Nr. 204 Erstes Blatt General-Anzeiger für Oberhefsen Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener Familienblättcr Heimat im Bild Die Scholle. monat$=Bejug$ptei$: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Poöfdicdfonto: Frankfurt am Main 11686. K6. Jahrgang Mittwoch, September 1926 vy Ä Annahme von Anzeigen Gietzener Anzeiger ■ ___ Dr. Friedr. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Lange,' für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für den An. vri«? und Verlag: vrühl'schc Unioerftläts-Viich- und Steinöruderei R. Lange in Sietzen. Schristicilung und Selchäfirtzelle: Schulstratze I. Die ethische Grundlage des Völkerbundes. Bon Viscount Robert Cecil of Chelwood, Kanzler des Herzogtums Lancaster, M. P.. britischer „ Delegierter zum Völkerbund. Nachdruck verboten' Die auswärtige Politik eines Staates wird naturgemäß von der Regierung desselben geleitet. Die Beschlüsse der Regierung werden von den Personen gefaßt, welche dieselbe bilden, oder von solchen, welche sie auf irgendeine Art beeinflussen. All diese Individuen sind gleichsam Kuratoren und Vormünder des Staates. Sie dürfen infolgedessen die gerechten Ansprüche und Rechte dieses Staates, dessen Stellvertreter sie sind, nicht preisgeben, wenn sie dadurch die Rechte der Bürger schädigen und deren Vertrauen mißbrauchen. In gleichem Maße jedoch, als sie die Interessen des etaates, den sie regieren oder beaufsichtigen, nicht hinopfern dürfen, müssen sie, indem sie dessen Ansprüche geltend machen, gewissenhaft bedacht sein, die Rechte anderer nicht zu verletzen. Soweit entspricht die Pflicht der Regierung jener eines Vormundes. Zwischen beiden besteht jedoch ein wichtiger Unterschied: ein Vormund verfügt nur über die normalen Rechte eines Individuums. Für ihn besteht keine moralische Verpflichtung, über den Rahmen des Gesetzes hinauszugehen: noch weniger: Gewalt anzuwenden, nm das, was er als gerecht erkennt, durchzusetzen oder zu erzwingen. Der Staat jedoch verfügt über eine Autorität ganz anderer Art. Wenn auch zu verschiedenem Zwecke und in begrcnzterem Maße, ist er doch gleich der Kirche eine göttliche Einrichtung. Der Staat, von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, hat viel vvn seinem Ansehen dadurch cingebüßt, daß sowohl die Monarchien als auch durch Erbrecht eingesetzte Monarchen vielfach göttliches Recht für sich beanspruchten, solche Ansprüche jedoch sinh völlig unbegründet. Monarchien bestehen ebensowenig durch göttliches Rechi wie jede andere Regierungsform: ein durch legitimes Erbrecht eingesetzter König herrscht ebensowenig durch göttliches Recht wie jeder andere Regierende. Die Abkehr von dieser irrigen Auffassung jedoch führte zur völligen Regierung jeder göttlichen Autorität im Staate. Dieser Irrtum hinwieder ist von zerstörender Wirkung als jener vom göttlichen Recht der Könige. Denn wenn dem Staate keine besondere göttliche Autorität innewohnt, ist nicht einzusehen, mit welchen. Rechte sich derselbe herausnimmt, Verbrecher zu bestrafen, noch auch, wieso er gerechterweise Kriege führen kann, — und am allerwenigsten, wieso der Staat von seinen Untertanen Gehorsam fordern darf, um Verbrecher zu strafen oder Kriege zu führen, falls diese Untertanen die Gerechtigkeit solcher Handlungen bezweifeln. Das Individuum als solches besitzt gewiß unter keinen Umständen solche Autorität. Und doch verlangt der ganze Aufbau menschlicher Gesellschaft — ebenso wie es die ununterbrochene Tradition der Geschichte gutheißt —, daß dem Staate die Gewalt zustehe, Missetäter zu strafen, Kriege zu führen und zu diesen Zwecken von seinen Untertanen Gehorsam zu fordern, ohne Rücksicht auf deren Zustimmung für die Gerechtigkeit der Strafe oder des Krieges. Die Aussprüche der Bibel bekräftigen diese Tradition — ausdrücklich betreffs der Bestrafung von Schuldigen, durch stillschweigende Zustimmung mit Rücksicht auf bas Kriegführen. Die Hintansetzung dieser Wahrheit, der wachsende Zweifel an der Göttlichkeit der Staatsgewalt führte dahin, daß die Rechtmäßigkeit von Strafen überhaupt von manchen angezweifelt wurde, jedenfalls die der Todesstrafe, und unter allen Umständen jene des Kriegführens. Andererseits haben einige zügellose Elemente das Recht, Kriege zu führen, welches dem Staate allein zukommt, der Nation zugefpro- chen, fo daß geheime Organisationen von Einzel- mbiDibuen bas Recht, über bas Leben anberer zu verfügen, für sich selbst beanspruchen unb aussen, — solcherart den wesentlichen Unterschied zwischen Krieg und Mord verwirrend und verwischend Demzufolge ist es notwendig zu betonen, daß der Staat, dank besonderer göttlicher Autorität, zu tun berechtigt ist, was kein Einzelwesen rechtmäßigerweise tun darf, und daß diese Autorität' sich auch auf Gewaltanwendung und Todesstrafe erstreckt Die große Frage lautet: Nach welchen Prinzipien soll der Staat die ihm innewohnende Gewalt ausüben? Es ist augenfällig und keineswegs neu, zu sagen, daß die Regierung Gerechtigkeit üben und die Rechte anderer Staaten währen müsse, daß sie weiter keine Angriffskriege gegen unzivilisierte Staaten oder Völker führen darf, insoweit solche nicht durch zwingende Beweggründe der Menschlichkeit diktiert werden, wie z. B. der Notwendigkeit, grausam Unterdrückte zu befreien. Besonnene Christen würden dies alles wahrscheinlich jederzeit einleuchtend finden, doch kommt nunmehr eine neue Erwägung hinzu: Gemäß der Praxis zivilisierter Staaten wurden Kriege, welche einzig unb allein aus einem Konflikte nationaler Interessen erwachsen, als erlaubt betrachtet, und, obwohl das Christentum dies natürlich ungern sah, kann doch nicht gesagt werden, daß bis vor kurzem em solches Vorgehen unter Christenleuten ausgesprochen verurteilt worben wäre. Und doch kann ein Krieg, bei welchem nichts e cre5 ouf dem Spiele steht als ein Jnteresfen- ronfltrt zweier Nationen, und bei dem es sich weder um Freiheit noch um Gerechtigkeit oder Pri- vatrecht handelt, nur durch Prinzipien verteidigt werben, Die bas Christentum verwirft. Ein Staat, welcher gegen einen anberen nur aus dem @runöe Krieg führt, weil jeder der beiden die Interessen feines eigenen Volkes verficht, vertritt das Prinzip, daß man feinen eigenen Lands- I Icuten gegenüber andere Pflichten zu erfüllen > Der Kampf um die llatsfitze. ®enf, 1. Sept. (£11.) Die II ntertom- Mission der Studienkommission, die mit der Ausarbeitung eines neuen Vorschlages zur Regelung der Ratsfrage beauftragt wurde, hat am Dienstag vormittag den Wortlaut ihrer Vorschläge formuliert. Mit Ausnahme des polnischen Vertreters S o k a l. der sich feine endgültige Stellungnahme für Mittwoch Vorbehalten hat. haben sich alle Mitglieder der llntertommif- sion mit den neuen Vorschlägen einverstanden erklärt. Die Verhandlungen in der Kommission waren schwierig und zum £eil sogar recht erregt, da ja Grundfragen des ganzen Problems der Ratssitze zu Debatte standen. Die Meinungen stießen hart aufeinander und es bedurfte zahlreicher Vermittlungsversuche, bevor man sich auf den endgültigen Text einigen konnte. Auch der deutsche Vertreter beteiligte sich lebhaft an der Debatte. Es ist ihm gelungen, eine Reihe von Abänderungen, die die deutschen Interessen zu schädigen hätten geeignet sein können, aus dem Entwurf zu beseitigen. Das Projekt des französischen Delegierten Fromageot, das im wesentlichen ein Kompromiß suchte, ist damit fallen gelassen, nicht zum Rachteil Deutschlands, dessen Vertreter ihm in Genf nicht leichten Herzens zugestimmt hatten. Auch Lord Robert Cecil hat durch seine vermittelnde und konziliante Art sehr wesentlich dazu beigetragen, daß dies Ergebnis erzielt wurde. Die Vollversammlung der Studienkommission wird am Mittwoch vormittag zusammentreten, um den neuen Vorschlag der llnterfommiffion zu prüfen. Der Vorschlag hat in der Uebersetzung folgenden Wortlaut: Artikel 1: Die nichtständigen Mitglieder bes Rates werden für die Dauer von drei Iah- reu gewählt. Sie treten ihr Amt sofort nach ihrer Wahl an. Jedes Jahr wird ein Drittel der Mitglieder gewählt. Artikel 2: Ein ansfcheidendes Mitglied kann während der auf den Ablauf des Mandates folgenden drei Jahre nicht wiedergewählt werden, es fei denn, daß die Bundesversammlung beim Ablauf des Mandates oder im Laufe dieser drei Jahre mit Zweidrittelmehrheit anders beschließt. Jedoch darf die Zahl der auf diese Weise wiedergewählten Mitglieder nicht mehr als ein Drittel der Gesamtzahl der im Rate sitzenden nichtständigen Mitglieder betragen. Artikel 3: Die Zahl der nichtständigen Mitglieder des Rates wird auf neun erhöht. Artikel 4: Uebergangsbeftimmungen. § 1. Im Jahre 1926 werden neun nichtständige Mitglieder des Rates von der Bundesversammlung in der Weise gewählt, daß drei für drei Jahre, drei für zwei und drei für ein Jahr gewählt werden. 8 2. Bon den im Jahre 1926 auf diese Weise geroäblten neun Mitgliedern können durch eine Entscheidung der Bundesversammlung, die in besonderer Abstimmung mit Zweidrittelmehrheit zu treffen ist, höchstens drei für wiederwählbar erklärt werden. § 3. Die Eigenschaft der Wiederwählbarkeit, die •m Jahre 1926 im voraus einem oder zwei oder drei der alsdann gewählten Mitglieder etwa zuerkannt wird, läßt das Recht der Bundesversammlung unberührt, in den Jahren 1927, 1928 und 1929 zugunsten anderer alsdann aus dem Rat ausfcheiden- der nichtständiger Mitglieder von der im Artikel 2 vorgesehenen Befugnis Gebrauch zu machen. Ls versteht sich indessen, daß, sofern bereits drei Mitglieder 1926 die Eigenschaft der Wiederwählbarkeit besitzen, die Bundesversammlung von jener Befugnis Gebrauch machen wird. Zur Erläuterung dieser Vcschlüsse des Unterausschusses kann nach Erkundigung bei zuständiger Stelle folgendes gesagt werden: Die heute aufgestellte Regelung für die Wahl der nichtständigen Ratsmitglieder behält in allen Punkten die allgemeinen Grundsätze bei, auf die man sich im Mai in der ersten Tagung der Studienkommission geeinigt hatte. Es bleibt dabei, daß grundsätzlich das Rotations- sh st em eingeführt wird, daß also jedes Jahr die ausscheidenden drei Mitglieder nicht wie- dergewählt werden können, sondern eine dreijährige Sperrzeit durchzumachen haben, bevor sie von neuem kandidieren dürfen. Hiervon ist eine Ausnahme nur insofern zulässig, als einzelne Mitglieder mit einer besonderen Mehrheit, nämlich einer Zweidrittelmehrheit, sofort nach Ablauf ihres Mandats wiedergc- wählt werden können, wobei jedoch die Dedingung gilt, daß zu keiner Zeit mehr als drei wiedergewählte Mitglieder im Rate sitzen dürfen. Die einzige Aenderung, die jetzt gegenüber den Beschlüssen vom Mai vorgenommen wird, bezieht sich auf die Hebergangszeit. Ilm das Rotationssystem in Gang zu bringen, sind naturgemäß gewisse Hebergangsbestimmungen wendig. In den Maibeschlüssen lautete diese llebergangsbedingung dahin, daß von den neun im Jahre 1926 zu wählenden Mitgliedern drei auf ein Jahr, drei auf zwei Jahre und drei auf drei Jahre gewählt seien und daß im Jahre 1927 von der Gesamtzahl dieser neun Mitglieder drei mit Zweidrittelmehrheit bezeichnet werden konnten, die nach Ablauf ihres Mandats für b i e Wiederwahl zugelassen werden. Diese Heber- gangsbestimmung ist jetzt insofern geändert worden, als die Bezeichnung der drei während der Hebergangsperiode wieder wählbaren Mitglieder schon 1926 erfolgt. Diese Vorverlegung des Beschlusses über die Wiederwählbarkeit um ein 3abr wird aber ergänzt durch eine andere Bestimmung. wonach die Bu ndesvers amm- lung die Möglichkeit behält, in den Fahren 1927, 1928 und 1929 in besonderen Ausnahmefällen an Stelle der 1926 für wiederwählbar erklärten Staaten auch andere Staaten für wiederwählbar zu erklären. Macht die Bundesversammlung in den Fahren 1927, 1928 oder 1929 von dieser letzten Befugnis Gebrauch, so hat das zur Folge, daß dann immer nur drei wiederwählbare Mitgli eder im Rate sitzen dürfen, also die entsprechende Anzahl der im Jahre 1926 für wiederwählbar erklärten Staaten tatsächlich für die Wiederwahl nicht mehr in Frage kommen. Im übrigen bleibt sowohl nach den neuen Beschlüssen, wie auch nach den Beschlüssen vom Mai zu beachten, daß der Beschluß über die Wiederwählbarkeit nicht gleichlautend ist mit der tatsächlichen Wiederwahl. Ein Staat, der für wiederwählbar erklärt worden ist, muß sich vielmehr nach Ablauf seines Mandats noch e i n m a l in gleicher Weise wie die übrigen dann auftretenden Kandidaten zur Wahl stellen. Argentinien unterstützt Spaniens Forderung. Genf, 1. Sept. (£11.) Aus argentinischen Kreisen verlautet, daß ein Beschluß der argentinischen Regierung über eine Teilnahme an der Völkerbundsversammlung noch nicht oorliegt. Die argentinische Regierung will ihre Entschließung von der Regelung der Forderungen Spaniens abhängig machen. Falls Spanien sich aus dem Völkerbund zurückziehen sollte, würde Argentinien, wie bereits in den letzten drei Fahren, sich während der Vollversammlung in Genf nicht vertreten lassen. habe als gegen Ausländer, und daß infolgedessen, wenn Interessen von Landsleuten mit solchen von Ausländern kollidieren, die patriotische Pflicht die Oberhand gewinnen müsse. Dies beraubt naturgemäß die Gerechtigkeit ihrer eigentlichen Bedeutung: wahre Gerechtigkeit ist nur zwischen Personen möglich, welche auf gleicher moralischer Grundlage fußen und sich denselben moralischen Verpflichtungen unterwerfen. Sobald man sich mit dem Zustande der Sklaverei einverstanden erklärt hat, kann Gerechtigkeit zwischen Sklavenhaltern und Sklaven nicht herrschen. In gleichem Sinne kann von Gerechtigkeit zwischen verschiedenen Nationen nicht die Rede sein, sobald die Voraussetzung besteht, daß Bürger verschiedener Länder nicht d i e gleichen Verpflichtungen einander gegenüber einzuhalten haben, wie Bürger eines Heimatlandes. Das Christentum jedoch bestreitet, als wesentlicher Bestandteil seiner Lehre, daß eine solche Verschiedenheit moralischer Grundlagen unter Menschen bestehe. Es gehört zur integralen Wesenheit christlicher Lehre, daß alle Menschen durch die gleichen moralischen Verpflichtungen miteinander verbunden find, und daß Nationalität, Rasse oder l>arbe keine Trennungsunterschiede schaffen. Danad) müssen wir zu der Einsicht gelangen, baß die überlieferten Traditionen internationaler Beziehungen in einem äußerst bedeutungsvollen un.P nichtigen Punkte abgeändert werden muffen. Wir dürfen nunmehr weder Kriege noch Gewaltanwendung zum alleinigen Zweck der Wah- rung nationaler Interessen mehr dulden. Ja, selbst ein Defensivkrieg wäre nur in jenen Fällen gerecht- tcrtigt wenn der Angriff in derselben Art zurück- gewiesen wurde, die bei den Konflikten von Bürgern desselben Heimatlandes in Anwendung kommt. 2115 Konsequenz dieser Absprechung jeden Rechts zur Kriegführung für rein nationale Interessen müssen wir zu der Einsicht gelangen, daß die Nationen selber eine große, wahre Gemeinschaft bilden, die geeignet ist, schiedsrichterliche Ent- scheidung und Schlichtung der internationalen Differenzen zu übernehmen. Diese Gemeinschaft, es ist nur zu wahr, ist noch allzu unreif und unentwickelt. An ihrer Existenz jedoch kann kein aufmerksamer Beobachter zweifeln: denn die Erfahrung zeigt in verschiedentlichstcr -Weise, ganz besonders aber in bezug auf die materiellen Interessen von Industrie und Handel, daß die Nationen voneinander abhängig find, und daß die zivilisierten Völker gleiche Güter genießen und unter gleichen Entbehrungen leiden. Die Institution des V ö l k e r b u n d e s ist auf der Tatsache dieser Gemeinschaft gegründet und, wenn auch sein Mechanismus noch unvollkommen ist, so ist doch eine Nützlichkeit zur Schlichtung beginnender internationaler Streitigkeiten anerkannt. Wir besitzen hier eine Einrichtung, die Gerechtigkeit zwischen den Völkern verwirklichen und es den Nationen mehr und mehr ermöglichen könnte, in gemeinsamem Interesse die Ziele der zivilisierten Welt anzustreben und sich der Versuchung zum Verbrechen eines rein nationalistischen Krieges immer weniger und weniger auszufetzen. Die Lage in Mexiko. 