit Predigt, 11 Meße mit Predigt, 27, Vesper mit Segen, 47, und 7 Deichte. — Grünberg. 91/, Messe mit Predigt. — Hungen. 8 Hochamt m. Predigt. — Lich. 10 Hochamt mit Predigt. Ostermontag, den 5. April. Gießen. 67, Beichte, 7 Messe, 8 Korn., 9 Hochamt, 11 Messe, 27, Andacht m. Segen. — Grünberg. 97, Messe mit Predigt. - Hungen. 6 Osterandacht. Lauftach. 10 Messe m. Pred. - Lich. 77, Hochamt. Israelitische Gemeinden. Isr-ReliglonSgemeinde. Gottesd. L d.Synagoge (Südanlage). Montag 5. und Dienstag, 6. April Passahfest-Ende.Montag.Dorabd. 7.00,morgens 8.30, Predigt. Dienstag. Vorabd. 7.00, morg. 8.30, abends 7.20, und 7.55. Gottesdienst der isr. Religionsgesellschaft. Montag, d. 5. April uni) Dienstag, d. 6. April (926. Passahfest-Ende. 7. Tag. Vorabd. 6.50, morg. 8.00, nachm. 4.00. 8. Tag. Vorabd. 7.50, morg. 8.00, nachrn. 4.00, Festesausgang 7.55. WochengotteS- dienst morg. 6.30, abends 6.00. Geschäftliches. — D i e heilige Himmelskuh. Unter den Ausstellern der internationalen Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Kairo befindet sich auch die in Deutschland durch ihre Erzeugnisse rühmlichst bekannte Zigaretten,abrik Re stör G i a n a c l i s. Herr Restor Gianaclis sen. hat aus Grund genauer archäologischer Feststellungen die im alten Aegypten als Symbol gebräuchlich gewesene Möttermutter „Rut" gewählt, die bei den alten Aegyptern den Himmel verkörperte und in Form einer „Kuh" dargestellt ist. In dieser „heiligen Himmelstuh" werden die weltberühmten Zigaretten des Hauses Restor Gianaclis ausgestellt, ferner gleichzeitig deren Herstellung den Beschauern vorgeführt. Die Firma Restor Gianaclis unterhält in Deutschland in Frankfurt a. M. eine Zweigfabrik. Tö' 7 Vorrätig In 24 Modetonen $ ^erhältlich In Drogenhdndlungen u. Apotheken K celstuh" Verden die Welt« des Hauses Aestor @i« ier gleichzeitig deren Her« i vorgeMt. Die Fima chält in Deutschland tn weigsabril.__________ 2»Modet=ntn > ää3 tl iitl !ll er, ;he >bile idania^e ihre Äugen Säusehen Sie nicht, Behördliche Anzeigen trntOMPsoN^s 30496 SEIFENPULVER eib. Gießen Grab- Hof- 2.70 3.90 .4.50, Meter .. 6.40 Los 1 1 Stämme 3. ,, 9 142 Cafe Amend ar. 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Das Holz aus dem Stolzenmorgen und Abt. 27, 28, 30, 42, 43, 44 und 48 wird nicht vorgezeigt. 3050B Zusammenkunft: Weggabel Grünberger Straße — Kreisstraße nach Rödgen St. 34 25. SamStag. den 17. April 1926, vormittags 9 Ahr, wird das im Grundbuch von Gießen ber Sirma Gießener Oel- und Fettfabrik A.°G. in Gießen zugeschriebene Anwesen Flur 5 Ar. 183S/1O --- 1307 qm Hof- . reite, Leihgesterner Weg Ur 23'/„ auf dem hiesigen Amtsgericht, im Sihungs- saal Ar. 101, 1. Obergeschoß, zwangsweise versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht öffentlich ausgehängt. 1692B Gießen, den 22. Februar 1926. I. A. des Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Ein befestigter Lagerplatz sm SMmiveg zu mieu geWl evtl. mH anschließender 3—4«Zimmer- wohnung. Schrillt. Angeb. mit Angaben von Gröhe u. Breis, evtl, auch tn anderen Stadtteilen, unter 3047 D an den Gießener Anzeiger erbeten. Angebote sind biö zum 15. April alt den Borsitzenden des Vereins, Herrn Wilh. Roth, einzusenden.02308 Mkannlinachung. Tic städtischen rcunisplätzc auf ber Licbigshöhe und hinter dem Schützenhaus sollen für die diesjährige Spielzeit vermietet werden. Anmeldungen sind unter Angabe der gewünschten Tage und Zeiten im Stadthaus, Bergstraße, Zimmer 29, einzureichen. Tic vorjährigeit Mieter erhalten tunlichst ihre alten Plätze wieder zugeteilt, Matclasse modernes Flechtgewebe, 105 cm breit, Meter.. .7.80, Maschinenbau, Baugewerbe, Schreiner, Schuhmacher, .kunstgewerbliche Zeichner, (Sleftriter, Mechaniker uhu. Abendkurse Bcainn 3. Mai 1926. VcbruUine losten- loS durch die Direktion. 2740h John Klempau NaUsrheiikundiger Gießen :: Landgraf-Philipp-Platz 6 Erfolge bei all. Krankheiten U23JB = 1,52 Fstm. = 5,95 „ = 6,H „ =40,44 „ =65,11 „ =60,83 „ =45,16 „ =45,62 „ =45,65 „ reine Wolle, in allen modernen Farben, Meter..... 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Das tzo'.z liegt an chauffierten Straßen, eine halbe S unde von der Bahn entfernt. Bad-Aauheim, den 29. März 1926. Der Bürgermeister. 2904D Mnkenbehanölung durch Homöopathie — HeiimagnetiSmuS Jeden Samstag von 10 bis 2 Ubr. Butzbach, Schilierftr. 25. R. F. Brandt, Mtiglied des Berbandes der Hellkunüiaell Deutschlands e. B. Mitglied der Bereinigung Deutscher Magne- lovalben e. B.________2989A NAeü-LtMmhslz-Akl'lsris. Auf dem Wege des schriftlichen Angebots gibt die Gemeinde Leihgestern nach- ZwangWersteigemng Freitag, den 14. Mai 1926, vormittags 10 Uhr werden die nachstehenden, im garten, Flur II 91t. 270*/IO = 617 qm reite, Marburger Straße 22, Flur II Nr. 313 = 117 qm Graben am Amtsgericht Gießen, Sitzungssaal 101 Grundbuche von Gießen der Firma Sein- rich Schöll u. Co., G. m. b. H., in ,u--c'— zugeschriebenen Grundstücke: Flur II Nr. 269^/,° = 642 qm im Obergeschoß, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht öffentlich ausgehängt. 2999 B Gießen, den 18. März 1926. I. A. des Amtsgerichts: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. la eichenlohgrubengegerbte, naßgestreckte J0SlD MÄ-Mrle» In allen Breiten sofort ab Lager. Wiederverkäufer Rabatt. Hch. Jentzen, Gießen, Neustadt 32. Telefon 644. Sämtliche technische Bedarfsartikel. Vertretung der Leder- u. Treibriemen- fabriken E. Luckhaus A.-G. Günstige Gelegenheit in Küchen Schlafzimmer SÄÄ arbeitung von den einfachsten bis au den elegantesten Diodellen von M. 250 bis M. 1500 Speisszimmer°?Nu° Lederstühlen v. M. 475 bis M. 1400 Herrenzimmer komplett von M- 475 bis M. 1500 sowie alle Einzel-Möbel tn reichster Auswahl 02353 Zwanglose Besichtigung erberen Sperrzeit für Tauben. Tie Besitzer von Tauben luerben ausgefordert, ihre Tauben während der Saatzeit vom 1. April bis 1. Mai 1926, ein zuhalten, andernfalls die Taubenhalter zu gewärtigen haben, daß iic bestraft und die Tauben von dem Fcldsckutzpersonal ab ■ Eberverkanf. Dienstag, den 6. April, vormittags ny2 Uhr, verkauft dieGemeinde Qucckborn einen gut genährten abgängigen Eber nach öffentlichem Ausgebot. 3009$ Queckborn, den 30. März 1926. Hess. Bürgermeisterei. Albert. 