Nr. 281 Erstes Blatt 176. Zahrgang Mittwoch, 1. Dezember 1926 (Er|d)etnt togltdj.aufeei Sonntags und Feierlags Beilagen: «Lietzener FamilienblSttei Heimat im Bild Die Scholle Monair'Bezugrprelr. 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für TrLger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer «Lewalt. Fernfprechani chlüffe: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gletze». Potstch.ckkonio: Sranlfurt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vnlck und Verlag. vrühl'sche Universitäts-Buch unö Stetnörudcrei R. Lange in Gießen. Lchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für | rom Höhe für Anzeigen vv.l 27 mm Breite örtlich 8, auswärt» 10 Reichspfennig; für Re- hlamcanjeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playoorschrift 20", mehr. Chefredakteur Dr. Friedr Will) Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil i.Dertr. H.Bech, sämtlich in Dietzen. Reichsrentnertag. Don Oberftubi enßirettorin Dr. Matz, M. d.A Am 1. Dezember oeranftaltet die Organisation des AeichSrentnerbundes überall Äunbge- bungen. Die deutschen Rentner sind ein ruhiges Geschlecht. Durch Jahre der Verelendung hindurch haben sie in der Stille ihre Rot getragen und sich zu Lebensformen herabgewürdigt gesehen, die zu ihren früheren Lebensverhält» nissen in schreiendem Gegensatz standen. Sie haben diese Lebenssormen ertragen, nicht nur durch Monate, sondern nun schon durch 3a pre hindurch. Sie sind vielfach aus ihrer bürgerlichen Sphäre herabgedrückt in die Kreise des Proletariats Sie sind aus den Kreisen, die früher für die öffentlich« Wohltätigkeit bereitwillig gaben und eine offene Hand zur Abstellung fremder Rot hatten, herabgefunken zu Empfängern aus Mitteln der öffentlichen Fürsorge. die sich zwar dem 07amen nach und in manchen gut gemeinten Destimmungen des Reichs» arbeitSministeriums und der Landesbehörden aus dem Kreis der übrigen Fürforgeberechtigten her- ausheben sollen, in der praktischen Handhabung der Fürsorge ihnen aber vielfach angeglichen sind. Lind dieses Geschick trifft sie in reiferen Jahren, zum Teil in hohem Alter, wo sie sich der Gesundheit und Kraft beraubt sehen, verlorenes oder entwertetes Vermögen wieder herzustellen oder sich ein neues Leben aufzubauen. Das Alter, die Llnmoglichkeit, noch einmal wieder anzufangen, macht auch die Entbehrungen und Demütigungen ihrer Lage besonders peinlich fühlbar. Daß sie, die im Gegensatz zu manchen anderen Geschädigten, den Weg des lauten Schreies, der Wut und der Empörung nicht gefunden haben, nunmehr nach langem Zögert: und Warten in dem Reichsrentner- ta g ihre Stimme erheben, um weite Kreise des Volkes, vor allem auch die Behörden und die gesetzgebenden Körperschaften, aufzurufen zur endlichen wirksamen Abstellung ihrer Rot, wer will es ihnen verdenken? Die heutige Rot der Kleinrentner und die demütigenden Verhältnisse, in denen sie leben müffen, haben einen doppelten Grund. Einmal ist daS Verfahren über den Bezug der Dorzugsrente, das für einen groben Kreis der Rentner eine fühlbare Erleichterung durch ganz gesicherte gesetzliche feste Bezüge verschaffen soll, in zahlreichen Fällen noch nicht zum Abschluß gelangt, weil bet diesen Bewilligungen zwei Verfahren nebeneinander herlaufen: die Feststellung der Bedürftigkeit und die Feststellung des Alt besitz es. Eine unverhältnismäßig grobe Zahl von Rentnern wartet, trotzdem die Anmeldung vor Jahresfrist erfolgt ist, noch heute auf die Erledigung und Bewilligung, weil in einem der beiden Verfahren ein Rachweis noch fehlt. Die zweite Schwierigkeit für die Rentner besteht in der Handhabung der Bestimmungen der Verordnung über die Fürsorge- pflicht und der zahlreichen dazu ertaffenen Ausführungsbestimmungen durch d i e örtlichen Fürsorgebehörden. Aus die Fürsorge ist jener andere Kreis von Rentnern angewiesen, die ihr früheres Vermögen ganz oder teilweise verloren haben. Es soll nicht verkannt werden, daß manche Bezirks'ürsorgever- bände in mustergültiger Weise versuchen, den besonderen Momenten der Fürsorge für die Rentner Rechnung zu tragen; andere aber lassen es an allem fehlen, sogar an gutem Willen und an Kenntnis der gesetzlichen Bestimmungen. 3mmcr wieder kommen berechtigte Klagen, daß in unbilliger Weise den Rentnern eine Arbeitspflicht aufcrlcgt und ihnen Arbeit zugemutet wird, die von den betagten Mannern und Frauen nicht geleistet werden kann. Immer erneut häufen sich die Beispiele, wo der kärg'.iche Arbeitsverdienst. etwa aus dem Vermieten möblierter Zimmer, in ungehöriger Weise außerordentlich hoch angerechnet wird. Wenn ein Erlaß des Reichsarbeitsministers vom März d. 3. für diese 05« Handlung den Fürfor gebe Hord en „besonderes Wohlwollen" empfiehlt, fo scheint diese Emp- sehlung an manche örtlichen Stellen nicht gekommen zu fein. Auch die Heranziehung unterhaltsverpflichteter Angehöriger unter entsprechender Kürzung der Rente wird vielfach in Formen Shandhabt, die den tatsächlichen Interessen der entner schroff entgegenstehen. wobei in manchen Fällen weder die Llnterstützung durch die Angehörigen. noch die volle Zahlung der Renten erfolgt. Die Heranfiehung des Vermögens und des Hausrats des Kleinrentners zur Ersatzleistung wird vielfach in genau der gleichen Weise vorgenommen wie bei anderen Fürsorgeernp ängem. und die nachdrücklichen Weisungen des Reichs» arbeitsministeriumS in dem oben ungezogenen Ministerialerlah. daß nur außergewöhnliche Umstände eine solche Heranziehung begründen würden. findet nicht immer Beachtung. Manche örtlichen Stellen stützen sich darauf, daß in dem genannten Erlaß Ausdrücke, wie „in der Regel", „in Ausnahmefällen", vorkommen, und nehmen die Verpfändung als Sicherstellung des Rentners nicht als Ausnahmefall, sondern als allgemeinen Fall an. Diese ülnzuträglichkeiten und die Heral^ brüdimg des Rentnerstandes, die dadurch bewirkt ist, veranlassen die Rentner zu der immer erneuten Forderung: „Heraus aus der F ü r \ o r g c". Der Deutsche Rentnerbund, der in außerordentlich wirksamer Weise die 3nter» essen der deutschen Kapitalrentner vertritt, hat seinem früher vorgelegten Entwurf eines R e n t- nerversorgungsgefetzes nunmehr einen neuen abgeänderten folgen lassen, der in erster Vriands Bekenntnis zu Thoiry. Die Antwort des französischen Außenministers an Stresemann und Wirth. Paris, 30. Roo. (WTB.) Die Kammer setzte heute vormittag die Generaldebatte über das Budget des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten fort. Der der Radikalen Linken angehörende Qlbg. Marcel Plaisant, der als französischer Delegierter der letzten Tagung des Völkerbundes beiwohnte, erklärte: Die Kammer verlangt von Driand keine Enthüllungen über die von ihm mit viel Klugheit geführten Besprechungen. Ich habe das Vertrauen in die Regierung, daß sie die Verhandlungen mit Deutschland fortsetzt, wünschte jedoch, daß man ausdenPfän- dern. die man in Händen hat, den größten Ruhen zieht. Gewisse ODorte Stresemanns darf man nicht übertreiben. 3m übrigen hat Frankreich keine Vorschläge zu machen, es muß sich vielmehr in einer vorteilhaften Verteidigungsstellung halten und di' Vorschläge anderer abwarte n. ilnb Frankreich kann warten. (Beifall.) Der der Fraktion Marin angehörende Qlbg. Soulier erklärte dann: Die materielle und moralische Entwaffnung Deutschlands müsse der Frankreichs vorausgehen. Frankreich könne nicht die Tatsache ignorieren. daß zwei Fünftel des deutschen Volkes von einem Geist beseelt fei, der nicht pazifistisch sei, und daß die deutsche Presse Kriegsgedanken verbreite. Qlbg. Soulier behauptet, m Deutschland stelle man Giftgase, Metallflugzeuge und alle Arten Waffen her. Frankreich dürfe also den Wünschen Stresemanns nicht nachqeben und seine Sicherheitsgarantle aufgeben. Soulier schließt seine Ausführungen mit der Forderung, die Regierüng möge sich nicht fürchten, eine Prestige-Politik zu betreiben. Das Prestige sei toeber etwas Beleidigendes noch etwas Offensives. Zu Beginn der Rachmittagssihung ergriff Autzenminister Brrand das Wort, und erklärt zur italienischen Frage: 3n einem Rachbarlande, das wir lieben und das wir lieben werden, haben sich Ereignisse abgespielt, die den QIu£fluf) einer gewissen schlechten Laune sind. Cs ist für uns wertvoll, festzustellen, daß diese schlechte Laune immer an Frankreich ausgelassen wird. 3edenfalls hat sich Frankreich bemüht, an diesen Ereignissen (altblüt g vorüberzugehen. Gerade um diese Stunde muh man seine Leidenschaften zügeln. Die Zeitungen dramatisieren diese Ereignisse leicht. Dadurch konimen die Regierungen stark in Druck. 3n diesem Moment muh man fest auf den Füßen bleiben. 3unge Völker haben die Gewohnheit zu geräuschvollen Kundgebungen angenommen. Aber man muß doch sagen, daß Konsulate, Gesandtschaften und Bot- schäften Orte sind, die man gewohnt ist. zu respektieren. Es hätten unangenehme Kundgebungen stattgefunden. Die französische Regierung aber habe Befriedigung erlangt, die guten Beziehungen seien wiederhergestellt und ausgenommen worden. Alles sei inOrbnung. Die französische Regierung habe im übrigm keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um 3talien und feiner Regierung ihre guten Absichten zu bekunden. Er sei mit Mussolini w'ederholt am Lago 'Maggiore zusammengetroffen und er erinnere sich nicht, daß damals von irgendwelchen Schwier'g- Iciten gebrochen worden fei. Italien le.de unter einer Aebervölkerung. Aber Frankreich sei es mit seinen Kolon: m. das den 3tal:.eneru die weitgehendste Gastfreundschaft gewähre. Driand nennt die letzten Zwischenfälle 8a- milienftreitigfeiten, denen ein Ende bereitet werden mürfe. Alsdann bespricht der französische Außenminister bas Problem der Beziehungen Frankreichs zu Deukschland. Er betont, daß die Politik Frankreichs nur ei$. Friedenspolitik sei und fährt fort, jedermann gebrauche das Wort „Frieden", aber der Friede fei, wenn man so sagen dürfe, eine anspruchsvolle und schwer zu behandelnde Person. Man müsse sich ihm gegenüber zu mehr verstehen, als zu Höflichkeitskundgebungen. Der Friede wolle, daß man ihn wünsche, ihn leidenschaftlich wünsche und sich ihm vollkommen hingebe. Wie die Dinge heute in Europa liegen, werde alles getan werden, um einen soliden Frieden zu schaffen. 3n Europa könne von einem wahrhaften Frieden solange nicht gesprochen werden, solange nicht eine Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland erfolgt sei. Der Friedensvertrag von Versailles habe eine große Qleuerung in d'.i: Friedensverträge eingesühri, nämlich seinen Eckstein, das Statut des Völkerbundes. Dieses sehe die juristischen Sanktionen an die Stelle der Sankttonen durch Gewalt, die die Grundlage der früheren Verträge gewesen seien. Es ist möglich, daß das nur ein einfacher Gedanke ist, aber es wäre verbrecherisch, wenn man nicht den Versuch machen wollte, ihn lebendig zu gestalten. (Stürmischer Obeifall bei allen Parteien.) Ich behaupte, daß, wenn man unsere Politik fortsetzt, wie ich sie verstehe, man sich nur dem Geist der Friedensverträge anschließt und daß dadurch auch die Autorität des Völkerbundes gefördert wird. T h o i r h sei nicht etwas Reues, das man an die Stelle von Locarno gesetzt habe. Die Unterrebung von Thoiry sei eine UnterreDung nach den vielen anderen gewesen, die er mit Stresemann in Gens und mit anderen gehabt habe. -Um feste Abmachungen habe es sich nicht gebanbelt. Er und Stresemann hätten lediglich die bekannten Prob lerne behandelt. An die erste Stelle habe er die Frage nach Sicherheit gestellt. Dann sei von der Besetzung des Rheinlandes gesprochen worden. Driand fuhr fort: Wir Franzosen sind nicht nach dem Rhein gegangen, um Deutschland zu demütigen, sondern haben das Rheinland beseht als pfänd, das uns Bürgschaften geben soll. Die Bestimmungen eines Vertrages könnten mit Zustimmung beider Parteien gemildert und humaner gestaltet, und die Besetzung könne leichter gestaltet werden. Auch über die Zwischenfälle im Rheinland habe er mit Stresemann gesprochen. Inzwischen seien diese Zwischmfälle erledigt worden. Driand erklärte weiter: Gewiß gibt es verschiedene Fragen, über die ich mit Stresemann nicht einig bin. Hieran arbeitet man Tag für Dng. Eine zweistündige Unterredung kann die Lage zwischen Frankreich und Deutschland nicht plötzlich verändern. Wesentlich ist der beiderseitige gute Wille, töesentlich ist, daß de Völker sich sagen: Gottseidank, sie verhandeln miteinander. (Lebhafter Deifall links und in der Mitte.) 3ch bin unbedingt entschlossen, eine neue Katastrophe für Europa unh einen neuen Krieg, in dem es weder Sieger noch Desiegte geben würde, zu verhindern. Frankreich ehrt sich selbst, wenn es das Wort Frieden ausspricht. (Deifall links und in der Mitte.) Ich will aber nicht einen beliebigen Frieden, ich will vielmehr Bürgschaft. Zunächst muß das Problem der Sicherheiten gelöst werden. Es werde, erklärte Driand. jetzt erforderlich fein, daß der Völkerbund an die Stelle des jetzigen Kontrollorganismus trete. Stresemann habe über die Entwaffnungsfrage gesagt: Der 'Weg wird lang sein, aber man muß ihn beschreiten. Dieses Wort erkenne auch er als richtig an. Stresemann habe im Reichstag auch erklärt, die vaterländischen Verbände dürsten kri re Fühlung mit £er Reichswehr haben. Runmehr seien zwei dieser Derbänbe aufgelöst worden. Wirth habe gesagt. Deutschland hab? Opfer gebracht, indem es in den Völkerbund ringet reten fei und das Abkommen von Locanw unterzeichnet habe. Er widerspreche dem. In den Völkerbund einzutreten, bedeute kein Opfer, sondern eine Ehre und einen Voriril zugleich. Der von Opfern und Konzessionen spreche, müsse in Bekrocht ziehen, daß auch Frankreich welche gebracht habe. Ich kann wohl sagen, fuhr Briand fort, daß neun Zehntel der Forderungen Deutschlands befriedigt wurden. Cs sind also viele Schritte unternommen worden, um die Dezichuiigen zwischen beiden Völkern zu fcerbefjern. Das ist ein großer Fortschritt, der eine weitgehende Sicherheit garantiert. Driand verbreitet sich dann über die Bedeutung, di» die Unterschrift Englands und Italiens unter den Pakt von Locarno für Frankreich habe. Als diese Garantien nicht vorhanden waren, habe man sich darüber beschwert, jetzt, da man fi» besitze, zähl- len sie nicht mehr. Ich werde, schließt Driand, mich dem Friedenswerk widmen und stell? in die erste Reihe die S i ch e r h e i t s f r a g e. Ich habe die feste äleberzeugung, daß die Ersetzung der interalliierten Militärkontrolle durch die Kontrolle des Völkerbundes nicht nur nicht die Sicherheit Frankreichs schwächt, sondern sie verstärkt. Als Driand von der Rednertribüne heruntersteigt. bereiten ihm die Links- und Mittelparteieii und ein Teil der Rechtsparteien glänzende Ovationen. P o i n c a r e reicht ihm die Hand. Hierauf wird die Generaldebatte geschlossen und zur Beratung der einzelnen Punfte des auswärtigen Etats übergegangen. vieNotlage-esbesetzkentzebiets. Deutscher Reichstag. Berlin, 30. Rov. (V. D. Z.) Das Haus setzt die zweite Beratung des Rachtragset a t s beim Haushalt des Ministeriums für die besetzten Gebiete fort. Qlbg. v. Dryander (Dntl.) erklärt die Zustimmung der Deutschnationalen zum Rachtrags- etat Im letzten Jahre seien die berechtigten Hoffnungen der Bevölkerung des besetzten Gebiets auf baldige Räumung enttäuscht worden. Um so notwendiger sei schnelle Hilfe für diese Bevölkerung, um ihre körperliche und nationale Widerstandskraft zu erhalten und zu stärken. Abg. Hofmann (Z.) begrüßt die biSher'ge.i Hilfsmaßnahmen für die Saargänger und fordert weitere Fürsorge für diese 22 000 Menschen, die im Reichsgebiet wohnen uird im Saar- gefciet ihr Brot finden. Im Grenzgebiet an Saar und Mosel sei die Qlot ungeheuer groß. Durch die unnatürliche Grenzziehung bei Gupen-Mal- medy seien treue deutsche Gemeinden geradezu vom Verkehr mit dem übrigen Reichsgebiet lc>s- qeriffen worden. Hier sei schnelle Hilse erforderlich. Leider seien die von Thoiry und Genf erhofften Erleichterungen bisher ausge- blieben. Abg. Dr. Zapf (D. Vp.) begrüßt die Erhöhung des Fonds für „kulturelle Fürsorge" für die besetzten Gebiete. Das Rheinland sei den Männern dankbar, die die Locarnopol.ttk gemacht Linie die Rückübernahme der Versorgung der Rentner auf das Reich, sodann eine feste Um- reißung des Begriffes „Kapitalrentner", ferner die Gewährung einer Rente abgeftuft nach dem früheren Vermögen vorsieht und für den Ausbau der Organisation besttmmte Vorschläge macht, die in einer letzten Instanz beim Reich auemünten. Die Rot der deutschen Qtentner macht es zur gebieterischen Rotwendigkeit, daß die gesetzgebenden Körperschaften die Frage erneut auf nehmen und prüfen. Das frühere Klein- rentnergefet) des Jahres 1923 bot bei aller Unvollkommenheit den Rentnern gewisse gesetzliche Sicherungen. Rachdem die Verordnung über die Fürsorgepfticht an die Stelle dieses selbständigen Gesetzes getreten ist, werden 330 000 bis 320 000 Kapitalrentner in Deutschland von dieser Fürsorge erfaßt. Diese in der Form de- müttgende und ungenügende auf das Wohlwollen abgestellte Fürsorge zu einer wirklichen würdigen Versorgung mit Rechtsansprüchen auszugestalten. wird die nächste und wichtigste Aufgabe fein. Rur so kann die Tragödie des deutschen Kapitalrentners zu einem versöhnenden Abschluß gebracht werden. Die Regelung -er Arbeitszeit. Besprechungen der Parteien. — Tie Frage «der freiwilligen Mehrarbeit. Berlin, 30. Rov. (D. D. Z.) Im Reichstage fanden heute nachmittag Verhandlungen des Reichskanzlers und des ReichsarbeitsMinisters mit den Führern der vier Regierungsparteien über die Frage der Arbritszeitregelung statt. Cs handelt sich darum, schon jetzt, vor der Regelung im A. beitsschutzgesetz eine provisorische Lösung der Arbritszeitfrage zu finden die nach allen Seiten eine befriedigende sein kann. Das Ergebnis der heutigen Besprechungen war, daß ein kleiner Ausschuß von Vertretern der Regierungsparteien bestimmte Vorschläge for- mulieren soll, über die am M fttwoch weiter verhandelt werden wird. Strittig ist hauptsächlich die Frage der sogenannten freiwilligen Mehrarbeit. Di der jetzigen Zula.san; einer beschrankten Ausnahme t>o.i grundsätzlichen Arbeitszeit von acht Stunden ist erfahrungsgemäß die Möglichkeit eines Mihbrauchs des Ausnahmerechtes gegeben. Es soll nun ein Weg gefunden werden, wie auf der einen Seite der Mißbrauch der freiwilligen Mehrarbeit ausgeschlossen wird, auf der anderen Seite aber die Möglichkeit offen bleibt, in besonderen De- dürfnisfällen von der Mehrarbeit der Angestellten und Arbeiter Gebrauch zu machen. Die letztere Möglichkeit w.ll insbesondere die Deutsche Dolkspartei offen lassen, da Fälle Vorkommen können, in denen eine Industrie infolge Mangels an ausgebildeten Arbeitern ohne Mehrarbeit nicht auskommen würde und in Gefahr geriete, ihren Absatz an das Ausland zu üerlieien. Ein solcher Fall ist z. B. bei der Tuchweberei denkbar, in der es an ausgebildeten Arbeitern mangelt. Anerkannt wird von der Deutschen Vrikspartei umgekehrt, daß z. D. in großen Baubetrieben die Mehrarbeit von Angestellten als freiwillige Mehrarbeit hingestellt wird, während eine große Reihe von Bankangestellten erwerbslos ist. die kehr wohl zur Dewältigung der Mehrarbeit in die Betriebe wieder eingestellt werden könnten. Das Schundftteraturgrsetz Aompromißverhaudlungen der Regierungsparteien. Berlin, 30. Rov. (TU.) Durch die Ablehnung dec Paragraphen 2 und 3 des Geic.es zur Bewahrung der Jugend vor Schänd- und Schrnuhschriften sind bis zur 3. Lesung neue Komprornihverhandlungen unter den Regierungsparteien erforderlich g.wordcn S e e Verhandlungen werden offiziell erst am Mit w'ch- nachrnittag beginnen. Ader 'chon heute haben vorläufige Fühlungnahrnenp r önlicher Art unter den Vertretern der Regierungsparteien siattgefunden. Danach kann man Wohl annehmen, daß die Ausrichten für das Zustandekommen des Gesetzes in der dritten Lesung eher besser als schlechter geworden sind. Cs schrint, daß ein Kompromiß auf der Linie mit Aus'icht auf Erfolg gesucht wird, daß das Zentrum der Reichs- prüf stelle zustimmt, wenn dirie im E i n- vernehmen m ft den Landesregierungen gebildet wird, und dann in der Zu'ammen- setzur.g der Prüfstelle den Wünschen der Deut- 'chen Dolkspartei im Sinne der ursprüngl chen, Regierungsvorlage Rechnung getragen wird. Gleichwohl ist die S tuation noch schwierig, da zu erwarten ist, daß die Demokratisch« Partei auf der Reichsprüfstelle bestehen wird, während die Bayerische Dolkspartei an den Landesprüfstellen festhält. haben, aber bis zur Stunde warte das besetzte Gebiet auf den Sperling. Len man in Locarno in der Hand zu haben glaubte. Die Besatzung dauere noch immer fort mit den Begleiterscheinungen, die nur als rechtswidrige ^lebrrschrei- tungen des Versailler Vertrages bezeichnet werden könnten Die unerhörten Uebergrtife und Gewalttaten französischer Besahungssoü>aten seien noch immer ungesühnt, wie der Fall Rouzier. Reichsminister Dr.. Dell: Mit dem Geist von Thoiry und Locarno ist die Fortdauer der Besetzung des Rheinlandes unvereinbar. Don den Hoffnungen, die an die Versicherungen deS französischen Ministers geknüpft wurden, kann man mit dem Dichter sagen: „Wie weniges hat sich entfaltet, dies wenige, wie klein und arm". Wir haben volles Verständnis dafür, wenn von der anderen Seite Achtung vor der Ehre Frankreichs verlangt wird. Wir müssen aber erwarten, zumal nach unserem Eintritt in den Völlerbund, daß auch wir als eine Kulturnation gewürdigt werden, und dah man auch jenseits unserer Grenzen nicht vergessen darf, dah auch wir Deutschen eine Ehre haben, deren Schutz wir in vollem Mähe für uns in Anspruch nehmen. (Beifall.) Damit ist nicht nur der Fortbestand der Besatzung, sondern vor allem auch die fremde Gerichtsbarkeit und die Art, wie wir bei dieser Gerichtsbarkeit behandelt werden, schlechterdings unvereinbar. Gerade weil wir von der Aufrichtigkeit der Worte Briands voll überzeugt sind, müssen wir erwarten. dah den Worten nun auch endlich Taten fragen. — Der Minister geht dann auf die Hilfsmaßnahmen ein. Sn größerem Umfange solle auch den Votleidenden aus Kleingewerbe und Landwirtschaft im westlichen Grenzgebiet geholfen werden. Bisher seien dafür von den Ländern sechs Millionen und vom Deiche drei Mlllionen zur Verfügung gestellt worden. Die Erwerbslvsenziffer sei im besetzten Gebiet weit größer älS in anderen Deichs gebieten. Zur Linderung der Dot sollte die Wirtschaft bevorzugt berücksichtigt werden bei der Vergebung von Aufträgen des Reiches, der Länder und der Gemeinden. Reben der Staatshilse sei notwendig auch die Hilfe durch Handel, Industrie und Gewerbe des unbesetzten Gebietes. Die Ausschreitungen von Angehörigen der Bes?.hungsarmee haben sich in ausseheneregender Weise gehäuft. Richt weniger als 45 Fälle überwiegend ernster Ratur, haben die Bevölkerung in tiefe Erregung verseht. Wir bvnühen uns um eine wesentliche Reform der Militär- j u st i z bei den Verhandlungen über die Ordonnanzen, über die lebhafte Klagen bestehen. Ter Fall von Germersheim wird am 20.Dezember zur Verhandlung kommen und von/ deutscher Seite wird alles getan werd-n, was zu einer restlosen Aufklärung erforderlich ist. damit die Tat, die den Tod eines DeUt-t>-»-r^ und schwere Verletzungen zweier Deutscher Folge hatte, ihre gerechte Sühne findet. Dank unb Anerkennung schulden wir »er Bevölkerung des besetzten Gebietes für ihre unbeirrbare korrekte Haltung gegenüber den Llus- schreituugen und Angriffen. Wir hatten am 15. März 1926 eine Besatzung von 88 000 Mann, am 15. September von 80 000 Mann. Da- ist keine Herabminderung, wie sie einer Kulturnation von der Bedeutung und Vergangenheit der deutschen Ration, wie sie eines gleichberechtigten und gleichwertigen Mitgliedes des Völkerbundes würdig ist. ('Beifall.) Es ist schlechterdings un-tragbar, dah in Genf im Völkerbund und Völkerbundsrat die Vertreter der deutschen und französischen Ration einträchtig und friedlich zusammenarbeiten für den Wiederaufbau Europas und für die Erhaltung der Kultur des Abendlandes, und daß dann noch eine Besatzung, zumal in einer solchen Stärke, in unterem Dater- lande besteht. (Lebhafte Zustimmung.) Darum möchte ich nachträglich das Wort unterstützen, das hier vor wenigen Tagen ausgerufen worden ist: Jetzt hat Frankreich das Wort! Seht muh Frankreich zeigen, daß nach den schwc- «n und grohen Opfern Deutschlands auch Frank- Hich sich nicht mit bloßen Verheißungen begnügt, sandern daß es aus dem Rebelgebllde des Denkens an Versöhnung und Verständigung hinaus- tritt in die praktische Verwirklichung deS gleichen Rechts auch für Deutschland. Erne errrft gemeinte Verständigung kann nur dar'n bestehen, daß die Besatzung, die heute noch wie ein Alpdruck auf dem besetzten Gebiet lastet, sobald tote möFich verschwindet. (Lebhafter Beifall.) Abg. Behersdörffer (Dechr. Vp.) bedauert, daß die Wirtschaft im unbesetztenDeutsch-- land zu wenig älnterstütztfngsbereitschast für das besetzte Gebiet zeige. Der Haushalt wird nach den Ausschußvorschlägen bewilligt. