Nr. 151 Erster Blatt 176. Jahrgang Donnerstag, 1. Juli 1926 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheffen Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mnt Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichc Pfennig; für Re« hlamearneigen von 70 rin Breite 85 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr Will). Lange. Verantwortlich iur Politik Dr Fr Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H Thgriol; für den übrigen Teil lkr.ist Dlumfchein, für den Anzeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen poftfchecttonto: Zrankfvnam Main 11686. Vrvck vnd Verlag: Vrühl'sche llniverfitä1§-Buch- und Sleindruckerei R. Lanze in Giehen. 5chrifl!eitung und Geschästsstelle: §chn!1ratze 7. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Vezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftteituna 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Stehen. Geringe ßriedensausfichten im englischen Bergbau. Der Ausnahmezustand verlängert. London, 30. Juni. (TU.) Die inoffiziellen F r i e d e n s v e r h a n d l u n g e n , die in den letzten Tagen von prominenten Persönlichkeiten unternommen wurden, haben bei den Bergarbeitern keine Gegenliebe gefunden. Der ^Vollzugsausschuß der Bergarbeiter, der heute abend wieder London auf unbestimmte Zeit verläßt, hielt heute seine vorläufig letzte Sitzung ab. Der Hauptgegenstand der heutigen Besprechungen war die Frage der Notstands- arbeiten in den Gruben. Der Ausschuß kam zu dem Ergebnis, daß die Notstandsarbeiter In den Gruben verbleiben sollten, vorausgesetzt, daß sich die Grubenbesitzer an die in Streikfällen allgemein üblichen Vereinbarungen halten. In einem Interview mit dem „E o e n i n g Standard" wies der Sekretär der ^Bergarbeiter» gewerkschaft darauf hin, daß aus verschiedenen Grubenbezirken Berichte eingetroffen wären, nach denen dies nicht der Fall sei. Trotzdem sei eine allgemeine Zurückziehung der Not- standsarbeiter nicht geplant, da dadurch auch diejenigen Grubenbesitzer getroffen würden, die sich an die Vereinbarungen hielten. Die Tatsache, daß die Mitglieder des Vollzugsausschusses heute abend London wieder verlassen, weist darauf hin, daß mit amtlichen Verhandlungen in der nächsten Zeit kaum zu rechnen ist. Die englische. Berga rb eiterexekutive hat sich heute in einer vfefntlichen Versammlung gegen jede Lohn- und Arbeits z e i tverände° rung ausgesprochen und Streikfortsetzung beschlossen. ♦ Die „London Gazette" veröffentlicht heute eine Proklamation des Königs, wonach der Ausnahmezustand um einen wei- teren Monat verlängert wird. Die französische Regierungserklärung, Das Echo tu der Presse. Paris, 30. 3unl (Sil.) Die Regierung, die in der g e ft eigen Kammersihung einen Aufschub von acht Lagen erhalten hat, geht aus der Debatte keineswegs als Sieger hervor. Die Presse aller Richtungen, soweit sie nicht die Vorgänge verschleiert, erkennt an, daß die Mehrheit von 292 Stimmen keine wirkliche Mehrheit darstellt. Der Stimme enthalten haben sich fast die gesamte Gruppe der Republikanischen Union, sechs Mitglieder der Christlichen Demokraten, 16 Abgeordnete der anderen Rechts- gruppen, zwei Radikale und ein Radi- kalsozialist. Gegen die Regierung haben die Kommunisten und die Sozialisten geschlossen gestimmt. „Echo de Paris" ist der Ansicht, sowohl rn der Kammer wie im Senat habe das Kabinett Briand eine kalte Aufnahme gefunden. Die Inter- vention T a r d i e u s habe die Regierung in eine üble Lage gebracht. Wenn Herr Tardieu seinen Vorteil Hütte ausnuhen wollen, hätte die Regierung die Stunde vielleicht nicht überlebt. Obwohl Briand gegenüber Tardieu keine direkten Verpflichtungen übernommen habe, bestehe kein Zweifel, daß die Operationen der Regierung wenigstens für den Augenblick nicht weitergeführt werden. Die Kammer habe klar zum Ausdruck gebracht, daß keine Einigkeit zwischen ihr und der Regierung bestehe und daß die Stabilisierung des Franken, wenn sie von der Ratifizierung des Schuldenabkommens abhänge, nicht ange- n o m m en werden könne. Damit brächen die gesamten Pläne Caillau?' zusammen und man stehe erneut vor einer großen Ungewißheit. Der „Gaulois" meint, die Regierungserklärung habe keinen ernsthaften Abgeordneten befriedigen können. Das. was die Regierung wolle, sei eine künstliche Stabilisierung, gegen die sich alle Parteien von links bis rechts wendeten. „A v e n i r“ ist der Ansicht, die Regierung wende für die Lösung des Finanz Problems die gesährlichsten Mittel an. Wenn Caillaux so standhaft in feinet Haltung wäre, wie er schneidend in feiner Rede sei. so könnte man verzweifeln. Man müsse noch auf die Gewandtheit des Finanzministers hoffen. „Ere Rouvelle" gibt gleichfalls unumwunden zu, daß die Regierung in schlechter Haltung aus der Kammerdebatte hervorgegangen fei. Es hätten sich z wei Männer gegenübergestanden: Caillaux, der Mann von Aaadir, und Tardieu, der Mann von Versailles, der Mann des Friedens und der Mann des Friedensvertrages. Die Kammer habe den Ernst der Stunde nicht begriffen und gefalle sich noch in den gewöhnlichen kleinen Schikanen der Politik, während das Leben der Ration auf dem Spiel stehe. Der Frank fällt weiter. Paris, 30. Juni. (SU.) Unter dem ungünstigen Eindruck der gestrigen Kammerdebatte ist der Franken heute weiter gefallen. Das Pfund notierte bei Borsenschluh 1 7 3,4 0 und der Dollar 3 5,5 2. Das vom Finanzministerium gestern veröffentlichte Dementi, wonach zwischen dem Generalgouverneur der Danque de France und dem Gouverneur der Bank von England. sowie dem Direktor der Federal Re- Vie zweite Beratung der Mrstenvorlage beendet. Berlin, 30. Juni, 1 Uhr nachm. Die zweite Deratung des Gesetzentwurfes über die Auseinandersetzung mit den Fürsten- Häusern wird fortgesetzt. § 8 hat der Anschuß durch Annahme eines sozialdemokratischen Antrags dahin geändert, daß er jetzt lautet: Zivillisten Kronfideikommihrenten und Krondotationsrenten sowie ähnliche Renten fallen entschädigungslos fort. Abg. Graf Merveldt (Dn.) beantragt die Streichung dieses Paragraphen. Die Kronfidei- kommihrente sei zum größten Seit Privateigentum. Ein entschädigungsloser Fortfall sei ein Eingriff in die Unverletzbarkeit des Privateigentums. Der Charakter des Privateigentums bei den Kronfideikommißrenten sei anerkannt worden von den sozialdemokratischen Abgeordneten, vom Zentrumsminister Am Zehnhoff und von dem Sozialdemokraten Lüdemann. Abg. Schulte (Ztr.) betont, die Regierungsparteien seien mit ihrem Ausschuhbeschluh zu der Bestimmung ihres früheren Kompromiß- entwurfes zurückgekehrt. Ein privatrechtlicher Charakter sei der Kronfideikommißrente nicht zugesprochen, sondern es handele sich dabei um einen staatsrechtlichen Anspruch des Königshauses. Abg. Landsberg (Soz.) wendet sich gegen den deutschnativnalen Antrag. Bei seiner Annahme müssen die Zivillisten und die übrigen Renten weiter gezahlt werden. Abg. Dr. Pfleger (Dayr. Vp.) legt Wert auf die Feststellung, daß seine Fraktion sich ihre endgülttge Stellungnahme Vorbehalte. Der deutschnationale Antrag auf Streichung des §8 wird abgelehnt. § 8 wird dann mit den Stimmen der Mittel- Parteien und Sozialdemokraten bei Stimmenthaltung der Kommunisten gegen Deutschnationale und Völkische angenommen. Die folgenden Paragraphen bestimmen, unter welchen Voraussetzungen aus der Streitmasse und Jter ,-VTy^' chenc sionde aus Gründen der Kultur uiuj Volksgesundheit den Ländern zugeteilt werden können (Theater, Schlösser, Parkanlagen ufto.). Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) bezeichnet die Bestimmungen der Vorlage als unbefriedigend und beanstandet, die Streichungen der Ausnahmen und Entschädigungsbestimmungen. Abg. v. Me rv eld t (Dntl.) beantragt die Streichung der Paragraphen 9 undll und namentliche Abstimmung über den § 10, der auch Zuweisungen an das Land auS den Privatvermögen der Fürsten vorsieht. Abg. Schulte (Zentr.) tritt für die Ausschußfassung ein. Abg. Siebt (Komm.) wendet sich gegen die Bestimmungen in § 12, die den Fürsten eine angemessene Lebenshaltung garantiert. Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) wendet sich gleichfalls gegen die Garantie der angemessenen Lebenshaltung und verlangt eine genauere Umgrenzung des Begriffs. Rach Ablehnung der sozialdemokratischen und deutschnationalen Aenderungsanträge werden die Paragraphen 9 bis 12 bei Stimmenthaltung der Sozialdemokraten angenommen. Cs folgt die Beratung der § 13 b i s 17, die von Entschädigungs- und A.-sahansprüchen und von der Auswertung handeln. § 16 bestimmt, daß auf die Auswertung die auch sonst geltenden Gesetzesbestimmungen Anwendung finden. Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) weist daraufhin. daß in einzelnen Vergleichen den Fürsten Aufwertungsansprüche bis 1450 Prozent bewilligt worden feien. Redner beantragt die Einfügung einer Bestimmung, wonach der Goldmarlwert der Leistung nicht überschritten werden darf. Abg. H ö klein (Kom.) bekämpft den § 15, der besagt, Rechte Dritter würden bei der Auseinandersetzung zwischen Land und Fürstenhaus nicht berührt. Abg. von Lindeiner-Wildau (Dn.) beantragt Streichung der Bestimmung im §16, daß Ansprüche auf Oluftoertung von Wiederkehr renken Leistungen für die Zeit vor dem 1. Januar 1925 als erloschen gelten sollen. Abg. Dr. Wunderlich (D.Vp.) gibt zu, daß diese Bestimmung eine Abweichung vom geltenden Recht zu ilngunften der Fürsten darstelle. Redner ersucht um Ablehnungaller Aen - derungsanträg e von rechts und links. Die Aenderungsanträge werden a b g e l e h n t und die § 13 bis 17 angenommen. § 1 8 bestimmt, daß die nach der Entscheidung des Sondergerichts einem Fürstenhaus oder einem seiner Mitglieder zugewiesenen Gelder bis zum Jahre 1950 nur für die pridatwirtschaftlichen Bedürfnisse oder zu wohltätigen ober kulturellen Zwecken verwendet werden dürfen. Bei Zuwiderhandlungen könne das Sondevgericht die Einbehaltung oder Rückforderung der Zahlungen verfügen. Abg. Lohmann (Dn.) verlangt die Streichung dieses Paragraphen, der die Mitglieder der Fürstenhäuser zu Staatsbürgern zweiter Klasse entwürdige und unter Polizeiaufsicht stelle. Abg. Reubauer (Komm.) erinnert daran, daß Bismarck das Privatvermögen des hannoverschen Königs 1866 beschlagnahmte mit der Begründung, daß Preußen gegen Umtriebe des Welfenhauses geschützt werden müßte. Die Verbindung Wilhelms II. mit dem Verschwörer Claß sei nachgewiesen. Abg. d. Richthofen (Dem.): Die Fürsten haben immer eine andere Rechtsstellung eingenommen, als andere Staatsbürger-. Sie können deshalb auch nicht in derselben Weise behandelt werden. Der Staat, der große Beträge den Fürsten zahlt, muh sich davor schützen können, daß diese Gelder zum Kampfe gegen ihn der- - Abg. Landsberg (Soz.) beantragt eine andere Fassung des § 18 dahin, daß die an die Fürsten zu zahlenden Gelder von der Reichsbank verwaltet werden und daß jeder Fürst darüber die Genehmigung des Landes bedarf. Die Skreichungs- und Aenderungsanträge wer- den a b g e l e h n t. § 18 wird gegen die Deutschnationalen und Kommunisten angenommen. Die Sozialdemokraten und Völkischen enthalten sich der Stimme. Die § 19 bis 2 5, die die Versah- rensvorschrlften enthalten, werden angenommen mit einem Abänderungsantrag der TMttel- parteien, wonach die Oesfenttichkeit nur ausgeschlossen werden kann, wenn sich eine Gefährdung der Sittlichkeit ergibt. §26 besagt, daß das Sondergericht auch zuständig ist für die Ansprüche der depossedierten Fürstenhäuser. Die diesen beazhlten Renten sollen nach billigem Ermessen abgelöst werden. Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) beantragt den entschädigungslosen Fortfall der Renten. Abg. Dr. v. D r y a n d e r (Dn.) beantragt die Streichung des § 26. Rach Ablehnung der übrigen Aenderungs- und Streichungsanträge wird ein Antrag der Mittel Parteien angenommen, der dem letzten Absatz in § 26 folgende Fassung gibt: Ansprüche auf Abfindungen, Renten ober ähnliche Staatsleistungen fallen entschädigungslos fort, soweit sie für die Uebertragung von Hoheits- oder ähnlichen össentlichen Rechten ober für die lieber« lassung von Gegenständen geschuldet werden, die als Staatseigentum zu gelten hätten. Im übrigen können sie ganz oder zum Teil für erloschen erklärt werden, wenn im Hinblick auf ihren Entstehungsgrund und die seitherige geschichtliche Entwicklung ihr Fortbestand nicht gerechtfertigt erscheint. Mit dieser Aenderung wird § 26 angenommen. Der Rest des Gesetzes wird bei Stimmenthaltung der Sozialdemokraten, Deutschnationalen und Völkischen sowie der Kommunisten angenommen. Damit ist die zweite Beratung der Vorlage beendet. Zu den Anträgen der verschiedenen Parteien über die Hochwasserschäden ri' L'te der Haushaltsausschuß des Reichstages in einem Antrag an die Reichsregierung das Ersuchen, in Verbindung mit den Ländern die Schäden festzustellen und alsbald für ausreichend? Hilfe zu sorgen. Den betroffenen Gebieten sind insbesondere Steuerleichterungen und Rachlässe zu gewähren. Die Reichsregierung wird ermächtigt, die zur Behebung der Rot- stände erforderlichen M i t t e l v o r s ch -u ß - weise zu verausgaben und im Rachtragsetat für 1926 anzufordern. Die zerstörten Dämme und üferbauten sollen raschest instand gesetzt und verbessert werden. Hierzu sollen auch die Mittel der produktiven Erwerbslosenfürsorge zur Verfügung gestellt werden. Abg. H ö r n l e (Komm.) begründet einen • weitergeh enden Antrag feiner Freunde, -er 150 Millionen für Dammbauten und Entwässerungsanlagen verlangt. Abg. Ferl (Soz.) schildert die schrecklichen Hochwasserschäden an der Elbe. Die meisten Geschädigten seien Mittel- und Kleinbauern und Landarbeiter. Durch falsche Sparsamkett der Regierungsstellen sei die Anlage und Unterhaltung von Deichbauten vernachlässigt worden. Diese Unterlassungssünden hätten sich jetzt furchtbat gerächt. Der Ausschußantrag wurde angenommen. Damit ist der kommunistische Antrag gefallen. Hierauf wird der zweite Zusatzvertrag zu dem deutsch- österreichischen Wirtschaftsabkommen in zweiter und dritter Deratung debattelos angenommen. Ebenso die Novelle zum Dankgesetz über die Rediskontierung von Reichsschatzwechseln. 3n zweiter und dritter Deratung wird wei- t-t a ge üv mvi c n' ''Gesetze ittwurs über den Verkehr mit unedlen Metallen. Es folgt die zweite Deratung des Gesetzentwurfs über Abänderung des zweiten Buches der Reichsversicherungsordnung in Verbindung mit dem Washingtoner Abkommen über die Deschäftigung der stauen vor und nach der Niederkunft. Der Sozialpolitische Ausschuß beantragt eine Entschließung, in der die Erwartung ausgesprochen wird, daß die Regierung unverzüglich Gesetzentwürfe zur Anpassung der deutschen Gesetzgebung an den Inhalt des Washingtoner Abkommens vorlegen wird. 3n die Novelle zur Reichsversicherung s v r d n u n g hat der Ausschuß nur die Bestimmung über die Entschädigung der Schwangeren und Wöchnerinnen und über die Gewährung von Hebammenhilfe hineingearbeitet, die dem Washingtoner Abkommen entsprechen. Die Novelle zur Reichsversicherungsordnung wird nach den Beschlüssen des Sozialpolitischen Ausschusses mit den Ausschuß- entschliehungen in zweiter und dritter Lesung angenommen. Die von den Sozialdemokraten beantragte Rodelle zum Gesetz über Zvlländerun- aen toirb ohne Debatte dem Handelspolitischen Ausschuß überwiesen. Die Mittel zur Fortführung des Untersuchungsausschusses über die Ursachen des Zusammenbruchs werden bewilligt. Um 7 Uhr vertagt sich das Haus auf Donnerstag 2 Uhr. Die endgültige Entscheidung über bte Regierungsvorlage betr. die Fürstenenteignung wird am Freitag bei der. dritten Lesung fallen. Ob es bis dahin in den interfraktionellenDesprechun- gen gelingt, eine Zweidrittelmehrheit zu finden, dürste nach den Blättern zweifelhaft sein. serve-Dank keine Verhandlungen stattgefunden hätten, findet Gegenstand lebhafter Kommentare. 3n parlamentarischen Kreisen besteht die Reigung gegen den Gedanken einer Anleihe. In den Wandelgängen der Kammer gewinnt man den Eindruck, daß es möglicherweise zum Sturz Caillaux oder des gesamten Kabinettes kommen wird, wenn nächste Woche genaue Angaben über die Anleihe veröffentlicht werden sollten. Das Finanzministerium gibt jetzt zu, daß Verhandlungen mit dem Gouverneur der Dank von England und der Fede rat Reserve-Bank ftattfinben, erklärt aber, daß es sich nicht um Kreditverhandlungen, sondern nur um technische Besprechungen handele. Das »Journal", in dem der Mitarbeiter Cail- l a u x', Unterstaatssekretär D u b o i n, eine Reihe von Artikeln über die Stabilisierung des Frankens veröffentlicht hat, teilt mit, daß die Regenten der Dank von Frankreich bisher noch nicht über die Pläne Duboins beraten haben, nach denen die Stabilisierung durch Zusammenwirken mit der Federal Res erve-Dank und der Dank von England herbeigeführt werden soll. Der Gouverneur der Dank von Frankreich versucht jetzt, die Regenten für diese Anschauung ju gewinnen. Vorher könnten keine Verhandlungen mit England und Amerika aufgenommen werden. Der Sozialist Uhry, der sich seit langem mit den Fragen des besetzten Gebietes befaßt, richtet in der „Ere Rouvelle" einen offenen Brief an Caillaux, in dem er auf die Derschwendu ng 6 e t den französischen Desahungstruppen hinweist. Obwohl die Rheinarmee feit zwei Jahren von 1 4 7 000 auf 6 2 0 0 0 Mann herabgesetzt worden sei, habe der General st ab der Armee noch dieselbe Organisation, verfüge über dieselbe Zahl von Offizier- re n und fungiere immer wie ein Generalstab im Feld. Die französische Armee sei außerordentlich großzügig und luxuriös untergebracht. In Wiesbaden seien für Soldatenhäuser und Kantinen 50 000 Goldmark bezahlt worden. In Bonn sei das Ofsizierskasino in einem Hause untergebracht, dessen Mietpreis 21 000 Goldmark betrage. Der oberste Armee- geistliche bewohne in Mainz eine Etage von fünfzehn Zimmern, die monatlich 4000 Frcs. koste. Der Automobildienst sei vielfach überflüssig. Den Offizieren würden Automobile für Privatzwecke zur Verfügung gestellt und nur zehn Frcs. für den Sag berechnet. Kundgebung gegen die Drolverteuerung. Paris, 30. Iuni. (TU.) Aus ganz Frankreich werden Kundgebungen im Zusammenhang mit der Verteuerung des Drotpreises gemeldet. In Tarbes ist es zu Ausschreitungen gekommen und zu einem schweren Konflikt zwischen der Stadtverwaltung und den Bäckereien. Die Stadtverwaltung hatte den Drotpreis für das Kilogramm auf 2,30 Franken festgesetzt, während die Bäcker 2,40 Franken verlangten. Heute früh waren sämtliche Bäckerläden geschlos- s e n, worauf die Stadtbehörde ausreichende Drot- mengen an die Bevölkerung durch die Militärbäckereien verteilen ließ. Im Departement Tantal hat-der Präfekt durch eine besondere Vei> ordnung eine Senkung des Brotpreises herbeiführen müssen, um Kundgebungen seitens der Bevölkerung vorzubeugen. v-y Reichswehretüt vor der Bolschastettonserenz. Berlin, 1. Iuli. (WTB. Drahtmcldung.) Der „Berliner Lokalanzeiger" berichtet über die letzte Sitzung der Botschafter-Konferenz, die sich u. a. mit der Militärkontrolle in Deutschland beschäftigte. Der Besprechung lag ein Gutachten des Marschalls F o ch zugrunde. In diesem Gutachten wird nach der Vorschrift in dem Reichswehretat für 1 9 2 6 ein Verstoß gegen d i e Entwaffnungsbestiminunaen des Versailler Vertrages erblickt und die Absendung einer Rote an d i e deutsche Regierung vorgeschlagen, in der die Dot- schaster-Konserenz unter Bezugnahme auf diq Der SBor1 Selbstmord. Landstraße zwischen Kirchenarnbach und Neumühlen 1 aud) mit eingeschlagenem Schädel im Straßengraben a u s g e s u n d e n. Es wurde festgestellt, daß er mit Iri dei> Pros. Zahn- München, den Vertreter des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen Exz. Iimti lvide 5 daß stän! Re un die du I sene unti sie Str, Fens den Zug, Zigc Vers dich dmc Utb kein ich' Bert Sie Dir Lei M nen schm Pers sche reici auch glei. Haus: auf so, ö drück Leut Kink gekvi rvnn Geheimrat K o l l e - Frankfurt a. M., den Dor- sitzenden der Deutschen Statistischen Gesellschaft wurde die Leiche des Landwirts Phil. Flickinger III. amt Zusammenarbeiten. Das Aeichsgesundheits- amt wurde aus Anlaß des Jubiläums Gegen- M W wachsen wird. Gatlenmord und wäh niiiji abzr Füg Frage .. _ , und Strikter hätten verbrecherisch gehandelt Aöhe W Proz' terg 6leu( ftjft t*6; E Zust' (2ol sose bch 5J mit erfüll glatt grob lich Mn, muh Mr Eise' Lewald dom deutschen Aerztevereinsbund Dr. Schneider -Potsdanr, Staatsrechtslehrer Geheimrat Kahl, Geheimrat Rubner, Geheimrat I a d a s s o h n - Breslau als Vertreter der deutschen Pharmazie, die Geheimräte Dohms und S a l z m a n n, Llmversitätsprofessor D ö - m e r - Münster und den bekannten Chemiker Pros. Popp- Frankfurt a. M. Den Festakt eröffnete der Domchor unter der Leitung von Prof. Rüdel mit einem Vortrag des Sametus von Schubert. Dann gab der Präsident des Reichsgesundheilsamts Dr. Dumm einen Rückblick auf die 50jährige Tätigkeit des Amts mit dem Versprechen weiterer gewissenhafter Pslicht- ersiillung für die Zukunft. Darauf hielt Reichs- minister Külz die bereits verössentlichte Rede. Den Glückwünschen des Reichsinnenministeriums schlossen sich Reichsarbeitsmrnister Brauns namens der preußischen Staatsregiernug und der Minister für Volkswohlfahrt H i r t s i e f e r an. Cs folgten Ansprachen der Vertreter der deutschen Universitäten, von tierärztlichen und technischen Hochschulen, des deutschen Roten Kreuzes, von Wohlfahrtsorganisationen und anderer Verbände, die mit dem Aeichsgesundheits- Das Urteil im Uutisler-prozeh. 