31- 2lug. (WTD.) Wie die Associated Presse" aus Mexiko in einer Betrach- tung der Lage am Vorabend des Zusammentritts des Kongresses meldet, sind die Aussichten für bie Aufhebung oder Aenderung der auf die Kirchenfragen bezüglichen Artikel der Verfassung durch den Kongreß immer noch trübe. Fn- folge des Wirtschaftsboykotts gestalte sich die geschäflliche Lage mehr und mehr ungünstig. Die französische Cangernote. Paris, 1. Sept. (£11.) Die französische Antwortnote in der Tangerfrage ist gestern der spanischen Regierung übermittelt worden. Die Rote spricht sich nicht so entschieden wie diejenige Ehamberlains gegen die Einberufung einer internationalen Konferenz aus. Sie weist darauf hin, daß Frankreich und Spanien feit mehreren Fahren in Marokko zu- sammenarbeiten. ohne daß Madrid die Tangerfrage aufgerollt habe. Diese Frage sei auch im Verlaufe zahlreicher Zusammenkünfte zwischen französischen und spanischen Staatsmännern seit dem Kriege nicht angeschnitten worden. „Daily Telegraph" schreibt in einem Leitartikel, die spanische Diplomatie habe in der Tangerfrage eine ausgesprochene Abweisung erhalten. Diese Frage werde nicht herangezogen werden, um andere Probleme, die vor den Völkerbund gelangen, zu infizieren. Die britische Ansicht gehe dahin, daß die Zahl der ständigen Sitze nicht vermehrt werden soll, bevor Deutschland dem Völkerbunde beigetreten sei und ständiges Ratsmitglied geworden ist. Die Rachricht von der Weigerung der Regierungen Großbritanniens und Frankreichs, die Ueberlassung von Tanger an Spanien als einen Teil eines Protektorates zu erwägen, hat i n der französischen Kolonie Tange rs großen Fubel hervorgerufen, in der spanischen Kolonie aber Empörung erweckt. Von der Verwaltung wird alles getan, um einen Konflikt zwischen den beiden Gruppen zu verhindern. Die Krisis in Spanien. San Sebastian, 31. Aug. (WTB.) Angesichts des Konfliktes zwischen Primo de Rivera und den Artlllerieoffizieren erwartet man, daß der Kriegsmini st er de Tetuan durch General Sarro erseht werden wird, der die spanischen Truppen bei der Landung in der Bucht von AlhucemaS führte. Primo de Rivera soll auch selbst seinen Rücktritt angeboten haben, doch habe der König ihm befohlen, auf seinem Posten zu bleiben, bis der Konflikt wegen der Beförderung der Offiziere beigelegt sei. Um die Unabhängigkeit der Philippinen. Manila, 31. Aug. (TU.) Das Repräsentantenhaus der Philippinen hat gegen das Veto des amerikanischen Gouverneurs erneut den Gesetzentwurf angenommen, der eine Vv lksab- ftimmung über die Unabhängigkeit der Fnselgruppe vorsiehl. Da der Senat den Gesetzentwurf bereits vor einiger Zeit endgültig verabschiedet hat, so geht die Vorlage zur Genehmigung an den Präsidenten Coo- l i d g e , der innerhalb eines halben Fahres entweder das Gesetz unterzeichnen oder sein Veto einlegen muß. Man hält es für nicht ausgeschlossen, daß Eoolidge dem Gesetzentwurf seine Zustimmung gibt. Bulgarien und seine Nachbarn. Die Grenzunruhen der mazedonischen Komitatschi. Sofia, 30. Aug. (Bulgarische Telegraphenagentur.) Die heute veröffentlichte Antwort der bulgarischen Regierung auf die Kollektivnott der Rachbarländer stellt die Behauptung der Kollektivnote in Abrede, daß eine bemerkenswerte Wiederbelebung der Tätigkeit der revolutionären Organisationen zu verzeichnen wäre. Vielmehr sei eine Beruhigung festzustellen. Die Antwort betont, daß keine konkrete Tatsache der bulgarischen Regierung zur Kenntnis gebracht worden sei, die die Mitschuld oder Duldsamkeit der bulgarischen Behörden beweise, und daß Bulgarien fortwährend Maßnahmen ergreife, um der schädlichen Tätigkeit der ungesetzlichen Organisationen zu begegnen. Wenn die dadurch erzielten Ergebnisse nicht befriedigend seien, so liege dies nicht an dem mangelnben guten Willen Bulgariens, sondern an der Tatsache, daß sich die Wurzeln des Hebels außer dem Bereich der Macht der Regierung befänden, die nut über 3000 Grenzwächter verfüge, um eine Grenze von 2200 Kilometer Länge zu bewachen. Die bulgarische Regierung 'ei bereit, die Gesamtheit der mit der Rote der Rachbarländet im Zusammenhang stehenden Fragen dem Völker- bunö zu unterbreiten und sie verpflichte llch im voraus, alle durch den Völkerbund empfohlenen Maßnahmen auszuführen. Das Kabinett Ramek vor dem Nationalrat. Wien, 31. Aug. (WB.) Fm Rationalrat wurde heute nach einer zum Teil stürmisch verlaufenen Sitzung der sozialdemokratische Antrag auf Erhebung der Anklage gegen das K a binett Ramek wegen Gesetzesverletzung mit den Stimmen der Christlich-Sozialen und der Groß-Deutschen gegen die Sozialdemokraten ab- gelehnt. Bundeskanzler Dr. Ramek recht* fertigte das Vorgehen der Regierung in der Angelegenheit der Zentralbank Er verwies auf die Größe der Gefahr, welche bei einem Ruy auf die Zentralbank, bi« Sammelstelle für di« des mit einem k>) dem und iri an einen und war - Die Lohnverhandlungen im Ruhrbergbau. über diesen Antrag ist in etwa 8 Tagen zu erwarten. — Wie aus Bochum gemeldet wird haben die Organisationen der kaufmänni- schen und technischen Bergbauangestellten beim Zechenverband das bis jetzt gültige Lohnabkommen gekündigt. Zusammenstoß zwischen Schnellzug und Rundreise-Auto. Bei einem Zusammenstoß zwischen 0( lluj zur Abgabe Einkommen! Umj Die Stenei fraer, fiöq, filier finb in M bis 15. Nutzung brr i W abM' A. fcintomti hat hier Aussehen erregt. Dre Scheldewerft m Dlissingen und die Riederländische Schiffsbau- werft in Asterdam hat dem ..Aieuwe Rvtter- damsche Courant" gegenüber eine Erklärung abgegeben. wonach weder von einer ' Bestellung deutscher Unterseeboote noch von daraufhlrrzie- le'nden Unterhandlungen die Rede sein kann. Die Lüge vom deutschen U-Bootbau. Den Haag, 1. Sept. CSU.) Die Rachricht des Londoner ,Gvening Standard", dah nach dem Bericht der Militärkontroll-Kommissirm Deutschland auf der Schelde und in Amsterdam Unterseeboote bauen laste, sofort tot. Absturz eines Flugschülers. aus j; Tart« vwrbli Eine schwere NieÄerlage Wupeifus. 21 eu hort, 31. Aug. (TU.) Rach einem Telegramm aus Kanton haben die unter General Schaikaiichel im Bangtsetal vorrüaenden Truppen Wutschang und Hanlau erobert. Mit Hankau ist Wupeifus Waffenarsenal und Kräsre-cntrum gefallen. Die Wupetfu-Trup- pen haben sich nach Plünderung der Eingebore- nenstadt von Hankau in Auflösung in Richtung Schanghai zurückgezogen. Rach einer „Times" - Meldung aus Schanghai, ist indessen das Gerücht, das; Hankau von den Kantontruppen eingenommen sei, noch unbestätigt. Die „Times" schreibt aber, es könne kein Zweifel bestehen, dah den Heeren Wupeifus eine ernste Riederlage von den Südtruppen beigebracht worden sei. Die Einnahme von Hankau und seinen Rachbarstädten durch die Kantontruppen mühte den Verlauf der Ereignisse im übrigen China stark beeinflussen. Zwei Brüder im Alter von 12 und 16 Zähren fuhren zusammen auf einem Rade von Honrath nach Adenau bei Koblenz. An einer abschüssigen Stelle des Weges verlor der ältere Bruder die Gewalt über das Rad und der jüngere Bruder schlug mit dem Kopf Baum. Er erlitt einen Schädelbruch iahr r 1926; non i büch« wnie pflichte pflichte Der Flugschüler Wiese stürzte Flugzeug auf dem Flugplatz Leipzig-Mockau auö 50 Meter Höhe ab. Wiese wurde so schwer verletzt, dah er kurz nach seiner Ginlieferung im Krankenhaus verstarb. Das Flugzeug wurde Berlin. 31. Aug. Auf Veranlassung Reichsarbeitsministeriums fanden heute in Berlin neue Verhandlungen zwischen den Vertretern der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Organisationen des Ruhr-Kohlenbergbaues statt. Der vor einigen Tagen in Essen gefällte Schiedsspruch, der eine Erhöhung der Dergarbeiterlöhne um rund 4 Proz. vorsah, ist von den Arbeitgeberorganisationen abgelehnt, von den Arbeiter- gewerlschaften angenommen wordey. Die heutigen Verhandlungen im Reichsarbettsministerium haben nicht zu einer Einigung der Parteien geführt. Runmehr dürfte von den Gewerkschaften die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches beantragt werden. Die Entscheidung des Reichsarbeitsministeriums Zur Abgl die 6infom 1. Steuerpjl wirte, Gintommt den Betra stiegen ha 2. ohne Rück kommens der (Benm Wusses ih .Zur Abgab die korprrsch 1. Steunpsiic 2- alle übrig! ichastin i bürgerliche Ane Mck wmns habe tnensetfiütut m den (Fhii a) Landi fenba »ch-r o) einem offene Komm 1- Die Erklä neuer und Waeben: von b. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 1. September 1926. Staatsrat Wilhelm Schwarz t» Am Montag ist in Darmstadt der Staatsrat Wilhelm Schwarz nach längerem Leiden verstorben. Der Entschlafene hatte vor einigen Monaten einen Schlaganfall erlitten, von dem er sich nicht ganz wieder erholt hatte, so daß er demnächst, auf seinen Wunsch, in den Ruhestand treten wollte. Staatsrat Schwarz, der ein Alter von 57 Lkahren erreichte, stammte aus Gießen, wo er auch den größten Teil seines juristischen Studiums absolvierte. Seine Laufbahn im hessischen Staatsdienst führte ihn an die Amtsgerichte in Seligenstadt und Offenbach; von der zuletzt genannten Wirkungsstätte, wo er Amtsrichter war, wurde er im Zahre 1908 in das Justizministerium berufen. Zehn Zahre später wurde er Vortragender Rat, 1919 Ministerialrat und 1924 Staatsrat. Die Verdienste des Verstorbenen liegen hauptsächlich auf dem Gebiete der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches und der Reuord- mmg des Grundbuchwesens. Die hessische Gesetzgebung der letzten Zahrzehnte ist von Staatsrat Schwarz maßgebend beeinflußt worden. Als charaktervolle Persönlichkeit, als Zurist von tiefgründigem und umfassendem Wissen unb als pflichttreuer Beamter genoß der nun Heimgegangene hohe Wertschätzung in weiten Kreisen. Politisch ist er nicht hervorgetreten, dagegen hat er sich auf wissenschaftlichem Gebiet betätigt; er hielt auch juristische Vorlesungen an der Technischen Hochschule in Darmstadt. Ein Bruder des Verstorbenen ist Ministerialdirektor Dr. Schwarz, der ebenfalls dem Zustizministerium angehört und der jüngst als Gutachter zu den Beratungen des Landesabftimmungsausschusses zugezogen wurde. Schnellzug Rew Castle—Carlisle (England) einem Rundreiseautomobil an einer Bahnüber " ®tr. und । Qi? l nung. ^e v neuert W »Jfti wird wjft Slektnö^ in S'L besonders I Sah dem' sensterdekora sieben beste Preisen fungiert > nach etnj 2 st. Ilm das Abstlmniung Abstimnienoen «3iir9 aen M die Umfaßt«' Ämter M«! unserem Heun " Eine am morgigen nachmittags „Grohherzog heutigen An * Hunde hab nach friM ihren Durst vor. Das Durst esqua von Pfüher darum faul Trinkwasser nmrg oder i der, sondern auch direkt an den Völkerbund gewandt, da der Präsident lediglich moralische Macht, jedoch keinerlei Exekutive besitze. •• Der W o hnu ngs beda rf in Dreien. Am 1. Januar d. I. waren beim Wohnungsamt als Wohnungsuchende insgesamt 2007 Reflektanten gemeldet Davon waren dringend und sehr dringend 754 Fälle; von den Suchenden waren 917 ohne Wohnung. 3m 3 u l i zählte man insgesamt 1421 Woynungsuchende. davon dringend und sehr dringend 639 Fälle; von der Gesamtzahl der Suchenden waren 693 ohne Wohnung. Die Verringerung der Zahl der Wohnungsuchenden ist darauf zurückzuführcn, daß alle Desuchfteller. die ihren Antrag auf Grund der Bekanntmachung vom 4. 3anuar 1926 nicht erneuert haben, jeht in den Listen gestrichen worden sind. " Ein Schausenfterwcttbewerb wird während der Dauer der Gartenbau- und Elektrizitätsausstellung vom 11. bis 19. d. Mts in Gießen stattsinden. Unsere Geschäftsleute beabsichtigen, ihre Schaufenster in bester Weise mit besonders fesselnden Auslagen herzurichten, so daß dem Publikum recht sehenswerte Schau- senstcrdekoralionen geboten werden dürften. Di» sieben besten Schaufensterauslagen sollen mit Preisen ausgezeichnet werden. Als Preisrichter fungiert das Publikum selbst, indem jeder einzelne auf Abstimmungszetteln angibt, welche Auslage nach seiner Ansicht die beste und wirkungsvollste ist. Um das Publikum zur Beteiligung an der Abstimmung anzuregen, kommen auch für die Abstimmenden zahlreiche Preise zur Verteilung. ** 'S u r Abgabe der Steuererklärun,- g e n für die Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer für 1925 26 fordern die Finanz ämter Gießen, Butzbach, Grünberg und Hungen in unserem heutigen Anzeigenteil auf. ' > ** Eine Gemäldeversteigeruno findet am morgigen Donnerstag, vormittags 11 Uhr und nachmittags 3 Uhr, im Saale des früheren Hotels „Großherzog", Bahnhofstraße, statt. Näheres im heutigen Anzeigenteil. * Gebt den Hunden Wasserl Die Hunde haben bei dieser Hitze großes Bedürfnis nach frischem, reinem Wasser. Die Unmöglichkeit, ihren Durst zu befriedigen, ruft Krankheiten hervor. Das gleiche ist der Fall, wenn sie. von Durstesqualcn gepeinigt, abgestandenes Wasser von Pfützen und Tümpeln zu sich nehmen. Stellt darum saubere Trinkgefäße, gefüllt mit reinem Trinkwasser, an zugänglichen Stetten der Wohnung oder des Hofes auf! Denkt namentlich auch nn die Kettenhunde und erneuert, unter Auswaschung des Rapses, ihren Waffervorrat täglich mehrmals! " Die Maul - und Klauenseuche ist im älniversitätsversuchsgut Unterer Hardthof in Gießen und in dem Gehöft des 3oses Stern in Gießen, Rodheimer Straße 42. amtlich fest- gestellt worden. Der Sperrbezirk besteht aus dem Gut mit seinen Weiden und dem Stadtteil Gießen ■■■BA-nm—naa—ii i ■ ' i>»■manwi'S rechts der Lahn 5>te Gemarkung Heuchelheim ist Beobachtungsgcbiet. 00 Abschied des Storches. Der Sommer ist hin, unsere Zugvögel fangen an, uns zu verlassen. Als erster hat der Storch gesammelt und seinen Flug nach Süden angetreten. Die Ansammlungen von Störchen, die man in letzter Zeit beobachten konnte, waren der Auftakt dazu. Die Bewohner eines Dorfes sehen ihren lieben Gast nur ungern scheiden. Gewöhnlich ist ihm eine Unterlage für sein Nest geboten worden, die er auf einem hohen Haus ober auf einer Scheune gern annimmt. Oft abee baut er auch fein Nest auf einen hohen Baum, dessen Kronenäste abgeschnitten sind. Dies mag wohl die ursprüngliche Art des Nestbaues gewesen fein. An beringten Störchen hat man fest- gestellt, daß die, welche bei uns brüten, ihren Weg nach Süden durch Frankreich, Spanien und Nordafrika nach dem Niltal machen, während die östlich der Elbe nistenden Störche ihre Flugbahn östlich der Alpen haben. Auch bei anderen Zugvögeln konnte man auf dieselbe Art ähnliche Erfahrungen fammeln. *• E i n Kind von einem Motorradfahrer umgefahren. Gestern nachmittag wurde in der Frankfurter Straße das fünf Jahre alte Söhnchen des Bahnfchmieds Wehrmann, wohnhaft in der Hillebrandstraße, von einem Motorradfahrer aus Klein-Linden umgefahren. Das Kind tarn, nach den bisherigen ärztlichen Feststellungen, zum Glück mit leichten Verlegungen davon. Es befindet sich zur Zeit in der Chirurgischen Klinik, wo es ihm, den Umständen entsprechend, gut geht. Die Schuldfrage unterliegt noch der polizeilichen Ermittelung. f. Eine Rheinfahrt der Deutschen Dolkspartei. Eine Reihe oberhessischer Ortsgruppen der Deutschen Volkspartei unternahm am Sonntag von Bad-Rauheim aus eine gemeinsame Fahrt an den Rhein. Die Anregung zu dieser Veranstaltung hatte die Ortsgruppe Bad- Rauheim gegeben, deren Vorstand auch, unterstützt von dem Geschäftsführer der Partei, die Vorbereitung und Durchführung der Fahrt in mustergültiger Weise regelte. Die Teilnahme an der Fahrt war nicht abhängig von der Mitglied- schaft zur Deutschen Volkspartei. deshalb beteiligten sich auch viele Richtparteileute daran. Es waren etwa 120 Personen, die sich in früher Morgenstunde am Bahnhof in Gießen trafen, um mit Sonntagskarte nach Bad-Ranheim zu fahren. Dort stand ein Sonderzug bereit. Heber Friedberg, wo die letzte SammelstZlle sich befand, ging die Fahrt in flottem Tempo durch die gesegneten Gaue dec südlichen Wetterau und des Maintales, über Homburg und Höchst nach Kastel. Herrlichster Sonnenschein lag auf den Fluren, kein Wölkchen zeigte sich am Himmel, ein Hmstand, der die Stimmung im Zug schon wesentlich Beeinflußte. Es mögen etwas über 400 Personen gewesen fein, die sich dann von Kastel aus über bte Rheinbrücke auf die schmucke „Hotline“ begaben, die für diese Fahrt gemietet war. Die von Bad- Rauheim mitgekommene Musikkapelle lieh auf dem Dampfer alsbald ihre flotten Weisen erklingen. die eine große Menge von Zuhörern an das Ufer lockten. Um 10 Uhr begann die Fahrt auf tym mit Flußfahrzeugen aller Art stark belebten Strom. Man mag noch so oft an den Rhein gekommen sein, und er ist erfreulicherweise ja in den letzten 2 3ahren oft und von vielen besucht worden, unwiderstehlich ist immer auss neue der Zauber, den der herrliche Strom und feine b toben Den ilfer ausüben. Vorüber glitten an den Angen der Teilnehmer die herrlichen Bilder, die eine Rhunfahrt bei prächtigem Wetter immer bietet. Die blühenden Städte und schmucken Dörfer, inmitten fruchtbaren Rebengeländes. die stolzen Gotteshäuser und trutzigen Burgen: die meisten Fahrtgenossen hatten sie schon oft gesehen. doch gebannt hing ihr Blick an all der Herrlichkeit, als habe sie das Auge nie geschaut. Viel zu rasch vergingen die Stunden. Kurz nach 12 ilbr legte der Dampfer in Caub an. Hier wurde eine mehr als zweistündige Rast gemacht und das Mittagessrn eingenommen. Hm 2 Hhr versammelten sich die Teilnehmer am Blücher- Denkmal, wo ein Vertreter der Deutschen Bolks- partei in Caub herzliche Worte der Begrüßung sprach. Rach ihm ergriff noch der Geschäftsführer der Deutschen Volkspartei, Weißer, das Wort. Er dgatte allen, die zum Gelingen der Fahrt bei getragen hatten, insbesondere der Ortsgruppe Bad-Rauheim. Seine Rede klang aus in einem Hoch auf das deutsche Vaterland und den schönen Rhein. Hm 2,50 Hhr begann der Dampfer die Rücflahrt nach Kastel, die alle Beteiligten noch einmal die herrlichen Bilder schauen ließ. Die Stimmung auf dem Schiff war die denkbar beste. Die Kapelle spielte fleißig ihre munteren Weisen, ein schönes Volkslied löste das andere ab. Don Kastel aus. wo das Schiff um 61 3 Hhr ankcnn, brachte der Donderzug die Teilnehmer wieder nach Oberhessen zurück. ELngesandL. «Für Form und 3nhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Boni Botanischen Garten. Der Botanische Garten ist für die Zwecke der Universität da. Daneben war es seither üblich, den Einwohnern der Stadt unter gewissen Voraussetzungen den Besuch zu bestimmten Tagesstunden zu gestatten. Eine vollständige Schließung dieser prächtigen Anlage, die noch dazu in der Mitte der Stadt liegt, wäre auch nicht zu verstehen. Mit dem seitherigen Brauch scheint jetzt gebrochen zu werden. Neuerding» ist der Garten auch vi Zeiten geschloffen, in denen er nach dem Anschlag am Eingang für den Befuch offen fein sollte. Ein Anschlag, her die Gründe dasür angibt, ist nicht zu sehen. 