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch. Der Ankauf der D. A. Z. durch das Reich. Ltresemarm im Haushaltsausschriß. Berlin, 30. Rov. (DDZ.) Der Haushaltsausschuh des Reichstages setzte heute die Beratung über den zweiten Rachtragsetat für 1926 beim Auswärtigen Amt fort. Es folgte zunächst eine Aui spräche über den Ankauf der „D.A.Z.". Reichsminister des Aeuheren, Dr. © 11 e fern a n n. wiederholte zunächst seine Erklärungen über den Ankauf der „D.A.Z.", dir er s. Zt. im Auswärtigen Ausschuß abgegeben hatte. Der Minister fügte hinzu, daß bereits das erste Reichskabinett Luther den allerdings vergeblich gebliebenen Versuch gemacht habe, das ■Unternehmen zu erwerben. Damals s.i Preußen dem Reiche zuvorgekommen. Sm Snteresse der Säuberung der Reichspolitik sei dann durch das zwefte Kabinett Dr. Luther aus preußischem Besitz die »D.A.Z." angekauft worden. Das Reichskabinett habe sich aus sachlichen Gründen itach eingehenden Erwägungen entschlossen die .D.A.Z." nicht als selbständiges Ertoerbsunternehmen dcs Reiches in den Etat einzustellen. Die zu diesem Ankauf erforderlichen Mfttel wurden zwei Dispositionsfonds entnommen. Es wurde also' i n etatrechtlich einwandfreier Weise verfahren. Die Llbg. Stoecker (Kom.) und Kube (Völk.) Initiierten scharf das Vorgehen der Regierung, das sie als eine Umgehung des EtatS- aefetzes und eine absichtliche Verschleierung des Tatbestandes bezeichneten. Der Abg. Hergt (Sn.) hielt die Ausgaben für den Ankauf der „D. A. Z." und für die laufenden Zuschüsse mit der Bezeichnung der Fonds. die lediglich die Förderung des Rachrichtenwesens zur Aufgabe haben, für unvereinbar. Reichsaußenminister Dr. Stresemann verbreitete sich dann übet die etatrechtliche Selle der Angelegenheit. Er legte die Gründe dar, die die Regierung bewogen habrn. die „S. A. Z." nicht im Sinne der früheren „ Norddeutschen Allgemeinen Zei.ung" offiziell als Degierungsorgan zu bezeichnen. Abg. v. Gu6rard (Zeickr.) etflärte, durch das Bekanntwerden des Reichsbesches sei leider die Lage eine völlig andere geworden und es bestehe die Gefahr, daß sie zur alten Rorddeutschen Allgemeinen Zeitung herabgleite. Deshalb werde die „D. A. Z." doch einmal wieder ab» gestoßen werden müssen, weil nunmehr der Zweck des Ankaufs verfehlt sei. Es müsse aber der Regierung dafür die Snitiative belassen werden. Abg. Müller-Franken (Soz.) nennt das Experiment mit dem Ankauf der Zeitung verfehlt und spricht den Wunsch aus, das Verhältnis dieser Zeitung zur Regierung sobald als möglich zu lösen. Reue Deutschenhetze in Ostoberschlesien. Polnische Temonftrationen gegen den deutschen Wahlsieg. B e u t h e n , 30. Rov. (WB.) As Demonstration gegen den Ausfall Der Gemeinde wählen in Polnisch-Oberschlesien hat am Sontag in Katt owih ein Aufmarsch der polnischen Aufstandischenverbände stattge- funöen, bei dem der polnische Snnenminifter und der Wojewode Ansprachen an die Demonstranten richteten. Sm Demonstrationszuge wurden Plakate mitgeführt, die unter hetzerischer bildlicher Darstellung Die Vertreibung der Deutschen, die Auslösung und Vertreibung des Deutschen Volksbundes, dir Entlassung der sich zum Deutschtum bekennendrn Staats- und Kommunalbeamten, die Ungültigkeitserklärung Der Gemeindewahlen und anderes mehr verlangten. Obwohl die genannten hohen polnischen Funktionäre zugegen waren, und obwohl zahlreiche Polizei zu Ach und zu Pferde aitfgeboten war, wurde gegen diese verhetzende Agitation nicht eingeschritten. Sie hielt auch den polnischen Snnenminifter und Woje- woden nicht ab, ihre Ansprachen auf Dem Marktplatz zu halten. Der Reichs- und Staatsvertreter bet Der Gemischten Kommission wird daher unter Hinweis auf Artikel 83 des Genfer Ablommens die Aufmer.samkeit des Präsidenten Ealonder auf diese Vorfälle lenken, da nach diesem Artikel die vertragsschließenden Teile verpflichtet sind, allen Einwohnern des Abstimmungsgebietes ohne Unterschied Schutz ihres Lebens und ihrer Freiheit zu gewährleisten. Wie die „Schlesische Volkszeitung" aus Laurahutte meldet, haben sich die Sicherheits- Verhältnisse seit Den Wahlen erheblich verschlechtert. Sn Den letzten Tagen ist ein Hütteninspektor und ein Derginspektor von Banditen überfallen und schwer mißhandelt worden, Sn Der Rächt zum Sonntag haben die Polen die höhere deutsche Minderheitsschule angegriffen. Sämtliche Fensterscheiben wurden eingeschlagen. Die ViermSchtestonfersnz Französische Befürchtungen. Paris, 30. Rov. (TU.) Rach den gestrigen offiziösen italienischen Erklärungen werden Die Aussichten für eine Diermächtekonserenz (Deutschland, England, Frankreich und Stalien) wiedev als besser bezeichnet'. Das „Echo de Paris" befürchtet daher, daß sich Briand schließlich doch „überreden" lassen werde, mitzmnachen. DaS Blatt benutzt Die Gelegenheit, um erneut gegen eine solche Konferenz zu plädieren, die ‘^ranT- reich keinerlei Vorteile bringen könnte. Es wurde besser sein, wenn man den Völkerbunds- rat allein handeln ließe. Die italienisch-französischen Fragen ließen sich am besten in direkten Verhandlungen zwischen Den beiden Staaten regeln. 'Wenn Briand mit Der Viermächtekonferenz einem ttalieni sch-deutschen Zu- samm en gehen vorgreifen wolle, so werd« er gerade das Gegenteil erreichen. Eine Derartige Konferenz werde die Zusammenarbeit zwischen. Deutschland und Stalien nur oe*7chleunigen. Die italienische Spionage in Frankreich. Paris, 1. Dez. (TU.) Wie sich ein Spätabendblatt aus Rizza melden läßt, sind im Anschluß an die Verhaftung der italienischen Spione Prvpoce und Latapie zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden. Die französische Polizei soll Beweise in den Händen haben, nach denen Stalien großes Snteresse für die Anlegung neuer Straßen, der Unterhaltung des französischen Eisenbahnnetzes und an Den französischen Flugplätzen nähme. Außerdem sollen zwei Dokumente aufgefunben worden fein, die sich auf Den Zustand Der französischen Häfen in Algerien, die französischen Truppenbestände in Marofto und die Militärfahrzeuge beziehen. Man mißt in Pariser Kreisen dieser Rachricht sensationelle Bedeutung bet Die deutsch-englischen Industrieverhandlungen. Berlin, 30.Rov. (WTB.) Die Begegnung zwischen Derttetern des Reichsverbandes Der deutschen Industrie und Der Federation vf British Industrie wird, toic der Reichsverband mitteilt, am 3. Dezember vormittags in London statt, inden. Bon deutscher Seite werden Der Vorsitzende des Reichsverbandes, Geheimrat Professor Duisderg, Der erste stellvertretende Vorsitzende Abg. F r o w e i n - Elberfeld, Staatssekretär z. D. Dr. v. Simson, DorsitzenDer der handelSpoliti- schen Kommission Des Reichsverbandes, Das ge- schäfts führende PräsidialmitglieD Geheimrat K a st l und Der Geschäftsführer Dr. Serie, von englischer Sette Der derzeitige Präsident bzw. Vizepräsident Eric Geddes, Col. the hon. Ver- non Willey, Eol. O. C. Armstrong. D. S. C. Vincent Caillard und Peter Rylands teilnehmen. Der Reichsverband entspricht mit Der Eilsendung Der Dem engeren Kreise Des Präsidiums und Der Geschäftsführung angehören- Den Herren einer Einladung. Die im Auftrage ces Vorstandes Der FeDeration Der erste Geschäftsführer Mr. Rügen und Der Referent für Deutschland. Mr. Ramsden, im Sommer in Berlin überbrachten mit dem ausgesprochenen Zweck, Die Mlg ichkeiten Der Zusammenarbeit zwischen den beiden Die Gesamtindustrie iyrer Länder um. aff en Den Verbänden zu erörtern. Die im Rahmen und unter Ausschluß Der Belange einzelner SnDuftrieen zu führenden Erörterungen sind allgemeiner wirtschaftspolitischer Ratur und werden voraussichtlich Handels- und zollpvlitische Fragen, gewisse Puntte Der Weltwirtschafts- konferen;. Das Ausstelluitgs- und Messewesen sowie das Problem der Doppelbesteuerung einen größeren Raum einnehmen. Ernste Lage in China. Die Fremdemnederlassmtgen in Hankau bedroht. London, 30. Rov. (ZU.) Infolge des gestrigen Rücktritts der chinesischen Regierung schwebt das diplomatische Korps wieder einmal völlig in dec Luft, da keine Körperschaft vorhanden ist, mit der sie sich in Verbindung sehen könnte. Die neuesten Rachrichten aus China lauten wiederum außerordentlich ernst. 3n Schanghai ist die Lage sehr gespannt, da kommunistische Agitatoren mit allen Mitteln versuchen, einen General- streik zu proklamieren. 3n hankau ist nunmehr auch eine französische Truppenabteilung zum Schuhe der Fremden gelandet. Zur Zeit liegen in den chinesischen Gewässern 15 englische Kanonenboote und vier Kreuzer. Auf dringendes Ersuchen des amerikanischen Generalkonsuls sind auch zwei amerikanische Zerstörer von Schanghai nach hankau abgegangen, da dft Lage wegen des Generalstreiks und frem- denfeindllchen Kundgebungen für das ganze Jrem- benoiertel in hankau bedrohlich zu werden beginnt Besonders fehlt es an Rahrungsmitteln. Die beiden Zerstörer werden entsprechend dem Dorgehen der Engländer und Franzosen Mannschaften landen, um die amerikanischen Staatsbürger schützen zu können. 3n ganz Mittelchina herrscht Hungersnot Bewaffnete Banden, die der Kanton-Armee angehören, sollen offen in die Jrembennie- derlassungen eingedrungen fein. In ganz hankau herrscht Schrecken, wie weiter gemeldet wird, herrscht trotz der Zunahme der bolsche- wistischen Propaganda in Schon ghai Ruhe. Täglich werden Hunderte von Verhaftungen vorgenommen. Die rumänische Krisis. Um die Rückkehr Carols. — Ein Brief König Ferdinands. Bukarest, 30. Ilov. (TU.) Die Dynastische Krise nimmt immer kritischere Formen an. Die Regierung hat eine große Anzahl von Offizieren, Die Anhänger Des früheren Kronprinzen Carol finD. aus Bukarest entfernt oDer pensioniert. Auch Die Bewegung in Der Bauernpartei wird für Die Ruhe Des Landes bedenklich, Da Die Partei offen zugibt, daß sie Die Rückkehr Carols fordere. Gestern wurde Den Bukarester Blättern im Ministerium des Snnem mitgeteilt, daß Die Zeitungen toeDec über das Befinden des Königs noch über Die Frage der Thronfolge berichten dürften. Der König hat an Den Ministerpräsidenten einen Brief gerichtet, in Dem es u. a. heißt: Glücklicherweise kehren meine Kräfte in letzter Zett wieder und ich glaube, daß ich wie bisher meine Pflichten gegen Vaterland und Volk werde erfüllen können, Tlebrigens habe ich bewiesen, daß ich Die notwendigen Beschlüsse in Selbstüberwindung zu fassen verstand, handelte es sich nun um Die Aufopferung persönlicher BanDe im Sn» tereffe Des Vaterlandes ober um Die notwendige Entschlossenheit als König, Den Folgen der Verirrungen eines heißgeliebten Kindes ein Ende zu machen. Sch habe also das Recht, zu glauben, Daß niemand an meiner beständigen Sorge zweifeln kann, in vollem Maße meine Pflicht bis zum letzten Atemzuge zu erfüllen. Dieses von meinem Onkel, dem erstell König von Rumänien, begründete Werk, werde ich entschlossen nerteiDigen, indem ich alle Anstrengungen mache, um ihm eine sichert', aus Den Ruhm der Dynastie und die Konsolidierung pes Staates gegründete Zukunft zu gewährleisten. Sch bin überzeugt, daß ich hierbei die älnterstühung aller guten Rumänen erhalten werde, in erfter Linie aller mir treu ergebenen Berater. Diese werden alle nationalen Kräfte zu sammeln verstehen, um einen Wall um Den Thron zu bilden, damit meinen Entschlüssen und meinen Handlungen Achtung verschafft werde. Königin Maria ist heute vormittag elf Tlhr von ihrer Amerikareise in Cher- burgeinget rossen. Die Königin hat sich am Rachmittag mit einem Sonderzuge nach Paris begeben. Der Vorsitz auf der Ratstagung. Berlin. 1. Dez. (WTB.-Funkspruch.) Der „Vorwärts" meldet aus Brussel: Außenminister Dr. St re fe man? hat dem Generalsekretär des Völkerbundes während seines 'Berliner Aufenthaltes vorgeschlagen, den Vorsitz für die Dezember - Tagung Les Völkerbunds- rates "Belgien ^u übertragen und Deutschland Den Vorsitz während der März-Session zu überlassen. Vandervelde dürfte bereit sein, diesem Vorschläge zu entsprechen. Tschitscherin kommt nach Frankfurt. 3369t Frankfurt a. M-, 30. Nov. Der russische Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, Tschitscherin, ist heute nachmittag, von Leningrad kommend, auf dem Seewege in «Stettin ringetroffen. Tschitscherin trat abends 7 Uhr die Weiterreise nach Berlin an, wo er deutschen Regierungsvertretern Besuche abstatten wird. Bor- aussichtlich tritt er schon am morgigen Tage die Weiterreise nach Frankfurt an, roo er sich wegen eines schweren Leidens in die Behandlung des Professors n. Roorden begeben wird. Aus aller Welt. DerAusbruch aus dem ttleiwitzer Gefängnis G l e i w i 8, 30. Rov. (TU.) Die Befreiung der zehn Gefangenen aus dem hiesigen Gerichtsgefängnis hat gestern abend zur Verhaftung des ge- fessest aufgefundenen Justizwachtmeisters Krouse geführt. Er wird wegen Mittäterschaft und Bestechung dem zuständigen Richter zuge- führt werden. Bei Der Vernehmung verwickelte er sich in eine Reihe von Widersprüchen. Außerdem wurde bei ihm ein Betrag von 300 Mk. vorgefunden, den er angeblich von feiner Braut aus Leob- schütz erhalten haben will. Es steht fest, daß die Besreiungsaktlon von langer Hand von polnischer Seite vorbereitet war. Alle zehn Befreite sind über Die Grenze nach Ostoberschlesien in polnisches Gebiet entkommen. Einer von ihnen teilte Das Gelingen seiner Flucht durch Telegramm an das Gleiwitzer Gerichtsgefängnis mit. Ter Prozeß gegen den Iuwelenräuber Spruch. Dor Dem erweiterten Schöffengericht Ehar- lottenburg fand unter großem Andrang Des Pu- blllums Der Prozeß gegen Den Sutorienräubet Spruch statt Die Anklage lautet trotz Der abgegebenen Schüsse mir auf vollendeten schweren Raub. Die ursprünglich beabs.chttzte Anklage wegen Mordversuches hat Di:Staatsanwalt- schast fallengelassen. Wegen Hehlerei mitange- klagt sind Die Schwester Des Hauptangellagtrn Charlotte Spruch, sowie seine SreunD.-n, Die Filmstatistin Else Ring hausen. Der er auL Dem Raub eine Perlen! rite unD eine Tlhr mit Kette geschenkt hat. Se- Hauptangellagte So- hannes Spruch äußerte sich Dann zur Lat selbst. Er habe sich überlegt, Dah man als Abenteurer berühmt werden könne. Es fei gerade Die Zeit Der Polizeiausstellung gewesen und er habe sich gedacht, es müsse euvaS geschehen. waS Die Welt noch nicht gesehen habe. oür Sutoelen habe ec sich immer schon inter- efjert. Brillanten hätten ihn fafriniert Wenn eö ntcht gelingen sollte, wollte er sich^erichieherr. Damit Dann nach seinem Tode Die Welt von ihm erfahren sollte. Auch Der Polizei habe er Dann schließlich sagen wollen, er sei Durch Eid gebunden, er sei nur Der aussührende Teil. Es fei aber anders gekommen. Drr Qlng^agte gab Dann eine genaue Schilderung Der Einzelhetten Des Raubes, sowie von seinen Bemühungen, sich den Rachforschungen Der Polizei zu entziehen. Die Angeklagte Charlotte Spruch bekundete, sie habe vorher keine 'Ahnung von Den Plänen ihres Bruders gehabt und ihm auch eine solche Lat nie zugrtraut. Erst abrndS habe sie von dem Raubübersall gelesen und Daran gedacht. Daß ihr Bruder Dabei im Spiele gewesen sein könne. Sie habe sich Dann enlschlo sen, die Sachen zu vergraben. 2lus Dem Plaidoher des OberstaatsancvÄts ist hervorzüheben, Daß er Das Gericht 5at. Die zur Verhandlung stehende Sache aus Der Atmosphäre des »Kientopps'" hrrairszuheben, in Die fte "hineingebracht worden fei unü Das Thema „Falsche HelDenvereT>rung" beiseite zu lassen. Es bleibe Dann nichts übrig als eins übler Raubüberfall. Die Tat sei lange vorbereitet gewesen. Psychopathische Züge könnte man allerdings heute in der Rachkriegszeit mit Leichtigkeit bei fc:r Mehrzahl Der Menschen leftfteUen. ES gehörten im Gegenteil eifern« Rerven Dazu, eine solche Tat in Der belebten Louentzienstrahe ouszuführen. Es werben Dann verurteilt: Johanne« Spruch wegen schweren Raubes, Rötigung und erfchtoer- ten Waffenbesitzes zu einer Zuchthausstrafe von sechs Sahren und zwei Monaten, sowie zur Aberkernrung Der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Sabre. Die Stellung unter Polizeiaufsicht wird für zulässig erklärt. Charlotte Spruch erhält wegen Sachhehlerei fünf Monate Gefängnis. Else Ringhausen gleichfalls wegen Sachhehlerei Drei Monate Gefängnis. Grohfeuer auf Der Magdeburger Zitadelle. Sn Der vergangenen Rächt brach auf der Magdeburger Zitadelle, in Der mehrere Gewerbebetriebe und Warenlager untergebracht sind Großfeuer aus, Das fast Die ganze Rächt wütete. Die Magdeburger Feuerwehr war in ihrer gesamten Stärke zur Löschung DeS BrandeS eingesetzt und erst in den Morgenstunden konnten die Züge nacheinander zurückgezogen werden. Die Aufräumungsarbeiten werden noch Den ganzen Tag über anDauern. Der Dachstuhl des Gebäudes ist ganz nie Dergebr a n n t. die Hälfte De« Snnengebäudes zum Teil ausgebrannt. Bei Den Löscharbeiten wurden mehrere Feuerwehrleute leicht verletzt. Der neue Präsident des „Sysfhäuserbunde»". Der Vorstand des Preußischen Lander- kriegerverbandes hat an Stelle des verstorbenen Generalobersten o. Heringen den General der Artillerie a. D. v. Horn zum 1. Präsidenten gewählt. Don Horn ist dadurch gleichzeitig 1. Präsident des Reichskriegerbundes ,.K y f s h ä u - s e r“ und der Deutschen Kriegerwohlfahrt s- g e m e i n s ch a f t geworden. Aus der provinzlalhauptftadt. Gießen, den 1. Dezember 1926. Die Jagd im Dezember. Der letzte Monat deS Weidnlannsjahres verheißt Dem Sünger Huberii noch manche Stunde froher Sägerlust. Doch nicht nur die FreuDe winkt, sondern auch die Pflicht ruft. »Kein Heger — fein Säger!“ Rach Dem weichen Rovember muß Der Säger für Den Dezember mit Frost und Schnee rechnen. Bleiben sie aus. um so btifer für unser Wild nach Dem für es schlechten diesjährigen Sommer. Kommen sie, Dann müssen sie Den Freund seines Wildes gerüstet f.nd:n. Wem die Winternot des Widles nicht ans Herz rührt, wer nach beendigtem Abschuß Den Weg ins Revier nicht mehr fintet, um sein Wild zu beobachten, zu füttern oder vor zwei- und vierbeinigem Raubzeug zu schützen, verdient nicht Den Ramen eines Weidmannes. Darum seien Hinweise au; Maßnahmen zum Schutze des Wlld^ vorausgeschickt. Wenn eine leichte Decke weichen Schnees die Erde deckt, vermag unser Schalerrwild sich genügen> Aesung durch Plätzen freizul?gen. A:iders aber, wenn lwher Schnee liegt. Harschschue. sich bildet und Glatteis alles überzieht. Das Wild bricht ein. die Läufe scheuern sich wund, es z e')t mühsam lrmher oder bleibt gar stehen. Entkräftung tritt ein. der Fuchs macht leichte Beute. Sind die Fütterungen vorbereitet. Dann weih Da« W ld. wohin es zu wechsln Hit in seiner Rot. Heu. Grummel, Laubheu. gttrocknete Himb:er'chöß- linge, Lupinen- und Haferstroh, Rüben, Kartoffeln, Rückstände der Aepfelweinkeltrrei, E cheln. Bucheckern, Roßkastanien, Vogelbeere u. a. bieten Dem Heger das, waS fein Wild braucht. Ein- fettige Fütterung ist zu verme den. DaS Wild ist Abwechslung gewöhnt. Einseitge Darb etung reiner Trocken- oder Raßfütierung kann daher zu Folgen führen, die nicht erwünscht sind. Falltolld zeigt dem 3ägtr, dah er bei allem guten Dillen Fehler beging. TS wäre auch verkehrt, Me t man bindet das Srodeaf utter in Bündeln an Pfählen oder Baumen an und bringt Darüber t eine Schutzdächer aus Holz oder Stroh unb Schilf an. Gut ist cs. wenn das nicht an einer Stelle g schiebt, damit das Mild wechseln muh. Ts ist g.-wohnt. In der Bewegung zu äfen. Schtee aber verbietet odcr erschwert ihm ditse notweTidig: Bewegung, wie nben schon barqetan. Zahlreiche Beobachtungen .Zeigen, wir dankbar ei ist, wenn ihm durch einen Heinen Schneepflug ein: Dahn gefahren wird, •auf der es ziehen kann. Daß man daran die Fütterungen anbringt, versteht sich ohne weiters. Mil Dem Schneepflug aber wird ihm auch seine beite Anfang, die natür'iche. zugänglich in Gr- ftalt ccn Hridekra'rt, Ginster. He d:lbsere. Do diese Pflanzen reichlich vorkommen, daneben noch die Brombeere, kann stch der Heg r hä-f a auf ihr Frellegen durch Re-en befchrärkm. FL len von Espen. Äapreln und aicheren Deichholzarten wird von aden chirfcharien und Haken, wie eifriges Aesen -'igt. dankbar begrüßt. Oe braucht wohl nicht besonders b?tont zu werden, daß Abschuß an Fütterungen eine jagdliche Derneinhet ist. Das Rotwild hat noch Schuhzeit. Die Hirsche sind wieder besser bH Dildbr t. D amwilb Hal die Brunft beendet. Auch der Schaufler ist wieder jagdbar. Schwarzwild, dessen nicht undeträchlliche Zunahme in Teilen von Oberhcssen sowie tm Westerwald' und Taunus nicht zu leugnen ist, beginnt zu rauschen. Es bricht im Dald nach Sichel- und Ducheaernmaft. tritt auch nachts auf die Felder, vor allem alte Kartoffelfelder. Jeder Spurschnee ist zum Bestätigen und Brjagen zu benutzen. DaS R c h w i l d hat ab 1. Dezember in Hessen Schonzeit, ebenso ist den benachbartrn Tellen der Rheinprovinz ldvtt schon seit 1. September!). Reben der Fütterung bedarf es vor allem des Schutzes gegen wildernde Hunde, dir in manchen Gegend?n anfa^gen, eine Plage X't werden, und gegen .stille Teilhaber" auS der Gilde der Schlingensteller, Wechsel öfters ausgehen! Der Hase wird in Hessen bis zum 31. De» zember grschvlsen. Die Zeit der FKdtre bjagden ist da. Auf alten Sturzäckern, an Feldrainen, im Buschwert ober in altem GraS sucht er srin Lager. Das Urteil über dir d esjähr gr Hasrnjagd lautet mit wenigen Ausnahmen: kläglich. Der vorsorgende Beständer wird daher bei den, diesjährigen Abschuß daraus bedacht sein, einen sicheren Bestand in« nächste 3abr hinüberzubring'n. Der Hase ist bei unseren veränderten Kulturverhältnissen 3um wirtschaftlich wichtigsten Wild geworden. Darum soll er auch wirtschaftlich besagt werden. Es dürste sich empfehlen. Telle des Reviers vom Beschuß auszuschalten und Standtreiben dem Kessel vorzuziehen. Trifft auch Mümmelmann die Strenge des Winters, bann ist er für Kleeheu Weichholz. Obstbaumabfall- Holz und Naßfuiter vorerwähnter Art dankbar. Auf Schlingensteller, denen der Schnee beim Hasen gerade ihr unsaubere» Handwerk besonders erleichtert, ist zu achten. Gartenzäune und -hecken nbfpürenl Man erleol Ueberrafchungen! Daß unsere Fasanen de st ände im allgemeinen einen Abschuß noch nicht gestatten, wurde schon früher betont. Um so mehr bedarf gerade der Fasan der hegerischen Sorge im Winter. Seine Fütterung kann mit der des Rebhuhnes, das nun Schonzeit hat. jusammen erfolgen. An die Winter- hege des Feldhuhns denken leider viele Beständer nicht. Dafür schimpfen sie aber im August um so mehr, daß die Hühnerjagd von Jahr zu Jahr schlech- ter wird. Wenn dabei wohl auch Gründe milfpre- chen. auf die der Jäger keinen Einfluß hat, so könnte durch Winterhege doch manches gebessert werden. Wenn der Schnee die Fluren bedeckt, sind die hungri- §en Hühner als schwarze Klumpen auf deckungsloser lache weithin sichtbar und jedem Feinde ausgesetzt. Im Zeichen der Feldbereinigung kennt man keine Hecken mehr. Wo der Singvogel nicht mehr brütet, findet auch das Huhn keinen Schutz gegen Habicht und Falke. Wo es nicht möglich ist, landwirtschaftlich ungenutztes Gelände mit Hilfe einer verständigen Gemeindeverwaltung in Vogelschutzgehölze und Remisen zu verwandeln, muß wenigstens im Winter künstlich für Deckung gesorgt werden. Auf- geschüttete Reisighaufen werden gern angenommen. Kleine Schutzhüllen au» Stroh oder Schilf erfüllen ihren Zweck. Strohdächer, die wie Mistbeetfenfter an der Weiterleite auf dem Boden liegen, auf der abgekehrten Seite aber so hoch vom Boden entfernt sind, das die Hühner gerade unterlaufen können, bieten Deckung und können zugleich als Futterplätze benutzt werden. Solche gedeckten Stellen müssen nie Fütterungen den Vorzug haben. An offenen Schuttungen stellen sich lehr bald alle möglichen Räuber ein. Heuabfall. Hinterkoni Getreide und Mais werden gefüttert. Rach solchen Stellen lassen sich Hulm und Fasan sehr gut hinfüttern, und die Fasanen erwarten dort mitunter geradezu den Jäger, der bie Fütterungen neu beschickt. Knollen wie B. Topinambur nimmt der Fasan tbensalls gern an. Der Fuchsbalg ift gut und fein Träger wird eifrig gejagt. Der schlechte Stand unserer Riederjagd läßt das auch begründet erscheinen. Es ist gerade in diesem Jahr auffallend, welche Fuchsstrecken zum Teil erzielt werden, oft bei Waldtreiben mehr Füchse al» Hasen. Bei Schnee kreist man ihn ein, besetzt mit wenigen Schützen die Wechsel, während 12 Treiber ihn rege machen. Hascnquäke und Mausepfeife bringen ihn vor da» Rohr, besonders wenn sie vom Hochsitz benutzt werden In mondhellen Rächten verspricht Ansitz am Luderplatz Erfolg. Bei gefrorenem Schnee maust er häufig untertags auf Feld und Wiese. Schließlich gilt ihm die Baujagd ebenso wie dem Dachs, der nun tief im Bau oerklüstet, seinen Winterschlaf hält. Enten ziehen und streichen. Bet Frost liegen sie gern in größerer Zahl an offenen Stellen. Nordische Gäste stellen sich neben unseren einheimischen Arten ein. Auch Gänse kommen al» seltene Beute gelegentlich oors Rohr. So sind Weidmannsfrcunden und Weidmannü- pflichten im Iulmonai verteilt. Wer die ersteren genießen will, darf die zweiten nicht vergessen. Rur p-ringe Mühe und wenig Opfer sind notwendig, um Gute» zu wirken, die sich zudem später reichlich bezahlt machen. „Der Heger, der Pfleger kann Jäger nur fein." Hubertus. Kraftwerk Oberweser. Das Preußische Staatsministerium legt jetzt dem Preußischen Landtag den Jahresbericht der Preußilchen Kraftwerke „Oberweser" A. G. für 1925 26 vor. 3m Rovember 1925 tour'e die Belieferung der neu angeschlossenen Städte Frankfurt a. M. und G ie h e n ausgenommen. Zur Erzielung einer größeren Inneren Festigung des noch in den Entwicklungs- jahren befindlichen Hnternehmens soll von der Ausschüttung einer Dividende Abstand genommen und der Reingewinn zuzüglich eines Vor- trafei aus dem vorigen Geschäftsjahre im Gesamtbeträge von 430 354 RM. auf neue Rechnung vorgelragen werden. BZettervo raussage. Wolkig bis bedeckt, nur ganz vorübergehend schwacher bewölkt und Abschwächen des Frostes, auch Riederschläge (nut anfangs Schnee). Gestrige Tagestemp'-raturen: Maximum 1,5, Minimum minus 0,2 Grad Delfins. Heutige Morgensemperatur: 1,5 Grad Celsius. Bornottzen. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 7.30 Uhr, „Und Pippa tanzt" (Ende gegen 10.15 Uhr). — Sängerkranz. 8 Uhr, Neue Aula der Universität, Konzert „Samson". — Deutsche Demokratische Partei: 8.15 Uhr, Turnhalle (Os- waldsgarten), öffentliche Versammlung. — Elsaß- Lochringer: 8.15 Uhr, „Hotel Köhler, Monatsversammlung. — Radfahrerklub „Germania": 8.30 Uhr, Vereinslokal, Monatsversammiung. — Lichtspiel- haus, Bahnhofstraße: „Der Seekadett". — Astoria- Lichtspiele: „Schatten der Weltstadt". — Oberhessischer Geschichtsverein. Man schreibt uns: Auch der zweite Vortrag dieses Winterhalbjahres wird im Zeichen der Hessischen Kirchengeschicyte stehen. Der Direktor der Stabt- biicherei in Darmstadt, 5)err Dr. Adolf Waas, spricht am morgigen Donnerstag (2. De,zember) über „Eigenkirchenrecht und Investiturstreit". In erster Linie werden von dem Vortragenden, der schon mehreres über diesen Gegenstand und andere damit zusammenhängende Fragen veröffentlicht hat, neben mittelrheinischen vor allem die auf Oberheffen bezüglichen Urkunden herangezogen werden. — Wir verweisen auf die Anzeige in Der Samstagnummer des „Gießener Anzeigers", und machen besonders darauf aufmerksam, daß der Vortrag puj n k t l i ch um 8 Uhr beginnt, da der Redner art demselben Abend Gießen wieder verläßt. — Im Goethe-Bund wird am kommenden Freitag Karl Ettling er aus München aus seinen heiteren Werken vorlesen. Ein buntes Allerlei von Epigrammen, Gedichten, Skizzen und Erzählungen mit Geist und feiner Ironie gedichtet, mit Geschick und Wirkung zusammengestellt, wird Der Dichter bringen und damit seinen Zuhörern einen Abend voll sprudelnden Humors schenken. (Siehe heutige Anzeige.) _________________ •* Zur Volksabstimmung am 5. De- I zember. Das Kreisamt Gießen hat die A b st i m - mungszeii in Gemeinden mit weniger als 1000 Einwohnern auf die Zeit von 10 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags festgesetzt. In allen übrigen Gemeinden bauen bie Abstimmung von 9 Uhr vor- mittags bis 6 Uhr nachmittags. Die Ermittelung bes Abstimmungsergebnisses muß noch am Abenb bes Adslimmungstage, (5. Dezember) vorgenommen und abgeschlossen werden. *• Die Einteilung der Gießener Wahlbezirke zur Volksabstimmung wird im heutigen Anzeigenteil bekanntgegeben. Besonders sei darauf hingewiesen, daß da» Abstimmungslokal für Besirk 12 lbisher Handelskammerqebäude, Lonystr.7» nach dem Gymnasium, Südanlage 6, verlegt worden ist. Stimmscheine können nur noch bi» Freitag, J. Dezember, nachmittags 6.30 Uhr. ausgestellt werden. ’* Die Ergänz ungswahlen zur Handelskammer Gi eßen-Al»seld-Lau ter- bad) brachten gestern in Gießen die Wiederwahl der Herren Kommerzienrat Adolf Klingspor. Kaufmann Leopold Mayer und Kaufmann August Noll. In Lich wurde Drauerelbes.tzer Heinrich Ihring wiedergewählt. Das Ergebnis der gestrigen Wahl In Lauterbach liegt zur Stunde noch nicht vor. In Alsfeld geht die Wahl erst heute vor stch. " Die Denk malpsleger für Ober» dessen. Zur Vermeidung von Irrtümern weift Das Kreisamt Gießen darauf hin, daß als Denk- malpslegcr für die Provinz Oberhessen folgende Herren bestellt finb: für Baudenkmäler: Geh. Baural Pros. Walde, Darmstadt. Roquette- w«g 12: für Bodenaltertümer: Studienrat Prof. Helmte, Gießen. Ostanlage 31; für die Urkunden des Landes: die Direktion des Hess. Staatsarchivs, Darmstadt, Schloß bzw. deren besonders Beauftragter: Studienrat Prof. Dr. W. Martin Becker, Darmstadt, Büchner- st ratze 15. ” Veränderung im Dorstand des Hauptzollamtes. Zollrat Hellwig, der Vorstand des hiesigen Hauptzollamts. trat gestern infolge Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand. Seine Verabschiedung erfolgte durch den Abteilungspräsidenten des Landesfinanzamts Darmstadt, der ihm in einer Ansprache vor den versammelten Zollbeamten den Dank der Verwaltung für sein außerordentlich verdienstvolles Wirten abstattete. Seilens der Beamten sieht man den tatkräftigen und vorbildlichen Vorgesetzten nur ungern scheiden. ** Dienstjubiläum bei der Reichsbahn. Am heutigen 1. Dezember begehen die Lokomotivführer Fr. Martin. Glaubrechtstraße 12, und Ab. Gabriel, Am Steg 14, ihr 25jähriges Dienstjubiläum bei ber Reichsbahn. Die Ortsgruppe Gießen ber Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer ehrte die Iubilarc durch Ueberreichung eines Diploms. " Von der KrüstPost Dietzen- Krosdorf - Fellingshauseu. Anstatt der Fahcien Gießen Bahnhof ab 5.35 Ahr nachrn.. Krofdorf an 5.55 Ahr und Gießen Bahnhof ab 6.25 Ahr abends, Fellingshausen an 6.58 Ahr, sowie ob Krofdorf 6.00 Ahr abends, an Dießen Bahnhof 6.20 Ahr, ab Fellingshausen 7.05 Ahr abends, an Gießen Bahnhof 7.38 Ahr, werden jetzt folgende Fahrten ausgeführt: Gießen Bahnhof ab 5.35 Ahr nachrn.. an Fellingshausen 6.08 Ahr, ab Gießen Bahnhof 6.50 Ahr abenbs, an Krofdorf 7.10 Ahr, ab Fellingshausen 6.12 Ahr abends, an Gießen Bahnhof 6.45 Ahr, ab Krofdorf Apotheke 7.18 Ahr abends, an Dietzen Bahnhof 7.38 Ahr. *• We ihnachts - Messe. Die Ortsgruppe Gießen des Verbandes „Deutsche Stauen Reibung und Frauenkultur" veranstaltet zur Zeit im Saal- bau Sauer eine Weihnachtsmesse. Der Verband lieht bekanntlich eine seiner Hauptaufgaben darin, in Veranstaltungen aller Art Dafür zu werben, daß de.n Kleide der Frau durch mrbedingte Echtheit in Material und Farbe und durch individuelle Formgebung eine persönliche Rote zu cebeu fei. An der einen Saalwand zeigt die Ausstellung in bunter Reihe eine große Anzahl v.ad) o'i em Gesichtspunkt angefertigte K eidungs- iiüde litt Stauen. Sie sind in den Werkstätten des Verbandes hergestelll und zeigen gefällige Formen und ansprechende Farben. Anschließend daran bringt eine hiesige Firma Stoffe zur Schau, die den Anforderungen des Verbandes entsprechen. An der gegenüberliegenden Wand ist naturgemäßes Schühwerk ausgestellt. Daneben und auch in der vorderen Saalecke sieht man in großer Auswahl schöne Spielsachen und ‘Silber- büchrr, bei Deren Anfertigung man sich srrigehal- icn hat von allem Schablonenhaften. ES ist keine Fabrikware, was hier gezeigt wird, sondern gediegene, bandwerkSmätztg hergestellte Arbeit, Die allen Anforderungen an ein gutes Spielzeug vollauf entspricht. An der Straßenseite des Saales werden an zwei Stellen von bekannten Firmen keramische Arbeiten ge^et* die durch ihre schönen Formen und prächtigen Farben beweisen. daß sich auch bei der Ausschmückung Der Wobnung Der iT-runMan der Material- und Sarbed)t6cit Durdfübren läfjt. An derselben Seite legt eine hiesige Buchhandlung einschlägige Literatur in reicher Auswahl vvr. Gestern wurde Den Besuchern noch ein besonderer Genuß Durch Gymnastik - Vorführungen Der Loheland- Schule geboten. Die Leiterin dieser Veranstaltung gab zunächst in einem einleitenden Vortrag einen lleberblid übet die Arbeit der Schule. Diese lehrt Gymnastik. nicht Tanz. Drei Schülerinnen der Schule führten dann eine große Zahl von Hebungen vor. Die die vielseitige Ausbildung des Körpers nach dem in Ihrer Schute angewandten System zeigten. Hebungen im Laufen wechselten ab mit solchen, die die aufrechte Haltung des Körpers und die Ordnung der Glieder bezwecken. Dam» folgten Hebungen im Federn. Schwingen. Verfchwebcn. Drehen und Springen. Zum Schluß tarnen Hebungen, die zeigen sollten, wie man Musik in Bewegung umfeyen kann. Die Hebungen, die z. T. sehr schwierig waren, wurden von Den Schülerinnen Durchweg mit viel Geschick und Anmut ausgeführt. Im Vorraum sind noch allerlei Arbeiten. Die Den Schülerinnen her Lohe- land-Schule recht geschmackvoll ausge'ührl finb. zu sehen. Außerdem wird Dort ein auf der Gesolei prämiierter. recht praktisch ausgeführter Ardeits- unh Nähtisch für Frauen gezeigt. Die Damen des Borsrandes sind in d.imeiiswerter Weise bemüht. Den zahlreichen Besuchern jed- mögliche Huähavt zu geben. Der Besuch dieser Weihnachts-Messe, die noch bis zum Freitag dauert, ist sehr au empfehlen. Gemeindeabend ber Matthäus- gemeinbe. Der Charakt.r, ben ber Gemeinde- abenb ber MatchäuSgemeinde am Sonntag trug, war her stilvvtt-eiicheitliche bet Matthäus- gemeinbeabtnbe bet letzten Iahte. ES kam bet Männer- und Frauen-Vereinigung alS ber Veranstalterin des AbendS darauf an. nicht einen Abenb mit «Hierin Anterholtungen und Scrgnügungcn zu halten, sondern praktisch Dabei mitzuhcljen, bas übliche Riveau ber Vor- einsveranslaltungen zu heben. Der einheitliche (Scbanfc. her Dem Ganzen zugrunde lag, war Der der Vorweiynacht und der Vorbereitung zum Ehristfest: nicht nur von Advent zu hören, fern- Dem Advent zu erleben, war der Klang bes Adeiibs. Dazu ein Immer engere» Band unter Den einzelnen Gemeinbegliebern zu schließen, wirllich christliche Gemeinde. Gemeinschaft ber Tat zu werden, war bie Absicht unb Der Versuch ber Leitung beS Tldrnds. Diesen Gedanken verliehen bie Begrüßung des Vorsitzenden Lehrers Weht heim unb dir Ansprache des Psarrers Mahr Ausbruck. Die musikalischen Darbietungen würben mit viel Liebe unb Hingebung zur Sache vorgeiragen. Frl. 3. Stammler fang ,wei Lieder für Alt. Ihren Dank erstattete die Chenieinbe der Sängerin durch eine Dlumengabe Herr Privat Dozent Laun «Tenor) sang die ADventsarie auS dem „Messias" von G. F. Händel, .Tröstet Zion spricht euer Gott". Herr Franz Bauer (Violine), der schon einmal der Gemeinde gebient und alS Meister seines Instruments in bester Erinnerung stand, trug zusammen mit Stadtorganisten Simon. Der bereitwilligst wieder alle Begleitungen auf Klavier und Harmonium übernommen hatte, ein Präludium von Pugnani unb bas Benebictus von Rost vor. Die angeschlagenen weihnachtlichen Klänge fanben ihre Fortführung unb den Höhepunkt in hem Krippenspiel von Bernhard Seifsert, das die I u a e n b v e r e i n i g u n g Darbet. Es war keine Kleinigkeit, ein solch großes Spiel mit seinen mancherlei Schwierigkeiten auf die ‘Sühne zu bringen, zumal bie jugenblichen Schauspieler ungeübte Laien waren. Es gelang nur daburch. bah alle ihr Bestes herzugeben bereit waren, unb bank einer straffen, einheitlichen Regie, bie hohe An-» forbtHingen an eine Laienspielschar stellte. Hm die musikalische Ausgestaltung des Bühnenstücks hat sich außer Herrn Simon Nerr H. Gieß (Flöte) verdient gemacht bie vielen anderen Hilfskräfte, Die zur Aufführung nötig waren, aufzuzählen, geht nicht an. Das Spiel fand dankbare Zuhörer- wenn cs in den Herzen der Gemeindeglieder nachklingt unb sie zur tiefen Besinnlichkeit de» Wunders non Bethlehem angeregt hat, hat es feinen Zweck erfüllt. Denn es kommt ber yugenboereinigung nicht Im geringsten Darauf an, „Theater" zu spielen, wohl will sie Der edlen Kunst dienen, aber es gebt ihr um die letzten Tiefen der Wahrhaftigkeit unb Innerlichkeit; ihr guter Ruf hat sich wieder bewährt, sie verdient die tatkräftige Unterstützung aller Kreise der Gemeinde. Die (Befamtleitnng des Spiel» lag in Händen von Pfarrer Hertel. Der Vorsitzende dankt« allen Mit- wirkenden für den Abend, der sich würdig an die vorigen anschloß. Pfaff- 9649 D Nähmaschinen mit Motor- und Fußbetrieb für Haushalt, Schulen und Gewerbe in altbekannter Güte. Alleinverkauf für Gießen u. Umgebung H. Kraft, Neuenweg 46 Gegründet 1879 Fernruf 1297 Eigene Reparaturwerkstätte und Zubehörteile auch für alle anderen Fabrikate. .«Lug Nählampen .. 2 Bequeme Teilzahlungen s iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiuii waldbestSnde ouch ZabreLetnichläae. zu Grubenholz ae° rinnet Grubenlanadolz und fertne (Mrubenftemrel kaufen laufend nenen SBnrAdblnng. 9860D Theodor Serger, S. m. b. h. Bergisch-Gladbach Vertreter: w. Steuerna-el, Alrseld, (Dbtrfotfien, Telephon 225. Ausnahme-Angebot! Ab v ier i-tu vre»4 nbzug. emtne Moürapo und Lagencbuppen nufli Wellblech, i:: uiridnc-eiien Gränen, seuetsicher, zer- legbnt, trailSvonabel. — Angebote unb olvekte kostenlos U Gehr. Achenbach G.m.b.H. 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Rolf Brandt, der bekannte Schriftsteller and frühere Kriegsberichterstatter, hat soeben bei der hanseatischen Verlagsanstalt, Hamburg 36, unter dem Titel: „So sicht die Welt- geschichie aus . . ein hochinteressantes Buch herausgcgeben. (3n Ganzleinen gcbun^n 6 Mr.) Zwölf Jahre deutsche, europäische Geschichte, von 1914 bis 1926 Ueberall, wo etwas „los" war, wo Dölkerfchicksale ge> schmiedet wurden, war der Verfasser babei. Das Buch lieft sich wie ein spannender Ro- man. Aus den lagen der Zriedensoerhand- lungen von Brest-Litowsk schildert der Verfasser solgende Szene. Von der Stadt Brest-Litowsk, in der über den 5neben zwischen den Sowjetrussen und Deutschland verhandelt wurde, stand nur noch ein ganz kleiner Teil. Der Brand von Brest-Litowsk war so stark gemeßen, dah man vier Stunden von der Festung entfernt in dcr Nacht noch Briefe aus Deutschland hatte lesen können. Auch die Zitadelle war stark beschädigt; aber sie war von der Etappe ausgebaut worden und bot schließlich einigermaßen ansehnliche Wohnräunte, Kasinos, Fremdenzimmer. Man hatte von einigen Nebengebäuden überdachte Holzgänge gezimmert, die nach dem guterhaltenen Wohnhaus des russischen Gouverneurs sührten, in dem sich schöne Säle befanden. Während des ersten Teils der Friedensver- hattdltmgen kam ich nur einmal auf wenige Stunden nach Brest-Litowsk. General Hoffmann, den ich persönlich gut kannte, wollte unter keinen Umständen einen Mann der Presse zulassen, und Prinz Leopold war, wie fast die meisten Wittelsbacher, geradezu prefseseindlich 3m übrigen haben ja die Russen dafür gesorgt, daß jedes Wort ihrer damaligen Propagandareden an die Oeffenttichkeit kam. 21 Is die 'Verhandlungen in Brest-Litowsk unterbrochen wurden, bekamen Radek und Iosfe mit Bewilligung der deutschen Regierung einen Urlaub nach Warschau. In dieser Zeit bin ich ihnen beiden begegnet. Sie waren jeder in der Obhut eines Offiziers, der die 2lufgabe hatte, sie zu begleiten, ihnen aber möglichst jede Freiheit zu lassen. Meine Warschauer Bekannlcn fragten mich nun eines Abends, ob ich nicht noch in die Chrysanthemum-Bar gehen wolle, dort würde ich die russischen Unterhändler treffen. Wir klapsten auf die verabredete Art an ein Haustor. Der vordere Eingang der Bar war längst geschlossen. Meine Begleiter sagten irgendein Stichwort, und ein polnischer Hausknecht führte uns durch einen langen, dunklen Gang vor eine neue Tür. Dort wurde wieder geklopft. Nun waren wir in einem Nebenraum der Bar. Es brannten nur Kerzen, denn der Stromverbrauch des elektrischen Lichts hätte angezeigt, daß man die Polizeistunde überschritte. Das Gouvernement war sehr genau in diesen Dingen. Im Hauptraum der Bar war noch voller Betrieb. Elegante Warschauer Halbwelt. Und (Stoppe. An einem runden Tisch saßen Radek und Josse mit ihrer deutschen Begleitung. Iosfe, sichtlich angeheitert, aber sehr ruhig, mischte mit der Miene eines Mannes, der etwas davon versteht, Burgunder mit Sekt. Neben ihm saß eine sehr schöne, dunkel- haarige Polin, er schien aber mehr Interesse für seine Sektmischung zu haben. Radek lehnte in einem Klubsessel zwischen zwei hochblonden Warschauerinnen, denen er einen Vortrag über die bolschewistische Ehe hielt. Er schied sehr viel weniger vertragen zu können als Herr Joffe. Ein paar Flieger- Offiziere, die nicht wußten, wer die beiden Zivilisten waren, setzten sich zu der Gruope, und nachdem sie mehrere Glas von dem polnischen Reiterlikör her- unlergeltürzt hatten, fingen sie an zu fingen: „Deutschland, Deutschland über alles", höchst liebenswürdig fang Hoffe mit und tat bann einen tiefen Zug aus feinem Pokal Burgunder mit Sekt. Herr Radek schien diese Gesangsübungen für höchst überflüssig zu halten, er ging zu der Klavierspielerin heran und flüsterte mit ihr. Sie schien erst Bedenken zu haben wegen der späten Stunde, bann schien er sein Inkognito zu lüften, unb sie begann leise, aber in hinreißenbeui Tempo, russische Tänze zu fpielen. Rabek erhob sich unb tanzte mit ben beiben Polinnen durch ben Raum. Er ging zum Kasatschok über unb raste mit beiden Frauen in der tiefen Sniebeuae des Kosakentanzes umher. Das haar der einen löste sich. Radek sprang auf. Alle drei wirbelten umher, und das haar der Polin wehte wie eine blonde Fahne über seinen Demagogenkopf. Das Mädchen flog in einen Klubsessel und Radek tanzte mit der anderen weiter. Inzwischen hatte Josse feine Burgundermischung weiter probiert. Ein paar Gläser klatschten gegen die Wand. ,,Da sdrastwujet Ros- sija?" „Es lebe Deutschland"!" Klirrende Scherben. Radek trua feine polnische Tänzerin auf den armen zu dem Tisch von Joffe. Am nächsten Tage las ich mit einiger Ruhe einen der vielen Funksprüche aus Moskau, wonach die russischen Unterhändler mit bitterschwerem her zen für die Leiden des russischen Volkes die langwierige Pause in den Unterhandlungen ertrügen. Als ich in Genua erlebte, wie Tschitscherin sein Sell glas freundlich lächelnd gegen ben Erzbischof von Genua erhob, währenb er gleichzeitig die Nachricht von dem Todesurteil gegen den höchsten katholischen Geistlichen Rußlands in der Tasche hatte, mußte ich an diese Szene in der Chrysanthemum-Bar von Warschau denken. Preisausschreiben in der Freitags erscheinenden landwirtschaftlichen Beilage des Giehener Anzeigers „Die Scholle" offen für alle selbsttätig in Landwirtschaft und Gartenbau wirkenden Bezieher unserer Zeitung. Bedingungen Das Preisausschreiben ist eingeteilt in vier Gruppen von insgesamt dreizehn Aufgaben. Die Veröffentlichung je einer Gruppe erfolgt in vier fortlaufenden Dezembernummern der Scholle. - Die Gruppen sind wie folgt zusammengesetzt: Gruppe I..............Grohviehzucht Gruppe II...........Feld- und Wiesenbau Gruppp III . . . . .........Kleintierzucht Gruppe IV.........Obst- und Gartenbau. Die Wertung der Lösungen wird von vier fachlich zuständigen Preisrichter- Ausschüssen durchgeführt. Die Bearbeitung von geeigneten Lösungen für die spätere Veröffentlichung in der Scholle erfolgt durch Sachverständige. Die Einsendung der Lösungen ist jeweils binnen zwei Wochen nach Erscheinen der Aufgaben erforderlich und zu richten an die Schriftleitung der Scholle, Gießen, Schulstraße 7, mit der Aufschrift: „Preisausschreiben". Genaue Anschrift und letzte Bezugsquittung muffen beigefügt sein. Die Teilnehmer erkennen die Entscheidung der Preisrichter-Ausschüsse als endgültig an. Preise Der Gesamtwert der Preise beläuft sich auf 500 Reichsmark Die Bemessung der Preishöhe für die einzelnen Lösungen steht den Preisrichtern zu. Vorgesehen sind folgende Preise: Gruppen I und II Kalkstickstoff oder schwefelsaures Ammoniak, Thomasmehl, Kalisalz- Gruppe III Eine Ziege oder Zentrifuge für Ziegenzüchter, ein Stamm Hühner, ein Paar Kaninchen- Gruppe IV Eine Obstpresse, Obstbäume, Beerensträucher notfalls entsprechender Geldeswert. Verpackung und Versand erfolgt von den Lieferern aus zu unseren Lasten. Verlag und Redaktion des Gießener Anzeigers. (Eine neue Brüskierung der deutschen des Memellandes. Die memcllänbifdje Bevölkerung ist durch die Ernennung eines neuen Direktoriums überrascht worben. Der Gouverneur hat sich bie Lösung der Regierungskrise sehr leicht gemacht unb ohne Fühlungnahme mit den Parteien des Landtags einen neuen Präsidenten des Landesdirektoriums ernannt, der wiederum ohne Fühlungnahme mit den Parteien die Landesdneltoren ernannte. Diese Art der (Ernennung bedeutet ebenso wie die ernannten Personen eine Brüskierung der Mcmelländer, da die beiden neuernannten Direktoren bereits srüher der Regierung angehörten und infolge von Mißtrauensvoten zum Rückzug gezwungen waren. Es erscheint unbegreiflich, daß der Gouverneur aus den bisherigen Erfahrungen noch nicht die richtigen Schlüsse zu ziehen versteht. Nach dem Gesetz hat der Gouverneur zwar bas Recht, den Präsidenten des Landes- bireltoriums zu ernennen, aber das Landesdirektorium kann nur so lange regieren, als es das Vertrauen des Landtags besitzt. Eine Krise wäre also jederzeit zu vermeiden, wenn der Gouverneur vor der (Ernennung mit den Parteien Fühlung nähme. Im memelländischen Landtag verfügen die Deutschen über 22 von ben 29 Sitzen. (Es wäre also nur gerechtfertigt, daß ein Landespräsibent ernannt wird, der ben Wünschen biefer Mehrheit entspricht. Da- nach hat sich aber die Regierung in Kowno nücbcr nicht gerichtet, weil ihr daran liegt, bas Memelgebiet zu litauificren, um bas Unrecht zu verwischen, bas burd) bie Abtrennung bieses beutschen Gebietes vorn beutschen Aaterlande begangen ist. Die Siegermächte haten diese Gewaltmaßnahmen damit begründet, daß nach ihrer Ansicht das Memelgebiet immer litauisch gewesen sei, und daß die Memelländer in der Mehrzahl Litauer seien. Die Zusammensetzung des Landtags mit der überragenden deutschen Mehr- heit sollte auch die Mächte von der Unrichtigkeit ihrer Auffassung überzeugt haben und der litauifdjen Regierung eine Mahnung sein, mit der Vergewaltigung der Deutschen im Mernelaebiet endlich Schluß zu machen. Statt dessen hat sie nach ben Erfahrungen bei ber vorigen Regierungskrise, bie mit dem Mißtrauensvotum gegen Simonaitis ihren Anfang nahm, wiederum die Deutschen brüskiert, anstatt schon mit Rücksicht auf die deutsch-litauischen Beziehungen, an deren Besserung den Litauern mehr gelegen ist, als den Deutschen, sich mit den Deutschen des Memellandes gut zu stellen. Das Unrecht der Siegermächte können sie durch immer neue Vergewaltigungen ber Deutschen nicht vergessen machen unb auch nicht aus ber Welt schaffen. Im Gegenteil! Der Wunsch der Deutschen zu ihrem angestammten Vaterlande wirb um so reger bleiben. Ihre Forde- rung, daß über kurz oder lang ihr Selbstbestimmungsrecht, das bisher mit Füßen getreten wurde, gewürdigt wird, wird sich nicht unterdrücken lassen. (Es ist ihr gutes Recht, da die Mehrzahl der Bewohner eben Deutsche sind. Und das Land selbst ist ja auch nicht immer litauisch gewesen, wie der litauische Gesandte Sidsikauskas fälschlicherweise vor dem Völkerbundsrat behauptet hat. Denn fast 700 Jahre lang, also seit Besiiedlungs- und Kulturbeginn, hat das Land zu Preußen-Deutschland gehört und ist weder während dieser Zeit noch vorher jemals litauisch gewesen. Wann wird der Völkerbund das Unrecht wieder gutmachen? Wann wird er ber Bedrückung der Deutschen des Memelgebiets durch die litauische Regierung ein Ende machen? Angesichts der neuen Brüskierung bei ber (Ernennung ber Regierung gewinnt diese Frage erneute Dringlichkeit. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. , * Da s Amtsverkündigungsblatt Nr. 95 vom 29. November enthält: Lehrlingsordnung in den Bäckereien und Konditoreien. — Volksabstimmung. — Einreichung der Steuerabzugsbelege für 1926. — Maul- und Klauenseuche in Groh en-Dus eck. — Schuh der Starkstromanlagen. — Bestellung der Denlmalpsleger. — Meldung von Funden. — Bildung einer Wassergcnossenschast der Gemarkung Saasen mit Dollnbach, Deitsberg und Wirberg. Wandergewerbescheine. — Gewerbelegitimationskarten. — Schulausgabe der Reichsverfassung. — Feldbereinigung Harbach. — Straßensperren. — Dienst- nachrichten. * Das Amtsverkündigungsblatt Br. 96 vom 30. November enthält. Krisenfürsorge für Erwerbslose. — Maul- unb Klauenseuche Mathematische Spielereien Von Dr. Georg S t r e l i s k e r. Die Wege zur Kraft unb Schönheit sind in der letzten Zeit schon derart ausgefallen, daß es sich wirklich verlohnt, zur Abwechslung einmal, andere Pfade zu beschreiten, die das Gehirn zwar auch nicht beschweren, aber doch Gelegenheit geben, den Geist ein wenig zu üben. (Es gibt im Reiche ber Zahlen so viele Seltsamkeiten, die auch ben mathematisch nicht Geschulten interessieren und es zustande bringen, daß man selbst dieser sonst als so trocken verschrienen Wissenschaft einige Reize abgewinnen kann. So hat ein Rechengenie herausgesunden, daß man 1000 einzelne Markstücke auf zehn Beutel bergt! verteilen kann, daß man eine jebe beliebige Zahlung bis 1000 Mark bamit leisten kann, ohne einen Beutel zu öffnen. Dies klingt im ersten Augenblick sehr unglaubhaft. Und doch ist es nicht ausgeschlossen, daß diese zweisellos interessante Entdeckung in irgendwelcher Form noch eine praktische Bedeutung für den Geldoerkehr gewinnen wird. Die Verteilung in ben zehn Beuteln muß folgendermaßen geschehen: Im 1. Beutel befinden sich 1 Markstück, im 2. Beutel 2, im 3. Beutel 4, im 4. 8, im 5. 16; die übrigen 5 Beutel enthalten je 32, 64, 128, 256 und 489 Mark, zusammen also, wie jeder sich durch Zusammenaddieren überzeugen kann, 1000 Mark. Will man z. B. 777 Mark zahlen, so nimmt man die Päckchen 489, 256 unb 32. Dem freundlichen Leser bleibt cs überlasten, die Beispiele bis ins Unendliche foAusetzen, denn jede beliebige Summe bis 1000 Mark ist auszahlbar, ohne daß einer ber Beutel geöffnet zu werben braucht. (Eine komische Zahl ist die Ziffer 3367. Wird sie nämlich mit ben Zahlen 33, 66, 99, 132, 165 usw., also mit Zahlen, deren jede um 33 größer ist als die ihr vorangehende, multipliziert, so ergibt bas Produkt sechsziffrige Zahlen, bie aus sechs gleichen Ziffern bestehen. 33 mal 3367 gibt 111 111, 66 mal 3367 gibt 222 222, 99 mal 3367 gibt 333 333, 132 mal 3367 gibt 444 444. Diese Operation kann bis zu ber Zahl 297 fortgesetzt werben, mit ber multipliziert man als Probukt 999 999 erhalten muß. 6 Uhr 328/n Minuten, siebentes 11 Uhr 59ll/u Minuten, also genau fen 2 3 4 5 ammentre ammentre ammentre ammentre ammentre ammentre ammentre ammentre ammentre ammentre fen 7 Uhr 3N/n Minuten, achtes |en 8 Uhr 437/n Minuten, neuntes fen 9 Uhr 49'/,. Minuten, zehntes fen 10 Uhr 54°/u Minuten, elftes u- iU- |U» iu- iu» iu- |U= iu- |U« en en en en fen Uhr 10lo/u Minuten, drittes Uhr 16°/» Minuten, viertes Uhr 21e/n Minuten, fünftes Uhr 27*ln Minuten, sechstes Ein anderes hübsches Rechenexempel ergibt sich aus ber Frage: „Wie oft decken sich die Uhrzeiger in zwölf Stunden?" Der Leser möge rasch bie Augen schließen, nachdenken unb bann schnell bas Resultat seiner Berechnung aufschreiben. (Er wirb bann sehen, daß er sich geirrt hat. Denn in den allermeisten Fällen wirb man auf obige Frage die Antwort bekommen, daß sich bie Zeiger zwölfmal decken. Diese Annahme ist aoer falsch, was wir durch folgende Zusammenstellung der Zetten, an denen bas Zusammentreffen stattsindet, beweisen können: Erstes Zusammentreffen 1 Uhr 5*/u Minuten, zweites Zu- 12 Uhr. Die Zeiger decken sich demnach nur elfmal! Für gesellschaftliche Zirkel werden ein paar andere, rechnerische Probleme Gegenstand großer Bewunderung sein. Wie ist es z. B. möglich, eine heimlich gewählte Multiplikationszahl anzugeben? Nun — bas ist sehr einfach. Man läßt die Zahl 37 mit einer Zahl des Dreier-Einmaleins, also nach Belieben mit 3, 6, 9, 12 usw. multiplizieren unb erbittet bie Angabe bloß einer Ziffer des Produktes. Es ist darauf durchaus kein Kunststück, sofort die Zahl zu nennen, bie für bie Multiplikation gewählt wurde. Ist nämlich die gestellte Bedingung erfüllt worden, so muß bas (Ergebnis stets ein Produkt von gleichen Ziffern sein. Eine dieser Ziffern multipliziert man mit 3 unb erhält auf biese Weise bie Zahl, mit ber ber anbere multipliziert hat. Ein Beispiel mag bie Erklärung erhärten. Wir multiplizieren 37 mit 27. Das Probukt ist 999. Neun mal brei gibt aber 27, eben die zu erratende Zahl. Es ist auch möglich, die Endziffer einer geheimen Multiplikation unb Abbitton anzugeben. Man läßt zu diesem Zwecke aus der Zahlenreihe 1—20 mit Ausnahme ber 11 eine beliebige Zahl im geheimen mit 9 multiplizieren und sodann die einzelnen Ziffern des Produktes addieren. Das (Ergebnis ber Multiplikations- unb Abditionsaufgabe muß stets 9 fein. Ein Beispiel: 7mal 9 gibt 63; 6 unb 3 sind 9. Oft wird einer, wenn er von besonderem Pech ober Glück verfolgt wirb, gefragt, ob er ein „Sonntagstinb" sei. In ben meisten Fällen weiß aber keiner, an welchem Wochentage er geboren ist. Er kennt zwar sein Geburtsdatum, vielleicht sogar die Stunde dieses freudigen Ereignisses, aber er weiß nicht, ob es an einem Sonntag, Montag ober Samstag war, ba er bas Licht ber Welt erblickte. Unter ben zahlreichen mehr ober weniger umständ- lichen Verfahren, um einen Wochentag bes 19. ober 20. Jahrhunderts, an bem man Interesse nimmt, zu bestimmen, sei eine ber einfachsten Methoben beschrieben unb an einem Beispiel erläutert. Aus welchen Wochentag fiel beispielsweise ber 24. Juni 1900? Man abbiere: 1. bie Jahreszahl 1900, 2. ben vierten Teil davon 475. (1900 ist durch 4 ohne Rest teilbar. Ist bas betreffende Jahr aber ein Gemein- jahr, so wird ber sich aus der Division ergebende Rest einfach gestrichen.) 3. Man füge zu dieser Addition hinzu den vierten Teil der beiden Ziffern, bie bas Jahrhundert bezeichnen. (Es gelten bie geschriebenen Zahlen, im vorliegenden Fall bie 19, obgleich man vom 20. Jahrhundert zu sprechen pflegt. 4 ist in ber 19 viermal enthalten. 4. Die lausende Zahl bes gegebenen Datums: Januar 31 Tage, Februar 28 läge, März 31 Tage, April 30 Tage, Mai 31 Tage, 24. Juni 24 Tage, zusammen also 175. Insgesamt haben wir also zu abbieren: 1900 plus 475 plus 4 plus 175 unb erhalten also Summe 2554. Hiervon subtrahiere man stets die geschriebene Jahr- hundertttfser, also 2554 — 19 — 2535. Die jetzt erhaltene Zahl wird durch 7 dividiert; 2535:7 ist gleich 362, wobei ein Rest von 1 übrig bleibt. Nur der Rest interessiert uns. Denn 1 bedeutet Sonntag, 2 Montag, 3 Dienstag, 4 Mittwoch, 5 Donnerstag, 6 Freitag. Ergibt bie Division feinen Rest, was natürlich auch Vorkommen kann, dann ist ber gesuchte Tag ein Samstag. Der 24. Juni 1900 fiel demnach auf einen Sonntag. gur Vorgeschichte der Rabenau. Zu dem in Ar. 273 des G. A vom 22. November erschienenen .Beitrag zur Dorgeschichte der Rabenau" von Pfarrer Fr. Sch ich Queck- born, erhalten wir die naarsteyende Zuschrift von Lehrer Eberle aus Treis: Vor einigen Tagen brachte der „Gießener Anzeiger" einen beachtenswerten Beitrag von Herrn Pfarrer Schick, worin auch der bei unserem Dorfe gelegene ef»genannte „Dommenstein" Erwähnung findet. Dieser Raine wird von dem Verfasser von „bommen" =■ schlagen abgeleitet. Danz abgesehen davon, daß es doch sehr unwahrscheinlich ist, daß sich über Jahrtausende die Erinnerung an jene Steinzeitmenschen erhalten hat (man schätzt die seitdem verflossene Zeit aus minde- steirs 25 C00 Jahre'), ist die Herleitung des Namens auch wohl sprachlich kaum haltbar, da das betreffende Wort im hiesigen Dialekt „bomben" lautet. Die Stelle, die den erwähnten Namen trägt, war nach den 2Ingaben alter Leute früher einmal mit Nadelwald bestanden, obwohl sich heute dort Laubwald befindet. Die Früchte der Tannen und Fichten, die Tannen- bzw. Fichtenzapfen, heißen nun hier „Bommen", was sich vielleicht von „baumeln" herleiten läßt. Diese „Bommen" werden vielfach als Brennmaterial verwandt und wurden möglicherweise bei den „Dommensteinen", einer Stelle, die nicht weit vom Dorfe liegt, und wo sie in besonders großer Zahl zu finden waren, gelesen. — 3m übrigen ist richtig, was der Verfasser erwähnt, daß sich die Erinnerung an alte Siedlungen, Begräbnisstätten und dergleichen durch Jahrhunderte im Dolle erhalt. Besonders sind Orte, von denen es heißt, daß es dort spuke („wahnere") derartige Stätten. So befindet sich z. D. seitlich der Landstraße TreiS—Mainzlar in den sogenannten „Mainzlarer Tannen" eine Stelle, von der es im Dolbsmunde heißt, es sei dort nicht geheuer. Sie ist durch viele in gleicher Richtung verlaufende Bodenerhebungen gekennzeichnet. Es sind sogenannte „Hünengräber“, von denen etliche vor Jahren durch den damaligen Assistenten am Gießener Museum, Dr. Kunkel, geöffnet worden sind. Die hierbei gemachten Funde wurden damals ins „Gießener Museum" verbracht. Leider mußten die Ausgrabungsarbeiten an den „Bommen st einen" wegen Geldmangels eingestellt werden, was im Interesse der Forschung sehr zu bedauern ist. _i in Steinheim, Jungviehweibe Warihof bei Grün- berg und Röthges. — Unterstützung der Krüppel- fürsorge. - Gefunden, verloren. — Dienstnachrichten. Oberhessen. Landkreis Gießen. i Klein-Linden, 30. Noo. Ein noch verhältnismäßig gut abgelaufener Motorrad-Unfall ereignete sich am Samstagnachmittag im hiesigen Orte. An einem auf der Fahrt nach Gießen befindlichen MotorradmitBeiwagen hatten sich an der Vorderradfederung die Schrauben muttern gelöst, so daß die Maschine jegliche Führung orlor und über die Straßenrinne gegen eine Gartenmauer zu fahren drohte. Nur durch schärfstes Bremsen des Fahrers wurde dos Fahrzeug auf kurze Entfernung vor der Mauer zum Stehen gebracht. Während Fahrer und Beifahrer mit dem Schrecken daoonkamen, erlitt das Motorrad an der Vordcrradgabel wesentliche B e - schädigunaen. Nach Behebung derselben durch einen von Gießen herbeigeholten Autoschlosser konnte das Fahrzeug gegen Abend seine Fahrt wieder fortsetzen. n. Großen-Linden. 30. Rod. Die hiesige Bürgermeisterei, sowie einige Kaufleute sind an bas Ferns prechnetz Gießen ange- schlossen. Diese Anschlüsse sind nunmehr seitens des Postamts Gießen aus Verkehrs- und betriebstechnischen Gründen zum 1. Januar 1927 gekündigt worden mit dem Anheim- geben, sich an das Sprechnetz Grohen-Lin- den anschlieheu zu lassen. Die Dürgermeistevei bedauert diese Kündigung, denn sie hat mit Gießener Teilnehmern und namentlich mit den in Gießen befindlichen Behörden viel öfter zu sprechen als mit den an das hiesige Sprechnetz An- geschlossenen. Tas Drei-Minutengespräch kostete seither nach Gießen 15 Pf., künftighin 30 Pf. Das hiesige S^echnetz, zu dem außer Groß.-Linder, noch die Orte Allendvrf (Lahn), Lützel linden. Hochelheim, Hörnsheim, Lang-Göns, Leihgestern undDahen- born-Steinberg gehören, wurde zu einem automatischen Selbstanschlußamt umgebout.Die Zahl der Anschlüsse betrug 1915 nur 11 und heute 114. X A l le n d o rf (L a h n), 30. Nov. Obwohl die Kreis st raße Wetzlar — Gießen in unserer Gemarkung vor kurzem erst unter großen Kosten vollständig neu eingedeckt wurde, werden ' jetzt in der Aähe deS Allendorfer Wäldchens wiederum Ausbesserungsarbeiten ausgeführt, da die schweren Lastautos ihr Zerstö- rungswerk an der Straße ununterbrochen so UJ Lollar, 30. Nov. Am Sonntag hielt der hiesige Hausbesitzer verein eine gut besuchte Mitgliederversammlung im „Schwanen" ab. Die Herren Launspach und Kurz vom Gießener Hausbesitzer ver- e i n referierten über bedeutsame Fragen des HausbesiheS, wie Wohnun^szwangscoirischaft, Abtragung der Hypotheken, Zinsendienst, Bodenreform usw. An die Borträge schloß sich eine lebhafte Aussprache an. Der BeveinSvorstand wurde beauftragt, beim FinanzamtGiehen wegen beschleunigter Erledigung der für Lollar immer noch rückständigen Rachlässe auf die Sonder steuer gemäß § 28 des Gesetzes über die Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz vorstellig zu werden, ferner aus eine geeignete Bekanntgabe der Höhe und Berechnungsgrundsätze der Schomsteinfegergebühren hinzuwirken. m Ruttershausen, 30. Nov. Unsere Ge- dnriiüre hat bis jetzt noch keine Wasscr- 1 ei tung. Bohrungen nach geeigneten Quellen, <>‘ie vor dem Kriege vorgeiwmmen wurden, batten mich! den gewünschten Erfolg. Der Wimsch unserer 'Einwohnerschaft nach einer derartigen Wasserversorgung verstummte jedoch nie. Am vergangenen Freitag haben nun Beamte des Kultur-- bauamtes Gießen zusammeit mit Bürgermeister Fuchs und den-. Beigeordneten Erdmann in unserer Gemarkung Besichtigungen vor- genommen u.rd dabei im Gebiet des Toten Mann", etwa drei Kilotneter vom Dorfe entfernt, eine Quelle gesunden, von der man hofft, daß sie genügend Wasser zur Versorgung der Gemeinde liefert. Das Kulturbauamt Gießen wird zunächst die erforderlichen Dorarbeiten vornehmen, Kostenvoranschläge auÄar&eiten und diese dem Gemein berat vorlegetr ' Londorf, 30. Rov. Am Samstag bereitete brr Derein für DolkSbildung mit seinem Puppentheater ter Schuljugend der Rabenau eine besondere Freude. 3m Saale der „Stadt Gießen" hatte Reallehrer Müller -Ahlheim von Grünberg mit seinen jungen Helfern, zwei Primanern, eine allerliebste kleine Bühne aufgeschlagen, auf der die allerliebsten Darbietungen (Kasperle usw.) zum großen Ergötzen der neinen Zuschauer vor sich gingen. Diese Art der .Unterhaltung für unsere Kinder ist sehr zu begrüßen. >> Alten-Buseck. 30. Aov. Die nunmehr soweit ausgebaute Sch anzenstrahe ist kürzlich mit St raßenbeleuchtung versehen worden, womit man einem Bedürfnis der Anwohner Rechnung getragen hat. — 3n dem Ortsnetz der elektrischen Lichtleitung machen sich seit einiger Zeit Störungen bemerkbar, die zur Folge haben, daß mehrere Straßenlampen überhaupt nicht mehr brennen. Vorgenommene Reparattrren haben keinen oder nur vorübergehenden Erfolg gehabt, so daß nach sachverständiger Ansicht eine P r üfung bzw. Instandsetzung des ganzen Ortsnetzes erforderlich sein wird. — Für ben Fortbildungsschulunterricht hat der Gemeindevorstand mangels eines verfügbaren Schulsaales den Saal des Gastwirts O. Rabenau vorübergehend gemietet. Zwecks Teilnahme an dem pflichtmäßigen Kochunterricht begeben sich die in Betracht kommenden etwa 20 Schülerinnen von hier wöchentlich einmal nach Großen- Bnseck. : Beuern, 30 .2lov. Die Frage der Schaffung einer Autoverbinduna zwischen Beuern und Grohen-Buseck ist jetzt insofern in einen neuen Verhandlungsabschnitt eingetreten, als der Glaser Otto Damm von hier als Llnternehmer mit einem Kraftwagen hervor trat, der leistungsfähiger ist als der von dem anderen Bewerber Karl Volk vorgesehene Lastkraftwagen. Probefahrten, die Damm mit dem Wagen unternahm, sind durchaus zufriedenstellend verlaufen. In der jüngsten Gemeinoeratssitzung zog Doll seinen Antrag auf Zulassung und Förderung seines Autoplanes zurück, jedoch konnte sich der Ge- meinberat noch nicht schlüssig werden über eine Zustimmung zu 6cm Vorhaben des neuen Bewerbers Damm. Die Entscheidung über die für unser Gemeinwesen sehr wichtige Angelegenheit dürfte aber in Kürze zu erwarten fein. t Grünberg, 30. Aov. Am Sonntag gab das Musikkorps des 1. Batl. 15. Inf.-Regts. aus Gießen unter Leitung von Obermusikmeister Gober hier ein Streichkonzert. Das abwechslungsreich zufammengestellte und mit feinem Verständnis durchgeführte Programm fand den starken Beifall der zahlreich erschienenen Besucher. t Grünberg, 30. 2lov. Der heutige Schweinemarkt war von Käufern sehr zahlreich besucht. Der Handel ging zunächst langsam, setzte aber später fo stark ein, daß das ganze Material verkauft wurde. ES wurden bezahlt für 6—7 Wochen alte Ferkel pro Stück 25 bis 30 Mark; 7—8 Wochen alte 30 bis 35; 8—10 Wochen alte 35 bis 40; 10—12 Wochen alte 40 bis 60; über 12 Wochen alte 60 bis 65 Mark. — Der Kramermarkt war nicht stark besucht, die Stände hatten nur geringen Zuspruch. 5 Lich, 30. Nov. Um für den turnerischen Gedanken zu werben, veranstaltet unser T u r n o e r - ein am nächsten Samstag einen Werbeabend, für den die besten Turner des Turngaues Hessen als Mitwirkende gewonnen sind. Für die Bestrebungen, die die Förderung des turnerischen Geisteslebens zum Ziele haben, wird der Film vom f)er = m a n n 9 (a n f der Deutschen Turnerschaft werben, der im Verlaufe des Abends zur Vorführung kommt. 0 AOnneNrorh, 30. Aov. Bei vollbe-- setztem Saale tagte am Sonntag hier der S än - OerFrosch mit derMaske Roman von Edgar Wallace. 4. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Elk rauchte gedankenvoll., „Bonnett hat eine Schwester", sagte er plötzlich zu Dicko Erstaunen. „Sie ist sehr hübsch, aber der alte Bennett ist bestimmt irgendeine Art von Gauner. Er leistet keine regelmäßige Arbeit, sondern bleibt manchmal tagelang fort und sieht merkwürdig schlecht aus, wenn er zurückkommt." „Sie kennen die Familie?" Elk nickte. „Der alte Bennett interessiert mich. Irgend jemand hat über seinen Wandel schon als verdächtig berichtet. Die Lokalpolizei Hot ja nichts zu tun, als Lämmchen zu hüten und siebt natürlich jeden, der kein Lämmchen ist, als verdächtigen Charakter an. Ich habe den alten Bennett beobachtet, bin aber seinen Handlungen nie auf den Grund gekommen. Er hat eine Menge der sonderbarsten Berufe gehabt. Jetzt hat er sich auf Bildaufnahmen geworfen. Ich würde wirklich etwas dafür geben, um zu wissen, was fein Beruf ist. Regelmäßig einmal im Monat, manchmal zweimal, manchmal noch öfter, verschwindet er und man kann ihn nicht ausfinden. Ich habe jeden Stromer in London nach ihm gefragt, aber sie sind alle genau so ratlos verblüfft darifter wie ich. Lew Brady hat sich auch für ihn interessiert. Er haßt Bennett. Dor Jahren machte er sich an den alten Mann heran und versuchte aus ihm herauszubringen, was für ein Spiel er treibe. Aber Bennett hat es ihm heimgezahlt." „Der alte Mann?" fragte Dick ungläubig. „Jawohl! Er ist stark wie ein Stier.Also, ich werde Lola besuchen. Sie ist kein schlechtes Mädel, aber mir persönlich sagen Vamnire nicht zu. Also — Genter ist tot? Halten Sie den Frosch auch dabei für beteiligt?" „Ohne Zweifel, —* jagte Dick ausstehend. „Und hier, Elk, ist einer der Leute, die ihn umbrachten." Er ging ans Fenster und beugte sich hinaus. Der Mann, den er durch Minuten beobachtet hatte, war plötzlich verschwunden. „Wo?" fragte Elk hinter ihm. „Er ist jetzt eben fort. Ich---** Im gleichen Moment zerbrach das innere Fenster und die zer stiebenden Glassplitter verletzten sein Gesicht. In der nächsten Sekunde riß ihn Elk heftig zurück. . „Vom Dache der Onslow Gärten", sagte Dick ruhig. „Der Schütze hat ein halbes Dutzend Wege, um zu entwischen, die Feuerleiter nicht ausgenommen. Es geschieht zum zweiten Male, daß sie heute bei hellem Tageslicht hinter mir her sind. Als ick nach Hause zurückkehrte, geschah es das erstemal. Ein geradezu genialer Versuch, mich mit einem leichten Auto zu Überfahren. Das verdammte Ding erkletterte sogar das Trottoir." „Haben Sie sich die 'Hummer gemerkt?" „10 L. 19 741. — Es gibt keine solche Nummer im Register und der Führer war fort, bevor ich irgend etwas unternehmen konnte, um ihn aufzuhalten." Elk kratzte sich am Kinn und belrachtete den jugendlichen Staatsanwalt mit zweifelndem Blick. „Das klingt ja fehr interessant. Ich habe bisher viel zu wenig auf die Frösche geachtet. Heutzutage sind geheime Gesellschaften so gewöhnlich, daß jedesmal, wenn mir ein Herr die Hand schüttelt, er mich enttäuscht ansieht, wenn ich nicht mein Ohr zupfe ober mit dem Fuße ausstampfe. Eine Räuberbande von großem Format habe ich immer als etwas angesehen, wovon man nur In aufregenden Romanen lieft. Ich kann nicht daran glauben." (Elf nahm Abschied und ging auf dem größtmöglichen Umweg nach Scotland '.Hard zurück, anscheinend ein arbeitsloser kleiner Angestellter mit un- «erolltem Regenschirm und verbogenen Stahlbrillen. :r schlenderte nach Trafalgar Square, stand gedankenvoll still und kehrte wieder um. Dem Bureau des Staatsanwaltes gegenüber hatte ein langer Straßenoerkäufer, mit einem kleinen Tragbrett voller Zündhölzchen, Schlüsselringen, Bleistiften und den tausenderlei Kleinigkeiten, die solche Leute verkaufen, Posten gefaßt. Seine Waren waren irn Augenblick mit einem regenglänzenden Wachstuch bedeckt. Elk hatte ihn früher nie bemerkt und wunderte sich, warum der Mann einen so ungünstigen Standpunkt gewählt hatte, denn das Ende der Onslow Gärten — der windigste Punkt in Whitehall — tft auch an schönen lagen nicht der Ort, an dem der eilige Fußgänger sich verweilen würde, um einen Gegenstand zu erstehen. Der Händler trug gering c e Volts sängerbun des „Ehattra". Mit dem Ehvr ^Schwinge dich auf, mein Lied" begann die Tagung. Herr Rinker eröffnete diese und gab dann i>eni 1. Bundes Vorsitzenden Herrn Opper in Ettingshausen das Wort. Nachdem dieser die Erschienene-,i begrüßt, begann die Ausarbeitung der Tagesordnung. Der Jahresbericht sowie der Kassenbericht wurden verlesen, danach konnte dem gesamten Dorstand Entlastung erteilt werden. Bri den Wahlen wurde,: mit dem verdienstvollen Bunbesvorsiyen- den Opper die übrigen Dorstandsnntglieder wiedergewählt, nur das Schriftführer amt ging an Herrn Wagner über. Anläßlich seines 50jäh- rigen Bestehens wurde dem Gesangverein „2 i e b e r E r a n 3“ A 0nnenrvt h da« Fest für 1927 mit Wertung zugedacht. Umrahmt wurde die Sitzung durch gut eingeübte Chöre des Gesangvereins „ßieberirana"0 Aonnenroth. HerrOpper ermahnte zum Schluß nochmals zur Treue zum Bunde, und unter dem Liede „Brüder reicht die Hand 5um Bunde" schloß die Tagung. Kreis Friedberg. ; Bad-Aauheim, 30. Aov. 3n geheimer Sitzung haben die Stadtverordneten geficm abend das Pensionierungsgesuch Des Bürgermeisters Dr. K a h s e r genehmigt. Die Amtszeit Dr. Kaysers läuft am 3. 