1926 ent« gelangen 2992B (Eintritt frei. 2. Osterseiertag ab 4 Uhr Tanzmusik Tanzen und (Eintritt frei. U 02298 10, 23, 24, 27, 28, 30 33, 39, 40, 42, 43 44 und 48 (Stadtwald), Bezirk des Försters Brück, in Rödgen, versteigert werben: 9,4 Rm. 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Bedingungen und Anschläge können beim Kulturamt Wetzlar, Zimmer 13/14, von 9 bis 1 Uhr eingesehen werden. Verdingungstermin am Freitag, ocm 16. April 1926, vorm. 9 Uhr, in der Wirtschaft Schieferstein zu Dornholzhausen. Angebote sind an den Unterzeichneten, spätestens im Verdingungstcrmin, verschlossen einzureichen. 3048D Wetzlar, den 1. April 1926. Der Vorsteher des Kulturanrts. I. V.: Böhse, Vermessungsrat. Die Angebote sind getrennt nach Losen mit Aufschrift bis zum 12. ds. Mts., nachmittags 2 Uhr, bei der unterzeichneten Stelle cinzureichen, wo alsdann die Oeff- nung erfolgt. Das Holz ist mit Rinde gemessen. Bedingungen werden im Termin bclamttgegeben, können aber auch vorher eingesehen toetbeu. Freie Auswahl unter den Angeboten bleibt Vorbehalten. Zu- schlogsfrist 8 Tage. Leihgestern, den 1. April 1926. Bürgermeisterei. 3051D Vergebung von Weitzbinderarbeiten. Unter Hinweis auf die staatl. Ber« dingungsVorschriften sollen die Anstreicher- arbeiten für den Neubau des Phhsio- logischen Fnstitirto zu Gießen in 4 Losen in öffentlichem Wettbewerb vergeben werden: Los 1. Keller- und Erdgeschoß: (1340 qm Kalk- und Leimfarbenanstriche, 400 qm Oe!« farbenanstriche auf Wandputz, 134 qm Emaillefarbenanstriche; Oelfarbe auf Holz: 150 qm Fenster, Glasabschlüsse, Fußsockel usw., 35 Stück Türen; Oelfarbe auf Elsen: 912 lfd. m Gas-, Wasser- und Heizungsrohre, 227 Heizlörpergliedcr usw.) Los 2. l. Obergeschoß: (1634 qm Kalt- und "eimfarbcnanstrichc, 505 qm Oelfarben« anstriche aus Wandputz, 270 qm Email« farbenanstriche, Oelfarbe auf Holz: 357 qm Fenster, Glasabschlüsse, Fußsockel usw., 26 Stück Türen; Oelfarbe auf Eisen: 913 lfd. m Gas-, Wasser- und Heizungs« rohre, 250 Heizkörperglieder usw.) Los 3. II. Obergeschoß: (1670 qm Kalt- und Leimfarbenanstriche, 456 qm Oelfarben- anstriche auf Wandputz, 205 qm Emall« farbenanstriche; Oelfarbe auf Holz: 372 qm Fenster, Glasabschlüsse, Fußsockel usio., 32 Stück Türen; Oelfarbe auf Eisen: 674 lfd. m Gas«, Wasser- und Heizungsrohre, 283 Heiztörperglleder usw.) Dachgeschoß: (1410 qm Kalt- und Leim- farbcnanstriche, 280 qm Oelfarbenanstriche auf Wandputz; Oelfarbe auf Holz: 214 qm Fenster, Glasabschlüsse, Fußsockel ufw., 38 Stück Türen; Oelfarbe auf Eisen: 660 lfd. m GaS«, Wasser- und Heizungsrohre, 204 Heizkörperglieder usw.) Die Verdingungsunterlagen liegen auf unserem Amte, Stcphanstraße 18, zur Einsicht offen. t Angebotsvorschriften smd daselbst von Dienstag, den 30. d. M. ab, solange der Vorrat reicht, zum Herstellungspreis erhältlich. Angebote sind verschloßen nut entsprechender Aufschrift versehen, bis Tamü- tag, den 17. April, vormittags 11 Nhr, dem Eröffnungstermin, bei uns einzu- reichen. 2795 l) Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 26. März 1926. Hess. Hochbauamt Gießen. F. V.: Kuhlmann. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Dan« bringen für das Rj. 1926 liegt vom 6. ?lpril ab eine Woche lang bei der Bürgermeisterei offen. Eiuweirdungen sind schriftlich oder zu Protokoll bei der Bürgermeisterei einzureichen. Es wird eine Umlage erhoben, zu welcher auch die Ausmärker beizutragen haben. 3004D Daübringen, den 1. April 1926. Hess. Bürgermeisterei. Preis.__ stehendes Holz ab: Stamm 2. Kl. Samen handln 02328 £ nagen ScheeS, Mäusburg 17. eigner Kelterei in hochfeiner Qualität empfiehlt 7£57D H. Heyne Walltorstr. 5. (Zum Aquarium.) w M AMAMMMMW ES werden versteigert: Freitag, den 9. April, vormcktags 9 Vhr beginnend, in der Försterei Baumgarten aus den Forstgarten Schiffenberg 30, 31, .".losterwiefe 44, Buchenberg 58, Unter- Wald 60: Scheiter Rm.: 5,1 Buche 2. Kl., j,4 Eiche, 4 Esche, 1 Rüster, 3,1 Kiefer, 3,7 Weymuthskiefer, 15,1 Fichte 2. Kl. knüppel Rm.: 1,4 Buche, 1,7 Eicke, 2 Esche, 2 Kiefer, 7,8 Fickte 2. Kl. Reisig 100 Wellen: 13,9 Buche, 8 Eiche, 44 Kiefer, 25,5 Fichte, Stöcke Rm.: 30 Buche, 32,9 Eiche, 4 Esche, 68,1 Kiefer, 50,2 Fichte. Das Holz in den Forstorterr Schiffenbero, Klosterwiese und Unterwald wird nicht vorgezeigt; es empfiehlt sich daher vor« S* Besichtigung, weil spätere Ein- ungen wegen Mangel und Güte nicht angenommen werden. Blau unterstrichene Nummern werden nicht ver ^attfammettfanTt: im Forstort Buckenberg 58 an der Kreisstraße Gießen—Hausen. Dienstag, den 13. April, vormittags pon 9 Uhr ab im Staatswald (Franzen- wald) der Försterei Großen-Lindcn: Derbpangen Fichte: 229 Stück = 22,53 Fstm. 1. Kl., 18 Stück = 1,05 Fstm. 2. Kl.; Nutz- scheiter Nm., 3 m. lang: 10,4 Fichte; Stutzknüppel Rm., 3 m lang: 41,5 Fichte. Brennholz: Scheiter Rm.: 104,5 Kiefer, 13,4 Fichte: Knüppel Rm.: 16,6 Kiefer, 13,2 Fichte; Reisig 100 Welle«: 1,0 Buche, 0,5 Eiche, 14,3 Kiefer, 30,0 Fichte; Stöcke Rm.: 30,5 Kiefer, 39,3 Fichte. Borgezeigt wird das Holz nur im Forstort Fuchsbau, es empfiehlt sich daher vorherige Besichtigung des übrigen Holzes, weil spätere Einwendungen wegen Mangel und Güte nicht angenommen werden. Zusammenkunft: im Forstort Fuchsbau, Kreuzuvgspunkt der Mittel- und Winkelschneise. Weitere Auskunft durch die Herren Förster Menges zu Forsthaus Baumgarten, Seipp zu Forsthaus Hüttenberg b. Großen-Linden und die unterzeichnete Stelle. 3062D Gießen, den 3. April 1926. Forstamt Schiffcnberg. fcie» Sagte Sieh 8.1. gegr. 1864 Samötaa, den 10. April, abends S Ubr, findet im BerelnSlokal die dicsjähr. rtnil. äml-teiimliiög mit folgender Tagesordnung stall: 1. Fahresberickk 2. Neckmmgöablage 3. Borstandswahl . 4. Wahl des BergnügungSausichufseS 5. Wa::l der Rechnungsprüfer 6. Etwaige Anträge 7. ^>erfckiedenes. Anträae der Milglteder müssen svatestenS am Dienstag, dem 6. April dem Vorstände vorltegen. 2997c Befctiiflitister Beginn der Vorbereitungskurse am 27. Mai. Gewerbeschule. 