'Bauarbeiten oder Aehnliches, was die Schließung des Gartens erforderlich machen könnte, werden, soweit ersichtlich, zur Zeit nicht vorgenom- mcn. Nicht wenige Besucher des Gartens, besonders ältere Männer mid Frauen, werden mit Bedauern Kenntnis davon erhalten haben, daß ihnen das bißchen Erholung nun vorenthalten werden soll, das sie hier gern gesucht hoben. Man muß sich in der lat wundern, daß es zur Schließung des Garlens ohne ein Wort der Mitteilung an die Oeffentlichkeit kommen konnte. Was liegt vor? Haben sich Mißstände ergeben? Stören die paar allen Leute, die sich vormittags im Garten erholen wollen, die unterrichtlichen Zwecke der Leitung? Jetzt in den Um versitätsferien? Wenn nicht: Steht die Frage so, daß die Leitung gar keine Rücksicht daraus zu nehmen braucht, daß mit ihren wissenschaftlichen Zwecken auch andere, die Allgemeinheit angehende Vorteile und Wohltaten durchaus verträglich sind? Liegt nicht eine Angelegenheit vor, die alle Steuerzahler angeht? Der Garten ist doch keine Privatangelegenheit der Direktors. F. taOiMeta am Donnerstag, 2. Sept. 1926, vormittags von 11 Uhr und nachmittags von 3 Uhr ab versteigere ich öffentlich im Saale des früheren Hotels Grotzherzo»- Vahnhofstra^e MeMmUMMMe bekannter Künstler. Besichtigungen können am Tage der Versteigerung ab 10 Uhr vormittags erfolgen. (Bienen, den 31. August 1926. Siiöwig WtMtz, MMW! ii loiator. Mein Geschäft ist ab heute während der Mittagszeit wieder geöffnet üiessen;Bahnhofstr.30 L/ddewarenhaus Carl Nowack 7048a 70390 wird bestraft. lokal bekamitgegeben. 7074c 1. latiactaaiil b) a) 2. Z 5. Krttrz1 Donnerstag, den 2. Sept. 1926, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Löwen, Neuenweg dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Büfett, 1 Küchenbüfett, 1 Bücherschrank, 1 Spiegel, 3 Vertikos, 3 Schreibtische, 1 Chaiselongue, 1 Sofa, 1 Standuhr, 1 Rähmaschine, 1 Grammophon, einen Warenschrank, 12 Dände Schiller, Hebbel, Kleist utto.. 1 Schultafel. 5000 m Rinder-Kranzdärme, 23 Pakete Bindegarn ä 1 kg, 1 elektr. Ventilator . voraussichtlich bestimmt an Ort und Stelle: 1 Schweißapparat, 1 Klöppelmaschine, 1 Exzenterpresse, 1 Rührwerk, 1 Kali- bertoalze. Ort wird im Versteigerungs- LEBEWOHL beseitigt Jhre HÜHNERAUGEN u. HORNHAUT! MMMMMM Seit 20 Jabren liefere ichgarant.rei° nenAütenSchleuder' HONIG lO-Md.-Büchse-E-, halbe x 5.50, Porto extra Gar. Zurückn. bischer, Lehrer 0.2)., Homgversand, Ober- 7S.5kr.Brem. Gewerbetreibende, und zwar buch- führende Gewerbetreibende, deren Steuerabschnitt in der Zeit vom 1. Januar 1926 bis 30. Juni 1926 einschl. geendet hat. Von der Abgabe einer UmsatzstenererNärung tige, die nach § 57 der Durchführungsbestimmungen zum Umsatzsteuergesetz von 1926 zu Anzahlungen und zur Führung des Steuerheftes verpflichtet sind: nicht buchführende reine Landwirte, die ihre Vorauszahlungen nach den feweils geltenden Umsatzsteuerdurchschnittskätzen geleistet haben. Haben solche Landwirte Umsätze aus Sonderkulturen durch Verkauf von Obst, Gemüse, Spargel, Tabak, Wein usw. oder durch außergewöhnliche Großviehverkäuse von mehr als 1000 Reichsmark erzielt, so sind sie zur Abgabe einer Umsatzsteuererklärung verpflichtet. In der Erklärung sind dann nur die Einnahmen aus Sonberkul- turen ober Großviehverkaufen anzumelden. Den nicht duchführenden Landwirten gehen in den nächsten Tagen Fragebogen zu, die innerhalb 2 Wochen nach sorgfältiger Ausfüllung bei dem zuständigen Finanzamt einzureichen sind. IL Wer die Frist zur Abgabe der ihm obliegenden Steuererklärung versäumt, kann mit Geldstrafen zur Abgabe der Steuererklärung angehalten werden: auch kann ihm ein Zuschlag bis zu 10 v. H. der festgesetzten Steuer auferlegt werden. III. Die Hinterziehung oder der Versuch einer Hinterziehung der Einkommensteuer, Körperschaftssteuer ober Umsatzsteuer wirb bestraft. Auch ein fahrlässiges Vergehen gegen die Steuergesetze (Steuergefährdung) Dern Gerichtsvollzieher in Gießen, Steinstr. 13. beste Qualität zu billigem Preis C. Rübsamen, Gießen Fernsprecher 1659 a) Landwirte, und zwar: Inhaber von buchführenden und nicht buchführenden landwirtschaftlichen Betrieben einschl. der forstwirtschaftlichen Betriebe und der Gartenbaubetriebe; Inhaber von landwirtschaftlichen (forft- wirtschaftlichen usw.) Betrieben, die nebenher einen Gewerbebetrieb haben, für den eine Buchführung nach den Grundsätzen des Handelsgesetzbuchs nicht eingerichtet ist; Gießen, Butzbach, Grünberg, Hungen, den 31. August 1926. Die Finanzämter. Blechdose (8 Pflaster) 75 pkg. Lebewohl-Fußbad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel (2 Bäder) 50 Pfg., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Sicher zu haben bei: A, Noll, Kreuz-Drogerie, H. Noll, itz-Drogerie und Neustadt - Drogerie, O. WlnternofT, Drogerie, 9-10. 1001A Oeffentliche Aufforderung zur Abgabe der Steuererklärung für die Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer für 1925 26. Die Steuererklärungen zur Einkommensteuer, Körperschastssteuer und Umsatzsteuer sind in der Zeit vom 1. September 1926 bis 15. September 1926 unter Benutzung der vorschriebenen Vordrucke wie folgt abzugeben: A. Einkommensteuer und körperschafts- sleuer. I. Zur Abgabe einer Steuererklärung für die Einkommensteuer sind verpflichtet: 1. Steuerpflichtige (Landwirte, Forstwirte, Gartenbautreibende ufw.), deren Einkommen im Wirtschaftsjahr 1925/26 den Betrag von 8000 Reichsmark über stiegen hat; 2. ohne Rücksicht auf, die Höhe des Einkommens Steuerpflichtige, bei denen der Gewinn auf Grundlage des Ab- schluffes ihrer Bücher zu ermitteln ist. II. Zur Abgabe einer Steuererklärung für die korperfchaftssteuer find verpflichtet: 1. Steuerpflichtige Erwerbsgesellschaften; 2. alle übrigen steuerpflichtigen Körperschaften und Vermögensmassen des bürgerlichen Rechts. III. Ohne Rücksicht auf die Höhe des Gewinns haben abzugeben eine Linkom- menserNärung bei Beteiligung mehrerer an den Einkünften aus a) Landwirifchaft, Forstwirtschaft, Gar tenbau und sonstiger nichtgewerblicher Bodenbewirtschastung: b) einem Gewerbebetrieb, z. B. einer offenen Handelsgesellschaft oder Kommanditgesellschaft. IV. 1. Die Erklärung für die Einkommen steuer und Körperschaftssteuer sind abzugeben: MH Harktlanbe Bezirk die zu I bezeichneten Steuerpflichtigen ihren Wohnsitz ober dauernden Aufenthalt, die zu II und III bezeichneten Pflichtigen den Ort der Leitung haben. Ist im Inlands weder ein Wohnsitz, noch ein dauernder Aufenthalt, noch ein Ort der Leitung vorhanden, so ist die Steuererklärung bei dem Finanzamt abzugeben, in dessen Bezirk das Unternehmen betrieben ober stänbig vertreten wird oder die Tätigkeit vorwiegend ausgeübt wird, oder Vermögensgegenstände sich befinden. B. Umsatzsteuer. I. Zur Abgabe einer Steuererklärung für die Umsatzsteuer sind alle Steuerpflichtigen verpflichtet, deren Wirtschaftsjahr in der Zeit vom 1. Januar 1926 bis 30. Juni 1926 geendet hat. Dies sind: werblicher Bodenbewirtschaftung bezogen haben, für das Wirtschaftsjahr vom 1. Juli 1925 bis 30. Juni 1926: b) von den Pflichtigen, die Hanbels- bücher nach den Vorfchriften des Handelsgesetzbuches zu führen verpflichtet sind oder, ohne dazu verpflichtet zu sein, Hanbelsbücher nach den Vorfchriften des Handelsgesetzbuches tatsächlich führen, für das Wirtschaftsjahr, für das sie regelmäßige Abschlüsse machen, sofern es in der ersten Hälfte des Kalenderjahres 1926 geendet hat. Steuerpflichtige mit mehreren Wirtschaftsjahren, von denen ein Wirt schastsjahr in der zweiten Hälfte des Kalenderjahres 1926 endet, find auch bann nicht zur Abgabe einer Einkom- menfteuererElärung" verpflichtet, wenn ein Wirtschaftsjahr in der eifften Hälfte bes Kalenberjahres 1926 enbet. Diese Steuerpflichtigen werben vielmehr erst nach Ablauf bes Kalenberjahres 1926 zu einer (Eintommenfteuererflärung aufgeforbert werben. Die Erklärungen für bis Einkommensteuer unb Körperschastssteuer sind bei dem Finanzamt abzugeben, in dessen sind befreit: 1. «traßenhändler, Wandergewerbetrei- benbe unb andere Umsatzsteuerpflich- Gartenbau und sonstiger nicht gewerblicher Bodenbewirtschaftung erzielt haben, für das Wirtschaftsjahr vom 1. Juli 1925 bis 30. Juni 1926; b) von den Pflichtigen, die Handelsbücher nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches zu führen verpflichtet sind ober ohne hierzu uer» pflichtet zu fein, Handelsbücher nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches tatsächlich führen, für das Wirtschaftsjahr, für das sie regelmäßige Abschlüsse machen, sofern es in der ersten Hälfte des Kalenderjahres 1926 geendet hat, Steuerpflichtige mit mehreren Wirtschaftsjahren, von denen ein Wirtschaftsjahr in der zweiten Hälfte des Kalenderjahres 1926 geendet hat, find auch dann nicht zur Abgabe einer Umfatzfteuererklärung verpflichtet, wenn ein Wirtschaftsjahr in der ersten Hälfte des Kalenderjahres 1926 geendet hat. Diese Steuerpflichtigen werden vielmehr erst nach Ablauf des Kalenderjahres 1926 zu einer Umsatzfteuererklä- rung aufgefordert werden. Die Erklärung für die Umsatzsteuer ist bei dem Finanzamt abzugeben, in dessen Bezirk die Steuerpflichtigen a) das Unternehmen betreiben, soweit sie wegen einer gewerblichen Tätigkeit einschl. der Urerzeugung steuerpflichtig find. Bei mehreren Niederlaffungen oder Geschäftsstellen eines rechtlich in einer Hand befindlichen Unternehmens ist der Ort der Leitung des Unternehmens maßgebend; b) ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben, soweit sie wegen einer beruflichen Tätigkeit steuerpflichtig sind. Ist weder ein Betriebsort noch ein Ort der Leitung, weder ein Wohnsitz noch ein gewöhnlicher Aufenthalt gegeben, so ist die Steuererklärung bei dem Finanzamt abzugeben, in dessen Bezirk das Unternehmen ständig vertreten oder die Tätigkeit vorwiegend ausgeübt wird oder das Unternehmen feinen Sitz hat. C. Gemeinsames, k. Die nach A und B zur Abgabe einer Steuererklärung Verpflichteten haben die Steuererklärung auch dann abzugeben, wenn ihnen ein Vordruck nicht zugefandt wirb. Ttordrucke zur Steuererklärung finb bei bem Finanzamt erhältlich. Die übrigen Steuerpflichtigen haben eine Steuererklärung abzugeben, wenn sie hierzu vom Finanzamt befonbers aufgeforbert werben. Nachdem die kühle Witterung eingesetzt bat, treffen wieder regelmäßig jeden Ticnötag. Tonuerstag,Freiraa und Samstag frische Sendungen See-Fische ein. Tiefe Woche eintreffend: Kabeljau o. K, Schellfische o. K., Seelachs o. R., Rotbarsch o. K., Bralfischc, Schollen «Flundern«, Rotzungen usw. Nächste Woche Mittwoch treffen an Fluh-Fischen ein: Hechte, Schleien, Karvfeu, Brassen. Wir weisen nochmals ganz besonders daraus hin, daß auch jeden Freitag vormittag i. d. Marktlanbe Berkaus von ganz stischenSendnngen ftattnnbet. J. & A. Verhey Telephon 95. 05992 II. Die Erklärungen für bie Umsatzsteuer finb abzugeben: a) von ben Pflichtigen, bie Umsätze aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft. von den Pflichtigen, die Einkünfte aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau und sonstiger nicht ge- Gasherde Junker «L Rub — Äaggenau in größter Auswahl MW MM. VMM. 35 Erleichterte Zahlungsbedingungen. Auf Wunsch Ratenzahlungen. (Broker, heller, lustiger Lagerraum heizbar.mil 2 bis 3 Zimmer-Wohnung, im Zentrum, sofort zu mieten gesucht. Schriftliche Angebote unter 05979 an den Giehener Anzeiger erbeten. 7071D Aufsichtsrat und Vorstand der Lieber Bank e.G.m.b. H. in Lieh sowie erstklassige komplette Futterzutaten allerbilligst. 7076D Prüfen Sie unverbindlich meine Preise. Auf Wunsch gerne Vertreterbesuch. Hartmann Loth im Fohannessaal. 7056D Großverkauf Frankfurter Str. 88, Tel. 1496 Kleinverkauf Gäste willkommen. Der Vorstand. 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Anz. v 5 9 S iS 3 e a. t c z h » 1 I ec s * Nr. 204 Zweites Blatt Gießener Anzeiger tGeneral-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, l. September 1926 Aus Natur und Technik. Das Telegraphon. Don Dipl.-Ing. Mangold. Rachdruck verboten. Das ^Fernsprechwesen hat sich in kurzer Zeit zu einem länderumfassenden Verkehrsmittel entwickelt. Die große Schnelligkeit und Bequemlich- keit, mit der man sich durch den Fernsprecher auf weite Entfernungen verständigen kann, hat dem Apparat zu seiner großen Verbreitung ver- holfen. Mit der Geschwindigkeit der Uebermitt- lung mußte jedoch bisher ein schwerwiegender Rachteil in Kauf genommen werden. Vergänglich wie das gesprochene Wort war auch jede telephonische Vereinbarung, zumal es an einem Zeu- ?;en fehlte, der Rede und Gegenrede verfolgen onnte. Dis zum Eintreffen der schriftlichen Bestätigung ging viel kostbare Zeit verloren, wobei manche wesentliche Aeußerung dem Gedächtnis entschwand. Es fehlte die Möglichkeit, das Zwiegespräch in der Originalstimme der beiden verbundenen Teilnehmer festzuhalten. Diese Lücke füllt das Telegraphon aus, das von der Ferdinand Schuch ardt 21.-®.. Berlin, konstruiert worden ist. Schon seit vielen Jahren wünschte man sich eine Verbindung zwischen Fernsprecher und Phonograph. 2lber eö blieb bei dem Wunsche, da die technische Lösung in praktisch einwandfreier Weise nicht gelang. Erst der jüngsten Zeit war es Vorbehalten, diesen Apparat zu schaffen und ferne Konstruktion zu einer solchen Vollkommenheit zu entwickeln, daß er in brauchbarer Form dem Publikum in die Hand gegeben werden kann. Der Telephonbesihcr. der sich diese Errungenschaft zunutze machen will, kann seinen bisherigen Telephonapparat weiter benutzen. Reben dem Fernsprecher in seiner Rahe oder auch im Reben- zimmer wird das Telegraphon ausgestellt. Es besteht aus einem Holzkasten, der das Gestell mit dem Träger für die Wachswalze und den Telegraphon. verschiebbare» Schlitten trägt, an dem sich der Schreib- und Abhörmechanismus befindet. Sein Oberteil ist durch eine verschiebbare Haube gegen Staub und unbefugte Benutzung geschützt. An der Stirnwand befindet sich ein Schalthebel zur Bedienung des Apparates; aus verschiedenen Aufschriften ist seine Bestimmung ohne weiteres ersichtlich. Der Anschluß an den vorhandenen Fernsprecher geschieht mittels einer zweiadrigen Leitungsschnur und ist bei gewöhnlichen Anlagen in wenigen Minuten zu bewerkstelligen. Die von dem Hörer des Fernsprechers aus in das Telegraphon gelangten Sprechströme werden durch eine besondere Einrichtung verstärkt und in den.Schreiber geleitet. Dieser verwandelt die verstärkten elektrischen Schwingungen in mechanische und überträgt sie durch einen besonderen Mechanismus auf die Wachswalze. Diese Eneraie- umsehung, die ohne Verzerrung der Sprechwellen vor sich gehen muß, bildete lange Zeit eine der schwierigsten Aufgaben des Tclegraphon-Pro- blems. Sie ist hauptsächlich durch die eigenartige Durchbildung des Schreibers gelöst worden. Eine Leitungsschnur verbindet den in dem Holzkaston befürdlichen kleinen Antriebsmotor. dessen Stromverbrauch nicht größer ist als der einer gewöhnlichen Glühbirne, mit der elektrischen Lichtleitung. Zu jedem 2lpparat gehört ein kleiner Bei® kästen sowie eine kleine dreizellige Akkumulatorenbatterie. Der Deikasten enthalt die Der- stärkereinrichtung, sowie andere wesentliche Teile der elektrischen 2lusrüstung. Die Benutzung des Telegraphons beim Auf- zeichncn eines Gespräches ist folgendem Auf Schreiben eingestellt, seht der Schalthebel die Walze in Gang. Auf „Aus" kommt sie zum Stillstand! das Telegraphon ist dann vom Fern- sprechapparat getrennt Anfang und Ende eines Gespräches werden durch zwei Dleistiftstriche auf einem Papierblock, über den der Zeiger des Schlittens gleitet, bezeichnet 3n den Zwischenräumen schreibt man die Zeit und den Ramen des Teilnehmers auf, mit dem man verhandelt hat Wünscht man ein aufgenommenes Gespräch wieder abzuhören, so schiebt man den Schlitten auf den Anfangsstrich des Gespräches, stellt den Schalthebel auf „Hören" und kann mit Hilfs der durch einen Abhörschlauch mit dem Telegraphon verbundenen Hörmuscheln das vorher aufgenommene Gespräch wieder abhören. Das Telegraphon kann durch Verwendung eines Tischdiktiermikrophons auch als Diktiermaschine verwendet werden. Das Tischdiktter- Mikrophon steht auf dem Tisch vor dem Sprechenden, nimmt das freigesprochene Wort auf und überträgt es auf die Wachswalze. Ein kleines mit einem Umschalter versehenes Steuerkästchen dient in diesem Falle der wahlweisen Einschal, tung des Telegraphons zur Aufnahme von Tele- phongesprächen oder von Diktaten. Eine besondere Annehmlichkeit bietet das Telegraphon beim Diktieren dadurch, daß fein Sprechtrichter zur Der-- lr-endung kommt, und daß es selbst nicht in dem Arbeitsraum des Sprechenden zu stehen braucht. 