5 Jahre Zuchthaus für Iwan Kutisker. Berlin, 30. Juni. (TU.) Im Kutisker- Prozeß wurde heute (wie wir in einem Teil der gestrigen Ausgabe meldeten. D. Red.) folgendes U r» teil verkündet: Iwan Kutisker: 5 Jahre Zuchthaus, 4 Millionen Mark Geldstrafe, 10 Jahre Ehrverlust. Die Angeklagten Krieger, Blei, Alexander Kutisker und Grobe werden zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt bei einer Bewährungsfrist von 3 Jahren. Der Angeklagte Holzmann wird zu löIahren Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte Strikter zu iz Jahren Gefängnis. Außerdem wird gegen ihn der Haftbefehl ausgesprochen, da er entflohen ist. Die Angeklagten Daniel und Max Kutisker werden freigefprochen. Die Untersuchungshaft wird bei allen Angeklagten angerechnet. Aus der Prsvrnzralhauytftadt. Gießen, den 1. Juli 1926. ] Oberst a. D. Schliephake t* Gestern nachmittag wurde in Darmstadt unter ehr starker Beteiligung der Darmstädter und der Abordnungen auswärtiger Kriegcrvereine der verstorbene Erste Präsident der Kriegerkamerad- chaft «Hassia", Oberst a. D. Viktor SchlieP- hake, zur letzten Ruhe bestattet. Oberst Schliephake entstammte einerhessi- chen Deamtenfamilie. Sein Vater war Domänen-- rat in Gießen, seine Mutter entstammt der Familie Buff. Viktor Schliephake lebte vom Jahre 1876 ab in Gießen, hier besuchte er das Gymnasium, nach dessen Absolvierung er sich dem Militärdienst widmete. Obwohl er nun von hier schied, hing er zeftlebens mit großer Liebe an Gießen, wo Mitglieder seiner Familie heute noch ansässig sind, und an der Provinz Oberhessen, mit der ihn zahlreiche kameradschaftliche D^iehungen eng verbanden. Seine militärische Laufbahn als Artillerie- ossizier führte ihn zu verschiedenen Regimentern und Garnisonorten. Bei Ausbruch des Weltkrieges stand er als Major beim Brandenburgischen Fußartillerie-2kegiment Ger.eral-Fel^eug- meistcr Rr. 3, das seinen Standort in Maintz hatte. Am Kriege hatte er in verschiedenen Komm an do st eilen tätigen Anteil, bei Kriegsende nahm er als Oberst seinen Abschied. Bei Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften war er wegen seines gerechten Wesens und seiner schönen menschlichen Eigenschaften außerordentlich geschäht und beliebt. Als es galt, vor etwa Jahresfrist einen Rachfolger für den verstorbenen General Frhr. von Hehl als 1. Präsident der Kriegerkameradschaft „Hassia" zu finden, lenkte sich die Aufmerksamkeit der „Hassia" auf Oberst a. D. Viktor Schliephake, und er wurde auf dem Vev- bandstage in Erbach einstimmig zum l. Präsidenten der „Hafsia" gewählt. Man begrüßte es allgemein, in ihm einen Mann gefunden zu haben, der geeignet sei, den großen Verband zu leiten. Der neugewählte Präsident ging mit großer Begeisterung an seine Aufgabe. Seim Ziel war. die „Hassia" so zu fördern, daß sie den Stand der Vorkriegszeit unter den deutschen Kriegervereinen wieder erreiche. Er widmete sich eifrig der Pflege der Kameradschaft und den mannigfachen sozialen Aufgaben der Kriegervcreine, insbesondere der Hinterbliebenenversorgung. Tag für Tag wirkte er für diese Ziele. Mochten die Wünsche aus dem hohen Vogelsberg, aus dem Odenwald oder aus Rheinhessen an ihn herantreten, stets war Oberst Schliephake bereit zu helfen. Ein schweres Leiden warf ihn schließlich für längere Zeit auf das Krankenlager, so daß er dem jüngsten Verbandstag der „Hassia", der vor 14 Tagen in Bingen stattfand, nicht mehr beiwohnen konnte: aber das Vertrauen zu ihm kam in der einstimmigen Wiederwahl als 1. Präsident der Kriegerkameradschaft „Hassia" zum Ausdruck. 3n den gestrigen Grabreden wurde der Verstorbene als edler Mensch, guter Patriot und treuer Kamerad, der, keine Standesunterschiede kannte, gefeiert. Es wurde beklagt, daß mit Oberst Schliephake große Hoffnungen für die „Hassia" begraben werden müssen, denn er habe erst am Anfang seiner Aufgaben und seines Wirkens gestanden. Schon nach kaum einem Jahn seiner überaus ersprießlichen Tätigkeit sei er durch den Tod abberufen worden. Rach den Ansprachen und den Kranzniederlegungen senkten sich über der Gruft zum Abschied die Banner zahlreicher Krieger- und Regimentsvereine. Eine Musikkapelle spielte mit gedämpften Klängen die Weise: „Ich hatt' einen Kameraden". Wer Oberst Schliephake gekannt hat, wird die kernige, durch und durch deutsche Persönlichkeit stets in bester Erinnerung behalten. Steuerfänif ketten im Juli. 3m Monat 3 uli werden folgende Steuern fällig: 5. 3 uli: Steuerabzug vorn Arbeitslohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 21. bis 30. 3uni, einschließlich der für die Zeit vom 1. bis 10. 3uni (ßol W baftt (iifa; bcilä ÄS' bciaj Aeußerung des Reichswehrministers Gehler, daß die Kontroll-Kommission keinerlei Einwen- dungen gegen den Etat erhoben habe, Derwah- rung dagegen cinlegt, daß diese Tatsache als eine Zustimmung der Alliierten zu dem Etat ausgelegt wird. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, daß die Durchführung der deutschen Entwaffnung noch nicht als beendigt angesehen und damit an eine Zurückziehung der Militär-Kontroll-Kommission aus Deutschland nicht gedacht werden könne. 3talien und Englandforderten eine Beendigung der Militärkontrolle in Deutschland vor dessen Aufnahme in den Völkerbund, stimmten aber bezüglich des deutschen Reichswehretats den Vorschlägen des Marschall F o ch zu, so daß, falls dies inzwischen noch nicht geschehen sein füllte, in allernächster Zeit mit einem Entente-Vorstoh gegen den deutschen Reichswehr-Etat zu rechnen ist. die Gesundheit unseres Volkes entwickelt. Wichtige Entdeckungen, die Gemeingut aller Völker geworden sind, sind aus seinem Schoße hervorgegangen und haben seinen Ruf und sein Anseyc.c über die Grenzen des Vaterlandes hinausgetragen. 3n den schweren Zeiten Kunst und Wissenschaft. Jubelfeier des Reichsgesundheilsamts. An der Feier des fünfzigjährigen B e - stehens des Reichsgesundheitsamts, die am Mittwoch im großen, reich mit Blumen, Lorbeerbäumen und Palmen geschmückten Plenarsitzungssaal des Reichswirtschaftsrates durch einen F e st a k 1 begangen wurde, nahmen als Vertreter der Reichsrcgierung Reichskanzler Marx sowie die Reichsminister Külz, Brauns, Reinhold, Haslinde und C u r t i q s teil, als Bertreter der preußischen Staatsregierung die Minister Hirtsiefer und Steiger, weiter der Vizepräsident des Reichstags Bell, der greise Gras P o s a d o w s k i - Wehner, die Witwe Robert Kochs, ferner Vertreter der übrigen Länder, der Universitäten, der tierärztlichen und technischen Hochschulen, der Stadt Berlin, der Reichsbahnbehörden, zahlreicher sonstiger Behörden und Privatorganisationen. U. a. sah man Geheimrat Professor Goldscheider von der Universität Berlin, Geheimrat Professor Straub von der Universität München, Geheim rat Professor Zwick von der Universität Gießen, den Rektor der tierärztlichen Hochschule Hannover, als Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes Generalsekretär Freiherrn von R o t e n h a n, den Präsidenten des Reichspatentamtes v. Specht, und infolgedessen müßte sie die volle Schwere des Gesetzes Irenen. Am wenigsten aber sei bei Iwan Kutisker Milde angebracht gewesen. Sämtliche Angeklagten, mit Ausnahme der Freigesprochenen, haben gegen das Urteil Revision eingelegt. In Hamburg gab der 23jährige Mechaniker Aug. Metge in der Reichenstraße auf seine 21 Jahre alte Ehefrau nach einem heftigen Streit einen Schuß ab, der der Frau in die Schläfe drang. Dann jagte sich der Ehemann zwei Schüsse in die Schläfe, die seinen sofortigen Tod herbeiführten. Die furchtbare Tat geschah in Gegenwart der kranken, im Bett liegenden Mutter der Ehefrau Metge. Zwischen den Eheleuten war es sehr häufig zu Eifersuchtsszenen aekommen. Frau Metge wurde in hoffnungslosem Zustande in das Krankenhaus überführt. Mord auf der Landstraße. Aus Kaiserslautern wird gemeldet: Auf der In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende u. a. aus, daß die Preußische Staats» bank durch die betrügerischen Maßnahmen Kutiskers um 14,3 Millionen Mark geschädigt worden sei, von denen nur vier Millionen wieder herbeigeschafst werden konnten. Der Betrug sei in der Hingabe völlig wertloser Wechsel zu erblicken. Den größten und dreistesten Schwindel habe aber Kutisker mit dem Hanauer Lager begangen, das einen geschäftsläufigen Wett von 600—700 000 Mk. gehabt habe. Kutisker habe es aber der Staatsbank gegenüber mit 10 bis 12 Millionen Mark bewertet, sitzende begründete dann noch kurz die der Strafzumessung. Holzmann Preußischer Landtag. Berlin, 30.3unt Das Hans überweist den Antrag Ball (Dem.) auf Schaffung von Ausgleichmaßnahmen für Verluste, die die in Deutsch-Oberschlesien wohnenden, in Pobnifch-Oberfchlesien arbeitenden Arbeiter durch Valutaunterschiede erlitten, ohne Aussprache der Äusschußberatung und tritt dann ein in die dritte Lesung des Etats. Die allgemeine Besprechung wird eröffnet durch längere Darlegungen des Ministerpräsidenten Braun. Der Ministerpräsident geht des Räheren auf das Arbeitsttsenproblem ein und erklärt weiter, es habe sich der Gedanke aufgedrängt, ob es nicht volkswirtschaftlich zweckmäßig ist, wenigstens einen Teil der fraglichen Arbeitskraft produktiver Tätigkeit zuzufuhren (Sehr richtig!). Derartige Arbeiten sind im reichsten Maße vorhanden. Es wird Aufgabe der Staatsregierung sein, in Zusammenarbeit mit der Reichsregierung und mit den Gemeindevertretungen dahin zu wirken, daß das Programm, das kürzlich von dem volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstags aufgestellt worden ist, so schnell wie möglich in die Wirklichkeit umgeseht wird. Wir haben leider damit zu rechnen, daß die Arbeitslosigkeit noch weitere Zeit anhält. Bei der Finanzierung der verschiedensten Projekte muß mehr als bisher auf die Mithilfe der Reichsfinanzverwaltung zurückgegriffen werden. Ministerpräsident Braun (fottfahrend): Das Reich hat zwar früher schon Zuschüsse versprochen, dabei aber den ersten Standpunkt vertreten, dazu nicht verpflichtet zu fein. 3ch habe wiederholt versucht, den Standpunkt zu revidieren. 50 Millionen Matt wurden für die Finanzierung der Siedlung zugesagt. Das Reich wollte aber die Finanzierung durch eigene Siedlungseinrichtungen vornehmen. Die preußische Regierung hat sich aber demgegenüber auf den Standpunkt gestellt, daß für diese Aufgaben der ganze, gut eingespielte Siedlungsapparat der preußischen Verwaltung vorhanden ist. Hoffentlich kommt die Reichsregierung bald zu ihrem Entschluß, damit die 50 Millionen, die aus Reichsmitteln bereitgestellt werden sollen, auch tatsächlich der Siedlung zufliehen und damit dem Zweck dienen, Arbeiten zu schaffen. 3nfolge des Friedensvertrages hat Preußen ein Fünftel seines Waldbestandes abtreten müssen, und zwar 400 000 Hektar. Es liegt aus der Hand, daß das Reich Preußen dafür ersatzpflichtig ist. Dieser Standpunkt ist auch seinerzeit ausdrücklich von der Reichsregierung anerkannt worden. Run aber habe sich die Reichsregierung auf den Standpunkt gestellt, daß durch eine Abschlagszahlung von 65 Millionen die Verbindlichkeiten erledigt sind. (Hört, Hört!) Roch immer ist nicht die preußische Stelle beim Generaldirektor der Reichsbahn besetzt worden. Leider bin ich zu der Erkenntnis gekommen, daß diese langwierig geübte Reichstreue Preußens zumeist mit einer Richtachtung seiner berechtigten Wünsche belohnt wurde. Der Ministerpräsident kommt bann auf die Bestrebungen, auf Anschluß kleiner Länder, wie z. D. Lippe und Waldeck an Preußen zu sprechen, wobei Preußen sich auf den Standpunkt gestellt habe, daß es wirtschaftlich zum Besten einiger kleiner Staaten sein würde, wenn sie in den preußischen Staatsverband einbezogen toürben. einem Beil erschlagen worden war. Unter dem Verdacht, die Tat begangen zu haben, wurde ein gewisser Allein aus Neumühlen, der mit dem Ermordeten verfeindet war, verhaftet. vor den Augen der Tochter erschossen. 3m Beisein seiner Tochter hat sich der Geflügelhändler Valentin Venesnik aus Rürnberg in Burggrub bei Erbendorf (Oberpfalz) erschossen. 3n einem bei ihm vorgefundenen Rotizbuch fand man als Beweggrund die Wotte geschrieben: „Undank seiner Kinder". Die Tochter sollte mit ihrem Vater wieder nach Rürnberg zurückkehren. Weil sie dem Ansinnen des Vaters nicht Folge leistete, erschoß er sich vor ihren Augen. Auf der Jagd vom Tode ereilt. Von einem raschen Tode ereilt wurde der auf seinem Rittergut bei Schwebda im Ruhestand lebende 63 3ahre alte Geheime Regierungsrat Ed. Thilo von Keudell. Er war auf den Rehbock- Anstand gegangen, von dem er nicht wieder zu- rückkehrie. Die um sein Ausbleiben besorgten Angehörigen machten sich auf die Suche und fanden den Vermißten tot im Walde auf. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein jähes Ende bereitet, nachdem er kurz vorher einen! Rehbock erlegt hatte,' der in unmittelbarer Rähe des toten 3ägers lag. Von einem Bullen aufgespieht.^ Aus Rottweil wird gemeldet: Von^Vinem wütenden Stier aufgespießt wurde der etwa 67 3ahre alte Altrentner Hyazinth Bißwurm. 3n Stellvettretung des Farrenwärters, dessen Geschäfte er schon oft besorgt hatte, wollte er das Tier wieder anketten, dabei scheint es plötzlich scheu geworden zu fein, stieß den Mann zu Boden, und bis auf dessen Hilferufe jemand herbeieilte, hatte die wütende Bestie ihn mit den Hörnern derart bearbeitet, daß er au den Folgen der Verwundungen starb. vorn Blitz erschlagen. In Kemnat in Schwaben überraschte ein Gewitter den 16jährigen Oekonomensohn Leonhard Hartmann und seinen 14jährigen Bruder Anton bei der Heuernte. Die beiden, die unter einer Tanne Schutz suchten, wurden vom Blitz getötet. Wettervoraussage. Etwas stärker bewölkt und zeitweise unruhig, jedoch noch keine Niederschläge von Bedeutung, tagsüber warm. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 23,3 Grad Celsius: Minimum: 9,8 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 14,1 Grad Celsius. Zur Groß-Hamburgsrage führt der Ministerpräsident u. a. aus: 3ch erkläre ausdrücklich, daß die preußische Staatsregierung bereit war, an Hamburg das Gebiet abzutreten, das nachgewiesenermaßen für den Bau des Hamburger Hafens benötigt wird. Dabei handelt es sich vornehmlich um Wilhelmsburg. Preußen aber mußte die Gelegenheit benutzen, auf dem Gebiete des Lastenausgleichs für die Landgemeinden entsprechende Kompensationen zu verlangen. Die preußischen Finanzen sind durchaus gesund, obwohl wir jetzt natürlich mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Die finanzielle Leistungsfähigkeit des Staates muß durch öine durchgreifende Rationalisierung der ganzen Staats- und Finanzwirtschaft durchgeführt werden. Wir werden mit größtem Rachdruck an die Verwaltungsreform in der Richtung auf eine möglichst einheitliche Verwaltung im ganzen Land Herangehen. Dabei werden wir auch bedenken müssen, daß ein kleiner, gut und ausreichend bezahlter Beamtenstand besser ist als ein größer Beamtenstand, der im Hinblick auf die wirtschaftliche Lage des Volles nicht ausreichend bezahlt werden kann. (Sehr richtig!) Wir brauchen Ruhe und Stetigkeit in unserem politischen Leben. Wir müssen die unruhigen Elemente, die wegen der Staatssorm, . -— ------ _ . - der Flaggenfrage usw. sich rühren, ausschalten, stand mannigfacher Ehrungem Vonseiten der Gelingt uns das, dann haben wir einige Aussicht, Universitäten München und Gießen und der aus dieser trüben Gegenwart, die zweifellos noch tierärztlichen Hochschule Hannover wurden E h - einige Zeit anhalten wird, in eine Zukunft mit rangen in Form von Promotionen ruhiger und stetiger Aufwärtsbewegung zu kom- zu E h r e n d o k t o r e n, von Ernennungen mc»n iL«>bbost->i- Beifall) zu Ehrenmitgliedern sowie Gluck- ’ . $ ™ orRn Wunschadressen überbracht. Prof. 1151 e n* r <>o?^Eine Besprechung ^?