3002V (am Trieb). Zahlungsbeditlgungen: Die Holzgelbschuld wird gegen Stellung sicherer Bürgschaft zunächst auf die Dauer von drei Mo- uateu zinslos gestundet. Gießen, den 1. April 1926. Der Oberbürgermeister. I. B.: Dr. Rosenberg. ßischereiverpachlung. Mittwoch, den 7. April, 3% Uhr nachm., wird in der Wirtschaft von Wilhelm Hartmann („Zum Löwen") in Stockheim (Hessen) die fiskalische Fischerei in der Nidder und in der Laisbach in 3 Bezirken auf 12 Jahre neu verpachtet. Bezirk 1: Die Nidder mit den dazugehörigen Mühlgräben in der Gemarkung Lißberg und Eckartsboru, im ganzen etwa 5900 lfd. m Bachlauf und 2100 lfd. m Mühlgraben. Bezirk 2: Die Nidder in der Gemarkung Selters von der Klosterbrücke bei Konrads- dorf 550 lfd. m abwärts. 3008 D Bezirk 3: Die Laisbach in der Gemar- klmg Bellmuth mit etwa 2300 lfd. m. Konradsdorf, den 29. März 1926. Hessisches Forstamt KonradSdorf. Brennholzversteigerung. Aus den Waldungen der Stadt Gießen sollen am Freitag, dem 9. AprU 1926, vormittags 9U Uhr, aus den Abt. 1—6 (Stolzenmorgen). Harley-Davidson-Motorräder Vertrete b* s 2995c Trinkt einheimisches Bier aus der Brauerei 2950 D MW Wir zeigen die letzten Eingänge der Telephon 40 Telephon 40 / 3079a Fränkelj Seltersweg 2998a HZ Einladung zu den Pfluo-Voilillininßen Fahrräder Bleich itrake 12, 2905V 3omD A. J. Tröster, Butzbaeh Chlützerater Füllkopf (Mosel), per Glas 0,2 Ltr, 45 Pf. 02301 3036D rechnung entgegen. e»n H ochachtu ngsvol I Tel. 855 (Stern) Gg. Eidmann Steinstr. 19 der Ulmer Pflüge, Fabrikat Eberhardt, am Dienstag, dem 13. April, nachmittags 1 Uhr in in in Maikammerer Schild, per Glas 0,2 Ltr., Hahnheimer Knopf, per Glas 0,2 Ltr., . Dahlheimer Steig, per Glas 0,2 Ltr.,. . hervorragenden Qualitäten auserlesenem Geschmack billigsten zeitgemäßen Preisen zu Hörnsheim bei Schmiedemeister Koch. Hotel Köhler Inhaber: Hch. Köhler. Miele . 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Nr. 78 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) 5amstag, 3. April 1926 Aus der Aufwertungspraxis. Das deutscye Volksziel: Der deutsche Nationalstaat Von Dr. Paul Rohrbach. Für beti Deutschen, der sich seines Volkstums bewußt ist, gibt es kein Zurück mehr zum Vismarck- schen Reich, sondern nur noch ein Vorwärts zum großdeutschen National st a a t. Das ist eine harte Rede, wird vielleicht mancher im ersten Augenblick sagen. Wer mag sie hören? Wer sich aber entschließt, den deutschen Gedanken richtig zu Ende zu denken, der wird einsehen: Wenn auch das Deutsche Reich, das am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Versailler Schlosses ausgerufen wurde, etwas jo Großes, daß gegen sein Hineinwachsen in die Weltpolitik zulegt von allen Seiten die europäische Staatenverschwörung sich erhob — so war es doch ohne Zweifel eine Gefahr für etwas noch Größeres: den deutschen Volks- und Staätsgedanken als Ganzes. Wie wahr das ist, das können wir heute gleich erkennen, wenn wir sehen, daß viele erstaunt sind, wenn man ihnen sagt: Bismarcks große Gründung war kein deutscher Nationalstaat! Wie sollte sie denn das sein, wenn ihr ein so großer und wichtiger Teil des deutschen Volkstums wie die Deutsch-Oester- reicher fehlte! Don dem Ziel, das deutsche Volk in einem deutschen Staat zu vereinen, hat uns der Ausaangdes Weltkriegs scheinbar weit zurückgeworfen. In Wahrheit hat er die Bahn dazu frei gemacht, unb eines Tages wird auch hier das Wort gelten, das Joseph in Aegypten zu seinen Brüdern sprach: Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, Gott aber gedachte es gut zu machen. Wie weit, fragen wir, soll der deutsche Staat reichen? So weit, wie ein geschlossenes Deutschtum in Mitteleuropa wohnt und den Willen hat, sich staatlich zu vereinigen. Welcher Weg soll dahin führen? Kein anderer als die Verwirklichung des Grundsatzes vom freien Selb ft be ft int« mungsrecht der Völker. Das ist unser nationales Bekenntnis und Ziel, und unser Recht, es zu verfolgen, ist dasselbe Recht, mit dem Engländer unb Franzosen, Spanier, Italiener unb Russen ihr Volks- tum in starken Nationalstaaten zu vereinigen beansprucht haben unb weiter beanspruchen. Für diejenigen Deutschen ober, die sich nicht staatlich mit Deutschland vereinigen können, weil sich ihre Vorfahren während des Mittelalters und später weit außerhalb des Reiches als Kolonisten niedergelassen haben, fordern wir die Rechte des internationalen Minderheitenschutzes, damit sie ihr Volkstum erhalten. Die oberste Voraussetzung dafür, daß dies Volksziel politisch erreicht wird, besteht darin, daß unser gesamtes Volk vor allen Dingen eines lernt: Großdeutsch zu denken! Auf der Hohe des Mittelalters kämpften in ganz Europa die Idee der Staatseinheit und der territorialen Zersplitterung miteinander. Spanien wurde im 15. Jahrhundert ein geschlossener Nationalstaat, Frankreich im 17. Jahrhundert. Um dieselbe Zeit wuchsen England und Schottland zum Vereinigten Königreich von Großbritannien zusammen. Im 18. und 19. Jahrhundert griff Rußland erobernd sogar weit über die russischen Volksgrenzen hinaus. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichten die Italiener in der Hauptsache ihr nationales Ziel, aber sie verfolgten es im Weltkrieg noch darüber hinaus, zäh bis aufs letzte. Diese Dinge sind dem allgemeinen Urteil geschichtlich bekannt, und es erscheint ihm selbstverständlich, daß es für jene Völker ihr „geheiligtes Recht" war, Volksgrenzen und Staatsgrenzen in eiiv zu setzen — soweit sie nicht noch darüber hinaus nach der Unterwerfung fremden Volkstums strebten. Was aber jenen recht ist, das ist den Deutschen billig. Wo steht es geschrieben, daß dem deutschen Volke der Anspruch verwehrt sein soll, in seiner Gesamtheit einen Staat zu bilden? Die Geschichte der Deutschen fing so großartig an, wie die keines zweiten Volkes. Noch heute sind Frankreich und England, Norditalien und Südspanien nach deutschen Stämmen benannt. Das deutsche Kaisertum des Mittelalters scheiterte an der Niesenaufgabe, z u - gleich aus den eigenwillig widerstrebenden deutschen Stämme** einen Staat zu bauen und den Anspruch der Stil auf Herrschaft über den Staat abzuwehren. Ein yalbes Jahrtausend lang wurde die politische Zersplitterung Deutschlands immer größer. Vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Völkerschlacht bei Leipzig luden sich Franzosen, Russen, Engländer, Schweden und Spanier, Dänen gegenseitig ein, ihren Jnteressenkampf auf deutschem Boden auszufechten, und ihr Streben nach Land und Macht mit einem Stück Deutschland zu befriedigen. Endlich erhob sich aus dem Aufschwung deutschen Geistes am Ende des 18. Jahrhunderts und aus den Befreiungskriegen am Anfang des 19. Jahrhunderts