3n akustisch günstigen Räumen kann man mit einem oder je nach Bedarf mehreren Diktier- mikrvphvnen auf diese Weise auch mündliche Verhandlungen ohne Zeugengegenwart verbindlich festhalten. Telephongespräche, Diktate und Besprechungen rönnen sofort nach Beendigung von der Walze wieder abgehört werden, und zwar auf dem Telegraphon selbst oder auf einer besonderen Abhörmaschine. Das Auswechseln einer vvllbesprvchenen Walze ist nur möglich, wenn der Schalthebel äüf „Aus" steht. Der Schalthebel ist nämlich sowohl mit dem Schreib- und Abhörmechanismus. als auch mit einer Verriegelungseinrichtung. die die rechte Seitenwand in ihrer senkrechten Lage sesthält. mechanisch gekuppelt Beim Schalten aus „Aus" wird sowohl der Schreib- als auch der Abhörmechanismus von der Walze abgehoben, und gleichzeitig der Verschluß der rechten Seitenwand entriegelt, so daß sie durch Betätigen eines an ihr befindlichen Knebels umgelegt werden lann. Runmehr wechselt man die Walze aus. ohne daß sie durch den Schreib- oder Abhörmechanismus verletzt wird. Der Papierstreifen, der zum Einstellen des wchlit- tens diente, wird von feinem Block abgerissen und mit der Wachswalze in einer Papphülle aufbewahrt Die Wachswalzen sind so bemessen, daß Gespräche von etwa halbstündiger Dauer, und wenn man den Apparat bei unwesentlichen Gesprächsstellen auswechselt, auch erheblich längere Unterhaltungen aufgenommen werden können. Sind die aufgenommenen Gespräche von Wichtigkeit, so wird man die entsprechenden Walzen der Registratur übergeben. Haben die Einrichtung zum Fernsprechen und Diktat. Gespräche jedoch kein dauerndes Interesse, so schleift man sic zur geeigneten Zeit auf einer elektrisch betriebenen Abschleifmafchine ab. Die Walze ist dann zu einer neuen Aufnahme bereit und kann auf diese Weise über 50 mal benutzt werden. Eine Erweiterung stellt das Telegraphon mit Fernsteuerung dar Diese ermöglicht, daß ein z. D. bei der Fernsprechzentrale oder im Vorzimmer der Direktion auf«» gestelltes Telegraphon von mehreren, im allgemeinen bis zu fünf Stellen besprochen werden kann. Die angeschlossenen Stellen haben an ihrem Platz lediglich ein Steuerungskästchen. Die Betätigung eines Druckknopfes ober eines Schalters seht bei der Zentrale den Apparat in Gang. Das Steuerungskästchen, das im wesentlichen aus einem Schauzeichen besteht, gibt den angeschlossenen Stellen dadurch, daß im Schau- zeichen^oin weißes Kreuz erscheint. Rachricht, daß das Telegraphon beseht ist. Durch sinnreiche Relaisschaltung wird verhindert, daß gleichzeitig zwei Gespräche auf genommen werden können, was ein wirres Durcheinander ergeben würde. In der Zentrale vermag die Bedienung an einem Scheinzeichen zu erkennen, welche Sprechstellen das Telegraphon gerade benutzt. Das ist zur Markierung der Gespräche auf dem Merkblock nötig. Ein Wecker beim Ein- und Aus» schalten unterstützt die Ueberwachungsperfon bei ihrer Arbeit. Der große Fortschritt des Telegraphons besteht darin, daß das Telegraphongespräch urkundlich festgelegt ist. Irgend ein Zweifel über eine Abmachung oder eine gemachte Bestellung, über einen Abschlußpreis ist nicht mehr möglich. Durch Kammergerichtsurteil ist die Beweiskraft des Telegraphons bereits anerkannt worden. Der bedeutungsvolle Vorteil der phonographischen Aufzeichnung gegenüber jeglichem Schriftstück beruht in der außerordentlichen Zeitersparnis, denn in demselben Augenblick, in dem ein Gedanke ausgesprochen wird, ist er auch schon aus der Wachswalze festgehalten. Das Telegraphon - Gespräch ist auch dem Telegramm nicht nur durch die Geschwindigkeit der Vermittlung überlegen, sondern auch dadurch, daß jede menschliche Bermittlung einer Rachricht. wie sie bei einem Telegramm heute noch die Regel bildet, fortfällt. Leidet der Funkhörer durch den Anodenstrom? Von Rolf Braun. Unsere Doppelkopffernhörer und Lausprecher- dosen enthalten als wichtigen Bestandteil Dauermagnete, auf deren Polschuhen die von den niederfrequenten Sprechströmen durchflossenen hochohmigen Wicklungen sitzen. Beim einfachen Detektorempfang haben diese Ströme keine besondere Vorspannung. Bei einigen Schaltungen mit schwingenden Kristallen jedoch, wo mit Vorspannungen von etwa 10 bis 12 Volt gearbeitet wird, und ganz besonders bei Röhrenempfängern und -Verstärkern, wo eine Atzodenspannung von 60, 90 oder gar 120 Volt verwendet wird, fließt durch die Wicklungen des Fernhörers ständig ein Gleichstrom, der eine Stärke von mehreren Milliampere erreichen kann. Dieser Gleichstrom erzeugt nun in den Spulen der Fernhörer ein Magnetfeld, dessen Richtung je nach der Stromrichtung, also dem Anschluß des Hörers an die Apparatklemmen, entweder in der Richtung« des Dauermagneten liegt, also dessen Kraftlinien verstärkt, oder diesen entgegenwirkt, sie also schwächt. Es ist nun behauptet worden, daß der Hörermagnet bei dauerndem falschen Anschluß der Wicklungen an die Steckbuchsen mit der Zeit schwächer wird, 'd daß die Leistung des Hörers im Verlaus von einigen Monaten merklich nachläht. Hierüber sind eingehende Untersuchungen angeftellt worden. Sie erstreckten sich einmal darauf, ob die Empfindlichkeit des Hörers beeinflußt wird, wenn das durch den Gleichstrom hervorgerufene Magnetfeld dem des Dauermagneten entgegenwirkt, und zum anderen auf die Ermittlung, ob bei einer Dauererregung im entgegengesetzten Sinne ein Rachlassen des Magnetismus eintritt. Die Versuche der ersten Reihe wurden mit Stromstärken von etwa 4 bis 5 Milliampere durchgeführt. Dabei zeigte es sich, daß es für die Lautstärke des Hörers ziemlich gleichgültig ist, in welchem Sinne er in den Batteriestromkreis eingeschaltet wird. Irgendwelche nennenswerten Unterschiede in der Empfindlichkeit waren nicht feststellbar. Diese hing an sich sehr von dem Grade der Räherung der Membrane an die Pol- schuhc des Magneten ab. Hörer mit Seinem» stellung find daher vorzuziehen, da man bei diesen den mit der Anodenspannung, der Polung und der Empfangslautstärke jeweils schwankenden günstigsten Membranenabstand einstellen kann. Der Lustzwischenraum kann bei mittlerer Empfangslautstärke etwa ein Zehntel Millimeter oder noch weniger betragen. Die sich auf das Rach lassen erstreckenden Untersuchungen wurden in der Weile vorgenommen, daß durch einen Hörer über 400 Stunden ein Gleichstrom von etwa 5 Milliampere im entmagnetisierenden Sinne geschickt wurde. Alle 24 Stunden wurden Messungen vorgenommen, die im Durchschnitt alle gleich ausfielen. Daraus wird gefolgert, daß keine dauernde Schwächung des Magneten eintritt und daß ein etwa beobachtetes Rachlassen andere Gründe haben müsse, die in natürlichen Alterungserscheinungen schlechten Baustoffs zu suchen seien. Bei den Versuchen scheint aber einem wichtigen Punkt feine Bedeutung beigelegt worden zu sein, denn die Versuchsbedingungen entsprachen nicht ganz der Wirklichkeit. Der geprüfte Hörer wurde nämlich nur vom Gleichstrom, nicht aber von Wechselströmen erregt. Es erscheint jedoch durchaus möglich, ja sogar sehr wahrscheinlich, daß durch die mechanischen Erfchütterungen der Membrane und den Einfluß des Wechselstromes eine langsame Entmagnetisierung eintritt. Es sei an den bekannten Versuch erinnert, einen unmagnetischen Stahlstab, der in der Richtung des Kraftlinienfeldes der Erde aufgehängt ist, lediglich durch Beklopfen mit einem Holzhammer magnetisch zu machen. Durch die mechanischen Erschütterungen ordnen sich die wirr durcheinanderliegenden Molekularmagnete des Stabes in die Richtung des Erdfeldes ein. Kehrt man nun den Stab um und beklopft ihn aufs neue, so kann man ihn dadurch wieder vollständig entmagnetisieren und sogar bei weiterem Klopfen im umgekehrten Sinne magnetifieren. In genau der gleichen Weise wird sich auch die Entmagnetisierung der Fernhörermagnete ab- spielen, denn die dauernden mechanischen Erschütterungen der Membrane übertragen sich durch das Magnetgehäuse auch auf den Magneten selbst, der also fortwährend geschüttelt wird. Außer diesen mechanischen Erschütterungen wirkt aber auch die dauernde Ummagnetisierung durch den Wechselstrom lockernd auf die Qlncrönung der einzelnen Molekularmagnete ein, so daß es dem Gleichstrom nun leichter wird, die Teilchen im andern Sinne zu richten. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein Hörer jedesmal beim An stöpseln im falschen Sinn angeschlossen wird, ist gering, es fei denn, daß er einen unverwechselbaren Stöpsel hat, der falsch an- geschlossen ist. Im allgemeinen wird der Hörer gleich oft im richtigen und im falschen Sinn an- geschlossen werden. Dadurch wird die Entmagnetisierung beim richtigen Anschluß wieder aufgehoben, allerdings nicht ganz, da der Gleichstrom erheblich schwächer ist, als die Ströme, mit denen die Magnete bei dec Herstellung magnetisiert werden. Eins ist aber noch zu bedenken: Wenn die Hörer eines Doppelkopffernhörers entgegengesetzt angeschloffen sind, so daß der Magnetismus des einen beim Durchfliehen von Gleichstrom gestärkt, der des andern aber geschwächt wird, so tönen sie verschieden laut, was unter Umständen den Eindruck erweckt, als käme der Ton von der Seite. Der Eindruck der Seitlichkeit wird zwar im allgemeinen nicht durch die Lautstärke, sondern durch die Phasenungleichheit hervorgerusen, mit der die Schallteile bei Seitlichkeit der Schallquelle beide Ohren treffen, aber die verschiedenen Schallstärken wirken doch mit und können schon bei geringem Unterschied allein den Seitlich- keitseindruck Hervorrufen. Wie in der Optik durch die Perspektive und andere Mittel räumliche Eindrücke hervorgerufen werden können, so kann eben oft auch beim Hören ein Mittel das andere vertreten. Die ersten Todesopfer der Luftfchiffahrt. Don Oberregierungsrat Max Wilm. mk Am 7. Januar 1785 hatte der bekannte Luftschiffer Blanchard in Begleitung des amerikanischen Arztes John Ieffries von Dover bis Calais den Aermelkanal innerhalb zweier Stunden überflogen. Eine Denksäule gibt der Rach- wett Kunde von dieser Großtat: Blanchard erhielt von König Ludwig XVI. eine Ehrengabe von 12 000 Franken und eine Iahresrente von 1200 Franken. Dieser Erfolg Blanchards versetzte den Luft- schiffer Pilätre de Rozier in eine hochgradige Erregung. Dieser ließ sich sofort von sieben des Seewesens kundigen, in Boulogne ansässigen Personen bescheinigen, daß die Schuld, warum Blanchard ihm zuvorgekommen sei, nicht an ihm, sondern an Regen und Stürmen, hauptsächlich aber an widrigen Winden gelegen habe, die für Blanchards Fahrt von Dover nach Calais günstig gewesen seien, ihm jedoch die Fahrt von Boulogne nach Dover unmöglich gemacht hätten. Um seiner Sache ganz sicher zu fein, hatte Vozier sein Luftschiff so ausgebildet, daß es zunächst durch Wasserstoffgas emporgetrieben wurde, unö daß der hierbei auftretende Gasverlust durch Beheizen eines Luftsackes ausgeglichen wurde. Um diese Eigenart seines Fahrzeuges zum Ausdruck zu bringen, benannte es Rozier „Aero-Montgolsiere". Der auf den 27. Januar 1785 angesehte Aufstieg verzögerte sich bis zum Vormittag des 15. Juni, nachdem drei kleine Probe - ßuftbäHe emporgelassen waren und eine günstige Windrichtung ergeben hatten. Schnell erreichte der Ballon, in dem außer Rozier der Suftfcfoiffer Romain Platz genommen hatte, eine Höhe von 60 Meter. Run aber wurde er von verschiedenen Luftströmen hin und her bewegt, bis er schließlich zur französischen Küste zurücktrieb, wobei er bis auf über 500 Meter emporstieg. Plötzlich ging der Ballon in Flammen auf und fiel, anfangs langsam, dann aber mit größter Schnelligkeit, Rozier war sofort tot, 'Romain verstarb nach zehn Minuten, ohne noch ein Dort äußern zu können. Aus verschiedenen Briefen Roziers ging hervor, daß er das ihm widerfahrene Unglück vorgeahnt hatte. Von verschiedenen Seiten tonrbc ihm der Vorwurf gemacht, daß sich sein Luftschiff in einem sehr verwahrlosten Zustande befunden, und daß er den Aufstieg vorzeitig unternommen habe, lediglich in der Absicht, von Blanchard nicht in den Hintergrund gedrängt zu werden. Uebrigens hat Rozier bereits am Beginn seiner Tätigkeit als Lustschiffer zwei rätselhafte Borgänge erlebt, die geeignet waren, seine Tat- Iraft zu erschüttern. Bei seinem ersten Aufstieg übergab ihm nämlich eine Dame ein versiegeltes Paket mit dem Bemerken, daß er dessen Inhalt vielleicht gebrauchen müsse. 2lls Rozier das Paket öffnete, fand er darin zwei Pistolen. Die Dame war nicht aufzusinden. Wohl aber erhielt Rozier unmittelbar vor seinem zweiten Aufstieg eine Kugelform und Kugeln, die zu beit Pistolen paßten. Der Zeppelin mit Gasmotoren. Don Franz Reumann. Es ist bekannt geworden, daß die Zeppelinwerft beabsichtigt, die Motoren der von jetzt an zu bauenden Luftschiffe nicht mehr mit Benzin, sondern mit Gas zu speisen, uird zwar mit einem Gas, das dasselbe Gewicht hat wie die Luft. Der „Witz" dabei ist, daß dieses Gas in unzusammen- gedrücktem Zustand mitgenommen werden soll. Raum genug ist dafür im Luftschiff vorhanden, da infolge des Wegfalls des Benzins viel weniger Traggas gebraucht werden wird: bisher muhte ja das Luftschiff so viel Auftrieb haben, daß es nicht nur sein Eigengewicht und die Rutz- last trug, sondern auch den Motorenbetriebsstosf. Dabei war es sehr mißlich, daß der Teil des Traggases, der den Motorenbetriebsstoff zu tragen bestimmt war, bei jeder Fahrt verloren ging; denn in dem Mah. wie Benzin verbraucht wurde, muhte Traggas abgelassen werden, wenn man das Schiff im Gleichgewicht, d. h. in einer bestimmten Höhe halten wollte. Da das Traggas teuer ist, ganz besonders natürlich, wenn man — wie die Amerikaner — Helium als solches verwendet, kam dieser Mihstand zu dem Rachteil hinzu, daß die Vermehrung des Traggafes zum Tragen des Motorenbetriebsstoffs wieder eine Vergrößerung des Schiffs und damit seines Eigengewichts bedinte, zu dessen Tragung wieder ein Zuschlag an Traggas erforderlich war Wenn man nun aber als Motorenbetriebsstoff ein Gas verwendet, das ebensoviel wiegt wie die Lust, und wenn man dieses Gas in unverdichtetem Zustand — beispielsweise in Ballonen im Tragekörper des Luftschiffs zwischen den mit Traggas gefüllten Ballonen — mitführt, so wird das Schiff durch dieses Gas überhaupt nicht belastet, es wird auch nicht leichter, wenn von diesem Gas etwas verbraucht wird, denn das Schiff hat eben nur das Gewicht der Hüllen für das Gas zu tragen — einerlei ob sie voll oben leer sind. Man kann sich dies leicht klar machen, wenn man sich einen solchen mit Betriebsgas gefüllten Ballon irgendwo auf gehängt denkt. Run denkt man sich die Hülle weg: Das Gas wird nicht heruntersinken, sondern — Windsttlle vorausgesetzt — bleiben wo es ist, es wird in der umgebenden Lust schwebend verharren, da es ja nicht schwerer oder leichter ist als diese. Es taim also auch die Hülle, die es vorher umgeben hat, nicht belasten, und die Aufhängevorrichtung hat in der Tat nun das Gewicht der Hülle zu tragen, nochmals: einerlei ob sie voll, teilweise oder ganz leer ist. Man könnte eina>enben, dah man die Erleichterung, die da» Schiff durch den Verbrauch von Benzin erfährt, „dynamisch" ausgleichen kann, d. h. so, dah man mit gesenkter Spitze fährt und das Schiff auf diese Weise durch die Drachen- wirkung auf seine Oberseite herunterdrückt. Von dieser Möglichkeit macht man auch Gebrauch — aber das geht nur bis zu einem gewissen Grade. Insbesondere zur Landung muh man bann doch Gas opfern, um auf die Erde her- unterzukommen. Außerdem aber findet das Sdjiff in einer solchen Stellung mehr Luftwiderstand, kommt also langsamer vorwärts, wodurch die Fahrtdauer ungebührlich verlängert wird, und das kostet auch Geld, denn wenn man länger fährt, so braucht man mehr Betriebsstoff. Reben den aufgeführten Vorteilen hat die Verwendung eines Motorenbetriebsstoffes, durch dessen Verbrauch sich das Schiffsgewicht nicht ändert, eine wesentliche Vereinfachung der Schiffsführung, der sogenannten Ravigation. zur Folge. Es unterliegt daher keinem Zweifel, dah das Fahren mit einem solchen Gas einen der größten Fortschritte — vielleicht sogar den größten Fortschritt — bebeutet, seit man angefangen hat, Luftschiffe zu bauen. Wie Gasbeleuchtung und elektrisches Licht durch ihren Wettbewerb einander immer gefördert haben, wie das elektrische Licht die Gasmänner zur Schaffung des Gasglühlichts getrieben hat, das dem elektrischen Licht wirtschaftlich überlegen war und so die Glühlampenhersteller zur luftleeren und schließlich zur gungefüllten Metallfadenlampe geradezu gezwungen hat, so hat ganz entschieden der Kampf zwischen Flugzeug und Luftschiff die Erbauer beider Arten von Luftfahrzeugen immer wieder zu Anstrengungen angespornt, die Vorteile der andern Gattung durch Fortschritte einzuholen und womöglich äu überflügeln. Fast schien es. als sei baß Luft- fdjiff durch das Großflugzeug endgültig geschlagen: Der