^ ^arle- Huth überreichte mit Glückwünschen Ehrenur- Osterroth (Soz.). Er unterstützt d künden der Universitäten Heidelberg und Frei- sungen des Mnist--pvL,^ m°mt n°«° dnb snnd ' «--lieh dem zur ©efunSmg d r ®taai^e^artniffe m>hg PrWd°nten und einigen Mitgliedern seines Amts ein werde z. B. auch die Wurde des. L«. Ehrenzeichen. Ferner wurde eine Fran,, laments mehr zu wahren, als es seit 3ahr und । gf , q^.. a»rufen. bereu Tag in allen deutschen Varlamenten getollt darin bestehet soll. Beamten &eS Reichs- Lebei^ausgabe Ist d" LAng des " |uni,6eitäamt fn ihren wissen,chastlichen Zielen. ArbeitsiosenproblemS. huW-nhah. Qbcr <^irt■ t atauf unterstühen. Die Stadt Berlin widmete verwiesen dah die Leute unter einer Knute der Gedenktafel siir das Haus Louisen- Srotzbanken leben Denen muh manzu Leibe Erinnerung an die erste Arbeitsgehen. Wir brauchen noch hunderttau^nde von Deichsgesundheitsamts, wo auch Rauernsiedlungeii Mit Zollerhohungen muh Koch den Tuberkelbazillus man Mirtschast unl°rstntzen- Das Grob der cnti)Ecft Hai Den Abschluß der Feier bildete ?inrt^font äu werden ein Vortrag des Chores aus den Meistersingern, als Rovcmberverbrecher hing f . Fundament 2lus Anlaß des 3ubiläums sind u. a. erschienen CBatcr» eine Fest sch rift, welche die Entwicklung des radx^e Öre-^rLilinks — Wider- Amts in den vergangenen 50 3ahren schildert, anb^ ermöglicht. (Verfall llnks. - Wrber- ^and Arbeiten aus dem Reichsspruch rechts.) gesundheitsamt und Festartikel in einer großen Abg. Schlange- Schöningen (Dtschn.) gibt üon medizinischen, veterinärmedizinischen dem Ministerpräsidenten dann recht, daß das unb naturwissenschaftlichen Zeitschriften sowie in Arbeitslosenproblem das wichtigste Problem sei. Tagespresse. Der Ministerpräsident hat sich beklagt, daß bei » einzelnen Ländern so wenig Reigung bestehe, sich Reichspräsident hat dem P r ä - an Preußen anzunähern, oder anzugliedern Das siyenten des Reichsgesundheits- Unglückseligste und llnwurdigste, was sich bei amte£ das nachstehende Schreiben zugehen uns seit einiger Zeit abgespielt hat, ist der Kainpf [affen; „Dem Reichsgesundheitsamt entbiete ich um die Fürstenabfindung. (Sehr richtig rechts.) 8ur Feier seines 50jährigen Bestehens meinen Wenn es jetzt im Reichstage nicht zu einer klaren Aus kleinen Anfängen hat sich das Entscheidung kommen sollte, so hat das preußische Reichsgesundheitsamt in fünf 3ahrzehnten zu Staatsministerium für emen anftanbigen -öcr-3 einem überragenden 3nstitut der Fürsorge fün gleich zu sorgen. (Sehr richtig bei den Deutsch- 1 - -- y ----- " ' — ' nationalen. Aha!°Rufe und Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wir haben chm erklärt, daß es sich heute nicht um die Staatsform handeln kann, wo es sich um die Existenz des Staates handelt. Auch das dient nicht zur Beruhigung des deutschen Volkes, wenn man führende Männer der i Krieges und den nicht minder drückenden deuts 7 Wirtschaft, die für den Staat mehr Rachkriegsjahren ist das Amt seinen großen Auf- getan aben, als ein Haufen unserer heutigen ga5en gerecht geworden und hat im Rahmen des Machthaber, angreift, so daß ^yeimrat Vogler Möglichen die schwersten Schäden von unserer erklären mußte, daß er eme völlige Rechtsloftg- Dolksgesundheit abgezehrt.'Meine herzlichen leit erlebt hätte, wie sie nicht einmal zu em Reichsgesundheitsamt und seiner weite- richtig rechts.) ren Entwicklung." Abg. Schwarzhaupt (D. D.) erklärt, daß y _________ die Arbeitslosigkeit weiten Kreisen des Volkes das OaU Gefühl nimmt, für die Familie sorgen zu können. ArS °uf ,E'n€m denz der Radikalisierung der Arbeitermassen. Wenn Wie aus Warschau aemelbct wird, ist aus dem die Republik ein Rechtsstaat ist, so ist das nicht Uebungsplatz in Poworsz bei Kowel wahrend des das Verdienst der republikanischen Parteien, son- Exerzierens einer Kompagnie des 41. Jnfanterie- dern derer, die gegen den Volksentscheid aufgetreten regiinents ein 18 ° Ze n t i m e t e r - A r t i I l e r i e- find. (Lebhafte Zustimmung rechts.) g e s ch o ß explodiert wodurch 38 So I b a - Abg. Bartels-Krefeld (Komm.) bedauert, daß ten, darunter zwei Offiziere, getötet in den Ausschußberatungen alle kommunistischen wurden. 38 Soldaten, darunter zwei Offiziere, wur- Ant-äge auf stärkere Unterstützung der kulturellen den s ch w e r und 11 Soldaten leichter verletzt, und sozialen Belange des Voices auch von der So- Heber die Ursache der Katastrophe wird gemeldet, zialdemokratie mit abgelehnt wurden. Für die Be- daß es sich wahrscheinlich um em Geschoß handelte, ftitiqung der Hochwasserschäden seien dringend Vor- das noch in der Erde vom Weltkrieg her vergraben beugung:Maßnahmen notwendig, wobei viele Er- war und während des Exerzierens zur Explosion werbslose Beschäftigung finden könnten. gebracht wurde. Abg. Riedel (Sem.) stimmt dem Abgeordneten Explosion in einer Schweizer Jabrif. Schlange zu, daß den Hochwassergeschädigten schnell Die Entzündung von Aluminiumstaub oer- geholfen werde. Es ist der Regierung gelungen, die ursachte in den Bronze-Farbwerken in Kempten bei Ruhe und Ordnung des Staates auch unter den Wetzikon eine Explosion, durch die ein Arbeiter schwierigsten Umständen zu verbürgen. In der Er- getötet und zwei schwer verletzt wurden. Außer- werbslosenfürsorge muß die erhebliche Unterstüt- dem wurde ein Gebäude zerstört, zungssiimme endlich für produktive Zwecke ver- Hochwasser In Ungarn, wendet werden. Die Ueberschwemmungen geben ja schnelle Ansteigen her Theiß hat bei für die produktive Arbeit einen deutlichen Finger- Tiscaborogm mehrere Quadratkilometer Land zeig. Besonders im Osten ist schleunigst eine um- unter Wasser gesetzt. Man befürchtet einen fassende Aenderung in Angriff zu nehmen. | Dammbruch, falls die Theiß noch einige Zenti» meler steigt, wodurch auch Getteidefelder überschwemmt werden würden. Die andauernden heftigen Regengüsse beschädigten in Budapest mehrere große Massenquartieranlagen, Rotwohnun- gen und Barackenlager. Dammbruch der Donau bei Apalin. Die Donau hat den Damm bei Apatin durchbrochen und überflutet das gesamte Gelände. Aus allen Landesteilen sind Truppenabteilnngen telegraphisch zur Hilfeleistung berufen worden. Die Regierung hat den Aufttag gegeben, die am meisten gefährdete Stadt Zombor zu räumen. Das Regenwetter dauert an. Man befürchtet, daß die Katastrophe sich noch schlimmer aus- hzw. 11. bis 20. Suni etnbehaltenen, noch nicht ^bgeführten Beträge, ohne Rücksicht auf deren Höhe: 10. 3 u li: Amsahsteuervorauszahlung der Monats- und Vierteljahrszahler, und zwar s/4 Prozent der Umsätze unter gleichzeitiger Abgabe der Voranmeldungen. — Gewerbescheine für das Steuerjahr 1926. — Einkommen- und Körperschaftssteuervorauszahlung sür das 2. Viertel des Kalenderjahres 1926 auf Grund der bereits zugestellten und der noch bis zum 17.3uli zur Zustellung kommende Steuerbescheide: 15. Juli: Steuerabzug vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 1. bis 10. 3uli, sofern der Gesamtbetrag mehr wie 100 Mark beträgt: 2 5. 3uli: Steuerabzug vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 11. bis 20.3uli, sofern der Gesamtbetrag sür gen. Zeit oder mit dem für die Zeit vom 1. bis 10.3uli einbehaltenen und noch nicht abgeführten Beträgen zusammen mehr als 100 Rm. beträgt. Mit Ausnahme des Steuerabzugs vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) können die angeführten Abgaben noch bis zum 24. 3uli ohne Zuschläge bezahlt werden. 25 Gebote sür Reisende. WSN. Die Eisenbahn ist ein Verkehrsmittel, das der Allgemeinheit dient. Sie erfüllt ihren Zweck nur dann, wenn der Verkehr glatt und reibungslos abgewickelt wird. Bei der großen Zahl der Reisenden, die täglich und stund- lich die Eisenbahn benutzen, darf nicht jeder handeln, wie er es für zweckmäßig hält, sondern er muß sich den gegebenen Bestimmungen unterordnen. Man beachte daher besonders folgende Punkte bei Eisenbahnfahrten: 1. Man steige nicht in den Zug ein und aus an Stellen, die nicht da^u bestimmt sind: vor allen Dingen nicht auf freier Strecke. Du bringst dein Leben dadurch in Gefahr. 2. Steige erst ein, nachdem die ankommenden Reisenden ausgestiegen sind. Nur Jo ist ein schneller und reibungsloser Wechsel der Reisenden möglich. 3. Verlängere nicht die Zugaufenthalte durch Trödelei, sondern nimm vor dem Abfahrtszeichen deinen Platz ein. 4. Steige nicht ein, wenn der Zug in Bewegung ist, springe also nicht auf! Du kommst dadurch in Gefahr, zu fallen und unter die Räder zu geraten. 5. Nach dem Einsteigen ziehe die Türklinke hoch, daß sie auf „Zu" zeigt. Erst dann ist die Tür vollständig und sicher, geschlossen. 6. Auf den Plattformen der Wagen darfst du dich während der Fahrt nur aufhalten, wenn nicht durch Anschrift der Aufenthalt verboten ist. Auf den Uebergangsbrücken darfst du dich beim Fahren keineswegs aufhalten, sonst kannst du beim Durchfahren von Kurven usw. vom Wagen herabgeschleudert werden. 7. Auf den Trittbrettern der Wagen darfst du während der Fahrt keinesfalls Platz nehmen, auch nicht bei überfüllten Zügen. Du läufst Gefahr, dabei abzustürzen oder beim Begegnen mit anderen Zügen von diesen getötet zu werden. 8. Lehne dich nicht an die Wagentür. Wenn die Türklinke nicht vollständig geschlossen ist, kannst du aus dem Zuge fallen. 9. Beschmutze nicht die Sitzplätze. Betrachte die Wagen wie dein Eigentum und schone sie daher auch so. 10. Spucke nicht in den Wagen. Es ist gesundheitswidrig und deshalb verboten: was dir widerlich ist, ist es auch andern. 11. Wirf keine harten Gegenstände aus dem Zuge. Wirf auch keine brennenden Zigarren und Zigaretten aus dem Zuge. Du kannst Menschen verletzen und Brände verursachen. 12. Wirf Obstreste, Butterbrotpapiere, gelesene Zeitungen usw. nicht auf den Boden oder unter die Bänke! Wickele sie in Papier und lege sie in das Gepäcknetz oder wirf sie auf freier Strecke zum Fenster hinaus. 13. Rauche nur da, wo es erlaubt ist! Zum Ablegen der Asche benutze die hierfür vorgesehenen Aschenbecher. 14. Stelle dich nicht im Seitengang vor die Fenster der Abteile! Du nimmst den Mitreisenden dadurch Licht und Luft weg. 15. Mit einer Fahrkarte niederer Klasse darfst du dich nicht in den Gängen der Wagen höherer Klassen aufhalten! 16. Verweile nicht dauernd in den Gangen, hauptsächlich aber nicht während des Aufenthalts auf Bahnhöfen. 17. Benutzest du den Abort, so verlasse ihn so, wie du ihn zu finden wünschest. 18. Anterstütze die Beamten bei der Anter- drückung des Bettelns, Hausierens und Musizierens im Zuge! 19. Beschädige nicht die Wagen und beschmiere nicht die Wände! Anterstütze das Zugpersonal bei Feststellung der Aebeltäter. 20. Gib den Eisenbahnbediensteten keine Geschenke, um für dich Vorteile dadurch zu erreichen! Der Eisenbahnbed'.enstete hat seine Pflicht auch ohne diese zu erfüllen und allen Reisendm gleichmäßig zu dienen. 21. Rimm stets Rücksicht auf alte gebrechliche Leute, Schwerkriegsbeschädigte und alleinreisende Kinder! 22. Oeffne nicht die Wagentüren und die Plattformverschlüsse, bevor der Zug zum Halten gekommen ist. Die Minute, die du gewinnst, könntest du mit dem Leben bezahlen. 23. Dränge nicht beim Aussteigen, du bringst andere Reisende in Gefahr, aus dem Zuge zu fallen. 24. Betritt oder verlasse den Bahnsteig nicht auf einem unerlaubten Wege, 25. Beachte die allgemeinen Anordnungen der Bahnverwaltung und folge den Anordnungen der Dahnpolizeibeamten, sonst machst du dich strafbar. Die Dahnpolizeibeamten haben innerhalb des Bahngebiets die Rechte eines öffentlichen Polizeibeamten. Bei Bahiipolizeiübertretungen hat die Reichsbahngesellschast das Recht zum Erlaß von Strafverfügungen. Die Jagd im Juli. Obgleich in den meisten Staaten die Jagd auf den Edelhirsch offen ist, wird der waidgerechte Jäger von dieser Freiheit nur in Ausnahmefällen Gebrauch machen und einen gefegten geringen Hirsch zum Abschuß bringen, während er die starken, die erst zu Ende des Monats zu fegen anfangen, für die Feistzeit auffpart. Das Mutterwild mit den Kälbern im tiefen Forst bedarf des Schutzes immer noch und muß vor Beunruhigung durch wildernde Hunde, Schlingensteller und rücksichtslose Beerensucher bewahrt werden. Das Damwild tritt bereits Ende des Monats in die Feistzeit. Wegen des Schutzes der Tiere mit den Kälbern gilt dasselbe wie bei dem Edelwilde. Schaufler bleiben, so lange das Getreide noch steht, gerne ganz ober noch stundenlang am Tage darin stecken. Es empfiehlt sich daher, des Morgens vor Aufgabe der Jagd, vorsichtig pürschend, die Wechsel abzuspüren. Der N e h b o ck steht in der Feistzeit, wird auf Pürsch und Ansitz erlegt, hat feinen Stand aber vielfach im Felde genommen. In der zweiten Hälfte des Monats, oft auch schon vorher, beginnt die Brunst und der Bock springt aufs Blatt. Wer im Besitz einer wohlgestimmten Blatter ist und damit umzugehen versteht, der vermag auch die ganz schlauen, guten Böcke aus zusammenhängenden Getreideschlägen vor die Büchse zu rufen. Vor dem Blatten beachte man genau den Wind und stehe regungslos hinter guter Deckung, denn starke und durch Erfahrung gewitzigte Böcke stehen oft lange außer Schußweite sichernd still ober schleichen vorsichtig heran. Da bei zu fein gestellter Blatter auch Ricken springen, so haben unsichere ober hitzige Schützen auf bas Geschlecht zu achten. Die Kitze sind zwar selbständiger geworden, sind aber immer noch vor wildernden Hunden und Füchsen zu schützen. Auch ist auf Schlingensteller zu achten. Mit Schwinden des Getreides auf den Feldern ist auf bas Auffrischen der Salzlecken im Walde zu sehen, die ihre Anziehungskraft nie versagen und bas beste Mittel mit sind, sich einen guten Rehstand zu sichern. Der H a s e ist immer noch auf Vermehrung bedacht. Sobald Das Getreide fällt, werden Kartoffel- unb Rübenschläge befonbers als Siinberftuben auserkoren. Füchsen, töitbernben Hunden, Katzen, Krähen ist besonders auf das Treiben zu sehen. Füchse stecken jetzt mit Vorliebe im Getreide. Nach Sonnenuntergang verlassen sie solches, um auf Raub auszugehen unter Benutzung eines genau innegehaltenen Paffes. Beim Mähen der zu Ende gehenden Getreidefchläge wird man gut tun, sich mit der Flinte anzustellen. Oft verläßt das ganze Geheck erst ganz zuletzt die immer kleiner werdende Gaststätte. Die Jagd auf Enten ist eröffnet. Anfangs findet man jedoch noch viele geringe, die zu schonen sind. Wohl dem, der die Entenjagd auszuüben Gelegenheit hat und einen im Wasser gut arbeitenden und bringenden Hund besitzt. Am ergiebigsten und bequemsten pflegt die Jagd in alten, schilfreichen Torfstichen zu sein. Auf großen, mit breitem Rohr umgürteten Wasserflächen ist die Jagd für die Hunde sehr anstrengend und nur dann gefahrlos und ertragreich, wenn der Jagdherr mit eiserner Strenge darüber wacht, daß die in Kähnen verteilten Schützen nicht den vor die Schneisen gestellten Jägern jagdneidisch in die Schußlinie fahren oder diese nicht wild in der Richtung, aus welcher der Trieb kommt, über das Rohr schießen. Kurz vor dem Jagdtag gemähte Schneisen werden von den Enten — besonders von den Rauherpeln — fast regelmäßig halb ober ganz unter Wasser durchschwommen. Gegen Ende des Monats ist der Entenzug lohnend. Oft fallen die Enten auf Haferstoppeln ein und kann man dort bei genügender Deckung gute Beute machen. Auch auf alles andere Sumpf- und Wassergeflügel beginnt die Jaad. Wildtauben werden auf dem Ansitz auf Rapsschlägen, an der Tränke, die sie zu bestimmten Tageszeiten besuchen, und an Sulzen geschossen. St. Hubertus. Gictzencr Wochenrncrrktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 170 bis 180. Matte 35, Wirsing 30, Weißkraut 30, rote Rüben 15, Spinat 25, Römischkohl 15 bis 20, Bohnen 70, Spargel 60, Erbsen 40. Mischgemüse 15 bis 20, Tomaten 50 bis 120 Zwiebeln 25, Meerrett ch 80, Rhabarber 15 bis 20, Kartoffeln (neue) 13, Kartoffeln falte) 5, Kirschen 40 bis 50, Heidelbeeren 40, Stachelbeeren 25 bis 30, Johannisbeeren 25, Erdbeeren 70 bis 80. Himbeeren 70 bis 80, Suvpenhühner 110 bis 130 das Pfund: Käse 10 Stück 60 bis 80 Pf.: Eier 12 bis 13, Blumenkohl 60 bis 100, Salat 5 bis 10, Salatgurken 35 bis 60, Ober- Kohlrabi 15, Rettich 15, Tauben 90 Pf. das Stück: gelbe Rüben 15 Pf. das Päckchen; Radieschen 10 Pf. das Bund. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: Gießener Radfahrer-Verein: 8.30 Ahr. Hessischer Hof. Versammlung. — Licht N'ielhaus Bahnhofstraße: „Das Gasthaus zur Ehe". — Astoria-Lichtspiele: „Parisette". • Die Bewertung z w a n g s b e w i risch a f t e t e r Grund st ücke betrifft eine Bekanntmachung des Landesfinanzamtes Darmstadt in_ unserem heutigen Anzeigenteil, Interessenten mögen die Veröffentlichung nicht übersehen. ** Eine Erhebung in der Erwerbslos e n f ü r s o ig e findet am morgigen 2. Juli (Stichtag) statt. Den Arbeitgebern fei bic'e Angelegenheit zur besonderen Beachtung empfohlen. ** E i n neuer Daimler-Automobil- Strahensprengwagen, den die Stadt Wetzlar gekauft Hai. wird morgen vormittag vor dem Trairsport nach der Rachbarstadt von der Firma Auto-Schneider in Gießen erst in den Hauptstraßen unserer Stadt in der Arbeit vorgeführt werden. Der Sprengbetrieb beginnt um 8 Ahr an der Ecke Goethestraße, Südanlaqe, abschließend soll auf Oswaldsgarten die Ges am t- sprengweite in einer Breite von 25 bis 26 Meter gezeigt werden. ** D i e Krofdorfer Straße gesperrt. Wegen Vornahme von Walzarbeiten ist die Krofdorfer Straße zwischen der Rod- Heimer Straße und dem Verbindungsweg zwischen Krofdorfer Straße und Schühenstraße von heute, Donnerstag, ab bis auf weiteres für jeglichen Fuhrwerksverkehr gesperrt. Der Verkehr wird durch die Schühenstraße umgeleitet. ** Aufgehobene Straßensperre. Die vom Polizeiamt Ende April angeordnete Sperrung des Riegelpfades zwischen Ludwig- und Liebigstraße ist jetzt wieder aufgehoben worden. *’ Wegsperre am Samstag und Sonntag. Das Polizeiamt Gießen schreibt uns: Anläßlich der am 3. und 4. 3uli stattfinden- den Ruder-Regatta wird der Feldweg am Bahndamm vom Dootshause der Gießener Rudergesellschaft bis an den Durchgang nach der Ederstr. (Bahnüberführung) am 3. Juli von 5—7 Ahr nachmittags und am 4. 3uli von vormittags 8 bis mittags 12 Ahr, und von nachmittags 2 bis abends 7 Ahr für den Durchgangsverkehr gesperrt. ** Personalien. Ernannt wurden der Studienrat Karl Schmidt aus Gießen zmn Studienrat an der Studienanstalt i. E. in Gießen; die Studienassessoren: Dr. Ludwig Gebhardt aus Langen zum Studienrat an der Oberrealschule in Gießen, Dr. Hans He sch er aus Friedberg zum Studienrat an dem Realgymnasium in Darmstadt, Ernst Hölzel aus Hungen zum Studienrat; der Justizinspektor bei dem Amtsgericht Schlitz Karl Funk zum 3ustizinspektor bei dem Amtsgericht Lauterbach. — 3n den Ruhestand verseht wurden: der Musikdirektor an der Aufbauschule zu Friedberg, Heinrich Müller, auf sein Rach suchen vom 1. Juli ab bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit. Auf Grund des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten der Amisgertchtsdirektor beim Amtsgericht Bad- Rauh eim Dr. Karl Fuhr und der Vermessungsrat Alexander Ludwig in Gießen, beide mit Wirkung vom 1. August an. ** Sie Luftpost. In diesen Tagen wirb der hiesigen Geschäftswelt auf Anregung der Luskver- kehr-A.