die Idee der deutschen Einheit. Sie konnte sich nicht verwirklichen, solange die habsburgische Monarchie mit einem Stück ihres politischen Körpers in Deutschland steckte. Heute ist dieses Hindernis beseitigt. Wie aber soll, so fragt mancher, unter den heutigen Verhältnissen der deutsche Nationalstaat Wirklichkeit werden? Unter den heutigen Verhältnissen natürlich niemals. Aber warum sollten diese dauernder sein, als die Verhältnisse in irgendeinem Abschnitt der Weltgeschichte seit 4000 Jahren? Haben denn nicht die Feinde Deutschlands selbst die Masse geschmiedet, die für sie der Pfeil sein wird, der auf den Schützen zurückfliegt? Wenn wir im Namen des freien Selbstbestimmungsrechts der Völker für uns den deutschen nationalen Staat fordern, so tun wir das nicht allein für uns selbst, sondern wir kämpfen zugleich für die Freiheit aller Unterdrückten. Es gibt po'itische Ideen, die in dem Augenblick unsterblich werden, wo man sie als neue* maßgebendes Prinzip verkündet. So ging es mit der Idee der Volks-Souveränität, als sie in der amerikanischen und französischen Revolution ans Licht sprang, und so wird es mit dem freien Selbstbestimmungsrecht gehen. Wenn je die Führer großer Nationen nicht gewußt haben, was sie taten, so waren es jene „alliierten und assoziierten" Politiker, die als Kriegswaffe die Parole vom freien Selbstbestimmungsrecht der Völker erhoben. Mit ihm haben sie das Zeichen aufgerichtet, in dem fortan jedes unterdrückte Volk die Verheißung seiner Freiheit besitzt. Das Wort wird den töten, der ihm widerspricht, und den lebendig machen, der daran glaubt. Nur darf niemand dem andern versagen wollen, was er für sich selber fordert. Großdeutsch denken, bedeutet keine Vergewaltigung anderer. Die Vorstellung ist absurd, als ob wir Länder für uns zurückfordern wollten, die früher einmal deutsches Reichsgebiet waren, in denen sich aber seit Jahrhunderten ein eignes getrenntes Volksgefühl gebildet hat, wie in Holland und der deutschen Schweiz, ober als ob wir Gebiete beanspruchten wie die alte Ordenskolonie zwischen dem Memel- und dem Narvafluß, die auch einmal ein Bestandteil des Die AuswerLungssteLe ist zur Aufwertung von Hypotheken, Grund- unb Rentenschulden, sowie Reallasten unb hypothekarisch gesicherten persönlichen Forderungen zuständig. Zuständig ist dasjenige Amtsaericht, in dessen Bezirke das Grundbuch geführt wird, in welchem das belastete Grundstück eingetragen ist. In allen anderen Fällen ist dasjenige Amtsgericht zuständig, bei welchem der Schuldner seinen allgemeinen Gerichtsstand hat. Das Verfahren vor der Aufwertungcsielle richtet sich nach den Vorschriften des Reichsgesetzes über die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit unb ben Bestimmungen ber Durchführungs- oerorbnung zum Aufwertungsgesetze vom 29. November 1925. Die Tätigkeit ber Aufwertungsstelle beftanb bisher zum großen Teile in der ordnungsmäßigen Behandlung der bei ihr eingegangenen Anmeldungen, bie nach sachlicher Prüfung unb Behebung etwaiger Anstände dem Eigentümer des belasteten Grund- stücks unb dem persönlichen Schuldner mitzuteilen waren. Eine entscheidende Tätigkeit hatte die Auf- wertungssteUe im Anmeldungsoerfahren nicht auszuüben. Erst wenn sich im weiteren Ver- laufe des Verfahrens ergibt, daß über die Höhe der Aufwertung Streit besteht, hat bie Aufwertungsstelle zu entscheiden, unb erst bann beginnt bas eigentliche Auswertungsverfahren. Die Aufwertungsstelle hat die Streitteile zur Stellung sachgemäßer Anträge zu veranlassen, von denen dem anderen Teil Kenntnis gegeben wird, unb ben Versuch einer gütlichen Einigung zu machen, falls nicht bie Erfolglosigkeit des Sühneverfahrens mit Bestimmtheit vorherzusehen ist. Ergeht eine Entscheidung, so ist diese mit Gründen zu versehen. Die kosten im Aufwerlungsverfahrea. Die Aufwertungsstelle entscheidet auch, wer die Kosten des Aufwertungsverfahrens zu tragen hat, insbesondere, ob eine Partei allein kostenpflichtig ist, ober ob sich bie Parteien in einem bestimmten Verhältnis in die Kosten zu teilen haben. Die Kosten richten sich nach dem Werte des Streitgegenstandes, der von der Aufwertungsstelle nach freiem Ermessen festgesetzt wird. (Die Kosten der Eintragung des Aufwertungsbetrags ober ber Wiedereintragung gelöschter Hypotheken ins Grundbuch hat der Gnmd- eigentümer zu tragen.) Die Aussetzung des verfahrens vor der Auswerlungsstelle bis zur rechtskräftigen Entscheidung des Prozeßgerichts hat unter Bestimmung einer Frist zur Klageerhebung für den Antragsteller zu erfolgen, wenn der Schuldner bestreitet, daß überhaupt ein auswertbarer Anspruch bestehe, sofern nicht die Parteien bie Zustänbigkeit ber Aufwertungsstelle auch für stelle von den Parteien vereinbart ist. Rechtskraft und Vollstreckbarkeit der Entscheidungen der Aufwertungsstelle. Die rechtskräftige Entscheidung der Auswertunas- stelle ist für die Gerichte unb bie Verwaltungsbehörden bindend. Die Vollstreckbarkeit selbst — z. B. wenn bei einer nur hinsichtlich ber Höhe bestrittenen Aufwertung ber persönlichen Forberung über 25 Proz. entschieden wird, daß auf einen bestimmten Betrag ausgewertet werde — muß erst im Wege des ordentlichen Prozeßverfahrens erwirkt werden. Wohl aber kann aus der rechtskräftigen Entscheidung ber Aufwertungsstelle über die Kosten sowie aus einem vor der Aufweriungsstelle abgeschlossenen Vergleiche gemäß ben Vorschriften ber Zivilprozeß. Ordnung vollstreckt werden, ebenso aus rechtskräftigen Entscheidungen in solchen Angelegenheiten, hinsichtlich deren die Zuständigkeit der Aufwertungsstelle von den Parteien vereinbar ist. Entscheidungen des Reichsgerichts und des Kammergerichts Irrtum über die Kaufkraft des Geldes. Die Klägerin hat am 29. Januar 1923 ihr Grundstück zum Preise von 45 000 Mk. (nach dem Dollar- ftanb — 5,71 Goldmark) verkauft und aufgelassen. Der Beklagte ist am 23. April als Eigentümer in das Grundbuch eingetragen worden. Die Klägerin hat den Vertrag u. a. wegen Irrtums angefochten. — Der Irrtum über die zur Zeit des Vertragsschlusses gegebene „Kaufkraft" des Geldes ist kein Irrtum über eine Eigenlast des Geldes im Sinne des § 119 Abs. 2 BGB., sondern nur ein Irrtum über die künftige Entwicklung der Währungsverhältnisse ober über bie Bewertung bcs Geldes. Der Wert des Geldes, wie er in seiner