neue Fortschritt aber ist durchaus geeignet, dem Luftschiff wieder neues Leben ein- zuflöhen und es vielleicht doch in vielen Beziehungen dem Großflugzeug überlegen zu machen. Jedenfalls aber werden die Flieger, die oft schon recht geringschätzig auf die „aufgeblasene Konkurrenz" herabsahen, durch die neue Erfindung angeeifert werden, auch ihrerseits wieder Verbesserungen vomunehmen. Wie bas Ende dieses Wettkampfes sein wird, ist noch nicht vor- auszusehett: 2Tber das Gute hat er zweifellos, bah er bie Technik beider Arten vorwärts treibt und ihre Entwicklung fördert. Fernöstliche Kriegsspiele Don Otto Co rb a ch. Könnte man den Nachrichten von chinesischen Kriegsschauplätzen" aufs Wort glauben, so hätte sich in den letzten Wochen in der gesamten politt- lchen Lage im Fernen Osten eine neue überraschende Wendung vollzogen. Die „Alliierten", d. d. die Heere der Marschälle T s ch a n g Tso l i n und W u Pei f u hätten die vom ..christlichen General" Feng V u siang organisierte „nationale Armee" aus ihren von vielen für uneinnehmbar gehaltenen Stellungen am Nonckau- paß geworfen, entscheidend geschlagen, über Kal- gon hinaus verfolgt, ziemlich ausgerieben, und ihre Reste gezwungen, sich in den trostlosen Steppen und Wüsten des äußersten Rordwestens des Riesenreiches zu verlieren. Das wäre der Anfang vom Ende des sowjetrussischen Einflusses in China gewesen, da dann auch bald die Stunde der sowjetfreundlichen Kuomingtangherrschaft in Kanton geschlagen haben würde. Eine Meldung, wonach Feng Pu siang vor kurzem aus Sowjetrußland zurückgekehrt sei und nun die Trümmer seiner gefürchteten Armee der „Eisenfresser" sammele und durch seinen suggestiven Einfluß zu verzweifelten letzten Kraftanstrengungen aufpeitschte, schien eine solche Auffassung zu bekräftigen. Diese Meldung war aber erfunden. Feng Pu siang sitzt immer noch seelenruhig in der Rahe von Moskau und studiert eifrig hie Einrichtungen der Roten Armee. Er soll, wie die Londoner „Times" aus russischen Kreisen ermittelt haben wollen, um die Zukunft der ..Kuomintschün" gar nicht besorgt sein und den Gerüchten über Verhandlungen zwischen deren qegentoärtigen Führern und Tschang Tso lin keine Bedeutung beimessen. Don solchen Derhandlungen ist auch in Meldungen aus dem Fernen Osten neuerdings viel die Rede, und es kommt dadurch allmählich einiges Licht in die dunklen Hintergründe der neuesten Phase des chinesischen Bürgerkrieges. Man muß sich erinnern, daß sich Feng Vu siang und seine Parteigänger schon einmal auf Kosten Wir Pei fus über die Herrschaft in Rordchina zu verständigen und darein zu teilen wußten. Damals lieh Feng QJu siang Wu Pei fu im gemeinsamen Kampfe gegen Tschang Tso lin im Stich. Auch diesmal scheint Wu Pei fu wieder als Opfer einer ähnlichen Verständigung erkoren worden zu sein. Rur daß dieses Mal nicht Feng Vu siang oder dessen Stellvertreter, sondern Tschang Tso lin den „Derräter" spielt. Wu Pei fu war kürzlich nach Peking geeilt, um Sntriguen zu durchkreuzen, die dort gegen feine Vertrauensmänner in der gegenwärtigen .Regierung" gesponnen wurden. Bevor er damit irgendwelche Erfolge erzielen konnte, sah er sich gezwungen, Hals über Kopf wieder abzureisen. um die für ihn verzweifelt aussehende Lage an der Südfront wiederherzustellen, wo der siegreich vordringenden Armee der Kan- toner Regierung ein Durchbruch geglückt ist, so bah ihre Vereinigung mit der „ersten nationalen Armee" (Kuomintschün) mehr unb mehr in den Bereich der Möglichkeit rückt. Der Erfolg der Kantoner Kuomingtang-Truppen ist umso be- merfenStoetter, als sie gleichzeitig in Kiangst gegen Sun Tschuong fang vorzurücken scheinen, der bekanntlich seit kurzem, offenbar von England begünstigt, den Versuch macht, fünf der reichsten, das untere Pangtsetal ein- und umschließenden Provinzen zu einem Pufferstaat zwischen Rord- und Südchina zusammen- zuschweißen. , 3m ganzen lassen die letzten Aachrichteg bei dem Kenner fernöstlicher Verhältnisse den Eindruck zurück, daß die Kuomingtschün auf Grund eines vorläufig noch geheim gehaltenen Einvernehmens mit Tschang Tso lin gegen Zusicherung einer Beteiligung an der tilnftigen Regierung im Rorden ihre die Hauptstadt Pellng bcherrschenden Machtstellungen freiwillig geräumt haben, um nach bloßen Scheinkämpfen ihre ungeschwächten Kräfte zugunsten der Ausbreitung der Herrschaft der Kantoner Regierung auf Kosten Wu Pei fus und seines ehemaligen Vasallen Sun Tschuan fang einsehen zu. können. Der Pekinger Berichterstatter der Londoner „Times", dessen Wünschen im Sinne des britischen Imperialismus eine völlige Vernichtung aller „nationalen" Armeen in China entsprechen würde, kann doch in feinen Meldungen nicht verschweigen, daß die Kuomintschün sich mit „intakt gebliebenen Kräften" aus Kalgan zurückgezogen, wo tagelange Plünderungen ihrem Abzüge folgten, um dann fortzufahren: „Es Ludwig von Hofmann. 25on Walther Appell, Plauen. Wie wir gestern bereits mitteilten, ist Ludwig von Hofmann anläßlich seines 65. Geburtstages von der Philosophischen Fakultät der ßanbedunioerfität zum Ehrendoktor promoviert worden. Die knospenden Mädchen- und blühenden Iünglingsakte Ludwig von Hofmanns sind, wie auch feine zarten, frühlingshaften Landschaften, eine Zeitlang mehr „Mode" gewesen, als es ihrer stillen Gröhe und der hohen, reinen Kunstauffassung ihres Schöpfers entsprach. Dor dem Lärm der Jüngeren ist der nun Fünfundsechzig- lährige, der nach ertragreichen Weimarer Jahren jetzt in Dresden schafft, etwas in den Hintergrund getreten. Aber als Greiner und Klinger starben, die die Deutsche Bücherei in Leipzig mit großen Wandbildern hatten schmucken sollen, da tat man doch das wohl einzig in Frage Kommende, indem man Hofmann mit der Durchführung des ehrenvollen Auftrages betraute. Aber wie jeder Eigene, hat auch H.. dem es in späteren Jahren Echt an Ehrungen (bis zum Geheimrat) fehlte, ich einst kämpfend und viel angefeindet seinen Weg bahnen müssen Heber die zwiespältige Ausnahme seiner Frühwerke schrieb der Künstler einmal an den Verfasser: .,3n früheren Jahren hat mich zuweilen eine freundliche Kritik gefördert, wenn sie das mir ;m Grunde Eigentümliche und Wesentliche zu bestätigen schien, so daß sie dazu beftrug, Zweifel und Hemmungen zu beseitigen. Spielte ein unglücklicher Zufall einem etwa gleichzeitig etwas Entgegengesetztes in die Hände (es ist mir öfter Datiert, daß mir Zeitungsausschnitte mit den abscheulichsten, in Grund und Boden verdammenden Bemerkungen von Bureaus zugesandt wurden, um mich für den Dauerbezug solcher Annehmlichkeiten zu begeistern), so war freilich die gute Wirkung wieder aufgehoben." Dennoch ist der Künsller immer sich selber und dem clls richtig Erkannten treu geblieben: ein Charakter, tote im Leben, so auch in der scheint nicht die Llbsicht der Fengtien-Truppen (d. h. der Streitkräfte Ächang Tso lins) zu fein, die der Kuomintschün zu verfolgen, obgleid) General Tschi Schi Puom, der Wu Pei fu im Kommando über die sogenannten Tschili-Trup- pen ablöste, behauptet, dazu entschlossen zu sein. Diese bisher unwirksamen Truppen haben sich am meisten durch Plündern ausgezeichnet". Die chinesischen Bürgerkriege sind weniger wirkliche Kriege als Kriegs spiele. Man marschiert gegeneinander auf, man beginnt sogar, aufeinander zu schießen, sich eine Schlacht zu liefern, aber sobald die Heberlegenheit der stärkeren Partei zutage tritt, läßt man alle Minen diplomatischer Vermittlung springen, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. 3m Hintergründe aller Kämpfe der chinesischen Parteien um die Alleinherrschaft wächst das allgemeine Begehren nach einer unabhängigen Entwicklung des Landes als modernes Staatswesen. Auch diejenigen militärischen Machthaber in China, die ihr Gmporkommen hauptsächlich der .Unter- stühung von Trägern fremder Macht' und Wirt- fchaftsinteressen verdanken, sehen sich zu immer größeren Zugeständnissen an die Forderungen radikaler Rationalrevolutionäre gezwungen. 3n dieser Hinsicht ist es ebenso bezeichnend, daß die augenblickliche „Regierung" in Peking, die die Fiktion einer Harmonie zwischen Tschang Tso lin und Wu Pei fu krampfhaft aufrecht zu erhalten sucht, mit der Ausschließung Belgiens aus der Rutznießung der „ungleichen Verträge" den ersten Schritt zur Herstellung chinesischer Zollautonomie zu unternehmen wagte, wie daß Tschang Tso lin den Demos durch Hinrichtung eines Dutzend schwerreicher Bankiers die die Kriegsnöte der breiten Massen der Bevölkerung mit wucherischer Raffgier ausgebeutet haben sollen, sich günstig zu stimmen sucht. Die nationale Bewegung in China marschiert unaufhaltsam vorwärts, ganz gleich woher die „Generäle", die jeweils bei den inneren Wirren „siegen", ihre Waffen bezogen haben. Ein gewisses Rachlassen der Hnterstühung. die Sowjetrußland bisher unzweifelhaft den Rüstungen den Kuomingtschün und Äaomingtang zuteil werden ließ, hängt damit zusammen, daß in den Augen chinesischer Rationalisten mehr und mehr auch Sowjetrußland imperialistischer Bestrebungen verdächtig erscheint. Moskau sucht durch größere Zurückhaltung gegenüber den inneren Wirren in China dem wachsenden Mißtrauen der chinesischen öffentlichen Meinung entgegenzuwir- len und hofft offenbar seinen Vorteil eher dabei zu finden, indem es Del auf die Wogen statt ins Feuer des Parteihaders gießt. Aus den chinesischen Kriegsfpielen droht von dem Augenblicke an blutigster Ernst zu werden, wo sie die eine oder andere der an den fernöstlichen Machtverhältnissen am meisten interessierten fremden Mächte von jeglicher Mitbestimmung auszuschalten drohen. Der Ausbruch eines neuen Weltkrieges wäre dann kaum vermeidlich. Ostafiatische Zeitungsstimmen wetteifern bereits, ihn vorauszusagen: sie streiten nur darum, ob dabei der angelsächsische oder der sowjetrussische Imperia- lismus die japanische Marmaschinerie für sich „arbeiten“ lassen kann. Kunst und Wissenschaft. Schluß der Berner Kirchenkonferenz. 3n der dritten Sitzung wurde über die Auswirkungen der Stockholmer Kirchenkonferenz in den einzelnen Ländern verhandelt. Aus den Berichten geht hervor, daß die ökumenischen Wirkungen der Weltkirchenkonferenz im Fortschreiten zu sozialer Verantwortlichkeit innerhalb der zugehörigen Kirchen sichtbar werden. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang die Mitteilung des Metropoliten D a l a n (Rumänien), wonach die griechisch- orthodoxen Delegierten diesmal als offizielle Vertreter ihrer Kirchen entsandt worden seien. Die Verbindung der griechisch-morgenländischen Welt mit der allgemeinen Kirchenkonferenz fei damit förmlich hergestellt. Ein Antrag von Professor Titius (Berlin) auf Herausgabe einer dreisprachigen sozialwis - senschastlichen Zeitschrift wurde nach lebhafter Debatte auf Antrag des Bischofs von Winchester einem Hnterausschuß übergeben. Aus der großen Zahl praktischer Maßnahmen, die der Sitzung Vorlagen, seien erwähnt die Feststellung des Budgets, das neugegründete sozialwissenschaftliche Institut. Ergänzungswahlen zum Exekutivkomitee und anderes. Weiter wurde verhandelt über Veranstaltung von Kursen über Kunst. Wohl sind Beziehungen einer frühen Schaffensperiode zum Jugendstil unverkennbar — im Ganzen aber ist der Künstler in folgerichtiger Entwicklung auf der Linie geblieben, die ihm die starke, jedoch erst von ihm aus verhältnismäßig enger Begrenzung befreite Kunst eines Marees wies. Diese Kunst ist, namentlich in Monumentalbildern, nicht frei von dekorativen Momenten. Aber das rechtfertigt keinen verallgemeinernden Tadel, solange, wie bei Hofmann, der innere Gehalt die Form beherrscht und nicht umgekehrt (wie bei dem verwandten Franzosen Puvis de Chavannes). Man hat L. v. Hofmann „klassizistisch" einzu- ordnen versucht, ist aber damit seiner Bedeutung nicht gerecht geworden. Gewiß lebt er in einer Welt, die der klassischen des Homer nahesteht und von ihr immer wieder thematisch angeregt und befruchtet wird. Doch spinnt er sich nicht als gegenwartfremder Träumer in Vergangenes ein, sondern schlägt Drücken von jener Welt, die uns noch immer viel zu geben hat. zu der unseren. Von allem, was vor und zu seiner Zeit Anspruch auf Geltung hatte, hat Hofmann immer nur soviel ausgenommen. — oft vorausgenommen —. daß das ©igentlidje seines Strebens nicht getrübt wurde. Das aber ist der Formen- und Far benrhythrnus. der die edle Einheit schasst zwischen dem lyrisch empfundenen Bildvorwurf und den Bestandteilen seiner auch technisch immer vollendeten — Ausführung. Dieser Rhythmus macht Hofmanns idyllische Landschaften und wundervoll beseellen Menschengestalten zu Trägern immer neuer Gedanken- und Gefühlswerte. Namentlich die dichterisch Der» Härte Gefühlsbetontheit ist eins der hervorstechendsten Merkmale in Hofmanns Schaffen. Er selber, der nur selten sich theoretisch über seine Kunst äußerte, schrieb mir darüber einmal (nach längeren Ausführungen über den übersteigerten kühlen Intellektualismus heutiger Kunst): „Hier führt wieder ein Schacht zu den tiefsten Fragen, wieweit Zahl und Maß ein Kunstwerk wesentlich bestimmen. — wieweit dieses der rein logischen Erfassung zugänglich ist —, oder ob nicht doch ein Rest des Undefinierbaren bleibt. internationale Kirchenkunde. Eine Kommission für die Zusammenarbeit der christlichen Presse wurde eingesetzt. Um 2 Uhr wurde die Konferenz mit einer Ansprache des Erzbischofs Soederblom geschlossen. Die nächste Tagung wird unter dem Vorsitz des Lordbischofs von Winchester in der zweiten Iulihälfte 1927 auf englischem Boden stattfinden. Julius Kaftan j. Der ehemalige Vizepräsident des evangelischen Obcrkirchenrates und Professor der Theologie an der Universität Berlin, Dr. Julius Kaftan, ist im 77. Lebensjahr gestorben. Die deutsche theologische Wissenschaft und die evangelische Kirche verlieren mit seinem Heimgang einen hochverdienten Gelehrten und sührenden Kirchenmann. "Professor Dr. Max koch t- Der Leiter des Berliner städtischen Krankenhauses Am Urban, Professor Dr. Max Koch, ist einem Schlaganfall erlegen. Turnen, Sport und Spiel. 6. ©aufrauenturnen des Gaues Hessen (D. T.) -o- Ein selten schöner, wenn auch schon etwas kühler Herbstabend ermöglichte es dem Turnverein Grünberg, seine Feftgäste mit ihren freundlichen Gastgebern im Freien auf dem großen Uebungs- plah bei der Turnhalle zu einer Begrüßungsfeier am Vorabend des Festes. Samstag. 28. August, zu vereinigen. Nach einer schwungvollen Ansprache des l. Sprechers des Tv. Grünberg, Lehrer Karl Wenzel, übernahm für die Gauleitung der ©aufrauenturntoart Rudolf Paul, Gießen, die weitere Durchführung des wohlvorbereiteten Wettkampfes. Die Stabübungen seiner Frauenabteilung vom Männer-Tumverein Gießen ließen sofort deutlich werden, daß man über den üblichen Rahmen eines Werbeabends hinaus auch die weitere Entfaltung des Frauenturnens richtunggebend beeinflussen wollte. .Die anmutige Haltung und Bewegung bei dieser und allen folgenden Hebungsarten wob in die kraftvolle Ausführung das echt frauenhafte Element hinein und fand den lebhaftesten Beifall der aufmerksamen Zuschauermenge. Hochentwickelte Keulenübungen und einen feinen Volkstanz brachte C. Heuser mit feinen Marburger Turnerinnen zu musterhafter Durchführung: leider wird dieser strebsame Turn- toart dem Gau Hessen verloren gehen durch einen ehrenvollen Ruf nach Flensburg. Die Grün- berger Turnerinnen zeigten ihre Fertigkeit an drei Barren, und eine Riege des M. T. V. Gießen bewies durch sein aufgebaute Kürübungen am Pferd, daß der Turnerin trotz alledem auch die Gelegenheit geboten bleibt, durch selbst- gewählte Hebungen, die ihrem Geschmack und ihrem Körper zusagen, das Arbeitsgebiet des deutschen Frauenturnens selbständig und eigen- artig ausgestalten zu helfen. Zu einem anmutigen Volkstanz vereinigte C. E r b (Tv. 184b Gießen) seine Riege, Freiübungen auf reigenartiger Grundlage bot der Tv. Nidda 1859, und die Butzbacher Turnerinnen schlossen mit einem berauschenden Tanz. In kurzer Zeit war so ein abwechslungsreiches und deshalb äußerst wirksames Bild der neueren Entwicklung des Frauenturnens gegeben. Der 2. Gauvertreter K. Schneider, Butzbach, gab der Begeisterung des Augenblicks beredten Ausdruck. Heber 300 Turnerinnen in 15 Riegen führten am Sonntagmorgen ihren Wettkampf flott und ohne Hnfall durch. Nach einem frisch-fröhlichen Werbeumzug durch die Stadt marschierten sie in vier Säulen zu den allgemeinen Freiübungen auf, deren schwungvolle Rhythmik unter den Klängen der Musik im strahlenden Sonnenschein des Nachmittags ein überwältigendes Gesamtbild zur Anschauung brachten. Bürgermeister Jockel sprach im Namen der Stadt und der 2. Gauvertreter dankte der Bürgerschaft für die gastfreundliche Zurüstung des Wettkampfes. Ein ©djaaturnen in der Form von Sondervorführungen einzelner Vereine auf der Freibühne des Festplatzes gewährte den zahlreichen Zuschauern außer einer schönen Hnterhaltung auch einen umfassenden Einblick in den Reichtum und die Vielgestaltigkeit des derzeitigen Frauenturnens. Anschließend geben wir einen Auszug aus der Liste der Siegerinnen: Turnerinnen, Oberstufe. Zehnkampf: 1. Anni Schön. Mtv. Gießen, 171 Punkte: 2. TM Espach, Mtv. Gießen. 