-G. Oberhessen-Lahngau durch Vermittlung der Handelskammer und einer Reihe hiesiger Firmen ein Rundschreiben zugestellt, durch welches Handel und Jnudstrie und auch das Publikum im allgemeinen auf die Vorteile der Luftpost aufmerksam gemacht werden. Es ist merkwürdig, daß sich unsere Geschäftswelt, für die doch in der gegenwärtigen Zeit der Grundsatz: „Zeit ist Geld", d. h. also „Zeitgewinn ist Geldgewinn" mehr als je maßgebend sein sollte, dieses neuesten Verkehrsmittels noch so wenig bedient. Welche Ersparnis an Zeit wird bei der Beförderung von Briefen, Paketen, Warenproben, Zeitungen, 'Geschäftspapieren, Drucksachen, leichtverderblichen Waren wie Blumen, Früchten u. dgl., von Arzneien, Maschinenteilen usw. erzielt werden kann, dafür nur einige Beispiele. Die Amerikaner befördern ihre Post z. B. von Neunork nach San Franzisko im Flugzeug in 34 Stunden, statt mit der Bahn in fünf Tagen. Die Beförderung einer Sendung von Berlin nach London benötigt im Flugzeug nur 91 Stunden, von Berlin nach Zürich 7 Stunden, von Berlin nach München 6 Stunden. Don Gießen nach Ber- l i n kann eine Sendung in 4—5 Stunden befördert werden usw. Welche Vorteile in einer so schnellen Beförderung liegen, bedarf kaum einer Darlegung. Vor einiger Zeit hat eine größere hiesige Firma morgens einen ausführlichen Offertbrief durch Flugzeug nach Schweden befördern lassen und bereits am Abend die telegraphische Annahme der Offerte erhalten. Aus dem gewöhnlichen Bahnpostwege wären Tage vergangen. Die kleine Mehr- gebühr hat sich in diesem Falle reichlich bezahlt gemacht. Es wäre zu wünschen, daß sich auch die hiesige Geschäftswelt dieses neuen Beförderungsmittels künftig ausgiebig bedient. 00 Vorsicht mit der Tollkirsche (Atropa Belladonna). Die Waldbeeren reifen. Erwachsene und Kinder sammeln die wertvollen Früchte für den eigenen Bedarf ober zum Verkauf. Besonders die Geoirgswälder liefern viel Beeren, und manche arme Familie hat dadurch einen schönen Nebenverdienst. Das Sammeln der Beeren, das sehr oft von Kindern ausgeführt wird, kann aber auch Gefahren bringen, besonders, wenn unbekannte Beeren gepflückt ober gar gegeßen werden. Neben Erb-, Heidel- und Himbeeren wachsen don Früchte, die sehr giftig sind, dabei aber äußerlich mit genießbarem Obst sehr viel Aehnlichkeit haben. Die gefährlichste Frucht der Walder, die nicht nut in Ge- biigen, sondern auch in der Ebene vorkomml, ist die Tollkirsche. Sie ist an manchen Orten fast ganz Qusgerottet, aber gerade dadurch sehr gefährlich, weil sie wenig bekannt ist. Die Pflanze ist etwa li Meter hoch, oeräftet und hat eiförmige Blätter. Die Blüten stehen meist einzeln, sind röhrenförmig und nach vorn wie eine Glocke erweitert, von braunroter Farbe. Die Frucht, die einer Herzkirsche sehr ähnlich sieht, kann leicht für eine solche gehalten werden. Trotzdem hat sie Merkmale, nach denen man sie unschwer erkennen kann. Sie sitzt in dem fünfteiligen Kelch und hat innen viele Samen, aber feinen festen Kern. Der in der ganzen Pflanze ent- haltene Giftstoff (Atropin) bewirkt Schwindel, Betäubung und sogar den Tob. Gegenmittel sind Brechmittel und starker Tee. Eltern, die ihre Kinder in den Wald schicken, mögen diese ganz besonders vor der Tollkirsche warnen. ** Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtvichmarkt: 855 Kälber. 852 Schafe, 473 Schweine. Der Sira voLstreckungsplan für fielen. Für die hessischen Gefangenenanstalten hat der Generalstaatsantvall in Darmstadt einen Strafvollstreckungsplan aufgestellt, dem wir folgendes entncf)men: 1. Zuchthausstrafen werden sowohl gegen Männer als gegen Frauen allgemein im Landeszuchthaus Marienschloß vollstreckt. 2. Gefängnisstrafen gegen Erwachsene, deren Dauer oder deren noch zu verbüßender Strafrest einen Monat übersteigt, haben Männer in der Zellenstrafanstalt Butzbach, Frauen im Lanv'erichtsg:fängniS in Mainz zu verbüßen. Wmn die Strafe oder der zu verbüßende Strafrest einen Monat nicht Übersteigt, so ist die Gefängnisstrafe in den Land- und Amtsgerichtsgefängnissen zu verbüßen. In den Amtsgerichtsgefängnissen mit sog. beschränktem Betrieb (Höchst, Ridda, Lauterbach, Rieder-Olm, Pf?d ersheim und Wörrstadt) werden nur Gefängnisstrafen und Haftstrafen bis zu einer Woche vollstreckt, wenn sie sich entweder an eine in der Anstalt vollzogene Antersuchungs- hast oder an eine Vorführung nach § 212 der Strafprozeßordnung anschlleßen. 3. Die zu Gefängnisstrafe verurteilten Jugendlichen, d. h. Verurteilte, die das 18 Lebensjahr noch nicht vollendet haben, verbüßen ihre Strafe, wenn diese — oder mehrere zu vollstreckende Strafen zusammengerechnet — 14 Tage übersteigt, entweder in der Zellen st raf- anstalt Butzbach (jugendliche Mannspersonen) oder im Landzerichtsgefängnis Mainz jugendliche Frauenspersonen). Strafen, welche 14 Tage nicht übersteigen, werden in den Land- und Amtsgerichtsgefängnissen verbüßt. (S. hierzu das oben unter Rr. 2 Aas. 2 Gesagte.) 4. Festungshaft wird allgemein m der Festungsabteilung des Landgerichksgefängnisses Darmstadt vollstreckt. 5. Haft strafen gegen Erwachsene werden gegen Männer und Frauen in den Land- und Amtsgerichtsgefängnissen vollstreckt. (S. hierzu gleichfalls das unter Rr. 2 Abs. 2 Gesagte.) 6. Hast st rasen Jugendlicher (J. Rr. 3) werden entweder in der Zellenstrafanstalt Butzbach (gegen männliche Jugendliche), oder in dem Landgerichtsgefängnis Mainz (gegen weibliche Jugendliche), im übrigen fn den Land- und Amtsgerichtsgefängnissen nach Maßgabe des unter Rr. 3 Gesagten verbüßt. 7. Ordnungsstrafen und Zwangshaft (Zidilhaft) werden, ohne Rücksicht auf die Höhe der Strafe gegen Männer und Frauen in den Land- und Amtsgerichtsgefängnissen vollstreckt. 8. Sog. Anschluß st rasen, d. h. Gefängnisstrafen bis zu einem Monat und Haftstrafen, die sich an Strafverbüßungen im Landeszucht- haus Marienschloß oder in der Zellenstrafanstalt Butzbach anschlleßen, sind in der Zellenstrafanstalt Butzbach zu verbüßen. Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Amschau".) Jreilag, 2. 3uli: 3. 30 bis 4 Ahr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Ahr: Hausfrauennachmittag. Programm u. a.: „Don der Kindesseele: Erste Eindrücke, Entdeckungen und Erfahrungen", Vortrag von Lehrer Karl Stricker. 5.45 bis 6.05 Ahr: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45 Ahr: „Schillers Weltanschauungsgedichte II. (Die Götter Griechenlands; die Künstler)". Vortrag don Pfarrer Taesler.' 6.45 bis 7.15 Ahr: Fumchochschule Frankfurt: „Reue Wege der gegenwärtigen Philosophie: Ludwig Klages und das Problem einer Charakterkunde". Vo.trag von Privatdozent Dr. Heinemann. 7.15 bis 7.45 Ahr: Deamtensort- bildungskursus. 8.15 Ahr: „Der Liebestrank". Schwank in drei Aufzüge:, von Frank Wedekind. Anschließend: Reue S ballvlntten. AID durch Schimmel und Gärung werden alle für den \Vmter eingemachten Früchte sicher geschützt, wenn man sie mit Dr. OetRer's Einmache-Hülfe einmacht Es ist das einfachste, billigste und trotzdem ausgezeichnete Verfahren. — 1 Päckchen von Dr. Oetker's Einmache-Hülfe für 7 Pfg. genügt, um 10 Pfd. eingemachte Früchte, Gelee, Marmelade. 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Anz. 5517D Achtzigjährige I 3ivci 8nl0ixret I Yoghurt“ ' andere Personlichkeft ist Meyer- h o l d. Er verfolgt nicht nur künstlerisch-reformatorische Ziele, sondern ist außerdem bemüht, das Theater als Apparat einer rücksichtslosen sowjetistischen Propaganda auszubeuten. Er steht an der Spitze des Sheaters, das seinen Namen trägt und beinahe ausschließlich von einem partei-kommunistischen Publikum und von Arbeitern besucht wird. Der große Schlager seines Sheaters ist der phantastische Sketch „D.E.", nach Motiven des Romans „Sturm auf Europa" von Ilja Ehrenburg, unter Hinzunahme von Szenen aus Kellermarms Roman „Der Tunnel". Die Handlung dieses Propagandastückes fei hier in Kürze wiedergegeben: Die amerikanischen Kapitalisten wollen Europa vernichten und organisieren zu diesem Zwecke einen Trust — „D. E." Dem Trust gelingt es, ganz Europa mir Ausnahme Rußlands zu zerstören. Rußland organisiert unter dem Deckmantel eines Radiokonzerns den Dau eines Unterfeetunnete zwischen Leningrad und Neuhork. Die Rote Armee durchschreitet im geheimen den Tunnel, vereinigt sich mit dem aufftändischen amerikanischen Proletariat und ruft in Neuhork die Sowjetrepublik aus. In einer Reihe buntbewegter Bilder wird das moderne Leben in Europa und Amerika geschildert. Man sieht amerikanische Milliardäre auf einem Aeberseedampfer, ein Berliner Nachtlokal, Faszisten und Kommunisten — wobei die Szenen je nach den Ereignissen der Weltpolitik geändert werden. Dabei wird der Film als Hilfsmittel verwendet. Meyerhold benutzt hier gleichzeittg drei Projektionsflächen. Auf der mittleren erscheinen die Szenenbezeichnungen und Erläute- nmgen zur Handlung, während die beiden (Seiten- flächen die Telegramme der kämpfenden Trusts sowie geographische Karten bringen. Das alles wird mit einer ohrenbetäubenden Musik auf Ziehharmonikas, Haarkämmen, Messingplatten begleitet. Ein anderer Schlager Meyerholds ist das Stück „Brülle, Chinas", das unter Verwendung echt chinesischer Inszenierungs- und Spielmethv- Donnerstag, 1. Juli 1926 nigerweise Brenner und Gotthard getauft tour* den. Es bestehen, wie man sieht — freilich nur sieht, wenn man Italien und seine Politik wirklich kennt — eben doch engere Zusammenhänge zwischen dem Schicksal der Südtiroler und dem der Schweizer, als sich mancher träumen läßt. Daß schweizerisches Territorium auf den irre» dentistischcn Landkarten zu Italien geschlagen wurde, das konnte man, wie Üblich, mit dem südlichen Temperament entschuldigen, (Straßen- bezeichnungen aber sind bereits eine Angelegenheit des Gouvernats Rom, also eine staatliche Sache. Andererseits muß anerkannt werden, daß die faszistische Regierung ihr Möglichstes tut, um die guten Beziehungen zur Schweiz tatsächlich zu erhalten, zunächst wenigstens. Schon vor Mussolini gab es überall in Italien nach Nizza und Korsika benannte Straßen, es ist noch in allgemeiner Erinnerung, wie Mussolini persönlich einen der allzustürmischen Vorreiter in Mailand, der in die Annektierungstrompete schmetterte, zurückpfiff, und im offenen Gegensatz zu dem selbstherrlichen „Impero" gibt es immerhin einen Freundschastsvertrag mit der Schweiz, der alle Streitfälle ohne Ausnahme vor ein Schiedsgericht verweist. Freilich hat Mussolini diesen Vertrag in erster Linie aus strategischen Gründen entworfen und durchgeführt, das an* bert aber nichts an der Tatsache, daß er der Schweiz auf eine Reche von Jahren hinaus eine unbedingte Sicherheit verbürgt. Bedenklicher in dieser Hinsicht steht es nun aber mit der anderen Reibungsfläche, die durch die Genfer Akademie entstanden ist. Mussolini hat aus seiner Verachtung des Völkerbundes noch nie ein Hehl gemacht und die Angriffe auf die Schweiz, die durch die Genfer Zwischenfälle hervorgerufen wurden, sind gewiß nicht bloß in den römischen Redaktionsstuben redigiert worden. In Rom waren die ausländischen Korrespondenten schon von dem Schritt des italienischen Gesandten in Bern unterrichtet, als die Diplomatie es für zweckmäßig hielt, ihn zu verschweigen oder gar a priori zu dementieren. Nun hat Motta ftir die Eidgenossenschaft geantwortet und, wie Anbefangene zu urteilen wagen, die Schuld an dem Genfer Fasristenkrawall sein abgewogen und gerecht auf beide Teile verteilte Aber darin liegt bereits eine Kritik und eine Kritik kann der Faszismus nicht mehr vertragen. Früher zeichnete sich Mussolini dadurch aus, und das war eine Auszeichnung für ihn, daß er seinen Gegnern die Zunge lieh, eine Opposition als notwendig bezeichnete und Mahnungen feiner Freunde nicht in den Wind schlug. Jetzt dürfen nicht einmal mehr seine Freunde soviel Salz bei» steuern, als es braucht, um eine Suppe schmackhaft zu machen. Er kann nicht mehr die geringste Krittk vertragen, seine Auslandbehörden überantworten jeden harmlosen Zeitungsartikel der Inquisitton, die Verurteilungen wegen „beleidigender Aeußerungen", seien sie auch nur im Wirtshaus gefallen, greifen rapid um sich. So konnte es nicht ausbleiben, daß zwar die „loyalen und freundschaftlichen Erklärungen Mottas" mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, seine leisen Beanstandungen aber scharf zurückgewiesen wurden. Die italienische Einheitspreise steht vollkommen auf dem Boden der von den Hunderts saszistischen Vereinigungen der Schweiz angenommenen Tagesordnung, die sich mit der Haltung jener Genfer Faszisten, denen die Schweizer Regierung eine unzulässige Einmischung in die Bestimmungen des Gastlandes vorwirst, einverstanden erfiärt. Das gemäßigtste Blatt Roms, der „Messaggero", erklärt zu der Kritik M-ottas, jene Genfer Faszisten hätten gehandelt, wie sie handeln mußten; wenn sie auch zum Teil Funktionäre des Völkerbundes waren, so blieben sie dabei doch immer Italiener, und gegenüber Provokationen dürfen Faszisten nicht gleichgültig bleiben und werden es nicht. Damit ist ein reiner Tisch geschaffen: der Faszismus in den Völkerbund eingedrungen, die Genfer Wachtstube mit der Bewachung der Liga beauftragt. Es wäre töricht, anzunehmen, daß Italien von diesem Standpunkt zurückweichen würde. Weitere Zwischenfälle sind also unausbleiblich. den die „blutdürstige Kolonisierungspvlitrk Englands" geißelt. Meyerhold hat die Dekorationen und die Kulissen gänzlich verbannt. Die Rampe ist abgeschafft, die ganze Bühnentiefe füllt ein gewaltiger Aufbau. Das Bühnenbild verzichtet auf die realistische Wiedergabe irgendeiner konkreten Umgebung, man sieht eine gänzlich irreale Konstruktion, bestehend aus Terrassen, Treppen, Lifts und sich drehenden Rädern, die die Dynamik der Handlung verstärken sollen. Das Spiel bet! Darsteller wird auf dem Prinzip der „Dio- mechanik" aufgebaut. Es ist ein System von Dühnenbewegungen, das auf einer Folge einfacher, schematischer und höchst eindrucksvoller Gesten beruht, ein Gegensatz zu den natürlichen, aber unorganisierten Bewegungen. Es entsteht eine Art Geometrisierung der Bewegungen. Außerdem muß ein Schauspieler nicht nur in diesem Sinne zugleich Akrobat, sondern auch Transformationskünstler fein, da Meyerhold einen Darsteller oft mehrere Rollen in einen einzigen Szene verkörpern läßt. Da, wo bei Aktschluß der Vorhang normalerweise fallen müßte, läßt Meyerhold, wie er sagt, „das Stimmungsmornent im Bewußtsein der Zuschauer festhalten". In einem Stück z. B. endet ein Akt mit dem Ausruf eines über- raschten Kavaliers, dessen Worte als Heiratsantrag mißverstanden wurden: „Ich bin rein- gefallen." Auf der Bühne ist eine Gleitbahn auf gebaut Der Freier gerät auf diese Dahn, muß stolpern und sich winden, um das Gleichgewicht zu behalten und dabei die unmöglichsten Verrenkungen im Shimmy-Schritt machen, um den „Reinfall" plastisch zu gestalten. So führt Meyerhold in seinen Inszenierungen auch die Idee des Zirkus und des Da- rietss durch. Abgesehen von den Theatern Stanislawskys und Meyerholds erfreut sich das „Staatliche Jüdische Theater" Moskaus eines sehr starken Erfolges. Moskau besitzt außerdem noch eine Reihe von Theatern der sogenannten „Nationalen Minderheiten", in denen in Sprachen der verschiedenen in Rußland ansässigen Nationalitäten gespielt wird. Es wäre hier noch zu erwähnen, daß sogar „Hamlet" in baschkirischer Sprache, für di« eigens ein Alphabet vor kurzem erfunden wurde, da sie ein solches bisher nicht kannte, auf* geführt wird. , . > gehören. KrciS Schotten. fähig. Kreis Büdingen. Auf Rest ai Nachdruck verboten. 26. Fortsetzung. auf von A dem dem Am a ng- Die im Vs, Zer Fa< Vei all, Oberheffen. Landkreis Gietzen. dem Dogel das Brutgeschäft fast unmög(id) gemacht. Wenn die Bestimmungen zum Schutze dieser Bogel- art nicht besser befolgt werden, dann wird der Kiebitz auch hier bald zu den großen Seltenheiten der famr lagen und i jähr Mm Mssei die ®' und < sollen, gering smml ken si der ® und d luiig Der dritte Schuh Kriminalroman von Ole S t e f a n i. „3a." „Sie haben mir absichtlich vor zwei Stunden das Bein gestellt?" „3a." „Sie haben sich mir nur zur Verfügung gestellt, um meine Untersuchung zu stören?" „3a." „Sie haben in Essers Wohnung, als ich mich zur Tür wandte, die Kugel an sich genommen, die Brentheim getötet hatte?" „3a." „Wo haben Me sie?" Lippen bebten. „3a." „Sie erkannten ihn an jenem Nachmittag der Landstraße vor dem Garten?" „3a." „Sie haben ihn auch in meiner Maske aus Landungssteg am Rhein erkannt, als Sie mit Gendarmeriekutter kamen?" Kreises Lauterbach. Starkenburg. WSR. Reu - Is enburg, 30. 3uni. S' » e i“ »»“ nur e|ne1 „3a." „Er war es, den Sie in anderer Gestalt der 3nsel rudern sahen, ehe Sie uns befreiten?" Stadt Neu-Isenburg hat mitten Walde eine neue Schwimmbadeanstalt gcndherbergwerk unter besonderer Berück- sichligung der Verhältnisse in unserer Stadt veranstaltet. Der Besuch war besonders von den Vertretern der Jugendgruppen und Wanderver- eine ein recht guter. Als erster Redner sprach Medizinalrat Dr. Balser über Zwecke und Ziele des Jugcndherbergwesens im allgemeinen. Der Redner betonte den gesundheitlichen und bildenden Wert des Wanderns, das nicht darin bestehen soll, möglichst viele Kilometer zurückzulegen, solidem Freude an der Ratur und Kenntnis von Land und Leuten zu erwerben. Die erste Jugendherberge wurde in Altena errichtet, jetzt verbreitet sich schon über ganz Deutschland ein Retz von 2500 Jugendherbergen, die Zahl der Liebernachtungen betrug schon vor einigen Jahren über eine Million. Die Jugendherbergen stehen allen Waiidervereinen ohne Ansehen der politischen oder religiösen Stellung -ur Verfügung, jedoch nur zum Zwecke des Lleber- nachtens, nicht zu längerem Aufenthalte. Als zweiter Redner sprach Lehrer Stumpf über die Verhältnisse in Friedberg, die noch sehr viel zu wünschen übrig lassen. Rach langem Kampfe ist es gelungen, in der alten Schloßwache in der Burg eine Herberge zu errichten, die jetzt über 16 Betten verfügt. Doch läßt die gairze Ausstattung noch viel zu wünschen übrig, besonders fehlt es an Kochgelegenheit; ein gestifteter Gasherd genügt keinesfalls den gewünschten Anforderungen. Es soll deshalb im Laufe des Jahres vielleicht in Verbindung mit dem hier statt - findeiiden Bundestage der ..Adler und Falken', eine Jugendherbergswerbung stattfinden, von der man sich viel verspricht. Ramens der Stadä Friedberg sprach Stadtverordneter Rektor Koch und gab die Versicherung, daß die Stadt den Bestrebungen durchaus entgegenkommend gegenüberstehe. Die Versammlung wurde durch den Gesang von Jugendliedern der Gruppen eröffnet und geschlossen. §§ Friedberg. 