3uni 1927 ab. an welchem Tage er dann auf eine 24jährige segensreiche Tätigkeit im Dienst unserer Stadt xurüdbtidcn kann. Wie man hört, soll die Wahl des Rachfolgers bis zu diesem Zeitpunkt vollzogen sein. — Die hiesige Ortsgruppe des Tierschutzvereins für Hessen hielt eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab, in der im Anschluß an einen Dortrag über die Frankfurter Tierheime beschlossen wurde, auch hier ein Tierasyl in einfachen Ausmaßen zu schaffen. An Stadt- und Kurverwaltung soll zwecks Förderung deS Gedankens herangetreten werden. — Die Besuchszifser der Winterkur zeigt eine recht erfreuliche Höhe. Linker den Erhvlungs- suchenden, die zur Zeit hier weilen, sind in größerer Zahl airch Ausländer, denen die größere Ruhe der Wintermonate willkommen ist. Kreis Alsfeld. -er. Ho m v e r g a. b. Ohm, 30. Aov. Auf der Bahnstrecke Burg —Aieder-Gemünden—Kirchhain werden zur Zeit durch eine Rotte von Streckenarbeitern an der bei dem Brandauschen Anwesen die Ohm überquerenden großen Eifenbahnbrücke größere Ausbesserungen, wie Sinziehcn von Schwellen und Schienen, vorgenommen. Damit der Verkehr leine größeren Störungen erleide, und da man nicht in Aachtschichten arbeiten kann, wurden die Arbeiten so^ar am Sonntag nicht abgebrochen. Um die Brücke in gutem Zustande zu erhalten, wird deren eiserner Teil jedes Jahr mit einem neuen Anstrich versehen, einer Arbeit, die sehr gefährlich und schwer ausführbar ist. — Die diesjährigen Holzhauerarbeiten sollen sowohl in den fiskalischen Waldungen als auch im städtischen Gemeindewald am nächsten Montag beginnen. Unser Forstamt wurde nach der Pensionierung des Obersorstmeisters Bär noch nicht endgültig besetzt. Die Geschäfte werden vertretungsweise durch den Oberförster Rausch aus Romrod geführt. Oberförster Burk, der die hiesige Stelle gelegentlich einsah, hat sich zur Dienstleistung im ÄuSlande auf ein Jahr beurlauben lassen. Kreis Lauterbach. $ Fraur 0 mbach, 30. Aov. Gerneinde- rechner Gifert feierte dieser Tage fein 3 0- jähriges Dienstjubiläum Der Gesangverein brachte dem Jubilar ein Ständchen unb Bürgermeister Hohmeier überreichte ihm mit dem Glückwunsch der Gemeinde einen Ruhesessel. RechnungSrak Bechtold, der den Rechner vor 30 Jahren in das Amt eingeführt hatte, übergab dem Jubilar ein Schreiben des Kreisamts, in dem die Glückwünsche dieser Behörde ausgesprochen war. Der Beamte fügte seine persönlichen Glückwünsche bei, dabei erwähnend, daß er den Rechner Eifert während seiner Dienstzeit als gewissenhaften Beamten unb biederen, treuen Menschen kennengelernt habe. Die Rechner des Schlitzerlandes gratulierten jhvern Kollegen persönlich. Der Jubilar dankte bewegt für die zahlreichen Ehrungen. § Crainfeld, 30. Aov. Die Eheleute Jakob Wacker feierten dieser Sage bei guter einen schäbigen Regenmantel, der bis zu den Stiefelabsätzen reichte. Ein weicher Filzhut war über seine Äugen gezogen, aber Elk sah das Gesicht, stehen. bas an einen Raubvogel gemahnte und blieb „Guter Verdienst?" „Ne—in." Elk war sofort gefesselt. Dieser Mann war Amerikaner und wollte seine Aussprache verstellen, um als Eockney zu gelten. Die unmöglichste Aufgabe, die je ein Amerikaner unternommen hat, denn bas Weinerliche und die Betonung des echten Lvn- doners find unnachahmlich. „Sie sind Amerikaner, — aus welchem Staat?" „Georgia", war die Antwort und diesmal machte der Hausierer keinen Versuch mehr, feine Sprache zu verstellen. „Ich bin auf einem Diehdampfer während des Krieges herübergekommen." Elk streckte die Hand aus. „Laß mich mal deine Lizenz fehen, Bruder", sagte er. Ohne Zögern wies der Mann den geschriebenen Vsiizeierlaubnisschein vor, der ibn zum Straßcnver- kauf ermächtigte. Er lautete auf den Namen „Joshua Brvad" und war in Ordnung. „Sie sind nicht aus Georaia, —" sagte Elt, „aber das macht nichts. Sie sind aus Hampshire oder Massachusetts." „Connecticut, um ganz genau zu sein", sagte der andere kühl. „Aber ich habe in Georgia gewohnt. Brauchen Sie keinen Schlüsselring? In seinen Augen zeigte sich ein belustigtes Zwinkern. „Nein, — ich habe nie einen Schlüssel besessen, habe nie etwas des Elnfchließens Wertes gehabt", sagte Elk und befingerte die Sachen auf dem Brett. „Das ist aber kein guter Platz hier." „Nein —", sagte der Hausierer, „zu nahe von Scotland Uard. Herr Elk." Elk warf einen raschen Blick auf den Mann. „Woher kennen Sie mich?" „Das tun doch die meisten? Richt?" fragte der Mann unschuldig. Elk musterte den Hausierer von den Sohlen ieb' ncr starken Schuhe bis zu dem durchweichten Hut und ging mit einem Nicken weiter. Der Händler sah dem Detektiv nach, bis dieser außer Sicht war. bann Gesundheit ihre goldene Hochzeit. Kreis- direktor Dr. Michel von Lauterbach überreichte dem Jubelpaare ein Glückwunfckschreibcn der StaatSregierung, nebst einem Geldgeschenk. Starkenburg. Darmstadt, 3V. Nov. In Rüsselshei m wurden bei Erdarbeiten eine Urne aus der Hallstadtzeit, ein römischer Henkelkrug und ein größeres Gesäß aus der Zeit um 1700 aufgefunden. In Raun ° heim sand man auf einem Acker Urnen aus der Bronzezeit. Alle Funde wurden dem Heimatmuseum in Rüsselsheim überwiesen. Rheinhessen. WSA. Main z, 30. Aov. Ten «Srmittehm- gen der hiesigen Kriminalpolizei ist es gelungen, eine im besetzten Gebiet spielende Landes- derratsaffäre aufzudecken, in die der ehemalige Separalistenführer Erbes- Rieder-- Jngelheün verwickelt ist. Erbes ist deswegen verhaftet worden. Da zur Voruntersuchung und Aburteilung in erster Instanz das Ober- landesgericht Darmstadt zustäirdig ist. wurde Erbes dorthin überführt. Der dem Verhafteten Atir Last gelegte Landesverrat hängt mit der Separatistenbewegung im Jahre 1923 nicht zusammen, ist vielmehr neueren Datums. WSM Bechthei m, 30. Aov. <2 estein nachmittag stürzte aus bisher unbefannter Llrsachc der. Schuhmachermeister Reil so unglücklich in seineuKeller, daß er an den erlittenen Verletzungen nach wenigen Stunden verstarb. Mn«= tersuchung ist eingeleitet — „ Preußen. Kreis Mevenkopf. XX Aus dem Biebertal, 30. Noo. Meister Lampe scheint bei den diesjährigen Treibjagden fast überall ein seltener Gast au sein. Während am Freitag auf dem Treiben in der Rodheimer Feld» mark 15 Hasen geschossen wurden, tarn bei dem Treiben in der benachbarten Königsberger @emar- kung nur ein einziger Hase zu Gesicht. Das feucht- kalte Frühjahr, dazu das viele Raubzeug in den Wäldern haben vielfach die Jungtiere nicht aufkommen lassen. Jftrciä Wetzlar. <> Hochelheim, 30. Nov. Am Freitag- und Sonntagabend gelangte im Saale der Gastwirt- schasl Phil. Jung —selbst durch den hiesigen Kriege r oerein der Film „Fridericus R e x" zur Ausführung. Nicht nur zahlreiche hiesige Einwohner hatten sich zu der Veranstaltung eingc- funben, auch Mitglieder der Kriegervereine Der umliegenden Gemeinden (Hörnsheim, Grohen-Linden, Lang-Göns usw.) nahmen an ihr teil. Die Vorführung, die mit entsprechender Musik begleitet war, mürbe von den Gästen mit Beifall ausgenommen. 00 Reiskirchen, 30. Nov. Bei einer dieser Taae hier abgehaltenen W a l d t r e i b s a g d aui Hasen und Füchse wurden von Treiben: verschiedene Pakete mit Kleidungsstücken im Walde versteckt aufgefunden, die aus dem Einbruchdiebstahl in der Jagdhütte Vollnkirchen herrühren. Die sofort benachrichtigten Iagdpächter von Vollnkirchen erkannten die Kleidungsstücke als die ihrigen wieder. Von den Tätern fehlt bis jetzt noch jede Spur. * Hohensolms, 30. Nov. Die hiesige H e i in> Volkshochschule, die in unserem alten Schloß unteraebracht ist, bat am 1. November einen Volks Hochschulkurs begonnen, der von einer großen Anzahl junger Leute besucht wird. In beut Lehrgang, der auf ein Vierteljahr vorgesehen ist, wird als besonders aktuelles Thema Geschichte, Wirtschaft und Kultur des 19. Jahrhunderts behandelt. Da ein großer Teil von Arbeitsämtern diese Kurse in den Dien st der Erwerbslosen für- sorge gestellt hat, um jugendlichen Erwerbslosen die Möglichkeit zu neben, ihre Bildung zu erweitern und zu vertiefen, so mußte neben der eigentlichen Volkshochschule ein weiterer Rurs für (i r. werbslose eingerichtet werden; darin ioUen neben den vrakttjchen Fragen der Wirtschaft und Berufskunde besonders solche des persön. lichen Lebens behandelt werden. Aus diese Art wird den JugenSlichen den Blick für das ö f f e n t liche Leben geöffnet, und sie selbst in der Gestaltung ihres persönlichen Lebens hoffentlich in der besten Weise beeinflußt. Der neue Erwerbslosen- kursus geht wegen Weihnachten vom 1. bis 23. De- befestigte er das Wachstuch wieder über seinem Tragbrett, schnallte es fest zu und ging in der Richtung, die Elk genommen hatte, weiter. Als Ray Bennett aus Maitlands Haus trat, um zum Mittagessen zu gehen, sah er einen schäbigen und schwermütig ausseyenden Mann an der Ecke des Gehsteiges stehen, der ihm aber nur «'men flüchtig schweifenden Blick schenkte. Er kannte Elk nicht, und ihm entging auch die Tatsache, daß er von jenem In das kleine Wirtshaus verfolgt ivurde, wo Philo Johnson und er ihr bescheidenes Essen einzu- nehmen pflegten. Der Beobachter würde Ray sicher^ lich unter keinen Umständen entganaen sein, aber In seiner heutigen Gemütsverfassung hatte er feinen andern Gedanken als den an sich selbst und un dar beleidigende Gehaben des alten, rübezahlbärtigen Maitland. „Der alte Teufel", sagte er, als er neben Johnson einherging. „Einen lOprozentigen Gehaltsabzug zu machen und damit gerade bei mir anzufangen! Und die Morgenzeitungen schreiben heute, daß er für das „Nord-Spital" fünftausend Pfund gefpenbtt hat." „Er ist ein wohltätiger Bursche, aber was den Abzug betrifft, so wollte er Sie einfach los we.d:n", sagte Johnson fröhlich. „Was nützt das Schelten? Der Handel liegt darnieder und die Börse fft toter als Ptolemäus. Der Alte wollte Sie abpauen, er meinte, Sie wären irgendwie überflüssig. Aber wenn Sie doch darüber die idealere Seite des Lebens nicht vergesien wollten, Nay?" „Idealere Seite!" schnaubte der junge Mann und sein Gesicht wurde rot wie Mohn. „Ich habe dar Gehalt eines kleinen Jungen, unb ich brauche ent« setzltch viel Geld. Philo." Philo seufzte, und diesmal bewölkte sich fein gub mittiges Gesicht. „Wenn ich so denken würde wie Sie, so müßte ich verrückt werden oder zumindest ein großer Per. brecher. Ich verdiene kaum 50 Prozent mehr als Sie, und doch vertraut mir der alte Herr Hunderttaufende an. Die Kunst, glücklich zu sein," tagte er, indem er seinen Teller fortschob und eine Zigarette an zündete, „besteht darin, keine Bedürfnisse zu haben. Dann erhält man immer mehr als man nötig hat. Die geht es Ihrer Schwester?" (Fortsetzung folgt.) vmfrer. Ein weiterer Kurs beginnt fun nach Neu« jahr. Jugendlichen Erwerbslosen, die den Wunsch haben, sich weitcrzubilden, können diese Kurse emp- ol'len werden. Tillkrcis. WLR. Haiaer, 30. Rvv. Sic >jernenr - und Kalkwerke Rombach haben eine Anzahl Arbeiter eingestellt und arbeiten eht wieder in 4 w e i Schichten, nachdem fie seinerzeit Entlassungen wegen Arbeitsmangrls .wrnehmen muhten. Kreis Marburg. WSA. Warburg, 30. Rov. Der Haushalt des preuhischen Kultusministerium« für 1927 enthält unter den einmaligen Ausgaben für die Universität Warburg folgende Betrage: zur einmaligen Verstärkung des Bauunterha.- tungssonds 40 000 Mark, für Straßenanlagen 75 000 Mark, für den Umbau des alten Recch^- Hause« zum Uebung-raum für Leibesübungen ein- 'chliehlick der inneren Einrichtung. Erneuerung und Ergänzung der Turngeräte bOOOO Wart, für das pathologisch- Institut 10 000 Mark, für Restbeträge für die bauliche Erweiterung der Kinder- klinik und Polyklinik für Ohren-, Aasen- und HalskrankheUen 95 000 Warf, ferner als Restbetrag für die instrumentelle und apparative Ausstattung 21 000 Mark, au« Anlah der Inbetriebnahme deS Iubiläumskunstinstituts 47 000 Mark, zur Gründung einer Zentralbibliothek und zur Reinigung und Instandsetzung der Abguß- Sammlung des Archäologischen Seminars weitere 16 500 Marl, sowie 10 000 Mark als Beihilfe an den eingetragenen Verein Hochschulbücherei. Studienanstalt und Beratungsstelle für blinde Studierende in Marburg. Mainga«. WSR. Frankfurt a. W., 30. Rov. Der Magistrat hat einem zweiten Programm für Aotftandsarbeiten im Jahre 1927 zügelt j^mmt. das Gtrahenbau-, Kanalisation-- und Srückendauarbeiten. ferner Arbeiten am Flug- joffn. Förderung der Herstellung von Bau- olatten. sowie eine Reche von Wegebau- und SelLndearbeiten umfaßt und einen F in anz - redars von 3,6 Millionen Mark erfordert. Hiervon sollen rund 1,6 Millionen Mk. 'Uvch Zuschüsse und Darlehen aus Reichs- und Staatsmitteln gedeckt werden, wogegen rund 2,2 Millionen Marl zu Lasten der Stadt verbleiben. Rachdem die Begebung des ersten Teiles Xr beschlossenen Sesamtanleihe erfolgt ist, hat )er*Wagistrat das. Hochbauamt ermächtigt, mit Xn Bauarbeiten für Die Errichtung der G rohmarkthalle zu beginnen. Der Mitteldeutsch!.' Kun st verein und damit -.ugleich das jetzt städtische Kunstaewerbe- multum begehen im März nächsten Jahres das Jubiläum tes 50jährigen Bestehens. Hs ist beabsichtigt, aus freiwilligen Gaben einen detrog aufzubringen, um dem Museum ein I u - biläumsaeschenk machen zu können. Der Magistrat beschloß. 10000 Mk. zur Verfügung zu stelle,', und entsprechende Bewilligung bei der Staülverordnetenrerlammlung zu beantragen. Weiter beschloß der Magistrat, dem Taunus- llub mit Rücklicht auf leine verdienstvolle Lä- tigkeir in der Erschließung des Taunus für die Frankfurter Devöttcrung eine Beihilfe von 7 000 M k. zu gewähren, und wird entsprechenden Bewilligungsantrag bei der Stadtverord- nktenversammiung stellen. Ferner soll dem Taunusklub die Errichtung eine« Erweiterungsbaues a m Felddergturm zwecks Einrichtung eines Jugend - und Wander- heims durch Gewährung eines städtischen Darlehens zu den üblichen Bedingungen ermöglicht werden. Kreis Usiugen. WSA. Ufingen. 30. Rov. Gestern wurde im II f in ge r Stadtwald die Leiche eines LlterenWauneS mit einem Schuh in der Herzgegend aufgefunden. Die durch die Frankfurter Mordkommission ringele'teten Ermittelungen ergaben, dah es sich um den 53- jährigen Hausverwalter Z e i t l e r aus Franko furta.M. handelt. Zeltler war cm Sonntag als Iagdgast bei einer Treibjagd anwesend. Rach Schluß der Jagd entfernte er sich von der Gesellschaft mit der Bemerkung, er müsse noch an einem Geburtstag teilnehmen. Da er bei feinen Angehörigen nicht eintraf, wurden Nachforschungen angestellt. Rach Langem Suchen fand man die Leiche in einem dichten, unzugänglichen Gebüsch, bewacht von einem Teckel, weicher längere Zeit niemand an die Leiche heranlassen wollte. Der Schuh war aus alternächster Nähe abgegeben worden. Das Gewehr lag quer auf den Deinen. Den Umftänben nach dürfte Selbst- mord wahrscheinlich fein, doch ist es nicht ausgeschlossen, dah in dem dichten Gebüsch das Gewehr sich infolge Unvorsichtigkeit entladen hat. Beim Abtransport der Leiche muhte erst ein Weg durch baS Gebüsch gehauen werden. Gerichtsfaal. Unter der Anklage des Sindesmordes. * Darmstadt, 30. Rov. Heule begann vor dem Schwurgericht die aüf mehrere Tage berechnete Verhandlung gegen den 21jährigen Schuhmacher Jakob Eberle von Lorsch, der angeklagt ist, fein 13 Monate alte- uneheliche« Kindvergiftet zu haben. Eberle leugnet die Tal. Das Kind ist 'wch gerichtsärzl- licher Feststellung an einer Strychninver- giftung gestorben. Eberle soll schon einmal- versucht haben, das Kind zu vergiften. Als es am 23. Februar d. Js. bei ihm zu Besuch war, erkrankte es plötzlich: die Erscheinungen bei dessen Tode deuteten auf eine Vergiftung, weShalb die Behörde die Beschlagnahme und Untersuchung der Leiche anordnete. Die Herkunft des Giftes konnte bisher noch nicht nachgewieten werden. Da Eberle bis jetzt die Xat hartnäckig leugnet, wird ein umfangreicher Indizienbeweis zu führen sein. Gesäuguisslcafe für schlechtes tiaicheuken WSR. München, 30. Rov. Das Schöffengericht verurteilte einen Münchener Kellerwirt zu einem Monat Gefängnis, weil er im Sommer in seinem Betrieb schlecht e Inge s ch e n k t hatte. Kontrollen hatten einen Fehl- betrag von <5—18 Prozent ergeben. Vier Mitangeklagte Kellner erhielten Strafen von i e 300 ML, ein Äalftcrcr 1000 M k. Geld- b uh t. Kunst und Wissenschaft. Krebsforschung und Krebsheilung. In der Mannheimer Handelsschule sprach Pros. Dr. Weiterer- Mannheim vor einem kleinen Kreis geladener Gäste über neue Ergebnisse der Krebsforschung mit dem Endzweck, zur Bekämpfung der Krebskrantheii, gleich wie auf dem Gebiete der Bekämpfung der Tuberkulose und der Geschlechtskrankheiten, alle Kreise des Volke» heranzuziehen, um der Bekämpfung bet Krebskrankheit, die heute eine Volkskrankhcit in den Kulturvölkern geworden ist und die in gleichem Maße zunimmt, wie Tuberkulose und Geschlemts- krankheiten abnehmen, auf breiteste Basis zu stellen. Professor Wetterer verwies auf das in Frankreich bestehende Netz von Zentren zur ftrebs- befämpfung mit Zweigstellen und Unterabteilungen. Die Aufgabe der Medizin laute: Prophylaxe, nicht nur Therapie. Aufklärungsarbeit muffe in der Richtung geleistet werden, dah der Krebs im An- fangsstadium gellbar ist. Die Zahl der au» Gleichgültigkeit und aus Unkenntnis für die Heilung verlorenen Fälle müßten mehr und mehr eingeschränkt und die Entwicklung des Krebses, wo Gefahr droht, verhindert werden. Dr. Wetterer verwies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung einer vegetabilen Ernährungsweise unter Berminderung des Fleisches, die auch zugleich die Möglichkeit zur Krebserkrankuna beschneide. Als Ergebnis des Vortrages ist festzustellen, daß ein Komitee aegrünbet werden soll, das über alle Städte Deutschlands ausgedehnt werden soll, um Aufklärung über den Krebs besonders in die Streife der Laien zu tragen und durch diese Aufklärung zu erreichen, daß die Krebskrankheit im ersten noch heilbaren Stadium (porables Stadium) dem Arzt zur Kenntnis gelangt und ihm so die Möglichkeit gegeben wird, die bekannten Heilmethoden rechtzeitig in Anwendung zu bringen in diesen Fallen, ist Krcbsheilung auch nach dem heutigen Stande der Krebsforschung durchaus möglich. Friedrich Lifts 80. Todestag. Am 30. Rovember waren 80 Jahre vergangen, seitdem der größte deutsche DolkSwirt freiwillig aus dem Leben schied. Zur Herausgabe seiner Werke hat sich vor kurzem eine „Friedrich List-Gesellschaft e B." gebildet der prominente Persönlichkeiten aus Deutschland, Oesterreich Ungarn und den Vereinigten Staaten an» gehören. Den Herausgebern des geplanten zchn- bänbtgen Gesamtwerts ist ,es n. a. gelungen, Lists ver'chollene Pariser Preis'chrift vorn Jahr luui k?n bedeutendsten Vorläufer setnes „Rationalen Svftcms" — aufzusinden. Am 7. Dez. fält die G stiilcha t im An itcrium Bl rl . un der Berliner Universität eine öffentliche Sitzung ab, in deren Mittelpunkt ein Vortrag über .Lift und die Europäische Zollunion" steht. Anmeldungen zum Beitritt zur Geselllchast werden an Pro!. Fried. Lenz in Gießen, erbeten. Rundfunk-Programm des frankfurter Lender-. (Aus der ^Radio-Umschau".) Donnerstag, 2. Dezember: 12 bis 1 Uhr: Ucbertraguna von Kassel: Mittagskonzert der Kapelle Mainzer Stein. — Wiener Ope- retten. 3.30 bis 4 Uhr. Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 6.45 Uhr Konzert des Hausorchesters: 'Heue amerikanisch'' Tanzmusik. 5.45 bis 6.« 16 Uhr Die Lesestunde. 7.15 bis 7.46 Uhr: Funkhochschule Frank- [un: „Altgermanischer Zaubergiaube". Vortrag van Pros. Dr. Hans '.Haumann. 8.16 bi» 9.15 Uhr: Schumann-Bralmi».Zyklus des Ülmnr-Duarktt». 9.15 bis 10.15 Uhr: Uebertragung von Raffel: deUo-Aon- zcrt Judith vokar, Amsterdam. 9.16 bis 10.15 Uhr: Wilhelm Busch. Eine lustige Stunde. Anschließend bis 12.30 Uhr: Tanzmusik. Sprechstunden der Nedakttou. 12 bis 1 Uhr mittag», 5 bi» 7 Uhr nachmittag». Samstag nachmittag geschloffen. Für unverlangt elngefanbte Manuskripte ohne beigeftiglee Rückporto wird keine Gewähr übernommen. An;eigenaufträue find lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Das Geheimnis der guten Tasse Kaffee heißt: $febers Carlsbader ! Eine Zutat davon entlockt der Kaffeebohne eine Fälle von Duft und tybhlgefchmark und verleiht dem Getränk den vielgcriilunten goldbraunen Schimmer des CarUltader Das neue Garantie-System: Ein Heilapparat wird Aerzten und Leidenden kostenfrei zur Probe gesandt! 10. Oktober 1926. L. Galling KrankhaHci Brustbae. 27. Mai 1926. P. Malier. »benutzt habe, ist mein ch gehoben Wie ich es aufmerksam wurde. Nachdem ich diesen vor 2 Monaten erhielt und einige Male Gesunder Brustbau. Die Gefahren veralteterKatarrhe werden häufig unterschätzt Aus einfachen Erkältungen entstehend, die sich festgesetzt haben, führen vernachlässigte Katarrhe leicht zu chronischen Erkrankungen der Luftwege - Darum soll man bei jedem Katarrh, der nicht weichen will, rechtzeitig »einen Haus- oder Kassenarzt um Rat fragen. tun habe, so werde ich auch in Zukunft Ihren Inhalator allen Menschen mit der- artigen Leiden auf das roörmfte empfehlen. Die» kann ich nach der bei mir gemachten Erfahrung mit gutem Gewissen tun. Raffel, Dörnbergstr. 22 I, 16. April 1926. H. Eimer, Obcrpostsekretar i. N. Es hingt wie ein Märchen. Den Karfort-Jnhalator habe ich erhalten. — Was ich Ihnen nun sage, klingt wie ein Märchen, aber es ist tiefernste Wahrheit. Seit einem Jahre litt ich an einer schweren Luftrahrenentzündung verbunden mit starkem Husten. 9>achtruhe war ausgeschlossen . . . Als allerletztes Mittel lieh ich mir nun Ihren Inhalator kommen. — Mit Worten kann man es kaum beschreiben: Einen Tag gebraucht, ein Wunder war geschehen, die Beschwerden waren verschwunden. Oerh bin ich bereit, jedem Kranken, welcher sich an mich wendet, Aufklärung zu geben. Köln-Bayenthal, Lonifazstrahe 18, Siege kostenfrei zur Probe! Ich mute niemand zu, den „Karsort- Inhalator mit dem Nebelsporn" auf bloße Empfehlung hin unter Nachnahme zu be- ziehen, sondern schicke diesen Apparat Leidenden genannter Art ohne Nachnahme, ohne 'Vorausbezahlung, ohne Kaufzwang, sofort gebrauchsfertig, mit Probefüllung und genauer Anweisung 5 Tage kostenlos zur Probe. Die Dersandtage werden hierbei nicht mitgerechnel. Sie können also Arzt begutachten lasten. Jeder, der den Apparat nur einmal benutzt hat, ist verblüfft, erstaunt und begeistert und wird ihn als treuen, stets hilfsbereiten Farni- lienfreunb gerne vehalten. Oft genügen sogar schon die Probe-Inhalationen zur mg von Kranlyeitskeimen moa- ,.,t oüs- lich wäre, gelangen selbstverständlich nicht von der zum Versand, wofür volle Garantie ge- Anerkennungen über Anerkennungen bestätigen leine her- oorraaenbe Wirksamkeit. Man lese j. B. die folgenden, hier wörtlich und mit vollen Abreffen roiebergegebenen Zuschriften: Vrönchialkatarrh, Asthma. Arzt ist erflaunf. Vor 4 Wochen erhielt ich einen ,Kor° rort-Inhalator mit bem Nebelsporn". Telle Ihnen hierdurch mit, bah ich mit demselben sehr zufrieden bin. Ich leide seit Jahren an starkem Vrönchialkatarrh verbunden mit Asthma. Seit 5 Monaten habe ich einen.....(anderen Inhalatsonsappa- rat) gebraucht Dieser hat mir aber in fünf Monaten nicht die Dienste geleistet, wie der „Karfort-Inhalator" in einem Monat-, ich werde denselben überall empfehlen. Auch mein Arzt war sehr erstaunt über die schnelle Besserung meines Leibens durch diesen Inhalator. Er wirb denselben auch sehr gern aufs beste empfehlen. Ich bin ganz verblüfft über die schnelle Wirkung bei so wenig Geld. Köln-Ehrenfeld, Philippstrahe 43, Katarrh fort! Asthma fort! Asthma, Vronchlal-Katorrh, vrusl-, Sopf-, RachenNasen-Katarrh, Sttrn- n-nalarrh und sonstige Katarrhe und kheilen der Atmungsorgane werden auch in veralteten Fällen erfolgreich be- kämpft durch den vieltausendsach bewährten „Karfort-Jnholalvr mlf dem Nebel- tporn“ In Fällen, in denen eine Heilung nicht möglich ist (wenn z. B. organische Veränderungen oorliegen), schosst der Apparat doch Linderung und hilft manche Hustenqual erleichtern, so daß bas Leben wieder lebenswert wird. ohne jedes Risiko in aller Ruhs den Apparat volle 5 Tage lang an sich selbst probieren und sich so persönlich voi Vtchk 9 Mark, sondern 900 Mark teert. Wer noch feinen chronischen Katarrh hatte, kann auch bas beglückende Gefühl nicht ermessen, welches schon die ersten beiden Inhalationen erzeugten... . Ich mache besonders darauf aufmert» fam, daß der Apparat nicht 9 Mark, sondern 900 Mk. wert ist für den. der ihn zu schätzen weiß. Düsseldorf, Harkortstr. 