164 P.: 3. Luise Steinel, Mtv. Bad-Nauheim, 159 P., 4. Erna Kreuder, Tv. Grünberg, 134 P. der so wichtig ist. daß über die letzte Frage: ob Kunst ober Richtkunst, das Gefühl entscheidet." Gefühlsmäßig erfaßte Mottve wie „Frühling". „Idyll", „ Abendwolke". „Träumerei", „Jugend" und dergl. haben denn auch bei Hofmann immer neue, bis zum Tiefsten dringende, unvergängliche Gestaltungen gefunden. Wer sich einzuleben weiß in die glücklichere Welt, die der Künstler in seinen Werken neu erstehen läßt, dem kann und wird sie ein abgeklärtes Gegengewicht gegen das unfrohe, hadernde Heute fein. Dieser erhabenen Tendenz der Gemälde, die wohl schon in den meisten führenden Galerien zu finden find, ordnet sich auch das graphische Werk des unermüdlich Tätigen ein. Roch in den letzten Jahren wurde es durch Hinzunahme des — bald meisterlich beherrschten — Holzschnitts zu Steinzeichnung und Radierung beträchtlich erweitert. 'Mappen wie die herrlichen „Tänze", „Rhythmen" sowie manches kostbare und noch immer erstaunlich und erfreulich wohlfeil erhältliche Einzelblatt werden ganz gewiß zu dem gehören, was über die Wirrungen dieser Zeit hinaus Geltung behalten wird. Unb die Bildbeigaben, die Hofmann erst unlängst zur Ilias, zu den „Troerinnen" des Euripides Ibzw. Werfels) und zu Gerhart Hauptmanns „Hirtenlied" veröffentlichte, sind vielversprechende Verheißungen einer reifen, ungebrochenen Schaffenskraft und Schaffensfreudigkeit. Die Kunst des Gepäckträgers. Die Gepäckträger haben bei dem Hochbetrieb der Reisezeit viel zu tun und arbeiten im Schweiß ihres Angesichts, aber man beobachtet, daß sie mit den Gepäckstücken nicht grade immer sehr behutsam umgehen und auch nicht immer die besten Methoden des Tragens anwenden. Auch das Tragen von schweren Lasten ist eine Kunst, die studiert und gelernt werden muh, und man kann dabei mancherlei von den primitiven Völkern lernen, die sich noch uralte Erfahrungen zunutze machen. Ein amerikanischer Professor der Columbia-Universität in Reuyork, Dr. I. F. Williams, hat sich viele Jahre mit diesem Ge- Siebenkampf: 1. Elfriede Münnich, Tv. Gießen 1846, 134 P.: 2. Ria Schwan, Mtv. Gießen. 131 P.: 3. Johanna Kröck, Tv. 1846 Gießen. 126 P.: 4. Grete Birkenstock, Tv. 1846 Gießen, 115 P.: 5. Hermine Schwan. Mtv. Gießen, 114 P.: 7. Sophie Borig, Tv. 1846 Gießen, 112 P.: 10. Elisabeth Eißer, Tv. Hungen, 98 P.: 11. Helene Leinweber, Tv. Treis a. d. Lda., 97 P. Vierkampf: 1. Else Bickelhaupt, Mtv. Gießen, 83 P.: 2. Friedel Ehren, Tv. Cölbe, 77 P.: 3. Lilli Efpach, Mtv. Gießen, 74 P.; 5. Elisabeth Drechsler. Tv. 1846 Gießen, 69 P.; 9. Ria Schwan. Mtv. Gießen. 65 P.: 11. Charlotte Amend, Mtv. Gießen. 63 P.: 13. Elfriede Erk, Tv. Nidda, 61 P.: 15. Erna Althaus. Mtv. Gießen und Mathilde Hamel, Tv. 1846 Gießen, 59 P., 19. Erna Luh und Anni Schön, Rllv. Gießen, 54 P.: 20. Emmi Heß, Mtv. Gießen, 53 P. Turnerinnen, Hnterftufe, Zehn- kampf: 1. Charlotte Amend, Mtv. Gießen, 180 P.: 2. Hanni Graf, Tv. Butzbach, 176 P.; 3. Emmi Heß, Mio. Gießen, 175 P.: 7. Berta Eisenbrand. Tv. 1846 Gießen, 159 P.: 10. Emilie Kumpf und Gretel Schwarz, Mtv. Gießen, 156, P.I 13. Gertrud Bock. Tv. Grünberg, 152 P.; 15. Helene Gräser. Tv. 1846 Gießen. 149 P.; 17. Helene Zimmer. Tv. Lich, 143 P.: 18. Mari« Ludwig. Tv. Lich. und Gretel Spengler, Tv. Klein-Linden, 142 P.: 19. Margarethe Keller, Tv. Lich. 141 P: 23. Gertrud Kraft. Tv. Nidda, 137 P.: 24. Iohannette Bender. Tv. Krofdorf, 135 P.: 26. Minna Heller, Tv. Lich, 133 P.: Siebenkampf: 1. Luise Mohr, 125 P.: 2. Crise Castein, 122 P., 3. Charlotte Mohr, 120 P.. sämtlich vom Tv. 1846 Gießen: 5. Gretel Schön, Tv. 1846 Gießen, 111 P.: 7. Lotte Jockel, Tv. Hungen, 108 P.: 8. Lina Dender, Tv. Hungen, 107 P.: 10. Margarethe Kohlheyer, Tv. Hungen, 101 P.: 11. Mathilde Hamel, Tv. 1846 Gießen, 100 P.: 12. Minna Kreiling, Tv. Heuchelheim, und Gertrud Honau und Elisabeth Boppert, Tv. 1846 Gießen, 99 P., 13. Elisabeth Schmidt, Tv. Grünberg, 98 P.: 14. Elisabeth Euler. 96 P., und 15. Lina Gartenschläger, 95 P., Tv. 1846 Gießen: 16. Margarethe Nuhn, Tv« Treis a. d. Lda., 94 P. Jugend - Oberstufe, Zehnkampfr 1. Sieg Elisabeth Drechsler, Tv. 1846, 182 P.r 2. Elli Langbein, Tv. Butzbach, 174 P.: 3. Elsa Bickelhaupt. Mtv. Gießen 172 P.: 5. Marta Seifert, Mtv. Gießen 160 P.: 7. Else Klemmrath, Mtv. Gießen. 156 P.: 8. Elisabeth Blum, Mtv. Gießen, 153 P.: 9. Marta Staudigl, Tv* Lich, 150 P.: 10. Mariechen Kretschmar, Mtv. Gießen, 149 P.: 11. Wilhelmine Walz, Tv. Lich. 147 P.: 13. Grete Lang, Mtv. Gießen, 144 P.: 14. Gertrude Berker und Leni Flaack, Mtv« Gießen, 142 P.: 15. Elisabeth Bingmer, Mtv. Gießen, 141 P., 20. Elli Zipp. Tv. 1846 Gießen und Elisabeth Rock, Tv. Grünberg, 132 P. . Inge nd-Hnter stufe, Zehnkampf: 1. Sieg Marta Becker, Tv. 1346 Gießen, 186 P.; 2. Hansi Stühler, Mtv. Gießen, Elisabeth Langsdorf und Rosa Wolf, Tv. 1860 Bad-Nauheim«' 179 P.: 3. Erna Althaus und Liselotte Hnver- zagt, Mtv. Gießen 177 P.: 4. Elisabeth Leuning und Anni Pfund, Tv. 1846 Gießen und Elfriede Erk, Tv. Nidda 172 P.: 5. Anna Schmidt, Tv. 1846 Gießen, 169 P.: 6. Mariechen Kirschenstein. Tv. Hungen, 168 P.: 7. Erna Braun, Mtv. Gießen, Ria Philipp Tv. 1846 Gießen, Luise Zoll Tv. Nidda, 167 P.: 8. Erna Luh, Mtv. Giehen, 166 P.: 9. Mariechen Liese, Tv. Hungen, 165 P.: 10. Elli Weiß, Mtv. Gießen 164 P.: 12. Elfriede Weller, Tv. Klein-Linden, 162 P.: 13. Mathilde Koch und Marie Weiß, Tv. 1846 Gießen, 161 P.: 14. Leni Schmidt, Tv. Hungen und Greta Walter. Tv. Nidda, 160 P.: 15. Gertrud Gerlach, Tv« Krofdorf und Irmgard Wcrle, Tv. Nidda, 159 P.; 16. Sophie Wagner, Tv. Nidda, 158 P-: 17. Gertrud Schmidt, Tv. 1846 Gießen, Emilie Rinn, Tv. Heuchelheim Else Eckhardt. Tv. Nidda 157 P.: 18. Emmi Malinowski, Tv. Klein-Linden, Kätha Stauf, Tv. Grünberg, 156 P.: 19. Luise Jockel, Tv. Hungen, Else Müller, Tv. Grünberg, Johanna Walter, Tv. Nidda. 155 P.: 20. Emilie Drollsbach, Tv. 1846 Gießen. Frieda Volk, Tv. Klein-Linden, 154 P.: 21. Gertrud Zimmer, Tv« Lich. 153 P.: 22. Netti Dleitgen, Tv. Nidda. Hilde Sühkind, Tv. Krofdorf, Ottilie Hahn und Else Fink, Tv. Klein-Linden. 152 P.: 23. Luise Debus und Else Hamel, Tv. 1346 Gießen, 151 P.; 24. Toni Hardt, Tv. 1816 Gießen, Marwil Peters, Mtv. Gießen, 150 P; 25. Agnes Schneider, Tv. 1846 Gießen, 149 P.: 26. Emilie Schäfer, Tv. Hungen. 148 P.: 27. Anna Mattem, Tv. 1846 Gießen, Gretel Müller Mtv. Gießen, 147 P.; biet beschäftigt und gibt sehr bedeutsame Fingerzeige. „Der chinesische Kuli", schreibt er, „befördert schwere Lasten, indem er sie auf zwei Gepäckstücke verteilt und sie an den Enden einer lange« Stange befestigt, die er auf den Schultern trägt So kann er die Last am besten verteilen. Auch der moderne Reisende kann sein Gepäck oief leichter selbst befördern, wenn er es anstatt in einen schweren Koffer in zwei leichtere Koffer verteilt. Zum Heben großer Gewichte ist Geschicklichkeit viel wichtiger als Muskelkraft. Man sieht manchmal einen Gepäckträger ohne Schwierigkeiten mit einem Koffer hantieren. der dreimal so schwer ist wie fein Gewicht. Er weiß eben, die richtigen Muskeln dabei in Tätigkeit zu setzen. Die kräftigsten Muskeln an unferm Körper sind die Muskeln des Oberschenkels. Sie sollten beim Heben so viel wie möglich verwendet werden. Auch die Schultern können benutzt werden. Ganz falsch ist es. wenn man sich bückt und die Anmnuskeln, die nur von dem Rücken uitterstützt werden, verwendet. um eine schwere Last zu heben, denn das Gewicht ist bann am Ende eines langen Hebels, der von den Annen gebildet wird. Hm eine Last zu heben, muß man den Rücken ganz grade halten, dann den Gegenstand ergreifen und Heraufziehen. wobei die ganze Hebungsarbeit von den Beinen besorgt wird. Man halte eine Last so eng wie möglich an den Körper. Wenn sie Dom Körper entfernt ist. so muß man nutzlose Mehrarbeit leisten. Ein Handkoffer wird bequemer getragen, wenn man den Arm im Ellbogen beugt, so daß die Muskeln des Hnterarms nicht die ganze Last tragen, sondern die des Oberarms mit teilnehmen. Der erfahrene Gepäckträger strengt niemals seinen Rücken an. weil das keinen Zweck hat: er benutzt stets die Schenkelmuskeln. die dafür am geeignetsten sind." Der Professor faßt feine Studien in folgende Regeln zusammen: „1. Halte das Gepäck beim Heben nahe an den Körper. 2. Benutze hauptsächlich die Dein- unb Schenkelmuskeln. 3. Teile die Last und ba^ lanciere sie aus. 4. Denke daran, daß ein kleiner Fehler beim Heben den ganzen Körper schädigen kann." 28. ©ffriebe Fischer und Grete Meurer. Tv. 1&46 Gießen. Hedwig Fleischer, Tv. Ridda, 2mma Lein, Tv. ®runberg 146 P.i 30. Käthe Barth, Tv. Heuchelheim, 144 P.- 31. Liefet Hofmann, Mtv. Gießen, Lucie Zerbe. To. 1846 Gießen, Anneliese Dirlamm, Tv. Hungen, 143 P.; 32. Frieda Krüger, Tv. 1846 Gießen, 142 P.: 33. Agnes Koch und Liesel Lichtenfels, Tv. Grünberg, 141 P.; 34. Paula Graubner, Tv. Grünberg, 140 Sts.; 35. Käthe Preiß und Marie Reh, Tv. 1846 Gießen, 138 36. Elisabeth Weigel. Mtv. Gießen, 137 P - 37. Elli Leinberger, Tv. Heuchelheim und Anneliese Wollrab, Tv. Grünberg, 136 P - 39. Hanni Marquardt. Tv. 1846 Gießen. 134 P.; 40. Mariechen Siek, Tv. Grünberg, 133 P.. 41. Hermine Obmann, Mtv. Gießen, Lucie Scheel Tv. 1846 Gießen, Bertha Feldmann, Tv. Grünberg, 132 P. Breitensträier schlägt Young knock out. Hamburg. 1. Sept. (TU.) Gestern abend sand hier der mit Spannung erwartete Boxkampf zwischen dem früheren deutschen Schwergewichtsmeister Hans Dreitensträter <162 Pfund) und dem englischen Schwergewichtler Fred Poung (164 Pfund) statt. Es gelang Breiten- *tröter, der seinem Gegner sofort scharf zu Leibe ging, bereits in der dritten Runde knock out zu schlagen. Der Engländer konnte sich von dem ihm beigebrachten rechten Haken erst geraume Zeit nach der Auszahlung erholen. Die erste Etappe der A.D.A.C.-Reichsfahrt. Heiligendamm, 31. Aug. (TU.) Llach Zurücklegung der ersten und schwierigsten Etappe der ADAC.-Reichsfahrt von Braunschweig über Hannover. Linden, Bremen, Hamburg, Heide, Husum, FlenSburg. Kiel, Lübeck nach Bad Heiligendamm mit etwa 850 Kilometer trafen gegen 11 Tlhr vormittags Erisp (Frankfurt a. QM.) auf Stoewer und Werder (Frankfurt a. M.) auf Amilcar mit weitem Vorsprung vor den übrigen Teilnehmern hier ein. Bis 4 4Ihr nachmittags waren 83 Wagen am Tagesziel angelangi. Größtenteils haben sie die Strecke ohne Strafpunkte zunäckgelegt. Oberhessen. Lauvkreis Gictzcn. t Londorf, 30. Aug. Unser diesjähriges Mifsiousfest sand gestern wieder im Walde bei Allertshausen statt. Nachdem >chon im Vormittagsgottesdienst Mis'ionar Walter über das Licht, welches die Mission in die Heiden- länder bringt, gepredigt hatte, sprachen im Waldgottesdienst des Rachmittags der Schriftsteller Heinrich QI a u m a u n, Ranzhausen, über die rechte christliche Gemeinschaft in Hous, Familie, Gemeinde, Volk und Vaterland, und Missionar Walter, Q3euern, erzählte von seinen Erlebnissen in Kamerun. Die Vorträge wurden von zwei sein empfundenen Ehören deS hiesigen Kirchengesangvereins, einigen gemein- sam gelungenen Chorälen der zahlreich Qkr» sammelten und der Kapelle des Posaunen- chores Oppenrod, die sich dantenswerter- incife zur Verfügung gestellt hatten, umrahmt. Pfarrer Hofmann von hier sprach zum Schluß ollen Teilnehmern und Mitwirkenden herzlichen Dank aus. : Hungen. 31. Aug Am Samstag fand im „Solmser Hof" eine Konferenz des Bezirkslehrervereins Hungen statt. Rach der Begrüßung durch den Vorsitzenden wurde in der üblichen Weise des Qlblebens eines Mitgliedes, des Lehrers i.R. Ruckelshausen, gedacht. 3m Mittelpunkt der Tagung stand ein Referat des Lehrers Schmidt-Hungen über die Methodik des neuzeitlichen naturgeschichtlichen Unterrichtes. Er wies zunächst an Hand des neuen Lehrplanes, sowie der neuen preußischen Richtlinien die neuzeitlichen Forderungen dieses Unterrichtsfaches auf: Die Erfassung von Tier und Pflanze in ihren wirklichen Lebenszusammenhängen, stärkere Betonung der heimatlichen Ra- tur a. a. Die weiteren Ausführungen galten den neueren methnischen Bahnen, die durch diese Forderungen bedingt sind. 3n der Aussprache wurden noch manche praktischen Winke gegeben und vor allem darauf hingewiesen, daß nunmehr der Lehrer selbst eine größere Vertrautheit mit Sturm in Schmalebeck Roman Din Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b. H., Berlin. 11. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Ich denke, ganz wunderherrlich, liebes Kind. Gerade so wie der Wandsbeker Bote singt: Am Rhein, am Rhein, da wachsen unsre Reben, gesegnet sei der Rhein —" Ein kleines Lächeln: „Ich werde sie in diesem Leben nicht dort wachsen sehen. Wir — aber das sag' ich nur dir ins Ohr, kleine Ilse — wir kamen nur bis Hamburg. Da haben wir schöne Tage an der Elbe verlebt. In Nienstedten. — Ja — War für alte Leute auch sehr nett. Wenn man in den Sechzigern ist, tut es auch die Elbe, es braucht nicht mehr der Rhein zu sein." „Ach", sagte das Mädchen nur leise, und etwas Wehes war in ihr. Resignation! — So sah die aus! — So gütig, ein bißchen heiter, ein bißchen schwer- mülig---Lieber Gott, vierzig Jahr' gewartet haben auf die Rheinreise mit der Geliebten, und dann bleibt man zehn Meilen von daheim sitzen, und irgendwo in weiter Ferne braust der schöne, stolze Strom. Und man kehrt zurück und läßt die Glocken singen: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud' —" „Es war da ein nettes, kleines Wirtshaus", er- zählte der Kantor. „Wir bekamen zwei saubere Zimmerchen. Ich unten im Hause, die beiden Damen oben. Und alles war sehr idyllisch. Die Hühner flogen uns auf den Tisch, wenn wir Kaffee tranken. Die Eier waren frisch aus dem Nest, die sie uns da lochten. Und wenn wir ein Stückchen die Straße hinginnen, kamen wir an den Deich und konnten den Fluß hinuntersehen. Da gehen jetzt Dampfschiffe. Das war recht interessant. — Ja. — Ja. — So, und wie ist es inzwischen mit Schubert ge- gangen? Fleißig geübt ? — Singen wir erst einmal einige Tonleitern." Er schlug leise an: „Do, re, mi, fa, sol ----— Famos, famos! Die Stimme sitzt ä la merveille. Sie ist em gottbegnadetes ftreatürdjen, kleine Ilse." Hanse lauschte vom Garten her, wie die zwei musizierten. Kleine Ilse! Wer sie singen hörte, konnte nicht glauben, daß ein zierliches zwanzigjähriges Mädchen am Klavier stand. So tief und voll war die Stimme, so voll Ernst und Hoheit. Die Winterreise, die so selten von einer Frau gesungen Werber heimatlichen Ratur brauch! Deshakb will der Verein künftig öftere Erkursionen veranstalten Am Schlüsse wurden noch schulpolitischr Fra- gen erörtert. : 3nHeiden, 31. Aug. 3n unserem Dorfe macht sich immer mehr der Mangel einer Ä a nalisation geltend. Eine große Anzahl Häuser hat während der nassen Jahreszeit regelmäßig Wasser in den Kellern, der neue Schulhof wird zeitweise ganz grundlos. Auch die Provin- zialverwaltung drängt zur Anlage der Kanalisierung, da ihr hohe Unkosten durch die Ausbesserung des Rohrnetzes der Wasserleitung entstehen, für dessen Unterhaltung die Provinz aufkommen muh. Durch die starke Bodenfeuchtigkeit wird die Schädigung der Rohre, die an und für sich in unserer Gegend infolge der chemischen Zusammensetzung des Bodens bedeutend ist, noch erhöht. Man beabsichtigt daher, im kommenden 3ahr die Kanalisierung vorzunehmen, zumal man hofft, dafür die Erwerbslosenfürsorge in Anspruch nehmen zu können. Auch dürste Wohl die Provinz Geldmittel für diesen Zweck vorschießen ^rcis Aricdbcrg Friedberg, 31. Aug. Der Friedberger Herbstpferdemarkt findet am 26- Oktober in Verbindung mit einer Prämiierung statt. Bei der Prämiierung werden der Landwirtschastskammer-Ausschuß für Oberheflen, der Wetterauer Reiterverein, der Verband her Warmblutzüchter Hessens Mitwirken. Von der Stadt Friedberg, der Landwirtschaftskammer und den anderen Korporationen stehen namhafte Preise zur Verfügung. Aus Anlaß des Marktes soll auch eine Ausstellung von landwirtschaftlichen Geräten veranstaltet werden. * Bad-Rauheim, 31. Aug. Hier weilte zum 40. Male der Oberstudiendirektor a. D. Dr. Aschermann aus Soltau. Die Kurverwaltung ehrte den treuen Gast mit besten Wünschen und Einern Blumenarrangement. Auch im Eleo» noren-Holpiz Bad-Rauheim wurde des 3ubl- läums freudig gedacht, wohnt Dr. Aschermann doch schon seit zwanzig 3ahren regelmäßig in diesem Hause. pb. Butzbach, 31. Aug. Gestern mittag kurz nach 1 Uhr ertönte zweimal kurz die Feuer- j i r e n e , zum Zeichen, daß die hiesige Freiwillige Feuerwehr nach auswärts zur Hilfe verlangt wurde. In Rockenberg war bei Landwirt Landvogt, vermutlich durch Funkenflug der Dreschmaschine, Feuer ausgebrochen, und man hatte die hiesige Motorspritze angefordert. Nach etwa 15 Minuten rückte die Spritze ob, trat jedoch in Rockenberg nicht in Tätigkeit, da das Feuer bereits durch die Ortswehr unterdrückt war. 1) . Wölfersheim, 31. Aug Gestern ereignete sich an einer der hier tätigen Dreschmaschinen ein s chwerer Unfall Als der aus Münzenberg stammende Motorsührer M. an der Strohpresse einen Schaden abstellen wollte, geriet er mit der einen Hand in ö i e Presse und wurde dabei derart verletzt, daß er nach Anlegung eines Rotoervandes ins Krankenlxms in Friedberg verbracht werden mußte. 