30. Juni. Gestern nachmittag versammelten sich in der Turnhalle des hiesigen Gymnasiums Vertreter der Volks- und Höheren Schulen aus dem Kreise Friedberg, um zu der vom Landesamt für das Bildungswesen gegebenen Anregung, in jedem Kreise heimatkundliche Arbeitsgemeinschaften zu gründen, Stellung zu nehmen. Zweck dieser Arbeitsgemeinschaften ist die Erforschung der engeren Heimat in geschichtlicher, geologisch-naturwissenschaftlicher und volkskundlicher Hinsicht. Auf Vorschlag des Schulrats Feuerbach wurde Oberstudiendirektor Dr. Faber zum Vorsitzenden. Lehrer Braun- Friedberg zum Schriftführer gewählt. Eine lebhafte Aussprache zeitigte die Frage der Arbeitsmethode. Man einigte sich schließlich in der Weise, daß zwei Arbeitsgruppen gebildet wurden, eine volkskundlich-geschichtliche mit Prof. D l e ch e r- Friedberg als Vorsitzenden und eine geogr'phisch- naturwissenschaftliche unter dem Vorsitz des Studienrats K ni e r i m-Bad-Rauh im. In Erwägung wurde noch gezogen eine örtliche Abgrenzung innerhalb der Fachgruppen nach entsprechenden Einheiten. WSR. Dad-Rauheim, 30. Juni. Ecke Haupt- und Schulstrahe ereignete sich hier gestern nachmittag ein heftiger Zusammen- ft o h zwischen einem Personenkraftwagen und einem R a d f a h r e r, der in schnellem Tempo um die Ecke herumgefahren war. Der Radfahrer, ein 15jähriger Klempnerlehrling aus Friedberg, mußte mit einer schweren Schä- delverlehung nach dem Krankenhaus gebracht werden. Er ist noch nicht vemehmungs- Bg. G r o ß e n - D u s e cf. 30. Juni. Sonntag und Montag feierte der ® e f „ verein „Sängerkranz" sein 2 5 j ä h - riges Jubelfest. Rachdem am Samstagabend nach einem Fackelzug der hiesigen Vereine em Kommers mit Begrüßung, musikalischen und gesanglichen Darbietungen der vier Gesangvereine unserer Gemeinde stattgefunden hatte, erfolgte in den Mittagsstunden des Somttags der Empfang der auswärttgen Vereine. _ Ein stattlicher Festzug durch die reich geschmückten Straßen des Dorfes führte die auswärtigen Gäste und den größten Teil der Bürger auf den hübsch gelegenen Festplah. Hier begrüßte der Vorsitzende des festgebenden Vereins, Karl Größer, die Erschienenen nach einem mit Musikbegleitung vorgetragenen Begrüßungschor. Frl. Pfeiffer überreichte eine von den Frauen und Jungfrauen der Gemeinde gestiftete Fahnenschleife. Es folgten Gesangsvorträge der Gastvereine, darunter ein besonders beifällig aufgenommener Masfen- chor mit etwa 400 Sängern, ausgeführt von sämtlichen unter Leitung des Festdirigenten Konr. Ricolai stehenden Vereinen. Abends stellte der Turnverein „Gut Heil" zwei prächtig wirkende Pyramiden. Der Montag gestaltete sich — da das Kinderjugendfest mit der weiteren Feier verbunden wurde — zu einem wahren Volksfeste. Der Gesangverein „Sängerkranz" darf mit dem Verlauf des Festes in jeder Hürsicht zufrieden fein. jp Aus dem mittleren Lumdatal, 30. Juni. Heuer reichen dem Landmann die langen Sommertage noch nicht einmal aus, um alle Arbeit zu bewältigen, die seiner wartet. Die Heuernte ist in vollstem Gange, und es liegt dem Bauersmann sehr viel daran, bei diesem herrlichen Som- inerwetter das Heu, das mit den wichtigsten Be- hiesige Lokale eine Weinreise gemacht hatts und in später Rachtstunde in der Rheinpromenade auf einer Bank einschlief, entdeckte bei Tagesanbruch, daß ihm ein Leichenfledderer seine Brieftasche mit Inhalt gestohlen hatte. — Gelegentlich eines Sängersestes im Vorort Marienborn tarnen beim Döller- chießen zwei LInglücksfälle vor. Ein vorzeitig losgegangener Schuß riß einem Feld- chützen einen Teil der linken Hand ab und ügte ihm auch Verletzungen im Gesicht zu. Jnr zweiten Falle wurde ein zehnjähriges Mädchen durch eine Böllerladung getroffen. Beide Verletzte kamen ins Krankenhaus nach Mainz. Kreis Wetzlar. ' Wetzlar, 30. Juni. Die Stelle des S t a d t b a u r a t s bei der hiesigen Stadtverwaltung wurde jetzt dem Regierungsbaurat Golder bei der Reichsbahndirektton in Stuttgart übertragen. XX Krofdorf, 30. Juni. Der Saaten- ft a n b in unserer Gemarkung ist nach den reichen Niederschlägen der letzten Wochen und dem warmen Wetter der jüngsten Tage r e ch t g u t. Dagegen gibt die Obsternte Anlaß zu Klagen. Aepfel versprechen eine geringe Ernte, Birnen trifft man wenig an. Ausfallend ist das massenhafte Mster- ben der Zwetschenbäume; diese haben untrer vorletzten strengen Winterkalte von allen Obstarten am meisten gelitten. —tz— Lützellinden, 30. Juni. Am lammenden Sonntag wird hier das Jahresfest der christlichen Gemeinschaft gefeiert. Im Festgottesdienst wird Pfarrer K ö d b i n g aus Eberstadt bei Lich predigen, ebenso wird er am Rachmittag Die Festansprache halten. Der hiesige Posaunenchor, wie auch der Gemischte Chor werden bei dem Feste mittoirlen. Kreis Biedenkopf. s. R o d h e i m a. b. B., 30. Juni. Eine einzigartige, sehr bemerkenswerte Ausstellung veranstaltete der hiesige Hauptlehrer Hellwig. Mit großer Liebe und viel Sachkenntnis sammelte er die Vertreter unserer heimischen Pflanzenwelt und stellte sie in Gattungen und Lebensgemeinschaften zusammen. Am Sonntag wurde die Ausstellung im Saale der Wirtschaft! Bender eröffnet, und sie lockte viele Besucher herbei. Am Montag besuchten sie die Mitglieder des geographischen Seminars in Gießen. Herr Hellwig verfolgt mit seiner Ausstellung einen doppelten Zweck: er will 1. die Mittel für Öen Ankauf eines Ediaskops zusammenbringen, und 2. die Liebe zur Ratur wecken und pflegen. Bei seinen Führungen durch die Ausstellung betont er immer wieder, daß der Raturfreund sich an den wachsenden Blumen erfreuen und das sinnlose Abreitzen und Wegwerfen unterlassen soll. Im Sevtember soll eine Ausstellung der Herbstblüher stattfinden. Schon jetzt sei auf diese Gelegenheit, Die heimische Pflanzenwelt kennen zu lernen, empfehlend hingewiesen. Kreis Marburg. -- Marburg, 30. Juni. Wie kürzlich bei den Srdarbeiten an der alten Bibliothek. Dem einstmaligen Barfüßerkloster, so stieß man jetzt auch bei den Arbeiten in der reformierten Kirche an der Außenwand, dem sog. Kornmarkt, auf große Mengen menschlicher Gebeine. Dort befand sich früher das im Jahre 1527 aufgehobene Dominikanerkloster. Der sog. Kornmarkt war bis zum Jahre 1536 ein Friedhof. Dillkreis. bl. Dillenburg, 30. 3uni. Für den Dill- kreis hat sich eine Gruppe des Ostbundes gebildet, die dem Hessen-Nassauischen Landesverein angeschlassen wurde. bl. Dillenburg, 30. Juni. Rach dem Stande vom 26. Juni beträgt die Gesamtzahl der Vollerwerbslosen des Kreises 1646 Personen. An Zuschlagsempfängern waren am genannten Tage 2736 Personen vorhanden. Bei Rotstandsarbeiten werden z. Zt. 530 Mann beschäftigt. Die Ziffern haben sich durch Entlassungen bei der Reuhossnungshütte in Sinn, die vorübergehend eine Anzahl Arbeiter eingestellt hatte, wieder erhöht. bl. Herborn, 30. 3uni. In der Frage der Errichtung einer Aufbauschule für unsere Stadt fand hier eine Konferenz statt, an der Vertreter des Staates, des Kreises und der Stadt teil- Schon vor Brasilien war Italien innerlich von Genf abgetanen, die unhaltbare Situation, wie sie nach seiner Meinung dadurch geschaffen wird, daß Sozialisten aus aller Welt in Genf den Faszismus und seine Götterwelt angreifen können, wird seinen Mißmut rasch steigern. Schon wird im „Popolo b’Ötalia“ und damit in der in deutscher Sprache in Südtirol erscheinenden „Al- penzeitung". für die Verlegung des Völkerbundssitzes nach Wien Stimmung gemacht, wo man „einen der herrlichen, verspinnwebten kaiserlichen Paläste benützen könnte, statt in Genf Millionen für einen Reubau zu verpulvern". Denn Wien steht unter dem Schweigegebot Roms, die dortige Regierung darf im Gegensatz zu der noch freien der Eidgenossenschaft keine Kritik am Liktoren- bündel dulden. Sollte das aber auch dort oder weiter in Genf geschehen, so wird Italien au» Dem Völkerubnd austreten. Für die Schweiz wäre damit ein Problem zwar gemildert, aber nicht gelöst. Q i! durch,1 Ellerha leider I reiche" Aeptt die gibt -s. DÄ Arbeiter gen -Staut wurde > liyi le «itung >iwrd bi aber dv N 6 Hortest und tet beide h in eine einen 1 ikehr Posten Hande die b tonnte außer übetfi .Die' nchui Die übt j mit etwa 2700 Kubikmeter. Spielwiesen für Die Jugend, einem Licht- und Luftbad und anderen Einrichtungen geschaffen. Die Eröffnung Der Schwimmhalle, die im Volksmund das „kleine Stadion" genannt wird, fand unter starker Beteiligung am Sonntag statt. WSR. Groß-Gerau, 30. Juni. Wie das „Groß-Gerauer Kreisbl." hört, hat sich die Riedentwässerungstätigkeit bei der gegenwärtigen Lleberschwemmung in den Gemarkungen Erfelden und Korn sand ausgezeichnet bewährt. In Erfelden konnten mit Hilfe mehrerer von Worms heranaeschaffter Pumpen 200 Morgen Land von der Tleberflutung gerettet werden. Zu diesem Zwecke wurden an der Rabenspitze ein Damm durchbrochen, um das Wasser vom Rheingraben in den Kanal einzu- leiten. Jeden Tag wird in dem betroffenen Geriete fünf Stunden lang gepumpt, so daß die Gefahr einer schweren Hochwasserschädigung beseitigt ist. Auch in Der Gemarkung' Kornsand konnten etwa 1000 Morgen Land gerettet werden, obwohl sie außerhalb des Entwässerungsdamms lagen. Die von Hochwasser betroffenen Landwirte sind mit Der Tätigkeit der Riedentwässerungs- pumpen, Die mit einer Geschwindigkeit von 100 bis 120 Sekundenlitern arbeiten, sehr zufrieden. Rheinhessen. WSR. Mainz, 30. Juni. Ein junger Mann aus Wiesbaden, der durch verschiedene siandteil des Winterfutters seines Viehes bilden soll, in bester Qualität heimzubekammen. Fieberhafte Tätigkeit wird allerorts entfaltet, um auch noch andere dringende Arbeiten, wie Kartoffelhäufeln, Dickwurznachsetzen und die A b e r n t u n g des Rapses oder Wintersamens mitzuoerrichten. „3n diesem Jahre rentiert es sich aber wieder einmal, Raps zu ziehen", so konnte man des öfteren Bauersleute hören, die dieser Tage den Wintersamen, der nun eine glänzende Reifezeit hat, geschnitten und in früher Morgenstunde eingefahren haben, nachdem er nur kurze Zeit den heißen Strahlen der Sonne ausgesetzt war. Zum Ausdreschen ist selbstverständlich eben keine Zeit. Der vor Monatsfrist ausgesäte Mais ist vielerorts als Folge des naßkalten Wetters nicht aufgegangen: die Aecker mußten umgepflügt werden. Als Ersatz twurben sie größtenteils mit Erbsen und Wicken Stockhausen, 30.Juni. Am Sonntag, 11. Juli, und Montag, 12. Juli, feiert der hiesige Kriegerverein sein Fahnenweihfest, zu dem etwa 30 auswärtige Vereine ihr Erscheinen zugesagt haben. Mit dem Jubelfest ist das Bezirks-Kriegerfest des Hassia- bezirks Grünberg verbunden. Kreis Friedberg. sf. F r i e d b e r g, 30. Juni. Im großen Hörsaale des Polytechnikums hatten Die hiesigen Verbä nd-e Der Jugendvereine einen Werbeabend für das deutsche Ju- fpielen, lege ich hiermit das Bekenntnis meiner Schuld ab, in Der Hoffnung, durch diesen Schritt eine Milderung meiner Strafe zu erwirken. 3d) war mit Fräulein Brentheim, der Pflegetochter des Kommissars, heimlich verlobt, und wir waren fest entschlossen, uns zu heiraten. Unserer Verbindung stand aber Der hartnäckige und durch nichts zu rechtfertigende Widerstand Herrn Brent- heims entgegen. Die Demütigungen, denen er mich aussetzte, und die Leiden, Die er seiner Pflegetochter durch die sich mehrenden Austritte meinetwegen verursachte, wurden so unerträglich, daß ich in meinem vielleicht allzu leicht erregbaren Temperament eines Tages beschloß, der Sache ein Ende zu machen. 3ch war es, der den Kommissar am 14. Juni um 10 Uhr abends im Garten der Villa Grete erschoß. Der Hergang war folgender: Aufs äußerste gereizt durch Gretes Schilderung einer am 10. Juni erfolgten heftigen Szene zwischen ihr und ihrem Pflegevater, steckte ich einen großen Browning, Den ich vor einem Jahre in Warschau geschenkt bekommen hatte, zu mir unb verließ bei heranbre- chenDer Nacht meine Wohnung. Ich begab mich zur Villa Grete, wo ich von neun bis zehn Uhr dem Hause gegenüber, unbemerkt hinter einem Baum am Wegrand versteckt, auf Den Augenblick wartete, in Dem sich Der Kommissar von seiner Pflegetochter getrennt haben würbe. Das geschah nach halb zehn Uhr. Brentheim begab sich auf sein Zimmer. Es gelang mir schließlich, mich ihm bemerkbar zu machen unb in ben Garten hinter Den Flieberbusch zu locken. Als ich ihn gerabe vor mir hatte unb er mir zu- gemannt war, um zu hören, was ich sagte, zog ich meinen Browning aus Der Tasche, richtete ihn blitz- schnell auf seine Brust unb streckte ihn mit bem ersten Schuß nieber. Darauf verließ ich schleunigst Den Garten, in panischem Schrecken über Das, was ich getan hatte, unb eilte auf bie Lanbstraße, um mich daoonzu- machen. Den Revolver hatte ich gerabe in ein Gebüsch geworfen, als ich unerwarteterweise Herrn Rechtsanwalt Kramer in bie Hände lief. Ich mußte gute Miene zum bösen Spiele machen unb mit ihm zur Villa zurückkehren. (Fortsetzung folgt) Schotten, 30. Juni. Im Monat Juni sind im ganzen Bereich Des Vogelsberges die Sominerfrischler, im Volksmund „Luft- schnapper" genannt, so gut wie ausgebliebe n. Rur ganz vereinzelt fanden sich einige ein, Die bei Rebel unD Regen nicht auf ihr Rechnung kamen. Erfreulicherweise sinD aber jetzt für Mitte Juli, Die beginnenDe Ferienzeit, zahlreiche Anmeldungen eingelaufen, so daß zu hoffen ist, daß Der Sommer noch einigermaßen für Den Ausfall im Juni entschädigen wird. Kreis Alsfeld. *1* Merlau, 29. Juni. Am Sonntag fanden in Den Kirchen zu Merlau und Flensungen Gottesdienste zum Gedächtnis des 250. Todestages Paul Gerhardts statt. In Flensungen trugen Die Schulkinder vier Lieder Paul Gerhardts vor, die Lehrer Fischer mit ihnen eingeübt hatte. In Merlau, wo der Jugendverein und Die Schüler sangen, wurden die neuen Orgelprospektpfeifen erstmalig in Gebrauch genommen. Die alten waren während des Krieges Der Beschlagnahme verfallen. Durch Tellersammlung war seitdem Der Betrag für neue Orgelpfeifen zusammengekommen, die durch Den Orgelbauer Franz Müller von Lich für 328 Mark geliefert wurden. Die^Merlauer Kirche hat nun ein neues Geläute und einen neuen Orgelprospekt. DaS Fehlen derselben wirkte sowohl für das Auge wie für das Ohr sehr störend. — Heute fand in Gegenwart des Herrn Kreisdirektors Dr. Stammler von Alsfeld und des Dekans Schmidt von Grünberg eine Sitzung des Gerneinderats und des Kirchenvorstandes statt, in welcher Der Gemeinderat Den seinerzeit abgelehnten Beitrag Der Ge - meinDe zur Unterhaltung der Kirche bewilligte. Kreis Lauterbach. $ (Engetrob, 28. Juni. Unter Beteiligung Der ganzen Gemeinde unD Der Rechner Der benachbarten Orte wurDe heute unser GemeinDe- unD Kirchenrechner Greb zu Grabe getragen. Pfarrer Geling zeichnete das Lebensbild des Verewigten, der als Nachfolger feines Vaters seit 1910 mit großer Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue seine Aemter verwaltet habe. Die Achtung und Liebe, die der Verstorbene in Der GemeinDe und bei seinen Berufskollegen genoß, fanD AusDruck bei Der Kranzniederlegung Durch Den Kirchenvorstand, Den OrtsoorftanD, den Kriegeroerein unD Den KreisrechnerverbanD Des Ridda, 30. Juni. Zur Linderung der Wohnungsnot wird auch in Diesem Jahre von der Stadt ein Doppelwohnhaus erbaut. Baulustigen wird außerdem geeignetes Baugelände zugewiesen. — Der diesjährige Sommermarkt beschränkt sich auf P f e r d e -, Fohlen- unD Krämermarkt. Der Schweinemarkt, gewöhnlich für die Umgebung die letzte Gelegenheit, sich mit Ferkeln einzudecken, muh wegen der im Kreise herrschenden Maul- und Klauenseuche a u s f a l l e n. 00 Aus Dem mittleren 97 i D D a t a I, 30. Juni. Der Kiebitz kommt auch noch in Den sumpfigen Wiesen Des N i D D a t a I e s vor, ist aber in Der Zahl stark zurückgegangen. Im Frühjahr werDen Die Eier, Die auf Dem WiesenboDen sehr schwer zu erkennen sinD, gesucht, unD badusch wirb „In ben Rhein geworfen." „Warum?" Molinski schwieg. Fragen unb Antworten waren im gleichen, leisen, gepreßten Ton gesprochen. Der graue Sanitäter sah ratlos von einem zum anberen ... Zischenb rollte ein neuer Zug in bie Halle. Durch ben Lärm kam Kramers verhaltene Frage: „Was soll ich mit Ihnen tun?" „Mich verhaften lassen." „Ja." „Weil ich Racoszy zur Flucht oerholfen habe." „Warum?" „Ich wollte nicht, baß ber Unschulbige gefaßt würbe." „Der Unschuldige?" „Ja — wenigstens an Brentheims Tode." ,Mer erschoß ihn?" Stille. Sann: „Ich!" Kramer sprang auf bie Beine. Der Krankenwärter wich zurück. „Sanitäter!" sagte Der Anwalt. „Holen Sie Die Bahnhofswache!" Die betben Zurückbleidenben blickten sich nicht an unb sprachen kein Wort. Molinski sah zum Fenster hinaus, Kramer auf seine Fäuste. Zwei Schutzleute traten ein. Der Rechtsanwalt sprach straff aufgerichtet mit klarer, ruhiger Stimme: „Mein Name ist Kramer. Ich bin Beamter ber Berliner Kriminalpolizei. Hier meine Legitimation. Bringen Sie Diesen Mann in Das Untersuchungsgefängnis. Ich übernehme Die Verantwortung. Sagen Sie Dem Inspektor: in Der MorDsache Brentheim!" V. In Der folgenben Nacht hörte Schulz, wie Der Rechtsanwalt sich ruhelos in seinem Bett wälzte unD (einen Schlaf zu finben schien. Erst als Der Morgen zu Dämmern begann, lag er still. UnD als Schulz aufstanD, hörte er an Den tiefen Atemzügen Des anDeren, Daß er fest unD ruhig schlief. Schulz hütete sich, ihn zu wecken. Er ging jiad) Dem Frühstück sinnenD Durch Das oeröDete Haus unD um Den stillen Garten herum, vergeblich bemüht, Die gestern nachmittaa von Kramer erfahrenen Tatsachen miteinanDer in Zusammenhang zu bringen. Noch erschien ihm alles nebelhast unD unwahrscheinlich. Um zehn Uhr kam ein raDelnDer Bote vom Untersuchungsgefängnis unD überbrachte ein Schreiben für Den Rechtsanwalt. Auf Zehenspitzen ging Schulz Die Treppe hinauf. Als ör Die Tür öffnete, sah er Kramer aufrecht in Den Kissen lehnen, mit wachen, überlegenDen Augen. . „Guten Morgen, Herr Rechtsanwalt. Ein Brief vom Untersuchungsrichter!" SchweigenD öffnete Kramer Den Umschlag. Er enthielt zwei Schreiben. Das eine war vom Untersuchungsrichter an ihn gerichtet. Es hieß Darin: „. . . Molinski setzte feiner Ueberführung keinen WiDerstanD entgegen. Er benahm sich ruhig unb teil- nahmlos bis äu bem Moment, wo man feine Klei- bung Durchsuchte unD ihm unter anderem bie Gelbtasche abnahm. Da geberbete er sich plötzlich wie ein Wilber, hielt bas Portemonnaie fest und schlug, um sich. Aber die Beamten wurden seiner trotzdem Herr. Darauf nahm er wieder fein früheres abgespanntes unb in sich versunkenes Verhalten an. Um acht Uhr abends bat er plötzlich um Tinte und Papier und brachte sein Geständnis zur Niederschrift, dessen Kopie ich Ihnen beiliegend übersende. In der Brieftasche fanden mir einen Paß, zwei in überaus herzlichem Tone gehaltene Briese von Fräulein Grete Brentheim und ein Schreiben von seiner Mutter aus Warschau. 3m Portemonnaie (um bas er so gekämpft hatte) waren Gelbscheine im Gesamtbeträge yon zmeihun- bert Mark, eine Wochenkarte ber Bonn—Mehlemer Kleinbahn, unb im inneren Fach eine beformierte Geschoßkugel. 