Kaufkraft zutage tritt, kann auf Faktoren beruhen, die als Eigenschaft des Geldes anzusehen find, ist aber nicht selbst eine solche. Auch ein Irrtum nach § 119 Abs. 1 kommt nicht in Frage. Dem Verkäufer ist ber Kaufpreis zur Zeit Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war. Kein Deutscher barf ben Letten, Esten ober Litauern ihren Nationalstaat mißgönnen. Alles großbeutschen Denkens Kern ist bie Vereinigung bes österreichischen Deutschtums mit dem Deutschen Reich. Schwächlichkeit des deutschen Wollens und Erkennens auf reichsdeutscher Seite war es, die davor zurückschreckte, diese Vereinigung aus= zuspreck)en, als es nach der Katastrophe von 1918 leicht hätte geschehen können. Bei den Deutsch-Oester- reichem war der Wille, ja das starke nationale Verlangen danach vorhanden, und hätte man im Reiche das erfaßt, so hätten in Versailles die Feinde zunächst vor einer vollendeten Tatsache gestanden. Sie hä"-n ihr Werk damit beginnen müssen, nicht nur Stacke und Fetzen von Deutschland auf allen Seiten abzureißen, sondern einen Schnitt mitten durch den eben vereinigten gesamtdeutschen Körper zu machen. Kein Zweifel, daß gerade dadurch der großdeutsche Gedanke entscheidend vorangebracht worden wäre. Schuld daran, daß es nicht so geschah, waren Zaghaftigkeit und Bedenken, wirtschaftliche und bei manchen auch konfessionelle, auf ber reichsbeutschen Seite. Aber diese waren es nicht allein, sondern die Hauptsache war, daß das Gefühl der nationaldeutschen Gesamtheit als solches verblaßt war. Die Erziehung zu einem verkümmerten B.egrisf des Deutschtums durch das Bismarcksche Reich hatte ihre Wirkung bei allen deutschen Parteien getan. Wir aber wißen, daß bie Oesterrricher ebensogut Deutsche finb wie bie Schwaben, bie Rheinländer, bie Sachsen die Pommern. Ihre Sprache ist deutsch, ihr Boden ist deutsch, ihr Sinn ist deutsch. Ein deutscher Staat ohne Oesterreich ist so verstümmelt, wie Frankreich ohne die Provence oder Italien ohne die Lombardei. Nicht bei ben Oesterreichern, vielmehr bei ben Reichsbeutschen ist die Erziehungsarbeit zu leisten. des Verttagsschlusses als eine wertentsprechende Gegenleistung erschienen. Die Behauptung des Be- klagten, daß auch er ben Kaufpreis als angemefien erachtet habe, ist nicht miberlegbar unb finbet ihre Stütze im Sachverftänbigengutachten, nach welchem ber Preis bem bamals „tn ber Hauptsache üblichen" entsprochen hat. (Urt. b. RG. v. 11. Juli 1925, IW. 1925, S. 2229.) Wiebereintragung gelöschter Hypotheken. Wird die Wiedereintragung gelöschter, aber der Aufwertung kraft Rückwirkung unterliegender Hypo- theken lediglich auf Grund der Bewilligung des- jenigen, dessen Recht von der Wiedereintragung betroffen wird, beantragt, so ist der Nachweis der rechtzeitigen Anmeldung des Anspruchs auf Aufwer- tung nicht erforderlich. Die Anmeldung des Anspruchs auf Aufwertung kann unter Umständen auch in der Bewilligung des Eigentümers auf Eintragung gefunden werden, und zwar insbesondere bann, wenn ber Eigentümer nach vorheriger Vereinbarung unb im Einverständnis mit dem Gläubiger gegenüber einem Amtsgericht bewilligt, das zugleich Grundbuchamt und Aufwertungsstelle ist. (K. G. 21. 1.26.) Rücktritt wegen Verweigerung der Auswertung (Umrechnung) bei Grundstücksveräußerungsverträgen. Dezember 1922-Anfang 1923. Tatbestand: Die Beklagten hatten sich im September 1919 ber Klägerin gegenüber mit Wirkung bis 30. September 1922 verpflichtet, ihr Grunbstück zu einem bestimmten Preise zu verkaufen. Die Klä- gcrin verlangte Aufwertung. Die Beklagten erklärten sich zur Auflassung bereit, wenn ein bestimmter höherer Preis bezahlt würbe. Die Klägerin lehnte bics ab unb erhob Klage. Das Reichsgericht führt aus: Die infolge ber Geldentwertung eingetretene erheblici;e Wertverschiebung zwischen Leistung unb Gegenleistung rechtfertigt ben Rücktritt vom Vertrage: jedoch erst, wenn der Gläubiger bestimmt unb unzweideutig die ihm angesonnene Erhöhung ber Gegenleistung verweigert, ist der Schuldner zum Rücktritt berechtigt. Ob die Ablehnung der Auswer- tfing ein den Vertragsgegner zum Rücktritt berechtigendes Verschulden darstellt, ist nach den im Verkehr und in ber Rechtsprechung bis dahin geltenden Rechtsanschauungen zu entscheiden. Im Dezember 1922, auch im Februar 1923, war in den Kreisen der Rechtsuchenden die Anerkennung des Aufwertungsbegehrens bei Grundstücksoerkäufen noch nicht allgemein bekannt geworden. Zwar hatte bereits das Urteil des 2. Zivilsenats vom 3. Februar 1922 in RGZ. Bd. 103 S. 328 das Aufwertungsverlangen als berechtigt anerkannt. Dem stand jedoch noch das ältere Urteil des erkennenden Senats vom 16. April 1921 in RGZ. Bd. 102 S. 98 gegenüber, dessen Standpunkt der Senat erst in seinen Urteilen vom 6. Januar 1923 in RGZ. Bd. 106 S. 7 ff. aufgegeben hat, in denen er den Einwand der veränderten Umstände infolge der Geldentwertung auch bei Gnind- stücksveräußerungsverträgen für zulässig erklärte. Unter diesen Umständen kann es der Klägerin nicht als ein die Beklagten zum Rücktritt berechtigendes Verschulden angerechnet werden, wenn sie noch im Dezember 1922 eine Aufwertung abgelehnt hat (Urteil bcs 5. Zivilsenats V 65'25 des R. G. vom 25. November 1925; ebenso hinsichtlich ber ersten Monate bes Jahres 1923 das Urteil desselben Senats V 461/24 vom 9. Dezember 1925 DRZ. 1926 Heft 2 Nechtsp. S. 56.) Verzicht auf die Aufwertung. Das Berufungsgericht will aus der Lage der Umstände einen Verzicht der Klägerin auf die Auswertung und seine Annahme durch den Beklagten (§ 397 BGB.) folgern. Diese Auslegung genügt den Regeln der §§ 133. 