00 Aus der We11erau, 31. August. Der Raubwürger, auch blauer oder großer grauer Würger (Neuntöter) genannt, kommt in der Wetterau noch häufig vor. So konnte u. a. im letzten Sommer ein Paar an der Straße bei Staden beobachtet werden, das scheinbar in einem der an der Straße stehenden Obstbäume nistete. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Ungeziefer, so daß er in Baumanlagen, die er als Nistorte bevorzugt, nützlich ist, wenn er auch gelegentlich einmal ein junges Vögelchen erwürgt. Kreis Vüdingen. A Ridda, 31. Aug. Gestern wurden hier die frühen Sorten der städtischen Dirnen versteigert. Die meisten ‘Säume zeigten reichen Behang, doch waren verhältnismäßig toeirig Steigliebhaber erschienen und daher die Preise niedrig. Der Zentner Honigbirnen kam durchschnittlich auf 1,50 Marn der Zentner Speisebirnen auf 3 Mark am Baume zu stehen. Die späteren Sorten, meistens Wintertafelbirnen, sollen bei der städtischen Aepfelversteigerung erst mitverkauft werden. - Die Aepselernte fällt in unserer Gemarkung nur mäßig aus. Die meisten Bäume der sehr großen Obstanlagen der Stadt liefern diesmal keinen Ertrag Id. Aus dem oberen Ridba 1 al, 31. Aug. Durch das herrliche Hochsommerwetter begünstigt, schreitet die G r u m m c t c r n t c rasch vorwärts. Rach Menge und Güte fällt sie ganz den kann, schien geradezu geschaffen für diesen tiefen und doch so weichen Alt. Hanse pflückte die ersten Johannisbeeren, die in diesem warmen Sommer sehr früh reiften. Irgendwo in der Gartentiefe hörte sie die Stimme ihres Jungen. Er rief mit'einem Kuckuck um die Wette. Sommerlich froh klang es zwischen dem Buschwerk her. Und dann wieder aus dem Hause der Gesang. Sonst kein Geräusch. Friedlich war es in Schmale- beck. Nicht einmal das Rumpeln eines Wagens kam von der Straße her. Einmal ging die Hausglocke, da kam wohl der Schwiegervater von seinem Morgenspaziergang heim. Dann war es also bald zwölf Uhr, den der alte Herr war sehr pünktlich. Der Kantor fand heute kein Ende. Jetzt saug Ilse den „Wegweiser". Hanse richtete sich auf von ihrem Beerenbusch, stand unbeweglich und fühlte jeden Ton und jedes Wort in tiefster Seele. Wer gab dem Kinde das Empfinden für die dunkle Tiefe dieses Liedes? Für dies Lied der Lebensmüden, der Einsamen, der Weltverlassenen? — Lag — ihr selber unbewußt — noch das Leid des Kindes um die verlorene Mutter in ihr? Waren damals dunkle Tage für das kleine zärtliche Geschöpf gewesen, die lange in Vergessenheit versanken und die doch in solchen Augenblicken des Gehobenseins aufwachten und in Wort uno Stimme hineinklangen? Der alle Kantor saß eine Weile still und sann dem Liede nach. Es war nicht so einfach, Musikunterricht in Schmalebeck zu geben. Die Gesangstunden im Doktorhause waren Oasen in einer großen Wüste. Endlich stand er auf, strich Ilse über die Hand und sagte väterlich zärttich: „Vor dir liegt noch eine lange helle Straße, Ilsebill. So lang und — will's Gott^— so hell, daß man nicht einmal die Schatten der Ferne ahnt. Und unsereiner, der schon das große Dunkel sieht, der hat keine Furcht mehr vor ihm. So schafft der gütige Himmelsherr seinen armen Menschenkindern immer den Ausgleich." „Und die gehen müssen, ehe sie die Angst vor der Dunkelheit überwunden haben? So wie meine Mutter gehen mußte?" „Auf die wartet im ewigen Garren der hellste Fleck, und ihre Engel stehen dem Thron des Herrn am nächsten. Die jung gehen dürfen denen ist viel vorzügUck aus ko daß es vielen Landwirten möglich sein wird, den Ausfall der Einnahmen aus der Obsternte durch den ©erlauf von Heu einigermaßen auSzugleichcn. - Ausfallend groß ist der Preisunterschied beim Verkauf der F r ü b b i r n e n. Während Eßbirnen etwa 15 Pf. das Pfund kosten, stellen sich frühe Honigbirncn bei Versteigerungen höchstens aus 1 Pf., da der Vogelsberger eben zum Honiglochen keine Zeit bat. weil die Sonnentage zum Heimsahren der Frucht und für die Grummeternte ansgenüht werden müssen. L_ Echzell. 31. Aug. Gendarmerie- Wachtmeister Schneider, der sieben 3obre an hiesiger Station tätig war. wurde als StationSsührer nach Homberg a. d. 0. verseht. Blofeld. 31. Aug. Hier st a r b der letzte Veteran von 1870 71, 3akob Klotz, im Alter von 78 3ahren. Mrcie Schotten. ,~l ßaubad). 30. Aug. Sonntag sand eine Kirchenvisitation durch Oberkirchenrat Wagner, den Superintendenten der Provinz Oberhessen. statt. 3n der gefüllten Stadtkirche hielt Pfarrer Rebel den Altardienst ab. Dekan Vvlp predigte über „Kommt her zu mir, ihr Mühseligen und Beladenen." Sodann hielt Oberkirchenrat Wagner eine Ansprache unter Zugrundelegung des Textes: Gehet hin und tuet desgleichen!", worin er die Pflichten eines Cbristenmenschen ausführte unb der mancherlei Erinnerungen gedachte, die ihn mit Laubach verbinden (er ist Ostern 1888 vom hiesigen Gymnasium abgegangen). Der gutgeschulte Kirchenchor. geleitet von Oberreallchrer Gerhardt, verschönte den Gottesdienst durch verschiedene erhebende Gesänge. Am Rachmittag sand Prüfung der Schüler in der christlichen Lehre statt. Gestern fand eine außerordentliche Hauptversammlung des hiesigen Vereins für Geflügel- und Kaninchenzucht (Vorsitzender: Bäckermeister Pitz) statt. Der Verein hat sich in letzter Zeit gut entwickelt, er zählt über fünfzig Mitglieder und gehört dem ober-- hessischen Verband und dem Landesverband an. Zur Beratung kam die Anschaffung von Au s st e ll u n g s?äf i g e n: zur Bestreitung der Kosten dieser Anschassung beschloß man die Ausgabe von Aktien.. Außerdem sand die Abgabe von Fußriagen für Geflügel statt. - Weiter erfolgte gestern innerhalb des Krieger- und Militär-Vereins die Verteilung der Preise für das Preisschießen der Vereinsmitgliedei-. Den ersten Preis erhielt StudiosuS Roßbach, den zweiten Landwiri Hermann Desck. den dritten 3nstallateur Döll: den Preis auf der Ehrenscheibe errang Kaufmmm S. Heinern a n n. Ärcis Lauterbach. Lauterbach. 31. Aug. Zu der großen landwirtschaftlichen Aus st eil u n g , die vom 25. bis 27. September in der Spieß- Turnhalle und auf dem umliegenden Gelände stattfindet, treffen die Stadt Lauterbach und die Landwirtschaftskammer große Vorbereitungen. Die Ausstellung verspricht sehr reichhaltig zu werden, denn es find namentlich aus dem Ge- biete der Viehzucht, die dcr Hauptzweig der Landwirtschaft im Vogelsberg ist, sehr viele 2111« Meldungen eingelaufen. Die Ausstellung wird in 11 Gruppen sämtliche Gebiete der Viehzucht, des Ackerbaues, des Obstbaues, der Bienenzucht, der Milchwirtschaft. Maschinen. Geräte und Hilfsstoffe. sowie wissenschaftliche Arbeiten umsassen. Als Eigenart des VogelsbergeS wird die Ausstellung in Gnippe Obstsorten Hasel- und Walnüsse zeigen, sowie in Gruppe wissenschaftliche Arbeiten Hutweidenverbesserung, Grünlandgewinnung und Meliorationsversuche. Starkenburg. WSR. Da r m st a d t, 31. Aug. Bei dem im 3ahre 1923 in Darmstadt gegründeten Zirkus Geschwister Birkeneder sind in diesem 3ahre größere ilnterfcblagungen borge* kommen, die sich auf ungefähr 20 00*0 Mark belaufen. Die beiden ungetreuen Angestellten darunter ein Darmstädter, wurden verhaftet. Rheinhessen. WS2i. W o r m s, 31. Aug. Ein blutiges Ende nahm die gestern in E i ch bei Worms abgehaltene Kirchweihe. Als sich das Ehepaar Staub und Lärm und Streit und Neid erspart, liebes Kind." Er nahm Hut und Stock und ging. Ilse sah ihm vom Flurfenster nach, wie er die Straße hinunter und vom Markt abwärts in feine kleine Gasse hineinwanderte. Nun wurde er wieder das Glockenspiel ziehen. Mittagsläuten. Und seine stillgewordene Seele hörte hier auf Erden schon Harmonien, die einmal in einem Jenseits noch tausendmal herrlicher Hingen würden. Der Großvater hatte von ihm erzählt, wie er vor langen Jahren in die Stadt gekommen. Ein armer Offizierssohn, der zur Musik gegriffen, weil ihm das Studium unmöglich war. Und weil er seine Kunst liebte. Schmalebeck sollte die erste Station der großen Lebensreise jein. Schmalebeck aber war das ganze Leben geworden. Ein Schauer überflog das Mädchen. Nur nicht so steckenbleiben in der Enge. Nur nicht immer diese kleinen Straßen, diese niedrigen Häuser, diese her zensguten und so arg befcf)iäntten Mensck>en. Hanse war ein Mensch voll Kraft und Frohsinn unb tausend Gedanken, die andere Frauen nie dachten. Aber auch Hanse ließ manches Mal die Augen finken und stöhnte auf: „Schmalebeck erwürgt mich." Ein Geräusch, als ginge jemand im Wohnzimmer hin und her, ließ sie aufhorchen. Wer ging ba9 Sie schritt schnell zur Tür unb sah in die Stube. Ein dunkler Herr in grauem Gehrock, stattttch gewachsen, wenn er auch den Vater nicht erreichte, wandte sich — im Gehen einhaltend — zu ihr herum. Dunkle Augen sahen sie fest und sondierend an, Iuristenaugen. Sie prüften den Menschen mit dem ersten Blick auf fein moralisches Soll und Haben. Dies hübsche, sierliche Kind konnte nur Wohi gefallen erregen. Der Fremde verneigte sich und jagte: Fräulein Rottmann? — Rechtsanwalt Raben. — Aus Hamburg. Ich wollte mir erlauben, Ihren Eltern meinen Besuch zu machen. Das Mädchen sagte mir, Ihr Herr Vater würde sogleich erscheinen." „Unsere Meta? Verzeihen Sie, Herr Rechtsanwalt, die ist sehr töricht. Sie hat es noch nicht gelernt, einen Unterschied zwischen Besuchern unb Patienten zu machen, und da mein Vater Krankenbesuche macht — — —" Man hörte draußen die Glocke gehen. „Das wird er aber fein. Wenn Sie noch einige Minuten Zeit haben —" Georg Muth nachts um 1 43 Lützellinden, 31. August. Das diesjährige Kleinkinderfest sand am Sonntag auf dem gewohnten Platze statt, auf welchem man später ein eigenes Kleinkinderheim zu errichten gedenkt. Pfarrer Koch leitete das Fest durch eine Ansprache ein. Die Kleinen trugen Verse und Gedichte vor und erfreuten sich an Sang und Spiel unter Leitung der Schwester R ü h l. Zur Verschönerung der Feier trugen der Gemischte Chor unb der Posaunenchor durch Gesang- unb Musikvorttage bei. Nach Beendigung des Festes kamen Brezeln an die Kinder zur Verteilung. <> Großrechtenback, 31. August. Die hiesige Landjäger st eile ist vom 1. September ab dem Oberlandjäger Simon zu Kraftsolms übertragen worden. <> Aus dem Hüttenberg, 31. August. Eine f t b r alte Sitte hat sich in den Gemeinden des H ü 11 e n b e r g s bis auf uen heutigen Tag erhalten: Wenn ein junges Paar heiratet unb nach der stattgefundenen Eheschließung vom Standesamt — meist mit Pferd und Wagen — zurückkehrt, läßt es sich die Dorfjugenb, darunter auch die Schutt kinder, nicht nehmen, das Paar burd) Vorhalten langer Stangen, Querfpannen von Seilen usw. zu „hemmen". Der Bräutigam zeigt sich bann durch kleinere Geldgeschenke erkenntlich, bie von ben Schutt lindern sofort in Zuckersteine usw. umgesetzt werden: junge Burschen kaufen sich für das „Hemmgeld" Rauchwaren oder trinken dafür Bier. Oft kommt „Stören möchte ich nicht. Ihr Herr Vater wird ermüdet sein." Sie huschte hinaus, rief ben Vater, lief in bei Garten. „Du, Muttel, liebste, drinnen ist ein feiner Herr. So einer, wie er sich nur alle sieben Äahre einmal nach Schmalebeck verirrt. Er will dir seine Aufwartung machen. Unser Trampel hat ihn in die Wohnstube gesetzt und da sitzen taffen." „Thomas Raben", sagte Hanse, und das Herz tat doch einen kurzen Ruck. „Raben. Ja, das war der Name. Wußtest du, daß er kommen würde?" „Es war anzunehmen. So, er ist also drinnen. Trag' die Beeren hinein. Kind. Ich will ckir nur die Hände waschen." Einen Augenblick vor ihreyi Manne trat sie in das Zimmer. Der Besucher, der ihr seit einer Viertelstunde enlgegenroartete, jah keine Erregung in den freundlichen Zügen. „Thomas. — Herzlich willkommen. Was führt denn dich einmal nach Schmalebeck?" „Eine geschäftliche Angelegenheit. Und da sie sich nicht in einigen Tagen erledigen wird — ich werde häufig herfahren müssen —, sagte ich mir, ich wollte doch an eurem Hause nicht vorubergehen." „Das hätten wir dir auch nicht vergeben. Wie geht es zu Hause bei euch?" „Danke. Wie jo das Leben geht. Meine Schwestern sind verheiratet. Mein Vater seit fünf Jahren tot. Die Mutter lebt mit mir zusammen, aber sie kränkelt. Sie ist ja auch den Siebzigern naher als den Sechzigern. Aber du kennst sie ja, kein Mädchen kann es ihr zu Dank rechnen." „Du solltest ihr eine Tochter geben.“ Er sah sie eint Sekund« prüfend an, dann hinaus in den Garten. „Ich habe wenig Zett. Morgens m das Bureau, zum Eßen nach Haufe, bann wieder in die Stadt, unb abends sitzt man über den Akten. So gehen die Tage hin. Geselligkeit? — Die wenigen alten Freunde, die uns damals treugeblieben sind, und die Klienten, mit denen man einmal hkxr und da frühsttickt---damit ist der Beck^hr zu Ende." „Gönnst du dir nie geriepT* (Fortsetzung M*) es auch vor, daß der Fuhrmann den „Hemmenden" ein Schnippchen dadurch schlägt, daß er, wenn das Zeil oder die Stange fallen gelassen ist, die Pferde schnell ins Laufen bringt, so daß die Gratulanten, wie man sie wohl auch nennen kann, das Nachsehen haben. 00 Münchholzhausen, 31. August. Am Sonntag wurde nach langer Zeit zum ersten Male wieder ein Missionsfest hier abgehalten. Es wurde von dein Ortspfarrer Lic. Müller, Dutenhofen, eingeleitet. Im Festgottesdienst sprach Missionar L o m b e ck, Honnef. In der Nachversnmm- lung schilderte Missionar Bär, Großrechtenbach, seine Missionserlcbnisse in China. Anschließend gab Missionar Low deck. der lange Jahre auf Sumatra in der Missionsarbeit gestanden hat, noch einige anschauliche Bilder über Nacht und Finsternis des Heidentums. Mit Gesang- und Musikvorträgen verschönten der Posaunenchor und der Gemischte Chor von Dutenhofen die Feier. Ein Chor von Breitscheid (Westerwald), der einen Ausflug nach Dutenhofen unternommen hatte, bot ebenfalls einige schöne Gesangsvorträge. Das Fest war, begünstigt durch das gute Wetter, zahlreich besucht und nahm einen recht schönen Verlauf. — Es soll nach langer Unterbrechung von jetzt ab wieder jedes Jahr gefeiert werden. Das erste Missionsfest fand vor 40 Jahren unter Leitung des Pfarrers S ch o n e b a u m, Lützellinden, statt. Dillkrcis. bl. Dillenburg, 31. Aug. Ql ach dem Stande vom 28. August befinden sich im Kreise 1388 männliche und 31 weibliche Vollerwerbslose. An Zuschlagsempfängern sind 2224 Personen vorhanden. Bei Notstands- arbeiten werden rund 400 Personen beschäftigt. Die Gesamtzahl ist gegenüber der Vorwoche um 80 Personen gestiegen. d. Drei 1 scheid, 31. Aug. Hier wurde in der Tongrube der W e st c r w ä l d e r Tonin d u st r i e ein seltener fossiler Knochens und gemacht. Ungefähr 21/4 Meter unter der Oberfläche kamen auf einem Raum von 40 bis 50 Zentimeter Breite, 25 bis 30 Zentimeter Höhe und bisher 2 Meter Länge in horizontaler Lage, in Lett und Ton eingebettet, mehrere starke Knochen, daruirter ein halber Oberschenkelknochen und starke Rippenstücke zutage. Bei angeordneter Aufmerksamkeit sand sich auch der Kopf, nur an den Zähnen kenntlich, da der Schädel vollständig vergangen war. Die Zähne sind etwa 30 Milli- meter breit und 40 Millimeter lang. Die Stärke der Knochen und Zähne schließt menschliche Herkunft aus. Ein Teil der Knochen, der im blauen Lett lag, ist tief blauschwarz und brüchig, ein anderer Teil aus dem weißen Ton ist weiß und fast steinhart. Die tiefe Einbettung im Ton dürfte auf die vorvulkanische Periode hindeuten. Kreis Westerburg. 00 Westerburg, 31. August. An einer Ecke der hiesigen Hauptstraße kamen mittags ein Auto und ein Radfahrer in Kollision. Dank der Umsicht und Geistesgegenwart des Kraftwogenführers ist nur Materialschaden entstanden. An dem Auto ging ein Scheinwerfer in Trümmer, während an dem Rad das Hinterrad und Rahmen gänzlich verbogen waren. — Die B u r s ch e n w o ch e in Westerburg muß infolge der Vorbereitungen für die Burgweihe durch den B. D. I. (Bund Deutscher Jugend) um einen Tag gekürzt werden. Sie wird also mit dem 1. September ihr Ende nehmen. Am Freitag sprach Stadtvikar Grünnagel (Alemannia, Bonn) über das Thema „Christentum und Politik", während der Samstag burschenschaftlichen Sonder- fragen gewidmet war. An beiden Tagen fanden Sportwettkämpfe, am Samstag die Aus- jcheidnugskämpfe statt, die im allgemeinen zugunsten ' von Allemannia, Bonn, entschieden wurden. Mit besonderer Spannung verfolgte die Westerburger 1 Jugend die sportlichen Fechtübungen, in denen sich •g die Mitglieder der Bubenrellthia, Erlangen, und der Arminia aus dem Burgkeller (Jena) auszeichneten. \ Der Samstag war für Westerburg insofern ein Ereignis, als zum erstenmal den Bürgern eine studentische Kneipe vorgeführt wurde. An der Kneiptafel war auch der Landrat des Kreises Westerburg Dr. Schieren erschienen: Generalsekretär Dr. Schütz (Arminia auf dem Burgkeller) führte in eindringlich ernster Rede den Burschen noch einmal die vaterländische Not vor Augen, die zu 'meistern in erster Linie die Burschenschaft berufen sei. 00 Seck, 31. August. Hier brannte das Wohnhaus des Landwirts Wilhelm Jung nieder. Dem schnellen und tatkräftigen Eingreifen der Feuerwehr ist es zu danken, daß die anliegenden Häuser und Gehöfte nicht ebenfalls ein Raub der Flammen wurden. Der Brandschaden ist durch Versicherung voll gedeckt, lieber die Entstehung des Brandes herrscht völlige Unklarheit. Maingau. WSR. Frankfurt a. M.» 31. Aug. Der Magistrat hat einem Programm für Rot- standsarbeiten zugestimmt, das insbesondere Kanal-, Hafen- und Drückenbau, sowie Wasserbauarbeiten vorsieht, und das zur Ausführung kommt, sobald Regierungsseitig die beantragte Förderung durch Zuschüsse und Darlehen gefördert ist. Es handelt sich um Arbeiten im Umfange von rund 900 000 Mark, mit denen etwa 250 Erwerbslose beschäftigt werden können - Der 26 Jahre alte Ernst Hartl, Koselstr. 