27, 10. Juli 1926. Paul Müller, Maschinenmeister. Rachenkatarrh. Seit Jahren litt ich an einem Rachen katarrh, der mir durch Verschleimung viel Unbehagen verursachte. Ich danke dem Zufall, daß ich in der Zeitung auf Ihren ,Karfort-Inhalator mit dem Nebelsporn" Erzielung des gewünschten Erfolges. Vorbenutzte Apparate, burd) die eine Uebertragung von Krankheitskeimen mög- Haben Sie solche Beschwerden? Wer an einem der vorgenannten Uebel leibet, wer häufig geplagt wird von quälendem Husten, Luftmangel mit pfeifenden, raffelnden, röchelnden, giemenden Atemgeräuschen, Trockenheit, Brennen, Kiyelgefuhl im Halse, Brustschmerzen, Heiserkeit, Husten, schnupfen, Grippe, Verschleimung, durch Katarrhe bedingte Schwerhörigkeit, Ohrensausen. Kopf- und Gesichtsschmerzen, Schlaflosigkeit oder ähn- lichen nervösen Erscheinungen, sofern sic mit Katarrhen und Asthma tn Zusammenhang stehen, ber versäume nicht, von meinem nachstehenden, völlig risikofreien Angebot Gebrauch zu machen. ...... ....... -vn - |U pn luiuiuj UUil Utl ")Uin fuiw, vzutumii yt- Wirksamkeil dieser segensreichen Ersin- leistet wird, düng überzeugen ober ihn uon Ihrem Broschüre: „Katarrh fort! Ein Trost- won für Katarrh- und Asthmaletdende" nebst vielen beglaubigten Erfolgsberichten und Dankschreiben liegt jeder Sendung bei. Ein billiger Hausfreund! Erkältungskrankheiten werben im Keime erstickt. Rur e t n Apparat ist für bie ganze Familie erforberlld), baher für bie Dauer sehr billig. Wer mit bem Apparat zufrieden ist, wirb nach Ablauf ber Probezeit gern den Gegenwert von 9 Mark einsenoen und die Sache weiterempfehlen, womit gerechnet wird. Irgendwelche wetteren Kosten entstehen nicht. Unverlangte Nachnahme senvungen werden nicht gemacht. • Auf Wunsch auch Ratenzahlung! Wem der Betrag von 9 Mark mit einem Male zu hoch ist, kann auch in mehreren Raten bezahlen. Wer hingegen nach gewissenhafter Prüfung ober nach Rücksprache mit seinem Arzt ber Ansicht ist, vaß diese Kur sich für seinen besonderen Fall nicht eignet, schicke den Apparat ohne Angabe von Gründen zurück, und die Same ist erledigt. Es Ist höchste Zeit! Die Inflation und deren Folgen Haden manchen abgehalten, seiner Gesundheit die nötige Beachtung zu schenken. Jetzt warten Sie nicht länger, sonst i st es zu spat! Die Probesendung wird jedem Leidenden gemacht. der darum schreibt, ohne Unterschied ber Person und be» Standes, ganz gleich, ob Arbeitsmann ober Kommerzienrat. Genaue und beut- tiche Adresse mit Angabe von Stand oder Beruf jedoch unbedingt erforderlich. An unvollständige Adressen tonn nur unter Nachnahme geliefert werden. Es mögen sich aber nur solche Interessenten melden, die den Apparat wirklich selbst bzw. bei einem Familienangehörigen verwenden wollen. Die täglich eingehenden Anfragen uon Privatpersonen wegen Uebernahme von „Vertretungen" obet „Generalvertretungen" sind völlig zwecklos und bleiben unbeantwortet. Aerzten wird ber Apparat selbstverständlich ebenfalls gern zur Ansicht und Probe übersandt, nicht aber Privatpersonen, die sich gewerbsmäßig mit Krankenbehanblung befassen. Diele Werxte verordnen den .Farfort- Jnbalator" ständig, bei vielen Krankenkassen ist er zugelassen. Vorsicht! Rachahmunaen des,Kanari-Inhalator" gibt es nicht. Jedoch wird versucht, andere Jnhalationsopvarate an seiner Stelle zu verkaufen. Lassen Sie sich nicht irreführen! Nur ich allein bin berechtigt, den viel- tausendfach bewährten „Karsort-Jnhala- tor mit dem Nebelsporn" herzustellen, sonst niemand! Insbesondere sei darauf hin- gewiesen, bah bie von verschiedenen Seiten unter Bezeichnungen wie „lancre- Inhalator" oder „Inhalator nach Tancre" ober ähnlich angebotenen Apparate nicht mit meinem „Karsort-Inhalator" identisch sind. — Dos früher von mir in einem anderen Ort Betriebene ähnliche Unternehmen ist schon vor längerer Zeit in andere Hände übergegangen. Achten Sie genau auf meine Firma und Wohnort: Carl August Tancrö Naumburg Ihren Hi.semttteln ist es mir gelungen, in oft üde> laschender Weile und überraschend kurzer Zeit - nur Wochen bezw. wenige Monate — selbst veraltete und tchon trostlose Fülle von Brüchen git und dauernd aus- zuheilen b i Patienten jeden Altero und Ees lechts. Ihre Hevmetbode ist wirklich ein Segen für viele und mühte von jedem besorgten Arzt beherrscht und angewandt werden. Herr Dr. med. H. D.. approbierter Arzt: Ihre Methode der operaiions- losen Druchdehandluny habe ich verschiedentlich an mein n Patienten erprobt, und (ch kann Ihnen nur von besten (Erfolgen dabei berichten. Selbst Brüche ollerschwerster Art kamen in verhälinismäbig 6ur.tr Zeit zu restloser dauernder Ausheilung. Herr Hofbesitzer O. Ä. aus Holste«!, schreibt: Teile Ihnen hierdurch mit, daß ich die von Ihnen verordnete Kur. ca. 12 Wochen, durchgemacht i abe, und ich be ä tat Ihne:., daß ich toeber Berufsstörungen noch sonstwie Beschwerden dadurch gehabt habe Seit 6 Wochen trage ich kern Band mehr, und bis jetzt werd« ich durch nichts mehr an dar Dor- handensein eines Bruches erinnert Herr F. D., Böcker aus Hamburg schreibt: Fühle mich veranlatzt. Ihnen mitzuteilen, daß ich durch Ihr Heilvettahren von meinem schweren Bruch» schaden, den ich seit ca. 12 Fohren gehabt habt, ooHliSnbtg geheilt bin Buch mein Hausarzt, der mein Leiden kennt, hol dieses aus» gesprochen. Die ganze fiur hat nur ca. 12 Wochen in Än pruch genommen, ohne mich in meinem beschwerlichen Berus als Bäcker zu stdren. Sprechstunde unseres speziell ausgebildeten Vertrauensarztes (früher bei Dr. med. H. ß. Meyer) in: Gießen am Samstag, dem 4. Dezember, vormittags von 8lA bis 1 Uhr, und nachmittags von 2 bis 7 Uhr im Bahn- Hofs-Hotel. 9850p Konditorei Amend empfiehlt für Nikolaus und Weihnachten reichhaltige Auswahl in Lebkuchen ■ Marzipan • Schokolade Oebäcke ° Stollen Radong sowie schöne Weihnachtsgeschenke Für Bestellungen halte ich mich bestens empfohlen Steuerfelder für Wahlagitation. Amtliche wahlbeeinflussung in Hessen. Der Hessische Wirtschafts- und Ordnungsblock schreibt uns: Man liest gelegentlich in der Presse, daß in Rumänien oder Serbien bei öffentlichen Wahlen der gesamte Regierungsapparat in den Dienst bestimmter Parteien gestellt wird. Unsere demokratische reffe bezeichnet solche Zustände mit Recht als, Korruption. Und wenn gar etwa der spanische Diktator ober J Mussolini in Italien ein gleiches tun, so kann sich unsere demo- ’ kratische Presse nicht genug tun vor sittlicher Entrüstung. Der Wirtschafts- und Ordnungsblock hat gelegenllich einmal gesagt, daß er nicht nur für Wirtschaft und Ordnung, sondern auch für Sauberkeit im Staat kämpft. Dieses Wort hat gewaltige Wutausbrüche, insbesondere auch des Vorsitzenden der Demokratischen Partei, zur Folge gehabt. Wie notwendig dies Wort war, wollen wir heute beweisen. Vor uns liegt folgendes Dokument: , Darmstadt, den 26. 11. 1926. Der hessische Jinanzminisler. B e t r.: Die Angriffe des fog. Wirtschafts- und Ordkrmrgsblocks auf die hessische Regierung. > Zur Abwehr der von dem sog. W. u. O.-Block in den letzten Tagen gegen die hessische Finanzverwaltung erhobenen falschen und irreführenden Behauptungen beabsichtige ich, da die dem Block ergebene Presse amtliche Richtigstellungen ablehnt, den Weg des öffentlichen Anschlags zu wählen. Im Einvernehmen mit dem Herrn Minister des Innern ersuche ich Sie, die Ihnen in den nächsten Tagen von der Druckerei des Mainzer Anzeigers in Mainz zugehenden Plakate durch Anschlag an den öffentlichen AnMagstellen (Plakattafeln, Säulen usw.) zur Kenntnis der Bürgerschaft zu bringen. Dort, wo es noch üblich ist, öffentliche Bekanntmachungen durch die Orlsschelle zu verbreiten, bitte ich, in geeigneter Weise auf den erfolgten öffentlichen Anschlag Hinweisen zu lassen. Im Interesse einer allseitigen Verbreitung des Plakatinhaltes bitte ich ferner Anordnungen zu treffen, daß der An fchlag vor dem 6. Dezember nicht beseitigt wird. Etwaige kosten, die mit dem Anschlag verbunden sind, find dem Finanzministerium in Rechnung zu stellen. An sämtliche hessischen Bürgermeistereien. Rückseite: Den Kreisämtern zur aefl. Kenntnisnahme mit dem Ersuchen, die Ausführung zu überwachen und auf Grund der bei den Bürgermeistereien alsbald einznfordernden Vollzugsberichte über die Ausführung zu berichten. Darmstadt, den 26. November 1926. Der hessische Finanzminister. Henrich. (eigenhändig unterschrieben). Das ist denn dock) das Tollste, was bis fehl in einem deutschen Staate an amtlicher Dahlbeeinslusiung geleistet worden ist. Das Geld der Steuerzahler wird hier skrupellos in den Dienst der Weimarer Koalitton gestellt. Was sagt Ihr Steuerzahler, was sagt Ihr Landwirte, Ihr Beamte, Ihr Hausbesitzer, Ihr Geschäftsleute dazu, daß man Euer Geld dazu benutzt, Wahlplakate des demokratischen Fin-! nanzministers Henrich herzustellen? Dieses Voraehen des hessischen Finanzmimsters ist ein un- [ erhörter öffentlicher Skandal, der in Deutschland bisher seinesgleichen sucht. 9876C ■' Wähler, gebt diesen Männern, die mit Euren Stcuergeldern ihre Parteiherrschast erhalten wollen, die richtige Antwott: 1 Schickt den Landtag heim! Stimmt olle mit „3a". HesfischerWirtschasls-u.Ordnungsblock.' Statt Karlen Hans Hesse Käte Hesse geb. Bohn Vermählte Franksurl a. M. Gießen Kirchliche Trauung: Samstag, den 4. Dezember, 3 Uhr, Stadtkirche zu Gießen r Donnerstag, 2. Dezember, 4 Uhr nachm., Saalbau Sauer, Neustadt Kleiderschau Eintritt 60 Pfennig Die Ausstellung ist bis Freitag abend geö-fnet ’ MVK Mdis itfEO.95 ..... Für den Weihnachtsbüchertisch. Neue Romane. - Jakob Schaffner, der fcudjtbare Schweizer Dichter, dessen zahlreiche Romane sich auch in Deutschland längst eine grobe und treue Lesergemeinde erworben haben, greift mit letnem neuen Roman .Das große Erlebnis (Union Deutsche Derst.gsgefellfchaft m Stuttgart. Gzlbd. 7,50 anr.) in die Gegenwart und IN die, für das chaotische, nach neuen formen suchende Leben typischste deutsche Stadt. Derlin. Es liegt jedoch Schaffner fern, zu den zahlreichen, breit- gemalten, mehr oder weniger treffenden Zeitgemälden ein neues zu fügen. Er greift aus dem wilden Strom der Zeit drea Menschen her- airi: einen deutschen Wissenschaftler von klarem Siim für di« Dinge um ihn herum, von einer tiefen Menschenkenntnis und einer in der ungesunden internationalen Atmosphäre des Berlins von 1919/20 besonders erfreulich heraus- tretenden starken und sich verantwortlich machenden Liebe zum eigenen Doll. Reben ihm seine Frau, noch jung, kinderlos, von dem vielbeschäftigten Gatten ein wenig vernachlässigt, auf ein ganzes Tierreich von Hunden, Katzen und Vögeln angewiefen, über die alle sie ihre mütterlich« Fürsorge breitet. Reben die beiden Gatten und bald zwischen sie tritt ein junger, hoch- strebender, aber in den Strömungen der Zeit noch wild umhertorkelnder Student aus reichem Groß- industriellenhause. Bei bolschewisttschen Studenten in der russischen Kolonie ftndxt er auch nicht die Befriedigung, die ihm das tradittonelle Leben seines Standes versagte. 3n der Frau-sucht er das grob« Erlebnis. Um die stille reizvolle Gattin feines Prozessors zieht er seine Kreise, aber die innere Ruhe und Herzensweite des Gelehrten wenden den überschäumenden Impuls des Jünglings in di« rechte Dahn. Um diese drei, sehr subtil gegliederten Charaktere hat Schaffner eine bunte Welt von Persönlichkeiten und Eindrücken gestellt, durchglüht von dem feinen warmherzigen Humor und der stillen Besinnlichkeit, die schon die früheren Werke des Schweizers so vorteilhaft auszeichneten. (581) — Ouftao Fre n f s e n: Otto Ba ben- dick, Roman (geh. 12 Mk., Ganzleinen gebunden 15 Mk. bei G Grotefche Verlagsbuchhandlung, Berlin SW 11). Ein volles Dierteljahrhundert ift^ nun schon darüber hingegangen, seit der „3öm Uhl" den Namen Gustav Frenssen In aller Munde bracht»?, seit der „Jörn Uhl" der — viclbeftaunte, viel bekrittelte — größte Bucherfola feiner Zeit wurde. Seitdem sind in unerhörtem Tempo Entwicklungen auf uns eingestürmt, die andere Probleme brachten, alle Probleme neu faßten, und wir Jüngeren sind schier verwundett, daß Frenssen sich wieder zu Wort meldet, einer, den wir saft schon zur Literatur zahlten. Der Dichter selbst entschuldigt sich fast dafür, wenn er seinen neuen Roman eine Autobiographie nennt und sich selbst als der kleine Otto Babendick vorstellt, dessen Lebensgeschichte er hier gibt. Doch die Visitenkarte täuscht. Vom Leben des Menschen mag vieles darinnen (ein, denn jede Dichtung, wenn sie echt und wahr ist, ist ein Stück Menschentum des Dichters, aber vom Werden des Dichters, vom Ringen und Kämpfen um feine Lebensarbeit, von (einer dichterischen Entwicklung, feiner Stellung in feiner Zeit und zu feiner Zeit enthält das Buch kaum mehr als «in paar Aeuherlichkeiten, ein paar Monologe, die man als Abschweifungen fast unorganisch empfindet. Aber Menschenleben und Menschenfchicksal breitet der Dichter vor uns aus in einer unendlichen Füll« von Gestalten, von denen jede einzeln« so scharf gesehen, mit dem warmen, liebevollen Auge des Dichters und Menschenfreundes, daß keine einzige uns entfällt, daß sie alle mit uns wandern den weiten Weg durchs Leben. Aber eine Entwicklung haben sie im Grunde alle nicht, so wenig wie der kleine btto Babendick, hinter dem sich der Dichter verbirgt. Als merkwürdig reife Menschen treten diese Kinder in unfern Gesichtskreis, als fertige Charaktere. die als schon Vollendete ihren Lebensweg antreten. Und eine Entwicklung hat auch eigentlich der Roman selber nicht, wenn man vom Gang der äußeren Dinge absieht. Trotzdem wird man gefesselt von der ersten bis zur letzten Seite dieses dicken Bandes durch das gütige Menschentum dieses Dichters, der sich selbst und seiner eigensten Künst getreu bleibt Das schönste dieses Buches sind die ersten Kapitel, die von den Zugendjahren des Dichters in der holsteinischen Dorfschmiede und später beim Onkel Peter in der kleinen Gymnasialstadt erzählen. Das sind Figuren und Schicksale, die wie einstmals bi« Gestalt des kleinen David Copperfield als Begriff weiter leben werden. Und das bedeutet heute schon Diel. (631) — Clara Rahka: Das Bekenntnis. Roman. 4C9 Seiten. 8°. Deutsche Derlagsanstalt. Stuttgart, Berlin und Leipzig. — Der neue Roman von Clara Rahka trägt w eder das Gepräge ihrer künstlerischen Eigenart, es- ist ein Frauenroman in bestem Sinne. Boll heißen, ftar'en Erlebens, ist er von der Frau aus gesehen, Menschen und Landschaft nur in der Heldin wiederfpiegelnd. sie nur in deren Entwicklung erfassend. Diese Heldin ist ein Mädchen aus einem gefunden, wohlbehüteten Hause in Finnland — mit blühenden Farben ist die Landschaft gemalt, in der sie verwurzelt ist, erdhaft und kraftvoll to e das mütterliche Land — das durch eine ungewollte Schuld aus ihrer Bahn gerissen und gezwungen wird, ihr eigenes Leben aufzugeden und das einer anderen weiterzuleben/ Wie sie unter ihrem Schicksal erstar.t, es erst leidend und widerwillig auf sich nimmt, es bann aber bewußt lebt und bezwingt zum harmonischen Ausklang, das ist der Inhalt des „Tekenntnisses". Ein gutes Buch von reinem, starkem Empfinden. 693. — A; e 1 Lübbe : Der Kainsgrund. Roman. (Engelhorns Romanbibliothek, Band 1002 03.) 285 6. 8°. Ganzleinen 3L0 Mk. I. Engelhorns Nach- folger, Stuttgart. 1926. — Die Eindrücke, die dieser Roman hinterläßt, sind zwiespältig. Man hat das Gefühl, als ob der ganze Inhalt jener Pandorabüchse gerade recht gewesen sei. das Stoffliche, das real Tatsächliche für die Erzählung herzugeben: es ist so Diel Schreckliches, Grausiges und Abstoßendes in dieser Geschichte eines Verbrechens — Krieg, Mord, Flucht, Verfolgung. Leiden und Laster der Fremden- legion, Gesangenichast. Hinrichtung, Tod —, daß man mehr als einmal versucht ist, dos Buch ablehnend aus der Hand zu legen. Aber bann lieft man es dennoch zu Ende. Gefangen von dem Stil, der nur selten befremdet, viel öfter doch eine erstaunliche Reisen und Abenteuer. — Bengt Berg: Abu Markub. Mit der Filmkamera unter Elefanten und Riesenstörchen. 200 Seiten 8°. Verlag von Dietrich Reimer, Berlin 1926. — Wir hatten vor längerer Zeit die Freude, Bergs köstlichen ..Regenpfeifer" anzuzeigen: unsre Freude ist heute nicht geringer, wenn wir das neue Wcrl des Schweden, „2lbu Markub". als ein außerordentliches und bewundernswertes Buch unseren Lesern aus das tbärmste ans Herz legen. Was der unvergeßliche Schillings zu Anfang dieses Jahrhunderts toagemutig begann, haben Bengt Berg und sein Freund unö Reifekamerad, der schottische Major Roß. mtt größeren Mitteln glänzend vollendet. Da wandern zwei Weiße, von einem Häuflein Eingeborener begleitet. Tage und Rächte mit Filmkamera, Büchse unö Stizzenbuch durch die afrikanischen Steppen und Wälder und Sümpfe, suchten Wildwechsel und Flußufer ab, mutig, ausdauernd, unendlich geduldig und mit einer heißen Freude an Tier und Landschaft im Herzen. In dem Buche Bergs tut sich eine ferne, wilde und großarttge Welt auf. Bilder von solcher Wucht und eindringlichen Schönheit ziehen vorüber, daß man, betrachtend und die wunderbar lebendigen und naturnahen Schilderungen verfolgend, seine Umgebung vergißt und, wenn man am Ende ist, sich erstaunt und fast befremdet mit einem tiefen Atemholen in unserer kalten, gefahrlosen, nördlich gemäßigten Zone wiedersindet, in Bann geschlagen vom großen Zauber aftikanischen Landes, afrikanischer Tiere und Menschen. Die Ausbeute dieser genialen Forschungsreise ist erstaunlich: wenn man die Aufnahmen der Elefantenrudel, der Flußpferde. Krokodlle, Giftschlangen und des seltenen und scheuen Bogels Qlbu Markub betrachtet — dann ahnt man wohl, was die Aufnahmen an Ausdauer, Entbehrung, Geduld und Kaltblütigkeit gekostet haben mögen, und das Herz klopft einem vor Freude über dieses Buch, das einen Lebenskreis voll abenteuerlicher Zivilisationsfeme überwältigend vor uns aufschlieht. 646 — Ewald Danse, Das Buch vom Morgenlande. Einführung und Gestaltung (mit 32 Tafeln, R. Doigtländers Verlag in »Ganzleinen 17 Mk.). Cs sind nun genau ahre her, als ich Ewald Danse kennen lernte, in Göttingen sprach er im feldgrauen/ Gefreitenrock vor uns jungen Soldaten in seiner schlichten, aber fo außerordentlich markanten und anschaulichen Art von den Wundem des Morgenlandes, von Rordaftika, von der Landschaft und ihrer Gestaltung, von den Menschen und ihrem Leben, kein trockenes Dozieren, kein Bluff mit Zahlen und Statistiken, kein Langweilen mit geographischen Theorien, sondern Leben, blutvolles Leben. And so sind auch seine Bücher, vor allem dies vorliegende, das ähnliches behandelt wie damals sein Bort vag. Die Länder des Islams sind sein Steckenpferd geblieben, und er hat sie auf vielen Reisen, in emsigem Studium kennenlernen dürfen, wie kaum ein anderer. Die Ergebnisse gründlichsten Forschens, eindringlichster Wisfen- schaft liegen diesem Buche zugrunde, aber farbenfroh und lebensfreudig, wie der Stoff selbst ist er auch behandelt. Die Art der Darstellung hat vieles gemein mit der Gwrg Wegeners, des großen Weltreifenden. Derrn ein Reisender ist auch Ewald Banfe und bleibt es trotz allem wissen- schaftlichen Emst und aller gdebrtcn Gründlichkeit, die sein Buch zu einem der wertvollsten Mittel für die Erkenntnis drS nahen Orients machen. Ausgezeichnete ganzseitige Abbildungen in reicher Fülle geben ein unerschöpfliches Anschauungsmaterial. 558 — Pierre Loti, den französischen Romancier, dem wir so viele anregend« Rcis.Pesch rcibungen zu verdanken haben, hat fein Weg auch durch das Wunderland Persien geführt. Seine „Reise durch Persien" hat die Deutsche Buch- gemeinschaft (Berlin SW 61) in einem prächtigen Haidle" erband mit sechs Abbildungen neu heraus- gebracht. Loti erzählt von der interessanten Zwi- fchenkultur dieses Landes, das. einst die Wiege der Menschheit, heute ein Pufferstaat zwischen den widerstreitenden Interessen der asiatischen Großmächte Rußland und England nur mit Mühe seine Selbständigkeit behauptet, seine kulturelle Eigenart bewahrt. Auf einsamen Karawanenfahrten zieht der Dichter durch trostlose Wüsten zum persischen Hochland hinan, er besucht die Märchenstädte dieses Dolkes, dringt in feine heiligen Stätten ein und gibt von allem Geschauten ein überaus farbiges und anregendes Bild. Man wird der Deutschen Duchgemeinschaft, die in zweieinhalb Jahren schon über 300 000 ständige Mitglieder um sich gesammelt hat, denen sie für einen Mitgliedsbeitrag von 3,90 Mark pro Viertel- jahr nicht nur einen Halblederband nach eigener Wahl, sondern auch noch ihre illustrierte Zeitschrift „Die Lesestunde" zur Verfügung stellt, Dank wissen, daß sie dies prächtige Reisewerl in so schöner Ausstattung wieder in die Oeffent- lichkeit gezogen hat. 661 — Graf Paul Vork von Warten- bürg: Italienisches Tagebuch. 241 Seiten 8°. Otto Reichl, Verlag, Darmstadt 1927. Es handelt sich hier um Tagebuchaufzeichnungen, bie Graf Hott (1835—1897) auf feiner zweiten Italicnfahrt im Jahre 1891 in Form von Briefen an seine Frau niedergeschrieben hat. DieseBttefe, deren Edierung Sigrid v. d. Schulenburg besorgt hat. können als ein willkommener Auftakt zu den noch unveröffentlichten philosophischen Schriften betrachtet werden. Das Ganze stellt sich dar als das sehr persönlich, sehr eigenwillig gefaßte Werk eines spekulativen und umfassend gebildeten Geistes, der sich gewissenhaft über die innere Ausbeute seiner Reise Rechenschaft zu geben versucht hat. Das Buch umschließt eine Fülle von Eindrücken. Gedanken und Reflexionen allgemeiner, ästhetischer, historischer und kultureller Art, wirkt durchaus nicht antiquiert, bleibt nie an der Oberfläche und kann als ein anregendes und nachdenkliches Dademecum auch für den deutschen Jt^ljenreisenden unserer Tage gelten. — Die ve^iegensche Ausstattung des Buches ist tadellos. 728 Künstlerschaft sichtbar werden läßt: ein« episch überlegene Reife, die der Gesamtgestattung ebenbürtig ist. Die Komposition dieser Geschichte muß bewundernswett genannt werden: sie rückt den abstoßendsten Kolportagestosf in einer unheimlichen Der- tettung von Ursache und Wirkung an die äußersten Grenzen des sinnlich Faßbaren, und macht den Roman in manchen Teilen zu einem erschütternden Schicksalsbuch. 739 — Julius Derstl: Die Fahrt ins Rosenrote. Roman. 263 Seiten 8°. Verlag Georg Westermann, Braunschweig und Hamburg. — Derstl hat sich bereits als Dramatiker (mit dem chinesischen Spiel vom lasterhaften Herrn Tschu, mit dem Kabylendrama „2Iini“ und dem Lustspiel „Dover—Calais"), wie als Erzähler (der Bürger-Roman „UeberaH Molly und Liebe" ist vor allem zu nennen) einen sehr guten Ramen ?«macht. Er hat auch mit seiner .Fahrt ins kosenrote" eine feine und nachdenkliche Arbeit gegeben. Von den bewegten und ungewöhnlichen Schicksalen eines Mannä erzählt der neue Roman. dessen Schauplatz Deutschland und Amettka umfaßt — von den Schicksalen eines Mannes, der in gewissem Sinn« einen Typus verkörpert, obwohl er auf den ersten Blick als einzigartig erscheint. Er ist der nach vielen Dichtungen begabte Dilettant, der Mensch, der berufen scheint, etwas Positives im Leben zu leisten, der aber doch immer wieder an den wenn nicht entschuld- baren, so doch begreiflichen Schwächen seiner Ratur scheitert. Darüber hinaus ist er der Mensch, der aus der Grenz« zwischen Jugend und Alter angelangt ist, und der nun einem Phantom nach- jagt, das er niemals erreichen kann, eben weil es die entschwindende Jugend ist. Wie Don Quichote zieht Gras Morion aus, das Leben zu bezwingen. um am Ende mit leeren Händen und Beulen an der Stirn, aber uiN die Erfahrungen eines Lebens reicher, zu seiner selbstlosen, charakterstarken Gattin heimzuftnden. Derstl ist in der .problematischen Ratur" des Grasen Morion ein Charakter gelungen, der sich den „Helden" feiner früheren Romane würdig anreiht. Darüber hinaus empfängt das Duch, dessen originelle Handlung besticht, aus der Schilderung der tragikomischen Entdeckungsreise des alternden Mannes, der seine Jugend sucht einen besonderen Glanz. 