157 DGB. nicht. Verzichten kann auf einen Rechtsanspruch nur, wer den Anspruch zu haben sich bewußt ist. Der Aufwertungsanspruch war als solcher zur Zeit des Briefwechsels im Mai 1923 in der Rechtsprechung grundsätzlich noch nicht in dem später ausgestellten umfassenden Sinne anerkannt. Wenn also der Rechtsanwalt der Klägerin die vom Beklagten geforderte Zahlung nur mit dem ursprünglichen, auch im Schreiben des Beklagten genannten Betrag von 24 000 Mk. bezeichnet hat, so bietet das für sich allein nach dem damaligen Stande der rechtlichen und geschäftlichen Anschauungen noch keinen ausreichenden Anhalt dafür, daß nur dieser Betrag in Papiermark gefordert sei und für die inzwischen eingetretene erhebliche Geldentwertung kein Ausgleich gefordert werden solle. Auch der Beklagte kann bei dieser Sachlage nicht geltend machen, er habe die Erklärung des Gegners nach Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte in solchem Sinne verstehen dürfen, (ilrt. d. 5. Zivilsenats d. RG. V 3/25 v. 16. Dez. 1925. DRZ. 1926 Heft 2. Rechtspr. S. 36. die hier noch getan werden muß. Die Verse vom Band, bas zerschnitten ist, aus bem Sferbelieb ber alten Burschenschaft, bie werben in Oesterreich in oeränberter Anwendung so gesungen: „Und Ihr, Jhk habt's gelitten. Weil Bismarck es gewollt!" Wer in die österreichischen Alpenländer kommt, der fühlt das Deutschtum dieser Menschen, der ist ergriffen von ihrem deutschen Volksgefühl und beschämt von der Ironie, die öfters bei ihnen hervorbricht, wenn sie von ihren „großbeutschen" Erlebnissen im Verkehr mit Reichsbeutschen sprechen. Auch bei unserer Jugenb ist unbewußt noch viel kleinbeutsche Tradition aus der Bismarckschen Zeit. Es ist kein Wunder, baß es jo ist, ja es kann vorläufig noch nicht anbers sein. Selbst bei einem höheren Grab von Verstänbnis für allgemeine politische Jbeen, als sie ber beutschen Durchschnittserziehung im wilhelminischen Zeitalter innewohnte, hätte bie starke Betonung bcs großbeutschen Gebauten- eine gewisse Spannung in das Bundesverhältnis zu Oesterreich- Ungarn bringen können. Konsequent durchgedacht mußte sie überhaupt zur Negation der habsburgischen Monarchie als einer Teilhaberin am deutschen Volkstum führen. Dies war sicher eine Schwierigkeit, namentlich vom Standpunkt der klassischen Bismarckschen Politik Daß aber die Generation, die nach 1866 heranwuchs, und erst recht die ihr folgende, nicht einmal mehr das Gefühl eines Konflikts oder einer Spannung gegenüber bem großbeutschen Problem besaß, das zeigte sich in der Unfähigkeit, in dem Augenblick großdeutsch zu denken und zu fühlen, als die beiden Faktoren „Deutsch-Oesterreich" und „Habsburgisches Herrscherhaus" sich von einander lösten. Es ist ein großer Unterschied zwischen der deutschen Studentenschaft von heute und der vor hundert Jahren. Die Burschenschaft nach 1815 war erfüllt von bem Jbeal ber beutschen Einheit: um bes großbeut- schen Einheits- unb Freiheitsgcbaukcns willen war sie gegriinbet, in ihm Icvlc unb webte sic. Alle die herrlichen großbeutschen Lieber, bie heute unser Herz wieber anfangen, so zu bewegen, wie sie bamals die deutsche Jugend bewegten, sie sind in jener Zeit entstanden, von Ernst Moritz Arndts „Was ist des Deutschen Vaterland?" bis auf Hoffmanns von Fallerslebens „Deutschland, Deulschlanb über alles", das auf Helgoland, dem damals englischen Felsen, gedichtet wurde unb heute — spät genug — zum deutschen Nationalliebe erklärt worben ist. Unsere Jugend, die unsere Hoffnung ist. ioUte über all ihren Streit und ihre Parteiungen hinaus glühend den großbeutschen Gedanken verfolgen unb über bie(em Ziele alles anbere zuruckhellen! Dann erst könnte sie sich an Kraft unb Tiefe bes beutschen Gefühls mit ben Vorvätern messen. Das deutsche Volkstum unb ber brutsche Volks- hoben sinb gegenwärtig zerrissen unb zerteilt unter 14 Staaten Drei bavon sind deutsche Staaten, die durch feindliche Gewalt im Zustande lünstttcher Trennung erhalten werden: 1. bas Deutsche Reich innerhalb seiner heutigen verstümmelten Grenzen; 2. Deutsch-Oesterreich: 3. die freie Stabt Danzig. Als ein viertes Stück von provisorischem Eharakter konnte man bas Saargebiet noch hinzuzählen. Was bie übrigen, vom heutigen politischen Körper Deutsch- lanbs getrennten deutschen Volksgenossen betrifft, bie beutschen Minderheiten im Auslande also, so gibt es echte unb unechte Minderheiten. Die Deutschen in Estland, Lettland, Rumänien ober Ungarn, bie Banater Schwaben, bie Sieben« bürger wachsen, bie alten deutschen Ansiedlungen in Kongreßpolen, Wolhynien, an ber Wolga, finb echte Minberheiten, b. h. vom geschlossenen beutschen Volkskörpcr weit getrennte Stücke eines in ber Frembe bobenftänbig geworbenen Deutschtums. Anbere finb mit Gewalt vom lebenben beutschen Dolks- körper losgerissen und fremden Staaten angefügt. Dazu gehören die geraubten deutschen Teile der Steiermark Südtirols, Vosens, Westpreußens, Schleswig-Holsteins, Obcrschlefiens, Eupen-Malmedy usw. Diese Gebiete sind nicht nur deutfch im Sinne ber nationalen Zugehörigkeit unb des Nationalbewußtseins ihrer beutschen Bevölkerung, sondern auch deutsch im Sinne bes proklamierten nationalen Grundgesetzes vom freien Selbftbcftimmungsredjt ber Völker. Sie wurden wider ben Willen ber beutschen Menschen bie sie bewohnen, vom beutschen Reiche abgeschnitten unb wiberrechtlich, unnatürlich unb gewaltsam unter bie Herrschaft fremder Staat ten unb Völker gestellt. Sie sind daher nicht echte, durch alte geschichtliche Entwickelung in ber Frembe entstanbenc fonbern künstlich in nichtbeutscben Staatsgebieten geschaffene Minberheiten. Ihr Dasein beruht auf einem Rechtsbruch unb bie Forberung ist, baß sie zum Reiche zurückkehren. Nicht eher ist ber beutsche Nationalstaat geschaffen! Wirtschaft. Die Elektrizitätspotttik des Hessischen Staates. Die Elektrowirtschaft des hessischen Staates ist in den letzten Wochen mehrfach der Gegenstand von Angriffen in der Öffentlichkeit ge* wesen. Auch im Landtag, sowohl im Finanzausschuß wie im Plenum, wurde darüber lange debattiert. Die Regierung hat nun ihren Standpunkt in einer Denkschrift niedev- gelegt, in der vornehmlich die Beteiligung des hessischen Staates an dem Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk QI.-®, in Essen (R. W. G.) behandelt wird, aber auch andere Fragen der Elektrowirtschaft erörtert werden. Der hessische Staat hat um die Jahreswende 1925/26 sich durch Uebernahme von nom. 300 000 Reichsmark R. W. E.