50 wohnhaft, unternahm am Sonntag mit einem Freunde einen Ausflug in den Taunus. Rach dem Genuß von Wurst und Obst und Aepfelwein verspürte Hartl große Schmerzen im Leib. Er ging in Königstein zu einem Arzte, der ihm auch ein Mittel verordnete. Auf der Fahrt nach Frankfurt wurden die Schmerzen immer heftiger, so daß sich Hartl sofort ins Krankenhaus begab, wo er gestern gestorben ist. Auch sein Freund ist erkrankt, doch bestehl bei ihm keine Gefahr. Heber die Ursache der Erkrankung muh erst die ärztliche Sektton Aufschluß geben — Der 26 Jahre alte Sohn des Sanitätsrates Dr. Ferdinand Kahn, Dr. med. Wakker Kahn, war seit einiger Zeit als Vertreter eines Arztes in Langenbrücken tätig. Anfangs voriger Woche hatte er eine Operation vorzunehmen. Er hatte eine kleine Wunde an der Hand und infizierte sich dabei. Rach viertägigem Krankenlager verstarb er. In Fachkreisen wird das Hinscheiden des jungen hoffnungsvollen Arztes allgemein bedauert. — In der Saalgasse versuchte gestern abend gegen 7 Hfjr ein Mann feine Frau aus dem F e n st e r z u werfen. Rachdem sich eine größere Menschenmenge angesammelt hatte, ließ er von seinem Vorhaben ab. — Am Sonntagabend zwischen 7 und 8 DIhr mietete eine Bank-- gehilfin bei einer hiesigen Bootsverleilan- stalt am Main ein Ruderboot. Als sie gegen 9 Hhr nicht zurückgekehrt war, wurde der Main nach ihr abgesucht. Das Boot wurde am Montagmorgen am Eingang des Osthafens an einem Schiff angefunden, aufgefunden. Von dem Mädchen fehlt bis jetzt jede Spur. — Gestern nachmittag entstand in der Fahrgasse eine größere Schlägerei, die sich nach der Schnur- gaffe hin fortsehte. Zwei Frauen wurden mit Schlagringen n iedergeschlagen und erheblich verletzt. WSR. Gelnhausen, 31. Aug. Bei einem Gewitter schlug der Blitz in Lieblos in den Arbeitsraum des Mehgermeisters Kalbfleisch, als alle Gesellen darin beschäftigt waren. Von den Anwesenden, die alle einen starken elektrischen Schlag erhielten, wurde ein 21- jähriger Mehgergeselle derart getroffen, daß er Krampfanfälle bekam und in das Hanauer Landkrankenhaus geschafft werden muhte. Wirtschaft. - Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten im QI u g u ft. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „Sonstiger Bedarf") ist nach den Feststellungen des Statisttschen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats August mit 142,5 gegen 142,4 im Vormonat nahezu unverändert geblieben. Innerhalb der Ernährungsausgaben wurden Steigerungen bei einigen Rahrungsmit« leln durch das weitere Rachgeben der Gemüse- Preise fast ausgeglichen. Die Ausgaben für die Wohnung haben im Reichsdurchschnitt wieder leicht angezogen. Der Rückgang der Bekleidungsausgaben hat sich fortgesetzt. *J. G. FarbenindustrieA. G., Fra nk- surt a. M. Wie der DHD. erfährt, verdichten sich die Gerüchte über einen Anschluß der Oberschlesischen Kokswerke, und damit wohl auch der Rütgerswerke Ql. G. an die I. G. Farbenindustrie QI. G. in der letzten Zeit wieder. Von Verwal- iungsseite der I. G. Farbenindustrie ist noch keine Bestätigung zu erlangen, auch scheint man in der heutigen H.-V. der I. G. Farbenindustrie keine Mitteilungen machen zu wollen, da die Verwaltung irgendwelche Transaktionen vor ihrem Qlbschluß nicht bekanntgeben wird. Qdörf entarte. Frankfurt a.M. Berlin Schluß. Kur, 1-Uhr- Kur, Schlich-1 Anfang Knr« 1 Huri Datum: 31.8. | 1.9. 31. 8. 1. 9, 5% Deutsche Neichsanlethe • <% Deutsche RetchSaoleiye . 3Deutsche Reichsanlethe 3% Deutsche Rcichsanleihe . Deutsche Sparprcumcnanleid« 0,4787 > 4375 0,475 v, 48 0.42 _ 0,43 0.435 0.48 _ 0.495 0,55 0,26 __ 0,27 4°/, Preußische KonsolS . . . 0,43 — 0,435 0,42 — 3*/.% vcstcn.......... — 3% Hessen........... — 0,42 — Deutsche Wertb. Dollar-Aul. 95,75 öfo- Doll.-Schatz-Aulreisug.*) — — 4’/o ^ofltntten......... 13,2 13,5 13,4 5% Äoldmcrikaner ... , 44,4 44.5 44.1 _ Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank 137* 138* 211* 137' 214* 138* Darmst. und Nalionalbank ■ 213.5* 218' 213* 218* Deutsche Bank........ 166,2* 168,2* 165.1* 167.1- Deutsche Vereinsbank .... 96.5 Disconto Commandil 161* 161.5' 160,5* 161,5* Mctallbcmk........... 131.9 134,9 Mttcldeutschc Kreditbank. 140* 141.7' 140,2* 0 Ocfterreichische Kreditanstalt 9,05 9,2 9,05 Weltbank........... Bochumer Guß . ...... 146- 95 5 144,5* 94.75 145* 96.25 Buderuö. . . ......... 97j Caro .......... . R2 5 81.25 151.1* 166* 83 154.7* 170' Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerk. . 154' 168,7' 154,5* 168,6' Harpener Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... 154,5* 138.5 154.7* 154.1* 1'38 155* 141.5* 149,5 54,62 Kaliwerk Westeregeln..... 145,5 _ 145 Lourahütte........... Oberbedars........... Phönix Bergbau . ...... 54.6 71 — 55 71 5 121’ 122,2* 121' 123* Rheim iah l ........ Rrebeck Montan........ 141,5* 163,5* 69 143,7* 141* 162.5' 142.5* 166* Vereinigte Stahlwerke — 142 14-1 Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . , 157* 156' 157.7’ 158,7* 157,7' 157,4* 158.5* 158,2* Theramische Werke AlbM . . 62 Zementwerk Heidelberg . . 131.75 133 Philipp Holzmanu...... 120,5 121,25 120.75 Anglo-Tont.-Guano..... _ 88,5 Chemische Mäher Alapin . . —— I. G. Farbenindustrie, A.-G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung...... .'86* 108 53 114.5 155.5 159.5* .89* 108.75 51,5 117,5 156,5 >64* 285,5* 107,25 290,5* Rütgerswerke........ Scherdeanstalt......... 114,75 116,75 Mg. ElektrtzttätS^Iesellschafr 159* 164,9' Bergmann . . ..... . Mamkraftwerke........ 159.75 109 164,5 159,5* 164,5* Schlickert....... Siemens & HalsL ...... 136,5* 201.5* 144* 211,5* 137,9* 201,7’ >42' 210.5' Adlerwerle Kleyer...... 85 87 85 86,12 85,5 Daimler Motoren..... . 84,5 85 47 9 Hehligenftaedt......... Megutn............. 30.75 49,5 — Motorenwerke Mannheim — 42'25 _ Frankfurter Armaturen . . , — — Konservenfabrik Braun ■ . 41 _ 143 93,5 52 147,5 92 57,9 — «-chuhsabrik Herz...... — Sichel.............. 2.8 ___, 3,25 _ Senfloli Waldhof. . .... 183 186,25 181.5 78 90,25 185,5 Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel • . . 78 90 frankfurter Börse. Frankfurt a. M., l.Sept. Tendenz: Fest. — Die Börse war heute recht günstig veranlagt, wozu vor allem der glatte Verlauf des Ultimos beigetragen hat. Einen günstigen Eindruck hinterließ auch die Haltung der Banken, die bei der Hergabe von Prolongationsgeld großes Entgegenkommen zeigten. Die Spekulation betätigte sich rege am Geschäft, doch konnte es keinen größeren Umfang als am Vortage an» nehmen. Rur in einzelnen Spezialwerten, auf die sich das Hauptinteresse konzentrierte, trat die Hmsahtätigkeit über das Mittel hinaus. Die Steigerungen an den Aktienmärkten setzten sich fort und erreichten am Elektromarkt ein stärkeres Ausmaß. Für diese Werte verstärkte sich die Rachfrage, und man verwies dabei auf die Gerüchte über eine Fusion in der Elektroindustrie, die immer wieder auftauchen und sich immer mehr verdichten. Unter Führung von Siemens waren folgende Steigerungen zu verzeichnen: Siemens plus 5 Prozent, Lahmeyer 4 Prozent. AEG und Felten plus je 3 Prozent, Licht und Kraft plus 2 Proz., Bergmann plus 0,5 Proz. Die Werte des Montanmarktes waren leicht befestigt, die Hmsatztätigkeit hielt sich auf diesem Gebiete in engsten Grenzen. Rur Riebeck-Monian waren stärker gefragt und 3 Proz. höher. Bei den übrigen Werten hielten sich die Steigerungen in dem Rahmen vom 2 bis 3 Proz. Buderus plus 2 Proz. Von Chemiewerten konnten I. G.-Farben um 2 Proz. anziehen, die Umsätze waren aber gering. Die Übrigen Chemiewerte waren 1 bis 2 Proz. gebessert, mit Ausnahme von Holzverkohlung, die 1,5 Proz. nachgaben. Von Bankaktien standen Darmstädter an der Spitze mit einer Steigerung von 1,5 Proz., die übrigen Werte dieser Gruppe erzielten Besserungen von 0,5 bis 1 Ppoz. Schiffahrtsaktien lagen unregelmäßig. Wahrend Lloyd 1.75 Proz. gewannen. büßten Hapag 0,5 Proz. ein. DieRebrn- märfte schlossen sich der festen Strömung an, besonders Motorenaktien, von denen Kletzer um 2 Proz. gesteigert waren. Zellstoff- und B a u a k t i e n unverändert fest. O e la k t i e n gut befestigt, dagegen waren Zuckeraktien vernachlässigt und neigten eher zum Rachgeben. Deutsche Renten lagen unverändert still. Schutzgebiet wurden etwas reger umgeseht (6,25). Ausländische Renten befestigt. Der Freiverkehr hatte vorherrschend lustlose Haltung. Benz 81. Drown Doveri 122, Entreprise 8, Growag 60, ilfra 92, Frankfurter Handelsbaick 85 Prozent. Der toeitcre Verlaus war nicht mehr einheitlich fest. Siemens mußten von ihrem anfänglichen Gewinn 2 Prozent hergeben. auch Riebeck Montan tendierten schwächer. Die Grundstimmung blieb aber fest. Am Geldmarkt hält die Rachsrage an; besonders langfristige Mittel waren gesucht. Monatsgeld 7 bis 7,5 Prozent. Privatdiskonten 4,75 bis 4,87 Proz., Jndustrieakzepte 5,5 Prozent. Im Devisen- verrehr konnte sich die Aufwärtsbewegung der westlichen Frankenvaluten fortsetzen. Paris war gegen London bis auf 163 befestigt. Brüssel auf 173 gegen das Pfund erholt. Qluch Mailand lag wesentlich fester mit 145,75 gegen London. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt cu M. Telegraphische Auszahlung. 31 August. 1. Septbr. Amtliche Notierung Amtliche Notierung ticlb Bricr Geld Brief Amst.-Ron 168,04 168.46 168,11 168.53 Buen.-Aires 1,693 1.697 1.693 1.697 Brss.-Antw. 11,68 11,72 11,85 11,89 Christiania. 91,88 92,12 91,88 92,12 Kopenhagen 111,42 111,70 111,41 111,69 Stockholm . 112,16 112.44 112,16 112,41 ficlüngfot» 10,546 10,586 10,552 10,592 Italien. . . 13,64 13,68 14,75 14,79 London. . Z0.357 20,407 '0,356 20,406 Ncuvork . . 4.195 4.205 4,194 4,204 Paris. . . 12.27 12,31 12,51 12,55 Schwei, . . b0,96 81.16 80,98 81,18 Spanien . . 63,47 63,63 63,82 63.98 Japan . . . 2,013 2,017 2,018 2,022 Rio de Jan. U.G42 0.644 0,642 0,644 Wien in D-- Oess. abgcsi 59,27 59,41 59,24 59,38 Prag .... 12,42 12,46 12,42 12,46 Belgrad . . 7.40 7,42 7.40 7.42 Budapest. . 5,873 5,893 5,875 5,895 Bulgarien . o,035 3,045 3,035 3,045 Lissabon 21.395 t1,445 21,395 21,445 Danzig. . . 81,40 81.60 81.30 81,50 Konstantin 2,245 2,255 2,215 2,225 Athen. . 4,74 4,76 4.79 4.81 Canadc. . 4,199 4,209 1.199 4,209 Uruguav 4.185 4.195 4.185 4.195 Banknoten. Berlin, 31 August. (Seid Bries Amerikanische Note»..... 4.176 4,196 Belgische Noten ....... 11,59 11,65 Dänische Noten ....... 111.12 111,68 Englische Noten...... . 20,315 20,415 Französische Noten ...... 12,39 12,45 Holländische Noten..... 167,68 168,52 Italienische Noten ...... 13,96 14,04 Norwegische Noten...... 91,57 92,03 Deutsch-Oesterr-, ä 100 Kronen 59,18 59.48 Rumänische Noten..... 2,01 2,05 Schwedische Noten..... 111,80 112,36 Schweizer Noten....... 80,82 81,22 Spanische Noten....... 63,04 63.36 Tschechoslowakische Noten . . 12,372 12,432 llngattscbc Noteo....... 5.83 5,87 Berliner Börse. Berlin, l.Sept. Rachdem der Ultimo eine erhebliche E n 11 a ft u n g in den spekulativen Engagements der Börse gebracht hat, greift jetzt eine wesentliche Beruhigung um sich. Die Spekulation ging heute zu erheblichen Rückkäufen über, denen sich Ausland- Kaufaufträge und Jnlandkundenor- ö e r s anschlossen. Die Tendenz war heute bei Eröffnung ausgesprochen f c st. Der Hauptantrieb ging vom Elektro markte aus, wo die Kurse mehrprvzentige Steigerungen erzielten. Daneben wurden auch I. G. F a r 5 e n a £ t i e n in größeren Posten aus dem Markte genommen. Die ersten Kurse wiesen auf den obenerwähnten Gebieten Erhöhungen bis zu 6 Prozent auf. Eine lebhafte Rachfrage bestand auch für Dynamit^ Robel, die um 5 Prozent anzogen. Die Gesamt» tendenz war bei lebhaftem Geschäft allgemein fest. Am Geldmarkt trat seitens einiger Rach- zügler noch etwas Bedarf zum Ultimo hervor, so daß der Satz für Tagesgeld sich auf 6 bis 7 Prozent stellte. Im Devisen verkehr setzte sich eine sensationelle Befestigung des Lirekurses durch. Mailand ging von dem heutigen Freiverkehrskurs von 146 im Verlaufe bis auf 139 gegen das Pfund in die Höhe. Qluch Paris war gegen London stark befestigt mit 162. Brüssel erholt mit 173,50 gegen das Pfund. ArattLsurtcr hZrtreidcbörsc. Frankfurt a. M.. l.Sept. Es wurden notiert: Wetterauer Weizen, neue Ernte, 27,75 bis 23, Roggen, inlänb., neue Ernte, 21 bis 21,25, Sommergerste für Brauzwecke 23 bis 26, Hafer, inlänb., 18,50 bis 19, Mais (gelb) 18,25, Weizenmehl, inlänb., Spezial 0 41,25 bis 41,50, Roggenmehl 31 bis 32, Weizenkleie 9, Roggenkleis 10,50. Tendenz, ruhiger. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 28. August. Eine empfindliche Geldstrafe erhielt ein junger Kaufmann D. aus einem benachbarten Dorje. Er hatte einem anderen jungen Mann aus demselben Dorfe namens W., der mit einem Mädchen F. ein Verhältnis hatte, erzählt, W. brauche sich bei der F. nicht ins Geschirr zu legen, die habe in Gießen ein Verhältnis und verkehre dort mit einem Chauffeur S. W. ging darauf sofort zu der Familie der F., erzählte, was ihm D. mitgeteilt hatte. Er setzte in der Folge das Verhältnis mit der F. nicht fort. An der Erzählung des D. ist kein Wort wahr. Er hat allein aus dem Umstand, daß er die F. und den S. in Gießen einmal hat zusammenstehen sehen, den Schluß gezogen, die beiden verkehrten miteinander. In Wirklichkeit hat S. nach seiner eidlichen Aussage niemals etwas mit der F. zu tun gehabt. D. wurde daraufhin wegen seines leichtfertigen Geschwätzes zu einer Geldstrafe von fünfzig Mark verurteilt. GerichLsfaal. wohlverdiente Strafe für einen Uebetfäter. WSR. Kassel, 31. Aug. Eine Bestie in Menschengestalt ist der 29jährige Arbeiter Georg Schröder von Hessisch-Lichtenau. Rach 18 Monaten Strafhaft wegen Sittlichkeitsverbrc- chens aus dem Zuchthaus entlassen, trieb er sich im April in den Wäldern bei Lichtenau herum. Als er am 3. Mai einer älteren Bauersfrau begegnete, redete er diese mit entsprechender Handbewegung: „Ich habe einen Revolver", an. Als sie nach ihrem Manne rief, zog es Schröder vor, im Walde zu verschwinden. Am nächsten Tage begegnete er auf einsamem Waldwege einer Lehrersfrau. Er ging an ihr vorbei, drehte sich aber sofort um und sagte, sie solle still sein, oder er schieße sie über den Haufen. Als sie schreiend davonlief, holte er sie ein, versetzte ihr einen Faustschlag geen die Schläfe und setzte feine Mißhandlungen bei jedem Ton, den sie von sich gab, in abscheulichster Weise fort. Schließlich vergewaltigte er die Halbohnmächtige. Der Sachverständige bezeichnete den mit finsterem, viehischem Gesicht unbeweglich dasihenden Angeklagten als in keiner Beziehung annormal; Triebfeder feiner Handlungsweise sei Roheit, Gemeinheit und Brutalität der Gesinnung. In Anbetracht dessen, daß ein öffentliches Interesse vorliege, den Täter so lange als möglich von der Menschheit abzu- sondern, erkannte das Gericht auf insgesamt 12 Jahre Zuchthaus. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der»Radio-Amschau".) Dounerstag, 2. September. 4.30 bis 5.45: Konzert des Hausorchesters: Engelbert Humperdinck. 5.45 bis 6.05: Die Lese- ftunbe. 6.45 bis 7.15: Vortrag Dr. Hermann Böhme, Göttingen, über: „Der Hautsee mit der schwimmenden Insel bei Dönges, Kreis Eisenach, ein deutsches Raturwunder". 8.15: Uebertragung von Worms: Konzert des Wormser Konzertorchesters. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewahr übernommen. Anzeige nausträge sind lediglich an die Geschäfts st eile zu richten. Geschäftliches. „Schwan im Blau band". Diese kombinierte Bezeichnung wurde seinerzeit für die bekannte Feinkostmargarine mit Rücksicht auf den Warenzeichenschuh gewählt. Rachdem aber vor einigen Monaten der Firma van den Dergh's Margarine-Gesellschaft m. b. H. das Warenzeichen „Dlauband" geschützt worden ist, wird ihre Feinkostmargarine seither unter der alleinigen Bezeichnung „Blauband" in den Handel gebracht. Die Aenderung der Markenbezeichnung ist also aus vollständig freiem Ermessen und ohne irgendwelchen äußeren Zwang vorgenommen worden. BeiKorpulenzoderDeranIagung raten wir allen Lesern, die korpulent oder zum Starkwerden veranlagt sind, 30 Gramiu Toluba- Kerne zu kaufen, die bet völliger Unschädlichkeit seltzersetzend und ansatzverbtndernd wirken. Tie erbten Toluba-Kerne erhalten Sie mit Gutachten, genauen Angaben über Gebrauch und Zusammensetzung, in den Apotheken. 82sl