542 — LInd hätte der Liebe nicht... Ein Zettrvman von Artur Drausewetter. (Dergstabt Verlag, Breslau. Ganzleinenbaad 6,80 Mark.) - Im Schaffen Dra: sewrtters bildet die tiefe, echte Menschenlttbe das Leitmotiv, i t keinem aber ist dies Motiv mächt ger als in diesem seinem jüngsten Werke. 3m Mittelpunkt stehl die von dem Dichter überaus fein g ze.chnete fe.se nd? Gestalt des Dr. Drabttius. Als D.r ktor einer höheren Mäbchmschule zunächst in dem engen Kreis von Amt. Pflicht und Gerechtg'eft befangen, findet Dr. Drabttius schll.'ßlich über dem durch feine li blose Streng? verschuld ften Selbstmordversuch einer seiner Schülerinnen sein Damaskus und damit den Weg zu der Erkenntnis, daß Erziehung ohne Li:be nur kümmerliches, totes Handwerk ist. Und di se Liebr bre:bt nun auch sein Leitstern, als er zum Ersten Geistlichen am Dom zu Kronburg berufen wird und damit der Kreis feiner Pflichten über die Schule hinaus sich weitet und ausdehnt auf die ganze große Gemeinde, die seiner Obhut anbertraut ist. Die Rebenfiguren des Romans, der in des Dichters Heimat Danzig spielt und infolgedessen warm durchpulste MUieuschilderungen aufweist, sind feinen Blickes aus dem Leben geschn tten: die Lehrer und Lehrerinnen der Diktoriaschule b'ten Direktor Dr. Drabttius ist: di« Schar der Schüle- ttnnen, deren jede ihr eigenes Gesicht trägt und deren Entwicklung man teilnehmend miterlebt; der Kaufmann Josef Cverling. ein Mann mit einem rauhen Aeußeren. aber einem goldenen Herzen, der aus kleinen Verhältnissen sich zum „Rahob des Freistaates" emporgearbeitet hat und, nachdem er alles wieder verloren, tapfer von neuem den Fuß auf die Leiter seht, die nach oben führt, eine typische Gestalt unserer Zeit, von Draufe- tnetter mit besonderer Liebe gezeichnet. Dieses Geschenk des Dichter-Pfarrers von St. Marien zu Danzig an sein« groß? Ledrgeme nd? erweist sich als ein starkes Werk voll innerer Wahr- Hastigkeit, em Zeitroman im besten Sinne des Wortes, den man all denen in die Hand geb'm möchte, die sich hinaussehnen ans dem trüben Dunkel der ®^o»--mqrt. Eine köstliche Gabe für den Weihnachtstisch! 765 — pKaric Heinrich. Gin Heimatrvman von Paul Keller. (D rgstadtverlag. Breslau. Ganzleinenband 7 Mk.) — Di ser ne-t? Roman Paul Kellers weist alle Varzüge der K ll'rschm Erzähttmgskunst auf: Reichtum der Erfindungsgabe. Wärme und 3TTrlnf?it der Darstell ng. Duft der heimatlichen Stolle, alles vereinigt durch di« Kraft der Lebensbejahung und die ilrfbr'mg- lichkeit e'nes frohen Gemütes. M't briben Füßen steht Keller in diesem neuesten Roman „Matte Heinttch" auf dein B d'N feiner schief schm Heimat. Der Grundton des Buches ist wohl ernst, aber von jenem köstlichen, herzbezwingenden Humor durchsonnt, der Kellers beste Heimatbücher auszeichnet. Da ist vor allem d'efer Dengll. der Gymnasiast und Dr"der der Matte Heinrich — ein Prachtkerl, "rg'sinb. manchmal ein bißchen frech und voll spitzbübischer Schelmere'. Aber di? Matte Httnrich weiß, wie man's anfängt, einen solchen Durschen zum tüchtigen M'nn zu erziehen. Ohne daß viel von Erzi?hung im D ich? d'e Rede ist, ist b efer fesselnde Roman doch lehrreicher als ein Dutzend Erziehungsbücher. Das ist aber nicht das wichtigste daran. D'e Hauptsache ist. daß aus jeder Zell« dieses schönen Romans e'ne Welt von Güte und Schön beit spricht und die feg hafte Kraft der Lebensbejahung. Di' ..Matte Heinrich" ist ein Duch vom Kampf und S eg über alles Riederdrückende und Zermürbende. Es ist ein Duch für unsere Zeit. 696 — Thea von Harbou. „Metropolis". Roman. (August Scherl. G m. b. H., Terlin. Ganzleinen 5.50 Mk.) — 3m obersten Stockwett des Wolkenkratzers sitzt John Fre- tersen. der Leiter einer utopischen Riesenstadt, Metropolis. Seine Finger ruhen auf einer magischen blauen Metallplatte, mit der er die Riesenstadt unter sich in Bewegung setzt ober zur Ruhe bringt. Eine ungeheure Kluft trennt ibn und die Teiiyenden von jener unterhalb der Erdoberfläche hausenden Schicht der Arbeitenden, die zu willen- und namenlosen Werkzeugen emes durch Technik entseelten Lebens geworden find. Freder, der Sohn des Herrn von Metropolis, liebt ein jungfräulich keusches Mädchen. Matta, das aus tielftem christlichen Empfinden heraus sich für die Besserung des Loses der Arbeitermassen einfeht. Mit gan-er Seele ersaßt Cr die Tragik der sozial Entrechteten und macht sich das Wort Mariens zu eigen, „Mittler zwischen Hirn und Händen, muß das Herz fein'. Dieser Roman, der feiner Partei, keiner Klasse und keiner Tendenz dienen will, ist der dichterische Bersuch, den ins Phantastische gesteigerten sozialen Gegensatz durch bie Kraft des mitfühlenden Herzens zu überwinden. 779 — RudolfStrah, der beliebte Romancier, hat nun auch schon seine Lebenserinnerungen in zwei Banden niedergelegt (1. „Schwert und Feder", II. „Reisen und Reifen", beide bei August Scherl G. m. b. H. in Berlin. Preis Ganzleinen je Mark 5.50). Es ist ein buntes Dichterleben, was sich hier in anschaulich farbiger Schilderung vor uns auftut. Unb drum herum gibt der Dichter ein Bild seiner Zeit, einer Zeit, in der wir mit einem Fuße noch selber stehen, das. mit seinen kritischen Augen gesehen, für uns ein ganz anderes Interesse gewinnt, uns vieles anders schauen läßt und Zusammenhänge offenbart, bie uns die Rähe der Erscheinungen oftmals verfchwotnmen machte. Daß Stroh auch in diesen Erinnerungsbänden den gewandten, anmutigen Plauderer, den sicheren Gestalter nicht verleugnet, bedarf feines Wortes. (698 99) — Das Reh Luzifers. Roman. Bon Otto Pietsch. 390 Seiten. In Leinenband Mark 6.—. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — Atemraubend ist das Tempo dieses Romans. Die aufregenden Ereignisse der Juni- und Julitage 1914 sind mit gewaltigem Griff erfaßt und gestaltet. Petersburg ist der Schauplatz: hier wird das Reh zusammengeschnürt, in dem Deutschland gefangen werden soll. Die Flamme der Revolution schwelt schon unter der Decke und bricht bann' lobernb hervor. Don ibyllisch-heiteren Sommertagen des Jahres 1914 bis zur russiscl-en Revolutton erleben wir fieberhaft jebe Phase ber Entwicklung. Die wahren Ursachen bes Weltkrieges sinb hier weit eindringlicher und überzeugender geschildert, als irgendeine Attenpudli" kation es vermag. 723 — Ernst Wiechert: Der Knecht Gottes Andras Rhland. Roman. (Grote'sche Sammlung von Werken zeit genös, sicher Schr ft» steiler Db. 167.) G. Grote. Derlin 1926. — Das neue Werk bes Dichters ist bas erschütternde Dokument bes uralten Ringens Jakobs mit dem Engel, bas jedes neue Menschengeschlecht neu erlebt, bes GotteSkampfes, ben im Morgenrot, einer neuen Zett auch die Generation, bie in jungen Jahren durch den entsehlichsten aller Kriege geschritten ist, furchtbarer durchstritten hat und noch durchstreitet wie je eine anders vor ihr. Andreas Rhland, ber Knecht Gottes, ist burch bie große Wanblung gegangen, er nimmt bas Kreuz auf sich, ein Diener ber Wahrheit unb der Liebe, er will ben toten Lazarus erwecken, ben begrabenen Christus lebendig machen und wird auf feinem Leidenswege zum Märtyrer seiner Berufung. 767 — MinnaFalk: Meta Gragert. Roman. August Scherl G. m. b. H., Berlin. Ganzleinen 4,50 Mark. — Meta Gragert, die frühreife unb kerngesunde Tochter eines Marschbauern saßt den eigensinnigen Plan, Medizin zu studieren. Pastor Cornels im heimatlichen Dors und Professor Ingenfels in Wandsbeck bereiten sie auf das Abitur vor, das sie ohne sonderliche Begabung, aber mit zäher Energie erreicht. Schon im Kindesalter halte das charaktervolle, eigenwillige Mädchen einen starken Hang, sich mit der Problematik der Geschlechter, der Ehe und der Mutterschaft zu beschäftigen. Die Frage: Heirat oder Studium? erwuchs ihr daher von selbst zum stärksten Problem ihres eigenen Lebens. Dieser Einzelfall wird der Verfasserin zum Ausgangspunkt einer Anklage geaen unsere heutige Gesellschaftsord- nuny, die den tieferen Problemen der Ehe bisher zu wenig Beachtung geschenkt hat. Die natürliche Sprechweise, in der die Verfasserin diese uns alle angehenden Fragen des Lebens behandelt, stempelt dos Buch zu einer feinsinnigen Lektüre für ernsthafte Leser. 810 Novellen. — Stefan Zweig: Verwirrung der Gefühle. Drei Rovellur. 273©eiten 8°. Insel- Verlag, Leipzig. 1927. — Dieses Buch ist der dritte Ring eines Rovellenkreises „Die Kette". Der erste Ring hieß „Erstes Erlebnis", Geschichten aus Kinderlanb, ber zweit» „Amok", Rovcllen einer Leidenschaft, der Dritte nun führt tiefen Kleistsichen Begriff in ben Titel ein unb man muß Dem Dichter, ber sich an anderer Stelle („Der Kampf mit dem Dämon") in ein» dringendster, Verständnis tief er Wes- um den Dichter des „Penthcsllea" bemüht hat, bie Berechtigung hierfür zugestehen, wnl er ber hohen Verpflichtung, bie in der Rameng bang brschlosicn scheint, sich bewußt ist unb Genüge tut Man liest bie Drei Rovellen bes neuen Bandes mit ter gleichen Atemlosigkeit zu Enbe, wie jene früheren, mit benen sie tief unb innerlich verbunden find. Die Menschen, deren Schicsale hier gestaltet werden, haben alle etwas von jener dämonischen Desessenh it bes Dichters Kleist, sie stehen mit ihrem Fühlen unb Handeln alle an einer Grenze, an einem Wrnbepunkt. vor einer großen Entscheidung, in einer übermenschlichen Verstrickung des HerzenS, die ihr Dasein ben alltäglichen, gewohnten, geregelten Bezirken ent» vüdt, sie laufen alle, von maai'chen Kräften vorwärtsgestoßen, einer übermächtig gewordenen Leidenschaft nach, blindlings, fanatisch, mit geschloffenen Augen gleichsam, unter einem rätselhaften Befehl stehend, unb sie gehen zugrunde im Labyrinth ihres eigenen Innern. Der Dichter leuchtet in diesen Erzählungen mit einer so unheimlichen Bewußtheit, mit fo feinem Empfinden unb zartem Takt in bie Herzkammern geheimsten menschlichen Fühlens unb Trachtens hinein, baß man — wenn man sich zugleich ber unglaublich beherrschten Kunst bes Stils erinnert, mit ber dies geschrieben ist — sich zugestehen wird: Diese Qlcüdlen müssen zum DoUenLetsten und Reifsten gezählt werden, was unsere zeitgenössische Literatur überhaupt hervvrgebracht hat: und man ist mehr als einmal versucht, eine Wendung zu brauchen, mit der Thomas Mann einmal Das Werk eines andern ausgezeichnet hat: das Wort „Bewunderung" kommt einem vom Herzen. -- Die äußere Ausstattung des Buches ist mustergültig. 477 — Dor kurzem haben wir in unserer „Heimat im Bild" mit einem Aufsatz von Rilolaus Schwarztopf über den Mainzer Dom unseren Lesest Bekanntschaft mit einem jüngeren Hefti- scheu Dichter vermittelt, der in Oberhessen seltsamerweise erst eine kleine Lrsergemein^c hat. Das Oktoberhe't der von Dr. Marlin Rockenbach geleiteten literarischen Monatsschrift „Orplid" (Orplid-Drrlag. München-Gladbach) vermittelt in mehreren Aussätzen und Beiträgt!', ein sehr anschauliches Bild von der Persönlichkeit und dem Schassen des Dichters. Heber sein Elternhaus und seine ersten Dntwicklungsjahre plaudert Schwarzkopf selbst in einer anheimelnd herzlichen und anspruchslosen Art. Bon Salzburg, dem Musikerlande, und dem fröhlichen Rhein kreuzen sich die Faden in des Dichters Elternpaar. Das hat für das Darmstädter Schulmeisterlein und seine Kunst eine glückliche Mischung gegeben, etwas heiter Besinnliches, Raines. was man in dieser Ungezwungenheit und Selbstverständlichkeit in unserer heutigem Literatur selten findet. Ein Romantiker ist Nikolaus Schwarzkopf und vielleicht ein wenig Mystiker trotz seiner in dem obenerwähnten „Orplid" abgedruckten Rovelle „Die Lehreci n", die anders geartet ist als die seltene Erzählung „Maria vom Rhein" und das wundersame Idyll „Das D o m k i n d" (Führer-Derlag, M-Dladbach. 624), das alle Elemente Schwarzkopfscher Dichtkunst am glücklichsten vereinigt. Dom Heinen Knäblein des Turmwächters erzählt der Dichter, das in der heiligen Rächt dort droben geboren wird in dem phantastischen Genauer des Mainzer Doms, das aufwächst zwischen Priestern und Rönnen, aber schon in jungen Iahren sein tragisches Geschick vollendet. Ein kindlicher und darum so echter Humor, leise Wehmut und die Schauer vor dem geheimnisvollen Ewigen liegen in diesem Büchlein. das eines der kostbarsten Gaben der Ber- rinigung von tiefer Religiosität und Dichtkunst genannt werden muh. — Rudolf G. Dinding , Re i t v o r ° schrift für eine Geliebte. (Derlag Rütten und Loening in Frankfurt a. M.) „Reit- Vorschriften gewöhnlicher Art sind wie Klavierschulen: sie lehren das Reiten als ein’ Fertigkeit, die man erlernen kann, wie das Rühen und Strümpfestopsen. Horche in dein Pferd hinein wie in ein kostbares Instrument: wie Ellen Rey in ihren Flügel, wie Dusch in seine Geige, wir Bar- janskh in sein Eello. Das wird dich seltsame Dings lehren, von denen i:ine Reitschule, lein Reitlehrer etwas vxih." So Binding, der Dichter, der in diesem köstlichen Büchlein als ein Lebenskünstler vor uns tritt, der goldene Weisheiten: in entzückend sein ziselierter Form zu sagen hat. (609) — Heinrich Steinhausen: Erz äh- tungen. Mit einer Einführung von Heinrich Spiero. 352 Seiten. 8°. In Leinen geb. 5 Mk. Berlaa von I. F. Steinkopf, Stuttgart. —Jeder kennt oie Bilder von Wilhelm Steinhausen, dem Maler: viele kennen die „Irmela", die Dichtung seines Bruders Heinrich Steinhaufen: aber wenige nur kennen t h n. den gemütvollen, geistigen Detter non Jean Paul und Wilhelm Raabe, wie er sich in seinem Besten, seinen Erzählungen offenbart. Auch Bücher haben ihre Schicksale: wenn ihr Dersasser so gar nicht für das Publikum schreibt, sondern nur dann und so, wie es auS feinem Erleben hervorgeht, und sich um das Berühmtwerden nicht im geringsten kümmert, bleiben sie leicht zusamt ihm imBervorgenen. Wer in unserer überhetzten Zeit noch nicht die Fähigkeit zu ruhigem Lesen verloren hat und sich noch an Blumen am Wege freut, der kann in Heinrich Steinhausens Erzählungen Goldkörner finden. .Wer vermöchte heute noch so die Freude eines 'armen Michel-Detters an seinen zwölf Kindern l zu schildern, wie er im „Gevatter Tod". Welcher Humor in „Markus Zeisleins großer Tag", wie- f viel Raturstimmung in „Magister Cölestin" und „Im Armenhaus"! Spiero hat dem stattlichen * Bande eine warmherzige Einführung mit auf den Weg gegeben. 766 — Ernst Lothar: Drei Tage und eine Rächt. Rovelle. F. G. Speidelsche Der- laasbuchhandlung, Wien und Leipzig. (168 Setten Oktav. Leinen 4 Ml. - Ein stürmischer Dialog, der nichts anderes geben will als ein Protokoll des Lebens. Indern er alle Literatur vermeidet, gibt er in seiner knappen Sachlichkeit, in seiner zeitgemäßen Gegenständlichkeit alles: den Fall der jungen Anna Wieser, aber auch feine sozialen Verästelungen, das Ambiante des vom Kriege scrrütlet'en Bürgertums, die Hinter- gründe einer Künstlerehe, die Perspektive des ächeaters, der Großstadt und eines entfesselten, „Betriebes", der immer mehr auch die Herzen ergreift. All das macht Ernst Lothar in seiner dramatisch geführten Rovelle sichtbar, aber nicht von außen, sondern von innen heraus, indem er gleichsam im Innern seiner Gestalt ein Licht anzundet. das sie durchsichtig macht. 798 — Ernst Lothar: Gottes Garten. Ein Buch von Kindern. M t 24 D'gnetten von Dtttor Schufinsly. F. G. Spe'.delsche Verlags- buchhandlung, Wien urtö Leipzig. 190 Seiten Oktav. Leinen 5,50 Mk. — Auf das „Iahr- hundert des Kindes" ist eine Zeit rechnender Erwägung und kühlen 'Verstandes gefolgt. Ihr reicht Lothar sein Buch von Kindern hin und weist die jungen Mütter und Bitter auf das ewige Wunder: das Kind. Gr führt den Weg zu dem Heiligtum, indem er mit behutsamer Hand zum Geheimnis der Kinderse^le und damit zur Erziehung schlichter und wahrhafter Menschlichkeit hinleitet. 799 Iugendschristen. — Elise Aver dieck: „Karl undMarie" und „Roland und Elisabet h", Erzähluw gen für Kinder (zwei Bände mit den Bildern nach den allen Originalsteindrucken der ersten Ausgabe tm Srnte-Berlag G. m. b. H. in Hamburg). Wer kennte nicht das gütige, aliersburch- furchte Greisenantlitz in der weihen Großmutterhaube auS seiner eigenen Kindheit, das liebe, treue Gesicht Elise Averdiecks, dessen kindlich beiteveß Gemüt Bücher schuf, die nun schon ein halbes Jahrhundert daS Schönste, w.il intimste und innigste, sind, was Kindern gegeben werden kann. Generationen sind schon mü diesen Erzählungen aus dem Kinderleben ausgewachsen und sie find ihnen lebendig und lieb geblieben tie Jahre ihres Lebens hindurch, wie treue Ge« führten der Kindheit, die man kennt wie sein eigen Herz unö gern hat. wri! sie einem vertraut sind. „Kara und Marie" und ihr Ge- schwileittreis werden manche Mode der Zeit, die auch in der Jugendliteratur Llmschau hält, über» dauern, um vielen Müttern und Kindern Freunde fürs Leden zu sein. (706) — Ein reizendes Kinderbuch, das auch jedem Erwachsenen helle Freude bereiten wird, hat zu diesem Weihnachten wieder Ernst Krei- dolf geschaffen. Sein neues Bilderbuch ..Lenz- g e f i n b“ erzählt in allerliebsten Betten und köstllch phantasievotten Bildern von Fa trrv aller Art und ihrem possierlichen Leben zwischen Blumen und Gräsern. Ein rechtes Märchenbuch ist c udj dieses neue Werk des Künstlers, aber es führt unsere Kleinen unmerkbar zur fielen Erie rn'.nis der Raturzusammenhänge auch unter den kleinsten Lebewesen. (Rotapsel-Derlag A.G., Zürich). 701 — Stanleys Reise durch den dunklen Erdteil. Für die reifere Jugend bearbeitet von Richard Roth, neu durchgesehen von Karl Holzecker. Mit 6 Abb. von Rich. Herdtle und einer Karte. 245 S. 8°. Union Deutsche Drrlac^gesellscha't, Stuttgart. — Dem vorli«en- 6en Bande der „41mon-Jugendbücherei" liegt das berüymte Werk von Henry M. Stanley, „Durch den dunklen Weltteil", zugrunde, und es war ein guter Gedanke, es auch für die Heranwachsende Jugend herauszubringen als eine ungemein fesselnde, belehrende und zugleich im besten Sinne unterhaltende Reiseschllderung aus dem schwarzen Erdteil. 775 Aus fremden Literaturen. — Don Sigrid kUndsets Roman „Kristin Lavr anstochte.", dessen deutsche ileber- setzung hier 'chon eingehend gewürdigt wurde, ist ,oeben bei Rücken & ßoe.iir.g in Frank,u.ft a. M. der dritte Banh erschienen. Bei dem großen Inneres e, das Sigrid Lindsets Roman sehr schnell auch in Deutschland gefunden Hat, wird dieser dritte Band zum Weihnachtssest sicherlich große Beachtung finden. Eine Besprechung behalten wir uns vor. 732 — Jean Richard Bloch. Simler L Co. Roman, Dorwort von Romain Rolland, 'Rvtapiel-Berlag Zurich und Leipzig. Geo. 8 Mk. — Ecr enilich sollte der Rame Simler" im Titel sortfal.en, denn nicht er ist die Hauptsache. Es Han e t fick vielmehr um das ..Co.", genauer um einen furchtbaren Kampf zwischen beiden, zwi- $4 en einer industriellen Organisation und der Menschlichkeit ihrer Gründer. D.e Tuchfadrikan- len Simler ziehen mit Kind und Kegel und •allen Webstühleit aus dem Elsaß fort nach Ben- dceavre im Westen Frankreichs. Dort beginnen sie ein neue» Leben. Halb hingerissen von eigener Tatkraft, halb von den Derhältnissen ge- zwur en. schaffen sie sich herauf, allen Wider- ftän.e.i zum £ro&. Aus der alten Firma „Hivpolit Simler" wird d.e neue „Simler & Co.". D c es harmlose Anhängsel aber frißt allmählich auf, was von te.i persönlichen Simlers noch übrig bl cj. Es ist der Ausdruck e.n.r Organi- sat.on. nein, einer Maschinerie, die. zwar von Menschen geschaffen, doch eben dieselben Menschen zermalmt. M t erschütternder Wucht ist das Rinl.e.1 zwischen dem lebendigen Menschentum und der unerbittlichen Firmenvrganisation gc» gestattet: — Roma n Rolla-cd hat diesem Rö- uturt Blochs e.n glänzendes Dorwort mitgegeben. Er schreibt: Bei jedem Lesen erschütt r e mich die gleiche schöpferische Gewalt. Jedesmal erstand vor mir Balzacs Genie. Ohne Vorbehalt wage ich das Wort: Ich kenne sonst keinen ftan- zösisa'en Roman, dem unter den Meisterwerken iec „menschlichen Komödie ein Platz geführte. Ec ist ihrer Blutes ... Es ist Komödie großen Stils, darin Po.senlaune und tragisches Erschüttern von einem Könner gemeistert werden! Ich erwarte von diesem Dichter das grobe Merk unierrr Zeit. 770 — Egm 0 nt C olerus. Tiberius auf Capri. Novelle. F. G. Speidelsche Derlagsbuch- Handlung. Leipzig. In Leinen gebunden 4 Mk. Auf den Roum einer Nacht, der Entscheidungsnacht des 70jährigen Casars zusammengedrängt. macht diese hinjagende Novelle der Angst den Schnittpunkt zweier Zeitalter, darin mit der Gegenwart sich berührend, deutlich und zeigt den durch Blut, Verderbtheit und Sittenlosigkeit schreitenden Tyrannen in dem Augenblick auf dem Gipfel seiner Macht, da er in einsamem Entsetzen dir an die Schwelle des Wahnsinns gebracht, sich als einziger im Weltreich aus dem Sumpfe des sterbenden Roms zu höchsten Gedanken der Menschenrechte emporhebt. (797) Kreisturntag Mittelrhem der D. T. —o— Am Sonntag trat in Wiesbaden im * 1 * * * 5 Hause des Turn- und Sportvereins „Eintracht" ein außerordentlicher (85.) Kreisturntog des 9. Kreises (M i t i e l r h e i n) der D. T. zusammen. Pünktlich!<■ llhr rief die Glocke des 2. kreisver- treters Karl Schill kOfthofen, Rheinhessen) die gruppenweise schon in lebhaftem Gedankenaustausch stehenden Abgeordneten, nahezu 300 an der Zahl, auf ihre Plätze. Weihevolle Klänge eines Turnersängerchors durchzogen von der Galerie her den weiten Raum, in dem es stille geworden war: sinnend ruhten aste Augen auf dem großen Bild von Emmanuel Schmuck, das im Trauerflor mit frischem Wal- desgrün geschmückt neben dem Tisch des Kreisvor- standes auf der Bühne aufgestellt war. Mit erarei- senden Worten, die von der Versammlung stehend angehört wurden, führte Schill die Gedanken zu dem stillen Waldfriedhos in Darmstadt, wo die sterblichen lleberreftc des Freundes und langjährigen, erfolgreichen Führers des Mittelrheinkreises der D. T. ruhen: fein Bild wird im Turner heim auf dem Feldberg eine dauernde Stätte finden und damit in lebendiger Verbindung mit den Turnern des Kreises und der Deutschen Turnerschaft bleiben. Als erste Gabe zu einem Grundstock für ein Grabdenkmal hat der Moselgau einen namhaften Geldbetrag gespendet. In einer kurzen Feierstunde sprach der Kreiswart für turnerisches Geistesleben Professor Georg Bender (Frankfurt) mit begeisterter Nede von den tiefinneren Wetten der Jahnschen Ium- fache für unser gesamtes Volk: ein gemeinsames Lied stärkte den Willen zu neuer 'Arbeit an Jugend und Vaterland. An der Spitze der Tagesordnung stand die Ersatzwahl des 1. Kreisvertreters, die ja auch in der Hauptsache die Veranlassung zu einem außerordentlichen Kreisturntag gegeben hatte. Drei alte Gaue hatten ihre bewährten ersten Gau- uertreter zur Wahl gestellt, so daß der vorbereitende Wahlausschuß ohne Vorschlag die Entscheidung in die Hande des Äreisturntages legen zu müssen glaubte. Der erste Bewerber war Rektor Hans Schiller vom 8. Gau Frankfurt, der zweite Oberreal- und Turnlehrer Karl Roth (Darmstadt) vom 3. Gau Main-Rhein und der letzte war Fabrikant Arthur Pfeiffer (Wetzlar) vom 1. Gau Hessen. Beim ersten Wahlgang erhielt Pfeiffer 147 Stimmen, Roth 104 und Schiller 101 Stimmen. Aus der damit notwendig gewordenen Stichwahl ging, wie schon kurz benqjtct, Pfeiffer mit 211 Stimmen als nunmehriger erster Kreis- Vertreter hervor, wahrend auf Roth 140 Stimmen entfielen. Unter lebhaftem Beifall der Der- sammlung begab sich der Neugewählte zu seinem Amtsstuhl, dankte für das ihm ent^egengebrachte Vertrauen und versprach, das Erbe «chmucks treu und gewissenhaft weiterzusühren. Der Gon Hessen bringt der übergeordneten Organisation das Opfer gern, zumal Pfeiffer neben der Pflege der idealen Seite der deutschen Turnsache auch einen durch sein langes, erfolgreiches Berufsleben geschärften Blick für die harten Notwendigkeiten des wirklichen Lebens mitbringt. Emmanuel Schmuck hatte in feiner Person das Amt des 1. Kreisoettreters und das des Schriftleiters der nach der Inflationszeit neu gegründeten „Kreiszeitung" vereinigt. Für das nunmehr wieder abgetrennte Amt des Schriftleiters .lagen 16 Bewerbungen vor, so daß die gründliche Prüfung dieser äußerst wichtigen Frage einem Sonderausschuß übertragen werden mußte, der aus dem Kreisvotttand und drei weiteren Sachverständigen für die Drucklegung, den geschäftlichen und textlichen Teil bestand. Die Bewerber ließen sich in drei Gruppen zusammenfassen: erstens waren es Druckereien, die bann auch ihren Schriftleiter mitbringen, zum anderen waren es techn. Turnfachleute und schließlich solche, die die Anregungen und Gedanken des neu erweckten turnerischen Geisteslebens umfassender und nachdrücklicher in die 'Bereine tragen wollen. lieber den Fortgang der Arbeiten für das ftreisfumftft in Darmstadt am 29.