3d) mürbe mich freuen, über die Funde und das Geständnis, das uns nun endlich die Aufklärung über die Mordtat an unserem teuren Kommissar Brentheim in Die Hand gibt, noch heute mit 3hnen Rücksprache nehmen zu können . . . usm." Schulz las gespannt Roman Molinskis Geständnis, das ihm ber Rechtsanwalt wortlos herübergereicht hatte. Kramer rauchte, im Bett liegend, eine Zigarette unb sah gebankenvoll zur Stubenbecke. Das Schriftstück lautete: „Nackbem meine Kräfte nicht mehr ausreichen, die Rolle, bie ich übernommen habe, zu Enbe zu „Wissen Sie denn, was Sie Damit angestellt haben? Molinski — Sie können es in seinem vollen Umfang nicht ahnen. Der gefährlichste Mensch ist nun roieber in Freiheit. Um ein Haar hätte ich ihn eingefangen! — Unb Brentheim bleibt ungeracht." Kramer sah ben Polen an. Der saß unbeweglich, mit einem schweren, schmerzlichen Lächeln in eine Ecke ftarrenb. r ,, Unb beim Anblick Dieses Lächelns fühlte Der Anwalt, wie Die Erregung, Die noch in ihm schlief, sich roanDte unD in eine neue Dimension wuchs. Er richtete sich vollenDs auf. Fern unD unbestimmbar noch glimmte etwas in ihm, zerteilte Schatten unD Nebel unb leuchtete plötzlich auf — unerträglich in feiner Grellheit. „Molinski!" sagte er mit heiserer Stimme, scharf akzentuiert. „Der Mann, ben Sie nachts auf Ihrer Treppe trafen, war boch Sanbberg!" Der Jüngling brehte sich jäh nach ihm um. Seine Das stc A gründ: teilen inert Reich bie 2 e Da man d Lang her; könr der bei i der I I ilahmen. Der Minister hat die Schaffung einer Schule nur für M ä dchen genehmigt. Die Debatte zeitig.o verschiedene Ansichten. Insbesondere drehte sich die Aussprache um die Mittelschule, die man unter allen Umständen erhalten will. Die Kreis- und Stadtoertreter sahen in der neuen Schule nur einen Fortschritt. Der Minister wird nunmehr zu entscheiden haben. Obcrlahnkreis. O Gräveneck, 30. Juni. Bei einem Gang durch b»e Gemarkungen Gräveneck, Weinbach. Elkerhausen, Falkenbach und Wirbelau muh man leider feststellen, daß trotz der gut verlaufenen, reichen BlLtenpracht der Kernobstbäume die Aepfelbäume völlig leer dasteh en und die Birnbäume nur wenig Früchte bringen. Auch wenig Zwetschen und Pflaumen gibt es. Maingau. WSR. Frankfurt a. M., 30. Juni. Der Arbeiter Franz Iurek, der vor einigen Tagen in der Friedberger Landstraße auf seine Braut einen Mordversuch ausführte, wurde in der vergangenen Rächt von der Po- llzei fest genommen. Einer hiesigen Tages- zertung hatte Iurek mitgeteilt, daß er Selbstmord begehen würde. Schließlich scheint er sich aber Loch eines Besseren besonnen zu haben. — Das Einbruchskommissariat verhaftete den Portefeuiller Friedrich Busch aus Offenbad) und den Schuhmacher Karl Lotz aus Hanau, beide hier wohnhaft, die Ende voriger Woche in einem Geschäft auf dem Kleinen Kornmarkt einen Einbruch verübt haben, trobei ihnen mehrere Zentner Kaffee, und größere Posten von Kakao und Schokolade in die Hände fielen. Ein großer Teil der Waren, die bereits an einen Hehler verkauft war, konnte wieder herbeiaeschafst werden. Dusch ist außerdem noch verschiedener anderer Einbrüche überführt. — Außerhalb Frankfurts wurde ein Dieb fe st genommen, der bei seiner Der- nehmung zugegeben hat. nicht weniger als l 7 Diebstähle allein in Frankfurt ver - übt zu haben. WSÄ. Frankfurt a. M., 30. Juni. 3n der heutigen Stadtverordnetenversammlung wurden von den wichtigeren Vorlagen das Projekt einer Großmarkthalle und der Antrag auf Gewährung eines alljährlichen Goethepreises für die beste Leistung der Weltliteratur den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Die Verträge, mit denen die Gemeinden Schwanheim, Griesheim und Sossenheim eingemeindet werden sollen, wurden nach längerer Debatte gegen eine geringe Minderheit genehmigt, da die Versammlung trotz aller Bedenken wegen der starken finanziellen Belastung sich der Gewichtigkeit der Gründe, die für die Eingemeindung sprechen und die besonders auf dem Gebiete der Siedlungspolitik liegen, nicht verschließen konnte. Das Urteil in der AusWerlungs- srage von Reichsbanknolen. Aus der jetzt im Wortlaut vorliegenden Begründung des Reichsgerichts zu seinen Urteilen vom 20. Mai d. 3., in denen die Auf-» Wertungsansprüche der Besitzer von Reichsbanknoten abgewiesen wurden, teilt die Reichsbank folgendes mit: Das Reichsgericht führt aus, daß selbst, wenn man die Banknoten als Schuldverschreibungen I bürgerlichen Rechts ansehen wollte, der dadurch verbriefte Anspruch lediglich auf Zahlung des Rennbetrages in früherer Währung gelten wü^de. Es handele sich dabei nicht um sog. „Golvooliaa- tionen'. Die frühere Goldcuilösungspslicht sei lediglich für das Geldzeichen angeordnei gewesen und später beseitigt worden: sie lasse sich nicht auf die bürgerlich-rechtliche Schuldverschrel- bung, die man in der Rote außerdem noch sinden wolle, ausdehnen: das Zahlungsversprechen sei vielmehr, wenn es existiere, ein solches gewöhnlicher Art ohne Goldklausel. Das Reichs- gericht fährt bann fort: ..Die streitigen Roten find deshalb sowohl in ihrer Eigenschaft als Geldzeichen, wie in der als Schuldverschreibungen der Entwertung anheimgefallen. Wenn auch bis zum Erlaß des neuen Bankgesetzes theoretisch die Möglichkeit einer Wiederaufnahme der öffentlich-rechtlich begründeten Goldeinlösung bestand, so hat dies doch in der Derkehrsauffassung die Entwertung der Roten weder nach der einen, noch nach der anderen Seite verhindert." Das Reichsgericht prüft sodann die Frage, ob etwa den Klägern ein Recht auf Aufwer - t u n g dieser möglicherweise bestehenden bürger- lich-rechtlichen Forderung zustehe. Cs verneint diese Frage, da weder nach den Bestimmungen des Aufwertungsgesetzes, noch nach allgemeinem bürgerlichen Recht (§ 242 DGB.) die Voraussetzungen einet Aufwertung gegeben seien. Eine Aufwertung nach DGB., nämlich'individuell verschieden, je nach den persönlichen Verhältnissen des einzelnen Besitzers, widerspreche dem Begriffe der Banknote und dem Zweck, zu dessen Erfüllung sie geschaffen sei, nämlich als Zahlungsmittel von Hand zu Hand zu gehen und dem Verkehr zu dienen. Cs seien hier dieselben Erwägungen maßgebend, die schon in früheren Urteilen des Reichsgerichtes zur Ablehnung einer Aufwertung von Wechseln und von städtischem Rotgeld geführt hätten. Hieraus folge, daß die Banknoten der Kläger zur Zeit der Erlassung des Dankgesehes feinen höheren Wert gehabt hätten, als ihrem Renn- betrage nach dem damaligen Kursstände der Deutschen Papiermark entsprochen habe, und daß auch kein Recht auf Aufwertung dieses Rennbetrages gegeben gewesen fei. Den Klägern sei deshalb durch das Dankgesetz und den Aufruf der Banknoten nach keiner Richtung etwas entzogen worden. Auf die von den Klägern behauptete angebliche Ungültigkeit des Dankgesehes vom 30. August 1924 komme es daher für die Entscheidung des Rechtsstreites gar nicht an. 3n Wahrheit sei auch eine solche Ungültigkeit nicht vorhanden: sämtliche Gründe, die von den Klägern hierfür angeführt wären, seien irrrig. Insbesondere liege, wie schon ausgeführt, eine Enteignung oder sonst verfassungsmäßig unzulässige Entziehung von Vermögenswerten nicht vor. Zu verwerfen sei auch die Dehauptung, daß die im Dankgesetz getroffene Regelung des Bank- notenumtauschs der Billigkeit üiderspreche. Hierzu sagt das Reichsgericht folgendes: „Auch hier ist darauf hinzuweisen, daß die Roten mit Vor- kriegsdatum schon zur 'Zeit der Erlassung des Bankgesehes in der nämlichen Weise von der Entwertung betroffen gewesen waren, wie die mit späterem Ausgabedatum. Keine Beachtung kann dabei dem Umstand geschenkt werden, daß nach Kriegsende da und dort Gerüchte auftauchten, wonach es mit den „rotgeftembelten Taufendmarkscheinen" eine besondere Dewandnis habe und ihnen ein besonderer Wert innewohne. Es handelte sich dabei um unlautere Machenschaften. Das Deutsche Reich hatte sich verpflichten müssen, die Roten, die wahrend des Krieges im besetzten belgischen Gebiet mit Zwangskurs im Verkehr gebracht werden waren, einzulöfen, und dieser Umstand wurde von Unredlichen dazu benutzt, um im Inland Scheine aufzulaufen, sie nach Belgien zu verbringen und von dort aus dem Reich zur Einlösung vorlegen zu lassen." Das Reichsgericht hat hiernach anerkannt, daß durch das Dankgesetz von: 30. August 1924 keine Schmälerung von Rechten der früheren Danknotenbesitzer bewirkt worden ist, fonbeni daß das Dankgesetz in seinen Umtauschbestimmungen und der Höhe des Umtauschentgeltes lediglich der bereits auS tatsächlichen Gründen eingetretenen Entwertung der Danknolen in zutreffender Weise Rechnung getragen Hal: es stellt ferner reft, daß zwischen irgendwelchen sog. Vorkriegsnoten und den später ausgegebenen Danknoten teinerlei rechtlicher Unterschied bestehe. Damit wird jeder Begründung der Ansprüche der sog. Reichsbankgläubiger der Boden entzogen, und es zeigt sich nunmehr unbestreitbar, daß diese Bewegung nicht auf Verteidigung wirklicher Rechte, sondern auf grundlose Bevorzugung gewisser Danlnotenbefiher vor den übrigen Dollsteilen unter schwerster Schädigung der allgemeinen Interessen hinausläuft. Da über die Rechtslage jetzt keinerlei Zweifel mehr bestehen kann, wird die Reichsbank Qln* träge und Zuschriften, in denen eine vom Gesetze abweichende Art deö Austausches von Reichsbanknoten beansprucht wird oder Gesuche sonstiger Art mit dem Besitze ausgerusener Banknoten begründet werden, nicht mehr beantworten, gleichviel ob diese Anträge und Zuschriften ihr unmittelbar oder durch Vermittelung anderer amtlicher Stellen zugehen. Schöffengericht Gießen. * Gießen, 30. Juni. Wegen Abtreibung in zwei Fällen hatten sich heute eine frühere Hebamme von Gießen und eine ehemals hier wohnende Frau zu verantworten. In einem Falle wurden die Angeklagten mangels ausreichenden Beweises frei- gesprochen. In dem anderen Falle wurden sie verurteilt, die frühere Hebamme zu 9 Monaten Gefängnis, die andere Frau mit Rücksicht auf ihre verminderte Verantwortlichkeit zu 30 Tagen Gefängnis, umgewandelt in 200.Mark Geld- ft r a f e. Kleine Strafkammer Gießen. Eine Landwirtsehefrau in Haingründau war vorn Amtsgericht Büdingen wegen Milchfäl- f ch u n g zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft wurde die Strafe auf 1 Woche Gefängnis und 10 0 Mart Geldstrafe erhöht, außerdem wird das Urteil auf Kosten der Bestraften öffentlich bekanntge- macht. Wie der Vorsitzende bei der Urteilsbegründung ausführte, haben Milchfälscher in der Regel Freiheits- und Geldstrafen zu erwarten. Die Strafe wäre im vorliegenden Fall noch strenger ausgefallen, wenn nicht die Beschränktheit der Angeklagten und mißliche Verhältnisse mildernd gewirkt hätten. Ein wegen Diebstahls bereits bestrafter Pferdeknecht war vom Amtsgericht Vilbel wegen Diebstahls von wollenen Decken, die er von einem Acker weggenommen hatte, zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Seine Berufung wurde zurückgewiesen. r. Hamm. Moderne Einrichtungen für Gaststätten aller Art! Büfetts, Eisschränke, Tische Sltzmöbel Garderoben für Restaurants, Calds, Hotels, Kasinos usw., sowie Bierausschankanlagen liefert die älteste Spezialfabrik 9id Jacob Dies, Frankfurt a.M.13 Laniceslraßc 35. Fornspreeher Hansa 2428/29 Bekanntmachung. Betr.: Bewertung zwangsbewirtschafte, ter Grundstücke für die erste Feststellung nach dem Reichsbewertungsgesetz. Auf Grund der Paragraphen 24 Abs.2, 26 Abs.2 und 27 der Durchführungsbestimmungen zum Reichsbewertungsgesetz für die erste Feststellung der Einhetts- werte und zum Dermögenssteuergesetz für die Veranlagung 1925 und 1926 wird über die Bewertung zwangsbewirtschaste- ter Grundstücke für den Bezirk des Lan- desfinanzamts Darmstadt folgendes be- stimmt: A. Einfamilienhäuser. 1. Einfamilienhäuser sind grundsätzlich mit 65 o.$). des Wehrbeitragswertes zu bewerten. 2. Abweichend hiervon sind kleinere, einfach ausgestattete Einfamilienhäuser der minderbemittelten Bevölkerung I mit einem Wehrbeitragswert von nicht mehr als 20 000 Rm. anstatt nut 65 o. H. mit 55 bis 45 v. 5). des Wehrbeitrogswertes zu bewerten. Auf Antrag kann in gleicher Weise verfahren werden, wenn die Bewertung mit 65 v.H. des Wehrbeitraas- wertes im Hinblick auf das Sliter, die Bauart und die Nutzungsweise des Hauses eine außergewöhnliche Härte für den Pflichtigen bedeuten würde. B. ANetwohngrundstücke. 1. Mietwohngrundstücke sind grundsätzlich mit 45 o. H. des Wehrbeitragswertes zu bewerten. 2 Bei Mietwohngrundstücken, die im we- ' sentlichen aus einfach ausgestatteten, kleineren Wohnungen bestehen und an Mieter aus Kreisen der minderbemit- testen Beoösterung vermietet zu werden pflegen (z. B. Altstadthäuser, Mietskasernen und Grundstücke in Ar- beiterwohnvierteln) kann in den Städten Darmstadt, Mainz, Offenbach, Worms, Gießen bis auf 25 v. H. und in den übrigen Orten des Landes- finanzanrtbezirks bis auf 30 v.H. des Wehrbeitragswertes heruntergegangen werden. C. Geschäftsgrundstücke. 1. Geschäftsgrundstücke sind grundsätzlich mit 70 v.H. des Wehrbeitragswertes zu bewerten. 2 Abweichend hiervon sind die Geschäfts- qrundstücke des Hotel- und Beherber- gungsgewerbes in Bad-Nauheim mit 45 v.H. des Wehrbeitragswertes zu bewerten. L, Bei Fobrikgrundstücken, die nachweis- stch infolge Erschütterungen, der Ein- töirtung von giftigen Gasen, säurehaltigen Stoffen und anderen autzerge- wöhnlichen Umständen einer besonders starken Abnutzung unterliegen, ist die Bewertung mit einem Satze bis zu 60 v. H. des Wehrbeitragswertes zu- gelosten. 55360 D. Gemeinsame Bestimmungen. X. Bei Grundstücken, die erfahrungsge- maß Hochwasiergefahren ausgesetzt sind, können die Finanzämter dre inad) A, B oder C für die Bewertung in Betracht kommenden Vomhundertsätze nach Lage des Einzelfalles bis zu 5 v.H. ermäßigen, sofern dem Um- stand der Gefährdung nicht bereits bei der Feststellung des Wehrbettrags- wertes Rechnung getragen worden ist. 2. Allgemein werden für sämtliche zwangsbewirtschasteten Grundstücke des besetzten Gebiets die nach A, B, C oder D, 1 maßgebenden Vomhundertsätze um 5 v.H. ermäßigt. Die Finanzämter sind jedoch ermächtigt, in besonders gelagerten Fällen eine Ermäßigung um weitere 5 v. H. ein» treten zu lasten. Bei den Fällen unter D 1 und D 2 dürfen jedoch die in den Paragraphen 24 Ws. 2, 66 Abs. 2 und 27 Ws. 2 der eingangs erwähnten Durchführungsbestimmungen zugelassenen Mindestsätze nicht untersihritten werden. Darmstadt, den 28. Juni 1926. Der Präsident des Landesfinanzamts. G l ä s s i n g. Don «rzte-Äommssionen nachgeprüfte und bestätigte glanzende Heil, erfolge, ohne Operation ohne Berufsstörung, sodatz selbst approbierte Ärzte n* und ihre Angehörigen nach unserer Methode behandeln lasten. Herr Dr. med H . approbierter Arzt, schreibt un» au» Leer: Die Erfolg, waren einfach fabelhaft, alle Leute geheilt, der Kranken. Kassenmann begeistert, sein Riesenbruch nie wieder h»ausgekomm-n. auch nicht bei Abnahme de» Bande». Und was war dar für eine Scrotalhernie. Ich war manchmal selbst sprachlos über die Erfolge! Herr Dr. med. L., approbierter Arzt, schreibt: Mein doppelseitiger aller Letstenbruch, link» faustgrob, 'st durch Ihr« Behandlung in weniger als 6 Monaten gänzlich ausgeljeilt. Och ftlhle mich dauernd frei vom Bruchband nun schon über ein Jahr lang. Icb kann lausen, radeln, Bergtouren machen, Motorrad-Touren, Sport, wie Schwimmen und Turnen sind mir wieder «in Vergnügen. Herr Dr. med. M., approbierter Arzt, schreibt: (Es ist mir ein Vergnügen, Ihnen mitterlen zu können, datz «h g«e bei schweren Brüchen durch Ihre Behandlungs-Methode Erfolge erzielt habe, die ich selbst früher nie für möglich hielt. Auch bei meinen Kollegen er- regten diese Erfolge Aufsehen und waren nicht zu widerlegen. Über hundert amtlich beglaubigte Zeugnisse Geheilter liegen vor. Sprechstunde unseres approbierten, speziell ausgebildeten Vertrauensarztes in Bietzen, Bahnhofs-Hotel Lenz, Samstag, den 3. Juli, 3-7 Uhr nachmittags. „Hermes" Ärztliches Institut für orthopädische Druchbehand. lung, Hamburg 36, Esplanade 6. Wir warnen vor Pfuschern, die uns nachzumachen veriuchen, ohne den Kernpunkt der Sache überhaupt zu kennen. Erst prüfen, dann urteilen^55ND zinslos zu stunden. Lofeeinleilung (nebst Stammoerzeichnis für das Schnittholz) kann zum Preise von 50 Pf. von unterzeichneter Stelle bezogen werden. Gießen, den 29. Juni 1926. Der Oberbürgermeister. I. D.: vr. Rosenberg. 17 St. Eichenschnittholz 3. Kl., 11,80 sm, in 17 Losen, 2 „ Kiefernschnittholz 3. Kl., 1,03 fm, in 1 Los, 89 „ Eichenbauholz 4. Kl., 69,90 fm, in 4 Losen, 26 „ Eichenbauholz 5. und 6. Kl., 13,44 fm, in 2 1 „ Fichtenbauholz 2. Kl., 1,66 fm, in 1 Los, 20 „ Fichtenbauholz 3. Kl., 25,84 fm, in 2 Losen, 59 „ Fichtenbauholz 4. Kl., 59,53 fm, in 3 Losen, 206 „ Fichtenbauholz 5aKl., 124,36 fm, in 7 Losen, 534 „ Fichtenbauholz 5b-Kl., 156,25 fm, in 8 Losen, 13 „ Kiefernbauholz 3. Kl., 12,04 fm, in 2 Losen, 26 „ Kiefernbauholz 4. Kl., 20,01 fm, in 2 Losen, 40 „ Kiefernbauholz 5. Kl., 17,28 fm, in 1 Los, 356 „ Fichtenderbstangen 1. Kl., 45,82 fm, in 4 Losen, 91 „ Fikhtenderbstangen 2. Kl., 3,27 fm, in 4 Losen. 2 „ Lärche- und Eschewerkholz 4. und 6. Kl., 1,15 fm, irt 1 Los, ~ — 9,8 rm Fichtennutzknüppel, a 3 und 4 rn lang, in 1 Los, 3,3 „ Eichennutzscheiter in 1 Los. Das Laubholz wurde aus der Winterfällung 1925/26 gewonnen, das Nadelholz aus den Windfällen im Februar und Marz d. I. 5531B Zahlungsbedingungen. Holzgeldbeträge übet 500 RM. können gegen Bankbürgschaft nach 20prozentiger Anzahlung bis Martini 1926 gestundet werden, und zwar für die ersten 3 Monate zinslos und für den Rest der Stundungsfrist gegen Berechnung von 4* Prozent Jahreszinsen. Holzgeldbeträge unter 500 RM. ffaib zunächst auf 3 Monate Samstag, den 3. Juli 1926, nachmittags 4 Ubri Gelfinderitt, Start ab Sonntag, den 4. Juli 1926, nachmittags 21/, Uhr, auf dem Trieb: Wettbewerb ländlicher Reitervereine, Reitprüfungen, Jagdspringen, Trabrennen, Fahrprüfungen, Quadrille Preise der Plätze: Sitzplatz 1 Reichsmark, Stehplatz 50 Pfennig. 