-Aktien beteiligt, nachdem ihm die Zuwahl eines staatlichen Vertreters in den Aufsichtsrat der Gesellschaft zugesagt worden war. Diese Zuwahl ist bereits erfolgt. Die Denkschrift widmet zunächst der Organisation des R. W. E. längere Betrachtungen, das ein gemischt-wirtschaftlicher Betrieb ist, dessen Aktienkapital 140 Millionen Mark beträgt und dessen Vermögen auf 300 Millionen Mark anzunehmen ist. Etwa 60 Prozent der Stimmen besitzen rheinisch-westfälische Gemeinden, preußische Provinzen, der preußische Staat und das Reich. Mit einer Minorität sind als Qlftionäre deutsche Industrielle beteiligt, die gleichzeitig- Großabnehmer des R. W. E. sind. Das R. W. E. hält die Beteiligung der Großindustrie teyon mit Rücksicht auf deren Strombezug für besonders wichtig. Einzelne Firmen beziehen vom R. W. E. das Mehrfache der gesamten elettrischen Arbeit, die in der ganzen Provinz Starkenburg verbraucht wird. Die Denkschrift vertritt nachdrücklich die Auffassung, daß ein Kontrollrecht der öffentlichen Hand gewährleistet sei. „Wenn hie und da dem R. W. E. nachgesagt wird, es be» treibe privatkapitalistische Machtpolitik und ähnliches mehr, so soll demgegenüber hier nur darauf verwiesen werden, daß etwaige derartige Tendenzen durch Geltendmachung der Majoritätsrechte der öffentlichen Verbände jederzeit wurden unterbunden werden können." Von weiteren Qln- gaben über das R. W. E. sei erwähnt, daß seine Stromabgabe im Jahre 1924'25 1 100 000 000 Kilowatt erreicht hat. Zum Vergleich wird angeführt, daß für ganz Hessen ein Stromverbrauch von nur wenig mehr als 1 000 000 Kilowatt im Jahre in Betracht kommen wird. Weiter wird aufgezählt, an welchen Unternehmungen das R.W. E. beteiligt ist; hier seien nur erwähnt die Süddeutsche Eisenbahngesellschaft und die Hessische Eisenbahn-Aktiengesellschaft (Heag) in Darmstadt, die Mainkraftwerle in Höchst, die Elektrizitäts-A.-G. Lahmeyer in Frankfurt und das Kraftwerk Qllttoürttemberg in Ludwigsburg. „Der hessische Staat kam mit dem R. W. E.-Kon- zern zum ersten Male in Berührung durch den von der Heag gestellten Qlntrag auf Erteilung der Erlaubnis zur Durchführung zweier Hochspannungsleitungen (100 000 bzw. 220 000 Volt) durch die in der Provinz Starkenburg gelegenen fiskalischen Wälder. Daß als materieller Träger des Unternehmens in der Hauptsache das R. W. E. hinter ihr stand, war der Regierung bekannt; der die Durchleitung gestattende Vertrag ist aber lediglich mit der Heag abgeschlossen worden. Im einzelnen handelt es sich um_ eine 100 OOO-Voltleitung, die von Höchst a. M. südlich der Mainlinie nach Bayern zieht, und um ein« 220 OOO-Voltleitung, die — von Köln herkommend — von Höchst a. M. südlich nach Darmstadt— Bensheim—Mannheim geht, um von hier auS zu den oberrheinischen Wasserkraftwerken weitergeführt zu werden. Der Zweck dieser Geltungen ist — neben der Herstellung einer Verknüpfung mit den zum R. W. G.-Konzern gehörenden Main- kraflwerken in Höchst a. M. und dem Groß- traftwerk Mannheim, das vom R. W. E. elektrische Arbeit im Großen beziehen wird — die Herbeiführung einer Verbindung mit den bayerischen und badischen, insbesondere aber mit den oberrheinischen Wasserkräften." 3n den weiteren Ausführungen der Denkschrift wird dargelegt, daß daS R. W. E. nicht die Absicht hat, den Konkurrenzkampf mit den Wasserkräften aufzunehmen, sondern ein erhebliches Interesse an dem Bezug von Wasserftrom hat. Die hessische Regierung verteidigt dann ihr Verhalten durch nachstehende Darlegungen: „Wäre die Erlaubnis der Durchführung der Hochspannungsleitung durch das hessische Gebiet versagt worden, dann hätte, waS nebenbei bemerkt sei, das R. W. C. entsprechend seinem ursprünglichen Vorhaben den wesentlich kürzeren Verbindungsweg Kreuznach—Mannheim gewählt. Vielleicht begrüßen es eines Tages die elektrizitätswirt- fchaftlichen Unternehmungen Hessens, wenn sie auf der möglicherweise notwendig werdenden Suche nach billigeren Strvmerzeugungsquellen das R. W. E. zum Wettbewerb mitheranziehen können: die hessischen Unternehmungen wären dabei nicht etwa von einem Diktat des R. W. E. abhängig: denn irgendein Monopolrecht ist dieser Gesellschaft in Hessen nicht eingeräumt worden. Das nämliche Recht des Durchgangs mit einer Hochspannungsleitung, das dem R. W. G. gewährt wurde, hat beispielsweise auch die preußische Oberweser - A.-G. in der Provinz Oberhessen erhalten. (100 000-Dolt- leitung vom Großkraftwerk Borken über Gießen, Wölfersheim nach Frankfurt a. M.) Ebenso besteht die Konkurrenzmöglichkeit der Bayernwerke, die durch die oben schon erwähnte 100 000-Voltleitung mit den Mainkraftwerken. Höchst a. M. in Verbindung kommen: und schließlich existiert auch eine unmittelbare Verbindungs- Möglichkeit mit dem Badenwerk und den Kraftwerken der R e ck a rk a n a l i s i e- r u n g, deren Leitungen direkt an das Derlei- lungsneh der Heag südlich des Neckars angrenzen." Ueber die Gegenlei st ungen des R. W. E. läßt sich die Denkschrift wie folgt aus: „Die unmittelbaren Gegenleistungen für die Durchführung der Sammelschienen bestehen, abgesehen von einer selbstverständlich vollen Entschädigung für die Benutzung der fiskalischen Wälder, in der von den Mainkraftwerken (R. E. W.-Konzern) — zunächst für 20 Jahre — übernommenen Verpflichtung, die jeweils überschüssige elektrische Arbeit des Wölfersheimer Kraftwerks in ihr Retz aufzunehmen und damit dem staatlichen Kraftwerk endlich zu der dringend notwendigen Ausbesserung und Vergleichmäßigung seiner — in den letzten Monaten weiter sinkenden — Belastung zu verhelfen, die die Provinz Oberhessen aus eigener Kraft nicht aufzubringen vermag. Dieser Vertrag ist für Wölfersheim schlechthin lebenswichtig. Er wird — zunächst mit 50 Prozent seines Wirkungsgrades, nach Ablauf eines Jahres mit 100 Prozent — in Kraft treten, sobald die auf Kosten der Main- krastwerke zu erstellende Hochspannungsleitung Höch st a. M. — Oberursel- Wölfersheim fertiggcstellt sein wird. Mit diesem Vertrag ist ein« Verbesserung der W i r t s ch a f t s g r u n d l a g e n Wölfers- * heims erzielt worden, die trotz wiederholter Versuche bislang nicht zu erreichen war. So . kamen beispielsweise für den Abschluß eines derartigen Vertrages weder die preußische Ober- l wesen-A.