—31. 3ull 1927 berichtete der Vorsitzende des Festausschusses Oberreallehrer Carl Roth: die rein turnerischen Veranstaltungen behandelt- fireisoberturnroart Georg F r e i) (Mainz) und stell e dabei heraus, daß die in Vorschlag gebrachten Raumoerhöltnisse so ausgiebig sind, daß Turnen, Schwimmen, Volksturnen, Spiele gleichzeitig und nebeneinander betrieben werden können: nur einmal, und zwar am Schluß aller Wettkämpfe, am Montagnachmittag, findet Siegerverkündigung statt in der Weise, daß sich die Teil- nehmer in festlichem Zuge vom Uedungsplatz durch die Stadt nach dem Schloß begeben und dort von der großen Freitreppe des.Museums aus die Handlung in würdiger Weise vollzogen wird. Der veranschlag für die nächsten beiden Jahre ist von fireiskassen- watt Phil. R ö b i g (Frankfurt-Rödelheim) mit großer Vorsicht aufgestellt und lag im Sonderdruck vor. Eine Erhöhung der ftreisbetrage an sich ist vermieden worden, so daß es bei einer Kopfsteuer von 1,30 Mark verbleibt, wozu allerdings noch die jeweiligen Gaubeiträge hinzukommen. Der Ausgleich liegt bei 181 740 Mk. Für die Rothermel-Stiftung werden 1500 Mk. vorgesehen, für die Emmanuel-Schmuck- Stiftung 500 Mk. Die Kreis-llnfallunterstützungskasse steht in Jahresausgabe mit 30 000 Mk. Der Verwalter -dieser Kasse, Kaufmann Karl Enders (Kreuznach) teilte mit. daß schon 1400 Unfallanzeigen vorliegen, und klagte in kurzer, eindringlicher Rede alle technischen Leiter an. daß sie nicht genug dafür sorgen, daß Unfälle vermieden werden, ferner klagte er die Gauoerwaltungen an, daß sie nicht scharf genug zwischen den Bedürftigen und Unbedürftigen unterscheiden. Das Turnerheim auf dem Feldberg im Taunus erfordert 2000 Mk., dasjenige zu Zotzenbach i. O. 8000 Mk. für den Ausbau. Der Voran- schlag wurde nach kurzer Aussprache einstimmig angenommen: eine freiwillige Sammlung ergab rund je 100 Mark für das neue Kreisbanner und die Jugendburg. Einen kurzen, eindrucksvollen Bericht von dem Deutschen lurntag in Bremen gab der Vorsitzende Schill: aus der Zahl der dort gefaßten Beschlüße sind hauptsächlich hervorzuheben, 1. durch einen Ausschuß prüfen zu lassen, wie die Verwaltung der D. T. sachlich und durch bezahlte Kräfte zeitgemäß verbessert werden kann: 2. den Kreiskassenwarten alljährlich eine Zusammenkunft zuzubilligen: 3. den Presfewart und Presseausschuß der D. T. in den Satzungen zu verankern: 4. die Kreise zu verpflichten, unter ihren Abgeordneten zum Deutschen Turntag eine Frau zu entsenden: 5. den Kreisen, Gauen unö Vereinen der D. T. zu empfehlen. Mitglieder der Deutschen Lebensrettungs- gesellschaft zu werden: 8. den für 1928 fälligen Turntag wegen des Kölner Turnfestes auf 1929 nach Stuttgart zu verlegen: 7. die Fremdwörter aus der D. T. fernzuhalten: 8. die 'Jleueinteilung der fireife nach den heutigen wirtschaftlichen und geographischen Verkehrs- und Bevölkerungsoerhältnissen vorzu- nchmen; unter den abgelebten Anträgen sind bemerkenswert, 1. den Vorstand der D. T. von 5 auf 7 Mitglieder zu erweitern: 2. die Anzahl der 300 Abgeordneten auf 150 einzuschränken: .">. das Frei- stück der Deutschen Turnzeitung beizubehalten: 4. die Kopfsteuer herabzusetzen. Unter den verschiedenen Anträgen zum Kreisturntag wurde derjentge des Kreisvorstandes auf Satzung»,, änberung einstimmig angenommen mit dem Ergebnis, daß der Presseausschuß in das Grundgesetz ein- gegliedert wird. Der Antrag des Gaues Rhein- Nahe, das Freistück und die Pflichtstücke der „Kreiszeitung" ab 1. Januar 1927 aufzuheben, wurde unter Beifall der Beriammlung zurückgezogen. Zu dem Antrag de» Gaues Offenbach-Hanau betr. gemeinsamen Vorgehen» aller zur Gebäudesondersteuer (chauazinssteiier) herangezogenen Turnvereine wurde eine Entschließung gefaßt, die durch Vermittlung des Vorstandes der D. T. unverzüglich den zuständigen Steuerstellen zugeleitet werden soll und die Steuerbefreiung der vereinseigenen Turnhallen erstrebt, insoweit sie aemeinnützigen Zwecken bzw. der körperlichen Ertüchtigung unseres Volke» dienen. Schließlich hatte der Main-Rheingau noch beantragt, nach der Bildung des Londesousschusses für Leibesübungen im Londe Hessen nunmehr einen Landesverband der hessischen Turnvereine D. T. im Dolksstaat Hessen (Zweckoerband) zu gründen, um durch Geschlossenheit die Belange seiner Vereine bei der hessischen Sraaisregierung zu vertreten. Hierher gehören Gesuche der Vereine um geldliche Unterstützung aus Staatsmitteln zum Bau von Turnhallen, Anlage von Sportplätzen, Abhaltung von Lehrgängen u. dgl. Dieser Zweckoerband wurde nun in der Weise gegründet, daß die Gauoertreter, die hessiiche Vereine in ihrem Gebiet haben, einen 13er- bandsausschuß als rein hessische Angelegenheit bilden und die Anliegen in dieser Richtung behandeln werden. Der fireisturntog war in feinem äußeren Verlauf als auch in seiner inneren Führung vorzüglich vorbereitet, so daß er flott und würdig verlief und den Abgeordneten noch Zeil ließ, der Einladung der Kurverwaltung zur Besichtigung der fiuranlagen und jinn Besuch des Kurkonzertes zu folgen. Wirtschaft. ' Dis Reichsinderziffer für die Lebenshaltungskosten im Rovember. Die Reichsindeeziffer für die Lebensh tttungs^ kosten (Smäbrung, Wohnung. Hnzung. Beleuch- tung. Bekleidung uni> „Sonstiger Bedarf") beläuft sich n(rch den FeststeUungen deS Slatifttschem Reichsamtes für den Durch chnitt des Monats Rovember auf 143.6 gegen '42.2 im Dormonat. Sie hat sich sonach um 1,0 Proz. erhöht. Die Ausgaben für Bekleidung rinö erneut leicht zu- rüdgegargm. Bei den übrigen BrdarssgruppeiH waren nennenswerte Deränderungen nicht zu verzeichnen. Die Indexziffern für die einzelnen. Gruppen betragen (1913'14 ----- 100): für Ernährung 148.2. für Wohnung 104.9, für Heizung und Beleuchtung 144.0, für Beklemm 158.4, für den Sonstigen Bedarf cin'chl. Derkeyr" 184.7. Fusion Bahnbedarfs-2G.. Darmstadt — Rquila Ql®. Frankfurt am M a i n. Die außerordentliche Hauptver» fammlung ter Bahnbedarss-RG.. Darmstadt, ge« i ehmigte die Einziehung vmr 8000 Rm. Vorzugsaktien ohne Entschädigung und ermächtigte den Vorstand, mit ter Aqu:la 21®. für Handels- unk» Industrie-Unternehmungen zu Frankfurt a. M. einen Fufionsvertrag abzuschlichen dercrt. datz das Dcrmögen der Bahnbedarfs-AG. als Danzes auf die Aquila AD übergeht und den Akttonären der Bahnbedarfs-AD. auf je nom. 800 Am Stammalt en der Dahnbedarss-AD. nom. 200 Am. Stammakt en der Aquila AG. ge« toiüjrt werden. Die Genehmigung erfolgte einstimmig. Als ein Aktionär die älebernahme ter Bahnbcdarfs-AG. mit ihrem wertvollen Grundbesitz als für die Aquila überaus gün« ftig le eignete, erklärte der Vertreter d r Aquila. daß ter Grundbesitz der Bahnbedarfs-AG. wegen elnschrönlender behördlicher Bestimmunaen nicht als Aktiv-, sondern als belastender Posten zu gelten habe. Die Bilanz der Bahnbedarfs- RG. sei ungünstig und das Unternehmen bereit# 1924 durch eine geldliche Unterstützung seitens der Aquila gestützt worden. Wenn die Berhandlun- gen mit den hessischen Behörden wegen steuerlicher und anderer mit der Aebernahrne verbundener Angelegenheiten kein günstiges Ergebnis zeitigen, würde die Aquila von dem Fusions- Vertrag zurücktreten. Die Fusion geschehe nicht aus getomnfüdbtigen, sondern aus sozialen Mo- ttven. um das Werl in Darmstadt nicht zur Sttllegung kommen zu lassen. * *• D i e Bereinigten Stahlwerte im Siegerland. Wie der DHD erfährt, haben die Bestrebungen der Bereinigten Stahl- werke-Düsseldvrs. ihren Siegerländer Beteiligungen eine neue Form zu geben, zu einem Abschluß geführt. Obwohl sich bei der Einzeldurch- führung noch Aenderungen ergeben können, beabsichtigt man im Siegerland, eine neue A G. der Bereinigten Siegerländer Werke zu grün. ea. In diese AG. werden die bisherigen Beteiligungen der Bereinigten Stahlwerke im S.egerland nach ihrer Loslösung von den Ber- einigteu Stahlwerlen eingebracht werden. Es handelt sich dabei in der Hauptsache um den Block der C h a r l o 11 e n h ü 11 e. Rieder- scheiden, weiterhin um die S egerländerWalzwerke der Bereinigten Stahlwerke van der Zypen- Wisfen. Außerdem sollen k die Anlagen der Friedrichshütte Herdors und der Gei sw ei der Eisenwerke in die neue AG. eingebracht werden. Die Majorität der Friedrichshütte lag bisher im Privatbesitz von Thyssen und befand sich also nicht in den Hanken der (Bereinigten Stahlwerke. Gin weiterer, sehr großer geschlossen r Akttenbesih gehörte der Schneider-Grrrppe, während an Geisweid neben Thyssen mit der Majorität auch die Klöckner- gruHpe interessiert ist. Dagegen wird ftch die Storch- und Schöneberg-AG.. die dem Mannesmann-Konzern nahestcht. an der neuen Gesellschaft nicht beteiligen. Andere Werke des Siegerlandes dürften in Die neue Gründung vorläufig nicht einbezogen werden. Das Aktienkapital ter Gesellschaft, das in seiner genauen Höhe noch nicht seststeht, wird auf 50 bis 60 Millionen RM. geschäht und soll sich zum mindesten 70 bis 80 Proz. in den Händen der Bereinigten Stahlwerle. Düsseldorf (Konzern-BetetttgunyS- buteau, Düsseldorf) befinden. Die endgültige Gründung ter neuen Gesellschaft steht in aller nächster. Zeit zu erwarten, wenn der gesamte Fraeenkomplex dieser neuen Transaktion, die bisher in Den genannten großen Zügen beschlossen wurde, geregelt worden ist. Berliner Produktenbörse. Berlin, 30. Rov. 2m Berliner Getreidegeschäft bleiben die günstigen argentinischen Wettermeldungen und Ernteberichte wie auch die nordamerUanischen Forderungen maßgebend für die Tendenz und Preisbewegung. Die Entwickelung im Weizengeschäft geht weiter nach unten, zumal die Frage nach effeftiver Ware aus dem Inland sehr gering bleibt. Auch im Zeitgeschäft waren die Rotierungen für Dezember 1,50 Mark, für Zrühjahrsmonate etwa 75 Pfennige niedriger. Roggen wurde 1 Mark niedriger offeriert und sand auch zu diesem Preis Ausnahme. Gerste ruhig: die letz.en Gebote sowie beste Qualitäten haben nur vereinzelt Ülmsah. Hafer fand in kleinem Angebot eine Stütze. Mehl unverändert. Bon Fut.erstoffen nur Kleie stetig, sonst allgemein vernachlässigt. Es notierten (1000 Kilogramm). Weizen, märkischer, 269 bis 272; Roggen, märkischer, 226 bis 231; Sommergerste 215 bis 245; Wintergerste 190 bis 203; Hafer, märkischer, 174 bis 185; Mais, loco Berlin. 195 bis 199; (100 Kilogramm): Weizenmehl 35 bis 38,25; Roggenmehl 32.25 bis 34: Weizenkle e 12,50 bis 12.75; Roggenkle e 11 80 bis 12,25; Diftoriaerbsen 55 bis 61; Leine Speise- crbsen 32 bis 35; Futtererbien 21 bis 24: Peluschken 20 bis 22: Ackerbohnen 21 bis 22; Wicken 22 bis 24; Lupinen (blau) 14 bis 15: Lupinen (gelb) 14.50 bis 15.50; " TZrlMfertt, Frankfurt a.M »a>lu.» kur» 1-ate.j F.are SdUu'j. Ä'.ir» flniana Titan: 3H. II * '' I 30. II. 1. 12 ®tut'dv WettbSan etbc *'.« Xtutfm: RkiLsanleibe Tcutfd)e rHadiiaiikth-’ TA Tcntfrtic Reichs imcii - öcaröramienankit r/. yn-ugUdK .«oulolO . . . n.Hesi-u........... Hessen.......... •’S Hesse i,.......... ieund)c k?ertb. ToUar-AnI bio Toll -Lchay-Ämtciine. • -• ksTlt Urteil......... *ft ÖLlDinmfonct...... ’P-rtUitcr Hanvclsaeikllschatr. v ouiuw-'i- und llr:t>at rau! •zimft. i.nv ‘.'Zdiiorwloeal - L turnte Pank......... •iijino l£on’.nianbH . .. c<4»Hfr B.mt........ ........... ' ^vi.chrulsche tficbllbeel ■ Cd! rc'.colschc iieCiiQdlttlt H. Id,vU.tt........... chumer Guß ...••••• *.nbc. .............. '♦HIG ............. Icutlft L'urfmburq ...... 1 khtnlfrdjrrter rtetoroerre - • ■•»ipti.ii ^.-rflbdu...... •itiltuwifi :'iidKr=(cbc.i. . . . '■oliivcrr Slcfieregeln..... ‘■rurabutte........... enutzsmann......... ...................... Cbatcbarf......... - VÜ116 yrra'-cu....... Jraunfoblen . . . KbrlnftaM........... MfebH Montan...... . IcCmS Berabou........ Vkminflte Siadlwkrte.... bembura Amerika ’Uakt. . . -liorddeuischcr L'loQd ..... y-bernwiiidt Werke Albin . . Zimcnnvert Heidelberg . . . vbtUbt» Holzmaun...... '.iiialo (£onf (Sitano..... 'rtKiiiilcbe Mayer vlaptn. . . — aldlchmibl.......... *50141X1 obtunu........ .» c) Naiven.Industrie. . . itiiiger. werke. ........ ■idirib.nnfialt........ "Ma- (rirnru(hitß.(MeUf(6oh ..«ramann ...»..... v* 1 frr. Vtfleruiiacn ...... ’irt.t und Krall........ ‘JVenifrai tinerte........ ^dfUdtrt............ 20.75 0.15 25 15? 193 110 — 114.5 1-9 124.73 II.K| ti.7l H.7H II 6* 0 V3 ü.76»> u :o n cs 0,71 16 3 43.12 .'51.75 m.5 .'31 176 Ihl 15? 170 25 ■ 44 7 H 158.5 •6^,25 107 4,5 179 5 16».* 158.75 147.5 7 6 15t, 168.75 II7 I6K.9 170 183.75 142 9 151,2. 7x 75 185..'. 127.75 10H 126.35 231 23 K' 7 5 17.'. 75 140 175.5 16h.ti 152 136.5 314.73 131 157 151.5 116.9 154 191 109,5 102 - 143 25 2-42.5 Berliner Börse. Berlin, I. Dez. Während das heutige Vor- mitkagsgeschält außerordentlich ruhig verlief und infolge der Anspannung der Geldsätze für den amt« licheu Verkehr nut einer erneut schwächeren Tendenz gerechnet wurde, führte die gegen Mittag hier ein- getroffene Meldung über die Dermögensfreigabe in Amerika zu einem lebhaften Interesse für die sog. Freigabewerte. Nach diesem tiabcltclegramm lull zwischen der republikanischen und der demokra- lischen Partei in den gestrigen Verhandlungen eine grundsätzliche Uebereinstimmung über die Gesetzesvorlage zur Rückgabe des beschlagnahmten deutschen Eigentums erzielt worden fein. Die Kurse der in Frage kommenden Papiere zogen durchweg pro zentweise an. Im Vordergründe standen dabei Echüfahrtsaktien (5)apag plus 6,5, Rordlloyd plus •1 Prozent), Stöhr-Kainrngam, Drenftein (plus h Prozent», Baltimore, Konatalliare* und Berliner Danbcl. Die feste Tendenz der Fretgodrwer ner- anlaßte die Lpekularion auch an den übrigen Vjlärf- ten zu Deckungskaufen. Mil Ausnahme meniger ab- bröckelnder Papiere war die Tendenz daher bei 'Beginn der Börse recht freundlich. I.-G.-jzarben erholten sich um 4 Prozent, hui 315 Prozent. Daneben waren vor allem delirüuierie um 1 bi» 2 Prozent gebessert. Auch rur opniwene (edjnli beiß plus I Prozent, hielt das Interesie an. Ain Geldmarkt ist hie Lage roeiier angespannt. Geld kostet je nach der Lange der Zeil 6^ vis h Prozent. Im Devisenvertehr war die Reichsmark gegen nabel auf 1.207 befestigt. Paris schwankte gegen London zwilchen 134 und 132,50. Mailand fast unverändert, 113 gegen das Pfund. Die übrigen Devisenkurse waren kaum verändert. KraulsurLer Frankfurt a. Di., l. Dez. Tendenz: »eher. — Die Börse zeigte zu Beginn de» neuen Monats eine etwas freundlichere Veranlagung, da der b g a b e b i u rf n a ch z u l a s s e n begann. Rach dem ungestörten Verlaufe des Ultimos war die Spehilation wieder zuverfutztlicher geftlmmi uni) schritt aus den führenden Markten zu Deckilngen und Rückkäufen Das Geschäft nahm etwa» lebhaftere Formen an als am Vortage. Die bessere Stimmung fand eine Stütze in der Veröffentlichung der Zweimonatsbilanzen der Banken, nach denen in den verflossenen zwei Dlonaten wieder eine halbe 'Milliarde neuer Mittel zugeflossen sind, wodurch die Llquidirä« der Großbanken eine erhebliche Steigerung erfahren Hal. Größeie Beachtung sand auch die Rede Briandr, die einer günstigen Auffassung begegnete. In den^Mittelpunkr de» heutigen Verkehrs mären die Freigabewerte gerückt, die beträchtliche Aufbesserungen erzielten. Kanadashares zogen auf 117 an, Baltimore aus 107 (plus 5). Rach den neuesten Meldungen über die Entwicklung der Freigabefrage in Amerika glaubt man doch noch ein günstigeres Ergebnis in dieser langwierigen Angelegenheit erwarten zu dürfen. Unter diesem Eindruck standen auch Schiffahrtsaktien in einer scharfen Kauf- und Aufwärtsbewegung. Hapag plus 8, Rordlloyd plus 5,75 Prozent. Am Dl o n t a n m arkt war die Kauflust ziemlich rege bei ansehnlichen fiursbefferungen. Du derus plus 2,5, Gelsenkirchen und Harpener je plus 1,75, Mannesmann und Klöckner je plus 2, Rhein. Braunkohlen plus 4,5, Riebeck plus 1,5, Rheinstahl plus 0,5, Stahlverein plus 1 Prozent. Dagegen erfuhren Deutsch-Lux eine neue Senkung um 5,5 Prozent. Am Ehern i e m a r k t hat sich di« Dad)frage nach I.-G.-Farben verstärkt, der Kurs dieses Pa- pieres konnte sich um «lwo 6 Prozent heben. Elektroaktien waren um 1 bis 2 Prozent gebessert. Recht günstig veranlagt war der B a n f e n m a r 11, um rege Umsätze ftattfanben. Berliner Handel erzielten eine Steigerung von 8, Darmstädter plus 2,5, Deutsche plus 3, Commerz plu» 2, Dresdner plus 2,5, Reichsbank plus 1,5 Prozent. Motorenaktien erholt. Sieger plus 3, DSU. plus 1 Prozent. Bauaktien unsicher. Mayß & Freytag etwas höher. Dyckerhoff gingen leicht zurück. Von Zellstoffaktien lagen Waldhof schwächer. Zuckeraktien konnten die Aufwärtsbewegung fortsepen. Badischer plus 1 Prozent. Maschinen- aftien knapp gehalten. Tertilwerte heb..... tet. Der deutsche Anleihemarkt lag ruhig und eher zum Dachgeben geneigt. A u s I ä n t) i 11>, Renten wenig verändert. Ungarn fester. Im Freiverkehr hörte man: Growag 70, Frankfurter Handel 89, Ufa 42 Prozent. Der weitere Verlauf brachte für die führenden Aktienwerte, besonders S ch i f f a h r 1 s - und Farbe naktien, neue S t e i g e r un g e n. Auch einige Montan aktien konnten die Aufwärtsbewegung in mäßigem Tempo fortsetzen. Am lokalen Geldmarkt zeigte sich keine Erleichterung. Tagesgeld war weiter \u 6,5 Prozent gesucht, auch 'Monatsgeld bc gehrt zu 5,75 bis 7,5 Prozent, je Adresse. Privatdiskonten 4,65, Industrieakzepte 5 Prozent. Im D e - visenverkehr ist die Lage unverändert. Paris gegen London 133,75 Mailand 114,62. Dir fRtidvi mark stellt sich gegen DeunorF auf 1 207. London Kabel 4.85. frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. 'M., 1. Dc;. Es notierten. Wei jin. Wetteraucr. 29,bis 29,50 'Mark, Roggen. i''ländijchrr, "24.50 bis 24,75 Sommergerste für Brau ,wecke ?< 75 bis 26,50; Phaser, inlänöijdter. 10 gelb. 10.5U; Weizenmehl, tnlän dtiches tSpeztal in 41 bis 4ILO. Roggenmehl 35 n. »u.i >. -a>eilenfitie 11L0 bis 11,75: Roggenkleie 11,75 bis 12 Mark. Tenden;:ruhig. Lüdwestdeulsche Konferenz für Innere Mission. Heidelberg. 30. Aov. Zahlreick? Vertreter au» Areiten der baöif^n. hessischen. Pfälzi chen und iPürtIembcrQii n ri a f t genommen. Wegen Beihilfe hierzu wurde ferner der Fabrikant Kohl, ebenfalls aus Bodenheim, verhaftet. ies\ Schlupfhosen amen-Schlupfhosen A flf| Trikot, gefüttert, schöne warme Qualität I P& IS Mk. 2.-, 1.75, leUU Damen-Schlupfhosen la Kunstseide, gefüttert, extra starke Qualität........ 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Brotella ist Spezialdiät für den Darm, ist Universaldiät für den ganten Körper, ist die kommende deutsche Volksdiät zur Korrektur unserer falschen, krankmachenden Ernährung. — Brotella ist xugleich ein wundervoll schmeckendes, billiges, nahrhaftes, Magen- und Darm verjüngendes Frühstüdc und Abendessen. Brotella -mild, die Magenxuppe v Brotella-ata rk, die Darmwppe Pfund Mk. 1.40 II Phmd Mk. 2- Xeues Brotella-Kochbnch und Bankbdchlein 26 Pfg. bi Apotheken. Drogerien, Reformhäusern. — Prospekte durdz die Fabrik Wilhelm Hiller» Hannover.^ MUI" erhol) jede 'Mösehe duren Kochen mit Sil. Hervotroge» det ^eehentfennngs m ittel ».'sporf Seife vnderx« jede besondere gleiche Ohne Chlor F ..'M I Jetzt äst es Zeit 1 Ihre Puppenwagen, Puppen usw. in die Spezialwerkstatt Gödicke Gießen, Löberstraße 19, Nähe Möbelfabrik Hahn zur Reparatur zu bringen. oeM‘ Reichh. Lager in Spielwaren aller Art, Puppenwagen. Puppen usw. staunend billig, da kein Laden. Frische 5kWk aller An. sowie lebende Schleien u. 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Wenn die Rechtsparteien eine frühere Wahl erzwingen wollten, so fließe dieses Bestreben aus ihrem Agitationsbedürfnis und ihrer Rechthaberei. Diese Gedankengänge sind selbstredend vollständig unzutreffend, ja sie sind praktisch geradezu von einer kindlichen Einfalt. Ebenso verhält es sich mit der Behauptung, der im Januar gewählte Landtag werde im November 1927 zu Enbe gehen, während er nach der hessischen Verfassung selbstredend auf drei 3ahre gewählt ist. Angesichts der weiten Verbreitung dieser verkehrten Beurteilung der politischen und finanziellen Lage in Hessen scheint es uns notwendig zu sein, kurz die Gründe darzulegen, die für eine sofortige Neuwahl des hessischen Landtages sprechen und dabei zu zeigen, welche Bedeutung gerade jenen zehn Monaten zukommen kann, um die die Neuwahl des Landtages vorgerückt werden soll. Die vornehmste und zugleich auch die wichtigste Aufgabe des hessischen Landtages besteht in der Beratung rind Verabschiedung des Staatsvoranschlages. Der Staatsvoranschlag wird für die Zeit voml.April jedes Jahres bis zum 31. März des folgenden Jahres (Rechnungsjahr) aufgestellt. Indem der Landtag diesenVoranschlag verabschiedet, setzt er nicht nur die Ausgaben für das nächste Rechnungsjahr, sondern auch die Einnahmen des Staates, d. h. die Höhe der von den Steuerzahlern in diesem Jahre zu entrichtenden Landessteuern fest. Aus dieser einfachen Feststellung läßt sich die ungeheure Bedeutung eines früheren oder späteren Wahltermins für die Neuwahl des hessischen Landtages ablesen. Es handelt sich dabei kurz um die Frage: Verabschiedet der gegenwärtige oder ein neuer Landtag den Staatsooranschlag für das Jahr 1927/28, oder mit anderen Worten: bestimmt der alte oder der neue Landtag die Ausgaben des hessischen Staates und die Höhe der Besteuerung des hessischen Volkes für das nächste Rechnungsjahr? Unter dem Gesichtspunkt dieser Fragestellung dürste jedem klarzunmchen sein, daß die Vor- oder Rückverlegung des Wahltermins von ausschlaggebender Wirkung aus die Gestaltung der sinan- zielle^und politischen Verhältnisse in Hessen ist, zumal wenn man bedenkt, daß sich Hessen zur Zeit und bei der Verabschiedung des kommenden Staatsvoranschlages in einer höchst kritischen Lage befindet, in der sich sein Schicksal nach der einen oder nach der anderen Seite hin wenden kann, je nachdem die Landtagsmehrheit und damit die Regierung zusammengesetzt ist. Was zunächst die Ausgaben des hessischen Staates betrifft, so ist von diesem Landtag und von dieser Regierung eine wesentliche Verminderung nicht zu erwarten. So wird auch der nächstjährige Staatsvoranschlag, wenn ihn der Herr Finanzminister Henrich vorlegt, unter keinen Umständen eine Ausgabenverminderung ausweisen, schon deshalb nicht, weil von dieser Seite n cht mit einer die Dinge einmal von einem höheren Standpunkt betrachtenden und einer in die Tiefe greifenden Behandlung finanzieller Fragen die Rede sein kann. Im Gegenteil, nach den Erfahrungen der Vorjahre und nach dem inneren Aufbau des hessischen Staatsvoranschlages ist trotz der gegenteiligen Versicherungen des Herrn Finanzministers unter seiner Führung mit einer wesentlichen Steigerung der Staatsausgaben in Hessen zu rechnen. Der Herr Finanznünifter kann nicht aus seiner Haut und ein einmal angelegter Staatsvoranschlag wirkt sich gesetzmäßig wie ein organisches Gebilde in gleicher, in seinen Fundamenten angelegter und bestimmter Richtung