4 Uhr auf dem Trieb, Ziel von 4.40 Uhr an auf dem Trieb« Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Nr. H51 Dritter Blatt Dannerrtag, Juli 1926 Bon der deutschen Bewegung in Ungarn. Don unserem ständigen Berichterstatter. (Bachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenl) Budapest, im 3uni 1926. Warum spricht man nicht von einer deutschen Bewegung in Lettland oder Siebenbürgen? weil die Deutsch-Balten und die Siebenbürger Sachsen seit vielen Jahrhunderten ein geistiges Eigenleben führen. Bei den 550 000 Deutsch-Ungarn ist das zusammenfassende Nationalbewusstsein, das von einer vollstreuen Intelligenz geleistet werden muh, erst im Entstehen begriffen. Durch diesen Unterschied erklärt sich so manches. Sn Budapest gibt es zwei deutschgeschriebene Tageszeitungen: den „Pester Lloyd" und das „Qleue Politische Dolksblatt". Beide haben mit der deutschen Sache nichts zu tun. Es gibt hier also ein noch immer gerne Deutsch sprechendes und lesendes Publikum, dem aber das Gefühl der Zugehörigkeit zum Deutschtum vollständig abgeht. Diese beiden Blätter sägen allerdings selbst an dem Ast, auf dem sie sitzen. Ihr Leserkreis ist in den letzten Jahrzehnten immer geringer geworden. Denn das Deutsch-Können hört dort bald auf, wo es nur als Ueberbleibsel belastet, und nicht von dem stolzen Bewußtsein des Deutsch- Seins unterstützt wird. Die in die ungarische Hauptstadt einwandernden deutsch-österreichischen und reichsdeutschen Kausleute und Techniker werden meistens in der zweiten Generation brave Magyaren, die sich schämen, nicht von den Eroberern des Landes, dem Fürsten Arpäd des IX. Jahrhunderts, und seinem Gefolge abzustammen, während jene Bauern und Handwerker, die zur Zeit Maria Theresias eingewandert sind, auch heute noch als kernige Deutsche in verschiedenen ungarischen Landbezirken leben, denen zum vollwertigen Deutschtum eigentlich nur zweierlei fehlt: die deutsche Schule und die deutschbewuhte Intelligenz. Die deutsche Bewegung hat das Ziel, diesen zweifachen Mangel gutzumachen. Vorloren Gegangenes soll wieder geschaffen werden. Ein schweres Stück Arbeit für eine MinderheitI Sie wird dadurch kaum erleichtert, daß die Mehrheit keine Nation ist, die dem Deutschtum feindlich gesinnt ist. Denn der Schwung der Begeisterung wird durch den Umstand natürlicherweise einigermaßen gedämpft, daß man die Gefühle der Mehrheit schonen will. Eine Volksbewegung, die auf Haß und Hetze durchaus verzichtet, kann sich nur langsam durchsetzen. Wie müssen die Männer geartet sein, die an der Spitze dieser Bewegung stehen? Das Führerproblem muß unter solchen verwickelten Verhältnissen ganz besonders schwierig sein. Wir statten dem Presseorgan dieser Männer, dem „Sonntagsblatt, Wochenzeitung für das deutsche Volk in Ungarn“ einen Besuch ab. In einer dunklen Straße der Budapester Theresienstadt befinden sich Schriftleitung und Verwaltung. In zwei kleinen Hofzimmern sitzen der Schrist- leiter, ein gebürtiger Batschkaer Schwabe aus jenem Teile Ungarns, der jetzt zu Iugoslavien gehört, und ein pensionierter Stabsoffizier. Das Vtett erscheint in einer Auflage von 10 000 Exemplaren. Das ist viel in einem Lande, wo die Dorfbevölkerung noch sehr wenig an das Lesen von Zeitungen gewöhnt ist. In allen schwäbischen Gemeinden Ungarns, etwa in 400 Dörsern, wird das „Sonntagsblatt" nicht nur gelesen, sondern, wie man aus den Briefen an die Schriftleitung feststellen kann, als Ratgeber und Führer in allen Lebenslagen angesehen. Das Wochenblatt ist in einem christlich-religiösen Geiste gehalten, man merkt ihm wirklich nicht an, daß es das einzige Kampforgan des ungarländischen Deutschtums ist. Es ist volkstümlich im besten Sinne des Wortes. An ihm sind die allerbesten Kräfte des hiesigen Deutschtums tätig, weil die Führer der Bewegung gut wissen, daß sie sich an die vorhandene deutschgeborene, aber nicht deutschbewußte Intelligenz ohnedies erfolglos wenden würden, sie müssen direkt mit der ländlichen Bevölkerung verkehren, damit aus ihr eine junge an ihrer deutschen Art festhaltende neue Intelligenz entstehe. Nirgends, wo es Ausländsdeutsche gibt, hat ein volkstümliches Wochenblatt eine ähnliche weittragende nationale und polittsche Bedeutung erlangt, wie bei den Deutschen in Ungarn. Reben dem „ Sonnte gsblatt" muß noch der Ungarländische Deutsche Dolksbildungsverein genannt werden Seine Räumlichkeiten sind schon weniger ärmlich. Ein pensionierter Dizesteats- sekretär führt die Kanzlei. Mehrere Studenten besorgen unter seiner Leitung die laufenden Angelegenheiten und die Werbearbeit. Man sieht es all diesen Männern an, daß sie nicht etwa eine Beschäftigung ausüben, sondern die Ueberzeu- gung haben, eine Mission zu erfüllen. Minderheiten nehmen die Dchattenfetten des Lebens ein, und doch kann man als Auslandsdeutscher ein erhebendes Bewußtsein haben: man fühlt sich nicht überflüssig, man verschwindet nicht unter Millionen. Unter den Leitern des Budapester deutschen Dollsbildungsvereins gibt es mehrere Universilätsprofessoren, hohe Staatsbeamte, pensionierte Offiziere, Journalisten, Rechtsanwälte, aber fast keine Lehrer, gar keine Rotare (Gemeindesekretäre) und sehr wenige Pfarrer. Darin ist die ganze Schwierigkeit der Erweckung des deutschen Volkes in Ungarn einbegriffen. Die Dorsintelligenz, die berufenen Volksbildner verhalten sich ablehnend. Die ganze Arbeit muß von einem Generalstab gemacht werden, der zwar aus Söhnen des Volkes zusammengestellt ist, der aber immerhin von der Hauptstadt des Landes, also vom Hauptort der Mehrheit aus, die Angelegenheiten der deutschen Minderheit bis ins kleinste Detail selbst erledigen muß. ©ß wäre viel einfacher, loszuschlagen. Manche Widerstände könnten im Sturm rascher genommen werden. Aber man würde Anhänger verlieren, und dann steht ja auch das restlos aufrichtige ungarische Staatsbewußtsein aller ungarländischen Deutschen einem unbefümmerten fröhlichen Kampf im Wege. Und doch ist es nicht ausgeschlossen, daß es in der nächsten Zeit zu einer großen Auseinandersetzung zwischen der deutschen Minderheit und zwischen jenem Teil der Mehrheit konnnen wird, die die Existenzberechtigung einer deutschen Volksindividualität in Ungarn nicht anerkennen will. Da wird es sich zeigen, daß die deutschen Wortführer nicht nur umsichtig, sondern auch fanatisch sind, und zwar im besten Sinne des Wortes. Ohne Begeisterung und Schwärmerei würde diese ermüdende, undankbare, entnervende Aufgabe niemand übernommen haben. Mit diesen Eindrücken verläßt man die Kanzlei des Volksbildungsvereins, um den Vorsitzenden des Vereins, den eigentlichen Vertretern der Bewegung, seine Aufwartung zu machen. Gerne erhält man Auskunft über alle Ereignisse und Beziehungen der deutschen Frage in Ungarn. U.eber das ungarische Vaterland wird niemals ein hartes Wort gesprochen. Die große deutsche Ration und die ungarische Ration gehören seit Jahrhunderten zusammen und müssen sich in der Zukunft näher kommen, als sie es heute sind. Die deutsche Minderheit in Ungarn will kein Zankapfel. sondern ein Kitt sein. Eine Sicherheit für Deutschland, daß man es hier mit dem Deutschtum ehrlich meint, und ein Pfand für Ungarn, daß das Deutsche Reich die magyarischen Interessen nicht unberücksichtigt lassen werde. Dies sei das Programm. Augenblicklich handele es sich um die Durchsetzung einiger kultureller Wünsche, gegen die in gewissen Kreisen der unteren Beamten eine unüberlegte Agitation geführt wird. Es wird schon besser werden, weil es besser werden muß. Wie leicht könnte an sich den Deutschen in Ungarn geholfen werden?! Ungarn ist derjenige Staat, der relativ noch mehr Volksgenossen in fremden Staatsgebilden hat als Deutschland. Fast ein Drittel der Magyaren lebt heute in der Tschechoslowakei, in Rumänien und Jugoslawien. Infolgedessen hat Ungarn ein ganz hervorragendes Interesse daran, ein beipiel geben des Minderheitenrecht nicht nur zu schaffen, sondern auch durchzuführen. Dabei ist es in der glücklichen Lage, daß es Ralionalitätenrechte nicht etwa einer feindlichen Minderheit gewähren muß, sondern einem so unbedingt staatstreuen Element, wie es die Derttschungarn sind. Was ist die Ursache dafür, daß es mit den Deutschen in Ungarn doch nur so langsam vorwärts geht? Der Hauptfehler ist der, daß die zahlreichen wirtschaftlichen, kulturellen und auch politischen Beziehungen, die zwischen der deutschen und der magyarischen Ration gepflegt werden, häufig mit Umgehung des Deutschungartums angeknüpft werden! Aus diesem GrundewardielehteRe.se des preußischen Unterrichtsministers Dr. Decker nach Ungarn geradezu ein Schlag gegen die deutsche Sache in Ungarn. Dr. Decker will die kulturellen Zusammenhänge so fördern, daß er mit den maßgebenden magyarischen Stellen direkte Freundschaft sucht und nicht einmal die Anwesenheit deutschungarischer Vertreter gerne sieht. Er hat sich eine schwäbische Gemeinde vorführen lassen, aber nicht von den deutschen, sondern von magyarischen Führern. Das Ergebnis ist, daß augenblicklich von gewisser magyarischer Seite verkünd gt wird: „Das Deutsche Reich sucht mit uns direkt Verbindung und legt auf die Bestrebungen deutscher „Agitatoren" kein Gewicht. Herr Dr. Becker hat das Deutschtum in Ungarn fallen lassenI" Neues von der KrafLfahrzeugsteuer. Don Regierungsrat Dr. Gretschmann (Gießen). I. Rach dem Gesetz vom 15. Mai 1926 zur Aen- derung des Kraftfahrzeugsteuergesetzes ist das alte Krastfahrzeugsteuergesetz vom 8. April 1922 in wichtigen Punkten geändert worden. Von den Reuerungen wird ein täglich größer werdender Kreis von Steuerpflichtigen unmittelbar berührt, da ja die Automobilisierung Deutschlands unaufhaltsam fortschreitet. Es mag vielleicht zunächst interessieren zu erfahren, in welchem Maße die Kraftfahrzeuge gegenüber dem Jahre 1914 zugenommen haben. Wie aus einem dem Reichstag vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung bed Kraft- sahrzeugsteuergesehes hervorgeht, hatten wir in Deutschland im Jahre 1914 20 611 Krafträder, 55 000 Personenkraftwagen, 9071 Lastkraftwagen, zusammen 84 682 Kraftfahrzeuge. Im Jahre 1925 war die Zahl der Krafttäder gestiegen auf 161 508 (Zunahme 683,60 v. H.), die der Personenkraftwagen auf 175 665 (Zunahme 218,18 v. H.), die der Lastkraftwagen auf 80 363 (Zunahme 786 v. H.) und die sämtlicher Kraftfahrzeuge zusammen auf 417 536, somit nahezu eine halbe Million, was eine Zunahme von 393 vom Hundert bedeutet. Daß unter diesen Umständen der Gesetzgeber sich genötigt sah, sich den neuen Verhältnissen anzupassen und mit ihnen Schritt zu ßalten, war selbstverständlich. Die starke Beanspruchung der Wege durch den ständig steigenden Verkehr machte es immer notwendiger, aber auch immer schwieriger, für eine Aufrechterhaltung geordneten Wegebaues Sorge zu tragen. Der Geldbedarf für Wegebau und -Unterhaltung (Landes-, nicht Reichssache!) wird nun zum Teil gedeckt durch die üebertoeifung des Aufkommens an Kraftfahrzeugsteuer. Wie eine Statistik für 1924 ergab, bleibt dabei immer noch ein großes Defizit. Man sah sich daher genötigt, bei der Reugestaltung der Kraftfahrzeü^steuer vor allem den Steuertarif zu erhöhen. Allerdings stand dies auf den ersten Blick im Widerspruch zu der Preissenkungsaktion. Denn Erhöhung der Kraftfahrzeugsteuer bedeutet zugleich Erhöhung der Kosten für Personen- und Güterbeförderung auf Kraftfahrzeugen. Allein der Widerspruch verschwindet, sobald man sich vergegenwärtigt, daß die Erhöhung der Steuer mit dem dringenden Geldbedarf für die Wegeunterhaltung begründet toirb und daß eine sachgemäße Wegeunterhaltung die Abnutzung der Kraftfahrzeuge und somit letzten Endes die Betriebskosten verringert. Freilich ist dann not* wendig, daß die Steuer ausschließlich diesen volkswirtschaftlich wesentlichen Zwecken zugeführt wird. Bisher hatten die Länder auf Grund des Finanzausgleichgesetzes die Steirer nur „mindestens zur Hälfte" zur Wegeunterhaltung zu verwenden. Runmehr ist aber durch Aenderung des Finanzausgleichgesetzes die Verwendung des Gesamtaufkommens zu Zwecken der öffentlichen Wegeunterhaltung gesetzlich festgelegt. Deutschland folgt übrigens hierin nur dem Beispiel anderer Länder, in denen das Kraftfahrwesen noch größere Bedeutung erlangt hat (Frankreich, England, Vereinigte Staaten von Amerika). Von diesem Gesichtspunkt aus wird man nun nicht nur die Erhöhung des Steuertarifs, sondern auch andere wesentliche Reuerungen des Gesetzes verstehen, wie z.D. den Fortfall der Steuerbefreiung der Aerzte in kleinen Städten. II. Im einzelnen bringt die Rovelle folgende Aenderung en: 1. Steuertarif. Dieser ist für alle Fahrzeugarten und die ProbefahrÜennzeichen erhöht worden. A. Beispiele: a) Bei Krafträdern beträgt die Steuer bis'/, PS. (einschl.) jetzt 13, früh. 10^/ijährl. über '/, „ 1 „ „ „25 „ 10 „ n 1 .17,. „ . 38 „ 10 „ „ „ 3'/a „ 4 „ „ „100 „ 28 „ b) Bei Personenkraftwagen mit Ausnahme der Kraftomnibusse bis 1 P.S. (einschl.) jetzt 38, früh. 20 JUL jährl. über 1 „ 2 „ „ „75 „ 40 „ „ » 2 „ 3 „ „ „113 „ 60 „ „ . 3 „ 4 „ „ „150 „ 80 „ „ - 4 „ 5 „ „ „ 188 „ 100 „ „ c) Bei Lastkraftwagen wird die Steuer bekanntlich nach dem Eigengewicht des betriebsfertigen Fahrzeugs berechnet und beträgt: bis 200 I<2 (einschl.) jetzt 38, früh. 3O^./7jährl. üb. 200 „ 400 „ „ „75 „ 30 „ „ „ 1000 „ 1200 „ „ „ 225 „ 90 „ „ „ 2000 „ 2200 „ „ „ 400 „ 140 „ „ „ 3000 „ 3200 „ „ „ 525 „ 180 „ „ B. Bei den Kr af trä dern ist neu, daß die Steuer nicht mehr nach vollen, fonbem nach halben Pferdestärken berechnet wird. (Dabei bleiben Kleinkrafträder nach wie vor steuerfrei. Ein Kleinkraftrad im Sinne des Gesetzes ist jedes Kraftrad, dessen nach der Steuerformel berechnete Ruhleistung bei einem Außendurchmesser der Radreifen von mehr als 40 Zentimeter 0.75PS., bei kleinerem Außendurch- meffer eine Pferdestärke nicht übersteigt.) C. Bei den Lastkraftwagen und Kraftomnibussen ist die Steuer jetzt statt von 500 zu 500 Kilogramm von 200 zu 200 Kilogramm des Eigengewichts gestaffelt, und zwar ohne Grenze nach oben, während bisher die höchste Steuerstufe alle Fahrzeuge über 4000 Kilogramm umfaßte. 2. Fortfall der Steuerbefreiung der Aerzte. Die Steuerbefreiung der Aerzte in Orten unter 20 000 Einwohner für Kraftfahrzeuge bis 8 PS. ist aufgehoben. Diese Fahrzeuge wurden ab 15. Juni 1926 steuerpflichtig. Bereits zugelassene, bisher befreite Fahrzeuge waren unaufgefordert bis zum 12. Juni 1926 zur Versteuerung anzumelden: unterblieb die Anmeldung, so hat das Finanzamt sie an Hand der Liste über die steuerfreien Kraftfahrzeuge herbeizuführen. Die Bescheinigungen über die Steuerfreiheit sind einzuziehen. QU3 Beginn der Gültigkeitsdauer der Steuerkarte ist der 15. Juni 1926 einzusehen. Die Kraftfahrzeugsteuer stellt ein Entgelt für die Benutzung öffentlicher Wege durch Kraftfahrzeuge dar. Folglich war das Privileg der Aerzte nicht mehr zu halten, älebrigens wurde auch in England bei der Reuregelung der Kraftfahrzeugsteuer im Jahre 1920 die Steuermäßigung für Aerzte und Tierärzte aufgehoben. 3. Kurzfristige Steuerkarten. Die Steuersätze der Steuerkarten für 6 und 2 Monate sind auf 60 und 25 Prozent der Iah ressteuer gesenkt worden. Während die Z w e i - Monatskarte bisher nur für Kraftomnibusse, Lastkraftwagen und Zugmaschinen zulässig war, kann sie jetzt auch für Krafträder und Personenkraftwagen gelost werden. 4. Zahlung derIahressteuerinhalb- jährlichen Teilen. Eine Jahres steuer von mehr als 100 Mark kann nunmehr (was ebenfalls eine wichtige Neuerung darstellt) in halbjährlichen Teilen im voraus entrichtet werden. Mit der zweiten Teilzahlung ist ein kleiner Zuschlag (als Entgelt für Mehrbelastung der Verwaltung) in Höhe von 5 Prozent zu entrichten. Die erste Rate beträgt 60 Prozent der Iahressteuer, die zweite 40 Prozent zuzüglich eines Zuschlags von 5 Proz. Eine Halbjahres steuer kann nicht in Raten bezahlt werden, selbstverständlich auch nicht eine Zweimonatssteuer. 5. Wechsel des Steuerschuldners. Tritt während der Gültigkeitsdauer einer Steuerkarte ein Wechsel in der Person des Steuerschuldners ein (Verkauf, Tausch, Schenkung), so kann der neue Steuerschuldner die Karte auf seinen Namen umschreiben lassen: seine Steuerschuld beschränkt sich auf den für eben diese Karte noch zu entrichtenden Betrag. 6. Steuerpflicht und Zulassung. In diesem Punkte wird von vielen saumseligen Steuerpflichtigen zu ihrem eigenen Schaden sehr gesündigt. Das nunmehr geltende Gesetz sagt: „Solange ein Kraftfahrzeug, für daS ein Kennzeichen zugeteilt ist, bei der Zulassungsbehörde «Anmerkung d. Vers.: In Hessen das Kreisamt!) nicht abgemeldet oder ein Probr- fahrtkennzeichen der Zulassungsbehörde nicht zurückgeliefert ist, gelten die Voraussetzungen der Steuerpflicht als gegeben“. (§ 11 Aos. 2 des Gesetzes vom 19. Mai 1926). Der RcichSfinanz- minister hat hierzu, um alle Zweifel auszuschließen, noch ausgeführt, daß der Steuerpflichtige sich nicht darauf berufen kann, daß er das Fahrzeug zur Zeit nicht benutze. 7. Inkrafttreten der neuen Bestimmungen. Das neue Gesetz tritt mit dem 15. Juni 1926 in Kraft, und zwar: a) hinsichtlich der Steuerfestsetzung für dis Erneuerung einer Steuerkarte, falls die Gültigkeitsdauer der neuen Karte nach dem 14. Juni 1926 beginnt; b) im übrigen hinsichtlich aller Steuerfestsetzungen, die nach dem 14. Juni 1926 von der Steuerstelle Dorgenommen werden. Ein Steuerpflichtiger, dessen alte Karte am 13. Juni ablief, konnte sie sich demnach am 14. Juni noch auf ein weiteres Jahr mit dem alten Tarif erneuern lassen. Erscheint hingegen jetzt ein Steuerpflichtiger auf dem Finanzamt und will seine etwa am 23. Mai 1926 abgelaufcne Steuerkarte erneuern lassen, so muß ihm unter allen Umftänben der neue Tarif zugrunde gelegt werden (vgl. oben zu bl). Amtsgericht Gießen. * Gießen, 29. Juni. Eine Damenschneider- Meisterin von hier schickte einer Kundin durch ihr Lehrmädchen eine Rechnung über einen kleinen Betrag mit der Bitte um Zahlung, worauf die Antwort erfolgte, daß nur gegen Aushändigung einer Quittung gezahlt werden würde. Als das Lehrmädchen später mit der quittierten Rechnung zurückkam und die Kundin die Quittung haben wollte, verweigerte das Mädchen deren Herausgabe ohne gleichzeitige Zahlung des Betrags. Die Kundin geriet hierüber in große Erregung und machte dieser in Worten Luft, die angeblich Beleidigungen der Schneidermeisterin enthielten. Es ist deswegen Privatklage erhoben worden. Die Angeklagte bestreitet, daß ihre Worte sich auf die Privatklägerin bezogen hätten, sie seien vielmehr gegen das Lehrmädchen gerichtet gewesen. Allein dieses gibt mit aller Bestimmt!):tt an, daß die Angeklagte nach ihren eigenen Worten die Privatklägerin damit gemeint hätte. Es kam schließlich zu einem Vergleich, nach dem die Angeklagte die Aeußerungen mit Bedauern zurück- nahm und die sämtlichen Kosten zahlte. Wirtschaft. 'Die R e ichs i n d e xz i s f e r für die Lebenshaltungskosten im Juni. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Beleuchtung, Belleidung und „Sonstiger Bedarf") beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats Juni auf 140,5 gegen 139,9 im Vormonat. Sie hat sich sonach um 0,4 Prozent erhöht. Bei den Ernährungsausgaben konnten Preissteigerungen für Kartoffeln und Fleisch durch die in der ersten Monatshälste noch nachgebenden Preise für Milch und Milch- erzeugnisse nur zum Teil ausgeglichen werden. Die Ausgaben für Wohnung haben sich in einzelnen Teilen des Reichs weiter erhöht. * Scheidhauer & Giess ing A. G.» Duisburg-Bonn. Die o. H. V. genehmigte den Abschluß für 1925, der aus einem Reingewinn von 217 032 Mark (A. K. 6 Mill. Mk.) 3 Prozent Dividende vorfieht. Der Rest von 52 351 Mark soll auf neue Rechnung Sorge- tragen werden. Die Geschäftstätigkeit habe nach den ersten Monaten 1925 nachgelassen und sich bis heute wenig gebessert. * Bingwerke A. G., Nürnberg. Die o. H. V. erledigte die Regularien. Der Reingewinn aus 1925 mit 407 148 Mark zuzüglich des Gewinnvortrages aus 1924 mit 797 912 Mark, insgesamt also 1 205 061 Mark, wird auf neue Rechnung vorgetragen. Eine Dividende kommt mit Rücksicht auf die hohen Bankverpflichtungen deS Llnternehmens nicht zur Verteilung. Der Vorsitzende teilte mit. daß für das neue Geschäftsjahr die Gesellschaft mit Aufträgen verhältnismäßig gut versehen sei. * Zunahme des polnischen Kohlenexports im Juni. In der ersten Hälfte des Monats Juni weist der polnische Kohlenexport eine weitere Zunahme auf. Gegenüber dem Export in der ersten Hälfte des Monats Mai, wo der Kohlenexport sich auf 345 500 Tonnen stellte, ist in der ersten Hälfte des Monats Juni eine Zunahme um 141 000 Tonnen zu ver- Wo ist die Frau, die ihre eigene zarte Haut den Wirkungen eines scharfen Waschpulvers äusseren würde? Nir gen ds ! - Warum aber nun die zartfaserigen Gewebe feiner Leibwäsche solchen zersetzenden Vorgängen tungeben? Man schone dieWäsche wie sich selbst, indem man nur milde, gute Seife verwende,die in ihrem reichen Schaum den Schmutz auflöst und dank ihrem hohen Fettgehalt die Gewebe schmiegsam und weich erhälti Die unersetzliche Kem Seife ftir die Wasche-! Wer wäsdtt das Gestört imt Wasdmdyef! - - . - • .. • ■••• -. - - 2;.?