-G., die bekanntlich mit einer 100 000- Boltleitung an Wölfersheim vorübergeht, noch r das Bahernwerk in Betracht. Beide Werke machten uns umgekehrt ein Angebot auf Strom- ' abgabe." Bedeutsam sind noch die nachstehenden Auslassungen der Regierung: „Befürchtungen, das R. W. E. könnte gegen den Willen der einheimischen elektrizitätswirtschaftlichen Unternehmungen in bislang von diesen versorgte hessische Gebietsteile eindringen, bestehen nicht. Das R. W. E. hat, was diese Annahme belegen dürfte, der Regierung unterm 21. Februar d. 3s. eine schriftliche Erklärung ausgestellt, wonach es sich verpflichtet, für die Zukunft vor jedem Abschluß einer elektrowirtschaftlichen Abmachung mit einer hessischen Gemeinde oder einer Einzel- persönlichkeit der Regierung Gelegenheit zur Meinungsbildung und Stellungnahme zu geben: im Zusammenhang« damit hat sich die . Gesellschaft weiter verpflichtet, in jedem Falle eine ablehnende Haltung der Regierung zu respektieren. Außerdem hat das R. W. E. mit dem Elektrizitätswerk Rheinhessen, das gleichzeitig für den von dem Lieberlandwerk Mainz versorgten Landgemeindebezirk handelte, anfangs 3anuar 1926 einen sog. Demarkationsvertrag auf die Dauer von 20 3ahren abgeschlossen. Rach diesem Vertrag ist das bisherige Stromversorgungsgebiet der rheinhessischen Lieberlandwerke gegen die Möglichkeit jeden Einbruchs des R. W. E. geschützt. Ein entsprechender Vertrag ist auch zwischen dem R. W. E. und der Heag zustande gekommen. 'Auf di« Vermittlung der Regierung hin hat sich das R. W. E. nunmehr auch bereit erklärt, wegen des Abschlusses solcher Abgrenzungsverträge auch mit den übrigen hessischen Lieberlandwerken auf deren Wunsch in Verhandlungen einzutreten." • Die westdeutsche Großeisen- 3ndustrte im März. Die Lage auf dem Kohlen- und Koksmarkt hat auch im März keine Besserung erfahren. Rach wie vor ist der Absatz unbefriedigend, sodaß sich immer noch die Einlegung von Feierschichten im größerem Llm- fange notwendig machte 3n den Preisverhältnissen für syndizierte Erzeugnisse ist keine Aende- rung eingetreten. Dagegen haben die Preise für Mittel- und Feinbleche, die bekanntlich nicht syndiziert sind, eine Abschwächung erfahren. Aus dem AuSlandmarkt sind die Geschäfte nach wie vor scharf umstritten. Die Preise sind sehr niedrig und daher verlustbringend. " Zellstofsabrik Waldhof, Mannheim. Der am 11. Mai stattfindenden o. H.-V. wird die 'Derteilung einer Dividende von 10 Proz. (6 Proz.) vorgeschfagen. * Das Februarergebnis der Reichs» p o st. Der Kassenabfchluß der Deutschen Reichspost zeigt für den Monat Februar an Einnahmen 122,7 Millionen, gegen 148,2 Millionen im Januar. Die Ausgaben betrugen 139,9 Millionen, gegen 144 Millionen im Januar. Die Ist-Einnahme bleibt hinter dem Monatsdurchschnittsfoll um 22,4 Millionen zurück. Auch gegen die Einnahmen des Februar 1925 ist ein Weniger von 4 Millionen Reichsmark festzustellen. In den abgelaufenen 11 Monaten des Wirtschaftsjahres bleibt die Jfteinnahme um 38,5 Millionen Reichsmark gegen das durchschnittliche Soll des Voranschlags zurück. * Die Konkurse i m er st en Vierteljahr 1 9 26. Obwohl die Zahl der neu eröffneten Konkurse im März nicht unerheblich zurückgegangen ist (es sind 1893 Konkurse verhängt worden gegen 2016 im Februar), stellt die Gesamtzahl der Kon» kurseröffnungen im ersten Vierteljahr 1926 dennoch einen Rekord dar. Es sind — noch einer Zusammen- stellung der Finanzzeitschrift „Die Bank" — in diesem Zeitraum 5013 Konkurse eröffnet worden, gegen 4179 im vierten Vierteljahr 1925 und 2163 im ersten Vierteljahr 1925. An Geschäftsaufsichten sind im März 1488 verfügt worden, gegen 1580 im Februar und 1573 im Januar. Torf entarte. Frankfurt a.M Berlin Datum: 31 3. 31. 8. 0.405 0.4387 86 88 58 106,5' 97,75' 107,5' 100' 86 97 101,7' 7,- 89 43 0,375 0,480 0.250 0,375 146.7* 89,9 0,390 0.490 0,26t) 0,395 Schluß Äurs ,133,5* 102,2* 1 7,12 91 43 125 56 0,4325 0,4175 0,4175 0.5 0,2625 0,415 50 113,75 90 145,7* 89 80 88 123,5 107,2* 98’ 93 94 121,5 58 63 33 48 154,4* 114.5* 135* 136,52 8* 182,7* 145,5* 88 126 57,5 93.75* 120* ; 59,75 ! 63,5 159.7' 155,1' 0.37 96.5 99.35 11,9 1161,5' i 158' 81,5 94 93,5 99,6 11.95 41,4 157 114,5’ 137,5 136,5’ 87 132,5* 153,2' I 115' 140,2' I 137' 0,410 0,395 0,3825 0,475 0,2425 0.385 98,5* 64,75 48,25’ 102’ 104.5* 110.2* 134,5* 138,5* 39,75 50* 86,25* 95.12* 100 125 56 62,5 183 102 102’ 7,12 0,04 99 67 50* 100.5 105,4* 113* 135 139,5 41.76 51 86.5' 92.75’ 101,5 71,5 161,5* 158* 49,23 105,75 86 96,5 95.4* 122* 55,25 57 51 115,5 91 46 4,5 128 56,5 67,25 145* 90.25 79.75 86.5 121 106,7* 95 90,25 96.5* 122 55 56 32 41 0,37 96.5 99,85 11,9 98,5* 67 50* •104.5* 106* 113.1* 136’ ,143.2* 41 5.3* 87.25* l 92.9* 102 5®/« Deutsche Reichson^he 4% Deutsche Retchsanleipe 3■/,% Deutsche Reichsanletbe 3% Deutsche RcichSanleihe Deutsche L-parprcunienanleiüe «°/o Preußische ÄoniolS 4’ o yefitn ...... 3'/,*/-> Hessen........ 3°/0 ocjftn........... Deutsche Wertd. Dollar-AnE dtoDoll SchaS-Loireillla.*) 4% Zoll kurten 5*/o ($on>merif artet . . • Berliner Handelsaesellschaft Loaunerj. und Privat-Bank Darmst. und Narionaldank Deutsche Bank. .... Deutsche Bereinkdank ... DiSconw Lommandit Metalldank Mitteldeutsche Creditbank . C cfttrreidjifme Creditanstalt Weltbank ........ Bochumer Guß ....... BuderuS ........ Taro ........ Deutsch-Luxemburg Kclientirchcncr Bergwerke. Haroencr Bergbau . . Raluoerkc AschcrSlebea.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurairülte ...... Lbcrbcdarf . ...... Pbonü Bergdan ...... Ni-einitahl . ..... Nie deck Montau ..... TelluS Bergbau ..... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovo . . . Theramtsche Werke «lbW . . Zementwerk Heidelberg . . Pbilipp Holjmanu .... Anglo-Tont-Guano .... Chemische Mayer 9'lapin . . 9- ®. Aarbenindi s:rie, A.-G. Goldschmidt......... Holzverkohlung........ viütgerswerke Scheideanstalt ........ Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann ......... Mainkrastwerke ....... Sch ucker» • . . Siemens 4 HalSkr ..... Adlcrwerke Kleyer ..... Daimler Motoren..... . Hevligenstacdt . . ..... Meauin........... Motorenwerke Mcmnbetm Frankfurter Armaturen Konservenfabrik Braun . . Metollgelcll chafi Frankfurt . Per. Union A.-G. . . . . . Schuhfabrik yers Sichel. ..... • • • Wellston Waldhof ..... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . SchlußN. "ilbcnj- L 4. 102* । 7.3 0.04 99* 65.5 48 1 103,5* , 106.5* । Ul* 135 139,75 | 38,5 । 50,5* I 86 75* 91* 101,5* 73] 160* 156’ 49 104 82 91 0,390 0,390 93.25 99.6 11,975 1 40.75 1 153 116* 140,5* 137,1* Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. iev-. irwonla^^^a-aibele. Gottes Nachdruck verboten 32. Fortsetzung ---Für die Schule 6r^|cvk,9n*6'4WM*tM4 (SLw^mcw, Mäusburg 10. 1 Pfund-Paket nur 50 Pfennig. J. B. Häuser - Gießen Fernsprecher 660 Neustadt 56 I Das beste Auffrischungsmittel T=^ S! ' • J Zu beziehen in Gießen 2786D Di* C *)