-;en. Nach England wurden in der ersten Häiste dieses Monats 48 000 Tonnen Kohlen au. geführt. Die Ausfuhr vergröberte sich nach Oesterreich um 35 000 Tonnen, nach der Tschccho- sloweckci um 13 000 Tonnen, nach Dänemark um 11 000 Tonnen, nach Ungarn um 8000 Tonnen. Börsenkurse. Frankfurt a.M. Berlin Datum: Banknoten. Börse er- Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Tel e g r a phische Auszahlung. öffnete auf allen Markten in wesentlich schwächerer Stimmung. Die Tatsache, daß trotz der äleberwindung des Ältimos Geld weiter sehr gesucht war, zog die Aufmerksamkeit der Spekulation auf sich und veranlaßte sie zu Posi- tionsiösungen. Angesichts der Steigerungen der letzten Tage sind die Abschwächungen jedoch nicht sehr bedeutend und gingen nur vereinzelt über Berliner Börse. Berlin, 1. 3uli. Die heutige 5% Deutsche Ncichsanleth« • 4% Deutsche Reichäanleihc . 8'/,° , Deutsche Rcichscmleihe 3°A Deutsche ReichLanlcihe . Teuiiche Svarpramicnanleihe 4°;, preußische JtonfolS . • . 4° o •'jenen .... . . 3v30/n Hessen.......... 3°,» Vu-neii........... Deutsche Serif). Dollar-Anl. dro- Doll-Schav-Lmreisug.') 4»/0 3oHtürfcn......... 5% Goldmcrikaner ..... Berliner HandclSqesellschast. liommer^ und Prival-Bünk 2arnift. und Nanoualdant ■ Deutsche Bank......... Deutsche Beremsbank .... Tioconlo (Sommanbit . . . Meialivarik......... Miitelveutichc Creditbank. . Lcnel-reiüiiiche Kreditanstalt. Westbank ......... Bochumer Gaß ....... Buderus «... Caro Deutsch-Luxemburg ..... Geliennrchener Bergwerk. . Harpencr Bergbau...... Jlalirocrte Aschersleben. . .. Kaliwerk Westeregeln. . . . . Laurahürle ....... Lberbedars . . . Pvönir Bergbau ..... Rbcinitahl ......... Ricbeck Akontan ...... Tellus Bergbau . Hamburg-Amerika Paket. • . Norddeutscher Llovd . . . Cberamische Werke AlbtU . . Zementwerk Heidelberg . . . Pliilivv Holtmann ...... Anglo-Cont.-Guano..... Chemische Maver Alapin . . I. G Farbeninbuslrie, A--G- Goldswmidt . . Holzverkohlung........ Rütgerswcrke Scheldcanstalt ........ flflfl. EiekmutätS-Gesellschaft Bergmann Mainkrastwerke..... . . Cchucken ........ Siemens & Halske ..... Adlerwerke Klener ..... Daimler Motoren..... . Henligenstaedk...... . . D-eguiu. .......... Motorenwerke Manubeim Sranffurtcr Armaturen . . Äoi icroensabrik Braun . . . Mcms.gesell chafr ftrantfnrt . Tct. Union A.-Ä- . . . . . Schub'abrik Her» . . . . . . Sichel . . . Zellston Daldhof ...... Zucker'adrit Frankenthal . . Zuckerfabrik Dagdäulel . . . Schlu-j- fiurs 1-Ubc Kur» 30.6. | 1.7. 30. 6 1 7 0.44 0.4675 0.44 0.465 — — 0.415 0.425 0.39 — 0.4175 0.53 0,54 — (1.56 0,56 — — 0,2475 — — 0.4075 —— 0,40 — 0,37 — — — 0.42 — —— — 0,375 — 96 — 97,25 — — —— —— — 12,62 14,75 12,75 _ 52 — 51,5 178 — 178' 176,2* 124.5 123.5' 125* 123,5' 172' 171* 174' 171,5* 156,5* 156,2’ 154* 157* 84.25 — — — 148.51 147.5’ 148’ 148' 120 120 120 — 122’ 121,7' 7,55 7,5 7,6 7,5 — — — — 150* — 146.5* 140' 101 93.5 105 95 91 — 84 81 147' 140’ 147* 140' 165' 161’ 164' 160’ 149,5' 146’ 148.2' 145’ 151 — 149,9' 147’ 160,5 158' 160.7' 158.5 50,5 — 49 5 59.5 77,5 79.75' 76.9 76' 121,7* 118' 122,7* 117.6’ 115.5* 143.7* 145,5* 143.5- 154 150,5 154 152 75 — 153* 152' 152’ 150.5* 146' 146.5' 145,7* 145* 48 - _ 105,5 - — _ 78,5 77,5 77 — — — 90 — — _ 254,5' 255' 253* 256’ 94 99,25 95,9 100 56 57 . — _ 113,5 112 114 112 — 147,2 — — 147.2' 147,9’ 147.5* 147* 130,75 — 128' 129,7* 101 — 130* 130,5* 129' 129.7’ 177,5 175.5* 173* 80 82,51 79.75 82 82 85 80 84 25 — — — 47 — — — — — 48,75 — 15 — — — 41 — — — 134.9 132 — — 85.75 — 85,75 — 33.9 31 — 3.5 — — — 165 167 153 167,5 63.5 65 63,9 — 73 74 — — 30 Juni. 1 Juli. AmUiche Nori rung Meld 1 Brie' Amtliche Notierung (Seid Brier aniiT.-'Jiou 168,52 168.95 168,52 168,94 Bur».-Aires 1.613 1,696 1,689 1,693 Brss.-Antw 11,71 11,75 11,52 11,56 Gfjriffianta 92,08 92,32 92,17 92,41 Aotxnbaocn 111,23 111.51 111,23 111,51 SloctKolm 112.56 112,84 112,54 112.82 Helsingfors 10.552 10,592 10,55 10,59 ytnlien . . 15,15 15,19 15,11 15,17 London. . 20.415 20,467 20,413 20,465 Oifiinor! . 4.195 4,205 4,195 4,205 Vnis. . 11.79 11,83 11,43 11,47 .Cckwciz . 81,23 81,43 81,16 81,36 kSva ien - 67.62 67,78 67,85 68.01 Lavcm . . . 1,970 1,974 1,970 1.974 r-Hio de Wien in D-- 0.662 0.664 0,660 0,662 £c bis 7x/2 Prozent. Im Devisen verkehr tagen die lateinischen Valuten weiter schwach. Paris gegen London 178, Brüssel 176,50, Mailand 135,50. frankfurter Börse. Frankfurt, 1. Juli. Tendenz schwächer. An der Börse ist es wesentlich ruhiger geworden. Die Haussebewegung ist vorerst zum Stillstand gekommen, und die Baissespekulation nimmt das ruhig gewordene Geschäft zum Anlaß, weiter zu realisieren. Vorbörslich schien es zwar, als könnte die im gestrigen Abendverkehr hervorgetretene Abschwächung bereits als überwunden gelten, doch sah man sich darin getäuscht, als bei Eröffnung des amtlichen Verkehrs die Abgabe- neigung überwiegend war. Im großen und ganzen zeigte das Kursbild keine Einheitlichkeit, doch zeigte sich eine überwiegend schwächere Tendenz. Auf jeden Fall drückte die unerwartet eingetretene Geschäftsstille auf die stark erhöhten Kurse. Am Montanmarkte fiel vor allem der scharfe Rückgang der Kohlenaktien auf. Deutsch-Luxemburg minus 7 Proz., Buderus minus 6 Proz., Gelsenkirchen minus 4 Proz., Harpener minus 2 Proz., Riebeck-Mon- tan minus 4 Proz. Gut gehalten blieben Rhein- stahl. Oberschlesische Werte behielten ebenfalls ihre Festigkeit. Oberbedarf plus 1,25 Prozent. I. G. Farben, die anfangs ihren gestrigen Kurs um 2 Proz. aufbessern konnten, verfielen später der Schwäche und gingen auf 250 Proz. zurück. Auch Scheideanstalt gaben 3 Proz. nach, während Goldschmidt um 3,25 Proz. gesteigert waren. Arn Elektromarkt zeigte sich die Tendenz behauptet, die Kurse gaben nur vereinzelt geringfügig nach, Felten waren sogar um 3,25 gebessert. Auch der Bankenmarkt war ziemlich gehalten. In Schiffahrtsaktien blieb das Geschäft lustlos bei Kurseinbußen von 1 bis 2 Proz. Motorenwerte setzten ihre Aufwärtsbewegung fort. Von Bau - a k t i e n erzielten Wayß & Frehtag einen stärkeren Gewinn plus 6 Proz. Zement Heidelberg plus 3 Prozent. Deutsche Anleihen lagen anfangs sehr begünstigt. Kriegsanleihe zogen auf Gerüchte über eine neue Reichsanleihe, die bei der Kriegsanleihe in Zahlung genommen werden soll, auf 0.47 an, gaben aber später auf 0,46 nach. 3,5prozentige Preußische Konsuls lagen sehr fest. Ausländische Renten verkehrten still und waren teilweise leicht befestigt. Der Freiverkehr hatte lustloses Geschäft. Beckerstahl 21, Benz 80 Prozent, Brown-Boveri 130 Prozent, Entreprise 7, Growag 60 Prozent, älfa 39,5 Prozent. Der weitere Verlauf blieb schwächer. Am Geldmarkt machte sich eine leichte Entspannung geltend, die Sätze blieben aber unverändert. Tagesgeld 5,5 bis 6 Prozent, Mo- natsgeld 5,25 bis 6,75 Prozent je Adresse. 3n- dustrieakzep'e 5,12 Prozent. Privatdiskonten 4,5 Prozent. Im Devisenverkehr setzte sich die Abschwächung der westlichen Frankenvaluten fori. Paris gegen London 176,25, Brüssel 176,50, Mailand 134. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 1. Juli. Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 31.25 bis 31.50, Roggen (inländischer) 22 bis 22.25, Sommergerste für Brauzwecke 22 bis 24, Hafer (inländ.) 21 bis 23, Mais (gelb) 17.50, Weizenmehl (inländisches, Spezial 0) 42.25 bis 42.75, Roggenmehl 30,50 bis 31, Weizenkleie 8.50 bis 8.75, Roggenkleie 10.50 bis 10.75. Tendenz: Stetig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M, 1. Juli. Auftrieb 2 Rinder, 855 Kälber, 152 Schafe, 473 Schweine. Kälber: Feinste Mastkälber 66 bis 72, mittlere Mast- und beste Saugkälber 57 bis 65, geringere Mast- und gute Saugkälber 48 bis 56, geringe Saugkälber 40 bis 46. Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 44 bis 50, geringere Masthä nmel und Schafe 38 bis 43, mäßig -genährte Hümmel und Schafe (Merzschase) 20 bis 34. Schweine: Vellfleischige von 80 bis 100 Kilo 80 bis 82, vollsleischige unter 80 Kilo 74 bis 79, vollfleischige von 100 bis 120 und 120 bis 150 Kilo und Fettschweine über 150 Kilo 79 bis 82. Marltverlauf: In allen Viehgattungen reges Geschäft. Berliner Produktenbörfe. Berlin, 30. Juni. Bei Beginn des amtlichen Mittagsverkehrs gestaltete sich die Tendenz überwieg.nd schwächer. Weizen hatte vormittags in Auswirkung etwas dringender Frage durchweg festere Preise, konnte sie aber mittags nicht be- TOT. ; . JIM ,111MB , L ,,, . Schach-Ecke. Bearbeitet von W. Orbach. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers". Problem Nr. 68. Von W. Glaeve. 6 5 4 3 8 8 6 5 3 2 4 l Schwarz, d e 2 h a b a b d e Weiß. 2 h Weiß zieht und setzt in drei Zügen matt. Weiß: 5 Steine Ktö; De8; Sdl; Bd4, h3. Schwarz: 3 Steine Kd5; Bd3, d2. Partie Nr. 52. Die nachstehende kurze und elegante Partie wurde in dem diesjährigen Trebitsch-Turnier im Wiener Schachklub gespielt, wobei R. Spielmann vor E. Grünfeld und zehn anderen Teilnehmern Erster wurde. i Französische Partie. Weiß: R. S p i e lm a n n. Schwarz: R. Wahle. 1. e2-e4 1. e7-e6 2. Sbl —c3 2. Sg8-f6 3. d2-d4 3. d7-d5 4. e4Xd5 4. e6xd5 Die Behandlung der Französischen PartievonSeiten Spielmanns ist hier nicht zu empfehlen. Vorzuziehen dürfte folgende Spielweise sein: 1. e4, e6 2. d4, d5, 3. ed5ed5: 4. c4, wodurch Weiß eine Bresche in das schwarze Zentrum legen würde. 5. Lei -g5 5. Lf8- e7 6. Lfl-d3 6. Sb8-c6 c6 verdient hier unbedingt den Vorzug, da es die Möglichkeit ergab 7. . . ., Se4! folgen zu lasten. 7. Sgl- e2 7. Sc6-b4? Um den gefahrdrohenden Läufer abzutauschen, aber auf Kosten der Entwicklung. Daß solch ein System ungesund ist, war leicht ersichtlich. Die gegebene Fortsetzung war hier 7 . . ., Le6 nebst Dd7 sowie 0—0—4). 8. Se2-g3 8. Sb4xd3 9. DdlXd3 9. g7-g6? Zum Ueberfluß noch eine gewaltige Schwächung des schwarzen Königsflügels. Schwarz wollte wahrscheinlich die Festsetzung der weißen Figuren auf f5 verhindern, begeht aber insofern einen großen Fehler, da er die Punkte fb und hb noch mehr schwächt. 10 0-0 Dies ist besser als lange Rochade, da Weiß nämlich plant, auf 10 . . ., Le6, sofort den k-Bauern oorzuftoßen. 10. . . . 10. c7-c6 11. Tal-el 11.0-0 Die Stellung des Nachziehenden ist verbängnis- voll, sie dürste nicht mehr verteidigungsfäyig fein. 12. Telxe?! Spielmann findet eine glänzende Kombination, welche sofort zur Entscheidung führt: 12. . . . 12. Dd8xe7 13. Dd3-f3 13. Kg8-g7 Auch die Fortsetzung 13 Lf5 würde zu einer klar ausgesprochenen Verluststellung führen. 14. Sc3-e4! Die Pointe. 14. . . 14. d5xe4 15. Sg3xe4 15. De7 — e6 16 Lg5xf6+ 16. Kg7-gS 17. Df3-f4. Aufgegeben, da gegen die Drohung Dh6 kein Kraut gewachsen ist. Lösung des Problems Jlr. 66. von Larlo Salvioli. 1. Da8-a7!, Kh2-g3 2. Da7--gl+, Kg3-f4 oder H4 3. Dgl ~g5 matt. 1.... Kh2xhl 2.' Da7 - f2, h3-h2 3. Df2 — f 1 matt. Richtige Lösungen zum Problem Nr. 66 sandten ein die Herren: Lehrer Breidecker, G. Götz, Lehrer Simon, Prof. W aus Gießen, sowie Schulamtsanwärter Stumpf, Garbenteich. Die Lösung zum Problem Nr. 65 wurde leider im 1. Zuge durch einen Druckfehler falsch wiedergegeben: es muß natürlich heißen: 1. Sb5—a7! * Schachbriefkasten. Lehrer E. L. Höingen: In Problem Mr.-66 setzten Sie nach 1. Df3, Kgl 2. Kh5, h2? durch 3. Dg2 matt, Warum spielen Sie aber nicht bester 2. .... Kh2!? Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom Redaklionstisch. Gegenmittel. Der Professor war tief in seiner Arbeit versunken, als die Frau Professor in das Zimmer gestürzt kam. „ihn Gotteswiklen, Emil! Frihchen hat eben die ganze Tinte ausgetrunken. Was soll ich tun?" „Schreib mit dem Bleistift weiter." Moderner Beweis. Die Gattin entdeckte auf seinem Rock ein langes blondes Haar, nahm es mit spitzen Fingern rasch weg und sagte mit ebenso spitzem Ton: „Run, Emil — was bedeutet das?" „Ich weiß nicht," sagte Emil, der Verruchte, ruhig „von einer Frau kann es ja nicht sein, dazu ist es viel zu lang." Das Kind spricht . . . Die Heine Liesbeth sieht der Mama zu, die sich vor dem Spiegel kämmt. Plötzlich bemerkt sie in dem dichten . rabenschwarzen Haar ein langes weißes Haar. „Sieh mal da," ruft sie aus, „sieh mal, Mama, da hast du auf dem Kopfe ja ein Haar von der Großmama." Leuchen geht mit Mama in ein Spielwarengeschäft, wo sie ein paar Tage vorher ihre Puppe hingebracht hatte, damit 4ie wieder her- gerichtet würde. Und da der Angestellte sie nicht gleich finden konnte, erhebt sie ihr tränenvolles Gesichtchen gegen ihn und bittet: „Sehen Sie nur noch einmal genau nach, sie heißt Margarete." Die Diphtheritis hat Gretchen die zweijährige Schwester genommen. Von Zett zu Zett erinnert sie sich ihrer, und da fragt sie einmal: „Warum ist Susanne gestorben?" — „Um in den Himmel zu kommen. Sie ist ein Engelchen beim lieben Gott geworden." — „Dann schreibt ' der liebe Gott wohl an den Doktor B., wenn er ein Engelchen braucht?" Brüderchen und Schwesterchen (5 und 4 Jahre alt) spielen im Garten. Plötzlich hält Gretchen inne und sagt zu Hänschen: „Weißt du, Hänschen, ich wäre doch lieber ein Junge geworden." Das Brüderchen wird nachdenklich und bemerkt bann: „Das hättest du vor der Taufe sagen sollen." haupten. Im Roggengeschäft blieb die Rachfrage nach Loko und promte Ware seitens der Mühlen anhaltend bestehen, so daß bei der außerordentlichen Knappheit des Angebots Aufgeld erzielt wurde. Gerste still, Hafer in besten Sorten fest, im übrigen kaum abzusetzen. Roggenmehl fester, Weizenmehl vernachlässigt. Im Terminhandel behauptete sich Iuliweizen, während Herbstlieferun- gen etwas schwächer wurden. Für Roggen bestand große Rachsrage für Iulilieferungen bei einem um 1,50 Mark erhöhtem Gebot. Im übrigen hält die trockene und warme Witterung die Kauflust zurück, so dgß September- und Oktober- Termine unter letztem Kurs eröffneten. Es notierten per 1000 Kilo: Roggen, märt, 202 bis 206; Sommergerste 193 bis 208; inländ. Gerste 185 bis 198; Hafer, märt, 199 bis 209; Mais (loko Berlin) 168 bis 170; per 100 K lo: Weizenmehl 37,50 bis 39,50; Roggenmehl 28 50 bis 29,75; Weizenll:ie 9 83 b.s 10; Roggenkleie 11,20; Vik- tcriaerbfen 35 bis 46; kleine Speiseerbsen 30 bis 34; Futtererbsen 22 bis 2c; Peluschken 23,50 bis 28.50; 'Ackerbohnen 23 bis 25,50; Wicken 33 bis 34; Lupinen (blau) 15 bis 17; Lupinen (gelb) 21 bis 23; Rapskuchen 14; Leinkuchen 18,80 bis 19,20; Trockenschnitzel 10 bis 10,30. Bücherlisch. — In der Rümmer 4240 der „Illustrierten Zeitung" (Verlag I. I. Weber, Leipzig) führt ein Beitrag „Deutsche Jugendherbergen" eine Reihe dec schönsten Wanderheime vor Augen, ein anderer berichtet über die Beilegung des Streites um Mossul in fesselnder Weise, von Bildern wirksam unterstützt. Dann wird die furchtbare Geisel des Waldbrandes in Amerika in einem interessanten Beitrag behandelt. Aufschlußreiche Abbildungen zeigen die Herstellung der Makkaroni, des italienischen Rationalgerichtes. Moderne Spitzen aus der Ausstellung des Landesgewerbemuseums in Stuttgart bringt ein anderer Artikel. Der aktuelle Bilderteil spiegelt in gutgewählten Aufnahmen das Leben der Gegenwart. — Die Geschichte dec Bad-Nauheimer Mlneralquellen (zu Nauheim und Schwalheim) und ihres Gebrauches bespricht Dr. Alfred Martin in einem illustrierten Aufsatz des Bad-Nauheimer Jahrbuchs (Nr. 14/17 v. Juni 1926. Verantwortlich für Politik i. V. Dr. Hans Thyriot. - irtuniwnwufn--i—— WM Chi mm er ' W 1 --.M ch •V- >•’). A Tran? vom 1. bis 14. Juli Mäusburg 10. 10 Prozent Rabatt! 5509a | Statt Karten! J. Röder 5521D 04592 Heinrich Arnold, Schreinermeister Lollar, den 30. Juni 1926 04608 Bielefelder Herren-Wäsche Astoria-Lichtspiele Pansette“ 15 Lichtspielhaus Aug. Noll, Kreuz-Drog .Ludwigsplatz-Drog.u. Neustadt-Drog. N.NoIl, O. Winterhoff Drog.Kreozpl.9/10 5508c finden Sie in allen Abteilungen ganz besonders preiswerte Angebote auf Tischen ausgelegt Auf alle übrigen Artikel gewähre ich während des Ausverkaufs Für die mir anläßlich meines 50jährigen Meislerjubiläums in io reichem Maße erwiesenen Aufmerksamkeiten sage ich herzlichen Dank Für die uns zu unserer Vermählung erwiesenen Glückwünsche und Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst. Besonders aufmerksam gemacht wird auf einen Posten Selbstbinder „Marke Rotsiegei“ früherer Preis bis Mk. 12.—, jetzt Mk. 5.50 Adolf Elges und Frau Hete geb. Klanke. Gießen, im Juni 1926. Mein Saison-Ausverkauf findet vorn 1. Juli bis 10. Juli statt. — Während dieser Zeit beginnt am 1. Juli Auf die stark reduzierten Preise gewähre ich außerdem noch einen Rabatt von 10 Prozent die Tänzerin der großen Oper. Dazu ein tolles Lustspiel in 2 Akten Billy hat die Arbeitswut Friedrich Levermann Gießen, Seltersweg Nr.81 Bia einschließlich Sonntag: Das große Doppelprogramtn- — 1. Schlager: DasGasthauszurEhe Großes Lustspiel in 8 Akten Die tollen Affären eines weltberühmten Hotels nach dem gleichnamigen Roman von Fedor Zobeltitz. Personen des Spiels: Georg Alexander, Liga Brink. Livio Cesare Pa- vaneili, IdaWüst, Mary Kid, Lotte Lorring. Hugo Werner Kahle, Rosa Valetti, Kurt Vespermann. 2. Schlagen Wenn Mädchen träumen Ein herzergreifendes Schauspiel in H Akten. In den Hauptrollen: tiunarToinaes und Karina Bell. 5535c Freitag, -en 2.3ull 1926, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Löwen, Neuenweg dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1. 2 Klaviere, 1 Schreibtisch, 1 Standuhr, 4 Diwans, 2 Kastenmagen, 500 Blechbüchsen für Bonbons, 20 Glaser mit Deckelnsür Bonbons, 1 Füllofen, 1 Glas- schrank, 1 Bücherschrank, 1 Bücher- schränkchen, 1 Chaiselongue, 1 Büfett, 1 Kredenz, 1 Flurgarderobe, 1 Eisschrank,2 Kleiderschränle, 2000 Zigarren, 1 Schreibmaschine, 1 Nähmaschine, 1 Schreibladenlasse, 1 Partie Därme, Rinds- und Schweineblasen, 1 Partie Ochsenbutten. 2. Voraussichtlich bestimmt: 25 Maskenkostüme, IDiwan, ITrumeau. Ferner versteigere ich gleichzeitig im Auftrage des Konkursverwalters Herrn Friedrich: 2 LMllMrWkllWMlilell und zwar: Mk. 10000.- der Gerrnania-Lebensver- ficherungs-Gesellschaft in Aew QJorL (Prämien gezahlt bis zum Jahre 1922.) Mk. 3000.- der Allgemeinen Renten-, Kapital- und Lebensversicherungsbank Teutonia, Leipzig. 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